Berliner Kurier 21.10.2019

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12 BERLIN

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BERLINER KURIER, Montag, 21. Oktober 2019

Der Verkehr in Berlin ist

ein Hauptverursacher

vongesundheits- und

klimaschädlichen Gasen.

Abgas-Messungen in der Stadt

Senat schnüffelt g

felt

an

jedem Auspuff

Im Vorbeifahren werden ab heute Schadstoffe proAuto erfasst

So etwawird es

aussehen, wenn

die Messgeräte

aufgestellt sein

werden.

Von

GERHARD LEHRKE

Berlin – Keine Angst, die neuen

Kisten am Straßenrand

sind keine Radarfallen. Die

Senatsverkehrsverwaltung

lässt damit von heute an bis

zum 1. November die Schadstoffe

messen, die aus den

Auspuffen quellen.

Aufgestellt werden die Messgeräte

voraussichtlich auf der

Sonnenallee in Neukölln und

der Straße Am Seegraben in

Treptow-Köpenick.

Die eine Kiste strahlt unsicht-

bares Licht –infrarot und ultraviolett

–inAuspuffhöhe über

die Straße. Die andere Kiste gegenüber

registriert, welche

Veränderungen das Licht

durch die Abgase erfahren hat,

und wie schnell das Auto fuhr.

Daraus kann ein Computer errechnen,

wie viel Kohlendioxid

und wieviel Stickoxide der jeweilige

Wagen ausgestoßen

hat.

Das System, von der spanischen

Firma Opus entwickelt,

soll der Erarbeitung eines Informationssystems

dienen, das

die tatsächliche, aktuelle, nicht

errechnete Belastung der Luft

abbildet. Es soll Teil der vom

Berliner Luftreinhalteplan gesetzlich

vorgeschriebenen

Kontrollen werden.

Gleichzeitig mit der Abgasmessung

wird über Video das

Kennzeichen erfasst, so dass

der Rechner von der Zulassungsstelle

erfahren kann, was

für ein Auto vorbeigefahren ist,

welche Schadstoff-Eingruppierung

es hat und ob es mit Diesel

oder Benzin angetrieben wird.

Der Senat verspricht hoch

und heilig, dass die Daten nur

für die Bestimmung des Fahrzeugtyps

verwendet werden,

eine Abfrage der Halterdaten

oder eine mögliche Bestrafung

wegen zu schnellen Fahrens

gebe es nicht. Die Datenschutzbehörde

habe dem Verfahren

zugestimmt.

Allerdings soll mit dem Versuch,

der vom Bund mit etwas

über 155 000 Euro gefördert

wird, auch ausprobiert werden,

ob man defekte oder manipulierte

Autos identifizieren

kann, die zu viele Schadstoffe

ausstoßen.

Fotos: Markus Wächter,zvg

Erkenntnisse erhofft sich der

Senat künftig auch bei der

Wirksamkeit von Durchfahrverboten

für Dieselautos auf

bestimmten Straßen. Die Verbote

sollen (verspätet) von November

an für Autos mit der

Abgasnorm 5oder schlechter

unter anderem auf Teilen der

Friedrich- und der Leipziger

Straße gelten.

Unterhakengegen Antisemitismus

300 Teilnehmer bei Menschenkette vor der Neuen Synagoge in Mitte

Mitte –Um12.30 Uhr tritt vor

der Neuen Synagoge in Mitte

ein Mann ans Mikrofon und bittet

die zusammenstehenden

Menschen, sich mit dem Rücken

zur Synagoge nebeneinander

aufzustellen und sich unterzuhaken.

Etwa 300 Menschen

sind einem Aufruf des Bündnisses

für ein weltoffenes und tolerantes

Berlin gefolgt. Nun stehen

sie zusammen und verteidigen

eine Stunde lang an dieser

Stelle symbolisch eine

Synagoge, während drinnen

Gottesdienst gefeiert wird.

Es hat bereits einige symbolische

Akte in Berlin nach dem

Anschlag auf die Synagoge in

Halle gegeben.Andiesem Sonntag

sind Familien mit Kindern

zur Neuen Synagoge gekommen,

ältere Leute, der künftige

Bischof der evangelischen Landeskirche

ist da, der Diözesanratsvorsitzende

des katholischen

Erzbistums, Imam Kadir

Sanci vom House of One, die

stellvertretende Vorsitzende

des DGB Bezirks Berlin-Brandenburg.

„Schön, dass sie da

sind“, sagt die Rabbinerin Gesa

Ederberg, als sie nach dem Gottesdienst

aus der Synagoge zu

den Versammelten kommt.

„Wir als jüdische Gemeinschaft

in Deutschland bauen darauf“,

sagt sie.Öffentliche Zeichen seien

wichtig. Genauso wichtig sei

es, kleine Zeichen zu setzen.

Und damit spricht Gesa Ederberg

alle an. Aufstehen und etwas

sagen in der U-Bahn, im Supermarkt,

in der Familie, bei der

Arbeit. „Einfach Leuten nichts

durchgehen lassen –sei es Antisemitismus,

Homophobie, Islamfeindschaft,

Frauenfeindlichkeit.

Das kommt alles aus

dem gleichen dunklen Sumpf“,

sagt Gesa Ederberg. JULI

Foto: Friedel

Etwa 300 Menschen kamen am Sonntag zur Neuen Synagoge an der Oranienburger

Straße.

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