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recke:in - Das Magazin der Graf Recke Stiftung Ausgabe 4/2013

Menschen 2013 – Fünf ganz persönliche Geschichten aus der Graf Recke Stiftung Die Weihnachtsausgabe der recke:in erzählt fünf Geschichten: von einer fröhlichen alten Dame und einem jungen Wilden, von einem überzeugten Sozialarbeiter und Minigolferin von Weltklasse. Und von einem Mann, der sich von allen Widrigkeiten nicht unterkriegen ließ. Fünf Menschen aus der Graf Recke Stiftung erzählen von sich, aus ihrem Leben, von ihrer Arbeit und ihren Plänen. Sie stehen für die vielen Menschen, die bei uns wohnen, arbeiten oder früher einmal hier gelebt und ihren Weg in der Welt gemacht haben. Der Bogen reicht vom 18-jährigen Niclas Ehrenberg, für den 2013 ein ganz besonderes Jahr war, bis zur 99-jährigen Anna Kocks, die fröhlich und zufrieden auf ihr Jahrhundertleben zurück blickt.

Menschen 2013 – Fünf ganz persönliche Geschichten aus der Graf Recke Stiftung

Die Weihnachtsausgabe der recke:in erzählt fünf Geschichten: von einer fröhlichen alten Dame und einem jungen Wilden, von einem überzeugten Sozialarbeiter und Minigolferin von Weltklasse. Und von einem Mann, der sich von allen Widrigkeiten nicht unterkriegen ließ.

Fünf Menschen aus der Graf Recke Stiftung erzählen von sich, aus ihrem Leben, von ihrer Arbeit und ihren Plänen. Sie stehen für die vielen Menschen, die bei uns wohnen, arbeiten oder früher einmal hier gelebt und ihren Weg in der Welt gemacht haben. Der Bogen reicht vom 18-jährigen Niclas Ehrenberg, für den 2013 ein ganz besonderes Jahr war, bis zur 99-jährigen Anna Kocks, die fröhlich und zufrieden auf ihr Jahrhundertleben zurück blickt.

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10 Erziehung & Bildung<br />

Niclas nervt.<br />

Aus Überzeugung!<br />

Mit Interviewanfragen geht Niclas Ehrenberg <strong>in</strong>zwischen<br />

sehr gelassen um. Immerh<strong>in</strong> saß er dieses Jahr schon<br />

bei Britt <strong>in</strong> <strong>der</strong> gleichnamigen SAT.1-Talkshow und hat<br />

im Zuge se<strong>in</strong>es politischen Engagements kürzlich e<strong>in</strong><br />

Radio<strong>in</strong>terview gegeben. Und als er im Sommer gegen<br />

die Schließung <strong>der</strong> arbeitspädagogischen Werkstätten zu<br />

Felde zog, da hat er sogar e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Pressekampagne<br />

auf den Weg gebracht.<br />

Von Roelf Bleeker-Dohmen<br />

Die Anfrage <strong>der</strong> Unternehmenskommunikation<br />

<strong>der</strong> <strong>Graf</strong> <strong>Recke</strong> <strong>Stiftung</strong> ist für Niclas<br />

Ehrenberg allenfalls term<strong>in</strong>lich e<strong>in</strong>e<br />

Herausfor<strong>der</strong>ung. Se<strong>in</strong> Term<strong>in</strong>kalen<strong>der</strong> sei<br />

<strong>der</strong>zeit sehr voll, sagt <strong>der</strong> 18-Jährige. Und<br />

beweist dann Flexibilität. »Heute Nachmittag?<br />

Okay, das geht!«<br />

Niclas hat viel zu erzählen. <strong>Das</strong> vergangene<br />

Jahr war für ihn e<strong>in</strong>e sehr bewegte Zeit.<br />

In Niclas‘ Leben hat sich viel verän<strong>der</strong>t<br />

im Verlaufe des letzten Jahres. Er hat das<br />

erste Mal <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Leben se<strong>in</strong>en Vater<br />

getroffen. Er hatte se<strong>in</strong> Com<strong>in</strong>g out. Er<br />

wurde zum Sprecher <strong>der</strong> Jugendlichen im<br />

ArbeitsPädagogischen Zentrum gewählt. Er<br />

stemmte sich als solcher vehement gegen<br />

die Schließung des hochdefizitären Bereiches<br />

und organisierte Demonstrationen.<br />

Er mobilisierte die Presse und diskutierte<br />

mit Vorstand und Geschäftsbereichsleitung<br />

über Alternativen. Er ist <strong>in</strong> die Politik<br />

gegangen und kandidiert für den Jugendrat<br />

<strong>der</strong> Stadt Düsseldorf. Gerade vor vier<br />

Tagen ist er von <strong>der</strong> Grupppe Bel Etage <strong>in</strong><br />

die Wohngeme<strong>in</strong>schaft Bel Etage <strong>der</strong> <strong>Graf</strong><br />

<strong>Recke</strong> Erziehung & Bildung umgezogen.<br />

»<strong>Das</strong> ist wie e<strong>in</strong>e richtige WG, auch wenn<br />

da noch Erzieher dabei s<strong>in</strong>d.« Aber Niclas<br />

hat nun e<strong>in</strong>en eigenen Schlüssel und ist<br />

selbst verantwortlich dafür, wann er nach<br />

Hause kommt. <strong>Das</strong> trifft sich gut, denn im<br />

Moment ist Niclas oft und lange unterwegs.<br />

Am Wochenende hat er erfolgreich für den<br />

Kreisvorstand <strong>der</strong> »L<strong>in</strong>ken« <strong>in</strong> Düsseldorf<br />

kandidiert. Die politischen Sitzungen gehen<br />

manchmal bis tief <strong>in</strong> die Nacht. Außerdem<br />

möchte Niclas <strong>in</strong> diesem Schuljahr se<strong>in</strong>en<br />

Hauptschulabschluss nachholen. <strong>Das</strong> s<strong>in</strong>d<br />

nur e<strong>in</strong>ige <strong>der</strong> Ereignisse <strong>der</strong> letzten zwölf<br />

Monate im Leben des Niclas Ehrenberg.<br />

Niclas nervt. <strong>Das</strong> weiß er. Und das will<br />

er. Als die Schließung <strong>der</strong> Werkstätten im<br />

ArbeitsPädagogischen Zentrum immer konkreter<br />

wurde, verlangte er klare Ansagen.<br />

»Ich b<strong>in</strong> den Leuten auf den Sack gegangen.<br />

Ich b<strong>in</strong> ihnen auf den Schlips getreten.<br />

Bis sie begriffen haben, dass wir <strong>in</strong>formiert<br />

werden wollen.« Die Schließung konnten er<br />

und se<strong>in</strong>e Mitstreiter nicht verh<strong>in</strong><strong>der</strong>n. Aber<br />

die Informationspolitik <strong>der</strong> <strong>Stiftung</strong>s- und<br />

Geschäftsbereichsleitung sei besser geworden.<br />

»Ich wollte nicht, dass alles schön geredet<br />

wird. Wir wollten wissen, was los ist.«<br />

Niclas erhielt viel Lob für se<strong>in</strong> Engagement<br />

und se<strong>in</strong>en konstruktiven Umgang mit dem<br />

Thema. Und Niclas spürte: »Ich kann etwas<br />

bewegen.« Und daran hat er Gefallen gefunden.<br />

Deshalb ist er jetzt <strong>in</strong> <strong>der</strong> Politik.<br />

Niclas ist selbstbewusst. Als er im Sommer<br />

die Presse gegen die Werkstättenschließung<br />

mobil machte, trat er nicht nur den<br />

Verantwortlichen »auf den Schlips«. Auch<br />

Journalisten mussten sich von ihm rügen<br />

lassen, wenn sie <strong>in</strong> ihren Artikeln nicht das<br />

schrieben, was er ihnen <strong>in</strong> den Block diktiert<br />

hatte. Niclas schafft es <strong>in</strong> jedem Gespräch,<br />

se<strong>in</strong>e Themen immer wie<strong>der</strong> zu platzieren.<br />

Für e<strong>in</strong>en Politiker ke<strong>in</strong>e schlechte Eigenschaft.<br />

Und se<strong>in</strong>e Statements s<strong>in</strong>d auch<br />

schon sehr elegant. »Man hat mich im Kreisvorstand<br />

gefragt, ob ich auch nach Berl<strong>in</strong><br />

gehen würde. Kann ich es mir vorstellen?<br />

»Ich habe hier <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Graf</strong> <strong>Recke</strong><br />

<strong>Stiftung</strong> viele Freiräume.«<br />

Niclas Ehrenberg über se<strong>in</strong> Leben <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> Wohngeme<strong>in</strong>schaft Bel Etage.<br />

<strong>recke</strong>: <strong>in</strong> 4/<strong>2013</strong>

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