Beiträge zur Wohnungsfrage, dérive Sonderausgabe, Herbst 2019

derive

Wohnen war und ist eines der zentralen Themen für dérive. Wir haben uns – beginnend mit den ersten Heften – immer wieder intensiv damit auseinandergesetzt; in den letzten Jahren besonders kritisch mit der Warenförmigkeit von Wohnen. In dieser Sonderausgabe veröffentlichen wir eine Reihe dieser Texte und zwar von und mit: Anita Aigner, Diana Botescu, Christoph Chorherr, Elisabeth Ertl, Edeltraud Haselsteiner, Susanne Heeg, Andrej Holm, Florian Humer, Justin Kadi, Michael Klein, Anna Kokalanova und Haotian Lin.

ANDREJ HOLM

ENTEIGNUNG

ANDREJ HOLM

zum Zwecke der

VERGESELLSCHAFTUNG

Nicht nur in Berlin, auch wie hier in Leipzig und anderen Städten

fanden am 6. April Demonstrationen »gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn« statt;

Foto — Jannis Pfendtner

Wohnungspolitik, Immobilienmarkt, Enteignung, Berlin,

Mietenwahnsinn, Protestbewegung

In Berlin kleben seit Wochen Plakate, die zur

Enteignung von großen Immobilienkonzernen wie

der Deutschen Wohnen oder Vonovia aufrufen.

Dass dies kein Verbalradikalismus linker Kleingruppen

ist, sondern eine ernstzunehmende Forderung

aus dem Herz der Berliner Mieterbewegung,

zeigen die aktuellen Reaktionen. Amtliche Gutachten,

Leitartikel in den überregionalen Zeitungen

und politische Stellungnahmen bis in die Spitzen

der Bundespolitik belegen, dass die Berliner

Diskussion über die Enteignung großer Immobilienunternehmen

als eine realpolitische Option

angesehen wird.

Gelungener Start:

15.000 Unterschriften am ersten Tag

Seit dem 6. April dieses Jahres werden in Berlin Unterschriften

gesammelt. Die Initiative Deutsche Wohnen & Co

enteignen wirbt um die Unterstützung eines Volksbegehrens zur

Vergesellschaftung der Berliner Bestände großer Immobilienkonzerne.

Um einen offiziellen Antrag auf Einleitung eines

Volksbegehrens zu stellen, müssen in den kommenden sechs

Monaten über 20.000 Unterschriften gesammelt werden. Nach

Angabe der Initiative kamen bereits am ersten Tag – auf der

großen Demonstration Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn

– über 15.000 Unterschriften zusammen, so dass

es keinen Zweifel am Erfolg dieser ersten Stufe gibt. In der

zweiten Stufe, dem eigentlichen Volksbegehren, muss innerhalb

von vier Monaten per Unterschriftensammlung die Unterstützung

von sieben Prozent der wahlberechtigten Berlinerinnen und

Berliner dokumentiert werden. Zurzeit entspricht das etwa

170.000 Unterschriften. Ist auch diese Etappe erfolgreich, wird

35 51

Andrej Holm — ENTEIGNUNG zum Zwecke der VERGESELLSCHAFTUNG

51

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine