Berliner Zeitung 18.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

Emoji und Gefühl: Arno Widmann bastelt sich ein zweites Ich – Netzwerk Seite 26

Die Zukunft

der

Bundesliga

Seite 20

12°/19°

Wechselnd bewölkt

Wetter Seite 2

Erkältungsmythen:

Washilft, was schadet

Gesundheit Seite 17

www.berliner-zeitung.de

Wieist Berlin? Eine Stadt

sucht einen Slogan

Berlin Seite 9

Freitag,18. Oktober 2019 Nr.242 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Ersatzverkehr: Vom

Nutzen des Lastenrads

Made in Berlin Seite 6

Wunderkind

der

Worte

VonFlorian Thalmann

Jeder Schriftsteller hat sie irgendwann:

die Schreibblockade.Bei Samuel

Grabovski passierte es,als er an

seinem dritten Buch arbeitete, dem

Roman „Drum lasst uns Leut’ vernünftig

sein“; er erzählt darin die Geschichte

zweier Freunde in der NS-

Zeit.„Es hat gedauert, bis es fertig war,

weil ich den Faden verlor“, sagt er.

„Am Ende habe ich mich selbst am

Samuel Grabovski

ist Berlins jüngster

Schriftsteller.

Literatur

Kragen gepackt

und das Ende geschrieben.“

Und

so ist es nun zu

haben, das dritte

Werk von Grabovski,

auf dem

Markt eines von

vielen, und dennoch

besonders:

Samuel, der zuvor

die Romane

„John Farmer

und der Krater des Todes“ und „Edwin

Farmer –Mit nur fünf Pfund nach

Amerika“ veröffentlichte,ist erst elf.

DerJunge,der mit seinem Vater in

Friedenau lebt und die Grundschule

besucht, ist ein Wunderkind der

Worte –mit dem Schreiben begann

er, als er noch gar nicht schreiben

konnte. „Ich hatte Spaß daran, mir

Geschichten auszudenken“, erzählt

er.„Damals habe ich sie diktiert und

jemand anderes musste sie abtippen.“

Mit sechs Jahren durfte er an

den Computer, schrieb selbst. „Ich

liebe es,weil man alles zu Papier bringen

kann, was man möchte. Dass

man sich damit in fremde Welten begeben

kann.“ DasThema des dritten

Werkes, die NS-Zeit, beschäftigt ihn,

seit er acht Jahrealt war.„Es hat mich

negativ fasziniert. Mich interessierte,

wozu eine Gesellschaft fähig ist, wie

sie sich manipulieren lässt und ob das

heute auch noch möglich wäre.“

Werdem Jungen zuhört, wenn er

über Literatur redet, der staunt. Er ist

anderen in seinem Alter weit voraus.

Auch seinem Vater ist klar, dass sein

Sohn etwas Besonderes ist. „In dem,

was er tut, ist er außergewöhnlich begabt,

aber nicht in allen Bereichen“,

sagt Anton Grabovski. Dasweiß auch

Samuel. Zwar kassiert erinDeutsch

gute Noten. „Aber Mathematik ist

nichts für mich. Ich lebe in einer

künstlerischen Welt, das Abschreiben

ist nicht mein Fall.“ Spannend wird

sein Lebensweg. „Ich will Bücher

schreiben, aber davon leben vermutlich

nicht. Wenn man keinen Durchbruch

hat, verdient man nur sehr wenig

bis kein Geld.“ Samuel strebt einen

festen Beruf an, „das Künstlerische

mache ich nebenbei“.

Nach dem Deal ist vor dem Deal

Durchbruch in Brüssel:

Die EU und Großbritannien

haben ein neues

Brexit-Abkommen vereinbart.

Allerdings könnte es

im Londoner Parlament

noch scheitern

Der Union Jack, Nationalflagge des Noch-EU-Mitglieds Großbritannien, wird am Donnerstag in Brüssel aufgehängt.

VonMatthias Koch

Der scheidende Präsident

der EU-Kommission,

Jean-Claude Juncker,hat

noch einmal allen gezeigt,

was er kann. Seit Wochen witterte

der Altmeister das Risiko einer

historischen Blamage für die EU,

ausgerechnet auf den letzten Metern

seiner Amtszeit. Großbritanniens

Premierminister BorisJohnson hatte

Anlauf genommen für eine Kampagne,

mit der er Juncker und „die

starrsinnigen Bürokraten in Brüssel“

verantwortlich machen wollte für einen

möglichen No-Deal-Brexit.

Jean-Claude Juncker hat die Gefahr

nicht nur erkannt, er hat sie

auch gebannt. Die Sondervorschriften

über Nordirland wurden neu formuliert.

Über das Ja oder Nein des

Austritts Großbritanniens aus der

EU ist damit immer noch nichts gesagt.

Den Schwarzen Peter für alle

immer noch möglichen heillosen Eskalationen

aber gab Juncker mit eleganter

Geste zurück nach London –

lächelnd und mit einem Schulterklopfen

für die „britischen Freunde“.

Immerhin wird jetzt wieder klar,

worum es geht. Der Brexit ist ein

Problem, das die Briten selbst erschaffen

haben –und das auch die

Briten selbst irgendwie lösen müssen.

Entweder verlassen sie nun tatsächlich

jene Staatengemeinschaft,

die ihnen mehr Wohlstand und Sicherheit

verschafft hat als je in ihrer

Geschichte.Oder sie halten inne und

widerrufen den gesamten Unfug

durch ein zweites Referendum. Die

EU aber steht ihnen weder hier noch

dortimWege.

Die Abmachung von Brüssel hilft

auch Johnson. Tatsächlich wird ihm

der selbst erklärte „großartige Deal“

innenpolitisch nützlich sein. Denn

innerhalb Londons rollt der Ball jetzt

von Downing Street Nr. 10inRichtung

Unterhaus.Die nordirisch-protestantische

Democratic Unionist

Party (DUP) kündigte bereits ihren

Widerstand an, und Labour-Chef Jeremy

Corbyn erklärte: „Es scheint,

dass der Premierminister einen noch

schlechteren Deal verhandelt hat als

(seine Vorgängerin) Theresa May.“

Doch wenn es bei der Parlamentsabstimmung

an diesem Sonnabend

wieder nicht klappt mit einer

Mehrheit für den Brexit, dann werden

die Briten, so kalkuliertJohnson,

allein dem uneinsichtigen Unterhaus

daran die Schuld geben. Johnson

müsste dann den Austritt ein

weiteres Mal verschieben, könnte

aber als wackerer Brexit-Vorkämpfer

in mögliche Neuwahlen ziehen.

Das Publikum allerdings ist der

unendlichen Brexit-Geschichte

längst müde geworden. Immer wieder

haben Brexit-Gegner und Brexit-

Befürworter mit rotem Kopf

Schwarz-Weiß-Debatten geführt. Es

würde die ungesunden Aufwallungen

dämpfen, wenn man sich auf

eine Betrachtung jener diversen

Graustufen einließe, in denen sich

„Wir haben eine einzigartige Lösung für

Nordirland gefunden, die der einzigartigen

Geschichte und Geografie Rechnung trägt.“

Leo Varadkar,

Ministerpräsident Irlands

die Realität in beiden denkbaren

Szenarien darstellt.

Hand aufs Herz: Welchen Unterschied

macht es eigentlich, ob die

Briten a) aus der EU austreten, aber

in einer Vielzahl von Punkten so behandelt

werden, als seien sie doch

weiter drin, oder b) in der EU verbleiben,

aber in einer Vielzahl vonPunkten

so behandelt werden, als seien

sie draußen?

Auch Boris Johnson findet nicht

heraus aus der Grauzone. Den bei

den Brexiteers verhassten Backstop

AFP/KENZO TRIBOUILLARD

wollte er eigentlich wegverhandeln.

Doch auch nach der neuen Version

der Vertragsentwürfe bliebe Nordirland

von EU-Regelungen betroffen.

Waren, die ins Land kommen, sollen

nun in zwei Kategorien sortiert werden,

je nachdem, ob sie ins Vereinigte

Königreich oder in die EU geliefert

werden sollen, etwa nach Irland.

Daswirdinder Praxis viele Fragen

aufwerfen: Wie genau will man

an dieser Stelle Manipulationen und

Missbrauch verhindern? Kann die

EU dann einschreiten? Undwenn ja,

ist das dann alles noch ein „großartiger

Deal“?

Juncker ist ein Fuchs. Er hatte nie

ein Problem damit, auf Englisch,

Deutsch oder Französisch die vier

Ecken eines Kreises zu beschreiben,

wenn die diplomatische Situation

dies gerade erforderte.Soist er auch

jetzt vorgegangen. Es gibt keine Kollision,

jeder wahrt erst mal sein Gesicht.

Auch Johnson ist erhobenen

Haupteszurücknach London gefahren.

Doch als Absolvent von Eton

und Oxford, historisch und altsprachlich

gebildet, könnte der britische

Premier ahnen, dass die Brüsseler

ihm mit ihrem angeblichen Entgegenkommen

in der Nordirland-

Frage vielleicht doch einen kleinen

Streich gespielt haben.

Wieschrieb der römische Dichter

Vergil einst? „Ich fürchte die Danaer,

auch wenn sie Geschenke bringen.“

PolitikSeite 5

Beratung zum

Mietendeckel

vertagt

Am Freitag geht Beratung

weiter,Lösung sei „nah“

VonMelanie Reinsch

Inder Berliner Koalition wächst der

Druck. Auch am Donnerstag

konnte sich die rot-rot-grüne Koalition

nach sechs Stunden Ausschusssitzung

nicht auf einen Kompromiss

zum Mietendeckel einigen. Am Freitag

um 13 Uhr soll es weitergehen.

Man brauche noch „Berechnungen

für letzte Details“, sagte die Fraktionsvorsitzende

der Grünen, Antje

Kapek, der Berliner Zeitung. „Wir

sind einer Lösung sehr nah.“ Auch

der Fraktionsvorsitzende der SPD,

Raed Saleh, erklärte, dass er davon

ausgehe, dass man sich am Freitag

einigen werde. „Das sind wir den

Berlinern schuldig“, sagte Saleh der

Berliner Zeitung.

Zwar sind sich SPD, Grüne und

Linke grundsätzlich einig, dass man

die Mieten für fünf Jahre inBerlin

einfrieren will. Streit gibt es aber um

die Frage, ob es Mietobergrenzen

und damit verbundene Mietabsenkungen

geben soll. Ein Inflationsausgleich,

den die SPD bisher ablehnte,

soll nun offenbar kommen.

Auch das Thema Kappung von Wuchermieten

steht zur Debatte.

DerRegierende Bürgermeister MichaelMüller

(SPD) sagte in der„RBB-

Spätabendschau“, dass es auch möglich

sein müsse,„unanständig hohen

Wuchermieten“ absenken zu lassen.

Dassehe auch das Bundesgesetz vor.

„Das darfkein juristisches Abenteuer

sein und muss durchdiskutiert werden“,

betonte Müller. Esginge jetzt

darum, das juristisch sauber auszuformulieren.

„Das ist eine schwierige

Rechtslage.Mir ist es wichtig, dass wir

hier zu einer klaren Entlastung der

Mieter kommen“, machte der Regierungschef

klar.

Tagesthema Seite 2, Kommentar

Seite 8

Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin

Redaktion: (030) 63 33 11-457

(Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499;

leser-blz@dumont.de

Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76;

www.berliner-zeitung.de/leserservice

Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97;

berlin.anzeigen@dumont.de

Postvertriebsstück A6517

Entgelt bezahlt

4

194050

501603

51042

Besser hier.Besser wir.

Joachimsthaler Str. 5–6 ·Friedrichstr.150 ·Schlossstr.18

Wilmersdorfer Str.125 ·Bayreuther Str.37–38

Goldpreisauf Höhenflug!JetztGold

undSchmuck zu TopPreisen verkaufen.

Hier bekommen Siemehrfür Schmuck, Uhrenund Diamanten.

Auch

Hausbesuche!

In Berlin &Potsdam

Terminvereinbarung:

030 88033970

ww.exchange-ag.de

8xin Berlin und Potsdam ·Über 20 xinDeutschland ·Tel.:030 88033970


2* Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Tagesthema

Wohnungsnot und Verdrängungssorgen

sind

für jeden zweiten Berliner

das dringlichste

Problem in der Stadt. Mitder Einführung

eines Mietendeckels,der neben

Rückkäufen und Neubau die Situation

auf dem angespannten Wohnungsmarkt

entspannen soll, betritt

Berlin Neuland –obdas Gesetz juristisch

haltbar sein wird, wird sich allerdings

noch zeigen. Klar ist: Sobald

das Gesetz in Kraft treten wird –laut

Plan Anfang 2020 –wird esein Normenkontrollverfahren

geben. Das

haben sowohl die Unionsfraktion im

Bundestag als auch die CDU und die

FDP im Abgeordnetenhaus angekündigt.

DieRechtsgutachten, die in

den vergangenen Monaten von verschiedenen

Seiten in Auftrag gegeben

wurden, kommen zu unterschiedlichen

Einschätzungen.

Dasjüngste Gutachten für die Senatskanzlei

kommt zum Ergebnis,

dass das auf fünf Jahre befristete

Mietenmoratorium von der Gesetzgebungskompetenz

des Landes gedeckt

ist. Der Rechtswissenschaftler

Ulrich Battis erklärtdarin auch, dass

er das Absenken von Mieten und

Mietobergrenzen für verfassungswidrig

hält.

Gegenseitige Vorwürfe

Neun Monate nach Beginn der Mietendeckel-Debatte sucht die rot-rot-grüne Koalition

noch immer nach einem Kompromiss. Es sind Detailfragen, die aber vor dem

Bundesverfassungsgericht entscheidend sein können.

Mit dem Mietendeckel betritt Berlin Neuland.

Im Juni hatte die rot-rot-grüne Regierung

beschlossen, den Mietendeckel

einzuführen. Am Donnerstag

wollte sie im Koalitionsausschuss die

letzten Details aushandeln, nachdem

man sowohl in der Senatssitzung

am Dienstag als auch im Koalitionsausschuss

vergangene Woche

keine Einigung gefunden hatte.

Stattdessen gab es wieder keine Einigung

und man vertagte die Entscheidung

auf den kommendenTag. Stattdessen

gab es Vorwürfe: DieSPD beschuldigte

die Koalitionspartner, die

Umsetzung des Mietendeckels zu

gefährden, wenn diese weiter auf

Mietabsenkungsansprüchen beharren,

Linke und Grüne kritisierten die

„Blockadehaltung“ der SPD.

Dabei war es die SPD, die den

Mietendeckel vor neun Monaten

aufs politische Tableau brachte.

Auch wenn sich die Sozialdemokraten

das Thema zunehmend aus der

Hand nehmen ließen, sind sie die Erfinder

des Mietendeckels.

Der eigentliche Schöpfer ist aber

ein anderer: Peter Weber, Verwaltungsjurist

aus dem Wohnungsamt,

schrieb Ende 2018 einen Aufsatz für

die JuristenZeitung (JZ), in dem er zu

dem Schluss kam, dass Berlin mit einem

eigenen Landesgesetz Einfluss

auf die Mietenentwicklung nehmen

könne.Breite Öffentlichkeit fand das

Thema aber erst durch die SPD.

„Das Land Berlin hat die Möglichkeit,

einen öffentlich-rechtlichen

Mietendeckel auf Landesebene einzuführen“,

erklärte im Januar dieses

Jahres die Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete

Eva Högl zusammen

mit zwei Mitstreitern. Ihr damaliger

Wohnungsmarkt

Verzweifelte Suche

VonMelanie Reinsch

GETTY IMAGES/WESTEND61

Vorschlag: Mieten für bezugsfertige

Wohnungen sollten zu einem Stichtag

für fünf Jahre eingefroren werden.

Grundlage dafür soll die Gesetzgebungskompetenz

des Landes für

das Recht des Wohnungswesens

sein, die es seit der Föderalismusreformaus

dem Jahr 2006 gibt.

Mitte März holte sich die SPD für

diesen Vorschlag juristische Rückendeckung

und präsentierte ein von

der Fraktion in Auftrag gegebenes

Gutachten, das diese Einschätzung

untermauerte. Die Mietrechts- und

Verfassungsexperten Franz Mayer

und Markus Artz kamen darin zu

dem Ergebnis,dass Berlin die Mieten

selbst begrenzen darf. Einstimmig

befürwortete auch der SPD-Parteitag

den Mietendeckel.

Am 19. März sprach sich der Senat

dafür aus, einen rechtssicheren

Mietendeckel einführen zu wollen.

„Wegen seiner großen Auswirkungen

auf alle Berliner Haushalte müssen

die verfassungsrechtliche Zulässigkeit

seiner Einführung sorgfältig

geprüft und auch die Umsetzung sowie

mögliche Folgen genau analysiert

werden“, sagte Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher

(Linke) damals. Der Senat sei überzeugt

davon, dass der Mietendeckel

„als zusätzliches Instrument“ zur

Preisdämpfung außerordentlich

wünschenswert sei. Tatsächlich einigte

man sich am 18. Juni im Senat

auf die Eckpunkte. Darin enthalten:

ein sofortiger Mietenstopp für fünf

Jahre und die Möglichkeit, zu hohe

Mieten absenken zu können.

Lompschers Vorschlag

Während es in der Debatte Konsens

über das Einfrieren von Mieten gab,

entzündete sich vor allem an den

Obergrenzen und am Absenkungsanspruch

ein Streit. Während die

Linke das Absenken zum Kern des

geplanten Gesetzes erklärte, wollte

die SPD diesen Passus aus Sorge vor

dem rechtlich dünnen Eis nicht

mehr vertreten. Der Streit eskalierte,

als ein vertrauliches Arbeitspapier

von Lompscher, die den Entwurf

ausformulieren sollte,andie Öffentlichkeit

geriet. Dielinken Radikalpositionen

sorgten tagelang für Aufregung.

So sollten Mieter je nach Alter

und Ausstattung der Wohnung nur

noch höchstens acht Euro Netto-

Kaltmiete pro Quadratmeter aufbringen.

Zu hohe Mieten sollten gesenkt

werden dürfen.

Der offizielle Entwurf sah zwar

zahmer aus,aber die Forderung nach

Mietenabsenkung blieb. Als der Regierende

Bürgermeister Michael

Müller (SPD) dann im September

beim TV-Talk mit Markus Lanz öffentlich

erklärte, dass er das Mietabsenkungs-Vorhaben

für „unseriös“

halte, schienen sich die Fronten weiter

zu verhärten. Biszuletzt blieb unklar,

wie ein Kompromiss zwischen

den Lagern zu den Streitpunkten

Mietabsenkung, Inflationsausgleich

und Obergrenzen aussehen soll.

Die Debatte um den Mietendeckel

spaltet die Stadt –und beunruhigt

Investoren, die ihr Geld in

Berlin anlegen wollen. Dies könnte

den Bau neuer Wohnungen behindern,

sagt Sven Carstensen, Niederlassungsleiter

des Immobilien-Analysehauses

Bulwiengesa in Berlin.

Sie betreuen Pensionsfonds, Banken,

Konzerne, die nach Anlagemöglichkeiten

in Berlin suchen. Inwieweit

sind für diese Investoren die steigenden

Mieten ausschlaggebend?

Wirhaben zum einen rapide steigende

Mieten, zum anderen noch

viel stärker steigende Kaufpreise.Investoren

mögen vor allem eins: Sicherheit.

Das heißt, man möchte

eine erkleckliche Rendite haben, die

„Wir werden eine Zeit lang in gesetzlicher Unsicherheit leben“

aber wegen der hohen Kaufpreise

geringer geworden ist. Viele sagen:

Ich akzeptiere eine geringere Rendite,wenn

ich die nächsten zehn, 15

Jahrestabile Verhältnisse habe.

Undwie verändert der geplante Mietendeckel

diese Erwägungen?

Man darf nicht vergessen, dass

die meisten Wohnungen in Händen

von Privatleuten sind, die Wohnungen

als Kapitalanlage gekauft haben

und die jetzt starkverunsichertsind.

Dann gibt es Investoren, die im Bereich

Projektentwicklung und Neubau

tätig werden wollen. Die sind

vom Mietendeckel nicht unmittelbar

betroffen, weil der ja für Neubauwohnungen

nicht gilt. Aber da sehen

wir auch eine Verunsicherung in der

Frage: Wenn man jetzt geltendes

Recht abwandelt –wie wirdesinfünf

Jahren sein? Dann ist meine Neubauwohnung

ja auch Bestand –falle

ich denn auch darunter?

Hat diese Verunsicherung

konkrete Auswirkungen?

Wir kennen, ohne Namen

zu nennen, das eine

oder andere Projekt, das

zurückgestellt wurde, weil

gesagt wird:Wirwarten lieber

erst mal ab.ImBereich

Preise und Nachfrage sehen

wir noch nichts, aber

dazu sind Statistiken auch zu träge.

Wieschätzen Sieden politischen Vorstoß

an sich ein?

Debatte um den Mietendeckel

Immobilienökonom

Carstensen

BULWIENGESA AG

Das Instrument des Mietendeckels

hilft nicht, dieWohnungsnot zu

lindern. Seit Jahren ist das Mantra:

Wir müssen Wohnungen schaffen.

Es hilft nichts,wenn wir da

weitere Regularien einziehen,

die dieWirtschaftlichkeit

von Immobilien beeinträchtigen.

Es gibt ja genug

namhafte Anwälte,die

sagen: Dasist verfassungsrechtlich

gar nicht durchsetzbar.

Wir werden jetzt

eine Zeit lang in gesetzlicher

Unsicherheit leben.

Wasbedeutet das für den Wohnungsmarkt?

Das Mietendeckel-Thema wird

dazu führen, dass die Investitionen

in Wohnungen weniger werden, vielleicht

auch notwendige Sanierungsund

Instandhaltungsmaßnahmen

zurückgestellt werden. Zumanderen

wird esden einen oder anderen privaten

Kapitalanleger vor den Ruin

stellen. Und einige werden versuchen,

Schlupflöcher aufzutun.

Frau Lompscher hat gesagt, der Mietendeckel

soll ein Zeichen setzen:

Dass es so nicht mehr weitergeht.

Kommt das bei den Investoren an?

Sagen wir so: Außerhalb von Berlin

schüttelt man verwundert den

Kopf. Wahrgenommen wird das

Ganze als Zeichen, dass man sich

überlegen muss, obman überhaupt

in Berlin bauen möchte. Wahrgenommen

wird, dass Berlin nicht

mehr als investitionsfreundlicher

Standortgelten kann.

Sie erstellen bei Bulwiengesa Risiko-

Rendite-Analysen. Inwieweit verändertder

Mietendeckel das Spiel?

Es istjaeigentlich etwas,was man

nur im Ausland macht, wenn man

etwa in Russland investiert – dass

man sich die politischen Risiken anschaut.

Jetzt werden wir immer mehr

gefragt, wie das rechtliche Umfeld

sich hier in Berlin verändert, und ob

der Investor mit Rechtssicherheit zu

Werke gehen kann. Da haben wir

schon das eine oder andereFragezeichen

bei den Investoren. Das sind

Dinge,woraufman hinweisen muss.

DasGespräch führte Gabriela Keller.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute werden 18 bis 20Grad erzielt. Dazu ist es vielerorts wechselnd bewölkt.

Hin und wieder treten Schauer auf. Der Wind weht schwach bis

mäßig aus südlichen Richtungen. In der Nacht gibt esviele Wolken sowie

ab und zu Regenschauer, und die Temperaturen erreichen 10Grad.

Biowetter: Das allgemeine Wohlbefinden

lässt zu wünschen übrig.

Nach einem wenig erholsamen

Schlaf sind Wetterfühlige erschöpft

und elanlos. Im Arbeitsalltag fallen

ihnen Aufgaben schwer.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 40 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 19 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 14 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 67%

Gefühlte Temperatur: maximal 19Grad.

Wind: schwach aus Süd.

Wittenberge

12°/18°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

11°/18° 12°/19°

Luckenwalde

12°/20°

Prenzlau

12°/18°

Cottbus

12°/19°

Sonnabend

Sonntag

Montag

Regen bedeckt stark bewölkt

11°/16° 11°/17° 11°/17°

Frankfurt

(Oder)

12°/19°

Das bei Irland angelangte Tief versorgt vor allem den Nordwesten und Westen

Europas mit Regenwolken, die auch Teile Zentraleuropas erfassen. Mit Südwestwinden

behält bei uns relativ milde Luft die Oberhand. Über Ost- und Südosteuropa

sorgt Hochdruckeinfluss für mildes und meist freundliches Wetter.

Sylt

9°/15°

Hannover

9°/17°

Köln

12°/16°

Saarbrücken

10°/14°

Konstanz

12°/18°

Hamburg

9°/16°

Rügen

12°/16°

Rostock

10°/16°

Magdeburg

12°/19°

Erfurt

10°/18°

Frankfurt/Main

12°/17°

Stuttgart

12°/18°

Nürnberg

12°/20°

München

11°/21°

Dresden

12°/16°

Deutschland: Heute gehen bei wechselnder

Bewölkung vereinzelt Regenschauer

nieder. Dabei werden im

Tagesverlauf 14bis 21 Grad erreicht,

nachts kühlt es dann auf 12 bis

8Grad ab. Der Wind weht schwach

bis mäßig aus Süd. Morgen laden

zahllose Wolken immer wieder Regenschauer

oder Regen ab. Es werden

13 bis 21 Grad erwartet, und

der Wind weht nur schwach aus Süd.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 13°-14°

Nordsee: 13°-15°

Mittelmeer: 19°-28°

Ost-Atlantik: 14°-19°

Mondphasen: 21.10. 28.10. 04.11. 12.11.

Sonnenaufgang: 07:36 Uhr Sonnenuntergang: 18:05 Uhr Mondaufgang: 20:39 Uhr Monduntergang: 12:20 Uhr

Lissabon

21°

Las Palmas

24°

Madrid

23°

Reykjavik


Dublin

13°

London

15°

Paris

17°

Bordeaux

18°

Palma

26°

Algier

27°

Nizza

21°

Trondheim

10°

Oslo

10°

Stockholm

13°

Kopenhagen

15°

Berlin

19°

Mailand

17°

Tunis

27°

Rom

21°

Warschau

20°

Wien

18° Budapest

21°

Palermo

23°

Kiruna

-4°

Oulu


Dubrovnik

22°

Athen

25°

St. Petersburg


Wilna

16°

Kiew

18°

Odessa

20°

Varna

22°

Istanbul

23°

Iraklio

25°

Archangelsk


Moskau

12°

Ankara

24°

Antalya

27°

Acapulco 31° Schauer

Bali 40° heiter

Bangkok 33° Gewitter

Barbados 30° bewölkt

Buenos Aires 23° wolkig

Casablanca 19° heiter

Chicago 15° wolkig

Dakar 31° heiter

Dubai 35° heiter

Hongkong 30° heiter

Jerusalem 25° heiter

Johannesburg 33° sonnig

Kairo 33° heiter

Kapstadt 23° wolkig

Los Angeles 20° heiter

Manila 32° heiter

Miami 32° wolkig

Nairobi 26° Schauer

Neu Delhi 33° wolkig

New York 16° heiter

Peking 17° sonnig

Perth 25° heiter

Phuket 33° Gewitter

Rio de Janeiro 33° heiter

San Francisco 19° heiter

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 28° Gewitter

Singapur 31° Gewitter

Sydney 27° wolkig

Tokio 21° Regen

Toronto 12° bewölkt


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 3

·························································································································································································································································································

Seite 3

Ihr kleiner Sohn merkt es sofort.

„Mama, hier stinkt’s“, sagt King, als er

zum ersten Mal auf dem Hof der Metallfabrik

spielt, wo Phyllis Omido seit

kurzerZeit im Büroarbeitet. Regelmäßig rollen

große Lastwagen durch das Tor des

Werks. Auf ihrer Ladefläche stapeln sich alte

Autobatterien, deren Blei in der Fabrik recycelt

wird. Phyllis Omido wundert sich nur

kurzüber den fauligen Geruch. Derneue Job

bringt ihr nicht nur mehr Geld, sie darfsogar

ihren dreijährigen Sohn ab und zu mit zur

Arbeit bringen. Für die alleinerziehende

Mutter ein großes Glück. Doch es kommt alles

anders.King wirdschwer krank, hat Husten,

Hautausschlag, Fieberschübe. Eine

Blutprobe bringt die Ursache ans Licht: Die

Bleiwerte in seinem Körper sind 37-mal höher,

als sie normalerweise sein dürften. Er

hat eine schwere Bleivergiftung. „Es gibt dafür

keine Heilung“, sagt der Arzt im Krankenhaus.„DieSchäden

sind irreversibel.“

EinTag, der Phyllis Omidos Leben für immer

verändert hat. Heute ist die Kenianerin

eine bekannte Umweltaktivistin. Durch ihr

Engagement hat sie ein ganzes Dorf vor der

Recyclinganlage gerettet, die auch ihren

Sohn vergiftet hat. „Ich war damals sehr,sehr

wütend“, sagt Omido. „Es kann nicht sein,

dass jemand mit etwas Geld verdient, das

Kinder krank macht.“

Phyllis Omido,41, sitzt in der Lobbyeines

Berliner Hotels.Ihren Sohn King, inzwischen

dreizehn, hat sie mitgebracht –auf den ersten

Blick ein ganz normaler Teenager, der in

Jeans und Sneaker tief in einem Sessel fläzt

und auf seinem Handy spielt. Doch die Bleivergiftung

hat seine kognitive Entwicklung

gestört. Er ist langsamer als andereKinder in

seinem Alter, braucht beim Lernen Förderung,

erzählt Omido, durch deren dunkelbraune

Locken sich feine rote Strähnen ziehen.

Sie ist nach Deutschland gekommen,

um ihr neues Buch „Mit der Wuteiner Mutter“

vorzustellen. Eine Geschichte,die in Zeiten

von Umweltzerstörung und Klimawandel

Mut macht. Denn wie Greta Thunberg

zeigt auch sie, dass ein einzelner Mensch

sehr wohl etwas bewirken kann. Und das

selbst unter widrigsten Umständen.

Nachts kommt der schwarze Rauch

Kurz nachdem ihr Sohn krank geworden ist,

kündigt Phyllis Omido sofortihren Job, fährt

aber noch einmal zurück nach Owino

Uhuru, an den Ort inder Nähe von Mombasa,

in dem die Metallfabrik steht. Rund um

das Werk drängen sich kleine schiefe Häuser

mit Wellblechdächern. Die rund 3000 Bewohner

sind sehr arm. Omido läuft von

Hütte zu Hütte,umsie vorden Gesundheitsgefahren

des Werks zuwarnen. Sie erfährt,

dass viele der Bewohner an ähnlichen Symptomen

leiden wie ihr Sohn.

Das Trinkwasser schmecke seltsam, berichten

sie. Nachts müssten sie ständig husten;

dann nämlich legt sich tiefschwarzer

Rauch aus den Schloten der Recyclinganlage

über das Dorf. Er kommt aus dem großen

Ofen der Fabrik, wo die Arbeiter das Blei aus

den Autobatterien schmelzen, es in flüssiger

Form auffangen und abkühlen lassen. Später

wird esingroßen Containern verschifft und

wieder verkauft. An einer undichten Stelle in

der Werksmauer läuft dreckige Brühe mit ätzender

Säure aus den Batterien in das Armenviertel,

vermischt sich mit dem Regen zu

übelriechenden Pfützen.

„Ich dachte anfangs wirklich, die Regierung

würde etwas tun, um diese Menschen

zu beschützen, wenn ich sie nur informiere“,

sagt Omido,die in einem traditionellen Dorf

in Kenia aufgewachsen ist und in Nairobi Betriebswirtschaft

studierthat. Dass daraus ein

Kampf werden würde, der bis heute andauert,

ahnt sie damals noch nicht. Bis heute

sind nach ihren Angaben in Owino Uhuru38

Erwachsene und 300 Kinder an einer Bleivergiftung

gestorben. DieFrauen haben ständig

Fehlgeburten. In fast jeder Familie sei jemand

krank, sagt sie.

Unddie Geschichte vonOwino Uhuruist

kein Einzelfall. Sie steht für Millionen Menschen,

die unter den Folgen vonUmweltzerstörung

leiden, weil machtvolle Unternehmen

Wasser,Boden und Luft verseuchen, indem

sie ihren Giftmüll in die Landschaft entsorgen.

Besonders verheerend ist die

Bleivergiftung, an der nach Angaben der

WHO jedes Jahr weltweit mehr als 400 000

Menschen sterben. Hauptursache sei das

unsachgemäße Recycling von Blei-Säure-

Batterien. Laut Zahlen des Öko-Instituts

werden 1,2 Millionen Tonnen von ihnen jedes

Jahr allein in Afrika ausgeschlachtet. Ein

großer Teil davon wird aus Europa importiert,

obwohl es verboten ist, Elektroschrott

auszuführen. Es trotzdem zu machen, lohnt

sich, weil die Umweltauflagen in afrikanischen

Ländern weniger streng sind. „Man

lässt dort die Drecksarbeit erledigen und

führt das saubere Blei wieder ein“, sagt

Omido.Sowerden in Afrika jedes Jahr um die

800 000 Tonnen Blei recycelt. Auf Umwegen

Wutund Mut

Phyllis Omido reist in diesen Tagen durch Deutschland.

Sie hat ein ganzes Dorf vor dem Giftmüll einer Fabrik gerettet. Heute ist

die Kenianerin Phyllis Omido eine der bekanntesten Umweltaktivistinnen

der Welt. Ihr Thema: Bleivergiftungen. Wenn nämlich Autobatterien aus

Europa in Afrika billig und unsachgemäß recycelt werden, leiden dort

Mensch und Natur

VonAlice Ahlers

über Zwischenhändler, die häufig chinesische

oder indische Firmen sind, landet der

begehrte Rohstoff auch wieder in Europa.

Auch das Blei in Batterien deutscher Autos

vergiftet also Menschen.

Wersich vorOrt gegen die Bleischmelzen

auflehnt, stößt auf große Widerstände und

muss sogar um sein Leben fürchten, wie

Omido in ihrem Buch schildert. Zunächst

schreibt sie vergeblich Briefe an Behörden

und Abgeordnete, die ihre Region im Parlament

vertreten. Die indischen Bosse der

Bleischmelze inOwino Uhuru scheren sich

nicht um die menschlichen Opfer ihres Unternehmens.

Omido organisiert Protestaktionen.

Mehrmals blockiert sie mit den Bewohnern

des Dorfes den Verkehr auf einer

großen Autobahn, um die Medien auf sich

aufmerksam zu machen. Mehrere Tage besetzen

sie die Umweltbehörde.Sie lässt Bluttests

machen, die sie als Beweise dafür vorlegt,

dass vorallem die Kinder viel zu viel Blei

in ihrem Körper haben. Doch kein Verantwortlicher

reagiert. „Ein reicher Politiker hat

an den Geschäften der Bleischmelzemitverdient“,

erzählt Omido. Die korrupten Regierungsbehörden

in Mombasa hätten ihn geschützt.

Undauch die Polizei.

Motorradfahrer kommen nach Owino

Uhuru, drohen damit, die Häuser in Brand

zu setzten oder den Ortmit Bulldozern platt

zu walzen. Omido erhält anonyme Anrufe,

die sie einschüchtern sollen. „Du solltest

dich nicht mit den Großen anlegen“, sagen

die Männerstimmen. Manchmal wacht sie

nachts schweißgebadet auf.

An vielen Orten der Welt erleben Aktivisten

solche psychische und körperliche Ge-

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

walt oder kommen unschuldig ins Gefängnis.

Die internationale Menschenrechtsorganisation

Global Witness hat recherchiert,

dass 164 Aktivisten, die sich für die Menschenrechte

einsetzten, 2018 weltweit ermordet

wurden –das sind im Durchschnitt

drei Menschen proWoche.

Auch Omido wirdbei einer Demo verhaftet

und landet im Gefängnis. Man wirft ihr

vor, öffentlich zu Gewalt aufzurufen. EinAnwalt

von„Rechtsanwälte ohne Grenzen“ erreicht,

dass die Klage fallengelassen wird. Als

sie eines Abends nach Hause kommt, lauert

ihr ein Mann mit Stiefeln auf. Er schlägt sie

mit einer Kalaschnikowzusammen. IhrSohn

muss alles mit ansehen. Trotz allem denkt sie

nicht daran aufzugeben, kauft sich stattdessen

mehrere scharf abgerichtete Hunde, die

sie bis heute bewachen.

All diese Erlebnisse scheinen die Kenianerin

nicht hart oder bitter gemacht zu haben.

Ab und an lacht sie unbeschwertwie ein

junges Mädchen, dann ist sie wieder ernst,

bestimmt und konzentriert. „Jeder kann etwas

bewegen, wenn er nur will“, sagt sie.

„Habt keine Angst, fangt einfach an.“

Als sich die kenianische Regierung damals

weiterhin weigert, die Fabrik zu schließen,

wendet sich Omido an die East African Community,

ein Verbund zwischen mehreren

Staaten, der einen eigenen Gerichtshof hat.

Dieser erlässt ein neues Gesetz, das den Exportvon

Blei aus Ostafrika verbietet. Eingroßer

Erfolg für Omido,ein schwerer Schlag für

die Bleischmelzen. „Aber ein neues Gesetz

heißt noch lange nicht, dass man sich in Kenia

daran hält“, sagt Omido.Auch Kontrollen gibt

es nur vereinzelt. Sie notiert sich deshalb die

Nummernschilder der Lastwagen, die mit

dem verpackten Blei von Owino Uhuru in

Richtung Hafen fahren und gibt sie an die Hafenpolizei

weiter.Dadurch wirddas Exportgeschäft

den indischen Bossen der Anlage auf

Dauer zu mühsam. Sie geben auf. 2014 wird

die Bleischmelze inOwino Uhuru geschlossen.

Doch noch immer ist die Umwelt verseucht.

DieMenschen trinken das giftigeWasser,

werden weiterhin krank. „Die Herren Direktoren

schließen einfach die Werkstoreund

verschwinden mitsamt ihrem Gewinn“, sagt

Omido.„DieWerksleitung und alle, die weggeschaut

haben –die Beamten, die Politiker –

sie gehören bestraft dafür,dass sie das Leben

der Menschen wissentlich zerstörthaben.“

2015 kann sie einen entscheidenden

Schritt in diese Richtung machen. Sie gewinnt

den Goldman Environmental Prize, so

etwas wie der Nobelpreis für Umweltaktivisten.

Siewirddadurch international bekannt.

Vonden 150 000 Dollar Preisgeld finanziert

sie einen Gerichtsprozess. Im Namen der

3000 Bewohner vonOwino Uhurureicht sie

eine Sammelklage gegen die Bleischmelze

und die Regierung Kenias ein. Sie fordert,

dass sie das verseuchte Land und Wasser des

Ortes reinigen lassen. Außerdem sollen die

Bewohner finanziell entschädigt werden. Sie

sollen Zugang zu Medikamenten bekommen,

die in anderen Ländern bei Bleivergiftungen

eingesetzt werden, in Kenia aber

nicht erhältlich sind. Voraussichtlich im

März 2020 wird das Urteil in Mombasa gesprochen.„Ich

weiß, dass wir den Prozess gewinnen

werden“, sagt Omido. Die Beweise

seien eindeutig. „Es kann aber sein, dass wir

auch nach einem positiven Urteil weiterkämpfen

müssen, weil die Regierung die Forderungen

nicht umsetzt.“

Auch die Deutschen müssen etwas ändern

Auf ihrer Deutschlandreise will die Umweltaktivistin

die Menschen darüber informieren,

dass auch unter ihrer Motorhaube Blei

stecken könnte,das in Afrika Menschen vergiftet.

Am Tagzuvor hat sie in Berlin beim

Öko-Institut mit Experten diskutiert. EinVertreter

der deutschen Automobilindustrie ist

nicht gekommen. „Ihr in Deutschland habt

einen großen Einfluss“, sagt sie. „Fangt einfach

an, nachzufragen, wenn ihr in ein Geschäft

geht“, sagt sie.Wokommt das Blei aus

diesen Autobatterien her? Sterben dafür

Menschen? „Wenn viele Kunden Informationen

verlangen, werden die Konzerne darauf

reagieren.“ Deutsche Unternehmen sollten

verantwortungsvolle Recyclingprozesse einfordern,

Standards, die die Gesundheit der

Arbeiter und Anwohner schützen.

Omido ist heute froh, allen Bedrohungen

und Einschüchterungsversuchen Stand gehalten

zu haben. „Das war es wert“, sagt sie.

Denn dadurch habe sich in Kenia schon einiges

verändert. Neulich erst seien in einem

Fluss erhöhte Bleiwerte gemessen worden.

Alle Industrieanlagen am Ufer mussten daraufhin

erst mal schließen. „Das wäre vor

zehn Jahren undenkbar gewesen“, sagt sie.

Zudem sei ihre eigene Bekanntheit heute

eine große Hilfe.InKenia ist sie jetzt so etwas

wie ein Popstar. „Die Leute wissen, wenn

Phyllis kommt, dann muss sich etwas ändern,

sonst gibt es Konsequenzen“, sagt

Omido,die eine eigene NGO mit mittlerweile

acht Mitarbeiterngegründet hat. Vorkurzem

habe sich eine Schule bei ihr gemeldet, weil

ein Unternehmen gleich nebenan seinen giftigen

Müll abgeladen hatte. Die Behörden

hatten auf mehrereBeschwerden der Schule

nicht reagiert. Omido ging einmal kurzrüber

in die Firma und fragte: „Verseucht ihr etwa

die Schüler mit eurem Gift?“ Am nächsten

Tagwar der gesamte Müll verschwunden.

„Sie haben Angst vor mir“, sagt Omido.

„Für diese Art von Macht, die ich jetzt habe,

bin ich sehr dankbar.“ Auch ihr Sohn King

will später einmal Aktivist werden. Allerdings

will er für die Rechte vonTieren kämpfen.

Alice Ahlers dachte, dass Recycling

nur Gutes bewirkt. VonPhyllis Omido

hat sie gelernt, dass das nicht stimmt.


4* Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Politik

NACHRICHTEN

Spahn will mehr Hilfe für

Vergewaltigungsopfer

Opfer einer Vergewaltigung sollen

nach den Plänen vonBundesgesundheitsminister

Jens Spahn

(CDU) mehr Unterstützung erhalten.

Diegesetzlichen Krankenkassen

sollten künftig die sogenannte

vertrauliche Spurensicherung in

Arztpraxen oder Kliniken erstatten,

berichten die Zeitungen der Funke

Mediengruppe (Donnerstag). Die

Regelung solle auch dann gelten,

wenn die Betroffenen vorher nicht

bei der Polizei Anzeige erstattet haben.

Bislang müssen Gewaltopfer in

solchen Fällen die Kosten einer vertraulichen

Spurensicherung oft

selbst tragen. (dpa)

Beihilfe zum Mord:

KZ-Wachmann vor Gericht

In einem weiteren NS-Prozess muss

sich seit Donnerstag vordem Hamburger

Landgericht ein früherer KZ-

Wachmann wegen Beihilfe zum Mord

in 5230 Fällen verantworten. Der93-

Jährige soll laut Staatsanwaltschaft

1944 und 1945 im Konzentrationslager

Stutthof die„heimtückische und

grausame Tötung“ insbesonderejüdischer

Häftlinge unterstützt haben.

Am erstenVerhandlungstag wurde lediglich

die Anklageschrift verlesen –

gegen den 93-Jährigen kann nur zwei

Stunden proProzesstag verhandelt

werden. (AFP)

Kramp-Karrenbauer stoppt

Privatisierungsprojekt

Verteidigungsministerin Annegret

Kramp-Karrenbauer hat umstrittene

Privatisierungspläne für drei Werke

der Heeresinstandsetzungslogistik

(HIL) gestoppt. Diese werdenun

doch als Eigengesellschaft des Bundes

weitergeführt, sagte die CDU-

Politikerin am Donnerstag im Bundestag.

„Das heißt, die Privatisierung

wirdnicht weiterverfolgt.“ (dpa)

Trump beleidigt

Nancy Pelosi

Eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit würde die Zahl der Verkehrstoten reduzieren und die Umwelt schonen, argumentieren die Grünen.

VonAndreas Niesmann und Jörg Köpke

Deutschland bleibt das

Traumland der PS-Fans:

Ein Vorstoß der Grünen

für ein generelles Tempolimit

auf deutschen Autobahnen

ist am Donnerstag im Bundestag gescheitert.

Mit Stimmen von Union,

SPD, AfD und FDP lehnte das Parlament

den Antrag, schon ab Januar

eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit

einzuführen, in einer namentlichen

Abstimmung ab – mit

deutlicher Mehrheit.

Der Grünen-Antrag hatte auf Erfahrungen

mit lokalen Tempolimits

verwiesen, wonach die Zahl der bei

Unfällen Getöteten und Verletzten

deutlich sinke. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung

führe zugleich zu

Einsparungen von CO 2 -Emissionen

und sei damit eine effiziente Maßnahme

zum Klimaschutz. Deutschland

ist das einzige Land in der Europäischen

Union ohne ein generelles

Tempolimit auf Autobahnen.

Kretschmann hat es aufgegeben

Ohne Limit

Der Bundestag lehnt Tempo 130 auf deutschen Autobahnen mehrheitlich ab

Tempolimit auf der Autobahn

kein Limit

140 km/h

130 km/h

120 km/h

110 km/h

100 km/h

GROSSBRIT.

IRLAND

112 km/h

PORTUGAL

SPANIEN

FRANKREICH

Gegner wie FDP-Politikerin Daniela

Kluckert sprachen indes von „Kulturkämpfen

gegen das Auto“:

Schließlich sei die Autoindustrie Garant

für Wohlstand und Innovation.

Gero Storjohann sagte,dass die Grünen

selbst in Baden-Württemberg,

wo Ministerpräsident Winfried

Kretschmann (Grüne) regiert, kein

generelles Tempolimit auf den Autobahnen

vorangebracht hätten.

Kretschmann hatte jüngst erklärt, er

habe den Kampf für eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung

„aufgegeben“.

Dirk Spaniel (AfD) kritisierte

die „realitätsverweigernden Anträge“

in der Debatte und betonte,

nur seine Partei setzesich für die Interessen

der Autofahrer ein.

Schwer tat sich lediglich die SPD.

So sprach sich ihr Abgeordneter

Kirsten Lühmann im Plenum zwar

für ein generelles Tempolimit aus –

verwies aber darauf, dass die Sozialdemokraten

aus Vertragstreue zur

NORWEGEN

Deutschland

ITALIEN

SCHWEDEN

POLEN

TSCHECHIEN

KROATIEN

UNGARN

FINNLAND

LITAUEN

RUMÄNIEN

GRIECHENL.

ESTLAND

LETTLAND

BULGARIEN

BLZ/GALANTY; QUELLE: EU-KOMMISSION, AVD, AFD

großen Koalition gegen den Antrag

stimmen müssten.

Mehrere einflussreiche Sozialdemokraten

merkten außerhalb des

Plenums an, dass die Zeit reif für das

Tempolimit sei.„Als Umweltpolitiker

bin ich natürlich für ein Tempolimit.

Wirkönnten viel CO 2 einsparen“, betonte

etwa Fraktionsvize Matthias

Miersch. DieSPD habe dazu auch einen

Parteitagsbeschluss. Leider sei

„die Union noch nicht so weit“, so

Miersch.„Fakt ist auch, dass die Grünen

heute im Bundestag große Töne

spucken, in den Ländern, in denen

sie mitregieren, das Tempolimit leider

ganz schnell vergessen“, so der

Umweltpolitiker. „In Hessen haben

sie Wahlkampf damit gemacht –im

Koalitionsvertrag steht nichts zum

Tempolimit. In Baden-Württemberg

stellen sie sogar den Ministerpräsidenten,

und der hat erst letzteWoche

öffentlich erklärt, es aufgegeben zu

haben, sich für ein Tempolimit einzusetzen“,

sagte er.„Dassagt alles.“

Wie in Nordkorea?

ISTOCKPHOTO

SPD-Vize Ralf Stegner sagte: „Wenn

wir nicht einmal das schaffen, wie

sollen wir dann die viel größeren

Maßnahmen wie den Klimaschutz

hinbekommen? Kein Tempolimit

gibt es nur noch in sehr wenigen

Ländern. Deutschland ist doch nicht

Burundi oder Nordkorea.“ Der Politiker,der

sich an der Seite vonGesine

Schwan um den Parteivorsitz bewirbt,

fügte hinzu: „Eine Geschwindigkeitsbegrenzung

ist gut für die

Verkehrssicherheit und den Verkehrsfluss.“

Die Abgeordnete Nina

Scheer, die ebenfalls für den SPD-

Vorsitz kandidiert, erklärte „das

heute nicht mehrheitsfähige, aber

dringend auch zur Rettung vonMenschenleben

notwendige Tempolimit“

zu einem „weiteren von vielen

Beispielen für fehlende Handlungsfähigkeit

der großen Koalition“.

In der Abstimmung votierten 498

Abgeordnete gegen den Grünen-Antrag,

dafür 126 Abgeordnete. Sieben

enthielten sich. (mit dpa)

Scharfe Kritik

an AfD nach

Terror in Halle

Debatte im Parlament

zum Antisemitismus

Gut eine Woche nach dem Terroranschlag

vonHalle mit zwei Toten

haben SPD, FDP und Grüne im

Bundestag die AfD scharf kritisiert.

Vielleicht habe der Täter allein gehandelt,

sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende

Rolf Mützenich am

Donnerstag im Bundestag. „Aber er

wirdgetragen voneinem System der

Hetze, des Chauvinismus und des

Rechtsextremismus. Und die AfD ist

Teil dieses Systems.“ Mitten in den

Reihen der AfD säßen Abgeordnete,

die „widerliche Kommentare“ über

die Opfer des Anschlags verbreitet

hätten.

Bundesinnenminister Horst Seehofer

(CSU) sagte zu AfD-Fraktionschef

Alexander Gauland: „Ich fordere

Sie einfach auf: Distanzieren

Sie sich von solchen Äußerungen.“

Gauland weigerte sich jedoch strikt,

dies zu tun: „So lange ein Mitglied

der Bundesregierung sagen kann,

die AfD sei der politische Arm des

Rechtsterrorismus, entschuldige

ich mich hier für nichts.“ Wenn dies

so wäre, „dann wären Sie der politische

Arm des islamistischen Terrors“,

sagte er an die Adresse der

Bundesregierung mit Blick auf die

Migrations- und Asylpolitik.„Ich gestatte

mir an dieser Stelle schon mal

die Frage, wer denn das Klima geschaffen

hat, das den Anschlag vom

Breitscheidplatz möglich gemacht

hat.“

Auslöser für den Streit war der

Vorsitzende des Rechtsausschusses

des Bundestags, Stephan Brandner

(AfD). Er hatte unter anderem auf

Twitter die Nachricht eines anderen

Nancy Pelosi, Chefin des Repräsentantenhauses,

nach dem Treffen mit Trump. AP

Derheftige Streit inWashington um

die Syrien-Politik hat zu einem Eklat

bei einem Treffen zwischen Präsident

Trump und den Oppositionschefs geführt.

DieSpitzenvertreter der Demokraten

brachen am Mittwoch das Gespräch

abrupt ab und verließen das

Weiße Haus,nachdem Trump die

Vorsitzende des Repräsentantenhauses,Pelosi,

persönlich attackiert

hatte.Trump twitterte anschließend,

„sie ist eine sehr kranke Person!“ Zudem

habe er sie als„drittklassige Politikerin“

beschimpft, sagte Senator

Chuck Schumer. (dpa)

Protest gegen Strafen für

Sexualkunde-Unterricht

Tausende Polen sind aus Protest gegen

ein Gesetzesvorhaben auf die

Straße gegangen, mit dem sich Lehrerfür

Sexualkunde-Unterricht an

Schulen bis zu drei JahreHaft einhandeln

könnten. Neben einer

Großdemonstration in Warschau

machten die Menschen am Mittwochabend

auch in anderen Städten

des Landes ihrem Unmut Luft. WeitereProtestaktionen

in den kommenden

Tagen sollen folgen. (dpa)

Fünf Tage Feuerpause

US-Vizepräsident Pence verkündet Waffenruhe in Nordsyrien. Türkei spricht dagegen nur von unterbrochener Offensive

VonFrank Nordhausen

Die Meldung klang zu schön, um

wahr zu sein, auch wenn US-

Präsident Donald Trump sie auf

Twitter umgehend als „großartig“

und„unglaublich“ pries.Eine fünftägige

Waffenruhe sei für Nordsyrien

vereinbartworden, erklärte US-Vizepräsident

Mike Pence nach langen

Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten

Recep Tayyip Erdogan in

Ankara, man habe sich auf einen

Stopp des türkischen Militäreinsatzesfür

120 Stunden geeinigt, um den

kurdischen Volksverteidigungseinheiten

(YPG) den Abzug aus einer

„Sicherheitszone“ an der türkischen

Grenze inNordsyrien zu erlauben.

Anschließend werdedie Türkei ihren

Einsatz vollständig beenden, sagte

Pence bei einer Pressekonferenz am

Abend. US-Präsident Donald Trump

habe zugesagt, die gegen Türkei verhängten

Sanktionen aufzuheben,

sobald es eine permanente Waffenruhe

in der Region gebe. Ein hoher

türkischer Regierungsvertreter bestätigte

die Nachrichten gegenüber

der Nachrichtenagentur AFP.

Doch dauerte es nur eine halbe

Stunde nach Verkündung des „Waffenstillstands“,

bis sich der türkische

Außenminister Mevlüt Cavusoglu

bereits zu einem ersten Dementi gezwungen

sah. Es handle sich nicht

US-Vizepräsident MikePence (l.) zu Gast bei Staatschef Recep Tayyip Erdogan. DPA/POOL

um eine Waffenruhe, erklärte er in

Ankara, sondern die am 9. Oktober

gestartete Offensive werde lediglich

„unterbrochen“. Weder die YPG

noch die von ihr dominierten arabisch-kurdischen

„Syrischen Demokratischen

Kräfte“ (SDF) reagierten

unmittelbar, aber ihnen nahestehende

Gruppen nannten die Vereinbarung

auf Twitter „unannehmbar“,

„eine Farce“ und „ein Diktat“. Brett

McGurk, der ehemalige US-Sondergesandte

für Syrien, twitterte, die

USA hätten mit der Abmachung „soeben

den türkischen Plan ratifiziert,

ihre Grenze effektiv 30 Kilometer

nach Syrien auszudehnen, ohne das

Geschehen am Boden sinnvoll beeinflussen

zu können“. Der Be-

schluss, dass die Türkei die gesamte

450 Kilometer lange Grenzregion in

Nordsyrien militärisch kontrollieren

solle, sei „undurchführbar“. Ähnlich

äußerten sich andere Washingtoner

Experten. Eine Vereinbarung ohne

das syrische Assad-Regime und dessen

Schutzmacht Russland sei wertlos,esgehe

Pence und Trumpvor allem

darum, das Gesicht zuwahren.

DieTürkei habe sich in den Gesprächen

vollständig durchgesetzt.

US-Vizepräsident Pence und US-

Außenminister Mike Pompeo waren

am Donnerstag mit dem erklärten

Ziel nach Ankaragereist, einen Stopp

der türkischen Militärintervention

zu erreichen. Doch trotz der vereinbartenWaffenruhe

meldete derYPG-

Informationsdienst „Rojava Information

Center“ am Abend, dass der

Beschuss ihrer Einheiten in der umkämpften

Grenzstadt Ras al-Ain

durch türkisches Militär und dessen

islamistische syrische Verbündete

anhalte. Die Türkei betrachtet die

YPG wegen deren Kontakte mit der

verbotenen kurdischen Arbeiterpartei

PKK als Terrororganisation, während

sie für die US-geführte Koalition

als wichtigster Verbündeter am

Boden gegen die Terrormiliz Islamischer

Staat (IS) kämpften.

Unterdessen bestätigte die SDF-

Führung in Nordsyrien, dass sie den

Kampf gegen den IS „eingefroren“

habe, umsich auf die Abwehr der

türkischen Invasion zu konzentrieren.

Unter dem militärischen Druck

hatten die syrischen Kurden am vergangenen

Wochenende einen Bündniswechsel

vollzogen und ihre Milizen

dem Militär des syrischen Herrschers

Baschar al-Assad unterstellt.

Nach Berichtensyrischer und kurdischer

Medien konnte die syrische Armee

mit der SDF einen Angriff der

türkischen Verbündeten auf die

Stadt Manbidsch abwehren und ist

in der Nacht zum Donnerstag in die

Grenzstadt Kobane eingerückt. Das

türkische Militär scheint auf größeren

Widerstand als erwartet zu treffen.

300 000 Zivilisten in Nordsyrien

sind auf der Flucht. (mit dpa)

Einschusslöcher:Die Tür der Synagoge in

Halle soll Gedenkstelle werden.

DPA

Nutzers weiterverbreitet. Dieser

hatte geschrieben, die Opfer von

Halle seien„eine Deutsche,die gerne

Volksmusik hörte“ und „ein Bio-

Deutscher“ gewesen. „Warum lungern

Politiker mit Kerzen in Moscheen

und Synagogen rum?“

Auch Grünen-Fraktionschef Anton

Hofreiter sagte: „Der Täter des

schrecklichen antisemitischen Anschlags

in Halle mag bei dieser Tatalleine

gehandelt haben, aber er war

Teil eines rechtsextremen Netzes aus

Hass und Hetze, das auch im Internet

stattfindet.“ Er kritisierte die AfD,

weil diese sich nicht vonjudenfeindlichen

Tweets aus den eigenen Reihen

distanziere.

Der FDP-Vorsitzende Christian

Lindner betonte, der Angriff von

Halle sei nicht nur ein Angriff auf

eine Gruppe in unserer Gesellschaft

gewesen. „Wenn einige sich in unserer

Mitte heute nicht mehr sicher

fühlen können, dann wird sich morgen

niemand mehr in Deutschland

sicher fühlen.“ Weder von Gauland

noch aus seiner Fraktion habe es

eine Distanzierung auf die „Entgleisungen

auf Twitter“ gegeben. „Hier

gilt: Werschweigt, stimmt zu.“

„Der Anschlag hat das bedrohliche

Ausmaß rechtsextremer Gewaltbereitschaft

offenbart, erneut“, sagte

Bundestagspräsident Wolfgang

Schäuble. Der CDU-Politiker wies

auf alltäglichen Antisemitismus und

die Angst vieler Juden hin, ihren

Glauben in Deutschland öffentlich

zu zeigen. Das sei „beschämend für

unser Land“. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 5 *

·························································································································································································································································································

Politik

Deal in Brüssel: Boris Johnson (2. v. l.) mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (2. v. r.), dessen Chef-Unterhändler Michel Barnier (r.) und dem britischen Brexit-Minister Stephen Barclay.

AFP/KENZO TRIBOUILLARD

Deal ohne Garantie

Der britische Premierminister und die EU-Unterhändler einigen sich auf einen geordneten Brexit. Doch in London ist keine Mehrheit dafür in Sicht

VonDamir Fras, Brüssel

Als Ursula von der Leyen

am Donnerstagnachmittag

im EU-Ratsgebäude in

Brüssel ankommt, bringt

sie das Kunststück fertig, gleichzeitig

erfreut und betrübt zu wirken.

Sie sei erfreut, sagt die designierte

Präsidentin der EU-Kommission,

weil es nun einen Brexit-Deal gebe.

Andererseits sei sie traurig, weil

Großbritannien die EU verlasse.Immerhin

seien die Chancen gestiegen,

dass das in geordneter Art und

Weise geschehen werde, sagt von

der Leyen. Sie weiß in diesem Moment:

Der Brexit, auch wenn er am

31. Oktober geschehen sollte, wird

auch die Arbeit ihrer Kommission

dominieren. Von der Leyen sagt:

„Der Brexit ist kein Ende, sondern

ein Anfang.“ Es werde viel Arbeit

brauchen, um die künftigen Beziehungen

zwischen der EU und Großbritannien

zu regeln.

Ob es jedoch zu einem geregelten

Brexit in zwei Wochen kommt, ist

noch völlig unklar. Ein Überblick

über die wichtigsten Fragen.

Wasist am Donnerstag geschehen?

„Wir haben einen Deal“, sagt Michel

Barnier, Chefunterhändler der

EU, am späten Vormittag. Die Verhandlungsteams

der EU und Großbritanniens

haben in einer zweiten

Nachtschicht die letzten Streitpunkte

zur Seite geräumt. Barnier

sagt, es handle sich um einen „fairen

und vernünftigen“ Vertrag. So sieht

es auch der britische Premierminister

Boris Johnson. Er spricht von einem

„exzellenten Deal“ und appelliertandas

britische Parlament, dem

Abkommen zuzustimmen.

Wie ist die Haltung der Europäer?

Es herrscht vor allem Erleichterung,

dass es kurz vor Ende der Frist

am 31. Oktober doch noch gelungen

ist, einen Deal mit den Briten zu machen.

Diemeisten Staats- und Regierungschefs

sind aber skeptisch, ob

der Deal das britische Parlament

passieren wird. Gleichwohl billigt die

Runde der Staatschefs das Abkommen

einstimmig. Bundeskanzlerin

Angela Merkel (CDU) sagt am

Abend, man sei einem geregelten

Austritt Großbritanniens ein großes

Stück näher gekommen.

Unklar bleibt, ob es eine Verlängerung

aus technischen Gründen

braucht. Gesetzestexte müssen geschrieben

und übersetzt werden, der

Deals durch nationale Experten geprüft

werden. DasEuropaparlament

muss dem Deal zustimmen.

Wie sind die Chancen, dass der Deal

das britische Unterhaus passiert?

Die EU mit und ohne Großbritannien

Einwohner 2018 in Millionen

Fläche in Tausend Quadratkilometer

Bruttoinlandsprodukt 2018 in Milliarden Euro

Die Chancen sind schlecht. Der

Deal unterscheidet sich nur gering

von jenem Abkommen, dass Johnsons

Amtsvorgängerin Theresa May

dreimal vergeblich durch das Londoner

Parlament bringen wollte.

Die nordirische Protestantenpartei

DUP und jene britischen Konservativen,

die noch versessener auf den

Brexit sind als Johnson, haben bereits

Widerstand angekündigt. Im

Gegensatz zu Mayhat Johnson auch

keine eigene Mehrheit im Parlament.

Merkel wollte nicht darüber spekulieren,

was geschieht, wenn das

Unterhaus den Deal ablehnen

sollte. ImGespräch ist ein Sondergipfel

Ende des Monats, bei dem

EU28

446,1

512,4

15 848,6

13 454,9

Ohne UK

4463,5

4215,0

BLZ/GALANTY; QUELLE: EUROSTAT, DPA

eine Verlängerung der Austrittsfrist

bis Ende Januar beschlossen werden

könnte. Johnson lehnt das ab.

Allerdings hat das britische Parlament

ein Gesetz beschlossen, wonach

ein Antrag auf Verlängerung

gestellt werden soll, wenn der Deal

am 19. Oktober durchs Unterhaus

fallen sollte.

Waswar das Problem in der alten Vereinbarung?

Größter Streitpunkt war der sogenannte

Backstop. Das war nach

Ansicht der EU eine Garantieklausel

für eine offene Grenze zwischen

dem EU-Staat Irland und dem britischen

Nordirland. Großbritannien

sollte solange Mitglied der EU-Zollunion

bleiben, bis eine alternative

Lösung gefunden worden wäre.

Großbritannien hätte nicht sofort

nach dem Austritt Freihandelsabkommen

mit Drittstaaten schließen

können. Das hatte die Brexit-Hardliner

in Großbritannien aufgebracht.

Sie glaubten, das Vereinigte

Königreich würde auf ewig an die

EU gekettet sein.

Waswurde jetzt vereinbart?

Der neue Deal stellt die Quadratur

des Kreises dar.Nordirland bleibt

im britischen Zollgebiet und tritt formal

aus der EU-Zollunion aus.Großbritannien

kann Freihandelsabkommen

mit Drittstaaten verhandeln.

Zugleich muss sich Nordirland aber

an EU-Zollregeln halten, damit sichergestellt

ist, dass der EU-Binnenmarkt

nicht in Gefahr gerät.

Auch eine harte Grenzezwischen

Nordirland und Irland soll es nicht

geben, damit das sogenannte Karfreitagsabkommen

von 1998 nicht

gefährdet wird. Das Abkommen

machte jahrzehntelanger Gewalt auf

der irischen Insel ein Ende. Auf Personenkontrollen

soll deswegen verzichtet

werden. Die Einhaltung der

EU-Regeln für Lebensmittel und Industriegüter

wird dem Vernehmen

nach von Großbritannien kontrolliert.

Die Oberaufsicht darüber erhält

ein Komitee aus britischen Beamten

und EU-Vertretern. Die EU

darf bei Zollkontrollen anwesend

sein und bei Verstößen Klage beim

Europäischen Gerichtshof einreichen.

Am wichtigsten für die britische

Seite ist: Das nordirische Parlament

kann in regelmäßigen Abständen

darüber entscheiden, ob es sich weiter

an EU-Regeln halten will. Sollte

es zu einem Brexit am 31. Oktober

kommen, beginnt zunächst eine

Übergangsphase, inder sich in den

Beziehungen zwischen Großbritannien

und der EU praktisch nichts ändert.

London zahlt weiter in den EU-

Haushalt ein, die Rechte derEU-Bürger

in Großbritannien bleiben bestehen.

Diese Übergangsphase soll bis

Ende 2020 gelten, kann aber um zwei

Jahreverlängertwerden.

Danach greifen die jetzt vereinbarten

Regeln zunächst für vier

Jahre. Sollte Nordirland am Ende

dieses Zeitraums den Deal ablehnen,

würde wiederum eine Übergangsphase

von zwei Jahren beginnen,

in der neue Abmachungen zwischen

der EU und den Briten gefunden

werden müssten.

Damir Fras ist skeptisch,

ob das britische Unterhaus

dem Deal zustimmen wird.

Entscheidung am Sonnabend

In London lehnen die nordirischen DUP-Nationalisten und die Labour-Opposition den Austrittsvertrag ab. Und Schottland will ein zweites Unabhängigkeitsreferendum

VonKatrin Pribyl, London

Das britische Unterhaus

Stand: 17. Oktober 2019

Regierung 298 Opposition 320

Konservative

(Tories)

288

DUP

Nordirische

Unionisten

10

Labour

244

Konservative

ohne Fraktion

(aus der Partei

ausgeschlossen)

7

21

nehmen nicht an

Abstimmungen

teil

Schottische

Nationalpartei 35

Unabhängige 12

Plaid Cymru Wales 4

Liberaldemokraten 19

Change UK5

Grüne 1

BLZ/GALANTY; Q.: PARLIAMENT.UK

Boris Johnson hatte sich gerade

erst von seinem Amtssitz in der

Downing Street aufgemacht zum

EU-Gipfel in Richtung Kontinent, da

brach bereits ein Sturm der Entrüstung

über dem politischen Westminster

aus. Und das Getöse verfolgte

den Premierminister bis nach

Brüssel, wo er den mit der EU vereinbarten

„großartigen“ Deal, der einen

„echten Brexit“ erlaube, preisen

sollte.

„Es ist eine äußerst große Leistung

des Premierministers“, lobte

der Konservative Michael Gove in

der Heimat. Doch nach dem Showdown

ist vor dem Showdown –im

endlos scheinenden Brexit-Drama

ist dieses Motto zwar ausgereizt und

trotzdem stets gültig. Denn London

und Brüssel mögen sich am Donnerstag

auf einen Deal geeinigt haben.

Die Freude hielt dennoch nur

kurz an. Die größte Hürde für Johnson

nämlich wartet –wie schon bei

seiner Vorgängerin Theresa May–zu

Hause im britischen Parlament.

Daran wurden alle kurz nach der

Verkündung der Einigung erinnert,

als sich die nordirische DUP zu Wort

meldete. Die erzkonservative Unionistenpartei

lehnt das Abkommen

ab und will den Deal beim geplanten

Votum an diesem Sonnabend im

Parlament nicht unterstützen. Nun

stellt sie zwar lediglich zehn Abgeordnete,

doch Johnsons Konservativeverfügen

über keine Mehrheit im

Unterhaus,sind deshalb auf die Hilfe

der DUP angewiesen. Der Deal

scheint gescheitert, bevor er überhaupt

zur Abstimmung gestellt wird.

Wenige Minuten später der

nächste Rückschlag für die Regierung.

Auch der Labour-Chef Jeremy

Corbyn verkündete,dass die Opposition

dem Vertrag nicht zustimmen

werde. „Es scheint, dass der Premierminister

einen noch schlechteren

Deal verhandelt hat als May.“Stattdessen

fordert Corbyn ein erneutes

Referendum und versucht nun hinter

den Kulissen, schwankende Abgeordnete

daran zu hindern, für den

Deal zu stimmen.

Derweil steigt unter den pro-europäischen

Kräften die Hoffnung, bei

der Sondersitzung im Parlament am

Sonnabend einen Änderungsantrag

durchzubekommen, durch den der

Wegzueiner neuenVolksabstimmung

geebnet würde. Die Briten, so der

Wunsch jener Austritts-Gegner,sollen

die Wahl erhalten zwischen Johnsons

Deal und einem Verbleib in der EU.

Immerhin das Votum der Vertreter der

Schottischen Nationalpartei SNP

dürfte ihnen sicher sein. Die will das

auf dem Tisch liegende Abkommen

ebenfalls nicht billigen. Stattdessen

forderte die Regierungschefin des

nördlichen Landesteils, Nicola Sturgeon,

am Donnerstag abermals ein

zweites Unabhängigkeitsreferendum.

Fraglich bleibt zudem, ob die Brexit-Gegner

in den Reihen der Tories

im Sinnedes Vorsitzenden stimmen.

Sieht die Situation also düster aus für

Boris Johnson? Oder handelt es sich

vielmehr um eineWin-win-Situation

für den Premier,wie einige Beobachter

meinten? Das vermutete Kalkül:

Entweder sein mit Brüsselvereinbarter

Kompromiss schafft es durch das

Parlament und der Hardliner hält

seineZusage, das Land am 31. Oktober

aus der EUzuführen –geordnet

mit Deal. Oder die britischen Abgeordneten

lehnen dasAbkommen ab,

Neuwahlen dürften noch in diesem

Jahr folgen. Und Johnson würde

höchstwahrscheinlich als Stimme

des frustrierten Brexit-Volks in den

Wahlkampf ziehen und die Ablehnung

des Vertrags durch das Parlament

in seinem Sinne ausschlachten.

Immerhin, er hat stets versprochen,

den umstrittenen Backstop,

die Garantieklausel für eine offene

Grenze auf der irischen Insel, zu

streichen, dafür einen neuen Deal zu

verhandeln.


6* Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

NEU IN DER STADT

Werkzeugbau

für die

Musikbranche

VonJochen Knoblach

Esgibt in dieser Stadt wahrscheinlich

keinen unscheinbareren Ort,

an den sich Größen der Musikszene

verirren als den Hinterhof der Schlesischen

Straße Nummer 29 in Kreuzberg.

Dort hat die Firma Native Instruments

ihren Sitz. Ein Unternehmen,

das als der digitale Werkzeugbau

für die Musikproduzenten und

DJs dieser Welt gelten darf. Die

Kreuzberger produzieren virtuelle

Musikinstrumente samt nötiger

Hardware, mit denen sich auf Tastendruck

Gitarrenriffs, Bläsersätze

oder Violinensoli erzeugen lassen.

Instrumentenbau 4.0 vonWeltrang.

Wurzeln im Bergmann-Kiez

So kann es schon mal sein, dass ein

Musiker einen Berlin-Aufenthalt

nutzt, um den Instrumentenbauer

hinter der Oberbaumbrücke für ein

Fachgespräch zu besuchen. Die

New-Metal-Band Linkin Park etwa

fand immer wieder den Weg nach

Kreuzberg, wo tatsächlich auch die

Wurzeln des Unternehmens liegen.

Dessen Geschäftsmodell ist im

Kern dem Ingenieur und Musiker

Stephan Schmitt zu verdanken, der

sich Anfang der 90er-Jahre zunehmend

vom Gewicht und den Möglichkeiten

von Synthesizern eingeschränkt

fühlte und zugleich das Potenzial

der Rechenleistung sich

rasch entwickelnder Personalcomputer

entdeckte.Zusammen mit seinem

Freund, dem Programmierer

Volker Hinz, entwickelte Schmitt in

seiner Kreuzberger Wohnung in der

Willibald-Alexis-Straße im Bergmann-Kiez

den ersten Synthesizer

auf Software-Basis. 1996 präsentierten

sie diesen während der internationalen

Musikmesse in Frankfurt

am Main und beeindruckten das Publikum

mit der Fähigkeit, Klänge

ohne wahrnehmbare Verzögerung

zu berechnen und wiederzugeben.

Die Gründung von Native Instruments

war die unmittelbareFolge.

Zunächst arbeitete das Unternehmen

als reiner Software-Entwickler.

Später kam die Hardware

hinzu, die das Unternehmen in

Asien fertigen lässt. Heute schätzen

Anwender die genaue Anpassung

von Software andie Hardware und

nutzen gerndenVergleich mit Apple.

Mittlerweile hat das Unternehmen,

das seinen Anteil am Weltmarkt

für Software-Instrumente mit 50 Prozent

beziffert, mehr als 400 Mitarbeiter.

Vor zwei Jahren investierte die

Münchener Beteiligungsgesellschaft

EMH Partners rund 50 Millionen

Euro in Native Instruments und erwarb

damit eine Minderheitsbeteiligung.

Die Mehrheit gehört noch immer

den Gründern, die mit dem frischen

Kapital das internationale

Wachstum des Unternehmens weiter

beschleunigen wollen.

Obwohl die Betriebseinnahmen

2018 gestiegen waren und es auch in

der ersten Hälfte dieses Jahres weiter

aufwärts ging, gab Native Instruments

Anfang September die Entlassung

von 100 Mitarbeitern inBerlin

bekannt. Betroffen sind demnach

die Bereiche Sales, Marketing, Produktmanagement,

Administration

und Entwicklung.

Instrumentenbau 4.0 aus Berlin: Native

Instruments gilt als Weltmarktführer. NI

Pilotprojekt Komodo in Berlin

In zwölf Monaten haben bis zu elf Lastenräder insgesamt 38 000 km

zurückgelegt und in diesem Zeitraum 160 000 Pakete ausgeliefert.

Konventionelle Paketfahrzeuge hätten dafür über 4000 Liter Diesel

benötigt und 11 Tonnen Co 2 ausgestoßen.

Diesel-Ersatzverkehr

Im Paketversand sollen Lastenräder Lieferwagen ablösen. Die neuen Frachter kommen auch aus Berlin

VonJochen Knoblach (Text) und

Sabine Hecher (Grafik)

Dass der Versandhandel

boomt, ist nicht nur an

Umsatzzahlen ablesbar,

sondern auch im Straßenverkehr

zu spüren. Allein DHL

liefert an einem Werktag im Land

rund fünf Millionen Pakete aus. Insgesamt

wurden im vergangenen Jahr

etwa 3,5 Milliarden Sendungen

transportiert. Die großen Zusteller

DHL, Hermes, DPD und GLS haben

dafür mehr als 90 000 Transporter im

Einsatz. Branchenprognosen zufolge

sollen in neun Jahren bereits

neun Milliarden Päckchen und Pakete

verschickt werden. Macht man

dabei so weiter wie bisher, wird die

Zahl der Lieferwagen auf den Straßen

ebenfalls auf fast das Dreifache

steigen. Auch in Berlin.

Für Julius Menge ist das eine Horrorvorstellung.

Der promovierte

Geograph will nicht mehr Kfz-Verkehr

in Berlin, sondern weniger. In

der Berliner Senatsverkehrsverwaltung

am Köllnischen Park in Mitte

treffen wir ihn in einem kleinen Büro

mit Fenster zum Innenhof. Hier befasst

sich der 42-Jährige mit dem

Wirtschaftsverkehr in dieser Stadt,

der immerhin 30 Prozent des gesamten

Kfz-Verkehrs ausmacht. Vor allem

im Paketzustellgeschäft will

Menge die Transformation der Fahrzeugflotten

vorantreiben. „In Innenstadt-Quartieren

muss kein Zusteller

mit einem Transporter unterwegs

sein“, sagt Menge. Seine Alternative:

das Lastenrad.

Test in Prenzlauer Berg

Paketlieferungen in Deutschland

Auszuliefernde Pakete in Milliarden

3,5

Dafür hat der Verkehrsstratege vor

etwa zwei Jahren zum Test die Einrichtung

eines sogenannten Mikro-

Depots in der Innenstadt initiiert.

Dies ist ein Zwischenlager,indas Paketversender

die Fracht bringen, um

die Sendungen dann leise, emissionsfrei

und ohne Fahrspur-Blockade

durch Parken in der zweiten Reihe

per Lastenrad zu verteilen. „Seit Generationen

wird darüber gesprochen,

wir haben es endlich mal gemacht“,

sagt Menge.

Im Sommer vergangenen Jahres

wurden im Test-Depot an der Eberswalder

Straße in Prenzlauer Berg die

ersten Pakete in E-Cargobikes verladen,

um sie im Umkreis von etwa

drei Kilometern zu verteilen. Alle

großenVersender haben sich an dem

Test beteiligt: DHL, Hermes, GLS,

DPD,UPS.

Bilanz nach zwölf Monaten: Mit

elf Lastenrädern wurden insgesamt

160 000 Pakete ausgeliefert und damit

28 000 Transporter-Kilometer

vermieden, bei denen 4139 Liter

Diesel verbrannt worden wären. Allein

Hermes stellte während dieser

Zeit etwa 58 000 Pakete per Lastenradzuund

hatte so drei bis fünf klassische

Lieferwagen weniger im Einsatz.

„Es geht“, sagt Menge. Inzwischen

sind weitere Mikro-Depots

vorgesehen. In den fünf Jahren sollen

bis zu zehn solcher Umschlagplätze

für den Cargobike-Verteilverkehr

in Berlin entstehen. Damit

könnten rund eineViertel Million Kilometer

Kfz-Wirtschaftsverkehr vermieden

werden, rechnet der Verkehrsplaner

hoch. Laut Menge

müssten die Depots von der Stadt

betrieben werden. Die Versender

wären die Nutzer.

Tatsächlich steckt einiges Potenzial

im Lastenrad. Es gibt Studien,

nach denen 50 Prozent aller Gütertransporte

in europäischen Städten

durch verschiedene Fahrradtypen

einschließlich E-Lastfahrräder ersetzt

werden können. Anderebezifferndie

Ersatzquote durch Cargobikes auf 20

Prozent. Menge will sich für Berlin auf

keine Zahl festlegen. Die Einsatzfelder

seien zu vielfältig und auch situationsabhängig,

um das in einer Zahl

fassen zu können, sagt er.Das Lastenfahrrad

habe seineVorteile auf kurzen

Strecken. Paketzustelldienste passten

da wie zugeschnitten.

Für Menge sind die Einsatzmöglichkeiten

des Cargobikes damit aber

+157 %

2018 2028

Das E-Cargo-Bike von Ono

Der Container hat ein Volumen von2,1 Kubikmeter

9,0

längst nicht erschöpft. Schornsteinfeger,

Klempner, Maler zählt er auf.

In fast jedem Betrieb könnte ein Lastenfahrrad

zur Flotte gehören, sodass

man sich dann für das jeweils

sinnvollste Transportmittel entscheiden

kann, sagt er. „Im Gegensatz

zum Auto verursacht es auch

keine laufenden Kosten“, so Menge.

Zudem wird die Anschaffung des

Kfz-Ersatzes gefördert. 200 000 Euro

machte der Senat dafür im vergangenen

Jahr locker, von denen 70 000

Euro an gewerbliche Nutzer flossen.

Für dieses und auch für das nächste

Jahr sind jeweils 500 000 Euro als Lastenrad-Förderung

eingeplant. Menge

hofft zudem auf die gerade laufende

Novellierung der Straßenverkehrsordnung,

nach der auch das Parken in

zweiter Reihe teurer werden soll.„Das

dürfte dem Lastenrad im Zustelleinsatz

einen Schub verleihen.“

Entwicklungslabor in Treptow

Verkäufe von

Elektro-Lastenrädern

oder E-Cargo-Bikes

in Deutschland

2015

10 700

2018

Darauf hofft man auch im sogenannten

Motionlab, einem Coworking-Space

samt Maschinenpark

und Werkstatt, der sich in zwei alten

Fabrikhallen in Treptoweingerichtet

hat. Hier sind Start-ups zu Hause,die

nach dem Automobilersatz suchen.

Das Unternehmen Citkar etwa arbeitet

bereits seit 2013 an umweltfreundlichen

Transportmitteln für

Innenstädte. Inzwischen steht das

vierrädrige Lastenrad namens Loadster

kurz vor der Serienreife. Im

nächsten Frühjahr soll die Produktion

beginnen. Montiert werden die

Fahrzeuge in denVfJ-Werkstätten für

Menschen mit Beeinträchtigungen

in Neukölln. Eigenen Angaben zufolge

haben bereits 20 Firmen Bestellungen

unterschrieben. Im

nächsten Jahr sollen 2000 Bikesproduziertwerden.

Cargobike statt Cabrio

39 200

QUELLE: ZIV, KOMODO, ONOMOTION

In der Halle nebenan ist das Start-up

Onomotion untergekommen. Gegründet

wurde es 2016 von dem

Fahrzeugtechniker Philipp Kahle,

dem BWLer BeresSeelbach und dem

Designer Murat Günak, der in seinem

früheren Berufsleben Automobile

für Peugeot, Mercedes und

Volkswagen kreierte. Nun verpackt

der Vater des Mercedes SLK nicht

mehr Kompressor-Aggregate, sondern

Hybridantriebe mit Tretlager

und Elektromotor.

Das Lastenrad Ono hat die 14-

köpfige Firma inzwischen zur Vorserienreife

gebracht. Seit dem Sommer

werden zwei Fahrzeuge unter anderem

bei den Lieferdiensten Hermes,

Liefery und GLS im Praxiseinsatz getestet.

Auch die Firma Brillux nutzte

das Container-Dreirad für den Farbenversand

an Maler-Betriebe. „Wir

bekommenAnfragenvon Firmen, die

wir ursprünglich gar nicht auf dem

Schirm hatten“, sagt Ono-Chef Seelbach

und führt Elektriker oder Wäschereidienste

an. „Wer heutemit einemVW

Caddyunterwegs ist, für den

sind wir eine Alternative.“

Rund zwei Millionen Euro hatdie

Entwicklung des Fahrzeugs bislang

verschlungen. 350 000 Euro kamen

per Crowdfunding zusammen. Darüber

hinaus hat Ono Investoren an

Bord, über deren Engagement man

keine Auskunft geben möchte. Die

Produktion soll spätestens im Sommer

nächsten Jahres bei einem großen

Automobilzulieferer starten,

dessen Namen man noch nicht

nennen will.

Ono will seine Cargobikes nicht

verkaufen, sondernbietet sie als Service-Paket

inklusive Wartung und

Akku-Management an. So soll ein

Laster samt 2,1-Kubikmeter-Container

knapp 600 Euro im Monat kosten.

Bei Ono ist man dabei zuversichtlich.

200 Fahrzeuge sollen in

den ersten zwölf Produktionsmonaten

ausgeliefert und in Berlin eingesetzt

werden. Geht die Rechnung

auf, werden danach weitere Städte

bedient und dort Service-Netze aufgebaut.

Längerfristig rechnet Beres

Seelbach mit eine Jahresproduktion

von mindestens 10 000 Bikes pro

Jahr.„Wirwollen kein Nischenanbieter

bleiben. Wirwollen verändern.“

Flatrate

für

Kaffee

VonTheresa Dräbing

Wir haben uns übernommen.“

Solche Wortehörtman voneinem

Unternehmer nicht häufig.

Doch der Berliner Hans Stier geht

mit seiner Firmengeschichte offen

um. Er ist Gründer von Bonaverde,

dem Start-up, das eine Maschine

entwickelt hat, die Kaffeebohnen

nicht nur mahlt, sondern auch röstet.

DieIdee des Start-ups war außerdem,

Kaffeebauern und Konsumenten

enger zusammenzubringen. Die

Kaffeemaschinenbesitzer konnten

mit der zugehörigen App ihren Kaffee

direkt beim Kaffeebauernbestellen

und auch mehr über das Anbaugebiet

erfahren. Theoretisch.

Das Ganze wurde zwar bereits

2013 entwickelt und durch eine riesige

Crowdfunding-Kampagne finanziert,

in der von Kleinanlegern gut

zwei Millionen Euro zusammenkamen.

Doch bis heute konnten nicht

alle vorfinanzierten Maschinen ausgeliefert

werden. In Zahlen: Von

20 000 Geräten seien zum jetzigen

Zeitpunkt gerade einmal 5000 Stück

ausgeliefertworden. „Die funktioniereneinwandfrei“,

sagt Stier.Und auch

das Geschäft in Deutschland laufe

ohne Probleme. Ineinigen anderen

Ländernhaperteshingegen noch immer

am Vertrieb. Das Start-up wollte

zu schnell zu groß werden undbot die

Maschinen weltweit an. Letztlich ein

zu großes Vorhaben,wie der Gründer

feststellen musste.

BevorStier sein Geschäft komplett

auf gesunde Beine gestellt hat, startet

er nun aber schon ein weiteres Projekt.

Mit dem „Urban Coffee Club“

gibt es seit Neuestem eine Ausgründung

vonBonaverde.Hinter dem Urban

Coffee Club steckt ein Abomodell

für Kaffee. Nutzer können über die

App ein Paket buchen und beispielsweisefür

9,99 Euro die Woche in teilnehmenden

Cafés so viel Kaffee trinken,

wie sie wollen. Dafür kooperiert

Urban Coffee Club mit knapp hundert

Cafés, aber auch Friseursalons

oder Restaurants in Berlin, die den

KundennachVorzeigen derApp kostenlos

Kaffeeaufbrühen.

Langsam wachsen

Den Kaffee stellt Bonaverde zur Verfügung,

so hätten die sogenannten

Coffee Corner keine Mehrkosten

und trotzdem tendenziell mehr

Kundschaft, die neben dem Kaffee

auch einen Kuchen kauft, erklärt

Stier. Der frühere Gedanke von Bonaverde

soll so mit dem neuen Konzept

fortgeführt werden. Fairen Kaffee

vertreiben, direkt vom Kaffeebauernanden

Endkunden.

Stier ist optimistisch, dass sein

Konzept trägt. Bekannte Investoren

wieFinnHänsel oder MichaelBrehm

haben Geld gegeben. Nach wenigen

Tagen zählte UrbanCoffee Clubnach

eigenen Angaben 300 000 Downloads

der App und 2000 aktive Nutzer. Ob

er trotzdem Angst vor einem erneuten

Tiefschlag hat? „Ja klar, und der

wird auch kommen“, sagt Stier.„Erst

einmal sehen wir aber, dass es funktioniert.“

Zudemwolle man alte Fehler

nicht wiederholen und erst einmal

langsam wachsen. Aktuell gibt es Kooperationen

mit Coffee Cornern nur

in Berlin-Mitte.

Und bei Bonaverde ist das Startup

mittlerweile auf ein Lizenzmodell

umgestiegen, um so den Endkundenvertrieb

der Kaffeemaschinen

auszulagern. „So haben wir weniger

Risiko. Mit unserem bisherigen Modell

haben wir uns schlicht übernommen.“

BONAVERDE


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 7 *

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▼ 12654,95 (–0,12 %)

18.7.19

17.10.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▲ 59,92 (+1,46 %)

18.7.19

17.10.19

Euro in US-Dollar

▲ 1,1113 (+0,80 %)

Regierung erwartet

weniger Wachstum

DieBundesregierung hat vorallem

wegen eines schwächeren Welthandels

ihreKonjunkturprognose für

2020 deutlich gesenkt. Erwartet wird

nun noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts

von1,0 Prozent,

wie Wirtschaftsminister Peter Altmaier

(CDU) sagte.ImApril hatte

die Regierung noch ein Plus von

1,5 Prozent vorhergesagt. Es drohe

aber keine Konjunkturkrise,sagte

Altmaier.Für 2019 bleibt die Prognose

unverändert: DieRegierung erwartet

wie auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute

ein

Wachstum von0,5 Prozent. 2018 war

das Bruttoinlandsprodukt noch um

1,4 Prozent gestiegen. (dpa)

18.7.19

Stand der Daten: 17.10.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Quelle

17.10.19

Kaum Fachkräfte

aus Nicht-EU-Ländern

Gewinner

aus DAX und MDAX vom 17.10. zum Vortag

Healthineers 36,75 +3,68 WWWWWWWWWWW

DeliveryHero 43,50 +2,93 WWWWWWWWW

GEA Group 27,07 +2,69 WWWWWWWW

Dt. Wohnen Inh. 35,17 +2,48 WWWWWWWW

Brenntag NA 43,89 +1,93 WWWWWW

Hochtief 106,30 +1,82 WWWWWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 17.10. zumVortag

K+SNA 12,55 WWWWWWWWW –2,83

Wirecard 119,15 WWWWWWWW –2,73

Dt. Pfandbriefbank 12,03 WWWWWWW –2,27

Bechtle 96,55 WWWWWW –1,98

thyssenkrupp 12,94 WWWWWW –1,90

Siemens NA 98,92 WWWWWW –1,79

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 17.10. ±% z. 16.10.

Euro Stoxx 50(EU) –0,30

3630/2909 3588,62

CAC 40 (FR) – 0,42

5737/4556 5673,07

S&P UK (UK) + 0,20

1562/1323 1451,12

RTS (RU) +0,45

1414/1033 1353,49

IBEX (ES) –0,50

9588/8286 9340,00

Dow Jones (US) +0,15

27399/21713 27043,36

Bovespa (BR) –0,14

106650/82783105275,90

Nikkei (JP) – 0,09

22699/18949 22451,86

Hang Seng (HK) +0,78

30280/24541 26834,85

Stx Singap. 20 (SG) –0,47

1657/1350 1555,76

Festgeld für 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Mon. 6Mon. 12 Mon.

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 0,81 0,91 1,01

Bank11

bank11.de 0,40 0,50 0,60

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,45 0,46 0,51

akf bank **

akf.de 0,20 0,45 0,70

abcbank

abcbank.de - 0,45 0,55

Deutsche Bank*

deutsche-bank.de - 0,01 0,20

Santander

santander.de - 0,01 0,05

Targobank

targobank.de 0,00 0,00 0,20

ING

ing.de - - 0,01

Commerzbank

commerzbank.de - - 0,01

Isbank

isbank.de 0,35 0,35 0,50

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse

mbs-potsdam.de - - 0,01

Sparda-Bank Berlin

sparda-b.de - - 0,002

Berliner Sparkasse

-030/86986969 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,22 0,26 0,38

*12Monate Neukundenangebot

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Das Sonntagsbrötchen hat die höchstenRichter beschäftigt.

Mit Tyll Ulenspiegel gegen Disney

Der Streamingdienst Netflix erhöht den Gewinn und gibt sich gelassenimHinblickauf mächtige Konkurrenten

Von Frank-Thomas Wenzel

Bald kommt „Tyll“ auf die Bildschirme.

Daniel Kehlmann hat

mit seinem gleichnamigen, vielfach

gelobten Roman die Vorlage geliefert.

Nunwill Netflix daraus eine Serie

machen, die zeigt, wie sich ein gewisser

Tyll Ulenspiegel, Gaukler, Narr

und Entertainer,durch das Deutschland

in der Zeit des 30-jährigen Krieges

schlägt. „Tyll“ gehörtzueiner langen

Liste von Eigenproduktionen,

mit denen sich der Abrufdienst für

bewegte Bilder behaupten will. Denn

demnächst wird die Konkurrenz

massiv wachsen. Unter anderem

wollen Apple und Disney in das Geschäft

einsteigen.

DerPionier Netflix hat gerade seine

Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt.

Knapp 6,8 Millionen neue

Abonnenten kamen weltweit hinzu.

Das sind zwar rund 200000 weniger,

als das Management eigentlich erreichen

wollte.Dennoch feierten Börsianer

den Zwischenbericht. DieAktie

Vonfrüh bis spät

Laut Bundesgerichtshof dürfenBäckereicafés den ganzen Sonntag Brötchen verkaufen

Von Christian Rath

In Bäckereifilialen mit Cafébetrieb

dürfen auch sonntags

ganztägig Brot und Brötchen

verkauft werden. Das hat der

Bundesgerichtshof (BGH) in einem

Grundsatzurteil entschieden (Az.:

1ZR44/19).

DieZentrale zur Bekämpfung des

unlauteren Wettbewerbs hatte die

bayerische Bäckereikette Ratschiller

verklagt, weil diese in vielen Filialen

sonntags rund zehn Stunden lang

Backwaren verkauft, obwohl dies (in

Bayern) nur drei Stunden lang erlaubt

ist. Ratschiller hielt dagegen,

dass man wegen des angeschlossenen

Cafés viel länger öffnen dürfe.

DerBGH gab nun der Bäckerei in

vollem Umfang recht. Bäckereien mit

Gaststättenbetrieb dürfen sonntags

damit auch länger als drei Stunden

Backwaren verkaufen.

Eigentlich ist das deutsche Ladenschlussrecht

streng. DieEinzelheiten

sind allerdings Ländersache, sodass

sich die Regelungen unterscheiden

können. Sonntags sind Geschäfte jedoch

grundsätzlich geschlossen zu

halten. Ausnahmen gibt es unter anderem

für Bäckereien, die nach der

Sonntagsverkaufsverordnung auch

sonntags öffnen dürfen –inBayern

allerdings nur drei Stunden lang.

Ganz andereRegeln gelten nach dem

Gaststättengesetz. Wer ein Restaurant

oder ein Café betreibt, darf natürlich

auch sonntags öffnen. Under

darf dabei neben dem eigentlichen

Gaststättenbetrieb auch Waren an

Laufkundschaft verkaufen. Für eine

Bäckerei mit Café gelten dann die

großzügigen Öffnungszeiten des

Gaststättenrechts.

Das Gesetz nennt allerdings drei

Bedingungen, wobei vor allem die

erste beim BGH umstritten war. So

gilt die Erlaubnis zum Sonntagsverkauf

nur für „Getränke und zubereitete

Speisen“. Die Wettbewerbszentrale

wollte das zum Beispiel auf belegte

Brötchen oder Sandwiches beschränken.

Doch der BGH entschied

nun, dass eine Bäckerei mit Café

machte am Donnerstag mit einem

Plus von zeitweise mehr als 10Prozent

einen gewaltigen Sprung.

Hauptgrund für die Euphorie dürfte

sein, dass die Netflix-Macher abermals

bewiesen haben, dass sie es immer

noch verstehen, den Geschmack

des Publikums zu treffen, und zwar

nicht nur in den USA, sondern fast

überall auf der Welt.

Selbstbewusstes Management

Die dritte Staffel der Mysteryserie

„Stranger Things“ war der Renner in

den vergangenen Monaten. Rund

64 Millionen der insgesamt knapp

158 Millionen zahlenden Nutzer hätten

sie in den ersten vier Wochen abgerufen,

heißt es in einem Brief an die

Aktionäre. Dasund anderes hat dem

Unternehmen ein Umsatzplus von

fast einem Drittel auf rund 5,2 Milliarden

Dollar und einen Gewinn von

665 Millionen Dollar beschert. In der

Vorjahreszeit waren es nur 403 Millionen

Dollar.Eines der Highlights im

vierten Quartal soll das Gangster-

„Ein Brötchen wird aus Mehl, Wasser,

Hefe und Salz hergestellt und durch den

Backvorgang zubereitet.“

Thomas Koch, Vorsitzender Richter

Epos „The Irishman“ von Martin

Scorsese mit Robert DeNiro und Al

Pacino werden.

DasNetflix-Management um den

Chef Reed Hastings gibt sich denn

auch enorm selbstbewusst. Keiner

der neuen Rivalen verfüge über eine

derartige Vielfalt und Qualität bei

Eigenproduktionen, heißt es in dem

Brief. Einst hatte Netflix mit „House

of Cards“ neue Maßstäbe für die gesamte

Branche gesetzt. Es folgten

massenweise Film- und Fernsehpreise

und zuletzt auch Oscars –für

das Drama „Roma“. Beim Start der

neuen Konkurrenzangebote werde

es viel Lärmgeben. Kurzfristig sei mit

Gegenwind beim Wachstum zu rechnen.

Doch für die Manager besteht

kein Zweifel, dass es langfristig mit

ihrer Firma weiter aufwärtsgehen

wird. Dabei wird imBrief an die Aktionäredarauf

hingewiesen, dass das

Streaminggeschäft noch immenses

Potenzial biete. Netflix decke in den

USA gerade einmal 10 Prozent der

Bildschirmzeit seiner Nutzer ab. Es

FOTO: PETER KNEFFEL/DPA

sonntags auch ganz normale unbelegte

Brötchen und Brotlaibe verkaufen

darf. Auch hierbei handele es sich

um „zubereitete Speisen“, betonte

der Vorsitzende Richter Thomas

Koch. „Ein Brötchen wird aus Mehl,

Wasser,Hefe und Salz hergestellt und

durch den Backvorgang zubereitet,

also essfertig gemacht.“ Es komme

auch nicht darauf an, ob Brot und

Brötchen direkt in der jeweiligen Filiale

oder in einem zentralen Betrieb

gebacken werden.

Zweite gesetzliche Bedingung:

Nur was in der Gastwirtschaft angeboten

wird, darf auch außer Haus

verkauft werden. Im Bäckereicafé

mussesnebenKuchenundTortenalso

auch Brot und Brötchen auf der

Speisekarte geben, wenn sie gleichzeitig

am Tresen verkauft werden sollen.

Auch ein Metzger, der sonntags

einen Imbiss öffnet, könnte also die

entsprechenden Würste auch an die

Laufkundschaft verkaufen.

Dritte Bedingung: Die Speisen

müssen „zum alsbaldigen Verzehr“

gedacht sein. Das heißt nicht, dass

die Ware gleichauf der Straße gegessen

werden muss. Esgeht eher um

Einkäufe für den Tagesbedarf. Der

Ankauf vongroßen Mengen zur Vorratshaltung

ist also ausgeschlossen.

Die Wettbewerbszentrale warnte,

dass man ein Fake-Café eröffnen

könne, umden Sonntagsschutz zu

umgehen. Richter Koch betonte jedoch,

dass es bei Ratschiller keine Indizien

für nur vorgetäuschten Cafébetrieb

gegeben habe.

DasUrteil gilt nicht nur in Bayern,

sondernimErgebnis bundesweit, so

Richter Koch. Zwar haben viele Bundesländer

seit der Föderalismusreform2006

eigene Ladenschluss- und

Gaststättengesetze erlassen. Dort

unterscheidensich abervorallemdie

ZeitenderfürBäckereien(ohneCafébetrieb)

geltenden Sonntagsöffnungszeiten.

Diese reichen bis zu

neun Stunden in Berlin. Dass die jeweilige

Grenze bei Bäckereien mit

angeschlossenem Cafébetrieb überschritten

werden kann, gilt dagegen

in allen Bundesländern.

gebe große Chancen für viele verschiedene

Anbieter, weil sich der

Wandel in der Zuschauergunst beschleunigen

werde–weg vomlinearenFernsehen

hin zu Abrufdiensten.

Das dürfte auch für Deutschland

gelten.NachdenDatenderMarktforschungsfirma

GfK nutzen aktuell

schon rund 23 Millionen Menschen

kostenpflichtige Plattformen. Netflix

ist der Marktführer. Anfang November

wird Apple TV+ mit einem

Kampfpreis von4,99Europro Monat

hinzukommen. Disney+ wird wohl

Anfang 2020 nachziehen.

Für viele Analysten ist klar, dass

beide Konkurrenten eine ernsthafte

Bedrohung für Netflix werden können.

Disney nicht nur wegen eines

auf Familien mit Kindern fokussierten

Angebots, sondern weil der Mickey-Mouse-Konzern

demnächst

zahlreiche seiner Filme, die derzeit

noch bei Netflix verfügbar sind, dort

abziehen dürfte, umsie künftig auf

der eigenen Plattform zuvermarkten.

Derdeutsche Arbeitsmarkt bleibt

für Fachkräfte aus dem EU-Ausland

einbeliebtes Ziel. Allerdingszieht es

nurwenige Arbeitskräfte vonaußerhalb

derEUindie Bundesrepublik.

Dasergibteine Auswertung des

Ausländerzentralregisters des Jahres

2018 durch die Bertelsmann-Stiftung.

Demnach sind im vergangenenJahr

38 682 Fachkräfteaus

Nicht-EU-Staaten nach Deutschland

gekommen. Dassind weniger

als 0,1 Prozentdes deutschen Marktes

mit 47,5Millionen Arbeitskräften.Hauptherkunftsländerfür

Fachkräfteaus Nicht-EU-Ländern

sindIndien, die USA,Bosnien-Herzegowina

und China. (dpa)

Mehr Förderanträge

für Elektroautos

E-Auto an der Ladestation.

Diestaatliche Prämie für den Kauf

vonElektroautos wirdbei den Bundesbürgernbeliebter.Die

Zahl der

Anträgehabe in den vergangenen

Monaten deutlich zugenommen, so

das zuständige Bundesamtfür Wirtschaft

und Ausfuhrkontrolle.Bis Ende

September gab es insgesamt141000

Anträge.Nach der Entscheidung der

Bundesregierung, die Förderbedingungen

weiter zu verbessern, wird

damitgerechnet,dass im kommenden

Jahr 200000 Neuanträge gestellt

werden. Bisher seien rund 183 Millionen

Euro von600 Millionen Euro Fördermitteln

ausbezahlt worden. (dpa)

Milliardengewinn bei

Morgan Stanley

FOTO: P.PLEUL/DPA

Bessere Geschäfte im Investmentbanking

undein höhererZinsüberschusshaben

der US-Großbank

Morgan StanleyimdrittenQuartal

überraschendvielGewinn beschert.

Unter dem Strich entfielauf dieAktionäre

ein Überschussvon knapp

2,1 Milliarden US-Dollar (1,9Milliarden

Euro)und damit2Prozent mehr

als im Vorjahreszeitraum, wie das

Geldhaus in NewYorkmitteilte.

Voralleminder Investmentbank

und bei der Differenz voneingenommenen

undgezahltenZinsen übertrafendie

Erträge deutlich die Erwartungen

vonAnalysten. So stieg der

ZinsüberschussimVergleich zum

Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf

1,2 Milliarden Dollar,während AnalystenimSchnitt

nur rund 970 Millionen

Dollar erwartet hatten. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Meinung

Mietendeckel

ZITAT

Ja, nein,

weiß nicht

Christine Dankbar

würde gernedas neue Wohnrecht

kommentieren.

Stundenlang saßen die Vertreterinnen

undVertreter vonBerliner SPD,Linken

und Grünen am Donnerstag im Koalitionsausschuss

zusammen, um endlich

eine Einigung zum Thema Mietendeckel

zu erzielen. Bis zum Redaktionsschluss

dieser Ausgabe konnten sie sich leider

nicht einigen. Unddeshalb steht an dieser

Stelle leider kein Kommentar, der die Inhalte

der Berliner Mietenpolitik bewertet,

sondern einer, indem es um das Unvermögen

der Landesregierung geht.

Seit dem Sommer halten uns die Koalitionäre

jetzt mit diesem Thema in Atem,

ohne dass es ein greifbares Ergebnis gibt.

Mit dem Referentenentwurf der Linken

wurden Mitte Juni riesige Hoffnungen bei

den Mieterngeweckt und fast ebenso viel

Kritik seitens derVermieter erzeugt. Darin

war von Mietobergrenzen und von der

Möglichkeit von Absenkungen der Miete

die Rede –Dinge, die die SPD nun nicht

mehr mittragen möchte.

Mittlerweile kursieren diverse Gutachten,

die zu verschiedenen Schlüssen

kommen, je nachdem, wer sie in Auftrag

gegeben hat. Einmal heißt es, Mietsenkungen

seien rechtlich unzulässig, dann

wieder, sie seien kein Problem. Ein

Wechselbad der Gefühle für alle, die

keine Eigentumswohnung ihr eigen nennen.

Und auch für die, die sich eine gekauft

haben, um fürs Alter vorzusorgen.

Wie ein möglicher Kompromiss aussehen

könnte, ist unklar. Vermutlich wird

jede Regelung, falls es noch eine geben

sollte, vor dem Verfassungsgericht landen.

Ende offen. Eines aber steht fest: Die

Berliner Landesregierung gibt einmal

mehr ein äußerst schwaches Bild ab.Wer

mit großen Versprechungen startet und

sich dann im Streit verheddert, regiert

schlecht.

Türkei

Heiko Maas darf auch

mal widersprechen

Christian Burmeister

findet, dass sich die Bundesregierung

selbst kleinmacht.

Esist ein Trauerspiel: Dertürkische Präsident

beleidigt Deutschlands Außenminister

Heiko Maas als „politischen Dilettanten“.

Und der lässt es wie ein gescholtener

Schuljunge widerspruchslos

über sich ergehen. Erdogans Botschafter

in Berlin diffamiert Kritik an kriegstaumelnden,

militärisch grüßenden türkischen

Fußballernals Rassismus.Und türkisch

geprägte Moscheen in Deutschland

unterstützen vielfach Erdogans Linie.

Aufrufe zur Mäßigung gibt es nicht, oder

sie klingen halbherzig.

Und die Bundesregierung? Lässt all

dies weitgehend unkommentiert stehen

und geschehen. Politische Zurückhaltung

kann eine Tugend sein. In diesem Fall ist

sie es aber nicht. Wenn die Bundesregierung

schon nicht bereit ist, die wenigen

wirklichen Druckmittel gegen Ankaraeinzusetzen,

könnte sie Erdogans Propaganda

wenigstens verbal etwas entgegensetzen.

Angriffsfläche in dessen Positionen

gäbe es genug: Seine Drohung, Millionen

Flüchtlinge nach Europa zu

schicken, könnte man beispielsweise mit

der Frage beantworten, ob es wirklich zu

Erdogans Verständnis des Islam gehört,

Glaubensbrüder zum Zweck der politischen

Erpressung einzusetzen.

Mit der bisherigen verbalen Leisetreterei

und Selbstverzwergung hat die

Bundesregierung jedenfalls nichts erreicht.

Eine Prise mehr Entschlossenheit

in der Rhetorik wäre also einen Versuch

wert. So würde sich Berlin womöglich

wieder die Möglichkeit erarbeiten, mit

robustem Auftritt dem Einfluss Ankaras

auf die in Deutschland lebenden Erdogan-Unterstützer

etwas entgegensetzen

und sich verloren gegangenen Respekt

zurückholen.

Fitfor future.

Überall im Lande wird indiesen

Tagen zurückgedacht. Ich selbst

sehe mich als junge Theologiestudentin

am Morgen des 9. Oktobers

1989 in die Straßenbahn steigen. Eine

beklemmende Stimmung liegt über der

Stadt. Wie wird dieser Tagenden? „Zur Not

auch mit der Waffe in der Hand!“, hallt es

durch das Schweigen in der Bahn. Schwarz

auf weiß stand es am Wochenende in der

Leipziger Volkszeitung, dass die Errungenschaften

des Sozialismus mit allen Mitteln

verteidigt werden sollen. An der Theologischen

Fakultät ist an diesem Montag kaum

an Studieren zu denken.

Wirkonnten nicht bis zum Abend warten.

Wir mussten etwas tun, unsere Sorgen aussprechen

–miteinander,füreinander,für unsere

Stadt. Dankbar feierten wir Studentinnen

und Studenten der Theologischen Fakultät

schon am Morgen einen Gottesdienst, der

sich noch stärker in meine Erinnerung gebrannt

hat als das Friedensgebet am Abend.

Wir sangen die alten Lieder –„Sonne der

Gerechtigkeit“. Wir stimmten in die Klagen

und Vertrauensgebete der alten Propheten

ein und beteten selbst für die Stadt und das

Land und alle, die am Abend –auf welcher

Seite auch immer –Dienst zu tun hatten. Wir

wussten nicht, was geschehen würde. Aber

wir waren getrost.

Schon lange wurde in den Kirchen weitgreifender

gedacht und freier geredet. Sieboten

denen Raum, die anderswo keinen mehr

hatten. Nun öffneten sich auch an jenem

Abend die Türen. Viele kamen, die selten

oder nie eine Kirchenschwelle übertraten.

Drinnen wurde ausgesprochen, was die

Menschen bewegte, sie erlebten Gemeinschaft

und erfuhren Stärkung. Das Gebet für

den Frieden war auch ein Gebet für die, die

noch nie gebetet hatten. Es einte uns nicht

die Agitation gegen die Mächtigen im Land,

sondern die Hoffnung auf Veränderung, die

Suche nach neuen Wegen. Wirhatten ein gemeinsames

Ziel. Das Miteinander bei den

Seit ich in Amsterdam lebe, muss ich auf

einiges verzichten: Brötchen zum Beispiel.

Die praktischen kleinen Brotlaibe findet

man höchstens in der Aufbackvariante

im Supermarkt, die Niederländer essen ihr

Brot lieber in Scheiben. Auch eine schöne

Kindheitserinnerung verblasst hier langsam,

denn all die klebrig-süßen Lebensmittel, die

nach Waldmeister schmecken –Wackelpudding,

Ahoi Brause,Maibowle,Berliner Weiße

mit Schuss und dieses grüne Wassereis, das

es früher im Freibad gab, gibt es hier nicht.

Den Verlust einer anderen vermeintlichen

Selbstverständlichkeit spüre ich jeden Tag:

meine Zugehörigkeit zur Mehrheitsgesellschaft.

Hier in Holland bin ich Ausländer.

Das meine ich übrigens nur halb so pathetisch,

wie es klingt, denn als Mann mit

weißer Hautfarbe genieße ich in Holland

weiterhin eine Menge Privilegien, wie zum

Beispiel jenes, inder Regel von Holländern

erst mal für einen vonihnen gehalten zu werden.

Trotzdem fällt es mir an kleinen Dingen

ständig auf, dass ich Ausländer bin: wenn ich

zum Beispiel am 3. Oktober etwas lustloser

als meine niederländischen Kollegen zur Arbeit

gehe, sie sich in der Mittagspause über

den Sänger einer peinlichen niederländischen

Boyband aus den Neunzigern unterhalten,

den ich unmöglich kennen kann,

oder ich beim Feierabendbier in einer lauten

Bar extrem genau zuhören muss, umdem

Gespräch folgen zu können, das alle anderen

in ihrer Muttersprache führen. Bemerkenswert

ist aber, dass die niederländische Ge-

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Wieviel Religion braucht Deutschland?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Der Trost

der Kirche

MariaBeyer

istPfarrerin und hat die Zeit derWende miterlebt. Sie findet, die

Kirche kann noch heute aus diesen Erfahrungen lernen.

KOLUMNE

Ausländer

auf dem

Papier

Yulian Ide

Autor

sellschaft die Bevölkerung gar nicht in Inund

Ausländer aufteilt. Es gibt zwar ein Wort

–buitenlander –das dasselbe Konzept beschreibt,

in der öffentlichen Debatte wird es

aber kaum verwendet.

Stattdessen stößt man auf die Begriffe

„autochthon“ für eine gedachte einheimische

Bevölkerung und „allochthon“ für diejenigen,

die selbst nicht in den Niederlanden

geboren sind oder einen Elternteil haben,

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

Friedensgebeten erlebten wir als eine große

Kraft. Im Licht der Laternen standen wir endlich

auf der Straße.Unwirklich der Moment –

bis heute.Aus den Lautsprechernerklang der

Aufruf zu Besonnenheit. Keine Gewalt! Er

trug sich fort. Undwir gingen immer weiter.

Schritte auf einem neuen Weg. Das Erstaunen

ist geblieben.

30 Jahre danach denken wir zurück und

kennen neben dem Wunderbaren auch Ernüchterndes.

Die Aufbruchstimmung flaute

ab. Die besondere Rolle der Kirchen in der

DDR verlor sich schnell. Wohl blieb die Erfahrung,

dass die Kirche da war, als sie gebraucht

wurde. Sie tat ihren Dienst mit und

für die Menschen. Viele standen gemeinsam

für eine Sacheein –lebensbejahend und gewaltlos.

DieGesellschaft hat sich verändert, driftet

offenbar mehr und mehr auseinander. Die

Kirchen wirken häufig still oder mit sich

selbst beschäftigt. Für fast 80 Prozent der

Ostdeutschen spielen Kirche und Glaube

kaum oder gar keine Rolle im Alltag, sagen

Statistiken. Geblieben ist die Sehnsucht nach

einem guten gelingenden Leben. Dabei

scheint die Suchenach neuenWegen der großen

Sorge vor unüberschaubarem Wandel

gewichen. Wir sehen viel Unzufriedenheit

und reden vonKlage auf hohem Niveau. Und

übersehen leicht, dass es nicht zuerst um

materielle Sorgen geht. Wir hören den Ruf

nach Heimat und etwas,was Bestandhat und

überhören dabei leicht den Schrei nach Gemeinschaft

und Halt.

DieErfahrung zeigt, dass die Kirchendort

wichtig werden, wo Menschen ihreganz persönlichen

Fragen stellen dürfen, wo sie sich

einer gemeinsamen Sacheannehmen, die ihnen

und ihrem Umfeld dient, dem Dorf, der

Stadt.Welche das im Einzelnen ist, darum gilt

es zu ringen. Der Ruf: „Keine Gewalt!“ darf

dabei nicht verstummen und das Gespräch

miteinander nicht abreißen. So lautet die Losung

der Kirchen für 2019 nicht umsonst:

„Suche Frieden und jage ihm nach!“

auf den das zutrifft. DenUnterschied zu dem

Wortpaar „In- und Ausländer“ merke ich, als

ich auf Wohnungssuche bin und mir in einer

Gegend der Stadt, die als Problemviertel gilt,

eine Wohnung anschaue. Auf dem Bürgersteig

stehen zwei Dutzend Wohnungssuchende,

ich bin der einzige Weiße. Eine Studentin

erzählt mir,dass sie vonder Insel Curaçao

stammt, die zum niederländischen

Königreich gehört. Siehat also vonGeburtan

einen niederländischen Pass und ist also

nach keiner Definition Ausländerin. Dasniederländische

Amt für Statistik erfasst sie

trotzdem als Allochthone, genaugenommen

als„nicht-westliche Allochthone“, quasi eine

Randgruppe in der Randgruppe.

Dersehr blonde Makler bietet schließlich

mir die Wohnung an, noch bevor die Besichtigung

zu Ende ist. Ich bin zwar auf dem Papier

der wohl einzige Ausländer unter den

Interessenten, aber eben ein „westlicher“ Allochthoner,über

die man selten etwas in der

Zeitung liest. Denselben Rassismus gibt es in

Deutschland natürlich auch, trotzdem erscheint

mir Begriff „Ausländer“ im Vergleich

fast fair. Denn Deutscher ist jeder, der einen

deutschen Pass hat. Vorallem kann man einen

deutschen Pass immerhin innerhalb eines

Lebens erwerben, während das Label

„allochthon“ noch an meinen Kindern und

Enkelkindernkleben würde.Und auch wenn

es diese hypothetischen Kinder wohl nicht

geben wird, bin ich der festen Überzeugung,

dass an ihnen nichts kleben sollte, das nicht

nach Waldmeister schmeckt.

„Vielleicht wird esjain

Zukunft eine Zeit geben, wo

man sich gar nicht mehr

vorstellen kann, dass es mal

getrennte Damen- und

Herrenabteilungen in

Geschäften gab.“

Lars Eidinger, Schauspieler, erklärt imStern sein

Modeverständnis, das keine Gendergrenzen kennt.

AUSLESE

Hongkongs glücklose

Regierungschefin

InHongkong musste die Regierungschefin

Carrie Lam ihre jüngste Rede per Video

verbreiten, weil sie im Parlament nicht

zu Wort kam. „Carrie Lam trägt an der Eskalation

eine gehörige Mitschuld“, meint

die Neue Zürcher Zeitung.„Trotz dem Wissen,

dass die Krawalle an den Wochenenden

jeweils besonders heftig sind, hatte sie

das unnötige Vermummungsverbot zu allem

Überfluss an einem Freitag bekannt

gegeben und damit zusätzlich Öl ins Feuer

gegossen. In der Bevölkerung hat sie jede

Glaubwürdigkeit verloren.“ Lam würde

selbst gerne zurücktreten, was China aber

nicht zulässt: „Chinas Machthaber wollen

nicht den Eindruck vermitteln, auf Druck

der Straße reagiertzuhaben.“

Das Neue Deutschland befasst sich mit

der Rede: „Als Zuckerbrot für die Protestierenden

verspricht sie eine Reihe von

Maßnahmen, die die ökonomische Situation

der Menschen verbessern sollen:

neue Sozialwohnungen, Zuschüsse für

den Nahverkehr, die Heraufsetzung der

Hypotheken für Erstkäufer vonWohnungen“,

schreibt das Blatt.„Das wirddie Proteste

in Hongkong aber nicht beenden.“

„Carrie Lam hat eine wichtige Gelegenheit

verpasst, die Lage in ihrer Stadtzuberuhigen“,

meint auch die Frankfurter Allgemeine

Zeitung. „Man muss nicht die

teils schrillen Vorwürfe der Aktivisten teilen,

um zu erkennen, dass es dringend

Maßnahmen bedarf, um das Vertrauen

der Bürger in die Polizei wieder herzustellen.“

Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

Mitglied der Chefredaktion: Elmar Jehn.

Newsdesk-Chefs (Nachrichten/Politik/Wirtschaft): Tobias Miller,

Michael Heun.

Textchefin: Bettina Cosack.

Newsroom-Manager: Jan Schmidt.

Teams:

Investigativ: Kai Schlieter.

Kultur: Harry Nutt.

Regio: Arno Schupp, Karim Mahmoud.

Service: Klaus Kronsbein.

Sport: Markus Lotter.

Story: Christian Seidl.

Meinungsseite: Christine Dankbar.

Seite 3/Report: Bettina Cosack.

Die für das jeweiligeRessortanerster Stelle Genannten sind

verantwortliche Redakteure im Sinne des Berliner Pressegesetzes.

Reporterin: Sabine Rennefanz.

ArtDirektion: Annette Tiedge.

Newsleader Regio: Stefan Henseke, Susanne Rost, Marcus Weingärtner.

Newsleader Sport: Matthias Fritzsche, Christian Schwager.

Hauptstadtredaktion: Gordon Repinski (Ltg.), StevenGeyer (Stv.).

RND Berlin GmbH, GF: UweDulias, Marco Fenske.

Autoren: Joachim Frank, Holger Schmale, Dieter Schröder,ArnoWidmann.

Istanbul: Frank Nordhausen,

Moskau: Stefan Scholl,

Rom: Regina Kerner,

TelAviv: Anja Reich, Washington: KarlDoemens.

Redaktion: Berliner Newsroom GmbH, Berlin24 Digital GmbH,

Geschäftsführung: Aljoscha Brell, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

Lesertelefon: 030-63 33 11-457, E-Mail: leser-blz@dumont.de

Berliner Verlag GmbH Geschäftsführer:Jens Kauerauf.

Postadresse 11509 Berlin. Besucher:Alte Jakobstraße 105,

Telefon: (030) 23 27-9; Fax: (030) 23 27-55 33;

Internet: www.berliner-zeitung.de.

Vertrieb: BVZ Berliner Lesermarkt GmbH, KayRentsch.

Leserservice Tel.: (030) 23 27-77, Fax: (030) 23 27-76

www.berliner-zeitung.de/leserservice

Anzeigen: BVZ BM Vermarktung GmbH (BerlinMedien), Andree Fritsche.

Postfach 11 05 06, 10835 Berlin;

Anzeigenannahme: (030) 23 27-50; Fax(030) 23 27-66 97

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr.30, gültig seit 1.1.2019.

Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, Am Wasserwerk 11,

10365 Berlin, Internet: www.berliner-zeitungsdruck.de

Die Berliner Zeitung erscheint sechs Mal in der Woche. Bezugspreis monatlich

45,90 €einschl. 7% Mehrwertsteuer,außerhalb vonBerlin und Brandenburg

49,50 €; AboPlus, inklusiveStadtmagazin tip 54,19 €(nur in Berlin und

Brandenburg). Bezugspreis des Studentenabonnements monatlich 27,60 €,

außerhalb vonBerlin und Brandenburg 28,50 €. Das E-Paper kostet monatlich

29,99 €einschl. 7% Mehrwertsteuer.Der Preis für Studenten beträgt monatlich

18,99 €.Im Falle höherer Gewalt und bei Arbeitskampf (Streik/Aussperrung)

besteht kein Belieferungs- und Entschädigungsanspruch. Erfüllung und

Gerichtsstand Berlin-Mitte. Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder Fotomaterial

wird keineHaftung übernommen.

Die Auflageder Berliner Zeitung wird vonder unabhängigen Informationsgemeinschaft

zur Feststellung der Verbreitung vonWerbeträgerngeprüft.

Die Berliner Zeitung ist die reichweitenstärkste Abonnementzeitung Berlins

und erreicht laut Mediaanalyse 2018 in Berlin und

Brandenburg täglich 274 000 Leser.


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 – S eite 9 *

·························································································································································································································································································

Berlin

Unsere Serie zu

30 Jahre

Mauerfall

Seite 10

Große Freude: Die Nordischen Botschaften feiern 20. Geburtstag Seite 12

Großer Ärger: Seit Wochen sind die Computer des Kammergerichts lahmgelegt Seite 11

Stadtbild

Ekel statt

Spiel

Lutz Schnedelbach

erinnertsich an eine

Begegnung in der Kindheit

Tobende Kinder sind etwas Schönes.Meistens

jedenfalls.Neulich

beobachtete ich eine Gruppe Mädchen

und Jungen im Park nebenan.

DieKinder waren vier oder fünf Jahre

alt. Die Kindergärtnerinnen, so wie

sie früher hießen, sahen ihnen beim

Toben zu. Sie genossen die Sonne.

EinBekannter und ich auch.

Wir saßen in einem Gartenlokal

und schauten von dort den Kindern

zu. Sieliefen im Kreis,kletterten und

wippten auf einem Spielplatz und

schlurften durch Laubhaufen und

bewarfen sich damit. Mitarbeiter des

Grünflächenamtes hatten die Blätter

bereits für den Abtransport zusammengefegt.

Die Aufpasserinnen beschäftigten

sich mit sich selbst. Eine

von ihnen zeigte einer anderen eine

Haarspange.Wahrscheinlich war sie

neu. Denn das Zeigen dauerte ziemlich

lange. Der Haarhalter wurde

hin- und hergedreht. Es schien, als

hätte die Begutachterin selbst so

eine Spange gehabt. Wie dem auch

sei. Egal. Die Kinder hatten jedenfalls

Spaß. EinEichhörnchen saß auf

einem Baum und schaute auf sie und

die Haufen hinab. Dem Hörnchen

sah man den Spaß nicht an.

Die Knirpse erinnerten mich an

meine Kindheit. Ich mochte es auch

sehr,gemeinsam mit meinen Freunden

und Freundinnen den Tag zu

verbringen und im Park unter Bäumen

zu spielen. Und besonders hat

uns auch das Toben im Laub Freude

bereitet. Unsere Hosen, Jacken und

auch die Schuhe waren zwar vor

Schmutz am nächsten Tag nicht

mehr zu benutzen, aber das war uns

egal. Meiner Mutter übrigens nicht.

Das Tollen in einem Haufen mit

bunten Blättern hörte für mich im

Herbst des Jahres 1965 abrupt auf.

Ich erinnere mich heute an die ekelhafte

Begegnung und lasse seitdem

das Blättergreifen sein. An jenem Tag

war mir ein Unglück passiert.

Es war ein Vormittag, die Sonne

schien. Wir Kinder griffen in zusammengeharktes

Laub, pressten es mit

den Händen und bewarfen damit

unsere Gegenspieler. Ich habe zu

spät gemerkt, dass ich dabei nicht

nur Blätter in den Händen hielt, sondern

auch ein Stück Hundekacke.

Ich traf ein Mädchen. Ihr Schreien

vorEkel habe ich heute nach 54 Jahren

noch im Ohr. Sie wollte damals

mit mir wochenlang nicht mehr zusammen

spielen, und reden schon

gar nicht. Sie mied mich und hatte

allen Grund dazu. Seitdem bleibt

Laub, egal wo, liegen. Eichhörnchen

haben bestimmt nichts dagegen.

UndIgel auch nicht.

Solche Laubhaufen können auch eklige

Reste verbergen. IMAGO/GOTTFRIED CZEPLUCH

Große Kunst

Dasriesige Bild als Street-Artzubezeichnen ist fast eine Untertreibung,

genauer gesagt ist es ein Mural, also ein Wandgemälde der mexikanischen

Künstlerin Adry del Rocio,zusehen in der Märkischen Allee.Entstanden

ist das Bild, in dem die Künstlerin Einflüsse ihrer südamerikanischen

Heimat verarbeitet hat, zwar bereits im September im Rahmen

VonElmar Schütze

Das Vorbild aller Vorbilder

ist schlicht und deswegen

genial: Ein großes I,

ein Herz, ein NY –fertig

ist „I love New York“, der wohl berühmteste

Stadtmarketingspruch

der Welt. Amsterdam hat abgekupfert

und spielt auch mit dem großen

I. Stockholm macht sich schamlos

zur Hauptstadt Skandinaviens –und

München macht es sich einfach. Für

Berlin gibt es „be.Berlin“, ganz ähnlich

wie in Belgiens Hauptstadt übrigens,

die mit „be.brussels“ wirbt.

Doch jetzt hat „be.Berlin“ ausgedient,

ein neuer Werbe-Claim soll

her.Die Suche ist in vollem Gange.

Dieses Mal soll es aber nicht so

sehr um einen Spruch gehen, sondern

umdas, was Werber reichlich

wolkig „Marke“ nennen. Gesucht

wirdein Logo mit einem reduzierten

Gestaltungsmuster. Eine Textzeile à

la „be.Berlin“ muss es gar nicht, eher

vielleicht so etwas wie ein dickes B.

Dafür hat sich die federführende Senatskanzlei

einen Fachmann geholt:

Sebastian Zenker, Professor für

Stadtmarketing und Tourismuswirtschaft

an der Copenhagen Business

School einen gebürtiger Berliner.

Um zu veranschaulichen, wie

ambitioniert das Vorhaben ist, hilft

ein Blick zurück. Vor elf Jahren erblickte„be.berlin“

das Licht derWelt.

2008 wurde unter Führung der Senatskanzlei

die Imagekampagne ins

Leben gerufen, um die „unterschiedlichen

Facetten Berlins regional,

national und international“ bekannt

zu machen, wie es hieß. In

Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, im

Sportund in der Sozialbranche wurden

Kampagnenprojekte entwickelt

Sind Sie eigentlich Berlin?

Die Suche nach einem neuen Slogan für die Stadt geht in die nächste Runde

und umgesetzt. Ziel war es,Berlin als

„besondereStadt zum Leben und Arbeiten

zu positionieren“. Allein die

ersten zwei Jahre hat das rund zehn

Millionen Euro gekostet, danach

wurden keine Summen mehr kommuniziert.

Dabei war „be.Berlin“ vonAnfang

an umstritten: Zu viel- und deshalb

nichtssagend war es vielen, auch zu

englisch. Jetzt soll die Buchstabenkombination

mit dem Brandenburger

Tor ersetzt werden. Aber wie?

Undwomit? Vorallem: Wofür?

Zumindest die letzte Frage kann

die Senatskanzlei schon einmal beantworten:

Das Ergebnis soll ein

„modernes Leitbild sein, das die

Marke Berlin weiterdenkt, ihren

Kern und ihre Werte definiert, ihre

Stärken betont und die Berliner in

ihrer Liebe zur eigenen Stadt bekräftigt“

–denn Berlin-Bashing betreiben

bekanntlich nicht nur die, die

vonaußen auf die Stadt schauen, wie

es in einer Mitteilung heißt. Es soll

nicht mehr um pureWerbung gehen.

Schließlich gedeiht die Stadt ohnehin

schon und leidet dabei unter

Wachstumsschmerzen.

DieSuche hat voranderthalb Jahren

begonnen. Die Rede war von einer

„Forschungsreise“ auf der Suche

nach der „Berliner DNA“. Doch was

sind denn die Gene der Stadt?Wieerklärt

sich die Anziehungskraft? Was

denken die Einheimischen? Für welche

Werte und Themen steht die

Stadt? Hat Berlin als Ganzes überhaupt

eine einheitliche Identität?

Rund 3000 Personen haben sich

in Konferenzen, Interviews und Befragungen

mit diesen Fragen herumgeplagt:

Frauen und Männer, Junge

und Alte, Berliner und Nicht-Berliner,Religiöse

und Atheisten: ein Mix

eines Street-Art-Festivals,doch die gute Nachricht lautet –wenn Siedas

Festival verpasst haben, das Bild bleibt. Ganz große Kunst, könnte man

sagen. WeitereWerke von del Rocio finden Sie unter ihrem Namen bei

Instagram und wer sich für Street-Art überhaupt interessiert, dem sei

die Plattformstreetart-fuehrungen.de empfohlen.

STÄDTEWERBUNG

Zu vielsagend, daher nichtssagend!

Sieht aus wie vonFleurop. Doch das

Spiel mit der Domain für Belgien klappt!

Wassagen eigentlich Kopenhagen, Oslo,

Helsinki und Reykjavik dazu?

Brezel! Frauenkirche! Herz! Kein Klischee

bleibt hier unbedient.

Funktioniertnur so schön, weil die erste

Silbe passt.

Das wohl berühmteste Städte-Logoder

Welt –einfach unerreicht.

DPA

aus unzähligen Lebensbereichen.

Sie haben die Grundlage geschaffen

für die Leitbildsuche.

In Stufe zwei soll eineWerbeagentur

übernehmen und die „Marke“

mit Leben füllen. Bei der Suche danach

soll Sebastian Zenker helfen.

Ist erst eine „Marke“ gefunden,

soll sie möglichst vielen Akteuren der

Stadtgesellschaft nahegebracht werden

–als Werkzeug in der Kommunikation,

wie es heißt. Vielleicht stellt

man sich so etwas wie ein Rahmen

vor. Er könnte wie „be.Berlin“ auf Senatsveröffentlichungen

prangen,

aber auch Firmen oder Vereine

könnten ihn benutzen und sogar mit

einem eigenen Berlin-Slogan erweitern

können, solange sie sich dabei

an noch zu formulierende Regeln

halten. Jeweils 1,5 Millionen proJahr

stehen zurVerfügung. EinEnddatum

wirdnicht gesetzt.

Kein Wunder, denn schon jetzt,

nach 18 Monaten Suche und 210 000

Euro Ausgaben, lässt sich bilanzieren:

Die Aufgabe ist hochkomplex.

Schließlich wird nichts weniger gefordert,

als das Lebensgefühl von3,6

Millionen Menschen abzubilden.

Der Prozess ist noch nicht am

Ende, aber man kann schon sagen:

Einen Spruch wie „be.Berlin“, der

vor allem das Motto „Alles geht“ feiert,

wird eswohl nicht werden. Immer

mehr Menschen stören sich

eher an den Auswüchsen des Laissez-faire.

Regeln tun Not. Die Kunst

der Werber wirdessein, diese Regeln

möglichst gut ausschauen zu lassen.

Elmar Schütze

hat keinen getroffen, der

be.Berlin gelungen fand.

NACHRICHTEN

Landgericht entscheidet

über Stromnetz-Vergabe

Im Streit um den künftigen Betrieb

des Berliner Stromnetzes will das

Landgericht in drei Wochen eine

Entscheidung verkünden. Dassagten

Verfahrensbeteiligte nach der

mündlichen Verhandlung am Donnerstag.

DasLand Berlin will das

Netz 20 Jahrenach der Privatisierung

wieder in die Hände nehmen. Der

Senat beschloss deshalb,die Konzession

an den landeseigenen Betrieb

Berlin Energie zu übertragen. Dagegen

hat der bisherige Betreiber,die

Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin

GmbH, bei dem Gerichteine einstweiligeVerfügung

beantragt. Gestritten

wurde am Donnerstag um den

Wert des Netzes,die Betriebskosten

und das Notfallmanagement. Es

dauerte länger als erwartet. Das

Landgericht will seine Entscheidung

nach Angaben eines Sprechersam7.

November verkünden. (dpa)

Makkabi Deutschland zieht

in den Olympiapark

Makkabi Deutschland hat in Berlin

mit einem BüroimOlympiapark

eine weitereDependance eröffnet.

Mit37Ortsvereinen und vielfältigen

Sportangeboten bindet und verbindet

derVerband in Deutschland jüdische

und nichtjüdische Sportlerinnen

und Sportler.Sportsenator Andreas

Geisel begrüßte die Entscheidung:

„Herzlich Willkommen in

Berlin, Makkabi. Dasist ein wichtiges

Zeichen für unsereStadt. Makkabi

wirddie sportliche,kulturelle

und religiöse Vielfalt in Berlin bereichern.“

(BLZ)

Obdachlosen-Hilfe: Baustart

für neues Zentrum am Zoo

DieStadtmission baut ihreHilfe für

Obdachlose aus: An diesem Freitag

beginnen die Umbauarbeiten für ein

neues Zentrum am Bahnhof Zoo. Dort

sollen Menschen vonder Straße ab

Sommer 2020 besser individuell beraten

und begleitet werden. Dierund

500 Quadratmeter große Fläche in den

S-Bahnbögen am Hardenbergplatz

stellt die Deutsche Bahn 25 Jahrelang

kostenlos zurVerfügung. (dpa)

Breitere Radwege auf der

Oberbaumbrücke

Radfahrer sollen auf der Oberbaumbrücke

zwischen Friedrichshain und

Kreuzbergkünftig mehr Platz bekommen.

DieRadfahrstreifen sollen in

beide Richtungen auf zwei Meterverbreitertwerdenund

einen 80 Zentimeter

breiten Sicherheitsstreifen als

Begrenzung zur Fahrbahn bekommen,

wie die Senatsverwaltung für

Umwelt,Verkehrund Klimaschutz

am Donnerstag mitteilte. (dpa)

Auf der Oberbaumbrückeist immer viel

los.

BLZ/WÄCHTER


10 * Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

Eine Mauer kann baulich

noch so perfekt sein. Sobald

der Drang der Menschen

nach bürgerlicher Freiheit

größer ist, wirdsie irgendwann überwunden

werden und einbrechen, ist

sich Günter Schlusche sicher. Esist

diese Devise, nach der der Architekt

seine Arbeit gestaltet und politische

Entwicklungen an der amerikanischen

Grenze zuMexiko oder in Ungarnbeobachtet,

wo auch heute noch

Mauern gegen Menschen errichtet

werden. In Deutschland gehört das

zwar der Vergangenheit an, doch damit

die Lehren aus der Berliner Mauer

noch möglichst lange greifbar für die

Nachwelt sind, sorgt Schlusche dafür,

dass die Überreste des einstigen

Grenzsystems so gut es geht erhalten

werden.

Geringer Aufwand

Der 69-jährige Architekt ist bei der

Stiftung Berliner Mauer als Projektleiter

für die Erweiterung der Gedenkstätte

an der Bernauer Straße zuständig.

In seinen Bereich fällt auch die

Überwachung der Konservierung des

Denkmals. Die erforderlichen Maßnahmen

werden vonihm und seinen

Kollegen je nach Bedarf beauftragt

und an ausgewählte Fachfirmen vergeben

–mitunter reisen die Konservatoren

aus ganz Deutschland an. Zur

Stiftung gehören ebenfalls die Erinnerungsstätte

Notaufnahmelager

Marienfelde, die Gedenkstätte Günter

Litfin sowie die East Side Gallery.

In der Regel fallen jährlich an allen

Standorten derartige Arbeiten an, auf

dem weitläufigen Gelände an der Bernauer

Straße lasse sich jedoch am

besten zeigen, wer oder was dem

Denkmal zusetzen kann.

Gerade erst hat ein Konservator

die Instandsetzung an einem freigelegten

Keller eines Grenzhauses fertiggestellt,

das Besucher auf dem

Areal besichtigen können. An dieser

Stelle seilten sich einst die Bewohner

aus den Grenzhäusernaboder sprangen

aus den Fenstern indie Sprungtücher

der West-Berliner Feuerwehr.

Damit das alte Gemäuer geschützt

wird, hat die beauftragte Firma oben

drauf eine sogenannte Verschleißschicht

aufgetragen. Der Aufwand

war vergleichsweise gering. Je nachdem,

was gemacht werden muss,

kann ein Auftrag nach Angaben von

Günter Schlusche schonmal eine höherefünfstellige

Summe kosten.

Ganz in der Nähe sind noch 220

Meter der Berliner Mauer erhalten.

Besonders auf der Westseite haben

Mauerspechte und Witterung für

Schäden gesorgt, etliche Stahlbewährungen

sind freigelegt. An dieser

Stelle lässt sich laut Schlusche gut erklären,

mit welchem Ansatz die Stiftung

das Denkmal verwaltet.Voreinigen

Jahren gab es weitreichende Diskussionen,

ob man die Mauer in ihren

einstigen Zustand

zurückversetzen sollte oder sie so

konserviert, wie sie gefunden wurde.

Letzteres habe sich schlussendlich

durchgesetzt, was Schlusche sehr begrüßt.

„Wir wollten hier kein Disneyland

aufbauen und nicht mutmaßen,

wie etwas vielleicht einmal vor40Jahrenaussah“,

sagt er.

Die freigelegten Stahlstäbe an der

Bernauer Straße werden deshalb

nicht mit Beton bedeckt, sondern lediglich

vor heutigen Feinden geschützt,

etwa vorSouvenirjägern, die

sich ein Stück Geschichte sichern

oder Menschen die an den Stangen

ihre Kraft testen wollen. Dafür wurden

Befestigungsbügel angebracht,

Risse sind prophylaktisch mit einem

neuen Konservierungspräparat behandelt

worden. Die Rückseite der

sogenannten Hinterlandmauer wird

mittlerweile stabilisiert. Doch auch,

Wettlauf gegen

das Vergessen

Früher forderten viele Menschen, dass die Überreste der Mauer

verschwinden sollen. Das hat sich geändert, auch dank Günter

Schlusche –Ersorgt für die Konservierung des Denkmals

Der Architekt Günter Schlusche

Job, Familie, Alltag: Auch 30 Jahre nach

dem Fall der Mauer prägt die einstigeTeilung

Berlins noch das Leben vieler Menschen in

dieser Stadt. Wirstellen Menschen und ihre

Geschichte vor.

VonKristin Hermann

DIE SERIE

Im Internet: Seit Mai sind in unserer Serie

bislang bereits etwa zwanzig Teile erschienen.u

finden unter:www.berliner-zeitung.

de/mauerfall oder auf unserer App (kostenlos

im Apple Store oder Google Play).

wenn Witterung

und Zeit

gegen die Bausubstanz

arbeiten,

müsse niemand

in naher Zukunft Angst

haben, dass das Denkmal einstürzt.

Die Belastbarkeit sei 2010 in einem

Crashtest erprobt worden, der gezeigt

habe, wie massiv die Mauer ist. Die

vielen Graffitis an der Ostseite hingegen

vernachlässigen die Fachmänner,

dasie mit dem eigentlichen Ver-

VOLKMAR OTTO

fall nichts zu tun hätten und man

kaum hinterherkäme, weswegen sie

nur alle paar Jahreentfernt werden.

Leitlinie für alle Konservierungsmaßnahmen

ist ein Denkmalpflege-

Managementplan, der 2010 von der

BTU Cottbus im Auftrag der Stiftung

Berliner Mauer erarbeitet wurde und

der regelmäßig von einem Experten

neu bewertet wird. Günter Schlusche

und sein Kollege Axel Klausmeier haben

zur Denkmalpflege der Berliner

Mauer 2011 zudem ein ganzes Buch

herausgegeben, in denen Experten

aus der ganzen Welt zu Wort kommen.

Meistens sind es nur Kleinigkeiten,

die die Konservatoren an der

Grenzanlage instand setzen. Etwa

winzige Farbcodierungen, die den

Grenzsoldaten an der einstigen Lichttrasse

zur Orientierung dienten und

die dem normalen Besucher nur selten

auffallen. Die Mauer sei eben ein

unbequemes Denkmal, nicht die

klassische Schönheit. „Und doch

muss sie behandelt werden, als sei sie

ein römischer Tempel“, sagt Schlusche

und lacht.

Wissen um die Umstände

Der Experte freut sich, dass sich das

Verhältnis der Menschen zur Mauer

mittlerweile gewandelt habe und die

Überreste als schützenswertbetrachtet

werden. Dassei vor20Jahren noch

anders gewesen. „Da wollten die

meisten am liebsten alles entsorgen“,

sagt er. Heute kontaktieren ihn und

seine Kollegen Institutionen aus der

ganzen Welt, um ihre Fachexpertise

zur Mauerkonservierung einzuholen.

„Vor einiger Zeit wurden wir sogar

von jemandem aus Costa Rica um

Hilfe gebeten.“

Vor etwa 50 Jahren zog Günter

Schlusche aus dem ländlichen Niedersachsen

nach West-Berlin. Weil er

viele Freunde im Osten hatte,die zum

Teil im Gefängnis saßen, wusste

Schlusche schon früh um die Umstände

in der DDR. „Das gesamte

Ausmaß war natürlich auch mir nicht

klar“, sagt er heute.

Mit Konservierungsarbeiten ist er

erst später in seinem Berufsleben in

Kontakt gekommen. „Ich habe mich

jedoch schon immer sehr für Geschichte

interessiertund wie man die

Spuren der Vergangenheit der heutigen

Generation näherbringen kann“,

sagt er.Unter anderem war Schlusche

mit der Planungs- und Baukoordination

für das Denkmal für die ermordeten

Juden Europas beauftragt. Obwohl

er schon in den Ruhestand gehen

könnte,möchte der Architekt der

Stiftung noch eine Weile erhalten

bleiben. „Mir macht diese Arbeit großen

Spaß“, sagt er und das wird

schnell deutlich, wenn Schlusche

über die Anlage läuft, um die verschiedenen

Facetten der Konservierung

zu erklären.

Jeden Tag ist er draußen unterwegs

und begutachtet den Zustand

seiner ungewöhnlichen Arbeitsstätte.

Doch es ist nicht nur der bauliche Aspekt,

der Schlusche reizt. „Die Dramatik

der damaligen Zeit wird meinen

Kollegen und mir täglich bewusst,

da wir ständig mit Menschen

zu tun haben, die geflohen sind oder

die Familie bei dem Versuch dabei

verloren haben“, sagt er.

Das Andenken vonGünter Schlusche hat

nur indirekt etwas mit ihm selbst zu

tun. Doch immer, wenn seine Frau und er

sich das alte DDR-Telefonbuch anschauen,

müssen sie an ihregute Freundin Maxi denken,

aus deren Wohnung sie es vor30Jahren

mitgenommen haben.

In dem „Fernsprechbuch“ der DDR-

Hauptstadt waren all jene gelistet, die dort

1989 über einen Telefonanschluss verfügten.

Ihre Freundin habe lange dafür gebraucht,

überhaupt eines der begehrten Telefone

zu bekommen, mit denen sie für ihre

Freunde aus West-Berlin erreichbar sein

konnte, erinnert sich Schlusche. „Auf den

Eintrag im Telefonbuch war sie deshalb

ziemlich stolz“, sagt er.

Seine Partnerin war wie Maxi Medizin-

Fernsprechbuch DDR

Ein Anschluss unter dieser Nummer

studentin, weshalb sich die Frauen miteinander

anfreundeten. Schon früh habe die

Bekannte die starre Ausbildung an der

Charité kritisiert und sich von den Regeln

der DDR eingeengt gefühlt. Immer wieder

spielte sie deshalb mit dem Gedanken die

Republik zu verlassen. „Irgendwann hat sie

uns darum gebeten, ihr Landkarten vonder

ungarisch-österreichischen Grenze zu besorgen,

über die sie nach Westdeutschland

fliehen wollte“, sagt Schlusche.Der Versuch

geht jedoch schief. Auf dem Weg in die

Grenzstadt findet man 1988 bei einer Zugkontrolle

das Kartenmaterial bei der Frau

und bringt sie nach ein paar Tagen in Untersuchungshaft

zurück nach Ost-Berlin.

Doch aufgeben will die angehende Medizinerin

auch nach dieser Erfahrung nicht.

Gelbe Seiten –wer ein Telefon hatte in der DDR

benötigte es.

VOLKMAR OTTO

Ihre Freunde ausWest-Berlin hält sie bei den

Treffen in ihrerWohnung im Osten regelmäßig

auf dem Laufenden. Als ihr die Flucht jedoch

tatsächlich gelingt, überrumpelt sie

Schlusche und seine Frau dennoch.„Wir kamen

gerade aus dem Urlaub zurück, als uns

ein Nachbar eine Nachricht vonMaxi überbrachte,

dass es ihr tatsächlich gelungen

war,über die Grenzezukommen“, sagt er.

Doch wie? Nur wenige Wochen vor dem

Mauerfall lernte sie einen Mann kennen, der

im Besitz eines befristeten Diplomatenpasses

war.Von einem Tagauf den anderen bietet

er ihr an, sich bei dem Grenzübertritt in

seinem Kofferraum zu verstecken, der von

den Grenzbeamten aufgrund seiner Position

nicht kontrolliertwird. Dieses Malfunktioniert

die Flucht tatsächlich, ohne dass

Maxi entdeckt wird. Sie darf zunächst allerdings

nicht bei ihren Freunden in West-Berlin

unterkommen, sondern gelangt über einen

Verteilschlüssel nach Nordrhein-Westfalen,

weshalb sie die beiden bittet, einige

persönliche Dinge aus ihrer alten Wohnung

zu holen, die sie so plötzlich verlassen hat.

„Dabei habe ich dann auch das besagteTelefonbuch

gefunden und sie gefragt, ob ich es

als Erinnerung an diese aufregende Zeit behalten

darf“, sagt Schlusche.Bis heute steht

es mit anderen historischen Dokumenten in

seinem Bücherregal.

Kontakt zu ihrer langjährigen Freundin

halten die Schlusches übrigens noch immer.

Siehat sich nach ihrer Flucht in einen Amerikaner

verliebt und lebt nun mit ihm auf

Hawaii. (kh.)


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 11 *

·························································································································································································································································································

Berlin

FDP und AfD

gemeinsam

für Tegel

Beide Fraktionen stimmen

für Anhörung im Bundestag

VonPeter Neumann

Knapp ein Jahr vor der geplanten

Schließung des Flughafen Tegel

hat der Verkehrsausschuss des Bundestags

beschlossen, Experten zu einem

möglichen Weiterbetrieb anzuhören.

Das teilte die Berliner FDP-

Abgeordnete Daniela Kluckertmit.

Wiejetzt bekannt wurde,kam der

Beschluss zustande,weil die AfD den

FDP-Antrag am Mittwoch unterstützt

hat. So konnte das Quorum erreicht

werden – einer Anhörung

müssen ein Viertel der Ausschussmitglieder

zustimmen. Bei den Grünen

stieß das Vorgehen auf Kritik.

Der Konsensbeschluss müsse geändertwerden,

forderte Daniela Kluckert.

Mit ihm hatten sich Berlin,

Brandenburg und der Bund 1996

darauf verständigt, den Luftverkehr

in der Region auf Schönefeld zu konzentrieren

– und Tempelhof sowie

Tegel zu schließen. „Damals ging

man von anderen Kapazitäten aus,

die der BER heute bereits überschreitet“,

erklärte die Abgeordnete.

Grünen kritisieren Vorstoß

Tegel sei für einen funktionierenden

Luftverkehr in Berlin unerlässlich.

„Als Metropole im Herzen Europas

können wir uns einen Verkehrskollaps

nicht erlauben“, so die Pankowerin.

Sie verwies auf den erfolgreichen

Volksentscheid von 2017, mit

dem der Senat aufgefordert wurde,

„sofort die Schließungsabsichten

aufzugeben und alle Maßnahmen

einzuleiten, die erforderlich sind,

um den unbefristeten Fortbetrieb

des Flughafens Tegel als Verkehrsflughafen

zu sichern“. Dabei hatten

VomNetz abgeklemmt

Die Computer des Kammergerichts sind seit Wochen lahmgelegt, der Virus kam per Mail

VonAndreas Kopietz

Seit Wochen ist das Computersystem

des Berliner Kammergerichtes

lahmgelegt.

Wie berichtet, ist ein Virus

die Ursache. Berlins höchstes Gericht

mit rund 150 Richtern und 370

Mitarbeitern, sieben Straf- und 28 Zivilsenaten,

arbeitet seit mehr als drei

Wochen wie vor der Erfindung des

Computers.

Am 25. September hatte das landeseigene

IT-Dienstleistungszentrum

(ITDZ) in einer Mail den Computervirus

„Emotet“ identifiziert.

Diese war vom Kammergericht an

eine andere Berliner Behörde geschickt

worden, deren Computer

vom ITDZ betreut werden. Danach

wurden sämtliche Computer des

Kammergerichts heruntergefahren.

Das Gericht ist seitdem nur telefonisch,

per Faxoder per Briefpost zu

erreichen. Internet, Mail und Datenbanken

sind tot.

Das Kammergericht selbst ist

nicht Kunde des ITDZ. Die Behörde

beharrte bislang auf ihre Eigenständigkeit

und betreut durch eine eigene

IT-Abteilung ihre Computer

selbst. Dort war die Schadsoftware

nicht festgestellt worden.

Viruswirdüber Spam verteilt

„Emotet“ ist eigentlich ein sogenannter

Banking-Trojaner, der Zugangsdaten

für Online-Banking abgreift

und auf das Betriebssystem

Windows zielt. Seit Ende 2018 kann

der Virus auch Inhalte von E-Mails

auslesen. Betroffene Empfänger erhalten

E-Mails mit echt aussehenden,

aber erfundenen Inhalten von

Absendern, mit denen sie zuvor

Kontakt hatten. Dazu sind Namen

und Mail-Adressen von Absender

und Empfänger in Betreff, Anrede

und Signatur zu früheren E-Mails

stimmig. Sie verleiten sogar sensibilisierte

Nutzer zum Öffnen des

schädlichen Dateianhangs oder des

Links in der Nachricht.

Das Bundesamt für Sicherheit in

der Informationstechnik (BSI) veröffentlichte

deshalb eine Warnung:

„Emotet gilt als eine der größten Bedrohungen

durch Schadsoftware

weltweit und verursacht auch in

Deutschland aktuell hohe Schäden.“

Da die Schadprogramme teilweise

tiefgreifende sicherheitsrelevante

Änderungen am infizierten

Der gefährliche Viruswird mit massenhaften Spam-Mails verbreitet.

Das Kammergericht: Berlins

höchstes Gericht existiertseit

über 550 Jahren. Es befindet

sich gemeinsam mit dem Landesverfassungsgericht

und der

Generalstaatsanwaltschaft

am Kleistpark in Schöneberg.

TAUSENDE VERFAHREN

Höchste Instanz: Als Oberlandesgericht

ist das Kammergericht

die höchste Instanz

für Entscheidungen der

Familiengerichte und des

Landgerichts in zivil-, strafrechtlichen

Verfahren.

GETTY IMAGES

Entscheidungen: Im Jahr

2017 erledigtedas Kammergericht

unter anderem3151

zivilrechtliche Berufungs- und

2385 Beschwerdeverfahren

sowie330 strafrechtliche Revisionsverfahren.

System vornehmen, sollten Rechner,

die mit „Emotet“ infiziert sind, neu

aufgesetzt werden, empfiehlt das

BSI. Istder Computer erst einmal infiziert,

kann „Emotet“ weitere

Schadsoftware nachladen. Diese

Schadprogramme ermöglichen den

Kriminellen die vollständige Kontrolle

über das System. Inmehreren

dem BSI bekannten Fällen hatte dies

große Produktionsausfälle zur Folge,

da ganze Unternehmensnetzwerke

neu aufgebaut werden mussten.

Nach Angaben des BSI wird das

Schadprogramm über Spam-Kampagnen

verteilt. „Unsere forensischen

Untersuchungen zeigen im

Augenblick, dass die Infizierung

nicht über einen USB-Stick oder

ähnliches erfolgt ist. Wahrscheinlicher

ist ein Angriff über eine fingierte

E-Mail“, sagte Gerichtssprecher

Thomas Heymann amDonnerstag.

Vorsorglich sei untersagt worden,

USB-Sticks und externe Speichermedien

zu benutzen, um zu verhindern,

dass infizierte Dateien aus

dem Kammergericht auf private

Computer übertragen werden.

Verhandlungen laufen

DieMitarbeiter können ihreComputer

zurzeit nur wie Schreibmaschinen

nutzen –ohne Netzanbindung.

Sie können darauf erstellte Dokumente

ausdrucken. Inzwischen hat

das Gericht bei sich mehrere „Auskunfts-PCs“

eingerichtet, vondenen

aus gespeicherte Dokumente eingesehen

und ausgedruckt werden können.

Alle bis zum Sicherheitsvorfall

erstellten Daten seien noch vorhanden,

so Heymann. „Die Gerichtsverhandlungen

laufen, es werden auch

Urteile gesprochen“, Wann der Betrieb

wieder normal laufen wird,

kann der Sprecher nicht sagen.

Die CDU will das IT-Desaster im

nächsten Rechtsausschuss zur Sprache

bringen. „Es stellt sich ernsthaft

die Frage, wie unter diesen Bedingungen

das ohnehin schon überlastete

Gericht sicherstellen soll, dass

Geschäftsvorgänge ordnungsgemäß

abgewickelt werden“ sagt Sven Rissmann,

rechtspolitischer Sprecher

der Partei. Er kritisiert Justizsenator

Dirk Behrendt (Grüne), der es versäumt

habe, den Rechtsausschuss

umgehend zu informieren. „Der Senator

wird imRechtsausschuss alles

auf den Tischlegen“, sagt Behrendts

Sprecher.

Der wärmste

September

überhaupt

Globaler Rekord, Berlin hatte

aber schon extremere Jahre

VonTorsten Harmsen

Die Wetterrekorde häufen sich.

DerSeptember 2019 sei auf der

Nordhalbkugel der wärmste September

seit dem Beginn der Klimaaufzeichnungen

1880 gewesen,

teilte die US-Klimabehörde NOAA

am Mittwoch (Ortszeit) mit. Die

Temperatur habe um 1,24 Grad Celsius

über dem langjährigen Durchschnitt

gelegen, so die Behörde.

Und global gesehen sei der vergangene

Monat gemeinsam mit dem

September 2015 absoluter Rekordhalter.

Doch wie sah es in Berlin

aus? Wieordnet sich die Hauptstadt

in den weltweiten Trendein?

Wie die Karte des Meteorologen-

Portales Wetterkontor.de zeigt, gehörte

Berlin mit durchschnittlich

15,5 Grad Celsius zu den wärmeren

Orten Deutschlands. Vor Berlin lagen

nur Mannheim, Lahr, Konstanz

und Helgoland. Dasmag mit der Innenstadtlage

zusammenhängen.

Gemessen wurde in Tempelhof.

Im langjährigen Mittel von 1981

bis 2010 liegen die Berliner September-Temperaturen

übrigens bei 14,9

Grad. Die diesjährige Abweichung

von plus 0,6 Grad war also nicht extrem.

In Berlin gab es keinen Rekord-September.

Zum Vergleich: Im

September 2018 war es in der

Hauptstadt mit 17,1 Grad sogar um

2,2 Grad wärmer als im langjährigen

Mittel. Undinmanchem Jahr zeigte

das Thermometer noch höhere

Temperaturen an.

Schaut man sich die Berliner

September-Temperaturen in den

drei Jahrzehnten seit 1990 an, dann

sieht man ein ständiges Aufund Ab.

Die Debatten um den Flughafen Tegel

kommen öfter als manche Maschine. IMAGO

56,1 Prozent der Teilnehmer gültige

Ja-Stimmen abgegeben –insgesamt

992 000. Kluckert: „Jetzt ist es an der

Zeit, dass auch die CDU/CSU im

Bundestag Haltung zeigt. Öffentlich

hatten Vertreter der Union wiederholt

eine Offenhaltung befürwortet.“

„Kein Rückbau des Flughafens

Tegel“, fordert auch Frank Magnitz,

luft- und raumfahrtpolitischer Sprecher

der AfD-Fraktion im Bundestag.

DerVolksentscheid sei zu respektieren,

bekräftigte Magnitz’Mitarbeiter

Udo Kühn am Donnerstag. Gegner

eines Weiterbetriebs argumentieren,

dass das Plebiszit dem Senat lediglich

einen Prüfauftrag erteilt habe.

Kühn entgegnete: „Beim Volksentscheid

ging es um pround kontraTegel

–und er ging klar proTegel aus.“

Die Anhörung soll Wege aufzeigen,

den Mehrheitswillen umzusetzen,

so der AfD-Verkehrspolitiker

Dirk Spaniel. „Es ist nicht unüblich,

dass die AfD-Fraktion Anträgen anderer

Fraktionen zustimmt, wenn

diese sinnvoll sind.“ Als Anhörungstermin

sei der Dezember realistisch.

„Die FDP ignoriert seit Jahren in

Sachen Tegelschließung die Rechtslage

und versucht, diese zu boykottieren“,

sagte der Berliner Abgeordnete

Stefan Gelbhaar von den Grünen.

„Dass die FDP jetzt im Bundestag

für ihren aussichtslosen Kampf

gemeinsame Sache mit der Partei

macht, die die freiheitlich-demokratische

Grundordnung bekämpft, löst

bei mir nur noch Kopfschütteln aus.“

VonNikolaus Bernau

Jedes Mal, wenn ich an der Friedrichswerderschen

Kirche vorbeifahre

–und das ist oft –kommt der

Ärger hoch über die dort ander Falkoniergasse

und am Schinkelplatz

entstandenen neuen Häuser. Sie

wurden dem kostbaren Bau sonahe

gerückt, dass seine hoch ragende

neugotisch-klassizistische Eleganz

kaum noch zu sehen ist, seine Fundamente

sogar, umnoch einige Luxuskarossen

mehr unterirdisch unterbringen

zu können, wortwörtlich

so lange angegraben, bis sich in den

Gewölben tiefe Risse entwickelten.

Wie schon 1987

Jetzt gab die Stiftung Preußischer

Kulturbesitz bekannt, dass sie die

deswegen 2012 fluchtartig geräumte

einstige Kirche ab nächstem Jahr

wieder für die Ausstellung von

Skulpturen des Klassizismus nutzen

will, wie schon seit 1987. Da weder

eine neuerliche kirchliche Neunutzung

des Raumes absehbar ist noch,

dass die schon jetzt mit ihren vielen

und durchweg sehr teuren Bauprojekten

bis an die Grenzen geforderte

Preußen-Stiftung eine Alternative

schaffen kann, werden wir diese

Skulpturen wohl noch lange in der

Ein Skandal ohne Folgen

Die St. Hedwigs-Kathedrale ist das nächste Opfer städtischer Verantwortungslosigkeit

Die Kathedrale ist in Gefahr

IMAGO IMAGES

Friedrichswerderschen Kirche sehen

können. Und uns darüber ärgern,

dass etwa die erlesene Prinzessinnengruppe

Schadows in nur durch

Lampen zu erhellenden Schattenraum

stehen muss,statt wie seit 1987

in strahlendem Naturlicht zu baden.

Denn die Investoren mussten ja

ruchlos auch noch den letzten Cent

aus dem Baugrund herauspressen,

und teils berühmte Architekten

dienten sich diesem Unterfangen

willig an. Sie nahmen weder in den

Proportionen der Häuser –die weit

höher sind als die historische Bebauung

–nochinder Detaillierung oder

in der Materialwahl irgendeine

Rücksicht auf eines der Hauptwerke

eines ihrer oft als „Genie“ idealisierten

Berufsgenossen, Karl Friedrich

Schinkel.

Möglich wurde dies Trauerspiel

vor allem aus zwei Gründen: Weil

Abgeordnetenhaus und Senat

lange daran festhielten, bei Grundstücksverkäufen

nur auf den Preis

zu sehen und alle gesamtgesellschaftlich

viel interessanteren Projekte

deswegen keine Chance hatten

–und weil die städtischen Behörden,

voran die Senatsbauverwaltung,

alle Warnungen der

Stadthistoriker und der Denkmalpfleger

in den Wind schlugen und

die vorgelegten Projekte auch noch

genehmigten. Deswegen entstanden

an der Stelle eines einst eher

klein- bis mittelbürgerlichen Viertels

nun Luxuswohnungen. Diese

Bauten sind also nicht nur stadtgestalterisch,

sondern auch sozialpolitisch

ein Desaster.

Und gab es Folgen? Immerhin,

in Ausnahmefällen darf der Senat

jetzt auch nach Konzept und nicht

nur nach Geldwert verkaufen. Und

das Landesdenkmalamt wurde –

auch in Folge dieses Skandals –in

die Zuständigkeit des Kultursenators

verlagert. Auch dort aber ist

sein Einfluss denkbar gering, wie

sich in den Kämpfen um die St.

Hedwigs-Kathedrale gezeigt hat.

Auch dort wieder hat der Senator

dem Investor freie Bahn geräumt,

die katholische Kirche –sie verhält

sich gegenüber dem historischen

Bestand genau so ruchlos wie die

Bauherren an Falkoniergasse und

Schinkelplatz, sollte also auch genau

so bezeichnet werden – darf den

kostbaren Innenraum der Kirche

zerstören, den Bau zur Hülle degradieren.

Da muss man fast froh sein, dass

die Friedrichswerdersche Kirche wenigstens

innen wiederhergestellt

werden konnte.Ach so:Zur Rechenschaft

wurde für das Desaster übrigens

niemand gezogen. Es wurde,

sehr berlinisch, einfach verbucht als

eine der vielen Peinlichkeiten aus Inkompetenz,

unter denen diese Stadt

zu leiden hat.

Nikolaus Bernau

ärgertsich über den Umgang

mit der Kirche.

Der September warauch in Berlin außergewöhnlich

warm.

DPA

In den 1990er-Jahren lag die Temperatur

indrei von zehn Jahren über

dem Durchschnitt. In den Jahren

2000 bis 2010 waren es sechs von

zehn Jahren und von 2011 bis 2019

sechs von neun Jahren. Besonders

warm waren die September-Monate

in den Jahren 1999, 2005, 2006,

2009, 2011, 2014, 2016 und 2018.

Hier lagendie Temperaturen um 1,4

bis 3,7 Grad über dem langjährigen

Mittel.

War die Durchschnittstemperatur

in Berlin also im September 2019

nur moderat erhöht, so sah das im

globalem Maßstab anders aus, wie

die US-Klimabehörde NOAA mitteilte.Die

Durchschnittstemperatur

über den Land- und Ozeanflächen

beider Monate habe in den Jahren

2015 und 2019 mit 15,95 Grad Celsius

um 0,95 Grad Celsiusüber dem

Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts

von 15Grad gelegen, teilte die

Behördemit.

Besonders warm war es nach

NOAA-Angaben in Alaska, dem

Westen Kanadas, dem Süden der

USA und im nördlichen Pazifik. Die

Ausdehnung des Eises inder Arktis

war um 32,6 Prozent geringer als im

Durchschnitt von 1981 bis 2010.

Diese Zeitspanne dient Meteorologen

als Referenzphase.

Die weltweit zehn wärmsten

September gab es laut NOAA seit

2005. Die vergangenen fünf seien

die fünf wärmsten seit Messbeginn

1880 gewesen. (mit dpa)


12 * Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

POLIZEIREPORT

Shisha-Barsdurchsucht: DiePolizei

hat am Donnerstagabend Cafés und

Shisha-Bars in Neukölln, Friedrichshain

und Kreuzbergdurchsucht. Dabei

ging es um Verstöße gegen das

Gewerberecht und den Jugendschutz,

sagte eine Polizeisprecherin.

Festnahmen habe es nicht gegeben.

Spielgeräte seien versiegelt worden.

Verwirrter Mann festgenommen.

Polizisten haben am Mittwoch in

Mitte einen 22 Jahrealten verwirrten

Mann festgenommen. Er hantierte

voreinem Gebetsraum der Jüdischen

Gemeinde mit einem Besteckmesser.Erwar

gegen 11.30 UhrObjektschützernaufgefallen.

Beamte

einer Einsatzhundertschaft brachten

den 22-Jährigen in die Psychiatrie

eines Krankenhauses.

Radler von Tram eingeklemmt.

In der Mehrower Allee in Marzahn ist

am Donnerstag ein 24 Jahrealter

Fahrradfahrer voneiner Straßenbahn

der Linie M8 angefahren und

eingeklemmt worden. DerMann

hatte beim Linksabbiegen die Bahn

übersehen. DieFeuerwehr befreite

den lebensgefährlich verletzten

Mann und brachte ihn in eine Klinik.

Anzeige

Lesen Sie am Wochenende

Karriere

Workaholics: Wenn die Arbeit

zur Sucht wird

Ausbildung am Herd: So läuft

der Job-Alltag der Köche

BVG-Bus beschädigt.

EinUnbekannter hat am Mittwochnachmittag

eine Seitenscheibe eines

fahrenden BVG-Busses beschädigt.

Kurz vor14Uhr fuhr der 45-jährige

Fahrer der Buslinie 265 auf der

Straße Am TreptowerParkinRichtung

Baumschulenweg, als ein Stein

gegen die Scheibe geworfen wurde.

Siezersplitterte.Der 45-Jährige

bremste den Bus. Er wurde leicht

verletzt und musste behandelt werden.

Fahrgäste blieben unverletzt.

Kilometerlange Dieselspur.

Eine 12 Kilometer lange Spur von

ausgelaufenem Diesel sorgte in der

Nacht zum Donnerstag für stundenlange

Verkehrsbehinderungen. Die

Spur führte vonder Kreuzung Alt-

Friedrichsfelde/Rhinstraße bis zur

Ahrensfelder Chaussee.Der Diesel

stammte aus einem defekten Kleinbus.Eine

Spezialfirma benötigte

mehr als zwölf Stunden, um die

Fahrbahn zu reinigen. (ls.)

Gut gealtert: Hinter der gemeinsamen Fassade aus Holz und Kupfer stehen die fünf nordischen Botschaften und ein öffentlich zugängliches Gemeinschaftshaus.

Oase des Multilateralismus

Die Nordischen Botschaften feiern ihren zwanzigsten Geburtstag –eine wehmütige Eloge

VonFrederik Bombosch

Die Bundesrepublik besteht

bekanntlich aus

16 Bundesländern. Jedes

von ihnen hat seine Repräsentanz

in der Hauptstadt, kleine

Länderbotschaften quasi. Nun die

Preisfrage: Wieviele Länder konnten

sich einigen, ein gemeinsames Gebäude

zu beziehen, um ihrehäufig ja

gemeinsamen Interessen beim Bund

zu vertreten? Die Antwort lautet,

man ahnt es: keines.Jeder repräsentiert

für sich allein. So viel zum Zustand

des inneren Multilateralismus

in diesem Land.

Dabei kann die Wirkung viel stärker

werden, wenn man sich zusammentut.

Weil der Zusammenhalt

selbst zum Zeichen wird, die Betonung

des Gemeinsamen statt der jeweiligen

Eigenheiten. So vieles sollte

anders werden in der neuen Hauptstadt

Berlin. Aber die Einzigen, die

auf die Idee kamen, ein gemeinsames

Botschaftsdorfzubeziehen und

einWahrzeichen für den Multilateralismus

zu schaffen, waren die fünf

nordischen Länder Island, Norwegen,

Dänemark, Schweden und

Finnland.

Maas’Stoßseufzer

Vorzwanzig Jahren, am 20. Oktober

1999, bezogen sie ihreDomizile hinter

der gemeinsamen Kupferfassade

in der Rauchstraße in Tiergarten. Am

Donnerstag waren die Außenminister

der fünf Länder zu Besuch in Berlin

und empfingen Bundesaußenminister

Heiko Maas (SPD), um das Jubiläum

zu würdigen. Es war ein kurzer

Termin, entspannt und uneitel.

Man pflanzte zusammen einen

Baum, die Würdenträger ulkten mit

einem gemeinsamen Spaten herum,

der schon einst bei der Grundsteinlegung

verwendet wurde.Und Heiko

Maas schien die kurze Pause vonder

chaotischen Weltpolitik, von Syrienkrieg,

Brexit und der transatlantischen

Zerrüttung zu genießen.

„Wenn alle so gut zusammenarbeiten

würden, wie wir das hier tun“,

sagte er in einem Stoßseufzer zu seinen

Kollegen, „dann wäre die Welt

ein friedlicherer Ort.“

Vorzwanzig Jahren, als die Nordischen

Botschaften entstanden, gab

es diesen Glauben noch. Erst kurz

zuvor war die Europäische Gemeinschaft

zur Europäischen Union geworden,

war das Schengen-Abkommen

in Kraft getreten, hatten die innereuropäischen

Grenzen ihre Bedeutung

verloren. Es gab Hoffnung

auf Partnerschaften des Westens mit

Russland und der Türkei.

Inzwischen sind die meisten

dieser Hoffnungen zerstoben, den

Westen gibt es auch nicht mehr so

Die fünf nordischen Außenminister,eine junge Vogelkirsche und HeikoMaas (v.l.n.r.). DPA

richtig. Der Norden aber ist geblieben.

Vielleicht ist ein Grund für diese

Beständigkeit –neben der kulturellen

und sprachlichen Nähe der fünf

Länder – dass man Differenzen in

großen Fragen einfach akzeptiert

hat. „Es ist ein einzigartiges Modell“,

resümierte Finnlands Außenminister

Pekka Haavisto am Donnerstag.

„Einige von uns sind in der EU, einige

in der Nato.“ Einige aber eben

IMAGO/IMAGEBROKER

auch nicht. Den Euro hat Finnland

gar als einziges nordisches Land eingeführt.

Zu so viel Multilateralismus

haben sich die Nordeuropäer dann

eben doch nicht bewegen lassen.

Und esist auch keineswegs so, dass

sie stets gemeinsame Antworten auf

große Fragen finden, etwa in der Migrationspolitik.

Weiche Macht

Wasdie nordischen Länder aber tief

vereint ist die Einsicht, dass sie ohne

Allianzen machtlos sind in der Welt.

Unddass sie Freunde brauchen, um

nicht zerrieben zu werden. Jüngst

erst führte US-Präsident Donald

Trump den Dänen vor Augen, welchen

Stellenwert ihr kleines Königreich

für ihn hat. Er wollte ihnen

Grönland abkaufen. Als Ministerpräsidentin

Mette Frederiksen das groteske

Angebot ablehnte,sagteTrump

seinen geplanten Staatsbesuch ab.

Und soist die gemeinsame Kupferfassade

eben auch ein Bollwerk.

Werdahinter schaut, etwa in das öffentlich

zugängliche Gemeinschaftshaus

mit (ausgezeichnetem) Restaurant

und Galerie trifft auf alles, was

liebenswert ist an den nordischen

Ländern–schwedisches Design,dänische

hygge (Behaglichkeit), norwegische

Literatur. Esist eine weiche

Macht, die sie entfalten. Alleine hätten

sie das nie geschafft.

Frederik Bombosch hofft,

dass kein Bewohner aus der

Botschafts-WG auszieht.

Brose

baut

ab

Autozulieferer streicht

auch Stellen in Berlin

Der Autozulieferer Brose will

rund 2000 Arbeitsplätze bis

Ende 2022 in Deutschland abbauen.

Betroffen sind die Standorte

Bamberg, Hallstadt, Coburg,

Würzburg und Berlin, wie das Unternehmen

am Donnerstag mitteilte.

Außerdem soll die Fertigung

von Schließsystemen vonWuppertal

verlegt werden. Der globale

Wettbewerb zwinge Brose zur Verlagerung

von Arbeit in Niedriglohnländer,

erklärte Kurt Sauernheimer,

Vorsitzender der Geschäftsführung.

Globaler Preisdruck

„Der Wandel der Automobilindustrie,ein

rückläufiger Markt–insbesondere

inChina –, globaler Preisdruck,

aber auch interne Ursachen

beeinträchtigen die Geschäftsentwicklung

bei Brose“, heißt es in einer

Mitteilung. Als weitere Gründe

nannte Brosedie „einseitige Klimadebatte

zulasten der Kfz-Industrie“

und damit verbundene Unsicherheiten

in der Branche, aber auch

steigende Personal- und Arbeitskosten.

Nach Angaben des Autozulieferers

sind vorallem Jobs in denZentral-

und Geschäftsbereichen betroffen.

Die Anzahl der Auszubildenden

werde zudem ab kommendem

Jahr um zehn Prozent gesenkt.

Betriebsbedingte Kündigungen

sollen „weitgehend“ vermieden

werden. Das Unternehmen entwickelt

und fertigt mechatronische

Systeme für Fahrzeugtüren und

-sitze sowie Elektromotoren und

Elektronik, unter anderem für Lenkung,

Bremsen, Getriebe und Motorkühlung.

Nach eigenen Angaben

beschäftigt Brose 26 000 Mitarbeiter

in 23 Ländern. (dpa)

Der Autozulieferer will rund 2000 Stellen

abbauen.

IMAGO IMAGES

Exklusive Leserreise nach Spanien

Barcelona –4-tägige Städtereise in die Hauptstadt Kataloniens

©Instituto de Turismo de España, TURESPAÑA

Erleben Sie die vielen faszinierenden Gesichter Barcelonas,

Stadt des Cavas, der Kunst und der Kultur.

Barcelona ist eine mediterrane Weltstadt, in der man

Überreste der römischen Herrschaft, mittelalterliche

Stadtviertel und die schönsten Exemplare des Art Nouveau

sowie der Avantgarde des 20. Jahrhunderts bewundern

kann. Bummeln Sie über die lebhafte Rambla

und erleben Sie die katalanische Lebensfreude hautnah!

Bestaunen Sie die Skulpturen, Parks, Kirchen und Wohngebäude,

die der Architekt Antoni Gaudí zu Beginn des

19. Jh. in Barcelona errichtete. Sie sind weltweit einzigartig.

10.11. -13.11.2019

ab €570,–

p. P. im DZ

Im Preis enthaltene Leistungen:

·Flug von Berlin Schönefeld nach Barcelona u. z.

·Transfers Flughafen -Hotel -Flughafen

·Stadtrundfahrt am Ankunftstag

·3ÜN/F im zentral gelegenen 4*-Hotel Evenia Rosselló

·Tapas-Abendessen am Anreisetag

·Reiseinformationen (City Guide)

Zusätzliche Kosten p. P.:

·EZ-Zuschlag: €195,–

·Ausflug „Die Werke Gaudis“: €49,–

·Ausflug „Gotisches Viertel“: €35,–

Mit

Verlagsbegleitung

LESERREISEN

INFORMATIONENUNTER

030–23 27 61 70

KENNWORT:

BERLINERZEITUNG

©Instituto de Turismo de España, TURESPAÑA

Mehr Informationen auch unter www.berliner-zeitung.de/leserreisen |leserreisen@berliner-zeitung.de

Detaillierte Informationen zur Reise und rechtliche Hinweise erhalten Sie vor Buchung vom Reiseveranstalter.

Reiseveranstalter (i. S. d. G.): World Travel Team, Rhein-Kurier GmbH, Telefon 030 -23276170, Pastor-Klein-Str. 17, 56073 Koblenz

LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 13 *

·························································································································································································································································································

Berlin

Weniger

Hartz IV in der

Hauptstadt

Zahl der Empfänger

deutlich zurückgegangen

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger

in Berlin ist innerhalb eines

Jahrzehnts um mehr als ein Viertel

zurückgegangen. Während im Juni

2010 rund 441 700 Menschen Leistungen

aus dem Arbeitslosengeld II

bezogen, waren es im Juni 2019 rund

347 400. Das teilte die Sozialverwaltung

auf eine parlamentarische Anfrage

des AfD-Abgeordneten Herbert

Mohr mit. Das ist ein Rückgang um

27,1 Prozent, während die Einwohnerzahl

Berlins in dem Zeitraum um

etwa 10 Prozent stieg. Aktuell bezieht

knapp jeder zehnte Berliner HartzIV.

Aus der Statistik geht hervor, dass

der Ausländeranteil an den Hartz-IV-

Empfängernzwischen 2010 und 2019

von 25,8 Prozent auf 38,0 Prozent

stieg. Zum Vergleich: Der Anteil der

Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft

an der Gesamtbevölkerung

steigt ebenfalls seit Jahren und

liegt aktuell bei 20 Prozent.

Die größte Gruppe unter den

131 900 ausländischen Beziehern

von ALG II bilden die Türken

(27 800). Hinzu kommen 21 600

Menschen aus Syrien. Die meisten

sind Flüchtlinge, die nach Anerkennung

ihres Asylantrages oder mit einem

anderen Aufenthaltsstatus

nicht arbeiten. Für viele ist es vorallem

wegen mangelnder Deutsch-

Kenntnisse schwierig, einen Job zu

finden. Mit größerem Abstand folgen

bei den Herkunftsländern die

EU-Staaten Bulgarien (8920) und Polen

(8143). Mohr spricht von einer

„Einwanderung in unsere Sozialsysteme“.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

(NGG) weist darauf

hin, dass immer mehr Rentner wegen

geringer Altersbezüge auf Hartz

IV angewiesen sind. Innerhalb von

zehn Jahren sei ihre Zahl von rund

56 600 um 42 Prozent auf 80 400 gestiegen.

„Die amtlichen Zahlen zeigen

nur die Spitze des Eisbergs“,

meinte der Geschäftsführer der

NGG-Region Berlin-Brandenburg,

Sebastian Riesner. „Denn sehr viele

Menschen, die wegen Mini-Renten

eigentlich einen Anspruch auf die

Grundsicherung haben, schrecken

aus Scham vor einem Antrag zurück.“

Der Anteil älterer Menschen

in der Bevölkerung –und damit auch

der Rentenbezieher – steigt allerdings

auch durch die demografische

Entwicklung in Deutschland. (dpa)

FRANZISKA KNUPPE &

BARBARA MEIER

haben es jetzt auch in das Wachsfigurenkabinett

von Madame Tussauds

geschafft. Zwar nicht mit

wächsernen Doppelgängerinnen,

aber als Patinnen des neuen Fashion-Bereichs

der Touristenattraktion

Unter den Linden. Der wurde

am Donnerstagmorgen durch die

Models eingeweiht. Knuppe und

Meier schritten über den Mini-Laufsteg

und testeten das Covershooting,

bei dem sich ab sofortdie Gäste den

Traum vom eigenen Titelbild erfüllen

können. Während die Figur von

Heidi Klum nur aus bestimmten

Blickwinkeln echt wirkt, sorgte die

von Mode-Diktatorin Anna Wintour

(dem realenVorbild für die teuflische

Hauptfigur im Film „Der Teufel trägt

Prada“) für Verblüffung. Das ebenfalls

anwesende Model Angelina

Kirsch wirkte fast erschrocken: „Ich

denke schon die ganze Zeit, dass

Anna Wintour da wirklich sitzt.“

Knuppe &Meier wagten sich ganz

unerschrocken neben die berüchtigte

Dame. Die Fotografenaufforderung„Bitte

lächeln!“ wehrte Franziska

Knuppe allerdings ab: „Bei Anna lächelt

man nicht!“ Sie trug ein Kleid

aus ihrer TV-Sendung, die „Austria’s

Next Topmodel“ heißt: „Ja, ich bin die

Heidi vonÖsterreich!“ Aber doch hoffentlich

netter?! Oder musste sich bei

ihr etwa auch schon ein Mädchen die

Haare radikal abschneiden lassen?

„Ja, Umstyling gab es schon. Dasgehörtdazu.

Dasmusste ich vor20Jahren

auch über mich ergehen lassen.

Meine Güte,ist das wirklich schon so

lange her?!“ Istes. Wolfgang Joop,als

dessen Muse sie treue Dienste leistete,

entdeckte sie 1997 in einem

Potsdamer Café.

TIL SCHWEIGER &GERD MÜLLER

machen jetzt gemeinsame Sache.

Was allerdings nicht bedeutet, dass

der Bundesminister für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

im nächsten Film des Schauspielers

eine Rolle bekommt. Nein,

Schweiger hilft Müller mit seiner Bekanntheit.

WieSchauspieler JanJosef Liefers,

Model Stefanie Giesinger, Arzt und

Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen,

Sängerin Mandy Capristo,

Moderatorin Rebecca Mir, Sänger

Max Mutzke, Social-Media-Phänomen

Julia Beautx, YouTube-Star

Gronkh, die Schauspielerin Anna

Maria Mühe und Sänger Peter Maffay

spannt Schweiger sich vor den

Karren der Social-Media-Kampagne

„Entwicklung wirkt“, mit der der

Skepsis gegenüber von Entwick-

Anna, Barbara und die Heidi

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Bei Madame Tussauds gibt es neuerdings

einen Fashion-Bereich. TilSchweiger

hingegen bewundert Hilfsorganisationen

wie die German Doctors. Und Rainer

Bielfeldt startet mit TimFischer im Tipi die

große Jubiläumstour

Die berühmteste sitzt in der Mitte und ist aus Wachs: Anna Wintour CHRISTIAN SCHULZ (3)

TutGutes und redet gerne darüber:Til

Schweiger.

Sänger TimFischer und sein Pianist Rainer

Bielfeldt in der Garderobe des Tipi.

lungsarbeit entgegengewirkt werden

soll. Alte Klischees von der Entwicklungshilfe,

die korrupte afrikanische

Diktatoren reich macht, stimmen

laut Müller längst nicht mehr. Weil

das Geld eben nicht an zweifelhafte

staatliche Einrichtungen geht, sondern

direkt an Organisationen wie

German Doctors,die zu den Trägern

der Kampagne gehören. Beider Vorstellung

der Spots am Donnerstag im

Café Einstein Unter den Linden

wurde auch der mit Schweiger zum

ersten Malgezeigt.

Der fängt boulevardesk knallig

an: „Til Schwieger frisch verliebt“,

und liefert dann die Erklärung: „in

die Arbeit vonGerman Doctors.“ Der

Schauspieler hat dafür gemeinsam

mit Dr.Janina Schenke posiert, die in

ihren Ferien in die Slums von Nairobi

fliegt und dort Infektionskrankheiten

bekämpft und Helfer ausbildet.

Til Schweiger imponiert dieser

Einsatz:„Sie zahlt sogar die Hälfte ihresFlugtickets

selbst.“

RAINER BIELFELDT

war sich vor 30Jahren, als die Gesangskarriere

von Tim Fischer begann,

ganz sicher:Dieser Junge wird

einen großartigtenWegmachen. Der

Komponist und Entertainer freut

sich, dass das tatsächlich eingetreten

ist: „Es gibt ja verschiedene Leute,

die gern betonen, dass sie Tim entdeckt

hätten. Ichfand immer,dass es

da nichts zu entdecken gab. Das Talent

war so augenscheinlich, man

hätte blind sein müssen!“

Besonders imponierend findet

Bielfeldt die Beharrlichkeit des Sängers:

„30 JahresoamBall zu bleiben,

ist beeindruckend –gerade weil es ja

nicht nur Höhen gibt, wenn man so

lange dabei ist, sondernauchdas ein

oder andere Tal tapfer zu durchschreiten

ist.“ Bielfeldt, der am Donnerstagabend

am Klavier sitzend in

der Band vonTim Fischer dessen Jubiläumstournee-Premiere

im Tipi

am Kanzleramt feierte, hat einiges

zum aktuellen Album und zur Tour

beigetragen: „Ich durfte neben ein

paar alten Bekannten wie der ,Rinnsteinprinzessin‘

und dem Duett ,Wir

zwei sind ein Paar‘ auch einige neue

Lieder beisteuern, und die liegen mir

aktuell natürlich besonders am Herzen.

So ist das mit den Neugeborenen.“

Für sein Wohlbefinden auf

Tournee braucht Bielfeldt nicht viel:

„Ein gutes Frühstück, etwas Sport,

zur Not auf dem Hotelzimmer, ein

kurzes Nachmittagsschläfchen und

nach der Show ein kleines Video zur

Entspannung. Eine Folge ‚Tatortreiniger‘

oder ,Modern Family‘ zum

Beispiel.“

BND erhielt

Film erst nach

Anschlag

Droh-Video von Amri

war schon bekannt

Innenpolitiker fragen sich, ob ein

ausländischer Nachrichtendienst

vor dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt

in Berlin womöglich

ein Drohvideo des späteren Attentäters

bewusst zurückgehalten hat. Auf

dem Video, das dem Bundesnachrichtendienst

(BND) erst nach dem

Terroranschlag zugegangen sein soll,

ist nach Auskunft von Bundestagsabgeordneten

zu sehen, wie Anis

Amri eine Schusswaffe in der Hand

hält und eine „Kopf-ab“-Geste

macht.

Es sei eine „Unverschämtheit“

wie die Bundesregierung bisher mit

Anfragen des Parlaments zu dem Video

umgegangen sein, sagte der

FDP-Obmann Benjamin Strasser am

Donnerstag am Rande einer Sitzung

des Untersuchungsausschusses des

Bundestages zum Anschlag auf dem

Breitscheidplatz.

Amrihatte am 19. Dezember 2016

einen Lastwagen gekapert, mit dem

er über den Weihnachtsmarkt an der

Gedächtniskirche raste. Er tötete

zwölf Menschen. Nach der Tatfloh er

nach Italien, wo ihn die Polizei vier

Tage später erschoss.

Der marokkanische Geheimdienst

hatte die deutschen Behörden

im November 2016 vorAmrigewarnt.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz

sagte damals zu, dem Hinweisen

aus Marokko nachzugehen. Der

Nachrichtendienst fragte aber lediglich

beim US-Geheimdienst nach,

was davon zu halten sei. DieAntwort

der Amerikaner kam nach dem Anschlag.

Auch die Information über die

Existenz des brisanten Videos soll

beim BND erst am 27. Dezember

2016 eingegangen sein.

DasVideo, das Amri mit der späteren

Tatwaffe zeigt, soll im November

2016 entstanden sein, als der Islamist

vonden Berliner Behörden als

nicht mehr besonders gefährlich

eingestuft wurde. Es sei erst am

9. März2017 an das Bundeskriminalamt

übermittelt worden. Der Generalbundesanwalt

habe das Handy-

Video bis heute nicht erhalten, kritisierte

die Grünen-Obfrau Irene Mihalic.

Hier sei die Chance verpasst

worden, „zeitnah mögliche Mittäter

zu identifizieren“, sagte Martina

Renner (Linke). Mihalic erklärte, es

sei wichtig zu erfahren, seit wann

dem ausländischen Nachrichtendienst

das Video bekannt war. (dpa)

Vermischtes

Veranstaltungen

traueranzeigen

dienstleistungen

Entrümp.,10%Rabatt f. Seniorenbei Leerwhg.

an- und Verkäufe

Kaufgesuche

Kaufe Ölgemälde, Münzen, Antiquität.Dr.

Richter, 01705009959

Wir bringen

Lachen zu

kranken

Kindern!

LINCKES

LUNA

Eine Berliner Kabarette der

Musikalischen Komödie Berlin e.V.

Sa., 19.10.2019,

15.00 Uhr

Marzahner Promenade 51-55,

12679 Berlin

030/542 70 91

Wasbleibt, sind Liebe, Dankbarkeit und Erinnerung.

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied vonunserer lieben

Mutter, Oma, Uroma und Schwester

Elisabeth Mähnert

*25.11.1930 †21.09.2019

In stiller Trauer

deine Familie und alle deine Lieben,

Freunde und Bekannten

Die Trauerfeier findet am Montag, dem 28.10.2019,

um 13:00 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof Biesdorf,

Biesdorfer Friedhofsweg 10, 12683 Berlin statt.

Ihre Traueranzeige

in der Berliner Zeitung

wir beraten Sie gern.

Spenden Sie

jetztfür Clowns

im Krankenhaus!

www.rotenasen.de

Spendenkonto:1133

Bank fürSozialwirtschaft

BLZ 100 20500

Anzeigenannahme:

(030) 2327-50


14 * Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

Rechts

radikalisiert

sich

Polizeipräsidentin schlägt

Hotline vor

Anzeige

Lesen Sie am Wochenende

Reise

Weit ab vom Schuss:

Vent liegt in luftiger Höhe

Mit dem Fahrrad: NewYork

entdecken im 30-Miunten-Takt

Imrechten Spektrum wächst aus

Sicht von Berlins Polizeipräsidentin

Barbara Slowik die Gefahr einer

Radikalisierung im Verborgenen,

etwa über das Internet. „Wir dürfen

die Augen nicht davor verschließen,

dass wir auch potenzielle Täter haben

können, die nicht auf dem Radar

der Sicherheitsbehörden sind, die

unter Umständen auch nicht erkennbar

sind – weder für Verfassungsschutz

noch für Polizei“, sagte

Slowik der Deutschen Presse-Agentur.„Ichmeine,dass

auch gerade im

Bereich Rechts die Gefahr der Radikalisierung

im Stillen wächst.“

Ihre Einschätzung gelte unabhängig

vomTäter in Halle,soSlowik.

Sieplädiertfür die Einrichtung eines

Beratungstelefons für den rechtsextremistischen

Bereich. Dorthin sollen

sich Angehörige, Freunde, Bekannte

oder Lehrer wenden können,

wenn sich in ihrem Umfeld jemand

womöglich radikalisiert. Slowik erläuterte,

dort solle man Fragen stellen

können, kompetente Ansprechpersonen

finden –gleichzeitig könne

die Polizei gegebenenfalls Erkenntnisse

erlangen.

Es gehe um „Täterpersönlichkeiten,

die sozial nicht integriert sind,

die eventuell auch gescheitert sind

nach üblichen Maßstäben der Gesellschaft“.

Kontakte pflegten sie eigentlich

nur über das Internet, wenn

überhaupt. „Das ist ein Phänomen,

was im Islamismus auch nicht ganz

unbekannt war und ist“, so die Behördenchefin.

Für Fragen zur islamistischen Radikalisierung

gibt es ein Beratungstelefon

wie das nun von Slowik vorgeschlagene

seit 2012. Angesiedelt

ist es beim Bundesamt für Migration

und Flüchtlinge (Bamf). Bei der sogenannten

Beratungsstelle Radikalisierung

gingen nach Bamf-Angaben

bisher knapp 4420 Anrufe ein, rund

2700 Fälle seien insgesamt in deren

Netzwerkbearbeitet worden.

Ein solches Angebot für den

rechtsextremistischen Bereich solle

ausdrücklich kein„Denunziantentelefon“

sein, betonte Slowik. „Aber

diese Beratungsstelle muss auch die

Kompetenz haben, sofort zu entscheiden,

ob ein Fall sicherheitsbehördliche

Relevanz hat.“ Anrufer

würden natürlich darüber informiert,

dass Gesprächsinhalte gegebenenfalls

weitergegeben werden.

Hinter einer solchen Hotline sei

ein Netzwerk nötig, etwa mit Ansprechpartnern

aus Nichtregierungsorganisationen

im Bereich

Rechtsextremismus,die beratend tätig

werden. Es dürfe aber keine polizeiliche

Stelle sein –die Hemmung,

mit Sicherheitsbehörden in Kontakt

zu treten, sei einfach zu hoch.

Generell glaube sie nicht, dass die

Polizei den Rechtsextremismus vernachlässigt

habe. Aber nach dem

Anschlag am Breitscheidplatz sei natürlich

auch Berlin gefordert gewesen,

Kapazitäten in Islamismus-Bekämpfung

zu stecken. „Der Gefahr,

dass sich jemand imVerborgenen radikalisiert

und womöglich mit einer

schweren Gewalttat nach draußen

geht, werden wir auch mit personeller

Verstärkung nicht beikommen.“

Die Berliner Polizei habe schon

vor dem Anschlag in Halle „einen

Schwerpunkt auf die Bekämpfung

rechtsmotivierter Straftaten gelegt

und auf unterschiedlichen Ebenen

gehandelt“, so Slowik. (dpa)

Noch wird gearbeitet: Ein Biomarkt, eine Bäckereifiliale und eine Sanifair-Toilette sollen in den Nachbau eines der beiden Empfangsgebäude am Ostkreuz einziehen.

VonPeter Neumann

VonGerhard Lehrke

Die Batterien im Fotoapparat

sind leer, die SIM-Karte ist defekt,

der Nachwuchs quengelt nach

einem Spielzeugauto,die Bluetooth-

Ohrhörer sind verbummelt. Gemeinhin

sind das keine unlösbaren

Probleme, wenn Geschäfte geöffnet

sind. Nachts oder sonntags aber

schon. Deshalb schickt der Elektronik-Markt

Conrad jetzt einen Roboter

an den Tresen eines Kiosks, um

rund um die Uhrsieben Tage dieWoche

Kunden bedienen zu können.

„Alex“ heißt der stationäre Verkaufshelfer,

der im Eingangsbereich

der Filiale an der Schöneberger

Kleiststraße installiertwurde und bis

zu 36 Produkte feilhält. Hinter Alex,

der einen menschenähnnlichen

Torso und ein mit zwölf Mimiken

programmierten Gesichts-Bildschirmhat,

sind die Produkte aufgehängt.

Mit seinen Armen, durch jeweils

fünf Gelenke sehr beweglich,

holt Alex sie ab und legt sie auf mit

Glas abgeschirmtes Förderband.

Das Band fährt die Ware zu einem

Legales Geschäft

Der wichtigste Berliner Bahnknoten, das Ostkreuz, erhält wieder eine Toilette

Fast fertig: Für rund 500

Millionen Euro ist das einstige„Rostkreuz“

saniertund

umgebaut worden. Der Großteil

der Arbeiten wurde 2018

abgeschlossen. Am Ostkreuz

halten nicht nur S-Bahnen,

auch Regional- und Fernverkehrszügelegen

dortStopps

ein. Voraussichtlich ab Oktober

2020 hält dortauch der

AirportExpress zum BER.

Er ist einer der wichtigsten

Bahnhöfe in Deutschland.

In keiner anderen Station

gibt es so viele Zughalte wie

am Ostkreuz –mehr als eine halbe

Million Euro proJahr.Doch werdort

ein dringendes Bedürfnis verspürt,

hat es derzeit schwer.Nun ist endlich

Erleichterung in Sicht. Die Bahn

kann ihre Ankündigung, dass der

Wiederaufbau des Empfangsgebäudes

am Eingang Sonntagstraße 2019

endet, kurz vor knapp einlösen. Das

Bauwerk werde zum 31. Dezember

fertiggestellt, so ein Sprecher am

Donnerstag. Dann können die Mieter

damit beginnen, ihreRäume auszubauen.

Außer einem Biomarkt

und einer Bäckereifiliale soll dort

auch eine Toilettenanlage entstehen.

Damit zeichnet sich ab, dass die

Bahnhofstoilette wohl erst Anfang

2020 eröffnet wird –etwas später als

bisher angekündigt. „Wann die Toilette

in Betrieb geht, können wir

noch nicht sagen. Das hängt davon

ab, wann uns die Räume übergeben

werden“, hieß es bei Sanifair. Das

Tochterunternehmen der Firma

Tank und Rast, der die meisten Autobahn-Raststätten

in Deutschland

gehören, wirddie Anlage betreiben.

Offen ist auch, wie groß die Kapazität

sein wird, bisher war vonsieben

Plätzen die Rede. Klar ist dagegen,

dass die Nutzer zahlen müssen: In

den meisten Sanifair-Toiletten beträgt

der Obulus einen Euro.Die Toilette

am Ostkreuz wird allerdings

nicht dauerhaft mit Personal besetzt.„Ich

freue mich, dass es am

Ostkreuz endlich wieder öffentliche

Toiletten geben wird“, sagte der

Friedrichshainer SPD-Abgeordnete

Sven Heinemann.

Wildpinkler hinterlassen Spuren

Viele Berliner werden sich noch an

das Klohäuschen erinnern, das am

Ostkreuz auf dem Bahnsteig D

stand –nicht weit entfernt vondem

Obststand, der rund um die Uhr geöffnet

hatte. Injener Zeit wurde der

Knotenpunkt im Osten Berlin oft

noch „Rostkreuz“ genannt. Mit dem

verwunschenen Bahnsteig Amit den

großen Bäumen am Westende des

KNOTENPUNKT IM OSTEN DER STADT

Die nächsten Projekte: Allerdings

ist noch einiges zu

tun. So soll der Regionalbahnsteig

Ru, an dem unter

anderem der Regionalexpress

RE 1hält, nachträglich

ein Bahnsteigdach bekommen.

Als Termin wird 2023

angepeilt. Die südlichen Vorplätze

werden 2021 gebaut.

Dortsind 350 überdachte

Fahrradstellplätze geplant.

Arbeiten im Umfeld: Ein

Fahrradparkhaus ist ebenfalls

geplant –auf dem nordwestlichen

Platz. Bauzeit:

2022/23. Das Beamtenwohnhaus

Markgrafendamm

24 ist verkauft worden. Es

soll als Restaurant und Coworking-Space

genutzt werden.

Das Beamtenwohnhaus

Sonntagstraße 37 wurde

dem Land zum Kauf offeriert.

Bahnhofs, den alten Holzbänken

und dem Mosaikpflaster aus Grauwacke

hätte er als Museumsbahnhof

durchgehen können –wenn da nicht

der dichte Verkehr gewesen wäre.

Inzwischen wurde der Bahnhof

modernisiert und umgebaut. Das

Klohäuschen, in dem Personal den

Wischmopp schwang und Kunststoffblumen

für karge Gemütlichkeit

sorgten, ist abgerissen worden –zusammen

mit dem alten Bahnsteig D,

der 2013 stillgelegt worden ist.

Ein Bahnhof mit weit mehr als

200 000 Fahrgästen und Besuchern

proTag ohne Bahnhofstoilette –das

haben Sven Heinemann und andere

oft kritisiert. Immer mehr Fahrgäste,

aber keine Toilette –„das geht inne

Tante-Emma-Laden 2.0

Elektronikmarkt setzt Roboter im Verkauf rund um die Uhr ein

Immer zu Diensten. Alex hinter der Glasscheibe seines Verkaufskiosks.

MARKUS WÄCHTER

chen in den Augen, mal streckt er die

Zunge seitlich heraus, mal zwinkert

er oder gibt Luft-Küsschen.

Entwickelt wurde das Gerät von

der Weddinger Firma pi4 robotics,

bislang vorwiegend in der Fabrikautomation

tätig. Der Geschäftsführer

und Ingenieur Matthias Krinke erläutert,

dass man bereits am nächsten

Schritt arbeite.Vorbehaltlich der

Zustimmung des Kunden sollen Alex

und seine zukünftigen Geschwister

ihn bei einem weiteren Besuch er-

BERND FRIEDEL

Büx (Hose), da bleibt kein Pfeiler und

keine Ecke trocken, das stinkt zum

Himmel“ hieß es im Ostkreuzblog

des Berliners Stefan Metze. Immer

wieder stießen Fahrgäste auf Urinlachen

vonWildpinklern. Politiker und

Bürger setzten sich bei der Deutschen

Bahn (DB) dafür ein, das Problem

rasch zu beheben. Das Gästeklo

bei McDonald’s auf dem Ringbahnsteig

wärekein Ersatz, sagten sie.

Straßenbahn erst ab Sommer 2022

Forderungen, rasch eine neue Toilette

einzurichten, wies die Bahn jedoch

zurück. Eine Interimslösung

während der Bauphase sei „nicht

praktikabel“, weil sich in dieser Zeit

die Flächenaufteilung am Ostkreuz

immer wieder verändert, hieß es.

Planer sprachen von rund 50 unterschiedlichen

Bauzuständen. DieToilettenanlage

hätte immer wieder

verlagertwerden müssten. Im sechseckigen

Empfangsgebäude entstünde

nun eine dauerhafte Lösung.

„Auch wenn das Ostkreuz seit einem

Jahr bahntechnisch fertig ist,

bleibt noch viel zu tun“, sagte Sven

Heinemann. „Schade, dass bis zur

Herstellung der nördlichen Vorplätze

und der Tramverbindung sowie

des Fahrradparkhaus noch Jahre

vergehen sollen.“ Für das Radparkhaus

stehen 2022 und 2023 insgesamt

1,5 Millionen Euro bereit. Auch

die Straßenbahnstrecke zum Ostkreuz

lasse auf sich warten. Derzeit

strebe die BVGeine Inbetriebnahme

August 2022 an, teilte der Senat mit.

Ausgabefach. Einetwas verwinkelter

Vorgang, der verhindert, dass jemand

in den Arbeitsbereich des Roboters

greifen kann.

Den Befehl zum Zugreifen erteilt

der Kunde, indem er auf einem großen

Bildschirm vor dem Kiosk das

gewünschte Produkt per Fingerdruck

auswählt. Die Bezahlung erfolgt

per Karteoder bar.

Vor, während und nach dem Verkauf

verändert sich die Mimik des

Roboter-Gesichts: Mal hat er Herzkennen.

Das soll eine Entwicklung

vorantreiben, die er mit dem Begriff

„Rückkehr des Tante-Emma-Ladens“

mithilfe menschenähnlicher

Roboter umschreibt. Die hätten gegenüber

einem simplen Automaten

einen Vorteil für den Absatz, meint

Jürgen Groth, Geschäftsführer der in

Deutschland mit 20 Filialen vertretetenen

Conrad-Kette – Emotion.

„Wenn sich Menschen mit humanoiden

Robotern direkt befassen, gewinnen

sie sie lieb“, schildert Groth

seine Erfahrungen. Ein Automat

stehe einfach nur herum, der Roboter

winke Kunden sogar heran.

Die bunte Mischung des Angebots

im Roboter-Kiosk, die auch

Pfefferspray, SIM-Karten-Adapter,

Powerbanks, USB-Sticks oder Zubehör

für den Sprachroboter Alexa umfasst,

soll je nach Absatz und nach einer

zweiwöchigen Beobachtungsphase

geändertwerden.

Bis dahin wollen die Entwickler

auch Kinderkrankheiten ausmerzen.

Gleich bei der zweiten Vorführung

gab Alex einen Cent Wechselgeld

nicht heraus.

Unterwegs mit

vier

Pfoten

Ein Berliner Reiseführer für

Hund und Herrchen

VonFlorian Thalmann

Ein Leben mit Hund in der Großstadt

ist unmöglich? Es gibt Menschen,

die das behaupten –doch es

stimmt nur teilweise.„Ichfinde,dass

man einen Hund auch in einer Stadt

wie Berlin gut halten kann“, sagt Livia

Ritthaler. „Aber nur dann, wenn

man mit ihm nicht jeden Taginden

gleichen Mini-Park geht, den er

schon in- und auswendig kennt,

sondern wenn man ihm ab und zu

Abenteuer bietet.“

Wie das geht? Livia Ritthaler hat

es herausgefunden: Gemeinsam mit

ihrer Hündin Bob(3) war die 31-Jährige

ein Jahr lang in Auslaufgebieten,

Wäldern, Parksund Hundewiesen in

und um Berlin unterwegs.

Gemeinsames Erfolgserlebnis

Entstanden ist dabei das Buch „Walking

Wild“, ein Reiseführer für Berlins

Herrchen und Frauchen, die mit

ihren Vierbeinern kleine Abenteuer

erleben wollen. Denn genau die sind

für das Verhältnis zwischen Tierhalter

und Tier wichtig. „So etwas

schweißt zusammen, Abenteuer

stärken die Bindung zwischen Hund

und Mensch“, sagt Ritthaler.„Meine

Hündin ist sehr schüchternund sensibel.

Gerade bei solchen Tieren hilft

es sehr, wenn man beispielsweise

zusammen steile Abhänge erklimmt

oder über wackelige Brücken läuft.

Das verschafft ein schönes, gemeinsames

Erfolgserlebnis. Deshalb

heißt das Buch auch ’Walking Wild’–

es ist wichtig, dass man auch ab und

zu auf wilden Pfaden wandert“, sagt

sie.

Livia Ritthaler und Bob –sechs Beine, ein

Herz und eine Seele.

BJÖRN WEISE

„Es war schon lange mein großer

Traum, einen Hund zu haben. Aber

ich habe jahrelang in London gelebt

–und dortist Hundehaltung wirklich

schwierig. Alles ist sehr eng, die Gehwege,die

U-Bahnen, kaum Parks. Als

ich nach Berlin zog, um mich mit einem

Designstudio selbstständig zu

machen, war der richtige Zeitpunkt

gekommen.“

Bei der Suche nach geeigneten

Plätzen für kleine Abenteuer kam

sie vor allem zu einer Erkenntnis:

Es gibt überall schöne Ecken, auch

in Berlin und im Umland. „Denn

viele Hundeparks in Berlin sind

stark frequentiert, da kommt es

manchmal zu unschönen Begegnungen

mit anderen Hunden. Und

viele Ecken sind auch renovierungsbedürftig

oder schlichtweg

ungeeignet.“

DerRatgebersolle helfen, schönere

Plätze in der Hauptstadt zu

entdecken. Ritthaler hat das Buch

(Verlag: The Gentle Temper, 24

Euro) in Himmelsrichtungen unterteilt

– und erklärt, was es in

Nord, Süd, Ost und West zu finden

gibt.

Sehr empfehlen könne sie einen

Ausflug in die Glindower Alpen,

ein Gebiet südwestlich des

Glindower Sees. „Da erlebt man

Abenteuer pur: Esgibt steile Aufgänge,

wackelige Brücken, man

hat das Gefühl, durch Schluchten

zu laufen.“ Bei regnerischem Wetter

könne es rutschig werden.

„Also feste Schuhe anziehen!“


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 15

· ·

·······················································································································································································································································································

Berlin

Troubadoure der Moderne

Eher durch Zufall kam Poetry Slam vor 25 Jahren nach Berlin –abSonnabend ermitteln die Dichter hier in einem einwöchigen Wettbewerb ihren Meister

VonGerd Roth

Es geht um fünf, vielleicht

sechs Minuten. Eine Art

Kampf auf der Bühne. Mit

eigenen Worten, Text gegen

Text. Thema? Egal. Ganz zu Beginn

des Poetry Slams wurde schon mal

das Kleingedruckte auf einer Chipstüte

vorgelesen, erinnert sich Wolf

Hogekamp. Der 58-Jährige ist sowas

wie der Pate des Poetry Slam in

Deutschland. Als Slammer und Organisator

prägt er die Entwicklung

dieser literarischen Wettbewerbe vor

Publikum. Vor25Jahren kam Poetry

Slam in seiner Kneipe an –und damit

in Deutschland.

Ausdem Otto-Katalog vorgelesen

1994 war Hogekamp noch Barmann.

Sein Club, das Ex'n'Pop, lag irgendwo

in Berlin-Schöneberg. Die

Shakespeare Company war nicht

weit, ein englischsprachiges Theater.

„Die kamen nach Proben undVeranstaltungen

immer ins Ex'n'Pop“, erinnertsich

Hogekamp.Darunter war

auch „ein ganzer Trupp von wüstesten

Amerikanern“. Mit dabei auch

Rick Maverick, Regisseur und Spoken

Word Artist. Sie kannten Poetry

Slam aus den USA und wollten „was

zusammen machen“.

Zu dem Zeitpunkt gab es vereinzelte

Veranstaltungen, aber erst das

Duo Hogekamp/Maverick sollte Poetry

Slam zu einem mehr und mehr

organisierten Teil deutschsprachiger

Bühnen machen. „Am Anfang haben

die Leute aus Otto-Katalogen vorge-

Wolf Hogekamp gilt als der Pate des PoetrySlam in Deutschland, in seiner Kneipe in Schöneberg fanden die ersten Veranstaltungen dieser Artstatt.

lesen“, erzählt Hogekamp, „dann

mischten sich auch immer mehr mit

eigenen Texten darunter.“

Für die literarische Qualität gilt

eine Regel: „Respect the poets.“ Ein

Publikum hat andere Möglichkeiten.

„Nichtbeachtung ist die allergrößte

Strafe“, weiß Hogekamp. Über alles

andere wacht der Slam-Master, eine

ArtRingrichter,der auch die Wertungen

vonJuryund Publikum abfragt.

DerWettbewerb hat aus Sicht von

Petra Anders viel pädagogisches Potenzial.

„Poetry Slam ist für mich

Wahrnehmungsschulung, Persönlichkeitsbildung

und auch die Möglichkeit,

Urteilskraft zu erlangen“,

Meisterschaft: VonSonnabend

an ermitteln die

PoetrySlammer in Berlin

eine Woche lang ihren

deutschsprachigen Meister.

Als Gast dabei ist auch Titelträger

Jean-Philippe Kindler

aus Bochum. Der 23-Jährige

hat es in nur zwei Jahren an

die Spitze geschafft.

WETTKAMPF MIT WÖRTERN

Start&Vorrunden: Die

Eröffnungsgala findet am

Sonnabend im Konzertsaal

der Universität der Künste in

der Hardenbergstrasse statt.

Die Vorrunden werden am

Mittwoch und Donnerstag in

verschiedenen Lokalen in

der ganzen Stadt ausgetragen.

Endrunden: Die Halbfinals

und das Finale für Einzelkämpfer

und Teams findet in

der zweiten Wochenhälfte

statt. Die Tickets kosten je

nach Veranstaltungsortzwischen

11 und 35 Euro. Das

gesamte Programm ist im Internet

zu finden unter

www.slam2019.de

IMAGO STOCK&PEOPLE

sagt die Professorin an der Freien

Universität Berlin, die über Poetry

Slam promoviert hat. „Poetry Slam

grenzt sich auch vomRap Battle und

Hip Hop Battle ab. Es geht nicht

darum, jemanden anderen schlecht

zu machen, sondern darum, über

sich zu sprechen, seine Sicht, Redeähnliche

Monologe.“

Die Texte haben sich über die

Jahre vom rein Spontanen emanzipiert.

„In Deutschland waren die

Texte sehr unpolitisch. Egal, was passiert

ist, das wurde auf der Bühne

kaum thematisiert“, erinnert sich

Anders.„Dashat sich in den vergangenen

Jahren verändert.“ Inzwischen

geht es auch viel um Befindlichkeiten,

Seelenleben, Alltägliches.

Anders: „Da ist viel mehr politisches

Bewusstsein mit auf die Bühne gekommen,

Texte gegen rechts oder

gegen Digitalisierung.“ Viel passiert

nach ihrer Erfahrung auch in den

Schulen. „Poetry Slam ist eine der

ganz wenigen Inseln, die tatsächlich

noch in der Schule die Persönlichkeit

wertschätzt und die Persönlichkeitsbildung,

wo es um die Person geht

und um das,was sie wahrnimmt.“

Performen vorPublikum

Die 25Jahre inDeutschland haben

für die Literaturwissenschaftlerin

Anita Traninger einen langen Vorlauf.

„Die Poetry Slams sind Teil einer Geschichte

von tausend Jahren und

mehr“, sagt die Rhetorikprofessorin

der FU Berlin. „Poetry ist Dichtung

und nicht nur Erzählen, sondern

auch Erzählen in einer gebundenen

Form, die aus der Mündlichkeit

kommt.“ Dabei ist auch der Wettbewerb

historisch.„Dieses Gegeneinander-Antreten

mit Gedichten, dieses

Performen vor Publikum ist der ursprüngliche

Kontext, in dem Dichtung

überhaupt stattgefunden hat.“

Schon Troubadoure traten gegeneinander

an. „An jedem einzelnen Hof

fanden sich Dichter, die aufgerufen

waren, zu bestimmten Gelegenheiten

ihre Gedichte vorzutragen, und das

ist oft in Konkurrenz zueinander passiert.“

Traninger:„Insofernhaben wir

ein relativ neues Phänomen, das ganz

lange Wurzeln hat, die weit in die Geschichte

zurückreichen.“ (dpa)

Lesen Sie am Wochenende

Mobile Welten

Alle Siebensachen: Wasgehört

wirklich immer an Bord?

Den Familientransporter Subaru

Levorg gibt’sjetzt ohne Turbo

Nur fürs

Smartphone:

Rätsel, Videos,

Sonderausgaben

u.v.m.

Immer und überall.

www.berliner-kurier.de/mobil


16 * Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Brandenburg

NACHRICHTEN

Angreifer vom Rastplatz

muss in die Psychiatrie

Der23-Jährige,der in der Nacht zu

Dienstag auf dem Rastplatz MichendorfSüd

mit einer vermeintlichen

Waffe und Sprengstoff gedroht hatte,

muss in die Psychiatrie.Das Amtsgericht

Potsdam bestätigte am Dienstag

die vonder Staatsanwaltschaft

beantragte Unterbringung, sagte ein

Justizsprecher und bestätigte damit

einen Bericht der Potsdamer Neuestenm

Nachrichten. DerMann müsse

eingewiesen werden, weil er eine Gefahr

für die Allgemeinheit darstelle.

DerMann leide nach bisherigen Erkenntnissen

an einer schweren psychischen

Erkrankung und habe vermutlich

im Zustand der Schuldunfähigkeit

oder verminderten Schuldunfähigkeit

gehandelt. (dpa)

Berliner Firmasucht

Investor für früheren Landtag

DerEigentümer des ehemaligen

Landtages in Potsdam hat einen Bericht

der Märkischen Allgemeinen

dementiert, wonach er das Gebäude

verkaufen will. DieBerliner Firma

Sanus AG bestätigte „Brandenburg

aktuell“ vomRBB am Donnerstag,

dass der ehemalige Landtag auf dem

Brauhausbergnicht zum Verkauf

steht. Sanus suche allerdings einen

zusätzlichen Investor,umdie Bauvorhaben

und Sanierungsprojekte

umsetzen zu können, hieß es.Der

mit dem Finanzministerium geschlossene

Vertragwerde eingehalten.

Dies bestätigte inzwischen auch

das Brandenburger Finanzministerium

dem RBB. (dpa)

Auf dem Brauhausberg tagte der Landtag

bis vor sechs Jahren.

IMAGO IMAGES

Buchenwälder durch

Trockenheit geschädigt

Diegroße Trockenheit im Sommer

hat in Brandenburgauch den Buchenwäldernstarkgeschadet.

Alte

Bäume werfen vorzeitig Laub ab und

neu angepflanzte Buchen zeigen erhebliche

Trockenschäden, teilte das

Landeskompetenzzentrum Forst

Eberswalde mit. Hinzu komme,dass

sich die Rinden der Buchen im Kronenbereich

ablösen, heißt es in dem

am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Davonprofitierte etwa der Buchenborkenkäfer.Auf

rund sechs

Prozent der Waldfläche Brandenburgs

wachsen momentan Buchen,

vorallem im Nordosten des Landes.

Siebenötigen bessereBöden und

mehr Feuchtigkeit. (dpa)

LOTTO-QUOTEN

Mittwoch-Lotto:

5-9-12-17-31-38, Sz. 8

QUOTEN

Klasse 1: unbesetzt x1323 161,10 Euro

Klasse 2: 1x740 118,20 Euro

Klasse 3: 62 x5968,60 Euro

Klasse 4: 489 x2270,30 Euro

Klasse 5: 2938 x125,90 Euro

Klasse 6: 25 740 x28,70 Euro

Klasse 7: 49 224 x15,00 Euro

Klasse 8: 435 232 x7,60 Euro

Klasse 9: 323 933 x5,00Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Geschundenes Land: Tagebau bei Spremberg.

Im Schlussspurt

SPD, CDU und Grüne wollen in der nächsten Woche die Koalitionsverhandlungen abschließen

Die Vertreter von SPD,

CDU und Grünen wollen

ihre Koalitionsverhandlungen

in der kommenden

Woche abschließen. „Wenn alles

gut läuft, werden wir in der Lage sein,

in der nächsten Woche einen Koalitionsvertrag

zu präsentieren“, sagte

CDU-Verhandlungsführer Michael

Stübgen am Donnerstag vor Beginn

der Gespräche zum Thema Finanzen.

Zuvor seien in der kommenden

Woche aber noch mehrere Treffen

nötig, sagte Ministerpräsident Dietmar

Woidke (SPD). Die nächste Verhandlungsrunde

ist für Sonntag anberaumt.

In der Verhandlungsgruppe sollte

am Donnerstag über die teuersten

Vorhaben der künftigen Koalition

beraten werden. Woidke nannte die

geplanten Investitionen in die Krankenhäuser,

die mindestens 100 Millionen

Euro proJahr betragen sollen.

Außerdem geht es um 250 zusätzliche

Polizisten, die Stärkung der Justiz

mit weiteren Richternund Staatsanwälten

sowie Investitionen in die

Pflege. Fraglich ist auch noch, wie

weiterebeitragsfreie Jahreinden Kitas

finanziertwerden können.

Einweiteres Thema seien die notwendigen

Investitionen in den Ausbau

der Pflege, ergänzte Woidke.

„Wir werden bis 2030 eineVerdoppelung

der Pflegebedürftigen in Brandenburghaben

und dem müssen wir

als Landesregierung Rechnung tragen.“

Derzeit leben nach Angaben

des Gesundheitsministeriums mehr

als 132 000 pflegebedürftige Menschen

im Land. 82 Prozent von ihnen

werden zu Hause vonAngehörigen

allein oder mithilfe von ambulanten

Diensten gepflegt.

Auch Grünen-Fraktionschefin Ursula

Nonnemacher zeigte sich vor

den Beratungen optimistisch:„Insgesamt,

denke ich, stehen da keine unlösbaren

Punkte auf der Tagesordnung“,

sagte sie. Am Donnerstag

sollte auch noch über strittige Fragen

zum Klimaschutz und zur stärkeren

Förderung von Bio-Betrieben in der

Landwirtschaft beraten werden.

Am Vortrag hatten sich die mutmaßlichen

Koalitionäre darauf verständigt,

dass es in Brandenburg

keine neuen Braunkohletagebaue

Bombe entschärft

Sprengsatz bei Bauarbeiten am Bahnhof entdeckt

Die am Dienstag auf dem Bahnhofsvorplatz

von Ruhland

(Oberspreewald-Lausitz) entdeckte

Weltkriegsbombe ist am Donnerstagmittag

kontrolliert gesprengt

worden. Dasteilte die Stadt mit. Der

Sperrkreis von einem Kilometer

rund um den Fundort der Fliegerbombe

am Bahnhof wurde wieder

aufgehoben.

Dieetwa 2300 Anwohner,die aufgefordert

gewesen waren, ab 8Uhr

ihreHäuser und Wohnungen zu verlassen,

konnten am Nachmittag

nach Hause zurückkehren. In dem

Gebiet befanden sich auch zwei Kindergärten,

eine Schule und ein Pflegeheim.

In der Sammelunterkunft

im Seecampus Niederlausitz in

Schwarzheide hatten sich zwischenzeitlich

etwa 160 Personen eingefunden.

Die Gemeinde hatte nach eigenen

Angaben Busse bereitgestellt,

die dorthin fahren. Für Menschen

mit Gehbehinderung wurden Fahrdienste

organisiert. Der öffentliche

Nahverkehr sowie der Zugverkehr

sind vorläufig eingestellt. Die

500 Kilo schwere Fliegerbombe war

und auch keine Erweiterung bestehender

Tagebaue geben soll. Es

müsse in der Lausitz auch nicht mit

der Umsiedlung von Dörfern wegen

der Kohle gerechnet werden, hieß es

nach den mehrstündigen Gesprächen

am Mittwoch.

„Wir sind zu einem guten Ende

gekommen“, sagte Ministerpräsi-

„Wir sind uns einig, dass es keine neuen

Tagebaue, keine Erweiterungen und

keine Umsiedlung von Dörfern geben wird.“

Dietmar Woidke, bisheriger und vermutlich neuer Ministerpräsident

Luckau

BRANDENBURG

Herzberg

Riesa

Oberspreewald-

Lausitz

Ruhland

A13

SACHSEN

Cottbus

10 km

BLZ/HECHER

am Dienstag bei Bauarbeiten am

Bahnhofsvorplatz gefunden worden.

Sielag in der Nähe eines Fußgängertunnels.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst

hatte laut Stadt den

Zünder der Bombe als zu deformiert

eingeschätzt, um ihn entfernen zu

können. Deshalb wurde die Bombe

aus amerikanischer Produktion kontrolliertgesprengt.

In Brandenburgwaren im vergangenen

Jahr rund 296 Tonnen Kampfmittel

gefunden worden. Bis Ende

November wurden neun Bomben

entschärft und 73 gesprengt. (dpa)

IMAGO IMAGES

dent Dietmar Woidke (SPD) am

Abend. Auf 22 Seiten seien die

Punkte von einer Arbeitsgruppe zuvor

erfasst und vorbereitet worden.

„Wir sind uns einig, dass es keine

neuen Tagebaue, keine Erweiterungen

und keine Umsiedlung vonDörfern

geben wird“, betonte er. Essei

aber wichtig, der Region eine Zukunft

und Perspektivezugeben.

„Wir haben uns zusammengerauft

und stehen gut gelaunt hier“,

sagte Grünen-Fraktionschefin Ursula

Nonnemacher.Die zentrale Forderung

der Grünen bleibe: dass es

mit dieser Koalition keine neuen Tagebaue

im Land geben werde.

Der Ausbau der Windenergie in

den kommenden Jahren werde weiter

vorangetrieben, betonte Woidke.

Ziel sei, 10 500 Megawatt aus Windenergie

bis 2030 zu erreichen. Der

Neubau von Windenergieanlagen,

aber auch die Erneuerung bestehender

werdedazu beitragen.

Zur bislang strittigen Frage zum

Mindestabstand von Wohnbauten

zu Windenergieanlagen gab es keine

Aussage. Die drei künftigen Koalitionspartner

setzen auf die angekündigte

Gesetzgebung des Bundes zu

diesem Thema. SPD und CDU sehen

bislang einen notwendigen Abstand

von1500 Metern, Grünevon 1000.

Jeder habe gewusst, dass das

Hauptthema der Auseinandersetzung

Braunkohle, der Ausstieg daraus

und der Ausbau der erneuerbaren

Energien sei, sagte der kommissarische

CDU-Landeschef Michael

Stübgen. Es seikein Geheimnis, dass

man in vielen Punkten auch vonder

Bundesgesetzgebung abhängig sei,

die man abwarten müsse.„Teilweise

ist jeder Partner an die Grenzen gegangen,

was er glaubt, dass umsetzbar

ist“, sagte er zum Verlauf der Gespräche.

Trotzdem seien Formulierungen

gefunden worden, die für alle

akzeptabel seien. (dpa)

Zu wenig Klimaschutz

Brandenburger Familie verklagt Bundesregierung

Beim Verwaltungsgericht in der

Hauptstadt wirdam31. Oktober

erstmals eine Klimaklage gegen die

Bundesregierung verhandelt. Geklagt

haben drei Familien von Ökobauern,

darunter eine aus Brandenburg,

sowie der Umweltverband

Greenpeace, teilte ein Gerichtssprecher

am Donnerstag mit. Das Gericht

rechnete mit einem großen öffentlichen

Interesse an dem Prozess.

Demnach werfen die Kläger der

Regierung vor, nicht genug zur Reduzierung

der Treibhausgas-Emissionen

zu tun. Deutschland werde

2020 voraussichtlich sein aktuelles

Ziel verfehlen, die Emissionen gegenüber

1990 um 40 Prozent zu senken,

teilte das Gericht zu der Klage

weiter mit. Darin werde argumentiert,

Kabinettsbeschlüsse seien

keine bloßen politischen Willensbekundungen,

sondern juristisch verbindliche

Rechtsakte,auf die sich die

Kläger berufen könnten.

Die Familien aus Niedersachsen,

Schleswig-Holstein und Brandenburg

sowie Greenpeace sehen laut

Sprecher auch eine Verletzung ihrer

Grundrechte. Die Bundesregierung

habe Maßnahmen unterlassen, die

verfassungsrechtlich als Mindestmaß

an Klimaschutz geboten seien.

Erst vor wenigen Tagen hatte das

Bundeskabinett beschlossen, dass

der Ausstoß an klimaschädlichen

Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent

imVergleich zu 1990 sinken soll.

Das Klimaschutzgesetz sei eine Antwort

auf die Versäumnisse der Vergangenheit,

hatte Umweltministerin

Svenja Schulze (SPD) gesagt. Umweltverbände

und Wirtschaftsverbände

werfen der Regierung aber

vor, sich zu verzetteln. Der Bund für

Umwelt und Naturschutz sprach von

einem „Sammelsurium“ von Maßnahmen,

die nicht ausreichten.

Die Linke-Fraktion im Bundestag

begrüßte die Klage.Für einen verbindlichen

Klimaschutz sei es wichtig, dass

die Justiz derRegierung auf die Finger

schaue, so der Abgeordnete Lorenz

Gösta Beutin. Klimaschutzziele dürften

nicht im rechtsfreien Raum hängen.

Die Linke forderte, Klimaschutz

sollte als Staatsziel ins Grundgesetz

aufgenommen werden. (dpa)

Zahl der

Einbrüche

stagniert

Polizei führt Entwicklung auf

bessere Prävention zurück

Weniger als 2000 Einbrüche registrierte

die Polizei bis September. IMAGO IMAGES

InBrandenburg ist die Zahl der

Wohnungseinbrüche nach Angaben

der Polizei in diesem Jahr

bislang nicht angestiegen. In den

ersten neun Monaten des Jahres

wurden weniger als 2000 Einbrüche

gezählt, teilte das Polizeipräsidium

Brandenburg auf Nachfrage

mit. Damit bewege sich die Zahl in

etwa auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Noch vor rund drei

Jahren seien es über 3000 Einbrüche

in den ersten neun Monaten

gewesen. „Wir sind in der Prävention

besser aufgestellt“, sagte ein

Sprecher des Präsidiums. „Die

Einbrüche sind zurückgegangen.

Das ist bemerkbar.“

Im gesamten vorigen Jahr 2018

registrierte die Polizei im Bundesland

Brandenburg laut Kriminalstatistik

2018 fast 2600 Fälle, was

einem Minus von 18,1 Prozent gegenüber

dem Jahr 2017 entspricht.

Noch wisse man bei der Polizei

nicht, ob die Zahlen auch in diesem

Jahr weiter rückläufig sind.

Denn Diebe würden besonders die

dunkle Jahreszeit nutzen, um zuzuschlagen.

Einige Maßnahmen könnten

helfen, Kriminelle fern zuhalten.

Die Polizei rät unter anderem

dazu, automatische Zeitschaltuhren

für Licht und Rollläden anzubringen.

Auch sollten Bewohner

vor jedem Urlaub ihre Nachbarn

über die Zeit ihrer Abwesenheit informieren.

Beim Fenster- und Türenschutz

rät die Polizei, nicht im Erdgeschoss

mit der Sicherung aufzuhören.

Auch in den oberen Geschossen

sollten Balkontüren und Fenster

geschlossen und ausreichend

gegen Einbrüche gesichert sein.

„Jemehr Zeit ein Einbrecher benötigt,

desto besser“, sagte der Sprecher.

Telefonberatung am 21. Oktober

Am 21. Oktober ist der Tagdes Einbruchschutzes.

Dazu bietet die

Polizeiinspektion Dahme-Spreewald

eine Telefonberatung an. In

der Zeit zwischen 11 und 15 Uhr

könnenInteressierte Fragen an die

Beamten rund um den Einbruchsschutz

stellen. Die Inspektion rät

dazu, alle Fenster, Balkon- und

Terrassentüren auch nur bei kurzer

Abwesenheit der Bewohner zu

schließen. „Sorgen Sie dafür, dass

Ihre Wohnung bei längerer Abwesenheit

einen bewohnten Eindruck

macht!“, heißt es in einer

Mitteilung.

Bei verdächtigen Wahrnehmungen

sollten Betroffene daher

umgehend die Polizei über den

Notruf unter der allbekannten Telefonnummer

110 alarmieren. Allen

Hinweisen von Bürgern werde

mit der notwendigen Sorgfalt von

Seiten der Polizei nachgegangen.

DasPolizeipräsidium will in der

kommenden Woche vom 21. Oktober

mit verschiedenen Social-Media-Aktionen

auf den Internet-

Plattformen und Foren wie Facebook

und Instagram über ein einbruchssicheres

Zuhause

informieren. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 17

·························································································································································································································································································

Gesundheit

Erkältungsmythen auf dem Prüfstand

Die Hauptsaison für virale Effekte ist angebrochen –was hilft und was nicht hilft, um gesund durch die nasse Jahreszeit zu kommen

VonDavid Schwarz

Herbst und Winter sind

nicht nur die Hauptsaison

für Erkältungen,

sondern auch für altbewährte

Ratschläge.Wer wurde nicht

schon einmal gerügt, weil er ohne

Schal und Mütze vor die Tür ging?

Viele der oft gehörten Tipps sind wissenschaftlich

jedoch umstritten. Wir

haben beliebte Ratschläge unter

die Lupe genommen.

Anzeige

Vortrag für Augenpatienten:

Grauer Star

(Katarakt)

Do., 31.10.19, 17:00 Uhr

Referent: Prof. Dr. Dr. med.

Peter Rieck, ltd. Oberarzt der

Abteilung für Augenheilkunde

an der Schlosspark-Klinik

Ort: BVV-Saal im Rathaus

Mitte, Karl-Marx-Allee 31,

10178 Berlin (Nähe U-Bhf.

Schillingstraße)

Eintritt frei! Anmeldung:

Tel. 030 895 88-151, E-Mail

berlin@blickpunkt-auge.de

Unterstützt von der Blindenstiftung

„ Weißer Stock” Berlin

Ratschlag: „Zieh' dich warm an,

sonst erkältest du dich!“

Bewertung: Ein Zusammenhang

ist nicht erwiesen.

Fakten: Es steckt doch schon im

Wort drin – Erkältungen müssen

doch eigentlich mit Kälte zu tun

haben. Schließlich treten sie in

den kalten Monaten auch besonders

häufig auf. „Ein Zusammenhang

zwischen Frieren und sich

daraufhin erkälten ist wissenschaftlich

nicht belegt“, sagt Martin

Scherer, Präsident der Deutschen

Gesellschaft für Allgemeinmedizin

und Familienmedizin. Erkältungen

oder grippale Infekte

werden durch Viren, nicht durch

kalte Temperaturen ausgelöst. Ob

die Kälte die Abwehrkräfte der

Körpers so sehr schwächt, dass

eine Infektion begünstigt wird, ist

umstritten. Forscher fanden jedoch

biologische Hinweise darauf,

dass Immunzellen bei Kälte Viren

schlechter bekämpfen können.

Ratschlag: „Kalte Duschen härten

ab.“

Bewertung: Möglicherweise, seltener

krank wird man aber nicht.

Fakten: Wissenschaftler aus den

Niederlanden gingen dieser These

nach. Dabei kam heraus, dass

Menschen, die anfingen auch kalt

zu duschen, sich seltener und weniger

heftig krank fühlten. Bei den

tatsächlichen Krankheitstagen pro

Jahr gab es dagegen keine großen

Unterschiede zu den Testpersonen,

die weiter warm duschten.

Gesundheit! Die Erkältungszeit ist wiedder

angebrochen.

IMAGO IMAGES

Scherer sieht zudem ein Problem:

„Kalte Duschen sind nicht unproblematisch,

sie können das Herz-

Kreislauf-System überfordern.“

Ratschlag: „Händewaschen nicht

vergessen.“

Bewertung: Ein guter Rat, sagen

viele Experten.

Fakten: „Die Hände sind ein wichtiger

Keimüberträger“, erklärt der

Hamburger Allgemeinmediziner

Scherer. So können etwa durch

Anfassen einer Türklinke Keime

aufgenommen werden. Reibt man

sich anschließend die Augen oder

fasst sich an die Nase, können die

Erreger in die Schleimhäute gelangen.

Forscher gehen davon aus,

dass regelmäßiges Händewaschen

die Verbreitung von Viren und die

Ansteckungsgefahr senken kann.

Dafür sollten die Hände gründlich

für 20 bis 30 Sekunden eingeseift

werden.

Ratschlag: „Du brauchst viel Vitamin

Cund Zink.“

Bewertung: Allenfalls geringeVorteile.

Fakten: „Ohne Vitamin Cund Zink

dauert eine Erkältung eine Woche,

mit Vitamin Cund Zink dauert sie

sieben Tage“, sagt Scherer. ImVorfeld

einer Erkrankung können sie jedoch

womöglich etwas helfen: Die

reguläre Einnahme von Zink reduzierte

zumindest in Studienmit Kindern

die Zahl der Erkältungen pro

Jahr. Die regelmäßige Gabe vonVitamin

Cführte dagegen bei Erwachsenen

lediglich zu einer geringeren

Krankheitszeit und etwas abgeschwächten

Symptomen. Auch

wenn das Vitamin kein Allheilmittel

gegen Erkältungen ist, bleibt es sinnvoll

den Körper durch eine ausgewogene

Ernährung ausreichend damit

zu versorgen.

Ratschlag: „Ab ins Bett mit dir.“

Bewertung: Schlaf und Ruhe helfen

gegen Erkältungen.

Fakten: Sich bei einer Erkältung

Ruhe zu gönnen hat zwei Vorteile:

Man steckt weniger Menschen an.

Zudem hilft Schlaf dem Körper, die

Erkältungsviren abzuwehren. „Körperliche

Schonung ist beim akuten

Infekt sinnvoll. Übermüdung und

Schlafentzug können das Immunsystem

schwächen“, sagt Scherer.

Das kann im Vorfeld auch die Anfälligkeit

für Erkältungen erhöhen.

Ratschlag: „Trink schön viel Ingwer-

Teemit Honig!“

Bewertung: Das kann Symptome

durchaus lindern.

Fakten: Warme oder heiße Getränke

können das Husten und den Abfluss

Anzeige

Mi,23. OKTOBER 2019 | 18.00 Uhr

Schmerzmittel richtig anwenden

Achtung,

Nebenwirkung!

Referentin:

Dr. med. Aviva Raatz

Chefärztin Fachabteilung für Innere Medizin I

Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

krankenhaus

bethel berlin

Promenadenstraße 3–5

12207 Berlin-Lichterfelde • Telefon 030/7791- 0

www.krankenhaus-bethel-berlin.de

von Schleim nach einer Handreichung

der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) erleichtern. Generell

sei Trinken bei Erkältungen förderlich.

Honig könne demnach helfen,

einen trockenen Rachen und gereizte

Bronchien zu beruhigen. In

Ingwer sind sogar Stoffe enthalten,

die gegen Rhinoviren wirken, einen

der häufigsten Verursacher der klassischen

Erkältung. Zudem kann die

Wurzel der Pflanze Entzündungen

entgegenwirken. (dpa)

Anzeige

Anzeige

MEDIKAMENTÖSE KREBSTHERAPIE

Brustkrebs behandeln: Vielversprechende Studienergebnisse und neue Therapien

Jährlich erkranken in Deutschland rund

60 000 Frauen an Brustkrebs. Davon haben circa

12000 Patientinnen ein sogenanntes HER2-positives

Mammakarzinom. Laut der so genannten

Katherine-Studie könnte diese Variante künftig

besser behandelt werden, glauben Experten wie

Michael Untch, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe

im Helios Klinikum Buch, der an der

Studie beteiligt war.

Es gibt verschiedene Arten von Brustkrebs, an denen

Frauen erkranken können. Für Patientinnen,

die von dem besonders aggressiven HER2-positiven

Mammakarzinom betroffen sind, kommt für

nun eine neue Form der Therapie in Frage. Grundlage

für die aktuellen Erkenntnisse rund um die

Behandlung der Tumorart ist die Katherine-Studie.

„Wir haben Frauen, bei denen in der Brust oder in

den Lymphknoten noch Tumorzellen nachweisbar

waren, obwohl sie zuvor mit einer Chemo- und Antikörpertherapie

behandelt wurden, randomisiert.

Dies bedeutet, dass die Hälfte der Patientinnen

weiterhin die herkömmliche Therapie mit dem

Wirkstoff Trastuzumab absolviert hat, während die

andere Hälfte mit dem neuen Präparat T-DM1 behandelt

wurde“, erläutert Michael Untch, Chefarzt

der Gynakölogie und Geburtshilfe im Helios Klinikum

Buch, der an der Entwicklung und der Durchführung

der Studie maßgeblich beteiligt war.

Teilgenommen haben an der Studie in den Jahren

2016 und 2017 weltweit etwa 1500 Patientinnen,

von denen 20Prozent unter 40 Jahre, 70 Prozent

zwischen 40 und 75 Jahre und 10 Prozent

über 75 Jahre alt waren. Das Ergebnis war eindeutig.

„Ende 2018 haben wir die Daten zum ersten

Mal ausgewertet“, berichtet Prof. Dr. Untch und

fügt hinzu: „Die Häufigkeit von Metastasen wurde

bei den Patientinnen, die wir mit dieser neuen Substanz

behandelt haben, um 50 Prozent verringert.

In der Kontrollgruppe hingegen wurden doppelt so

viele Rückfälle und Metastasen festgestellt.“

Die Diagnose HER2-positiver Brustkrebs erhalten

jährlich rund 20 Prozent der neuerkrankten Patientinnen.

Michael Untch betont: „Wenn man die

Diagnose betrachtet und dann vier Jahre später

nachschaut, dann landen wir bei Überlebensraten

von 95 bis 97 Prozent. Das ist eine fantastische

Entwicklung und noch dazu mit einer Studienidee,

die aus Deutschland kommt.“

Aussicht auf Heilung mit dem Präparat T-DM1

Das neue Präparat T-DM1, welches den Patientinnen

während der Therapie verabreicht wird, ist ein

sogenanntes Antikörper-Konjugat und somit eine

Prof.Dr. med. Michael Untch, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Verbindung zwischen einem bestimmtenAntikörper

und einer Verbindungsbrücke zu einer sehr giftigen

Substanz. „Es handelt sich dabei um einen Trojaner.

Das Gift wird in die Tumorzelle eingeschleust

und tötet die Zelle dann spezifisch, ohne schwerwiegende

Nebenwirkungen anzurichten“, erläutert

Prof. Dr. Untch. Zugelassen ist das Medikament

bereits. Eine Rechtsprechung im Bundesozialgesetzbuch

gibt Aufschluss darüber, ob das Präparat

auch schon angewendet werden darf. „Die

Rechtsprechung besagt, dass die Krankenkasse

das Medikament zahlen muss, wenn eine Substanz

zugelassen und bei einer lebensbedrohlichen

Erkrankung im Rahmen einer Studie gut publiziert

sowie auch schon in der nationalen und internationalen

Leitlinienempfehlung enthalten ist“, erklärt

Prof. Dr. Untch.

Auf Grund der neuen Erkenntnisse aus der Katherine-Studie

hat sich zudem auch der Ablauf der

Therapie verändert.

Operationen weniger aggressiv

So erfolgt zunächst eine medikamentöse Behandlung,

bei der alle drei Wochen Infusionen verabreicht

werden. Dann folgt die Operation, die sehr

viel weniger aggressiv ist, da die Medikamente

den Tumor im Vorfeld bereits zum Schrumpfen gebracht

haben und somit weniger Gewebe und auch

weniger Lymphknoten entfernt werden müssen.

„Es wäre ein Fehler, bei dieser Art von Brustkrebs

zuerst zu operieren“, betont Michael Untch und ergänzt:

„Die OP ist dennoch immer notwendig. Der

Pathologe muss ja schließlich das jeweilige Tumorbett

und einige Lymphknoten untersuchen, damit

er feststellen kann, ob im Gewebe noch Tumorzellen

enthalten sind.“ Zudem ist der Antikörper gut

verträglich. Einige Nebenwirkungen sind dennoch

bekannt. So wurde bei einer geringen Prozentzahl

an Patientinnen anfangs ein Abfall der Thrombozyten

festgestellt. „Auch die Leberwerte können vorübergehend

leicht erhöht sein“, berichtet Michael

Untch, „Müdigkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen

können im Vergleich zu anderen Antikörpern auch

etwas verstärkt auftreten.Das bewegt sich aber alles

im Bereich von fünf bis sechs Prozent“. Besonders

entscheidend sei zudem auch die Lebensqualität

der Frauen, die während der Therapie sehr gut

gewesen sei. Aus diesem Grund wird das gleiche

Verfahren zurzeit auch mit anderenSubstanzen bei

anderen Brustkrebsarten untersucht – und zwar

mit vielversprechenden Erfolgsaussichten.

KREBS-INFOTAG

THOMAS OBERLÄNDER/HELIOS KLINIKEN

Am Samstag, den 9. November sprechen

Spezialisten von 9bis 15 Uhr im Helios

Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit

Interessierten über moderne Krebsmedizin.

Arzt und TV-Moderator Dr. Carsten

Lekutat moderiert eine Expertenrunde

zur fachübergreifenden Krebsbehandlung.

Interessierte könnensich über die Website

anmelden, aber auch spontane Teilnehmer

sind herzlich willkommen:

www.helios-gesundheit.de/

krebs-weiter-leben


18 * Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Lokalsport

Lächelt doch mal: Ein entschlossener Gesichtsausdruck gehörte 1908 offenbar zum Markenzeichen der Alemannen. Scheu vor tiefem Geläuf hatten die wackeren Berliner Fußballer jedenfalls nicht.

BFC ALEMANNIA

Real existierender Traditionalismus

Gründerväter: Der BFC Alemannia 90 ist einer der ältesten Fußballklubs. Jetzt soll ihm seine Vergangenheit helfen, ein erfolgreiche Zukunft zu gestalten

VonChristian Schlodder

In den Geschäftsräumen,

Ollenhauerstraße, Reinickendorf,

gibt es so viel Neues,dass

Marco Krieger kaum noch mit

dem Aufzählen hinterher kommt.

Neue Schreibtische, ein neuer Fußboden,

ein neues Whiteboard, neue

Schränke, neue Technik. Zudem

wurde die Kabine neu in Blau-Weiß

gestrichen, inklusiveVereinswappen

an der Wand, dem Wappen des BFC

Alemannia 90. Im vergangenen Jahr

wurde der 33-jährige Krieger in dessenVorstand

gewählt. Nebenbei trainiert

er die erste Männermannschaft.

„In den letzten 18 Monaten

waren wir hier nur mit Aufräumen

beschäftigt“, sagt er.

Davor wurden allein sieben Trainer

in einer Saison verschlissen. Fast

wurde sogar die Jugendabteilung

aufgegeben. Nun schafft Krieger

neue Ordnung und räumt dabei

nicht nur mit einem Teil der jüngerenVergangenheit

auf, sondernauch

für einen Teil einer viel älteren. „Jedes

Mal, wenn man hier sitzt, denke

ich, wie geil das ist, in einem Verein

zu sein, der 1890 gegründet wurde.“

In jenem Jahr entstand der Klub

als SV Jugendlust, wurde allerdings

kurz darauf schon in Allemannia 90

umbenannt, damals noch mit zwei

L. Heute gehört der BFC Alemannia

1890 zu den Top10–zumindest vom

Alter her. Der Klub ist nämlich der

achtälteste noch existierende Fußballverein

Deutschlands.„Unskennt

man. DerName ist allen ein Begriff“,

meint Krieger.

Berliner Meister 1924

Dabei blieben die Erfolge desVereins

trotz der langen Geschichte recht

überschaubar. In der Anfangszeit

rund um das Jahr 1900 tingelte man

durch unterschiedliche Verbände

und initiierte mit der Meisterschaft

des Nordens sogar einen eigenen

Wettbewerb. 1924 stand der Gewinn

der Berliner Meisterschaft zu Buche.

Bei den anschließenden zwei Teilnahmen

um die Deutsche Meisterschaft

war jeweils bereits nach nur

einem Spiel Schluss. Später machte

man auf großer Bühne nicht mehr

von sich reden. Aktuell kicken die

Alemannen in der Kreisliga B. „Der

Verein muss mindestens wieder in

die Bezirksliga“, sagt Krieger.

Rahmen: In loser Reihenfolgestellt

die Berliner Zeitung

Gründungsmitglieder

des Deutschen Fußball-Bundes

(DFB) aus der Hauptstadt

vor. Denn Berlin und

Fußball, das war schon früher

ein Erfolgsmodell. 26

Klubs der Stadt gaben der

beliebtesten Sportarthierzulande

dereinst Starthilfe.

SERIENHELDEN

Namen: Etliche Klubs haben

sich im Laufe der Jahrzehnte

aufgelöst. Klubs mit wohlklingenden

Namen wie der

BFC Phönix oder der SC Komet,

der BFC Burgund oder

der BTuFC Toscana. Andere

fusionierten. Blau-Weiß 90

etwa entstand aus dem

BTuFC Union 1892 und dem

BFC Vorwärts 1898.

Ahnen: Der BFC Hertha

1892 wurde nach der Fusion

mit dem Berliner SC zu Hertha

BSC und kickt unter diesem

Namen bis heute. Zwei

deutschen Meisterschaften

machen den Fußballklub

zum erfolgreichsten seiner

ArtinBerlin: 1930 und

1931, dazu fünfmal Meisterschaftszweiter,zuletzt

1975.

Helfen soll dabei längstVergangenes:

die Rückbesinnung auf die

lange Geschichte. „Tradition ist

wichtig für alteingesessene Spieler

und Mitglieder. Für alle, die sich im

Hintergrund für den Verein den

Arsch aufreißen“, sagt Krieger.Aktuell

versuchen er und seinen Helfer

diese Geschichte sichtbarer zu machen.

An der Bürowand prangt das

Wappen auf Acrylglas. Auf der Vereinshomepage

findet man gar zwei

Seiten zur Historie. Und im Hintergrund

laufen schon die Planungen

für die große 130-Jahre-Feier, die im

kommenden Maistattfinden soll.

„Wir sind ein authentischer und

seriöser Verein. Und wenn man das

mit der langen Tradition koppelt, bekommen

das die Leute, Sponsoren

und selbst das Bezirksamt mit“, sagt

Krieger.Doch die Traditionsliebe des

Vorstandsvorsitzenden resultiert

nicht aus kühler Berechnung. Die

großen Träumereien, die man bisweilen

im Berliner Amateurfußball

findet, sind dem Klub sehr fremd.

Viele kleine Schritte sollen es werden.

Und zwischendrin immer mal

wieder etwas Rückbesinnung.

Digitalisierung des Vereins

Dabei wendet sich Krieger vom großen

Fußball selbst gerade ab. „Mir

geht der Profifußball mittlerweile

richtig auf den Geist und ich gucke

das auch nicht mehr“, sagt er. Das

könnte man als Anachronismus auffassen.

Die Haltung ist aber auch als

Gegenentwurf des Pay-TV-Fußballs

zu verstehen, der zwar so schön wie

noch nie, aber gleichzeitig auch so

unnahbar wie noch nie daherkommt.

„Auch wenn man sich in die

moderne Welt denken muss, umzu

bestehen, geht's bei Alemannia um

Werte. Disziplin, Loyalität, Pünktlichkeit.

Das müssen wir auch vermitteln“,

sagt Krieger. Tradition

gleich Werte, so seineRechnung.

Doch der Fußballtraditionalist

Krieger ist keineswegs ein blinder

Nostalgiker, der an „Früher war alles

besser“-Floskeln glaubt. Aktuell

treibt er sogar die Digitalisierung bestehender

Vereinsprozesse an, die –

wie er sagt –zugroßen Teilen zukünftig

von Zuhause statt inder Geschäftsstelle

erledigt werden können.

Auch an denSocial-Media-Auftritten

wird fleißig gebastelt, die zur

Außendarstellung, zur Gewinnung

neuer Spieler und vor allem auch

Spielerinnen genutzt werden sollen.

Alemannia 1890 mit seinen allein

sieben Männermannschaften täte es

auch ganz gut, den Bereich der Mädchenmannschaften

auszubauen,

sagt Krieger. „Allgemein eine Jugendabteilung

zu haben, die von

selbst wieder läuft, wäre der größte

Erfolg“, sagt er.

Da dieses Ziel noch in rechtweiter

Ferne liegt, bastelt Vorstand und

Trainer Marco Krieger fleißig an den

kleinen Umwälzungen. Demnächst,

betont er stolz, wirdesneue Trainershirts

geben. Irgendwann sollen

dann auch komplette Anzüge folgen.

Gut möglich also, dass Krieger zwischen

all dem Alten der 130-jährigen

Vereinsgeschichte schon sehr bald

wirklich nicht mehr mit dem Aufzählen

neuer Dinge hinterherkommt.

AmDonnerstag ist eine magische

Grenze unterschritten worden.

Zuvor hatte die Para-Eishockey-Nationalmannschaft

die Anzahl der

Tage bis zum Start der B-Weltmeisterschaft

in Berlin auf ihrer Facebookseite

verkündet. Nun war die

Botschaft, dass es nur noch einen

Monat dauert bis zu eben jenem 17.

November. Veränderungen an der

Eissporthalle P09 in Charlottenburg,

der Spielstätte des

ECC Preussen, sind

nun zu sehen. „Es

wird umgebaut. Die

Banden sind tiefer

gesetzt, die Spielerbänke

sind tiefer,

weitere Umbauten

sind auch noch in

Planung. Mindestens eineWoche vor

der WM wird die Halle dann komplett

gesperrt sein“, sagt Gregor

Kemper.

Als Abteilungsleiter des ECC

Preussen ist er in die Abläufe eingebunden.

Schließlich geht es um die

Heimspielstätte des Bundesligisten

Angry Birds. Mit Christian Pilz und

Hugo Rädler haben es sogar zwei

Spieler aus diesem ECC-Team in den

Kader der Nationalmannschaft geschafft.

Gleich zu Beginn der Weltmeisterschaft

wird das deutsche

Team auf China treffen. „Wir wollen

gleich die Halle im ersten Spiel vollbekommen,

um die Chinesen zu beeindrucken“,

sagt Kemper,„wir wünschen

uns volle Ränge.“

Um die 1200 Plätzeauch wirklich

voll zu besetzen, hat der Verband beschlossen,

keinen Eintritt zu nehmen.

Da am selben Tagauch die Eisbären

Berlin in der Deutschen Eishockey

Liga (DEL) spielen, gibt es sogar

Überlegungen, ein paar

Busse von der Arena am

Ostbahnhof nach dem Spiel

in Richtung Charlottenburg

zu schicken, um weitere

Unterstützung von den

Rängen zu gewinnen.

Auf die Unterstützung

der Eisbären-Verantwortlichen

können die Para-Eishockey-

Spieler jedenfalls bauen. Bereits im

Heimspiel gegen die Kölner Haie

durften ein paar Nationalspieler auf

das Eisinder Arena am Ostbahnhof,

um dort Werbung für ihren Sport

und die bevorstehende Weltmeisterschaft

in Berlin zu machen. Auch

beim Heimspiel gegen Krefeld war

eine kleine Delegation zu Gast, um

noch einmal an den Termin zu erinnern.

„Die Heim-WM muss wirklich

eine Heim-WM werden, in der die

AKTIVES ABSEITS

Platte machen

im P09

In einem Monat beginnt in Charlottenburg die B-WM im

Para-Eishockey.Derzeit wird die Spielstätte umgerüstet.

Auch deshalb empfiehlt sich Berlin als Leistungsstüzpunkt

VonChristian Kattner

Freut sich auf die WM: Nationalspieler Christian Pilz aus Berlin.

OSTKREUZ/SEBASTIAN WELLS

Mannschaft Unterstützung vonallen

Eishockey- und Para-Eishockey-

Fans erhalten muss. Esdarf nicht zu

einer Heim-WM ausarten, in der die

deutsche Mannschaft Gast im eigenem

Land ist“, sagt der WM-Organisationsleiter

und ehemalige DEL-

Spieler Martin Hyun.

Und auch der ECC Preussen befindet

sich auf großer Promo-Tour

durch die Stadt. Nicht nur, weil er

noch nach freiwilligen Helfern für

dieWeltmeisterschaft sucht.„Wir gehen

jetzt an die Schulen, versuchen

Interesse für den Sport zuwecken,

wir müssen auf das Angebot aufmerksam

machen“, so Kemper.

Auch den Gegebenheiten des

Sports geschuldet, tun sich Para-Eishockey-Spieler

freilich schwerer damit,

neue Spieler zu gewinnen als

beispielsweise Rollstuhlbasketballer.

Diekönnenschließlich auf den Korb

an der eigenen Garage werfen, aber

nicht jeder verfügt über eine kleine

Eisfläche im Garten. Die Weltmeisterschaft

ist deshalb gerade für eine

Stadt wie Berlin auch eine gewaltige

Chance, umauf das Angebot noch

einmal nachhaltig aufmerksam zu

machen.

Zumal in der Spielstätte auch einige

Veränderungen vorgenommen,

von denen auch die Berliner Spieler

zukünftig profitieren. „Auf jeden Fall

bleiben ein paar Sachen erhalten.

DerZugang auf das Eisbleibt barrierefrei“,

sagt Kemper. Das war in der

Vergangenheit noch nicht der Fall.

Genauso wenig wie der barrierefreie

Wegvon den Kabinen zum Spielfeld.

Mithilfe von synthetischen Eisplatten

konnte der in Vorbereitung auf

die Weltmeisterschaft allerdings hergestellt

werden.

EinTurnier zeigt Wirkung

„Im Idealfall bekommen wir es hin,

dass die Platten liegen bleiben“, sagt

Kemper.Auchhinter den Banden bei

den Spielerbänken liegen jetzt solche

synthetischen Eisplatten und

sorgen dafür, dass während der

Wechsel zwischen den Spielernnicht

unnötig Zeit verloren geht.

Wegen solcher Verbesserung am

P09 rückt Berlin auch stärker in den

Fokus des Deutschen Verbandes.

Der kann sich sogar vorstellen, die

Hauptstadt zu einem Leistungsstützpunkt

zu machen, an dem Spieler

aus dem Umland bessere Trainingsmöglichkeiten

vorfinden.

Nachhaltiger kann eineWeltmeisterschaft

gar nicht sein. Doch erst einmal

müssen auch die restlichen Tage

bis zum eigentlichen Startvergehen.

DerCountdown läuft.


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 19 *

·························································································································································································································································································

Sport

NACHRICHTEN

Dokumente entlasten

Zwanziger in WM-Affäre

SPORTPOLITIK. Derehemalige

DFB-Generalsekretär Horst R.

Schmidt hat frühereAussagen in der

Affäreumdas WM-Sommermärchen

2006 korrigiertund damit Ex-

Verbandschef Theo Zwanziger vom

Vorwurfeiner vorsätzlichen Täuschung

im Zuge der dubiosen Zahlung

von6,7 Millionen Euro entlastet.

Dies belegen neue Dokumente.

Demnach hat Schmidt bereits im

April2017 in einem Memo festgehalten,

dass die im Jahr 2005 an den

Weltverband Fifa geflossene Summe

einzig zur Finanzierung einer zum

damaligen Zeitpunkt geplanten Gala

diente.Die Zahlung habe nichts mit

der Tilgung eines vonFranz Beckenbauer

drei Jahrezuvor vomfrüheren

Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus

in Anspruch genommenen Darlehens

in Höhe vonzehn Millionen

Schweizer Franken zu tun gehabt.

Südkoreaner entsetzt nach

Fußballduell mit Nordkorea

FUSSBALL. Dashistorische koreanische

Fußball-Duell in der WM-Qualifikation

hat nicht zur Annäherung

der beiden verfeindeten Bruderstaaten

geführt−ganz im Gegenteil. Die

Südkoreaner erhoben nach dem 0:0

in der nordkoreanischen Hauptstadt

Pjöngjang Vorwürfe gegen die Gastgeber.„Das

Spiel war wie Krieg. Ich

habe nie zuvor eine solche Aggression

erlebt“, sagte der südkoreanische

Verbands-Vizepräsident

Young-IlChoi.

Bayern-Trainer Kovac spricht

sich mit Müller aus

Unzufrieden mit seiner Reservistenrolle:

Thomas Müller

DPA/MIRGELER

FUSSBALL. Bayern-Trainer Niko Kovachat

seine „Not am Mann“-Aussage

über Thomas Müller als einen

Fehler bezeichnet. „Ich habe mich

falsch artikuliert“, sagte er am Donnerstag.

„Ich habe mit Thomas am

nächsten Taggesprochen. Alles ist

ausgeräumt. Er hat das so verstanden,

wie ich es gemeint habe und

nicht für bareMünzegenommen.

Da ist mir ein kleiner Fehler unterlaufen,

das passiertmir auch mal,

das ist menschlich.“

Dreßen-StartinLakeLouise

ist noch offen

SKI ALPIN. DerWeltcup-Startvon

Thomas Dreßen beim Saisonauftakt

der Abfahrer Ende November im kanadischen

Lake Louise ist noch offen.

Er sei nach seinem Kreuzbandriss

im Moment „vielleicht bei 70

Prozent“, sagte der Mittenwalder am

Rande der Aktiven-Einkleidung des

Deutschen Skiverbandes (DSV)in

Laupheim.

US-Boxer Daystirbt nach

Knock out

BOXEN. Wenige Tage nach einer

schweren K.-o.-Niederlage ist der

US-Profiboxer Patrick Dayanden

Folgen seiner Hirnverletzungen gestorben.

DerBoxer,27, war im Kampf

gegen Charles Conwell nach schwerenTrefferninder

zehnten Runde

bewusstlos zusammengebrochen

und in der Folge einer Not-Operation

am Gehirnunterzogen worden.

Rechnung mit Bekannten

Alba tritt beim FC Barcelona an. Der hat mal eben einen Star aus der NBA verpflichtet. Ein Klub-Vergleich

VonChristian Kattner

Die Angaben schwanken.

Undsorichtig weiß man

noch immer nicht, ob

nun vom Brutto- oder

Nettogehalt die Rede ist, wenn über

Nikola Mirotic und dessen Vertrag

beim FC Barcelona gesprochen oder

geschrieben wird. Mal sind es zwölf,

mal neun, mal fünf Millionen Euro,

die der Montenegriner verdienen

soll. Fakt ist, dass Mirotic der bestbezahlte

Basketballer in Europa ist.

Nicht der bestbezahlte Europäer,

denn da gibt es in der NBA Spieler,

die mehr verdienen als er.Diese Zahlen

sind für jeden zugänglich. Deshalb

weiß man auch, dass der 28-

Jährige,der in den vergangenen fünf

Jahren in der nordamerikanischen

Profiliga gespielt hat, in dieser Saison

mehr hätte verdienen können als die

12,5 Millionen US-Dollar der vorigen

Spielzeit. Also ist sein Wechsel zum

FC Barcelona umso erstaunlicher.Er

habe die Euroleague, aber auch die

spanischen Wettbewerbe vermisst,

ließ Mirotic wissen.

Mirotic vermisst die Euroleague

Verzichtet auf Millionen US-Dollar:Nikola Mirotic vom FC Barcelona.

Einer muss zuschauen

IMAGO IMAGES

Dersportliche Wettbewerb kompensiert

den Verlust von mehreren Millionen

Euro. Das klingt fast zu romantisch,

um in die heutige Zeit zu

passen. Aber gut, auch Dirk Nowitzki

hat bei den Dallas Mavericks für die

Aussicht auf größeren Erfolg auf Millionen

vonDollars verzichtet. Er und

Mirotic haben aber auch in den vorherigen

Jahren gut verdient. Und ob

es nun fünf, neun oder zwölf Millionen

Euro sind –Nikola Mirotic verdient

in Barcelona noch immer gutes

Geld. „Das entwickelt sich langsam

in Richtung des Fußball-Niveaus“,

sagt Himar Ojeda.

Alba Berlins Sportdirektor ist vor

dem direkten Duell mit dem FC Barcelona

am Freitagabend (21 Uhr) gar

nicht neidisch auf diese Zahlen. Man

selbst habe ein gutes Budget, sei aber

weit von dem des FC Barcelona entfernt.

Von40Millionen Euro wirdbei

den Katalanen gesprochen, Alba bewegt

sich irgendwo zwischen zwölf

bis 15 Millionen, wenn man die Zahlen,

die imVorjahr kursierten und die

prozentuale Steigerung vor dieser

Saison dazurechnet.

Neben der Gesamthöhe muss

man zudem noch die Verteilung dieses

Budgets betrachten. „Man muss

unterscheiden, in welchen Bereich

die Teams ihr Budget investieren.

Wieviel Geld stecken sie in die Spieler

und wie viel in den Rest“, sagt Himar

Ojeda, „in Spanien wird mehr

als 70 Prozent des Gesamtetats in die

Spieler investiert, hier sind wir sehr

weit davon entfernt. Aber das ist gut,

wir sind ein anderer Klub, haben

eine anderePhilosophie.“

Neben dem Profibereich wirdviel

Geld in den Nachwuchs, den Frauenbereich

und vorallem in die Infrastruktur

investiert. „Wir wollen ein

Modell haben, das finanziell nachhaltig

ist“, sagt Präsident Axel

Schweitzer, „wir werden nicht mit

Barcelona darum konkurrieren, wer

den nächsten Spieler holt, der zwölf

Millionen kostet. Die Herausforderung

ist es,trotzdem wettbewerbsfähig

zu sein.“

In den ersten beiden Euroleague-

Spielen ist das sehr gut gelungen. Mit

einem überzeugenden Sieg gegen St.

Petersburg und einer Ein-Punkt-

Niederlage nach Verlängerungen bei

Anadolu Istanbul. Auch diese Vereine

gingen mit einem deutlich höheren

Budget in die Saison, als es

Alba und ein paar andereVereine getan

haben. Aber auch sie haben nicht

so viel Geld zur Verfügung wie Real

Madrid oder der FC Barcelona.

In der Blüte seiner Karriere

Auch Real soll mehr als 40 Millionen

zur Verfügung haben und zählt zu jenen

Klubs, „die nicht davon leben,

dass sie dieses Geld erwirtschaften

müssen, sondern die leben davon,

dass sie gewinnen müssen“, sagt Albas

Geschäftsführer Marco Baldi,

„das soll deren DNA sein, um das andere

kümmern sich andere Menschen.

Davon gibt es einige Klubs,

aber wir müssen anders arbeiten.“

Auf die Zusammenstellung des Kaders

lässt sich das einfach übersetzen:

Während Alba Spieler mit langfristigen

Verträgen an sich bindet

und ihnen damit Sicherheit gibt, indem

die Berliner entwicklungsfähige

Spieler verpflichten oder im Idealfall

Profis über das eigene Nachwuchsprogramm

gewinnen, kann der FC

Barcelona mal eben einen gestandenen

Basketballer wie Nikola Mirotic

verpflichten, der sich mit seinen 28

Jahren zudem in der Blüte seiner

Karrierebefindet.

Mit durchschnittlich 24,8 Punkten

in der spanischen Liga und 20,5

Zählerninder Euroleague erfüllt Mirotic

die Erwartungen. Ob die fünf,

neun oder zwölf Millionen Euro dafür

zu viel sind, lässt sich schwer bewerten.

Wenn der FC Barcelona am

Saisonende allerdings die Euroleague

gewinnt, hat er mit Mirotics Verpflichtung

alles richtig gemacht.

Durch die Verpflichtung Landon Ferraros herrscht ungewohnte Konkurrenz im Kader der Eisbären Berlin

VonBenedikt Paetzholdt

Für Serge Aubin ist die Entscheidung

komfortabel und unangenehm

zugleich: Weil bei den Eisbären

derzeit nur Florian Busch ausfällt,

herrscht seit der Verpflichtung

Landon Ferraros ein Überangebot

an fitten und einsatzwilligen Spielern.

DerTrainer muss also im Laufe

des Freitags einem Profi die Nachricht

übermitteln, dass er beim

Match in Düsseldorf (19.30 Uhr) zuschauen

muss.

„Ferraro wird spielen“, sagte Aubin

nach dem Training am Donnerstag.

Der28-Jährige,der voreinerWoche

in Berlin gelandet war,hat in dieserWoche

einen guten Eindruck hinterlassen.

„Zum Glück spielen wir

hier das gleiche System, dass ich zuletzt

in Iowagespielt habe“, sagte der

Außenstürmer, der 84 Spiele in der

NHL bestritt, aber er gesteht auch,

dass er sich an die größere Eisfläche

noch gewöhnen muss. „Ich muss

mich immer erst orientieren, wo ich

mich auf dem Eisbefinde.“

In seiner erster Partie als Eisbärenprofi

soll er sich an der Seite des

Erfolgsduos Maxim Lapierre/Lukas

Reichel ausprobieren. „Das könnte

sich aber auch schnell ändern“,

sagte Aubin, „es wird ein bisschen

dauern, bis wir sehen, wie er mit

dem europäischen Eishockey zurechtkommt

und wo er am besten

hinpasst.“ Ferraros größter Trumpf

ist seine Vielseitigkeit. Beim letzten

Training vorder Reise ins Rheinland,

setzte Aubin ihn vor allem in Unterzahl

ein. „Hier hat er mir sehr gut gefallen“,

sagte Aubin. Aber auch im

Powerplay wusste der Kanadier in

der Vergangenheit zu gefallen.

Verzicht auf Abwehrspieler?

Wen Ferraro inDüsseldorf letztlich

verdrängen wird, lässt Aubin noch

nicht durchblicken. „Ich habe eine

gute Idee, aber die Entscheidung

wirderst unterwegs fallen“, sagte der

Coach. „Bis auf die Torhüter ist alles

möglich.“

Eine Überlegung könnte sein, die

Partie nur mit sechs Verteidigern zu

bestreiten. Dann dürfte Florian Kettemer

der überzählige Spieler sein.

Beim 4:2 in Ingolstadt stand er nur

eine Minute und 38 Sekunden auf

Landon Ferraro ist bereit.

CITY-PRESS

dem Eis, kam auf insgesamt drei

Wechsel. Der Shootingstar des vergangenen

Herbstes,als er zwischenzeitlich

bester EHC-Scorer war und

sich dadurch eine Vertragsverlängerung

erspielt, ist in der Verteidigerhierarchie

abgerutscht.

Etwas näherliegend ist die Option,

dass es einen Austausch auf der

Außenstürmerposition gibt. Dann

könnte es André Rankel treffen. Der

Kapitän erzielte am vergangenen

Freitag zwar seinen ersten Saisontreffer,

spielt aber längst nicht mehr

die Rolle früherer Jahre. Zudem startete

er zuletzt an der Seite von Lapierre

und Reichel, wo Ferraro beginnen

soll. Allerdings setzte Aubin

Rankel beim Training auffällig oft in

Unterzahl sein, wo er wie die Kollegen

zuletzt immer besser wurde.

Denkbar wäre zudem, dass Sean

Backman beziehungsweise PC Labrie

der Auswahl zum Opfer fallen, je

nachdem, welche Rolle Aubin für

Ferraro vorgesehen hat. Der ist wie

Backman ein guter Schlittschuhläufer,

hat mit Ausnahme der letzten

Saison mit Leistenverletzung auch

Abschlussqualitäten offenbart. Als

Labries Ersatz wären vorallem seine

defensiven Qualitäten gefragt,

wenngleich er einen halben Zentner

weniger auf die Waage bringt.

Ferraroselbst beteiligt sich selbstverständlich

nicht an solchen Spekulationen.

Er ist vorallem froh, dass

er endlich wieder Eishockey spielen

kann. „Ich freue mich auf den Start

meiner Karriere in Europa“. Die

lange andauernsoll.

FUSSBALL

Bundesliga, 8. Spieltag

Eintracht Frankfurt−Leverkusen Fr., 20.30

RB Leipzig −VfL Wolfsburg Sa., 15.30

SV Werder Bremen−Hertha BSC Sa., 15.30

Düsseldorf−Mainz 05 Sa., 15.30

FC Augsburg−München Sa., 15.30

Union Berlin −SCFreiburg Sa., 15.30

Bor.Dortmund−Mönchengladbach Sa., 18.30

1. FC Köln −SCPaderborn So., 15.30

Hoffenheim −FCSchalke04 So., 18.00

1 Mönchengladbach 7 15: 6 16

2VfL Wolfsburg 7 10: 4 15

3München 7 20: 8 14

4SC Freiburg 7 15: 7 14

4 RB Leipzig 7 15: 7 14

6FC Schalke04 7 14: 7 14

7 Leverkusen 7 12: 8 14

8Borussia Dortmund 7 19: 11 12

9 Eintracht Frankfurt 7 11: 10 11

10 Hertha BSC 7 12: 12 10

11 SV Werder Bremen 7 12: 16 8

12 Hoffenheim 7 6: 11 8

13 FSV Mainz 05 7 7: 17 6

14 FC Augsburg 7 8: 19 5

15 Düsseldorf 7 9: 14 4

16 Union Berlin 7 6: 13 4

17 1. FC Köln 7 5: 16 4

18 SC Paderborn 7 9: 19 1

2. Bundesliga, 10. Spieltag

Greuther Fürth −Dynamo Dresden Fr., 18.30

ErzgebirgeAue−Nürnberg Fr., 18.30

Regensburg −Sandhausen Sa., 13.00

FC St. Pauli−Darmstadt 98 Sa., 13.00

SV Wehen−Heidenheim Sa., 13.00

VfB Stuttgart−Kiel So., 13.30

Hannover96−VfL Osnabrück So., 13.30

VfL Bochum −Karlsruher SC So., 13.30

1 Hamburger SV 9 21: 7 20

2VfB Stuttgart 9 15: 9 20

3 Arminia Bielefeld 9 20: 11 18

4 ErzgebirgeAue 9 14: 13 15

5 FC St. Pauli 9 14: 12 13

6 Nürnberg 9 15: 14 13

7 Heidenheim 9 15: 13 12

8 Sandhausen 9 10: 10 12

9 Karlsruher SC 9 13: 15 12

10 Regensburg 9 17: 14 11

11 Hannover96 9 10: 14 11

12 Greuther Fürth 9 9: 14 11

13 VfL Osnabrück 9 10: 9 10

14 Dynamo Dresden 9 12: 18 9

15 VfL Bochum 9 16: 19 8

16 Kiel 9 10: 14 8

17 Darmstadt 98 9 9: 13 8

18 SV Wehen 9 13: 24 7

3. Liga, 12. Spieltag

Duisburg −Kaiserslautern

Fr.,19.00

Braunschweig−Unterhaching Sa., 14.00

Preußen Münster −Großaspach Sa., 14.00

Ingolstadt−Chemnitzer FC Sa., 14.00

München−KFC Uerdingen Sa., 14.00

Magdeburg −Hansa Rostock Sa., 14.00

SV Waldhof Mannheim −Hallescher FC Sa., 14.00

FSV Zwickau −BayernMünchen II So., 13.00

FC CZ Jena −Würzburger Kickers So., 14.00

SV Meppen −Viktoria Köln Mo., 19.00

1 Unterhaching 11 19: 14 22

2 Hallescher FC 11 21: 10 21

3 Braunschweig 11 20: 14 20

4 Duisburg 11 24: 18 19

5 SV Waldhof Mannheim 11 20: 12 18

6 Ingolstadt 11 21: 14 18

7 Viktoria Köln 11 22: 19 18

8 Bayern München II 11 21: 20 17

9 Magdeburg 11 17: 10 16

10 Hansa Rostock 11 14: 13 16

11 FSV Zwickau 11 17: 15 15

12 Würzburger Kickers 11 19: 28 15

13 SV Meppen 11 21: 16 14

14 München 11 15: 18 14

15 Kaiserslautern 11 18: 23 13

16 KFC Uerdingen 11 12: 17 13

17 Großaspach 11 13: 25 11

18 Pr.Münster 11 16: 21 10

19 Chemnitzer FC 11 15: 21 9

20 FC CZ Jena 11 8: 25 1

Regionalliga, 12. Spieltag

RW Erfurt−Bischofswerda Fr., 19.00

Rathenow−Dynamo Sa., 13.30

Lichtenberg 47 −Viktoria Sa., 13.30

Meuselwitz−Berliner AK Sa., 13.30

Auerbach −Nordhausen Sa., 13.30

Altglienicke−Halberstadt Sa., 13.30

Cottbus −Chemie Leipzig So., 13.30

Hertha II−Fürstenwalde So., 13.30

Lok Leipzig −Babelsberg So., 13.30

1 Hertha II 11 38: 15 25

2 Altglienicke 11 30: 13 25

3 Lok Leipzig 11 19: 13 22

4 Nordhausen 11 25: 16 20

5 Cottbus 11 30: 22 20

6 Fürstenwalde 11 17: 11 17

7 Viktoria 10 10: 6 15

8Dynamo 11 12: 18 15

9 Berliner AK 11 18: 18 13

10 Meuselwitz 10 16: 16 12

11 Chemie Leipzig 11 12: 14 12

12 Lichtenberg 47 11 9: 11 12

13 Halberstadt 11 16: 19 11

14 RW Erfurt 11 12: 16 11

15 Auerbach 11 18: 26 11

16 Babelsberg 11 12: 19 8

17 Rathenow 11 8: 23 8

18 Bischofswerda 11 11: 37 5

DerRegionalliga-Meister Nordost spielt im Play-off gegen den Regionalliga-MeisterWest

um den Aufstiegindie Dritte Liga. Die drei anderen Regionalliga-Meister

steigen direktauf.


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 – S eite 20 *

·························································································································································································································································································

Sport

Jubelarie: In der Champions League hat der Kantersieg des FC Bayernbei Tottenham Hotspur die dürftigen internationalen Aufritte anderer Bundesligisten übertüncht.

GETTY IMAGES/IVILL

Revolution nicht ausgeschlossen

Die Sportdirektoren der Bundesligisten sehen die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs in Gefahr.Sie suchen nach Denkanstößen –als nächstes in den USA

VonFrank Hellmann

Vermutlich könnten es die

Sportchefs, Sportdirektoren

und Sportvorstände

der Bundesligisten nie so

deutlich sagen, wie wichtig ihnen die

Länderspielpausen im September

und Oktober sind. Endlich einmal

durchschnaufen, Handy abschalten

und ein paar Tage in den Urlaub fahren.

Das Nonstop-Business erlaubt

sonst kaum Atempausen. Umso bemerkenswerter

war ja, dass der

Deutsche Fußball-Bund (DFB) im

September zu seiner ersten Innovationswoche

nach Hamburg geladen

hatte. Danach folgten weitere Gespräche,

ehe jetzt verkündet werden

konnte, dass 16 Führungskräfte Anfang

Dezember eine viertägige Reise

in die USA unternehmen. Organisiert

wird der Trip nach San Francisco

von der DFB-Akademie, angeführt

vom Direktor Oliver Bierhoff

und Akademieleiter Tobias Haupt.

Dabei sein sollen Sebastian Kehl

(Dortmund), Fredi Bobic (Frankfurt),

Markus Krösche (Leipzig), Rouven

Schröder (Mainz), Jochen Saier

(Freiburg), Simon Rolfes (Leverkusen)

oder Jörg Schmadtke (Wolfsburg),

dazu Thomas Hitzlsperger

(Stuttgart) und Marcell Jansen

(Hamburg) als Repräsentanten

zweier gefühlter Bundesligisten.

Besuche bei den Golden State

Warriors (Basketball) und San Francisco

49ers (American Football),

Stippvisiten an der Stanford University

und Startup-Unternehmen stehen

an. „Es geht darum, wie Leadership

und modernes Management interpretiert

werden, welche Trends

und Technologien es gibt, wie die Digitalisierung

beispielsweise auch

den Fußball verändern könnte“,

sagte Bierhoff im Magazin Kicker.

Dass sich die Entscheider abseits

„der großen Herausforderungen des

Alltags“ dafür Zeit nähmen, zeige

doch, „dass sich alle Gedanken über

die Zukunft machen“. Denn die

wirkt abgesehen von einem Toptalent

wie KaiHavertz (20, BayerLeverkusen)

eher düster. Bierhoffs Botschaft:

Die große Flaute im Nachwuchsbereich

kommt erst noch.

Der 51-Jährige hatte beim DFB-

Bundestag für sein „Projekt Zukunft

–Für die Weltmeister von Morgen“

mit aufrüttelndenWorten geworben.

Auftakt: BayerLeverkusen

und Eintracht Frankfurtmachen

mit ihrem Duell an diesem

Freitag den Anfang nach

der Länderspielpause. Es ist

die Begegnung des Tabellensiebten

gegenden -neunten

an diesem achten Spieltag.

DFL und DFB wollen mit der ersten

Fortbildungsreise gemeinsam Taten

folgen lassen. DieDFL hat erst kürzlich

die Kommission Fußball vorgestellt,

der Hasan Salihamidzic (FC

Bayern), Frank Baumann (Werder

Bremen) oder Max Eberl (Borussia

Mönchengladbach) angehören.

Spätestens, wenn 2021 die neue

Akademie in Frankfurt fertig ist, soll

ein Rädchen ins andere greifen. Bis

dahin braucht es möglichst viele

Doppelpässe zwischen Liga undVerband.

Den Fußballlehrern sollen

DIE LIGA STARTET DURCH

Auftrag: Die Leverkusener

wollen an die Tabellenspitze

vorrücken, zumindest Zeitweise.

Vorihnen liegen Gladbach

(16 Punkte), Wolfsburg

(15), Bayern,Freiburg Leipzig

und Schalke, die wie

Bayer14Punkte haben.

Aufschlag: Leverkusen hat

den Vertrag mit Mittelfeldspieler

Julian Baumgartlinger

vorzeitig Verlängert.Der Kapitän

der österreichischen

Nationalmannschaft bleibt

ein weiteres Jahr bis zum 30.

Juni 2021 bei Bayer.

künftig andere Kompetenzen

schwerpunktmäßig vermittelt werden,

sagt Bierhoff. Es soll hinterfragt

werden, „ob das, was wir machen,

noch sinnvoll ist“.

Um die Bolzplatzmentalität zurückzugewinnen,

könnte es noch zu

Revolutionen im Jugendbereich

kommen. Der Direktor regte sogar

eine Aufspaltung der Dritten Liga in

zwei oder drei Staffeln an, um mehr

jungen Spielern den Durchbruch zu

ermöglichen. Aber liegt hier wirklich

das Problem?

Unmittelbar nach dem WM-Debakel

hatten führende Köpfen, angetrieben

vom obder internationalen

Wettbewerbsfähigkeit zunehmend

besorgten DFL-Chef Christian Seifert,

in Frankfurt beraten. Mit dem

tatendurstigen Seifert scheint ein

Ideengeber gefunden zu sein, dem

gerade die jüngeren Macher derLiga

gerne folgen. Die Fragestellung lautet

für den 35-Jährigen: „Was muss

sich verändern imdeutschen Fußball,

damit wir es zurück in die Weltspitzeschaffen?“

Wieweit die Nationalelf

noch von diesem Anspruch

entfernt ist, hat die einfallslose erste

Halbzeit in Estland offenbart, doch

Hauptthema waren danach die Likes

vonIkay Gündogan und Emre Can.

Bundestrainer Joachim Löw findet,

dass zu wenig über Fußball geredet

wird. Dass er mitdem Niveau der

Bundesliga an den ersten sieben

Spieltagen nicht einverstanden ist,

deutet der 59-Jährige nur subtil an.

Zu groß ist die eigene Baustelle mit

seiner unfertig wirkenden DFB-Auswahl.

Doch auch die Europapokalwettbewerbe,

die in der kommenden

Woche weitergehen, lassen keine

Besserung erkennen: In der Champions

League übertünchte der Kantersieg

des FC Bayern beim Vorjahresfinalisten

Tottenham Hotspur die

Heimniederlagen von Bayer Leverkusen

und RB Leipzig gegen LokmotiveMoskaubeziehungsweise

Olympique

Lyon; inder Europa League

hat sich Borussia Mönchengladbach

gegen den Wolfsberger AC blamiert,

Eintracht Frankfurt unterlag einer

besseren B-Elf vonArsenal.

Dessen Baumeister Bobic hat die

Fahndung nach entwicklungsfähigen

Spielern fast ausnahmslos ins

Auslandverlagert. Derpragmatische

47-Jährige („Ich glaube, dass es eine

gewisse Durststrecke geben wird“)

hat voreinem Jahr das Scheiternder

deutschen Nationalmannschaft in

Russland gleich als Chance für einen

Neuanfang ausgemacht. Dass es dafür

bald über den großen Teich geht,

freut einen ausgewiesenen Fan des

US-Sports übrigens ganz besonders.

FrankHellmann

erkennt ein Umdenken bei

den Fußball-Bossen.

Der vierte Mann

Beim 1. FC Union droht nach den Trainingsverletzungen von Suleiman Abdullahi und Sheraldo Becker,ein Notstand auf dem rechten Flügel auszubrechen

VonMathias Bunkus

Hallo? Eine mit unverkennbar

schweizerischem Akzent geprägte

Interjektion hallte auf einmal

durch den Raum. Die obligatorische

Pressekonferenz war da längst vorbei,

selbst das immer hinterher angesetzte

TV-Interview mit Reportern

des rbb war längst im Kasten. Und

doch drängte es Urs Fischer noch

einmal zurück in den Medienraum

im Stadion An der Alten Försterei.

„Hallo?“, schallte es ein zweites Mal,

als der Schweizer sich durch die Tür

schob und versuchte, den dort noch

beim Plausch verweilenden Reportern

ein „Wir sollten Flecker nicht

vergessen“ noch näher zu bringen.

Wasimersten Moment verwundern

mag, schließlich spielt der Zugang

vom österreichischen Erstligisten

TSVHartbergbislang keine wirkliche

Rolle bei den Köpenickern, hat

einen ernsten Hintergrund. Denn

dem 1. FC Union drohen beim Spiel

gegen den SC Freiburg am Sonnabend

(15.30 Uhr) die Flügelstürmer

auszugehen. Zumindest die, die auf

der rechten Seite agieren.

Blessuren am Donnerstag

nicht so im Raum stehen

lassen. Er brachte den Dänen

Marcus Ingvartsen ins

Spiel, der bei Union bislang

eher als falscher Zehner

hinter der Spitze agiert hatte. Er

verwies auf Marius Bülter und Joshua

Mees. Bülter hat in Magdeburg

gefühlt ja alle Positionen bis auf Torwart

und Innenverteidiger durch,

Mees –obwohl von Haus aus Linksßend

zum Arzt. Wieschwerdie Blessur

ist, konnte Urs Fischer noch

nicht verraten. „Wir müssen erst die

Untersuchungen abwarten“,

meinte der 53-Jährige.

Zwischen den Zeilen

herauszuhören war aber,

dass er bei dem Duo eher

auf Beckers Genesung bis

Sonnabend setzen würde.

Nun kann man bislang

nicht gerade behaupten,

dass der Niederländer im

ersten Saisonviertel übermäßig

beim Aufsteiger

reüssiert hätte, aber dass seine Geschwindigkeit

eine potenzielle Waffe

ist, war schon zu erkennen. Müssen

beide verzichten, sieht sich Fischer

zum Handeln gezwungen, da die natürliche

Alternative Akaki Gogia ja

Angeschlagen:

Sheraldo Becker

Für gewöhnlich tummelt sich da

Sheraldo Becker.Auch Suleiman Abdullahi

kommt bevorzugt über die

rechte Seite. Letzterer hatte sich gerade

von einer mehrwöchigen Verletzung

erholt, da erwischte es ihn

am Donnerstag im Geheimtraining.

Auch Becker brach die Übungseinheit

am Donnerstag vorzeitig ab,

musste wie der Nigerianer anschliemit

einem Kreuzbandriss verhindert

ist.

Es erscheint ein bisschen wie ein

Treppenwitz, dass bei einem

derart großen Kader,

wie es das 33-Mann-Ensemble

der Köpenicker

nun einmal ist, eine solche

Vakanz entstehen kann.

Fischer wollte diese

GETTYIMGAES/BONGARTS

fuß –ist in Spielen oft auch auf der

anderen Seite in Aktionen zu sehen.

„Wir haben schon noch Alternativen“,

meinte Fischer,eher er sich der

nächsten Frage zuwandte und dabei

eben Flecker –den vierten Mann –

nicht explizit erwähnte. Angesichts

der allgemeinen Sensibilität der modernen

Kicker-Seelchen mit all ihren

Befindlichkeiten fast ein Fauxpas,

den Fischer hinterher noch eilends

zu reparieren gedachte. Nicht, dass

sich am Ende einer in seiner Ehre

verletzt fühlt.

Wieder mit Dreierkette

Zu seiner Verteidigung sollte hier angefügt

werden, dass selbst die Journalisten

an dieser Stelle ein Nachhaken

nicht für nötig hielten. Dort interessierte

vielmehr,obFischer auch

gegen den Sport-Club aus Freiburg

an seiner zuletzt in Wolfsburg (0:1)

und auch beim Test gegen Dynamo

Dresden (0:0) zum Einsatz gekommenen

Dreier-Kette in der Abwehr

festzuhalten gedenkt. „Ich glaube,

ich habe nie einen Hehl daraus gemacht,

dass wir versuchen sollten,

insgesamt variabler zu sein. Ich

glaube auch, dass Dreierkette −oder

soll ich sagen Fünferkette −für uns

eine gute Lösung ist. Das hat nicht

immer nur mit dem Gegner zu tun,

sondern ich glaube auch, dass es

wichtig ist, auf sich selber zu

schauen, ob sich die Mannschaft

darin wohlfühlt“, so der Fußballlehrer.

So schlecht habe das ja gegen

Wolfsburg nicht ausgesehen. „Ich

glaube schon, dass es ein gute Möglichkeit

ist, so ein Spiel anzugehen.“


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 – S eite 21 *

·························································································································································································································································································

Feuilleton

“Der zweite Schlaf“ –

der neue Thriller

von RobertHarris

Seite 22

„Ich verstehe mich eigentlich nicht als Sängerin.“

Die Postpunk-Ikone Kim Gordon im Gespräch mit Markus Schneider Seite 23

Kunst und Kolonialismus

Stellt sie

ins Netz

Nikolaus Bernau

findet, Museen sollten sich

vomperfekten Inventar lösen.

Die Frage, was mit zu Zeiten der

Kolonialherrschaften von Museen

erworbenen Objekten geschehen

soll, bewegt weiter Forschung

und Politik. Am Mittwoch wurde bekannt,

dass eine „Kontaktstelle für

Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“

entstehen soll. Sie wird an

die Kulturstiftung der Länder angedockt,

die vonBerlin aus Projekte organisiert,

mit denen einzelne Bundesländer

überfordert wären. Politisch

kann das Thema im eifersüchtigen

deutschen Kulturföderalismus

kaum ranghöher montiertwerden.

Trotzdem kritisieren nun 150

Forscher und Künstler um die Paris-

Berliner Kunsthistorikerin Benedicte

Savoy, dass diese Kontaktstelle

viel zu wenig sei. Sie fordern, dass

„die Museen“ –Generalisierung ist

eines der Grundübel der Debatte –

„unbeschränkten und unkontrollierten“

Zugang zu den Inventaren

geben sollten. Dabei kann in

Deutschland eine solche Zugangsverweigerung

zu Archiven und Depots

gar nicht festgestellt werden.

Was heißt „unkontrolliert“ – darf

nicht einmal ein Archivar oder eine

Kustodin dabei sein, um den konservatorisch

korrekten Umgang mit

dem Welterbe zu sichern?

Es ist doch eher so,dass übertriebener

Perfektionsdrang herrscht.

Das Berliner Ethnologische Museum

und das Geheime Staatsarchiv

etwa wollen Inventare und Akten

aus der Kolonialzeit nicht nur

digitalisieren, sondern auch noch

übersetzen. Wenn sie die Objekte

nur fotografierten und die Akten

dazu abschrieben, wäre der Forschung

viel schneller gedient.

Zweifellos,solche Not-Veröffentlichung

der Inventare wäre nicht

mit den Standards vergleichbar, die

Museen an ihre Sammlungskataloge

anlegen. Es gäbe reichlich Informationslücken.

Aber das ist eher

akzeptabel als der Generalverdacht

gegenüber den Museen. Er verhärtet

nur die Fronten, bringt aber keinerlei

neue Erkenntnisse zur Kolonialzeit

und ihrem Erbe.

Als Mandela noch Rolihlahla hieß

Eine Ausstellung im Bikini-Haus rekonstruiert die Lebensgeschichte des südafrikanischen Präsidenten

VonSusanne Lenz

Nelson Mandela ist so vieles

gewesen – Aktivist,

Gefangener, Verhandlungsführer

und Staatsmann.

Zudem war sein Leben derart

verwoben mit der Entwicklung seines

Landes Südafrika, dass es eine

Herausforderung ist, dieses in eine

Ausstellung zu fassen. Um es vorweg

zu sagen: Dieser gelingt es trotz

mancher Schwächen, weil sie den

gütigen, würdevollen Mensch als Inspiration

präsentiert –und was ist

das für eine hoffnungsvolle Botschaft

in diesen Zeiten.

Zellenschlüssel vonRobben Island

Nelson Mandela mit einem Leoparden-Kopfschmuck der Xhosa.

Mandela: The Official Exhibition

ist eine weltweit tourende

Ausstellung.Nach ihrer

ersten Station in London

ist sie vom19. Oktober bis

15. März 2020 im Bikini-

Haus in Berlin zu sehen.

DIE AUSSTELLUNG

Nach der Tour wird die Ausstellung

in Mvezo, Mandelas

Geburtsort, installiert. EinTeil

der Ausstellungserlöse geht

an den Mvezo Development

Trust, um Entwicklungsprogrammezuunterstützen.

Öffnungszeiten: Mo-Sa

10–20 Uhr,So11–18 Uhr,

Tickets: Wochenende Erwachsene:

17,50 Euro, Kinder

(6–14 Jahre): 14,50

Euro. Unter der Woche

15,50 Euro/12,50 Euro

IMAGO

Beigetragen haben zu dieser Ausstellung

viele, Zelda la Grange etwa,

Mandelas persönliche Referentin

während seiner Jahre als Präsident,

oder Christo Brand, sein Wärter auf

der Gefängnisinsel Robben Island,

der den Zellenschlüssel zur Verfügung

gestellt hat. Aber maßgeblich

Einfluss genommen hat vor allem

Nelson Mandelas Enkelsohn Nkosi

Zwelivelile Mandela. Ihm war es

wichtig, einen Schwerpunkt auf die

Herkunft seines Großvaters zu legen

und seine frühen Jahre, in denen er

noch den Namen Rolihlahla trug.

Nelson nannte ihn erst später eine

Grundschullehrerin. Das erste Ausstellungsstück

ist ein Kopfschmuck

aus Leopardenfell, der auch auf dem

nebenstehenden Foto zu sehen ist.

Einst trug ihn Mandelas Vater,

Häuptling vonMvezo Komkhulu, bis

der weiße Magistrat ihm den Titel

entzog. Der Enkel bekam ihn 2007

wieder,Mandela hat es noch erlebt.

Auf dem 1938 aufgenommenen

Klassenfoto im Healdtown Methodist

College trägt er dagegen Anzug

und Krawatte so wie alle anderen

Studenten. Die einzigen Weißen auf

dem Bild sind die Lehrer.

Kleidung spielt immer wieder

eine Rolle –inMandelas Leben und

auch in dieser Ausstellung. Manchmal

war das, was er trug, ein politisches

Statement. Überlebensgroß ist

die Reproduktion des Schwarz-

Weiß-Fotos,das Mandela am 22. Oktober

1962 zeigt, an seinem ersten

Tagvor Gericht, das ihn zu lebenslanger

Haft verurteilte. Erträgt die

traditionelle Kleidung der Xhosa, ein

machtvolles Statement in einer kolonial

geprägten Gesellschaft. So

machtvoll, dass das Tragen traditioneller

Kleidung bei Gericht daraufhin

verboten wurde. Dann kommt

schon der grüne Overall, den Mandela

bei der Arbeit im Kalksteinbruch

auf Robben Island trug. Das

Batikhemd in dem man ihn in seinen

letzten Jahren oft sah, hängt im letzten

Raum.Eskommt zwar aus Indonesien,

begründete aber wenigstens

in Afrika einen Modetrend.

Vibrierender Polizeiknüppel

Die Ausstellung, die chronologisch

mithilfe von Texttafeln, Artefakten,

Fotos und Videos durch Mandelas

Leben führt, ist für Jugendliche gut

geeignet, denn es wirdwenig vorausgesetzt.

EinkurzesVideo im Eingang

schildert das Leben unter der Apartheid,

Fotos zeigen besonders demütigende

Auswüchse dieses Systems.

Das Schild mit der Aufschrift: „Caution

Beware ofNatives“ etwa, Vorsicht

vorden Eingeborenen, oder die

Bushaltestelle „Nur für Eingeborene“,

unter der ein elegant gekleidetes

Paar wartet. Aber vorallem gibt es

Spielereien, die jüngere Besucher

ansprechen wie eine Holzbank mit

der Aufschrift „Europeans only“.

Kaum hat man darauf Platz genommen,

erklingen aus einem versteckten

Lautsprecher die Stimmen von

Südafrikanern, die erklären, welche

Rechte ihnen das Apartheid-System

versagt. Das Recht zu wählen, das

Recht auf freie Schulwahl, auf Freizügigkeit.

Oder der Polizeiknüppel

unter einer Aufnahme des Massakers

von Sharpville im Jahr 1960, bei

dem 69 Demonstranten erschossen

wurden. Berührtman ihn, vibrierter

zu den hörbaren Schüssen.

Wasden Besuch der Ausstellung

beeinträchtigt, ist die Geräuschkulisse.

Die Tonspuren der zahlreichen

Videos kommen alle über Lautsprecher

–eine Kakophonie.Die Aufnahmen

selbst aber sind höchst bewegend.

Zu sehenist daserste Fernsehinterview,das

Mandela 1961 gab,als

er auf der Flucht vor der Polizei im

Versteck lebte. Oder das Video anlässlich

der ersten freien Wahlen in

Südafrika, in dem einer der Interviewten

von den toten Kämpfern

spricht, die diesen Tagnicht mehr erleben.

„Sie können nicht mehr in

dieses gelobte Land, aber wir sind

jetzt da.“

NACHRICHTEN

Elíasson-Kunst für deutsche

EU-Ratspräsidentschaft

DerinBerlin lebende Island-Däne

Ólafur Elíasson, 52, wirdzur deutschen

EU-Ratspräsidentschaft am

Sommer 2020 ein Kunstwerkentwickeln.

„Vor allem seine Auseinandersetzung

mit Demokratie,der Natur

und den Folgen des Klimawandels

trifft den zentralen Nerv unserer Gesellschaften“,

so Außenminister

Heiko Maas (SPD) zum Auftrag. Das

Goethe-Institut begleitet das Projekt.

Elíasson sagte,seine Arbeit richte

sich an Kinder und Jugendliche und

werdemit ihnen gemeinsam entwickelt.

(BLZ/dpa)

Berliner Gedenktafel für

Selman Selmanagic

DerArchitekt Selman Selma

nagic (1905–1986) wirdmit einer Gedenktafel

in Berlin gewürdigt. Damit

ehrtdie Senatskulturverwaltung einen

der „bedeutendsten Designer

der DDR“, wie es in der Mitteilung

vomDonnerstag heißt. Selmanagic

studierte am Bauhaus in Dessau.

Er entwarfbeispielsweise die

ersten Sitzmöbel aus gepresstem

Holzfurnier.Bis 1970 war er Professor

für Bau- und Raumgestaltung an

der Kunsthochschule Weißensee.

DieTafel wirdandem vonihm entworfenen

Anbau der Kunsthochschule

an der ehemaligen Trumpf-

Schokoladenfabrik angebracht. Enthüllt

wirdsie am 23. Oktober. (dpa)

Kein „Jugendwortdes

Jahres“ 2019

DieWahl zum „Jugendwortdes Jahres“

fällt in diesem Jahr aus.Das bestätigte

der Leiter des Pons-Verlags,

ErhardSchmidt, der Deutschen

Presse-Agentur.Jahrelang hatte der

Langenscheidt-Verlag in München

das Jugendwortgesucht, um damit

Werbung zu machen für sein Lexikon

„100 Prozent Jugendsprache“. Er

kürte Wortschöpfungen wie „Smombie“,

ein Kunstwortaus Smartphone

und Zombie.Indiesem Frühjahr

hatte der zur Klett-Gruppe gehörende

Pons-Verlag in Stuttgartdie

MarkeLangenscheidt und die dazugehörigen

Produkte übernommen

und das Lexikon vorerst aus dem

Programm gestrichen. (dpa)

UNTERM

Strich

Altstadt

Berlins

erstes Haus

VonFalkoHennig

Als ältestes noch existierendes Haus Berlins

gilt das Ribbeckhaus in der Breiten

Straße aus dem Jahr 1624. Das ist falsch,

denn noch bis 1710 befand sich die Breite

Straße nicht in Berlin, sondern ineiner eigenständigen

Nachbarstadt von Berlin namens

Kölln. Auch wenn man großzügig das

älteste noch stehende Haus in den heutigen

Grenzen von Berlin meint, ist es nicht das

von Hans Georg von Ribbeck erbaute Gebäude,

denn das Gotische Haus in Spandau

etwa ist deutlich älter. Eswurde bereits um

1450 errichtet, vermutlich von einem Kaufmann.

Genau genommen ist das um 1760 im

Spätbarock erbaute Knoblauchhaus das älteste

noch existierende Wohnhaus Berlins,

dicht gefolgt vomEphraim-Palais.Die Familie

Knoblauch stammte aus Kaschau und

Pressburg inOberungarn. Johann Heinrich

Knoblauch kam im 17. Jahrhundert als

Drahtzieher zu großem Wohlstand, musste

aber wegen seines evangelischen Glaubens

aus dem katholischen Ungarnnach Heegermühle

fliehen. Sein Enkel Johann Christian

Knoblauch kam 1738 zum Nadlermeister

Göricke nach Berlin, erwarb 1750 das Berliner

Bürgerrecht und wurde selbstständiger

Nadlermeister. Je mehr Karabinerhaken,

Ösen, Ketten und Kokadendrähte Preußens

Heer brauchte, umsomehr Geld verdiente

Knoblauch und im Siebenjährigen Krieg

HENDRIK JONAS

konnte er sich 1759 das Grundstück an der

Nikolaikirche kaufen und das darauf stehende

Fachwerkhaus abreißen lassen.

Das daraufhin errichtete barocke Haus

fällt bis heute durch seine drei frei stehenden

Fassaden und die im unteren Bereich abgeknickten

Dachflächen auf. Sehr ungewöhnlich

für Berlin ist die leich konvex abgewinkelte

Front zur Poststraße mit Mittelrisalit.

Knoblauch erbte den Grundbesitz, er war

Stadtrat und Abgeordneter des kurmärkischen

Landtages.Seine Denkschrift über die

Neuordnung der Gewerbeordnung brachte

ihm die Bekanntschaft mit Freiherrn vom

Stein ein. Dazu wirkte er als Vorstand und

Schatzmeister des Vereins der Kunstfreunde.

Die Familie Knoblauch stieg von

der Metalltechnik auf Textil-und Seidenproduktion

um, auch bei den Stoffen war das

Heer der größte Abnehmer. Der Laden für

die eigene Produktion importierte Textilien

lag im Erdgeschoss des Hauses. 1806 wurde

es umgebaut und bekam eine klassizistische

Fassade mit einem Rankenfries unter der

zweiten Etage,die bis heute zu sehen ist.

Viele wichtige Menschen, nicht nur aus

Berlin, waren zu Gast im Knoblauchhaus,

unter anderem Humboldt, Schinkel, Tieck,

Rauch, Schadow, Schleiermacher, Scharnhorst

und Begas. Besonders im 19. Jahrhundertbrachte

die Familie Knoblauch viele Persönlichkeiten

hervor, so den Architekten

Eduard Knoblauch, von dem die Neue Synagoge

in der Oranienburger Straße stammt.

Louis Knoblauch war 1870 der Gründer

des modernen Böhmischen Brauhauses am

Friedrichshain und war der erste Fahrer eines

Kraftwagens von Daimler in Berlin. Als

das Nikolaiviertel im Zweiten Weltkrieg zerbombt

wurde, blieben vier Häuser verschont,

eines davon war das Knoblauchhaus.

Wegen der Wohnungsnot kamen in

jede Etage drei Mietwohnungen, deren Bewohner

sich eine Toilette im Treppenhaus

teilen mussten. Heute ist das wichtige Gebäude

ein Museum über die Knoblauchs

und das Leben im Biedermeier bei freiem

Eintritt zu besichtigen.


22 * Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Feuilleton

Frankfurter Buchmesse

Waspassiert nach dem Weltuntergang? Der Bestsellerautor Robert Harris hat seine düstere Zukunftsvision in einen Thriller gepackt.

Mircea Cartarescu findet magnetische Kräfte in Bukarests Boden, er lässt seine Helden und Gedanken schweben.

Wesentliche

Fragen

des Klimas

Für die Meinungsfreiheit

und das Leben auf der Erde

Ein iPhone

im

Mittelalter

Robert Harris’ Dystopie

„Der zweite Schlaf“

VonCornelia Geißler

Es regnet nicht in Frankfurt am

Main, doch auf der Agora, dem

Freiglände zwischen den Messehallen,

spannen am Donnerstagmittag

ein paar Dutzend Menschen Regenschirme

auf. Einige sind gelb, die

meisten sind schwarz, tragen in Weiß

das Logo es Börsenvereins des Deutschen

Buchhandels und die Zeile

#FreeTheWords. Esist eine Solidaritätskundgebung

für den schwedisch-

Hongkonger Autor, Verleger und

Buchhändler GuiMinhai, der vorvier

Jahren während einer Reise in China

festgenommen wurde.

Der Börsenverein nutzt den

Schirm als Symbol der Hongkonger

Freiheitsbewegung. Die Informationen

über Gui Minhai sind spärlich,

das chinesische Fernsehen verbreitete

ein Geständnis von ihm in Zusammenhang

mit einem Autounfall.

Seine Tochter, inSchweden geboren

und aufgewachsen, wohin der Autor

1989 ins Exil ging, wurde gedrängt,

sich nicht mehr an die Öffentlichkeit

zu wenden. Doch als die US-amerikanische

Autorin Jennifer Clement

die provisorische Bühne neben dem

Lesezelt betritt, trägt sie eine Botschaft

von Angela Gui vor, esist ihr

Dank für diesen Protest.

Clement erklärtdas als selbstverständlich,

sie steht der Schriftstellervereinigung

PEN vor. Sogar Liao

Yiwu, der selbst vier Jahre inChina

inhaftiert war, ist gekommen. Und

der Börsenvereins-Geschäftsführer

Alexander Skipis sagt: „Nur wenn

wir uns für unsere freiheitlichen

Werte einsetzen, bleiben sie lebendig.“

Die Buchmesse ist stets auch

ein politisches Podium. Skipis fordert

von der deutschen Bundesregierung,

demokratische Wertenicht

wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen:

„Sie muss kompromisslos

Position für die Freiheit beziehen

– in China, in der Türkei, in

Saudi-Arabien und weltweit.“

Bitte nicht zu viel Papier!

Zuvor gab es im schönen Frankfurt-

Pavillon, der wie eine weiße Muschel

auf dem Gelände gestrandet ist, einen

Blick in die Zukunft. Das Team

für Gastlandauftritt 2020, Kanada,

stellte sich vor. Dessen Chefin sowie

die stellvertretende Ministerin für

Kulturerbe und auch drei zum Gespräch

eingeladenen Autoren wurden

nicht müde,die Vielfalt der Meinungen

und der Identitäten in ihrem

Land als Lebensmodell zu preisen.

Undwährend auf der Messe nicht

nur Bücher aus Papier überall stehen,

sondern auch viel bedrucktes

Papier vonund an Buchhändler,Verlagsleute,

Agenten verteilt wird, verließen

die Presseleute den Kanada-

Auftritt gerade mal mit einem Lesezeichen.

Darauf notiert ist der Internet-Link

zum Informationsmaterial.

Kanada verzichtet aus ökologischen

Gründen auf Pressemappen.

Ob das die deutsche „Fridays-for-

Future-Organisatorin“ Luisa Neubauer

mitbekommen hat? Seit Mittwoch

ist das Buch „Vom Ende der

Klimakrise“, das sie mit Alexander

Repenning geschrieben hat, im Handel.

Siehat lautVeranstaltungskalender

acht öffentliche Auftritte in diesen

Messetagen. Wer bietet mehr?

Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss,

dem in zwei Wochen der Büchnerpreis

überreicht wird. Die Literatur

ist eben auch wichtig hier.

Fußgängerzone im Bukarest der frühen Achtzigerjahre.

Wahrer als die Wirklichkeit

Und doch voller Träume und Fantastereien: Mircea Cartarescus Monumentalroman „Solenoid“

VonCornelia Geißler

Der Erzähler in diesem

Roman arbeitet als Lehrer

wie einst der Autor

selbst. Bukarest ist der

Handlungsort, wo Mircea Cartarescu

auch wohnt. Aber dass es sich

um ihn nicht handeln kann, wird

allein dadurch offenbar, dass der

namenlos bleibende Erzähler als

Schriftsteller bereits zu Beginn des

Romans sein Scheitern benennt.

Mircea Cartarescu, Jahrgang 1956,

jedoch gehörtseit seiner „Orbitor“-

Trilogie zu den Großen in Europa,

zuletzt vielfach als Nobelpreis-

Kandidat genannt.

DerRoman „Solenoid“ ist ein ungewöhnliches

Konstrukt mit einer

Vielzahl von Handlungsinseln, die

sich um „eine einzige Achse“ gruppieren:

Das Zuhause des Erzählers

und die Schule. Er umfasst in der

deutschen (von Ernest Wichner

übersetzten) Ausgabe 900 Seiten

dünnen Papiers,das an den Rändern

geschwärzt ist, sodass das Buch als

schwerer Klotz erscheint. Das passt

zur Erzählweise, zum Inhalt und

zum Titel. Denn bei einem Solenoid

handelt es sich um eine Zylinderspule

mit konstantem Magnetfeld.

Die frühe Kränkung

Nicht der Erzähler hat sich sein Zuhause

gesucht, das Haus in Form eines

Schiffs hat ihn sich ausgesucht.

Dass der Grund dafür der darunterliegende

Solenoid gewesen sein

muss, den der Vorbesitzer vergrub,

wird erst später klar. Dann nämlich,

wenn die Lehrerin Irina ihn besucht,

seine Kollegin, die ihn und sich beim

Sexzum Schweben bringt. Dank des

Magnetfeldes erlebt der Mann mit

ihr beglückende Szenen. Sonst

macht er viel Elend durch.

Zeitlich beginnt der Roman im

Bukarest der finsteren Jahre, Cartarescus

Erzähler wächst in einer Atmosphäre

alltäglicher Gewalt auf.

Geboren ist er als Zwilling, vermutlich,

mindestens als Bruder eines Kindes,das

nicht mehr da ist,„mit ihm ist

vielleicht der einzige Sinn, der einzige

Glanz, die einzige Schönheit, die einzige

Chance meines Lebens verschwunden“.

Die Mutter ignoriert

ihn, der Vater schlägt ihn, die Lehrer

sind bösartig, ständig lauert irgendwelches

medizinisches Personal mit

Spritzen. Als er ins grausam-strenge

„Präventionssanatorium“ kommt,

hat er keine Sehnsucht.

Der Erzähler schreibt also, in

seinem Haus hockend, von seiner

Kindheit. Er schreibt auch vonden

Kindern, die er als Rumänischlehrer

ander Allgemeinschule Nr. 86

in Bukarest täglich vor sich hat,

durch die er ständig neu von Läusen

befallen ist. Kleine Krabbeltiere

begleiten seinen Weg, Milben

Bremsen; „blinde Kerbtierchen“,

glaubt er, „sind wir allesamt“. Er

sammelt seine persönlichen

Dinge wie die Milchzähne, Fussel

aus dem Bauchnabel, seine Kinderfotos

und seine Ängste. Er

schreibt von seinen Kollegen, die

sich in unübersichtlicher Weise zu

vermehren scheinen. Sie sind ausgestattet

mit absonderlichen Eigenschaften,

die nur noch von

dem seltsamen Verhalten des

Hausmeisters übertroffen werden.

Und erzitiert inlangen Passagen

aus seinem Tagebuch, sein Leben

verdoppelnd.

Wie die Metallspäne, die Physiklehrer

zur Demonstration vonAnziehung

und Abstoßung um einen Magneten

auf ein weißes Blatt streuen,

so gruppiert Mircea Cartarescu die

Episoden um seine Daseins-Achse

Zuhause-Schule. Manche Erzählspäne

schließen aneinander an, andere

scheinen nichts mit denen davorund

danach zu tun zu haben, bis

man viele Kapitel später (insgesamt

sind es 51) auf einen Anschluss oder

eine Spiegelung stößt.

Urgrund der Schreibleidenschaft

des Erzählers ist eine frühe,

heftige Kränkung. Nach der Militärzeit,

die seine „Introvertiertheit

DAS BUCH

und Vereinsamung verzehnfacht“

aus der Kinheit und Jugend noch

hat, beginnt er glücklich Philologie

zu studieren. Am 24. Oktober 1977

trägt er in einem Literaturkreis an

der Universität sein erstes eigenes

Werk vor, das Poem „Der Niedergang“:

„Ich befand mich in meiner

Dichtung, die an die Stelle der Welt

getreten war“, schreibt er. Und genauer:„Ich

kreiste in seiner Spirale

in stets enger werdenden Krümmungen“

–als wäre dies ein Solennoid.

Er scheitert nach einer

Stunde des Vorlesens so erbärmlich,

als rissen die Zuhörer ihm „auf

der obersten Plattform des Tempels

das Herz aus dem lebendigen

Leib“. DasTrauma der Erniedrigung

kann er nie mehr überwinden.

Mircea Cartarescu:

Solenoid

Roman. Ausdem Rumänischen vonErnest Wichner.

Zsolnay, Wien 2019. 912 S.,36Euro

Die sichtbare Seite seines Lebens

sei die „allerunspektakulärste“,

räumt der Erzähler ein, doch befindet

er sich in ständiger Furcht,

„durchlebt die Angst des Blinden, die

Unruhe dessen, der nichts hört“.

Seine Wahrnehmung verändert die

Dinge um ihn her,führtindie vielen

einzelnen, oft fantastischen Geschichten,

seine Phantasmagorien

erwachsen aus Lektüre (Kafka,

Lautréamont, Sabato und Swift) und

aus dem Alltag in Bukarest, wo man

nach allem anstehen muss.

Der Erzähler wickelt den Leser

mit ultragenauen Beschreibungen

ein, fesselt seine Aufmerksamkeit.

Aber ist er denn vertrauenswürdig?

Schließlich kann er weder sagen,

ob sein Haus „Hunderte, Dutzende

oder Tausende Zimmer“

hat, noch warum er in der Schule

IMAGO

immer aufwärts steigt, wiewohl es

sich um ein einstöckiges Gebäude

handelt. Nach oben zieht ihn offenbar

der Solenoid, die Levitation

hat es Cartarescu angetan. Dann

gibt es Szenen, von denen man

wünscht, sie wären übertrieben,

die aber realistisch wirken, etwa

über den Sadismus der Lehrer an

seiner Schule: „Mit einem gut gezielten

Handrückenschlag schleuderte

man Rotz aus der Nase und

die Spucke aus dem Mund. Es

wurde an die Tafel gerufen und für

jeden Fehler ein Streich mit dem

Stromkabel über den Handrücken

verpasst. Der Zeigefinger würde

zwischen die Rippen gerammt.“

Die Unterscheidung zwischen

Traum und Wirklichkeit nennt der

Erzähler „zweideutig und irrelevant“

–und das gerade, nachdem er eine

Reihe von Träumen zitiert hat. Erfundenes

und Realität sind absolut

durchlässig in diesem Roman, gehen

ineinander über, das Fantasierte

kann genauso gut erlebt sein (wenn

auch, vielleicht, nur im Traum) und

das wie wirklich Beschriebene doch

nur vomSchriftsteller erfunden. Der

essenzielle Traum jedenfalls sei

„wahrer als die Wirklichkeit selbst“.

Ausder Welt fliehen

Er schreibt, sagt er früh schon, die

Sorte Buch, „die sonst niemand

schreiben würde“. Vierhundert Seiten

später erklärt er, ihm gefalle

„diese verzweifelte Geste, hier zu

schreiben“. Er tut dies ohne Konsequenzen,

anders als die „Fronarbeiter

der Literatur, gefangen im Spinnennetz

eines vonDünkel und Intrigen

beherrschten Literaturbetriebs“.

Da sind Jahre vergangen und viele

Hefte gefüllt. „Die Philosophen haben

die Welt nur verschieden interpretiert“,

zitiert er, und jeder der

Marx in der Schule oder im Studium

hatte,kann den Satz weitersprechen.

Cartarescus Ichaber bringt ihn so zu

Ende: „… es kommt aber darauf an,

aus ihr zu fliehen.“

So bitter, wie er hier klingt, muss

man nicht nur an all die beschriebenen

Kollegen denken, sondern auch

an Wolfgang Hilbigs Roman „,Ich‘“,

dessen beobachtendes und schreibendes

Ich infrage steht. Er habe

keine Leser, schreibt Cartarescus

Anti-Schriftsteller, deshalb habe er

„das unerklärliche Privileg, aus dem

Innern meines Manuskripts heraus

zu schreiben“. Dem Buch aber sind

Leser unbedingt zu wünschen.

VonSchayanRiaz

Man stellt sich oft die Frage, wie

künftige Generationen auf unsere

Welt blicken werden. Wie werden

sie dem Internet gegenüberstehen?

Wie werden sie unsere Haltung

gegenüber Naturkatastrophen oder

Kriegen analysieren? Undwerden sie

immer noch Autos fahren? Derbritische

Bestsellerautor Robert Harris

schafft in seinem neuen Roman„Der

zweite Schlaf“ eine atemberaubende

Zukunftsvision, die all diese Fragen

zu beantworten versucht. Er verortet

seine Handlung in einer mittelalterlichen

Gemeinde namens Addicott

St.George im Jahre1468. Washat das

mit der Gegenwartzutun? Harris hat

so einige Tricks auf Lager.

Derfrisch geweihte Priester Christopher

Fairfax wird nach Addicot St.

George geschickt, um den dortigen

Pfarrer Lacy, der überraschend ums

Leben gekommen ist, beizusetzen.

Nach nur wenigen Tagen wird dem

jungen Priester bewusst, dass der Tod

seines Glaubensbruders sicher kein

Unfall war. Erbeschließt zu bleiben,

um herauszufinden,

was geschehen

ist.

So weit hört

sich diese Einführung

von„Der

zweite Schlaf“

nach klassischem

Thriller

an. Doch die

erste Wendung

lässt nicht lange

auf sich warten.

Von da an liest

man alles mit

Staunen: Als Fairfax

Lacys Arbeits-

RobertHarris:

Der zweite Schlaf

Ausdem Englischen

vonWolfgang Müller.

Heyne, München

2019. 416 S.,

22 Euro

zimmer durchsucht,

stößt er

auf ihm unbekannte

Artefakte.Ein Gerät„lag ziemlich

schwer in seiner Hand und fühlte

sich angenehm solide an“, und als er

auf den Knopf auf der Vorderseite

drückt, passiertnichts.Dann dreht er

das Gerät um und „auf der Rückseite

prangte das endgültige Symbol für

die Hybris und Blasphemie der Vorfahren

–ein angebissener Apfel“. Jetzt

hat uns der Autor in seinen Bann gezogen.

EiniPhone im Mittelalter?

Es folgt ein weiteres Kunststück:

Fairfax findet einem Brief aus dem

Jahre 2022, in dem Wissenschaftler

vor einer möglichen Katastrophe

warnen, die das Ende der Menschheit

bedeuten könnte. Sie machen

sich Sorgen um die Umwelt, um

Atomkriege, umdie technologische

Abhängigkeit. Und spätestens jetzt

wirddem Leser klar,dass Fairfax sich

gar nicht wirklich im 15. Jahrhundert

befindet. Die Katastrophe, vor der

gewarnt wurde, ist irgendwann passiert.

Danach ist eine neue Zivilisation

auferstanden, mit einer neuen

Kalenderrechnung. Sie kennt keine

Elektrizität und keine Flugzeuge.Die

Kirche steht über allem. Der Szientismus

ist die größte Blasphemie.

Und wenn man auch nur Interesse

an der alten Zivilisation bekundet,

macht man sich strafbar.

Fairfax befindet sich deshalb in

einer so prekären Lage. Als Priester

möchte er seiner Kirche gehorchen,

gleichzeitig möchte er aber auch

mehr über diese alte Welt erfahren.

„Der zweite Schlaf“ ist eine Dystopie,

die im Kontext des Brexits an Bedeutung

gewinnt.


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Feuilleton

Peinlicher

Onkel auf

Drahtseil

Alex Cameron im Festsaal

Kreuzberg

VonJohannes von Weizsäcker

Das Publikum im Festsaal

Kreuzberg konnte am Mittwoch

schnell den Eindruck gewinnen,

es handele sich, bei dem, was

kommt, um eine Art Glam-Pop-Interpretation

von David Foster Wallaces

„Kurze Interviews mit fiesen

Männern“. Seit drei Alben schlüpft

Cameron in die Rollen doofer, tragischer,

ekliger Männer und gescheiterter

Entertainer, unterlegt

dies mit einem 80er-Jahre-Soft-

Rock, den ein peinlicher Onkel gut

finden würde –und stößt damit bei

den jungen Menschen auf erstaunliche

Resonanz.

Auch landete er mit seiner Perfomance

auf einer US-Arena-Tour der

Killers im Vorprogramm – deren

Bierwerbungs-Rolex-Mann und

Sänger Brandon Flowers hatte ihn

persönlich eingeladen. Eine schöne

Vorstellung, so ein Killers-Konzert

mit einer Persiflage seiner selbst zu

eröffnen.Wieman sich auch im Festsaal

vergewissern konnte, trägt Cameron

ein abgehalftertes Jacket,

tanzt einen verzweifelten Selbstermächtigungstanz

und wirkt dabei

dank seiner neuerdings nur noch

halblangen Haaren wie eine Kreuzung

aus Bryan Ferry und einem

Mann, der an der Haustür klingelt

und versucht, uns eine neue Doppelverglasung

zu verkaufen.

Kein Wunder, dass die jungen

Menschen im Festsaal begeistert jubelten!

Das lag nicht nur an Cameron

und seinen bei aller Satire doch

beachtlichen Radio-Songschreiberqualitäten,

sondern auch an seinem

verlässlich abstoßend behaarmatteten

„Business-Partner“ Roy Molloy

am Saxofon. Wie bei jedem Auftritt

rezensierte dieser auch hier seinen

Hocker. Ersei aus widerstandsfähigem

Aluminium gearbeitet, aber gut

zu bewegen, stabil und sehr pofreundlich,

4,5 von5Punkten!

Jede Pop-Performance ist

zwangsläufig ironisch, ob freiwillig

oder nicht –niemand kann eine ihrer

Natur nach derartalberne Sache wie

einen Popmusikauftritt absolvieren,

Ein bisschen BryanFerry warmit dabei:

Alex Cameron im Festsaal. ROLAND OWSNITZKI

ohne diese Albernheit irgendwie abzubilden.

So man dies denn bewusst

machen möchte –und das will Cameron

auf jeden Fall –begibt man

sich auf ein dünnes Drahtseil zwischen

Comedy und genuin beunruhigender

Ambivalenz.

Dank Songs wie „Bad for the

Boys“ über Männer, denen sexuelle

Belästigung vorgeworfen wird, oder

„The Comeback“, in welchem ein

kleingeistiger Musiker gegen Diebstahl

geistigen Eigentums vorgeht,

spürte man im Festsaal eine echte

Leidenschaft, die Cameron seinen so

bedauerns- wie verachtenswerten

Song-Alter-Egos einhaucht und die

sich offensichtlich auch aus einer eigenen

inneren Leidenswelt speist. So

bejubelte vielleicht auch so mancher

im Publikum die eigene Fähigkeit

zur Selbstreflektion: Wie jeder gute

Entertainer weiß auch Alex Cameron,

dass man das Publikum immer

auch sich selbst applaudieren lassen

muss –wie es auch die Protagonisten

seiner Songs tun.

Songs zum kuratierten Lifestyle

Einst war Kim Gordon die Ikone des Postpunk. Jetzt überrascht sie mit einem späten Debüt

VonMarkus Schneider

Ein Debütalbum mit 66 Jahren

klingt gewagt. Aber hier

handelt es sich um Kim

Gordon, die mit SonicYouth

seit Anfang der 80er-Jahre die Coolness

im Rock zwei Jahrzehnte lang

fast im Alleingang am Leben gehalten

hat. Ikonen halten länger.

Wobei Gordon keineswegs untätig

war, seit sich 2011 sowohl Band wie

auch ihre25-jährige Ehe mit dem Sonic-Youth-Gitarristen

Thurston

Mooreaufgelöst hat. Siehat sich seither

verstärkt der Kunstproduktion

zugewandt, die sie seit der Bandgründung

schleifen ließ, so hat sie 2019 im

Warhol Museum von Pittsburgh und

dem IMMA in Dublin ausgestellt. Zugleich

spielte sie aber auch mit Bill

Nace vier Langspieler als Body/Head

ein, und vonGlitterbust, ebenfalls ein

Duo mit dem Gitarristen Alex Knost,

veröffentlichte sie ein experimentelles

Ambientalbum.

Streng genommen ist „No Home

Record“ kein Alleingang. Sie hat das

abwechslungsreiche und kraftvolle

Album mit dem Produzenten Justin

Raisen in L.A. aufgenommen, der

mit Produktionen für den elektronischen

Avant-Pop von Yves Tumor

und Charli XCX einschlägig modische

Erfahrungen mitbringt.

„Stimmt, aber ich wollte einfach der

Plattenfirma etwas geben, das sie gut

vermarkten kann“ ,sagt sie mit Nonchalance

im Londoner Büro ihrer

Plattenfirma Matador.

DieAmbivalenz vonUnderground

und Markt prägt den Pop und auch

das postmoderne Spiel mit Zitaten,

Slogans,Genres,das bis in die Coverbilder

von Raymond Pettibone, GerhardRichter

und Mike Kelley Teil des

lärmigen Glamours SonicYouths war.

Wirbegegnen ihr auch in Sound und

Haltung von„No Home Record“. Der

Titel zitiertChantal Akermans experimentellen

Film „No Home Movie“

von2015, greift aber auch die aktuelle

Situation Gordons auf. Einst der Inbegriff

des NewYorker Postpunk war sie

in den 90er-Jahren mit ihrem Mann

und der gemeinsamen Tochter nach

Massachusetts gezogen. Nunlebt sie

wieder in Los Angeles, wo sie bildungsbürgerlich

aufwuchs und

Kunst studierte. „L.A. ist ein sehr

flüchtiger Ort“, sagt sie.„Auch voyeuristisch,

man nimmt die Dinge eher

aus der Distanz wahr. Aber ich mag,

dass man sich dabei verlieren kann,

nachdenken, während sich in New

York alles vordeiner Nase abspielt.“

Einer der eher gradlinigen Lärmrocker

des Albums heißt „Airbnb“,

und lebt voneinem sarkastisch-hymnischen

Tonfall, in dem sie die Sharing-Rhetorik

des Mietportals be-

Kim Gordon, 66, liefertein lässig,cooles Alterswerkab.

MATADOR/NATALIA MANTINI

„Die Songs entstanden zwar eher herkömmlich

aus verschiedenen instrumentalen Perspektiven.

Aber bearbeitet haben wir sie wie

in der Malerei, wo du erst mal die Leinwand

grundierst, und dich damit vertraut machst.“

Kim Gordon, Künstlerin, Musikerin und Ikone

Verzerrte Expressivität

nutzt, in dem sie gewissermaßen die

erste Zeit ihres Lebens nach dem

Bruch verbracht hat. „Wie so oft entfaltete

eine zunächst gute Idee eine

problematische Dynamik“, sagt sie.

„Heute sind die meisten Wohnung ja

keine ‚Heime‘ mehr,sondernzur Vermietung

designt. Du bekommst eine

Art kuratierten Lifestyle, auf die Erwartungen

der Besucher ausgerichtet.

In L.A. muss dann eben das Surfboardander

Wohnzimmerwand lehnen.“

Sie macht ein Pause: „Dazu

kommt noch dieser extreme Gegensatz

zwischen diesem Lifestyle und

den vielen Obdachlosen.“

In dieser Weise kreist sie über das

Album diverse Themen ein, das Aneinandervorbeireden

in Beziehungen

im minimalistisch-perkussiven

„Cookie Butter“ oder im wild-höhnischen

„HungryBaby“, scheinbar nur

ein abgründiges Liebeslied,„sexuelle

Belästigung aus der Sicht des Mannes.

Ich hatte das Thema schon einmal,

1992 in‚Swim Suit Issue‘ mit Sonic

Youth, und jetzt schien mir ein

Update angemessen, wo es so lautstark

diskutiert wird“, sagt sie. „Das

ist zweifellos ein Fortschritt, aber

oben sitzen ja noch immer diese weißen

Männer, die, sagen wir, interessante

Entscheidungen treffen.“

Collage,Assoziation, Cut-Up, verwende

sie,sagt sie,schon seit Beginn

der Band. Methodisch verwandt,

und in ihrer Uneindeutigkeit auch

nicht weniger spannend, scheint die

Musik gebaut. Sie zitiert etwa eine

Arto-Lindsay-Gitarre, die sie im frühen

No-Wave-New-York inspiriert

habe,ihreDrummachines stammen

aus Vintagejahrgängen, manches erinnertanGrunge.Doch

die Dynamik

der Songs entsteht häufig aus schicken

elektronischen Mustern und

Beats und einem modern direkten

Sound. „Die Songs entstanden zwar

eher herkömmlich aus verschiedenen

instrumentalen Perspektiven“,

sagt sie. „Aber bearbeitet haben wir

sie wie in der Malerei, wo du erst mal

die Leinwand grundierst, und dich

damit vertraut machst.“

Glanz aber verleiht dem Album

die Stimme Gordons.Sie heult und

hämt, klingt schneidend kühl, hintergründig

wispernd oder „von der

Toughness von Rapperinnen wie

Cardi B angeregt“, sagt sie. „Ich

verstehe mich eigentlich nicht als

Sängerin, meine Stimme ist begrenzt,

also muss ich mit anderen

Mitteln arbeiten.“

Genau darin liegt der Reiz von

Pop: Etwas nicht zu können, aber

sich virtuos nicht darum zu scheren.

Und dann ganz lässig ein cooles

Spätwerkabzugeben.

Kim Gordon: „NoHome Record“ (Matador)

Ute Lemper und die Kammerakademie Potsdam widmen sich Hanns Eisler und Kurt Weill im Kammermusiksaal

VonMartin Wilkening

Man kann diesen Abend vonUte

Lemper und der Kammerakademie

Potsdam nur als ein großes

Missverständnis beschreiben. Ein

Konzert mit Ute Lemper ist zuallererst

ein Ute-Lemper-Konzert. Da

lässt sich kaum mit dramaturgischen

Ideen dagegenhalten, es wird auch

in zweieinhalb Stunden kein Ganzes

draus. Die Diva möchte das zentrale

Werk des Abends,KurtWeills„Sieben

Todsünden“, einbetten in einen

Chansonabend. Das Orchester hingegen

versucht, Weill zwischen Instrumentalmusik

von Hindemith

und Eisler zu verorten. Der differenzierte

Originalklang der Musiker

wird durch die Mikrofonstimme der

Sängerin ad absurdum geführt, und

die seifigen Orchester-Arrangements

der Lieder sind ein Hohn auf

das,wasWeill, Eisler oder Hindemith

als Klangvorstellung artikulieren –

eine Art Pseudo-Symphonik, genau

Paradoxerweise fehlt letztlich alles

Individuelle: Ute Lemper.

IMAGO

das, wogegen diese Komponisten

geradezu anschrieben.

Es lässt sich nicht verstehen,

wieso man ein Konzert mit Eislers

„Kleiner Sinfonie“ beginnt, einem

gewitzten, scharf artikulierten Verschnitt

von Zwölfton-Musik und

Agitprop von 1932, um gleich danach

sein aufrüttelndes Antikriegs-

Lied „Der Graben“ in einem völlig

entstellenden, billig aufgeblasenen

Arrangement aufzuführen.

Aber Ute Lemper singt es eben

auch entsprechend. Wo einem sonst

der Schreck in die Glieder fährt, gab

es hier allenfalls eine Stimme zu bestaunen,

denn in Lempers verzerrter

Expressivität fehlt eigentlich jede

Botschaft, jede feinere Beziehung

zum Text und zur Melodie.Soging es

dann in der ersten Hälfte weiter,und

es schien irgendwie auch konsequent,

dass Ute Lemper Eisler mit

GilbertBécaud verkoppelt, es war eh

alles eins.Wie sie jedes einzelneWort

selbstherrlich abschmeckt, mal

knurrt, mal gurrt, dieVokale verzieht,

die vielfarbigen Register ihrer

Stimme durcheinander fahren lässt,

mag Lemper-Fans nach wie vor anziehen.

Aber es fügt sich nicht zu einem

Gesamtbild, alles zerfällt in aufgedonnerte

Einzelmomente.

Paradoxerweise fehlt letztlich alles

Individuelle.Und dieser Eindruck

tritt bei den deutschen Liedern viel

stärker hervor. Die französischen

Chansons, darunter Jacques Brels

unvermeidbares „Nemequitte pas“,

besitzen dagegen größere Geschlossenheit,

vielleicht auch, weil hier die

Begleitung sparsamer eingesetzt ist.

Stimmiger wirkt die zweite Hälfte

des Abends. Hindemiths „Kammermusik

Nr.1“ findet unter Antonello

Manacordas Leitung eine virtuose

Interpretation, die ebenso pointensicher

wie atmosphärisch genau angelegt

ist. DieIronie in Brecht/Weills

„Sieben Todsünden“ wird, bei insgesamt

eher ruhigen Tempi, im Orchester

nie überzeichnet, und Lempers

Vortrag ist hier stärker eingebunden.

Den Gesamteindruck prägt

dabei wesentlich das Gesangsquartett

Hudson Shad, das in den Rollen

der korrupten Familie zynisch genussvoll

der verkauften Tochter gegenübertritt.

Der

Wärter

des Vorhangs

Das Nature Theater of

Oklahoma im HAU2

VonDoris Meierhenrich

Das Bühnenbild zieht gleich hinein

in seine diskrete Rätselhaftigkeit.

Während Tschaikowskys

„Nussknacker“-Ouvertüre durch die

Luft schwingt, sehen wir auf einen

samt-roten Bühnenvorhang, dessen

abgewetztes Portal jedoch in keinem

Theater zu stehen scheint. Eher in einer

alten Wartehalle oder Bahnhofstoilette.

Und trotzdem schauen wir

auf eine Bühne –aber von hinten

aus,als säßen wir selbst darauf, mitten

im noch kommenden oder immer

schon laufenden Spiel. Ginge

jetzt der Vorhang auf, müsste ein leererZuschauerraum

sichtbar werden.

Wird aber nicht. Weil der geschlossene

Lappen selbst das Geheimnis

ist. Er muss von dreizehn Wächtern

bewacht werden, als lagerten dahinter

die Kronjuwelen.

Undschon sind wir mitten in der

wundersamen Welt des Nature

Theater of Oklahoma, das Alltag und

Kunst ineinanderrührt. Nicht, indem

es beides ununterscheidbar macht,

vielmehr indem es das eine im anderen

zur Kenntlichkeit staucht und

verdreht. Gemeint ist das ganz körperlich,

wohin sie alles übersetzen,

nicht illustrativ, aber nach den Regeln

der klassischen Kunst, ob Ballett

oder Gymnastik, und in den bewusst

dilettantischen Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Auch „No President“, das

jetzt im HAU2 gastiert, ist so ein gezirkelter

Kunst-Trash: Ein romantisches

Handlungsballett, ohne Romantik,

aber fest eingepackt in eine

aberwitzig ausschweifende Erzählung,

die RobertM.Johanson mit seiner

unermüdlichen Stentorstimme

vomRand her einspricht.

In vielem erinnert die Tanz-Erzählung

über den glücklosen Vorhang-Wärter

Mikey an die Erfolgsproduktion

„Life and Times“ vor

zehn Jahren. Damals wuchs ein simples

Telefonat zwischen der Oklahoma-Gründerin

Kelly Copper und

einem Kompaniemitglied zu einer

Lebenserzählung in neun Teilen an.

Der No-President Mikey beschränkt

sich nun auf einige zentrale Abenteuer,

aber die mäandern furios von

Sinn in Unsinn und zurück.Vomerotischen

Techtelmechtel mit seiner

Vorgesetzten rutscht Mikey unversehens

in ein homoerotisches Zwangsintermezzo

mit ihrem Mann, dem

Boss der Sicherheitsfirma, gerät sogleich

in Konflikt mit Freund Georgie,der

wiederum in einen Krieg mit

einer konkurrierenden Sicherheitsfirma

kippt, was den Unmut vonMikeys

inneren „Leibdämonen“ heraufbeschwört

sowie den Teufel

selbst. Der bringt ihn an den Rand

des Selbstmords, weckt dann aber

doch eher seinen Rachehunger auf

Menschenfleisch.

„No President“ ist düsterer als

„Life and Times“, aber mit dem charismatischen

Ilan Bachrach balanciert

essoscharf zwischen Witz und

tieferer Bedeutung, dass es immer so

weitergehen könnte.

HAU2,19.10., 19 Uhr, 20.10., 17 Uhr

TOP 10

Mittwoch, 16. Oktober

1 Tagesschau ARD 4,84 17 %

2 heute ZDF 4,04 18 %

3 SokoWismar ZDF 3,57 19 %

4 RTL aktuell RTL 3,17 15 %

5 Curling für ... ARD 3,10 11 %

6 heute-journal ZDF 3,05 12 %

7 Heldt ZDF 3,02 11 %

8 Wer weiß denn ...? ARD 2,99 16 %

9 Mario Barth ... RTL 2,80 10 %

10 Rosenheim-Cops ZDF 2,57 23 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acud (& 44 35 94 97)

20.00: Howtokillmyfairytales? (Chaim Gebber

Open Scene)

Ballhaus Ost (& 44 03 91 68)

20.00: Geister –Séancenfür das 21. Jahrhundert

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Othello

20.00: Die Antigone des Sophokles

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

Brotfabrik (& 471 40 01)

20.00: Licht im Kasten

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

19.30: Lear

Dock 11 (& 448 12 22)

19.00: WhARTevershould happen –Eine Welt auf

dem Kopf (Alexander Carrillo, Fernando Derks)

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00: 30 nach 89: Philoktet

English Theatre Berlin (& 691 12 11)

20.00: Status (Christ Thorpe)

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

19.30: Eine linkeGeschichte

HAU1(&25 90 04 27)

20.00: Melancholía (JosepCaballero García /

Queerpraxis)

HAU3(&25 90 04 27)

19.00: Abolirea familiei (Die Abschaffung der Familie)

(Nicoleta Esinencu /HAU)

Haus der Berliner Festspiele (& 25 48 91 00)

18.00: Immersion 2019: Taylor Mac –A24-Decade

HistoryofPopular Music

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

19.30: Beziehungskiste

Hephatha-Gemeindesaal (& 601 40 72)

20.00: Im verrückten Wilden Westen (Akt für Akt)

Kleines Theater (& 821 20 21)

20.00: Alte Liebe

Komische Oper Berlin (& 47 99 74 00)

19.30: Candide

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 19.30: RioReiser –Mein Name

ist Mensch

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: Jugend ohne Gott

20.00 Container:Futureland

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: 3Shortpieces (Siciliano ContemporaryBallet,

Dart&Tribe)

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Mord auf Schloss Haversham (The playthat

goes wrong)

Schaubude (& 423 43 14)

20.00: NOR. –Vom Kirchturmkann man die Zugspitze

sehen (Josephine Hock)

Schaubühne (& 89 00 23)

18.00: Amphitryon

19.30 Studio: He? She? Me!Free

20.00 Saal B: abgrund

Schlesische 27 (& 617 76 73 11)

20.00: Amnesie Atlantis

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Adel verpflichtet

Sophiensaele (& 283 52 66)

20.00 Festsaal: Das Ost-West-Ding: Wismut –A

Nuclear Choir (Jule Flierl+Mars Dietz)

Staatsoper Unterden Linden (& 20 35 45 55)

19.30: Katja Kabanowa

Theater Coupé (& 902 91 67 03)

19.00: Benjamin –Wohin? (Deutsch-Jüdisches

Theater)

Theater im Delphi (& 70 12 80 20)

20.00: Eartha’sGuide to EverydayLiving (N.E.W.+

Guests)

Theater im Nikolaiviertel (& 017 6/ 40 53 11)

19.30: Zillesein Milljöh

Theater untermDach (& 902 95 38 17)

20.00: Das langeNachspiel einer kurzen Mitteilung

Theater untermTurm (& 01 57 70 42 52)

19.00: Heirat –oder alles fürdie Katz

Theater Verlängertes Wohnzimmer

(& 45 30 63 51) 20.00 Saal: Kugelfisch Hawaii

(theater-coram-publico)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Spreeperlen. Eine Berlin-Revue

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: TV Noir

Arena Glashaus (& 533 20 30)

19.30: Caveman –Dusammeln, ich jagen!. Anm. erf.

BKA (& 202 20 07)

20.00: The Golden Gmilfs (Jurassica Parka, Destiny

Drescher,Margot Schlönzke, Ryan Stecken, PanAm

Drag Airlines u. TomBola)

BühnenRausch (& 44 67 32 64)

20.00: ImproTheaterShow(Die Verstörten Wunschkinder)

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Estrel Showtheater (& 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Freizeitforum Marzahn (& 542 70 91)

19.30: Immer wieder freitags: Comedyund Kabarett

(Frau zu Kappenstein &Gäste: Martin Valenske, Alix

Dudel, SebastianAlbrecht)

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: Verlängerte Halbarkeit (Johannes Flöck)

Kulturbrauerei/Alte Kantine (& 44 31 50)

20.00: Heiner Müller improvisiert(Foxy Freestyle)

Mehringhof-Theater (& 691 50 99)

20.00: NoLobbyisperfect! (AnnyHartmann)

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow

23.00: One Night Stand (Ivan Thieme)

Ratibortheater (& 618 61 99)

20.30: Gute Wahl (Die Gorillas)

Scheinbar Varieté (& 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Sebastian Krämer,Mod.)

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Tempodrom (& 69 53 38 85)

20.00 Kleine Arena: Straight outta Campbell (Tamika

Campbell)

Theater im Palais (& 201 06 93)

19.30: Cabaret Größenwahn (Jana Kühn &Isa Weiss)

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

20.00: Zeitlos (Tim Fischer &Band)

Varia Vineta (& 43 72 32 44)

20.00: Liebe und Tod(Club der Impronäre). Anm. erf.

Wintergarten Varieté (& 58 84 33)

20.00: Woodstock Variety Show

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Mathias Richling #2019

Zimmertheater Steglitz (& 25 05 80 78)

20.00: EinKellner packt aus(Ulli Lohr)

KLASSIK

Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof (Kolonnenstr.24-25)

19.00 Kapelle: Wabi-Sabi: Blume derZeit –ensemble

nunoyz, Improvisierte Echtzeitmusik zum Thema

Vergänglichkeit mit Filmprojektionen

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

20.00: Orchester der Deutschen Oper Berlin, Simon

Trpceski (Klavier), Ltg.Juraj Valcuha, Sinfoniekonzert,

Rachmaninow: Klavierkonzert Nr.2in c-Moll op.18;

Schostakowitsch: SinfonieNr. 8inc-Moll op.65

Kino

Eine

spektakuläre

Besetzung

In Erinnerung an den vor

kurzem verstorbenen Fotografen

und Regisseur Robert

Frank zeigt das Kino in der

Brotfabrik dessen Roadmovie

„Candy Mountain“ aus dem

Jahr 1987. Es ist ein Musikfilm,

dessen Besetzung man spektakulär

nennen kann: TomWaits,

Dr. John, Joe Strummer, Arto

Lindsay, Leon Redbone und

das ist nur ein kleiner Auszug

des Casts. „Candy Mountain“

erzählt die Geschichte eines

jungen Musikers auf der Suche

nach dem besten Gitarrenbauer

der Welt. Ausgestattet

mit 2000 Dollar Vorschuss,begibt

sich Julius Brooke (Kevin J.

O’Connor) auf die Spur von

Elmore Silk (Harris Yulin) und

seinen Instrumenten. Franks

Film besticht durch eine poetische

Komposition der Bilder

und zeigt ein Land, in dem der

Kontrast zwischen „American

Dream“ und der alltäglichen

Schäbigkeit kaum größer sein

könnte. Frank Junghänel

Candy Mountain 21 Uhr,Brotfabrik,

Caligariplatz1

Die Magie des Unerklärlichen

Ruth Tesmars Holzdrucke und Collagen in der Galerie Gräfe Art.Concept

Ihre „Topographia“ hat Ruth

Tesmar auf nichts Geringeres

als auf eine aus Seidenkokons

gewonnene Bildfläche gedruckt.

Als poetische Ortsbeschreibung

–und puren Luxus. Seidenkokons

gelten bei reichen Chinesinnen

schon seit alten Zeiten als Grundlage

der Stoffe für kostbare Gewänder,

und eingesetzt in der Kosmetik, sind

sie Jungbrunnen für die Haut.

„Topographia“ –der Titel des Bildes

mit den wie über einer imaginären

Landschaft schwebenden Formen

gibt Rätsel auf. Dasrote,auf der

Spitze stehende Malewitsch-Quadrat,

dazu schwarze Kullern, Kringel

und strickleiterartige Gebilde wurden

per Holzschnitt-Modeln und

mit Ölfarben auf die Seide gedruckt.

Ruth Tesmar unternimmt auf

dieseWeise ferne Reisen, weit zurück

in die Geschichte. Sie tauchte offenbar

ein in die „Topographia Germaniae“,

eines der Hauptwerke des

Kupferstechers und Verlegers Matthäus

Merian des Älteren. Der schuf

Mitte des 17. Jahrhunderts die 16-

bändige „Topographia“ gemeinsam

mit dem Texter Martin Zeiller aus

Ulm. In anderen Holzdrucken geht

Ingeborg Ruthe

entdeckt in den Arbeiten der aus Berlin

nach Mecklenburg-Vorpommernumgezogenen

Künstlerin geradezu eine Farb-

Explosion –und den Einzug maritimer

Formen und Zeichen in ihre Bilder,Collagenund

dadaistischen Assemblagen.

„Topographia“, 1991,

Öl/ Holzdruck auf

Seidenkokon

RUTH TESMAR/ VG BILDKUNST BONN 2019

die in Berlin bekannt gewordene

Künstlerin auf Expedition mit Alexander

von Humboldt, besteigt mit

dem Universalgenie den legendären

Chimborazo, jenen höchsten einstigen

Vulkan in Ecuador.Tesmar registriert

nach Humboldts Vorbild in ihren

magisch-schönen Drucken und

Collagen alles, was der weltreisende

Forscher wahrnahm: Pflanzen, Erde,

Gestein, Wasser,Luft, Tiere–und die

indianischen Ureinwohner.

Alles,was nun in der Galerie Gräfe

Art.Concept nahe dem Kollwitz-

Platz zu sehen und mit dem Titel

„Sehfahrten“ überschrieben ist, besagt:

Das Archetypische zieht Ruth

Tesmar magischan, genauso wie das

Kosmische, das Geheimnisvolle, das

unerklärlich Spielerische.Seit 30 Jahren

kenne ich diese Berliner Holzschneiderin

und Collagistin, die inzwischen

im mecklenburgischen

Schwerin lebt, als außergewöhnliche

Bildermacherin.

Für die Berliner Ausstellung

schnitt und aquarellierte sie auf Notenpapier

eine Mozart-Serie, die zugleich

wie eine Hommage an Kandinsky,andessen

Schrift vom„Geistigen

in der Kunst“ gelesen werden

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Ich war noch

niemals in NewYork 14.30, 17.20, 20.15

Cinema Paris (& 881 3119) Der Glanz der Unsichtbaren

15.30, 20.30; Der Glanz der Unsichtbaren

(OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Parasite 14.00,

17.00,20.00

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Joker (OF) 15.15,

18.00, 20.00, 20.45, 21.20, 22.40; Parasite

(OmU) 15.00, 18.00, 18.10, 21.00, 22.40; Parasite

(OmenglU) 14.30, 21.40; Der Glanz der Unsichtbaren

17.30; Systemsprenger 13.40, 16.20,

19.00; Das Kapital im 21. Jahrhundert 14.00;

Und der Zukunft zugewandt 16.15; Nurejew (OmU)

18.40; Deutschstunde 14.30, 17.15, 20.00; M.

C. Escher: Reise in die Unendlichkeit 14.00; Skin

16.00; Downton Abbey (OmU) 18.40; Once Upon a

Time in...Hollywood (OmU) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53)Ich warnoch niemals

in New York 17.30, 20.00, 22.30; Systemsprenger

17.45; After the Wedding 20.15; Kamikaze 1989

(OmenglU) 22.30

Kant Kino (& 319 9866) Joker 14.50, 17.40,

20.30; Ich war noch niemals in New York 12.00,

15.00, 17.45, 20.20; Fritzi 13.20; Mein Lotta-Leben

15.15; Downton Abbey 17.20; Leid und Herrlichkeit

20.00;Shaun dasSchaf: UFO-Alarm 13.30,

15.30; After the Wedding 17.30, 20.00; Nurejew

14.40,17.20, 20.00

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) Shaun dasSchaf:

UFO-Alarm11.30; Joker13.45, 16.45, 22.55; Joker

(OF) 19.45; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

11.45, 14.30; Joker (OF) 17.15, 23.00; Joker

20.00; AToy Story 12.15, 14.30; 3D: Gemini Man

17.00, 20.10, 22.50; Angry Birds 211.00, 13.15;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 15.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.40, 20.20, 23.00;

Die drei !!!12.45;3D: Gemini Man 15.00;AdAstra

17.50; Joker 20.40; Deutschstunde 12.00, 14.40;

Dem Horizont sonah 17.20, 20.10; Es II 22.50;

Downton Abbey 12.00,14.30, 17.20; Once Upon a

Time in...Hollywood 20.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Memory

Games (OmU) 11.00; Der Goldene Handschuh

(OmenglU) 12.30; Synonymes (OmU) 14.15; Dora

und die goldene Stadt 16.30; Der Glanz der Unsichtbaren

(OmU) 18.15; Deutschstunde 20.00;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 22.10;

Und der Zukunft zugewandt(OmenglU) 11.00; Push

–Push (OmU) 12.45; Schwimmen 14.15;

Die Geldwäscherei –The Laundromat (OmU) 15.50;

Gelobt sei Gott 17.20;The King (OmU) 19.40; Midsommar

(OmU) 22.00; Die Agentin –The Operative

(OmU) 11.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmU) 13.00; Mein Leben mit Amanda (OmU)

15.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 16.45; Skin

(OmU) 18.15; Systemsprenger (OmenglU) 20.20;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig, tot (OmU)

22.30

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29)Und derZukunft

zugewandt 14.00; Systemsprenger 16.00; Das Kapitalim21.

Jahrhundert–Capital in theTwenty-First

Century (OmU) 18.15; Gelobt sei Gott –Grace a

Dieu (OmU) 20.15; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.45; Über Grenzen –Der Film einer

langen Reise 14.00; Memory Games (OmU) 16.15;

CongoCalling (OmU) 18.00;Die Inselder hungrigen

Geister (OmU) 19.45; Playland USA (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Spider-Man: Far

From Home 13.45; Ich war noch niemals in New

York 13.45, 16.45, 19.45, 22.50; Fast &Furious:

Hobbs & Shaw 13.45; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.00, 16.00, 19.00, 22.00; Joker

14.00,17.00,19.00,19.30,20.00,20.15,22.30,

23.00; Angry Birds 214.00, 16.50; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.10,17.00; Dora und die goldene

Stadt 14.10, 16.50; Lino: Ein voll verkatertes

Abenteuer 14.20; Dem Horizont so nah 14.20,

17.10, 20.00; Gemini Man 14.30, 17.20, 19.30,

23.10; 3D: Der König der Löwen 14.30; Everest

14.45,17.30;Ready or Not?–Aufdie Plätze, fertig,

tot16.30;Maleficent: Mächteder Finsternis 16.30;

Es II 16.40, 19.20, 22.00; Gut gegen Nordwind

16.50; Downton Abbey 17.20; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis – Maleficent: Mistress of

Evil (OF) 19.30; Joker (OF) 19.40, 23.15; AdAstra

20.10; 47Meters Down: Uncaged 20.20, 23.15;

Once Upon aTime in... Hollywood 20.30; Gemini

Man (OF) 22.30; Rambo 5: Last Blood 22.40;

Midsommar 22.40; Midnight Movie: Buffalo Boys

23.00;Angel Has Fallen 23.00

Zukunft (& 01 76/57 861079) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Nevrland (OmU) 20.20; Skin

(OmU) 22.10; Dunkel, fast Nacht –Ciemno, prawie

noc (OmU) 18.00; Berlin Bouncer (OmenglU)

20.15; Heute oder morgen 22.00; Endzeit (OmenglU)

23.45

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Everest 13.40,

17.00; Ich war noch niemals in New York 13.45,

16.50, 19.50, 23.00; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 13.50, 16.40, 19.30, 23.00; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.00, 16.40; Angry Birds 2

14.10, 17.15; Joker 14.15, 16.30, 20.00, 22.45;

Dora und die goldene Stadt 14.20, 17.10; Es II

19.20, 22.20; Gemini Man 19.30; Downton Abbey

20.10; Dem Horizont so nah 20.10; Rambo 5:Last

Blood 22.50; 3D: Gemini Man 23.00; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 23.00

Kino Kiste (& 998 74 81) Gelobt sei Gott 13.00;

3D: AToy Story 15.25; Downton Abbey 17.10; Systemsprenger

19.20

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 41 09) 3D: Maleficent

11.50,14.30,17.15,20.00,22.50; Dora und

die goldene Stadt 11.50, 14.45, 17.10; 3D: Der

König der Löwen 12.00; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 12.10, 14.40, 17.40; Lino 12.10, 14.30;

Der König der Löwen 12.15, 17.15; AToy Story

12.15; Everest 12.30, 14.50, 17.20; Angry Birds

212.40,15.10, 17.00; Joker14.20,17.30,20.20,

22.40; Ich war noch niemals inNew York 14.20,

16.50, 19.50, 22.40; Maleficent 15.00, 17.20; Es

II 19.30; 47 Meters Down 19.40; Fast &Furious

19.45; Gemini Man 19.50, 22.45; Angel Has Fallen

20.00; 3D: Gemini Man 20.10; 3D: Terminator

222.30; AdAstra 22.45; Ready or Not? –Auf die

Plätze, fertig,tot 23.00;Rambo 5: LastBlood 23.00

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Joker (OmU) 17.00,

19.45,22.30; B Ad Astra (OmU) 18.00;Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 20.40

fsk am Oranienplatz (& 614 24 64) Parasite

(OmU) 18.00,20.30; Born inEvin –Alles über Evin

(OmU) 18.00; Der Glanz der Unsichtbaren (OmU)

20.00; Systemsprenger 22.00

Moviemento (& 692 47 85) Systemsprenger

13.00,15.45,18.30,21.15; Fritzi 10.30; Midsommar

(OmU) 12.30, 20.15; Skin (OmU) 15.30; Das

Kapital im 21. Jahrhundert –Capital in the Twenty-

First Century (OmenglU) 18.00; Mein Lotta-Leben

10.00, 16.30; Benjamin Blümchen 12.15; Fritzi

14.30; Bruder Schwester Herz 18.45; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 21.00

RegenbogenKino (& 69 57 95 17) CarmineStreet

Guitars (OmU) 19.30; Synonymes (OmU) 21.15

Sputnik (& 694 11 47) Cleo 15.00; Bruder

Schwester Herz 16.45; Systemsprenger 18.45;

Skin (OmU) 21.00; Ready orNot? –Auf die Plätze,

fertig, tot (OmU) 23.00; Mein Lotta-Leben 15.00;

Zwischen uns die Mauer 16.45; Born inEvin –Alles

über Evin (OmU) 18.45; Nevrland (OmU) 20.30;Ad

Astra (OmU) 22.15; Kinobar im Sputnik CatVideo-

Fest 2019 (OmU) 21.00; The Last House on Dead

End Street (OF) 23.00

Yorck (& 78 91 32 40) Parasite 13.20, 16.10,

19.00, 21.50; New Shaun das Schaf: UFO-Alarm

14.00; Der Glanz der Unsichtbaren 16.00, 20.50,

23.00; Systemsprenger 18.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 95 90) Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 10.00, 12.30, 15.30; Playmobil 10.00;

Mein Lotta-Leben 10.00; Everest 10.00, 15.15;

Angry Birds 210.00, 13.00; Dora und die goldene

Stadt 12.45, 17.45; Fritzi 13.00; Lino: Ein voll

verkatertes Abenteuer 13.15; Joker 14.30, 17.45,

20.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

15.00,17.15, 20.15; Ich war noch niemals in New

York 15.00, 17.30, 20.15; Systemsprenger 17.30;

Gemini Man 20.30;After the Wedding 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Fritzi 13.00;

3D: AToy Story 13.00; Ich war noch niemals in New

York 13.30, 16.15, 19.00; Deutschstunde 15.00;

Everest 15.15; Joker 17.30, 20.15, 22.00; Der

Glanz der Unsichtbaren 17.45; Ready orNot? –Auf

die Plätze, fertig, tot 20.00,22.45

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Everest

11.30, 14.15; Dora und die goldene Stadt

11.30, 14.00, 17.15; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

11.45, 14.15; AToy Story 11.45; UglyDolls 12.00;

Angry Birds 212.00, 14.30, 17.15; 3D:Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00,17.00,20.00, 23.00;

Joker 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Ich war noch

niemals inNew York 14.00, 16.30, 19.45, 22.50;

Der König der Löwen 14.20; Maleficent: Mächte

der Finsternis 16.30; Gemini Man 17.00, 20.00,

23.00; Dem Horizont so nah 17.15, 20.15; 47 MetersDown:

Uncaged 19.50; AngelHas Fallen 20.00;

Rambo 5: Last Blood 20.15; EsII22.15; Ready or

Not? –Auf diePlätze, fertig, tot22.45; Midnight Movie:

Buffalo Boys 23.00; Ad Astra 23.10

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Fritzi 17.00; Leid und

Herrlichkeit 18.45; Cleo (OmenglU) 21.00; Born in

Evin –Alles über Evin (OmU) 17.45; Mein Leben

mit Amanda 19.45; Dunkel, fast Nacht –Ciemno,

prawie noc 21.45

Babylon (& 242 5969) Goodbye,GDR!: Der Dritte

(OmenglU) 17.15; Goodbye, GDR!: Der Mann, der

nach der Oma kam 17.30; Goodbye, GDR!: Spur

der Steine (OmenglU) 19.30;Goodbye,GDR!:Good

Bye, Lenin! (OmenglU) 19.30; Goodbye, GDR!: Coming

Out (OmenglU) 22.00; So wie dumich willst

–Celle que vous croyez (OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) BFG:

Big Friendly Giant 10.00; Yesterday (OmU) 13.30;

Midsommar (OmU) 15.45; Das Kapital im 21.

Jahrhundert –Capital inthe Twenty-First Century

(OmenglU)18.45; Joker(OmU) 21.00,23.45; Joker

(OmU) 14.30,17.15, 20.00, 22.45

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 11.00, 14.00,

17.15,19.40, 22.40; Ich war noch niemals in New

York 11.00, 14.10, 17.30, 19.45, 23.00; Everest

11.10, 14.20; Der König der Löwen 11.20; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 11.30, 14.10, 16.10; Joker

11.30, 14.30, 17.00, 20.00, 23.00; Fritzi 11.30;

Angry Birds 211.40, 13.40; AToy Story 12.10;Dem

Horizont so nah 13.50, 19.30; Gut gegen Nordwind

14.10; Dora und die goldene Stadt 14.40, 16.45;

Maleficent: Mächte der Finsternis 16.30; 3D: Everest

16.50; Good Boys 17.10; Ad Astra 17.15;

Downton Abbey 18.30; EsII19.15, 22.30; Joker

(OF) 20.10; 3D: Gemini Man 20.20, 23.10; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.40, 23.15;

Once Upon aTime in...Hollywood 21.30; Rambo 5:

Last Blood23.00;47Meters Down:Uncaged 23.15

Hackesche Höfe (& 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU)14.30; Nurejew(OmU) 16.30; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.15; Joker (OmU) 21.45;

Parasite (OmenglU) 14.15, 19.00; M. C. Escher:

Reise in die Unendlichkeit (EnglmdtU) 17.00; Parasite

(OmU) 21.45; Der Distelfink –The Goldfinch

(OmU) 14.00; Deutschstunde 17.00; Parasite

(OmU) 19.30; Parasite (OmenglU) 22.15; Skin

(OmU) 14.45; Joker (OmU) 17.15, 20.00, 22.30;

Gelobt sei Gott –Grace aDieu (OmU) 14.15; Der

Glanz der Unsichtbaren (OmU) 17.00,19.15; Once

Upon aTime in...Hollywood (OmU) 21.30

International (& 24 75 60 11) Joker(OmU) 15.00,

21.00; Parasite 18.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) dokuarts: Ziva

Postec, la monteuse derriere lefilm Shoah –Ziva

Postec: The Editor Behind the Film Shoah (OmenglU)

19.00; dokuarts: The Haendel Variations (OmU)

21.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 0644)

UglyDolls 12.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

12.00,14.30; Pets II 12.00; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 12.00, 14.20, 16.55, 19.55,

22.45; Lino: Ein voll verkatertes Abenteuer 12.00,

14.50;Everest12.00, 14.30; Dora und diegoldene

Stadt 12.00, 14.30, 17.10; Angry Birds 212.00,

17.05; AToy Story 12.00; Ich war noch niemals in

NewYork 14.10, 17.00, 20.00,22.50;

Dem Horizont so nah 14.10, 17.10, 20.00; Joker

14.15, 17.05, 19.30, 20.00, 22.40, 23.00; Der

König der Löwen 14.15; After the Wedding 17.00,

19.45; Gemini Man 17.10,19.50,22.55; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis –Maleficent: Mistress

of Evil (OF) 17.15; 7. Kogustaki Mucize – Das

Wunder in Zelle Sieben 19.40, 22.50; Karakomik

Filmler (OmU) 20.00, 22.55;EsII22.30; 47 Meters

Down: Uncaged 22.40

IL KINO (& 91 70 29 19) Diego Maradona

(OmenglU) 10.10; Midsommar (OmU) 12.40,

22.20; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 15.20; Nurejew

(OmU) 17.00; Systemsprenger (DFmenglU)

20.10

Neues Off (& 62 70 95 50) Joker (OF) 16.45,

19.30,22.15

Passage (& 68 23 70 18) Joker (OmU) 15.00,

17.45,20.30,21.40, 22.40;Deutschstunde 14.40,

17.20,20.00; Systemsprenger 16.20,19.00

Rollberg (& 62 70 46 45) Joker (OF) 15.15,

18.00, 20.45; Parasite (OmU) 17.30, 20.20,

21.50; Parasite (OmenglU) 16.10, 19.00, 21.10;

Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria (OmenglU)

16.00; Systemsprenger (OmenglU) 18.30; After the

Wedding 16.30, 19.00; Midsommar (OmU) 21.30

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 11.30, 14.00,

17.20, 20.10, 23.00; Dora und die goldene Stadt

11.40, 14.10; UglyDolls 11.45; Mein Lotta-Leben

12.05; Shaundas Schaf:UFO-Alarm12.15, 14.35;

Angry Birds 212.20, 14.45, 17.10; Joker 14.20,

17.00, 20.00, 23.00; Ich war noch niemals inNew

York 14.25, 16.40, 19.40, 22.50; Gemini Man

16.50, 19.50, 22.45; Everest 17.30; Es II 19.35;

Dem Horizont sonah 20.30

Wolf (& 921 039333) Born inEvin –Alles über

Evin (OmU) 12.00, 21.00; Heimat ist ein Raum aus

Zeit (OmenglU) 12.00; Wajib –Die Hochzeitseinladung

(OmU) 14.00; Momo 16.10; Systemsprenger

(OmenglU) 16.30; Muriel oder die Zeit der Wiederkehr

(OmenglU; m. Gast u.Gespräch) 18.30; Die

Insel der hungrigen Geister (OmU) 19.00; Synonymes

(OmenglU) 20.50; Midsommar (OmU) 23.00;

Ad Astra (OmU) 23.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 15.15; Ich war noch niemals in

NewYork 17.15,20.00; Deutschstunde 15.00; Parasite

17.40, 20.30


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Assemblage zu Kurt

Schwitters„Anna Blume“

RUTH TESMAR/ VG BILDKUNST BONN 2019

„Buch der Bilder –nach

Rilke13“, Collage, 2010

RUTH TESMAR/ VG BILDKUNST BONN 2019

MEIN BILD DER WOCHE

Die Künstlerin: Ruth Tesmar,geboren

1951 in Potsdam und aufgewachsen im

östlichen Berlin, lebt heute in Schwerin.

Sie studierte und promovierte an der

Humboldt-Universität und Malerei an der

Kunsthochschule Weißensee. Von1993

bis 2016 war sie Professorin für kunstästhetische

Praxis der Humbodt-Universität

und leitete das legendäre Menzel-Dach,

mit Druckwerkstatt und Aktzeichnen.

Die Ausstellung: „Sehfahrten“, nennt

Ruth Tesmar die Bildauswahl in der Galerie

Gräfe Art.Concept, Kollwitzstraße 72.

Bis 4. Januar 2020, Mo+Di 10–16,

Do–Sa 11–18 Uhr,Tel.: 0172 8660833

www.graefe-art.de

kann. Sie spielt in einer surreal-witzigen

Assemblage aus Schirmchen,

Puppenarmen, Messwerkzeug, Uhr

und Spielkarten mit dem legendärem

„Anna Blume“-Thema im dadaistischen

Merzgedicht des Bauhausmeisters

Kurt Schwitters. Und

in der Collage mit handgedruckten

Papieren, dem „Buch der Bilder –

nach Rilke 13“ findet sich alles, was

Tesmars Bildsprache ausmacht, inspieriert

von Lyrik, von Prosa, von

Wissenschaft und Kunst. Zu sehen

ist eine Topographie,Sternbilder,angedeutete

Tierkreiszeichen, Noten,

farbprächtige Blüten- und Pflanzen-

Dekors. Diese magisch verwobene

Fantasie hat etwas Schwereloses,

wachsend nicht aus dem Kalkül,

sondernaus dem Spielerischen.

Und alles gleicht imaginären Inselreichen.

Tesmar lässt sich ein auf

Rilke-Verse um 1900, geschrieben in

Berlin und Worpswede, damals geprägt

vom Übergang zwischen der

gefühls- und stimmungsbetonten

frühen Dichter-Phase,dieser ekstatischen

Subjektivität und Innerlichkeit

und den objektiveren, spröderen,

viel dinglicheren „Neuen Gedichten“

um 1906. Tesmars Fähigkeit,

zu komplexer Literatur, zu

historischen Briefwechseln und zur

Lyrik adäquate, zugleich auch sehr

eigenwillige Bilderzählungen zu erfinden,

hatte seinerzeit auch Christa

Wolf begeistert. Ruth Tesmar hatte

nach 1997 zur fiktiven Korrespondenz

der Schriftstellerin mit Karoline

von Günderode, dieser zur Emanzipation

strebenden „Sappho der Romantik“,

Collagen geschaffen. Wolf

schriebanTesmar:„ ...mit Ihrenzauberhaften

Blättern bewegen Sie sich

am Rande dessen,was mangemeinhin

‚Realität‘ nennt und ebenso am

Rande des Nichtrealen, jenem wunderbaren

Zwischenreich, das uns

neue innere Räume erschließt, die

sprachlich nicht zu fassen sind...“

Nichts in Tesmars Bildern gleicht

demVorherigen, immer sind die Formen

offen, sie verändern sich schon

auf dem nächsten Bild, kehren wieder,

nur andersfarbig, auch seitenverkehrt.

Sie erfindet Symbole für

Galaxien. Zeichen für das menschliche

Auge, für Kopf und Hand oder

die Elemente. Intuition und Logos

sind die Pole solcher Bildkunst mit

all dem „Treibgut“ aus der Welt der

Dinge,der Träume.Der Poesie.

Jazz

Die Kraft des

flinken

Daumens

Der besondere Dreh

kommt bei ihm aus dem

Daumen. Der Jazz- und Fusionmusiker

Stanley Clarke wird

gerühmt für seine Slaptechnik

am Bass, die im kräftigen Anschlagen

der Saiten mit der

Daumenseite besteht. Der 68-

jährige Stanley Clarke war Anfang

20, als er mit Chick Corea

in Kontakt kam und in dessen

Band Return toForever zu einer

der erfolgreichsten Jazzformationen

überhaupt aufstieg.

Neben Jaco Pastorius

(von Weather Report) galt

Clarke als wichtigster Vertreter

seines Instruments, und die

Liste derer,mit denen er in seiner

Laufbahn gespielt hat, liest

sich wie das Who’s who des

Jazz der 70er-Jahre. Stan Getz,

Dexter Gordon, Joe Henderson,

Al Di Meola und Pharoah

Sanders gehörten dazu, später

gründete er mit Police-DrummerStewartCopeland

und der

Sängerin Deborah Holland die

Band Animal Logic. HarryNutt

TheStanley ClarkeBand 22.30 Uhr,

Quasimodo, Kantstraße12a

Hochschule fürMusik HannsEisler im Neuen

Marstall (& 203 09 21 01) 18.00: Ysaline Lentze

(Harfe), Yundi Xu (Klavier), Derya Ataka (Sopran),

Anita Keller (Klavier), Sueye Park (Violine) u. a.,

Exzellenz-Konzert im Krönungskutschen-Saal, Spohr:

Fantasie in c-Moll op. 25; Fauré: ImpromptuinDes-

Dur op. 86; Clara Schumann: aus „Jucundelieder“ op.

23; Brahms: Klaviertrio in H-Dur op. 8

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (& 218 50 23)

19.30: Vokalensemble Canto Rinato, Kammerchor

Cantamus Berlin, Ltg.Anton Kropivsek, Carolin Strecker,Werkevon

Mendelssohn, Brahms und Arnesen

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

20.00 Gr.Saal: Konzerthausorchester Berlin, Ltg.David

Zinman, Gidon Kremer (Violine), Sofia Gubaidulina:

„Offertorium“ –Konzertfür Violine undOrchester;

Franz Schubert: Sinfonie C-Dur „Große“

KulturCafé (Friedelstr.28)

19.30: Masataka Koduka, Oz Camera, Funamushi

Nikodemus-Kirche (& 624 25 54)

20.00: Juliane Kunzendorf (Sopran), Volker Jaekel-Piano

(Orgel), Lacrimae und Lunovis, Werkevon J.S.

Bach, J. Brahms, G. Rossini, E. Satie, P. Glass, V. Jaekel

Nikolaikirche (& 24 00 21 74)

17.00: Nikolai-Musik am Freitag –Orgelmusik zum

Wochenausklang

17.00: Kreuzesklingen –Nikolai-Musik zum Kreuz

Weg, 30 Minuten Orgelmusik

Philharmonie (& 25 48 83 01)

19.15: Einführung (Berliner Philharmoniker)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.Emmanuelle

Haim, Lucy Crowe(Sopran),Florian Sempey(Bariton),

HenryPurcell: Suite aus der Semi-opera „The Fairy

Queen“; Georg Friedrich Händel: „Feuerwerksmusik“;

„Apollo eDafne“, Kantate fürSopran, Bass, Flöte,

Oboe, Streicher und Basso continuo

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Stefan Hempel (Violine), Daniel Seroussi

(Klavier), Prokofiev: 5Melodien op. 35a, Violinsonate

Nr.1f-Moll op. 80; Messiaen: Fantasie; Korngold:

Suite aus der MusikzuShakespeares „Viel Lärmum

Nichts“ op. 11; Schubert: Sonate „Duo“ A-Dur

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00: Klavierabend mit MichikoOta-Kys, W. A. Mozart:Neun

Variationen über ein Menuett vonDuport;

F. Chopin: Klaviersonate Nr.3op. 58; F. Schubert:

KlaviersonateNr. 21

St. Marien-Kirche Mitte (& 242 44 67)

13.30: Orgel zur Mittagszeit

KINDER

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Oh wie schön ist Panama (4 bis 8J.)

10.30: Emil und die Detektive(ab 6bis 12 J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

17.15: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab 8J.)

Deutsches Technikmuseum (& 90 25 40)

11.00, 13.00 Ladestraße, Eingangshalle: Herbstferienprogramm:

GPS –Geocaching auf dem

Museumsgelände, Workshop (ab 9J.)

Galli Theater Berlin (& 27 59 69 71)

17.00: Schneewittchen –Mitspieltheater (ab4J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reichinder Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

11.00: Bubble Jam, Rimini Protokoll, Cloud-Performance

mit Smartphones (ab12J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

9.00: Villa Global. The Next Generation

9.00: Wunderkammern–Wunderkisten

9.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Klax Kreativwerkstatt (& /64 49 44 22)

9.00: Ferienprogramm: Wasfür ein Theater!,Ferienworkshop

(ab 5bis 9J.). Anm. erf.

9.00: Ferienprogramm: Let’scode together,Ferienworkshop

(ab 8bis 12 J.). Anm. erf.

Puppentheater Felicio (& 44 67 35 30)

16.30: Peter und der Wolf (ab 4J.)

Puppentheater Firlefanz (& 283 35 60)

16.00: Der gestiefelte Kater,Puppentheater-Märchen

(ab 4J.)

LITERATUR/VORTRAG

Club der Polnischen Versager (& 28 09 37 79)

19.00: Veso Potarsky und Nina Hall, Veso Potarsky

und Nina Hall

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

19.30: 30 nach 89: Müllersalon #14: Und jetztbin

ichs die ihm denWeg gezeigt hat –Ein Abend für

Margit Bendokat, Lesung und Gespräch mit Christian

Grashof, Niklas Kohrt, AlexanderSimon, ValeryTscheplanowa,

Almut Zilcher –und Texten vonHeiner Müller.

Periplaneta Kreativzentrum (& 44 67 34 33)

20.00: Als Moskaus Maulwurf den BND unterwanderte.,

Bodo V. Hechelhammer &RobertRescue,

Buchvorstellung

Zeiss-Großplanetarium (& /42 18 45 10)

20.00: rbb-Hörspielkino: 20.000 Meilen unter den

Meeren, Hörspiel mit Gottfried John, Ernst Jacobi,

Hermann Lause, Peter Gavajda u.a.

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: David Haynes &Friends feat. DorreyLyles

(voc)

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.00: Beyond the Black

Aufsturz (& 28 04 74 07)

21.00: Manfred SchulzeBläserquintett, Jazzkeller 69

b-flat (& 283 31 23)

21.30: Sebastian SchunkeBerlin Quartett

Badehaus (& 95 59 27 76)

20.00: Striking Matches,CountryMusic Week

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

21.00: Half Girl, Moon Gear

Bi Nuu (& 69 56 68 40)

20.00: JP Cooper

Columbiahalle (& 69 81 75 86)

20.00: Rüfüs de Sol

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: Red Hot Chilli Pipers

Gretchen (& 25 92 27 02)

20.00: Hayden James

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

21.00: Niels Frevert

Kiste (& 998 74 81)

21.00: Dirty Work

Kulturhaus Spandau (& 33 34 02 1/ 22)

20.00 Theatersaal: Peter Autschbach &Samira Saygili

Metropol (Nollendorfpl. 5)

22.00: Satori &The Band from Space

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: Airways; 20.00: The Amazons, support: Fibel

Passionskirche (& 69 40 12 41)

20.00: Martin Tingvall (Solo-Piano)

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: North Mississippi Allstars

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.30: The StanleyClarkeBand

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: Ulli &Die Grauen Zellen

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Pablo Woiz &MilongaRoots

Tempodrom (& 69 53 38 85)

19.30: Stas Mikhaylov

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00 Varieté Salon: Playmobeat

Wild At Heart (& 611 70 10)

22.00: The Lamplighters +NoExit

Zimmer 16 (& 48 09 68 00)

21.00: Ulrich Kleemann

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Joker

15.15, 20.45; Joker (OmU) 18.00, 22.40; Parasite

14.50, 20.30, 22.00; Parasite (OmU) 17.40,

21.40; Fritzi 14.15; Deutschstunde 16.20, 19.00;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 14.45; Systemsprenger16.45,19.20;Ich

warnoch niemals in NewYork

14.30,17.15, 20.00

Kino inder Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

Maleficent: Mächte der Finsternis 13.45, 17.10,

20.00, 23.00; Fritzi 13.45; Downton Abbey 13.50;

Joker (OmU) 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Das Kapitalim21.

Jahrhundert–Capital in theTwenty-First

Century(OmU) 14.00; Ich warnochniemalsinNew

York14.10,16.30, 19.30, 22.30; Shaun dasSchaf:

UFO-Alarm 14.15, 15.50; Systemsprenger 15.00,

22.15;Deutschstunde 16.30, 19.20;Der Glanzder

Unsichtbaren 16.30,19.00; Parasite16.45,19.45;

Nurejew 18.00; Finale (OmenglU) 19.00; After the

Wedding 20.50; IntensiveShorts(OmenglU) 21.15;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.40;

Parasite (OmU) 22.50

Krokodil (& 44 04 92 98) Und der Zukunft zugewandt

18.00; Vulkan –Volcano (OmU) 20.00; Dunkel,

fast Nacht –Ciemno, prawie noc (OmU) 22.00

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.15, 17.05,

20.00, 22.50; Joker 14.15, 17.10, 20.10, 23.00;

Der König der Löwen 14.15, 16.55; Lino: Ein voll

verkatertesAbenteuer 14.20; Ich war noch niemals

in NewYork 14.20, 16.50, 19.50, 22.55; Dora und

die goldene Stadt 14.20, 16.50; AToy Story 14.25;

Everest 14.30; Angry Birds 214.45; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 14.50, 17.05; Maleficent: Mächte

der Finsternis 16.50; Downton Abbey 17.00,

19.50; 3D: Gemini Man 17.10, 22.50; Dem Horizont

so nah 17.20, 20.10; Systemsprenger 19.20;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.20; 25 km/h

19.40; Joker (OF) 19.45; Gemini Man 19.55; Es II

22.15; Midnight Movie: Buffalo Boys 22.45; Rambo

5: Last Blood 22.55; Sneak Preview 23.00; 47 Meters

Down: Uncaged 23.00

Zeiss-Großplanetarium (& 42 18 45 12) Alien

–Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

(OF) 21.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) Mein Lotta-

Leben 11.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

11.00, 14.00, 17.00, 20.05, 23.10; Fritzi 11.00;

AToy Story 11.15; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

11.25, 14.10, 17.05; Playmobil 11.40; Pets II

11.40; Everest 12.00, 14.30, 17.00;

Angry Birds 2 12.15, 14.55; Ich war noch niemals

in NewYork 13.30, 16.40, 19.55, 22.40;Dem Horizont

so nah 13.30,19.45; Good Boys 13.45; Joker

13.50, 17.00, 20.10, 23.15; Dora und die goldene

Stadt 14.05, 17.30; Maleficent: Mächte der Finsternis

16.15; Der König der Löwen 16.35; Downton

Abbey 16.45; Es II 19.20, 22.25; 3D: Gemini Man

19.30; Ad Astra 19.35; Angel Has Fallen 19.50,

23.15; 47Meters Down: Uncaged 20.20, 23.00;

Midsommar 22.45; Rambo 5: Last Blood 23.05;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig,tot 23.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Systemsprenger 14.30; Deutschstunde 17.25,

20.20

Cosima (& 85 07 58 02) Und wer nimmt den

Hund? 18.00; Nurejew 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30

Xenon (& 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Nurejew (OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11)UglyDolls

10.00; Shaundas Schaf: UFO-Alarm10.00, 12.00;

Everest 10.00,12.00, 14.55; Angry Birds 210.00,

12.15, 14.20; AToy Story 10.00, 12.10; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.10, 14.10, 17.00,

19.45, 22.30; Ich war noch niemals inNew York

14.00, 16.55, 19.50, 22.45; Joker 14.20, 17.20,

20.10, 23.00; Dem Horizont so nah 16.40; Gemini

Man 17.10, 20.00, 22.50; Es II 19.20, 23.00

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 60 81) Und

wer nimmt den Hund? 13.30; Systemsprenger

15.30, 20.15; Und der Zukunft zugewandt 18.00

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Ich war noch niemals

in NewYork 14.30, 17.30, 20.30

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 0520)

UglyDolls 10.00, 12.00; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm10.00, 12.45, 15.00, 17.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 10.00, 12.15,14.30, 17.15,

20.00, 22.45; Everest 10.00, 12.10, 14.35; Dora

unddie goldene Stadt 10.00, 12.15, 14.10, 17.35;

Angry Birds 2 10.00, 12.10, 15.00; Der König

der Löwen 12.15; Downton Abbey 14.45, 17.00,

20.10, 23.00; Joker 15.00, 17.15, 20.05, 22.50,

23.10; Dem Horizont so nah16.40, 19.45;3D: Gemini

Man 17.45, 20.30; Es II 19.30, 23.00; After

theWedding 19.55, 23.00; Gemini Man 22.30

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Everest 10.00,

16.00; Dora und die goldene Stadt 10.00, 14.00,

16.00; Benjamin Blümchen 10.00; Angry Birds 2

10.00, 14.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 12.00,

13.45, 16.00; Playmobil 12.00; Pets II 12.00; 3D:

Angry Birds 212.00; Maleficent: Mächte der Finsternis

13.45, 15.30, 18.00, 20.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 18.00; Joker 18.00, 20.30;

Downton Abbey 18.00; Gemini Man 20.30; Dem

Horizont so nah 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Koreanisches Kino: Mimong

–Sweet Dream (OmenglU) 19.00; Koreanisches

Kino: Bandoui bom –Spring on the Korean

Peninsula (OmenglU) 20.30; Magical History Tour:

Martha 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 806969)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 12.30, 14.10; Pets II

12.30, 13.10; Joker 12.45, 15.00, 16.00, 17.00,

19.00, 19.45, 20.30, 22.20, 22.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.00, 16.00; AToy Story

13.00; Enzo und die wundersame Welt der Menschen

13.20; Der König der Löwen 13.20, 16.30,

19.50; Gemini Man 13.30, 20.45, 22.40; Everest

13.30, 17.50; Dem Horizont so nah 13.30, 16.40,

19.50; Ich war noch niemals inNew York 13.40,

16.10, 19.30, 22.50; Dora und die goldene Stadt

13.45, 16.30; Angry Birds 213.45; Mein Lotta-

Leben 13.50; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00, 17.10, 20.20, 22.50; Lino: Ein voll

verkatertes Abenteuer 14.50; Gut gegen Nordwind

14.50; Systemsprenger 16.20; Once Upon aTime

in... Hollywood 16.30, 20.30; Es II 16.30, 20.30,

22.20; After the Wedding 16.30, 19.30; Downton

Abbey 16.40, 19.20; Good Boys 16.50, 19.40;

3D: Gemini Man 17.00; 3D: Angry Birds 217.00;

Parasite 17.20, 19.45; Ad Astra 19.20, 22.40; Der

Glanz der Unsichtbaren 19.40; Yesterday 19.50;

Rambo 5: Last Blood 20.15, 23.00; 47 Meters

Down: Uncaged 20.50, 22.30; Midsommar 22.30;

Ready or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 22.50;

Fast &Furious: Hobbs &Shaw 23.00

CineStar imSony Center (& 04 51/703 02 00)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm –Shaun the Sheep

Movie: Farmageddon (OF) 13.30, 16.50; Downton

Abbey (OF) 13.30, 19.40; Angry Birds 2–The Angry

Birds Movie II (OF) 13.30; Der König der Löwen

–The Lion King (OF) 13.40; Dora und die goldene

Stadt –Dora the Explorer (OF) 13.45, 16.30;

UglyDolls (OF) 13.50; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil (OF) 14.00,

17.00, 20.00, 23.00;

Joker (OF) 14.15, 17.15, 19.10, 20.15, 23.15; Es

II (OF) 16.10, 22.40; 3D: Gemini Man (OF) 16.15,

19.20, 22.20; Ad Astra (OF) 16.20, 20.00, 23.00;

Maleficent: Mächte der Finsternis – Maleficent:

Mistress of Evil (OF) 16.30; Parasite (OmenglU)

19.30, 22.45; Once Upon aTime in... Hollywood

(OF)19.30;Midsommar(OF)22.30; Rambo 5: Last

Blood (OF) 23.15

CineStar IMAX (& 04 51/703 02 00) 3D: ABeautiful

Planet 11.30; Joker (OF) 13.00, 16.15, 19.30,

22.45

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Music for Cinemas:

Geräusche #5: Film und Livemusik 19.30

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) UglyDolls 10.00, 12.15;

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 10.00,12.00,14.00;

Everest 10.00,12.00, 16.00; Dora unddie goldene

Stadt 10.00, 12.15, 14.30; Angry Birds 210.00,

12.30; Lino: Ein voll verkatertes Abenteuer 14.00;

Ich war noch niemals in New York 14.30, 17.15,

20.00, 22.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Joker 16.00,

17.00, 20.00, 22.30; Dem Horizont so nah 18.00,

20.30; Gemini Man 19.00, 22.30

Casablanca (& 677 57 52) Momo 13.45; Über

Grenzen –Der Film einer langen Reise 15.45; Gut

gegen Nordwind 18.00; Es II 20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

UglyDolls 11.30; Playmobil 11.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 11.30,14.00,16.55, 19.50,

23.00; Fritzi 11.40; AToy Story 11.40; Everest

11.45,14.15,16.45; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

11.50, 14.10, 17.10; Pets II12.00; Mein Lotta-

Leben 12.10; Joker 14.00, 17.00, 20.00, 23.00;

Der Königder Löwen 14.00; Ich warnoch niemals in

New York 14.15, 17.10, 20.10, 23.10; 3D: Gemini

Man 14.20, 20.10, 23.00; Dora und die goldene

Stadt 14.30, 17.10; Angry Birds 214.40; Es II

16.30, 19.30, 22.30; Gemini Man 16.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.15; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.20; Gut gegen Nordwind

19.35; DemHorizontsonah 19.45; Ad Astra 20.15,

23.10; Midsommar 22.40; Rambo 5: Last Blood

23.15; 47 Meters Down: Uncaged 23.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Ugly-

Dolls 12.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 12.00;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis –Maleficent:

Mistress of Evil (OF) 12.00; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 12.00, 14.20, 17.10, 20.00, 22.50;

Everest 12.00, 14.20; Dora und die goldene Stadt

12.00, 14.30, 17.00; Angry Birds 212.00, 14.15;

Ich war noch niemals in New York 14.00, 17.00,

20.00,23.00; Dem Horizont so nah 14.30, 16.30;

Joker 14.40, 17.15, 19.50, 20.10, 23.00; Gemini

Man 17.00, 20.15, 22.40; 7. Kogustaki Mucize –

Das Wunder inZelle Sieben 17.30, 19.40, 22.30;

Karakomik Filmler 19.30; Es II 22.20; 47 Meters

Down: Uncaged 23.00

City Kino Wedding (& 01 77/270 19 76) Born in

Evin –Alles über Evin 19.00; Skin (OmU) 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 4001) Born inEvin –Alles

über Evin (teilw.OmU) 19.00; Candy Mountain

21.00

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Mein Leben als

Zucchini 10.30; Ich war noch niemals in New

York 14.30, 17.15, 20.00; Checker Tobi und das

Geheimnis unseres Planeten 10.30; Fritzi 13.45;

Everest 15.45; Und der Zukunft zugewandt 18.00;

Systemsprenger 20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) M.C.Escher:

Reise in die Unendlichkeit 16.10; Brot und Tulpen

– Pane eTulipani (OmU; m. Einführung) 18.00;

Deutschstunde 20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Der König der

Löwen 12.30; Deutschstunde 15.00, 20.15; Systemsprenger

17.45;Nurejew17.45; Gelobt sei Gott

20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 4678) Supa Modo 16.00; Interventions

of Love 18.00; Cleo 20.30

Capitol (& 831 6417) Parasite 14.50, 20.30;

Nurejew 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Wie

im Himmel (mit anschl.Singen) 17.00

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Lino: Ein

voll verkatertes Abenteuer 13.45; Die Insel der

hungrigen Geister (OmU) 13.45; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 14.00, 16.15; Fritzi 14.30; After the

Wedding 15.45, 20.45; Systemsprenger 15.45;

Welcome to Sodom –Dein Smartphone ist schon

hier (OmU) 16.30; Nurejew 18.15; Joker (OmU)

18.15, 20.45; Bruder Schwester Herz 18.15; Der

Glanz der Unsichtbaren 18.30; Deutschstunde

20.30; Skin 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70) Ich

warnoch niemals in NewYork13.40, 16.30, 19.40,

23.00; Gemini Man 13.40, 19.50, 23.00; Joker

13.50, 16.45, 19.40, 20.00, 23.00; Angry Birds

2 13.50; 3D: Maleficent 14.00, 16.30, 20.00,

23.00; Everest 14.00, 17.00; Downton Abbey

14.00, 16.45; Shaun das Schaf: UFO-Alarm14.10;

Dem Horizont so nah 16.50; Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.55; EsII22.45; Ad Astra 23.00

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 8877) Everest

14.45; Ich war noch niemals in New York 17.15,

20.15

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Die drei !!! 15.00; Frau Stern 17.15; Gelobt sei

Gott 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/703 0200) HFR 3D:

Gemini Man 11.50, 20.15, 23.00; Pets II 12.00;

Mein Lotta-Leben 12.00;AToy Story 12.05; Shaun

das Schaf: UFO-Alarm 12.10, 14.20, 16.25; 3D:

Maleficent 12.15, 17.00, 20.00, 23.00; UglyDolls

12.20; Angry Birds 212.20, 14.40, 17.15; Playmobil

12.30; Everest 12.30, 15.00; Maleficent

14.15, 17.30; Joker 14.20, 17.30, 20.15, 23.00;

Ich war noch niemals inNew York 14.20, 17.15,

20.10, 23.00; Der König der Löwen 14.30, 17.15;

Lino 15.00; Dora und die goldene Stadt 15.00,

17.15; Good Boys 15.10, 23.30; Downton Abbey

17.05; Dem Horizont so nah 17.20, 19.50; 3D:

Everest 18.30; Once Upon aTime in... Hollywood

19.40;Angel Has Fallen 19.50; EsII20.00,22.30;

Ad Astra 20.00; Gut gegen Nordwind 20.50; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 22.45; Ready orNot? –Auf

die Plätze, fertig, tot 22.50; Rambo 5: Last Blood

23.15; 47Meters Down: Uncaged 23.30

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Playmobil

10.00; Everest 10.00,16.00; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 10.00, 12.00, 16.00; Winnetou –Der

Schatz im Silbersee 12.00; 3D: Everest 12.00;

Mein Lotta-Leben 14.00; Angry Birds 214.00; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 15.00, 17.45,

20.30; Joker18.00,20.30;Systemsprenger18.00;

Gemini Man 20.30

Linden-Kino Wusterhausen (& 03 39 79/145 93)

Shaun das Schaf: UFO-Alarm 17.00; Joker 18.45,

21.00

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Angry Birds

214.00; Everest 15.00; Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 16.15; Ich war noch niemals in New York

17.15, 20.00; Downton Abbey 18.15; Rambo 5:

Last Blood 21.00


26 * Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

STREAMING

Die weltweiten

Katastrophen

unserer Zeit

VonMarcus Posimski

Terror, Intrigen, Drohungen –die

mächtigen Politiker zeigen sich

zurzeit nicht gerade vonihrer besten

Seite. Drei Serien, die zur aktuellen

Weltlage passen.

„The State“: Diese Serievon 2017 beschäftigt

sich mit der Terrororganisation

Islamischer Staat (IS) und deren

Strategie und Vorgehensweisen.

Wiewerden Ausländer (hier aus England)

rekrutiert, um für den IS zu

kämpfen, wie ist es möglich, dass

sich sogar Frauen freiwillig in die

Hölle einer Ehe mit Kämpfern begeben,

und wie sieht das Leben und

Alltag im Kriegsgebiet aus? Religiöser

Fanatismus und menschliche Abgründe

werden hier von Regisseur

und Autor Peter Kosminsky auf beeindruckende

Weise erklärt. In den

sehr kompakten vier Episoden folgen

wir einer kleinen Gruppe, die

von England über die Türkei ins

Kriegsgebiet kommt, um dort zu

kämpfen. Nichts für schwache Nerven,

aber eine sehr wichtige Serie.

Zu sehen bei Amazon Prime

„The Thick of it“: Eine der besten Comedy-Serien

der vergangenen Jahre

ist die in diesem Jahr leider zu Ende

gegangene Serie „Veep“. Wenigen

Zuschauern war jedoch bewusst,

dass Armando Iannucci zuvor schon

die Serie „The Thick of it“ gemacht

hatte, auf der „Veep“ basiert. Darin

geht es um das Zusammenspiel von

Politikern, Lobbyisten, Meinungsmacher

und den Medien in Großbritannien.

Natürlich handelt es sich

um eine fiktionale Serie, aber wie es

sich für gute Satire gehört, blickt

nicht selten die wahreFratzemachtgetriebener

Politik hindurch.

Zu sehen bei Amazon, iTunes,GooglePlay

„The West Wing“: DerKlassiker politischen

Dramas: Oscar-Gewinner

Aaron Sorkin hat die Serie geschrieben,

und in all den Jahren von 1999

bis 2006 ein Drama geschaffen, das

bis heute unerreicht ist. Sieben Staffeln

und 155 Episoden lang wurde

das Niveau der Serie konstant hochgehalten,

oder sogar immer mehr

gesteigert. Martin Sheen und Allison

Janney haben hier zweifellos die Rollen

ihres Lebens gespielt und von

kleinsten politischen Intrigen bis hin

zum Terroranschlag wurde in „The

West Wing“ alles behandelt. Wenn es

hier und da überspitzt zugehen mag,

bietet die Serietrotzdem einen guten

Einblick in die US-Machtzentrale.

Zu sehen bei Amazon,iTunes, GooglePlay

Wie taktieren die IS-Terroristen? Der Frage

geht die Serie „The State“ nach. PR

Marcus Posimski hat

amerikanische Kultur mit

Schwerpunkt Film studiert.

Emojis mag ich nicht. Ichsoll

meine Emotionen ausdrücken

mithilfe eines feststehenden

Sets, das Millionen

Menschen ebenso zur Verfügung

steht!?!

Die ersten Emojis zeigten ein lächelndes

oder trauriges Strichmännchengesicht.

Damit verglichen sind

die heutigen gewaltig weitergekommen,

aber …Das Aber ist riesig. Außerdem

wird heute Produktenttäuschung

gleich mitgeliefert. Wenn ich

dem System ein Foto meines Gesichts

liefernkann, erwarte ich, dass

es daraus etwas macht, statt mir mitzuteilen,

in welche seiner paar

Schubladen ich gehöre. Die von

Apple mit seinen Memojis versprochene

Personalisierung findet gerade

nicht statt. Außerdem: Keiner

der Anbieter hat den Sprung aus

dem Kindchenschema gewagt.

Ohne Kulleraugen geht zum Beispiel

auch bei Bitmojis nichts.

Natürlich gehört der

Wechsel des Outfits,des Aussehens,

das Ausprobieren neuer

Rollen, für viele Mitglieder unserer

Spezies zu den großen Vergnügungen.

Dasansich selbst

oder an einem Abbild

durchzuspielen, war das

Privileg der Künstler.

Jetzt können wir es

alle. Aber nur mit

Schablone, will ich

einwenden. Dabei

weiß ich genau,

dass auch

Künstler mit

Schablonen

arbeiteten

und arbeiten.

Ja, die Natur

selbst bedient

sich ihrer.

Aber verglichen

mit

der Variationsbreite

allein

in der Familie

Widmann

ist die Auswahl,

die mir die Emoji-

Palette bietet, erbärmlich.

Das Kindchen-

Schema allerdings, dem

die Emojis ihren Riesenerfolg

bei den meisten und ihrenradikalen

Misserfolg bei mir

verdanken, hat sich evolutionär offenbar

extrem bewährt. Es gilt wohl

mindestens säugetierweit. Es ist lächerlich,

mich dagegen zu stemmen.

Als mein Sohn mal mit seinem

Sohn, der war damals noch kein halbes

Jahr alt, in die Redaktion kam,

blickte ein Kollege in den Kinderwagen

und sagte: „Hallo Arno!“ Er fand

mein Enkel Carl sah aus wie ich. „Es

ist nicht nur die Glatze“, sagte er.Kein

Wunder, dass ich die Emojis, die aus

mir ein Baby machen, nicht mag. Als

ich ein Kind war, fragte mich meine

Mutter, obich denn gerne noch ein

Brüderchen oder Schwesterchen

hätte.Ich war begeistert. „Sicher,eine

ältereSchwester,das wäretoll!“

Slack sieht Europa als Wachstumsmarkt

Kommunikationsdienstleister hat sich für München und nicht für Berlin als Standort entschieden

Der Messaging- und Kommunikationsdienstleister

Slack will

Europa als Wachstumsmarkt noch

stärker in den Blick nehmen und besonders

in Deutschland wachsen.

„Deutschland ist ein perfektes Land

für uns“, sagte Slack-Chef und Mitgründer

Stewart Butterfield in München.

„Wir sollten hier zehnmal

mehr Kunden haben als heute.“

Ein entscheidendes Thema für

die Kunden in Europa sei, dass ihre

Daten auch hier gespeichert würden,

sagte der neue Slack-Chef für

Deutschland, Österreich und die

Schweiz, Oliver Blüher. „Das ist extrem

wichtig, keine Frage.“ Das US-

Unternehmen hatte kürzlich die

Speicherung auch in Deutschland

angekündigt. Ziel sei weiterhin, nach

der nun bereits mit Kunden laufenden

Testphase im Dezember regulär

zu starten. Slack baut sein Deutschland-Bürogerade

in München auf.

Wegmit den

Kulleraugen!

Emojis werden immer mehr und immer

persönlicher,aber das reicht nicht. Noch

immer geben sie uns nicht die Möglichkeit,

Slack bietet Unternehmen eine

Teamsoftwarezur Kommunikation –

vomeinfachen Chat bis zur komplexen

Zusammenarbeit etwa bei Projekten.

Dies soll auch eine Alternative

zuE-Mails sein. „Wir haben nie

gesagt, wir seien ein E-Mail-Killer“,

betonte Butterfield. Aber Slack sei in

vielen Fällen besser.Mittlerweile hat

Slack auch eine Verbindung zu E-

Mails geschaffen. „Die Möglichkeit

einer solchen Brücke ist sehr wichtig.“

Zudem lassen sich in Slack aktuell

viele Hundert Apps integrieren

und damit andere Anwendungen

wie Kalender, Auftragsabwicklung

und Projektmanagement direkt ansteuern.

Der Kanadier Butterfield hatte

Slack 2013 gestartet und ist CEO.Zur

Jahresmitte 2019 ging das Unternehmen

an die Börse.Mit seiner kostenlosen

Basisversion ist Slack besonders

bei Start-ups beliebt. Es sei aber

unsere Gefühle zu zeigen

VonArnoWidmann

Oben links ist die Matrix des Autors. Aus

ihr entwickelten Emoji-Apps die junge

Frau und den Mann mit Glatze. Die beiden

anderen Emojis mag der Autor besonders.

BLZ/MIKE FRÖHLING, UNICODE, APPLE, BITMOJI

keineswegs richtig, dass dies bei großen

Unternehmen weniger der Fall

sei, sagte Butterfield. Im Gegenteil,

Slack sei gerade für Konzerne mit

vielen Mitarbeiternideal und erfolgreich.

Blüher betonte: „60 Prozent der

im deutschen Aktienindex DAX-30

gelisteten Unternehmen sind zahlende

Slack-Kunden.“ Einnahmen

erzielt der Anbieter nur mit den Bezahlversionen,

die in mehreren Stufen

unter anderem mehr Features

und Datenspeicherung bieten.

Neben Slack haben unter anderem

Microsoft („Teams“) und Facebook

(„Workplace“) später gestartete

Konkurrenzprodukte entwickelt

–und es gibt noch weitere kleinere

Anbietern. Besonders Microsoft

drängt massiv in den Markt. „Natürlich

spüren wir den Druck“, räumte

Butterfield ein. Slack verzeichnete

zuletzt nach eigenen Angaben rund

Wer auf entsprechenden Seiten

sein Foto eingibt, bekommt neben

dessen männlichen Emoji-Varianten

auch die weiblichen eingespielt. Ich

bin begeistert. Allerdings bastele ich

mir nicht mit siebzigjähriger Verspätung

eine ältere Schwester, sondern

eine Siebzehnjährige mit der Brigitte-

Bardot-Frisur, die damals auch ein

paar meiner Klassenkameradinnen

trugen. Peinlich.

Der Löwe –womöglich ist ein Tiger?

–verstehtsich vonselbst. Astrologisch

bin ich nämlich einer. Mein

Horoskop für heute –für Sie, die Leserinnen

und Leser also gestern –

lautet: „Ihr bester Tag!“ Auch ein

Emoji. Mehr kann auch ein Löwe

nicht verlangen.

Das Exkrement mit Kindchenschema

mag ich, weil es mich daran

erinnert, dass wir alle –bestenfalls –

wieder als Nahrungsmittel für andere

Lebewesen enden werden. Außerdem

las ich vergangene Nacht Ian

McEwans jüngste Erzählung „The

Cockroach“. In Kafkas „Die Verwandlung“

wurde aus einem Menschen ein

Käfer.Bei IanMcEwan wirdaus einer

Kakerlake ein Mensch. Genauer gesagt:

ein britischer Premierminister.

Der erinnert sich, dass er

schon kurzvor seiner Menschwerdung

an einem Haufen

Pferdemist angewidert

vorbeiging.

Ich wäre ein begeisterter

Nutzer einer

App, mit deren Hilfe

ich mein Äußeres

radikal verändern

könnte. Verwandlungen

aller Art

stünden auf meiner

Wunschliste.

Aber es müssten

Verwandlungen

sein, bei denen

ich immer noch

zu sehen wäreund

nicht das Schema,

das sich ein paar

Leute irgendwo in

einem Studio ausgedacht

haben.

Im Neanderthalmuseum

in Mettmann gibt

es einen Fotoautomaten.

Wer sich von ihm knipsen

lässt, der bekommt ein

Porträt, das zeigt, wie er

oder sie als Neandertaler

ausgesehen hätte. Also

einbreiterer Unterkiefer,

eine niedrigere Stirn.

Man bleibt aber erkennbar.

Gibt eskeine App, die

mirVorschläge macht, wie ich

als Albert Einstein,Zinédine Zidane,

Madame Curie, OprahWinfrey plus

5000 andere Menschen und Tiere

aussehe? Das würde mich mehr

amüsieren als dieewig gleichen Kulleraugen.

Wenn es dann noch eine

App gäbe, auf der man das eigene

und das Foto der Freundin in sehr

unterschiedlichen Variationen

kombinieren könnte …

In unseren Gefühlen zeigen wir

uns. In Emojis werden wirversteckt.

zwölf Millionen täglich aktive Nutzer,

Microsofts „Teams“ etwa 13 Millionen.

Butterfield hält im Prinzip auch

eine Brücke zur Kommunikation

zwischen den verschiedenen Diensten

für denkbar. „Wir wären dafür

definitiv offen.“ Zugleich nannte er

das aber sehr komplex und

schränkte ein: „Das ist technisch

schwieriger als es scheinen mag.“

Größter Markt für Slack ist die

USA –gefolgt von Japan. Bereits seit

einiger Zeit arbeite rund die Hälfte

der Nutzer außerhalb der USA und

Kanada. „Europa ist ein enormer

Markt.“ Slacks Entscheidung für den

Standort München fiel besonders

mit Blick auf das Potenzial großer

Unternehmen im Süden. In der Auswahl

waren auch Hamburgals Medienstadt

und Berlin mit seinen vielen

Start-ups,woSlack aber ohnehin bereits

gut vertreten sei, hieß es. (dpa)

NACHRICHTEN

Apple, Google und Amazon

bleiben wertvollste Marken

Apple,Google,Amazon und Microsoft

bleiben in der Rangliste der

Marktforschungsfirma Interbrand

trotz des verstärkten Augenmerks

vonWettbewerbshüternauf Tech-

Konzerne mit Abstand die wertvollsten

Marken der Welt. In der am Donnerstag

veröffentlichten jährlichen

Studie errechnete Interbrand für

Apple einen Markenwertvon gut 234

Milliarden Dollar,ein Zuwachs von

neun Prozent. Google belegt Platz

zwei mit einem Plus vonachtProzent

auf 167,7 Milliarden Dollar.Bei

Amazon sehen die Marktforscher einen

Zuwachs von24Prozent auf

rund 125,3 Milliarden Dollar.Der

Online-Händler und Anbieter der

Sprachassistentin Alexa konnte damit

den Vorsprung zu Microsoft ausbauen:

DenMarkenwertdes Software-Riesen

schätzt Interbrand auf

knapp 109 Milliarden Dollar. (dpa)

Bund fördertDigitaltechnik

in der Landwirtschaft

In bundesweit 14 Projekten sollen

mit Förderung des Bundes digitale

Techniken in der Landwirtschaft

weiterentwickelt werden. Dafür stehen

in den nächsten drei Jahren 50

Millionen Euro bereit, wie das Bundesagrarministerium

mitteilte.Ressortchefin

Julia Klöckner (CDU)

sagte,satellitengesteuertes Fahren

auf Äckernsei bereits Realität. „Sensoren

helfen gezielt bei passgenauer

Aussaat und Düngung oder haben

das Einzeltier im Blick, um sein

Wohlbefinden zu verbessern.“ Mit

den 14 digitalen „Test- und Experimentierfeldern“

soll diese Entwicklung

vorangetrieben werden. (dpa)

Internationale Aktion

gegen Filesharing-Plattform

Ermittler haben bei einer internationalen

Razzia gegen die Betreiber einer

Filesharing-PlattformWohnungen

und Geschäftsräume in

Deutschland, Frankreich und den

Niederlanden durchsucht. Über die

Plattformsollen Raubkopien vonFilmen

und anderen Inhalten verteilt

worden sein. Angeblich handelt es

sich um das Portal share-online.biz.

DenAngaben zufolge wurden umfangreiche

Beweismittel sichergestellt.

Es gehe um unfassbareDatenmengen,

sagte ein Sprecher derbei

der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelten

Zentral- und Ansprechstelle

Cybercrime NRWamDonnerstag.

DieErmittlungen richtensichdemnach

gegen drei Männer im Alter von

40, 48 und 54 Jahren mit Wohnsitzen

in Nordrhein-Westfalen, Hessen und

Sachsen-Anhalt. Vondem Trio genutzte

Server hätten zudem in den

Niederlanden und in Frankreich gestanden.

(dpa)

Unfassbare Datenmengen konnten die

Täter nach Polizeiangaben erbeuten. DPA

Südafrikas erste

Handy-Fabrik eröffnet

Afrika drängt auf den Smartphone-

Markt: Zehn Tage nach der Eröffnung

ihrer ersten Handy-Fabrik in

Ruandas Hauptstadt Kigali hat die

Mara-Gruppe ihrezweite Smartphone-Produktionsstätte

in Südafrika

eröffnet. Südafrikas Präsident

CyrilRamaphosa sprach voneinem

wichtigen Meilenstein. „Wir setzen

uns in Bewegung ...“, sagte er. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 27

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55 (für HG)

Sturmder Liebe. Telenovela 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen. Telenovela 15.00 (für HG)

Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Fluss 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Werweiß

denn sowas? 18.50 (für HG) Quizduell-Olymp

19.45 (für HG) Sportschau voracht 19.50 (für

HG) Wetter voracht 19.55 (für HG) Börse vor

acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Meine Nachbarn mit dem

dicken Hund

Komödie, D2019. Susanne hat sich in

ihr Schneckenhaus zurückgezogen –bis

ihre neuen Nachbarnsie vorbesondere

Herausforderungen stellen.

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort: Melinda

Krimireihe, D2013. Mit Devid Striesow

23.30 (für HG) Mörderisches Tal–Pregau:

Die Erpressung

Krimireihe, D/A 2016

1.00 (für HG) Tagesschau

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht Report

11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –

Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Schätze aus Schrott

16.00 Mensch Papa! Väter allein zu Haus 17.00

Herz über Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns.

Daily Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell

19.03 RTL Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 (für HG) Ninja Warrior Germany –

Die stärkste Show Deutschlands

Spielshow. Unter anderem treten Rita

Benker sowie die Brüder Florian und

Michael Wohlgenannt an. Aufsie wartet

das Hangel-Labyrinth.

23.05 Darf er das? Live! Die ChrisTall Show

Comedyshow

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.35 (für HG) Ninja Warrior Germany –

Die stärkste Show Deutschlands

2.55 Darf er das? Live! Die ChrisTall Show

MDR

11.00 (für HG) MDR um 11 11.50 (für HG) In

aller Freundschaft 12.35 (für HG) Vergesst mir

meine Traudel nicht. Komödie, DDR 1957 13.58

(für HG) Aktuell 14.00 (für HG) MDR um 2 15.15

(für HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR

um 4 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00

Regionales 19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für

HG) Elefant, Tiger&Co. 20.15 (für HG)

Schlagerchance in Leipzig –Wer singt beim

Schlagerboom? 21.45 (für HG) Aktuell 22.00

(für HG) Riverboat 0.03 Aktuell

Bayern

13.30 (für HG) Traumhäuser wiederbesucht

14.15 (für HG) Hofgeschichten 14.45 (für HG)

Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Unser

Land 19.30 (für HG) Landgasthäuser Alpenseen

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Hubertund Staller 21.55 (für HG) Rundschau

Magazin 22.10 Grünwald Freitagscomedy 22.55

(für HG) Gesprengte Ketten. Kriegsdrama, USA

1963 1.40 Rundschau Nacht

Vox

5.20 (für HG) CSI: NY 6.55 CSI: Vegas 8.50

Verklag mich doch! 10.50 VoxNachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind 12.00 Shopping

Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00

Mein Kind, dein Kind 15.00 Shopping Queen

16.00 4Hochzeiten und eine Traumreise 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates

19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent!

20.15 (für HG) Bones. Die Fetzen nach dem

Funken /Pelants Rätsel um den Phantommörder

/Ein Star auf den Philippinen /Ein Meister vor

die Säue 0.00 VoxNachrichten

Super RTL

8.00 Mighty Mops 10.45 Bugs Bunny&Looney

Tunes 13.10 Polly Pocket 13.40 Mighty Mops

14.10 Die Tomund JerryShow 14.35 Dragons

15.05 Ninjago 15.35 Alvinnn!!! und die

Chipmunks 16.05 Zig &Sharko 16.35 Die

Nektons 17.05 Mr.Magoo 17.30 Zak Storm

18.05 Bugs Bunny&LooneyTunes 18.35

Woozle Goozle und die Weltentdecker 19.05

Alvinnn!!! und die Chipmunks 19.40 Super Toy

Club 20.15 Das magische Haus. Animationsfilm,

B2014 21.55 Columbo: Keine Spur ist sicher.

Krimireihe, USA 1997 0.00 Infomercials

Sport1

5.50 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

StorageWars –Die Geschäftemacher.

Doku-Soap. Das große Geld 16.00 Socca. WM.

Vorrunde, live 19.00 Sport1 News 19.30

Motorsport–DTM. Rückblick Saison 2019 20.00

FC Bayern Inside 20.30 Basketball. Die BBL.

Rasta Vechta –medi Bayreuth, 4. Spieltag,live

22.15 Sport1 News 22.30 Sky SportNewsHD:

Die 2. Bundesliga. 10. Spieltag 23.30 Der

bet-at-home.com Quotentalk 23.40 Sport1 News

0.00 SportClips 0.45 Teleshopping Nacht

ZDF

5.10 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoWien. Ritterschlag 19.00

(für HG) heute 19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für

HG) Bettys Diagnose. Gute Freunde

20.15 (für HG) Der Kriminalist

Krimiserie.Crash Extreme. Adrian Kober

wird voneiner Brückeauf die darunter

liegende Straße gestoßen. Sein eigener

Todwurde auf Video festgehalten, noch

dazu liveins Internet gestreamt.

21.15 (für HG) Soko Leipzig

22.00 (für HG) heute journal

22.30 (für HG) heute-show

23.00 Das Literarische Quartett von der

Frankfurter Buchmesse

23.45 heute+

0.00 (für HG) Neo Magazin Royale

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im

Einsatz 14.00 AufStreife 15.00 AufStreife –Die

Spezialisten 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer.Ganz der Papa? Wenn ein Junge

seinen Vater imitiert, ist das in der Regel süß.

Jedoch nicht bei Simon, denn sein Vater ist vor

einem Jahr tödlich verunglückt. Seine Mama hat

große Angst, dass der Kleine den Todnicht richtig

überwunden hat. 17.30 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer /oder Sat.1 Regional-Magazine

18.00 Genial daneben –das Quiz 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 Luke! Die Greatnightshow

LukeMockridgeverspricht die größte,

beste, früheste und längste Late-Night-

Showaller Zeiten: mit neuem Studio,

toller Band, großartigen Gästen,

überraschenden Aktionen

22.15 Mord mit Ansage –

Die Krimi-Impro Show

23.15 Nightwash

Comedyshow

0.10 Switch reloaded

Comedyshow

1.05 Sechserpack

WDR

11.55 (für HG) Abenteuer Erde 12.40

Erlebnisreisen 12.45 (für HG) Aktuell 13.05 (für

HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55 Erlebnisreisen

14.00 (für HG) Vonund zu lecker 14.30 (für HG)

In aller Freundschaft 16.00 (für HG) Aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) Aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Lieblingsstücke 18.45

(für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Unser

Land 2.0 21.00 (für HG) Das Beste im Westen

21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für HG) Kölner

Treff 1.00 (für HG) nuhr gefragt

NDR

12.00 (für HG) Brisant 12.25 (für HG) In aller

Freundschaft 13.10 (fürHG) In aller Freundschaft

–Die jungen Ärzte 14.00 (für HG) Aktuell 14.15

(für HG) die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 16.00 (für HG) Aktuell 16.20 (für HG)

Mein Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard,

Seebär &Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG)

Hofgeschichten 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) die nordstory 21.15 (für HG) Morddeutschland

21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für

HG) 3nach 9 0.00 NDR ComedyContest

Kabel eins

5.35 Abenteuer Leben Spezial 5.55 Without a

Trace 6.45 (für HG) The Mentalist 7.35 Blue

Bloods 9.30 (für HG) Navy CIS: L.A. 10.25 Navy

CIS 11.15 Without aTrace 12.10 Numb3rs

13.10 (für HG) Castle 14.00 (für HG) The

Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50

kabel eins news 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle! Wir

kümmernuns drum 20.15 (für HG) Elementary

21.15 Navy CIS 22.15 Navy CIS: NewOrleans

23.05 (für HG) Navy CIS: L.A. 0.05 Navy CIS

RTL 2

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Frauentausch –Kulthäppchen

15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die

Wache Hamburg 17.00 RTLZWEI News 17.04

RTLZWEI Wetter 17.05 Krass Schule –Die jungen

Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Terminator.Science-Fiction-Film,

GB/USA 1984 22.20 Terminator 2–Tagder

Abrechnung.Science-Fiction-Film, USA/F 1991

1.25 Red Heat. Actionfilm, USA 1988

Eurosport 1

8.30 Snooker:English Open in Crawley. Tag4

10.30 Radsport. Lombardei-Rundfahrt 12.00

Snooker.English Open in Crawley. Tag412.45

Snooker.English Open in Crawley. Viertelfinale,

live 19.00 Fußball. Vorberichte 19.15 Fußball.

Bundesligader Frauen. 7. Spieltag: Bayer04

Leverkusen –TSG Hoffenheim, live 21.00 Fußball.

Interviews und Highlights 21.15 Nachrichten

21.25 Snooker.English Open in Crawley.

Viertelfinale, live 23.00 Nachrichten 23.15

Fußball 0.30 Radsport

TV-Tipps

ARD, 20.15 UHR KOMÖDIE

Meine Nachbarn mit dem dicken Hund

Vor einem halben Jahr ist Susanne von ihrem Mann sitzen gelassen

worden, allerdings leugnet sie das vehement. Einzig ihrebeste Freundin

weiß über Susannes Single-Status Bescheid. Eine Lüge zieht die nächste nach

sich, und in diesem halben Jahr hat sich Susanne so verstrickt, dass sie sich

fast vollständig einigelt. Doch dann ziehen neue Nachbarn ein: die junge alleinerziehende

Mutter Kimund ihresiebenjährige Tochter Saphir (Theodora

Tetzlaff)sowie deren riesenhafter Hund Frau Hirschberger.Alle sind einfach

unmöglich. Kimist unreif und verantwortungslos,Saphir frech, der Hund ein

sabberndes Monster.Für Susanne,die nur ihreRuhe will, ist das eine wahre

Plage –und eine große Chance ... Regisseur Ingo Rasper inszenierte diese

subtile,warmherzige Komödie nach einem Drehbuch von Kathi Liers.

(D/2019)

Foto: ARD Degeto/Conny Klein

Anzeige

Bronze-Skulptur „Badeskizze“

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

4 6

9 7

5 3 7 1

8 3 9 6

2 4

2 6

4 3 2

5 1 9

7

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

4 7

1

3 4

3 6

9 3

9 8 5

2 1

2

Anmut und unverstellte Schönheit.

Die Skulptur wurde im

Wachsausschmelzverfahren gegossen

und von Hand patiniert und poliert.

Inklusive Signatur und

handnummeriertem Zertifikat.

Maße: 18×27×18cm(B/H/T)

Gewicht: 3,5 kg

Künstler: Erwin A. Schinzel

Preis: 2.290,– €

Art.-Nr. 1371042

*inkl. MwSt., zzgl. €6,95 Versand, ab €75,- versandkostenfrei. Die Lieferzeit beträgt ca.10 Tage.

Ihnen steht ein gesetzliches Widerrufsrecht zu. Alle Informationen über dieses Recht und die

Widerrufsbelehrung finden Sie unter www.berliner-zeitung.de/shop.

Ein Angebot der M. DuMont Schauberg Expedition der Kölnischen Zeitung GmbH &Co. KG,

Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln.

SUDOKU

www.berliner-zeitung.de/shop

Telefon 030 201 64 004

Limitiert

auf 199

Exemplare

LESERSHOP

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM17.10.2019

10. mittel MITTEL

7 1 6 9 3 5 8 4 2

5 4 3 8 1 2 6 7 9

2 8 9 7 4 6 5 1 3

9 7 1 6 5 4 3 2 8

8 5 2 3 7 1 4 9 6

3 6 4 2 8 9 7 5 1

4 9 8 1 6 7 2 3 5

1 3 5 4 2 8 9 6 7

6 2 7 5 9 3 1 8 4

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 17. 10. 2019

vom 17.10.2019

schwer

SCHWER

7 2 1 9 6 5 8 4 3

5 4 3 1 2 8 7 9 6

6 9 8 3 4 7 2 1 5

3 8 7 6 1 4 5 2 9

9 6 2 8 5 3 1 7 4

1 5 4 7 9 2 3 6 8

4 3 6 5 7 1 9 8 2

2 1 5 4 8 9 6 3 7

8 7 9 2 3 6 4 5 1

RBB

6.20 zibb 7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG)

Brandenburg aktuell 8.30 (für HG) Abendschau

9.00 (für HG) In aller Freundschaft 10.30 (für

HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturmder Liebe

12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche Frau

13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Meer

14.00 (für HG) Nach all den Jahren. Familienfilm,

D2013 15.30 (für HG) Tiere bis unters Dach

16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 17.00 (für HG) rbb24 17.05 (für HG)

Panda, Gorilla &Co. 17.55 (für HG) Unser

Sandmännchen 18.00 rbb UM6 18.27 rbb

wetter 18.30 zibb 19.27 rbb wetter 19.30 (für

HG) Abendschau /Brandenburg aktuell 20.00

(für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Eine Brückentour durch

Berlin

Rund um Berlins Brücken lässt sich viel

entdecken: die prachtvolle Museumsinsel,

das imposante Schloss wie auch

kleine, versteckte Naturparadiese.

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Riverboat

Talkshow

0.00 Talking Science

Talkshow

1.15 (für HG) Abendschau

1.45 (für HG) Brandenburg aktuell

ProSieben

5.00 2BrokeGirls 5.20 The Middle 6.00 (für

HG) Twoand aHalf Men 7.25 (für HG) The Big

Bang Theory 8.45 (für HG) HowIMet Your

Mother 10.35 Fresh Off the Boat 11.00 Mike&

Molly 11.30 2BrokeGirls 12.20 Mom 13.15

(für HG) Twoand aHalf Men 14.40 The Middle.

Das Neue Auto /Der Dritte Valentinstag 15.35

GreenSeven –Schlauerin90Sekunden! 15.40

(für HG) The Big Bang Theory. Der falsche richtige

Freund /Die animalische Amy /Der peinliche

Kuss 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für HG)

Die Simpsons.Eine Taube macht noch keinen

Sommer 18.35 Green Seven–Schlauer in 90

Sekunden! 18.40 (für HG) Die Simpsons. The

FightBefore Christmas 19.05 (für HG) Galileo

20.15 (für HG) Star Wars:

Das Imperium schlägt zurück

Sci-Fi-Film, USA 1979/1997. Nachdem

die Stellung der Rebellenauf Hoth

zerstörtwurde, wird LukeSkywalker von

Yoda im Gebrauch der Macht unterrichtet.

22.50 (für HG) 300

Comicadaption, USA 2006. Mit Gerard

Butler,Lena Headey

1.00 (für HG) Star Wars:

Das Imperium schlägt zurück

Science-Fiction-Film, USA 1979/1997.

Mit Harrison Ford, Carrie Fisher

Arte

11.20 Berlin –oder:Die Kunst der Flucht 12.15

(für HG) Re: 12.50 Arte Journal 13.05 Stadt

Land Kunst 14.00 Das Geld der Anderen.

Tragikomödie, F1978 15.45 (für HG) Mit dem

Zug entlang... 16.40 (für HG) Xenius 17.10 Wo

Bücher die Welt bedeuteten 17.40 Arktika

Incognita 18.30 Arktis –Leuchtendes Leben

untermEis 19.20 Arte Journal 19.40 Re: 20.15

(für HG) Die Spur der Mörder.Kriminalfilm, D

2019 21.45 Strip, Sex &Crime 22.35 Teddy

Pendergrass –IfYou Don’t KnowMe. Dokumentarfilm,

GB 2018 0.20 Tracks

3Sat

14.00 (für HG) Hessen vonoben 14.45 (für HG)

Der „merkwürdige“ Kleine Thüringer Wald 15.15

(für HG) Die Saalekaskade 15.45 (für HG)

Unsere Wälder –Die Wasserwälder der Mittelelbe

16.15 (für HG) Der Main und seine Fischer

17.00 (für HG) Die Rhön 18.30 nano 19.00 (für

HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Mörder oder Held?

21.00 makro 21.30 auslandsjournal extra 22.00

(für HG) ZIB 2 22.25 MaryShelley’sFrankenstein.

Horrorfilm, USA/J 1994 0.20 Frankenstein.

Horrorfilm, USA 1931

Phoenix

5.30 Westagentenfür die Stasi 6.15 Geheimpost

an den Westen 7.00 Das vergessene

Amerika 7.45 Amerikas neue Nazis 8.30

Bundestag live 14.00 phoenix vorort.Abschluss

EU-Gipfel zum bevorstehenden Brexit 14.45

CSU-Parteitag,liveaus München 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Die Briten 22.30 Das

letzte Postschiff nach St. Helena 23.00 phoenix

der tag 0.00 phoenix persönlich 0.30 augstein

und blome 0.45 Die Gesten der Mächtigen I–

Trump, Merkel &Putin 1.30 Die Gestender

Mächtigen II –Erdogan, Macron &Kim Jong Un

Kika

12.00 Kein Keks für Kobolde 12.25 The Garfield

Show 12.50 MarcusLevel 13.15 (für HG) Die

Wilden Kerle 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner

14.10 Schloss Einstein –Erfurt 15.00 (für HG)

Eine lausigeHexe 15.50 Miss Moon 16.15 Die

Piraten vonnebenan 16.50 Geronimo Stilton

17.35 Der kleine Ritter Trenk 18.00 Eine Möhre

für Zwei 18.10 (für HG) Der kleine Drache

Kokosnuss 18.35 Ernest &Celestine 18.47

Baumhaus 18.50 Sandmann 19.00 (für HG)

Yakari 19.25 (für HG) logo! 19.30 #SuperBeste-

Lehrerin. Fantasyfilm, NL 2018

Dmax

6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn 9.20

BaggageBattles 9.50 Infomercial 10.15 Shark

Tank 12.15 Repair Shop 13.15 Dubai Airport

14.15 Ausgesetzt in der Wildnis 15.15 Ed

Stafford: Wieich die Welt überlebte 16.15 Die

Zwangsvollstrecker 17.15 Combat Dealers 18.15

SteelBuddies 19.15 A8 20.15 Hurricane Man

21.15 YukonMen 22.15 Moonshiners 23.10

DMAX News 23.15 Caravaning &Cooking:Brian

auf großer Tour 23.45 Man vs. Food mit Casey

Webb 0.10 DMAX News 0.15 King of Bacon

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ARD-Morgenmagazin 9.00 Nachrichten 9.15 Dre

Lehrer–EinSchuljahr 9.45 Shift 10.00

Nachrichten 10.15 quer 11.00 Nachrichten

13.00 ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Nachrichten

19.15 Mex –Das Marktmagazin 20.00

Tagesschau 20.15 Monitor 20.45 Der

Umwelt-Surfer –Kampf gegenden Müll im Meer

21.15 Tagesschau 21.17 Geheimnisvolle Orte

22.00 Tagesthemen 22.15 mehr/wert 22.45

Extra 23.00 Tagesthemen 23.15 Der große Run

auf die Berge 0.00 Tagesthemen 0.15 Münchne

Runde 1.00 Göreme –Felsenstadt der frühen

Christen 1.15 Tagesschau 1.25 mehr/wert

ONE

5.20 Um Himmels Willen 6.10 Großstadtrevier

7.00 Erlebnisreisen 7.10 Brisant 7.50 Servus,

Schwiegersohn! Komödie, D2019 9.20 Brisant

10.00 Hot in Cleveland 10.40 Lindenstraße

11.10 Großstadtrevier 12.00 Sturmder Liebe

13.35 Um Himmels Willen 14.25 PartyofFive

15.50 Morden im Norden 16.40 Hot in

Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Hartaber

herzlich 18.40 Sturmder Liebe 20.15 extra 3

21.00 Die Kleinen und die Bösen. Komödie, D

2015 22.25 Grand Hotel 23.55 Tatort: Melinda

Krimireihe, D2013 1.25 Hot in Cleveland 2.05

Die Kleinenund die Bösen. Komödie, D2015

3.35 Hustle –Unehrlich währtamlängsten

ZDF NEO

5.00 Scott &Bailey 5.50 Scott &Bailey 6.35

Vera –Ein ganz speziellerFall: Jahrmarktkinder.

Krimireihe,GB2016 8.05 Topfgeldjäger 9.00

(für HG) Lafer!Lichter!Lecker! 9.45 (für HG)

Bares für Rares 10.35 (für HG) Bares für Rares

11.30 Dinner Date 12.15 (für HG) Monk 12.55

(für HG) Monk 13.35 Psych 14.15 Psych 15.00

(für HG) Monk 15.40 (für HG) Monk 16.20

Psych 17.00 Psych 17.45 (für HG) Bares für

Rares 18.35 Dinner Date 19.20 (für HG) Bares

für Rares 20.15 Death in Paradise 21.05 Death

in Paradise 22.00 Death in Paradise 22.50

Countdown Copenhagen II 23.35 The BodyFarm

0.30 The BodyFarm 1.25 The BodyFarm

ZDF INFO

9.15 Brexit –Scheidungskrieg in Europa 10.00

Angriff auf die Demokratie –Wurde der Brexit

gekauft? 10.45 Mr.Brexit –Boris Johnsons Weg

in die Downing Street 11.15 Hinter den Kulissen

des Brexit 12.00 (für HG) Die sieben größten

Gefahren für die EU 12.45 Die sieben größten

Fehlerder EU 13.30 Wunder der Wissenschaft

17.30 Leschs Kosmos 18.00 PokerBrain –Im

Kopf der Profi-Zocker 18.45 Aufgedeckt –Rätsel

der Geschichte 19.30 (für HG) Schätze aus der

Unterwelt –Entdeckung in Mexiko 20.15 Die

Geheimnisse der Cheops-Pyramide 21.00

Aufgedeckt –Rätsel der Geschichte 0.00 (für HG

Magisches Deutschland

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Die Dirigentin und Cembalistin

Emmanuelle Haïm, ca. 46 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert U. a.: MatthewShlomowitz: „Glücklich,

Glücklich, Freude, Freude“ für Tasteninstrument

und Orchester (Uraufführung), ca. 147 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

On Stage Hardrock-Zeitreise unter Stuck. Die

norwegische Band Spidergawd, ca. 55 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Propaganda (29/29). VonSteffen

Kopetzky,ca. 30 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Die Jaguarschamanen sterbenaus

Eine Expedition in den Amazonaswald. Von

Thomas Fischermann, ca. 50 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Hörspiel Dope! (3/6). VonTim Staffel,

ca. 56 Min.

22.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Musikfeuilleton Pianisten in der DDR (1/4).

HugoSteurerund Amadeus Webersinke,

ca. 30 Min.

MAGAZIN

16.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Büchermarkt Klassiker verlegen heute,

ca. 20 Min.

18.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Wortwechsel Umsteuern in derZeitenwende.

Waskann die Politik, was will die Gesellschaft?,

ca. 55 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Mikrokosmos –Die Kulturreportage Das „Dorf

der Jugend“ in Sachsen.Zukunft selbst gestalten

VonManuel Waltz, ca. 45 Min.

19.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Zeitfragen. Literatur „In der großen Schwere

das unglaublich leichte Licht“. Begegnungen mit

dem Schriftsteller JonFosse, ca. 30 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice DebbyBoone erinnertanihre Tante

RosemaryClooney. ca. 30 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jazz Berlin Jazzfest Berlin 1983 –Etta James

und Richard Teitelbaum, ca. 116 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Milestones –Jazzklassiker Botschafter des

Jazz. Zum 100. Geburtstag des Schlagzeugers Art

Blakey,ca. 45 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 242 · F reitag, 18. Oktober 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Gerald Gerlach (61) ist Professor für

Festkörperelektronik an der Technischen

Universität Dresden und in

dieser Funktion nicht nur mit der Forschung,

sondernauch der Lehrebefasst.Wasletzteres

betrifft, macht der

Gelehrte nun insofernvon sich reden,

als er seinen Studenten ab dem fünften

Semester erlaubt, bei den schriftlichen

Prüfungen einen Spickzettel zu

benutzen. Gerlach sieht darin keinen

Betrug, im Gegenteil:„Wenn man

sich einen Spickzettel macht, muss

man wegen der begrenzten PlatzverhältnisseWichtiges

vonUnwichtigem

trennen, man muss also Ordnung im

Kopf schaffen.“ DieVerfertigung eines

Spickzettels,erklärtGerlach sein

pädagogisch ausgeklügeltes Motiv,

bringe die Studenten dazu, ihrWissen

aufzubereiten und sich dabei auch

schon ihr Prüfungswissen anzueignen.Wirlernen:

DieSpickzettelei

macht den Spickzettel überflüssig.

Heidi Klum (46) weist uns freundlicherweise

darauf hin, dass am 31. Oktober

wieder Halloween gefeiertwird,

also dieses irgendwie US-amerikanisierte,konsumgüterindustrialisierte

Erntedankfest, und dass sie,die

Klum, sich dafür wieder aufwendig

verkleiden wird. AufInstagram verrät

uns das Model aus Bergisch Gladbach

außerdem, dass man ihm bei den

Kostümarbeiten zuschauen kann,

savethe date: Am 31. Oktober wird

Heidi Klum im großen Schaufenster

vonAmazon Books verwandelt, Beginn:

10 Uhr, Dauer:zehn Stunden,

Ort: NewYorkCity,7West 34th Street

in Manhattan. Nichts wie hin!

David Hasselhoff (67)

kommt nach Berlin, und

hier gilt das Save the

Date aber sowas

von: DerUS-Sänger

wirdandiesem Sonnabend

um 15 Uhrauf