Kral Magazin Herbst 2019

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Neuland

in Sicht

Ein österreichischer

Debütroman, der durchaus als

sensationell bezeichnet werden

darf, bis zu einem imposanten

Salut aus Norwegen. Gute

Gründe, literarisches Neuland

zu betreten.

Senkrechtstart nennt man das wohl.

Auf jeden Fall sorgt die Wiener

Autorin Raphaela Edelbauer mit ihrem

Debütroman „Das flüssige Land“

schon jetzt für internationales Aufsehen.

Die mysteriöse Story führt hin zu

einem Ort, der nicht gefunden werden

will, und zu einer Gräfin, die über die

Erinnerungen einer ganzen Gemeinde

regiert. Und da gibt es vor allem auch

ein Loch im Erdreich, das die Bewohner

in die Tiefe zu reißen droht. Raffiniert

verzahnt die Literatin die Chronik

der Verdrängungen mit einer Wiener

Familiengeschichte und legt bravourös

Schicht um Schicht Geheimnisse frei.

Literarische Tiefenbohrungen, restlos

geglückt.

Risse in der Idylle

Das einst mondäne Hotel in den norwegischen

Bergen hat seine besten

Zeiten weit hinter sich gelassen. Der

noch halbwegs schöne Schein regiert.

In diesem morbiden Ambiente wächst

Seidd, knappe 13 Jahre alt, bei seinen

Großeltern auf; über seinen Vater weiß

er wenig, die Mutter ist verschollen. Behutsam

wird Seidd in „Ein Hummer leben“

von Erik Fosnes Hansen auf seine

künftige Rolle als Hotelerbe vorbereitet.

Doch spätestens, als ein angesehener

und einflussreicher Hotelgast bei einem

Essen stirbt, zeigen sich tiefe Risse in

der trügerischen Idylle. Eine brillant erzählte

Geschichte, originell, spannend.

Sollte man als Pflichtlektüre buchen.

Raphaela Edelbauer

Das flüssige Land

Klett-Cotta, 350 Seiten

Euro 22,70

ISBN 978-3-608-96436-3

E-Book 978-3-608-19196-7

Erik Fosnes Hansen

Ein Hummerleben

Übers. v. Hinrich

Schmidt-Henkel

Kiepenheuer&Witsch,

384 Seiten

Euro 24,70

ISBN 978-3-462-05007-3

E-Book 978-3-462-31673-5

Foto: unsplash

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