BKKiNFORM 3.0 2019

ruvbkk

Kundenmagazin der R+V Betriebskrankenkasse

AUSGABE 03 2019

TITEL THEMA

Der Klimawandel und was

jeder von uns tun kann

SERVICE LEISTUNGEN

R+V BKK beendet 2018 wie

geplant mit Ausgabenüberschuss

BUNT GEMISCHT

Wenn Kinder und Jugendliche

kranke Angehörige pflegen


BKKiNFORM 03 2019

KURZ NOTIERT

IMPRESSUM & HINWEISE

04 Erleben Sie uns online mit „Meine R+V BKK“ //

„Was hab‘ ich?“ und R+V BKK erhalten dfg Award

Herausgeber

R+V Betriebskrankenkasse

65215 Wiesbaden

Tel. 0611 99909-0

Fax 0611 99909-119

NEUESTE NACHRICHTEN

05 Platz 6 bei „Top Service Deutschland 2019“ //

Kunden-Newsletter wieder da! // Buchgewinn

geht nach Meckenheim

Redaktion

Christian Fauth (V.i.S.d.P.),

R+V BKK

Mitarbeit an dieser Ausgabe

Michaela Ansems, Christian Diel,

Julia Harter, Marcel Pirro

SERVICE LEISTUNGEN

Artdirection & Layout

Karina Wilinski, R+V BKK

07

06 R+V BKK beendet 2018 wie geplant mit

Ausgabenüberschuss

07 DMP – optimal versorgt bei chronischen

Erkrankungen // Studie erprobt Wirksamkeit

der Liposuktion bei Lipödem

Fotoquellen

siehe einzelne Seiten

Bonolino

Klaus Wilinski (Illustrationen),

Tanja Zeitz (Text)

Korrektorat

b.st text, Berlin, www.best-text.de

Tel. 030 69 00 13 13

TITEL THEMA

08 Der Klimawandel und was jeder von uns tun

kann – Interview mit TV-Moderatorin

Jennifer Sieglar

Druck & Vertrieb

KKF-Verlag, Martin-Moser-

Straße 23, 84503 Altötting

Tel. 08671 5065-10

Auflage

98.550

12 Plastikmüll gefährdet die Umwelt

Erscheinungsweise

4-mal jährlich

14 Treibhausgase reduzieren und Klimawandel

stoppen

Redaktionsschluss

31. August 2019

15 Regional kochen: Pasta mit Rote-Bete-Sauce

Bezugsquelle

R+V Betriebskrankenkasse

08

20

GESUNDES WISSEN

16 Der Erholung auf der Spur

BUNT GEMISCHT

18 Wenn Kinder Angehörige pflegen

HÖCHST PERSÖNLICH

20 Auf Youtube und Instagram mit Herz und

Seele – Interview mit R+V BKK-Mitglied

Sissi Kandziora

BUNT GEMISCHT

21 Bonolino und die fabelhafte Welt der Wälder

Die Angaben auf diesen Seiten

beschreiben eine Auswahl

unseres Leistungsangebotes.

Diese Auswahl erhebt keinen

Anspruch auf Vollständigkeit.

Bitte beachten Sie, dass nur

der gesetzliche Leistungskatalog

und unsere Satzung die

R+V BKK rechtlich binden. Wir

beraten und informieren Sie

gern ausführlich. Hinweis: Keine

Reproduktion des Inhalts ohne

schriftliche Genehmigung des

Herausgebers. Für unverlangt

eingesandte Manuskripte, Fotos

etc. übernimmt der Herausgeber

keine Haftung. Wir behalten uns

das Recht vor, Leserbeiträge

auszugsweise bzw. in gekürzter

Fassung zu veröffentlichen. Das

Magazin dient der BKK dazu, ihre

gesetzlichen Verpflichtungen

zur Aufklärung der Versicherten

über deren Rechte und Pflichten

in der Sozialversicherung zu

erfüllen. Rechtsverbindlich für

sozialrechtliche Themen sind

Gesetz und Satzung.

Fotos: Titel –© Arpad Nagy – Bagoly/stock.adobe.com; chaiyapruek; Stockwerk-Fotodesign/stock.adobe.com; SissiKandziora – privat


BKKiNFORM 03 2019

VORWORT

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

„Der Klimawandel ist das entscheidende Thema unserer Zeit, und wir

sind an einem entscheidenden Moment angekommen“, schreiben die

Vereinten Nationen auf ihrer Homepage. Für den 23. September 2019

hat UN-Generalsekretär António Guterres die UN-Mitgliedstaaten

nach New York zu einem Klimagipfel eingeladen und aufgefordert,

konkrete Vorschläge zu machen, wie sich das im Pariser Klimaabkommen

vereinbarte Ziel einer maximalen Erderwärmung von unter

1,5 Grad C noch erreichen lässt. Wird diese Marke überschritten,

„können ‚Kipppunkte‘ im Erdsystem erreicht werden, mit unkontrollierbaren

Folgen für Ökosysteme und Lebensräume“, schreibt

das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung in seinem Positionspapier „Klimaschutz – die Überlebensfrage

der Menschheit“. Die Zeit drängt. Schon Anfang Dezember

steht das nächste Gipfeltreffen an, der große UN-Weltklimagipfel in

Santiago de Chile. Wie Sie verfolge ich die Gipfeltreffen über die Medien

und hoffe, dass die politischen Führer Maßnahmen vereinbaren

werden, die die drohende Klimakatastrophe abwenden.

Wir sind passive Zuschauer, wenn es um Klimagipfel geht, doch in

unserem eigenen Lebensalltag sind wir die Akteure. Jeder von uns

kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Und ist er noch so

klein: Er wird helfen, den Klimawandel zu verhindern. Die bekannte

TV-Moderatorin und Journalistin Jennifer Sieglar hat ein Jahr lang

erprobt, was wir – auch ohne großen Aufwand – für unser Klima tun

können, und ihre Erfahrungen in ihrem Buch „Umweltliebe“ zusammengefasst.

Wir haben sie gefragt, welchen Unterschied es macht,

wenn man statt Einweg- nur noch Mehrwegflaschen verwendet, wie

man seinen Plastikmüll beim nächsten Supermarkteinkauf reduzieren

kann und vieles mehr. Schauen Sie einfach rein, es sind sicherlich

auch für Sie interessante Anregungen dabei.

Ansonsten haben wir für Sie in dieser Ausgabe eine bunte Mischung

an Themen zusammengetragen, angefangen bei unseren Geschäftszahlen

2018 – hier sind wir der Aufforderung des Bundesgesundheitsministeriums

gefolgt und haben unsere Rücklagen um mehr als

6 Mio. Euro abgebaut – über die Situation von Kindern und Jugendlichen,

die zu Hause kranke Familienangehörige pflegen, bis zu

unserem Interview mit Sissi Kandziora, Mitglied der R+V BKK, die von

ihren Erfahrungen als Youtuber und Influencer erzählt. Besonders

freut mich, dass wir auch in diesem Jahr wieder mit dem sechsten

Platz beim Firmenwettbewerb TOP Service Deutschland beweisen

können, dass Ihre Gesundheit und Ihre Zufriedenheit mit unserer

R+V BKK für uns an erster Stelle stehen.

Ich wünsche Ihnen eine informative und unterhaltsame Lektüre und

uns allen, dass die bevorstehenden Klimagipfel Anlass zu konkreter

Hoffnung geben.

Foto: © Frank-Lothar Lange

Herzlichst Ihre

Iris Schmalfuß

Vorständin der R+V BKK

03


KURZ NOTIERT BKKiNFORM 03 2019

GEFÄLLT MIR… GEFÄLLT

MIR NICHT… GEFÄLLT

MIR… GEFÄLLT MIR

NICHT… GEFÄLLT MIR…

GEFÄLLT MIR NICHT… GEFÄLLT

MIR… GEFÄLLT MIR NICHT…

GEFÄLLT MIR… GEFÄLLT MIR

NICHT… GEFÄLLT MIR… GEFÄLLT MIR

NICHT… GEFÄLLT MIR…

Erleben Sie uns online mit

„Meine R+V BKK“

In der letzten Ausgabe haben wir unsere neue Online-Geschäftsstelle

„Meine R+V BKK“ vorgestellt. Bisher haben sich 7.000 R+V BKK Versicherte

dort neu registriert. Herzlich willkommen! Wir freuen uns,

dass Sie unseren neuen Online-Service nutzen. Für alle, die noch

nicht bei „Meine R+V BKK“ sind, hier noch einmal die Funktionen,

die Ihnen unsere Online-Geschäftsstelle bietet:

» Nutzen Sie Ihr persönliches und sicheres Nachrichtenpostfach,

um mit uns in Kontakt zu treten.

» Ändern Sie Ihre Anschrift oder Bankverbindung.

» Fotografieren Sie Ihre Krankmeldung und reichen Sie sie online

bei uns ein.

» Laden Sie Ihre Versicherungs-/Mitgliedsbescheinigung, einen

Behandlungsschein oder einen Auslandskrankenschein herunter.

» Ändern Sie Ihr Foto für die elektronische Gesundheitskarte

oder bestellen Sie eine neue Gesundheitskarte.

Und so können Sie sich registrieren: Klicken Sie auf unserer Homepage

rechts oben auf „Meine R+V BKK“ oder öffnen Sie die kostenlos

erhältliche „Meine R+V BKK“-App bei Google Play (Android) oder im

App Store (iPhone/iPad).

Klicken Sie auf „Jetzt registrieren“ und geben Sie Ihre Daten ein.

Wir senden Ihnen innerhalb weniger Tage Ihre Zugangsdaten per

Post zu. Diese können Sie anschließend am PC und in der App zur

Anmeldung nutzen.

„Was hab‘ ich?“ und R+V BKK

erhalten dfg Award

Du kannst natürlich

04

das Gänseblümchen

fragen, aber klick doch

einfach mal rein und

entscheide selbst!

www.facebook.com/ruvbkk

Freuen sich über den dfg Award (v.l.):

Christian Ott, Christian Diel (beide R+V

BKK), Ansgar Jonietz, Geschäftsführer

„Was hab‘ ich?“, und Thomas Schaaf,

stv. Vorstand R+V BKK.

„Was hab‘ ich?“ und die

R+V Betriebskrankenkasse

sind für ihre Kooperation

mit dem dfg Award

2019 in der Kategorie

„Herausragende digitale

Kommunikation mit den

Versicherten“ ausgezeichnet

worden. Prämiert

wurde ein besonderer

Service der R+V BKK für

ihre Versicherten: Sie

können Arztbriefe und

Befundberichte von „Was

hab‘ ich?“ übersetzen lassen

und erhalten Sonderkonditionen

in Form einer

schnelleren Bearbeitung.

Die als Befundübersetzer

ausgebildeten Medizinstudierenden und Ärzte erklären die medizinischen

Befunde in leicht verständlicher Sprache. Der Award wird

jährlich vom Dienst für Gesellschaftspolitik (dfg) und dem MC.B

Verlag an Unternehmen, Verbände und Einrichtungen des Gesundheitswesens

für herausragende Leistungen verliehen.

Foto: © janbussan; geschmacksRaum/stock.adobecom; dfg award/R+V Betriebskrankenkasse


BKKiNFORM 03 2019

NEUESTE NACHRICHTEN

Platz 6 bei „Top Service Deutschland 2019

Die R+V BKK hat beim diesjährigen

Wettbewerb „TOP SERVICE Deutschland

2019“ in der Kategorie B2C

(Business to Consumer) den sechsten

Platz belegt. Damit hat sie sich

gegenüber dem Vorjahr um einen

Rang verbessert. Der vom Beratungsunternehmen

ServiceRating

sowie von der Universität Mannheim

und dem Handelsblatt veranstaltete

Firmenwettbewerb misst die Kundenorientierung

und Servicequalität

anhand von Kundenbefragungen und

einem Audit in den teilnehmenden

Firmen. Die Geschäftsführer der

ServiceRating GmbH überreichten

Marvin Suhe und Maik Schumann

von der R+V BKK Anfang Juni in Köln

die Auszeichnung für deren gutes

Abschneiden. Die R+V BKK nimmt

seit Jahren an dem Firmenwettbewerb

TOP SERVICE Deutschland teil

und erzielt regelmäßig Platzierungen

in den Top Ten. Sie nutzt den Wettbewerb,

um die eigene Servicequalität

von unabhängigen Experten überprüfen

zu lassen.

Kunden-Newsletter wieder da!

Vielleicht haben Sie ihn schon vermisst:

unseren Newsletter. Technische

und auch datenschutzrechtliche

Gründe haben der beliebten digitalen

Kundeninformation mit dem attraktiven

Gewinnspiel eine längere

Pause „verordnet“. Doch seit Kurzem

erscheint unser Kunden-Newsletter

wieder regelmäßig, mit neuem Auftritt,

interessanten Themen und –

wie gewohnt – schönen Gewinnen.

Auf unserer Homepage können Sie

das Stichwort „Newsletter“ als Suchbegriff

eingeben und sich im Archiv

alle neuen Newsletter der vergangenen

Monate aufrufen. Dort finden

Sie zum Beispiel alles rund ums

Thema Krankengeld oder lernen

unsere neue Online-Geschäftsstelle

kennen. Und wenn Sie schon mal

stöbern, melden Sie sich doch auch

gleich für unseren Newsletter an,

so verpassen Sie keine Neuigkeiten

mehr aus Ihrer R+V BKK – und können

auch an unserer Mitmachaktion

teilnehmen.

Buchgewinn geht nach Meckenheim

Das Buch „Leben mit einem Navy

SEAL“ des US-amerikanischen

Bestsellerautors Jesse Itzler stand

in unserer letzten Ausgabe zur Verlosung

an. Es handelt von den 31

Tagen, an denen sich der Extremmarathonläufer

Itzler dem knallharten

Trainingsprogramm des Navy SEAL

David Goggins unterzog. Der New

York Times Bestseller ist in deutscher

Sprache 2019 bei Unimedica im

Narayana Verlag erschienen.

Das Losglück fiel auf unsere Versicherte

A. Sommer aus Meckenheim.

Herzlichen Glückwunsch!

Foto: © SimpLine/stock.adobecom; R+V Betriebskrankenkasse

Unser Service für Sie: Erreichbarkeit per Telefon und Internet

Service-Rufnummer:

0611 999 09-0

Arzt-Terminservice:

0800 426 5446 (gebührenfrei)

Beschwerdetelefon:

0611 999 09-0

Unabhängige Patientenberatung:

Deutsch 0800 011 7722 (gebührenfrei)

Mo. bis Fr. 8 –22 Uhr, Sa. 8 –18 Uhr

Türkisch 0800 011 7723 (gebührenfrei)

Mo. bis Sa. 8 –18 Uhr

Russisch 0800 011 7724 (gebührenfrei)

Mo. bis Sa. 8 –18 Uhr

Arabisch 0800 33 22 12 25 (gebührenfrei)

Di. 11 –13 Uhr, Do. 17–19 Uhr

www.ruv-bkk.de

info@ruv-bkk.de

www.facebook.com/ruvbkk

AUSKUNFT

Online-Mitgliedschaft:

https://mitgliedschaft.ruv-bkk.de

05


SERVICE LEISTUNGEN BKKiNFORM 03 2019

R+V BKK beendet 2018 wie geplant mit Ausgabenüberschuss

Die R+V BKK gibt 2018 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 5,3 Prozent mehr für Leistungen aus.

Je Versichertem wendet sie 2.328,24 Euro auf. Die Gesamtausgaben betragen 394,1 Mio. Euro.

Auf der Einnahmenseite verbucht

die R+V BKK 387,9 Mio. Euro, so

dass sie einen Überschuss der Ausgaben

in Höhe von 6,2 Mio. Euro erzielt

und, wie im Haushaltsplan für

2018 vorgesehen, Rücklagen abbaut.

Die Höhe der Betriebsmittel und

Rücklagen beträgt zum 31.12.2018

insgesamt 42,1 Mio. Euro. Mit dem

Abbau der Rücklagen, der 2019

fortgesetzt wird, kommt die R+V

BKK den vom Bundesgesundheitsministerium

aufgestellten Vorgaben

für die gesetzlichen Krankenkassen

nach.

Die größten Ausgabenposten im

Jahr 2018 sind Krankenhausbehandlungen

mit 102,8 Mio. Euro

(+4,7 Prozent), ärztliche Behandlungen

mit 74,5 Mio. Euro (+4,2

Prozent), Arzneimittel mit 61,2

Mio. Euro (+9,8 Prozent) und Krankengeld

mit 35,8 Mio. Euro (+3,9

Prozent). Die höchsten Steigerungsraten

verzeichnen neben den

Arzneimitteln die Leistungsbereiche

Dialyse mit 22,3 Prozent (1,2 Mio.

Euro), Heilmittel mit 11,9 Prozent

(12,9 Mio. Euro) und Fahrkosten mit

9,6 Prozent (6,0 Mio. Euro). Die Ausgaben

für Prävention steigen 2018

um 2,9 Prozent auf insgesamt 14,6

Mio. Euro. Die Verwaltungskosten

erhöhen sich um 3,9 Prozent und

betragen 22,6 Mio. Euro. Das sind je

Versichertem 142,67 Euro.

Auch 2018 verzeichnet die R+V BKK

wieder einen Zuwachs an Mitgliedern.

Deren Zahl steigt um 748 auf

118.632 an.

Die Zahl der Familienversicherten

ist wie bereits 2017 leicht rückläufig,

so dass die Versichertengemeinschaft

der R+V BKK 2018 um 264

Personen auf 158.703 anwächst.

06

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

ETL-Heimfarth & Kollegen GmbH

hat das Geschäftsergebnis 2018

geprüft und einen uneingeschränkten

Bestätigungsvermerk erteilt.

Auf Basis der Jahresrechnung 2018

wurde Vorständin Iris Schmalfuß

durch den Verwaltungsrat entlastet.

Den ausführlichen Geschäftsbericht

finden Sie auch auf unserer Homepage

www.ruv-bkk.de unter dem

Punkt „Impressum“.


BKKiNFORM 03 2019

SERVICE LEISTUNGEN

DMP – optimal versorgt bei chronischen Erkrankungen

denen Programmen für Diabetes

mellitus Typ 1 und Typ 2, koronare

Herzkrankheit, Asthma bronchiale,

COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung)

und Brustkrebs

machen aktuell rund 7.700 R+V BKK

Versicherte mit und profitieren gleich

in mehrfacher Hinsicht. Die Teilnahme

hilft nicht nur, Doppeluntersuchungen

dank der Koordination aller

Behandler durch den DMP-Arzt zu

vermeiden, sondern ermöglicht auch

einen auf die individuelle Situation

abgestimmten Behandlungsplan.

Die an den DMP-Programmen teilnehmenden

Ärzte verpflichten sich

zudem zu regelmäßigen fachlichen

Weiterbildungen. Damit und durch

die regelmäßige gesetzlich vorgeschriebene

Evaluation ist gewährleistet,

dass die medizinische Versorgung

ständig weiterentwickelt wird und wie

immer auf dem neuesten wissenschaftlichen

Stand ist.

Regelmäßige Arztbesuche, die Einnahme

von Medikamenten und andere

Maßnahmen der medizinischen

Versorgung sind fester Bestandteil im

Alltagsleben von Menschen mit einer

chronischen Erkrankung. Auf diese

Weise schaffen sie die Voraussetzung

dafür, so lange wie möglich so

gesund wie möglich zu bleiben.

Seit 2002 können R+V BKK Versicherte

hier die umfassende Unterstützung

der sog. Disease Management Programme

(DMP) in Anspruch nehmen,

die bei der R+V BKK auch als BKK

MedPlus-Programme bekannt sind.

Bei den insgesamt sechs verschie-

Wir empfehlen daher allen unseren

Versicherten, die an einer der

oben genannten chronischen Erkrankungen

leiden, sich bei ihrem behandelnden

Arzt über eine Einschreibung

in eines der Programme zu

informieren. Sollten Sie zu diesem

Thema Fragen an uns haben, erreichen

Sie uns unter der Telefonnummer

0611 99909-0 oder per E-Mail

unter: DMP@ruv-bkk.de

DMP ASTHMA BRONCHIALE BEREITS FÜR KINDER AB 1

Zum 1. April 2019 wurde das Mindestalter für Kinder zur Teilnahme am

DMP Asthma bronchiale von 5 Jahren auf 1 Jahr herabgesetzt. Voraussetzung

ist, dass die Lebensqualität durch die Erkrankung eingeschränkt ist.

Studie erprobt Wirksamkeit der Liposuktion bei Lipödem

Foto: © Zerbor; PeJo/stock.adobecom

Die Liposuktion oder Fettabsaugung

ist eine Behandlungsmethode, mit

der krankhaft vermehrtes Fettgewebe

operativ entfernt wird. Bislang

liegt noch keine Studie vor, die

die medizinische Wirksamkeit und

Wirtschaftlichkeit dieser Methode

nachweist. Aus diesem Grund ist sie

auch nicht Teil des Leistungskatalogs

der gesetzlichen Krankenversicherung.

Der Gemeinsame Bundesausschuss

hat nun beschlossen,

eine Studie zu veranlassen, in der

die Liposuktion mit der nichtoperativen

Standardbehandlung des

Lipödems verglichen wird. Sie soll

an zehn Studienzentren durchgeführt

werden und Anfang 2020

beginnen. Deutschlandweit können

etwa 450 Frauen mit Lipödem der

Beine an der Studie teilnehmen,

die Behandlungskosten tragen die

Krankenkassen.

Interessentinnen können sich

im Zeitraum vom 1. Oktober bis

31. Dezember 2019 auf der Website

www.erprobung-liposuktion.de

um die Teilnahme an der Studie

bewerben. Nähere Informationen

finden Sie auf der oben genannten

Website sowie auf der Homepage

der R+V BKK www.ruv-bkk.de

(Suchbegriff Liposuktion).

07


TITEL THEMA BKKiNFORM 03 2019

Der Klimawandel und was jeder von uns tun kann

Der Amazonas-Regenwald in Flammen, Artensterben, Vermüllung der

Meere und Mikroplastik in der Nahrung – vor allem die jungen

Menschen sehen einer ungewissen, von Klimawandel

und Naturkatastrophen bedrohten Zukunft

entgegen. Reichen die Weltklimagipfel

wie jener im Dezember 2019 in Santiago

de Chile aus, um das Schlimmste zu

verhindern? Oder ist es vielleicht schon

zu spät? Fragen, auf die es keine klare

Antwort gibt, weshalb die beste Antwort

lautet, selber aktiv zu werden

und einen Beitrag zum Schutz der

Umwelt zu leisten.

08

Wie das geht, zeigt

die TV-Moderatorin

und Journalistin

Jennifer Sieglar in

ihrem neuen Buch

„Umweltliebe.

Wie wir mit wenig

Aufwand viel für

unseren Planeten

tun können“. Fernsehzuschauern

ist

sie aus der Kindernachrichtensendung

logo! bei KiKA

Jennifer Sieglar

und der hessenschau

kompakt bekannt. Als sie 2015 als logo!-Reporterin

vom UN-Klimagipfel in Paris berichtete, erlebte sie, wie

sich die meisten Politiker aus aller Welt über den Ernst der

Klimasituation zwar einig waren, sich am Ende aber doch

nur auf mehr oder weniger allgemeine Vereinbarungen

verständigten, etwa auf die Begrenzung des Anstiegs der

Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius im Vergleich zu

den vorindustriellen Werten. Auf konkrete Maßnahmen

wollte sich niemand festlegen. So beschloss Jennifer

Sieglar, selber aktiv zu werden, um ihren Beitrag zu einem

klimafreundlichen Umgang mit dem Planeten Erde zu leisten.

Ein Jahr lang stellte sie sich jeden Monat einer neuen

Herausforderung in Sachen „umweltbewusst leben“.

BKKiNFORM: Frau Sieglar, welche Umstellungen zugunsten

der Umwelt fanden Sie besonders schwer?

Jennifer Sieglar: Auf das Auto zu verzichten, fand ich richtig

problematisch, denn ich wohne in einer eher ländlichen

Gegend, und da sind öffentliche Verkehrsmittel manchmal

nicht wirklich eine Alternative, zum Beispiel, wenn man für

den Arbeitsweg anstelle von 80 Minuten am Tag auf einmal

vier Stunden braucht. Daran bin ich dann im Grunde auch

gescheitert und habe mich entschlossen, ein Elektroauto

anzuschaffen. Das kann natürlich nicht für jeden die Lösung

sein, denn ein neues Auto ist eine ziemliche finanzielle

Herausforderung. Außerdem braucht man klimafreundlich

erzeugten Strom, sonst ist man mit einem Elektroauto

nicht wirklich ökologisch unterwegs. Das ist bei mir der

Fall, da mein Freund und ich unser Haus auf Solarenergie

umgestellt haben. Wenn ich nicht zu viel Zeit verliere, fahre

ich aber sehr gerne mit Bus und Bahn. Auf jeden Fall habe

ich größten Respekt vor jedem, der trotz mehrmaligem

Umsteigen und großem Zeitverlust mit öffentlichen Verkehrsmitteln

fährt.

Von allen Fortbewegungsarten ist das Fliegen am

umweltschädlichsten. Reisen Sie heute noch mit dem

Flugzeug?

Jennifer Sieglar: Nicht mehr zu fliegen war für mich

anderthalb Jahre lang kein Problem. Auf Dauer werde ich

Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobecom; Jennifer Sieglar © Sebastian Lapke


BKKiNFORM 03 2019

TITEL THEMA

in weiter entfernte Länder sicher wieder einmal mit dem

Flugzeug reisen. Ich denke heute aber viel genauer darüber

nach, ob ein Flug wirklich nötig ist oder ob es nicht auch

mit der Bahn geht. Innerdeutsch versuche ich, gar nicht

mehr zu fliegen, weil das eigentlich unsinnig ist, denn da ist

die Bahn immer die umweltfreundlichere Alternative.

Welche Klimawandel-Herausforderung

hat Sie am meisten

begeistert?

Jennifer Sieglar: Definitiv die Umstellung

auf eine umweltbewusste

Ernährung. Ich bin wirklich glücklich,

dass ich mich mit diesem Thema befasst

habe. Ich lebe seitdem nicht nur

viel gesünder, sondern auch mit mehr

Freude und Genuss. Ich hätte nicht

gedacht, dass eine Ernährung mit

regionalen und saisonalen Lebensmitteln

so einfach und gesund ist und

dabei auch noch so gut schmeckt und so viel Freude macht.

Vorher wäre ich nie auf die Idee gekommen, so etwas wie

Rote-Bete-Pasta zu machen. Mit der Umstellung auf regionales

und saisonales Essen habe ich zwei Fliegen mit einer

Klappe geschlagen: Gesundheit und Genuss auf der einen,

Umweltschutz auf der anderen Seite.

Warum ist es gut für die Umwelt, regionale und

saisonale Produkte zu essen?

Jennifer Sieglar: Wer zu regionalen Produkten greift, der

hilft, klimaschädliche CO 2

-Emission zu reduzieren. Eine

Untersuchung des Instituts für alternative und nachhaltige

Ernährung hat ergeben, dass der Transport von einem Kilogramm

Lebensmittel über eine Strecke von 1.000 Kilometern

je nach Transportmittel die Atmosphäre unterschiedlich

stark mit CO 2

belastet: Mit dem Flugzeug transportiert,

werden 1.000 g CO 2

freigesetzt, mit dem LKW sind es 200 g,

mit der Bahn 80 g und mit dem Schiff

35 g. Wer lokal erzeugte Lebensmittel

kauft, etwa beim Bauern vor

Ort, leistet damit also einen direkten

Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels.

Darüber hinaus stärkt er

die Wirtschaftskraft seiner Region,

spart Energie für Treibhäuser ein und

ernährt sich ausgewogen und gesund,

weil sich der Speiseplan je nach

Jahreszeit ändert. Das einzige, was

mir anfangs schwerfiel, war, weniger

Fleisch zu essen. Da musste ich mich erst dran gewöhnen.

Heute esse ich im Jahr nur noch etwa fünf Kilo Fleisch,

vorher waren es ungefähr 36 Kilo.

Haben Sie jetzt ein neues Lieblingsgericht?

Jennifer Sieglar: Ja, die Rote-Bete-Pasta mit Parmesan.

Die ist wirklich der absolute Hammer.

Ich hätte nicht gedacht, dass

eine Ernährung mit regionalen

und saisonalen Lebensmitteln

so einfach und gesund ist.

Ich würde mir wünschen,

dass der Radverkehr in den

Städten gefördert und

ausgebaut wird.

Was kann ich denn schnell und ohne viel Aufwand

in meinem Alltag verändern, um etwas für die

Umwelt zu tun?

Jennifer Sieglar: Zum Beispiel Leitungswasser trinken.

Leitungswasser hat in Deutschland eine hervorragende

Qualität, die fortlaufend kontrolliert wird. Und es ist schon

da. Man muss nur den Wasserhahn

aufdrehen. Es müssen keine Flaschen

transportiert werden, was

Energie spart und die CO 2

-Emissionen

verringert. Wem Leitungswasser

nicht schmeckt, der kann den Geschmack

durch Filtern oder Sprudeln

verbessern. Außerdem vermeidet

man so eine enorme Menge an

Müll, speziell Plastikmüll. Im Schnitt

trinkt jeder von uns zwei Flaschen

Wasser oder andere Erfrischungsgetränke

am Tag, das sind grob

geschätzt 700 Flaschen im Jahr –

meistens Plastikflaschen. Die kann man mit Leitungswasser

einsparen. Wer nicht gerne Leitungswasser trinkt, kann

zumindest darauf achten, Wasser in Mehrwegflaschen zu

kaufen. Denn Einweg-Plastikflaschen werden nach dem

Gebrauch unter hohem Energieaufwand geschreddert und

eingeschmolzen und belasten die Umwelt viel mehr als

Mehrwegflaschen, die etwa 40 bis 50 Mal wiederverwendet

werden können. Was man auch ohne Aufwand tun kann,

um der Umwelt zu helfen, ist, in Küche, Toilette und Büro

Recycling-Papier zu benutzen. Es ist ja völlig absurd, frisch

gefällte Bäume in Form von Klopapier die Toilette runterzuspülen.

Da ist recyceltes Papier völlig ausreichend.

Wie haben Sie es geschafft, den Inhalt Ihrer Mülltonne

möglichst gering zu halten?

Jennifer Sieglar: Wenn man im Supermarkt einkauft, kann

man auf die Produkte zurückgreifen, die nicht verpackt

sind. Ich denke, dass der Konsument

eine gewisse Macht hat. Wenn wir

alle sagen würden, wir kaufen keine

in Plastik verpackten Paprika mehr,

dann würden sich die Produzenten

und Händler sicherlich etwas einfallen

lassen. Milch und Joghurt kann

man anstatt in Plastikbechern oder

Pappkartons auch in Pfand-Gläsern

kaufen. Das ist auf jeden Fall die

bessere Alternative. Ich spare viel

Verpackungsmüll ein, indem ich ein

Obst- und Gemüse-Abo bei einem Bio-Lieferanten habe.

Ich bekomme jede Woche eine Kiste mit Obst, Gemüse,

Brot und Eiern – alles unverpackt und in meiner Region

erzeugt. Ich finde es übrigens auch okay, wenn man es

nicht schafft, hundertprozentig plastikfrei zu sein. Ich bin

kein Fan von Verboten und Zwang. Wenn wir alle es hinbekommen

würden, möglichst viel Plastikmüll zu vermeiden,

hätte das bereits eine enorme Wirkung.

09


TITEL THEMA BKKiNFORM 03 2019

10

Hatten Sie auch ein besonderes Aha-Erlebnis

während Ihrer Umstellung auf eine klimafreundliche

Lebensweise?

Jennifer Sieglar: Ja. Besonders interessant fand ich, dass

wir dachten, wir wären so furchtbar schlau. Zum Beispiel

die Idee, Waren in Supermärkten anzubieten: Da gibt es

alles an einem Ort, und wir müssen

nicht mehr zum Bäcker, zum

Metzger und zum Bauern. Wir

können dort Fertiggerichte kaufen

und sparen viel Zeit, weil wir nicht

mehr selber kochen müssen. Was

wir für fortschrittlich und schlau

hielten, hat aber auch viele Nachteile.

Wir wissen zum Beispiel oft

gar nicht mehr, wo all die Sachen

im Supermarkt eigentlich herkommen

und was alles in den Fertiggerichten

enthalten ist. Wir haben

jetzt Fertigpizza mit Palmöl aus Indonesien. Dafür sterben

Tiere, weil für die Palmölplantagen ganze Regenwälder abgeholzt

werden. Und das Palmöl ist noch nicht einmal gesund,

weil es kein hochwertiges Öl ist, sondern viele ungesunde

gesättigte Fettsäuren enthält, die womöglich Krebs,

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes verursachen

können. Im Winter können wir im Supermarkt Erdbeeren

aus Neuseeland kaufen, die mit dem Flugzeug um die halbe

Erde geflogen sind, was für die Umwelt katastrophal ist,

Zur Zeit meiner Großeltern

lebten die Menschen gesünder,

nicht nur, was ihre eigene

Gesundheit angeht, sondern

auch die unseres Planeten.

weil die enorm hohen CO 2

-Emissionen bei Langstreckenflügen

unser Klima stark belasten. Heute wissen wir, dass

das nicht gut ist. Eigentlich wäre es viel schlauer gewesen,

wir hätten alles so gelassen, wie es war. Ich lebe heute

eher so, wie meine Großeltern gelebt haben. Ich kaufe viel

sparsamer ein als früher, zum Beispiel Kleider. Ich esse

viel weniger Fleisch, kaufe keine Fertigprodukte, sondern

koche selber, mit den Lebensmitteln,

die der Bauer in meiner Nachbarschaft

gerade erntet. Für mich ist

diese umweltbewusste Lebensweise

im Grunde eine Rückkehr zu dem,

wie es früher einmal war. Zur Zeit

meiner Großeltern lebten die Menschen

gesünder, nicht nur, was ihre

eigene Gesundheit angeht, sondern

auch die unseres Planeten.

In Ihrem Buch machen Sie sich am

Ende jedes Kapitels Gedanken,

was die Politik tun könnte, um den Umweltschutz zu

verbessern. Welche politischen Maßnahmen zugunsten

des Umweltschutzes würden Sie sich besonders

wünschen?

Jennifer Sieglar: Ich glaube, am allersinnvollsten und

richtig schlau wäre es, den öffentlichen Personennahverkehr

und das Reisen mit der Bahn stark auszubauen

und günstiger zu machen. Wenn ein innerdeutscher Flug


BKKiNFORM 03 2019

TITEL THEMA

günstiger ist als ein Bahnticket und man mit dem Flugzeug

sogar noch schneller am Ziel ist, dann ist Zugfahren, das

die Umwelt weniger belastet als Fliegen, keine echte Alternative.

Dass die Politik das ändert, würde ich mir auf jeden

Fall wünschen. Und ich würde mir auch wünschen, dass

der Radverkehr in den Städten gefördert und ausgebaut

wird. Es ist traurig, dass wir es in Deutschland nicht hinbekommen,

Radfahren in den Städten so attraktiv zu machen,

wie es zum Beispiel die Dänen in Kopenhagen geschafft

haben, wo ganz viele Autofahrer auf das Rad umgestiegen

sind. Als ich noch in der Stadt wohnte, hatte ich immer

Angst, mit dem Fahrrad zu fahren, denn es gab oft gefährliche

Situationen, weil Radwege urplötzlich aufhörten

oder komplett fehlten. Das ist für Radfahrer ein richtiges

Problem. Wenn ich darüber mit Politikern spreche, dann

sagen sie: „Ich kann ja nicht einfach einen Fahrstreifen für

die Autos wegnehmen und einen Radweg daraus machen,

dann haben wir ja noch mehr Staus.“ Das ist natürlich erst

mal richtig gedacht, aber wenn man in der gesamten Stadt

konsequent den Radverkehr so attraktiv macht, wie es in

Kopenhagen geschehen ist, dann würden auch viel mehr

Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen und der fehlende

Fahrstreifen würde nicht zu mehr Staus führen. Ich glaube,

die Politik müsste dieses Thema ganzheitlicher und radikaler

angehen – so wie in Kopenhagen. Dann funktioniert

es auch.

Vielen Dank, Frau Sieglar, für das Gespräch!

DREI MAL „UMWELTLIEBE“ ZU GEWINNEN

Foto: © Romolo Tavani/stock.adobecom; Piper-Verlag

Wir verlosen unter unseren Versicherten drei Exemplare

von Jennifer Sieglars Buch „Umweltliebe. Wie wir mit

wenig Aufwand viel für unseren Planeten tun können“,

2019 im Piper Verlag erschienen, 16 Euro,

ISBN: 978-3-492-06146-9.

Zu jedem Buch gibt es ein Starterset zum Thema „nachhaltig

leben“ im Wert von ca. 35 Euro gratis dazu.

Es besteht aus Bienenwachstüchern als Ersatz für

Alu- und Frischhaltefolie, einem

nachhaltigen Jute-Einkaufsbeutel und

einer Bio-Haarseife. Schicken Sie uns

einfach mit dem Betreff „Umwelt“ bis

zum 26. Oktober 2019 eine E-Mail an

gewinnspiel@ruv-bkk.de oder eine

Postkarte an R+V BKK, Christian Fauth, 65215 Wiesbaden.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir danken dem

Piper Verlag für die Buchspende.

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TITEL THEMA BKKiNFORM 03 2019

PLASTIKMÜLL

gefährdet die Umwelt

12

Plastikmüll belastet unsere Umwelt immer stärker. In den 50er

Jahren des 20. Jahrhunderts wurden laut Umweltbundesamt

weltweit im Jahr ca. 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff produziert.

2016 waren es 348 Millionen Tonnen.

Kunststoffe gelangen auf verschiedenen

Wegen in die Natur, nicht nur

als Müll, sondern zum Beispiel auch

als Abrieb von Autoreifen, Folien oder

Kleidung aus Kunststofffasern. Kosmetika

und Reinigungsmittel enthalten

Mikroplastik, Düngemittel werden

mit Plastik ummantelt. Schließlich

verschmutzt immer mehr Plastikmüll

in Form von Kaffeebechern,

Einwegflaschen oder Plastiktüten

die Umwelt, weil Menschen sie nicht

richtig entsorgen, sondern achtlos

wegwerfen. Plastikmüll belastet

zunehmend Flüsse, Seen, Meere und

Böden, gelangt als Mikroplastik in

die Nahrungskette und gefährdet so

unsere Gesundheit.

Jedes Jahr werden in Deutschland

laut Umweltbundesamt 2,8 Mrd.

Einwegbecher für Heißgetränke

verbraucht, das sind im Schnitt 34

Becher pro Kopf. Hinzu kommen 1,3

Milliarden Einweg-Kunststoffdeckel.

60 Prozent der Einwegbecher sind

kunststoffbeschichtete Papierbecher,

40 Prozent bestehen ausschließlich

aus Kunststoff.

Die Zahl der Einweg-Plastikflaschen

ist der Deutschen Umwelthilfe

zufolge in den letzten Jahren stark

gestiegen. Sie haben als Packmittel

bei Getränken einen Gesamtanteil

von rund 52 Prozent. Ihr Verbrauch

liegt in Deutschland bei 45 Millionen

Stück pro Tag, das sind im Jahr 16,4

Milliarden Plastikflaschen. Im Schnitt

verbraucht jeder Deutsche fast 200

Einweg-Plastikflaschen pro Jahr.

Mehrweg statt Einweg

Wer darauf achtet, Getränke in

Mehrwegflaschen zu kaufen, leistet

bereits einen wichtigen Beitrag zum

Umwelt- und Klimaschutz. Verglichen

mit Mehrwegflaschen werden

Einwegflaschen über längere Distanzen

transportiert, da sie in weniger

Anlagen abgefüllt und in der Regel

bundesweit verkauft werden. Laut

Deutscher Umwelthilfe wird Mineralwasser

in Einweg-Plastikflaschen

mit durchschnittlich 450 Kilometern

fast doppelt so weit transportiert

wie in Mehrwegflaschen mit nur

260 Kilometern. Mineralwasser aus

Einweg-Plastikflaschen verursacht

etwa doppelt so viel CO 2

-Ausstoß wie

solches aus Mehrwegflaschen.

Mehrwegflaschen aus der Region

sind die umweltfreundlichsten

Getränkeverpackungen. Nach der

Reinigung der Flaschen und Gefäße

werden sie erneut befüllt und dem

Warenkreislauf wieder zugeführt.

Glas-Mehrwegflaschen können bis zu

50 Mal und PET-Mehrwegflaschen bis

zu 20 Mal wiederbefüllt werden.

Wasser aus der Leitung

Einen noch wirksameren Umweltschutz

als durch den Verzicht auf

Einwegflaschen leistet, wer das

Trinkwasser aus der Leitung trinkt,

ob gesprudelt oder nicht. Frisches

Trinkwasser besitzt in Deutschland

eine sehr gute Qualität und kann

nahezu ausnahmslos ohne Bedenken

getrunken werden. Alle Wasserversorger

sind verpflichtet, durch aktuelles

Informationsmaterial regelmäßig

über die Qualität ihres Trinkwassers

zu informieren, etwa über das Internet.

Die letzten Meter der Wasserleitung

liegen allerdings nicht mehr in


BKKiNFORM 03 2019

TITEL THEMA

Foto: ©Philip Steury/stock.adobe.com; Blauer Engel

der Verantwortung der Wasserversorger,

sondern in der Verantwortung

der Hauseigentümer. Insbesondere

im Falle von Verunreinigungen durch

Blei, aber auch durch Bakterien und

Viren (z. B. Legionellen) sind diese

letzten Meter entscheidend.

Trinkwasser, das länger als vier

Stunden in der Leitung gestanden

hat – sog. Stagnationswasser –, kann

durch Stoffe wie Blei und Kupfer,

aber auch durch Viren und Bakterien

verunreinigt sein. Es sollte nicht zur

Zubereitung von Speisen und Getränken

verwendet werden. Stagnationswasser

daher immer erst ablaufen

lassen, bevor man das Wasser aus

dem Hahn nutzt. Die Fingerprobe

zeigt an, wann frisches Wasser aus

der Leitung fließt: Es ist spürbar

kühler als Stagnationswasser.

Tipp: Haare plastikfrei mit Seife

waschen

Herkömmliche Shampoos gibt es

in aller Regel in Plastikflaschen zu

kaufen. Sie tragen damit zu dem riesigen

Plastikmüllberg bei, der unsere

Umwelt belastet. Eine plastikfreie Alternative

stellen Haarseifen dar. Wer

hier zu einem Naturprodukt greift,

erspart seinem Haar und seiner

Haut zudem die in vielen Shampoos

enthaltenen synthetischen Stoffe

wie Silikone, Tenside und Konservierungsmittel.

Außerdem sind Haarseifen

außerordentlich ergiebig. Für

die Haarwäsche reibt man entweder

die Seife über das nasse Haar, bis sie

schäumt, oder man reibt die Seife

zwischen den Händen und massiert

dann den Schaum gleichmäßig ins

Haar. Anschließend spült man die

Haare gut aus.

Nach dem Waschen mit Haarseife

empfiehlt sich eine saure Rinse. Sie

entfernt etwaige Seifenrückstände im

Haar, verleiht ihm Glanz und regeneriert

es, indem sie den pH-Wert

der Seife neutralisiert. Dadurch legt

sich die äußere Schuppenschicht, die

das Haar schützt, wieder glatt an die

darunterliegende Haarschicht an, so

dass das Haar weniger schuppt. Die

Lösung für die saure Rinse ist schnell

hergestellt: Einfach einen Esslöffel

Apfelessig oder Zitronensaft in einen

Liter kaltes Wasser geben. Man kann

auch Kräuteressig oder Zitronensäure

nehmen. Nachdem man die Haare

mit der Seife gewaschen und den

Schaum anschließend gut ausgespült

hat, gießt man zuletzt die saure Rinse

über das Haar. Der Essiggeruch verfliegt

schnell und ist nach dem Trocknen

nicht mehr wahrzunehmen.

UMWELTZEICHEN

BLAUER ENGEL“

"

Das Umweltzeichen „Blauer

Engel“ gibt es in Deutschland

seit 1978. Träger sind u. a. das

Bundesministerium für Umwelt,

Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

sowie das Umweltbundesamt.

Es soll dort, wo herkömmliche

Produkte die Umwelt

belasten, auf umweltfreundliche

Alternativen hinweisen. Der

„Blaue Engel“ ist eine freiwillige

Kennzeichnung und wird an Hersteller

auf Antrag und nach einer

Überprüfung verliehen.

UTOPIA.DE INFORMIERT

ÜBER NACHHALTIGEN

KONSUM

Die Internetplattform Utopia.de

will Verbraucher über einen umweltbewussten

Lebensstil informieren

und umfasst ein Online-

Magazin, das über nachhaltiges

Konsumverhalten in nahezu allen

Lebensbereichen berät, sowie eine

Community.

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TITEL THEMA BKKiNFORM 03 2019

Treibhausgase reduzieren und Klimawandel stoppen

Treibhausgase wie CO 2

, Methan oder Distickstoffoxyd, das sog. Lachgas, sind Gase in der Atmosphäre,

die einen Teil der infraroten Wärmestrahlung der Erde absorbieren, so dass sie nicht ins

Weltall entweichen kann. Sie tragen damit zum Treibhauseffekt bei, der die Erde erwärmt und zum

Klimawandel führt.

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Um den Klimawandel zu stoppen,

ist es notwendig, die vom Menschen

verursachten Treibhausgase zu

reduzieren. Der Ausstoß von Treibhausgasen

ist in Deutschland laut

Umweltbundesamt im Vergleich zu

1990 um 31 Prozent zurückgegangen:

von 1.251 Mio. Tonnen Kohlendioxid-

Äquivalenten 1990 auf geschätzte 866

Mio. Tonnen im Jahr 2018. Das Ziel

der Bundesregierung ist, die Treibhausgas-Emissionen

Deutschlands

bis 2020 um mindestens 40 Prozent

und bis 2030 um mindestens 55

Prozent gegenüber den Emissionen

von 1990 zu senken. Bis 2050 soll

weitgehende Treibhausgasneutralität

erreicht werden. Ohne massive und

rasche zusätzliche Anstrengungen

können diese Ziele nicht erreicht werden.

Die Bundesregierung hat daher

das „Aktionsprogramm Klimaschutz

2020“ und den „Klimaschutzplan

2050“ beschlossen, um die Klimaschutzziele

einhalten zu können.

Regional und saisonal

einkaufen

Wer frische, in der Nähe seines

Wohnorts erzeugte Lebensmittel kauft,

trägt dazu bei, Treibhausgase und die

Klimabelastung zu reduzieren. Denn

regional und saisonal heißt: Senkung

von Energieverbrauch und CO 2

-Emissionen

durch kurze Transportwege

und Lagerzeiten sowie den Verzicht

auf beheizte Treibhäuser. Der Begriff

„Region“ ist allerdings gesetzlich

nicht geschützt. Fragen Sie daher

beim Einkauf nach, wofür Angaben

wie „regional“ oder „Aus der Region“

stehen und achten Sie darauf, dass

die Ware mit einer konkreten Regionsangabe

wie zum Beispiel „Rheinland“

gekennzeichnet ist. Das „Regionalfenster“

und das RegioPortal helfen

beim Kauf regionaler Produkte.

Das Regionalfenster

Rund 4.200 Lebensmittel, Blumen

und Zierpflanzen sind bundesweit

mit dem „Regionalfenster“

gekennzeichnet. Es gibt an,

woher die wesentlichen Zutaten

eines Produkts kommen und wo

sie verarbeitet wurden. Auf diese

Weise unterstützt es Verbraucher

dabei, bewusst regional erzeugte

Produkte zu kaufen. Der Trägerver-ein

„Regionalfenster e. V.“ wurde

2012 gegründet; seine Mitglieder

kommen aus den Bereichen Lebensmittelerzeugung

und -verarbeitung,

ökologischer Landbau, Handwerk,

Lebensmittelhandel, Lebensmittelmarketing,

Zertifizierungsstellen und

Regionalinitiativen. Mehr hierzu unter

www.regionalfenster.de im Internet.

Das RegioPortal

Das RegioPortal für Regionalinitiativen

in Deutschland informiert

Verbraucher über Regionalmarken in

ihrer Umgebung. Aktuell erfasst das

Portal 140 Initiativen. Das RegioPortal

ist ein Projekt des Bundesverbands

der Regionalbewegung e. V. und wird

von der Landwirtschaftlichen Rentenbank

gefördert. Mehr hierzu unter

regioportal.regionalbewegung.de im

Internet.

Foto: ©fotogestoeber; Stockwerk-Fotodesign/stock.adobecom ; Regionalfenster


BKKiNFORM 03 2019

TITEL THEMA

PASTA MIT ROTE-BETE-SAUCE

Bei der Umstellung auf eine klimafreundliche Ernährungsweise, die auf regionalen

und saisonalen Produkten basiert, entdeckte Jennifer Sieglar ein neues Lieblingsrezept:

Pasta mit Rote-Bete-Sauce.

Foto: © Maria Medvedeva; Anna Kucherova/stock.adobecom;

ZUTATEN FÜR 4 PERSONEN

• Rosmarin oder Thymian (10 Stiele) oder ein

Bund gemischte Kräuter

• ca. 700 g Rote Bete

• 1 Bund Lauchzwiebeln (Schlotten)

• 250 ml Gemüsebrühe

• 1-2 Knoblauchzehen

• ca. 3 Esslöffel Olivenöl oder etwas Butter

• 3 Esslöffel Crème fraîche (Saure Sahne

oder Schmand gehen auch)

• 1 Prise Zucker

• Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

• Parmesan nach Belieben

• ca. 500 g Spaghetti oder eine andere Pasta

wie z. B. Penne

ZUBEREITUNG

Die Rote Bete säubern, schälen und in kleine Würfel

schneiden. Die Lauchzwiebeln waschen und fein

hacken. Die Knoblauchzehe ebenfalls hacken oder

in der Knoblauchpresse zerdrücken. Lauchzwiebeln,

Knoblauch und Rote Bete im Olivenöl bzw. in der Butter

andünsten. Die Gemüsebrühe, Salz, Pfeffer, Zucker und

die Kräuter hinzugeben und alles ca. 10 bis 15 Minuten

weichdünsten. Die Crème fraîche dazugeben und nur

locker unter die Sauce ziehen. Die Spaghetti in kochendem

Salzwasser al dente kochen. Die Sauce zu den

gekochten Spaghetti servieren. Etwas Parmesan

reiben und über die Sauce und die Pasta streuen.

Guten Appetit!

ROTE BETE – DIE GESUNDE RÜBE

Dank ihrer wertvollen Inhaltsstoffe ist die Rote Bete ein

sehr gesundes Nahrungsmittel. Bereits in der Antike

wurde ihre Heilkraft genutzt. Sie enthält die Vitamine

A, C, B und Folsäure, außerdem Jod, Kalium, Kalzium,

Magnesium, Natrium, Phosphor und große Mengen an

Eisen.

Der rote Farbstoff Betain stärkt das Herz und beugt

Ablagerungen in den Blutgefäßen vor. Die in der Knolle

enthaltenen Anthocyane, wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe,

schützen vor Krebs, und das ebenfalls enthaltene

Nitrat wirkt blutdrucksenkend. Die Haupterntezeit

der Powerknolle

liegt zwischen

Juli und Oktober.

Je nach

Reifegrad

hat sie einen

leicht erdig-süßlichen

Geschmack.

Mit nur 43

Kalorien je

100 Gramm

ist sie ein

absolutes

Kalorienleichtgewicht.

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GESUNDES WISSEN BKKiNFORM 03 2019

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Wer kennt es nicht?

Wochenlang sehnt man

den Urlaub herbei, freut

sich auf einen Tapetenwechsel

und frei verfügbare

Zeit für sich selbst und

die Familie. Doch kaum

ist der Urlaub vorbei und

der Alltag hat einen wieder,

ist die Erholung nach

kurzer Zeit verflogen.

Julia Harter, Arbeitspsychologin

bei der R+V

BKK, gibt Tipps, wie wir

uns auch zwischen den

Urlaubstagen Inseln der

Erholung schaffen können.

Keine Frage, Erholung ist wichtig. Wir alle suchen sie – jeden Tag: nach der

Arbeit oder Schule, am Wochenende und im Urlaub. Doch was genau macht

Erholung aus? Wie erholt man sich am besten? Hier hilft ein kurzer Blick in die

Wissenschaft. Der Psychologe Konrad Wolfgang Kallus, Professor der Universität

Graz, beschreibt Erholung als einen aktiven und zielgerichteten Prozess,

der dazu dient, unsere durch die alltäglichen Belastungen geminderte Leistungsfähigkeit

wiederherzustellen. Erholung ist also mehr als reines Faulenzen

oder Nichtstun. Sie muss aktiv eingeplant und gestaltet werden, zum Beispiel

durch Rituale wie das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung zu Beginn

einer Meditation. Für Sabine Sonnentag, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie

der Universität Mannheim, stellt Erholung vor allem ein

Kontrastprogramm zu den immer wiederkehrenden Anforderungen unseres

Alltags dar. In der Freizeit sollte man also etwas anderes tun als das, was man

bei der Arbeit, in der Schule oder im Alltag macht: ein Hobby oder eine sportliche

Aktivität, die uns Freude bereitet und uns vor allem guttut. Entscheidend ist

dabei, dass man selber bestimmen kann, was man wie und wann macht.

Unser Exkurs in die Wissenschaft lässt sich wie folgt auf den Punkt bringen:

Erholung ist eine aktiv geplante, selbstbestimmt gestaltete Zeit, die zum Ziel

hat, unsere mentale und physische Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Am

besten erreichen wir dieses Ziel, wenn wir die freie Zeit mit Aktivitäten füllen,

die im Kontrast zu unserer Alltagstätigkeit stehen und uns guttun. Doch wie

können wir uns nun auch im Alltag erholen? Hier einige Tipps:

Foto: © alphaspirit; jozefklopacka/stock.adobe.com


BKKiNFORM 03 2019

GESUNDES WISSEN

Umweltpsychologische Studien belegen, dass sich bereits

ein kurzer Ausflug in die Natur vorteilhaft auf unsere

Gesundheit auswirkt und einen hohen Erholungseffekt

hat. Diese positive Wirkung lässt sich sogar schon beim

Betrachten einer Naturfotographie oder beim Hören aufgezeichneter

Naturklänge feststellen. Eine Naturtapete im

Pausenraum oder Grünpflanzen im Büro haben also einen

positiven Einfluss auf den Erholungsprozess. Naturklänge

wie Regengeräusche oder das Murmeln eines Gebirgsbachs

findet man zum Beispiel im Internet auf der Website

mynoise.net oder der dazugehörigen kostenlosen App

myNoise.

Zentral für die Erholung ist, dass wir nach der Arbeit gedanklich

abschalten. Dies gelingt nur, wenn man in seiner

Freizeit die Arbeit wirklich ruhen lässt. Abschalten meint

daher, auch wortwörtlich in arbeitsfreien Zeiten „offline“

zu sein, das Diensthandy abzuschalten und keine Dienst-

E-Mails zu checken. Ein Feierabendritual wie das Aufräumen

des Schreibtisches oder das Notieren einer To-Do-

Liste für den nächsten Tag erleichtert den Übergang von

der Arbeit zur Freizeit.

Die Pausengestaltung in den meisten Büros in Deutschland

folgt demselben Prinzip: 8 Stunden arbeiten und

zwischendurch eine 30-minütige Mittagspause. Wissenschaftliche

Studien belegen jedoch, dass die kraftspendende

Wirkung von Pausen während der Arbeitszeit

größer ist, wenn sie kurz sind, denn am Anfang der Pause

ist die Erholungswirkung am stärksten. Effektiver als

eine lange sind daher mehrere kurze, über den Arbeitstag

verteilte Pausen. Dabei empfiehlt es sich, Auszeiten

nicht hinauszuschieben.

Wenn man das Gefühl hat, eine Pause nötig zu haben,

hat der Ermüdungsprozess bereits begonnen. Am besten

lässt sich einem Leistungsabfall entgegenwirken, wenn

man kurze Pausen in regelmäßigen Abständen einplant.

Ähnliches gilt nicht nur für Arbeitspausen, sondern auch

für den Jahresurlaub. Da die Erholungswirkung eines

Urlaubs zumeist nach zwei Wochen aufgebraucht ist,

rät Sabine Sonnentag dazu, anstelle eines langen Jahresurlaubs

lieber mehrere kürzere Urlaube über das

Jahr zu verteilen.

Foto: © jozefklopacka/stock.adobecom; ©Christian Fauth – R+V BKK

Doch ist es nun grundsätzlich schlecht, am Feierabend

noch über seine Arbeit nachzudenken? Nein, entscheidend

ist das Wie. Positive Erlebnisse während der Arbeitszeit

wirken sich auch positiv auf das Privatleben aus. Sich an

solche Erlebnisse zu erinnern oder sie gar in einem Tagebuch

festzuhalten – „Was hat besonders gut geklappt?“ –,

hilft, den Arbeitstag mit einem guten Gefühl abzuschließen

und belastende Grübeleien in der Freizeit zu verhindern.

Jeder und jede entspannt auf die eigene Art am besten.

Wichtig ist aber, dass sich Anspannung und Entspannung

die Waage halten. Um langfristig gesund und vital sein zu

können, müssen wir nach einer Anspannung wieder zur

Ausgangslage zurückkehren und unsere Systeme herunterfahren

– kurz: entspannen. Hilfreich können hierbei

gezielte Entspannungstechniken sein wie die Progressive

Muskelrelaxation oder auch Autogenes Training.

ENTSPANNUNGSKURSE MIT R+V BKK-ZUSCHUSS

Die R+V BKK bezuschusst pro Kalenderjahr zwei Präventionskurse,

darunter Entspannungskurse wie Progressive Muskelrelaxation oder

Autogenes Training, mit 80 Prozent der Kursgebühren und maximal

80 Euro je Kurs. Details zur Bezuschussung sowie Kursangebote in

Ihrer Nähe finden Sie auf unserer Homepage www.ruv-bkk.de unter

dem Suchbegriff „Präventionskurse“.

Der Schlaf ist die zentrale Regenrationsphase für

Körper und Geist. Ohne guten Schlaf können wir uns

nicht richtig erholen. Wichtig für einen erholsamen

Schlaf ist vor allem eine schlafgerechte Umgebung.

Dazu zählt, Lärm- sowie Lichtquellen aus dem Schlafbereich

zu verbannen.

Einschlafrituale wie z. B. Lesen oder das Hören von

Entspannungsmusik können dabei helfen, den Tag abzuschließen.

Ausreichend Bewegung am Tag und feste,

dem eigenen Biorhythmus folgende Schlafzeiten beugen

Schlafstörungen vor und wirken sich positiv auf den

Erholungsgrad aus.

Außerdem empfiehlt es sich, ein bis zwei Stunden vor

dem Zubettgehen keinen Sport mehr zu treiben, damit

der Körper zur Ruhe kommen kann, und am Abend Alkohol,

koffeinhaltige Getränke und schwer verdauliche

Mahlzeiten zu meiden, da sie zu Schlafstörungen führen

können.

Julia Harter von der R+V BKK

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BUNT GEMISCHT BKKiNFORM 03 2019

Wenn Kinder Angehörige pflegen

Die 8-jährige Lana mit Kuscheltier –

kurz vor dem ersten Notfall, den sie

mit ihrem Vater erlebte.

Lana Rebhan ist 14 und beteiligt sich seit dem achten Lebensjahr

an der Pflege ihres schwer kranken Vaters. Damit ist sie eine von

rund 480.000 Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren,

die in Deutschland einen kranken Familienangehörigen pflegen.

Welchen Belastungen sie ausgesetzt sind, ist kaum bekannt.

Das will Lana ändern. Mit Erfolg: Im Mai wurde sie in Berlin für

ihr Engagement mit dem Pflegecompass ausgezeichnet.

18

Nicht jedes pflegende Kind leidet

unter seiner Situation. Das Spektrum

der Tätigkeiten reicht von gelegentlichen

Hilfestellungen bis zu einer Betreuung

des Pflegebedürftigen rund

um die Uhr. Das Besondere ist, dass

Familien mit pflegenden Kindern und

Jugendlichen oftmals ihre belastende

Lebenssituation verschweigen. Die

Gründe hierfür beschreibt eine 2018

veröffentlichte Studie der Universität

Witten/Herdecke unter Leitung der

Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr.

Sabine Metzing so: „Kaum ein pflegendes

Kind redet über die z. T. vielfältigen

Tätigkeiten zu Hause, die

meisten fürchten sich vor Ausgrenzung

und Stigmatisierung. Familien,

in denen Kinder intensiv in die Pflege

eingebunden sind, scheuen die Öffentlichkeit

aus Angst davor, dass die

Familie durch das Eingreifen von Autoritäten

(z. B. Jugendämtern) auseinandergerissen

wird. So erfährt kaum

jemand, wie innerhalb der Familie

pflegerische Aufgaben zur Bewältigung

des Alltags verteilt werden. Je

stärker der Unterstützungsbedarf,

desto unsichtbarer wird die Not der

Familie.“

Eine Folge dieser Unsichtbarkeit ist,

dass es kaum Hilfsangebote für pflegende

Kinder und ihre Familien gibt.

Das hat auch Lana Rebhan erfahren,

die nach der Schule viel Zeit mit der

Pflege ihres Vaters verbringt, da ihre

Mutter berufstätig ist. Schwer wiegt

nicht nur die zeitliche, sondern auch

die große emotionale Belastung.

Sie ist 14 Jahre alt, als ihr Vater in

ihrem Beisein einen Herzinfarkt

erleidet. Kurze Zeit später kostet ein

Schlaganfall ihn fast das Leben. Er

musste mehrmals reanimiert werden.

Viele der pflegenden Kinder und

Jugendlichen wünschen sich, so eines

der Ergebnisse der Studie der Universität

Witten/Herdecke, mit jemandem

über ihre Erfahrungen reden zu

können.

Lana Rebhan versucht, diesen

Wunsch wahr werden zu lassen.

Auf ihrer Website young-carers.de

(young carer = junge Pflegende) wirbt

sie für mehr Aufmerksamkeit für die

Situation von Familien mit jungen

Pflegenden, informiert über regionale

Hilfsangebote wie die Initiative Pausentaste

des Bundesfamilienministeriums

und berichtet in ihrem Blog

über ihre Aktivitäten, um Hilfsangebote

für junge Pflegende zu mobilisieren.

Zahlreiche Politiker unterstützen

sie mit Textbeiträgen auf ihrer Website,

in denen sie ihre Anerkennung

für Lana Rebhans Engagement zum

Ausdruck bringen.

Inzwischen ist Lana eine gefragte Expertin,

wenn es um die Situation junger

Pflegender geht. Im April dieses

Jahres war sie als Sachverständige in

den Bayrischen Landtag eingeladen,

um den Fachausschuss für Familie

und Soziales zum Thema „junge

Pflegende" zu beraten. Im Oktober

2019 wird sie auf einer Fachtagung

vor knapp 1.000 Therapeuten über die

gesundheitlichen und psychischen

Auswirkungen reden, die pflegende

Kinder und Jugendliche zu bewältigen

haben. Ihr Engagement ist nicht

unbemerkt geblieben. Im Mai erhielt

sie im Roten Rathaus in Berlin im

Beisein von Bundesfamilienministerin

Dr. Franziska Giffey und der Berliner

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci

für ihren Einsatz in der Pflege eines

Angehörigen den Pflegecompass,

Fotos: © Lana Rebhan - young-carers.de


BUNT GEMISCHT

Die Pflege ihres Vaters ist zeitintensiv – intensiv aber auch an Sorgen, Gefühlen und

besonderen Momenten der engen Verbundenheit zwischen Lana und ihrem Vater.

eine Auszeichnung, die alle zwei Jahre

von dem Pflegeberatungsunternehmen

compass des PKV-Verbandes

verliehen wird.

Doch noch ist es ein weiter Weg, bis

das Bewusstsein für die manchmal

extrem belastende Situation von pflegenden

Kindern und Jugendlichen in

unserer Gesellschaft angekommen

ist. Wer mehr darüber erfahren möchte,

kann mit einem Besuch auf Lana

Rebhans Website young-carers.de

beginnen. Hier beschreibt sie ihre

Situation sehr eindrücklich, etwa in

dem Aufruf an andere junge Pflegende,

ihr eine E-Mail zu schreiben: „Hi,

ich bin Lana! Ich bin 14 Jahre alt und

gehe auf ein Gymnasium. Seitdem ich

acht Jahre alt war, musste mein Vater

aufgrund seiner Nierenerkrankung

oft ins Krankenhaus.

Gerade 2017 wurde es besonders

schlimm, weshalb eine seiner Nieren

operativ entfernt werden musste.

2018 hatte er einen Herzinfarkt und

später einen Schlaganfall. In dieser

Zeit ging es mir sehr schlecht, da ich

keine Hilfe meiner Verwandtschaft

bekam. Ich bekam psychische Probleme

und meine Noten verschlechterten

sich. Ich blieb sogar sitzen.

Meistens fühlte ich mich hilflos und

allein. Selbst viele meiner Lehrer,

von welchen ich mir eigentlich Hilfe

erhofft hatte, interessierte es scheinbar

nicht… Es war einfach niemandem

bewusst, wie es mir wirklich ging.

Aus diesem Grund kannst du mir an

lana@young-carers.de eine E-Mail

schreiben und mit mir reden, wenn

du magst. Ich weiß, wie es dir geht,

und werde immer ein offenes Ohr für

dich haben.“

April 2019 im Bayrischen Landtag: Lana

berät den Fachausschuss für Familie

und Soziales. Unteres Foto: Und immer

wieder Wartezeiten im Krankenhaus.

PAUSENTASTE HILFT

JUNGEN PFLEGENDEN

YOUNG-CARER-HILFE

AN SCHULEN

LEBEN IM ALTER

UND PFLEGEBERATUNG

Fotos: © Lana Rebhan - young-carers.de

Pausentaste ist eine Initiative des

Bundesfamilienministeriums für

Kinder und Jugendliche, die sich

um ihre Familie kümmern, weil ein

Mitglied der Familie an einer schweren

Krankheit leidet oder ein Mensch

mit besonderen Bedürfnissen ist.

Pausentaste arbeitet mit den Beraterinnen

und Beratern der „Nummer

gegen Kummer“ zusammen:

» Telefon 116 111, montags bis

samstags von 14 bis 20 Uhr bundesweit,

anonym und kostenlos

von Handy und Festnetz.

» E-Mail: em@il-beratung, rund um

die Uhr, anonym und kostenlos.

Aktuell arbeitet Lana Rebhan mit

anderen Unterstützern zusammen an

dem Pilotprojekt Young-Carer-Hilfe,

das zum Ziel hat, Hilfsangebote für

junge Pflegende und Kinder kranker

Eltern an Schulen zu etablieren.

Geplant ist, dass ab September

2019 die ersten Schulen mit Flyern,

einem Schulfilm und einem Projekttag

über Kinder kranker Eltern

informieren. Mehr hierzu unter

schule.young-carers.de im Internet.

Bundesweit gibt es zahlreiche Angebote

zu Beratung und Information

über Pflege und Leben im Alter. In

vielen Städten finden sich Pflegestützpunkte,

die über alle Aspekte

der Pflege beraten. Über die Website

www.bkk-pflegefinder.de können

Sie im Bereich „Pflegeberatung“

nach Pflegestützpunkten in Ihrer

Nähe suchen.

Hilfreich sind auch die Informationen

der gemeinnützigen Stiftung Zentrum

für Qualität in der Pflege (ZQP) unter

www.zqp.de.

19


HÖCHST PERSÖNLICH BKKiNFORM 03 2019

Auf YOUTUBE und INSTAGRAM mit Herz und Seele

Unser Mitglied Sissi Kandziora

fühlt sich im Internet wohl wie

ein Fisch im Wasser. Die gelernte

Grafik-Designerin mit einem

Bachelor of Arts im Bereich Film

und Drehbuch ist Influencerin

und Youtuberin. Außerdem ist

die 33-jährige Mutter erfolgreiche

Buchautorin, Lehrbeauftragte

an der Universität Konstanz

und ein unerschöpflicher

Quell an Kreativität und guter

Laune. Wir sprachen mit ihr

über ihre Erfahrungen im

Internet.

BKKiNFORM: Frau Kandziora, was

reizt Sie so sehr am Internet?

Sissi Kandziora: Ich war schon

immer von Bewegtbild und interaktiven

Schaltflächen fasziniert. Das

Internet verbindet all das mit so

viel mehr. Man findet heutzutage zu

allen Themen Informationen, und

das sowohl aus fachmännischen

Quellen als auch in Form von privaten

Erfahrungsberichten. Alles ist

durch das Datennetz verbunden, und

die Welt wird greifbar. Ich kann von

zu Hause aus mit Menschen auf der

ganzen Welt kommunizieren. Tatsächlich

macht das Internet mir das

Leben leichter und es sorgt auch für

meinen Arbeitsplatz. Das Schönste

daran ist aber für mich, dass es jeden

Tag etwas Neues zu entdecken

gibt und dass sich die Inhalte derart

schnell weiterentwickeln.

Was sind Ihre Themen auf

Instagram und Youtube?

Sissi Kandziora: 2009 habe ich auf

YouTube mit klassischen Lifestyle-

Themen begonnen. Meine damaligen

Frisuren-Tutorials beispielsweise

haben mittlerweile Millionen von

Aufrufen. 2017 habe ich dann meinen

Kanal auf Haushalt, Ausmisten

und Organisationstipps rund um das

Thema „leichter leben“ umgestellt.

Seit mein Sohn im Mai zur Welt kam,

dreht sich alles um meinen Alltag

als Mama. Mein YouTube-Kanal war

schon immer für mich ein Mittel zur

Kommunikation und zum Austausch

mit meinen Zuschauern. Dort teile

ich meine Erfahrungen und Tipps

und bekomme wertvolles Feedback.

Auf Instagram gebe ich ebenfalls

private Einblicke in meinen Alltag

und nehme meine Follower über

Foto: ©Sissi Kandziora – privat

20

Fortsetzung auf Seite 23

Foto: © xxxxxxxxxxx/stock.adobecom


BKKiNFORM 03 2019

BUNT GEMISCHT

Bonolino und die fabelhafte

Welt der Walder

In einer stürmischen Herbstnacht, ich war gerade zu Bett

gegangen, klopfte es plötzlich laut polternd an meine Haustür.

Erschrocken fuhr ich hoch. Wäre MauMau nicht gewesen,

die in ihrem Körbchen beim warmen Ofen schlief – ich

hätte es niemals gewagt, die Tür zu öffnen! Vorsichtig schob

ich den Riegel zurück... Die Tür knallte an meinen Kopf,

und zwei merkwürdige kleine Gestalten purzelten in mein

Häuschen.

„Ich heiße Alois und bin ein bayrischer Wolpertinger“, japste

der seltsame Hase auf Hochdeutsch und flatterte mit seinen

Flügeln. „Und das hier ist Elvis, ein Elwetritsch.“

„Elwetritsch? Wolpertinger?“

„Wir sind zwei Waldfabelwesen auf der Flucht.“ Alois‘ Blick

flackerte nervös durch meine Wohnstube.

„Un isch bin e Pälzer!“, strahlte uns Elvis an.

Die erste hatte den Körper eines Huhns, einen langen

gebogenen Schnabel, und auf dem Kopf wuchs statt eines

Kamms ein kleines Geweih. Huh! Die zweite Gestalt sah

aus wie ein geflügelter Hase und trug ebenfalls Hörner

auf dem Kopf. Aus ihrem Mund wuchsen furchteinflößend

lange Zähne, und sie trommelte noch immer mit den Pfoten

gegen meine Tür.

„Schney! Moch die Diar zuar!“, rief der trommelnde Hase.

Hö? Verdutzt schaute ich die beiden an. Was hatte er gesagt?

„Tür zu! Schnell!“, kreischte das gehörnte Federtier. Rasch

kam ich der Aufforderung nach.

„Wawaaas seid ihr? Und was wollt ihr?“, stotterte ich aufgeregt.

„Aber du hast doch gar keinen Pelz“, wunderte sich

MauMau.

„Pfälzer. Elvis kommt aus der Pfalz. Wir sind zu Gast im

Taunus und hatten einen kurzen Abstecher in den Westerwald

gemacht, um einen verwandten Waldschrat zu

besuchen, als wir von einer Rotte Wildschweine überrascht

wurden. Seitdem jagen sie uns mit Salzstreuern durch die

Wälder hinterher!“ Alois war sichtlich empört und fletschte

die Zähne. Elvis hingegen zeigte sich weitaus entspannter.

Rums! Rums! Rums! Irgendwer oder ’ was war gegen meine

Haustür gedonnert.

„Auaaa! Ei, jetzt machemol die Dierrr off, un loss os rrren,

Bonolino“, tönte es von draußen.

„Wer seid ihr und woher kommt ihr?“, rief ich ängstlich, weil

ich nichts davon verstanden hatte.

„Aus dem WWW.“

21


BUNT GEMISCHT

„Aus dem Internet?“, fragte ich erstaunt.

Draußen lachte und grunzte es:

„Aus dem Wilden Westerwald!“

„Und wer seid ihr?“

„WWW.“

„Hö?“

„Wilde Wald-Wutzen!“ Und die ganze

Rotte prustete wieder los. Das war mir ja

mal ein fröhlicher Verein! Wer so herzlich

über sich selbst lachen konnte, konnte

doch nicht ernsthaft etwas Böses im

Schilde führen, oder? Trotz der Proteste

von Alois und Elvis öffnete ich die Tür.

22

„Ei gude, Bonolino!“ Ein riesiger Keiler stand im Türrahmen.

Hinter ihm drängten sich mindestens ein Dutzend

Wildschweine, die ihre Rüssel neugierig schnuppernd in die

Luft streckten.

„Das hat ja gedauert. Wir haben‘s eilig. Wir sind nämlich

auf der Suche nach ein paar Touristen aus Süddeutschland,

die sich anscheinend im Wald verirrt haben – ein komisches

Kaninchen und eine eigentümliche Ente. Einer der beiden

ist wohl ein Wolpertinger. Aber so genau konnten wir sie

nicht erkennen, weil sie unheimlich heimlich unterwegs

sind.“

Das haben Fabelwesen wohl so an sich, aber Alois und Elvis

schien diese Beschreibung gar nicht zu gefallen. „Kaninchen,

pah!“ „Ente, Unverschämtheit!“, hörte ich sie hinter

meinem Rücken grummeln.

Der Keiler hatte die beiden noch nicht bemerkt und fuhr

fort: „Die Sache ist so: Bald ist Halloween, und da sollte

niemand, der sich nicht auskennt, in unserem Wald herumturnen.

Wir Einheimische kennen die Hexen, Geister und

deren Gebräuche. Aber Fremde können schnell mal unter

die Räder geraten. An Halloween und in der Walpurgisnacht

ist der Wald tabu! Deshalb suchen wir die beiden, um sie

in Sicherheit zu bringen!“

„Okay, aber warum verfolgt ihr sie mit Salz?“ Ich nickte mit

meinem Kopf in Richtung der Streugefäße, die die Wildschweine

in ihren Klauen hielten.

„Du bist wohl noch nicht weit rumgekommen, was, Bonolino?“

Der Keiler kicherte. „Jedes Kind weiß doch heutzutage,

dass man einen Wolpertinger nur fangen kann, indem

man ihm Salz auf den Puschelschwanz streut!“ Die Rotte

fing erneut an zu lachen.

„So ein Quatsch!“ Alois sprang hinter der Tür hervor und

baute sich breitbeinig vor dem Keiler auf. „Wer hat sich

denn den Mist ausgedacht? Salz ist einfach nur salzig,

sonst nichts. Außerdem wohnen wir selbst im Wald. Nur

weiter südlich.“

„Nun“, mischte ich mich ein. „Die Wildschweine haben es

offenbar nur gut mit euch gemeint. Ihr braucht keine Angst

vor ihnen zu haben.“

„Richtiiich!“, grunzte der Keiler. „Wir bringen euch Heimlichtreter

sicher heim. Alla hopp?“

„Alla gut!“, antwortete Elvis, der Elwetritsch, grinsend.

Nachdem nun alle Missverständnisse und Ängste aus dem

Weg geräumt waren, machten sich Wolpertinger, Elwetritsch

und Wildschweine auf die Heimreise und ich mich

zurück in mein warmes, gemütliches Bett. Eine Weile

dachte ich noch über Dialekte, regionale Besonderheiten,

Fabelwesen und Gruselgestalten nach. Wie

vielfältig und interessant unsere Welt doch war!

„Findest du nicht auch, MauMau?“

Die kleine schwarze Katze grinste über das

ganze Gesicht: „Joo! Un jetz babbel net un

schloof endlisch!“

www.ruv-bkk.de/bonolino

BKKiNFORM 03 2019 / Text: Tanja Zeitz, Illustration: ©Klaus Wilinski, Mainz


BKKiNFORM 03 2019

HÖCHST PERSÖNLICH

Foto Buchtitel: Sissi Kandziora – privat

InstaStories quasi live mit. Mein Ziel

ist es, dass wir uns gemeinsam das

Leben leichter machen, für mehr

Entspannung, Freude und Glück.

Haben Sie zum Thema Ausmisten

Tipps für unsere Leserinnen und

Leser?

Sissi Kandziora: Ausmist-Einsteigern

möchte ich raten, mit Bereichen in

der Wohnung zu starten, die keine

persönlichen Emotionen wecken.

In meinem Buch empfehle ich beispielsweise

in der #nurwasichmag-

Challenge mit Putzmitteln und dem

Medikamentenschrank zu beginnen.

Hier kann man sich dann einfach fragen:

„Erfüllt es

seinen Zweck,

macht es mir

das Leben

leichter und ist

es noch gut?“

Mit etwas Übung fallen dann auch die

Entscheidungen bei Andenken und

Kleidung leichter. Fortgeschrittenen,

aber auch Einsteigern möchte ich

gerne meine Videoreihe #nurwasichmag

auf YouTube zur Motivation und

zum Mitmachen empfehlen.

Wie wird man eigentlich

Influencerin?

Sissi Kandziora: Im Prinzip ist jeder

ein Influencer. Man fragt ja auch

häufig Freunde und Bekannte um Rat.

Meinungen beeinflussen eben. Wenn

man nun aber in der Öffentlichkeit

steht, fällt dieser Einfluss großflächiger

aus. Essenziell ist hier aber das

Vertrauen. Man macht ja nicht, was

irgendwer sagt, sondern man braucht

das Gefühlt, dass der andere wirklich

Ahnung hat und ehrlich ist. Der

Schlüssel ist hier die Authentizität.

Auf Ihrer Homepage typischsissi.de

schreiben Sie: „Wenn Du magst,

würde ich Dich gerne auf eine große

Portion Motivation einladen, damit

Du Deine Träume ebenso verwirklichst,

wie ich es grade tue.“ Welchen

Traum verwirklichen Sie für sich?

Sissi Kandziora: Vorwiegend spreche

ich hier davon, dass ich meine Leidenschaft

gefunden habe und mich

damit selbstständig machen konnte.

Außerdem bin ich dadurch so flexibel,

dass ich zu Hause für unseren Sohn

und unsere Hündin Daisy da bin. Ich

setze mir keine Grenzen und habe

keine Angst vor dem, was kommt.

Dieses Gefühl von Sicherheit und

Selbstbewusstsein wünsche ich mir

auch für meine Kunden und Follower.

Und wie motivieren Sie Ihre Follower

über das Internet, ihre Träume zu

verwirklichen?

Sissi Kandziora: Ich teile meine

Erfahrungen mit ihnen und dabei

lasse ich

Misserfolge und Niederlagen nicht

aus. Es ist wichtig zu sehen, dass

jeder damit zu kämpfen hat. Damit ist

man dann nicht mehr allein, und das

gibt ein Gefühl von Sicherheit. Deshalb

genieße ich den Austausch mit

meinen Followern über öffentliche

Kommentare und private Nachrichten

auch so sehr. Wir machen uns gegenseitig

Mut. Das ist kein Hokuspokus,

sondern ganz einfacher Optimismus.

Was ist wichtig, um einen erfolgreichen

Instagram-Auftritt hinzulegen?

Sissi Kandziora: Am wichtigsten in

der heutigen Zeit ist der Fokus.

Das heißt, dass man sich auf ein bestimmtes

Thema konzentrieren muss,

damit der potenzielle Follower weiß,

was ihn auf dem Account erwartet.

Rund um diesen Fokus bildet man

dann wiederkehrende und abwechslungsreiche,

vor allem aber hilfreiche

Posts mit Mehrwert. Ebenso wichtig

ist, dass man Spaß an seinen Inhalten

hat. Das strahlen die Inhalte nämlich

dann auch aus. Lieblose Inhalte ohne

Mehrwert möchte keiner sehen.

Was war bisher Ihr schönstes

Erlebnis als Influencerin und

Youtuberin?

Sissi Kandziora: Ich könnte jetzt

tolle Events oder Geschenke aufzählen.

Tatsächlich sind es aber

die herzzerreißenden persönlichen

Geschichten meiner Follower.

So konnte beispielsweise

jemand

durch #nurwasichmag

in eine kleinere

Wohnung ziehen und dabei

derart viel Geld sparen, dass

er jetzt in ein Eigenheim investieren

kann. Ganz besonders für mich ist

auch, wenn ich auf psychischer Ebene

helfen konnte. So schreiben mir auch

immer wieder Menschen, dass sie

durch mich ihre Depressionen in

den Griff bekommen haben. Ich habe

nämlich öffentlich geteilt, dass ich

zur Psychologin gegangen bin, und

habe damit anderen Mut gemacht. Die

lieben Kommentare und Nachrichten

zaubern mir tatsächlich täglich ein

Lächeln ins Gesicht. Dafür bin ich

einfach nur dankbar!

Vielen Dank, Frau Kandziora,

für das Interview!

„Nur was ich mag“ von Sissi Kandziora

Unter unseren Versicherten verlosen wir fünf Exemplare

von Sissi Kandzioras Buch „Nur was ich mag. Leben

kann so einfach sein“, erschienen 2017 bei BoD – Books on

Demand, (ISBN 978-3-7431-9138-9). Schicken Sie uns einfach mit

dem Betreff „einfach leben“ bis zum 30. Oktober 2019 eine E-Mail an

gewinnspiel@ruv-bkk.de oder eine Postkarte an R+V BKK, Christian

Fauth, 65215 Wiesbaden. Besonders freuen wir uns, wenn Sie uns mitteilen,

ob Sie Soziale Medien nutzen und wenn ja, welche – oder haben

Sie sogar einen eigenen Blog? Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

23


R+V Betriebskrankenkasse

65215 Wiesbaden

info@ruv-bkk.de

www.ruv-bkk.de

Online-Mitgliedschaft

Sagen Sie dem Papierkram Adieu.

Bei uns können Sie online Mitglied

werden. Der einfachste Weg zur BKK:

https://mitgliedschaft.ruv-bkk.de

WIR SIND FÜR SIE DA!

Platz 6 für die R+V BKK

Informationen zu unseren Leistungen und Angeboten erhalten

Sie unter der Service-Rufnummer 0611 999 09-0.

www.ruv-bkk.de

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