Berliner Zeitung 28.10.2019

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Wieder Ruhestand perfekt wird. Neue Serie – Berlin Seite 12

Berlin und

die koloniale

Verantwortung

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Montag,28. Oktober 2019 Nr.250 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Debatte: Sind

wir ein Land?

Meinung Seite 8

Landtagswahl in Thüringen ARD-Hochrechnung 23.02 Uhr

33,5 %

31,0 % 28,2 %

21,8 % 23,4 %

12,4 %

8,2 %

10,6 %

5,2 % 5,7 %

5,0 % 2,5 %

5,4 % 7,3 %

2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014 2019 2014

SPD CDU GRÜNE LINKE FDP AFD SONSTIGE

Sigmar Gabriel

als Autolobbyist?

Politik Seite 4

Bayern München

Ein Torgegen

Union für die

Ewigkeit

VonMaik Rosner

Nach dem 2:1 gegen Union Berlin

hielt Robert Lewandowski eine

Trophäe in den Händen. Mit seiner

gerade aufgestellten und gefühlt 82.

Bestmarke hatte diese aber nichts zu

tun. Erhalten hatte Lewandowski die

Auszeichnung ja nicht für seine Rekordserie,

inallen ersten neun Ligaspielen

dieser Saison getroffen zu

haben. Wofür er die Ehrung bekommen

hatte,wusste

er aber auch

nicht so genau.

Als „bester Spieler“

sei er gewürdigt

worden, erklärte

der Pole.

Nachfrage: Des

Spiels? „Nee“,

RobertLewandowski,

Bayernseinziger dowski, „für die

sagte Lewan-

Stürmer ganze Saison.“

Dabei lächelte er

schelmisch und räumte ein: „Ich

muss nachfragen.“

Fest steht jedenfalls, dass Lewandowski

durch sein 2:0 gegen Union

auf 13 Ligatore nach neun Spielen

kommt und auf insgesamt 19 in den

14 Pflichtspielen dieser Spielzeit, nur

im Supercup ging er leer aus. Auch

deshalb darf sich Lewandowski bisher

guten Gewissens als Spieler der

Saison betrachten. Fast die Hälfte aller

40 Bayern-Tore inallen Wettbewerben

gehen auf sein Konto, und

wie stark das fragile Gebilde des

Meisters gerade von ihm abhängt,

erzählt auch der Blick auf den anderen

Torschützen gegen Berlin. Abwehrmann

Benjamin Pavard hatte

die Führung erzielt, es war sein zweites

Ligator in dieser Saison, womit

der Franzose in der internen Torschützenliste

auf Rang zwei steht.

Woraus sich auch ableiten lässt:

Ohne Lewandowskis Tore stünde die

Mannschaft von Trainer Niko Kovac

in der unteren Tabellenhälfte der

Bundesliga.

Es ist nicht neu, dass Lewandowski

zu den besten Stürmern der Welt

zählt. Neuaber ist, dass er die Bayern

derzeit so sehr trägt wie nie zuvor,

seitdem er 2014 ablösefrei aus Dortmund

nach München übergelaufen

war. Immer wieder hatte er seither

mit einem Wechsel zum spanischen

Rekordmeister Real Madrid geliebäugelt,

zustande kam dieser aber nie.

Und nachdem der 31 Jahre alte Angreifer

zuletzt seinen Vertrag vorzeitig

um zwei Jahre bis 2023 ausgedehnt

hat, scheint er sich erstmals

uneingeschränkt mit seinem Arbeitgeber

zu identifizieren. Vermutlich

trägt das dazu bei, dass er trifft und

trifft und trifft.

Ungefähr aus jener Zeit, als VW

den Käfer damit bewarb, dass dieser

„läuft und läuft und läuft“, stammt

auch ein Fabelrekord der Bundesliga,

der nun in Gefahr geraten

könnte. In der Saison 1971/72

brachte es der damalige Bayern-

Stürmer Gerd Müller auf 40 Ligatore.

Hält Lewandowskis Lauf an, käme er

hochgerechnet auf 49. Dann wäreer

wirklich zweifelsfrei der Spieler der

Saison. Mindestens. SportSeite 20

Sieger ohne Mehrheit

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat die Landtagswahl in Thüringen gewonnen,

aber Rot-Rot-Grün hat die Mehrheit verloren. AfD verdoppelt ihren Stimmenanteil

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) muss sich eine neue Regierungsmehrheit suchen.

VonSteven Geyer

Bei der Landtagswahl in

Thüringen hat es die Linkspartei

unter dem bisherigen

Ministerpräsidenten

Bodo Ramelow geschafft, erstmals

stärkste Kraft in einem Bundesland

zu werden. Allerdings fehlt dem Parteichef

im neuen Landtag die Mehrheit,

um sein rot-rot-grünes Regierungsbündnis

fortzusetzen. Als

zweite Kraft überholte die AfD knapp

die CDU. Ramelow sprach trotz des

Mehrheitsverlustes von einem klaren

Auftrag zur Regierungsbildung:

„Ich sehe mich ganz klar bestätigt.

Bei dem Zustimmungswert, den

meine Partei bekommen hat, ist der

Regierungsauftrag klar bei meiner

Partei. Undich werdediesen Auftrag

auch annehmen“, sagte er am Sonntagabend

in Erfurt.

Während die Linke ihr Ergebnis

von der Landtagswahl vor fünf Jahren

leicht verbesserte, verlor die

CDU mehr als zehn Prozentpunkte

und landete hinter der AfD auf Platz

drei. Im Jahr 2014 war die CDU noch

klar stärkste Kraft vor der Linken,

hatte aber nicht ausreichend Koalitionspartner

gefunden, sodass es für

eine rot-rot-grüne Landesregierung

unter Ramelowgereicht hatte.

Das sieht nach diesem Sonntag

anders aus. Nun liegt zwar der Auftrag

zur Regierungsbildung zuerst

bei Ramelow, dafür scheitert Rot-

Rot-Grün an den schwachen Ergebnissen

der Koalitionspartner SPD

und Grüne: Die SPD verlor gegenüber

2014 erneut, erreichte in Thüringen

nur noch ein einstelliges Ergebnis

und schnitt damit noch

schwächer ab als in den Umfragen

auf Bundesebene. Die kommissarische

SPD-Chefin Malu Dreyer erklärte

das mit der „starken Polarisierung

zwischen Ministerpräsident

und AfD“:VieleWähler hätten Ramelow

gewählt, um die AfD als stärkste

Kraft zu verhindern, so Dreyer.

Die Grünen mussten sogar bangen,

ob sie den Sprung in den Landtag

schaffen. Unter ihrer Spitzenkandidatin,

der bisherigen Umweltministerin

Anja Siegesmund, sind die

Grünen in Thüringen weit von ihren

Sitzverteilung 2019 in Klammern 2014

Grüne

5 (6)

SPD

8 (12)

Linke

29 (28)

bundesweiten Wahl- und Umfrage-

Ergebnissen entfernt und konnten

sich gegenüber der Landtagswahl

von2014 de facto nicht verbessern–

trotz der großen Aufmerksamkeit,

die sie im Bund für sich und ihre

Themen genießen. Auch der Co-

Bundesvorsitzende Robert Habeck

schrieb das am Sonntag dem polarisierten,„geradezu

unversöhnlichen“

Wahlkampf zu.

Allerdings ist auch ein Kenia-

Bündnis aus CDU, SPD und Grünen –

wie es in Sachsen künftig regieren soll

–weit von einer Regierungsmehrheit

entfernt. Selbst mit der FDP würde es

dann nicht reichen. Bei Redaktionsschluss

dieser Ausgabe hatte sie den

Einzug knapp geschafft. Die CDU

hatte sich unter ihrem Landeschef

90 (91)

Sitze

CDU

21 (34)

AfD

22 (7)

FDP

5 (–)

BLZ/HECHER; QUELLE: INFRATEST DIMAP

Mike Mohring ein Kopf-an-Kopf-

Rennen um den zweiten Platz mit

der rechtspopulistischen Alternative

für Deutschland geliefert –und unterlag

ihr knapp.

Die AfD, die in Thüringen vom

Kopf ihres rechtsnationalen Flügels,

BjörnHöcke,geführt wird, konnte ihren

Stimmenanteil im Vergleich zu

den Wahlen von 2014 mehr als verdoppeln.

2014 hatte sie aus dem

Stand10,6 Prozentgeholt. Höcke bezeichnete

das gute AfD-Ergebnis als

ein „Nein der Wähler zu einer erstarrten

Parteiendemokratie“: „Die Thüringer

haben heute die Wende 2.0 gewählt“,

sagte er vorAnhängerninErfurt.

Allerdings verfehlte die AfD wie

zuvor in Sachsen und Brandenburg

ihr Wahlziel, zur stärksten Kraft auf

Landesebene zu werden. Die größten

Stimmengewinne verbuchte die

AfD von bisherigen Nicht-Wählern,

mit einigem Abstand gefolgt vonbisherigen

CDU-Wählern.

Die Wahlbeteiligung lag bei

knapp 65 Prozentund hat sich damit

deutlich erhöht – gegenüber der

Wahl vor fünf Jahren, aber auch im

Vergleich zur Europawahl in diesem

Mai. Insgesamt waren in diesem Jahr

rund 1,7 Millionen zur Wahl zum

DPA/MARTIN SCHUTT

Landesparlament aufgerufen. Schon

bei den Wahlen in Sachsen und

Brandenburg hatte es mehr Menschen

in die Wahlkabinen gezogen,

wobei jeweils die Amtsinhaber davonprofitierthatten.

Für Ramelowstehen nun schwierige

Sondierungen an. CDU und FDP

bestätigten am Abend, dass sie nicht

zu einer Zusammenarbeit mit der

Linkspartei bereit seien. „Man kann

nicht seine Grundsätze über Bord

werfen, nur um an einer Regierung

beteiligt zu sein“, sagte CDU-Generalsekretär

Paul Ziemiak. Eine Kooperation

mit der AfD schlossen

CDU und FDP ebenfalls aus. CDU-

Landeschef und Spitzenkandidat

Mike Mohring sprach am Abend

von einem „bitteren Abend für die

demokratische Mitte“. Erlobte zugleich,

dass Rot-Rot-Grün ihr Bündnis

nicht fortsetzen können.

Nach Einschätzung des Leipziger

Politologen Hendrik Träger muss

die CDU nun aber ihr Verhältnis zur

Linken überdenken. „Die CDU

muss sich nach der Wahl darüber

klar werden: Grenzt sie sich weiterhin

so starkvon den Linken ab oder

nicht“, sagte Träger.„Wenn die Parteien

der Mitte von CDU, SPD, Grünen

und FDP bei unter 50 Prozent

der Stimmen sind und keine Regierung

bilden können, ist das ein Signal,

das über das Land hinaus

geht.“

Für die CDU ist der Fall auf den

dritten Platz auf Landesebene besonders

schmerzlich. Bevor es 2014

zur rot-rot-grünen Koalition kam,

hatte die Partei 24 Jahre lang das

Land regiertund stellte stets den Ministerpräsidenten,

zwischenzeitlich

sogar mit einer absoluten Mehrheit.

Seiten2,3und 8

Berliner SPD

stimmt gegen

Enteignung

Parteitag: Lehrer sollen

wieder verbeamtet werden

VonMelanie Reinsch

Die SPD hat sich am Sonnabend

auf ihrem Parteitag mehrheitlich

darauf geeinigt, dass sie die Enteignung

großer Wohnungsunternehmen

ablehnt. Dies sei gegenwärtig

nicht zielführend, heißt es in dem

Antrag, für den 137 der 238 Delegierten

stimmten. Damit stellt sich die

SPD gegen ihre Koalitionspartner

Grüne und Linke, die die Ziele der

Initiative„Deutsche Wohnen und Co

enteignen“ unterstützen. Diese

hatte im Juni 77 000 Unterstützer-

Unterschriften vorgelegt und damit

die erste Hürde für ein Volksbegehrengenommen.

Die Initiative strebt die Vergesellschaftung

von Wohnungsunternehmen

mit mehr als 3000 Wohnungen

an. Aktuell prüft Innensenator Andreas

Geisel (SPD), ob das Volksbegehren

rechtlich zulässig ist. Daher

habe die Entscheidung der SPD erst

mal keine Auswirkungen, kommentierte

Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende

der Grünen.„DasVolksbegehrenliegt

in der Innenverwaltung. Wir

sind in einem laufenden Verfahren

und werden über den weiteren Verlauf

sprechen müssen“, sagte Kapek

der Berliner Zeitung. Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop (Grüne) sagte,

es sei angebracht, mit den Initiatoren

des Volksbegehren sowie der

Bau- und Immobilienwirtschaft in

einen Dialog zu treten.

Lob für die Entscheidung der SPD

gab es indes aus der Opposition.

„Die SPD hat mit ihrem knappen Beschluss

gerade noch einmal die politische

Verschmelzung mit der Linken

abwenden können“, sagte der

FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian

Czaja der Berliner Zeitung. Aber: So

begrüßenswertder Ausgang unddas

Bekenntnis zu mehr Bau auch sei,

„diese Regierungskoalition ist nur im

Konflikt geeint“. DieEinsicht zu Maß

undVernunft müsse die Partei auch

endlich in die Linkskoalition tragen.

Die SPD hat sich zudem darauf

verständigt, zum Beamtenmodell

für Lehrkräfte zurückkehren zu

wollen, um dem Lehrermangel in

der Stadt entgegenzuwirken. Berlin

ist das einzige Bundesland, das

seine Lehrkräfte nicht verbeamtet.

Grüneund Linke lehnendas Modell

ab. Berlin Seite9

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2** Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Wahl in Thüringen

Bitteres Ergebnis: CDU-Spitzenkandidat MikeMohring (links) muss sich mit einer Niederlage abfinden. Auch bei den Grünen herrscht Enttäuschung; die Partei um die Spitzenkandidaten Anja Siegesmund (rechtes Bild links) und DirkAdams hatte sich mehr erhofft.

GETTY, DPA

Eine gute

Arbeit der

Regierung

Forscher zu den Ursachen

des Erfolgs der Linken

Ministerpräsident Bodo Ramelowhat

nach einer Analyse der

Forschungsgruppe Wahlen die Basis

für den historischen Sieg der Linken

bei der Landtagswahl in Thüringen

gelegt. Der Spitzenkandidat der Partei

schneide bei Leistungsbilanz und

Ansehen deutlich besser ab als CDU-

Ministerpräsidenten des Landes vor

fünf oder zehn Jahren. Die meisten

Thüringer wünschten sich Ramelow

weiter als Regierungschef, heißt es in

der am Sonntagabend veröffentlichten

Analyse des Wahlausgangs.

DieLinke wurde erstmals in einem

Bundesland stärkste Kraft. Ramelow

werde inzwischen auch im CDU-Lager

positiv bewertet. In AfD-Kandidat

Björn Höcke, der selbst die eigenen

Reihen nur bedingt überzeuge,sähen

66 Prozent aller Befragten „eine Gefahr

für die Demokratie“.

Zweifel an Minderheitsregierung

Während die Linke für 61 Prozent der

Befragten Thüringen in den vergangenen

fünf Jahren vorangebracht

habe, hätten sich die Grünen in der

Regierung nicht profilieren können.

Dabei spiele auch eine Rolle,dass es

für 74 Prozent der Befragten „viel

wichtigereThemen als Klimaschutz“

gebe. Bei der SPD sehen 67 Prozent

den Grund für das schlechte Ergebnis

primär bei der Bundespartei.

Dass Mohring bislang ein Bündnis

mit der Linken ausgeschlossen

hat, sehen 59 Prozent aller Thüringer

und selbst 47 Prozent der CDU-Anhänger

kritisch. Gegenüber einer

Minderheitsregierung gebe es große

Vorbehalte.

Die Zahlen der Forschungsgruppe

Wahlen basieren nach deren

Angaben auf einer telefonischen Befragung

unter 1628 zufällig ausgewählten

Wahlberechtigten in Thüringen

in der Woche vorder Wahl sowie

auf der Befragung von 18808

WählernundWählerinnen amWahltag.

(dpa)

Bündnisse in Thüringen

Sitze gesamt: 88,

absolute Mehrheit: 45 Sitze

Linke CDU SPD Grüne FDP

21

21

28

28

28

7

7

7

5

5

7

33 Sitze

5

5

5

40 Sitze

38 Sitze

21

45 Sitze

49 Sitze

BLZ/HECHER; QUELLE: FORSCHUNGSGRUPPE WAHLEN

5

VonDaniela Vates

In der CDU-Parteizentrale ist

die Reaktion auf das erste

Wahlergebnis erstmal ein

Schweigen: Keine Rufe, kein

Klatschen, nicht einmal ein trotziger

Applaus als klar ist, dass das bisherige

rot-rot-grüne Regierungsbündnis

abgewählt ist. Einfach Schweigen,

eine Art Schockstarre vielleicht.

Die CDU hat massiv verloren, in einem

Land in dem sie seit derWiedervereinigung

bis 2014 immer den Ministerpräsidenten

gestellt hat, in

dem sie noch bei der Wahl 2014

stärkste Partei wurde. Nun ist die

Linkspartei stärkste Kraft, und auch

die völkisch auftretende AfD ist wohl

an der CDU vorbeigezogen.

Die falschen Themen gesetzt

„Katastrophal“, entfährt es einem

wichtigen CDU-Politiker.Und Generalsekretär

Paul Ziemiak tritt nur für

ein Statement vor die Mikrofone in

der Parteizentrale, Fragen sind nicht

zugelassen.„Es ist ein bitterer Tagfür

die CDU. Es ist auch ein bitterer Tag

für die demokratische Mitte“, sagt

Ziemiak.

Zu diesem Zeitpunkt scheint in

Thüringen kaum ein Regierungsbündnis

ohne die AfD möglich –außer

die CDU geht mit der Linkspartei

zusammen. Was folgt daraus? Die

CDU hat in Thüringen wie zuvor in

Sachsen Koalitionen mit Linkspartei

VonTobias Peter

Esbrandet Jubel im Hans-Dietrich-

Genscher-Haus in Berlin auf, als

das ZDF um 18 Uhrinder ersten Prognose

die FDP klar im Landtag sieht.

Wenige Sekunden später wird es

schlagartig still, als die Zahlen der

ARD folgen, die deutlich knapper

sind. Parteichef Christian Lindner

wird bald darauf sagen: FDP, das sei

eben nichts für Leute mit schwachen

Nerven. Er wird hinzufügen: „Bei einer

gestiegenen Wahlbeteiligung haben

wir unser Ergebnis deutlich ausgebaut.“

Dassei „ein toller Erfolg“. Es

gibt viel Applaus.Alle in der FDP wollen

jetzt einen Erfolg feiern, auch

wenn er noch nicht sicher ist.

Lange vorSonntagabend, 18 Uhr,

war klar: Für die FDP würde es bei

dieserWahl einmal mehr um die eine

große Frage gehen, ob sie den Einzug

in den Landtag schafft oder nicht. In

Schockstarre

Die CDU erlebt in Thüringen ein Desaster.Noch ein Rückschlag für Parteichefin Kramp-Karrenbauer

wie auch AfD ausgeschlossen. Kurz

vor der Wahl hat Mohring den AfD-

Spitzenkandidaten Björn Höcke als

Nazi bezeichnet. Er wolle „die Mitte

mobilisieren“, hat Mohring gesagt.

Er sei ein Brückenbauer, der das

Land zusammenführen wolle.

Kann er dieses Versprechen nun

halten, wenn sonst kein Bündnis

möglich ist? Berichte,erhabe vorder

letzten Landtagswahl 2014 –damals

noch als CDU-Fraktionschef – bei

der AfD sondiert, ob eine Zusammenarbeit

nicht möglich sei, hat

Mohring dementiert.

„Die Abgrenzung ist richtig. Es

muss möglich sein, in der Mitte eine

Mehrheit zu finden“, sagt Haseloff.

„Unser Wort gilt“, sagt auch Ziemiak.

„Es wird keine Koalition der

CDU mit der Linkspartei oder der

AfD geben.“ Schleswig-Holsteins

Ministerpräsident Daniel Günther

hat schon einmal ein freundliches

Interview gemeinsam mit Bodo Ramelow

geführt, der frühere sächsische

Ministerpräsident Kurt Biedenkopf

hat Sympathien für den ersten

Regierungschef der Linkspartei erkennen

lassen. Ziemiak sagt, es sei

nicht möglich, mit einer Partei zusammenzuarbeiten,

die die DDR

nicht als Unrechtsstaat bezeichnen

wolle.

In der Union beginnt nun die Suche

nach Gründen. Den Ministerpräsidenten-Bonus

des Linkspartei-

Politikers Bodo Ramelow führt Ziemiak

an. Er lobt Spitzenkandidat

Mike Mohring, der wacker gekämpft

habe, erst gegen seine Krebserkrankung

und dann im Landtagswahlkampf.

„Wir kämpfen zusammen,

wir gewinnen zusammen, wir verlieren

zusammen“, sagt Ziemiak noch

und es klingt, als müsse sich da einer

schützend vorMohring stellen.

Der Chef der Jungen Union, Tilman

Kuban, kritisiert den inhaltlichen

Kurs der Bundespartei als

nicht hilfreich. „Wir haben wohl in

den letzten Monaten die falschen

Themen gesetzt“, sagt er. Statt um

Klimaschutz sollte sich die CDU

besser um Agrarpolitik und die Anbindung

des ländlichen Raums

kümmern.

Tatsächlich allerdings dürften

sich die Blicke in der CDU eher auf

die Parteivorsitzende Annegret

Kramp-Karrenbauer richten. Ihre

Führungskraft wirdinder CDU nach

einer Fehlerserie infrage gestellt. ihre

Gegner werden eine weitere Niederlage

bei einer Landtagswahl (nach

BrandenburgimSeptember) zu nutzen

wissen: Kramp-Karrenbauers

Nimbus als Wahlsiegerin, den sie im

Saarland erworben hat, ist zumindest

angekratzt –das ist ein entscheidendes

Kriterium, wenn es um die

Kanzlerkandidatenfrage geht. Der

Sieg der CDU in Sachsen wurde als

persönlicher Erfolg des Spitzenkandidaten

Michael Kretschmer eingeordnet.

Hoffen auf den Erfolg

„Meine Idee ist, das

Land wieder zusammenzuführen.

Wahrscheinlich

kann man das sogar

mit drei Partnern

in einer Viererkonstellation

gut machen.“

Mike Mohring,

CDU-Spitzenkandidat

Die FDP um Spitzenkandidat Thomas Kemmerich hat in Thüringen einen explizit ostdeutschen Wahlkampf geführt

zwei anderen ostdeutschen Bundesländern,

Brandenburg und Sachsen,

war die Partei Anfang September an

der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Auch das bundesweite Ergebnis von

gerade mal 5,4 Prozent bei der Europawahl

im Mai war für die FDP ernüchternd.

Der FDP-Chef Lindner

musste jetzt also auf einen Erfolg in

Thüringen hoffen.

Für Lindner war das wichtig, weil

seine Allmacht in der FDP mindestens

seit einigen Monaten bröckelt.

Er war in den eigenen Reihen lange

Zeit der gefeierte Superstar, der die

Partei in der außerparlamentarischen

Opposition am Leben gehalten

hatte. Erhat die Partei zurück in

den Bundestag geführt–und bekam

dafür viel Dankbarkeit und Loyalität.

Doch seit die FDP unter seiner Führung

die Jamaika-Verhandlungen

nach der Bundestagswahl beendet

hat, sind Erfolge für die Partei rar.

In Thüringen kämpfte der 54

Jahre alte Unternehmer Thomas

Kemmerich um Aufmerksamkeit für

seine mitgliederschwache Partei –

und das durchaus originell. „Endlich

eine Glatze, die in Geschichte aufgepasst

hat“: Mit diesem Slogan ließ

der Spitzenkandidat, der Besitzer einer

Friseurkette ist, dem es aber

selbst an Haaren fehlt, sein Bild plakatieren.

Oder, genauer gesagt: das

Bild seines Hinterkopfes.

Kemmerich hatte ein Programm

vorgelegt, das auf die Wähler in den

ostdeutschen Ländern zugeschnitten

ist. Er legte den Fokus auf Kernthemen

wie dieWirtschaftspolitik. In

der Migrationspolitik warnte er vor

einer moralisierenden Debatte.Darüber

hinaus trat er für bessereBeziehungen

zu Russland ein.

„Wenn die FDP ins Parlament

kommt, haben Rot-Rot-Grün und

Ramelow definitiv keine Mehrheit

Welche Partei wählten die ...

Frauen Männer

in Prozent

SPD

CDU

Grüne

Linke

FDP

AfD

6

5

8

7

6

6

17

24

20

32

28

28

BLZ/HECHER; QUELLE: FORSCHUNGSGRUPPE WAHLEN

UndMohring hat sich zwar gegen

Personaldebatten gewendet, aber

wie Kretschmer wiederholt deutlich

gemacht, dass er aus der großen Koalition

in Berlin zu wenig Rückenwind

bekomme.

Die Wahl kann also bestehende

tektonische Risse in der CDU weiten.

Mag sein, dass Kramp-Karrenbauer

bereits überlegt, wie sie die überbrückt:

Sie hat ihre Regierungspartner

immer mal wieder überrascht –

mit einem Rausschmiss im Saarland,

mit einemVorstoß in der Syrien-Politik

gerade in der vergangenenWoche

die Groko.

Treffen mit Merkel

In der SPD, die inzwischen deutlich

unter zehn Prozent liegt, ist es an

diesem Abend die verbliebene kommissarische

Vorsitzende Malu

Dreyer, die ihr Entsetzen zum Ausdruck

bringt.

Kleinere Beben sind das, aber

noch kein Beben der großen Koalition,

wo an diesemWochenende zunächst

viele erleichtert aufgeseufzt

hatten, weil bei der Vorentscheidung

über den SPD-Parteivorsitz

nicht die expliziten Gegner der großen

Koalition gewonnen hatten.

Aber viele kleine Beben können sich

addieren.

Für den Abend hatten sich die

Unions-Spitzen nach Angaben aus

der Partei zu einemTreffen mit Kanzlerin

Angela Merkel verabredet.

mehr“, hatte Kemmerich vor der

Wahl gesagt. Es war dieselbe Botschaft,

die auch Christian Lindner

bei Auftritten in Thüringen immer

wieder herausgestellt hatte: Eine

Stimme für die FDP sei mit Blick auf

die Mehrheitsverhältnisse wichtiger

als eine für die CDU. DieFDP,die eigentlich

nie mehr ein Anhängsel von

irgendwem sein wollte, hat in Thüringen

unter der Regie des Parteivorsitzenden

Lindner so stark taktisch

um Wähler geworben wie lange

nicht mehr.

Am Wahlabend wird Kemmerich

gefragt, ob die FDP im Fall ihres Einzugs

ins Parlament angesichts der

schwierigen Mehrheitsverhältnisse

auch für eine Regierung mit der Linken

bereitstünde.Erschließt das aus.

Kemmerich ergänzt, eine Minderheitsregierung

könne im Parlament

von Fall zu Fall nach vernünftigen

Mehrheiten suchen.


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 3 **

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Wahl in Thüringen

Triumph und Tränen: Während die SPD auf einen historischen Tiefstand absackte, feierte AfD-Spitzenkandidat BjörnHöckeden Erfolg seiner Partei (Mitte). Der Sieger des Abends Bodo Ramelow (rechtes Bild) freut sich mit seiner Ehefrau Germana Alberti vom Hofe. DPA (3)

Einer der Ersten, die am

Sonntag den Kopf durch

die Tür des Thüringer

Landtages steckten, war

Dietmar Bartsch, derVorsitzende der

Linksfraktion im Bundestag. Er

strahlte. Und seine Worte spiegelten

das Strahlen wider.Das Ergebnis der

Thüringer Linken unter Führung

von Bodo Ramelow sei „grandios“,

sagte er.Ja, es sei„sensationell“. Erstmals

sei die Linke stärkste Partei geworden.

Und es gebe überhaupt

keine andere Möglichkeit, als dass

Ramelow Ministerpräsident bleibe.

Landeschefin Susanne Hennig äußerte

sich kurzdarauf ähnlich.Wiees

weiter gehe,müsse man sehen, sagte

sie.Esklang recht frohgemut.

Ganz in der Nähe frohlockte

auch die AfD,die trotz des rechtslastigen

Partei- und Fraktionsvorsitzenden

Björn Höcke noch vor der

CDU auf Platz zwei landete. Unterdessen

machten CDU, SPD und

Grüne lange Gesichter, weil sie verloren

hatten. „Tief durchatmen“,

sagte die sichtlich konsternierte

grüne Spitzenkandidatin Anja Siegesmund,

als sie den Landtag betrat.

Neben der Linken und der AfD

freute sich lediglich die FDP,die anders

als in Brandenburg und Sachsen

darauf hoffen konnte,eswieder

in den Landtag zu schaffen. Mit anderen

Worten: Diesen Wahlabend

auf einen Nenner zu bringen, ist unmöglich.

Unterm Strich war das Ergebnis

zweigeteilt.

Die AfD will 50 Prozent

Auf der einen Seite war da die AfD,

deren Ergebnis alle anderen mehr

oder weniger schockierte. Sie feierte

in Erfurt ganz oben –ineiner Gaststätte

mit Biergarten in schönster

Hanglage. Und das, obwohl ihr Ergebnis

auf den zweiten Blick gar

nicht so gut ist, wie es auf den ersten

Blick scheint. Zwar wurde die 20-

Prozent-Marke deutlich übertroffen,

die erhofften 25 Prozent wurden jedoch

ebenso deutlich verfehlt. Für

eine rauschende Feier war dennoch

alles vorbereitet. Statt Mettigel und

Bier gab es Carpaccio, Tomaten-

Mozzarella-Salat und Prosecco.

Denn das Hanglokal ist ein Italiener.

Ausländischer Einfluss, wenn er europäisch

und gehaltvoll ist, wirdhier

gerne angenommen.

Um mit Höcke zu feiern, waren

alle nach Erfurt gekommen, die im

unter Rechtsextremismus-Verdacht

stehenden „Flügel“ und in der AfD

des Ostens Rang und Namen haben:

Parteichef Alexander Gauland, Brandenburgs

Landeschef Andreas Kalbitz,

Frank Pasemann, Bundesvorstandsmitglied

aus Magdeburg. Aus

Sachsen kamen Landeschef Jörg Urban

und Tino Chrupalla, Wunschkandidat

der Ostverbände auf die

Gauland-Nachfolge. Im Publikum,

neben den Thüringer Lokalgrößen,

saßen einige junge Männer aus dem

Dunstkreis der „Identitären Bewegung“,

die beim Verfassungsschutz

definitiv als rechtsextrem gilt.

Die Koalitionsfrage wird kompliziert in Erfurt.

Die Linkspartei unter Ministerpräsident Bodo Ramelow

bleibt stark. Stark genug für eine Minderheitsregierung?

Höcke und die Parteigrößen

drängten sich Punkt 18 Uhr auf die

kleine Bühne im Wintergarten.

„Heute vollenden wir die Wende“,

rief der Höcke-Vertraute und Bundestagsabgeordnete

Jürgen Pohl.

Höcke jubelte kaum, als die 24 Prozent

der ersten Prognose über den

Fernseher flimmerten. Vielmehr beschwerte

er sich über die Kritik an

ihm. „Noch nie wurden ein Kandidat

und eine Partei so diffamiert“, sagte

Höcke.Über dasWahlergebnis verlor

er kaum ein Wort, sondern schaute

weit nach vorn. „Das nächste Mal

holen wir die absolute Mehrheit“,

rief der Mann, vor dem sich weite

Teile der Republik fürchten.

Am schärfsten war unterdessen

nicht Höcke, sondern der wahre

Chef des „Flügels“, Andreas Kalbitz.

Er rief: „Wir jagen dieses inländerfeindliche

Establishment. Auch im

Westen holen wir uns die Stimmen,

die wir brauchen.“ Partei-Senior

Gauland nutzte den knappen Vorsprung

der AfD vor der geschwächten

CDU, um gegen die Konservativen

zutreten. „Die CDU muss sich

überlegen, ob sie weiter mit Sozial-

Was

geht

VonMarkus Decker und JanSternberg

Landtagswahlen in Thüringen

an 100 %fehlend =andere Parteien, ARD-Hochrechnung 23.02 Uhr

45,4 42,6

29,6

51,0

22,8

21,3

16,6

18,5

9,7

9,3 4,5

6,5 1,9

3,2

1,1

1990 1994 1999

43,0

26,1

14,5

4,5

3,6

2004

31,2

27,4

18,5

7,6

6,2

2009

33,5

28,2

12,4

demokraten und Grünen zusammenarbeiten

oder mit der einzig

wahren Volkspartei regieren will –

der AfD“, sagte er.

Die Realität ist den AfD-Größen

im Ristorante nicht genug. Wieder

einmal zweitstärkste Kraft, wieder

einmal keine Regierungsoption, davon

kann man sich nichts kaufen.

Dasweiß auch Sachsen-Chef Urban.

„Eine Regierungsbeteiligung gibt es

für uns nur, wenn wir deutlich

stärkste Kraft werden“, sagte er.Gauland

gab als Fernziel aus: „50,1 Prozent

für die AfD“, also die absolute

Mehrheit. Das, so glauben hier viele,

wärenur mit einer radikalen Höcke-

Linie zu erreichen.

Aufder anderen Seite,jenseits der

AfD stehen alle anderen Parteien, die

mit dem Wahlergebnis irgendwie

umgehen müssen. Leicht wird das

nicht. In Thüringen ist guter Ratjetzt

ziemlich teuer.

Klar,zunächst zieht jede Partei für

sich allein Bilanz. Bodo Ramelow

darf sich als Winfried Kretschmann

des Ostens fühlen –als einer, der es

2014 als erster Linker überhaupt vermochte,

Ministerpräsident zu wer-

10,6

5,7

2,5

2014 2019

31,0 %

23,4 %

21,8 %

8,2 %

5,2 %

5,0 %

BLZ/GALANTY; QUELLE: LANDESWAHLLEITER

den und der es in den fünf folgenden

Jahren überdies vermochte, anPopularität

noch zuzulegen, um diese

Popularität auf die Mühlen seiner

Partei zu lenken. Die Stimmung bei

der linken Wahlparty war denn auch

enthusiastisch. So viel zu feiern hat

die Partei sonst nie. Neben Bartsch

war Parteichefin Katja Kipping im

ICE nach Erfurtgekommen.

Die Sozialdemokraten sind in

Thüringen ohnehin ziemlich ernüchtert;

mit großen Erfolgen rechnen

sie da schon lange nicht mehr.

Anders als die Grünen, die nach

Brandenburgund Sachsen die dritte

unerwartete Schlappe hinnehmen

mussten und sogar um den Einzug in

den Landtag bangten. Dergrüne Höhenflug

ist fraglos vorüber. Die

Bäume wachsen nicht in den Himmel.

Die CDU unter ihrem Spitzenmann

Mohring muss sich schließlich

fragen, woran es liegt, dass sie von

der absoluten Mehrheit früherer

Tage weiter entfernt ist denn je.

Allesamt stehen sie seit Sonntagabend

vordem Problem, eine Regierung

bilden oder sie aus nachvollziehbaren

Gründen ablehnen zu

müssen. Das wird schwer – auch

wenn Mohring am Sonntagabend

sagte: „Die Regierung Ramelow ist

abgewählt worden.“

Klar ist, was nicht geht. Wasnicht

geht, ist die Fortsetzung von Rot-

Rot-Grün –auch wenn alle drei Parteien

das anstrebten. Dazu fehlt die

Mehrheit. Wasgenauso wenig geht,

ist die nach den Nationalfarben des

afrikanischen Staates benannte

„Simbabwe“-Koalition aus CDU,

SPD,Grünen und FDP.Dazu sind alle

vier Parteien zu schwach.

Denkbar ist hingegen eine rotrot-grüne

Minderheitsregierung mit

Ramelow ander Spitze. Sie müsste

sich für den nächsten Haushalt oder

bestimmte Gesetze jeweils die Unterstützung

anderer Parteien suchen.

Denkbar waren am Sonntagabend

ebenfalls die Erweiterung von

Rot-Rot-Grün um die FDP oder ein

Bündnis aus Linker und CDU. Die

erste Variante schloss am Sonntag

aber der FDP-Vorsitzende Christian

Lindner aus, die zweite Variante

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.

Gewiss ist damit lediglich, dass

sich Ramelow trotz Verlusts der

Mehrheit in einer relativ komfortablen

Situation befindet. Das hängt

mit seiner Popularität zusammen.

Ramelow sei „eine Nummer geworden“,

sagte Bartsch am Sonntag.

Hinzu kommt die Landesverfassung,

deren Artikel 75 lautet: „Der Ministerpräsident

und auf sein Ersuchen

die Minister sind verpflichtet, die

Geschäfte bis zum Amtsantritt ihrer

Nachfolger fortzuführen.“ Diese Verfassung

stärkt den Amtsinhaber

enorm.

Keine Frist für Regierungsbildung

Ramelow hatte darauf erst kürzlich

gegenüber der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland)

hingewiesen, als er sagte: „Es gibt bei

uns keine Vorschrift, in welcher Frist

der Ministerpräsident gewählt werden

muss, sondern der Ministerpräsident

wirddann gewählt, wenn eine

Fraktion den Antrag dazu stellt.“

Eine nach der Wahl einstweilen weiter

amtierende Landesregierung sei

darum „auch keine Minderheitsregierung

oder eine geschäftsführende

Regierung“, sondern „einfach die

Landesregierung“, fuhr Ramelow

fort. DerHaushalt für 2020 ist bereits

beschlossen. Der Regierungschef

hätte unter anderem aus diesem

Grundvor allem eines: Zeit.

In der Linken hat das Modell einer

Minderheitsregierung einige Sympathisanten,

wie am Sonntag verlautete.

Verwunderlich ist das nicht.

Schließlich wollen sie ihren bundesweit

bisher einzigen Ministerpräsidenten

nicht verlieren. Erst mal

werdeinder Regierung alles bleiben,

wie es ist, hieß es. Ganz nach dem

Motto: Erst schaun mer mal, und

dann seh’n mer schon.

Man sieht: In Thüringen geht es

spannend zu. Und nach der Wahl

wird esvielleicht noch spannender

als vorher.

IN KÜRZE

Feueralarm.

Zwei Feuer-Fehlalarme im Rathaus

vonErfurthaben die Stimmenauszählung

verzögert. Nach Angaben

vonLandeswahlleiter und Feuerwehr

hatte die automatische Meldeanlage

erst gegen 20.00 Uhrund

dann noch einmal gegen 21.45 Uhr

angeschlagen. DieFeuerwehr rückte

an, gab aber in beiden Fällen Entwarnung.

Sollte die CDU eine Koalition

mit der Linkspartei weiter ausschließen?

in Prozent

Weiter ausschließen

Neu entscheiden

Alle Wähler

CDU-Wähler

Erstwähler.

Unter den 1,7 Millionen Wahlberechtigten

waren auch rund 75 000

Thüringer,die zum ersten Malwählen

konnten.

Olympiasieger verliert.

Biathlon-Olympiasieger Frank Ullrich

hat bei der Landtagswahl in

Thüringen am Sonntag als SPD-Direktkandidat

knapp gegen den AfD-

Bewerber René Aust verloren. Aust

erreichte im Südthüringer Wahlkreis

Schmalkalden-Meiningen II 24,2

Prozent und lag damit 220 Stimmen

vorUllrich, der auf 23,3 Prozent kam.

Tiefensee.

Thüringens SPD-VorsitzenderWolfgang

Tiefensee hat personelle Konsequenzen

in der Führung seiner Partei

ausgeschlossen.„Nein, das sehe ich

nicht“, sagte er.Die SPD sei imWahlkampf

in einzigartigerWeise geschlossen

aufgetreten. Nungelte es,

mit dem vorhandenen Team die Landespartei

ebenso wie die Bundespartei

wieder aus dem Talzuführen.

Thüringen Wählerwanderung

der Nichtwähler (200 000) zu:

14 000

13 000

4000

4000

25

28

33 000

47 000

80 000 AfD

Linke

CDU

SPD

FDP

69

68

BLZ/HECHER; QUELLE: INFRATEST DIMAP

Grüne

Andere

BLZ/HECHER; QUELLE: INFRATEST DIMAP


4* Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Verheiratete Männer

könnten Priester werden

DieBischofssynode im Vatikan hat

sich für die umstrittene Priesterweihe

verheirateter Männer ausgesprochen

–allerdings nur in Ausnahmefällen

und nur für eine bestimmte

Region. Im Amazonas-Gebiet sollen

angesehene Männer,die eine Familie

haben und schon als Diakone tätig

sind, auch Priester werden dürfen.

Zugleich stellte Papst Franziskus

eine neue Diskussion über Frauen in

WeiheämterninAussicht. (dpa)

Waffenrecht soll nach

Anschlag verschärft werden

Diegeplante Verschärfung des Waffenrechts

nach dem rechtsextremen

Anschlag vonHalle soll nach Angaben

vonBundesjustizministerin

Christine Lambrecht (SPD) auch die

vonihr geforderte Regelanfrage

beim Verfassungsschutz vorder Vergabe

eines Waffenscheins enthalten.

„Die Verfassungsschutzbehörden

müssen künftig gefragt werden, bevorWaffenerlaubnisse

erteilt werden“,

sagte Lambrecht der Welt am

Sonntag. „Waffen gehören nicht in

die Hände vonExtremisten.“ (AFP)

Großdemonstrationen

spalten Barcelona

Rund 80 000 Menschen demonstrierten

in Barcelona für die Einheit Spaniens. AP

BeiGroßdemonstrationen für und

gegen die Unabhängigkeit Kataloniens

sind am Wochenende wieder

hunderttausende Menschen auf die

Straße gegangen. An einer Demonstration

der Unabhängigkeitsbefürworter

nahmen am Sonnabend in

Barcelona rund 350 000 Menschen

teil, an einer Gegenkundgebung am

Sonntag rund 80 000 Anhänger der

staatlichen Einheit Spaniens. (AFP)

Polizei: Vietnamesen unter

den 39 Toten im Container

Beider Aufklärung des Todes von39

Menschen in einem Lkw-Anhänger

konzentriertsich die britische Polizeinun

auf das Herkunftsland Vietnam.

Dies sagte Martin Passmore

vonder Polizei Essex, zuständig für

die Identifizierung der Opfer.Andere

Herkunftsländer kämen jedoch weiter

auch in Frage.Die Polizei hatte

zunächst erklärt, es handele sich bei

den Toten um Chinesen. DieIdentifizierung

der Leichen wirdlaut Polizeimöglicherweise

dadurch erschwert,

dass Verwandte der Opfer

selbst illegal in Großbritannien leben

und Angst haben, sich bei der

Polizei zu melden. (dpa)

Menschenkette für die

Einheit des Libanon

Zehntausende Libanesen haben am

Sonntag eine Menschenkette durch

das Land gebildet, um ein Zeichen

für die nationale Einheit des Landes

zu setzen. VonTripoli im Norden des

Landes bis TyrosimSüden hielten

sich schätzungsweise 100 000 Menschen

über eine Strecke von170 Kilometernanden

Händen. In Beirut,

dem Hauptortder anhaltenden Proteste,sangen

viele laut die Nationalhymne.Die

Proteste hatten sich am

17. Oktober an der Ankündigung der

Regierung entzündet, WhatsApp-

Anrufe zu besteuern. (AFP)

Ein ausgebranntes Autowrack in der Nähe des Dorfes Barisha im Nordwesten Syriens. Hier starben Berichten zufolge neun Menschen bei einem türkischen Helikopter-Angriff. AFP

USA melden Tötung des IS-Anführers

Kämpfe in der nordsyrischen Sicherheitszone /Außenminister Maas reist in die Türkei und nach Libyen

Während Außenminister

Heiko Maas (SPD)

am Wochenende

gleich mehrere Reisen

in die Krisenländer rund ums Mittelmeer

unternahm, schufen die Amerikaner

Fakten: Bei einem US-Militäreinsatz

in Syrien wurde der Anführer

der Dschihadistenmiliz Islamischer

Staat (IS), Abu Bakr

al-Bagdadi, getötet.

US-Präsident Donald Trump

sagte am Sonntag bei einer Ansprache

im Weißen Haus, al-Bagdadi

habe während des Angriffs eine

Sprengstoffweste gezündet und so

sich selbst und drei seiner Kinder getötet.

Tests hätten inzwischen bestätigt,

dass es sich bei dem Toten um

al-Bagdadi handle. Nach Angaben

Trumps wurde bei dem Militäreinsatz

eine „große Zahl“ vonIS-Kämpfern

und Begleitern al-Bagdadis getötet.

Verluste unter den US-Soldaten

habe es nicht gegeben.

Laut Schilderung des US-Präsidenten

waren acht US-Hubschrauber

an dem Ortgelandet, wo sich al-

Bagdadi aufhielt. Der IS-Chef sei

daraufhin in einen Tunnel geflüchtet,

wobei er drei seiner kleinen Kinder

mit sich „gezerrt“ habe. Dann

habe er die Sprengstoffweste detonieren

lassen. Die US-Soldaten hielten

sich laut Trump etwa zwei Stunden

in dem Anwesen auf. Dabei hätten

sie wichtiges Material gefunden,

darunter über die „Zukunftspläne“

des IS. DerAufenthaltsortdes bereits

mehrfach für tot erklärten IS-Chefs

war unbekannt. Mit dem von den

USA ausgesetzten Kopfgeld von 25

Millionen Dollar (rund 22 Millionen

Euro) ist al-Bagdadi einer der meistgesuchtenTerroristen

derWelt gewesen.

Zuletzt hatte der IS im April ein

Video mit al-Bagdadi verbreitet, in

dem er dem Westen mit Angriffen

drohte.

Der Kommandeur der Syrischen

Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum

Abdi, lobte auf Twitter, den „gelungenen“

Einsatz, der auf eine „gemeinsame

Geheimdienst-Arbeit“

der Kurdenmiliz mit den USA zurückgehe.

Allerdings bestätigte

Abdi den Tod al-

Bagdadis nicht explizit.

Die von der Kurdenmiliz

YPG dominierten SDF

waren bisher der wichtigste

Verbündete der US-

Streitkräfte im Kampf gegen

den IS. Zuletzt geriet

dieses Bündnis allerdings

unter erheblichen Druck.

Trump steht in der Kritik,

weil er die US-Truppen

aus dem nordsyrischen

Grenzgebiet zur Türkei abgezogen

hat. Damit ebnete

er den Wegfür eine türkische Offensive

gegen die YPG in der Region. In

dieser vonder Türkei beanspruchten

Sicherheitszone in Nordsyrien soll es

auch am Sonntag Kämpfe zwischen

türkischen und kurdischen Einheiten

gegeben haben. Bundeskanzlerin

Angela Merkel (CDU) und Erdogan

erörterten am Sonntag in einem

Telefongespräch die Lage im Nordosten

Syriens. Beide wollten „im engen

Kontakt“, teilte die Bundesregierung

mit.

Am Tagzuvor hatte Außenminister

Heiko Maas (SPD) seinen Amtskollegen

Mevlüt Cavusoglu in Ankara

getroffen. Dabei erteilten beide

dem Plan der Bundesverteidigungsministerin

Annegret Kramp-Karrenbauer

für eine UN-Schutzzone in

Nordsyrien eine Abfuhr.

„Also die Diskussion über die Sicherheitszone

in Nordostsyrien hat

in unserem Gespräch weniger Zeit in

Anspruch genommen als hier auf

der Pressekonferenz. Das sagt eigentlich

schon alles“, sagte Maas.

„Überall wird uns gesagt,

das sei kein realistischer

Vorschlag. Und deshalb

haben wir die Zeit genutzt,

uns mit den Themen auseinanderzusetzen,

die

wichtig sind für die Menschen

in Syrien jetzt“, fügte

er hinzu. Cavusoglu sagte,

IS-Anführer:Abu

Bakr al-Bagdadi

AFP

der Vorschlag sei „nicht

realistisch“, da im Nordosten

inzwischen russische

und syrische Regierungstruppen

präsent seien.

Bei dem Gespräch in

Ankarahatte sich Maas um

GroKo oder nicht GroKo, das ist die Frage

Annäherung an die Türkei bemüht.

Er drang erneut auf eine dauerhafte

Waffenruhe für Nordsyrien und

mahnte, die türkische Militärpräsenz

dürfe dortnicht vonDauer sein.

Cavusoglu begrüßte Maas’ Besuch

als „positives Zeichen“ nach der „falschen

und harten Kritik in Deutschland

an der Türkei“.

Scharfe Kritik hat der Auftritt

Maas’ inAnkara inDeutschland hervorgerufen.

„Das ist ein peinlicher

Moment deutscher Außenpolitik“,

sagte der CDU-Außenpolitiker Norbert

Röttgen der Funke Mediengruppe

am Sonntag. „Die Türkei unternimmt

eine völkerrechtswidrige

Invasion in Syrien und der deutsche

Außenminister reist in die Türkei, um

sich bestätigen zu lassen, dass eine

internationale Sicherheitszone unter

UN-Mandat statt türkischer Besatzung

keine gute Idee sei“, so Röttgen.

FDP-FraktionsvizeTheurer sprach

von einem „skandalösen Auftritt“.

Wirtschafts-Staatssekretär Thomas

Bareiß (CDU) wertete den Auftritt als

Zeichen der „Hilflosigkeit“ im Syrien-

Konflikt. Maas’Auftritt sei„stillos und

auch gegen unsere deutschen Interessen“

gewesen, sagte Bareiß dem

Handelsblatt. Unterstützung kam aus

der SPD. Nils Schmid, außenpolitischer

Sprecher der SPD-Fraktion, bezeichnete

die Reise als „wichtigen

Beitrag“ auf der Suche nach einer politischen

Lösung im Syrien-Konflikt.

Kramp-Karrenbauer habe mit ihrem

Vorstoß dagegen „unsere engsten

Verbündeten verstört“ und der Befriedung

des Konflikts einen „Bärendienst“

erwiesen.

Maas traf am Sonntag zu einem

nicht angekündigten Besuch im

nordafrikanischen Bürgerkriegsland

Libyen ein. In dem Küstenort Suara

wollte er Ministerpräsident Fajis al-

Sarradsch treffen, der die international

anerkannte Regierung führt.

Deutschland hat sich diplomatisch

offiziell in dem seit Jahren andauernden

Konflikt bislang zurückgehalten,

gehört aber zu den international

wichtigsten Geldgebern. Unmittelbar

vorder Reise kam es vorder libyschen

Küste bei Suara zueinem Zwischenfall

mit dem deutschen Rettungsschiff„Alan

Kurdi“. (cd., dpa, AFP)

Beim Mitgliedervotum über den SPD-Parteivorsitz setzen sich die Favoriten-Duos durch und ziehen in die Stichwahl ein

VonAndreas Niesmann

Die Spannung war groß, der

Überraschungsfaktor niedrig.

Mit einem erwartbaren Ergebnis ist

die erste Etappe beim Mitgliedervotum

über den SPD-Parteivorsitz zu

Ende gegangen. Die Favoritenduos

KlaraGeywitz und Olaf Scholz sowie

Saskia Esken und Norbert Walter-

Borjans haben das Rennen gemacht.

Sieziehen in die Stichwahl ein.

22,7 Prozent der Stimmen haben

Geywitz und Scholz im ersten Wahlgang

bekommen, 21 Prozent Esken

und Walter-Borjans. Der Abstand ist

gering, in absoluten Zahlen liegen

nur 3500 Stimmen zwischen den

Teams. Die Wahlbeteiligung fällt mit

53 Prozent nicht überwältigend aus.

Es ist 18.20 Uhr amSonnabend,

als SPD-Schatzmeister Dietmar Nietan

diese Zahlen verkündet. Wobei

Nietan nicht mit den Gewinnern,

sondern mit den Verlieren der Abstimmung

beginnt. Gesine Schwan

und Ralf Stegner sind auf Rang sechs

gelandet, 9,6 Prozent der SPD-Mitglieder

stimmten für das älteste Duo

Siegerduo: Klara Geywitz und Olaf Scholz

bekamen 22,7 Prozent der Stimmen. AFP

im Wettbewerb. Sachsens Integrationsministerin

Petra Köpping und

Niedersachsens Innenminister Boris

Pistorius erreichen mit 14,6 Prozent

Platz fünf, Umweltpolitikerin Nina

Scheer und Gesundheitsexperte Karl

Lauterbach mit ebenfalls 14,6 Prozent

Rang vier. Nur 41 Stimmen liegen

zwischen den beiden Teams.Die

NRW-Landtagsabgeordnete Christina

Kampmann und Außenstaatsminister

Michael Roth kommen mit

16,28 Prozent der Stimmen auf einen

undankbaren dritten Platz. Natürlich

ist die Enttäuschung bei denVerlierern

groß. Ralf Stegner sieht ernst

NorbertWalter-Borjans und Saskia Esken

freuten sich über den zweiten Platz. IMAGO

und blass aus,Karl Lauterbach wirkt

in sich gekehrtund nachdenklich.

Ganz anders die Sieger. Ersei „erleichtert“

gibt Vizekanzler Scholz zu,

das sei ein „guter Ausgangspunkt“ für

den nächsten Wahlgang. Sie freue

sich auf eine sachliche und faireAuseinandersetzung

in der Stichwahl,

sagt SPD-Vorstandsfrau Klara

Geywitz. Beide betonen, dass sie

keine Polarisierung in der Stichwahl

anstreben. „Ich will die SPD zusammenführen,

nicht spalten“, so Scholz.

Gleichwohl wird die Debatte nun

an Schärfe gewinnen. Das zweitplatzierte

Duo, die baden-württembergi-

sche Bundestagsabgeordnete Saskia

Esken und der frühere NRW-Finanzminister

Norbert Walter-Borjans genießen

die Unterstützung von Juso-

Chef und Scholz-Gegner Kevin Kühnert.

Auch inhaltlich liegen zwischen

den beiden Teams Welten. Geywitz

und Finanzminister Scholz stehen für

die Schwarze Null, Walter-Borjans

und Esken wollen unter anderem ein

500 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm

für die Kommunen

durchsetzen.

Unddann ist da noch die GroKo.

Scholz und Geywitz wollen bis zum

Ende der Legislaturperiode mit der

Union regieren. Saskia Esken sagt

recht offen, dass sie das Bündnis beenden

will. Walter-Borjans äußert

sich nicht ganz eindeutig. Das Duo

wird amEnde wohl mit der Forderung

nach einem Austritt aus der

GroKo in die Stichwahl ziehen. Die

SPD hätte dann die Polarisierung, die

Scholz vermeiden will. GroKo oder

nicht GroKo, das wäre die Frage, die

die Mitglieder in der zweiten Abstimmung

zwischen dem 19. und dem 29.

November beantworten müssten.

Wechselt

Gabriel zur

Autoindustrie?

Nach Berichten soll er

Chef des VDA werden

VonThomas Kaufner

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar

Gabriel ist nach Informationen

der Bild am Sonntag Favorit für

den Chefposten beim Verband der

Automobilindustrie.„Gabriel ist zu 99

Prozent sicher“, zitiertdie Zeitung einen

nicht genannten Manager der

Branche.Der ehemalige Vize-Kanzler

sei der Wunschkandidat der Autokonzerne

und der Zulieferer.

Neben Gabriel soll die frühere

CDU-Politikerin Hildegard Müller

im Rennen sein, wie die Frankfurter

Allgemeine Sonntagszeitung am

Wochenende berichtete. Ihr werden

laut Bild am Sonntag aber nur Außenseiterchancen

eingeräumt. „Die

Reihenfolge steht fest“, zitiert das

Blatt informierte Kreise. Details sollen

dem Bericht zufolge in der kommenden

Woche mit Gabriel geklärt

werden. „Sollten keine unüberbrückbaren

Differenzen mit Gabriel

auftreten, wird er der neue Präsident.“

Der Posten des Spitzenlobbyisten

der Autoindustrie muss neu besetzt

werden, nachdem Bernhard Mattes

im September seinen Rückzug zum

Jahresende 2019 angekündigt hatte.

DerfrühereFord-Manager ist erst seit

März 2018 VDA-Präsident, seine

Amtszeit lief eigentlich bis Ende 2020.

Der VDA ist einer der einflussreichsten

Lobbyverbände in

Deutschland, die Autobranche mit

mehr als 800 000 direkt Beschäftigten

eine Schlüsselindustrie. Der Verband

gilt als schwer zu führen, weil er die

verschiedenen Interessen der Hersteller

sowie der Zulieferer unter einen

Hut bringen muss. Ihm wird zudem

eine große Nähe zur Politik

nachgesagt. Die Autoindustrie war

wegen des Dieselskandals schwer unter

Druck geraten.Weiteregroße Themen

sind die Klimadebatte und der

angepeilte Umbau des Autoverkehrs

in Richtung E-Mobilität.

Ist im Gespräch als nächster Chef-Lobbyist

der Autobranche.

DPA

Laut Bild am Sonntag erhofft sich

die Branche von Gabriel angesichts

dieser Problemlagen „wieder mehr

politisches und gesellschaftliches

Gehör“. Gabriel war zuletzt bis März

2018 Außenminister, davor Chef des

Wirtschaftsressorts in Berlin –und

hatte als Ministerpräsident des Autolandes

Niedersachsen auch einen

Sitz im Aufsichtsrat bei Volkswagen.

Gabriel ist derzeit noch Abgeordneter

des Bundestages für den Wahlkreis

Salzgitter-Wolfenbüttel, wird

sein Bundestagsmandat aber zum 1.

November abgeben, wie er Ende

September angekündigt hatte.

Mit rechtlichen Problemen muss

Gabriel nicht rechnen: Das Bundesministergesetz

sieht lediglich vor,

dass Mitglieder der Bundesregierung

innerhalb der ersten 18 Monate

nach ihrem Ausscheiden Tätigkeiten

außerhalb des öffentlichen Dienstes

anzeigen müssen.

In der SPD hieß es am Wochenende

lediglich, man wolle Spekulationen

nicht kommentieren. Kritische

Stimmen kamen von der Linken

im Bundestag: „Wenn ein Ex-

Wirtschaftsminister 2,5 Jahre später

Chef-Autolobbyist werden soll, hat

das einen üblen Beigeschmack“,

schrieb Linken-Fraktionschef Dietmar

Bartsch im Kurznachrichtendienst

Twitter. (dpa)


6 Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Nach Brexit keine

höheren Handytarife

Reisende mit deutschem Handyvertrag

surfen unabhängig vomAusgang

des Brexit-Dramas auch in Zukunft

ohne Zusatzkosten in Großbritannien

mit dem Smartphone im

Internet. Diedreigrößten deutschen

Mobilfunkanbieter teilten auf Anfrage

mit, dass sie auch nach einem ungeregelten

EU-Austritt dortzumindest

vorerst keine sogenannten

Roaminggebühren erheben werden.

Solche Tarifaufschläge sind in den

meisten Staaten außerhalb der EU

üblich. Eine Sprecherin vonTelefónica

sagte allerdings,dass sich bei

Großbritannien nur „für eine Übergangszeit

bis zum 31. Dezember

2020“ nichts ändere. (dpa)

Altmaier stellt

Cloud „Gaia X“ vor

Bundeswirtschaftsminister Peter

Altmaier (CDU) will am Dienstag

seine Pläne für eine europäische Datencloud

präsentieren. Damit soll

eine „leistungs- und wettbewerbsfähige,sichereund

vertrauenswürdige

Dateninfrastruktur für Europa“ geschaffen

werden, heißt es in einem

Papier des Wirtschaftsministeriums

und der beteiligten Akteure. Nach

Angaben des Ministeriums will Altmaier

das Projekt unter dem Namen

„Gaia X“ auf dem Digitalgipfel in

Dortmund vorstellen. Unternehmen

und Organisationen in Europa setzenbei

ihren Cloudanwendungen

bisher vorallem auf Anbieter aus

den USA. (dpa)

Weihnachtseinkauf ist

für jeden Zweiten Stress

An alles gedacht?Ein Mann beim

Geschenkekauf. FOTO: SEBASTIAN GOLLNOW/DPA

Jeder zweite Verbraucher in

Deutschland fühlt sich beim Weihnachtseinkauf

gestresst. Vorallem

fehlende Geschenkideen verderben

vielen Bundesbürgerndie Festtagslaune.Das

geht aus einer Umfrage

der Analysefirma Periscope By

McKinsey hervor. Immerhin 42 Prozent

der befragten Verbraucher klagten

darüber,gelegentlich nicht zu

wissen, was sie kaufen sollen. Doch

auch die Schwierigkeit, bestimmte

Produkte aufzutreiben, und das Gedränge

in den Geschäften verderben

vielen die Festtagsfreude.Gut jeder

Fünfte macht sich außerdem noch

Sorgen, wie er denn das Geld für all

die Geschenke zusammenbekommen

soll. (dpa)

GM-Mitarbeiter

beenden Streik

DerStreik beim größten US-Autobauer

General Motors (GM) findet

nach 40 Tagen ein Ende.Die Mitarbeiter

haben einem neuen Tarifvertragzugestimmt,

wie die Autogewerkschaft

UAWmitteilte.Deshalb

werdeder längste Ausstand in der

US-Autoindustrie seit fast 50 Jahren

beendet. Zahlreiche Beschäftigte

des US-Autokonzerns hatten am 16.

September nach gescheiterten Verhandlungen

die Arbeit niedergelegt.

Dernun erzielte Kompromiss sieht

deutlich mehr Gehalt und erhebliche

Boni vor. Zudemsicherte GM

zu, mit milliardenschweren Investitionen

Tausende US-Jobs zu erhalten.

(dpa)

Wasdie Kfz-Versicherung günstig macht

Bis zum 30. November können Autobesitzer wechseln –wer gute Chancen auf bessere Konditionen hat

Von Theresa Dräbing

JedesJahrimHerbstsenkenKfz-

Versicherer die Tarife für Neukunden.

Bei den allermeisten

Verträgen endet die Kündigungsfrist

am 30. November.

Mit günstigen Policen wollen Versicherer

viele Wechselwillige anwerben.

Autofahrer haben also gute

Chancen, im kommenden Jahr ein

wenig Geld zu sparen. Wer bisher

einen eher teuren Tarif hatte, kann

seinen Beitrag bei einem Wechsel

womöglich deutlich senken.

Zwar warnt der Bundesverband

der Versicherten davor, nicht blind

zum günstigsten Tarifzugreifen und

genauso auf die Leistung zu achten,

doch auch für die gleiche Leistung

gibt es Spielraum beim Preis.Wie viel

Autofahrer für eine Kfz-Versicherung

zahlenmüssen,hängtnebendemallgemeinen

Preisnachlass zur Wechselsaison

nicht unwesentlich voneinigen

individuellen Faktoren ab.

Neben Alter,Wohnortund Fahrzeugmodell

gibt es beispielsweise auch

Tarife, die den Preis von der Anzahl

der gefahrenen Kilometer abhängig

machen oder vomFahrstil.

Kilometeranzahl

Autofahrer,dieimJahrnurwenigeKilometer

zurücklegen, können davon

preislich profitieren. So gibt es Policen,

in denen sich die Versicherungssumme

danach richtet, wie viele Kilometer

tatsächlich gefahren werden.

Laut einer aktuellen Untersuchung

des Verbraucherratgebers „Finanztip“

seien einige Tarife bei

2000 Jahreskilometern teilweise

deutlich günstiger als herkömmliche

Tarife gewesen. „Bei 5000 Kilometern

war der Preisvorteil aber meist schon

dahin“, sagte Kathrin Gotthold, Versicherungsexpertin

bei „Finanztip“.

Um einen solchen Tarifnutzen zu

können, benötigt das Auto allerdings

einen sogenannten OBD2-Anschluss,

mit dessen Hilfe die Anzahl

der tatsächlich gefahrenen Kilometer

an den Versicherer übertragen

wird. Die Anschlüsse werden seit

2004 in alle Neuwagen eingebaut.

Fahrstil

Überwachen lassen können Autofahrer

auch ihren Fahrstil. Wer vorausschauender

und somit risikoärmer

fährt, zahlt weniger.Aufgezeichnet

werden mittels GPS-Blackbox

oder Telematik-App zum Beispiel

Geschwindigkeit, Bremsverhalten

oder Fahrverhalten in Kurven. Tatsächlich

kann sich der Tarif lohnen,

am ehesten aber nur für Jüngere, die

aufgrund geringerer Fahrerfahrung

sonst höher eingestuft worden wären.

Laut Verbraucherzentrale Sachsen

können Fahranfänger theoretisch

bis zu 30 Prozent bei der Versicherungsprämie

sparen. Allerdings

warnen die Verbraucherschützer,

dass es sich bei den Rabatten in der

Regel um Spitzenwerte handelt, die

nur schwer zu erreichen sind.

Noch weiter geht Die Bayerische.

Als erste Versicherung bietet sie seit

Oktober einen Dashcam-Tarif an.

30. November: Kfz-Versicherungsverträge

sind in der Regel Jahresverträgeund verlängern

sich automatisch, wenn Autohalter nicht

kündigen. Bei einer üblichen Kündigungsfrist

vonvier Wochen liegt der Termin also am

30. November.Bis dahin muss eine Kündigung

schriftlich per Post eingegangen sein.

mehr als 50 Prozent. 88 Prozent der

befragten Händler hätten angegeben,

dass sich die Berichte aus den

USA negativ ausgewirkt hätten. „Viele

Kunden befinden sich in einer

Zwickmühle“, sagte Dahlmann. „Wir

beobachten den Trend, dass infolge

der Vorfälle in den USA Dampfer zurück

zur Tabakzigarette wechseln

und wieder Raucher werden.“ Was

fatal für die sei, die vomRauchen loskommen

wollen.

Die Krankheitsfälle seien ausschließlich

in den USA aufgetreten.

In Europa gebe es keinen Verdachtsfall,

sagte Dahlmann. In derEUgebe

KÜNDIGUNGSFRISTEN

Sonderkündigungsrecht: Informiertder Versicherer

über eine Beitragserhöhung,hat der

Kundeein Sonderkündigungsrecht vonvier

Wochen ab Erhalt des Schreibens. Die gleiche

Frist gilt nach einem Schadensfall. Auch

dann kann sich der Versicherungskunde entscheiden,

den Vertrag zu kündigen.

Einbruch bei E-Zigaretten

esfürDampfproduktespätestensseit

Einführung der Tabakproduktrichtlinie

klareRegelnfür Inhaltsstoffe.

Nach jüngsten Angaben der US-

Gesundheitsbehörde CDC gab es

bisher 34 Todesfälle im ZusammenhangmitdemKonsumvonelektronischen

Zigaretten. Zudem gebe es

rund 1600 bestätigte Erkrankungen.

Zuletzt gab es Hinweise, dass dabei

THC-Produkte eine Rolle spielen

könnten. Tetrahydrocannabinol

(THC) steckt in Cannabis und ist

hauptsächlich für die berauschende

Wirkung der Droge verantwortlich.

Neueste Erkenntnisse legen nahe,

GRAFIK: SASCHA JAECK

Wereine Überwachungskamera im

Wagen anbringt, die auf die Straße

gerichtet ist, erhält einen Versicherungsrabatt

von 15Prozent. Da die

Kamera indirekt auch das eigene

Fahrverhalten aufzeichne, bewirke

der Einsatz einer Dashcam generell

ein bewussteres, weniger risikoreiches

Fahren, so die Idee des Versicherers.

Fahrzeugmodell

Leichter noch als anhand des Fahrverhaltens

ist es für Versicherer, das

Unfallrisiko anhand des Fahrzeugtyps

abzuschätzen. So werden Fahrzeugmodelle

jährlich beispielsweise

vom Gesamtverband der Deutschen

Versicherungswirtschaft (GDV)nach

ihrer Schadensbilanz ausgewertet. In

der Kfz-Haftpflichtversicherung

unterscheiden die Statistiker 16 Typklassen.

Je höher die Typklasse,desto

teurer ist die Versicherung.

So hat ein Seat Arona 1.0 mit der

Einstufung zwölf eine vergleichsweise

niedrige Klasse,während ein BMW

X6 Minder Klasse 24 weit höher eingestuft

wird. Verbraucher können die

aktuellen Typklassen online unter

typklasse.de einsehen. Insgesamt

werden laut GDV6,5 Millionen Autofahrer

kommendes Jahr höher eingestuft,

während rund 4,6 Millionen

durch eine niedrigere Klasse als zuvorprofitieren.

Regionalklasse

Auch der Wohnorthat Auswirkungen

auf die Höhe der Kfz-Versicherungsprämie.Und

auch hierzu erstellt der

GDV jährlich eine Statistik. Dabei

geht es darum, in welchen Regionen

Autofahrer die meisten Unfälle verursachen,

es also statistisch eine höhere

Wahrscheinlichkeit gibt, dass

der Versicherer auch im nächsten

Jahr einspringen muss.Daessich als

Großstadtbewohner in Berlin „gefährlicher“

lebt als beispielsweise auf

dem platten Land, müssen Hauptstädter

mehr zahlen.

Nicht zu jungund nicht zu alt

Während Fahranfänger in einem

„normalen“ Kfz-Versicherungstarif

tendenziell mehr zahlen müssen, gilt

das ebenso für Autobesitzer ab

65 Jahren. „Wer mit 75 Jahren noch

hinter das Steuer steigt, zahlt schnell

60 Prozent mehr als ein vergleichbarer

Fahrer im Alter von 55Jahren“,

heißt es in einer Untersuchung des

Verbraucherratgebers „Finanztip“.

Ausgleichen kann sich dieser Wert

aber bei einem hohen Schadenfreiheitsrabatt.

WeitereFaktoren

NebenAlterundWohnortgibtesaber

auch Bestandteile, die man leichter

beeinflussen kann. So kann es sich

auch schon lohnen, für dieTeil- und

Vollkaskoversicherung eine höhere

Selbstbeteiligung zu vereinbaren,

das senkt den Kfz-Versicherungsbeitrag.

DasGleiche gilt,wenn der Versicherte

einer Werkstattbindung zustimmtundsichfüreinejährlicheanstatt

für eine monatliche Zahlungsweise

entscheidet.

Diskussion um Todesfälle in den USA drückt Absatzauch in Deutschland–trotzstrengererVorgaben hierzulande

Von André Stahl

Nach den Todesfällen in den USA

im Zusammenhang mit E-ZigarettenwächstderDruckaufdieBranche

in Deutschland. Händler melden

nachAngabendesBündnissesfürTabakfreien

Genuss (BFTG) seit einigen

Wochen erhebliche Umsatzeinbußen.

„Kunden sind verunsichert“,

sagte BFTG-Chef Dustin Dahlmann.

Eine Umfrage unter gut

600 Händlernvon E-Zigaretten habe

ergeben, dass mehr als die Hälfte

Umsatzrückgänge von30bis 40 Prozent

verzeichne, fast ein Fünftel

dassvorallemTHC-haltigeProdukte,

die teilweise über illegale Händler

bezogen worden seien, mit den meisten

Fällen in Verbindung stünden.

Die herkömmliche E-Zigarette

habe nichts mit den Erkrankungen in

denUSAzutun,sagteDahlmann.Mit

Blick auf die Vorfälle in den USA erklärte

Andreas Hensel, Chef des Bundesinstituts

für Risikobewertung:

„Konsumenten von E-Zigaretten in

Deutschland drohen nach aktuellem

Kenntnisstand keine erhöhten Risiken,

sofernsie Produkte verwenden,

die europäischen und deutschen Regelungen

entsprechen.“ (dpa)

Grüne fordern

mehr

ICE-Sprinter

Bahnsoll innerdeutsche

Flugreisen ersetzen

Von Sascha Meyer

In der Debatte um mehr Klimaschutz

dringen die Grünen auf

einen Ausbau schneller ICE-Verbindungen

zwischen großen Städten.

„Mit der Verlagerung voninnerdeutschem

Flugverkehr auf die Schiene

brauchen wir nicht zu warten“, sagte

Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel.

Dieüberwiegende Zahl der heutigen

Flugverbindungen innerhalb des

Landes ließe sich durch Bahnfahrzeiten

vonknapp unter vier Stunden ersetzen.

Mit sogenannten ICE-Sprintern

auf nachfragestarken Strecken könnte

für fast drei Viertel der knapp

24 Millionen innerdeutschen Fluggäste

eine Alternative bereitgestellt

werden, heißt es in einem Konzeptpapier

mehrerer Grünen-Verkehrspolitiker.

Auf verschiedenen Verbindungen

zwischen deutschen MetropolenfahrenbereitsICE-Sprinter,die

schneller ans Ziel kommen als normale

ICE. Dabei entstehen die kürzeren

Reisezeiten durch einen hohen

Anteil an Schnellfahrstrecken und

weniger Unterwegshalte. Die bundeseigene

Deutsche Bahn plant auch

weitere Sprinterverbindungen, etwa

ab Ende 2023 zwischen Berlin und

Köln, wie eine Sprecherin erläuterte.

Reisezeit unter vierStunden

Für eine Verlagerung des Flugverkehrs

sei es wichtig, dass Züge die

Vier-Stunden-Marke unterbieten,

heißt es im Papier der Grünen. Eine

Reisezeit vonknapp unter vier Stunden

auf der Schiene gelte als gerade

noch konkurrenzfähig, wenn die Reisekette

beim Fliegen ein Zeitbudget

vonetwas mehr als drei Stunden beansprucht

–also mit An- und Abreise

zum und vom Flughafen, Einchecken,

Sicherheitskontrollen und

einem Zeitpuffer für mögliche Verzögerungen.

Aber auch die Tarifgestaltung

sei ein Faktor bei der Wahl des

Verkehrsmittels.

Schonheutewärenkonkurrenzfähige

Sprinterverbindungen auf vielen

aufkommenstarken Flugstrecken

möglich, erläutern die Grünen-Experten.

Es gebe „kein Fahrzeitproblem,

sondern vor allem ein Angebots-

und Qualitätsproblem“. Nötig

seien auch deutliche Verbesserungen

bei Pünktlichkeit, Service und

der Verfügbarkeit vonMobilfunk und

Internet. Dies sei vor allem für Geschäftsreisende

wichtig.

Mit ICE-Sprintern unter die Vier-

Stunden-Marke zu drücken wären

etwa Verbindungen von Berlin nach

KölnundDüsseldorf.Prioritätbeider

Beschleunigung der wichtigen Ost-

West-Achse von Rhein und Ruhr

nach Berlin sollten höhereStreckengeschwindigkeiten

östlich von Hannover

haben. Für Sprinter ab Hamburg

sei vor allem eine Fahrzeitverkürzung

auf dem Abschnitt bis nach

Hannover wichtig. Auch für mehr

Sprinterverbindungen müssten die

Bundesmittel für den Neu- und Ausbau

schrittweise auf 3 Milliarden

Euro im Jahr erhöht werden, fordern

die Grünen-Verkehrspolitiker. Mehr

Sprinter sollten in den Deutschland-

Takt eingebaut werden. (dpa)

Der ICE-Sprinter fährtinknapp vier Stunden

bereits nach München. FOTO: SVEN HOPPE/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 7· ·

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Wirtschaft

„Es ist nicht egal, wer am Schalter sitzt“

Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz fordert ein digitales Zahlungssystem für Europa

Der Zahlungsverkehr wird

digital – und Burkhard

Balz befürchtet, dass die

Europäer dabei von anderen

abhängig werden. Der Bundesbank-Vorstand

fordert die Geldbranche

zu einer großen gemeinsamen

Anstrengung auf.

In einigen Ländern zahlt man praktischnurnochmitdemHandy,aberin

Deutschland schreibt man die IBAN

mit 22 Stellen auf Überweisungsträger.

Sind wir im Zahlungsverkehr

noch auf der Höhe der Zeit, Herr Balz?

Andere sind sicher weiter, und es

muss in Europa einiges passieren.

Aber wir haben mit der PSD2-Richtlinie

einen wichtigen Schritt gemacht.

Damit bereiten wir die Kontoverbindungen

auf die neue digitale Welt vor,

in der Daten eine überragende Rolle

spielen. Es war nie so viel los im Zahlungsverkehr

wie jetzt.

Das nutzen bisher vor allem Branchenfremde

–etwa Apple und Google.

Für die Banken wirdessicher eine

Herausforderung. Andere können

jetzt auf ihreKundendaten zugreifen

–wenn der Kunde das erlaubt. Am

Anfang waren die Institute deshalb

relativ ablehnend, aber jetzt sieht

man auch die Chancen. Schließlich

müssen sie das Feld nicht den Wettbewerbernüberlassen.

Die Abwehrversuche wirken ein bisschen

hilflos. Es ist ein Wirrwarr aus

digitalen Zahlungssystemen entstanden.

Giropay,Girogo,Paydirekt, Kwitt

–dasteigt niemand mehr durch. Und

nichts davon kommt großen Konkurrenten

wie Paypal oder Apple Pay

auch nur nahe.

Umsowichtigeristjetzteinegroße

gemeinsame Anstrengung. Die großen

Anbieter müssen sich an einen

Tisch setzen und ein gemeinsames

System entwickeln. Sonst werden sie

in einem globalisierten Zahlungsverkehr

bald keine Rolle mehr spielen.

Aus den USA kommen Paypal, Google

Pay, Apple Payund das Facebook-

Projekt Libra, in China zahlt die

Mehrheit längst mit Wechat Payoder

Alipay.Dortwerdengerade weltweite

Standards gesetzt, und wir sollten

uns nicht komplett vonden USA und

Asien abhängig machen. Wir brauchen

ein gemeinsames digitales Zahlungssystem

für Europa. Als ich in

China im Restaurant einmal mit meiner

Kreditkarte zahlen wollte, hat

michdieBedienungvölligentgeistert

angesehen. Nach einigem Hin und

Herhat sie dann Bargeld akzeptiert–

„ausnahmsweise“, wie sie sagte.

GooglePay und andere preschen vor,hiesige Banken fallen zurück.

ZUR PERSON

FOTO: JENS BÜTTNER/DPA

Burkhard Balz ist seit gut einem Jahr Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und zuständig

für den Zahlungsverkehr und Internationales. Der 50-Jährigehat nach einer Banklehre

Jura studiertund zehn Jahre bei der Commerzbank gearbeitet. Von2009 bis 2018 saß er für

die CDU im Europaparlament, wo Bankenaufsicht und die Überwachung der Ratingagenturen

seine Schwerpunktthemen waren. Balz lebt mit seiner Familie in Stadthagen bei Hannover.

Warum tut sich Europa bei dieser Entwicklung

so schwer?

DieTechnologie ist da, mit Instant

Pay haben wir eine technische Basis

für sofortige Überweisungen. Das

Problem ist die Vielfalt der nationalen

Systeme. InDeutschland gibt es

die Girocard, in Frankreich die Carte

Bancaire und so weiter –die grenzüberschreitende

Abwicklung in

Europa aber funktioniert nur über

internationale Kartensysteme. Wir

müssen strikt europäisch denken.

Ich sehe Deutschland und Frankreich

hier in einer Schlüsselrolle.

Die Staaten sollten ein europäisches

Zahlungssystem aufbauen?

Nein, das sollte auf privatwirtschaftlicher

Ebene passieren. Wir

motivieren die Anbieter, also vor allem

die Banken, sehr stark, hier eigene

Wege zu gehen.

Ein System aller Anbieter? Wassagen

da die Kartellbehörden?

Dasist eine der großen Herausforderungen,

in der EU sind die Hürden

sehr hoch. Ich habe aber den Eindruck,

dass auch die Kartellbehörden

inzwischen bei diesem Thema offener

zuhören.

Wenn Europa solche Gemeinschaftsprojekte

versucht, dauertesinder Regel

zehn Jahre.

DieZeithaben wir nicht. Ichspreche

über Monate,vielleichtein Jahr.

Paydirekt ist ein Flop.Jetzt istdie Rede

davon,dassdiedeutscheGeldbranche

einen neuen gemeinsamen Standard

entwickelt, Arbeitstitel „X-Pay“. Ist

das der richtige Weg?

Daswäreein Anfang.Esmuss erst

einmal ein deutsches System aufgebaut

werden, da sind die Anbieter

nach meinem Eindruck relativ weit.

Dernächste Schritt muss dann möglichst

bald ein europäisches System

sein. Dazu gehörtauch, dass wir eine

eigene starke Markekreieren.

Warum ist das Thema so wichtig? Am

Ende geht es um technische Abläufe,

von denen kaum jemand etwas

merkt. Undsie funktionieren doch.

Zahlungsverkehrssysteme sind

Infrastruktur,soetwas wiedie Adern

eines Wirtschaftssystems. Die Bundesregierung

hat vor Jahren einmal

die lebensnotwendigen Funktionen

des Staates definiert, und der Zahlungsverkehr

gehörte dazu. Wenn er

nun digitalisiert wird, gewinnen

neue Mitspieler Einfluss. Esist eben

nicht egal, werdaamSchalter sitzt.

Systeme wie Apple Pay und Google

Paysind Apps, mit denen man Konten

bedient. Wo istdas Problem?

Zum Beispiel geht es um die Abschöpfung

unglaublicher Datenmengen.

Europa hat zum Glück

einen sehr wirksamen Datenschutz.

Im Moment sind die großen Anbieter

aber auf anderen Kontinenten heimisch,

in anderen Wirtschaftssystemen

mit anderem Verständnis von

Datenschutz. Ich habe per se nichts

gegenandereZahlungsanbieter,aber

es wärestrategisch gut, wenn es eine

europäische Alternative gäbe. Europäische

Unternehmen und Verbraucher

sollten die Auswahl haben.

DasGespräch führte Stefan Winter.

Ein Prost auf die Krise

In Griechenland boomen kleine Brauereien

Von Alexia Angelopoulou

W ennAlbrechtsagt,dassdasBier

schmeckt, dann hat Thanasis

Misaltis alles richtig gemacht.

Schließlich ist sein deutscher

Schwiegervater aus Berlin ein Kenner.

„Wann immer ich mit meiner

Frau hinreise, bringen wir unsere

neusten Kreationen mit und verkosten

sie gemeinsam“, sagt der 39 Jahre

alte Craftbeer-Brauer aus Nordgriechenland.

Thanasis ist einer von

rund 80 griechischen Mikrobrauern.

DieSzene boomt nicht zuletzt wegen

der ausländischen Touristen, allen

vorandie Deutschen.

KeineFrage,dassauchSchwiegervater

Albrecht den kleinen Ort Valta

auf der Halbinsel Chalkidiki besucht.

Dorthaben Thanasis und seine Frau

Christina das Bier Valtinger entwickelt

–der Ortsname Valta gemixt mit

der deutschen Endung ist eine Hommage

an die Braukunst hoch im Norden.

Thanasis’ Motto: „Als deutsche

Erfahrung auf griechische Leidenschaft

traf, wurde Valtinger geboren.“

Das Reinheitsgebot halten die

griechischen Kleinstbrauer in Ehren,

gleichzeitig aber sind sie sehr auf ihre

Herkunft bedacht. Ob Sifnos,SkopelosoderKefalonia,obSantorin,Chios

oder Kreta –lokal denken, lokal trinken

lautet die Devise. Und das erst

seit wenigen Jahren, denn die griechische

Craftbeer-Szene hat erst

während der griechischen Finanzkri-

se so richtig Fahrtaufgenommen. „Es

gab einfach keine Jobs mehr, und so

haben die jungen Leute angefangen,

zu Hause Bier zu brauen“, sagt Konstantin

Stergides, einer der Co-Initiatoren

des ersten Craftbeer-Festivals

Griechenlands am vergangenen Wochenende

in Athen.

Während der Krise seien viele junge

Menschen in die Landwirtschaft

zurückgekehrt, zu Olivenöl, Honig,

Käse und eben auch Bier,sagt Stergides.

Dabei helfen die Touristen, vor

allemBesucherausDeutschlandund

Großbritannien: Sie seien es, die im

Urlaub gern lokale Produkte und lokales

Bier bestellten. Nicht ganz so

einfach, denn der griechische Biermarkt

liegt zu gut 85 Prozent in den

Händen internationaler Größen wie

Amstel, Carlsberg und Heineken –

auch wenn auf den Flaschen griechische

Namen wie Mythos stehen.

Die Kleinbrauerszene nutzt die

Freiheit ihrer Nische und ist sehr

kreativ, sagt Steriades. „Wir orientieren

uns am Reinheitsgebot, aber

unsere griechischen Gesetze sind

nicht so streng wie die deutschen.“

Die Kleinstbrauer trieben die Aromen

durchaus in die Extreme, unter

anderem mit Kräutern, aber auch

Kaffee oder fruchtiger Zitrone,Mango,Maracuja.

DerTrick bei Letzteren:

Es wird keine Frucht hinzugefügt,

sondern die Dolden spezieller Hopfenpflanzen

– dem Reinheitsgebot

wirdalso Genüge getan. (dpa)

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Jungbrauer Thanasis Misaltis (39) zapftsein Valtinger-Bier.

FOTO: ALEXIA ANGELOPOULOU/DPA


8* Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Meinung

Landtagswahl

ZITAT

Vergesst die

Denkverbote

Jochen Arntz

denkt, dass inThüringen jetzt Linke

und CDU miteinander reden sollten.

Bodo Ramelow, ein Linker,hat dieWahl

in Thüringen gewonnen. Zum ersten

Malinder Geschichte Deutschlands nach

der Wiedervereinigung ist die Linke

stärkste Partei in einem Bundesland geworden.

Björn Höcke, ein Mann der äußersten

Rechten, ist ein weiterer großer Gewinner

dieser Wahl. DieAfD,die in Thüringen besonders

radikal, ja rechtsradikal ist,

konnte in dem Bundesland ihr Ergebnis

mehr als verdoppeln, verglichen mit der

vorangegangenen Landtagswahl.

Bodo Ramelowist ein Gewinner,Björn

Höcke ist ein Gewinner.Die Linke und die

AfD können feiern. Und das ist ein Problem,

nicht nur für Thüringen.

Denn regieren lassen sich mit diesem

polarisierten Ergebnis ein Land und eine

Gesellschaft kaum. Nach vorne bringen

wohl schon gar nicht. Zukunft macht man

nicht mit Spaltung, das ist klar. Doch das

politische Bild in Thüringen zeigt ganz

deutlich das Bild einer aufgesprengten

Gesellschaft.

Nur: Es ist natürlich andererseits auch

sehr demokratisch, wenn die Wähler in

Thüringen sich nicht so einheitlich verhalten,

wie es Politiker,die unkompliziert

eine Regierung bilden wollen, sich das

wünschen würden. Das Ergebnis der

Landtagswahl spiegelt die Vielschichtigkeit

eines ostdeutschen Bundeslandes

sehr genau wider.

Es ist ein sehr ehrliches Ergebnis, das

allerdings,wenn man auch nach der Wahl

ehrlich ist, die Frage aufwirft, für wenund

wie eine zukünftige Landesregierung

überhaupt Politik machen will. Wenn Ramelow

esschafft, wieder eine Regierung

zusammenzubringen, dann muss er sich

bewusst sein, dass die schärfsten Antipoden

seiner Linken, nämlich die AfD-Abgeordneten,

über nicht viel weniger Sitzeim

Thüringer Landtag verfügen als Ramelows

Partei selbst.

Es wird überall

komplizierter, eswird

aber auch überall

ehrlicher in der Politik.

Das ist die Bilanz der

Thüringen-Wahl.

Rein rechnerisch verfügten die Linke

und Höckes Partei in Thüringen ja über

eine komfortable Mehrheit –nur dass sie

selbstverständlich keine Gemeinsamkeiten

haben.

Wenn Bodo Ramelow also regieren

will, weil er der Sieger ist, und wenn die

AfD in Thüringen nicht nur rechnerisch

gekontertwerden soll –wenn dieses Land

eine stabile Regierung jenseits des

Rechtsextremismus bekommen soll,

dann darf es jetzt keine der üblichen

Denkverbote mehr geben.

Dann müssen in Thüringen jetzt zwei

Parteien miteinander reden, die das nicht

wollten, beziehungsweise es ausgeschlossen

hatten: die CDU und die Linke.Denn

das wärejaauch ein Beispiel an Demokratie,wenn

man nach derWahl noch einmal

nachdenkt, ob man nicht doch das tun

sollte,was man eigentlich nicht wollte: in

diesem Fall eine Regierung aus Linken

und Konservativen zu bilden.

Eine ungewöhnliche Regierung, die

Thüringen erst mal davor schützt unregierbar

zu werden –und auch die Chance

böte,aus dem üblichen Lagerdenken auszubrechen

und die zunehmende Polarisierung

im Land zu überwinden.

Bodo Ramelow, der eher pragmatische

Linke, hatte das übrigens nie ganz ausgeschlossen,

wenn man sich richtig erinnert.

Es wäre jetzt wohl vor allem an der

CDU in Thüringen –und sicherlich auch

an der CDU in Berlin –sich der Aufgabe zu

stellen, Denkverbote aufzugeben und Polarisierungen

zu überwinden.

Um eine Gesellschaft und die Zukunft

nicht jener Kraft zu überlassen, die nur an

die Polarisierung glaubt: der AfD

Sehr berechtigte Frage

Am 9.November 1989 drückten die

Ost-Berliner nach einer verhaspelten

Pressekonferenz die Mauer in

die Freiheit auf. Ich saß in dieser

Nacht heulend vordem Fernseher und hatte

viele Schlüsselbunde zu bewachen. Meine

Nachbarngingen alle mal schnell nachWest-

Berlin, sie wollten mal schauen und hofften,

dass nichts Schlimmes passiert. Ich traute

der Sache nicht und blieb bei den Kindern.

Ein Haus, zwölf Wohnungen, viele schlafende

Kinder,einschließlich meiner Tochter.

Wir hatten in Deutschland das Glück,

dass uns die große Schwester die Hand

reichte und wir dann als ostdeutsche Länder

Teil der Familie wurden. Das größte Geschenk

haben uns die Alliierten gemacht,

auch sie entließen uns in die Selbstständigkeit

und in eine größereaußenpolitischeVerantwortung.

Daswar damals nicht selbstverständlich

und wie wir heute wissen, gab es

wirklich nur dieses kurze Zeitfenster, diese

Zeit, in der sich alles überschlug, in der alle

Ideen schon beim Aufschreiben veralteten.

Diese Zeit mussten wir nutzen.

Der Wunsch nach einer gemeinsamen

deutschen Verfassung konnte sich nicht erfüllen.

Dafür haben sich viele Bürgerinnen

und Bürger mit ihren Vorschlägen, Ideen und

mit ihrer Leidenschaft in die Verfassungsgestaltung

ihrer jeweiligen Länder eingebracht.

Auch die Ideen des Runden Tisches flossen

mit ein. Zahlreiche Experten aus den Partnerländern

gaben Anregungen und berichteten

von ihren Erfahrungen. Ich gebe es zu: Noch

nie im Leben habe ich mich so mit Kollegen

gefetzt und gestritten wie in den 90er-Jahren

in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg.

Ich habe mich als Ostdeutsche nicht

selten diskriminiert gefühlt, musste „Anpassungsfortbildungen“

machen und wurde

ständig irgendwie überprüft. Aber im Unterschied

zu früher konnte ich mich fetzen,

ohne Gefahr zu laufen, rausgeschmissen zu

werden. DieFronten verliefen auch nicht immer

Ost gegen West, sondern Frauen gegen

Berlin ist nicht gerade als Erfinderhauptstadt

bekannt. Weil mir als lokale Innovationen

auf Anhieb nur Currywurst und

Döner Kebab einfielen, habe ich mal intensiv

drei Sekunden lang im Internet recherchiert

und herausgefunden, dass hier außerdem

der Computer, das Teelicht sowie das nahtlose

Kondom erfunden worden sind. Immerhin.

Damit hat Berlin doch alles hervorgebracht,

was man so für ein gelungenes Internetdate

braucht.

Heutzutage heißen Erfinder in dieser

Stadt Start-up-Founder und denken sich

zum Beispiel Onlineangebote aus,die in den

USA bereits erfolgreich waren, nur jetzt eben

halt auf Deutsch. Dafür bekommen sie Investorengelder

und staatliche Subventionen

und erfinden dann Steuerschlupflöcher sowie

immer noch schlechtere Arbeitsbedingungen.

Manche Neuentdeckungen werden aber

erst später in ihrer ganzen Wichtigkeit erkannt.

Dass Sildenafil etwa, der Wirkstoff in

Viagra, gegen Erektionsstörungen hilft, kam

eher zufällig heraus. Eigentlich sollte es nur

den Blutdruck senken. Tatsächlich aber kann

Sildenafil unter Umständen noch besser zu

einem gelungenen Onlinedate beitragen als

ein Teelicht.

Nun wurde auch in Berlin Tegel etwas erfunden,

dessen Tragweite uns noch gar nicht

richtig bewusst geworden ist. Dabei könnte

es uns helfen, die 2,5 Prozent der weltweiten

CO 2 -Emissionen einzusparen, die durch die

kommerzielle Luftfahrt verursacht werden.

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und dieBundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Sind wir ein Land?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Einig in die

Zukunft

Martina Weyrauch

ist Leiterin der Brandenburgischen Landeszentrale für politische

Bildung.Die deutsche Einheit sieht sie als Verantwortung.

KOLUMNE

Wieder Flughafen

Tegel unser Klima

rettet

Katja Berlin

Autorin

Ich komme gerade aus meinem verspäteten

Sommerurlaub in Italien zurück und wundere

mich, dass hier noch niemand das Potenzial

dieses Flughafens erkannt hat.

Tegel war ja ursprünglich nur für einen

Bruchteil der 22 Millionen Fluggäste ausgelegt,

die letztes Jahr abgefertigt wurden. Aber

wenn dieser Flughafen etwas kann, dann

Leute abfertigen. Und wie! Wer den Fehler

begeht, nicht nur mit Handgepäck zu reisen,

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Männer, Jung gegen Alt oder entlang unterschiedlichster

Überzeugungen. Und ja–in

diesem Streiten, in diesem Ringen um den

besten Wegund auch um die eigene Würde,

wuchs so etwas wie gemeinsame Verantwortung.

Gemeinsame Verantwortung über alles

Trennende,alle Unterschiede hinweg.

Undauch schon 1999, zehn Jahrenach der

friedlichen Revolution, die Frage: „Sind wir

ein Land, sind wir einVolk?“ –womit ja immer

wieder die Sehnsucht verknüpft ist, alles wird

gut, irgendwann ist man angekommen, kann

sich kuschelig einrichten. Wie ineinem alten

Märchenbuch. Aber nein, es gibt kein kuscheliges

Happy End, es gibt kein Ende der unerwarteten

Situationen und Verwerfungen. Es

gibt kein Ende von Strukturumbrüchen, es

gibt kein Ende der Angst, den Herausforderungen

nicht gewachsen zu sein. In der Welt

haben sich viele Konflikte verschärft, die neoliberaleWirtschaftsformist

heute stärker denn

je in der Kritik. Auch Europa ist nicht die feste

Burg, für die es viele hielten. Der Populismus

von links und von rechts ist auf dem Vormarsch

und wir kämpfen weiter darum, die

Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen.

Bei fremden Kulturen sind wir im Zweifel, ob

sie uns bereichern oder bedrohen. Welche

Antworten finden wir zum Klimawandel, welche

neue Lebensweise werden wirfinden? Nur

starke Menschen bekommen da keine Angst

oder die, die sich in einer bunten, kreativen,

verantwortungsbewussten Gemeinschaft befinden,

diekrisenerprobtist.

Als Ost-Berlinerin, die seit dreißig Jahren

dasGlück hat, dasvereinte Deutschland mitzugestalten,

bin ich unendlich dankbar für

diese Wendung der Geschichte. Ich habe

viele neue Freunde im vereinten Deutschland

undinaller Welt gefunden. Sind wir nun

einLand? Ja,wir sind ein Land. DieEinigkeit

liegt in der gemeinsamen Verantwortung für

ein konstruktives, solidarisches und friedliches

Deutschland, egal wo jemand geboren

ist: ob in Neuruppin, Münster,Warschau, Hanoi

oder Damaskus.

verbringt das erste Drittel seines Urlaubs in

der Schlange vorder Gepäckaufgabe,nur um

dann den Rest für Sicherheitskontrolle und

gedrängtes Rumstehen in Containern aufbringen

zu müssen. Werdann noch genug

Urlaubstage hat, um tatsächlich wegzufliegen,

wird irgendwann auch leider zurückkommen

zu müssen. Wurde früher nach einer

Landung geklatscht, ist es heute Tradition,

dass man noch eine halbe Stunde länger

im Flieger verweilt. Das ebenso

unterbezahlte wie unterbesetzte Bodenpersonal

kommt nämlich nicht damit hinterher,

Gangways an die Maschinen zu bringen.

Während ich noch eine Stunde nach meiner

Landung aus Neapel am ruhenden Fließband

auf meinen Koffer wartete,kam mir die

Vorstellung eines weiteren Fluges unter solchen

Bedingungen komplett absurdvor.

Nichts gegen Currywurst und Teelicht,

aber ich glaube, dass diese Erfindung wirklich

bahnbrechend sein kann: der Flughafen,

der uns das Fliegen abgewöhnt. Jetzt unterstützeich

nicht nur das Anliegen der Berliner

FDP,Tegel nach Eröffnungdes BER beizubehalten,

sondern gehe sogar weiter und fordere,

BERzuvergessen und nur noch mit Tegel

weiterzumachen.

Und damit nicht genug. Tegel sollte Modellflughafen

für alle Städte weltweit werden.

Sofort würde der private und geschäftliche

Flugverkehr aufs Allerwesentlichste reduziert

werden. Ich sage es nicht ohne Stolz,

aber vielleicht sind wir doch eine Erfinderhauptstadt.

Es weiß nur noch niemand.

„Ich dürfte ... mehr als

200 Jahre keine

Plastiktüten mehr kaufen,

um ... einen Flug zu

kompensieren.“

Frank Bilstein, Unternehmensberater

bei A.T. Kearnes, erklärt imInterview

mit dem Spiegel, dass die Deutschen nicht

gut genug über Klimaschutz Bescheid wissen und

daher ihre Prioritäten falsch setzen.

AUSLESE

Die SPD und ihre

nächste Führung

Der Mitgliederentscheid der SPD ist

ausgezählt: Olaf Scholz und Klara

Geywitz liegen hauchdünn in Führung.

„Das Ergebnis der beiden ist ernüchternd“,

kommentiert Spiegel Online. Faktisch

habe „nur jeder zehnte Sozialdemokrat

für denjenigen gestimmt, der als Vizekanzler

und Bundesfinanzminister eine

weit größere Bühne hatte als jeder andere

im Feld. Autsch.“ Welches Duo auch immer

gewinne –der Sieg werdeknapp sein.

„Und je knapper der Sieg,desto größer die

Wahrscheinlichkeit, von Tag eins an mit

schweren Autoritätsproblemen zu kämpfen

zu haben. Undsokönnte es am Ende

ausgehen wie so häufig in der SPD: Eigentlich

geht es mal wieder nur um einen Übergangsvorsitz.“

„Über den SPD-Vorsitz entscheidet

jetzt Angela Merkel“, kommentiert die

Welt am Sonntag die Lage. Umzugewinnen

müsse Olaf Scholz nun Teile der Parteilinken

mobilisieren: „Der Kampf um

die Grundrente wird also in der Koalition

mit aller Schärfe entbrennen“, vermutet

Kommentator Torsten Krauel. „Es liegt

nun an Merkel und Kramp-Karrenbauer,

einen für beide Seiten gesichtswahrenden

Ausweg zu finden. Sonst steht die große

Koalition nach dem SPD-Parteitag auf

der Kippe.“ Für den Tagesspiegel steht

eines bereits fest: „Die mit großem Pathos

versprochene Erneuerung können

als Personen weder Geywitz/Scholz

noch Esken/Walter-Borjans verkörpern.“

Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Im Schlosspark-Theater

feiert„Ruhe! Wir

drehen!“ Premiere.

Seite 14

Am Ende: Schadensbegrenzung nach der Pleite von Envion Seite 13

Am Anfang: Der Amazon-Turm darf doch gebaut werden Seite 15

Stadtbild

Der Wert

der Dinge

BarbaraWeitzel

besucht eine Theaterprobe.

Redest du mit mir?“ –„Nein, mit

dem Licht.“ Als dieser hinreißende

kleine Dialog durch die Dunkelheit

tönt, sitzeich bereits seit zwei

Stunden im Saal. DieFrage stellte ein

Schauspieler, die Antwort kam vom

Regisseur.Der Erstereist verwirrt, da

es kurzzuvor noch um eine Stelle im

Text ging. „Leute,esheißt nicht SPÜ-

LEN! Sondern FÜÜÜHLEN. Oder

von mir aus SPÜÜÜREN“, hatte der

Regisseur gerufen. Ein unterdrücktes

Lachen war zu hören in seiner

deutlichen Ansage.

Jeder Buchstabe zählt. Jeder Ton,

jeder Lichtstrahl, jeder Schritt. Das

lerne ich an diesem Vormittag, an

dem ich erleben darf, wie ein Musiktheaterstück

entsteht. Nein, ein winziger

Teil davon. Man probt seit 120

Minuten dieselbe Szene. Das ist

nicht langweilig, im Gegenteil. Mit

angehaltenem Atem verfolge ich die

Korrekturen und werde immer demütiger

ob der Geduld aller Beteiligten.

Dieeinen sagen zum 15. Maldie

gleichen Sätze. Andere stehen und

haben nichts zu tun im Augenblick.

Kein Füßescharren, kein Überdruss.

DasOrchester spielt die zur Szene

gehörigen Sequenzen jedes Mal mit

stoischer Konzentration. Oft wird

unterbrochen, ein verrutschter Ton,

eine Pause, die einen Vierteltakt zu

lang ist, ein Forte, wo Mezzoforte geboten

gewesen wäre –Winzigkeiten

bringen das Gesamtgeschehen aus

dem Takt. Also vonvorn.

Wenn die Choreografin an einem

Darsteller herumzupft, schweigen

die Musiker. „Schauen Sie mal. Die

Oboe strickt“, sagt der Mann neben

mir. Das klingt genauso bizarr wie

„Ich spreche mit dem Licht“, doch in

der Tat: Die Oboistin nutzt die stille

Phase für Handarbeiten. Die Klarinette

tippt etwas in ihr Smartphone.

Dann greifen alle wie in einer einzigen

Bewegung zu ihren Instrumenten.

Es geht weiter. Kurz bevor ich

den Saal verlasse, sitzt die Szene. Alles

stimmt. Stolz und Freude wabern

durch den Raum wie vorhin der

künstliche Nebel.

Auch wenn mir im Konzert, im

Museum, im Kino oder beim Lesen

unterbewusst klar ist, wie viel Akribie,

Geduld und Kraft im Ergebnis steckt,

staune ich noch auf dem Heimweg

über das Ausmaß. Denke kurioserweise

an einen Tagvor vielen Jahren,

als ich für einen Text in einer Biobäckerei

war.Ich sah mein Brot danach

mit anderen Augen, nicht nur wegen

der Aufstehzeiten der Beschäftigten.

Undwünschte mir,ich könnte bei der

Entstehung von sovielem mal stille

Beobachterin sein.

Am besten mit den Kindern. Wir

würden lernen, was es braucht, bis

ein Lego-Set fertig ist. Wie viel Sorgfalt

in einer Hosennaht steckt. Wie

kompliziertein Heizungssystem aufgebaut

ist und welche Kenntnis man

haben muss, umdie Fehler zu vermeiden,

über die wir fluchen würden.

Wir wären bestimmt fasziniert

vom wahren Wert all dieser Dinge

und würden sie anders benutzen.

Die Szene, inder die Regie mit

dem Licht sprach, werde ich bei der

Premiere jedenfalls mit einem Lächeln

auf dem Gesicht sehen. Den

Kindernwerde ich vonder Probe erzählen.

Und sie und mich bei anderenGelegenheiten

daran erinnern.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Landeschef Michael Müller waren am Sonnabend beim Landesparteitag bei bester Laune.

Seit’ an Seit’

Die SPD will Lehrer wieder verbeamten und lehnt Enteignungen ab –Müller und Saleh zeigen sich einig

VonMelanie Reinsch

Esgehörtzur lieb gewonnen

Tradition der SPD, dass ein

Parteitag mit schmetternden

Tönen der Vorwärts-

Liederfreunde eingeläutet wird.

„Wann wir schreiten Seit’ anSeit’“,

heißt es in dem Arbeiterlied von

1915, der SPD-Hymne schlechthin,

„mit uns zieht die neue Zeit“.

Es sind Zeilen, die den Genossen

am Sonnabend wohl auch Mut machen

sollen. Die noch einmal erinnernsollen

an Wurzeln, an Herkunft,

an den Kern sozialdemokratischer

Politik, bevor Entscheidungen getroffen

werden, die die Kraft haben

könnten, die Ausrichtung der Berliner

SPD maßgeblich zu verändern.

Denn es sind ja nicht nur die Zahlen,

die eben so sind, wie sie sind. Die

Berliner SPD liegt seit Monaten irgendwo

bei 15, 16 Prozent. Oder um

es mit den Worten des SPD-Landeschefs

und Regierenden Bürgermeisters

Michael Müller (SPD) zu formulieren:

„Ja, die Umfragen sind Mist,

hab ich schon dreimal gesagt, ist immer

noch so.“ Dieneue Zeit, mit der

die SPD mitziehen möchte,meint es

gerade nicht so gut mit ihr.

Es sind aber vor allem auch zwei

wichtige Beschlüsse, die an diesem

Sonnabend im Hotel Intercontinental

getroffen werden müssen und die

nach der zähen Mietendeckel-Einigung

schon wieder den Druck erhöhen.

Denn beim letzten Parteitag im

Märzwollte die SPD sich lieber noch

nicht festlegen, wie sie zum Thema

Enteignung großer Wohnungsunternehmen

steht –und vertagte die Entscheidung

auf Oktober.

Klar positionierte sich Müller in

seiner Rede gegen die Vergesellschaftung,

wie sie die Initiative

„Deutsche Wohnen und Co enteignen“

fordert, die im Juni mit ihren

gesammelten Unterschriften die

erste Hürde für ein Volksbegehren

genommen hatte. Wohl wissend,

dass seine Partei in dieser Hinsicht

gespalten ist, erklärte Müller, essei

der Dreiklang „bauen, kaufen, deckeln“,

auf den es jetzt ankomme.

Und nicht der Vierklang „bauen,

kaufen, deckeln, enteignen“.

Er appellierte an seine Parteikollegen

demAntrag, der zum Ziel hat,

Doppelspitze: Mit breiter

Mehrheit beschloss der Parteitag

eine Satzungsänderung,die

der SPD eine Doppelspitze

ermöglicht. In Zukunft

sollen Parteitagsdelegierte

vorVorstandswahlen

entscheiden können, ob sie

ein Duo an der Spitze wollen

oder einen Vorsitzenden.

gemeinsam mit der Initiative ein

Gesetz zur Enteignung zu formulieren,

nicht zuzustimmen. Mit

dem Antrag ginge ein klarer Handlungsauftrag

einher. „Das ist nicht

irgendetwas, worüber wir da abstimmen,

damit werden uns die

Koalitionspartner treiben“, prognostizierte

Müller. Man werde

keine eigene Stimme in der Wohnungspolitik

mehr haben.

Müller hatte Glück. Die Delegierten

entschieden mehrheitlich, dass

die Vergesellschaftung der Bestände

großer Wohnungsunternehmen „gegenwärtig

nicht zielführend“ sei. 137

der 238 Delegierten lehnten das Instrument

ab –trotz leidenschaftlich

geführter Reden der Enteignungsbefürworterinnen

wie Juso-Chefin Annika

Klose oder Bildungspolitikerin

Maja Lasic.

PARTEITAGSBESCHLÜSSE

Wahl: Wenn eine Doppelspitze

gewählt wird, muss sie

laut den neuen Statuten aus

einem Mann und einer Frau

bestehen. Eine Rolle spielt

die neue Regelung aus dem

Parteitag erstmals bei der

Wahl der neuen Parteiführung

im kommenden Frühjahr.

Die Sozialdemokraten wollen zurück zum Beamtenmodell für Lehrer.

Verbeamtung: Lehrer sollen

wieder verbeamtet werden.

Die SPD will den Beruf so attraktiver

machen.Angestellte

Lehrer,die nicht mehr verbeamtet

werden könnenoder

wollen, sollen einenAusgleich

in FormeinerStundensenkung

vonvier Stunden wöchentlich

erhalten.

IMAGO

DPA

Sogar der Fraktionsvorsitzende

Raed Saleh hielt sich zurück, sprach

das Thema in seiner Rede erst gar

nicht an, obwohl er grundsätzlich

nicht gegen Enteignungen ist. Noch

im Sommer hatte er im Interview mit

der Berliner Zeitung gesagt: „Wir

müssen darüber sprechen, was möglich

ist und wo Enteignungen ihre

Rechtfertigung finden.“

Unterstützung bekam Müller von

Familienministerin Franziska Giffey,

die betonte, dass man mit diesem

Geld besser 100 000 neue Wohnungen

kaufen sollte. Die Erleichterung

über die Entscheidung des Parteitags

war Müller später durchaus anzusehen

–eswäre eine dramatische Niederlage

für den Landeschef gewesen,

hätten die Delegierten sich anders

entschieden. AndereSPD-Mitglieder

offenbarten später, dass eine anderen

Entscheidung die gesamte Ausrichtung

der SPD verändert hätte.

Die Koalitionspartner Linke und

Grüne hatten sich schon zuvor auf

eine Linie verständigt: Beide unterstützen

die Ziele der Initiative.

Seit’an Seit’–sozeigten sich Müller

und Saleh auch beim zweiten

heiklen Thema: Der Rückkehr zur

Verbeamtung. Müller warb in seiner

Eingangsrede für das Beamtenmodell.

„Wir müssen uns mal ehrlich

machen“, so der Landeschef. Ohne

die Verbeamtung sei es noch schwerer,

Leute für den Beruf zubegeistern.

„Wir sind das einzige Land, das

nicht verbeamtet. Diesen Wettbewerbsnachteil

können wir nicht länger

akzeptieren“, so Müller, der bisher

eigentlich kein großer Befürworter

der Idee war.

Im März stimmten die Delegierten

noch gegen die Verbeamtung –

Saleh gilt als vehementer Verfechter

des Modells und kassierte damals

eine bittere Niederlage. Ein halbes

Jahr später hat sich die Stimmung in

der Partei nun gedreht, beziehungsweise

wurden ausreichend Stimmen

generiert. 122 SPD-Mitglieder

stimmten dem Antrag zu, 100 dagegen.

Die Prüfung, die die SPD nach

dem letzten Parteitag unternommen

hatte, resümierte, dass die finanzielle

Differenz zwischen einem angestellten

und einem verbeamteten

Lehrer nicht über eine Umlage ausgeglichen

werden könne.

Auch der Tarifvertrag für den öffentlichen

Dienst der Länder (TV-L)

bietet danach keine Möglichkeit, den

Verdienstunterschied auszugleichen.

Auch diese Ergebnisse scheinen die

Delegierten umgestimmt zu haben.

Allerdings wirdesschwer, dieVerbeamtung,

die vor15Jahren in Berlin

abgeschafft wurde,soschnell einzuführen:

Grüne und Linke sind auch

hier anderer Meinung und glauben

nicht daran, dass eine Verbeamtung

dem Lehrermangel etwas entgegensetzen

kann. Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD) appellierte

am Sonntag an Grüne und Linke:

„Nun sind die Koalitionspartner aufgerufen,

ihre Haltung zur Verbeamtung

zu überdenken. Wenn außer

Berlin alle anderen Bundesländer

verbeamten, muss sich die Politik

der Realität stellen“, sagte sie.

NACHRICHTEN

Berliner CDU will gegen

Mietendeckel klagen

DieBerliner CDU-Fraktion will aus

verfassungsrechtlichen Bedenken

gegen das Mietendeckel-Gesetz klagen.

„Wir wollen schnellstmöglich

Rechtssicherheit für Mieter und Vermieter,daher

werden wir in jedem

Fall klagen“, sagte CDU-Fraktionschef

BurkardDregger.„Wirhaben

alle ein Interesse daran, dass das Gesetz

möglichst schnell überprüft

wird. Wirals CDU-Fraktion stehen

dafür bereit.“ DerSenat hat das Mietendeckelgesetz

am 22. Oktober beschlossen.

(dpa)

Demonstration für Tempo 30

in Kreuzberg und Neukölln

Rund 300 Menschen haben am

Sonnabend in Neukölln und Kreuzbergfür

eine Reduzierung des Autoverkehrs

demonstriert. „Wir fordern

Tempo 30 auf allen Straßen, wo wir

heute unterwegs sind und mehr Sicherheit

für Radfahrer“, so ein Sprecher

der Initiative„autofreiberlin“.

DieDemonstranten zogen vomHermannplatz

zum Moritzplatz. (dpa)

Auto angezündet: 14-Jährige

festgenommen

Zwei 14-Jährige Mädchen sollen für

mehrereBrandstiftungen am Sonnabend

in Moabit verantwortlich sein.

Kurz nach 22 Uhrbrannte in der

Kruppstraße ein geparktes Auto,eine

Dreiviertelstunde später brannten

Bauabfälle an der Rathenower

Straße.Anschließend stand ein Bauschuttcontainer

in der Stendaler

Straße in Flammen. Am frühen

Sonntagmorgen ging die Brandserie

weiter –mit Feuer an einem Kleidercontainer

und einem Mülleimer an

der Kruppstraße.Die Minderjährigen

wurden festgenommen. (dpa)

Weihnachtsmarkt: Betreiber

hofft auf Einigung

Nach dem Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts

gegen den traditionellen

Weihnachtsmarkt am Schloss

Charlottenburghofft der Veranstalter

noch auf eine Einigung mit den

Behörden. Am Montag wolle er dem

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorfein

Konzept für die geforderten

Sicherheitsauflagen vorlegen,

sagte Veranstalter Tommy Erbe.Er

hoffe,bis Dienstag eine Genehmigung

zu bekommen, damit der

Weihnachtsmarkt stattfinden könne.

DasGericht hatte entschieden, dass

die Marktbetreiber keinen Anspruch

auf eine Genehmigung durch das

Bezirksamt haben. Voraussetzung

sei, dass der Marktdie notwendige

Sicherheit gewährleiste.Das sei aktuell

mit hoher Wahrscheinlichkeit

nicht der Fall. (dpa)

Steht auf der Kippe: Der Weihnachtsmarkt

am Schloss Charlottenburg. IMAGO


10 Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Stadtgeschichte

Berliner Kolonialismus und jede Menge alternative Fakten

Glücklicherweise wird verstärkt über deutsche Übersee-Politik diskutiert, doch die Unkenntnis mancher Beteiligter irritiert. Ein Zwischenruf aus der Wissenschaft

VonUlrich vander Heyden

Der Berliner Senat möchte

verständlicherweise Erfolge

seiner Regierungspolitik

vorweisen. Einige

Abgeordnete der Regierungskoalition

haben sich dafür etwas Besonderes

einfallen lassen: Die Geschichte

muss her.Dakann man versuchen

zu punkten, vor allem in Bezug

auf deutsche Kolonialgeschichte.

Denn es gibt gegenwärtig

wohl keine Publikation zum 19. Jahrhundert

beziehungsweise zur Geschichte

der Beziehungen nach

Übersee, in der sich nicht kritisch

mit der deutschen kolonialen Vergangenheit

auseinandergesetzt

wird. Das freut einen Kolonial- und

Afrikahistoriker,der sich seit dreieinhalb

Jahrzehnten mit den mannigfachen

Fragestellungen aus dem Beziehungsgeflecht

Deutschlands insbesondere

mit Afrika auseinandersetzt.

Jedoch kochen inzwischen zu

viele unausgebildete Köche den Brei.

Ohne eingehende Quellenkenntnis

werden vielfach Behauptungen aufgestellt

oder unkritisch kolportiert,

die beim Fachmann nur Verwunderung

hervorrufen können.

WarBerlin Kolonialmacht?

Neuerdings bewegt ein Antrag

(Drucksache 18/1788) der Fraktionen

der SPD, der Linken und von

Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus

die Gemüter der kolonialgeschichtlich

Interessierten. In

dem Papier heißt es, dass Berlin für

seine koloniale Vergangenheit Verantwortung

übernehmen solle.Aber

wie kann das geschehen? WarBerlin

eine Kolonialmacht? Oder befanden

sich im deutschen Verwaltungszentrum

lediglich Institutionen, die der

Eroberung und Aufrechterhaltung

der Kolonialherrschaft des deutschen

Kaiserreichs dienten? Müssen

nun auch andere Städte oder gar

Dörfer Verantwortung für „ihre“ koloniale

Vergangenheit übernehmen?

Sollte solche Aufgabe, Verantwortung

für die Handlungen eines Staates,

die teils mehr als einhundert

Jahre zurückliegen, glaubhaft zu

übernehmen, nicht eher eine nationale

Angelegenheit sein?

Daskönnte Aufgabe einer breiten

politischen Debatte sein. Einbezogen

werden könnten Gedenkstättenaktivitäten,

Verbesserung der Kenntnisse

über Kolonialismus in Museen,

Schulen und Universitäten. Denn

das tut Not!

Der imAusschuss für kulturelle

Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses

eingebrachte und beschlossene

Antrag stellt eine siebenstellige

Summe für zwei Jahrebereit. Sollten

die postkolonial engagierten Landespolitiker

anregen wollen, sich

den in Berlin vorhandenen kolonialen

Erinnerungsorten stärker zu widmen,

kann so ein Projekt sinnvoll

werden. Zwar sind diese Orte weitgehend

ausgeforscht, aber vielleicht

lassen sich weiterefinden.

Da gäbe es beispielsweise die

Kurfürstenstraße und den Kurfürstendamm;

zwei Straßennamen, die

Die Darstellung der Festung Großfriedrichsburg,der von 1683 bis 1717 bestehenden kurbrandenburgischen Kolonie in Westafrika, zeigt die Situation von 1688. WIKIMEDIA/ADAM JONES

Reste von Fort Großfriedrichsburg im heutigen Ghana

WIKIMEDIA/CC BY 3.0/OBRUNI

an den brandenburgischen Kurfürsten

Friedrich Wilhelm von Brandenburg

(1620–1688) erinnern, der den

Auftrag zum Sklavenhandel seines

Fürstentums erteilt hatte.

Vielleicht sollte man Berliner

Straßen nach Persönlichkeiten benennen,

die nach dem 3. Oktober

1989 geboren worden sind.

Zur Thematik der kolonialen Erinnerungsorte

liegen mehr als ein

halbes Dutzend Bücher vor, auf die

die Initiatoren des Antrags schon vor

Monaten aufmerksam gemacht worden

sind. Sie hatten sich auch artig

bedankt und mitgeteilt, dass man

auf die in den Universitäten der Stadt

vorhandenen Fachleute nicht verzichten

wolle. Allerdings wurden

diese weder zu Konsultationen noch

zu Anhörungen eingeladen.

Uneingeschränkt ist dem Ansinnen

des Senats beizupflichten, „wissenschaftliche

Aufarbeitung“ und

die „Forschung zum Thema“ zu unterstützen.

Aber was genau will man

erforschen? Hätte man nicht Kolonialhistoriker

dazu befragen müssen?

Siekennen doch am besten den Forschungsstand.

Außerdem sind viele

Themen auf dem weiten Gebiet der

deutschen Kolonialgeschichte ausgeforscht.

Immerhin wurde im Osten

Deutschlands seit Ende der

1950er-Jahre hierzu gearbeitet und

gelehrt; in der alten Bundesrepublik

existiert seit etwa Mitte der 1960er-

Jahre eine kritische Kolonialgeschichtsschreibung.

Weitere Punkte des Antrages lesen

sich so,als wolle man Eulen nach

Athen tragen. Denn die geforderten

Provenienzforschungen zu den aus

kolonialem Kontext stammenden

Objekten in Museen und Sammlungen

sind im Gange. ImHumboldt-

ForuminMitte wirdandie deutsche

(nicht nur Berliner!) Kolonialgeschichte

erinnert werden. In dem

verabschiedeten Papier wird auch

auf die Umbenennung von kolonial

belasteten Straßennamen eingegangen.

Es wird von „überfälligen Straßenumbenennungen“

gesprochen.

In der Tatgibt es „kolonial belastete“

Straßen in Berlin. Wie der Umgang

damit in„die Hose gehen“ kann

und zur Lachnummer selbst in einigen

afrikanischen Ländern geworden

ist, zeigen die Aktivitäten im

Afrikanischen Viertel, die weithin

ohne fachwissenschaftliche Begleitung

oder Beratung verliefen.

Ohne explizit die Mohrenstraße

zu erwähnen, werden sich die Befürworter

vonderen Umbenennung bestärkt

fühlen. Davon zeugt das diesjährige

„Mohrenstraßen Umbenennungsfest“

vom 25. August, an dem

etwa 60 bis 70 zumeist junge Menschen

teilnahmen, Kultursenator Lederer

war Gastredner. Obder promovierte

Jurist den auf der Veranstaltung

verteilten Flyergelesen hat?

Hier fällt eine kaum zu glaubende

historische Unwissenheit auf. So

mussten in der Mohrenstraße „meist

junge versklavte Afrikaner immer in

Baracken leben“. Abgesehen davon,

dass es damals dort keine Baracken

gab und die „Afrikaner“ zumeist Araber

waren, existierte auf dem Territorium

von Brandenburg-Preußen,

anders als in der Kolonie Großfriedrichsburg,

keine Sklaverei. Dieinden

Mohrenkolonnaden untergebrachten

ausschließlich jungen Männer (!)

gehörten zum privilegierten Armeemusikcorps

des preußischen Königs.

Siewaren hoch geachtet und gut bezahlt.

Ein Forschungsauftrag könnte

untersuchen, wo sich in einer solchen

Musikkapelle Frauen versteckt

hatten und wie viele von den sogenannten

Janitscharen in ihreHeimat

zurückkehrten oder sich in der hiesigen

Gesellschaft integrierthatten.

Die Brandenburgisch-Africanische

Compagnie wurde nicht 1682,

sondern 1692 gegründet. Es wurden

über die Festung Großfriedrichsburg

nicht „über 24 000“, sondern fast

20 000 versklavte Menschen nach

Amerika verschifft. Neu wäre auch,

dass –laut Flyer–auf den Plantagen

in der Karibik die Sklaven „zur Produktion

von Tabak und Zucker für

die Haushalte von noblen Brandenburger*innen

ausgebeutet“ wurden.

„Einige Menschen“ mussten in

Berlin „im Gericht arbeiten, um dort

die imperiale Macht der Brandenburg-Preußen

zu demonstrieren“,

sagt der Flyer. Hier ergäbe sich ein

weiteres Forschungsfeld, nämlich zu

eruieren, wo die angeblichen Sklaven

arbeiteten, wenn sie ihren

Dienst in der Armee aufgekündigt

hatten. Erstaunen ruft hervor, dass

etwa 200 Jahre vor Errichtung des

deutschen Kaiserreichs ein „Kaiser

Friedrich Wilhelm“ gefordert haben

soll, die aus Afrika Entführten „zur

Arbeit am Potsdamer und Berliner

Gericht zu zwingen“. Darüber hinaus

wurden sie „gewaltsam getauft“.

Amo und die Mohren

Es kann den Antragstellern aus dem

Kulturausschuss beigepflichtet werden,

Gelder„im Bereich der universitären

und der schulischen wie außerschulischen

Bildung“ bereitzustellen.

Denn der Flyerprovoziertdie

Schlussfolgerung, es müsste eine gehörige

Summe Geldes für die Geschichtsbildung

ausgegeben werden.

Dies scheint, wie voranstehend

an nur einigen Beispielen belegt, unbedingt

angebracht zu sein.

Absolut nichts ist gegen eine Ehrung

Anton Wilhelm Amos (ca. 1703

bis ca. 1753) durch einen Straßennamen

in der deutschen Hauptstadt

einzuwenden. Er gilt als erster afrikanischer

Gelehrter in Deutschland,

promoviert an der Universität in

Halle. Einige DDR-Wissenschaftler

erforschten dessen Geschichte. Nur

gibt es ein Problem, welches sehr an

die Blamage im AfrikanischenViertel

erinnert, wenn die Mohrenstraße in

Anton-Wilhelm-Amo-Straße, wie

auf dem Umbenennungsfest gefordert,

geändertwird. Denn neben den

schon mehrfach ausgeführten und

von Wissenschaftlern aus gutem

Grunde zurückgewiesenen unwissenschaftlichen

Begründungen für

die Umbenennung wird angeführt,

dass „Mohr“ keine Selbstbezeichnung

der Afrikaner gewesen sei. Nun

hat aber Anton Wilhelm Amo im

Jahre1729 seine erste Disputation an

der Hallenser Universität in lateinischer

Sprache unter dem Titel „De

iureMaurorum in Europa“ gehalten,

zu Deutsch: „Über die Rechtsstellung

der Mohren in Europa“.

ProfessorUlrich vander Heyden ist als Historiker

undSpezialist für dieKolonialgeschichte Afrikas

an FU und HU sowie in Pretoria tätig.

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Cedelendorp

Land-Tag

Fontanes Berlin

So geschrieben haben SieZehlendorfvielleicht noch nie

gesehen. In Cedelendorp verbindet sich „Cedlo“, altslawisch

für Siedlung, mit dem niederdeutschen Wort für

Dorf. DieKombination erinnertandie sogenannte deutsche

Ostsiedlung im 12. und 13. Jahrhundert. Die Zuwanderer

fanden slawische Siedlungen vor. Die ersten

kamen in diesen unter, nachfolgende gründeten neue

Straßen- und Angerdörfer. Cedelendorp findet erstmals

1242 Erwähnung, als die Markgrafen Johann I. und Otto

III. es an das Zisterzienserkloster Lehnin gaben.

Das Museum des Heimatvereins Zehlendorf e. V. zeigt Heimat- und

Regionalgeschichte, Clayallee 355, Mo, Do 10–18 Uhr;Di, Fr 10–14 Uhr

Nureinen Taglang trafen sich die politisch berechtigten

Stände im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, um

binnen dieses einen Tages alle gemeinsamen Angelegenheiten

der Landleute zu verhandeln. Daher hießen diese

Versammlungen „Land-Tag“. Derhistorische Begriff rettete

sich in die Neuzeit, obwohl die späteren Landtage

viel länger „tagten“. Anders als die heute gewählten Abgeordneten

waren die Teilnehmer durch ihren Stand,

also Herkunft oder Amt, zur Mitsprache privilegiert. Inhaber

eines Landgutes (überwiegend Adlige) gehörten

dazu oder Äbte landtagsfähiger Stifte.Sie vertraten überwiegend

die Interessen ihres jeweiligen Standes.Der Begriff

Landstandschaft bezeichnete das Recht, in eigener

Person auf dem Landtag zu erscheinen und zu sprechen.

Dieses Vorrecht war ursprünglich als Personalrecht

durch Zugehörigkeit zum Adelsstand gegeben, später

wandelte es sich zum Realrecht und galt als Zubehör eines

Rittergutes: Mitdem Erwerb eines Gutes kaufte man

auch einen Landtagsplatz. Preußen schaffte das Recht einer

besonderen Vertretung der Rittergutsbesitzer in der

Verfassung von 1850 ab –eine Folge der Revolution von

1848. DasAbgeordnetenhaus,Zweite Kammer des Preußischen

Landtags, wurde fortan nach Dreiklassenwahlrecht

gewählt. Die Erste Kammer, das Herrenhaus, bestand

nach 1853 ausschließlich aus nicht gewählten Mitgliedern,

vergleichbar dem britischen Oberhaus. (mtk.)

Theodor Fontanes 200. Geburtstag wird zwar schon seit

Monaten gefeiert, aber das eigentliche Datum kommt

noch: am 30. Dezember. Bis dahin zeigt die Stiftung

Stadtmuseum in einer fotografischen Ausstellung, wie es

in Berlin zu Lebzeiten des Dichters ausgesehen hat. 65

Jahrelang lebte er in der Stadt; in dieser Zeit wurde auch

die Fotografie erfunden. Die Ausstellung würdigt daher

zwölf Fotografen, die Berlin zeitgleich mit Fontane fotografisch

beschrieben haben –von Leopold Ahrendts über

F. AlbertSchwartz bis hin zu Heinrich Zille.

Fontanes Berlin, fotografische Ausstellung,bis 5. Januar,Di–So 10 bis

18 Uhr,Sonderöffnungszeiten an Feiertagen, Märkisches Museum


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1 Aus der Kühlung

A Quelle: Kundenmonitor® Deutschland 2019 (www.kundenmonitor.de: Rubrik „Serviceprofile“), ServiceBarometer AG,München. Stand: 12.09.2019

ALDI Einkauf GmbH &Co. oHG, Eckenbergstr.16+16A, 45307 Essen. Firma und Anschrift unserer regional tätigen Unternehmen finden Sie unter aldi-nord.de unter

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12 Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Berlin

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DER PERFEKTE RUHESTAND


1

2

3

Teil 1: Kassensturz kurz vor der Rente ● Teil 2: Wasbleibt im Portemonnaie ● Teil 3: Wohnen im Alter ● Teil 4: Fitbleiben ● Teil 5: Jede Menge Freizeit ● Teil 6: Alter und Liebe

BLZ/GALANTY

Sich endlich

auf Reisen

begeben

Wieviel Geld Rentner

benötigen

Eines ist klar: Die Einkünfte als

Rentner liegen mit Sicherheit

unter denen als Arbeitnehmer. Aber

werden sie reichen? Voreinigen Jahrengingen

Experten davon aus,dass

man mit rund 70 Prozent des letzten

Nettogehalts im Ruhestand gut leben

kann. Da die täglichen Kosten

steigen und Rentner heute konsumfreudiger

und unternehmungslustiger

sind, ist dieser Wert im Schnitt

auf 80 bis 85 Prozent gestiegen, so

eine Schätzung des Sparkassen-Finanzportals.

Richtig ist, dass einige Ausgaben

für Rentner wegfallen. Wo man früher

eingezahlt hat, wird heute entnommen:

Dasbeginnt mit dem Riester-Sparplan

und anderen Altersvorsorgen,

zum Beispiel Lebensversicherungen,

und endet mit der

gesetzlichen Rente. Auch die Fahrtkosten

für Wege zum Arbeitsplatz

entfallen und einige Ausgaben für

Kantinen- oder Restaurantbesuche.

Ein weiterer Vorteil: Rentner erhalten

einige Vergünstigungen bei Tickets

und Eintrittskarten.

Der Rentenbescheid informiertüber den

Stand der Dinge.

IMAGO-IMAGES

Doch es gibt auch Ausgaben, die

steigen. Rentner verbringen mehr

Zeit zu Hause.Dadurch erhöhen sich

die Kosten für Strom und Gas. Viele

Rentner verändern ihre Wohnsituation,

um sich zu verkleinernoder näher

zu den Kindern zukommen. Sie

ziehen von der Stadt aufs Land oder

umgekehrt. Dasbringt –wenn es gut

läuft –längerfristig Ersparnisse,doch

der Umzug selbst und die Neueinrichtung

einer Wohnung sind teuer.

Um die Zeit zu füllen, ergreifen viele

Rentner neue Hobbys. Sie lernen

Klavierspielen, wandern regelmäßig

oder betätigen sich kreativ.

Auch diese Aktivitäten schlagen

unter Umständen zu Buche. Das

Lieblingshobbyvieler Rentner ist das

Reisen. Nicht wenige freuen sich ihr

ganzes Berufsleben darauf, endlich

Zeit zu haben, fremde Länder zu erkunden.

Auch hierfür braucht man

natürlich Geld. Ebenso wie für Haustiere:

Ein Hund oder eine Katze kosten

nicht nur Unterhalt für Futter,

sondernImpfungen und Tierarztbesuche

sind ebenfalls Ausgaben, für

die es Rücklagen geben muss.

Zuletzt seien auch Ausgaben für

die Gesundheit genannt. Das Alter

bringt leider häufig Erkrankungen

mit sich. Medikamente und Behandlungen

kosten entsprechend.

Werheute schon weiß, wie er sein

Alter gestalten möchte, kann auch

schon überschlagen, wie viel zum

Beispiel für Freizeitaktivitäten oder

Reisen einzukalkulieren ist. (mec.)

Viele Menschen erleben das Rentenalter bei guter Gesundheit und als aktive Zeit. Doch neue Pläne kosten auch Geld.

Soll und Haben

Kurz vormRuhestand noch eine Zusatzrente ansparen –Finanzplaner Maximilian Kleyboldt erklärt,wie’s geht

VonMechthild Henneke

Jedes Jahr flattertdie Statusmeldung

von der Rentenversicherung

ins Haus, doch nicht wenige

schieben die Briefe so

lange beiseite, bis der Ruhestand in

sichtbarer Nähe ist. Maximilian

Kleyboldt ist stellvertretender Direktor

der Bethmann-Bank und Vorstandsmitglied

im Financial Planning

Standards Board Deutschland

(FPSB), das private Finanzplaner

zertifiziert und als Non-Profit-Organisation

auftritt. Er kennt die Situation

von Kunden, die auch wenn sie

schon die 50 überschritten haben,

noch vorsorgen wollen. Hier seine

Ratschläge.

Gründliche Bestandsaufnahme: Bevor

esindie Aktion geht, empfiehlt

Kleyboldt eine gründliche Bestandsaufnahme.

„Wichtig ist, die eigene

Ausgangssituation richtig festzustellen“,

sagt er. Welche Altersvorsorgeansprüche

wurden bereits erworben,

und wie werden sie sich bis zu

Rente entwickeln –nehmen sie zu,

nehmen sie ab? Außerdem müssten

Einnahmen und Ausgaben angeschaut

werden. Wie viel Geld werde

monatlich gebraucht, heute, aber

auch in Zukunft. „Es gilt, einen Kassensturz

zu machen.“ Neben der

staatlichen gebe es häufig auch eine

betriebliche Rente. Diese müsse

ebenfalls einbezogen werden.

Sparpotenzial: Kleyboldts Ansage ist

eindeutig. „Sparen, sparen, sparen –

das hilft.“ Wer für den Ruhestand

noch mehr vorsorgen wolle,solle auf

einen Urlaub proJahr oder auf unnötige

Ausgaben verzichten und stattdessen

200 Euro im Monat anlegen.

„Damit kann man seine Situation im

Alter schon verbessern“, sagt er.

Anlagemöglichkeiten: Ein Aktiensparplan

ist für Kleyboldt eine sinnvolle

Möglichkeit. Damit ist die regelmäßige

Einzahlung in einen ETF-

Sparplan gemeint. Diese ETFs (Exchange

Traded Funds) bilden die

Entwicklung von Aktienindizes wie

dem Dax oder dem Weltaktienindex

STAATLICH GEFÖRDERTE BETRIEBSRENTEN

Neuregelung: Betriebsrenten sind wichtigeErgänzungen der staatlichen Renten.

Der Gesetzgeber hat vorkurzem Neuregelungen geschaffen, damit die Betriebsrente stärker

genutzt wird. Das lohnt sich besonders für Geringverdiener.Sie sollten mit ihrem Arbeitgeber

über mögliche Varianten sprechen.

Arbeitgeberanteil: Seit diesem Jahr sind alle Arbeitgeber verpflichtet, 15 Prozent

beizusteuern, wenn Mitarbeiter mit eigenem Geld eine Betriebsrente ansparen wollen. Direktversicherungen

bieten hierzu Modelle an. Dies lohnt sich besonders bei einer Betriebsrente,

die monatlich unter 155 Euro liegt, weil für diese keine Sozialabgaben fällig werden.

Staatliche Förderung: Geringverdiener unter 2200 Euro Bruttogehalt erhalten Förderung für

Beiträgeunter 480 Euro pro Kalenderjahr.Der Staat gibt 144 Euro zu dieser Summe hinzu.

Der Arbeitgeber erhält diesen Beitrag über die vonihm abgeführte Lohnsteuer zurück.

Umschichten: Bestehende Versicherungen prüfen lohntsich, sagt Stiftung Warentest.

Dadurch wird Geld frei, dasfür Zusatzrenteneingezahlt werden kann. Zum Beispiellohnt sich

eine Vollkaskoversicherung nur bei neuenWagen. Der Umstieg in die Teilkaskobringtbares Geld.

Billiger abschließen: Fünf Jahre alte Versicherungen sollten auf den Prüfstand gestellt

werden. Bei Hausrat-, Haftpflicht- ,Unfall- aber auch Auslandsreiseversicherungen gibt es

häufig Tarifsenkungen, die die Verbraucher dann nutzen können. Handy- und

Brillenversicherungen hält Stiftung Warentest für überflüssig.

MSCIWorld ab.Das Risiko ist bei dieser

Investition anden Aktienmarkt

geknüpft, doch haben sich ETFs in

den letzten Jahren als ähnlich

risikoreich wie gemanagte

Investmentfonds erwiesen.

„Es ist die kostengünstigste

Variante“, sagt

Kleyboldt. Eine Lebensversicherung

abzuschließen,

sei teurer. Weitere Anlagemöglichkeiten,

die geprüft

werden sollten, seien die

Riester- und die Rürup-

Rente. Vor allem, weil

beide Modelle attraktive Zusatzleistungen

enthalten, wie Kinderzulagen

bei Riester.

Eingroßes Risiko einzugehen, bei

dem in als hoch riskant eingeschätzte

Fonds oder Sparmodelle investiert

wird, hält Kleyboldt für

falsch. „Steht der Zeitpunkt der

Rente kurz bevor, sollte das Risiko

der Anlage eher gering sein bzw.zum

Ruhestandsbeginn abnehmen“, sagt

Maximilian

Kleyboldt, FSPB

FSPB

Finanzplanung bei Eintritt

des Ruhestands: Mit dem

Alter von65oder 67 Jahren

werden häufig Ansprüche

er.Eine Reduzierung der Risiko- und

somit Aktienquote wäre die Konsequenz,

aber immer im Kontext der

sonstigen persönlichen

Vermögensverhältnisse

und der persönlichen Zielvorstellungen.

aus Altersvorsorgeversicherungen

fällig. Kleyboldt

zählt zwei verschiedeneVarianten

auf, die Ruheständler

gründlich überlegen sollten.

Auszahlung als lebenslange Rente:

Wersich dafür entscheidet, erhält bis

zum Ende seines Lebens einen monatlichen

Betrag. Diese Entscheidung

gewährt maximale Sicherheit.

„Wer damit rechnet, lange zu leben,

sollte sich dafür entscheiden“, sagt

Kleyboldt. DerNachteil: Entscheidet

IMAGO-IMAGES

das Schicksal gegen einen langen

Ruhestand, bleibt das Geld im Schoß

der Versicherung. „Es gibt in einigen

Rentenversicherungen Sicherheitsvorkehrungen,

sodass zum Beispiel,

das, was noch nicht ausgezahlt

wurde, andie Erben ausgeschüttet

wird oder es gibt eine Rentengarantiezeit“,

sagt Kleyboldt. Bei Versorgungswerken

gebe es außerdemVorkehrungen

für Ehepartner. Sie erhielten

bis zu 60 Prozent der Rente

als Witwen-/Witwerrente.

Der Staat besteuert den Rentenbezug

aus privater Altersvorsorge

außerdem nur mit dem Ertragsanteil.

Bekommt man zum Beispiel als

65-jähriger 1000 Euro als Rente aus

der Versicherung ausbezahlt, werden

180 Euro für die Besteuerungzugrunde

gelegt. Wird die gesamte

Summe ausgezahlt, wird, je nach Abschlussdatum

der Versicherung, die

Ablaufleistung steuerpflichtig, und

es werden bei der späteren Anlage

auf Wertsteigerungen und Zinsen 25

Prozent Abgeltungssteuer erhoben.

Auszahlung der vollen Summe bei Eintritt

in den Ruhestand: Diezweite Variante

ist, sich die angesparte Zusatzrente

auf einen Schlag überweisen

zu lassen. „Bei der sogenannten Ablaufleistung

hat der Ruheständler

den Vorteil, dass er zu jeder Zeit auf

das Geld zugreifen kann“, sagt Kleyboldt.

Daraus kann er oder sie sich

zum einen monatlich eine kleine

Summe auszahlen. Zum anderen

könne man versuchen, den Restbetrag

für sich arbeiten zu lassen.

„Wenn man denkt, dass man ein gutes

Händchen bei der Kapitalanlage

hat, kann man sich selbst darum

kümmern“, fügt Kleyboldt hinzu.

Diese Flexibilität biete einem nur die

Auszahlung dervollen Summe.

Ein weiterer Vorteil: Lässt die Gesundheit

nach oder eine lebensverkürzende

Krankheit tritt auf, ermöglicht

eine große Summe auf dem

Konto eventuell eine letzte große

Reise. Mit einer endfälligen Ablaufleistung

könne man auch die Erben

besser absichern bzw. Schenkungen

vornehmen, weil sich das Geld ja in

den Händen des Einzahlers befindet.

Früher

in Rente

gehen

Ab 63 Jahren kann

mit dem Job Schluss sein

Wer nicht bis zum offiziellen

Rentenstartmit 65 Jahren (plus

x) warten will, kann bereits mit 63

Jahren in Rente gehen. Dabei gibt es

aber einiges zu beachten.

45 Versicherungsjahre: Wer45Jahre

lang Beiträge eingezahlt hat und

heute mindestens 63 Jahrealt ist, hat

Anspruch auf die Altersrente für besonders

langjährig Versicherte, die

ohne Kürzung gezahlt wird.

35 Versicherungsjahre: Menschen

mit 35 Beitragsjahren nennt die Rentenversicherung

„langjährig Versicherte“.

Sie können mit 63 Jahren in

die Frührente gehen – allerdings

müssen sie dann mit Abschlägen bei

der Rente rechnen.

Ein Beispiel: Ein Versicherter

wurde am 1. 1. 1960 geboren und hat

eine zu erwartende Bruttoaltersrente

von 1500 Euro. Entschließt er

sich, mit 63 Jahren, also am 1. 1. 2023,

in Rente zu gehen (statt wie für diesen

Jahrgang gültig regulär am 1. 5.

2026), muss er eine Rentenminderung

von zwölf Prozent in Kauf nehmen,

so eine Berechnung der Deutschen

Rentenversicherung. Bei

1500 Euro wären das 180 Euro.

Wichtig ist zu beachten, dass die

Kürzung für die gesamte Dauer der

Rentenzeit gilt.

Abschlag: Die Abzüge bei der Frührente

werden im Laufe der nächsten

Jahre ansteigen. Der Grund: Das

Rentenalter wirdimmer weiter angehoben

und die zeitliche Differenz

zur Frührente mit 63 Jahren wird

größer. Liegt das Rentenalter zurzeit

bei 65 Jahren und acht Monaten, so

können 1964 und später Geborene

erst mit 67 Jahren regulär in Rente

gehen. Um vier Jahre früher sein Alter

genießen zu können, würde die

Rente um 14,4 Prozent gekürzt. Im

Fall von 1500 Euro Rente wären das

216 Euro.

Ausgleichszahlungen: Versicherte

können durch Beitragszahlungen

die Rentenminderung ganz oder

teilweise ausgleichen. Wie hoch

diese Zahlungen ausfallen, berechnet

die Rentenversicherung individuell.

Billig ist es aber nicht. DieRentenversicherung

gibt ein Rechenbeispiel:

Werbei einer zu erwartenden

Rente von rund 1452 Euro beschließt,

14 Monate vor dem regulärenRentenantritt

in Frührente zu gehen,

müsste eine Ausgleichszahlung

von 14383 Euro vornehmen. So

könnte er die rund 61 Euro, die monatlich

von der Rente abgezogen

würden, selbst einschießen.

Für Versicherte in den neuen Bundesländern

lohnen sich die Ausgleichszahlungen

besonders, denn

hier sind die freiwilligen Beiträge

geringer, umdie Rentenminderung

auszugleichen. 2025 wird dieser

Vorteil aufgehoben. Wer sich kurz

vor Eintritt in die Frührente überlegt,

doch weiterarbeiten zu wollen,

kann dies übrigens tun. Die Ausgleichszahlungen

werden zwar

nicht erstattet, aber sie erhöhen die

Rente. (mec)


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 13

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Berlin

Digital ausgeschürft, analog konkurs

Das Krypto-Start-up Envion köderte Anleger mit Versprechen über Gewinne beim Schöpfen virtuellen Geldes. Nach der Pleite geht es nun um Schadensbegrenzung

VonAndreas Förster

Die Bilder, 2017 von einer

Drohne am blau-weißen

Novemberhimmel über

Eberswalde aufgenommen,

kann man heute noch im Internet

ansehen: Ein Tieflader fährt mit

einem Schiffscontainer auf der Ladefläche

zum riesigen Solarfeld auf

dem Flugplatz Eberswalde. Ein Kran

hebt den weißen Container mit dem

blauen Schriftzug Envion vom Lkw

und stellt ihn auf eine Betonfläche

neben das Feld mit den silbrig

schimmernden Solarpaneelen.

Durch eine geöffnete Tür kann man

im Inneren des sechs mal 2,40 Meter

großen Containers Regale mit Dutzenden

Rechnern für das sogenannte

Kryptomining, die virtuelle

Produktion von Bitcoins und anderendigitalen

Währungen, erkennen.

Doch die Fotos stehen nicht für

Zukunftstechnologie,sondernfür die

spektakuläre Pleite eines in Berlin

entwickelten und scheinbar vielversprechenden

Krypto-Start-ups. Sie

stehen auch für einen gigantischen

Anlegerskandal, bei dem rund 30 000

Investoren insgesamt 100 Millionen

Dollar in den Sand gesetzt haben.Wie

konnte es dazu kommen? Welche

Chancen haben Anleger,ihr mit windigen

Versprechen angelocktes Geld

zurückzubekommen?

Die Idee des Berliner Gründers

Die Berliner Gründer der im schweizerischen

Baar ansässigen Envion AG

hatten die Idee, sogenannte Mobile

Mining Units herzustellen. Diese in

Container eingebauten Mining-Fabriken

sollten laut Projektbeschreibung

Kryptowährungen wie Bitcoin

„schürfen“ und die dazu notwendige

hohe Energiemenge an den Quellen

beziehen, wo sie gerade verfügbar ist.

Bei nicht voll ausgelasteten Solar-,

Wind- oder Wasserkraftwerken etwa,

wo es immer Zeiten gibt, in denen

überschüssiger Strom anfällt. Dann

Ein Container mit eingebauten Mining-Fabriken, die Kryptowährungen schürfen soll, wird nahe einer Solaranlage platziert.

sollte ein Tieflader die Mining-Fabrik

dorthin schaffen, wo sie direkt ans

Netz angeschlossen wird.

So weit die Idee. Obsie funktionieren

kann, ist nicht nachgewiesen.

Der Envion-Container vom Eberswalder

Flugplatz hat nie irgendwelche

Bitcoins produziert. Fast zwei

Jahre später schaut es sogar so aus,

als habe der vermeintliche Prototyp

vor allem dazu dienen sollen, statt

Kryptowährung reales Geld zu

schürfen. Sollte das der Plan gewesen

sein, hat er funktioniert: In einem

virtuellen Börsengang (Initial

Coin Offering, ICO) hatten die Envion-Macher

ab Mitte Dezember

2017 in nur einem Monat rund 100

Millionen Dollar eingesammelt und

den Investoren Renditen von bis zu

161 Prozent versprochen. Kurz darauf

verkrachten sich Gründer und

Geschäftsführer der Firmaund überzogen

sich gegenseitig mit Klagen.

Die Schlammschlacht führte dazu,

dass ein Schweizer Kantonsgericht

vor Jahresfrist die Auflösung des gerade

mal dreizehn Monate existierenden

Unternehmens verfügte. Irgendetwas

produziert oder verkauft

hatte die Firmabis dahin nicht.

Der Envion-ICO fiel in die Hoch-

Zeit des Bitcoin-Booms, in dem

Krypto-Start-ups aus dem Boden

schossen und immer neue virtuelle

Börsengänge auflegten.

Reguliert war diese ICO-

Praxis kaum, was die Anleger

aber auch nicht interessierte.

Ineiner Zeit weltweit

niedriger Zinsen

suchten sie verzweifelt Anlagemöglichkeiten,

und da

schien vielen die Kryptowelt

eine Verheißung zur

Geldvermehrung. Zwar

warnte schon 2017 die Europäische

Börsenaufsicht Esma vor

dem rapiden Anstieg von ICOs: „Wir

sind besorgt, dass Investoren nicht

wissen, welche Risiken damit verbunden

sind“, erklärte die Esma damals.

Doch die Warnung verhallte.

2018 explodierte der Markt, Anleger

Envion-Gründer

Michael Luckow

LUNAX/THOMAS EGLI

DPA/NAIMA STRATEGIC LEGAL SERVICES GMBH

investierten laut Branchenseite

Coinschedule 21,6 Milliarden Dollar.

Im Jahr zuvor waren es bereits sieben

Milliarden Dollar,die bei ICOs eingesammelt

wurden. 2019 ist die Blase

geplatzt, die meisten der bis dahin

aufgelegten ICO-Projekte erwiesen

sich als Betrugs- oder Totalausfall.

So auch die Envion AG.Ihr

Gründer und Ideengeber,

der Berliner Michael Luckow,

gab in einem Gespräch

mit dem Handelsblatt

vor einem Jahr zu, er

habe mit den Mining-Fabriken

vor allem zunächst

die Geldwelle reiten wollen.

Denn der Hype um die

Kryptowährungen sei ihm

und seinen Freunden damals

wie beim Neuen Markt, der Internet-Blase

Ende der 1990er-Jahre,

erschienen. „Die Leute bekamen das

Geld einfach hinterhergeworfen. Es

war vorauszusehen, dass das nicht

lange gut gehen wird“, sagte er.Deshalb

hatten sie in großer Eile ihr Projekt

entwickelt, um Investorengelder

zu bekommen. „Das Thema funktionierte

und war erfolgreich. Also finanziell,

nicht unbedingt technisch“,

sagte Luckow.

Geld für ein Projekt zu bekommen,

das am Ende vielleicht gar nicht

funktioniert? Vorzwei Jahren schien

das in der Krypto-Welt kein Problem

zu sein. Die Anleger störten sich offenbar

auch nicht daran, dass Envion-Gründer

Luckow sich vor dem

Börsengang zurückzog. Im Herbst

2017 übertrug er sein Aktienpaket an

den von ihm berufenen Geschäftsführer

Matthias Wöstmann, der mal

Auslandskorrespondent der ARD war,

dann eine wenig erfolgreiche Filmrechtefirma

betrieb und schließlich

eine Investmentgesellschaft gründete.

Die Abmachung: Wöstmann

sollte das Aktienpaket nach dem ICO

an Luckowzurückgeben.

Wozu der Scheinrückzug? Der 35-

jährige Luckow gab im Handelsblatt

an, er stehe lieber im Hintergrund.

Einanderer denkbarer Grund: Möglicherweise

wollte der nicht immer erfolgreiche

Unternehmer, der es auch

mit einer Ticketfirma, einer Marketingagentur

und dem Internethandel

mit chinesischen Sitzsäcken versucht

hatte, einen Makel verbergen –sein

Name stand seit 2015 im Schuldnerregister

des Amtsgerichts Berlin.

Enttäuschte Anleger haben Klagen

gegen die Envion-Macher eingereicht,

um ihreInvestitionen zurückzubekommen.

Der Erfolg hängt

auch von dem kürzlich am Berliner

Landgericht eröffneten Zivilprozess

ab. Dort wollen die Richter die Verantwortlichkeiten,

die technischen

Details, die Vollständigkeit von

Emissionsprospekten und die juristische

Korrektheit des Envion-Börsengangs

prüfen. Daneben laufen

staatsanwaltschaftliche Ermittlungen

wegen Betrugs- und Untreueverdacht

gegen Firmenverantwortliche.

Geprellte dürfen hoffen

Etwas Hoffnung, wenigstens einen

Teil ihres Geldes zurückzuerhalten,

können sich die Geschädigten machen.

Sie können aus der Liquidationsmasse

der Schweizer Envion AG

bedacht werden, und die Envion-

Gründer um Luckow wollen ihre Erlöse

aus dem Engagement für die

Firma an ein Liquidation Upgrade

Program (LUP) spenden. Diese unabhängig

geführte Gesellschaft wirddie

Mittel an die Anleger verteilen. Zu

den Erlösen, die Luckowdem LUPzur

Verfügung stellen wird, sollen auch

Gelder gehören, die er durch mögliche

Schadenersatzklagen gegen seinen

Widersacher Wöstmann und

dessen Partner erstreiten will.

DieRede ist vonmehreren Millionen

Euro, die dem LUP irgendwann

zur Verfügung stehen sollen. Ob damit

die gesamte Schadensumme abgedeckt

wird und allen 30 000 Geprellten

Gerechtigkeit widerfahren

kann, bleibt abzuwarten. DasKapitel

Envion ist jedenfalls auch juristisch

noch längst nicht abgeschlossen.

Pädophiler gefasst

29-Jähriger bei Razzia gegen Clans verhaftet

ImKampf gegen kriminelle Clans

erhöhen die Sicherheitsbehörden

ihren Ermittlungsdruck: Vom Freitagabend

bis zum Sonnabendmorgen

durchsuchten 180 Polizisten sowie

30 Beamte von BKA, Zollfahndung,

Finanz-und Bezirksämternerneut

Lokale und Wettbüros in

Wedding.

Es gehe darum, Strukturen krimineller

Clans zu erhellen und Straftaten

aufzuklären, sagt ein Polizeisprecher.

Diesmal traf es unter anderem

die Betreiber von Lokalen rings um

die Müllerstraße. Die Beamten stellten

elf Spielautomaten sicher und

nahmen sie wegen des Verdachts der

Manipulierung mit. Zwei Wettbüros

wurden geschlossen.

Bereits wenige Stunden zuvor

hatten die Einsatzkräfte Lokale in

der Schul- und in der Liebenwalder

Straße kontrolliert. Die Beamten

fahndeten nach gewerbe-, arbeits-,

steuer- und ordnungsrechtlichen

Verstößen und wurden schnell fündig.

So wurde ein 29-Jähriger in einer

Shisha-Bar verhaftet. Nach ihm war

mit internationalem Haftbefehl gefahndet

worden. Der gebürtige

Türke soll sich an Kindernvergriffen

haben. Er kam direkt in das Untersuchungsgefängnis

Moabit. Außerdem

stellten Polizisten 20 Kilogramm unversteuerten

Shisha-Tabak sicher. In

der Antonstraße beschlagnahmten

die Beamten das Auto eines 53-Jährigen.

DieScheiben des Fahrzeugs waren

widerrechtlich mit dunkler Folie

beklebt. Außerdem entsprachen die

Reifen des Autos nicht den technischen

Normen.

Für die nächsten Tage kündigten

die Sicherheitsbehörden weitere

stadtweite Kontrollen an. Seit Januar

dieses Jahres hat es nach Angaben

des Innensenators Andreas Geisel

(SPD) 237 Einsätze gegen Clans in

Berlin gegeben. Geisels Strategie ist

dabei, die gesamte Auswahl staatlichen

Handelns zu nutzen. Das beginnt

beim Parken in der zweiten

Reihe,das genauso zu ahnden ist wie

Steuerhinterziehung. Diese Strategie

soll fortgesetzt werden, hatten Fachleute

am Donnerstag auf einer Konferenz

zur Bekämpfung der Clankriminalität

beschlossen. (ls.)

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Polizisten während der Razzia am Sonnabendmorgen in Wedding.

PUDWELL


14 * Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Rangelei mit Funkwagenbesatzung.

AmSonnabendnachmittag hat ein

23-Jähriger in Kreuzbergeinen Polizist

ins Gesicht geschlagen. Gegen

15.40 Uhrwaren mehrereFunkwagen

wegen einer angeblichen Schlägerei

in die Manteuffelstraße alarmiertworden.

Aufdem Wegdorthin

sprangen an einer Bushaltestelle

zwei Männer vordie Funkwagen, sodass

die Beamten starkbremsen

mussten. Als sich die Schlägerei als

Fehlalarmerwies,suchten die Streifen

nach den Männern. In der Mariannenstraße

wurden sie entdeckt.

Einer der Männer schlug bei seiner

Flucht einem Polizisten mit der

Faust ins Gesicht. Beide Täter wurden

überwältigt und konnten in Gewahrsam

genommen werden.

Unfall bei Flucht vor der Polizei.

Auf der Flucht vorder Polizei hat in

Wedding am Sonnabendmorgen ein

31-Jähriger mehrereUnfälle verursacht.

DerMann, der keinen Führerschein

besitzt, war am frühen Morgen

mit einem Renault vonder Triftstraße

nach links in die Genter

Straße abgebogen. Dabei verlor er

die Kontrolle über den Wagen und

prallte gegen vier geparkte Fahrzeuge.Zuvor

war er Polizisten aufgefallen,

als er an der Kreuzung Schulstraße/Maxstraße

mit hoher Geschwindigkeit

gefahren war.Sie folgten

daraufhin dem Renault mit

eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn,

um ihn zu stoppen. Der31-

Jährige überfuhr mehrererote Ampeln.

In der Genter Straße endete die

Flucht. Er wurde festgenommen. Bei

seiner Durchsuchung stellten die

Beamten Drogen sicher.

Frau beim Ausparkenerfasst.

Beieinem Unfall am Sonnabend in

Westend ist eine Frau schwer verletzt

worden. Ein73-Jähriger war gegen

14 Uhrmit seinem Hyundai rückwärts

vomMittelstreifen auf den Kaiserdamm

gefahren. Seine drei Jahre

jüngereLebensgefährtin wollte ihn

einweisen. Dabei erfasste das Auto

die Frau. Anschließend fuhr der Fahrermit

dem Wagen rückwärts weiter

und prallte gegen einen am rechten

Fahrbahnrand geparkten Chevrolet.

Die70-Jährige erlitt bei dem Unfall

schwereVerletzungen.

Beleidigt und geschlagen.

Ein42Jahrealter Mann ist am Sonnabendabend

in der Dietzgenstraße

in Niederschönhausen homophob

sowie rassistisch beleidigt und geschlagen

worden. Polizisten nahmen

einen 42-Jährigen fest. DasOpfer erlitt

Verletzungen im Gesicht. Der

Staatsschutz ermittelt. (ls.)

Schauspieler Wolfgang Bahro freut sich, dass sich die

Doppelstresswochen gelohnt haben. CHRISTIAN SCHULZ (3)

VonAnfang bis Ende durchgelacht

ANGELIKA MANN

ist plötzlich dermaßen reich, dass sie

sich ihre Traumrollen kaufen kann!

Im richtigen Leben arbeitet sie noch

daran, aber auf die Handlung der

deutschsprachigen Erstaufführung

der französischen Komödie „Ruhe!

Wir drehen!“ am Schlosspark-Theater

trifft das zu. Da gibt sie die reiche

Diva Anne und Karsten Speck spielt

den Produzenten, der auch ihr Mann

ist. Angelika Mann findet ziemlich

raffiniert, dass Dieter Hallervorden,

der Chef des Hauses, der das Stück

ins Deutsche übersetzt hat, sie mit

Speck gelockt hat: „Das weiß man ja,

dass ich auf Speck stehe! Besonders

zum Frühstück.“ Die„Lütte“, wie die

Künstlerin wegen ihrer überschaubaren

Größe genannt wird, ging

nach den Voraufführungen am Freitag

und am Sonnabend optimistisch

in die Premiere am Sonntag: „Bei

beiden Voraufführungen hat das Publikum

vom Anfang bis zum Ende

durchgelacht. Wir kamen mit dem

Text manchmal kaum dazwischen.

Wenn das kein Bombenerfolg wird,

verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Diese Rolle kommt ihr wie ein

großes Geschenk vor. Ein Geschenk,

das genau zur richtigen Zeit kommt:

Im Jahr,indem sie ihren 70. Geburtstag

und ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum

feierte.

WOLFGANG BAHRO

hatte in den vergangenen Wochen in

Doppelschichten gearbeitet: Tagsüber

stand er in Babelsbergbei„Gute

Zeiten, schlechte Zeiten“ vorder Ka-

Angelika Mann mit Bühnenpartner Karsten Speck im

Berliner Schlosspark-Theater.

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Im Schlosspark-Theater feiert

„Ruhe! Wirdrehen!“ mit

Angelika Mann, Wolfgang Bahro

und Karsten Speck die Premiere der

deutschen Erstaufführung

mera. In seiner Freizeit und an den

Wochenenden probte er das Stück

„Ruhe! Wirdrehen!“ –die Doppelbelastung

bereut er nicht: „Die beiden

Voraufführungen waren super. Die

Leute haben sich kaum eingekriegt.

DieDoppelstresswochen haben sich

in jedem Fall gelohnt.“

Opernsänger Jochen Kowalski ist schon seit Vorwendezeiten

ein großer Fanvon Angelika Mann.

JOCHEN KOWALSKI

freute sich schon wegen der Hauptdarstellerin

auf den Abend im

Schlosspark-Theater: „Ich bin schon

seit Vorwendezeiten ein Verehrer des

149 cm großen Kraftpakets,das liebevoll

Lütte genannt wird. Bei ihr

kommt so viel Günstiges zusammen.

Dasihr eigene Urberliner komödiantische

Talent, gepaart mit ihrem

schlagkräftigen Humor werden es ihr

ermöglichen, sich auch in Zukunft

immer wieder neu zu erfinden.“

Die ständigen Versuche der Sängerin

und Schauspielerin, ihre nicht

sehr hohe Erscheinung durch Diäten

auch in der Breite zu reduzieren,

sieht er skeptisch: „Zu einer Alterskarriere

àla Lütte gehören natürlich

unbedingt gewisse körperliche Ausbuchtungen

–man fällt einfach gedämpfter,

falls mal etwas nicht so

laufen sollte.“

HANS-JÜRGEN SCHATZ

hat die Premiere amüsiert. Der

Schauspieler war besonders von der

genauen Beobachtung der Autoren

des Stücks verblüfft. Denn viele der

Verrücktheiten auf der Bühne

kannte er aus seinem Arbeitsleben:

„Erschütternd, aber genau so ist es!“

ULRIKE FRANK

spielt bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“

die Ex-Frau des von Wolfgang

Bahro gespielten Anwalts Jo Gerner.

Sie hatte einen richtig guten Abend:

„Soeine große Freude,Wolfgang in Situationen

auf der Bühne zu sehen, die

uns beiden nicht fremd sind.“

Julia Biedermann kannte kein Halten:„Ich

habe mich scheckig gelacht!“

DIETER HALLERVORDEN

fühlte sich am Premierenabend bestätigt:

„Ich habe das Stück vor einiger

Zeit in Frankreich gesehen und

war mir sicher,dassdas in Berlin laufen

wird.“ Er lobt besonders sein Ensemble:

„Wir haben eine wunderbare

Besetzung, für die ich sehr

dankbar bin. Und die das übertrifft,

was ich in Parisgesehen habe.“

MARION KRACHT

sorgte sich direkt nach der Premiere:

„Hoffentlich bewahren alle Besucher

das raffinierte Geheimnis dieser Inszenierung.“

Und weil das eine sehr

berechtigte Hoffnung ist, wird hier

dazu nichts weiter verraten.

Grünes Licht

für den

Amazon-Turm

Senat lehnt Rechtsmittel

gegen den Bau ab

Das 140 Meter hohe Bürohochhaus

Edge East Side scheint nun

doch wie geplant entstehen zu können.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher

lehne einen Rechtsstreit mit

dem Bauherrn Coen van Oostrom

und seiner FirmaEdge ab,berichtete

der Tagesspiegel am Wochenende.

Damit erteilte sie dem Ansinnen des

Baustadtrats von Friedrichshain-

Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne),

eine Absage, der die bereits erteilte

Baugenehmigung für das Gebäude

an der Warschauer Straße anfechten

möchte. Lüscher argumentiert, dass

für eine nachträgliche Entziehung

des Baurechts eine einschlägige

Rechtsgrundlage fehle.

Der Edge-Tower soll bis 2023 errichtet

werden. 28 der 35 Etagen will

der Online-Händler Amazon mieten.Vorgut

einerWoche war bekannt

geworden, dass Schmidt eine Neuplanung

des Hochhauses erwirken

möchte,weil der aktuelle Entwurfzu

stark von den ursprünglichen Planungen

abweiche. Der Bauherr verstoße

nun gegen den städtebaulichenVertrag,

sagte Schmidt. DieMitglieder

des für die Planungen zuständigen

Baukollegiums seien

enttäuscht. Gemäß der Berliner

Hochhausleitline müsse ein Gebäude

entstehen, das „eine besonders

hohe städtebauliche und architektonische

Qualität aufweist“.

Offenbar ist das Hochhausleitbild

jedoch nicht anzuwenden, wenn bereits

eine rechtskräftige Baugenehmigung

vorliegt. Diese ist dem Bezirk

zufolge Anfang September erlassen

worden, weil dem Vorhaben keine

öffentlich-rechtlichen Vorschriften

entgegengestanden hatten. (abg.)

Der Edge East Side Towersoll direkt an

der Warschauer Brückeentstehen.EDGE-TECH

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Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 15 *

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Berlin/Brandenburg

Kenia

wartet auf

ein Ja

Linke kritisiert

rot-schwarz-grüne Pläne

NachVorlage desVertrages für die

künftige Kenia-Koalition in

Brandenburgvon SPD mit CDU und

Grünen ist nun die Zustimmung der

Parteien erforderlich. In den nächsten

Wochen ist das Votum der unterschiedlichen

Gremien gefragt. Bei

CDU und Grünen wird über Mitgliederbefragungen

die Zustimmung

zu dem Vertrag erkundet. Die

SPD hat am 16. November einen

Sonderparteitag angesetzt. DieWiederwahl

von Dietmar Woidke (SPD)

als Regierungschef ist für den 20. November

geplant. Der lobte den 84-

seitigen „Kenia“-Vertrag bei dessen

Vorstellung: „Wir haben viele Vorhaben,

die unser Land voranbringen

sollen“, erklärte er und sprach von

einer „Koalition der Mitte, der großen

Mehrheit der Menschen“. Bessere

Pflege, kostenlose Kitas und ein

starker Staat sind drei Kernpunkte.

Kritik an dem Vertrag hat am

Sonnabend Brandenburgs amtierender

Finanzminister Christian

Görke (Linke) geäußert. „In diesem

Koalitionsvertrag hat man allen alles

versprochen“, sagte Görke im Inforadio

vom RBB. „Jetzt soll das Geld

der Kitt sein, der das Bündnis zusammenhält.“

Er kritisierte, dass die

drei Parteien einen Kredit von einer

Milliarde Euro aufnehmen wollen.

Alle wichtigen Projekte hätte man

auch ohne diesen Kredit finanzieren

können, da es eine beachtliche

Rücklage von zwei Milliarden Euro

gebe,sagte Görke.

Christian Görke,Die Linke, bisher Finanzminister

IMAGO IMAGES

BVB/Freie Wähler haben bereits

angekündigt, in der Wahlperiode jeden

Vorschlag der Regierung auf

seine Brandenburg-Tauglichkeit zu

überprüfen. Stets stünden für Zustimmung

oder Ablehnung sachliche

Kriterien im Blick, hieß es.

Am 1. September war ein neuer

Landtag gewählt worden. Die Koalition

verfügt über sechs Sitze Mehrheit.

DieSPD wurde mit 26,2 Prozent

stärkste Kraft vor der AfD mit 23,5

Prozent. DieCDU erreichte 15,6 Prozent,

die Linke 10,7 Prozent und die

Grünen 10,8 Prozent. Die Freien

Wähler kamen auf 5,0 Prozent.

Laut dem vorliegenden Koalitionsvertrag

sollen künftig Bildung

und Pflege gestärkt sowie der Klimaschutz

vorangebracht werden. Die

Partner einigten sich, keine neuen

Tagebaue oder Erweiterungen zuzulassen

und damit auch keine Abbaggerung

von Dörfern. Außerdem sollen

mit einem neuen Kredit von einer

Milliarde Euro in den kommenden

zehn Jahren weitere Mittel in

den Nahverkehr, den Neubau von

Schulen und Kitas, indas Gesundheitswesen,

die Digitalisierung und

in den Klimaschutz fließen.

Über die Besetzung der Ministerien

entscheiden die Grünen bei einer

Urwahl, SPD und CDU auf Landesparteitagen.

Die SPD soll die

Staatskanzlei und die Ministerien Finanzen,

Bildung, Wirtschaft und Arbeit

sowie Wissenschaft erhalten.

DieCDU soll den drei HäusernInneres,

Infrastruktur und Justiz vorstehen.

Für die Grünen sind Umwelt

und Landwirtschaft sowie Soziales/Frauen/Gesundheit

und Verbraucherschutz

vorgesehen. (dpa)

Evelyne Brix, 87, in ihrer Berliner Wohnung: Das Foto ist Teil der Ausstellung „Ich lebe! Zehn Kinder,zehn Kriege, zehn Dekaden –und ein Baby“.

Nudelsuppe vom Feind

Als Kind bekam Evelyne Brix 1946 von Briten finanziertes Essen. Die Erinnerung daran hat sie geprägt

VonMaritta Tkalec

Dass sie mit 87 Jahren

noch einmal prominent

werden würde, das hätte

Evelyne Brix nicht gedacht.

Nun aber steht die Berlinerin

im Foyer des Auswärtigen Amtes inmitten

der Tafeln einer Ausstellung

und gehört zuden zehn Menschen

aus aller Welt, deren Geschichten erzählt

werden. „Ich lebe! Zehn Kinder,

zehn Kriege,zehn Dekaden –und ein

Baby“heißt die Ausstellung, ein Projekt

der Kinderschutzorganisation

Save the Children, die in diesem Jahr

ihren hundertsten Geburtstag feiert.

Evelyne Brix war 14 Jahre alt und

lebte mit ihren Eltern und einem

jüngeren Bruder im kriegszerstörten

Lichtenberg, als sie zum ersten Mal

mit Save the Children zu tun hatte –

in ihrer Schule in der Nähe des S-

Bahnhofs Lichtenberg: „Wir haben

wirklich gehungert“, erinnert sie

sich, „die Lebensmittelkarten reichten

nicht aus, zehn Gramm Fett pro

Tag, mehr nicht“. Dass es in der

Schule Essen als Nothilfe gab, zweimal

in derWoche,für alle Kinder,das

sei eine große Hilfe gewesen.

Noch heute schwärmt sie vonder

Nudelsuppe mit Fleisch, die es an

dem einen Taggab.Andem anderen

bekamen die mageren Kinder Brötchen

und Kakao. Diese Schulspeisungen

wurden von den Quäkern,

einer christlichen Gemeinschaft aus

England, organisiert und von Save

the Children mitfinanziert.

Evelyne Brix war schon damals

bewusst, dass diese Nothilfe nicht

selbstverständlich war: „Die hätten

uns nicht helfen müssen, wir waren

ja der Feind. DieTatsache,dass

es Menschen

gab, die uns geholfen

haben, hat mich mein

ganzes Leben lang begleitet“,

sagt sie heute.

Deshalb hat sie versucht,

selber zu helfen,

als sie es konnte,

spendete für „Brot für

dieWelt“ und dieWelthungerhilfe.

Dass Brix zu einer

Protagonistin der Ausstellung

wurde, fing

mit einem Artikel in

der Berliner Zeitung

an, die sie seit vielen

Jahren abonniert hat.

Im April las sie da einen Aufruf von

Save the Children, Zeitzeugen der

Nothilfe mögen sich bitte melden.

„Kannst ja mal anrufen, dachte ich.

Ichhabe ja nicht geahnt, dass es solche

Ausmaße annehmen würde“, erzählt

sie und freut sich. Der international

preisgekrönte Fotograf Dominic

Nahr hat Aufnahmen von ihr in

ihrer Wohnung in Weißensee gemacht.

Die Bilder sind nun auf einer

Tafel im Lichthof des Außenministeriums

zu sehen –neben Fotos, die

ihre Kriegs-Odyssee nachzeichnen.

1943 kam sie in ein Heim der der Kinderlandverschickung

im heute tschechischen

BadLettin –zweiJahrelebte

sie fern von ihren Eltern. Bei Herannahen

der Roten Armee

mussten die 200

Kinder los: Zu Fußging

es durch den Böhmerwald

nach Bayern,

etwa 20 Kilometer

Marsch jeden Tag. Sie

gelangten schließlich

nach St.Alban bei Freising.

Erst als die Post

wieder funktionierte,

konnte sie die Eltern

informieren. Die Mutter

holte sie 1946 nach

Evelyne Brix an ihrem ersten

Schultag 1938.

PRIVAT

Berlin. „Glücklicherweise

waren wir nicht

ausgebombt“, erinnert

sich die 87-Jährige.

Fast 20 sagenhafte

Jahre mehr zählt Erich Karl, der älteste

der Protagonisten der Jahrhundertausstellung.

Gestützt auf seinen

Rollator schaut sich der 106-Jährige

die Ausstellung an: Er bekam als

Kind in Weimar nach dem Ersten

Weltkrieg in der Schule Kakaosuppe

in seinen Blechnapf gefüllt. Dentrug

er an seinen Schulranzen geknüpft.

Erich Karl gehörte zu den Ersten,

denen Save the Children helfen

Radfahrer droht Senat mit Klage

konnte.Doch erledigt ist die Aufgabe

noch lange nicht, im Gegenteil: Gegenwärtig

gibt es so viele Konflikte in

der Welt, dass 420 Millionen Kinder

in Kriegen und gewalttätigen Auseinandersetzungen

aufwachsen –

fast jedes fünfte Kind. Ihre Vertreter

in der Ausstellung sind das Baby Rajiya,

fotografiert2019 im Alter von15

Tagen in einem Riesenlager von

Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar

in Bangladesch und die Elfjährige

Amal aus Syrien, die nun im Libanon

lebt. Dieanderen Namen, Bilder

und Geschichten erinnernandie

schlimmsten Ereignisse des vergangenen

Jahrhunderts: die Genozide in

Kambodscha und Ruanda, die

Kriege in Korea und Afghanistan,

den spanischen Bürgerkrieg, den

Biafrakrieg in Nigeria und den jahrzehntelangen

bewaffneten Konflikt

in Kolumbien.

Diese elf stehen für die vielen, die

dank der Mitmenschlichkeit über

Grenzen hinweg überleben konnten

und erinnern andie vielen, denen

das nicht vergönnt war. Bärbel Kofler,

Menschenrechtsbeauftragte der

Bundesregierung, erinnerte daher

bei der Ausstellungseröffnung an

jene, denen in der Welt von heute

wirklich die Kindheit geraubt wird.

Ausstellung im Lichthof des Auswärtigen Amtes,

zugänglich täglich biszum 29. Novembervon

10 bis 19 Uhr.Bitte Personalausweis mitbringen.

Die neue Verkehrsführung auf der Oberbaumbrücke verstoße gegen das Mobilitätsgesetz, lautet sein Vorwurf

VonPeter Neumann

Neue Markierungen haben das

Radfahren auf der Oberbaumbrücke

sicherer gemacht, so der Senat.

Doch viele Radfahrer sehen das

anders.Einer vonihnen, Jens Blume

aus Tempelhof, hat gegen die Anordnung

der neuen Verkehrsführung

Widerspruch eingelegt. Falls die Senatsverkehrsverwaltung

ihn zurückweise,

werde er Klage einlegen, so

der 33-Jährige.„Dazu bin ich bereit.“

Es könnte die erste vonvielen weiterenKlagen

sein, in denen sich Bürger

auf das Mobilitätsgesetz beziehen.

Auf der Spreequerung in Friedrichshain-Kreuzberg

wurde der Straßenraum

nach Bauarbeiten neu aufgeteilt.

So sieht die Rechnung derVerwaltung

aus: Bisher standen Kraftfahrzeugen

pro Richtung zwei

Fahrstreifen auf insgesamt sechs Metern

zur Verfügung, nun gibt es nur

eine 4,45 Meter breite Fahrspur. Die

Beim Nebeneinanderfahren kommen Autos Fahrrädernoft gefährlich nahe. THOMAS UHLEMANN

Radfahrer erhielten mehr Platz. Der

Radfahrstreifen Richtung Osten war

bislang 1,35 Meter breit, der Streifen

Richtung Westen 1,60 Meter. Jetzt

seien beide zwei Meter breit. Jeweils

80 Zentimeter breite Sicherheitsbereiche

kämen dazu, so der Senat.

Doch Jens Blume hat nachgemessen.

Ergebnis: Stellenweise seien die

Radfahrstreifen nur 1,35 Meter breit.

„Ein sicheres Überholen ist nicht

möglich“ – ein Verstoß gegen das

Berliner Mobilitätsgesetz. Auch die

Tatsache, dass Autos die Radfahrstreifen

befahren können, laufe dem

Gesetz zuwider. Viele Autos würden

nebeneinander fahren, als gäbe es

weiter zwei Fahrstreifen pro Rich-

SAVE THE CHILDREN/DOMINIC NAHR

tung. Dabei kämen sie den Fahrrädern

gefährlich nahe. Laut Gesetz

wäre ein „physischer Schutz“ wie

zum Beispiel ein Bordstein erforderlich,

damit das regelwidrige Befahrenunterbleibt.

Fazit des Ingenieurs:

„Statt auf dieser wichtigen Verbindung

gesetzeskonforme Radwege

einzurichten, wurden überbreite Autospuren

eingerichtet und zu

schmale ungeschützte Radspuren,

die seit der Verabschiedung des Mobilitätsgesetzes

so gar nicht mehr gebaut

werden dürften“, so Blume.

Radfahrer können einander sicher

überholen, entgegnete Dorothee

Winden, Sprecherin von Verkehrssenatorin

Regine Günther

(Grüne). Klar sei auch: Jeder habe die

Verkehrsregeln einzuhalten. Autofahrer

müssten die Verkehrsführung

beachten, und sie dürften die Radwege

nicht befahren. Winden: „Wir

beobachten die weitereEntwicklung

und werden dies auswerten.“

NACHRICHTEN

Schlägerei wegen Fahrens

mit E-Roller auf Gehweg

EinStreit über E-Roller-Fahren auf

dem Gehweg ist in der Nacht zu

Sonntag in Potsdam zu einer Schlägerei

ausgeartet. DieMänner waren

voreiner Studentenkneipe auf- und

abgefahren, was einer anderen

Gruppe nicht gefallen hatte,wie die

Polizei mitteilte.Bei Eintreffen der

Beamten habe ein 31-Jähriger mit einer

blutenden Wunde am Kopf auf

dem Boden gelegen. Eine zweite Person

sei augenscheinlich durch ein

Messer verletzt worden. Diebeiden

möglichen Tatverdächtigen hatten

sich bereits entfernt, konnten in der

Nähe ermittelt werden. DieMänner

im Alter von20Jahren wurden vorläufig

festgenommen. (dpa)

Verdächtige Tüten sorgen in

Luckau für Aufregung

Nach dem Fund vonzweiPlastiktüten

mit unbekanntem Inhalt hat die

Polizei am Sonnabend für mehrere

Stunden einen Teil der Innenstadt

vonLuckau (Dahme-Spreewald) abgesperrt.

Spezialisten des Landeskriminalamtes

untersuchen den Inhalt

der Tüten, dessen Zusammensetzung

nach Polizeiangaben nach wie

vorunklar ist. EinBürger hatte am

Sonnabendvormittag im Zentrum

vonLuckau die Tüten bemerkt und

die Polizei alarmiert. EinTeil der Innenstadt

wurde daraufhin abgesperrt.

Auch nahe gelegene Straßen

um die beiden Fundorte am Markt

waren nach Polizeiangaben für mehrere

Stunden nicht zugänglich. Die

erste Untersuchung habe ergeben,

dass der Inhalt nicht explosiv sei,

sagte ein Sprecher der Polizeidirektion

Süd. Diebeiden Tüten waren

am späten Nachmittag sicher verpackt

abtransportiertworden. Der

Inhalt war vomAugenschein her

eine grobkörnige Substanz, wie die

Polizei mitteilte. (dpa)

Die gesperrteInnenstadt von Luckau am

Wochenende.

DPA

GEWINNZAHLEN

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Spiel 77: 1026825

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604 =100 Euro

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56 893 =10000 Euro

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Prämie: Monatliche „Sofortrente“ in Höhe von

10 000 Euro auf die Nummer 7728 429.

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0415 946 gewinnt 1000 000 Euro

223 437 gewinnt 100 000 Euro

50 946 gewinnt 10 000 Euro

8120 gewinnt 1000 Euro

06 gewinnt 10 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!


16 ** Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Lokalsport

Ein Ausstand und seine Folgen: Wie beim SSV Köpenick-Oberspree fielen am Wochenende auf Berlins Amateurplätzen die Spiele aus. Betroffen waren stadtweit mehr als 1000 Begegnungen.

IMAGO IMAGES

Ruf nach professioneller Aufarbeitung

Berlins Schiedsrichter haben am Wochenende einspektakuläres Zeichen gegen Gewalt gesetzt, doch für die Referees und Klubs geht der Kampf jetzt erst richtig los

VonMichael Jahn

Am 2.August war die Hoffnung

groß, dass sich auf

Berlins Fußballplätzen die

Gewalt gegen Schiedsrichter

eindämmen lassen würde. Und

das, obwohl bereits in der vorangegangenen

Saison Attacken gegen

Unparteiische in Begegnungen der

Amateurkicker an der Tagesordnung

waren. Damals, amersten Spieltag

der Berlin-Liga, wollten Referees der

Hauptstadt zusammen mit ihren

Kollegen aus Hamburg ein Zeichen

setzen und auf die schwierige Situation

aufmerksam machen. Beim

Spiel von Sparta Berlin gegen Aufsteiger

Fortuna Biesdorf (6:3) hatten

vor dem Anpfiff alle Spieler zusammen

mit dem Schiedsrichterkollektiv

ein Banner in die Höhe gehalten.

„Gemeinsam für Respekt und Fairness“,

stand darauf.

Knapp vier Monate später ist die

Hoffnung geschwunden, weil die

Lage eskaliert. Deshalb sind die

Schiedsrichter des Berliner Fußball-

Verbandes (BFV)indiesemWochenende

in den Ausstand getreten. Mehr

als 1000 Spiele konnten deshalb

nicht stattfinden. Ausnahmezustand

im Berliner Fußball mal anders.

Ralf Kisting ist der Sprecher des

Berliner Schiedsrichterausschusses

und Obmann der Referees von Bundesligist

Hertha BSC. Er weilte am

Wochenende in München beim Treff

aller Obmänner der Erstligisten und

der Vertreter des Hamburger SV sowie

vom VfB Stuttgart. Es ging dort

um allgemeine Probleme der

Schiedsrichter, aber die Aktion in

Berlin war „in aller Munde“, wie Kisting

im Gespräch mit dieser Zeitung

sagt. „Ich bekam zu 100 Prozent Zustimmung

für den Ausstand der Berliner

Referees, alle fanden unsere

Maßnahme gut und erforderlich.“

Nicht immer kam das so deutlich

zum Ausdruck wie beim Abgesandten

von Eintracht Frankfurt. Der

wollte sich unbedingt mit Kisting fotografieren

lassen, weil er die Aktion

in Berlin wichtig fand. Kisting meint:

„Ich bekam viele Mails und Nachrichten

aufs Handy – von Berliner

Vereinen, aber auch vonder Gewerkschaft

der Polizei. DerTenor: Eswar

Zeit, endlich zu handeln!“

Kisting weiß, dass ein Zeichen allein

nicht reichen wird, um die Verhältnisse

auf den Fußballplätzen der

Republik in den unteren Spielklassen

zu verbessern. DerBerliner führt

die zunehmende Gewalt auf Veränderungen

in der Gesellschaft zurück,

auf fehlende Akzeptanz des Gegners

und des Spielleiters.

Kisting und seine Schiedsrichter-

Kollegen schlagen nun eine Reihe

von Maßnahmen vor, um die Situation

zu verbessern. So soll unter anderem

der Heimverein künftig bei

Spielen zwei Ordner stellen, so dass

der Schiedsrichter nicht auf sich allein

gestellt ist. Außerdem sollen die

Mannschaften Kurse in Regelkunde

abhalten –inder Hoffnung, dass dadurch

das Verständnis für Entscheidungen

der Schiedsrichter wächst.

„Das alles kann und muss kurzfristig

passieren“, sagt Kisting.

Bislang ist die Regelschulung

keine Pflicht, aber es gibtVereine,die

sich ihrer Verantwortung bewusst

„Ich bekam zu 100 Prozent Zustimmung

für den Ausstand der Berliner Referees,

alle fanden unsere Maßnahme gut.“

Ralf Kisting hat als Vertreter von Hertha BSC in München auf einem Treffen

aller Schiedsrichter-Obmänner der Bundesligisten viel Solidarität erfahren.

sind. Kisting nennt ein sehr positives

Beispiel: „Beim Berliner SC wirdeine

Regelschulung schon in der C-Jugend

durchgeführt. Dort konnten

danach sogar sechs junge Schiedsrichter

gewonnen werden.“

Dass die Zeit drängt, beweist die

Statistik. In Berlin stieg die Anzahl

der Vorfälle bereits um 20 Prozent, in

der Vorsaison sei bereits jeder siebte

Schiedsrichter Opfer von Angriffen

geworden, sagt Kisting. Verbale Beleidigungen

sind an der Tagesordnung,

außerdem sehen sich die Referees

zunehmend körperlichen Attacken

ausgesetzt. Vor allem junge

Schiedsrichter haben Angst, Spiele

bestimmter Vereine zu pfeifen.

Nun hat der Schiedsrichterausschuss

des BFV mit seinem Stoppzeichen

deutschlandweit für Aufsehen

gesorgt. Das Präsidium des BFV war

nach heftiger Diskussion zuerst gegen

die Maßnahme gewesen, setzte

aber wegen des organisatorischen

Chaos, das gedroht hätte, auch alle

Spiele offiziell ab.Bernd Schultz, der

Präsident, der sich bis zum heutigen

Montag im Ausland befand, sagt:

„Die zunehmende Gewaltbereitschaft

gegenüber Schiedsrichtern

sehe ich mit großer Sorge. Hier gilt es

konsequent und gemeinsam gegen

die Täter vorzugehen und alle Möglichkeiten

der Sportgerichtsbarkeit

auszuschöpfen. Gleichzeitig kann

ein Ausstand von Schiedsrichtern

immer nur die letzte Option sein.“

Gerade das BFV-Sportgericht enttäuschte

die Schiedsrichter, als zuletzt

im Fall des Berlin-Ligisten Al

Dersimspor ein nach Ansicht des

Ausschusses viel zu mildes Urteil gefällt

wurde.Dortwar ein Referee von

einem Spieler geschlagen worden.

Berlins Schiedsrichter-Chef Jörg

Wehling fordert, die Kompetenz der

Sportgerichte zu stärken. „Wir brauchen

hauptamtliche Kräfte im Sportgericht,

damit Urteile, die Auflagen

und Bewährungsstrafen ein Maß erreichen,

bei dem man sagt: ,Ja, das ist

eine professionelle Aufarbeitung.’“

Ralf Kisting sieht auch nach dem

Wochenende in dem Ausstand ein

wichtiges Signal: „Die Mehrheit der

Berliner Schiedsrichter wollte diesen

Ausstand, das war nicht nur eine

Entscheidung unseres Ausschusses,

sondern des Schiedsrichterbeirates,

in dem rund 30 Leute sitzen und zuvor

alle ihre Probleme auf den Tisch

brachten.“ Das Fazit: Es muss sich

schnellstens etwas verändern, damit

die Spirale der Gewalt nicht noch

weiter geht.

Michael Jahn

bleibt am Thema Gewalt

gegenReferees dran.

Wenn das Durchboxen Tradition hat

Serie –Tierisch fit: Wiedie Zehlendorfer Eichhörnchen zum größten Radsportklub der Stadt wurden und warum es in Berlin bald wieder ein internationales Straßenrennen geben könnte

VonChristian Kattner

Der Standort hat sich schon

mehrfach bewiesen. Nicht als

Ort, um mit den eigenen Mitgliedern

über organisatorische Dinge zu sprechen,

wohl aber als „neutraler Boden“

für Gespräche mit Verantwortlichen

verschiedener Verbände, wie

Karsten Podlesch das Café am Tempelhofer

Hafen mit einem Lächeln

im Gesicht beschreibt. In früheren

Generationen war der Treffpunkt

noch ein ganz anderer. Bei einem

dieser, teils verpflichtenden, Treffen

im „Schwarzen Adler“ in Zehlendorf

wurde im Jahr 1952 sogar der Vereinsname

des Klubs in Leben gerufen,

den Podlesch mittlerweile als

erster Vorsitzender anführt.

Damals wurde zunächst in einer

Garage geboxt. Eher zufällig und um

die Ausdauer zu erhöhen, kam das

Fahrrad ins Spiel. „Auf einmal hat

das allen viel mehr Spaß gemacht als

Boxen“, berichtet Karsten Podlesch

von der Geschichte, die ihm irgendwann

erzählt wurde. Aus Boxen

wurde Radsport und fast so etwas

wie ein Märchen, als es um die Suche

nach einem Namen ging: „Man saß

damals zusammen im Grünen und

in diesem Augenblick lief ein Eichhörnchen

über die Bäume. Dawar

der Name geboren“, so Podlesch,

Flink und fleißig: Die Zehlendorfer Eichhörnchen posieren vor der Ausfahrt.

„als Eichhörnchen muss man fleißig

sein, aber eigentlich bringt man ein

Eichhörnchen nicht unbedingt mit

Radsport inVerbindung.“ Gerade in

den ersten Jahren waren viele Erklärungen

notwendig, mittlerweile ist

der Name in Fachkreisen aber

deutschlandweit längst ein Begriff.

Dasliegt auch an den vielen internationalen

und nationalen Erfolgen,

die gesammelt wurden. Podleschs

Bruder Rainer etwa wurde zweimal

Weltmeister und mehrfacher Deutscher

Meister, Neffe Carsten wurde

als Steher Welt- und Europameister.

Aber auch der frühere Mountainbike-Weltmeister

Mike Kluge hat als

Eichhörnchen die Pedalen getreten.

Denn: Über alle die Jahre ist man

vom Grundprinzip der Nachwuchsarbeit

nicht abgegangen. Auch wenn

es in der heutigen Zeit sicherlich

nicht mehr ganz so einfach ist, wie

noch vor 20, 30 Jahren. „Radsport ist

sehr trainingsintensiv“, sagt Karsten

Podlesch, „wenn man ein Rennen

gut beenden möchte, gehört sehr

viel Training dazu. Es gibt Naturtalente,

aber es gibt Leute, bei denen

vergehen schon mal drei Jahre, bis

der Knoten platzt.“ Mit 160 Mitgliedern

sind die Eichhörnchen aktuell

in Berlin der größte Radsportverein.

Fast ein Fünftel dieser Mitglieder

sind Nachwuchsfahrer im Bereich

Schüler bis Jugend, dann allerdings

klafft ein Loch bei den Junioren und

den U23-Fahrern, auch gibt es nur

zwei Elitefahrer. Es ist der Bereich

mit der höchsten Ausstiegsquote.

Mit der ersten Freundin und dem

Abitur und dem Beginn einer Ausbildung

wird neu priorisiert. Für ein

Training, das mehr Zeit als in anderen

Sportarten in Anspruch nimmt,

gibt es da keine Kapazitäten mehr.

„Unter zwei Stunden brauche ich

nicht loszufahren, sonst komme ich

gar nicht in den Bereich, wo ich die

Leistung steigere“, sagt Podlesch.

Er selbst ist kein gebürtiger Berliner,

hat auch nicht im Nachwuchs

bei den Eichhörnchen angefangen,

aber wollte in der damals noch geteilten

Hauptstadt sein Glück als

Radrennfahrer suchen. Etwas, das

damals noch möglich war,immerhin

ZEHLENDORFER EICHHÖRNCHEN

galt Berlin als Hochburg. Die Möglichkeiten

waren aber in früheren

Jahren ganz andere. Selbst, im eingemauerten

Westteil der Stadt. Da, wo

die Radrennfahrer heute im Stadtbild

kaum noch zu sehen sind, weil

sie ihre eigentlichen Trainingskilometer

in Brandenburg rollen, wurden

gerade im Bereich des Wannsees,aber

auch auf Bahnen und den

Straßen viel gefahren und trainiert.

„Ganz wenig ist davon noch übrig“,

sagt der Vereinsvorsitzende der

Eichhörnchen. Es gebe zwar auch

aktuell erfolgreiche deutsche Fahrer,

aber die können nicht gehalten werden.

Auch, weil die Infrastruktur

keine optimalen Bedingungen mehr

bietet. „Nehmen wir mal das Velo-

drom. DieSportart, die da eigentlich

zuhause ist, die Radrennfahrer, werden

sehr stiefmütterlich behandelt.

Da gibt es Vorschriften, die sich niemand

vorstellen kann“, sagt Podlesch,

„leider haben wir dafür zwei

funktionierende Radrennbahnen

geopfert, die vernachlässigt und später

abgerissen wurden.“ Es sei mehrmals

vorgekommen, dass das Velodrom

für die Berliner Fahrer vor

Meisterschaften nicht zur Verfügung

stand, weil dort Konzerte stattfanden

und sie stattdessen in Frankfurt/Oder

trainieren mussten.

Aber auch nach Straßenrennen

müssen die Berliner außerhalb der

Stadtgrenzen suchen. Vonden einst

mehr als 30 Rennen, die jährlich in

der Hauptstadt stattfanden, hat nur

eins überlebt. „Die Behördengänge

zermürben“, sagt Podlesch, „außerdem

bekommt man keine Strecke

mehr frei.“ Umso größer ist bei den

Eichhörnchen die Freude darüber,

dass sie es seit vier Jahren sind, die

im Rahmen der Steglitzer Wochedas

Lichterfelder Rundstreckenrennen

ausrichten. „Wir streben da aber

nach Höherem und wollen das Rennen

wieder international machen“,

sagt Podlesch. Gut möglich, dass es

zu den Verhandlungen darüber wieder

auf den neutralen Boden am

Tempelhofer Hafen geht.


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 17 *

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Sport

Wenn die

Zeit

wegläuft

Die Eisbären verlieren

gegen München 3:5

VonChristian Kattner

AmTag der Umstellung auf die

Winterzeit klingelte der Wecker

am Sonntag eine Stunde später.Und

auch für die 14 200 Fans in der Arena

am Ostbahnhof gab es im Spiel der

Eisbären Berlin gegen München einen

späten Weckruf. Trudelte die

Partie über weite Phasen des

Schlussdrittels vorsich hin, wurde es

acht Minuten vor dem Ende durch

den 3:4-Anschluss der Gastgeber

noch einmal laut. Angetrieben von

den Fans warfen die Eisbären alles

rein, mussten sich aber dennoch 3:5

geschlagen geben.„Imletzten Drittel

waren wir noch einmal sehr gut, aber

uns ist dort die Zeit weggelaufen“,

sagte Eisbären-Trainer SergeAubin.

Sein Team hatte am Sonntagnachmittag

gut begonnen. Bereits

nach wenigen Sekunden hatte James

Sheppard die Chance zur frühen

Führung, scheiterte aber wie wenig

später auch Louis-Marc Aubry, an

Münchens Danny aus den Birken.

Beide Mannschaften gingen sehr aggressiv

zuWerke, störten früh im gegnerischen

Drittel und provozierten

damit Fehler.Einen davon fingen die

Eisbären in der achten Minute ab,

Leo Pföderl passte schnell auf Marcel

Noebels und der traf freistehend.

Vorbereiter und Vollstrecker:Leo Pföderl,

Schütze des zweiten EHC-Tors. CITY PRESS

Eine Reaktion des souveränen Tabellenführers?

Die blieb aus. Auch,

weil die Gastgeber weiterhin Druck

machten und dafür erneut belohnt

wurden. Diesmal lenkte Pföderl

selbst den Puck im Fallen, allerdings

auch mit dem Schlittschuh, zum 2:0

ins Münchner Tor(14.). Doch wieder

einmal waren es Unkonzentriertheiten

der Eisbären, die dem Gegner in

die Karten spielten. So schickten die

Berliner einen Spieler zu viel aufs Eis,

Lukas Reichel musste für zwei Minuten

auf die Bank. Fast hatten die Eisbären

diese Strafe schadlos überstanden,

da ließ sich Maxim Lapierre

zu einer Undiszipliniertheit hinreißen

und musste nach Beinstellen

ebenfalls auf die Bank. In doppelter

Unterzahl traf Münchens Trevor Parkes

zum 1:2-Anschluss (19.).

Auch nach dem Seitenwechsel

wurden den Eisbären die Strafzeiten

zum Verhängnis. Eine davon wurde

in der 26. Minute gegen James Sheppard

angezeigt, aber die Münchner

spielten ihren Angriff perfekt zu

Ende und glichen durch ihren Topscorer

Mark Voakes aus.

Treffer ins leereTor

Als Sheppardinder 35. Minute dann

tatsächlich auf der Strafbank Platz

nahm, bestrafte das Yasin Ehliz mit

dem 3:2 für München. 75 Sekunden

später traf Keith Aulie noch zum 4:2.

Im Schlussdrittel plätscherte das

Spiel lange so hin. In einer Phase, in

der München nicht mehr so recht

wollte und die Eisbären nicht so

recht konnten, war Mark Olverplötzlich

frei vor dem Torder Gäste und

traf zum 3:4-Anschluss (52.).

Die Zuschauer wurden noch einmal

wachgeküsst, mussten aber 62

Sekunden vor dem Abpfiff mit dem

Treffer von Christopher Bourque ins

leere Tor die Entscheidung zugunsten

der Münchner mitansehen.

Der Tagder roten Rosen

Englands grandioser Sieg im Halbfinale der Rugby-WM gegen Neuseeland wirkte wie der Beginn einer neuen Ära

VonSissi Stein-Abel

Mind Games. Eswar der

Begriff der Woche:

psychologische

Kriegsführung. Dreckiges

Grinsen, verbale Provokationen,

Spionage-Geschichten. Eddie

Jones, der Trainer der englischen

Rugby-Nationalmannschaft, in seinem

Element. Dasvon Gelächter begleitete

Dauergequassel ist als „Eddie

Jones Show“ bekannt. Haha, hahaha,

selten so gelacht, sagte Steve

Hansen, der Coach vonNeuseelands

All Blacks,und gab den Mister Cool.

Und dann stellten sich die Engländer

in V-Form auf und keilten die

irritierten All Blacks bei ihrem

Kriegstanz ein, dem Haka, den sie

traditionell vor Anpfiff aufführen. V

wie Victory. Es war der Höhepunkt

der Mind Games zurVerunsicherung

des Gegners und Teil der Siegesformel,

mit der die Briten den Titelverteidiger

aus den Schuhen kippten

und im Halbfinale der WM in Japan

wie grüne Jungs aussehen ließen.

Der 19:7 (10:0)-Triumph in Yokohama

drückt ihre Überlegenheit

nicht annähernd aus.

Die Engländer zermalmten das

Team des dreimaligen Weltmeisters,

das zuvor mit seinem begeisternden

Angriffsstil die Massen begeistert

hatte und nun schnell den

Schock überwinden muss, umdas

Spiel um den dritten Platz am Freitag

(10 Uhr, MEZ) gegen Wales über

die Bühne zu bringen. England darf

hingegen vom zweiten Weltmeister-Titel

nach 2003 träumen. Im Finale

treffen die Red Roses am Sonnabend

(10 Uhr, MEZ) im selben Stadion

auf Südafrika, das im penaltyreichen

zweiten Halbfinalspiel Wales

19:16 (9:6) besiegte und vom dritten

Championat nach 1995 und 2007

träumen darf.

Zweieinhalb Jahre, sagte Eddie

Jones, ein Australier mit japanischer

Mutter, „haben wir uns auf dieses

Halbfinale vorbereitet“, und es störte

ihn nicht, „dass 120 Millionen Japaner

gegen uns waren“. Selbst seine

japanische Ehefrau, sagte er, stünde

hinter den All Blacks, und „niemand

glaubte, dass wir gewinnen würden“.

Aber der Coach hatte seinen

Spielern Glauben eingeimpft, die

Überzeugung, dass die Neuseeländer,

die seit 2007 kein WM-

Spiel mehr verloren hatten, kein

unantastbarer Mythos waren, sondern

auch nur Menschen, die Fehler

machen. Siesetzten seine Strategie

um und stürzten den Rugby-Riesen

mit einem Kracher vomThron.

Die Engländer legten aus einer

großartigen Defensive heraus ein ir-

Englands MarkWilson feiertden Finaleinzug,Neuseeland ist am Boden. GETTY IMAGES/BOTTERILL

England antwortet mit einer Victory-Formation auf den Haka der All Blacks.

res Tempo vor, attackierten ihre Gegenspieler

wie eine Horde Rottweiler,

dominierten die Standardsituationen,

kurz: Sie beherrschten ihren

Gegner vonAbis Zund ließen den All

Blacks, die so viel Druck nicht gewöhnt

sind, weder Zeit noch Raum,

um ins Spiel zu kommen. „England

hat das Spiel in den Bereichen kontrolliert,

die wir kontrollieren wollten“,

sagte Steve Hansen, „wir wurden

von einer besseren Mannschaft

geschlagen und müssen es mit Fassung

tragen. So schwer es zu verdauen

ist, aber solche Dinge passierenimSporteben

manchmal.“

Die Neuseeländer, die passiv, ratlos

und kopflos neben sich selbst

Krönung verschoben

GETTY/MULLAN

standen, hatten sich noch nicht vom

Angriff auf ihren Haka erholt, da lagen

sie durch einen Bonuskick-Try

vonManu Tuilagi nach 96 Sekunden

schon in Rückstand und konnten

sich bei den Rugby-Göttern bedanken,

dass es nicht noch schlimmer

kam, denn zwei Tries der Briten wurden

aufgrund von vorausgegangenen

Regelverstößen –zurecht –nicht

anerkannt. Neuseelands einziger Try

(57.) durch Ardie Saveaentsprang einem

Lapsus der Engländer beim

Einwurf. 1:1 Tries, das spiegelt nicht

die Realität auf dem Platz wider.

Dieübrigen zwölf Punkte der Red

Roses erzielte George Ford mit vier

Penalty-Kicks, die der Hilflosigkeit

und Verzweiflung der All Blacks am

34. Geburtstag ihres Kapitäns Kieran

Read entsprangen, als ihnen die

Felle vollends davonschwammen.

Ihr deprimierender Auftritt und die

grandiose Darbietung der Engländer

wirkte wie das Ende der einen und

der Beginn einer neuen Ära–mit der

Einschränkung, dass sich die All

Blacks im Umbruch befinden und

die vielen jungen Profis, die am

Sonnabend überrollt wurden, mit jeden

TagErfahrung widerstands- und

auch in solch gnadenlosen K.-o.-

Spielen konkurrenzfähiger werden.

WieSteve Hansen, der nach sieben

Jahren als Neuseelands Cheftrainer

zum Toyota-Klub nach Japan

wechselt, ist auch Eddie Jones

ein alter Fuchs, der aber noch nie

Weltmeister war, und diesmal hat

er seinen Kollegen nach allen Regeln

der Kunst ausgetrickst. Er hat

Hansen sogar verleitet,sein Siegerteam,

das beim 46:14 gegen Irland

wie aus einem Guss gespielt hatte,

ohne Notzuverändern, indem er die

beiden Flügelstürmer-Positionen

umbesetzte.„Das war mein Fehler“,

gab Hansen unumwunden zu, „das

muss ich auf meine Kappe nehmen.“

England, das in 16 Duellen nur

einmal gegen Neuseeland gewonnen

hatte, machte alles, was die All

Blacks auszeichnet, bloß besser. Es

war die Einstimmung auf einen

Volkstrauertag im Land der Kiwis,

das sich aufgrund der jahrzehntelang

verströmten Magie der All

Blacks als spirituelle Heimat des

Rugby fühlt. Jetzt schicken sich Eddie

Jones und England an, den Pokal

ins Mutterland zurückzuholen, wo

Rugby1823 erfunden wurde.„Als ich

vorvier Jahren meinen Dienst antrat,

war der Plan, die beste Mannschaft

der Welt zu werden“, sagte Jones

nach der Sternstunde von Yokohama,„jetzt

haben wir noch ein Spiel

voruns,indem wir die Chance dazu

haben.Wirwissen, dass wir im Finale

noch besser spielen können.“

Lewis Hamilton verpasst trotz seines Sieges beim Großen Preis von Mexico die Titelfiesta in der Formel-1-WM

Lewis Hamilton muss trotz einer

brillanten Siegfahrt in Mexiko

noch auf seinen sechsten Formel-1-

Titel warten. Der Mercedes-Pilot ließ

am Sonntag beim Reifenkrimi im

Autódromo Hermanos Rodríguez

Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel hinter

sich, kann aber rechnerisch in den

verbleibenden drei Saisonläufen

noch immer vonTeamkollege Valtteri

Bottas eingeholt werden. Der Finne

sicherte sich Platz drei und liegt nun

74 Punkte hinter Hamilton.

In Austin kann der Brite am kommenden

Sonntag den fünften Triumph

in sechs Jahren perfekt machen.

Hamilton reicht auf dem Kurs

in Texas der achte Platz. „Ich liebe das

Rennfahren, das Warten macht mir

nichts aus“, sagte er.Vettel hatte sich

bereits in Japan aus dem WM-Kampf

verabschieden müssen.

In Mexiko kämpfte der 32 Jahre

alte Deutsche zunächst vor allem

wieder um die Vormacht im eigenen

Team. Stallrivale Leclerc kletterte

nachträglich auf die Pole Positon, in

der Qualifikation hatte er sich vorVettel

durchgesetzt. Beide profitierten

vonder Strafe gegen MaxVerstappen.

Der Niederländer war im

Red Bull anders bei seiner

letzten schnellen Runde

nicht vom Gas gegangen,

als die Gelben Flaggen wegen

eines heftigen Einschlags

von Bottas’ Mercedes

geschwenkt worden

metern nicht aus. Hamiltons Attacke

beim Start wehrte Vettel ab. Ander

Spitze behauptete sich Leclerc. Und

was machte Bottas, der von Rang

sechs losfahren musste?

Der Finne rutschte zwischenzeitig

auf Platz sieben,

wurde dann von Verstappen

leicht gerammt,

machte aber wie Hamilton

schnell wieder Plätze gut.

GETTY IMAGES/CHARLES COATES

Die beiden fuhren auf den

Plätzen vier und fünf hinter

Muss warten: Leclerc, Vettel und Alexander

Albon, der im zweiten

Lewis Hamilton.

Red Bull von den fehl geschlagenen

Start-Attacken am meisten

profitierthatte.

Als erster des Führungsquintetts

kam Albon in die Boxzum Radtausch.

Danach Leclerc. Er bekam die gleiche

Reifenmischung, hieß: Vettels Stallrivale

musste noch mal die Reifen

wechseln lassen. Vettel war indes auf

einer Einstopp-Strategie unterwegs.

Dann forderte Hamilton den Deut-

waren. Verstappen rutschte

von der Pole auf Startrang

vier.

Die erste Reihe war rot,

Hamilton dahinter und die Anfahrt

bis zur ersten Kurve auf dem 2250

Meter hoch gelegenen Kurs lang.

Hieß: Windschatten-Chance. „Der

dritte Startplatz ist nicht das Allerschlechteste“,

betonte Teamchef Toto

Wolff. Aufeine WM-Sause für Hamilton

hatte sich Mercedes aber nicht

unbedingt vorbereitet. Nach einer Titelfiesta

sah es nach den ersten Kiloschen

heraus, kam früher in die Box.

„Lasst ihn fahren“, konterte Vettel die

Aufforderung des Kommandostandes,nun

auch neue Reifen aufziehen

zu lassen.

Richtig oder falsch? „Es fühlt sich

so an, als hätten wir die Reifen zu früh

gewechselt“, funkte Hamilton, der

beim Mexiko-USA-Trip ohne seinen

Stamm-Renningenieur auskommen

musste.Die Strategie war klar:Hamilton

sollte den Sieg holen, am besten

die schnellste Rennrunde.Wenn Bottas

Vierter würde, wäre der Triumph

perfekt. Hamilton zweifelte, Hamilton

haderte.„Du kannst das“, feuerte

Mercedes-Chefstrategie James Vowles

ihn an.

Als Vettel zum ersten und Leclerc

zum zweiten Maldie Reifen wechseln

ließen, fuhr Hamilton vorneweg, dahinter

Vettel, Bottas und Leclerc. Entschieden

schien noch nichts. Bottas

kam Vettel näher. Der aber hielt dem

Druck aber ebenso Stand wie vorihm

Hamilton. (dpa)

NACHRICHTEN

Nürnberg verliertAnschluss

zur Tabellenspitze

FUSSBALL. Der1.FCNürnbergverliertimAufstiegsrennen

der Zweite

Bundesliga weiter an Boden und die

Spitzengruppe immer mehr aus den

Augen. DerBundesliga-Absteiger

musste sich am 11. Spieltag im bayerischen

Derbymit einem 1:1 gegen

Jahn Regensburgbegnügen und liegt

als Tabellenachter sechs Punkte hinter

Relegationsplatz drei, den Mitabsteiger

VfB Stuttgartbelegt.

1. FC Kaiserslauten rutscht

immer tiefer in die Krise

FUSSBALL. Der1.FCKaiserslautern

stürzt in der Dritten Liga immer tiefer

in die Krise.Der viermalige Deutsche

Meister verlor am Sonntag das

Kellerduell beim Chemnitzer FC 1:3

und rutschte mit 13 Punkten aus 13

Spielen auf Abstiegsplatz 17 ab.Die

punktgleichen Chemnitzer kletterten

nach zehn Punkten aus den

jüngsten fünf Spielen auf Rang 16.

Energie Cottbus gewinnt

Derbygegen Babelsberg

FUSSBALL. DerFCEnergie Cottbus

hat in der Regionalliga Nordost das

Brandenburg-Derbygegen den SV

Babelsberg03mit 1:0 gewonnen. Für

den Tabellenvierten traf Broschinski

in der Nachspielzeit der ersten

Hälfte.Babelsbergsteckt als Vorletzter

weiter tief im Abstiegskampf.

Baraou bleibt im achten

Profikampf unbesiegt

BOXEN. Talent Abass Baraou hat

auch seinen achten Profikampf gewonnen.

Der24Jahrealte Superweltergewichtler

besiegte am Sonnabend

in London im Rahmen der

World Boxing Super Series den Iren

John O'Donnell nach technischem

K.o.inder sechsten Runde.Baraou,

Sohn togolesischer Eltern, war in

den vergangenen Jahren der herausragende

deutsche Amateur und

wurde vomBerliner Bundestrainer

Ralf Dickertgefördert. 2017 gewann

er in der Ukraine den EM-Titel und

holte bei der WM in Hamburgdie

Bronzemedaille.Jetzt trainierterbei

Ulli Wegner und GeorgBramowski.

Brees führtNew Orleans bei

Comeback zum Sieg

FOOTBALL. Quarterback Drew

Brees,40, hat bei seinem Comeback

nach einer Daumenverletzung die

NewOrleans Saints zum Heimsieg in

der amerikanischen Football-Liga

NFL geführt. DieSaints setzten sich

am Sonntag gegen die Arizona Cardinals

mit 31:9 (10:6) durch. Für sie

war es der sechste Sieg in Folge und

der siebte im achten Saisonspiel.

Moritz Wagner und Wizards

unterliegen Spursknapp

BASKETBALL. DerBerliner Moritz

Wagner und der Frankfurter Isaac

Bonga haben mit den Washington

Wizards in der NBA eine bittereNiederlage

kassiert. Beiden SanAntonio

Spurs unterlag das Team um das

deutsche Duo122:124, DeMarDe-

Rozan sorgte fünf Sekunden vor

Schluss für die Entscheidung zugunsten

der Gastgeber.

Este Tänak gewinnt

erstmals die Rallye-WM

RALLYE. DerEste OttTänak hat die

französische Dominanz in der Rallye-WM

nach 15 Jahren beendet und

zum ersten Malden Titel geholt.

Beim vorletzten Saisonlauf in Spanien

reichte dem Toyota-Piloten ein

zweiter Platz hinter dem Belgier

ThierryNeuville (Hyundai), um

Dauersieger Sebastien Ogier (Citroen)

zu entthronen.


18 * Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Sport

ZAHLEN

Eishockey

DEL, 15. Spieltag

Krefeld Pinguine -ERC Ingolstadt 1:2

Eisbären Berlin -Red Bull München 3:5

Schwenningen -Wolfsburg 0:4

Straubing -Augsburg 7:3

Düsseldorf -Iserlohn 4:2

Mannheim -Nürnberg 2:0

Kölner Haie -Bremerhaven 2:5

1. Red Bull München 15 55:29 42

2. Straubing Tigers 15 58:38 30

3. Düsseldorfer EG 15 44:28 29

4. Adler Mannheim 14 47:39 28

5. Bremerhaven 15 44:39 27

6. Eisbären Berlin 14 41:38 23

7. Nürnberg Ice Tigers 15 40:41 23

8. ERC Ingolstadt 15 42:44 19

9. Grizzlys Wolfsburg 15 37:43 17

10. Augsburger Panther 15 42:52 17

11. Kölner Haie 15 29:44 17

12. Iserlohn Roosters 14 28:40 14

13. Krefeld Pinguine 15 32:48 12

14. Schwenninger Wild Wings 14 36:52 11

Zweite Liga, 11. Spieltag

Holstein Kiel -VfL Bochum 2:1 (1:1)

Darmstadt 98 -ErzgebirgeAue 1:0 (0:0)

Hamburger SV -VfB Stuttgart 6:2 (3:1)

Dynamo Dresden -Arminia Bielefeld 0:1 (0:0)

Karlsruher SC -Hannover96 3:3 (1:2)

1. FC Nürnberg -Jahn Regensburg 1:1 (1:0)

1. FC Heidenheim -FCSt. Pauli 1:0 (0:0)

VfL Osnabrück -SpVgg Fürth 0:0

SV Sandhausen -SVWehen Mo., 20.30

1. Hamburger SV 11 28:10 24

2. Arminia Bielefeld 11 22:12 22

3. VfB Stuttgart 11 17:16 20

4. ErzgebirgeAue 11 18:17 18

5. 1. FC Heidenheim 11 16:13 16

6. Jahn Regensburg 11 19:15 15

7. SpVgg Fürth 11 11:14 15

8. 1. FC Nürnberg 11 19:19 14

9. Karlsruher SC 11 19:21 14

10. Holstein Kiel 11 13:15 14

11. Darmstadt 98 11 11:13 14

12. FC St. Pauli 11 14:14 13

13. Hannover96 11 13:17 13

14. VfL Osnabrück 11 10: 9 12

15. SV Sandhausen 10 10:11 12

16. VfL Bochum 11 20:24 9

17. Dynamo Dresden 11 12:21 9

18. SV Wehen Wiesbaden 10 13:24 8

Dritte Liga, 13. Spieltag

Viktoria Köln -1.FCMagdeburg 1:1 (1:1)

KFC Uerdingen -FCCZJena 2:0 (1:0)

Würzburger Kickers -MSV Duisburg 0:2 (0:2)

FC Ingolstadt 04 -Preußen Münster 3:2 (1:2)

SpVgg Unterhaching -FSV Zwickau 0:0

Hallescher FC -SVMeppen 3:3 (2:2)

Hansa Rostock -TSV 1860 München 2:1 (1:0)

Chemnitzer FC -1.FCKaiserslautern 3:1 (3:1)

SG Großaspach -Braunschweig 1:3 (1:2)

FC Bayern II -Waldhof Mannheim Mo., 19.00

1. Hallescher FC 13 28:13 25

2. MSV Duisburg 13 29:19 25

3. Eintracht Braunschweig 13 23:15 24

4. SpVgg Unterhaching 13 19:14 24

5. FC Ingolstadt 04 13 25:17 22

6. Hansa Rostock 13 17:14 22

7. Viktoria Köln 13 24:21 20

8. FSV Zwickau 13 20:15 19

9. KFC Uerdingen 13 15:17 19

10. SV Waldhof Mannheim 12 20:16 18

11. 1. FC Magdeburg 13 18:12 17

12. Bayern München II 12 21:23 17

13. SV Meppen 13 25:20 16

14. Würzburger Kickers 13 20:31 16

15. TSV 1860 München 13 16:21 14

16. Chemnitzer FC 13 19:23 13

17. 1. FC Kaiserslautern 13 20:29 13

18. SG Großaspach 13 15:29 12

19. Preußen Münster 13 19:25 11

20. FC CZ Jena 13 9:28 2

RegionalligaNordost, 13. Spieltag

Bischofswerdaer FV -1.FCLok Leipzig 0:3 (0:1)

FC Viktoria 1889 Berlin -Berliner AK 07 4:2 (2:1)

Wacker Nordhausen -Optik Rathenow 4:0 (2:0)

Lichtenberg 47 -VSG Altglienicke 2:1 (1:0)

Germania Halberstadt -Hertha BSC II 2:2 (1:1)

Union Fürstenwalde -Rot-Weiß Erfurt 3:0 (3:0)

BFC Dynamo -ZFC Meuselwitz 2:0 (1:0)

BSG Chemie Leipzig -VfB Auerbach 2:0 (1:0)

SV Babelsberg 03 -Energie Cottbus 0:1 (0:1)

1. Hertha BSC II 13 44:18 29

2. VSG Altglienicke 13 35:16 28

3. 1. FC Lok Leipzig 13 23:13 28

4. Energie Cottbus 13 33:23 26

5. Wacker Nordhausen 13 31:21 23

6. FSV Union Fürstenwalde 13 21:15 20

7. FC Viktoria 1889 Berlin 13 15: 9 20

8. BFC Dynamo 13 15:20 18

9. Berliner AK 07 13 24:23 16

10. Lichtenberg 47 13 12:13 16

11. BSG Chemie Leipzig 13 15:16 15

12. Rot-Weiß Erfurt 13 15:19 14

13. VfB Auerbach 13 23:30 14

14. ZFC Meuselwitz 13 17:22 13

15. Germania Halberstadt 13 19:25 12

16. Optik Rathenow 13 10:28 11

17. SV Babelsberg 03 13 12:21 8

18. Bischofswerdaer FV 13 11:43 5

Oberliga, Nordost/Nord, 10. Spieltag

TeBe -Hertha 06 5:0, Seelow-TorgelowerFC1:3,

Strausberg -Brandenburger SC Süd 0:2, Ludwigsfelder

FC -Greifswalder FC 0:1, Pampow-L.Stendal

5:0, H. Rostock II -Staaken 7:0, Hertha 03 -

Neustrelitz 4:1 (1:0), Tasmania -Bl. Weiss 90 3:0

„Für uns ist es im Moment sehr wertvoll, hinten zu Null zu spielen.“ BVB-Kapitän Marco Reus formuliertbescheidene Ansprüche.

Labiler Frieden

Borussia Dortmund ist um einen beherrschten Blick auf die immer komplizierter werdende Lage bemüht

VonDaniel Theweleit, Gelsenkirchen

Lehrstück der Schülerin

Die 17 Jahre alte Alice Robinson siegt im Ski-Weltcup

An Glückwünsche von Lindsey

Vonn und Mikaela Shiffrin muss

man sich als 17 Jahre alte Schülerin

aus Neuseeland erst mal gewöhnen.

Ebenso an Pressekonferenzen nach

Siegen im alpinen Ski-Weltcup und

Preisgelder in Höhe von 45000

Schweizer Franken – nur

das mit dem Feiern wird

wohl nie mehr so nüchtern

ausfallen müssen wie an

diesem ski-historischen

Sonnabend.

„Ein halbes Bier ist angemessen“,

meinte Alice

Robinson nach ihrem sensationellen

Erfolg im Riesenslalom

von Sölden –

wohl wissend, dass sie am

Montag zurück in die Heimat fliegt

und noch eine letzte Woche Schule

vor sich hat. Künftig wird sich aber

alles nur noch ums Skifahren drehen

für die Junioren-Weltmeisterin im

Riesenslalom, die am Sonnabend in

ihrem elften Rennen schon den ersten

Sieg feierte. Sie ist nun die

jüngste Sölden-Siegerin – und gab

eine erste Antwortauf die Frage,wer

nach den Rücktritten vonVonn, Felix

Die Kernbotschaft, die die

Angehörigen von Borussia

Dortmund im Nachgang

des 155. Pflichtspielderbys

bei Schalke 04 zu verkünden

hatten, war nicht zu überhören

hinter den vielen Erklärungen,

die am frühen Samstagabend formuliert

wurden. Gelassenheit

sprach aus den Gesichtern, Gelassenheit

transportierten die Worte, irgendwie

wirkte das fremd im normalerweise

mit den ganz großen Gefühlen

aufgeladenen Umfeld eines Revierderbys.

Torhüter Marvin Hitz

erklärte die vielen verlorenen Zweikämpfe

in diesem torlosen Fußballspiel

nicht mit Verunsicherung oder

gar einem Einstellungsproblem,

Schalke habe eben einfach „das

Quentchen Glück“ in den „fifty-fifty

Aktionen“ gehabt.

Kapitän MarcoReus berichtete in

nüchtern-analytischem Tonfall vom

Verlust der Leichtigkeit, da müsse

man sich auch mal an kleinen Dingen

freuen. „Für uns ist es im Moment

sehr wertvoll, hinten zu Null zu

spielen“, sagte der Kapitän. Und Sebastian

Kehl war laut Selbstauskunft

sogar „zufrieden“ mit einem fußballerisch

bemerkenswert fehlerhaften

Auftritt. „Wir können am Ende mit

dem Punkt leben“, sagte der der Leiter

der Lizenzspielerabteilung.

Nachdem in den vergangenen

Wochen jeder Punktverlust den Erregungszustand

in den roten Bereich

getrieben hatte,waren sie an diesem

Tagumeinen möglichst beherrschten

Blick auf die immer komplizierter

werdende Lage bemüht. Dabei

wird kaum etwas besser, imGegenteil:

Die Krisensymptome zeigen

sich nicht mehr nur in kurzen Phasen

der Spiele und in den Ergebnissen,

sie haben schon am vorigen

Mittwoch beim 0:2 in Mailand und

jetzt auf Schalke ein prägendes Element

des BVBunter dem Trainer Lucien

Favreerfasst: die fußballerische

Klasse, die in fast allen Bundesligapartien

ein entscheidender Vorteil

sein sollte.„Wirmüssen uns über die

Mannschaft und das Spielerische

unterhalten“, sagte Sportdirektor

Michael Zorc,„das war nicht besonders

gut heute.“

Der Dortmunder Auftritt war

durchsetzt von Ungenauigkeiten,

von falschen Entscheidungen im

Spielaufbau und einer erschreckenden

Harmlosigkeit beim Versuch,

Gefahr im Schalker Strafraum zu erzeugen.

In der Serie zuvor mit nur

fünf Punkten aus vier Partien gab es

wenigstens noch Phasen der klaren

Dominanz, nun sitzt dieVerunsicherung

so tief, dass das Spiel der vielen

Hochbegabten „ein bisschen zäh“

wirkte, wie Zorc erläuterte. „Wir

müssen unsere Automatismen wiederfinden.“

„Wir müssen uns über die Mannschaft und

das Spielerische unterhalten.“

BVB-Sportdirektor Michael Zorc erhöht nach dem 0:0 im Derby gegen Schalke den

Druck auf sein Dortmunder Team und den Trainer –wenn auch vorerst zwischen den Zeilen.

AP/MARCO TROVATI

Neureuther oder Marcel Hirscher zu

den neuen Hauptdarstellern im

Weltcup werden könnte.

Schon beim Weltcup-Finale im

Märzwar ihr mit Rang zwei der erste

Podestplatz gelungen. Der deutsche

Alpinchef Wolfgang Maier hatte die

blonde Frau aus Queenstown

deshalb längst auf

dem Radar: „Ich wüsste

niemanden aus der südlichen

Hemisphäre, der so

ein Potenzial hat. Diefährt

wirklich frech Ski.“ Weniger

glücklich war Maier

mit seinen Sportlern. Viktoria

Rebensburg kam mit

Überraschung:

Alice Robinson. 1,73 Sekunden Rückstand

hinter Robinson auf Platz

13, Stefan Luitz wurde 16. beim Sieg

vonAlexis Pinturault aus Frankreich.

Sölden ohne deutschen Top-12-

Rang gab es letztmals 2002.

Robinson lebt die meiste Zeit in

Italien und wird von Chris Knight

trainiert, der Weltcup-Rekordsiegerin

Vonn und Shiffrin mitgeformt

hat. Letztere wurde mit 0,06 Sekunden

Rückstand Zweite,die Französin

Tessa Worley Dritte. (dpa)

Derselbst ernannte Titelkandidat

ist in einem Zustand der Demut angekommen,

und diese Entwicklung

stützt die Annahme, dass die offensiveVerkündung

des Meisterschaftszieles

und der anschließende Umgang

mit den eigenen Ambitionen

nicht unbedingt konstruktiv gewirkt

hat.

Das Aufflammen der Trainerdiskussion

während der vergangenen

Wochen sei „der Situation geschuldet,

natürlich auch der größeren Erwartungshaltung

bei uns“, meinte

Zorc, der immer wieder versichert,

dass die Verantwortlichen des BVB

keine derartige Debatte führen würden.

Der Eindruck, dass unter den

AP/MEISSNER

Leuten, die Klubchef Hans-Joachim

Watzke als „inner circle“ von Borussia

Dortmund bezeichnet, kritisch

über Favre gesprochen wird, konnte

bislang trotzdem nicht aus der Welt

geschafft werden.

Zumal kaum Anzeichen für Verbesserungen

sichtbar sind. Der BVB

hatte drei mal großes Glück, als

Schalkes Salif Sané die Unterkante

der Latte traf, Suat Serdar an den Innenpfosten

schoss und Schiedsrichter

Felix Brych mit seinen Assistenten

nach einem Handspiel vonThorgan

Hazard auf einen Elfmeter verzichteten.

„Wir waren besser“, sagte

der Schalker Torhüter Alexander

Nübel zurecht. Dass die Dortmunder

dennoch einen Ausbruch der

schwer kontrollierbaren Emotionen

zwischen Wut, Enttäuschung und

Frust verhinderten, die eine Derbyniederlage

automatisch erzeugt, ist

zweifellos ein kleiner Erfolg.

Doch der Frieden ist labil, schon

am kommenden Mittwoch kann der

kurze Moment der Gelassenheit wieder

einer zermürbenden Krisenstimmung

weichen. Es steht ein DFB-Pokal-Spiel

gegen Mönchengladbach

bevor, es folgen Partien gegen die

starken Wolfsburger, das für den angestrebten

Achtelfinaleinzug vielleicht

entscheidende Champions

League-Spiel gegen Inter Mailand

und die Reise zum FC Bayern München.

All diese Duelle bergen einerseits

große Chancen und zugleich

enorme Gefahren für den BVB.

Moment des Neuen

Cody Kessel überzeugt beim 3:0-Sieg der BR Volleys

Estrifft sich gut, dass die BR Volleys

in dieser Saison in den ersten

Spielen nicht auf die stärksten

Teams der Volleyball-Bundesliga

treffen, das 3:2 bei den Alpenvolleys

mal ausgenommen. Und so zieht

sich die Vorbereitung, die gar keine

war, weil dauernd irgendwelche

Nationalspieler zu

irgendwelchen Turnieren

abgestellt werden mussten,

bis in diese Spiele hinein.

Am Sonntag konnten

die Berliner gegen Rottenburg

ein bisschen probieren,

Angriffskombinationen

etwa. „Manches geht

da noch in die Hose“, beobachtete

Manager Kaweh

Niroomand. Dennoch gewann der

deutsche Meister gegen die Schwaben

mit 3:0 (25:16, 25:21, 25:19). „Es

war eine gute Leistung, ein konzentriertes

Spiel, das Ergebnis stimmt“,

fasste Niroomand den fünften Sieg

im fünften Pflichtspiel zusammen.

Weil der Kern des Teams sich aus

dem Vorjahr kennt, klappt vieles

schon ordentlich. Neue Spieler, wie

Außenangreifer Cody Kessel, der aus

Punktesammler:

Cody Kessel.

Lüneburgnach Berlin gewechselt ist

und Angriffspartner Benjamin Patch

in Sachen Sprunghöhe kaum nachsteht,

finden schnell ins Team. Der

US-Amerikaner war mit 14 Zählern

erfolgreichster Berliner Punktesammler.

Nachdem die BR Volleys

bei einer Aufschlagserie

von Kapitän Moritz Reichert

acht Punkte in Folge

DPA/SINA SCHULDT

verbuchten, verwandelte

Kessel den ersten Satzball,

am Schluss lag seine Angriffsquote

bei 71 Prozent.

Ob die Ligaspiele, die

am Mittwoch gegen Eltmann

weitergehen, eine

Art Warmspielen für die

Champions-League-Partien

gegen Russlands Meister Kemerovo,

Fakel Novi Urengoi und Sloweniens

Meister Ach Volleys Ljubljana

im Dezember sind?„Das so zu sehen,

macht für Außenstehende Sinn“,

meint Kessel. „Ich als Wettkämpfer

muss in jedem Moment, jedem Spiel

präsent sein. Aber natürlich freue ich

mich darauf, gegen die Besten der

Besten anzutreten. Denn ich liebe es,

guten Volleyball zu spielen.“ (kah.)

Wiezu

besten

Zeiten

Gladbach erobert wieder

die Tabellenführung

Nach spektakulären 90 Minuten

fingen die ersten Gladbacher

Fans an zu träumen. „Deutscher

Meister wird nur der VfL“, schallten

die Rufe nach dem 4:2 (2:0) gegen

Eintracht Frankfurt durch den Borussia

Park.Zaghaft zwar,aber deutlich

vernehmbar. Die Gladbacher

Spieler feierten vor der Nordkurve.

Trainer Marco Rose umarmte lachend

seine Schützlinge: Nach dem

fünften Sieg aus den vergangenen

sechs Spielen thront Gladbach weiter

an der Tabellenspitze der Bundesliga.

Ein Punkt vor Bayern München:

Eine Situation, die an die besten

Zeiten der Fohlen in den 1970er

Jahren erinnert.

„Spitzenreiter klingt nicht

schlecht, es ist aber noch früh in der

Saison“, sagte Rose:„Es war eine sehr

gute erste Halbzeit, wir haben heute

verdient gewonnen. Wir haben weiter

versucht, Druck aufzubauen und

sind weiter mutig auf das Torgegangen.“

Marcus Thuram (28.), Oscar

Wendt (45.+2), Nico Elvedi (75.) und

Denis Zakaria (85.) erzielten die Treffer

des fünfmaligen deutschen Meisters.

Die Frankfurter liegen trotz der

zwischenzeitlichen Anschlusstore

vonDanny da Costa (59.) und Martin

Jubelformation: Torschütze Denis Zakaria

(l.) wird beglückwünscht. DPA/M. BECKER

Hinteregger (79.) mit fünf Zählern

Rückstand auf Rang neun. „Wir sind

zwar immer wieder rangekommen,

aber am Ende hat man die Klasse der

Gladbacher bei den Kontern gesehen.

Das ist schon eine sehr gute

Mannschaft“, sagte Frankfurts Dominik

Kohr.

Obwohl beide Teams am Donnerstag

in der Europa League im Einsatz

waren, entwickelte sich vor

52 300 Zuschauern ein intensives

Kampfspiel mit Vorteilen für die

Gastgeber. Frankfurt fehlte es in der

Offensive ohne die verletzten Stürmer

Andre Silva und Bas Dost an

Durchschlagskraft, während Gladbach

immer mehr die spielerische

Linie fand. Den schönsten Angriff

über Laszlo Benes und Breel Embolo

veredelte Thuram mit seinem vierten

Saisontreffer.

Das Rose-Team blieb nach der

Führung am Drücker, auch wenn

Vorlagengeber Embolo verletzt vom

Platz musste (35.). DerfrühereSchalker

wurde durch Kapitän Lars Stindl

ersetzt. Als die Frankfurter gedanklich

schon in der Kabine waren, legte

die Borussia nach. Nach einem Zweikampf

zwischen Thuram und da

Costa fielWendt der Ball vordie Füße

und der Schwede ließ Torhüter Frederik

Rönnowkeine Abwehrchance.

Nach der Halbzeit intensivierten

die Gäste ihre Angriffsbemühungen

und wurden schnell belohnt. Nachdem

Wendt eine Flanke unterlaufen

hatte, bediente Daichi Kamada da

Costa, der aus kurzer Distanz traf.

DieGladbacher waren nach dem Gegentreffer

angezählt und verloren

ihreOrdnung. Frankfurterhöhte den

Druck. Kamada vergab binnen kurzerZeit

drei Chancen zum Ausgleich

(66./67./68.), die Gladbacher sorgten

kaum noch für Entlastung – dann

traf Elvedi per Kopf. Wenig später

brachte Hinteregger sein Team

ebenfalls per Kopf noch mal heran,

ehe Zakaria alles klar machte. (sid)


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 19 *

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Sport

SC Freiburg

BUNDESLIGA

SC Paderborn

Fortgeschrittenes

Jokertum

Wie jemand zum Joker

wird, ist ein Thema,

das durch den neuen Hollywood-Film

über Batmans

Gegenspieler gerade wieder

an Aktualität gewann. Im

Fußball ist die Frage leicht zu

beantworten. Entweder

jemand beherrscht

die Kunst

des Toreschießens

ganz vorzüglich,

spielt aber bei so

guten Klubs, dass

er trotzdem gelegentlich

auf der Reservebank

landet.

Das gilt für Leute

wie Franck Ribéry

(15 Jokertore inder Bundesliga),

Robert Lewandowski

(16) und lange Zeit Claudio

Pizarro(21).

Oder er wird langsam alt

und hat nicht mehr die Luft

für diese hektischen Anfangsphasen,

wenn alle wie

dieVerrückten über den Platz

rennen (Ribéry, Pizarro).

Oder er ist gut, aber nicht so

gut, dass ihn die Trainer ständig

auf dem Spielfeld sehen

wollen. Das Schicksal von

Alexander Zickler (18) und

Nils Petersen, der seit dem

Gerade schwer angesagt:

Joker. DPA

späten Treffer beim 2:1 seines

SC Freiburg gegen den

RB Leipzig mit 22 Jokertoren

alleiniger Rekordhalter ist.

Das fortgeschrittene Jokertum

ist eine bittersüße Situation

für den Spieler, aber

eine segensreiche

Option für die Trainer,

die das jedoch

nicht immer erkennen,

sonst

hätte Joachim Löw

Petersen ja mit zur

WM genommen.

Der Stürmer hat in

Freiburg mehrfach

rebelliert gegen

seine ungeliebte

Paraderolle,doch vergeblich,

zuletzt hatte er seinen Platz

vom Saisonbeginn in der

Startformation wieder verloren.

Es ist abzusehen, dass der

30-Jährige auch künftig Gelegenheit

bekommen wird,

Pizarro weiter abzuhängen,

in Sachen Effizienz ist er ihm

ohnehin deutlich voraus.Der

41-jährige Peruaner

brauchte 158 Einwechslungen

für seine 21 Treffer, Petersen

für den Rekordgerade

mal 74. (mali.)

Verein Sp S U N Tore Punkte

1 M'gladbach 9 6 1 2 19: 9 19

2 München 9 5 3 1 24: 11 18

3 SC Freiburg 9 5 2 2 17: 10 17

4 VfL Wolfsburg 9 4 5 0 11: 5 17

5 Bor.Dortmund 9 4 4 1 20: 11 16

6 RB Leipzig 9 4 3 2 17: 10 15

7 FC Schalke04 9 4 3 2 14: 9 15

8 Leverkusen 9 4 3 2 14: 13 15

9 Eintr.Frankfurt 9 4 2 3 16: 14 14

10 Hoffenheim 9 4 2 3 11: 13 14

11 Hertha BSC 9 3 2 4 15: 16 11

12 SV Werder Bremen 9 2 4 3 15: 19 10

13 Mainz 05 9 3 0 6 10: 19 9

14 Düsseldorf 9 2 1 6 10: 16 7

15 Union Berlin 9 2 1 6 9: 15 7

16 1. FC Köln 9 2 1 6 9: 19 7

17 FC Augsburg 9 1 4 4 10: 21 7

18 SC Paderborn 9 1 1 7 11: 22 4

10. Spieltag,1.bis 3. November:

Hoffenheim -Paderborn Fr.,20.30

Dortmund -Wolfsburg Sa., 15.30

Leipzig -Mainz Sa., 15.30

Leverkusen -M’gladbach Sa., 15.30

Frankfurt-BayernMünchen Sa., 15.30

Bremen -Freiburg Sa., 15.30

1. FC Union -Hertha BSC Sa., 18.30

Düsseldorf -Köln So., 15.30

FC Augsburg -FCSchalke So., 18.00

Torjäger

13 Tore: Lewandowski (Bayern München)

6Tore:Werner (RB Leipzig)

5Tore: Alcácer (Borussia Dortmund),

Hennings (Fortuna Düsseldorf),

Paciencia (Eintracht Frankfurt),

Reus (Borussia Dortmund),

Weghorst (VfL Wolfsburg)

Selten hat es sich bei einem

Fußballer so gelohnt,

Worte auf die Goldwaage

zu legen wie bei Abdelhamid

Sabiri. Der hat für

den SC Paderborngegen Fortuna

Düsseldorf einen sehenswerten

Treffer erzielt. Er

beförderte den Ball aus 22

Metern Entfernung in den

linken Winkel des gegnerischen

Tors,von wo aus dieser

hinter die Linie plumpste.

Auf ebenjenes 1:0 folgte das

2:0 und darauf Sabiris Fazit:

„So kann man in der Liga

bleiben – wenn man aus

Scheiße Gold macht.“

Der 22Jahre alte Mittelfeldspieler

mit marokkanischen

Wurzeln ist im Sommer

ablösefrei aus Huddersfield

gekommen, wo er in

zwei Spielzeiten nur 13 Einsätze

und daher nicht die

Chance hatte,die Investition

von1,5 Millionen Euro,überwiesen

an den 1. FC Nürnberg,

zu rechtfertigen.

Dasmit den Exkrementen

hat Sabiri selbst gesagt, aber

tatsächlich deutet sich jetzt

an, dass er für den SC Paderborn

sehr wertvoll werden

kann. Jedenfalls haben die

Westfalen nach acht mehr

oder weniger frustrierenden

Jede Menge

Kohle

Alle Mann sind hinter Abdel

hamid Sabiri (r.) her.

GETTY

Saisonspielen erstmals erleben

dürfen, wie sich ein Sieg

anfühlt. Zwar ist es mit dieser

Art Empfindung an diesem

Dienstag vielleicht schon

wieder vorbei, wenn der SC

PaderbornimDFB-Pokal gegen

Bayer Leverkusen antreten

muss,aber in den nächsten

beiden Bundesligapartien

warten zwei Nachbarn

aus dem Tabellenkeller:

Augsburgund Union Berlin.

Womit die Waage und so

weiter ins Spiel kommen.

Klärschlamm wirdzuBiobriketts

verarbeitet. Kacke zu

Kohle –wie das zu Paderborn

passt, kann sich jetzt jeder

selbst überlegen. (cs.)

SV Werder

Ein Spiel und

zwei Evergreens

Fußballprofi trifft auf sein

ehemaliges Team –das ist

ein Evergreen im deutschen

Fußballjournalismus. Doch

selten traf ein Fußballprofi

derart auf sein ehemaliges

Team wie Ömer Toprak, dem

am Ende der Partie seiner

Bremer in Leverkusen sogar

die Nase blutete.

„Ich lag auf dem Boden,

ich blute. Bis auf Peter Bosz,

sein Trainerteam und die

Ärzte hat keiner was gesagt.

Leider gab es nicht so schöne

Worte von der Bank, das hat

mir nicht gefallen“, sagte der

30-Jährige nach dem 2:2 (1:1)

gegen jenen Klub, für den er

Autsch: Ömer Toprak geht in die Knie.

sechs Jahre lang gespielt

hatte. Nach einem Zusammenprall

kurz vor Schluss

mit Bayers Stürmer Lukas

Alario war Werders Abwehrmann

von Leverkusener Ersatzspielern

offenbar beleidigt

worden. Unddann hatte

Toprak noch die Hand des

Kontrahenten am Ball gesehen,

ohne eine Reaktion des

Referees darauf zu sehen.

Schon in der 4. Minute

hatte Toprak eine Schlüsselrolle.Bayer

führte einen Eckball

aus,danahm das Schicksal

seinen Lauf. Fußballprofi

trifft ins eigene Tor, wieder so

ein Evergreen. (cs.)

IMAGO IMAGES

Wolfsburg verpasst Sprung an die Spitze

DPA/STEFFEN

Der Wolfsburger Marcel Tisserand handelt bei

diesem Kopfball nach dem Motto: schön, aber

selten – und vor allem ohne Effekt. Der VfL

Wolfsburgverpasste den Sprung an dieTabellenspitze

der Fußball-Bundesliga. Die Niedersachsen

blieben am Sonntag zwar auch gegen den FC

Augsburgunbesiegt, kamen gegen den Abstiegskandidaten

aber nicht über ein 0:0 hinaus. Drei

Tage nach dem 2:2 in der Europa League bei KAA

Gent in Belgien zeigte der VfL vor 22630 Zuschauern

eine insgesamt schwache Leistung

und gab nach dem 1:1 gegen Paderborn erneut

gegen eine Mannschaft aus den Tiefen der Tabelle

unnötigerweise Punkte ab.

FSV Mainz 05

Aus der Rumpelkammer

der Regelkunde

Den Nobelpreis für Mathematik

wird Sandro

Schwarz so bald nicht bekommen.

Zumindest wenn

dafür gewisse Geometriekenntnisse

vorausgesetzt

werden. Sein Verteidiger

Moussa Niakhaté habe nicht

die Körperfläche vergrößert

in jener Szene, als die gesamte

Fußballwelt, allen

voran die vom gegnerischen

1. FC Köln, einen Handelfmeter

erwartete, behauptete

der Trainer von Mainz 05

nach dem 3:1-Sieg seines

Teams.

Bei einem weit ausgestreckten

linken Arm, der die

Flanke von Kingsley Schindler

stoppte, ist dies eine

kühne These, die möglicherweise

erklärt, warum die

Raumaufteilung der Mainzer

Mannschaft gelegentlich zu

denken gibt. Die Kölner jedenfalls

waren fuchsteufelswild,

weil es zum Zeitpunkt

der Untat nur 1:2 stand und

weil auch die zweite

Schwarz-These, eshabe sich

um keine unnatürliche

Handbewegung gehandelt,

eher der Rumpelkammer der

Regelkunde entstammt.

Verblüffend indes, dass

Schiedsrichter Frank Willenborg

zumindest im Ergebnis

den Theorien des Mainzer

Coaches entsprach und partout

nicht auf den Elfmeterpunkt

zeigen mochte, auch

dann nicht, als ihn die Kölner

Zentrale zur Vermeidung offenkundig

unsinniger Entscheidungen

zwecks Begutachtung

der Szene zum Fernsehschirm

beordert hatte.

Selbst die Videobilder konnten

der Sinnestäuschung, die

den Schiedsrichter befallen

hatte,nichts anhaben.

Im Roman „Der Unsichtbare“

von H.G.Wells ist die

Hauptfigur bemüht, durch

das geschickte Drapieren

von Kleidungsstücken seine

ansonsten dem Auge entzogenen

Körperteile und Extremitäten

sichtbar zu machen.

Dem Mainzer Moussa

Niakhaté ist bei Frank Willenborg

offenbar das Gegenteil

gelungen. (mali.)

NEUNTER SPIELTAG

2:1 (1:0)

BAYERN–1. FC UNION

2:2 (1:1)

LEVERKUSEN– BREMEN

2:3 (0:2)

HERTHA–HOFFENHEIM

4:2 (2:0)

GLADBACH–FRANKFURT

3:1 (1:1)

MAINZ–KÖLN

2:1 (1:0)

FREIBURG–LEIPZIG

0:0

SCHALKE–DORTMUND

2:0 (1:0)

PADERBORN–DÜSSELDORF

0:0

WOLFSBURG–AUGSBURG

Bayern München: Neuer -Kimmich,

Pavard, Boateng,Davies -

Thiago-Müller,Philippe Coutinho

(86. Goretzka) -Coman

(65. Gnabry), Lewandowski, Perisic

(76. Tolisso)

1. FC Union: Gikiewicz -Trimmel,

M. Friedrich, Subotic, C. Lenz -

Kroos (60. Becker), Andrich -

Ingvartsen (66. Ujah), Gentner,

Bülter -Andersson (66. Polter)

Schiedsrichter:Fritz

Zuschauer:75000

Tore: 1:0 Pavard (13.), 2:0 Lewandowski

(53.), 2:1 Polter

(86./Foulelfmeter)

Gelbe Karten: -/Andrich (4)

BayerLeverkusen: Hradecky -

Tah, S. Bender (24. Dragovic), L.

Bender -Baumgartlinger (89.

Pohjanpalo), Demirbay(62.

Paulinho) -Bellarabi,Amiri,Weiser

-K.Volland, Alario

Werder Bremen: Pavlenka -Gebre

Selassie, Toprak, Groß,

Friedl -M.Eggestein, N. Sahin,

Bittencourt(90.+1 Bargfrede),

Klaassen -Sargent (86. J. Eggestein),

Rashica (80. Goller)

Schiedsrichter:Petersen

Zuschauer:30210

Tore: 1:0 Toprak (4./Eigentor),

1:1 Rashica (40.), 1:2 Klaassen

(48.), 2:2 Alario (58.)

Gelbe Karten: L. Bender (1),

Alario (2) /Klaassen (2)

Hertha BSC: Jarstein -Klünter,

Boyata (64. Kalou), Rekik, Plattenhardt

-Skjelbred, Grujic (46.

Duda) -M.Wolf, Darida, Lukebakio

-Ibisevic (82. Selke)

1899 Hoffenheim: Baumann -

Akpoguma, Vogt (61. Bicakcic),

B. Hübner -Kaderabek, Rudy,

Grillitsch, L. Rupp (72. Adamjan),

Skov -Locadia (61. Bebou),

Kramaric

SR: Schmidt -ZS: 44 499

Tore: 0:1 Locadia (33.), 0:2 Kramaric

(38.), 1:2 Lukebakio

(55.), 2:2 Kalou (69.), 2:3 B.

Hübner (79.)

GK: Ibisevic (3) /Rudy(3), Kaderabek

(1), Baumann (1)

GRK: Darida (84.)

Mönchengladbach: Sommer -

Lainer,Jantschke(46. Beyer),

Elvedi, Wendt -Zakaria -Benes,

Neuhaus -Herrmann (82. Hofmann),

Embolo (35. Stindl),

Thuram

Frankfurt: Rönnow-Abraham,

Hasebe, Hinteregger -daCosta,

Sow, Fernandes (83. Joveljic),

Kostic (79. Chandler) -Rode

(46. Kohr) -Kamada, Paciencia.

SR: D. Schlager (Hügelsheim)

Zuschauer:52300

Tore: 1:0 Thuram (28.), 2:0

Wendt (45.+2), 2:1 da Costa

(59.), 3:1 Elvedi (75.), 3:2 Hinteregger

(79.), 4:2 Zakaria (85.)

Gelbe Karten: Neuhaus (3) -

Abraham

FSV Mainz: Zentner -Brosinski

(73. Latza), St. Juste, Niakhaté,

Martín -Kunde Malong -R.

Baku, Öztunali (84. Hack) -

Boetius -Szalai, Quaison (78.

Onisiwo)

1. FC Köln: Horn-Ehizibue (58.

Schmitz), Bornauw,Czichos,

Katterbach (81. Modeste) -

Skhiri, Hector -Schindler (65.

Cordoba), Schaub,Kainz -Terodde

Schiedsrichter:Willenborg

Zuschauer:31999

Tore: 0:1 Terodde (14.), 1:1

Boetius (21.), 2:1 Quaison

(57.), 3:1 Öztunali (82.)

GK: Kunde Malong (3), Niakhaté

(5) /Bornauw (1), Hector (3)

SC Freiburg: Flekken -Lienhart,

R. Koch, Heintz -Schmid, Tempelmann

(34. Grifo), Höfler (67.

N. Schlotterbeck), Günter -Haberer,Höler

-L.Waldschmidt

(30. Petersen)

RB Leipzig: Gulacsi -Klostermann,

Upamecano, Orban, Halstenberg

-Haidara, Demme -

Sabitzer (56. Nkunku), Forsberg

(60. Poulsen) -Werner (70. Matheus

Cunha), Lookman

Schiedsrichter:Osmers

Zuschauer:24000

Tore: 1:0 Höfler (45.+2), 2:0 Petersen

(90.), 2:1 Klostermann

(90.+2)

GK: Höfler (3), Haberer (1),

Grifo (1) /Upamecano (1)

FC Schalke04: Nübel -Kenny,

Stambouli, Salif Sané, Oczipka -

Mascarell -D.Caligiuri (84.

Schöpf), Serdar -Harit -Burgstaller

(90.+1 Kabak), Matondo

(80. Kutucu)

Borussia Dortmund: Hitz -Piszczek,Weigl,

Hummels, Guerreiro -

Witsel, Delaney(74. Akanji) -

Sancho, Reus, Hakimi (86.

Brandt) -M.Götze (58. T. Hazard)

Schiedsrichter:Brych

Zuschauer:62271

Gelbe Karten: Stambouli (2),

Salif Sané (3), Kutucu (1) /

Weigl (2), T. Hazard (1)

SC Paderborn: Zingerle -Dräger,

Kilian, Schonlau, Collins -Gjasula

(78. Michel) -Pröger,Vasiliadis,

Sabiri, Holtmann (61. Mamba) -

Zolinski (64.Antwi-Adjej)

Fortuna Düsseldorf: Z. Steffen -

Ayhan, A. Hoffmann (65. Morales),

Adams Nuhu -J.Zimmer

(75. Ampomah), Mat. Zimmermann,

Bodzek, Gießelmann -

Kownacki, Tekpetey(66.

Thommy) -Hennings

SR: Dankert-ZS: 14 182

Tore: 1:0 Sabiri (43.), 2:0

Schonlau (64.)

GK: Sabiri (1), Gjasula (5), Zolinski

(1), Dräger (1), Kilian (1)

/Zimmermann (3), Kownacki

(2), J. Zimmer (1), Morales (3)

VfL Wolfsburg: Pervan -Tisserand,

Bruma, Brooks -William,

Guilavogui, Gerhardt (83. Arnold),

Roussillon -Klaus (60.

Victor), Brekalo (71. Nmecha) -

Weghorst

FC Augsburg: Koubek -Lichtsteiner,Jedvaj,

Uduokhai, Max -R.

Khedira, Baier (83. Gouweleeuw)

-M.Richter,Niederlechner,Vargas

(71. Iago) -Finnbogason

(77. Cordova)

Schiedsrichter:Stieler (Hamburg)

Zuschauer:22630


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 – S eite 20 *

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Sport

Rafal Gikiewicz klärtper Faustabwehr,bringt damit aber Benjamin Pavard (nicht im Bild) ins Spiel, der zum 1:0 für die Bayerntrifft.

IMAGO IMAGES/MATTHIAS KOCH

Alles relativ

Nach dem 1:2 beim FC Bayern ist Union-Coach Urs Fischer einerseits stolz auf sein Team, hadert andererseits mit der vergebenen Chance auf einen späten Ausgleich

VonMarkus Lotter,München

Zeit ist auch im Fußball relativ.

Eskommt eben darauf

an, wie sinnvoll man sie

nutzt. So in etwa geht die

Relativitätstheorie, die der Schweizer

Sportwissenschaftler UrsFischer

im Nachgang der Bundesligapartie

zwischen dem FC Bayern und dem

1. FC Union in den Raum warf, wobei

es sich bei diesem Raum ganz konkret

um den Presseraum in der Münchner

Arena handelte.

Fischer war dorthin als Verlierer

gekommen, ohne sich so fühlen zu

müssen, weil seine Mannschaft beim

1:2 (0:1) gegen den deutschen Rekordmeister

erneut ihre Wettbewerbsfähigkeit

auf höchstem nationalen

Niveau unter Beweis gestellt

hatte.Aber eines ärgerte den Fußballlehrer

dann doch sehr,nämlich die in

der Schlussphase verspielte Chance

auf ein Remis.„Zehn Minuten sind im

Fußball eine lange Zeit, um noch einen

Ein-Tore-Rückstand wettzumachen“,

sagte der 53-Jährige. Aber:

„Das war mir zu hektisch. Da

brauchst du mehr Geduld, mehr Cleverness.Aber

schlussendlich war das

eine tolle Leistung meiner Mannschaft,

auf die ich richtig stolz bin.Wir

haben alles abgerufen und den Bayern

essoschwer wie nur irgendwie

möglich gemacht.“ Und eswar ja in

der Tatso, dass Union nach dem Anschlusstreffer,den

Sebastian Polter in

der 86. Minute durch einen von ihm

gezogenen und selbst verwandelten

Strafstoß erwirkt hatte, dem 2:2 so

nahe war wie die erneut doch ziemlich

wackligen Münchner dem 3:1.

Einzuhastiger Gikiewicz

Wenig später ging Fischer auch noch

ins Detail. In diesen zehn Minuten,

die nachVerrechnung der vierminütigen

Nachspielzeit letztlich dann doch

nur acht waren, habe insbesondere

Keeper Rafal Gikiewicz die Präzision

und das richtige Timing bei der Spieleröffnung

gefehlt. „Lass die Jungs,

bevor du den langen Ball schlägst,

aufrücken, formier dich, damit du

dann auch für den zweiten Ball bereit

bist“, sagte Fischer. Was Gikiewicz,

der mit zahlreichen Paraden erst die

Voraussetzung für Fischers Ansatz einer

Relativität der Zeit im Fußball geschaffen

hatte, freilich im Hinblick

auf das am Dienstagabend ausgetragene

Zweitrundenspiel im DFB-Pokal

beim SC Freiburg als Handlungshinweis

verstehen durfte.

Wenige Minuten vor Fischer war

auch der bereits erwähnte Polter als

Antwortgeber in der Mixed Zone auf

den Schlussakt dieses intensiven und

dadurch auch sehr kurzweiligen

Spiels eingegangen. Der Stürmer beklagte

dabei die Unentschlossenheit

„Schlussendlich war das eine tolle Leistung

meiner Mannschaft, auf die ich richtig

stolz bin. Wir haben alles abgerufen und den

Bayern es so schwer wie nur irgendwie

möglich gemacht.“

Urs Fischer weiß, dass eine Niederlage nicht

gleich eine Niederlage ist.

von Sheraldo Becker, der in der 70.

Minute mit einer unbrauchbaren Mischung

aus Torschuss und Querpass

einen aussichtsreichen Konter verspielte.„Sheraldo

muss dabei meiner

Meinung nach mit direktem Zug auf

dasTorgehen und ihn selber machen.

Oder eben den Ball besser quer spielen.

Dasweiß er auch, da wir im Training

schon öfter darüber gesprochen

haben“, sagte Polter,umnoch schnell

im Sinne des Kabinenfriedens dies

hier anzufügen:„Ich will ihn aber jetzt

nicht damit anmahnen, wirklich

nicht. Wir alle hätten in der einen

oder anderen Szene einfach ruhiger

spielen müssen. Ja, mit ein bisschen

mehr Cleverness und mit ein bisschen

Matchglück wäre hier heute

mehr zu holen gewesen.“

Implizit bleibt nach diesem forschen

Auftritt der Unioner in der

Münchner Arena festzuhalten, dass

Fischers Lehreund sein Personalmanagement

auch in der Bundesliga offensichtlich

die gewünschte Wirkung

nach sich zieht. So setzte er in München

je nach Lesart auf ein 4-2-3-1

beziehungsweise 4-3-3-System, in

dem er durch die Hereinnahme von

Felix Kroos das Zentrum stärkte und

damit den Spielraum von Coutinho

und Thomas Müller einschränkte.

Kroos, der dabei an der Seite von

Christian Gentner und dem erneut

sehr präsenten Robert Andrich jede

Menge Fleißarbeit verrichtete,bekam

dann auch auf Nachfrage ein Sonderlob

vonFischer.„Felix hat das sehr gut

gemacht. Er hat auch schon vergangene

Woche nach seiner Einwechslung

gezeigt, dass er für einen Startelfeinsatz

bereit ist.“

Zudem ist Fischers Coaching auch

von jeder Menge Mut gekennzeichnet.

Nachdem Robert Lewandowski

in der 53. Minute aus dem Zufall heraus

das 2:0 erzielt und Sebastian Andersson

einen von Ivan Perisic (65.)

verursachten Handelfmeter verschossen

hatte, gab er sich nicht verzagt,

sondernsetzte mit Doppel-Einwechslung

von Polter und Anthony

Ujah (67.) sowie einer Systemumstellung

auf ein 4-4-2 ein offensives Zeichen.

Lasst Euch nicht schrecken,

auch in München sind wir trotz des

negativen Spielverlaufs noch zu allem

fähig, sollte dies seinem Team bedeuten.

Fischer weiß: Nicht nur die Zeit

ist im Fußball relativ, sondern auch

hin und wieder die Größe des Klubs.

Verwandle Frust in Energie

Hertha BSC verliert erneut ein Schlüsselspiel, geht nach dem 2:3 gegen Hoffenheim angesichts der gestiegenen spielerischen Qualität aber zuversichtlich in die Highlight-Woche

VonSebastian Schmitt

Wer nur hinhörte, hätte meinen

können, dass Hertha BSC das

Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim

gewonnen hat. Lautstark und

mit Sprechchören honorierte die

Ostkurve, inder die treusten blauweißen

Fans im Olympiastadion stehen,

die Leistung ihres Teams nach

der 2:3 (0:2)-Niederlage. Zum einen

quittierten die Anhänger die kämpferische

Leistung ihrer Mannschaft,

die sich nach einem 0:2-Pausenrückstand

nicht vonihrem Weghatte abbringen

lassen und mit einem sehenswerten

Fallrückzieher vonDodi

Lukebakio eine spektakuläre, letztlich

aber erfolglose Aufholjagd einleitete.

Zum anderen war der Zuspruch

auch ein symbolischer

Schulterschluss der Fans mit ihrer Elf

vor zwei besonderen Spielen in dieser

Woche.

Die Botschaft schien jedenfalls

bei den Spielern angekommen zu

sein. „Wir haben das Mini-Derbyam

Mittwoch und das Derby amWochenende.

Für die Fans ist es eine

großartige Woche –wenn wir gewinnen“,

sagte Salomon Kalou vor der

zweiten Runde im Pokal gegen

Zweitligist Dynamo Dresden und

dem Derby beim 1. FC Union am

Sonnabend. „Wir wissen, wie viel

dieses Spiel den Fans bedeutet.

Wenn wir zeigen wollen, dass es in

Berlin nur ein Team gibt, müssen wir

bereit für das Wochenende sein.“

Mehr Qualität im Angriff

Es mag vielleicht auch an den beiden

unmittelbar anstehenden Aufgaben

liegen, dass die Enttäuschung der

Profis darüber, wieder einmal ein

Schlüsselspiel nicht gewonnen zu

haben und im Tabellenmittelfeld

steckengeblieben zu sein, sich in

Grenzen hielt. Gleichzeitig dürfte

aber auch die eigene Leistung dafür

verantwortlich gewesen sein. Denn

anders als in denVorjahren, in denen

Hertha regelmäßig zum großen

Sprung ansetzte und die Grenzen

Dodi Lukebakio zeigt sein Können und trifft per Fallrückzieher zum 1:2.

aufgezeigt bekam, waren die Berliner

diesmal alles andere als chancenlos.Allein

in den ersten zehn Minuten

wirbelten die Blau-Weißen

mit dem Selbstvertrauen von vier

ungeschlagenen Spielen die sonst so

kompakt stehenden Hoffenheimer

ordentlich durcheinander. Erst verpasste

Marius Wolf eine Hereingabe

vonKarim Rekik nur um Zentimeter,

BERND KÖNIG

bevor Kapitän Vedad Ibisevic den

Ball aus dem Fünfmeterraum an den

Pfosten bugsierte. „Es war ein verrücktes

Spiel“, resümierte entsprechend

Hoffenheims Trainer Alfred

Schreuder.„Wirsind ein sehr glücklicher

Sieger.“

Daslag vorallem daran, dass Hertha

sich bei allen drei Gegentoren individuelle

Fehler leistete. Beim 0:1

(33.) vonJürgen Locadia wurde Passgeber

Florian Grillitsch weder von

Marko Grujic noch von Dedryck

Boyata gestoppt. Das zweite und

dritte Tor fingen sich die Berliner

nach Eckbällen ein, nachdem zuerst

Per Skjelbred Andrej Kramaric (38.)

und später Karim Rekik Benjamin

Hübner (78.) aus den Augen verlor.

„Nach zwei Standardgegentoren ist

es schwer, noch einen Punkt mitzunehmen“,

konstatierte Ante Covic

die Konsequenz aus den unnötigen

Gegentreffern.

Dennoch probierte es Herthas

Cheftrainer nach der Pause, stellte

auf Dreierkette und Doppelspitze

um, indem er Ondrej Duda und Kalou

für Grujic und Boyata einwechselte.

Der Belgier lief mit bandagiertem

rechten Oberschenkel durch die

Katakomben und droht zumindest

für die kommenden Aufgaben wegen

Leistenproblemen auszufallen.

Mut und Hoffnung, dass für Hertha

diese Saison mehr drin ist als

Mittelmaß, macht –neben der gezeigten

Moral nach den beiden Nackenschlägen

–die gestiegene Qualität

im Angriff durch dieVerpflichtungen

von BVB-Leihgabe Wolf und Rekordtransfer

Lukebakio. Das Duo

zeigte gegen die TSG, dass sie die Fähigkeiten

besitzen, in der Bundesliga

jedem Gegner wehzutun. „Ich bin

guter Dinge,dass wir beide Spiele gewinnen,

wenn wir so spielen wie in

der zweiten Halbzeit“, sagte dann

auch Wolf mit Blick auf diese Woche.

Dazu ist der Kader in der Breite

besser als in der Vergangenheit, was

der zuletzt nicht berücksichtigte Kalou

bewies, als er nach Lukebakios

artistischem Anschlusstreffer seinen

Reservistenfrust bei seinem Torzum

2:2 in Energie umwandelte (69.).

Eine ähnliche Transformation

verlangt Manager Michael Preetz für

das Spiel im aller Voraussicht nach

ausverkauften Olympiastadion gegen

Dynamo. „Ich erwarte, dass wir

das Spiel gewinnen, dass wir uns das

zurückholen, was wir heute liegengelassen

haben.“


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

PetraKohse empfiehlt,

den 77. Geburstag von

Ginka Steinwachs zu

feiern–Seite 24/25

„Im klassischen Western ist die Zeit stehen geblieben …“

Irene Bazinger über „Die 5glorreichen Sieben“ in der Bar jeder Vernunft Seite 23

1989/2019

Null Wirkung

im Westen

Cornelia Geißler

hörtAutoren

vondamals zu

Was habt ihr damals gelesen?,

fragt Birgit Dahlke die drei

Schriftsteller neben sich. Die Literaturwissenschaftlerin

kennt sie gut,

denn sie hat über die inoffizielle Literatur

aus der DDR promoviert.

„Diensthunde richtig führen“, nennt

Katja Lange-Müller als Beispiel.

Klingt ulkig, entspricht aber der

Wahrheit, weil sie als Schriftsetzer

natürlich die Manuskripte kennen

musste, die sie zum Druck brachte.

Ihr eigenes Schreiben sei auch aus

Notwehr gegen das entstanden, was

sie im Osten lesen musste.

„Widerständiges Schreiben im

geteilten Berlin“ heißt das Nachmittagsthema

am Sonnabend innerhalb

eines lehrreichen Schwerpunkts zu

1989/2019 im Literaturforum im

Brecht-Haus.Birgit Dahlke,die an der

Humboldt-Universität arbeitet, ist es

zu danken, dass auch Nachgeborene

im Publikum sitzen und nicht nur alte

Leute sich die Erzählungen alter

Leute anhören. Die hier Schreibende

weiß: Werdie Achtziger bewusst erlebte,ist

heute nicht mehr jung.

Jan Faktor und Bert Papenfuß, in

der (Ost-)Runde neben Lange-Müller,sprechen

darüber,dass sie Öffentlichkeit

fast nur durch dieWohnungs-

Lesungen in Prenzlauer Berg erreichten.

In der West-Autoren-Runde stellt

Michael Wildenhain den Hauptunterschied

zwischen den beiden Podien

klar: „Bei uns konnte man

schreiben, was man wollte, und es

hatte null Wirkung“, sagte er. Tanja

Dückers erzählt, auf ihrem Gymnasium

in Grunewald „die aus Wilmersdorf“

gewesen zu sein. Das hatte vor

der Gentrifizierung des Westens einen

ärmlichen Beiklang. Die Ostberliner,

sagt sie, seien ihr nie so fremd

gewesen wie die Bayern, zudenen

früher die Familienurlaube führten.

Da meldet sich Katja Lange-Müller

aus dem Publikum. Sie war 1984

ausgereist und erinnert daran, dass

in West-Berlin alle so taten, als kämen

sie aus Hannover. Die Mauer

war auch eine Sprachgrenze. Und

heute? Das Berlinische stirbt aus.

Aber das ist eine andereGeschichte.

Das große Ausmisten

Der 4. Berliner Herbstsalon will Zugehörigkeit ohne Hierarchien und Ausschlüsse denken

VonAnna Gyapjas

Das noble Unterfangen,

Zugehörigkeit neu zu

denken, beginnt mit einer

Erklärung der Frauenverteidigung

aus Rojava: „Stoppt

den türkischen Besatzungskrieg gegen

Nordostsyrien sofort.“ Verlesen

von der Theaterschaffenden Anina

Jendreyko auf der Bühne des Gorki-

Theaters und annekdotisch ergänzt

vonHito Steyerl, Heja Netirkund Bilgin

Ayata, ersetzt die Intervention

„Frauen für Rojava“ die Eröffnungsrede

zum Auftakt des vierten Berliner

Herbstsalons.

Seit 2013 widmet sich das interdisziplinäreFestival

neuen Ideen der

Gemeinsamkeit jenseits tradierter

Hierarchien. Die Intervention verdeutlicht,

welch Privileg es ist, diesen

Diskurs im friedlichen Berlin zu führen,

aber auch, welche Dringlichkeit

ihm innewohnt: Ausgrenzung, Vertreibung

und Auslöschung sind die

Folgen eines Heimatbegriffs, der

nicht alle einzuschließen vermag.

Wo die Mittel der Politik solche Ungleichheit

nicht zu korrigieren vermögen,

verpflichtet dieses Privileg

Kunst- und Kulturschaffende,hinzuschauen.

Daher auch das Ausrufezeichen

im Titel „De-Heimatize It!“

Sprich: Der politische Diskurs um

Heimat gehörtausgemistet.

DerPass und das Gewehr

Daniel Cremer präsentiert„Das Wunder der Liebe“ ab Freitag im Herbstsalon. MELANIE BONAJO

Im Zeughauskino offenbart eine Videoinstallation

vonYael Bartana das

reinigende Potenzial dieser Maßnahme.

Rettungsweste, Wasserkanister,

Pass: In Zeitlupe fallen alltägliche

Zeugnisse aus Geschichte und

Gegenwart durch einen schwarzen

Raum. Michelangelos David, ein Gewehr,

traditionelle Gewänder, Schädel,

dazu bedrohliches Dröhnen, das

in den Fußsohlen vibriert, zwischendurch

schneit es „Judensterne“. Assoziationen

vonUnterdrückung und

Genozid drängen sich auf, umso erleichterter

ist man, wenn die Objekte

aus dem Bild verschwinden. Die Arbeit

ist inspiriert vom jüdischen

Brauch des „Taschlich“, bei dem Taschen

und Kleider an Ufern entleert

werden, um die Vergebung der Sünden

zu erbitten.

„Unrettbar“ ist einzig der Begriff

Heimat, weiß Bilgin Ayata, eine der

„Frauen für Rojava“. Die Politikwissenschaftlerin

lieferte mit ihremVortrag

„De-Heimatize Belonging“ das

Motto des vierten Herbstsalons. Als

Schlagwort diverser Verflechtungen

von Patriarchat, Kapitalismus und

Rassismus stifte Heimat als politisches

Konzept längst kein inklusives

kollektives Bewusstsein mehr.

Mit einer Ausstellung, einer Plattformfür

Kurator*innen mit zukunftsweisenden

Ansätzen und einer Konferenz

greifen die Organisator*innen

um die Gorki-Intendantin Shermin

Langhoff diese These auf. Rund 40 in-

ternationale Künstler*innen mit feministisch-intersektionalem

Ansatz

zeigen drei Wochen lang, welcher Erkenntnisgewinn

der Vielheit innewohnt

(die Gender-Sternchen gehören

für die Akteurinnen und Akteure

dazu). Aufdie Zweifler angesprochen,

sagte Ayata bereits auf einem Podium:

„Wir müssen darüber nachdenken,

was wir schaffen können

und nicht, was wir verlieren.“

Neue Verbindungen zum Beispiel.

Geht man durch die Ausstellung

im benachbarten Palais am Festungsgraben,

findet sich im zweiten

StockwerkTanja Ostojics „Lexicon of

Tanja Ostojic“. Über Jahre besuchte

die inBerlin lebende Performance-

Künstlerin Frauen, die denselben

Namen wie sie tragen (auf dem Cam

Ende fehlt noch ein Accent aigu, das

hier im Schriftbild nicht darstellbar

ist). Sie wollte untersuchen, was sie

eint, was sie unterscheidet. Die Auszüge

dieser künstlerischen Erforschung

von Arbeitsbedingungen,

Migrationswegen und Geschlechterfragen

lesen sich wie ein Dokument

solidarischer Praxis.

VomLeben am Rand

Ähnlich motiviert ist auch „TLDR“,

eine Videoinstallation von Candice

Breitz, die einige Räume weiter ausgestellt

ist. Dorterzählen aktivistisch

tätige Sexarbeiterinnen aus Kapstadt

von Arbeit und Leben am Rand der

Gesellschaft. Breitz verhandelt, inwiefernweiße

Künstler alsVerstärker

marginalisierter Stimmen fungieren

können, zumal angesichts immer

kürzerer Aufmerksamkeitsspannen.

DerWeg, den sie mit den Mitgliedern

des Kollektivs Sweat erarbeitet hat,

ist ein Musical –das ist vonder Form

her so ungewöhnlich, dass man tatsächlich

dranbleiben will.

WerAmbiguitäten zulässt, findet

auch Klarheit. Davon erzählt Rola

Khayyat im Container vor dem

Gorki-Theater,wonoch bis Montagabend

der Young Curators Academy

Marathon stattfindet. Ihr Aufwachsen

prägte ein Amalgam aus libanesischem

Nationalismus und USamerikanischer

Vorstadtkultur.

Khayyats Großvater mütterlicherseits

bekleidete eine Schlüsselposition

bei der weltgrößten Erdölfördergesellschaft,

die als amerikanisches

Privatunternehmen ihren Anfang

nahm: Saudi Aramco. Wie dies ihr

Zugehörigkeitsgefühl formte, begriff

die Fotografin Khayyat erst, als sie

die Memoiren ihrer Mutter las. Nun

untersucht sie mit ihren Schwestern,

inwiefern ihre Familiengeschichte

und privates Fotomaterial zusammen

als Archiv des Imperialismus

gelesen werden können.

Herbstsalon bis 17. NovemberimMaxim Gorki

Theater,Palais am Festungsgraben, Zeughauskino,

Haus der Statistik und im Stadtraum. Eintritt

frei(ausgenommen Bühnenveranstaltungen),

www.berliner-herbstsalon.de

NACHRICHTEN

Holocaust-Überlebende

Vera Friedländer ist tot

DieAutorin Vera Friedländer,die

sich als Mädchen an einer erfolgreichen

Protestaktion gegen die Nazis

in der Berliner Rosenstraße beteiligte

und später als Zwangsarbeiterin

in einer Schuhfabrik versklavt

wurde,ist tot. Vera Friedländer starb

am Freitag im Alter von91Jahren bei

Berlin, wie der Verlag DasNeue Berlin

am Sonntag bestätigte.Die Mitbegründerin

des Jüdischen Kulturvereins

Berlin hatte in ihrem 2016 erschienenenWerk„Ich

war Zwangsarbeiterin

bei Salamander“ über ihr

Schicksal berichtet. (dpa)

Handkebezweifelt Sätze,

mit denen er zitiertwird

Peter Handke meldet sich in der Debatte

um den Literaturnobelpreis zu

Wort.Erreagiertauf eineVeröffentlichung

des Internet-Journals Perlentaucher,das

auf ein Interview mit ihm

in der Zeitschrift Ketzerbriefe von

2011 hingewiesen hatte.Darin redete

er das Massaker vonSrebrenica vom

Juli 1995 klein. In der vonder Süddeutschen

Zeitung veröffentlichten

Mitteilung Handkes heißt es,erhabe

das Interview damals nicht autorisiert.

Wieder Tagesspiegel meldet,

werdedie Schwedische Akademie

dieses Interview prüfen. (BLZ)

Little-Feat-Gitarrist

Paul Barrère gestorben

DerGitarrist Paul Barrèreist am

Sonnabend im Alter von71Jahren

gestorben, teilt die Band Little Feat

mit. Barrère, der den Sound der amerikanischen

Rockgruppe durch sein

Slide-Spiel prägte,schloss sich Little

Feat 1972 an und debütierte auf der

LP „Dixie Chicken“. (BLZ)

Anzeige

Akademie-Dialog

Desintegration und Empathie

Über jüdische Identitäten

Jeanine Meerapfel im Gespräch mit

Max Czollek und Anna Schapiro

Mi.30.10.

Pariser Platz 4, Berlin

20 Uhr, Eintritt €6/4

UNTERM

Strich

Rom &Peter

Jeder trage selber

seine Last

VonPeter Wawerzinek

Wir stehen an der Gangway plötzlich nebeneinander,

der Sebastian Felix und

ich. Beide mit Ryanair auf dem Weg nach

Rom, Flughafen Ciampino. ErReihe sieben,

ich Reihe drei. Beide jeweils auf Sitz C, also

ganz nah hintereinander. InRom angekommen,

den Zubringerbus genommen, finden

wir im hinteren Teil nebeneinander Platz. Es

geht in die nächtlich erleuchtete Stadt hinein.

Wir nehmen sie nur nebenher wahr. Zu

viel Gesprächsstoff darüber vorhanden, was

jeder von uns beiden so in den paar Tagen

romfrei so erlebt und getan hat. VomBahnhof

Termini aus sind es zu Fußvielleicht dreißig

Minuten ohne sich groß zu sputen, sagt

Ernst. Ichwill die Metronehmen, überlege es

mir dann aber anders. Die Tasche ist schwer

und kompakt gepackt, weil die Flugfirma für

zusätzliches Gepäck unverschämte Summen

verlangt. Ich schultere sie und komme

ins Schwitzen. Ich stelle die Tasche mehrmals

ab, befreie mich von Mantel, und

Strickjacke laufe nur noch im dünnen Unter-

Shirt herum. Sebastian will die abgelegten

Klamotten in seinen Rucksack stopfen. Ich

sage nein. Er will mir die Tasche abnehmen,

mein Packesel sein. Ich weigere mich strikt.

So weit kommt es nicht, widersetzeich mich

gegen den deutlich jüngeren Burschen, und

schleppe meine Last.

Im Prinzip geht es wie bei einem gekonnten

Dribbling mit uns beiden. Er holt sich

seine Informationen vom Handy, spielt sie

mir wie bunte Bälle zu. Ichkicke kurze Sätze

wie Schonmalgehört, Kennich oder Achso

zurück. Wir kommen rasch voran. An der

langen alten Mauer kommt mir Brechts „Wer

baute das siebentorige Theben“, in den Sinn.

KLAUS ZYLLA

Das große Rom ist voll von Triumphbögen.

Wer errichtete sie? Mehr noch, sagt mein

Dribbelpartner,stellt sich doch die Frage danach,

wie viele Hände die Steine dafür erst

einmal geformt, gebrannt, gestapelt, sie hierher

transportiert und von danach dort geschleppt

haben? Oh ja, stöhnte ich, spürewie

sich mein Handgepäck tiefer in die Schulter

frisst. Immer einmal wieder bleiben wir kurz

stehen, um uns ein Haus,seine Fassade,den

Dachsims anzusehen. Da ist Sebastian nämlich

voll in seinem Metier.Ich muss mich setzen

und meiner Stiefel kurz entledigen, die

dicken Wollsocken von Berlin her gegen

dünne Strümpfe austauschen.

DasGebäude,auf dessen Stufen ich sitze,

bekomme ich gesagt, sei besonders schön

anzusehen. Vor allem der obere Abschluss

wäre irgendwie genial. Ich gucke beim Aufstehen

kurz einmal hin und nicke. Ich fühle

mich von meinen Füßen her absolut besser.

Es ist dunkel, denke ich, und dass Sebastian

das Haus im helleren Licht sieht, so oft wie er

vor ihm gestanden und an ihm schon emporgesehen

haben mag. Und dann sind wir

auch schon an der Tankstelle, einem weiteren

architektonischem Kleinod. Tankstelle,

meinst du, will ich fragen, unterlasse es tunlichst.

Ichmag ja Ahnung vomSchreiben haben,

was Roms Gebäudewirtschaft anbelangt

hat hier nur einer den Hutauf.Links ab,

den Wegbergan sind wir dann auch schon

am großen Eingangstor zur Villa Massimo,

schlüpfen durch die kleine Nebentür hinein.

Oho, ruft Sebastian mit Blick auf ein Festzeltgestell

aus. Was ist denn hier passiert? Nun

darf ich auch einmal so richtig vom Leder

ziehen und über die Ausstellungseröffnung

reden, die ich gerade so noch mitbekommen.

Da war der Kollege schon Richtung

Berlin unterwegs. Ich bin ihm am nächsten

Morgen gefolgt. Fragt bloß nicht wie früh.


22 Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Feuilleton

Die Suche nach dem Existenziellen

Gidon Kremer funktionierte die Konzerthaus-Hommage zum Festival für den polnischen Komponisten Mieczysław Weinberg um

VonClemens Haustein und Peter Uehling

Der lettisch-deutsche Violonist Gidon Kremer

Die ihm gewidmete Hommage

des Konzerthauses

hat der große Geiger Gidon

Kremer nicht dazu

genutzt, seine eigene geistigeWelt zu

entfalten, wie daseinige Jahrevorher

der Pianist Alfred Brendel beim selben

Anlass tat. Natürlich, auch Kremers

Programm zeugt von ihm und

seinen künstlerischen Idealen, aber

den Mittelpunkt ließ er doch einem

anderen: dem Komponisten Mieczysław

Weinberg, dessen Geburtstag

sich am 8. Dezember zum hundertsten

Male jährt. Seit einiger Zeit

wird dem in Polen geborenen und

1996 in Russland gestorbenen Komponisten

gesteigerte Aufmerksamkeit

zuteil, und Kremer ist einer der

Protagonisten dieser Entdeckung.

Warum muss dieser Komponist

erst entdeckt werden, während andere

osteuropäische Kollegen wie

Sofia Gubaidulina, Alfred Schnittke

oder Arvo Pärt hier einträgliche Erfolge

hatten und haben?

Es hat vielleicht doch etwas mit Stil

zu tun. Auch nach derWahrnehmung

von drei Hommage-Konzerten mit

Weinberg-Musik fällt es schwer, das

geläufige Urteil über Weinberg als

„zweitklassigem Schostakowitsch“

als völlig unberechtigt zu verwerfen.

So mögen Weinbergs Violinsonaten

zwar ganz anders ausfallen als die

einzige von Schostakowitsch –aber

der epische Strom der Fünften, die

Kremer mit Martha Argerich am

Dienstag aufführte, kommt von dort

und auch das Vermögen, die musikalische

Entwicklung an sehr einprägsamer

Melodik zu exerzieren. Im selben

Konzert spielte Kremer auch

Weinbergs erste Sonate für Violine allein:

Ein gewaltiges Werk von ebenfalls

symphonischem Zuschnitt, mit

Märschen, Klagegesängen und einer

in ihrer Kühnheit beeindruckenden

Schreibweise für das Instrument.

Am Donnerstag führte die Kremerata

Baltica unter Leitung von

Mirga Gražinyte-Tyla Weinbergs

Zweite Symphonie für Streichorchester

auf, ein melodisch höchst

elaboriertes Werk, andem indes der

expressive Rahmen Schostakowitschs

in keinem Moment erweitert

erscheint – wenn Lucas Debargue

danach mit etwas hakliger Technik

Schostakowitschs Erstes Klavierkonzert

spielt, hört man deutlich direkter

komponiertes, das aber zugleich

hintergründiger wirkt.

Daswiederholt sich am Freitag mit

dem Konzerthausorchester: Weinbergs

Violinkonzert spielt Kremer

deutlich altersgeklärt, das Tempo in

den beiden Marschsätzen zu Beginn

und am Schluss des Werkes wirkt gebremst,

das Energische dieser Musik

interessiert ihn nicht mehr so sehr,

der hauchige, durchschimmernde

Ton seiner diskreten Amati-Violine

herrscht vor. Weil Christoph Eschenbach

am Pult des Konzerthausorchesters

in der Begleitung ebenfalls

auf klare Konturen verzichtet, mehr

mit dem Lesen des Stückes beschäftigt

zu sein scheint und die Musiker

meist ihrem Glück überlässt, bleibt

der Eindruck schwach. Auch hier ist

mit Schostakowitschs Fünfter diese

Blässe wie fortgeblasen. Einen ganz

intuitiven Zugang scheint der neue

Chefdirigent zu diesem Werk zu haben,

in dem Schostakowitsch zu einer

ANGIE KREMER

Gefühlsmusik romantischer Prägung

zurückkehrt. Wie Eschenbach und

das Orchester mit seiner seit Kurt

Sanderling währenden Schostakowitsch-Tradition

den tragischen Sinn

dieser Musik erfassen und die Aufführung

zu einem erzählerischen Ganzenformen,

das fesselt unmittelbar.

Gewiss, Aufführungstraditionen

begünstigen in diesem Fall Schostakowitsch

und benachteiligen Weinberg.

Und „zweitklassig“ ist Weinbergs

Musik gegenüber der Schostakowitschs

gewiss nicht im Sinne geringerer

Qualität, sondern imSinne

künstlerischer Priorität: Für den mit

Schostakowitsch vertrauten Hörer

gehen von dieser Musik kaum Impulse

aus, sie erobert sich keine entscheidend

neue technische Dimension.

Solche Fragen jedoch scheinen

Gidon Kremer gleichgültig zu sein:

Seine vielbeschworene Suche nach

dem „Existenziellen“ in der Musik

wird als eine Suche nach etwas Inhaltlichem

verstanden, das scheinbar

unabhängig von Struktur artikulierbar

ist. Wie Kremer Werke von Luigi

Nono uraufführen und sich zugleich

für die Musik des kürzlich gestorbenen

Georgiers Gija Kantscheli engagieren

konnte, deren dürftige Strukturen

den Ausdruck von Traurigkeit

angesichts eines verlorenen Kinderparadieses

beglaubigen sollen –auch

in dem Stück „Der gelbe Knopf“, mit

dem das Kremerata-Konzert begann

–, ist kaum zu begreifen.

Von ähnlicher Gleichgültigkeit

scheint das Auftragswerk für diese

Hommage geprägt, Victor Kissines

vom Konzerthausorchester unter

Eschenbach uraufgeführte „Another

Question“. Die Streicher der „Kremerata“

wurden hier am anderen

Ende des Saales aufgestellt; für Echoeffekte

und als Klangschleier für das

Orchester auf dem Podium. Charles

Ives’ „Unanswered Question“ greift

Kissine damit auf, ohne dessen Dramatik

zu erreichen. Eher komische

Züge hat es,wenn zum Ende des Stückes

Gidon Kremer durch den Mittelgang

nach vorne schreitet, dabei

einen einzigen Flageolett-Ton aushaltend,

den er mit einem Kiekser

auf der höheren Nebennote zum Abschluss

bringt –umdanach in der

Tür neben dem Podium zu verschwinden.

VomTosen der Zivilisation

Großstadtlärm mit 14 Schlagzeugern –François-Xavier Roth dirigierte die Berliner Philharmoniker

VonClemens Haustein

Eshat ein bisschen gedauert, bis

François-Xavier Roth, 49 Jahre

alt, derzeit wohl der Dirigent mit

dem stilistisch vielfältigsten Repertoire,

einen Platz auf den Berliner

Konzertpodien bekam. Nach seinem

Debüt vorvier Jahren gehörtermittlerweile

zum festen Dirigentenstamm

der Berliner Philharmoniker,

jährlich kehrt erzum Orchester zurück.

Als Roth beim vergangenen

Musikfest mit seinem Originalklang-

Ensemble „Les Siècles“ auftrat, fand

das dennoch vor nicht einmal halb

gefülltem Saal statt. Roths Kunst

kommt auf leisen Sohlen, seine Inszenierung

als Orchesterleiter beschränkt

sich auf ein advokatenhaftes

Zupfen an Krawattenknoten und

Manschettenknöpfen.

Keiner legt im Konzert musikgeschichtlich

so weite Wege zurück wie

der Franzose,auch beim Konzertmit

den Philharmonikern amDonnerstagabend,

das mit der 59. Sinfonie

von Joseph Haydn, „Feuersinfonie“,

röchelt. Hinund wieder singt er auch.

Wo Haydns Musik zweihundertJahre

zuvor höfisch zivilisiertist, dabei aber

die Grenzen der Konvention austestet,

da setzt Varèse den kalkulierten

Barbarismus,der wiederum übergeht

in das Geräuschbild der Hochzivilisation.

Der Großstadtlärm, den Varèse

unter anderem in „Arcana“ einfängt,

er würde auch als Begleitmusik taugen

für einen urzeitlichen Kampf der

Elemente.

Wasliegt auf der Wegstrecke zwischen

Haydn und Varèse? Béla Barbeginnt.

Eine kleine Streicher-Besetzung

spielt hier, dazu zwei Oboen,

zwei Hörner, keine Pauken und

Trompeten. Dennoch ist die Wiedergabe

von packender Plastizität und

fein abgestuften Kontrasten.

Beim Stück am Ende des Abends

liefert der Komponist solche Plastizität

gleich selbst durch ein überbordendes

Instrumentarium. Dreimal so

viele Musiker sitzen bei „Arcana“ von

Edgar Varèse auf der Bühne,darunter

14 Schlagzeuger.Der orchestrale Riesenorganismus

brüllt, kreischt und

tók zum Beispiel und damit der

Traum, Zivilisation und Natur miteinander

in Einklang zu bringen. In

den Melodien und Rhythmen ungarisch-rumänischer

Volkslieder, die

Bartók sammelte, schien dieser

Traum wahr zu werden. Bartók verwendete

sie in seiner Tanz-Suite (Sz

77) für großes Orchester ebenso wie

im 3. Klavierkonzert, mit dem er sich,

in den USA lebend, nach Europa zurücksehnte.

Rhythmisch präzise und doch

mit warmer Gesanglichkeit folgt

der Solist Pierre-Laurent Aimard

dieser Sehnsucht, im zweiten Satz,

dem „Andante religioso“ steigert

sich das zu anrührender Inbrunst,

die Philharmoniker spinnen

herbstliche Fäden um Aimards

Klanggebet und spielen an diesem

Abend überhaupt mit Wachheit,

Lust und Präzision wie nur unter

Dirigenten, die sie ernst nehmen.

François-Xavier Roth nimmt es gelassen,

er kommt und geht und

setzt die Füße dabei parallel auf

wie einer,der sehr genau ist.

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Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 23

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Feuilleton

Die

unendliche

Geschichte

Andcompany&Co. feiert

das Mauerfalljubiläum

Die Weisheit

des

Miteinander

Das Atze Musiktheater zeigt

das Fantasy-Stück „Albirea“

VonDoris Meierhenrich

Eswar einmal eine Schnecke namens

„Bürokratie“, die sollte ein

gesellschaftliches Zukunftsprojekt

namens „Kommunismus“ ordnen.

Dass daraus nichts wurde, wissen

wir spätestens seit dreißig Jahren.

Damals kaute sie nur und kaute und

merkte gar nicht, was um sie herum

geschah, bis die Mauer um ihren

kleinen Garten einfach zusammenbrach.

Natürlich ist die Schnecke

selbst damit nicht verschwunden-

Derzeit kaut sie in Gestalt der Performerin

Nicola Nord auf der Bühne

des HAU1. Ein Kohlkopf liegt auf ihrem

Schneckenschoß und blind

schiebt sie sich ein Blatt nach dem

anderen ein, während sie mit einer

Art Astronautin neben sich diskutiert.

Die ist wohl das, was aus dem

Kommunismus geworden ist: ein

unruhiges, eher silbrig-futuristisch

durch die Zeit schwirrendes Projekt,

das sich heute „Fantasie“ nennt und

in der Autorin Luise Meier seine

Bühnen-Vertretung findet.

Das Problem, das beide diskutierenist

folgendes: Wiekann heute der

revolutionäre Gedanke „Fantasie

statt Bürokratie!“ real werden? Nein,

wie kann er überhaupt real diskutiert

werden?, fragt die Bürokratie-Schnecke.

Muss er das überhaupt?, fragt

die Fantasie dagegen, denn wieso

sollte man nur das eine „statt“ dem

anderen denken? „Warum überhaupt

immer entscheiden?“, fragt

Meier und als hätte der Eiserne Vorhang

darauf gewartet, geht er hoch

und ein Fantasialand wirdsichtbar,in

dem Bürokratie und Fantasie scheinbar

gleich wirken: ein übergroßer,

sprechender Kohlkopf steht da –Politiker-Ähnlichkeiten

erwünscht –

menschengroße Überraschungseier,

aus denen der Historiker Karsten

Krampitz ins Geschehen eintritt, ein

Sandmännchen-Raumschiff und

eine Redner-Bütt, in der die Schülerin

Amanda Heinau das Prinzip der

„unendlichen Geschichte“ Michael

Endes starkmacht.

Zu einer Reise in Vergangenheit oder Zukunft

gehörthier ein Raumschiff. HAU

Die Andcompany &Co. hat zu ihrer

diskursiven Mauerfall-Party ins

HAU geladen und feiert das Ereignis

natürlich nicht im geschichtspositivistischen

Sinn. „1989: The Great

Desintegration“ fragt –wie schon vor

einem Jahr die Revolutions-Show

„invisible republic“ –nach dem„Was

wäre wenn“, nach den Hoffnungen

und ungenutzten Möglichkeiten, die

1989 kurz real waren, bis sie unter

den Mühlrädern aus dem Westen zu

nichts wurden. Auch das Nichts aber

spielt an diesem gezielt albernen,

aber vor allem inspirierenden Dilettanten-Abend

gleich mehrere

schöne Wiederauferstehungsrollen:

als Wurmloch im System der Kohlköpfe

oder auch als wandelnder

Greenscreen, auf dem bekanntlich

nichts zu sehen ist und doch Ungesehenes

sichtbar werden kann. Mit

der Wurmtechnik feiert Alexander

Karschnia &Co. so etwas wie die performative

Umsetzung der „MRX-

Maschine“, die Luise Meier als gesellschaftliche

Widerstandstechnik

in ihrem scharfsinnigen Buch gleichen

Namens beschrieben hat. Dort

wie hier: lichte Texte im Gewand eines

Theaters für (große) Kinder.

Schießwütig: Meret Becker,Katharina Thalbach, Andreja Schneider,Anna Mateur,Anna Fischer (v.l.)

Zehn Fäuste für kein Halleluja

Zeitreise: „Die 5glorreichen Sieben“ als Western-Imitat aus Frauensicht in der Bar jeder Vernunft

VonIrene Bazinger

Wer sagt denn, dass man

nur im Kino eine Zeitreise

in ferne Welten –

egal, ob die in der Zukunft

oder in der Vergangenheit liegen

–antreten kann? Das ist natürlich

auch im Theater möglich, und

damit sind nicht bloß die Störtebeker-oder

die Karl-May-Festspiele gemeint.

Es reicht, in die Barjeder Vernunft

zu gehen. Dortkann man jetzt

in den Wilden Westen eintauchen,

wie es ihn nie gegeben hat –außer im

Kino.„Die5glorreichen Sieben“ entstand

nach einer Idee von Lutz Deisinger

und Andreja Schneider, die

mit Christopher Tölle und ihren Mitkämpferinnen

überdies Regie führte.

Der Titel ist an den Filmklassiker

„Die glorreichen Sieben“ (1960) angelehnt.Wieder

Regisseur John Sturges

dafür „Die sieben Samurai“

(1954) von Akira Kurosawa adaptierte

und nach Nordamerika verlegte,versuchen

es die Berlinerinnen

mit einer eigenen dramaturgischen

Brechung: Alle wichtigen Rollen werden

nämlich vonFrauen gespielt.

Dasheißt jedoch nicht, dass der

Western als krachledernes Genre

feministisch aufpoliert, gar gendermäßig

überarbeitet wäre. Im

Gegenteil, Meret Becker als

schwuler Trickbetrüger, Anna Fischer

als naives Halbblut, Anna

Mateur als dampfplaudernder

fahrender Händler, Andreja

Schneider als mehr oder weniger

gottesfürchtiger Reverend und Katharina

Thalbach als mexikanischer

Revolverheld lassen kein

noch so peinliches Klischee aus.

Und sie parodieren oder dekonstruieren

diese keineswegs, sondern

imitieren sie mit aller Kraft und

ironischem Ernst – was oft zum

Lachen ist, aber manchmal schon

arg verstaubt wirkt. Nun gut,

warum sollte bei einer Zeitreise in

die Tiefen der Filmgeschichte und

der Männerfantasien immer alles

lustig sein?

Für ein paar tatsächlich humorige

Akzente sorgt der Schlagzeuger

Peter Sandmann, der als Geräuschmacher

die Zikaden zirpen

und die Fußtritte nachhallen lässt.

Das Bühnenbild von Friedrich Eggert

besteht aus überdimensionalen

Hufeisen als Raumteiler und

typischer Prärie-Dekoration wie

Kaktus, Geier oder Lagerfeuer.

Die Story ist schnell erzählt: Die

fünf Gestalten treffen einander zufällig

und vereinen sich auf der Jagd

nach einem gefährlichen Banditen.

Am Schluss haben sie ihn erlegt

und gründen im Licht der untergehenden

Sonne eine Familie –oder

so ähnlich …Dabei wird gebrüllt

und geflucht, im Stehen gepinkelt

und mit den Colts herumgefuchtelt,

Fäuste und Pfeile fliegen durch

die Luft, eine Bank wird ausgeraubt,

viel Whisky gekippt. Dann

wieder schnallen sich alle massige

Pferdehintern samt Schweifen um

und „reiten“ Richtung Künstlergarderoben.

Außerdem werden über zwei Dutzend

thematisch passende Songs

vorgetragen, bluesig ausladend bei

Anna Mateur, guttural mümmelnd

bei Katharina Thalbach, gern einstimmig

im Chor,damit man’s besser

hört. DieBegleitung lieferteine fünfköpfige

Westernband unter der Leitung

vonFerdinand vonSeebach.

Meret Becker räumt groß mit ihren

artistischen Einlagen ab und ist

auch sonst auf flinken Füßen inmitten

der Wild-West-Wüstenei unterwegs.

Andreja Schneider verschwindet

fast hinter ihrem buschigen

Schnurrbart, während Anna Fischer

als Jungspund schnell tief in die routinierte

Bodenständigkeit ihrer Gang

hineingezogen wird.

Sehr länglich und mit Elementen

von Fremdscham erweist sich freilich

die Szene, in der alle Frauen

Frauen spielen. Dies sind nämlich

Prostituierte, die „Westernmatratzen“

genannt werden, Beckenbodentraining

für das nahende Bummsfallera

mit den sexuell unterversorgten

Cowboys machen und das Publikum

mit Sprüchen wie „Ich bin gut drauf.

Bist du gut drunter“ quälen. Im klassischen

Western ist die Zeit stehen

geblieben, und so ist es nur konsequent,

dass sie dies in dieser Produktion

nicht anders ist. Trotzdem oder

gerade deswegen sind bereits alle

Vorstellungen ausverkauft.

Die5glorreichenSieben bis17.11., Bar jeder

Vernunft, Schaperstr. 24,Tel.883 15 82

Herbstliches Happy End für ein Winterbild

In einem amerikanischen Museum entdeckten Fahnder NS-Raubkunst aus der Sammlung des Berliner Verlegers Mosse

VonIngeborg Ruthe

Das junge Paar im

idyllischen Gemälde

„Winter“ des amerikanischen

Realisten Gari

Melcherswird nun den

Mosse-Erben zurückgegeben

AP

MUTFOTO/BARBARA BRAUN

Zeitzeugen gibt es wohl kaum

mehr,die vor1933 im Mosse-Palais

am Leipziger Platz in Berlin dieses

Gemälde noch hätten sehen können.

Der jüdische Zeitungsverleger

und Kunstsammler Rudolf Mosse

(1843–1920) hatte seine Bildersäle

im musealen Sinne der breiten Öffentlichkeit

zugänglich gemacht.

Nach seinem plötzlichen Todbehielten

die Erben diese Freizügigkeit bei.

DieNazis machten solch freigeistigem

Bürgersinn der Mosses ein rabiates

Ende. Die erstklassige Sammlung

des verstorbenen Patrons

wurde beschlagnahmt, für Devisen

verhökert. Ein Großteil der Mosse-

Familie war schon ins Ausland geflohen.

So gelangte auch das Bild „Winter“

des amerikanischen Realisten

Gari Melchers,1860–1932, auf ungeklärten

Wegen wieder in die USA.

Rudolf Mosse hatte das Motiv eines

eher ländlich, irgendwie sogar

biedermeierlich, aber farbenfroh

aussehenden jungen Paares vor einer

idyllischen Winterlandschaft mit

roten Backsteinhäusern1900 auf der

Großen Berliner Kunstausstellung

gekauft. Den NS-Kunstschergen

kann es vom Motiv her kaum missfallen

haben. Dass es Juden gehörte,

umso mehr. Sie machten es zu Geld

für Hitlers perfide Pläne.

Jetzt, nach 86 Jahren, wie die

Nachrichtenagentur AP meldet,

tauchte das Bild im Museum Arkell

in Canajoharie/Bundesstaat New

York,auf. DerUnternehmer und Museumsgründer

Bartlett Arkell hatte

es 1934 in einer New Yorker Galerie

gekauft, später dem Museum überschrieben.

Fahnder bargen das Bild.

Gerichtsdokumente belegen, dass

die Operation Teil einer internationalen

Aktion zum Aufspüren von

NS-Raubkunst ist. Das Museum Arkell

gibt das Werk, das sich noch in

FBI-Verwahrung in Albany befindet,

ohne Pardon an die Mosse-Nachfahrenzurück.„Fair

und gerecht“, wie es

das deutsch-amerikanische Abkommen

zur rückhaltlosen Aufklärung

des NS-Kunstraubs verlangt.

VonChristian Rakow

Von „Herr der Ringe“ über „Game

of Thrones“ bis „World of Warcraft“

ist Fantasy das Top-Genre unserer

Zeit. Egal ob in Buch, Film oder

Videospiel. Nur das Theater tut sich

damit schwer. Warum? Vermutlich,

weil Fantasy unter E-Kunstfreunden

immer noch im Ruch steht, eskapistisch

zu sein und also die Wirklichkeit

mit ihren Werte- und Wahrheitsfragen

nicht in den Blick zu bekommen.

Wasnatürlich Quatsch ist, man

lese nur einmal die philosophischen

„Hexer“-Romane eines AndrzejSapkowski

oder spiele die Game-Trilogie

„The Witcher“, die auf ihnen basiert.

Wenn das Atze Musiktheater mit

„Albirea –Nur ein Kind kann dieWelt

retten“ jetzt ein performativ wie inhaltlich

ambitioniertes Fantasy-

Singspiel zur Uraufführung bringt,

ist das allemal verdienstvoll. Atze-

Chef Thomas Sutter hat dasWerk mit

der Komponistin Sinem Altan verfasst

und geht es in Eigenregie mit

der gebotenen Opulenz an: mit Live-

Kammerorchester, Lied- und

Kampfkunst, mit nordisch düsteren

Kriegermonturen, Masken wie vom

Karneval in Venedig (Kostüme: Verena

Hemmerlein) und kosmischen

Videobildern (von Marc Jungreithmeier/STUDIO6).

Motiveaus der Gießkanne

„Albirea“ ist eine Geschichte der

Menschen und ihrer spirituellen

Kräfte: In einem Streit gottähnlicher

Geister hat der Geist der Entzweiung

Draco die Herrschaft übernommen

und hetzt nun die Menschen

gegeneinander auf. Dem bei Tieren

aufgewachsenen Mädchen Albirea

obliegt es, die Weisheit des Miteinanders

in die Welt zurückzubringen

und die Balance der Geister wiederherzustellen.

Das Stück lebt von charismatischen

Protagonisten: Guylaine

Hemmer als Albirea mit gelenkiger

Athletik und vitalem Wissensdrang,

und Iljá Pletner als eitler Zwietracht-

Schmied Draco, der sich auf seinem

E-Bass düsteren Sinn herbeifiedelt.

In der Gestaltung der Geschichte

zeigt Sutter unübliche Schwächen.

Der Text baumelt eher von Menschen-

zu Götterwelt, als dass er

schlüssig Bögen spannt.Viele Motive

werden mit der Gießkanne ausgeschenkt:

EinHauch vonParsifal umweht

Albirea, dann wieder ist sie eine

Heroin der Aufklärung, die die Frage

nach dem „Warum“ in die Welt zurückbringt,

bevor sie vom Neugierund

Wissendurst zu allgemeinmoralischen

Toleranzerwägungen hinübertaumelt.

Dem Drive ihrer Abenteuergeschichte

tun die Unschärfen keinen

Abbruch. In energetischen Choreografien,

visuell hochgejazzt, legt Sutters

Inszenierung über ihre zweieinhalb

Stunden ein gutes Tempo hin.

Bis zum erbaulichen Schluss: „Das

Wort des anderen wiegt so schwer

wie dein eigenes.“ Ein Merksatz für

Schulhofstreits wie für Konflikte in

nordischen Fantasywelten.

TOP 10

Sonnabend, 26. Oktober

1 Tagesschau ARD 6,4 24 %

2 Sportschau ARD 5,0 23 %

3 Gottschalks 80er … ZDF 4,9 17 %

4 Zielfahnder ARD 4,1 14 %

5 Das Supertalent RTL 3,7 13 %

6 heute-journal ZDF 3,5 15 %

7 Sportschau ARD 3,0 18 %

8 heute ZDF 2,9 13 %

9 Bares für Rares ZDF 2,6 11 %

10 Take me out RTL 2,6 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Tagestipp

KALENDER

Filmkonzert

Bruce

Springsteen

live im Kino

Songs vonBruce Springsteen

sind fast immer in Noten

und Wortegefasste Filme,also

ist es nur konsequent, dass er

sein Soloalbum „WesternStar“

nun gleich selbst in Bilder und

Szenen umgesetzt hat. Eigentlich

war dieser Film als Service

für seine Fans gedacht, denen

er die 13 Lieder dieser Platte

diesmal nicht auf der Bühne

präsentieren konnte, da die

Produktion mit einem voll besetzten

Streichorchester selbst

für ihn zu aufwendig gewesen

wäre. Also haterdie Musiker in

einer hundert Jahre alten

Scheune in der Nachbarschaft

seiner Ranch versammelt, um

das komplette Album voreiner

Handvoll von Zuschauern live

aufzuführen. Verbunden werden

die einzelnen Musikstücke

durch Impressionen, in denen

die Themen der Songs aufscheinen.

Bevor das Ganze auf

DVDerscheint, ist es an diesem

Montag einmalig im Kino zu

sehen. Frank Junghänel

WesternStars jeweils 20 Uhr,inetlichen

BerlinerKinos

Die Dichterin und Performerin Ginka Steinwachs vor vier Jahren in Berlin.

Die Dichterin Ginka Steinwachs

ist eine Wortforscherin,

eine Sprachmalerin

und nimmt grundsätzlich

alles so übergenau wie federleicht.

Mit heller, singender

Stimme ist sie ihre beste Interpretin

und braucht das Vortragen auch,

weil sie ihre Texte in der Performance

in die dritte Dimension bringen

kann. Anlässlich der Eröffnung

ihres Archivs in der Akademie der

Künste 2017 hatte sie den Weg zur

Veranstaltung markiert wie Hänsel

den Wegaus dem Wald nach Hause,

nur nicht mit Brotkrumen, sondern

mit einer Reihe vonSteinen und Kerzen,

die abwechselnd platziert waren:

Stein –Wachs –Stein –Wachs.

„Ich schreibe mit Feuer, Wasser,

Luft und Erde“, sagt sie vonsich„und

die Luft kann auch mal Lust sein“.

Verspielt bis in die zelebrierte Albernheit

und zugleich philosophisch-subversiv

ist das Werk der

Wort-, Ding- und Alltags-Künstlerin,

die ihren Tagebüchern Pullover

strickt und über den Surrealisten

André Breton promovierte. Die das

Maskenspiel ebenso liebt wie die

Technik, einzelne Buchstaben in

PetraKohse

findet es sehr inspirierend, das Leben in

begreifbare Einheiten aufzuteilen und es

dann zu feiern, wann man will.

Worten groß zu schreiben, um mit

solchen Binnen-Initialen neue Binnen-Welten

zu öffnen. Die sich in

Trödel und Geheimnissen verlieren

kann und in jeder Zahl eine kabbalistische

Verführung sieht. Insofern

lässt es sich die in Berlin-Mitte und

auf Mallorca lebende Künstlerin mit

der elfenhaften Anmutung einer

kindlichen Kaiserin auch nicht nehmen,

am Donnerstag im LiteraturforumimBrecht-Haus

ihren 7x11. Geburtstag

zu feiern. Moderiert von

Kerstin Hensel liest sie aus ihren Tagebüchern,

die auch Collagen sind,

Enthüllungen und Versteckspiele,

denn Ginka Steinwachs erklärt alles

Leben zur Kunst.

Einen Tag zuvor und einen danach

sowie noch einmal eine Woche

darauf hat im Pfefferberg-Theater –

moderiert von Marion Brasch –Lea

Streisands Buch „Hufeland, Ecke

Bötzow“ Premiere, gleich dreifach

wohl wegen der großen Nachfrage.

Die Berliner Kolumnistin, Schriftstellerin

und Lesebühnenbewohnerinwar

nämlich zehn Jahrealt, als die

Mauer fiel und erzählt sich in ihrem

biografischen Roman zunächst fünf

charmante Jahre voller Kindermund

KINO


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 25

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Tagestipp

KALENDER

Die Kunst

des Lebens

In dieser Wochefeiert Ginka Steinwachs

ihren 7x11. Geburtstag, hat Lea Streisands

Roman gleich dreimal Premiere und staunt

Martin Simons über das Überleben

Stunde der Denker

und Kindersicht an das Ereignis

heran. Damit ist sie so etwas wie die

Ost-Berlinerin der Stunde, sopragmatisch

und unwillkürlich systemdurchschauend

zugleich, so deutlich

geprägt und geerdet und doch jung

und offen genug für alles, was danach

kam. Zupackend pointiert und

geradeaus geschrieben, ist es nebenbei

ein All-Generationen-Buch, an

manchen Stellen wähnt man sich

fast in Andreas Steinhöfels „Rico,Oskar

und die Tieferschatten“, aber

eben in Authentisch und später doch

etwas erwachsener (auch wenn es

tatsächlich einen Rico gibt).

Und auf eine weitere Buchpremiereindieser

lesungssatten Woche

sei hingewiesen. „Jetzt noch nicht,

aber irgendwann schon“, lautet der

Titel eines Romans des Berliner Juristen,

Journalisten und Redenschreibers

Martin Simons. Und wer

jetzt an „Du stirbst nicht“ von Kathrin

Schmidt denken muss, jenes

Buch von2009, mit dem die Berliner

Schriftstellerin und Dichterin 2010

den Deutschen Buchpreis gewann,

liegt schon ganz richtig. Um das Erleben

des Momentes auf Messers

Schneide geht es auch hier, wobei

LITERATUR

Martin Simons: Jetzt noch nicht,

aber irgendwann schon

28.10., Galerie Erstererster,

Pappelallee 69

Lea Streisand: Hufeland, EckeBötzow

30. 10. (ausverkauft), außerdem 1. und

7. 11., 20 Uhr,Pfefferberg-Theater,

Schönhauser Alle 176

Lebendiges Schreiben! Ginka

Steinwachs zum 77. Geburtstag,

31. 10., 20 Uhr,Literaturforum im

Brecht-Haus, Chausseestr.125

IMAGO IMAGES

ein Hirnschlag je nach Ursache und

Ort im Gehirn ganz verschiedene

Symptome und Folgen haben kann.

Während Schmidt erst zu sich kam,

als das Sprachzentrum schon stark

angegriffen war und das langsame

Wiederfinden der Sprache formal

und inhaltlich der Kern ihrer Überlebenserzählung

ist, liest sich Simons’

Buch mehr wie ein Bericht von außen.

Aber nicht weniger dringlich.

Immer noch etwas ungläubig

und, ja, auch verunsichert, blickt der

heute 46-Jährige auf das vor zwei

Jahren Geschehene zurück. Wie er

plötzlich, ausgerechnet in einer Meditation,

die Kontrolle über seine

Feinmotrik verlor, bald seinen rechten

Armnicht bewegen konnte,aber

noch einkaufen ging, auch wieder

nach Hause fand und von selbst mit

dem Taxi ins Krankenhaus fuhr, betäubt

die Diagnose erfuhr und sich

fragte, oberseiner Frau am Telefon

letzte Worte für den kleinen Sohn

durchgebensollte.Und wie er,seit er

weiß, dass jeder Tag eine weitere

Chance ist, den Augenblick ganz anders

erlebt. Wieerweiß, dass er zwar

jetzt noch nicht gestorben ist. Aber

irgendwann eben schon.

Unfreiheit

erkennen und

benennen

Reist man meistens, um

Orte zu besichtigen, lädt

MarkoMartin mit seinem Buch

„Dissidentisches Denken“ zu

einer Reise ein, Menschen zu

besichtigen. Es sind Schriftsteller

undWissenschaftler,die mit

ihrem Denken, mit ihren zum

Teil zunächst geheim publizierten

Schriften dazu aufriefen,

Unfreiheit und Unmenschlichkeit

zu benennen

und nicht hinzunehmen. Einige

hat der Reporter und Essayist

auf seinen„Reisen zu den

Zeugen eines Zeitalters“ persönlich

getroffen und schildert

die Begegnung mit ihnen, andere

porträtiert er aus ihren

Werken heraus. Er zeigt Verbindungslinien

zwischen ihnen,

so wenn Kafkas Freund

Max Brod auch Edgar Hilsenrath

beeinflusst, wenn Jean

Améry auf Primo Levi trifft.

MarkoMartin besuchte Václav

Havel und Milan Kundera,

sprach mit Jürgen Fuchs vor

dessen Tod. CorneliaGeißler

Buchvorstellungund Gespräch 20.30

Uhr,Buchhändlerkeller,Carmerstr.1

KINO

So 03.11.

20 Uhr |Philharmonie

dso-berlin.de

SIR ROGER

NORRINGTON

Mozart

Symphonie Nr.38

Martinů

Symphonie Nr.3


26 Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019

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Spreewild


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 27

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TV-Programm

ARD

9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live

nach Neun 9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45

(für HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer

weiß denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für HG)

Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm der Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Fluss 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Wer weiß

denn sowas? 18.50 (für HG) Morden im Norden

19.45 (für HG) Wissen vor acht –Zukunft 19.50

(für HG) Wetter vor acht 19.55 (für HG) Börse vor

acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Harry, Meghan und die

Presse –wie es wirklich um sie steht

Prinz Harry und seine Frau Meghan,

Herzog und Herzogin von Sussex, geben

ungewöhnliche Einblicke in ihr Leben als

Ehepaar und junge Eltern.

21.00 (für HG) Hart aber fair

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Rabiat

Klima retten? Ohne mich!

23.30 (für HG) Erst die Miete, dann die

Moral?

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.15 Explosiv –Weekend 6.00 Guten Morgen

Deutschland 8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte

Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap

9.30 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 10.00

Der Blaulicht Report. Reality-Soap 11.00 Der

Blaulicht Report. Reality-Soap 12.00 Punkt 12

–Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler

–4Räume, 1Deal 15.00 Schätze aus Schrott

16.00 Mensch Papa! Väter allein zu Haus 17.00

Herz über Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell

19.03 RTL Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bauer sucht Frau

Dateshow. Die erste Hofnacht liegt hinter

den Frauen, jetzt heißt es anpacken.

Christopher beweist für seine Hofdame

einen guten Riecher,und Sven lässt sich

von seiner Besucherin frisieren.

22.15 Extra –Das RTL Magazin

23.25 Spiegel TV

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Die Alltagskämpfer –Überleben in

Deutschland

Gestorben wird später /Fit im Alter

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG)

Mach dich ran 20.15 (für HG) Polizeiruf110:

Schneewittchen. Krimireihe, D2006 21.45 (für

HG) MDR aktuell 22.05 (für HG) Fakt ist! 23.03

MDR aktuell 23.05 (für HG) Happy –Mein Vater,

die Thaifrau und ich. Dokumentarfilm, D2016

0.30 (für HG) Salto Postale

Bayern

14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG)

Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) Wir in Bayern 17.30 Regionales 18.00 (für

HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Querbeet 19.30 (für HG)

Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Landfrauenküche 21.00 (für HG)

Bayern erleben 21.45 (für HG) Rundschau

Magazin 22.00 (für HG) Lebenslinien 22.45

Verleihung des Theodor-Herzl-Preises an

Bundeskanzlerin Angela Merkel 23.15 (für HG)

Der Kaiser von Schexing 0.05 schlachthof

Vox

5.15 CSI: NY 6.00 CSI: NY 6.55 (für HG) CSI:

Den Tätern auf der Spur 7.50 (für HG) CSI: Den

Tätern auf der Spur 8.50 Verklag mich doch!

9.50 Verklag mich doch! 10.50 Vox Nachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind 11.55 Shopping

Queen 12.55 Zwischen Tüll und Tränen 13.55

Mein Kind, dein Kind 14.55 Shopping Queen

16.00 4Hochzeitenund eine Traumreise 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates

19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent!

20.15 Goodbye Deutschland! Die Auswanderer

23.15 (für HG) Survivor 0.45 Vox Nachrichten

Super RTL

9.25 Die Oktonauten 9.45 Calimero 10.05

Sammy 10.35 Grizzy &die Lemminge 11.05 Voll

zu spät! 11.30 Alvinnn!!! 12.00 Go Wild! 12.30

Friends 12.50 Trolls –Die Party geht weiter!

13.10 Polly Pocket 13.40 Tom und Jerry 14.10

Bugs Bunny &Looney Tunes 14.20 Angelo!

14.45 Dragons 15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!!

16.10 Sally Bollywood 16.40 Die Nektons

17.10 Mighty Mops 17.40 Angelo! 18.10 Bugs

Bunny &Looney Tunes 18.35 Woozle Goozle

19.05 Alvinnn!!! 19.45 Tom und Jerry 20.15 On

the Case. Doku-Serie 0.20 Infomercials

Sport1

5.00 Sport Clips 5.30 Antworten mit Bayless

Conley 6.00 Die Arche-Fernsehkanzel 6.30

Teleshopping 15.30 Normal 16.00 Storage Wars

–Die Geschäftemacher. Doku-Soap. Daves

Rückkehr 16.30 Storage Wars –Die Geschäftemacher.

Doku-Soap. Topform 17.00 Fußball –

DFB-Pokal Klassiker 18.30 Fußball. Volkswagen

Pokalfieber 20.00 Fußball. DFB-Pokal Klassiker

22.00 Sport1 News 22.30 Goooal! 23.00

Fußball –Die MLS-Highlights 23.30 3. Liga Pur.

13. Spieltag 0.15 Sport Clips

ZDF

5.15 citydreams 5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin

9.00 (für HG) heute Xpress 9.05 (für HG)

Volle Kanne –Service täglich 10.30 (für HG)

Notruf Hafenkante 11.15 (für HG) Soko Wismar

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops. Krimiserie. Mozarts

kleiner Bruder 17.00 (für HG) heute 17.10 (für

HG) hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute

heute 18.00 (für HG) Soko Potsdam. Krimiserie.

Fluch der guten Tat 19.00 (für HG) heute 19.20

(für HG) Wetter 19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Die Schattenfreundin

Thriller, D2019. Mit Miriam Stein.

Notgedrungen vertraut Ärztin Kathrin

Ortrup ihren kleinen Sohn einer neuen

Freundin an. Doch dann verschwinden ihr

Kind und die andere Frau.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Atomic Blonde

Actionfilm, USA/D 2017. Mit Charlize

Theron, James McAvoy

0.00 heute+

0.15 (für HG) Der Funktionär

Dokumentarfilm, D2019

Sat.1

5.05 Auf Streife. Reality-Soap 5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen.

Moderation: Marlene Lufen,

Jochen Schropp 10.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Reality-Soap

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! Reality-Soap 12.00 Anwälte im

Einsatz. Reality-Soap 13.00 Anwälte im Einsatz.

Reality-Soap 14.00 Auf Streife. Reality-Soap

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reality-Soap

16.00 Klinik am Südring.Doku-Soap 17.00

Klinik am Südring –Die Familienhelfer.

Doku-Soap. Die Gemeinschaftspraxis 17.30

Klinik am Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Zerschunden –

Ein Fall für Dr. Abel

Thriller, D/B 2019. Mit Tim Bergmann.

True-Crime-Thriller in Anlehnung an einen

wahren Fall des Rechtsmediziners Prof.

Dr. Michael Tsokos

22.20 akte. Spezial

Zerschunden –die wahre Geschichte

23.25 In der Schuldenfalle: Aufmachen!

Polizei –Die Sat.1 Reportage

0.20 (für HG) Zerschunden –

Ein Fall für Dr. Abel

Thriller, D/B 2019. Mit Tim Bergmann

WDR

13.55 Erlebnisreisen 14.00 (für HG) Von und zu

lecker 14.30 (für HG) In aller Freundschaft

16.00 (für HG) WDR aktuell 16.15 Hier und

heute 18.00 (für HG) WDR aktuell /Lokalzeit

18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für HG)

Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Land und lecker

21.00 (für HG) Ausgerechnet 21.45 (für HG)

WDR aktuell 22.10 (für HG) Unterwegs im

Westen 22.40 (für HG) Sträters Männerhaushalt

23.25 (für HG) Wilfried Schmickler: Es war nicht

alles schlecht 0.50 (für HG) Best of Storno

NDR

14.15 (für HG) die nordstory 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) NDR//Aktuell

16.20 (für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG)

Leopard, Seebär &Co. 18.00 Regionales 18.15

(für HG) Die Nordreportage 18.45 (für HG) DAS!

19.30 Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Markt 21.00 (für HG) Die

Bewegungs-Docs 21.45 (für HG) NDR//Aktuell

22.00 (für HG) 45 Min 22.45 (für HG)

Kulturjournal 23.15 (für HG) Kommissar Beck –

Die neuen Fälle: Auge um Auge. Krimireihe, D/S

1997 0.45 (für HG) Die Bewegungs-Docs

Kabel eins

5.55 Eureka 7.40 Blue Bloods. Krimiserie 9.25

(für HG) Navy CIS: L.A. Krimiserie 10.20 Navy CIS

11.10 Without aTrace 12.10 Numb3rs 13.05

(für HG) Castle 14.00 (für HG) The Mentalist

14.55 (für HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins

news 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben

täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi

kommt 18.55 Achtung Kontrolle aktuell 20.15

(für HG) Shang-High Noon. Actionfilm, USA 2000

22.35 (für HG) Wild Wild West. Komödie, USA

1999 0.40 Crying Freeman –Der Sohn des

Drachen. Actionfilm, CDN/F 1995

RTLZWEI

5.15 Privatdetektive im Einsatz 6.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 7.00 Die

Straßencops West –Jugend im Visier 8.00

Frauentausch 14.00 Station B1 –Kinderärzte mit

Herz 15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die

Wache Hamburg 17.00 RTLZWEI News 17.05

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Die

Geissens –Eine schrecklich glamouröse Familie!

21.15 Die Reimanns 22.15 Hartes Deutschland

–Leben im Brennpunkt 0.15 Exklusiv –Die

Reportage 1.25 Exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

7.25 Snooker. World Open in Yushan. Tag 1, live

10.30 Snooker 12.25 Snooker. World Open in

Yushan. Tag 1, live 15.30 Snooker 16.30

Motorsport. WTCR in Suzuka 17.10 Motorsport.

WTCR in Suzuka 18.10 Motorsport. Porsche

Mobil 1Supercup 2019 in Mexico City. Letztes

von 10 Saisonrennen 18.55 Schwimmen 19.55

Nachrichten 20.05 Snooker 22.00 Nachrichten

22.05 Ski Alpin. FIS Weltcup 22.50 Ski Alpin. FIS

Weltcup 23.35 Schwimmen 0.30 Radsport. 113.

Lombardei-Rundfahrt2019 in Italien

TV-Tipps

ZDF, 22.15 UHR ACTIONFILM

Atomic Blonde

Berlin im November 1989: Am Rande einer Demonstration in Ostberlin

wird ein MI6-Agent ermordet. Er sollte eine Liste mit Namen von Doppelagenten

vomOsten in den Westen schmuggeln. Dieenglische Spionin

Lorraine Broughton (CharlizeTheron) wird nach Berlin geschickt, um den

Mordfall zu untersuchen und die Liste sicherzustellen. Dortangekommen,

trifft Lorraine auf den unorthodox arbeitenden Verbindungsoffizier David

Percival, der nach eigenen Regeln lebt und arbeitet. Obwohl sie sich gegenseitig

nicht trauen, versuchen beide,ihreMission erfolgreich zu erledigen.Es

ist der Beginn eines aberwitzigen und schlagkräftigen Katz-und-Maus-Spiels,

in dem eine sexy Agentin aus Frankreich, ein undurchsichtige CIA-Agent, ein

ominöse Verräter sowie ein brutaler KGB-Mann ganz eigene Ziele verfolgen.

(USA/2017)

Foto: ZDF

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Sonderbeilage am 1. November

1. FC UNION HERTHA BSC

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SUDOKU

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MEDIEN

PARTNER

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VOM vom26./27. 26.10.2019

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AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM

vom

26./27.

26.10.2019

10. 2019

SCHWER schwer

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9 3 1 4 7 8 6 2 5

6 7 8 3 5 2 1 4 9

8 6 3 1 2 5 4 9 7

7 4 2 8 9 6 5 3 1

1 9 5 7 3 4 2 8 6

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2 8 9 5 1 7 3 6 4

4 1 7 6 8 3 9 5 2

RBB

7.30 Sehnsuchtsort Wrangelkiez 8.00 (für HG)

Brandenburg aktuell 8.30 (für HG) Abendschau

9.00 (für HG) In aller Freundschaft 9.45 (für HG)

In aller Freundschaft –die jungen Ärzte 10.30

(für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm der

Liebe 12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach

Meer 14.00 (für HG) Schöne Aussicht.

Heimatkomödie, D2007 15.30 (für HG) Tiere bis

unters Dach 16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für

HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG) rbb24

17.05 (für HG) Panda,Gorilla &Co. 17.55 (für

HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb UM6

18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Super.Markt Moderatorin

Janna Falkenstein behandelt in dieser

Ausgabe folgende Themen: Vergammelte

Pilze /Rettungsgasse /Butter-Alternativen

/Altersvorsorge /Reste-Kochen /

Patientenakte

21.00 (für HG) Die Charité

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Tatort: Duisburg-Ruhrort

Krimireihe,D1981. Mit Götz George

23.35 (für HG) Polizeiruf 110: Amoklauf

Krimireihe,DDR 1988. Mit Peter Borgelt

0.30 (für HG) Heiter bis tödlich: Akte Ex

ProSieben

8.45 (für HG) Die Simpsons. Zeichentrickserie

9.15 (für HG) Die Simpsons 9.40 (für HG) Die

Simpsons 10.10 (für HG) Die Simpsons 10.40

(für HG) Die Simpsons 11.05 (für HG) Die

Simpsons 11.35 (für HG) Die Simpsons 12.00

(für HG) Die Simpsons 12.25 (für HG) Die

Simpsons 12.55 (für HG) Die Simpsons 13.20

(für HG) Die Simpsons 13.50 (für HG) Die

Simpsons 14.15 (für HG) Die Simpsons 14.40

(für HG) Die Simpsons 15.10 (für HG) Die

Simpsons 15.35 (für HG) Die Simpsons 16.05

(für HG) Die Simpsons 16.30 (für HG) Die

Simpsons 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10

(für HG) Die Simpsons. Stadt ohne Gnade 18.40

(für HG) Die Simpsons. Gone Boy 19.05 Galileo

20.15 (für HG) The Big Bang Theory

Sitcom. Das Roller-Revival. Wegen Amys

Wutanfall auf dem Empfang der

Nobelpreisträger werden sie und Sheldon

in die Personalabteilung bestellt. Dort

bekommen sie den Kopf gewaschen.

20.45 (für HG) Young Sheldon

21.10 (für HG) Die Simpsons

22.10 (für HG) The Big Bang Theory

23.10 Late Night Berlin –Mit Klaas

Heufer-Umlauf

0.20 (für HG) The Big Bang Theory

0.45 (für HG) Young Sheldon

Arte

8.45 Stadt Land Kunst 9.40 360° –Geo

Reportage 11.30 (für HG) Höllische Paradiese!

12.15 Re: 12.50 Arte Journal 13.00 Stadt Land

Kunst 14.00 Die schwarze Tulpe. Abenteuerfilm,

F/I/E 1963 15.50 Feine Stoffe, ferne Länder

16.45 (für HG) Xenius 17.10 Wie das Land, so

der Mensch 17.40 Arktika Incognita 18.35 (für

HG) Von Tierenund Hexen 19.20 Arte Journal

19.40 Re: 20.15 Der Staat gegen Fritz Bauer.

Drama, D2015 21.50 Der Richter und der

Mörder. Kriminalfilm, F1976 23.55 La Roue.

Stummfilm, F1923 3.45 (für HG) 28 Minuten

3Sat

13.20 Captain Cook auf Kreuzfahrt 14.05

Uruguay 14.50 Chiles wilder Süden 16.15 (für

HG) Wildes Patagonien 17.00 (für HG) In der

Hängematteauf dem Amazonas 17.45 (für HG)

Der Edelstein-Express 18.30 nano 19.00 (für

HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Island –Die

ungezähmteVulkaninsel 21.00 (für HG) Shannon

–Geheimnisvoller Fluss im Herzen Irlands 21.45

Berg und See in Eis und Schnee 22.00 (für HG)

ZIB 2 22.25 Ama-San. Dokumentarfilm, D2016

0.05 (für HG) Schluss mit Überfluss

Phoenix

5.00 Momente der Geschichte 5.45 Die

Rückkehr bedrohter Tierarten 8.00 phoenix vor

Ort 15.00 Festakt der Europäischen Zentralbank

17.30 phoenix der tag 18.00 Gifte, Daten,

Risiken 18.30 Die Müllers und das Hohe Haus

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Golfstrom –Der große Fluss im Meer. Dokumentation

21.00 (für HG) Che Guevara 21.45 (für

HG) heute journal 22.15 unter den linden.

Talkshow 23.00 phoenix der tag 0.00 unter den

linden 0.45 (für HG) Golfstrom –Der große Fluss

im Meer 1.30 Che Guevara

Kika

13.15 (für HG) Die Wilden Kerle 13.40 (für HG)

Die Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein –Erfurt

15.00 (für HG) Helium 15.45 Livespiel 15.50

Miss Moon 16.15 Die Piraten von nebenan

16.50 (für HG) Geronimo Stilton 17.35 Der

kleine Ritter Trenk 18.00 Sesamstraße

präsentiert: Eine Möhre für Zwei 18.10 (für HG)

Der kleine Drache Kokosnuss 18.35 Ernest &

Celestine 18.47 Baumhaus 18.50 Sandmännchen

19.00 Yakari 19.25 (für HG) Wissen macht

Ah! 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG) Kika

Live 20.10 (für HG) Durch die Wildnis

Dmax

8.50 Hardcore Pawn 9.20 Baggage Battles 9.50

Infomercial 10.15 Baggage Battles 11.15 Die

Zwangsvollstrecker 13.15 Dubai Airport 14.15

Ausgesetzt in der Wildnis 15.15 Ed Stafford: Wie

ich die Welt überlebte 16.15 Lone Star Law

17.15 Combat Dealers 18.15 SteelBuddies

19.15 A8 20.15 Der Geiger –Boss of Big Blocks

21.15 Chris &Mäx: Die Oldtimer-Spezialisten

22.15 Die Gebrauchtwagen-Profis 23.10 DMAX

News 23.15 Classic Remise –Das Haus der

Traumautos 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ARD-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrich

ten 9.15 Sind Raser Mörder? 10.00 Tagesschau

Nachrichten 10.15 Alles Wissen 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15

Weniger ist mehr 20.00 Tagesschau 20.15 Anne

Will 21.15 Tagesschau 21.17 Extra 21.30

Westpol –Politik in Nordrhein-Westfalen 22.00

Markt 22.45 Tagesschau vor 20 Jahren 23.00

Tagesthemen 23.30 Unsere Kleidung –Grün

gewaschen oder wirklich nachhaltig? Dokumenta

tion 0.00 Sport inside 0.30 Grenzenlose

Ganovenjagd 1.00 Nachtmagazin

ONE

6.40 Erlebnisreisen 6.50 Quarks 7.35 Party of

Five 9.10 kinokino 9.25 Lindenstraße 9.55 Hot

in Cleveland 10.15 Hot in Cleveland 10.35

Lindenstraße 11.05 Morden im Norden 11.55

Sturm der Liebe 13.30 Um HimmelsWillen

14.20 Die Landärztin: Aus heiterem Himmel.

Arztreihe, D/A 2007 15.50 Morden im Norden

16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in Cleveland

17.20 Lindenstraße 17.50 Hart aber herzlich

18.40 Sturm der Liebe 20.15 Grand Hotel

21.45 Seriös –Das Serienquartett 22.30 Private

Eyes 23.10 Hot in Cleveland 23.55 Der

Irland-Krimi: Die Toten von Glenmore Abbey.

Krimireihe,D2019 1.25 Grand Hotel

ZDF NEO

5.50 (für HG) Inspector Barnaby: Blut am Sattel

Krimireihe,GB2010 7.20 (für HG) Kerners

Köche 8.05 Topfgeldjäger 9.00

Lafer!Lichter!Lecker! 9.45 (für HG) Bares für

Rares 11.30 Dinner Date 12.15 (für HG) Monk

13.35 Psych 15.00 (für HG) Monk 16.20 Psych

17.40 (für HG) Bares für Rares 18.35 Dinner

Date 19.20 (für HG) Bares für Rares 20.15 (für

HG) Inspector Barnaby: Köpfen ist auch keine

Lösung. Krimireihe,GB2010 21.45 (für HG)

Inspector Barnaby: Blut am Sattel. Krimireihe, GB

2010 23.15 Art of Crime 0.05 Art of Crime 0.50

Spooks –ImVisier des MI5 1.45 (für HG)

heute-show 2.15 Shapira Shapira

ZDF INFO

9.00 Mysterien des Weltalls 9.45 Schuldig in

Schweden –Das Drama von Arboga 10.30 Tator

Dessau –Der Fall Yangjie Li 11.15 Die

Geheimnisse der Toten 12.45 Dem Tod auf der

Spur –Die Männer vom Kriminaldauerdienst

13.30 Momente der Geschichte 14.15 Der

Vietnamkrieg 18.45 Brudermord am Airport

19.30 Geheimakte Kim Jong Un –Nordkoreas

rätselhafterFührer 20.15 Geheimes Nordkorea

21.00 Undercover in Nordkorea –imReich des

Kim Jong Un 22.00 Gold für Kim –ein Leben für

Nordkoreas Führer 22.45 Im Niemandsland –

Was Korea teilt 23.30 Despoten 0.15 Mein

Besuch in Nordkorea

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Mit Bernhard Schrammek. Bachs

Festmusiken für die kurfürstlich-sächsische

Familie, ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik-Panorama 1. Raderbergkonzert 2019/20

Francis Poulenc: Sonate für Flöte und Klavier.

Heinz Holliger: „(t)air(e)“ für Flöte solo /Franz

Schubert: Variationen über das Lied „Trockne

Blumen“ für Flöte und Klavier, D802 /Thomas

Adès: Concert Paraphrase on „Powder Her Face“

für Klavier solo /Georg Philipp Telemann:

Fantasie Nr. 10 für Flöte solo fis-Moll,TWV

40:2-13 /César Franck: Sonate für Flöte und

Klavier A-Dur, ca. 105 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Der Ursprung der Welt (6/16). Von Ulric

Tukur. Gelesenvom Autor, ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Kriminalhörspiel Der Maulwurf. Von Rodney

David Wingfield. Übersetzung: Mariannede

Barde. Regie: Manfred Marchfelder. Mit: Herbert

Stass, Sibylle Nicolai, Rolf Becker, Joachim

Wichmann, Dieter Borsche, Friedhelm Ptok,

Martin Umbach. Ton: Karlheinz Stoll. Stark

benommen, wachen Frank, Bill und Jack in einem

Keller auf. Der britische Geheimdienst, ihr

ehemaligerArbeitgeber, hat sie in eine Falle

gelockt, denn einervon ihnen war und ist ein

Doppelagent, ca. 57 Min.

MAGAZIN

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Mit Ortrun Schütz. Michael Hurley

–Erinnerungen an den ewigen Hobo, der von de

Musikwelt vergessen trotzdem für die Volksmusik

szene von Greenwich Village in den 1960erund

1970er Jahren unverzichtbar war, ca. 30 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Schöne Stimmen Mit Rainer Damm. Der Bass

Enzo Dara. Den italienischen Bass-Virtuosen hat

der Dirigent und Rossini-Spezialist Alberto Zedda

als den begnadetsten Komödianten auf der

modernen Bühne bezeichnet. Dabei hütete er

sich immer vor Übertreibungen und warf nie mit

Schinken nach der Speckseite.Sein angeborene

Sinn für das Komische machte ihn auch als

Schriftsteller erfolgreich, ca. 56 Min.

JAZZ /BLUES

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

In Concert Jazzfest Bonn. Bundeskunsthalle.Joe

Lovano Trio „Tapestry“: Joe Lovano, Saxofon.

Marilyn Crispell, Klavier. Carmen Castaldi,

Schlagzeug. Moderation: MatthiasWegner,

ca. 87 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 250 · M ontag, 28. Oktober 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Garrett Kletjian hat mit einer verwaschenen,

brandlöchrigen Strickjacke

200 000 Dollar verdient. DieJacke gehörte

nämlich niemand geringerem

als dem 1994 verstorbenen Nirvana-

Sänger Kurt Cobain, der darin das

berühmte„MTVUnplugged“-Album

aufnahm. Kletjian ersteigerte sie im

Jahr 2015 für 137 000 Dollar.Am

Sonnabend kam sie in NewYorkfür

334 000 Dollar unter den Hammer.

Sie singt auch im

kleinen Kreis.

DPA

Helene Fischer

(35) füllt bei ihrenKonzerten

mühelos ganze

Fußballstadien.

Wenn allerdings

Trigema, der Bekleidungshersteller

mit dem

Schimpansenmaskottchen

einlädt, um 100. Firmenjubiläum zu

feiern, dann tun es auch 1500 geladene

Gäste in einem Festzelt in Burladingen

(Baden-Württemberg). Zu

den atemlosen ZuhörernimZelt gehörte

neben der Unternehmerfamilie

um Firmeninhaber Wolfgang

Grupp und seiner Belegschaft ein illustrer

Gästekreis aus Politik, Wirtschaft

und Gesellschaft. Ihnen allen

versicherte Fischer,sich selbst im

Sortiment eingedeckt zu haben: „Ich

habe mir Sportwäsche ausgesucht.

Herr Grupp,das kriegen aber nur Sie

zu sehen“, sagte sie.Dalaust uns

doch glatt der Affe. (avo.)

TIERE

Der Kauz wurde nahe der Grenze zu

Österreich gerettet. DPA/BUNDESPOLIZEI

Mit diesem Augenblick können wir

bestens gelaunt in eine neueWoche

starten: Unser Bild zeigt einen Raufußkauz

(Aegolius funereus)ineinem

Pappkarton. So weit, so schlecht.

Aber:Der zu den kleinen Eulen gehörendeVogel

wurde jetzt vonBeamten

der Bundespolizei gerettet, sie entdeckten

ihn bei einer Grenzkontrolle

in der Nähe des bayerischen Mittenwald

ohne Futter undWasser in einem

Fahrzeug. DerTierschutzverein

Garmisch-Partenkirchen nahm den

Kauz auf. DieTransporteurebekamen

eine Anzeige.Wir sagen: Bravo,

Bundespolizei! (schl.)

Noch sind etwa50Belugas in Gefangenschaft. Tierschützer mahnen zur Eile, um sie noch vor dem Winter freizulassen.

Auf dem Wegindie Freiheit

Im Osten Russlands waren 100 Wale in winzigen Becken eingesperrt. Jetzt dürfen sie zurück ins offene Meer

VonStefan Scholl, Moskau

Alexandra galt als Sorgenkind.

Dasjunge Orca-Weibchen

verschwand nach seiner

Freilassung nicht mit

seinen älteren Artgenossen im offenen

Pazifik. Stattdessen tauchte es

vor Fischerbooten auf, ließ sich füttern

und streicheln. Im Internet hagelte

es Kritik. „Kein Rehabilitierungsprogramm

kann wilde Tiere, in

deren Leben sich der Mensch eingemischt

hat, der Natur zurückgeben“,

schimpfte der Umweltaktivist Bacht

Mawlanow. „Man hat sie einem qualvollen

Todausgeliefert.“

Das Projekt war von Anfang an

umstritten: Im Juni verkündeten russische

Staatsreporter während einer

TV-Liveshow mit Wladimir Putin

eine „Weltsensation“: Manwolle alle

Meeressäuger, die im sogenannten

Walgefängnis in einer Bucht nahe

Wladiwostok eingesperrt waren,

auswildern. Acht Tierehabe man bereits

in Transportwannen verfrachtet.

Es klang nach Propagandashow.

„FreeWilly“ auf Russisch

Das Walgefängnis im Osten Russlands

war zuvor zu trauriger Berühmtheit

gelangt: Etwa 100 Belugas

und Orcas wurden seit Herbst 2018

in winzigen Schwimmbecken eingepfercht.

Privatfirmen hatten sie gefangen,

um sie an ausländische

Aquarien zu verkaufen. Internationale

Aufmerksamkeit bekam das

Walgefängnis, als Prominente wie

Leonardo DiCaprio und Pamela Anderson

die Freilassung der Tiere forderten.

Dann machte der Kreml auf

„FreeWilly“, frei nach dem Film über

einen kleinen Jungen, der einen Wal

aus einem Vergnügungsparkbefreit.

In den Becken haben die Tiere kaum Platz zum Schwimmen.

Die ersten Tiere wurden in Lkws

und auf Frachtkähnen 1800 Kilometer

über Land in die Sachalin-Bucht

des Pazifiks geschafft und dort ohne

weitere Vorbereitung ausgesetzt –

obwohl internationale und russische

Experten einen stressärmeren

Transport auf dem Seeweg gefordert

hatten. Die Fachleute sprachen sich

zudem für eine langsame Eingewöhnung

in größeren Gehegen aus, damit

die Tieresich vonMenschen und

Füttern entwöhnen und zu Jagdteams

zusammenfinden könnten.

Geholfen hat es nichts.„Nicht befreit,

sondern hinausgeworfen“, wetterte

das Walschutzbündnis „Freiheit

für Orcas und Belugas“ in einer Stellungnahme.

Doch der Zorn der Tierschützer

hat sich gelegt.„Es läuft alles

ziemlich gut“, sagt DmitriLisizyn von

der Ökowacht Sachalin über die Auswilderung,

die vom russischen Forschungsinstitut

für Fischerei und

Meereskunde organisiert wird. „Die

Wale bewegen sich sehr aktiv im

Meer,sie haben sich angepasst.“

WHALE WATCHING RUSSIA/AP/DPA

„Die Tiere sind in ihre wilden Familien

zurückgekehrt oder jagen

selbstständig“, berichtet Institutssprecher

Alexei Smorodow. Dabei

legten sie große Entfernungen zurück,

was eine gute körperliche Verfassung

belege. Das bestätigen auch

die Satelliten-Sonden, mit denen die

Experten einen Teil der freigelassenen

Meeressäuger versehen haben.

Im September zeigten die Sonden

dann auch Erfreuliches in Sachen

Alexandra. DasTier hatte sich inzwischen

zwei anderen Weibchen angeschlossen

und war im fischreichen

Archipel Schantarski unterwegs.

Dort beobachtete Walexperte Grigori

Zidulko von Greenpeace auch

ein anderes ausgewildertes Exemplar,das

sich einer fremden Orca-Familie

angeschlossen hatte. „Sie jagten

gemeinsam und das erfolgreich,

sie erbeuteten zwei Robben.“

Offenbar greifen in der freien Natur

die Instinkte der Wale,sie sind fähig,

sich zu orientieren, Fischgründe

und Artgenossen aufzuspüren. Und

FREE RUSSIAN WHALES/DPA

ihresoziale Intelligenz reicht aus,um

sich mit ihnen anzufreunden. Bisher

hat man zehn Orcas und 37 Belugas

in der Sachalin-Bucht ausgewildert.

Für den Transport der Belugas setzt

das staatliche Institut inzwischen eigene

Forschungsschiffe ein.

Die Tiere hätten bewiesen, dass

sie in der freien Wildbahn überleben

können, urteilen Ökologen. Es sei

die Ausnahme geblieben, dass das

Orca-Weibchen Alexandra nach ihrer

Freilassung Schiffe anschwamm

und um Fische bettelte, heißt es bei

Greenpeace. Und so etwas leisteten

sich manchmal auch wilde Orcas.

Eile ist geboten

Derzeit verharren noch etwa 50 Belugas

in den Becken des Walgefängnisses.

Sie sollen bis zum Winteranfang

ausgewildert werden. Dabei ist

Eile dringend geboten, denn bei Minusgraden

drohen den Tieren nach

Einschätzung der Walschützer in

den Transportwannen und beim

Verladen Erfrierungen.

Angesichts der schon beginnenden

Herbststürme will man die restlichen

Tierebis zum 1. November auf

zwei Schiffe verladen und ins Meer

bringen. Die Ökologen halten die

Chancen zwar für gering, dass es den

Belugas gelingt, sich diesen Herbst

noch mit ihren Artgenossen in der

Sachalin-Bucht zu vereinigen. Und

sie warnen vor nordkoreanischen

Fischwilderern, die in der Gegend

aktiv sein sollen.

Aber auch sie befürworten die sofortige

Freilassung der Belugas, da

ihnen sonst noch ein Winter im Walgefängnis

droht. „Am wichtigsten

ist“, sagt Zidulko, „dass die Tiere

dort, wo sie ausgewildert werden,

Nahrung finden können.“

Verheerende Waldbrände

wüten in Kalifornien

Angesichts der verheerenden Waldbrände

in Kalifornien haben die Behörden

am Sonntag Zehntausende

weitereMenschen angewiesen, ihre

Häuser zu verlassen. DieZwangsevakuierungen

betrafen die nördlich

vonSan Francisco gelegene Weinbauregion

Sonoma, wo bereits am

Sonnabend 90 000 Bewohner vor

den Flammen geflüchtet waren. Wegen

der großen Brandgefahr kam es

zu massiven Stromabschaltungen,

bis zu zwei Millionen Menschen

könnten betroffen sein. In dem US-

Bundesstaat wüten derzeit mehrere

Waldbrände,die durch Hitze, Trockenheit

und die berühmten Santa-

Ana-Winde angefacht werden. (AFP)

Haftbefehl erlassen: Eritreer

in Krefeld vor Zug gestoßen

Weil er einen Radfahrer im Krefelder

Hauptbahnhof voreinen einfahrenden

Zuggestoßen haben soll, sitzt

ein 34 Jahrealter Mann in Untersuchungshaft.

DasAmtsgericht habe

Haftbefehl wegen versuchten Totschlags

und gefährlichen Eingriffs in

den Schienenverkehr erlassen, teilte

die Staatsanwaltschaft am Sonntag

mit. Dertatverdächtige Deutsche

soll einen Eritreer samt dessen Fahrradvor

einen einfahrenden Zugins

Gleisbett gestoßen haben. DerZug

legte eine Vollbremsung hin, der 37-

Jährige konnte sich rechtzeitig wegrollen

und blieb unverletzt. Obwohl

der Staatsschutz eingebunden

wurde,gehen die Ermittler nach ersten

Erkenntnissen nicht voneiner

politisch motivierten Tataus. (dpa)

Verdächtiger nach

Leichenfund in Kino gefasst

In einem Multiplex-Kino der niederländischen

Stadt Groningen sind am

Sonnabend die Leichen eines Ehepaares

gefunden worden. Der56-

jährige Mann und seine 55 Jahrealte

Frau seien dortals Reinigungskräfte

beschäftigt gewesen, teilte die PolizeiamSonntag

mit. Wenige Stunden

zuvor hatten Beamte einen 33 Jahre

alten Verdächtigen unweit des Kinos

angeschossen und am Bein verletzt.

DerMann habe ein Messer in der

Hand gehabt. Er sei festgenommen

und zur Behandlung in ein Krankenhaus

gebracht worden. DasMotiv für

die Tatblieb zunächst unklar.Es

gebe bislang keine Anzeichen dafür,

dass Täter und Opfer sich kannten,

berichtete die Nachrichtenagentur

ANP unter Berufung auf die Polizei.

DieZeitung De Telegraaf berichtete,

die Opfer seien durch Messerstiche

getötet worden. (dpa)

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