KB_Westausgabe_04:2019

weinheimer

DER KUNSTBLITZ | KUNSTHALLE BREMEN

sichtsabdruck Christi auf einen Ziegel übertragen,

was die Echtheit und Wunderkraft

des Tuches zu beweisen schien. Das „Mandylion“

gehört zur Gruppe der sogenannten

acheiropoieta, der nicht von Menschenhand

gemachten Bilder. Es ist in der Bremer Ausstellung

durch eine bedeutende russische

Marcel Duchamp, L.H.O.O.Q., 1919/1965

Bleistift und weiße Gouache auf Farbdruck des Gemäldes

Mona Lisa von Leonardo da Vinci, 30,1 x 23 cm

© bpk / Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen

Mecklenburg-Vorpommern / Fotoagentur nordlicht; Association

Marcel Duchamp / VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Kopie vertreten. Van Gogh zählt zu den bekanntesten

Künstlern überhaupt und kann

sowohl als Malerikone bezeichnet werden

wie auch als Inbegriff des missverstandenen

und gequälten Genies gelten. Im ausgestellten

Selbstbildnis von 1887 inszenierte sich

der Maler als Heiliger und verweist zugleich

auf sein problematisches Seelenleben.

Das Bildnis belegt, wie van

Gogh seine Selbstporträts nutzte,

um seine Persönlichkeit zu reflektieren

und damit gleichzeitig zum

Verständnis des leidenden und

doch übermenschlichen Künstlergenies

beitrug.

Im Jahr 1915 stellte Kasimir Malewitsch

sein berühmtes „Schwarzes

Quadrat“ in Sankt Petersburg aus

und platzierte es oben in der östlichen

Ecke des Ausstellungsraumes

– in der „heiligen“ Ostecke hängt

traditionell die russische Ikone. In

seiner radikalen Abstraktion und

Präsentation des Werks setzte

Malewitsch sich mit den Traditionen

der religiösen Andachtskunst

auseinander und schuf zugleich

eine „Ikone der Kunstgeschichte“.

Marcel Duchamp funktionierte

1917 ein gewöhnliches Pissoir zum

Kunstwerk um. „Fountain“ wurde

allein dadurch zur künstlerischen

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HERBST | 2019

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