Beiträge zur Wohnungsfrage, dérive Sonderausgabe, Herbst 2019

derive

Wohnen war und ist eines der zentralen Themen für dérive. Wir haben uns – beginnend mit den ersten Heften – immer wieder intensiv damit auseinandergesetzt; in den letzten Jahren besonders kritisch mit der Warenförmigkeit von Wohnen. In dieser Sonderausgabe veröffentlichen wir eine Reihe dieser Texte und zwar von und mit: Anita Aigner, Diana Botescu, Christoph Chorherr, Elisabeth Ertl, Edeltraud Haselsteiner, Susanne Heeg, Andrej Holm, Florian Humer, Justin Kadi, Michael Klein, Anna Kokalanova und Haotian Lin.

ANITA AIGNER

Wohnraum als

ANITA AIGNER

INVESTMENT

Eine Kritik der

VORSORGEWOHNUNG

Der erste Satz des Art. 5 Staatsgrundgesetz

»Das Eigentum ist unverletzlich« ziert die Fassade des Ausweichquartiers

des österreichischen Parlaments. Foto — Anita Aigner.

Finanzialisierung, Anlegerwohnungen, Spekulation,

Geldanlage, Immobilienmarkt, Betongold, Bodenpolitik, Kleinvermietertum

Die Parole »Wohnen ist keine Ware« ist ein Statement, das unter den gegebenen politischen

Verhältnissen leider mehr Wunsch als Realität ist. Der Erwerb von Wohnraum

zum Zweck der Kapitalvermehrung und Vermögensbildung ohne Nutzungsabsicht

gilt nicht als böses Spekulantentum, sondern als vernünftige Geldanlange in Zeiten, in

denen Geld auf Sparbüchern keine Zinsen abwirft. Dass Mieten zwangsläufi g steigen,

wenn immer mehr Profi teure mitschneiden, liegt zwar auf der Hand, ist aber trotzdem

kein großes Thema. Anita Aigner widmet sich im folgenden Beitrag dem österreichischen

Modell der so genannten Vorsorgewohnung, das aus Privathaushalten kapitalistische

ImmobilieninvestorInnen macht. Das Modell bietet zahlreiche Möglichkeiten für

blendende Geschäfte – speziell für die ProjektbetreiberInnen – und ist ein anschauliches

Beispiel für die Finanzialisierung des Wohnsektors.

Anita Aigner — Wohnraum als INVESTMENT

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