Berliner Zeitung 15.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

Fußball, Politik und Likes: Die Debatte um Gündogan und Can – Sport Seite 18

Kolumne:

Eine Curry

mit Gysi

Seite 11

12°/21°

Sonne und Wolken

Wetter Seite 2

Deutscher Buchpreis für

Saša Stanišics „Herkunft“

Feuilleton Seite 19

www.berliner-zeitung.de

Der Cirque du Soleil zieht

an den Potsdamer Platz

Berlin Seite 13

Dienstag,15. Oktober 2019 Nr.239 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Streit um bunte Juwelen –

ein Wirtschaftskrimi

Seite 3

Eishockey

Torwart

hinter

Gittern

VonBenedikt Paetzholdt

Dass Petr Cech einen entscheidenden

Strafschuss hält, ist an

sich nichts Besonderes: Der 37Jahre

alte Tscheche ist von Berufs wegen

Torhüter. Inseiner Karriere als Fußballprofi

wehrte er mehr als 20 Prozent

aller Elfmeter auf sein Torab. In

der Saison 2011/2012 vermasselte

Cech in Diensten des FC Chelsea

dem FC Bayern den Champions-

League-Titel in

der heimischen

Arena, als er in

der Verlängerung

einen Strafstoß

Arjen Robbens

parierte.

Dass Cech allerdings

Pucks

Petr Cech, beim Eishockey

umgeschulter abwehrt, daran

Keeper muss man sich

gewöhnen. Das

Engagement beim britischen Viertligisten

GuildfordPhoenix ist eher aus

einer Schnapsidee heraus entstanden.

Seit seinem Rücktritt vomProfifußball

im Sommer mit 202 Spielen

ohne Gegentor kehrte er vomFCArsenal

zu seinem Herzensklub FC

Chelsea zurück. Dort ist er als Berater

tätig. Offensichtlich fordert ihn

dieser Job nicht umfassend, sodass

er sich seiner zweiten Leidenschaft

hingibt –bei den Puckjägern, deren

Arena eine Dreiviertelstunde vonder

Heimat der Fußballer entfernt liegt.

Als Tscheche ist die Leidenschaft

fürs Eishockey quasi geerbt. Cechs

Debüt am Sonntag kann dennoch als

sensationell bezeichnet werden.

Dass er nur zwei Gegentore kassierte,

ist bemerkenswert. Zudem

parierte er beim Penaltyschießen einen

gegnerischen Versuch und sicherte

seinem Team somit den Sieg

gegen die Swindon Wildcats. Eswar

also nicht nur ein loses Versprechen,

als Cech ankündigte, erwolle „dem

jungen Team helfen, so viele Spiele

wie möglich zu gewinnen“.

Um seinem Hobbynachzugehen,

verzichtet Cech gerne auf sein Markenzeichen,

einen schwarzen Helm

aus Kunststoff. In einem Spiel gegen

den FC Reading am 14. Oktober 2006

zogersich beim Zusammenprall mit

einem Gegenspieler einen Schädelbasisbruch

zu. Seit dem Comeback

drei Monate später lief er nie ohne

diesen Schutz auf; auch als Statement,

um auf die Gefahren für Torhütern

aufmerksam zu machen. Als

Eishockey-Torwart gehört nicht nur

ein Helm, sondern auch ein Gitter

vor dem Gesicht zur Ausrüstung.

DenÜberblick hat Cech behalten.

EU schaut dem Syrien-Krieg zu

Die Außenminister können sich nicht auf ein gemeinsames Waffenembargo gegen die Türkei einigen

VonDamir Fras und Marina Kormbaki

Ein Junge hält ein Plakat von

Baschar Al-Assad ins Bild.

Zwei Männer tragen ein

Spruchband, auf dem Syriens

Machthaber in Uniformzusehen

ist. Andere zeigen die rot-weißschwarze

Fahne Syriens: DieseVideoaufnahmen

verbreitet die syrische

staatliche Nachrichtenagentur Sana

am Montag aus den kurdischen Städten

Hasake und Kamischli. Assad und

seine Truppen, so die Botschaft, sind

hier willkommen. VomBand läuft die

syrische Nationalhymne. Doch die

feierlichen Klänge passen nicht zum

Gesichtsausdruck der Menschen:

Fragend schauen sie sich um, beobachten

schweigend, wie Syriens

Militär die Kontrolle über die kurdische

Teilrepublik übernimmt.

Der Krieg in Syrien nimmt eine

dramatische Wendung. Aus Assad,

dem Schlächter, soll jetzt Assad, der

Retter, werden. Türkisches Großmachtstreben

und amerikanische

Chaospolitik haben daran erheblichen

Anteil. Aber auch europäisches

Unvermögen.

Parksünder

Für Hunde gilt in Berlin die allgemeine Leinenpflicht.

Aber nicht jeder Besitzer hält sich daran. In dieser Woche

wird in Grünanlagen kräftig kontrolliert. Berlin Seite 9

Die USA haben die Kurdenregion

und Nordsyrien verlassen. Die Türken

haben daraufhin eine Offensive

gegen die Kurdenmiliz YPG gestartet.

DenTürken haben sich islamistische

Milizen angeschlossen. Immer neuen

Angriffen ausgesetzt, zogen die Kurden

Personal aus den Haftlagern, in

denen einstige IS-Kämpfer einsitzen,

ab und schickten es an die Front.

Hunderte IS-Angehörige entkamen.

In ihrer Notrufen die Kurden jetzt

Assad und die syrische Armee zur

Hilfe. Es ist ein unheilvoller Pakt.

Aber sonst ist da niemand, der ihnen

helfen könnte. Die Europäer nehmen

im Syrien-Konflikt vornehmlich

dieZuschauerrolle ein. DenKrieg gegen

den IS ließen sie am Boden die

Kurden von der YPG ausfechten –

jene Kräfte, die jetzt von der türkischen

Offensiveüberrannt werden.

Die Europäer hatten am Montag

die Gelegenheit, gegenüber den syrischen

Kurden ihreSolidarität auszudrücken.

In Wort und Tat. Doch sie

haben sie ungenutzt verstreichen

lassen. Der Luxemburger Außenminister

Jean Asselborn sagt über die

türkische Offensive:„Wir sind als Europäer

nicht in der Lage,das zu stoppen.

Dasmuss man den Leuten ehrlich

sagen.“ In der Debatte der Minister

über möglichst wirksame Reaktionen

wird schnell klar, dass es

nur wenig Aussichten auf ein EUweites

Waffenembargo gegen das

Nato-Mitgliedsland Türkei gibt. Das

hat Schweden vorgeschlagen. Auch

gemeinsame Wirtschaftssanktionen

sind vorerst nicht zu erwarten. Denn

einige Mitgliedsstaaten haben Bedenken,

darunter Ungarn, Bulgarien

und Großbritannien.

Am Ende einigen sich die EU-Außenminister

inklusiveder Briten darauf,

das türkische Vorgehen in Nordsyrien

zu verurteilen. Auch wird in

einer gemeinsamen Erklärung begrüßt,

dass einige EU-Mitgliedsstaaten

entschieden haben, keineWaffen

mehr in die Türkei liefernzuwollen.

Doch das ist kein formales EU-

Waffenembargo,sondernein Bündel

aus nationalen Lieferstopps von

Waffen und anderen Rüstungsgütern.

Frankreich hat sich dazu entschlossen,

Schweden und die Niederlande

auch. Deutschland macht

mit, wenn auch mit einer Einschränkung.

Es werde keine neuen Genehmigungen

für den Export von Rüstungsgütern

geben, die durch die

Türkei in Syrien eingesetzt werden

könnten, hat Außenminister Heiko

Maas (SPD) verfügt.

Dass es den Europäern anEntschlossenheit

mangelt, liegt nicht

zuletzt in Ankaras Rolle für Europas

Flüchtlingspolitik begründet. Erdogan

droht damit, Flüchtlinge aus Syrien

unkontrolliert Richtung Europa

zu schicken.

In Berlin haben am Montag zahlreiche

Menschen gegen den türkischen

Militäreinsatz demonstriert.

Zu mehreren Demonstrationen am

Brandenburger Tor hatten die Gesellschaft

für bedrohte Völker und

das Bündnis „Riseup4Rojava“ aufgerufen.

Mobilisiertwurde über das Internet

und über den Messenger-

Dienst Telegram. Den ganzen Tag

über hatte es bereits Protestaktionen

in Berlin gegeben. Unter anderem

blockierten etwa 50 Demonstranten

das Bundeswehr-Büro ander Friedrichstraße.

(mit kop.) Tagesthema

Seite 2, Kommentar Seite 8, Berlin

Seite 10

IMAGO IMAGES /STEFAN ZEITZ

Der Westen

dominiert die

Ministerien

Nur wenige Ostdeutsche in

Leitungsebenen vertreten

VonMarkus Decker

Ostdeutsche sind auf der Leitungsebene

von Bundesministerien

nach wie vor unterrepräsentiert.

Das geht aus der Antwort des

Bundesinnenministeriums auf eine

Anfrage des Bundestagsabgeordneten

Matthias Höhn (Linke) hervor.

Demnach haben von 1750 Referatsleiterinnen

und Referatsleiterninden

Bundesministerien und im Kanzleramt

nur 217 eine ostdeutsche Herkunft;

die Angaben für das Verteidigungsministerium

fehlen. Dies entspricht

einem Anteil von zwölf Prozent

–bei einem Anteil von rund 17

Prozentder Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung.

Im Kanzleramt sowie

im Landwirtschafts-, Finanz-,

Verkehrs- und im Umweltministerium

lagen die Quoten mit sieben bis

elf Prozent sogar noch darunter. Auf

der Ebeneder Abteilungsleiter ist der

Anteil mit drei von121 noch geringer;

dies entspricht einer Quote von 2,5

Prozent.

Höhn zufolge zeigt„der Vergleich,

wie blockiert Spitzenkarrieren für

Ostdeutsche“ immer noch seien.

Wenn über 200 Ostdeutsche qualifiziertgenugseien,

um Referate zu leiten,aber

nur drei vonihnen fähigsein

sollten, auch Abteilungen zu leiten,

dann beweise dies, dass es an mangelnder

Qualifikation nach 29 Jahren

Einheit nicht liegen könne. Jeweiter

man nach oben schaue, desto mehr

nehme die Zahl derOstdeutschen ab.

Ostdeutsche sind in Spitzenpositionen

fast durchweg seltener vertreten

–auchimOsten selbst. Besonders

eklatant ist die Unterrepräsentanz im

Bereich der Hochschulen und der

Justiz.Umdies zu verändern, ist unter

anderem eine Ost-Quote im Gespräch.

Die aber wird von Experten

allein aus rechtlichen Gründen kaum

für durchsetzbar gehalten.

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2** Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Tagesthema

Die türkische Offensive in

Nordsyrien bedroht auch

die Sicherheit Europas.

Wersind die Akteure in

dem Konflikt? EinÜberblick.

Die Kurden

DieKurden leben über mehrereLänder

verteilt. Unter anderem im Osten

der Türkei, dem Irak, Iran und Syrien.

Sie gelten als größtes Volk der Welt

ohne eigenen Staat. Wieviele Kurden

es gibt, ist unklar. Die Schätzungen

schwanken zwischen 20 und 40 Millionen.

Im Nord-Irakund in Nord-Syrien

kontrollieren die Kurden weitgehend

autonome Gebiete.Diese Autonomie

zu erhalten und irgendwann

einen international anerkannten Kurdenstaat

zu errichten ist das höchste

Ziel kurdischer Nationalisten. Im syrischen

Bürgerkrieg haben die dortigen

kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“

YPG bisher vor allem gegen

den „Islamischen Staat“ (IS) gekämpft.

Nach der Offensive der Türkei

suchen die Kurden nun den

Schulterschluss mit Russland und der

Regierung in Damaskus.

Die Türkei

Dertürkische Präsident Recep Tayyip

Erdogan bezeichnet das autonome

Kurdengebiet in Nord-Syrien als„Terrorstaat“.

Erklärtes Ziel der türkischen

Militäroffensive: einen 20 Kilometer

tiefen „Sicherheitsstreifen“

entlang der türkisch-syrischen

Grenzezuerrichten. DieTürkei ist seit

Jahren aktiver Akteur im syrischen

Bürgerkrieg und unterstützt vorallem

islamistische Gruppen, die gegen die

Regierung in Damaskus kämpfen. Islamistische

Kämpfer dienen der Türkei

beim Einmarsch in Nord-Syrien

nun auch als Hilfstruppen. Erdogan

will syrische Flüchtlinge in der Türkei

in den eroberten Gebieten ansiedeln.

Das Assad-Regime

Die syrische Zentralregierung in

Damaskus unter Präsident Baschar

al-Assad hält sich seit Beginn des

Bürgerkriegs vor fast neun Jahren

an der Macht. Mit Hilfe Russlands

ist es Assad gelungen, wieder zwei

Welche Ziele verfolgen die am Konflikt in Nordsyrien beteiligten Gruppen?

Und was bedeutet das für die Welt?

Drittel des Landes zu kontrollieren.

Assad hat Teile seines Militärs nun

nach Nordsyrien geschickt, um die

Kurden zu unterstützen. Manwerde

„keinen Quadratmeter syrischer

Erde“ Aggressoren überlassen.

KrieginSyrien

Land zwischen den Fronten

Türkische Offensive im Nordosten Syriens

Stand 13. Oktober

Regierung unterstützt durch Truppen aus Russland und Iran

Kurden/Rebellen zunächst unterstützt durch US-Truppen

Mittelmeer

LIBANON

Idlib

Homs

Aleppo

T Ü R K E I

800 Angehörige von

IS-Kämpfern aus

Lager geflohen

VonChristian Burmeister

Rebellen (islamistisch dominiert)

IS-Gefangenenlager

Ain Issa

Tall Abjad

S Y R I E N

Türkische

Armee nimmt

Grenzstadt ein

Al-Rakka

Ras al-Ain

Euphrat

Der „Islamische Staat“

Offiziell ist der IS besiegt. DieTerrororganisation

mit einem geschätzten

Vermögen von 300 Millionen Euro

kontrolliertkeine Gebiete mehr in Syrien,

doch im Untergrund lauernTausende

IS-Kämpfer. 11000 sitzen vor

allem in kurdischen Gefängnissen.

Türkei/Rebellen

erste Angriffspunkte der Bodenoffensive

Kamischli

Hasake

Kämpfe zwischen

türkischen und

kurdischen Soldaten

IRAK

25 km

Vonder Türkei

geforderte

„Sicherheitszone“

BLZ/HECHER; QUELLE: ISW, DPA

Die USA

Eines der wichtigsten Ziele der USA

im syrischen Bürgerkrieg war die Bekämpfung

des „Islamischen Staats“.

Nicht zuletzt mit der Hilfe der Kurden

waresgelungen, das vomISkontrollierte

Gebiet komplett zu besetzen.

US-Präsident Donald Trump hat nun

den weitgehenden Rückzug der US-

Truppen aus Nordsyrien angeordnet.

Allerdings hat der Schritt selbst unter

Republikanern heftige Kritik ausgelöst.

Sie fürchten unter anderem, die

USA werden es durchden „Verrat“ an

den Kurden in Zukunft erheblich

schwerer haben, in Konflikten Verbündete

zu finden. Trump kündigte

Sanktionen an: Strafzölle auf Stahlimporte

aus der Türkei sollen auf 50

Prozentangehoben werden.

Russland

Russland steht im syrischen Bürgerkrieg

wie der Iran klar auf der Seite

Assads. Beobachter gehen davon

aus, dass eszwischen Moskau und

Ankara vor der türkischen Militäroffensive

in Nordsyrien Absprachen

gegeben hat. Der Angriff des NATO-

Landes Türkei treibt die Kurden nun

in dieArmeAssads.Und alles was Assad

stärkt, liegt letztlich im Interesse

von Wladimir Putin, der den Rückzug

der US-Truppen aus Syrien ausdrücklichbegrüßt

hat.

Die arabischen Länder

Die Arabische Liga hat die Militäroffensive

der Türkei in Nordsyrien

scharfverurteilt. DemVotum schloss

sich sogar Kataran, das vonder Türkei

in dessen Auseinandersetzung

mit Saudi-Arabien unterstützt wird.

Die arabischen Länder fürchten vor

allem ein Wiedererstarken des „Islamischen

Staats“, der auch die arabischen

Herrscher-Häuser bedroht.

Die Europäische Union

Auch wenn EU-Mitgliedsländer an

den Militär-Operationen gegen den

IS beteiligt waren – eine entscheidende

Rollespielt die EU in dem Konflikt

nicht. Aber die Sicherheitsinteressen

Europassindmassiv betroffen:

Zum einen droht durch den Konflikt

ein neuer Flüchtlingsstrom. Zumanderensind

seit Beginn der türkischen

Offensive bereits Hunderte IS-Anhänger

aus kurdischen Lagern geflohen.

Viele werden womöglich den

Wegnach Europa suchen.Außerdem

wird eine Verschärfung des Konflikts

zwischen den in Europa lebenden

Türken und Kurden befürchtet.

Der Vorsitzende der Kurdischen

Gemeinde in Deutschland, Ali

Ertan Toprak, ist entsetzt über den

Krieg der Türkei in Nordsyrien. Er

berichtet von wachsenden Spannungen

zwischen den Volksgruppen

auch bei uns.Und er mahnt die Bundesregierung,

alle Hebel gegen den

Krieg in Bewegung zu setzen.

Herr Toprak, wie nehmen Sie den

Krieg der Türkei gegen die Kurden in

Nordsyrien wahr?

Das ist eine schreckliche Situation.

DieKurden sind vonder ganzen

Welt verlassen worden, obwohl sie

im Kampf gegen den IS und für die

Verteidigung der Werteder zivilisierten

Welt über 11 000 Kämpferinnen

und Kämpfer verloren haben. Das

befreite Gebiet der Kurden war ein

Rückzugsort für alle Minderheiten

„Wir sind von der ganzen Welt verlassen worden“

mit pluralistisch-demokratischen

Strukturen. Das wird jetzt alles zerstört.

Aus Sicht der Kurden ist das

eine Katastrophe.

Wassollten die Europäer und speziell

die Bundesregierung tun?

Die EU-Beitrittsverhandlungen

müssen endgültig beendet werden.

Sämtliche Waffenexporte in die Türkei

müssen sofort gestoppt werden.

Auch alle wirtschaftlichen Hebel

müssen angewendet werden, etwa

die Hermes-Bürgschaften der Bundesrepublik.

DieNato-Mitgliedschaft

der Türkei muss in dieser Situation

ebenfalls infrage gestellt werden.

Was bedeutet der Krieg für das Verhältnis

von Türken und Kurden in

Deutschland? Offenbar stehen ja die

meisten Türken hinter Erdogan.

Kurdische Gemeinde in Deutschland

Erdogan hat die Türkei in allen

Bereichen gleichgeschaltet. 24 Stunden

am Tagwerden die Menschen in

den Medien mit nationalistischer

Hetzpropaganda berieselt,

auch in Deutschland. Die

Ditib-Moscheen hier, die

direkt der türkischen Religionsbehörde

und damit

Erdogan unterstellt sind,

tun alles,damit die Türken

die nationalistische Politik

Erdogans unterstützen.

DieKurden werden sicherlich

weiterhin mit demokratischen

Mitteln demonstrieren.

Aber wir wissen nicht,

welche Verbrechen in den nächsten

Tagen noch passieren. Undnatürlich

kann es zu Provokationen kommen.

In einigen Städten gab es leider

schon die ersten kleineren Ausschreitungen.

Wir als kurdische Gemeinde

tun alles, dass es dazu nicht

kommt. Der einzige Trost für uns ist

die große Solidarität und Unterstützung

der deutschen Öffentlichkeit.

Die Sympathien

sind klar aufseiten

der Kurden. Das spüren

wir. Und das ist auch Verpflichtung

für uns, dass es

in Deutschland friedlich

bleibt.

IMAGO

Ali Ertan Wie ist das Verhältnis zwischen

den Volksgruppen im

Toprak

Alltag?

Schlecht. Während wir seit Tagen

weinen und für den Frieden beten,

beten die Türken in ihren Moscheen

für den Krieg. In den sozialen Medien

werden die Kurden verhöhnt.

Das führt nicht dazu, dass man gut

miteinander auskommt. Manbegegnet

sich überall. Und überall sind

diese Spannungen zu spüren. Immerhin

leben in Deutschland über

1,2 Millionen Kurden. Mindestens

ein Drittel der Türkei-stämmigen

Bevölkerung ist kurdischer Abstammung.

Dazu kommen die irakischen,

iranischen und syrischen

Kurden, die ebenfalls in Deutschland

leben. Das ist kein monolithischer

Block. Aber in dieser schweren

Stunde halten die Kurden zusammen.

Was kann die deutsche Politik tun,

um die Konflikte zu dämpfen?

Dasist die nächste Enttäuschung.

Während der französische Präsident

Emmanuel Macron eine Delegation

kurdischer Vertreter empfangen hat,

haben wir von der Bundesregierung

diesbezüglich wenig mitbekommen.

Ich hätte ein Gesprächsangebot erwartet

und mehr Unterstützung erhofft.Viele

Kurden sind ja auch deutsche

Staatsbürger; Deutschland ist

ihre neue Heimat. Bisher hatten wir

nur auf Staatssekretärsebene Kontakt

mit dem Auswärtigen Amt. Dabei

müssen wir die Situation im Inland

gemeinsam kontrollieren und

dafür sorgen, dass die Anspannung

nicht explodiert.

Rechnen Sie mit Gewalt in Deutschland?

Ich hoffe nicht. Wir werden alles

dafür tun, dass es nicht dazu kommt.

Aber je länger es dauertund je brutaler

es wird, desto verzweifelter werden

die Menschen auch hier.

DasGespräch führte Markus Decker.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es stellenweise Wolken. Zuweilen scheint jedoch die Sonne,

und es werden Höchstwerte von 19bis 22 Grad gemessen. Der Wind

weht nur schwach aus Südost. In der Nacht pendeln sich die Tiefstwerte

bei 12 bis 10 Grad ein. Dazu ist eswolkig. Mitunter regnet es bei bedecktem

Himmel.

Biowetter: Die Luftmasse kann zu

Schlafstörungen führen. Als Folge

fühlen sich viele Menschen schlapp

und müde. Menschen, die unter

Wittenberge

Herz- und Kreislaufbeschwerden leiden,

sollten sich

13°/20°

schonen.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 58 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 14 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 15 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 66%

Gefühlte Temperatur: maximal 21Grad.

Wind: leichter Wind aus Südost.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

12°/21° 12°/21°

Luckenwalde

11°/20°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Regenschauer bedeckt wolkig

12°/16° 12°/18° 11°/18°

Prenzlau

11°/19°

Cottbus

11°/20°

Frankfurt

(Oder)

12°/22°

Der Einfluss hohen Luftdrucks bei uns lässt nach. VonSüdskandinavien bis zur

Nordsee sowie zwischen den Niederlanden und dem Südwestalpenraum gehen

bei vielen Wolken teils ergiebige Regenfälle mit lokaler Unwettergefahr nieder.

Diese erfassen auch das westliche Mitteleuropa. Am Mittelmeer gewittert es

lokal.

Sylt

13°/20°

Hannover

13°/24°

Köln

11°/20°

Saarbrücken

9°/19°

Konstanz

10°/21°

Hamburg

12°/22°

Erfurt

12°/22°

Frankfurt/Main

11°/23°

Stuttgart

9°/22°

Rügen

10°/19°

Rostock

11°/20°

Magdeburg

13°/23°

Nürnberg

9°/21°

München

9°/24°

Dresden

11°/18°

Deutschland: Heute laden Wolken

lokal Regenschauer ab, doch meist

ist es freundlich. Die Höchsttemperaturen

betragen zumeist 18 bis

24 Grad, die Tiefstwerte 12 bis

8Grad. Der Wind weht mitunter in

Böen stürmisch aus Südost. Morgen

wird esörtlich freundlich. Sonst ziehen

teils dichte Regenwolken am

Himmel vorüber. Dabei sind die Temperaturen

bei maximal 13 bis

18 Grad anzutreffen, und der Wind

weht schwach bis mäßig aus südwestlichen

Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 13°-14°

Nordsee: 14°-15°

Mittelmeer: 19°-29°

Ost-Atlantik: 14°-19°

Mondphasen: 21.10. 28.10. 04.11. 12.11.

Sonnenaufgang: 07:31 Uhr Sonnenuntergang: 18:12 Uhr Mondaufgang: 19:16 Uhr Monduntergang: 08:48 Uhr

Lissabon

20°

Las Palmas

22°

Madrid

19°

Reykjavik

11°

Dublin

15°

London

18°

Paris

16°

Bordeaux

16°

Palma

23°

Algier

26°

Nizza

23°

Trondheim


Oslo


Stockholm

10°

Kopenhagen

15°

Berlin

21°

Mailand

20°

Tunis

27°

Rom

23°

Warschau

22°

Wien

21° Budapest

24°

Palermo

26°

Kiruna

-5°

Oulu


Dubrovnik

23°

Athen

27°

St. Petersburg


Wilna

15°

Kiew

20°

Odessa

19°

Varna

22°

Istanbul

25°

Iraklio

25°

Archangelsk


Moskau

13°

Ankara

29°

Antalya

34°

Acapulco 33° wolkig

Bali 37° heiter

Bangkok 34° wolkig

Barbados 30° wolkig

Buenos Aires 15° Regen

Casablanca 19° sonnig

Chicago 15° Regen

Dakar 30° wolkig

Dubai 35° sonnig

Hongkong 29° wolkig

Jerusalem 28° Schauer

Johannesburg 31° Schauer

Kairo 34° sonnig

Kapstadt 24° wolkig

Los Angeles 24° sonnig

Manila 31° wolkig

Miami 31° heiter

Nairobi 30° heiter

Neu Delhi 34° sonnig

New York 18° heiter

Peking 16° heiter

Perth 19° heiter

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 26° bewölkt

San Francisco 21° heiter

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 29° wolkig

Singapur 33° Gewitter

Sydney 27° heiter

Tokio 23° bedeckt

Toronto 15° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 3 *

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Seite 3

Die Sehnsucht hat ihren Preis,und

damit die Ware auf möglichst

breite Nachfrage trifft, fängt die

Spanne weit unten an: Ein Rubin-Goldring

für 199 Euro, Amethyst-Silberohrringe

für 79 Euro –der Berliner Konzern

Elumeo vermarktet zugängliche Träume für

den Massenmarkt. Das Unternehmen selbst

spricht von„bezahlbarem Luxus für jeden“.

Bunte Juwelen zum Schnäppchenpreis,

vertrieben über Teleshopping. Das ist das

Geschäftsmodell vonElumeo.

Der Konzern sitzt am Erkelenzdamm in

Kreuzberg, das Unternehmen, das aus einem

Start-up in einem Hinterhof entstand, wurde

2008 gegründet. Er wuchs zunächst recht robust,

ging vor vier Jahren mit großen Plänen

an die Börse,die Aktie wurde für 25 Euro ausgegeben.

Jetzt steckt Elumeo in der Krise,die

Aktien liegen bei rund einem Euro, und um

das Unternehmen kreist ein Zivilrechtsstreit,

bei dem vieles auf dem Spiel steht –esgeht

um unbezahlte Rechnungen in Millionenhöhe

und um ruinierte Existenzen.

Wie das Handelsblatt im August berichtete,

schwelt zwischen dem Konzern und

ehemaligen PartnerninThailand ein heftiger

Zwist. „Wir stecken in einer sehr bitteren Situation,

und ich habe mir mehr als einmal

die Frage gestellt, wie ich das hätte verhindern

können“, sagt Wolfgang Boyé, der Chef

desVerwaltungsrats vonElumeo,ein ehemaliger

Scholz-and-Friends-Werber. Man

merkt ihm die Bedrängnis an; mit rotem

Kopf sitzt er da und sucht nach Worten. Er ist

in Schwierigkeiten, und die Frage ist, ob das

an ihm liegt oder an den anderen.

Elumeo lässt seinen Schmuck günstig in

Asien herstellen. Bisvor etwa einem Jahr fertigte

eine Konzerntochter die Ware, die PWK

JewelryCompany in Thailand. Jetzt ist sie geschlossen,

mehr als 600 Menschen haben

ihreArbeit verloren. Unddie vier ehemaligen

Geschäftsführer erheben gravierende Vorwürfe

gegen den Konzern, gegen Boyé selbst

und zwei weitereTopmanager.

Ex-Managernsoll Gefängnis drohen

Die PWK in Thailand hat ihre Forderungen

an eine Treuhandgesellschaft abgetreten, die

SWM Treuhand AG, weil die Firma selbst

kein Geld mehr für Anwälte habe, sagen die

Kläger. Die Klage unterstützt auch der thailändische

Geschäftsmann Teerasak Jamratkittiwan,

der mit seiner FirmaOttoman Strategy

Holdings zu den größten Aktionären bei

Elumeo zählt. Die Treuhandgesellschaft hat

Zivilklage erhoben und fordert Schadenersatz

in Höhe vonüber zehn Millionen Euro.

Die Klageschrift, die der Berliner Zeitung

vorliegt, liest sich wie ein Wirtschaftskrimi,

aber der Fall ist komplex und verworren. Er

führt von Kreuzberg über Hongkong nach

Chanthabouri, ein Zentrum des Edelsteinhandels

im Südosten Thailands.

Die vier Manager werfen dem Konzern

vor, die PWK mit voller Absicht in die Pleite

getrieben zu haben, um Abfindungszahlungen

für die Mitarbeiter zu umgehen. Der

Konzernsoll demnach Schmuck bestellt und

den thailändischen Betrieb dann auf offenen

Rechnungen in Höhe vonmehr als 35 Millionen

Euro sitzengelassen haben.

Abfindungen sind in Thailand gesetzlich

vorgeschrieben. Gegen die Ex-Geschäftsführer

läuft jetzt ein Strafrechtsverfahren, weil

die Firmaden Mitarbeiterndie Leistung und

Gehälter schuldig blieb.„UnsereRechtsberater

haben uns mitgeteilt, dass wir ins Gefängnis

kommen, wenn wir nicht die vollen Gehälter

bezahlen“, sagt Taralapt Vrasarinnop,

einer der Manager, „das Gesetz ist da ganz

klar und wirdinThailand hartumgesetzt.“

Wolfgang Boyé weist die Vorwürfe zurück.

Zwar bestreitet er nicht, dass es unbezahlte

Rechnungen von 35 Millionen Euro gab.

Dem aber stünden Forderungen in gleicher

Höhe gegenüber, ausstehende Gewinnausschüttungen.

Beides hebe sich auf.

Die Gegenseite sagt indessen: Diese Gewinne

gebe es nur in den Bilanzen, weil die

Rechnungen zwar eingebucht sind, das Geld

aber nie in voller Höhe überwiesen worden

sei. „Auf dem Papier sieht es so aus,als habe

PWK Gewinne gemacht“, sagt ein Sprecher

des thailändischen Investors Teerasak Jamratkittiwan,

„die Wahrheit ist aber, dass die

Gelder nie geflossen sind.“

Boyé argumentiert: „So funktioniert das

nicht. Die offenen Rechnungen wurden mit

den Gewinnen verrechnet, die die PWK noch

auszuzahlen hatte.“ Er schickt ein Testat von

Ernst and Young, die den Elumeo-Jahresabschluss

2018 geprüft haben. Die Auditoren

vermerken in dem Zusammenhang „keine

Einwendungen hinsichtlich der Ermessensentscheidungen

und Schätzungen“.

Schmuck steht für Reichtum und Glamour.

Boyé wollte daraus einen Massenartikel

machen, den sich praktisch jeder leisten

kann. Der Schmuckmarkt ist in Europa 34

Milliarden Euro groß, aber zersplittert, zudem

stagniert er. Auch der dänische Juwelier Pandora,

der ebenso bezahlbaren Echtschmuck

Trug und Stein

Schmuck von Elumeo

Die Berliner Firmengruppe Elumeo vertreibt Echtschmuck zu

Schnäppchenpreisen über Teleshopping. Luxus für alle –das ist

das Geschäftsmodell. Aber jetzt erheben

ehemalige Geschäftspartner in Thailand schwere Vorwürfe:

DieKonzernführungsoll eine Tochterfirma absichtlich in die Pleite

getrieben haben. Elumeo weist dies zurück. Ein Rechtsstreit um

unbezahlte Rechnungen, geplatzte Ideen und ruinierte Existenzen

VonGabriela Keller

ELUMEO

in Thailand fertigen lässt, kündigte erst im

Mainach Umsatzeinbußen einen Abbau von

1200 Stellen an. BeiElumeo indes sieht es im

Webshop zum Teil nach Schnäppchenmarkt

aus: Das Unternehmen wirbt dort mit „Sale

bis zu 60 %Rabatt“, jüngst liefen auf Juwelo

TV „Lagerverkaufs“-Sendungen; da waren

Stücke schon für 19 bis 29 Euro im Angebot.

Derweil ziehen die Vorfälle Kreise.Vor einigen

Wochen protestierten laut Presseberichten

Hunderte frühere PWK-Arbeiter vor

der deutschen Botschaft in Bangkok gegen

Elumeo. Boyé weist die Schuld an ihrer Misere

von sich. „Faktisch ist es so, dass es Abfindungen

sind, die vonder PWK geschuldet

werden und die PWK zum Zeitpunkt dessen

mehr als ausreichend Mittel zur Verfügung

hatte,diese Abfindungen zu begleichen.“

Juwelo sendet täglich von acht Uhr morgens

bis zwei Uhrnachts aus Berlin. DieWarenkommen

jetzt vonunterschiedlichen ZuliefererninThailand,

China und Indien. Aber

die Geschäfte laufen seit einiger Zeit schon

nicht gut. 2018 brachen die Umsätze um20

Prozent ein. Im Geschäftsbericht 2018 warnt

der Konzern vor drohenden Liquiditätsrisiken,

sprich: möglicher Zahlungsunfähigkeit.

DieIdee vomLuxus für alle ging also nicht

auf, strittig ist nur, wer daran schuld ist. Von

dem konzerneigenen Werk in Chanthaburi

hatte sich der Konzerneine effizientereFertigung

versprochen: „Mit knapp 750 Beschäftigten

in 20 Abteilungen ist die Elumeo-Manufaktur

der derzeit größte Schmuckhersteller

in Chanthaburi“, so stand es 2014 in einer

Pressemitteilung. Vonder Kapazität her hätten

dort zwei Millionen Schmuckstücke im

Jahr gefertigt werden können.

Für die Kredite, mit denen die Fabrik finanziert

wurde, bürgten die vier Geschäftsführer

persönlich. Deswegen müssen sie

jetzt geradestehen, wie Vrasarinnop,einer de

Geschäftsführer,sagt: „Die Bank wirdall unseren

Besitz und all unser künftiges Einkommen

konfiszieren. Wir werden niemals wieder

in der Lage sein, einen Kredit, eine Kreditkarte

oder irgendeine Form von Leasing

zu bekommen.“

Wie esdie Elumeo-Führung sieht, haben

sie sich das selbst zuzuschreiben. „Am Ende

des Tages ist die Fabrik kaputtgegangen, weil

das thailändische Management die Fabrik

nicht ordentlich geführt hat und sich möglicherweise

strafrechtlich schuldig gemacht

hat“, sagt Boyé. Aus dem Werk seien Vermögenswerte

in Höhe von 5,5 Millionen Euro

verschwunden. „Bis heute ist ungeklärt, wo

diese Vermögensgegenstände geblieben

sind.“ Beweise dafür hat er nicht. Die Thailänder

bestreiten denVorwurf. Die5,5 Millionen

Euro setzen sich zusammen aus einer

Umsatzsteuer-Rückforderung von 1,1 Millionen

Euro und Schmuck und Juwelen im

Wert von4,4 Millionen Euro.Die lägen noch

im Tresorraum, sagt der Sprecher vonTeerasak

Jamratkittiwan. Nur ließen sie sich

schwer zu Geld machen, es handele sich um

Restposten, „billigen Kram, ein Stück hiervon,

zwei Stücke davon. Daraus kann man

praktisch keinen Schmuck mehr fertigen.“

Die Probleme innerhalb des Konzerns

fingen vor etwa zwei Jahren an. Wie esBoyé

darstellt, hätten steigende Fertigungskosten

dazu geführt, dass die Nachfrage sank. „Wir

sind in einem Preissegment unterwegs, das

sehr kompetitiv ist. Wir sind in diesem Bereich

der günstigste Anbieter im Markt, und

unsere Kunden nehmen uns auch so wahr“,

sagt Boyé. Fragt man die Ex-Manager in

Thailand, so waren Ursache und Wirkung

aber umgekehrt: Zunächst fertigte das Werk

in Chanthaburi 90000 Stücke im Monat für

den Konzern. Dann sank die Bestellmenge,

und ab Mai 2018 wurden nur noch 25 000

Stücke im Monat geordert. Die Fixkosten in

der Fabrik seien aber gleichgeblieben.

Interne Mails, die der Berliner Zeitung

vorliegen, vermitteln einen Eindruck von

dem Streit. Am 29. Oktober2018 schreibt ein

Elumeo-Manager an Vrasarinnop: „Vor fünf

Monaten hat der Verwaltungsrat das Management

von PWK aufgefordert, einen Restrukturierungsplan

zur drastischen Reduzierung

der Betriebskosten von PWK vorzulegen.

Wirhaben bisher noch keinen schlüssigen

Plan vonIhnen erhalten.“ Vrasarinnop

antwortet: „Die Restrukturierungspläne

wurden seit Juni 2018 mehrmals an Sie verschickt.“

Er habe aber kein Feedback erhalten.

Er schreibt weiter, dass er niemanden

entlassen könne, ohne die vorgeschriebene

Abfindung zu zahlen. Dies habe man mehrmals

mitgeteilt, Elumeo habe das Geld nicht

bereitgestellt. „Wie sollen wir Leuten dann

legal kündigen und die Kosten reduzieren?“

Boyé verweist darauf, dass die Manager

bis zuletzt keine schlüssige Strategie für eine

Kostensenkung vorlegten: „Im September

2018 wurde klar,esgab überhaupt keine Bereitschaft,

dieses Thema wirklich zu lösen.“

Beschlagnahmte Vermögenswerte

Undsonahm die Sache im Herbst 2018 ihren

Lauf, der Konflikt spitzte sich zu, die Zahlungen

gerieten ins Stocken. Die letzte Bestellung

traf am 17. September bei der PWK ein,

die PWK stellte die Lieferung zusammen,

10 495 Einzelstücke, heißt es in der Klageschrift,

der Bestellwert: 342 908,78 Euro.Der

Konzernbestreitet die Höhe: DerBestellwert

habe nur 257 320,93 Euro betragen.

Bestellungen wie Bezahlung ließ der Konzern

über eine Zwischenholding in Hongkong

laufen, die Elumeo-Tochter Silverline.

Schon ab Ende August 2018 aber hattte die

Elumeo-Führung begonnen, wesentliche

Änderungen einzuleiten: Zunächst ließ Boyé

die Geschäftsführer der Silverline absetzen,

die den Thailändern nahestanden. Wenige

Tage später nur schloss der neue Geschäftsführer

eineVereinbarung mit Juwelo,eine sogenannte

Nachrangigkeitsabrede. Diese

sieht vor, dass „der Gläubiger“, also Silverline,„unwiderruflich

zustimmt, seine Forderungen

gegen den Schuldner“, also Juwelo,

allen „Verbindlichkeiten gegenüber anderen

Schuldnern unterordnen“ werde, sofern Juwelo

nicht über eine Liquidität vonzehn Millionen

Euro verfüge.

Wolfgang Boyé schrieb in seiner E-Mail an

die Mitglieder des Aufsichtsrats, das Papier

sei dazu gedacht, „die Gruppe zu schützen“.

Zum Hintergrund des Schreibens gehört,

dass die Sparkasse Berlin von Elumeo einen

Kredit von fünf Millionen Euro überraschend

zurückforderte.Der Konzernmusste

also dringend sicherstellen, dass flüssiges

Geld da ist. So kam das eine zum anderen.

Wie es die Ex-PWK-Manager sehen,

wurde der Zahlungsstrom in Richtung PWK

mit der Vereinbarung praktisch abgeschnitten;

die Silverline war ja das Bindeglied zwischen

der Fabrik und der Konzernmutter. In

ihrerVersion belegt das Dokument, dass Elumeonie

vorhatte,die letzte Bestellung zu bezahlen

und sie damit in den Ruin schickte.

Boyé stellt das anders dar: Die letzte Rechnung

sei beglichen worden; und über eine

Anwaltskanzlei habe der Konzern auch danach

noch Geld für die Gehälter überwiesen.

In Chanthaburi hat ein Arbeitsgericht

jetzt die Vermögenswerte der Fabrik beschlagnahmt.

DieEx-Mitarbeiter durften das

Firmengelände betreten, um das Inventar zu

inspizieren und zu pfänden; sie dürfen laut

Gerichtsbeschluss alles verwerten, was sie

finden, Wertgegenstände, die Maschinen

und sogar Teile der Gebäudeselbst.

Gabriela Keller

liebt Schmuck und trägt die Erbstücke

ihrer Großtante.


4* Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Polizei verlor Attentäter von

Halle aus den Augen

DiePolizei hat den Attentäter von

Halle bei seiner Flucht eine Stunde

lang aus den Augen verloren, berichteten

am Montag Landtagsabgeordnete

aus einer Sondersitzung des Innenausschusses

in Magdeburg. Festgenommen

wurde er nicht vonSpezialkräften,

sondernvon zwei

Revierpolizisten aus Zeitz. Am Mittwoch

hatte ein schwer bewaffneter

Mann versucht, in die mit mehr als

50 Gläubigen besetzte Synagoge zu

gelangen. Als das scheiterte,erschoss

er eine Frau und einen Mann

und verletzte ein Ehepaar schwer.

Ein27-jähriger Deutscher hat die Tat

aus antisemitischen und rechtsextremen

Motiven gestanden. (dpa)

Nahles scheidet aus dem

Bundestag aus

DiefrüherePartei- und Fraktionschefin

der SPD,Andrea Nahles,legt

jetzt auch ihr Bundestagsmandat

nieder.Das teilte Nahles mit. Zum1.

November werdesie den Bundestag

verlassen, bestätigte auch die SPD-

Fraktion. (dpa)

Budapest: Opposition

erobertBürgermeisteramt

DieOpposition in Ungarnhat bei den

Kommunalwahlen am Sonntag einen

unerwarteten Sieg erzielt. IhrKandidat,

der 44-jährige Soziologe Gergely

Karacsony,wurde Oberbürgermeister

vonBudapest und löst Amtsinhaber

Istvan Tarlos vonder rechts-nationalen

Regierungspartei Fidesz ab.

Karacsony gewann mit 50,1 Prozent

der Stimmen. (dpa)

Parteiloser Kais Saied

gewinnt Wahl in Tunesien

Derparteilose Verfassungsrechtler

Kais Saied hat nach offiziellen Angaben

die Präsidentschaftswahl in Tunesien

gewonnen. Wiedie Wahlbehörde

ISIE mitteilte,kam der 61 Jahre

alte Saied nach dem vorläufigen

Endergebnis auf 72,71 Prozent der

Stimmen. (dpa)

Haft für Messerstecher von

Amsterdam

EinAfghane,der 2018 in Amsterdam

zwei Touristen niedergestochen

hatte,ist wegen Mordversuchs zu einer

Haftstrafe von26Jahren und

acht Monaten verurteilt worden. Es

sei eine terroristischeTat, urteilte das

Gericht am Montag in Amsterdam.

DerAfghane mit Wohnsitz in

Deutschland hatte vorGericht seine

Tatnicht bereut und mit der Verteidigung

des Islams begründet. (dpa)

Hunter Biden legt Posten bei

chinesischer Firmanieder

Hunter Biden will politischen Schaden

von seinen Vater abwenden.

Hunter Biden, Sohn des demokratischen

US-Präsidentschaftsbewerbers

JoeBiden, tritt voneinem unbezahlten

Posten beim chinesischen Investmentunternehmen

BHR zurück. Präsident

Donald Trump greift seinen Rivalen

JoeBiden wegen der Geschäftstätigkeit

Hunter Bidens im Ausland an.

Hunter Biden werdeam31. Oktober

aus dem Boardbei BHR ausscheiden,

teilte sein Anwalt mit. (dpa)

AP

Neue Spur im Mordfall Lübcke

Die Bundesanwaltschaft untersucht, ob die Tatwaffe von Stephan E. von einer rechten Terrorgruppe stammt

VonJörg Köpke

ImFall des ermordeten Kasseler

Regierungspräsidenten Walter

Lübcke verfolgen die Ermittlungsbehörden

eine Spur nach

Norddeutschland. Die Bundesanwaltschaft

hat aus Schleswig-Holstein

Akten zum mutmaßlichen

Mörder Stephan E. angefordert, wie

das Redaktionsnetzwerk Deutschland

(RND) aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Nach RND-Informationen untersucht

die oberste deutsche Anklagebehörde,

obdie Tatwaffe, ein Revolver

des brasilianischen Herstellers

„Rossi“, Kaliber .38 Spezial, ursprünglich

von der rechtsextremen

Terrorgruppe „Combat 18 Pinneberg“

stammte.

Die Ermittlungen konzentrieren

sich auf zwei aktenkundige Vorgänge.

Am5.April 2003 nahm Stephan

E. an einer Demonstration gegen

eine Wehrmachtsausstellung in

Neumünster teil. Dort kam es zu gewalttätigen

Ausschreitungen. Stepahn

E. wurde wegen Körperverletzung

und Beleidigung zu einer Geldstrafe

verurteilt. Er hatte eine Frau

am Hals gepackt und weggeschleudert

und war bereits wegen eines

1993 verübten Bombenanschlags

auf eine Flüchtlingsunterkunft im

südhessischen Hohenstein-Steckenroth

vorbestraft. Organisiert wurde

die Demonstration in Neumünster

vom damaligen NPD-Landeschef,

Waffenhändler und „Combat 18 Pinneberg“-Mitglied

Peter Borchert.

Durchsuchungen im Norden

Am 28. Oktober 2003 durchsuchte

die Polizei mit 300 Beamten des

Staatsschutzes etwa 50 Wohnungen

und Treffpunkte der rechten Gruppe

„Combat 18 Pinneberg“ in Schleswig-Holstein

und Hamburg. DerVerdacht:

Bildung einer kriminellen

Vereinigung, Waffenhandel, Vertrieb

illegaler CDs und Schutzgelderpressung.

Im Zuge der Razzien stellten die

Fahnder ein Kassenbuch, eine „Anti-

Antifa-Liste“ mit Namen, Lichtbildern

und Adressen politischer Gegner

sowie sechsWaffen sicher,neben

einer Pumpgun und einer Schrotflinte

vier „Rossi“-Revolver – baugleich

mit der Mordwaffe aus Kassel.

Unklar ist, ob sämtliche „Rossi“-Revolver

der militanten Gruppe damals

aufgespürtwerden konnten.

Zu den fünf Hauptverdächtigen

zählte Borchert. DemRND bestätigte

er jetzt auf Anfrage, die Demonstration

in Neumünster 2003 angemeldet

TatortIstha: Stephan E. ist dringend tatverdächtig,Walter Lübckeermordet zu haben.

„Ob ich ihm auf einer

der vielen Veranstaltungen damals

begegnet bin, vermag ich nicht

auszuschließen. Persönlichen Kontakt oder

Kommunikation schließe ich aber aus.“

Peter Borchert, ehemaliger NPD-Landeschef von Schleswig-Holstein

und „Combat 18 Pinneberg“-Mitglied, über seine möglichen Kontakte zum mutmaßlichen

Mörder von Walter Lübcke, Stephan E.

In Johnsons Namen

und geleitet zu haben. Stephan E. ist

ihm persönlich angeblich nicht bekannt.

Den Namen habe er erstmals

am 17. Juni 2019 kurznach dem Mord

an Lübcke erfahren. Allerdings räumt

Borchert ein: „Ob ich ihm auf einer

der vielen Veranstaltungen damals

begegnet bin, vermag ich nicht auszuschließen.

Persönlichen Kontakt

oder Kommunikation schließe ich

aber aus“, sagte Borchert. Genau das

wirdzurzeit geprüft.

Als sicher gilt, dass beide einen

gemeinsamen Bekannten haben,

den Bad Segeberger Neonazi Bernd

T.,mit dem Borchert nach eigenen

Angaben zwischen 1994 und 1996 in

Neumünster eine Jugendstrafe verbüßte.

T.lebte bis vor wenigen Wochen

wie der mutmaßliche Lübcke-

Mörder Stephan E. in Nordhessen.

Beide werden der dortigen rechten

Szene im Umfeld von „Combat 18“

zugerechnet. T. zogerst kürzlich wieder

nach Bad Segeberg zurück. Borchert

will seit Jahren keinen Kontakt

mehr zu ihm haben.

Deal vorGericht

Borchertsagte,erhabe 2004 im Zuge

eines Deals vor Gericht „einen

Schwung Waffen auf meine Kappe

nehmen“ müssen, „ohne dass ich sie

je gesehen, respektive diese angekauft

oder weitervermittelt hätte“. Er

könne nicht beurteilen, wohin diese

Waffen verkauft worden sein könnten.

„Wie viele Revolver ich damals

besessen habe, müsste ich schätzen.“

Er glaube jedoch, „mit einiger

Sicherheit“ sagen zu können, „dass

alle Revolver aus meinem Konvolut

durch die Landespolizei sichergestellt

werden konnten“. Um welche

Marken es sich bei den Revolverngehandelt

habe,wisse er nicht mehr

Borcherts Anwalt Philipp Marquort

hält es für durchaus möglich,

dass Waffen vergraben wurden: „Das

ist nicht nur in der rechten Szene,

sondern auch im Bereich Organisierte

Kriminalität gängige und beliebte

Praxis“, sagte Marquort.

Stephan E. hatte in einem überraschenden,

mittlerweile widerrufenen

Geständnis offen gelegt, dass er über

zahlreicheWaffen verfügt –neben der

Tatwaffe auch über eine Pumpgun

und eine Maschinenpistole vom Typ

Uzisamt Munition. Er nannte Details,

wie er sich diese angeblich über zwei

Verkäufer beschafft habe und offenbarte

Verstecke. Das Gros der insgesamt

46 beschlagnahmten Waffen

fanden Ermittler in einem Erdloch

auf dem Gelände seines Arbeitgebers.

DieTatwaffe will Stephan E. 2016 gekauft

haben.

Während in London das Parlament die Thronrede der Queen debattiert, wird in Brüssel über den EU-Austritt verhandelt

Die Queen am Montag in London mit Prinz Charles an ihrer Seite.

Mit viel Pomp und jahrhundertealtem

Zeremoniell ist am

Montag das britische Parlament von

Königin Elizabeth II. wiedereröffnet

worden. Die 93-Jährige wirkte ernst,

als sie die Regierungserklärung von

Premierminister Boris Johnson vor

den Parlamentariern beider Kammern

im Oberhaus verlas. Das

prunkvolle Zeremoniell konnte

nicht darüber hinwegtäuschen, dass

es sich um eine höchst ungewöhnliche

Regierungserklärung handelte.

Johnson hat keine Mehrheit im Parlament.

Ohne einen Erfolg bei einer

Neuwahl hat er kaum Aussichten,

seine Vorhaben umzusetzen. Oppositionspolitiker

warfen Johnson vor,

die Queen für seine Wahlwerbung zu

missbrauchen.

Dabei scheint schon Johnsons

wichtigstes Versprechen kaum noch

einlösbar. „Die Priorität meiner Regierung

war es immer,einen Austritt

aus der Europäischen Union am 31.

Oktober zu sichern“, lautete der

erste Satz, den die Queen vortrug.

Doch sollte es bei den Last-Minute-Gesprächen

in Brüssel in dieser

Woche keine Einigung geben,

muss Johnson laut Gesetz am Sonnabend

einen Antrag auf Verlängerung

der Austrittsfrist stellen. Die

Frage, obersich dem beugen will,

hat er bislang mit widersprüchlichen

Signalen beantwortet. Einerseits

sagte Johnson, er wolle „lieber

tot im Graben“ liegen, als die Verlängerung

zu beantragen. Anderer-

DPA

GETTY IMAGES

seits legte die Regierung kürzlich einem

Gericht in Schottland ein Dokument

vor, aus dem hervorgeht,

dass sich der Premierminister nicht

gegen das Gesetz stellen will. Miteinem

Showdown zwischen Regierung

und Abgeordneten wirdbei einer

geplanten Sondersitzung des

Parlaments am Sonnabend gerechnet.

Derirische Außenminister Simon

Coveney hofft weiter auf eine Brexit-

Einigung.„Ein Deal ist möglich, er ist

diesen Monat möglich oder sogar

diese Woche“, sagte Coveney in Luxemburg.

„Aber wir haben es noch

nicht geschafft.“ Zu Einzelheiten

sagte er nur, je weniger man jetzt

sage, desto besser. Gesprochen wird

über neue britische Vorschläge zur

Vermeidung einer harten Grenzemit

Zollkontrollen zwischen Irland und

dem britischen Nordirland. Ziel ist

eine Einigung auf ein geändertes

Austrittsabkommen beim EU-Gipfel,

der am Donnerstag beginnt.

Johnson will laut Regierungserklärung

das Land nach dem EU-Austritt

zu alter Größe führen. Großbritannien

solle ein„Meister des weltweiten

Freihandels“ werden und „eine führende

Rolle in der internationalen Politik“

spielen. Zudem kündigte er eine

härtereGangartgegen Gewaltverbrecher

und straffällige Einwanderer an.

Investieren will Johnson in das Gesundheitswesen,

die Polizei, Schulen,

in öffentliche Verkehrsmittel und Infrastruktur.

(dpa)

Mit dem

Pragmatismus

eines Landwirts

Christian Jacob ist Chef der

französischen Konservativen

VonBirgit Holzer,Paris

Wer diesen Job anvisiert, dem

kann man nicht mangelnden

Mut vorwerfen: Chef einer Partei im

Dauer-Abschwung zu werden, die

seit zweieinhalb Jahren dramatisch

an Wählern, Mitgliedern und Aufmerksamkeit

eingebüßt hat, ist kein

leichtes Unterfangen. Und doch hat

sich mit Christian Jacob ein Mann gefunden,

der sich aufmacht, den französischen

Republikanern wieder so

etwas wie politisches Gewicht zu verleihen.

Beiden Präsidentschaftswahlen

2017 hat Frankreichs einst

stärkste Volkspartei nicht einmal die

Stichwahl erreicht und bei den Europawahlen

dieses Jahr mit 8,5 Prozent

einen historischen Tiefpunkt. Daraufhin

trat der bisherige Vorsitzende

Laurent Wauquiez zurück. Bei der

Wahl zu dessen Nachfolger setzte sich

am Wochenende Jacob mit 63 Prozent

klar gegen zwei Rivalen durch.

Als Landwirt, der seit seiner Jugend

im elterlichen Betrieb mitarbeitete

und deshalb kein Abitur hat,

stellt er ein Gegenmodell zur politischen

Elite dar,die oft als abgehoben

kritisiert wird. Zugleich ist Jacob seit

30 Jahren in der Politik und in der

konservativen Partei, deren Name

mehrmals wechselte.

Tatsächlich gehörte Jacob nie zu

den charismatischen Schwergewichten

oder Visionären der französischen

Konservativen, gilt aber als

pragmatisch, loyal und erfahren. Er

war EU-Parlamentarier, mehrmals

Minister,Abgeordneter und sitzt seit

2010 der Fraktion seiner Partei in der

Christian Jacob soll die Konservativen

Frankreichs wieder einen.

Nationalversammlung vor. Als sein

Mentor diente der kürzlich verstorbene

Ex-Präsident Jacques Chirac

und Jacob vertritt dessen moderate

Linie,auch wenn er zeitweise innenpolitische

Hardliner wie Ex-Präsident

Nicolas Sarkozyunterstützte.

HörbareStimme

Jacob sei die richtige Wahl, sagte der

Abgeordnete Philippe Gosselin: „Wir

brauchen jemanden, der Sicherheit

ausstrahlt.“ Die heikle Aufgabe des

neuen Parteichefs wird darin bestehen,

den Republikanern wieder eine

hörbareStimme als Oppositionskraft

zu verleihen. Zugleich droht die Spaltung,

nachdem sich der rechte Flügel

der Partei zumindest in seinen Positionen

jenen der Rechtspopulistin

Marine Le Penoder auch vonLePens

Nichte Marion Maréchal annähert,

welche sich zwar offiziell aus der Politik

zurückgezogen hat, aber in Lauerstellung

bleibt. Hauptproblem der

Republikaner ist allerdings Präsident

Emmanuel Macron, der ihnen nicht

nur Personal wie Wirtschaftsminister

Bruno Le Maireoder Premierminister

Édouard Philippe abspenstig gemacht

hat. Macron, der zunächst

linke wie die rechte Wähler ansprechen

wollte, fuhr mit seinen Wirtschaftsreformen

sowie mit seiner Sicherheits-

und Einwanderungspolitik

einen ähnlichen Kurs wie die Bürgerlich-Rechten.

So drängte er sie

erfolgreich ab. Der Mut allein, eine

vorsich hin darbende Partei zu übernehmen,

dürfte nicht ausreichen, um

sie zu alter Stärke zurückzuführen.

AFP


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 5 **

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Politik

JaroslawKaczynski führte seine PiS-Partei am Sonntag zu einem fulminanten Wahlsieg.Die PiS kann im polnischen Parlament, dem Sejm, weiter mit absoluter Mehrheit regieren.

AFP/ WOJTEK RADWANSKI

Kaczynski versteht keinen Spaß

Staatsumbau in Polen: Nach dem Wahltriumph der nationalkonservativen PiS will der mächtige Parteichef eine andere Republik schaffen

VonUlrich Krökel

Das ikonische Bild dieser

Wahl lieferte Jaroslaw

Kaczynski. Der Chef der

rechtskonservativen PiS

war am Sonntag gerade vorseine Anhänger

getreten, um mit ernster

Stimme den historischen Sieg der

Partei zu würdigen, da gesellte sich

eine junge Frau zu ihm auf die

Bühne.Sie hielt Kaczynski zum Dank

für seinen Einsatz Dutzende Rosen

in den polnischen Farben Weiß und

Rot entgegen und strahlte ihn an.

Der 70-Jährige warf ihr aber nur einen

irritierten Blick zu, in dem die

Frage lag: Was soll der Firlefanz?

Dann redete er einfach weiter, über

die „harte Regierungsarbeit, die vor

uns liegt“.

Die Szene sagte im Grunde alles,

was man über Kaczynski wissen

muss, umden Triumph der Nationalkonservativen

bei der Parlamentswahl

am Sonntag zu erklären.

Zum Beispiel, dass die PiS ihrem

Chef zu Füßen liegt und es an der autoritären

Machtfülle des Vorsitzenden

keinen Zweifel gibt.

Kaczynskis Reaktion zeigte aber

auch, dass es ihm unbedingt ernst

ist mit seiner Ansage, dass „Politik

Arbeit ist und ein Dienst an den

Menschen“. Und genau das nahmen

die meisten Polen dem PiS-

Chef ab und statteten seine Partei

deshalb erneut mit einer absoluten

Mehrheit aus. Glaubwürdigkeit, so

ließe sich folgern, ist die Basis des

PiS-Erfolgs.

Historisch war dieser Wahlsieg

nicht nur,weil 43,6 Prozent der Stimmen

und 239 von 460 Mandaten im

Sejm das beste Ergebnis waren, das

eine Partei im postkommunistischen

Polen je erzielt hat. Die PiS

legte bei einer Rekordbeteiligung

auch um fast sieben Punkte zu, obwohl

die Menschen zwischen Oder

und Bugtraditionell dazu tendieren,

ihre Regierungen abzustrafen. Weil

sie Politik eher für ein dreckiges Geschäft

halten als für harte Arbeit in

einer spaßfreien Zone.

Kindergeld und höherer Mindestlohn

Kaczynski hat das nun geändert. Die

PiS-Regierung habe den Menschen

„Respekt gezollt und dies dadurch

glaubwürdig gemacht, dass sie ihnen

mehr Geld gegeben hat“, urteilte der

Warschauer Politikwissenschaftler

Klaus Bachmann.

Die meisten Kommentatoren in

Polen waren sich am Montag einig,

dass die Sozialpolitik der Schlüssel

zum Erfolg war.Genannt wurden die

Parlamentswahl in Polen

Prognose zur Wahl am 13. Oktober

Stand 14.10., 3Uhr

Stimmenanteile in Prozent

43,6

PiS

nationalkonservativ

27,4

Voraussichtliche Sitzverteilung

PiS

KO

liberalkonservativ

239

12,4

SLD

Linksbündnis

460

Sitze

9,1

PSL

konservativ

absolute Mehrheit: 231 Sitze

KO

131

46

30

13

1

6,4

KON

rechtspopulistisch

SLD

PSL

KON

Sonstige

BLZ/HECHER; QUELLE: MEINUNGSFORSCHUNGSINSTITUT IPSOS, DPA

erstmalige Einführung eines Kindergeldes,

die Erhöhung des Mindestlohns

und die Rücknahme der Rente

mit 67. Die Opposition habe so klar

verloren, weil es ihr nicht gelungen

sei, eine „attraktivere Vision des

Staatswesens zu schaffen“, schrieb

die Zeitung Rzeczpospolita. 27,2

Prozent seien zu wenig für eine Partei,

die einen Machtanspruch erheben

wolle.Das bezogsich auf das Ergebnis

der liberalen Bürgerkoalition

(KO), die abgeschlagen auf Platz zwei

landete.

Schwaches Linksbündnis

Vertreter der Linksallianz Lewica

freuten sich zwar über den Wiedereinzug

ins Parlament, nachdem vier

Jahre lang kein einziger linker Abgeordneter

im Sejm gesessen hatte.

12,5 Prozent für das Dreierbündnis

waren aber ebenfalls ein eher mageresErgebnis.Dagegen

dürfte das unerwartet

starke Abschneiden zweier

kleinerer Rechtsallianzen für Kaczynski

ein Problem darstellen. Die

strukturkonservative Polenkoalition

erreichte 8,6 Prozent, die ultranationalistische

Konföderation 6,8 Prozent.

Beide Bündnisse fischten in jenem

Wählerreservoir, das die PiS

ausschöpfen muss,wenn sie die ehrgeizigen

Zielvorgaben ihres Parteichefs

erfüllen will. Kaczynski nannte

am Sonntag die Marke von 55 Prozent,

die man erreichen könne. Da

das polnische Wahlsystem große

Parteien bevorzugt, würde die PiS

damit vermutlich eine verfassungsändernde

Zweidrittelmehrheit erreichen,

die Kaczynski anstrebt. Denn

der 70-Jährige will Polen „von Grund

auf verändern“, hin zu einer katholisch-nationalpolnischen

und illiberalen

Republik.

Dasist der Plan, aus dem er nie einen

Hehl gemacht hat. Vorerst stehen

Kaczynski dabei aber weiter die

Opposition in Warschau und die EU-

Institutionen im Weg. Die Brüsseler

Kommission führt noch immer ein

Rechtsstaatsverfahren gegen Polen,

weil die PiS nach ihrem Wahlsieg

2015 das Verfassungsgericht entmachtet

und die Justiz unter Regierungskontrolle

gestellt hat, ähnlich

wie die Staatsmedien. Der Konflikt

wurde zuletzt vonbeiden Seiten weniger

heiß gekocht. Er schwelt aber

weiter.

Ulrich Krökel vertraut

auf die Freiheitsliebe der

Menschen in Polen.

Die Grenzen des Rechtsstaates

Spaniens Oberster Gerichtshof verurteilt mehrere katalanische Separatisten zu langen Haftstrafen. Der Tatbestand: Aufruhr

VonMartin Dahms, Madrid

Esist ein Urteil für die spanischen

Geschichtsbücher. Spaniens

Oberster Gerichtshof hat am Montag

neun führende katalanische Separatisten

wegen ihrer Rolle in den Tagen

um das Unabhängigkeitsreferendum

am 1. Oktober 2017 zu Haftstrafen

zwischen neun und dreizehn

Jahren verurteilt. Drei weitere Angeklagte

kamen mit Geldbußen davon.

Zu den Verurteilten gehören der frühere

stellvertretende Regionalpräsident

Oriol Junqueras (dreizehn Jahre

Haft), die ehemalige Parlamentspräsidentin

CarmeForcadell (elfeinhalb

Jahre) und die beiden Unabhängigkeitsaktivisten

Jordi Cuixart und

Jordi Sànchez (jeweils neun Jahre).

Andere Verantwortliche wie der Expräsident

Carles Puigdemont entzogen

sich dem Verfahren durch Flucht

ins Ausland.

Der Oberste Gerichtshof musste

sich in diesem Verfahren auf ein heikles

Terrain begeben: auf das der Strafwürdigkeit

politischer Entscheidungen.

Sieben der nun zu langen HaftstrafenVerurteilten

sind gewählte Politiker,die

ein grundsätzlich legitimes

Ziel verfolgten: die friedliche Abspaltung

Kataloniens vomRest Spaniens.

Dafür organisierten sie vor zwei Jahren

ein Referendum ohne den Rückhalt

des spanischen Staates oder internationaler

Organisationen. Diekatalanischen

Politiker kündigten an,

das Ergebnis des Referendums als

„Mandat“ für die Erklärung der Unabhängigkeit

zu begreifen, falls die

Mehrheit der Abstimmenden sich für

die Abspaltung vonSpanien aussprechen

sollte. Das Abenteuer endete

mit einer kurzfristigen Zwangsverwaltung

Kataloniens durch die spanische

Regierung. Undmit einem Strafverfahren

wegen„Rebellion“.

Im umgangssprachlichen Sinne

sind die nun Verurteilten sicherlich

Rebellen. Sie wollten sich nicht mit

den rechtsstaatlichen Grenzen für

einen möglichen Unabhängigkeitsprozess

abfinden. Diese Grenzen

setzt die spanische Verfassung, nach

der Spanien unteilbar ist –wie fast

Bei Protesten gegen das Urteil in Barcelona wurden mehr als 30 Menschen verletzt.

alle demokratischen Verfassungen

der Welt die Unteilbarkeit der Nation

festschreiben. Daran erinnert der

Oberste Gerichtshof in seinem am

Montag veröffentlichten Urteil. „Es

gibt kein „Recht zu entscheiden, das

außerhalb der von der Gesellschaft

selbst definierten Grenzen auszuüben

wäre“, schreiben die Richter.

„Es gibt keine Demokratie außerhalb

des Rechtsstaates.“

Doch die Überschreitung dieser

Grenzen durch die Veranstaltung eines

vorgeblich bindenden, in Wirklichkeit

aber illegalen und rechtlich

folgenlosen Referendums macht die

Politiker noch nicht zu „Rebellen“ im

strafrechtlichen Sinne. Dazu hätten

AFP

sich die Angeklagten „zielgerichteter“,

„vorab angeordneter“ Gewalt

schuldig machen müssen. Schon das

Oberlandesgericht in Schleswig

konnte rund um den 1. Oktober2017

keinen „Schlachtplan der Gewalttätigkeiten“

erkennen und verweigerte

im vergangenen Jahr die Auslieferung

Puigdemonts an Spanien. Die spanischen

Richter folgen in diesem Punkt

den deutschen Kollegen. Dievon der

Staatsanwaltschaft geforderte Verurteilung

wegen „Rebellion“ lehnen sie

ab. Ihr Hauptvorwurf lautet stattdessen

„Aufruhr“, der mit niedrigeren –

aber immer noch hohen –Haftstrafen

belegt ist. Nach dem Urteil erneuerte

der Oberste Gerichtshof den zwischenzeitlich

ausgesetzten Europäischen

Haftbefehl gegen Carles Puigdemont;

auch ihm wir nun statt „Rebellion“

„Aufruhr“ vorgeworfen.

Der Tatbestand des „Aufruhrs“

wird in Spanien als „tumultartige Erhebung“

definiert, mit dem Ziel, die

Durchsetzung des Gesetzes oder administrativer

oder juristischer Entscheidungen

zu verhindern. Wasdie

Zieleder Separatisten angeht, gibt es

keine Zweifel: Mitder Durchführung

des Referendums ignorierten sie

richterliche Entscheidungen, die

dieses Referendum für illegal erklärten.

Aber sind ihre Mittel als „tumultartige

Erhebung“ zu werten?

Die Richter des Obersten Gerichtshofes

sagen: ja. „Was am 1. Oktober

geschah, war nicht einfach

eine Demonstration oder ein massiver

Akt bürgerlichen Protestes. Es

war eine tumultartige Erhebung, zu

der die Beschuldigten ermunterten.“

Dabei sei es nicht von Belang, ob an

diesem TagGewalttätigkeiten verübt

wurden. Waszähle, sei das Ziel: „offener

Widerstand gegendas normale

Funktionieren des Justizsystems“.

Die katalanischen Separatisten

sehen das selbstredend anders. Die

Bürgerinitiative Òmnium Cultural,

deren Expräsident Cuixart zu den

Verurteilten gehört, spricht von einem„Angriff

auf die Meinungs- und

Versammlungsfreiheit“, Regionalpräsident

Quim Torra von einem

„Akt derRache,nicht desRechts“.


6* Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Ecuadors Regierung

gibt nach

Nach tagelangen gewaltsamen Protesten

vorallem der indigenen Bevölkerung

gegen die Erhöhung der

Spritpreise hat die Regierung Ecuadors

nachgegeben. DieStreichung

der Preissubventionen vonTreibstoff

um jährlich 1,2 Milliarden Dollar

–eine Auflage des Internationalen

Währungsfonds (IWF) für einen

Kredit von4,2 Milliarden Dollar –

wurde zurückgenommen. Darauf einigte

sich Staatschef Lenin Moreno

mit Vertreternder Konföderation

der Indigenen Völker (Conaie).

Allerdings ist das Ende der Preissubventionen

damit nicht vomTisch.

Eine gemeinsame Kommission soll

ein Dekret erarbeiten, um zu vermeiden,

dass eine Abschaffung der

Spritsubventionen die ärmeren Bevölkerungsschichten

trifft. (dpa)

Wenige Banken

erhöhen die Gebühren

Trotz schwächelnder Gewinne setzt

einer Studie zufolge im Augenblick

nur eine Minderheit der Kreditinstitute

in Deutschland auf Gebührenerhöhungen.

Beieiner Umfrage

unter 120 Geldhäuserngaben 16

Prozent an, in diesem Jahr an der

Gebührenschraube zu drehen. Das

geht aus einer Untersuchung des

Prüfungs- und Beratungsunternehmens

EY hervor. Im Fokus stehe dabei

das Girokonto,das bei 13 Prozent

der befragten Institute teurer

werde. Für Überweisungen wolle jedes

zehntes Geldhaus höhereGebühren

verlangen, so die Untersuchung.

Banken und Sparkassen brechen

wegen des Zinstiefs die Erträge

weg. (dpa)

Kettcar wird nicht

mehr gebaut

Auslaufmodell Kettcar.

DerKettcar-Hersteller Kettler stellt

die Fertigung ein. Noch in dieser

Woche würden voraussichtlich 400

der verbliebenen rund 550 Mitarbeiter

freigestellt, sagte der

Rechtsanwalt Martin Lambrecht,

der die Kettler-Unternehmensführung

im Insolvenzverfahren berät.

Dieübrigen Mitarbeiter würden

vorläufig noch gebraucht, um die

Produktion abzuwickeln. DerBetrieb

könne nicht weitergeführtwerden,

denn in der heutigen Größe sei

die Produktion in Deutschland

nicht mehr profitabel, sagte der

Rechtsanwalt. (dpa )

Fritten-Konflikt

mit Kolumbien

FOTO: J.CARSTENSEN/DPA

Wegen kolumbianischer Zölle auf

Tiefkühl-Fritten aus Deutschland,

Belgien und den Niederlanden will

die EU-Kommission Beschwerde bei

der Welthandelsorganisation einlegen.

Dies kündigte Handels-Kommissarin

Cecilia Malmström an. Die

Anti-Dumping-Zölle des südamerikanischen

Landes seien völlig ungerechtfertigt.

Kolumbien hatte die

Anti-Dumping-Zölle im November

2018 verhängt. DieBegründunglautete,die

EU-Hersteller subventionierten

ihrePreise und schadeten

damit kolumbianischen Produzenten.

Schon damals rief Belgien die

EU-Kommission zu Hilfe. (dpa)

Flugbegleiterinnen der Deutschen Lufthansa auf demMünchner Airport.

Von Lennart Simonsson

Für ihren Beitrag zum Kampf

gegen die Armut in aller Welt erhaltendreiÖkonomenindiesemJahr

den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.DiegebürtigeFranzösin

Esther Duflo, ihr aus Indien stammender

Ehemann Abhijit Banerjee

und der US-Amerikaner Michael

Kremer werden für ihren experimentellen

Ansatz zur Linderung der globalen

Armut ausgezeichnet, wie die

Königlich-Schwedische Akademie

der Wissenschaften am Montag in

Stockholm bekannt gab.

DieinFrankreich geborene Duflo

ist erst die zweite Frau in der Nobelgeschichte,

die den Wirtschaftspreis

bekommt.AlledreiPreisträgerlehren

an US-Universitäten. „Ihre Forschung

hat uns geholfen, Armut zu

bekämpfen“, urteilte die Jury. Die

Möglichkeiten der Armutsbekämpfung

seien dank der Erkenntnisse der

drei Wissenschaftler in der Praxis

dramatisch verbessert worden. So

hätten sie etwa gezeigt, wie sich die

Schulbildung und die Gesundheit

von Kindern mit kleinen, konkreten

Schritten verbessernließe.

Stillstand bei der Lufthansa

Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo will mit einem Streik ihre Handlungsfähigkeitbeweisen

Von Frank-Thomas Wenzel

Die Gewerkschaft Ufo hat

Flugbegleiter der Lufthansa

für Sonntag,

20. Oktober, zu einem

Streik aufgerufen. Der Ausstand ist

auf die Zeit von6bis 11 Uhrund auf

die Flughäfen in Frankfurtund München

beschränkt. Auf den ersten

Blick sieht das wie ein sehr überschaubarer

Arbeitskampf aus. Doch

dahinter verbirgt sich ein erbitterter

Machtkampf bei Deutschlands größter

Fluggesellschaft. Mehr noch: Es

geht um die Existenz der Unabhängigen

Flugbegleiterorganisation.

Allein die Umstände der Verkündung

des Streikaufrufs per Youtube-

Video durch den stellvertretenden

Ufo-Chef Daniel Flohr zeigen, wie

verbissen gekämpft wird: Er musste

am Montag nach Angaben der Gewerkschaft

auf 13 Uhr verschoben

werden, weil Flohr für den Vormittag

kurzfristig zum Rapport bei seinem

Teamleiter zitiert wurde. Aus Ufo-

Sicht ging es dabei um einen Einschüchterungsversuch.

DieLufthansa

wollte sich dazu nicht äußern. In

Unternehmenskreisen hieß es, der

Termin sei aufgrund der für Flugbegleiter

vorgeschriebenen Einsatzund

Ruhezeiten der frühestmögliche

gewesen. Zudem sei ein einstündiges

Gespräch nicht tagfüllend.

Aus Sicht der Airline ist der geplanteStreikrechtswidrig.Esbestünden

Zweifel an der Tariffähigkeit der

Organisation, sagte eine Sprecherin

dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Gemeint ist damit, dass die

Handlungsfähigkeit als Sprachrohr

der Beschäftigten und als Gegenüber

bei Verhandlungen über Tarifverträgenichtmehrgegebenseinsoll.Auch

die „Vertretungsbefugnis“ des Vorstands

sei nach wie vorungeklärt.

Rechtmäßige Kündigung

Im Kampf gegen die Armut

Wirtschaftsnobelpreis geht an Esther Duflo,Abhijit Banerjee undMichaelKremer

„DerPreis erfülltmich mit Demut“: Esther Duflo ist erst die zweite Frau, die einen

Wirtschaftsnobelpreiserhält.

FOTO: ACYRIL FRESILLON/CNRS PHOTOTHEQUE

Mitihrem neuen, auf Experimenten

basierenden Ansatz hätten sie die

Entwicklungsökonomie innerhalb

von nur knapp zwei Jahrzehnten in

ein florierendes Forschungsgebiet

verwandelt. „Wie man die globale Armut

verringernkann, ist eine fundamentale,

aber auch beängstigende

Frage“, sagte der Vorsitzende des

Preiskomitees, Peter Frederiksson.

Die Preisträger hätten den Schlüssel

zum Erfolg darin gefunden, dieses

Schon im August hatte die Airline

beim Hessischen Landesarbeitsgericht

beantragt, beides zu klären. Es

gehe um die Wiederherstellung einer

verlässlichen Tarifpartnerschaft, so

die Lufthansa. Zuletzt hatte das

Frankfurter Arbeitsgericht in erster

Instanz allerdings entschieden, dass

Ufo zumindest die Tarifverträge bei

der Kernmarke der Airline rechtmäßig

gekündigt hat. Doch mehrere

weitere Verfahren sind noch nicht

entschieden. DieGewerkschaftsführung

will gleichwohl mit den Arbeitskämpfen

nicht länger warten. Denn

die Lufthansa erhebe ständig neue

Vorwürfe.WeitereStreiks würden gegebenenfalls

in den kommenden Tagen

verkündet.

Sollte die Rechtsauffassung der

Fluggesellschaft stimmen, wäre der

geplante Ausstand am Sonntag ein

wilder Streik. „Wir prüfen, ob wir

rechtliche Schritte unternehmen“,

so die Lufthansa-Sprecherin. Beschäftigen

werdebereits mit arbeitsrechtlichen

Konsequenzen gedroht,

betontFlohr.ErfordertedasLufthansa-Management

auf, die Frage vor

Gericht überprüfen zu lassen –die

Lufthansa könnte eine einstweilige

Anordnung beantragen. Werde der

Konzern darauf verzichten, sei das

ein sicheres Zeichen, dass es dem

Management nur um einen Machtkampf

gehe.

Die Lufthansa-Sprecherin kündigte

indes an, man wolle am Sonntag

das gesamte Flugprogramm

durchführen. Flohr erläuterte, die

große Problem in kleinere, präzisere

Fragestellungen aufzuteilen.

Jakob Svensson vomKomitee sagte

der Deutschen Presse-Agentur,

durch diesen Ansatz könne man aus

den im Kleinen gefundenen Erkenntnissen

auch allgemeinereSchlussfolgerungen

ziehen, um das große Ganze

anzugehen. Bei der Armutsbekämpfung

habe man dadurch in den

vergangenen 20 Jahren große Fortschritte

erzielt. Es werde aber noch

FOTO: SVEN HOPPE/DPA

Lufthansa wolle mit Streikbrechern

agieren, denen sogar Prämien gezahlt

würden.

Um den aktuellen Konflikt zu verstehen,

muss man in die Jahre 2015

und 2016 zurückblicken. Die früher

eher zahme Gewerkschaft hatte

unter ihrem damaligen Chef Nicoley

Baublies einen harten Arbeitskampf

durchgefochten, der erst in einem

Schlichtungsverfahren, geleitet vom

SPD-Politiker Matthias Platzeck, beendet

werden konnte.Damalssetzte

die Interessenvertretung zahlreiche

Vereinbarungen für die Flugbegleiter

durch, die zum Teil aber auch heftig

umstritten sind.

Anfang dieses Jahres gab es dann

einen heftigen Streit unter MitgliederndesUfo-Vorstands.Erstverklagten

sie sich gegenseitig, dann ließ die

Staatsanwaltschaft Darmstadt Räume

der Gewerkschaft durchsuchen.

DerVorwurfder Untreue und des Betrugs

steht im Raum. Es folgten mehrere

Rücktritte, auch Baublies nahm

seinen Hut. Neue Funktionäre

rutschten nach. Die Lufthansa bezweifelt,

dass dabei alles ordnungsgemäß

ablief.

lange dauern, bis Armut weltweit beseitigt

sei. „Es ist noch ein langer

Weg“, sagte Svensson.

Duflo selbst sagte, sie versuche

stets,jedes Problem für sich und dafür

rigoros anzugehen. Die 46-Jährige,die

die französische und US-amerikanische

Staatsbürgerschaft hat, ist

mit ihrem Mitpreisträger, dem

58-jährigen Banerjee,verheiratet. Sie

sind damit das erste Ehepaar,das gemeinsam

mit dem Wirtschaftspreis

geehrt wird. Duflo ist zudem die

jüngste Wirtschaftsnobelpreisträgerin.

Wie ihr Mann, der ebenfalls

einen US-Pass hat, arbeitet sie am renommierten

Massachusetts Institute

of Technology (MIT). Laut MIT

sind mit Duflo und Banerjee bisher

insgesamt sieben Wissenschaftler

mit dem Preis geehrt worden, während

sie am Institut gearbeitet haben.

Michael Kremer lehrtander Harvard

University.Erist 54 Jahrealt und

damit wie die weiteren beiden Geehrten

relativ jung als Preisträger.

Duflo hat nach eigener Aussage nicht

damit gerechnet, schon in ihrem Alter

mit dem Wirtschaftsnobelpreis

ausgezeichnet zu werden. Der Nobelpreis

erfülle sie mit Demut. (dpa)

Brüssel

genehmigt

Condor-Kredit

Staatsbank KfW überweist

380Millionen Euro

Von Alkimos Sartoros

Die EU-Kommission hat den

staatlichen Überbrückungskredit

für den deutschen Ferienflieger

Condor genehmigt. Die vorgesehenen

380 Millionen Euro der Staatsbank

KfW verzerrten den Wettbewerb

in der EU nicht übermäßig,

teilte die Brüsseler Behörde am

Montag mit. Für die deutsche Airline-Tochter

des untergegangenen

britischen Reisekonzerns Thomas

Cook dürften damit die ärgsten

Probleme erst einmal ausgeräumt

sein.

Condor ist ein wichtiger Partner

verschiedener Reiseveranstalter. Die

bislang profitable Fluggesellschaft

mit knapp 60 Flugzeugen und 4900

Beschäftigten will in einem sogenannten

Schutzschirmverfahren

den Winter überleben. Dabei soll

verhindert werden,dassGeld an die

britische Mutter abfließt. Mit dem

nun genehmigten Kredit ist die Gesellschaft

zunächstwieder flüssig.

Das grüne Licht aus Brüssel bestätigedie

Systemrelevanz der Fluggesellschaft

im europäischen und

deutschen Wettbewerb, erklärte

Condor-Chef Ralf Teckentrup. „Eine

gesunde Condorist auchklarimInteresse

eines funktionierenden

Marktes,denn wir sindnichtnur ein

wesentlicher Mitbewerber im touristischen

Segment, sondern auch

wichtig für dieWettbewerbsstruktur

in der Luftfahrt inDeutschland und

Europa.“

Suche nach Investoren

Der im vorläufigen Schutzschirmverfahren

eingesetzte Sachwalter

LucasFlöther meinte, Condor verfüge

nun über die notwendige Liquidität,

umdieWintersaisonzu überbrücken.

Er sei zuversichtlich, dass am

Ende des Prozesses ein neuer Partner

gefunden werde, der eine nachhaltige

Zukunft der Airline sichere

undweiteres Wachstum ermögliche.

DieEU-Kommission fügtehinzu,

der Kredit werde „im Interesse der

Fluggäste zur ordnungsgemäßen

Aufrechterhaltung der Flugdienste

beitragen“. Es sei an strenge Auflagen

geknüpft. Die Summe werde in

Raten ausbezahlt, Condor müsse

seinen Liquiditätsbedarf wöchentlich

nachweisen. Deutschland habe

zudem zugesichert, dafür zu sorgen,

dass Condor den Kredit entweder

nachsechsMonatenvollständigzurückzahlt

oder eine umfassende

Umstrukturierung durchführt, um

wiederrentabelzuwerden.

Die britische Konzernmutter

ThomasCook wie auch diedeutsche

Veranstaltungstochter mit Reisemarken

wieNeckermann, Öger oder

Bucher hatten zuletzt Insolvenz angemeldet.

Thomas Cook hatteseine

Airlines schon im Februar zum Verkauf

gestellt, letztlich aber keinen

Deal abgeschlossen.

Die Condor-Führung ist derzeit

auf der Suche nach Investoren. Bis

Ende März muss Insidern zufolge

eine Lösung stehen. (dpa)

Landeanflugeiner Condor-Maschine in

Frankfurt.

FOTO: ARNULF HETTRICH/IMAGO


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 7 *

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Wirtschaft

Die Tür für

Huawei bleibt

offen

Bundesregierung will die

5G-Regelnentschärfen

Von Christoph Höland

Die Bundesregierung verzichtet

beim Aufbau des 5G-Mobilnetzes

offenbar darauf, Huawei ganz

auszuschließen. Stattdessen setzt sie

darauf, dass der chinesische Telekommunikationsausrüster

bei Problemen

mit Spionage oder Sabotage in

Regress genommen werden kann.

„Systeme dürfen nur vonvertrauenswürdigen

Lieferanten bezogen

werden“, hieß es noch im Frühjahr

seitens der Bundesnetzagentur zu

den Anforderungen, die die Provider

beim Ausbau der 5G-Datenübertragung

erfüllen sollten. Das ausdrücklich

festzulegen, war auch eine Reaktion

auf Sicherheitsbedenken der

US-Regierung gegen den Marktführer

Huawei. Denn der Konzern mit

engem Kontakt zur chinesischen

Führung würde unter Umständen

nicht nur Chips und Antennen liefern,

sondernauch die Software, mit

der diese betrieben werden – ein

mögliches Einfallstor für Spionage.

Auch die EU-Kommission hatte zuletzt

vor 5G-Technik-Anbietern von

außerhalb der EU gewarnt.

Der finale Sicherheitskatalog soll

nun aber keine Klausel enthalten, die

ausdrücklich einen nicht-vertrauenswürdigen

Anbieter –also möglicherweise

Huawei –vom Aufbau der

5G-Infrastruktur ausschließen würde,

berichtet unter anderem das

„Handelsblatt“. Stattdessen wolle

sich die Bundesregierung damit begnügen,

vonden Herstellernder 5G-

Technik eine Vertrauenswürdigkeitserklärung

zu verlangen. Tauchen

später trotzdem Probleme auf, könnte

die Bundesregierung die Provider

zwingen, die entsprechende Technik

abzubauen. Die Provider könnten

dann bei den Herstellern Schadensersatzansprüche

geltend machen.

Den neuen Ansatz bestätigt die

Bundesregierung bislang nicht. Es

solle kein Akteur vonvornhereinausgeschlossen

werden, sagte Regierungssprecher

Steffen Seibert lediglich.

Er betonte, dass die Bundesregierung

beim Ausbau des 5G-Netzes

für eine kontinuierliche Überprüfung

der Sicherheit sorgen wolle.

Bislang nutzen alle deutschen

Mobilfunk-Provider Technik von

Huawei, oft kombiniert mit Produkten

anderer Hersteller. Ohne die

Technik aus China ginge es kaum,

heißt es bei Vodafone. „Ein Verbot

würdedazu führen, dass der 5G-Ausbau

wesentlich teurer und sich erheblich

verzögern würde“, erklärte

ein Sprecher.

Auch die Telekom bestätigte, bislang

unter anderem Geräte vonHuawei

zuverbauen. „Vor dem Hintergrund

der laufenden Expertendiskussion

bewertet die Telekom derzeit

ihreBeschaffungsstrategie neu“, teilte

allerdings ein Sprecher mit. Es sei

noch nicht entschieden, mit welchen

Herstellern das Unternehmen das

5G-Netz aufbauen wolle. Der Branchenverband

Bitkom wünscht sich

deshalb eine schnelle Entscheidung

über den Anforderungskatalog. „Die

Netzbetreiber sind in Wartestellung,

dennsiekönnendannerstdieAufträge

vergeben“, erklärte ein Sprecher.

Huaweiist ein führender Anbieter von5G-

Technik.

FOTO: IMAGO IMAGES/VCG

„Gerade jetzt ist England interessant“

Unternehmer Eberhard Sasseplant Wachstum im Gebäudemanagement –auch und geradeauf der Insel

ObLaborsinder Universität

Oxford gereinigt, Busflotten

betankt oder Flughäfen

gewartet werden müssen

–die Dr. Sasse Gruppe ist dabei.

Der vom gebürtigen Berliner Eberhard

Sasse 1976 gegründete Komplettanbieter

von Facility Management

Services beschäftigt mehr als

7000 Menschen an über 40 Standorten

im In- und Ausland.

Herr Sasse, Ihr Unternehmen ist die

einzige deutsche Firma im Facility

Management, die ihre Dienstleistungen

auch in Großbritannien anbietet.

SiewartenDoppeldeckerbusseinLondon

und Flughäfen in England und

Schottland. Ist der Brexit ein Thema

fürSie?

Manspricht natürlich darüber. Ich

hattekürzlichinMünchen am Rande

des Oktoberfestes ein Gespräch mit

dem britischen Botschafter SirSebastian

Wood.Das waraber eher in meiner

Eigenschaft als Präsidentder Bayerischen

Industrie- und Handelskammern.

Es istfür die englische Diplomatie

sehr wichtig, das persönliche

Gespräch zu suchen. Man trifft

Vorkehrungen und man weiß auch,

dass man die entsprechenden Handelsverträge

braucht.

Washeißtdas konkret?

Die Botschaft ist immer wieder

klar: Egal, wie der Brexit aussehen

wird,obgeordnetodernichtgeordnet

–eswird Regelungen danach geben.

Wirwissen natürlich auch, dass Europa

undgerade Deutschland England

braucht. Wiehaben einen sehr hohen

Exportüberschuss. Das heißt, wir

wollendenEngländernetwasverkaufen.

Die verkaufen uns auch etwas,

aber erheblichweniger.

Wiewirdsich der Brexit aufIhr Unternehmen

auswirken?

Gar nicht. Wir produzieren

Dienstleistungen in England für England.

Ich bemerke allerdings in den

englischenMedieneinegroßeHektik,

und inDeutschland merke ich das

auch.

Sie bezeichnen Ihr Unternehmen als

eine Familienfirma, dieauchimAusland

tätig ist, und nicht als multinationalen

Konzern. Wasmacht für Sie

den Unterschied?

Wir wachsen ganz ruhig. Wir gehen

mitunseren Kunden immermit.

Wenn diese neue Fabriken und Büros

eröffnen, wollen sie die Dienstleistung

dafür mehr und mehr zentralisieren.

Dassehen wir mehr und mehr

bei unseren Kunden. Siewollennicht

in jedemBundesland mit verschiedenen

Dienstleistern zusammenarbeiten,

sondernmöglichst viel aus einer

Hand. Dasgehtüber die bloße Reinigung

längst hinaus. Wirbieten heute

die gesamte Palette der Wartung an.

So sind wir über die Jahre beständig

gewachsen. Aber da ist keine große

Expansionsstorydahinter.Wir sehen

Entwicklungen, greifen sie auf, aber

wir haben auch Geduld. Bei uns gibt

es einenächsteGeneration. DasGras

wächst ja nicht schneller, wenn man

dran zieht.

Welche Entwicklungen sehen Sie für

sich?

Durch Digitalisierung kann man

mit der richtigen Struktur aus der Ferne

führenund organisieren. Ichkann

heute schon genau feststellen, was in

meiner Niederlassung passiert, die

1000 Kilometerentfernt ist. Daswäre

noch vor einer Generation gar nicht

möglich gewesen. Da war Dienstleistung

ein Geschäftrund um den Kirchturm.

Jetztpassiertinder Dienstleistung

das, was in der Industrie schon

vorJahren geschehen ist. Daher kann

nun auch Dienstleistung exportiert

werden. Dabei ist England für uns

nicht nur ein hochinteressanter

Markt, sondern vor allem ein guter

Brückenkopf, vondem aus sichinternationales

Geschäftaufbauen lässt.

Auch jetzt noch? DasLand isoliertsich

doch eher,oder nicht?

Gerade jetzt. Großbritannien hat

Die Dr.Sasse Gruppebetankt auch britische Busflotten.

internationale Verbindungen, von

denen wir Deutschen nur träumen

können. Das Commonwealth gibt es

schonlangenichtmehr, aberdieweltweiten

Beziehungen sind nach wie

vorda.EnglandistAusgangspunktfür

den amerikanischen Markt, aber

auchinandere Regionen.

Haben Siekonkrete Pläne?

Wirsind gerade dabei, eine kleine

GesellschaftinSingapur zu gründen.

Wir haben Kunden inEngland, die

dort Verkehrsbetriebe betreiben,

Buslinien,die Singapur-Chinesen gehören.

Diehaben unsschon vorzwei

Jahren angefragt, auch für Singapur

Angebote zumachen. Das zieht sich

sehr lange, da muss mansehrviel Geduldhaben,aberabAnfang

nächsten

Jahres werden wir es mal mit einer

kleinenFirma dort versuchen.

ZUR PERSON

FOTO: GETTY IMAGES/EYEEM

Eberhard Sasse,1951 in Berlin geboren, jobbte als Jurastudent in einer Putzkolonne –und

blieb der Branche treu. Er gründete 1976 sein Unternehmen und hat nicht nur den Doktortitel

der Politischen Wissenschaften, sondernauchden Meisterbrief der Gebäudereiniger.Seit

2013 ist er außerdem Präsident der IHK für München und Oberbayern.Die Dr.Sasse AG zählt

mehr als6000 Mitarbeiter an 43 Standorten.

WaskönnenSie in Singapur anbieten,

was die nicht auch vor Ort schon haben?

Die haben unsere Dienstleistung,

die wir anbieten, natürlich auch vor

Ort. Aber so eine Gesellschaft, die in

verschiedenen Ländern diese Transportleistung

erbringt,hat einInteressedaran,mitmöglichstwenigDienstleisternzusammenzuarbeiten.

Dasist einTrend bei vielen Auftraggebern?

Ja, wir haben zum Beispiel einen

Halbleiterhersteller als Kunden in

Deutschland. Für dieses Unternehmen

betreuen wir verschiedene Werke

in Regensburg,inDresden,inWarstein

und seit Kurzem auch noch in

Österreich. Da ist also ganz klar die

Tendenz da, mit wenig Lieferanten

zusammenzuarbeiten. Diese Zentralisierung

wirdzunehmen.

Wie kommen Sie anArbeitskräfte? Ist

das schwierig?

Ja. Das ist sehr schwierig. Besonders

in Deutschland. Es ist sehr

schwierig, angelernte Mitarbeiter in

Deutschland zu bekommen. Daswar

frühereinfacher.Esistextremschwierig,

Facharbeiter zu bekommen.Esist

ein klein wenig leichter, Menschenzu

bekommenmiteinemakademischen

Abschluss.Wir sehen heuteeineEntwicklung,

dass wir jede Menge junge

Akademiker haben, die sehr gerne

konzeptionell arbeiten wollen, die

abermit den Anforderungen der Praxis

wenigErfahrung haben.Esist ein

sehr langer Weg, diese jungen Mitarbeiter

dann mit dem operativem

Geschäft vertraut zu machen.

WiegehenSie da vor?

Wie trainieren unseren Mitarbeiterstamm

selbst, kontinuierlich und

nachhaltig. Dazu haben wir seit 20

Jahren eine hauseigene Sasse Akademie,

die unsere Mitarbeiter entsprechend

fördert.

Unddiekümmertsichauchumdiedigitale

Weiterbildung?

Ja,das geschieht zum Teil mit externen

Fachleuten, zum Teil hausintern.

Eine meiner Töchter leitet diesen

Bereich. Was uns da zusätzlich

stark macht,ist unsereflache Hierarchie.

Gegenwärtig sind etwa 7000

Menschen bei uns beschäftigt, davon

mehr als 800 in einer Führungsposition.

Das ergibt sich aus den relativ

kleinen Teams imFacility Management.

Diese Führungskräfte machen

wir fit für den digitalen Wandel –ein

erheblicher finanzieller Aufwand,

doch im Ergebnis führt das zu einer

schnellenDurchdringungdergesamten

Belegschaft.

Wasmüssen die Mitarbeiter vonmorgen

wissen?

Es geht darum, integriert zu denken

und zu handeln. Ein Beispiel ist

die „predictive maintenance“: Wenn

wir wissen, dass ein Bürofenster nach

5000 Öffnungsvorgängen soviel an

Dichtigkeitverliert,dassdieMitarbeiter

im Zug sitzen, der Energieverbrauch

steigt und die Technik nicht

mehr zuverlässig arbeitet, dann werdenwir–dankSensor-undMesstechnik

–für diesesModell nach4000 Öffnungen

einen Austausch vornehmen.

Es gibt viel Kritik am WirtschaftsstandortBerlinund

den Schwierigkeiten

hier. Wieist dasaus IhrerSicht? Ist

Berlin ein Sorgenkind?

Nein. Es ist eine wunderschöne

Stadt, ich bin inBerlin geboren und

liebe diese Stadt. IchfindeBerlin einfachgut,

Berlin isteinerichtigeGroßstadt,mit

all dem, waseine Großstadt

mit sichbringt.

Beschwerden über Verwaltung und

Regierungteilen Sienicht?

Wirhaben ja auch mit senatseigenen

Unternehmen zu tun. Da spüren

wir keinerlei erwähnenswerte

Schwierigkeiten. Da arbeiten Menschen,

die sind engagiert, unddas ist

gut so. Das ist der Vorteil unserer

Branche: Wirsind an vielen Orten tätig

und können vergleichen. Ecken

und Kanten gibt es überall, auch in

Berlin. Das ist aber ganz im Bereich

des Üblichen. Aber reden wir doch

mal über die Vorzüge.

Welche sehen Sieda?

Berlinhat ein hervorragendes Verkehrssystem.

Ichhabe mir mal überlegt,

ob ichmir hier in Berlinein Auto

hinstelle. Ich habe das ganz schnell

verworfen.

Sie fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Ja, ich bin inBerlin in U- und S-

Bahn, inder Straßenbahn und mit

dem Bus der BVG wunderbar unterwegs.

Besser geht esgar nicht. Und

Berlinist außerdem Vorreiter bei den

Sharingdiensten. ImSommer fahre

ich grundsätzlich mit diesen Rollern.

SiefahrenE-Scooter?

Auch, aber meist miteiner ArtVespa,

damit komme ich zügig zumeinenTerminen.BerlinkanneinVorreiterseinbeiderMobilityineinerSmart

City. Hier setzen wir bei der Weiterentwicklung

unserer Dienstleistung

an. Es ist auch unsere Rolle, zu überlegen,

wie man Serviceprozesse schaffen

kann für die Mobilität der Zukunft.

DasGespräch führte

Christine Dankbar.

DAX-30 in Punkten

15.7.19

15.7.19

MÄRKTE

▼ 12486,56 (–0,20 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

15.7.19

Stand der Daten: 14.10.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

14.10.19

▼ 59,17 (–2,49 %)

14.10.19

▼ 1,1031 (–0,11 %)

Quelle

14.10.19

aus DAX und MDAX vom 14.10. zum Vortag

SartoriusVz. 171,30 +4,58 WWWWWWWWWWW

CompuGroup Med. 55,15

+2,41 WWWWWW

Dürr 24,88 +2,34 WWWWWW

ProSiebenSat.1 12,75 +2,08 WWWWWW

Rational 640,00 +1,75 WWWWW

DeutscheBörse NA143,85

Verlierer

+1,37 WWWW

ausDAX und MDAXvom 14.10. zumVortag

Hugo Boss NA 37,60 WWWWWWW –2,97

Gerresheimer 63,00 WWWWWW –2,10

Dialog Semic.NA 42,45 WWWWW –1,94

Aurubis 42,00 WWWWW –1,87

Software 25,39 WWWWW –1,74

LEG Immobilien 102,05 WWWWW –1,73

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 14.10. ±% z. 11.10.

Euro Stoxx 50(EU) –0,38

3589/2909 3556,26

CAC 40 (FR) – 0,40

5705/4556 5643,08

S&P UK (UK) – 0,46

1562/1323 1456,74

RTS (RU) – 0,64

1414/1033 1321,13

IBEX (ES) –0,29

9588/8286 9246,50

Dow Jones (US) –0,09

27399/21713 26791,67

Bovespa (BR) +0,37

106650/82783 104213,20

Nikkei (JP) +1,15

22959/18949 21798,87*

Hang Seng (HK) +0,87

30280/24541 26520,49

Stx Singap. 20 (SG) +0,82

1657/1350 1565,71

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,50 0,50 0,50

Advanzia **

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ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,14 0,14 0,13

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung


8* Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Meinung

Syrien und Türkei

ZITAT

Europa verdammt

sich zur Hilflosigkeit

Gordon Repinski

hält die deutsche Außenpolitik im

Nahen Osten für zu passiv.

Als am Montagmorgen bekannt wurde,

dass die syrischen Kurden das Assad-

Regime um Unterstützung gegen die türkischen

Angriffe baten, war der Super-

GAU europäischer Nahost-Politik vollendet.

Die wichtigsten Verbündeten im

Kampf gegen den Islamischen Staat waren

indie Hände des Diktators getrieben,

der eine der Schlüsselfiguren für die

Großkrise in der Region ist. Die mögliche

Verbrüderung der Kurden mit Baschar al-

Assad zeigt, wie hilflos die EU noch immer

ist, sobald sich die USA aus einem Konflikt

zurückziehen. Derangekündigte Rückzug

der US-Truppen aus der Region bedeutete

für den türkischen Präsidenten Erdogan

grünes Licht für seine Offensive in

Nordsyrien. Überraschend kam das nicht.

Immer wieder hatte Präsident Trump mit

dem Rückzug der Truppen aus der Region

kokettiert. Jetzt wirdervollzogen.

Die europäischen Regierungen müssen

sich fragen lassen, warum sie nicht

besser auf diesen erwartbaren Schritt vorbereitet

waren. Das amerikanische Interesse

an der Region hatte schon unter Barack

Obama nachgelassen. Derpolternde

Rückzug Trumps ist zwar unüberlegt und

unabgestimmt, er steht aber sogar in einer

gewissen außenpolitischen Kontinuität

zumVorgänger.Dass Europa gegen ein

zu erwartendes Machtvakuum nicht früher

Vorkehrungen getroffen hat – auch

mit einer größeren Präsenz in der Region

–rächt sich nun bitter.

Die Handlungsoptionen sind nun begrenzt.

Die von Außenminister Heiko

Maas angekündigten Einschränkungen

bei den Rüstungsexporten an die Türkei

gelten lediglich für einen Teil der Neugenehmigungen

und werden damit zur purenSymbolpolitik.

DieTürkei ist ohnehin

nicht abhängig von deutschen Exporten,

Die europäischen

Regierungen müssen

sich fragen lassen,

warum sie nicht besser

auf diesen

erwartbaren Schritt

vorbereitet waren.

sie bezieht längst auch vonrussischer und

anderer Seite Kriegsgerät. Empfindlicher

treffen kann die EU Präsident Erdogan

mit Wirtschaftssanktionen –denn längst

leidet die türkische Wirtschaft unter

schwachen Wachstumsaussichten.

Die Verbindung zwischen Assad-Regime

und Kurden in Nordsyrien bedeutet

eine enorme Eskalationsgefahr für die gesamte

Region. Geradezu unvorstellbar ist

das Szenario eines syrischen Militärschlags

in Richtung der Türkei als Reaktion

türkischer Angriffe. Dies würde den

Nato-Bündnisfall auslösen – die Nato-

Staaten wären verpflichtet, die Türkei zu

verteidigen. DasErgebnis wäreein einzigartiges

außenpolitisches Chaos.

Dieses Szenario und die neuerliche Eskalation

im Nahen Osten insgesamt zeigen,

wie wenig die alten Bündnisse der

Nachkriegszeit noch Wirksamkeit in der

Gegenwartentfalten. Es ist sicherheitspolitisch

geradezu naiv, sich wie Deutschland

an die Idee einer funktionierenden

Nato zu klammern, genauso wie an das

Konzept einer Schutzmacht USA.

Wenn Deutschland Außenpolitik gestalten

will, dann sollte am Anfang die Erkenntnis

stehen, dass dies gelegentlich

robustes Eingreifen erfordert. Dasbedeutet,

dass auch Deutschland gemeinsam

mit anderen Partnern Allianzen schmieden

und das Konfliktmanagement in Krisenherden

nahe Europas in die eigenen

Hände nehmen muss.InSyrien stand dieses

Szenario mehrfach zur Debatte, stets

wurde es verworfen. Dieheutige Hilflosigkeit

ist eine Folge davon. In Syrien bleibt

mittlerweile tatsächlich wohl nur noch

die Rolle des passiv entsetzten Beobachters.

Esist auch perspektivisch eine gefährliche

Position in einer unberechenbarenWelt.

Retter des Abendlandes

Die Ausstellung „Ost-Berlin. Die halbe

Hauptstadt“ läuft noch bis zum 10. November.

Und ich kann nur raten: nichts wie

hin ins Ephraim-Palais! Für Kinder und Jugendliche

ist der Eintritt frei. Während der

Herbstferien führte ich meine neunjährige

Enkelin und den dazugehörigen zwölfjährigen

Enkel dorthin. Die beiden sind je zur

Hälfte mit thüringischen, genauer Rudolstädter

Genen versehen und solchen aus

Westberlin. Sie kennen die Heidecksburg

besser als das Heidelberger Schloss. Sie ahnen

nicht, dass der„Bumerang“ vonJoachim

Ringelnatz dem gesamtdeutschen Kulturgut

zugerechnet werden soll, wohingegen die

„Eiche Hulda“ vonPeter Hacks aus einer von

manchen Leuten für fehlerhaft erachteten

Ostgegend stammt. Sie sind mit dem Sandmännchen,

der Raupe Nimmersatt, der

Grimm’schen Märchensammlung und den

Liedern von Reinhard Lakomy aufgewachsen.

Außer diesen beiden halb Ost-, halb

Westenkeln habe ich noch zwei halbfranzösische

und einen viertelgriechischen Enkel.

Sie verstehen sich untereinander prächtig.

Differenz macht das Leben zweifellos spannender.

Die Frage nach den früheren Mauerverhältnissen

interessierte meine durchaus aufgeweckten

Begleiter in der Ost-Berlin-Ausstellung

überhaupt nicht. Mit meinen

Grenz- und Zwangsumtauscherfahrungen

konnte ich landen. Aber gebannt schauten

sie sich die Fotos vom Zustand Berlins im

Jahr 1945 an, bestaunten das Modell des

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wieviel Religion braucht Deutschland?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Der Glaube

ist ein Tabu

MerveKayikci,

Journalistin und Podcasterin, verbringt mehr Zeit damit,

ihre Religiosität zu erklären, als sie zu leben.

KOLUMNE

Ost-Berlin im

Ephraim-Palais:

Nichts wie hin!

Götz Aly

Historiker

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Ich bin Muslimin. Das spüre ich. Das

sieht man mir an. Ich verstecke es

nicht. Ichtrage ein Kopftuch. Mansieht

es jedoch nicht allen Muslimen an. In

Deutschland gibt es rund vier Millionen

Muslime. Jeder von ihnen hat eine andere

Verbindung zum Islam und eine anderePerspektive

auf das Thema Glaube. Für die einen

bedeutet es nur innezuhalten und an Allah

zu denken, wenn sie haarscharf einem

Autounfall entgehen. Für die anderen bedeutet

es, sich fünfmal am Tag niederzuknien

und den Koranzurezitieren.

Für mich heißt es manchmal auch einfach

nur „Inschallah!“ zu sagen, wenn meine

Mutter mich fragt, ob ich an Weihnachten zu

Hause bin: So Gott will –also vielleicht, vielleicht

aber auch nicht. Ichbin mit diesen Begriffen

aufgewachsen: „Elhamdulillah, Inschallah,

Subhanallah“ –und meine Eltern

haben sie stolz und laut ausgesprochen.

Ichdenke sie oft nur und flüsteresie leise

vor mich hin. Ich traue mich gar nicht mehr

richtig, sie vor anderen zu benutzen. Ich

möchte niemanden damit verschrecken, der

ihreBedeutung nicht kennt. Doch selbst andere

Muslime grüße ich manchmal nur mit

einem „Hallo“, anstatt mit unserem Friedensgruß

„As-salamu alleikum!“.

Ich habe Angst davor, abgestempelt zu

werden. Ich trage schon ein Kopftuch und

muss gerade deshalb immer wieder beweisen,

dass ich logisch denken kann. Dass ich

wissenschaftliche Erkenntnisse nicht

leugne. Dass ich gut Deutsch spreche und

nicht daran glaube, dass Bittgebete eine Erkältung

heilen können. Schaden können sie

allerdings auch nicht.

Wenn mir dann aber wieder ein „Allah“-

Spruch rausrutscht, war die ganze Mühe

umsonst.Wenn ich erzähle,dass ich an unseremheiligen

Monat Ramadan zwölf Stunden

nichts esse und trinke. Die Menschen können

nicht verstehen, wie jemand intelligent

und trotzdem gläubig sein kann. Glaube erscheint

vielen Menschen hier als etwas Irrationales.

Deshalb verschwindet Religion

auch immer mehr aus dem öffentlichen

Raum. Dortist sie sowieso nicht erwünscht.

Daszeigen die ganzen Diskussionen über

Kopftuchverbote an Schulen. Die ständig

wiederkehrende Frage „Gehört der Islam zu

Deutschland?“ Dass es an Universitäten ein

Problem ist, wenn Studenten dortbeten wollen

und die Obsession mit dem sogenannten

„neutralen Raum“ – ein scheinbar neues

Heiligtum der deutschen Leitkultur. Mein

Kopftuch reizt die Grenze der tolerierbaren

Glaubensfreiheit aus.

Anderewiederum trauen sich gar nicht an

diese Grenzen ran. Es gibt Christen, die sich

danach sehnen, ihren Freunden auch nur erzählen

zu können, dass sie nicht nur wegen

steuerlicher Vorteile heiraten wollen. Sondern

weil sie vor Gott einen Bund schließen

möchten. Über Glauben zu sprechen, wurde

mit der Zeit immer mehr zu einem Tabu. Spiritualität

wird imYoga-Raum geduldet. Wer

an einem Krankenbett ein Gebet sprechen

möchte,darfdas auch gerne tun. Aber im Alltag

bekommt man schnell ein Augenrollen,

wenn man vonGottvertrauen spricht.

Ich verbringe mehr Zeit damit, meinen

Glauben zu erklären und zu rechtfertigen,

statt ihn zu leben. Man muss nicht verstehen,

wie ein erwachsener Mensch an ein Jenseits

glauben kann. Warum kann man es

nicht einfach akzeptieren? Glauben macht

mich nicht zu einer irrationalen, esoterischen

Spinnerin. Glauben bewirkt nicht,

dass ich stillschweigend Repression über

mich ergehen lasse.Dass ich weniger frei bin

oder zu einem militanten Staatsfeind werde.

Der Islam erinnert mich daran, dass ich

nicht das Wichtigste auf dieser Welt bin. Er

macht mich demütig, dankbar und barmherzig.

Für andere Muslime mag es womöglich

etwas anderes bedeuten. Für Leute anderen

Glaubens auch. Ichwill meine Religiosität

in Deutschland nicht verstecken müssen

und meinen Kindern irgendwann stolz

und freudvoll islamische Sprüche zurufen.

DDR-geprägten Wiederaufbaus von Berlin-

Mitte: der Fernsehturm, die Fischerinsel, die

Leipziger Straße, der Alex. Es lag ihnen fern,

irgendetwas als vorgestrig oder hipp zu beurteilen.

Fieberhaft suchten sie überall im Historischen

nach dem Heutigen. Das Reiterstandbild

von Friedrich dem Großen erkannten

sie sofort. Gerne ließen sie sich am

Modell zeigen, dass die Generäle auf dem Sockelrelief

auf den Prachtseiten prunken, wohingegen

die Geistesgrößen Lessing und

Kant unter dem Pferdehinternplatziertwurden.

Diese Verbildlichung des sogenannten

Macht- und Geistesstaats Preußen werden

sie sich womöglich merken. Diemusealisierten

Reste einstiger Stalin- und Leninstatuen

ließen sie unbeachtet, weil sie aus ihrer realen

Welt verschwunden sind. Auf dem riesigen

offiziellen Stadtplan von Ost-Berlin auf

dem Boden des Foyers,der so angelegt ist, als

hätte es Westberlin nicht gegeben, interessierte

sie ihre Schule und Schmöckwitz,

denn dort wohnt seit Jahrzehnten ihr sehr

beliebter Urgroßonkel Rudi.

Besonders überraschte sie das Schild

„Bersarinstraße“. Sie kennen es gut, denn

normalerweise ziert esmeinen Flur. Derzeit

hängt es in der Ausstellung. Wie ich 1992 in

den Besitz des guten Stücks gelangte, berichte

ich in dem von Ausstellungskurator

Jürgen Danyel herausgegebenen Begleitband

„Ost-Berlin. 30 Erkundungen“. Damals

stritt ich nämlich für den Erhalt der Bersarinstraße.Immerhin

gelang es 1991/92 wenigstens,den

Bersarinplatz vordem Rückbenennungsfuror

zu retten und damit das ehrende

Gedenken an den ersten sowjetischen Stadtkommandanten

vonGroßberlin Nikolai Bersarin.

Nutzen Sie, liebe Leserinnen und Leser,die

nächsten drei Wochen undbesuchen

sie die gut gemachte Ausstellung „Ost-Berlin“

mit ihren Kindern oder Kindeskindern.

Lassen sie sich dabei einfach assoziativ befragen

und erzählen Siedie Geschichten, die

Ihnen wichtig und mitteilenswertsind.

„Stimmt heute Abend für

den guten Mann Sean

Spicer bei ‚Dancing with

The Stars‘. Er war immer

gut zu uns!“

Donald Trump, US-Präsident, findet neben der Politik

noch Zeit, alteWeggefährten viaTwitter zu unterstützen.

AUSLESE

Polen und die

nationale Revolution

Der Wahlsieg der nationalkonservativen

Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit

(PiS) bei der Parlamentswahl

in Polen stößt auf geteiltes Echo. „Die

Gegner der PiS haben jetzt eine harte

Nuss zu knacken“, meint die konservative

polnische Zeitung Rzeczpospolita. „Egal,

ob man mit dem Urteil der Wähler einverstanden

ist oder nicht: Die Wahlbeteiligung

in Rekordhöhe ist ein Zeichen dafür,

dass die Polen beschlossen haben, die Sache

in die eigenen Hände zu nehmen. Das

gibt dem Sieger ein wirklich starkes Mandat.“

Die Zeitung weist aber auch auf die

Spaltung des Landes hin: „55 Prozent der

Stimmen entfielen auf Parteien, die die

PiS erbittert kritisiert haben ... Es ist auch

ihr Vaterland und die PiS ... wird sich damit

abfinden müssen.“

„Wenn die PiS tatsächlich allein regieren

kann, dann muss man sich darauf

einrichten, dass sie ihre‚nationale Revolution‘

vollenden wird“, meint dagegen

die linksliberale polnische Zeitung Gazeta

Wyborcza. „Der Angriff wird sicherlich

zuerst auf die Medien erfolgen –und

dann auf die Gerichte und die Kommunalverwaltungen.“

Die Neue Osnabrücker

Zeitung sieht das ähnlich: „Der

Name ‚Recht und Gerechtigkeit‘ der polnischen

PiS-Partei stimmt nur zur

Hälfte“, heißt es dort. „Das Recht im

Sinne einer unabhängigen Justiz ist nämlich

ihre Sache nicht, die Regierungspartei

hat im Gegenteil die Justiz unter ihre

Kontrolle gebracht. Das Problem: Die

meisten Polen interessieren sich nicht so

sehr für ihreGerichte,sondernviel mehr

für Gerechtigkeit, solange diese ihnen eigene

Vorteile bringt.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Geht in die

Verlängerung: Die

Straßenbahn vom

Hauptbahnhof

Seite 12

Körperkunst: Der Cirque du Soleil kommt dauerhaft in die Hauptstadt Seite 13

Currykunst: Auf eine Wurst mit Gregor Gysi Seite 11

Stadtbild

Berliner

Umwelt

Nasta Reznikava

vermisst die Nachhaltigkeit.

Imtiefsten Osteuropa sitzend hatte

ich immer den Eindruck, Nachhaltigkeit

und umweltbewusstes Verhalten

seien in Deutschland quasi

geboren.

Berlin stellte ich mir als Hauptstadt

des Umweltbewusstseins vor:

Bücher würden hier nur auf dem

Kindle gelesen werden, man würde

überall ausschließlich erneuerbare

Materialien verwenden, und es

würde in der Stadt von Vegetariern

und Kolonnen von Elektroautos nur

so wimmeln. So hatte ich mir das

vorgestellt.

Aber schon mein erster Taginder

deutschen Hauptstadt brachte die

Ernüchterung für mich: Als in der S-

Bahn eine Frau mit einem To-Go-

Kaffeebecher vor mir stand, begann

ich zu verstehen, dass ich mich anscheinend

getäuscht hatte.

Ich habe fast mein ganzes Leben,

also 29 Jahre, in Osteuropa verbracht,

genauer genommen in der

weißrussischen Hauptstadt Minsk.

In Belarus hat kaum jemand außer

ein paar Ökofreaks von dem Thema

Nachhaltigkeit oder gar von wiederverwendbaren

Bechern gehört. Vor

einigen Monaten begleitete ich eine

belarussische NGO bei ihrer Reise

mit dem Busnach Deutschland. Der

Leiter der Gruppe hatte für das ganze

Team, 20 Personen waren es, Mehrwegbecher

für die Kaffeepause mitgenommen.

An der Grenzefragte der

weißrussische Zollbeamte:„Wowollt

ihr denn hin? Aha, nach Deutschland

für zehn Tage? Glaubt ihr, die

Deutschen haben keine Becher oder

was?“

Wie auch immer. Naklar haben

die Deutschen Becher.Aber in Berlin

würde doch bestimmt niemand Essen

in Plastikverpackung kaufen. Zumindest

die Greta-Generation nicht.

Aber schon an meinem zweiten Tag

wurde ich eines Besseren belehrt.

Eine junge Frau legt in einem Discounter

eine Packung Avocados in

ihren Korb.Sie sind in Plastik gehüllt.

Welchen Sinn hat denn das Plastiktüten-Verbot,

was nächstes Jahr in

Kraft treten soll, wenn das Gemüse

und das Obst sowieso in Plastik verpackt

wird? Hier drei Avocados, da

zwei Passionsfrüchte, daneben fünf

Paprikas.

Eine Woche lang suche ich jetzt

schon erfolglos nach einem Wochenmarkt

in Lichtenberg, wo ich

gerade wohne. Wochenmärkte sind

tatsächlich ein Wahrzeichen in vielen

osteuropäischen Ländern. Polen,

Belarus, die Ukraine, die Slowakei.

Die Obst- und Gemüseverkäufer

sind überall: im Zentrum der Stadt,

in den Plattenbauten-Bezirken, an

den U-Bahn-Ausgängen. Obst und

Gemüse werden in diesen Ländern

nicht im Supermarkt gekauft. In Berlin

fühle ich mich von den Bauern

fast verlassen. Wo stecken sie denn

alle mit ihren festkochenden Kartoffeln

und süßen Äpfeln?

Tja, das berlinische Umweltparadies

existiertnicht. DieAutos fahren

weiter wie früher im Zentrum

der Stadt, Werbung wird weiter auf

Papier gedruckt und Fleisch ist immer

noch bei vielen Berlinern beliebt.

Das Umweltparadies bleibt

eine Utopie. Bis jetzt zumindest.

Aber ich bin ja noch ein paar Monate

hier.

Herbst im Sommerlook

Dann kam er doch noch, der goldene Oktober.Inder vergangenen Woche

deutete wenig daraufhin, nun lässt sich der Herbst doch noch einmal

dazu herab, sich von seiner angenehmeren Seite zu zeigen. Sehr

zum Wohlbefinden der Hauptstädter,die wie hier das Wetter zu einem

Spaziergang im Tiergarten nutzen. Wie auf einem Gemälde sieht der

Soko Leine

In dieser Woche werden von den Ordnungsämtern vermehrt die Hundehalter kontrolliert

VonMikeWilms

Die Ordnungsämter der

Bezirke gehen in dieser

Woche verstärkt gegen

Hundehalter vor, die sich

nicht an die Leinenpflicht halten.

Für den stadtweiten Schwerpunkteinsatz,

der bis Sonntag dauern soll,

schicken sie einen Großteil ihrer Mitarbeiter

auf die Straßen und in die

Parks. Corinna Rosenthal und Janine

Jäger vom Ordnungsamt Mitte sind

eines der Zweier-Teams, die seit

Montagfrüh zu gezielten Kontrollen

ausrücken. Ihr Revier, der Volkspark

Rehberge, gehört zuden Orten mit

besonders vielen Verstößen gegen

das Berliner Hundegesetz. „Zahlreiche

Spaziergänger beschweren sich

über freilaufende Hunde“, sagt Jäger.

MitPfefferspray und Schlagstock

Im Einsatz: Corinna Rosenthal (l.) und Janine Jäger.

Leinenpflicht: Seit dem

1. Januar gilt in Berlin die

allgemeine Leinenpflicht für

Hunde in der Öffentlichkeit.

Allerdings fallen rund 80

Prozent der rund 108 700

angemeldeten Hunde unter

die zahlreichen Ausnahmen.

SPIELREGELN FÜR HUND UND HERRCHEN

Hunderegeln im Park: Auf

geschützten Grünflächen

müssen alle Hunde an der

Leine geführtwerden. Auf

Spielplätzen haben Hunde

keinen Zutritt. Halter sollten

mit ihren Tieren Hunde-

Auslaufgebiete besuchen.

Park aus,die Brücke spiegelt sich im Teich und wenn Siesich auch noch

ein paar Stunden Sonne gönnen wollen, dann bleiben Ihnen noch rund

zwei Wochen. Jedenfalls,wenn man der Wettervorhersage traut, soll es

sonnig bleiben, aber gemäß der Jahreszeit ein wenig kühler werden.

Mankann ja auch was Dickeres anziehen. (mpw.)

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Gefährliche Hunde: Für alle

Vierbeiner,die aufgrund ihrer

Rassenzugehörigkeit als

„gefährliche Hunde“ gelten,

gibt es eine Maulkorb- und

Leinenpflicht. Ihre Halter

müssen einen Sachkundenachweis

erbringen.

Im Einsatz müssen die Frauen damit

rechnen, dass Hundehalter aggressiv

und beleidigend auf Ermahnungen

reagieren. Zum Schutz tragen die

Ordnungsamtsmitarbeiterinnen

Pfefferspray und Schlagstöcke bei

sich. „Dass die Leute bei Beanstandungen

durchweg freundlich bleiben

und einsichtig sind, ist nicht

selbstverständlich“, sagt Jäger.

Auf Hundestreife im Volkspark

Rehberge verschaffen sich die Kontrolleurinnen

am Montag zuerst einen

Überblick. Mit einem VW-Bus

des Ordnungsamts fahren sie über

die Parkwege und halten Ausschau

nach Hundehaltern, die ihre Tiere

ohne Leine laufen lassen. Seit 1. Januar

gilt in Berlin die allgemeine Leinenpflicht

für Hunde in der Öffentlichkeit.

Zwar gibt es viele Ausnahmen,

aber in geschützten Grünanlagen

ist keine Abweichung gestattet.

Über die Frage, obihre Einsätze

manchmal ohne festgestellte Verstöße

enden, können die Kontrolleurinnen

nur müde lächeln. Tatsächlich

dauert esamMontag nur Minuten,

bis Janine Jäger und Corinna Rosenthal

aus ihrem VW-Bus aussteigen

und die erste Parkbesucherin ansprechen.

Mankann sich das wie eine polizeiliche

Verkehrskontrolle vorstellen.

Nurmuss statt dem Führerschein

der Personalausweis vorgezeigt werden.

„Wir haben gesehen, dass SieIhrenHund

nicht an der Leine führen“,

sagt Janine Jäger zu der etwa 25-jährigen

Hundehalterin. Für den Verstoß

sei ein Bußgeld vorgesehen. Wortkarg

und widerwillig dreinschauend lässt

die Hundehalterin die Prozedur über

sich ergehen. Die Kontrolleurinnen

bleiben betont freundlich. Miteinem

DPA

Chipgerät lesen sie den Registrierungschip

aus, den der Hund unter

der Haut trägt. Sie kontrollieren die

Steuermarke und Halteradresse am

Halsband des Tieres.Das Ganzedauert

nur wenige Minuten. „Sie hören

dann noch einmal von der Sache“,

verabschieden sich die Ordnungsamtsmitarbeiterinnen

von der Hundehalterin.

Beleidigung kostet extra

Wie hoch ein Bußgeld ausfällt, wird

noch nicht an Ort und Stelle entschieden.

„Der Sachbearbeiter in der

Behörde kann später am Computer

sehen, ob es der Erstverstoß eines

Hundehalters war“, sagt Corinna Rosenthal.

Falls ja, werden für einen

Verstoß gegen die Leinenpflicht in

einer Grünanlage 35 Euro fällig. Falls

nein, ist ein höheres Bußgeld möglich.

Kommteine Beleidigung hinzu,

können es durchaus 150 Euro sein.

In kurzer Folge ertappen Janine

Jäger und Corinna Rosenthal an diesem

Montag vier Hundehalter, die

ihreTiereohne Leine durch den Park

laufen lassen. In einem Fall kommt

es zu einer Konfrontation: Bei der

Kontrolle einer Frau mischt sich ein

Passant ein. Er hat ebenfalls einen

Hund bei sich und trägt eine Tätowierung

am Hals.„Ist jalächerlich!“,

brüllt er.„Ihrzweiwollt Beamte sein,

lest doch erst mal das Grundgesetz!“

Es bleibt bei Worten. Der Mann verzieht

sich. Eine Anzeige will er doch

nicht riskieren. Diestadtweiten Kontrollen

zur Leinenpflicht sollen noch

bis Sonntag andauern. Die Ergebnisse

werden in der kommenden

Woche bekannt gegeben.

MikeWilms

findet, dass es Zeit wurde

für diese Aktion.

NACHRICHTEN

Besetztes Bahngrundstück

in Marzahn geräumt

Mitetwa 250 Einsatzkräften hat die

Polizei ein besetztes Gelände der

Deutschen Bahn in Berlin-Marzahn

geräumt. ElfMenschen wurden auf

dem Areal angetroffen, wie ein Sprecher

am Montagnachmittag sagte.

Neun vonihnen wurden demnach

entlassen, nachdem ihreIdentität

festgestellt wurde.ZweiLeute seien

festgenommen worden. Gegen einen

habe ein Haftbefehl vorgelegen.

Eine Gruppe namens„DieselA“ hatte

auf der Fläche an der Alten Börse seit

Ende September eine Wagenburg

mit Fahrzeugen erbaut, um damit

gegen Gentrifizierung und für mehr

Wohnraum zu protestieren. DiePolizeieröffnete

diverse Ermittlungsverfahren

unter anderem wegen Hausfriedensbruch.

(dpa)

Polizei identifiziert

U-Bahn-Schläger

DurchHinweise aus der Öffentlichkeit

hat die Polizei einen mutmaßlichen

U-Bahn-Schläger identifizierenkönnen.

MehrereZeugen hätten

den Mann auf den veröffentlichten

Fahndungsfotos erkannt, teilte die

Polizei am Montag mit. Er wirdverdächtigt,

im Februar eine Frau in der

U-Bahn attackiertzuhaben. Damals

hatte ein Mann einer 26-Jährigen

unvermittelt ins Gesicht geschlagen,

als er einen Waggon der Linie 1im

Bahnhof Hallesches Torverließ. Mit

Bilderneiner Überwachungskamera

suchte die Polizei nach dem Täter.

Angaben zum Tatmotiv sowie zur

Identität des mutmaßlichen Täters

machte die Polizei mit Verweis auf

die laufenden Ermittlungen vorerst

nicht. Ob der Mann ergriffen werden

konnte,war zunächst offen. (dpa)

Müller will engeren

Austausch mit Singapur

Unterwegs in Asien: der Regierende Bürgermeister

Michael Müller. IMAGO IMAGES

Berlins Regierender Bürgermeister

Michael Müller macht sich für eine

engereKooperation der Hauptstadt

mit Singapur stark.„Es gibt große Potenziale

für die Zusammenarbeit

vonBerlin und Singapur“, sagte der

SPD-Politiker am Montag auf einem

Wirtschaftssymposium in dem südostasiatischen

Stadtstaat. Als Beispiele

nannte er die Digitalisierung,

die Gesundheitsversorgung oder das

Wachstum beider Städte.Auf solche

großen Fragen der Zukunft könnten

beide Metropolen gemeinsam Antworten

finden. Dasgelte auch für

den Klimaschutz, bei dem Singapur

Vorreiter in Asien sein wolle.Müller

war mit einer Wirtschaftsdelegation

am Sonntag nach Singapur geflogen.

Höhepunkt der viertägigen Reise soll

am Mittwoch die Eröffnung der Tourismusmesse

ITB Asia sein, einem

Ableger der Internationalen Tourismus-Börse

ITB in Berlin. (dpa)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Berlin

Der Konflikt hat Berlin längst erreicht. Pro-kurdische Demonstranten am Montag am Brandenburger Tor.

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER; CAMCOP/ANDREAS KLUG

Der tägliche Horror

Die Invasion der türkischenArmeeinden Kurdengebieten Nordsyriens ist in vollem Gange. In Berlin bangen viele Kurden mit ihren Angehörigeninder altenHeimat

VonAndreas Kopietz

und Elmar Schütze

Mehrere hundert Menschen

haben am Montag

am Brandenburger

Torgegen die Invasion

der Türkei in den Kurdengebieten Syriens

demonstriert. Bei der Kundgebung

die am späten Nachmittag begann,

skandierten die Demonstranten

Parolen wie „Erdogan –Kindermörder“

und forderten einVerbot der

deutschen Waffenexporte in die Türkei.

Zu Gewalt wie in den vergangenen

Tagen kam es dabei nicht.

DenTag über hatte es an mehreren

Orten in der Stadt kleinereBlockade-

Aktionen gegeben, zu denen ein

Bündnis „Riseup4Rojava“ aufgerufen

hatte –Rojava ist der Name des Kurdengebiets

im Norden Syriens. Am

Montagmorgen hatte es bereits eine

Demonstration gegen Waffenexporte

vor ThyssenKrupp am Friedrich-

Krause-Ufer in Moabit gegeben.

Ebenso sollte es eine Blockade der

Türkischen Botschaft an der Tiergartenstraße

geben. Doch nur eine Person

fand sich nach Angaben einer Polizeisprecherin

ein. Am Vormittag

blockierten laut Polizei etwa 50 Demonstranten

den Zugang zum Büro

der Bundeswehr in der Friedrichstraße.Die

Demonstranten skandierten

unter anderem„Alle Besatzer raus

aus Kurdistan.“ Armeeangehörigen

wurde der Zugang verwehrt.

Die ganze Woche über soll unter

dem Motto „Jeder Tagist TagX–Aufruf

zum Handeln!“ deutschlandweit

und in Berlin protestiert werden. Für

seine Mobilisierung nutzt das Bündnis

beim Messengerdienst Telegram

einen Kanal, für den auch auf linksextremistischen

Internetseiten geworben

wird. Wurde für Anfang der

Woche zur Blockade von Büros, Ausstellungsräumen

und Produktionsstätten

deutscher Rüstungsunternehmen,

die Waffen in die Türkei lieferten,

aufgerufen, sollten am Mittwoch

Redaktionen lokaler Zeitungen,

Fernsehsender oder Radios an der

Reihe sein. Damit wolle man eine aus

Sicht der Aktivisten „wahrheitsgemäße

Berichterstattung“ einfordern.

Proteste gibt es seit Beginn der Invasion.

Am Donnerstag zogen Demonstranten

durch Mitte und Kreuzberg.

Als türkische Nationalisten sie

mit dem „Wolfsgruß“ provozierten,

„Niemand kann mehr gut schlafen,

jeder hat dortFamilie.Esist eine Katastrophe.

Wenn sich der IS durchsetzt,

kann man im kurdischen Siedlungsgebiet

nicht mehr leben.“

wurden sie vonden Protestierernangegriffen.

Als Polizisten einschritten,

wurden auch sie mit Steinen und

Schlägen attackiert. In der Nacht zu

Freitag hatten Unbekannte am Halleschen

Ufer ein Auto der türkischen

Botschaft angezündet. Der Staatsschutz

geht von einem Zusammenhang

mit dem Syrien-Türkei-Konflikt

aus.

Süleyman Mohammed,

Vorstandsmitglied der Kurdischen Gemeinde

Am Sonnabend bewegte sich ein

Zug aus mehreren Tausend pro-kurdischen

Demonstranten durch

Kreuzberg und Neukölln. Dabei kam

es zu Böller- und Flaschenwürfen

und Angriffen auf Polizisten. Nebeltöpfe

wurden gezündet. Demonstranten

zeigten Bildnisse des inhaftierten

Kurden-Führers Abdullah

Öcalan. Die Bilanz: sechs Festnahmen,

17 Ermittlungsverfahren, unter

anderem wegen schweren Landfriedensbruchs,

gefährlicher Körperverletzung

und versuchter Gefangenenbefreiung.

Vier Polizisten wurden

leicht verletzt.

Süleyman Mohammed ist einer

der Demo-Anmelder. Im Gespräch

mit der Berliner Zeitung berichtet der

Funktionär der Kurdischen Gemeinde

vonregelmäßigen Kontakten

mit Verwandten und Mitstreitern in

der alten Heimat. Natürlich halte

man „Direktkontakt zu unseren

Kämpfern“, sagt der 59-jährige gebürtige

Iraker. Erst am Morgen habe

er mit Daheim telefoniert. In dem

Büro inNeukölln mit seinen bunten

Gemälden aus der alten Heimat an

den Wänden läuft ununterbrochen

der Fernseher.Ein kurdischer Sender

berichtet aus dem Kriegsgebiet.„Es ist

eine ganz schlechte Zeit“, sagt Mohammed.Waseraus

dem kurdischen

Gebiet in der Türkei, Syrien und dem

Irak höre, seien sehr schlechte Nachrichten.

„Niemand hier kann mehr

schlafen. Jede Minute kann etwas

Fürchterliches passieren.“

Süleyman Mohammed mag ungern

über seine Familie sprechen,

seine Angehörigen, die im Konfliktgebiet

leben. Wohler fühlt er sich, wenn

er seinem Besucher die politische

Lage erklären kann. Er sagt, was man

auch hier in den Nachrichten hört:

Dass die Kurden ein friedliebendes

Volk seien, das über Jahrtausende mit

den vielen Nachbarvölkern der Region

gut zusammenlebe. Dass man

sich jetzt alleingelassen fühle, nachdem

man doch heldenhaft die Islamisten

vomISbesiegt habe.Dass bei

Bombardements auf Gefängnisse inhaftierte

IS-Kämpfer freigekommen

seien und diese jetzt Rache nehmen

wollten. Dass dann eine Flüchtlingswelle

von bis zu drei Millionen Menschen

nach Europa drohe. Dass man

weder US-Präsident Donald Trump

noch Syriens Staatschef Baschar al-

Assad trauen könne.

Während des Gesprächs hat sich

Hassan Dejoar im Hintergrund gehalten.

Später berichtet der 30-Jährige,

dass er alle zwei Tage mit seinen Leuten

telefoniere, die er erst vor einem

Jahr verlassen habe, als er sich nach

Deutschland aufmachte.Erhabe acht

Verwandte in der MilizYPG,„fünf von

ihnen sind verwundet“. Das Bangen

geht weiter.

Alte Steine –junge Kunst

„Glücklich unterwegs …und frei“: Ein Fontane-Projekt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Ruppiner Land, in der Kirchenruine von Ganzer bei Wusterhausen/Dosse

VonIngeborg Ruthe

Das Dorf Ganzer in der einstigen

Grafschaft Ruppin hatte im Mittelalter

nacheinander zwei Rittergüter

und eine schnörkellos schöne

märkische Kirche. Den Dichter

Theodor Fontane führten seine

Wanderungen auch durch das Gebiet

um Wusterhausen/Dosse, hier

machte er im Jahr 1878 Station.

Ob er das wohl damals schon arg

vom Zahn der Zeit angenagte Kirchlein

betreten hat, ist nicht überliefert.

Und wer hätte damals auch

schon ahnen können, dass fast 100

Jahre später zu realsozialistischen

Zeiten nur der Abriss des Gotteshauses

blieb. Die Ruine war einsturzgefährdet,

die Kirchgemeinde ins fast

Unsichtbare geschrumpft. Der

kleine Rest musste zum Gottesdienst

in den NachbarortWusterhausen.

Nun, im Fontane-Jahr, hat sich

viel getan. Besucher stehen in Ganzerstaunend

an der malerischen Kir- Nur noch zu erahnen ist anhand der Mauerruine die einstige Architektur der mittelalterlichen Kirche zu Ganzer.Junge Künstler fügten ihre Spuren hinzu. KUNSTHOCHSCHULE WEIßENSEE

chenmauer vororiginellen, auch geheimnisvollen

Objekten oder am

Grabmal der Familie vonWahlen Jürgaß,

vondem Fontane schrieb,essei

„mehr ein architektonisch gehaltenes

Monument“.

Im Sinne des Fontane-Zitats „Es

ist und bleibt ein Glück, vielleicht

das Höchste, frei atmen zu können“

haben 16 Bildhauer-Studenten der

Kunsthochschule Berlin-Weißensee

mit ihrem Professor Hannes Brunner

die Mauerreste der Kirche als „Bildflächen“

oder „Sockel“ genommen.

Die jungen Leute bezogen die Einwohner

von Ganzer ein, ihre Arbeiten

halten Zwiesprache mit den geschichtsträchtigen

Back-, Feld- und

Raseneisen-Steinen. Entstanden

sind ganz eigene kleine Kunstgeschichten,

die jeder Besucher für

sich lesen und interpretieren kann.

Ganzer, Wusterhausen/Dosse, bis31. Oktober,

jederzeit begehbar

www.kunstakademie-ganzer.de


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 11 *

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Berlin

Kostenlos

übers Eis

flitzen

Neuköllner Eisstadion

startet in die neue Saison

ImHorst-Dohm-Eisstadion in Wilmersdorf

kann man schon seit

dem 5. Oktober auf Schlittschuhen

seine Runden auf dem 400-Meter-

Ring drehen, die Eisstadien im Wedding

und in Neukölln starten erst

dieses Wochenende in die neue Saison.

Der Neuköllner Sportpark veranstaltet

dazu am Freitag, 18. Oktober,

sogar einen Tagder offenen Tür, an

dem der Eintritt frei ist. Von16bis

19 Uhrkann man sich an diesem Tag

für die neue Saison kostenlos warmlaufen.

Ab Sonnabend gelten dann

die üblichen Eislaufzeiten und Eintrittspreise.

Erwachsene zahlen –

hier wie in den anderen staatlichen

Eissportstadien –3,30 Euro und Kinder

1,60 Euro.

Das nach einer Weddinger Bezirksbürgermeisterin

benannte Eisstadion

in der Müllerstraße 185 lässt

am Sonnabend, 19. Oktober, erstmals

Hobbyläufer auf die Freiluft-

Lauffläche hinter der Eishalle. Von

9bis 12 Uhr dauert die allererste

Laufzeit, nachmittags ist am Sonnabend

von15bis 17.30 Uhrgeöffnet.

Unter freiem Himmel findet auch

der Publikumslauf im Wilmersdorfer

Horst-Dohm-Eisstadion statt. Die

Anlage verfügt nicht nur über einen

Eisschnelllaufring, sondern auch

über eine rechteckige Fläche in der

Mitte der Anlage, die aber nicht immer

der Öffentlichkeit zur Verfügung

steht. Später als vorgesehen beginnt

die Saison im Sportforum Hohenschönhausen.

Eine Havarie verhinderteden

für den 16. September geplanten

Saisonstart. (ost.)

Herr Gysi, Straßen blockieren und

Menschen den Weg zur Arbeit erschweren

–ist das, was Extinction

Rebellion betreibt, in Ihren Augen

eine zulässige Protestform?

Protest muss im übertragenen

Sinne auch wehtun, wenn Aufmerksamkeit

für das Anliegen und

ein Umdenken erreicht werden

soll. Das ist bei Streiks für höhere

Löhne und bessere Arbeitsbedingungen

nicht anders. Sie treffen

ebenfalls Unbeteiligte, Unschuldige.

Die Akteure von Extinction

Rebellion tragen ihren Protest

friedlich auf die Straße –dieser zivile

Ungehorsam ist zulässig. Die

jungen Leute sehen ihre persönliche

und die gesellschaftliche Zukunft

durch die zögerliche Politik

gegen den Klimawandel gefährdet

und wollen das nicht hinnehmen.

Natürlich müssen sie Maßwahren.

Ist esklug, andere gegen sich aufzubringen,

um für ein hehres Anliegen

wie den Klimaschutz zu

kämpfen?

Darüber kann man streiten.

Wenn das Pflegepersonal streikt,

werden ja auch Menschen betroffen,

die mit den Tarifverhandlungen

nichts zu tun haben. Die meisten

haben dennoch Verständnis,

weil sie finden, dass diese Berufsgruppen

wie andereauch einen angemessenen

Lohn verdienen. In

der Klimafrage ist der Zusammenhang

nicht so direkt und es geht um

einen viel größeren zeitlichen Horizont.

Das erschwert esvielleicht,

Verständnis aufzubringen, wenn

man im Stau steht, weil eine Brücke

blockiert wird. Aber die Berlinerinnen

und Berliner sind ja durch

Baustellen und Großveranstaltungen

ohnehin starken Kummer gewöhnt

–nach einem Taghaben sie

sich schon darauf eingestellt.

Ganz allgemein: Wie weit darf demokratischer

Protest gehen?

Er muss letztlich demokratische

Prozesse in Bewegung brin-

Gastbeitrag

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar

Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt

bewegt. Kurz und klar,ein paar Minutennur,

solange man eben zusammensteht für eine

Curry am Mittag. Unser Thema in dieser Woche:

gen, in denen am Ende demokratische

Mehrheiten für die mit dem

Protest artikulierten Anliegen gewonnen

werden. Die jungen Leute

von Fridays for Future haben

Protest und seine Formen

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

schon eine Menge in Bewegung

gebracht. Vielleicht sollten wir mal

30 Jahre zurückschauen. Die Runden

Tische in der DDR haben in einer

existenziellen Situation gesellschaftlichen

Akteuren Einfluss auf

demokratische Verhandlungen

und Entscheidungen gegeben, die

nicht in den Parlamenten saßen,

aber den Protest auf der Straße geprägt

hatten. Ich fände einen Runden

Tisch zum Klimaschutz

durchaus angemessen.

Wie sehr lässt sich Politik durch

Druck von der Straße beeindrucken?

Politik darfsich nicht davon abhängig

machen, aber ist gut beraten,

veränderten mehrheitlichen

Zeitgeist zu berücksichtigen. Man

kann dies im Übrigen auch sehr

einfach dadurch realisieren, dass

man die Bevölkerung direkter

über Volksentscheide auch auf

Bundesebene in die Gesetzgebung

mit einbezieht.

Muss man eigentlich immer erst

laut werden, um in einer Demokratie

gehört zuwerden?

Entscheidungen in der Demokratie

dauern länger, nicht selten

auch zu lang. Und wir haben zu

wenige Mechanismen, um in der

Gesellschaft entstehende Impulse

demokratisch zur Wirkung zu

bringen. Schon deshalb müssen

sie lautstark zu Gehör gebracht

werden.

Sie selbst haben ja mal mit einem

Hungerstreik gegen das Finanzamt

aufbegehrt, das eine Steuerforderung

von 34Millionen Mark gegen

die PDS vollstrecken wollte. War

das –imNachhinein betrachtet –

ein kluger Protest?

Es waren, glaube ich, sogar 67

Millionen Mark, mit deren Zahlungsverpflichtung

die PDS am

Ende gewesen wäre. Genau darum

ging es auch der damaligen Bundesregierung.

Der Hungerstreik

hat sicher geholfen, dass dieses

Vorhaben schnell fallengelassen

wurde. Obich das heute noch mal

durchhielte? Eine Currywurst

kann schon sehr verlockend sein.

Schwimmen

unterm

Tragluftdach

Baubeginn an Außenbecken

des Kombibads Seestraße

AmDonnerstag beginnen die Bauarbeiten,

mit denen die beiden

Außen-Schwimmbecken des Kombibads

an der Seestraße im Wedding

mit einer Tragluftkonstruktion überdacht

werden. Sport-Staatssekretär

Aleksander Dzembritzki wirdmit den

Vorständen der Berliner Bäder-Betriebe

(BBB), Johannes Kleinsorgund

Annette Siering, das Startsignal geben,

mit dem die ersten Anker gesetzt

werden, die die aufgeblasene Halle

am Boden halten.

Mitte November soll die Traglufthalle

aufgerichtet werden,teilten die

Berliner Bäderbetriebe (BBB) am

Montag mit. Voraussichtlich in der

ersten Dezember-Woche soll dann

in den neuen Indoor-Becken geschwommen

werden können, so

BBB-Sprecher Matthias Oloew. Die

überdachten Außenbecken dienen

als Ersatz für das Paracelsus-Bad und

das Stadtbad Tiergarten, die wegen

Sanierung geschlossen sind, so

Oloew. Für den Mietkauf der Traglufthalle

sind den Angaben zufolge

2,2 Millionen Euro angesetzt.

Deutlich umfangreicher als bisher

gedacht wird, so Oloew, die Sanierung

des Kreuzberger Wellenbades

am Spreewaldplatz ausfallen; statt einer

Bestandssanierung sei dort nun

an umfangreiche Baumaßnahmen

gedacht, die die Attraktivität des

Bades erhöhen sollen. Diese würden

voraussichtlich erst im Spätsommer

2020 beginnen –und nicht, wie geplant,

zu Jahresbeginn. Das sei auch

der Grund, warum mit dem Ersatzbau

auf dem Prinzenbadgelände

noch nicht begonnen wurde. (ost.)

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Berlin

Nur ein paar Schritte zwischen U9 und M10: Künftig soll direkt über dem U-Bahnhof Turmstraße im Zentrum von Moabit die Straßenbahn halten.

SENATSVERWALTUNG FÜR UMWELT, VERKEHR UND KLIMASCHUTZ; VISUALISIERING: INGENIEURBÜRO VÖSSING

Umsteigen leicht gemacht

Die Pläne für eine weitere Straßenbahnstrecke in den Westen von Berlin werden erneut öffentlich ausgelegt. Der Trasse sind 70 Parkplätze und 85 Bäume im Weg

VonPeter Neumann

Schmökern lohnt sich. Im

Raum 325 des Rathauses

Tiergarten warten zwei prall

gefüllte Aktenordner auf Leser.

Sie enthalten die aktualisierten

Planfeststellungsunterlagen für ein

wichtiges Berliner Verkehrsprojekt:

Die Straßenbahnstrecke, die derzeit

nahe des Hauptbahnhofs endet, soll

bis zum U-Bahnhof Turmstraße verlängert

werden. Weil Unterlagen geändert

werden mussten, gibt es eine

zweite öffentliche Auslegung. Voneiner

Inbetriebnahme 2020 ist nicht

mehr die Rede, die erste Bahn wird

deutlich später ins Zentrum vonMoabit

rollen. Der Senat spricht von

2021, Beobachter rechnen mit 2022.

2210 Meter Strecke, fünf Haltestellen,

geschätzte Kosten vonknapp

20 Millionen Euro: Das sind die Basisdaten.

Klar ist auch der Nutzen für

die Fahrgäste.Von „neuen Direktverbindungen

und „attraktiven Umsteigeverbindungen“

ist im Erläuterungsbericht

der Berliner Verkehrsbetriebe

(BVG)die Rede.ZuRecht.

Oder doch lieber eine U-Bahn?

Mit der Straßenbahn nach Moabit

Turmstr.

Stromstr.

Turmstr.

mögliche Weiterführung,

z.B.Richtung Mierendorffplatz

Nach Westen: Seit Ende

2014 ist der Hauptbahnhof

per Straßenbahn erreichbar.

Künftig soll die M10 zum U-

Bahnhof Turmstraße weiter

fahren. Errechnete Fahrzeit:

sechs Minuten. Nun sind die

Unterlagen für das Genehmigungsverfahren

aktualisiert

worden. Kritik kommt von

Radfahrern: Geplante Anlagenfür

den Radverkehr würden

dem Mobilitätsgesetz

widersprechen, sagen sie.

MOABIT

Variante

RathenowerStr.

Alt-Moabit

Paulstr.

GEBREMSTES TEMPO BEIM TRAM-AUSBAU

Nach Schöneweide: Auch

für die geplante Streckevon

der Wissenschaftsstadt Adlershof

nach Schöneweide

ist 2020 schon langenicht

mehr als Eröffnungstermin

im Gespräch. Aktuell geht

der Senat noch von2021

aus, allerdings seien bei der

Zeitplanung „etwaigeKlagen

und entsprechende Fristen

nicht unterstellt worden“,

heißt es in einer Vorlagefür

den Hauptausschuss.

bestehende

Strecke

Lüneburger Str.

Invalidenstr.

Hauptbahnhof

Spree

100 m

BLZ/HECHER

Zum Ostkreuz: Für die Neubautrasse,

die über die

Sonntagstraße zum Ostkreuz

führen soll, hat das Planfeststellungsverfahren

2017 begonnen.

Es zieht sich in die

Länge, weil Anwohner 1000

Einwendungen eingereicht

haben. Derzeit strebt die

BVGeineInbetriebnahme für

August 2022 an, so der Senat.

Es gebe aber ein „erhebliches

Risiko, dass gegen

das Vorhaben geklagt wird“.

Die M10 soll tagsüber und abends

alle fünf, nachts alle zehn Minuten

zum U-Bahnhof Turmstraße fahren.

Unterwegs kreuzt die Linie, die an

der Warschauer Straße in Friedrichshain

beginnt und große Teile der östlichen

Innenstadt erschließt, viele

andere Strecken. An der neuen Endstation

hat sie Anschluss an die U9.

So gehen die Planer davon aus,

dass die Zahl der BVG-Nutzer in diesem

Teil vonMitte steigen wird.Würden

weiterhin nur Busse fahren,

gäbe es 10 950 Fahrgästen proWerktag.

Wenn die M10 ebenfalls zur

Turmstraße verkehrt, summiert sich

die erwartete Nutzerzahl auf 16 100 –

davon 10 000 in der Tram. Daswerde

zur Folge haben, dass der Pkw-Verkehr

abnimmt: ProJahr würden über

1,1 Millionen Kilometer nicht mehr

mit Autos gefahren. Allerdings wird

auch die S-Bahn etwas weniger genutzt.

Weil der Busverkehr eingeschränkt

wird, könnte die BVG drei

Busse künftig anderswo einsetzen.

Doch weiterhin wird darüber gestritten,

ob es nicht sinnvoller wäre,

die U-Bahn in Form der U5 zur

Turmstraße zu verlängern. Sie

könnte mehr Menschen befördern,

würde den Autoverkehr nicht stören.

Die BVG streitet die Vorzüge der

U-Bahn nicht ab. Bei bestimmten

Aspekten des Moabiter Projekts

weise sie „die beste Bewertung auf,

wobei sie im Vergleich der Verkehrsmittel

den Belangen der Allgemeinheit

am besten Rechnung trägt“,

heißt es im Erläuterungsbericht. Sicherheit,

Umweltrelevanz und Urbanität

wären ihreStärken. Für die Verbindung

Hauptbahnhof – Turmstraße

sollte die U-Bahn „in der Diskussion

bleiben“, so die BVG.

Aber:„Aufgrund der hohen Investitionskosten

kann sie mittelfristig

nicht gebaut werden.“ Auch wenn

die Kosten der Tram am Ende über

der jetzigen Schätzung, die auf dem

Niveau von 2013 basiert, liegen werden

–pro Kilometer werden sie sich

auf einen niedrigen zweistelligen

Millionenbetrag beschränken. Dagegen

schlägt die U5-Verlängerung

in Mitte mit 250 Millionen Euro für

jeden Kilometer zu Buche. Die Straßenbahn

wäre„am besten geeignet,

kurzfristig und dennoch nachhaltig

den Verkehr zu verbessern“, hieß es.

Richtig ist aber,dass der Autoverkehr

Platz abgeben muss: Manch ein

Fahrstreifen schrumpft auf drei Meter

Breite,70Parkplätzefallen ersatzlos

weg. Zudem verlieren die Knotenpunkte

Stromstraße/ Turmstraße

und Alt-Moabit/Rathenower Straße

an Durchlässigkeit, wie die verkehrstechnische

Untersuchung zeigt.

Dort entspräche der Verkehrsablauf

künftig nur noch der Qualitätsstufe

D. Dasheißt:„Die Mehrzahl der

Verkehrsteilnehmer in den Nebenströmen

muss Haltevorgänge, verbunden

mit deutlichen Zeitverlusten,

hinnehmen. Für einzelne Verkehrsteilnehmer

können die Wartezeiten

hohe Werte annehmen.“ Es

würden aber alle Knotenpunkte leistungsfähig

bleiben, so die Gutachter.

Das Grün wird ebenfalls eingeschränkt.

In den aktualisierten Unterlagen

gibt es eine neue Zahl, wie

viele Straßenbäume zu roden sind:

85 statt 78. Gestiegen ist auch die

Zahl der Häuser, für ein Anspruch

auf passiven Lärmschutz besteht –

also auf Schallschutzfenster, Lüfter

oder Balkonumhausungen. Die Belastung

ist neu berechnet worden,

weil die Bahn häufiger fahren soll.

Betroffene können sich äußern

Doch die Vorteile dominieren, so die

BVG. DerNutzenübersteige die Kostenumdas

1,2-Fache.Wäredie Variante

gewählt worden, die Trasse über

Alt-Moabit geradlinig zum U-Bahnhof

Turmstraße zu führen, würde der

Nutzen-Kosten-Indikator 1,5 betragen.

Beider U-Bahn wären es 1,43.

Noch für 2019 plane die BVG einen

Erörterungstermin, so der Senat.

Dortkönnensich Betroffene äußern.

Gerechnet wird mit ein bis

zwei Jahren Bauzeit. „Die Inbetriebnahme

wird für 2021 angestrebt“, so

dieVerwaltung weiter.Dochder Zeitplan

sei aus dem Leim gegangen, sagen

Beobachter:„Vor2022 dürfte es

mit der Eröffnungnichts werden.“

Peter Neumann

erwartet, dass die Strecke

gut angenommen wird.

Eine besondere Anziehungskraft

Für rund 195 000 Studenten beginnt in dieser Wochedie Vorlesungszeit –Berlin ist nun der größte Wissenschaftsstandort

Für bis 195 000 Studenten beginnt

an diesem Montag in

Berlin die Vorlesungszeit. Das geht

aus einer ersten Hochrechnung

der Senatsverwaltung für Wissenschaft

und Forschung zu den

staatlichen, konfessionellen und

privaten Hochschulen hervor. Damit

liegt die Zahl der Studierenden

in der Stadt ungefähr auf Vorjahresniveau:

Laut amtlicher Statistik

waren es 2018 rund 192 000 Studenten

gewesen.

Im Vergleich zum Mauerfall-

Jahr 1989 ist die Zahl der Studis

nach Daten der Senatskanzlei

massiv gewachsen: um rund

60 000. „Berlin hat sich dank der

Wiedervereinigung in den vergangenen

drei Jahrzehnten zum größten

Wissenschaftsstandort in

Deutschland entwickelt und gehört

heute zu den weltweit beliebtesten

Orten für Studierende“,

teilte Berlins Regierungschef und

Wissenschaftssenator Michael

Müller (SPD) mit. 1989 zählte Berlin

demnach 108 000 Studenten im

Westteil und 25 000 im Ostteil.

Größter Wanderungsgewinn

Sehr gut! Ein Wohnheimzimmer für Studenten mit körperlicher Einschränkung.

DPA

anfänger: Die Hauptstadt hatte

demnach im Studienjahr 2017 den

größten Wanderungsgewinn aller

Bundesländer –das bedeutet, dass

mehr junge Menschen aus anderen

Bundesländern zu- als aus

Berlin abgewandert sind.

Vorlesungen bis Mitte Februar

An den elf staatlichen Hochschulen

nehmen laut Angaben aktuell 37 000

Menschen ein neues Studium auf –

der Großteil von ihnen in Bachelor-

Studiengängen. Knapp 10 000 Menschen

beginnen in Master-Studiengängen.

Die Hochrechnung basiert auf

ersten Meldungen der elf Hochschulen

sowie Erfahrungswerten, etwa zu

den Nachmeldungen. Die finalen

Zahlen für das Wintersemester

2019/20 sollten in einigen Wochen

Dass nun wieder mehr als 190 000

Studenten erwartet würden und

zuletzt gut ein Drittel der neu eingeschriebenen

Studienanfänger

aus dem Ausland gekommen sei,

bestätige die hohe Qualität der

Hochschulen und die Attraktivität

der Stadt insgesamt, betonte Müller.

Auch Daten, die das Statistische

Bundesamt zu Jahresbeginn vorlegte,

belegten eine besondere Anziehungskraft

Berlins für Studienvorliegen.

Die Vorlesungszeit geht

bis Mitte Februar 2020.

Einen besonderen Zuwachs vermeldet

die Technische Universität

zum Semesterbeginn. So habe es besonders

bei den Studiengängen mit

Umweltbezug im Vergleich zum Vorsemester

deutlich mehr Bewerber

gegeben.

Für den Studiengang„Nachhaltiges

Management“ stiegen die Bewerberzahlen

um 20 Prozent, im

Studiengang „Ökologie und Umweltplanung“

sogar um 32 Prozent.

Vorallem für den Studiengang „Innovation

Management, Entrepreneurship

and Sustainability“ ist ein

Anstieg der Bewerberzahlen um 18

Prozent registriert werden: Für 50

Studienplätze erreichten die TU

Berlin über 790 Bewerbungen.

(BLZ/mit dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 13 *

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Berlin

Zweite Chance für den Berliner Broadway

DasTheater am Potsdamer Platz hat einen neuen Betreiber –und nimmt2020 mit einer Show des legendären Cirque du Soleil den Spielbetrieb auf

VonFlorian Thalmann

Es ist die Show-Sensation

des Jahres: Der Cirque du

Soleil, die bekannteste Zirkus-Company

derWelt, will

ab 2020 Berlin erobern –und mit einer

eigens für die Hauptstadt geschaffenen

Show über einen längeren

Zeitraum das Theater am Potsdamer

Platz bespielen. Das verkündete

derVeranstalter LiveNation, der

zugleich neuer Betreiber des Musical-Hauses

am Marlene-Dietrich-

Platz wird. Berlin werde damit der

Standort der ersten „europäischen

Residenz“ des Cirque du Soleil, heißt

es in einer Erklärung. „Jährlich können

rund 400 000 Besucher einzigartige

Aufführungen erleben, die speziell

für das Theater am Potsdamer

Platz konzipiertwurden.“

Modernste Musicalbühne

DasTheater wurde für lange Zeit von

der Stage Entertainment GmbH betrieben,

dem holländischen Unterhaltungskonzern,

der auch das Theater

des Westens und das Bluemax-

Theater bespielt. Auf der Bühne am

Potsdamer Platz war zuletzt das Stück

„Hinterm Horizont“ mit der Musik

vonUdo Lindenbergzusehen –doch

als sich zum letzten Mal der Vorhang

geschlossen hatte, zog Stage aus finanziellen

Gründen die Reißleine.Zu

teuer wäreesgewesen, den laufenden

Betrieb zu finanzieren; lieber zahlte

man die Miete für ein leeres Theater,

als eine neue Produktion auf die

Beine zu stellen. Eigentlich eine

Pompös und bildgewaltig: Bei den Shows des Cirque du Soleil geht es nicht nur um Artistik. Die Berlin-Show soll sich an der Stadt und ihrer Kultur orientieren.

Schande: Das Theater ist die modernste

Musicalbühne der Stadt,

wurde 1999 mit dem Stück „Der

Glöckner von Notre Dame“ eröffnet.

Nach der Schließung verloren 140

Mitarbeiter ihre Jobs. Stattdessen

wurde das Haus zur Mehrzweckhalle

–hier gastierten immer wieder Musical-,

Show- und Tanzproduktionen.

Nun wird Stage die Last abgenommen

–von LiveNation und Cirque du

Soleil. „Im Winter 2020 erlebt die

brandneue und exklusiveProduktion

im Theater am Potsdamer Platz ihre

Weltpremiere“, heißt es.„Dortsoll sie

langfristig das Publikum der Hauptstadt

und ihrer Umgebung sowie

deutsche und internationale Touristen

begeistern.“ Mit einer speziell

konzipierten Show strebe man eine

längere Spielzeit an, abhängig vom

Erfolg der Show, hieß es auf Nachfrage.

Der Kartenverkauf soll bereits

Ende 2019 beginnen.

Die Initiatoren wollen sich, heißt

es,von Berlin inspirieren lassen. „Für

Cirque du Soleil ist dies eine wundervolle

Weise,die 25-jährige Beziehung

mit der Stadt zu feiern“, sagt Daniel

Lamarre, Präsident der Cirque du Soleil

EntertainmentGroup.Der Cirque

du Soleil ist weltweit für besondere

Showproduktionen bekannt. DasUnternehmen

aus Kanada wurde 1984

gegründet und beschäftigt etwa 5000

Mitarbeiter, darunter über 1000 Artisten.

Für die Berliner Entertainment-

Szene ist die Ankündigung in jedem

Fall ein gutes Signal. Denn lange

fürchteten Insider, dass sich große

Produzenten eher aus der Hauptstadt

zurückziehen. Im Musical-Bereich

hat HamburgBerlinlängst den

Rang abgelaufen: Während in der

MARIE-ANDREE LEMIRE

Hansestadt ständig neue Produktionen

auf die Bühne kommen, mit

dem Artistik-Musical „Paramour“

und der Bühnen-Adaption des Filmklassikers„PrettyWoman“

zuletzt sogar

Europapremieren gefeiert wurden,

setzt das Theater des Westens

viel auf tourende Klassiker. Derzeit

ist zum wiederholten Mal „Mamma

Mia“ zu sehen.

Der Admiralspalast hat sich dank

hervorragender Gastspiele zur ersten

Anlaufstelle für Musical-Fans gemausert

– doch auch die Mehr-BB-

Gruppe, zuder das Haus gehört, investiert

lieber in Hamburg: Hier wird

bis Anfang 2020 das Theater am

Großmarkt umgebaut, um der Produktion

„Harry Potter und das verwunschene

Kind“ das erste deutschsprachige

Zuhause zu verschaffen.

DieMacher schauten sich dafür auch

in Berlin um, warfen einen Blick in

das Theater am Potsdamer Platz, entschieden

sich dagegen.

Chance für den Tourismus

Das einzige Haus der gleichen Größenordnung

mit lange laufenden Ensuite-Produktionen

ist der Friedrichstadt-Palast.

Hier herrscht Freude

über den neuen Konkurrenten. „Wir

freuen uns sehr, solche hochkarätigen

Nachbarn inder Hauptstadt begrüßen

zu können“, sagt Intendant

Berndt Schmidt. Die Berliner Theaterszene

könne davon profitieren.

„Denn gutes Entertainment zieht

Menschen an, die danach mehr gutes

Entertainment wollen. Entzückt ist

manauchbei visitBerlin. „Der Cirque

du Soleil ist eine der bekanntesten

Zirkus-Gruppen, wobei es mit Zirkus

eigentlich nicht viel zu tun hat –das

ist Unterhaltung auf höchstem Niveau“,

sagt Sprecher Christian Tänzler.

„Es ist großartig, dass sie den

Standort Berlin für eine dauerhafte

Bespielung ausgewählt haben, das ist

eine Auszeichnung für die Stadt.“

Florian Thalmann ist froh,

dass endlich frischer Wind

in die Show-Szene kommt

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Berlin

Saleh für

Ermittler

gegen rechts

Forderung nach

Null-Toleranz-Politik

SPD-Fraktionschef Raed Saleh plädiertfür

Sonderermittler auf Länderebene,

um besser gegen rechte

Gewalt und rechten Terror vorgehen

zu können. „Ich glaube, dass wir uns

im Kampf gegen Rechts besser organisieren

müssen“, sagte er der Deutschen

Presse-Agentur vor dem Hintergrund

des Terrorattentats von

Halle mit zwei Toten. Während es innerhalb

der rot-rot-grünen Koalition

Zustimmung gibt, provoziert Salehs

Vorschlag in der Opposition deutliche

Kritik.

Saleh fordertfür jedes Bundesland

Sonderermittler im Kampf gegen

Rechts, „damit die Auseinandersetzung

mit rechtsextremen und rechtsradikalen

Strukturen auch ein Gesicht

bekommt“. Diese Ermittler sollten

den Innenbehörden zugeordnet

sein und im ständigen Austausch

miteinander stehen. Berlin solle dabei

vorangehen.

Von einem Koalitionspartner

erntete Saleh Zustimmung. Grünen-Co-Fraktionschefin

Antje Kapek

erinnerte daran, dass ihre Fraktion

bereits im September einen

Sonderermittler zur Aufklärung

rechter Anschläge angeregt habe.

Dass Saleh jetzt den Vorschlag aufgegriffen

habe,„begrüßen wir sehr“,

so Kapek.

Kritik kam von der Opposition.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger

sieht in Salehs Forderung ein Misstrauensvotum

gegen die Polizei. Im

Übrigen verfehlten Vorschläge für

Sonderermittler das eigentliche Ziel.

„Wir brauchen neben Polizei undVerfassungsschutz

keine dritte Ermittler-

Ebene, sondern wir müssen unsere

Sicherheitsbehörden personell, technisch

und rechtlich stärken, um den

Schutz zu erhöhen.“

„Einzelne Personen nach politischerVorgabe

zur Strafverfolgung herauszupicken,

ist nicht rechtsstaatlich“,

so FDP-Innenpolitiker Marcel

Luthe. „Recht muss überall gleichermaßen

durchgesetzt werden.“

AfD-Rechtsexperte Marc Vallendar

nennt Salehs Vorstoß „unsinnig

und letztlich blinden Aktionismus“.

Außerdem vermenge der SPD-Politiker

die Begriffe. „Die politische

Rechte,zuder auch die AfD gehört, ist

legitimer Teil jeder Demokratie und

ist über jeden Terror-oder Gewaltverdacht

erhaben“, so Vallendar. Diesen

Teil der demokratischen Gesellschaft

mit einem Sonderermittler verfolgen

zu wollen, habe diktatorische Züge.

(dpa)

Sicherheit und Mitbestimmung

In den letzten Tagen konnten

wir sehr viel Stimmungsmache

gegen eine besondereArt

der genossenschaftlichen

Idee lesen: Gegen die Wohnungsbaugenossenschaften

in Berlin.

Im westlichen Teil Berlins sind

die Genossenschaften aus der Not

heraus entstanden. Preiswerte

Wohnungen mussten vor allem

nach dem Krieg gebaut werden

und die genossenschaftliche Idee,

das Miteinander, war im Wiederaufbau

wieder mehr denn je gefragt.

Im Ostteil Berlins sind viele

Genossenschaften auch nach der

Wiedervereinigung neu entstanden,

da die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften

Schulden

abbauen mussten. Direkt aus den

Wohnungsbeständen heraus haben

sich neue Gemeinschaften als

Genossenschaft zusammengefunden.

Schwere Zeiten

Viele dieser Wohnungsbaugenossenschaften,

vor allem in meinem

Bezirk Marzahn-Hellersdorf,

kenne ich gut und habe große

Hochachtung vor dem, was sie in

den letzten Jahrzehnten geleistet

haben. Nicht nur die Mitarbeiter,

sondern vor allem ehrenamtliche

Vertreter in den Gremien haben

sich sehr für preiswerten Wohnraum,

für ihren Anteil an der Gemeinschaft

in den Genossenschaften

engagiert.

Und nicht zu vergessen, waren

sie auch immer faire Auftraggeber

für Handwerksunternehmen und

Gewerbetreibende. Aber sie haben

auch schwere Zeiten hinter sich.

In den 90er und 2000er Jahren gab

es viel Leerstand auf Grund der zurückgehenden

Bevölkerung, insbesondere

im östlichen Teil der

Stadt. In manchen Quartieren in

Marzahn und Hellersdorf bis zu 15

Prozent und das, obwohl die Bestände

behutsam saniert wurden,

klug gewirtschaftet, aber nicht geprotzt

wurde.

Einige Genossenschaften sind

daran sogar zugrunde gegangen.

Erst seit einigen Jahren haben sie

das Glück, wieder sehr gut vermietet

und sehr gut nachgefragt zu

sein. Undtrotzdem, sie bleiben ihrem

Anspruch an ihre Mitglieder

und damit Mieter treu und vermieten

nicht nur preiswert anihre

Mitglieder, im Ostteil der Stadt

vermieten die Genossenschaften

in der Regel zum selben Preis an

Neumieter, den die Bestandsmieter

bezahlen!

Kaum ein anderer Teilnehmer

am Berliner Markt, nicht einmal

Gastbeitrag

Christian Gräff,

wirtschaftspolitischer Sprecher

für Bauen und Wohnen der CDU-Fraktion, zum

geplanten Mietendeckel und mehr Unterstützung

der Genossenschaften

„Wodie Genossenschaften neu bauen, achten

sie auf Nachhaltigkeit und eine gute Bewirtschaftung

und damit geringe Nebenkosten.

Sie engagieren sich in ihren Kiezen.“

die öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften,

können da mithalten.

Warum? Vor allem, weil die

Genossenschaften für ihre Mitglieder

vermieten und bauen.

Diese sind auch Miteigentümer

der Genossenschaften. Es geht

nicht um hohe Renditen. Und

dort, wo sie neu bauen, achten sie

auf Nachhaltigkeit und eine gute

Christian Gräff Wirtschaftspolitischer Sprecher

für Bauen und Wohnen der CDU-Fraktion

Bewirtschaftung und damit geringe

Nebenkosten. Sie engagieren

sich in ihren Kiezen.

In Marzahn-Hellersdorf finanzieren

sie, wie beispielsweise die

„Fortuna“ und die „Marzahner

Tor“ ganze Spielplätze, Parks und

Jugendclubs.

Und genau diese Genossenschaften

möchten hier und da, vor

DIE HOFFOTOGRAFEN

allem in ihren Beständen wachsen

und neu bauen und werden vom

Berliner Senat behindert, wo es

nur geht. Ich habe selbst mit ansehen

müssen, dass Grundstücke

mitten in Wohnungsbeständen

von Genossenschaften, vor den

Augen dieser an irgendwelche Gesellschaften

gegangen sind, obwohl

die Genossenschaften direkt

darum gebeten haben, mit klugen

Konzepten behutsam zu erweitern.

Und was passierte dann auf

diesen Grundstücken, die das

Land Berlin weitergereicht hat?

Jahrelang nichts, sie sind erstmal

zu Schmutzecken geworden. Ist

das eine kluge Grundstückspolitik?

Keine preiswerte Miete

Wäre esnicht klüger, den Genossenschaften

die großartige Partner

im Berliner Handwerk und der

Bauwirtschaft haben, preiswerte

oder sogar kostenlose Grundstücke,

wie in Hamburg, zur Verfügung

zu stellen und mit ihnen den

Bau von preiswertesten Wohnungen

zu vereinbaren, Sozialwohnungen

und Wohnungen für die

Mitte der Gesellschaft?

Beim Wohnungsneubau vermieten

die öffentlichen Gesellschaften

des Landes Berlin Wohnungen

für 6,50 Euro (umgangssprachlich

Sozialwohnungen) und

„frei finanzierte“ für 10 Euro Nettokaltmiete.

Für alle, die keinen

Wohnberechtigungsschein bekommen,

für den Single wie auch

für arbeitende Familien, ist das

keine preiswerte Miete. Die Nebenkosten

kommen ja noch dazu.

Die Wohnungsbaugenossenschaften

hingegen machen vor, wie es

sicher und preiswert geht!

Und genau diese Genossenschaften

sollen, wie manche bei

Rot-Rot-Grün nun meinen, „raffgierig“

sein, weil sie es wagen, sich

zum sogenannten „Mietendeckel“

zu äußern. Genossen von der SPD

und insbesondere Der Linken,

vielleicht ist es an der Zeit, noch

einmal in sich zu gehen und Sprache

und Handeln zu prüfen.

Ichbin seit vielen Jahren Mitglied

einer Wohnungsbaugenossenschaft

und ich bin stolz darauf. Dreiste

Kampagnen von Senatsmitgliedern

gegen diese Solidargemeinschaften

sind nicht angebracht.

Wir brauchen mehr Gemeinsinn

und mehr Unterstützung der

genossenschaftlichen Ideen. Nicht

jede Kritik, nicht jeder Hinweis ist

gleich undemokratisch. Das hatten

wir schon mal.

POLIZEIREPORT

Blutige Attacke.

Miteiner Flasche hat ein Mann in

Schönebergeinem anderen ins Gesicht

geschlagen. Zeugen riefen am

Sonntag, gegen 18 Uhr, die Polizei

zur Kreuzung Dominicus-, Ecke

Feurigstraße.Sie hatten den 33-

jährigen Mann dabei beobachtet,

wie er einen 48-jährigen Mann ins

Gesichtschlug. Nachdem dieser zu

Boden gegangen war,soll der Angreifer

mit einer Flasche auf den

am Boden Liegenden eingeschlagen

haben. Polizisten nahmen den

Mann noch am Ortfest. Wegen der

schweren Gesichtsverletzungen

wurde der 48-Jährige durch Rettungskräfte

der Feuerwehrzur Beobachtung

in ein Krankenhaus gebracht.

Mit Wischmopp verjagt.

Miteinem Wischmopp hat ein Inhabereiner

Pizzeria in Hellersdorfin

derNacht zum Montag zwei Räuber

in die Flucht geschlagen. Gegen

23.30 Uhrbetraten zwei Unbekannte

dasGeschäft in der Quedlinburger

Straße,bedrohten den 41-Jährigen

mit Pistolen und verlangten die Einnahmen.

Der41-Jährige bedrohte

die Räuber daraufhin mit einem

Wischmopp und schrie sie an, so

dass diese flüchteten.

Auseinandersetzung im Park.

Am Görlitzer Park ist ein schwedisches

Touristenpärchen mit einem

Mann aneinandergeraten. Gegen

1.45 Uhrwurdendie beiden nach eigener

Aussagevon dem28-jährigen

Radfahrerangepöbelt. Diebeiden

gingen danach in den Görlitzer Park,

wobei ihnen der Radfahrerfolgte.

DortsollerseinFahrrad auf die beiden

geworfen haben, wobei die Bierflasche

in der Hand des27-jährigen

Schweden zu Bruchging. Dieser

habe den Angriff abgeblockt und den

Angreifer mit der Flasche im Gesicht

verletzt. Der28-Jährige,ein italienischer

Staatsbürger,kam ins Krankenhaus.

Wieder Unfall mit Rettungswagen.

Erneut hatte ein Rettungswagen der

Feuerwehreinen Unfall. Er waram

Montagmorgen in der Oranienburger

Straße in Mitte unterwegs.Dabei

kam das Fahrzeug nach rechts von

derFahrbahn ab und prallte in einen

Baustellenzaun. Metallteile der Baustellensicherung

bohrten sich in die

Windschutzscheibe und Frontdes

Rettungswagens.Dochdie Besatzung

hatte Glück. Niemandwurde

verletzt. Es istder zweite Unfall eines

Rettungswagens innerhalb von24

Stunden. Bereits am Sonntagwar in

Marzahn ein Rettungswagen auf

demWegzueinem Notfall mit einem

Pkw zusammengestoßen. Sechs

Menschen wurden verletzt. (kop.)

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Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 15 *

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Berlin/Brandenburg

Weniger

Sumpfkrebse

gefangen

Bekämpfung in Berlin soll

aber weitergehen

Die Reusen werden leerer: Die

Zahl der in Berlin gefangenen

Roten Amerikanischen Sumpfkrebse

ist in diesem Jahr deutlich zurückgegangen.

VomSaisonbeginn im April

bis Ende September seien rund 22

000 Exemplare ins Netz gegangen,

sagte Derk Ehlertvon der Senatsverwaltung

für Umwelt, Verkehr und

Klimaschutz auf dpa-Anfrage.Das ist

etwas mehr als die Hälfte der Vorjahresmenge,

die insgesamt bei 38 000

lag. Ehlert wertete dies als Erfolg,

schränkte aber ein, dass der Bestand

immer noch groß sei. Deshalb solle

die Bekämpfung voraussichtlich

auch 2020 weitergehen.

Größtenteils stammen die Fänge

aus GewässernimTiergarten (9 000)

und dem Britzer Garten (13 000). In

denWasserläufen und Seen der Neuköllner

Grünanlage wurden in diesem

Jahr doppelt so viele Reusen

ausgelegt wie 2018. Fischer meldeten

zudem vereinzelte Funde in der

Unterhavel (7), der Stadtspree (19)

und dem Müggelsee (9), wie Ehlert

sagte. Diese Gewässer entsprächen

auch nicht dem Lebensraum der

Krebse –die Tierebevorzugen ruhige

Gewässer mit flachen Ufern.

Bei niedrigen Wassertemperaturen

sind sie weitgehend inaktiv und

am Grund der Gewässer verborgen.

Deswegen wird mit dem Fang über

den Winter pausiert. Damit die Bestände

in Zukunft nicht wieder nach

oben schnellten, werdedie Bekämpfung

wohl auch nächstes Jahr weitergehen,

so Ehlert. Ob Berlin die Tiere

je wieder ganz los wird, gilt ohnehin

als fraglich: Es müsste nur ein einzelnes

Weibchen mit mehreren Eiern

durchkommen, damit eine neue Population

entstehen kann.

Eine Plage, schmeckt aber wohl ganz ordentlich

–der Sumpfkrebs

DPA

Lernen mit dem Mejstaŕ Mólaŕ Nazymy

In der Krabatschule Jänschwalde gehören die sorbische Sprache und Kultur zum Alltag

VonTorsten Müller,Jänschwalde

Der Zaubermüller Krabat,

die Waldgeister Wurlawy,

der Drache Plon, der

Wassermann Nykus, der

Schlangenkönig Wužowy kral oder

der Mejsta Móla Nazymy, der Malermeister

Herbst, gehören in der

Grundschule von Jänschwalde

(Landkreis Spree-Neisse) so selbstverständlich

zu den Lehrkräften wie

die Klassenleiterin oder der Sportlehrer.

Der Ort nahe der polnischen

Grenze liegt im Kern des niedersorbischen

Siedlungsgebietes. Solernt

man schon auf der Türschwelle,dass

die Schule eine šula ist und das

Jänschwalde auch Janšojce heißt.

Aufden Fluren und in den Zimmern,

ja selbst in den Waschräumen ist die

Sprache und Kultur der nationalen

Minderheit in Form von liebevollen

Zeichnungen und angepinnten Vokabeln

allgegenwärtig. Undauch die

Schüler rufen sich zur Begrüßung

mal ein kurzes Hallo, mal aber auch

ein wohl intoniertes „dobre zajtšo“

entgegen. Mit diesem „guten Morgen“

beginnt hier der Schultag, egal,

welches Fach gerade ansteht.

Klasse der Wurlawy

Der Schauspieler David Kross als Zauberer Krabat.

EINE ANERKANNTE NATIONALE MINDERHEIT

Die Sorben sind in Deutschland offiziell als

nationale Minderheit anerkannt. Sie kommen

ursprünglich aus den Karpaten. Im 6.

Jahrhundertwurden sie in der damals weitgehend

unbewohnten Region zwischen Neiße

und Saale sesshaft. In der Zeit des Nationalsozialismus

wurde alles Sorbische verboten.

In der Krabat-Grundschule von

Jänschwalde, in der zakładna šula

Krabat Janšojce, wird seit mehr als

zehn Jahren bilingualer Unterricht

erteilt. Fast jeder der gut 150 Schüler

nimmt mittlerweile an dem freiwilligen

Witaj-Projekt teil. Witaj heißt

übersetzt willkommen. Es heißt aber

auch, die eigentliche, angestammte

Muttersprache der Region samt der

dazugehörigen sorbisch-wendischen

Kultur erhalten zu wollen. So

wird inJänschwalde nicht nur das

Fach Sorbisch ab der 1. Klasse ganz

regulär im normalen Stundenplan

gelehrt. Auch in anderen Fächern

wie Mathe, Musik, Sport oder Sachkunde

fließt die Sprache regelmäßig

in den Unterricht ein. Unter den 14

Lehrern sind mittlerweile fünf ausgebildete

Sorbisch-Fachkräfte, die

nicht nur die Sprache fließend sprechen,

sondern ihreVermittlung professionell

studierthaben.

So wie zum Beispiel KlassenlehrerinKatja

Genzer.Sie behandelt heute

mit ihrenWurlawy-Waldgeistern–so

heißt ihreKlasse 3ganz offiziell –die

magischen Kräfte des Mejsta

Móla Nazymy. Sie hat ihren Schülern

ein Gedicht in sorbischer Sprache

mitgebracht, in dem die Farbenpracht

der Jahreszeit Herbst gepriesen

wird. Schritt für Schritt erschließen

sich Annalena, Alexander, Lori,

Hannes, Mia und alle anderen Kinder

zusammen mit ihrer Lehrerin

den Text. Sie aktivieren Vokabeln,

üben die Aussprache der einzelnen

neuen Wörter, probieren sich im

flüssigen Lesen und beugen sich

schließlich konzentriert über ihre

FOX DEUTSCHLAND

Seit dem Kriegsende bemühen sich DDR

und Bundesrepublik um eine Revitalisierung

vonSprache und Kultur.Schätzungen gehen

davonaus, dass sich im länderübergreifenden

Siedlungsgebiet vonBrandenburg und

Sachsen noch rund 60 000 Menschen als

Sorben bezeichnen.

Arbeitshefte, als es ans möglichst

fehlerfreie Schreiben der Verse geht.

„Für mich ist es immer noch ein

Traum, die Sprache unterrichten

und dadurch mit dazu beitragen zu

können, dass sie hoffentlich nicht

ausstirbt“, sagt die 48-Jährige in einer

Unterrichtspause.„Nur mit unseren

Kindernkönnen wir ein Stück

unserer ureigenen Kultur in die

nächste Generation retten.“ Katja

Genzer stammt aus dem NachbardorfDrewitz,

für die Großelternwar

Sorbisch die Muttersprache, die Eltern

konnten sie zwar noch verstehen,

aber selber nicht mehr aktiv

sprechen. „Gerade wenn wir Kinder

nicht wissen sollten, worum es geht,

wurde im Hause der Großeltern

ganz bewusst Sorbisch gesprochen“,

erzählt Katja Genzer. „Das

hat meinen Ehrgeiz geweckt. Na

wartet, sagte ich mir, so einfach

mach ich es euch nicht mehr lange.“

In den Fußstapfen der Mutter

Da sie die Sprache und vor allem

auch die im Dorfnoch fleißig gelebten

sorbisch-wendischen Bräuche

ohnehin sehr mochte, ging sie

schon zu DDR-Zeiten an der gleichen

Schule,ander sie heute unterrichtet,

zum freiwilligen Sorbisch-

Unterricht. Über die Stationen der

sorbischen Erweiterten Oberschule

(EOS) in Cottbus und des sorbischen

Lehrerbildungsinstitutes in

Bautzen wurde sie zur Vermittlerin

der Sprache.„Siehat mir sogar nach

Studienende die Tür zum Beruf geöffnet,

weil ich als Sorbisch-Fachkraft

auch kurz nach der Wende

gleich anfangen konnte. Ansonsten

war ja für Lehrer erst mal Einstellungsstopp

in Brandenburg.“

Denn das „Witaj“ wird heute in

vielen Schulen und auch Kindergärten

der Region aktiv gelebt. Es gibt

einheitliches Lehrmaterial vom

Vorschulalter bis zum Abitur, die

Pädagogen werden in Leipzig ausgebildet.

„Ich will die Sprache richtig

lernen und studieren und dann

als Lehrerin wieder zurück an die

Schule kommen“, sagt Marie aus

der 6. Klasse. Lukas ist stolz, dass er

den Eltern bei Ausflügen über die

Grenze nach Polen schon viel übersetzen

kann, weil die sorbische und

die polnische Sprache sehr ähnlich

sind. Die Kinder lieben zapust, die

Fastnacht, und die Trachten, in die

sie zum Singen und Tanzen schlüpfen.

Und auch wenn sie natürlich

nicht mehr an den Weihnachtsmann

glauben, so rätseln sie schon

jetzt voller Vorfreude,wer in diesem

Jahr im Advent stumm und gut verkleidet

als Bescherkind, als Janšojski

bog, durch den Ort streift und in

ihre Klassenräume kommt. Ohne

die geheimnisvollen Fabelwesen

wäre die Schule ja auch nur halb so

schön.

Einig bei der

Umwelt- und

Agrarpolitik

Die Koalitionsrunde

arbeitet sich vor

Nach heftigem Streit in der vorbereitenden

Arbeitsgruppe haben

die Beteiligten von SPD, CDU und

Grünen vor der Verhandlungsrunde

zur Umwelt- und Agrarpolitik weitgehend

Einigkeit demonstriert. „Wir

sind uns einig, dass wir im Klimaschutz

weitere Schritte gehen wollen,

im Umwelt- und Naturschutz

sowieso“, sagte Ministerpräsident

Dietmar Woidke (SPD) am Montag

vorBeginn der Verhandlungen. Konkrete

Maßnahmen nannte er nicht.

Auch Grünen-Fraktionschefin

Ursula Nonnemacher sprach von

guten Ergebnissen bereits in der Arbeitsgruppe.

„Beim Klimaschutz

müssen wir noch mal ran“, betonte

sie aber. Verhandelt werden müsse

auch noch über die Verteilung der

EU-Gelder für die Landwirtschaft.

Die Grünen fordern eine stärkere

Unterstützung der Öko-Betriebe.

Dagegen erklärte der kommissarische

CDU-Landeschef: „Mehr bio

dann, wenn die Landwirte auch

merken, dass sie beim Umstieg auf

Biolandbau eine Ertragssituation

haben, von der sie auch leben können.“

Die habe in der Region um

Berlin durchaus wirtschaftliches Potenzial.

Das Streitthema zum Umgang

mit den Wölfen soll vertagt werden.

In den Sondierungsverhandlungen

hatten sich die drei Parteien bereits

darauf geeinigt, dass sogenannte

Problemwölfe,dieWeidetierereißen,

abgeschossen werden dürfen. (dpa)

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Klasse 1: 1x15.320.722,70 Euro

Klasse 2: 2x829.615,70 Euro

Klasse 3: 47 x17.651,30 Euro

Klasse 4: 382 x6.515,30 Euro

Klasse 5: 3577 x231,90 Euro

Klasse 6: 26.576 x62,40 Euro

Klasse 7: 75.630 x21,90 Euro

Klasse 8: 566.610 x13,10 Euro

Klasse 9: 615.976 x5Euro

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16 Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Wissenschaft

Noch ist das Herz etwasogroß wie eine Kirsche. Aber alles ist da: Blutgefäße, Gewebe, Zellen, Kammern. Ein israelischer Forscher zeigt den Prototyp. DPA/ILIA YEFIMOVICH (2)

Herz aus dem Drucker

Israelische Forscher stellen Organe per 3D-Drucker her.Diese könnten eines Tages Transplantationen überflüssig machen. Ein Besuch im Labor in TelAviv

VonFranziska Knupper

Wenn Assaf und sein

Kollege Paolo gleichzeitig

im Raum sind,

ist das Labor proppevoll.

Viel Platz haben die beiden Wissenschaftler

nicht. Das kleine Zimmer

teilen sie sich mit Reagenzgläsern,

Kühlschränken, Petrischalen,

Kabeln in jeder Form und Farbe und

zwei großen 3D-Druckern. „So ein

Ding kostet um einiges mehr als ein

Auto“, sagt Paolo, der in der Forschergruppe

der George S. Wise Faculty

of Life Sciences an der Universität

TelAviv für die beiden Maschinen

verantwortlich ist. Mit ihnen ist

den israelischen Wissenschaftlernso

etwas wie eine Revolution gelungen:

In diesem vollgestopften Laborraum

wurde das erste von Menschenhand

gemachte Herz geboren.

Zellen müssen zusammenarbeiten

Vorsichtig dreht Laborleiter Assaf

Shapira einen Prototyp, der in Glas

eingefasst wurde,zwischen Daumen

und Zeigefinger. Noch ist das Organ

etwa so groß wie eine Kirsche. Aber

alles ist da: Blutgefäße,Gewebe,Zellen,

Kammern, Pumpe. „Nur eben

bisher ganz klein“, sagt Assaf Shapira.

PerBiopsie wurde Patienten zunächst

eine Schicht Fettgewebe entnommen

und in zelluläre und nicht

zelluläre Bestandteile getrennt. Die

Fettzellen wurden zu Stammzellen

umprogrammiert, diese differenzierten

sich wiederum in Herzzellen.

Der Rest –das sogenannte extrazelluläreMaterial

–wirddann zu einem

sogenannten Hydrogel verarbeitet.

„Das Ganze nennt man auch Biotinte“,

erklärtPaolo und hält ein grünes

Ventil ins Neonlicht: „Und die

kommt dann hier raus“. Bereits seit

neun Jahren gibt es das Labor um Tal

Dvrir und Assaf Shapira. Mit dem

Boom um 3D-Drucker vor etwa fünf

Jahren änderte sich jedoch einiges.

„Wissenschaft und Technik entwickeln

sich ja nicht linear,sondernexponentiell“,

sagt Assaf Shapira. „Das

heißt, eine Erfindung baut auf der

nächsten auf und das Tempo beschleunigt

sich damit zusehends.“

Aber er äußert sich vorsichtig, was

die möglichen Ergebnisse betrifft. Er

glaube zwar an das Projekt, wisse

aber auch, dass noch einige Hürden

zu überwinden seien, bis man wirklich

von funktionierenden Organen

aus dem 3D-Drucker sprechen

könne.

„Wir haben lediglich auf dem aufgebaut,

was unsere Kollegen überall

in der Welt schon erforscht haben“,

sagt Assaf Shapira. Denn Versuche,

Organe und Gewebe per 3D-Drucker

herzustellen, gibt es an verschiedenen

Orten der Welt. Erst jüngst zeigten

Wissenschaftler der University of

Washington und der Rice University

in Texas, dass sich auch eine Lunge

gut ausdrucken lässt. In Israel konzentriert

sich der Großteil der Forschung

auf Haut und Knorpelgewebe.„Dasliegt

vorallem daran, dass

wir nicht gerade ein friedlicher Ort

sind. Die Nachfrage an kosmetischer

Chirurgie nach Militäreinsätzen ist

sehr hoch“, sagt Assaf Shapira.

In puncto Herz ist das größte

Problem jedoch nicht die Drucktechnik,

wie er erklärt. Es reicht leider

nicht, die Zellen an der richtigen

Stelle zu positionieren. Sie müssen

auch so zusammenarbeiten, dass sie

Organfunktionen übernehmen können.

Denn auch wenn das Mini-Herz

eigentlich über alles verfügt, was es

3D-Drucker in der Medizin.

Bereits heute entstehen in

der Medizin in großem Stil

genau an Patienten angepasste

Zahnkronen, Hörgeräte

und Knochenimplantate

per 3D-Druck. Auch chirurgische

Instrumente und sogar

Tabletten werden auf diese

Weise hergestellt.

EINE WISSENSCHAFTLICHE REVOLUTION

zum Schlagen braucht, können sich

die Zellen noch nicht synchron zusammenziehen.

Außerdem muss

das Herz noch um einiges an Größe

zulegen. Es soll wachsen und Proteine

bilden, die Blutgefäße müssen

sich verdichten, damit auch genug

Sauerstoff ins Gewebe vordringen

Bioprinter. Hierbeihandelt

es sich um 3D-Drucker fürorganische

Substanzen. Das

Forschungsfeldheißt Tissue

Engineering.Forscher können

erste ErfolgeanPatienten vorweisen.

Schottische Forscher

stellten etwafür einjunges

Mädchen,das an einer Fehlbildung

litt,ein neues Ohr her.

Organe aus dem Drucker.

US-Forscherstellten in diesem

Jahrein 3D-Organ vor, dasdie

Lungenachahmtund tatsächlich

in der Lagewäre, das Blut

mit Sauerstoff zu versorgen.

Indische und US-Forscher entwickeln

Lebergewebe,das Patienten

mit Leberversagen implantiertwerden

könnte.

Mit diesem 3D-Drucker wird das Herz aus menschlichem Gewebe hergestellt.

kann. „Hohle oder flache Strukturen

wie etwa die Haut, die Blase oder

eine Vene besitzen lediglich eine

dünne Oberfläche, die versorgt werden

muss“, sagt Assaf Shapira. „Organe

wie Herz und Leber hingegen

sind voluminös,und wir haben noch

nicht genau verstanden, wie wir in

die Mitte des Herzens vordringen

und sie konstant mit genügend Sauerstoff

versorgen können.“ Gelingt

das aber nicht, sterben die Zellen im

Inneren des Gewebes ab. „Oh, es

sind hier schon einige Herzen gestorben“,

fügt Assaf hinzu. „Bestimmt

an die hundert.“

Um das zu verhindern, muss ein

Bioreaktor her. Der kommt aus

Deutschland. In diesem Tank soll das

Herz reifen. Nährstoffe zirkulieren in

ihm frei wie Fischfutter in einem

Aquarium. Etwa zwei Wochen nach

dem Drucken sollten die Zellen dann

beginnen, „miteinander zu sprechen“,

wie Assaf Shapira es ausdrückt.

Sie organisieren sich selbst.

Immerhin sind es Herzzellen, die

wissen, was zu tun ist. „Na ja, ein

Herz ist schon toll, aber nicht so

komplex wie eine Leber. Letztendlich

ist es nur eine Pumpe“, sagt der

Wissenschaftler.Man könne sie auch

mechanisch –also zum Beispiel aus

Plastik – herstellen, fügt er hinzu.

DasProblem dabei sei allerdings die

Immunreaktion des Patienten.

Damit spricht der Biologe eines

der größten Probleme bei Organtransplantationen

an: Besteht das

Gewebe nicht aus dem Zellmaterial

des Patienten selbst, kommt es oft zu

einer Abwehrreaktion des Körpers.

Das fremde Organ wird abgestoßen.

Patienten sind ihr Leben lang auf

Medikamente angewiesen. Manchmal

scheitert eine Transplantation

auch ganz. DasHerzaus TelAviv hingegen

wärekomplett kompatibel mit

dem Empfänger, weil es aus dessen

Gewebe geschaffen wurde. Esgliche

dem eigenen Herzen auch in Form

und Struktur. Mithilfe der Computertomographie

wollen die Forscher

personalisierte Formen entwerfen,

die perfekt auf die Größe und das Alter

des Patienten angepasst sind.

Die Hoffnung, dass auf diese

Weise der chronische Mangel an

Spenderorganen behoben werden

könnte, treibt Forscher weltweit an.

Patienten warten nicht selten sechs

bis acht Jahre auf ein Spenderorgan.

Viele sterben, bevor eines zur Verfügung

steht. Die Spendebereitschaft

in der Bevölkerung ist zurückgegangen.

Die Deutsche Stiftung für Organtransplantation

(DSO) zählte im

gesamten Jahr 2017 nur 797 Spender.

Dies war die geringste Zahl seit

zwanzig Jahren.

Weniger Tierversuche

Wenn es nach Professor Tal Dvrir,

dem Leiter der TelAviver Studie geht,

liegt die Lösung auf der Hand: Bereits

in etwa zehn Jahren würden Krankenhäuser

eigene Drucker haben und

problemlos Organe, Haut und Adern

drucken, wenn Bedarf bestehe, sagt

er. Vielleicht sei es im nächsten Jahr

schon so weit, dass man die Herzen

aus dem Bioreaktor in Tierversuchen

testen kann. Aber auch das soll bald

der Vergangenheit angehören –mithilfe

der In-Vitro-Technologie. Denn

könne man erst Systeme aus menschlichen

Zellen entwickeln, eigneten

sich diese auch besser für Versuche

als Tiere, so TalDvrir.

Mehr Ersatzorgane,weniger Tierversuche

–die Arbeit von Assaf Shapira

und Tal Dvir ist wichtig. Und

eine ganz so ferne oder gar utopische

Vision ist sie auch nicht mehr:„Jede

wissenschaftliche Innovation klingt

am Anfang erstmal nach Science Fiction“,

der Assaf Shapira. „Aber ich

hoffe –nein, ich glaube –, dass ich

diese Dinge noch in meiner Lebenszeit

erleben werde.“

Soziale Ungleichheit gab es schon in der Bronzezeit

Forscher untersuchten in der Nähe von Augsburg das Zusammenleben von Menschen vor etwa 4000 Jahren. Sie fanden heraus: Reichtum wurde schon damals vererbt

Eine wohlhabende Kernfamilie,

die mit sozial niedriger gestellten

Menschen unter einem Dach lebt:

Schon vor 4000 Jahren herrschte offenbar

soziale Ungleichheit, die sich

innerhalb eines Haushalts über Generationen

hielt. Das berichtet ein

Forscherteam im Fachblatt Science.

Ausgrabungen im Lechtal südlich

vonAugsburgzeichnen das Bild einer

Gesellschaft mit komplexer Sozialstruktur,inder

Besitz und Status vererbt

wurden. Ein Team, zu dem Forscher

aus Jena, Tübingen und München

gehörten, analysierte Reste aus

bronzezeitlichen Gräberfeldern im

Lechtal. Als Bronzezeit wird für Mitteleuropa

der Zeitraum zwischen

2200 bis 800 vorChristus bezeichnet.

DieWissenschaftler untersuchten

nicht nur die Grabbeigaben, sondern

auch genetische Daten von 104 Individuen,

um die Verwandtschaftsverhältnisse

festzustellen. Daraus gewannen

sie einen tiefen Einblick in

das Zusammenleben jener Zeit.

„Reichtum korrelierte entweder mit

biologischer Verwandtschaft oder

Herkunft aus der Ferne. Die Kernfamilie

vererbte ihren Besitz und Status

weiter“, erklärtPhilipp Stockhammer

von der Universität München. „Aber

in jedem Bauernhof haben wir auch

arm ausgestattete Personen lokaler

Herkunft gefunden.“ Solche komplexen

Strukturen des Zusammenlebens

sind aus dem alten Rom oder dem

klassischen Griechenland bekannt.

Die Menschen im Lechtal lebten jedoch

mehr als 1500 Jahrefrüher.„Das

zeigt erstmals, wie lang die Geschichte

sozialer Ungleichheit in Familienstrukturen

zurückreicht.“

Dass sich in der Bronzezeit hierarchische

Strukturen ausbildeten, ist

nicht neu. Die Archäologen überraschte

allerdings, dass diese Hierarchien

innerhalb eines Haushalts existierten

und das über Generationen

hinweg. Sie konnten den Status der

Verstorbenen an den Grabbeigaben

ablesen. Für sozial höher gestellte

Männer waren das vor allem Waffen

wie Dolche,Äxte oder Pfeilspitzen, für

Frauen aufwendiger Kopfschmuck

oder große Beinringe. Solche Beigaben

erhielten nur eng verwandten Familienmitglieder

sowie Frauen, die

aus 400 bis 600 Kilometern Entfernung

in die Familien kamen.

Bereits früher hatten die Forscher

gezeigt, dass die Mehrheit der Frauen

im Lechtal aus der Fremde stammte

und beimWissenstransfer vermutlich

eine entscheidende Rolle spielte. Die

aktuelle Untersuchung passt zu diesem

Befund. Die genetischen Analysen

erbrachten Stammbäume, die

vier bis fünf Generationen umfassten

und nur männlicheVerwandtschaftslinien

enthielten. Die Archäologen

folgern, dass die weiblichen Nachkommen

den Hofverlassen mussten,

wenn sie das Erwachsenenalter erreichten.

Bei den Müttern der Söhne

handelte es sich ausschließlich um

zugezogene Frauen. Die Bauernhöfe

wurden über die männlichen Linien

vererbt. Das System blieb über 700

Jahrestabil.

Neben den reich bestatteten Mitgliedern

der Kernfamilie fanden die

Wissenschaftler auch arm bestattete,

nicht verwandte einheimische Mitglieder

in den Haushalten. „Wir können

leider nicht sagen, ob es sich bei

diesen Individuen um Knechte und

Mägde oder vielleicht sogar eine Art

von Sklaven gehandelt hat“, sagte

eine Forscherin. (dpa/fwt)


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 17 *

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Sport

Ein

sportliches

Drama

Füchse-Profi Ernst erleidet

dritten Kreuzbandriss

VonCarolin Paul

Knappe neunzehn Minuten standen

auf der Uhr, als Simon Ernst

nach einer Offensivaktion länger als

gewohnt im gegnerischen Torraum

verweilte. Die Aktion wurde abgepfiffen,

die Füchse begaben sich in

den Rückzug –nur der Spielmacher

lief gezielt in Richtung Auswechselzone.

Das wäre insofern nicht allzu

verwunderlich gewesen, hätte sich

der 25-Jährige nicht ohne große

Worte auf dem hinteren Ende der

Bank platziert, ohne jegliches Anzeichen,

im nächsten Angriff wieder am

Geschehen auf dem Feld teilnehmen

zu wollen. MitWucht haute er dafür

seine Wasserflasche auf das Parkett

und verschaffte seiner Frustration

Luft.

Bei dem knappen Stand von 7:6

gegen den Bergischen HC eine vielleicht

nachvollziehbare Reaktion. Es

war jedoch zu erkennen, dass er bereits

jetzt Böses ahnte.Was sich nun

bestätigte: Ernst, der gerade erst eine

schwere Knieverletzung auskuriert

hatte, erlitt seinen dritten Kreuzbandriss.

Das ergab eine MRT-Untersuchung

am Montag.

Bestürzter Manager

Während des Spiels hatten sich die

Füchse zunächst mal nichts anmerken

lassen. Trainer Velimir Petkovic

brachte Jacob Holm als Ersatz, am

Ende erkämpften sich die Berliner

einen 27:24-Sieg in einem zähen

Spiel mit zahlreichen Fehlern. Aber

was war mit Ernst? Beim Siegestanz

noch verhalten mit dabei, zogesden

gebürtigen Rheinländer anschließend

schnell in die Kabine.

Trainer Petkovic wollte nach der

Partie nicht vom Schlimmsten ausgehen

und antwortete auf die Frage

nach einer möglichen Verletzung

verhalten. „Unzufrieden war ich

nicht mit ihm“, sagte der 63-Jährige

ohne viel verraten zu wollen, schob

dann aber ein „schauen wir mal“

hinterher.

Einsam in der Halle

Trotz einer schwierigen Saisonvorbereitung fühlen sich die Berlin Volleys reifer als im vergangenen Jahr

VonAnnika Schultz

Wenn der Cheftrainer

für den Großteil der

Saisonvorbereitung

aufgrund seines

Zweitjobs bei der französischen

Landesauswahl passen muss, und

auch der Kapitän, verlängerter Arm

des Trainers, den Sommer bei der

Nationalmannschaft verbringt,

dann kommt bei den Volleys eine

weitere Person ins Spiel: Lucio Oro.

Der Brasilianer mit dem italienischen

Pass nahm in den letzten Wochen

und Monaten eine ganz entscheidende

Rolle ein: Derneue,aber

in Berlin bestens bekannte Assistenztrainer

leitete das Training in Eigenregie.

Beim

Heim-Auftakt

gegen die Helios

Grizzlys Giesen

am Dienstag

(19.30 Uhr/

sporttotal.tv)

und in den kommenden

Wochen

Stellvertreter: wird sich zeigen,

Lucio Oro ob Oros Arbeit

Früchte getragen

hat und eine Mannschaft ohne große

Vorbereitung erfolgreich sein kann.

IMAGO/HUNDT

Vertrauen in Oro

Weil den Volleys-Verantwortlichen

um Geschäftsführer Kaweh Niroomand

die Herausforderungen der

Vorbereitung bewusst waren, setzten

sie auf Kontinuität. In der Saison

2016/2017 saß Oro bereits als Assistent

des damaligen Trainers Roberto

Serniotti an der Seitenlinie. Mit den

Strukturen im Verein ist der 42-Jährige

vertraut, auch wenn aus dem damaligen

Kader kein Spieler mehr unter

Vertrag steht; auch mit Cheftrainer

Cedric Enardhat Oronoch nicht

zusammengearbeitet. Trotzdem ist

das Vertrauen so groß, dass sie ihm

die Saisonvorbereitung überließen.

„Wir wissen, wie Lucio arbeitet. Er

hat selber lange gespielt, ist also keiner,

der vom Schreibtisch kommt“,

sagt Niroomand. „Er versteht das

Spiel, ist sehr emotional und engagiert.“

Oro stand stets in engem Austausch

mit Enard, der außerdem so

oft wie möglich in Berlin weilte. „Es

ging darum, sie so schnell wie möglich

zusammenzubringen. Damit sie

sich über das System, über Vorhaben,

über das Training abstimmen

Cheftrainer Cedric Enard warimSommer seltener Gast in Berlin.

Sofort ins System

DPA/GORA

können“, so Niroomand. Trotzdem

gestaltete sich die Vorbereitung

schwierig, den Trainingsauftakt bestritt

Oromit vier Profis,ehe sukzessive

immer mehr Spieler eintrafen.

„Da muss man natürlich auch bei

der Trainingssteuerung vorsichtig

sein. Man kann nicht die ganze Zeit

vier Spieler durch die Halle scheuchen,

als wenn zwölf da wären“, betont

Niroomand. Weil mit Sergej

Grankin, Benjamin Patch und Jeffrey

Jendryk drei Spieler aktuell mit ihren

jeweiligen Nationalmannschaften

beim World Cup inJapan gefordert

sind, wird das Team auch beim ersten

Heimspiel nicht vollzählig sein.

Breiter Kader

Sich als Mannschaft zu finden und

Taktiken zu erarbeiten, ist unter diesen

Voraussetzungen beinahe unmöglich.

„Deswegen lag der Fokus

lange auf individuellem Taktik- und

Techniktraining“, weiß Niroomand.

Trotzdem erhofft sich der Manager

eine bessereerste Saisonhälfte als im

vergangenen Jahr. Die Berliner wollen

davon profitieren, dass sie den

Großteil der letztjährigen Stammformation

in der Hauptstadt halten

konnten und auch das Trainerteam

nicht komplett neu ist. So können sie

auf Grundlagen der vergangenen

Spielzeit zurückgreifen −zumindest

dann, wenn alle einsatzfähig sind.

„Im vergangenen Jahr wussten wir

schon, dass wir Schwachstellen haben,

dass es Positionen gab, die mit

Fragezeichen besetzt waren“, fügt

Niroomand hinzu, „jetzt sind die

neuen Spieler sehr gute Ergänzungen,

die mit ihrer hohen Qualität

auch ohne weiteres Stammspieler

sein könnten.“

Beim 3:1-Auftaktsieg gegen Königs

Wusterhausen am Wochenende

feierten gleich vier Neuzugänge ihr

Pflichtspieldebüt. Niroomand zeigt

sich mit dem Start zufrieden: „In

meinen Augen hat das Spiel gezeigt,

dass wir schon viel weiter sind als gedacht“.

Auch Kapitän Moritz Reichert

sprach davon, dass das Spiel

Anlass zu gestärktem Selbstvertrauen

geben könnte. Zudem kommen

den Volleys die Ansetzungen

der ersten Spieltage entgegen, Königs

Wusterhausen und Giesen sind

„lösbare Aufgaben“, wie Niroomand

sagt. Trotzdem warnt er: „Traditionell

schlackernneuen Spielernbeim

ersten Spiel vor 4 000 Zuschauern

noch einmal die Hände.“

Alba hat früh mit Verletzungen zu kämpfen, doch die Basketballer sind vorbereitet –und sehen in der Misere Chancen

NACHRICHTEN

Bundestrainer verzichtet

auf TorwartHeinevetter

HANDBALL. Bundestrainer Christian

Prokop baut in den letzten Länderspielen

des Jahres auf ein neues

Torhüter-Duo.Andreas Wolff (Vive

Kielce) und DarioQuenstedt (THW

Kiel) bilden das Gespann für die

Tests gegen Kroatien (23. und 26. Oktober).

DerBerliner Silvio Heinevetter,zuletzt

Stammkeeper neben

Wolff, wurde nicht nominiert.

Olympiasiegerin macht

erst einmal Babypause

RODELN. Natalie Geisenberger,

Doppel-Olympiasiegerin vonSotschi

und Pyeongchang, erwartet im

Aprilihr erstes Kind und wirdinder

anstehenden Weltcup-Saison nicht

starten. GroßerWunsch der 31-Jährigen

ist die Teilnahme an den Olympischen

Winterspielen 2022.

Neymar an der linken

Achillessehne verletzt

FUSSBALL. Trainer Thomas Tuchel

und ParisSaint-Germain müssen

vier Wochen auf Superstar Neymar

verzichten. DerBrasilianer zogsich

beim Länderspiel in Singapur gegen

Nigeria (1:1) „eine Verletzung zweiten

Grades an der linken Achillessehne

zu. Eine weitereDiagnose soll

in acht Tagen gestellt werden.

Angelique Kerber beendet

ihre Saison vorzeitig

TENNIS. Nach der Absage des Turniers

in Luxemburgwegen einer

Beinverletzung beendete die frühere

Weltranglistenerste Angelique Kerber,31,

vorzeitig ihreSaison. Beider

weiter laufenden Trainersuche will

sich die dreimalige Grand-Slam-Siegerin

nicht unter Druck setzen. Derzeit

befindet sich die Kielerin in Gesprächen,

eine Entscheidung soll bis

zum Startder neuen Saison fallen.

Doping: Weltmeister

Sun muss sich erklären

SCHWIMMEN. SunYang, Weltmeister

über 200 und 400 mFreistil,

muss sich am 15. November

vordem Internationalen Sportgerichtshof

Caserklären. DerChinese,27,

war 2014 positiv auf das

Dopingmittel Trimetazidin getestet

worden. Beider öffentlichen Anhörung

soll er sich nun zu einer offenbar

mit einem Hammer zerstörten

Dopingprobe äußern. Ursprünglich

sollte SunimSeptember aussagen,

verschob diesen Termin aber

wegen „persönlicher Gründe“.

Simon Ernst ahnt bereits auf dem Spielfeld

Böses.

JÜRGEN ENGLER

Für den erst 25-Jährigen ist die

Diagnose ein sportliches Drama. Gerade

erst hatte sich der Spielmacher

nach achtzehn Monaten Leidenspause

beeindruckend auf das Handball-Parkett

zurückgekämpft, nur

um zwei Monate später vor einem

erneuten Aus zu stehen. „Das ist

zweifelsohne mein traurigsterTagals

Geschäftsführer.Ihn als Sportler und

als Mensch zu ersetzen, ist unmöglich“,

sagte Füchse-Boss Bob Hanning

bestürzt. Ernst hatte sich in der

kurzen Saison bereits als wichtiger

Teil der Rückraum-Achse erwiesen,

der mit Schnelligkeit und Ideenreichtum

wiederholt Akzente setzen

konnte und sogar bei Bundestrainer

Christian Prokop für die Länderspiele

in der nächsten Woche auf

dem Zettel stand.

Das Nationalmannschafts-

Comeback muss nun allerdings

Operation und Rehabilitation weichen.

Für Ernst bedeutet die Verletzung

ein halbes Jahr Pause −mindestens.

Bei einer derartigen Verletzungshistorie

steht aber auch die

Frage im Raum, wie es überhaupt

mit der Karriereweitergeht.

VonChristian Kattner

Bald fit? Martin Hermannsson.

IMAGO IMAGES

Schon wenige Stunden nach dem

Spiel konnte Martin Hermannsson

so etwas wie Entwarnung geben.

AufNachfrage äußerte sich Alba Berlins

Aufbauspieler zuversichtlich,

dass er keine schlimmereVerletzung

aus dem Euroleague-Spiel in Istanbul

davongetragen habe.Noch positiver

klang der Isländer am Montag

mit Blick auf einen möglichen Einsatz

am Dienstagabend in eigener

Halle gegen Frankfurt. „Ich habe gerade

das Training beendet, es sieht

gut für morgen aus“, so Hermannsson

gegenüber der Berliner Zeitung.

Eine Nachricht, die so nicht zu erwarten

war.Mitte des dritten Viertels

musste der 25-Jährige nach einem

Zusammenprall vom Feld. Hermannsson

wurde am Ende der Spielerbank

zunächst behandelt und verfolgte

die 105:106-Niederlage nach

Verlängerung bei Anadolu Istanbul

als Zuschauer. Bereits vor dem Spiel

hatte Marcus Eriksson mit einem

Muskelfaserriss passen müssen. Er

fehlt den BerlinernmehrereWochen.

Kenneth Ogbe hatte in der Saisonvorbereitung

eine solche Verletzung

erlitten, Peyton Siva pausierte bis

zum Spiel in Istanbul mit muskulärenProblemen.

„Das sind Verletzungen,

die mit hohen Belastungen zu

tun haben“, sagt Geschäftsführer

Marco Baldi, „aber wir werden das

natürlich genau analysieren.“

In einer Saison mit mindestens

knapp 70 Spielen in drei Wettbewerben

überlässt Alba nichts dem Zufall.

Statt überstürzt mit Nachverpflichtungen

zu reagieren, will der Klub

der Ursache wiederkehrender Verletzungen

auf den Grund gehen.

„Man muss dieVerletzungen vonFall

zu Fall betrachten“, so Baldi. Peyton

Siva etwa war ein Gegenspieler reingesprungen,

Hermannsson trug

seine Verletzung aus einem Zusammenprall

davon. Beides war nicht

auf fehlende Regeneration oder falsches

Training zurückzuführen. Alba

aber ist auf Ausfälle vorbereitet. Dadurch,

dass ein Großteil der Mannschaft

gehalten werden konnte,

braucht es nicht viel Zeit zum Einspielen,

Automatismen aus der Vorsaison

greifen relativ zügig.

Mehr Qualität im Kader

Die Spieler, die für Verletzte eingewechselt

werden, funktionieren sehr

gut. DerAusfall Erikssons,der in den

ersten Saisonspielen in der Offensive

einer der auffälligsten Alba-Spieler

war, fiel in Istanbul nicht auf, da er

nahezu problemlos von Teamkollegen

ersetzt wurde. „Es geht darum,

dass die Jungs, die reinkommen,

keine Anlaufphase von zwei, drei

Spielen brauchen, sonderngleich im

System greifen“, sagt Baldi. Ihmund

Sportdirektor Himar Ojeda ist es gelungen,

die Qualität im Kader zu steigern,

ihn aber auch noch breiter für

die Belastung aus Bundesliga, Euroleague

und BBL-Pokal aufzustellen.

Inklusive der Doppellizenzspieler

gehören 17 Akteure zum Team. Die

Ausfälle von Johannes Thiemann,

Siva, Stefan Peno und Makai Mason

sowie jetzt Eriksson können qualitativ

ausgeglichen werden. „Es wird

auch eine Aufgabe, damit umzugehen,

wenn alle da sind“, sagt Baldi.

Sollte Hermannsson am Dienstagabend

ab 19 Uhr gegen Frankfurt

tatsächlich einsatzbereit sein, werden

immerhin noch Thiemann,

Peno und Eriksson fehlen. In ihrem

Ausfall liegt für junge Spieler die

Chance auf erhöhte Einsatzzeit. In

der vergangenen Saison konnten

Franz Wagner, Jonas Mattisseck und

Tim Schneider zeigen, dass sie auf

hohem Niveau spielen können. „So

sind Spieler wie Mattisseck und

Schneider gewachsen. Der Verantwortungsübernahme

haben sie

standgehalten“, sagt Baldi, „die Anzahl

der Spiele wird esermöglichen,

dass jeder seine Möglichkeiten bekommt.“

Bislang hat nahezu jeder Spieler

diese Möglichkeiten genutzt, deshalb

gibt es auch in Schreckmomenten

wie bei Herrmannsson in Istanbul

kaum Bedarf anNachverpflichtungen.

Trotz aller Verletzungen

„sind wir noch weit davon entfernt,

dass wir uns über Ersatz Gedanken

machen müssen“, sagt Baldi.

Bierhoff bringt zweigleisige

Dritte Liga ins Gespräch

FUSSBALL. ZurVerbesserung der

Nachwuchsförderung brachte DFB-

Direktor Oliver Bierhoff dieWiedereinführung

einer zweigleisigen 3. Liga

ins Spiel. DerVerband mache sich

„Gedanken darüber,welche Strukturenwir

für einen besserenWerdegang

der Spieler ändernmüssen“, sagte

Bierhoff im kicker-Interview.

ZAHLEN

Fußball

EM-Qualifikation, 7. Spieltag

Gruppe C:

Weißrussland -Niederlande 1:2 (0:2)

Estland -Deutschland 0:3 (0:0)

1. Niederlande 6 19: 7 15

2. Deutschland 6 20: 6 15

3. Nordirland 6 8: 7 12

4. Weißrussland 7 4:12 4

5. Estland 7 2:21 1


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 – S eite 18

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Sport

Sein Herz schlägt für den Adler:Das demonstriertIlkayGündogan nach einem seiner zwei Treffer für die deutsche Elf in der EM-Qualifikation gegen Estland nicht nur dem Teamkollegen Niklas Süle.

AP/MEE

Zum Umgang mit der Meinungsfreiheit

An Ilkay Gündogan und einem Like auf Instagram zeigt sich, dass sich Fußballprofis gesellschaftlicher Verantwortung nicht entziehen können –ein Kommentar

VonChristian Schwager

Esgibt einen Begriff, der erst

einmal komisch klingt, der

aber eine wichtige Unterscheidung

vornimmt: Fußball-Intelligenz.

Die hat nicht

zwangsläufig mit dem landläufig als

Intelligenz bezeichneten Geisteszustand

zu tun. Der Fußballprofi Ilkay

Gündogan legt diesen Schluss jedenfalls

nahe. Der Mittelfeldspieler von

Manchester City verfügt über Fußball-Intelligenz.

Dashat er beim 3:0-

Sieg im Qualifikationsspiel der deutschen

Nationalelf gegen Estland bewiesen.

In Tallinn erzielte der 28

Jahrealte Gelsenkirchener mit türkischen

Wurzeln zwei Treffer und bereitete

den dritten vor.

Zuvor hatten Ilkay Gündogan

und sein Auswahlkollege Emre Can

mit Instagram-Likes für ein Foto

Rückschlüsse auf ihre politische Intelligenz

ermöglicht. Das Foto zeigt

türkische Fußballer nach dem Siegtor

von Cenk Tosun beim 1:0 gegen

Albanien mit der Hand an der Stirn.

Ein militärischer Gruß, als solcher

bewusst gewählt.Wardawas? Syrien,

Angriffe der Türkei? Geschütze, die

schießen? Menschen, die sterben?

Dertürkische Fußball-Verband teilte

mit, der Militärgruß sei den bei der

„Operation Friedensquelle“ eingesetzten

türkischen Soldaten gewidmet

gewesen. Und fand offenbar

nichts Anstößiges daran.

Inzwischen haben beide ihre

Likes zurückgezogen. „Dass das so

eine Dimension annimmt, konnte

keiner erwarten“, sagte DFB-Direktor

Oliver Bierhoff. Wie auch, nachdem

ein Foto von Ilkay Gündogan

zusammen mit dem Kollegen Mesut

Özil im vergangenen Jahr mit dem

türkischen Präsidenten Recep

Tayyip Erdogan wochenlang für

Schlagzeilen und Özils Rücktritt aus

der deutschen Nationalelf gesorgt

hat. Eine Episode übrigens, in der

Bierhoff nicht die glücklichste Hand

als Krisenmanager bewies.

Eben jener Bierhoff teilte nun mit,

dass auch viele andere Spieler auf

derWelt das Foto geliked hätten, und

Zuversicht: Joachim Löw

wischt Zweifel an der EM-Teilnahme

weg. „Die letzten beiden

Spiele wollen und werden

wir gewinnen. Wirwerden

uns qualifizieren“, sagt

der Bundestrainer nach dem

3:0 (0:0) in Estland.

als sei damit alles erklärt, fügte er

hinzu: „Jetzt kann man ja nicht allen

unterstellen, dass sie für Krieg und

Terror sind.“

Wie gesagt: Fußballerische Intelligenz

ist eine spezielle funktionale

Form der Klugheit und fehlender

Durchblick ja auch gemeinhin nicht

strafbar, einerseits. Andererseits

wird fußballerische Intelligenz belohnt.

Im Fall der Herren Gündogan

EM-QUALIFIKATION

Zustand: Deutschland liegt

punktgleich an der Spitze der

Gruppe Chinter den Niederlanden.

Zwei Siegesind zum

Abschluss der Qualifikation

im November gegenWeißrussland

und Nordirland fest

eingeplant.

Zukunft: Der Bundestrainer

kündigte für diese Woche

„einigeTelefonate“ mit den

verletzten Spielernan. „Mal

sehen, werimNovember zurückkommt.“

Unter anderen

hatte der Herthaner Niklas

Stark passen müssen.

und Can mit sehr gut dotierten Verträgen

und einem Leben in der Öffentlichkeit.

Dieses angenehme Leben

ist allerdings mit einem Mindestmaß

an Verantwortungsbewusstsein

verbunden. Denn

Profisportler, nicht nur aus der Fußballbranche,

erfüllen eine Vorbildfunktion.

Das ist Teil des Geschäfts,

in die üppige Bezahlung gleichsam

eingepreist.

EinRadprofi etwa, der gedopt den

Gipfel des Tourmalet hinaufstrampelt

und dabei erwischt wird, verliert

seinen Vertrag, weil er Bewunderern

Betrug vorlebt. Ein besoffener Basketballer,

der im Sportwagen rote

Ampeln missachtet, fliegt zumindest

zeitweise aus seiner Mannschaft,

weil er gegen Gesetze verstößt. Wie

sollte nun ein Statement bewertet

werden, das als Sympathiebekundung

für einen militärischen Einsatz

zumindest missverstanden werden

kann? Zweitligist FC St. Pauli stellte

Cenk Sahin wegen dieser Geste frei.

Natürlich ist einem Berufssportler

eine politische Meinung gestattet.

Selbstverständlich kann er sich

politisch engagieren. Auch ist Sport

nicht unpolitisch, selbst wenn es

seine Führer gern und oft behaupten.

Sportmacht Politik, wie die Vergabe

von Milliardenprojekten nach

Art einer Fußball-Weltmeisterschaften

oder Olympia zeigt. Doch Athleten

dürfen ihren durch Sport erworbenen

gesellschaftlichen Rang nicht

missbrauchen.

Das hat übrigens die Türkei ganz

klar zum Ausdruck gebracht. Im Fall

des Basketball-Profis Enes Kanter

vom NBA-Team der Boston Celtics.

Der 27Jahre alte Center hatte sich

kritisch zu Erdogans Politik geäußert.

Er bekannte sich nach dem gescheiterten

Putschversuch 2016 in

der Türkei zu dem islamischen Prediger

Gülen, dem mutmaßlichen Urheber,

über Twitter, ebenfalls über

ein soziales Netzwerk also. Sein Account

wurde in der Türkei gesperrt,

sein türkischer Pass annulliert. Vater

Kanter legte dem Sohn nahe,den Familiennamen

nicht mehr zu tragen.

Ilkay Gündogan wird sicher froh

sein, dass ihn hierzulande das Recht

auf Meinungsfreiheit immerhin so

weit schützt. Ein kostbares Recht,

das einen verantwortungsbewussten

Umgang verdient.

Christian Schwager

unterscheidet zwischen Intelligenz

und Fußball-Intelligenz.

Wievon einem anderen Stern

Mercedes hat seit der Einführung des Hybrid-Reglements in jeder Saison die Formel-1-Weltmeisterschaft dominiert. Dafür gibt es mehrere Gründe

VonElmar Brümmer,Suzuka

Die Formel-1-WM als Meisterschaft

der Werte. So sehen sie

das tatsächlich in dem Team, dass

seit Einführung des Hybrid-Reglements

bisher in jedem Jahr den Titel

einsacken konnte. Mercedes hat

auch in dieser Saison vorzeitig alles

klar gemacht. Nach dem Sieg von

Valtteri Bottas in Japan ist der Konstrukteurs-Pokal

eingepackt, auch

die Fahrer-WM wird nur noch zwischen

den Sternfahrernausgetragen.

Schon in zwei Wochen könnte Lewis

Hamilton erneut Champion sein.

Eine solches Sixpack gab es noch nie

sieben Jahrzehnten Königsklasse,

die Ära von Michael Schumacher

und Ferrari zur Jahrtausendwende

(sechs Team- und fünf Fahrer-Weltmeisterschaften)

ist übertroffen. Die

Frage: Wiemacht das Mercedes nur?

Sechs Gründe für die sechs Doubles.

Teamgeist: Jeder Mitarbeiter trägt

ein Stück des Erfolges immer mit

sich herum −esist ein Papier,das im

Team-Rucksack steckt. Dortsind die

Ziele formuliert, die sich die Mannschaft,

aber auch jeder Einzelne für

das Rennjahr gesetzt haben. Nachlesen

muss diese gemeinsam zu Saisonbeginn

erarbeitete Philosophie

niemand. Teamchef Toto Wolff gesteht:

„Es ist nicht leicht, sich jedes

Jahr neu zu erfinden. Das funktioniert

auch nicht über Powerpoint-

Präsentationen, man muss die nötige

Einstellung schon leben.“

Führung: Wolff ist nach dem TodNiki

Laudas alleine für den Rennstall verantwortlich.

Der 47-Jährige ist nicht

bloß Angestellter,sondernauch Mitbesitzer.Ein

Erfolgsmensch, aber einer,der

diesen Erfolg gernteilt –mit

denen, auf denen er basiert. DerÖsterreicher

pflegt das Prinzip der offenen

Bürotür. Aber nicht bloß, weil

das so modern klingt, sondern aus

Überzeugung. Er ist gern Teil des

Ganzen, aber es ist auch allen klar,

dass er der unangefochtene Chef ist.

In Feierlaune: Teamchef Toto Wolff (l.) und Suzuka-Sieger Valtteri Bottas.

Struktur: Ausgerechnet der Tanker

Mercedes,der mit seinen ersten Versuchen,

ein komplett eigenes Rennteam

zu starten, zweimal eher gescheitert

war, ist seit 2013 zum

Schnellboot geworden. Wolff hatte

den Deal mit Dieter Zetsche ausgehandelt.

Die Aufbauarbeit von Michael

Schumacher, Ross Brawn und

Norbert Haug begann mit dem Reg-

IMAGO IMAGES

lementwechsel zu Hybridmotoren

Früchte zu tragen. Wolff schätzt an

seinem Rennstall die technische und

finanzielle Stärke des Konzerns im

Rücken, aber auch dieWendigkeit eines

Start-Ups: „Formel 1ist für mich

der beste Cross-over zwischen Wirtschaft

und Sport.“ Bedeutet nichts

anderes als gnadenlose Effizienz und

enormen Leistungsdruck: „In der

Wirtschaft und der Politik gibt es immer

noch eine Menge Ausreden,

warum etwas nicht gelaufen ist. Aber

bei uns bist du am Ende nur so gut,

wie die Stoppuhr zeigt.“

Motivation: Immer dann, wenn Mercedes

einmal in so etwas wie eine

Krise rutscht, traditionell im Frühherbst,

greift ein mentaler Trick, den

Motivator Wolff so beschreibt: „Die

Tage, andenen sich der Erfolg nicht

einstellt, sind auch jene Tage, andenen

man den größten Fortschritt

macht, sich am meisten weiterentwickelt.“

Im vergangenen Herbst,

und auch jetzt im Spätsommer wieder,

als Ferrari mit einem stärkeren

Auto die Wende einzuleiten drohte,

hat die Fähigkeit zur schonungslosen,

aber eben nicht vernichtenden

Selbstkritik gegriffen.

Technik: Der zehnte Silberpfeil der

Neuzeit ist vonden reinen PS-Zahlen

her nicht mehr das stärkste Auto der

Königsklasse, aber dafür ein Rennwagen,

der in allen Bereichen seine

Stärken und insgesamt ziemlich wenige

Schwächen hat. Das liegt an einer

starken, 2013 entstandenen Basis,die

seither permanent weiterentwickelt

wird. Updates und Upgrades,

mit denen die Konkurrenz häufig panisch

Schwächen ausbügeln muss,

kommen nach einem klaren Plan.

Pioniergeist und Konzernressourcen

ergänzen sich hier besonders gut.

Fahrer: Lewis Hamilton kam als gebrochenes

Talent zu Mercedes und

hat sich zum natürlichen Leader,

zum stärksten Fahrer seiner Generation

entwickelt. Weil er sich entwickeln

durfte. Selbst der Zwist mit

Nico Rosbergist nur noch eine längst

vergangene Episode für den Briten.

Er lebt der ganzen Mannschaft Coolness,

Disziplin und Gnadenlosigkeit

vor. Und hat seinen Teamkollegen

Valtteri Bottas fest im Griff, auch

wenn dieser in Suzuka triumphieren

konnte und Stallorder außer Frage

stand.


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 – S eite 19 *

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Feuilleton

Umjubelte Premiere:

„The Bassarids“

an der Komischen Oper

Seite 21

„Im Moment der schlimmsten Verwirrung flüchtet sie ins Musical.“

Doris Meyerhenrich über die „Amphitryon“-Gesellschaft in der Schaubühne Seite 19

Nobelpreis

Genial

daneben

Harry Nutt

wünscht einen zweiten Blick

auf die Handke-Debatte.

Esist ja wahr:Der Literaturnobelpreisträger

Peter Handke hat in

Bezug auf die Jugoslawienkriege sehr

viel Dummes gesagt. In einem Interview

mit dem serbischen Staatsfernsehen

entfuhr es ihm 1999: „Was die

Serben seit fünf, mehr noch, seit acht

Jahren durchmachen, das hat kein

Volk in diesem Jahrhundert inEuropa

durchgemacht. Dafür gibt es

keine Kategorien. Bei den Juden, da

gibt es Kategorien, Begriffe – man

kann darüber sprechen. Aber bei den

Serben –das ist eine Tragödie ohne

Grund. (…) Ichverspreche es Ihnen:

Ichgehe nach Serbien. Wenn die Kriminellen

der Nato Sie bombardieren,

komme ich nach Serbien.“ Den

Vergleich mit dem Holocaust nahm

Peter Handke später wieder zurück,

da habe er sich „verhaspelt“.

Es sind Begebenheiten wie diese,

die nun im Zusammenhang mit der

Kritik an der Vergabe des Nobelpreises

wieder auf die Tagesordnung gesetzt

werden, als ginge es darum, den

Schriftsteller in einem Indizienprozess

zu überführen.

Dass die Unterscheidung, bei

Handke handele es sich um einen

genialen Dichter und politischen

Wirrkopf, nicht hinreicht, darauf hat

der Germanist Jürgen Brokoff in einem

Text für die FAZ bereits 2010

aufmerksam gemacht. Es sei eine

Verharmlosung, Handke für seine

vermeintlich naiven politischen

Stellungnahmen zu kritisieren. „Der

eigentliche Sündenfall dieses Autors

ereignet sich nicht auf dem Feld des

Politischen, sondern auf dem Feld

des Literarischen.“ Handke habe die

serbischen Menschenrechtsverbrechen

verharmlost und deren Opfer

verhöhnt.

Ist die Zeit reif für einen zweiten

Blick auf die Handke-Kontroverse,

die eine der erbittertsten Debatten

der jüngeren deutschen Literaturgeschichte

war? Undkann es eine Auseinandersetzung

jenseits der Hermeneutik

des Verdachts geben? Das

Nobelpreiskomitee hat es sich und

uns nicht einfach gemacht. Fortsetzung

folgt.

VonCornelia Geißler

Man kann die Jury nur

beglückwünschen zu

dieser Wahl. Saša Stanišics

Roman „Herkunft“

erhält den Deutschen Buchpreis

2019. Es handelt sich um ein

Buch über unsere Gegenwart, ein

Buch auch, das zeigt, was Sprache

kann und zugleich erzählt, wie

schwer Sprachlosigkeit wiegt. Der

Autor, 1978 in Višegrad geboren und

heute in Hamburg lebend, erzählt

von sich und seiner Familie. Seine

Heimatstadt gehörte zu Jugoslawien,

das Land gibt es nicht mehr.Sie liegt

heute in Bosnien und Herzegowina.

Dazwischen war der Krieg. Saša Stanišic

schreibt von der Flucht nach

Deutschland, vom Heimatfinden

und Heimaterinnern, von den Eltern,

die aus anerkannten Berufen in

Hilfsjobs wechseln mussten, während

er als Kind schnell die Sprache

lernte und Freunde hatte.

Statement gegen Peter Handke

In der Begründung der Jury heißt es

zum Beispiel: „Mit viel Witz setzt er

den Narrativen der Geschichtsklitterer

seine eigenen Geschichten entgegen.

,Herkunft‘ zeichnet das Bild

einer Gegenwart, die sich immer

wieder neu erzählt. Ein ,Selbstporträt

mit Ahnen‘ wird sozum Roman

eines Europas der Lebenswege.“ Das

Buch entsteht in einer Zeit, da in

Chemnitz Männer auf der Straße den

Hitlergruß zeigen. Das Buch steigt in

die Vergangenheit und in Träume.

Denn auch die Träume und die Erinnerung

an den Garten der Großeltern

gehören zur Herkunft dazu.

DieDankesrede benutzt Saša Stanišic

am Montagabend kaum, um

der Jury zu erklären, wie er sich über

die Ehrung freut, kaum, um seinen

Verlag –Luchterhand –zuloben, in

dem er sich gut aufgehoben fühlt.

Man kann das alles live verfolgen

über Videostream, auch wenn man

nicht in Frankfurt amMain im Römer

sitzt. „Ich bitte um Nachsicht,

wenn ich die kurze Öffentlichkeit des

Preises nutze“, sagte er, „um mich

kurz zuechauffieren.“ Ein anderer

Preis,inder vergangenenWocheverliehen

und mit viel mehr Aufmerksamkeit

verbunden, bringe ihn dazu:

der Literaturnobelpreis für Peter

Handke.„Ich tue es auch deswegen,

Der Entkommene

Saša Stanišics Roman „Herkunft“ erhält den Deutschen Buchpreis 2019

Saša Stanišic bei seiner Dankesrede, die eigentlich ein Kommentar ist.

weil ich das Glückhatte,dem zu entkommen,

das Peter Handke in seinem

Texten nicht beschreibt.“

Die Betonung legt er auf das

Wörtchen„nicht“.WasHandke nicht

beschreibt in seinem 1996 veröffentlichten

Text „Eine winterliche Reise

zu den Flüssen Donau, Save, Morawa

und Drina oder Gerechtigkeit

für Serbien“. Und das, worauf der

Redner hinweist, ist das Morden. Vi-

IMAGO IMAGES

šegrad, wo Saša Stanišic geboren

wurde, ist in den Jahren 1992 bis

1995 praktisch „ethnisch gesäubert“

worden, aus der Luft beschossen

und durchzogen vonserbischen Einheiten.

Handke beschreibt Milizionäre,

die barfuß gingen und keine

Verbrechen haben begehen können,

sagt Stanišic, und er verweist darauf,

dass er nun vor dem Publikum nur

stehen könne, weil er „entkommen“

sei. „Handke erwähnt die Opfer

nicht. Die Verbrechen aber sind geschehen.“

Peter Handke habe sich Wirklichkeit

so zurechtgelegt, dass sie nur

noch aus Lüge bestehe.„Das soll Literatur

eigentlich nicht.“ Und während

die Katholische Kirche Handke

schon gratuliert habe, „zu einer Ehrung

jenseits der politischen Korrektheit“,

möchte er die Gelegenheit

nutzen, der anderen Nobelpreisträgerin

Olga Tokarczuk zu gratulieren.

„Ich feiere eine Literatur, die alles

kann“, sagt er,„die nicht zynisch ist

und nicht verlogen, und die uns Leser

nicht für dumm verkaufen will.

Ich feiere gern auch eine Literatur,

die die Zeit beschreibt. DieZeit ist so,

wie sie Handke im Falle vonBosnien

beschreibt, nie gewesen.“

Der Deutsche Buchpreis will, wie

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des

Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

vor 300 Gästen im Saal und

über Livestream sagt, „die Aufmerksamkeit

auf die deutschsprachige

Romanliteratur in ihrer Qualität und

Vielfalt lenken“. Es ist eine Auszeichnung,

die Bücher ins Scheinwerferlicht

stellt.

Einer vonsechs Nominierten

In monatelanger Lesearbeit und Diskussion

hat die Jury, bestehend aus

den Buchhändlern Petra Hartlieb

und BjörnLauer,dem Chef des Literaturhauses

Frankfurt am Main,

Hauke Hückstädt, und den LiteraturkritikernJörgMagenau,

Alf Mentzer,

Daniela Strigl und Margarete von

Schwarzkopf, sechs Kandidaten bestimmt.

Sie alle werden am Montagabend

gewürdigt. Neben Stanišics

Buch sind es NorbertScheuers „Winterbienen“,

Jackie Thomaes „Brüder“

und drei erstaunliche Debütromane –

von Raphaela Edelbauer („Das flüssige

Land“), Miku Sophie Kühmel

(„Kintsugi“) und Tonio Schachinger

(„Nicht wie ihr“). Der Jurysprecher

Jörg Magenau lobt ausdrücklich

„diese jungen Autoren“. Die für die

Shortlist Ausgewählten erhalten also

Aufmerksamkeit und je 2500 Euro,

der Gewinner des Deutschen Buchpreises

bekommt 25 000 Euro.

„Herkunft“ von Saša Stanišic hat

bereits viel Aufmerksamkeit erfahren,

es gibt keinen Grund, warum sie abebben

sollte.Dieses Buch gehörtgelesen.

Diesen Autor sollte man hören.

NACHRICHTEN

Wolfsburger Kunstpreis geht

an Birgit Brenner aus Berlin

Für ihregesellschaftskritischen Arbeiten

zu Alltagsthemen bekommt

die Berliner Künstlerin Birgit Brenner

den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg.

Wiedie Städtische Galerie

WolfsburgamMontag mitteilte,würdigte

die Jury Brenners eigene Bildsprache,die

sich nicht nur auf ein

Medium beschränke.„In der Gegenüberstellung

vonanalogen und digitalen

Sehmustern, vonPerfektion

und Do-it-yourself, vonrealem Leben

und künstlicher Konstruktion

formuliertdie Künstlerin Kommentareund

Fragen zu aktuell virulenten

Themen“, hieß es zur Begründung.

Die1964 in Ulmgeborene Brenner

ist bekannt für ihreArbeiten rund

um Video,Malerei, Zeichnung, Fotografie

und Skulptur. (dpa)

Kronprinzessin Mette-Marit

reist im Literaturzug

Kronprinzessin Mette-Marit hat sich

zusammen mit ihrem Mann, dem

norwegischen Thronfolger Haakon,

mit einem Literaturzug auf den Weg

zur Frankfurter Buchmesse gemacht.

DerSonder-ICE brach am

Montag in einer ersten Etappe von

Berlin nach Köln auf. Mette-Marit ist

Botschafterin für norwegische Literatur

im Ausland. Norwegen ist in

diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter

Buchmesse.AnBorddes Literaturzugs

waren mehrereSchüler und

auch norwegische Schriftsteller wie

Jostein Gaarder („Sofies Welt“) und

MariaParr („Waffelherzenander Angel“).

An diesem Dienstag fährtder

Zugdann weiter zur Frankfurter

Buchmesse. (dpa)

Arvo-Pärt-Zentrum zieht

positive erste Bilanz

EinJahr nach seiner Eröffnung hat

das Arvo-Pärt-Zentrum in Estland

eine positiveerste Bilanz gezogen.

Mehr als 33 000 Menschen hätten das

rund 35 Kilometer westlich der

Hauptstadt Tallinn gelegene Zentrum

in Laulasmaa besucht, das sich dem

Werk und Leben des estnischen Komponisten

widmet. In dem Neubau in

einem Kiefernwald nahe der Ostsee

befinden sich u.a. das Archiv und ein

Konzertsaal mit 150 Sitzplätzen.(dpa)

UNTERM

Strich

Stuttgart 21

Ein Fachmann

für Trichter

VonTomo Mirco Pavlovic

Oft fragt man sich, worin das Geheimnis

einer beliebten Theater-Inszenierung

bestehen könnte.Warum etwa findet sich auf

dem Spielplan des Deutschen Theaters seit

Jahren Samuel Becketts „Warten auf Godot“?

Kaum jemand, der das Theater leidenschaftlich

hasst oder liebt und diese Arbeit nicht irgendwann

einmal gesehen oder zumindest

vonihr gehörthat. DieVermutung liegt nahe,

dass das Verdienst den beiden Hauptakteuren

gebührt. Sicher, es war Dimiter Gotscheffs

letzte Regieidee. Sein Nachlass wird

vonSamuel Finzi und Wolfram Koch verwaltet,

und beide wurden für ihr Spiel zu Recht

mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring geschmückt.

Doch der eigentliche Hauptdarsteller in dieser

seltsam anziehenden Inszenierung ist die

Bühne mit ihrer extremen Holzschräge und

dem Krater in der Mitte, einem Trichter. Es

handelt sich bei diesem leeren Zentrum

wohl um das existenzielle Nichts. Schopenhauers

Nirwana? Heideggers nichtendes

Nichts? Blochs Prinzip Hoffnung? Jedenfalls

ein Loch, in das so vieles hineinpasst, scheinbar

Sinnvolles, aber in Wirklichkeit stets

Sinnloses. Eine tiefe, dunkle Sinngrube

gähnt einen an, in das der Mensch hilflos

seine Anschauungen und Ideen ohne Hoffnung

auf Widerhall hineinwirft.

Warum genau dieser Godot im Deutschen

Theater so verlockend gut ausgehöhlt

ist, versteht man erst, wenn man im größten

GERO DESCZYK

und sicher umstrittensten Loch der Republik

Platz nimmt, in der Baugrube des neuen

Stuttgarter Tiefbahnhofs. Stuttgart 21ist ein

Bauprojekt, das eine Stadtgesellschaft zerrissen

hat und die Schwabenmetropole seit

Jahren beständig in die Schlagzeilen katapultiert.

Für die nimmermüden Gegner der Tieferlegung

bleibt Stuttgart 21ein Milliardengrab,

für die Künstler hingegen scheint das

Loch ein inspirierender Ort zu sein. Zum

Thema sind schon mehrereRomane erschienen,

der neueste Wurf aber ist Schorsch Kameruns

„mutmachende Dystopie-Sinfonie“

mit dem Titel „Motor City Super Stuttgart“.

Kamerun wurde als Sänger der Band Goldene

Zitronen bekannt, doch ist er seit langem

schon als Regisseur unterwegs, macht

oft vorzügliches Musiktheater und füllt kreativeLücken

im Stadttheater,die sich gemeinhin

zwischen Schauspiel und Bühneninstallation,

Oper und Gesangsperformance auftun.

Ein Fachmann für Löcher und Trichter

gewissermaßen, der mit den Stuttgarter Philharmonikern

und vielen „lokalen Experten

etwa aus der freien Theaterszene mit konzertanter

Musik, Punkgesang und einem aufblasbaren

Elefanten den Niedergang der Autostadt

heraufbeschwört. Ein Baustellenleiter-Darsteller

mit Helm und Sicherheitsweste

schwärmt im Maschinengrab von der

„ungeschützten Realness“ der Szenerie,

fühlt eine „Authentitizät“ angesichts der Abwesenheit

der früheren Bewohner.„Die, die

es sich leisten können, haben sich aus dem

Staub gemacht, nach Berlin oder so.“ Drumherum

Kräne,Betonsäulen, Stahl, Staub.

Im Anschluss an diesen Tanz um das vergoldete

Nichts kritisiertein guter Freundund

mittlerweile zum Zynismus tendierender

Gegner vonStuttgart21, die Inszenierung sei

ihm nicht stringent genug gewesen, man

wisse bei Kamerun nie genau, worum es ihm

wirklich gehe. Tja. Doch ganz ehrlich, das

weiß man ja bei umstrittenen Baustellen im

Allgemeinen und großer Kunst im Speziellen,

also auch beim Beckett imDeutschen

Theater, nie so genau: worum es tatsächlich

geht. Schwarze Löcher,überall.


20 Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Feuilleton

In einer Welt aus Perücken und Schwall: Sosias (Joachim Meyerhoff, l.) und Merkur (Bastian Reiber) als sein Doppelgänger

THOMAS AURIN

Herrliche Nummern

Aber es fehlt der böse Biss: Herbert Fritsch inszeniert Molières „Amphitryon“ in der Schaubühne

VonDoris Meierhenrich

Alles beginnt bei Herbert

Fritsch mit der Musik. Das

hat er oft gesagt. Im

Grunde entsteht sein

Theater überhaupt erst aus Rhythmus,

Schwingung, Klang. Erst wenn

die Körper der Spieler in eine Art

Tanz abheben, ihr Sprechen in so etwas

wie Singen, bekommt seinTheater

Tiefe.Fritsch-Philosophie.

Dass nun auch sein neuer Schaubühnen-Abend

mit Musik beginnt,

ist also nichts Neues.Was der Pianist

Ingo Günther und die Marimba-

Spielerin Taiko Saito diesmal aber

gleich als Ouvertürevon den äußersten

Bühnenrändern aus ins Spiel

werfen, ist schon sehr besonders.Im

Grunde eröffnet sie nicht nur die etwas

frivole Molièresche Verwechslungskomödie

„Amphitryon“, die

dann folgt. Mit den erst leise anquietschenden,

dann immer heftiger

ratternden, rasselnden, dann melodisch

schwingenden, schnellen,

schönen, schiefen Sequenzen, die

schließlich in Hauen und Stechen ihrer

Instrumente übergehen, erzählen

sie gefühlte zehn Minuten lang

bereits alles, was dann knapp zwei

Stunden lang noch ausklamaukt

wird. Ein Schauermärchen-Sound

für den Blick in eine tiefe Bühne,die

in diesem Moment noch geheimnisvoll

dunkel wirkt wie ein Bergwerk.

Dann geht das Licht an und alles

wird knallbunt. Die zehnfach geschachtelte

Bühne bekommt

Schicht für Schicht eine andere

Farbe und aus dem Schacht wird

eine papierne Spielfigurenkiste, auf

der die auftretenden Moliere-Figuren

ihre Bahnen ziehen. Vorund zurück

schieben sie sich, von links

nach rechts und umgekehrt, und natürlich

geht es irgendwann auch

durcheinander,aber im Großen und

Ganzen spult Fritsch diesen leichtgewichtigen

Molièreund seine überschaubare

Handlung als Nummernrevue

von Auf- und Abtritten schrill

barocker Fassadenfiguren ab. Die

aber können dabei –esgeht um Profilsucht,

Super-Ich-Shows und Identitätsverlust

– nach ihren eigenen

Eingebungen richtig aufdrehen, sich

krampfig verbiegen oder schlaksig

entspannen, wie es gefällt. Letztes

nutzt der Schaubühnenneuzugang

Mit seiner klaren Artikulation und

Wandlungskraft macht Meyerhoff schnell

deutlich, was für ein Qualitätszuwachs

er für die Schaubühne ist, auch wenn

er im Körperbiegungsensemble Fritschs ein

Außenseiter bleibt.

Joachim Meyerhoff für seinen ersten

Auftritt als Diener Sosias besonders

geschickt. Nicht quer, nicht frontal –

diagonal hoppelt er auf wie ein junges

Fohlen, das in seiner rosaroten

Legionärsuniform mit antikem Beschlag

und barockem Rüschengefummel

aussieht, als trabe in ihm der

unschuldige Frühling selbst auf. Mit

seiner klaren Artikulation und

Wandlungskraft macht Meyerhoff

schnell deutlich, was für ein Qualitätszuwachs

er für die Schaubühne

ist, auch wenn er im Körperbiegungsensemble

Fritschs ein Außenseiter

bleibt.

Sosias ist der Diener des FeldherrnAmphitryon,

dem es in diesem

Stück schlecht ergeht. Denn Jupiter

hat sich in all seiner göttlichen Lüsternheit

einfach mal entschieden,

Alkmene zu vernaschen, Amphitryons

Gattin, zu welchem Zweck er

dessen Gestalt annimmt. Gleiches

tut der Götter-Diener Merkur mit

seinem irdischen Pendant Sosias,

nur dass er dessen Frau Cleanthis zu

ihrer Enttäuschung unbeschadet

lässt. Moliére mag, als er die Komödie

1668 am Hof Ludwigs XIV. präsentierte

–erselbst spielte den Sosias

–eine Parodie auf die launischen Gebaren

seines königlichen Gönners

im Blick gehabt haben.

Fritsch nun interessiert inZeiten

von Instagram und Twitter das Doppelgängertum

als Lebensform

schlechthin: das Kopieren vonPosen,

Gesichtern und Stil-Oberflächen, in

denen Ich-Überhöhung und Ich-Verlust

Hand in Hand gehen. „Wer bin

ich, wenn nicht ich?“ fragt einzig Sosias

am ganzen Körper schlotternd,

als Merkur seinen Platz einnimmt.

Klingt banal, ist aber gestern wie

heute von tragischer Tiefe. Denn Sosias

bleibt der einzige in dieser Welt

aus Perücken und Schwall, der zu ahnen

scheint, dass hier noch etwas anderes

abhanden gekommen ist als

nur ein Platz. Etwas Inneres.Die„Amphitryon“-Gesellschaft

aber, die ihre

Identitäten längst in ein Patchwork

aus Verhaltensoberflächen aus Pop,

Film und Politik verwandelt hat, antwortet

nur mit einer Kaugummimasse

an ikonischen Gesten. Im Moment

der schlimmsten Verwirrung

flüchtet sie ins lockereMusical.

Einige herrliche Nummern kommen

dabei heraus: vor allem die beiden

Frauen, Annika Meier als Alkmene

und CarolSchuler als Cleanthis

ziehen alle Register der Übertreibungskunst

vom zickigen Schulhofmädchen

zum melodramatischen

Zara-Leander-Verschnitt. Dennoch

ziehen sich die vielen, mittlerweile

auch allzu bekannten Schreck- und

Triumph-Choreografien diesmal zu

lang, auch zu harmlos dahin. Denbösen

Biss müssten sie wieder finden.

Schaubühne wieder 15., 17., 20.10.,20Uhr,

Tel: 890023

Eine umgekehrte Geschichte des mythischen Südens

Eine Wiederentdeckung nach fast 50 Jahren: William Melvin Kelleys Roman „Ein anderer Takt“

VonMarkus Schneider

Wir haben sie nie gebraucht. Wir

haben sie nie gewollt. Wir

kommen gut ohne sie klar.“ Mit diesen

Worten reagiert der Gouverneur

eines namenlos-fiktiven US-Südstaates

in William Melvin KelleysDebütroman„Ein

anderer Takt“ auf den

Exodus der kompletten schwarzen

Bevölkerung aus seinem Land. Es

klingt wie ein Tweet Donald Trumps,

der kritische Abgeordnete in die Herkunftsländer

ihrerVorfahren zurückschicken

will. Tatsächlich spielt der

Roman im Jahr 1957, und geschrieben

hat ihn Kelley 1962.

Sein Plot ist knapp: Als Tucker Caliban,

ein schwarzer Farmer in der

Kleinstadt Sutton, eines Tages seine

Äcker versalzt, die Tiere erschießt

und das Haus in Brand steckt, um

mit seiner Familie schweigend davonzuziehen,

folgt ihm dominoartig

die schwarze Bevölkerung.

Im Original heißt das Buch nach

einem Zitat des voluntaristischen

Philosphen Henry David Thoreau

„A Different Drummer“, und es

wurde zu einer Zeit geschrieben,

als die USA in der Tateinen neuen

Beat spürten. Im Zentrum von „A

Different Drummer“ steht jedoch

nicht der Widerstand der Civil-

Rights-Aktivisten gegen die rassistische

Jim-Crow-Segregation in

den Südstaaten der USA. Diese

wird nur angedeutet, etwa wenn

Tuckers greiser Großvater – zwei

Jahrenach Rosa Parks’ Sitzplatzverweigerung

–imBus entschläft, den

Kopf gegen das Schild gelehnt, das

die schwarze Abteilung im Bus

markiert. Tuckers„neuer Takt“ baut

auf Verweigerung. Anders als

Shakespeares lauter, zotiger Caliban

im „Sturm“ schweigt Tucker.

Statt seiner lässt Kelley ausschließlich

weiße Protagonisten erzählen.

Wir lernen Tucker aus der

Perspektivevon HarryLeland, einem

armen Kleinfarmer wie Tucker, und

dessen achtjährigem Sohn kennen,

sowie jener von zwei Generationen

von Willsons, den Großgrundbesitzern,

denen die Calibans seit Sklavenzeiten

treu gedient haben, bisTucker

ihnen Land abkauft und sich

selbstständig macht.

Seine weißen Protagonisten

zeichnet Kelley einfühlsam, mit entspanntem

Hintersinn. Es handelt

sich dabei, im Gegensatz zum Gros

der Dorfbevölkerung, um Figuren,

die der Gleichberechtigung gönnerhaft

aufgeschlossen bis freundschaftlich

begegnen, der alte Willson

engagierte sich in seiner Jugend so-

Eine BusfahrtinSouth Carolina zur Zeit der „Rassentrennung“.

„Es gab –damals und eigentlich

noch immer – ein literarisches

Ghetto“, sagte Kelley 2012 in einem

Interview, „in dem afroamerikanische

Schriftsteller immer nur mit anderen

afroamerikanischen Schriftstellern

verglichen wurden. Aber

mich mussten die weißen Kritiker

mit Faulkner, Fitzgerald und Robert

Penn Warren vergleichen.“

Kelley wurde für seinen Debütroman

enthusiastisch zum literarischen

Hoffnungsträger erklärt –um

zum Ende des Jahrzehnts,nach einer

Kurzgeschichtensammlung und drei

weiteren Romanen, in der Versengar

als Journalist flammend für die

Gleichberechtigung, bis er deswegen

den Jobverlor und –statt im Norden

weiterzukämpfen –die Großgrundtradition

der Familie übernahm.

Kelley kehrt damit ironisch die

übliche weiße Sicht auf afroamerikanische

Figuren um, und er setzt sich

über die Gewohnheit hinweg, die

Werke schwarzer Autoren wie Richard

Wright oder Ralph Ellison als

Sozialkritik mit integrationistischem

Horizont und als Ausdruck der sogenannten

„black experience“ zu lesen.

Kelley beschreibt, wenn man so

will, die „white experience“.

HANK WALKER

kung zu verschwinden. Er selbst kam

aus sehr integrierten Verhältnissen.

1937 geboren, Sohn eines Redakteurs

der schwarzenNew Yorker Wochenzeitung

Amsterdam News,

wuchs er in einem italoamerikanischen

Viertel in der Bronx auf und

studierte in Harvard zunächst Jura,

dann Literatur. In den 60er-Jahren

war er Teil der Black Arts-Bewegung,

sozusagen der künstlerische Flügel

der Black-Power-Bewegung. Er

lebte, enttäuscht vom Lauf der

Dinge, inParis und Rom, und exilierte

nach Jamaika. Nach seiner

Rückkehr arbeitete er an Universitäten,

bis er sich wegen eines Nierenleidens

zurückziehen musste. Erst

anlässlich seines Todes 2017 wurde

„A Different Drummer“ wiederentdeckt

und Kelley –zum Beispiel in einem

großen Porträt im Magazin New

Yorker, das nun in der deutschen

Ausgabe als Vorwort nachgedruckt

ist –zum „verlorenen Giganten der

US-Literatur“ erklärt.

Gerade mit dem Abstand der

Jahrzehnte erkennt man nun gut das

bittere Grinsen, mit dem Kelley das

Psychogramm der Südstaaten entwirft

und dabei die Riffs von Schuld

und schlechtem Gewissen, von

duldsamen Schwarzen und weißem

Heroismus anstimmt, mit denen Autoren

vonWilliam Faulkner bis Harper

Lee deren Geschichte erzählen –

ein Ort, wie es auch einer vonKelleys

Protagonisten sagt, den man trotz

des finsteren Erbes lieben möchte.

Auch Kelley entwirft einen mythischen

Süden. Am Beginn steht die

Geschichte eines rebellischen Sklaven

von sagenhaften Dimensionen.

Er ist angeblich der Urahn des unscheinbaren

und schweigsamen Tucker,

und er wird wie ein Großwild

von einem frühen Willson erlegt. Erzählt

wirdsie mit tarantinoesker Detailfreude

von einem greisen Südstaatengeneral,

der als Dorfweiser

die orale Überlieferung pflegt und

gleichsam einen Chor von dumpfen

Dörflern leitet. Zwischen „es wird

jede Menge Arbeit und Land geben“

über„wer soll den Besen schwingen“

bis zu „keiner wirdmehr singen und

tanzen und lachen“ schlägt die Verwirrung

in Zorn um. UndGewalt.

Dabei ist nur dunkel zu ahnen,

dass der Exodus nicht einfach die

Konflikte beendet –sondern die Erzählung,

auf der ihr mythischer Süden

beruht.

William Melvin Kelley: Ein anderer Takt

Ausdem Englischen vonDirkvan Gunsteren.

Hoffmann und Campe. Hamburg 2019.

304 Seiten,22Euro


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 21 *

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Feuilleton

Flucht

aus dem

Kanzleramt

Simone Solga fand Asyl

bei den „Wühlmäusen“

VonTorsten Wahl

Die Ära Merkel geht ihrem Ende

entgegen – und die Kabarett-

Branche muss sich umorientieren.

Simone Solga war seit 2005 als treue

„Kanzlersouffleuse“ unterwegs.

Doch jetzt endlich hat sie gekündigt

und bittet um Asyl bei den „Wühlmäusen“.

Siesei über die Neuköllner

Balkanroute geflohen aus einem

echten Krisengebiet, in dem nur

noch Verzweiflung herrsche –dem

Kanzleramt. Diese Rolle hat tatsächlich

fast 15 Jahre lang gut funktioniert.

Denn Simone Solga hat sich

nicht, wie so viele Kollegen, über

Merkel und Co erhoben, sondern

sah sich als Mittlerin zwischen Publikum

und Politik.

Sie unterhielt mit originellen Einblicken

in das Machtgefüge und versuchte

zugleich, ihrer Chefin im

Kanzleramt die Sorgen und Ängste

des Volkes einzuflüstern. Mit dieser

Haltung nähert sie sich Fragen wie

„Gehört der Islam zu Deutschland?“

oder„Darfich noch fliegen?“, malt die

Konsequenzen aus,die die Auseinandersetzung

mit allen Spielarten des

Islam mit sich bringt oder wie ein

Land aussehen würde,dessen Bürger

den Austausch mit der weiten Welt

verweigern und stets im „Land der

Funktionsjacken“ bleiben würden.

Schwächen hat ihr Programm „Das

gibt Ärger“ immer dann, wenn sie die

Mittlerrolle verlässt und sich auf eine

Seite schlägt, etwa die vegetarische

Ernährung verhöhnt und die Leberwurststulle

preist. Billige Lacher.

Als sächsische Kabarettistin steht

Simone Solga immer noch fast allein

in der Szene: Sie ist in Gera geboren

und wurde in Leipzig groß, debütierte

bei der „Pfeffermühle“ und erlebte

noch mit, wie Programme entweder

zensiertoder komplett verboten

wurden. Deshalb hat sie eine besondere

Antenne für verordnete

Sprachregelungen, etwa das aus ihrer

Sicht absurde Gendern, wobei es

sie besonders aufregt, dass ausgerechnet

Sternchen malende Frauen

ihr Vorschriften machen wollen. Sie

selbst hat sich auch „Kanzlersouff-

Entlastung durch Anbetung

Umjubelte Premiere: „The Bassarids“ von Hans Werner Henze an der Komischen Oper

VonMartin Wilkening

Hans Werner Henzes Oper

„Die Bassariden“ wurde

1966 für die Salzburger

Festspiele geschrieben,

für ein Theater mit riesenhaften Dimensionen

und opulenter Besetzung,

die im Orchester beispielsweise

sieben Klarinetten verlangt.

Die deutsche Erstaufführung fand

bald darauf an der Deutschen Oper

Berlin statt, die vergleichbare Aufführungsbedingungen

bot. Wenn

Barrie Kosky das Stück jetzt an der

Komischen Oper (in der englischen

Originalsprache) herausbringt, kann

er zwar auf die im Orchester reduzierte

Version zurückgreifen, die

Henze1992 selbst erstellte,aber dennoch

reicht der Platz nicht aus, um

die durch Gäste vergrößerten Chöre

und die Musiker unterzubringen.

Die Lösung, die Kosky und der Dirigent

Vladimir Jurowski anbieten, ist

alles andereals kleinmütig.

Im Orchestergraben sitzen an

diesem Abend nur die Streicher und

die Pauken. Die Bläser haben auf

beiden Seiten der Bühne Platz gefunden,

und an den vorderen Ränderndes

Zuschauerraums sind weitere

Instrumente aufgestellt. Trompeten

eröffnen das Stück aus der

Höhe des 2. Ranges.Wenn Chor und

volles Orchester zu Beginn das Lob

auf eine nur allzu bald zerbrechende

Herrschaft anstimmen,

scheint sich das ganzeTheater bis in

die letzte Ritze mit Klang zu füllen.

In der Musik wird sovon Anfang an

unmissverständlich deutlich, auf

was die Produktion auch als Ganzes

zielt: die Aufhebung der Trennung

vonBühne und Saal.

Kult der Sinnlichkeit

Agave (Tanja Ariane Baumgartner) mit Chorsolisten der Komischen Oper MONIKA RITTERSHAUS

So bleibt die Saalbeleuchtung durchgehend

an. „Ich will sehen“, diese

Forderung treibt die Handlung des

Stückes, das die Librettisten H. W.

Auden und Chester Kallman nach

den „Bakchen“ des Euripides schrieben.

Es ist, mit seinen potenzierten

Mutter-Sohn-Konflikten und der Suche

nach einer Balance zwischen

Triebhaftigkeit und Vernunft, auch

unser Stoff. Undsositzen wir im Hellen,

bis zu dem Schlusschor, indem

sich nach dem grausig gescheiterten

Keuschheitskult des Pentheus ein

neuer Kult etabliert. Dessen Anführer

ist Dionysos, der als Befreier erscheint,

aber gleichzeitig nur einem

persönlichen Racheplan folgte. Sein

Kult der Sinnlichkeit verspricht Befreiung

vom Sehen-Wollen, Entlastung

durch pure Anbetung: „Wir sehen

nicht, wir hören nicht:Wirknie’n

und beten an“, singt jetzt der Chor,

und Kosky lässt dazu schließlich

doch noch die Saalbeleuchtung ausgehen.

„Dionysos ist ein Schwein“,

so lautete der provozierende Selbst-

Kommentar des Dichters H. W. Au-

Der Starre entkommen

den auf einer Pressekonferenz anlässlich

der Uraufführung.

Weder Henze noch Kosky machen

es sich so einfach. Henzes Musik

liebt den Rausch, das Sinnliche,

obwohl sie sich ihm nicht ungebrochen

überlässt und einen großen

Schmerz als Urgrund dieser Fluchten

immer durchscheinen lässt. Vladimir

Jurowsky lässt dieses Schillern

zwischen Opulenz und verwundeter

Süße einerseits und kantiger Schärfe

und Aufsässigkeit andererseits in großer

Differenziertheit aufleuchten,

und es gelingt ihm, die Klangwellen

immer wieder herunterzufahren, so

dass der Einzelton, die Einstimmigkeit

volle Intensität besitzt und die

Masse nie undurchsichtig wird.

Solch ein musikalisches Konzept

spiegelt sich bis in das Auftreten

der Chorsänger hinein, ja bis zu

ihren Kostümen, mit geringen Variationen

des schlichten Schwarz.

Wie der Chor, immer in Bewegung

zwischen Individuen und Masse,

sich entfaltet und zusammenfaltet,

das ist großartig gelungen, streng

und frei gleichzeitig, unter Verzicht

auf jede prätentiöse Bacchanten-

Posiererei. Es sind Menschen, in

denen die Zuschauer sich mühelos

wiederfinden können.

Verführung und Herrschaft

Dass Kosky gerade diesem Stoff mit

solcher Strenge begegnet, einem Totalverzicht

auf alle wohlfeile Bühnen-Erotik,

zeigt die Tiefe seines

Blicks auf die Dialektik von Verführung

und Herrschaft, die das Stück

thematisiert. Und sogibt es weder

aktualisierende Anspielungen noch

simple Schwarz-Weiß-Zuordnungen,

die den inneren Konfliktstoff

nur verkleinern könnten. Konsequenterweise

werden auch keine Requisiten

eingesetzt, es bleibt ein

Raum ohne Ablenkung, wie ein Oratorium,

das sich selbst inszeniert.

Undesgibt keine Pause,denn Henze

hat seine Oper in vier Sätzen, nicht

Akten, durchkomponiert.

Die kleinen Eskapaden dieser Inszenierung

stören deren Grundzug

nicht. Teiresias ist genau das heruntergekommene

Nervenbündel, als

dass er vonAuden angelegt ist. Kosky

und Jurowski haben auch das stilistisch

leichtere, wie ein Spiel im Spiel

angelegte „Intermezzo“ wieder eingefügt,

das Henze später gestrichen

hat, und die Jagd der Mänaden wird

als eine ironisierend athletische

Tanzeinlage gezeigt.

Der Chor wie die Solisten singen

hervorragend, allen voran der

machtvolle Pentheus vonGünter Papendell

und Sean Panikhars nuancenreicher

Dionysos.Unter Vladimir

Jurowkis Leitung gelingen ihnen und

allen anderen spannungsvoll gesteigerte

Rollenporträts,die Henzes dramatisch

außerordentlich geglückte

Vorlage restlos ausschöpfen.

Über das schwierige Verhältnis der polnischen Machthaber zur Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk

Und

viele Fragen

offen

Notre-Dame wird noch auf

Jahre geschlossen bleiben

Sechs Monate nach dem Großbrand

in der Pariser Kathedrale

Notre-Dame vom15. Aprilsind noch

viele Fragen rund um den Wiederaufbau

offen. Weder ist die Stabilität

der gotischen Kirche vollständig gesichert,

noch ist klar, in welcher

Form sie restauriert werden soll. Sicher

ist nur: Für Besucher wird das

mehr als 850 Jahre alte Gotteshaus

noch jahrelang geschlossen bleiben.

Zwar konnte die Feuerwehr die

Grundmauern und die mächtigen

Glockentürme retten, aber die

Hauptgefahr ist noch immer nicht

gebannt: Das Gewölbe der Kathedrale

könnte nach Angaben von

Chefarchitekt Philippe Villeneuve

nachgeben. Auf ihm lastet ein 500

Tonnen schweres Baugerüst, das

durch das Feuer teilweise eingeschmolzen

ist. Das Eisengerüst auf

dem Dach von Notre-Dame war für

Arbeiten an dem Spitzturm angebracht

–der Turm stürzte bei dem

Brand jedoch ebenso ein wie große

Teile des Bleidachs.

Die Sicherungsarbeiten dürften

erst im Frühjahr kommenden Jahres

abgeschlossen sein. Anschließend

ziehen die Architekten Bilanz. Mit

dem eigentlichen Wiederaufbau ist

nicht vor2021 zu rechnen.

In welcher Form Notre-Dame

wiedererstehen soll, ist noch unklar.

Zwei Lager stehen sich gegenüber:

Traditionalisten gegen Modernisierer.

Chefarchitekt Villeneuve schlägt

vor, den eingestürzten Spitzturm

identisch wieder aufzubauen –nach

dem Vorbild des mehr als 90 Meter

hohen Turms, den der Architekt

Eugène Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert

auf die Kathedrale setzte.

Präsident Emmanuel Macron

wünscht sich einen „kreativen Wiederaufbau“.

Voninternationalen Architektenbüros

gibt es bereits zahlreicheVorschläge.Der

durch die Berliner

Reichstagskuppel bekannte

britische Architekt Norman Foster

schlägt einen Glasturmvor.

Das Ausmaß der Arbeiten dürfte

frühestens im kommenden Jahr feststehen.

Allein die Kosten für die Sicherungsmaßnahmen

haben sich

mit rund 85 Millionen Euro gegenüber

der ersten Schätzung nahezu

verdreifacht. Dies liegt vor allem an

den Reinigungsarbeiten im Umkreis

der Kathedrale,woinfolge des Brandes

eine hohe Bleibelastung festgestellt

wurde. Macron hat eine Wiedereröffnung

bis zu den Olympischen

Sommerspielen in Paris 2024

versprochen. Viele Experten halten

dies aber für unrealistisch. (AFP)

Hat den Bundesadler fest im Griff: Die Kabarettistin

Simone Solga SMETEK/ REICHENBACH

leuse“ genannt, nicht „Kanzlerinnen-Souffleuse“.

Sie berichtet, öfter

Probleme mit TV-Redakteuren zu

bekommen, die ihr fehlende politische

Korrektheit vorhalten. Doch anders

als ihr sächsischer Landsmann

Uwe Steimle, der mit verbalem

Schaum vorm Mund gegen die Grünen

hetzt und damit Säle füllt, arbeitet

Simone Solga gegen die Polarisierung

der Diskussionen an, spielt dies

etwa in einem Dialog durch, der mit

den gegenseitigen Beschimpfungen

„Nazi-Schwein!“ und „links-grünversifft!“

endet. Dass sie besonders

allergisch auf diese Freund-Feind-

Schemata reagiert, dürfte von ihrer

ostdeutschen Herkunft herrühren.

Damals wurde jedem Kind verordnet,

auf der richtigen Seite zu stehen

und jede Abweichung vom Kurs galt

als feindlich. Simone Solga zielt

nicht auf die Selbstbestätigung, sondern

schafft es, Positionen in Frage

zu stellen, etwa die der eigenen moralischen

Überlegenheit und damit

stets recht zu haben.

VonJan Opielka

Als am vergangenen Donnerstag

die Nachricht vom Literaturnobelpreis

2018 für Olga Tokarczuk

über die Newsticker lief, müssen den

Journalisten des staatlichen Fernsehsenders

TVP die Köpfe rot angelaufen

sein. Wie sollten sie kurz vor

der Parlamentswahl die Würdigung

der 57-jährigen Schriftstellerin darstellen,

die mit ihrer durch Anti-Nationalismus

durchtränkten Literatur

eine stimmgewaltige Kritikerin der

nationalkonservativen PiS-Partei ist?

Sie entschieden sich für die Umarmung

und zeigten Tokarczuks Nobelpreis

als letzten Teil einer „Woche

voller guter Nachrichten für Polen“.

Garniertwurde der Bericht voneiner

Einspielung von 2016, in der PiS-

Chef Jarosław Kaczynski sagte: „Ich

lese gerade Tokarczuks ‚Jakobsbücher‘,

auch wenn die Autorin darüber

überrascht sein mag.“

Dieses Bekenntnis mag in der Tat

überraschen. Denn genauso wie die

Schriftstellerin und Essayistin personifizierte

Antipode zur national-traditionalistischen

PiS ist, bildet auch

ihr vielgestaltiges Werk einen Kontrapunkt

zum engen Narrativ der

Kaczynski-Formation.

Wo diese etwa das reine Heldentum

der Polen während des Zweiten

Weltkriegs anpreist, da spricht

Tokarczuk über die Beteiligung von

Polen an der Ermordung

von Juden. Wo Kaczynski

die katholische Lehre als

die Quintessenz des Polnischen

rühmt, jenseits

derer „nichts als Nihilismus“

sei, da schreibt Tokarczuk,

etwa in den

kürzlich auch auf

AP/MARTIN MEISSNER

kommen. Derjenige, der die Welt

regiert, hat keine Macht über die

Bewegung und weiß, dass unser

sich bewegender Körper heilig ist“,

schreibt Tokarczuk in dem Werk,

für das sie 2018 den Man Booker

Prizeerhielt.

Wernicht abgeneigt ist,

in zeitlichen Koinzidenzen

tiefere Sinnesspuren zu

entdecken, der kann dies

auch in dem Fall der fast

zeitgleichen Nobilitierung

Tokarczuks sowie der erneuten

Wahlbestätigung

der PiS durch mehr als

Die Autorin acht Millionen ihrer

Olga Tokarczuk Landsleute tun: in diesem

Fall die extremen Antipoden

als Teil eines Ganzen, dessen

Grenzen undefinierbar sind. Tokarczuk

selbst, schreibt Literaturkritikerin

Magdalena Barburuk, „lehrt uns

einen Blick, der bekannte Dinge in

geheimnisvolle Zeichen verwandelt“.

Die in Niederschlesien lebende

Tokarczuk erhielt ihren Preis,

so heißt es bei der Stockholmer Jury,

für „eine narrative Vorstellung, die

mit enzyklopädischer Leidenschaft

Deutsch erschienenen

„Jakobsbüchern“, vom

multireligiösen Erbe ihres

Landes. Und wo die PiS mit aller

Macht den nationalen Mythos als

sicheren Rückzugsort vor der Welt

verkündet, da bietet Psychologin

Tokarczuk die „Unrast“ (2009 auf

dt. erschienen) als Gegenmodell

auf: ein dem Menschen eingeschriebenes

Bedürfnis, die Welt zu

erkunden, um der Starre zu entkommen.

„Wiege dich, bewege

dich, bewege. Nur so wirst du entdas

Überschreiten von Grenzen als

Lebensform darstellt“. Tokarczuk

betrachte die Realität niemals als etwas

Stabiles oder Ewiges: „Sie konstruiert

ihre Romane in einer Spannung

zwischen kulturellen Gegensätzen;

Natur versus Kultur,Vernunft

versus Wahnsinn, Mann versus Frau,

Heimat versus Entfremdung“, so die

Jury. Ihr bisheriges Opus Magnum

sind „Die Jakobsbücher“ (2014), an

den über 1000 Seiten hat sie fast

sechs Jahregearbeitet.

Es ist, als wäre gerade dieses

Werk, das die schillernde wie geheimsvolle

Vita des jüdischen Mystikers

Jakub Frank im 18. Jahrhundertnachzeichnet,

eine ArtAntidotum

gegen den national-autoritärenZeitgeist;

nicht nur in Polen.

„Wir sind in einer Situation einer

ganz klaren Wahl zwischen Demokratie

und dem Autoritarismus“,

sagte Olga Tokarczuk am

Freitag. Das bedenkliche Wahlergebnis

vomWochenende dürfte sie

künftig auch literarisch verarbeiten

–mit erneuten Schmeicheleinheiten

PiS-naher Medien kann sie

dann wohl nicht mehr rechnen.

Die Pariser Kathedrale Notre-Dame nach

dem Brand am 15. April AP/FRANCOIS MOR

TOP 10

Sonntag,14. Oktober

1 EM-Qualifikation, 2 RTL 8,56 29 %

2 EM-Qualifikation, 1 RTL 7,93 22 %

3 Tagesschau ARD 6,50 21 %

4 Tatort ARD 5,48 16 %

5 Terra X ZDF 3,97 14 %

6 Katie Fjorde ZDF 3,85 11 %

7 heute ZDF 3,82 16 %

8 Berlin direkt ZDF 3,36 13 %

9 RTL-Fußball RTL 3,09 9%

10 RTL aktuell RTL 3,04 13 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Macbeth

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Blutroter Waschgang

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: Jewels (Staatsballett Berlin)

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00: Der Tempelherr

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: Bande áPart–Tanzbare Veranstaltung für

Außenseiter:Selfportrait (Thomas Rohe)

HAU3(&25 90 04 27)

19.00: Abolirea familiei (Die Abschaffung der Familie)

(Nicoleta Esinencu /HAU)

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

19.30: Die Mittelmeer-Monologe

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 19.30: RioReiser –Mein Name

ist Mensch

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: The Situation

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00: Amphitryon

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: Heels of Hell –Halloween Tour (Heels of Hell)

BühnenRausch (& 44 67 32 64)

20.00: Impro-Überra(u)schungs-Show: english

edition

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Der Spielekönig (Improtheater Paternoster)

Kulturhaus Spandau (& 33 34 02 1/ 22)

15.00 Theatersaal: Operette zum Kaffee: Operette,

Herbst &Wein (Alenka Genzel, Frank Matthias)

LaLuz (& 45 08 92 30)

19.30Theater-Restaurant: La Famiglia –Dinner-Komödie

(Claudio Maniscalco, Pascale Camele,

SantiagoZiesmer,Swinging Rossinis, Cara Ciutan

u. a.)

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Rolle vorwärts (Frieda Braun)

KLASSIK

BKA (& 202 20 07)

20.00: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Bode-Museum (& 266 42 42 42)

16.00: Kammerensemble des Berliner Residenz Orchesters,

Klassik am Nachmittag–Goldener Oktober,

Preußische Musik trifft auf Werkeder italienischen

und französischen Komponisten; Kompositionen von

König Friedrich II., Anna Amalie vonPreußen, Bach,

Monteverdi und Rameau; anschl. Führung möglich

Französische Friedrichstadtkirche

(& 20 64 99 22) 15.00: Gunter Kennel, 30

Minuten Orgelmusik, Orgelwerkeaus verschiedenen

Jahrhunderten

Philharmonie (& 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Andre Schoch (Trompete), Friedrich

Höricke(Klavier), Lunchkonzert, Ludwig vanBeethoven:

Sonate F-Dur op. 17; Camille Saint-Saëns:

Sonate D-Dur op. 166; Richard Strauss: Andante

C-Dur

20.00 Gr.Saal: Staatskapelle Berlin, Ltg.Daniel

Barenboim, LahavShani (Klavier), Sergej Rachmaninow:

Konzertfür Klavier und Orchester Nr.3d-Moll

op. 30; Edward Elgar:„Falstaff“, Symphonische

Studie op. 68; Richard Strauss: „Till Eulenspiegels

lustigeStreiche“ op. 28

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Eldbjørg Hemsing(Violine), Haiou Zhang

(Klavier), Mozart: Sonate für Violine und Klavier F-Dur;

Beethoven: Sonate für Violine und Klavier Nr.8D-Dur;

Grieg: Violinsonate Nr.3c-Moll; Saint-Saëns: Rondo

Capriccioso

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00: Simone Jandl (Viola), Aurelius Braun (Klavier),

Sonaten-Abend mit Werken vonSchubert, Schumann,

Franck u. a.

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (& 902 26 -0)

9.45 Kinderbibliothek: Bücherbabys, Workshop (bis

3J.). Anm. erf.

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Des Kaisers neue Kleider (ab 5J.)

10.30: Ronja Räubertochter (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

10.00: Zirkusferien Kreuzberg,Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Springling (& 60 96 28 48)

10.00: Zirkusferien Marzahn, Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Tempelhof (Columbiadamm 84)

10.00: Zirkusferien Tempelhof, Workshop (ab 7J.)

Cabuwazi –Zelt Treptow (& 544 90 15 18)

10.00: Zirkusferien Treptow, Workshop (ab 7J.)

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Das weite Theater (& 991 79 27)

10.00: Jetzt hab’ ich mich! (ab 4J.)

Deutsches Technikmuseum (& 90 25 40)

11.00: Herbstferienprogramm: Entdeckungstour:Auf

großer Fahrt, Treff: Eingangshalle (ab 6J.)

13.00, 14.00, 15.00 Ladestraße, Bildungsraum:

Herbstferienprogramm: Coding sensors –Sensoren

steuern, Workshop (ab 9J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

10.30: Schneewittchen &die sieben Zwerge, Puppenbühne

allerHand,Mitmachstück (ab 4J.)

11.00: Bunte Töne, Hip-Hop-ShowBreakdance,

Beatboxing,Graffiti, Rap und DJing –Mitmach-Event

(ab 5bis 12 J.)

FEZ Berlin (& 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

10.00: Berlins beste Herbstferien! PHÄNOMENIEN –

Erstaunliches für Neugierige, Aktionen und Workshops

(ab 6bis 14 J.)

Figurentheater Grashüpfer (& 536 95 15 0/ 52)

10.00: Derkleine Häwelmann, Ute Kahmann, Puppenspiel

(ab 3J.)

Fliegendes Theater (& 692 21 00)

10.30: Gans der Bär,Nicole Gospodarek, Puppentheater

(ab 4bis 7J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

10.00: Laura war hier (ab 5J.)

Jaro Theater (& 341 04 42)

10.30: Wind im Gummistiefel, Gastspiel vomTheater

Fusion, Puppenspiel (ab 2bis 5J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

Lesung

Der

hohe

Norden

Dass Norwegens Literatur

noch mehr als Karl Ove

Knausgård zubieten hat, wird

die diesjährige Frankfurter

Buchmesse ab Mittwoch unter

Beweis stellen. Am Vorabend

kann man sich mit Hanne

Ørstavik aber schon mal darauf

einstimmen, bevor auch

sie nach Frankfurtreisen wird.

Ørstavik wurde 1969 im allerhöchsten

Zipfel Norwegens,

der Provinz Finnmark, geboren.

In ihrer Heimat ist sie

preisgekrönt –eine der Hauptvertreterinnen

ihrer Generation.

Zu Recht findet sie nun

auch in Deutschland endlich

ihr Publikum: Ihre Beobachtungen

menschlichen Miteinanders

schreibt sie mit leiser,

einfühlsamer Präzision und

kommt dabei vollständig ohne

Pathos aus. Die Autorin liest

aus ihrem neuen Roman „Die

Zeit, die es dauert“, der Übersetzer

Andreas Donat moderiert.

Sarah Pepin

Lesungmit HanneØrstavik 20 Uhr,

Buchhandlung Pankebuch, Wilhelm-

Kuhr-Str. 5. 10 Euro

Unterhaltung

mit Niveau

Aufregend in dieser Woche:

WievielStile in ganz unterschiedliche

Musik passen, ohne dass sie platzt

Die norwegische Band Motorpsycho spielt seit dreißig Jahren einen jamfreudigen Mix aus Metal, Jazz und Rock (plus auch mal Countryoder P

Das Albumformat ist nicht

der natürliche Lebensraum

des DJ-Produzenten.

Abgesehen vom

zeit- und also auch finanzökonomischen

Flow, der den DJ durch die

Clubs und die Remixjobs schiebt,

unterscheidet sich die Dramaturgie

und, wenn man so will, die Kuration

eines Clubabends logischerweise

vomAlleinhören zu Hause.

Der Kanadier Jacques Greene gehört

indiesem Sinne seit ein paar

Jahren zu den Starautoren. Als DJ

tourt der 29-Jährige seit fast zehn

Jahren durch die Szene vonMontreal

bis Berlin. Sein Ansatz lebt wesentlich

von einem eleganten Deep-

House-Vibe, was hier die reduzierte

Neunzigertradition meint. Aber weil

Philippe Aubin-Dionne eben nicht

nur mit gebrochen hüpfenden Beats

jenseits der flauschig wuppenden

Bassdrum, sondern auch mit viel

R&B-Gespür und entsprechend gestreuten

Stimmen und Stimmsamples

arbeitet, gelang ihm mit seinem

Debütalbum „Feel Infinite“ von2017

der Schritt aus der Nische.

Vielleicht könnte man seine komplexe

Beatmischung aus UK Garage,

Dub Step und modernen R&B Future-Deep

House nennen –ein experimenteller

Drive, der auch den Linien

seiner Londoner Stammlabels,

der Heimat von Künstlern wie Hudson

Mohawke, Jam City oder Kelela

entspricht.

In dieser Woche erscheint das

zweite Album „Dawn Chorus“, das

noch einen soulvollen Schritt weiter

ins Songförmige (im Gegensatz zum

Dancetrack-haften) geht. Er habe,

sagt er,fast bandartig gearbeitet, mit

Cello und Percussion, dazu hörtman

Rapper und Stimmen aus seinem

Montrealer Umfeld, sowie jene der

selbst ziemlich coolen Elektroproduzentin

Julianna Barwick. Für die

Sounds habe er sich an gleichsam

„mythologischem Equipment“ abgearbeitet,

anders gesagt haufenweise

Old-School-Zeug in die Tracks

gemischt, um ein sehr hübsches,

melancholisch-müdes Dancealbum

für den frühen Morgen einzuspielen.

Schicke Clubmusik für jenseits vom

Club also, mit dem Live-Bonus allseits

bejubelter Visuals.

Progrock jenseits von angeberischer

Zwirbelei spielen seit dreißig

Jahren die norwegischen Motorpsy-

Markus Schneider

empfiehlt die Deep Housebeats,

dieJaques Greene aus UK Garage,

HipHop, Dubstep und R&Bbaut; den

weitverzweigten Allround-Progrock

Motorpsychos, sowieTySegall,

derRockstile zwischen 1965 und 1980

zusammentreibt wieein psychedelischer

Cowboy.

KINO

CHARLOTTENBURG

Cinema Paris (& 881 31 19) Nurejew –The White

Crow 14.50, 17.40; Preview: Verteidiger des Glaubens

–Defender ofthe Faith 20.30

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Deutschstunde

14.50,17.40,20.30

Delphi LUX (& 322 931040) Der Glanz der Unsichtbaren

15.00, 17.30; Joker (OF) 15.15, 18.00,

20.00, 20.45; Ein Licht zwischen den Wolken

13.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

17.10, 20.30; Nurejew –The White Crow (OmU)

14.00, 18.40; Midsommar (OmU) 21.20; Downton

Abbey (OmU) 14.30, 20.15; Und der Zukunft

zugewandt 15.30, 17.50; Systemsprenger 14.30,

17.15,20.00; M. C. Escher: Reise in dieUnendlichkeit

14.00, 16.45; Skin (OmU) 16.00; Synonymes

(OmU) 18.30; Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

21.10

Filmkunst 66 (& 882 1753) Deutschstunde

17.30, 20.00; Bruder Schwester Herz 18.00; Zwischen

uns die Mauer 20.15

Kant Kino (& 319 9866) Joker 15.00, 17.45,

20.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

13.30,15.30;Gelobt seiGott 17.30; Nurejew –The

White Crow 20.15; Die drei!!! 13.15; Der Distelfink

15.30; Late Night –Die Show ihres Lebens 18.30;

Once Upon aTime in... Hollywood 20.45; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 13.15, 15.15; Gut gegen

Nordwind 17.20; Leid und Herrlichkeit 20.00; Mein

Lotta-Leben –Alles Bingomit Flamingo! 13.15; Fritzi

–Eine Wendewundergeschichte 15.20; Downton

Abbey 17.30, 20.00

Zoo Palast (& 018 05/22 2966) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.15, 14.25; Joker

16.45, 22.45; Joker (OF) 19.45; Joker 11.30,

14.15; 3D: Gemini Man 17.00, 19.45, 22.30; A

Toy Story: Alles hört auf kein Kommando 11.20;

Downton Abbey 13.45, 16.40, 19.30; Ad Astra –Zu

den Sternen 22.30; Angry Birds 2: Der Film 12.30;

3D: Gemini Man 14.45; Deutschstunde 17.30;

Dem Horizont so nah 20.20; Joker (OF) 23.00; Der

Distelfink 11.45; Deutschstunde 15.00, 20.30; Ad

Astra –Zuden Sternen 17.45, 23.15; Die drei !!!

11.00; Dem Horizont so nah 13.10, 15.20,17.40;

Joker 20.00; Es: Kapitel II 22.45

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.00, 18.30; Sunset

–Napszallta (OmU) 13.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 15.20; Datsche (OmenglU)

16.50; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.00;

3 From Hell –Three From Hell (OmU) 22.45; Paranza:

Der Clan der Kinder –Laparanza dei bambini

(OmU) 11.00; Crawl 12.45; Cleo(OmenglU) 14.15;

Synonymes (OmU) 15.50; Ready or Not? –Auf die

Plätze, fertig, tot (OmU) 17.50; Gelobt sei Gott –

Grace a Dieu (OmU) 19.40; Midsommar (OmU)

22.00; Ama-San (OmU) 11.00; Yesterday (OmU)

13.00; Und der Zukunft zugewandt (DFmenglU)

15.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

16.45; AdAstra –Zuden Sternen 18.15; Systemsprenger

(DFmenglU) 20.20; Skin (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 8129) Und der Zukunft

zugewandt 14.00, 18.15; Systemsprenger

16.00, 20.15; Midsommar (OmU) 22.30; Über

Grenzen –Der Film einer langen Reise 14.00; Celebration

(OmU) 16.15; Memory Games (OmU)

17.45; Congo Calling (OmU) 19.30; Barstow, California

(OmU) 21.15; Playland USA (OmU) 22.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.00, 17.45; Joker 14.00,

17.00, 20.30; 3D: Gemini Man 14.00, 16.50,

19.45; Dora und die goldene Stadt 14.15, 17.15;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 14.15;

Enzo und die wundersame Welt der Menschen

14.20; Spider-Man: Far From Home 14.30; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 14.30; Angry Birds 2:

Der Film 14.30, 17.15; Good Boys 14.40; Dem

Horizont sonah 14.45, 17.45, 20.45; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 15.00, 18.15; 3D: Der König

der Löwen 15.00, 20.20; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.30, 17.50; Gut gegen Nordwind

16.15; Intrigo: In Liebe Agnes 17.00; Angel Has

Fallen 17.00, 21.10; Downton Abbey (OF) 17.10;

Es: Kapitel II 17.30,19.30; Ready or Not? –Auf die

Plätze, fertig, tot 18.00; Joker (OF) 19.15, 20.00;

Downton Abbey 19.50; Once Upon aTime in... Hollywood

20.00; Gemini Man 20.15; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.15; Midsommar 20.30; 47Meters

Down: Uncaged 21.00

Zukunft (& 01 76/57 861079) Leid und Herrlichkeit–Dolorygloria

(OmU) 18.00;Systemsprenger

(OmenglU) 20.10; Skin (OmU) 22.30; Berlin

Bouncer (OmenglU) 18.00; Dunkel, fast Nacht

–Ciemno, prawie noc (OmU) 19.45; Heute oder

morgen 22.00

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 0200) Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 11.00; Der König der

Löwen 11.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

11.10,13.30; Pets II11.20; AToy Story:Alles hört

auf kein Kommando 11.30; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 11.40,14.00,16.30;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 11.50, 14.10,

16.50; Dem Horizont so nah 13.40,16.40,19.30;

Dora und die goldene Stadt 13.50, 16.20; Angry

Birds 2: Der Film 14.00, 17.00; Joker 14.15,

17.10, 20.10; 3D: Gemini Man 17.00, 20.00; Es:

Kapitel II19.10; Gut gegen Nordwind 19.20; Fast

&Furious: Hobbs &Shaw 19.40; Downton Abbey

19.50

Kino Kiste (& 998 7481) Gelobt sei Gott 13.30;

3D: Der König der Löwen 16.00; Blinded by the

Light 18.10

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) Dora und die

goldene Stadt 11.50, 14.30, 17.40; Enzo und die

wundersameWeltder Menschen12.00; 3D: Der König

der Löwen 12.00; UglyDolls 12.10; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 12.10, 15.10, 17.20;

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 12.15,

14.40; Der König der Löwen 12.20, 17.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 12.30, 14.50, 17.20; Angry

Birds 2:Der Film 12.40, 15.00, 17.00; Joker

14.20,17.30,20.20; Dem Horizont so nah 14.20,

17.00,19.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.40; Gemini Man 14.45, 19.30; Downton Abbey

16.50;3D: Gemini Man 17.15, 20.00; Es: KapitelII

19.40; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 19.45; Rambo

5: Last Blood 19.50; Angel Has Fallen 20.00; 47

Meters Down: Uncaged 20.10

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Joker (OmU) 17.00,

19.45,22.30; B Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

16.15, 18.50; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.30

fsk amOranienplatz (& 614 2464) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 17.45; Der Glanz der

Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.00, 20.00;

Systemsprenger (OmenglU) 19.30, 22.00; Gelobt

sei Gott –Grace aDieu (OmU) 21.45

Moviemento (& 692 47 85) Benjamin Blümchen

12.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 14.30,

16.30; Woche der seelischen Gesundheit: Der Boden

unter den Füßen 19.00; Midsommar (OmU)

22.30; Memory Games (OmU) 13.15; Mein Lotta-

Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 15.15; Systemsprenger

17.30, 20.15, 23.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.00; Bruder Schwester Herz

12.00, 20.00; Systemsprenger 14.15; Midsommar

(OmU) 17.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.15

Sputnik (& 694 11 47) Ronja Räubertochter

15.00; Mein Leben mit Amanda (OmU) 17.15; Systemsprenger(OmenglU)19.15;

ReadyorNot? –Auf

die Plätze, fertig, tot (OmU) 21.30; Leid und Herrlichkeit

–Dolor ygloria (OmU) 15.00; Zwischen uns

die Mauer 17.00; Bruder Schwester Herz 19.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.00;

Kinobar im Sputnik CatVideoFest 2019 (OmU)

19.00; Filmclub (OmU) 20.30

Yorck (& 78 91 32 40) Shaun dasSchaf: DerFilm:

UFO-Alarm 13.45, 15.45; Systemsprenger 17.20,

20.00; New Der Glanz der Unsichtbaren 15.00,

20.30; Nurejew –The White Crow 17.45

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 95 90) Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.00, 14.00, 16.00;

Playmobil: Der Film 10.00; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 10.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 10.00, 13.00, 15.15; Angry Birds 2:

Der Film 10.00, 16.00; UglyDolls 12.00, 14.00;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 12.15;

Dora und die goldene Stadt 12.45, 15.00, 18.00;

Joker 14.30, 17.30, 20.15; Systemsprenger 17.15,

20.00;Gemini Man 17.15, 20.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

18.00; Es: Kapitel II 19.45; Ad

Astra –Zuden Sternen 20.30

UnionFilmtheater (& 65 01 31 41) Nurejew–The

White Crow 13.00,20.15; AToy Story:Alleshörtauf

kein Kommando 13.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.15, 18.00; Joker 15.15, 17.30,

20.00;3D: AToy Story: Alles hörtauf kein Kommando

15.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

15.40; Skin 17.40; Es: Kapitel II 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 11.25, 14.00, 16.45;

Dora und die goldene Stadt 11.25, 14.10, 16.55;

Dem Horizont sonah 11.30, 14.15, 17.15, 20.15;

Shaun das Schaf: DerFilm:UFO-Alarm11.45, 14.15,

17.15; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

11.45; UglyDolls 12.00; Angry Birds 2: Der Film

12.00, 14.30, 17.15; Joker 14.00, 17.00, 20.00;

Gemini Man 14.15, 17.00, 20.00; Der König der

Löwen 14.20; Es: Kapitel II16.30, 19.20; Ad Astra

–Zuden Sternen 19.45; 47 Meters Down: Uncaged

19.50;Angel HasFallen 20.15; Sneak Preview20.30

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 17.00; Und der Zukunft zugewandt

18.45; Systemsprenger (OmenglU) 20.45;

Memory Games (OmU) 18.00; Ein Licht zwischen

den Wolken 19.45; Mein Leben mit Amanda –

Amanda (OmU) 21.30

Babylon (& 242 59 69) 60’s BRD: Die Artisten in

der Zirkuskuppel: ratlos (OmenglU) 17.00; Goodbye,

GDR!: Der Mann, der nach der Oma kam

17.15; Goodbye, GDR!: Jahrgang 45 (OmenglU)

18.00; Goodbye,GDR!: Spur der Steine (OmenglU)

19.00; Cine Mar –Surf Movie Night: Transcending

Waves 19.30; Goodbye,GDR!: Sonnenallee 20.00;

Der unverhoffte Charme des Geldes –Lachute de

l’empire americain (OmU) 21.45; 60’s BRD: Der

jungeTörless (OmenglU) 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Midsommar

(OmU) 22.30; Joker (OmU) 17.15, 20.00,

22.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) UglyDolls

11.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 11.10,

13.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 11.15,

13.30; Playmobil: Der Film 11.30; Joker 11.30,

14.30, 17.00, 20.00, 23.00; Der König der Löwen

11.40; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

12.00, 14.30, 17.30; Mein Lotta-Leben – Alles

Bingo mit Flamingo! 12.00; Angry Birds 2:Der Film

12.15,14.30; Dem Horizont so nah 13.30, 16.30,

19.40, 22.40; Dora und die goldene Stadt 14.00,

16.40; Downton Abbey 14.30, 19.15; 3D: Gemini

Man 14.45, 17.30, 20.15, 23.15; Good Boys

15.50; AdAstra –Zuden Sternen 16.15, 19.30;

3D: Angry Birds 2:Der Film 17.00; 3D: Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 17.45; Intrigo –Samaria

18.15; Es: Kapitel II 19.15, 22.15; 47Meters

Down: Uncaged 20.20, 22.50; Ready orNot? –Auf

die Plätze,fertig,tot 20.30; Once Upon aTime in...

Hollywood 21.00; Intrigo: In Liebe Agnes 22.30;

Ronny &Klaid 23.00; Rambo 5: Last Blood 23.15

Hackesche Höfe (& 283 46 03) Systemsprenger

(DFmenglU) 14.00, 19.15; Gelobt sei Gott –Grace

aDieu (OmU) 16.30; Skin (OmU) 21.45; Und der

Zukunft zugewandt 14.15; Deutschstunde 16.30,

19.00; Joker 21.30; Der Distelfink –The Goldfinch

(OmU) 14.00, 21.45; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit – Escher: Het oneindige zoeken –

Journey Into Infinity (OmU) 17.00; Nurejew –The

White Crow (OmU) 19.00; Berlin Babylon (OmenglU)

15.30; Joker (OmU) 17.30, 20.00, 22.30; Der

Glanz der Unsichtbaren – Les invisibles (OmU)

14.30,16.45, 19.00; Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 21.15

International (& 24 75 60 11) Joker (OmU)

19.00, 21.45

Z-inema (& 28 38 91 21) Franz Wright – Last

Words (OmenglU) 20.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) dokuarts: Miles

Davis: Birth of the Cool (OF) 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (& 01 80/505 06 44)

UglyDolls 12.00, 14.20; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 12.00, 14.15, 17.00; Playmobil:

Der Film 12.00; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 12.00; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 12.00, 14.03, 17.05; Dora und die goldene

Stadt 12.00, 14.30, 17.00; Angry Birds 2: Der

Film 12.00, 14.30, 17.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 12.00, 14.20, 17.05; Pets II

12.15; Dem Horizont so nah 14.10, 16.45, 19.30;

Joker 14.15, 17.05, 20.00; Der König der Löwen

14.20,16.30; 3D: GeminiMan 17.10,20.00; Joker

(OF) 19.30; Es: Kapitel II 19.30; 7.Kogustaki Mucize–DasWunder

in Zelle Sieben(OmU)19.30;47

Meters Down: Uncaged 19.30; Gemini Man 19.35;

Firincinin Karisi 19.45

IL KINO (& 91 70 29 19) Diego Maradona

(OmenglU) 10.10; Zwischen uns die Mauer (DFmenglU)

12.30; Nurejew –The White Crow (OmU)

14.20; Normal (OmenglU) 16.30; Systemsprenger

(DFmenglU) 17.50; Grrl Haus Cinema Short films

(DFmenglU) 20.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor y

gloria (OmU) 22.00

Neues Off (& 62 70 95 50) Joker (OF) 16.45,

19.30,22.15

Passage (& 68 23 70 18) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30; Downton Abbey (OmU) 15.45,

18.20; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

21.00; Deutschstunde 14.40, 17.20, 20.00; Sneak

Preview 22.30

Rollberg (& 62 70 46 45) Joker (OF) 15.15,

18.00, 20.45; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmenglU) 17.40; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF)20.15; M. C. Escher: Reise in die Unendlichkeit

–Escher: Het oneindige zoeken –Journey

Into Infinity (OmU) 15.00, 17.00; Systemsprenger

(OmenglU) 15.00, 19.00; Midsommar (OmU)

21.40; Nurejew –The White Crow (OmU) 16.45;

Ad Astra –Zuden Sternen (OF) 19.30; Ad Astra –

Zu den Sternen (OmU) 22.10; Der Distelfink –The

Goldfinch (OmU) 16.30; Synonymes (OmenglU)

19.40; Skin (OmU) 22.00

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

Dora und die goldene Stadt 11.30, 14.30, 16.45;

UglyDolls 11.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 11.50, 14.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

11.50, 14.20, 17.05; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.00; Angry Birds 2: Der Film

12.15, 14.50, 17.20; Joker 14.00, 17.00, 20.00;

Dem Horizont so nah 14.20, 16.45, 19.40; Gemini

Man 17.00, 19.50; Es: Kapitel II 19.35; Downton

Abbey 19.50; Ad Astra –Zuden Sternen 20.15


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

op).

cho. Nicht unerheblich für den Appeal

ihres jamfreudigen Mixes aus

Metal, fusionhaften Jazzeinflüssen

und Rock-Gegniedel (plus auch mal

Country oder Pop) ist ein Sinn für

Sixtiespsychedelia und raubeiniges

Garagentum, wie ja schon der vom

schwarz-weißen Russ-Meyer-Klassiker

geliehene Bandname andeutet.

Wie die meiste Nordlicht-Musik, die

sich nicht recht zu einem einzelnen

Experiment bekennen mag, haben

sie lange für das eminente Rune-

Grammophon-Label gespielt, und

sie arbeiten mit Jazz- und Freeform-

Stars der norwegischen Szene wie

dem Trompeter Matthias Eick und,

gleichsam als Quasimitglied, dem

großartigen Produzenten und Elektrotüftler

Helge „Deathprod“ Sten

(von den Ambientnoisejazzern Supersilent)

–entschlossen enthusiastische,

laute Musik voll haltlos vernudelter

Instrumentalknäuel, spinnerter

Breaks, thrashenden Drums

und spacigen Psych-Chören.

Ja, da kommt Ty Segall gerade

recht, den man sich als eine ArtPopversion

Motorpsychos vorstellen

kann. Wenn auch nicht zu sehr. Segall

stammt aus dem im weiteren

POP

Jacques Greene Do, 17.10., 20 Uhr,

Burg Schnabel.

Motorpsycho Do, 17.10., 20 Uhr.

Festsaal Kreuzberg.

Ty Segall Do, 17.10., 20.30 Uhr,Festsaal

Kreuzberg.

Nubya Garcia Mo, 21.10., 21 Uhr,

Gretchen

TERJE VISNES

Sinne retrofizierten Rock der Bay

Area; mittlerweile an die 30 Alben

hat er inklusive obskurer Live-, Tribute-

und Singlesammlungen seit

2008 veröffentlicht, dazu ein paar

andere Bands beglückt, sowie Duos

mit Tim Presley (alias White Fence)

und seinem Gitarristen MikalCronin

Duos rausgebracht. Segall führt die

verschiedensten psychedelischen

Rockstile der Sechziger und Siebziger

zusammen, mal verhangener,

mal hardrockend, zwischen Beatles

und Bowie, aber auch Blue Cheer

und Marc Bolan (eins seiner Alben

hieß deutlich „Ty Rex“). Zum reinen

Nachbau ist er indes wahrscheinlich

zu klug, vielleicht hat er auch nur zu

viele Ideen–jedenfalls erledigt er sie

mitseiner Band in einem Tempo,als

würden sie sonst ranzig. Unterhaltsam,aber

mitNiveau.

Die britische Saxofonistin Nubya

Garcia habe ich imApril angekündigt,aber

dasKonzertwurde auf jetzt

verschoben: Der Empfehlung „Einflüsse

vonColtraneund Sanders“sowie

„spielt selbstbewusst und kraftvoll

mit wuchtigen Club-, kantigen

Jazzfunk und dicken Afrobeats“ will

ich nichts hinzufügen.

Konzert

Heute

vor dreißig

Jahren

Neben den großen Jubiläen,

die in diesem Heute-vordreißig-Jahren-Herbst

gefeiert

werden, gibt es viele kleinere,

die im Stromder Geschichte unterzugehen

drohen. Am 15.Oktober

1989 fand in der Erlöserkirche

in Rummelsburg ein

„Konzert gegen Gewalt“ statt.

Den Initiatoren ging es darum,

auf die Übergriffe und Inhaftierungen

rund um den 40. Jahrestag

der DDR aufmerksam zu

machen. 3000 Besucher drängten

in die Kirche, die nur 500

Sitzplätze hat. Mehr als 50

Künstler –Rock-Gruppen, Liedermacher

und Jazzmusiker –

traten auf. Zwischen ihren Beiträgen

wurden Berichte über

die sogenannten Zuführungen

verlesen, bei denen Demonstranten

von der „Volkspolizei“

gedemütigt wurden. Dasjetzige

Solidaritätskonzert unter anderenmit

der Gruppe Renft ist den

politischen Gefangenen in Syrien

und der Türkei gewidmet.

Frank Junghänel

Solidaritätskonzert 19 bis 22 Uhr, Erlöserkirche,

Nöldnerstraße43

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Klax Kreativwerkstatt (& /64 49 44 22)

9.00: Ferienprogramm: Wasfür ein Theater!,Ferienworkshop

(ab 5bis 9J.). Anm. erf.

9.00: Ferienprogramm: Let’scode together,Ferienworkshop

(ab 8bis 12 J.). Anm. erf.

Käthe-Kollwitz-Museum (& 882 52 10)

11.00: Meine Welt –Künstler*innenbücher als skulpturale

Objekte, Workshop (ab 10 bis 12 J.). Anm. erf.

MACHmit! Museum fürKinder (& 74 77 82 00)

14.00: Glühwürmchen im Glas, MACHmit! Aktion,

Kosten 5€

Museum für Kommunikation (& 20 29 40)

14.00: Ferienprogramm: Himmelsstürmer.Drachen

und anderefabelhafte Wesen zum Fliegen bringen,

Workshop (ab 8bis 12 J.). Anm. erf.

Märkisches Museum (& 308 66 -0)

10.30: Das dritte Bild -. AufBerlin-Spaziergang mit

Fontane in 3D,Workshop (ab 12 bis 16 J.). Anm. erf.

Planetarium am Insulaner (& 790 09 30)

10.30: Peterchens Mondfahrt

12.00: MitRaketen zu Planeten

Puppentheater Felicio (& 44 67 35 30)

10.00: Kasper undRumpelstilzchen

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

16.00: Die Zauberflöte, Oper vonMozartals Marionettentheater(ab

6bis 10 J.)

Puppentheater Prenzlkasper (& 21 79 10 60)

10.00: Kasper und das Krokodil, Gastspiel Alpenkasper

Schaubude (& 423 43 14)

10.00: Kukla unddie schöne Wassilissa, Figurentheater

nach einem russischen Märchen (ab 4bis

8J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Die weiße Robbe, Maria Mägdefrau (ab 7

bis 10 J.)

Theater an der Parkaue (& 55 77 52 52)

10.00: Bettina bummelt,Martin Clausen undPeter

Trabner,Tanzstück (ab 5bis 10 J.)

W. M. Blumenthal Akademie

(Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1) 10.00:

Herbstferien: Rette dein Lieblingstier aufdie Arche

Noah!, Kunstworkshop

Werkstatt Hortensienstraße (Hortensienstr.29a)

10.00: Neukölln beginnt am Hermannplatz–Einen

Berliner Schmelztiegel mit der Kameraerkunden,

Workshop

(ab 13 bis 17 J.). Anm. erf.

11.00: T-Shirttrifft Strickbündchen –Upcycling eines

T-Shirts, Workshop (ab 10 bis 12 J.). Anm. erf.

Werkstatt Hufelandstr.35(Hufelandstr.35)

10.00: Icke, dette, kiekemal! –Zeitreise ins Jahr

1920, Workshop (ab 8bis 12 J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Der Schnee vongesternist die Sintflut von

heute, Daniela Dahn

Evas Arche (& 282 74 35)

19.00: Autorinnenlesung: Aufbruch. Wohin. Stationen,

Skizzen, Bilder,Barbe M. Linke

19.00: Das Birnenfeld, Nana Ekvtimishvil, Moderation:

Anne Borucki-Voß

Haus für Poesie (& 48 52 45 -0)

19.30: 100 JahrePaul Celan.Ukrainische Stimmen

in Europa, Juri Andruchowytsch, Tanja Maljartschuk,

Ron Winkler,Serhij Zhadan, Evgenia Lopata, Lesungen

und Gespräche

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

20.00: Literatur Live: Eure Heimat ist unser Albtaum,

Fatma Aydemir &Hengameh Yaghoobifarah

Inselgalerie (& 28 42 70 50)

19.00: Wege,die wir gingen: 12 Frauen aus Ost- und

Westdeutschland geben Auskunft, Barbe Maria Linke,

Lesung &Gespräch

Instituto Cervantes (& 257 61 80)

19.00: Der Schatz der BlackSwan, Paco Roca und

Guillermo Corral, Moderation: Gesa Ufer

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: LiteraturLive: Alt sein wie ein Gentleman,

Sven Kuntze, Buchpremiere

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: LSD –Liebe Statt Drogen

TU Berlin (& 314 -0)

19.00 Audimax: howto–Wieman’shinkriegt, Randall

Munroe, Buchpräsentation (in englischer Sprache)

und Diskussion Mod.: Vladimir Balzer.Anm. erf.

KONZERT

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.00: Hilltop Hoods, Briggs

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Falkevik Norwegian trio

Badenscher Hof Jazzclub (& 861 00 80)

21.00: Walter Gauchel (sax, fl) &Ekkehard Wölk (p),

Cookin’ with Jazz

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Carnival Youth

Cafe Tasso (& 48 62 47 08)

20.00: HugoFernandez –NGT

DanTra’s –Kneipe’nKultur (& 75 54 09 03)

20.00: AndyClark

Erlöserkirche Lichtenberg (& 426 24 23)

19.00: Solidaritätskonzert–30Jahre Friedliche

Revolution

Kulturbrauerei/Kesselhaus (& 44 31 51 00)

20.00: Alma

Maze (& 55 51 84 54)

20.00: TheLafontaines, Be Charlotte

Musik &Frieden (Falckensteinstr. 48)

20.00: In the Round: Sarah Darling,KennyFoster,

RobertCounts

20.00: Naaz

Orania.Berlin (& 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Rossano Snel

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: Harrison Storm, support: Hollie Col

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.30: Dr.Feelgood

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mit Heinz Glass u. a.

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Maria Baptist Resonance –Piano Solo

Tempodrom (& 69 53 38 85)

20.00: NickMurphyfka Chet Faker

Theater Zukunft (& 01 76 57 86 10)

21.00: Decibelles

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.00 Roter Salon: Kelly Moran

Zig Zag Jazz Club (& 94 04 91)

21.00: The Zig Zag Jazzed Up Jam Session, host: Uri

Gincel

CLUB

Bohnengold (Reichenberger Str.153)

18.00: Ping Pong –Music –Drinks (PingPong –

Music –DrinksTT-Schläger können vorOrt geliehen

werden)

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(& 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr. 53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois–Techno Edition,Cyrk (live),

Echoes Of October, Ina Kacz, Lilly Deupré

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

Leandro

KINO

Wolf (& 921 039333) BabyWolfgang präsentiert:

Ama-San (OmU) 11.00; Synonymes (OmenglU)

12.00; Systemsprenger (OmenglU) 14.10, 18.50;

Wajib –Die Hochzeitseinladung (OmU) 14.30; Kiriku

und die Zauberin 16.30; Heute oder morgen

(OmenglU) 16.40; Ama-San (OmU) 18.50; Ad Astra

–Zuden Sternen (OmU) 21.10; Midsommar (OmU)

21.20

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Shaun das

Schaf:Der Film: UFO-Alarm 13.45, 15.45; Deutschstunde

17.45, 20.30; Fritzi –EineWendewundergeschichte

13.30, 15.30; Nurejew –The White Crow

17.30; Systemsprenger 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Joker

15.00, 17.45, 20.30, 22.10; M. C. Escher: Reise in

die Unendlichkeit 13.45; Nurejew –TheWhite Crow

15.30, 18.15; Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

21.00; Systemsprenger 16.45, 19.30; Shaun das

Schaf: Der Film:UFO-Alarm14.00, 16.00; Downton

Abbey (OmU) 18.00; Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 20.40; Deutschstunde 14.00, 17.15,

20.00; Fritzi –EineWendewundergeschichte 15.15

Kino inder Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

UglyDolls 11.30; Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

11.30, 13.45, 16.00; Kuddelmuddel bei

Pettersson und Findus 11.45; Der König der Löwen

11.45; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

11.45; Angry Birds 2: Der Film 11.50, 14.15,

16.40; Benjamin Blümchen 12.10; Joker (OmU)

13.45, 16.40, 20.00, 23.00; Deutschstunde

13.45, 16.40, 19.30; Dem Horizont so nah 14.15,

17.00, 19.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 14.30,16.45; Downton Abbey14.30, 19.45;

Der Glanz der Unsichtbaren 17.15, 19.00; M. C.

Escher: Reise in die Unendlichkeit 18.15; Nurejew

–The White Crow 19.00; Systemsprenger 19.30,

22.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.30; Skin 21.40; Es: Kapitel II –It: Chapter Two

(OF) 22.00; Midsommar (OmU) 22.30; Ronny &

Klaid 22.40; Intrigo: InLiebe Agnes 22.40

Krokodil (& 44 04 92 98) Nurejew – The White

Crow (OmU) 16.45; Die Querstraße –Skierskala

(OmU) 19.00; Dunkel, fast Nacht –Ciemno,prawie

noc (OmU) 20.45

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Systemsprenger

17.00; Die Taschendiebin: The Handmaiden

(OmenglU) 19.00; Frau Stern 22.00

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) Joker

14.15, 17.15, 20.15, 22.45; Dem Horizont sonah

14.15, 16.55, 19.45; Dora und die goldene Stadt

14.20, 16.50; Gemini Man 14.30; Der König der

Löwen 14.30, 17.10; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 14.30; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 14.35; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.40,16.55;Angry Birds 2: Der Film

14.45, 16.55; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 15.00, 17.15; Downton Abbey17.00, 19.50;

3D: Gemini Man 17.10, 20.00, 22.55; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 17.15; Once Upon aTime

in... Hollywood 19.20, 22.15; Gut gegen Nordwind

19.20; Systemsprenger 19.30; Ad Astra –Zuden

Sternen 19.40; 47Meters Down: Uncaged 19.45,

23.00; Es: Kapitel II 19.55,22.15; Intrigo –Samaria22.30;

Midsommar22.45; Rambo5:Last Blood

22.50

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.15, 14.15, 17.45;

Playmobil: Der Film 11.20; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

11.20, 13.50; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 11.30, 14.10, 16.50; Pets II 11.45;

Angry Birds 2: Der Film 12.15, 15.00, 17.00;

UglyDolls 12.20; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 12.20; Dem Horizont so nah 13.40,

16.40, 19.40; Joker 13.50, 17.00, 20.10, 23.15;

3D: Gemini Man 14.00, 16.20, 19.45, 23.20; Dora

und die goldene Stadt 14.45, 17.30; Good Boys

15.00; Der König der Löwen 17.00; Downton Abbey

17.30, 20.15; Gut gegen Nordwind 19.20; Es:

Kapitel II 19.30, 22.20; Ad Astra –Zuden Sternen

20.00; Rambo 5: Last Blood 20.20, 23.10; 47

Meters Down: Uncaged 20.30, 23.00; Midsommar

22.40; Fast &Furious: Hobbs &Shaw22.45; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig,tot 23.10; Angel Has

Fallen 23.15

SCHÖNEBERG

Cinema am Walther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

12.30; Systemsprenger 14.35,17.30, 20.25

Cosima (& 85 07 58 02) Downton Abbey 18.00,

20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30

Xenon (& 78 00 15 30)Leid undHerrlichkeit –Dolor

ygloria (OmU) 18.00; Nurejew –The White Crow

(OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.15,

14.20; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 10.00,

12.30, 15.00; Angry Birds 2: Der Film 10.00,

12.10, 14.40, 17.00;AToy Story: Alles hörtauf kein

Kommando 10.00, 12.10; UglyDolls 12.20; Joker

14.20, 17.20,20.10; Dem Horizont sonah 14.30,

17.15, 20.00; Downton Abbey 16.45; 3D: Gemini

Man 17.30, 20.15; Es: Kapitel II 19.30; Ad Astra –

Zu den Sternen 19.45

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 6081) Und

wer nimmt den Hund? 13.30; Systemsprenger

15.30, 20.15; Und der Zukunft zugewandt 18.00

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 0711) Downton Abbey

11.30, 14.20, 17.10, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

UglyDolls 10.00, 12.00; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 10.00, 12.10,14.25, 17.00; Everest:

EinYeti will hoch hinaus 10.00, 12.10,14.35;

Dora und die goldene Stadt 10.00, 12.15, 14.10,

17.35; Angry Birds 2: Der Film 10.00, 12.10,

14.35; Joker 14.30, 17.20, 20.10, 23.00; Dem

Horizont sonah 14.45, 17.30, 20.15; Gut gegen

Nordwind 16.40; 3D: Gemini Man 16.45, 19.30;

Deutschstunde 17.00, 19.55; Metallica & San

Francisco Symphony: S&M2 (OmU) 19.00; Es:

Kapitel II 19.30, 22.15; Ad Astra –Zuden Sternen

20.10, 23.00; Joker (OF) 22.50; Ready orNot? –

Auf die Plätze, fertig, tot 23.00; Good Boys 23.00;

Gemini Man 23.00

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00, 14.15; Everest:

EinYeti will hoch hinaus 10.00, 14.00,16.00;

Benjamin Blümchen 10.00; Angry Birds 2: Der Film

10.00, 14.00; Winnetou –Der Schatz imSilbersee

12.00; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 12.00;

Dora und die goldene Stadt 12.00, 13.45, 15.45;

3D: Angry Birds 2: Der Film 12.00; Joker 16.00,

18.00; Dem Horizont so nah 16.00, 18.15, 20.30;

Downton Abbey 18.00; Angel Has Fallen 18.00,

20.30; Gemini Man 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Lynne Ramsay: We Need

to Talk About Kevin (OmU; m.Vorfilm) 20.00; Magical

History Tour:Timbuktu (OmU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Angry Birds 2:Der Film 12.30, 13.50; Joker 12.40,

14.00,16.00,17.10,19.00,20.30,22.20,22.30;

Gemini Man 13.30; Downton Abbey 13.30, 16.40,

19.30;

Dem Horizont so nah 13.30, 16.40, 19.40, 22.40;

Pets II 13.35, 14.20; UglyDolls 13.40; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 13.40; Everest: Ein Yeti

willhochhinaus13.40; Shaun dasSchaf: Der Film:

UFO-Alarm 13.50, 16.30; Und der Zukunft zugewandt

14.00; Dora und die goldene Stadt 14.00,

17.00; Der König der Löwen 14.00, 19.30; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 14.00; Enzo

und die wundersame Welt der Menschen 15.10,

17.00; Good Boys 15.35, 18.00, 20.30, 23.00;

Der Distelfink 16.15; Ad Astra –Zuden Sternen

16.15, 19.50, 23.00; 3D: Gemini Man 16.30,

19.45, 23.00; Es: Kapitel II 16.30, 20.20, 22.30;

3D: Der König der Löwen 16.30; Once Upon aTime

in...Hollywood 16.40, 19.45, 22.15; Systemsprenger

16.45, 19.50; Der Glanz der Unsichtbaren

16.45,19.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

16.50;3D: AngryBirds 2: DerFilm16.50; Zwischen

uns die Mauer 18.00, 19.15; Gut gegen Nordwind

19.00; Angel Has Fallen 19.45, 22.50; Yesterday

19.50; Rambo 5:Last Blood 20.20, 23.00; 47Meters

Down: Uncaged 20.30, 23.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 20.45, 22.50; Ready or Not? –Auf

die Plätze, fertig, tot 22.00; Midsommar 22.00;

Skin 22.50

CineStar im Sony Center (& 04 51/703 0200)

Downton Abbey (OF) 13.30, 16.30, 19.40; Angry

Birds 2: Der Film –The Angry Birds Movie II (OF)

13.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm –

Shaun the Sheep Movie: Farmageddon (OF) 13.50,

16.20; Joker (OF) 14.15,17.15, 20.15, 23.15; Intrigo

–Samaria (OF) 14.20; 3D: Gemini Man (OF)

14.30,17.30, 19.20,22.20; Dora und die goldene

Stadt –Dora the Explorer (OF) 14.30, 17.10; Once

Upon aTime in...Hollywood (OF) 16.00,20.30; Ad

Astra –Zuden Sternen (OF) 17.00, 20.00, 22.50;

Es: Kapitel II –It: Chapter Two (OF) 19.00, 22.40;

Midsommar (OF) 19.30; Skin (OF) 19.50, 23.15;

Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot (OF)

23.00; Rambo 5: Last Blood (OF) 23.00

CineStarIMAX (& 04 51/703 02 00) 3D: ABeautiful

Planet 11.30; Joker (OF) 13.00, 16.15, 19.30;

Joker 22.45

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) UglyDolls 10.00, 12.00;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.00, 16.00; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 10.00, 12.15, 14.00, 16.00; Dora und die

goldene Stadt 10.00, 12.30, 15.00, 18.00; Angry

Birds 2: Der Film 10.00, 12.00, 14.00, 16.00;

Joker 14.30, 17.00, 20.00, 22.30; Dem Horizont

so nah 17.30, 20.00, 22.30; Gemini Man 18.00,

20.00,22.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

18.00; AdAstra –Zuden Sternen 20.15, 22.30;

Rambo 5: Last Blood 20.30, 22.45

Casablanca (& 677 5752) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.45; Downton Abbey 15.30;

Gundermann 18.00; Gut gegen Nordwind 20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 0200)

Playmobil: Der Film 11.30; Angry Birds 2: Der Film

11.30, 14.40, 17.25; Aladdin 11.30; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 11.30; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 11.45, 14.15, 16.50; Pets

II 11.55; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

12.00, 14.25, 17.10; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingo mit Flamingo! 12.10; UglyDolls 12.15; Joker

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Der König der Löwen

14.05; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 14.10,

17.30; 3D: Gemini Man 14.20, 17.15, 20.10,

23.00; Dora und die goldene Stadt 14.30, 17.10;

Dem Horizont sonah 14.40, 16.50, 19.45, 23.00;

Es: Kapitel II 16.30, 19.30, 22.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.20; 47 Meters Down: Uncaged

19.50,22.45; Intrigo: InLiebe Agnes 19.55;

Gut gegen Nordwind 20.15;AdAstra –Zuden Sternen

20.15, 23.10; Midsommar 22.30; Rambo 5:

Last Blood 23.10; Ready or Not? –Auf die Plätze,

fertig,tot 23.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 0311) Ugly-

Dolls 12.00; Shaun das Schaf: DerFilm:UFO-Alarm

12.00, 17.00; Playmobil: Der Film 12.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 12.00,14.20;Angry Birds

2: DerFilm12.00, 14.20; AToy Story: Alles hört auf

kein Kommando 12.00, 14.15; Dora und die goldene

Stadt 12.15, 14.50, 16.30; Joker 14.15,16.50,

19.45; Dem Horizont so nah 14.30, 17.20,19.30;

Fisherman’s Friends –Vom Kutter in die Charts

15.00; Gemini Man 16.45,19.50; 3D: Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 16.45; Der König der Löwen

17.20; Metallica & San Francisco Symphony: S

&M2(OmU) 19.00; Joker (OF) 20.10; 47 Meters

Down: Uncaged 20.15

City Kino Wedding (& 01 77/270 19 76) Gelobt

sei Gott 18.30; Wedding 21.15

WEIßENSEE

BrotfabrikKino (& 471 4001) Jeder schweigt von

etwas anderem 18.00; Burning –Beoning (OmU)

20.30

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Mein Lotta-Leben

–Alles Bingo mit Flamingo! 10.15; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 13.45, 15.45; Gut gegen

Nordwind 17.45; Systemsprenger 20.30; Pets II

10.00; Downton Abbey 12.15, 19.45; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 15.00; Und der Zukunft zugewandt

17.15

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Frau Stern

16.00; Deutschstunde 18.00; Systemsprenger

20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Der König der Löwen

12.30; Deutschstunde 15.00, 20.15; Nurejew

–The White Crow 17.45

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Ich warzuhause, aber... 18.00;

Dene wos guet geit 20.30

Capitol (& 831 6417) Deutschstunde 15.00,

20.30; Nurejew –TheWhite Crow 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Die

Geschichte vomkleinenMuck 10.00; Leidund Herrlichkeit

17.00;The Dead Don’t Die 19.00

Thalia Potsdam (& 03 31/743 7020) KinderWagenKino:

Bruder Schwester Herz 10.30; Angry Birds

2: Der Film 13.30; Deutschstunde 13.45, 20.30;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00,

16.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 14.00,

16.00; Zwischen uns die Mauer 15.30; Und der

Zukunft zugewandt 16.15; Systemsprenger 18.00,

20.45; Nurejew –The White Crow 18.00; Joker

(OmU) 18.15, 20.45; Der Glanz der Unsichtbaren

18.30; Bruder Schwester Herz 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 11.00,

14.15, 16.50; Playmobil: Der Film 11.00; Joker

11.00, 14.00, 17.00, 20.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 11.00, 13.50, 17.10; Dem Horizont

so nah 11.00, 13.50, 16.30, 19.30; UglyDolls

11.15; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

11.15, 14.00; Angry Birds 2: Der Film 11.15,

14.15, 17.00; Gemini Man 13.40, 16.40, 19.50;

AToy Story:Alles hört auf kein Kommando 13.50;

Der Königder Löwen 16.40; Downton Abbey16.50,

19.50; Es: Kapitel II 19.30; Gut gegen Nordwind

19.40;OnceUponaTime in... Hollywood 19.45;Ad

Astra –Zuden Sternen 20.00


24 * Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

CHAT

„Manchmal

hilft ein guter

Podcast“

Kurze Fragen, schnelle Antworten:

Im Chat kommen Menschen

zu Wort, die sich beruflich in

der digitalen Welt bewegen: Yannis

Niebelschütz ist einer der beiden Co-

Gründer von CoachHub.io und verantwortet

die Geschäftsbereiche

Partnerschaften, Business Development

und Marketing. Der gebürtige

Berliner gründete bereits zahlreiche

Start-ups wie Testhub und

vjsual.com, einer der deutschen

Marktführer für Bewegtbild.

Womit beginnt Ihr Einstieg in die digitale

Welt am Morgen?

Morgens wandert mein Blick

schon durchaus mal vom Käsebrötchen

aufs Smartphone, um

die Nachrichtenlage zu checken.

Hier schaue ich aber eher, was in

der Wirtschaft oder Politik los ist,

weniger Sport.

Ein großes Thema ist Künstliche Intelligenz

zurzeit. Wie werden Menschen

und Computer in Zukunft zusammenleben?

Ichdenke,beide werden sich hervorragend

ergänzen. KI kann Menschen

mehr Zeit verschaffen, da sie

aufwendige und anstrengende Arbeit

abnimmt, die Maschinen besser

und schneller erledigen.

Sind Ihre Daten eigentlich gut gesichert?

Schon berufsbedingt achte ich

darauf, dass sensible Daten nicht in

die falschen Hände geraten.

Was geht gar nicht in der digitalen

Welt, was verurteilen Sie?

Die dauerhafte digitale Überwachung

und Bewertung von Menschen,

wie wir sie im Moment in

China erleben, finde ich absolut

krass. Hier werden digitale Möglichkeiten

missbraucht.

Welchen Science-Fiction-Film haben

Sienicht nur einmal gesehen?

„Interstellar“ hat mich sehr nachdenklich

gestimmt.

Es gibt Menschen, die behaupten,

Computer sind nur erfunden worden,

damit gespielt werden kann.

Spielen Sieauch?

Es gibt toll produzierte Computerspiele,die

uns in eine andereWelt

eintauchen lassen. Ichbin fasziniert,

was technisch möglich ist. Ich habe

früher megaviel gezockt –amliebsten

Strategiespiele. Heute spiele ich

lieber Schlagzeug.

DieZukunft macht vielen Angst.Welcher

Podcast macht Ihnen Mut?

Der Verbrechen-Podcast der

Zeit wäre dann keine gute Empfehlung,

denn der macht schon Angst

–auch wenn er sehr spannend ist.

Mein Mutmacher-Podcast wäre

„saastr“ – hier sprechen Gründer

von erfolgreichen US-Tech-Companies.

Fällt es Ihnen schwer, amAbend abzuschalten?

Wir haben erst letztes Jahr gegründet.

Es wartet also jeden Tagviel Arbeit

auf uns. Da fällt es schon

manchmal schwer,abends komplett

runterzufahren. Manchmal hilft ein

guter Podcast.

Yannis Niebelschütz hat

Wirtschaftsingenieurwesen

an der HU Berlin studiert.

Wastun gegen Hass im Netz, ohne die Freiheitsrechte zu gefährden? Politiker und Sicherheitsexperten sind auf der Suche nach einem verantwortungsvollen Weg.

Bundesinnenminister Horst Seehofer

(CSU) erntet für seine Äußerungen

zur Gamerszene nach dem

Terroranschlag von Halle Kritik aus

den Reihen der eigenen Partei und

der Bundesregierung. CSU-Vize Dorothee

Bär,die auch Staatsministerin

für Digitalisierung im Kanzleramt ist,

und Bundesverkehrsminister Andreas

Scheuer wiesen Seehofers Äußerungen

in einer CSU-Vorstandssitzung

zurück. Auch CSU-Chef Markus

Söder warnte in München, ohne Seehofer

zu nennen, bei der Aufarbeitung

des Anschlags vonHalle vorPauschalurteilen

gegen die Gamerszene.

Seehofer selbst war in der Sitzung

nicht anwesend.

„Jede negative Entwicklung muss

gesehen werden. Andererseits ist aber

auch klar, dass es keine Pauschalurteile

geben kann“, sagte Söder.„Denn

Kampf gegen Hass im Netz

CDU-Politiker fordern schärfere Maßnahmen und striktere Kontrollen, Datenschützer kritisieren den Plan

VonDaniela Vates

Nach dem Terroranschlag

von Halle sucht die

große Koalition nach Rezepten

gegen die Radikalisierung

und Vernetzung von

Rechtsextremisten im Internet. Der

Vorsitzende des Parlamentarischen

Kontrollgremiums, Armin Schuster

(CDU), sagte am Montag vor einer

Sitzung des geheim tagenden Gremiums

im Bundestag, ein Entwurf

des Bundesinnenministeriums, der

dem Verfassungsschutz Befugnisse

zur Online-Durchsuchung und zur

Überwachung verschlüsselter Kommunikation

geben würde, liege im

Justizministerium „seit Monaten auf

dem Tisch“.

Verpflichtung der Plattformen

Ziel des Entwurfs sei keineswegs

eine Überwachung „mit dem

Schleppnetz“. Vielmehr gehe es

darum, den Sicherheitsbehörden die

Möglichkeit zu geben, bei bestimmten

Verdachtsmomenten aktiv zu

werden. „Wir brauchen klare Antworten

der Gesellschaft und des

Staates auf Menschenhass und Terror

und wirksame Instrumente gegen

deren Akteure und Netzwerke“,

heißt es im Entwurf eines Positionspapiers

des CDU-Bundesvorstands,

das der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) vorliegt.

„Den Feinden der liberalen Demokratie

wollen wir mit allen präventiven,

beratenden und repressiven

Mitteln des wehrhaften Rechtsstaats

und einer selbstbewussten demokratischen

Gesellschaft entgegentreten.“

Dazu müssten Verfassungsschutz

und Polizei unter anderem bessere

Überwachungsmöglichkeiten bekommen.

„Wir brauchen adäquate

Möglichkeiten für Ermittlungen der

Behörden im Darknet, bei der Überwachung

von Messenger-Diensten,

der Speicherung und Analyse relevanter

Daten sowie bei Online-

Durchsuchungen“, heißt es.Der Datenschutz

dürfe dabei die Verfolgung

nicht verhindern. Datenschutz dürfe

nicht zum Täterschutz werden.

Außerdem sollten Betreiber von

Internet-Plattformen verpflichtet

werden, „bei strafrechtlich relevanten

Fällen proaktiv an die Strafverfolgungsbehörden

heranzutreten“.

Auskunfts- und Handlungspflichten

vonBetreibernmüssten unabhängig

vom Geschäftssitz gelten, wenn

Plattformen in Deutschland genutzt

werden können. Dies wäre eine Erweiterung

des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes.

Kritik an Seehofers Spieletheorie

Innenminister sieht die Gamingbranche als Bühne für rechtsradikale Terroristen

die Gamer, und das sind viele, viele

junge Leute, die machen da großartige

Sachen.“ Dassei auch ein wichtiger

Wirtschaftszweig. „Generell sind

wir froh, dass es die Games-Szene

überhaupt gibt.“ Es sei nur wichtig,

„hinzuschauen, wo Probleme sind,

wie überall“. Bär sagte in der Sitzung

nach Teilnehmerangaben, in Bayern

und Deutschland werde viel für die

Games-Förderung gemacht. Scheuer

wies darauf hin, dass etwa in Navigationsgeräten

Entwicklungen aus der

Gaming-Branche steckten. Nur weil

man im Internet böse Sachen bestellen

könne,wolle keiner gleich das Internet

verbieten.

Seehofer hatte am Wochenende

zunächst erklärt: „Das Problem ist

sehr hoch. Viele von den Tätern oder

den potenziellen Täternkommen aus

der Gamerszene.“ Manche nähmen

Löschfristen für die Daten auffälliger

Personen müssten ausgedehnt

werden. So könne verhindert werden,

„dass Extremisten unter dem

Radar verschwinden“.

DieStrafen für Verleumdung oder

Beleidigung im Internet müssten

verschärft werden, fordert die CDU

weiter. Bei besonders schweren Fällen

von Verleumdung oder Beleidigung

im Netz müssten die Strafver-

„Dass Terroristen in den vergangenen

Jahren nicht aufgehalten wurden, lag

sicherlich nicht an zu viel Datenschutz.“

Ulrich Kelber, Bundesdatenschutzbeauftragter.

folgungsbehörden künftig auch

ohne Anzeige ermitteln können. Die

CDU prüft eine Einordnung dieser

Fälle als Verbrechenstatbestand. Nur

so könne Hasskriminalität wirksam

erkannt und bekämpft werden, heißt

es in dem Papier.Der SPD-Innenpolitiker

Uli Grötsch betonte, dass dabei

der „Spagat zwischen Freiheit

und Sicherheit gelingen muss“. Er

halte es aber für sinnvoll, dass ein

Provider zuständig ist für das, was

sich auf seiner Seite tummelt.

Der 27-jährige Stephan B. hatte

am Mittwoch versucht, in die Synagoge

in Halle einzudringen. Als der

Plan scheiterte, erschoss er vor der

sich Simulationen geradezu zumVorbild.

„Man muss genau hinschauen,

ob es noch ein Computerspiel ist,

eine Simulation oder eine verdeckte

Planung für einen Anschlag. Unddeshalb

müssen wir die Gamerszene

stärker in den Blick nehmen.“ Später

warnte er gezielter davor, dass

Rechtsextremisten Gaming-Plattformen

für ihreZwecke nutzen. „Wir sehen,

dass Rechtsextremisten das Internet

und auch Gaming-Plattformen

als Bühne für ihre rechtswidrigen Inhalte

missbrauchen“, schrieb er auf

Twitter. Der Attentäter von Halle war

in der Gamingszene unterwegs.

Der Verband der deutschen Games-Branche,

Game, sprach von einem

Generalverdacht durch den

Bundesinnenminister. Dies zeuge

„vor allem von Unkenntnis und Hilflosigkeit

und lenkt von den wirkli-

THOMAS WINZ

Tür eine Frau und danach einen

Mann in einem Imbiss. Erhat gestanden,

den Anschlag aus rechtsextremen

und antisemitischen Motiven

begangen zu haben. Er veröffentlichte

ein Video der Tatund ein

Dokument, in dem er die Waffen

zeigte,imNetz.

Sprachnachrichten abhören

Bislang dürfen sich nur die Polizeibehörden

bei ihren Ermittlungen

unbemerkt in Rechner einhacken

und die Festplatte durchsuchen –

und das auch nur zur Aufklärung

schwerer Straftaten. Auch Smartphones

oder andere IT-Geräte können

Gegenstand solcher Online-

Durchungen werden. Dies und die

sogenannte Quellen-TKÜ will Bundesinnenminister

Horst Seehofer

(CSU) auch dem Verfassungsschutz

erlauben. Diese Artder Telekommunikationsüberwachung

(TKÜ) ermöglicht

es,auch Chats und Sprachnachrichten

abzuhören, die verschlüsselt

versendet werden.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte

Ulrich Kelber warnt dagegen

vor verschärften Sicherheitsgesetzen,

die den Datenschutz einschränken.„Dass

Terroristen in den vergangenen

Jahren nicht aufgehalten wurden,

lag sicherlich nicht an zu viel

Datenschutz“, sagte er der Tageszeitung

DieWelt. Statt weitereEingriffsbefugnisse

in die Grundrechte zu

fordern, solle die Politik lieber bestehende

Vollzugsdefizite abbauen und

bereits vorhandene Befugnisse evaluieren.

(mit dpa)

chen gesellschaftlichen und politischen

Ursachen für solche Taten ab“,

erklärte Geschäftsführer Felix Falk.

Eigentlich müsse längst klar sein,

dass so wenig wie Filme und Bücher

auch Computerspiele für Hass und

Gewalt verantwortlich gemacht werden

können, erklärte Falk weiter.„Der

Bundesinnenminister sollte nicht

hilflos einem Medium und dessen

Community die Schuld geben, sondern

aktiv die gesellschaftlichen Probleme

der Radikalisierung und zunehmenden

Fremdenfeindlichkeit

angehen, die zu solchen furchtbaren

Taten wie in Halle führen.“ SPD-Generalsekretär

Lars Klingbeil kritisierte

Seehofer ebenfalls. „Das Problem

heißt Rechtsextremismus, nicht Gamer

oder sonst was“, sagte Klingbeil

am Montag in Berlin. „Diese Debatte

halten wir für absolut falsch.“ (dpa)

Neuer Anlauf

zum

Urheberrecht

Junge Union plant Reform

ohne Upload-Filter

DPA/HARALD TITTEL

Tilman Kuban,

JU-Chef

Der Chef der Jungen Union (JU),

Tilman Kuban, hat einen neuen

Anlauf zu einer Reformdes europäischen

Urheberrechts ohne sogenannte

Upload-Filter gefordert.„Natürlich

stehen wir für Urheberrechtsschutz.

Dieser darf aber keine Zensurkeule

werden“, sagte Kuban der

Deutschen Presse-Agentur. Es

müsse eine Freiheit im Netz geben.

Mitdiesen Filternwürden aber etwa

Dinge aus dem Netz gezogen wie Satire

oder Parodien, „die aus meiner

Sicht auch im Netz eine Selbstverständlichkeit

sind“.

Der Chef der Unionsnachwuchsorganisation

argumentierte weiter:

„Das ist für unsere Generation

selbstverständlich und dafür kämpfen

wir, wie auch

frühere Generationen

ihre Freiheitskämpfe

geführt

haben.“

Man habe bei

der Entscheidung

zuletzt gesehen,

was passiere,

wenn CDU

und CSU nicht

auf junge Menschen

mit Sachverstand in der Digitalpolitik

hörten.

„Diese Reform muss der Digitalwirtschaft

in Deutschland und in Europa

mehr Freiraum geben, um digitale

Geschäftsmodelle entwickeln zu

können“, fügte Kuban hinzu.

Deutschland dürfe sich nicht von

Chinesen und Amerikanern den

Rang ablaufen lassen in diesen Bereichen.

Es brauche eine „Urheberrechtsreform2.0“.

Das Europaparlament hatte im

Frühjahr eine Reform des Urheberrechts

gebilligt und dabei auch den

besonders umstrittenen Artikel 13

(heute 17) übernommen. Dieser

sieht vor, kommerzielle Plattformen

wie YouTube beim Urheberrecht

stärker in die Pflicht zu nehmen. Von

Nutzernhochgeladenes Material wie

Videos soll in diesem Zusammenhang

überprüft werden. Upload-Filter

prüfen bereits beim Hochladen,

ob Bilder, Videos oder Musik urheberrechtlich

geschützt sind. CDU

und CSU sprachen sich für eine nationale

Lösung ohne Upload-Filter

aus. (dpa)

Facebook startet

groß angelegte

Werbekampagne

Unternehmen will das

Gruppengefühl stärken

F

acebook will sein Image in

Deutschland mit einer aufwendigen

Werbekampagne verbessern.

Das Netzwerk veröffentlichte am

Montag erste TV-Spots und Print-

Anzeigen mit Geschichten vonMenschen,

die sich in Facebook-Gruppen

verbinden, austauschen und

unterstützen. „Es handelt sich um

die größteWerbekampagne für Facebook

in Deutschland“, sagte Ineke

Paulsen, Marketing-Chefin für Zentraleuropa.

Facebook versucht damit,

die eigentlichen Funktionen des

Netzwerks in den Vordergrund zu

stellen und einen Schlussstrich unter

Skandale der Vergangenheit zu

ziehen. So hatte sich Facebook im

Juli mit der Handelsaufsicht FTC

darauf geeinigt, nach Datenschutz-

Skandalen die Rekordstrafe von fünf

Milliarden Dollar zu zahlen, um Ermittlungen

zu beenden. Innerhalb

der Werbekampagne zeigt Facebook

mehr als 30 deutsche Gruppen, darunter

„Berlin Hoopers“, bei denen es

um Hoola-Hoop-Reifen geht. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe. Telenovela 16.00 (für

HG) Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach

Fluss 17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Familie Dr.Kleist 19.45 (für HG)

Wissen voracht –Natur 19.50 (für HG) Wetter /

Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens

Arztserie. Nachwuchs. Dr.AmalBekele ist

die neue Zoodirektorin in Leipzig.Nach

beruflichen Stationen auf der ganzen Welt

will sie nun den Leipziger Zoo zu einem

Erlebnispark ausbauen.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

21.45 (für HG) Fakt

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) 3nach 9

Zu Gast: Mario Adorf, Peter Maffay, Jörg

Hartmann, Stephan Grossmann

0.45 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv–Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bachelor in Paradise

Dateshow. EhemaligeBachelorette-und

Bachelor-Singles wohnen gemeinsam in

einem Resortund haben dortdie freie

Wahl: Mit wemmöchten sie auf ein

romantisches Date gehen?

22.30 Bachelor in Paradise –Der Talk

Talkshow

23.15 Die kuriosesten Nacktshows der Welt

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Bachelor in Paradise

2.45 (für HG) CSI: Miami

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG)

Sandmännchen 19.00 Regionales 19.30 (für

HG) MDR aktuell 19.50 (für HG) Einfach genial

20.15 (für HG) Umschau 21.00 (für HG) Das

grüne Herz Leipzigs 21.45 (für HG) MDR aktuell

22.05 (für HG) Auslandskader –Botschafter des

Sozialismus 22.48 MDR aktuell 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110: Holzwege. Krimireihe, DDR 1978

0.05 (für HG) WaPo Bodensee

Bayern

14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG)

Schnittgut. Alles aus dem Garten 16.00 (für HG)

Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern 17.30

Regionales 18.00 (für HG) Abendschau 18.30

(für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Gesundheit!

19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Tatort: Dicker als

Wasser.Krimireihe, D2015 21.45 (für HG)

Rundschau Magazin 22.00 (für HG) Gottschalk

liest? 22.45 (für HG) Capriccio 23.15

nacht:sicht 23.45 KlickKlack 0.15 Gardiner

dirigiertHaydn und Mendelssohn

Vox

6.55 CSI: Vegas 8.50 Verklag mich doch! 10.55

VoxNachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind

–Wie erziehst du denn? 11.55 Shopping Queen

13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein

Kind, dein Kind –Wie erziehst du denn? 15.00

Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten und eine

Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und Tränen

18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das

perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für

HG) Die Höhle der Löwen 22.55 True Story 0.00

VoxNachrichten 0.20 (für HG) Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin

Super RTL

13.10 Polly Pocket 13.40 Mighty Mops 14.15

Die Tomund JerryShow 14.45 Dragons –Auf zu

neuen Ufern 15.10 Ninjago–Die Meisterder Zeit

15.40 Alvinnn!!! und die Chipmunks 16.10 Zig

&Sharko–Meerjungfrauen frisst man nicht!

16.40 Die Nektons –Abenteurerder Tiefe 17.10

Mr.Magoo 17.40 Zak Storm–Super Pirat 18.10

Bugs Bunny&Looney Tunes 18.35 Woozle

Goozle und die Weltentdecker 19.05 Alvinnn!!!

und die Chipmunks 19.45 Mighty Mops 20.15

Snapped –Wenn Frauen töten 23.50 Böse

Mädchen 0.20 Infomercials

Sport1

5.45 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

Normal 16.00 Socca. WM. Vorrunde, live. Die

Partie Deutschland –Slowenien wird um 16.55

Uhr angepfiffen. 17.55 Eishockey.Champions

Hockey League. Färjestad Karlstad –EHC Red

Bull München, Gruppe G, live 20.30 Eishockey.

Champions Hockey League.Adler Mannheim

–Djurgarden Stockholm, Gruppe F, live 21.45

Magenta Sport: Arena 22.45 Socca. WM.

Highlights Vorrunde 23.15 Sport1 News Live

0.00 SportClips 0.45 Teleshopping Nacht

ZDF

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante.

Krimiserie 11.15 (für HG) SokoWismar 12.00

heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops.Krimiserie. Ein

todsicherer Konkurrent 17.00 (für HG) heute

17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45 (für HG)

Leute heute 18.00 (für HG) SokoHamburg.

Krimiserie. Mord nach Maß 19.00 (für HG) heute

19.25 (für HG) Die Rosenheim-Cops.Krimiserie

20.15 (für HG) ZDFzeit

Achtung,Kundenfalle! –Rabatt-Tricks,

Preisfallen &Co. Beim Einkaufen wird

jeder Kunde manipuliert. Und immer

wieder tappt man in Fallen, die von

Marketingexperten gestellt wurden.

21.00 (für HG) Frontal 21

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: Nur die eine Welt!

Jugendliche protestieren

22.45 (für HG) Markus Lanz

0.00 heute+

0.15 Neu im Kino

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap. Die 18-jährige

Luisa will unbedingt schon heiraten. 17.30 Klinik

am Südring –Die Familienhelfer /oder Sat.1

Regional-Magazine 18.00 Die Ruhrpottwache.

Doku-Soap. Der Lieferwagen eines Cateringunternehmens

wird manipuliert, und es kommt zum

Crash! 19.00 Genial daneben –das Quiz.

Quizshow 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Krimiserie.Hohe Einsätze. Die entstellte

Leiche eines jungen Officers wird

gefunden. Seine tiefen Schnittwunden

deuten auf einen Bärenangriff hin, doch

Palmer kommen Zweifel an der Theorie.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie.Ikande

22.15 Hawaii Five-0

23.10 Focus TV –Reportage

VonRasernund Scooter-Rowdies –Jagd

auf Verkehrssünder

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

13.55 Erlebnisreisen 14.00 (für HG) Lecker an

Bord 14.30 (für HG) In aller Freundschaft 15.15

(für HG) In aller Freundschaft 16.00 (für HG)

WDR aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für

HG) WDR aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) AbenteuerErde 21.00 (für HG)

Quarks 21.45 (für HG) WDR aktuell 22.10 (für

HG) Jürgen –Heute wird gelebt. Komödie, D

2017 23.40 (für HG) Sommerhäuser.Drama, D

2017 1.10 (für HG) Quarks 2.00 Lokalzeit

NDR

14.00 (für HG) NDR//Aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) NDR//Aktuell 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) NaturNah

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15

(für HG) Panorama 3 21.45 (für HG) NDR//

Aktuell 22.00 (für HG)Tatort: Das verschwundene

Kind. Krimireihe, D2019 23.30 (für HG)

Weltbilder 0.00 Das Meer –Die Sehnsucht 1.30

(für HG) Der schönste Kleingarten des Nordens

Kabel eins

10.25 Navy CIS 11.20 Without aTrace –Spurlos

verschwunden 12.15 Numb3rs –Die Logik des

Verbrechens 13.10 (für HG) Castle 14.00 (für

HG) The Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A.

15.50 kabel eins news 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung

Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15 (für HG)

The Green Hornet. Actionkomödie, USA 2010

22.40 (für HG) X-Men –Der Film. Comicadaption,

USA 2000 0.30 (für HG) Catwoman. Comicadaption,

USA 2004 2.10 kabel eins late news

RTL 2

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00 Die

Geissens –Eine schrecklich glamouröse Familie!

13.00 Die Reimanns–Ein außergewöhnliches

Leben 14.00 Frauentausch –Kulthäppchen

15.00 Die Wache Hamburg 17.00 News 17.05

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Armes

Deutschland –Dürfen die das? 22.15 Armes

Deutschland –Stempeln oder abrackern? 0.15

Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

8.30 Snooker 10.00 Judo. Grand Slam in

Brasilia. Highlights 10.30 Tischtennis. WorldTour

in Bremen. Highlights 11.30 Radsport. Tour de

France. Präsentation der Tour 2020, live 13.05

Snooker 13.45 Snooker.English Open 2019 in

Crawley. Tag2,live 18.00 Radsport. 113.

Lombardei-Rundfahrt 18.30 Formel E. Race to

change. Magazin 19.35 Rallye. Italian Rally

Championship. 2Valli 19.40 Nachrichten 19.45

Snooker.English Open 2019 in Crawley. Tag2,

live 0.00 Nachrichten 0.05 Radsport

TV-Tipps

KABEL 1, 20.15 UHR ACTIONKOMÖDIE

The Green Hornet

Britt Reid (SethRogen, l.)ist vonBeruf Sohn und verbringt sein Leben mit

wilden Partys.Doch dannstirbt sein Vater und hinterlässtihm sein Medienimperium.

Britt freundet sich mitdem Mechaniker Kato (Jay Chou, r.)an

undfindet bald heraus,dass Kato ein hervorragender Martial-Arts-Kämpfer

ist. Gemeinsam fassen sie einen Plan: Als Green Hornet will Britt mit Kato auf

Verbrecherjagd gehen ...Comedian Seth Rogen gibt einen derungeeignetsten

Superheld. „Green Hornet“ –basierend auf einerRadiohörspielreihe der

30er-Jahre–kann nicht fliegen wie Superman, sich nicht in ein Monster verwandeln

wie Hulk, nicht einmal austeilen wie Batman. Derziemlich untrainierte

und unbeherrschte Kindskopf übt eigentlich nur aus reiner Langeweile

Selbstjustiz an Verbrechern–aber gerade dasmacht ihn so charmant.

(USA/2010) Foto: Kabel 1

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2 6 1 5 8 7 4 3 9

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4 6 5 2 9 7 3 8 1

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2 3 8 5 4 1 9 7 6

3 9 7 1 8 6 2 5 4

6 8 1 4 2 5 7 9 3

5 2 4 7 3 9 1 6 8

9 4 3 8 5 2 6 1 7

7 5 2 6 1 4 8 3 9

8 1 6 9 7 3 4 2 5

RBB

5.20 Berliner Nächte 5.30 (für HG) Panda,

Gorilla &Co. 6.20 zibb 7.20 (für HG) Brisant

8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30 (für HG)

Abendschau 9.00 (für HG) In aller Freundschaft

10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm

der Liebe 12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt

nach Meer 14.00 (für HG) Mit deinen Augen.

Liebesfilm, D2004 15.30 (für HG) Tiere bis

unters Dach 16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für

HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG) rbb24

17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co. 17.55 (für

HG) Sandmännchen 18.00 rbb UM6 18.30 zibb

19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnisvolle Orte

Ein Campus im Herzen Berlins, nahe den

politischenMachtzentren: Die Charité ist

das einflussreichste deutsche Krankenhaus.

Ein Ortder täglichen Duelle um

Leben und Tod, aber auch um Macht.

21.00 (für HG) Ostfrauen –Wege zum Glück

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Nuhr im Ersten

22.45 (für HG) Ladies Night

23.30 Talk aus Berlin

Talkshow

0.00 (für HG) Ostfrauen –Wege zum Glück

ProSieben

5.05 2BrokeGirls 5.25 The Middle 6.10 (für

HG) Twoand aHalf Men 7.30 (für HG) The Big

Bang Theory 8.45 (für HG) HowIMet Your Mother

10.35 Fresh Off the Boat 11.00 Mike&Molly

11.30 2BrokeGirls 12.20 Mom 13.15 (für HG)

Twoand aHalf Men 14.40 The Middle 15.35

GreenSeven –Schlauer in 90 Sekunden! 15.40

(für HG) The Big Bang Theory 16.30 (für HG) The

Big Bang Theory. Sitcom.Der sicherste Ortder

Welt 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für HG)

Die Simpsons. Zeichentrickserie.Grundschul-

Musical 18.35 Green Seven–Schlauer in 90

Sekunden! 18.40 (für HG) Die Simpsons.

Zeichentrickserie.Auf diese Lisa können sie

bauen 19.05 (für HG) Galileo

20.15 Joko &Klaas gegen ProSieben

Show. Eine Viertelstunde voller Freiheit

oder Dienst ganz im Sinne des Senders?

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-

Umlauf treten wieder gegenihren

Arbeitgeber an.

22.50 (für HG) jerks.

Comedyserie. Babas Tod/Blütezeit

23.50 (für HG) Die Simpsons

Zeichentrickserie. Die Geschichte der zwei

Springfields

0.20 (für HG) Die Simpsons

Zeichentrickserie. Omein Clown Papa

Arte

12.15 Re: 12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land

Kunst 14.00 Das Leben der Anderen. Drama, D

2006 16.15 Wiedas Land, so der Mensch

16.40 Xenius 17.10 Wo Bücher die Welt

bedeuteten 17.40 (für HG) Der Retter der Bienen

18.35 (für HG) Kinabatangan –Der Amazonas

des Ostens 19.20 Arte Journal 19.40 (für HG)

Re: 20.15 Erich Mielke–Meisterder Angst.

Doku-Drama, D2015 21.45 (für HG) D-Mark,

Einheit, Vaterland 22.45 Arbeit, Lohn, Profit –Arbeit

23.35 Arbeit, Lohn, Profit –Beschäftigung

0.25 Arbeit, Lohn, Profit –Lohn

3Sat

15.20 Waldrapp –Ein VogelimAufwind 16.10

(für HG) Turmfalken –Jäger der Großstadt 16.55

Schönbrunner Tiergeschichten –Leben im Zoo

17.45 (für HG) G’schichten aus dem Wiener

Prater 18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20

Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) KommissarMarthaler –Partitur des Todes.

Kriminalfilm, D2013 21.45 kinokino 22.00 (für

HG) ZIB 2 22.25 Trauernbraucht Zeit 23.15 Der

Sterbebegleiter 23.35 Es fremdelt in Interlaken

0.00 10 vor100.30 (für HG) Die Legende vom

Hasen und der Sonne

Phoenix

11.00 PK Franziska Giffeyzur Shell-Jugendstudie

12.45 Zukunft des Maschinenbaus 13.15 Dicke

Luft –Alpenverkehr am Limit 14.00 phoenix vor

ort 14.45 AktuellesimUmfeld der Sitzungen der

Bundestagsfraktionen 15.15 Leben ohne Bargeld

16.00 Kann das Elektro-Auto die Umwelt retten?

16.45 Klimafluch &Klimaflucht 17.30 phoenix

der tag 18.00 Heimkinder wider Willen 18.30

Geheimnisvolle Orte 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Der Rhein 21.45 (für HG) heute

journal 22.15 Phoenix Runde 23.00 phoenix der

tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

12.25 The Garfield Show 12.50 Marcus Level

113.15 (für HG) Die Wilden Kerle 13.40 Die

Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein –Erfurt

15.00 (für HG) Eine lausigeHexe 15.50 Miss

Moon 16.05 Miss Moon 16.15 Die Piraten von

nebenan 16.30 Die Piraten vonnebenan 16.50

Geronimo Stilton 17.35 Der kleine Ritter Trenk

18.00 Eine Möhre für Zwei 18.10 (für HG) Der

kleine Drache Kokosnuss 18.35 Elefantastisch!

18.47 Baumhaus 18.50 Unser Sandmännchen

19.00 Tib&Tumtum 19.25 pur+ 19.50 (für HG)

logo! 20.00 (für HG) Kika Live 20.10 Twin Teams

Dmax

13.15 Dubai Airport–Der Megaflughafen 14.15

Ausgesetzt in der Wildnis 15.15 Ed Stafford: Wie

ich die Welt überlebte 16.15 Die Zwangsvollstrecker

17.15 Asphalt-Cowboys 18.15 Steel

Buddies –Stahlharte Geschäfte 19.15 A8 –

AbenteuerAutobahn 20.15 SteelBuddies

–Stahlharte Geschäfte 21.15 Die Austausch-

Cops: Einsatz im Ausland 22.15 112: Feuerwehr

im Einsatz 23.10 DMAX News 23.15 Outback

Inferno –Feueralarm in Australien 0.10 DMAX

News 0.15 SteelBuddies –Stahlharte Geschäfte

Tagesschau 24

5.02 Hessenschau 5.30 ARD-Morgenmagazin

9.00 Tagesschau-Nachrichten 9.15 Frisch

gepflückt –wie es um den regionalen Apfel steht

10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 Super.

Markt 11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Bluthandel 20.00 Tagesschau

20.15 Hartaber fair 21.30 Tagesschau 21.32

Martinas Leben auf der Alm 22.00 Marktcheck

22.45 Tagesschau vor20Jahren 23.00

Tagesthemen 23.30 Fakt 0.00 Umschau 0.45

Göreme –Felsenstadt der frühen Christen 1.00

Nachtmagazin 1.20 7 Tage ... 1.50 Extra 2.00

Nachtmagazin 2.20 MDR Thüringen Journal

ONE

5.20 Um Himmels Willen 6.10 Großstadtrevier

7.00 Erlebnisreisen 7.10 Brisant 7.50 Die

Landärztin. Arztreihe,D/A2005 9.15 Brisant

9.55 Hot in Cleveland 10.35 Lindenstraße

11.05 Großstadtrevier 11.55 Sturmder Liebe

13.30 Um Himmels Willen 14.20 Die

Aufnahmeprüfung.Komödie, D2012 15.50

Großstadtrevier 16.40 Hot in Cleveland 17.20

Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich 18.40

Sturmder Liebe 20.15 Doctor Who 21.05 Docto

Who 21.50 Doctor Who 22.35 Doctor Who

23.20 Hustle –Unehrlich währtamlängsten

0.10 Doctor Who 1.00 Doctor Who 1.45 Doctor

Who 2.30 Doctor Who 3.15 Hustle

ZDF NEO

7.20 (für HG) Die Vermessung der Erde 8.05

Topfgeldjäger 9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.40

(für HG) Bares für Rares 10.35 (für HG) Bares fü

Rares 11.30 Dinner Date 12.15 (für HG) Monk

12.55 (für HG) Monk 13.35 Psych 14.15 Psych

15.00 (für HG) Monk 15.40 (für HG) Monk

16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 (für HG) Bares

für Rares 18.35 Dinner Date 19.20 (für HG)

Bares für Rares 20.15 (für HG) Unter anderen

Umständen: Liebesrausch. Krimireihe,D2017

21.45 (für HG) Professor T. 22.45 (für HG)

heute-show 23.15 Shapira Shapira 23.45

Blockbustaz 0.20 Blockbustaz 0.50 Greyzone

–NoWay Out 1.35 Greyzone –NoWay Out

ZDF INFO

5.30 Mysterien des Mittelalters 8.28 heute

Xpress 8.30 ZDF-History 9.00 Mördernauf der

Spur 9.45 Überführt 10.30 Überführt 11.15

Hightech-Gangster 12.00 Hightech-Gangster

12.45 Mysterien des Mittelalters 13.30

Mysteriendes Mittelalters 14.15 Mysterien des

Mittelalters 15.00 Mysteriendes Mittelalters

15.45 WarofThrones –Krieg der Könige 16.30

WarofThrones –Krieg der Könige 17.15 Warof

Thrones –Krieg der Könige 18.00 WarofThrones

–Krieg der Könige 18.45 Burgen –Monumente

der Macht 20.15 Burgen –Mythosund Wahrheit

23.15 Die Inquisition 0.45 (für HG) heute journa

1.15 Uran –Das unheimliche Element

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikstadt Berlin Streifzügedurch das

klassische Musikleben der Hauptstadt,

ca. 57 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Internationales Jerusalem Kammermusikfestival.

Vom3.-7.9., ca. 117 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

KLASSIK-WERKSTATT Mit Clemens Goldberg.

Johann Baptist Cramer:Klavierkonzertc-Moll,

ca. 57 Min.

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Chormusik „Let the Peoples sing“: Finale des

internationalen Euroradio Chorwettbewerbs,

ca. 55 Min

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) Lesung

Propaganda (26/29). VonSteffen Kopetzky.

Gelesenvon Johann vonBülow, ca. 30 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature American Hollow–WieAmerikas

ärmste Gemeinde ums Überlebenkämpft,

ca. 47 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel True Stories, ca. 47 Min.

MAGAZIN

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Immer die gleichenStreitereien –

WarumKonflikte in Familien entstehen und wie

man sie löst, 50 Min.

14.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kompressor Das Popkulturmagazin, 55 Min.

19.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen Fachkräfte aus Fernost gegenden

Pflegenotstand in Deutschland,ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Menschen und Substanzen. Reset im

Regenwald –Der Hype um Ayahuasca,

ca. 47 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik szenemusica reanimata.Ein Verfemter

rettet Verfolgte –Der Berliner Komponist Hanning

Schröder,ca45. Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Mit Susanne Papawassiliu. Lia Andes,

ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik Der Kontinente. Grenzgänger aus Libanon

Rabih Abou-Khalil, ca. 46 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz Live MaryHalvorson Octet. Aufnahme vom

3./4.11.2018 beim Jazzfest Berlin, ca 55. Min.


Berliner Zeitung · N ummer 239 · D ienstag, 15. Oktober 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Franziska Reichenbacher (51) moderiertnun

schon seit gut 20 Jahren die

„Ziehung der Lottozahlen“ in der

ARD.Ansonsten verdingt sie sich als

Moderatorin beim Hessischen Rundfunk

noch in verschiedenen anderen

Formaten –wovon wir außerhalb

Hessens allerdings eher weniger mitbekommen.Wieauch

immer,die Lottofee

erfreut uns jetzt mit einem

Statement, es kommt wie aus dem

Nichts,also unerwartet:„Ich habe mir

nach Jahrzehnten mal wieder einen

Ausweis machen lassen.“ Gemeint ist

der Ausweis für eine Stadtbücherei.

Reichenbacher weiter:„Klingt für

manch einen wahrscheinlich anachronistisch,

aber ich kann es nur

empfehlen. In einer Bücherei liegt

eine gewisse Konzentration in der

Luft und es riecht nach Büchern–für

mich die reinsteWellness-Oase.Ich

komme völlig glücklich wieder raus.“

Ja,esgibt ein Glück jenseits fantastischer

Millionengewinne.

David Eastman (74) ist um einen stattlichen

Millionenbetrag reicher:Weil

der Australier,ein früherer Staatsbediensteter,19JahrezuUnrecht

wegen

Mordes im Gefängnis saß, wurden

ihm am Montag vomObersten Gerichtshof

in der australischen Hauptstadt

Canberra7,02 Millionen australische

Dollar (4,32 Millionen Euro)als

Entschädigung zugesprochen. Eastmans

Anwalt SamTierney erklärte,

sein Mandant sei„sehr glücklich“

über die Millionenentschädigung:„Er

hat sicherlich einige Ideen im Kopf,

was er damit tun wird.“

Inka Bause (50) moderiert

die RTL-Show„Bauer

sucht Frau“ und hat in diesem

Zusammenhang

„eine neue Spießbürgerlichkeit“

in unsererGesellschaft

entdeckt:

Es meldeten

sich keine Homosexuellen

mehr für die

Show an.„Die kämpfen

danach oft Kämpfe

aus,die sie gar nicht alleine

gewinnen können.Wirsind

eben

keine tolerante Gesellschaft

mehr.“

(schl.)

Der homophobe

Spießbürger ist ihr

Feind. IMAGO IMAGES

TIERE

Gerettet: Sifa, ein Orang-Utan-

Mädchen aus Borneo.

Guten Tag, das ist Sifa. DasOrang-

Utan-Babywurde vonihren Rettern

so getauft, als sie es mit seiner Mutter

(Mama Sifa) aus der Feuerhölle von

Borneo holten: Seit August hatte sich

die Lage insbesondereauf dem indonesischen

Teil der südostasiatischen

Insel weiter zugespitzt. Nunwurden

Sifa und Mama Sifa in demWald von

Ketapang, er liegt in der bornesischen

ProvinzWest-Kalimantan, wieder

ausgesetzt. DasProblem aber bleibt:

Nicht nur auf Borneo,sondernetwa

auch auf Sumatragehen dieWaldbrände

zumeist auf Brandstiftung zurück,

die Platz für den Anbau vonÖlpalmen

schaffen soll. (schl.)

AFP

Sarah, Duchess of York,versteht sich auch auf die royale Hutmode –hier eine Kreation in Mintgrün und goldener,quasi-göttlicher Lichtstrahl-Symbolik.

Skandalnudel Royal

Die ungekrönte Königin der Eskapaden: Sarah Ferguson, Herzogin von York, wird 60 Jahre alt

VonKatrin Pribyl, London

Esist ohne Zweifel nicht ganz

einfach, den größten Skandal

aus der langen Reihe der

Skandale zu küren, mit denen

SarahFerguson in den vergangenen

Jahrzehnten den Boulevard beglückte.Wobei

man am Ende unausweichlich

beim Zehenlutschen landet.

Wo auch sonst? Die pikanten

Fotos der Herzogin vonYorkaus ihrem

Urlaub im Jahr 1992 in Südfrankreich

gingen um die Welt. Darauf

zu sehen: Eine sich oben ohne

sonnende Fergie und ihr Banker-

Liebhaber, der sich hingebungsvoll

ihren Füßen widmet.

Der Zehen-Nuckel-Skandal war

ein Eklat, gewiss,wenn auch vermutlich

nicht der einzige Grund für die

anschließende Trennung zwischen

ihr und Prinz Andrew, dem zweiten

Sohn von Königin Elizabeth II. Zu

viele Fauxpas gab es davor, noch

mehr Eskapaden sollten folgen.

An keinem Fettnapf vorbei

Fergie wurde regelrecht vomHof gejagt.

UndPrinz Philip, der Ehemann

der Monarchin, mag im Stillen triumphiert

haben. Er lästerte von Anfang

an als Chef-Kritiker über seine

Schwiegertochter –und ist bis heute

kein Freund von Sarah Ferguson,

auch wenn sie in den letzten Jahren

so etwas wie eine Transformation in

der Königsfamilie erlebt hat. Ehemals

Persona non grata wird Fergie

seit wenigen Jahren und nach all

dem Auf und Ab tatsächlich wieder

akzeptiert imKreis der Royals. Bei

der Hochzeit ihrer Tochter Eugenie

im vergangenen Jahr soll Prinz Philip

ihr sogar –als Zeichen der Aussöhnung?

–zugezwinkerthaben.

Ende gut, alles gut, rechtzeitig zu

ihrem Geburtstag an diesem Dienstag?Wohl

eher nicht. Hier ist schließlich

noch immer von den britischen

Royals die Rede,noch dazu vonjener

Generation, die in realer Soap-

Opera-Manier jahrelang für Schlagzeilen

gesorgt hatte.Dieser Tage aber

zieht Fergies Ex-Mann Andrew den

Fokus auf sich, mit dem die Herzogin

quasi Tür an Tür lebt, mit dem sie gemeinsam

in Urlaub fährt und nach

eigenen Angaben eine ganz besondere

Freundschaft unterhält. „Wir

sind das glücklichste unverheiratete

Paar“, sagte Fergie einmal. Und so

steht sie seit dem erstmaligen Auftreten

der Missbrauchsvorwürfe gegen

Traumhochzeit am 23. Juli 1986 in Westminster Abbey.

Freundinnen: Prinzessin Diana (r.)

und die Herzogin von York (1982). DPA

Prinz Andrew noch demonstrativer

als sonst an seiner Seite.

Der 59-jährige Bruder von Prinz

Charles ist in den Epstein-Skandal

verwickelt. So behauptet eine Frau,

als 17-Jährige zum Sex mit Andrew

gezwungen worden zu sein. Der

Buckingham-Palast wies die Anschuldigungen

zurück. Fakt ist aber,

dass der Prinz mit dem US-Milliardär

Jeffrey Epstein, der sich vor einigen

Wochen in seiner Zelle das Leben

genommen hat, befreundet war

und den Kontakt zu dem Sexualstraftäter

auch nach dessen Verurteilung

wegen Prostitution junger Frauen

hielt. Es dürfte deshalb kaum Zufall

sein, dass als mögliches Ablenkungsmanöver

seitdem immer wieder Ge-

DPA

Sarah und Andrewmit den Töchtern

Beatrice (l.) und Eugenie (1998) DPA

IMAGO IMAGES

rüchte aufkommen, Sarah Ferguson

und Prinz Andrew könnten in einem

Liebescomeback ein zweites Mal

heiraten.

Dabei ging die Ehe beim ersten

Mal schrecklich schief, obwohl die

Vorzeichen gut standen. Die beiden

kennen sich durch die Arbeit ihres

Vaters aus Kindheitstagen –Major

Ronald Ivor Ferguson (1931–2003)

war Polo-Manager zunächst für

Prinz Philip und später für den Prinz

Charles.Richtig zusammen kam die

gelernte Sekretärin Sarah Ferguson

und der Prinz, der damals schon im

Ruf eines royalen Playboys („Randy

Andy“) stand, über Fergies Freundin

Prinzessin Diana. Diespektakuläre

Traumhochzeit in der Westminster

Abbey folgte 1986. DasPaar

bekam zwei Töchter, Eugenie und

Beatrice,bevor es sich 1992 trennte.

Mit der Scheidung vier Jahre später

veröffentlichte Fergie zudem ihre

Biografie,inder sie so viel enthüllte,

dass die auf Zurückhaltung und Tradition

bedachten Royals angeblich

hinter ihren dicken Palastmauern

schäumten.

Werbung für Damenbinden

Auch später blieb die Herzogin die

Skandalnudel, die ein Jetset-Leben

mit einem extravaganten Lifestyle,

teuren Reisen, Luxus-Designerkleidung

und hohen Personalkosten

führte.Was sie beinahe in den finanziellen

Ruin treiben sollte.Und so geriet

sie nach ihrem Ausschluss aus

der Königsfamilie insbesondere aufgrund

ihrer Finanznöte in die

Schlagzeilen. Einem als Geschäftsmann

getarnten Reporter etwa bot

sie für eine halbe Million Britische

Pfund Kontakt zu ihrem Ex-Mann

an. Dafür musste sie sich später entschuldigen.

Dazu machte die rothaarige Herzogin,

die immer wieder mit Gewichtsschwankungen

zu kämpfen

hatte und deshalb den wenig charmanten

Spitznamen „Duchess of

Pork“ (Herzogin Schweinchen) verpasst

bekam, Werbung für das Diät-

Unternehmen Weight Watchers sowie

für Damenbinden und Wedgwood-Porzellan.

Mehr Erfolg hatte

sie immerhin als Kinderbuchautorin

–aus der Reihe„Budgie the Little Helicopter“

(„Budgie,der kleine Helikopter“)

wurde sogar eine beliebte Zeichentrickserie.

Als sogenanntes „Fergie-Fiasko“

gilt derweil ihr Versuch, für ihre Stiftung

heimlich und mit Perücke und

Kopftuch verkleidet einen Dokumentarfilm

über die Zustände in türkischen

Waisenhäusern zudrehen.

Die Türkei wertete die Veröffentlichung

als böswillige Kampagne gegen

das Land. Ein diplomatischer

Eklat, royale Zurückhaltung sieht anders

aus.Doch mittlerweile scheinen

diese Episoden verziehen. Und die

temperamentvolle Fergie kann es

ohnehin nicht lassen. So gab sie gerade

erst zu, einige kosmetische Eingriffe

vorgenommen zu haben. Botox,

Gesichtslifting, Laser-Behandlungen,

Stammzellen-Injektionen –

„Ummit 60 noch so gut auszusehen,

muss man schon etwas nachhelfen“,

sagte SarahFerguson.

Zahl der Toten nach Taifun in

Japan steigt auf über 50

Japan kämpft weiter mit den Folgen

des tödlichen Taifuns Hagibis.Mehr

als 110000 Einsatzkräfte suchten am

Montag weiter nachVermissten, die

Zahl der Todesopfer stieg örtlichen

Medien zufolge auf mindestens 56.

Japans Meteorologiebehörde warnte,

in den kommenden Tagen würden

weitereRegenfälle die Such- und

Hilfseinsätzezusätzlich erschweren.

Es sei mit weiteren Überschwemmungen

und Erdrutschen zu rechnen.

DerWirbelsturmmitWindgeschwindigkeiten

vonbis zu 216 Stundenkilometernhatte

amWochenende

in Japan eine Spur der

Verwüstung hinterlassen. Dabei richteten

die schweren Regenfälle deutlich

mehr Schäden an als derWind.

Erdrutsche brachten Häuser zum

Einsturz, mehr als 140 Flüsse traten

über die Ufer.Starkregen und heftige

Sturmböen verursachten überdies

Schlammlawinen. (AFP)

Polizei zieht goldenes Auto

aus dem Verkehr

Königsallee Düsseldorf: Das goldene

Protzauto wird abgeschleppt.

DPA

Mitungewöhnlicher Begründung

hat die Düsseldorfer Polizei ein Auto

sichergestellt: Dermit goldener Folie

überzogene Wagen sei eventuell zu

grell für den Verkehr.Beamten war

das SUV bei einer Kontrolle gegen

sogenannte Autoposer aufgefallen.

EinGutachter soll nun klären, ob die

Folie eine „Blendeinwirkung“ haben

könnte,die den Straßenverkehr gefährdet.

DerFahrer (30) musste seinen

WegzuFuß fortsetzen. (dpa)

Prinz William und Herzogin

Kate besuchen Pakistan

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

beginnen der britische Prinz

William (37) und seine Frau Herzogin

Kate (38) am Montag ihrefünftägige

Reise nach Pakistan. Mehr als 1000

Polizeibeamte sollen laut der Zeitung

Telegraph während des Besuchs in

dem südasiatischen Land für die Sicherheit

des Paares sorgen. Es handle

sich angesichts Logistik und Sicherheit

um die aufwendigste Reise des

royalen Paares bislang, teilte der Palast

mit. DieRoyals wollten„so viele

Pakistaner treffen, wie möglich“, hieß

es weiter.Besonders interessieren sie

sich demnach für das Thema Bildung

für Mädchen und junge Frauen und

wie die Menschen mit dem Klimawandel

und mit der schwierigen Sicherheitslage

umgehen. (dpa)

Familie begräbt totes Kind

und findet ein lebendes Baby

Eine Familie in Indien hat ein Grab

für ihr tot geborenes Mädchen gegraben

und ist dabei nach Medienberichten

auf ein lebendiges Baby gestoßen.

Dasneugeborene Mädchen

lag rund 60 Zentimeter unter der Erde

in einem Gefäß aus Tonund atmete

noch, wie lokale Medien am Montag

berichteten. In Indien werden einige

Mädchen auch heute noch abgetrieben

oder vonihren Familien getötet.

EinGrund dafür ist, dass Familien bei

der Hochzeit ihrer Töchter oft eine

hohe Mitgift zahlen müssen. (AFP)


Anzeigen-Sonderveröffentlichung

Nr. 44|15. Oktober 2019

BERLIN BEWEGER

URBANE MOBILITÄT

01 04 07

Berlin macht mobil Ärgernis oder Innovation? Vision Flugtaxis

Wie die Hauptstadt die Mobilitätswende

schaffen will –und wo es noch hapert

An den neu zugelassenen E-Scootern

scheiden sich die Geister

Junge deutsche Start-ups sorgen für viel

Wirbel –bald auch in der Luft?


BERLIN BEWEGER

Anzeigen-Sonderveröffentlichung |15. Oktober 2019

Berlin macht mobil

Voreinem Jahr trat in der Hauptstadt das bundesweit erste Mobilitätsgesetz in Kraft, doch mit der Umsetzung

hapert es in einigen Fällen noch. Statt auf Politik und Verwaltung zu warten, liefern Initiativen und

Start-ups selbst innovative Beiträge zu einer urbanen Mobilität für die Zukunft.

Impressum

Berliner Verlag GmbH

Geschäftsführer: Jens Kauerauf

Vermarktung und Umsetzung:

BVZ BM Vermarktung GmbH (BerlinMedien)

Geschäftsführer: Andree Fritsche

Projektleitung: Anica Böhme

Kontakt: berlinbeweger@dumont.de

Verlag: Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

Anzeigen: Postfach 02 12 84, 10124 Berlin

Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH,

Am Wasserwerk 11, 10365 Berlin

Konzeption, Redaktion und Layout:

mdsCreative GmbH

Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

Geschäftsführer: Klaus Bartels

Projektverantwortung: Nadine Kirsch

und Philip Aubreville

Layout: mdsCreative

Titelbild: Composing aus Getty Images

und Herstellerbildern














































KILOMETERLANGEN RADSCHNELLWEGE




















BILDER: GETTYIMACES, MDSCREATIVE

KLEINE ROLLER –

GROSSE CHANCE?






HÄNDE WEG

VOM STEUER






DEN KOPF IN

DEN WOLKEN






BEWEGER AM

RUNDEN TISCH






NEUER ANLAUF

BEI E-AUTOS


Urbane Mobilität

02

/

03

BILD: HANNA PETRUSCHAT/ADFC BERLIN

Mit einer großangelegtenSternfahrt

durch Berlin demonstriert der ADFC

jeden Sommer für bessereBedingungen

beim Radverkehr –und zeigtzugleich dessen

Bedeutung auf.Doch auch jenseits der

emissionsfreienZweiräder engagieren sich

in Berlin viele Initiativen, aber auch Start-ups

für eine urbane Mobilität,die für die

Herausforderungen der Zukunftgewappnetist.

BERLIN BEWEGER DIGITAL

AusgewählteArtikel dieser Beilagefinden

Sie auch online in unserer Brandstory.

Wir haben einiger dieser Texte umweitere

Hintergrundinformationen, Grafiken

oder Videos zu ausgewählten Aspekten

angereichert –achtenSie einfach auf die

Markierungen! Mehr Infos gibt esunter

https://blz-brandstory.mdscreative.com/

berlin-beweger-home/


Bild: Stromnetz Berlin



















INTERAKTIVEN KARTE












HIER SPIELT DIE

ZUKUNFTSMUSIK






Philip Aubreville

IM GESPRÄCH:

ANDREAS KNIE






xxxxxx

Eine Zukunft, die elektrisiert

Die Anzahl derElektroauto-NeuzulassungeninBerlinsteigtstetigan

Die Elektrifizierungdes Verkehrs wird nichtnur durch

ein Umdenken imIndividualverkehr und die weitere

Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs

befördert ‒insbesondere Berliner Unternehmen

gehen als Impulsgeber voran und stellen systematisch

ihre Flotten um. Im Rahmen des Förderprogramms

„Wirtschaftsnahe Elektromobilität“ der Senatsverwaltung

für Wirtschaft, Energie und Betriebe wurden

bereits Zuschüsse für 1700 E-Fahrzeuge oder die Installation

von Ladeinfrastruktur beantragt. Stromnetz

Berlin, der Verteilungsnetzbetreiber der Hauptstadt,

unterstützt die lokalen Unternehmen mit qualifizierter

Beratung zu allen Fragen rund umLadetechnologien

undNetzanschlüsse.

Breite Expertise. Die Berater von Stromnetz Berlin

verfügen über umfassende technische Expertise aus

einer Vielzahl bereits umgesetzter Projekte ‒von der

Planungund Installationvon Wallboxenfür Wohnungsbaugesellschaften

über den Aufbau von Ladesäulen

im Fall der Umrüstung von Betriebsflotten bis hin zur

Konzeption undErtüchtigungvon Betriebshöfen,Tankstellenund

Depots mitHochleistungsladeinfrastruktur.

Die starke lokale Präsenz ermöglicht eine hohe Verfügbarkeit

von Dienstleistern und schnelle Reaktionszeiten.

So sichert Stromnetz Berlin zu, Ladesäulen

innerhalbweniger Tage anzuschließen, wenn die erforderlichenGenehmigungenvorliegen.

Umfassende Beratung. Sie oder Ihr Unternehmen

interessieren sich für Elektromobilität? Auf dem

Rundweg Elektromobilität in Treptow präsentiert

Stromnetz Berlin auf über 40 Pkw-Stellplätzen die

technischen Möglichkeiten moderner Ladeinfrastruktur.

Hier können Sie sich über Ladeverfahren,

Hausanschlussvarianten und Abrechnungsmöglichkeiten

informieren.

Stromnetz Berlin GmbH | 11511 Berlin | www.stromnetz.berlin | e-mobility@stromnetz-berlin.de


BERLIN BEWEGER

Anzeigen-Sonderveröffentlichung |15. Oktober 2019

Kleine

Scooter,

große

Chance?

BILD:BMVI

Fan im Ministerium

Medienwirksam warb Verkehrsminister

Andreas Scheuer,wie hiermit Arbeitsminister

Hubertus Heil, für dieZulassungder E-Scooter.

Fürihn ebnen die Fahrzeugeden „Weg für die

Mobilitätder Zukunft“.

Seit Juni sind E-Scooter in

Deutschland zugelassen und boomen

gerade in Großstädten wie

Berlin. Doch was dem einen als

Chance für eine Mobilitätswende

erscheint, ist für andere ein

Ärgernis. Welches Potential bieten

die Fahrzeuge –und welche

Gefahren gibt es?

BILD:TIER/MAXIMILIAN BECKER

Technische Innovation

Schon mit der technischen Austattung

kommen die E-Scooter innovativ

daher.Inihrer Bewertung herrschtaber

Uneinigkeit. Siereicht vonder

Zuschreibunggroßen Potentials

biszur Kritik an den„Spaßfahrzeugen“.

BILD:VOI

Fahrvergnügen

Bei allem Potential des E-Scooterfür eine

Mobilitätswende –viele Nutzer sind vorallem

vomSpaßfaktor der Gefährteangetan, auf

denen Fahrern bei biszu20Km/h derWind

um dieNase weht.

Die letzte Meile

Weitläufige Gegenden wie am Potsdamer Platz

lassensich perScooter gut erschließen–und

dieWegezum Nahverkehr verkürzen. Dadurch,

so dieHoffnung,könntendie Scooter zu mehr

nachhaltiger Mobilitätbeittragen.


Urbane Mobilität

04

/

05

BILD: MAXIMILIAN BECKER





















74 Unfälle mit Scootern hat

die Polizei in den ersten drei

Monaten gezählt.




































































Dermögliche Beitrag der

Scooter zur Verkehrswende

wirdnoch erforscht.























Philip Aubreville



Bilder: PeterMeyer

Erleben wir goldene Zwanziger im Bereich urbane Mobilität und Nachhaltigkeit?

Die goldenen (mobilen) Zwanziger 2.0

Nächstes Jahr gehen und fahren wir alle inein neues

Jahrzehnt, so viel steht fest. Wir werden Neues entdecken,

uns an mancher Stelle nach Altem sehnen und

doch gehen wir gemeinsam immer weiter voraus. In

puncto Mobilität ist das nicht anders. Die urbane Mobilität

ist im Wandel, imMoment vielleicht mehr denn

je.Staus,Sperrungen, hoheGebühren, langeWartezeitenanöffentlichen

StationenoderBaustellenzwingen

Pendler, auf einfachere und vor allem schnellere Möglichkeiten

für die täglichen Wege umzusteigen. Natürlich

ist auch der Klimawandel inaller Munde und es

entsteht gerade ein kollektives Bewusstsein, sich damit

auseinanderzusetzen und Standards zuschaffen.

Immer mehr Menschen fragen sich, welchen Beitrag

sie leisten können, umnachhaltiger zu leben. Das wird

sich im kommenden Jahrzehnt weiter verstärken.

Fahrrad liegt im Trend. Die immer weiter steigende

Zahl an Radfahrern in den Großstädten Deutschlands

zeigt, dass immer mehr Pendlerihren Arbeitsweg,aber

auch Wege in der Freizeit mit dem Rad zurücklegen.

„Eine sehr positive Entwicklung“, soJosef Zimmerer,

Niederlassungsleiter der beiden Berliner Filialen des

Zweirad-Centers Stadler. „Vor allem die Nachfrage nach

E-Bikes wächst immer weiter.“ Logisch, werden kürzere

Strecken doch eher mit einem normalen Fahrrad zurückgelegt,

sosind längere Strecken schnell anstrengend

undkraftraubend. „Wer will denn nichtentspannt

und ohne größere Anstrengungen im Büro ankommen?“,

so Zimmerer weiter.

StetigerFortschritt. Die Pedelecs (Pedal Electric Cycle)

sind mittlerweile in der Entwicklung weit fortgeschritten

und legen mühelos längere Strecken zurück. Kaum

noch sichtbar integrierte Akkus, Detailverliebtheit und

High EndimBereich verschiedenster Komponentenzeigendie

Evolutionder Elektroräder seit den90er-Jahren.

Immer mal wieder werden auch Stimmen laut, die Akkus

wären ebenso umweltschädlich und schlecht zu

recyclen. „Da nehmen wir den Kunden immer ein bisschen

denWindaus denSegeln“,sagt Zimmerer.„Sicher

ist die pure Muskelkraft perfekt für die Umwelt, klar.

Nichtsdestotrotz ist das Elektrorad im Vergleich zuVerbrennern

und anderen herkömmlichen Antrieben ein

Quantensprung imBereich der Nachhaltigkeit. Denken

Sie auch anMenschen, die gesundheitlich angeschlagen

sind und sich mit reiner Muskelkraft eher nicht auf

dem Rad bewegen können. Diesen Menschen ist das

Elektrorad eine riesige Unterstützung. Wir im Zweirad-

Center Stadler bieten jedem Kunden mit den verschiedenstenAnsprüchen

das passende Bike.“

Moderne Mobilität mit E-Scootern. So auch bei den

E-Scootern. Das letzte Jahr dieses Jahrzehnts war die

Geburtsstunde der E-Roller, die mittlerweile jedes

Stadtbild prägen. „E-Scooter sind prinzipiell eine gute

Sache und lenken die urbane Mobilität indas neue

Jahrzehnt“,soAlexanderBaumgärtel, stellvertretender

Verkaufsleiter der Berliner Filiale Prenzlauer Berg. „Die

Großstädte sind einfach überfüllt von Autos und die

Menschen müssen dazu bewegt werden, alternative

Fortbewegungsmittel inAnspruch zunehmen. Dazu

gehören auch die E-Scooter. Sicherheit istbei denElektrorollern

ein riesiges Thema, daher bieten wir inder

Stadler-Produktpalette doch eher hochwertige Scooter

an, die über Scheibenbremsen verfügen und sehr

gut ausbalanciert sind. Auf lange Sicht fährt man mit

unseren Scootern imVergleich zu den Mietangeboten

auch wesentlich günstiger.“ Baumgärtel erklärt weiter,

dass die Entwicklung nicht stehen bleibe. In den

kommenden Jahren schreite der Wandel der urbanen

Mobilität immer weiter voran. „Wir können esuns im

Moment vielleicht noch nicht so richtig vorstellen,

aber möglicherweise erleben wir einen regelrechten

Boom im Bereich der urbanen Mobilität und deren

Nachhaltigkeit. Eswäre schön, wenn uns wieder goldene

Zwanzigerjahre bevorstehen. Vielleicht erleben

wir eine Blütezeit der Nachhaltigkeit und lernen tolle

neue Möglichkeiten der Fortbewegung kennen. Wir

im Zweirad-Center Stadler freuen uns auf diese Entwicklung

und werden bestens gerüstet sein, den Ansprüchen

verschiedenster Kunden jederzeit gerecht

zu werden.“

Ausführliche Informationen zum Zweirad-Center

Stadler und deren Produkten gibt es im Netz unter

shop.zweirad-stadler.de

unddirekt vorOrt in denFilialen.

Zweirad-Center Stadler Berlin | Königin-Elisabeth-Str. 9–23|14059 Berlin | +49 (0) 30 303 0670| berlin@zweirad-stadler.de | www.zweirad-stadler.de

Zweirad-Center Stadler Berlin Zwei | August-Lindemann-Str. 9|10247 Berlin | +49 (0) 30 20 07 62 50 | berlin2@zweirad-stadler.de | www.zweirad-stadler.de


BERLIN BEWEGER

Anzeigen-Sonderveröffentlichung |15. Oktober 2019

BILD:TU BERLIN/PR/DOMINIC SIMON

DieTUBerlin forschtanverschiedenen

Standorten, wie sich Autos ohne

Fahrer steuern lassen.

Hände weg

vomSteuer!

Für einen Zeitraum vonfünfMonatentestet

die BVG einen autonomfahrenden Bus in Tegel.

An der Straße des 17. Juni wurde die erste Teststrecke

für autonomes Fahren eröffnet. In Tegel können BVG-

Kunden mit dem autonomen Bus fahren.

BILD: BVG/OLIVER LANG


Bild: Matthias Käpernick

Einsatz gegen Emissionen

Autohaus-Mitarbeiterdemonstrieren fürverbesserte Elektromobil-Förderung.

Eswar eine ungewöhnliche Demo, die letzten Mittwoch

den Berliner Gendarmenmarkt belebte. Mehr

als250 Angestelltedes Autohauses Könighattensichzu

einer Demo für die verbesserte Förderung von Elektromobilität

inBerlin versammelt. Es ging den Demonstranten

darum, dass „in Berlin endlich der Durchbruch in

derElektromobilität“ kommt. DerGroßraumBerlin habe,

so ein Teilnehmer, „das Potenzial, führende E-Mobility-

Stadt in Europa“zuwerden. Schnelle Verbesserungen in

der regionalen Klimapolitik seien schon heute möglich.

„Wir dürfen den Kampf gegen den Klimawandel nicht

nur denjungenLeutenüberlassen,sondernmüssenalle

unsere Verantwortungwahrnehmen“.

Sprechchöre, handgemalte Schilder und Gespräche

mit Passanten machten die sympathischen Forderungen

klar. Hier wurde weder für mehr Geld noch für

kürzere Arbeitszeiten demonstriert. Es ging den gut

gekleidetenDemonstrantenumden Klimaschutz.

Die Arbeitnehmer hatten sich amfrühen Morgen vor

dem Electric Mobility Store nahe dem Gendarmenmarkt

versammelt, in dem der größte Renault-Händler

der Republik mit Dutzenden Filialen in Berlin und den

neuen Bundesländern über E-Mobilität informiert. Der

Tenor: Die E-Mobilität könne schon heute mit einem

großen Beitrag helfen, den Klimawandel zu bekämpfen,

benötige aber noch Geburtshilfe. Ein Flyer fasste

dieForderungenzusammen.Die Förderungdurch den

Senat sei begrüßenswert, aber unzureichend. Gefordert

wurden mehr Ladesäulen in jeder Berliner Straße,

die Umstellung des Wagenparks des Senats auf E-Autos

und eine verbesserte Verbraucherförderung. Essei

unverständlich, dass der Senat nur Firmen, nicht aber

PrivatleutebeimAnkaufvon E-Autosfördere.

Einigeswar anders beidieserDemo. Passantensuchten

interessiertdas Gespräch, stattsichschutzsuchend abzuwenden.

Warumausgerechnet einAutohausfür den

Klimaschutz demonstriere und was die König-Crew zu

dieser Aktion gebracht habe, das waren die am häufigsten

gestellten Fragen. Die Demonstranten verwiesenauf

das E-Auto-Infozentrumihres Arbeitgebers und

auf die am Elektroautomarkt führende Stellung der

Marke Renault. „Wir wollen mit unserer Arbeit ander

E-Mobility dieEmissionenmindern“, erklärte eine junge

Verkäuferin.

Ein Sprecher des Autohauses erklärte auf Anfrage, es

habe sich um eine „ziemlich spontane Aktion“ gehandelt,

zuder die Idee ineiner Mittagspause entstanden

sei. Das Team habe einfach nicht nur reden, sondern

einenaktiven Beitrag zurVerbesserungdes Berliner Klimas

leistenwollen.

Autohaus Gotthard König GmbH | Kolonnenstraße 31 | 10829 Berlin | (030) 789 56 70

schoeneberg@renault-koenig.de | www.autohaus-koenig.de





























































AutonomesFahren gilt

als Mobilität der Zukunft.





























































Dirk Engelhardt


06

/ 07

Wer wird denn gleich

in die Luft gehen?

Flugtaxis, die Menschen auf dem Luftweg transportieren

... Was ist die Perspektive für Städte wie Berlin –und

welche Bedeutung hat die neue Art der Fortbewegung

für Mensch, Umwelt und Stadt?

BILD: VOLOCOPTER/BEATE KERN







































































Flugtaxis sollen Zeit sparen

und Platz schaffen.


























Bernd QuinQue

Autohaus GmbH

Berliner Straße 28 –29·13127 Berlin

Tel. 030 474 41 41 ·www.bernd-quinque.de
























Dana Nela Heidner










Fahrzeug mit Sonderausstattungen

Die innovativeTechnik erfordert genaue Kontrollen.

BILD: HARTMUT NÄGELE

Gewerbliches Leasing ab 115,–Euronetto monatlich

Information über Kraftstoffverbrauch,

CO 2 -Emissionen und Stromverbrauch i.S.d.PkW-EnVKV

Marke: Hyundai Kraftstoff: Super E5

Modell: i30 1.0 T-GDI 6-Gang Manuell NLine andere Energieträger:

CO 2 -Effizienz

Auf Grundlage der Aufgemessenen Grundlage CO 2 -Emissionen unter

Berücksichtigung Berücksichtigu

der Masse des Fahrzeugs ermittelt.

Leistung: 88 KW Masse des Fahrzeugs: 1443 kg

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,5 l /100 km

innerorts:

6,5 l /100 km

außerorts:

4,9 l /100 km

Mitdem „CityAirbus“ arbeitet auch Airbus am eigenen Flugtaxi.

BILD: AIRBUS SAS

CO 2 -Emissionen kombiniert: 126 g/km

Stromverbrauch

kombiniert:

Die angegebenen Werte wurden nach vorgeschriebenen Messverfahren(§2 Nrn. 5, 6, 6a PKW-EnVKV in der gegenwärtig

geltenden Fassung) ermittelt. CO 2 -Emissionen, die durch die Produktion und Bereitstellung des Kraftstoffes bzw. anderer

Energieträger entstehen, werden bei der Ermittlung der CO 2 -Emissionen gemäß der Richtlinie 1999/94/EG nicht

berücksichtigt. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebotes,

sondern dienen allein Vergleichszwecken zwischen den verschiedenen Fahrzeugtypen.

Hinweise nach Richtlinie 1999/94/EG:

Jahressteuer für dieses Fahrzeug (WLTP)

Euro 118,00

Der Kraftstoffverbrauch und die CO 2 -Emissionen eines Fahrzeugs hängen nicht nur von der effizienten Ausnutzung des Energieträgerkosten bei einer Laufleistung von 20.000 km

Kraftstoffs durch das Fahrzeug ab, sondern werden auch vom Fahrverhalten und anderen nichttechnischen Faktoren

Kraftstoffkosten( Super E5)bei einem Kraftstoffpreis von 1,450 Euro/Abrechnungseinheit Euro 1.595,00

beeinflusst.CO 2 ist das für die Erderwärmung hauptsächlich verantwortliche Treibhausgas. Ein Leitfaden für den

Kraftstoffverbrauch und die CO 2 -Emissionen aller in Deutschland angebotenen Personenkraftfahrzeugmodelle ist

unentgeltlich an jedem Verkaufsort in Deutschland erhältlich, an dem neue Personenkraftfahrzeugmodelle ausgestellt oder

angeboten werden.

Kraftstoffkosten( Super E5)bei einem Kraftstoffpreis von 1,450 Euro/Abrechnungseinheit

Stromkosten bei einem Strompreis von ______ Euro/Abrechnungseinheit

Ersteller: Bernd Quinque Autohaus GmbH

Euro

Erstellt am: 09.10.2019


BERLIN BEWEGER

Anzeigen-Sonderveröffentlichung |15. Oktober 2019

Die neue

(Mobilitäts-)

Wende

Welche neuen Mobilitätsangebote werden langfristig profitabel

sein? Und wie könnte in Außenbezirken und Umland die Mobilitätswende

vorangetrieben werden? Ein spannender Einblick in

den „mobilen“ Status Quo Berlins.