5-19_DER Mittelstand_web

bvmwwebmaster

5/2019 | Oktober / November 2019 | 4,90 Euro

Schwerpunkt: Mittelstand und Marketing

100 .

Ausgabe

Seid laut!

Politik muss Konsequenzen

aus der Sachsen-Wahl

ziehen

S. 8

Alte Marken, neue Märkte

S. 32


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DER MITTELSTAND. 5 | 2019

3

Die Kosten

der Klimawende

Mario Ohoven

Präsident Bundesverband mittelständische

Wirtschaft (BVMW) und Europäischer

Mittelstandsdachverband European

Entrepreneurs (CEA-PME), Herausgeber

DER Mittelstand.“

Unseren Unternehmerinnen und Unternehmern bedeutet

Nachhaltigkeit viel. Nicht zuletzt liegt ihnen die Zukunft ihrer

Kinder und Enkel am Herzen. Dem Mittelstand ist schon deshalb

der Klimaschutz alles andere als gleichgültig. Konkret erkennen

wir die Notwendigkeit an, den Klimawandel auf einen Temperaturanstieg

von unter zwei Grad zu begrenzen.

Die entscheidende Frage ist jedoch, auf welchem Wege dieses

wichtige Ziel erreicht werden soll. Und da lässt die bisherige Diskussion

Schlimmes befürchten: Autofahren, Inlandsflüge, Fleisch

– um nur einige Beispiele zu nennen – sollen durch höhere Steuern

verteuert werden. Wie wäre es stattdessen, beispielsweise die

mehr als 12.500 Dienstflüge zwischen den Doppel-Dienstsitzen

von Bundesministerien in Berlin und Bonn unter Klimaschutzaspekten

auf den Prüfstand zu stellen?

Ich rate dringend dazu, aus der verkorksten Energiewende die

richtigen Schlüsse zu ziehen. Wenn die Klimapolitik nicht zum

Beschleuniger des wirtschaftlichen Abschwungs in unserem

Land werden soll, muss ökonomischer Sachverstand Vorrang vor

ökologischer Ideologie erhalten. Vor diesem Hintergrund ist das

Klimapaket der Bundesregierung (kritisch) zu sehen.

Um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft langfristig zu

sichern, müssen die Energiekosten reduziert werden. Ein erster

Schritt wäre die Senkung der Stromsteuer auf das europäische

Mindestniveau. Wir zahlen fast die höchsten Strompreise in

Europa, insbesondere wegen der Umlagen zum Ausbau der Erneuerbaren

Energien. Dennoch scheitert Deutschland an den Klimazielen

für 2030, so dass Berlin bereits 300 Millionen Euro für

Strafzahlungen in den kommenden drei Jahren eingeplant hat.

Ich bin dennoch überzeugt, dass die Klimawende gelingen kann.

Aber nur, wenn es kein deutscher Alleingang wird, so wie wir es

bei der Energiewende gesehen haben. Deutschland verursacht

nur etwa zwei Prozent des weltweiten CO 2

-Ausstoßes. Will die

Bundesregierung dem Weltklima wirklich helfen, dann muss sie

einen Weg einschlagen, dem andere Staaten folgen. Man kann

daher nur hoffen, dass das Paket nochmal aufgeschnürt wird. Wir

brauchen mehr Investitionsanreize und weniger Verbote, auch

und gerade in der Klimapolitik. Dann würde das Klimapaket nicht

nur dem Umweltschutz dienen, sondern zugleich Wachstumsimpulse

setzen.

Foto: © Thomas Imo

Aus dem Maßnahmenbündel spricht ein Klima-Aktionismus,

der dem Wirtschaftsstandort mit Sicherheit schaden wird, dessen

positive Wirkungen für das Klima aber ungewiss sind. Vor

allem die geplante CO 2

-Bepreisung von Benzin, Heizöl und Erdgas

sowie die Neuausrichtung der Lkw-Maut und der Kfz-Steuer

am CO 2

-Ausstoß bedeuten erhebliche Mehrbelastungen für den

Mittelstand. Dem stehen auch nicht ansatzweise angemessene

Entlastungen gegenüber: Konkret sind es Mehrkosten durch die

CO 2

-Bepreisung von 18,8 Milliarden Euro bis 2023 bei Entlastungen

von 5,4 Milliarden.

Mario Ohoven


4

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

IN DIESER AUSGABE

12

DEUTSCHLAND

6 News

8 Politik muss Konsequenzen aus Sachsen-Wahl ziehen

10 Diskussion: Klimaschutz kontrovers

12 Was bringt das neue Geschäftsgeheimnisgesetz?

14 Die Denkfabriken des Mittelstands

16 Mittelstandspräsident im Dialog

17 Wissenstransfer zwischen Hochschulen

und Mittelstand

EUROPA

Was bringt das neue Geschäftsgeheimnisgesetz?

18 News

20 Harter Brexit – vor allem für die Briten

22 Erfolgreich investieren

28

INTERNATIONAL

24 Wachsender Kulturmarkt in Südostasien

26 Afrika – Handel ohne Grenzen

28 Deutsche Technologien sind in Arabien gefragt

Deutsche Technologien sind in Arabien gefragt

34

SCHWERPUNKT

32 Alte Marken, neue Märkte

34 Im Trend: Marketing mit Influencern

36 „Die Reichweite ist am wichtigsten”

38 Individuelle Kundenpflege in Echtzeit

40 Social Media – die neue Form des Marketings?

42 Facebook Pixel & Datenschutz

43 Chancen und Risiken des E-Mail-Marketings

44 Immer an den Kunden denken

46 Printwerbung lebt

48 Wie Kultur beim Marketing helfen kann

50 Top 5 Werbegeschenke

51 Braucht der Mensch ein Update?

52 Strategisches Outsourcing

53 EU-Reform schützt stärker geistiges Eigentum

54 Geschichten lauern überall – Storytelling im

Unternehmensalltag

56 Die Lebensphasen eines Unternehmens

58 Marketing in Zahlen

60 Klartext: Marketing: Der Unternehmer als Lokführer

60 Impressum

BUNDESWIRTSCHAFTSSENAT

Im Trend: Marketing mit Influencern

63 „Ideen alleine bringen nichts“

67 „Unkonventionelles Denken hat mich nach

vorne gebracht“


NOVEMBER | DEZEMBER 2019

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

5

SERVICE

72 News

74 Ihre Chance: zertifizierter Berater

76 5 Fallstricke bei der Unternehmensnachfolge

77 Der andere Gedanke: Beim FOKUS steht der

Mittelstand im Mittelpunkt

78 „Bei KI werden die Karten neu gemischt“

80 Finanztipp: Garantierte Geldeinbuße

81 Wie Daten zu einem echten Unternehmenswert werden

82 Wie Unternehmer bei Geschäftsreisen sparen

83 Steuern auf den Punkt: Steuerfalle Arbeitszimmer

84 Unbeschwert feiern & schenken

86 Rechtshotline: Wieder neues Gesetz:

„Verbandssanktionengesetz“

87 Akten effizient archivieren

74

BVMW

88 News

92 Quo Vadis, Wirtschaft?

94 100. Ausgabe DER Mittelstand.

– Erfolg heißt sich ändern

98 Wie kommt unser Magazin bei Leserinnen und Lesern

an? Wir haben nachgefragt.

100 DER Mittelstand. beliebt bei Politikern und Partnern

des BVMW

102 Entspannung unter Indoor-Palmen

104 Lebensgefühl Harley-Davidson

106 Wie eine Marke sich neu entdeckt

107 Siegerduo: Bobpilot und Unternehmer des Jahres

108 Die DNA der Kunden entschlüsseln

109 Feurige Innovationen

110 Gemeinsam den Mittelstand stärken

112 Kompetent und engagiert:

Die BVMW Vorstands kandidaten 2019

Ihre Chance: zertifizierter Berater

Entspannung unter Indoor-Palmen

102

KULTUR

05|2019

Veranstaltungstermine des BVMW

114 Van Gogh – an der Schwelle zur Ewigkeit

116 Kunst-Hauptstadt Düsseldorf

118 Futurium: Einmal Zukunft und zurück

120 BuchTipps

121 AppTipps

122 Geistesblitze

n FORUM FÜHRUNG

Machtvolle Kommunikation

n ROADSHOW

Starke Marke

Dieser Ausgabe liegt die Broschüre

„Netzwerk. Veranstaltungen des BVMW“

bei.

Scannen Sie diesen QR-Code mit Ihrem

Smartphone und lesen Sie diese Ausgabe als

PDF. In der digitalen Fassung sind sämtliche

Hyperlinks aktiv.

Jubiläumsausgabe DER Mittelstand.:

Einen Rückblick zur 100. Ausgabe finden Sie auf

den Seiten 94 bis 100.

Tagesaktuelle Neuigkeiten aus dem Mittelstand finden Sie auf

unserer Verbandswebseite

www.bvmw.de


Unternehmerprogramm des Mittelstands

Positionen und Forderungen des Bundesverbands

mittelständische Wirtschaft e. V.

Unternehmergeist . Europa . Bürokratieabbau . Steuern . Finanzmarkt . Arbeitsmarkt . Migration . Innovation . Digitalisierung . Energie . Mobilität . Umwelt .

Ernährung, Land- und Forstwirtschaft . Gesundheit . Markt und Sozialstaat . Bildung . Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik . Außenhandel . Afrika

www.bvmw.de

6 DEUTSCHLAND

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Deutschland

News

FÜR EINE STARKE WIRTSCHAFT.

MIT DEM MITTELSTAND

IN DIE ZUKUNFT

Unternehmer programm

des Mittelstands 2019

Für die Politik ist der BVMW Kritiker und Partner zugleich. Das

neue Unternehmerprogramm des Mittelstands benennt die konkreten

wirtschaftspolitischen Forderungen für kleine und mittlere

Unternehmen. Ziel ist es, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen

für die Millionen Mittelständler in Deutschland zu

verbessern und dadurch den Wirtschaftsstandort Deutschland

insgesamt zu stärken. Betrachtet die Politik den Mittelstand tatsächlich

als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und handelt

dementsprechend, dann gibt es eine realistische Chance, ein

Land des Zukunftsoptimismus und nicht der Zukunftsangst zu

werden.

Abrufbar unter:

https://bvmw.info/unternehmerprogramm

BVMW: Soli-Abschaffung

für alle!

Die Bundesregierung hat beschlossen, den Soli nur für 91 Prozent

der Arbeitnehmer und 88 Prozent der Gewerbetreibenden ab 2021

abzuschaffen. Alle Kapitalgesellschaften, aber auch kleine GmbHs

und Start-ups, sollen die Ergänzungsabgabe weiterzahlen. Der Soli

beträgt aktuell 5,5 Prozent der Körperschaft- beziehungsweise

Einkommensteuer. Personenunternehmen zahlen im Durch schnitt

5.000 Euro pro Jahr. Singles mit weniger als 16.956 Euro Einkommensteuer

pro Jahr müssen künftig keinen Soli mehr ent richten.

Für Steuerzahler, die als Ehepaar veranlagt sind, liegt die Grenze

rund doppelt so hoch. Der BVMW setzt sich mit dem Auslaufen

des Solidarpakts weiter für eine komplet te Abschaffung des Solidaritätszuschlags

ab 1. Januar 2020 ein – und zwar für alle ein.

© BVMW 2019. Alle Rechte vorbehalten.

#Mittelstand

1

Bürokratieabbaugesetz III –

nur ein erster Schritt

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bringt das

dritte Gesetz zum Abbau von Bürokratie auf den Weg. Die

Wirtschaft soll um 1,1 Milliarden Euro entlastet werden. Derzeit

betragen die jährlichen Bürokratiekosten für die Wirtschaft mehr

als 50 Milliarden Euro pro Jahr. Der Referentenentwurf enthält

Vorschläge zu einem Basisregister für Unternehmen, zum

Wegfall der gelben Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit und

zur Archivierung elektronisch vorliegender Steuerunterlagen.

Auch eine digitale Alternative zu den Meldescheinen aus Papier

im Hotelgewerbe soll eingeführt werden. Der BVMW wird sich

bei der geplanten Verbändeanhörung mit einer Stellungnahme

beteiligen und Nachbesserungen einfordern.

44-Euro-Frei grenze bei

Guthabenkarten erhalten

Arbeitgeber können ihren Beschäftigten 44 Euro monatlich steuerfrei

zum Beispiel über Guthabenkarten zukommen lassen. Das

Finanzministerium wollte dies ändern, ließ die Pläne jedoch auf

Drängen der Mittelstandsallianz unseres Verbandes fallen. Die

Diskussion um die 44-Euro-Freigrenze ist dennoch nicht ganz

vom Tisch. Derzeit liegen Fälle vor, bei denen sich Finanzämter

an veraltete Veröffentlichungen halten, die das Finanzministerium

im aktuellen Bundessteuerblatt herausgab. Ein klarstellendes

Schreiben des Ministeriums fehlt. Der BVMW setzt sich weiter

mit seinen Partnern aus der Mittelstandsallianz dafür ein, dass

Unternehmen Rechtssicherheit bekommen. Die 44-Euro-Freigrenze

muss auch für Guthabenkarten erhalten bleibt.

Foto: © Sidekick von www.istockphoto.com; © smolaw11 von www.istockphoto.com; © Stadtratte von www.istockphoto.com; © mpanch von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

DEUTSCHLAND

7

Umfrage 2019: Das Image der

Familienunternehmen

Familienunternehmen genießen einen guten Ruf in Deutschland.

Doch wie sieht das im Detail aus? Egal, ob wirtschaftliche Performance,

Arbeitgeberattraktivität, Management- sowie Produktqualität

oder Gesellschaftliche Verantwortung, das alles trägt am

Ende zu einem guten – oder auch schlechten – Ruf bei. PricewaterhouseCoopers

hat dazu 1.000 Bürgerinnen und Bür ger befragt

und spannende Einblicke zum Image der deutschen Familienunternehmen

erhalten. Beispielsweise sehen 49 Prozent der Befragten

einen wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern. Oder 41

Prozent sind der Meinung, dass Familienunternehmen die besten

Produkte und Services anbieten. Die Umfrage zeigt überdies, welchen

Herausforderungen sich die Familienunternehmen stellen

müssen. In der heutigen Zeit gilt: Innovationsstärke

zeigen, um den Weg in die digitale Ära einzuschlagen.

https://bvmw.info/image-familienunternehmen

Arbeit-von-morgen-Gesetz

Vor der Sommerpause kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus

Heil an, noch in diesem Jahr das Arbeit-von-morgen-Gesetz

vorzulegen. Der Vorstoß soll angesichts des aktuellen Konjunkturabschwungs

vor Job verlusten schützen. Dafür plant Hubertus Heil

eine Erleichterung bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld und

stärkere staatliche Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen.

Grundsätzlich ist der Vorstoß zu begrüßen. Nicht zuletzt hat

Deutschland aufgrund des Kurzarbeitergeldes die Finanzkrise besser

überstanden als andere Staaten. Für eine wirksame Ankurbelung

der Wirtschaft sind aber höhere Investitionen nötig, beispielsweise

in den Bereichen Infrastruktur, Bildung und Digitalisierung.

Foto: © dusanpetkovic von www.istockphoto.com; © RobsonPL von www.istockphoto.com; © Massimo Todaro von www.shutterstock.com

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin.

BVMW unterstützt Altmaiers Mittelstandsstrategie

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier stellte Anfang Oktober

seine Mittelstandsstrategie der Öffentlichkeit vor. Mit seinen

Plänen greife Altmaier zentrale Forderungen des deutschen

Mittelstands auf, lobte Mario Ohoven. Dazu zählt die Erhöhung

des Schwellenwertes für die Sofortabschreibung geringwertiger

Wirtschaftsgüter auf 1.000 Euro, eine stärkere Flexibilisierung

des Arbeitsmarktes, die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags

und eine mittelstandsfreundlichere Gestaltung

der Erbschaftsteuer. Positiv ist auch, dass ein Staatssekretärsausschuss

Mittelstand eingerichtet wird, der die Vorhaben aller

Ministerien auf ihre Mittelstandsverträglichkeit prüft. Nachbesserungsbedarf

besteht jedoch beim Bürokratieabbau. „Bei

Gesamtkosten von über 50 Milliarden Euro jährlich ist eine

Entlastung von einer Milliarde nicht viel mehr als ein Tropfen auf

den heißen Stein“, so BVMW-Präsident Ohoven. Insgesamt setzt

die Mittelstandsstrategie in Zeiten einer drohenden Rezession ein

wichtiges Zeichen. Inwieweit den angekündigten Reformvorhaben

zur Entlastung von mittelständischen Unternehmerinnen und

Unternehmern konkrete Taten folgen, bleibt abzuwarten. Denn es

ist abzusehen, dass die SPD bei zentrale Forderungen

des Wirtschaftsministers nicht mitziehen wird.

https://bvmw.info/mittelstandsstrategie


8 DEUTSCHLAND

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Politik muss

Konsequenzen aus

Sachsen-Wahl ziehen

Die Landtagswahl in Sachsen hat die Debatte über das politische

System und den Umgang mit Randparteien neu entfacht.

Die AfD erzielte am 1. September mit 27,5 Prozent ihr bundesweit

bisher bestes Ergebnis. Zusammen mit dem Ergebnis der Linkspartei

(10,4 Prozent) stimmten in Sachsen fast 40 Prozent der Wähler

für eine Partei am politischen Rand. Die in Dresden bis dato regierenden

Parteien CDU und SPD waren bei der Wahl zusammen ähnlich

stark – oder eben schwach.

Was besonders auffällt: Gerade Unternehmer sind zunehmend unzufrieden.

Nur noch ein Drittel (32 Prozent) der Selbstständigen in Sachsen

stimmte bei der Landtagswahl für die CDU (ein Rückgang um

13 Prozentpunkte), wie aus einer Analyse des Meinungsforschungsinstituts

Infratest dimap hervorgeht. Für die SPD stimmten sogar nur

noch vier Prozent (minus ein Punkt). Die FDP, eigentlich Heimat der

Selbstständigen, konnte von diesem Rückgang faktisch nicht profitieren.

Nur acht Prozent der Unternehmer gaben den Freien Demokraten

ihre Stimme (plus ein Punkt).

Größter Gewinner war auch hier die AfD. Fast jeder dritte Selbstständige

(29 Prozent) votierte für die AfD – doppelt so viele wie bei

der Landtagswahl vor fünf Jahren. Die rechtsnationale Partei ist für

Unternehmer mittlerweile fast genauso attraktiv wie die CDU.

Was ebenfalls auffällt: Die AfD ist keine reine Protestpartei (mehr). Jeder

zweite Wähler gibt zwar an, sein Kreuz bei den Rechtsnationalen

aus Enttäuschung über andere Parteien gemacht zu haben. Zugleich

sagen aber auch 40 Prozent, sie stimmten mit den Forderungen der

AfD überein und hätten sie deshalb gewählt.

Welche Schlüsse und Konsequenzen lassen sich also aus dem Wahlergebnis

ziehen?

1. Die Groko hat ihren Kredit verspielt!

Nach vielen Querelen in den ersten Monaten regieren Union und SPD

in Berlin seit einem Jahr relativ geräuschlos. Das Bündnis setzt die

Vereinbarungen im Koalitionsvertrag konsequent um – und dennoch

honorieren die Wähler die Arbeit nicht. In Umfragen ist die Große

Koalition auf knapp über 40 Prozent abgerutscht. Die Mehrheit der

Bürger ist mit dem Kurs von Union und SPD und ihren führenden Politikern

einfach nicht mehr zufrieden.

Selbst wenn die Minister über Wasser gehen könnten, würden ihnen viele

Bürger vermutlich vorwerfen: Ihr könnt ja nicht einmal schwimmen! Die

Groko hat mittlerweile ein Image, das irreparabel beschädigt ist.

Das sächsische Ergebnis spiegelt diesen Imageschaden wider. Im

Landtagswahlkampf spielten bundespolitische Themen eine wichtige

Rolle. Auf die Frage, welche Themen wahlentscheidend sind, nannten

die Wähler am häufigsten Umweltschutz, Flüchtlinge, Bildung und

Soziales. Somit ist ein maßgeblicher Teil des Wahlergebnisses auch

mit bundespolitischen Einflüssen zu erklären.

Foto: © Sergey Tinyakov von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

DEUTSCHLAND

9

Was ist zu tun, um den sich abzeichnenden Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge

abzufedern? Wann wird der Mittelstand spürbar

entlastet? Wie können Firmen schneller als bisher Fachkräfte finden?

Und wie muss eine Umweltpolitik aussehen, die dem Klima wirklich

hilft – und zugleich der Wirtschaft nicht schadet? Das sind nur einige

der schnell zu klärenden Fragen.

3. Mehr Ehrlichkeit in der Politik!

Bei Union und SPD wächst die Erkenntnis, dass der Bund spätestens

2021 wieder neue Schulden aufnehmen muss. Doch offen sagen

will das niemand. Stattdessen versuchen die Parteispitzen, mit

Worthülsen die Lage zu vernebeln. Die CDU-Vorsitzende Annegret

Kramp-Karrenbauer beispielsweise erklärt, sie halte an der „schwarzen

Null“ fest. Zugleich schiebt sie hinterher: „im Rahmen der Schuldenbremse“.

Damit sind aber neue Schulden von bis zu zwölf Milliarden

Euro möglich. Doch das soll die Öffentlichkeit lieber nicht so

direkt erfahren.

Ähnlich verhält es sich mit der Umweltpolitik. Niemand traut sich so

recht zu sagen, dass mehr Klimaschutz am Ende natürlich auch mehr

Kosten bedeutet.

Es ist genau dieser verbale Nebel, der viele Wähler ärgert – und es

Funktionären der AfD leicht macht, gegen Bundes- und Landesregierungen

zu opponieren. Die Wahrheit auszusprechen, mag hart

sein und viel Kritik provozieren. Sie ist jedoch Pflicht in einem demokratischen

System, dessen wesentliche Grundlage das Vertrauen in

den Staat und seine handelnden Personen ist. Das Wahlergebnis von

Sachsen zeigt, dass dieses Vertrauen bei immer mehr Wähler abhanden

gekommen ist.

Foto: © Thorsten Fleischauer

2. Wirtschaftspolitik muss wieder Top-Thema werden!

Seit nunmehr 14 Jahren stellt die CDU mit Angela Merkel die Bundeskanzlerin,

seit sechs regiert sie wieder in einer Koalition mit der

SPD. Das Bündnis konnte vor allem funktionieren, weil die finanzielle

Situation des Staates glänzend ist. Die Steuereinnahmen werden

2019 vermutlich zum achten Mal in Folge auf Rekordhoch steigen.

Die historisch niedrigen Zinsen vergrößern den finanziellen Spielraum

im Bundesetat. Union und SPD haben die Situation für viele soziale

Wohltaten genutzt. Aber konkrete Pläne für Bürokratieabbau, Reformen

am Arbeitsmarkt, spürbare Entlastungen der Bürger und Unternehmen?

Fehlanzeige.

Für eine CDU-geführte Bundesregierung ist es geradezu blamabel,

dass sie trotz Wirtschaftsboom und Einnahmerekorden in 14 Jahren

keine große Steuerreform durchgesetzt hat. Darüber sind viele Unternehmer

zu Recht verärgert.

Mit dem beginnenden Konjunkturabschwung müssen sich die Prioritäten

der Bundesregierung, aber auch die der Landesregierungen,

schnellstens zugunsten der Wirtschaft verschieben. Es geht darum,

wieder diejenigen in den Mittelpunkt zu rücken, die mit ihren unternehmerischen

Entscheidungen Risiken eingehen und Verantwortung

für Millionen Arbeitsplätze tragen. Sie brauchen das Grundvertrauen,

dass Politik ihre Anliegen unterstützt – und nicht gegen sie arbeitet.

4. Mehr Wettbewerb unter den Bundesländern!

Subsidiarität ist ein sperriges Wort – aber es könnte eine Waffe gegen

Populisten von rechts wie links sein. Subsidiarität bedeutet Selbstbestimmung.

Sie verlangt beispielsweise, dass Probleme auf der Ebene

gelöst werden, auf der sie entstehen. Und sie will auch, dass zum Beispiel

Einnahmen dort bleiben, wo sie entrichtet werden.

Das föderale System in Deutschland trägt dem in Teilen Rechnung.

Aber genug? Können die Bundesländer in der Wirtschafts-, Steueroder

Sozialpolitik wirklich so frei agieren, wie sie gerne würden? Ist

die Arbeitsstättenverordnung wirklich etwas, was der Bund vorgeben

muss? Und warum wird der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz in

Berlin beschlossen – und nicht, je nach Bedarf und Kapazitäten, von

den Bundesländern?

Je bürgernäher Entscheidungen fallen, umso größer ist die Bereitschaft,

sie auch zu akzeptieren. Je unmittelbarer Bürger und Firmen

mit ihren Steuern in ihrem Umfeld etwas bewirken können, umso größer

die Akzeptanz des politischen Systems.

Die Politik in Berlin sollte mehr Subsidiarität wagen – und damit auch

mehr Wettbewerb unter den Bundesländern.

Jan W. Schäfer

Mitglied der Chefredaktion beim FOCUS

www.focus.de


10 DEUTSCHLAND

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Diskussion:

Klimaschutz kontrovers

Der Klimaschutz ist als eines der drängendsten Themen in (fast) allen Parteien angekommen.

Die Frage ist nicht mehr das „ob“ des Klimaschutzes, sondern wie dieser am besten umgesetzt

werden kann. Unter „Ein Thema – zwei Antworten“ hat der BVMW den klimapolitischen Sprecher

der FDP-Fraktion und die energiepolitische Sprecherin von B‘90/Die Grünen aufgefordert, ihre

Positionen zur Debatte über den Klimaschutz darzulegen.

Grünes Gewissen als Showeffekt

ren eigenen Ansatz vorstellen, der so einfach wie nachweislich wirksam

ist, fordern wir: Der Ausstoß von Treibhausgasen muss streng

limitiert werden, und zwar jedes Jahr genau so viel strenger, dass

wir im Jahr 2050 bei Netto-Null sind. Punkt. Dieses CO 2

-Limit ist

die zwingende Voraussetzung für alle weiteren Maßnahmen im Klimaschutz,

und was hier verdammt einfach klingt, ist es auch. Denn

der entscheidende Trick lautet: Die Emissionen, die nach ökologischen

Vorgaben bis dahin noch erlaubt sind, werden auf einer Börse

in Form von Zertifikaten gehandelt. Mit sinkendem Limit für Treibhausgasemissionen

steigen die Preise dafür, sodass Hersteller und

Industrie zuerst angereizt, aber zunehmend regelrecht wirtschaftlich

gezwungen werden, klimafreundlich zu produzieren. Weil sie die

Preise für Zertifikate nämlich nur so lange an Endverbraucher weitergeben

können, bis diese zur saubereren und damit günstigeren Konkurrenz

abwandern, entsteht durch diesen Emissionshandel der nötige

Innovationsdruck für klimafreundliche Technologien.

Dr. Lukas Köhler, MdB

Sprecher für Klimapolitik der FDP-Bundestagsfraktion

Klimaschutz ist eine der größten Herausforderung unserer Zeit

– vor allem aber die zeitkritischste. Und wer zu einem bestimmten

Zeitpunkt ein Ziel erreichen muss, braucht zwei Dinge:

das Ziel selbst und einen Plan, es termingerecht zu erreichen. Auf

dem Weg zur Arbeit etwa ist uns diese Binsenweisheit vollkommen

klar; in Sachen Klimaschutz jedoch weigert sich die Bundesregierung

noch immer, einen genauen Fahrplan zu erstellen, obwohl das

Ziel 2015 in Paris verbindlich vereinbart wurde.

Beim Weg zu dieser Klimaneutralität im Jahr 2050 gibt es jedoch

sehr unterschiedliche Ansätze – und, mit Verlaub, sehr unterschiedlich

gute Argumentationen dafür. Und weil wir Freie Demokraten uns

weniger an den schlechten Ideen anderer abarbeiten, sondern unse-

Eine CO 2

-Steuer hingegen, die für uns nur das zweitbeste klimapolitische

Instrument ist, hat drei gefährliche Schwächen: Erstens fehlt

ihr das CO 2

-Limit, so dass Konsumenten weiterhin unlimitiert Treibhausgase

ausstoßen können, solange sie nur dafür zahlen. Zweitens

schiebt sie die Verantwortung für Klimaschutz zum Endverbraucher

und droht damit, an der politischen Inakzeptanz zu scheitern – was

fatal wäre. Und drittens wäre sie als Bürokratiemonster nicht in der

Lage, schnell auf Veränderungen zu reagieren.

Dass wir Freie Demokraten der Wirtschaft viel zutrauen, dürfte bekannt

sein; dass wir ihr aber auch viel zumuten, mag manchem neu

erscheinen. Aber genau das tun wir: Wir sehen nicht nur das Potenzial

zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien bei Forschern,

Entwicklern und Geschäftsführern, sondern auch die Pflicht dazu.

Von symbolischer Askese, mit der moralische Umweltschützer ihr

grünes Gewissen zur Schau tragen, halten wir hingegen gar nichts.

Fotos: © Dr. Lukas Köhler von flickr


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

DEUTSCHLAND

11

Gut zu wissen

BVMW: CO 2

-Mindestpreis im europäischen Emissionshandel einführen

Die Bepreisung von CO 2

ist für einen erfolgreichen Klimaschutz unverzichtbar. Der BVMW präferiert eine europäische Lösung und tritt deshalb für eine

Ausweitung des europäischen Emissionshandels auf alle Sektoren (Strom, Wärme, Verkehr) sowie die Einführung eines ansteigenden europäischen

CO 2

-Mindestpreises ein. Zusätzliche Einnahmen des Staates durch die CO 2

-Bepreisung müssen aufkommensneutral wieder an die Unternehmen und

Bürger zurückfließen, zum Beispiel durch eine Senkung der Stromsteuer.

Heizöl und Erdgas stärker besteuern

In der Debatte um geeignete Klimaschutzmaßnahmen werden

die Stimmen für einen CO 2

-Preis immer lauter. Sie reichen von

der Industrie bis hin zu den Umweltverbänden. Denn längst ist

klar: Eine klimagerechte CO 2

-Bepreisung ist ein sinnvoller und

wirksamer Baustein der Klimapolitik. Ehrlichere Preise lenken Investitionen

in die richtige Richtung und können so den umweltund

klimagerechten Umbau unserer Energieversorgung und unserer

Wirtschaft beschleunigen. Ein angemessener CO 2

-Preis ist

deshalb ein geeignetes Instrument für mehr Klimaschutz, allerdings

nur im Konzert mit Mindeststandards, Förderprogrammen

und steuerlichen Anreizen.

Fotos: © Sven Brauers

Als Grüne plädieren wir dafür, die bisherige Energiebesteuerung auf

Heizöl und Erdgas um eine CO 2

-Komponente zu ergänzen. Außerdem

soll Deutschland auch im Emissionshandel einen Mindestpreis

für CO 2

einführen – möglichst gemeinsam mit anderen Ländern der

EU wie Frankreich und den Niederlanden. Wir schlagen einen Einstiegspreis

von 40 Euro pro Tonne vor, der dann planbar ansteigt.

Die gesellschaftliche Unterstützung für einen CO 2

-Preis ist umso

größer, je (verursacher-)gerechter die zu zahlenden Klimaschutzbeiträge

verteilt sind. Deshalb muss ein geeignetes Konzept Klimaschutz

und Verteilungsgerechtigkeit verbinden. Die Einnahmen aus

der Verteuerung von klimaschädlichem CO 2

sollen daher an Betriebe

und Haushalte zurückfließen und so vor allem diejenigen belohnen,

die bereits klimaschonend wirtschaften.

Unser Konzept sieht zwei Entlastungswege vor: Zum einen wollen wir

im Gegenzug die Stromsteuer abschaffen und so die Stromrechnung

von Privathaushalten, Gewerbetreibenden und Unternehmen senken.

Die übrigen Einnahmen wollen wir als Energiegeld pro Kopf an die

Menschen zurückverteilen. So würde beispielsweise eine vierköpfige

Familie mit durchschnittlichem Stromverbrauch 460 Euro pro Jahr

zurückbekommen.

Dr. Julia Verlinden, MdB

Sprecherin für Energiepolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen

Für alle, die wenig Einfluss auf Energieverbrauch und CO 2

-Intensität

ihres Energiemixes haben, wollen wir zusätzliche Förderprogramme

auflegen. Damit unterstützen wir zum Beispiel energetische Sanierungen,

von der Mieterinnen und Mieter profitieren, oder Investitionen

in den öffentlichen Nahverkehr, um Alternativen für Pendlerinnen

und Pendler zu schaffen. Ein sozial ausgewogener CO 2

-Preis kann

die Klimapolitik in Deutschland ein gutes Stück voranbringen. Jetzt

ist der richtige Zeitpunkt, diesen Schritt zu gehen.


12 DEUTSCHLAND DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Was bringt

das neue

Geschäftsgeheimnisgesetz?

Der Schutz von Geschäftsgeheimnissen als

Compliance- und Managementaufgabe:

Warum Mittelständler Geschäftsgeheimnisse

neu bewerten und aktive Maßnahmen ergreifen

müssen.

Nahezu jedes Unternehmen verfügt über Informationen, die

der Wettbewerber nicht kennen soll. Die Geheimhaltung dieser

Informationen sichert Wettbewerbsvorteile und ist daher

von erheblicher Bedeutung für ein Unternehmen. Gleichwohl wird der

Geheimnisschutz in sehr vielen mittelständischen Unternehmen vernachlässigt.

Häufig werden nur naheliegende Geheimhaltungsmaßnahmen

umgesetzt, die wenig Aufwand erfordern. Derartige Nachlässigkeiten

können sich jedoch als teure Fehler entpuppen. Diese

lassen sich nur vermeiden, wenn dem Unternehmer die juristische

und betriebswirtschaftliche Bedeutung von Geschäftsgeheimnissen

bekannt ist.

Am 26. April 2019 ist ein Gesetz in Kraft getreten, welches erstmalig

die Voraussetzungen eines Geschäftsgeheimnisses definiert.

Wichtig ist, dass Informationen nur dann als Geschäftsgeheimnis

geschützt sein können, wenn sie „Gegenstand von den Umständen

nach angemessenen Geheimhaltungsmaßnahmen sind“. Der Geheimnisinhaber

muss diese Maßnahmen auch dokumentieren, um

sie im Streitfall beweisen zu können. Diese Anforderungen sind neu.

Denn bisher waren nach deutschem Recht Informationen auch dann

als Geschäftsgeheimnis geschützt, wenn keinerlei Maßnahmen ergriffen

worden waren. Das kann zu der Situation führen, dass Informationen

in einem Unternehmen allein durch die Rechtsänderung

nicht mehr als Geschäftsgeheimnis geschützt sind, weil keine oder

keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen wurden. Neu ist auch,

dass das reverse engineering, also das unbegrenzte Analysieren eines

Gegenstandes, nunmehr grundsätzlich erlaubt ist, während es

bisher als wettbewerbswidrig angesehen wurde. Schließlich bringt

das Geschäftsgeheimnisgesetz auch eine verschärfte Haftung für

Produzenten. Denn diese haften einem Geheimnisinhaber für die unbefugte

Verwertung seines Geheimnisses selbst dann, wenn sie von

dem Geheimnisschutz nichts wussten. Das kann relevant werden,

wenn Beschäftigte Informationen beschaffen, die vorher rechtswidrig

erlangt wurden.

Welche Maßnahmen sollten Unternehmen ergreifen?

Das neue Gesetz verlangt Maßnahmen, die den Umständen nach

angemessen sind. Es nennt jedoch keine Maßnahmen und definiert

auch nicht, was angemessen ist. Es ist jedoch davon auszugehen,

dass geheime Informationen einzeln oder nach Kategorien bewertet

werden müssen. Eine pauschale Maßnahme für alle Geheimnisse

eines Unternehmens genügt nicht. Dazu ist es erforderlich, die

potenziellen Geheimnisse im Unternehmen zu identifizieren, sie in

Kategorien einzuteilen und je nach Kategorie intensive oder weniger

intensive Maßnahmen zu ergreifen. Der BVMW hat dazu eine Check-

Foto: © CharlieAJA von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

DEUTSCHLAND

13

liste veröffentlicht, anhand derer die einzelnen Maßnahmen erläutert

werden. Das ist durchaus aufwendig und sollte fachmännisch

begleitet werden. Denn wenn die Maßnahmen nicht angemessen

sind, nützen sie letztendlich nichts. Viele Klauseln in Arbeitsverträgen

dürften nach dem neuen Recht unwirksam sein, da sie zum Beispiel

pauschal untersagen, „alle Informationen, die der Arbeitnehmer

während seiner Tätigkeit erhält, weiterzugeben“. Durch diese Formulierung

fehlt es an einer Bewertung und Identifizierung des konkreten

Geheimnisses. Der Arbeitnehmer weiß nicht, was geheim sein

soll, und die Klausel ist für manche Geheimnisse ausreichend und für

manche nicht. Klauseln in Arbeitsverträgen und in Verträgen mit Geschäftspartnern

gehören auf den Prüfstand, um böse Überraschungen

zu vermeiden. Dazu gehören dann auch Vereinbarungen zum reverse

engineering und zur Vermeidung der Infizierung mit fremden

Geheimnissen. Neben vertraglichen Regelungen sind Vorkehrungen

wichtig, die den Zugriff auf Informationen begrenzen. Da können Unternehmen

durchaus auch auf Regelungen und Vorkehrungen zum

Datenschutz zurückgreifen.

Der Wert von Geschäftsgeheimnissen

Geschäftsgeheimnisse setzen nach dem Gesetz voraus, dass sie einen

Wert haben, der gerade auf der Geheimhaltung beruht. Über den

Weg der Geheimhaltung, dank der das Unternehmen gegebenenfalls

Eigentumsansprüche geltend machen kann, werden diejenigen

Kompetenzen und Fähigkeiten, mit denen sich das Unternehmen am

Markt behauptet, aus dem weit gefassten Bereich der Immaterialgüter

hinaus in den Status eigenständigen und klar umrissenen geistigen

Eigentums übergeführt.

Anders jedoch als bei klassischen Schutzrechten wie beispielsweise

Patenten, handelt es sich bei den Informationen, die unter den Geheimnisschutz

fallen, keineswegs nur um technisches Know-how.

Der erfasste Bereich ist sehr viel weiter, nämlich all dasjenige Wissen,

das dem Unternehmen über den Weg der Geheimhaltung einen Vorteil

gegenüber den Wettbewerbern verschafft. Auch Personalinformationen,

Informationen über Kunden und Geschäftsbeziehungen

können beispielsweise dazu gerechnet werden. Negativerfahrungen

mit betrieblich nutzbarem Erkenntnisgewinn, wie fehlgeschlagene

Produktionsversuche oder Projekte, können ebenso unter die Definition

von schützenswertem Know-how fallen und den Weg in die Unternehmensbilanz

finden.

Gut zu wissen

n Die Voraussetzungen für Geheimnisschutz werden strenger und

erfordern spezifische Maßnahmen

n Insbesondere KMU steht ein neues, wichtiges Instrument zum

Schutz von geistigem Eigentum zur Verfügung

n Eine gezielte Umsetzung der Vorgaben des Geschäftsgeheimnisgesetzes

kann im Unternehmen vorteilhafte strategische und

wirtschaftliche Begleiteffekte auslösen

Die Checkliste (nur für BVMW-Mitglieder) ist abrufbar unter:

www.bvmw.de/themen/recht/checklisten/

So stellt die neue Gesetzgebung besonders geeignete Instrumente

bereit, mit denen die Erfassung von Geschäftsgeheimnissen unter

Bildung von geistigem Eigentum überhaupt erst möglich wird. Geschäftsgeheimnisse

werden durch die neue Gesetzgebung aufgewertet

und können eine Ergänzung oder Alternative zu klassischen

Schutzrechten auf gleicher Ebene darstellen. Besonders kleinen und

mittleren Unternehmen, für die klassische Schutzrechte wie Patente

kein praktikabler Weg sind, steht mit der neuen Gesetzgebung eine

valide Alternative zur Erfassung, Bewertung und wirtschaftlichen

Nutzung der betriebseigenen Kompetenzen zur Verfügung.

Dr. Luigi de Gaudenzi

Geschäftsführer BizIOs GmbH

BVMW-Mitglied

Mitglied Kommission Unternehmenssicherheit

www.bizios.de

Marco Hoffmann

Rechtsanwalt FRITZ Patent- und

Rechtsanwälte

Partnerschaft mbB

Mitglied Kommission Recht

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14 DEUTSCHLAND

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Die Denkfabriken

des Mittelstands

Um die Anliegen des Mittelstands gegenüber der Politik, den Medien und der Öffentlichkeit mit

Nachdruck formulieren und erfolgreich vertreten zu können, ist vor allem eins entscheidend:

Expertise. Das nötige Wissen dafür wird im BVMW in den Kommissionen erarbeitet. Darin wirken

Unternehmer der jeweiligen Branchen ehrenamtlich mit. Wir präsentieren an dieser Stelle zwei

von dreizehn: die Kommission Arbeit und Soziales sowie die Kommission Tourismus.

Die Kommission Arbeit und Soziales mit Dr. Hans Reichhart, dem bayerischen Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr (6. v. li.).

Arbeit und Soziales

Zu den erfahrensten Bundeskommissionen des BVMW zählt

die Kommission Arbeit und Soziales, die bereits seit 2010 existiert.

Die Themen sind breit gefächert. Neben dem Bürokratieabbau

im Arbeits- und Sozialrecht stehen beispielsweise auch Arbeit

4.0, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Arbeitsmarktintegration

Geflüchteter auf der Agenda. Ihr besonderer Schwerpunkt

liegt auf dem Fachkräftemangel: Für die Mitglieder unseres Verbandes

werden praktikable Handlungsempfehlungen erarbeitet, um Ungleichgewicht

von Angebot und Nachfrage angehen zu können.

Ein Highlight der Kommissionsarbeit stellte das jüngste Treffen dar,

bei dem die Günzburger Steigtechnik GmbH, das Unternehmen des

Vorsitzenden und Wirtschaftssenatsmitglied Ferdinand Munk, besichtigt

wurde. Darüber hinaus standen intensive politische Gespräche

an, sowohl mit dem bayerischen Staatsminister für Wohnen, Bau

und Verkehr, Dr. Hans Reichhart, als auch mit dem Oberbürgermeister

der Stadt Günzburg, Gerhard Jauernig.

Tourismus

Die jüngste Unternehmerkommission ist die Kommission Tourismus.

Kaum ein anderer Sektor ist so mittelständisch geprägt wie die

Tourismuswirtschaft. Ziel der Kommissionsarbeit ist es, Deutschland

als Tourismus-Destination langfristig und nachhaltig im Sinne

von kleinen und mittleren Unternehmen zu stärken. Die Themen reichen

dabei vom Fachkräftemangel über Digitalisierung bis hin zur

Fördermittelvergabe.

Die Gründungssitzung der Kommission Tourismus fand in der Bundeszentrale

in Berlin statt. Als besonderer Gast nahm der Parlamentarische

Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Tourismusbeauftragte

der Bundesregierung, Thomas Bareiß, daran teil.

Bei der Auftaktveranstaltung wurde über die neu vorgelegte „Nationale

Tourismusstrategie“ der Bundesregierung diskutiert. Staatssekretär

Bareiß zeigte sich offen für die Vorschläge und Kritikpunkte

des Mittelstands. Der BVMW begrüßt den verstärkten Fokus der

Bundesregierung auf den Tourismus in Deutschland ausdrücklich.

Es bleibt jedoch insbesondere in Steuerfragen und in Hinsicht auf die

Fachkräfteeinwanderung im Gastronomiegewerbe noch viel zu tun,

um die Mittelständler in der Tourismuswirtschaft zu fördern.

Amelie Heindl

BVMW Referentin für Arbeit, Soziales und

Gesundheit

amelie.heindl@bvmw.de


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

DEUTSCHLAND

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LIBERIA © Martin Zinggl/msf

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16 DEUTSCHLAND

Mittelstandspräsident im Dialog

Als gefragter Keynote-Speaker, mit der Teilnahme an zahlreichen

Veranstaltungen und in Gesprächen mit hochkarätigen Persönlichkeiten

aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und Gesellschaft

Mario Ohoven zusammen mit Repräsentanten der Bildungsal lianz bei NRW-

Bildungsministerin Yvonne Gebauer und Staatssekretär Mathias Richter …

Bildungsallianz on Tour

Starker Mittelstand braucht starke Bildung! Unter diesem Motto

startete in Berlin die bundesweite Tour der Bildungsallianz. In

den nächsten Monaten werden Gespräche mit allen wichtigen

bildungspolitischen Entscheidern aus der Bundespolitik geführt.

Im Gespräch mit NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer und

Staatssekretär Mathias Richter machte Mittelstandspräsident

Mario Ohoven deutlich, dass Bildung in Deutschland wieder zum

Thema Nummer 1 wer den muss.

Ein Arbeitstag von Mario Ohoven:

öffnet Mario Ohoven im In- und Ausland Türen für den unternehmerischen

Mittelstand. Hier eine kleine Auswahl hochrangiger

Treffen:

In der Bundeszentrale des BVMW empfing Mario Ohoven die serbische

Premierministerin Ana Brnabić und ihre siebenköpfige Delegation,

darunter der Präsident der serbischen Wirtschaftskammer,

Marko Cadez. Im Gespräch ging es um die Stärkung des Mittelstands

sowie um neue Kooperationsmöglichkeiten. Gemeinsam

mit dem BVMW möchte Serbien das Unternehmertum und den

Mittelstand im Land

stärken und im Bereich

der beruflichen

Bildung zusammenarbeiten.

… und mit der serbischen

Premierministerin Ana

Brnabić (2. v. li.) …

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Serbische Premierministerin

zu Gast beim BVMW

Polnischer Wirtschaftsminister

zu Besuch

Zu einem offiziellen Besuch kam der polnische Minister

für Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung, Dr. Jerzy

Kwieciński, in die Bundeszent rale. Mario Ohoven unterstrich bei

dem Treffen die engen deutsch-polnischen Beziehungen und

sprach sich für weitere Kooperationen aus. Polen ist unser wichtigster

Handelspartner in

Mittel- und Osteuropa, der

stark von der deutschen

Konjunktur beeinflusst

wird.

… mit Dr. Jerzy Kwieciński, dem

polnischen Minister für

Investitionen und

wirtschaftliche Entwicklung …

Chancen auf Wachstumsmärkten

in Asien nutzen

Am Rande der Botschafterkonferenz in Berlin besuchte der

deutsche Botschafter in Singapur, Dr. Ulrich A. Sante, die Bundeszentrale.

Im Austausch mit Mario Ohoven betonte Sante, dass

Singapur, wie die gesamte

ASEAN-Region, gerade für

den deutschen Mittelstand

attraktive Geschäfts- und

Kooperationspotenziale

bietet.

… mit Dr. Ulrich A. Sante,

deutscher Botschafter

in Singapur.


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

DEUTSCHLAND

17

Wissenstransfer zwischen

Hochschulen und Mittelstand

Die renommierte Staatliche Universität für Wirtschaft Sankt Petersburg (UNECON) und der

BVMW haben in Sankt Petersburg im vergangenen Jahr ein internationales Studienprogramm

zur Förderung des Mittelstands-Gedankens in der Russischen Förderation vereinbart.

BVMW-Präsident Mario Ohoven hält dort seine Vorlesungen.

Mittelstandspräsident Mario Ohoven mit Studentinnen und Studenten der Staatlichen Universität für Ökonomie in Sankt Petersburg (UNECON).

Mittelstandspräsident Mario Ohoven hat an der Staatsuniversität

für Ökonomie in Sankt Petersburg (UNECON) im

Rahmen des zwischen der Hochschule und dem BVMW

vereinbarten internationalen Studienprogramms Mittelstand am

12. September eine Vorlesung zu den Themen emotionale Kaufentscheidungen

und Psychologie für den Unternehmenserfolg gehalten.

Da es sowohl in Russland als auch in Deutschland an Unternehmernachwuchs

fehlt, motivierte er die Studierenden, den Schritt in die

Selbstständigkeit zu wagen.

Im März 2018 hatten UNECON und BVMW ein Memorandum über

gemeinsame Aktivitäten zur Förderung des Mittelstands unterzeichnet.

Umgesetzt werden soll das Studienprogramm unter Leitung eines

„Internationalen Rats für die Entwicklung kleiner und mittlerer

Unternehmen“ der Universität, dessen Vorsitz Präsident Ohoven

übernommen hat. Durch ein internationales Studienprogramm soll

der Mittelstandsgedanke in Russland nachhaltig gefördert werden.

Ziel des Programms ist es, den Studierenden umfassendes Wissen

über den Mittelstand in Theorie und Praxis zu vermitteln. Dazu wird

es an der UNECON zunächst wissenschaftliche Angebote für die

Studierenden geben. In Zukunft sollen aber auch andere Universitäten

die Möglichkeit bekommen, an dem Programm teilzunehmen.

Praxiserfahrung im Umfeld des Mittelstands sollen die Teilnehmer

durch Praktika in kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland

sammeln.

„Ich sehe in diesem Studienprogramm eine große Chance, den Mittelstand

in Russland nachhaltig zu fördern. Das unterstütze ich aus

vollem Herzen“, betonte Präsident Ohoven. Er lud die Studierenden

nach Berlin ein, um dort ihre Forschungsergebnisse vorzustellen.

Gut zu wissen

Der BVMW fördert den Wissenstransfer zwischen Hochschulen und

Mittelstand:

Durch die Kooperation mit UNECON, der führenden Universität zur wirtschaftlichen

Ausbildung in Russland, erhalten Mitgliedsunternehmen

des BVMW Zugriff auf aktuelles Fachwissen zu den Themen Marketingund

Vertriebskonzepte, Länder- und Wettbewerbsanalysen, Digitalisierung

und Risiko-Management.

Internationale wissenschaftliche Beratung, exklusiv für Mitglieder des

BVMW – melden Sie sich kostenfrei beim Partnerprogramm an und

profi tieren Sie von den Kompetenzen der UNECON: unecon@bvmw.de


18 EUROPA

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Europa

News

Banken-Stresstest ungenügend

Ein vom Europäischen Rechnungshof veröffentlichtes Gutachten

kritisiert, dass der 2018 durchgeführte Banken-Stresstest

nicht streng genug war. „Die Banken hätten einem schwereren

finanziellen Schock ausgesetzt werden müssen“, heißt es darin.

Denn die simulierten Schocks, die zeigen sollen, wie krisensicher

europäische Banken sind, seien beim letzten Test milder

gewesen als die realen Schocks in der Finanzkrise von 2008.

Der aktuelle Test habe nicht in allen Ländern das gleiche Niveau

gehabt, und bei der Ausgestaltung hätten die Zentralbanken

sowie die EZB eine zu große Rolle gespielt, bemängelt

das Gutachten.

www.eca.europa.eu

EU-Kommission

gegen Amazon

Nach dem Bundeskartellamt hat jetzt auch

die EU-Kommission Amazon im Visier und

geht dem Verdacht illegaler Geschäftspraktiken

mit Händlern nach. Amazon

habe als Plattform eine doppelte Funktion,

heißt es dazu. Zum einen verkaufe das

Unternehmen selbst als Einzelhändler

Produkte im Internet, zum anderen stelle

es einen Marktplatz zur Verfügung, über den Händler ihre Waren

direkt an Kunden verkaufen können. Dabei sammle Amazon laufend

Daten über Produkte anderer Anbieter und das Kundenverhalten.

Nach Erkenntnissen der EU-Kommission nutzt Amazon

die so erlangten „wettbewerbssensiblen Auskünfte“, um Händler

in lukrativen Geschäftsbereichen zu verdrängen. So werde der

Wettbewerb eingeschränkt.

Zuvor hatte der US-Onlinehändler gegenüber dem Bundeskartellamt

wegen dieser gerügten Geschäftspraktiken

eingelenkt und zahlreiche Änderungen zugesagt.

www.bundeskartellamt.de

Absurdes Defizitverfahren

Italien weist mit etwa 2,3 Billionen Euro eine der höchsten

Staatsverschuldungen weltweit auf. Die Schuldenquote – das

Verhältnis der Staatsschulden zur Wirtschaftskraft – betrug

2018 mehr als 132 Prozent und war EU-weit die zweithöchste

hinter Griechenland. Im Schuldenstreit mit Italien wird die

EU-Kommission wieder von einem Defizitverfahren absehen,

weil Rom nach langem Feilschen zugesagt hat, 2019 ein Defizit

von 2,04 Prozent des BIP einzuhalten. Sollten Italien tatsächlich

Bußgelder auferlegt werden, zeigt sich die Absurdität dieser

Maßnahme zur Stabilisierung der Währungsunion. Das Land

müsste nochmals die Ausgaben erhöhen – für die Kasse in

Brüssel. Die Folge wäre eine weitere Schuldenaufnahme.

DSGVO: 144.000 Beschwerden

Groß war das Ärgernis rund um das Thema Datenschutz-

Grundverordnung (DSVGO): Mehr als 144.000 Beschwerden und

Anfragen an die Datenschutzbehörden gab es EU-weit im ersten

Jahr nach der Einführung, teilte die EU-Kommission mit. Über

89.000 Datenschutzdelikte wurden gemeldet. In Deutschland

wurden 2018 nur 54 Verwarnungen ausgesprochen und 42 Bußgelder

verhängt, die sich im Schnitt auf circa 16.000 Euro beliefen.

Die erste wirklich hohe Strafe traf Google mit einem Bußgeld von

50 Millionen Euro durch die französische Datenschutzbehörde.

Die befürchtete Abmahnwelle blieb indes aus.

www.dataguard.de/dsgvo

Fotos: © Andrey Popov von www.fotolia.com; © fotomek von www.fotolia.com; © JurgaR von www.istockphoto.com; © Chainarong Prasertthai von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

EUROPA

19

Fotos: © Robert Kneschke von www.fotolia.com; © Katarina_B von www.istockphoto.com; © Gajus von www.fotolia.com; © European Union 2019 - Source : EP/Michel Christen

Von der Leyens Baustellen

Ursula von der Leyen ist lange genug in der Politik um zu wissen,

dass Freundlichkeiten schnell beendet werden, wenn es um

inhaltliche Konflikte geht. Vor der neuen Kommissionspräsidentin

liegen eine Reihe diffiziler Baustellen, die sie in einer Aufgabenbeschreibung

für die designierten Vizepräsidenten angekündigt hat.

So will sie unter anderem den Aufbau einer neuen Sicherheitsunion

vorantreiben, den Neubeginn in der Migrationspolitik mit

praxistauglichen Regeln für Asyl und Rückführung forcieren, oder

den Schutz europäischer Werte und Rechte in den Mittelpunkt

rücken. Der transatlantische Handelskonflikt und ein möglicher

harter Brexit sind weitere Herausforderungen, die von der Leyens

Krisenmanagement auf die Probe stellen werden. Und gelingt es

ihr, den angekündigten „europäischen Green Deal“ zum Klimawandel

durchzusetzen? Der knappe Wahlausgang im EP war

ein Vorgeschmack darauf, wie schwierig es sein wird,

künftig Mehrheiten zu organisieren.

https://ec.europa.eu/commission/index_de

Transaktionssteuer droht

Beim letzten Gipfeltreffen hat sich die Eurogruppe darauf verständigt,

den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu

verbessern, damit er künftig eine stärkere Rolle bei der Überwachung

von Hilfsprogrammen spielen kann. Ferner soll der ESM

einspringen, falls die Mittel aus dem Bankenabwicklungsfonds

nicht ausreichen. Nach dem Treffen zeigten sich die EU-

Finanzminister davon überzeugt, dass bald eine Finanztransaktionssteuer

im Rahmen einer „verstärkten Zusammenarbeit“

eingeführt werde.

www.esm.europa.eu

A1-Nachweis – lästige Pflicht

im EU-Ausland

Die A1-Bescheinigung, der Nachweis einer Sozialversicherung,

muss bei jeder noch so kurzen Dienstreise ins europäische Ausland

mitgeführt werden.

Die EU-Verordnung gilt schon seit Mai 2010, aber erst im vergangenen

Jahr haben sich die Kontrollen besonders in Österreich

und Frankreich verschärft. Teilweise wird sogar beim

Besuch von Messezentren und Kongressen kontrolliert. Es

drohen Bußgelder in sechsstelliger Höhe. Selbstständige finden

das Antragsformular auf der Webseite der Deutschen Verbindungsstelle

Krankenversicherung Ausland (DVKA). Der BVMW

fordert den Verzicht auf eine Vorlagepflicht bei Entsendungen

ins EU-Ausland unter sieben Tagen.

www.dvka.de

EU-Förderung mit

DigitaliseSME

Über das Projekt DigitaliseSME können sich Unternehmen mit

Digitalisierungsexperten ab sofort zusammentun, um gemeinsam

Fragen zum Thema Digitalisierung zu erarbeiten. Dort, wo

Digitalisierungsbedarf besteht, ist auch oft die Innovationsfähigkeit

und somit die Wettbewerbsfähigkeit von KMU bedroht. Die

maßgeschneiderten digitalen Lösungen für Unternehmen sind

ohne zeitaufwendige Dienstleistersuche und hohe Kosten. Wie

Sie von der EU-geförderten Initiative profitieren können,

erfahren

Sie hier: www.digitalisesme.eu. Oder kontaktieren Sie

uns unter: digitalisesme@bvmw.de


20 EUROPA

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Harter Brexit

– vor allem

für die Briten

Mit der Wahl von Boris Johnson als

Nachfolger von Theresa May als

britischer Regierungschef haben sich

die Aussichten auf einen weichen Brexit

deutlich verschlechtert. Ob der zwischen

Großbritannien und den USA angestrebte

Freihandelsvertrag den harten Brexit

abmildern kann, darf bezweifelt werden. Das

Parlament hat ein Gesetz durchgedrückt, das

einen weiteren Aufschub des Brexit-Termins

31. Oktober möglich macht.

Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin steht Johnson für einen unnachgiebigen

Kurs gegenüber Brüssel. Seinen Worten nach ist ein

ungeregelter Brexit zum 31. Oktober 2019 unvermeidbar, sollte die

EU-Kommission sich weiter weigern, erneut in Verhandlungen einzuwilligen.

Für Brüssel wiederum ist die Annahme des Austrittsabkommens

unverhandelbar. Die EU hatte bereits vor dem Amtsantritt

Johnsons betont, dass es keine Nachverhandlung über den Austrittsvertrag

selbst geben könne. Auch die Bundesregierung sieht

keinen Anlass, das nach langwierigen Konsultationen vereinbarte

Paket erneut aufzuschnüren, wie Kanzlerin Merkel bei Johnsons

Die Bundesregierung sieht keinen

Anlass, das nach langwierigen Konsultationen

vereinbarte Paket erneut

aufzuschnüren.

Antrittsbesuch in Berlin betonte. Ein Ausweg aus der verfahrenen

Situation ist derzeit nicht erkennbar. Die EU-27 und Großbritannien

steuern auf einen harten Brexit zu, wobei die wirtschaftlichen Schäden

des No-Deal-Szenarios enorm wären.

Die Fronten zwischen Brüssel und London verhärten sich zusehends.

Das strikte Festhalten am Austrittstermin Ende Oktober hat

für Boris Johnson erkennbar höhere Bedeutung als ein möglichst reibungsarmer

Übergang in die Zeit nach der Mitgliedschaft. Er stellt so

nicht nur die britische Volkswirtschaft vor große Herausforderungen,

sondern ganz Europa. Dabei ist die EU der wichtigste Handelspartner

der Briten. Mit ihr wickeln sie rund 40 Prozent ihres Handels ab.

Durch die EU-Mitgliedschaft verringern sich die Kosten des Handels

zwischen Großbritannien und der EU. Waren und Dienstleistungen

werden für britische Verbraucher billiger, und britische Unternehmen

können mehr exportieren. In der EU hatte Deutschland von 2010 bis

2018 den höchsten Anteil am Warenhandel mit Großbritannien. Außerhalb

der EU sind die USA mit zehn Prozent der Importe und Exporte

wertmäßig der größte Handelspartner der Briten.

Harter Brexit trifft auch Deutschland

Die mit dem ungeordneten Austritt verbundene plötzliche Einführung

von WTO-Zöllen und Grenzkontrollen würde nicht nur Großbritannien,

sondern auch den Rest Europas treffen. Hierzulande würde

der Export von Autos, Maschinen und chemischen Erzeugnissen und

Lebensmitteln schrumpfen. Schätzungsweise wären bis zu 100.000

Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet. Die Bundesregierung hat

zwischenzeitlich Notfallpläne mit mehr als 50 Gesetzen verabschiedet,

um die Folgen abzumildern. Höhere Kosten für Unternehmen

und Verbraucher wären unvermeidlich, gut eingespielte Lieferketten

müssten umgebaut werden.

Foto: © franckreporter von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

EUROPA

21

gegen ihn vor dem 31. Oktober. Möglicherweise gelingt es aber auch,

ein EU-Land davon zu überzeugen, gegen eine weitere Verschiebung

zu stimmen.

Vorkehrungen der Briten

Während eine Mehrheit der Briten dem harten Brexit-Kurs ihres Premierministers

einer Erhebung im Auftrag des „Daily Telegraph“ zufolge

mit rund 54 Prozent der Befragten zustimmt, treiben die innenpolitischen

Auswirkungen des bevorstehenden Brexit ungeahnte

Blüten. Die britische Anti-Terrorbehörde warnt vor einem ungeregelten

Brexit. Laut Neil Basu, dem Chef der Behörde, würde Großbritannien

vom europäischen Informationssystem zu Schwerkriminellen

abgeschnitten, ebenso von Passagierdaten und der Möglichkeit,

europäische Haftbefehle zu nutzen. Die Briten selbst haben aus Sorge

vor einem ungeregelten Brexit einer Studie zufolge bereits Waren

im Wert von umgerechnet 4,3 Milliarden Euro gehortet. Im Falle eines

EU-Austritts ohne Abkommen drohen vorübergehende Lieferengpässe,

ausgelöst vor allem durch lange Wartezeiten für Lastwagen an

den Grenzen bei Zollkontrollen. Dies gilt angesichts von rund 10.000

Containern, die täglich aus der EU in Großbritannien anlanden, selbst

für Lebensmittel.

Dass ein ungeregelter Brexit viele Jobs kosten kann, hat inzwischen

auch die britische Regierung erkannt und laut „The Times“ einen

Rettungsfonds für große Firmen erarbeitet, die besonders betroffen

wären, wie Baufirmen und das Verarbeitende Gewerbe. Dennoch

scheint Boris Johnson davon auszugehen, dass sich die EU mit ihm

in letzter Minute auf einen neuen Brexit-Deal einigen wird, um Irland

vor dem Schlimmsten zu bewahren. Denn ein No-Deal-Brexit würde

Irland am stärksten treffen, da dort bei einem ungeordneten Brexit

Kontrollen zum britischen Nordirland drohen. Dies könnte nicht nur

den Warentransport verlangsamen und verteuern, sondern auch eine

Initialzündung für ein Wiederaufleben des ruhenden Nordirlandkonflikts

sein.

Gut zu wissen

Unterdessen hat der britische Brexit-Minister Stephen Barclay die EU

aufgerufen, Änderungen am Austrittsabkommen zuzulassen. Michel

Barnier, dem für die Brexit-Verhandlungen zuständigen Chefunterhändler

der Europäischen Union, solle erlaubt werden, den mit Theresa

May ausgehandelten Deal zu ändern. Barclays Hoffnung, die

Europäer könnten Johnsons Forderung nachgeben und den umstrittenen

irischen Backstop aus dem Vertrag streichen oder aufweichen,

scheint sich nicht zu erfüllen. Sollte es keinen geänderten

Ausstiegsvertrag geben, den das britische Parlament zu ratifizieren

bereit ist, bleibt nur noch eine Option: Das Unterhaus müsste die Regierung

zwingen, in Brüssel einen weiteren Aufschub der Brexit-Frist

zu beantragen, um mehr Zeit für Verhandlungen zu gewinnen. Genau

dies ist geschehen. Boris Johnson schließt indes einen weiteren

Aufschub weiter kategorisch aus. Denkbar wäre angesichts des Verlustes

der Regierungsmehrheit im Unterhaus ein Misstrauensvotum

n Der Backstop (zu dt. Absicherung) bezeichnet

eine Vereinbarung zwischen

Großbritannien und der EU. Für den Fall,

dass beide Seiten bis 2022 kein Freihandelsabkommen

aushandeln, gehört

Großbritannien weiterhin der Zollunion

an, und Nordirland bleibt im europäischen

Binnenmarkt

n Das Übereinkommen ermöglicht trotz des

Brexits freien Warenverkehr zwischen

Irland und Nordirland – ohne Grenzkontrollen.

So wird ein Wiederaufleben der

nordirisch-irischen Spannungen verhindert

n Als EU-Zollunionsmitglied kann Großbritannien

dann aber keine neuen

Freihandelsabkommen mit Drittstaaten

abschließen

Bei Redaktionsschluss galt der Brexit-Termin

31. Oktober 2019

Dr. Hans-Jürgen

Völz

BVMW Chefvolkswirt

hans.juergen.

voelz@bvmw.de


22 EUROPA

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Erfolgreich

investieren

Russland als Markt birgt nicht nur aufgrund seiner reichen Rohstoffvorkommen großes

Wachstumspotenzial, sondern auch aufgrund der zahlreichen Einwohner. Das Potenzial

reicht weit über die Metropolen Moskau und Sankt Petersburg hinaus. Laut einer Umfrage der

Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer unter 168 deutschen Unternehmen wollen diese

2019 über 626 Millionen Euro in die russische Wirtschaft investieren.

Prestigeträchtige Projekte in russischen Regionen, wie die Fußball-WM

2018 oder die Winterolympiade 2014 in Sotchi, werden

tatkräftig im Ausland beworben. Derartige Großereignisse

werden zum Anlass genommen, um regionale Zentren und Austragungsorte

im Vorfeld zu modernisieren und für internationale Investoren

interessant zu machen.

Die russische Regierung forciert dabei Infrastrukturmaßnahmen wie

beispielsweise Eisenbahnprojekte oder den Ausbau der föderalen

Regelmäßig veröffentlichte Rankings

von Industrieparks und Regionen

sind Prüfsteine im Wettbewerb

um Investoren für die Betreiber und

Verantwortlichen in den Regionen.

Autotrassen. Die Regionen befinden sich somit im starken Wettbewerb

um Investoren, Industrieansiedlungen sowie um die Weiterentwicklung

der Städte und Industriezentren. Mit ihrer Politik möchte die

russische Regierung die Selbstständigkeit der Regionen fördern und

das knappe Budget der russischen Föderation zurückschrauben.

Putin betreibt eine Politik der Importsubstitution, in der lokal gefertigte

Produkte bevorzugt werden. Um mit guten Standards auf internationalem

Niveau werben zu können, gibt die russische Regierung

genaue politische, rechtliche und fiskale Rahmenbedingungen vor.

Projekte nach dem Prinzip „Technologie und Know-how gegen Subventionen“

sollen zur Modernisierung und damit zur Stärkung der

einheimischen Wirtschaft führen.

Zu den erfolgreichen Marketingkonzepten in vielen Regionen werden

gezählt:

n Internationale Werbung für die jeweilige Region sowie deren Wirtschaftsstrukturen

und Industrieparks

n Road-Shows: Organisation von Informationsveranstaltungen im

Ausland

n Geschäftsreisen für potenzielle Investoren in die jeweilige Region

n Aufbau und Betrieb einer regionalen Wirtschaftsförderungsagentur

n Unterstützung für Investoren vor Ort, da es bei allen Verwaltungsangelegenheiten

eine Anlaufstelle gibt

Regelmäßig veröffentlichte Rankings von Industrieparks und Regionen

sind Prüfsteine im Wettbewerb um Investoren für die Betrei-

Foto: © yulenochekk von www.istockphoto.com


PROFIT ORGANIZATION

GERMAN AMERICAN TRADE ASSOCIATION

★★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

EUROPA

23

ber und Verantwortlichen in den Regionen. Nachbesserungen sind

anschließend Pflicht. Auch staatlicherseits wird zunehmend auf die

Qualität der Projekte zur Ansiedlung ausländischer Industrieproduktionen

geachtet, die Ertragskraft der eingesetzten föderalen Mittel

und Subventionen überprüft und gegebenenfalls nachjustiert. Investoren

erhalten durch die Rankings einen guten Überblick über die

Top-Regionen und Angebote. Werden diese und weitere Informationen

im richtigen Kontext analytisch ausgewertet, können sie mitunter

als gute Entscheidungsgrundlage für Lokalisierungsfragen herangezogen

werden.

jetzt die Spreu vom Weizen zu trennen weiß, findet an vielen Orten in

Russland optimale Bedingungen für den Aufbau seiner Produktion,

wie beispielsweise das Ein-Fenster-Prinzip bei der Zusammenarbeit

mit lokalen Behörden, gut funktionierende Verwaltungsstrukturen

oder zusätzliche fiskale Anreize bei Investitionen. Die vielen Erfolgsgeschichten

erfolgreicher Lokalisierungsprojekte deutscher Unternehmen

stehen dafür als Beispiel.

Nichtsdestotrotz sind für ein tragfähiges Lokalisierungskonzept

mehr als nur ein paar Besuche bei verschiedenen Industrieparks

und den Regionalverwaltungen erforderlich, egal ob es am Ende um

Lohnfertigung in Russland, Vertragsfertigung (Contract Manufacturing)

oder den Aufbau der eigenen Fertigungsstätte geht. Eine professionelle

Vorbereitung sollte mit interkulturellen Profis aus dem lokalen

Markt erfolgen. Dort erhält der interessierte Unternehmer eine

fundierte Machbarkeitsstudie, eine Lieferanten- und Standortanalyse,

Steuer- und Rechtsberatung und je nach Bedarf auch die entsprechende

Unterstützung bei der anstehenden Realisierung.

Russland ist prinzipiell offen für jeden Unternehmer, der im Land investieren

möchte. Vor allem deutsche und europäische Geschäftspartner

sind willkommen. Das Marketing um internationale Investitionen

hat mittlerweile ein gutes Niveau erreicht. Dasselbe trifft auf

die profitablen staatlichen und lokalen Rahmenbedingungen zu. Wer

Gut zu wissen

n Russische Regierung gibt genaue politische,

rechtliche und fiskale Rahmenbedingungen

vor

n Deutsche und europäische Geschäftspartner

sind in Russland willkommen

n Ein-Fenster-Prinzip bei der Zusammenarbeit

mit lokalen Behörden, gut

funktionierende Verwaltungsstrukturen

oder zusätzliche fiskale Anreize bei Investitionen

machen Russland für deutsche

Geschäftspartner attraktiv

Thoralf Rassmann

Direktor für Lokalisierungsprojekte

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24 INTERNATIONAL

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Wachsender Kulturmarkt

in Südostasien

Die Länder der ASEAN bilden eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt. Mit der

wirtschaftlichen Entwicklung hat sich ein neues Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft in

Südostasien etabliert, welches deutschen Unternehmen attraktive Geschäftspotenziale bietet.

Mit mehr als 640 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt

von rund drei Billionen US-Dollar entwickelt

sich die Region zu einem der interessantesten Zentren

für die Kunst- und Kulturwelt. Der wirtschaftliche Aufschwung

der ASEAN-Staaten hat eine Mittelschicht hervorgebracht, die neben

hochwertigen Produkten und Dienstleistungen vermehrt Kunst

und Kultur nachfragt.

Die wachsende Bedeutung der Kunstwirtschaft in Südostasien lässt

sich auch an der seit Jahren zunehmenden staatlichen Förderung

der Kreativwirtschaft in Singapur und der regionalen Positionierung

des Stadtstaates als Kunst-Hub und Brücke zu den Zukunftsmärkten

Indonesien, den Philippinen, Vietnam und Myanmar festmachen.

Der Stadtstaat hat – nach Vorbild westlicher Industrieländer – mit

attraktiven Rahmenbedingungen wie der zollfreien Ein- und Ausfuhr

von Kunstgütern, der Etablierung von internationalen Messen

und Kunstveranstaltungen und einer professionellen Infrastruktur in

Form des Galerien- und Art-Clusters „Gillman Barracks“ zum Ausbau

und zur regionalen Vernetzung der Branche beigetragen.

In Indonesien, Thailand und Vietnam leidet eine große Anzahl staatlicher

Museen unter erheblichen Schwächen der Infrastruktur wie

auch der Präsentation und Erhaltung von Sammlungen und Exponaten.

Geschäftschancen für deutsche Unternehmen

Von dieser Entwicklung profitieren deutsche Kreativunternehmen,

insbesondere technische Anbieter im Bereich der Museumsausstattung

sowie Anbieter innovativer Lösungen rund um das Thema

Ausstellung, Restaurierung und interaktive Museumsanwendungen.

So reicht das interdisziplinäre Angebot der Unternehmen von Klima-

und Messtechnik für Kulturgebäude über Ausstellungssysteme,

Ticketing, Technologien für Virtual und Augmented Reality, digitale

Datenverarbeitungs- und Archivierungslösungen, Aufbewahrungssysteme

für Archive und Depots bis zur Bibliotheksausstattung.

Grafik: © potowizard von www.shutterstock.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

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INTERNATIONAL

25

Informationsreise nach Deutschland

Vom 18. bis zum 22. November 2019 führt der BVMW in Kooperation mit dem Goethe-Institut, dem

Deutschen Museumsbund und dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

eine Informationsreise für Einkäufer und Multiplikatoren aus Südostasien nach Deutschland durch.

Im Fokus steht die technische Museumsausstattung, Zielmärkte sind Singapur und Malaysia. Es

handelt sich dabei um eine projektbezogene Fördermaßnahme des Bundeswirtschaftsministeriums

für kleine und mittlere Unternehmen.

Das Programm, das anlässlich der Fachmesse EXPONATEC in Köln im November geplant ist, wird

den Entscheidern aus Südostasien die Möglichkeit bieten, wichtige Netzwerkkontakte, B2B-Gepräche

für spätere Kaufentscheidungen zu relevanten Anbietern und Projektpartnern aufzubauen.

Für interessierte deutsche Anbieter von technischen Lösungen im Bereich Museums- und Ausstellungsausstattung

bestehen verschiedene Möglichkeiten, mit den ausländischen Entscheidern in

Kontakt zu kommen.

Das Highlight der Reise bildet der Besuch der EXPONATEC in Köln am 21. und 22. November 2019.

Die Delegation wird auf der Messe deutsche Produkte näher kennenlernen und ausgewählte Messestände

besuchen.

Am 21. November findet zudem eine Präsentationsveranstaltung statt, bei der den Delegationsteilnehmern

die Leistungsstärke der deutschen Kreativwirtschaft präsentiert wird. Deutsche Unternehmen

haben hier die exklusive Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen vorzustellen und

sich mit der Delegation zu vernetzen. Zudem können Unternehmen aus dem Raum Stuttgart am

19. November das eigene Unternehmen im Rahmen eines Firmenbesuchs präsentieren. Eine Teilnahmegebühr

wird für deutsche Unternehmen nicht erhoben.

Kontakt BVMW

E-Mail: elena.rasenko@bvmw.de, Tel.: 030 533206-301

Nachhaltiges Wachstum

Die Kultur- und Kreativwirtschaft zählt mit Architekten, Gestaltern,

Werbeagenturen, Kulturschaffenden, Galeristen, Entwicklern im

Games-Sektor und technischen Museumsausstattern zu den zentralen

Wachstumsbranchen der deutschen Wirtschaft. Die Branche

ist mit den großen Industriesektoren wie Automobil, Maschinenbau,

Chemie oder der Finanzdienstleistungsbranche und der Energieversorgung

vergleichbar.

Die wachsende Internationalisierung spielt in der Kreativwirtschaft

eine immer wichtigere Rolle, was man nicht zuletzt an den zunehmenden

Auslandsaktivitäten und Projektkooperationen von Akteuren

mit Geschäftspartnern in Wachstumsmärkten wie den USA,

Asien und dem mittleren Osten feststellen kann. Begünstigt wird diese

Entwicklung gerade in den letzten Jahren durch verbesserte Rahmenbedingungen

in Auslandsmärkten und konkrete Förderprogramme

von Start-ups.

Lassen Sie Ihre

Zahlen für Sie

arbeiten.

Gut zu wissen

Die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland:

n Rund 255.000 Unternehmen

n 1,7 Millionen Erwerbstätige

n Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt: 3,1 Prozent

https://bvmw.info/fiction-forum

https://kreativ-bund.de/

Dorothea Mertes

BVMW Leitung internationale

Märkte

dorothea.mertes@

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26 INTERNATIONAL

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Afrika –

Handel ohne

Grenzen

In Niamey (Niger) fand vor kurzem ein historisches Ereignis für den afrikanischen Kontinent

statt: die offizielle Eröffnung der Panafrikanischen Freihandelszone. Damit entsteht seit der

Gründung der Welthandelsorganisation der größte gemeinsame Markt der Welt – von dem auch

deutsche Mittelständler profitieren können.

Insgesamt haben 54 afrikanische Staatschefs das African Continental

Free Trade Agreement (AfCFTA) unterschrieben. Die kontinentale

Freihandelszone umfasst insgesamt 1,2 Milliarden Menschen

und steht für ein BIP von mehr als 2,3 Billionen Dollar. Mit ihrer

Schaffung möchten die afrikanischen Staaten die Produktivität ihrer

Wirtschaft vor allem durch eine kontinentale Zollunion und einen

gemeinsamen, liberalisierten Binnenmarkt für Waren und Dienstleistungen

steigern. Die Öffnung des gemeinsamen Marktes ist nicht

nur für den Binnenmarkt attraktiv, sondern auch für ausländische Direktinvestitionen,

denn kleine und mittlere Unternehmen können in

transnationale oder subregionale Wertschöpfungsketten eintreten,

die vor dem globalen Wettbewerb geschützt sind.

Auch in Deutschland ist das Interesse an Afrika seit 2017 erheblich

gestiegen. Der Entwicklungsinvestitionsfonds, der aus einem

gesamten Budget von einer Milliarde Euro besteht, wurde 2018 zu

diesem Zweck vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Ziel ist es, den

deutschen Mittelstand zu fördern, den Einstieg und die Ausweitung

der Geschäftsaktivitäten in wachsenden afrikanischen Märkten zu

erleichtern.

In diesem Zusammenhang fordert die Mittelstandsallianz Afrika

(MAA), das deutsch-afrikanische Unternehmernetzwerk des BVMW,

private Investoren und Mittelständler auf, mehr in Afrika zu investieren.

Als Partner des BMZ wird die MAA drei Roadshows zum Thema

Markteintritt und Finanzierung im Oktober 2019 sowie im Januar

und Mai 2020 organisieren. Wir laden Sie ganz herzlich am 15. Oktober

nach Stuttgart ein, um sich über die neuen, attraktiven Potenziale

des afrikanischen Kontinentes zu informieren.

Gut zu wissen

Das Finanzierungsangebot richtet sich an den Mittelstand und besteht aus drei Säulen:

n AfricaConnect: Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft kann mit AfricaConnect-Mitteln geplante unternehmerische

Investitionen mit langfristigen Darlehen substanziell mitfinanzieren. Die Darlehenssumme kann zwischen

750.000 Euro und vier Millionen Euro betragen, mit einer Laufzeit von in der Regel drei bis sieben Jahren

n AfricaGrow: Dachfonds, der kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups vorwiegend in mit dem G20-„Compact with

Africa“ verbundenen Ländern fördert

n Wirtschaftsnetzwerk Afrika: Das BMWi bietet Mittelständlern, die wirtschaftlich in Afrika aktiv werden wollen, ein gebündeltes

Beratungs- und Unterstützungsangebot an

Weitere Infos unter www.bmz.de, www.maa-bvmw.de

Bienvenue Angui

Geschäftsführerin

MAA

bienvenue.angui@

bvmw.de

Foto: © mtcurado von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

ADVERTORIAL

27

Auf der

sicheren

Seite

Liquide bleiben auch in Krisenzeiten:

Das richtige Cashflow-Management kann

schützen. Doch was muss ich dafür tun?

Ob die nächste Krise kommt, ist keine Frage – sondern nur,

wann. Schwächelnder Export, Handelskonflikte, Länderrisiken,

die Autobranche und andere arg gebeutelt, Firmeninsolvenzen

auf dem Vormarsch – die aktuellen Vorhersagen einer drohenden

Rezession treiben viele Unternehmer um.

Wenn die eigene Branche oder sogar die gesamte Wirtschaft in einer

Rezession steckt, schauen viele zunächst verstärkt auf sich selbst.

Das ist richtig und gut. Wie bin ich mit meinen Produkten und Prozessen

aufgestellt? Welche Chancen bietet mir die Krise?

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Schließlich sind Unternehmen

immer ein Teil des Gesamtsystems Wirtschaft – und das ist

in Zeiten der Krise besonders in Bewegung. Eine Veränderung an einer

Stelle löst Veränderungen an vielen anderen Stellen aus, denn alles

ist miteinander verbunden. Deshalb ist der Blick über den Tellerrand

nicht nur hilfreich, sondern überlebenswichtig.

Das gilt besonders für den Blick auf die eigenen Kunden und Zulieferer.

Denn was, wenn diese von der Krise zuerst oder härter getroffen

werden als ich selbst? Dann nämlich kann deren wirtschaftliche

Schieflage schnell auf das eigene Unternehmen abfärben – wenn

Rechnungen nicht mehr oder nur verspätet bezahlt werden können

und die eigene Liquidität leidet. Dann kann ein professionelles Forderungsmanagement

im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert sein.

Wir leben nicht vom Umsatz, sondern vom bezahlten Umsatz. Diese

zunächst banale Erkenntnis wird für Unternehmen gerade in Krisenzeiten

zum Überlebensmotto. Denn wenn Zahlungen zu lange oder

ganz ausbleiben, ist umgehendes Handeln gefragt. Rund 400 Milliarden

Euro schulden Kunden ihren Lieferanten in Deutschland, das ist

mehr, als alle Banken hierzulande an kurzfristigen Krediten ausgeliehen

haben. Und ungefähr jede vierte Firmenpleite in Deutschland ist

das Resultat eines schlechten Zahlungsverhaltens der Kunden. Die

Gefahr einer plötzlichen Insolvenz besteht also auch für florierende

Betriebe, wenn nämlich deren Rechnungen nicht mehr bezahlt werden.

Das gilt in der Krise umso mehr.

Und wie schütze ich mein Unternehmen vor den Folgen eines Forderungsausfalls?

Drei Punkte sind hier besonders wichtig: Klare Verträge,

ein konsequentes Debitorenmanagement mit laufender Bonitätsüberwachung

sowie der Abschluss einer Warenkreditversicherung

mit integriertem Inkasso für den Fall der Fälle.

Sich auf Erfolgen ausruhen, dem Schicksal vertrauen, Trends ignorieren

und sich der Augen-zu-das-wird-schon-Mentalität hingeben

ist für die Krise jedenfalls keine gute Strategie. Die Devise muss lauten:

Wachbleiben, aufmerksam sein, Innovationen anschieben, Geschäfte

und Partner gut prüfen, sich absichern, Vorsorge treffen und

immer schön flüssig bleiben!

Wie Sie das eigene Unternehmen krisensicher aufstellen und auch in

stürmischen Zeiten Kurs halten, dabei sind wir gerne behilflich. Jetzt

informieren unter www.eulerhermes.de/krisensicher


28 INTERNATIONAL

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Deutsche

Technologien

sind in Arabien

gefragt

Arabisch-deutsche Kooperationen zahlen

sich aus. Das zeigen die Erfahrungen aus den

vergangenen Jahrzehnten. Zu Beginn einer

neuen Ära der Digitalisierung und der globalen

Energiewende können deutsche Unternehmen

daher auf wertvolle Partnerschaften in den

arabischen Ländern bauen. Vor allem der

Energiesektor gilt hierbei als Schlüsselbranche.

Als im Jahr 1859 mit dem Bau des Suezkanals begonnen wurde

und deutsche Ingenieure in der ägyptischen Wüste Telegrafen-Kabel

verlegten, da konnte noch keiner ahnen, dass

dies der Auftakt für eine unglaubliche Entwicklung sein würde. Gleich

einem Wüstenmärchen entstanden in den 150 folgenden Jahren glitzernde

Riesenmetropolen wie Riad, Dubai oder Abu Dhabi. Gleichzeitig

hat der technologische Fortschritt eine revolutionäre Entwicklung

genommen. Kabel im Suezkanal transportieren inzwischen

nicht mehr nur Gesprächsfetzen. Gigantische Datenmengen fließen

parallel zu Waren und Gütern durch die Region bis nach Fernost.

Längst sind Energiemengen im Gigabereich notwendig, um all

die fortgeschrittenen Technologien sowie den Alltag der Menschen

zu gewährleisten.

Was der Blick auf die vergangenen 150 Jahre aber vor allem zeigt:

Deutsches Know-how spielt bei der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung

der Region eine maßgebliche Rolle. Sei es bei der Energieerzeugung,

im Transportsektor oder der Industrie: Deutsche Technologien

sind gefragt in den arabischen Ländern. Wie kein zweiter

Sektor veranschaulicht die Energiebranche die enormen Potenziale

der deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen. Seit mehr als

zehn Jahren legt die Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce

daher ein besonderes Augenmerk auf die Energiebranche. Denn eine

effiziente Energieversorgung ist nicht nur die Basis einer wachsenden

Wirtschaft, sondern auch ein Garant für sozialen Fortschritt.

Ausbau der Kooperationen

Wenn Ende November mehr als 300 Entscheidungsträger aus der

arabischen Welt und Deutschland in Berlin zum 10 th Arab-German

Foto: © vwalakte von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

INTERNATIONAL

29

Skyline von Abu Dhabi

Energy Forum zusammenkommen, wird es erneut darum gehen, wie

die Kooperationen weiter vorangetrieben werden können. Der Bedarf

für einen schnellen Ausbau einer effizienten Energieversorgung in

den arabischen Ländern ist jedenfalls enorm.

In ihrer letzten Erhebung prognostiziert beispielsweise die Arab

Petroleum Investment Corporation, dass bis 2023 insgesamt eine

Energie-Kapazität von zusätzlich 88 Gigawatt geschaffen werden

muss, um den wachsenden Bedarf an Energie in der Region zu

decken. Den Schätzungen zufolge sind hierfür Investitionen im Wert

von 142 Milliarden US-Dollar für die Energieerzeugung nötig. Dabei

beschränkt sich die deutsch-arabische Zusammenarbeit längst

nicht nur auf den Ausbau der Energiekapazitäten durch deutsche

Großunternehmen wie Siemens. Als weltweit anerkannter Vorreiter

bei den erforderlichen Technologien im Bereich der Energiewende

sind ebenfalls die deutschen Innovationsschmieden bei der Ausrüstung

der Stromnetze gefragt. Auch hier ist der Investitionsbedarf mit

geschätzten 68 Milliarden US-Dollar enorm.

Tatsächlich haben nahezu alle arabischen Staaten umfassende Entwicklungspläne,

in welchen auch die Erneuerbaren Energien einen

hohen Stellwert besitzen: Denn auch die arabischen Staaten haben

erkannt, dass die Energiewende nicht nur eine ökologische Notwendigkeit

ist, sondern auch wirtschaftlich großes Potenzial birgt. Dabei

ist den Entscheidungsträgern nicht entgangen, dass deutsche

Mittelständler einen erheblichen Erfahrungsschatz im Rahmen der

deutschen Energiewende gesammelt haben. Angesichts zahlreicher

innovativer Großprojekte sind solche Technologien gefragt.

Entstehung neuer Städte

Besonders interessant für deutsche Unternehmen sind in diesem

Zusammenhang die Vorhaben einiger arabischer Staaten, ganze

Städte neu entstehen zu lassen. Schillerndstes Beispiel für diese

Vorhaben sind die Stadt NEOM im Norden Saudi-Arabiens oder innovative

Stadtteile wie das Gelände der EXPO 2020 in Abu Dhabi, wo

die neuesten Technologien für intelligentes Wohnen und Leben getestet

werden sollen.

Auch die europäischen Staaten haben erkannt, dass die zahlreichen

innovativen Vorhaben in den arabischen Nachbarstaaten große Potenziale

für Kooperationen bereithalten. Insbesondere im Energiebereich

unterhält die deutsche Bundesregierung umfassende Kooperationen.

Sowohl mit Marokko als auch mit Tunesien und Algerien

bestehen Energiepartnerschaften.

In Marokko, Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten

wurde bereits bewiesen, dass Solar-Strom effizient und kostengünstig

hergestellt werden kann. Regelmäßig unterbieten sich die

Entwickler von Photovoltaik-Anlagen bei den Preisen zur Einspeisevergütung.

Im emiratischen Sweihan wird Sonnenstrom künftig für

2,42 US-Cent pro Kilowattstunde (kWh) geliefert, eine Anlage im marokkanischen

Midelt produziert Strom in einem Solar-Wärme-Kraftwerk

zum Rekordpreis von 7 US-Cent pro kWh und im saudischen

Dumat Al Jandal entsteht Windstrom zu je 2,1 US-Cent pro kWh.

Ebenso kommen beim Netzausbau neuste Technologien zum Zug.

So unterstützt Siemens derzeit den Irak beim Wiederaufbau einer integrierten

und effizienten Stromversorgung.

All diese Projekte haben vor allem gemeinsam, dass die Rahmenbedingungen

zur Implementierung und Erprobung neuer Technologien

für deutsche Unternehmen in den arabischen Ländern derzeit

besonders gut sind. Angesichts der bevorstehenden Energiewende

stehen deutsche und arabische Partner also erneut am Beginn einer

revolutionären Entwicklung. Die Erfahrungen nach dem Bau des

Suezkanals haben gezeigt: Ein Engagement in der arabischen Welt

ist eine Win-win-Situation für die deutsche wie auch für die arabische

Wirtschaft.

Gut zu wissen

n Der deutsch-arabische Warenaustausch

lag 2018 bei 42,8 Milliarden Euro

n Größter Abnehmer deutscher Waren sind

die VAE mit einem Importvolumen von

8,3 Milliarden Euro in 2018, es folgten

Saudi-Arabien (6,5 Milliarden Euro), Ägypten

(4,4), Algerien (3,1) und Katar (2,2)

n Viele mittelständische deutsche Unternehmen

nutzen die vorteilhaften Rahmenbedingungen

in Nordafrika

Abdulaziz

Al-Mikhlafi

Generalsekretär

der Ghorfa Arab-

German Chamber

of Commerce and

Industry e. V.

www.ghorfa.de


30 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Schwerpunkt:

Mittelstand und Marketing


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

31

Schwerpunkt

Marketing im

Mittelstand – der

Mix macht‘s

Illustration: © Claudia Medrow, Fotos: © rogistok von www.shutterstock.com, © Roman Milert von www.stock.adobe.com

Gutes Marketing hat Marken wie Frosch, Hornbach oder

Rotkäppchen erst erfolgreich gemacht. Um sich am Markt

zu behaupten und weiter zu wachsen, brauchen Unternehmen

einen guten Marketing-Mix aus verschiedenen Strategien

und Ansätzen. Lesen Sie in unserem Themenschwerpunkt,

welche Rolle Influencer im Marketing spielen, und

welche Chancen und Risiken Social-Media-Kanäle bieten.

Wir erläutern, wie Sie E-Mail-Marketing geschickt anwenden,

und wie ein Unternehmen Storytelling für sich nutzen

kann. Wir zeigen Ihnen außerdem, warum Printwerbung

nach wie vor effektiv bleibt. Darüber hinaus finden Sie

Best-practice-Beispiele von Unternehmen und weitere

wichtige Informationen zum Thema Marketing.


32 SCHWERPUNKT DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Alte

M

Verändert sich der Markt, müssen Traditionsunternehmen

reagieren um zu überleben. Oft gehen Mittelständler sogar

gestärkt aus der Krise. Zwei Beispiele für erfolgreiches

Marketing von BVMW-Mitgliedsunternehmen.

Kerzen, Schuhcreme, Umweltschutz: Die Marke Erdal

Ende des 19. Jahrhunderts steht die 1867 gegründete Firma

Werner & Mertz vor dem Aus. Bislang lebten Adam Lorenz

Werner und Georg Mertz recht auskömmlich von der Wachswarenfabrik

im Herzen von Mainz. Der Familienbetrieb versorgte Kirchen,

Klöster und Haushalte mit Kerzen. Doch mit der Elektrifizierung

kommt die Glühlampe – schlechte Zeiten für handgemachte Kerzen.

Ein neues Produkt muss her.

Adams Bruder Friedrich hat eine Idee: Bei seinen ausgedehnten Reisen

fällt ihm auf, dass das Kaiserreich ein Schuhpflegeproblem hat.

Die damals übliche Schuhcreme aus Schwefel, Ruß, Sirup, Melasse

und Wasser schadet den Schuhen und verschmutzt die Beinkleider.

Warum nicht ein Schuhpflegeprodukt auf Wachsbasis entwickeln?

Das neue „Stiwwelwix“ Erdal kommt 1901 auf den Markt, Namensgeber

ist der Mainzer Firmenstandort Erthalstraße. Die Schuhcreme

wird in einer praktischen runden Metalldose ausgeliefert, seit 1903

ziert ein grüner Frosch mit Krone den Deckel. Dieser Erdal-Frosch

wird fortan zum Markenzeichen für moderne Schuhpflege. Keiner

ahnt, dass der Frosch Jahrzehnte später eine dramatisch andere Bedeutung

bekommen wird – und die Unternehmensgeschichte eine

entscheidende Wendung nimmt.

Der Frosch und das neue Umweltbewusstsein

Zunächst muss Werner & Mertz zwei Weltkriege überstehen. Im

Westdeutschland der Nachkriegszeit wagt das Unternehmen einen

Relaunch der Traditionsmarke: Der Frosch wird rot, und er lächelt!

Doch wahre Popularität erlangt das freundliche Tier erst 1986: Das

Reaktorunglück von Tschernobyl erschüttert Europa und vor allem

die Bundesrepublik, in der seit sechs Jahren eine Umweltschutzpartei

die politische Landschaft aufmischt: die Grünen. Ein neues Umweltbewusstsein,

verstärkt durch die nukleare Katastrophe, prägt

das Konsumdenken. In dieser Zeit führt Werner & Mertz eine neue

Marke ein: „Frosch“. Frosch trifft den Nerv der Zeit und macht aus

dem Traditionsunternehmen einen Öko-Pionier. Phosphatfreie Neutral-

und Essigreiniger erfüllen damals schon ökologische Standards,

denen andere Unternehmen nur spät und zögerlich folgen. Der Erfolg

ist so nachhaltig wie die Produkte selber: Bis heute hat die Marke

Frosch die Auszeichnung „Most Trusted Brand“ siebzehn Mal erhalten,

2009 wird sie zur „Nachhaltigsten Marke“ Deutschlands gewählt.

Selbst in Japan prangt der Markenname in zahlreichen Regalen – in

deutscher Schrift. 116 Jahre nach seiner Einführung ist der Frosch eine

internationale Ikone.

Prickelt länger als erwartet: Rotkäppchen Sekt

Einen anderen Weg, sich in turbulentem Marktumfeld zu behaupten,

schlug die ostdeutsche Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH

ein. Das Traditionsunternehmen wird 1856 von den Weinhändlern

Illustrationen : © backUp von www.shutterstock.com, © Claudia Medrow


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

33

aa

k

e

e N

neue Märkte

Moritz und Julius Kloss gemeinsam mit Carl Foerster in Freyburg an

der Unstrut (Sachsen) gegründet. Sie produzieren unter dem Namen

„Kloss und Foerster“ einen Sekt, den sie nach der roten Kapsel über

dem Korken liebevoll Rotkäppchen taufen. Mit diesem seit 1895 eingetragenen

Warenzeichen beginnt eine veritable deutsche Erfolgsgeschichte

– bis 1945.

Nach Kriegsende muss Rotkäppchen den Weg der meisten ostdeutschen

Unternehmen gehen: Zwangsverwaltung, Enteignung, Überführung

in Volkseigentum. Doch Rotkäppchen bleibt der beliebteste

Sekt in Ostdeutschland – Parteibonzen wie Bürger stoßen gerne

mit ihm an, sei es beim Staatsakt oder ganz privat. Wacker produziert

der VEB Rotkäppchen-Sektkellerei Freyburg die vorgeschriebenen

15 Millionen Flaschen jährlich. Ein echter sozialistischer Vorzeigebetrieb

- dafür gibt der Staat gerne Valuta, also Devisen, mit denen

Trauben aus dem imperialistischen Ausland gekauft werden, um das

Plansoll zu erfüllen. So geht alles seinen sozialistischen Gang bis

zu jenem historischen Datum 1989: Die Maueröffnung im November

wird noch begeistert mit Rotkäppchen-Sekt gefeiert, doch schon

das Silvestergeschäft bricht dramatisch ein: Die Ostdeutschen wollen

Westwaren, auch um den Jahreswechsel zu begießen.

Von der „Ostbrause“ zur gesamtdeutschen Marke

Dem Freyburger Schaumwein droht nun das Schicksal von Trabant

und Wartburg. 1991 gehen nur noch eine Million Flaschen über

den Tresen. Die Treuhandanstalt wandelt die Kellerei in eine GmbH

um. 1993 trifft eine Gruppe leitender Mitarbeiter eine mutige Entscheidung:

Sie erhalten im „Management Buy Out“ den Zuschlag,

Rotkäppchen zu privatisieren. Unter der Führung des langjährigen

technischen Leiters Günter Heise beginnt eine deutsch-deutsche

Erfolgsgeschichte. Binnen zwei Jahren gelingt es Heise, die

Zehn-Millionen-Marke zu überschreiten. Mit einem auf die neuen

Marktbedingungen abgestimmten Werbekonzept etabliert sich Rotkäppchen-Sekt

auf dem gesamtdeutschen Markt. Dabei setzt das

Unternehmen nicht wie andere überlebende Ostmarken auf Ostalgie

und Retro-Charme, sondern macht aus der Ostbrause eine gesamtdeutsche

Marke. Im Jahr 2002 übernimmt Rotkäppchen die Sektmarken

Mumm, Jules Mumm und MM Extra. Zugleich wird immer

intensiver geworben: Den TV-Werbespot mit der Dame in Rot am

Bahnhof kennt inzwischen jeder. Um die Jahrtausendwende gibt das

Unternehmen mehr als 15 Millionen Euro für Werbung, TV-Sponsoring

und Kooperationen wie beispielsweise mit dem Circus Roncalli

aus. Heute kaufen 40 Prozent der Haushalte in Deutschland einmal

im Jahr eine Flasche Rotkäppchen. Der Marktanteil betrug im vergangenen

Jahr 54 Prozent. Das macht Rotkäppchen zur bekanntesten

ehemaligen Ostmarke und zur Marke, an die Deutsche am häufigsten

denken, wenn sie das Wort Sekt hören.

Gut zu wissen

Werner & Mertz GmbH

Gründung: 1867

Geschäftsführender Gesellschafter: Reinhard Schneider,

Mitglied im Bundeswirtschaftssenat und Vorsitzender der

BVMW Kommission für Energie und nachhaltiges Wirtschaften

www.werner-mertz.de

Reinhard Schneider erhält Deutschen Umweltpreis

Der Deutsche Umweltpreis geht dieses Jahr an Reinhard

Schneider. Der Preis wird am 27. Oktober von Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier überreicht.

Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH

Gründung: 1856

Geschäftsführer: Christof Queisser, Frank Albers,

Dr. Mike Eberle

BVMW-Mitglied

www.rotkaeppchen-mumm.de

Bernd Ratmeyer

Journalist

mittelstand@bvmw.de


34 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Womit Cathy Hummels ihr Geld verdient, erfuhr eine breitere

Öffentlichkeit im April dieses Jahres. Denn vor dem Landgericht

München I wurde verhandelt, ob die Ehefrau des

Fußballstars Mats Hummels mit ihren Postings auf der Social-Media-Plattform

Instagram Schleichwerbung betreibt. Ihren Account

mit über 500.000 Followern nutzt Cathy Hummels sowohl kommerziell

als auch privat. Allerdings hatte sie auch in privaten Nachrichten

Hersteller von Kleidern oder Accessoires, die sie auf den Fotos zeigte,

genannt und teilweise auf deren Homepages verlinkt.

Ein Unternehmen kann werblich nur

profitieren, wenn Fans und Follower

eine Bindung zum und Vertrauen in

den Influencer haben.

Hummels ist Influencerin und zeigt ihren Fans kommentierte Bilder,

auf denen sie mit allerhand Produkten zu sehen ist: von selbst entworfener

Mode über Kinderwagen bis zur Zahnpasta, meist mit dem

Hinweis „Bezahlte Partnerschaft mit …“. Als Influencer, Beeinflusser,

werden Menschen bezeichnet, die in sozialen Netzwerken wie Instagram

oder YouTube präsent sind, viele Fans und Follower haben

und sich deshalb als Werbeträger empfehlen. Beim Influencer-Marketing

setzen Unternehmen gezielt Meinungsmacher und Multiplikatoren

ein, die in ihren Communities angesehen, einflussreich und

reichweitenstark sind.

Im Trend:

Marketing mit

Influencern

Sie sind meist jung und authentisch, kommunizieren

in sozialen Netzwerken und

haben Tausende interessierte Fans und Follower:

Influencer werden mit hohen Reichweiten

zu Markenbotschaftern und können

Einfluss auf Image und

Umsatz nehmen.

Micro-Influencer decken relevante Nischen ab

„Influencer-Marketing ist im Kommunikationsmix eine Komponente

von vielen“, sagt die Berliner Unternehmensberaterin Bettina Stoi,

Mitglied im BVMW. Gerade kleine und mittlere Unternehmen könnten

damit Markenbekanntheit und Umsätze steigern und gleichzeitig

ein positives Image aufbauen. „Ein authentischer Markenbotschafter

schafft eine Verbindung zur Zielgruppe – dazu braucht es keine Millionen-Reichweite.“

Micro-Influencer mit weniger als 100.000 Followern

seien meist besser als teure Top-Influencer in der Lage, für Unternehmen

relevante Nischen abzudecken. Außerdem hätten sie eine

höhere Engagement Rate, die Kommentare und Likes zählt und die

Interaktion von Followern mit Influencern und deren veröffentlichten

Inhalten beschreibt.

„Die Interaktion zwischen Followern und Influencern ist hoch relevant“,

weiß Bettina Stoi, „denn ein Unternehmen kann werblich nur

profitieren, wenn Fans und Follower eine Bindung zum und Vertrauen

in den Influencer haben.“ Erst dann werde eine Produktempfehlung

als glaubwürdig und vertrauenswürdig eingestuft. „Unternehmen

können verschiedene Optionen nutzen, um den richtigen Influencer

zu finden: über spezialisierte Agenturen, die die passenden Influencer

mit den Unternehmen zusammenbringen, über Online-Plattformen,

die bei der Influencer-Suche behilflich sind, oder über eine manuelle

Recherche.“

ger auf Fragen seiner Follower ein? Und nicht zuletzt die Relevanz:

Passt der Influencer zur Marke des Unternehmens?“

Konkrete Summen für Kooperationen mit Influencern lassen sich

pauschal kaum benennen: „Das reicht von Micro-Influencern, die als

Gegenleistung oft die Produkte erhalten, die sie empfehlen, bis zu

Was bei der Auswahl wichtig ist

Bei der Auswahl des passenden Partners geht Unternehmensberaterin

Stoi nach folgenden Kriterien vor: „Welche Reputation hat der

Influencer bisher, ist er für hochwertige und relevante Inhalte bekannt,

oder macht er Werbung für verschiedene Unternehmen ohne

erkennbare Selektionskriterien? Welche Reichweite erzielt er im

Schnitt mit seinen Beiträgen? Wie ist die Resonanz der Follower auf

die Beiträge, sind die Reaktionen überwiegend positiv, geht der Blog-

Gut Gut zu zu wissen wissen

n Influencer Influencer (Multiplikatoren, Beeinflusser) sind sind in in sozialen sozialen

Netzwerken oder oder Youtube Youtube präsent präsent

n Spezialisierte Agenturen Agenturen bringen bringen Unternehmen und und Influen- Influencer

cer zusammen zusammen

n Der Der Influencer Influencer sollte sollte zur zur Marke Marke des des Unternehmens passen passen

Illustration: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

35

Top-Influencern mit Reichweiten von mehreren Millionen, die auch

entsprechende Honorare verlangen.“ Dazwischen sei alles möglich.

Bettina Stoi hat die Erfahrung gemacht, dass Kooperationen mit nur

einem Influencer meist nicht ausreichen: „Ich empfehle daher kleinen

und mittleren Unternehmen, für den Start mit mehreren Influencern

zusammenzuarbeiten, die Erfolge zu prüfen und gut laufende Partnerschaften

auszuweiten.“

Wie ein Kampagnen-Erfolg ermittelt wird

Ob sich die Investition gelohnt hat, hängt vom jeweiligen Ziel der

Kampagne ab. „Geht es zum Beispiel um Verkäufe im Onlineshop,

lassen sich über spezielle Rabattcodes, die das Unternehmen dem

Influencer überlässt, die Umsätze darüber messen – auch Traffic

auf eine eigens angelegte Landing-Page für die Follower eines bestimmten

Accounts kann nachvollzogen werden.“ Instagram hat inzwischen

eine Funktion bereitgestellt, über die Unternehmen die

Nutzungsdaten erfahren können: nämlich über den Verweis „Bezahlte

Partnerschaft mit ...“, den auch Influencerin Cathy Hummels einsetzt.

Die war in München übrigens freigesprochen worden, weil nicht bewiesen

werden konnte, dass Hummels für Hersteller-Hinweise in ihren

privaten Posts Geld oder andere Vergünstigungen bekommen

hatte.

Almut Friederike Kaspar

Journalistin

mittelstand@bvmw.de


36 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

„Die Reichweite ist

am wichtigsten”

Mit fast 90.000 Followern auf Instagram ist Johannes „Joe“ Laschet ein gefragter Mode-

Blogger und -Influencer. DER Mittelstand. sprach mit dem Sohn des nordrhein-westfälischen

Ministerpräsidenten Armin Laschet.

DER Mittelstand.: Wie viel Prozent Ihrer

Posts enthalten derzeit Produktplatzierungen?

Und was bekommen

Sie für diese Werbung?

Johannes Laschet: Derzeit sind zwischen 20

und 30 Prozent meiner Posts gebuchte Produktempfehlungen

– früher waren es noch

mehr. Jetzt bin ich sehr kritisch in der Auswahl,

mit wem ich zusammenarbeite. Was

ich dafür bekomme, ist total unterschiedlich

und immer Verhandlungssache. Langzeit-Kooperationen

mit Unternehmen sind

preiswerter als einmalige Postings. Eine Zahl

kann ich deshalb auch nicht nennen. Auf

mich kommen vor allem Unternehmen aus

der Textilwirtschaft zu, Hemden-, Sockenoder

Krawatten-Hersteller zum Beispiel. Ich

habe aber auch schon mit Uhren-Manufakturen

zusammengearbeitet, mit Firmen aus

der Automobilbranche oder aus dem Genussmittelbereich.

Wie steht Ihr Vater zu Ihrer Influencer-Tätigkeit?

Kann er von Ihrer Leidenschaft für klassische

Herrenmode profitieren?

Er findet das spannend und unterstützt das

total. Vielleicht auch deshalb, weil er in mir

eine Art Mode-Ratgeber zu Hause hat. Wenn

ich im nächsten Jahr mein Jura-Studium beendet

habe, werde ich zunächst Mode-Influencer

bleiben – dann hauptberuflich – und

weitere Projekte realisieren. Ich will nicht nur

in einem eigenen Blog schreiben, sondern

auch ein Buch über Stil und Lifestyle verfassen.

Ich hoffe, dass ich davon leben kann.

Das Interview führte Almut Friederike Kaspar.

Was macht Influencer wie Sie erfolgreich?

Wie messen Sie diesen Erfolg?

Erfolg messen wir über die Resonanz: Wie

groß ist die Reichweite? Wie viele Nachrichten

bekommt man? Gibt es von anderen

Unternehmensseiten Repostings? Auch

Interview-Anfragen gehören zu den Faktoren,

über die Influencer ihren Erfolg messen können.

Für Unternehmen ist die Reichweite am

wichtigsten – und dass sie zu für sie relevanten

Followern führt.

Gefragt: Mode-Blogger und -Influencer Johannes Laschet

Was macht Sie so gefragt: Ihr Aussehen, mit

dem Sie dem Hollywoodstar Ryan Gosling

zum Verwechseln ähnlich sehen, oder weil

Sie der Sohn des CDU-Politikers Armin Laschet

sind?

Das sind zwei Attribute, die mich nicht unbedingt

definieren. Ich bin Blogger für klassische

Herrenmode und hoffe, eine gute

Arbeit zu machen, um damit Anklang bei den

Menschen zu finden. Vielleicht machen mich

diese beiden Attribute noch ein wenig interessanter

für Presse und Öffentlichkeit – dagegen

kann ich nichts haben.

Gut zu wissen

Johannes „Joe“ Laschet

auf Instagram:

www.instagram.com/joe_laschet/

Illustration: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

37

DIE NEUE GESCHÄFTSWAGENKLASSE.

DER JEEP ®

COMPASS.

DER JEEP ®

COMPASS FÜR 0,8 % DER UPE DES HER-

STELLERS MTL.¹ , ² OHNE LEASINGSONDERZAHLUNG².

Eine schnelle, leistungsstarke Geschäftswelt braucht ein genauso starkes Fahrzeug:

Der Jeep ®

Compass bietet reizvolle Extras für Geschäftskunden zu attraktiven Konditionen.

Genießen Sie die Annehmlichkeiten der ausgewählten Materialien sowie innovativen

Technologien und Konnektivitätslösungen, die jede Geschäftsreise komfortabel und

besonders sicher machen.

Kraftstoffverbrauch (l/100 km) nach RL 80/1268/EWG für den Jeep ®

Compass Limited 1.4l MultiAir (Benziner) 125 kW (170 PS) 4×4 AT9:

innerorts 8,7; außerorts 5,7; kombiniert 6,8. CO₂-Emission (g/km): kombiniert 155.

¹ Zzgl. Überführungskosten und MwSt.

² Ein unverbindliches Leasingbeispiel der FCA Bank Deutschland GmbH, Salzstraße 138, 74076 Heilbronn, für Gewerbekunden,

für den Jeep ®

Compass Limited 1.4l MultiAir (Benziner) 125 kW (170 PS) 4×4 AT9, UPE des Herstellers i. H. v. 30.421,– €

(exkl. MwSt.); mtl. Rate 244,– € (exkl. MwSt.) zzgl. einmalig Überführungskosten; inkl. GAP-Versicherung, Gesamtlaufleistung

30.000 km, Laufzeit 36 Monate, Leasingsonderzahlung 0,– €.

³ 2 Jahre Fahrzeuggarantie und 2 Jahre gleichwertige Jeep ®

Neuwagenanschlussgarantie inkl. europaweiter Mobilitätsgarantie

der Allianz Versicherungs-AG gemäß ihren Bedingungen.

3

Angebot für gewerbliche Kunden, gültig für nicht bereits zugelassene Neufahrzeuge Jeep ®

Compass Limited 1.4l MultiAir (Benziner)

125 kW (170 PS) 4×4 AT9 bis 31.12.2019. Nicht kombinierbar mit allen Aktionen. Nur bei teilnehmenden Jeep ®

Partnern.

Beispielfoto zeigt Fahrzeug der Baureihe, die Ausstattungsmerkmale des abgebildeten Fahrzeugs sind nicht Bestandteil

des Angebots.


38 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Individuelle Kundenpflege

in Echtzeit

Wer heute unternehmerischen Erfolg haben möchte, muss sich dem digitalen Wettbewerb

stellen. Dies erfordert ein neues Marketingverständnis und ein Customer-Relationship-Management,

kurz CRM, um den Effekt einer zielgerichteten und individuellen Kundenpflege in Echtzeit

zu begleiten – und sich am Markt zu behaupten.

Illustration: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

39

Marketing und Vertrieb haben sich in den letzten 15 Jahren

stark verändert. Interessenten und Kunden sind anspruchsvoller

geworden, und der Wettbewerb innerhalb einzelner

Branchen hat sich verstärkt. Nur wer seinen Verbraucher genau kennt,

kann mit dem passgenauen Angebot, dem Kauferlebnis, punkten und

mehr Umsatz erzielen. Dieser Trend zwingt ganze Dienstleistungsindustrien

dazu, ihr Angebot immer erlebnisorientierter zu gestalten: Essen

wird so zum Eatertainment, Einkaufen zum Shoppertainment, eine

Mitgliedschaft zum Membertainment.

Ansprache an jeden Kunden individualisieren

Während die Analyse des Einkaufsverhaltens für viele Online-Anbieter

schon längst selbstverständlich ist, nutzen viele andere Unternehmen

die Vorteile einer Customer Relation zu wenig. In diesem Beziehungsmarketing

ist also noch viel Nachholbedarf, denn nur wenn

der Verbraucher zielgenau mit Wissen über sein Interesse versorgt

wird, fühlt er sich persönlich angesprochen und kauft. Damit dieser

Ansatz Früchte trägt, sind akkurate Angaben über die Konsumenten

unabdingbar, um die Customer Journey genau abzubilden. Die Daten

sinnvoll zu sammeln und qualitativ auszuwerten, ist die Aufgabe

eines modernen CRM-System – Customer-Relationship-Management-System.

Was macht ein CRM?

Führt man sich vor Augen, welche Informationen heutzutage für effektives

Marketing und Vertrieb nötig sind, kommt man als mittelständisches

Unternehmen kaum noch an einem CRM vorbei. Simpel

gesagt, sorgt ein CRM dafür, den Kunden ins Zentrum der Aufmerksamkeit

zu stellen. Ziel ist es, mithilfe der Software einen 360-Grad-

Blick auf den Kunden zu erhalten, um so die Qualität und Zufriedenheit

an jedem Kontaktpunkt zu steigern und die Profitabilität der Kundenbeziehung

zu maximieren.

Ein CRM aggregiert Kundendaten, erlaubt deren Analyse und hilft dabei,

Arbeitsprozesse zu automatisieren, um den Kontakt mit dem Unternehmen

zu optimieren.

Alle Daten sind an einer zentralen Anlaufstelle einsehbar – in Echtzeit.

Die Vorteile, die sich aus der Verfügbarkeit der Kundendaten und der

Prozessoptimierung ergeben, lassen sich sehr gut quantifizieren und

schlagen sich in leicht zu messenden Unternehmenserfolgen wie zum

Beispiel reduzierten Marketingkosten, steigendem Umsatz, beschleunigtem

Verkaufsprozess und höherer Kundenzufriedenheit nieder.

CRM-Software bietet viele Möglichkeiten, die Arbeit zu vereinfachen.

Ein integriertes Marketing-Tool erlaubt es, individualisierte Ansprachen

über mehrere Kontaktpunkte zu realisieren. Seien es automatisierte

E-Mails, Social-Media-Posts oder die Automation von Veranstaltungseinladungen:

Der (potenzielle) Kunde erhält immer genau die

Informationen, die er zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt.

Durch maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz werden alle gesammelten

Informationen gebündelt. So kann man nicht nur die Daten,

sondern auch Handlungsempfehlungen für Vertriebler, Marketer

und Servicemitarbeiter analysieren. Die Kundenansprache kann noch

gezielter gestaltet werden und das Verhalten des Kunden sogar vorherbestimmt

werden. Falls neue Kontaktpunkte zum Kunden geschaffen

werden sollen, sei es durch Foren, Mitgliederbereiche oder

eine mobile App, können auch diese Wünsche innerhalb einer Software-Lösung

realisiert werden. Hinzu kommen Intranet-Lösungen für

Schulungen, Weiterbildungen oder Onboarding-Prozesse sowie Projekttools

und Lösungen zur effizienteren internen Kommunikation.

Die Digitalisierung stoppt nicht vor KMU

Der Trend zu immer besser informierten und anspruchsvolleren Kunden

wird in Zukunft nicht abnehmen. Durch die vielen Möglichkeiten

im Internet ist die Wettbewerbssituation noch verschärft worden. Kleine

und mittlere Unternehmen müssen sich immer häufiger auch mit

Konzernen messen. Gerade hier gilt es für KMU, ihre Wettbewerbsvorteile

klar und umfassend zu kommunizieren und die Chance zu nutzen,

auch vom Kunden zu lernen. Denn dessen Anfragen, Beschwerden

und Engagement werden im CRM gebündelt, ausgewertet und

können direkt in die nächste Marketing- oder Produktstrategie aufgenommen

werden.

Gut zu wissen

Der Dialog mit dem Kunden wird in Zukunft Unternehmungen oder gar

Branchen gestalten und die entscheidende Rolle im Wettbewerb spielen.

Ein modernes CRM ist also der erste Schritt, die eigene Firma fit für die

Zukunft zu machen.

Fähigkeiten moderner CRM-Software

Das Herzstück jedes CRM bleibt das Datenmanagement. Worüber hat

man mit dem Klienten gesprochen? Für welche Inhalte besteht Interesse?

Wann fand der letzte Kundenkontakt statt? Hat der Kunde den

letzten Newsletter gelesen? Früher konnte man diese Informationen

nur durch ein enges persönliches Verhältnis sowie viel Fleißarbeit erhalten.

Heute verknüpft eine moderne CRM-Software relevante Daten

automatisch mit Kundenprofilen. Auf diesem Weg werden E-Mails

oder Telefonate direkt im CRM vermerkt. Zudem bekommt man Informationen

darüber, welche Webseiten und Social-Media-Kanäle besucht

wurden und welche Posts dort gefallen haben. Datenlöcher, Informationsverlust

und Ineffizienz bei der Abbildung und Nutzung der

eigenen Geschäftsprozesse sind damit Vergangenheit.

Melanie Müller

BVMW Leiterin Marketing

melanie.mueller@bvmw.de

Robin Gerresheim

BVMW Online-Marketing Manager

robin.gerresheim@bvmw.de


40 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Social Media – die neue

Form des Marketings?

Kein Mittelständler kann heutzutage noch auf Social Media Marketing verzichten – dabei bergen

die neuen Mediakanäle gleichermaßen Chancen wie Risiken.

Social Media Kanäle wie Facebook, Twitter und Youtube, aber

auch die businessorientierten Plattformen wie Xing und

LinkedIn sind in den letzten Jahren zu unverzichtbaren Marketingkanälen

für werbetreibende Unternehmen geworden. Da sämtliche

soziale Schichten, wie auch alle Altersgruppen auf diesen digitalen

Kanälen vertreten sind, finden Marketingverantwortliche ihre passende

Zielgruppe. Im Kommunikationsmix ist Social Media Marketing

dem Online Marketing zugeordnet. Neben Kommunikation, Markenbildung

und Reichweitenvergrößerung bietet es sich – je nach Produkt

und Zielgruppe – auch sehr gut für Kundenservice und selbst für den

Verkauf von Produkten und Dienstleistungen an.

Strategien und Instrumente

Am Anfang steht wie immer eine ausgefeilte Strategie: Was und wer

soll auf welchem Kanal mit welchen Mitteln erreicht werden? Dabei

hängt es stets auch von der Größe des Budgets und dem vorhandenen

Personal ab, welche Ziele erreicht werden sollen. Geht es um Markenführung

und Brandaufbau, oder stehen Umsatzziele im Mittelpunkt?

Sollen soziale Interaktionen oder der Traffic auf den einzelnen Kanälen

gesteigert werden, oder liegt der Schwerpunkt auf der Reichweitenerhöhung?

Die Ziele werden dann in einem Social Media Plan festgelegt.

Dieser gibt die strategischen Richtlinien vor und beschreibt, welche Inhalte

in welcher Form zu welchem Zeitpunkt und auf welchem Kanal

gepostet werden sollen. Zudem wird bestimmt, in welchem Umfang

sie mit Mediaspendings beworben werden. Ein ausgeklügelter Plan

fasst die zu kommunizierenden Inhalte in einem Wochen- oder Tagesplan

zusammen und legt Themen wie auch Verantwortliche fest.

Chancen und Risiken

Social Media Kanäle bieten gegenüber herkömmlichen Marketingkanälen

die einmalige Chance, mit Kunden und Followern in Interaktion

zu treten und sie relativ kostengünstig zu erreichen. Anders als

eine herkömmliche „Push“- Kommunikation findet hier ein „Pull“-

Mechanismus statt, das bedeutet, dass sich der Nutzer die Informationen

selbst aus dem jeweiligen Kanal „ziehen“ kann. Somit können

sich Kunden in einem selbstbestimmten Kommunikationszyklus bewegen.

Allerdings kann sich eine einmal veröffentlichte Information

auch verselbständigen und außer Kontrolle geraten. Sogenannte „Hater“,

also Follower, die ihrem Unmut ungeschönt Luft verschaffen und

im schlimmsten Fall einen sogenannten Shitstorm auslösen, können

einen gut geplanten Kommunikationsansatz schnell zunichtemachen.

Hinzu kommt, dass – insbesondere auf Facebook – die organische

Reichweite in den letzten zwei Jahren massiv gelitten hat und selbst

sehr gute Posts nur noch einen Bruchteil der Follower erreichen. Ohne

den Einsatz von gesponserten Posts ist es kaum noch möglich, die

gewünschte Interaktion zu erreichen.

Illustration: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

41

Gut zu wissen

n Social Media Marketing ist im Kommunikationsmix unverzichtbar

n Es bietet sich hervorragend zum Vertrauensaufbau und zur Reichweitenerhöhung

an

n Vielfältige Tools können helfen, die Performance deutlich zu erhöhen

Zehntausende Fans können nicht irren …

Der BVMW hat die Marke von 40.000 Fans und Followern auf unseren

Social Media Kanälen durchbrochen! Damit lassen wir nicht nur

die meisten anderen Verbände hinter uns, sondern zeigen, wie sich

Menschen vom Mittelstand BVMW und unseren Themen begeistern

lassen.

Folgen auch Sie dem BVMW auf allen Social Media Kanälen!


42 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Facebook Pixel

& Datenschutz

Facebook Pixel ist ein Analysetool, mit dem

die Effektivität von Werbekampagnen gemessen

werden kann. Mit Hilfe der Conversion-Rate

können sie für Zielgruppen (Custom

Audiences) optimiert, gemessen und aufgebaut

werden. Der Einsatz von Facebook Pixel erfreut

sich bei vielen Unternehmen großer Beliebtheit.

Aus datenschutzrechtlicher Sicht sind allerdings

einige Faktoren zu beachten.

Informierte Einwilligung erforderlich

Die Datenschutzkonferenz (DSK) führt in ihrer aktuellen Orientierungshilfe

ein Beispiel zum Einsatz eines Trackingpixels eines

Social-Media-Anbieters auf der Webseite eines Unternehmens

an. Das beschriebene Beispiel ähnelt sehr dem Facebook

Pixel. Im Ergebnis stellt die DSK fest, dass das berechtigte Interesse

gemäß Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) als Rechtsgrundlage

für den Einsatz des Facebook Pixels nicht ausreicht. Also ist eine

datenschutzkonforme und informierte Einwilligung der betroffenen

Personen erforderlich. Aktuell existieren keine Gerichtsurteile bezüglich

des Einsatzes von Facebook Pixel, weshalb nur Positionierungen

wie die der DSK oder Stellungnahmen von deutschen Datenschutzbehörden

für die datenschutzrechtliche Beurteilung des Facebook Pixels

berücksichtigt werden können.

des Facebook Pixels darf nur eingesetzt werden, wenn vorab eine

informierte Einwilligungserklärung der betroffenen Person eingeholt

wurde.

Für die Einholung und das Management von datenschutzkonformen

Einwilligungen in Tracker dieser Art können Webseitenbetreiber Cookie-Consent-Manager

wie zum Beispiel hellotrust.de einsetzen.

Facebook Pixel einbinden auf Websites

Die bayerische Datenschutzbehörde hat in einer eigenen Stellungnahme

erklärt, dass der Einsatz des Facebook Pixels mit erweitertem

Abgleich einer informierten Einwilligung bedarf. Betont wird in

diesem Zusammenhang auch, dass der Webseiten-Betreiber, der

den Facebook Pixel auf seiner Webseite einbindet, im datenschutzrechtlichen

Sinne auch Verantwortlicher ist. Begründet wird dies

damit, dass der Webseiten-Betreiber auf diese Weise gezielt die

weitere Datenverarbeitung durch Facebook herbeiführt.

Im erweiterten Abgleich werden Kundendaten wie Vorname, Nachname

oder auch die E-Mail-Adresse an Facebook übermittelt. Diese

werden dann mit Tracking-Daten verknüpft, sodass Daten auch

von Nutzern gesammelt werden können, die nicht bei Facebook registriert

oder zumindest eingeloggt sind. Selbst Webseiten-Besucher,

die bewusst die Speicherung von Third-Party-Cookies unterbunden

haben, werden ebenfalls verfolgt. Diese erweiterte Funktion

Mannus Weiß

Geschäftsführer Keyed GmbH

BVMW-Mitglied

www.keyed.de

Gut zu wissen

n Facebook Pixel ist ein Analysetool für digitale Werbemaßnahmen

n Nach DSGVO ist dafür die informierte Einwilligung erforderlich

n Für dessen Einholung und Management gibt es entsprechende Tools

Illustrationen: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

43

Chancen und Risiken des

E-Mail-Marketings

Kaum ein Tool ist effizienter im digitalisierten Marketing – und gleichzeitig so unbeliebt:

E-Mail-Marketing hat Marken und Unternehmen erfolgreich gemacht und die Datenschutzgrundverordnung

(DSGVO) nachhaltig geprägt. Es kann ein tägliches Ärgernis sein und auf der

anderen Seite die Möglichkeit bieten, echte Conversion zu erzeugen.

Customer Relations Management

(CRM) und Kundenbindung, Service

und Verkauf, Information und Unterhaltung

sind die Schlagworte im E-Mail-Marketing,

die Konzepte beflügeln können. Das

letzte Buzzword in dieser Reihe ist Content-Marketing,

ein wichtiger Schlüssel zum

erfolgreichen E-Mail-Marketing, denn der Inhalt

eines Mailings ist entscheidend.

Mit diesen fünf Tipps ist E-Mail-Marketing erfolgreich,

DSGVO-konform und landet nicht

im Spam-Ordner.

n 1. Sie benötigen zunächst einen E-Mail-Service-Provider

(ESP). Nur so können Sie

DSGVO-konform arbeiten (beispielsweise

sind Opt-In und Opt-Out so immer korrekt),

und was noch wichtiger ist: Sie können nur

damit Ihre Kampagnen kontrollieren und optimieren.

Der ESP steuert Ihre Kampagne, und

gleichzeitig erlangen Sie wichtige Erkenntnisse,

u. a. über Öffnungsraten und Leseverhalten

(Anbieter sind zum Beispiel: Mailchimp,

Cleverreach, Rapidmail, Newsletter2go).

n 4. Die Betreff-Zeile entscheidet über Sieg

oder Niederlage. Die ersten drei Worte müssen

sitzen und eine Öffnung der Mail im positiven

Sinne erzwingen. Keine Wortspiele, sondern

sagen Sie, worum es wirklich geht. Und

schauen Sie sich an, wie Ihre Betreff-Zeile auf

dem Smartphone aussieht. Hier werden nur

die ersten Worte angezeigt. Wieder bringt der

A/B-Test wichtige Erkenntnisse. Machen Sie

neugierig!

n 5. Entscheidend für eine erfolgreiche

E-Mail-Marketing-Kampagne ist jedoch

der Inhalt Ihrer E-Mails. Für ein gutes Content-Marketing

ist die Conversion der Fokus.

Wollen Sie verkaufen oder eine Kontaktaufnahme

provozieren, auf Ihre Homepage oder

eine Kampagnen-Landingpage führen oder

wichtige Informationen regelmäßig über einen

Newsletter im Rahmen einer übergeordneten

Kampagne verschicken? Immer muss der Inhalt

kurz und zielführend sein. Rauben Sie keine

Zeit, sondern begeistern Sie. Wecken Sie

echtes Interesse und bedienen Sie dieses Interesse

mit einem perfekten Informationsservice.

Kommunizieren Sie mit Ihren Anspruchsgruppen

respektvoll, relevant und mit hoher

Qualität, das kann auch multimedial sein.

Gut zu wissen

n Die besten Betreff-Zeilen beginnen mit

Emotionen: Danke,

Entschuldigung, große Freude …

n Versenden Sie, wenn Ihre Zielgruppe gute

Laune hat, zum Beispiel

am Freitagvormittag

n Konzipieren Sie Newsletter, die echte

Ereignisse sind, weil sie zum Beispiel kostbares

Know-how vermitteln

n Fassen Sie sich immer kurz und strukturieren

Sie Ihre Mails, ermöglichen Sie

schnelles Lesen mit Quickreadern und

Hervorhebungen

n Nur mit einem ESP sind Sie DSGVO-konform

Versenden Sie nicht

nachts, sondern wenn

Ihre Zielgruppe gute

Laune hat. Also nie vor

elf Uhr und auch nicht

montags.

n 2. Sie brauchen ein Konzept für Ihr E-Mailoder

Newsletter-Marketing, basierend auf

Analyse, Ziel und Strategie einer entsprechenden

Umsetzung und im Anschluss für Kontrolle

und Optimierung. Übrigens das Geniale im

Online-Marketing: So wird jede Kampagne effizient

und erfolgreich.

n 3. Sie versenden nie montags und auch nie

vor elf Uhr. Die beste Zeit liegt eher in der zweiten

Wochenhälfte. Aber das Schöne ist ja: Ihr

ESP zeigt Ihnen, wann Ihre Mails am häufigsten

geöffnet werden. Optimieren Sie die Öffnungsraten

mit A/B-Tests innerhalb Ihrer

Kampagnen.

Heiko Mehnert

Geschäftsführender Gesellschafter brand campus® Marketingagentur

und brand campus® Marketing-School

BVMW-Mitglied

www.brandcampus.de


44 SCHWERPUNKT DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Immer an den Kunden denken

Aufwendige Clip-Produktionen, teure Google-Ads-Kampagnen, Suchmaschinenoptimierung,

große Budgets und eine Horde an Fachleuten – so sieht Marketing bei großen Unternehmen aus.

Was aber macht der Mittelstand?

Mittelständler haben in aller Regel keine Marketingabteilung.

Das Thema in seiner ganzen Vielfalt hängt häufig direkt an

der Geschäftsführung. Und deren Zeit ist knapp bemessen.

Full-Service-Dienstleister sind daher für die Marketingaufgaben im

Mittelstand eine gute Option. Der Vorteil: Sie halten der Geschäftsführung

maximal den Rücken frei, Aufgaben werden ganzheitlich und umfassend

angepackt, und eine Menge Abstimmungs- und Koordinationsaufwand

entfällt.

Konkrete Personas statt unspezifischer Zielgruppen

Insbesondere wenn Marketingbudgets und personelle Kapazitäten

begrenzt sind, kommt es auf zielorientiertes Marketing an. Entscheidend

ist dabei ein guter Startpunkt: Welches Problem löst ein Produkt

oder eine Dienstleistung bei den Kunden? Wer sind die Kunden, und

wo findet man sie? Was macht das eigene Unternehmen besser als

der Wettbewerber?

Ein gutes Hilfsmittel zur Zielgruppendefinition sind Personas. Die Personabeschreibung

stammt aus dem Onlinemarketing, lässt sich aber

generell gut nutzen. Dabei wird aus einer anonymen Zielgruppe eine

konkrete Person konstruiert, die die jeweilige Zielgruppe repräsentiert.

Diese Person gilt dann als Adressat für die Umsetzung von Maßnahmen.

Definiert werden können Alter, Geschlecht, Familienstand, Berufsgruppe,

Wohnort, Kauf- und Konsumverhalten, Vorlieben und Abneigungen,

Qualitätsverständnis und Statusverhalten.

In die Karten spielt insbesondere auch dem Mittelstand, dass Onlinemaßnahmen

heute perfekt auswertbar sind. Wo früher eine Anzeige

mit unbekannter Wirkung geschaltet wurde, liefern Tools Nutzerzahlen

von Websites, Newslettern und sozialen Medien mit wenigen Klicks.

Nur Ziele, die quantitativ über Key Performance Indicator (KPI) definiert

sind, können mithilfe von Daten auch überprüft werden.

Die Kundenbrille

Ganz wichtig ist es, im Marketing konsequent die Kundenbrille aufzusetzen.

Was banal klingt, ist gar nicht so einfach. Viele Websites von

Mittelständlern repräsentieren reine Selbstdarstellungen. Viel wichtiger

ist aber, den Kundennutzen in den Vordergrund zu stellen und die

Begriffe zu verwenden, die Kunden auch wirklich im Netz suchen.

Customer-Journey-Analysen spielen in diesem Zusammenhang eine

immer größere Rolle. Also weg von der singulären Maßnahmenbetrachtung

hin zur vernetzten Frage: An welchen Touch Points erreiche

ich meine Kunden? Dabei geht es den Kunden immer mehr um Erlebnis

und Kommunikation.

Illustrationen: © manop von www.shutterstock.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

45

Kontinuität zahlt sich aus

Marketing lebt von Kontinuität. Eine vorausschauende Planung statt

kurzfristiger Hauruck-Aktionen kann bis zu zehn Prozent Ersparnis

bringen. Bewährt hat sich ein Mix aus konstanter Kommunikation

für die Sichtbarkeit auf dem Markt und temporären intensiven Maßnahmen.

Die regelmäßige Pflege einer Firmenwebsite oder von Social-Media-Kanälen

kann nach entsprechender Schulung dank moderner

Content-Management-Systeme und komfortabler Apps meist

problemlos von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin übernommen

werden.

Anteil an Onlinemaßnahmen steigt konstant

Druckprodukte spielen bei vielen Mittelständlern nach wie vor eine

große Rolle. Angefangen von der unerlässlichen Geschäftsausstattung,

über den Angebotsflyer bis zum Produktkatalog oder Kundenmagazin.

Onlinethemen wie Suchmaschinenoptimierung (SEO), Suchmaschinenwerbung

(SEA), Social Media und Leadoptimierung werden

jedoch zunehmend wichtig. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen

und intensivieren. Entscheidend für den Marketingerfolg bleibt also eine

gute kunden- und zielorientierte Verzahnung aller Online- und Offlinemaßnahmen.

Gut zu wissen

n Marketingmaßnahmen vorausschauend planen

n Onlinemaßnahmen sind heute auswertbar

n Druckprodukte spielen bei vielen Mittelständlern nach wie

vor eine große Rolle

n Nur Begriffe verwenden, die Kunden auch im Netz suchen

n Full-Service-Agenturen bieten mittelstandsgerechte Kampagnen mit

Augenmaß

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Geschäftsführerin

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46 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Printwerbung lebt

Der Printsektor hat gegenüber digitalen Medien viel eingebüßt. Das bedeutet aber nicht,

dass Zeitungen und Zeitschriften ihr Potenzial als Werbeträger verloren hätten. Das auf Papier

gedruckte Wort oder Bild steht nach wie vor für Verlässlichkeit.

In Presseerzeugnissen hat die klassische

Anzeige eine viel bessere Chance

auf Wahrnehmung als ein Werbebanner

im Internet. Printseiten werden langsamer

und ruhiger konsumiert als digitale Produkte.

Hinzu kommt das haptische Moment.

Ein Hochglanzmagazin vermittelt

bereits sensorisch qualitativen Anspruch.

Das funktioniert sogar im umgekehrten

Sinn: Einfaches Papier und einfache Fotos

passen in einer Zeitungsbeilage mit

Supermarktangeboten perfekt zu den Erwartungen

an einen günstigen Discounter.

Auf diese Art bietet Print Spielraum für die

eigene Werbung, die man bei digitalen Werbeträgern

oder anderen Alternativen nicht

findet. Allerdings müssen bei erfolgreichen

Printkampagnen einige Grundregeln beachtet

werden.

Werbung erfordert Planung

Häufig beschränkt sich die Diskussion über

den optimalen Einsatz von Printwerbung auf

Fragen der konkreten Anzeigengestaltung.

Das ist zu kurz gegriffen.

Was in der Anzeige zu sehen und zu lesen ist,

entscheidet zwar über ihre Wirkung.

Doch das ist nicht der erste Schritt. Eine

Werbekampagne muss von Beginn an sau-

ber geplant sein. Dies gilt besonders, wenn

externe Agenturen mit der Konzeption, Gestaltung

und Durchführung beauftragt werden.

Gerade dann müssen klare Kriterien

und Vorgaben existieren. Auch für Start-ups

oder kleinere Unternehmen ist es besonders

wichtig, Finanzmittel und andere Ressourcen

nicht aufs Geratewohl zu investieren.

Digital

oder

Print?

Beides!

Klare Parameter

Bevor es an die Auswahl von Dienstleistern,

die Gestaltung der Anzeigen oder die Buchung

bestimmter Werbeträger gehen kann,

müssen die grundlegenden Parameter feststehen:

n Was wird genau beworben? Das Image

des Unternehmens, die gesamte Produktpalette,

Produktgruppen oder ein einzelnes

Produkt, bestimmte Produkteigenschaften

oder Angebotsdetails?

n Welche Zielgruppe soll adressiert werden?

n Wie viel Geld wird bereitgestellt?

n Welches Ergebnis wird gewünscht, wie

viele Bestellungen, welche Zunahme an

Bekanntheitsgrad, wie viele wiederkehrende

Bestandskunden oder Neukunden

aus einer bestimmten Region?

n Bis wann sollen diese Effekte eintreten?

Illustration : © Claudia Medrow, © Alexander Pokusay, © adragan von www.stock.adobe.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

47

Auswahl der Printwerbeträger

Die Vorlaufzeit einer Kampagne hängt vom jeweiligen Titel und seiner

Erscheinungsweise ab. Während die Buchung in einer Tageszeitung

oft noch am Vortag erfolgen kann (falls die Anzeige fertig gestaltet

vorliegt), erfordert die Werbebuchung in Zeitschriften, die zweimonatlich

oder quartalsweise erscheinen, eine längere Vorausplanung.

Wenn eine gewisse Dominanz gegenüber konkurrierenden Anzeigen

erreicht werden soll, kann die Buchung der inneren Umschlagseite

oder der Rückseite sinnvoll sein. Dies erfordert noch mehr Vorlauf.

Soll eine auf Umsatz angelegte Sales-Aktion beworben werden, führt

der klassische Weg über zeitnah gebuchte Werbeplätze in lokalen

Tageszeitungen. Will dagegen ein Unternehmen seine Position als

hochwertiger Anbieter von Campingausrüstung durch eine Imagekampagne

bundesweit untermauern, wird es dazu eher im Rahmen

einer langfristigen Kampagne Anzeigen in etablierten Outdoorzeitschriften

buchen, vielleicht auch Sonderveröffentlichungen in Tagesund

Wochenzeitschriften.

Gut zu wissen

n Printwerbung wirkt verlässlicher als Internetbanner

n Eine Printwerbekampagne muss Vorlaufzeiten beachten

n Die Parameter der Kampagne müssen klar definiert und ihre Reichweite

überprüft werden

Gerhard Gosdzick

Öffentlichkeitsarbeit IVW -

Informationsgemeinschaft zur Feststellung der

Verbreitung von Werbeträgern e. V.

www.ivw.eu

Anzeige

Wer fühlen will,

muss hören:

Effektive Reichweitenplanung

Wie jede andere unternehmerische Maßnahme

wird auch die Schaltung von Printanzeigen

am return on investment gemessen.

Schon deshalb empfiehlt es sich, die Anzeigenschaltungen

auf solche Printtitel zu beschränken,

deren Auflagenzahlen durch die

IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung

der Verbreitung von Werbeträgern e.

V.) regelmäßig überprüft und bestätigt werden.

Geprüfte Printmedien weisen in der Regel

das IVW-Logo im Impressum oder den Mediadaten

auf. Vor allem findet man die Titel

in der Übersicht der IVW-Website (www.ivw.

de/aw/print/qa). Sollen auch Angaben zur

Reichweite betrachtet werden, können dafür

die halbjährlich erhobenen Leserzahlen der

Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse herangezogen

werden (www.agma-mmc.de/).

Scannen und mehr erleben

Audio- und Filmproduktion

– seit 25 Jahren –

www.dewemedien.de/Emotionen


48 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Wie Kultur beim Marketing

helfen kann

Unternehmen können mit den diversen Möglichkeiten kultureller Engagements Kunden gewinnen

und binden, Mitarbeiter motivieren, kreative Prozesse anstoßen – und ihr Image in der Öffentlichkeit

aufpolieren.

Die Würth-Gruppe (BVMW-Mitglied) mit Stammsitz im baden-württembergischen

Künzelsau ist ein Familienunternehmen,

das der damals 19-jährige Reinhold Würth vor 65

Jahren nach dem Tod seines Vaters übernahm. Aus der Schraubengroßhandlung

formte Würth einen Weltmarktführer für Montage-

und Befestigungsmaterial mit fast 78.000 Mitarbeitern und

einem Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro. Heute besteht die

Gruppe aus über 400 Gesellschaften in mehr als 80 Ländern. Daneben

baute Reinhold Würth persönlich die größte private Kunstsammlung

Europas auf, die rund 18.000 Werke umfasst. Gezeigt

werden sie bei freiem Eintritt in vier eigenen Museen und weiteren

zehn Dependancen, die sich jeweils am Standort einer europäischen

Tochtergesellschaft befinden. Zudem gibt es eigene Veranstaltungsorte

wie das Künzelsauer „Carmen Würth Forum“, in dem

die renommierten Würth Philharmoniker einen Konzertsaal haben.

Marken mit Sympathie, Emotion und Glaubwürdigkeit

aufladen

„Die Beschäftigung mit Kunst hat Würth zu einem kosmopolitischen

Unternehmen gemacht, dem man eine gewisse Eloquenz und Leichtigkeit

zuschreibt“, hat Vorzeige-Unternehmer Reinhold Würth einmal

gesagt. Die Kunst bringe das Unternehmen voran, fördere Kreativität

und schaffe Identität.

Wie der erfolgreiche Mittelständler Würth laden zahlreiche Unternehmen

mit kulturellen Engagements ihre Marken mit Sympathie, Emotion

und Glaubwürdigkeit auf. Ihre entsprechenden Marketing-Aktivitäten

beschränken sich dabei nicht nur auf das Sponsoring von

Kulturinstitutionen wie Museen oder Theater, die finanzielle oder logistische

Unterstützung von Festivals, Konzerten oder Lesungen. Viele

Firmen veranstalten auch selbst kulturelle Events wie Ausstellungen,

Musik- und Theateraufführungen oder Festivitäten, auf denen Künst-

Illustration: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

49

ler auftreten, die vielleicht durch Stipendien temporär an die Unternehmen

gebunden werden. Sowohl Kunden als auch Mitarbeiter profitieren

von diesen Engagements, indem sie etwa zu Vorpremieren oder

Vernissagen eingeladen werden. Aber auch die interessierte Öffentlichkeit

nimmt sie wahr – was die Firmen attraktiv und ihre Marken interessant

für neue Kundschaft macht.

Kultursponsoring

wird in Zukunft noch

stärker an Bedeutung

gewinnen

Auch kleine Firmen können Kunst fördern und ihre

Reputation erhöhen

Die Verbindung von Wirtschaft und Kultur hat eine lange Tradition. So

gründete zum Beispiel der Bayer-Konzern schon 1908 sein Erholungshaus

mit eigenem Theater- und Konzertsaal in Leverkusen, um die Lebensqualität

seiner Mitarbeiter zu verbessern und dringend gesuchte

weitere Kräfte anzuziehen. Heute richtet Bayer Kultur jährlich rund

100 Veranstaltungen in den Sparten Musik, Tanz, Theater und Bildende

Kunst aus, fördert über seine stARTacademy hochtalentierte junge

Künstler, und Mitarbeiter können Gemälde aus dem Bayer-Kunstbesitz

in der hauseigenen Artothek zur Ausstattung ihrer Büros und

Konferenzräume ausleihen. Nicht nur größere Unternehmen mit eigenen

Teams von Kulturmanagern und -wissenschaftlern betreiben diese

Form des Marketings, auch kleinere Firmen sind dabei.

Fördermittel müssen zielführend eingesetzt werden

„Unserer Meinung nach ist Kultursponsoring inzwischen ein etabliertes

Kommunikationsinstrument von Unternehmen, das in Zukunft

noch stärker an Bedeutung gewinnen und entsprechend weiterhin professionalisiert

wird“, wird Stefan Frucht, ehemaliger Geschäftsführer

des Kulturkreises, auf dem Portal für Kulturmarketing & Kultursponsoring,

kulturmarken.de, zitiert. Der Kulturkreis berät Unternehmen oder

unternehmensnahe Stiftungen, wie sie sich engagieren können: von

Sponsoring, Corporate Volunteering, über eigene Kulturangebote oder

den Aufbau von Kunstsammlungen (Corporate Collecting), Public Privat

Partnerships bis hin zum Mäzenatentum.

Während die Öffentliche Hand jährlich über neun Milliarden Euro zur

Kulturfinanzierung des Landes beisteuert, beteiligen sich deutsche

Unternehmen im Rahmen ihrer Unternehmenskommunikation und ihres

gesellschaftlichen Engagements mit rund 400 Millionen Euro pro

Jahr daran. Damit Geld für Kulturmarketing gezielt eingesetzt werden

kann, sollte generell hinterfragt werden, wen man durch kulturelle Aktivitäten

oder Sponsoring erreichen will, und wer davon in welchem Maße

profitieren kann – und ob und wie ein bestimmtes Engagement zur

Firma passt.

Gut zu wissen

n Für kulturelle Aktivitäten und Kultursponsoring geben deutsche

Unternehmen rund 400 Millionen Euro pro Jahr aus

n Kunden und Mitarbeiter profitieren von kulturellen Engagements

n Beratung und Austausch mit anderen Unternehmen bietet der

Kulturkreis der deutschen Wirtschaft: www.kulturkreis.eu

Almut Friederike Kaspar

Journalistin

mittelstand@bvmw.de

Anzeige


*

50 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Top 5 Werbegeschenke

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Egal, ob auf Messen, Konferenzen,

zum Jahresende oder bei Meetings – Werbegeschenke kommen nicht aus der

Mode. Doch welche kommen besonders gut an?

Der Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft hat berechnet, dass 2018 alleine in Deutschland 3,58 Milliarden

Euro für Werbeartikel ausgegeben wurden. Und das aus gutem Grund: Laut Verband haben Werbeartikel

mit 70 Prozent die höchsten Erinnerungswerte an das beworbene Produkt. 98 Prozent aller Deutschen über 14

Jahre geben an, einen Werbeartikel zu besitzen, wobei 90 Prozent diese auch aktiv nutzen. Gute Gründe also, Werbegeschenke

zu verteilen. Hier unsere Top 5.

Der Mittelstand. BVMW

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Mit dem Mittelstand

fährt‘s sich besser.

Gemeinsdam für einen starken Mittelstand

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n 1. Der Klassiker: Notizblock

Old but Gold – Mit einem Notizblock können

Sie nicht daneben liegen. Denn trotz steigendem

Digitalisierungsdruck begegnen uns im

Arbeitsalltag immer noch Situationen, die Papier

und Stift erfordern – Meetings, schnell erteilte

Aufträge, Erinnerungszettel oder Skizzen.

Bei all diesen Dingen greifen Arbeitnehmer immer

gerne auf Werbegeschenke zurück.

n 2. Zum Verschönern: Aufkleber

Aufkleber mit lustigen Sprüchen oder schönen

Motiven kommen als Werbegeschenk immer

gut an. Die Aufkleber sollten dabei so gestaltet

sein, dass das eigene Firmenlogo nur dezent

vertreten ist und stattdessen die Botschaft im

Vordergrund steht.

n 3. Das ganze Jahr wirksam: Kalender

Mit Kalendern bleiben Sie das ganze Jahr

über im Gedächtnis Ihrer Kunden. Egal, ob als

Tisch-, Streifen- oder Wandkalender, sie eignen

sich perfekt als Werbegeschenk. Zudem

können Sie bestimmen, was der Kunde das

Jahr sieht: Produkte oder doch lieber Situationen

aus dem Arbeitsleben? Sie können mit Ihrem

Kalender auch eine Geschichte erzählen,

etwa vom Ausgangsmaterial über die Produktion

bis hin zum fertigen Endprodukt.

n 4. Praktisch, klein und wirksam: Post-Its

Auch Post-Its gehören unserer Erfahrung

nach zu den beliebtesten Werbegeschenken.

Die kleinen Klebezettel sind vielseitig einsetzbar

– als Einkaufszettel, Erinnerungshilfe oder

für kleine Botschaften. Mit einem dezenten

Logo versehen, eignen sie sich ideal, um Ihre

Werbebotschaft zu vermitteln. Zudem sind sie

bei Kunden und Partnern sehr beliebt, da sie

ständig gebraucht werden.

n 5. Werbung zum Mitnehmen: Taschen

Ebenfalls beliebt und auch noch nachhaltig

sind Taschen als Werbegeschenke. Versehen

mit einem lustigen Spruch, einem Cartoon

oder einem schönen Bild sowie natürlich mit

dem Logo Ihres Unternehmens, können Kunden

dieses Geschenk immer wieder nutzen

und so Ihre Werbung herumtragen.

Britta Zurborn

Marketing

Managerin Cewe-

Print

www.cewe.de


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

51

Braucht der

Mensch ein

Update?

Nach Industrie 4.0 und Digitalisierung 4.0 kommt jetzt auch der Mensch 4.0?

In einer Zeit, in der wir durch Emojis fühlen, „danke, Alexa“ sagen und nicht „danke, Schatz“, Siri

fragen und nicht Mama, muss es wieder mehr „menscheln“.

Wenn wir über erfolgreiche Positionierung reden, müssen

wir in allererster Linie über uns selbst reden – über die eigene

Persönlichkeit, mit all ihren Schwächen und Stärken.

In Zeiten der Digitalisierung wird die Individualisierung immer

wichtiger. Dass manche Menschen die Digitalisierung fürchten, ist

durchaus verständlich. Viele Jobs fallen weg, jedoch ist dies auch

eine Chance. Wer aufgrund eines Fortschritts Stillstand erlebt, hat

im Grunde genommen den Zug verpasst.

Unsere kommunikative Welt funktioniert immer mehr mit Algorithmen.

Eine Sprache, die die meisten Menschen weder kennen noch beherrschen.

Aus diesem Grund ist es die dringende Aufgabe von Arbeitgebern,

ihre Mitarbeiter an die digitalisierte Kommunikation und den

richtigen Umgang mit ihr heranzuführen, sie in den beruflichen Alltag

einzubauen.

Nicht jeder Job ist gleich stark bedroht

Laut Studien sind nach aktuellem Stand bis zu 50 Prozent der aktuellen

Arbeitsplätze bedroht, von Systemen Künstlicher Intelligenz ersetzt

zu werden. Jedoch können nur fünf Prozent der Berufe auch vollständig

automatisiert werden. Menschen mögen es, mit Menschen zu interagieren.

Im Handwerk oder der Pflegebranche sind Menschen gefragter

denn je. Natürlich gehen durch Automatisierung Arbeitsplätze

verloren. Der Einsatz von Hightech macht Unternehmen jedoch auch

wettbewerbsfähiger und schafft somit durch das reine Wachstum

neue Arbeitsplätze.

Die Aufgabe der Politik ist es, die kommenden Gesellschaften frühzeitig

mit dem Thema Künstliche Intelligenz in Kontakt zu bringen, um Angst

und Barrieren abzubauen. Als produzierendes Unternehmen darf der

technische Fortschritt zwar nicht missachtet werden, jedoch machen

die Individualität und das Human Branding in vielen Fällen den kaufentscheidenden

Unterschied. Gerade in Branchen, in denen viel mit und

für Menschen gearbeitet wird, darf es wieder mehr „menscheln“. Der

Mensch bleibt Erfolgs- und Innovationsfaktor Nummer eins.

Illustration: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel

Innovationsfaktor Mensch

Der Mensch ist in der Lage, neue Wirklichkeiten zu schaffen und eigenständig

Lösungen anzubieten. Ohne Kreativität und Fantasie gibt

es keine Lösungskompetenz.

Angst ist fehl am Platz. Respekt und Wertschätzung sind gefragt. In

den kommenden zehn Jahren wird jeder seinen eigenen digitalen Assistenten

haben. Wichtig ist immer nur der richtige Einsatz, um den

entsprechenden Nutzen und Mehrwert zu erzielen. Die Verschmelzung

von Mensch und Maschine ist dann erfolgreich, wenn sie den Menschen

in seinem Handeln und Sein unterstützt, ohne ihn in Frage zu

stellen.

Gut zu wissen

n Künstliche Intelligenz ersetzt alte und schafft neue Arbeitsplätze

n Durch die Automatisierung kann sich der Mensch wieder mehr auf

seine Individualität konzentrieren

n Die Politik muss einen innovationsfreundlichen Rahmen schaffen

Nadine Dlouhy

Geschäftsführerin BrandLite GmbH

Dozentin für Digitale Innovation und

Strategisches Marketing

BVMW-Mitglied

www.brandlite.de


52 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Strategisches Outsourcing

Der deutsche Mittelstand ist reich an Know-how und Innovationskraft. Die Abteilungen Vertrieb

und Marketing sind hingegen häufig schwach vertreten. Oft wird mit der Gießkanne Geld für Reklame

ausgegeben, statt zielgerichtet in Marketing zu investieren. Genau hier wird aber über den

Erfolg des Unternehmens entschieden.

Nur mit strategischem Marketing können Unternehmer ihr Potenzial

voll ausschöpfen. Dafür müssen zuerst die nötigen

Vertriebs- und Kommunikationsziele definiert werden. Aus

dem Wissen über das eigene Unternehmen, den Markt und die gewünschte

Zielgruppe wird dann eine Marketingstrategie ausgearbeitet,

die auf die jeweiligen Ziele des Unternehmens ausgerichtet ist.

Gebündelte Kompetenz steigert Effizienz

Investitionen in Marketing steigern die Attraktivität und Etablierung der

eigenen Marke messbar und nachhaltig. Allerdings wird gerade hier

häufig mit der Gießkanne investiert und viel Potenzial verschenkt. Strategisches

Marketing führt dazu, dass aus Ihrem Know-how ein langfristiger

Nutzen für alle Seiten – Unternehmen, Arbeitnehmer und Kunden

– entsteht. Gerade für ein mittelständisches Unternehmen lohnt

sich deshalb das Outsourcing an spezialisierte Agenturen. Für ein vergleichbares

Budget widmet sich ein ganzes Expertenteam Ihrem Marketing,

wofür ansonsten nur eine einzelne Person verantwortlich wäre.

Die externe Betrachtung „auf Flughöhe“ bringt dabei viele Vorteile

mit sich. Denn spezialisierte Marketing- und Werbeagenturen bringen

das nötige Know-how ein. Die gebündelte Expertise erspart zudem

die aufwendige Abstimmung mit zahlreichen Einzelakteuren.

Das gesamte Marketing inhouse abzuwickeln, bindet große personelle,

zeitliche und finanzielle Ressourcen und führt häufig

zu Überforderung. Neben der erheblichen Kostenersparnis

im Vergleich zu eigenem Personal,

kann ein externes Spezialisten-Team

Ihr Marketing professionalisieren und

dessen Effizienz erheblich steigern.

Und Sie gewinnen an Qualität und Zeit. Zeit,

die Sie bereits in das nächste Projekt investieren

können.

Sarah Walenta

BVMW, Leiterin

des Kreisverbands

Mittelrhein

sarah.walenta@

bvmw.de

Geschäftsführerin

der communita

GmbH

www.mittelstand-marketing.

net


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

53

EU-Reform schützt stärker

geistiges Eigentum

Multimedia und Digitalisierung ermöglichen die Kreation von Marken, die zwar erfolgreich benutzt,

jedoch oftmals rechtlich nicht geschützt werden können. Eine EU-Reform erweitert nun

die Schutzmöglichkeiten.

Marketingexperten verstehen den Begriff Marke anders als

Experten im Markenrecht. Wörter und Zeichen, die im Marketing

erfolgreich sind, können an den engen Vorgaben der

Markenämter scheitern, weil die Zeichen im Sinne des Markengesetzes

freihaltebedürftig oder glatt beschreibend und somit von der

Registrierung ausgeschlossen sind. So bleiben geniale Markenkonzepte

häufig ohne Schutz, obwohl sie für die Unternehmen und Werbeagenturen

besonders wichtig sind. Der fehlende Markenschutz

kann durch ergänzenden wettbewerbsrechtlichen oder urheberrechtlichen

Schutz nur unzureichend ersetzt werden.

Gewährleistungsmarke

Neu ist auch die Gewährleistungsmarke, mit der der Inhaber garantiert,

dass Waren oder Dienstleistungen bestimmte Eigenschaften in Bezug

auf das Material oder die Qualität aufweisen. Es ist eine Art Gütezeichen,

sodass Neutralität, Kontrolle und Transparenz eine wichtige Rolle

spielen. Inhaber kann nur sein, wer selbst nicht Hersteller, Händler oder

Erbringer der Leistungen ist. Wer als Verband die Güte von Produkten

der Branchenmitglieder besonders hervorheben möchte, hat mit der

Gewährleistungsmarke mehr und bessere Möglichkeiten als mit den

bisherigen Markenformen.

Illustrationen: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel

Neue Markenformen zulässig

Durch eine EU-weite Markenrechtsreform können Kreative in Zukunft

neue Markenformen anmelden. Das Erfordernis der grafischen Darstellbarkeit

entfällt. In Zukunft können etwa Tiergeräusche oder Werkstattklänge

als Marke geschützt werden, es reicht die Hinterlegung einer

Datei. Weiterhin können Multimediamarken Filmsequenzen und

Geräusche in Kombination mit Sounddateien enthalten. Auch Hologramm-Marken

sind möglich.

Die Grenzen sind noch nicht abgesteckt, und Anmelder mit besonders

kreativen Markenformen werden wohl die Eintragungsbereitschaft des

Patentamtes und des Bundespatentgerichts austesten müssen. Ob

Tast- oder Geruchsmarken zugelassen werden, kann nicht vorhergesagt

werden.

Gut zu wissen

n Kreative Markenzeichen waren wegen des Gebots der grafischen

Darstellbarkeit oft nicht schützbar

n Eine EU-Reform ermöglicht nun Klang-, Multimedia- oder

Hologrammmarken – die Hinterlegung einer Datei genügt

n Der Schutz von Slogans bleibt Ermessenssache

Der Slogan als Marke

Leider gibt es für Slogans und Claims keine eigene Markenform mit

klaren Vorgaben. Die Ämter betonen zwar immer wieder, dass an den

Schutz eines Slogans keine strengeren Anforderungen zu stellen seien

als an den Schutz anderer Marken. Die Eintragungspraxis ist allerdings

sehr uneinheitlich und schlicht unvorhersehbar. Während Audis

„Vorsprung durch Technik“ für Fahrzeuge als schutzwürdig angesehen

wurde, wies das Bundespatentgericht den Slogan „Wir steuern Ihre

Steuern“ (u. a. für Steuererklärungen und Vermögensverwaltung) zurück.

Die Ämter haben einen Ermessensspielraum. Somit bleibt stets

ein Risiko.

Marco Hoffmann

Rechtsanwalt FRITZ Patent- und

Rechtsanwälte Partnerschaft mbB

BVMW-Mitglied

Mitglied Kommission Recht

www.patfritz.de


54 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Geschichten lauern überall –

Storytelling im

Unternehmensalltag

„Die Bäckerei Wahn hat in diesem Jahr ihre Personalplanung digitalisiert.“ Werden Sie sich auch

morgen noch an diese Nachricht erinnern? Wahrscheinlich nicht. Was das Geschichtenerzählen

mit den alltäglichen Herausforderungen in einem Unternehmen zu tun hat, möchten wir Ihnen

anhand eines Beispiels vorstellen.


DER MITTELSTAND. 5 | 2019 SCHWERPUNKT

55

Bäckerei Wahn digitalisiert ihre Personalplanung

Fünf Uhr in der Früh. Noch bevor der Bäckermeister den Laden für die

ersten hungrigen Kunden aufsperrt, beginnt der Ärger. Herr Schmidt

meldet sich per WhatsApp: Heute ist er krank. Frau Paulsen muss ihre

Frühschicht tauschen, schreibt sie per E-Mail. Das Telefon klingelt:

Die Filiale in der Schäferstraße braucht für morgen noch personellen

Ersatz.

Was ist Storytelling?

Storytelling ist das Erzählen von Geschichten. Es werden Informationen

vermittelt – und Emotionen. Durch Storytelling hauchen Sie trockenen

Fakten und Zahlen Leben ein. Wer sich auf Spurensuche begibt,

findet auch im eigenen Unternehmen Geschichten und kann diese für

sich nutzen. Vielen Unternehmerinnen und Unternehmern ist der Begriff

und die Anwendung von Storytelling als Marketing- und PR-Instrument

bereits gut bekannt. So wird zum Beispiel die eigene Unternehmensgeschichte

als Variante der klassischen Heldenreise inszeniert

oder ein neues Produkt durch erzählte Geschichten mit Emotionen verknüpft.

Diese Methode ist heutzutage genauso beliebt wie erfolgreich.

nehmenspräsentation diese Fragen beantwortet.

Nach einem tiefen Schnaufen lässt der Bäckermeister seinen Blick

über den Schreibtisch schweifen. Da fällt ihm eine Broschüre mit dem

Titel „Neu gedacht, digital gemacht“ ins Auge, die einem bekannten

Mittelstandsmagazin beilag. Er erinnert sich an das darin beschriebene

Praxisbeispiel einer anderen Bäckerei, die ihre Personalplanung erfolgreich

digitalisiert hat. „Schluss mit dem Gekritzel!“, ruft er. „Nach

Feierabend schaue ich mir das mal genauer an. So schwer kann das

doch nicht sein!“

Mehr als nur gestellte Gruppenfotos

Über neueste Geschehnisse im Unternehmensalltag in Social Media

oder auf der Webseite zu berichten, ist gut und wichtig. Der Handschlag

bei der Vertragsunterzeichnung oder das gestellte Gruppenfoto

reichen nicht, um einen authentischen Einblick ins Unternehmen zu geben.

Trauen Sie sich also, auch die nicht perfekt inszenierten Geschichten

zu veröffentlichen: Menschlichkeit zählt.

Nicht nur gut für Marketing

Egal, ob Sie eine überzeugende Rede halten, Investoren von Ihrer Geschäftsidee

überzeugen oder einen komplexen Sachverhalt für Ihre

Kunden oder Mitarbeiter anschaulich erklären wollen – Storytelling

hilft Ihnen, das Publikum mitzureißen. Bei Geschichten spitzen wir die

Ohren, die Konzentration steigt. So kann beispielsweise ein Arbeitgeber

mit einer spannenden Geschichte über die sonst trockenen Sicherheitsbestimmungen

seine Mitarbeiter dazu bewegen, mit Helm und

Handschuh ihr Leben zu schützen

Brütend sitzt der Bäckermeister über den ausgedruckten Schichtplänen

und versucht, alle Änderungen einzutragen. Stress pur: Das muss

er ja dann alles auch noch an die Filialen schicken! Die ersten Kunden

laufen vor dem noch geschlossenen Laden nervös auf und ab. Der Bleistift

bricht.

Zutaten einer guten Geschichte

Geschichten wirken, wenn sie eine spannende und klare Heldenreise

erzählen: Was war am Anfang das Problem? Mit wessen Hilfe (z. B.

Produkt) kann der Held (Kunde/ Mitarbeiter) das Problem lösen? Was

sind mögliche Schwierigkeiten und Hindernisse? Und wie können diese

letztlich überwunden werden? Fragen Sie sich selbst, ob Ihre Unter-

Illustrationen: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel

Gut zu wissen

n In der neuen Best-Practice Broschüre „Neu Gedacht, digital gemacht“

von _Gemeinsam digital, dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum

Berlin, erfahren Sie, wie andere Mittelständler

digitalisiert haben

n Sie wollen einen Prozess digitalisieren, wissen aber nicht, wo Sie

anfangen sollen? Dann melden Sie Ihr eigenes Digitalisierungsvorhaben

bei _Gemeinsam digital an

n Erfahren Sie noch mehr über digitale Trends auf dem nächsten

_Gemeinsam digital Event „Trendradar – ist das Zukunft oder kann

das weg“ am 12. November 2019 im Umweltforum Berlin

Alle Infos unter: www.gemeinsam-digital.de

Christel Schmuck

BVMW Projektreferentin

Gemeinsam Digital

christel.schmuck@bvmw.de

Marie Landsberg

BVMW Projektreferentin

marie.landsberg@bvmw.de


56 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Die Lebensphasen eines

Unternehmens

Für Unternehmen gilt inoffiziell die Faustregel: Nach fünfjährigem Bestehen ist das Unternehmen

„erwachsen“ und es hat sich am Markt etabliert. Doch welche Phasen durchschreitet ein Betrieb

auf dem Weg dahin? Die Nähe zur menschlichen Entwicklung und Biologie liegt auf der Hand,

denn ein Unternehmen unterliegt – wie jeder andere natürliche Organismus – den Gesetzen von

Wachstum und Zerfall.

1. Die Geburtsstunde des Unternehmens

Es beginnt mit einer Idee, mit einem unerfüllten Bedarf oder einfach

dem Ehrgeiz und Glauben an Erfolg. In den seltensten Fällen bestehen

zu diesem Zeitpunkt bereits aktive Kunden- und Kostenstrukturen.

Das Unternehmen wird durch die Eintragung im Unternehmensregister

von der Idee nun offiziell gegründet und erhält einen Namen. Das

Unternehmen wird „geboren“ und macht seine ersten „Atemzüge“. Es

besteht die überwiegende Meinung, dass die Gründungsphase mit die

wichtigste Phase eines Unternehmens ist, denn sie entscheidet über

Erfolg oder Misserfolg.

Gut zu wissen

Wegbegleiter BVMW

Als Verband verstehen wir uns als beständiger Begleiter eines Unternehmens

in allen Phasen. Wir unterstützen Ideen, bringen Köpfe

zusammen. Wir bieten die Hand bei ersten Schritten an, fördern aber

gleichzeitig das eigenständige Gehen. Genauso leisten wir unseren

Beitrag zur „medizinischen Versorgung“. Mal präventiv als Impfstoff,

beispielsweise indem wir auf Veränderungen aufmerksam machen,

Hilfestellungen anbieten und auch mit Rat und Informationen zur

Seite stehen. Aber wir sind auch da, wenn es offene Wunden gibt und

es nicht nur sprichwörtlich brennt. Wir zeigen (auch politisch) die

Probleme der Unternehmen auf, präsentieren Lösungen und leisten

aktive Hilfe.

Werden auch Sie Teil dieses Netzwerkes.

2. Von den ersten Schritten und blauen Flecken …

Das Unternehmen beginnt sich zu entwickeln. Die ersten Kunden und

Mitarbeiter begleiten den Weg des Betriebes, aber auch die ersten Versuche

stabil zu gehen. Wie auch im Kindesalter des Menschen erlebt

man in dieser Phase oft ein „Stolpern“, ab und an ein „Hinfallen“ und

auch mal Tränen. Wichtig ist das Weitermachen und das Wiederaufstehen.

In dieser Phase erleben wir oft den Wunsch des „an die Hand

nehmens“. Es geht um Organisation im eigenen Betrieb, um Bürokratie

sowie um Rechte und Pflichten. Auch Kinder kennen das, Wachstum

kann manchmal schmerzhaft sein – vor allem wenn es zu schnell geht,

und die Organisation des Unternehmens mit dem Wachstum nicht hinterherkommt.

Nichtsdestotrotz erleben Unternehmen in dieser Phase

auch viele Höhen und sammeln wertvolle Erfahrungen. Diese Phase

dauert im Schnitt circa drei Jahre. Nach drei Jahren spricht man gern

davon, dass sich ein Unternehmen im Markt festigt oder eben nicht.

Denn die Insolvenzrate von Unternehmen steigt zwischen dem dritten

und dem fünfen Bestandsjahr noch einmal an. Was unter anderem daran

liegt, dass bei nicht marktfähigen Unternehmungen erste Finanzierungsrunden

auslaufen, das Startkapital verbraucht ist, oder sich

schlichtweg das Unternehmen als nicht wirtschaftlich oder marktfähig

erweist. Befand man sich zuvor teilweise noch in einer Art Testphase,

kristallisiert sich nun heraus, ob die Idee Anklang findet, oder der erdachte

Bedarf auch bei anderen besteht.

Illustration: © Anna-Friederike Charlotte Pöschel

Markus Jerger

BVMW Bundesgeschäftsführer

bgf@bvmw.de


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SCHWERPUNKT

57

3. … zum etablierten Betrieb

Sind die ersten Wachstumsphasen überstanden,

und das Unternehmen gehört zu denen,

die am Markt gefestigt sind, erlebt es auch

zunehmend Routine. Man weiß Stärken und

Schwächen des eigenen Wirkens mittlerweile

einzuschätzen. Man kennt Höhen und meist

auch Tiefen. Inoffiziell spricht man von einem

etablierten Unternehmen, nachdem dieses

fünf Jahre am Markt „bestanden“ hat. Zumeist

zeigen sich ab dieser Zeit (spätestens) die ersten

Returns, der Kapitalstock kann aufgebaut

werden, das Unternehmen trägt sich selbst,

und man kann auch in weitere Entwicklungsinvestitionen

gehen. Die Mortalitätsrate von

Unternehmen sinkt ab dem fünften Lebensalter

beständig.

4. Der Lebensabend

Der Lebenszyklus eines Unternehmens kann

sehr verschieden sein. Einige Unternehmen

bestehen bereits seit mehreren hundert Jahren.

Das sagt allerdings – entgegengesetzt

zum Menschen – nichts über die Stabilität dieser

aus. Ein Unternehmen kann beinahe ewig

existieren. Ein natürlich eintretender Lebensabend

beziehungsweise ein Ableben nach einem

gewissen Zeitraum existiert bei diesem

Organismus nicht. Denn verglichen mit einem

organischen Wesen haben Unternehmen den

Vorteil, sich in Teilbereichen und bei Bedarf

(sogar von Grund auf) neu aufzustellen.

5. Krankheiten

Auch wenn Unternehmen keine allgemeingültige

Lebenserwartung haben, sind sie keinesfalls

unsterblich. Durch technische Neuerungen,

beständige Marktentwicklung sowie

weitere externe und interne Einflüsse kann es

immer wieder im Unternehmen zu „Schwächeanfällen“

kommen. An dieser Stelle lässt

sich erneut ein Schwenk in die menschliche

Biologie, besser gesagt: zur Evolutionstheorie

machen. Es wird immer wieder Situationen

geben, in denen ein Unternehmen sich und

seine Marktpositionen behaupten oder ggf.

auch neu ordnen muss. Sei es durch Wettbewerber,

Fortschritt oder auch bedingt durch

interne Faktoren wie die Übergabe oder Übernahme.

Solche Faktoren führen dazu, dass

Unternehmen sich Nischen suchen, sich gegebenenfalls

im Markt festigen oder

neu aufstellen. Aber eben auch, dass

sie vom Markt verschwinden können,

und im wahrsten Sinne des

Wortes der „Tod“ eintritt.


58 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

MARKETING IN ZAHLEN

ACHTUNDSIEBZIGKOMMASECHS

Prozent der befragten Unternehmen nutzen Social Media als Marketingplattformen für ihre Unternehmenskommunikation. 84 Prozent

der Unternehmen sagen eine steigende Bedeutung von Social-Media-Marketing voraus.

Quelle: DIM Deutsches Institut für Marketing GmbH.

3 ,28

Milliarden Euro wurden 2018 in Deutschland im Bereich digitale

Werbung (In-Stream- und In-Page-Formate in Online und

Mobile) umgesetzt. Für das Jahr 2019 wird ein Umsatz in Höhe

von 3,6 Milliarden Euro prognostiziert.

Quelle: Statista

15,8

94

Prozent der Unternehmen nutzen Facebook als Social-Media-Plattform,

73 Prozent Instagram, 59 Prozent Twitter, 58 Prozent LinkedIn,

54 Prozent Youtube, 20 Prozent Pinterest.

Quelle: Statista

18,4

Milliarden Euro waren die Nettowerbeeinnahmen der Medien in

Deutschland im Jahr 2018. Damit lag der Wert um 2,4 Prozent unter

dem Vorjahreswert. Die Gesamtinvestitionen, die Honorare, Produktion

und Medienkosten umfassen, lagen im selben Jahr bei knapp

26,8 Milliarden Euro, was einem Rückgang um 0,9 Prozent entspricht.

Quelle: Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft e. V.

Milliarden Euro investierte das Vereinigte Königreich 2018 in

die Online-Werbung und liegt damit im europäischen Ranking

auf Platz eins. Deutschland und Frankreich folgten mit Investitionen

in Höhe von rund 7,2 Milliarden Euro und 5,24 Milliarden

Euro auf dem zweiten und dritten Platz.

Quelle: Statista

der Befragten gaben im Rahmen einer Umfrage

an, dass Facebook für Marketingmaßnahmen in ihrem

Unternehmen am wichtigsten sei. Mit großem Abstand

folgen LinkedIn und Instagram, die von jeweils 14 Prozent

der Befragten als bevorzugte Social-Media-Plattformen

genutzt werden.

61Prozent

Quelle: Statista

44

Prozent der in Deutschland Befragten geben

an, das Budget für Social Media Marketing

steigern zu wollen.

Quelle: Statista


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

ADVERTORIAL

59

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Maria Posch

Area Manager

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60 SCHWERPUNKT

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

KLARTEXT: MARKETING

Der Unternehmer als Lokführer

Menschen lassen nicht gerne los. Doch Marketing bedeutet auch, jeden

loszulassen, der kein guter Kunde werden will.

Man stelle sich vor, Lokomotivführer eines Zuges zu sein. Die Aufgabe:

mit möglichst vielen winkenden, jubelnden, glücklichen Menschen

am Ziel anzukommen. Der Zug ist das Unternehmen, und das Ziel der

Erfolg.

Am Anfang gilt es, möglichst viele Menschen in den Zug zu bekommen.

Dann muss die Maschine hochgefahren werden, damit der Zug

anfährt, den Bahnhof verlässt und ordentlich Fahrt aufnimmt. Doch

das Ziel, mit glücklichen Menschen anzukommen, erreicht der Zug erst,

wenn an Zwischenstopps des Weges möglichst viele Menschen wieder

aus dem Zug aussteigen können.

Am Anfang der Fahrt geht es um Sichtbarkeit. Viele Ressourcen fließen

ins Marketing, viele Menschen sollen wissen, was es so gibt. Sie steigen

erwartungsfroh in den Zug. Nachdem über die Sichtbarkeit viele

Menschen in den Zug gekommen sind, gilt es zu sortieren: Menschen,

die wissen, dass es einen gibt, Menschen, die genau wissen, was so

angeboten wird, und noch viel wichtiger: Menschen, die sich zugehörig

fühlen, die Passung spüren, bei denen echte Bindung entsteht.

Menschen gehen in Resonanz – oder auch nicht. Sie freuen sich an

dem Zug, am Personal, der Gegend, dem Ziel, der Geschwindigkeit und

dem ganzen Rest – oder eben nicht. Wenn sie sich freuen, freut sich

der Unternehmer. Wenn sie sich nicht freuen, bitte an der nächsten

Milchkanne anhalten, damit sie aussteigen können.

Die Energie, die wir aufwenden müssen, um jemanden vom Gegenteil

zu überzeugen und bei Laune zu halten, ist viel zu groß und steht

in keinem Verhältnis zum Erfolg. Lieber sollten wir uns um jene kümmern,

die die Fahrt genießen. Sich von Passagieren zu trennen, die die

Reise nicht wertschätzen und den anderen vermiesen, ist nicht nur

eine schöne Übung, es ist es die Pflicht eines verantwortungsbewussten

Lokführers.

Es geht also beim Marketing für den Unternehmer darum, aus den

vielen Möglichen die potenziell besten Kunden mit auf die Reise zum

Erfolg zu nehmen. Alle anderen dürfen getrost aussteigen.

Guido Augustin

BVMW Pressesprecher Rheinhessen

Kommunikationsberater

ga@guidoaugustin.com

Impressum

DER Mittelstand.

Unternehmermagazin des BVMW

Herausgeber

BVMW – Bundesverband

mittelständische Wirtschaft,

Unternehmerverband

Deutschlands e. V.

Mario Ohoven

Potsdamer Straße 7 / Potsdamer Platz

10785 Berlin

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Das Magazin „DER Mittelstand.“ ist das

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2/2019


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BWS

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Bundeswirtschaftssenat Bundeswirtschaftssenat

Der Bundeswirtschaftssenat ist das Spitzengremium

des BVMW. Ihm gehören 230 herausragende

Der Bundeswirtschaftssenat ist das Spitzengremium des BVMW.

Ihm gehören 230 herausragende Unternehmerpersönlichkeiten an,

Unternehmerpersönlichkeiten darunter vier deutsche Nobelpreisträger an, darunter und zahlreiche vier deutsche

Nobelpreisträger und zahlreiche Marktführer.

Die inhabergeführten Unternehmen stehen für einen

Marktführer. Die inhabergeführten Unternehmen stehen für einen

Jahresumsatz von circa 100 Milliarden Euro und rund 1 Million

Jahresumsatz von circa Arbeitsplätze. 100 Milliarden Euro und rund

eine Million Arbeitsplätze.

In dieser Ausgabe von „Der Bundeswirtschaftssenat im Dialog“

erzählt Martin Billhardt, In Vorstandvorsitzender dieser Ausgabe von der Pfisterer Holding AG,

wie „Der die traditionsreiche Bundeswirtschaftssenat Firma mit dem steten im Wandel Dialog“: in der

Oliver Betz, Geschäftsführer Energiebranche von umgeht. systec Controls, erzählt,

warum China für das traditionsreiche Unternehmen einen

wichtigen Markt bildet.

Stephan Frigge, Geschäftsführer von Phoenix Contact, erläutert,

vor welchen Herausforderungen der Weltmarktführer im Bereich der

Thomas Elektrotechnik Pester, steht Geschäftsführer und stellt die Arbeitskultur der pester in seinem pac

automation, erläutert, Unternehmen vor welchen vor. Herausforderungen

das führende Unternehmen im Bereich der Pharmaund

Kosmetikbranche steht, und welche Werte für ihn

im Unternehmen wichtig sind.

Foto: © artbaggage von www.fotolia.com


62 BWS

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

OLIVER BETZ

Geschäftsführer systec Controls GmbH

Foto: © NN


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BWS

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„Ideen alleine bringen nichts“

Handy, Waschmaschine, Atomkraftwerk, Krankenbett, Dieselmotor – in fast allen technischen

Produkten finden sich heute Sensoren, die für optimale Funktion und Effizienz sorgen. Die systec

Controls hat ihren Schwerpunkt in der Entwicklung und Produktion von Durchflusssensoren, die

in den schwierigsten Industrieanwendungen und in Dieselmotoren für umweltschonenden und

sicheren Betrieb sorgen.

Prof. Dr. Jo Groebel: Herr Betz, die systec Controls wurde vor fünfundzwanzig

Jahren gegründet. Sie waren von Anfang an in der Führungsmannschaft

dabei?

Oliver Betz: Ja, zunächst als Assistent der Geschäftsleitung, wenige

Jahre nach Gründung war allerdings das Unternehmen überschuldet.

Darauf bat man mich, den Hut in den Ring zu werfen. Seit 1997 bin

ich an der Spitze, seit 2005 Inhaber. Ganz am Anfang waren wir wie

ein Start-up aufgestellt. 1994 hatte der Erfinder und Mitgründer eine

gute Idee, dazu fanden sich dann zwei Investoren, ein kleines Entwicklungs-

und Produktionsteam und ich zunächst als Assistent. Leider

machte der ursprüngliche Geschäftsführer seinen Job nicht gut, und

es musste über eine neue Führung entschieden werden. Die beiden

Investoren gaben mir grünes Licht mit der Maßgabe, ohne weiteres

Budget kostendeckend zu arbeiten. Das gelang, aus dem damals

überschuldeten Start-up wurde ein sehr erfolgreiches Unternehmen.

Ist die Nische – die hochgradige Begrenzung auf ein Marktsegment

mit individuellen Lösungen im Gegensatz zu standardisierten Lösungen

– ein wichtiger Erfolgsfaktor?

Absolut, vor allem, weil wir im Wettbewerb mit sehr Großen wie ABB,

Bosch oder Siemens stehen. Dem Mittelstand hilft hier seine Erfahrung

und Produkt- und Beratungskompetenz – das ist der Mehrwert,

den unsere Kunden schätzen. Unser Spektrum ist nicht so breit wie

zum Beispiel bei Siemens, geht dafür aber ins Detail, in die individuelle

Lösung. Bei den anspruchvollsten Anwendungen der Durchflussmesstechnik

liegen wir ganz vorne. Klärwerke, Biogasanlagen,

Petrochemie sind unsere Schwerpunkte, kurz überall da, wo es heiß,

unästhetisch, schmutzig wird, sind wir dabei. Unsere Messsensoren

sind so gut und widerstandsfähig, dass unsere Kunden nach zehn

oder zwanzig Jahren problemlosen Betriebs oft gar nicht mehr wissen,

wer diese langlebige Technologie geliefert hat. Da kann unsere

hohe Qualität zum Marketingrisiko werden.

Fotos: © systec Controls GmbH

Der Erfolg spricht für sich. Gibt es für heutige Start-ups daraus noch

gültige Lektionen?

Immer gültig und fast trivial: Langfristig kann man nicht mehr ausgeben,

als man einnimmt. Besonders in Deutschland, wo – anders

als zum Beispiel im Silicon Valley – solide Finanzierung immer noch

wichtiger ist als die gute Idee. Die schwäbischen Grundtugenden sind

ja nach wie vor nicht verkehrt.

Ein gutes Produkt, Fleiß, harte Arbeit sind zentral, kritisches Selbsthinterfragen

und Realitätssinn zähle ich ebenso dazu. Ideen alleine

bringen nichts, wenn sie nicht auch marktrelevant sind oder man keinen

Markzugang hat. Als Ingenieur weiß ich, wie wichtig es ist, neben

der Liebe zur eigenen Erfindung oder Entwicklung deren Bestehen im

Markt im Auge zu behalten. Es hilft nicht, Banken und Investoren von

der eigenen Sache zu überzeugen, die Rechnung bezahlt nur der Kunde.

Verantwortlich ist man letztlich immer selbst. Das gilt genauso für

Start-ups wie für gestandene Mittelständler.

Gibt es bei der Finanzierung Erfahrungen und Empfehlungen?

Ideal ist natürlich eine Eigenfinanzierung, auch im Sinne der vertrauensvollen

Zusammenarbeit mit einer Hausbank. Leider sind durch

Basel I und II die Banken zurückhaltender geworden. Zur Absicherung

möchten sie Haus und Hof. Hier macht der Mittelständler immer die

Wette auf die eigene Existenz. Risikokapital ist eine Möglichkeit, allerdings

im Vergleich sehr teuer.

Sie wirken auch im Sinne des Umweltschutzes. Ihre Sensoren tragen

dazu bei, Tausende Tonnen Kohlendioxid einzusparen.

Stimmt. Unsere Präzisionsprodukte helfen, energie- und risikobehaftete

Industrien zuverlässig und optimal zu steuern, denken Sie erneut

an die Petrochemie. Zudem, das wissen die wenigsten, kann Durchflussmesstechnik

selbst sehr energieintensiv sein und einen Teil des

Anlagenwirkungsgrades aufzehren. Unsere Sensoren dagegen sind

energieschonend und sparsam.

All das ausschließlich im B2B-Bereich, aber auch im Bereich der

Mobilität, zum Beispiel dem Truckflow.

Ja, wir bedienen zwei Sparten. Neben dem Anlagenbau beliefern wir

die Nutzfahrzeugbranche. Hier fertigen und liefern wir einen Luftmassen-

und Abgassensor, der natürlich wieder ganz anderen Anforderungen

genügen muss. Truckflow hilft in Nutzfahrzeugmotoren,

die ständig steigenden Abgasnormen zu erfüllen. Dieselgate lässt

grüßen. Mit unserem Sensor schaffen es die Automotivefirmen, die

geforderten Abgasnormen nicht nur am Prüfstand, sondern auch auf

der Straße zu erfüllen.

Können Sie uns ein paar Details zu Ihrem Unternehmen geben?

Unser Hauptsitz ist in Puchheim bei München mit 50 Mitarbeitern, an

unserem Produktionsstandort in China haben wir weitere 65, und das

bei einem Gesamtumsatz von 18 Millionen Euro. Wir haben sehr gute

Wachstumsraten: In den letzten Jahren jeweils mehr als zehn Prozent,

in den nächsten Jahren erwarten wir eine deutlich höhere Zahl.


64 BWS

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Hauptsitz der systec Controls GmbH in Puchheim bei München.

Ihr China-Geschäft macht natürlich neugierig …

China ist mit Abstand unser wichtigster Einzelmarkt. Wir sind dort

schon seit zwanzig Jahren aktiv, arbeiten mit einem guten Partner

zusammen. Nicht zuletzt, da aus Deutschland energieintensive

Branchen eher abwandern. Wir folgen mit unseren Produkten für die

Schwerindustrie dem Weg nach Fernost. Unser eigenes Qualitätsstanding

ist dabei in China so hoch, dass wir dort exzellent reüssieren.

Es gibt eine eigene Produktions- und Managementstruktur, ich

bin auch dort im Vorstand zusammen mit unserem Partner. Dreimal

pro Jahr treffen wir uns. Made oder Designed in Germany ist dabei

in unserem Sektor immer noch ein großes Plus. Nicht zuletzt wegen

Verlässlichkeit, Ingenieurskunst und Vertragstreue, unseren traditionellen

Grundtugenden. Übrigens sind die Chinesen gar nicht so weit

davon entfernt. Wir machen sehr, sehr gerne Geschäfte dort mit langfristiger

Perspektive und inzwischen großer Patenttreue.

Gibt es aktuelle Projekte in China?

Ja, gerade arbeiten wir dort an einem sehr spannenden und herausfordernden

Großprojekt aus dem Nutzfahrzeugsektor. Dort werden

im Moment die Abgasnormen verschärft, stärker übrigens als in

Deutschland – insofern also hervorragende Marktchancen für uns.

Aus dem Smog der chinesischen Großstädte hat man gelernt und

packt die Probleme jetzt mit großem Engagement und einem ambitionierten

Zeitplan an.

China hat also die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und umweltbezogener

Nachhaltigkeit erkannt.

Da würde ich eher den bösen Spruch von Bertolt Brecht zitieren: „Erst

kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ In China ist in den vergangenen

Dekaden der Wohlstand deutlich gewachsen, jetzt wollen

die Menschen auch die lebenswerte Umwelt zurück. China versucht,

Wirtschaft und Umwelt in die Balance zu bringen. Die deutsche Politik

bekommt das nicht immer gut hin, was global nicht zu mehr Umweltschutz,

sondern lediglich zur Abwanderung energieintensiver

Industrien führt. Aber selbstverständlich entstehen oder entwickeln

sich auch bestehende Branchen im Umweltschutz. Wir sind ein

Beispiel dafür.

Auch wenn Sie sehr spezialisiert sind, beschreiben Sie uns doch an

einem Beispiel einmal die Wirkungsweise eines Ihrer Produkte.

In Kraftwerken messen wir zum Beispiel den Durchfluss zur Turbine

bei Temperaturen von weit über 500 Grad Celsius und einem Druck

von mehreren hundert bar. Defekte an unseren Sensoren hätten hier

katastrophale Folgen. Mit unserem Sensor können die Turbinen wirkungsgradoptimal

betrieben werden, was zu gewaltigen CO 2

-Einsparungen

führt. Was besonders interessant ist: Konkurrenzsensoren

wie Blenden verbrauchen selbst massiv Energie, in solchen Anlagen

schon mal 500 bis 2.000 MWh oder 250 bis 1000 Tonnen CO 2

im Jahr.

In der Zementindustrie messen wir den Luftdurchfluss nach dem

Drehrohrofen bei über 800 Grad Celsius und extremer Staublast. Solche

Lösungen können nur wir bieten, das wissen auch die Großen wie

ABB und Siemens und nutzen unser Know-how.

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

An unserem Standort in Puchheim arbeiten zehn Ingenieure. Wir sind

ein stark ingenieurwissenschaftlich getriebenes Unternehmen. Die

Entwicklungen sind projektbezogen, eine Mischung aus Computerarbeit

und Engineering beim Kunden vor Ort. Die enge partnerschaftliche

Zusammenarbeit mit den Kunden steht zentral, auch wenn wir

natürlich bewährte Standardprodukte anbieten. Wir haben hochkomplexe

Teststände, einen der drei größten des Landes für Flüssigkeitsmessung

in China. Bei noch anspruchsvolleren Praxisanforderungen

entwickeln und testen wir mit unseren Leuchtturmpartnern vor Ort.

Kunden sind dabei die ganz Großen der jeweiligen Branche: Daimler,

MAN, Vattenfall, E.ON, BASF… Auch Computersimulation ist ein wich-

VITA

Oliver Betz (Jahrgang 1967) ist seit 1997 Geschäftsführer und

Inhaber der systec Controls GmbH in Puchheim bei München.

Nach seinem Studium in Stuttgart begann er als Assistent der

Geschäftsleitung seine Karriere beim damaligen Start-up systec

Controls. Darüber hinaus ist er Mitglied im Kirchenvorstand St.

Johann Baptist in Gröbenzell und seit 2017 Gesellschafter und

Geschäftsführer der Tianjin Systec Automation Devices Ltd.

Oliver Betz ist Senator h.c. des Bundeswirtschaftssenates des

BVMW, weil für ihn die Positionierung des Verbandes gegenüber

der Politik wichtig ist.

Fotos: © systec Controls GmbH


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BWS

65

tiges Instrument. Genannt sei zum Beispiel die Strömungssimulation

im Automotive-Bereich.

Und wie sehen Sie in Deutschland den Status der Industrie 4.0?

Jenseits der Schlagworte ein breites Feld. Selbstverständlich sind bei

uns Produktionssteuerung und Kundenmanagement durchgehend

digitalisiert. Zum Anlagenbau wie Chemie oder gar Kernkrafttechnik

muss man aber auch konstatieren, dass digitale Vernetzung Sicherheitsrisiken

mit sich bringt. Fernsteuerung gilt als zu anfällig für Cyberangriffe

oder einfach Systemversagen. Besonders der deutsche

Anlagenbau ist bei der Digitalisierung deshalb sehr konservativ. Hier

geht das Ausland schneller und weiter voran. Es gibt also keine pauschale

Antwort. Vernetzung ist nicht für alle Branchen sinnvoll.

Was ist Ihnen bei der Arbeit wichtig? Welche Werte vertreten Sie?

Top Leistungen bekommt man nur von top Mitarbeitern. München

hat einen ausgeprägten Bewerbermarkt. Um hier geeignetes Personal

zu bekommen, braucht es nicht nur gute Bezahlung, sondern

auch Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeiten, eine angenehme

Betriebsumgebung und vor allem den richtigen Teamgeist. Werte, in

unserem Falle eine christlich-soziale Orientierung, helfen immens.

Wir leben eine respektierende Kultur, haben ein internationales Team,

und jeder soll sich bei uns gut aufgenommen fühlen. Die Herkunft ist

nicht entscheidend, sondern der Wille zum guten Miteinander und zur

effizienten Arbeit. Das macht uns als Arbeitgeber attraktiv, und wir

haben das sonst häufige Akquisitionsproblem bei Ingenieuren nicht.

Wir erfahren im Gegenzug eine sehr hohe Loyalität und Motivation,

das ist toll.

Produktion von Edelstahlsensoren auf CNC Fräßmaschinen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Politik?

Die wird mir zu sehr von der öffentlichen Meinung, zu wenig von

nachprüfbaren Fakten getrieben. So haben manche, angeblich energiefreundliche

Produkte der Autoindustrie den ökologischen Fußabdruck

eines Dinosauriers. Hier wünsche ich mir mehr Nüchternheit,

geringere Steuerung durch Schlagzeilen. Moderne Dieselfahrzeuge

– und erst recht solche mit Gasbetrieb – sind deutlich umweltfreundlicher

als die derzeitigen Elektrobatterie-Lösungen.

Das Gespräch führte der Medienexperte

Prof. Dr. Jo Groebel

Und wie sehen Sie die Arbeit des BVMW?

Hervorragend ist die Positionierung des Verbandes gegenüber der

nationalen Politik. Als Senatoren versuchen wir hier, den Verband

auch regional nach außen zu repräsentieren. Viele Senatoren halten

Kontakt zur regionalen Politik und verstehen sich als Unterstützer der

Führungsarbeit und des Präsidenten. Mein Dank geht aufrichtig an

Mario Ohoven. Er bewegt da unendlich viel.

Kommen wir abschließend noch einmal zu Ihnen selbst. Neben Ihrer

direkten unternehmerischen Tätigkeit wirken Sie in zahlreichen wirtschaftlichen

und gesellschaftspolitischen Gremien und Funktionen

mit, so in einem Beirat der Technischen Universität München.

Stimmt, dort als Industriebeirat für wissenschaftliche Forschungsprojekte.

Zudem bin ich ehrenamtlich als Kirchenverwaltungsmitglied

in der katholischen Kirche aktiv. Auch wenn man mitunter mit seiner

Kirche hadert, letztendlich sind die christlichen Werte Basis meines

Menschenbildes. Ich singe in derselben Gemeinde im Kirchenchor,

am liebsten Bach oder Wiener Klassik. Wenn es die Zeit zulässt, kann

man mich auch als Kontrabassist in einer Jazzband hören.

systec Controls

Rechtsform: GmbH

Gründung: 1994

Firmensitz: Puchheim bei München

Geschäftsführer: Oliver Betz

Mitarbeiter: 110

Umsatz: 18 Millionen Euro

Branche: Abwasserwirtschaft, Wasserwirtschaft, Kraftwerke,

Chemie, Automotive

Produkte: Breites Sortiment an Sensoren für Dampf, Gas, und

Flüssigkeiten

Webseite: www.systec-controls.de

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.


66 BWS

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

THOMAS PESTER

Geschäftsführer pester pac automation GmbH

Foto: © NN


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BWS

67

„Unkonventionelles Denken

hat mich nach vorne gebracht“

Pester pac automation gehört zu den weltweit führenden Unternehmen in der Endverpackung

für die Pharma- und Kosmetikbranche. Das hochmoderne Unternehmen produziert innovative

Maschinen-Technologie: Von der Folien- über die Kartonverpackung bis hin zur Palettierung.

Thomas Pester, Geschäftsführer der pester pac automation GmbH und zugleich Buchautor, über

ein unkonventionelles Traditionsunternehmen.

Prof. Dr. Jo Groebel: Herr Pester, man findet sehr viele Informationen

zu Ihnen und Ihrem Unternehmen in den traditionellen Medien

und im Internet. Als besonders interessante Quelle erscheint mir

der Artikel in der WELT, in dem Sie als Querdenker und unkonventioneller

Unternehmenschef porträtiert werden. Finden Sie sich damit

auch selbst gut beschrieben?

Thomas Pester: Für eine Facette meiner Persönlichkeit, meines Denkens

trifft diese Beschreibung sicher zu. Mich hat das unkonventionelle

Handeln während meines ganzen Lebens eher nach vorne gebracht.

Es kommt bei einem Unternehmen natürlich immer auf die

Dosis, auf die Balance an. Beides ist notwendig, die Fortführung des

Bewährten, aber eben auch der Wille und die Fähigkeit, neue Wege zu

prüfen und dann auch einzuschlagen.

Wo genau ist diese Fähigkeit in Ihrem Unternehmen zum Tragen gekommen?

Bei technischen und strukturellen Innovationen, Teambildung,

Führung?

Auf Schlagworte wie Innovation reagiere ich eher mit Vorsicht. Wir

sind natürlich offen in all diesen Bereichen, egal, ob technische Entwicklung,

Teamgestaltung oder Management. Dazu gehören für mich

weitreichende Transparenz gegenüber den Mitarbeitern und demokratisches

Handeln. Die Meinung jedes einzelnen ist hier sehr willkommen.

Ungewöhnlich in diesem Zusammenhang ist, dass Sie als Buchautor

und zugleich als Philosoph bezeichnet werden können.

Vor mehr als zehn Jahren begann ich mit dem Schreiben von Reise-

und Rallye-Geschichten, ein Höhepunkt war sicher die literarische

Schilderung einer Geburtstagsreise, „Am Limit“, erschienen 2017, und

davor „Die Wüstentänzer‘“ von 2014.

Zentrum gelungener Zusammenarbeit und erfolgreichem Handeln im

Unternehmen. Ihn traf ich häufiger persönlich, lud ihn auch zu internen

Veranstaltungen ein.

Vertrauen wird oft als weicher Faktor angesehen …

Im Gegensatz zur häufig gelebten Misstrauenskultur vieler Unternehmen

definiert Sprenger Vertrauen nicht als weichen Faktor, sondern

zählt Vertrauen zu den wichtigsten Größen wirtschaftlichen Geschehens

und gelungenen Managements überhaupt. An diesem Vertrauensprinzip

orientiere ich mich bei unserer täglichen Arbeit. Daraus

leiten sich auch unsere Führungsleitlinien ab: Führung ist für mich

V plus V. Das Vertrauen nannte ich bereits, das zweite Wichtige ist

Verlässlichkeit. Ein drittes V ist das Vorleben von beiden. Für mich ist

es wichtig, im Unternehmen und über das Unternehmen hinaus, mit

Vertrauen und Verlässlichkeit Vorbild zu sein.

Sie zählen zu einem der führenden Arbeitgeber Deutschlands, Top

20 in Bayern, Top 100 in der ganzen Republik. Mehr als 90 Prozent

Ihrer Mitarbeiter geben an, sie würden Sie als Arbeitgeber weiterempfehlen.

Auch hier gilt, dass ich mit Schlagwörtern vorsichtig bin. Uns ist eine

gute Work-Life-Balance wichtig. Wir haben flexible Zeitstrukturen

eingeführt. Zunächst schien dies im Zusammenhang mit Arbeitskoordination

zu kompliziert und schwierig umzusetzen. Wir haben es

aber bei allen Herausforderungen gut hinbekommen. Eine weitere

Priorität hat für uns die Gesundheit. Hier machen wir Angebote, fördern

das Bewusstsein dafür. Sie ist ein Bestandteil unserer Firmenkultur.

Ob es sich dabei um die Hilfe bei medizinischer Versorgung

handelt, die Gratis-Äpfel für gesunde Ernährung oder Programme zur

körperlichen Fitness: Gesundheit, Selbstgestaltung und Zufriedenheit

stehen bei uns ganz oben.

Fotos: © pester pac automation GmbH

Unternehmer können, sollen vielleicht sogar Vorbilder sein. Wie

wichtig ist Ihrer Meinung nach diese Vorbildfunktion in mittelständischen

Unternehmen?

Ich hatte mehrere Vorbilder, möchte es selbst natürlich auch beruflich

und privat sein, nicht zuletzt gegenüber meinem Führungsteam.

Eine Inspiration stammte von dem brasilianischen Unternehmer

und Buchautor Ricardo Semler, der weitreichende Transparenz und

Demokratie zwischen den Firmenangehörigen und der Gesellschaft

propagierte und seine Firma Semco damit von vier Millionen auf

160 Millionen Umsatz bringen konnte. Ein weiterer Inspirator ist für

mich Reinhard K. Sprenger, für ihn steht gegenseitiges Vertrauen im

Dazu ist auch ein Feedbacksystem für Leistung notwendig.

Ja. Für uns ist es wichtig, dass es ein Feedbacksystem für Leistung

gibt. Und dieses funktioniert nur durch die tägliche Anstrengung von

Management und Mitarbeitern. Ein gutes Feedbacksystem ist nicht

das Resultat einer einmaligen Aktion, sondern erfordert eine kontinuierliche

Weiterentwicklung und ständige Justierung. Führungsspitze

und Abteilungsleitung müssen mit den Abläufen vertraut sein, genau

hinschauen und, wenn nötig, korrigierend eingreifen. Zudem ist mir

soziale Verantwortung sehr wichtig. Und zwar schon immer jenseits

irgendwelcher Modetrends in der Businesswelt.


68 BWS

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Effiziente Verpackungslinie auf der Branchenleitmesse Interpack in Düsseldorf.

Gegründet wurde das Unternehmen 1888 von einem Ihrer Vorfahren,

Emil Pester, als Hersteller von Strickmaschinenzubehör in

Chemnitz.

Wir haben das Firmengebäude, das nach dem Krieg teils zerstört war,

nach Wiedererhalt im Zuge der politischen Vereinigung Anfang der

1990er Jahre an einen Freund verkauft. Ein Wohnhaus allerdings haben

wir behalten, daher besteht die Verbindung zu unseren Ursprüngen

in Chemnitz immer noch. Gerne verweise ich in dem Zusammenhang

auch auf unser Buch, die Festschrift zu unserem 125-jährigen

Firmenjubiläum. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir im Allgäu

das Unternehmen wiederaufgebaut. In der ersten Phase arbeiteten

wir nur mit einer Handvoll Mitarbeiter in gemieteten Räumen. Zunächst

waren wir unter anderem mit der Herstellung von Platinen für

Textilmaschinen beschäftigt. Wir blieben also eine gewisse Zeit bei

unserm Ursprungsmetier.

Wann und warum kam es dann zur Umstellung auf Verpackungsmaschinen?

Als in den 1970er Jahren die Textilindustrie mit schlechter Konjunktur

zu kämpfen hatte, besuchte ein gelernter Büchsenmacher meinen

Vater. Ersterer wollte sich verändern und hatte gute Ideen zur

Mehrfachverpackung von Gütern des täglichen Bedarfs. Da sich mein

Vater seinerzeit von den Schwankungen in der Textilindustrie unabhängiger

machen wollte und eine zweite Schiene anstrebte, passte

das gut zusammen. Mit einem Teil der inzwischen rund achtzig Köpfe

zählenden Belegschaft entwickelten wir dann einen Prototyp. 1974

stellten wir ihn auf einer Messe vor. Er war so erfolgreich, dass wir

eine Verkaufsorganisation aufbauten und damit recht schnell den

Markt für uns erschließen konnten.

Wie verlief Ihr Einstieg ins Unternehmen?

Ich hatte mit Ende zwanzig eigentlich andere Pläne. Anfang der

1980er Jahre wurde mein Vater aber sehr krank und bat mich, die

Verantwortung im Unternehmen zu übernehmen. Er starb 1992, sodass

ich dann allein an der Spitze stand. Wir haben uns vieles hart

erkämpft. Mittlerweile haben wir ein globales Produktvolumen von

8.000 Maschinen und Herstellungslinien in achtzig Ländern, in den

USA, Europa, Fernost, und Südamerika. Bei uns arbeiten 750 Mitarbeiter,

davon 650 an unserem deutschen Standort. Unser Umsatz

liegt dieses Jahr bei rund 100 Millionen.

Sie gehören weltweit zu den ganz Großen für die Pharma- und Kosmetikindustrie.

Sehen Sie das Unternehmen von der Konkurrenz bedroht?

Der Markt ist enger geworden, als es vor zwanzig Jahren noch der

VITA

Thomas Pester, Jahrgang 1956, studierte Wirtschaftsingenieurwesen

und begann 1983 seine Laufbahn im Familienbetrieb.

Seither zeichnet er für das stetige Wachstum des

Maschinenbauers verantwortlich. Sein Lebenswerk ist es,

den Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern und es

verantwortungsvoll für die Um- und Nachwelt aufzustellen.

„Kampf der Verschwendung“ ist sein Credo. Mit Qualitätsdenken,

Optimismus und kreativem Potenzial lenkt er das

Unternehmen, das heute weltweit zu den Technologieführern

für Endverpackungsanlagen und Automatisierungslösungen

für die Pharma- und Kosmetikindustrie zählt.

Seine große Leidenschaft gehört schnellen Sportwagen und

manchmal auch den Oldtimern. Er ist Querdenker, bis heute

begeisterter Sportler und Wasserskiläufer sowie Genießer

der schönen Augenblicke. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne

und zwei Töchter und wohnt in der Nähe des Firmensitzes in

Wolfertschwenden (Bayern).

Fotos: © pester pac automation GmbH


DER MITTELSTAND. 5 | 2019 BWS 69

Fall war. Konkurrenz kommt aus Italien, aber auch aus China und den

USA. Patente werden besonders in China auch gerne mal umgangen.

Trotzdem haben wir dort bei allem Preiswettkampf und mancher Unterbietung

immer noch gute Kunden, es ist eben ein wichtiger Markt.

Wir haben eine enge Verbindung zu unseren Kunden und liefern maßgeschneiderte

Lösungen. Jeder Kunde ist für uns eine individuelle

Persönlichkeit, auf die wir uns einstellen.

… das passt zu Ihrer gesamten Lebensphilosophie. Und es zeigt sich

in Ihren Produkten und Ihrem Angebotsspektrum …

Für unseren Schwerpunkt Pharma und Kosmetik gelten beim Kunden

besonders strenge Anforderungen für Reinheit, Hygiene, Benutzerspezifikation

und Verfügbarkeit. Rund achtzig Prozent der Tophersteller

in unserer Branche arbeiten mit unserer Technologie. Auch bei

unserem Produktspektrum, der Transport- und Umverpackung für

die Waren mit ihrer eigenen Direktverpackung, die wir nicht herstellen,

sind Sicherheit und Schutz, zum Beispiel vor Kälte, Nässe, Temperaturschwankungen

und anderen äußeren Einwirkungen, unabdingbar.

Auch aus Umweltgründen geht der Trend weg von der Folie hin zum

Karton. Dies haben wir schon zu Beginn der 1990er Jahre erkannt

und produzieren entsprechend.

Recycling spielt bei Ihnen nicht nur beim Karton eine Rolle?

Auf jeden Fall. Nehmen wir beispielsweise Kunststoffverpackungen:

Hier können wir auf unseren Folienverpackungsmaschinen biologisch

abbaubare Folien verarbeiten. Die Automatisierung, das Handling und

die Betriebsabläufe entwickeln wir ständig weiter. So experimentieren

wir gerade mit neuen Verpackungsmöglichkeiten für Kaffee. Denn es

ist ein Unding, wieviel Umwelt- und Ressourcenschädigung durch die

weggeworfenen Kapseln entsteht. Hier haben wir mit der Suche nach

besseren Möglichkeiten begonnen. Unser Schwerpunkt bleibt aber

der Karton. Damit sind wir auch konjunktur- und umweltunabhängig.

Die Firmenzentrale der pester pac automation GmbH in Wolfertschwenden (Bayern).

Die Verbindung von Fortschritt und Nachhaltigkeit äußert sich ebenso

in Ihren Unternehmensgebäuden.

Das sehe ich auch so. Schon vor fast zwanzig Jahren haben wir unsere

Unternehmenszentrale nach wichtigen Umwelt- und Nachhaltigkeitsprinzipien

errichtet und gestaltet. Darauf sind wir heute noch

sehr stolz.

Das Gespräch führte der Medienexperte

Prof. Dr. Jo Groebel

Wie steht es um die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?

Ganz wichtig. Die Digitalisierung hat bei uns konkrete Auswirkungen.

Sie geht mit der Maschinenentwicklung selbstverständlich einher und

zeigt sich nicht zuletzt in der Kapazität zur Fernwartung.

Wie beurteilen Sie die Politik in Deutschland?

Bei der riesigen Bedeutung des Mittelstandes für die deutsche Gesellschaft

und die deutsche Volkswirtschaft spürt man fast gar nicht,

dass er im Regierungshandeln, in den Regierungsentscheidungen

überhaupt vorkommt. Ein Stichwort wäre der unsägliche Soli. Zum

Glück gibt es den BVMW, gibt es unseren Präsidenten, die jeweils für

Sichtbarkeit und Einfluss sorgen. Aber ohne deren Druck, so scheint

mir, würde fast gar nichts geschehen. Zum Glück sehe ich den Verband

hier mit viel Einsatz an der Spitze, wenn es um die Zukunftsperspektiven

der mittelständischen Industrie geht. Da gilt es, noch viele

Felder zu beackern.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch.

Rechtsform: GmbH

Gründung: 1888

Firmensitz: Wolfertschwenden

Geschäftsführer: Thomas Pester

Mitarbeiter: 750 weltweit

Umsatz: 100 Mio.

Branche: Maschinenbau

Produkte: Endverpackungsmaschinen für die Pharma- und

Kosmetikindustrie

Webseite: www.pester.com


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72 SERVICE

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Service

UNTERNEHMERPREISE

Es gibt viele Gründe, sich mit anderen Unternehmen in einem

Wettbewerb zu messen: gute Presse, individuelle Förderung,

Kontakte knüpfen und, nicht zu vergessen, das Preisgeld. Hier

stellen wir Ihnen drei der aktuellen Unternehmerpreise vor.

ERCIS Launch Pad

Das ERCIS Launch Pad ist ein jährlich stattfindender Wettbewerb

für Gründer, Gründungswillige und Gründungsinteressierte

mit spannenden Ideen für IT-Produkte oder -Services. Aus allen

Einreichungen wählt eine Expertenjury die Finalisten, die ihre

Ideen dann in einem Finale pitchen dürfen. Teilnehmen können

Studierende, kreative Köpfe, Einzelkämpfer und Teams mit Lust

auf Selbstständigkeit. Auch junge Unternehmen im

ersten Gründungsjahr können mitmachen.

Die Bewerbungsfrist endet am 27. Oktober 2019.

Digitale Lösungen zum Anfassen

Ab sofort ist der interaktive Erlebnisraum von _Gemeinsam

digital, dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin, wieder

für Besucher geöffnet. An zahlreichen Stationen erfahren Sie, wie

verbesserte Kundenansprache im Einzelhandel, einfache Personalplanung,

mobiles Bezahlen und vieles andere mehr konkret in der

Praxis umsetzbar sind. Freuen Sie sich außerdem auf drei brandneue

Erlebnisstationen, wie beispielsweise die smarte Zeiterfassung

oder das schlüssellose Zugangssystem. Der Erlebnisraum

im neugestalteten Forum Digitale Technologien in Berlin bietet mit

seinen Erlebnisstationen eine Anlaufstelle für anschauliche Einblicke

zu digitalen Lösungen im Mittelstand.

Mehr Informationen: www.gemeinsam-digital.de/erlebnisraum

www.ercis-launchpad.de

Deutscher Gründerpreis

2020

Der Deutsche Gründerpreis wird jährlich für herausragende

Leistungen an Gründerinnen und Gründer sowie Unternehmen

in Deutschland verliehen, die eine tragfähige und innovative

Geschäftsidee entwickelt haben. Der Preis wird in den unterschiedlichen

Kategorien Schüler, Start-up, Aufsteiger und

Lebenswerk vergeben.

Die Bewerbungsfrist endet am 23. November 2019.

www.deutscher-gruenderpreis.de

Businessplanwettbewerb

promotion Nordhessen

Der Businessplanwettbewerb promotion Nordhessen unterstützt

Gründerinnen und Gründer in ihrer Gründungsphase und

bei der Erstellung des Businessplans. An dem bundesweiten

Wettbewerb können Unternehmensgründer aus allen Bereichen,

insbesondere aber aus den Bereichen der Umwelttechnologie

und der Mobilität, teilnehmen.

Die Bewerbungsfrist endet am 25. November 2019.

www.promotion-nordhessen.de/der-wettbewerb

Digitale Lösungen zum Anfassen.

Open Banking: Revolution im

datengetriebenen Marketing

Open Banking ist ein durch die neue Zahlungsdiensterichtlinie

(PSD 2) entstandenes Geschäftsfeld, das Banken verpflichtet,

Drittanbietern Bankdaten-Zugang zu verschaffen. Mit Zustimmung

der Nutzer werden Ein- und Auszahlungen analysiert,

um personalisierte und vorteilhafte Empfehlungen wie beispielsweise

Mehrwert-Gutscheine, Anlagemöglichkeiten, Steuererleichterungen

oder Vertragsoptimierungen zu erhalten.

Auch im Marketing werden dadurch völlig neue Dimensionen

ergründet. Bisher konnten lediglich Daten von Interessen und

Intentionen der Nutzer generiert werden. Open Banking ermöglicht

nun, Daten über Ort und Zeit von Kaufentscheidungen zu

aggregieren. Verbessertes Kundenverständnis garantiert in der

Folge effizientes und datengetriebenes Marketing.

www.optiopay.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SERVICE

73

Den richtigen Partner in der

Werbung finden

Francis Drake FDR Pitchberatung GmbH aus Hamburg berät

werbungtreibende Unternehmen bei der Suche und Auswahl

von passenden Agenturpartnern – für alle Branchen und für

alle Kommunikationsdisziplinen. In einer immer digitaler werdenden

Welt gilt es, den Unternehmen umfassend beratende

Partner an die Seite zu stellen, die die richtigen und zukunftsfähigen

Services bieten, damit die Unternehmen mit den wachsenden

Anforderungen und Herausforderungen Schritt halten

können und nicht den Anschluss verlieren.

www.francisdrake-pitchberatung.de

Mit individuellen Botschaften

punkten

Programmatic Advertising ermöglicht es, die richtige Zielgruppe

zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit der richtigen Werbebotschaft

zu erreichen. Die Kunst ist es, durch konkrete Botschaften

und individuelle Ansätze herauszustechen und die Kampagne auf

zielgruppenspezifische Kommunikation und Ziele auszurichten.

Die Media Agentur eComCon entwickelt mit ihrem Dynamic Content

Generator solche individuellen Kampagnen. Das Tool unterstützt

bei der Beobachtung von Ereignissen und Trends: Innerhalb

von Minuten ermöglicht es das Aufsetzen von neuen passenden

Motiven und Targetings.

www.onlinemarketing.de/anbieter/ecomcon

Christian Niemeyer und Jörg Lüsebrink, geschäftsführende

Gesellschafter von Francis Drake.

Klimaschutz durch

Energieeffizienz

Der Klimawandel ist heute mehrheitlich unbestritten. In puncto

Lösungen liegt der Fokus auf investiven Maßnahmen in alternative

Energien und Elektromobilität. Energieeffizienz wird in ihrer

Wirksamkeit bislang kaum erkannt. Eine Studie der Universität

Stuttgart besagt: Stromspartechnologien erzielen im Vergleich

mit allen heute anerkannten Verfahren fast die Hälfte des Effekts

zur Begrenzung der Erderwärmung. KMU sind hier entscheidende

Impulsgeber: Unter dem Dach der Initiative „Klimaengel e. V.“

promotet die GIGA – Stromspartechnologien AG ein bewährtes,

wissenschaftlich validiertes Modul, mit dem KMU Spareffekte

von bis zu zwölf Prozent erzielen, was analog eine Senkung des

CO 2

-Ausstoßes bewirkt. Bilanz: Ein Unternehmen spart Strom

und schont das Klima zum Nulltarif, denn die Stromeinsparung

trägt die Kosten für die Investition.

BVMW-Mitglieder erhalten einen Rabatt von acht Prozent.

Foto: © Quelle: Studio Gleis 11/Jens Schierenbeck; © Chinnapong von www.istockphoto.com

Aufklären statt diskriminieren

Seit Anfang 2018 ist das House of Queer Sisters e. V. Erzabtei

Bundesverband Mitglied im BVMW. Der Verband wurde im

April 2013 in Berlin gegründet und ist im In- und Ausland tätig.

Zu seinen Aufgaben zählen Hilfe und Aufklärung u. a. zu den

Themen HIV/AIDS, STI, Hepatitiden, Behinderten- und Flüchtlingshilfe.

Die Queer Sisters setzen sich für Menschenrechte und

Völkerverständigung ein und dafür, dass keine Ausgrenzungen,

Beleidigungen, Diskriminierungen und Stigmatisierungen stattfinden.

Der Verband berät und informiert zu sozial- und arbeitsrechtlichen

wie auch zu medizinischen Fragen.

House of Queer Sisters e. V. ist gemeinnützig anerkannt und somit

auch berechtigt, Zuwendungsbescheinigungen auszustellen.

www.house-of-queer-sisters.org

www.stromspartechnologien.eu


74 SERVICE

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Ihre Chance:

zertifizierter Berater

Unternehmensberater haben jetzt die Möglichkeit, das Zertifikat „BVMW-geprüfter Berater für

mittelständische Unternehmen“ zu erlangen. Das Zertifikat ist vom Bundesamt für Wirtschaft

und Ausfuhrkontrolle (BAFA) als Qualitätsnachweis zur Zulassung für die geförderte Beratung

anerkannt.

sondern auch sicherstellt, dass ein Berater ausreichend mit mittelstandsrelevanten

Themen und Rahmenbedingungen vertraut ist.

Der Mittelstand BVMW bietet Mitgliedern, die Unternehmensberater

sind, die Möglichkeit, das Zertifikat „BVMW-geprüfter Berater

für mittelständische Unternehmen“ zu erlangen. Es dient Unternehmen

als Orientierungshilfe bei der Beratersuche und ist beim

Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) als Qualitätsnachweis

anerkannt, wenn man sich dort als zugelassener Unternehmensberater

listen lassen möchte.

Vorteile der BAFA-Förderung

Das BAFA bezuschusst Beratungen für kleine und mittlere Unternehmen

zu allen Fragen der Unternehmensführung mit bis zu 90 Prozent,

bei Beraterhonoraren bis 4.000 Euro – sofern der Berater eine

BAFA-Zulassung vorweisen kann. Förderziel ist dabei die Steigerung

der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit von KMU, um Arbeitsplätze

zu sichern. Die Zulassung beim BAFA stellt somit einen erheblichen

Wettbewerbsvorteil für die Berater dar, zumal in vielen Fällen

mehrfache Förderungen möglich sind.

Der BVMW ist die mit Abstand stärkste Kraft des freiwillig organisierten

Mittelstands in Deutschland und damit höchster

Kompetenzträger für dessen wirtschaftliche und politische

Themen. Ein wesentlicher Faktor für den Erhalt und das Wachstum

des Mittelstands ist die Unternehmensberatung.

Deswegen hat sich der Mittelstand BVMW als Ziel gesetzt, mit dem

„Beraternetzwerk Mittelstand“ bis Ende 2019 eine digitale Plattform

aufzubauen, die nicht nur die fachliche Qualifikation garantiert,

Gut zu wissen

Warum das Beraternetzwerk Mittelstand und kein anderes Beraternetzwerk?

n Das Zertifikat „BVMW-geprüfter Berater für mittelständische

Unternehmen“ ist vom BAFA als Qualitätsnachweis anerkannt

n Kein anderes Beraternetzwerk ist in diesem Ausmaß direkt mit

Ihren potenziellen Kunden verbunden

n Das Zertifizierungsverfahren beim BVMW kostet einmalig 600 Euro –

ohne Re-Zertifizierung

Wie werden Sie BVMW-geprüfter Berater für mittelständische

Unternehmen?

Die Zertifizierung verläuft in drei Schritten, nachdem Sie sich unter

www.bvmw.de/beraternetzwerk angemeldet haben:

1. Ein kurzes, telefonisches Vorgespräch.

2. Ausfüllen eines Fragebogens, der sich an den Leitlinien des

BAFA orientiert.

3. Der entscheidende Teil des Zertifizierungsverfahrens: das persönliche

Gespräch in Berlin um zu erfahren, wie Sie die Qualität

Ihrer Beratungen sicherstellen.

Anmeldungen und auch Fragen zum Zertifikat „BVMW-geprüfter Berater

für mittelständische Unternehmen“ können unter www.bvmw.

de/beraternetzwerk versendet werden.

Nick Martin Willer

Experte Unternehmensberater

beraternetzwerk@bvmw.de

Foto: © AndreyPopov von www.istockphoto.com


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des BVMW.

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76 SERVICE

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

5 Fallstricke bei der

Unternehmensnachfolge

Auch 2019 stehen laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) hierzulande etwa 30.000 Unternehmensübergaben

in Familienunternehmen an. Auf dem Weg zur erfolgreichen Nachfolgeregelung

gibt es eine Vielzahl von Fallstricken.

Für viele Mittelständler stellt die Nachfolgeregelung ein großes

Problem dar. Daher sollte man wissen, welche Fallstricke bei

der Unternehmensnachfolge lauern. Die fünf häufigsten sind:

1. Der richtige Zeitpunkt

Für den Senior ist die Nachfolge auch ein Prozess des persönlichen

Loslassens. Viele Unternehmer verweilen im Unternehmen, weil sie

keinen Plan B haben, wie ihr Leben ohne das Familienunternehmen

aussehen könnte. Das verzögert die Nachfolge, nimmt dem Nachfolger

Autorität und blockiert neue Impulse, die für das Familienunternehmen

förderlich sein könnten.

2. Familienfrieden vs. unternehmerischer Erfolg

Eine Familie ist im Gegensatz zu einem Unternehmen nicht auf Erfolg

ausgerichtet. So ist es nachvollziehbar, dass Eltern ihre Kinder gerecht

behandeln wollen. Das mag ein Garant für den familiären Frieden

und Harmonie sein, ist jedoch im unternehmerischen Kontext

keiner für Erfolg. Typischer Fall: Ein Kind wird als Nachfolger eingesetzt,

obwohl es offensichtlich für die Geschäftsführung ungeeignet

ist – und niemand will es aussprechen.

3. Ausschließlich Steueroptimierung

Die Nutzung steuerlicher Freibeträge ist ein guter Grund, um Anteile

zu übertragen. Verschenkt der Senior seine Firmenanteile jedoch nur

aus steuerlichen Gründen, hat vielleicht oberflächlich eine Nachfolge

stattgefunden. Doch wenn der Senior seine Anteile nur mit bestimmten

Auflagen abgibt, um weiterhin die Geschicke der Firma zu leiten,

untergräbt er die Autorität seines Nachfolgers.

4. Die Belange der weiteren Familienmitglieder

Welche Rolle übernehmen die angeheirateten Familienmitglieder?

Können diese Gesellschafter des Unternehmens werden, oder bleibt

ihnen die Rolle des Zuschauers? Werden die Interessen der Familienmitglieder

im Nachfolgeprozess nicht berücksichtigt, kann das die

Zukunft des Unternehmens gefährden.

5. Gewöhnung für die Mitarbeiter

Der Generationswechsel in der Chefetage geht oft mit einer neuen

Unternehmens- und Führungskultur einher. Während beispielsweise

der Senior-Familienunternehmer die Rolle eines Patriarchen verkörpert,

führt sein Nachfolger mit flachen Hierarchien. An diese Veränderungen

müssen sich die Mitarbeiter erst gewöhnen.

Zwei konkrete Maßnahmen empfehlen sich, um Familienunternehmen

sicher durch das unruhige Meer der Unternehmensnachfolge

zu manövrieren:

Zeitige Planung

Der Prozess der Unternehmensnachfolge ist langwierig. Es gilt,

rechtliche, steuerliche, finanzielle und persönliche Fragen zu klären.

Erstellen Sie einen Zeit- und Fahrplan für den Nachfolgeprozess.

Durch Beratung Streit vermeiden

Während des Nachfolgeprozesses sind Konflikte absehbar. Rechtliche

oder steuerliche Fragen können ein Risiko für den Generationswechsel

darstellen. Hinzu können innerfamiliäre Konflikte kommen,

deren Klärung unabdingbar für die Sicherung des Familienfriedens

und der Unternehmenszukunft sind. Diese Klippen in der Nachfolge

lassen sich am besten mit professioneller Unterstützung umschiffen.

Gut zu wissen

n Bei der Unternehmensnachfolge lauern zahlreiche Fallstricke, die es

zu kennen und zu lösen gilt

n Neben dem richtigen Zeitpunkt sind unter anderem die Belange der

Familie und die Gewöhnung der Mitarbeiter relevante Aspekte

n Es empfehlen sich eine zeitige Planung und professionelle Unterstützung

bei der Nachfolge

Carola Jungwirth

Rechtsanwältin

BVMW-Mitglied

Mitglied Expertenkreis Unternehmensnachfolge

www.Jungwirth-Nachfolgeberatung.de

Foto: © kycstudio von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SERVICE

77

DER ANDERE GEDANKE

Beim steht der

Mittelstand im Mittelpunkt

Heute komme ich nicht mit einem politischen oder gesellschaftspolitischen

Thema, sondern mit einer Erfolgsgeschichte

aus unserem Verband: „Mittelstand im

FOCUS“ – die neue und einzigartige Medienkooperation des

BVMW mit dem Magazin FOCUS – ist fulminant gestartet! In der

FOCUS-Ausgabe vom 20. Juli sind vier Seiten erschienen. Chefredakteur

Robert Schneider kommentierte in seinem Brief, er wolle mit

der neuen Artikel-Serie den Mitgliedern des BVMW „eine Stimme geben“.

Denn: „Für mich sind Sie, die mittelständischen Unternehmer,

das Herz der deutschen Wirtschaft.“

Dazu kann man nur sagen: Es wäre schön, wenn mehr Menschen

dieser Überzeugung wären. Aber mit Robert Schneider und seiner

Mannschaft haben wir starke Mitstreiter an unserer Seite.

Die Kooperation mit FOCUS bietet allen Mitgliedern des BVMW einzigartige

Vorteile – und das zu extrem attraktiven Preisen! Jedes

Mitglied hat die Möglichkeit, unter der Überschrift „Mittelstand im

FOCUS – Nachrichten aus dem BVMW“ über eine Auszeichnung, einen

gewonnenen Preis, ein Jubiläum, ein neues Produkt, eine technische

Innovation oder über personelle Veränderungen zu berichten.

Inhalte wie Text und Fotos kommen von den Mitgliedern, die Gestaltung

übernimmt FOCUS – nach den Wünschen des Auftraggebers.

Die gesamte Auftragsabwicklung läuft über den BVMW, der der Geschäftspartner

sowohl für seine Mitglieder als auch für den FOCUS

ist. So wird sichergestellt, dass das Schalten eines Advertorials für

unsere Mitglieder möglichst stressfrei und sicher über die Bühne

geht. Auf Wunsch stehe ich als Berater für potenzielle Kunden des

Mittelstands im FOCUS“ zur Verfügung. Ich melde mich dann bei

den Interessenten und versorge sie mit allen notwendigen Informationen.

Michael Backhaus

Journalist

BVMW Berater Medien

michael.backhaus@bvmw.de

Dr. Ralph Kloth, Leiter Vertrieb und Marketing des Weltmarktführers

EMKA in Velbert, lobt den Nutzen der Veröffentlichung im FOCUS:

Unser Auftritt hat an vielen Stellen

Beachtung gefunden, wie uns die

sehr gute Resonanz zeigt. Und wir verfügen

jetzt über die kompakte Darstellung

unseres Unternehmens in Form eines

„Onepagers“, den wir auch in der Außendarstellung

sehr gut nutzen können.“

Andreas Schrobback, CEO AS Unternehmensgruppe Holding, Berlin,

schildert die Erfahrungen mit dem doppelseitigen Auftritt in „Mittelstand

im FOCUS“ so:

Bestehende Kundenverbindungen

wurden gestärkt und aufgewertet. Bei

Geschäftspartnern und Banken hat dieser

Beitrag für eine nachhaltige Bestätigung

der Geschäftsbeziehung gesorgt.“


78 SERVICE DER MITTELSTAND. 5 | 2019

„Bei KI werden

die Karten neu

gemischt“

Die Parmenides-Stiftung ist eine internationale, stark interdisziplinär

geprägte Forschungseinrichtung mit Sitz in Pullach in

Bayern. Hier wird unter anderem an der hochaktuellen Frage

geforscht, welche Rolle das Thema Künstliche Intelligenz in der

Zukunft für die deutsche Wirtschaft spielen wird. Dazu ein

Gespräch mit dem Direktor der Stiftung, Prof. Dr. Albrecht

von Müller.

DER Mittelstand.: Herr von Müller,

Sie beschäftigen sich als Direktor

mit der Frage, wie im menschlichen

Denken Komplexität bewältigt wird,

und wie man dem Gehirn dabei helfen kann.

Hier kommt das Thema Künstliche Intelligenz

ins Spiel. Was verstehen Sie darunter?

Albrecht von Müller: Der Begriff Künstliche

Intelligenz greift der realen Entwicklung

vor. Die heutige KI beherrscht nur eine einzige

kognitive Grundoperation, die Mustererkennung

in großen Datensätzen. Es handelt

sich dabei um einen sehr wichtigen wissenschaftlich-technologischen

Fortschritt, aber

von „Künstlicher Intelligenz“ kann man dabei

noch nicht sprechen. Die Technologien

des Machine Learning bzw. des Deep Learning

kann man anwenden, wenn einem sehr

viele Daten aus ähnlichen Situationen zur

Verfügung stehen. Dies ist zum Beispiel bei

den Daten der Fall, die bei der Benutzung

von Facebook, Google oder Amazon entstehen

und die von diesen Firmen systematisch

ausgewertet und für kommerzielle Zwecke

genutzt werden.

Der Mittelstand braucht aber andere

KI-Techniken. Hier wird meiner Einschätzung

nach in Zukunft eine weiterentwickelte Ge-

neration von KI im Vordergrund stehen. Diese

wird weniger von Massendaten abhängig sein

und zugleich ein wesentlich breiteres Spektrum

kognitiver Basisoperationen abdecken.

Man wird hier einzelne „Denkschritte“ zu ganzen

„Gedankengängen“ zusammensetzen

können. Diese können dann als Anregung für

menschliches Denken genutzt werden. Meiner

Meinung nach kann man erst ab da von

„Künstlicher Intelligenz“ sprechen.

Prof. Dr. Albrecht von Müller

Direktor der Parmenides-Stiftung

Schon heute gibt es große Besorgnis, dass

die KI erhebliche Veränderungen in der Wirtschaft

und auf dem Arbeitsmarkt haben

wird. Wenn Maschinen nun differenziertere

„Gedankengänge“ durchführen können, was

hat das dann für Auswirkungen?

Die rapide Zunahme der Komplexität stellt

uns vor neue kognitive Herausforderungen.

Unser Ziel ist es nicht, das menschliche Gehirn

zu ersetzen. Wir sehen die Aufgabe der

nächsten KI-Generation vor allem darin, die

menschliche Denkfähigkeit zu unterstützen

und weiterzuentwickeln.

Deutschland und Europa befinden sich heute

sicherlich nicht an der Spitze des Fortschritts.

Wie schätzen Sie unsere Rolle ein?

Bei der herkömmlichen KI liegen die USA

in der Tat deutlich in Führung, und auch

China setzt dafür hohe finanzielle Mittel ein.

Foto: © piranka von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019 SERVICE 79

eine deutliche Führungsposition zurückzugewinnen.

Was würden Sie dem Mittelstand ganz konkret

empfehlen?

Ich denke, dass der Mittelstand und eine hochdynamische

Kognitions- und KI-Forschung

wesentlich besser zusammenpassen als diese

neuen Formen einer sehr interdisziplinären

Forschung und die in großen Teilen doch eher

schwerfällige Großindustrie. Natürlich gibt

es dabei Fragestellungen und Aufgaben, die

auch von großen Mittelständlern nicht allein

gestemmt werden können. Aber genau dort

kommen dann Organisationen wie der BVMW

ins Spiel. Konkret würde ich Folgendes empfehlen:

Aufbauend auf den neuesten Technologien

der Wissensrepräsentation und einer

gehirnfreundlichen Wissensvermittlung, erstellt

man einen neuartigen, intuitiv navigierbaren

dreidimensionalen Wissensraum zum

Thema „Digitalisierung und KI“. In jedes einzelne

Thema kann man sich „hineinzoomen“

und sich dazu ganz gezielt Kenntnisse aneignen.

Diese Art der Wissensvermittlung ist wesentlich

gehirnfreundlicher und wesentlich

intuitiver nutzbar als heutige Lernformen, einschließlich

des sogenannten E-Learning. Dabei

kann für jedes einzelne Unternehmen ein

individuelles Interesse- und Kompetenzprofil

entwickelt werden.

Aufbauend auf diesem „Profiling“ kann man

sich dann sehr komfortabel und effizient die

für die eigenen Fragestellungen jeweils relevanten

Erkenntnisse anzeigen lassen.

Wir hinken da eindeutig hinterher. Bei der

nächsten KI-Generation werden meiner Meinung

nach die Karten noch einmal völlig neu

gemischt. Entscheidend wird es hier darauf

ankommen, dass man das menschliche

Denken in seinen grundlegenden Strukturen

und Dynamiken wesentlich besser versteht.

Dabei geht es nicht darum, es quasi „einszu-eins“

nachzuahmen. Ein anschauliches

Beispiel dafür ist der große Unterschied zwischen

Flugzeugen und Vögeln. Technische

Lösungen weichen im Regelfall sehr fundamental

von biologischen Lösungen ab. Wichtig

ist jedoch, dass man die Grundprinzipien

der Problemstellung versteht.

In Kontinentaleuropa hat man in den letzten

Jahren das menschliche Denken als ein komplexes,

kognitives System begriffen, das sich

keineswegs auf das Abarbeiten von letztlich

einfachen Rechenoperationen beschränken

lässt. Das erweist sich jetzt als Standortvorteil.

Meiner Meinung nach haben wir

also durchaus die Chance, bei der nächsten

KI-Generation, die ein wesentlich breiteres

Spektrum von kognitiven Basisoperationen

abdecken und sich zumindest ansatzweise

komplexen Denkoperationen annähern wird,

Das Wichtigste in Kürze

Damit kann man dann innerhalb des gesamten

Wissensraumes von Digitalisierung und

KI genau jene Bereiche hervorheben, die für

das Unternehmen von strategischer Bedeutung

sind.

Vielen Dank für dieses sehr anregende Gespräch.

Das Interview führte Rüdiger Muth, BVMW

Gebietsleiter Hessen, Rheinland-Pfalz und

Saarland.

Parmenides-Foundation im Überblick:

n Multidisziplinäre Grundlagenforschung mit der Aufgabe, „Grundlagen und Grenzen des menschlichen

Denkens zu erforschen“

n In der angewandten Forschung ist Cognostics ein neuer Ansatz, um besser zu verstehen, wie

das menschliche Gehirn Komplexität bewältigt sowie Methoden und Werkzeuge zu entwickeln,

die es dabei unterstützen können

n Anders als in der klassischen KI ist das Ziel von Cognostics, das menschliche Gehirn nicht zu

ersetzen, sondern seine angeborenen Fähigkeiten zu unterstützen und weiter zu entfalten


80 SERVICE

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

FINANZTIPP

Garantierte Geldeinbuße

Gerade in Zeiten von Null- und Negativzinsen suchen Private

und Unternehmen nach Möglichkeiten, Geld rentabel anzulegen.

Im Internet, in Werbebriefen, E-Mails und im Fernsehen

gibt es etliche Angebote:

„Schluss mit den Niedrigzinsen!“

„Laufzeiten ab einem Jahr. Bis 7,35 Prozent feste Zinsen.“

„Anbieter mit AAA-Rating.“

„Geldanlage Schweiz acht Prozent – ohne Risiko & 100 Prozent

steuerfrei!“

Doch was ist von solchen Angeboten zu halten? Grundsätzlich und

vorab: Wer garantiert die versprochenen Zinsen UND die Rückzahlung

des Kapitals? Man muss differenzieren:

Geht Ihr Geld an eine Firma? Dann müssen Sie sich fragen, warum

sich diese Firma das Geld von Ihnen zu hohen Zinsen leihen will, statt

sich das Geld wesentlich günstiger bei einer Bank oder auf dem Kapitalmarkt

zu holen. Niemand zahlt gern freiwillig höhere Zinsen als

notwendig. Also muss es Gründe geben – welche auch immer –, warum

eine Bank eine Finanzierung ablehnt.

Geht Ihr Geld an einen Staat, an ein staatliches Unternehmen oder an

eine transnationale Organisation? Dann haben Sie schon die Chance,

wenn überhaupt, minimale Zinsen zu kassieren und Ihr Geld in zehn

Jahren oder später zurückzuerhalten. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit

ist die Rückzahlung nicht mehr so viel wert wie zur Zeit Ihrer

„Investition“. Die Inflation, richtig müsste es heißen: die Teuerung,

frisst einen Teil der Substanz auf. Ende der Geldentwertung? Die altmodischen

Sparer haben keine Lobby. Und eine jährliche Teuerung

von zwei Prozent ist ja sogar offiziell erwünscht. Angeblich sichere

Geldanlagen verlieren also tendenziell ihre Kaufkraft.

Oder wird Ihr Geld in einer ausländischen Währung angelegt? In Dollar

gibt es aktuell zwei Prozent. Aber am Ende der Laufzeit dürfte

es für Sie keinen Gewinn geben: Die Währungskurse werden

die Zinsdifferenz ausgleichen, und auf den Umwechslungskosten

bleiben Sie sitzen. Höhere Zinsen und Währungsgewinne passen

nicht zusammen.

Aber gibt es nicht Banken, die auch heute noch Zinsen auf Einlagen

in Euro zahlen? Ja, es gibt sie, vorwiegend im europäischen Ausland.

Wenn Sie Cash anlegen wollen, und die Bank dem Einlagesicherungsfonds

angeschlossen ist, können Sie es wagen: aber besser

nicht mehr als 30.000 Euro pro Institut.

Wo immer Sie Geld „anlegen“, Sie verleihen es und müssen darauf

vertrauen, dass Sie neben den versprochenen Zinsen auch Ihr (entwertetes)

Kapital zurückerhalten. Die (anfänglichen) Zinszahlungen

sind ja kein Problem; diese können ja aus Ihrem Kapital gezahlt werden.

Und die Rückzahlung? Ihr Geld ist doch längst verbraucht, verbaut,

investiert oder anderweitig ausgegeben. Die versprochene

Rückzahlung erfolgt, wie auch bei Staatsanleihen üblich, in der Regel

durch eine neue Geldaufnahme.

Übrigens: Auch Kredite werden zu Minizinsen angeboten, sogar mit

minus 0.4 Prozent. Das wäre doch ein Geschäft: Geld billigst leihen

und zinsträchtig anlegen. Ich kenne allerdings keinen, der damit reich

geworden ist …

Hans-Peter Holbach

Herausgeber des Informationsdienstes

Geld (erscheint im 47. Jahrgang)

www.geldbrief.com

Chefredakteur beim Vertraulichen

Schweizer Brief

www.vertraulicher.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SERVICE

81

Wie Daten zu einem echten

Unternehmenswert werden

Daten sind das Gold unseres Zeitalters – doch im Gegensatz zu Gold gibt es sie bereits heute

im Überfluss. Das Gros der Daten ist allerdings oftmals unstrukturiert. Nicht nur große Unternehmen,

auch KMU stehen vor der Herausforderung, ihre Daten sinnvoll und möglichst effizient

aufzubereiten. Denn wer aus den vorhandenen Daten die richtigen Schlüsse zieht, erarbeitet sich

einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Foto: © Jakarin2521 von www.istockphoto.com

Gute Auswertungen sind oft die Basis dafür, Produkte oder

Dienstleistungen zu verbessern und gerichteter anzubieten.

Um sich im Markt zu behaupten, müssen Unternehmen ihre

Daten also optimal nutzen. Dazu zählt vor allem eine gezielte Analyse

von Big Data, das heißt, von Datenmengen, die zu groß sind, um

sie mit klassischen Methoden auszuwerten. KMU mögen im Vergleich

zu Großunternehmen kleinere Budgets für digitale Projekte

wie Big-Data-Auswertungen haben – die für sie typischen Merkmale

bieten aber auch Vorteile: Durch ihre agilen, schlankeren Prozesse

und zum Teil weniger isolierten Abteilungen können sie oftmals

schneller das Beste aus ihren Daten herausholen.

n Wie können KMU ihre Prozesse datengetriebener gestalten?

Vier Schritte sind essenziell:

1. Die Bestandsaufnahme als Basis für jedes Big-Data-Projekt,

um das Potenzial und mögliche Herausforderungen zu identifizieren.

Wichtig ist, die Abteilungen, die auf Datenauswertungen

angewiesen sind (zum Beispiel Marketing), von Anfang an einzubeziehen,

um ihre Anforderungen zu berücksichtigen.

2. Die Überprüfung der IT-Infrastruktur, also der Hard- und Software.

Dazu zählen leistungsfähige Systeme und Server, die den

Datenmengen gewachsen sind. Die Datensicherheit sowie auch

die Kompatibilität mit anderen Software-Versionen müssen

ebenfalls gewährleistet sein.

3. Die Implementierung der Big-Data-Technologie, also einer

Analyse-Software, bei der es drei Möglichkeiten gibt: Die Inhouse-Datenanalyse

(hier bleibt der Anwender Herr seiner Daten),

eine Cloud-Lösung, bei der nur wenig Know-how im eigenen

Haus und geringere Investitionen notwendig sind, oder eine

Hybrid-Cloud, bei der sensible Daten im Haus, alle weiteren aber

in der Cloud verwaltet werden.

4. Die effiziente Nutzung, bei der das Projektziel sowie klare Verantwortlichkeiten

festgelegt werden, um den maximalen Geschäftsnutzen

zu erzielen. Neue Daten können dann anhand

von Reportings, Predictive Analytics und darauf basierenden

Prozessanpassungen gewinnbringend genutzt werden.

Um Prozesse wirklich datengetrieben aufzusetzen, muss Big Data

ein fester Bestandteil der Unternehmensstrategie werden. Eine Lösung

von der Stange gibt es allerdings nicht. KMU sollten zusammen

mit den richtigen Technologiepartnern eine maßgeschneiderte

Lösung ausarbeiten, die zu ihren Prozessen passt und ihnen einen

Wettbewerbsvorteil verschafft.

Mathias Golombek

CTO Exasol

www.exasol.com/de


82 SERVICE

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Wie Unternehmer bei

Geschäftsreisen sparen

In unserer globalisierten Welt sind Geschäftsreisen an der Tagesordnung. Wichtig ist dabei die

Reiserichtlinie, die die Planung, Abwicklung und Erstattung von Reiseleistungen regelt. Sie zeigt

dem Reisenden, was im Unternehmen erlaubt ist und was nicht gestattet wird.

Eine gute Reiserichtlinie (Travel Policy) enthält Apps für Buchung

und Abrechnung von Geschäftsreisen sowie Vorgaben

zur Nutzung von Software, zu Pauschalen, zum Verpflegungsmehraufwand

und zur Mehrwertsteuerrückerstattung. Sie sollte klare

Unternehmensvorgaben enthalten und diese unmissverständlich

an die Geschäftsreisenden kommunizieren. So gibt es über gestattete

Buchungen und bevorzugte Partner keine Unklarheiten. Firmenchefs

können mit einer gut kalkulierten Reiserichtlinie zu hohen

Ausgaben für Unterkünfte und Transport der Geschäftsreisenden

vorbeugen. Zudem können sie definieren, wie sich Mitarbeiter im

Notfall verhalten sollen.

Das sollten Sie beachten:

n Erstellen Sie eine Reiserichtlinie, die sowohl Ihre unternehmerischen

Ziele als auch die Bedürfnisse der Reisenden berücksichtigt.

Eine zu restriktive Auswahl wird eher dazu führen, dass Reisende

außerhalb der Richtlinie buchen.

n Machen Sie die Richtlinie bei allen Geschäftsreisenden bekannt

und kommunizieren Sie sie gut.

n Alle Leistungen sollten über einen, maximal zwei Geschäftsreiseanbieter

(CWT, Egencia, Global Business Travel usw.) gebucht

werden. Dann sollte der bevorzugte Buchungskanal in der Reiserichtlinie

festgelegt werden. So profitieren Firmen zusätzlich

– in Form von günstigen Raten – von der Verhandlungsmacht

des Geschäftsreiseanbieters. Ob sich ein Geschäftsreiseanbieter

auch für kleine Unternehmen rechnet, hängt vom Umfang der Geschäftsreisetätigkeiten

ab.

n Spielerische Ansätze (Wettbewerbe, Punkte sammeln) können die

Einhaltung der Reiserichtlinien verbessern.

n Mobilitätsmanager sollten darauf achten, regelmäßig zu überprüfen,

ob die Richtlinie den Anforderungen des Unternehmens noch

genügt und die aktuelle Situation der Firma oder des Reisemarktes

berücksichtigt. Wenn etwa neue Standorte oder Neukunden

an neuen Zielorten hinzugekommen sind, müssen Unternehmen

auch kurzfristig darauf reagieren.

n Mobile Services sollten in die Vorschriften integriert werden. So

gehen keine Daten verloren, und man sorgt so für bessere Einhaltung.

Gut zu wissen

Eine vollständige Reiserichtlinie besagt:

n Welche Kosten das Unternehmen erstattet und wie diese

abgerechnet werden

n Wie die Buchung zu erfolgen hat

n Welche Konsequenzen die Nichteinhaltung der Richtlinien hat

Gernot Zielonka

Chefredakteur DMM

www.dmm.travel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SERVICE

83

STEUERN AUF DEN PUNKT

Steuerfalle Arbeitszimmer

Vor gut 80 Jahren hat der Reichsfinanzhof die Rechtsfigur

der Betriebsaufspaltung aus der Taufe gehoben, die seither

mittelständische Unternehmen in Atem hält. Obwohl von ihr

existenzbedrohliche Folgen ausgehen können, ist sie im Gesetz noch

immer nicht geregelt. Doch wovon geht die Gefahr aus?

Privatvermögen genießt Steuerprivilegien: Einerseits unterliegen private

Einkünfte nicht der Gewerbesteuer, andererseits kann die Veräußerung

von Privatvermögen steuerfrei sein. Um zu verhindern, dass

inhabergeführte Kapitalgesellschaften durch geschickte Gestaltungen

einen Steuervorteil erfahren, wurde die Rechtsfigur der Betriebsaufspaltung

geschaffen. Sie ist immer dann anzuwenden, wenn der

Mehrheitsgesellschafter seiner Kapitalgesellschaft eine wesentliche

Betriebsgrundlage zur Nutzung überlässt. Dann gilt sowohl der Gesellschaftsanteil

als auch das überlassene Vermögen als Betriebsvermögen

des Gesellschafters, sodass die Nutzungsvergütung sowie

zukünftige Gewinnausschüttungen gewerbesteuerpflichtig sind.

Das eigentliche Risiko liegt aber in der (unbeabsichtigten) Auflösung

der Betriebsaufspaltung.

Wesentliche Betriebsgrundlage

Wesentliche Betriebsgrundlagen sind Wirtschaftsgüter, die für die

Betriebsführung von besonderem wirtschaftlichem Gewicht sind.

Die Entscheidung ist einzelfallabhängig. Allerdings gelten Grundstücke

ganz überwiegend als wesentliche Betriebsgrundlagen, sodass

deren Überlassung regelmäßig eine Betriebsaufspaltung begründet.

Nicht maßgeblich ist dabei, ob das überlassene Wirtschaftsgut im

Eigentum des Gesellschafters steht, oder ob der Gesellschafter es

entgeltlich oder unentgeltlich überlässt.

Arbeitszimmer

Start-up-Unternehmen entstehen aus Haftungsgründen häufig als

UG oder GmbH. Die Geschäftsleitung erfolgt dabei – zumindest im

Gründungszeitraum – nicht selten aus der Privatwohnung des Gründers

heraus, sodass die Voraussetzungen der Betriebsaufspaltung

verwirklicht sein können. Problematisch wird es nun, wenn die Nutzungsüberlassung

der Räumlichkeiten an die Gesellschaft in der Zukunft

beendet wird. Dies kann beispielsweise darauf zurückgehen,

dass die Gesellschaft eigene Räumlichkeiten anmietet, oder dem Geschäftsführer

der Mietvertrag für seine Wohnung gekündigt wird. Zu

diesem Zeitpunkt endet die Betriebsaufspaltung. In der Folge gelten

die Gesellschaftsanteile aus dem Betriebs- in das Privatvermögen

des Gesellschafters überführt. Gleiches gilt für das Arbeitszimmer,

sofern die Wohnung im Eigentum des Gesellschafters steht.

Aus steuerlicher Sicht ist die Entnahme einem Veräußerungsvorgang

gleichgesetzt. Die Wertsteigerungen der Anteile und gegebenenfalls

auch der Immobilie, die seit der Begründung der Betriebsaufspaltung

angehäuft wurden, sind auf einen Schlag aufzulösen und unterliegen

der Einkommensteuer. In Abhängigkeit von den Wertverhältnissen

kann der Unternehmer gezwungen sein, seinen Betrieb zu verkaufen,

um die Steuern zu zahlen.

Gut zu wissen

n Durch eine aufmerksame Steuerplanung lassen sich die

Risiken einer ungewollten Betriebsaufspaltung beherrschen

n Besondere Vorsicht ist bei der Nutzungsüberlassung

privater Immobilien geboten

n Regelmäßig stellt die Anmietung fremder Räumlichkeiten

die steuerlich vorzugswürdige Alternative dar

Dr. Sebastian Krauß

Steuerberater, Fachberater für

Internationales Steuerrecht,

SteuerbüroKrauß

BVMW-Mitglied

www.steuerbuerokrauss.de


84 SERVICE

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Unbeschwert

feiern & schenken

Das Finanzamt hat die Regeln für steuerfreies Schenken und Feiern eng gesteckt. Wir haben die

wichtigsten Tipps zusammengestellt.

Ein guter Arbeitgeber legt Wert darauf, dass seine Angestellten

motiviert sind und sich gern ins Unternehmen einbringen. Für

gute Stimmung sorgen gemeinsame Feste: Der Klassiker unter

den Betriebsfeiern ist dabei die jährliche Weihnachtsfeier. Diese liegt

als Betriebsveranstaltung grundsätzlich im eigenbetrieblichen Interesse

des Arbeitgebers und ist deshalb lohnsteuerfrei. Doch Vorsicht:

Wird die Höchstgrenze von 110 Euro pro Arbeitnehmer überschritten,

muss der übersteigende Betrag versteuert werden.

Damit sich die Betriebsveranstaltung

für die Arbeitgeber in steuerfreien

Grenzen hält, müssen die

Ausgaben im Rahmen bleiben.

Die Feier perfekt planen – auch in der Buchhaltung

Nicht nur die Organisatoren der Weihnachtsfeier sind vor dem Fest

gefordert, auch die Buchhaltung muss für die perfekte Planung mit

ins Boot. Steuerlich ausschlaggebend für die Weihnachtsfeier ist zunächst,

dass der Arbeitgeber die Zuwendungen im überwiegend betrieblichen

Interesse erbringt. Dazu gehört, dass nur Arbeitnehmer

(und gegebenenfalls ihre Partner) teilnehmen, und die Veranstaltung

allen Betriebsangehörigen offen steht. Das Finanzamt fasst hierbei

den Begriff „Arbeitnehmer“ weit und lässt zu, dass beispielsweise

auch ehemalige Mitarbeiter, Leiharbeitnehmer oder Praktikanten an

der Betriebsfeier teilnehmen dürfen.

Damit sich die Betriebsveranstaltung für die Arbeitgeber in steuerfreien

Grenzen hält, müssen die Ausgaben im Rahmen bleiben. Im

Prinzip sind alle Aufwendungen anrechenbar, die anlässlich der Feier

entstehen – wie Speisen und Getränke, Musik und andere künstlerische

Darbietungen, die Übernahme von Fahrt- und Übernachtungskosten

und vieles mehr, unabhängig davon, ob diese einem einzelnen

Arbeitnehmer zugerechnet werden können oder nicht. Die gesamten

Kosten werden auf alle Teilnehmer der Veranstaltung umgelegt, um

so den Pro-Kopf-Anteil je Arbeitnehmer zu ermitteln, der 110 Euro

nicht übersteigen darf.

Dabei handelt es sich um einen Freibetrag, das bedeutet, dass die anteiligen

Ausgaben für die Betriebsfeier für den Mitarbeiter bis zu dieser

Summe steuer- und sozialversicherungsfrei bleiben. Erst Kosten

oberhalb dieses Betrags werden als geldwerter Vorteil steuerpflichtig.

Wird der Steuerfreibetrag überschritten, oder werden innerhalb

eines Jahres mehr als zwei Betriebsveranstaltungen durchgeführt,

liegt steuerpflichtiger Arbeitslohn vor, der individuell entsprechend

der eigenen Steuerklasse versteuert werden muss. Solch eine Überschreitung

kann beispielsweise dann eintreten, wenn ein Arbeitnehmer

seinen Partner zur Betriebsveranstaltung mitbringt. Denn

Foto: © Cineberg


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SERVICE

85

dessen Kosten werden ebenfalls dem Arbeitnehmer zugerechnet.

Allerdings besteht auch die Möglichkeit zur begünstigten pauschalen

Besteuerung durch den Arbeitgeber, um die Mitarbeiter zu entlasten.

Die Aufwendungen durch die Feier bucht der Unternehmer als

„Sonstige betriebliche Aufwendungen“.

Geschenke

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Will der Arbeitgeber

seinen Mitarbeitern oder Geschäftspartnern ein Geschenk machen,

gibt es allerdings einiges zu beachten. Ob und welche Steuerzahlungen

für Präsente anfallen, hängt vom Wert der Sache und von den

Beschenkten ab. Denn für Mitarbeiter gelten andere Regeln als für

Geschäftspartner. Ausnahme sind nur Streuartikel wie Kugelschreiber

oder USB-Sticks, deren Anschaffungspreis darf zehn Euro nicht

übersteigen. Sie gelten weder als geldwerter Vorteil noch als Zuwendung,

und so fällt keine Versteuerung an.

Geschenke an Mitarbeiter

Die Kosten für Geschenke an Mitarbeiter können Arbeitgeber als Betriebsausgaben

steuerlich geltend machen – egal, in welcher Höhe.

Trotzdem gilt auch hier: Teure Geschenke müssen versteuert werden.

Beispielsweise zu Weihnachten kann der Arbeitgeber die Regelung

nutzen, dass er einem Arbeitnehmer auch ohne persönlichen

Anlass (wie Geburtstag, Hochzeit oder Geburt eines Kindes) Sachzuwendungen

im Wert von maximal 44 Euro im Monat zukommen

lassen darf. Weihnachtsgeschenke bleiben (nur) bis zu dieser Summe

steuer- und sozialabgabenfrei. Aber Vorsicht: Hier handelt es

sich um eine Freigrenze: Bekommt ein Arbeitnehmer also auch nur

einen Cent mehr im Monat, wird der ganze Betrag steuer- und abgabenpflichtig.

Das heißt, der Mitarbeiter muss das Geschenk dann zu

seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Damit das nicht nachträglich

zu Ärger und Frust führt, kann der Arbeitgeber dafür die Pauschalsteuer

in Höhe von 30 Prozent übernehmen.

Gutschein mit Geldbetrag

Die Anwendung der 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze für Mitarbeiterpräsente

ist auch für Gutscheine mit Geldbetrag möglich. Eine Barauszahlung

des Guthabens darf auf keinen Fall möglich sein. Daher

sind in der Praxis elektronische Gutscheine häufig praktikabler, weil

sie selbst geringe Restbeträge als Guthaben speichern.

Geschenke an Geschäftspartner

Geschenke an Geschäftspartner sollen gleichermaßen die gute Beziehung

in der Vergangenheit honorieren wie für die Zukunft sichern.

Allerdings: Nur bis zu einem Betrag von 35 Euro pro Jahr und Person

lassen sich Präsente an Geschäftskontakte als Betriebsausgaben

von der Steuer absetzen. Um den Steuerabzug zu bekommen,

müssen Geschenk und Empfänger genau in der Buchführung erfasst

sein. Beim Überschreiten der Freigrenze führt das zum Wegfall des

gesamten Betrages. Damit der Beschenkte sich nicht nachträglich

über zusätzliche Kosten ärgern muss, kann der Geber diese Beträge

in Form einer Pauschalsteuer von 30 Prozent übernehmen. Um zu

vermeiden, dass der Beschenkte das Geschenk nicht auch versteuert,

ist es sinnvoll, auf die Übernahme der Pauschalsteuer hinzuweisen,

denn grundsätzlich gilt, dass der Empfänger eines Geschenks

dessen Wert als Einnahme verbuchen und versteuern muss.

Gut zu wissen

n Weihnachtsfeiern und andere Betriebsveranstaltungen:

Freibetrag 110 Euro pro

teilnehmendem Mitarbeiter (maximal für

zwei Veranstaltungen im Jahr)

n Geschenke an Mitarbeiter: Freigrenze

44 Euro pro Monat, Gutscheine nur ohne

Barauszahlung

n Geschenke an Geschäftspartner: Freigrenze

35 Euro für Betriebsausgabenabzug

Dirk Müller

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86 SERVICE

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

RECHTSHOTLINE

Wieder neues Gesetz:

„Verbandssanktionengesetz“

Unternehmen drohen drakonische Strafen

Bislang kann sich, jedenfalls nach den dogmatischen Begrifflichkeiten

des deutschen Strafrechts, ein Unternehmen nicht

im herkömmlichen Sinne strafbar machen. Strafrechtlicher

Verfolgung sind bislang stets, zum Beispiel im Falle von Korruptionsoder

Steuerskandalen, die für das Unternehmen handelnden Personen,

insbesondere dessen Geschäftsleitung, ausgesetzt.

Die Unternehmenssanktionierung erfolgt dagegen nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz

und sieht bei Gesetzes- beziehungsweise

Compliance-Verstößen erhebliche Bußgelder für die betroffenen

Unternehmen und deren Leitung vor. Mit einem neuen Vorstoß plant

nun das Bundesjustizministerium die Einführung eines Verbandssanktionengesetzes,

mit dem erhebliche Verschärfungen für die

Sanktionierung von Unternehmenskriminalität sowie eine erleichterte

Strafverfolgung einhergehen sollen:

Gut zu wissen

n Bislang sind die für das Unternehmen handelnden

Personen strafrechtlich verfolgbar

n Bundesjustizministerium plant die Einführung eines

Verbandssaktionengesetzes

n Geplant sind Bußgelder bis zu zehn Prozent vom

Jahresumsatz

n Das Gesetz soll auch unternehmerische Compliance-

Maßnahmen in Unternehmen stärken

n Unterlassen von Compliance-Maßnahmen könnte als

schadensersatzauslösende Pflichtverletzung durch

Geschäftsführer/Inhaber angesehen werden

Zum einen sollen die zu verhängenden Bußgelder bei Verstößen in

bestimmten Fällen auf bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes

festgelegt werden, zum anderen soll bei der Verfolgung von Taten

nicht mehr das Opportunitätsprinzip (Straftaten werden verfolgt,

wenn die Strafverfolgungsbehörden sie für verfolgenswert halten),

sondern, wie im Strafrecht gegen natürliche Personen, das Legalitätsprinzip

(jede Straftat muss bei Vorliegen eines Anfangsverdachtes

verfolgt werden) gelten.

Schließlich sollen mit dem Gesetz auch unternehmerische Compliance-Maßnahmen

in Unternehmen gestärkt werden und etwa die

Mitwirkung, in Form von unternehmensinternen Ermittlungen, strafmildernd

berücksichtigt werden.

Dieses Gesetzesvorhaben stellt ein Novum bei der strafrechtlichen

Verfolgung von Unternehmenskriminalität dar, indem es das Strafbarkeitsrisiko

für Unternehmen unter anderem erheblich ausweitet.

Umso ratsamer ist daher, ohne Ansehung der Unternehmensgröße,

die Einrichtung eines wirksamen Compliance-Management-Systems

zur effektiven Vermeidung von Gesetzesverstößen und insbesondere

strafbarer Handlungen aus dem Unternehmen heraus. Da es

sich beim Vorhalten eines Compliance-Systems um eine Geschäftsführungspflicht

handelt, dürfte nach Einführung der vorbenannten

Gesetzesverschärfung zudem davon auszugehen sein, dass auch

die Zivilgerichte das Unterlassen von Compliance-Maßnahmen als

schadensersatzauslösende Pflichtverletzung durch Geschäftsführer

beziehungsweise Unternehmensinhaber ansehen könnten.

Die BVMW-Rechtshotline erreichen Sie:

Mo bis Fr 10.00 – 17.00 Uhr

Tel.: 030 / 53 32 06-963 | Fax: 030 / 53 32 06-50

rechtshotline@bvmw.de

Prof. Dr. Benjamin Weiler

Rechtsanwalt

BVMW Rechtshotline


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

SERVICE

87

Akten effizient archivieren

Häufig sind es die dicken Versicherungsordner eines Unternehmens mit

Beitragsrechnungen, Versicherungspolicen und Unterlagen zu Schadensfällen,

die ganze Wandschränke in Beschlag nehmen. Dabei ist es

heutzutage einfach, staubigen Aktenordnern Lebewohl zu sagen.

Umständliche interne Archivierungssysteme und lange Reaktionszeiten

können durch die Digitalisierung schnell der Vergangenheit

angehören. Bislang gibt es noch nicht viele Versicherungsmakler,

die diesen digitalen Service anbieten. Doch dort,

wo dieser Service angeboten und genutzt wird, wird die Effizienz im

gesamten Versicherungsmanagement entscheidend gesteigert. Arbeitsabläufe

werden in nie gekannter Weise optimiert, Zeit, Geld und

manueller Aufwand gespart.

Alle Versicherungen auf einen Blick

Die fertige Lösung in Form einer Cloud stellt alle betrieblichen Versicherungen

für den Versicherungsnehmer übersichtlich dar und ist

immer auf dem aktuellsten Stand.

Sämtliche Vertragsdaten wie zum Beispiel Versicherungsbeitrag,

Ablaufdatum oder zuständiger Sachbearbeiter werden digital abgebildet.

Alle relevanten Dokumente (Police, Nachträge, Beitragsrechnungen

etc.) liegen im Postbestand beim Versicherungsvertrag ab

und können jederzeit und von jedem Ort eingesehen werden. Eventuelle

Schäden sind ebenfalls inklusive

des gesamten Schriftwechsels,

allen zugehörigen Dokumenten,

dem aktuellen Bearbeitungsstand

und dem zuständigen Schadensspezialist

abrufbar. Neue Schäden

können einfach direkt über das Smartphone oder Tablet gemeldet

werden, zugehörige Bilder und Rechnungen sofort in die Cloud hochgeladen

werden.

Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) berücksichtigen

Grundsätzlich gilt für alle, die den nächsten Schritt in die Zukunft gehen

wollen, dass im Zuge der Digitalisierung die gesamte inner- und

außerbetriebliche Kommunikation direkt anlassbezogen, digital und

EU-DSGVO-konform ist. Zeitraubende sowie umständliche Suchprozesse

können gänzlich entfallen. Alles kann einfach und logisch

nachvollzogen werden.

Foto: © Destina von www.fotolia.com

Gut zu wissen

n Archivierungssysteme digitalisieren spart Zeit, Geld und Raum

n Versicherungsschäden können über Smartphone und Tablet

gemeldet werden

n Zeitraubende, umständliche Suchprozesse entfallen

Markus Stegmann

Geschäftsführer MARTENS/PRAHL/

SPAICHINGEN

BVMW-Mitglied

www.martens-prahl-spaichingen.de

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Mitglieder werben Mitglieder.

Unsere Leistungen:

Persönlicher Ansprechpartner

Aktiver Erfahrungsaustausch

Wertvolle Informationen

Arbeitskreise & Veranstaltungen

Dialog mit Spitzenpolitikern

Vergünstigungen bei BVMW-Partnern

DER Mittelstand. Das Unternehmermagazin

Einkaufsvorteile mit der BVMW-Unternehmer-Card

Unsere Aktionsfelder

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Unternehmen

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Anschrift

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Bitte an:

BVMW-Servicegesellschaft

mbH,

Potsdamer Straße 7,

10785 Berlin

oder per E-Mail:

servicegesellschaft@

bvmw.de

Bildung (Bildungsallianz)

Innovation (Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0)

Bürokratieabbau

Fachkräftesicherung (mittelstandsjob.de)

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88 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

Klaus Elvermann, Moderatorin Lena Reuter und Jürgen Elvermann (v. li.).

Foto: Elvermann

50 Jahre Elvermann GmbH

Die Elvermann GmbH feierte in diesem Jahr ihr 50-jähriges

Bestehen. Mehr als 450 Personen fanden sich zur Festrede

und den Feierlichkeiten inklusive einer kleinen Hausmesse in

Dorsten-Lembeck (NRW) ein. Die Firma ist auf Lösungen für

Schalungs- und Betonbautechnik spezialisiert und wird in

der zweiten Generation von den Brüdern Jürgen und Klaus

Elvermann geführt.

Die Podiumsdiskussion der HR Crash Night.

HR Crash Night in München

In der Alten Rotation fand die diesjährige HR Crash Night des

BVMW (Mechthild Heppe) und der Mediengruppe Münchner

Merkur und tz des Münchener Zeitungsverlags statt. Im Medienhaus

an der Paul-Heyse-Straße beleuchteten Experten und

Unternehmer den Themenkomplex „Digitales Personalmarketing

2019“. Diskutiert wurden unter anderem die Fragen der Mitarbeitergewinnung

und des Fachkräftemangels.

Auszeichnung für kreative

Konzepte

Der BVMW hat besonders herausragende Mittelständler im

Rhein-Main-Gebiet ausgezeichnet. Für die Entwicklung von

innovativen Lösungen im Bereich Liegefahrräder nahm Paul

Hollants die Ehrung für den 1. Platz entgegen. Paul Martin, der

Cloud-basierte Arbeitsplätze für Unternehmen anbietet, belegte

den 2. Platz. Den 3. Platz belegte Martina Bollinger für ihrer Bücherveranstaltungen.

Den Sonderpreis der Jury erhielt Andreas

Peiker, der innovative Kommunikationslösungen entwickelt.

Diethard Schmiedecke, Geschäftsführer Fishing Tackle Max; Johannes Böhm,

Angelweltmeister; Jens Günther, Gebietsleiter Ost BVMW; Oliver Brunn,

Beauftragter des Verbandes Salzlandkreis (v. li.).

Angeln mit dem Weltmeister

Eine Veranstaltung der besonderen Art fand im Salzlandkreis

in Sachsen-Anhalt statt: das BVMW Unternehmerangeln mit

dem Weltmeister Johannes Böhm und dem Angelbedarfshersteller

Fishing Tackle Max. Rund 40 Teilnehmer konnten sich

aus erster Hand über die Tipps und Tricks eines amtierenden

Angel-Weltmeisters informieren und selbst die Angel auswerfen.

Gleichzeitig gab der Inhaber des Hidden Champions und neuen

BVMW-Mitglieds Fishing Tackle Max echte Insiderinformationen

über den riesigen Markterfolg seines Unternehmens preis.

50 Jahre GOLDBECK

Das führende Gewerbebauunternehmen Europas wurde vor 50

Jahren von Ortwin Goldbeck mit sieben Mitarbeitern in Bielefeld

gegründet. Mit seiner Idee des „Bauens mit System“ legte er

den Grundstein für ein revolutionäres Neudenken industriellen

Bauens. Heute planen über 6.500 Mitarbeiter an 49 Standorten

jährlich um die 250 Gewerbehallen, über 100 Bürogebäude

und 60 Parkhäuser in rekordverdächtiger Zeit. In neun Werken

werden die Bauelemente industriell vorgefertigt. Damit verlagert

BVMW-Mitglied Goldbeck einen großen Teil des Bauens in eine

kontrollierte Umgebung und schließt damit Witterungseinflüsse

und handwerkliche Fehler nahezu vollständig aus.

Foto: © Andreas Schebesta


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

89

Foto: © DPFA-Akademiegruppe; © KD Busch / compamedia; © Hans Kemeny, BVMW Gründung der Wirtschaftsinitiative Mittelstand Main-Kinzig; © KD Busch / compamedia

Die Preisträger mit Prof. Dr. Clauß Dietz (li.) und Catrin Liebold (Geschäftsführerin

der DPFA-Akademiegruppe).

Jubiläum für den Technikerpreis

in Sachsen

Zum zehnten Mal wurde in Chemnitz der Technikerpreis verliehen.

Den Preis hatte 2009 die DPFA-Akademiegruppe um Prof.

Dr. Clauß Dietz, Mitglied im Bundeswirtschaftssenat, ins Leben

gerufen. Geehrt wurden in den Kategorien Maschinen-, Bau- und

Elektrotechnik sowie einer freien Kategorie die besten Absolventen

aus insgesamt 13 sächsischen Technikerschulen. Eine

Fachjury aus Vertretern der Fachschulen und Projektförderern

bewertete die Abschlussarbeiten der Bewerber. Schirmherr der

Veranstaltung war der Präsident des sächsischen Landtags,

Dr. Matthias Rößler.

Digital Champion Award für

VecCtor

Die VecCtor GmbH aus Lübeck wurde von der Telekom, in

Partnerschaft mit dem Handelsblatt und dem BVMW, mit dem

DIGITAL CHAMPION AWARD für die Region Nord ausgezeichnet.

In der Kategorie Digitale Prozesse und Organisation überzeugten

sie die Juroren mit dem digitalen Hub SER.Gate. SER.Gate

sowie das darauf aufbauende holistische Digitalisierungskonzept

dienen als „Bindeglied“ zwischen verschiedensten digitalen

Prozessen und erlauben neue interne Arbeitsabläufe und Geschäftsmodelle.

Sachsens Ministerpräsident

beim BVMW in Dresden

Der sächsische Regierungschef Michael Kretschmer war zu

Gast beim Businessfrühstück, zu dem die BVMW-Wirtschaftsregion

Dresden eingeladen hatte. Vor 120 Unternehmern sprach

Kretschmer über die aktuellen Herausforderungen wie Fachkräftemangel,

Breitbandausbau, Bildung, Mittelstandsförderung und

Zuwanderung. Für die Zukunft sieht Kretschmer gute Chancen,

die sich für die Bereiche Mobilität, Energieversorgung, Digitalisierung

und künstliche Intelligenz ergeben. Für Unternehmer,

die innovativ, neugierig und engagiert seien, sei dies eine geniale

Zeit für regionales Wachstum.

Personalpolitik mit Weitsicht

Die Veranstaltung Meeting Mittelstand bei BVMW-Mitglied

Gayko Fenster-Türenwerk GmbH in Wilnsdorf (NRW) widmete

sich der Frage: Wie sieht erfolgreiches Personalrecruiting im

Mittelstand aus? Rainer Jung vom BVMW hatte das Thema auf

die Tagesordnung gesetzt und einen intensiven Erfahrungs- und

Meinungsaustausch initiiert, der deutlich machte, dass es künftig

entscheidend darauf ankommen wird, Unternehmen auf dem

Markt der Bewerber sichtbar zu machen und intensive Kontakte

zu potenziellen Bewerbern zu pflegen.

BVMW-Mitglieder mit Top 100

Innovator ausgezeichnet

Die Deutsche Lichtmiete hat beim diesjährigen Innovationswettbewerb

TOP 100 Innovator 2019 erneut den Sprung unter

die Besten geschafft. Das Unternehmen wurde vom Mentor des

Wettbewerbs, Ranga Yogeshwar, sowie dem wissenschaftlichen

Leiter Prof. Dr. Nikolaus Franke ausgezeichnet.

Auch die reamotion GmbH aus Delmenhorst war unter den

Gewinnern. Im Auswahlverfahren überzeugte die reamotion

GmbH mit fünfzehn Mitarbeitern besonders mit ihrem Innovationsklima.

TOP 100 bewertet das Innovationsmanagement

mittelständischer Unternehmen und die daraus resultierenden

Innovationserfolge.

Emilio Reales Bertomeo, CEO und Gründer, Ranga Yogeshwar, Mentor und

Wissenschaftsjournalist; Tatjana Schartner, Geschäftsführerin (v. li.).

Alexander Hahn, Ranga Yogeshwar, Marco Hahn (v. li.).


90 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

V. li.: Gerd Steinert, BVMW; Thomas Schmidt, Landwirtschaftsminister

Sachsen; Gerald Dohme, stellv. Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes.

Treffen mit Sachsens

Landwirtschaftsminister

Um Chancen für die mittelständische Wirtschaft bei der Digitalisierung

in der Landwirtschaft ging es bei einem Besuch von

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt. Auf Einladung

der BVMW Wirtschaftsregion Chemnitz/Erzgebirge sprach

der Minister beim Kartoffelproduktehersteller FRIWEIKA eG vor

rund 50 Unternehmern. Eindrucksvoll erläuterte der Minister das

Projekt SIMUL+, das der Freistaat Sachsen zur Digitalisierung in

der Landwirtschaft aufgelegt hat.

www.smul.sachsen.de

Gastgeber des Meetings Mittelstand war BVMW-Mitglied Hoppecke Batterien

aus Brilon.

Meeting Mittelstand vertieft

Managementtechniken

In Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 fand

in den Räumen von Hoppecke Batterien in Brilon das Meeting

Mittelstand statt. Eingeladen hatte der BVMW Hochsauerlandkreis

die etwa 50 Teilnehmer, die ihre Führungskompetenzen

mit Serious Gaming-Techniken spielerisch vertieften. Durch den

vitalen Abend führte Referent Prof. Dr. Elmar Holschbach von

der FH Südwestfalen. Die enge Kooperation zwischen BVMW,

Wissenschaft und Mittelstand vor Ort soll neue Managementtechniken

an die Unternehmen vermitteln.

Jörg Zajonc, Moderator; Kai Figge, GF G DATA; Oliver Wittke, Parl. Staatssekretär;

Andreas Lüning, G DATA und Herbert Schulte, BVMW (v. li.).

NRW-Wirtschaftssenat trifft

Staatssekretär Wittke

Es knirscht erheblich in der Infrastruktur, Deutschland glänzt

weiterhin als OECD-Abgabenspitzenreiter, und die Digitalisierung

geht nur schleppend voran. Gemeinsam mit dem Parlamentarischen

Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium,

Oliver Wittke (CDU), diskutierten die NRW-Wirtschaftssenatoren

über politische Wege aus der Investitionskrise. Gastgeber des

Symposiums war die Tech-Schmiede G Data in Bochum – die

IT-Sicherheitsexperten zeigen, was möglich ist, wenn der Mittelstand

mutig investiert.

Staatsministerin für Migration

zu Gast im ERFURT Bildungszentrum

Die Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration,

Annette Widmann-Mauz, besuchte zusammen mit Antje

Tillmann (MdB), finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-

Bundestagsfraktion, das ERFURT Bildungszentrum.

Ziel des Besuches war, sich an konkreten Beispielen im Bereich

Aus- und Weiterbildung von der Integration von Flüchtlingen für

die Arbeitswelt zu überzeugen. Für Frank Belkner, Geschäftsführer

des ERFURT Bildungszentrums (BVMW-Mitglied), und seine

Mitarbeiter ist dies eine seit Jahren erfolgreich gelebte Praxis.

Die Staatsministerin zeigte sich nach dem Rundgang und den

Gesprächen in den Ausbildungscentern sehr beeindruckt von der

Arbeit des Bildungszentrums.

Foto: © BVMW Sachsen; Marlies Staudt, BVMW; © fotografixx von www.istockphoto.com


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

91

V. li.: Ralf Henkler, BVMW; German Linz, edrom; Olaf Scholz, Bundeswirtschaftsminister;

Ivo Gebhardt und Jeronimo Landauer (edrom).

Bundesfinanzminister zu

Besuch bei Cottbuser Startup

Wie kann der Bund den anstehenden Strukturwandel in der

Lausitz unterstützen? Um sich ein konkretes Bild zu machen,

besuchte Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Cottbuser Startup-Szene.

Ralf Henkler (BVMW) nutzte gemeinsam mit den drei

Gründern des Unternehmens edrom die Gelegenheit, um auf

die aktuellen Barrieren in der Gründungsförderung hinzuweisen.

Gleichzeitig wurden mit dem Finanzminister Vorschläge diskutiert,

die zur Lösung der Probleme beitragen.

www.edrom.de

V. li.: Dr. Ulrich Köppen, BVMW; Angelika Gunzenhauser, Evosic; Manuel

Finkbeiner, Campus Konzept; Patrick Meinhardt und Kurt Mezger (BVMW).

Netzwerken auf dem Neckar

Das sommerliche Netzwerken auf dem Partyfloß unseres Mitglieds

Neckar Käpt‘n ist inzwischen eine beliebte Tradition des

BVMW. Über 100 Gäste waren gekommen, um die gelungene

Mixtur aus Information und Unterhaltung am sommerlichen

Büfett zu genießen. Für die satirisch-komischen Akzente sorgte

der Tübinger Kabarettist Klaus Birk. Politikchef Patrick Meinhardt

war aus Berlin angereist und referierte anschaulich die politischen

Erfolge des BVMW und erläuterte vor allem die Ziele der

neuen Bildungsallianz des Mittelstands.

Foto: © Codi Arts/Bent Peters; Roleder; © Vasyl Dolmatov von www.istockphoto.com

Hochschul-Schulterschluss

mit dem BVMW

Die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) ist BVMW-Mitglied

und in Mecklenburg-Vorpommern an den Standorten Schwerin

und Rostock vertreten. Sie ist eine privat geführte Hochschule,

die alle Studienformen und verschiedene Abschlüsse anbietet.

Nach dem Motto „Bei uns lernst du nicht alles, sondern das, was

Dich weiterbringt“, sind Studienangebote an den Anforderungen

der Realwirtschaft ausgerichtet. Top-up- und berufsbegleitende

Studiengänge haben für unseren Mittelstand großes Potenzial,

sind aber noch zu wenig bekannt. Der BVMW MV wird daher

zukünftig die Standorte der FHM in Schwerin und Rostock vermehrt

für Veranstaltungen nutzen und die Hochschul-Kooperation

ausbauen.

Unternehmer des BVMW Bayern im bayerischen Wirtschaftsministerium

nach dem Gespräch mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler,

Mitte).

Landeswirtschaftssenat bei

Bayerns Wirtschaftsminister

In München trafen sich Unternehmerinnen und Unternehmer aus

dem Landeswirtschaftssenat mit dem bayerischen Staatsminister

für Wirtschaft und Energie, Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

Die Teilnehmer repräsentierten einen Querschnitt des bayerischen

Mittelstands aus Industrie, Dienstleistung, Start-ups und

Digitalwirtschaft und hatten bei dem Gespräch die Möglichkeit,

im direkten Dialog die für sie wichtigen Themen zu besprechen.

Fachkräftemangel, Energieversorgung und hohe Stromkosten,

aber auch Innovation und Gründerförderung, Arbeitsrecht und

die globale Konkurrenz aus China zählten zu den Inhalten.


92 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Quo Vadis, Wirtschaft?

Die zweite Bundestagung des BVMW 2019 in Stuttgart unter dem Motto „Quo Vadis,

Wirtschaft?“, stand im Zeichen des konjunkturellen Abschwungs in Deutschland. Zahlreiche

Top-Speaker zeigten den rund 300 Verbandsbeauftragten die wirtschaftspolitischen Herausforderungen

auf – und boten konkrete Lösungen.

Bundesgeschäftsführer Markus Jerger begrüßte die rund 300 Verbandsrepräsentanten in der Stuttgarter Alten Reithalle.

Mittelstandspräsident Mario Ohoven fasste in seiner substanzvollen,

mitreißenden Eröffnungsrede ein heißes Eisen

an und zeigte die derzeitige Talfahrt der deutschen Wirtschaft

mit beeindruckenden Fakten auf. Die Industrie verzeichne

momentan mit die stärksten Auftragsrückgänge seit der Einheit,

und Exportrückgänge, massive Stellenkürzungen bei Konzernen sowie

steigende Kurzarbeit seien immer häufiger an der Tagesordnung.

Ohoven mahnte eindringlich: „Unsere Volkswirtschaft ist im Krisenmodus.“

Im Gegenzug nannte der Mittelstandspräsident effektive

Maßnahmen, die die Bundesregierung endlich anpacken müsse, um

dem Abschwung entgegenzuwirken. Deutliche Worte fand Ohoven

auch in Richtung des Finanzministers Olaf Scholz: Die lediglich teilweise

Streichung des Solidaritätszuschlags führe auch dazu, dass

sich Unternehmen bei Inves titionen zurückhielten.

Einen Blick in die Zukunft der Wirtschaftspolitik warf Prof. Dr. Wolfgang

Reinhart, Minister a. D. und Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion

in Baden-Württemberg sowie Ex-Bundesgeschäftsführer

des BVMW. Reinhart sprach sich für eine Unternehmensteuerreform

aus. Schließlich liege die die letzte Reform schon über zehn Jahre

zurück.

Baden-Württembergs Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident

Thomas Strobl lobte die langjährige Partnerschaft mit

dem BVMW und verdeutlichte die Bedeutung des Mittelstands in

Baden-Württemberg. So habe das Bundesland, das über ein Mittelstands-Förderungsgesetz

verfügt, die weltweit höchste Dichte an

Hidden Champions.

Mit einem klaren Fokus auf das Thema (berufliche) Bildung kritisierte

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Realschullehrer

und stellvertretender dbb Bundesvorsitzender, die „sinnlos

durchgeführte Akademinisierung“ in Deutschland. Böhm machte

klar: „Wenn alle Abitur haben, hat keiner Abitur.“

Interessante Denkanstöße erhielten die Verbandsrepräsentanten

auch von Markus Miller. Der Unternehmer und Finanzexperte diskutierte

in Stuttgart die Frage „Kommt der Crash?“ und überzeugte mit

detailliertem Fachwissen.

„Ohne Ziel kein Erfolg“ – In seiner emotionalen Abschlussrede motivierte

Mario Ohoven die Verbandsrepräsentanten und weihte sie in

die Kunst des Charismas ein.

Foto: © Annemarie Thiede


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

93

Thomas Strobl, stellv. Ministerpräsident des

Landes Baden-Württemberg, Minister für Inneres,

Digitalisierung und Migration.

Prof. Dr. Wolfgang Reinhard, Minister a. D.,

Vorsitzender der CDU Landtagsfraktion, ehemaliger

BVMW Bundesgeschäftsführer.

Mittelstandspräsident Mario Ohoven hielt die

inspirierende, substanzvolle Eröffnungsrede.

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender Verband

Deutscher Realschullehrer, Stellvertretender dbb

Bundesvorsitzender.

Unternehmer und Finanzexperte Markus Miller

referierte zum Thema „Kommt der große Crash?“.

Starsopranistin Cristina Piperno mit Mirco Roverelli,

Pianist.

Langjährige, verdiente Repräsentanten des BVMW wurden ausgezeichnet.


94 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

100.

Ausgabe DER Mittelstand.

– Erfolg heißt sich ändern

Vor gut siebzehn Jahren erschien das erste Heft unseres Verbandsmagazins DER Mittelstand.

Die Idee war es, ein (Print-)Forum zu schaffen, das die vielfältigen Aktivitäten des

Verbands und seiner Mitglieder widerspiegelt. Dazu kommen aktuelle News zu für den

Mittelstand relevanten Politikthemen. Und, ganz wichtig, ein breiter Serviceteil mit Tipps

und Best Practice-Beispielen von Unternehmern für Unternehmer.

Einst gestartet mit schmalen sechzehn Seiten, erscheint das Magazin heute mit einem

Umfang von über hundert Seiten. Aber es war nicht nur quantitativ ein großer Sprung

nach vorne, auch qualitativ hat sich das Magazin erfolgreich entwickelt. Denn Erfolg, so

eine Maxime des Herausgebers Mario Ohoven, heißt sich ändern.

Mit Umfang und Auflage stieg die Attraktivität unseres Magazins. Zu seinen Autoren

zählen heute Spitzenpolitiker aus dem In- und Ausland, renommierte Wissenschaftler

und Experten der unterschiedlichsten Bereiche. Aus dem Mittelstand, für den Mittelstand

– diesen Erfolgsweg werden wir weiter beschreiten. Wir danken für die positive Resonanz

und freuen uns, wenn Sie uns mit Ihren Anregungen und Erfahrungen weiterhin begleiten:

mittelstand@bvmw.de

Die Redaktion DER Mittelstand. v. li.*: Melanie Müller (Head of Content), Chiara Ohoven (Art Director),

Friederike Pfann (Redakteurin), Eberhard Vogt (Chefredakteur), Anna Lorenz (Redakteurin).

*Urlaubsbedingt abwesend: Redakteur Tim Schöllmann

Foto: © BVMW/Annemarie Thiede


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

95

9/2002:

Im September 2002

erscheint die erste Ausgabe

mit einem bescheidenen

Umfang von 16 Seiten.

4/2008:

Bildungsministerin Anette Schavan

betont in ihrem Beitrag, dass Bildung

und Qualifizierung wirtschaftliches

Wachstum in Deutschland langfristig

sichern.

4/2005:

Unser Wahl-Special

zur Bundestagswahl

2005 prüft, was die

Programme der Parteien

dem Mittelstand

verheißen.

2002 2003 2005 2006 2008

2/2006:

In dieser Ausgabe stellen wir unser erfolgreiches

Projekt zur Förderung der Unternehmensnachfolge

und Existenzgründung von Frauen vor.

2/2003:

Wie Wachstum und mehr Beschäftigung gelingen

können, sind die großen Fragen der Ausgabe, in der

Dr. Angela Merkel das Cover ziert.


96 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

5/2013:

Ab dieser Ausgabe erscheinen regelmäßig je

zwei ausführliche Interviews mit Mitgliedern des

Bundeswirtschaftssenates. Das neue Format startet mit Prof.

Dr. Hermann Bühlbecker von der Lambertz GmbH & Co. KG

und Dr. Walter Niederstätter (†) von der Kalle GmbH.

6/2011:

Gründern den Rücken stärken und

die Freude am Unternehmertum

wiederentdecken, das ist unser

Themenschwerpunkt zum

Jahresbeginn 2011.

2010 2011 2012 2013 2014

5/2012:

Schon 2012 steht im Interview mit

Arbeitsministerin Dr. Ursula von der Leyen

die Fachkräftesicherung im Mittelpunkt. Von

der Leyen setzt auf ausgebildete Fachkräfte

aus dem Ausland, um dem Mangel

entgegenzuwirken.

1/2010:

Mit der Februar-Ausgabe 2010 erfolgt der erste

Relaunch des Magazins. Ein neues Design

sorgt von nun an dafür, dass unsere Inhalte

noch prägnanter vermittelt werden.

3/2014:

Seit dieser Ausgabe erscheint unser

Magazin im neuen Look. Ein frisches

Layout, Unternehmensportraits,

Produktvorstellungen und ein

erweiterter Service-Teil prägen auf

110 Seiten die Gestalt des Magazins.


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

97

6/2017:

Wir berichten über die

Herausforderungen hoher

Gewerbemieten für den Mittelstand

und die Fallstricke in Mietverträgen.

1/2015:

Gesunde Mitarbeiter

sind das Herzstück

eines erfolgreichen

Unternehmens. Wir

konzentrieren uns

zum Jahreswechsel

2015 auf das Wohl der

Arbeitnehmer.

5/2019:

Die 100.

Jubiläumsausgabe

präsentiert die neuen

Möglichkeiten des

Marketings. Wir

sind uns sicher:

Der Marketing-Mix

macht’s.

2015 2016 2017 2018 2019

3/2016:

In unserer Ausgabe „Digitale

Chancen nutzen“ werden die

unterschiedlichsten Aspekte

der Digitalisierung in der

Wirtschaftswelt beleuchtet.

1/2018:

Mit Innovationskraft die Zukunft des

Mittelstands sichern und Unternehmen

einen neuen Anstrich verpassen, ist in dieser

Ausgabe unser Themenschwerpunkt.


98 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Wie kommt unser Magazin bei

Leserinnen und Lesern an?

Wir haben nachgefragt.

„Ich lese das Magazin DER Mittelstand., weil …

… sich jede Ausgabe durch eine klare

Meinung und hohen Informationswert auszeichnet.

Wer den deutschen Mittelstand als

Motor unserer Wirtschaft erkennt, kommt

an diesem Magazin nicht vorbei. Herzlichen

Glückwunsch zur 100. Ausgabe!“

Dr. Hans-Peter Friedrich, MdB (CSU),

Vizepräsident des Deutschen Bundestages

… es mir gezeigt hat, dass es einen Verband

gibt, der die Sorgen und Wünsche mittelständischer

Unternehmen klar benennt. Das

Magazin hat mich überzeugt, Mitglied im

BVMW zu werden.“

Helga Malter, Geschäftsführerin Pfegedienst

Cura Vita, Namborn (Saarland)

… der BVMW die Organisation

ist, die sich am stärksten für

den Mittelstand einsetzt. Ich

lese regelmäßig das Verbandsmagazin,

das mich immer mit

Informationen versorgt, die für

Unternehmer wichtig sind.“

Prof. Dr. Clauß Dietz, Geschäftsführer

DPFA-Akademiegruppe

in Sachsen, Mitglied im

BVMW-Bundeswirtschaftssenat

… ich dann immer auf dem Laufenden bin,

was sich in Politik und Wirtschaft verändert,

was mich und mein Unternehmen betrifft. Ich

bekomme hier viele Impulse, die mir helfen,

mich weiterzuentwickeln.“

Hermann Pentermann, Geschäftsführer

Pentermann Fotografie, Osnabrück

(Niedersachsen)

… es in jeder Ausgabe hilfreiche Anregungen

für meine unternehmerische Arbeit gibt. Besonders

schätze ich die praxis- und zukunftsorientierten

Beiträge, die mir und unseren

Geschäftspartnern immer wieder wichtige

Impulse geben.“

Elke Simon-Kuch, Geschäftsführerin Simon-

Werbung GmbH, Weißenfels (Sachsen-Anhalt)

… ich hier aus erster Hand Informationen

bekomme, die über mein Geschäftsfeld

hinausgehen.“

Hubertus von Rundstedt, Inhaber

Biobauernhof Rittergut von Rundstedt,

Bismark OT Schönfeld (Sachsen-Anhalt)

… ich hier aus berufener Quelle Informationen

über die Entwicklungen des Mittelstandes und

nicht zuletzt über aktuelle Trends der nationalen

wie auch internationalen Wirtschaftsentwicklung

bekomme.“

Rainer Nitsche, Beigeordneter für Wirtschaft,

Tourismus und regionale Zusammenarbeit der

Landeshauptstadt Magdeburg

… hier neben praktischen Tipps und Informationen

viel für die Verbesserung der politischen

Rahmenbedingungen im Mittelstand getan

wird. Ich bin ein begeisterter Leser.“

Matthias Köhler, Geschäftsführender

Gesellschafter sixeyesmedia gmbh,

Schlüchtern (Hessen)

… mich als Selbstständiger vor allem die

Servicebeiträge zu den Themen Teamwork

und Führung interessieren. Wirklich guter

Input und sehr anregend.“

Helmut Roleder, Ex-Torwart VfB Stuttgart

(Baden-Württemberg)


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

99

… es nicht nur informativ ist und die

brennenden aktuellen Themen aufnimmt,

sondern auch weil hier eine bunte Vielfalt an

Themen zu finden ist. Ich mag es, dass mir

hier Menschen und ihre Anliegen und Erfahrungen

vorgestellt werden: So bekommt

„der Mittelstand“ ein lebendiges Gesicht.

Die vielen wertvollen Tipps und die lockere,

ansprechende Gestaltung lassen mich diese

Zeitschrift mit Freude selbst in meiner Freizeit

lesen.“

Sabine Bredemeyer, Geschäftsführerin

sabine bredemeyer & friends, Melle

(Niedersachsen)

… ich mich mit der Lektüre nicht in eine Untiefe manövriere!“

Alexej Nikonov, Geschäftsführer Nikki Sailing Friends GmbH,

Hamburg

… wir, genau wie der BVMW, den deutschen Mittelstand davor

schützen, in eine Sackgasse zu geraten.“

Marco Thiemann und Marco Bock,

Thiemann | Bock/Leasing GmbH, Sereetz (Schleswig-Holstein)

… mich die Darstellung und die knackige und

auf den Punkt gebrachte Berichterstattung

anspricht. Besonders gefällt mir, dass jede

Ausgabe den Eindruck vermittelt, dass wir als

Verband etwas bewegen.

In der letzten Ausgabe wurde mein Büchlein

für gute Umgangsformen „Basics für Azubis“

vorgestellt. Schon gleich nach dem Erscheinen

konnte ich mehrere Bestellungen abwickeln.

Herzlichen Dank noch mal dafür an dieser

Stelle.“

Joachim Auer, Trainings & Seminare,

Kirchheim am Ries (Bayern)

… ich mein Netzwerk durch die News und

andere Inhalte erweitern kann und neue Mitglieder

in meiner Region finde.“

Josef Werner, Geschäftsführer Optimas

Maschinenfabrik, Saterland-Rahmsloh

(Niedersachsen)

… ich laufend neue Informationen, Kontakte

zur Wirtschaft und Vernetzungen über den

Verband erhalte.“

Kai Brandt, Geschäftsführer EimaEngineering

GmbH, Edewecht (Niedersachsen)

… ich mein Wissen und mein Netzwerk mit

all den Informationen erweitern kann.“

Sabine Luers, Geschäftsführerin Autohaus

Heinz Luers, Bad Zwischenahn (Niedersachsen)

… fundierte und ungeschönte Informationen

mittlerweile schwer zu finden sind.“

Matthias Carow, Geschäftsführer Wäscherei

Carow GmbH & Co.KG, Kiel (Schleswig-

Holstein)


100 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

DER Mittelstand. beliebt bei Politikern

und Partnern des BVMW

Dr. Gerd Müller (CSU), Bundesminister für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Brigitte Zypries (SPD), Bundesjustiz- und

Bundeswirtschaftsministerin a. D., BVMW

Frauen im Mittelstand.

Thomas Strobl (CDU), stellv. Ministerpräsident

des Landes Baden-Württemberg.

Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender Verband

Deutscher Realschullehrer, Stellvertretender

dbb Bundesvorsitzender.

Lencke Steiner, Unternehmerin und Vorsitzende

der FDP-Fraktion in der Bremischen

Bürgerschaft.

Thiemo Fojkar, Präsident des Internationalen

Bundes, Vorsitzender des Bundesverbandes

der Berufsbildungsträger.

Andreas Buhr, Motivationstrainer und

Bestseller-Autor.

Thomas Sell, Leiter Kooperationsentwicklung

Verbände, Deutsche Telekom.

Johannes Kahrs, MdB, Haushaltspolitischer

Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.


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102 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Entspannung

unter

Indoor-Palmen

In jeder Ausgabe stellt DER Mittelstand.

BVMW-Mitgliedsunternehmen und deren

Produkte vor, diesmal Tropical Islands. Das

Vorzeigeunternehmen mit Sitz in Brandenburg

zählt zu den beliebtesten Erlebnisbädern in

Deutschland.

In der kühleren Jahreszeit wünschen sich viele, den Sommerurlaub

doch einfach verlängern zu können. Der Gedanke, unter Palmen

am Strand zu entspannen, im warmen Wasser zu planschen und

einfach die Seele baumeln zu lassen, ist verlockend. Bei der Kälte

draußen ist es eine Wohltat, ein heißes Bad zu nehmen, in der Sauna

zu schwitzen oder in einem Whirlpool zu entspannen.

Die ehemalige Zeppelinwerft in der Nähe von Cottbus wurde 2003

zum Tropenparadies Tropical Islands umgebaut. Heute befinden sich

darin der größte Indoor-Regenwald der Welt, die „Südsee“ und die

„Lagune“ sowie ein tropisches Dorf.

In der „Lagune“ gibt es einen Strömungskanal, zwei Rutschen und

Whirlpools in den Buchten. Die 1.200 Quadratmeter große Lagune

hat eine Wassertemperatur von circa 32 Grad Celsius. Wo die Lagune

an den Regenwald grenzt, schaffen eine Grotte und ein Wasserfall

echte Dschungelatmosphäre.

Beeindruckend ist zudem der größte Indoor-Regenwald der Welt

mit einer Fläche von über 10.000 m². Mit rund 50.000 verschiedenen

Pflanzen und über 600 Pflanzenarten fühlt man sich tatsächlich

wie im Urwald. Die meisten stammen aus dem asiatisch-pazifischen

und südamerikanischen Raum. Besonders auffallend sind im Regenwald

die zahlreichen imposanten Palmenarten – wie zum Beispiel

die Betelpalmen, Bismarckpalmen, Strahlenpalmen und die großen

Fischschwanzpalmen mit ihrem üppigen Fruchtansatz.

Das Resort bietet darüber hinaus Räumlichkeiten für professionelle

Business Meetings, Tagungen, Events oder Veranstaltungs- und Präsentationsflächen.

Außerdem gibt es komfortable Übernachtungsmöglichkeiten.

Fotos: © Tropical Island


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

103

Tropical Island Management GmbH

Gründung: 2004

Firmensitz: Krausnick-Groß

Wasserburg, Brandenburg

Geschäftsführer: Wouter Dekkers,

Jesús Pablo Fernández Morán,

Isidoro Díez Cáveda, Juan José López

Taracena

Mitarbeiter: 600

Branche: Freizeit

BVMW-Mitglied

www.tropical-islands.de


104 BVMW DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Harley-Davidson, Modell Fat Bob ® .

Sie ist der Traum vieler Biker, Symbol für Freiheit und Abenteuer, Garant für Schnelligkeit und

Sicherheit: die geliebte Harley. Spätestens seit dem Film „Easy Rider“ erlangte sie internationale

Berühmtheit. Ihren Besitzern sind diese Bikes heilig, und falls sie mal in die Werkstatt müssen,

wollen sie ihre Harley immer in den besten Händen wissen.

Seit über 20 Jahren finden Harley-Fans alles, was das Herz begehrt,

bei der Harley-Davidson Hamburg-Nord Bike GmbH.

1999 startete die Niederlassung als offizieller Händler der

Kult-Motorräder aus Milwaukee (USA). Seitdem schreibt das Unternehmen

eine beeindruckende Erfolgsgeschichte und zählt zu den erfolgreichsten

Händlern in Europa, Mittelasien und Afrika. Wie erfolgreich

der Spezialist für diese Motorräder ist, zeigt sich auch an zwei

Umzügen aufgrund von Platzmangel und der Eröffnung einer Zweigniederlassung

im Süden Hamburgs.

Das ist kein Motorrad, Baby …

Bruce Willis in „Pulp Fiction“

Möglich macht dies eine 37 Mann starke Mannschaft, von der allein

15 Spezialisten in der Werkstatt und sieben Profis im Verkauf

tätig sind. Das ist für einen Harley-Davidson-Händler einzigartig in

Deutschland und Europa. Rechnet man die Erfahrung in Jahre um,

die dieses Team auf Harley-Davidson-Motorrädern hat, kommt man

auf beeindruckende 357 Jahre. Der Hauptsitz in Hamburg bietet eine

Verkaufsfläche von fast 200 Quadratmetern, auf der Harley-Fans

eine ungewöhnliche Vielzahl neuer und gebrauchter Motorräder bewundern

können. Während der Saison haben Interessierte zudem die

Möglichkeit, eins von 30 Harley-Davidson-Motorrädern für eine ausgiebige

Probefahrt auszuwählen. Hier spielt nicht nur die Technik eine

große Rolle, sondern ebenso die Emotion. „Allein der Sound beim

Starten einer Harley lässt das Biker-Herz höherschlagen“, so Roger

Gierz, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens.

Rundum-Service

Außer den üblichen Dienstleistungen wie Inspektionen und Reparaturen

werden in der Werkstatt auch wunschgemäße Umbauten und

leistungssteigernde Tuningmaßnahmen ausgeführt. Darüber hinaus

steht ein erfahrener Custom-Mechaniker in seiner Abteilung mit

zwei spezialisierten Kollegen und einem fest installierten Leistungsprüfstand

bereit, um jeden noch so ausgefallenen Kundenwunsch zu

erfüllen. Für die Fahrzeugpflege gibt es einen abgetrennten Waschraum,

der ständig von einem Fachmann für die Reinigung, Pflege junger

Bikes wie auch die Wiederaufarbeitung älterer Bikes bedient wird.

Der große Erfolg lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. In den Jahren

2014, 2015 und 2016 war das Unternehmen der erfolgreichste

Harley-Davidson-Händler in Europa, Mittelasien und Afrika. Allein in

2015 und 2016 sind jeweils über 400 Neufahrzeuge verkauft worden.

In den Jahren 2017 und 2018 teilte sich der Verkauf unter den beiden

Filialen Süd und Nord auf. Die Gesamtleistung ist dabei sogar

noch deutlich gesteigert worden. „Viel wesentlicher für den Erfolg

des Unternehmens ist aber das persönliche Engagement der einzel-

Fotos: © Henning Angerer, Martina Heitzig, Janine Sellenschloh, Harley-Davidson Company; © Harley-Davidson Motor Company


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW 105

Lebensgefühl

Harley-Davidson

nen Mitarbeiter bei der Zusammenarbeit mit unseren Kunden und

ihren Wünschen“, betont Geschäftsführer Axel Kunth-Joost. „Hier

zeigt sich letztlich die wahre Stärke eines Unternehmens, und hier

entstehen auch die langjährigen Bindungen mit den vielen Stammkunden

unseres Geschäfts.“

Events international

Diesen persönlichen Einsatz zeigt Harley-Davidson Nord auf vielen

Events in ganz Europa. Das Engagement der Firma erstreckt sich von

den „Hamburg Harley Days“ bis zur „Mallorca Bike Week“ im Robinson

Club. Auch zahlreiche kleinere Veranstaltungen im eigenen Haus

gehören dazu.

Ein ganz besonderes Ereignis findet jedes Jahr im Mai statt: Die

„Harley-Trophy Hamburg“. Harley-Davidson Nord organisiert für Biker

dabei eine Ausfahrt über Land. In den letzten Jahren wurde die

Tour von Peter Maffay angeführt. In der Regel wird auch die Parade

zu den „Hamburg Harley Days“ von Prominenten begleitet. Organisiert

wird diese Parade von einem der beiden Chapter. Harley-

Davidson Nord ist der einzige Händler weltweit mit zwei Harley

Owners Group Chaptern (Ortsgruppen): dem Checkpoint Chapter

und dem Metropolitan Chapter. Frisch gebackene Harley-Besitzer

finden hier schnell Anschluss an die Biker-Gemeinschaft.

Um noch mehr Biker-Träume wahr werden zu lassen, hat das Unternehmen

spezielle Reiseangebote neu im Programm. Wünsche, wie

einmal mit der Harley zum Nordkap oder über die Route 66 zu fahren,

gehen in Erfüllung.

Eine Harley bedeutet eben ein ganz besonderes Lebensgefühl, ist

Kult, Traum und vieles, vieles mehr. Wie sagt Bruce Willis im Film

„Pulp Fiction“ von Quentin Tarantino: „Das ist kein Motorrad, Baby“ …

Roger Gierz, Geschäftsführer; Axel Kunth-Joost, Geschäftsführer.

Harley-Davidson Hamburg-Nord

Bike GmbH

Gründung: 1999

Firmensitz: Hamburg

Geschäftsführer: Axel Kunth-Joost,

Roger Gierz

Mitarbeiter: circa 37

BVMW-Mitglied

www.harley-hh.de

Ingrid Hausemann

BVMW

Pressesprecherin

Bremen, Hamburg,

Niedersachsen,

Schleswig-Holstein


106 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Wie eine Marke sich neu entdeckt

Der Name Poliboy steht seit Jahrzehnten für hochwertige Spezialreinigungs- und Pflegemittel

für Möbel, Böden, Leder und Silber. Trotz starken Wettbewerbs zählt das familiengeführte mittelständische

Unternehmen mit fast 90-jähriger Geschichte zu den Marktführern in Deutschland.

Als Adolf Brandt und Otto Walther vor

89 Jahren in Bremen die Firma Brandt

& Walther gründeten, widmeten sie

sich zunächst dem Getreidehandel. Schon

bald produzierten sie aber das erste Öl zum

Staubwischen, aus dem sich in den folgenden

Jahren ein ganzes Sortiment an Putzund

Reinigungsmitteln entwickelte. Nach

dem Umzug nach Lilienthal gaben die rührigen

Kleinunternehmer ihren Produkten einen

neuen Markennamen: Poliboy. Seitdem erobert

das Poliboy-Männchen mit Pagenkopf

und Bürstenschuhen die Welt. Pflegemittel

mit seinem Konterfei sind heute Marktführer

und verweisen selbst Global Player auf die

Plätze. DIE ZEIT kürte das Unternehmen unlängst

zur „Marke des Jahrhunderts“.

Trend geht zu nachhaltigen Produkten

Dieser Erfolg ist auch der unabhängigen Forschung und Entwicklung

in den Laboren der Poliboy Brandt & Walther GmbH zu verdanken.

Kontinuierlich werden hier Produkte verbessert und Innovationen

entwickelt. Dabei folgt man immer dem Grundsatz nach überlegener

Qualität und der Verwendung hauptsächlich natürlicher Wirkstoffe.

„Nachhaltigkeit ist bei Poliboy bereits in der DNA der Produkte festgelegt“,

so Geschäftsführer Torsten Emigholz. „Denn die Pflegeprodukte

sorgen dafür, dass Schönes länger lebt.“ Nachhaltigkeit bedeutet

für das Unternehmen aber auch, den gesamten Prozess von

der Beschaffung der Rohstoffe bis hin zur Herstellung der Pflegeund

Reinigungsmittel auf umweltverträgliche Weise zu gestalten.

Besonders deutlich wird dies bei der Poliboy Bio-Serie, deren Produkte

nach Natur Care Product Standard zertifiziert sind. Das bedeutet,

dass alle Pflege- und Reinigungsprodukte aus pflanzlichen und

mineralischen Inhaltsstoffen bestehen. Alle Reiniger sind vegan und

frei von Mikroplastik, Petrochemie, synthetischen Konservierungsstoffen

sowie Farbstoffen. Ihre starke Reinigungswirkung basiert auf

umweltverträglichen Zuckertensiden. Naturbelassene ätherische

Öle sorgen für den frischen Duft der Produkte. Und sogar die Fla-

POLIBOY Brandt & Walther GmbH

Poliboy Bio-Serie mit ausschließlich Nature Care Product (NCP) Standard zertifizierten Produkten.

schen aus 100 Prozent Recyclat sammeln Pluspunkte bei der Ökobilanz.

Blick in die Zukunft

Nicht nur die Produkte zeigen den Einsatz der Lilienthaler für die Umwelt.

Ressourcen werden auch über die Solaranlage und durch das

Block-Kraft-Heizwerk geschont. Auch das Thema Biodiversität liegt

dem Unternehmen am Herzen. Auf dem Gelände stehen zwei Bienenstöcke,

die bereits im zweiten Jahr Honig für Poliboy produzieren.

Die neuste Anschaffung steht ebenfalls auf dem Hof, ein kleines

E-Auto, das für kürzere Fahrten in der Umgebung genutzt wird. Nachhaltigkeit

bestimmt auch den Blick in die Zukunft von Geschäftsführer

Emigholz: „Poliboy pflegt seit vielen Jahren die Wohlfühlplätze

von Generationen. Die Liebe zur nachhaltigen Qualität treibt das Familienunternehmen

immer wieder mit frischer Kraft voran, um auch

künftig Produkte nach Kundenbedürfnissen und im Einklang mit

der Natur herzustellen. Damit Lieblingsplätze Wohlfühlorte bleiben.

Auf dem Sofa, am Esstisch, zu Hause und in der Welt.“ Denn im Fokus

steht seit einigen Jahren auch die Ausweitung des Auslandsgeschäfts.

Das Unternehmen exportiert inzwischen in Länder wie Israel,

Frankreich, Italien, Schweiz, Österreich, Tschechien, Russland, Chile,

China, Korea und Malaysia.

Gründung: 1930

Firmensitz: Lilienthal (Niedersachsen)

Geschäftsführer: Torsten Emigholz

Mitarbeiter: circa 65

BVMW-Mitglied

www.poliboy.de

Ingrid Hausemann

BVMW Pressesprecherin Bremen, Hamburg,

Niedersachsen, Schleswig-Holstein

ingrid.hausemann@bvmw.de

Foto: © Poliboy/Andreas Henn


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

107

Siegerduo: Bobpilot und Unternehmer

des Jahres

Der Unternehmer Bernd Förster aus Pirna ist in Sachsen zum „Unternehmer des Jahres“ gekürt

worden. Den Rummel um diese Auszeichnung mag Förster jedoch gar nicht, sieht er sich doch als

jemand, der einfach nur seine Arbeit macht. Diese Arbeit jedoch ist nicht einfach nur ein Job, denn

sonst würde es sein Unternehmen heute wahrscheinlich nicht geben.

Schon vor der Wende wollte sich Bernd Förster mit einem Kfz-

Betrieb selbstständig machen, nur war das in der DDR fast unmöglich.

„Wer damals einen Gewerbeschein wollte, musste einen

Kontingentschein für Ersatzteile vorweisen. Diesen gab es aber

wiederum nur bei Vorlage eines Gewerbescheins.“ So wurde leider

vorerst nichts aus der Selbstständigkeit. Nach dem Mauerfall war

Bernd Förster zunächst das, was man einen Wendeverlierer nannte.

Sein Job als Kfz-Meister wurde nicht mehr gebraucht, und er wurde

entlassen. So stand er im Jahr 1990 da, mit einem Meisterbrief in der

Tasche, aber ohne Perspektive vor Augen. Der Wunsch zur Selbstständigkeit

und ein eigenes Autohaus zu eröffnen, flammten umso

stärker auf. Doch einem arbeitslosen Kfz-Meister traute damals

kaum ein Kfz-Hersteller, und ohne Produkt und Händlervertrag keine

Chance, von einer Bank einen Kredit für eine Unternehmensgründung

zu bekommen – ein Teufelskreis.

Teufelskreis überwinden

„Ich kam mir 1990 vor wie der Hauptmann von Köpenick“, erzählt

Förster. Ein Zurück gab es für den engagierten Kfz-Meister jedoch

nicht. „Wenn Sie einen Marathon losgelaufen sind, dann geht es nur

vorwärts“, beschreibt er seine Lebensdevise, die ihn letztlich zum Erfolg

führte. Schließlich traf er doch auf beherzte Menschen, bekam

eine Baugenehmigung, den Gewerbeschein und den Kredit. Der Hersteller

Toyota vertraute dem jungen Sachsen, und so konnte Förster

im Sommer 1991 sein erstes Autohaus in Pirna eröffnen. Zusammen

mit seiner Frau und zwei weiteren Mitarbeitern war Förster der erste

Toyota-Händler im Osten. Heute hat er 90 Angestellte und fünf Betriebe

– vier in Sachsen und einen in Brandenburg.

Gesellschaftliches Engagement aus Überzeugung

27 Millionen Euro Jahresumsatz macht sein Unternehmen, doch

spricht man ihn auf die Auszeichnung als Unternehmer des Jahres

an, wirkt Förster fast ein bisschen peinlich berührt. Diese Bescheidenheit

mag zu seinem Erfolgsrezept gehören, nie die Bodenhaftung

zu verlieren und den Menschen in seiner Region etwas zurück-

Autohaus Bernd Förster GmbH & Co. KG

Das Unternehmer-Ehepaar Förster mit Bob-Olympiasieger Francesco Friedrich

(Mitte).

zugeben. So fiel es Bernd Förster auch nicht schwer, als der damals

16 Jahre alte und noch weitgehend unbekannte Francesco Friedrich

ihn um ein Sponsoring für seinen Bobsport bat. Förster musste nicht

lange überlegen, seine Werkstatt übernahm die Lackierarbeiten für

den Bob. Heute ist Francesco Friedrich der weltbeste Bobfahrer, eine

schöne Auszeichnung auch für den Unternehmer Bernd Förster.

Das gesellschaftliche Engagement von Förster war auch ein wichtiger

Aspekt, der die Jury bewog, Förster zum Unternehmer des Jahres

zu küren. Denn er unterstützt die ortsansässige Feuerwehr, den

lokalen Fußballclub, eine Rettungshundestaffel, die Bergrettung im

österreichischen Ramsau, das Pirnaer Kinderheim Sonnenstein sowie

ein Tierheim. Vergleicht Förster das Geschäft von damals und

heute, so ist es die Dynamik, die enorm zugenommen hat. Sein

Grundprinzip jedoch ist das gleiche geblieben: „Sich so um die Kunden

kümmern, dass sie dankbar sind, denn wenn die Kunden nicht

zufrieden sind, dann wird es richtig stressig.“

Foto: © Katja Förster

Gründung: 1991

Firmensitz: Pirna

Geschäftsführer: Bernd Förster

Mitarbeiter: 90

BVMW-Mitglied

www.team-foerster.de

Uta Georgi

BVMW Pressesprecherin Sachsen

uta.georgi@bvmw.de


108 BVMW DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Die DNA der Kunden entschlüsseln

Seit fast 30 Jahren behauptet sich die Dresdner Kommunikationsagentur Oberüber Karger erfolgreich

am Markt. Geführt wird sie seit dieser Zeit von einer Frau, die Beweis dafür ist, dass weibliche

Führung emotional und rational zugleich sein kann, ohne dabei männliche Attribute bedienen

zu müssen.

Schon mehrfach wurde die Agentur Oberüber Karger mit Preisen

für Familien- und Sozialorientierung ausgezeichnet. Für

ihre Chefin Ulrike Lerchl ist das eine Herzensangelegenheit.

„Wir haben sehr viele Mütter im Unternehmen, und mir ist wichtig,

dass sie sich bei der Arbeit wohlfühlen und wissen, wie sie Job und

Familie vereinbaren können.“ Der Erfolg gibt ihr recht, denn seit 1990

bedient ihr Unternehmen einen Markt, der hart umkämpft ist. Gegründet

im Jahr nach dem Mauerfall, hat die Agentur in den zurückliegenden

drei Jahrzehnten mehrere Transformationsprozesse erlebt.

Ulrike Lerchl hat in Berlin an der Fachschule für Werbung und

Gestaltung Kommunikation studiert. Im Anschluss arbeitete sie bei

Pentacon in Dresden, später bei Ströer. Zur Agentur Oberüber & Partner

wechselte sie 1993. Ein Jahr danach wurde sie hier Gesellschafterin,

womit sich auch der Agenturname in Oberüber Karger änderte.

Orientierung am Wettbewerb ist nicht immer gut

Als Ulrike Karger, wie sie damals noch hieß, mit dem Berliner Unternehmer

Rainer Oberüber startete, hatte sie nur eine vage Vorstellung

davon, was Kunden brauchen. Genau das aber ist zum Erfolgsrezept

geworden: Erst einmal die DNA des Kunden entschlüsseln und herausfinden,

was zu ihm passt. „Wenn Kunden zu uns kommen, haben

sie meistens ein Problem“, so Ulrike Lerchl. „Wir schauen, welche Identität

hat der Unternehmer, und was ist ihm auf seinem Weg abhandengekommen.

Häufig orientieren sich die Unternehmen am Wettbewerb,

was nicht immer gut ist, weil sie so ihr Alleinstellungsmerkmal

nicht ausprägen können.“ Der eigenen Identität bewusst zu sein, ist eine

wichtige Grundlage, damit die Arbeit der Kommunikationsagentur

auf fruchtbaren Boden fällt. Um diese zu entschlüsseln, führt Oberüber

Karger gemeinsam mit den Kunden Workshops und aufwendige

Interviews mit den Mitarbeitern durch, um so den Kosmos des

Unternehmens zu durchdringen. Die Kunden kommen aus ganz unterschiedlichen

Branchen wie beispielsweise Tourismus, Dienstleistung,

Medizin, Pflege, Energiewirtschaft oder Maschinenbau.

Kunden haben Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Als Full-Service-Agentur entwickelt Oberüber Karger Marken- und

Kommunikationsstrategien. Dabei werden alle Bereiche bedient, von

Design und Grafik über Event und PR bis hin zur Unternehmensbe-

Oberüber Karger Kommunikationsagentur GmbH

Gründung: 1990

Firmensitz: Dresden

Geschäftsführerinnen: Ulrike Lerchl, Susanne Hamann

Mitarbeiter: 30

BVMW-Mitglied

www.oberueber-karger.de

Unternehmerin seit fast 30 Jahren: Ulrike Lerchl.

ratung und Digitalisierungsprojekten. Beim Stand der Digitalisierung

beobachtet Ulrike Lerchl völlig heterogene Entwicklungen. „Das

hängt meistens auch damit zusammen, mit welcher Generation von

Unternehmen wir es zu tun haben. Ist es ein Start-up, müssen wir

über Digitalisierung kaum reden, bei traditionsreichen Mittelständlern

sieht das schon anders aus.“ Grundsätzlich ist festzustellen,

dass das Selbstverständnis dafür, wie wichtig digitale Prozesse heute

sind, noch nicht in allen Köpfen angekommen ist. „Meistens kommen

die Kunden in einer Not-Situation zu uns, leider gibt es oft erst

dann die Erkenntnis, dass etwas fehlt.“

Uta Georgi

BVMW Pressesprecherin Sachsen

uta.georgi@bvmw.de

Foto: © Oberüber Karger


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

109

Feurige Innovationen

Den Ofen, Kamin oder Grill befeuern – oftmals wird das Anheizen zur Geduldsprobe. Eins ist klar:

der Holzgrill muss glühen, wenn Steak oder Rostwurst schmecken sollen. Damit das auch gelingt,

stellt das Thüringer Unternehmen Carl Warrlich spezielle Anzündhilfen her.

Die über Vierzigjährigen können sich noch an das Verbrennen

von Braunkohle zur Wärmeerzeugung in Kachelöfen der ehemaligen

DDR erinnern. Die „braune Muttererde“ bereitete regelmäßig

Probleme beim Anzünden. Das Zauberprodukt war der

Kohlenanzünder „Flammat“. Er wurde in einem kleinen Unternehmen

der Familie Carl Warrlich hergestellt. Das Kerngeschäft des 1904 gegründeten

Hobel- und Sägewerkes war einst die Holzbearbeitung.

Die dabei in großen Mengen anfallenden Hobelspäne und Sägemehl

wurden mit Stearinwachs oder Paraffinöl versetzt und in gepresster

Form in Tafeln als Anzündhilfe für Öfen auf den Markt gebracht.

Die große Nachfrage führte dazu, dass neue chemische Grundstoffe

zum Einsatz kamen, und das DDR-bekannte Produkt „Flammat“

entstand.

Foto: © Marcel Krummrich

Neustart mit Hürden

In der DDR wurde das Unternehmen der Familie Warrlich enteignet,

weil der Staat selbst die Produktion bestimmen wollte. Heinz Warrlich

durfte als angestellter Betriebsdirektor tätig bleiben, da er gebraucht

wurde. Im Zuge der Wiedervereinigung 1990 erfolgte die

Rückübertragung der Firma. Über 65 Jahre Produktion waren bis zur

Reprivatisierung vergangen, doch mit Ende der Kohlebeheizung kam

die Produktion nahezu zum Erliegen. Die Art des Heizens hatte sich

verändert. In Häusern und Betrieben setzte man nun auf moderne

umweltfreundliche Heizungen. Für die Warrlichs und ihre Mitarbeiter

war diese Situation schwierig, weil sie ihre Unternehmensstrategie

infrage stellte.

Marktveränderungen fordern neue Strategie

Die Carl Warrlich GmbH stellte ihre Produktion von Öfen auf Kamine

und Holzkohlegrills um und verlagerte ihren Schwerpunkt auf

das Exportgeschäft. Mit der Entwicklung einer neuen Produktpalette

ist das gelungen. Die Produktion wurde komplett umgestellt,

neue Technologien und Materialien eingeführt. Heute wird unter modernsten

Produktionsbedingungen und -verfahren gearbeitet und in

40 Länder exportiert.

Carl Warrlich GmbH

Gründung: 1904

Firmensitz: Treffurt/Thüringen

Geschäftsführer: Margarethe Häßler, Karl-Heinz Warrlich,

Alexander Häßler

Mitarbeiter: 82

BVMW-Mitglied; Mitglied im Landeswirtschaftssenat

des BVMW

www.warrlich.eu

Die Produktpalette umfasst neben der Herstellung von Heizhilfen für

Kamine und Öfen weitere Produkte wie Grillanzünder und Lampenöle.

Die gesamte Produktion der Anzündhilfen obliegt einer strengen

Gefahrgutkontrolle sowie bei den Grillanzündern lebensmittelrechtlicher

Überwachung. Der TÜV und ein unabhängiges Labor überprüfen

die Qualität.

Innovation sichert den Erfolg

Mit Kerosin versetzte, besonders brennstarke Kohleanzünder und

Grillgutaromatisierende Grillanzünder haben den Erfolg des Unternehmens

gesichert. Sie haben hundert Jahre und zwei Weltkriege

die Geschichte des Familienunternehmens geprägt. Die Carl Warrlich

GmbH ist heute in vierter Generation führender Hersteller von

Anzündhilfen in Europa. Ständiges Engagement zur Entwicklung

marktgerechter Produktneuheiten unter ökologischen Bedingungen

sichert den Erfolg.

Günther Richter

BVMW Pressesprecher Thüringen

guenther.richter@bvmw.de


110 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Gemeinsam den Mittelstand stärken

Einladung zur Bundesversammlung Mittwoch, den 27. November 2019 in Dresden

Sehr geehrtes Mitglied,

zur Bundesversammlung des BVMW – Bundesverband mittelständische

Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands

e. V. wird gemäß § 16 Abs. 2 der Satzung eingeladen für Mittwoch,

den 27. November 2019, 11.00 Uhr in das Dormero Hotel Dresden

City, Kreischaer Straße 2, 01219 Dresden. Um pünktlich mit den

Grußworten zu beginnen, bitten wir Sie höflich, bis 10.45 Uhr die Plätze

einzunehmen. Die Tagesordnung gemäß § 16 Abs. 2 ist dieser Einladung

beigefügt. Wir wünschen Ihnen eine gute Anreise.

Mit freundlichen Grüßen

Bundesgeschäftsführung

2019 wird auch das BVMW-Grundsatzprogramm sein, über das die

Mitgliederversammlung gemäß § 16 Abs. 6 der Satzung beschließt.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich frühzeitig zur Mitgliederversammlung an. Sie

haben die Wahl zwischen zwei Anmeldemöglichkeiten:

n 1. Anmeldung durch Rücksendung Ihres Anmeldeformulars

unter der Fax-Nummer +49 (30) 533 206-50

per Post an BVMW e. V. – Bundesversammlung,

Potsdamer Straße 7, 10785 Berlin oder wahlweise

n 2. Online über www.bvmw.de/bundesversammlung/anmeldung

Für Fragen im Hinblick auf die Bundesversammlung wenden Sie sich

bitte unter dem Stichwort „Bundesversammlung“ an die Rufnummer:

+49 (30) 533 206 – 0.

Wichtige Hinweise

n 1. Einladung im Internet unter www.bvmw.de/bundesversammlung/

Die Einladung nebst Tagesordnung ist ebenfalls auf der Internetseite

des BVMW unter www.bvmw.de/bundesversammlung/ abrufbar.

Unabhängig davon sind wir selbstverständlich gerne bereit, Ihnen

auf schriftliche Anfrage die in Bezug genommenen Anlagen nochmals

gesondert zuzusenden.

n 2. Weitere Veröffentlichungen der Bundesversammlung

ausschließlich im Internet

Wir weisen daraufhin, dass diese Ausgabe des Verbandsmagazins

(Nr. 5/2019) „Der Mittelstand“ die letzte Ausgabe vor der Bundesversammlung

ist. Alle weiteren Mitteilungen im Zusammenhang

mit der Bundesversammlung 2019 werden ausschließlich auf der

Internetseite des BVMW www.bvmw.de mit link auf www.bvmw.de/

bundesversammlung/ veröffentlicht.

n 3. Formale Voraussetzungen für Ihre Teilnahme

Voraussetzung für die Teilnahme an der Mitgliederversammlung ist

die Vorlage des Personalausweises am Akkreditierungsschalter.

Soweit Sie für eine juristische Person als Vertretungsorgan oder als

Prokurist auf der Veranstaltung Ihre Stimme abgeben möchten, ist

zum Nachweis Ihrer Teilnahmeberechtigung erforderlich, zusätzlich

einen unbeglaubigten Registerauszug der Anmeldung beizufügen

oder am Akkreditierungsschalter vorzulegen. Ansonsten dürfen wir

Ihnen aus satzungsrechtlichen Gründen keinen Zugang zu der Bundesversammlung

gewähren. Die Rechte eines Mitglieds ruhen, gemäß

§ 5 Absatz 4 der Satzung, wenn ein Mitglied mit seinem Beitrag

im Verzug ist und der Rückstand mehr als drei Monate beträgt.

Das Stimmrecht ist im Übrigen nicht übertragbar. Die Beschlussfassungen

auf der Bundesversammlung erfolgen auf der Grundlage

der Satzung des BVMW mit Stand April 2018.

n 4. Rechenschaftsbericht

Der Rechenschaftsbericht für die Geschäftsjahre 2016/2017/2018

liegt ab dem 3. November 2019 in der Bundesgeschäftsstelle, Potsdamer

Straße 7, 10785 Berlin, nach vorheriger Anmeldung zu den üblichen

Bürozeiten zur Einsichtnahme aus.

n 5. BVMW-Grundsatzprogramm

Gegenstand der Beschlussfassungen auf der Bundesversammlung

Tagesordnung

der Bundesversammlung des BVMW - Bundesverband mittelständische

Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e. V.

am 27. November 2019 in Dresden.

TOP 1

TOP 2

TOP 3

TOP 4

TOP 5

TOP 6

TOP 7

TOP 8

Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung

der Mitgliederversammlung gemäß § 16 Abs. 2

der Satzung und Festsetzung der endgültigen

Tagesordnung.

Geschäftsbericht nebst Ausblick sowie

Rechenschaftsbericht des Vorstandes für die

Geschäftsjahre 2016 – 2018

Ausblick auf 2019

Bericht der Rechnungsprüfer für die Geschäftsjahre

2016 – 2018

Aussprache zum Rechenschaftsbericht

Entlastung des Vorstandes für die Geschäftsjahre

2016 – 2018

5.1. Die Bundesversammlung möge beschließen:

Dem Vorstand des Bundesverbandes

mittelständische Wirtschaft wird für den

Zeitraum vom 01.01.2016 bis 31.12.2016

Entlastung erteilt.

5.2. Die Bundesversammlung möge beschließen:

Dem Vorstand des Bundesverbandes

mittelständische Wirtschaft wird für den

Zeitraum vom 01.01.2017 bis 31.12.2017

Entlastung erteilt.

5.3. Die Bundesversammlung möge beschließen:

Dem Vorstand des Bundesverbandes

mittelständischerWirtschaft wird für den

Zeitraum vom 01.01.2018 bis 31.12.2018

Entlastung erteilt.

BVMW-Grundsatzprogramm

Wahlen

7.1. Wahl des Präsidenten

7.2. Wahl der Vizepräsidenten

7.3. Wahl der weiteren Mitglieder des

Vorstandes gemäß § 26 BGB

Verschiedenes


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

111

Anmeldung zur Bundesversammlung online unter: www.bvmw.de/bundesversammlung/anmeldung,

per Fax an: 030 533 206-50 oder per Post

BVMW - Bundesverband mittelständische Wirtschaft e. V.

Bundesversammlung

Potsdamer Straße 7

10785 Berlin

Anmeldung als ordentliches Mitglied

zur Bundesversammlung am 27. November 2019 in Dresden

Bitte in Druckbuchstaben ausfüllen, Zutreffendes bitte ankreuzen.

natürliche Person (Ziffern 1, 2 + 6-7 ausfüllen)

juristische Person (Ziffern 1, 3-7 ausfüllen)

1) Mitgliedsnummer:

2) Name, Vorname:

3) Firma (Bitte Registerauszug beifügen):

4) Als vertretungsberechtigte Person erscheint

Name, Vorname:

5) Vorstand Geschäftsführer

6) Straße:

7) PLZ/Ort:

8) Tel: Fax:

E-Mail:

Die oben genannte Person nimmt an der Bundesversammlung am 27. November 2019 in Dresden teil.

Unterschrift/Stempel

Online-Anmeldung: www.bvmw.de/bundesversammlung/anmeldung

Wichtige Hinweise:

Bitte melden Sie sich frühzeitig an, damit wir für Sie Ihre persönlichen Teilnehmerunterlagen erstellen können. Stimmberechtigt ist nach § 16 Abs. 1 der

Satzung ausschließlich das ordentliche Mitglied. Die Rechte eines Mitglieds ruhen gemäß § 5 Abs. 4 der Satzung, wenn ein Mitglied mit seinem Beitrag in

Verzug ist, und der Rückstand mehr als drei Monate beträgt.


112 BVMW

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Kompetent und engagiert:

Die BVMW Vorstandskandidaten

2019

Der Vorstand ist Erfolgsgarant und Impulsgeber des BVMW. Er ist richtungsweisend für

die Arbeit des Verbandes und gestaltet die Weiterentwicklung entscheidend mit. In diesem

Spitzengremium wirken besonders erfahrene und engagierte Unternehmer mit. Dem Team

um Präsident Mario Ohoven, das sich auf der Bundesversammlung zur (Wieder)Wahl stellt,

gehören bewährte Mitstreiter an. Neu dazu kommen mit Dr. Ute Bergner, Katja Pampus und

Thiemo Fojkar erfolgreiche Mittelständler. Gemeinsam wollen sie den BVMW weiter nach

vorn bringen.

Mario Ohoven

IT-Kapitalvermittlung

BVMW Präsident

seit 1998

Der gelernte Banker aus alter rheinischer Unternehmerfamilie (Unternehmensgründung

1810) steht seit 1998 an der Spitze des BVMW.

Seine Unternehmensgruppe gehört seit über 25 Jahren zu den

Marktführern auf dem Gebiet Vermögensanlagen; das Volumen der

Investitionsvorhaben beträgt fast drei Milliarden Euro. In seiner Präsidentschaft

hat er die Mitgliederzahl des BVMW mehr als verdreifacht,

die Zahlen der Geschäftsstellen mehr als verfünffacht. Auf seine

Initiative hin wurden u. a. Bundeswirtschaftssenat, Politischer

Beirat und Mittelstandsallianz gegründet. „Mr. Mittelstand“ ist zugleich

Präsident des europäischen Mittelstandsdachverbandes und

Vizepräsident des weltweiten Mittelstandsnetzwerks INSME. Mit

dem Vorstands-Team will er unseren Verband weiterhin erfolgreich

in die Zukunft führen.

Dr. Helmut Baur

Binder-Optik GmbH

BVMW Vorstand

seit 2007

Der Geschäftsführer der Binder-Optik GmbH in Böblingen gründete

sein Unternehmen bereits 1975. Heute zählt es über 400 Mitarbeiter

in 50 Filialen und ist eines der führenden Unternehmen der Optikbranche.

Seit 25 Jahren vertritt Dr. Baur Malaysia als Honorargeneralkonsul

in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland. Er

wird weiterhin für einen intensiven Ausbau der internationalen Beziehungen

des BVMW und für Gesundheits- sowie Hochschulpolitik

zuständig sein.

Dr. Ute Bergner

VACOM Vakuum

Komponenten &

Messtechnik GmbH

Die promovierte Physikerin hat 1992 in Jena mit zwei Mitarbeitern

VACOM gegründet und es zu einem der führenden europäischen Unternehmen

für Vakuumtechnik mit rund 300 Mitarbeitern entwickelt.

Dr. Ute Bergner engagiert sich in gesellschaftlichen und wissenschaftlichen

Gremien wie IHK, der DPG und der DVG. Seit 2014 setzt

sie sich auch im Mittelstandsbeirat des Bundeswirtschaftsministeriums

aktiv für die Interessen des Mittelstands ein.

Fotos: © Silke Borek; © Arlene Knipper; © Christian Kruppa; © Steffen Höft; © Annette Wandel


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BVMW

113

Thiemo Fojkar

Vorstandsvorsitzender

des Internationalen Bundes

Willi Grothe

BVMW Vizepräsident

Vorstand seit 2002

Der Diplom-Pädagoge Thiemo Fojkar ist seit 2009 im Vorstand des

Internationalen Bundes, seit dem 2013 Vorstandsvorsitzender. Vorher

war er Bildungsreferent beim Verband der Metall- und Elektroindustrie

Baden-Württemberg (Südwestmetall), Geschäftsführer der

BBQ Berufliche Bildung gGmbH sowie der Apontis GmbH Gesellschaft

für Personalentwicklung und Personale Dienste.

Sein Fachwissen im Bereich Sanierung von historischen Gebäuden

eignete sich Willi Grothe als gelernter Maurer und Zimmermann an.

Er erweiterte es durch ein Studium als Dipl.-Bauingenieur für Hochbau,

ein postgraduales Studium für Denkmalpflege und betriebswirtschaftliche

Weiterbildungen. Heute ist er ein gefragter Fachmann als

Gutachter für Gebäudesanierung. Grothe steht im Vorstand für nachhaltiges

Wirtschaften und setzt sich für die berufliche Bildung junger

Menschen ein.

Dr. Jochen Leonhardt

ST Treuhand Dr. Leonhardt

Lincke & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft

mbH

BVMW Vorstand seit 1998

Katja Pampus

WDI - Westfälische

Drahtindustrie GmbH

Der promovierte Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist BVMW

Landespräsident in Sachsen. Er ist Geschäftsführer von mehreren

Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien im Rahmen

der ETL-Grupp in Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Im BVMW ist

er zuständig für Verbandsstrategie, darüber hinaus ist er Vorsitzender

der BVMW Kommission Steuern und Finanzen.

Die gelernte Industriekauffrau stammt aus einer westfälischen Unternehmerfamilie

und führt den größten, konzernfreien Qualitätsdrahtproduzenten

Europas in zweiter Generation erfolgreich fort.

Seit 2009 ist sie geschäftsführende Gesellschafterin und leitet die

WDI mit 15 Standorten und fast 1.300 Mitarbeitern. Zum Thema „Industriestandort

Deutschland – Chancen und Herausforderungen für

KMU“ referiert Sie am Institut der Norddeutschen Wirtschaft e. V.

Dr. Hans-Michael Pott

Anwaltskanzlei

SERNETZ SCHÄFER

BVMW Vizepräsident

Vorstand seit 2007

Arthur Zimmermann

BVMW Vorstand

seit 2013

Der renommierte Fachanwalt für Steuerrecht engagiert sich seit über

zwanzig Jahren beim BVMW im Rahmen seines Fachgebietes. Er ist

Gründungspartner der Anwaltskanzlei SERNETZ SCHÄFER in Düsseldorf.

Dr. Pott setzt sich vor allem für eine stärkere Berücksichtigung

der mittelständischen Belange im Bereich der europäischen

Rechtsetzung ein.

Als Finanzvorstand und geschäftsführender Gesellschafter war Arthur

Zimmermann an der Entwicklung der Klett-Gruppe von einem

Schulbuchverlag zum führenden europäischen Bildungsanbieter beteiligt.

Als Gesellschafter und AR-Vorsitzender ist er außerdem an

der Entwicklung und dem Bau von Seniorenanlagen involviert. Arthur

Zimmermann ist Vorsitzender der BVMW Kommission Bildung.


114 KULTUR

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Kultur

Van Gogh –

an der Schwelle

zur Ewigkeit

Der Künstler zwischen Genie und Wahn: Kaum ein Klischee

wird häufiger bemüht. Nun hat Julian Schnabel einen Film

über Vincent van Gogh gedreht – und aus Kitsch wird

existenzieller Ernst.

Rund 40 Mal wurde das tragische Leben

Vincent van Goghs verfilmt. Nun hat

sich einer, der sich auskennen muss,

der Materie angenommen. Julian Schnabel

führt Regie bei dieser elegischen Impression

über die letzten Lebensjahre des

mit sich und der Welt hadernden Künstlers.

Das macht Sinn, hat Schnabel doch in jungen

Jahren als Maler reüssiert. Erst 1996 tauschte

er die Leinwände: „Basquiat“ erzählte das

kurze Leben des Graffiti-Künstlers Jean-Michel

Basquiat. Nun also ein Schwergewicht

der Kunstgeschichte: Vincent van Gogh.

Wirrer Künstler, fiebrige Kamera

Schnabel wäre nicht der originelle Regisseur,

hätte er die sattsam bekannten Fakten dieser

Künstlerbiographie (Armut, Sonnenblumen,

abgeschnittenes Ohr) lieblos heruntererzählt.

Schnabel ist Maler, dem es als Regisseur

um die Innenschau, die möglichst ungefilterte

Wahrnehmung van Goghs (Willem

Dafoe) selber geht. So sehen wir den Künstler

in den ersten Einstellungen durch leuchtende

südfranzösische Landschaften wandern,

laufen, irren. Eine hastige, fiebrige Kamera

(Benoît Delhomme) folgt ihm, oft nimmt sie

seine Sicht auf Landschaft, Dinge und Menschen

ein. Die Farben sind intensiv, geradezu

plastisch wie auf van Goghs Gemälden; die

Menschen indes häufig grau und unscharf:

So muss man sich wohl des Künstlers Weltbild

und Wahrnehmung vorstellen.

Sehen, was der Künstler sieht

Nach dem Misserfolg seiner letzten Ausstellung

in einem Gasthaus („Keiner will

das sehen“, sagt der Wirt und hängt die Bilder

wütend ab) flieht van Gogh ins sonnige

Südfrankreich, nach Arles. Hier nun wandert

er samt Strohhut und Staffelei, und

Julian Schnabel öffnet unsere Augen, indem

er uns mit van Goghs Augen sehen lässt.

Es ist die Kluft zwischen Kunst- und Bildverständnis

der Menschen jener Zeit und

des Künstlers eigener Vision von Natur und

Mensch, die das Medium Film zu schließen

vermag. So ist das Gelb der Sonnenblumen,

das Gelb frisch gestrichener Zimmerwände

jenes Gelb, das auch ungeübte Museumsgänger

eindeutig dem von van Gogh zuordnen

können. Aus halbgarem Kulturwissen

wird intensives Erleben. „Van Gogh“ zeigt

anrührende Momente des künstlerischen

Schaffensprozesses: Wenn Schauspieler

malen, Klavier spielen oder Skulpturen kneten,

hat das häufig etwas rührend Hilfloses,

mitunter muss ein Profi übernehmen und

nur der Schnitt rettet die Illusion. Hier malt

Defoe selber, Schnabel hat es ihm beigebracht

– Pinselhaltung, Strichführung, Licht


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

KULTUR

115

Van Gogh (Willem Dafoe) in Südfrankreich.

Trost in der Verzweiflung: Vincent van Gogh mit Bruder Theo (Rupert Friend).

Foto: © DCM

und Schatten. Wir sind im Kopf van Goghs

und sehen seine Hände seine Visionen umsetzen.

Das Ohr und das Ende

Sein einziger Freund – neben dem fürsorglichen

Bruder Theo – ist Künstlerkollege

Paul Gauguin (Oscar Isaac), der ihm bei einem

Besuch in Arles genau das vorwirft: „Du

bist zu schnell, du malst und übermalst, bis

deine Bilder fast Skulpturen sind.“ Die Dialoge

der beiden skizzieren einen der großen

Momente der modernen Kunstgeschichte:

„Irgendwann malst du nicht mehr, was du

siehst, sondern was in dir ist.“ Der Film illustriert

nichts weniger als das Ende der gegenständlichen

Kunst – und taucht auch das

Ende van Goghs in diese fiebrig-verschwommenen,

verstörenden Bilder, die wohl im Kopf

des Malers kreisten. Gauguin verlässt van

Gogh, der Disput klingt nach, und van Gogh

nimmt ihn sich zu Herzen: Er schneidet sich

das linke Ohr ab, dem Freund als Versöhnungsgeschenk

zugedacht. Das ist man im

provinziellen Arles nicht gewohnt – van Gogh

wird in die Anstalt eingeliefert. Der nächste

Freigang mündet in einen ungeklärten Vor-

VAN GOGH – AN DER SCHWELLE

ZUR EWIGKEIT

Biographie, Frankreich 2018, FSK 6

Regie Julian Schnabel

Drehbuch Julian Schnabel,

Jean-Claude Carrière

Mit Willem Dafoe, Rupert Friend,

Oscar Isaac, Mads Mikkelsen

Ab 4. Oktober auf Blu-Ray, DVD und VoD

fall mit einer Schäferin, die van Gogh spontan

zeichnen will. Der Vorwurf der Vergewaltigung

hängt drohend über ihm, es folgt auf

Initiative Theos ein Aufenthalt in Auvers-sur-

Oise, wo er innerhalb von 80 Tagen 70 Bilder

malt – bis er bei einem Überfall in den Bauch

geschossen wird und stirbt. Das ist historisch

zweifelhaft, doch bis hierhin hat uns

Julian Schnabel soweit, nur noch unserer eigenen

Innenschau – also der van Goghs – zu

trauen. Das gelingt nur einem Regisseur, der

auch Maler ist.

Bernd Ratmeyer

Journalist

mittelstand@

bvmw.de


116 KULTUR

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Kunst-Hauptstadt Düsseldorf

Sie ist ein junges Kind der vitalen Düsseldorfer Kunstszene: Die ART Düsseldorf, die in diesem

Jahr vom 15. bis 17. November zum dritten Mal für das interessierte Kunstpublikum ihre Tore

öffnet. Wechselt man den Blick, fällt eines direkt ins Auge: Die Kunstszene ist Mittelstand!

Wenn am 15. November auf dem

Areal Böhler in Düsseldorf an der

Hansaallee die Tore geöffnet werden,

erwarten 90 Aussteller der zeitgenössischen

Kunstszene aus nah und fern ihre

Gäste. Die Kunstmesse ART Düsseldorf wird

aller Voraussicht nach in diesem Jahr mehr

als 50.000 Besucher begrüßen, von denen

mancher mit dem Jet um den halben Globus

reist, um seine private Galerie um manche

Preziose unserer Zeit zu bereichern.

Die Kunstmesse bietet jungen wie auch etablierten

Galerien ein großes Forum, auf neue

Arbeiten und Trends in der Kunstszene aufmerksam

zu machen. Ihr gelingt es, Plastiken,

Gemälde und modernste Kunststile der

digitalen Szene immer stärker in die Mitte

der Gesellschaft zu tragen, zu inspirieren

und, wenn alles ineinandergreift, abstrakte

Aspekte gesellschaftlicher Trends und Wellenbewegungen

herauszugreifen, um diese

in Designlösungen oder anregende Impulsarbeiten

umzuwandeln. So verschmelzen

die Kunstszene, die Technik und die Wissenschaft

mit der mittelständischen Wirtschaft,

die mit neuen Produktlösungen den technologischen

Wandel kreativ befeuert, zu einer

fruchttragenden Einheit.

Es zählt zu den großen Herausforderungen

einer Kunstmesse, gerade diesen für unsere

Gesellschaft unverzichtbaren kreativen

Verschmelzungsprozess anzuregen und

Menschen zusammenzuführen, die auf den

ersten Blick in völlig unterschiedlichen Le-

benswelten beheimatet sind. Dies gelingt gerade

in Düsseldorf mit wachsendem Erfolg,

und dies nicht erst seit den Tagen des legendären

Joseph Beuys als dem Aushängeschild

der modernen Kunstszene.

Aber das Kunstpublikum hat sich über die

Jahre verändert. Es ist anspruchsvoller und

eventorientierter geworden. Das spürt man

allerorten, und auch die Kunstszene muss

dies in Rechnung stellen, will man nicht

schneller von der Kunstlandkarte verschwinden,

als es den Veranstaltern, Organisatoren

und Finanziers im Hintergrund lieb sein darf.

Und in Düsseldorf hat man diese Veränderung

erkannt und fesselt das anspruchsvolle

Publikum mit spektakulären Messeorten wie

dem tageslichtdurchfluteten Areal Böhler,

das mit seinen hohen, hellen Hallen an das

legendäre Grand Palais in Paris erinnert, das

im Jahre 1900 der Weltausstellung die Besucher

staunen ließ.

Die Macher hinter dem Erfolgskonzept verstehen

ihr Handwerk. Mit dem international

erfolgreichen Messebetreiber „art.fair

international GmbH“ steht nun auch ein erfahrenes

Messeteam aus einer anderen

Rhein-Metropole Pate für den Erfolg der

Düsseldorfer. Im Frühjahr dieses Jahres erwarb

die Firma um Geschäftsführer Walter

Gehlen einen Anteil von 25,1 Prozent an der

ART Düsseldorf und lässt nun ihre langjährige

Expertise auf internationalem Kunstparkett

in die Entwicklung der Düsseldorfer Ausstellung

einfließen. Künstler, Kunstliebhaber

und Galeristen werden von dem wachsenden

Know-how, den exzellenten Kontakten

der Kölner im In- und Ausland mit Sicherheit

profitieren. Die Beteiligung an den Düsseldorfern

erwarben die Nachbarstädter von

der Messe Schweiz, kurz MCH, was nun dem

wirtschaftlichen Background, denn auch der

muss angesichts des harten Wettbewerbs

auf dem Kunstmarkt gefestigt und kaufmännisch

gepflegt sein, einen regionaleren Charakter

verleiht. Die Zeichen in Düsseldorf

stehen also auf Kontinuität und Wachstum –

gute Nachrichten für die Düsseldorfer Kunstszene

und den internationalen Kunstmarkt.

Gut zu wissen

Modern, international, am Puls der Zeit –

das ist die ART Düsseldorf.

Besucher erhalten Tageskarten zu 25 Euro

vor Ort.

15. bis 17. November 2019

Areal Böhler

Hansaallee 321, 40549 Düsseldorf

www.art-dus.de

Thomas Kolbe

BVMW Pressesprecher

Nordrhein-Westfalen

thomas.kolbe@

bvmw.de

Foto: © ART Düsseldorf


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

KULTUR

117

Schmitten Spectators Choice orange © Art Düsseldorf


118 KULTUR DER MITTELSTAND. 5 | 2019

Wohnen wir bald in grünen Hochhäusern?

Futurium:

Einmal Zukunft und zurück

Im Zentrum von Berlin, um die Ecke vom Haupbahnhof, hat vor

kurzem das Futurium geöffnet – das neue Haus der Zukünfte.

Auf über 3.000 qm Ausstellungsfläche lassen sich hier Zukunftsentwürfe

aus unterschiedlichen Lebensbereichen entdecken

– von selbst versorgenden Städten bis zur Arbeit der

Zukunft und Ideen für nachhaltigeren Konsum. Bis Ende 2022

ist der Eintritt frei.

Wer sich dem Futurium vom Spreeufer

aus nähert, sieht die Zukunft

schon von Weitem, denn die kinetische

Skulptur „Drehmoment“ auf dem

Vorplatz ist nicht nur 15 Meter hoch, sondern

auch ständig in Bewegung. Sie besteht

aus einem riesigen Teller, der wild auf einem

wackligen Stab balanciert. Immer wieder

verlangsamt sich die Drehung oder stoppt

plötzlich. Warum und in welchem Rhythmus?

Das bleibt das Geheimnis der eingebauten

künstlichen Intelligenz.

Eine Gegenwart – viele Zukünfte

Im Futurium selber dreht sich dann alles um

die Fragen: Wie wollen wir leben? Und wie

können die großen Herausforderungen der

Zukunft bewältigt werden? Wie können wir

den Klimawandel in den Griff bekommen?

Welche Technologien wollen wir künftig nutzen?

Wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben?

Das Futurium liefert darauf keine endgültigen

Antworten, sondern will vielmehr ermutigen,

die Zukunft mitzugestalten. Dazu

Dr. Gabriele Zipf, Leiterin Ausstellungen: „Die

‚eine’ Zukunft gibt es nicht. So viele Menschen

auf dieser Erde von morgen und übermorgen

träumen, so viele mögliche Zukünfte sind

denkbar. Dieser Gedanke bestimmt die Arbeit

des gesamten Futuriums. In der Ausstellung

zeigen wir deshalb keine fertigen Zukunftsszenarien

für die Welt von morgen, sondern

bieten Bausteine für viele mögliche Zukünfte.“

Liquide Dauerausstellung

Die Ausstellung des Futuriums ist als liquide

Dauerausstellung geplant, rund um die

Themen Ernährung, Gesundheit, Energie,

Arbeit und das Leben in Städten. „Liquide“

heißt, dass die Startthemen nach und

nach modifiziert und erweitert werden, um

der Vielfalt an Zukunftsoptionen gerecht

zu werden. Zum Start erwarten die Besucher

im Obergeschoss des Zukunftsbaus

Fotos: © Claudia Mattheis


DER MITTELSTAND. 5 | 2019

KULTUR 119

Blick durch die Glaskugel: Was bringt uns die Zukunft?

unter anderem Roboter-Menschen, grüne

Hochhäuser und Ideen zum gemeinwohlorientierten

Wirtschaften. Und wer

Entspannung sucht, der kann sich in eine

der großen Schaukeln setzen, die von den

zehn Meter hohen Decken hängen.

Das Futurium Lab

Aktiv werden können die Besucher im Untergeschoss,

das unterirdische Labor mit einer

Gesamtfläche von 600 qm lädt ein, Zukunftstechnologien

zu erleben. Geplant sind

Workshops und Mitmach-Aktionen, zum

Beispiel kann man an 3D-Druckern eigene

Ideen ausprobieren.

Veranstaltungsforum

Mit mobilen Trennwänden und intelligent

agierender Haustechnik sind die Flächen im

Erdgeschoss von 50 bis zu 670 qm unter-

schiedlich konfigurierbar. Ausgestattet mit

Tageslicht, hellen, akustisch aktiven Oberflächen

und ausfahrbaren Projektionsmedien

bieten sie Raum zur Verständigung über

die Welt von morgen.

Solares Meer mit Skywalk

Das Dach ist fast vollständig mit solaren

Energiekollektoren für Photovoltaik (Strom)

und Solarthermie (Wärme) belegt. Drumherum

läuft der öffentlich zugängliche Skywalk

mit spektakulären Ausblicken auf den

Berliner Stadthorizont.

Gut zu wissen

Öffnungszeiten

Mo, Mi, Fr, Sa, So: 10.00 – 18.00 Uhr

Do: 10.00 – 20.00 Uhr

Di: geschlossen

Adresse:

Alexanderufer 2

10117 Berlin

www.futurium.de

Claudia Mattheis

Geschäftsführerin

mattheis. Werbeagentur

GmbH

BVMW-Mitglied

www.mattheisberlin.de


120 KULTUR

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

BuchTipps

Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?

Plädoyer für eine Schule, die wirklich schlau macht

Jürgen Kaube ist Herausgeber und Bildungsexperte

der Frankfurter Allgemeinen

Zeitung – und Vater von zwei

Töchtern. Aus dieser doppelten Erfahrung

heraus formuliert er eine provokante These:

Die Schule, wie sie jetzt ist, ist eine Fehlkonstruktion.

Sie bringt den Kindern oft nur bei,

was diese weder brauchen noch verstehen –

und zuverlässig fast komplett wieder vergessen.

Schlimmer noch, die Schule reagiert dabei

viel zu stark auf immer neue Anforderungen,

die von außen an sie gestellt werden:

Unsinn, wie es die Rechtschreibreform oder

das Sprachlabor für den Autor waren.

Plädoyer für eine Schule, die wirklich schlau

macht.

Jürgen Kaube ist seit 2015 Herausgeber der

Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zuvor leitete

er dort das Ressort Geisteswissenschaften

und war stellvertretender Feuilletonchef.

2012 wurde er vom mediummagazin als Journalist

des Jahres im Bereich Wissenschaft

ausgezeichnet, 2015 erhielt er den Ludwig-

Börne-Preis.

Persönliche Empfehlung

von Mario Ohoven!

Was jetzt gebraucht wird, sagt Kaube, ist eine

Reduktion auf das Wesentliche: Kinder sollen

denken lernen, darum und nur darum geht es

in der Schule. Heute bringt sie ihnen vor allem

bei, was leicht abgefragt werden kann.

Und das ist das genaue Gegenteil von denken

lernen, Urteilskraft und Weltverständnis.

Daraus leitet Kaube ebenso klare wie unbequeme

Forderungen ab, die die Bildung unserer

Kinder von unsinnigen Zwängen befreien.

Jürgen Kaube legt ein Buch vor, das quer

steht zu der bisherigen Bildungsdebatte,

nicht einzuordnen ist in ein Schema von links

und rechts, konservativ und progressiv. Ein

Ist die Schule zu blöd für unsere

Kinder?

Jürgen Kaube

Rowohlt Berlin

334 Seiten

22,00 €

Bitte richten Sie Ihre Bestellungen an:

BVMW-Servicegesellschaft mbH, Berlin

servicegesellschaft@bvmw.de

Tel. 030 / 53 32 06-27

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wir sie brauchen

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Konflikte unserer Zeit

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171 Seiten

16,00 €


DER MITTELSTAND. 5 | 2019 KULTUR 121

AppTipps

mite: Zeiterfassung

pur und ohne

Schnickschnack

Das Erfassen von Arbeitszeiten ist lästig,

aber laut Grundsatzurteil des Europäischen

Gerichtshofs Pflicht. Doch die webbasierte

Software mite macht das Stundenzählen

so einfach wie möglich und verzichtet dabei

konsequent auf überflüssige Features.

Konzipiert wurde mite für Freiberufler und

kleinere Teams, Designer, Werbeagenturen,

Architekten, Rechtsanwälte etc. Mit mite

lässt sich Arbeitszeit nach Kunde, Projekt

und Leistung manuell erfassen oder direkt

stoppen – im Browser, auf dem Mac und PC

oder unterwegs auf dem iPhone. Aus den

Einträgen generiert die Software ausführliche

grafische Reports. Diese helfen nicht

nur, zeitliche Budgets im Auge zu behalten,

sondern auch, etwaige Schwachstellen in

Arbeitsabläufen zu identifizieren. Die Reports

lassen sich flexibel filtern, Kunden online

zur Verfügung stellen, ausdrucken oder zur

Weiterverarbeitung mit Programmen Dritter

exportieren. Als Software as a Service kostet

mite monatlich 5 Euro pro Nutzer.

Craftnote: Handwerker-App

verbindet

Baustelle mit Büro

Täglich fallen auf der Baustelle unzählige

Informationen an. Nicht alle finden

ihren Weg zur Bearbeitung und Abrechnung

ins Büro. Konsequenz: vergessene

Absprachen, Zettelwirtschaft, verpasste

Termine und zum Schluss verärgerte

Kunden. Diese Fehler kosten viel Geld.

Die Handwerker-App Craftnote verspricht

Abhilfe und will dabei so einfach

sein wie WhatsApp. Sie ist für kleine

und mittelgroße Handwerksbetriebe

und Bauherren geeignet. Mit dem Ziel,

allen Beteiligten im Büro, auf der Baustelle

oder in der Werkstatt jederzeit den

gleichen Informationsstand zu geben.

Der Schwerpunkt liegt auf der nachhaltigen

Dokumentation und einheitlichen

Kommunikation für moderne Handwerker-Teams

und ihre Bauherren. Die kostenlose

App läuft auf Smartphone, Tablet

und PC oder Mac.

FLIO: Der globale

Flughafenführer

FLIO bietet umfassende Informationen zu

mehr als 3000 Flughäfen weltweit. Einfach

den Flughafen über die Namens- oder

IATA-Code Funktion auswählen und alle

Tipps zum Flughafen bekommen,

z. B. wie ist der schnellste Weg zum Gate,

oder wo sind welche Restaurants? Zudem

gibt es Gutscheine und Rabatte für Restaurants,

Cafés und Duty-Free-Shops oder Zugang

in 400 Flughafen Lounges. Mit FLIO

lassen sich Flüge außerdem nachverfolgen.

Registrierte Nutzer können ihre Flüge

manuell oder automatisch zu der persönlichen

Flughistorie hinzufügen und so außerdem

aktuelle Informationen zum Flugstatus

erhalten. Und wer die Bordkarten in FLIO

scannt, hat immer alle relevanten Informationen

rund um die Flüge an einem Ort. FLIO

ist kostenlos für iOS- und Android Mobiltelefone

verfügbar.

www.mite.yo.lk

www.craftnote.de

www.flio.com


122 KULTUR

Geistesblitze

DER MITTELSTAND. 5 | 2019

„Ich habe niemals an Erfolg

geglaubt. Ich habe dafür

gearbeitet.“

Estée Lauder

„Erfolg haben heißt, einmal mehr

aufstehen, als man hingefallen ist!“

Winston Churchill

„Gib jedem Tag die Chance, der

schönste deines Lebens zu werden.“

Mark Twain

„Wer auf andere Leute

wirken will, der muss erst

einmal in ihrer Sprache

mit ihnen reden.“

Kurt Tucholsky

„Wege entstehen dadurch, dass man

sie geht.“

Franz Kafka

„Wer aufhört zu werben,

um Geld zu sparen, kann

ebenso seine Uhr anhalten,

um Zeit zu sparen.“

Henry Ford

„Phantasie ist wichtiger als Wissen,

denn Wissen ist begrenzt.“

Albert Einstein

Foto: © https://de.wikipedia.org/


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