WOLL Magazin Meschede Bestwig Olsberg Herbst 2019 Sauerland

baulokal

Magazin für die Sauerländer Lebensart

Herbst 2019

27

Worte, Orte, Land und Leute.

Ausgabe für

Arnsberg

Sundern

Ense

Wunderbarer Herbst

im Sauerland

Arnsberger Aussichtsroute

Sundern: Samba aus dem Sauerland

Enser Treckerliebe

Neu: WOLL mit

digitalem WOW-Effekt

WOLL - mit Herz und Hand von


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Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe werfen wir u. a. einen Blick in die Gemeinde Ense. Sie ist

in diesem Jahr 50 Jahr alt geworden. Unsere Nachbarn feiern Schützenfest

übrigens genauso gern wie wir, haben wir in Lüttringen-Höingen erfahren.

Anzupacken und zu helfen, ist auch für die Enser eine Selbstverständlichkeit,

zum Beispiel bei den Mitarbeitern des Lindenhofs. Bei den Enser

Oldtimerfreunden haben wir uns ebenfalls umgesehen und sind angesichts

deren Sammlung ganz schön ins Staunen gekommen.

Einer, der beruflich viel in Europa und den USA unterwegs ist, aber das

Sauerland und speziell Arnsberg sein Zuhause nennt, ist der Bundestagsabgeordnete

Friedrich Merz. Seine Antworten auf unsere Fragen, waren - wie

man das von ihm kennt - klar und deutlich. So weiß der Finanz- und Wirtschaftsexperte

auch, dass sich in den letzten 30 Jahren im Sauerland eine

Menge getan hat. So kommt z. B. „Auf Bergheim“ im Konzept der Arnsberger

Gewerbegebiete eine besondere Bedeutung zu. Wir waren wir dort

unterwegs und fanden ein Paradebeispiel für das Wohnen und Arbeiten an

einem Ort.

Die kleinen Orte werden von uns nicht übersehen. Waren Sie schon mal

in Bönkhausen? Nein? Schade, denn das lohnt. Ein kleiner, feiner Ort mit

einer großen Bergbau-Tradition und vielen Geschichten.

Viel Interessantes haben wir wieder für Sie zusammengestellt. Neben unserer

Berichterstattung bieten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, von

nun an etwas ganz Besonderes, ein ganz neues WOLL-Erlebnis. Und zwar

mit unserer App AXAR in Form von „Augmented Reality“. Das bedeutet

für Sie: Bei ausgewählten Bildern können Sie mit Ihrem Smartphone oder

Tablet Bilderstrecken, Grafiken und Videos digital zum Artikel anschauen

und anhören. Print mit digitalem WOW-Effekt, mehr darüber lesen Sie im

Innern.

Viel Spaß bei der Lektüre

Paul Senske

Chefredakteur

Kontakt:

www.woll-magazin.de

redaktion-ans@woll-magazin.de

facebook.com/WOLL.Arnsberg.Sundern

WOLL Herbst 2019 - 3


WIR MACHEN

HEAVY

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4 - WOLL Herbst 2019

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78

22

54

Magazin für die Sauerländer Lebensart

WOLL

Worte, Orte, Land und Leute

06 Die neue AXAR App für WOLL

08 Medientechniker aus dem Sauerland

11 Kleine Geschichten

12 Imagefilm und Produkt-Präsentationen

14 Ortsportrait Bönkhausen

18 Das geheime Leben der Käfer

21 Hasse chehört

22 Samba aus dem Sauerland

24 Romantisch und „wild“ in Kallenhardt

28 Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense

31 Pilgern auf dem Camino

32 Interview mit Friedrich Merz

36 Sauerländer Superfood

39 Sauerländer Literaturtag

40 Kaffeegenuss aus aller Welt

42 Der Mensch dahinter: Die Tagesmutter

45 Fern-WOLL

46 Drohneneinsatz bei der Feuerwehr

48 Logistikunternehmen JUMA weltweit

52 Was tun gegen den Einwohnerschwund

54 Treckerliebe

58 Mit und ohne Motor durchs Sauerland

60 Kuhschiss-Hagen und der Megasport

64 Schuhe für Tansania

67 Impressum

68 Frauen-Ensemble Arnsberg

70 Ortsportrait: Lüttringen-Hünningen

74 Almhütte mit Herz und Tradition

76 Sauerlandmuseum spielt jetzt in anderer Liga

78 Zu Fuß rund um Arnsberg

82 Die Engel aus Hüsten

84 Von Rumbeck in die große Fußballwelt

86 Kleine Richtergeschichten

88 Wenn der Esel grinst, ist es Pielsticker

92 Kampf unter Wasser

94 Bergheim zieht Unternehmen an

98 Traditionsunternehmen seit 140 jahren

99 Optimale Lösungen aus Neheim-Bergheim

100 Mit Cloer-Waffeleisen zur perfekten Waffel

102 Bunte Truppe, bunte Stücke

104 Sport für Menschen in Pantoffelnähe

106 Altersglühen in Arnsberg

WOLL Herbst 2019 - 5


Neuer WO(W)LL- Effekt dank moderner App

WOLL erweitert ab jetzt ihre Realität

Anne von Heydebrand

I

ch sehe Sie gerade vor mir: Sie sitzen auf dem Sofa, in Ihrem Sessel oder am Esstisch. Sie

haben es sich gemütlich gemacht. Vor Ihnen steht vielleicht gerade ein Kaffee und Sie blättern

nichtsahnend durch die aktuelle Ausgabe des WOLL-Magazins. Stellen Sie sich jetzt

mal vor, die Fotos erwachen plötzlich wie durch Zauberhand zum Leben! Da kann einem vor

Schreck schon mal der Kaffee-Pott aus der Hand fallen, woll?!

AXAR-App kostenlos erhältlich im Google Play Store für Android

ab Anfang September 2019 und im Apple App-Store für IOS vorr.

ab Mitte September 2019:

https://android.axar.app

https://ios.axar.app

6 - WOLL Herbst 2019


Was klingt wie ein Ausschnitt aus

einem Harry-Potter-Film, ist absolut

real. Naja fast! Denn wir können ab

sofort Ihre Realität erweitern und

Ihnen noch mehr Spaß am Lesen

geben. AUGMENTED REALITY

nennt sich das im Fachjargon. Und

alles, was Sie dafür brauchen, ist

ein Smartphone oder Tablet, diese

Gebrauchsanweisung und unsere neue

App AXAR, die Sie sich ab sofort –

und völlig kostenlos – in ihrem Appoder

Googla PlayStore herunterladen

können.

Was ist Augmented Reality?

Augmented Reality – oder auf

Deutsch: erweiterte Realität – ist

eine Technologie, die die Realität mit

zusätzlichen Informationen anreichert

und einen echten Mehrwert

bietet. Augmented Reality hat bereits

in vielen Bereichen Einzug erhalten.

Nun nutzen wir diese Möglichkeit,

um Ihnen noch mehr Infotainment

zu bieten. Dank unserer neuen App

und einer innovativen Bilderkennung,

werden aus eindimensionalen Bildern

spannende 3D-Simulationen, interaktive

Fotogalerien oder mitreißende

Videos. So sehen Sie noch mehr

W(orte) O(rte) L(and) L(eute).

Und wie funktioniert‘s?

Sind Sie neugierig geworden? – Dann

öffnen Sie am besten sofort den App-

Store auf Ihrem Smartphone oder

Tablet und laden Sie sich die kostenfreie

App AXAR herunter. Es kann sofort

losgehen! Öffnen Sie die App und

halten Sie das Smartphone über die

Fotos, die mit einem AXAR-Icon gekennzeichnet

sind. Sobald das Smartphone

das Motiv erkennt, erwachen

die Bilder zum Leben. Sie erhalten

von nun an spannende Neuigkeiten

aus unserer Region und Hintergrundinformationen

zu unseren Artikeln

und Werbepartnern. Probieren Sie es

einfach mal selbst aus und lassen Sie

Ihr Smartphone über das neue Magazin

schweben. Es lohnt sich!

Wir wünschen Ihnen viel Spaß! ■

GEWINN

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PREISE IM GESAMTWERT VON ÜBER € 600,- !!

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Finden oder raten Sie das Lösungswort

(ein typisches Sauerländer Wort)

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1. Preis: Ein 250,- Euro Verzehrgutschein von Hotel/Restaurant Luckai in Freienohl

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3. Preis: Ein 100,- Euro Warengutschein von Modehaus Heide in Meschede

4. - 10 Preis Je ein Buch “Sauerländer - besser geht´s nicht” ODER

“Sollteste kennen” ODER “Es gab einmal einen Ort der hieß...”

So können Sie mitmachen:

Raten Sie das Lösungswort oder besser: nutzen Sie die neue AXAR App. In den Bildergalerien, die Sie über die App auf Ihrem Smartphone ansehen können,

sind teilweise die Buchstaben für das Lösungswort versteckt.

Haben Sie das Lösungswort komplett, schicken Sie uns eine E-Mail mit Ihrer vollständigen Adresse an gewinnspiel@axo.media mit dem Betreff “AXAR.”

Sie können uns auch eine Karte oder einen Brief schreiben: WOLL c/o axo.media west GmbH, AXAR, Stiftsplatz 6, 59872 Meschede.

Einsendeschluss ist der 30. November 2019. Bei mehreren richtigen Einsendungen entscheidet das Los.

Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Teilnahme ab 18 Jahre.

Weitere Teilnahmebedingungen unter www.axo.media/teilnahmebedingungen Datenschutzbedingungen unter www.axo.media/j/privacy

Dieses ist ein Gewinnspiel der axo.media west GmbH. Viel Spaß beim Mitmachen und viel Glück wünscht Ihnen das WOLL-Team!

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augmented reality

WOLL Herbst 2019 - 7


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„Was man erlebt, begleitet

einen für immer“

Medientechniker aus dem Sauerland entwickelt

moderne App exklusiv für WOLL

Anne von Heydebrand

Jürgen Eckert

8 - WOLL Herbst 2019


Virtuelle Realität mit einer 3D-Brille erleben

Der Freienohler Niklas Petau entwickelte die AXAR App

Das Silicon Valley zählt

zu den bedeutendsten

Standorten der IT- und

Hightech-Industrie weltweit. Aber

erfahrene IT-Spezialisten kommen

nicht immer aus dem sonnigen

Kalifornien. Manchmal findet man

sie auch bei uns im Sauerland.

Oder genauer: in der Musikkapelle

auf dem Schützenfest in Freienohl.

So wie Niklas Petau, der exklusiv

für WOLL eine moderne APP entwickelt

hat.

Augmented Reality-App

bringt die WOLL-Leser

interaktiv ins Spiel

Niklas Petau arbeitet für die Wuppertaler

Agentur REALTIME DEPART-

MENT. Dort hat er exklusiv für

WOLL die App AXAR entwickelt.

Eine kostenlose Augmented Reality-App,

die Printmedien in das digitale

Zeitalter beamt. Genau das Richtige

für WOLL, denn unsere Leser

können sich ab sofort mit ihrem

Smartphone oder dem Tablet interaktiv

ins Spiel bringen. Dank der App

und einer innovativen Bilderkennung

werden plötzlich aus eindimensionalen

Bildern spannende 3D-Simulationen,

interaktive Fotogalerien oder

mitreißende Videos. Überall dort, wo

ein AXAR-Icon abgebildet ist, lohnt

sich ein Blick mit der App.

„Augmented Reality soll Spaß

machen und ist eine spannende

Möglichkeit Informationen zu

vermitteln“, erklärt Niklas Petau und

spricht aus Erfahrung. „Die Menschen

möchten mitmachen, anstatt

nur zuzusehen. Sie wollen begeistert

werden und nicht nur informiert.“

Innovative Ideen und

internationale Erfolge

Diesen Anspruch haben sich der

29-Jährige und die Firma REAL-

TIME DEPARTMENT auf die

Fahne geschrieben und sie setzen ihn

seit über acht Jahren erfolgreich um.

Die digitale Medienproduktion aus

WOLL Herbst 2019 - 9


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Wuppertal, deren Logo ein Feuerwehrmann ziert, sieht sich selbst

als Eingreiftruppe. „Wenn andere Agenturen an ihre digitalen Grenzen

kommen, kommen wir zum Einsatz“, beschreibt Niklas Petau

den Aufgabenbereich der Firma. Damit sorgen sie sogar international

für Furore und zählen Firmen wie PORSCHE zu ihren Kunden.

Auf der EXPO 2017 in Kasachstan statteten sie sogar den Pavillon

der Gastgeber mit insgesamt sechs interaktiven Installationen aus.

Die Hauptkunden sind allerdings Firmen aus Industrie und

Technologie, die bei Präsentationen einen besonderen Eindruck

hinterlassen wollen. „Wir entwickeln Installationen für Messen,

Events, Showrooms und Geschäfte, die den Besucher zu einem

Bestandteil des Markenerlebnisses machen. Natürlich ist es wichtig,

die notwendigen Informationen zu vermitteln. Doch was man nur

hört oder sieht, ist schnell vergessen. Was man hingegen erlebt,

begleitet einen für immer“, meint Petau und sieht damit vor allem

bei Messepräsentationen einen enormen Vorteil gegenüber statischen

Präsentationen. „Wir berechnen das Bild in dem Moment,

in dem wir es zeigen. Das heißt, dass wir auch spontan handeln

und Präsentationen und Installationen im Notfall kurzfristig

ändern können. Auch das ist bei Imagefilmen nicht möglich“,

erklärt der studierte Medientechniker. „Unsere Kunden bekommen

anschließend die Messepräsentation als Tablet-Version, die den

nachfolgenden Vertrieb bei ihrer Arbeit unterstützt.“

Von Konzept bis

Hardwarerealisierung

REALTIME

DEPARTMENT GMBH

Oberdörnen 17

42283 Wuppertal

Realtime Department

realisierte sechs interaktive

Installationen des Gastgeberpavillons

Kasachstan

auf der EXPO 2017

Um die Wünsche und die Geschichten der Firmen optimal umzusetzen,

arbeitet REALTIME DEPARTMENT eng mit dem Kunden

zusammen. Von ersten Konzepten, bis hin zur Hardwarerealisierung

steht ihnen ein zehnköpfiges Expertenteam zur Seite. „Wir sind in

unserem Team sehr breit aufgestellt und arbeiten interdisziplinär.

Hier arbeiten Medieninformatiker, Medientechniker und Kommunikationsdesigner.

Außerdem arbeiten wir mit Freelancern zusammen,

die in ihren Bereichen echte Profis sind. – Das macht uns

einzigartig“, sagt Niklaus Petau.

Interessierte Firmen sind gerne eingeladen, mit REALTIME

DEPARTMENT Kontakt aufzunehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.realtime-department.de ■

Tel. 0202 317387-0

info@realtime-department.de

www.realtime-department.de

10 - WOLL Herbst 2019


Nationalspieler Gerald Asamoah ehrt soziales Engagement

von Enser Jugendlichen

Fußballlegende Gerald Asamoah lud Anfang 2019 die Jugendlichen der

Aufsuchenden Jugendarbeit der Gemeinde Ense in die Arena auf Schalke

ein. Als Botschafter von „Alle Kids sind VIPs“ würdigte er das Engagement

der jugendlichen Projektmacher mit ihrem interkulturellen Treff

„Welcome to Kartoffelländ.“ (Quelle: YouTube)

Hier das ganze Video mit der neuen AXAR App ansehen – einfach mit

der App auf dieses Bild halten und schon geht´s los!

Sollteste kennen:

Unnütze Fakten “Sauerland

(Bastian Struwe)

Der Fliegenpilz

Der Herbst ist da und mit ihm die

Pilze in Wald und Feld. Einer von

ihnen fällt mit seinem leuchtend

roten Hut und den weißen Punkten

sofort auf: der Fliegenpilz. Obwohl

er giftig ist, gilt er als eines der

beliebtesten Glückssymbole.

In alter Zeit fing man mit seiner

Hilfe Fliegen und Mücken. Zusammen

mit Zucker legte man die Pilze

dazu in Milch ein. Wirklich als

Fliegentöter taugte er dann aber

doch nicht, denn die Fliegen waren

von seinem Gift lediglich betäubt.

Am liebsten wächst der Fliegenpilz

auf sauren Böden; er bevorzugt die

Nähe von Birken und Fichten. Und

davon haben wir im Sauerland -

zum Glück - wirklich genug.

(cz)

555 mal Staunen und Beömmeln:

Bastian Struwes frisch aufgelegtes

Buch „Sollteste kennen: 555 Fakten

Sauerland’“ zeigt das Sauerland, wie

es (noch) nicht jeder kennt.

Erschienen im WOLL-Verlag. 192

Seiten mit vielen Illustrationen

14,90€ ISBN: 978-3-943681-85-7

Musste machen:

Kartoffelbraten

Seit mehr als 400 Jahren werden im Sauerland zur Erntezeit Kartoffeln

im Feuer gebraten. Dazu Kräuterbutter und ein lecker Pils – Herz, was

willst du mehr. Und später dann wird sich um das Feuer gesetzt und

über Gott und die Welt gequasselt. Hach, das Leben kann so schön sein!

WOLL Herbst 2019 - 11


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Volker Krayl (links) und Henning Brod bei einer Produktion im eigenen Filmstudio in Oeventrop.

Imagefilme und Produkt-Präsentationen:

Fullscreen Productions weiß, worauf es bei Bewegtbildern ankommt.

Nicola Collas

Jürgen Eckert

Sauerland trifft Kohlenpott: Volker Krayl aus Arnsberg

und Henning Brod aus Bochum haben sich in

Südafrika kennengelernt und Anfang dieses Jahres

in Oeventrop die Firma fullscreen.productions gegründet,

die sich auf Bewegtbilder und Filme spezialisiert hat.

2011 waren die beiden zufällig in Kapstadt von derselben

Agentur für die Filmproduktion zur Produkteinführung

eines neuen Sportwagens eines bekannten deutschen Automobilherstellers

gebucht. Ein Jahr später saßen sie erstmals

als gemeinsam gebuchtes Team für ein anderes Filmprojekt

zusammen auf Gran Canaria. Von da an arbeiteten die beiden

mehrmals im Jahr für weitere verschiedene Projekte zusammen.

Henning Brod als Kameramann und Volker Krayl in

der Post-Produktion, also im Bereich Schnitt und Animation.

„Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns gut ergänzen. Wir

wissen beide genau, worauf es bei der Erstellung von Bewegtbild

ankommt, sodass am Ende ein gutes Produkt dabei

herauskommt“, erklärt Henning Brod, der vor 20 Jahren als

Mediengestalter anfing und mittlerweile auf eine jahrelange

Erfahrung als Kameramann zurückblicken kann.

Und so beschlossen die beiden, sich mit einer GbR selbstständig

zu machen. „Wir hatten Glück, dass wir hier in

Oeventrop in der Halle der ehemaligen Stuhlfabrik Germania

tolle Büroräume gefunden haben“, erzählt Volker Krayl,

der nach seinem Nachrichtentechnik-Studium Anfang der

90er Jahre erste Erfahrungen beim Lokalradio im Tonschnitt

sammelte, danach nach Köln ging, um dort in

den verschiedensten Bereichen der Medienproduktion zu

arbeiten. Fullscreen.productions ist mit sehr professionellem

Equipment ausgestattet. Henning Brod: „Mit unserem Kamerakran

und programmierbaren Slider können wir ruhige

Kamerafahrten für Produkt- und Imagevideos aufnehmen

und auch interessante Zeitraffer Aufnahmen erstellen.“

12 - WOLL Herbst 2019


Volker Krayl ergänzt: „Je nach Anforderung können wir auf

verschiedene 4K-Kameras zurückgreifen und unseren High

Performance Rechner dann mit dem gedrehten Videomaterial

für die anschließende Postproduktion füttern.“

VR mit Fury in the

Slaughterhouse

Volker und Henning sind auch in den Bereichen Virtual

Reality und Augmented Reality unterwegs. „Wir hatten die

einmalige Chance, mit unserer 360 Grad 3D-Kamera eine

Bandprobe von „Fury in the Slaughterhouse“ aufnehmen zu

dürfen. Betrachtet man sich die Aufnahme davon mit einer

VR-Brille, steht man plötzlich direkt vor dem Sänger, so

nah kommen wir wahrscheinlich nie wieder an die Stars aus

Hannover“, schmunzelt Krayl. Mit dieser Top-Ausstattung

und ihrem Know-how wollen die Partner vor allem mittelständische

Unternehmen im HSK ansprechen, die Bewegtbilder

für Produkte brauchen oder sich in Imagefilmen

vorstellen möchten. Einige Aufträge von Weltmarktführern

im Sauerland haben sie in der kurzen Zeit schon bekommen.

Ihr Ziel ist es, noch bekannter zu werden und sich dauerhaft

zu etablieren. Fullscreen und das Sauerland, das passt gut

zusammen, finden die beiden: „Die Firmen hier sind ehrlich

Fullscreen und das Sauerland

und bodenständig

– und das sind wir

auch. Henning Brod

erinnert sich z. B. immer wieder gerne an das ARTE-Feature

über die französischen Brüder Baschet, die die Glasharfe entwickelt

haben und bei dem er als Kameramann mitgewirkt

hat. Volker Krayl hat für Fernsehen, Werbung, Unternehmen

und die Eventbranche gearbeitet. Diese Erfahrung der beiden

spricht dafür, dass sich fullscreen.productions im Sauerland

einen Namen machen wird. ■

fullscreen.productions

Henning Brod und Volker Krayl

Widayweg 6

59823 Arnsberg

Tel. 0179 / 20 83 13 8

www.fullscreen.productions

video@fullscreen.productions

passen gut zusammen

WOLL Herbst 2019 - 13


Viel mehr als nur ein Durchfahrts-Ort

Große Bergbau-Tradition, Spuren in die große Politik und anziehende

Dorfkapelle: Ein Besuch im kleinen Bönkhausen lohnt sich

Paul Senske

Manfred Haupthoff & Alexander Lucas (Drohnenbild)

14 - WOLL Herbst 2019


A

uf den ersten Blick ist es ein an der Landstraße

842 zwischen Endorf und Stockum

gelegener, unscheinbarer Ort. Doch

Bönkhausen, eine lebendige Dorfgemeinschaft mit 22

Einwohnern, sieben Familien und Häusern, ist viel

mehr als ein wenig anziehender Durchfahrts-Ort.

Bönkhausen hat vermutlich eine über 1200 Jahre

alte Geschichte, war über Jahrhunderte Teil eines

bedeutenden Silber-, Blei- und Eisenerzreviers und

weist frühe Spuren ins Europaparlament und damit

in die große Politik auf. „Wir führen hier ein beschauliches

Leben und fühlen uns wohl“, sagt Georg

Vollmer

Vollmer ist einer der 22 Einwohner und hat unter

dem Titel „Bönkhausen Eine Zeitreise“eine über 300

Seiten starke Chronik geschrieben, die akribisch und

mit viel Liebe zur Heimat verfasst, auch für Auswärtige

lesenswert und „weitgehend in unabhängige

Kapitel aufgeteilt ist, die je nach Lust und Laune

gelesen werden können“, wie er im Vorwort schreibt.

Wir treffen uns mit Vollmer, seiner Frau Annette und

Josef Mertens auf den Bänken vor der anziehenden

Gedächtniskapelle,

direkt neben der

Mertens-Gasse

an der Landstraße

zwischen Endorf

und Stockum. Diese

Kapelle gehört zum

Hof Mertens und

wurde 1923 zum

Gedächtnis an die im

Ersten Weltkrieg gefallenen

Familienmitglieder gebaut.

WOLL Herbst 2019 - 15


Die Dorfbewohner halfen beim Bau, sodass die Kapelle

mit der kleinen Zwiebelhaube mit Glocke eine echte

Dorfkapelle wurde. Nach den Gottesdiensten „wurde an

lauen Sommerabenden ein ausgiebiges Klönchen gehalten,

begleitet vom Quaken der Frösche und Flattern

der Fledermäuse. So wurde die Kapelle ein bevorzugter

Ort der dörflichen Kommunikation“, heißt es in der

Chronik. Die Kapelle ist auch heute noch ein Dorfmittelpunkt.

„Die Kapelle ist seit zwei Jahren wieder

durchgehend geöffnet, das war der Wunsch vieler Menschen“,

betont Josef Mertens. Dreimal am Tag wird

auch heute noch der „Engel des Herrn“ geläutet. „Am

ersten Weihnachtstag treffen sich die Dorfbewohner in

der Kapelle, dann wird gesungen und musiziert“, sagt

Annette Vollmer. „Jeder, der ein Instrument hat, spielt.

Das ist einfach wunderbar.“ Tradition ist auch, dass der

Vorstand und das Königspaar der Endorfer St. Sebastian-Schützen

auf dem Weg zum Schützenfest in Stockum

am Stangenabend in die Kapelle einkehren, eine Messe

feiern und nach einem kleinen Umtrunk anschließend

mit dem Bus weiter nach Stockum fahren. „Wir gehören

zu Endorf, können es aber auch gut mit Stockum“,

erklärt Mertens und fügt mit einem Schmunzeln hinzu:

„Notfalls können wir zwischen beiden Orten auch

vermitteln.“ Über Jahrhunderte hatte Bönkhausen zum

Kirchspiel Stockum gehört, vor 60 Jahren wurde der Ort

„bedingungslos“ in die „Filialkirchengemeinde Endorf

umgepfarrt“. Das hatte auch einen Vorteil, wie es bei

Josef Vollmer heißt: „Die Kirchgänger aus Bönkhausen

tauschten jetzt den Marsch nach Stockum gegen den Spaziergang

nach Endorf ein.“ Auch kommunalpolitisch und

vereinstechnisch ist Bönkhausen mit Endorf liiert und hat

das nie bereut.

Meinolf Mertens ein „Pionier“

im Europa-Parlament

Überregional bekannt wurde Bönkhausen im Jahr 1979.

Wir heißen den Herbst Willkommen.

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16 - WOLL Herbst 2019


Damals zog Meinolf Mertens (1923 – 2009), der Vater

von Josef Mertens, ins Europarlament nach Straßburg

und Brüssel ein. Es war die erste Wahl zum Europaparlament.

Zehn Jahre gehörte der CDU-Politiker, der zuvor

auch im Kreis- und Landtag seine Heimat

vertreten hatte, dem Europaparlament

an. Er war damit auch ein

„Pionier“, was die Rechte der

um Emanzipation ringenden

europäischen Volksvertretung

betraf. Der staatlich geprüfte

Landwirt war u. a. Mitglied des

Ausschusses für Landwirtschaft

und kümmerte sich auch um die

Beziehungen zu Südamerika. „Wir

waren in der Familie stolz auf unseren

Vater“, erinnert sich Josef Mertens, eines

von vier Kindern. „Aber unser Vater war selten zu Hause,

unsere Mutter hatte die Last auf dem Hof zu tragen.“

Bergbau von überragender

Bedeutung

Dass früher die Landwirtschaft in dem Ort eine wichtige

Rolle spielte, ist nachzuvollziehen. „Wir fangen jetzt

wieder mit der Landwirtschaft an, natürlich ökologisch“,

erklärt Josef Mertens. „Unser Nachbar Werner Schelte

betreibt eine große Hühnerzucht.“ Neben der Landwirtschaft

war der Bergbau von überragender Bedeutung.

Er lässt sich urkundlich bis 1450 nach weisen.

Bis ins 19. Jahrhundert

gehörte Bönkhausen zu

einem wichtigen Silber-,

Blei- und Eisenerzrevier

im Sauerland. Der

Churfürst-Ernst-Stollen ist

der tiefste Stollen im Grubenfeld

„Edler Stein“. Reste des

ehemaligen Bergbaus sind heute

noch zu erahnen. Der „Krähenberg-Stollen“, gewöhnlich

als „Stemmecke-Stollen“ bekannt, wurde früher als

Probestollen zur Erkundung von Erzvorkommen genutzt.

In den letzten Jahren wurde er vom Heimatverein Endorf

in Kooperation mit dem Bergamt der Bezirksregierung zu

einem Besucherstollen hergerichtet und wieder geöffnet.

Die ersten Führungen fanden am 1. Mai 2019 statt.

Josef Müller und Heiner Hoff vom Heimatverein bieten

die Führungen an, die künftig möglicherweise auf das

gesamte Gebiet ausgeweitet werden - in Verbindung mit

dem Bergbauwanderweg. Touristisch hat Bönkhausen

also einiges zu bieten, dazu zählt auch der Wanderreiterhof

„Hof-Waldwinkel“ von Peter Nuttebaum und Heike

Rehbein. Der Waldwinkel war früher ein Gasthof mit

Pension und unter dem Namen „Spinne“ ein Begriff.

Bönkhausen, ein auf den ersten Blick unscheinbarer

Ort, vermutlich im achten Jahrhundert durch engrische

Sachsen gegründet und damit über 1200 Jahre alt, hat

eine Menge zu bieten und zu erkunden. Der Besuch mit

einem zweiten Blick lohnt sich. Die Kapelle kann dabei

ein Wegweiser in alle Richtungen sein. ■

Starten Sie an der Country Lodge,

lassen Sie den Wandertag danach

bei uns ausklingen!

WOLL Herbst 2019 - 17


Das geheime

Leben der Käfer

Sie sind unscheinbar, aber alles andere als uninteressant –

Hans-Joachim Grunwald ist seit 1972 Sammler von Käfern

Sonja Heller

Tom Linke

Der kleine Käfer arbeitet –

er rollt eine Kugel, die um

einiges größer als er und aus

Dung ist. Er weiß nicht, dass er dadurch

zu einer Berühmtheit im alten Ägypten

wurde und dem Sonnengott Re zu seiner

Geschichte verhalf. Denn seine Dungkugel

symbolisiert die Sonne, die er über

den Himmel rollt und am Ende wie

einen Sonnenuntergang vergräbt. Auch

3000 Jahre später dreht er fleißig seine

Kugeln, der Käfer namens Skarabäus.

18 - WOLL Herbst 2019


Leidenschaft für Schwarzkäfer

Hans-Joachim Grunwald ist wissenschaftlicher

Sammler von Käfern,

in seiner Sammlung befinden sich

auch etliche Skarabäusarten. Darauf

kam er vor über 42 Jahren, als er

einem Freund half, für dessen Biologie-Studium

ein paar Käfer zu sammeln

– und er war fasziniert von der

Koleopterologie, der Lehre von den

Käfern. Heute umfasst Hans-Joachim

Grunwalds Sammlung 50.000 Tiere,

der Schwerpunkt Mitteleuropa füllt

allein 199 Kästen, die Hauptsammlung

behandelt das Gebiet Arnsberg.

Des Sammlers persönliche, absolute

Leidenschaft gehört der Familie der

Schwarzkäfer, speziell den Arten

aus heißen, sandigen und kargen

Regionen. Diese Schwarzkäfer sind

Überlebenskünstler und zählen zur

ältesten Käfer-Familie der Welt,

erzählt Hans-Joachim Grunwald.

Neue Käfer im

Biotop Hellerberg

Der Naturwald Hellerberg ist

Hans-Joachim Grunwalds Jagdgebiet.

In dieser größten Naturwaldzelle

NRWs findet keine Forstwirtschaft

mehr statt, die Natur ist sich selbst

überlassen. Hier untersucht der

Spezialist Grunwald

die Parzelle

von knapp einem

Quadratkilometer auf

Käfer-Population.

Bisher sind in diesem

Gebiet mehr als

500 Arten nachgewiesen,

wovon ca. 90

% überall vorkommen.

Interessant

sind aber die

Bergwaldarten,

denn

es gab am Heller- berg einige

Neufunde innerhalb Westfalens.

Arten-Vorkommen zu bestimmen,

ist einer der wichtigen wissenschaftlichen

Aspekte des Sammelns und oft

Bestandteil von Gutachten für den

Naturschutz. „Trotzdem“, so bedauert

Hans- Joachim Grunwald, „haben

Käfer keine Lobby“.

Auf den Käfer kommen

Aber wie kommt der Käfer in den

Kasten? Kauft man ihn bei Ebay? Der

Sammler lacht. “Ja, das ginge auch”,

erläutert er, “zum Beispiel bei Käfern

aus Krisengebieten, die man nicht

unbedingt selber bereisen möchte.

Aber das Schönste ist das Selber-

Jagen.” Seine weiteste Reise führte

nach Namibia, zu den von ihm

so geschätzten

Schwarzkäfern.

Und wie funktioniert

das ganz praktisch,

mit dem Sammeln?

Es gibt verschiedene

Methoden, wie der

Käfer in den Kasten

kommt. „Die Handauflese

ist am einfachsten,

was unter Steinen

und Blättern sitzt,

wird vorsichtig eingesammelt.“

Oder man verwendet

einen großen Kescher, der in Bodenhöhe

bewegt wird. Ein Klopf schirm

ermöglicht es, Holz-Käfer von Bäumen

abzuklopfen und für im Wasser

lebende Käfer setzt man Wassernetze

oder Fallen ein. Danach folgt das

Präparieren, wofür es weltweite,

wissenschaftliche Standards gibt, von

denen nicht abgewichen wird. Hans-

Joachim Grunwalds Kästen sehen

genau so aus, wie die eines Sammlers

in Toronto oder Kapstadt. Auch wenn

er ein eigenes „Käfer-Zimmer“ hat –

er kann und will nicht alles behalten.

Er selbst hat bereits knapp 8000 Käfer

dem Naturkundemuseum Münster

überlassen. Museen sind auf Sammler

angewiesen, ohne deren Exponate sie

niemals zu ihren umfangreichen wissenschaftlichen

Ausstellungen kämen.

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WOLL Herbst 2019 - 19


Sinn für Natur wecken

Dass Käfer weder langweilig noch

eklig sind, beweist Hans-Joachim

Grunwald regelmäßig, wie beim

Tag der offenen Gärten oder bei

einer großen Schau in der Mühlenberg-Schule.

Dort präsentierte er

Besuchern, Eltern und Kindern 100

Kästen mit Käfern in allen Größen

sowie Bücher und Bilder zum Thema.

Hans-Joachim Grunwald versteht sich

nicht nur als Sammler, er möchte bei

Kindern mehr Akzeptanz wecken,

„denn Käfer sind ein Bestandteil der

Natur und erfüllen darin einen Zweck

– wie zum Beispiel der Skarabäus mit

seinen Dungkugeln, die den Boden

lockern und düngen.“ Er beobachtet,

dass Kinder häufig viel vorurteilsfreier

sind. Wie wichtig das Verständnis

für Käfer, aber auch für die Natur

im Allgemeinen ist, zeigt der Klimawandel.

„In den letzten 20 Jahren

sind viele südeuropäische Käferarten

zu uns eingewandert“, resümiert der

Koleopte rologe Grunwald. Das Klima

ist für diese Arten hier bei uns mittlerweile

deutlich attraktiver. ■

Käfer-Fans und Interessierte

haben die Möglichkeit, sich

im Naturkunde-Museum Münster

auszutauschen. Jeden ersten Dienstag

im Monat trifft man sich zum Fachsimpeln,

Tauschen und Bestimmen.

Weitere Informationen bietet die

„Gemeinschaft für Coleopterologie

e.V.“, deren erster Vorsitzender

Hans-Joachim Grunwald ist.

www.coleo.de

20 - WOLL Herbst 2019


Hasse chehört

Anke Kemper

„H

ömma, Lisbett. Wat is dat denn neuerdings

imma fürn Lärm da bei euch im Keller? Da

denkt man ja, de Welt chet unter.“

„Ach wat du da widda hörst. Dat is doch der Friedel mit

seiner Trommel. Der übt jetzt imma fleißig für de Sambanacht.“

„Wat? Ne Trommel? Seid ihr denn unweis cheworden?“

„Ne, lass den ruhig mal machen. Da kann er sich dran austoben

und weiße, wenn die von de Piranhas alle zusammen

spielen, dat hört sich richtig doll an.“

„Piranhas? Dat hört sich für mich abba chefährlich an.“

„Isset abba nich, Fine. Dat is ne Musikkapelle, die machen

dolle Sambamusik. Und der Friedel is jetzt auch bei der

Truppe.“

„Achso. Und für wat für ne Sambanacht übt der Friedel?“

„Weißichnich. Die ham imma mal nen Auftritt hier und da.

Die üben imma in der Kappelle in Langscheid, weiße.

Da kommen sogar Leute ausm Rheinland hin und machen

mit, dat musste dir mal vorstellen! Da chibt es so nen Sambakönich

und der zeicht denen, wie man dat richtig machen

tut, woll? Dat wär doch sicha auch wat für deinen Otto.“

„Ja, bisse bekloppt? Dat fehlte mir noch. Der Otto sollte lieber

mal zusehen, dat er seine Trommel unterhalb vom Hals

loswird. Der muss mal dringend inne Muckibude chehen

und dat Dingen abtrainieren, woll?“

„Ach, wer braucht in unserm Alter schon ne Muckibude!

Da kann er doch besser zur Sambamusik tanzen, dat is auch

Sport.“

„Jau, haste auch widda recht.“

„Wat meinste, sollen wa mal zum nächsten Auftritt gucken

chehen?“

„Warum nich, nen bisken brasilianische Trommelei hört sich

doch fantastisch an!“

„Nich fantastisch, sondern Sambastics!“ ■

WOLL Herbst 2019 - 21


Der Hellefelder Burkhard König schult die Sambagruppen aus dem Sauerland regelmäßig.

Samba aus dem Sauerland

Trommler vom Bloco Grande sorgen für südamerikanisches Flair

Philip Stallmeister

Manfred Haupthoff

Die Klänge, die an diesem

Nachmittag aus der alten

Kapelle in Langscheid

nach draußen tönen, sind alles

andere als sauerländisch. Trommelsound

südamerikanischer Prägung

gelangt ist zu hören. Bei dem Blick

auf die Probe zeigt sich ein buntes

Menschenbild: Neben waschechten

Sauerländern sind sogar Rheinländer

zugegen.

Es ist der Bloco Grande, der aus

verschiedenen Gruppen besteht und

auf Einladung der Samba Piranhas in

deren Proberaum der Antonius-Kapelle

zusammengekommen ist. Unter

Leitung von Burkhard König haben

sich verschiedene Musiker zum

Workshop getroffen. Die Piranhas

treffen sich jeden Dienstag in der

Kapelle oberhalb des Sorpesees. Der

Proberaum mit seinem Charme

zwischen Almhütte und Kellerkneipe

ist Ausgangsstation für zahlreiche

Auftritte der Sambatrommler.

Seit 2002 sind die Samba Piranhas

am Start. „Ich hatte auf meinem 50.

Geburtstag, den ich groß gefeiert

habe, eine Samba-Gruppe aus Köln.

Die haben den Abend bestritten.

Das hat uns gefallen und wir haben

gesagt, dass wir das auch können

möchten“, erinnert sich Gründungsmitglied

Edeltraud Hünicke. Die

Trommler aus dem Raum Arnsberg,

Sundern und auch vom Möhnesee

begannen selbst mit Auftritten bei

privaten Feiern. Heute werden sie

auch regelmäßig bei großen Veranstaltungen

gebucht wie dem Sunderaner

Karneval oder bei Sportevents

wie dem Sauerland-Höhenflug-Trailrun

oder dem Sparkassen-Silvesterlauf

von Werl nach Soest.

Für noch größere Veranstaltungen

wird die Gruppe der Sauerländer

Sambatrommler dann als Bloco

Grande noch größer. Wenn beispielsweise

an der Veltins-Eisarena in Winterberg

Weltcups oder Weltmeisterschaften

anstehen, sind die Piranhas

als Unterstützer der Sambastics aus

Olsberg-Bruchhausen mit dabei. Dabei

ergeben sich Kooperationen mit

Gruppen aus Köln, wie mit Alegria

Axe oder Ara Macao, die auch zum

Bloco Grande zählen.

Als Klammer haben Sauerländer

und Rheinländer Sambatrommler

Burkhard König. Der aus Hellefeld

stammende König wird in der

Szene Sambakönig genannt. Als

professioneller Lehrer vermittelt er

den Gruppen die Breaks

und Rhythmuswechsel

immer

wieder in

Workshops,

wie in der

Langscheider

Kapelle.

Wenn alle

Gruppen in voller

Stärke zusammenkommen,

reicht der Platz nicht aus.

Dann werden geeignete Unterkünfte

wie das im Musikbildungszentrum

Bad Fredeburg gebucht. Dort kann

die Zahl der Musiker schon Mal die

60 überschreiten Bei einer Probe mit

22 - WOLL Herbst 2019


König sind alle Augen auf ihn gerichtet.

Mit einer kleinen Trommel

gibt er den Takt vor. Mit Handzeichen

und Pfeife, der Apito, werden

die musikalischen Wechsel vom

Dirigenten gefordert.

Nordbrasilianischer Einfluss ist

maßgebend

Samba ist nicht gleich Samba.

König hat für seine Ausbildung

Sambaschulen in Brasilien besucht.

Er lehrt seinen Gruppen heute

„nordbrasilianischen Samba geprägt

von karibischen Einschlägen.“ In

Brasilien wird die Musik, deren Vorfahren

einst als Sklaven aus Afrika in

die Region kamen, beeinflusst und

gestaltet.

„Ich habe mit afrikanischen

Trommeln angefangen“, sagt beispielsweise

Eva Niggemann aus

Assinghausen von den Sambastics.

Die afrikanischen Trommeln sind

allerdings häufig sehr massiv. Bei

Auftritten sind die Musiker deshalb

nicht mit ihren Instrumenten unterwegs

sondern verbleiben an einer

Stelle. Mit den Sambainstrumenten

wie Caixa, Repiniquie oder Timba

sind die Musiker flexibler. Damit

können sich die Sauerländer Sambatrommler

problemlos in heimische

Umzüge integrieren, beispielsweise

beim Karneval. Wie Spielmannsoder

Fanfarenzüge sorgen sie dann

für Stimmung und sind somit doch

schon sehr sauerländisch. Immer

wieder bringen die einheimischen

Trommler die Leute in der Region

in Bewegung, unter anderem mit

einem Flashmob bei Neheim Live,

der nach dem Workshop in Langscheid

stattfand, von dem es auch

ein Video gibt.

Neben den Auftritten in der Region

freuen sich die Musiker auf überregionale

Treffen mit Gleichgesinnten.

„Eine besondere Veranstaltung

für uns ist das internationale

Samba-Festival in Coburg“, erklärt

Hermann Weinhardt, der die

wöchentlichen Probenabende der

Samba Piranhas in der Langscheider

Kapelle leitet. Dort lassen sich nicht

nur Sambaklänge vernehmen. Überall

wo südamerikanische Rhythmen

erklingen, könnte ein Sauerländer

mitwirken. Ein genauer Blick und

ein genaues Hinhören lohnen sich. ■

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gemütlichen Gaststuben, zu Kaffee

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Romantisch und „wild“ in Kallenhardt

Das Landhotel Knippschild lockt mit Gaumenschmaus

und romantischen Auszeiten

Britta Melgert

Landhotel Knippschild & Ydo Sol

24 - WOLL Herbst 2019


Mal wieder richtig schön ausgehen,

einen Abend in romantischer

Umgebung erleben und

dabei wahre Köstlichkeiten schlemmen …

oder vielleicht sogar ein paar Tage in einem

wunderschönen Hotel verbringen - so

ab und zu darf man sich das gönnen. Wer

dabei auch gern mal eine noch unbekannte

Location ausprobieren möchte, der sollte

das Romantik Landhotel Knippschild in

Rüthen-Kallenhardt kennenlernen.

Schon der alte Goethe riet: „Sieh, das Gute

liegt so nah!“ Warum also in die Ferne

schweifen, wenn ganz in der Nähe all das

geboten wird, worauf es uns ankommt?

Von Meschede oder Bestwig aus ist man in

nicht einmal einer halben Stunde am Ziel

seiner Reise durch den Arnsberger Wald.

Schon von außen verspricht das Landhotel

Knippschild mit seinem alten Fachwerkgemäuer

und den davorstehenden üppigen

Bäumen einen besonderen Aufenthalt. Drinnen

begrüßt Chefin Annette Knippschild die

Ankömmlinge aufs Herzlichste. „Jeder Gast

soll sich bei uns wohl fühlen, grad so, als

käme er auf Besuch zu seiner Familie. Unseren

Gästen soll es hier so richtig gut gehen!“.

Man merkt ihr an, dass dies kein leeres

Versprechen ist, und das gediegen-rustikale

Ambiente wird das Seine dazu beitragen.

Wald und Jagd spielen

eine große Rolle

Zur Verfügung stehen 37 Betten; der Gast

hat die Wahl zwischen verschiedenen

Zimmern und Sui ten, die alle individuell

und mit hochwertigen Materialien im Stil

des Hauses einge richtet sind. Ein Stil, der

verrät: Hier spielen der Wald und die Jagd

eine große Rolle. Und richtig, der Hausherr

Klaus Knippschild ist nicht nur ein leidenschaftlicher

Chefkoch, sondern zugleich

ein passionierter Jäger. Sobald er Zeit dazu

findet, zieht es ihn hinaus in die Natur. „Das

gute Fleisch für unsere Wildspezialitäten

stammt immer von Tieren aus unserem

Arnsberger Wald; entweder von mir selbst

geschossen oder von einem meiner Jagdfreunde.

Nur so kann ich die gewünsch te

Qualität unserer Gerichte durchgängig garantieren“,

verrät er. Und für diese Qua lität

ist sein Restaurant weit über die Region

hinaus bekannt.

Jeder findet sein Lieblingsgericht

Gekonnte, handwerkliche Kochkunst gehört

selbstverständlich auch dazu. Knippschild

hat das hohe Niveau des Kochens in

München bei Spitzenkoch Eckart

Witzigmann erlernt. Das

schmeckt man beispielsweise

gleich beim ersten Vorspeisen-Happen

vom Vitello

Tonnato aus dem Wildschweinrücken.

Die Wahl

des Hauptgerichtes wird nicht

leichtfallen zwischen dem

Ragout vom Sika-Hirsch, dem

zarten Sauerbraten vom einheimischen

Überläufer oder dem perfekt gebackenen

Schnitzel aus der Rehkeule. Lecker

ist es sowieso! „Aber natürlich bieten wir in

unserem Restaurant auch hochwertige Gerichte

für die Freunde anderer Fleischsorten

oder des frischen Fisches an, und auch Vegetarier

finden bei uns ein Lieblingsgericht“,

verspricht Annette Knippschild. Ein Blick

in die Speisekarte zeigt, dass alles zu einem

wirklich vernünftigen, bezahlbaren Preis zu

haben ist.

Romantischer Blick in den Kamin –

oder Knobeln mit

den Dorfbewohnern

Wer nach dem Essen noch Lust auf einen

Absacker hat, dem kann ein Besuch des

haus eigenen „Wirtshauses“ empfohlen

werden. Im urgemütlichen Ambiente mit

viel Holz und Stein trifft man neben anderen

Hotelgästen auch Dorfbewohner, die

WOLL Herbst 2019 - 25


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sich hier auf ein Feierabendbierchen oder zum

Stammtisch und Knobeln einfinden. Ob in geselliger

Runde oder einfach zu zweit beim romantischen

Blick ins Kaminfeuer, hier darf man den

Abend zum Beispiel bei einem guten Bier, wie das

Rabenbräu aus dem benachbarten Altenrüthen,

einem guten Glas Wein oder vielleicht einer feinen

Spirituose genussvoll ausklingen lassen. Wohl

dem, der danach nur noch nach oben in sein

gemütliches Zimmer zu gehen braucht.

Wohlfühltag:

Frühstücken – Sauna – Wellness

Nach einer entspannten Nacht erwartet den

Hotelgast ein ausgiebiges Frühstück, das auf einen

erlebnisreichen Tag vorbereiten soll. Vielleicht

möchten Sie eine Wanderung unternehmen oder

einen kleinen Bummel durch Kallenhardt und

Rüthen machen? Nicht entgehen lassen sollten

Sie sich aber auf alle Fälle die verlockenden

Wellness-Anwendungen, die direkt im Hotel

angeboten werden. Buchbar sind sie zusammen

mit dem Zimmer im Arrangement oder auch

individuell hinzu. Ob Sauna, Massage oder eine

angenehme Gesichts- und Körperbehandlung

– im einzigartig gestalteten Wellness-Bereich ist

alles möglich. Dank ausgewählter Produkte mit

der Pflanzenkraft aus 100 % reinen Wirkstoffen

sorgt man dafür, dass Sie nach Ihrem Aufenthalt

im Romantik Landhotel Knippschild nicht nur

gut erholt und entschleunigt nach Hause fahren

werden, sondern auch mit einer gepflegten Haut,

die an Samt und Seide erinnert. Und zudem mit

dem Bewusstsein, sehr gern als „Familienmitglied“

nach Kallenhardt zurückkehren zu wollen. Man

ist ja schließlich schnell hier – denn das Gute liegt

so nah! ■

Romantik Landhotel Knippschild

Theodor-Ernst-Str. 3

59602 Rüthen-Kallenhardt

02902/ 80330

info@hotel-knippschild.de

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26 - WOLL Herbst 2019


Die Weltelite des Brass

im Sauerland – mit dabei:

Die Jungen Blechbläser NRW

Ursula Wiethoff-Hüning

Sauerland-Herbst/Privat

Wenn am 3. Oktober

2019 das European

Brass Ensemble

in der Abtei Königsmünster in

Meschede das Eröffnungskonzert

zum Brass-Festival spielt, werden

alle Fans der Blechblasmusik voll auf

ihre Kosten kommen – und nicht

nur in diesem Konzert. Zum 20.

Mal bringt der Sauerland-Herbst

vier Wochen lang Blechblasmusik

vom Feinsten ins Hochsauerland,

in diesem Jahr unter der neuen

künstlerischen Leitung von Prof.

Thomas Clamor, der auch das

prestigeträchtige Eröffnungskonzert

dirigieren wird. Dem Festival liegt

Es werden nicht nur fantastische

Konzerte von national und international

namhaften Künstlern und Ensembles

zu hören sein, es gibt auch

immer wieder Begegnungen zwischen

Profis und jungen Künstlern

zum Beispiel in Form von Workshops

im Rahmen der Brass-Akademie.

Doch auch in Konzerten treffen

Profis auf Jugendliche, wie zum

Beispiel an zwei Abenden, an denen

german hornsound gemeinsam

mit dem Nachwuchsensemble Die

Jungen Blechbläser NRW auftreten

werden. ■

Weitere Informationen unter:

www.sauerland-herbst.de

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WOLL Herbst 2019 - 27


Lebensmittelpunkt

in der Gemeinde gefunden

Paul Senske

Manfred Haupthoff

Verein „Flüchtlinge werden Nachbarn in Ense“ setzt Maßstäbe

„Iy ch bin froh, mit diesen tollen Menschen,

y unseren Ehrenamtlern und unseren Flüchtlingen,

gemeinsam an einem Problem zu

arbeiten. Mit wenigen Mitteln haben wir viel auf

die Beine gestellt“, sagt Daniel Keil. Der Lehrer aus

Ense-Bremen ist Vorsitzender des Vereins „Flüchtlinge

werden Nachbarn in Ense“ und damit eines aus einem

Schulprojekt entstandenen, erfolgreichen und viel

beachteten Hilfswerks. „Ich kenne viele Flüchtlinge, die

hier in Ense ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben

und sich hier wohlfühlen. Sie beteiligen sich wie selbstverständlich

am Gemeindeleben wie Schützenfesten

oder Karneval.“

Wenn Daniel Keil über die Arbeit mit den Neuankömmlingen

spricht, dann spürt man seine Begeisterung.

„Wenn man anpackt,

“Wir haben keine

Patenschaften,

wir begleiten”

dann kann man viel verändern.

Man kann nicht nur zuschauen,

wenn ein Problem sichtbar ist.

Auch wenn wir teilweise an

unsere Grenzen stoßen und schwere Zeiten erlebt haben,

so lohnt sich diese Arbeit in jeder Hinsicht“, erklärt Keil,

Lehrer für Sozialwissenschaften und Geschichte an der

Conrad-von-Ense-Schule.

An der Sekundarschule wurde mit einem Schulprojekt

der Klassen acht und neun über das Migranten-Thema

vor fünf Jahren der Grundstein für das Hilfswerk gelegt.

Die Schüler planten Aktivitäten mit und für die Flüchtlinge.

Sie spielten gemeinsam Fußball, es gab Spielnachmittage,

Kleidersammlungen wurden organisiert. Zum

Abschluss des Projekts stand eine Podiumsdiskussion auf

der Agenda. „Wir müssen weitermachen, wir können

nicht aufhören, da waren wir uns einig“, erklärt Keil.

Über die Medien erfolgte die Einladung zu einem weiteren

Treffen. 20 Personen kamen, es wurden Ideen gesammelt,

eine Bürgerinitiative gegründet, daraus entstand

am 7. März 2016 offiziell der Verein „Flüchtlinge werden

Nachbarn in Ense“ mit derzeit 45 Mitgliedern bei rund

150 Flüchtlingen im Gemeindegebiet.

28 - WOLL Herbst 2019


Die Prämisse der Arbeit ist klar umrissen: Ankommen, Kennenlernen,

Zusammenleben. „Wir haben keine Patenschaften,

wir begleiten“, erläutert Keil den Kern der Aufgabe. Neben

Sprachkursen wurde zunächst ein 31 Seiten starker Wegweiser,

passgenau für Ense, entwickelt. Eine weiterführende App soll

in diesem Sommer zur Verfügung stehen. Daneben wurden

Spielabende organisiert, die Flüchtlinge wurden zu Karnevalsfeiern

und Schützenfesten eingeladen. „Inzwischen nehmen

sie wie selbstverständlich am Gemeindeleben teil.“ Der Verein

leistete bei Bürgergesprächen auch „politische Arbeit“, veranstaltete

Workshops, um die ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingsarbeit

zu erklären.

Nach erfolgreichem Start und „großartiger Pionierar beit“

wurde die Arbeit umstrukturiert. Gruppen entstanden:

Eine Begleiter-Gruppe kümmert sich um neue Flüchtlinge

und Problemfälle. Eine andere bietet an zwei Wochentagen

Bürozeiten im Lindenhof in Niederense an, eine Aktivitäten-Gruppe

kümmert sich um Spielabende oder andere kreative

Tätigkeiten. Es gibt auch eine Flohmarkt- sowie eine spontane

Helfer- und Fahrergruppe. Jugendliche haben gemeinsam

mit jungen Flüchtlingen die Event-Agentur LINDevents

gegründet. Die Agentur organisiert ehrenamtlich „kulturelle

Action“ im Lindenhof wie Konzerte oder Lesungen. „Wir wollen

über schöne Angebote die Menschen zusammenführen“,

erläutert Keil. „Die Angebote werden sehr gut angenommen.“

Apropos Lindenhof: Die ehemalige Gaststätte ist durch das

LEADER-Programm zu einem „Offenen Treff Lindenhof“

umgestaltet worden. Der Flüchtlings-Verein ist Kooperationspartner

der Gemeinde Ense, die Träger ist. Der Verein hat viele

Arbeitsstunden und auch Geld in die Renovierung investiert.

Heute ist der Lindenhof praktisch die Heimat des Vereins. Untergebracht

ist eine Fahrrad-Werkstatt, wo die Räder repariert

Drostenfeld 6-8 . 59759 Arnsberg-Hüsten . Telefon 02932/96440 . E-Mail: kanzlei@rae-majewski.de . www.rae-majewski.de

NOTAR ‧ RECHTSANWÄLTE ‧ FACHANWÄLTE

Burkhard Majewski

Notar

Rechtsanwalt

Fachanwalt für

Arbeitsrecht

Jörn Kohlmeyer

Rechtsanwalt

Fachanwalt für

Familienrecht

Kai Lehmenkühler

Rechtsanwalt

Fachanwalt für

Versicherungsrecht

Stefanie Berbig

Rechtsanwältin

Fachanwältin für Miet- und

Wohnungseigentumsrecht

Fachanwältin für Familienrecht

WOLL Herbst 2019 - 29


“Es macht Spaß

zu helfen und fremde

Kulturen kennenzulernen”

Langscheid

Langscheider Str. 47, 59846 Sundern

Amecke

Amecker Str. 39, 59846 Sundern

Allendorf

Allendorfer Str. 82, 59846 Sundern

Endorf

Endorfer Str. 27, 59846 Sundern

und den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden.

Gerd Schleimer, seit 2015 Rentner, ist gemeinsam

mit Wilfried Pater Werkstatt-Leiter. Schleimer, in

Fußballkreisen bestens bekannt, ist aus voller Überzeugung

Ansprechpartner für alle Dinge: „Es macht

Spaß zu helfen und fremde Kulturen kennenzulernen.“

Nicht ohne Stolz berichtet er, dass einige Flüchtlinge

in Arbeit vermittelt wurden und fest angestellt sind.

Elisabeth Jost kümmert sich um Spiel- oder um

„Styling-Abende“ mit Schminken. Sie ist Leiterin der

Künstler-Werkstatt im Lindenhof. Es geht vor allem

ums Malen. „Übers Malen vertiefen wir den Kontakt

zu den Neuankömmlingen“, sagt sie. Unterstützt

wird sie von ihrer Tochter Anna-Lena Bonnekoh. Die

Malerei findet großen Anklang. So sind Samira und

ihr Mann Purya, die beide aus Iran stammen, mit

großem Eifer dabei, das gilt auch für Aysun aus der

Türkei. Helga Brixner, eine pensionierte Lehrerin,

gibt Deutschunterricht. Derzeit kümmert sie sich um

die Brüder Aryian (17) und Mohammad (21), die

vor einem Jahr aus Syrien gekommen sind und im

Lindenhof wohnen. „Beide haben große Fortschritte

gemacht“, so Helga Brixner. Aryian ist begeisterter

Fußballer, spielt in der B-Jugend des FC Ense und ist

glühender Bayern-Fan.

Dass der Enser Verein für seine Arbeit unter anderem

2016 den Ehrenamtspreis des Flüchtlingsrates NRW

gewonnen und der Vorsitzende 2017 den Ehrenamtspreis

des Kreises Soest erhalten hat, freut Daniel Keil

und sein Team. „Auch wenn beispielsweise Abschiebungen

nach rechtlicher Prüfung wehtun, unsere

Arbeit trägt Früchte. Jeder im Verein trägt seinen Teil

dazu bei, keiner soll überfordert werden. Wichtig ist,

dass ein Problem angepackt und gemeinsam mit den

Flüchtlingen viel erreicht wird. In Ense hat sich ein

Klima der Aufgeschlossenheit entwickelt, ja die Enser

sind richtig aufgeschlossen.“ ■

30 - WOLL Herbst 2019


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Der Weg ist das Ziel:

Pilgern auf dem Camino mit

Infopoint.help

Nicola Collas

infopoint.help

„W

enn ich an den Fußmarsch denke,

könnte ich mich jetzt schon 14 Tage

ausruhen.“ Das ist ein Satz aus dem

Buch `Ich bin dann mal weg.` von Hape Kerkeling,

der 800 Kilometer auf dem Camino gewandert ist und

damit für einen Pilgerboom gesorgt hat. Wer sich auch

einen Traum erfüllen möchte oder sich das Ziel gesteckt

hat, auf dem Camino zu pilgern, für den ist infopoint.

help genau die richtige Adresse. Infopoint.help unterstützt

Sie bei der Planung des Vorhabens sowie bei der

Durchführung im Ausland (Spanien).

Interessierte Pilger buchen ihre Anreise per Flugzeug,

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plant die Reise weiter ab dem Flughafen in Spanien bis zur

ersten Unterkunft in Santiago de Compostela. Sie können

die Pilgercard erwerben und so viele Vorteile in Anspruch

nehmen: Dazu gehören der Flugtransfer von Santiago de

Compostela sowie zurück von Finisterre zum Flughafen

Santiago de Compostela. Sollten Sie unterwegs krank werden,

sich den Fuß brechen oder Ihnen sonst etwas passiert,

bringen Servicemitarbeiter von Infopoint.help vor Ort Sie

ins nächste Krankenhaus und regeln dort alles für Sie.

Außerdem sind Sie durch den medizinischen Dienst der

Pilgercard zusätzlich krankenversichert (Ergo Maik Fuhr)

-dazu zählt auch der Rücktransport nach Hause. Auch bei

fehlender Ausrüstung wird Ihnen geholfen.

Tipps zu den Herbergen, Hostels und Pensionen sind auch

Teil des Service. Je nach Jahreszeit kann es schon mal vorkommen,

dass fast alle Unterkünfte voll sind.

Mit Infopoint.help passiert es nicht, dass Sie kein Bett

finden. Die Servicemitarbeiter vor Ort sorgen dafür, dass

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bringt der Weg ans Ende der Welt (Finisterre) mit sich.

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Camino träumt, sich aber nicht so wirklich an die Umsetzung

heran traut oder keine Zeit dazu hat, der ist bei

Infopoint.help bestens aufgehoben. ■

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WOLL Herbst 2019 - 31


„Zusammenhalt in Europa hat oberste Priorität“

WOLL im Gespräch mit Friedrich Merz

Carla Wengeler

Stephy Kesting

Sabrinity.com

Carla Wengeler, Volontärin beim WOLL-Magazin, und Stephy Kesting, regelmäßige

WOLL-Redakteurin, trafen sich mit dem bekannten Sauerländer Wirtschaftsfachmann und

Politiker und haben mit ihm über seine Identität als Sauerländer, über die Umwelt und die

Themen Karriere, Familie und Bildung auf dem Lande unterhalten. Nicht gefragt wurde, ob

er demnächst ein hohes Amt in Berlin übernehmen will. Die Antwort darauf hat Friedrich

Merz schon häufiger gegeben: „Diese Frage stellt sich derzeit nicht.“

WOLL: Mal angenommen, Sie würden

morgen Bundeskanzler und hätten drei

Wünsche frei, was würden Sie direkt verändern?

Friedrich Merz: Es gibt aus meiner Sicht,

ganz unabhängig von jedem Regierungsamt,

eine Reihe von Themen, die dringend angepackt

werden müssten, und dazu gibt es

dann auch eine gewisse Reihenfolge. Meiner

Sicht nach hat der Zusammenhalt oberste

Priorität in Europa, denn ohne Europa

wird auch uns Deutschen in der Welt des

21. Jahrhunderts nicht viel gelingen. Zweitens

würde ich mir wünschen, dass wir in

Deutschland endlich zu einem vernünftigen

Konsens zwischen Wirtschaft und Umwelt

kämen. Und drittens würde ich gern sehen,

dass die ländlichen Räume – so wie das Sauerland

– auch in Zukunft gute Bildungsund

Berufschancen für junge Menschen

bekämen.

WOLL: Fühlen Sie sich als Sauerländer,

Deutscher oder Europäer?

Friedrich Merz: Ich bin im Sauerland geboren

und aufgewachsen und lebe immer noch

hier. Ich war Abgeordneter im Europäischen

Parlament und im Deutschen Bundestag

und bin beruflich heute sehr viel in Europa

und in den USA unterwegs. In meinem „Lebensgefühl“,

wenn man so will, verbinden

sich alle Ebenen zu einem harmonischen

Ganzen miteinander. Aber „zu Hause“ bin

ich ganz sicher in Arnsberg, dort, wo die Fa-

32 62 - WOLL Herbst 2019


milie und die meisten privaten Freunde

leben.

„Wir sollten aus deutscher

Sicht allerdings nicht meinen,

gleich die ganze Welt retten

zu können.“

Thema Umwelt

WOLL: Bei uns im Sauerland ist das

Waldsterben aktuell ein großes Thema.

Macht sich das auch deutschlandweit

in der Wirtschaft bemerkbar?

Was könnte Ihrer Meinung nach

dagegen unternommen werden?

Friedrich Merz: Die Belastung unserer

Natur mit den Folgen unserer Lebensweise

und dem zu großen Ressourcenverbrauch

ist natürlich ein Thema, das

sich überall bemerkbar macht. Deshalb

wird die umweltpolitische Debatte ja

auch mit so großer Leidenschaft geführt.

Wir sollten aus deutscher Sicht

allerdings nicht meinen, gleich die ganze

Welt retten zu können, wenn wir

bei uns nur alles richtig machen, was

immer denn „richtig“ sein mag. Wir

sollten aus meiner Sicht vor allem den

Anspruch haben, technologisch einen

Beitrag zur Lösung der Probleme zu

leisten, also zum Beispiel mit moderner

Kraftwerkstechnologie, mit Anlagen

der Wind- und Sonnenenergie und

mit moderner Abgasreinigung weltweit

Angebote zum besseren Umweltschutz

unterbreiten.

WOLL: Wie bewerten Sie die „Friday

for Future-Bewegung“? Was denken

Sie über den Klimawandel und seine

Folgen?

Friedrich Merz: Ich finde es zunächst

einmal gut, dass sich junge Menschen

politisch wieder mehr engagieren. Das

rüttelt die Gesellschaft auf und löst

Diskussionen aus. Und solange die

Teilnehmer an den Demonstrationen

sich nicht einseitig parteipolitisch

instrumentalisieren lassen und

solange sie bereit sind, auch

zuzuhören, also in einen

echten Dialog einzutreten,

bringt uns diese Bewegung

gedanklich und

politisch ja auch weiter.

Der Klimawandel ist im

Übrigen ein sehr ernsthaftes

Thema, der auch die

Lebensräume in unserer Region

betrifft, und deshalb sind

politische Entscheidungen dringend

notwendig. Sie müssen aber

tatsächlich etwas bewirken und dürfen

nicht nur aus Symbolpolitik bestehen.

WOLL: Sie sind Pilot und fliegen

Ihr eigenes Flugzeug. Wie bewerten

Sie als Pilot das Fehlen einer Kerosinsteuer,

obwohl besonders der Flugverkehr

sehr klimaschädlich ist?

Friedrich Merz: Zunächst einmal gilt

die Steuerbefreiung auf Flugbenzin nur

für die gewerbliche Verkehrsluftfahrt,

nicht für den sonstigen und privaten

Luftverkehr. Ich zahle also auf das

Flugbenzin die volle Kerosinsteuer. Die

Steuerbefreiung für die Verkehrsluftfahrt

ist in internationalen Abkommen

geregelt. Mich überzeugt die Behauptung

von der Lenkungswirkung neuer

Steuern nicht. Seit ziemlich genau

zwanzig Jahren zahlen wir in Deutschland

die „Ökosteuer“, also eine umweltpolitisch

begründete, steuerliche

Mehrbelastung auf fast alle Formen

des Energieverbrauchs. Die Einnahmen

fließen aber in den allgemeinen

Bundeshaushalt. Sie dienen vor allem

dazu, die Rentenversicherung zu unterstützen

und haben auf den Energieverbrauch

praktisch keine Auswirkungen.

WOLL: Thema Windkraftanlagen:

Gerade hier bei uns im Sauerland

stehen sie sehr in der Kritik. Ich habe

mir die Frage gestellt, ob Windkraftanlagen

nicht einfach nur ein enormes

Imageproblem haben. Was meinen

Sie dazu?

Friedrich Merz: Es kann kein Zweifel

daran bestehen, dass die Windkraftanlagen

unser Landschaftsbild erheblich

beeinträchtigen, und es gibt Standorte,

da passen sie einfach nicht hin. Trotzdem

brauchen wir die Anlagen in einem

gewissen Umfang, denn sie sind längst

Teil unserer Energieversorgung. Also

gilt auch hier: Es muss ein vernünftiger

Interessenausgleich geschaffen werden,

bei dem auch auf das äußere Erscheinungsbild

unserer Kulturlandschaft

Rücksicht genommen wird.

Thema Karriere,

Familie und Bildung

auf dem Land

WOLL: Nicht nur für junge Frauen

ist die Vereinbarkeit von Familie und

Beruf ein wichtiges Thema bei der

Lebensplanung. Wie ist Ihre Meinung

dazu? Sie haben ja selber Töchter,

die erfolgreich im Beruf sind und

eine Familie gegründet haben. Welche

Ratschläge haben Sie Ihren Kindern

gegeben?

WOLL Herbst 2019 - 33 63


Friedrich Merz: Meine Frau ist, als unsere

jüngste Tochter in den Kindergarten

kam, wieder voll berufstätig geworden,

und in der Tat, wir haben unsere

Kinder so erzogen, dass sie einerseits

ein Gefühl dafür mitgenommen haben,

dass Kinder Zeit und Zuwendung beider

Elternteile brauchen, und dass auf

der anderen Seite eine gute Ausbildung

die Grundlage schafft, dass man später

Beruf und Familie möglichst gut miteinander

verbinden kann. Das ist uns

auch ganz gut gelungen.

WOLL: Frauenquote: ja oder nein?

Friedrich Merz: Eher nein, und wenn,

dann nur dort, wo es gar nicht anders

geht.

„Ich kann an die

Schülerinnen und Schüler nur

dringend appellieren:

Schaut Euch die großen

Chancen im Handwerk und

in der beruflichen dualen

Ausbildung an.“

WOLL: Kommen wir zurück zum

Thema Karriereplanung. Von Seiten

der Unternehmen hört man, dass sie

keine Fach- und Nachwuchskräfte

bekommen. Auf der anderen Seite

haben viele junge Menschen, gerade

hier auf dem Land, es schwer, den

richtigen Beruf zu finden, der ihnen

Freude macht und mit dem sie genügend

verdienen. Was muss sich Ihrer

Meinung nach verändern?

Friedrich Merz: Mein altes Thema

wird ganz offensichtlich wieder sehr

aktuell: Es fehlt in fast allen Betrieben

der Nachwuchs im Handwerk und bei

den Facharbeitern. Ich kann an die

Schülerinnen und Schüler nur dringend

appellieren: Schaut Euch die großen

Chancen im Handwerk und in der

beruflichen dualen Ausbildung an. Es

gab schon seit langer Zeit nicht mehr so

viele berufliche Möglichkeiten, bis hin

zum eigenen Betrieb. Und den Eltern

möchte ich gern den Rat geben: Der

Mensch fängt nicht erst beim Abiturienten

an, manche Kinder haben große

handwerkliche Begabungen und dafür

gibt es gerade im ländlichen Raum sehr

gute Ausbildungsmöglichkeiten.

WOLL: Bleibt dem Nachwuchs vom

Lande nur die Flucht in die Stadt?

Friedrich Merz: Nein, da bin ich völlig

anderer Meinung. Natürlich gehen viele

zum Studium oder zur Ausbildung

in die großen Städte, aber die beruflichen

Möglichkeiten in den ländlichen

Regionen sind richtig gut. Wir haben

sehr gute Betriebe mit großen Karrierechancen,

wir haben überwiegend gute

Schulen, Sport und Freizeit haben einen

hohen Wert und wir bewegen uns

fast staufrei zwischen Wohnort und

Arbeitsplatz. Da wollte ich mit den

Ballungsräumen nicht tauschen. Verbessern

müssen wir sicher beständig das

kulturelle Angebot, aber auch das kann

sich vielerorts sehen lassen.

WOLL: Ich habe das Sauerland verlassen,

um in der Stadt zu arbeiten.

Neben besseren Karrierechancen

spielten noch weitere Faktoren eine

wichtige Rolle zum Beispiel die

schlechten Busverbindungen oder

der zunehmende Ärztemangel. Wie

kann man Ihrer Meinung nach das

Leben auf dem Land wieder attraktiver

machen?

Friedrich Merz: Die Infrastruktur ist

in der Tat ein Thema. Das beginnt mit

dem Breitbandausbau und geht über

den öffentlichen Personennahverkehr

und die Verkehrsanbindung auf der

Straße bis hin zur Ärzteversorgung.

Aber wenn ich zurückschaue auf die

Zeit, als ich als Abgeordneter begonnen

habe, für die Region zu arbeiten, das ist

jetzt ziemlich genau 30 Jahre her, dann

hat sich in der Zeit bis heute vieles bereits

verbessert. Ich würde sagen: Wir

haben schon viel geschafft, es bleibt

aber auch noch viel zu tun.

WOLL: Herr Merz, wir bedanken

uns ganz herzlich für das Interview

und die eindeutigen Worte.

Stephy Kesting aus Lennestadt-Oedingerberg arbeitet bei der kajdao GmbH in Dortmund und schreibt

regelmäßig für das WOLL-Magazin, Friedrich Merz und Carla Wengeler aus Sundern, Volontärin

beim WOLL-Magazin, beim Interview im Büro von Friedrich Merz.

34 64 - WOLL Herbst 2019


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WOLL Herbst 2019 - 35


SAUERLÄNDER SUPERFOOD

Essbare „Unkräuter“ am Neheimer Ruhrufer

Ruth Freund

Marc Niemeyer

Die Superfood-Welle spült exotische Gewächse

aus aller Welt an. Moringa, Açai-Beeren,

Chia-Samen – die Liste ist lang. Dabei hat

unsere Heimat ihren eigenen, wilden Superfood-Garten!

Wir machen uns auf den Weg, um ein paar dieser

gesunden Schätzchen zu finden.

Die Ruhr bei Neheim ist unser Ziel. Wir sind dort mit der

ausgebildeten Wild- und Heilpflanzen-Expertin Katrin

Honisch verabredet, die uns allerlei Essbares und Gesundes

zeigen will, das von Unwissenden auch gerne als „Gestrüpp“

bezeichnet wird. In diesem Fall sind die Unwissenden wir

von WOLL.

Der gesunde Klassiker: Die Brennnessel

Los geht’s, immer entlang der Ruhr. Die erste Pflanze, die

Brennnessel, wird ein bisschen gefürchtet, weil es brizzelt,

wenn man sie berührt. Nicht aber, wenn man weiß, wie’s

geht. Frau Honisch nimmt mit festem Griff ein Blatt und

streift die histamingefüllten Kügelchen auf den Brennhärchen

vom Stiel zur Blattspitze hin ab. Der Selbstversuch

bestätigt: nichts piekt mehr. Der Geschmack des rohen

Blattes erinnert ein bisschen an Pfirsichschale, finden wir.

Die Blätter sind wahre Mineral- und Vitaminbomben und

können roh im Salat, getrocknet als Tee oder gekocht wie

Spinat verarbeitet werden. Aus den Stängeln der Brennnessel

lassen sich Fasern zur Herstellung von atmungsaktiven

Geweben gewinnen und ihre Samen sind ein Powerfood

der Extraklasse: hoher Eiweißgehalt, jede Menge Vitamin

A, B, C und E, Kalium, Eisen

und Kalzium. Getrocknet

lassen sie sich über Salate,

in Joghurts und

Müslis verwenden.

Chia ade!

36 - WOLL Herbst 2019


Die Vitamin C-Bombe:

Das Scharbockskraut

Wir müssen nicht weit laufen, bis wir auf das gelb

blühende Scharbockskraut stoßen. Seine herzförmigen,

fleischigen Blätter warten mit einem derartig

hohen Vitamin-C-Gehalt auf, der seinen Beiname

„Skorbutkraut“ erklärt. Die Seefahrer des Mittelalters

haben tatsächlich mit dem kleinen Pflänzchen

der tödlichen Vitamin-C-Mangelkrankheit

Skorbut vorgebeugt. Wichtig: Das Scharbockskraut

sollte sehr früh im Jahr noch vor der Blüte gesammelt

werden, da sich danach giftige Stoffe in den

Blättern bilden.

in den Aufzeichnungen der Hildegard von Bingen

auf. Die gerbstoffhaltige Pflanze wurde auf großflächige

Wunden aufgetragen. Neueste Forschungen

bescheinigen ihm antibakterielle, antioxidative

und entzündungshemmende Eigenschaften. Seine

ätherischen Öle geben ihm ein Aroma, das als

minzähnlich bis lakritzartig beschrieben wird, was

durch eine Kostprobe vor Ort von uns bestätigt

werden kann. Frau Honisch hat einen Tipp: Die

kleinen Blätter entwickeln, in Schokolade getaucht,

einen „After-Eight“-ähnlichen Geschmack. Würzigen

Gerichten, z. B. Kräuterquark, gibt der kleine

Tausendsassa eine besondere Note und seine Blüten

können über Salat gestreut werden.

Jungbrunnen für Gurmets:

Die Vogelmiere

Geniessen und genesen:

Der Gundermann

Ein paar Schritte weiter steht der bläulich blühende,

kleine Gundermann. Er taucht erstmals als „Gunde

Rebe“ (Gund: Althochdeutsch für Beule oder Eiter)

Wir sind schon an ihr vorbeigewandert, denn sie

wächst wirklich überall. Aber nun bleiben wir

stehen und probieren sie: Köstlich! Ein angenehm

milder Geschmack, der an junge Maiskolben oder

zartes Erbsengrün erinnert. Für Katrin Honisch

zählt die Vogelmiere zum heimischen Superfood,

denn neben einem hohen Eiweißgehalt decken

150 g den Tagesbedarf an Kalium und Magnesium

und bereits 50 g enthalten den täglichen Bedarf an

Vitamin C. Zusätzlich enthält das kleine „Garten-Unkraut“

viele Spurenelemente wie Phosphor,

Kupfer und Silizium. Roh (so ist die Vogelmiere am

leckersten) im Salat oder als Pesto gegessen, soll das

enthaltene Aucubin das Immunsystem stärken und

dem vorzeitigen Alterungsprozess entgegenwirken.

WOLL Herbst 2019 - 37


Das Pflaster für Wanderer: Der

Spitzwegerich

Man kennt ihn als Hustensaft, aber er

kann mehr: Der Saft der Blätter kühlt

Insektenstiche und versorgt kleinere

Wunden durch seine antiseptischen

Eigenschaften. Einfach mit den Fingern

ausquetschen bis der Saft austritt

und die betroffenen Stellen einreiben.

Das haben wir notiert, und weiter

geht’s zum nächsten Kraut.

Gärtners Leid, Kenners Freud:

Der Giersch

Man wird ihn kaum los: Der Kampf

gegen den Giersch hat schon so manche

Gärtner zur Verzweiflung gebracht.

Dagegen hilft ein einfaches Rezept:

Frieden schließen und aufessen!

Die jun gen Blätter erinnern roh an

Petersilie und schmecken gekocht wie

kräftiger Spinat. Giersch essen lohnt

sich, er enthält

Vitamin C und A,

Magnesium, Kalium und Kupfer.

Katrin Honisch macht daraus eine

erfrischende Limonade: Ein Sträußchen

Giersch in Apfelsaft hängen

und anschließend mit Mineralwasser

auffüllen. Sein Beiname „Zipperleinskraut“

weist auf seine Verwendung bei

Gicht und Rheuma hin, im Tee wirkt

er harntreibend. Zur Sicherheit: Beim

Sammeln sollte man, um Verwechslungen

mit dem hochgiftigen „gefleckten

Schierling“ zu vermeiden, die 3x3-Regel

beachten: Der Stiel ist im Querschnitt

3-eckig, und es stehen immer 3

Blätter zusammen am Stiel, die selbst

jeweils dreigeteilt sind.

Pikante Überraschung:

Das Wiesenschaumkraut

Das kleine, zart-violett blühende

Pflänzchen hat ein ungeahntes Aroma:

scharf-lauchig und erstaunlich kräftig

schmeckt das Wiesenschaumkraut.

Es erinnert an Rucola. Dafür verantwortlich

sind Senfölglykoside, zudem

enthält die Pflanze eine gute Portion

Vitamin C. Als Salatbeigabe ist diese

kleine Aroma-Überraschung sehr empfehlenswert.

Sauerländer Power-Beere:

Die Schlehe

Wir wandern weiter entlang der Ruhr -

bis Katrin Honisch den nächsten Halt

an einem Schlehenbusch vorschlägt.

Einer alten Weisheit nach soll man die

ersten drei Blüten einer Schlehe essen,

um das ganze Jahr über von Fieber

und Grippe verschont zu bleiben. Die

Beeren gelten – erst nach dem Frost

oder nach dem Einfrieren genießbar

– als wertvoller Lieferant von Mineralien

und Vitaminen, selbst der Steinzeit-Wanderer

„Ötzi“ hatte getrocknete

Schlehen als Power-Proviant im Gepäck.

Die Kerne sollten roh wegen ihres

hohen Blausäure-Gehaltes allerdings

nicht verzehrt werden.

Zu guter letzt:

Die Handstraussregel

Unsere Wanderung hat uns an vielen

essbaren „Unkräutern“ vorbeigeführt,

und es ist erstaunlich, wie reich das

Sauerland den Tisch deckt. Für alle, die

Lust aufs heimische Superfood bekommen

haben, gilt: Zum Schutz der Natur

nehmt von allem nur eine Handvoll

mit, damit uns die Sauerländer Pflanzenwelt

noch lange so vielfältig erhalten

bleibt. ■

38 - WOLL Herbst 2019


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3.SauerlAnder

Literatur

3. Sauerländer Literaturtag

am 15. September im

Kulturbahnhof

Peter Prange, Kathrin Heinrichs und viele

andere Sauerländer Autoren kommen

Tag

vielen Regionen und

Städten finden regel-

In mäßig Literaturtage

und Literaturwochen statt. Vor

allem Autoren, Buchhandlungen

und Verlage aus der jeweiligen

Region oder Stadt präsentieren

dort ihre Werke. Für die Literaturregion

Sauerland hat der

WOLL-Verlag 2015 erstmals einen

solchen Literaturtag, vor allem mit

Autoren aus dem eigenen Verlag,

veranstaltet. 2017 fand der

2. Sauerländer Literaturtag im

Rittersaal der Burg Altena statt.

Beim nun 3. Sauerländer Literaturtag

am 15. September im

Kulturbahnhof Grevenbrück ist

neben dem WOLL-Verlag die

Literarische Gesellschaft Sauerland

– Christine-Koch-Gesellschaft

e.V. Veranstalter. Die Stadt Lennestadt

stellt die Räumlichkeiten

des Kulturbahn hofes kostenlos zur

Verfügung.

Bestseller-Autor Peter Prange

kommt

Den Veranstaltern ist es gelungen,

namhafte Sauerländer Autoren für

den Literaturtag zu gewinnen. So

freut sich der aus Altena stammende

Bestseller-Autor Peter Prange nicht

nur, seine zwei Fortsetzungsromane

„Eine Familie in Deutschland“

vorstellen zu können, sondern auch

über die Verfilmung des Sauerländer

Familiendramas „Unsere wunderbaren

Jahre“ zu berichten. Kathrin

Heinrichs wird ihren im September

erscheinenden Krimi „Wildes Holz“

vorstellen und Hellmut Lemmer liest

aus dem im Süden des Sauerlandes

spielenden Roman „Herzkartoffel“.

Mit ihrem Erstlingsroman „Beib

doch, wo ich bin“ hat die Ense wohnende

Autorin Lisa Keil im Nu ein

großes Publikum erreicht. Und der

in Warstein geborene Autor Jochen

Enste hat mit seinem Schwank über

das Schützenfest „Glaube, Sitte,

Heimat“ nicht nur die Schützenfestszene

zum Lachen gebracht.

Dazu kommen weitere Autorinnen

und Autoren aus dem Sauerland, wie

Anke Kemper, Anke Vogt und Kurt

Wasserfall, die ihre Werke vorstellen.

Ein großer Büchertisch bietet

beste Gelegenheiten die literarischen

Werke aus dem Sauerland in schöner

Atmosphäre kennenzulernen. Der

Literaturtag beginnt um 10:00 Uhr

und dauert bis 18:00 Uhr. ■

mit

PETER PRANGE,

KATHRIN

HEINRICHS,

LISA KEIL,

JOCHEN ENSTE,

HELLMUT LEMMER

u.v.a.

Grevenbrück

Sonntag

15.September 2019

von 10:00 bis18:00 Uhr

Eine Veranstaltung vom WOLLVerlag

und der Christine-Koch-Gesellschaft

Literaturgesellschaft Sauerland e.V.

gefördert durch

WOLL Herbst 2019 - 39


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Kaffeegenuss aus aller Welt in der

Kaffeemanufaktur Arnsberg

Röstmeisterin Katharina Dlhoš entführt

in die Welt der Spitzenkaffees

Sonja Heller

Jürgen Eckert

Wer durch die Fenster der „Kaffeemanufaktur

Arnsberg“ schaut,

sieht mehrere kleine Tische mit

dunklen Stühlen im Thonet-Stil. Die Besucher

dieser Lokalität unterhalten sich, lesen

Zeitung oder genießen einfach nur ihren

Kaffee. Im ersten Moment kann man

auf die Idee kommen, dass es sich

hier um ein gemütliches kleines

Café handelt. Das ist es auch –

aber nicht in erster Linie. Denn

– wie schon die großen Lettern

über dem Eingang verraten - hier

handelt es sich in erster Linie um

eine Kaffeerösterei und -manufaktur.

Besonders deutlich wird das, sobald man

die Eingangstür passiert hat: ein verführerischer

Duft nach frischem Kaffee empfängt

die Gäste. In dem historischen Fachwerkhaus

am Alten Markt ist eine Oase für Kaffeeliebhaber

entstanden: ganz traditionell wird

hier Kaffee im Trommelröster veredelt. Jede

Kaffeesorte hat einen eigenen Charakter,

der betont werden soll. Daher wird jeweils

ein passendes Röstprofil entwickelt, um das

optimale Ergebnis zu erreichen - eine echte

Herausforderung. Doch auch das Anbaugebiet

und die Zubereitung sind entscheidend

für das Aroma.

Bei Röstvorführungen können die Teilnehmer

der Röstmeisterin Katharina Dlhoš

über die Schulter schauen: die Rösttrommel,

in der der grüne Rohkaffee bei unter 200

Grad geröstet wird, dreht sich gleichmäßig.

Während wir auf den “First Crack” warten,

den Moment, wenn die Bohne knackend

aufplatzt und die Restfeuchte entweicht,

erklärt uns Katharina Dlhoš, die ganz auf

Handarbeit setzt, den Unterschied zur Industrieröstung.

“In der Industrie wird Kaffee

zwei Minuten lang bei bis zu 800 Grad

40 - WOLL Herbst 2019


geröstet. Bei uns entstehen durch die

niedrigen Temperaturen keine Bitterstoffe.

Außerdem wird durch die

längere Röstung die Fruchtsäure des

Rohkaffees abgebaut, so dass unser

Kaffee sehr bekömmlich und magenschonend

ist”, erläutert Katharina

Dlhoš, die das Handwerk bei anderen

Röstmeistern gelernt hat. Nach 20

Minuten werden die fertig gerösteten,

duftenden Bohnen in das Kühlsieb

gelassen und nur mit Luft gekühlt.

Nach dem Rösten dürfen die Teilnehmer

der Röstvorführung ihren

Geschmackssinn bei einer Blindverkostung

testen, die ähnlich wie eine

Weinprobe ist: beim “Cupping” wird

der Kaffee mit viel Luft vom Löffel

geschlürft und wir stellen überrascht

fest, dass jede Sorte anders schmeckt.

Das Ergebnis der schonenden

Röstung überrascht angenehm: ein

aromatischer Kaffee ganz ohne Bitterstoffe.

Dass Kaffee ohne Zucker und

Milch so lecker schmecken kann,

ist für viele Gäste eine völlig neue

Erfahrung. Auch der Cappuccino ist

ein Erlebnis, cremig und fein: der

pure Genuss! Bei der Auswahl der

direkt gehandelten Kaffees achtet

Katharina Dlhoš auf die Einhaltung

von Bio-Standards. Nachhaltigkeit

und fairer Handel steht auch bei der

Hausmarke „Caffee Ceres“ im Fokus.

Ob fruchtiger Kaffee aus Papua Neu

Guinea, nussiger aus Indien oder

schokoladiger aus El Salvador - um

den jeweils passenden Kaffee zu

finden, werden die Kunden bei der

Auswahl durch die erfahrene Röstmeisterin

beraten. Auch Firmen

werden von der Kaffeemanufaktur

Arnsberg beliefert. Neben den sortenreinen

Kaffees gibt es auch Tee,

regionalen Honig sowie Zubehör für

die Zubereitung von Kaffee und Tee.

Termine für die Röstvorführungen

werden online bekannt gegeben. Für

Gruppen ab 7 Personen können individuelle

Termine vereinbart werden.

Den Kaffee der Kaffeemanufaktur

Arnsberg gibt es auch bei Partnern

in der Region und im Online-Shop

auf www.kaffeemanufaktur-arnsberg.

com. ■

Die nächsten Termine für die Röstvorführungen:

14. September

05. Oktober

30. November 2019

Dauer ca. 1,5 Stunden

Gebucht werden kann direkt im Laden:

Alter Markt 17, 59872 Arnsberg

und auf www.kaffeemanufaktur-arnsberg.com

Alter Markt 17

59821 Arnsberg

Tel. 02931 / 508 9951

info@kaffeemanufaktur-arnsberg.de

www.kaffeemanufaktur-arnsberg.de

WOLL Herbst 2019 - 41


Die Tagesmutter

Jutta Lammert betreut schon seit 23 Jahren Tageskinder

Christel Zidi

Tom Linke

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

Johann Wolfgang von Goethe

Es ist ein schöner, warmer Sommertag. Tagesmutter

Jutta Lammert erwartet mich zum Interview.

Schon aus einiger Entfernung höre ich Kinderlachen.

So folge ich den Kinderstimmen und gelange in

einen etwas wilden, großen Garten. Drei kleine Jungs

kommen zaghaft nach, als Jutta Lammert und ihr Mann

mich freundlich begrüßen. Jutta Lammert hat den Jungs

schon erzählt, dass ich komme. Meinen Namen konnten

sie sich allerdings nicht merken, deshalb haben sie

auf „Heidi“ gewartet. Und auch wenn ich nicht Heidi

bin, ist die Scheu schnell überwunden. Als wir nach ein

paar Minuten zum Kaffeetisch gehen, hat ein Junge sein

Händchen in meine Hand gelegt. Obwohl ich plattdeutsch

besser als Kleinkindersprache verstehe, kommt

auch mit den knapp Dreijährigen schnell eine Unterhaltung

in Gang.

Die 49-Jährige Tagesmutter konzentriert sich auf unser

Gespräch. Trotzdem schweifen ihre Augen immer wieder

zu „ihren“ Kindern. Keine Minute lässt sie sie aus den

Augen. Verantwortungsgefühl und Fürsorglichkeit – diese

beiden soft skills konnte ich schon am Telefon raushören,

als ich mit ihr einen Termin vereinbarte. Den Tagesablauf

der Kinder wollte sie auf gar keinen Fall durcheinander

bringen.

„Wir Tagesmütter

arbeiten den Kindergärten

quasi zu“

Neue Kinder

„Vier meiner Tageskinder gehen nach den Ferien in den

Kindergarten, zwei bleiben“, erklärt sie. Dann kommen

vier neue Kinder hinzu. Auf meine Frage, ob es ihr denn

nicht schwerfällt, die Kinder loszulassen, antwortet sie: „Ich

habe gelernt, damit umzugehen.“ Schon einige Wochen

vorher arbeitet sie auf diese ‘Ablösesituation’ hin, damit die

Situation für die Kinder völlig normal, sogar mit großer

Freude verbunden ist. „Genau das ist aber auch mein Job.

Jedes Kind ist anders. Als Tagesmutter ist man unheimlich

nah dran an den jeweiligen Bedürfnissen. Die Kinder müssen

einen Schritt weiter gehen, eine neue Situation kennenlernen.“

Solche Übergänge hat man als ein Erwachsener

schon viele Male erlebt - wie man damit umgeht, erlernt

man als Kleinkind. Auch ihren eigenen Kindern, 21 und

25 Jahre alt, hat sie „Flügel“ gegeben. Nach Auslandsaufenthalten

wohnen die beiden in Köln und Essen.

Die vier Kinder, die im August neu zu ihr kommen, sind

alle 12 Monate alt sind. Das bedeutet, dass die Kleinen

noch nicht richtig laufen können. Aus diesem Grunde hat

ihr Mann Reiner ihr jetzt einen Vierer-Kinderbus gekauft.

Schließlich geht es jeden Tag mit den Kindern nach

draußen, meistens in den Garten. Dort können die Kinder

alle Spielgeräte nutzen. „Kinder gehören nach draußen“,

erklärt sie, „Das Draußenspielen untereinander macht

Kinder stark.“

42 - WOLL Herbst 2019


Sauerländer LEUTE –

Der MENSCH dahinter

WOLL Herbst 2019 - 43


Erziehungspartnerschaft

Ganz wichtig ist es ihr, gut mit den Eltern zu kooperieren.

„Damit wir alle an einen Strang ziehen.“ Überhaupt ist

ihr der Austausch mit den Eltern sehr wichtig, bevor sie

einen Platz in der Tagespflege neu besetzt. Daher lädt sie

die Eltern erst mal zur Schnupperstunde in ihren Alltag

ein. Die Kinder, die im August neu starten, durchlaufen

mit einem Elternteil eine Eingewöhnungszeit. Schrittweise

und nach Tempo des Kindes wird so die neue Umgebung

mit der Tagesmutter vertraut gemacht. „Eine sehr wichtige

Phase“, so Jutta Lammert, „denn hier lernt auch die Mama,

sich von ihrem Kind für ein paar Stunden zu trennen.“

Das Konzept

Für die Tagespflege hat Jutta Lammert ein Konzept erarbeitet.

Das bekommen die Eltern nach dem Vorgespräch

mit nach Hause. Auch ich bekomme es zu lesen - und bin

beeindruckt. Ganz klar wird aufgezeigt, wie die Zusammenarbeit

zwischen den Eltern und ihr ablaufen kann.

Hier zeigt sie ihre pädagogischen Ziele auf, die Werte, die

sie vermitteln will. Denn, so Jutta Lammert „die ersten

drei Jahre prägen einen Menschen ungemein.“ Ihr ist

es wichtig, die Stärken und Schwächen eines Kindes zu

erkennen, das Kind zu fördern und zu fordern. Ihre große

Empathiefähigkeit ist hier von Nutzen.

In Ihrem strukturierten Tagesablauf sind die Schlaf- und

Ruhezeiten sehr wichtig, „denn nur so lernt das Kind sich

zu entspannen.“ Um danach den Nachmittag voller Tatendrang

wahrnehmen zu können. Manche Eltern denken,

dass Kinder ununterbrochen unterhalten werden müssen.

Das hält sie für falsch: „Das Kind hat dann keine Ruhe, zu

sich selbst zu finden. Kinder dürfen auch mal Langeweile

haben!“ Sie hat einen gut strukturierten Tagesplan, der so

aussieht: Ankommen, Spielen/Basteln/Malen, Frühstücken,

draußen spielen, Mittagessen, danach lesen oder singen,

schlafen oder ausruhen, dann drinnen spielen. Diese

Struktur ist sehr wichtig, denn „sie festigt die Kinder, gibt

ihnen Halt.“

Die Kinder, die zur ihr kommen, lernen nebenher auch

den richtigen Umgang mit Tieren, begreifen, dass Tiere

kein Spielzeug sind. Ihre Hunde, ein Havaneser und Labrador-Welpe

Mathilde, bindet sie in die Tagespflege ein.

Beide Hunderassen sind sehr kinderlieb und kamen schon

als Welpe ins Haus.

Die Anfänge

Dann berichtet sie davon, wie sie Tagesmutter geworden

ist. Sie war alleinerziehend mit ihrem damals zweijährigen

Sohn. Um „Leben in die Bude zu bekommen“ passte

sie auf andere Kinder auf. Das waren meist Kinder von

alleinstehenden Frauen, die ihr Kind bei ihr ließen, um

zu arbeiten oder sich fortzubilden. So wurde sie eine der

ersten Tagesmütter in Neheim. Bis zum heutigen Tag kann

sie sich nichts Schöneres und Wertschätzenderes vorstellen.

Gut vernetzt

Die gelernte Industriekauffrau ist mit vielen anderen

Tagesmüttern in Neheim, Arnsberg und Sundern und auch

Soest gut vernetzt; der Austausch mit ihnen ist ihr sehr

wichtig. Noch einige Dinge sind ihr bei der Arbeit extrem

wichtig: Ruhe und Gelassenheit, auf sich selbst zu achten,

eine positive Haltung zum Leben, sich auf die Arbeit mit

den Kindern zu freuen. Und zum Abschluss betont sie

„Wir Tagesmütter arbeiten den Kindergärten quasi zu.

Genau wie hier die drei Jungs, die mich jetzt verlassen.

Drei glückliche und starke Kinder. Die Kindergärten

werden ihre wahre Freude an ihnen haben.“

Und genau so wirken die drei kleinen Jungs im Garten auf

mich. Jutta Lammerts Konzept ist hier voll aufgegangen. ■

44 - WOLL Herbst 2019


Fern-WOLL

Köln, Miami, Toulouse oder

Perth. Sauerland ist überall.

Sonja Heller

Michael Martin

Im

Fern-Woll geht es um die Sicht auf uns

von außen. Auswärts lebende Sauerländer

und Besucher, die von ganz woanders weg

kommen: Was verbinden sie mit Worte, Orte, Land &

Leute?.

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Lebensphilosophie perfekt auf den Punkt bringt, woll.

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WOLL Herbst 2019 - 45


Erfolgreicher Drohnen-Einsatz

bei der Feuerwehr in Sundern

Drohne als Hilfsmittel hat sich schon nach kurzer Zeit etabliert

Philip Stallmeister

Z

wei unterschiedliche

Einsätze im Jahre 2017

führten dazu, dass der

Löschzug der Freiwilligen Feuerwehr

Sundern eine Vorreiterrolle

im Sauerland eingenommen hat.

Nach einem Waldbrand und einem

Autounfall, bei dem nicht klar war,

ob noch eine zweite Person beteiligt

war, reifte die Überlegung zur Anschaffung

einer Drohne mit Wärmebildkamera.

Erfolgreiche Sponsorensuche

„Bei dem Waldbrand auf einer ehemaligen

Kyrillfläche war der Brandherd

nicht sofort lokalisierbar. Bei dem

Unfall nahe eines hoch stehenden

Maisfeldes hätten wir eine möglich

verletzte zweite Person mithilfe einer

Wärmebildkamera schnell gefunden“,

sagt Löschzugsprecher Jürgen Voss.

Die Gründe waren überzeugend. Der

Leiter Feuerwehr, Andreas Siedhoff,

war ebenfalls begeistert. Es musste

aber in Zeiten leerer Haushaltskassen

Unterstützung durch Sponsoren gesucht

werden. So gingen Jürgen Voss

und Elmar Müller, die zusammen

die Idee zur Anschaffung hatten, auf

Sponsorensuche. Mit überzeugenden

Argumenten öffneten sich schnell

Türen. „Dank einer guten Präsentation

hatten wir innerhalb einer Woche

die Gelder zusammen“, erinnert sich

Müller. Neben der Vorstellung der

Einsatzgebiete wussten die Feuerwehrleute

auch in Sachen Technik

genau, was es sein sollte. Mit dem

studierten Elektroingenieur André

Garbes haben sie einen absoluten

Fachmann in den eigenen Reihen, der

sich bereits selbst eine Drohne gebaut

hatte.

Erfolgreiche Schulung

Eine Drohne Marke Eigenbau

sicherte sich der Löschzug allerdings

nicht, sondern eine ideale Foto- und

Videoplattform für Luftaufnahmen,

an die sich auch eine Wärmebildkamera

anschließen lässt. „Unser Modell

zählt noch gerade zum Privatbereich,

bietet aber eine professionelle Ausstattung“,

erklärt Garbes. Somit

wurde für einen mittleren vierstelligen

Eurobetrag ein geeignetes Gerät

angeschafft. Jetzt musste nur noch

die IuK-Einheit des Löschzugs für die

Nutzung der Drohne im Leitstellenfahrzeug

geschult werden. IuK steht

46 - WOLL Herbst 2019


für Information und Kommunikation.

Für die Bedienung der Drohne sind

mittlerweile 14 Feuerwehrleute als

Piloten einsetzbar. „Als Feuerwehrmann

musst du für den Einsatz einer

Drohne nicht unbedingt einen Schein

haben, wir haben aber einen gemacht

und haben uns nach einem Ausbildungsplan

mit Theorie und Praxis die

Funktionen der Drohne angeeignet“,

sagt Garbes.

Erfolgreicher Einsatz

Die Simulation des Modells am PC

verhalf dazu, Verständnis und Gefühl

für das Gerät zu entwickeln, das bereits

kurz nach der Inbetriebnahme im

Sommer 2018 verstärkt zum Einsatz

kam, denn die Hitzewelle des Sommers

brachte zahlreiche Waldbrände.

Am heftigsten war der Waldbrand bei

Sundern-Stemel im September, als

sich ein Feuer auf einer

Fläche von rund

7.500 Quadratmetern

ausbreitete.

André Garbes sagt: „Da

konnten wir dem Feuer gezielt

entgegenwirken. Wir wussten

sofort das Ausmaß.“ Jürgen

Voss ergänzt: „Die Luftbilder

sind eine wahnsinnige Hilfe.“

Das gilt nicht nur für die Suche

von Brandherden, die dank der

Wärmebildkamera und GPS genau

lokalisiert werden können. Auch bei

Unfällen und Vermissten, möglicherweise

Verletzten oder der Planung

von Einsätzen helfen die Aufnahmen.

Hier kann beispielsweise die

Anordnung der Fahrzeuge bestens

analysiert werden. Daher hoffen die

Sunderaner Feuerwehrleute, dass ihr

Projekt auch andere Wehren im HSK

überzeugt. „Es gibt leider immer

„Die Luftbilder sind

eine wahnsinnige

Hilfe.“

noch Mei nungen, eine Drohne sei ein

besseres Spielzeug“, bedauert Elmar

Müller. Die Erkenntnisse der Arbeit

der Feuerwehr in Sundern geben aber

überzeugende Argumente für eine

Anschaffung von Drohnen. ■


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„WIR ÜBERHOLEN UNS STÄNDIG SELBST“

Das Logistikunternehmen JUMA ist in nur drei Jahren

zu einem weltweit tätigen Unternehmen herangewachsen

Inga Bremenkamp

Jürgen Eckert

Es

gibt sie, diese Unternehmen,

bei denen man erst

auf den zweiten Blick

versteht, was sie eigentlich machen.

„Bei uns rufen immer wieder Leute

an, die einen LKW oder sowas

brauchen. Aber wir sind keine Spedition!

Wir sind ein Logistikunternehmen,

das Transport- und Lagersysteme

entwickelt - das ist etwas

völlig anderes“, stellt Julian Flashar,

einer der beiden Geschäftsführer der

JUMA GmbH, klar.

Was macht JUMA eigentlich?

Ein Sauerländer weiß, dass sich eine

Bierflasche am besten in einer Bierkiste

transportieren lässt und zu Hause

idealer Weise im Kühlschrank gelagert

wird. Die Flasche hat sowohl beim

Transport als auch im ‚Lager‘ einen

festen Platz, um heile und sicher

von A nach B zu kommen und um

möglichst optimal gelagert zu werden.

JUMA befasst sich seit 2016 im

Grunde genau mit solchen Transportund

Lagersystemen, nur dass diese

im Fall des Logistikunternehmens

deutlich spezieller und meist größer

sind als eine handelsübliche Bierkiste.

„Unsere Kunden kommen in

der Regel mit einem Produkt zu uns,

für dessen Transport oder Lagerung

ein besonderes System benötigt

wird. Ein System, dass es in einem

Katalog so nicht gibt. Wir verstehen

uns grundsätzlich als Problemlöser

und entwickeln Spezialsysteme, die

einen beschädigungsfreien Transport

beziehungsweise eine Lagerung mit

optimaler Auslastung ermöglichen“,

erklärt Marcel Malik, der das junge

Unternehmen gemeinsam mit

Julian Flashar leitet. „Bis ein Etikett

beispielsweise auf einer Bierflasche

klebt, hat es schon mindestens zwei

Transportwege und eine kleine

Typveränderung hinter sich. In Form

einer sehr großen Papierrolle geht es

zunächst zum Bedrucken und dann in

die entsprechende Brauerei, in der es

zurechtgeschnitten und an der jeweiligen

Flasche angebracht wird. Damit

die großen Papierrollen transportiert

und gelagert werden können, sind

besondere Systeme notwendig, die

wir entwickeln und fertigen. Solche

Papierrollen haben schnell einen

Durchmesser von einem Meter und

wiegen bei einer Breite von zwei Metern

gerne mal zwei Tonnen. Je nach

Produkt ist das natürlich sehr unterschiedlich“,

ergänzt Julian Flashar aus

Meschede.

Partner aus aller Welt

„Wir bedienen die komplette Industrie

und arbeiten mit Partnern aus der

ganzen Welt zusammen. Wir haben

mit der Bau-, Textil- und Automobilbranche,

aber auch mit der Luftund

Raumfahrt zu tun. Das ist sehr

abwechslungsreich und immer wieder

48 - WOLL Herbst 2019


spannend“, erklärt Marcel Malik.

Die vielen unterschiedlichen Partner

und Produkte bringen häufig neue

Anforderungen mit sich, weshalb das

Unternehmen Logistik immer wieder

neu verstehen will und muss: „Die

Reifen von Flugzeugen zum Beispiel

müssen nach drei bis vier Starts und

Landungen demontiert, kontrolliert

und gegebenenfalls repariert werden.

Dazu müssen sie transportiert und

auch gelagert werden. Diese Rädergestelle

kommen beispielsweise von

uns“, erklären die JUMA-Geschäftsführer,

die die Transportsysteme für

die deutsche Airline in ihrem Betrieb

selbst fertigen und in die ganze Welt

ausliefern.

Outsourcing als große Chance

Der Kundenstamm des Logistikunternehmens

ist schnell sehr groß

geworden, was auch an der Arbeitsweise

anderer Unternehmen liegt:

„Viele Firmen setzen auf Outsourcing.

Früher wurde zum Beispiel ein Auto

in einem einzigen Werk gebaut. Heute

werden die Türen, die Motoren und

viele

Kleinteile

in verschiedenen

Subunternehmen hergestellt

und im Hauptwerk nur noch

zusammengesetzt“, erklärt Marcel

Malik. „Trotzdem sollen die Teile

möglichst nicht lange gelagert werden,

sondern nach Bestellung binnen

weniger Stunden zur Verfügung stehen.

Diese Arbeitsweise fordert viele

Ladungsträger“, weiß der 40-Jährige

Betriebswirt, dem der direkte Kontakt

zu seinen Kunden wichtig ist.

Der Glanz der Innovationen

„Wir wollen durch Innovationen

glänzen“, sagt Julian Flashar als er von

dem Erfolgsrezept seines Unternehmens

spricht. „Wir verstehen uns

nicht als Zulieferer, sondern als Partner

und arbeiten entsprechend eng

mit unseren Kunden zusammen. Die

eigene Fertigung haben wir gebaut,

um so flexibel wie möglich sein zu

können. Wenn Du Deinem Kunden

gut und schnell

helfen möchtest, dann musst

Du unabhängig sein“, führt der

Industriekaufmann fort. Auch wenn

Stahl der Hauptwerkstoff des Betriebes

ist, wissen Julian Flashar und Marcel

Malik, dass ihre Mitarbeiter ihr

größtes Kapital sind. „Wir haben ganz

flache Hierarchien. Jeder kann kommen

und sich einbringen. Nur ein

Mitarbeiter, der gerne ins Büro fährt,

bringt uns weiter. Alleine geht’s nicht,

das ist uns völlig klar“, erklären die

Unternehmensgründer, die auf Nachhaltigkeit

setzen und dafür auf ihre

private finanzielle Maxime verzichten.

„Wir sind eindeutig auf Wachstum

ausgerichtet und investitionsfreudig.

Wir wollen etwas für die Zukunft

aufbauen und nachhaltig denken:

Auch wenn wir noch ein sehr junges

Unternehmen sind, bringen wir Dank

sorgfältig ausgewählter Mitarbeiter

viel Erfahrung und Know-how mit“,

erklärt Marcel Malik, der gemeinsam

mit Julian Flashar aus schließlich

WOLL Herbst 2019 - 49


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Mitarbeiter aus der Branche eingestellt

hat und sich auf das, was in der Zukunft

kommt, freut.

Der Sprung ins kalte Wasser

An die Anfänge des Unternehmens

erinnern sich die beiden Sauerländer

gerne, auch wenn der Weg zunächst

steinig war. „Wenn Du den Berg einer

Unternehmensgründung hinaufgestiegen

bist, fällt Dir oben auf, dass

der Sprung hinunter ins kalte Wasser

viel schwieriger ist als der Aufstieg

selbst“, erzählt Marcel Malik. Der

Geschäftsführer des Logistikunternehmens

spricht von dem Moment, in

dem er gemeinsam mit Julian Flashar

kurz vor der Gründung des eigenen

Unternehmens stand und die Kündigung

für seinen alten Arbeitgeber in

den Händen hielt. „Mein damaliger

Job war in Stein gemeißelt. Ich habe

18 Jahre lang für meinen vorherigen

und bis dahin einzigen Arbeitgeber

gearbeitet. Der Schritt ist Julian und

mir zu dem Zeitpunkt nicht leicht

gefallen. Im Nachhinein haben wir

aber definitiv alles richtig gemacht“,

sagt Marcel Malik, der schon seit 15

Jahren mit Julian Flashar zusammenarbeitet.

Der schnelle Erfolg Sorgte

mehrfach für Platzmangel

Der Erfolg von JUMA gibt den

Unternehmern Recht und hat sich

viel schneller als erwartet eingestellt.

„Laut Businessplan wollten wir nach

zwei Jahren einen weiteren Mitarbeiter

einstellen und eine eigene Fertigung

aufbauen. Geschafft hatten wir das

bereits nach zwei Monaten – unsere

eigene Fertigung stand und der erste

Mitarbeiter war eingestellt. Das ging

alles wahnsinnig schnell“, erinnert

sich Marcel Malik. „Wir überholen

uns bis heute ständig selbst“, ergänzt

Julian Flashar. Die angemieteten Fertigungshallen

von zunächst 200 und

dann von 400 Quadratmetern waren

genau wie das Büro schnell zu klein.

„Im privaten Anbau saßen wir bis vor

ein paar Wochen mit fünf Mitarbeitern

zusammen in einem Büro von

30 Quadratmetern und kamen uns

dabei oft wie Hühner in Legebatterien

vor. Wenn einer krank war, war zwei

Wochen später das ganze Büro krank“,

erzählt der 34-Jährige weiter.

Der Traum von den eigenen vier

Wänden

Die rasante Entwicklung von JUMA

und die damit verbundenen Umzüge

innerhalb kürzester Zeit ließen die

jungen Unternehmer von den eigenen

vier Wänden träumen. „Eigentlich

war das nur ein Scherzgedanke. Wir

hätten nie gedacht, dass wir unsere

eigene Fertigungshalle inklusive Büro

nach so kurzer Zeit bauen könnten.

Beim Stammtisch habe ich einem

Kollegen, der bei der Bank arbeitet,

relativ spontan gesagt, dass Julian und

ich eine eigene Halle bauen wollen

und wir mal sprechen müssten. Dieser

Freund hat uns direkt seine Hilfe und

Unterstützung zugesichert, womit der

Samen des JUMA-Baus gesät war“,

erzählt Marcel Malik, der dafür bis

heute genau wie Julian Flashar sehr

dankbar ist. Mit einem akribisch

ausgearbeitetem Businessplan und

etwas Mut in der Tasche hat’s dann

funktioniert: „Wir haben seit Juni

2019 unsere eigene Fertigungshalle

von 1200 Quadratmeter, ein 400

Quadratmeter-Büro und können die

Halle noch einmal um weitere 1000

Quadratmeter erweitern“, erklärt Julian

Flashar, der die Umzugsreihe von

JUMA damit beenden möchte und

sich gemeinsam mit seinem Partner

Marcel Malik mittlerweile an das

Tempo auf der Überholspur gewöhnt

hat. ■

50 - WOLL Herbst 2019


WOLL Herbst 2019 - 51


Was tun gegen den Einwohnerschwund?

Müschede entwickelt interessantes Konzept

Gisela Wilms

Philipp Nolte

nun an ging´s bergab“

verkündete einst die

„Von

Chansonsängerin Hildegard

Knef, wie sich die älteren Leser

erinnern werden. Diese Aussage trifft

seit einigen Jahren ebenfalls auf die

Einwohnerzahlen in Arnsberg zu. In

der Regierungsstadt wohnten im Jahr

2000 gut 81.000 Menschen, 2017

waren es nur noch etwas mehr als

78.000, wie dem Bericht der Immobilienbewertung

und Geodatenservice

der Stadt zu entnehmen ist. Tendenz:

fallend.

52 - WOLL Herbst 2019


Was können die Verantwortlichen in den Gemeinden, aber

auch die Bewohner der einzelnen Ortschaften tun, um der

unerwünschten Entwicklung entgegenzuwirken? Schlagwörter

wie „verbesserte Infrastruktur, Ausbau leistungsfähiger

Netze, attraktive Wohnmöglichkeiten“ hört man in diesem

Zusammenhang ebenso wie die Begeisterung über unsere

reizvolle Landschaft und die damit verbundenen Freizeitmöglichkeiten.Während

der Ausbau von Straßen, starkes

Internet oder die Schaffung von entsprechendem Wohnraum

Ziele darstellen, die nicht von heute auf morgen zu erreichen

sind, zumal Land und Bund ein entscheidendes Wörtchen

mitzureden haben, schöpfen wir landschaftsmäßig aus dem

Vollen. Wer kann sich schon der Schönheit des Möhne- und

Sorpesees oder der Wälder entziehen? Die Nähe zu größeren

Städten wie Dortmund und Münster bietet weitere Pluspunkte

für unsere Gegend.

Aber das reicht offenbar nicht aus, um den Abwärtstrend zu

stoppen. Allein am Fachkräftemangel wird sichtbar, dass es

ein mühseliger Weg ist, potentielle Bewerber von der hohen

Lebensqualität in unserem Sauerland zu überzeugen. Also

sind viele gefragt und jeder noch so kleine Beitrag kann

seinen Teil dazu leisten, dass die Menschen gerne im Land

der tausend Berge wohnen und anderen erzählen, wie gut es

sich hier leben lässt.

Müschede erfindet den Neubürgerstammtisch

In Müschede hat man sich

deshalb überlegt, die „Zugereisten“

besonders zu

begrüßen. Anfang des

letzten Jahres gründeten

die Politiker des

Dorfes einen Stammtisch

für Neubürger,

der seitdem regelmäßig

stattfindet. Zehn,

meist junge Leute

waren dem ersten Aufruf

gefolgt und am Tresen

entwickelten sich angeregte

Gespräche zwischen den Alteingesessenen

und den Neuen.

Es folgte Tage später ein Dorfrundgang,

bei dem die Historie des Ortsteils

anschaulich erzählt wurde. In diesem Jahr wurde auf dem

Schützenfest ein Tisch vorbereitet, der für diejenigen ein

Anlaufpunkt war, die das Fest der Feste zum ersten Mal

mitgemacht hatten.

Eine gut gefüllte Willkommenstüte

Alle anderen, die die Stille bevorzugen, werden ebenso

willkommen geheißen. Eine Tüte, die es in sich

hat, wird jedem überreicht, der neu nach Müschede

gezogen ist: Taschentücher, Kugelschreiber, Schuhanzieher,

Zollstock und viel Nützliches mehr haben

ortsansässige Unternehmen zur Verfügung gestellt. Die

Vereine freuen sich, wenn die beigelegten Gutscheine

eingelöst werden, wie zum Beispiel der für die letzte

Bratwurst, die die Feuerwehr seit einigen Jahren am 30.

Dezember am Gerätehaus brät. Der Sportverein lädt

zu kostenlosen Schnupperkursen ein und der Chor

„Junge Harmonie“ verschenkt Wertmarken, die bei

seinen Auftritten eingelöst werden können. Als Letztes

enthält das Begrüßungspaket eine Broschüre, auch

„ZDF“ genannt, nämlich Zahlen, Daten, Fakten über

das Dorf, in der sich alle Gruppierungen des Ortsteiles

vorstellen. Die positive Resonanz auf die verschiedenen

Aktionen bestätigt die Initiatoren, den richtigen Weg

eingeschlagen zu haben. Bleibt zu hoffen, dass es

sich herumspricht, dass man in Müschede

in einer hilfsbereiten und aktiven

Gemeinschaft lebt, in der sich

Alte und Junge, Frauen und

Männer, Alteingesessene

und neu Hinzugezogene

wohlfühlen können. ■

WOLL Herbst 2019 - 53


Treckerliebe

Die Oldtimerfreunde Ense sind weit mehr als Sammler alter

Landmaschinen und Fahrzeuge

Sonja Heller Tom Linke Maren Neumann-Aukthun

D

ie Sonne brennt. Auf

dem Feld steht das

Dieselross in der flirrenden

Hitze, neben ihm glänzt Junior

und etwas weiter vorne läuft auch

der Kramer warm. „Nimmst du

mich noch mit?“ ruft ein kleiner

Junge mit leuchtenden Augen. „Aber

klar doch“, lacht Manfred Lübben

und hält an für eine Rundfahrt

übers Feld, vorbei am Dieselross

und seinen Trecker-Konsorten. Es

ist Oldtimer-Fest in Ense-Bremen!

„Idee nahm schnell Fahrt auf”

Erst seit Mitte 2017 gibt es die Oldtimerfreunde Ense. Sie sind eine Interessengemeinschaft

von knapp zwei Handvoll Menschen, die keinen Verein

gründen wollten, um gemeinsam das zu tun, was ihnen wichtig ist: das Sammeln

und Restaurieren alter Fahrzeuge.„

Wir wollen zeigen, wie schön so ein altes Schätzchen sein kann“, erklärt Manfred

Lübben, der Mann auf dem Rundfahrten-Trecker für Kinder.

Doch Trecker sind es nicht allein, die bei den Oldtimerfreunden in den Garagen

und Gärten stehen, auch alte Autos, LKW und Motorräder sind darunter.

2017 entschieden die Freunde dann, mit ihrer lockeren Verbindung ernst zu

machen: Eine Internetseite wurde erstellt und das erste Oldtimertreffen der

Oldtimerfreunde Ense vorbereitet.

„Die Seele der Dinge“

Das 3. Oldtimertreffen 2019 auf der Bienenwiese in Ense zeigt, welche Anziehungskraft

die alten Maschinen haben. Nicht nur die Trecker brummen, das

ganze Fest tut es und trotz glühender Hitze sind Menschen aller Generationen

gekommen, um sich in die Arbeitswelt vergangener Zeiten zurückversetzen zu

lassen.

54 - WOLL Herbst 2019


Die unverwüstlichen Schlepper kommen ohne elektronische Komponenten

heutiger Landmaschinen aus und sind dazu echte Hingucker. „Es

geht uns nicht ums Sammeln“, so Maren Neumann-Aukthun, „sondern

alte, schrott reife Trecker mit Liebe zum Detail neu aufzubauen.“Ihr Mann

schenkte ihr den ersten Trecker, einen Porsche Junior, zu Weihnachten.

„Das war ein einziger Schrotthaufen“, erinnert sich Thomas Aukthun

schmunzelnd.

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WOLL Herbst 2019 - 55


einen Schlepper restauriert. Dafür assistiert er

reihum beim Instandsetzen und lernt die

Unterschiede zwischen Eicher, Dieselross,

Porsche, Deutz, Schlüter und vielen Marken

mehr kennen. Dabei zieht sich die Begeisterung

für Trecker durch alle Generationen, denn für

viele waren früher Landmaschinen Teil ihres

Lebens. Die Oldtimerfreunde Ense planen

deswegen, dem Altenheim in Ense mit ihrem

Wagenpark einen Besuch abzustatten, um bei

den Senioren positive Erinnerungen an die

Es dauerte zehn Jahre, daraus wieder ein Schmuckstück

zu machen. Und das sei, was die Oldtimerfreunde ganz

wesentlich verbinde, sagt Maren Neumann-Aukthun,

„Wir wollen das Alte bewahren und weitergeben.“

Ein Thema von 15 bis 80

Beispielsweise an den jüngsten Trecker-Fan, den 15-jährigen

Nick Bart, der grade als „Praktikant“ lernt, wie man

Aus Traum wird Raum

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56 - WOLL Herbst 2019


Vergangenheit zu wecken. Und auf

dem diesjährigen Oldtimertreffen war

der älteste Aussteller ein 80-jähriger

Treckerfahrer, der im Zelt auf der

Wiese übernachtete und die Oldtimerfreunde

zu später Stunde zum

Schlaftrunk einlud.Oldtimer-Trecker

boomen. Möglicherweise weil es einen

Trend zur Rückbesinnung auf Wertigkeit

und Nachhaltigkeit gibt und eine

Entwicklung zu mehr Gemeinschaft

und Gemeinsames. Aus dem Grund

sind die Preise für die Maschinen

enorm angezogen. „Das ist der

Nostalgie-Effekt“, meint Treckerfahrerin,

Tierärztin und

Künst lerin Neumann-

Aukthun. Was immer es

ist: Manfred Lübben freut

es, wenn bei seinen Fahrten

durch Ense die Leute aus

dem Haus treten und

sagen „Man hört schon von

weitem, wer angetuckert

kommt!“. Ein echter

Oldtimerfreund. ■

www.oldtimerfreunde-ense.de

WOLL Herbst 2019 - 57


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Mit oder ohne Motor

durchs Sauerland

Gisela Wilms

Jürgen Eckert

F

ahrräder in verschiedenen Ausführungen, vom Kinderrad bis zum

hochwertigen E-Bike, Gebrauchtfahrzeuge und eine Werkstatt, in

der Service- und Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Zweirad

Navel bietet Fahrradfahrern alles, was sie zu ihrem Glück brauchen.

Der 32-jährige Michael Mersch ist

Inhaber des Unternehmens. Nachdem

er bei Zweirad Navel seine

Ausbildung zum Zweiradmechaniker

gemacht hatte, übernahm er

2018 den Betrieb von Rolf Navel.

Seit nunmehr anderthalb Jahren

kümmert sich Mersch mit einem

Mitarbeiter und einer Mitarbeiterin

um die Kunden. Für ihn stand nie

etwas anderes zur Debatte, wenn es

um die Berufsfrage ging. Schon als

Jugendlicher reparierte er Fahrräder,

wenig später war es dann der erste

Motorroller. Sein Hobby machte er

nach der Schulausbildung zu seinem

Beruf. War es anfänglich die

Begeisterung für das Technische,

kam sehr schnell die Freude an der

Beratung hinzu.

Zeit für Kunden

Der junge Unternehmer und seine

Angestellten nehmen sich viel

Zeit für diejenigen, die den Laden

betreten. Dabei ist es egal, ob ein

Kinderfahrrad, ein E-Bike oder

eine Vespa gesucht wird. Michael

Mersch möchte, dass die Käufer das

Geschäft zufrieden verlassen. Auf

der Verkaufs fläche findet der Interessent

eine große Bandbreite von

Zweirädern, wobei die mit Motor

den größten Teil ausmachen. „Das

E-Bike wird immer stärker nachgefragt,

deshalb wird das Angebot

auch immer umfangreicher“, erklärt

der Besitzer. Ergänzt wird es um die

entsprechende Ausstattung. Alles,

vom Helm bis zu den Handschuhen,

ist auf der 500 m² großen Verkaufs-

58 - WOLL Herbst 2019


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fläche zu finden. Die angegliederte

Werkstatt ist technisch auf neuestem

Stand. Die für die Reparatur erforderlichen

Kenntnisse eignen sich

Inhaber und Mitarbeiter in regelmäßigen

Schulungen an, sodass sie

immer auf dem neuesten Stand sind.

Ein Indiz dafür, dass bei Zweirad Navel

Qualität und Sicherheit ein hoher

Stellenwert eingeräumt wird.

Kein Kauf ohne vorherigen

Praxistest

Hat sich jemand für ein Fahrrad

entschieden, bekommt der Kaufinteressent

das Angebot, einen Praxistest

zu machen. Nach der ersten Tour

wird dann ein individuelles Rad

zusammengestellt: Ein einfaches oder

hochwertiges Modell, ein besonderer

Sattel, die Frage, ob Rücktritt oder

nicht, Mersch zeigt so lange Alternativen

auf, bis der Käufer zufrieden

ist. Auch stehen die Mitarbeiter

beratend zur Seite, wenn jemand sein

Rad selbst reparieren und Ersatzteile

bestellen möchte. Das alles erfordert

Zeit, die sich Inhaber und Angestellte

von Zweirad Navel gerne nehmen

und so ist es nur folge richtig, dass

Michael Mersch die Frage nach

Expansion verneint. „Würden wir

größer, ginge das zu Lasten der

Kundenbetreuung. Wir handeln nach

dem Motto ‚klein, aber fein‘ und

fühlen uns sehr wohl damit“, betont

der Fachmann. Die Auslastung des

Betriebes belegt, dass Zweirad Navel

mit dieser Strategie auf dem richtigen

Weg ist. ■

WOLL Herbst 2019 - 59


Kuhschisshagen und

der Mega Sports

„In Hagen werden

immer drei Feste

gefeiert: Weihnachten,

Schützenfest und

Mega Sports“

Josy Born

Philipp Nolte & Sportograf & Mega-Sports

Jeder weiß, welcher Ort gemeint ist, wenn von „Kuhschisshagen“

die Rede ist. Doch der Name hat nicht, wie vielleicht zunächst

vermutet, etwas mit der Abgrenzung zur Stadt Hagen zutun. Er

ist schon vor vielen Jahrzehnten entstanden, als die Hauptstraße in

Hagen noch buchstäblich „beschissen“ war.

60 - WOLL Herbst 2019


Jeder weiß, welcher Ort gemeint ist, wenn

von „Kuhschisshagen“ die Rede ist. Doch der

Name hat nicht, wie vielleicht zunächst vermutet,

etwas mit der Abgrenzung zur Stadt Hagen

zutun. Er ist schon vor vielen Jahrzehnten

entstanden, als die Hauptstraße in Hagen noch

buchstäblich „beschissen“ war.

Der Rentner Josef Cramer hat sein Leben lang

in Hagen gewohnt und erzählt von vergangenen

Zeiten: „Damals, in den 60ern, hatte jeder

im Dorf noch Vieh. Wenn man keine Kuh

hatte, dann hatte man eine Ziege oder Hühner.“

Und da es in dem länglichen Ort Hagen

neben der Hauptstraße wenig Alternativen

gab, das Vieh zur Weide zu bringen, wurden

alle Tiere über die eine, damals noch mit Kopfstein

gepflasterte Straße getrieben. „Und wenn

die Kühe aus dem Stall kommen, scheißen sie

nun mal gerne, so ist das eben“, scherzt Josef

Cramer. So kam es, dass die Hauptstraße in

Hagen meist bedeckt war mit Kuhfladen.

Da auch viele Ziegen im Dorf waren, sei

Hagen oft auch damit in Verbindung gebracht

worden. „Dann hätte Hagen ja rein theoretisch

auch Ziegenschisshagen heißen können“,

wendet Hubertus Cramer, Josefs Neffe, augenzwinkernd

ein. Aber es sind sich alle einig:

Es ist gut, dass sich der Kuhschiss durchsetzen

konnte.

Heute gibt es in Kuhschisshagen nur noch

zwei Landwirte mit Milchkühen und der

„Tierverkehr“ auf der Hauptstraße ist ersetzt

durch LKWs, Motorradfahrer und Co.

Doch der Name ist geblieben. Selbst wenn er

einige im Dorfe vielleicht stören mag – wer

den Namen mit Humor nimmt, entdeckt

den ländlich-idyllischen Charakter des Ortes

in dem allseits bekannten „Kuhschiss von

Hagen“.

WOLL Herbst 2019 - 61


Mega Sports ist das Größte! Nicht

nur für die Hagener

Wenn man von Hagen berichtet, darf

man das größte Mountainbike-Festival der

Region nicht außer Acht lassen. Denn „in

Hagen werden immer drei Feste gefeiert:

Weihnachten, Schützenfest

und Mega Sports“, so

der Vorsitzende

des Fördervereins

und

somit

einer

der

Hauptveranstalter des Events.

Auch in diesem Jahr kamen wieder rund

400 Helfer, größtenteils Hagener zusammen,

die gemeinsam den Bike-Event auf die

Beine stellten.

Man bedenke, dass Hagen insgesamt nur

rund 800 Einwohner hat und das Festival

ein zweitägiges Programm beinhaltet, mit

großem Marathonrennen, Bike-Biathlon,

Familienprogramm inklusive Laufradrennen

für die Kleinsten wie auch ein Abendprogramm

mit Liveband und anschließender

„Silent-Disco“.

„Beim Schützenfest merken wir, dass wir

zusammen feiern können. Bei Mega Sports

merken wir, dass wir zusammen Dinge

bewegen können und gut zusammen

funktio nieren“, erläutert Fördervereinsvorsitzender

Klaus-Rainer Willeke. Besonders

aner kennend erwähnte er, dass erneut viele

unter 30-Jährige wichtige Teile der Organisation

mit Bravour übernommen haben

und große Summen sinnvoll einsetzen, um

das Fest zu einem wahren Jahreshighlight


werden zu lassen. Jana Weilandt, die, wie die meisten im

Dorf, bereits seit Kindertagen als Helfer bei Mega Sports

dabei ist, antwortet auf meine Frage, warum sie damals

in das Organi sationsteam eingetreten sei, überlegend:

„Ich weiß auch nicht, das ist einfach so gekommen“ und

erläutert, dass es eben selbstverständlich für die Hagener

Kinder und Jugendlichen sei, mit anzupacken. Ihr

persönliches Highlight hätte sie im letzten Jahr erlebt.

Dort durfte sie als Maskottchen, als Kuh Lieselotte verkleidet,

den Start des großen Rennens vom Startauto aus

erleben. Es sei beeindruckend gewesen, als sie sah, wie

die Menschenmasse von rund 1.400 Radsportlern auf sie

zukam. Alles in allem habe es schon viele schöne Momente

bei Mega Sports gegeben, doch am Ende des Tages

zähle hauptsächlich, dass alle Teilnehmer möglichst

unbeschadet die Ziellinie überqueren. ■

„Es ist gut, dass

sich der Kuhschiss

durchsetzen

konnte“

WOLL Herbst 2019 - 63


Schuhe für Tansania

Jugendabteilung des SC Neheim unterstützt junge Fußballer in Ostafrika

Philip Stallmeister

Rainer Seidler & Jamii

Der SC Neheim gehört zu den

Vereinen mit der größten

Jugendfußballabteilung im ganzen

Sauerland. Neben der Westfalenligamannschaft

der Senioren sind auf

der Sportanlage im Binnerfeld

zahlreiche Jugendmannschaften

aktiv. Somit sind auch etliche

Trikots und Schuhe im Einsatz.

Gerade im Nachwuchsbereich

wachsen die Kinder

und Jugendlichen schnell aus

ihrer Kleidung und ihren

Schuhen hinaus. Diese werden

oft nicht mehr genutzt, sind

aber noch gut. Hier tritt der Verein

Jamii aus Herdecke ins Spiel.

Jamii sammelt die gebrauchte Kleidung

und vermittelt sie nach Tansania. Beim

SC Neheim koordiniert Robin Lienig die

Sammlung. Der langjährige Neheimer

Jugendtrainer sagt: „Ich bin über Facebook

auf die Aktion aufmerksam geworden, als

ein anderer Verein eine Sammlung postete.“

Angefangen haben die Neheimer mit allem

Möglichen aus dem Bereich der Ausrüstung.

Lienig und seine Mitstreiter motivierten

bei Meisterschaftsspielen und Turnieren im

Binnerfeld auch Gastvereine überschüssige

Sportausrüstung zu spenden.

1998, mit gerade mal fünf Jahren, fing

der heute 26-jährige Lienig an, in Neheim

Fußball zu spielen. Schnell wurde er Trainer

und übernahm Verantwortung in der

Jugendabteilung des Vereins. „Ich finde, das

ist eine coole Aktion“, sagt Lienig über die

64 - WOLL Herbst 2019


“Ich finde das eine

coole Aktion”

Spendenaktion für die Fußballer in Tansania.

Gefördert wird von Jamii eine Fußballschule

in Arusha, eine Stadt mit rund einer halben

Million Einwohnern im Nordosten

Tansanias. „Wir machten mit der Familie

Urlaub in Tansania, Urlaub mit Safari. Und

wir waren fasziniert von Land und Leuten.

Um diese zu unterstützen, haben wir den

Verein gegründet“, erklärt Alexandra Bürger,

die 1. Vorsitzende von Jamii, und berichtet

über das Land, das in Europa vor

allem durch seine landschaftlichen

Attraktionen wie das

Kilimandscharo-Massiv,

den Serengeti-Nationalpark

oder den Viktoriasee

bekannt ist. Vor

Ort werden nicht nur

Sachspenden geleistet. Der

Verein unterstützt auch Sportler und Lehrer

bei ihrer Ausrüstung. Nicht nur aus Neheim

kommt Fußballausrüstung; bei dem Verein

sammeln sich regelmäßig mehrere Umzugskartons.

Alexandra Bürger sagt: „Wir haben

nicht nur in der Region Kontakte, sondern

in ganz Deutschland.“

Fußball schafft Motivation

Robin Lienig hat jüngst vor allem um

Fußballschuhe gebet en: „In Tansania ist

Trikotwerbung verboten, deshalb haben

wir Schuhe gesammelt.“ „Die Neupreise

für Schuhe sind dort nicht anders als in

Deutschland“, betont Alexandra Bürger.

Dabei liegt das Durchschnittseinkommen

in Tansania nach Angaben von Durchschnittseinkommen.net

bei 540 US-Dollar

WOLL Herbst 2019 - 65


Mit dem Tod leben

“Fußball ist ein

wunderbares Mittel,

um die Kinder aus

der Perspektivlosigkeit

zu bekommen”

Die Trauerbegleiterin

Christina

Schulte-Huermann

hilft Menschen,

mit dem Verlust

eines Angehörigen

umzugehen

Trauerbegleiterin

Christina Schulte-Huermann

Tannenweg 13 · 59821 Arnsberg

0151 - 58 75 48 17

trauerbegleitung@lebewohl.eu

www.lebewohl.eu

pro Jahr beziehungsweise 45 US-Dollar monatlich pro Person.

Zum Vergleich: Für Deutschland nennt das Portal 39.615 Euro

pro Jahr. Die Voraussetzungen für ein finanziell sorgenfreies

Leben sind in Tansania also eher gering. Die Vereinsvorsitzende

von Jamii hat daher festgestellt: „Fußball ist ein wunderbares

Mittel, um Motivation zu schaffen, um die Kinder aus der

Perspektivlosigkeit zu bekommen.“ Als Beispiel nennt sie einen

jungen Mann, der ein begabter Fußballer ist und versuchte in

Deutschland als Profi durchzustarten. „Das hat er nicht geschafft.

Doch er hat Selbstbewusstsein gesammelt und ist nun als Touristenführer

tätig“, weiß Alexandra Bürger, deren Verein nicht nur

Sachspenden entgegennimmt. Mit Geldern werden beispielsweise

Matratzen für das Camp der Schule gesammelt. Ganzer Stolz des

Projekts ist die Damenmannschaft: „Die spielen mittlerweile in

der ersten Liga von Tansania.“ Und das auch dank der Hilfe aus

Neheim.

Eine Übersicht über die Arbeit von Jamii gibt es auf der Homepage:

jamii-ev.de. ■

66 - WOLL Herbst 2019


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WOLL Herbst 2019 - 67


Laientheater unter professioneller Leitung

Seit 30 Jahren heißt es: „Bühne frei für das Arnsberger Frauenensemble“

Gisela Wilms

Manfred Haupthoff















••


Arnsbergs Kulturszene kann sich sehen lassen.

Von Musik über bildende Kunst bis hin zum

Theater zeigt die Stadt an der Ruhr Interessierten

viele Facetten auf und ist dafür weit über ihre

lokalen Grenzen hinaus bekannt. So zieht der Arnsberger

Kunstsommer jährlich Hunderte von Besuchern

aus der ganzen Welt an – völlig zu Recht trägt er

deshalb auch das Attribut „International”. Ein wertvolles

Mosaiksteinchen in dem Kulturangebot ist eine

Gruppe, die es mittlerweile seit fast 30 Jahren gibt.

1990 wollte die damalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt

Arnsberg, Petra Kersting, das Schicksal der hiesigen Frauen

zwischen 1851 und der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg

präsent machen und suchte dafür ein geeignetes Medium.

Sie nahm Kontakt mit Marlies Langhorst auf, die sich neben

ihrem Studium intensiv mit dem Theater beschäftigt hatte.

Zusammen erkundeten die beiden das Archiv der Regierungsstadt

und fanden dort Geschichten aus der damaligen

Zeit von Frauen unterschiedlichen Standes. Marlies Langhorst

schrieb anhand der Dokumente über Hausmädchen und

Hausherrinnen einzelne Episoden und suchte Laienschauspieler,

die die Perso nen wieder zum Leben erwecken sollten. Auf

eine Anzeige, die geschlechtsneutral formuliert war, meldeten

68 - WOLL Herbst 2019


sich jedoch ausschließlich Frauen, sodass

der Name für die zusammengewürfelte

Gruppe schnell feststand: „Arnsberger

Frauenensemble“. Der Titel für die erste

Inszenierung war von Langhorst ebenso

schnell gefunden. „Auf dem Fest ist sie

die Königin“ lautete er in Anspielung

auf unsere Schützenfeste. 20 Damen im

Alter von 17-81 Jahren schlüpften in

weibliche und männliche Rollen und

begeisterten das Arnsberger Publikum in

fünf ausverkauften Vorstellungen.

Anhaltender Applaus für die

Künstler

Nach dem grandiosen Erfolg stand

für die Laienschauspieler und ihre

Regisseurin fest: „Wir machen weiter“.

Es folgten jährliche Aufführungen der

unterschiedlichsten Stücke. Von Ari s-

tophanes (Lysistrata) bis zu Tschechow

(Kirschgarten) - die Darstel lerinnen erarbeiteten

sich die Rollen der berühmten

Vorlagen so brillant, dass jeder Auftritt

von den Zuschauern mit anhaltendem

Applaus belohnt wurde. „Jedermann“

von Hugo von Hof mannsthal war einer

der Höhepunkte.

Wer Lust hat mitzuspielen oder das Arnsberger Frauenensemble

für Veranstaltungen buchen möchte, wendet sich

bitte an eine der folgenden E-Mail-Adressen:

g-hummert@unitybox.de

ma.langh@web.de

Die nächsten Aufführungen:

Im Atelier Schröter, Zu den Ohlwiesen:

27. September

„Du bleibst da und zwar sofort“ (K. Valentin)

13. Dezember

„A Christmas Carol“ (C. Dickens)

Im Hotel Restaurant Menge, Ruhrstraße 60

8. November:

„Du bleibst da und zwar sofort“ (K. Valentin) in Verbindung

mit einem 4-Gang-Menue (Anmeldung erforderlich)

Das anspruchsvolle Drama begeisterte

2011 nicht nur in Salzburg, sondern

ebenso in Arnsberg unter der Leitung

von Brigitte Rathert. Nach der Rück kehr

von Marlies Langhorst brachte diese zunehmend

eigene Stücke in großer Bandbreite

auf die Bühne. So beeindruckte

z. B. die Lesung zur Möhnekatastrophe

sehr. Nicht nur, aber auch, weil ein englischer

Diplomat unter den Zuschauern

war. Es war ein starkes Zeichen der

Versöhnung, das die Verantwortlichen

der Stadt durch die Einladung gesetzt

hatten. Lustig ging und geht es hingegen

in dem Theater stück „Tun se doch Senf

drauf“ zu, das aus der Feder von Langhorst

stammt. Ob ernst, komisch oder

mystisch, der Regisseurin gelingt es bis

heute mit ihren Schauspielerinnen die

jeweilige Intention umzusetzen.

Frauen ergänzen sich perfekt

Dass Lesungen zunehmend das Repertoire

ergänzen, ist auch der geringer

gewordenen Anzahl der Mitwirkenden

geschuldet. Waren es zu Beginn,

wie erwähnt, noch 20 Ehrenamtliche,

sind es heute nur noch elf Aktive

und Passive. Familienphase oder aber

Krankheit und Alter hindern einige

Amateurschauspielerinnen daran,

sich aktiv einzubringen. Ebenso fehlt

einigen nach so vielen Jahren die Lust

zum Weitermachen. Umso erstaunlicher

ist in diesem Zusammenhang,

dass die 80-jährige Gertrud Raffenberg

von Anfang an dabei ist. Deren

Tochter wusste um die Leidenschaft

der Mutter und hatte sie kurzerhand

beim Ensemble angemeldet. Ein

Glücksfall für die

Gruppe. Aber nicht

der einzige. Insgesamt

gewinnt man das

Gefühl, dass sich hier

Menschen gefunden

haben, die sich perfekt

ergänzen. Laut

Marlies Langhorst

stimmt die Chemie

zwi schen Regisseurin

und Darstellerinnen,

Die Chemie

stimmt zwischen

Regisseurin und

Darstellerinnen

wobei die

Chefin ihren

Frauen einiges

abverlangt,

denn schließlich soll die Aufführung

überzeugen - was bisher immer

der Fall war. Unisono betonen die

Damen, dass trotz der anstrengenden

Proben der Spaß bisher nie zu kurz

gekommen ist.

Neue Spielstätte

Natürlich nimmt auch beim Arnsberger

Frauenensemble das leidige

Thema Geld eine Rolle ein. Wurde

das erste Stück 1991 noch durch

Stadt und Land subventioniert, sind

die Aktiven seitdem auf sich selbst

gestellt. Der ein Jahr später gegründete

eigene Verein unterstützt sie

durch seine Mitglieder zwar und die

Eintrittsgelder tun ihr übriges, aber

die Kosten für Saalmiete, Feuerwehr,

Hausmeister und Tontechniker

können kaum gedeckt werden. Verständlich

deshalb der Wunsch, dass

sich Sponsoren finden, oder die Stadt

das Arnsberger Frauen ensemble als

Kultur- und Werbeträger wahrnimmt

und dementsprechend fördert, zumal

auch Engagements außerhalb Arnsbergs

auf dem Terminplan stehen.

Zunächst sind die Damen sehr froh,

eine neue, vielversprechende Spielstätte

gefunden zu haben. Die Bildhauerin

Stephanie Schröter stellt

ihr Atelier zur Verfügung, in der

zunächst zwei Vorstellungen geplant

sind. Des Weiteren kann sich der

Gast im Hotel Restaurant Menge in

Arnsberg bei hervorragendem Essen

von der Kunst des Frauenensembles

überzeugen. Wie er wohl reagieren

wird, wenn zwischen den Gängen des

Menues plötzlich befohlen wird: „Du

bleibst da und zwar sofort!“?? ■

WOLL Herbst 2019 - 69


Hünningen/Lüttringen:

Eigene Vereine, gemeinsame Zeit

Luftaufnahme Hünningen

Christel Zidi

S. Droste

Man fühlt sich an zwei unzertrennliche Kumpels erinnert, wenn die Hünniger

und Lüttringer vom Leben in ihren Dörfern berichten. Und so drückt es auch

Sascha Robbert, Zugführer des Spielmannszuges, aus: „Jedes Dorf lebt für sich

selber; zusammen machen wir alles.“ Beide Orte gehören seit 1969 zur Großgemeinde Ense.

“Eigentlich

machen

wir alles

gemeinsam”

Im Gebiet rund um den Schützenplatz, in

der Straße „Am Gelke“ trifft man sich. Etwas

außerhalb der Wohngebiete, mit herrlichem

Blick in die Natur. Alles, was die Vereine und

Orte ausmacht, alle wichtigen Aktivitäten der

Dorfbewohner finden hier statt. Diese Achse

markiert die geographische Zugehörigkeit:

Schützenhalle, Sportplatz, Kindergarten,

Tennisplätze, Siedlerheim auf Lüttringer Seite,

Grundschule, Sporthalle und Volleyballplatz

auf Hünninger.

Der historische Schützenverein eint beide

Dörfer schon in seinem Namen: Schützenbruderschaft

St. Hubertus Hünningen-Lüttringen

e .V. Die anderen Vereine sind exakt

den Dörfern zugeordnet. Selbstverständlich

finden sich in den Lüttringer Vereinen

viele Hünninger - und in den Hünninger

Vereinen viele Lüttringer. Es kommt eben

ausschließlich auf die Interessen an. Kleine

Neckereien gehören dazu: „Es ist wichtig,

dass die Vereinszugehörigkeit klar ist. Die

Vereine gehören den einzelnen Dörfern an“,

ist man sich mit leichtem Grinsen im Gesicht

einig. Und im nächsten Atemzug heißt es:

„Eigentlich machen wir alles gemeinsam. Die

beiden Dörfer gehören sehr nah zusammen“,

so Karl-Horst Wessollek, Vorsitzender der

Siedlergemeinschaft.

In Hünningen oder „Hoagi“, wie es noch

793 hieß, stand auf dem Fürstenberg einst die

Oldenburg, eine Wallburg, die während der

Sachsenkriege als Fliehburg diente. Im 13.

Jahrhundert wird die Burg Fürstenberg, eine

Landesburg Kurkölns, erwähnt, die aber im

darauffolgenden Jahrhundert schon wieder

zerstört wurde. Nach dieser Burg hat sich das

Adelsgeschlecht der von Fürstenbergs be-

70 - WOLL Herbst 2019


Luftaufnahme Lüttringen

Hünningen Lüttringen

Hünningen L

nannt. Am Osthang des Berges befinden sich

vorgeschichtliche Hügelgräber. Der Bau der

Fürstenbergkapelle, die heute auf dem Berg

steht, stammt aus der Zeit der Renaissance.

Lüttringen erschien als „Luderinchuson“

erstmals 1036 in den Urkunden. Ebenso wie

bei Hünningen geht der Ortsname auf einen

Personennamen zurück.

Reges Vereinsleben

Hünningen, mit rund 500 Einwohnern,

ist flächenmäßig um einiges größer als der

Nachbarort, allerdings hat Lüttringen mit

870 Personen deutlich mehr Einwohner.

Oder einfacher ausgedrückt: In Hünningen/

Lüttringen wohnen rund 1.400 Menschen.

Ein Großteil von ihnen gehört zur (gemeinsamen)

Schützenbruderschaft St. Hubertus

Hünningen-Lüttringen e. V.; der Rest feiert

- auch ohne Mitgliedschaft - an jedem zweiten

Wochenende im Juli das Schützenfest mit.

Normalerweise immer von Freitag bis Sonntag,

im nächsten Jahr geht es auch am Montag

weiter, denn dann feiert man das 100-jährige

Bestehen der Bruderschaft.

Auch die

Avantgardisten haben Grund

zu feiern: Die Avantgarde wird 50!

So alt ist allerdings keiner der Avantgardisten,

denn diese Untergruppierung

des Schützenvereins ist den

jungen, ledigen Männern vorbehalten.

Das Mitgliedsalter muss zwischen 16

und 30 liegen. In Zusammenarbeit mit

den Waltringern tragen die Avantgardisten

- der „verschworene Männerbund“, wie

Niklas John, der Kommandeur, schmunzelnd

anmerkt - zur Verschönerung des

Festzuges bei.

Keine Nachwuchssorgen

Überhaupt gibt es keine Nachwuchsprobleme

im Doppeldorf. Das hat sicherlich damit

zu tun, dass die Kinder schon früh an das

Gemeinschaftsleben herangeführt werden.

Kaum den Windeln erwachsen, kümmern

sich engagierte Frauen wie Mia Droste vom

KJB (Katholische Jugendbewegung) um die

musikalische Früherziehung. Natürlich geht

WOLL Herbst 2019 - 71


Die wichtigste Straße im Doppelort

Es gibt keine

Nachwuchsprobleme

im

Doppelort

es nicht sofort mit Trommel und Querflöte

los, sondern die Kleinen (ab zwei Jahre)

fangen mit Basteln, Singen und Klatschen an.

„Wir haben eine lange Warteliste“, sagt Mia

Droste, „da wir nicht mit dreißig Kindern

gleichzeitig arbeiten können.“

Heißbegehrte Plätze.

Die größeren Kinder und

Jugendlichen zieht es in den

Spielmannszug. Zugführer

Sascha Robbert kann nur Positives

aus seinem Verein berichten.

Von den 52 Aktiven des

Zuges ist die Hälfte unter 18 Jahre

alt. Das Durchschnittsalter liegt bei

22 Jahren. „Unsere Jugendarbeit kann sich

sehen lassen. Und darauf können wir auch

reichlich stolz sein.“

So wie Sascha Robbert, der auch gleichzeitig

Mitglied bei der Feuerwehr ist, sind viele

gleichzeitig in mehreren Vereinen. „Wenn

man in einem kleinen Dorf lebt, überschneidet

sich manches.“ Der Standort der

Freiwilligen Feuerwehr ist in Hünningen.

Aber natürlich zählen sowohl Hünninger als

auch Lüttringer zu den 28 Mitgliedern. Bei

Einsätzen werden auch die Orte Waltringen

und Höingen unterstützt. Das gilt natürlich

auch im umgekehrten Fall. Gegenseitiges Aushelfen

ist hier eine Selbstverständlichkeit.

Gemeinsam arbeiten,

gemeinsam feiern

Bei den Treffen der verschiedenen Vereine

entsteht stets positive Energie, die zu solchen

Projekten führt, wie

z.B. den Anbau des Feuerwehrgerätehauses.

Letztes Jahr im Mai begonnen, konnte

der Altbau komplett renoviert werden und

es kamen eine Garage, eine Werkstatt und

sanitäre Anlagen dazu. Feuerwehr und

Spielmannszug, die beide die Räumlichkeiten

nutzen, konnten im Mai die Einweihung

feiern. 70 Prozent entstand in Eigenleistung,

„Es war eines der krassesten Projekte der

letzten Jahre“, sagt Sascha Robbert. Und

Marvin Feldmann, Kassierer der Löschgruppe

fügt hinzu: „Wir sind froh, dass es endlich

geschafft ist.“

Der Veranstaltungskalender der Hünninger

und Lüttringer ist prall gefüllt. Trotzdem gibt

es Feste, auf die zu warten es doch zu lange

werden kann. Deshalb haben Schützenverein,

Schiessgruppe und Avantgarde vor fünf, sechs

Jahren beschlossen, am zweiten Wochenende

im Januar das „Bergfest“ zu feiern. „So

vertreiben wir uns die Zeit bis zum nächsten

Schützenfest“, erläutert Brudermeister Ralf

Droste. „Bis zum Sommer regiert der Winterkönig.“

72 - WOLL Herbst 2019


Die Lage der Schützenhalle,

außerhalb der Wohngebiete,

hat den großen Vorteil, dass kein

Einwohner durch Lärm belästigt wird.

Nicht, wenn zum Fest die Blaskapelle aus

Voßwinkel in der schönen Halle aufspielt und

auch nicht durch die Jugenddisko am Abend.

Erfolgreiche Sportlerinnen

Auch der Sport kommt nicht zu kurz in Hünningen/Lüttringen.

Auf die Volleyballerinnen,

die in der Bezirksliga spielen, ist Wolfgang

Schelp, Vorstandsvorsitzender des SV Lüttringen,

besonders stolz: „Bei der Sportlerwahl

des Gemeindeverbandes Ense wurden

unsere Volleyball-Frauen zur Mannschaft des

Jahres 2018 gewählt.“ Der SV Lüttringen

zählt neben den 125 Mitgliedern der Volley-

ball-Abtei-

lung noch

130 im Bereich

Fußball und 80 im Tennisbereich.

Glockenturm in Hünningen

Industrie gibt es nicht Hünningen/Lüttringen.

Zur Arbeit und zum Einkaufen fährt

man in die nahgelegenen Orte Ense, Neheim

oder Parsit. Die Menschen können sich an

der beschaulichen Ruhe in ihrem Orten und

an der wunderschönen Natur mit herrlichen

Aussichten ins Ruhrtal erfreuen. Ruhig ist

es in dem Doppelort - aber von Langeweile

keine Spur. Dafür sorgt allein schon das rege

Vereinsleben mit einem stets proppenvollen

Veranstaltungskalender. ■

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WOLL Herbst 2019 - 73


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EINE ALM MIT

HERZ UND

TRADITION

In der Almhütte in Dreihausen

wird Freundlichkeit gelebt

Liebe geht durch den Magen.

Gabi und Klaus Alteköster kochen

oft gemeinsam in ihrer Almhütte

Inga Bremenkamp

Oma Anni (82) stupst Enkel Paul (10) in die

Seite „Du übernimmst den Laden hier irgendwann

einmal, oder?“ Paul presst die Lippen

aufeinander: „Mmmh. Mal sehen. Das weiß ich noch

nicht.“ Anni Alteköster hat die Almhütte in Arnsberg-Dreihausen

am 14.11.1969 gemeinsam mit ihrem

Mann eröffnet. Eigentlich sollte aus dem damaligen

Hühnerstall ein Campingkiosk werden. Weil das Bauamt

„Hier kannst du ganz alleine

hinkommen. Hinter dem

Tresen stehen Freunde“

Stammgast Otto Reuber

dank neuer Auflagen aber plötzlich einen Strich durch

diese Pläne gemacht hatte, musste schnell neu gedacht

und umgeplant werden. „Von außen ist die Alm relativ

unscheinbar. Da ist die ursprüngliche Kioskidee noch

sichtbar. 2005 haben wir angebaut. Jetzt gibt’s die Alm

auch mit einer Terrasse hinter der Hütte, einem Kamin

und allem Drum und Dran“, erklärt Klaus Alteköster,

der die Alm seiner Eltern 2000 gemeinsam mit seiner

Frau Gabi übernommen hat. Klaus und Gabi sind beide

gelernte Köche und haben aus der einfachen Wirtschaft

ein richtiges Restaurant gemacht: „Wir haben die Speisekarte

erweitert. Bei uns gibt’s von der gebratenen Blutwurst

über Lamm bis hin zur orientalischen Küche alles.

Das Wild bekommen wir direkt vom Jäger aus Bachum

nebenan, über die Qualität müssen wir da nicht sprechen“,

erzählt der Chef des Hauses stolz.

Das Geheimnis der Erfolgsalm ist ähnlich unscheinbar

wie ihr Look von außen. Freundlichkeit ist das A und

O, weiß Klaus Alteköster, dem die Warmherzigkeit von

Oma Anni in die Wiege gelegt wurde. „Meine Mama hat

in all den Jahren jeden, der zur Tür hereingekommen ist,

mit dem gleichen Respekt und der gleichen Freundlichkeit

empfangen. Ganz egal wie alt oder jung, wie arm

oder reich derjenige war. Uns ist auch völlig egal, ob der

Gast zuletzt gestern oder vor zehn Jahren am Almtresen

gesessen hat. Wir freuen uns einfach über jeden, der uns

besucht und das spüren die Menschen.“

Gespürt hat das auch eine Runde von Stammkunden,

die vor ein paar Jahren am Möhnesee gezeltet hat. „Die

Kollegen hatten es an der Möhne etwas übertrieben. Da

war der Durst wohl etwas zu groß, weshalb sie dort vom

Zeltplatz heruntergeflogen sind.

Denen habe ich hier bei uns

dann Asyl gewährt, damit

sie ihre Campingwoche

nicht vorzeitig

beenden mussten.

Hier bei uns hat

jeder einen Platz.

Das ist doch klar“,

versichert Klaus Alteköster

und schwelgt

schmunzelnd in Erinnerungen.

74 - WOLL Herbst 2019


„Hier kannst du ganz alleine hinkommen, ohne irgendjemanden

an deiner Seite. Dann setzt du dich an den

Tresen und bist nicht mehr alleine, denn hinter dem

Tresen stehen Freunde, mit denen du über Gott und die

Welt reden kannst“, schwärmt Otto Reuber, der seit 50

Jahren Stammgast in der Almhütte ist. Früher ging man

‚nach Anni‘, heute geht man ‚auf die Alm‘. Geändert

hat sich an dem Grundsatz der Freundlichkeit dadurch

nichts.

Am 21.09.2019 wird das 50-jährige Jubiläum der Alm

gefeiert. Familie Alteköster lädt Gäste und Freunde

des Hauses ein. Freibier für alle, eine Grillstation - den

Gästen wird es an nichts fehlen. Große Feste sind die

Alte kösters auf ihrer Alm gewohnt: „Es gibt Jahre, an

denen waren am Vatertag 3.500 Leute bei uns. Väter,

Mütter, Kinder, Radfahrer, Wanderer und Bollerwagenpiloten.

Alle kommen gerne zu uns und schätzen die

Idylle und die familiäre Atmosphäre“, verrät der zweifache

Familienvater. Der Vatertag hat auf der Alm Tradition.

„Beim ersten Mal haben wir mit ein paar Mann

ein 30-Liter-Fass getrunken. Da waren wir Altekösters

fast noch lustiger als unsere Gäste. Mit der Zeit ist das

Event immer größer geworden. Dann sind wir von der

Almterrasse in die Scheune nebenan gezogen - bis auch

die zu klein war und wir die Party nach draußen ins Freie

verlegt haben“, erklärt der 55-Jährige. Die Faszination der

Almhütte am Vatertag steckt laut Klaus Alteköster meist

im Rucksack: „Bei uns dürfen die Wanderer ihre Reste

aus dem Rucksack weiter genießen. Sobald die Rucksäcke

leer sind, geht’s an unser Fass. Diese Geste schätzen die

Gäste. Wo sollen sie sonst auch hin mit ihrem schweren

Gepäck?“

Wanderer begrüßen die Mitarbeiter nicht nur am

Vatertag. Die Gäste kommen oft als Pilgerer des Weges,

weil die Alm von Neheim, Voßwinkel, Menden sowie

Bergheim und Holzen gut zu Fuß erreichbar ist. Nach

Hause kommen, ist heute wie damals kein großes Problem:

„‘Taxi Theo‘ hieß es früher. Da hat mein Vater

Theo die letzten Thekengäste oft nach Hause gefahren.

Heute kommt das auch immer mal wieder vor. Traditionen

muss man pflegen“, sagt Klaus Alteköster, für

den schon in der Jugend klar war, dass er den elterlichen

Betrieb einmal übernehmen werde. Ob die Almhütte in

Dreihausen den Sprung auch in die nächste Generation

schaffen wird, bleibt abzuwarten, auch wenn Oma Anni

Enkelchen Paul mit einem Augenzwinkern verspricht:

„Ich würde auch mal rüberkommen und dir helfen.“ ■

„Das Wild bekommen wir

direkt vom Jäger aus Bachum

nebenan, über die Qualität

müssen wir da nicht sprechen“

Klaus Alteköster

Klaus Alteköster wollte schon in der Jugend

den elterlichen Betrieb übernehmen

(Klaus und Anni Alteköster)

Dreihausen 2

59757 Arnsberg

02932 / 21586

almhuette-dreihausen.de

Lanai und Paul Alteköster lieben wie

viele andere Almgäste auch die

Nähe zu den Pferden auf der Alm

WOLL Herbst 2019 - 75


v. l. n. r. Kunsthistorikerin Dr. Inga Ewers-Schultz, Museumsleiter Dr. Jürgen Schulte-Hobein, Museumsmarketing Karin Fischer

„DAS SAUERLAND-MUSEUM

SPIELT JETZT IN

EINER ANDEREN LIGA!“

Die Fertigstellung des Neubaus mit modernster Technik ermöglicht

Ausstellungen, die im Sauerland bislang undenkbar waren

Inga Bremenkamp

„D

ie Umsetzung des

Neubaus war eine

Herkulesaufgabe“,

erklärt Dr. Jürgen Schulte-Hobein.

„Wir mussten zwischen all den

Fachwerkhäusern erst einmal einen

Platz für den Anbau finden und

am Ende 22 Höhenmeter überwinden.

Das war schon eine Herausforderung“,

fährt der Leiter des

Sauerland-Museums in Arnsberg

fort.

Im neuen Westfalen-Saal des Museums

stehen klimatisierte Kisten.

Kisten einer Kunsttransportspedition,

in denen hochwertige Ölgemälde

verpackt und angeliefert worden sind.

Ölgemälde, die sich zunächst an das

Klima im Ausstellungssaal gewöhnen

müssen und erst 24 Stunden nach

Ankunft von professionellen Restaurateuren

ausgepackt werden dürfen.

„Eine August-Macke-Ausstellung

wünscht sich das Sauerland schon seit

mehreren Jahrzehnten. Möglich war

das bislang nie, weil die Ansprüche an

die Originalgemälde der Kunstszene

sehr hoch sind. Die Luftfeuchtigkeit

zum Beispiel muss zwischen 50 und

55 Prozent und die Raumtemperatur

zwischen 18 und 21 Grad liegen.

Diesen Anforderungen können wir

jetzt in dem Neubau unseres Museum

gerecht werden. Das Sauerland-Museum

spielt jetzt dank modernster

Technik in den neuen Räumlichkeiten

in einer ganz anderen Liga, in

einer deutlich höheren Liga“, sagt der

Museumsleiter, der stolz ist auf den

Anbau des Kreismuseums und seit der

76 - WOLL Herbst 2019


Neukonzeptionierung voluminösere

und kostspieligere Ausstellung

präsentieren kann.

Von 2014 bis 2018 sind die alten

Räumlichkeiten des Museums

entkernt und aufwendig renoviert

worden. Gemeinsam mit dem im

September eröffneten Neubau sind

somit in den letzten Jahren 13,5

Millionen Euro in das historische

Museum investiert worden, das 1925

zunächst im alten Rathaus der Stadt

Arnsberg eröffnet wurde und zwölf

Jahre später auf den Landsberger

Hof umgezogen ist. Karin Fischer ist

verantwortlich für das Marketing des

Museums und erklärt, dass die Dauerausstellung

über die Historie des

Sauerlandes in den alten Gebäuden

bestehen bleibt und im Neubau künftig

temporäre Sonderausstellungen

Platz finden werden.

Die aktuelle August-Macke-Ausstellung

hält für die Besucher bis

Anfang Dezember 130 Exponate

bereit, von denen viele aus privaten

Händen stammen und in der

Öffentlichkeit so noch nie präsentiert

wurden. „Neben den hochwertigen

Gemälden sind auch das Taufbuch

und die Geburtsurkunde von August

Macke zu sehen. Hier werden Dank

dokumentierter Taufpaten die sauerländischen

Wurzeln des Künstlers

deutlich. Drei der sechs Paten tragen

den Nachnamen ‚Adolph‘, der auf die

mütterliche Seite von August Macke

zurückzuführen ist“, erklärt Dr.

Schulte-Hobein. „Dass die Mutter

von August Macke aus Eversberg

stammt und neben dem wohlhabenden

Bauernhof die Bäckerei ‚Adolph‘

in Velmede bewirtschaftet hat, ist

im Sauerland gar nicht so bekannt.

Dabei haben auch schon seine

Großmutter und die Generationen

davor in dem Bergdorf gelebt“ ,weiß

der heutige Museumschef.

Während die Restauratoren die

bereits ausgepackten Gemälde Millimeter

für Millimeter auf Schäden

begutachten, halten wir vor einem

Macke-Gemälde, das ein Kleinkind

mit einer Spielzeugtrommel zeigt.

„August Macke hat Kinder Anfang

des 20. Jahrhunderts ganz anders

dargestellt als das bis dahin der Fall

war. Endlich wurden Kinder nicht

mehr wie Erwachsene gezeigt und

entsprechend anders wahrgenommen.

Der Expressionist hat sehr persönlich

und warmherzig gezeichnet – etwas

völlig Untypisches und Besonderes

für die damalige Zeit“, erklärt Karin

Fischer, die pro Jahr mit 50.000

Museumsbesuchern rechnet, auch

weil das Sauerland-Museum nach der

Eröffnung des Neubaus in einer ganz

anderen Liga spielt. ■

AUGUST

MACKE

GANZ NAH

1

SEP

BIS

8

DEZ

2019

ARNSBERG

SAUERLAND–MUSEUM

MUSEUMS- UND KULTURFORUM SÜDWESTFALEN

August Macke | Sonniger Weg, 1913 | LWL-Museum für Kunst und Kultur

(Westfälisches Landesmuseum), Münster | Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif

WOLL Herbst 2019 - 77

www.sauerland-museum.de


Zu Fuß rund um

Arnsberg – eine Aussicht

jagt die nächste

Beate Brinkwirth

Privat

Beate (54) und Frank (51) aus dem Ruhrgebiet

waren wieder in Arnsberg unterwegs. Dieses

Mal zu Fuß auf der „Arnsberger Aussichtsroute“.

Ihr Fazit: „Liebe Arnsberger, eure Aussichten

sind grandios! Wenn ihr sie noch nicht kennt, solltet ihr

euch auf den Weg machen!“

Friedlich begrüßt uns früh am Morgen Arnsberg am

Bahn hofsgebäude – Menschen scheinen an diesem

Sonntagmorgen noch nicht auf den Beinen zu sein.

Dabei lacht bereits die Sonne, als wenn sie wüsste, dass

sie uns heute besonders willkommen ist. Unser Ziel: Wir

wollen Arnsberg zu Fuß umrunden und zwar oben auf

den Höhen. Die „Arnsberger Aussichtsroute“ verspricht

sagenhafte Blicke auf die ehrwürdige Stadt. Wir erhoffen

Großes.

Uhr: Der Anfang ist gemacht: Wanderschuhe

an den Füßen, Rucksäcke geschultert

9:00

und Wanderstöcke ausgefahren. Wir starten Richtung Osten

und siehe da, fast verlaufen wir uns bereits zu Beginn.

Doch eine freundliche Stimme aus dem ersten Stock

eines Wohnhauses ermuntert uns: „Weiter geradeaus und

dann gleich rechts, da beginnt der Wanderweg“. Arnsberg

ist also doch schon erwacht und gibt uns gleich freudig

Auskunft! Gut so, denn ohne den Hinweis und das große

Schild am Weg hätten wir unseren Abzweig zum Lüsenberg

glatt verpasst.

Steil geht es bergan, die Sonne blitzt durch das

noch lichte Astwerk und kitzelt die ersten

Blattspitzen ans Licht. Frühling macht einfach

Spaß. Wir nutzen die positive Energie

und umrunden nach steilem Aufstieg den

Lüsenberg. Er belohnt uns mit der ersten

tollen Aussicht auf die „Ostsilhouette

der Stadt“ – so sagt es der Wanderführer.

Vorbei an der Kleingartenanlage

78 - WOLL Herbst 2019


laufen wir am Waldrand entlang. Im Hintergrund

begleitet uns die nächsten Kilometer ein nicht zu

überhörendes Rauschen. Das romantische Plätschern

der Ruhr? Nein, es ist die Autobahn! Doch wir

wollen nicht meckern – ohne sie wären wir nicht

so schnell hier gewesen. Also weiter marschieren in

Richtung „Wolfsschlucht“.

Uhr: Leider keine Wölfe zu sehen,

10:00 stattdessen geht es durch eine Wohnsiedlung,

mal nach rechts und mal nach links. Wir

geben uns Mühe, keines unserer Wanderzeichen

zu verpassen. Normalerweise sind wir Meister im

Verlaufen – doch die Arnsberger Aussichtsroute –

ein Lob an die Verantwortlichen – ist hervorragend

ausgeschildert. Kaum dass wir uns mal wieder orientierungslos

umschauen, erblicken wir bereits den

nächsten Hinweis!

Uhr: Wir ziehen die Anoraks aus. Ob

10:15 es am Sonnenschein liegt oder an den

steilen Pfaden? Egal, wir genießen das gute Gefühl,

uns an der frischen Luft zu bewegen. Seitdem wir

in Richtung Rumbecker Höhe abgebogen sind,

hat uns das Rauschen verlassen. Jetzt hören

wir tatsächlich nur noch das Rascheln vom

Vorjahreslaub unter den Schuhen und das

Zwitschern der Vögel. Erholung pur! Es geht

steil bergab und wir sind froh, dass wir uns

mit unseren Stöcken abstützen können.

Im Tal müssen wir über das Hofgelände vom

„Wetterhof“ – es grasen Pferde auf der Weide

und ein Schild warnt vor dem Hofhund. Zum

Glück lässt sich der Aufpasser nicht blicken.

Uhr: Wieder blicken wir auf das

11:00 Panorama der Stadt, dieses Mal aus

einer anderen Perspektive. Von Süden her sieht es

aus, als hätte jemand die Stadt ins Tal gepresst. Wir

sind auf dem Weg zur Country Lodge. Könnte das

ein Platz für eine Pause sein? Doch wir sind zu früh

dran. Kaffee und Kuchen gibt es sonntags erst ab 13

Uhr. Schade! Ein bisschen Hunger hätte ich schon!

Wir wandern weiter und unterhalb des Weges liegt

der Waldfriedhof. Er strahlt in der Frühlingssonne

Ruhe und Frieden aus. Ein wirklich schöner Ort für

den letzten Liegeplatz auf Erden.

Uhr: „Sauerland ist Schauerland“

– haben wir früher immer

11:30

gesagt. Schließlich bin auch ich ein Sauerländer

Mädchen und erinnere mich an viele verregnete

Wochenenden. Kein Wunder also, dass wir auch

in Arnsberg bisweilen dem Matsch auf dem Wanderweg

ausweichen müssen, um keine nassen Füße

zu bekommen. Es geht wieder steil bergan und wir

warten sehnsüchtig auf eine Bank.

WOLL Herbst 2019 - 79


“Wer die Aussichten

noch nicht kennt, sollte

sich auf den Weg machen”

11:50 Uhr:

Da steht sie endlich rechts vom Weg:

unsere Pausenbank. Und auch noch

mit schöner Aussicht! Wir packen Kaffee,

Brötchen, Wurst und Käse aus. Es

schmeckt viel besser als zuhause.

Uhr: Weiter geht’s! Wir

12:20 schleppen uns den Berg

hinan. Ganz schön schwierig, satt und

entspannt wieder in den Tritt zu kommen.

Kurzes Verschnaufen an der Wegga belung

– ist ja klar, wir müssen den steileren Weg

weiter nach oben! Aber es hilft

nichts, irgendwo da oben muss

die Ehmsenhütte sein, unser

nächstes Ziel.

12 Uhr und ein paar

Minuten: Es war gar

nicht mehr so weit.

Unser Tipp an alle,

die sich inspiriert

fühlen: Es lohnt sich,

die Bank „links“

liegen zu lassen. Zähne

zusammenbeißen

und die nächsten 1,5

km weiterwandern.

Hier an der Hütte ist die

Aussicht ebenso schön und

es lässt sich gemütlich unterm

Holzdach im Windschatten eine

Rast einlegen. Bei schlechtem Wetter

sowieso die bessere Alternative!

Irgendwo hier soll die Nonnenkuhle sein.

Da haben sich angeblich im Dreißigjährigen

Krieg Nonnen vor französischen

Truppen versteckt. Ich hoffe, mit Erfolg!

Als Kind war ich jedenfalls fest überzeugt:

Tief im Wald findet mich niemand! Beweise

gab es genug: Hänsel und Gretel,

Schnee wittchen, Rotkäppchen usw. Heute

glaube ich nicht mehr daran. In Zeiten von

GPS und Wärmebildkameras finden sie

wahrscheinlich auch einen abgeschnittenen

Fußnagel, vorausgesetzt der Träger hatte

80 - WOLL Herbst 2019


warme Füße.

Hinter der Ehmsenhütte laufen wir auf

dem „hohen Nacken“, kleine Kunstwerke

säumen den Weg. Jemand hat Pilze und ein

wunderschönes Kreuz oben auf stehengebliebene

Baumstämme geschnitzt. Es riecht

nach Baumharz. Wir biegen um die Ecke

und auf einer Baumlichtung sehen wir ihn

– den ersten Zitronenfalter in diesem Jahr!

Ein knallgelber Schmetterling mitten im

Arnsberger Busch. Wunderbar!

So zwischen 12 und 13 Uhr (Zeit wird uns

langsam egal!): Die Stürme haben ganz

schön gewütet auf dieser Seite Arnsbergs.

Wir steigen mehrmals über umgekippte

Bäume oder müssen kleine Umwege in

Kauf nehmen. Fast hätten wir die Bluttannen

verpasst, also Obacht: Rechts vom Weg

findet sich das Kreuz, dort wo früher die

Tannen standen, zwischen denen angeblich

ein ermordetes Mädchen verscharrt wurde.

Eine schaurige Geschichte wird auf der

verwitterten Tafel erzählt. Vielleicht ein Grund,

sich dorthin auf den Weg zu machen?

Irgendwann nach 13 Uhr: Vor uns links

liegt das Gelände der Rüdenburg, rechts

auf der Anhöhe die Kreuzbergkapelle. Wir

entschei den uns für die Kapelle und genießen

abermals die wunderschöne Aussicht

auf die Stadt. Grandios! Ein Tässchen

Kaffee ist noch in der Thermoskanne. Der

richtige Platz um den Schluck zu genießen.

Etwas später: Jetzt geht es bergab in die

Stadt, den Kreuzweg statt hinauf – hinunter,

sehr angenehm für einen Kreuzweg!

In Serpentinen wandern wir bis zu den

ersten Häusern, überqueren die Straße und

die Ruhr, lassen die klassizistischen Gartenhäuser

rechts liegen, biegen am Neumarkt

rechts ab und wandern die Straße entlang

bis es am Friedhof nach links zum Ehmsen-Denkmal

geht. Das wollen

wir nicht verpassen!

Nachmittag: Ein wirklich bemerkenswerter

Ausblick auf Neu- und Altstadt. Und gut

besucht an diesem sonnigen Tag, ganz anders

als der Arnsberger Wald! Wir genießen

den schönen Blick für einen Moment und

machen uns auf den Weg durch die Stadt.

Keine Ahnung, wie spät es jetzt ist: Café

Krengel - wir ergattern einen Platz draußen

auf der Terrasse und können nicht anders:

Apfelkuchen mit Sahne und Stachelbeerbaiser.

Das haben wir uns verdient. Unser

Wanderführer will uns weiterschicken, die

Altstadt und den Schlossberg hoch. Doch

die Aussicht von dort kennen wir schon.

Beim nächsten Mal vielleicht wieder. Fast

20 Kilometer per Pedes haben uns ganz

schön geschafft, aber wir sind stolz und uns

ganz sicher:

Wir kommen wieder! ■

“Wir kommen wieder”

WOLL Herbst 2019 - 81


Die Engel aus Hüsten

Die Mitarbeiter der Kleiderkammer

in Hüsten kümmern sich

mit großem Herzen um die,

die nichts haben

Anne von Heydebrand

Tom Linke

Maria Dreßel und ihre beiden Kollegen

begrüßen uns an diesem heißen

Sommertag freundlich in ihrer Kleiderkammer.

Im Kellerraum ist es kühl

und die gespendete Kleidung hängt

ordentlich aufgereiht an den Kleiderständern

oder liegt säuberlich gestapelt

in den Regalen. Den insge samt

fünf ehrenamtlichen Mitarbei tern

ist es wichtig, dass die gespendeten

Kleider Wertschätzung erhalten und

man sorgsam mit ihnen umgeht „Die

Leute sollen sehen, dass ihre Spenden

bei uns gut aufgehoben sind“, betont

Maria Dreßel, auch wenn sie zugeben

muss, dass gerade das Sortieren der

Kleidung viel Arbeit macht. „Wir

In und auch mein Kleiderschrank ist überfüllt. Trotzdem kommt

deutschen Kleiderschränken hängen über fünf Milliarden Kleidungsstücke.

Das sind ungefähr 95 Kleidungsstücke pro Person

es oft vor, dass ich denke: „Ich habe nichts zum Anziehen!“ Das ist natürlich

völliger Quatsch und nach einem Besuch in der Kleiderkammer der

Heilig-Geist-Gemeinde in Hüsten ist mir klar, dass sich an meiner Denkweise

etwas ändern muss.

haben zwei Annahmetage im Monat

und dann schafft man es nicht, innerhalb

des Tages alles zu sortieren und

einzuräumen. Wir stehen dann am

nächsten Tag wieder ganz früh hier,

um für den Verkaufstag alles fertig

zu machen“, erklärt Maria Dreßel.

„Manchmal sind die Kleidungsstücke

kaputt oder völlig verdreckt. Das ist

dann natürlich nicht schön und solche

Kleidung können wir nicht weitergeben“,

ergänzt ihr Kollegin Anne

Knippert. Dabei haben sie sowieso

nie genug und gerade Männer- und

Kinderbekleidung ist nie ausreichend

vorhanden.

Trotz Übergriffen bleibt die

Kleiderkammer eine

Herzensangelegenheit

Die Kleiderkammer der Caritas wurde

vor über 30 Jahren ins Leben gerufen.

Sie ist an jedem zweiten und vierten

Donnerstag im Monat geöffnet und

betreut vor allem Flüchtlinge, junge

Familien und auch ältere Menschen,

die sich keine Kleidung leisten

können. Seit sieben Jahren engagiert

sich Maria Dreßel für dieses wichtige

Projekt. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit,

die vor allem durch die

Flüchtlingskrise im Jahr 2015 an

Stellenwert gewonnen hat. „Es war

eine harte Zeit, in der wir aber auch

82 - WOLL Herbst 2019


Maria Dreßel Anne Knippert Werner Homann

als Team näher zusammengerückt

sind“, erinnert sie sich. Damals haben

oft über 100 Leute den kleinen

Kellerraum gleichzeitig aufgesucht

und man musste sich einiges einfallen

lassen, um diesem Ansturm gerecht

zu werden. Dabei hat das Team nicht

immer nur Dankbarkeit erfahren

und manchmal kam es zu handfesten

Auseinandersetzungen. Maria Dreßel

wurde die Treppe hinuntergedrängt

und sogar mit dem Messer bedroht

– ein Ereignis, das sie nachhaltig schockiert

hat. „Das war auch der Punkt,

an dem ich gesagt habe: ‘Ich möchte

das alles nicht mehr’“, beschreibt sie

die beängstigende Situation. Doch

Maria Dreßel hat nicht aufgeben,

denn damals sah sie das Leid der Menschen

fast täglich. „Hier kamen kleine

Kinder rein, die hatten nur ein Hemdchen

und ein kurzes Höschen an. Die

hatten sonst nichts und waren barfuß.

Das war wirklich hart“, beschreibt es

ihr Bruder Werner Hohmann, der

selbst schon seit fünf Jahren Teil des

Teams ist.

Für die hilfesuchenden Menschen

in der Gemeinde Sankt Petri, sind

die Mitarbeiter der Kleiderkammer

echte Engel, die sich nicht nur

um die Kleider spenden kümmern.

Maria Dreßel ist rund um die Uhr

ehrenamtlich im Einsatz, dabei ist

sie selbst auch noch berufstätig und

kümmert sich um ihre Familie. „Aber

wenn ich einen Anruf bekomme, dass

da jemand ist, der gar nichts mehr hat,

dann gehe ich sofort in die Kleiderkammer.

Es kam auch schon vor, dass

eine ältere Person ins Krankenhaus

gekommen ist und noch nicht mal

einen Schlafanzug hatte. Da stehe ich

dann sofort bereit“, erklärt sie.

Auch auf Geldspenden

angewiesen

Doch ein „Dankeschön“ erwartet

niemand aus dem Team. Stattdessen

freuen sie sich, wenn weiterhin viele

Spenden eingehen. Neben Kleiderspenden

und Kinderspielzeug, ist die

Kleiderkammer auch auf Geldspenden

angewiesen. Denn gerade Kinderschuhe

und Unterwäsche muss immer

wieder neu hinzugekauft werden.

Außerdem werden Kindergärten und

hilfesuchende Mitglieder aus der

Gemeinde hin und wieder finanziell

unterstützt. „Ich habe mich nie

getraut, das mal anzusprechen. Ich

möchte nicht, dass die Leute glauben,

wir wollen uns finanziell bereichern“,

gesteht Maria Dreßel schüchtern.

Das Team der Kleiderkammer bleibt

demütig. Und auch das macht sie zu

echten Engeln. ■

Faszinierende

Konzerterlebnisse

an besonderen Orten

20

Jahre

03. Oktober bis 03. November 2019

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Hochsauerlandkreis

Fachdienst Kultur/Musikschule

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59872 Meschede

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Fax: 0049 291 94 26190

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WOLL Herbst 2019 - 83


Von Rumbeck in die große Fußballwelt

Frank Schnürch kommentiert seit rund

30 Jahren Spiele im deutschen Profifußball

Philip Stallmeister

Marc Niemeyer

Der Sport und die Leidenschaft für Fußball begleiten ihn von

Kindesbeinen an. Der Rumbecker Radioreporter Frank Schnürch

hat über 500 Spiele in der Fußball-Bundesliga kommentiert.

Schnürch ist auf den Sportplätzen des Sauerlandes großgeworden. „Im

Fußball habe ich es bis zur Kreisauswahl geschafft. Als Leichtathlet war ich

noch besser“, sagt Schnürch. Den ganz großen Sport begleitet der 54-Jährige

seit rund 30 Jahren als Kommentator: „Bereits während meiner Tätigkeit bei

Radio Sauerland habe ich nebenher für andere Privatsender von Bundesligaspielen

berichtet. Es sind über 500 Spiele.“ Auch in der Saison 2019/2020

ist der Sauerländer wieder für Radio Dortmund 91,2 im Einsatz.

“Die Herausforderung

ist, bewegliche

Bilder spannend

zu übermitteln”

Über Tätigkeiten für Sender wie FFH

oder FFN kam Schnürch auch in

Kontakt zu Radio Dortmund 91,2.

„Es geht darum, bewegliche Bilder

spannend zu übermitteln. Das ist

eine ganz andere Herausforderung als

beim Fernsehen, wo die Zuschauer

das Geschehene sehen, oder darüber

zu schreiben“, erklärt Schnürch, der

in den 1980er Jahren bei der Westfälischen

Rundschau seine ersten

Schritte im Journalismus machte

und später bei Radio Sauerland

Pionierarbeit leistete. „Am ersten Tag

des Senders interviewte ich BVB-Legende

Wolfgang Paul aus Olsberg“,

erinnert sich der Diplomsportlehrer

Schnürch, der heute hauptberuflich

an der Realschule Mark in Hamm

tätig ist. Er sagt: „Die Arbeit mit den

Kindern macht mir großen Spaß

und hält einen jung. Und natürlich

wird auch montags mit den Schülern

darüber gefrotzelt, wenn wir uns über

die Bundesliga – und die 2. Bundesliga

unterhalten.“ In Hamm sind

die Schüler hauptsächlich BVB-Anhänger.

Sein Fachwissen hat er sich angelesen.

Dazu kann Frank Schnürch, der an

der Sporthochschule in Köln studiert

hat, aus einem reichen Erfahrungsschatz

als Leichtathlet, Fußballer

und Diplomsportlehrer schöpfen.

Manchmal gab es doppelte Einsätze:

„Als Wolfgang Ginczek Trainer in

Rumbeck war, hatte ich mit Mitte 30

wieder als Aktiver angefangen und

oft eine Halbzeit selbst gespielt, bevor

ich für Hellweg Radio im Kreis Soest

beispielsweise über den SV Lippstadt

berichtete.“ In diese Zeit fiel auch

84 - WOLL Herbst 2019


das Ende seiner aktiven Karriere. „Ich

hatte eine Halbzeit gespielt und kam

aus der Dusche. Dann fragte ich in

der laufenden zweiten Halbzeit den

Außenverteidiger, wie es steht. Als

der sagte ‘Weiß ich nicht’ habe ich

entschieden, das war es für mich. Ich

hetze mich ab und die Kollegen auf

dem Platz wissen noch nicht mal den

Spielstand“, erklärt Schnürch.

Gerne erinnert sich an seine Zeit

als Jugendlicher: „Bei einem 11:0 in

Oeventrop habe ich für Rumbeck mal

sieben Tore in einem Spiel erzielt.“

Seine Erfahrungen fließen auch

immer wieder in seine Beiträge ein.

„Das Besondere an ihm: Er verbindet

in erfrischender Weise auch eigenes

Erleben vom Fußballplatz mit dem

aktuellen Geschehen, das er kommentiert“,

schrieb ein Hörer an den

Dortmunder Sender, bei dem er sich

mit zwei Kollegen bei den BVB-Spielen

abwechselt. „Heute muss sich ein

lokaler Sender für die Bundesliga lizenzieren.

Früher ging das einfacher“,

sagt Schnürch. Der Ausblick auf die

junge Saison stimmt ihn für Borussia

Dortmund optimistisch: „Der

BVB hat sehr gute Neuzugänge. Mit

Thorgan Hazard, Nico Schulz, Julian

Brandt und Mats Hummels wurde

viel Qualität geholt. Mein Tipp lautet,

dass es im Kampf um die Meisterschaft

erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen

mit den Bayern gibt.“

Lange Touren als

St. Pauli-Fan

Der St. Pauli-Fan kennt die langen

Touren zu Heimspielen. Als 1993

die Montagsspiele eingeführt worden

waren, ging es mit seinem Vater auch

mal wochentags in Richtung Norden,

nur um Fußball zu schauen.

Heute wird Schnürch oft gefragt, wie

sich der Fußball

geändert hat.

Auf jeden Fall

ist es heute

nach dem Spiel

schwieriger, für

ein Interview an

die Akteure heranzukommen.

„Beim BVB

gibt es wenige

deutschsprachige

Spieler

und die stellen

Drehtechnik

Sauerland

sich nicht alle

den Fragen.

Für uns ist es

dann nicht gut,

wenn wir zum

zehnten Mal

den Schweizer

Torwart Roman

Bürki als O-Ton

haben“, bedauert

Schnürch. In St. Pauli hat er

familiärere Zeiten erlebt. „Ich kenne

viele verantwort liche ehemalige Spieler

und Trainer persönlich“, sagt er. Viele

emotionale Erlebnisse gab es bei dem

„etwas anderen“ Verein.

Die Fußballleidenschaft ist in der

gesamten Familie Schnürch fest

verwurzelt. Bruder Dirk gehört zu den

bekannten Trainergrößen im Raum

Arnsberg. Zwar sind Ehefrau Carmen

und Sohn Leo (17) BVB-Fans, aber

das Wichtigste: “St. Pauli mögen sie

beide auch“, erklärt Schnürch, der sich

noch auf viele spannende Spiele freut,

die er über den Äther bringen darf.

Im Zeitalter des Internets können die

Spiele mit Sauerländer Moderation

dort natürlich auch verfolgt werden. ■

Wir haben den Dreh Wir raus! haben den Dreh raus!

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WOLL Herbst 2019 - 85


Kleine Anekdoten aus dem Nähkästchen

von Richter Erdmann

Gisela Wilms

Neulich im Landgericht in Arnsberg

Sandra Peetz

Warum sich auch Richter manchmal

das Lachen verkneifen müssen.

Wachtmeister an der Eingangspforte des Landgerichtes:

„Guten Morgen, dürfte ich bitte Ihre Tasche kontrollieren?“

Mann, der vorgeladen war: „Ja, bitte.“

Wachtmeister staunt nicht schlecht:

„Da sind ja eins, zwei, drei….12 Flaschen Bier drin!“

Mann: „Stimmt.“

Wachtmeister: „Mit den Flaschen dürfen Sie den Gerichtssaal

nicht betreten. Das Bier müssen Sie abgeben.“

Mann: „Nee, nee, nee das Bier kommt mit. Lassen Sie meine

Tasche los!!“

Wachtmeister: „Noch einmal, es ist nicht erlaubt, alkoholische

Getränke mit in das Gebäude zu nehmen!“

Mann: „Noch einmal, ich gebe die Flaschen nicht her!“

Der Wachtmeister ruft in seiner Verzweiflung Richter Erdmann

an. Nach kurzem Gespräch wendet er sich wieder an

den Angeklagten: „Der Richter hat ebenfalls gesagt, dass Sie

die Tasche abgeben müssen. Er verspricht Ihnen, dass Sie sie

nach der Verhandlung wiederbekommen.“

Offenbar ist der Mann nun überzeugt, gibt den Beutel mit

den Bierflaschen ab, nicht ohne eine Quittung dafür zu fordern.

Im Gerichtssaal angekommen, fragt Richter Erdmann:

„Warum bringen Sie denn so viele Bierflaschen mit hierher?“

Mann: „Ja also, ich dachte mir, dass das hier bestimmt

länger dauert. Und wenn ich dann in der Zwischenzeit Durst

habe……..“

Richter Erdmann, bemüht, ernst zu bleiben: „Na, verdursten

werden Sie hier nicht. Es steht genügend Wasser zur

Verfügung.“

Mann, zögerlich, nach kurzem Überlegen: „Ok, dann habe

ich aber noch eine Frage: Könnten Sie bitte in der Zwischenzeit

mein Bier kalt stellen lassen??

Wir nehmen an, dass Richter Erdmann dem Wunsch nicht

entsprochen hat und die Verhandlung dennoch beginnen

konnte.

86 - WOLL Herbst 2019


Unterschätze nie ältere Damen!

Ein Drogenabhängiger brauchte mal wieder Geld, was

bei diesem Personenkreis nicht unüblich ist. Er wollte

einen Kiosk überfallen, der von einer älteren Dame betrieben

wurde, weshalb er dachte, dass er wohl leichtes

Spiel haben werde. Am Tag des Überfalls betrat er

maskiert den kleinen Laden und hielt eine Plastikpistole

in der erhobenen Hand. Zunächst bekam die alte Dame

einen ziemlichen Schrecken und dachte, ihr letztes

Stündlein habe geschlagen. Dann sah sie aber, dass der

vermeintliche Dieb zitterte wie Espenlaub. Ob aus Angst

oder weil er länger nichts mehr geschnupft hatte, war

nicht zu ergründen. Auf jeden Fall aber rief die Kioskbesitzerin

sehr resolut und laut: „Du willst doch wohl

nicht mich alte Frau überfallen? Schäm dich und scher

dich zum Teufel!“

Diese Ansage gab dem armen Würstchen den Rest

und er lief, so schnell er konnte, davon. Er wurde aber

kurz darauf geschnappt und wenig später dann auch

verurteilt, obwohl ja eigentlich nichts passiert war. Aber

da er den Rückzug nicht freiwillig angetreten hatte,

sondern von der Frau verjagt worden war, bekam er eine

geringe Strafe. Ob die Frau mit einer Tapferkeitsmedaille

ausgezeichnet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis.

WOLL bedankt sich bei Willi Erdmann, dem ehemaligen

Vorsitzenden Richter des Landgerichtes Arnsberg

für die wahren Geschichten, die er unserer Redakteurin

Gisela Wilms erzählt hat. Zum Abschluss der Serie „Der

Richter und…“, kommt nun Willi Erdmann selbst zu

Wort: Ich bin sehr gerne Richter gewesen, wenn auch die

meisten von mir verhandelten Fälle alles andere als lustig

waren. Aber mir war immer bewusst, wie wertvoll unser

Rechtsstaat ist, der sich über Jahrhunderte entwickelt

hat. Mit vielen Fehlern und unter großen Schmerzen

ist er geboren worden. Es war fürchterlich, was zum

Beispiel im Mittelalter unter Recht und Ordnung verstanden

wurde. Oder in den Dreißigerjahren, wo nur

noch von einem Unrechtsstaat geredet werden konnte.

Aber dieser Rechtsstaat, so wie er jetzt ist, für den lohnt

es sich, sich einzusetzen. Ein größerer Schutz für Bürger

war nie gegeben, nicht nur gegenüber Tätern, sondern

gegenüber allen Bereichen des täglichen Lebens, wozu

auch der Staat und seine Behörden zählen. Das muss

jedem Bürger, vor allem denjenigen, die ihn angreifen,

vor Augen geführt werden. ■

WOLL Herbst 2019 - 87


Wenn der Esel grinst, ist es Pielsticker

Sie ist eine Malerin jenseits des Alltäglichen. Doch genau das ist

Michaela Pielstickers Genre.

Sonja Heller

Philipp Nolte

D

as Reh ist im Schneegestöber kaum zu erkennen.

Grazil scharrt es im Gras. Doch plötzlich

legt es den Kopf zurück und beobachtet

seine Umgebung. Der Wald ist nur ein Schemen im

Hinter grund. Eine Schneeflocke legt sich auf den Hals

des Rehs und eine weitere erscheint am Hinterlauf.

Während der Pinsel noch eine Sekunde über dem

Himmel schwebt, entscheidet die Malerin, es sei nun

verschneit genug. In ihrer Vorstellung und auf ihrem

Ölbild einer Winterlandschaft mit Reh.

Michaela Pielsticker malt. Und das auf eine fast klassische

Weise, denn die Vorliebe der Sundern-Saalerin

sind Natur- und Tiermotive. Doch Pielstickers Stil ist

weit entfernt davon ein altbewährter zu sein. Den tiefen

Sauerländer Tann, den urigen Bauern mit Kuh und das

niedliche Reh am Waldrand sucht man vergebens – sie

sind zwar Gegenstand Pielstickers Motive, aber nicht im

klassischen Sinn. Sicher ist ihr das nicht bewusst, als sie

als Fünfjährige ihrer Mutter erklärt, dass sie einmal Künstlerin

werden will. Doch genau so wird es kommen.

Old-school für die Zukunft

Studiert hat die gebürtige Garbeckerin Grafikdesign an

der Ruhrakademie in Schwerte. Gestalterische Ausbil-

88 - WOLL Herbst 2019


dungen sind noch in den 1990er Jahren geprägt vom Handwerklichen,

die Studenten lernen diverse Mal- und Zeichentechniken. Michaela

Pielsticker ist eine talentierte Zeichnerin, wodurch sie in der Düsseldorfer

Werbebranche zur Spezialistin wird. Werbeanzeigen werden

damals zuerst bis ins Detail genau gezeichnet, so weiß der Fotograf,

wie er das Foto zu erstellen hat. Was heute im digitalen Arbeitsalltag

old-school ist, war zu der Zeit die übliche Vorgehensweise. Auch wenn

Pielsticker später beruflich eine lange Zeit keinen Stift und keinen

Pinsel mehr nutzt, sind es genau diese Werkzeuge, die in einer anderen

Lebensphase enorme Bedeutung gewinnen sollen.

Die Rückkehr der Zeichen-Stifte

Saal. Michaela Pielsticker verlässt Düsseldorf und kehrt ins Sauerland

zurück. Nicht nach Garbeck. Aber dafür nach Saal, in die Drei-Häuser-Ansammlung

hoch auf dem Berg, gegenüber der Wilden Wiese.

Dort beginnt sie sich mit der Natur auf intensive Art auseinanderzusetzen.

Die alten Stifte und Pinsel bekommen nach langer Zeit eine

neue Rolle, schaffen nicht werbliches, sondern Kunst. „Mein erstes

Bild war ein Hase“, erzählt Michaela Pielsticker, „es war irgendwie

naheliegend, auch noch einen Fuchs zu zeichnen“, lacht sie. Nur kurze

Zeit und sie erhält den ersten Auftrag, ein Haustier zu zeichnen. Sie

gibt dieser neuen Schaffensphase ein Markenzeichen, nennt es „Knallhartes

Landleben“. „Das war eine Befreiung und auch eine unheimliche

Befriedigung“, erinnert sich die Künstlerin, „ich machte Sachen,

die anderen Freude bereiteten und gut ankamen.“ Ab 2008 wird die

Werbebranche für die Malerin immer mehr zur Nebensache.

Knallhartes Landleben

Wieder umgeben von Natur, beginnt Michaela Pielsticker zu beobachten.

Den Wald. Den Himmel. Die Wiesen. Den Bauer auf dem

WOLL Herbst 2019 - 89


häufig mono chrom, in einem Farbton gehalten, ziehen

den Blick auf sich und stellen die leise Frage: Was siehst

du wirklich? Doch Michaela Pielsticker zeigt dem Betrachter

noch ein anderes Sauerland. In ihren Bildern findet

sich auch das Faible der Malerin für den augenzwinkernden

Moment im Motiv, für den feinen Witz einer

Situation. Sie malt mit Humor und Konzept. Besucht

man ihr Atelier auf dem Saal, trifft man auf grinsende

Esel und verrückte Hunde, ein Galloway mit Föhnfrisur,

täuschend echte Löcher im Boden inklusive Bergsteiger,

auf unechte Fliegen an der Wand und künstlichen Käse

auf den Stühlen.

Appropriation Art und Wort-Witz

Acker. Wildschweine. Sie will festhalten, was sie sieht, beginnt

neben den Tierportraits mit der Landschaftsmalerei

und bannt auf Leinwand, was sie berührt. „Malerei ist

Mediation für mich – wenn es gelingt, kann es unglaubliche

Zufriedenheit geben.“ Sie hält die Aussicht von Saal

auf die Umgebung zu allen Jahres- und Tageszeiten fest.

„Meine Muse“, sagt Michaela Pielsticker, „ist die Natur

hier“. Ihre Bilder wirken oft leicht, fast ätherisch, sind

In Pielstickers Atelier findet man Arbeiten des eher

seltenen Genres „Appropriation Art“. Bei dieser Form

konzeptioneller Kunst werden Werke anderer im eigenen

künstlerischen Sinne weiterentwickelt. Pielsticker nimmt

alte Ölbilder, malt einen Exhibitionisten an den Rand

einer Schlucht, lässt einen Anstreicher ein Feld malen

oder lehnt eine Leiter an ein altes Haus, auf deren oberster

Stufe ein Hand werker steht. Dass ihr Sinn für Humor

90 - WOLL Herbst 2019


nicht an der Pinselspitze endet, zeigen auch die Titel ihrer

Werke und nicht zuletzt ein satirisches Magazin über das

Sauerland, das sie in Mini-Auflage zusammen mit ihrem

Mann publiziert hat. Michaela Pielsticker ist vielseitig

und hat Pläne. Eine Ausstellung in ihren Räumen mit

Kaffee-Bildern, die bei ihrem Minikurs „Kaffee-Kritzel-Kränzchen“

entstanden sind. Eine Ausstellung in

einer Hütte auf der Wiese vor dem Haus. „Ähnlich den

Pavillons der documenta“, sagt sie und schmunzelt. „Die

Saal-Documenta“. Lacht und lässt den Blick zur Wilden

Wiese schweifen. Da ist er wieder.

Der Pielsticker-Humor. ■

WOLL Herbst 2019 - 91


Kampf unter Wasser

Die Wasserballer des SV Aegir Arnsberg

kämpfen um Tore und um Nachwuchs

Anne von Heydebrand

Tom Linke

Der Wasserballsport ist

wohl der älteste Mannschaftssport

in der

olympischen Geschichte. Auch in

Deutschland gibt es eine lange und

erfolgreiche Wasserball-Tradition:

Olympiasieger 1928, Europameister

1981 und 1989, Weltcupsieger

1985, Olympia-Fünfter 2004. Trotz

des Erfolgs hat sich Wasserball nie

als Breitensport durchsetzen können

und so stellt der SV Aegir aus

Arnsberg die einzige Wasserballmannschaft

im Hochsauerlandkreis.

Der SV Aegir ist der älteste

Schwimmverein im Sauerland und

wurde 1922 gegründet. Bereits in

den 1950er Jahren gab es dort eine

Wasserballmannschaft, die sich in

den 1980er Jahren allerdings auflösen

musste. Seit 1991 ist die Mannschaft

rund um Gründungsmitglied

Christoph Löher wieder im Wasser

zu finden und spielt aktuell in der

Kreisliga Südwestfalen.

Kein Leistungsdruck - Der

Spaß steht im Vordergrund

Heute steht für die Spieler allerdings

der Spaß im Vordergrund und nicht

der Leistungsdruck.

„So ist

das bei allen

Mannschaften in

unserer Liga. Natürlich

wollen wir jedes Spiel

gewinnen, aber hier zählt der

Zusammenhalt mehr als Punkte“,

erzählt Löher. Der 47-Jährige ist

nicht nur Vorsitzender des Vereins,

sondern auch Abteilungsleiter und

Kapitän der Mannschaft. Der Hüne

ist die gute Seele des Teams und

spielt bereits seit seiner Jugend Wasserball.

Genauso wie Trainer Kamran

Ghanavati Nejad, der in seiner

Heimat, dem Iran, sogar in der ersten

Bundesliga gespielt hat. – Ein echter

Profi also, der die 12 Teammitglieder

zwischen 21 und 66 Jahren durch das

30 x 20 m große Becken scheucht.

„Bei einem Spiel sind pro Team allerdings

nur sechs Feldspieler und ein

Torwart im Wasser und - anders als

im Fußball - ist die Spielzeit in Viertel

aufgeteilt. In jedem Viertel beträgt

die Nettospielzeit acht Minuten und

es können Auszeiten genommen

werden. Außerdem gibt es Zeitstrafen

von maximal 20 Sekunden. Erhält

ein Spieler zwei Zeitstrafen, muss er

das Becken verlassen“, erklärt Christoph

Löher

die Spielregeln.

Kondition und

Koordination

Dass es beim Wasserball besonders

hart zugeht, kann Löher nicht bestätigen.

Trotzdem müssen die Spieler

besondere Vorkehrungen treffen.

Eine Badekappe mit Ohrenschutz

gehört bei einem Spiel genauso zur

Ausrüstung wie zwei Badehosen,

Weichteil- und Gebissschutz. „Das ist

aber alles nur reine Vorsitzmaßnahme

und hinter den Attacken der Gegenspieler

steht selten eine Absicht“, versichert

er. Stattdessen könnte der Ball

selbst zur Gefahr werden. „So ein

Ball ist etwa 450 Gramm schwer und

kann mit bis zu 80 km/h geworfen

werden. Wenn man den ungeschützt

abbekommt, kann es ganz schön

wehtun“, ergänzt Löher lachend.

Für den Teamkapitän ist Wasserball

eine Allroundsportart die verschiedenste

Muskelgruppen beansprucht.

„Es ist auch super für die Kondition

und Koordination. Man muss ja

nicht nur schwimmen, sondern auch

den Ball und den Trainer beobach-

92 - WOLL Herbst 2019


ten. Außerdem können bei einem

Spiel bis zu 1.850 Kalorien verbrannt

werden“, erklärt Christoph Löher.

Zulauf erwünscht

Einige gute Gründe für Interessierte,

selbst mal bei einem Training vorbeizukommen.

Denn das Team kämpft

nicht nur um Tore, sondern auch

um Mitglieder. Die Personaldecke

ist sehr dünn und die aktuellen

Spieler kommen überwiegend

aus dem Schwimmverein.

Eine Jugendarbeit

ist aufgrund der späten

Trainingszeiten kaum

möglich. „Wir trainieren

jeden Mittwoch ab

21:00 Uhr im Freizeitbad

„NASS“ in Hüsten

und dort gibt es eine

große Auslastung. Über

acht Vereine absolvieren

dort ihr Training.

Hinzu kommen Schulklassen

und die Badegäste.

Wir können daher erst am

späten Abend trainieren, was

für Schüler natürlich nur schwer

umzusetzen ist“, erkennt Christoph

Löhr. Ein Probetraining ist trotzdem

jederzeit möglich und eine Altersbegrenzung

gibt es nicht. Jeder ist

willkommen.

Dass die Wasserballer vom SV Aegir

Spaß haben und nicht immer alles

bierernst nehmen, ist beim

Training zu

spüren.

Dennoch wollen sie auch in diesem

Jahr wieder vollen Einsatz zeigen

und freuen sich auf jedes Spiel. Sie

wollen weitermachen wie bisher und

Christoph Löhr ist optimistisch, dass

die Mannschaft noch lange bestehen

bleiben wird. ■

WOLL Herbst 2019 - 93


Bergheim zieht Unternehmen an

Gewerbegebiet in Toplage, 100 Betriebe, wichtige Rolle im

Arnsberger Gesamtkonzept

Paul Senske

S. Droste & Privat

94 - WOLL Herbst 2019


Es

ist ein begehrter Standort für Unter -

neh men, in den 1970er Jahren in

zwei Abschnitten entstanden, spielt er

im Gesamtkonzept der Gewerbegebiete in Arnsberg

eine bedeutende Rolle. Das Gewerbegebiet

auf Bergheim - wie die Einwohner des Neheimer

Stadtteils sagen - weist einen vielfältigen

Branchenmix mit nahezu 100 Betrieben auf, hat

eine Toplage und ist ein Musterbeispiel für das

Miteinander von Wohnen und Arbeiten.

Berg heim hat was, ja eine Menge.

„Bergheim spielt im Netz der Arnsberger

Gewerbege biete eine besondere Rolle“, sagt Bernd

Lepski, der Chef der Arnsberger Wirtschaftsförderung

(wfa). „Besonders für den gewerblich-industriellen

Schwerpunkt Neheim ist Bergheim in

Ergänzung zu den Standorten entlang der Möhnestraße

ein Garant zur Sicherung zukunftsfähiger

Standorte und damit von Arbeitsplätzen auch im

gewerblichen Bereich.“

Ein halber Kilometer bis zur Autobahn

Das Gewerbegebiet weist eine Fläche von rund 50

ha auf. Für die Unternehmen von elementarer Bedeutung

ist die Lage direkt an der B7. Über kurze

Wege - ein Kilometer - ist die Autobahnauffahrt

A46 Neheim erreichbar.

„Das ist ein entscheidender Standortvorteil, die

Lage im regionalen und überregionalen Verkehrsnetz

könnte kaum besser sein“, erklärt Lepski. Dieser

Standortvorteil war für viele Betriebe ein entscheidendes

Argument, auf Bergheim anzu siedeln.

Rund 50 Gewerbestandorte mit nahezu 100

angemeldeten Betrieben sind hier derzeit ansässig -

eine ganze Reihe seit Jahrzehnten. Die Entwicklung

des Gewerbegebietes begann in den 1970er Jahren

in zwei Abschnitten: 1973 wurde der Bebauungsplan

für den ersten Abschnitt entlang der Straße

Donnerfeld und Teilstrecken des Felsenweges und

der Raiffeisenstraße rechts kräftig. 1977 folgte

Gegründet wurde die bara aluminiumtechnik GmbH 2003

auf einer Fläche von 400 m² im Gewerbegebiet Bergheim.

Durch einen Standortwechsel innerhalb des Gewerbegebiets

wurde im Jahr 2009 die Unternehmensfläche auf insgesamt

rund 1800 m² vergrößert. Zugleich konnte die Investition in

eine erste CNC-Fräsmaschine realisiert werden. Durch die

regelmäßige Erweiterung des Maschinenparks wird heute auf

insgesamt vier CNC-Vertikal-Fräsmaschinen bis zu einem Fräsbereich

von 2200 mm gefertigt.

Die mechanische Bearbeitungen (Sägen | Stanzen | Drehen

| Fräsen) und das Schweißen von Aluminiumprofilen sowie

die weiterführenden Oberflächenbearbeitungen bilden den

primären Leistungsumfang ab. Mit den Halbzeugen der bara

aluminiumtechnik GmbH wird schwerpunktmäßig die Leuchten-

und Möbelindustrie beliefert.

Die großflächige Lagerhaltung und ein eigener Transport

ermöglichen das umfangreiche Portfolio an Produkten und

sichern eine hohe Flexibilität. Die vom Kunden gewünschte

Qualität ist dabei selbstverständlich.

Mit einem Team von rund 30 qualifizierten und motivierten

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfolgen die Geschäftsführer

Ralf und Stefan Babilon stetig das Ziel eine hohe

Kundenzufriedenheit zu realisieren. Als anerkannter Ausbildungsbetrieb

der IHK werden aktuell zwei CNC-Zerspanungsmechaniker

ausgebildet.

bara aluminiumtechnik gmbh

Gewerbegebiet Bergheim

Raiffeisenstraße 10

59757 Arnsberg

Tel.: 02932/899207

Fax: 02932/899209

info@bara-alu.de

www.bara-alu.de

WOLL Herbst 2019 - 95


„Bergheim spielt

eine wichtige Rolle“

der Bereich um die Von-Siemens-Straße.

Die Startsignale waren gegeben, Bergheim

lockte die Betriebe an. Bis Ende der 1980er

Jahre waren die erschlossenen Industrie- und

Gewerbegebiete nahezu vollständig vergeben.

„Wir haben eine große Palette an Firmen,

es ist ein bunter, das Wirtschaftsleben

widerspiegelnder Branchenmix“, betont

Michael Jolmes, der seit 1994 Bergheim im

Arnsberger Stadtrat vertritt und sich bestens

auskennt. Die Bergheimer Bandbreite reicht

von Handwerksbetrieben über führende

Hersteller in Spezialsegmenten und kreative

unterneh mensbezogene Dienstleister bis zu

europaweit tätigen Speditionen. Auch zwei

Weltmarktführer sind auf Bergheim ansässig.

„Nahes Miteinander“ von Wohnen

und Arbeiten

Als einen „großen Vorteil“ des Gewerbegebietes

bezeichnet Jolmes das nahe Miteinander

von Wohnen und Arbeiten. „Viele Bergheimer

haben hier ihren Arbeitsplatz.

Dank der kurzen und schnellen Verkehrsanbindung

haben auch auswärtige Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmer kurze

Wege.“ Jolmes lobt zudem die Identifikation

der Betriebe mit dem Ort, insbesondere der

alteingesessenen. Wirtschaftsförderer Lepski

sieht aufgrund der guten Lage des Gewerbegebietes

kaum noch freie Flächen zur Ansiedlung

neuer Unternehmen. Trotzdem zeichne

den Standort eine „hohe Dynamik“ aus.

„Durch Ausbau oder Umnutzung bestehender

Gewerbeimmobilien haben ansässige

Unterneh men ihre Kapazitäten am Stand ort

erhöht. Auch neue Betriebe konnten gewonnen

werden.“ Beim Blick in die Zukunft

kommen Wirtschaftsförderung und Politik zu

dem Ergebnis, dass eine Erwei terung aufgrund

der direkten Nähe zur B 7 und zu den

Wohngebieten nur eingeschränkt möglich

sei. „Eine Perspektive bieten die Flächen des

Ruhrverbandes“, so Lepski. Hintergrund ist

die Aufgabe der Klärschlammdeponie im

Eingangsbereich des Gewerbe gebietes und

die Aufstellung eines Bebauungs plans durch

die Stadt Arnsberg. Dadurch stehen rund

3,0 Hektar an Gewerbefläche zur Verfügung.

„Diese Fläche könnte insbesondere für die

Erwei terung der anliegenden Grundstücke

und damit zur Standortsicherung der ansässigen

Unterneh men genutzt werden.“ ■

Wirtschaftsförderer und wfa-Chef Bernd Lepski.

96 - WOLL Herbst 2019


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WOLL Herbst 2019 - 97


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Traditionsunternehmen

handelt mit der wohl ältesten

Nutzpflanze der Welt

Die Firma Scheiwe aus Arnsberg beliefert Heimwerker und

Großkunden seit über 140 Jahren mit wertvollem Holz

Inga Bremenkamp

Scheiwe

1873

fing alles

an: Die Firma

Scheiwe

hat ein kleines Holzgeschäft

in Neheim eröffnet. Heute, fast

anderthalb Jahrhunderte später,

umfasst der Holzfachmarkt eine

Lagerfläche von rund 20.000

Quadratmeter und eine Ausstellung

von 2000 Quadratmetern,

auf denen das vielfältige Sortiment

rund ums Bauen und Wohnen

präsentiert wird. Bei Scheiwe

stoßen sowohl Privat- als auch

Großkunden auf kreative Ideen

aus Holz. Türen, Holzfußböden,

Wandverkleidungen, Paneelen,

Sichtschutzzäune und auch

Pflanz kästen sind nur einige

Beispiele aus dem umfangreichen

Sortiment des Fachunternehmens,

das im Sauerland eine führende

Rolle eingenommen hat. Seit

1987 ist die Firma Scheiwe im

Industriegebiet Bergheim ansässig

und begrüßt seine Kunden direkt

am Anfang des Gewerbegebiets

auf der linken Seite (Anfahrt

über die Hauptstraße). Die rund

30 Mitarbeiter der Verwaltung

und des Lagers stammen aus den

eigenen Ausbildungsreihen und

verfügen über eine langjährige

und hohe Fachkompetenz, die ihnen

bei der Beratung der Kunden

zu Gute kommt. Das Traditionsunternehmen

setzt nicht nur auf

Katalogware, sondern macht auch

Zuschnitte und Sonderlösu n -

gen möglich. Das Sortiment der

Sauerländer wird stetig weiter

ausgebaut und reagiert damit auf

den weiter wachsenden Markt. In

den Jahren rund um den ersten

Weltkrieg hat das Unternehmen

eine eigene Möbelfabrik aufgebaut,

die es heute allerdings nicht

mehr gibt. Das, was bis heute aus

dem vorletzten Jahrhundert geblieben

ist, ist der Grundgedanke,

sowohl Heimwerker, Bauherren

als auch die Industrie rund um die

wohl älteste Nutzpflanze der Welt

beraten und beliefern zu wollen. ■

98 - WOLL Herbst 2019


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Aland Bedachungen aus Neheim-Bergheim:

Optimale Lösungen vom

Einfamilienhaus bis zum Großprojekt

Nicola Collas

Aland Bedachungen

2020

wird ein ganz besonderes

Jahr für die Firma Hermann

Aland GmbH und Co. KG

in Neheim-Bergheim. Dann feiert das Unternehmen

125jähriges Bestehen. Der Urgroßvater des heutigen

Geschäftsführers Hermann Aland hatte die Firma 1895

gegründet. Mittlerweile ist mit Dachdeckermeisterin

Andrea Aland die 5. Generation im Betrieb, der 35

Mitarbeiter und für jede Anforderung (Gewerbebauten,

öffentliche Gebäude und Wohnhäuser) die passende

Lösung hat. Die Mitarbeiter von Aland bilden sich ständig

weiter und sind so immer auf dem neuesten Stand

der Technik.

Dächer sind wichtig, um u.a. vor Niederschlägen, Wind,

Ablagerungen und Schadstoffen zu schützen. Heute

wird es aber auch immer bedeutender, dass Dächer gut

aussehen. Denn ein schönes Dach entscheidet über das

Erscheinungsbild einer Immobilie. Ob Neubau, Umbau

oder Sanierung: Aland Bedachungen führt professionell

jede Arbeit am Dach oder an der Fassade durch.

Das Unternehmen steht für individuelle Beratung und

Projektplanung und analysiert gemeinsam mit den

Kunden, wie die angestrebte Lösung zweckmäßig und

kostengünstig umgesetzt werden kann. Auch im Bereich

regenerativer Energien, Wärmedämmung oder Dachbegrünung

ist das Team von Aland, das sich aus Fachkräften

unterschiedlichster Bereiche zusammen setzt, Experte.

Weitere Serviceleistungen sind die auf die Immobilie

zugeschnittenen Wartungsverträge, die Abhilfe schaffen,

falls Dachziegel locker oder Fassadenelemente defekt

sind. Bei Problemen nach Unwetter oder Sturm können

sich Kunden des Bergheimer Unternehmens an den

24-Stunden-Notdienst von Aland wenden -und das an

365 Tagen im Jahr. ■

Hermann Aland GmbH & Co. KG

Felsenweg 25-27

59757 Arnsberg

Tel. 02932 22578 und 29990

info@aland-bedachungen.de

www.aland-bedachungen.de

WOLL Herbst 2019 - 99


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Mit Cloer-Waffeleisen und -rezept in 90 Sekunden

zur perfekten Waffel Nicola Collas Cloer & Philipp Nolte

„Am GmbH Achim Cloer mit einem Lächeln

liebsten esse ich Waffeln blind“, sagt der

Geschäftsführer der Cloer Elektrogeräte

im Gesicht. „Blind heißt: Ich weiß nicht, in welchem Gerät die

Waffeln gebacken wurden, wenn ich sie esse.“ Bis zu drei Mal

im Monat testet der Chef Waffeln und damit gleichzeitig die

Qualität der Cloer-Waffeleisen. Wichtig ist es, dass wegen der

Vergleichbarkeit immer dasselbe Rezept genommen wird -das

hauseigene Rezept, das es schon gibt, seit Achim Cloer ein kleines

Kind war.

Mit Hilfe ihres Chefs finden die Cloer-Entwickler so heraus,

wie die Geräte weiterentwickelt werden können. „Wir haben

z.B. zusammen mit dem Beschichtungshersteller Whitford eine

zuckerresistente Beschichtung entwickelt. Wenn kontinuierlich

große Mengen Waffeln gebacken werden, verfärbt sich durch

den Zucker irgendwann die Beschichtung. Mit der neuen zweischichtigen

Beschichtung passiert das nicht mehr“, erzählt Achim

Cloer.

Am Beispiel der Waffeleisen 1621 und 1631 lässt sich auch gut

verdeutlichen, wie sich das Nachfolgemodell vom Vorgänger

unterscheidet. Beide Waffeleisen haben mit dem großen schwarzen

Cloer-Bügel, der das Gerät umschließt, das typische wiedererkennbare

Cloer-Design, aber an dem Gerät 1631 lässt sich z.B.

das Kabel besser verstauen.

Die Produktpalette des Bergheimer Unternehmens reicht von

Toastern und Kaffeemaschinen über Wasserkocher bis hin zu

100 - WOLL Herbst 2019


Barbecue-Grills. Das Urprodukt „Waffeleisen“ ist aber nach wie

vor Teil der Identität der Marke Cloer.

Das Familienunternehmen wurde 1898 in der Burgstraße in

Neheim gegründet. Mit der Einführung der Elektrizität entstand

die „Caspar Cloer Fabrik für elektrische Heiz- und Kochgeräte“,

die zunächst Bügeleisen, dann Waffeleisen herstellte. Denn ein

Waffeleisen ist aus fertigungstechnischer Sicht eigentlich nichts

anderes als zwei aufeinander stehende Bügeleisen.

1981 verlagerte Cloer seine Produktion im Rahmen einer Stadtsanierung

in das Industriegebiet Bergheim. Dort befindet sich

heute nach wie vor der Hauptstandort und auch ein Werksverkauf.

„Das ist mehr ein Lagerverkauf als ein Showroom, den wir

eingerichtet haben, weil uns immer mehr Kunden besuchen,

obwohl wir ihn kaum bewerben“, erzählt Achim Cloer, der die

Firma mittlerweile in vierter Generation leitet. Der 49jährige hat

das Unternehmen vor allem digital gut aufgestellt. „Bei uns gibt

es keine Aktenordner und kein Papier

mehr. Meine letzte hausinterne eMail

habe ich im März 2017 bekommen“,

schmunzelt er. „Knicken, lochen, abheften

gehören der Vergangenheit an.

Bei uns läuft alles über eine hausinterne

Plattform. Dadurch hat jeder auf alles Zugriff, was für ihn relevant

ist und kann sich so schnell in alle Abläufe und Projekte einarbeiten.“

35 Mitarbeiter beschäftigt Cloer zurzeit am Standort

in Bergheim und legt dabei großen Wert auf Ausbildung: „Bei

uns werden die Azubis nach der Lehre in der Regel übernommen.

Wir sorgen so selbst für unsere Mitarbeiter von morgen“, erzählt

der Geschäftsführer. ■

WOLL Herbst 2019 - 101


Bunte Truppe – bunte Stücke

Die bunt gemischte Gruppe des Theatervereins Müschede bringt in diesem

Jahr erneut ein amüsantes wie auch turbulentes Lustspiel auf die Bühne.

Josy Born

Manfred Haupthoff

Der Müscheder Theater -

verein hat sich vor

rund 30 Jahren aus dem

Schützenverein St. Hubertus gegründet.

Heute stellt er eine Unterordnung

der Schützenbruderschaft dar.

Nur noch wenige der Schauspieler

und Schauspielerinnen sind tatsächlich

Müscheder. Grund: Vor etwa

sechs Jahren fehlte es dem Verein an

Mitgliedern, um weiterhin alle zwei

Jahre ein Theaterstück aufführen zu

können. So öffneten sich mehr und

mehr auch für Auswärtige die Türen.

Unter anderem

für Markus Fecke aus Hellefeld, dem

heutigen Spielleiter, der schon immer

eine Begeisterung für humorvolle

Theaterstücke hegte und bereits einige

Szenen selbst geschrieben und inszeniert

hat. Auch Hubertus Cramer, Irene

Wallechner und Birgit Finke wurden

von außerhalb in die Theatergruppe

geholt. Hubertus Cramer aus Sundern-Hagen

gehört zu den Erfahrensten

unter ihnen, denn er spielt bereits

seit 13 Jahren Theater.

Irene Wallechner aus Hellefeld wird,

nach ihrer ersten Rolle als tratschende

Postbotin Trine, auch gerne „die Requisitentrine“

genannt. Sie organisiert

alles, was benötigt wird – völlig egal

was. Birgit Finke aus Sundern besetzte

bei der letzten Aufführung die Hauptrolle

als „die Kartenlegerin“ und überzeugt,

mit Perücke und Lesebrille,

besonders in der Rolle der schrulligen

alten Dame.

Dorfbewohner als Darsteller

Aber auch innerhalb des Dorfes

wurden in den letzten Jahren immer

wieder Dorfbewohner von

dem engagierten Hans Muschik

102 - WOLL Herbst 2019


angesprochen, der

in erster Linie für den Bühnenaufbau

zuständig ist, zugleich auch häufig

kleinere Rollen übernimmt. Zuletzt

holte er Martina Geilker mit ins

Boot, die im kommenden Stück die

Rolle der Rosemary Monkemöller

besetzt. „Ich habe eigentlich nur auf

einer Bank gesessen und die Sonne

genossen, als Hans mich ansprach“,

berichtet sie. So in der Art sei auch

Karl-Heinz Blöink an das Theaterspielen

gekommen. Er wird in diesem

Jahr zum zweiten Mal mit dem

Theaterverein auf der Bühne stehen.

Der Müscheder Matthias Schlatzer hat

dagegen bereits vor vielen Jahren seine

ersten Aufführungen gehabt und wird

in diesem

Jahr als Polizeimeister Fritz Kellermeyer

zu sehen sein.

Begeisterung fürs Theaterspiel

Auch Thomas Döring aus Westenfeld

und Martina Riedel aus Hellefeld

bringen einiges an Erfahrung mit.

Denn sie spielen nicht nur für den

Müscheder Verein, sondern auch im

Theaterteam der Molkerei Allendorf.

Aktuelle Neuerrungenschaft: Paul

Schmidt aus Meschede. Gleichaltrig

ist er wie geschaffen für den Part des

18-jährigen Jungen, der im Stück auf

der Suche nach seinem Vater ist. Ayse

Yavuz gehört ebenfalls fest zum Team

und ist verantwortlich für Frisuren

und Maske. Vor vier Jahren konnte

sie selbst Theatererfahrung sammeln,

denn sie war im Stück „Die Erbtante

aus Afrika“ kurzfristig für eine Hauptrolle

eingesprungen.

Auch wenn die Theatergruppe

Müschede aus verschiedenen Charakteren,

verschiedenen Altersgruppen

und Darstellern aus verschiedenen

Orten besteht, erkennt man doch eine

Gemeinsamkeit: die Begeisterung für

das Theaterspiel. „Es ist einfach toll zu

sehen, wie am Ende alle Teile ineinandergreifen,

wie in einer Maschine.

Und es funktioniert plötzlich alles

und die Leute haben richtig Spaß“, so

Hans Muschik. ■

WOLL Herbst 2019 - 103


„Wir bringen den Sport zu den

Menschen in Pantoffelnähe“

SV Neptun Neheim-Hüsten ist nicht nur im

Wasser, sondern auch „an Land aktiv“

Paul Senske

Manfred Haupthoff

F

rühzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen und auf demografische Entwicklungen

zu reagieren: Der SV Neptun Neheim-Hüsten, mit dem traditionellen Pfingstschwimmfest

auch international hoch angesiedelt, hat entsprechende Maßnahmen

ergriffen und eine Vorreiter-Rolle eingenommen. Die Angebots-Palette des 1960 gegründeten

Vereins reicht vom Leistungssport über den Breiten- bis zum Seniorensport und zur Rehabilitation.

„Wir sind vielseitig aufgestellt und kümmern uns auch um Senioren und zwar außerhalb

des Wassers“, sagt Barbara Stobbe. „Wenn man so will, sind wir auch an Land aktiv.“

Für diese Angebote ist der SV Neptun vom Landessportbund und Projektpartnern mehrfach

ausgezeichnet worden.

Im Alter weiter fit sein:

Die Übungsstunde mit Renate

Maiworm ist ein „bisschen

anstrengend, aber machbar“.

„Im Sitzen

wird Körperzellen-Rock

getanzt“

Barbara Stobbe, derzeit zweite Vorsitzende

des SV Neptun, weiß, wovon

sie spricht. Seit dem 1. November

1966 im Verein, hat die frühere

Elite-Schwimmerin und Sportliche

Leiterin gemeinsam mit den Vorstandmitgliedern

die Entwicklung des

Vereins geprägt. „Es waren für den

Verein entscheidende Schritte, sich

breiter aufzustellen und nicht nur auf

den reinen Wettkampfsport zu setzen.

Wenn man was verpasst, ist der Zug

abgefahren. Es hat geklappt, wir sind

gut aufgestellt.“ Renate Maiworm,

Übungsleiterin Reha-Sport, sagt: „Wir

bringen den Sport zu den Menschen

und zwar in Pantoffel-Nähe.“

Im Zeitraffer sieht das so aus: 1996

bot der SV Neptun erstmals ein

Breitensportprogramm mit Wassergymnastik,

Rückenschule und

Schwimmlern-Kursen an. Ein Jahr

später wurden auch Baby- und

Kleinkinderkurse ins Programm

aufgenommen. Die Initiative ging

von Karin Kemper, der Schwester

von Barbara aus. 2003 absolvierte

Barbara Stobbe die B-Lizenz „Prävention

Bewegungsraum Wasser“. „Es

war ein neues Standbein. Die Kurse

wurden jetzt von den Krankenkassen

anerkannt und ein Teil der Kosten

erstattet. Das war ein entscheidender

Durchbruch.“ 2010 machten Alice

Thielebein und Renate Maiworm

ebenfalls die B-Lizenz.

104 - WOLL Herbst 2019


„Im Alter weiter fit sein“

(Renate Maiworm)

2012 erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt: Der 550

Mitglieder zählende Verein erhielt mit der Rehabilitation

ein neues Ressort unter der Leitung von Renate Maiworm.

Kontakte zu Senioreneinrichtungen wurden aufgenommen,

Kurse auch außerhalb des Wassers durchgeführt. Die

Zusammenarbeit mit dem Ernst-Wilm-Haus in Hüsten

und Provita in Neheim gilt als vorbildlich. Mit den Angeboten

„Senioren in Bewegung“, „Aktiv und Fit bis 100“

sowie „Bewegen-Lachen-Wohlfühlen“ sollen Lebensqualität

und Alltagskompetenzen, auch für Demenzbetroffene,

gestärkt werden. Der Besuch einer Stuhlgymnastik-Stunde

unter streicht das und bewegt. „Wir gehen zu den Menschen

in die Einrichtungen und wollen die Seniorinnen

und Senioren für den Alltag fit halten“, erklärt Renate Maiworm,

die mit viel Einfühlungsvermögen und anstecken der

Freude die Übungsstunde leitet. „Es geht darum, weiter

mobil zu sein, die Sturzprophylaxe ist ein wichtiger Bestandteil.

Darüber hinaus werden soziale Kontakte aufgebaut

und gepflegt.“ Die Übungen auf und am Stuhl sind

anstrengend, aber wohl dosiert. Jeder macht so viel er kann.

„Bisschen anstrengend soll es sein, aber auch machbar.“

Kräftigung der Muskulatur und Koordination, mit und

ohne Gummiband, mit und ohne Reifen, auch Übungen

zur Fingerbeweglichkeit sind Bestandteile. Auch Gedächtnis-Übungen

beim Reifenrollen gehören zum Repertoire:

„Merkt euch, wer euch den Reifen zugerollt hat.“ Den

alten Menschen macht es Spaß: „Wir freuen uns immer auf

diese Stunde“, erklärt das Ehepaar Renate (86) und Heinz

(91). „Frau Maiworm hält uns fit und bringt uns Freude.

Ein bisschen Muskelkater gehört dazu.“ Zum Abschluss

wird im Sitzen auf den Stühlen mit voller Inbrunst der

herrliche „Körperzellen-Rock“ getanzt und gesungen: „Jede

Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Körperzelle fühlt

sich wohl…

„Der FC Bayern des

Sauerlandes“

(Aegir-Vorsitzender

Christoph Löher)

Mit der Ausweitung seiner Angebote ist der Verein für die

Zukunft gut aufgestellt. Das gilt auch für den Leistungssport.

Moritz Kemper und Lea-Sophie Blum sind die

derzeit bekanntesten Aktiven. „Es rücken vielversprechende

Talente nach“, sagt Neptun-Vorsitzender Dieter Langer,

seit 2010

im Amt

und

Nachfolger

von

Werner

Roland,

dem

langjährigen

Vereins-

Chef. „Ich will

das auf dem Level

fortführen, was Werner

aufgebaut hat“, so Langer. Dazu

gehört auch die Pflege der Beziehungen mit Arnsbergs

Partnerstädten wie Alba Julia (Rumänien). Das internationale

Pfingstschwimm fest ist ein Markenzeichen. Auch

das Adventsschwimmfest genießt einen hervorragenden

Ruf. Ein besonderes Lob erhielt Neptun beim Festakt zum

50-jährigen Jubiläum 2010: „Neptun ist der FC Bayern des

Sauerlandes“, meinte Christoph Löher, der Vorsit zende von

Aegir Arnsberg, in seiner Laudatio. ■

Neuerscheinungen

SAUERLÄNDER PLATT – Ein Wörterbuch

ISBN 978-3-943681-99-4 – 24,90 Euro

Sauerländer Scheißkärtchen von Janine Priester

ISBN 978-3-943681-97-0 – 12,90 Euro

Zwischen Mord und Krieg von Gerhard Behrens

ISBN -978-3-943681-96-3 – 12,90 Euro

Glaube, Sitte, Heimat von Jochen Enste

ISBN 978-3-943681-94-9 – 14,90 Euro

PAPA COOL von Kurt Wasserfall

ISBN 978-3-943681-93-2 – 14,90 Euro

Erscheint im Oktober!

Dunkle Dichter von Markus Beyer

ISBN 978-3948496-00-5 – 14,90 Euro

Die Bücher aus dem WOLL-Verlag gibt es in den

Sauerländer Buchhandlungen und online, u.a.

www.woll-onlineshop.de

www.woll-verlag.de

WOLL Herbst 2019 - 105


Altersglühen in Arnsberg

Speed-Dating ist 1998 in den USA

erfunden worden und hat 2015

Einzug in Arnsberg gehalten

Gisela Wilms

Philipp Nolte

Als die Neheimerin Christina Albers 2014 den

deutschen Spielfilm „Altersglühen“ gesehen

hatte, dachte sie spontan: „So etwas müsste

es bei uns auch geben“. Der Film hatte sie nicht

nur aufgrund der hochkarätigen Schauspieler wie

Senta Berger und Mario Adorf fasziniert, sondern

vor allem wegen des Themas. Die 72-Jährige, die seit

vielen Jahren verwitwet ist, konnte sich nur allzu

gut in die Situation der Charaktere hineinversetzen.

Der Gedanke ließ sie nicht los, sodass sie sich an die

Geschäftsstelle der Engagementförderung der Stadt

Arnsberg wandte und dort ihre Idee vorstellte. Die

Leiterin, Petra Vorwerk-Rosendahl, war begeistert

und so konnte Christina Albers ihr Vorhaben verwirklichen.

Was verbirgt sich hinter dem englischen Begriff „Speed-Dating“?

Eigentlich könnte man ihn mit „Kennenlernbörse“

übersetzen. Diese Einrichtungen gibt es mittlerweile in der

ganzen Welt. In Arnsberg läuft „das schnelle Treffen“ wie folgt

ab: Bei der einen Zusammenkunft sind die 50- bis 60-Jährigen

gefragt, bei der anderen diejenigen, die zwischen 60 und

70 Jahre alt sind. Die Termine werden in der Presse bekanntgegeben

und stehen auf der Homepage der Stadt Arnsberg.

Hat man sich per Mail oder Telefon bei Christina Albers angemeldet,

kann es losgehen. Die alleinstehenden

Personen bekommen im Bürgerzentrum im

Arnsberger Bahnhof durch die Projektleiterin

eine kurze Einweisung, in der

der Ablauf erklärt wird: Jeder Frau sitzt

an einem Tisch ein Mann gegenüber

und beide haben sieben Minuten

Gelegenheit, einander Fragen zu stellen.

Ist die Zeit um, ertönt ein Gong, die

Herren rutschen einen Platz weiter und

das Frage-und Antwortspiel beginnt von vorn. Nach jedem

Gespräch machen die Teilnehmer ein Kreuz in einer Spalte,

ob ihnen ihr Gegenüber gefallen hat oder nicht. Am Ende der

Veranstaltung sammelt Christina Albers die Zettel ein, die sie

zu Hause auswertet. Stellt sie Übereinstimmungen fest, also

findet Karla Fritz ebenso sympathisch wie er sie, teilt sie das

den beiden mit. Aber auch diejenigen werden angerufen, bei

denen niemand ein Kreuz in der gleichen Spalte gemacht hat.

Soweit das Prozedere.

Menschen aus allen gesellschaftlichen

Schichten melden sich an

Welche Menschen melden sich an und wie ist die „Erfolgsquote“?

Generell lässt sich sagen, dass Personen aus allen

Gesellschafts- und Bildungsschichten teilnehmen, die meisten

sind verwitwet, viele geschieden. Die Ideengeberin Albers

weiß aus eigener Erfahrung, dass es schwer ist, ab einem

gewissen Alter Partner kennenzulernen. Die Optionen, die

man in jüngeren Jahren hatte, stehen heute nicht mehr zur

Debatte. 70-Jährige trifft man in Discos weniger an, genauso

wie auf angesagten Events in der Stadt und Umgebung. Das

Internet bietet zwar auch einige Möglichkeiten, aber die

Gefahr, dort getäuscht zu werden, ist groß. Dass das Angebot

der Engagementförderung sehr gut angenommen wird, zeigt,

dass Christina Albers die richtige Idee hatte. Ob ein Treffen

erfolgreich war, also ob sie oder er den Traumpartner oder die

Traumpartnerin gefunden hat, wird ihr nicht in jedem Fall

mitgeteilt, sie vermutet aber, dass die „Dunkelziffer“ recht

hoch ist. Ganz glückliche Paare melden sich allerdings bei ihr

und oft findet der Dank mit einem Blumenstrauß oder mit

Pralinen seinen Ausdruck. Was sind die Gründe dafür, dass

das Experiment „Speed-Dating“ gelungen ist? Im Vergleich

zum Internet hat man die Person in passendem Alter tatsächlich

vor sich sitzen. Zumindest, was das Äußere betrifft, ist

106 - WOLL Herbst 2019


hier ein Flunkern nicht möglich. Eine 65-Jährige wird sich

auch bei geschicktester Schminktechnik nicht als 50-Jährige

ausgeben können. Ebenfalls wird man in Bezug auf die

Gesamterscheinung gnadenlos mit der Realität konfrontiert.

Während ein Bildbearbeitungsprogramm Möglichkeiten

bereithält, sich schlanker und gestylter darzustellen, trifft man

beim Speed-Dating auf den realen Menschen. (Lesern, die an

weiteren Beispielen interessiert sind, wie entsprechende Portale

im Netz Wirklichkeiten vorgaukeln, sei hier eine Literaturempfehlung

gegeben. Das Buch von Ulrike Bornschein mit

dem Titel „Bei Anruf nackt“ weist eine Fülle von amüsanten

Beispielen auf.)

Tipps zum Erfolg

NICHTS FÜR

AUS-DER-

SPUR-FAHRER.

“Die Dunkelziffer

für erfolgreiche

Treffen ist hoch”

Da sieben Minuten nicht ausreichen, jemanden kennenzulernen,

gibt Christina Albers den Kandidaten im

Eingangsgespräch einige Empfehlungen. So sollten die

Teilnehmer einerseits gut zuhören können, andererseits

aber natürlich bereit sein, etwas von sich zu erzählen.

Einmal hat es einen Mann gegeben, der fast die gesamten

sieben Minuten geschwiegen hat. Es verwundert

nicht, dass dieser Kandidat bei keiner Frau Interesse

geweckt hat. Oft macht die Neheimerin die Erfahrung,

dass sich sowohl die Damen als auch die Herren selbst

überschätzen und gar nicht verstehen können, dass sie

nicht gepunktet haben. Sie gibt deshalb zu Beginn des

Datings allen den Tipp, authentisch und ehrlich zu sich

und den anderen zu sein. Einen weiteren Ratschlag hat

sie vor allem für Männer parat. Sie hat oft beobachtet,

dass einige Herren z. B. in uralten Jeans und löchrigen

Oberteilen zum Treffen kommen, was ihre Chancen

beim anderen Geschlecht nicht gerade erhöht. Ernsthaft

überlegt sich die Projektleiterin deshalb, ein Coaching

für Herren anzubieten, das ihnen hilft, bei solchen Veranstaltungen

besser abzuschneiden, denn, wie schon der

Schriftsteller Gottfried Keller wusste, machen Kleider

Leute.

Wer Interesse an einem Speed-Dating in Arnsberg

hat, kann sich bei Christina Albers per Handy (0176

99084007) oder per E-Mail christina.albers@gmx.de

anmelden. Termine stehen in der örtlichen Presse und

auf der Homepage der Stadt Arnsberg. ■

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²Getestet wurden Notbremssysteme. Quelle: Auto Motor und Sport

09/2015 und www.adac.de

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