Berliner Zeitung 22.10.2019

BerlinerVerlagGmbH

Maut-Affäre: Hat Andreas Scheuer das Parlament getäuscht? – Seite 3

Kolumne:

Eine Curry

mit Gysi

Seite 11

10°/16°

Immer wieder Sonne

Wetter Seite 2

Start-ups: Berlin wird

von Paris überholt

Berlin Seite 9

www.berliner-zeitung.de

Der Berliner Skandal um

gefälschte Kunst

Berlin Seite 10

Dienstag,22. Oktober 2019 Nr.245 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Wasmit der Alten Münze

in Mitte geschehen soll

Feuilleton Seite 19

USA

Sei

doch kein

Depp!

VonSebastian Moll

Jimmy Kimmel ist es gewohnt, mit

seinen Witzen anzuecken, der Humorist

aus Brooklyn gilt in der derzeitigen

Riege von US-Late-Night-

Talkern klar als derjenige mit dem

meisten Biss.

Mit der Art hat Kimmel vor einigen

Jahren beinahe eine internationale

diplomatische Krise ausgelöst.

Er hatte eine Gruppe vonSechsjährigen

gefragt, was

die USA tun soll,

um den riesigen

Schuldenberg

gegenüber

China abzutragen.

Einer der

Vorschläge der

Erstklässler war

JimmyKimmel, es, alle Chinesen

Late-Night-Talker mit umzubringen.

Hang zur Provokation Kimmel lachte

und fragte das

Publikum, ob man die Chinesen leben

lassen sollte.Die chinesische Regierung

fand das freilich überhaupt

nicht lustig und protestierte auf offiziellen

diplomatischen Wegen. Kimmel

entschuldigte sich öffentlich

beim chinesischen Volk.

DonaldTrump hat sich bislang erstaunlicherweise

noch nicht mit

Kimmel angelegt, nicht einmal auf

Twitter, und das, obwohl der Präsident

regelmäßig Zielscheibe von

Kimmel ist.

Kimmel witzelte erst vor14Tagen,

Trump werde der erste Präsident

sein, der wegen eines „Whistelblowjobs“

des Amtes enthoben werde –

eine doppelte Anspielung auf das

Amtsenthebungsverfahren gegen

Bill Clinton und die Whistleblower

aus dem Weißen Haus, die Details

von Trumps Ukraine-Telefonat an

die Öffentlichkeit gegeben hatten.

Am vergangenen Wochenende

nun ging Kimmel erneut Trump an –

diesmal wegen des eigenartigen, undiplomatischen

Tonfalls in dem präsidialen

Schreiben an den türkischen

Präsidenten Erdogan. Kimmel

schrieb auf, wie es geklungen hätte,

wenn John F. Kennedy während der

Schweinebucht-Krise 1961 in ähnlicher

Diktion mit Nikita Chruschtschowkommunizierthätte:

„Lieber

Premier Chruschtschow“, steht

darin. „Sei doch kein Depp.Wenn Du

Deine Raketen aus Kuba holst, werden

alle sagen ‚HurraChruschtschow

‘. Wenn nicht, werden alle sagen, was

für ein Arschloch.“

Die Kimmel-Parodie war in den

sozialen Medien ein Erfolg, sie zog

eine Welle von Trump-Parodien

nach sich. So etwa ein handgekritzeltes

Schreiben, das mit dem Satz beginnt:

„Lieber Präsident der Türkei.

Die Fernsehleute sind schon wieder

gemein zu mir.“

Auch Trumps ehemalige Rivalin

Hillary Clinton fand die Parodie witzig

und teilte sie auf Twitter. Sehr

zum Ärger von Trumps Anhängern,

die mit vorhersehbaren Zornausbrüchen

reagierten. Trump selbst bleibt

derweil jedoch noch untypisch still.

Wasden Verdacht nährt, dass ihm an

der Geschichte die Ironie entgeht.

Studieren nur mit Einser-Abi?

Trauriger Spitzenplatz: Berlin hat bundesweit die höchste Quote an

Numerus-clausus-Fächern. VieleBewerber versuchen ihr Glück in anderen

Bundesländern.

Dicht an dicht sitzen Studentinnen und Studenten in den Hörsälen. Wenn sie überhaupt einen Platz finden.

VonChristine Dankbar

Die Berliner Hochschulen

wirken in diesen Tagen,

als sei die Überalterung

der Gesellschaft nur ein

böser Traum. Bei der Einführungsveranstaltung

der Freien Universität

(FU) für die Erstsemester vor wenigen

Tagen reichte das Auditorium

maximum bei weitem nicht aus.Die

Reden der Dozenten wurden per

Monitor in Nachbar-Hörsäle übertragen.

Fast 195 000 Studierende

sind in diesem Wintersemester an

den Berliner Hochschulen eingeschrieben

–ein Rekord. DerAnsturm

auf Berlin hat allerdings eine Kehrseite.

Mittlerweile sind die meisten

Studienfächer mit einem Numerus

clausus (NC) belegt. In ganz

Deutschland sind durchschnittlich

40,7 Prozent aller Studiengänge zulassungsbeschränkt,

in Berlin sind es

67 Prozent, das ist bundesweit der

Spitzenplatz. Undbedeutet, dass für

Studienanfänger in der Hauptstadt

ein Einser-Abitur in vielen Fächern

fast schon Pflicht ist, wenn man in

der eigenen Stadt studieren will.

Ausweichen auf Orchideenfächer

Oder man zeigt sich flexibel: Archäologie

statt Geschichte, Iranistik statt

Betriebswirtschaftslehre. Besonders

kurios: Auch Lehramtsstudenten

mussten abgewiesen werden –und

das in einer Situation, in der Berliner

Schulen mehr und mehr Quereinsteiger

einstellen müssen, weil ausgebildete

Pädagogen fehlen. Diewissenschaftspolitische

Sprecherin der

Grünen im Abgeordnetenhaus, Catherina

Pieroth, spricht denn auch

von „Mangelverwaltung“ und stellt

fest: „Wir haben zu wenig StudienplätzeinBerlin.“

Der emeritierte Politikprofessor

Peter Grottian forderte in einem Gastbeitrag

in der Berliner Zeitung voreinigen

Tagen, den Numerus clausus

ganz abzuschaffen. „Weg mit dem

Monster“, schrieb er und rechnete

vor, dass ein entsprechendes Sonderprogramm

200 Millionen Euro jährlich

kosten würde.Erberechnet dabei

schematisch den Aufwand für das benötigte

Lehrpersonal, wenn die

schätzungsweise 275 000 abgelehnten

Studienbewerber bundesweit

doch zum Zuge kämen. Eine Regelung,

von der man in der Verwaltung

des Wissenschaftssenators und Regierenden

Bürgermeisters Michael

NC-Quote nach Bundesländern

zum Wintersemester 2019/20

in Prozent

Hamburg 64,8

Niedersachsen 56,2

Bremen 61,5

Nordrhein-Westfalen

33,4

Hessen 28,6

Rheinland-Pfalz 22,0

Saarland 56,8

Baden-Württemberg

56,6

Müller (SPD) nichts wissen will. „Es

würde alle Kosten sprengen, wenn

man alle Bewerber an den Berliner

Hochschulen zulassen würde“, meint

Sprecher Matthias Kuder.Die Hauptstadt

sei mit 195 000 Studierenden an

ihrer Kapazitätsgrenzeangelangt.

Müllers Sprecher verweist darauf,

dass die elf staatlichen Hochschulen

und die Charité Universitätsmedizin

in den vergangenen Jahren mit einem

jährlich steigenden Milliardenbetrag

finanziert wurden. Die

Summe, mit der Bund und Land die

Hochschulen ausstatten, ist tatsächlich

in den vergangenen Jahren nur

leicht gestiegen: 2009 gaben Bund

und Land 1,16 Milliarden Euro für

die Berliner Unis aus, 2019 waren es

1,56 Milliarden, das ist eine Steigerung

von 400 Millionen Euro. Eine

hohe Summe, gewiss. Aber wenn

man bedenkt, dass allein der Ankauf

der 670 Wohnungen in der Karl-

Marx-Allee durch das Land in diesem

Jahr vermutlich 200 Millionen

Euro gekostet hat, dann relativiertsie

sich.

Kuder macht außerdem geltend,

dass an den Berliner Unis nicht nur

Schleswig-Holstein

31,5

Mecklenburg-

Vorpommern

21,9

Brandenburg 31,0

Berlin 67,0

Sachsen-Anhalt 27,8

Sachsen 33,8

Thüringen 23,7

Bayern 34,8

Deutschland: 40,7

BLZ/HECHER;

QUELLE: CENTRUM FÜR

HOCHSCHULENTWICKLUNG

GETTYIMAGES

die Abiturnote zählt. So sei im Berliner

Hochschulzulassungsrecht die

Gewichtung außerschulischer Kompetenzen

gestärkt worden. Auch für

beruflich qualifizierte Bewerberinnen

und Bewerber, die über keine

Hochschulzulassung verfügen, gebe

es eine Vorabquote.

Das alles nützt Berliner Abiturienten

mit einem mittelmäßigen Abitur

wenig. Während jedes Jahr mehr

Studierende nach Berlin kommen,

bleibt ihnen oft nur das Ausweichen

an eine Universität in einem anderen

Bundesland. Die gute Nachricht: In

den Bundesländern rings um die

Hauptstadt sieht es sehr viel besser

aus. Soist die Quote von Numerusclausus-Fächern

in Brandenburg

mit 31 Prozent nicht einmal halb so

hoch wie in der Hauptstadt. Noch

besser sieht es in Mecklenburg-Vorpommern

oder in Rheinland-Pfalz

aus. Dass sich Abiturienten aus der

Hauptstadt auf den Weg ins Land

machen, während Kinder aus der

Provinz ihr Glück inder Hauptstadt

versuchen, muss nicht unbedingt etwas

Schlechtes sein.

Kein Landeskinderbonus

Auf einen sogenannten Landeskinderbonus,

der Einheimischen das

StudiuminBerlin zugänglich macht,

sollten Betroffene dagegen nicht

hoffen. Er wäre nach Meinung aller

Parteien verfassungswidrig. Die

Linke würde den NC lieber gestern

als heute abschaffen, sagt die Linken-Abgeordnete

Franziska Brychcy,

die im Wissenschaftsausschuss des

Abgeordnetenhauses sitzt. „Aber solange

es mehr Studienbewerberinnen

und -bewerber als Studienplätze

gibt, braucht es ein einigermaßen

vergleichbares Auswahlkriterium.“

„Wir können keine Schutzmauernumunsereeigenen

Abiturienten

ziehen“, sagt der bildungspolitische

Sprecher der CDU, Dirk Stettner.

Doch auch er findet, dass es wichtig

ist, dass Berlin mehr Studienplätze

schafft. „Die hohe NC-Quote ist

wirklich problematisch.“

DieSenatsverwaltung fürWissenschaft

hält die Verdrängung Berliner

Abiturienten aus der Stadt ohnehin

für eine Mär. Die Statistik zeige, so

Sprecher Kuder, dass rund 70 Prozent

der Berliner Abiturienten einen

Studienplatz in ihrerHeimatstadt ergatterten.

Dass die getroffene Wahl

dann aber oft eher der Zweit- oder

Drittwunsch gewesen ist, vermutet

man auch an der Freien Universität.

Dortbefragte man die Neuankömmlinge

bei der Einführungsveranstaltung,

ob sie im Wunschfach untergekommen

sind. Eine Auswertung

steht noch aus. Kommentar Seite8

Feuer im Zug:

Ursache war

wohl ein Defekt

Ermittler sehen keine

Hinweise auf Brandstiftung

Ermittler halten derzeit einen

technischen Defekt als Brandursache

in dem mit Hunderten Fußballfans

besetzten Sonderzug in Berlin

für wahrscheinlich. Ein Sprecher

der Bundespolizei sagte am Montag,

man gehe derzeit vondieser Ursache

aus, eswerde aber weiterhin in alle

Richtungen ermittelt. Hinweise auf

vorsätzliche Brandstiftung haben die

Sicherheitsbehörden bislang nicht.

In einer Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft

Berlin und der

Berliner Bundespolizei hatte es zuvorgeheißen:

„Nach ersten Erkenntnissen

könnte ein technischer Defekt

den Brand verursacht haben.“

Nach dem Brand am Samstagabend

hatte es auch Spekulationen über

Pyrotechnik als Ursache der Flammen

gegeben.

Das Feuer war in dem Zug mit

insgesamt 700 Fans des SC Freiburg

an Bord ausgebrochen, der dann

beim S-Bahnhof Bellevue zum Stehen

kam. Ein Waggon brannte lichterloh.

150 Feuerwehrkräfte waren

im Einsatz. Vier Reisende wurden

verletzt. Am Wochenendewurde seitens

der Fanorganisation Supporters

Crew Freiburg über einen technischen

Defekt spekuliert.

Das private Unternehmen

Schweizer Centralbahn AG, umderen

Zug es sich handelt, schloss dies

jedoch aus.Der Brand sei offensichtlich

im Inneren eines Abteils in der

Wagenmitte ausgebrochen, wo es

keine Technik gebe. Am24. August

hatte es in einem Charterzug der

Centralbahn, der Teilnehmer der

Unteilbar-Demonstration von Dresden

nach Berlin zurückbringen

sollte, ebenfalls Rauchentwicklung

gegeben. Ursache war eine festgefahrene

Bremse,teilte das Unternehmen

mit. (BLZ) Berlin Seite11

Der brennende Zug am S-Bahnhof Bellevue.

Vier Fans wurden verletzt.

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Tagesthema

Trotz vereinzelter Kämpfe

zwischen türkischen Invasionstruppen

und kurdischen

Verteidigern wurde

die vom US-Vizepräsidenten Mike

Pence mit dem türkischen Präsidenten

Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag

vereinbarte Feuerpause in

Nordsyrien weitgehend eingehalten.

Gekämpft wurde vor allem in der

Grenzstadt Ras al-Ain, doch konnte

am Sonntag ein ziviler Konvoi mit

Hunderten Einwohnern, darunter

viele Verwundete, die Stadt verlassen.

WieimWaffenruhe-Abkommen

vereinbart, zogen die kurdisch dominierten

Syrischen Demokratischen

Kräfte (SDF) ihrerund 500 verbliebenen

Kämpfer aus Ras al-Ain zurück.

Daraufhin besetzten türkische Truppen

und mit ihnen verbündete syrisch-islamistische

Milizen die

Kleinstadt. Kurdische Medien berichteten

über zahlreiche Festnahmen

und Plünderungen.

Wie der kurdische Kommandeur

der rund 50 000 SDF-Milizionäre,

Mazlum Abdi, am Montag sagte,hätten

sich seine Truppen zwar aus einem

rund 110 Kilometer langen und

30 Kilometer breiten Grenzstreifen

zur Türkei zurückgezogen, würden

aber im weiteren grenznahen Gebiet

bleiben. „Wir haben unsere Verpflichtungen

in dem vereinbarten

Deal der Vereinigten Staaten eingehalten“,

sagte er der syrisch-kurdischen

Nachrichtenagentur ANHA.

„Die Vereinbarung beinhaltet die

Städte TelAbyad und Rasal-Ain, aber

keine anderen Gebiete.“ Der kurdische

General forderte neueVerhandlungen

über eine Pufferzone,bei denen

die gegenseitigen Sicherheitsinteressen

berücksichtigt würden. Er

schlug dafür erneut eine UN-Friedenstruppe

vor. „Wir werden niemals

eine dauerhafte türkische Besatzung

akzeptieren“, sagte er.

Warnung vorSäuberungen

Der türkische Präsident Erdogan reist an diesem Dienstag nach Russland und

trifft Präsident Putin. Da wird sich zeigen, ob sie Gegner oder Partner sind.

Angriff in Syrien

KriegoderFrieden

VonFrank Nordhausen

Türkische Militäroffensive in Syrien

Gebiet kontrolliert von

syrischer Regierung Kurden syrischen Rebellen

Angriffe syrischer Regierungstruppen,

unterstützt von russischen Soldaten

Mittelmeer

LIBANON

Stand Oktober 2019

Homs

TÜRKEI

Idlib

Manbidsch

Aleppo

Kobane

SYRIEN

Tall

Abjad

Ain Issa

Euphrat

dünn

besiedelte

Gebiete

Ras

al-Ain

Türkei

Hauptangriffspunkte der

türkischen Bodenoffensive

Kamischli

Tell Tamer

Al-Hassaka

Vonder Türkei

angestrebte

„Sicherheitszone“

Abzug von

US-Soldaten

IRAK

50 km

BLZ/GALANTY; QUELLE: ISW, DPA

IMAGO

Am Montag reiste in seiner Vertretung

die syrisch-kurdische Spitzenpolitikerin

Ilham Ehmed nach Washington,

um Gespräche mit Kongressmitgliedernzuführen.

Nach ihrer

Ankunft warnte sie vor

„ethnischen Säuberungen“ durch

türkisch geführte Truppen.

Der türkische Staatschef Erdogan

erklärte seinerseits, die Sicherheitszone

umfasse die gesamten 444 Kilometer

vom Nordirak bis zum Euphrat;

darin will die Türkei zwei Millionen

syrischer Flüchtlinge unterbringen.

Lage und Umfang des

Puffergebietes sind umstritten, weil

sie im amerikanisch-türkischen 13-

Punkte-Plan nicht genauer spezifiziertwurden.

Erdogan drohte mit einer

Wiederaufnahme der am 9. Oktober

gestarteten türkischen Angriffe,

falls nicht die gesamte Zone

nach türkischen Vorstellungen bis

zum Ablauf der Waffenruhe am

Dienstagabend von der SDF geräumt

worden sei. Die Türkei betrachtet

die kurdisch geführte Miliz

als Terrorgruppe,weil sie mit der verbotenen

kurdischen Arbeiterpartei

PKK verbunden ist. Für die USA war

die SDF dagegen der wichtigste Partner

im Kampf gegen die Terrormiliz

Islamischer Staat (IS). Das türkische

Verteidigungsministerium teilte am

Montag mit, inzwischen hätten 125

Fahrzeuge mit der SDF die Region

verlassen.

Zum Auslaufen der Feuerpause

reist der türkische Präsident am

Dienstag nach Russland, um mit seinem

Kollegen Wladimir Putin das

weitereVorgehen zu besprechen. Als

Schutzmacht des syrischen Herrschers

Baschar al-Assad dürfte Russland

letztlich das Ausmaß von Erdogans

Sicherheitszone bestimmen.

Unter anderem wird esumdie syrischen

Truppen gehen, die inzwischen

wieder im Grenzgebiet stationiertwurden,

nachdem sich die Kurden

aufgrund des US-Abzugs wieder

dem Assad-Regime unterstellt hatten.

Ein Kreml-Sprecher äußerte am

Montag Bedenken, dass die türkische

Intervention den IS neu erstarken

lassen könne.

Dramatische Lage

Anderthalb Wochen nach dem türkischen

Einmarsch in Nordsyrien

zeichnen internationale Hilfsorganisationen

ein dramatisches Bild der

humanitären Lage. Nach jüngsten

Angaben des UN-Nothilfebüros

Ocha sind bisher mindestens

165 000 Menschen durch die

Kämpfe vertrieben worden. Etwa

2400 Menschen hätten bereits die

Grenzezum Nordirak überquert. Die

Situation in syrischen Lagernsei„extrem

besorgniserregend.“

Die Türkei wies den Vorwurf von

Amnesty International zurück, bei

dem Angriff Kriegsverbrechen wie

„rücksichtslose Angriffe auf Wohngebiete“

begangen und Chemiewaffen

eingesetzt zu haben. Dies sei eine

Diffamierungskampagne. Kurdenvertreter

klagten über neuerliche

Übergriffe der türkisch-syrischen

Angreifer. Die syrische Beobachtungsstelle

für Menschenrechte in

London erklärte, dass die Angreifer

Häuser und Geschäfte in TelAbiad

und umliegenden Dörfern geplündert

und Vieh gestohlen hätten.

Nach Angaben des Kurdischen Roten

Halbmonds kamen seit Verkündung

der Waffenruhe mindestens 20

Zivilisten ums Leben.

Unterdessen haben die USA mit

derVerlegung ihrer rund 1000 Spezialtruppen

aus Syrien begonnen.

CNN berichtete, hunderte Militärfahrzeugemit

rund 500 US-Soldaten

hätten die Grenze zum Nordirak

überquert. Internetvideos zeigten,

wie sie bei ihrem Abzug aus der inoffiziellen

syrischen Kurdenhauptstadt

Kamischli mit Kartoffeln und

Tomaten beworfen wurden. US-Verteidigungsminister

Mark Esper erklärte

am Montag, dass ein kleines

Kontingent des US-Militärs in Syrien

verbleiben werde, um denKampf gegen

den IS fortzusetzen und die syrischen

Ölquellen zu schützen.

Frank Nordhausen

reiste vordem Krieg oft

durch die Kurdengebiete.

Verteidigungsministerin

Annegret

Kramp-Karrenbauer will

Bündnispartner und Konfliktparteien

in Nordsyrien für eine international

kontrollierte Sicherheitszone

gewinnen. DiesenVorschlag habe sie

am Montag mit Kanzlerin Angela

Merkel abgestimmt und westlichen

Verbündeten unterbreitet, sagte die

CDU-Vorsitzende der Deutschen

Presse-Agentur.Sie werdeihren Vorstoß

am Rande des Treffens der

Nato-Verteidigungsminister in Brüssel

am Donnerstag und Freitag mit

Amtskollegen besprechen.

Über eine mögliche Beteiligung

der Bundeswehr müsse der Bundes-

Kramp-Karrenbauer für internationale Syrien-Sicherheitszone

tag entscheiden. Dies werdedas Verteidigungsministerium

dann mit der

Bundeswehr auch umsetzen, sagte

Kramp-Karrenbauer in dem Interview

anlässlich ihrer ersten 100 Tage

im Amt.

Heute schon sei man im Einsatz

gegen die Terrormiliz Islamischer

Staat (IS) in der Ausbildung wie in

der Luftraumüberwachung aktiv.

„Wenn die Frage ist, wie wir den

Kampf gegen den IS auch weiter fortsetzen,

wirddas Gegenstand solcher

Beratungen sein“, sagte sie.

Der CDU-Außenpolitiker Roderich

Kiesewetter hatte sich im Inforadio

des RBB für den Aufbau einer hu-

Vorstoß der Verteidigungsministerin

manitären Schutzzone ausgesprochen,

die von 30000 bis 40 000 Soldaten

aus EU-Ländern abgesichert

werden könnte. Außenminister

Heiko Maas (SPD) hatte befunden,

es sei zu früh für solche Überlegungen.

Kramp-Karrenbauer wiederum

sagte, sie habe Maas per SMS über

ihren Vorstoß informiert.

„Wir sind stark“

Angesichts der deutschen und europäischen

Sicherheitsinteressen

seien„ein Impuls und eine politische

Initiative von Deutschland ausgehend

für einen europäischen Vorstoß

in der Nato sinnvoll“, sagte die

Ministerin. Bisher hätten sich

Deutschland und die Europäer zu

passiv verhalten, „wie Zaungäste“.

„Deswegen müssen wir auf Dauer

Strukturen schaffen, die zum Beispiel

eine freiwillige Rückkehr von

Geflüchteten in diese Region auch

möglich machen. Dann brauchen

wir in dieser Region über die aktuelle

Situation hinaus eine Lösung, die für

Stabilität und Sicherheit steht.“

Sinnvoll sei die „Schaffung einer

international kontrollierten Sicherheitszone

unter Einbeziehung der

Türkei und Russlands, mit dem Ziel,

die Lage dort zudeeskalieren“, sagte

Kramp-Karrenbauer. Diese Lösung

müsse deutlich machen, dass die

Türkei die Zone in Nordsyrien nicht

dauerhaft besetze, was völkerrechtswidrig

sei. Zudem müsse man der bestehenden

UN-Resolution zu Syrien

gerecht werden und das Land als gemeinsames

Gebiet erhalten. Es solle

keine anderen autonomen Gebiete in

Syrien geben.

ZurVorbereitung eines geplanten

Treffens der Kanzlerin mit ihren

Amtskollegen aus Frankreich, Großbritannien

sowie der Türkei und

Russland zur Lage in Syrien solle der

deutsch-französische Verteidigungsund

Sicherheitsrat zu einem außerordentlichen

Treffen zusammenkommen.

Dazu sollten der Verteidigungs-

und der Außenminister von

Großbritannien eingeladen werden.

Außerdem sollten bilaterale Gespräche

mit der Türkei und Russland aufgenommen

werden.

Annegret Kramp-Karrenbauer

hatte am Sonnabend auf dem CSU-

Parteitag kritisiert, Deutschland und

die Union hätten sich in der Vergangenheit

zu sehr in der Außenpolitik

zurückgehalten. „Wir sind stark, es

kommt auf uns an, und wir müssen

irgendwann endlich auch mal eigene

politische Antworten geben -

und zwar insbesondere als Union“,

hatte sie in München gesagt. (dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute scheint immer wieder die Sonne, doch teilweise ziehen Wolken vorüber.

Das Thermometer zeigt maximal 15bis 19 Grad, und der Wind

weht schwach aus West. Inder Nacht schränkt hartnäckiger Nebel die

Sicht vereinzelt ein. Oft wechseln sich Sternenhimmel und Wolken ab.

Dabei sind Tiefstwertevon 9bis 7Grad zuerwarten.

Biowetter: Die Witterung bringt

leichte Beschwerden. So kann der

Blutdruck erhöht sein. Durch die

gute Sauerstoffversorgung des Körpers

fühlen sich viele Menschen gut 10°/16°

Wittenberge

gelaunt und fit für den Tag.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 7µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 31 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 34 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 80%

Gefühlte Temperatur: maximal 16Grad.

Wind: leichter Wind aus West.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

9°/16° 10°/16°

Luckenwalde

10°/17°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

heiter wolkig wolkig

8°/16° 10°/19° 10°/18°

Prenzlau

9°/15°

Cottbus

10°/18°

Frankfurt

(Oder)

9°/19°

Hoch Majla wandert über Mitteleuropa hinweg ostwärts. Damit kehrt bei uns ruhiges

Herbstwetter mit einer Mischung aus Nebel, Hochnebel und Sonne ein.

VonSüdfrankreich über Ostspanien bis zu den Balearen besteht Unwettergefahr.

Regengebiete ziehen über Nordwesteuropa nordostwärts nach Skandinavien

Sylt

9°/14°

Hannover

9°/15°

Köln

8°/16°

Saarbrücken

10°/15°

Konstanz

12°/18°

Hamburg

9°/14°

Erfurt

9°/16°

Frankfurt/Main

11°/18°

Stuttgart

10°/17°

Rügen

10°/14°

Rostock

9°/14°

Magdeburg

9°/18°

Nürnberg

8°/18°

München

10°/18°

Dresden

11°/17°

Deutschland: Heute ist der Himmel

stellenweise wolkenverhangen. Zwischendurch

gibt es etwas Sonnenschein,

und die Temperaturen

steigen am Tage auf 14 bis 19Grad.

Nachts gehen die Werte dann auf

11 bis 6Grad zurück. Der Wind weht

schwach aus westlichen Richtungen.

Morgen machen die Höchstwerte bei

14 bis 20 Grad halt. Dazu ist der

Himmel teils heiter, teils bewölkt. Der

Wind weht schwach aus östlichen

Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 13°-14°

Nordsee: 13°-15°

Mittelmeer: 18°-28°

Ost-Atlantik: 13°-18°

Mondphasen: 28.10. 04.11. 12.11. 19.11.

Sonnenaufgang: 07:44 Uhr Sonnenuntergang: 17:57 Uhr Mondaufgang: --:-- Uhr Monduntergang: 15:55 Uhr

Lissabon

20°

Las Palmas

22°

Madrid

16°

Reykjavik


Dublin

11°

London

16°

Paris

16°

Bordeaux

14°

Palma

26°

Algier

32°

Nizza

24°

Trondheim

10°

Oslo


Stockholm

14°

Kopenhagen

14°

Berlin

16°

Mailand

22°

Tunis

27°

Rom

26°

Warschau

21°

Wien

20° Budapest

23°

Palermo

26°

Kiruna


Oulu


Dubrovnik

24°

Athen

24°

St. Petersburg

12°

Wilna

20°

Kiew

19°

Odessa

20°

Varna

22°

Istanbul

23°

Iraklio

24°

Archangelsk


Moskau

11°

Ankara

21°

Antalya

28°

Acapulco 33° Gewitter

Bali 41° heiter

Bangkok 33° sonnig

Barbados 30° Gewitter

Buenos Aires 23° wolkig

Casablanca 17° Schauer

Chicago 11° bedeckt

Dakar 31° heiter

Dubai 34° sonnig

Hongkong 28° sonnig

Jerusalem 23° heiter

Johannesburg 31° bewölkt

Kairo 29° wolkig

Kapstadt 23° heiter

Los Angeles 28° sonnig

Manila 32° Schauer

Miami 32° Gewitter

Nairobi 30° wolkig

Neu Delhi 33° heiter

New York 16° bedeckt

Peking 20° sonnig

Perth 26° sonnig

Phuket 32° Gewitter

Rio de Janeiro 24° Regen

San Francisco 25° sonnig

Santo Domingo 31° heiter

Seychellen 29° heiter

Singapur 30° Gewitter

Sydney 28° sonnig

Tokio 18° Regen

Toronto 17° Regen


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 3 *

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Seite 3

Am29. Maidieses Jahres treffen sich

Vertreter des Kraftfahrtbundesamtes

mit zwei Unterhändlern des

Konsortiums autoTicket in der

Behrenstraße in Berlin-Mitte.Ein Notar-Termin

und eine heikle Mission, die sie im Auftrag

des Bundesverkehrsministeriums

(BMVI) vonAndreas Scheuer (CSU) erfüllen.

Sie sichern nachträglich die Finanzierung

der Pkw-Maut ab. Dafür unterzeichnen sie

eine Vereinbarung neben dem eigentlichen

Betreibervertrag, der Monate zuvor geschlossen

worden war und der dem Konsortium

Hunderte Millionen Euro für die Erhebung

und Kontrolle der Pkw-Maut in die

Kassen spült.

Nur drei Wochen später kippt der Europäische

Gerichtshof die Maut als rechtswidrig.

Bis zu700 Millionen Euro kostet dieser

Machtpoker die Steuerzahler. Seither hat

Scheuer ein Problem.

Der Berliner Zeitung und dem ARD-Magazin

ReportMainz liegt exklusiv die bislang

unbekannte Geheim-Vereinbarung vor, die

belegt, wie weit die Zuständigen den Staat

auspressten, um das Projekt Maut durchzudrücken.

Dasbrisante Dokument nennt sich

„Vereinbarung über die Zustimmung des

Auftraggebers zum Abschluss des Unterauftragnehmervertrages

zwischen dem Betreiber

und der Toll Collect GmbH (,Zustimmungsvereinbarung‘)“.

Der Lkw-Mautbetreiber

Toll Collect gehört seit 2018 wieder

dem Staat.

Risiken übernimmt der Staat

Auf 59Seiten regelt dieser Vertrag, wie die

Aufgabenverteilung bei der Mauterhebung

zwischen dem Bund und dem privaten Konsortium

hätte erfolgen sollen. Zusammengefasst

setzte Scheuer zwar alles daran, die Erhebung

der Pkw-Maut zu privatisieren.

Doch nachdem das geschehen war, regelten

die Beteiligten in diesem Nebenvertrag, dass

der Staat, genauer:Toll Collect als Unterauftragnehmer

die wesentlichen Aufgaben erfüllen

und die Risiken tragen sollte.

In dem Dokument ist etwa geregelt, dass

Toll Collect „dem Betreiber das Mautstellennetz

während der Laufzeit dieses Vertrages“

zur Verfügung stellt. Dazu zählen „Mautstellen

und Mautstellen-Terminals im jeweiligen

Bestand“. Weiterhin: „zentrale Systeme,

Komponenten und Services des UAN (Toll

Collect, Anm. d. Red.), insbesondere dessen

Rechenzentrum, Splitservice, Netzwerkanbindung

der Mautstellen-Terminals bis zur

Schnittstelle zum Betreiber“. Zudem muss

die Staatsfirma die Infrastruktur „pflegen,

warten und instand halten“.

Das Konsortium hätte kassiert, doch die

entscheidenden Leistungen wären von Toll

Collect als Subunternehmer erbracht worden.

Vorallem, um die Kosten für die Privaten

zu drücken.

Das belegt eine „Innenvereinbarung“.

Dortsteht „TC(Toll Collect, Anm. d. Red.) erhält

von der autoTicket (das Konsortium,

Anm. d. Red.) …für die TC-Erhebungsleistungen

keine einem Drittvergleich vollständig

entsprechende (marktübliche) und mit

ihren potentiellen Haftungsrisiken korrespondierende

Vergütung“. Übersetzt: Toll

Collect erhebt zwar die Maut, stellt dafür den

privaten Betreibern aber zu geringe Kosten

in Rechnung. Sogar vertraglich geregelt.

Verhandlungspartner bei diesem Vertrag

ist unter anderem das Kraftfahrtbundesamt

(KBA). Ein Referatsleiter von Scheuer

schreibt am 21. Mai2019 einen Brief an KBA-

Präsident EkhartZinke.„Betreff: Einbindung

der Toll Collect GmbH in die Erhebung der

Infrastrukturabgabe“. Dort heißt es: „Es ist

nun vorgesehen, dass der Betreiber und die

vom Bund gehaltene Toll Collect (TC) einen

Unterauftragnehmervertrag (UAV)“ schließen.

Ganz unverblümt:„DaTCfür die vonihr

nach dem UAVzuübernehmenden Leistungen

vondem Betreiber keine einem Drittvergleich

vollständig entsprechende (marktübliche)

…Vergütung erhält, bedarf esdes Abschlusses

einer weiteren Vereinbarung.“ Gemeint

ist die Vereinbarung, die wenig später

in der Behrenstraße unterzeichnet wird.

DasKonsortium kassierte auch deswegen

so viel Geld, weil die Vertragsrisiken bei so

komplexen Infrastrukturprojekten enorm

sind. Doch auch zur Haftungsfrage heißt es

in der geheimen Vereinbarung: „Ansprüche

auf Schadensersatz oder Vertragsstrafen stehen

dem Auftraggeber gegenüber den Betreiberparteien

nicht zu.“

Grundsätzlich regelt der Betreibervertrag,

dass das Konsortium Unterauftragnehmer

engagieren kann. Befragte Experten wundernsich

jedoch, dass bei dieser riesigen Privatisierung

ausgerechnet der Staat als Subunternehmer

die wichtigste Leistung erbringt

und diese auch noch rabattiert. Es

stellt sich die Frage,obdies einer staatlichen

Beihilfe gleichkommt, die andere Bieter womöglich

benachteiligte. Zudem: „Falls die

Provisionsvergütung für TC nicht ausreicht,

sämtliche ihr durch die Betriebsleistungen

Unter Druck: Andreas Scheuer.

Der geheime

Seit Wochen belastet die Affäre um die rechtswidrige Vergabe der

Pkw-Maut Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Und es geht weiter:

Eine Vereinbarung mit Toll Collect, die der Berliner Zeitung vorliegt,

belegt, wie nach der Auftragsvergabe die Bedingungen für das

Konsortium mit staatlicher Hilfe verbessert wurden.

Auf Kosten der Steuerzahler und am Parlament vorbei

im Zusammenhang mit der Abwicklung von

Infrastrukturabgabezahlungen durch Gebietsfremde

entstehenden Kosten zu decken,

gewährtder Bund TC eine weitereVergütung

(,Ergänzungsvergütung‘)“.

Am Ende konstruiert die Vereinbarung

eine bizarre Dreiecksbeziehung: Der Bund

privatisierte die Mauterhebung und überließ

den lukrativen Auftrag dem Konsortium. Das

wiederum durfte dafür Toll Collect beauftragen,

das aber dem Bund gehörtund zu niedrige

Kosten in Rechnung stellen sollte. Der

Bund hätte etwaige Fehlbeträge bei Toll Collect

bezuschusst. All dies regelt eineVereinbarung,

die rund fünf Monate nach der Unterzeichnung

der eigentlichen Betreiberverträge

bei einem Notar abgeschlossen wurde.

Joachim Wieland, Professor für Öffentliches

Recht, Finanz- und Steuerrecht an der

Universität für Verwaltungswissenschaften

Vertrag

VonKai Schlieter

in Speyer, sagt Report Mainz: „Dass diese

Verträge den Parlamentariern nicht gezeigt

werden, ist ein grober Verstoß gegen das

Haushaltsrecht. Die Parlamentarier können

das Königsrecht des Parlaments,das Budgetrecht,

nur dann ausüben, wenn sie auch wissen,

wie die Vertragskonstruktionen sind,

welche Leistungen erbracht werden.“ Er

spricht von einer „groben Täuschung des

Parlaments“.

Bei allem gewinnt immer das Konsortium.

Doch warum? Andreas Scheuer hatte

ein riesiges Problem. Der Verkehrsminister

wollte partout privatisieren und als einzig

verbliebener Bieter hatte das Konsortium

autoTicket ein Angebot über rund 3Milliarden

Euro vorgelegt. Das brachte Scheuer in

Bedrängnis.Denn der Haushalt sah nur 2,08

Milliarden Euro vor. Nach Abzug der Betreibervergütung

„ergibt sich ein fehlender Be-

IMAGIO IMAGES

trag von ca. 1,067 Mrd. Euro, der zum Vertragsabschluss

auf Basis des vorgelegten Angebots

benötigt würde“, heißt es am 20. November

2018 in einem internen Vermerk an

Scheuers Staatssekretär GerhardSchulz. Der

Mann heißt bei Insidern„Mr.Maut“.

Am 29. November 2018 treffen sich

Scheuer und Schulz mit den Betreiberbossen

Georg Kapsch und Klaus-Peter Schulenberg

von Eventim. Was sie besprechen, ist bis

heute nicht bekannt. Angesichts der Bedeutung

ging es womöglich auch um die Finanzierungslücke;

vielleicht auch darum, ob Toll

Collect aushelfen könnte. Klar ist, dass

Schulz seit dem 1. September 2018 auch Aufsichtsratschef

bei Toll Collect ist.

Im November finden weitere Treffen des

Konsortiums mit Anwälten und Ministeriellen

im BMVI statt. Die zuhohen Kosten des

Angebots sind ein Thema. Man sucht nach

Einsparpotenzialen. Am 4. Dezember geht es

in Raum D3.029 des Ministeriums um die

„Erörterung einer möglichen Mitbenutzung

von Toll Collect (TC)-Terminals“. Einen Tag

später teilen Vertreter des BMVI der Hausspitze

mit, dass „bei der möglichen Mitbenutzung

vonToll Collect (TC)-Terminals ein

hohes Einsparpotential liege“, wie es in einem

vertraulichen Protokoll heißt.

Am 7. Dezember sprechen die Geschäftspartner

über die Abgabe eines „Zweiten Finalen

Angebots“ des Konsortiums. Amgleichen

Tagtrifft sich Staatssekretär Schulz erneut

mit Eventim-Boss Klaus-Peter Schulenbergindessen

BüroinHamburg. Laut BMVI

sei es hier um ein „persönliches Kennenlerngespräch“

gegangen, obschon sich beide bereits

kannten, wie dokumentiert ist. Esgibt

zu diesem Geheimtreffen keine Protokolle.

Aus einem Vermerk eines BMVI-Abteilungsleiters

an Schulz zwei Wochen später

geht hervor, dass man sich mit dem Konsortium

offenbar geeinigt hatte. Angefügt sind

die „Gesamtausgaben für die Erhebung und

Automatische Kontrolle“ der Pkw-Maut. Die

Summe die dortsteht: 2,078 Milliarden Euro.

Das Konsortium war bereit, mit einer Milliarde

weniger engagiert zubleiben. Nur zwei

Wochen später unterzeichnen die Beteiligten

den Betreibervertrag. Fünf Monate danach

die Toll-Collect-Vereinbarung.

„Dreistes Täuschungsmanöver“

Es zeigt sich eine krasse Differenz zwischen

den zuletzt geschätzten Kosten von 2,078

Milliarden Euro und der aktuellen Prognose

der Maut-Kosten, die das BVMI im Januar

2019 erstellt. Hier sind „laufenden Systemkosten

von247 Mio. Euro proJahr“ genannt.

Gerundet ergibt das für den Vertragszeitraum

je nach Rechnung 600 bis 700 Millionen

Euro Mehrkosten im Vergleich zu den

veranschlagten 2,078 Milliarden. Das BMI

nennt auf Anfrage mindestens 164 Millionen.

In dieseFinanzierungslücke könnte Toll

Collect treten, die dann wie ein Schattenhaushaltfunktionierthätte.Das

legt ein Vermerk

vom 16. Mai 2019 nahe, der an einen

Abteilungsleiter im BMVI gerichtet ist. Mit

Bezug auf die nutzbareInfrastruktur vonToll

Collect,heißt es,könntendie„aufzubringendenKostenverringert“

werden.

Dass die Kollegenvon Toll Collect gut mit

Scheuer können, hängt mit „Mr. Maut“ zusammen.

Gerhard Schulz amtiert seit 11.

März 2019 als Geschäftsführer der Staatsfirma.

Er trifft dort nun die operativen Entscheidungen.

Ein lukrativer Posten: Seine

Vorgänger verdienten 2018 im Durchschnitt

fast 700 000 Euro pro Jahr. Schulz tritt zugleich

als Compliance-Beauftragter in Erscheinung.

Aufder Homepage heißt es: „Die

Einhaltung von Gesetzen, Verhaltensregeln

undinternen Richtlinien gehörtfür Toll Collect

zu den selbstverständlichen Grundsätzen

guter Unternehmensführung.“ Eine Art

Ombudsmann für gute Unternehmensführung,

der zugleich auch Geschäftsführer ist.

Eine ungewöhnliche Doppelfunktion.

Das bewertet auch der verkehrspolitische

Sprecher der FDP, Oliver Luksic, so: Die geheime

Vereinbarung mit Toll Collect habe

dazu gedient, „Kosten zu verschieben“, sagt

er. „Sowohl das Vergabeverfahren der PKW-

Maut, als auch der Stopp der Privatisierung

der Toll Collect müssen daher vergaberechtlich

untersucht werden. Die Rolle von Ex-

Staatssekretär Schulz muss dabei besonders

kritisch hinterfragt werden.“ Der haushaltspolitische

Sprecher der Grünen, Sven-Christian

Kindler, sagt: „Andreas Scheuer wusste,

dass sein Lieblingsprojekt deutlich mehr als

die vom Bundestag genehmigten zwei Milliarden

Euro kosten würde.Daher hat er Kosten

und Risiken in erheblichem Ausmaß beim

staatlichen Lkw-Maut-Betreiber Toll Collect

versteckt. Nursokonnte er sein Stammtischprojekt

schönrechnen.“ Sein Kollege Stephan

Kühn ergänzt: „Dieses dreiste Täuschungsmanöver

hätte die Steuerzahlerinnen und

Steuerzahler über die Vertragslaufzeit Hunderte

Millionen Euro gekostet.“

Toll Collect schwieg auf Anfrage. Das

BMVI antwortete erst kurz vor Redaktionsschluss

und dementierte selbst Sachverhalte,die

der Redaktion schriftlich vorliegen.

Das Konsortium äußerte sich mit Bezug auf

die „vertraglich fixierten Geheimhaltungspflichten“

nicht. Für alle Fälle steckt ja auch

in jedem dieser Verträge eine Klausel, die regelt,

dass ein Schiedsgericht und kein unabhängiges

Gericht Unstimmigkeiten klären

soll. In aller Abgeschiedenheit können die

Partner ihre Deals schließen –wie gewohnt.

Bei der Lkw-Maut, die vonToll Collect erhoben

wird, kassierten in den 14 Jahredauernden

Schiedsgerichtsverfahren allein die Anwälte

des Bundes 250 Millionen Euro.

Kai Schlieter

stieß noch nie auf eine derartungewöhnliche

Privatisierungs-Struktur.


4* Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Morddrohungen gegen

Kandidaten in Thüringen

Auch der Spitzenkandidat der Grünen

im Thüringer Landtagswahlkampf,

Dirk Adams,ist vonRechtsextremisten

bedroht worden. Das

Schreiben sei am Freitag per E-Mail

in seinem WahlkreisbüroinNordhausen

eingegangen, sagte Adams

am Montag. Zuvorhatte der CDU-

Spitzenkandidat Mike Mohring eine

neuerliche Morddrohung gegen ihn

öffentlich gemacht, ebenfalls offensichtlich

aus der rechtsextremen

Szene.Absender ist ein sogenanntes

„Staatsstreichorchester“. In dem

Komplex ermittelt die Berliner

Staatsanwaltschaft. (dpa)

Netanjahu scheitertmit

Regierungsbildung

Israels rechtskonservativer Ministerpräsident

Benjamin Netanjahu ist

mit der Regierungsbildung gescheitert.

Er gab ein entsprechendes Mandat

am Montag an Präsident Reuven

Rivlin zurück. Rivlin kündigte an, er

wolle Benny Gantz vomMitte-Bündnis

Blau-Weiß den Auftrag zur Regierungsbildung

erteilen. Er habe vier

Wochen Zeit, eine Koalition zu bilden.

DieWahl hatte Ende September

stattgefunden. (dpa)

Gefährder sind fast

ausschließlich Männer

Dievom Bundeskriminalamt geführten

Gefährder sind fast durchweg

männlich. Dasteilte das BKA mit.

Dies gilt unabhängig davon, welchem

politischen Spektrum die Gefährder

jeweils zugerechnet werden. Laut

BKA wurden Mitte Oktober 681 islamistisch

motivierte Gefährder gezählt.

DerFrauenanteil bewege sich

„im mittleren einstelligen Prozentbereich“.

Zudem gebe es 43 rechts- und

fünf linksextremistische Gefährder –

mit einem außerordentlich geringen

Frauenanteil. (mdc.)

Bercow lehnt erneute

Brexit-Abstimmung ab

Verhindertdie Brexit-Abstimmung: Parlamentspräsident

Bercow.

AFP

Derbritische Parlamentspräsident

John Bercow hat eine erneute Abstimmung

über den Brexit-Vertrag

am Montag abgelehnt. „Über den

Antrag wirdheute nicht debattiert,

da dies eine Wiederholung und ordnungswidrig

wäre“, sagte Bercow im

Unterhaus.Premierminister Boris

Johnson wollte das Abkommen in einem

neuen Anlauf durch das Unterhaus

bringen, nachdem die Parlamentarier

am Sonnabend mehrheitlich

für eine Vertagung der Abstimmung

votierthatten. (AFP)

Elf Tote nach Plünderungen

in Chile

Am Rande gewalttätiger Proteste gegen

soziale Missstände sind in Chile

mindestens elf Menschen ums Leben

gekommen. DieLeichen wurden

nach Plünderungen in Santiago gefunden,

unter anderem in ausgebrannten

Supermärkten, einem Baumarkt

und einer Textilfabrik. DieProteste

hatten sich an einer Fahrpreiserhöhung

für die U-Bahn um vier

Euro-Cent proTicket entzündet. Präsident

Sebastián Piñerahat den Plan

inzwischen zurückgezogen. (dpa)

Soll und Haben

Die große Koalition willimNovemberBilanz ihrer Arbeit ziehen.Der Streitumdie Grundrenteschwelt weiter

VonDaniela Vates

ÜbernächsteWoche soll es

nun so weit sein: Die

große Koalition will ihre

Halbzeitbilanz vorlegen,

so haben es die Spitzen von Union

und SPD am Sonntagabend in einer

Runde im Kanzleramt beschlossen.

In den Bundesministerien sind

die Vorbereitungen dafür weit gediehen.

Dass die Ressorts der Regierung

kaum den Ausstieg aus der Koalition

empfehlen werden, versteht sich von

selbst. Inzwischen haben die Ministerien

dem Kanzleramt bereits zugeliefert,

was sie bereits auf der Habenseite

haben –und welche„ihrer“Vorhaben

aus dem Koalitionsvertrag

noch umzusetzen sind.

Eine Auflistung aus dem Bundesarbeitsministerium,

die der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) vorliegt, zeigt –grün

markiert –ein Dutzend bereits umgesetzter

Vorhaben, darunter Fachkräfteinwanderungsgesetz,

Rentenpakt

und Brückenteilzeit.

Grummeln in der SPD

Sechs Projekte sind gelb in dem Papier

unterlegt, befinden sich also in

der Umsetzung. Eines davon ist die

Grundrente, versehen mit dem Zusatz

„Kab Oktober“ – ein Hinweis

darauf, wann das Gesetz im Kabinett

auf den Weg gebracht werden soll.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD)

und seine Leute haben optimistisch

kalkuliert: Lange dauert der Monat

Oktober nicht mehr und von einer

Einigung in der umstrittenen Frage

der Bedürfnisprüfung sind Union

und SPD noch ein gutes Stück weit

entfernt. Spannender wird die

zweite Runde der Halbzeitbilanz

werden –wenn die Parteien die großen

Koalition bewerten müssen. Die

Regierung lege eine technische Bilanz

vor, sagte SPD-Fraktionschef

Rolf Mützenich im Deutschlandfunk.„Natürlich

müssen die Parteien

dann ihre eigenen Schlussfolgerungen

ziehen.“

Vieles hängt mit Eindrücken und

Gefühlen zusammen –und vorallem

bei der SPD sind die im Hinblick auf

die große Koalition denkbar

schlecht. Hinzu kommt, dass noch

ungeklärt ist, wer die SPD künftig

führen wird. Manche Bewerber um

den Parteivorsitz wie Nina Scheer

und Karl Lauterbach haben eine

Fortsetzung der großen Koalition bereits

ausgeschlossen. Andere wie

Klara Geywitz und Vizekanzler Olaf

Scholz wollen in der Regierung bleiben.

Kanzlerin Merkelund Vizekanzler Scholz haben schon einige Vorhaben umgesetzt.

„Wir gehen respektvoll miteinander um, aber

Rücksicht nehmen, das macht keinen Sinn.

Jeder muss sein eigenes Ding machen.“

Ralph Brinkhaus,

Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, über den Umgang

mit dem Koalitionspartner SPD

Kenia für Sachsen

DPA

Bei der Union verweist man auf

die SPD.Die Union werdedas Bündnis

nicht verlassen, sagen alle Führungsleute

von CDU-Chefin Annegret

Kramp-Karrenbauer bis

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus.Seit

einigen Wochen wirddiese

Aussageallerdings mit einem „Aber“

eingeschränkt: Man werde sich von

der SPD auch nicht alles bieten lassen.

Mehr Geld für Verteidigung

Im Gespräch ist derzeit, weitereVorhaben

für den zweiten Teil der Wahlperiode

zu definieren –und damit

den Fortsetzungsbedarf zu unterstreichen.

Die Unions-Fraktion hat

vorsorglich bereits ein Konzept für

eine Unternehmenssteuerreform

präsentiert. Verteidigungsministerin

Kramp-Karrenbauer betont die Notwendigkeit,

den Verteidigungsetat

weiter zu erhöhen.

DerVorsitzende der Mittelstandsvereinigung,

Carsten Linnemann,

fordert: „Wir bräuchten eigentlich

ein Reset für die Groko.“ Viele aktuelle

Herausforderungen seien im Koalitionsvertrag

nicht berücksichtigt,

sagte er. Dazu zählten Brexit, Einschränkungen

im Welthandel, Chinas

Industriepolitik und der Klimawandel.

„Wir brauchen ein Fitnessprogramm,

um den Standort

Deutschland für all diese Herausforderungen

zu stärken.“

Auch in der SPD gibt es Überlegungen,

einen Katalog mit Forderungen

aufzustellen, die in der zweiten

Hälfte der Legislaturperiode

durchgesetzt werden sollen. DieDelegierten

des Parteitags, der Anfang

Dezember über den Fortbestandder

Koalition entscheiden wird, könnten

auf diese Weise milde gestimmt werden,

so das Kalkül.Welche Forderungen

die SPD erheben wird, ist allerdings

noch völlig offen.

Ein Plus oder Minus auf der Bilanz

wird möglicherweise diese Woche

hinzugefügt: Am Mittwoch tagt

erneut die Arbeitsgruppe zur Grundrente.Gibt

es hier eine Einigung über

die Renten-Aufstockung für langjährige

Geringverdiener, wäre dies der

Abschluss eines monatelangen zähen

Ringens.Der Druckist maximal:

Ohne Einigung in der Grundrente-

Frage dürfte der SPD-Parteitag der

Fortsetzung der Koalition kaum zustimmen.

(mit rb.)

Daniela Vates rät der Koalition

dazu, ab sofortauf das

Selbstmitleid zu verzichten.

Sieben Wochen nach der Landtagswahl verhandeln CDU, Grüne und SPD im Freistaat über die Regierungsbildung

Kurs auf „Kenia“: CDU, Grüne und

SPD wollen Sachsen gemeinsam

regieren. Sieben Wochen nach der

Landtagswahl haben die Parteien am

Montag Koalitionsverhandlungen für

ein solches Dreierbündnis aufgenommen.

Ministerpräsident Michael

Kretschmer (CDU) sagte nach dem

ersten Treffen im Dresdner Ständehaus:

„Ziel ist es, eine Regierung zu

bilden, die in den kommenden fünf

Jahren stabil und ohne vermeidbaren

Streit dem Land dient.“ Von„Kenia“

ist bei dem Bündnis die Rede,weil die

Farben Schwarz, Grün und Rotandie

Flagge des ostafrikanischen Landes

erinnern.

An diesem Mittwoch sollen die

Gespräche in neun Arbeitsgruppen

fortgesetzt werden, die Koalitionsverhandlungen

dauern voraussichtlich

bis Ende November. SPD und

Grüne wollen dann ihre Mitglieder

über den Koalitionsvertrag abstimmen

lassen, bei der CDU soll das ein

Parteitag tun. Laut sächsischer Verfassung

muss die neue Regierung bis

einschließlich 1. Februar vereidigt

sein.

Kretschmer sagte, jetzt gehe es

um einen inhaltlich konkreten Koalitionsvertrag,

für den die Dinge

ausdiskutiert werden müssten. Die

potenziellen Partner sehen Nachhaltigkeit,

solide Finanzen als Voraussetzung

für Gestaltung und gesellschaftlichen

Zusammenhalt als

größte Herausforderungen.

Lange Alleinherrschaft der Union

Sitzverteilung in Klammern 2014

Grüne

CDU

12 (8)

45 (59)

SPD

10 (18)

Linke

14

(27)

119 (126)

Sitze

AfD*

38 (14)

*Klage

wegen

Listenkürzung

BLZ/GALANTY; QUELLE: LANDESWAHLLEITER

ber war sie mit 32,1 Prozent der

Zweitstimmen stärkste Kraft vor der

AfD (27,5 Prozent), Linke (10,4),

Grüne(8,6) und SPD (7,7) geworden.

Schon vor der Wahl hatte die CDU

ein Zusammengehen mit Linken

und AfD kategorisch ausgeschlossen.

Parteienforscher sehen CDU,

Grüne und SPD deshalb zum Erfolg

verdammt.

Vor rund zweieinhalb Wochen

hatten die drei Parteien ihre Sondierungen

abgeschlossen, in denen sie

die Möglichkeiten für ein Kenia-

Bündnis ausgelotet hatten. Die Sondierungsergebnisse

sind die Grund-

Aus Sicht der Grünen sind auch

Klima- und Umweltschutz, die Verkehrswende

und der Schutz vor

Diskriminierung Themen, die konkret

mit Inhalt gefüllt werden müssen.

„Klimaschutz ist eine Herausforderung,

weil er mit Umgestaltung

einhergeht“, sagte deren Fraktionschef

Wolfram Günther.

SPD-Parteichef Martin Dulig sagte,

er wolle, „dass es gut und gerecht

wird“.

Ein Dreier-Bündnis gab es im

Freistaat noch nie. Nach 1990 hatte

die Union zunächst allein regiert

und später die Macht entweder mit

der SPD oder der FDP teilen müssen.

Beider Landtagswahl am 1. Septemlage

für die laufenden Verhandlungen.

Als ein Knackpunkt galt vorallem

die Energie- und Kohlepolitik.

Kretschmer stellte bereits klar, dass

der erzielte Kohlekompromiss mit

dem Ausstieg aus der Braunkohle bis

2038 gilt. Die Grünen machten zur

Bedingung, dass es keine Abbaggerungen

von Dörfern und keine

neuen Tagebaue mehr geben dürfe.

Einig waren sich alle Beteiligten bereits

über den Ausbau des öffentlichen

Nahverkehrs und eine Personalaufstockung

bei der Polizei.

Zweitstärkste Kraft: AfD

Die sogenannte Kenia-Koalition ist

für die CDU in Sachsen die einzige

Möglichkeit, eine regierungsfähige

Mehrheit abseits der AfD zu organisieren,

die bei der Landtagswahl

zweitstärkste Kraft wurde. Bei der

Wahl am 1. September kam die CDU

trotz erheblicher Verluste zwar wieder

auf Platz eins. Die bisherige

schwarz-rote Koalition hat allerdings

keine Mehrheit mehr. (dpa,

AFP)

Rente

erst

mit 70?

Bundesbank fürchtet um

Stabilität des Sozialsystems

Die Bundesbank befeuertdie Debatte

um eine weitere Anhebung

des Rentenalters auf fast 70

Jahre. „Durch die demografische

Entwicklung gerät die umlagefinanzierte

gesetzliche Rentenversicherung

künftig unter erheblichen

Druck, insbesondere ab Mitte der

2020er-Jahre“, stellt die Notenbank

in ihrem Monatsbericht Oktober

fest. Um das System stabil zu halten,

bestehe „Anpassungsbedarf bei den

zentralen Stellgrößen der Rentenversicherung“,

schreiben die Bundesbank-Ökonomen.

„Ein wichtiger Ansatzpunkt

für weitere Reformen ist

das Rentenalter.“

Seit 2012 wirddie Altersgrenzefür

den Bezug der gesetzlichen Rente

schrittweise von 65auf 67 Jahre im

Jahr 2031 angehoben. Doch das wird

nach Expertenansicht nicht ausreichen,

weil ab Mitte der 2020er-Jahre

die geburtenstarken Jahrgänge das

Rentenalter erreichen.

Die Bundesbank regt daher an,

das Rentenalter bis 2070 auf 69 Jahre

und vier Monate anzuheben. Auch

internationale Organisationen wie

EU-Kommission, IWF und OECD

hätten nahegelegt, „das Rentenalter

mit steigender Lebenserwartung

weiter anzuheben“.

Nach Bundesbank-Berechnung

würde der Geburtsjahrgang 2001 ab

Mai 2070 mit 69 Jahren und vier Monaten

regulär in Rente gehen. Eine

solche Anpassung würde nicht nur

die Rentenkasse entlasten, argumentierte

die Notenbank am Montag.„Sie

würde über eine höhere Erwerbstätigkeit

auch das gesamtwirtschaftliche

Potenzial stärken und damit die

Bemessungsgrundlagen für Steuern

und Sozialbeiträge stützen.“

Linke und SPD widersprechen

Das jüngste Rentenpaket der Bundesregierung

sichertbis 2025 das Absicherungsniveau

bei 48 Prozent ab –

dieses markiert das Verhältnis der

Rente zum Durchschnittslohn. Zudem

soll bis 2025 der Beitragssatz zur

Rentenversicherung nicht über 20

Prozent des Einkommens steigen.

Experten rechnen danach mit einem

sinkenden Rentenniveau und steigenden

Beiträgen, wenn nicht gegengesteuertwird.

BeiSPD,Grünen und Linken stieß

der Bundesbank-Vorstoß auf wenig

Gegenliebe. „Ein höheres Renteneintrittsalter

halte ich für falsch“,

sagte SPD-Fraktionsvize Katja Mast,

dem Handelsblatt. DerGrünen-Rentenexperte

Markus Kurthsagte: „Wir

brauchen eine Strategie für ein gesünderes

längeres Arbeiten und

keine Rente mit 69 für alle.Ohne Lösung

für die Menschen, die nicht bis

67 im Beruf durchhalten, ist eine

Diskussion um die Rente mit 69 eher

gefährlich als hilfreich.“

Linken-Fraktionschef Dietmar

Bartsch forderte,die Beitragsbasis zu

verbreitern: „Statt ein höheres Eintrittsalter

zu fordern, müssen die

Einnahmen der Rentenkasse erhöht

werden. Dann hat die Rente eine sichere

und langfristige Zukunft.“

Man müsse hinterfragen, warum es

für Beamte,Selbstständige und Politiker

Extra-Systeme zur Altersvorsorge

gebe,sagte Bartsch. (dpa)

Geht es nach der Bundesbank, muss künftig

noch länger gearbeitet werden. DPA


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 5

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Politik

Der ewige Evo

Boliviens Staatschef Morales verfehlt bei der Präsidentschaftswahl die absolute Mehrheit. Sein Rivale Carlos Mesa sieht gute Chancen, ihn abzulösen

VonKlaus Ehringfeld

In Bolivien zeichnet sich der

befürchtete Streit um den Ausgang

der Präsidentenwahl

vom Sonntag ab. Während

Amtsinhaber EvoMorales sich noch

vor Bekanntgabe des offiziellen

Wahlergebnisses zum Sieger erklärte,

behauptet Herausforderer

Carlos Mesa, er habe die zweite

Runde der Abstimmung erreicht, in

der er sich dann mit Morales im Dezember

um den Einzug in den Palacio

Quemado, den Präsidentenpalast

in La Pazstreiten muss.Für Unmut

sorgte,dass der Wahlrat TSEam

Sonntagabend die Auszählung der

Stimmen bei rund 83,76 Prozent der

Stimmen stoppte. Das gab Spekulationen

Raum, das Ergebnis könne

manipuliert werden. Die Beobachtermission

der Organisation Amerikanischer

Staaten (OAS) forderte

den TSE auf, „aufzuklären, warum

die Auszählung plötzlich unterbrochen

wurde“.

Langer Wirtschaftsboom

Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen

führte Morales Stand

Montagmorgen (Ortszeit) mit 45,28

Prozent der Stimmen, sein konservativer

Herausforderer Mesa erhielt

38,16 Prozent der Voten. Für einen

vierten Wahlsieg in Folge benötigt

Morales aber entweder die absolute

Mehrheit oder 40 Prozent und zehn

Prozentpunkte Vorsprung auf seinen

Verfolger. Eine unabhängige

parallele Auszählung einer Universität

und einer Stiftung ergab hingegen,

dass Morales mit 43,8 Prozent

der Stimmen nur knapp vor Mesa

mit 39,3 Prozent der Stimmen liegt.

Es fehlen bei der Auszählung aber

noch vor allem die Voten aus dem

ländlichen Raum, wo der sozialistische

Amtsinhaber besonders stark

ist.

Morales steht seit 2006 an der

Spitzedes Andenstaates und hat das

Land grundlegend reformiert. Unter

ihm erlebte Bolivien einen Wirtschaftsboom,

und es gelang ihm, die

Armut zu reduzieren. Beieiner Stichwahl

könnte es für ihn eng werden,

da es auf der konservativen Seite

mehrere Kandidaten gibt, deren

Stimmen in einer Stichwahl an Ex-

Präsident Mesa gehen dürften. So

kamen ein ultra-konservativer Prediger

auf 8,7 Prozent der Stimmen

und ein neoliberaler Senator auf 4,3

Prozent. Viele Bolivianer sind verärgertdarüber,dass

Morales noch einmal

antrat, obwohl ihm die Verfassung

das eigentlich verbietet.

DerAmtsinhaber twitterte bereits

am Sonntagabend: „Es sind schon

vier Wahlen am Stück, die wir gewonnen

haben. Das ist das Ergebnis

des Gewissens des bolivianischen

Volkes“. Herausforderer Mesa hingegen

sagte:„Wir sind in der Stichwahl.

Das ist eine Wahl, in der es um die

Demokratie geht.“

Wieauch immer das Endergebnis

dieser Wahl sein wird, Morales hat

seit seiner ersten Wahl 2005 nie so

schlecht abgeschnitten wie jetzt. Neben

dem allgemeinen Verschleiß an

Evo Morales bei der Stimmabgabe am Sonntag

„Wir haben noch einmal gewonnen.“

Evo Morales, linker Staatschef, sieht sich als Sieger der Wahl in Bolivien.

„Wir haben einen unwiderruflichen Sieg

erreicht.“

Carlos Mesa,

konservativer Bewerber, sieht sich ebenfalls als Sieger der Wahl in Bolivien.

AP/JUAN KARITA

der Macht stört die Bolivianer auch

seine schleichende Wandlung zu einem

autoritären Herrscher.

Anfang 2016 hatte die Regierung

selbst ein Referendum über eineVerfassungsänderung

abhalten lassen,

um das dortverankerteWiederwahlverbot

abzuschaffen. Morales verlor

die Bürgerbefragung überraschend.

Es war die erste Niederlage an den

Urnen seit seinem Amtsantritt.

Aber knapp zwei Jahrespäter entschied

das Verfassungsgericht TCP

tatsächlich, dass die Beschränkung

der Wiederwahl gegen die Menschenrechte

verstoße.Man kann das

Votum der Morales-freundlichen

Richter Rechtsbeugung nennen, jedenfalls

entschied Ende vergangenen

Jahres das Oberste Wahlgericht,

dass Morales und sein Vizepräsident

ÁlvaroGarcia Linerawieder ins Rennen

gehen dürfen.

Rückhalt bei den Armen

Es ist ein bisschen so wie in Nicaragua

undVenezuela, wo die Machthaber

Daniel Ortega und Nicolás Maduro

sich die Institutionen untertan

gemacht und die Gewaltenteilung

abgeschafft haben. „Die internationalen

Abkommen stehen über der

Verfassung“, bewertete Morales damals

die umstrittene Entscheidung.

Er höre nur auf den Willen des Volkes.

Dieses könnte ihn nun erstmals

in die Stichwahl zwingen.

Der Präsident, der wenige Tage

nach der Abstimmung 60 Jahre alt

wird, hat allerdings die Armen noch

immer auf seiner Seite, die Hochland-Indianer

und den Großteil der

Landwirte. Unter diesen Wählerschichten

kann er noch immer auf

80 bis 90 Prozent der Stimmen hoffen.

Die urbane Mittelschicht, die in

den vergangenen Jahren dank der

guten Wirtschaftsentwicklung breiter

geworden ist, stehe Morales und

seiner Partei jedoch zunehmend kritisch

gegenüber, sagt Philipp Kauppert,

Repräsentant der Friedrich-

Ebert-Stiftung in Bolivien.

Überhaupt konnte Morales mit

der guten ökonomischen Performance

und dem Rückgang der Armut

wuchern. Angeschoben durch

den Rohstoff-Boom und die Gasund

Mineralexporte des Landes

wuchs die bolivianische Wirtschaft

in den vergangenen Jahren im

Schnitt um 4,9 Prozent. DieInflation

ist niedrig, die Infrastruktur wird

kontinuierlich ausgebaut und der

Reichtum über die vielen Sozialprogramme

umverteilt. Laut Daten der

Weltbank fiel die Armut in dem Andenstaat

während Morales’Amtszeit

von 63auf 35 Prozent. Auch wenn

das Bruttoinlandsprodukt dieses

Jahr nur noch um vier Prozent wachsen

wird, hat es Bolivien dennoch geschafft,

sich nicht vonden Krisen der

Nachbarländer und Haupthandelspartner

Argentinien und Brasilien

anstecken zu lassen.

Klaus Ehringfeld

überrascht das knappe

Wahlergebnis nicht.

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Daumen runter,

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Facebook.

Gegen Datenmissbrauch,

Filterblasen,HateSpeech und Mobbing

nicht entschlossen genug vorgehen:

NICHTOKFACEBOOK

gerechtes-netz.eu


6* Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▲ 12747,96 (+0,91 %)

22.7.19

21.10.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▼ 59,08 (–0,37 %)

22.7.19

21.10.19

Euro in US-Dollar

▲ 1,1173 (+0,26 %)

Wirecard beschließt

Sonderprüfung

Derstarkindie Kritik geratene Zahlungsdienstleister

Wirecardwill Vorwürfe

rund um seine Bilanzierungspraktiken

mit einer Sonderprüfung

ausräumen. Vorstand und Aufsichtsrathaben

sich entschlossen, die

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

KPMG mit einer unabhängigen

Untersuchung zu beauftragen, wie

der Dax-KonzernamMontag mitteilte.Damit

sollen den Angaben zufolge

alle Vorwürfe,die vonder britischen

Wirtschaftszeitung „Financial

Times“ aufgebracht wurden, aufgeklärtwerden.

DiePrüferhätten uneingeschränkten

Zugang zu allen Informationen

auf allen Konzernebenen.

(dpa)

22.7.19

Stand der Daten:21.10.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Quelle

21.10.19

Vorerst keine Streiks bei

Lufthansa

Gewinner

aus DAXund MDAX vom21.10.zum Vortag

Sartorius Vz. 181,90 +8,34 WWWWWWWWWWW

Wirecard 118,50 +6,14 WWWWWWWW

Commerzbank 5,59 +5,32 WWWWWWW

ProSiebenSat.1 13,55 +4,63 WWWWWWW

Infineon NA 16,96 +4,10 WWWWWW

1&1 Drillisch 32,24 +4,07 WWWWWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom21.10.zum Vortag

Dt. Wohnen Inh. 34,50 WWWW –2,57

Deutsche Börse NA139,70 WWWW –2,31

CarlZeissMeditec101,40 WWWW –2,22

Qiagen 24,97 WWW –1,96

MorphoSys 98,10 WWW –1,85

Fielmann 68,70 WWW –1,36

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 21.10. ±% z. 18.10.

Euro Stoxx 50 (EU) +0,58

3630/2909 3600,08

CAC 40(FR) +0,21

5737/4556 5648,35

S&P UK(UK) +0,17

1562/1323 1447,00

RTS (RU) +0,73

1414/1033 1365,14

IBEX (ES) +0,78

9588/8286 9402,30

Dow Jones (US) +0,24

27399/21713 26833,20

Bovespa (BR) +0,12

106650/82783104855,90

Nikkei (JP) +0,25

22699/18949 22548,90

Hang Seng (HK) +0,12

30280/24541 26740,24

Stx Singap. 20 (SG) +1,09

1657/1350 1567,25

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

PSA Direktbank */**

psa-direktbank.de 0,70 0,70 0,70

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,50 0,50 0,50

Advanzia **

advanzia.com - 0,40 0,40

Ikano Bank **

ikanobank.de 0,34 0,34 0,34

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,14 0,14 0,14

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

In kurzerZeit sind die grünen Kreuze zu Symbolendes Protestsgeworden.

Von Frank-Thomas Wenzel

Am heutigen Dienstag wollen

Tausende Bauern mit

ihren Traktoren bundesweit

gegen die Agrarpolitik

der Bundesregierung protestieren.

Wirerläutern, worum es bei den Protesten

geht.

Warum kommen die Proteste ausgerechnet

jetzt?

Das sogenannte Agrarpaket der

Bundesregierung hat für viel Aufregung

unter den Landwirten gesorgt.

Daraus ist eine neue Protestbewegungentstanden,diebislangmitgrünen

Kreuzen am Rand von Äckern

und Wiesen auf sich aufmerksam

machte. Dieser stille Protest reicht

nun vielen Landwirten nicht mehr.

Deshalb wollen sie mit Traktoren in

die Städte rollen.

Wersteckt hinter den Aktionen?

DieDemos werden vonder Initiative„Land

schafft Verbindung“ organisiert.

Diese geht auf eine Facebook-

Gruppe zurück, die Anfang Oktober

gegründet wurde. Nach eigenen Angaben

gehören zu der Gruppenun etwa

15 000 Personen. Via Whatsapp

partizipierten rund 100 000 Menschen.

Aufder Website heißt es: „Wir

sind einfach Landwirte, die ihr

Schicksal selbst in die Hand nehmen.“

Allerdings handelt es sich

nicht um eine echte Graswurzelbewegung.

So hat sich der Deutsche

Bauernverband (DBV)mitder Initiativesolidarisiert.

Ungleiche Chancen auf Weiterbildung

DGB-Studie:Geringfügig Beschäftigte mit Hauptschulabschluss können sich seltenerqualifizieren

Von Tobias Peter

Aufstand der Bauern

Der Protest gegen die Agrarpolitik formiert sich bundesweit

Der Protest: Tausende Traktoren

werden bei den

Bauerndemonstrationen an

diesem Dienstag erwartet.

Schwerpunkte sind Niedersachsen

und Nordrhein-

Westfalen. Aktionen in den

Niederlanden, die international

für Aufsehen gesorgt

haben, dienen dabei als Vorbild.

Wobei dortunter anderem

auch ein Verwaltungsgebäude

gestürmt wurde.

Wasforderndie Landwirte?

Der Initiative geht es laut Demo-

Aufruf um den Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe,

die durch das Agrarpaket

gefährdet würden. DieOrganisatoren

lehnen die geplante Düngeverordnung

der Bundesregierung ab.

Sie wehren sich gegen „permanente

negative Stimmungsmache“, die zu

Ärger und Frustration im Berufsstand

führe. Und das kürzlich beschlossene

Handelsabkommen mit

südamerikanischen Mercosur-Staaten

wird abgelehnt, weil es zum Importvon

Billigwareführe.

Worumgeht es im Agrarpaket?

Im September hat die Bundesregierung

beschlossen, den umstritte-

BUNDESWEITE DEMOS

Die Mittel: Die hiesigen Organisatoren

setzen ausdrücklich

auf friedlichen Protest.

Sie weisen darauf hin,

dass das Verschütten von

Gülle oder ähnliche Aktionen

vermieden werden sollen, da

dies in der Bevölkerung nicht

gut ankomme. In vielen

Städten ist allerdings mit

Verkehrsbehinderungen

durch Traktorenkorsos zu

rechnen.

te sie.Ineiner noch unveröffentlichten

Analyse des DGB zur sozialen

Spaltung in der Weiterbildung, die

dem RND vorliegt, verweist der Gewerkschaftsbund

auf Zahlen, die das

Bundesbildungsministerium erhoben

hat.

Demnach haben im Jahr 2018 mit

78 Prozent deutlich mehr Führungskräfte

an einer Weiterbildung teilgenommen

als An- und Ungelernte

(44 Prozent). Weitere Erkenntnisse,

die der DGB auf Grundlage der Ministeriumszahlen

anführt, sind:

Arbeitslose nehmen seltener an einer

Weiterbildung teil als Erwerbstätige.

Auch bei den älteren Menschen fällt

die Beteiligung an Weiterbildungsmaßnahmen

geringer aus.

Nahmen laut Bundesbildungsministerium

im Jahr 2018 im Alter von

Die Städte: Die zentrale

Kundgebung ist in Bonn geplant.

Als Rednerinnen sind

auch Landwirtschaftsministerin

Julia Klöckner (CDU)

und Umweltministerin Svenja

Schulze (SPD) eingeladen

worden. Weitere Demonstrationen

sind unter anderem in

Hannover, Oldenburg,Lüneburg,Berlin,

Freiburg,München,

Rendsburg und Uelzen

geplant.

nen Unkrautvernichter Glyphosat

von 2024 an zu verbieten. Zudem

geht es um eine Umverteilung von

Agrarsubventionen. Die pauschalen

Direktzahlungen,diesichanderGröße

der bewirtschafteten Flächen

orientieren, sollen gekürzt werden.

Das eingesparte Geld soll über Förderprogramme

der Bundesländer etwa

für den Ausbau der Biolandwirtschaft

verwendet werden. „Land

schafft Verbindung“ sieht dadurch

die ökonomische Basis landwirtschaftlicherBetriebe

gefährdet.

Wie ist das Echo auf die Forderungen?

Das Bundeslandwirtschaftsministerium

verweist darauf, dass es

nicht um ein generelles Verbot von

25 bis 34 Jahren 58 Prozent teil, so warenesbei

den 55- bis 64-Jährigen mit

47 Prozent deutlich weniger. „Junge

Menschen mit maximal einem

Hauptschulabschluss (39 Prozent)

nehmen deutlich seltener an Weiterbildung

teil, als die Erwerbstätigen

mit hohem Schulabschluss (69 Prozent)“,

heißt es zudem in der DGB-

Analyse.

Mehr Mitbestimmung gefordert

Dies sei ein schwerer Fehler, findet

der DGB. Kompetenzen zur Berufsberatung

und der beruflichen Begleitung

müssten in Zeiten des Strukturwandels

in vielen Betrieben aus- und

oft sogar neu aufgebaut werden,

heißtesimFazitderStudie.Betriebs-,

Personalräte und Vertrauensleute

sollten zu betrieblichen Weiterbil-

FOTO: HAUKE-CHRISTIAN DITTRICH/DPA

Pflanzenschutzmitteln, sondern nur

um bestimmte Mittel gehe. Die betroffenen

Flächen seien stark eingegrenzt.

Bei der Düngeverordnung

wird darauf verwiesen, dass dringend

etwas getan werden müsse, da

sonst massiveStrafzahlungen an die

EU fällig würden. Unter anderem der

niedersächsische CDU-Landeschef

Bernd Althusmann hat gefordert,

einen „Gesellschaftsvertrag 2050“ für

die Landwirtschaft zu erarbeiten. In

die gleiche Richtung geht die Forderung

nach einer Landwirtschaftskommission,fürdiesichderBundfür

Umwelt und Naturschutz, die

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche

Landwirtschaft (AbL), Brot für die

Welt und Greenpeace starkmachen.

In welche Richtung könnte eine Einigung

gehen?

Ein zentraler Bestandteil wäre

eine andere Verteilung der Subventionen,

die die Existenz vieler Betriebe

sichern. 3bis 5Milliarden Euro

jährlich sind laut Experten allein dafür

nötig, um die Tierhaltung umzubauen.

Auch für einen nachhaltigen

Ackerbau, der die Biodiversität fördert,

werden Milliardenbeträge gebraucht.

Martin Schulz, Vorsitzender

der AbL, macht darauf aufmerksam,

dass die Landwirtschaft von Politik

und Wissenschaft darauf getrimmt

wurde,möglichst billig für den Weltmarkt

zu produzieren. Das habe zu

heftigen Verwerfungen geführt. Viele

Betriebe könnten trotz immenser

Anstrengungen nicht kostendeckend

arbeiten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund

(DGB) prangert die ungleiche

Aussicht auf Weiterbildung in

Unternehmen an. „Deutschland ist

in Sachen Weiterbildung immer

noch eine Zweiklassengesellschaft“,

sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende

Elke Hannack dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND).

Bisher gelte viel zu oft das Prinzip

„Wer hat, dem wird gegeben“, fügte

sie hinzu.

„Wer geringfügig beschäftigt ist,

keinen guten Schulabschluss oder

keinen Berufsabschluss besitzt, bekommt

auch später deutlich seltener

die Chance zur Weiterbildung“, sagte

Hannack. „Politik und Arbeitgeber

sind gefragt, dies zu ändern“, forderdungsmentoren

weitergebildet werden,

lautet eine Forderung in dem

DGB-Papier.

Darüber hinaus dringt der Gewerkschaftsbundauf

die Einführung

eines Transformationskurzarbeitergelds.

Essoll die Möglichkeit schaffen,

Kurzarbeit und Qualifizierung

miteinander zu verknüpfen.

„Zur Stärkung von Weiterbildung

im Betrieb ist die Mitbestimmung

zentral“, sagte die stellvertretende

DGB-Vorsitzende Hannack. „Wer

von Beschäftigungssicherung redet,

muss auch die Frage der Qualifikation

der Beschäftigten mit einbeziehen“,

ergänzte sie. „Betriebsräte

brauchen deshalb ein generelles Initiativ-

undMitbestimmungsrechtbei

Personalplanung, Beschäftigungssicherung

und Qualifizierung.“

Beider Lufthansa drohen in den

kommenden WochenweitereStreiks

derFlugbegleiter.Zwar verzichtet die

Kabinengewerkschaft Ufonachder

erstenWarnstreikwellevom Sonntag

aufweitereAktionenindieserWoche,hat

aber zugleich ihre Mitglieder

in fünf Betrieben desLufthansa-

Konzerns zu Urabstimmungen über

unbefristeteStreiks aufgerufen. Dazu

gehörennebender Lufthansa-

Kerngesellschaft die vieramSonntag

bestreikten FlugbetriebeEurowings,

Germanwings, LufthansaCityline

undSunexpress.Ufo beziffertdie

Zahl der am Sonntag ausgefallenen

Flügeauf mehrals 150. (dpa)

Linke fordert mehr

Tempo bei der Bahn

1600 KilometerGleise sollen jährlich erneuertwerden.

FOTO: THOMAS TRUTSCHEL/IMAGO

DieDeutsche Bahn will bis 2024 pro

Jahr jeweils gut 1600 Kilometer Gleise

modernisieren. Dasgeht aus der

Antwortdes Bundesverkehrsministeriums

auf eine Anfrage vonLinken-Fraktionschef

Dietmar Bartsch

hervor, diedem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND) vorliegt.

Außerdem sollen knapp 80 Kilometer

Bahnstrecke reaktiviertwerden.

Bartsch sagte,die Zahlen seien Ausdruck

der Bahnmisere. „Die Verkehrswende

wirdsozum Papiertiger“,

so Bartsch. Mehr als 6000 Kilometer

des Bahnnetzes seien seit

1990 stillgelegt worden: „Ich fordere

Minister Scheuer auf, ein umfassendes

Reaktivierungsprogramm vorzulegen.“

DieBahn müsse attraktiverund

zuverlässiger werden. (rb.)

Handelsstreit bremst

Japans Exporte

Japanische Exportunternehmen ringen

mit den Folgen internationaler

Handelskonflikte und der weltweiten

Konjunkturflaute.ImSeptember

sind die Ausfuhren den zehnten Monat

in Folge gefallen. Im Vergleich

zum Vorjahr seien sie um 5,2 Prozent

gesunken, teilte das japanische

Finanzministerium am Montag mit.

Damit fiel der Rückgang etwas höher

aus,als Experten erwartet hatten.

Im August waren die Ausfuhren

allerdings noch um 8,2 Prozent

niedriger als im entsprechenden

Vorjahresmonat. DieAusrüster von

Halbleiterunternehmen und Autoherstellernwaren

besonders stark

betroffen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 7

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Wirtschaft

„Die Groko ist besser als ihr Ruf“

Handwerkspräsident Wollseiferüber den Wert des Meisterbriefs und den Charme des öffentlichen Diensts

Das Handwerk hat die Ausweitung

der Meisterpflicht

durchgesetzt. Ein

Integrationshemmnis

sieht Verbandspräsident Wollseifer

darin nicht.

Herr Wollseifer,auf massives Drängen

des Handwerks will die Bundesregierung

in zwölf Gewerken die Meisterpflicht

wieder einführen. Warum ist

das nötig?

In vielen Bereichen, in denen die

Meisterpflicht weggefallen ist, sind

Qualitätsprobleme aufgetreten. Kein

Wunder: Denn seither konnte wirklich

jeder, der wollte, ohne jeglichen

Nachweis einer Qualifizierung in den

meisterfreien Gewerken arbeiten. Darunter

hat der Ruf des gesamten

Handwerksgelitten.Außerdemhaben

wir gesehen, dass Firmen von ungelernten

Kräften in der Regel deutlich

schneller vom Markt verschwinden

alsMeisterbetriebe,vielfachschonvor

Ablauf der Gewährleistungsfrist von

fünf Jahren. Für die Verbraucher ist

das ein Problem. Die bleiben dann

nämlich auf den Kosten sitzen, die

entstehen, um Schäden aus nicht

fachgerechter Arbeit zu beseitigen.

Kunden können frei entscheiden, ob

ihnendieQualitätundSicherheiteines

Meisterbetriebs einen Aufpreis wertist.

Diese Freiheitwirdihnen nun genommen.

Es greiftzukurz, nur auf denPreis

abzustellen. Bei den zwölf Berufen,

die jetzt „wiedervermeistert“ werden,

geht es um Verbraucherschutz- und

Kulturgüterschutz sowie darum, Gefährdungenzuvermeiden.Wennetwa

Fliesen oder Parkett nicht fachmännisch

und mit falschen Klebstoffen

oder ungeeigneten rutschhemmenden

Materialien verlegt werden, kann

das für die Nutzer eine Gefahr darstellen.

Daher ist eswichtig, dass Qualitätsstandards

eingehalten werden.

MeisterbetriebegebenihreQualifizierung

und ihre Fertigkeiten an nachfolgendeGenerationenweiter.Ohnediesen

Wissenstransfer fehlen später die

Fachkräfte. Dann gibt es eines Tages

kaum jemanden mehr, der weiß, wie

Orgeln oder Kirchen restauriert werden.

Ging es ihnen nicht vorallem darum,

den Abschluss „Meister”zustärken?

AusmeinerSicht müssteder Meisterabschluss

noch viel mehr gestärkt

werden. Wir sprechen immer über

Gleichwertigkeit der Bildung. Hier

müsste der Staat eigentlich ein leuchtendes

Vorbild sein. Ist eraber nicht:

Wenn man in den gehobenen oder

höheren Dienst eintreten will, benötigt

man ein Hochschulstudium. DabeiliegteineMeisterprüfungaufdemselben

Qualifizierungsniveau wie ein

Bachelorabschluss.Das istgrobungerecht.

Es führt dazu, dass Stellen im

Öffentlichen Dienst nicht besetzt werden

können, obwohl es hochqualifizierte

Bewerber gibt.

Welcher Handwerksmeister will denn

freiwillig in den Öffentlichen Dienst?

Ichkenne mehrere.Daist zum Beispiel

ein Meister in einem Bauberuf,

SelbstständigeFliesenleger brauchten bisher keinen Meisterbrief.

ZUR PERSON

FOTO: MARTIN SCHUTT/DPA

Hans Peter Wollseifer ist seit 2014 Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

1976 übernahm er im Alter von21Jahren den Malerbetrieb der ElterninHürth bei Köln und

baute ihn zum Spezialisten für Bau- und Handwerksleistungen rund um die Immobilie aus.

der gern beim kommunalen Bauamt

in Leitungsfunktion angefangen hätte.Das

würde auch Sinn machen, weil

er eine ganzeMenge vonder Materie

versteht. Zudem hatte er im Betrieb

eine Führungsfunktion inne. Dessen

Einstellung ist an der künstlichen

HürdeimöffentlichenDienstgescheitert.

Dassollten wir dringendändern.

EinMeisterabschluss mussauch zum

Eintritt in den gehobenenoderhöherenDienst

befähigen.

Ist die Meisterpflicht ein Integrationshemmnis

für Migranten, die in ihren

Heimatländern großartige handwerkliche

Fähigkeiten gelernt, aber keinen

deutschen Meisterbrief haben?

Integrationshemmnis und Handwerk

in einem Satz zu nennen, das

schließt sich für mich aus. Wirsind Integration.

Vonden Flüchtlingen, die

2015 gekommen sind, hat das Handwerk

weit mehr als jede andereBranche

beschäftigt und integriert. Menschen,die

sich anstrengen, die unsere

Sprache lernen, die arbeitswillig sind,

haben eine Chance verdient. Aber wir

sind nicht naiv und realitätsfremd:

Menschen, die kriminell und straffällig

werden, müssen wir abschieben,

und zwar schnell. Da muss der Staat

noch besser werden. Auch, um die Akzeptanz

für die integrationswilligen

Zuwanderer und ausländischen

Fachkräfte, die wir händeringend

brauchen,zuerhöhen.

Wie zufrieden sind Sie ansonsten mit

der Politik der Bundesregierung?

Die Große Koalition ist besser als

ihr Ruf. Sie hat ein paar Einigungen

hinbekommen, die nichteinfach waren.

Nehmen Siedas Klimapaket. Wir

finden den Klimaschutz wichtig, und

unsereBetriebe setzen ihn um. Da ist

die Regierung einen ersten wichtigen

Schritt gegangen. Was uns fehlt, ist

VerlässlichkeitunddamitPlanbarkeit.

Wenn jedes Jahr nachgesteuert werden

soll, wie es bei Verfehlung der Reduktionsziele

geplant undleider auch

absehbar ist, weiß kein Handwerker,

worauf er sich einstellen soll. Unter

solchen Bedingungen ist es schwierig,

Entscheidungen für die Zukunft zu

treffen. Besserwärees, die Bundesregierung

würde so rasch wie möglich

mit einer tatsächlich wirksamen Mengensteuerung

beginnen.Injedem Fall

richtig ist der vorgesehene neuerliche

Anlauf, eine steuerliche Sanierungsförderung

einzuführen.

Siewünschen sich, dass dieGroko weitermacht?

Wir sehen bei allen Landtagswahlen,

dass Populisten, Protektionisten

undNationalistenStimmenzuwächse

verzeichnen. Das macht uns Sorge.

Ich bin überzeugt, dass sich für die

Bundesregierung aus dieserEntwicklung

die Verpflichtung ergibt, weiter

Verantwortung zu übernehmen.

Union und SPD müssen sich zusammenraufen.

Selbstbeschäftigung und

Personalquerelen helfen niemandem

– außer den Politikverächtern

vonrechts.

DasGespräch führten Andreas Niesmann

und Gordon Repinski.


8* Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Meinung

Numerus clausus

ZITAT

Das vergessene

Problem

Christine Dankbar

hat nichts gegenmehr Studierende

in Berlin.

Die Erstsemester im Fach Klassische

Archäologie haben vor wenigen Tagen

einen ersten ehrlichen Einblick in den

Berliner Studienalltag erhalten. Nachdem

ihnen Studentenvertreter und Dozenten

alles Wissenswerte zum Studienanfang

mitgeteilt hatten, erhielten sie zum

Schluss noch eine Information: Erfahrungsgemäß

werde ein Drittel der Anwesenden

schon im Dezember nicht mehr

da sein, erläuterte eine Dozentin. Archäologie

ist ein zulassungsfreies Studienfach

–und für viele offenbar eher ein Notnagel

als Passion. Denn wer inBerlin studieren

will, muss schon sehr gute Noten haben,

wenn er oder sie ein Fach frei auswählen

will. Mit mehr als 60 Prozent liegt die

Hauptstadt weit über dem bundesdeutschen

Durchschnitt bei der Quote der Numerus-clausus-Fächer.

An den Hochschulen der Hauptstadt

herrscht also ähnlicher Mangel wie beim

Wohnungsmarkt –weil die Stadt so beliebt

ist, wollen immer mehr hierher. Natürlich

ist Wohnungsnot ein existenzielleres

Problem als der Wunsch, sein Lieblingsfach

gerade hier und jetzt zu studieren.

Dennoch macht es sich die

Wissenschaftsverwaltung zu einfach,

wenn sie darauf verweist, dass die Zahl

der Studienplätze nicht deutlich erhöht

werden könne.Fast 70 Prozent NC-Fächer

an den Universität ist eine nicht hinnehmbareQuote.

Überdies: An der Freien Universität lag

die Zahl der Studentinnen und Studenten

Anfang der 90er-Jahre deutlich höher.

Dann kam der Abbau der Professuren an

den Hochschulen. Es gibt an den Unis

also ähnliches wiedergutzumachen wie

beim Wohnungsbau. Leider haben die

Studierenden das Pech, dass ihre Probleme

eher als Luxus abgetan werden.

70 Jahre DGB

Da wartet noch

viel Arbeit

Rasmus Buchsteiner

meint, dass sich die Gewerkschaften

neue Ziele setzen müssen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist

aus der Wirtschaftsgeschichte des

Landes nicht wegzudenken. Zum70. Jahrestag

der Gründung des Dachverbandes

ist die Frage jedoch, ob das auch so bleibt.

Der Mitgliederschwund der noch acht

DGB-Einzelgewerkschaften ist lediglich

abgebremst worden. Das große Jubiläum

wird von der Erkenntnis begleitet, dass

sich mit dem Verweis auf die Errungenschaften

der Vergangenheit – von der

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bis zur

Verkürzung der Arbeitszeiten – allein

noch keine neuen Mitglieder gewinnen

lassen.

Die Gewerkschaften haben besonders

dortviel durchgesetzt, wo sie starkauftreten

konnten. Das war vor allem in den

großen Branchen, in der Automobilwirtschaft,

in der Metall- und Elektroindustrie,

in der Chemie und im öffentlichen

Dienst. In anderen Bereichen haben sie

an Rückhalt eingebüßt –oder nie einen

Fußauf den Boden bekommen.

Ihren schleichenden Bedeutungsverlust

werden die Gewerkschaften nur dann

stoppen können, wenn sie neues Vertrauen

gewinnen. Zum Beispiel, indem

sie den Wandel der Arbeitswelt aktiv gestalten.

In den großen Industriebranchen

bedeutet dies,die Herausforderungen der

Digitalisierung ernst zu nehmen und

längst überfällige Investitionen in Weiterbildung

durchzusetzen. In der Pflege gilt

es aufzuzeigen, dass sich bessereArbeitsbedingungen

und höhere Löhne nur gemeinsam

erkämpfen lassen. Für den

Plattform-Beschäftigten, den Leiharbeiter

oder den Start-up-Mitarbeiter muss

eine Mitgliedschaft handfeste Vorteile

bringen. DieGewerkschaften werden sich

neu erfinden müssen.

Laut Gerichtsurteil darfman den thüringischen

AfD-Chef Björn Höcke als Faschisten

beschimpfen. Ich finde das zu ungenau

und bezeichne ihn als nationalen Sozialisten.

Denn Höcke hat früh erkannt, wie süffig sich

die auf Gleichheit gerichteten Ideen –Nationalismus

und Sozialismus –zueinem politischen

Erfolgsgebräu aufschäumen lassen.

VonFrankreich bis Ungarn, vonPolen bis Brasilien

handeln Rechtspopulisten entsprechend.

Das unterscheidet sie von Bernd Lucke,dem

nationalliberalen Mitbegründer der

AfD, den Höckes Fußtruppen längst ins Aus

beförderthaben. Wievor ihnen Hitler wissen

sie,wie leicht man „glühende Sozialisten“ mit

„glühenden Nationalisten“ verkuppeln kann.

Alsder Professor fürVolkswirtschaftslehre

Lucke nach einigen politischen Irrungen

und Wirrungen in der vergangenen Woche

wieder seine Lehrpflichten an der Universität

Hamburg erfüllen wollte, verhinderten

das sich links gebärdende Studenten und

Studentinnen. Viele von ihnen brüllten

„Nazi-Schweine raus aus der Uni“ und „Hau

ab! Hau ab!“. Lucke war 2015 ausdrücklich

wegen des zunehmenden, von einflussreichen

Funktionären wie Alexander Gauland

und JörgMeuthen geduldeten Rechtsradikalismus

aus der Partei ausgetreten. Inhaltlich

zutreffender äußerte sich hingegen jener mit

einem „FCK AFD“-Pulli angetane Hamburger

Student, der nicht auf den angeblichen

„Nazi“ Lucke abhob, sondern auf dessen

„neoliberale Ideen“ und deshalb fordert: „So

jemand gehört nicht an die Universität.“ Im

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Streiten vor

Gericht

Christoph Links

gründete 1989 einen der ersten privatenVerlageder DDR. Er ist

für die Auseinandersetzung auch mit unbequemen Meinungen.

KOLUMNE

Höcke, Lucke,

Baberowski und

Bafta Sarbo

Götz Aly

Historiker

Gegensatz zu Lucke befindet sich dieser

junge Mann insoweit im geistigen Gleichklang

mit Björn Höcke, der die „neoliberale

Ideologie“ ebenfalls verdammt, weil sie Völker

und Staaten „zu Wurmfortsätzen global

agierender Konzerne“ mache.

Nach einigem Zögern wiesen der Hamburger

AStA, Wissenschaftssenatorin Katharina

Fegebank (Grüne) und Universitätspräsident

Dieter Lenzen die studentischen

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Zum Erbe der Friedlichen Revolution

in der DDR gehörtfür mich das

anhaltende Engagement für die

Meinungsfreiheit. Als Verleger

muss ich sie beinahe täglich verteidigen, gegen

Angriffe von rechts, mitunter aber auch

vonlinks.

Oppositionelle, die 1988 mit dem Rosa-

Luxemburg-Zitat „Freiheit ist immer die

Freiheit der Andersdenkenden“ auf die

Straße gingen, wurden verhaftet. Presse- und

Äußerungsfreiheit waren zentrale Forderungen

im Herbst 1989, die Gründung unseres

Verlages drei Wochen nach dem Mauerfall

somit folgerichtig. Wir starteten mit Büchern,

die sich mit Korruption und Amtsmissbrauch

in der alten SED-Führung beschäftigten,

mit dem volkswirtschaftlichen

Kahlschlag der Treuhandpolitik und mit dem

aufkommenden Rechtsextremismus im vereinigten

Deutschland. Schon sehr bald ging

es darum, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit

bei der kritischen Berichterstattung verlaufen:Wann

hat man es mit (falschen)Tatsachenbehauptungen

zu tun, wo beginnen

Schmähkritik oder gar Verleumdung?

Meine Sicht darauf schärften mir die deutschen

Gerichte. Wir hatten uns der Klagen

von Treuhandmanagern genauso zu erwehren

wie solchen von Scientologen und Neonazis.Mehrheitlich

obsiegten wir,doch in einigen

Fällen mussten wir auch Stellen

schwärzen. Gegenwärtig werden wir von einer

Abmahnwelle rechter Siedler überzogen,

die mehr als 30 Stellen in dem Buch „Völkische

Landnahme“ von Andrea Röpke und

Andreas Speit verboten sehen wollen. Die

Unterlassungsbegehren kommen überwiegend

aus einer Kanzlei in Köln, die auch die

AfD vertritt und in der heute ein ehemaliger

Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz

mitwirkt. Mit diesem massiven Auftreten

soll die namentliche Nennung mehrererrechter

Akteureuntersagt werden. Diegeforderten

Unterlassungserklärungen haben

wir nicht abgegeben, denn all unsereDarstellungen

betreffen Personen, deren Handlungen

von übergeordnetem öffentlichem Interesse

sind und deren Bewertung durch die

Meinungsfreiheit gedeckt ist. In einem ersten

Verfahren zu dem Buch entschied das

Berliner Landgericht, dass die sehr kritische

politische Bewertung eines Akteurs durch

unsere Autoren berechtigt ist, da sie einen

belegbaren Tatsachenkern enthält. Das gilt

als wichtiger Maßstab für zulässige Meinungsäußerungen.

Gewiss,esist anstrengend, kritische Darstellungen

immer wieder vorab zuprüfen

und nicht einfach dem Ärger freien Lauf zu

lassen. Ja, esist lästig, unter Zeitdruck alle

Belege für das eigene Urteil zusammenzutragen,

und die Auseinandersetzungen sind

mitunter auch teuer.Doch das muss uns die

Freiheit wert sein! Ein generelles Verbot

rechter Propaganda, wie mitunter von einzelnen

Linken gefordert, würde liberale

Werte aushöhlen und langfristig gesehen

zerstören. Die Auseinandersetzungen müssen

zunächst inhaltlich geführt werden, administrative

Maßnahmen sollten nur letzte

Schritte bleiben.

Zu dieser Haltung haben wir uns auch in

der Interessengruppe Meinungsfreiheit des

Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

durchgerungen, als vor einem Jahr der Ruf

laut wurde,rechte Verlage vonder Frankfurter

Buchmesse auszuschließen. Doch wer

von uns soll die Urteile fällen? Wo beginnt

der Extremismus? Der Gesetzgeber hat hier

klare Grenzen für rassistischen Hass, nationalistische

Hetze oder Aufrufe zur Gewalt

festgelegt.

Für die Durchsetzung dieser Gesetzesind

allerdings deutlich besser ausgestattete Gerichte

dringend erforderlich. Viele Verfahren

werden wegen Überlastung eingestellt oder

verzögernsich um Jahre. Hier auf eine Änderung

zu dringen und sich für dieVerteidigung

der Meinungsfreiheit starkzumachen, bleibt

eine Aufgabe der gesamten demokratischen

Gesellschaft.

Übergriffe zurück. Anders in Berlin. Hier

wird, wie schon so oft, wieder gegen den Osteuropahistoriker

Jörg Baberowski gehetzt.

An der Humboldt-Universität Berlin heißt

der AStA RefRat. EinMitglied dieses RefRats,

die Studentin Bafta Sarbo, hatte im September

einen auf die aktuelle Berichterstattung

der Bildzeitung bezogenen Tweet als „sehr

gut“ bezeichnet, der frei nach Ulrike Meinhof

so lautete: „Wir sagen natürlich, die

Springer-Journalisten sind Schweine,wir sagen,

der Typander Tastatur ist ein Schwein,

das ist kein Mensch, und so haben wir uns

mit ihm auseinanderzusetzen… und natürlich

kann geschossen werden.“ Baberowski

bezeichnete das als unfassbar dumm, linksextrem

und antidemokratisch. Worauf Frau

Sarbo im Tagesspiegel verbreiten durfte:

„Wenn ich mir einmal so anschaue, mit was

für Personen Herr Baberowski sich umgibt,

bezweifle ich stark, dass er die Fähigkeit besitzt,

zwischen Demokraten und Nicht-Demokraten

zu unterscheiden.“ Ich gehöre zu

dieser Umgebung. Mit Vergnügen und Gewinn

bespreche ich hin und wieder fachliche

Fragen mit JörgBaberowski.

Unterdessen lässt die Präsidentin der HU,

Sabine Kunst (SPD), verbreiten, Frau Sarbo

habe „als Privatperson“ getweetet, und das

gehe sie nichts an. Wissenschaftssenator Michael

Müller (SPD) schweigt wie immer. Die

politisch und medial Verantwortlichen weichen

dem Minderheiten-Getöse. In Berlin

zerstören sie die Kultur des öffentlichen

Streits.

„Man muss jedes Malsofort

zurückschlagen, wenn

Trump den Mund

aufmacht. Am besten mit

etwas wirklich Bloßstellendem,

es gibt ja genug.“

Arnold Schwarzenegger,

Ex-Gouverneur und Schauspieler, im

Spiegel-Interview über sein Verhältnis zum

US-Präsidenten, mit dem er sich früher gut verstand

AUSLESE

Söders Pech mit der

Frauenquote

Die CSU will keine Frauenquote an der

Basis, also auf Kreisebene. Ein entsprechender

Vorstoß der Parteiführungen

wurde beim Parteitag am Wochenende

abgelehnt. Auch sonst gab es einige Spannungen.

„Für Söder ist die Niederlage ein

gefährlicher Schritt zurück“, kommentieren

die Nürnberger Nachrichten. „Seine

Politik richtet sich aus an der Landtagswahl

im Jahr 2023. Sieist für ihn der Gradmesser,oberindie

Geschichtsbücher der

CSU eingeht als Triumphator, als derjenige,

der die CSU gegen den Trend aller

Volksparteien wieder nach oben gebracht

hat. Oder als einer,der sich übernommen

hat, der zwar bemüht war, aber mehr

auch nicht.“

„Die CSU hat mit der scharfen Debatte

um die Frauenquote zwar innerparteiliche

Debatten- und Streitkultur bewiesen,

die Parteiführung kann darüber aber

gleichwohl nicht glücklich sein“, meint

man auch beim Straubinger Tagblatt.„So

hatte man sich die Parteireformnicht vorgestellt.

Und die Debatte um die Frauenförderung

in der CSU wird weitergehen.

Vermutlich etwas schärfer als bisher.“

„Söder ist stärker und auf mehr Feldern

angeknackst, als es auf den ersten

Blick die 91,3 Prozent vermuten lassen,

mit denen ihn der Parteitag als CSU-Chef

bestätigt hat“, heißt es in der Stuttgarter

Zeitung.„DiePartei, die er als stärkste,stabilste

verbliebene Volkspartei Europas

präsentieren will, ist von tiefen Rissen

durchzogen.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Mit Schwimmflügeln:

Das Projekt Flussbad

kommtlangsam voran

Seite 13

Falsche Kunst: Galerist Michael Schultz unter Verdacht Seite 10

Echte Meinung: Die Dienstags-Kolumne mit Gregor Gysi Seite 11

Stadtbild

Mr.Spock

steckt im Sack

Christian Schwager

erhält eine Typberatung an

der Straßenkreuzung.

Ich bin in den Genuss vonbewusstseinserweiternden

Drogen gekommen.

Am Morgen so gegen halb

acht an der Ecke Brückenstraße, Inselstraße.

Ich steuere mein Fahrrad

an die Ampel heran, als sich eine

Frau auf die Gehsteigkante zubewegt.

Sie sieht aus wie die Pausenaufsicht

einer Grundschule: Mitte

dreißig, blonde, nach hinten gebundene

Haare, knielanger, wattierter

Mantel in Dunkelblau, Jeans.

Rot. Ich denke mir nichts dabei,

als sie zu pfeifen beginnt, zwei Töne,

hoch, tief, hoch, tief. Dann läuft sie

ein Stück vor, schaut mir ins Gesicht:

„Hey,duWisser.“ Wisser? Na ja, wohl

doch keine Pausenaufsicht. Eher ein

Restposten aus der Nacht. Auf der

anderen Straßenseite liegt der Sage

Club.„Hey, ich red’ mit dir,du…“ Sie

klemmt sich eine Zigarette in den

Mundwinkel. Ich denke mir, ich sag

mal Hallo: „Hallo.“ Jetzt beginnt so

etwas wie eine Unterhaltung. „Ich

ha’ mir das Rauchen nich’ annewöhn’“,

bringt die Frau hervor.

„Richtig so“, sage ich. Sie sagt: „Ich

muss dir ma’ watt’sa’n.“ Ich sage

„Aha“ und blicke auf meine Uhr.

Gelb. Grün. Da ich zu früh dran

bin, steige ich vomRad, um eine angenehmere

Gesprächssituation zu

schaffen. Ein Mann, der vor dem Kiosk

an der Ecke Glasscherben in den

Rinnstein fegt, richtet sich auf, fixiert

mich. Auch die Frau macht einen

Schritt zurück. Mich beschleicht das

Gefühl, dass ich besser nicht abgestiegen

wäre. „Alles gut“, sage ich,

um ein sanftes Timbreinder Stimme

bemüht: „Was gibt’s denn?“

Die Frau fasst wieder Vertrauen,

jedenfalls wird ihr Tonfall weicher.

„Zur Abbeit?“, fragt sie. „Sieht man

das?“, frage ich. „Wie sieh’suübbahau’

aus?“, fragt sie, zeigt auf meine

Nase: „Wass’n das?“ Ich nehme die

Radlerbrille ab. Sie hat gelbe Kunststoffgläser,

das gibt morgens mehr

Licht. Bilde ich mir zumindest ein.

„Mr.Spock“, ein Ansatz vonLächeln

im Gesicht der Frau.„Die Jacke“, sagt

sie. „Was ist damit?“, frage ich.

„Schei’wsensnwis’. Schlag ma’n Kragen

hoch.“ –„So?“ –„Ja.Viel besser.“

Der Mann mit dem Besen fegt

weiter. Komisch, dass sich niemand

sonst für unsere aufschlussreiche

Unterhaltung interessiert. Langsam

legt sich allerdings auch bei mir die

anfängliche Neugier.Wie komme ich

jetzt aus der Nummer wieder raus?

„Die da“, die Frau zeigt mit ihrer

Zigarettenhand auf meine Jeans,

„is’n Sack.“ Sielacht, und ihr fällt die

Kippe auf den Boden. Siewill sie aufheben,

entscheidet sich jedoch dagegen:

„Die Schuh’snisn’okay.“

„Danke vielmals für das Kompliment“,

sage ich. „Ich glaube, jetzt

sind wir mit allem durch.“ Ich warte

eine Lücke im Verkehr ab, ummein

Fahrrad wieder auf die Straße zu

schieben. Ich habe den Eindruck,

dass in den drei Minuten, die vergangen

sein müssen, das Zweiradaufkommen

deutlich zugenommen hat.

„Wo will’snjetz’ hin, du...?“, ruft mir

die Frau hinterher und pfeift wieder

ihr Zweitonpfeifen, aber da bin ich

schon in die Inselstraße eingebogen.

BeiGelb.Wirdjaauch Zeit.

Eins muss ich der Frau allerdings

lassen: Mit meiner Hose hat sie vollkommen

recht.

Berlin warnach London die Nummer zwei unter den Gründerstädten. Diese Zeiten sind vorbei.

Abgerutscht

Start-ups: Paris zieht an Berlin vorbei. Investoren stellen Hauptstadt-Gründern weniger Geldbereit

VonJochen Knoblach

Die europäische Start-up-

Szene steht bei Investorennach

wie vorhoch im

Kurs.Insgesamt 16,9 Milliarden

Euro pumpten internationale

Kapitalgeber in Jungunternehmen

zwischen Reykyavik und Barcelona.

So viel wie nie zuvor und über sechs

Milliarden Euro mehr als in den ersten

sechs Monaten desVorjahres.Das

ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse

der Stuttgarter Prüfungs- und Beratungsgesellschaft

Ernst & Young

(EY).„Daseuropäische Start-up-Ökosystem

ist noch stärker geworden“,

sagt EY-Partner Peter Lennartz. Allerdings

gibt es trotz des Wachstums einenVerlierer:Berlin.

Zwar gehört die deutsche Startup-Metropole

weiterhin zu den Topdrei-Gründerstädten

auf dem Kontinent,

in die im ersten Halbjahr mehr

als die Hälfte des gesamten in europäische

Start-ups investierten Risikokapitals

floss, doch ist Berlin dabei

nicht mehr die Nummer zwei, sondern

die Nummer drei. Denn während

Londoner Jungunternehmen 5,7

Milliarden Euro einsammelten, kassierten

Pariser Firmen gut 2,2 Milliarden

Euro, Berliner etwas weniger als

zwei Milliarden Euro. Auch bei der

Zahl der Finanzierungsrunden zog

die französische Hauptstadt an Berlin

vorbei: Insgesamt 230 Start-up-Investitionen

zählten die EY-Analysten im

Großraum Paris, in Berlin waren es

129. London liegt mit 323 Finanzierungen

hier weiterhin vorn.

Der Trend dazu hatte sich bereits

im vergangenen Jahr abgezeichnet.

Denn 2018 hatten Berliner Start-ups

insgesamt zwölf Prozent weniger frisches

Kapital erhalten, die Investitionen

in Pariser Jungunternehmen legten

dagegen um 39 Prozent zu.

Für EY-Mann Lennartz liegt der

Grund auf der Hand: „Die französische

Politik hat den Start-up-Sektor

zur Chefsache erklärtund verfolgt das

klare Ziel, Frankreich zum TopStartup-Standort

inEuropa zu machen“,

sagt er. Dort würden bürokratische

Hürden für Jungunternehmer abgebaut,

der Staat bringe Investoren und

Gründer zusammen. Das zeige Wirkung:„Bei

der Zahl der Transaktionen

Investitionen in europäische Start-ups

Investitionsvolumen in Millionen Euro, jeweils das erste Halbjahr

London

Paris

Berlin

Stockholm

Reykjavik

Barcelona

Cambridge

Basel

Helsinki

Kopenhagen

München

Madrid

Amsterdam

Évry

Mailand

Zürich

Dublin

Achern

Lausanne

325

289

11

263

25

239

163

203

24

193

76

175

98

171

215

153

92

143

97

131

15

122

34

117

160

102

281

101

0

97

16

1421

1169

2005

liegt Frankreich inzwischen deutlich

vorDeutschland.“

Tatsächlich will Europas zweitgrößte

Volkswirtschaft in der Digitalisierung

schnell vorankommen und

Frankreichs Präsident Emmanuel

Macron dabei konsequent auf Startups

setzen. Gerade erst lud er 40 internationale

Investoren in den

Elysée-Palast, um ihnen die hoffnungsvollsten

Jungfirmen des

Landes vorzustellen. Macrons will

schnell Ergebnisse: Bis 2025 soll die

Zahl der sogenannten Unicorns, das

2236

1993

1667

Top-5-Finanzierungen in Start-ups

in Deutschland/Berlin in Millionen Euro,

erstes Halbjahr 2019

GetYourGuide (Tourismus)

N26 (Bank)

Adjust (Datenanalyse)

201

Friday (Versicherung)

114

Wefox (Versicherung)

111

266

428

5737

BLZ/HECHER; QUELLE: EY

IMAGO IMAGES

sind Start-ups,deren Unternehmenswert

mindestens eine Milliarde Euro

beträgt, in Frankreich auf 25wachsen.

Derzeit sind es gerade mal fünf.

Das Mobilitätsunternehmen Blablacar

und der Musikstreamingdienst

Deezer –beide mit Sitz inParis –gehörenzu.

Geht es also gar nicht um eine

Berliner, sondern nationale Problematik?

In diesem Fall sei dies so,sagt

Christoph Stresing. „Frankreich

zeigt, wie es gehen kann“, so der Geschäftsführer

beim hiesigen Startup-Bundesverband.

Für ihn ist das

Zurückfallen Deutschlands „ein erneuter

Weckruf an die Politik“, endlich

die eigenen Pläne umzusetzen.

Stresing verweist darauf, dass die

Große Koalition im Koalitionsvertrag

die Auflage eines„großen nationalen

Digitalfonds“ festgeschrieben hat.

Mit diesem sollte es institutionellen

Investoren erleichtert werden, in

Venture Capital zu investieren, doch

passiert ist bislang nichts. „Die Erkenntnis

ist da, aber bis heute fehlt

es an der Umsetzung,“ lautet Stresings

Vorwurf.

Immerhin hat Deutschland derzeit

noch doppelt so viele „Einhörner“

vorzuweisen wie Frankreich.

Zehn sind es insgesamt. Das jüngste

kommt aus Berlin. Die Tourismus-

PlattformGetyourguide hatte im Mai

während einer Finanzierungsrunde

über 430 Millionen Euro bekommen

und wurde dafür mit mehr als einer

Milliarde Euro bewertet. Die Berliner

Handybank N26 hatte das bereits im

Januar geschafft.

Das Fintech-Unternehmen aus

der Klosterstraße in Mitte belegt zudem,

dass Investorenkapital ebenfalls

in der zweiten Hälfte des Jahres nach

Berlin fließt. Im Juli sammelte N26

weitere 152 Millionen Euro ein und

avancierte mit einer Taxierungauf 3,1

Milliarden Euro zum wertvollsten

Start-up Deutschlands.

Auch bei Ernst &Young erwartet

man weitere Investitionen. Die aktuelle

Konjunkturflaute scheint dem Risikokapitalmarkt

kaum etwas anhaben

zu können, so die Einschätzung

der Analysten. Im dritten Quartal

seien hierzulande bereits 2,2 Milliarden

Euro an Jungunternehmen geflossen,

über 1,2 Milliarden Euro

mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Insgesamt beziffert man das

Finanzierungsvolumen in Deutschland

bei Ernst &Young aktuell auf 4,9

Milliarden Euro, womit bereits jetzt

das Niveau des gesamten Vorjahres

erreicht ist. DasKapital bleibt auf der

Suche.

Jochen Knoblach

beobachtet die

Start-up-Szene seit Jahren.

NACHRICHTEN

Bezirksbürgermeisterin

Herrmann will 2021 aufhören

Diegrüne Bezirksbürgermeisterin

vonFriedrichshain-Kreuzberg, Monika

Herrmann, plant keine weitere

Amtszeit. „Ich werde2021 nicht

mehr als Bezirksbürgermeisterin

kandidieren“, teilte Herrmann am

Montag mit. DieinBerlin geborene

Diplom-Politologin ist seit August

2013 Bezirksbürgermeisterin. Davor

hatte sie bereits seit 1990 im Bezirksamt

gearbeitet, unter anderem als

Mitarbeiterin der Frauenbeauftragten,

Stadträtin für Jugend, Familie

und Schule und Leiterin der Abteilung

Familie,Personal und Diversity.

„Ich wollte nie länger machen“,

sagte Herrmann dem Tagesspiegel.

„Insgesamt 15 Jahrepolitische Leitung

sind dann auch gut.“ Pläne für

ihreZeit nach dem Ausscheiden hat

die 55-Jährige nach eigenen Worten

noch nicht. „Ich möchte gerne noch

etwas anderes machen bis zur Rente

und finde,dass jetzt der politische

Nachwuchs übernehmen sollte.“

Ganz verabschieden vonden Themen

aus ihrem Bezirk dürfte sie sich

wohl kaum –als Hobbyhat Herrmann

auf der Website des Bezirksamts

nur ein einziges angegeben:

Kommunalpolitik. (dpa)

Monika Herrmann will nicht noch einmal

antreten.

BLZ/MARKUS WÄCHTER

Viel Sonne in Berlin

und Brandenburg

Berliner und Brandenburger können

sich bis Ende der Woche auf goldene

Herbsttage ohne Regen freuen. Wie

der Deutsche Wetterdienst (DWD)

am Montag mitteilte,startet die neue

Woche niederschlagsfrei und zeitweise

sonnig. DieHöchstwerte liegen

zwischen 17 Grad in der Prignitz

und bis zu 22 Grad in der Lausitz. Der

Dienstag soll ebenfalls trocken bleiben,

die Maximalwerte steigen auf

16 bis 19 Grad an. Viel Sonnenschein

und voraussichtlich 15 bis 18 Grad

erwarten die Meteorologen am Mittwoch.

Wieauch in den Vortagen soll

es nicht regnen. Auch am Donnerstag

kann es laut DWDüberall in Berlin

und BrandenburgSonnenschein

geben. (dpa)

Sozialarbeiterin bei

Sprechstunde geschlagen

Eine Mitarbeiterin des Sozialamtes

in Adlershof ist am Montag während

ihrer Sprechstunde voneiner Frau

attackiertworden. Kurz vor12Uhr

hatte eine 25 Jahrealte Antragstellerindas

Büroder 49 Jahrealten Sachbearbeiterin

in der Hans-Schmidt-

Straße betreten. Sieschlug der Angestellten

unvermittelt mit der Faust

ins Gesicht. Anschließend beleidigte

die Täterin einen Wachschützer.Die

angegriffene Frau beendete ihren

Dienst und musste sich voneinem

Arzt behandeln lassen. (ls.)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Berlin

Im Stile Warhols: Michael Schultz vor dem Gemälde „Amanda as Marilyn (Red)“ des KünstlersDavid LaChapelle, das die NewYorkerDragqueen Amanda Lepore zeigt.

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Richter ohne Wert

Es geht um Urkundenbetrug und viele Millionen: Der Charlottenburger Star-Galerist Michael Schultz soll gefälschte Kunst im großen Stil verkauft haben

VonIrmgard Berner

Im Rechtsstaat gilt bekanntlich

die Unschuldsvermutung. Genauso

gilt es,den Namen eines

oder einer Beschuldigten nicht

zu nennen, solange es dafür offiziell

kein grünes Licht gibt. Denn was,

wenn der oder diejenige es doch

nicht war? Der strafrechtliche Fall,

um den es sich hier handelt, hat Ausmaße

in Millionenhöhe.

International vernetzt

Es geht um Kunstbetrug, um sehr

teure Kunst, um Kunst der Spitzenklasse.

Und es geht um Fälschung,

nicht nur vonKunstwerken, sondern

auch vonUrkunden, die deren Echtheit

bestätigen sollten. Ein anerkannter

Galerist, so wurde am Wochenende

bekannt, hatte im großen

Stil gefälscht und betrogen. Sein

Name wurde nicht genannt. Wir berichteten

am Montag.

DieVerfasserin hatte eine Vermutung,

die sich jetzt bestätigt hat: Es ist

der Galerist Michael Schultz. Die

Eckdaten sprachen für sich: Der

Kunsthändler, 67Jahre alt, betreibe

Dependancen im Ausland und

rühme sich, mit Werken von Künstlernwie

GeorgBaselitz und Gerhard

Richter zu handeln. DieZahl der Galeristen

dieses Kalibers ist überschaubar.

Bei Michael Schultz handelt es

sich um ein Urgestein der lokalen

Kunstszene, noch aus West-Berliner

Zeiten. Im Jahr 1986 hatte der in Freudenstadt

im Schwarzwald geborene

Kunsthändler seine Galerie in Charlottenburggegründet.

Undeserschien unglaublich, diesen

widerborstig, bei Interview-Anfragen

sehr kritisch, gar trotzig der

hiesigen Szene gegenüber Auftretenden

eines derart großangelegten Betruges

zu verdächtigen. Diesem international

und vorallem in Fernost vernetzten

Akteur mit Ablegern inPeking

und Seoul, der seinen Standort

als eine der ersten Adressen für zeitgenössische

Kunst etabliert hatte,

dunkle Geschäfte zuzutrauen. Wo

sich in seinen Galerieräumen und

Hinterzimmern doch die Sammler-

Prominenz aus Politik und Wirtschaft

für so manchen Kunstkauf und zum

Zuprosten einfand.

Im Nachhinein erweist sich nun

auch die Skepsis, die bei so manchem

Besuch in der Galerie aufgekommen

war, als begründet. So

hatte Michael Schultz Seriendrucke

von Andy Warhol mit dem Konterfei

Die Staatsanwaltschaft

wirft Michael Schultz vor, in

mehreren Fällen vonKunstbetrug

dringend tatverdächtig

zu sein. Wertlose Kunstwerkesoll

er mit gefälschten

Zertifikaten für hohe Summen

verkauft haben.

DER FALL

Dabei habe es sich laut Ermittlernumklassische

Gemälde,

Zeichnungen, Radierungen

und Skulpturen gehandelt.

Heraus sticht eine

Fälschung eines Werks von

Gerhard Richter,87, hochdotierter

Künstler.

Michael Schultz habe das

Gemälde an einen Sammler

verkauft. Dieser habe es bei

einem Auktionshaus eingeliefert,

um es weiterzuverkaufen.

Bei der Prüfung des

Bildes stellte das Archiv von

Richter die Fälschung fest.

der Marilyn Monroe als Sensation

angepriesen und ausgestellt – angeblich

jüngste Entdeckungen von

Erstdrucken aus Warhols Werkstatt.

Weiteren Argwohn ließ nun am

Wochenende auch der Blick auf die

Homepage der Galerie hochkommen:

Die „kommende Ausstellung“

war bereits am 8. Oktober beendet

und auch die „aktuelle“ erwies sich

als längst vergangen.

DerVersuch, den Galeristen zu erreichen,

scheitert, unter der angegebenen

Telefonnummer springt lediglich

die Ansage: „Diese Nummer

ist nicht vergeben“ an. Also hinfahrenund

vorOrt recherchieren. Denn

obwohl die Galerie kurz vor der Art

Week Anfang September angekündigt

hatte,von ihrem angestammten

Standort inder Mommsenstraße 34

an einen anderen Ort zuziehen, ist

laut Website dort amSonnabend bis

14 Uhr geöffnet. Das Bild, das sich

dann in der Mommsenstraße 34

zeigt, erschüttert –und bestätigt die

Vermutung.

Denn der Blick durch die breiten

Schaufenster lässt keine Zweifel offen:

Gähnende Leere starrt die Besucherin

an, keine Spur von Kunst,

von Gemälden, Skulpturen, Drucken,

von Warhol, Baselitz oder

Gerhard Richter, mit dessen Gemälden

Schultz ja auch den koreanischen

Kunstmarkt bedient hatte.

Nun also nur grauer Estrich, weiße

Wände und aus der Decke hängende

Kabel. An den Scheiben kleben

Zettel mit dem Kontakt zu einem

Maklerbüro zwecks Vermietung.

Ermittlungen seit August

Ist das das klägliche Ende eines

über so viele Jahre erfolgreichen

Star-Galeristen? Nachfragen in der

Galerieszene erweisen sich als

nicht ergiebig. Man hält sich bedeckt.

Zu Recht, falscher Verdächtigungen

will sich niemand schuldig

machen.

Um falsch und Fälschung geht

es nun aber im Fall des Michael

Schultz. Vorgeworfen wird dem

Kunsthändler zudem langjähriger

Betrug mit bereits bezahlten und

nicht gelieferten Kunstwerken im

großen Stil.

Bereits seit August wird gegen

ihn ermittelt. Ende vergangener

Woche wurde er mit Haftbefehl vor

den Haftrichter geführt – wegen

Fluchtgefahr, dann aber aus gesundheitlichen

Gründen verschont

und auf freien Fuß gesetzt. Schon

2015 war Schultz ins Visier der Behörden

geraten, musste sich wegen

Unterschlagung verantworten. Angesichts

dieses Skandals wegen einer

Bagatelle: Er hatteeinem Kunsthändler

35 000 Euro geliehen und

als Pfand ein Bild vonGerhardRichter

bekommen. Als der Gepfändete

nicht fristgerecht zahlte, verkaufte

Schultz das Bild weiter –für 300 000

Euro. Das Richter-Bild aber gehörte

der Gattin des Schuldners, die mit

Strafanzeige drohte, wogegen

Schultz behauptete, das Werk sei

aus seiner Galerie „verschwunden“.

Das Bild wurde sichergestellt und

der Besitzerin zurückgegeben, das

Verfahren gegen 15 000 Euro Strafe

eingestellt.

Welches Strafmaß ihn nun erwartet,

wird sich erweisen. Diesmal

wurden fünf Privat- und Geschäftsadressen

in Berlin und zwei in Brandenburg

durchsucht und Vermögenswerte

sichergestellt. Noch gilt

die Unschuldsvermutung.

Irmgard Berner

lag richtig mit ihren Vermutungen.

Drogen frei Haus

Immer mehr Dealer liefern Kokain per Taxi zu ihren Kunden. Die Polizei hat daraufhin ihre Kontrollen verstärkt

VonLutz Schnedelbach

Drogendealer haben ihre Verkaufsmethode

geändert. Früher

mussten die Kunden zu ihnen kommen.

Jetzt kommen die Verkäufer zu

den Kunden, mit sogenannten Drogentaxis.

Ein Vorteil für sie: Die Polizei

hat es mit der neuen Masche

schwerer,die Händler zu fassen. Der

Verkauf wird unauffälliger. Die Kuriere

erscheinen zum einen in herkömmlichen

Taxis und zum anderen

in unauffälligen Privatautos.

Alles geht blitzschnell

Bestellt wird per Telefon oder über

SMS. Geliefert wird die bestellte

Menge innerhalb von 15bis 30 Minuten

je nach vereinbartem Treffpunkt.

Die Kurierfahrer steigen

nicht mal aus. Die vereinbarte

Summe wird inbar gezahlt. Dann

übergibt der Kurier die Ware an

seine Kunden. Alles geht blitzschnell.

Die Drogenlieferungen

werden aus Call-Centern gesteuert.

DerStoff wirdvon Großhändlernorganisiert

und auch bei ihnen gelagert.

Nach einem Bericht des rbb erfassen

Drogenfahnder des Landeskriminalamtes

seit Mai dieses Jahres

die Fälle systematisch, um noch

mehr über diesenVersandweg zu erfahren.

Die Informationsbeschaffung

sei relativ schwer, weil sich die

Szene abgeschottet hat, sagen Ermittler.

Die Fälle der Kokain-Taxis

bearbeitet ein eigenständiges Kommissariat.

Gleichzeitig registrieren

die Drogenfahnder einen erheblichen

Anstieg der Fälle. Inden vergangenen

sechs Monaten leiteten

die Fahnder 35 Ermittlungsverfahren

ein, bei denen Kokain mit dem

Taxi geliefert wurde. Nach Informationen

aus dem Landeskriminalamt

gehen bei einzelnen Telefonnummern

täglich mehr als 100 Bestellungen

ein.

Kokain spielt seit zwei bis drei

Jahren eine ganz maßgebliche Rolle

in der Drogenszene der Hauptstadt.

Die Droge ist nach Heroin in Berlin

die zweithäufigste Todesursache bei

Konsumenten. 2018 starben 35

Kokain wird mehr und mehr mit dem Taxi geliefert.

Menschen an Kokain, so die Polizei.

Zuletzt war im Mai ein Drogentaxi

aufgeflogen. Beamte des Spezialeinsatzkommandos

nahmen in der

Fritzi-Massary-Straße in Neukölln

zwei Männer fest, die ihre Kunden

auf diese Art und Weise versorgten.

In ihrem Auto warenein Kilogramm

Kokain mit einem damaligen

DPA

Marktpreis von 40000 Euro sowie

zwei Schreckschusspistolen sichergestellt

worden. Diebeiden Männer

sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Im August 2018 hatte es im Zusammenhang

mit Drogentaxis auch

Ermittlungen gegen Mitglieder einer

arabischstämmigen Großfami-

lie gegeben. Die Ermittlungsbehörden

berichteten damals vom Fund

von 2,4 Kilo Cannabis in einem

Auto. Beschlagnahmt wurden demnach

200 000 Euro Bargeld sowie

mehrere Autos. Die Art und Weise

der kriminellen Lieferungen ist in

Berlin nicht neu. Bereits in den

1990er Jahren belieferten vietnamesische

Zigarettenhändler ihre Kunden

aus Autosheraus.

Kurierehaben zu tun

Die Anzahl der Drogentaxis in Berlin

kennt die Polizei nicht. Ermittler

gehen davon aus, dass die Kuriere

alle Hände voll zu tun haben. Weltweit

wirdgegenwärtig so viel Kokain

verkauft, wie nie zuvor, sagen Experten.

Im Jahr 2017 stellten Polizei

und Zoll deutschlandweit acht Tonnen

sicher. Vier mal soviel wie ein

Jahr zuvor. Wegen des Ausbaus der

Anbauflächen vor allem in Kolumbien

boomt der internationale Handel

mit dem Stoff.

Das Rauschgift aus Südamerika

kommt zumeist auf dem Seeweg

nach Europa. Am sichersten für die

Transporteure sind schwimmfähige

und wasserfeste Behälter, die mit

Ortungssystemen ausgestattet sind

und vonKleindealernaus dem Wasser

gezogen und anschließend in illegale

Lager gebracht werden. Dort

wird der Stoff unter einer legalen

Fracht verstaut und ausgeliefert.

Diese Methode ist unsicher für den

Besteller, weil ihn manchmal Lieferungen

nicht erreichen. In der Vergangenheit

kam es immer wieder

vor, dass Mitarbeiter in Discountern

Bananenkisten auspackten, in denen

Drogenpakete lagerten.

Eine sichereMethode, Drogen zu

versenden, ist ihre Deklarierung als

Diplomatengepäck. Dieses darf laut

internationaler Bestimmungen

nicht kontrolliert werden. So nahmen

Berliner Drogenfahnder im

vergangenen Jahr am Scharmützelsee

in Brandenburg einen Mann

fest. Er war der mutmaßliche Drahtzieher

eines geplanten Schmuggels

von Rauschgift in Botschaftsbehältern.


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 11 *

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Berlin

Ursache für

Zug-Brand

gefunden

Ermittler sprechen

von technischem Defekt

VonLutz Schnedelbach

und Peter Neumann

Zwei Tage nach dem verheerenden

Feuer in einem Charterzug

mit Fußballfans gibt es eine erste offizielle

Stellungnahme zur Unglücksursache.

„Nach ersten Erkenntnissen

könnte ein technischer Defekt

den Brand verursacht haben“, teilte

die Bundespolizei am Montag mit.

Vier Menschen wurden verletzt.

Wie berichtet sollte der Sonderzug

Fans des SC Freiburg nach dem

Spiel gegen Union Berlin am Abend

wieder nach Hause bringen. Lok und

Wagen hatten den Taginder Abstellanlage

Grunewald verbracht, in

Charlottenburg stiegen die Fahrgäste

ein –insgesamt 760 Menschen.

Doch noch im Bahnhof fiel einigen

von ihnen auf, dass etwas nicht

stimmte. Eine halbe Stunde vor Abfahrt

habe sich Rauch entwickelt,

schrieb Cathrine Reisch bei Facebook.„Es

wärelediglich die Heizung,

welche sich aufheizte“, sei ihr erklärt

worden. „Der Gestank war allerdings

schon dortsehr verdächtig.“

Ähnlicher Vorfall im August

DasFeuer sei dann in der Zwischendecke

ausgebrochen, so die Frau, die

sich nach eigenen Angaben im Abteil

nebenan aufhielt. Ein anderer Facebook-User

bestätigte dies: „Es waren

erst offene Flammen zu sehen, als

ich zusammen mit einem Bahnverantwortlichen

die Decke mit dem

Feuerlöscher einschlug.“ Der Brand

sei nicht in einem Abteil entstanden:

Dieser Hinweis ist offenbar eine Reaktion

auf Vermutungen, dass Freiburg-Fans

gezündelt haben könnten.

Hinweise auf gezündete Böller

oder auf vorsätzliche Brandstiftung

gebe es nicht, bestätigten Ermittler.

Das Feuer brach im zweiten Wagen

hinter der Lok aus. Der Erste-

Klasse-Wagen mit der Nummer 56 80

10-40 122-8 wurde 1984 von der

Bundesbahn umgebaut. Seit 1994 ist

die Centralbahn AG Eigentümer.

Sie betreibt nach eigenen Angaben

seit mehr als 30 Jahren Reise-

Sonderzüge mit meist eigenen Lokomotiven

und Reisezugwagen. Bisher

gab es schätzungsweise mehr als

4000 Fahrten. „Es gab in all den Jahren

nie einen ernsthaften Zwischenfall“,

teilte das Schweizer Unternehmen

am Montag mit. „Unsere Fahrzeuge

werden nach den Vorschriften

der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung

regelmäßig untersucht, die

letzte Untersuchung des betroffenen

Wagens liegt etwa zwei Jahrezurück.

Das Alter von Schienenfahrzeugen

ist mit dem von Straßenfahrzeugen

nicht zu vergleichen, da Bauteile regelmäßig

erneuertwerden.“

Am 24. August war es in einem

Zug der Centralbahn, der Teilnehmer

der Unteilbar-Demonstration in

Dresden nach Berlin zurückbrachte,

in zwei Wagen zu starker Rauchentwicklung

gekommen, so die Gewerkschaft

Verdi. Voneinem Kabelbrand

sei die Rede gewesen, sagte Unteilbar-Sprecher

Felix Müller. Die Centralbahn

AG widersprach: Der Rauch

entstand durch eine feste Bremse.

Sie wurde ausgeschaltet und funktionierte

dann wieder einwandfrei.

1984 gebaut, 2019 ausgebrannt: der zerstörte

Wagen des Fan-Zugs. ERIC RICHARD

Herr Gysi, Mesut Özil hat in der vergangenen

Woche sein Foto mit Erdogan

vorder WM 2018 als Respektsbezeugung

für den türkischen Präsidenten

verteidigt. Was ist das in Ihren

Augen –politische Naivität oder

politisches Kalkül?

Eher eine persönliche Reaktion

auch darauf, dass er fußballerisch

momentan wenig eingesetzt wird

und auch bei seinen Fans das Desinteresse

an ihm wächst. Er versucht,

anders Aufmerksamkeit zu

erlangen. Allerdings ist und wurde

er auch diskriminiert, er ist also verletzt.

Macht sich Özil zum Werkzeug des

Autokraten Erdogan, zum nützlichen

Idioten?

Ob Mesut Özil es wollte oder

nicht –Erdogan hat 2018 versucht,

von seiner Prominenz zu profitieren.

Er stand im Präsidentschaftswahlkampf

und Özil hätte sich eben

überlegen müssen, dass und wie

seine Respektsbezeugung vonErdogan

genutzt wird. Außerdem soll Erdogan

Özils Trauzeuge gewesen

sein, was eher für eine Art Freundschaft

spricht. Nur, seine Freunde

kann man sich im Unterschied zu

Verwandten aussuchen.

Auch westliche Politiker schmücken

sich gern mit erfolgreichen Sportlern,

in der DDR war es Programm.

Wird im Fall Özil mit zweierlei Maß

gemessen?

Ja und nein. Mandarfdie Verantwortung

Erdogans für die Zuspitzung

der Konflikte sowohl in der

Türkei als auch im Nahen und Mittleren

Osten nicht übersehen. Indirekt

hat er auch den Islamischen

Staat unterstützt, was jetzt auch gilt.

Allerdings schmücken sich Politikerinnen

und Politiker zu viel mit erfolgreichen

Sportlerinnen und

Sportlern. Dabei wissen die meisten,

sogar ich, dass sie die sportlichen

Leistungen nicht erbrachten.

Özil spricht auch von deutschem

Rassismus und zieht Parallelen zu

dem Anschlag in Halle. Verstehen Sie

ihn in diesem Punkt?

Es ist verheerend, wenn Kritik

mit rassistischen Reflexionen verbunden

wird. Mesut Özil wurde in

Gelsenkirchen geboren und besitzt

die deutsche Staatsbürgerschaft. Es

ist sein Recht, auch zu den türki-

VonB.Fraune und M. Arnold

Man steigt mit Cargo-Hose in

den Interregio, das Radio dudelt

„Mambo No. 5“und zu Hause

rödelt ein 56-k-Modem. Unter Pfeifen

und Knarzenöffnet sich der Weg

ins Internet: Das war die Welt 1999,

und das weltweite Netz war für viele

wirklich Neuland. Dennoch lief am

25. Oktober Deutschlands erstes digitales

Bahnticket aus einem Computerdrucker.

20Jahre später ist es

normal, online zu buchen, und das

Ticket in der Appverdrängt nach und

nach den Ausdruck.

Doch für Bahnfahrer sind weitere

Neuerungen in Arbeit. Spätestens

2021 sollen sie Fahrkarten auch per

Sprachbefehl ordern können, kündigte

Bahn-Vorstandsmitglied Sabina

Jeschke an. Eine komplett neue

IT-Landschaft für die Vertriebssysteme

sei in Arbeit. Siesoll dann endlich

auch das ungeliebte Papierformular

für die Fahrpreiserstattung

überflüssig machen.

AusKundensicht hat sich das Online-Ticket

bewährt, wie es beim

Fahrgastverband Pro Bahn heißt.

„Das ist ein absoluter Erfolg“, sagt

der Ehrenvorsitzende Karl-Peter

Naumann. Die Bahn habe sich damals

auf den richtigen Wegbegeben.

Eines aber habe sie versäumt: Ticketverkaufsstellen

in Drogerien,

Buchhandlungen oder anderen Geschäften

an Bahnhöfen einzurichten.

Als Ersatz für geschlossene Fahrkartenschalter.

„Da war die Bahn

nicht mutig genug.“

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar

Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt

bewegt. Kurz und klar,ein paar Minutennur,

solange man eben zusammensteht für eine

Curry am Mittag. Unser Thema in dieser Woche:

Fußball und Politik

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

Der Fahrschein kommt per Sprachbefehl

Nach 20 Jahren erfindet die Deutsche Bahn das Online-Geschäft neu

Die Bahn im Cyberspace: Online-Tickets sind der letzte Schrei.

Schon knapp jede zweite Fahrkarte

verkauft sie heute online –1999

war das noch revolutionär.Denn nur

einer vonvierzig Deutschen hatte einen

eigenen Internetzugang, wie die

Weltbank verzeichnete. Bei Lufthansa

kaufte noch weniger als ein

Prozent der Passagiere das Ticket im

Netz.

Beider Bahn konnten Kunden zunächst

nur für bestimmte Direktverbindungen

im Fernverkehr verbillige

Fahrkarten im Netz buchen und

selbst ausdrucken. Auf das Pilotprojekt

folgte drei Jahre später das heutige

Online-Ticket auf bahn.de.

Heute wachsen die Zahlen noch im-

IMAGO IMAGES

mer, noch stärker aber steigen sie

beim Handy-Ticket in derbahneigenen

App DBNavigator. Wer damit

selber eincheckt, kann sich sogar die

Fahrkartenkontrolle ersparen.

Der Online-Vertrieb bringt es

aber auch mit sich, dass die Bahn immer

wieder mit Betrügern zukämpfen

hat. Sie haben etwa Fahrkarten

angeboten, die sie mit geklauten

Kreditkartendaten gekauft haben,

oder sie ergaunerten mit gehackten

E-Mail-Daten Storno-Gutscheine.

Im Reisezentrum wird noch

knapp jede siebte Fahrkartegekauft.

Die Zahlen gehen ebenso stetig zurück

wie beim Automatenverkauf.

schen Wurzeln seiner Familie zu

stehen. Wieeresgetan hat, ist allerdings

kritikwürdig. Halle ist ein anderer

Vorgang. DerTäter wollte viele

Jüdinnen und Juden in der Synagoge

erschießen. Er tötete zwei unbeteiligte

Passanten und verletzte

andere schwer. Das zeigt, dass wir

jede Form von Rassismus und Antisemitismus

unterbinden müssen.

Man mag ja kaum an einen Zufall

glauben, wenn sich Özil mitten in

die Debatte um salutierende türkische

Nationalspieler hinein zu Wort

meldet. Ist das eine neue Qualität

der politischen Propaganda im

Sport?

Schon, aber der Sport ist Teil der

Gesellschaft und damit auch ihrer

Konflikte. Die Frage ist, für welche

Werte Sportlerinnen und Sportler

eintreten. Ich erinnere mich an den

Protest der afroamerikanischen

Sprinter aus den USA bei der Olympiade

in Mexiko 1968 gegen die Rassendiskriminierung.

Er wurde weltweit

begrüßt. Bei der völkerrechtswidrigen

Aggression der Türkei in

Nordsyrien müssten sich Sportlerinnen

und Sportler schon deshalb

dagegen wenden, weil der internationale

Sportvon seinem Ursprung,

seinem Wesen und dem Charakter

der Olympischen Spiele her der Völkerverständigung

dienen soll.

Ist esrichtig, so etwas zu verbieten

oder gar einen Spieler zu feuern, wie

es St.Pauli getan hat?

Cenk Sahin hat sich offen zur türkischen

Aggression in Nordsyrien

bekannt, was den Grundregeln des

internationalen Sports, aber auch

den Grundsätzen des FC St.Pauli widerspricht.

Es traf dessen Fans besonders

hart, da ihreBedeutung unter

anderem darin besteht, prononciert

gegenteilige Ziele zu verfolgen.

Deshalb unterstützten sie den ehemaligen

Pauli-Spieler Deniz Naki, als

er wegen angeblicher PKK-Propaganda

in der Türkei vor Gericht

stand. Auch die Uefa wird sich der

Frage stellen müssen, wie sie mit einem

Mitgliedsland umgeht, dass einen

völkerrechtswidrigen Krieg

führt. Nur mal zu Erinnerung. 1992

wurde Jugoslawien vonder EM-Endrunde

wegen des Balkankonfliktes

ausgeschlossen, die Nato-Länder,als

sie völkerrechtswidrig Belgrad bombardierten,

allerdings nicht.

Ohne Reisezentrum gehe es aber

nicht, meint Fahrgastvertreter Naumann:

„Komplexere Dinge –Schlafwagenreservierungen

und Auslandsfahrkarten

etwa –die sind am

Schalter einfacher.“ Noch 2002 gab

es 750 Reisezentren, heute sind es

knapp 400, die vor allem ältere

Kunden nutzen, wie die Bahn beobachtet.

Viele frühereFahrkartenverkäufer

mussten wegen des Online-Tickets

andere Aufgaben bei

derBahn übernehmen.

Man komme am Online-Vertrieb

nicht vorbei, sagt Klaus-Dieter

Hommel, der Vizevorsitzende

der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.

Die Bahn dürfe aber

den persönlichen Kontakt zu den

Kunden nicht verlieren, warnt der

Gewerkschafter.„Kommt es zu Störungen

oder Ausfällen, kann nur

ein Mensch weiterhelfen.“

Die Gewerkschaft vermisst Visionen

für lebendige Bahnhöfe als

gesellschaftliche Treffpunkte. „Dabei

ist der Service die entscheidende

Rolle, die unsere Kolleginnen

und Kollegen mit Leben erfüllen

wollen – wenn man sie denn

ließe.“ Ein Ticket ausdrucken? Im

Jahr 2019 wirkt das schon etwas angestaubt,

so lesen sich selbst Kundentipps

der Bahn. Sie empfiehlt

Reisenden: Eilige sollten mit dem

Navigator ein Handy-Ticket buchen.

„Wenn Sie Altbewährtes mögen

und ein Ticket auf Papier bevorzugen,

dann reisen Sie mit dem ausgedruckten

Online-Ticket.“ (dpa)

Für E-Autos

gibt es Geld

vom Land

Senat zieht Bilanz:

mehr als 1900 Anträge

VonPeter Neumann

Der Andrang ist ungebrochen. Bis

Oktober sind 1943 Anträge eingetroffen,

so die Senatsverwaltung

für Wirtschaft. Immer mehr kleine

und mittlere Unternehmen, Freiberufler

und gemeinnützig Tätige wollen

sich den Einstieg in die E-Mobilität

vom Land bezuschussen lassen.

„Wirtschaftsnahe Elektromobilität“,

kurz WELMO: So heißt das Förderprogramm,

das im Juli 2018 aufgelegt

wurde und bis Ende 2020 dauert.

„Der Umstieg auf Elektromobilität

in Berlin nimmt immer mehr

Tempo auf. Die Resonanz auf unser

Förderprogramm ist ungebrochen

groß, das belegen die aktuellen Antragszahlen“,

sagte Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop (Grüne). Sie freut

sich, dass Berliner Unternehmen einen

wichtigen Beitrag zum Klimaschutz

und zur Steigerung der Lebensqualität

in dieser Stadt leisten.

Bisher wurden Zuschüsse für insgesamt

2374 Fahrzeuge beantragt.

565 E-Mobile sind schon in Berlin

unterwegs. Für Batterie-Pkw gibt es

4000, für leichte Elektro-Nutzfahrzeuge8000

Euro.Geringer fallen die

Zuschüsse für Plug-in-Hybride aus.

Auch E-Roller und E-Bikes werden

gefördert. Außerdem wurde Geld für

422 Ladepunkte beantragt, von denen

74 bereits in Betrieb sind. In

63 Anträgen ging es um Beratung.

Aus der Verkehrs- und Logistikbranche

kamen allerdings nur 23 Anträge.

„Für den Einsatz als Taxis haben

E-Autos eine zu geringe Reichweite,

und das Laden dauert zu

lange“, sagte Detlev Freutel vom

Taxi-Verband Berlin Brandenburg.

Längst nicht an allen Ablösepunkten,

wo Fahrer wechseln, seien Ladesäulen

in der Nähe. Generell gelte:

„Unsere Branche erlebt unsichere

Zeiten.“ Angesichts der Ausbreitung

neuer Angebote wie Berlkönig und

Clever Shuttle hielten sich Taxibetreiber

mit Anschaffungen zurück.

Bund zahlt Privatleuten Zuschuss

Wersich privat ein Elektroauto anschaffen

will, kann ebenfalls auf Förderung

hoffen. Zuständig ist hier

aber der Bund –genauer gesagt das

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Seit drei Jahren wird

der Kauf von Elektroautos und Pkw

mit Brennstoffzelle mit 4000 Euro

subventioniert, für Plug-in-Hybride

beträgt der Zuschuss 3000 Euro.

Batterieelektrische Fahrzeuge

werden zehn Jahre lang von der Kfz-

Steuer befreit. Den Bonus gibt der

Bund aber nur,wenn das E-Auto auf

der Liste der förderfähigen Fahrzeuge

steht. Zudem muss der Netto-

Listenpreis unter 60 000 Euro liegen.

Auch auf lokaler Ebene steht Geld

bereit. Sehr spendabel ist die Stadt

München – für Ladeinfrastruktur

werden bis zu 10 000 Euro gezahlt.

Mainz, Nürnberg, Karlsruhe und andere

Städte steuern dreistellige Beträge

bei, wenn sich jemand eine

Wallbox montieren lässt. Anderswo

wird der Kauf von E-Autos bezuschusst.

Beispiele: In Unterschleißheim

(Bayern) gibt die Gemeinde

1500 Euro, in Neuwied in Rheinland-Pfalz

undFrankfurt(Oder) zahlendie

Stadtwerke biszu500 Euro.

Fahrbahnmarkierung: Hier gibt’sStrom

fürsElektroauto.

ZB/JAN WOITAS


12 * Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Berlin

Kammergericht

will IT

sichern

Neue Verhaltensregeln für

Mitarbeiter aufgestellt

Nach dem Trojaner-Befall sollen

das Computernetz des Kammergerichts

neu aufgebaut und Sicherheitslücken

geschlossen werden.

„Dafür gehören alle bisherigen

Regelungen auf den Prüfstand“,

teilte Kammergerichtspräsident

Bernd Pickel mit. Dabei werde auch

die künftige Nutzung des Computersystems

durch die Mitarbeiter des

Gerichts untersucht und im Zweifel

neuorganisiert. „Die Sicherheit unserer

Daten und damit das Vertrauen

der Bevölkerung in die Justiz haben

dabei für mich oberste Priorität“,

sagte Pickel.

Das Computersystem des Berliner

Kammergerichtes ist seit Wochen

durch einen Virus lahmgelegt.

Die Folge ist, dass Berlins höchstes

Gericht mit rund 150 Richtern und

370 Mitarbeitern, sieben Straf- und

28 Zivilsenaten, seit mehr als drei

Wochen wie vor der Erfindung des

Computers arbeitet. Sämtliche

Computer sind heruntergefahren,

das Gericht ist nur noch telefonisch,

per Fax oder per Briefpost zu erreichen.

Internet, E-Mail und Datenbanken

sind tot.

Wieberichtet, hatte das landeseigene

IT-Dienstleistungszentrum

(ITDZ) am 25. September in einer

E-Mail den Computervirus Emotet

identifiziert. Die E-Mail war vom

Kammergericht an eine andere Behörde

geschickt worden, deren

Computer vom ITDZ betreut werden.

Danach griffen die einschneidenden

Sicherheitsmaßnahmen.

Das Kammergericht selbst ist nicht

Kunde des ITDZ.

Das Gericht beharrte bislang auf

seine Eigenständigkeit und betreut

durch eine eigene IT-Abteilung seine

Computer selbst. Dortwar die Schadsoftwarenicht

festgestellt worden.

WieGerichtspräsident Pickel weiter

sagte,soll das Computernetz jetzt

„in Zusammenarbeit mit unseren internen

und externen IT-Experten

Das Kammergericht weiß nun, wasein

Trojaner ist.

IMAGO IMAGES

und in Abstimmung mit der Senatsverwaltung

für Justiz und dem ITDZ

so wiederhergestellt werden, wie es

den Sicherheitsanforderungen entspricht“.

Unter anderem sei zu klären,

wie Richter mit sicherer elektronischer

Technik im Gericht „und natürlich

auch zuhause“ arbeiten können.

„Die bisherigen Regeln zur

Nutzung vonIT-Systemen durch alle

Mitarbeitenden werden überprüft

und gegebenenfalls angepasst.“

Der Virus Emotet ist ein sogenannter

Banking-Trojaner, der Zugangsdaten

für Online-Banking abgreift

und auf das Betriebssystem

Windows zielt. Seit Ende vergangenen

Jahres kann der Virus auch Inhalte

von E-Mails auslesen und sogar

vollständige Kontrolle über ein

Computersystem erlangen.

Erste forensische Untersuchungen

im Gericht zeigten, dass die Infizierung

nicht über einen USB-Stick

oder ähnliches erfolgt ist. „Wahrscheinlicher

ist ein Angriff über eine

fingierte E-Mail“, sagte ein Gerichtssprecher.

Vorsorglich sei untersagt

worden, USB-Sticks und externe

Speichermedien zu benutzen, um zu

verhindern, dass infizierte Dateien

aus dem Kammergericht auf private

Computer übertragen werden. (BLZ)

Brandbrief der Bauwirtschaft

Unternehmen verzeichnen plötzlichen Auftragsrückgang und warnen den Senat vor dem Mietendeckel

VonMelanie Reinsch

Während die rot-rotgrüne

Regierung nach

hartenVerhandlungen

endlich am Freitagabend

nicht ohne Stolz den Mietendeckel-Kompromiss

präsentierte,

kocht die Stimmung innerhalb der

Bauwirtschaft hoch. 25 Verbände

und Organisationen haben nun einen

offenen Brief unterzeichnet, um

noch auf den letzten Metern den

Mietdeckel, der in Berlin für fünf

Jahredie Mieten eindämmen soll, zu

verhindern. Am Dienstag will der Senat

den Gesetzesentwurf beschließen.

Verunsicherung in der Branche

Der geplante Mietendeckel habe

„massivenegativeAuswirkungen auf

die Wirtschaft, auf die Prosperität

des Standorts Berlin und auch auf

die Mieter“, warnen die Unterzeichner,

zu denen unter anderem die

Baukammer Berlin, derVerband Berlin-Brandenburgischer

Wohnungsunternehmen

(BBU) oder die Elektroinnung

Berlin gehören. Statt eines

Mietendeckels solle man stärker in

den Neubau investieren. „Mit dem

Mietendeckel wird die Wohnungswirtschaft

ihre Investitionen in den

Bestand drastisch –nämlich um bis

zu 90 Prozent –reduzieren“, heißt es

in dem Schreiben. Das sei schlecht

für die Mieter und die energetische

Gebäudesanierung sowie für die regionale

Bauwirtschaft. Die Unterzeichner

prognostizieren, dass die

Berliner Wirtschaft in gravierende

Schieflage gerate, „mit allen negativen

Konsequenzen für Arbeitnehmer,

Auszubildende und Steuereinnahmen“.

IhrBefürchtung: DerNeubau

werde nicht angekurbelt, Investoren

konzentrierten sich

stattdessen auf Gewerbe- und Eigentumswohnungsbau

und eine Mietenentspannung

finde daher ebenso

nicht statt. „Nehmen Sie Abstand

vomMietendeckel“, so der Appell an

den Senat.

Die Handwerksbetriebe sorgen

vor allem Auftragsrückgänge und

Umsatzeinbrüche,die sie jetzt schon

spüren. So berichtet JörgPaschedag,

Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung

Berlin, dass es nach

Bekanntwerden des Eckpunktepapiers

am 18. Juni sofort Stornierungen

gegeben habe,„teilweise im kleinen,

aber auch im siebenstelligen

Bereich“.„Das größte Problem ist die

Verunsicherung. Kein Mensch weiß,

Handwerksbetriebe fürchten durch den Mietendeckel Auftragsverluste.

Einfrieren: Für fünf Jahre

sollen die Mieten in Berlin

eingefroren werden. Ab

2022 soll die Möglichkeit

eines Inflationsausgleichs

von1,3 Prozent geschaffen

werden. Modernisierungsmaßnahmen

dürfen in Höhe

voneinem Euro pro Quadratmeter

umgelegt werden.

MIETENDECKEL

Absenkung: Wuchermieten

dürfen abgesenkt werden,

wenn sie mehr als 20 Prozent

über der Vergleichsmiete

liegen. Dabei gilt der

Mietspiegel aus dem Jahr

2013, weil dortder Wohnungsmarkt

noch nicht so

angespannt war,wie er

inzwischen ist.

Personal: Die Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung

wird für die Umsetzung des

Mietendeckels Personal rekrutieren.

Angekündigt sind

50 Stellen in den Bezirken

und 200 in den Hauptverwaltungen.

Neun Monate

nach Inkrafttreten soll das

Absenken möglich sein.

Visite fürs eigene Portemonnaie

IMAGO

wie es weitergeht“, sagt Paschedag,

„wir haben keine Planungs- und Investitionssicherheit

mehr“. Auch

Axel Mahlo, Geschäftsführer des

mittelständischen Bauunternehmens

Mahlo Bau, sorgt sich ob der

Pläne der Berliner Landespolitik.

Seine Kunden sind Genossenschaften,

Private und Wohnungsgesellschaften

– sowohl im Bereich

Neubau als auch Sanierung. „Seit

August merken wir, dass sich Auftraggeber

zurückgezogen haben. Im

Bereich Sanierung sind 80 Prozent

der Aufträge für 2020 auf Eis gelegt

worden, die vorbereitet wurden und

ausgeführt werden sollten“, sagt

Mahlo.Dadurch verzeichne sein Unternehmen

einen Auftragsrückgang

von etwa 15 Prozent. Diese Unsicherheit

führe auch dazu, dass man

keine neuen Leute einstellen werde.

Aufträge bleiben aus

Auch Joachim Meder, Inhaber und

Geschäftsführer von Jahnke Dachbau,

berichtet, dass „namhafte Kunden“

bei ihm „von heute auf morgen

die Aufträge wegen des Mietendeckels

eingestellt hätten –„ein Auftrag

über eine Million Euro“, sagt Meder.

Der Mietendeckel sei nichts „mehr

als ein vergiftetes Geschenk“.

Zwar plant die Koalition, dass

Modernisierungsmaßnahmen mit

einem Euro pro Quadratmeter ohne

Genehmigung und ein zweiter Euro

mit Hilfe von Förderprogrammen

auf die Miete umgelegt werden dürfen.

Aber das sei nicht genug, macht

Andreas Schuh vonder Innung Sanitär,

Heizung und Klempner klar.

„Wenn man sich das Ziel der Stadt

ansieht, klimaneutrale Stadt zu werden,

reicht ein Euro gerade im Bereich

Wärmedämmung nicht aus“,

sagt Schuh. Die Fördermaßnahmen

seien da nur ein kleiner Anreiz,

„nicht mehr als ein Tropfen auf dem

heißen Stein“.

MarenKern, Mitglied imVorstand

vonBBU,dem Verband Berlin-Brandenburgischer

Wohnungsunternehmen,

ergänzte, dass man den Wohnungsmarkt

nur entspannen könne,

wenn man mehr Wohnungen zur

Verfügung stelle. Der Mietendeckel

werde dazu führen, dass weniger investiert

werde –inden Neubau als

auch in die Instandhaltung und Modernisierung.

Auch wenn der Neubau

vom Mietendeckel ausgenommen

sei, so Kern, werde nachweislich

weniger investiert werden. „Das

führe zu Arbeitsplatzverlusten und

Steuerausfällen“, prognostizierte sie.

Die Charité soll auf Geld verzichtet haben, da ihre Professoren das Recht haben, Behandlungen privat abzurechnen

VonGerhard Lehrke

Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe

wirft der Charité vor, in den

vergangenen Jahren auf rund 90 Millionen

Euro Umsatz verzichtet zu haben.

Denn die medizinisch tätigen

Professoren dürfen neben ihrem Gehalt

auch noch Behandlungen privat

für die eigene Tasche abrechnen. Die

Uni-Klinik müsse deshalb Zahlungen

aus dem Landeshaushalt bekommen

– da habe der Senat für

Transparenz zu sorgen.

Wahlleistungen bei stationärer Behandlung,

aber auch ambulante Versorgungen

von Privatpatienten dürfen

in der Regel bis zum 3,5-fachen

des Kassen-Satzes abgerechnet werden.

Auch von den Professoren, die

an der Charité als Chefärzte tätig sind.

Die Summen, die da anfallen,

klingen atemberaubend: 37 Professoren

teilten sich 2018 knapp 13,5

Millionen Euro.Die höchsten Posten

fielen bei Radiologie und Nuklearmedizin

an –vier Professoren kamen

2018 auf zusammen knapp fünf Millionen

Euro.

Da kann man neidisch werden,

allerdings sind diese Zahlen nur die

Professoren der Charité kassieren für die Behandlung von Privatpatienten mit.

halbeWahrheit. Denn es sind Brutto-

Werte, die doppelt reduziertwerden,

und sie gelten nur für beamtete Professoren.

Zunächst müssen sie das

Geld versteuern und große Teile an

die Charité abführen –für die Nutzung

der Klinik-Einrichtungen und

den Einsatz des Personals. Laut

Charité fließt rund die Hälfte der

Professoren-Einnahmen so an sie.

Das erfolgt nach der „Hochschulnebentätigkeitsverordnung“.

Je höher die Einnahmen des Arztes,

desto höher der Prozentsatz des

DPA

Gelds, das an die Charité geht.Die

genannten Beträge beziehen sich

auch nur auf einen mittlerweile kleinen

Teil der Chefärzte: Seit Jahren

dürfen neu eingestellte Professoren

nicht mehr selbst abrechnen, weil sie

nicht mehr verbeamtet würden, erklärte

die Charité.

Stattdessen stellt jetzt die Klinik

die Privat-Rechnungen aus.Von den

Einnahmen erhalten die Professoren

–esbetreffe rund 100 –dann zehn bis

30 Prozent. Das wird mit jedem

Chefarzt im Arbeitsvertrag individu-

ell ausgehandelt, offenbar, ummittels

der Aufschläge gute Leute gewinnen

zu können. EinTeil der Einnahmen

fließt in einen Pool, aus dem

Mitarbeiter, die an den abgerechneten

Leistungen beteiligt waren, bedient

werden.

Die Zahl der Chefärzte, die selbst

Rechnungen stellen dürfen, sinkt,

weil die Professoren mit altenVerträgen

nach und nach in Pension gehen.

Durften 2010 noch 95 Hochschullehrer

selbst „liquidieren“ und

nahmen damit 36,5 Millionen Euro

brutto ein, waren es 2018 die genannten

37 mit fast 13,5 Millionen.

Im Herbst 2018 berichtete der Senat,

dass die Ärzte mit den neuen

Verträgen seit 2010 rund 150,5 Millionen

Euro einnahmen. Davon

dürfe die Charité über hundert Millionen

Euro erhalten haben. Auch sie

profitiert also von den Privatpatienten.

Wissenschaftsstaatssekretär

Steffen Krach (SPD) kann Luthes

Vorwurf mangelnder Transparenz

nicht nachvollziehen: „Für die Behandlung

und Abrechnung von Privatpatienten

an Unikliniken gibt es

bundesweit klare Regeln, das gilt

auch für Berlin.“

Campact

soll

zahlen

Der Organisation wurde die

Gemeinnützigkeit aberkannt

Die Finanzbehörden haben der

Kampagnenorganisation Campact

den Status einer gemeinnützigen

Organisation aberkannt. Eine

entsprechende Entscheidung habe

das Berliner Finanzamt für Körperschaften

dem Verein nach Prüfung

der Jahre 2015 bis 2017 schriftlich

mitgeteilt, informierte Campact am

Montag. Der Schritt war erwartet

worden, nachdem der Bundesfinanzhof

Ende Februar dem globalisierungskritischen

Netzwerk Attac

die Gemeinnützigkeit aberkannt

hatte.

Campact sei überwiegend allgemeinpolitisch

tätig gewesen und

habe Kampagnen zu Themen durchgeführt,

die keinem gemeinnützigen

Zweck der Abgabenordnung zugeordnet

werden könnten, begründete

das Finanzamt seine Entscheidung.

„Auch handelt es sich bei den Kampagnen

nicht um politische Bildung.

Im Vordergrund stand nicht die Information

über politische Prozesse,

sondern vielmehr die Einflussnahme

auf diese“, hieß es im Steuerbescheid

für 2016.

„Nach Attac ist jetzt Campact an

der Reihe und verliertden Status der

Gemeinnützigkeit. Wasfür ein fatales

Zeichen: In Zeiten, wo Hunderttausende

Menschen mit Campact

für Klimaschutz und gegen Rechts

auf der Straße streiten, wird deren

Engagement als nicht gemeinnützig

abgewertet und entwürdigt“, kritisierte

Campact-Vorstand Felix Kolb.

Mitder Entscheidung können Spender

ihre Spenden an Campact nicht

mehr steuerlich absetzen.

Laut Kolb muss der Verein, der in

Berlin und Verden sitzt, nun für die

zurückliegenden Jahrerund 300 000

Euro Schenkungssteuer nachzahlen.

Allerdings sei er optimistisch,

dass die Spender der Organisation

treu blieben. Seit dem Attac-Urteil

habe Campact vorsorglich keine

Spendenbescheinigungen mehr

ausgestellt. Die Berliner Senatsverwaltung

für Finanzen wollte den

Schritt mit Verweis auf das Steuergeheimnis

weder bestätigen noch

kommentieren. (dpa)

Senator gegen

Verbeamtung von

Lehrern

Finanzielle Nachteile

nicht auszugleichen

Finanzsenator Matthias Kollatz

(SPD) hältVerbeamtung nicht für

die Lösung des Lehrermangels in

Berlin. „Wenn Verbeamtung das

Zauberwort wäre, müsste es so sein,

dass es in Brandenburg keine Probleme

mit der Lehrerversorgung

gäbe“, sagte Kollatz. „Wenn Sie

schauen, wie hoch die Zahlen der

Quereinsteiger dort sind, dann sind

es etwa 50 Prozent. Wir liegen etwas

höher. Aber das heißt, dass die Idee,

dass man Lehrermangel damit lösen

könne,offensichtlich falsch ist.“

Am Sonnabend will die Berliner

SPD das Thema auf ihrem Parteitag

debattieren. Im März erteilte eine

Mehrheit der Delegierten einem Antrag

auf Wiedereinführung des Beamtenstatus

eine Absage. Allerdings

entschieden die Delegierten, es solle

geprüft werden, wie angestellte Lehrer

ihren Kollegen im Beamtenverhältnis

gleichgestellt werden könnten.

Aus Sicht der Finanzsenatsverwaltung

ist es nicht möglich, Nachteile

für Lehrer im

Angestelltenverhältnis auszugleichen.

DerTarifvertrag für den öffentlichen

Dienst ermögliche solche

Ausgleichsmaßnahmen nicht. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 13 *

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Berlin

Schön in der Mitte schwimmen

Das Projekt Flussbad Berlin in der Spree ist in den vergangenen Jahren nicht recht vorangekommen. Jetzt nehmen sich die Initiatoren kleinere Schritte vor

VonElmar Schütze

Berlin ist aus dem Kahn gebaut.

Der Spruch ist weit

mehr als hundert Jahre alt

und verweist darauf, dass

die Spree als Transportweg für die

Entwicklung des Städtchens im märkischen

Sand zur Metropole entscheidend

war. Die Zeit ist vorbei,

heute soll die Stadt möglichst nachhaltig

ökologisch sein. Also soll auch

die Spree sauberer werden, man soll

sogar darin schwimmen können. Sogar

in der Innenstadt. Doch die konkreten

Pläne für die Umsetzung

überzeugen nicht jeden. Vor allem

Zeitraum und mögliche Kosten sind

noch offen.

Es war eine Kulturrevolution, als

im Juli 2015 rund 100 mutige Menschen

sich an der Monbijoubrücke

in die graubraungrüne Brühe stürzten,

bis zum Lustgarten schwammen,

dortwendeten und zur Monbijoubrücke

zurückkehrten – immer

wieder,bis sie 1000 Meter zurückgelegt

hatten. Es war auch politische

Demonstration mit der Forderung,

die Spreemitten in Mitte so umzugestalten,

dass man dort jeden Tag,

wenn das Wetter es zulässt, schwimmen

kann. Der Flussbadpokal –so

der Name der Gaudi mit Polit-Potenzial

–hat seitdem noch zwei weitere

Male stattgefunden. Weitere zweimal

musste der Pokal abgesagt werden,

weil das Wasser zu dreckig war.

Seit zwei Jahren liegt in der garantierteisfreien

Zeit vonApril bis Mitte

Dezember ein Kahn im Spreekanal

und misst die Wasserqualität. Noch

drei Jahre lang wollen Ingenieure

vom Bord der „Hans Wilhelm“, so

heißt der Finowmaßkahn, Proben

entnehmen. Aus den gewonnenen

Erkenntnissen soll dann ein Filter

Kulturrevolution mit gelben Badekappen –der erste Flussbadpokal im Juli 2015.

konfiguriert werden, der später das

Herzstück für die Regeneration des

Flusses werden soll. Noch ungeklärt

ist, ob die für das Filtern „zuständigen“

Mikroorganismen im Flussboden

mit Schilf oder ähnlichen Pflanzengeschützt

werden. DieDenkmalschützer

sind gegen Pflanzen am

Ufer. Schließlich würde dies den

Charakter des Flusses komplett verändern.

Natürlich sei auch ein Filter

ohne Pflanzen möglich, heißt es von

den Initiatoren der Flussbad-Idee.

„Selbstverständlich gibt es noch

viele Fragen, aber jetzt geht es langsam

los“, sagt Jan Edler vom Verein

Flussbad Berlin, der die Spree–oder

besser: den Spreekanal zwischen

Auswärtigem Amt und perspektivisch

der Monbijoubrücke am Bode-

Museum –beschwimmbar machen

möchte.Der Stadtplaner spricht von

einem „groben Zeitplan“ für den

südlichen Teil der Gesamtstrecke.

Unter den Linden

Schwimmbereich

mittelfristig

langfristig

mögliche Badestelle

Bode-Museum

Filterbereich

Naturnaher Wasserlauf

Museumsinsel

Auswärtiges Amt

Spree

Freitreppe/Badestelle

Schlossfreiheit

Fischerinsel

MITTE

Spandauer Str.

mögliche Badestelle

Alexanderplatz

Grunerstr.

Historischer

Hafen

100 m

BLZ/HECHER; QUELLE: FLUSSBAD BERLIN E.V.

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Die Rede ist mittlerweile von einem

Abschnitt zwischen Auswärtigem

Amt beziehungsweise ESMT-Hochschule

im Süden bis zur Schlossbrücke,

auf dem mittelfristig geschwommen

werden kann. Der Abschnitt

nördlich der Schlossbrücke

ist auch wegen langwieriger Baustellen

an der Museumsinsel erst einmal

auf unbestimmte Zeit aufgeschoben,

aufgehoben ist er nicht. Ob es dort

jemals einen Zugang zumWasser geben

wird und wie sich dieser mit

dem Status des Unesco-Weltkulturerbes

der Museumsinsel vertragen

könnte,ist ausgeklammertworden.

Neben dem Filter wirdesnämlich

darum gehen, wie Menschen überhaupt

ans und aus dem Wasser kommen

können. Bis 2023, so Jan Edler,

soll unter anderem die Planungsund

Genehmigungsphase für eine

Freitreppe an der Westseite des

Humboldt-Forums,der historischen

Schlossfreiheit, abgeschlossen sein.

Auch am Ufer, an der die ESMT-

Hochschule liegt, soll ein Zugang

zum Wasser gelegt werden –ebenso,

zumindest perspektivisch, einer an

der Monbijoubrücke am nördlichen

Ende der Schwimmbahn.

An Geld scheint es nicht zu mangeln.

Insgesamtmehrals 6Millionen

Euro sollen alleine für einen Zugang

an der Schlossfreiheit ausgegeben

werden können. Die Rede ist von einem

„nationalen Projekt des Städtebaus“.

Dafür soll neben dem noch

existierenden Gemäuer des Sockels

des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals

eine 38 Meter breite Sitzstufenanlage

entstehen. Der Verein selbst

soll für die nächsten fünf Jahre je

375 000 Euro erhalten. Das sind

mehr als 1,8 Millionen Euro, zur

„Prozessbegleitung“, wie es heißt.

Vorbild Bern

Im Bezirksamt Mitte werden noch so

manche Details zum Flussbad skeptisch

gesehen. Denn was ist zum Beispiel

davon zu halten, wenn in einer

aktuellen Senatsvorlage von einer

„schwimmenden, unter dem Wasser

befindlichen Rettungsplattform“ die

Rede ist?

Fluss-Aktivist Jan Edler verweist

derweil auf Vorbilder für das

Schwimmen in der Innenstadt –und

findet sie vorallem in der Schweiz. In

Basel, Zürich und Bern gibt es eine

Kultur der Flussbadens, inder Aare

in Bern schwimmt man unweit des

Bundeshauses, dem Schweizer Parlament.

Auch in Berlin, so Edler, soll

kein Freibad entstehen,„sondernein

schwimmbarer Fluss“. EinFlussbadpokal

2020 würde bei der politischen

Lobby- und Überzeugungsarbeit sicher

helfen. Mal sehen, ob die Wasserqualität

das zulässt.

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Mehr Informationen auch unter www.berliner-zeitung.de/leserreisen |leserreisen@berliner-zeitung.de

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Berliner Zeitung Leserreisen

LESERREISEN


14 * Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Frau attackiert.

Eine 27 Jahrealte Frau ist am Sonntagmittag

in Friedrichshagen angegriffen

worden. An der Kreuzung

Dahlwitzer Landstraße/Schöneicher

Straße überquerte die Frau, die ein

Kopftuch trug, gegen 13.30 Uhrdie

Fahrbahn, als sie voneinem Mann,

der ihr entgegenkam, an den Armen

gepackt und in den Bauch getreten

worden sein soll. Anschließend

flüchtete der Täter.Der Staatsschutz

ermittelt.

Radfahrer übersehen.

Beieinem Verkehrsunfall in Reinickendorfist

am Sonntagabend ein

Radfahrer am Bauch schwer verletzt

worden. Der31-Jährige war gegen 19

Uhrmit seinem Radinder Pankower

Allee unterwegs.Ein 65-Jähriger,der

mit seinem Peugeot vonder Pankower

Allee nach links in die Kühleweinstraße

abbog, sagte später,

dass er den Radfahrer nicht gesehen

habe.Erfuhr den Radler an. Der31-

Jährige stürzte.Das Fahrrad rutschte

unter den Wagen und wurde überrollt.

In Autos eingebrochen.

Fahnder der Polizeiabschnitte 13

und 45 haben in der Nacht zum

Montag Autoeinbrecher in Niederschönhausen

und Steglitz festgenommen.

Kurz nach Mitternacht beobachtete

ein Anwohner in der

Beuth-/Waldowstraße zwei Männer,

die an einem Dacia Logan die Beifahrertür

aufbrachen und sich in den

Pkw beugten. Polizisten nahmen

zwei Jugendliche fest. In der Grunewaldstraße

beobachteten Fahnder

gegen 2.15 UhrzweiMänner,die sich

an einem Renault-Clio zu schaffen

machten und kurzdarauf mit einem

gestohlenen Werkzeugkoffer flüchteten.

DieFahnder nahmen einen

der beiden Männer fest. DerKomplizeflüchtete.

Moped in Flammen.

Unbekannte haben am Sonntag gegen

20.30 UhrinWedding ein Moped

angezündet. Eine 64-jährige Zeugin

bemerkte den Rauch in der Müllerstraße

und alarmierte die Feuerwehr,die

die Flammen löschte.Menschen

waren nicht in Gefahr.

Auto beworfen.

In der Attilastraße in Tempelhof ist

am Sonntag ein Skoda voneiner S-

Bahn-Brücke mit einem Stein beworfen

worden. EinStein traf einen

Scheinwerfer des Fahrzeugs.Verletzt

wurde niemand. Unter der Brücke

des S-Bahnhofs Attilastraße wurden

mehrereSteine aus dem Gleisbett sichergestellt.

(ls.)

Wetzen die Messer für das Tortenmassaker:Barbara Schöneberger und Guido Maria Kretschmer. CHRISTIAN SCHULZ (2)

BARBARA SCHÖNEBERGER

&GUIDO MARIA KRETSCHMER

feierten am Montag zur Mittagsstunde

in der siebten KaDeWe-Etage

mit Fans fünften Geburtstag. Wobei

die Zahl das Ergebnis einer Addition

war,bei der der vierte Geburtstag des

Magazins „Barbara“ und der erste

von „Guido“ zu einer Fünf wurden.

Kretschmer fasst zusammen: „Das

Kind ist aus dem Gröbsten raus!“ Die

unterschiedlich lange Betriebszugehörigkeit

bei Gruner+Jahr in Hamburg,

wo die Magazine gemacht werden,

hat interessante Auswirkungen.

So stichelt Barbara Schöneberger

über den jungen Kollegen, der gerade

über seinen Hausausweis

sprach, der ihn dortimmer erwartet:

„Musst du noch den Ausweis vorzeigen?!“

Die Arbeit für das Titelbild

kommt der Entertainerin jeden

Monat wie ein Kindergeburtstag

vor, schließlich könne sie sich oft

wild verkleiden. Vorschläge, die sie

im Sinne der Effektivität macht,

werden gern ignoriert. So wandte

die Moderatorin und Sängerin ein:

„Es gibt eine Alters-App, die kostet

99 Cent…“, wurde dann aber doch

von einer Maskenfachkraft mit viel

Latex stundenlang auf Alt getrimmt.

Barbara Schöneberger ist

in Sachen Magazin Veteranin, denn

von„Barbara“ gibt es schon 40 Ausgaben,

während von „Guido“, dem

einzigen Frauenmagazin mit einem

Männernamen, bisher nur

zehn Ausgaben erschienen. Den

Slogan „Guido - Eine von Euch!“

findet der Herr Namensgeber ganz

Aus dem Gröbsten raus

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Barbara Schöneberger &Guido

Maria Kretschmer feiern fünften

Geburtstag. Dirk Michaelis besucht

die 93-jährige Texterin und

Komponistin seiner

neuesten Aufnahme

passend: „Wenn man im Frauenbusiness

ist, kann man auch eine

sein.“

Beim Anschneiden der Geburtstagstorten

geriet Kretschmer kurz

in Panik, weil er nur einen Teller

entdeckte: „Das ist doch wie bei Jesus

hier. Ich muss doch die Meute

satt kriegen!“ Und dann gab es

noch so einen typischen Kretschmer-Satz

aus der „Denken sich

viele, aber nur er spricht ihn auch

aus…“-Abteilung: „Ich wusste

schon, warum ich nichts Gutes angezogen

habe, bei der ganzen

Sauerei.“

Hat am Wochenende einen schönen Ausflug

gemacht: DirkMichaelis.

DIRK MICHAELIS

ist vondiesem Ausflug noch ganz beseelt.

Am Sonntag war der Sänger in

Nordhausen und besuchte in einer

Senioreneinrichtung eine 93-jährige

Dame, mit der er noch nicht einmal

verwandt ist. Michaelis singt auf

dem Album „Hier lebst du. Unsere

liebsten Kinderlieder“ (erscheint am

Freitag bei Argon) ein Lied, dessen

Verse und Musik Erika Schirmer

1948 unter dem Eindruck eines Plakats

mit Picassos berühmter weißer

Taube geschrieben hatte: „Kleine

weiße Friedenstaube“ –ein Lied, das

in der DDR jedes Kindergartenkind

sang. Unddass auch heute noch gesungen

wird, weil es nicht zu den

kontaminierten Liederngehört, sonderneine

ewig gültige Botschaft hat,

die kindgerecht und ideologisch unverstrahlt

vermittelt wird.

Michaelis lernte eine nach wie vor

kreative Dame kennen: „Sie hat mit

73 Jahren angefangen, ganz wundervolle

Scherenschnitte zu machen.“

DieLehrerin, die lange als Sonderpädagogin

mit Kindern mit Behinderung

gearbeitet hatte, wurde Ehrenbürgerin

von Nordhausen und von

ihrem heute in Polen liegenden Geburtsort.

Zuletzt bekam sie für ihr

bürgerschaftliches Engagement das

Bundesverdienstkreuz verliehen.

Auf die Begegnung mit dem Sänger

und Komponisten, von dem die unsterbliche

Melodie von„Als ich fortging“

stammt, hatte sich die Künstlerin

ganz besonders vorbereitet. Dirk

Michaelis: „Sie schriebt den Text für

ein Kinderlied, für das ich jetzt die

Musikkomponieren werde.“

Telefonforum

Richtig

sparen

im Alter

Finanzexperten antworten

am Lesertelefon

Wer in Rente geht, hat für den

neuen Lebensabschnitt

meist etwas auf die hohe Kante gelegt:

in Form einer Versicherung,

eines Fonds,einer privaten Zusatzrente,

eines Sparplans. In jedem

Berliner Haushalt befinden sich im

Durchschnitt 11 700 Euro in einer

Lebens- oder Rentenversicherung,

wie der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe

2018 des Amtes

für Statistik zu entnehmen ist. Darüber

hinaus verfügt der Berliner

Durchschnittshaushalt über ein

Sparguthaben von 3 900 Euro sowie

Wertpapiere im Wert von

14 500 Euro.

Aber wie es Durchschnittswerte

so an sich haben: Die konkrete Situation

sieht oft anders aus. Daher

ist gut beraten, werander Schwelle

zum Ruhestand seine Finanzen einem

Gesamtcheck unterzieht.

Schließlich fallen Lohn oder Gehalt

als monatliche Einkommensquelle

künftig weg. An deren Stelle treten

Rente oder Pension, die im Allgemeinen

um einiges unter dem bisher

Gewohnten liegen. Dafür reduzieren

sich aber auch einige Ausgaben.

Es zahlt sich aus, für die neue

Lebensphase einen Plan in Finanzdingen

zu haben.

Dafür sind einige Fragen zu klären:

Entsprechen die Geldanlagen

noch den geänderten Bedingungen?

Welches Geld wird wann gebraucht?

Ist es dann flüssig? Wie

lange sollte man Geld fest anlegen?

Sind Fonds imAlter noch empfehlenswert?

Lässt man sich die Versicherung

als Sofortrente oder Einmalbetrag

auszahlen? Wofür soll

man überhaupt sparen? Sollte man

eine altersgerechte Wohnung kaufen?

Wie viel ist für den Notgroschen

einzuplanen?

Doch Geld anlegen ist indiesen

Zeiten nicht soeinfach. In unserer

Lesertelefon-Reihe haben Sie am

Donnerstag Gelegenheit, sich genau

dazu bei Finanzexperten persönlich

zu erkundigen. Petra Hauschulz von

der Stiftung Warentest/Finanztest

und Frank Schöndorf vom deutschen

Fondsverband BVI stehen am

24. Oktober Rede und Antwort. Sie

sind zwischen 16 und 18 Uhr über

die kostenfreie Telefonnummer

0800/000 47 43 zu erreichen. (BLZ)

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Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 15 *

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Brandenburg

Misshandelt

und in die Oder

gestoßen

Prozess um versuchten

Mord hat begonnen

VonJeanette Bederke, Frankfurt(Oder)

Die Stelle am Oder-Ufer war wohl

gezielt ausgesucht: eine menschenleere

Ecke mit hoher Kaimauer,einem

Geländer –und vorallem:

keine Möglichkeit, ohne Hilfe

wieder aus dem Fluss zu klettern.

Dort sollen eine 31-Jährige und eine

19-Jährige am 7. Januar eine andere

Frau in den nur 3,2 Grad kalten Fluss

gestoßen haben, um sie zu töten.

Zuvorhätten sie,solautet die Anklage,zusammen

mit vierVerbündeten

ihr Opfer über Stunden misshandelt

und bestohlen. Um die Gewaltorgie

zu vertuschen, sollte das Opfer

sterben, so die Staatsanwaltschaft.

Seit Montag müssen sich die beiden

Frauen wegen versuchten Mordes

aus niedrigen Beweggründen

vor dem Landgericht Frankfurt

(Oder) verantworten. Beide schwiegen

zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen.

Ihr34-jähriges Opfer soll am

28. Oktober als Zeugin gehört werden.

Die Frau tritt in dem Verfahren

als Nebenklägerin auf. Am Tattag

hatte sie sich nach Angaben der

Staatsanwaltschaft mit schweren

Unterkühlungen an einer Leiter aus

der Oder ziehen können, nachdem

sie zunächst laut und vergeblich um

Hilfe rufend durch die starke Strömung

110 Meter abgetrieben wurde.

Auslöser für die lebensgefährliche

Attacke soll ihre gescheiterte Beziehung

zu einem Mann gewesen sein,

der zu einer sechsköpfigen Gruppe

um die beiden Angeklagten gehörte.

Am Tattag hatte er laut Anklage den

anderen gegenüber Rachegedanken

geäußert. DieAngeklagten sollen die

Frau in dieWohnung des Mannes gelockt,

ihr Schlüssel und Handy gestohlen

und sie auf dem Wegzur eigenen

Wohnung zu Boden geschlagen,

ihr gewaltsam eine Ecstasy-Pille

eingeflößt und ihr Haarsträhnen verbrannt

haben. „Wenn du nicht

spurst, tun wir deinem Kind etwas

an“, sollen sie gedroht haben.

In der Wohnung soll das Martyrium

weitergegangen sein. Pfefferspray

wurde ihr ins Gesicht gesprüht,

die Haare abrasiert, ihr

wurde gegen den Kopf getreten.

Dann wurden Fernseher, Laptop

und Ausweise gestohlen. Das Opfer

habe sich heftig gewehrt, soll gegen

die Überzahl jedoch keine Chance

gehabt haben. „Sie schubsten das

Opfer am späten Abend in die Oder

und hofften, es würde ertrinken“,

sagte der Staatsanwalt. (dpa)

Ein Ziel der neuen Koalition: Mit einem Förderprogramm soll künftig der ökologische Landbau in Brandenburg gestärkt werden.

VonJens Blankennagel

und Klaus Peters, Potsdam

Die künftigen Brandenburger

Koalitionäre sind

wirklich schnell: Im Berliner

Nachbarland

wurde genau wie im Land Sachsen

am 1. September ein neuer Landtag

gewählt, doch während in Dresden

am gestrigen Montag erst die Koalitionsverhandlungen

von CDU, Grünen

und SPD begannen, stehen die

Verhandler in Brandenburg kurz vor

dem Abschluss ihrer seit bald vier

Wochen laufenden Gespräche.

Feilen an jeder Formulierung

Die finale Beratung von SPD, der

CDU und den Grünen soll am Mittwoch

in Potsdam stattfinden, dann

wird am Abend entweder bekannt

gegeben, ob sich die Verhandler auf

einen gemeinsamen Koalitionsvertrag

geeinigt haben –oder es könnte

noch der Donnerstag für allerletzte

Gespräche genutzt werden. Am Freitag

soll der neue Koalitionsvertrag

der SPD-geführten Kenia-Koalition

der Öffentlichkeit präsentiert werden.

So jedenfalls der Plan.

Am Dienstag trifft sich zuerst eine

kleine Runde der zehn Chefverhandler,

umdie finale Runde mit knapp

30 Beteiligten am Mittwoch vorzubereiten.

Dann wirdesauch um den

Zuschnitt der Ministerien gehen.

Wie die neue Landesregierung

aussehen soll, ist noch ziemlich offen.

Derzeit gibt es neun Ministerien,

Endspurt

Der Koalitionsvertrag der neuen Regierung soll am Mittwochabend fertig sein

von denen sechs von der SPD geführt

werden und drei von den Linken.

Nun sind zehn Ressorts im Gespräch:

fünf für die SPD, drei für die

CDU und zwei für die Grünen.

Als sicher gilt, dass Dietmar Woidke

von der siegreichen SPD weiterhin

Ministerpräsident bleiben will.

Der kommissarische CDU-Chef Michael

Stübgen wirdfür das Innenministerium

gehandelt. Bei den Grünen

ist der Fraktionsvorsitzende Axel

Vogel, der früher selbst im Landesumweltamt

arbeitete, für das UmweltressortimGespräch

–und seine

Fraktionschef-Kollegin und Ärztin

Ursula Nonnemacher für das Gesundheitsministerium.

Aber aus den Verhandlungskreisen

heißt es,dass offiziell bislang weder

über den neuen Zuschnitt der

Ministerien noch über Personalien

verhandelt wurde.

Derzeit wird die Präambel des

Vertrages –also die große gemeinsame

Idee der drei Parteien –ausformuliert.

Außerdem wird alles, was

bisher fertig verhandelt wurde,noch

einmal von den Lektoren der Parteien

sprachlich genauestens geprüft.„Damit

soll verhindertwerden,

dass ein hart verhandelter Kompromiss

durch eine nicht ganz klareFormulierung

missverständlich wird“,

heißt es aus Verhandlungskreisen.

Derzeit geht es also in Potsdam in

kleinen Schritten vorwärts –oder wie

es vonden Beteiligten heißt: DerKoalitionsvertrag

ist noch nicht fertig,

aber wir sind auf der Zielgeraden.

„Starker Staat, Bildung, Gesundheit, Pflege,

das sind natürlich Kernbereiche.“

Dietmar Woidke, amtierender Ministerpräsident von der SPD über die Ziele

seiner Partei in der Kenia-Koalition

Am Wochenende wurde die entscheidende

Hürde genommen: die

Finanzen. Denn all die Dinge,die davor

von den Parteien als ihre großen

Ziel in die Verhandlungen eingebracht

wurden, sind nur deren Wünsche.

Doch die müssen auch finanziertwerden.

Unddas wirdteuer:Die

neuen Ideen der drei Parteien kosten

600 Millionen Euro mehr, als es die

mittelfristige Finanzplanung vorgesehen

hatte. Nach Aussage vonWoidke

wird esdeshalb für 2020 einen

Nachtragshaushalt geben.

DPA/PATRICK PLEUL

Kernpunkte der Mehrausgaben

sind: In den kommenden fünf Jahren

soll es eine vollständige Beitragsfreiheit

im Kita-Bereich für Kinder von

drei bis sechs Jahren und eine bessere

Betreuung geben. Dazu kommen sieben

Millionen Euro, damit die Zahl

der Polizisten von 8250 auf 8500

steigt. Für Richter und Staatsanwälte

sollen 30 neue Stellen und 40 Folgestellen

geschaffen werden.

Für den Straßeninfrastrukturausbau

sind 120 Millionen Euro vorgesehen.

Es soll keine neuen Braunkohletagebaue

und auch keine Erweiterung

bestehender Tagebaue geben.

Wahl am 27. November

Im Misstrauen gegenüber der machtbewussten

SPD wollten die Grünen

anfangs jedes Detail festschreiben.

Im Zieleinlauf wurde nun ein 20-seitiges

Verhandlungspapier für die Themen

Umwelt und Landwirtschaft auf

acht Seiten gekürzt.

Steht der Koalitionsvertrag, muss

die Grünen-Führung noch die größtenteils

linksorientierte Basis überzeugen,

die dem Vertrag ineiner Urwahl

zustimmen muss. Dies gilt als

möglicher Stolperstein. Auch bei der

CDU ist erstmals eine Mitgliederbefragung

vorgesehen.

„Starker Staat, Bildung, Gesundheit,

Pflege, das sind natürlich Kernbereiche“,

so bringt Woidke seine Linie

auf den Punkt. Der57-Jährige hat

gute Aussichten, am 27. November als

Ministerpräsident wiedergewählt zu

werden. (mit dpa)

NACHRICHTEN

Brandenburg gedenkt des

Mauerfalls vor 30 Jahren

Brandenburggedenkt des Mauerfalls

und der friedlichen Revolution

in der DDR vor30Jahren mit Veranstaltungen

am 10. November in der

Nähe der Glienicker Brücke.Dort

verlief einst die Grenze. DerHerbst

1989 habe das Leben vieler Menschen

in Ostdeutschland verändert,

er sei eine Chance gewesen, eine lebenswerte

Gesellschaft zu gestalten,

sagte Landtagspräsidentin Ulrike

Liedtke (SPD). Eine gemeinsame

Festveranstaltung vonLandtag und

Landesregierung in der Nikolaikirche

soll daran erinnern. Aufder Brücke

präsentierteine Videoinstallation

historisches Filmmaterial. Später

soll es auf der Brücke –inder

Mitte markierte ein Strich die Grenze

zwischen der DDR, also Potsdam,

und West-Berlin –Begegnungen von

Bürgerngeben. Berühmt wurde sie

im Kalten Krieg durch den internationalen

Agentenaustausch. (dpa)

Toter aus See noch

nicht identifiziert

DeramWochenende am Brüssower

See(Uckermark) tot aufgefundene

Mann ist bislang noch nicht identifiziert.

DiePolizei geht bislang nicht

voneinem Verbrechen aus.„Wir

konnten keine Anzeichen vonäußerlicher

Gewalteinwirkung feststellen“,

sagte ein Sprecher am Montag.

„Wir gehen zurzeit voneinem natürlichen

Todaus.“ DieKriminalpolizei

ermittle zur Identität und der Todesursache.Der

Mann war etwa 50 bis

60 Jahrealt. Spaziergänger hatten am

Sonnabend am Ufer des Sees den

leblosen Mann entdeckt. EinNotarzt

konnte nur noch dessen Todfeststellen.

(dpa)

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QUOTEN

Klasse 1: unbesetzt 4064866,70 Euro

Klasse 2: unbesetzt 1539977,70 Euro

Klasse 3: 86 x8953,30 Euro

Klasse 4: 905 x2552,40 Euro

Klasse 5: 5047 x152,50 Euro

Klasse 6: 45013 x34,20 Euro

Klasse 7: 93692 x16,40 Euro

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Wissenschaft

Neue Technik

verändert

Erbgut präzise

Forscher verbessern

Genschere Crispr/Cas9

VonAnja Garms

Mit einem neuartigen Verfahren

lässt sich Erbgut noch gezielter

verändern als bisher. Die auf der

Genschere Crispr/Cas9 aufbauende

Methode ermöglicht es, einzelne

Bausteine des Erbgutmoleküls DNA

auszutauschen und kleine Abschnitte

zu entfernen oder hinzuzufügen,

berichten US-Wissenschaftler

im Fachmagazin Nature. Theoretisch

ließen sich so fast 90 Prozent

der etwa 75 000 zu Krankheiten führenden

genetischen Veränderungen

korrigieren. In Zellversuchen zeigten

die Forscher dies unter anderem für

die Sichelzell-Anämie, eine Erkrankung

der roten Blutkörperchen, und

für das Tay-Sachs-Syndrom, eine unheilbareFettstoffwechselstörung.

Mit der erst vor einigen Jahren

vorgestellten GenschereCrispr/Cas9

haben Wissenschaftler ein Laborwerkzeug,

mit dem sich Erbgut auf

recht einfache Weise präzise verändern

lässt. Die Genschere steuert einen

definierten Bereich im Erbgut

an und zerschneidet mit Hilfe des

Enzyms Cas9 an dieser Stelle den

DNA-Doppelstrang. Bei der Reparatur

wird die genetische Information

an der Schnittstelle verändert –fehlerhafte

Gene können so zum Beispiel

stumm geschaltet werden.

Es ist auch möglich, einzelne

Bausteine der DNA auszutauschen

und neue Erbgutinformation an der

Schnittstelle einzufügen. Allerdings

ist die Effizienz des Verfahrens nicht

sehr hoch und es kann auch außerhalb

der angesteuerten Bereiche zu

Doppelstrangbrüchen und damit zu

unerwünschten Veränderungen der

DNA kommen.

Werkzeuge zur Genom-Editierung,

die ohne Doppelstrangbruch

auskommen, sind sogenannte Basen-Editoren.

Mit diesen lassen sich

Prime Editing heißt das neue Verfahren,

das die DNA gezielt verändert. GETTY IMAGES

aber nur bestimmte genetische Veränderungen

erzielen. Abschnitte mit

mehreren Buchstaben (Basen) des

genetischen Alphabets können zum

Beispiel nicht entfernt oder hinzugefügt

werden.

Bei der neu vorgestellten Methode

des Teams um Andrew Anzalone

von der Harvard University in

Cambridge wird der DNA-Doppelstrang

ebenfalls nicht durchgeschnitten,

sondernnur einer der beiden

Stränge. Neue genetische Informationen

werden nicht in Form von

DNA, sondern inForm von RNA in

die Zellen geliefert. Dieses verwandte

Erbgutmolekül wird vor Ort

von einem ebenfalls mitgeliefertem

Enzym in DNA umgeschrieben und

in den durchschnittenen DNA-

Strang eingefügt. Die Forscher nennen

ihr Verfahren Prime Editing,

kurz PE. In Versuchen an menschlichen

Zellen zeigten sie,dass sich damit

einzelne Basen austauschen lassen

und kleinereAbschnitte entfernt

oder hinzugefügt werden können.

Doch auch das Prime Editing sei

nicht frei vonRisiken, gibt JanKorbel

vom European Molecular Biology

Laboratory inHeidelberg zubedenken.

Es produziere ebenfalls unerwünschte

Mutationen als Nebenprodukte

der Erbgut-Editierung.

„Derartige Nebenprodukte sollten in

Zukunft ausgeschlossen werden

können, bevor die Technologie sicher

in der Medizin angewendet

werden kann. Soweit sind wir derzeit

aber noch nicht.“ (dpa/fwt)

Intelligente Roboter:Umdie Grenzen des technisch Machbaren geht es am 7. November bei der Veranstaltung DLR Tech4Society auf dem Science Week Campus.

Lange Woche der Wissenschaften

Die Berlin Science Week Anfang November fördert den Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft

VonAnne Brüning

In den ersten Novembertagen

sind dieses Jahr vorallem diejenigen

gut dran, die viel Zeit und

eine gute Kondition haben sowie

neugierig und geistig offen sind.

Das sind zumindest allerbeste Voraussetzungen,

um vondem Füllhorn

an Veranstaltungen zu profitieren,

das dann in Berlin geboten wird.

Denn zusätzlich zu den Diskussionen,

Konzerten und Ausstellungen

anlässlich des 30. Jahrestags des

Mauerfalls findet auch wieder die

Berlin Science Week statt.

Vom 1.bis 10. November kommen

mehr als 350 Spitzenforscher

aus aller Welt nach Berlin, um in 140

Veranstaltungen die wichtigsten

Wissenschaftsthemen unserer Zeit

zu diskutieren. Unter den Teilnehmern

sind sechs Nobelpreisträger,

darunter der Wirtschaftswissenschaftler

Alvin Roth, der Physiker

Wolfgang Ketterle und der Mediziner

Harald zur Hausen.

„Wir freuen uns sehr, dass in diesem

Jahr so viele bekannte international

Forschende und Institutionen

dabei sind wie noch nie“, sagte Jürgen

Mlynek, Koordinator der Berlin

Science Week, am Montag bei der

Präsentation des Programms im Berliner

Museum für Naturkunde. Die

Wissenschaftswoche, die zum vierten

Mal stattfindet, sei größer und

internationaler geworden, sagte

Mlynek, der dieses Jahr rund 20 000

Besucher erwartet.

Campus im Naturkundemuseum

Die meisten Veranstaltungen der

Science Week sind für die interessierte

Öffentlichkeit zugänglich. Ziel

der Angebote ist es, die wichtigen

Themen – vom Klimawandel über

die Eindämmung von Infektionskrankheiten,

die Ernährung der Zukunft

bis hin zum Potenzial künstlicher

Intelligenz – vorzustellen, zu

diskutieren und sich auch kreativ damit

auseinanderzusetzen.

Erstmals steht in diesem Jahr der

Berlin Science Week Campus im Naturkundemuseum

auf dem Programm.

Am 6. und 7. November wird

das Haus nicht für den regulären

Museumsbetrieb öffnen. Stattdessen

soll ein zentraler Festivalort entstehen,

an dem über so unterschiedliche

Themen wie Künstliche Intelligenz,

die wirtschaftliche Entwicklung

in Ost- und Westdeutschland

und die Zukunft der Ernährung diskutiertwird.

Um die großen Herausforderungen

unserer Zeit kümmert sich auch

der Nobel Prize Dialogue, der am 8.

November erstmals im Rahmen der

Berlin ScienceWeek stattfindet und in

HIGHLIGHTS VOM 1. BIS 10. NOVEMBER

Die Berlin Science Week findet vom1.bis

10. November in Berlin statt. Insgesamt sind

es 140 Veranstaltungen an 100 Orten in der

Stadt. 350 Sprecher tragen zum Programm

bei, das größtenteils für die Öffentlichkeit gedacht

ist. Zu beachten ist, dass man sich für

einigeVeranstaltungen anmelden muss und

dass viele auf Englisch stattfinden. Teilweise

wird Simultan-Übersetzung auf Deutsch angeboten,

so zum Beispiel beim Nobel Prize

Dialogue.

Berlin Science Week Campus: Am 6. und 7.

November wird das Museum für Naturkunde

zur zentralen Plattformder Science Week.

Am 6. November von10bis 11.30 Uhr

spricht zum Beispiel der diesjährigePreisträgerdes

Max-Planck-Humboldt-Forschungspreises,

der Wirtschaftswissenschaftler Ufuk

Akcigit vonder University of Chicago, über die

wirtschaftlichen Unterschiede in Ost- und

Westdeutschland: „Understanding the Economic

Gap between East and West Germany“.

Der Vortrag ist auf Englisch, Anmeldung

erforderlich unter E-Mail: max-planckhumboldt-forschungspreis@gv.mpg.de

Ungewöhnlich dürfte es zugehen am 6. November

um 15.30 Uhr unter der Überschrift

„Feierabend 4.0 –eine KI-Fiktion –Theatralisches

Popup &Diskussion“. Die Performance

im Sauriersaal und die anschließende

Diskussion mit Forscherndes Weizenbaum-Instituts

befasst sich mit einer Zukunft,

in der plötzlich alle Menschen frei haben,

weil sie im Arbeitsleben nicht mehr gebraucht

werden. Am 7. November um 14 Uhr geht es

um das Thema „Populismus und Soziale Ungleichheit

–Aktuelle Debatten“. An der Podiumsdiskussion

nehmen Studierende der

Freien Universität Berlin und der Universität

Konstanz teil.

Nobel Prize Dialogue: „Towards Health:

Equality,Responsibility and Research“ heißt

das Thema am 8. November von10bis

16.45 Uhr beim Nobel Prize Dialogue in der

Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekominder

Französischen Straße in Mitte. Der

Nobel Prize Dialogue hat seinen Ursprung in

Schweden, wo er seit 2012 während der Woche

der Nobelpreisverleihung veranstaltet

wird. Er ist als Brückenschlag zwischen Wissenschaft

und Gesellschaft gedacht. Bei der

Veranstaltung in Berlin soll es darum gehen,

wie gute Gesundheitsversorgung und ein gesundes

Leben für alle ermöglicht werden

kann und wie sich der Klimawandel auf die

Gesundheit auswirkt. Zum Thema Klima und

Gesundheit spricht zum Beispiel Kristie Ebi

vomIntergovernmental Panel on Climate

Change(IPCC). Weitere Themen: „Das Mikrobiom:

Eine neue Dimension der Gesundheit“,

„Die Rolle der Ernährung“, „GeistigeGesundheit,

Kognition und Altern“. Die Veranstaltung

ist öffentlich, findet in englischer Sprache

statt und wird simultan ins Deutsche übersetzt.

Anmeldung erforderlich: nobelprizedialogue.de/anmeldung

Science Slam –Science Rocks: Das Einstein

Center for Neurosciences Berlin und

das Exzellenzcluster NeuroCure lädt am 1.

November ab 19 Uhr zum Wettstreit vonWissenschaftlern,

die ihre Disziplin unterhaltsam

verpackt erklären. Jeder hat zehn Minuten

Zeit, das Publikum entscheidet, wergewinnt.

Der Science Slam ist auf Deutsch, kostet Eintritt

und findet statt im Roadrunners Paradise,

Saarbrücker Str.24, 10405 Berlin.

Das komplette Programm der

Berlin Science Week:

berlinscienceweek.com

Mind the Lab: Pop-up-Labore in U-Bahnhöfen sind am 7. November geplant. BERLIN SCIENCE WEEK

Kooperation mit der Nationalen Akademie

der Wissenschaften Leopoldina

veranstaltet wird. An dem Tag

soll es darum gehen, wie ein gesundes

Leben und eine verantwortliche

Gesundheitsversorgung für alle zu erreichen

ist –und was Forschung dazu

beitragen kann. Auch die Frage, wie

der Klimawandel unsere Gesundheit

beeinflusst, wirdbehandelt.

Fünf Nobelpreisträger konnten für

die auch sonst hochkarätig besetzten

Podien gewonnen werden. So wird

sich zum Beispiel Harald zur Hausen

zum Thema Impfmüdigkeit äußern.

Und der norwegische Neurowissenschaftler

Edvard Moser,ebenfalls Medizinnobelpreisträger,wirdmit

anderenExperten

über die Frage diskutieren,

wer für unsere Gesundheit verantwortlich

ist.

Immer internationaler

GETTY IMAGES

DieBerlin Science Week ist das internationale

Pendant zur Langen Nacht

der Wissenschaften, die seit 2001

jährlich in Berlin und Potsdam stattfindet

und eine Art Schaufenster der

hiesigenWissenschaft ist. DieScience

Week richte mehr und mehr ihren

Blick nach außen, erläuterte Jürgen

Mlynek am Montag: „Die Idee ist, die

Welt nach Berlin zu holen.“ Auslöser

für die Etablierung der Wissenschaftswoche

sei die Falling-Walls-

Konferenz gewesen, die erstmals vor

zehn Jahren am Jahrestag des Mauerfalls

von der Berliner Einstein-Stiftung

veranstaltet wurde und seither

jährlich stattfand –auch an diesem 9.

November öffnet sie wieder ihre Türen.

Zu der Tagung werden weltweit

führende Spitzenforscher eingeladen,

um ihre aktuellen Durchbrüche

in Wissenschaft und Forschung zu

präsentieren und Lösungen für globale

Herausforderungen wie Klima,

Gesundheit und nachhaltiges Wirtschaften

aufzuzeigen.

Die Science Week sei geschaffen

worden, um von den vielen Spitzenforschern,

die nach Berlin kommen,

länger zu profitieren, sagte Mlynek.

Zugleich habe man gehofft, dass zusätzliche

Veranstaltungen die Reise

nach Berlin noch attraktiver machen

für Forscher von weit her. Der Plan

scheint aufzugehen.

Auch der Regierende Bürgermeister

Michael Müller zeigte sich am

Montag als Schirmherr der Science

Week angetan von der Entwicklung:

„In einer Stadt, die vor 30Jahren die

Teilung überwand, entsteht durch

grenzüberschreitende Kooperationen

ein einmaliges Potenzial für die

Auseinandersetzung mit den großen

Zukunftsfragen unserer Zeit.“ Er findet:

Dieses Festival der Wissenschaft

sollten sich die Berlinerinnen und

Berliner nicht entgehen lassen.

Flotter Gang

verrät gute

Gesundheit

Das gilt auch für Menschen

im mittleren Lebensalter

Die Gehgeschwindigkeit eines

Menschen kann verraten, wie

gesund und geistig fit er ist. Bisher

war dieser Zusammenhang nur für

ältere Menschen beschrieben. Nun

hat ein Team auch für 45-Jährige herausgefunden,

dass schnelle Geher

im Schnitt biologisch und geistig

jünger sind als langsame. Line Jee

Hartmann Rasmussen vonder Duke

University in Durham und ihre Kollegen

präsentieren die Studie im

Fachmagazin Jama NetworkOpen.

Die Gehgeschwindigkeit hängt

demnach von mehreren Faktoren

ab, darunter der Funktion und dem

Zusammenspiel der Muskeln, dem

visuellen System sowie dem zentralen

und dem peripheren Nervensystem.

Entscheidend seien auch die

Fitness der Lunge und des Herz-

Kreislauf-Systems. Die Gehgeschwindigkeit

im mittleren Lebensalter

könne ein zusammenfassender

Anzeiger für das lebenslange Altern

eines Menschen sein, schreiben die

Forscher. Extrem langsames Gehen

deute womöglich auf Veränderungen

des zentralen Nervensystems im

Kindesalter hin.

Die904 Probanden der Studie waren1972

oder 1973 in der neuseeländischen

Stadt Dunedin geboren worden.

Sie wurden mehrfach umfangreich

untersucht, unter anderem im

Alter von 45Jahren. Dazu gehörten

eine Ganganalyse und ein Gehirnscan.

Die körperliche und die geistige

Fitness wurden anhand verschiedener

Faktoren ermittelt.

Bei der Ganganalyse wurden die

Normalgeschwindigkeit, die Geschwindigkeit

beim Lösen einer Aufgabe

und die Höchstgeschwindigkeit

gemessen. Bei allen drei Messreihen

sowie einer zusammenfassenden

Untersuchung zeigte sich ein klarer

Zusammenhang der Gehgeschwindigkeit

mit dem Zustand des Gehirns

und der körperlichen Fitness. (dpa)

Affen können in

Palmplantagen

sehr nützlich sein

Makaken jagen Ratten und

machen Gift überflüssig

B

estimmte Affen könnten durch

das Jagen von Ratten zu einer

ökologischeren Produktion von

Palmöl beitragen. Die Südlichen

Schweinsaffen suchen Palmenstämme

aktiv nach Ratten ab,

um sie zu fressen, wie Forscher aus

Deutschland, Malaysia und Großbritannien

im Fachmagazin Current Biology

schreiben. Die Makakenart sei

eine nachhaltige Alternative zuRattengift,

das nicht nur teuer und ineffizient

sei, sondern auch anderen

Tieren und der Umwelt im Allgemeinen

schade.

DieForscher beobachteten Südliche

Schweinsaffen in einer Palmölplantage

in Malaysia. Eine Makakengruppe

mit einigen Dutzend Individuen

fraß im Jahr demnach mehr als

3000 Ratten, schätzten die Forscher.

Zwar vertilgen die Affen auch

Früchte der Ölpalmen –allerdings in

relativ kleinem Rahmen. Die Tiere

zerstören dadurch weniger als ein

Prozent der Ernte innerhalb ihres

Reviers,wie die Forscher schreiben.

Durch Rattenplagen hätten Plantagenbesitzer

hingegen deutlich höhere

Verluste von zehn Prozent zu

beklagen. Die Forscher zeigten, dass

sich die Zahl der Ratten durch regelmäßige

Primatenbesuche auf den

Plantagen um mehr als 75 Prozent

verringernlässt. DieForscher wollen

sich nun für diese ökologischereRattenbekämpfung

einsetzen. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 17 *

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Sport

Lauf

ohne

Kopf

So erklären die Füchse ihre

Niederlage in Balingen

VonCarolin Paul

Füchse-Trainer Velimir Petkovic

lief kritisch die Auswechselbank

entlang und schaute seine Spieler einen

nach dem anderen mit der Frage

im Kopf an, wer es denn richten

könnte gegen Balingen. Sieben Minuten

vor Abpfiff lag seine Mannschaft

mit drei Toren zurück, die

letzte Chance also. Der 63-Jährige

vertraute schließlich auf seine erste

Sieben. Rückraumspieler Paul Drux

erkämpfte einen Siebenmeter, Kapitän

Hans Lindberg traf (54., 26:24).

Der nächste Strafwurf saß ebenfalls.

Kurz keimte die Hoffnung auf, dass

es für zwei Punkte reichen könnte.

Doch letztlich kam der Schlussspurt

zu spät –die 30:31-Niederlage gegen

den Aufsteiger war nicht mehr abzuwenden.

„Keine Frage, das ist nicht

einfach hier,aber einunddreißig Gegentore

sind einfach zu viel“, analysierte

Drux nach der Partie.

Die Frustration war dem Nationalspieler

anzumerken, der sich nur

zu bewusst war,dass genau das passiert

war, worauf sich seine Mannschaft

versucht hatte vorzubereiten.

Mit viel Körpereinsatz hatten sich

die Balinger Kreisspieler Platz vor

dem Torverschafft, um dann selbst

zu verwandeln oder die Sperresogeschickt

zu stellen, dass der Rückraum

perfekt in Szene gesetzt wurde.

Eigentlich ging das etwas leicht,

wenn man in Betracht zieht, dass die

Füchse zu den Spitzenmannschaften

der Bundesliga zählen wollen.

Davonwar am Sonntag jedoch nicht

viel zu sehen.

Nachdem Silvio Heinevetter in

den ersten Minuten immerhin einige

Bälle halten konnte, kam auch

über die Torhüter-Position im Spielverlauf

immer weniger. Daran

konnte auch der später eingewechselte

Dejan Milosavljev nichts ändern.

Die Füchse-Handballer Fabian Wiede und

Paul Drux fordernLösungen. IMAGO IMAGES

„Zur Abwehr- und Torhüterleistung

brauchen wir nichts sagen, da

haben wir keine Hilfe bekommen“,

befand Fabian Wiede.Für ihn lag das

Problem darüber hinaus aber an anderer

Stelle: „Wir haben zum Anfang

einfach die freien Bälle nicht reingemacht

und dann in der zweiten

Halbzeit den Kopf verloren. Irgendwann

sind wir Balingen nur noch

hinterhergerannt.“

Achtzehn Fehlwürfe

Allein elf Fehlwürfe zeigte die Statistik

nach den ersten dreißig Minuten,

achtzehn nach dem gesamten Spiel.

Da fehlte den Berlinern die letzte

Konsequenz und am Ende sicherlich

gleichermaßen die Kraft. Derpsychische

Faktor nach dem Ausfall vonSimon

Ernst ist ebenfalls nicht zu unterschätzen.

„Wir müssen Lösungen finden,

damit wir das Spiel auf mehrere

Schultern verteilen können, um Simon

so gut wie möglich zu ersetzen“,

erklärte Drux vorausblickend.

Viel Zeit bleibt dafür nicht. Bis zum

nächsten Bundesliga-Spiel gegen die

Rhein-Neckar Löwen am 3. November

sollte Petkovic erste Resultate

aufweisen können. DieBank hätte er

nominell zur Verfügung.

Auf der anderen Seite

des Buckels

Die Major League Baseball startet in

ein überraschendes Finale:

Die Washingtonn Nationals fordern

die Houston Astros

VonMatti Lieske

Die zweite Oktoberhälfte

hatte sich

Bryce Harper

vermutlich

anders vorgestellt.

Als Teilnehmer

der World Series mit

den Philadel-

Stattdes-

phia Phillies zum Beispiel.

sen muss der 27-Jährige, einer der

besten Profis der Major League Baseball

(MLB), auf dem Sofa sitzen und

ab Dienstag den Washington Natioden

Titel zuse-

nals beim Kampf um

hen, jenem Team, das

er vor Be-

er sorgte für die Home-

runs,die spektakulären Momente,

ginn dieser Saison

verlassen hat.

Sechs Jahre lang

war Harper der

unumstrittene Anführer

der Nationals,

die Schlagzeilen, und er zettelte

meist auch die Prügeleien mit den

Gegnern an. Nur eine Playoffrunde

konnte er bei vier Versuchen nie ge-

genug und

winnen, hatte schließlich

unterschrieb einen 13-Jahres-Ver-

Dollar in

trag über 330 Millionen

Philadelphia. Er bereue den Wechsel

nicht, sagte Harper tapfer, nachdem

sein altes Team nunn ohne ihn die

World Series gegen die hochfavori-

erreichte:

sierten Houston Astros

„Eifersucht ist niemals gut“.

Youngster bringt Durchbruch

Nicht nur Bryce Harper ist über-

2005 aus

rascht, dass die Nationals,

Montreal nach Washington gezogen,

im Finale stehen und die Seattle Mariners

als einziges MLB-Team ohne

World-Series-Teilnahme übrig liedie

Mannschaft

ßen. Niemand hatte aus der Hauptstadt nach Harpers

Abgang auf der Rechnung, als naaus

der Natio-

hezu sicher galt, dass

nal League erneut die Los Angeles

Dodgers mit ihrem sündhaft teuren

Team die Endspiele bestreiten wür-

in der

den. Die jedoch scheiterten

ersten Playoffrunde, die traditionell

als kompliziert für die

Favoriten gilt,

weil sie nur über maximal fünf Par-

tien geht, ein bisschen

an ihrer Arro-

Bereit für den

nächsten Coup:

Stephen Strasburg

will mit Washington

den MLB-Titel.

GETTY IMAGES

ganz, hauptsächlich aber an der Zähigkeit

der Nationals. Diese hatten

die Saison miserabel begonnen, von

den ersten fünfzig Matches gewannen

sie nur 19.

Manager Dave Martinez stand

kurz vor dem Rauswurf, doch dann

begann die Mannschaft zu gewinnen,

bis sie im September erneut

einbrach, sich mit einem Schlussspurt

aber noch die Teilnahme am

Wildcard-Game gegen die Milwaukee

Brewers sicherte.Auch da gelang

der Durchbruch erst kurz vor

Schluss,als derYoungster des Teams,

der 20-jährige Juan Soto, den entscheidenden

Schlag zum 4:3-Sieg

schaffte.

„Holprige Straßen führen oft zu

schönen Plätzen“, sagte gewohnt

philosophisch Manager Martinez,

der sich bei den Nationals einst eingeführt

hatte, indem er einige Dromedare

ins Trainingszentrum mitbrachte.

Diese sollten den Buckel

symbolisieren, den dasTeam endlich

überwinden müsse. Gemeint war

die erste Playoffrunde,und das Team

Der Meister kann kommen

erfüllte die Mission im Stadion der

Los Angeles Dodgers mit Bravour,als

der 36-jährigeHowie Kendrick im 10.

Inning des fünften Spiels den entscheidenden

Grand-Slam-Homerun

schlug. Auch das ein perfektes Bei-

der Nationals,

spiel für die Fähigkeit

Widrigkeiten zu überwinden, da

Kendrick vorhervor allem mit Patder

Defensive aufgefal-

zern in

len war. „Mann, wir alle ma-

sagte Team-

chenFehler“,

kollege Anthony Rendon,

der

Harpers Nachfolge

als gefährlichster Batter

angetreten hat, „er ist

45 Jahre alt oder so,

und er macht einfach

immer weiter.“

Vergleichsweise

ruhig für die Nationals

verlief die Halbfinalserie

gegen die

St. Louis Cardinals,

die sie überraschend

klar 4:0 gewannen,

womit sie nur zwei

ihrer letzten 18 Partien

verloren haben.

„Wir spielen seit Mai

playoffmäßigen Baseball,

weil wir uns in

ein Loch gegraben

hatten“, erklärte Generalmanager

Mike

Rizzo die Nervenstärke

des Teams, von

der er hofft, dass sie

auch im Finale die nomi-

der Hous-

nelleÜbermacht

ton Astros ausgleichen kann.

Bestbesetztes Team?

Das Team ausTexas, Champion von

2017, wurde vor den Playoffs von eiuten

sogar als bestbe-

nigen Fachleu

setzte Mannschaft aller Zeiten be-

dann aber durchaus

zeichnet, zeigte

Schwächen in

den ersten beiden

Runden gegendie Tampa Bay Rays

und die New York Yankees. Das galt

vor allem für Pitcher Justin Verlan-

der Ge-

der, einen derbestenWerfer

genwart, der in jeder Serie ein Spiel

verlor. Starke Auftritte von Pitcher

Gerrit Cole und die Offensive um

den explosiven José Altuve, mit 1,65

Meter der kleinste Spieler der MLB,

sorgten jedoch dafür, dass schließ-

lich auch die

Yankees bezwungen

wurden.

Mit Max Scherzer, 35, Anibal Sanchez,

35, und Stephen Strasburg, 31,

verfügen die Nationals immerhin

über drei Werfer, die denen der Astros

an guten Tagen Paroli bieten kön-

kann das älteste

nen. Auch sonst

Team der MLBauf eine Reihe vonVe-

die sich gernals „Los

teranen zählen,

Viejos“, die Alten, apostrophieren.

Einen großen Vorteil in dieser World

Series stellt das allerdings nicht dar,

die Houston Astros sind die drittäl-

der teste Mannschaft Liga.

Abwehrmann Keven Schlotterbeck ist überzeugt, dass Union auch den FC Bayern ärgern kann

VonPatrick Berger

Er hatte noch weit nach dem

Schlusspfiff alle Hände voll zu

tun. KevenSchlotterbeck schrieb auf

dem Parkplatz der Alten Försterei

fleißig Autogramme, grinste in die

vielen Handykameras der Fans. Und

er ging, höflich wie der 22 Jahre alte

Abwehrspieler des 1. FC Union ist,

auch auf die vielen Fragen der Anhänger

ein.

Ob es denn ein besonderes Spiel

für ihn gewesen sei, wollte eine junge

Dame etwa wissen. „Natürlich“, entgegnete

Schlotterbeck, „schließlich

ging es gegen meine alten Kollegen.“

Dass er mit dem weißen Shirt, das er

da in der rechten Hand hielt, beim

Trikottausch nach dem 2:0-Erfolg

gegen den SC Freiburg eine gute

Wahl getroffen habe,erklärte ihm ein

weiterer weiblicher Anhänger. „Es

hat sicher eine emotionale Bedeutung

für dich“, ahnte sie. „Stimmt“,

sagte Schlotterbeck und grinste. Der

Abwehrspieler schnappte sich das

Freiburg-Trikot mit der schwarzen

Nummer 4auf dem Rücken von seinem

drei Jahre jüngeren Bruder

Nico, der allerdings –wie schon in

den letzten fünf Begegnungen –wieder

nicht zum Einsatz gekommen

war.„Ichhätte mir das schon sehr gewünscht“,

sagte Keven Schlotterbeck,

„wenn wir gegeneinander gespielt

hätten.“ Nun müsse er seinen

Bruder sicher trösten.

Auf dem Platz kam es

also nicht zum erhofften

Bruder-Duell. Im Vorfeld

der Begegnung bestimmte

das erstmalige Aufeinandertreffen

der beiden Geschwister

die Berichterstattung

in den lokalen

Medien. In Scharen war

die Familie Schlotterbeck

deshalb aus dem Süden

angereist. Mutter Susanne

trug das rote Heimtrikot des 1. FC

Union, Vater Marc machte es ein wenig

diplomatischer, zog das

schwarze Freiburg-Jersey sowie einen

rot-weißen Union-Schal an.

Auch die Tante und der Onkel, sowie

die Cousine und deren Freund warengekommen.„Es

ist schön, dass so

viele Verwandte da waren“, freute

sich Keven.

Der gebürtige Weinstädter hatte

etwa anderthalb Stunden zuvor eine

Premiere gefeiert. „Ich bin einfach

nur glücklich und erleichtert, dass

ich meinen ersten Bundesligasieg

geholt habe“, sagte er. 14 Anläufe

brauchte der 1,89 Meter große Verteidiger.

Mit dem SC Freiburg

gab es seit seinem

Debüt am 3. Februar 2019

vier Remis und fünf Pleiten,

mit den Eisernen –

Schlotterbeck fehlte beim

3:1-Erfolg gegen Borussia

Dortmund rotgesperrt –

MATTHIAS KOCH

bis vor dem Wochenende

nur ein Remis und drei

Guter Zweikämpfer:Schlotterbeck

es ausgerechnet gegen den

Niederlagen. Jetzt klappte

seinen Stammverein, von

dem er für ein Jahr nach Köpenick

verliehen wurde. „Wenn ich spielen

darf, kann ich zeigen, warum sie

mich zu Unrecht ausgeliehen haben“,

sagte der Abwehrspieler vor

dem Spiel und blies damit selbstbewusst

zum Angriff.

Keven Schlotterbeck machte in

der Tat ein starkes, nahezu fehlerfreies

Spiel, verteidigte kompromiss-

los,gewann 13 Zweikämpfe.Auch im

Spielaufbau gefiel der junge Profi mit

28 angekommenen Pässen (nur drei

Fehlpässe). Lob gab es dafür auch

von Freiburgs Trainer Christian

Streich, 54. „Er hat das wirklich gut

gemacht. Keven ist ein guter Spieler,

muss aber auf jeden Fall noch viel

lernen. Daszeigt ihm jetzt der UrsFischer.

Er spielt hier in der Ersten

Liga. Dasist perfekt.“

Nach dem für ihn ersten Bundesligasieg,

der auch gleich der zweite

für Union war,sendete KevenSchlotterbeck

mit Blick auf Sonnabend

eine Kampfansage an den FC Bayern.

„Wir haben zum ersten Mal zu

Null gespielt, das ist positiv. Darauf

können wir aufbauen. Jetzt geht es

gegen die Bayern. Wir haben gesehen,

was mit einer Willensleistung

möglich ist.“ Und weiter: „Am Wochenende

gilt es für uns, auch die

Bayern zu schlagen. Sollen sie ruhig

kommen. Ich glaube, wenn wir mit

der Mentalität nach München fahren,

ist alles möglich. Für viele Jungs

ist es das erste Spiel in München. Da

werden wir mit Schaum vorm Mund

auftreten.“

NACHRICHTEN

Hamburger SV verteidigt

Tabellenführung in Liga zwei

FUSSBALL. DerHamburger SV hat

seine Tabellenführung in der Zweiten

Bundesliga erfolgreich verteidigt.

ZumAbschluss des 10. Spieltags

kam das Team vonTrainer Dieter Hecking

im Topspiel zu einem 1:1 (1:0)

bei Arminia Bielefeld. Nach dem Patzerdes

TabellenzweitenVfB Stuttgart

(0:1 gegen Holstein Kiel) liegen die

Hamburger einen Zähler vorden

Schwaben, Bielefeld bleibt mit zwei

Punkten Rückstand Dritter.

Schaaf wird Co-Trainer

der U23 von Werder

FUSSBALL. Thomas Schaaf kehrtauf

die Trainerbank zurück. Der58-Jährige

hilft als Co-Trainer der U23 von

Werder Bremen in der Regionalliga

aus und wirdauf unbestimmte Zeit

Assistent vonKonrad Fünfstück,

nachdem sich der bisherige Co-Trainer

BjörnDreyerdie Achillessehne

gerissen hat. Schaaf war von1999 bis

2013 Cheftrainer an der Weser.Zuletzt

war er 2016 bei Hannover96als

Coach tätig.

TTC Eastside will seine

Siegesserie fortsetzen

TISCHTENNIS. DieFrauen vomTTC

Berlin Eastside wollen ihreSiegesserieindieser

Saison auch im zweiten

Spiel der Champions League fortsetzen.

DieHauptstädterinnen treten

an diesem Dienstag (19.00 Uhr) als

klareFavoritinnen im französischen

LysLez Lannoygegen CP Lyssois

Lille Métropole an.

ZAHLEN

Fussball

Champions League, 3. Spieltag

Gruppe A

GalatasarayIstanbul -Real Madrid Di., 21.00

FC Brügge-Paris Saint-Germain Di., 21.00

1. Paris Saint-Germain 2 4:0 6

2. FC Brügge 2 2:2 2

3. GalatasarayIstanbul 2 0:1 1

4. Real Madrid 2 2:5 1

Gruppe B

Tottenham -Roter SternBelgrad Di., 21.00

Olympiakos Piräus -BayernMünchen Di., 21.00

1. Bayern München 2 10:2 6

2. Roter SternBelgrad 2 3:4 3

3. Olympiakos Piräus 2 3:5 1

4. Tottenham Hotspur 2 4:9 1

Gruppe C

Schachtjor Donezk -Dinamo Zagreb Di., 18.55

Manchester City -Atalanta Bergamo Di., 21.00

1. Manchester City 2 5:0 6

2. Dinamo Zagreb 2 4:2 3

3. Schachtjor Donezk 2 2:4 3

4. Atalanta Bergamo 2 1:6 0

Gruppe D

Atlético Madrid -Bayer Leverkusen Di., 18.55

Juventus Turin -LokomotiveMoskau Di., 21.00

1. Juventus Turin 2 5:2 4

2. Atlético Madrid 2 4:2 4

3. LokomotiveMoskau 2 2:3 3

4. BayerLeverkusen 2 1:5 0

Gruppe E

KRC Genk -FCLiverpool Mi., 21.00

RB Salzburg -SSC Neapel Mi., 21.00

1. SSC Neapel 2 2:0 4

2. RB Salzburg 2 9:6 3

3. FC Liverpool 2 4:5 3

4. KRC Genk 2 2:6 1

Gruppe F

Slavia Prag -FCBarcelona Mi., 21.00

Inter Mailand -Borussia Dortmund Mi., 21.00

1. Borussia Dortmund 2 2:0 4

2. FC Barcelona 2 2:1 4

3. Inter Mailand 2 2:3 1

4. Slavia Prag 2 1:3 1

Gruppe G

RB Leipzig -Zenit St. Petersburg Mi., 18.55

Benfica Lissabon -Olympique Lyon Mi., 21.00

1. Zenit St. Petersburg 2 4:2 4

2. Olympique Lyon 2 3:1 4

3. RB Leipzig 2 2:3 3

4. Benfica Lissabon 2 2:5 0

Gruppe H

Ajax Amsterdam -FCChelsea Mi., 18.55

OSC Lille -FCValencia Mi., 21.00

1. Ajax Amsterdam 2 6:0 6

2. FC Chelsea 2 2:2 3

3. FC Valencia 2 1:3 3

4. OSC Lille 2 1:5 0


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 – S eite 18 *

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Sport

Uli Hoeneß (r.) mochte beim 2:2 seiner Münchner in Augsburg gar nicht mehr hinsehen.

IMAGO IMAGES/BERND FEIL

Einlauf beim Abflug

Bayern-Präsident Uli Hoeneß tritt vor dem Champions-League-Spiel in Piräus einmal mehr als streitbarer Außenminister seines Klubs in Erscheinung

Auf so einen Käse gebe es

keine Antwort, sagte Uli

Hoeneß am Montagmorgen

im Terminal 2amFlughafen

München, um auf diesen Käse

dann doch eine Antwort zugeben –

eine emotionsgeladene Antwort àla

Uli Hoeneß. „Wir sind einen Punkt

hinter dem Ersten. Wollen Sie uns

eine Krise einreden?“, blaffte der 67-

Jährige vor dem Abflug zu seiner

letzten Dienstreise als Präsident von

Bayern München in der Champions

League einen Reporter an. Es gebe

nach dem 1:2 gegen Hoffenheim und

dem 2:2 gegen den FC Augsburgvom

vergangenen Sonnabend keinen Anlass,

den Notstand auszurufen, behauptete

Hoeneß: „Im Verein ist totale

Ruhe. Ich sehe kein Problem,

diese Unruhe wirdwieder vonaußen

hereingetragen.“

Das kann man so sehen, muss

man aber auch nicht. Vordem dritten

Gruppenspiel in der europäischen

Eliteliga am Dienstag bei

Olympiakos Piräus (21 Uhr/Sky) gibt

es bei den zur Unruhe neigenden

Bayern nämlich dann doch wieder

ein paar beunruhigende Themen.

Zuvorderst zu nennen sind an dieser

Stelle: die schwerwiegende Kreuzbandverletzung

von Abwehrchef

Niklas Süle, der Unmut des zum Reservisten

degradierten Thomas Müller,

vor allen Dingen aber eben auch

der schlechteste Saisonstart seit

neun Jahren. Auf all diese Themen

hatte Uli Hoeneß am Montagmorgen

zwischen Check-in und Sicherheitskontrolle

einen Konter parat,

aber der Reihe nach.

Personalempfehlung an Kovac

Im Fall Süle sprach er voneiner totalen

Katastrophe, einem Drama, von

der schwierigsten Verletzung, die

man haben kann. „So wie es ausschaut,

ist die Saison für ihn beendet,

auch die Europameisterschaft

kann er ad acta legen. Diekönnen Sie

total vergessen“, sagte Hoeneß. Was

natürlich auch an die Adresse von

Bundestrainer Joachim Löw gerichtet

war, der in einer ersten Reaktion

auf die Hiobsbotschaft die Hoffnung

vermittelte, Süle könnte doch noch

rechtzeitig fit werden für das am 12.

Juni gestartete Turnier der besten 24

Nationalmannschaft Europas. Für

den 24 Jahrealten Abwehrspieler,der

sich am Sonnabend beim Gastspiel

in Augsburg ohne Einwirkung des

Gegners verletzt hatte und schon am

Sonntag in Innsbruck operierte

wurde, gebe es laut Hoeneß nur ein

Ziel: „Ermuss zur neuen Saison wieder

fit sein.“

Eine weitere Destabilisierung der

Abwehr, die in den letzten vier

Pflichtspielen jeweils zwei Gegentore

zugelassen hatte, fürchte er indes

nicht.„Die Abwehrproblematik“,

ließ Hoeneß quasi als Cheftrainer

wissen, „wird sich sowieso aus meiner

Sicht demnächst erledigen,

wenn der Martinez auf der Sechs

spielt. Dann kriegen wir sowieso in

Zukunft weniger Gegentore.“

Im Fall Müller sprach Hoeneß

wiederum von einer „Schweinerei“.

„So wie es ausschaut, ist die Saison für ihn

beendet, auch die Europameisterschaft kann

er ad acta legen. Die können Sie

total vergessen.“

Uli Hoeneß ist überzeugt, dass Niklas Süle

kein Kandidat für die EM 2020 ist.

Womit er auf die Medien zielte.„Bei

euch wird jede Woche die Geschichte

weitergemacht. Manzwingt

den Trainer, ihn (Müller, d.R..) aufzustellen“,

sagte Hoeneß. Und holte

in der Kritik an den Pressevertretern

gar noch ein bisschen weiter aus:

„Vor Monaten hat man uns reingehetzt

in teure Transfers. Dann

kommt der Coutinho und dann

heißt es: Warum spielt der Müller

nicht? Es war doch klar, wenn der

kommt, dass es für den Thomas

schwieriger wird.“

Kritik an der Chancenverwertung

Immerhin gab Hoeneß schließlich

noch zu, dass auch er mit den jüngsten

Auftritten der Elf von Trainer

Niko Kovac nicht ganz glücklich gewesen

sei. Die Mannschaft spiele

„nicht schlecht“, aber auch „nicht

konsequent genug“, bemängelte er,

„sie muss geiler sein auf Tore“. Das

Verwerten der Chancen sei „eine

Frage der Einstellung“, analysierte

Hoeneß: Gerade gegen „vermeintlich

schwächere Gegner ist die Konzentration

der Mannschaft unterentwickelt,

aber auch gegen schwächere

Teams muss man eben die

Punkte holen“.

Da stellt sich die Frage, was die

Bayern-Profis von Olympiakos Piräus,

dem griechischen Serienmeister,halten.

„Wir werden in Piräus ein

sehr schweres Spiel haben“, warnte

Coach Kovac zur Sicherheit schon

mal: „Die Euphorie, die Stimmung –

wir müssen gewappnet sein und

dürfen nicht wieder dieselben Fehler

machen.“ In der Champions League

haben sich seine Spieler allerdings

bis dato schadlos gehalten. ZumEinstieg

in den Wettbewerb gab es vor

heimischen Publikum gegen Roter

Stern Belgrad ein lockeres 3:0, im

vermeintlichen Topspiel der Gruppe

Bsetzten die Münchner in der Auseinandersetzung

mit demVorjahresfinalisten

Tottenham Hotspur mit einem

7:2-Erfolg an der White Hart

Lane gar ein dickes Ausrufezeichen.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic,

der am Montag am Münchner Flughafen

im Windschatten von Hoeneß

auch noch ein bisschen Auskunft geben

durfte,bezeichnete die Leistung

gegen die Spurs dabei als „Benchmark“,

das Team müsse sich an diesem

„hervorragenden“ Spiel orientieren.

Salihamidzic hätte natürlich auch

„Maßstab“ sagen können, der beim

FC Bayern bis auf Weiteres, wohl

auch über seine am 15. November

endende Amtszeit als Präsident hinaus,

allerdings von Uli Hoeneß festgelegt

wird. (BLZ mit Agenturen)

Eng umschlungen

Nach acht Spieltagen liegt in der Bundesliga der Tabellenerste nur zwei Punkte vor dem Neunten –und an sieben Schauplätzen geht es am nächsten Spieltag um die Spitze

VonFrank Hellmann

Kaum einer steigt so tief in die

Fußball-Archive wie Arnd Zeigler.BeimWDR

sind jedeWoche mehrere

Mitarbeiter damit beschäftigt,

für die Sendung von der wunderbaren

Welt des Fußballs die Verknüpfung

zwischen Vergangenheit und

Gegenwartmit Filmschnipseln, Tondokumenten

oder Bildernunterhaltsam

erlebbar zu machen. Am Sonntagabend

genügte es jedoch, die aktuelle

Bundesliga-Tabelle einzublenden,

um einen historischen Moment

festzuhalten: Dass nach acht Spieltagen

den Ersten Mönchengladbach

vom Neunten Leverkusen nur zwei

Punkte trennen, gab es in der Bundesliga

seit Einführung der Drei-

Punkte-Regel 1995 noch nie.

Der geringste Abstand zu diesem

Zeitpunkt stammt aus der Saison

2008/2009, als der Tabellenführer

Hamburger SV (17 Punkte) vier Zähler

vor dem Neunten 1. FC Köln (13)

lag. Der FCBayern war damals wegen

der Irrungen und Wirrungen unter

Jürgen Klinsmann gar nicht in der

oberen Hälfte vertreten. Den Titel

holte sich am Ende der vonFelix Magath

meisterhaft gequälte VfL Wolfsburg,

der zur Halbzeit noch auf Platz

neun rangiert hatte.Wiederholt sich

solch eine verrückte Geschichte?

„Ich sehe da schon noch Möglichkeiten

für Bayern München, die Bundesliga

wieder langweiliger zu machen“,

tönte Bayern-Präsident Uli

Hoeneß prompt am Montag.

Freiburgmit kleinem Aufwand

Die auseinanderdriftenden Budgets

bedingen, dass sich die Spanne der

Personaletats irgendwann im Tableau

widerspiegelt. Aber aktuell bildet

sich der 750-Millionen-Umsatz

des Branchenprimus, zuletzt sieben

MalinFolge Meister mit teils absurd

großem Vorsprung, nicht ab. Weil

BUNDESLIGATABELLE

1. Mönchengladbach 8 15: 7 16

2. VfL Wolfsburg 8 11: 5 16

3. Bayern München 8 22:10 15

4. Borussia Dortmund 8 20:11 15

5. RB Leipzig 8 16: 8 15

6. SC Freiburg 8 15: 9 14

7. FC Schalke04 8 14: 9 14

8. Eintracht Frankfurt 8 14:10 14

9. BayerLeverkusen 8 12:11 14

10. Hertha BSC 8 13:13 11

11. 1899 Hoffenheim 8 8:11 11

12. Werder Bremen 8 13:17 9

13. Fortuna Düsseldorf 8 10:14 7

14. 1. FC Union Berlin 8 8:13 7

15. 1. FC Köln 8 8:16 7

16. FC Augsburg 8 10:21 6

17. FSV Mainz 05 8 7:18 6

18. SC Paderborn07 8 9:22 1

vum mit sieben Spielen, in denen ein

neuer Tabellenführer gekürt werden

könnte. Außer in den Begegnungen

Mainz gegen Köln und Paderborn

gegen Düsseldorf geht es an allen

Schauplätzen um die Pole Position.

Joachim Löw ist eher skeptisch.

„Für die Fans ist die Liga ausgeglichen

und spannend“, sagte der Bundestrainer,

deutete allerdings nur

versteckt an, dass er mit dem gebotenen

Niveau nicht ganz zufrieden ist.

Nur wenn seine Nationalmannschaft

selbst eine Talsohle durchschreitet,

kann Löw schlecht den

nörgelnden Besserwisser geben.

Führte die ähnliche Taktik vieler

Teams mit frühem Pressing, schnellem

Umschalten und hoher Intensität

dazu, dass die Unterschiede verschwimmen?

Neulinge wie Marco

Rose (Gladbach), Oliver Glasner

(Wolfsburg) und David Wagner

(Schalke) pflegen diesen Ansatz. Das

Führungsduo Gladbach-Wolfsburg

Borussia Dortmund gerne Führungen

verspielt und RB Leipzig viele

Chancen vergibt, ist aus dem erwarteten

Drei- ein Mehrkampf geworden.

David Wagner, Trainer des FC

Schalke 04, unkte sogar: „Derzeit

können sich ungefähr zwölf Mannschaften

in der Fußball-Bundesliga

Spitzenteam schimpfen.“ Sehr zur

Freude der Deutschen Fußball Liga

(DFL), die das oft im Frühjahr bereits

entschiedene Ringen um die Schale

bei der Auslandsvermarktung als

wenig verkaufsfördernd ansieht.

Vorne hat sich auch der SC Freiburg

eingenistet, bei dem der ganze

Personalaufwand 2017/2018 laut

DFL gerade einmal 40 Millionen

Euro betrug. Das Magazin Kicker

stellt fest, dass„die Teams in der oberen

Hälfte so dicht beieinander stehen

wie ein Liebespaar beim innigen

Hochzeitstanz“. Und wer fängt den

Strauß am nächsten Wochenende?

Am neunten Spieltag gibt es das Noverkörpert

defensive Stabilität (erst

sieben bzw.fünf Gegentore).

Beide Klubs müssen genau wie

Eintracht Frankfurt noch die Belastung

durch die Europa League schultern.

Bislang fällt die Ausbeute für

die sieben deutschen Teams mit

sechs Siegen, drei Remis und fünf

Niederlagen durchwachsen aus. Soll

die neue Ausgeglichenheit der Liga

auch ein Zeichen der Stärke sein,

braucht es mehr Konstanz. In der

Champions League stehen für Leverkusen

bei Atlético Madrid (Dienstag

18.55 Uhr), Dortmund bei Inter Mailand

(Mittwoch 21 Uhr) und Leipzig

gegen Zenit St.Petersburg(Mittwoch

18.55 Uhr) wegweisende Spiele an.

Immerhin auf dieser Bühne ist der

FC Bayern vor seinem Gastspiel bei

Olympiakos Piräus (Dienstag 21

Uhr) der bislang beste Repräsentant

des deutschen Fußballs.Wie so oft in

den vergangenen Jahren. Alles ist im

Herbst 2019 eben doch nicht anders.


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 – S eite 19 *

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Feuilleton

Vor100 Jahren

wurde die

Nobelpreisträgerin

Doris Lessing geboren

Seite 20

„Sie konnte das Wesentliche von der Mode unterscheiden.“

Stefan von Holtzbrinck anlässlich des Todes seiner Schwester,der S.Fischer-Verlegerin Monika Schoeller Seite 21

Kontaktlos

Gesellschaft von

Eigenbrötlern

Thomas Klein

bedauertdie beschleunigte

Vereinsamung.

Mein Vater war Briefträger in

Lankwitz. Jahrzehntelang hatte

er dieselbe Tour, erbrachte die Post

und Geld, aber der einen Oma auch

mal was aus der Apotheke mit oder

dem gehbehinderten Rentner was

Kleines vom Supermarkt, er wusste,

bei wem er wann nie oder immer

klingeln konnte. Erwurde geschätzt.

Kein Gang durch die Nachbarschaft

ohne freundliches Hallo von allen

Seiten oder Respektsbezeugungen

des „Herrn Postrats“ durch ältere

Herrschaften („Ach, das ist wohl der

Sohn, was ein hübscher junger

Mann!“). So war das damals eben.

Heute erkennt man den Briefzusteller

oder Paketboten höchstens

noch am Fahrzeug und der Kleidung:

Nicht nur die Deutsche Post

AG setzt längst auf „flexible“ Kräfte,

auf Springer und Subunternehmer,

die nur ein paar Tage in einem Kiez

unterwegs sind. Die neue Zeit: Anonyme,

austauschbare Mitarbeiter

ersetzen die vertrauten Stammkräfte,

statt einem persönlichen

Sachbearbeiter gibt es nur noch Callcenter

nach Skript, der Hausmeister

wird durch „Facility Management“-

Firmen ersetzt. UndimEinzelhandel

trifft man immer öfter statt auf verlässliche

Fachkräfte nur auf stetig

wechselnde Minijobber;erste Versuche

mit Selbstbedienungskassen zeigen,

dass man irgendwann nicht nur

kontaktlos bezahlt, sondern der

ganze Einkauf ohne Kontakt zu anderen

Menschen abgewickelt wird.

Das alles liegt im Trend: Fast alle

Start-ups basieren auf einer „Bequemlichkeit“,

die der Kundschaft

lästige Termine in der Öffentlichkeit

oder persönliche Ansprache abnimmt.

Geschäftlich funktioniert

das offenbar. Gesellschaftlich eher

nicht. Will man wirklich allein in seiner

Wohnwabe mit WLAN leben, nur

noch Knöpfe drücken und Apps bedienen,

statt sich mit anderen Menschen

zu unterhalten und auszutauschen?

Will man wirklich, statt mit

dem Postboten zu plauschen, Packstationen

besuchen oder anonymen

Fahrradkurieren hinterherwinken?

Kultursenator Klaus Lederer lässt mitreden –aber auf dem Entscheidersofa sitzt er dann lieber allein.

Neuprägung der Alten Münze

Eine Verwaltungsklage und Kritik von vielen Seiten, aber Kultursenator Klaus Lederer bleibt locker

VonPetraKohse

Zur Einstimmung ins Thema

schlage ich vor, dass Siealle

jetzt dreimal hintereinander

und möglichst schnell

„partizipativer Prozess“ sagen. Das

schafft man, werden Sie merken,

nur, wenn man sein Ziel (den Begriff)fest

im Sinn behält und ansonsten

(in der Mundmuskulatur) einigermaßen

locker bleibt. Und indieser

Haltung dürfen Siesich jetzt auch

Kultursenator Klaus Lederer vorstellen,

wie er derzeit in der diskursiven

Brandung steht, die gerade wieder

über seiner politischen Aufgabe zusammenschlägt,

das Gelände der Alten

Münze zum langfristig gesicherten

Kulturstandortmit einem Musikschwerpunkt

zu entwickeln.

Für ihn, den Linken, war das eine

Gelegenheit, die Spezifik linker Politik

am delikatesten Beispiel (bezahlbare

Räume für Kultur in Berlin!) zu

demonstrieren, indem er die Sache

nicht rasch selbst entschied, sondern

die Schwarmintelligenz anrief

und in einem partizipativen Prozess

vieler interessierter Akteure(40 Personen

insgesamt) zunächst ein Nutzungskonzept

entwickeln ließ. Und

auf dessen Grundlage befindet die

Kulturverwaltung jetzt über den

Charakter der vier Häuser und ihre

Sanierung, für die der Senat 35 Millionen

Euro zur Verfügung stellt.

Das ist seit Anfang des Jahres geschehen,

aber als das Ergebnis dann

am Montagnachmittag im Abgeordnetenhaus

vorgestellt wurde und

vier Beteiligte dazu angehört wurden,

prasselte es nicht nur von allen

politischen Seiten auf die Sache ein,

sondernnoch vorBeginn der Veranstaltung

hatte der Meisterrat Berlin-

Brandenburg, ein Verband vonDesignern,

bekanntgegeben, gemeinsam

mit dem Typographen

Erik Spiekermann

eine Verwaltungsklage

gegen

das Land Berlin erhoben

zu haben,

weil die Rechtmäßigkeit

des Beteiligungsverfahrens

angezweifelt wird.

Partizipativer Prozess,

partizipativer

Prozess, partizipativerProzess.

Tatsächlich hat es den Anschein,

als ob vorhandene Nutzungsvorschläge

aus dem Bereich der Kreativwirtschaft,

die andere Regierungen

in den letzten Jahren eingeholt hatten,

als das Gelände noch verkauft

werden sollte, nicht im gleichen

Maße in die Diskussion einbezogen

wurden wie beispielsweise Vorschläge

aus der Koalition der Freien

Szene.Aber ist das justitiabel? Gibt es

ein Recht darauf, vorzukommen

Die Alte Münze zwischen Spree

und Molkenmarkt

oder ist Partizipation nicht vielmehr

eine freiwillige Leistung in einer repräsentativen

Demokratie?

„Ich sehe dem Verfahren und seinem

Ausgang mit großer Entspanntheit

entgegen“, kommentierte der

Jurist Lederer im Kulturausschuss

und riss als bisherigen Zwischennutzernicht

nur das Designmuseum Direktorenhaus

(das die Verwaltungsklage

mit betrieben hat), sondern

auch die Spreewerkstätten

aus der Sicherheit,

dass sie in

jedem Fall auch nach

2026 in der Alten

DPA/BRITTA PEDERS

Münze beheimatet

sein werden, obwohl

sie in den letzten Jahren

viel für das Gelände

getan haben.

Gleichzeitig

dämpfte der Kultursenator,gewisserma-

ßen nach links, allzu große Förderund

Autonomie-Erwartungen der

Koalition der Freien Szene,und wies,

von seiner Seite aus nach rechts, die

Nachfragen von CDU, FDP, aber

auch des Koalitionspartners SPD als

Missverständnis seines aktuellen

Auftrages ab, die Alte Münze räumlich

als Ganzes für die Kultur zu entwickeln.

Robbin Juhnke etwa, von der

CDU, hatte kritisiert, dass das bisherige

Konzept zwar darin deutlich

IMAGO/MIKE WOLFF

sei, dass in der Alten Münzeinhaltliche

Vielfalt in einer gemeinsamen,

kooperativen Struktur herrschen

solle, dass die Potentiale der

Räume (repräsentativ oder eher für

Proben geeignet etc.) evaluiert

worden seien und die Raummiete

auf sechs Euro bis sieben Euro

fünfzig festgelegt werden konnte,

dass aber von dem, was genau dort

nun eigentlich stattfinden solle

und von wem gemacht, nur gesagt

werde, dass es in jedem Fall eine

Strahlkraft haben werde.

Bei vorschnellen inhaltlichen

oder gar personellen Festlegungen,

so der Senator darauf, könne man in

den nächsten Jahren nicht mehr auf

die Entwicklungen der gesamten

Kulturszene reagieren.Wichtigsei im

Augenblick nur, zuwissen, auf welche

Struktur hin man die anstehende

Sanierung planen müsse.

Und inRichtung derjenigen, die

einforderten, den Zwischennutzern

in jedem Fall ein Vorrecht einzuräumen,

antwortete er, dass der Auftrag

an ihn dann entsprechend anders

hätte formuliert sein müssen. Für

ihn heiße „Entwicklung“, dass man

das Ganze neu denke –wobei er gegen

die Spreewerkstätten und das

Designmuseum nichts habe, imGegenteil,

aber er mache jetzt noch

keine Zusagen. Ein partizipativer

Prozess ist eben noch lange keine

partizipativePolitik.

NACHRICHTEN

Literaturnobelpreisträgerin

Tokarczuk arbeitet an Buch

Diepolnische Literaturnobelpreisträgerin

Olga Tokarczuk (57) arbeitet

an einem neuen Werk.„Ichhabe ein

neues Buch angefangen, nur komme

ich seit einiger Zeit nicht dazu, die

Arbeit daran fortzusetzen. DasBuch

wirdalle überraschen“, sagteTokarczuk

am Montag in Wroclaw laut

Nachrichtenagentur PAP. Worumes

in dem neuen Werk geht, verriet Tokarczuk

nicht. „Während der Entstehung

eines Textes darfman das nicht

einmal mit sehr nahestehenden

Menschen teilen, man darfnicht

darüber sprechen.“ Die57-Jährige

war Anfang Oktober mit dem Literaturnobelpreis

für das Jahr 2018 ausgezeichnet

worden. (dpa)

Chinesischer Künstler

Huang Yong Ping gestorben

Derchinesische Künstler Huang

Yong Ping ist am Sonnabend im Alter

von65Jahren gestorben. Sein Galerist

Kamel Mennour bestätigte am

Montag den „plötzlichen“ Toddes in

Parislebenden, führenden Vertreters

der Avantgarde.Huang Yong Ping

war 2016 mit dem Wolfgang-Hahn-

Preis der Gesellschaft für Moderne

Kunst am Museum Ludwig in Köln

ausgezeichnet worden. Der1954 in

der südchinesischen Hafenstadt Xiamen

geborene Huang Yong Ping war

in den 80er Jahren einer der Gründer

einer „Xiamen Dada“ genannten

Gruppe.Erverband Dadaismus mit

Buddhismus. (dpa)

Hamburger Filmemacher

fordernmehr Geld

Hamburger Filmemacher,darunter

auch Starregisseur Fatih Akin, haben

mehr Geld für Serien aus der Hansestadt

gefordert. „Es ist jetzt an der

Zeit, sich zu bekennen, sonst werden

die großen Serien der Zukunft woanders

gedreht“, sagte Michael Lehmann,

Vorsitzender der Geschäftsführung

vonStudio Hamburg, am

Montag. Sollte es demnächst keine

spezielle Serienförderung geben,

fürchten die Produzenten eine Abwanderung

nach Berlin, München

oder Nordrhein-Westfalen, wo es

eine derartige Förderung bereits

gebe. (dpa)

UNTERM

Strich

Schnitte

Bier

am Bau

VonRalf Schenk

ImSommer 1962 berichtet die Berliner Zeitung

vonden Arbeiten am Defa-Film „Verliebt

und vorbestraft“. Gedreht wird am

Strausberger Platz, wo schmucke Hochhäuser

das neue sozialistische Berlin repräsentieren

sollen. DieDefa und die Bauleute vertragen

sich gut. Wenn der Drehstab gegen

sechs Uhr morgens mit den Aufnahmen beginnt,

verlässt die Nachtschicht gerade den

Bau, steht aber noch für Ratund Tatzur Seite.

HerbertKöfer wirdbeim Schrippenholen als

„Kollege Bauarbeiter“ begrüßt. Und Doris

Abeßer bekommt eine Ahnung davon, wie

man Großplatten zusammenschweißt.

Regie führtErwin Stranka; es ist sein Kinodebüt.

Stranka hat in Prag studiert, zusammen

mit Miloš Forman und anderen. Ihm

schwebt etwas Ähnliches vorwie Forman mit

seinem parallel gedrehten Film „Der

schwarze Peter“: eine erzählerische Freiheit,

die auf Improvisation setzt und auf eine bewegte,

die Alltagsrealität genau erfassende

Fotografie. InKameramann Erich Gusko findet

er einen starken Partner. Dessen Kamera

wirkt teilweise schwerelos: Er nimmt sie vom

Stativ, lässt sie auf Beton-Fertigteilen zwischen

Himmel und Erde schweben, zwängt

sich in die Kabine des Turmdrehkrans, fährt

mit dem Lastenaufzug an den halbfertigen

Etagen eines Hochhauses entlang. Guskos

Kamera gibt das Tempo des Films vor, Georg

Katzer schreibt flotte Jazzmusik dazu.

70

BLZ/GALANTY

Erzählt wird von einer sauf- und rauflustigen

Brigade und wie sie sich unter

dem Einfluss einer jungen Praktikantin

zum Positiven entwickelt. Das Drehbuch

von Heinz Kahlau entsteht nach dem Entwurf

einer Potsdamer Richterin, die in einem

Wettbewerb der Defa um gute Lustspielideen

den ersten Preis gewonnen hat.

Eine Dramaturgin lobt Lebensverbundenheit

und Milieukenntnis: „Bei der Zeichnung

der Charaktere, ihrer Eigenarten und

kleinen Schwächen war immer ein undidaktischer,liebenswürdig

optimistischer

Standpunkt maßgebend. Dabei gibt es

keine Verniedlichungen und Schönfärbereien.“

Der Film gilt als Beitrag der Defa

zum Bitterfelder Weg, die direkte Nähe zur

Arbeiterklasse ist offenkundig.

Im Januar 1963 bittet das Studio um Abnahme

des Films im Ministerium für Kultur.

Auch dort ist man angetan, am 27. Januar

wird„Verliebt und vorbestraft“ zugelassen.

Doch dann dreht sich der Wind. Plötzlich

gibt es „ernste ideologische Einwände“.

Der Film wird ans Studio zurückverwiesen,

die Betriebsparteiorganisation

der SED verfasst ein Gutachten: Die geistige

Physiognomie der Arbeiter sei nicht

differenziert erfasst, das Wesen neuer, sozialistischer

Menschen gewinne keine Gestalt.

„Die Heiterkeit entsteht oft durch

eine gewisse einförmig anzutreffende

Trotteligkeit, liebevoll-mitleidig gestaltete

Einfalt und Gutmütigkeit wie durch äußerliche

Gags, insbesondere den übermäßigen

Bierkonsum.“ Dadurch entstehe ein

„einseitiges, verzerrtes Bild vom Leben

auf der Baustelle“.

„Verliebt und vorbestraft“ wirdumzwanzig

Minuten gekürzt: Es entfallen Motorradrennen

auf dem Bau, deftige Skatspiele,

Saufgelage sowie die Szene an einem Bananenstand.

Erwin Stranka steht vorden Trümmern

seines Debüts. Seine Folgeprojekte

werden nicht genehmigt. Er kündigt, arbeitet

als Dreher im Potsdamer Karl-Marx-Werk,

zeichnet Karikaturen. Erst 1971 folgt er dem

Ruf, zur Defa zurückzukehren.


20 Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

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Feuilleton

Doris Lessing,fotografiertimJahr 1992.

IMAGO IMAGES/SOPHIE BASSOULS

Ungebundene Frauen

Vor100 Jahren wurde die Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing geboren –sie war eher eine politische als eine feministische Schriftstellerin

VonSabine Rohlf

Als Doris Lessing 2007 mit

88 Jahren den Literaturnobelpreis

bekam, waren

nicht alle begeistert. Sie

würde, hieß es von manchen Kritikern,

mehr für ihrepolitisch korrekte

Haltung als für ihreästhetische Leistung

geehrt. In ihrer Nobelvorlesung,

die aus Altersgründen nicht

sie, sondern ihr Verleger in Stockholm

vortrug, reagierte sie womöglich

auf solche Vorbehalte. Denn die

Rede stellte nicht sie selbst in den

Mittelpunkt, sondern erinnerte

daran, wie viele Menschen vondem,

was wir so leichthin „Literatur“ nennen,

ausgeschlossen sind: Mit kurzen

Szenen über den dramatischen

Mangel an Büchern und Bildung in

Simbabwe wies sie auf etwas, das in

reichen, sicheren Ländern allzu

leicht aus dem Blick gerät: Die Welt

ist ein hierarchischer Ortvoller Mangel

und Gewalt, Literatur kein davon

unabhängiges System.

Am 22. Oktober 1919 als Tochter

englischer Eltern inPersien geboren

und im damaligen Rhodesien (heute

Simbabwe) aufgewachsen, kannte

Doris Lessing die hässliche Wirklichkeit

kolonialer Gesellschaften sehr

genau. IhrDebütroman „The Grass is

Singing“ schildert sie, ohne übrigens

so zu tun, als seien weiße Frauen

keine Rassistinnen. Er erschien 1950,

die damals 31-Jährige lebte inzwischen

in England, hatte zwei Ehen

und mehrere Jobs hinter sich, war in

die Kommunistische Partei eingetreten

und hatte drei Kinder geboren. Ihren

Nachnamen übernahm sie von

ihrem zweiten Mann, dem deutschen

Exilanten Gottfried Lessing, einem

Onkel Gregor Gysis. Ins Deutsche

übersetzt erschien der Roman 1953

als„Afrikanische Tragödie“.

Der internationale Erfolg kam

1962 mit dem Roman „The Golden

Notebook“, der allerdings erst 1978

auf Deutsch erschien. „Das goldene

Notizbuch“ handelt von einer

Schriftstellerin in London beziehungsweise

deren Erlebnissen als alleinstehende

Frau und Mutter,ihren

Zweifeln als Kommunistin und ihrem

stockenden Romanprojekt. Sie

schildert diese Lebensbereiche in je

einem roten, schwarzen, gelben und

blauen Notizbuch, am Ende versucht

sie alles in einem goldenen zusammenzuführen.

Diese Notizbücher

sind voneiner Romanhandlung

mit dem schönen Titel „Ungebundene

Frauen“ gerahmt –eine komplexe

Komposition, in der es um

Schreiben, Sexund Liebe aus weiblicher

Sicht, intellektuelle und politische

Debatten, Subjektivität und gesellschaftliche

Verantwortung geht.

Der Roman wurde und wird als

Meilenstein des Feminismus gefeiert,

dabei fühlte sich Doris Lessing

der Frauenbewegung gar nicht so

DAS BUCH

Doris Lessing:

Worumeswirklich geht. Stories.

Mit einem Nachwortvon Simone Frieling.

Ebersbach &Simon, Berlin 2019. 194 S.,20Euro

verbunden. Sie hatte nur deutlich

früher als viele andere eine intellektuelle

Frau in den Mittelpunkt gerückt

und außerdem eindrücklich

beschrieben, wie zerrissen und widersprüchlich

Menschen sind. In

Zeiten, in denen man noch an autonome,von

den Niederungen des Alltags

und der Emotionen unangefochtene

Genies (natürlich männliche)

und alle Widersprüche letztlich

aufhebende Kämpfe glaubte, war

das aufsehenerregend, vorallem aus

einer weiblichen Feder. Auch heute

noch lässt sich viel davon lernen.

Nicht alles, was Lessing schrieb,

war formal so ausgefeilt oder interessant

wie „Das Goldene Notizbuch“,

dazu war sie wohl einfach zu produktiv.

Sie veröffentlichte neben Romanen

und Erzählungen auch Essays,

Reportagen, Theaterstücke, Autobiographien,

ja Katzengeschichten. IhrenThemen

blieb sie allerdings treu:

Neben der Ermächtigung einer weiblichen

Perspektive waren es die Folgen

des Kolonialismus in Afrika, Rassismus,die

Spannung zwischen Idealen

und konkreter Politik (sie verließ

die KP 1956 wieder). Ende der 70er-

Jahrekamen spirituelle Fragen hinzu.

Mitihrem Zyklus „Canopus in Argos:

Archive“ (1979–1983) verfasste

sie eine Art sozialutopischer

Science-Fiction, in „Die viertorige

Stadt“ imaginierte sie die nukleare

Katastrophe des Dritten Weltkriegs.

Ab Mitte der Achtzigerjahrekonzentrierte

sie sich wieder auf die britische

Gegenwart. Sie veröffentlichte

bis ins hohe Alter hinein, ihr letztes

Buch „Alfred and Emily“ erschien

2008, da war sie fast 90 Jahrealt. Fünf

Jahrespäter,am17. November 2013,

starb sie in London.

Egal, ob sie über linksliberale

Ehepaare, zerstrittene Kommunisten,

koloniale Ausbeutung oder Außerirdische

schrieb, Lessing interessierte

sich immer für die Nuancen

und Halbtöne persönlicher Beziehungen.

Darin war sie den Romanwelten

des 19. Jahrhunderts verpflichtet,

die sie via Bücherpaket auf

der rhodesischen Maisfarm ihrer Eltern

erreichten und die ihr Schreiben,

das sagte sie selbst, nachhaltig

prägten. Kostproben ihres Talents

für subtile Charakterstudien finden

sich im zum 100. Geburtstag neu

aufgelegten Erzählband „Worum es

wirklich geht“, der auch ihren trockenen

Humor zeigt, mit dem sie die

aberwitzigen Seiten unserer Liebesund

Gefühlskultur behandelt. Diese

Geschichten sind ein guter Einstieg

ins Werk einer Literaturnobelpreisträgerin,

die schon 1962 in ihrem

„Goldenen Notizbuch“ beschrieb,

wie politische Verantwortung, Subjektivität

und literarische Arbeit

nicht ohne weiteres zueinander finden,

aber, und das ist das Entscheidende

bei ihr, eben auch nie ohne

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Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 21

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Feuilleton

Auch

Marco

strahlt

Yvon Jansen musiziert

im Festsaal Kreuzberg

VonJohannes von Weizsäcker

Yvon Jansen wird von Erobique und

Jacques Palminger begleitet. OWSNITZIKI

Viele mittelalte, aber auch

durchaus nicht wenige jüngere

Frauen und Männer hatten sich am

Sonntagabend im Festsaal Kreuzberg

eingefunden, um die Schauspielerin

und Sängerin Yvon Jansen

dabei zu beobachten, wie sie sich

vomaus dem allseits beliebten Studio

Braun als Telefon-Prankster,

Musiker und Schauspieler bekannten

Heiner Ebber alias Jacques Palminger

sowie den aus der Easy-Listening-Discofunk-Revivalszene

allseits beliebten Keyboarder und

TV-Komponisten Carsten Meyer

alias Erobique sowie weiteren Instrumentenstreichlern

an Bass,

Schlagzeug und gelegentlich Gitarre

dabei begleiten ließ, wie sie

von Palminger getextete und von

Erobique komponierte Lieder im

Entspannungssound der Siebziger

sang. Sie handeln von der Strahlkraft

der Liebe, die uns alle erfasst,

bewegt und gelegentlich auch mal

umherschleudert wie die stürmische

Seeein kleines Boot!

Erobique und Palminger lernten

Yvon –sohier ihr Bühnenname –

2006 beim Mitmachprojekt „Songs

for Joy“ kennen und stückelten

hierfür von Laien eingesendete

Texte zusammen. Das Ergebnis dokumentierten

sie im Anschluss

durch die Veröffentlichung eines

gleichnamigen Albums.Nun haben

die drei unter dem Namen „Erobique

und Palminger präsentieren:

Yvon“ ein neues Album aufgenommen;

es heißt „Yvon imKreis der

Liebe“, und wie sich im Festsaal

Kreuzberg feststellen ließ, eignen

sich die darauf enthaltenen Lieder

kraft ihrer Easy-Clever-Beknacktheitstexte

und Hilde-Knef-Gedenk-Vibrationen

besonders zum

Wochenendausklang.

Dabei war das Programm am

Sonntagabend von Liedern von

„Songs for Joy“ gerahmt; so begann

die Band mit dem tollen „Kathrin

und Lars“, einer positiven Beziehungsbilanz

aus den frühen Zeiten

des Internetdatings; die Liebe überdauert

hier auch Krisen wie Arbeitslosigkeit,

nicht zuletzt, da Lars gelernter

Zimmermann ist und Kathrin

bald Anstellung als Industriekauffrau

findet!

In der Zugabe hingegen versprühte

das Lied „Wann strahlst

du?“ tatsächlich Strahlung. Dazwischen

fügten sich die Stücke vom

neuen Album hervorragend ein, da

die unbeholfene Laienpathoslyrik

über deprimierendes Leben nahtlos

an damals anschließt; das Lied

„Marco“ über einen besonders beknackten

Liebhaber, von dem die

Protagonistin nicht loskommt, war

ein Highlight; schön, wie der ganze

Festsaal im Refrain „Marco“ sagte.

Auch sehr gut: „Der erste Mensch

auf der Sonne“ zum Abschluss des

Hauptteils, eine kleine Schlafzimmer-Sci-Fi-Hoffnungsoper,

die Erobique,

übrigens gewohnt geschmeidig

an E-Piano und jauligen Solo-

Synths,mit geradezu ambitionierten

Tempowechseln ausgestattet hat.

Alle Beteiligten strahlten.

VonMartin Wilkening

und Clemens Haustein

Vier Dirigentinnen sind in

diesen Wochen bei den

Berliner Orchestern zu

Gast, zwei allein am vergangenen

Wochenende –und deren

Auftreten war schon denkbar verschieden.

Die unmittelbare Überzeugungskraft,

die Emmanuelle Haim als Dirigentin

bei den Berliner Philharmonikern

ausstrahlt, hängt sicher auch

damit zusammen, dass sie nicht auf

einem Podest dem Orchester gegenübertritt,

sondernaus dem Kreis der

Musiker heraus agiert. Die bürgerliche

Symphonik ist nicht ihre Sache.

Als Spezialistin für die Musik des 17.

und 18. Jahrhunderts leitet sie das

Konzert vom Cembalo aus, als dirigierende

Musikerin muss sie viel weniger

gegen festgefahrene Vorstellungen

ankämpfen. Die Grenzen

zwischen Dirigieren und Musizieren

werden dabei fließend, und dazu

passt, dass Haim nach ihren drei Orchesterkonzerten

auch noch ein

Kammerkonzertmit Mitgliedernder

Philharmoniker gestaltet.

Frische Festlichkeit

Bei den Philharmonikern war die

französische Musikerin bereits mehrfach

zu Gast, sie wirddortoffensichtlich

mehr geschätzt als andereVertreter

der historisch informierten Aufführungspraxis,

vielleicht auch, weil

Haim von der Klangvorstellung her

keine Vertreterin der reinen Lehreist.

Vibrato bei den Streichern ist nicht

prinzipiell verpönt, die Musiker müssen

sich nicht verstellen und erreichen

trotzdem eine Darstellung, die

vom Geist des Barock und dem Wissen

der historischen Aufführungspraxis

erfüllt ist.

Derharmonische Satz in Händels

„Feuerwerksmusik“ erstrahlt in voller

Prächtigkeit und dennoch fein

ausgehörter Balance.Esist ein orgelähnlicher

Klangstrom, der jedoch

nichts Behäbiges besitzt, sondern

mit oft überraschender prosodischer

Spannung artikuliert wird. Solche

Lebendigkeit verschafft selbst dieser

endlos abgespielten Musik einen

Eindruck von Frische und vermittelt

etwas von der festlichen Spannung,

die die riesige Menschenmenge damals

bei der Freiluftaufführung erfasst

haben muss.

Eine Suite aus Purcells „Fairy

Queen“ hatte in gestochen scharfer

Frauen am Pult

Emmanuelle Haim und Karina Canellakis dirigieren Berliner Orchester

Emmanuelle Haim musiziertund dirigiertgleichzeitig.

Charakteristik der bunt gemischten

Tanztypen den Anfang gemacht, und

Händels Solo-Kantate „La terra èliberata“,

eine Art Duodrama um den

Mythos von Apollo und Daphne,

stand am Schluss. Großartig die beiden

Solisten: Der Bariton Florian

Sempey, stimmlich ebenso kraftvoll

SIMON FOWLER

wie beweglich, machte seinen Apollo

fast zu einer tragisch-komischen

Don-Giovanni-Figur, und Lucy

Crowe gab die verfolgte Daphne mit

warmem Sopran rührend, aber

selbstbewusst.

Ist man bei den Berliner Philharmonikern

anscheinend der Mei-

VomRande her gesehen

nung, dass Frauen nur die Randbereiche

des Repertoires anzuvertrauen

sind, engagiert das Rundfunk-Sinfonieorchester

eine Frau als

Erste Gastdirigentin: Eine kluge Entscheidung,

nicht nur weil man sich

damit den Eintrag sichert, als erstes

Berliner Orchester eine feste Dirigentin

unter Vertrag genommen zu

haben, sondern auch, weil man mit

Karina Canellakis eine der derzeit

vielversprechendsten Orchesterleiterinnen

–männliche Kollegen mitgedacht

–engagierte.

Dass es sich bei Karina Canellakis

um eine technisch exzellente Dirigentin

mit präzisen Vorstellungen

handelt, davon konnte man sich im

vergangenen April bereits überzeugen

bei ihrem Debüt beim Deutschen

Symphonie-Orchester. Ihren

Einstand beim RSB gab sie selbstbewusst

mit Beethoven. An Beethoven

zeige sich der Dirigent, meinte Marek

Janowski, früherer RSB-Chef,

kürzlich in einem Interview −weshalb

viele Dirigenten einen Bogen

um ihn machen. Canellakis Wahl der

7. Sinfonie zeugt von Mut wie vom

Selbstbewusstsein, über die nötigen

Mittel zu verfügen. Schlank und

wendig klingt dieser Beethovenauch

noch mit dem großen Orchester,das

Canellakis hier romantischer Tradition

folgend auflaufen lässt, rhythmisch

präzise, gesanglich und immer

klangvoll.

Canellakis’ generelle Sorgfalt fällt

noch stärker auf bei RichardStrauss’

„Heldenleben“, womit sich die Dirigentin

−man darfAbsicht vermuten

−eines der großen Genderstücke der

Orchesterliteratur ausgesucht hat:

Der Held bläst potent ins Horn, die

Gattin säuselt und zickt als Solo-Violine.Canellakis

nimmt das Stück auffallend

langsam; dem großen

Schwung, mit dem viele ihrer männlichen

Kollegen durch das Werk rauschen,

misstraut sie; nonchalante

Beiläufigkeit, oft ein Mittel, um der

Riesenpartitur Herr zu werden,

kennt sie nicht. Dem Hörer erschließt

sie damit den ganzen Reichtum

des Stückes: die Vielstimmigkeit,

die wimmelbildartige Fülle an

Details. Die Gefahr, dass das Werk

unter dem mikroskopischen Blick

zerfranst, ist nicht gering, jedoch

vermag Canellakis meist die Spannung

zu halten und weite Bögen zu

ziehen. Damit entdeckt sie eine neue

Seite am vielgespielten Stück: eine

poetische Aura jenseits der blanken

Virilität.

Zum Todvon Monika Schoeller,die den S. Fischer Verlag mit Anstand, Stil und Gerechtigkeitsempfinden leitete

VonCornelia Geißler

Als ihr Vater Georg von Holtzbrinck

Monika Schoeller 1974 als

die neue Verlegerin bei S. Fischer

einsetzte,war sie 35 Jahrealt. Siekam

in eine Männergesellschaft, doch die

Buchwelt war ihr nicht fremd. Monika

Schoeller hatte Literatur- und

Kunstgeschichte studiert, war bei Artemis

&Winkler in der Lehre gewesen.

Im Kontakt mit Autoren war sie

aufgewachsen. Sie hat den Verlag in

einer Weise weitergeführt, dass vor

acht Jahren der 125. Geburtstag stolz

gefeiertwerden konnte.Sie hat manche

Krise überstanden. Bisheute gehört

S.Fischer zu den Häusern, deren

Bücher Preise bekommen und

diskutiertwerden.

Monika Schoeller ist, wie die Familie

am Montag mitteilte, am17.

Oktober nach kurzer schwerer

Krankheit im Alter von80Jahren gestorben.

Für ihre Arbeit erhielt sie

viele Auszeichnungen, darunter das

Bundesverdienstkreuz. Dass andere

ihren Einsatz als Verlegerin bemerkt

haben, dürfte ihr also bewusst gewesen

sein. Unddoch, als 2006 die jüdische

Organisation B’nai B’rith Europa

sie mit der GoldenenVerdienstmedaille

auszeichnete (wie zwei

Jahre später auch Bundeskanzlerin

Angela Merkel), zeigte sich Monika

Schoeller erstaunt. Sie habe nur getan,

„was vom Verlag schon vorgezeichnet

war“. Genau: Geehrtwurde

sie,weil sie den

Verlag im Sinne des Gründers

weitergeführtund dabei„für

jüdische Interessen

und jüdisches Wesen mehr

getan“ habe als mancher

Vorgänger.

Monika Schoeller war

es, die 1977 die „Schwarze

Reihe“ für Bücher über den

Nationalsozialismus initiierte.

Hier erschienen wissenschaftliche

Studien

und Zeugnisse vonÜberlebenden, so

in drei Bänden „Die Vernichtung der

europäischen Juden“ von Raul Hilberg,

hier veröffentlichte Götz Aly mit

Susanne Heim 1991 den Band „Vordenker

der Vernichtung“. Der S.Fischer

Verlag kümmert sich auch von

Anfang an um die Publikation des Tagebuches

vonAnne Frank.

Bei der Ehrung durch den B’nai

B’rith in den Berliner Büros des Verlags

erzählte Monika Schoeller, wie

sie als Kind 1943 mit der Mutter und

Geschwistern auf die Schwäbische

Alb geflohen sei und da selbst die Erfahrung

gemacht habe, „am Rande

zu sein“. Ihre Familie hatte eine andere

Konfession, sprach anders, besaß

dort nichts. Diese

frühe Erfahrung sei ihr

im Literaturbetrieb bewusst

geblieben: Vom

Rand aus „sieht und versteht

man besser“.

Als sie Verlegerin

wurde, war die Erinnerung

an den Einfluss der

S. FISCHER/BARBARA KLEMM

Politik noch präsent, die

fast den Verlag zerstört

Monika Schoeller hatte. Der in Berlin 1886

(1939–2019) gegründete Verlag verlor

1942 auf Anordnung des

Reichspropagandaministeriums seinen

Namen und viele Autoren, erst

1950 wurde der S. Fischer Verlag in

FrankfurtamMain neu gegründet.

Monika Schoeller war die Tochter

desVerlegers Georgvon Holtzbrinck,

verheiratet mit dem LiteraturwissenschaftlerBernd

Schoeller,Mutter

einer Tochter.Seit dem Rückzug von

Georg-Dieter von Holtzbrinck 2006

war sie zusammen mit ihrem Halbbruder

Stefan von Holtzbrinck Gesellschafterin

der Verlagsgruppe Ge-

orgvon Holtzbrinck. Ausder operativen

Leitung der S. Fischer Verlage

hatte sie sich 2002 zurückgezogen,

blieb aber am Geschehen als Vorsitzende

der Geschäftsleitung beteiligt.

S. Fischer betreut die Werkevieler

großer Autoren wie Thomas Mann,

Franz Kafka, Hugo von Hofmannsthal.

Monika Schoeller vertraute auf

Reiner Stach, als er seine Kafka-Biografie

ankündigte, die sich zu drei

Bänden auswuchs –und schließlich

vonder Kritik gefeiertwurde.Und sie

schaute in die Zukunft, gab das S. Fischer

Archiv als Geschenk nach Marbach

ans Deutsche Literaturarchiv,

gründete die S. Fischer Stiftung, ansässig

in Berlin, die internationale

Übersetzungsprojekte fördert, aber

auch Kinder an Kultur heranführt.

Zum Tod von Monika Schoeller

schickt der Verlag ein paar Wortevon

Stefan von Holtzbrinck. Seine

Schwester konnte „das Wesentliche

von der Mode unterscheiden“, sagt

er,lobt ihr Wertesystem, das Stil, Anstand

und Geduld kannte, aber vor

allem: „Toleranz und Mitmenschlichkeit,

den Willen zu Freiheit und

Gerechtigkeit.“ Sie schaute vom

Rande her und hatte dabei dasWichtigste

im Blick.

Immer

wieder selbst

behaupten

Die Fernsehregisseurin

Christa Mühl ist gestorben

VonTorsten Wahl

Wie sich Frauen behaupten und

immer wieder neu orientieren,

das war für Christa Mühl ein Thema,

das sie Zeit ihres Lebens beschäftigte.

Aufgewachsen in Halle an der Saale

als Tochter eines Elektrikers, kam sie

nach einer Facharbeiterausbildung

über das Arbeitertheater zum Regiestudium

an die Babelsberger Filmhochschule.

Als junge Regisseurin

widmete sie sich zunächst der Literatur.

Nachdem sie den Brecht-Experten

Werner Hecht geheiratet hatte,

schrieb sie mit ihm gemeinsam Drehbücher,

die sie für das DDR-Fernsehen

in Szene setzte, etwa die filmische

Rekonstruktion „Ein Feigenblatt

für Kuhle Wampe“, „Tod und Auferstehung

des Wilhelm Hausmann“

und „Die Rache des Kapitäns Mitchell“.

Ursula Karruseit, Jutta Hoffmann,

Kurt Böwe oder Dieter Mann

standen für sie

vorder Kamera.

Später wandte

sich Christa Mühl

Gegenwartsstoffen

zu, fragte danach,

wie weit die

Emanzipation in

der DDR wirklich

gekommen war.

Ihr Film „Die

Generalprobe“

PRIVAT

TOP 10

Sonntag,20. Oktober

Christa Mühl

(1947–2019)

über eine Schauspiel-Absolventin

verschwand gleich nach seiner TV-

Premiere 1983 im Giftschrank. „Der

lange Weg zu Angerer“ zeigte eine

Wissenschaftlerin, die sich an der

Hierarchie ihres Instituts aufreibt. In

„Paulines zweites Leben“ musste

eine Frau mit Mitte fünfzig neu ins

Berufsleben einsteigen.

Mit der deutschen Einheit kam

auch für Christa Mühl, damals Anfang

vierzig, eine Zeit der Neuorientierung.

Die Regisseurin, die Stoffe

von Brecht, Fontane und Seghers

umgesetzt hatte, stieg beim damals

noch jungen Genre der Seifenoper

ein, so gehörte sie zu den ersten Regisseurinnen

der Serie„Marienhof“.

Den größten Erfolg hatte Christa

Mühl, als sie von Wolfgang Stumph

zur Krimireihe „Stubbe“ geholt

wurde. Christa Mühl, von Stumph

immer als „Glücksfall“ gepriesen, inszenierte

zehn Filme nach Büchern

vonPeter Kahane,die die Beliebtheit

der Reihe begründeten. Als Erfolg gilt

auch die Sat.1-Krankenhausreihe

„Für alle Fälle Stefanie“ –hier konnte

die Regisseurin weiter von der

Selbstbehauptung der Frauen erzählen

und zugleich vertraute Schauspielerinnen

wie Walfriede Schmitt

zurück ins Fernsehen holen.

Christa Mühl blieb der Seifenoper

treu –auch, weil der Wegzugehobeneren

Stoffen versperrt war. In

„Bianca –Wege zum Glück“ spielte

Annemone Haase,ihre„Pauline“ von

1984, die Großmutter der Heldin.

Nach ihrem Abschied vomFernsehen

debütierte sie 2015 mit dem Buch

„Seniorenknast –Wir kommen“ als

Krimiautorin. Wie die Familie mitteilte,ist

Christa Mühl am 14. Oktober

im Alter von72Jahren gestorben.

1 Tatort ARD 8,0 23 %

2 Tagesschau ARD 6,7 21 %

3 IngaLindström ZDF 5,2 15 %

4 heute journal ZDF 4,4 15 %

5 heute ZDF 4,1 15 %

6 Terra X ZDF 4,0 13 %

7 Berlin direkt ZDF 3,7 13 %

8 RTL aktuell RTL 3,4 13 %

9 Anne Will ARD 3,2 12 %

10 TerraXpress ZDF 2,7 11 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 * Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Naunynstraße (✆ 75 45 37 25)

20.00: Everybodycan be everybodycan not be (Jao

Moon)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

20.00 Kleines Haus: Amir

20.00: Endspiel

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Passagier 23

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.00: Don Quijote

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00: Tagebuch eines Wahnsinnigen

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: Bande áPart–Tanzbare Veranstaltung für

Außenseiter:Apnea by Tetra (Giulia Decherchi und

Amedeo Inglese)

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 19.30: RioReiser –Mein Name

ist Mensch

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

20.00: Get deutsch or die tryin’

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Marias Testament

Schaubühne (✆ 89 00 23)

19.30: Der Fremde

20.00: status quo

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: Jason und Medea oder was ist Heimat (Berliner

Schule für Schauspiel)

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Der Nazi &der Friseur

KABARETT/VARIETÉ

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Die netten Jahre sind vorbei (Henning

Ruwe)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: HowtobecomeaBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Der Spielekönig (Improtheater Paternoster)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Zeitlos (Tim Fischer &Band)

Wabe (✆ 902 95 38 50)

20.00: HerrSchlau-Schlau wird erwachsen (Johannes

Krätschell)

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Getwittercloud (Reiner Kröhnert)

KLASSIK

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik des ausgehenden 20. und des 21.

Jahrhunderts

Bode-Museum (✆ 266 42 42 42)

16.00: Kammerensemble des Berliner ResidenzOrchesters,

Klassik am Nachmittag–Goldener Oktober,

Preußische Musik trifft auf Werkeder italienischen

und französischen Komponisten; Kompositionen von

König Friedrich II., Anna Amalie vonPreußen, Bach,

Monteverdi und Rameau; anschl. Führung möglich

Französische Friedrichstadtkirche

(✆ 20 64 99 22) 15.00: Kilian Nauhaus, 30

Minuten Orgelmusik, Orgelwerkeverschiedener

Jahrhunderte

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

14.00 Kl. Saal: Kronberg Academy Soloists: Mairead

Hickey,Anne Luisa Kramb (Violine), Miriam Helms

Alien (Viola), Hayoung Choi (Violoncello), Espresso-Konzert–Gidon

Kremer empfiehlt, Franz Schubert:

Streichtrio B-Dur;GiyaKancheli: „Night Prayers“ für

Streichquartett und Tonband

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Philharmonisches Streichquartett,

Lunchkonzert, Josef Suk: Meditation über den

altböhmischen Choral „St.-Wenzeslaus“ op. 35a;

Ludwig vanBeethoven: Streichquartett Es-Dur op. 74

„Harfenquartett“

20.00: West-EasternDivan Orchestra, Ltg.Daniel

Barenboim, Anne-Sophie Mutter (Violine), Yo-YoMa

(Violoncello), Ludwig vanBeethoven: Tripelkonzert

C-Dur op. 56; Anton Bruckner:Symphonie Nr.9

d-Moll

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Jooin Kim (Violine), Yeonjae Choi (Violoncello),

mit Klavier,Oneclassic Young Artist Concert, Yongrib

Kim: „Sucht“ für Solo-Violine; RobertSchumann:

Sonate für Violine und Klavier Nr.1a-Moll op. 105;

Dmitri Schostakowitsch: Sonate für Violoncello und

Klavier d-Moll op.40

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

20.00 Apollosaal: Damenensemble des Staatsopernchores,

Ltg.Ursula Stigloher,Chorkonzert, Werke

vonFannyMendelssohn, Janet Beat,Vivienne Olive,

Hanns Eisler,Johannes Brahms u. a.

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

9.45 Kinderbibliothek: Bücherbabys, Workshop (bis

3J.). Anm.erf.

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Malala (ab 10 J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab8J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

FEZ Berlin (✆ 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

10.00: PrinzessinAllerleirauh, Ute Kahmann, Figurentheater

(ab 4J.)

Fliegendes Theater (✆ 692 21 00)

10.30: Post für den Tiger, Fliegendes Theater,Puppentheater

(ab 4bis 8J.). Anm.erf.

Gemeinschaftshaus Lichtenrade (✆ 902 77 70)

10.00: Hits für Kids, Zwulf (ab 3bis 7J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Schnubbel (ab 6J.)

Jaro Theater (✆ 341 04 42)

10.30: Das fliegende Kamel, Theater Jaro, Puppenund

Schauspiel (ab 3bis 8J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

10.00: Läuft’s rund bei dir? –Naturmandalas,

MACHmit! Aktion

14.00: Glühwürmchen im Glas, MACHmit! Aktion,

Kosten 5€

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

10.00: Das tapfereSchneiderlein, Abenteuer Märchenspiel

(ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

10.00: Die Bremer Stadtmusikanten, Ulrich Müller-

Hönow

Zukunftsaussichten

Werkocht

heute in der

Rentner-WG?

Ein Beispiel spannungsreicher

Themendramaturgie,

die vielleicht gar nicht beabsichtigt

war,bietet das heutige

Vortragsprogramm der Urania.

Um 18 Uhrspricht der gerade

einmal 50-jährige Journalist,

Autor und Talkshow-Gast

Hajo Schumacher unter dem

eigentlich wenig hoffnungsvollen

Titel „Restlaufzeit“ darüber,„wie

ein lustiges und bezahlbares

Leben im Alter“ gelingen

kann. Es soll um Lebensmodelle

gehen, um

Rentner-WGs, Mehrgenerationshäuser

und so was. Und

wie ein praktischer Vorschlag

zum lustigen Geldsparen

macht im Anschluss der Gärtner,

Landschafts- und Naturtheortiker

Ludwig Fischer die

Brennnessel Gegenstand einer

kulturgeschichtlichen Betrachtung.Vordem

Genuss der

zarten Blätter am besten mit

einem Nudelholz darüberrollen,

um die Brennhaare abzubrechen.

Ulrich Seidler

Restlaufzeit/Brennnessel Vorträge,

18/20 Uhr, Urania, Tel.:218 90 91

Sheila Maurice-Grey,

Trompeterin und Chefin

der Band Kokoroko, hat

Jazz studiert.

IMAGO IMAGES/NUNO PINTO FERNANDES

Von den noch recht traditionell

gefärbten Sounds ihres

Debüts hat sich Emel

Mathlouthi ziemlich entfernt.

Auf„Kelmti Horra“ mischte sie

2012 eindrücklich treibende Bässe

und wuchtige Drums mit leiernden

Geigen, dreisaitigen afrikanischen

Lauten, arabischer Percussion und

melismierendem Gesang. Damals

galt die tunesische Sängerin als

„Stimme der tunesischen Revolution“,

der Titelsong − übersetzt

„Mein Wort ist frei“ −wurde zu einer

Hymne des arabischen Frühlings.

Mittlerweile lebt Mathlouthi in

New York, und wie sich schon 2017

auf dem ausgezeichneten „Ensen“

angedeutet hatte, geht sie auf ihrem

nunmehr dritten Album„Everywhere

We Looked WasBurning“ entschlossen

den Wegineinen dunkel bis gothic

getunten, elektronischen Popmit

arabischen Anklängen. Sie hat sich

für dieses wesentlich englisch eingesungene

Album mit dem US-Elektroniker

Zombi zusammengetan (nicht

zu verwechseln mit dem britischen

Dubstep-Elektroniker Zomby).

DieVerbindunggelingt innig, obwohl

mir persönlich die arabische

Feine, ferne Schönheit

Sprache mit ihrer fremden Lautlichkeit

ein bisschen fehlt.

Der Ton bekommt hier, wie es ja

in Gothic-Kreisen nicht ungewöhnlich

ist, einen sakralen Beigeschmack,

was durch die Texte verstärkt

wird. Mathlouthi verpackt

darin eine durchaus politisch gemeinte

Sorge und Widerständigkeit

in Bilder voll Naturelementen,die in

der Musik durch entsprechende

Fieldrecordings anklingen − auch

wenn die Songs mitunter etwas gefällig

in der Leidensschmacht zu verlaufen

scheinen, geben die Sounds

immer eine fein störende, verwirrende,

rätselhafte Unterströmung

mit. Sieselbstsingt mit ihrer großen,

wandernden Stimme viel von Energie

und Kraft, und wie wir sie aus Naturund

„innerer Wahrheit“ schöpfen

und zur Harmonisierung der auseinanderfallenden

Welt einsetzen

können. Okay.

Ichschöpfe die Kraft eher aus den

oft schief dramatischen Kontrasten

zwischen Ätherischem, Verzerrtem

und Grollendem, zwischen glockiger

Elektronik, dumpf drohender Percussion

und leiernden Streicherlinien

−ein bisschen zu verklärt viel-

Markus Schneider

empfiehlt die arabisch-gotische

Elektrosängerin Emel Mathlouthi,

das Afrobeatjazz-Kollektiv Kokoroko

und die selbstgebastelten

Folktronica Vagabons.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Ich war noch

niemals in NewYork 14.30, 17.20, 20.15

Cinema Paris (✆ 881 3119) Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles 15.30, 20.30; Der Glanz

der Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Parasite 14.00,

17.00,20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Joker (OF) 15.15,

18.00, 20.00, 20.45, 21.40; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 15.00, 18.00, 18.10, 21.00; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 14.30, 21.40; Der

Glanz der Unsichtbaren 17.30; Systemsprenger

13.40, 16.20, 19.00; Das Kapital im 21. Jahrhundert

14.00; Und der Zukunft zugewandt 16.15;

Deutschstunde 14.30,17.15,20.00; M.C.Escher:

Reise in die Unendlichkeit 14.00; Skin 16.00;

Downton Abbey (OmU) 18.40; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Ich war noch niemals

in NewYork 17.30, 20.00; Born inEvin –Alles über

Evin 16.45; After theWedding 18.30; Systemsprenger

20.30

Kant Kino (✆ 319 9866) Joker 14.50, 17.40,

20.30; Ich war noch niemals in New York 15.00,

17.45, 20.20; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit

Flamingo! 15.15; Downton Abbey 17.20; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.30; After the

Wedding 17.30, 20.00; Nurejew –The White Crow

14.40,17.20, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Joker 13.45,

16.45, 19.45, 22.55; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.30; Joker (OF) 17.15, 23.00; Joker

20.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

14.30; 3D: Gemini Man 17.00, 20.10, 22.50; Angry

Birds 2: Der Film 13.15; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm15.30; 3D:Maleficent: Mächte der

Finsternis 17.40, 20.20, 23.00; 3D: Gemini Man

15.00;AdAstra –Zu den Sternen 17.50; Joker (OF)

20.40; Deutschstunde 14.40; Dem Horizont so nah

17.20,20.10; Es: Kapitel II 22.50; DowntonAbbey

14.30, 17.20; Once Upon aTime in... Hollywood

20.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Deutschstunde

11.00; Datsche (OmenglU) 13.15; The Dead

Don‘t Die (OmU) 14.45; Dora und die goldeneStadt

16.30; Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles

(OmU) 18.15; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.10; Paranza: Der Clan der Kinder –La

paranza deibambini(OmU) 11.00; Memory Games

(OmU) 12.45; Cleo (OmenglU) 14.15;

Die Geldwäscherei (OmU) 15.50; Gelobt sei Gott –

Grace aDieu (OmU) 17.20; Deutschstunde 19.40;

Midsommar (OmU) 22.00;Ama-San (OmU) 11.00;

Yesterday(OmU) 13.00;Und der Zukunft zugewandt

(OmenglU)15.00; Shaun dasSchaf:Der Film: UFO-

Alarm 16.45;AdAstra (OmU) 18.15; Systemsprenger

(OmenglU) 20.20; Skin (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 4268129) Undder Zukunft

zugewandt 14.00; Systemsprenger 16.00; Das Kapital

im 21. Jahrhundert –Capital in the Twenty-

First Century (OmU) 18.15; Gelobt sei Gott (OmU)

20.15; Midsommar (OmU) 22.45; Über Grenzen –

Der Film einer langen Reise 14.00; Memory Games

(OmU) 16.15; Congo Calling (OmU) 18.00; Die

Insel der hungrigen Geister –Island ofthe Hungry

Ghosts (OmU) 19.45; Barstow, California 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Ich war noch niemals

in NewYork 13.45, 16.45, 19.45;Angry Birds

2: Der Film 13.45, 16.50; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.00, 17.50; Dora und die goldene

Stadt 14.10, 16.50; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.15, 17.15, 20.15; Lino: Ein voll

verkatertes Abenteuer 14.20; Gemini Man 14.30,

17.20, 19.30; Good Boys 14.45; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 14.45; Dem Horizont so nah 14.45,

17.45, 20.45; Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen

15.00; Spider-Man: Far From Home 15.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.15, 18.15;

Maleficent: Mächte der Finsternis 16.10; Gut gegen

Nordwind16.15;Es: Kapitel II 17.10, 19.30;Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot 18.00; Madame

Mallory und der Duft von Curry 18.00; Once Upon

aTime in... Hollywood 19.10; Joker (OF) 19.15;Ad

Astra –Zuden Sternen 20.10; Joker 20.30,20.45,

21.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis –

Maleficent: Mistress of Evil (OF) 21.00; 47Meters

Down: Uncaged 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Nevrland (OmU) 20.20; Skin

(OmU) 22.10; Dunkel, fast Nacht –Ciemno, prawie

noc (OmU) 18.00; Berlin Bouncer (OmenglU)

20.15; Heute oder morgen 22.00

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 13.40, 17.00; Ich war noch niemals

inNew York 13.45, 16.50, 19.50; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.50, 16.40, 19.30;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00,

16.40; Angry Birds 2: Der Film 14.10, 17.15; Joker

14.15, 16.30, 20.00; Dora und die goldene

Stadt 14.20, 17.10; Es: Kapitel II 19.20; Gemini

Man 19.30; Downton Abbey 20.10; Dem Horizont

so nah 20.10

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Downton Abbey 14.00;

3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

16.15; Systemsprenger 18.05; Gelobt sei Gott

20.20

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Joker 14.20,

17.30, 20.20; Ich war noch niemals inNew York

14.20, 16.50, 19.50; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.30, 17.15, 20.00; Lino: Ein voll verkatertes

Abenteuer 14.30; Dora und die goldene

Stadt 14.45, 17.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.50, 17.20; Maleficent: Mächte der Finsternis

15.00, 17.20; Angry Birds 2: Der Film 15.10,

17.00; Der König der Löwen 17.15; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 17.40; Es: Kapitel II

19.30; 47Meters Down: Uncaged 19.40; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 19.45; Gemini Man 19.50;

Angel Has Fallen 20.00; 3D: Gemini Man 20.10

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Joker (OmU) 17.00,

19.45, 22.30; B Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.40

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Parasite –Gisaengchung(OmU)

18.00, 20.30; BorninEvin–Alles

über Evin (OmU) 18.00; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 20.00, 22.00

Moviemento (✆ 692 47 85) Systemsprenger

11.45, 14.30, 17.15; Pornfilmfestival: Unravelled

Intimacies (OmenglU) 20.30; Midsommar (OmU)

23.00; Frau Stern 10.00; Midsommar (OmU)

12.00; Skin (OmU) 15.00; Das Kapital im 21.

Jahrhundert –Capital in the Twenty-First Century

(OmenglU) 17.30; Pornfilmfestival: Unravelled Intimacies

(OmenglU) 20.15; Systemsprenger 22.45;

Das Kapital im 21. Jahrhundert –Capital in the

Twenty-First Century (OmenglU) 10.30; Ein Licht

zwischen den Wolken 12.45;Prelude 14.45; Bruder

Schwester Herz 17.00; Pornfilmfestival: Unravelled

Intimacies (OmenglU) 20.00; Once Upon aTime

in... Hollywood (OmU) 22.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Bruder Schwester Herz

17.00; Born inEvin –Alles über Evin (OmU) 19.00;

Skin (OmU) 20.45; Ready orNot? –Auf die Plätze,

fertig, tot (OmU) 22.45; Mein Leben mit Amanda

(OmU) 17.00; Systemsprenger 19.00; Nevrland

(OmU) 21.00; AdAstra –Zuden Sternen (OmU)

22.30; Kinobar imSputnik Filmclub (OmU) 20.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Parasite 14.20, 17.10,

20.00; New Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00; Der Glanz der Unsichtbaren 16.00, 20.50;

Systemsprenger 18.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Joker 14.30,

17.45, 20.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

15.00, 17.15, 20.15; Ich war noch niemals

in New York 15.00, 17.30, 20.15; Everest: Ein Yeti

willhoch hinaus15.15; Shaun das Schaf: DerFilm:

UFO-Alarm 15.30; Systemsprenger 17.30; Dora

und die goldene Stadt 17.45; Gemini Man 20.30;

After the Wedding 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 13.00; Der Glanz der

Unsichtbaren 13.00, 18.00; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 13.15; Ich war noch niemals

in New York 15.00, 17.45, 20.30; Deutschstunde

15.15; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.30;

Joker 17.40, 20.15; Ready orNot? –Auf die Plätze,

fertig,tot 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 17.00,

20.00; Joker 14.00, 17.00, 20.00; Ich war noch

niemals in NewYork14.00,16.30,19.45; Doraund

die goldene Stadt 14.00,17.15; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.15; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.15; Der König der Löwen 14.20;

Angry Birds 2: Der Film 14.30, 17.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 16.30; Gemini Man 17.00,

20.00; Dem Horizont so nah 17.15, 20.15; Angel

Has Fallen 20.00; Rambo 5: Last Blood 20.15;

Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Und der Zukunft zugewandt

18.45; Systemsprenger (OmenglU) 20.45; Memory

Games (OmU) 18.00; Ein Licht zwischen den Wolken

–Streha mes reve (OmU) 19.45; Mein Leben

mit Amanda –Amanda (OmU) 21.30

Babylon (✆ 242 59 69) Goodbye, GDR!: Berlin

–Ecke Schönhauser (OmenglU) 17.45; Goodbye,

GDR!: Hostess 18.00; Goodbye, GDR!: Der Mann,

der nach der Oma kam 18.00; Goodbye,GDR!: Das

Versteck 19.30; 36 Husbands (OmU) 20.00; Goodbye,

GDR!: Der geteilte Himmel (OmenglU) 20.00;

Goodbye,GDR!: Jahrgang 45 (OmenglU) 21.30; So

wie du mich willst –Celle que vous croyez (OmU)

21.45; Late Night –Die Show ihres Lebens (OmU)

22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73)

Joker (OmU) 13.15, 21.00; Midsommar (OmU)

15.45; Das Kapital im 21. Jahrhundert –Capital in

the Twenty-First Century (OmenglU) 18.45; Fritzi –

Eine Wendewundergeschichte 11.45; Joker (OmU)

17.15,20.00, 22.45

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 11.00, 14.00, 17.15,

19.40, 22.40; Ich war noch niemals in New York

11.00, 14.10, 17.30, 19.45, 23.00; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 11.10, 14.20; Der König der

Löwen 11.20; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 11.30, 14.10, 16.10; Joker 11.30, 14.30,

17.00, 20.00, 23.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

11.30; Angry Birds 2:Der Film 11.40,

13.40; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

12.10; Dem Horizont sonah 13.50, 19.30; Gut gegen

Nordwind 14.10; Dora und die goldene Stadt

14.40, 16.45; Maleficent: Mächte der Finsternis

16.30; 3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.50;

Good Boys 17.10; Ad Astra –Zuden Sternen 17.15;

Downton Abbey 18.30; Es: Kapitel II 19.15,22.30;

Joker (OF) 20.10; 3D: Gemini Man 20.20, 23.10;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig, tot 20.40,

23.15; Once Upon aTime in... Hollywood 21.30;

Rambo 5:Last Blood 23.00; 47 Meters Down: Uncaged

23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(DFmenglU) 14.30; Nurejew – The White Crow

(OmU) 16.30; Systemsprenger (DFmenglU) 19.15;

Joker (OmU) 21.45; Parasite (OmenglU) 14.15,

19.00; M.C.Escher: Reise in die Unendlichkeit

(EnglmdtU) 17.00; Parasite (OmU) 21.45; Der

Distelfink –The Goldfinch (OmU) 14.00; Deutschstunde

17.00; Parasite (OmU) 19.30; Parasite

(OmenglU) 22.15; Skin (OmU) 14.45; Joker (OmU)

17.15, 20.00, 22.30; Gelobt sei Gott –Grace a

Dieu (OmU) 14.15; Der Glanz der Unsichtbaren –

Les invisibles (OmU) 17.00, 19.15; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 21.30

Z-inema (✆ 28 38 91 21) American Muscle (OmU)

20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) dokuarts: Ziva

Postec, la monteuse derriere le film Shoah –Ziva

Postec: The Editor Behind the Film Shoah (OmenglU)

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Ich war noch niemals inNew York 14.10, 17.00,

20.00; Dem Horizont so nah 14.10, 17.10, 20.00;

Joker 14.15, 17.05, 19.30, 20.00; Der König der

Löwen 14.15;

3D: Maleficent:Mächte derFinsternis 14.20, 16.55,

19.55; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.30;

Dora und die goldene Stadt14.30, 17.10; Lino: Ein

voll verkatertes Abenteuer 14.50; After the Wedding

17.00, 19.45; Angry Birds 2: Der Film 17.05; GeminiMan

17.10, 19.50; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil (OF) 17.15;

7. Kogustaki Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben

19.40; Karakomik Filmler (OmU) 20.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Normal (OmenglU)

10.00; Systemsprenger (DFmenglU) 11.30, 20.20;

Midsommar (OmU) 13.40, 22.20; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.20; Nurejew –The

White Crow (OmU) 18.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Joker (OF) 16.45,

19.30,22.15

Passage (✆ 68 23 70 18) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30, 21.40; Deutschstunde 14.40,

17.20,20.00; Sneak Preview 22.30; Systemsprenger

16.20,19.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Joker(OF)15.15, 18.00,

20.45; Parasite – Gisaengchung (OmU) 17.30,

20.20, 21.50; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

16.10, 19.00, 21.10; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmenglU) 16.00; Systemsprenger

(OmenglU) 18.30; After the Wedding 16.30,19.00;

Midsommar (OmU) 21.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 17.20,

20.10; Dora und die goldene Stadt 14.10; Joker

14.20, 17.00, 20.00; Ich war noch niemals in New

York 14.25, 16.40, 19.40; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.35; Angry Birds 2: Der Film

14.45, 17.10; Gemini Man 16.50, 19.50; Everest:

Ein Yeti willhochhinaus 17.30; Es: Kapitel II 19.35;

Dem Horizont sonah 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) BabyWolfgang präsentiert:

Die Insel der hungrigen Geister (OmU) 11.00; Heimat

ist ein Raum aus Zeit (OmenglU) 12.00; Ama-

San (OmenglU) 14.00; Systemsprenger (OmenglU)

16.00; Tonari no Totoro – Mein Nachbar Totoro

16.20; Premiere: Easy Love (OmenglU; mit Gästen)

19.20; Premiere: Easy Love (OmenglU; mit Gästen)

19.20; Born inEvin –Alles über Evin (OmU) 21.00;

Synonymes (OmenglU) 21.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.15; Ich war noch

niemals in New York 17.15, 20.00; Deutschstunde

15.00; Parasite 17.40, 20.30


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 23 *

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Melismen gegen das Elend der Welt,Tanzjazz aus der Afrodiaspora,

Ingenieurskunst für poetischen Elektrofolk

leicht, aber doch voller Momente feiner,ferner

Schönheit.

„Sei stark“ übersetzt sich Kokoroko

aus dem Urhobo,einer Sprache

Westafrikas, woher auch die vordergründigen

Einflüsse der britischen

Band Kokoroko kommen. Ihre Musik

findet über das nigerianische Highlife

und den jazznäheren Afrobeat zu

einer ArtSouljazz-Update.Wir hören

also eine funky Fusion aus zappligen

Beats und Gitarrenmustern, melodisch

getragen von einer scharf geschnitten

Bläsergruppe, die aus ihren

Afrobeatsätzen in zugängliche

Jazz-Soli aufbricht. Bandchefin und

Trompeterin Sheila Maurice-Grey

hat wie ihre Bläserkolleginnen Jazz

studiert, aber sie konzentrieren die

handwerkliche Brillanz auf Tiefe,

Ausdruck und Präzision. Kokoroko

belichten einmal mehr die aktuelle

Jazzblüte der Insel um Künstler wie

Shabaka Hutchings oder Bands wie

dem Ezra Collective, die sich sehr frei

zwischen Club,Jazztradition und karibischen

oder eben afrikanischen

Wurzelnbewegen.

Zwischen elektronischen Sounds

und klassischem Singer/Songwritertum

arbeitet Laetitia Tamko unter

POP

Popsalon Balzer/Müller 22.10.,

Deutsches Theater,21Uhr

Kokoroko 23.10.,

Heimathafen, 21 Uhr.

Vagabon 23.10.,

Berghain Kantine, 20 Uhr.

Emel Mathlouthi 25.10.,

Frannzclub,20Uhr

dem Künstleralias Vagabon. Heute

24 Jahre alt, zog sie mit ihrer Familie

als Teenageraus KamerunnachNew

York, wo sie sich zunächst Gitarre

beibrachte, heute aber auch Drums,

Keyboards und Synthesizer bedienen

kann. Klugerweise ließ sie sich

jedoch als Elektro- undComputeringenieurin

ausbilden und finanzierte

bis zu ihrem Albumdebüt „Infinite

Worlds“ von 2017 die Musik durch

kunstferne Tagesjobs. Heute kann

sie immerhin ihr digitales Equipment

im Zweifelselbst bauen und reparieren.

Ihre Musik klingt, schön zu

hören auf ihrem grade erschienenen,

selbstproduzierten neuen Album

„Vagabon“, mal etwas strammer

elektronisch rhythmisiert, mal

eher Bon-Iver-haft verhangen, aber

jeweils mit elegantem Effekt und einer

leicht kehligen, recht dunklen

Stimme zwischen Indierock, Folkstimmung

und Club austariert.

Und: Spät aus der Sommerpause

zurück meldet sich der Popsalon

Balzer/Müller, und sie setzen der

heraufziehenden Herbsttristesse

upliftende Gespräche mit dem taz-

Kulturchef Andreas Fanizadeh und

JuliaLorenz vonRadio1 entgegen.

Lesung

Dieses

hungrige

Herz

In seinem dritten Fall hat

Martin Kühn besonders

schwer zu tragen. Seelisch sowieso,

denn die Abgründe,

durch die JanWeiler diesen aufrechtenKleinbürger

voneinem

Kommissar in „Kühn hat Hunger“

schickt, ziehen ihn fast ins

Bodenlose. Darüber hinaus

plagt sich Kühn mit Gewichtsproblemen,

und er unterwirft

sich einer strengen Diät, weil

ihn die Angst umtreibt, bei seiner

Frau an Attraktivität zu verlieren.

Heraus kommt ein im

besten Sinne unterzuckerter

Roman, in dem Weiler, wie immer

in dieser Reihe,weniger einen

Kriminalfall schildert, sondern

präzise und mit dem ihm

eigenen melancholischen Unterton

die Verwerfungen der

Gesellschaft kartographiert. Eigentlich

ist es ja Kühns Herz,

das Hunger hat. Mehr dazu

vomAutor selbst –heute Abend

in der Buchbox inder Kastanienallee.

Christian Seidl

BerlinerBuchpremiere mit JanWeiler,

20 Uhr,Buchbox,Kastanienallee 97,

Tel.: 44 30 83 85

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Hexe Lolli geht auf Herbstreise, Cattu (ab 3

bis 8J.)

Theater Zitadelle (✆ 335 37 94)

10.00: Die gnadenlose Clownshow, Gastspiel Theater

Tiefflieger (ab 4J.)

LITERATUR/VORTRAG

Buchbox! Kastanienallee (✆ /40 50 02 35)

20.00: Kühn hatHunger,Jan Weiler,Berliner Buchpremiere,

Mod.: Shelly Kupferberg

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Der Rausch der Jahre. Als Paris die Moderne

erfand, WalburgaHülk, Lesung und Gespräch mit

Simon Werle, WalburgaHülk und Heinz Schlaffer,

Mod.: Katharina Teutsch

19.30: Studio LCB: „Der Spleen vonParis“, Simon

Werle, Simon WerleimGespräch mit WalburgaHülk

und Heinz Schlaffer.Moderation: Katharina Teutsch

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 2822003)

20.00: Kein Sturm, nur Wetter,Judith Kuckart, Lesung

und Gespräch Mod.: WiebkePorombka

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

19.30: „Wie Frau Krause die DDR erfand“&

„Grünaugesieht dich“, Kathrin Aehnlich und Bastienne

Voss, Doppellesung Mod.: JakobHein

Meerbaum-Haus (✆ /74 76 48 06)

18.30: BedrohterAlltag.Als Pfarrer im Fokus des MfS,

Dietmar Linke

ocelot, not just another bookstore

(✆ 97 89 45 92) 20.00: Eine moderne Familie,

HelgaFlatland, ElkeRanzinger,Lesung und Gespräch

mit HelgaFlatland, der Übersetzerin ElkeRanzinger

und dem Verleger Stefan Weidle

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Isch gehBundestag.Wie ich

meiner Tochter versprach, die Welt zu retten, Philipp

Möller,Moderation: Michael Schmidt-Salomon

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: LSD –Liebe Statt Drogen

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

19.00 Großer Salon: Ankunft –Meine Heimat im

Gepäck, JungegeflüchteteAutorInnen, Mod.: Junge

Erwachsene der LiteraturInitiativeBerlin

Urania (✆ 218 90 91)

20.00: Brennnesseln. Die Kulturgeschichte

einer Pflanze, Prof. Dr.Ludwig Fischer,Lesung und

Gespräch

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00 Großes Haus: Die Nickel Boys, Colson

Whitehead

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

19.30: Buchpremiere: „Die langeReise“, Samantha

Cristoforetti, Literatur LIVE.

FÜHRUNG

Bärentouren (✆ 015 20 -5 22 67)

14.00: The Most Famous Historical Buildings of Berlin:

Architecture Tour to the Prussian kings and their

architects, Meeting point: ‚Granitschale’ (big stone

bowl), Lustgarten, Führung in engl. Spr.. Anm. erf.

14.00: Architekturführung zu den berühmtestenBauten

Preußens und Berlins: Die Hohenzollernund ihre

Baumeister,Treff: Granitschale, Lustgarten. Anm. erf.

16.00: Geschichte der Berliner Mauer –Ab„Checkpoint

Charlie“ entlang der bekanntesten Mauerrelikte,

Treff: Wachhäuschen „Checkpoint Charlie“, Friedrichstr..

Anm. erf.

16.00: The Berlin Wall Tour:Along the most famous

wall monuments, Meeting point: Guard House,

„Checkpoint Charlie“, Friedrichstr., Führung in engl.

Spr.. Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf denSpuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm.erf.

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí –Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (✆ 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in der Kunst, Treff: Foyer

Jüdisches Museum (✆ 25 99 33 00)

14.00: Bildbetrachtung für Menschenmit Demenz:

Familienporträts, Treff: Altbau EG, „Meeting Point“

im Foyer

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: MarcDoffeyTrio feat.Florian Menzel (tp)

AstraKulturhaus (✆ 69 56 68 40)

19.00: Pentagon

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: RobertKudelski Band

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Maria Baptist &Jan vonKlewitz

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

21.00: Myss Keta

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Andreya Triana

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

21.00: Daughters, support: Jeromes Dream

Cafe Tasso (✆ 48 62 47 08)

20.00: Bird and Beyond Quartett

Columbiahalle (✆ 69 81 75 86)

20.00: Skepta

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

21.00: Nihiloxica

Hintersee Bar (Greifenhagener Str.55)

20.00: Brazil&Jazz: Alex Duarte (dr), Horst Nonnenmacher

(b), Ruth Schepers (sax)

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

20.00: GoGo Penguin

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: Harriet Brown

Metropol (Nollendorfpl.5)

20.00: Daniel Caesar

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00 Blaues Zimmer:Tessa Violet

20.00 Schwarzes Zimmer:Papooz

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Benedikt Jahnel

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Jesca Hoop

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mit Heinz Glass u. a.

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: CaspianTrio

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: The Zig Zag Jazzed Up Jam Session, host: Uri

Gincel

CLUB

Bohnengold (Reichenberger Str.153)

18.00: Ping Pong –Music –Drinks (Ping Pong –

Music –DrinksTT-Schläger können vorOrt geliehen

werden)

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Berlin House Night, Nathalie Capello, DJ with

Soul

Matrix (✆ 293 69 9- 90)

22.00: Iluv2bang!, Fox

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: The House of Presents

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois –MyHouse Is Your House,

Guido Schneider,Lucretio, Rotciv,Alessia Ceruti

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

Leandro

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Joker

15.15, 19.00, 21.45; Joker (OmU) 18.00, 20.45;

Parasite 14.50, 20.30; Parasite – Gisaengchung

(OmU) 17.40, 22.00; Deutschstunde16.20;Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.45; Systemsprenger

16.45, 19.20; Ich war noch niemals in

NewYork 14.30, 17.15,20.00

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Maleficent: Mächte der Finsternis 13.45, 17.10,

20.00,23.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

13.45; Systemsprenger 13.50, 19.30; Joker (OmU)

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Das Kapital im 21.

Jahrhundert –Capital inthe Twenty-First Century

(OmU) 14.00; Ich war noch niemals in New York

14.10, 16.30, 19.30, 22.30; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.15, 15.50; Angry Birds

2: Der Film 14.20; Deutschstunde 16.30, 19.20;

Der Glanz der Unsichtbaren 16.30,19.00; Parasite

16.45,19.45; Downton Abbey16.45;Nurejew –The

White Crow 18.00; After the Wedding 20.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.40;AdAstra

–Zuden Sternen (OmU) 22.15; Midsommar (OmU)

22.20; Parasite –Gisaengchung (OmU) 22.50

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Nurejew –The White

Crow (OmU) 17.45;Vulkan –Volcano (OmU) 20.00;

Dunkel, fast Nacht –Ciemno, prawie noc (OmU)

22.00

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Rote Räte –Die

bayrische Revolution aus der Sicht vonAugenzeugen

17.15; Systemsprenger 18.15; Symphony ofNow

20.30; Born in Evin –Alles über Evin (OmU) 22.00

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.15, 17.05,

20.00, 22.50; Joker 14.15, 17.10, 20.10, 23.00;

Der König der Löwen 14.15, 16.55; Lino: Ein voll

verkatertesAbenteuer 14.20; Ich war noch niemals

in NewYork 14.20, 16.50, 19.50, 22.55; Dora und

die goldene Stadt 14.20, 16.50; AToy Story:Alles

hört auf kein Kommando 14.25; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 14.30; Angry Birds 2: Der Film

14.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.50, 17.05; Maleficent: Mächte der Finsternis

16.50; Downton Abbey 17.00, 19.50; 3D: Gemini

Man 17.10, 19.55, 22.50; Dem Horizont so nah

17.20, 20.10; Systemsprenger 19.20; Once Upon

aTime in... Hollywood 19.20, 22.30; Gut gegen

Nordwind 19.40; Ad Astra –Zuden Sternen 19.45;

Es: Kapitel II 22.15; Midsommar 22.45; Rambo 5:

Last Blood 22.55; 47 MetersDown: Uncaged 23.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00)Ich war noch

niemals in New York 13.30, 16.40, 19.55; Dem

Horizont so nah 13.30, 19.45; Good Boys 13.45;

Joker 13.50, 17.00, 20.10; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.00, 17.00, 20.05; Dora und

die goldene Stadt 14.05, 17.40; Shaun das Schaf:

DerFilm:UFO-Alarm14.10; Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.15; 3D: Gemini Man 16.30, 19.30;

Der König der Löwen 16.35; Downton Abbey16.45;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 17.00; Es: Kapitel

II 19.20; AdAstra –Zuden Sternen 19.35; Angel

Has Fallen19.50; 47 MetersDown: Uncaged20.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Systemsprenger 14.30; Deutschstunde 17.25,

20.20

Cosima (✆ 85 07 58 02) Und wer nimmt den

Hund? 18.00; Nurejew –The White Crow 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30

Xenon (✆ 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Nurejew –The White

Crow (OmU) 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Spatzenkino

10.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 10.00, 12.00; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 10.00, 12.00, 14.55; Angry Birds 2: Der

Film 10.00, 12.15, 14.20; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 10.00, 12.10; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.10, 14.10, 17.00, 19.45;

Ich war noch niemals in New York 14.00, 16.55,

19.50; Joker 14.20, 17.20, 20.10; Dem Horizont

so nah 16.40; Gemini Man 17.10, 20.00; Es: Kapitel

II19.20

Kino imKulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Und

der Zukunft zugewandt 13.30; Und wer nimmt den

Hund? 15.45; Systemsprenger 17.45,20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Ich war noch niemals

in NewYork 14.30, 17.30, 20.30

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

UglyDolls 10.00, 12.00; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 10.00, 12.45, 15.00, 17.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 10.00, 12.15,

14.30, 17.15, 20.00, 22.45; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 10.00, 12.10, 14.35; Dora und die

goldene Stadt 10.00, 12.15, 14.10, 17.35; Angry

Birds 2:Der Film 10.00, 12.10, 15.00; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 10.00;

Der König der Löwen 12.15; Downton Abbey 14.45,

17.00, 20.10, 23.00; Joker 15.00, 17.15, 20.05,

22.50, 23.10; Dem Horizont so nah 16.40, 19.45;

3D: Gemini Man17.45, 20.30; Es: Kapitel II 19.30,

23.00; After the Wedding 19.55, 23.00; Gemini

Man 22.30

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 15.00; Maleficent: Mächte der

Finsternis 15.30, 18.00, 20.30; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 16.00; Dora und die goldene

Stadt 16.00; Es: Kapitel II 17.00, 20.30; Joker

18.00, 20.30; Dem Horizont so nah 18.00; Gemini

Man 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Lynne Ramsay: Morvern

Callar (u. Kurzfilm) 19.30; Koreanisches Kino: Piagol

(OmenglU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Pets II 12.30; Joker 12.45, 15.00, 16.00, 17.00,

19.00, 20.30, 22.20, 22.50; Shaundas Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 13.00,14.10; Playmobil: Der Film

13.00; Maleficent: Mächte der Finsternis 13.00,

16.00; AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

13.00; Gemini Man 13.30, 20.45, 22.40; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 13.30, 17.10; Enzo und

die wundersame Welt der Menschen 13.30; Dem

Horizont so nah 13.30, 16.40, 19.50; Ich war noch

niemals inNew York 13.40, 16.10, 19.30, 22.50;

Der König der Löwen 13.40, 16.30, 19.50; Dora

und die goldene Stadt 13.45, 16.30; Angry Birds

2: Der Film 13.45; Lino: Ein voll verkatertes Abenteuer

13.50; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00, 17.10, 20.20, 22.50; Systemsprenger

16.20; Parasite 16.20, 19.30; Good Boys 16.20,

19.40; Once Upon aTime in... Hollywood 16.30,

20.15, 22.40; After the Wedding 16.30, 19.30;

Downton Abbey 16.40, 19.20; 3D: Gemini Man

17.00; 3D: Angry Birds 2: Der Film 17.00; Ad Astra

–Zuden Sternen 19.20, 22.40; Es: Kapitel II

19.30, 22.30; Der Glanz der Unsichtbaren 19.40;

Yesterday 19.50; 47 Meters Down: Uncaged 19.50,

22.30; Rambo 5: Last Blood 20.15,23.00; Fast &

Furious: Hobbs &Shaw 22.20; Midsommar 22.30;

Ready orNot? –Auf die Plätze, fertig,tot 22.50

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm –Shaun the

Sheep Movie: Farmageddon (OF) 13.30; Downton

Abbey(OF) 13.30, 16.40,19.40;Angry Birds 2: Der

Film –The Angry Birds Movie II (OF) 13.30; Der Königder

Löwen –The LionKing (OF) 13.40; Dora und

die goldene Stadt –Dora the Explorer (OF) 13.45,

16.30; UglyDolls (OF) 13.50;

3D: Maleficent (OF) 14.00, 17.00, 20.00, 23.00;

Joker (OF) 14.15, 17.15, 19.10, 20.15, 23.15; Es

II (OF) 16.10, 22.40; 3D: Gemini Man (OF) 16.15,

19.20, 22.20; Ad Astra (OF) 16.20, 20.00, 23.00;

Maleficent (OF) 16.30; Parasite (OmenglU) 19.30,

22.45; Once Upon a Time in... Hollywood (OF)

19.30; Midsommar (OF) 22.30; Rambo 5: Last

Blood (OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 0200) 3D: ABeautiful

Planet 11.30; Joker (OF) 13.00, 16.15, 19.30;

Joker 22.45

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Normal (OmU)

18.30; Nevrland (OF) 20.00; Dunkel, fast Nacht –

Ciemno,prawie noc (OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Shaun das Schaf: UFO-

Alarm 14.00; Lino 14.00; Ich war noch niemals in

New York 14.30, 17.15, 20.00, 22.00; Dora und

die goldene Stadt 14.30; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Joker

16.00, 17.00, 20.00, 22.30; Gemini Man 19.00,

22.30; Dem Horizont so nah 20.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Nurejew –The White

Crow15.45; Und der Zukunft zugewandt 18.15;Bohemian

Rhapsody 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 0200)

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00,

16.55, 19.50; Joker 14.00, 17.00, 20.00; Der König

der Löwen 14.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.10, 17.10; Ich war noch niemals in

NewYork 14.15, 17.10,20.10; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.15, 16.45; 3D: Gemini Man 14.20,

20.10; Dora und die goldene Stadt 14.30, 17.10;

Angry Birds 2: Der Film 14.40; Es: Kapitel II 16.30,

19.30; Gemini Man 16.50; Maleficent: Mächte der

Finsternis 17.15; Once Upon aTime in... Hollywood

19.20; Gut gegen Nordwind 19.35; Ad Astra –Zu

den Sternen 20.15; 47 Meters Down: Uncaged

20.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Spatzenkino

10.00, 11.15; Ich war noch niemals in

New York 14.00, 17.00, 20.00; Angry Birds 2: Der

Film 14.15; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.20, 17.10, 20.00; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.20; Dora und die goldene Stadt 14.30,

17.00; Dem Horizont so nah 14.30, 16.30; Joker

14.40, 17.15, 19.50, 20.10; Gemini Man 17.00,

20.15; 7.Kogustaki Mucize –Das Wunder in Zelle

Sieben 17.30, 19.40; Karakomik Filmler 19.30

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 1976) Gut gegen

Nordwind 18.45; Skin (OmU) 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Born inEvin –Alles

über Evin (teilw.OmU) 19.00; Don‘t Blink –Robert

Frank 21.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Der kleine Maulwurf

(1963-1975) 10.15; Ich war noch niemals in

New York 11.45, 14.30, 17.15, 20.00; Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 13.45; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 15.45; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Systemsprenger 20.30

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Petting statt

Pershing 15.30; Deutschstunde 18.00; Systemsprenger

20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Nurejew –

The White Crow 15.00; Systemsprenger 17.45;

Deutschstunde 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Systemsprenger 18.00; Cleo

20.30

Capitol (✆ 831 6417) Parasite 14.50, 20.30; Nurejew

–TheWhite Crow 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Ich

war zuhause, aber... 17.00; The Dead Don‘t Die

(OmU) 19.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) KinderwagenKino:

After the Wedding 10.30; Lino: Ein voll

verkatertesAbenteuer 13.45;Und der Zukunft zugewandt

13.45; Born inEvin –Alles über Evin (OmU)

13.45; Deutschstunde 14.00, 20.30; Afterthe Wedding

15.45, 20.45; Systemsprenger 15.45, 20.45;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.15;

Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 16.30; Nurejew

–The White Crow 18.15; Joker (OmU) 18.15,

20.45;Bruder Schwester Herz 18.15; Der Glanz der

Unsichtbaren 18.30

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Ich

warnoch niemalsinNew York 13.40, 16.30, 19.40;

Gemini Man 13.40, 19.50; Joker 13.50, 17.00,

19.40, 20.00; Angry Birds 2: Der Film 13.50; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.00, 16.30,

20.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00,

17.00; Downton Abbey 14.00, 16.45; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.10; Der König der

Löwen 16.40; Dem Horizont so nah 16.50, 19.50;

Maleficent: Mächte der Finsternis 16.55; Es: Kapitel

II 19.30; Once Upon aTime in...Hollywood 19.35

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/2798877) Everest:Ein

Yeti will hoch hinaus 14.45; Ich warnochniemalsin

NewYork 17.15, 20.15

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Gelobt sei Gott 17.15; Frau Stern 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.20, 16.25; Joker

14.20,17.30, 20.15; Ich war noch niemals in New

York 14.20, 17.15, 20.10; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.30, 17.15, 20.00; Der König der

Löwen 14.30, 17.15; Angry Birds 2: Der Film 14.40,

17.15; Lino: Ein voll verkatertes Abenteuer 15.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.00; Dora und

die goldene Stadt 15.00,17.15; Good Boys 15.10;

Downton Abbey17.05; DemHorizont so nah 17.20,

19.50; Maleficent: Mächte der Finsternis 17.30;

3D: Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 18.30; Once

Upon aTime in... Hollywood 19.40; Angel Has Fallen

19.50; Es: Kapitel II20.00; Ad Astra –Zuden Sternen

20.00; HFR 3D: Gemini Man 20.15; Gut gegen

Nordwind 20.50

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 15.00, 17.45,

20.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

15.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.30; Es:

Kapitel II 17.00; Joker 17.45, 20.30; Und der Zukunft

zugewandt 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00; Dora und

die goldene Stadt 14.00; Ich war noch niemals in

New York 14.30, 17.15, 20.15; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00, 17.30, 20.00; Angry

Birds 2: Der Film 16.05; Shaundas Schaf: DerFilm:

UFO-Alarm 16.10; Maleficent: Mächte der Finsternis

18.00; Joker 18.05, 20.30; Gemini Man 20.20

Kino-Cafe Dahme (✆ 03 54 51/343) Shaun das

Schaf: Der Film:UFO-Alarm 17.00; Gutgegen Nordwind

20.00

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Systemsprenger 17.00; Joker 19.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Angry Birds

2: Der Film 14.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

16.15; Ich war noch niemals in New York 17.15,

20.00; Downton Abbey 18.15; Rambo 5: Last

Blood 21.00

UnionFürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40)Petting

statt Pershing 16.15; Downton Abbey 18.00; Nurejew

–TheWhite Crow 20.15

Weltspiegel Kino Finsterwalde (✆ 035 31/22 11)

Ich war noch niemals in New York 17.15, 20.00;

Joker 17.30,20.15


24 * Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

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NACHRICHTEN

MDR-Online-Preis: Kinder

dürfen mit abstimmen

DOKUS

Mit KI

gesünder und

länger leben

VonTorsten Wahl

Wer versteht schon alle Zusammenhänge

der vernetzten

Welt?Werkennt sich wirklich aus mit

den technischen Veränderungen?

Und was bringt die digitale Zukunft

für die Menschheit? TV-Dokus und

Diskussionen widmen sich der

Künstlichen Intelligenz.

Falsche Stimmen. Reporter PierreGirard

spielt den Passanten in Straßburg

verblüffende Äußerungen von

Emmanuel Macron vor: Der Präsident

wolle die Stadt bald autofrei

machen, die Alkoholsteuer drastisch

erhören –und bevorzuge deutsches

Essen. Das löst zwar Verwunderung

aus,doch kaum einer zweifelt an der

Echtheit der Stimme. Das Arte-Wissensmagazin

Xenius führt vor, wie

leicht Computerprogramme wie

Candyvoice heute schon Stimmen

nachahmen können. Doch das ist

nicht nur ein Partyspaß, sondernvor

allem ein Problem, etwa beim Authentifizieren

bei Banken, ebenso

bei täuschend echt geklonten Handschriften.

Eine weitere Ausgabe von

Xenius widmet sich den Chancen

der Künstlichen Intelligenz. Mithilfe

einer lernenden Handprothese

schafft es ein Armamputierter, sich

wieder die Schuhe zu binden. Ein

Berliner Start-up versucht, Tablets

allein mit Gesten zu bedienen. Ein

Algorithmus aus Holland schlägt klimafreundliche

Hausrenovierungen

vor.

Zu sehen am Dienstag, 22.Oktober,um16.45

Uhr bei Arte. In der Arte-Mediathek istdie Sendungbis

zum 20. Januar 2020 verfügbar.

„Die Wahrheit über Künstliche Intelligenz“:

Der Titel klingt anmaßend,

doch der RBB-Reporter Sven Oswald

will einfach nur den Stand der Technik

anhand von Beispielen aus Berlin

zeigen. Besucht werden das City-

Lab am Tempelhofer Feld, wo ein

Plotter die Stadt der Zukunft malt,

die Pre-Crime-Abteilung der Polizei,

die Muster bei Straftaten erkennen

will, und die Charité, wo der Roboter

Pepper die Patienten bespaßt. Oswald

führt Gespräche mit Siri und

Alexa und befragt Experten, wie

schnell künstlichen Neuronen lernen

können und werihnen Grenzen

setzt.

DieSendung istinder ARD-Mediathek bis zum

10. Oktober2020verfügbar.

„Precht: Herrschaft der Maschinen?“:

Werden wir freier oder überflüssig?

Über die philosophischen

und ethischen Probleme der „Herrschaft

der Maschinen“ diskutiert RichardDavid

Precht in seinem aktuellen

ZDF-Talk mit dem Informatiker

Jürgen Schmidhuber.Der KI-Pionier

ist optimistisch, setzt darauf, dass

Künstliche Intelligenz sowohl die Erforschung

des Weltraums übernehmen

werde, aber auch das Leben in

Entwicklungsländern verbessern

könne. Sein Fazit: „95 Prozent aller

KI-Forschungen sind darauf angelegt,

Menschenleben länger, gesünder

und leichter zu machen.“

DieSendung istbis 2024 in der ZDF-Mediathek

verfügbar.

Torsten Wahl hat im

TV-Programm Beiträgezu

Digitralthemen gefunden.

Paulus Ponziak hat das Foto „Facing the Mountains“ spontan mit einem iPhone im Allgäu gemacht.

„Genau das, was die Kunden wollen“

Apple, Google, Samsung: Der Fotograf Paulus Ponizak über die Bild-Qualität der modernen Smartphones

Im Kampf um ihre Kunden setzen

die großen Smartphone-

Hersteller in diesem Jahr besonders

auf die Qualität ihrer

integrierten Kameras. Aber welche

Foto-Qualität ist mit den Geräten

tatsächlich erreichbar? EinGespräch

mit Paulus Ponizak, er ist Fotograf

der Berliner Zeitung und war im vergangenen

Jahr Finalist beim renommierten

Miami Street Photography

Festival während der Art Basel in

Miami in den USA.

Herr Ponizak, die Kamerahat sich zu

einem zentralen Feature in modernen

Smartphones entwickelt. Was

halten Sie von den technischen Möglichkeiten?

Diesind aus meiner Sicht hervorragend.

Unter Fotografen gilt der

Satz, dass die beste Kamera immer

verfügbar ist. Smartphones erfüllen

im Alltag dieses Kriterium. Kein moderner

Mensch geht morgens ohne

Smartphone los, die Kamera ist also

ständig dabei. Damit ist das wichtigste

Kriterium erfüllt.

Und dann ist sie –anders als eine

Spiegelreflex- oder eine Sucherkameraauch

soforteinsetzbar.

Genau, entsperren und dann

Point und Shoot, also Fokussieren

und Abdrücken. In wenigen Sekunden

kann man so Fotos schießen.

Unddie werden oft auch gut, weil die

Entwicklung der Kameras so weit

fortgeschritten ist, dass die Software

dahinter genau das liefert, was der

Fotograf braucht. Es geht ja in der

Regel um einen Sonnenuntergang

im Urlaub,ein Erinnerungsfoto vom

Familientreffen, auf solche Sachen

ist die intelligente Software bestens

vorbereitet, sie liefert warme Töne,

schöne Farben – der End-User ist

meistens glücklich mit dem Ergebnis.

Und wie sehen Sie das als professioneller

Fotograf?

Auch bei meiner Arbeit rückt das

Smartphone mehr und mehr in den

Vordergrund. Es ist handlich, klein,

leicht, auch bei der Schärfe gibt es

keine Abstriche, die Größe der Dateien

passt, die Reaktionszeit ist

auch gut. Manchmal gelingen so

auch außergewöhnliche Aufnahmen.

Meinen Sie Ihre Aufnahme, mit der

Sie Finalist beim renommierten

„Miami Street Photography Festival“

in den USA wurden?

Genau, damals war ich in Bayern

im Skiurlaub.Kurznach der Ankunft

haben wir noch auf dem Balkon des

Appartements gestanden, die Sonne

ging unter,blaue Stunde,ein großartiges

Licht. Auf einmal tauchte die

Tochter von Freunden hinter einer

Glasscheibe auf, sie schaute aus dem

Fenster in die Ferne. Ich habe spontan

mein iPhone gezückt und das

Foto geschossen. So kam das.Eswar

also ein Schnappschuss. Aber auch

darauf kommt es manchmal an. Und

manchmal hat man Glück.

Wann haben Sie eigentlich angefangen,

der digitalen Technik zu vertrauen?

Anfang der 90er-Jahre habe ich

bei der Nachrichtenagentur AP gearbeitet,

damals hat Kodak in Kooperation

mit Nikon eine erste professionelle

digitale Spiegelreflexkamera

(Kodak DSC 200) entwickelt,

die wir ausprobieren durften. Die

hatte eine Auflösung von 1,5 Megapixel.

Das war damals gigantisch –

aus heutiger Sicht ist das absolut lächerlich.

Die Kamera glich durch

ihre Größe und ihr Gewicht eigentlich

zwei Ziegelsteinen, vor allem

wegen des Akkublocks. Außerdem

war der Speicherplatz noch wahnsinnig

teuer. Mit dieser Kamera

konnte man nie mehr als 15 bis 20

Aufnahmen machen, es hat auch

gefühlte fünf Sekunden gedauert,

bis die Bilder abgespeichert waren.

Die Funktion, Bilder auszudrucken,

war dabei nicht vorgesehen.

Klingt aus heutiger Sicht irgendwie

nach Steinzeit …

…und hatte zur Folge, dass ich

erst viele Jahre später auf eine Digitalkamera

umgestiegen bin, es war

eine Canon Eos 1d. Bei dieser Kamera

hatte ich erstmals den Eindruck,

dass sie alltagstauglich und

ausgereift genug für eine schnelle

Nutzung sein könnte.

ZUR PERSON

Aber das war noch eine Spiegelreflex-

Kamera.

Das iPhone gab es zu der Zeit

noch nicht, das kam erst 2007 auf

den Markt.Bis dahin war die Kamera

im Handy nur eine Nebensache,

nichts Ernstzunehmendes. Die Aufnahmen

waren bis dahin unscharf

verpixelt, es gab keine intelligente

Software, keine Selfie-Funktion. Damals

war das Smartphone noch ein

reines Telefon und gar nicht smart.

Seit wann nutzen Sie das Smartphone

so richtig?

Seit 2011. Damals haben wir für

die Berliner Zeitung ein Sonderprojekt

zu „125 Jahre Kurfürstendamm“

gestartet. Da bin ich mit dem iPhone

4 losgezogen, das Projekt wurde

auch mit dem hausinternen Dumont-Jounalistenpreis

für „Außer-

Paulus Ponizak ist seit mehr als 20 Jahren Fotograf der Berliner Zeitung,auf Instagram postet

er Bilder unter:@iso.null30. Über seine Artzufotografieren sagt er:„Ichdokumentiere einfach

das Leben um mich herum. Ich versuche, etwas über die Menschen zu erzählen.“Imvergangenen

Jahr war er Finalist beim renommierten Miami Street PhotographyFestival während derArt

Basel in Miami in den USA.

gewöhnliche journalistische Leistungen“

ausgezeichnet. Die Qualität

der Aufnahmen war noch nicht

atemberaubend, die Daten waren

nicht so fein, dass du sie hättest in einem

Hochglanz-Magazin drucken

können. Das Projekt hatte aber

Charme, ich konnte aus dem bewährten

Arbeitsmodus ausbrechen

und experimentieren. Das Arbeiten

mit dem iPhone war sehr diskret.

Wasmeinen Siedamit?

Als professioneller Fotograf will

man nicht erkannt werden, weil es

passieren kann, dass man mit seinem

großen Equipment die Leute

verschreckt. Deshalb haben Fotografen

wie Henri Cartier-Besson und

Robert Capa mit kleinen Leica-Sucherkameras

gearbeitet, um möglichst

unbemerkt an die Situationen

und Objekte heranzukommen.

Und was ist seitdem alles technisch

passiert?

Die physische Linse ist mittlerweile

hervorragend, die Auflösung

entspricht professionellen Ansprüchen.

Die intelligente Software dahinter

sorgt dafür,dass die Bilder immer

perfekter werden, die Farben

sind satter geworden, die Schärfe

und die Datenmenge erfüllen auch

den Anspruch aufwendiger Produktionen.

Und den Hobbyfotografen

hilft das Maschinenlernen gerade

bei Porträts, den Hintergrund unscharfzugestalten

und die Person in

den Vordergrund zu rücken. Außerdem

wissen die Hersteller sehr genau,

was die Kunden wollen. Sonnenuntergänge,

Gegenlicht – auch

bei solchen Themen werden die Geräte

immer besser.

Nutzen Sie auch die Filter- und Bildbearbeitungsfunktionen?

Das mache ich eher selten, Filter

so gut wie gar nicht, ich nutze AdobesPhotoshop

Lightroom oder CaptureOne,

dasAngebot ermöglicht die

Nachbearbeitung, die Fotografen

früher in der Dunkelkammer gemacht

haben.

Für einen Amateurfotografen ist es

insgesamt schwer nachvollziehbar,

dass Sie sodie Smartphone-Kameras

loben.

Ich weiß, ich merke das ja auch

bei den Freunden, die immer noch

denken, dass eine Kamera schwer

und groß sein muss. Und natürlich

Wechselobjektive unentbehrlich

sind. Für einen Berufsfotografen

stimmt das ja auch, aber wir reden

hier von einem kleinen Device, das

in der Lage ist, im Alltag Momente

festzuhalten.

Was raten Sie also Freunden, die in

Urlaubfahren?

Den Fall hatte ich neulich, dass

mich ein Freund gefragt hat.

Und?

Er sagte,erhabe recherchiert und

sich für eine kleine Kompaktkamera

mit 20-fachem Zoom entschieden.

Ich wusste, dass erein hochwertiges

Smartphone besitzt und habe ihm

geantwortet:„Spar’ dasGeld, du hast

schonein Gerät, dasder Kompaktkamera

ebenbürtig ist.“ Er hat trotzdemdie

Kamera gekauft undsie mitgeschleppt.

HabenSie die Ergebnisse gesehen?

Ja, ich habe ihm mitgeteilt, dass

ichkeine Unterschiede sehe.

UndseineReaktion?

Er stimmtemir zu.

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONZIAK

DasInterviewführteJörgHunke.

DerMDR-Rundfunkrat verleiht zum

sechsten Malden Kinder-Online-

Preis an herausragende Webseiten

und Beiträge für Kinder und Jugendliche.Dabei

wirdbesonderer Wert

auf Kinderfreundlichkeit, Gewaltfreiheit,

Verständlichkeit und pädagogische

Inhalte gelegt. DerWettbewerb

richtet sich an Autoren und

Online-Redaktionen aus dem

deutschsprachigen Raum. Online-

Angebote können bis zum 18. November

2019 beim Rundfunkrat des

MDR eingereicht werden. Beim Kinder-Online-Preis

können auch Kinder

ihreMeinung einbringen. Dazu

findet nach Ende der Bewerbungsfrist

unter www.mdr-rundfunkrat.de

ein Online-Voting statt. (dpa)

Medientage in München:

Datenschutz als Hauptthema

DerWandel der Medienlandschaft,

die Macht vonFacebook &Cound

der Kampf gegen Manipulation und

Hass im Netz: DieMedientage München

2019 nehmen die vielen aktuellen

Herausforderungen der Branche

ins Visier.Internet-Konzerne wie

Google,Facebook und Amazon

müssten sich ihrer gesellschaftlichen

Verantwortung stellen, fordert

der Präsident der Bayerischen Landeszentrale

für neue Medien (BLM),

Siegfried Schneider.Die Medienkonferenz

findet ab morgen (Mittwoch,

23.10.) bereits zum 33. MalinMünchen

statt. Siesteht diesmal unter

dem Motto „Next digital level: Let’s

build the Media we want!“ Es werden

400 internationale Redner an den

drei Konferenztagen erwartet. (dpa)

Lena Meyer-Landrut ist die

bekannteste Influencerin

Lena (28) ist laut einer Umfrage Deutschlands

bekannteste Influencerin. IMAGO IMAGES

Mit90Prozent kennen beinahe alle

Deutschen den Begriff Influencer,

selbst die Zielgruppen ab 40 Jahren.

Diebekannteste Influencerin ist

Lena Meyer-Landrut, die Sängerin

kennen 56 Prozent der Bevölkerung.

Danach folgen Model Lena Gercke

mit 51 Prozent, Sportlerin Sophia

Thiel mit 40 Prozent und Mode-

Ikone Dagi Beemit 33 Prozent. So

belegt es die Studie „Spotlight Influence

4.0“ vonWavemaker. (kk.)

Jetzt gibt es von Microsoft

den neuen Surface Pro 7

Microsoft bringt seine neuen Hardware-Modelle

Surface Pro7und Surface

Laptop 3inDeutschland in den

Handel. Ab sofortsind die Geräte in

unterschiedlichen Ausstattungen im

Microsoft Storeonline sowie bei autorisierten

Fachhändlernerhältlich.

Beiallen Geräten sei die Performance,die

Reparaturfähigkeit sowie

die Akkulaufzeit optimiertworden,

teilte Microsoft mit. Am 19. November

soll das Tablet-Gerät Surface Pro

Xfolgen. Diedritte Generation des

Surface Laptop bringt Microsoft

erstmals auch in einer 15-Zoll-Variante

auf den Markt. Durcheinen minimalen

Überhang von0,4 Millimeternlässt

sich das Display an jeder

Stelle an der Frontkante problemlos

aufklappen. Außerdem ist das Display

aus Gorilla Glas mit einer speziellen

Beschichtung für die Navigation

mit dem Finger optimiert. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun 9.55

(für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Wer weiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturm der Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Fluss

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Wer weiß denn sowas?

18.50 (für HG) Familie Dr. Kleist 19.45 (für HG)

Wissen vor acht –Natur 19.50 (für HG) Wetter /

Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierärztin Dr. Mertens

Tierarztserie. Vorfreude. Susanne freut

sich auf die internationale Zoo- und

Wildtierkonferenz, aber zuvor steht in

Leipzig ein wichtiges Treffen an: Jonas

macht Marie mit seiner Familie bekannt.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Arztserie. Im Ring

21.45 (für HG) Report Mainz

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Hier spricht Berlin

0.15 (für HG) Nachtmagazin

0.35 (für HG) Tierärztin Dr. Mertens

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten 9.00

Unter uns 9.30 (für HG) Alles was zählt. Daily

Soap 10.00 Der Blaulicht Report 11.00 Der

Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –Das

RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 15.00 Schätze aus Schrott 16.00

Mensch Papa! Väter allein zu Haus 17.00 Herz

über Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell

19.03 RTL Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bachelor in Paradise

Dateshow. Frischer Wind im Paradies: Mit

Aurelio, Alexander und Michael ziehen

gleich drei neue Männer ins Resort. Bei

einem Gruppendate mit allen Ladies darf

Alex Bachelor spielen.

22.15 Bachelor in Paradise –Der Talk

Talkshow

23.00 Adam sucht Eva –Promis im Paradies

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Bachelor in Paradise

Dateshow

MDR

16.00 (für HG) MDR um 4 16.30 (für HG) MDR

um 4 17.00 (für HG) MDR um 4 17.45 (für HG)

MDR aktuell 18.05 (für HG) Wetter für 3 18.10

(für HG) Brisant 18.54 (für HG) Unser

Sandmännchen 19.00 Regionales 19.30 (für

HG) MDR aktuell 19.50 (für HG) Einfach genial

20.15 (für HG) Umschau 21.00 (für HG) Poesie

in Sandstein –300 Jahre Dresdner Zwinger

21.45 (für HG) MDR aktuell 22.05 Generation

Wende 22.48 MDR aktuell 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110: Bonnys Blues. Krimireihe, DDR

1978 0.10 (für HG) WaPo Bodensee

Bayern

14.15 (für HG) Hofgeschichten 14.45 (für HG)

Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir in Bayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG)

Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam.

Familienserie 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

Gesundheit! Die Show 21.45 (für HG)

Rundschau Magazin 22.00 (für HG) Capriccio

22.30 (für HG) Der Code des Künstlers 23.15

nacht:sicht 23.45 Harding dirigiert Berlioz und

Bartók 0.55 Rundschau Nacht

Vox

5.20 (für HG) CSI: NY 6.55 CSI: Vegas 8.40

Verklag mich doch! 9.45 Verklag mich doch!

10.50 Vox Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein

Kind 11.55 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind

15.00 Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten und

eine Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und Tränen

18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das

perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 (für

HG) Die Höhle der Löwen 22.50 True Story

23.45 Vox Nachrichten 0.05 (für HG) Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin

Super RTL

10.35 Grizzy &die Lemminge 11.05 Voll zu

spät! 11.30 Alvinnn!!! 12.00 Go Wild! 12.30

Spirit 12.50 Trolls –Die Party geht weiter! 13.10

Polly Pocket 13.45 Mighty Mops 14.00 Bugs

Bunny &Looney Tunes 14.20 Zak Storm 14.45

Dragons 15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10

Sally Bollywood 16.40 Die Nektons 17.10 Mr.

Magoo 17.40 Zak Storm 18.10 Bugs Bunny &

Looney Tunes 18.35 Woozle Goozle und die

Weltentdecker 19.05 Alvinnn!!! 19.45 Mighty

Mops 20.15 Snapped –Wenn Frauen töten

23.50 Böse Mädchen 0.15 Infomercials

Sport1

6.00 Teleshopping 15.30 Normal 16.00 Storage

Wars –Die Geschäftemacher. Doku-Soap.

Heimvorteil 16.30 Flip Wars –Buying Blind

17.30 Storage Hunters 18.30 Storage Wars –Die

Geschäftemacher. Doku-Soap 18.50 Wetten?

Was! Fußball &mehr! Powered by Hpybet 19.00

Magenta Sport: Arena 20.00 Fantalk 23.15

Scooore! –Internationales Fußball Magazin 0.00

Sport Clips 0.40 Sport Clips 0.45 Teleshopping

Nacht 1.00 Sport Clips 1.05 Teleshopping Nacht

1.20 Sport Clips 1.50 Teleshopping Nacht

ZDF

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

(für HG) Soko Wismar. Tödliche Medizin 12.00

heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops 17.00 (für HG)

heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45

(für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Hamburg. Der Lottokönig 19.00 (für HG) heute

19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG) Die

Rosenheim-Cops. Ein Haus für alle Fälle

20.15 (für HG) ZDFzeit

Das Erbe der Treuhand –Aufbruch und

Ausverkauf. Die Treuhand wird bis heute

für das Trauma der Wendezeit verantwortlich

gemacht. „ZDFzeit“ beschreibt in zwei

Teilen die Anpassungsprozesse.

21.00 (für HG) Frontal 21

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: Schluss mit Überfluss

22.45 Mann, Sieber!

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 Neu im Kino

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen. Moderation:

Matthias Killing, Alina Merkau 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie!

Reality-Soap 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Reality-Soap 12.00

Anwälte im Einsatz. Reality-Soap 13.00 Anwälte

im Einsatz. Reality-Soap 14.00 Auf Streife.

Reality-Soap 15.00 Auf Streife –Die Spezialisten.

Reality-Soap 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring –Die

Familienhelfer. Doku-Soap 17.30 Klinik am

Südring –Die Familienhelfer /oder Sat.1

Regional-Magazine 18.00 Die Ruhrpottwache.

Reality-Soap 19.00 Genial daneben –das Quiz.

Quizshow 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Krimiserie. Funkstille. Das Atom-U-Boot

USS Memphis ist im Nordatlantik

unterwegs, als bei einem Offizier nach

einem Tauchgang nur noch der Tod

festgestellt werden kann.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie. Hochzeit mit Hindernissen

22.15 Hawaii Five-0

Krimiserie. Noelani

23.10 Focus TV –Reportage

Handwerker verzweifelt gesucht

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

12.45 (für HG) WDR aktuell 13.05 (für HG)

Elefant, Tiger &Co. 13.55 Erlebnisreisen 14.00

(für HG) Von und zu lecker 14.30 (für HG) In aller

Freundschaft 16.00 (für HG) WDR aktuell 16.15

Hier und heute 18.00 (für HG) WDR aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Abenteuer

Erde 21.00 (für HG) Quarks 21.45 (für HG) WDR

aktuell 22.10 (für HG) Unser Kind. Drama, D

2018 23.40 (für HG) Babai –Mein Vater. Drama,

D2015 1.15 (für HG) Quarks

NDR

14.00 (für HG) NDR//Aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt.

Quizshow 16.00 (für HG) NDR//Aktuell 16.20

(für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG)

Leopard, Seebär &Co. Doku-Soap 18.00

Regionales 18.15 (für HG) NaturNah 18.45 (für

HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15 (für HG)

Panorama 3 21.45 (für HG) NDR//Aktuell 22.00

(für HG) Das soll Recht sein? 22.45 (für HG)

Polizeiruf 110: Einer trage des anderen Last.

Krimireihe, D2012 0.15 (für HG) Weltbilder

Kabel eins

7.35 Blue Bloods. Krimiserie 9.25 (für HG) Navy

CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.15 Without aTrace

–Spurlos verschwunden 12.10 Numb3rs 13.05

(für HG) Castle 14.00 (für HG) The Mentalist

14.55 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins

news 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben

täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi

kommt 18.55 Achtung Kontrolle! Wir kümmern

uns drum 20.15 (für HG) Hangover. Komödie,

USA 2009 22.25 (für HG) Die Liga der

außergewöhnlichen Gentlemen. Comicadaption,

USA/D/CZ/GB 2003 0.30 kabel eins late news

RTL 2

5.15 Privatdetektive im Einsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 12.00 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 13.00 Die

Reimanns 14.00 Frauentausch –Kulthäppchen

15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die Wache

Hamburg 17.00 RTLZWEI News 17.04 RTLZWEI

Wetter 17.05 Krass Schule –Die jungen Lehrer

18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 Kein Zimmer /Küche /Bad 22.15 Armes

Deutschland –Stempeln oder abrackern? 0.20

Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

8.30 Motorsport 9.20 Snooker 11.00 Motorrad

11.45 Motorrad 12.30 Radsport. Herbstklassiker

Paris-Tours 2019 13.30 Snooker. English Open

2019 in Crawley (GBR). Finale 15.35 Radsport

16.30 Radsport 17.30 Springreiten 18.30

Pferdesport 19.00 Horse Excellence 19.30

Nachrichten 19.35 Formel E 20.35 Radsport

20.55 Radsport. Sechstagerennen in London. Tag

1imLee Valley VeloPark, live 23.15 Nachrichten

23.35 Motorsport 23.50 Motorsport 0.20

Tischtennis. Frauen-Weltcup in Chengdu. Finale

TV-Tipps

ARTE, 20.15 UHR DOKUMENTARFILM

Land der Einzelkinder

Bis 2015 wurden unzählige Chinesen von der Ein-Kind-Politik ihres Landes

geprägt und traumatisiert. MassiveStaatspropaganda sowie die Androhung

harter Sanktionen und Strafen ließen das chinesische Volk 35 Jahre

lang in Angst und Schrecken leben. Dievon der Regierung gesteuerte strikte

Familienplanung rief einen Männerüberschuss,eine Überalterung der

Gesellschaft und einen Menschenhandel in bisher ungeahnten Ausmaßen

hervor. Diebeiden heute in den USA lebenden Regisseurinnen Nanfu Wang

und Jialing Zhang kehrten für ihren Dokumentarfilm nach China zurück, um

die nachhaltigen und verheerenden Folgen der Ein-Kind-Politik aufzuarbeiten.

Siesprachen mit Hebammen, Dorfvorstehern sowie Journalisten und

erzählen unglaubliche und bewegende Geschichten.

(F/USA/2019)

Foto: WDR

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6 4 2 7

9 6

2 6 8

1 9 5

4 5

6 3 8

7 8 1

9 2

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MIT –SCHWER

6 9

7 4

3

9

8 4

3 5 2

3 5

5 2 6

Ab

28.Oktober

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM21.10.2019

10. 2019

mittel MITTEL

3 6 4 5 9 1 8 2 7

1 5 7 6 2 8 3 4 9

9 2 8 4 3 7 1 5 6

6 8 1 7 5 3 4 9 2

2 4 3 9 1 6 7 8 5

5 7 9 8 4 2 6 3 1

4 1 2 3 7 5 9 6 8

8 9 5 1 6 4 2 7 3

7 3 6 2 8 9 5 1 4

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 21. 10. 2019

vom 21.10.2019

schwer

SCHWER

3 8 7 2 1 5 9 4 6

2 9 4 6 3 7 5 8 1

1 5 6 4 9 8 3 2 7

9 7 3 5 8 2 6 1 4

5 6 1 7 4 3 8 9 2

4 2 8 9 6 1 7 3 5

8 3 5 1 7 4 2 6 9

6 1 2 8 5 9 4 7 3

7 4 9 3 2 6 1 5 8

RBB

7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg

aktuell 8.30 (für HG) Abendschau 9.00 (für HG)

In aller Freundschaft 9.45 (für HG) In aller

Freundschaft 10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20

(für HG) Sturm der Liebe 12.10 (für HG) Julia

–Eine ungewöhnliche Frau 13.00 rbb24 13.10

(für HG) Verrückt nach Meer 14.00 (für HG) Am

Kap der Liebe. Drama, D2004 15.30 (für HG)

Tiere bis unters Dach 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.00 rbb

wetter 18.02 rbb UM6 18.27 zibb 19.27 rbb

wetter 19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Geheimnisvolle Orte

Die Krankenhausstadt Buch. In Berlin

Buch stand Anfang des 20. Jahrhunderts

der größte Krankenhauskomplex Europas.

Hier gab es eines der bedeutendsten

Hirnforschungsinstitute.

21.00 (für HG) Ostfrauen (2/3)

Wege zur Macht

21.45 (für HG) rbb24

22.00 Die Florian Schroeder Satireshow

22.45 (für HG) extra 3

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) Ostfrauen (2/3)

ProSieben

5.00 2Broke Girls. Sitcom 5.40 The Middle.

Comedyserie 6.20 (für HG) Two and aHalf Men.

Sitcom 6.45 (für HG) Two and aHalf Men 7.15

(für HG) Two and aHalf Men. Sitcom 7.40 (für

HG) The Big Bang Theory. Sitcom 9.00 (für HG)

How IMet Your Mother. Sitcom 10.45 Fresh Off

the Boat. Sitcom 11.15 Mike &Molly. Sitcom

11.40 2Broke Girls. Sitcom 12.35 Mom. Sitcom

13.25 (für HG) Two and aHalf Men. Sitcom

14.45 The Middle. Comedyserie 15.40 (für HG)

The Big Bang Theory. Sitcom. Der Mann der

Stunde /Ich bin nicht deine Mutter /Das Juwel

von Mumbai 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10

(für HG) Die Simpsons. Zeichentrickserie. Die

Farbe Grau /Skorpione wie wir 19.05 Galileo

20.15 Joko &Klaas gegen Prosieben

Show. Joko und Klaas haben sich ganz

schön was vorgenommen: Sie fordern

das komplette ProSieben-Universum

heraus. Gewinnt das Duo, bekommt es

Sendezeit zur komplett freien Verfügung.

22.45 (für HG) jerks.

Comedyserie. Griebnitzsee /Jump up,

jump up and get down /House of Cards

0.25 (für HG) Die Simpsons

Zeichentrickserie

2.25 ProSieben Spätnachrichten

2.30 Eine schrecklich nette Familie

Arte

13.05 Stadt Land Kunst 14.10 (für HG) Der

Mann aus Laramie. Western, USA 1955 15.50

(für HG) Flüsse des Lichts 16.40 Xenius 17.10

Wie das Land, so der Mensch 17.40 Kolumbien

–Das Volk am Puls der Berge 18.30 (für HG)

Naturwunder des Nordens 19.20 Arte Journal

19.40 Re: 20.15 Land der Einzelkinder.

Dokumentarfilm, F/USA 2019 21.40 Birma und

die Rohingya –Mord nach Plan 22.45 Birma –

Der lange Kampf der Aung San Suu Kyi 23.40

Mit offenen Karten 23.55 Arte Journal 0.15 Ein

unvergesslicher Sommer. Romanze, F2018

3Sat

13.55 (für HG) Spuren im Sand 14.40 (für HG)

Libellen –Die Himmelsjäger 15.25 (für HG)

Ameisen –Die heimliche Weltmacht 16.10 (für

HG) Tierische Genies 16.55 (für HG) Tierische

Genies 17.45 (für HG) Schneebabys –Der erste

Winter 18.30 nano. Infomagazin 19.00 (für HG)

heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Ein mörderisches

Geschäft. Kriminalfilm, D2010 21.45 kinokino

22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 (für HG) The King –

Elvis und der amerikanische Traum. Dokumentarfilm,

USA 2017 0.05 Die Rigischule

Phoenix

8.30 Europaparlament live 12.45 #phoenix_freistil

13.00 #phoenix_freistil 13.15 Steckbrief

Thüringen 14.00 phoenix vor ort 14.45 Aktuelles

im Umfeld der Sitzungen der Bundestagsfraktionen

15.15 Countdown Brexit 15.30 Juncker –ein

Leben für Europa 16.00 Klima retten 16.45

Starkregen 17.30 phoenix der tag 18.00 Armee

der Heilsbringer 18.30 (für HG) Straße der

Achttausender 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Expedition Deutschland 21.45 (für HG)

heute journal 22.15 Phoenix Runde 23.00

phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

12.25 The Garfield Show 12.50 Marcus Level

13.15 (für HG) Die Wilden Kerle 13.40 Die

Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein –Erfurt

15.00 (für HG) Eine lausige Hexe 15.50 Miss

Moon 16.15 Die Piraten von nebenan 16.50 (für

HG) Geronimo Stilton 17.35 Der kleine Ritter

Trenk 18.00 Eine Möhre für Zwei 18.10 (für HG)

Der kleine Drache Kokosnuss 18.35 Ernest &

Celestine 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 (für HG) Yakari 19.25 (für

HG) pur+ 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG)

Kika Live 20.10 (für HG) Durch die Wildnis

Dmax

9.20 Baggage Battles 9.50 Infomercial 10.15

Shark Tank 12.15 Repair Shop 13.15 Dubai

Airport 14.15 Ausgesetzt in der Wildnis 15.15 Ed

Stafford: Wie ich die Welt überlebte 16.15 Lone

Star Law 17.15 Combat Dealers –Ausrangiert

und aufpoliert 18.15 Steel Buddies 19.15 A8

–Abenteuer Autobahn 20.15 Steel Buddies

21.15 Die Austausch-Cops: Einsatz im Ausland

22.15 112: Feuerwehr im Einsatz 23.10 DMAX

News 23.15 Outback Inferno –Feueralarm in

Australien 0.15 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Monsterwellen –Wie gefährlich sind sie

wirklich? 10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15

Super.markt 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-

Nachrichten 19.15 Bomben im Meer 20.00

Tagesschau 20.15 Wie Händler unsere Welt

vernetzen 21.45 Tagesschau 21.47 Urne, Meer

oder mit Lumpi 22.15 Marktcheck 23.00

Tagesthemen 23.30 Report Mainz 0.00

Umschau 0.45 Tagesschau vor 20 Jahren 1.00

Nachtmagazin 1.20 7Tage ... 1.50 Brandenburg

aktuell 2.20 MDR Sachsenspiegel 2.50 Extra

ONE

6.00 Morden im Norden 6.45 Hollywood’s Best

Film Directors 7.10 Brisant 7.50 Die Landärztin

–Diagnose Tollwut. Arztreihe, D/A 2006 9.20

Brisant 10.00 Hot in Cleveland 10.20 Hot in

Cleveland 10.40 Lindenstraße 11.10 Morden im

Norden 12.00 Sturm der Liebe 13.35 Um

Himmels Willen 14.20 Liebling, wir haben

geerbt! Komödie, D2007 15.50 Morden im

Norden 16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in

Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Hart aber

herzlich 18.40 Sturm der Liebe 19.25 Sturm der

Liebe 20.15 Doctor Who 22.35 Hustle –Unehrlich

währt am längsten 23.25 Doctor Who 1.45

Hustle –Unehrlich währt am längsten

ZDF NEO

5.00 (für HG) Deutschland-Saga 5.45 Frag den

Lesch 6.00 (für HG) Deutschland-Saga 7.30 (für

HG) Deutschland von oben 4 8.15 Topfgeldjäger

9.05 Lafer!Lichter!Lecker! 9.50 (für HG) Bares

für Rares 11.35 Dinner Date 12.20 (für HG)

Monk. Krimiserie 13.40 Psych. Krimiserie 15.00

(für HG) Monk. Krimiserie 16.25 Psych.

Krimiserie 17.45 (für HG) Bares für Rares 18.35

Dinner Date 19.20 (für HG) Bares für Rares

20.15 (für HG) Unter anderen Umständen: Im

finsteren Tal. Krimireihe, D2019 21.45 (für HG)

Professor T. 22.45 (für HG) heute-show 23.15

Shapira Shapira 23.45 Blockbustaz 0.20

Blockbustaz 0.50 Greyzone –NoWay Out

ZDF INFO

5.30 Burgen –Monumente der Macht 7.00 (für

HG) Die Geschichte des Essens –Vorspeise 7.45

(für HG) Die Geschichte des Essens –Hauptspeise

8.28 heute Xpress 8.30 (für HG) Die

Geschichte des Essens –Dessert 9.15 Täterjagd

10.45 Hate Crime –Tatmotiv Hass 11.30

Ermittler! 13.30 Burgen –Monumente der Macht

15.45 Burgen –Mythos und Wahrheit 18.45 Das

Nevada-Dreieck 19.30 Geheimnisse der

Geschichte 20.15 UFOs Declassified –Die

Geheimakten 22.30 Mysterien des Weltalls 0.45

(für HG) heute journal 1.15 Gefährliche

Rückkehrer –IS-Kämpfer in Deutschland 2.00

Kinder des Dschihad 2.45 Inside IS

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musikstadt Berlin Mit Kai Luehrs-Kaiser.

Streifzüge durch das klassische Musikleben der

Hauptstadt, ca. 56 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt Mit Clemens Goldberg.

Beethovens 5. Klavierkonzert. In Ludwig van

Beethovens letztem Klavierkonzert erreicht das

Zusammenspiel von Solist und Orchester

vollendete Gleichberechtigung. Das Werk ist

ebenso Sinfonie wie Solokonzert. Von besonderem

Reiz für dieses Zusammenspiel ist eine

Aufnahme mit einem Hammerklavier mit Robert

Levin und unter der Leitung von John Eliot

Gardiner, ca. 50 Min.

HÖRSPIEL

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Die Freiheit der anderen:

Libanesische Frauen und ihre Dienerinnen. Von

Charlotte Bruneau und Stephanie Rohde. Regie:

Hüseyin Michael Cirpici, ca. 45 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel Der Schlaf der Erinnyen. Von Branko

Janack. Regie: der Autor. Mit Birgit Unterweger.

Produktion: DLF in Kooperation mit der

Schauspielschule Ernst Busch 2019. Ursendung,

ca. 50 Min.

MAGAZIN

11.05 Deutschlandfunk Kutur (89.6 MHz)

Tonart Das Musikmagazin am Vormittag /

11.30-11.35 Musiktipps /11.40-11.43 Chor

der Woche /11.45-11.50 Rubrik: Klassik, ca. 55

Min.

14.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kompressor Das Popkulturmagazin /14.30-

14.33 Kulturnachrichten, ca. 55 Min.

14.35 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Campus &Karriere Das Bildungsmagazin, ca.

25 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin.Weniger, weil Frau:

Die Geschichte der Lohnlücke. Von Sofie Czilwik,

ca. 26 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Mit Lothar Jänichen. Marie &

Jean-Claude Séférian. Tochter und Vater kommen

am 25.10. mit Erinnerungen an das französische

Kino und seine „Nouvelle Vague“ mit ihren

Chansons in das Foyer des Nikolaisaals Potsdam

zu „The Voice In Concert“, ca. 30 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz Live Marcin Wasilewski Trio /AmMikrofon:

Karsten Mützelfeldt, ca. 30 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 245 · D ienstag, 22. Oktober 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Matthias Reim (61) hat sich der Bild-

Zeitung anvertraut, und zwar zu

dem überaus delikaten Themenkomplex

Falten und Furchen, sprich:

das unvermeidliche Alternund was

wir dagegen nicht tun sollten. „Ich

stehe bei meinen Fans für Glaubwürdigkeit“,

führtder Schlagersänger

aus,„und die sollen mir auch das Älterwerden

glauben. …Mein Idol ist

Keith Richards: faltiges Gesicht, Zigarette

in der Hand, aber geile Musik.“

Schön und geil, aber beim Blick

auf das rhetorische Feintuning bei

dem Satz mit Keith Richards fiel uns

das „aber“ auf, denn im Sinne Reims

und seiner These vonder gesteigerten

Glaubwürdigkeit durch Faltentragen

gehörteshier einfach nicht

hin. Aber egal, der Mann schummelt

ohnehin, bei seinen Haarenämlich:

„Ich bin der blonde Reim, und das

soll auch so bleiben. Ichwürde wahrscheinlich

viel grauer sein, aber die

grauen Haarefärbt meine Süße mir

weg.“ Ja,voll geil, Alter!

Prinz Harry (35) hat im Fernsehen ein

Geständnis abgelegt, es betrifft sein

Verhältnis zum älteren BruderWilliam

(37) und will mit den seit geraumer

Zeit kursierenden Gerüchten

aufräumen, beider Beziehung sei zerrüttet:„Wir

sind derzeit sicherlich auf

unterschiedlichen Pfaden“, erklärte

er in einem Interview des britischen

Senders ITVdie näheren Beziehungsumstände,„aber

wir sind Brüder.Wir

werden immer Brüder sein. Ichliebe

ihn sehr,und der Großteil der Gerüchte

ist aus dem Nichts entstanden.“

Also,die Brüder liegen im

Klinsch, aber alles halb so wild.

Bas Dost (30) ist Fußballprofi bei Eintracht

Frankfurtund ein Freund klarerWorte.Der

Holländer,unser Mann

des Tages:„Ich bin Fußballer,mehr

nicht. Ichbin kein Politiker,die Leute

erwarten Tore vonmir.Was ich in

meiner Freizeit mache,geht

sie nichts an. Deshalb bin ich

nicht in sozialen Medien

vertreten.“Yo Digga.

(schl.)

Ja: Ein Fußball ist ein

Fußball ist ein

Fußball … IMAGO IMAGES

TIERE

Hunde zerfleischen sich zu Unterhaltungszwecken.

AFP/VYACHESLAV OSELEDKO

Echt heftig! Unserreichen schlimme

Bilder aus Kirgisistan, genauer gesagt:

aus der Hauptstadt des zentralasiatischen

Lands.InBischkek wurden am

Wochenende offenbar Hundekämpfe

ausgetragen –zuBelustigung der

Menschen und für einträglicheWetteinsätzetraten

dabei Hunde der

Rasse Zentralasiatischer Owtscharka

gegeneinander an. Unser Foto zeigt

die massigen, bis zu 75 Kilogramm

schweren Hunde,die eigentlich Herden

schützen und Hirten bei ihren

Wanderungen durch die Steppe begleiten

sollen. (schl.)

Königin Elizabeth II. am 14. Oktober bei ihrer Thronrede im britischen Unterhaus.

Schweigende Macht

Queen Elizabeth II. muss tun, was die Regierung will –sowie alle Monarchen Europas. Ein Rundblick

VonNikolaus Bernau

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen

Brexit-Wirren

geriet auch die britische

Queen wieder in den politischen

Fokus. Sie sei öffentlich von

„ihrem“ Premierminister Boris Johnson

vorgeführt worden, hieß es unlängst.

Und sie habe zusehen müssen,

wie das Parlament sich in immer

neue Sackgassen manövrierte und

nicht nur das dreihundertjährige

„Vereinigte Königreich“ mit Schottland,

sondern auch der Frieden in

Nord-Irland brüchiger wurde –

aber sie schwieg. Siemusste

schweigen, so ist die überwiegende

Ansicht in Großbritannien,

damit die politische,soziale und kulturelle

Rolle der Monarchie über den

Debatten im Parlament, über der Regierung

und hoch über dem Alltag

nicht gefährdet wird.

Demokratie sichertMonarchie

KRÖNUNG, POLITIK UND STREIT IN JAPAN

Japans Kaiser Naruhito übernahm sein Amt

im Mai vonseinem Vater Akihito. An diesem

Dienstag folgt eine weitere glanzvolle Zeremonie,

bei der er nun offiziell seine Inthronisierung

kundtut. Rund 2000 Gäste aus dem

In- und Ausland, darunter Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier und der britische

Kronprinz Charles, werden im Kaiserlichen

Palast im Herzen Tokios erwartet.

Den Mythen zufolge sind Japans Kaiser unmittelbare

Nachfahren der Shinto-SonnengöttinAmaterasu.

Kritiker beklagen, dass die

meisten Zeremonien zum Kaiserwechsel

trotz ihres religiösen Inhalts vonder Regierung

als staatlich eingestuft werden. Denn

Japans Nachkriegsverfassung schreibt eine

strikte Trennung vonStaat und Religion vor.

Ein weiterer Streitpunkt: Um das Kaiserhaus

beliebt beim Volk zu machen, erlässt die Regierung

zur Feier nun eine Amnestie für eine

halbe Million Straftäter.Laut Verfassung darf

der Kaiser mit Politik aber nichts zu tun haben.

So kritisiertdie Opposition den Straferlass

als nationalistischen Populismus.

Die Queen habe zwar, soder legendäre

Satz des Journalisten und Verfassungshistorikers

Walter Bagehot

aus dem späten 19. Jahrhundert, das

Recht, vonRegierung und Parlament

„gefragt zu werden, zu ermutigen

und zu warnen.“ Aber nur in absoluter

Vertraulichkeit. Im Zweifelsfall

müssten die Monarchen, so Bagehot

zynisch, sogar ihr eigenes Todesurteil

unterschreiben – wenn dieses

denn vomParlament verkündet worden

sei.

George IV.war der letzte Monarch

im Vereinten Königreich, der versuchte,

einem parlamentarisch abgesicherten

Kabinett seinen Willen

aufzuzwingen –1829 scheiterte er,

als dieses die volle bürgerliche

Gleichberechtigung von Katholiken

durchsetzte.Zudieser Zeit waren die

meisten westeuropäischen Monarchien

bereits parlamentarisiert,

auch wenn die Regierungen oft noch

von der Zustimmung des Monarchen

abhängig waren.

Auch die preußischen Könige

mussten seit 1850 ihre Macht mit

dem Abgeordnetenhaus teilen. Als

das Deutsche Reich 1871 begründet

wurde, war es schon selbstverständlich,

dass der Reichstag das Zentrum

der formellen Reichs-Macht sein

sollte. Selbst der autokratisch herrschende

russische Kaiser Nikolai II.

wurde in der Revolution 1905 gezwungen,

eine demokratisch gewählte

Duma zu akzeptieren; dass er

diesen Kompromiss zwischen Tradition

und Zeitgenossenschaft schon

ein Jahr später aufkündigte, war

überaus kurzsichtig.

Schon zu dieser Zeit hatte sich

nämlich, vor allem in Großbritannien,

Schweden-Norwegen, Dänemark,

den Niederlanden, Belgien

und Luxemburg gezeigt: Parlamentarische

Kontrolle und die politische

Neutralität des Herrscherhauses stabilisieren

die Monarchie. InNorwegen

war 1905 sogar eine neue Monarchie

erst etabliert worden, nachdem

Haakon VII. in einer Volksabstimmung

bestätigt worden war.

Verkehrte Welt: ein demokratisch gewählter

König. Demokratie sichert

Monarchie, aber wie verhält es sich

umgekehrt: Was„tut“ die Monarchie

für die Demokratie?

Derspanische König Felipe VI. ist

bis heute ausweislich der Verfassung

von 1978 „Symbol“ der Einheit Spaniens,

aber auch „Wächter“ der demokratischen

Verfassung sowie

„Moderator“ für den Fall, dass sich

Parlament und Regierung nicht eini-

Kaiser Naruhito wohnt am 4. Oktober

einer Parlamentssitzung bei. IMAGO IMAGES

gen können. Undtatsächlich verhielt

sich Juan Carlos I. gemäß dieser

monarchischen Idee, als er 1981 öffentlich

gegen jene Putschisten Stellung

bezog, die ihm eigentlich mehr

Macht geben wollten. Umso größer

war aber die Enttäuschung 2017, als

sein Sohn Felipe im Streit um die Unabhängigkeit

Kataloniens vor allem

seine Rolle als politischer „Wächter“

betonte, die als moralischer „Moderator“

aber zurückstellte. Will der

moderne König keine Macht?

In den Niederlanden hatte die

Monarchie lange eine politisch herausgehobene

Rolle. Noch Königin

Beatrix nahm an Kabinettssitzungen

teil, ihr erheblicher Einfluss auf die

Politik war bekannt und keineswegs

unumstritten. Doch ihren Nachfolger

Willem-Alexander hat das Parlament

beim Thronwechsel 2013 auf

die Symbol- und Wächterrolle beschränkt,

nach britischem Vorbild

wird ernur noch einmal in der Woche

über das Handeln und die Pläne

der Regierung „informiert“. Die

Stärke des Königshauses Oranien hat

darunter nicht gelitten.

GETTY IMAGES

Allerdings gibt es Debatten, ob

durch die institutionelle Schwäche

der Monarchien nicht das Abwägen

und Finden von Kompromissen, das

zentral ist für Demokratien, gefährdet

wird. In Schweden etwa wurde Carl

VXI. Gustaf, als er 1976 den Thron bestieg,

mit einer neuen Verfassung auf

die Rolle eines „Symbols der Nation“

beschränkt. Es fehlt seither eine Institution,

die nur der Vermittlung dient,

nur dem Mahnen und Beraten. Eben

deswegen gibt es Überlegungen, bei

der Thronbesteigung Victorias der

Königin wieder mehr formelle Rechte

einzuräumen. Aber braucht das Parlament

denn überhaupt eine königliche

Beraterin?

Absurde Perfektionserwartung

In der jüngeren Vergangenheit gibt es

nur eine Monarchie,die institutionell

wieder gestärkt wurde: Das Stimmvolk

in Lichtenstein entschied sich,

„den Fürsten“ wieder mächtiger werden

zu lassen. Ansonsten aber gilt die

Regel: Monarchien überleben am

besten, wenn sie wenig Macht haben.

Fast kein Monarch in Europa könnte

sich heute noch erlauben, wie Bundespräsident

Walter Steinmeier vor

zwei Jahren gewählte Abgeordnete im

Parlament so sehr öffentlich unter

Druck zu setzen, dass diese eine Regierung

wählen, die vorher strikt abgelehnt

worden wäre.

Die Gründe dafür sind vielfältig.

Vorallem aber gilt: Präsidenten und

Regierungen werden auf Zeit gewählt,

mit der selbstverständlichen

Annahme, dass sie fehlbare Menschen

sind. Monarchien dagegen legitimieren

sich durch die Erbfolge,sie

sind ihrem Selbstverständnis nach

vonGott eingesetzt und mit heiligem

Öl gesalbt. Monarchien schweben

über der Zeit, weswegen von ihnen

oft eine geradezu absurde moralische

Perfektion verlangt wird.

Dasist ihremoralische Stärke,deswegen

denken viele Menschen in Krisenzeiten

immer wieder: Warum

nicht einen König, eine Königin, die

durch die Krise führt? Eben das verweist

auf ihre politische Schwäche,

wie gerade in Großbritannien deutlich

wird: Wenn die Queen selbst in

Chaos-Zeiten wie diesen schweigen

muss,dann braucht man sie doch gar

nicht mehr. Würde sie aber ihre Zurückhaltung

aufgeben, hörte sie auf,

über den Dingen zu schweben –eine

erhebliche Selbstgefährdung.

Thailands König entzieht

bisheriger Geliebter alle Titel

Thailands König Maha Vajiralongkorn(67)

hat seiner bisherigen offiziellen

Geliebten alle königlichen

und militärischen Titel entzogen.

Die34-jährige Sineenat Wongvajirapakdi

–praktisch die Zweitfrau neben

Königin Suthida (41) –darfsich

damit auch nicht mehr Königlich-

Adelige Gemahlin nennen. Begründet

wurde die Degradierung am

Montag vomPalast damit, dass die

ehemalige Krankenschwester gegen

den Willen des Königs verstoßen

habe und illoyal gegenüber der Monarchie

gewesen sei. (dpa)

Neue Zählung: Philippinen

haben 500 Inseln mehr

DiePhilippinen –einer der größten

Inselstaaten derWelt –haben nach einer

neuen Zählung noch mehr Inseln

als bislang gedacht. Dienationale Behörde

für Kartierung (Namria) ermittelte

mit Hilfe einer verbesserten Methode

vonRadaraufnahmen die Zahl

von7641 Inseln. Bislang hatte es

meist geheißen, dass das Land in

Südostasien aus 7107 Inseln bestehe.

Grundlage dafür war eine Zählung

aus dem Jahr 1945. DieZunahme um

mehr als 500 Inseln erklärtsich durch

die Möglichkeit vongenaueren Radaraufnahmen.

(dpa)

Königliche Reitschule in

Turin in Flammen

Das Gebäude gehörtzum Unesco-Weltkulturerbe.

AFP/MARCO BERTORELLO

Dieehemalige königliche Reitschule

im Zentrum vonTurin ist teilweise

abgebrannt. DasGebäude,das zum

Unesco-Weltkulturerbe gehört, fing

am Montagmorgen Feuer,wie die

italienische Feuerwehr mitteilte.Der

Dachstuhl wurde zerstört. DieEinsatzkräfte

konnten das Feuer jedoch

löschen, niemand wurde verletzt.

DasGebäude im Stadtzentrum gehörtzuden

Residenzen des Königshauses

Savoyen, das aus Turin

stammt. (dpa)

Frau erhält lebenslanges

Kreuzfahrt-Verbot

Wegen eines waghalsigen Selfies auf

einem Luxusschiff hat eine Reederei

ihrer Passagierin lebenslanges

Kreuzfahrt-Verbot erteilt. DiePassagierin

habe auf „leichtsinnige und

gefährliche“ Weise außen vordem

Balkongeländer ihrer Kabine für ein

Foto posiert, zitierte die NewYork

Times am Sonntag aus einem Statement

der Kreuzfahrtgesellschaft Royal

Caribbean. DasSchiff sei auf dem

Wegnach Labadee im karibischen

Inselstaat Haiti gewesen. (dpa)

Österreich: Endlich Beichten

in der Seilbahn

Bergwanderer im oberösterreichischen

BadIschl können ab sofortzwischen

Himmel und Erde ihr Gewissen

erleichtern. DieSeilbahn auf den

Ischler Hausberg–die rund 1500 Meter

hohe Katrin –verfügt über eine

neue„Beichtgondel“. Jeder kann sich

nun auf der 15-minütigen Fahrtdie

Sorgen vonder Seele reden. (BLZ)

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