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syndicom magazin Nr. 13

Das syndicom-Magazin bietet Informationen aus Gewerkschaft und Politik: Die Zeitschrift beleuchtet Hintergründe, ordnet ein und hat auch Platz für Kultur und Unterhaltendes. Das Magazin pflegt den Dialog über Social Media und informiert über die wichtigsten Dienstleistungen, Veranstaltungen und Bildungsangebote der Gewerkschaft und nahestehender Organisationen.

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<strong>syndicom</strong><br />

<strong>Nr</strong>. <strong>13</strong> Oktober–November 2019<br />

<strong>magazin</strong><br />

Service<br />

public<br />

digital


Anzeige<br />

Artist Nina Burri Spinas Civil Voices<br />

DER MENSCH IST KEINE MASCHINE.<br />

Weltweit werden Millionen von TextilarbeiterInnen<br />

schamlos ausgebeutet.<br />

Kämpfen für globale Fairness.<br />

www.solidar.ch


Inhalt<br />

4 Teamporträt<br />

5 Kurz und bündig<br />

6 Die andere Seite<br />

7 Gastautor<br />

8 Dossier: Service public<br />

16 Arbeitswelt<br />

17 GAV Postkonzern<br />

22 KI und Ethik<br />

25 Recht so!<br />

26 Freizeit<br />

27 1000 Worte<br />

28 Bisch im Bild<br />

30 Aus dem Leben von ...<br />

31 Kreuzworträtsel<br />

32 Inter-aktiv<br />

Liebe Leserinnen und Leser<br />

In seinem Buch mit dem prophetischen Titel<br />

«21 Lektionen für das 21. Jahrhundert» widmet<br />

der Historiker Yuval Noah Harari ein Kapitel der<br />

Science-Fiction, die (in ihren besten Beispielen)<br />

mit ihren Gedankenexperimenten Denkanstösse<br />

geben kann. Wenn wir eine bessere Zukunft<br />

wollen, müssen wir sie uns zuerst ausmalen.<br />

Der Gastbeitrag dieser Ausgabe – zum Thema<br />

digitaler Service public (und damit zu einer<br />

nahen Zukunft, die wir rasch gestalten müssen),<br />

stammt deshalb aus der Feder des Science-<br />

Fiction-Autors Antoine Jaquier (Seite 7). Seine<br />

Zukunftsvision ist definitiv nicht rosig. Auch<br />

unser Redaktor Marc Rezzonico hat sich kühn<br />

überlegt, wie die Gewerkschaft in zwanzig<br />

Jahren aussehen könnte. Wählt aus seinen drei<br />

Szenarien (auf Seite 23) jenes aus, das Euch<br />

anspricht, und erzählt uns von Euren Visionen.<br />

Näher an der heutigen Realität: Wir stimmen<br />

überein mit Professor Floridi, wenn er die<br />

Künstliche Intelligenz (Seite 22) als möglichen<br />

starken Verbündeten für die Lösung der Probleme<br />

der Menschheit bezeichnet: Es schlechter<br />

zu machen als die früheren Generationen, ist<br />

schwierig! Wir brauchen aber klare Regeln, eine<br />

neue Ethik und eine übergreifende Debatte,<br />

um zu fixieren, was in der neuen digitalen Welt<br />

richtig und was falsch ist. Wir brauchen eine<br />

«tiefe Demokratie», damit die Zivilgesellschaft<br />

den Staat in Richtung dieses digitalen Wandels<br />

führen kann. Gute Beispiele gibt es bereits,<br />

setzen wir sie um. Mit der Kraft unserer Ideen.<br />

4<br />

8<br />

22<br />

Giovanni Valerio, Redaktor <strong>syndicom</strong>


4<br />

Teamporträt<br />

Das starke Verhandlungsteam GAV Post<br />

Patrick Savary (49)<br />

Hat den letzten GAV mitverhandelt.<br />

Paketausträger, seit 1986 bei der Gewerkschaft.<br />

Vizepräsident der Sektion<br />

Waadt Post, Präsident Bereichsvorstand<br />

PostLogistics, Mitglied ZV.<br />

Lionel Beuret (53)<br />

Postauto-Chauffeur im Jura. Mitglied<br />

der Gewerkschaft seit über 30 Jahren.<br />

Präsident der nationalen Postauto-<br />

Kommission und PeKo-Präsident.<br />

René Frey (48)<br />

Seit 33 Jahren bei der Post und seit<br />

2008 Kundenberater bei PostFinance<br />

in Horgen. Vizepräsident der Sektion<br />

Linth, Firmenvorstand PostFinance.<br />

Daniel Trösch (51)<br />

Seit der Briefträger-Lehre 1985 in der<br />

Gewerkschaft. Für die Mitgliedschaft<br />

von PostMail im Bereichsvorstand und<br />

im Firmenvorstand Post CH AG.<br />

Carlo Mächler (58)<br />

Leitet Poststelle Schindellegi SZ,<br />

Gewerkschafter seit bald 40 Jahren.<br />

Präsident Bereichsvorstand Postnetz,<br />

Co-Präsident Firmenvorstand Post CH.<br />

Text: Nick Manouk<br />

Bild: Fabian Biasio<br />

«Die Post muss sich<br />

nun als fortschritt liche<br />

Arbeitgeberin<br />

beweisen!»<br />

«Jetzt ist es endlich losgegangen. Seit<br />

Ende September verhandeln wir den<br />

neuen GAV Post, der fast 35 000 Angestellte<br />

betrifft. Zuerst führen wir<br />

im Herbst die Verhandlungen für<br />

Post CH, im Frühjahr 2020 folgen die<br />

Konzernbereiche PostAuto und Post­<br />

Finance. Wir erwarten bei den Arbeitsbedingungen<br />

einen kräftigen<br />

Schritt nach vorne. Die Post muss<br />

sich nach den negativen Schlagzeilen<br />

der letzten Zeit nun als fortschrittliche<br />

Arbeitgeberin beweisen.<br />

Unsere Delegation setzt sich aus<br />

Mitarbeitenden aller Konzernbereiche<br />

zusammen. Ein gut vorbereitetes<br />

Team. Wir werden dafür sorgen, dass<br />

die Forderungen der <strong>syndicom</strong>-Basis<br />

während der hart auf hart geführten<br />

Verhandlungen auf den Tisch kommen.<br />

Nur wenn wir bei den Arbeitsbedingungen<br />

wesentliche soziale<br />

und materielle Verbesserungen erreichen,<br />

werden die Kolleginnen und<br />

Kollegen am Ende dem neuen GAV<br />

zustimmen. Ihre Bedürfnisse kennen<br />

wir dank der Umfrage von Anfang<br />

Jahr. Und im beruflichen und<br />

gewerkschaftlichen Alltag beobachten<br />

wir, wie die wachsende Flexibilisierung<br />

die Arbeitnehmenden an<br />

ihre Grenzen bringt.<br />

Mehr Wertschätzung für alle ist<br />

die Grundlage. Die Post muss ihre<br />

soziale Verantwortung wahrnehmen<br />

und die Arbeitsbedingungen attraktiver<br />

gestalten. Unser Katalog konkreter<br />

Forderungen ist lang: Flexible<br />

Arbeitseinsätze müssen sich auszahlen.<br />

Griffige Massnahmen sollen die<br />

Gesundheit der Angestellten schützen.<br />

Ohne Mitwirkung und Weiterbildung<br />

geht nichts. Auf prekäre<br />

Arbeitsverhältnisse muss verzichtet<br />

werden. Durchschnittslöhne dürfen<br />

nicht gesenkt werden. Digitalisierung<br />

muss zur Reduzierung der<br />

Arbeitszeit führen, Freizeit muss<br />

wieder planbar sein. Ältere Mitarbeitende<br />

fordern die Honorierung von<br />

Erfahrung und Betriebstreue sowie<br />

bezahlbare Modelle der Frühpensionierung.<br />

Frauen verlangen Gleichstellung.<br />

Wir sind also gefordert!<br />

Und wir sagen es gleich: Auf<br />

keinen Fall werden wir akzeptieren,<br />

dass die Turbulenzen bei PostFinance<br />

und PostAuto auf das Personal<br />

abgewälzt werden!»


Kurz und<br />

bündig<br />

Sind Zürich und Genf besonders smart? \ Allianz gegen Google,<br />

Facebook und Co. \ Milliardendeal Sunrise-UPC geplatzt \ Abbau<br />

und Sozialplan bei der Petri Holding \ Anti-5G-Volksinitiative \<br />

Der beste ICT-Ausbildner arbeitet bei Swisscom<br />

5<br />

Smart Cities Zürich und Genf<br />

Zwei Schweizer Städte erscheinen in<br />

den Top 10 des Rankings «IMD Smart City<br />

Index 2019». Zürich auf dem zweiten<br />

Platz, Genf an vierter Stelle. Dieses<br />

Klassement misst die technischen Möglichkeiten<br />

der Bewohner*innen und ihre<br />

Einstellung zu den neuen Technologien.<br />

Eine Rolle bei der Klassierung hat<br />

offen bar die hohe Akzeptanz von automatischer<br />

Gesichtserkennung und<br />

Kameraüberwachung gespielt. Nummer 1<br />

ist übrigens Singapur.<br />

Allianz der Konzerne gegen<br />

Google und Facebook<br />

Rund 20 Medientitel der Verlagskonzerne<br />

Ringier, Tamedia, NZZ und CH Media<br />

haben ihre Leser*innen aufgefordert,<br />

sich über ein persönliches Konto auf<br />

den Plattformen der Blätter einzutragen.<br />

Ziel ist es, gegen Google, Facebook<br />

und Co. Widerstand in Sachen Werbung<br />

zu leisten. Durch die persönlichen<br />

Konten soll eine gezielte Bewerbung<br />

möglich werden. Dem sollten wir mit<br />

grosser Vorsicht begegnen. Die Schweizer<br />

Medienkonzerne führen als Argument<br />

an, dass sie nur einen Viertel der<br />

hiesigen Ausgaben für Werbung kassieren,<br />

die amerikanischen Konzerne aber<br />

den Rest. Der Zusammenschluss nennt<br />

sich Swiss Digital Alliance.<br />

Sunrise: Milliarden-Übernahme<br />

geplatzt. Vorerst.<br />

In letzter Minute hat der Verwaltungsrat<br />

von Sunrise eine ausserordentliche<br />

Generalversammlung abgeblasen. Dort<br />

sollte eine Kapitalerhöhung beschlossen<br />

werden, um den Kauf von UPC zu finanzieren.<br />

Preis: 6,3 Milliarden Franken.<br />

Das hätte Sunrise, schon Nummer 2 im<br />

Schweizer ICT-Markt, deutlich gestärkt.<br />

Sunrise und der amerikanische UPC-<br />

Eigner Liberty Global waren sich einig<br />

und auch die Wettbewerbskommission<br />

hatte den Deal abgesegnet. Aber eine<br />

Gruppe von Sunrise-Aktionär*innen<br />

unter Führung von Freenet hat sich gegen<br />

die Übernahme gestemmt. Die ist<br />

damit aber noch nicht endgültig vom<br />

Tisch: Der Kaufvertrag ist im Prinzip bis<br />

zum 27. Februar 2020 gültig.<br />

Drastischer Abbau bei der<br />

Petri Holding in Basel<br />

Im September kündigte die Basler<br />

Verlags-, Druck- und Kommunikations-<br />

Gruppe Petri eine Umstrukturierung an.<br />

43 der 117 Stellen sollten gestrichen<br />

werden werden. Darauf versammelte<br />

die Personalkommission mit Hilfe von<br />

<strong>syndicom</strong> das Personal der beiden zur<br />

Holding gehörenden Unternehmen Die<br />

Medienmacher AG und Schwab Verlagsgruppe<br />

AG. Erstere untersteht dem<br />

GAV für die grafische Industrie,<br />

letztere nicht. Dennoch gelang es in<br />

Verhandlungen, einen stark verbesserten,<br />

einheitlichen Sozialplan für alle<br />

Betroffenen durchzusetzen. Und die<br />

Zahl der Entlassungen konnte von 43<br />

auf 33 reduziert werden. Es zeigt sich<br />

einmal mehr, wie wichtig die gewerkschaftliche<br />

Verankerung und das Zusammenspiel<br />

von Gewerkschaft und<br />

Personalkommission sind – auch jetzt,<br />

in der wichtigen Phase der Umsetzung<br />

des Sozialplanes.<br />

Volksinitiative gegen 5G<br />

Kritiker des neuen Mobilfunkstandards<br />

5G wollen ihn jetzt mit einer Volksinitia<br />

tive stoppen. Es geht dabei nicht<br />

nur um Sendeantennen und Grenzwerte.<br />

Die Initiative greift auch stark<br />

in die Gestaltung der Netzwerke in den<br />

Häusern ein. Motto: funkfrei.<br />

Wo arbeitet der beste<br />

Berufsbildner ICT? Erraten?<br />

Bei Swisscom.<br />

Es gibt nichts, wofür es nicht ein<br />

Rating und einen Preis gibt. Die Montreux-Oberlandbahnen<br />

(MOB) richten<br />

zusammen mit dem Credit Suisse und<br />

Emmi Suisse einen ICT Education and<br />

Training Award aus. Kürzlich fand die<br />

ICT Award Night 2019 statt. Als bester<br />

Berufsbildner wurde Thomas Albori von<br />

Swisscom gekürt.<br />

Agenda<br />

November<br />

2.<br />

Branchenkonferenz Medien<br />

In Zürich findet die Branchenkonferenz<br />

Presse und elektronische Medien statt.<br />

Volkshaus, <strong>13</strong>.30–16.30 Uhr<br />

8.–10.<br />

Tÿpo: Balance finden<br />

Die 5. Ausgabe der Tÿpo St. Gallen<br />

stellt das Thema Balance in den Mittelpunkt.<br />

Interessierte: Grafische Industrie,<br />

Verpackungsdruck, visuelle Kommunikation.<br />

Schule für Gestaltung,<br />

ab 8. 11., 14 Uhr. www.typo-stgallen.ch<br />

21.<br />

Syngenta spricht Chinesisch<br />

2016 hat der Staatskonzern ChemChina<br />

den Saatgut- und Agrochemieriesen<br />

Syngenta für 43 Milliarden Dollar<br />

gekauft. Christoph Mäder, ehemaliges<br />

Konzernleitungsmitglied von Syngenta,<br />

lässt tief blicken.<br />

Basel, WWZ Auditorium, 18.15 Uhr<br />

23.<br />

Berner Medientag<br />

Thema: Inhalt sucht Publikum.<br />

Mit welchem Kanal ins Ziel?<br />

Bern, Aula WKS, 14 bis 17 Uhr<br />

Vorschau<br />

19.–21. 1. 2020<br />

Winterwanderung ans WEF<br />

Das Kollektiv Tour de Lorraine lädt, mit<br />

diversen anderen Organisationen, zu<br />

einer Winter-Protestwanderung über<br />

das Thema Klimagerechtigkeit ans<br />

Weltwirtschaftsforum in Davos ein.<br />

Mehr wissen: tourdelorraine.ch/tdl20<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/agenda


6 Die andere<br />

Pius Breu<br />

Seite<br />

leitet das Ressort Personalpolitische Projekte und Diversity<br />

im Eidgenössischen Personalamt. Wie reagiert der Bund auf<br />

die Digitalisierung? Wie sieht die staatliche Personalpolitik<br />

aus? Das fragten wir den Mann an der Quelle.<br />

1<br />

Wie bereitet sich das Eidgenössische<br />

Personalamt auf die Digitalisierung<br />

des Service public vor?<br />

Im Rahmen der neuen Personalstrategie<br />

2020–2023 wird der Fokus auf<br />

die Herausforderungen des Personalmanagements<br />

bei der digitalen<br />

Transformation der Bundesverwaltung<br />

gelegt. Die Mitarbeitenden<br />

sollen mit gezielten Massnahmen<br />

darauf vorbereitet und im Transformationsprozess<br />

begleitet werden.<br />

2<br />

Welches ist dabei die grösste Herausforderung?<br />

Neben den neuen technologischen<br />

Möglichkeiten liegt eine der grössten<br />

Herausforderungen darin, die richtigen<br />

und relevanten Kompetenzen<br />

bei den Mitarbeitenden der Bundesverwaltung<br />

zu entwickeln und zu fördern.<br />

3<br />

Rechnen Sie mit einem starken<br />

Personalabbau?<br />

Die Digitalisierung wird Auswirkungen<br />

auf einzelne Berufsgruppen<br />

haben – die Jobprofile werden sich<br />

punktuell verändern. Es werden sich<br />

jedoch auch neue Berufsprofile<br />

etablieren.<br />

4<br />

Wie wirkt sich die bereits laufende<br />

Digitalisierung des Service public<br />

aus?<br />

Digitalisierung findet nicht erst heute<br />

statt – sie hat sich durch neue Technologien<br />

jedoch stark akzentuiert.<br />

Verschiedene Dienstleistungen und<br />

Prozesse des Service public konnten<br />

dadurch vereinfacht und beschleunigt<br />

werden.<br />

Text: Bo Humair<br />

Bild: zVg<br />

5<br />

Wir vermuten, dass Sie einen Fokus<br />

auf Umschulung und Weiterbildung<br />

legen. Was geschieht da und was bereiten<br />

Sie vor?<br />

Neben dem bereits bestehenden,<br />

breiten Ausbildungsangebot werden<br />

die Mitarbeitenden mit gezielten<br />

Massnahmen auf die digitale Transformation<br />

vorbereitet.<br />

6<br />

Welche neuen Berufe braucht der<br />

Service public heute und morgen?<br />

Laut verschiedenen Studien werden<br />

künftig insbesondere Kompetenzen<br />

wie Sozialkompetenz, Kreativität und<br />

Intuition an Bedeutung gewinnen.<br />

Fähigkeiten wie Flexibilität, kritisches<br />

Denken, Unternehmergeist<br />

und Selbständigkeit dürften in der<br />

neuen Arbeitswelt ebenfalls wichtiger<br />

werden. Wichtig ist auch, das bereits<br />

vorhandene Potenzial bei den Mitarbeitenden<br />

zu erkennen und gezielt<br />

zu fördern.


Gastautor<br />

«Ich hatte Übermenschliches<br />

geleistet, um am Ball zu bleiben: Mit den neuen<br />

Apps umgehen. Lernen, ohne Ansprechpartner<br />

zu leben. Alles ist digitalisiert. Lebt wohl, Briefträger,<br />

Helplines und Beamte. Sie finden alles im<br />

Internet. Das Formular ist online. Besuchen Sie<br />

uns im Web. Nein, keine Kasse mehr. Ihre Artikel<br />

werden hier gescannt, der Betrag wird Ihrem<br />

Konto belastet. Ihre Punkte werden gutgeschrieben.<br />

Ist das nicht ganz wunderbar?»<br />

Dies ist ein Auszug aus meinem letzten Roman<br />

«Simili-love». Er erzählt davon, wie die Algorithmen<br />

die Macht übernehmen und die Gedanken<br />

und Gefühle der Menschen hacken. Wir lassen<br />

Big Data die Daten unseres Alltags sammeln.<br />

Die Konzerne sind begeistert. Ständig werden<br />

die positiven Aspekte dieser Kontrolle betont –<br />

vor allem bei der Gesundheit –, und so lassen<br />

wir es geschehen. Sicher auch aus Faulheit. Die<br />

künstliche Intelligenz ersetzt den Menschen jeden<br />

Tag ein bisschen mehr und rettet damit die<br />

Verwaltungsräte, CEOs und Aktionäre vor ihrer<br />

Verantwortung für die menschlichen Tragödien,<br />

die ihr Wachstumswahn hervorgebracht hat.<br />

Hoffentlich liege ich falsch, aber ich persönlich<br />

habe die Hoffnung verloren. Denn seit der<br />

industriellen Revolution, vielleicht sogar seit der<br />

Renaissance, als die Händler langsam die Macht<br />

in unserer Gesellschaft übernahmen, hat das<br />

Marktdenken, heute Kostendenken, stets mehr<br />

Gewicht als das Soziale und das Menschliche.<br />

Ab dem 19. Jahrhundert hat dieses Marktdenken<br />

sich das Soziale untertan gemacht. Die gesellschaftliche<br />

Ordnung im Dienst der Arbeit. Der<br />

Mensch im Dienst der Arbeit! In unserer Welt<br />

läuft es derart verkehrt, dass wir diese<br />

Absurdität nicht erkennen. Ich glaube, der<br />

Mensch hat verloren, und das Monster des digitalisierten<br />

Kapitalismus wird ihn bei seinem Fall<br />

mit sich reissen. Bis dahin bleibt eine Frage:<br />

Auf welche Weise wollen wir diese Niederlage erleiden:<br />

auf den Knien oder mit erhobener Faust?<br />

Auf Knien oder mit<br />

erhobener Faust?<br />

Antoine Jaquier wurde 1970 in Nyon (VD)<br />

geboren. Als Romanschreiber sieht er<br />

sich nicht minder als Sozialarbeiter.<br />

Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren in<br />

der Region Lausanne.<br />

Für seinen ersten Roman, «Ils sont tous<br />

morts», erschienen 20<strong>13</strong> in den Editions<br />

de L’Âge d’Homme, erhielt er 2014 den<br />

Edouard-Rod-Literaturpreis.<br />

Mit «Avec les chiens», erschienen 2015<br />

im gleichen Verlag, gewann er 2016 den<br />

Prix des lecteurs der Stadt Lausanne.<br />

Sein dritter Roman, «Légère et courtvêtue»,<br />

erschien im Frühjahr 2017 bei<br />

Editions de La Grande Ourse.<br />

«Simili-love», 2019 bei Éditions du<br />

Diable Vauvert erschienen, ist sein<br />

erster Zukunftsroman.<br />

7


Mehr freie Zeit: So nutzen wir die digitalen Chancen<br />

Der digitale Service public fängt an, wo Automatisierung aufhört<br />

Warum Digitalisierung nur mit sozialer Innovation geht<br />

Digitale Allmend: Darum müssen wir schon selber Hand anlegen<br />

Dossier 9<br />

Als der<br />

Service<br />

public<br />

digital<br />

wurde


10 Dossier<br />

Darum müssen wir den Service public<br />

stärken – und ihn digital neu begründen<br />

Der neue Öffentliche Dienst kann die<br />

Strategien der Konzerne zähmen und die<br />

enormen Möglichkeiten einer sozialen<br />

Digitalisierung allen zugänglich machen.<br />

Text: Bo Humair, Marc Rezzonico<br />

Bilder: Fabian Biasio<br />

Seltsam: Er macht ein starkes Drittel der Volkswirtschaft<br />

aus und er ist das Rückgrat der zwei anderen Drittel. Für<br />

99 Prozent der Menschen ist er existenziell. Und doch ist<br />

der Service public in der öffentlichen Diskussion selten<br />

ein grosses Thema. Nicht einmal bei den jüngsten Wahlen<br />

zum Nationalrat.<br />

Es sei denn, wir Gewerkschaften fordern wieder einmal<br />

seine Stärkung. Wir engagieren uns für den Öffentlichen<br />

Dienst, weil klar ist: Wer weniger als 20 000 Franken<br />

monatlich verdient, ist auf gute öffentliche Schulen,<br />

Berufsbildung und Hochschulen, auf billiges, sauberes<br />

Wasser, eine bürger*innennahe Verwaltung, Strom ohne<br />

Unterbrüche, Rettungsdienste und Spitäler, soziale Sicherheit,<br />

dichte öffentliche Verkehrsnetze, eine stabile AHV,<br />

ein funktionierendes und egalitäres Rechtssystem, Ökologie<br />

und Abfallwirtschaft, flächendeckende Kommunikationsmittel,<br />

Netzdienste, Kinderbetreuung, physische<br />

Sicherheit und eine Menge anderer Dinge angewiesen.<br />

Und im täglichen Getriebe auf direkte Ansprechpersonen<br />

bei der öffentlichen Hand (darum zeigen wir auf diesen<br />

Seiten keine Service-public-Computer und -Roboter, sondern<br />

Gesichter des Service public).<br />

Ein Stück Gemeinbesitz<br />

Nur Reiche können sich einen armen Service public<br />

leisten. Allein Mächtige können auf starke öffentliche<br />

Dienste verzichten. Darin liegt der eigentliche Grund für<br />

seine Existenz. Er ist aus der Tatsache gewachsen, dass<br />

der gesellschaftliche Zusammenhalt eine ausgleichende<br />

Mechanik (wie etwa Sozialversicherungen) braucht. Das<br />

war bis zur neoliberalen Revolution in den 80er-Jahren<br />

unbestritten. Als Gegenstück zur profitorientierten Wirtschaft<br />

sollte der Service public für Chancengleichheit, diskriminierungsfreien<br />

Zugang und ein wenig soziale Gerechtigkeit<br />

sorgen. Denn er gehört uns allen, er ist ein<br />

Stück Allmend, kollektives Vermögen, Gemeinbesitz.<br />

Ohne Service public gibt es keinen sozialen Frieden und<br />

keine Rechtsgleichheit, also keine Demokratie.<br />

Das stabilisierte die Verhältnisse. Dennoch arbeiten<br />

Konzerne und Banken, bürgerliche Politiker und die rechten<br />

Ökonomen an den Hochschulen seit bald drei Jahrzehnten<br />

an der Zerschlagung des Service public – mit<br />

Privatisierungen, gesetzlichen Deregulierungen, Aufsplitterungen,<br />

Auslagerungen. Ihre Sprachrohre wie die NZZ,<br />

der britische Economist oder das Wall Street Journal haben<br />

nie kaschiert, worum es dabei geht: Die Aktionäre schneiden<br />

sich die rentablen Teile des Service public heraus.<br />

Exorbitante Gewinne winken, die Verluste trägt die Allgemeinheit.<br />

Erst recht wenn sich die Konzerne, wie beim öffentlichen<br />

Verkehr, der Wasserversorgung oder der Sicherheit,<br />

vom Staat subventionieren lassen.<br />

Vor allem aber dient diese Zerschlagung den neoliberalen<br />

Strategen zur Kündigung des sozialen Kompromisses:<br />

Menschen, denen die Sicherheiten einer fürsorglichen<br />

öffentlichen Hand entzogen werden, sind den<br />

Zumutungen des Kapitals bei der Arbeit und der Vermarktung<br />

ihrer Bedürfnisse fast schutzlos ausgeliefert.<br />

Auch in der Schweiz sind die Konzerne tief in die öffentlichen<br />

Dienste vorgedrungen. Post und Telecom wurden<br />

getrennt und weitgehend dereguliert. Zahllose Linien<br />

des öffentlichen Verkehrs wurden und werden privatisiert.<br />

Das SRG-Monopol ist gefallen. Die SUVA und die<br />

AHV wurden zurückgebunden, und wir könnten hier mit<br />

einer langen Liste weitermachen.<br />

Im Unterschied etwa zu Frankreich, wo Präsident<br />

Macron gerade das letzte Tafelsilber an Financiers verscherbelt,<br />

würden grosse Privatisierungsvorhaben in der<br />

Schweiz heute wohl am Widerstand der Gewerkschaften<br />

und der Gesellschaft scheitern, trotz des intensiven<br />

Lobby ings von Organisationen wie Avenir Suisse.<br />

Längst aber haben die Gegner des Service public einen<br />

indirekten Weg der Zerschlagung gefunden. Mit extremen<br />

Austeritätshaushalten in Gemeinden, Kantonen und<br />

Bund sparen sie die öffentlichen Dienste und die bundesnahen<br />

Betriebe wie die Post oder die SBB krank und kaputt.<br />

Das löst eine Negativspirale aus: sparen, sinkende<br />

Qualität, Vertrauensverlust, Auslagerungen, schleichender<br />

Abbau ... Wie <strong>syndicom</strong>-Präsident Daniel Münger formuliert:<br />

«Der Service public wird diffamiert, pauperisiert,<br />

dereguliert, uberisiert.»<br />

Digitale Strategie gegen den Service public<br />

Münger weiss: Das war nur das Vorspiel, jetzt steht die<br />

grosse Ausmarchung an. In der Digitalisierung glauben<br />

die Aktionäre und Privatisierer das ultimative Instrument<br />

zum Umbau der Schweiz gefunden zu haben. Ihre Attacke<br />

auf Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, Arbeitsverträge und<br />

den Service public rollt an. Mit Automatisierung und<br />

Roboteri sierung. Mit Plattformen. Mit Big Data, Blockchain<br />

und allmächtigen Algorithmen.<br />

Dabei scheinen die Kräfte sehr ungleich verteilt. Wie<br />

können geregelte Arbeitszeiten und korrekte Löhne gegen<br />

Plattformen und digitale Heimarbeit verteidigt werden?<br />

«Die digitale<br />

Gesellschaft<br />

braucht<br />

ein soziales<br />

Betriebssystem»


Wie schützt man das digitale Klick-Proletariat? Wie rettet<br />

man die AHV und andere Sozialversicherungen vor der<br />

Uberisierung der Arbeit? Und Roboter zahlen auch keine<br />

AHV-Beiträge, von der Arbeitslosenversicherung gar nicht<br />

erst zu reden. Ist der Datenschutz mehr als ein leeres Wort<br />

angesichts der Verknüpfung gigantischer Datenmengen<br />

durch globale Tech-Konzerne? Wo generiert der Staat seine<br />

Einnahmen (Steuern) für die notwendigen Dienste,<br />

wenn die Konzerne im Internet und physisch exterritorial<br />

domiziliert sind? Ist eine demokratische Meinungsbildung<br />

in der Google- und Social-Media-Welt mehr als eine<br />

Illusion? Wer setzt Umweltvorschriften oder Gesundheitsstandards<br />

gegen Amazon oder Alibaba durch? Wohin<br />

kann ich mich wenden, wenn ein chinesischer Konzern<br />

mehr medizinische Daten von mir kennt als ich selbst?<br />

Was bleibt von einer Wohnungspolitik, wo Airbnb sein<br />

Unwesen treibt? Was kann die Nationalbank gegen<br />

Krypto währungen ausrichten? Fragen und Fragen und jeder<br />

Tag bringt neue hervor.<br />

Der Abnicker-Bundesrat<br />

Antworten, darunter viele erprobte Lösungen, existieren.<br />

Nur nicht da, wo man sie suchen möchte: Bundesrat und<br />

Parlament sind heute eher Teil des Problems als einer<br />

Lösung. Sie haben es unterlassen, für den digitalen<br />

Umbau ein umfassendes Konzept und angemessene<br />

öffentliche Dienste zu schaffen. Sie überlassen die Digitalisierung<br />

allein den Konzernen, und sie schliessen die<br />

Gesellschaft von der Mitgestaltung aus.<br />

Ein sprechendes Beispiel dafür ist der «Beirat Digitale<br />

Transformation» des Bundesrates. Ein hochkarätiges<br />

Gremium, das weitreichende Entscheide wie etwa die<br />

Ausgestal tung und Verwendung von elektronischen<br />

Patientendossiers, den künftigen Datenschutz oder die<br />

Privatisierung der neuen Identitätskarte vorspurt. Doch<br />

der Bundesrat hat sich nicht entblödet, damals noch<br />

unter Führung von Johannes Schneider-Ammann, in den<br />

Rat ausschliesslich Vertreter der Konzerne und der Digitalisierungslobby<br />

zu berufen. Keine Gewerkschafterinnen,<br />

keine Konsumentenschützer, keine Fachleute von<br />

kritischem Verstand, keine Bürgerinnen und Bürger. Die<br />

Ergebnisse sind entsprechend: Ein geleaktes Protokoll<br />

der (geheimen) Beiratssitzung vom 25. Oktober 2018 zeigt<br />

Konzernmanager, darunter ein Google-Mann, die in Bezug<br />

auf Patientendossiers über die Beugung von Gesetz<br />

und Volkswillen fachsimpeln, und Leute aus der Verwaltung,<br />

die ihnen willfährig zudienen.<br />

Dieser Beirat gehört sofort abgeschafft (und seine Protokolle<br />

müssen veröffentlicht werden), wie die <strong>syndicom</strong>­<br />

Delegiertenversammlung im Juni und der SP-Nationalrat<br />

Corrado Pardini in einer Motion gefordert haben. Nur<br />

zeigen dieser Fall und andere Vorstösse der Digitalisierer,<br />

wie die binäre Schweiz der Konzerne aussehen würde:<br />

Gläserne, ihrer Grundrechte beraubte Bürger*innen. Zusammengestauchte<br />

Demokratie, Herrschaft der Konzerne.<br />

Millionen prekäre Arbeitende. Und ein vollautomatisierter,<br />

ausgehungerter Mini-Service-public.<br />

Digital muss sozial!<br />

Eine solche Perspektive kann nur den anhaltenden Widerstand<br />

von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft provozieren.<br />

Wir wollen eine soziale und demokratische Digitalisierung.<br />

Der erste Schritt dahin ist die Stärkung und<br />

Neubegründung des Service public. Eines digitalen Service<br />

public.<br />

Ihm stellt sich die doppelte Aufgabe, einerseits mit<br />

neuen Diensten die Risiken der Digitalisierung abzuwenden,<br />

andererseits alle Möglichkeiten der digitalen Revolu­


12<br />

Dossier<br />

tion für neue soziale Errungenschaften zu nutzen, etwa<br />

die massive Verkürzung der Arbeitszeit und eine vertiefte<br />

demokratische Mitsprache. Giorgio Pardini, in der <strong>syndicom</strong><br />

für die ICT-Wirtschaft zuständig, sagt: «Die digitale<br />

Gesellschaft braucht ein soziales Betriebssystem.»<br />

Anschaulich wird das im Konkreten. Auf dem Lande,<br />

wo Poststellen schliessen und der öffentliche Verkehr für<br />

mehr Rentabilität ausgedünnt wird, gären Revolten, weil<br />

sich die Menschen ausgeschlossen fühlen. Doch das ist<br />

nur ein matter Vorgeschmack darauf, was die zunehmende<br />

Entmaterialisierung der anderen öffentlichen Dienste<br />

an Ausschluss und Marginalisierung provozieren wird.<br />

Leicht beobachten kann man dies in Nachbarländern, die<br />

ihre öffentlichen Dienste schon stärker digitalisiert haben.<br />

Wo Steuern nur noch elektronisch abgewickelt, Ausweise,<br />

Bewilligungen, Subventionen, Stipendien, Abstimmungen,<br />

Jobsuche, Nachfragen bei Sozialversicherungen<br />

allein über Internet-Formulare geregelt werden, ist sofort<br />

ein Teil der Bevölkerung abgehängt. Nicht nur die Älteren.<br />

Die Kinder der Digitalisierung, die «Digital Natives» sind<br />

zwar online zu Hause, aber oft nur in Unterhaltungsmedien.<br />

Müssen sie Probleme regeln, erweisen sie sich oft<br />

als digitale Analphabeten.<br />

Digitale Spaltung der Gesellschaft<br />

Die digitale Spaltung<br />

der Gesellschaft<br />

verschärft die<br />

sozialen Unterschiede.<br />

Diesen «Digital Divide», die digitale Spaltung der Gesellschaft,<br />

will der Walliser SP-Nationalrat Mathias Reynard<br />

nun schon in der Schule bekämpfen. Sein Postulat<br />

begründet er so: Bevorzugte Schichten nutzen digitale Instrumente,<br />

um ihr schon beträchtliches kulturelles Kapital<br />

zu erhöhen. Die Digitalisierung verschärft die sozialen<br />

Unterschiede.<br />

Für einen neu gedachten, echten Service public stellt<br />

sich also ein doppeltes Problem: Er muss die digitale Spaltung<br />

der Gesellschaft, die sich zwischen sozialen Schichten,<br />

Altersgruppen und auch zwischen den Geschlechtern<br />

manifestiert, durch Bildungsprogramme auf allen Stufen<br />

sowie durch Anstrengungen bei der intuitiven Ausgestaltung<br />

der Dienste bekämpfen. Und für jeden Vorgang muss<br />

es weiterhin Ansprechpersonen geben. Nicht nur Sprachbots.<br />

Niederschwelliger, kostenfreier Zugang ist ein<br />

Grundrecht.<br />

Umgekehrt könnten neue digitale Bildungsinstrumente<br />

die kulturelle Hegemonie der oberen Schichten<br />

brechen. Die öffentliche Hand muss solche Bildungs- und<br />

Weiterbildungsangebote bereitstellen und digitale Bildungsangebote<br />

aus der Gesellschaft kompetent unterstützen.<br />

Dies wirft ein Schlaglicht darauf, was ein digitaler<br />

Service public, wie wir ihn wollen, leisten müsste – und<br />

was er könnte.<br />

Deutlich wird auch, dass wir uns bei der Aushandlung<br />

des Service public digital nicht auf Regierung oder Parlament<br />

verlassen sollten. Es ist Aufgabe der Organisationen<br />

der Zivilgesellschaft wie <strong>syndicom</strong>, den neuen Öffentlichen<br />

Dienst zu definieren und durchzusetzen.<br />

bit.ly/2pv4CVg<br />

Fotostrecke<br />

Die Idee, unser Dossier über den digitalen Öffentlichen<br />

Dienst mit Gesichtern des Service public zu bebildern,<br />

stammt vom bekannten Luzerner Fotoreporter Fabian Biasio.<br />

Die Kantonsrichterin Marianne Heer (Seiten 8/9), der Poststellenhalter<br />

Carlo Mächler (Seite 11), der Pilzkontrolleur<br />

René Zopp (Seite 12) und der Zugbegleiter Roger Gander<br />

(Seite 15) stehen für eine leitende Forderung von <strong>syndicom</strong>:<br />

Auch in digitalen Zeiten muss der direkte menschliche<br />

Kontakt den Service public prägen. Biasio sagt: «Mein Job ist<br />

es, mit Bildern Geschichten zu erzählen. Geschichten, die<br />

berühren.» Auf seiner Webseite sind einige hervorragende<br />

Arbeitsproben zu sehen.<br />

www.biasio.com/willkommen.html<br />

Die Helvetia-Illustration auf der Titelseite stammt von<br />

tnt-graphics.ch


Wie digital ist die Schweiz?<br />

Die Schweizer Wirtschaft ist in der digitalen Anwendung stark,<br />

die Vernetzung der Schweizerinnen und Schweizer ist gut, ihre digitalen<br />

Fähigkeiten und Kenntnisse ein bisschen weniger und der digitale<br />

Service public hängt hinter anderen Ländern her.<br />

Social Media/Internet in der Wirtschaft<br />

90 %<br />

80 %<br />

70 %<br />

60 %<br />

50 %<br />

40 %<br />

30 %<br />

20 %<br />

10 %<br />

0 %<br />

Schweiz<br />

Island<br />

EU Top 4<br />

Südkorea<br />

USA<br />

Japan<br />

EU-Durchschnitt<br />

China<br />

Vernetzung<br />

Digitale Fähigkeiten<br />

Digitaler Service public<br />

90 %<br />

90 %<br />

90 %<br />

80 %<br />

80 %<br />

80 %<br />

70 %<br />

70 %<br />

70 %<br />

60 %<br />

60 %<br />

60 %<br />

50 %<br />

50 %<br />

50 %<br />

40 %<br />

30 %<br />

20 %<br />

10 %<br />

0 %<br />

Südkorea<br />

Schweiz<br />

EU Top 4<br />

Japan<br />

Island<br />

USA<br />

EU-Durchschnitt<br />

China<br />

40 %<br />

30 %<br />

20 %<br />

10 %<br />

0 %<br />

Island<br />

Südkorea<br />

EU Top 4<br />

Japan<br />

Schweiz<br />

EU-Durchschnitt<br />

USA<br />

China<br />

40 %<br />

30 %<br />

20 %<br />

10 %<br />

0 %<br />

EU Top 4<br />

Südkorea<br />

USA<br />

Japan<br />

EU-Durchschnitt<br />

China<br />

Island<br />

Schweiz<br />

Quelle: I-DESI-Studie 2018 für die Europäische Kommission<br />

Swiss wiki<br />

Digital<br />

divide<br />

DIGITALE ALLMEND<br />

DIGITALER SERVICE PUBLIC<br />

Open<br />

Access<br />

INTERNET<br />

Open Data<br />

Social Media<br />

Information<br />

Transparente Regierung<br />

MENSCH<br />

Big Data<br />

KI<br />

FabLabs<br />

Transformation<br />

Open Software<br />

Medienökologie<br />

DATENSCHUTZ<br />

Wissen<br />

E-Voting<br />

ECHTE DEMOKRATIE<br />

Cloud<br />

Algorithmen<br />

Staatsquote<br />

Die Staatsquote schliesst alle Ebenen der öffentlichen Hand<br />

(Bund, Kantone, Gemeinden) und die Sozialversicherungen ein.<br />

Frankreich<br />

Schweden<br />

Italien<br />

Deutschland<br />

Grossbritannien<br />

USA<br />

Schweiz<br />

Quelle: Bundesfinanzministerium, Deutschland<br />

55,9 %<br />

50,4 %<br />

48,6 %<br />

44,5 %<br />

42 %<br />

38,1 %<br />

34,4 %<br />

1,2 Mrd.<br />

Geschätzte Summe der<br />

Investitionen in CHF pro<br />

Jahr von Bund, Kan tonen<br />

und Gemeinden in ICT<br />

(ohne die Bundes betriebe;<br />

Swisscom investiert allein<br />

1,8 Milliarden jährlich in<br />

ICT und Infrastruktur).<br />

Quelle: eigene Berechnung


14<br />

Dossier<br />

Ohne soziale Innovation wird die<br />

Digitalisierung zum Desaster<br />

Datenschutz und radikale Demokratisierung:<br />

Was uns Barcelona und Europa über die<br />

immensen Möglichkeiten eines digitalen<br />

Service public lehren könnten.<br />

Text: Bo Humair<br />

Ada Colau, eine Linke, regiert über das wirtschaftliche<br />

Herz Spaniens. Die Bürgermeisterin von Barcelona, im<br />

Sommer wiedergewählt, kommt aus keiner traditionellen<br />

Partei, sondern aus einer Bürger*innen-Bewegung. Sie<br />

steht für die radikale Demokratisierung der lokalen Politik<br />

und für soziale Innovation. Dafür nutzt Colau die Digitalisierung.<br />

Sie hat sich eine andere kluge Frau zur Seite<br />

geholt: Francesca Bria trägt den Titel «Chief Technology<br />

and Digital Innovation Officer».<br />

Seit einiger Zeit verbringt Bria viel Zeit damit, Stadtdelegationen<br />

aus aller Welt das Projekt «Decidim Barcelona»<br />

zu zeigen. Sie hat diverse Uni-Abschlüsse, berät die EU<br />

und leitet das europäische Projekt DECODE, das den Leuten<br />

die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben soll. Barcelona<br />

ist auf dem Weg zu einer «Smart City» der anderen<br />

Art. Bria: «Andere Städte sind durch die Digitalisierung in<br />

die Hände von IT-Konzernen gefallen. Hier stellen wir<br />

zwei Dinge ins Zentrum: Die Bedürfnisse der Bürger*innen.<br />

Und die digitale Souveränität.» Motto: «Ihr entscheidet,<br />

welches Barcelona ihr wollt.» 300 Datenbanken der<br />

öffentlichen Hand wurden dafür offengelegt («Open Data<br />

BCN»).<br />

290 Quartierräte, 10 000 umgesetzte Projekte<br />

Die Grundlage bilden 290 Quartierräte und diverse Kommissionen<br />

zu allen wichtigen Themen: Stadtplanung,<br />

Wohnungsbau, Jobs, Gesundheit, Erziehung, Ökologie,<br />

Innovation, öffentliches Geld, wirtschaftliche Entwicklung<br />

... Gestützt wird diese Ko-Konstruktion von Stadt und<br />

Agglomeration (5 Millionen Menschen) durch die<br />

Bürger*innen über eine Internet-Plattform. Aktuelle<br />

Statistik: 200 000 Nutzer*innen, 33 000 aktive Mitgestaltende,<br />

14 000 Vorschläge, 9830 umgesetzte Projekte.<br />

Dieses Projekt vertiefter Demokratie ist ein Lehrstück,<br />

auch technisch. Seine Plattform wird von «Metadecidim»,<br />

einer Community von Softwareentwickler*innen,<br />

Gewerkschafter*innen, Basisorganisationen, Datenforscher*innen,<br />

anderen Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen<br />

etc. ständig weiterentwickelt. Francesca Bria<br />

sagt: «Für uns sind das Bewusstsein von Privatsphäre, die<br />

Datenhoheit, dezentrale Technologien, offene Algorithmen<br />

und Freie Software Schlüsselkomponenten von<br />

Im Zentrum stehen<br />

die Bedürfnisse der<br />

Bürger*innen und die<br />

digitale Souveränität<br />

digitalen städtischen Infrastrukturen.» Diese Zusammenhänge<br />

haben die Stadtregierenden in ein Handbuch für<br />

technologische Souveränität und ethische Standards<br />

gegossen.<br />

So kann man sich einen digitalen Service public und<br />

vertiefte Demokratie vorstellen, in einem Wirtschaftsraum<br />

und mit einer Bevölkerung von der Grösse der<br />

Deutschschweiz. Interessant ist: Ohne die ganz real arbeitenden<br />

Bürger*innenkomitees wären auch die digitale<br />

Plattform und die Social Media, die sie begleiten, schiere<br />

Illusion. Technische Innovation verlangt zwingend nach<br />

sozialer Innovation.<br />

Brandgefährliche Unterlassung<br />

In Dutzenden von Städten und Regionen Europas entstehen<br />

derzeit Projekte, die das digitale Potenzial der Mitgestaltung<br />

nutzen wollen. Die Stadt Paris arbeitet gerade an<br />

einem ehrgeizigen Vorhaben für einen digitalen öffentlichen<br />

Dienst. Die Organisation CIPRA (cipra.org) versucht,<br />

die Alpenregion digital neu zu beleben. 81 holländische<br />

Städte spannen für ihren Service public in einem «eIDAS<br />

Municipalities Project» zusammen. Um diese Entwicklung<br />

mit Datenmaterial zu stützen, hat die EU das European<br />

Data Portal geschaffen, das etwa zu Initiativen wie<br />

OpenCoesione.com.it hinleitet.<br />

Von solchen Prozessen ist man in Schweizer Amtsstuben<br />

weit entfernt. Hier wird die Digitalisierung im Service<br />

public meist nur als Rationalisierungsprozess gefasst.<br />

Und, in klassischer Laissez-faire-Haltung, als Schmiermittel<br />

für die Ökonomie.<br />

Das ist eine fahrlässige und brandgefährliche Unterlassung.<br />

Fahrlässig, weil sie Chancen für sozialen und<br />

gesellschaftlichen Fortschritt verspielt. Mit digitalen Produktionsformen<br />

könnten wir zum Beispiel weniger und<br />

besser arbeiten. Gefährlich, weil die Investitionsentscheide<br />

der Konzerne und die Machtverschiebungen hin zu<br />

weltweit agierenden Konzernen schwere soziale Verwerfungen<br />

ankündigen.<br />

Ihre Ware ist das Leben, das ganze Leben<br />

Das Problem Datenschutz zeigt dies scharf auf. Schon<br />

heute enthüllen die Praktiken von Google, Facebook,<br />

Amazon und Co., dass sie die völlige Kontrolle und Steuerung<br />

der Gesellschaften anstreben. Ihre Ware ist das Leben,<br />

das ganze Leben. Politik muss dieser Machtanmassung<br />

Grenzen setzen, ein neu begründeter digitaler<br />

Service public muss den Bürger*innen die Mittel in die<br />

Hand geben, ihre Leben selbstbestimmt zu gestalten.<br />

Gefragt ist eine Menge kreativer Energie. Altes Denken<br />

löst die Probleme nicht. An einem handfesten Beispiel erläutert:<br />

Der Bundesrat versucht gerade durch erhöhte<br />

Presseförderung Medien zu stützen, mit der Begründung,<br />

Meinungsvielfalt sei die Grundlage der Demokratie. Die<br />

Begründung ist richtig, die Methode fraglich. Ein wachsender<br />

Anteil der Bevölkerung informiert sich über Facebook<br />

etc. Nur: Die Social Media sind das Reich der<br />

Fake-News. Wenn die öffentliche Hand für verlässliche Informationen<br />

sorgen will, muss sie schnell eine unabhängige<br />

Checknews-Agentur einrichten.<br />

decidim.barcelona


Dossier<br />

Wir legen selbst Hand an:<br />

So bauen wir die digitale Allmend<br />

15<br />

Die Logiken der Konzerne und des Staates<br />

für die digitale Zeit sind steril: Automatisieren,<br />

zerstören, auslagern. Unser Job ist es, sie zu<br />

einer sozialen Digitalisierung zu zwingen.<br />

Die andere grosse Herausforderung der 20er-Jahre, der<br />

ökologische Umbau, sickert langsam in das Bewusstsein<br />

der Leute. An den Umwälzungen der angelaufenen industriellen<br />

Revolution aber haben weder die meisten Gewerkschaften<br />

noch andere Organisationen der Zivilgesellschaft<br />

richtig Mass genommen.<br />

Digitale Zeiten sind kooperative Zeiten. Bei <strong>syndicom</strong><br />

arbeiten diverse Köpfe seit einiger Zeit intensiv an der<br />

Thematik Digitalisierung. Ihre nächste Aufgabe wird sein,<br />

eine breite Koalition der Zivilgesellschaft zu schmieden,<br />

um den widerspenstigen Bundesrat, kantonale und lokale<br />

Gremien in eine öffentliche Auseinandersetzung über die<br />

soziale und demokratische Ausgestaltung des digitalen<br />

Umbaus zu ziehen. Sie kann nicht allein sozialpartnerschaftlich<br />

geregelt werden – es stehen politische Entscheidungen<br />

mit massiven Effekten an, etwa beim Datenschutz,<br />

im Arbeitsrecht und bei den notwendigen<br />

Investitionen in den Service public.<br />

Voraussetzung ist, dass wir sofort jeden offenen und<br />

kaschierten Abbau (Auslagerungen, Unterakkordanz, Personalabbau,<br />

Verdünnung der Dienstleistungen etc.) der<br />

öffentlichen Dienste stoppen. Gleichzeitig müssen wir<br />

uns darüber verständigen, was der Service public zu leisten<br />

hat. Zahlreiche lokale, innovative Experimente (siehe<br />

Seite 14) können unsere Vorschläge nähren.<br />

Text: Bo Humair<br />

Um die Arbeitsplätze geht es auch. Aber nicht mehr allein.<br />

Wenn Dinge wie der Schutz unserer Daten, der diskriminierungsfreie<br />

Zugang zu einem stark ausgebauten Service<br />

public, die digitale Spaltung, die Verteidigung arbeitsfreier<br />

Zeit und die Nutzung von digitalen Chancen auf<br />

dem Spiel stehen, so sagt Giorgio Pardini, Leiter des Sektors<br />

ICT bei <strong>syndicom</strong>, «geht es um die Zukunft der ganzen<br />

Gesellschaft».<br />

Was tun?<br />

Neue Grundrechte<br />

Eine Charta digitaler Grundrechte soll die Leitschnur<br />

sein. Prinzipien: Transparenz, Zugang, Datenhoheit,<br />

Open Source, soziale Sicherheit, Persönlichkeitsrechte,<br />

Kontrolle.<br />

Transparenz: Statt gläsernen Bürger*innen ein gläserner<br />

Staat durch Open Access zu den Daten der öffentlichen<br />

Hand. Neue Formen der Mitentscheidung (tiefe Demokratie).<br />

Offenlegung von Algorithmen.<br />

Zugang: Niederschwellig und grundsätzlich gratis.<br />

Kampf gegen die digitale Spaltung mit Bildungsprogrammen,<br />

Beratungs- und Meldestellen, Medienökologie. Garantie<br />

des persönlichen Kontakts (Ansprechperson) in jedem<br />

Dienst.<br />

Datenhoheit: Sie muss bei den Einzelnen liegen. Ausgebauter<br />

Datenschutz. Prinzip getrennter Datensysteme.<br />

Zugriffsbeschränkungen (etwa Patientendaten). Automatische<br />

Meldung bei Datenverknüpfungen an den Einzelnen.<br />

Recht auf Datenlöschung. Einrichtung einer Nachforschungsstelle.<br />

Recht auf Abschirmung. Jeder Vorgang<br />

muss analog möglich bleiben.<br />

Open Source: Offene Software, offene Hardware, offene<br />

Algorithmen. Commons-Lizenzen. Fablabs in jedes<br />

Quartier. Offene Wissensbanken (Swisswiki ...).<br />

Soziale Sicherheit: Jede Arbeit gegen Entgelt (Plattformarbeit<br />

etc.) begründet automatisch einen Arbeitsvertrag<br />

(uni ver seller Arbeitsvertrag) mit sozialer Absicherung.<br />

Kampf gegen Scheinselbständigkeit. Verkürzung, Garantie<br />

und Kontrolle der Arbeitszeit. Weiterbildungsbon,<br />

Zweitlehre, nationale Ausbildungsoffensive etc.


16<br />

Eine bessere<br />

Arbeitswelt<br />

Die Zukunft liegt im<br />

internationalen Streik<br />

Soziale Demontage,<br />

Klima, Digitalisierung:<br />

Unsere Epoche verlangt<br />

nach klugem Widerstand.<br />

(© johnhain, pixabay)<br />

Im August streikten in Frankreich die<br />

Velokurierinnen und -kuriere der<br />

Plattform Deliveroo. Der britische<br />

Weltkonzern hatte die Mindesttarife<br />

gesenkt – auf angeblich 2,70 Euro pro<br />

Lieferung. So brutal ist der neue Plattform-Kapitalismus.<br />

Die Streikbewegung<br />

überraschte die Konzernherren.<br />

Sie zwingen ihre Beschäftigten in<br />

einen harten Konkurrenzkampf –<br />

schlechte Voraussetzung für einen<br />

kollektiven Kampf. Doch der Aufstand<br />

in Frankreich folgte auf Streiks in Spanien,<br />

London, Italien. Und auf Bewegungen<br />

bei Uber und Amazon. Die<br />

Prekä ren der digitalen Wirtschaft organisieren<br />

sich. Jetzt haben Kuriere<br />

aus 12 Ländern eine Föderation gegründet.<br />

In international geführten<br />

Arbeitskämpfen sehen sie die einzige<br />

Chance gegen die Übermacht der<br />

Weltkonzerne, die überall lokale Vorschriften<br />

aushebeln.<br />

In der Schweiz gilt seit Januar 2019<br />

der GAV Velokuriere. Der Bundesrat<br />

muss ihn sofort für allgemeinverbindlich<br />

erklären – um Uber & Co bei ihrem<br />

Sozialabriss zu stoppen.<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/logistik/velokuriere<br />

E-Voting: nur mit<br />

Datenhoheit!<br />

Seit Mitte der 90er-Jahre sammelt die<br />

Schweiz Erfahrungen mit dem E-Voting.<br />

Bisher haben 15 Kantone insgesamt<br />

rund 300 Versuche durchgeführt.<br />

In der Zwischenzeit hat der<br />

digitale Umbau Wirtschaft und Gesellschaft<br />

durchdrungen. Internetgiganten<br />

wie Facebook haben eine neue<br />

Dimension der Speicherung von Nutzerdaten<br />

geschaffen. Dass diese Daten<br />

auch für politische Ziele missbraucht<br />

werden können, bewies der Skandal<br />

um Cambridge Analytica. Die E-Voting-Diskussion<br />

hat eine andere Dynamik<br />

bekommen. Die erhofften Vorteile<br />

einer elektronischen Stimmabgabe<br />

wie etwa höhere demokratische Beteiligung<br />

werden von Vorbehalten über<br />

die fehlende Datensicherheit und Hoheit<br />

über die eigenen Daten überschattet.<br />

Immer mehr Menschen verlangen<br />

nach Schutz ihrer Daten. Doch<br />

auch der Bund sollte eine aktive Datenpolitik<br />

haben, denn die Daten sind<br />

ein zentraler Rohstoff der Zukunft.<br />

Wollen wir einen digitalen Service<br />

public inklusive E-Voting, muss vorgängig<br />

die persönliche Datenhoheit<br />

und Datensicherheit gewährleistet<br />

sein. Dies setzt voraus, dass der Bundesrat<br />

nicht auf private Unternehmen<br />

setzt, sondern wie unsere Nachbarländer<br />

eine staatliche Cloud aufbaut, so<br />

den Service public stärkt – und damit<br />

erst die Voraussetzung für ein E-Voting<br />

schafft.<br />

Giorgio Pardini, Leiter Sektor ICT und<br />

Mitglied der Geschäftsleitung


«Der Gesamtarbeitsvertrag ist zentral! Nicht nur für die<br />

tägliche Arbeit, sondern auch für das Privatleben.» Matteo Antonini<br />

17<br />

GAV Post 2021: Wertschätzung<br />

und anständige Honorierung!<br />

<strong>syndicom</strong> verhandelt mit der Post am Puls der Basis: Die<br />

Angestellten können sich zum ersten Mal direkt beteiligen.<br />

dass die Post die Arbeit angemessen<br />

wertschätzt und honoriert.<br />

Wie können Post-Angestellte ihre<br />

Delegation in den Verhandlungen<br />

unterstützen?<br />

Eine Gewerkschaft ist nur stark, wenn<br />

die Mitglieder geeint auftreten. An der<br />

Kampagne zum GAV Post 2021 können<br />

sich die Post-Angestellten aktiv<br />

beteiligen. Was wir heute erreichen,<br />

verbessert das Leben der Mitarbeitenden<br />

in den kommenden Jahren.<br />

Interview: Matthias Loosli<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/gavpost<br />

Überall in der Schweiz haben die Angestellten des Post-Konzerns ihre Anliegen formuliert. (© <strong>syndicom</strong>)<br />

Darum geht es<br />

Die Forderungen<br />

<strong>syndicom</strong> fordert attraktive und soziale,<br />

also menschliche Arbeitsbedingungen<br />

bei der Post sowie die<br />

Wertschätzung der Post-Mitarbeitenden.<br />

Die Forderungen und Lösungsansätze<br />

von <strong>syndicom</strong> sind<br />

einsehbar unter:<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/gav post.<br />

Was ist deine Einschätzung nach den<br />

ersten Verhandlungsrunden?<br />

Die Post beklagt seit Jahren die schwierigen<br />

Marktverhältnisse und wie sie<br />

mit der Digitalisierung kämpft. Das ist<br />

teilweise nachvollziehbar. Aber: Will<br />

die Post vorankommen, braucht sie<br />

motiviertes Personal. Und wie motiviert<br />

man sein Personal? Indem man<br />

einen sicheren Arbeitsplatz mit attraktiven<br />

Arbeitsbedingungen anbietet.<br />

Genau das regelt der GAV.<br />

Welche Bedeutung hat der Gesamtarbeitsvertrag<br />

für die Mitarbeitenden?<br />

Der GAV ist zentral. Er regelt nicht nur<br />

die täglichen Arbeitseinsätze. Er wirkt<br />

sich auch auf das Privatleben aus.<br />

Wie meinst du das?<br />

Ein Beispiel: Der GAV sichert, dass die<br />

Arbeitspläne mindestens zwei Wochen<br />

vor dem Einsatz bekannt sind.<br />

Darauf müssen sich die Leute verlassen<br />

können! Nur so können sie ihr Leben,<br />

sei es Betreuung oder Freizeit,<br />

verbindlich planen. Deshalb wirkt<br />

sich der GAV auch auf das Privatleben<br />

von allen und ihren Familien aus.<br />

Können die Pöstler mit dem neuen<br />

GAV auf Lohnerhöhungen hoffen?<br />

Das sind keine Lohnverhandlungen.<br />

Die finden jährlich in den drei Konzernbereichen<br />

Post CH, PostFinance<br />

und PostAuto statt. Im GAV regeln wir<br />

das Lohnsystem, und das kann den<br />

einzelnen Lohn beeinflussen. Ich achte<br />

in den Verhandlungen darauf, dass<br />

die Durchschnittslöhne mindestens<br />

gleich bleiben. Und ich möchte Verbesserungen<br />

bei den Einstiegs- und<br />

Mindestlöhnen.<br />

Langjährige Mitarbeitende beklagen,<br />

dass ihnen im letzten GAV die Treueprämien<br />

gestrichen wurden. Wirst du<br />

diese zurückfordern?<br />

Was man einmal aus der Hand gab, ist<br />

schwierig zurückzufordern. Ich kenne<br />

den Wunsch dieser verdienten Angestellten.<br />

Ich will klaren Wein einschenken:<br />

Einfach zum alten System<br />

zurückzukehren, wäre unrealistisch.<br />

Aber ich werde alles daran setzen,<br />

Sein Vater war<br />

Pöstler im Tessin:<br />

Matteo Antonini,<br />

Leiter Sektor<br />

Logistik und<br />

Mitglied der GL.<br />

Die Menschen<br />

Der GAV gilt für die zirka 35 000<br />

Menschen, die für die fünf Konzernbereiche<br />

PM, PL, PN, PA und<br />

PF arbeiten. Sie werden in den Verhandlungen<br />

vertreten durch eine<br />

Person aus jedem Konzernbereich<br />

(siehe Teamporträt Seite 4). Die<br />

Delegation wird begleitet von den<br />

drei Zentralsekretär*innen der Logistik:<br />

Matteo Antonini, Sheila<br />

Winkler und David Roth.<br />

Die Kampagne<br />

An der Kampagne für den GAV Post<br />

2021 können sich die Post-Mitarbeitenden<br />

zum ersten Mal direkt<br />

beteiligen – egal ob Mitglieder oder<br />

(noch) nicht. Gerade läuft eine<br />

Postkarten-Aktion: Je mehr Karten<br />

uns zugesendet werden, desto stärker<br />

das Signal an die Post-Führung.<br />

Und desto besser wird die Verhandlungsdelegation<br />

die Forderungen<br />

durchsetzen können! Mitmachen<br />

lohnt sich also.<br />

Aktuelle Infos<br />

Der Newsletter informiert über den<br />

neuesten Stand: abonnieren auf<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/gavpost. Wir informieren<br />

auch via Presse, soziale Medien,<br />

auf der Webseite und per<br />

Flyer.


18 Arbeitswelt<br />

Drei Gründe, warum <strong>syndicom</strong>-Mitglieder<br />

die besseren Personalvertreter*innen sind. Sheila Winkler<br />

Neu im Postkonzern:<br />

Bezahlte PeKo-Arbeit<br />

Gegenwärtig finden im ganzen Postkonzern<br />

Wahlen in die Personalkommissionen<br />

(PeKo) statt. Wir glauben:<br />

<strong>syndicom</strong>-Mitglieder sind die besseren<br />

PeKo-Mitglieder. Denn wir stellen<br />

über regelmässige Kurse sicher, dass<br />

sie gewerkschaftlich ausgebildet, informiert<br />

und vernetzt sind.<br />

Das müssen sie sein, denn die<br />

PeKo-Arbeit ist anspruchsvoll und<br />

aufwendig. Anspruchsvoll, weil man<br />

in betrieblichen, rechtlichen und<br />

menschlichen Fragen gefordert wird.<br />

Und aufwendig, weil es im ständigen<br />

Austausch mit den ArbeitskollegInnen<br />

gilt, deren Anliegen aufzunehmen<br />

und Lösungswege zu entwickeln, um<br />

diese dann wirksam gegenüber der Arbeitgeberseite<br />

zu vertreten. Dafür<br />

müssen die periodischen Sitzungen<br />

mit der Leitung gut vorbereitet werden.<br />

Dies alles kostet Zeit. Zeit, die den<br />

PeKo-Mitgliedern bisher kaum gewährt<br />

wurde. Nun ist es uns gelungen,<br />

eine Regelung zu erreichen, die es den<br />

Personalvertreter*innen erlaubt, während<br />

der bezahlten Arbeitszeit für die<br />

PeKo tätig zu sein. Künftig wird dieses<br />

Engagement mit bis zu 10 Prozent eines<br />

Pensums bezahlt. Damit erhalten<br />

die gewählten Vertrauensleute Zeit,<br />

um ihre Rolle innerhalb des Betriebes<br />

wahrzunehmen. Die neue Regelung<br />

sollte bei den Standortleitern zusätzlich<br />

zu einer höheren Akzeptanz der<br />

PeKo-Arbeit führen. Sie tritt am 1. Januar<br />

2020 in Kraft, wenn die frisch<br />

gewählten Personalvertretungen konzernweit<br />

ihre Arbeit beginnen.<br />

Sheila Winkler<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/gavpost<br />

Staatlich organisiertes<br />

Sozialdumping<br />

Die Bus-Chauffeure im Jura ringen um faire Löhne und Arbeitsbedingungen<br />

– gegen den Plan der Regierung, in diesem wichtigen<br />

Service public jedes Jahr 1 Million Franken zu sparen.<br />

Die Chauffeure und Chauffeurinnen<br />

im Jura sind besorgt: der Kanton hat<br />

die Lizenzen sämtlicher Buslinien neu<br />

ausgeschrieben, um jährlich eine Million<br />

Franken zu sparen. Schon bei der<br />

Bekanntgabe des Vorhabens im Sommer<br />

2017 forderten sie deshalb, dass<br />

für die Ausschreibungen die effektiven<br />

Durchschnittslöhne herangezogen<br />

werden sollten. Und dass die Unternehmen,<br />

die Linien übernehmen<br />

möchten, einer GAV-Pflicht unterstellt<br />

werden. So wäre sichergestellt,<br />

dass der Preiskampf nicht auf Kosten<br />

des Personals ausgetragen wird.<br />

Mittlerweile ist die Ausschreibung<br />

erfolgt. Die jurassische Regierung ist<br />

nicht auf die Forderungen der Chauffeur*innen<br />

eingegangen, obwohl diese<br />

durch eine Motion des jurassischen<br />

Parlaments unterstützt wurden. Die<br />

Stellungnahmen des zuständigen Ministers<br />

David Eray lassen den Schluss<br />

zu, dass die jurassische Regierung die<br />

Anliegen der Chauffeur*innen nicht<br />

respektieren will.<br />

Auf die Befürchtungen der Fahrer<br />

angesprochen, entgegnete Eray, er<br />

könne den Unternehmen die Löhne<br />

nicht vorschreiben, und überhaupt<br />

dürfe er nicht auf die Motion eingehen,<br />

weil er sich an übergeordnetes<br />

Bundesrecht halten müsse. Das<br />

stimmt allerdings nur zum Teil. Das<br />

Bundesamt für Verkehr (BAV) empfiehlt<br />

zwar als «branchenüblichen<br />

Lohn» einen Mindestlohn, der rund<br />

25 Prozent unter den tatsächlichen<br />

Durchschnittslöhnen im Jura liegt –<br />

doch gleichzeitig weist das BAV in seinen<br />

Richtlinien ausdrücklich auf die<br />

Möglichkeit hin, den Unternehmen<br />

strengere Vorgaben zu machen. Zum<br />

Nachteil der Chauffeure hat die jurassische<br />

Regierung darauf verzichtet.<br />

Die Familien kämpfen mit<br />

Um auf ihren Kampf aufmerksam zu<br />

machen, haben die Chauffeure schon<br />

viel gemacht und einiges erreicht. Die<br />

Motion fand im Parlament eine Mehrheit,<br />

weil die Chauffeure 4000 Unterschriften<br />

gesammelt hatten. Im September<br />

hielten sie eine stark beachtete<br />

Pressekonferenz ab, an der 150 Chauffeure<br />

teilnahmen – mit ihren Familien.<br />

Folgeaktionen sind geplant.<br />

Dass die Familien eine aktive Rolle<br />

übernehmen, hat seinen Grund. Lange<br />

Arbeitstage mit unbezahlten Präsenzzeiten,<br />

wechselnde Dienste und<br />

Wochenendeinsätze erfordern von<br />

den Familien viel Anstrengungen und<br />

Flexibilität. Haben sie Kinder, macht<br />

es diese Schichtarbeit fast unmöglich,<br />

dass die Partnerin oder der Partner<br />

ebenfalls einer Erwerbsarbeit nachgeht.<br />

Unterstütze die Chauffeure und<br />

ihre Familien, nimm teil an unserer<br />

Petition!<br />

Christian Capacoel<br />

Unterstütze die Busfahrer*innen im Jura – unterzeichne unsere Petition! (© <strong>syndicom</strong>)<br />

Zeige deine Solidarität:<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/stopdumping


«Diese Geschichte zeigt: Eine Umkehr der Kräfteverhältnisse<br />

ist selbst bei einem mächtigen Arbeitgeber möglich.» Melina Schröter<br />

19<br />

Sozialplan für die 41 vom Matin<br />

Schiedsgericht urteilte mit Signalwirkung: Entschädigungen<br />

wurden stark erhöht, Tamedia zahlt die Verfahrenskosten.<br />

Vierzehn Monate Kampf waren nötig,<br />

aber er hat sich gelohnt. Ein Schiedsgericht<br />

hat den 41 entlassenen Angestellten<br />

von Le Matin endlich zu einem<br />

anständigen Sozialplan verholfen. Mit<br />

Entschädigungen zwischen 3 und 12<br />

Monatslöhnen (statt der von Tamedia<br />

vorgeschlagenen 0 bis 5 Monatslöhne)<br />

bringt der Schiedsspruch eine Erleichterung.<br />

Etwa zehn Personen erhalten<br />

die maximale Entschädigung. Indem<br />

alle Betroffenen mindestens 3 Monatslöhne<br />

erhalten, berücksichtigt<br />

das Gericht auch den immateriellen<br />

Schaden einer Massenentlassung. Zur<br />

Erinnerung: Im System von Tamedia<br />

werden Entschädigungen nur so lange<br />

ausgerichtet, bis eine neue Stelle gefunden<br />

wird. Wer also sofort einen<br />

neuen Arbeitsplatz hat, erhält nichts.<br />

Und wer ohne Beschäftigung bleibt,<br />

muss den Konzern, der ihn auf die<br />

Strasse gestellt hat, jeden Monat wieder<br />

um die Entschädigung bitten.<br />

Der lange Kampf und sein Abschluss<br />

kommen nicht nur den entlassenen<br />

Angestellten von Le Matin zugute.<br />

Der Entscheid des Schiedsgerichts<br />

sendet auch eine wichtige Botschaft<br />

an Tamedia, die nur ein Argument zur<br />

Verteidigung ihres Sozialplans hatte:<br />

Das haben wir immer so gehandhabt.<br />

Der Konzern hatte sich in den Verhandlungen<br />

damit begnügt, die Entschädigungsregelung<br />

vorzulegen, die<br />

er bereits bei jeder seiner – zu – vielen<br />

Restrukturierungen angewendet hatte<br />

– und damit das eigentliche Prinzip<br />

Einigkeit, Mobilisierung und Ausdauer: damit<br />

haben es die Leute vom Matin geschafft. (© <strong>syndicom</strong>)<br />

einer Verhandlung mit Füssen getreten.<br />

Dabei «vergass» Tamedia, dass sie<br />

Anfang 2018 als Mehrheitsaktionärin<br />

der SDA bei der Massenentlassung eines<br />

Viertels der Redaktion einem weit<br />

vorteilhafteren Sozialplan zugestimmt<br />

hatte. Und blendete die 2009<br />

beim Tages-Anzeiger und beim Bund<br />

ausgehandelten Sozialpläne aus.<br />

Doch trotz dem Druck der Westschweizer<br />

Redaktionen, der «41 du Matin»,<br />

von <strong>syndicom</strong> und Impressum gab der<br />

Verleger nicht nach. Weitergehen! Es<br />

gibt nichts zu verhandeln.<br />

Das Schiedsgericht hat aber mit<br />

seinem Entscheid für weit höhere Entschädigungen<br />

eine sehr deutliche Botschaft<br />

ausgesendet. Es bezeichnet den<br />

nun beschlossenen Sozialplan als angemessen<br />

in Anbetracht anderer Sozialpläne<br />

und angesichts der Marktentwicklung.<br />

Anders gesagt: Tamedias<br />

Sozialplan war nicht angemessen. Der<br />

Plan für die «41 du Matin» entsprach<br />

weder der ausgezeichneten Finanzlage<br />

des Unternehmens (129 Mio. Gewinn<br />

2018) noch seiner sozialen Verantwortung<br />

oder der schwierigen<br />

Situation der Presse in der Romandie<br />

und war ganz einfach inakzeptabel.<br />

Und die Verantwortung für das Scheitern<br />

der Verhandlungen wird klar dem<br />

Medienkonzern zugewiesen, denn er<br />

muss nun auch die Kosten des Verfahrens<br />

vollständig übernehmen.<br />

Dieser Schiedsspruch schafft einen<br />

klaren Präzedenzfall. Zunächst<br />

für den Arbeitskampf. Mit ihrer Weigerung,<br />

den Sozialplan von Tamedia<br />

zu akzeptieren, haben die «41 du Matin»<br />

gezeigt, dass eine Umkehr des<br />

Kräfteverhältnisses selbst bei einem<br />

mächtigen Arbeitgeber möglich ist.<br />

Voraussetzung: Einigkeit und Unterstützung<br />

durch eine Gewerkschaft wie<br />

<strong>syndicom</strong>. Aber auch die solidarische<br />

Mobilisierung der übrigen Redaktionen<br />

bis hin zum Streik war nötig.<br />

Und dazu ist es ein Präzedenzfall<br />

für die Ebene des Sozialplans, der<br />

neue Standards für die Branche und<br />

für Tamedia setzt. Bei künftigen Restruk<br />

turie rungen täte der Verleger gut<br />

daran, nicht wieder seine übliche Entschädigungsregelung<br />

hervorzuholen.<br />

Denn dieses Mal könnte er nicht sagen:<br />

«Wir haben es immer so gehandhabt.»<br />

Melina Schröter, Regionalsekretärin<br />

Presse und elektronische Medien und<br />

Mitglied der «41 du Matin»<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/presse<br />

Medien stärker<br />

fördern – aber nur<br />

mit GAV!<br />

Bundesrätin Sommaruga bringt als<br />

neue Medienministerin frischen<br />

Schwung in die Medienpolitik. Sie<br />

setzt auf rasch umsetzbare Massnahmen,<br />

um die Medien zu fördern.<br />

<strong>syndicom</strong> unterstützt die Erhöhung<br />

der indirekten Presseförderung<br />

um 20 Millionen Franken. Die Posttaxen<br />

für die Zustellung der Zeitungen<br />

sollen billiger werden. Das ist richtig<br />

so, denn trotz Digitalisierung kommt<br />

der Presse bei der Versorgung mit<br />

journalistischen Informationen und<br />

bei der demokratischen Meinungsbildung<br />

weiterhin eine wichtige Rolle zu.<br />

Gleichzeitig müssen auch die Onlinemedien<br />

gefördert werden. Sie haben<br />

bei der Informationsversorgung eine<br />

immer grössere Funktion und erreichen<br />

vermehrt die Jungen. Die dafür<br />

vorgeschlagenen 50 Millionen werden<br />

der Medienvielfalt und der Qualitätsförderung<br />

dienen.<br />

ABER: Alle Fördergelder dürfen<br />

nur denjenigen Anbietern offenstehen,<br />

die faire Produktionsbedingungen<br />

für unabhängigen Journalismus<br />

sicherstellen: Gute Arbeitsbedingungen<br />

mit anständigen Mindestlöhnen,<br />

die im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) geregelt<br />

werden, und der Respekt der redaktionellen<br />

Unabhängigkeit sind die<br />

wichtigsten Voraussetzungen dafür.<br />

Stephanie Vonarburg leitet die Branche Presse<br />

und elektronische Medien und ist Mitglied der GL.


20 Arbeitswelt<br />

«Nur Medienunternehmen, die für ihre Redaktionen einen<br />

GAV haben, sollen öffentliche Fördergelder bekommen.»<br />

Die Schweizer Demokratie<br />

braucht bessere Medien<br />

Medienförderung muss guten Journalismus fördern, nicht die<br />

Aktionäre der Konzerne mästen. <strong>syndicom</strong> stellt Forderungen.<br />

Ohne starke und kritische Medien gibt<br />

es keine Demokratie. Sie kontrollieren<br />

die Mächtigen und tragen zur Meinungsbildung<br />

bei. Diese Funktion der<br />

Medien ist in Gefahr. Früher finanzierten<br />

Verlage den Journalismus mit<br />

gedruckten Inseraten. Heute wandern<br />

die Werbeetats ins Internet. Davon<br />

profitieren monopolähnliche Medienkonzerne<br />

wie Tamedia oder Ringier<br />

mit ihren Online-Marktplätzen – und<br />

Techgiganten wie Google, Amazon<br />

und Facebook.<br />

Seit 2011 haben die Zeitungen und<br />

Zeitschriften jede fünfte Stelle gestrichen.<br />

Fast 3500 Arbeitsplätze gingen<br />

verloren. Viele Medienschaffende<br />

wechselten in die Kommunikationsabteilungen<br />

von Unternehmen und<br />

Verwaltung. Wirtschaft und Politik<br />

kontrollieren die News – statt umgekehrt.<br />

Diese Trends wollen die Medienschaffenden<br />

bei <strong>syndicom</strong> wenden. In<br />

einem ersten Schritt haben sie im<br />

Branchenvorstand jetzt die notwendigen<br />

Weichenstellungen der Medienförderung<br />

zu einem Grundsatzpapier<br />

zusammengestellt. Öffentliche Förder<br />

gelder müssen den Journalismus<br />

fördern, nicht die Gewinne der Aktionäre.<br />

Nur Medienhäuser, die für ihre<br />

Redaktionen einen GAV abgeschlossen<br />

oder über ihren Branchenverband<br />

einem GAV angeschlossen sind, sollen<br />

Medienförderung erhalten. Dies die<br />

zentrale Forderung des Papiers. Gesamtarbeitsverträge<br />

garantieren faire<br />

Löhne und anständige Arbeitsbedingungen.<br />

Sie sind Voraussetzung für<br />

Qualität im Journalismus.<br />

Mehr Vielfalt und Qualität<br />

Weite Kreise der Bevölkerung informieren<br />

sich noch immer über regionale<br />

Printmedien. Gleichzeitig ist diese<br />

Medienform wirtschaftlich stark unter<br />

Druck geraten. <strong>syndicom</strong> fordert<br />

deshalb, dass die indirekte Presseförderung<br />

für die Lokal- und Regionalpresse<br />

von 30 auf 50 Millionen Franken<br />

aufgestockt wird. Damit sollen die<br />

Stephanie Vonarburg,<br />

Leiterin Presse und<br />

Medien von <strong>syndicom</strong>,<br />

tritt am SDA-Warnstreik<br />

vom 26. 1. 18 für<br />

eine starke Medienagentur<br />

ein.<br />

(© <strong>syndicom</strong>)<br />

Zustelltarife für kleinere und mittlere<br />

Print-Publikationen mit einer Auflage<br />

von 1000 bis 40 000 Exemplaren verbilligt<br />

werden.<br />

Onlinemedien werden immer<br />

wichtiger in der Informationsvermittlung.<br />

Wo ein öffentliches Interesse besteht,<br />

kann die öffentliche Hand helfen,<br />

diese Medienform zu finanzieren.<br />

Dafür soll der Bund vorerst den nicht<br />

verteilten Überschuss aus der Abgabe<br />

für Radio und Fernsehen einsetzen.<br />

Die vom Bundesrat vorgeschlagenen<br />

50 Millionen Franken jährlich sind ein<br />

guter Ausgangspunkt.<br />

SDA in eine Stiftung verwandeln<br />

Die Schweiz braucht eine dreisprachige<br />

Nachrichtenagentur, die aus allen<br />

Kantonen über Politik, Wirtschaft,<br />

Kultur, Alltag und Sport berichtet. Die<br />

heutige Keystone-SDA hat jedoch<br />

einen Konstruktionsfehler: Sie ist im<br />

Besitz der grossen Verleger und der<br />

SRG, welche gleichzeitig ihre Kunden<br />

sind. Als Besitzer verlangen sie Gewinne.<br />

Als Kunden drücken sie gleichzeitig<br />

die Tarife. Darunter leidet die<br />

Qualität. Es braucht einen Konstruktionswechsel:<br />

Eine Service-public-<br />

Agentur muss durch eine öffentliche<br />

Stiftung getragen werden, je hälftig<br />

kontrolliert durch Bund und Kantone<br />

einerseits, durch die Medienakteure<br />

(Verleger, Radiostationen, Fernsehsender<br />

und Arbeitnehmende) andererseits.<br />

Der Gewinnabschöpfung und<br />

dem zerstörerischen Spardruck durch<br />

die Aktionäre muss ein Riegel<br />

geschoben werden.<br />

Nur mit diesen Massnahmen entsteht<br />

unter den neuen Gegebenheiten<br />

eine Medienlandschaft, welche die<br />

Bevölkerung nach journalistischen<br />

Gesichtspunkten mit verlässlichen Informationen<br />

versorgt.<br />

Marco Geissbühler und<br />

Stephanie Vonarburg<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/presse und:<br />

emek.admin.ch<br />

Sichere Arbeit in<br />

der Pflege<br />

Dieses Jahr fand der zwölfte Welttag<br />

für menschenwürdige Arbeit (WFMA)<br />

am 7. Oktober statt. An diesem Tag<br />

wird allgemein mobil gemacht dafür,<br />

dass eine Arbeit in Würde und die<br />

Menschen im Mittelpunkt staatlicher<br />

Wirtschaftspolitik stehen. Am diesjährigen<br />

Aktionstag wurden die<br />

Regierungen und die multinationalen<br />

Firmen aufgefordert, in die Pflegebranche<br />

zu investieren. Die Arbeitgeber<br />

sollen qualifiziertes Personal<br />

anstellen, um ein sicheres Arbeiten zu<br />

ermöglichen.<br />

Christy Hoffman, Generalsekretärin<br />

von UNI Global Union, erklärte:<br />

«Wir nutzen diesen Welttag, um auf<br />

die Privatisierung im Pflegesektor aufmerksam<br />

zu machen. Wir wollen, dass<br />

die wichtigsten Akteure in diesem Bereich<br />

und die multinationalen Unternehmen<br />

menschenwürdige Arbeitsbedingungen<br />

garantieren.»<br />

Der Leiter von UNICARE, Adrian<br />

Durtschi, betonte: «Die häusliche Pflege<br />

ist der am schnellsten wachsende<br />

Sektor der globalen Wirtschaft. Wir<br />

müssen gewährleisten, dass die beschäftigten<br />

Personen angemessene<br />

Arbeitsbedingungen haben. Mit Tarifverhandlungen<br />

können wir dem<br />

Lohndumping-Wettlauf der Arbeitgeber<br />

entgegentreten.»<br />

bit.ly/2NfeN8T


«Die neuen Techniken dürfen den Schutz der Arbeitenden<br />

und ihre Zeitautonomie nicht aushebeln.» Lena Allenspach<br />

21<br />

Schrei vor Glück: Retouren von<br />

Zalando jetzt mit GAV geschnürt<br />

Es gibt Tage, da passt nichts. Die Hose<br />

ist zu eng, der Rock ist zu weit. Das<br />

Muster sah online auch besser aus.<br />

Also zurück zum Absender. Das ist der<br />

natürliche Verlauf von Bestellungen<br />

bei Zalando – jedenfalls das, was die<br />

Kundin und der Kunde sieht. Das Zurückschicken<br />

wird auch möglichst<br />

einfach gemacht und ist gratis. Dieser<br />

für die Konsument*innen ersichtliche<br />

Ablauf ist jedoch nur ein Bruchteil<br />

der langen Wertschöpfungskette im<br />

E-Commerce.<br />

Auspacken, einpacken. Zwischen Bergen von<br />

Zalando-Paketen bei MS Direct (© Jens Friedrich)<br />

Die Mauer der Intransparenz<br />

Chinas Huawei-Konzern riskiert mit seiner Absage an die Sozialpartnerschaft<br />

in der Schweiz viel. Wir nehmen das nicht hin.<br />

Unbekannte Fulfillment-Branche<br />

Der digitale Wandel bringt neue Arbeitsformen<br />

hervor und integriert<br />

bestehende Tätigkeitsfelder in neue<br />

Arbeitsprozesse. Wir sind mit diesem<br />

Umstand in allen Branchen konfrontiert.<br />

Seien dies Online-Versandhäuser,<br />

Crowdworking-Plattformen oder<br />

urbane Kurierdienstleistungen.<br />

Die gewerkschaftlichen Herausforderungen<br />

bleiben aber dieselben:<br />

Höhere Umsätze und allfällige Profite<br />

durch gesteigerte Produktivität dürfen<br />

nicht auf Kosten der materiellen<br />

und sozialen Sicherheit der Arbeitenden<br />

gehen. Die neuen, technologisch<br />

bedingten Möglichkeiten der flexiblen<br />

Arbeitszeitgestaltung dürfen den<br />

Schutz der Arbeitnehmenden und ihre<br />

Zeitautonomie nicht aushebeln. Unternehmen<br />

dürfen sich nicht in gesetzlichen<br />

Graubereichen bewegen.<br />

Darum müssen die neuen Arbeitsmodelle<br />

reguliert werden. Und dies<br />

geschieht nach wie vor am besten, indem<br />

die Arbeitnehmenden einem<br />

Gesamtarbeitsvertrag unterstellt werden.<br />

Was passiert, nachdem das Paket<br />

zurückgeschickt wurde? Es muss ausgepackt,<br />

kontrolliert und neu verpackt<br />

werden. Eines der Unternehmen, die<br />

diese Tätigkeit des sogenannten Fulfillment<br />

für Zalando und andere Versandhäuser<br />

erbringen, ist die MS Direct<br />

AG mit Hauptsitz in St. Gallen. Die<br />

Firma ist die führende Schweizer Fullservice-Anbieterin<br />

für über 300 inund<br />

ausländische Unternehmen. In<br />

den vergangenen drei Jahren hat <strong>syndicom</strong><br />

mit MS Direct einen Gesamtarbeitsvertrag<br />

(GAV) erarbeitet. Er tritt<br />

am 1. Januar 2020 in Kraft. Basis und<br />

Anspruch des Vertrags ist es, die Löhne<br />

und Arbeitsbedingungen des Unternehmens<br />

schrittweise zu verbessern.<br />

Zudem haben wir mit diesem<br />

GAV soziale Mindest-Bedingungen im<br />

E-Commerce eingezogen, die nun als<br />

Standard in der Branche sozialpartnerschaftlich<br />

vorangebracht werden<br />

sollen.<br />

Der erste Stein ist gelegt<br />

E-Commerce boomt. Allein im Jahr<br />

2018 verzeichnete er ein Wachstum<br />

von zehn Prozent. Mit dem neuen GAV<br />

MS Direct ist der erste Stein gelegt, um<br />

auch in diesem Sektor gute Arbeitsbedingungen<br />

zu sichern. Und die Mitbestimmung<br />

der Arbeitnehmenden<br />

zu gewährleisten.<br />

Lena Allenspach<br />

Mehr über Zalando auf Youtube:<br />

Bit.ly/2mVnziW<br />

Und ein GAV regelt weit mehr als Lohn<br />

und Ferien, er besiegelt ein ganzes Geflecht<br />

von Respekt und Austausch. Die<br />

Manager*innen sollten bedenken,<br />

welches Risiko sie eingehen, wenn sie<br />

ihre Belegschaft vor den Kopf stossen.<br />

Elf Jahre liegt die Firmengründung<br />

von Huawei Schweiz nun zurück. Unterdessen<br />

sind auch ehemalige Sunrise-Mitarbeitende<br />

Teil der Belegschaft<br />

des chinesischen Mega-<br />

Konzerns. Die Übernahme dieser qualifizierten<br />

Berufsleute brachte ein gewerkschaftliches<br />

Ziel wieder auf die<br />

Tagesordnung: einen eigenständigen<br />

Gesamtarbeitsvertrag bei Huawei.<br />

Huawei marschiert: die Belegschaft einer Fabrik<br />

beim Morgentraining in Songshan Lake. (© Huawei)<br />

Doch Huawei torpediert Bestrebungen<br />

für eine Sozialpartnerschaft<br />

mit einer undurchsichtigen Hinhaltetaktik.<br />

Ständig wechseln die Ansprechpersonen,<br />

Termine können<br />

nicht wahrgenommen werden. Und<br />

nun kam die Hiobsbotschaft: Huawei<br />

sieht angeblich keinen Bedarf für<br />

einen Gesamtarbeitsvertrag.<br />

Mit dieser Haltung schadet der<br />

Weltkonzern nicht nur den Arbeitnehmenden<br />

bei Huawei, sondern sendet<br />

auch falsche Signale gegenüber der<br />

Mitkonkurrenz aus, die einem Gesamtarbeitsvertrag<br />

unterstellt ist.<br />

Huawei selbst erklärt zwar, sich an die<br />

branchenüblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen<br />

halten zu wollen – ohne<br />

sozialpartnerschaftliche Beziehung<br />

kann dies jedoch nicht überprüft werden.<br />

Von Transparenz keine Spur.<br />

Dieser GAV steht den Arbeitenden zu!<br />

Sollen die Grossunternehmen der<br />

Branche tatsächlich mit einer Firma<br />

zusammenarbeiten, die eine intransparente<br />

Personalpolitik betreibt und<br />

deren Mutterkonzern ein zwiespältiges<br />

Verhältnis zu den Menschenrechten<br />

pflegt? Gerade im Hinblick auf die<br />

internationalen Schlagzeilen, die<br />

Huawei momentan liefert, ist diese<br />

Frage alles andere als belanglos.<br />

<strong>syndicom</strong> wird die Absage nicht tatenlos<br />

hinnehmen, sondern mit den<br />

Be troffenen aktiv werden, damit sie<br />

endlich erhalten, was ihnen schon<br />

lange versprochen wurde: einen<br />

Gesamt arbeitsvertrag.<br />

Lena Allenspach<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/telecom


22 Politik<br />

Auf dem Weg zu einer<br />

neuen Ethik<br />

Luciano Floridi, Professor<br />

für Philosophie und Ethik<br />

der Information am Internet<br />

Institute der Universität Oxford,<br />

prägte den Begriff des<br />

«Inforg».<br />

Floridi zufolge hat die<br />

Technologie mit der zunehmenden<br />

Macht der Netzwerke<br />

zur Geburt eines neuen<br />

Menschentypus geführt, des<br />

Informationsorganismus,<br />

kurz «Inforg»: eine Entität,<br />

die sich aus Informationen<br />

zusammensetzt – denen, die<br />

wir im Netzwerk austauschen,<br />

und denen des sozialen<br />

Bereichs. Er lebt in der<br />

«Infosphäre».<br />

Hier ist ein Auszug aus<br />

seiner Rede an der Konferenz<br />

«Digital Switzerland» vom<br />

2. September in Basel.<br />

Text: Luciano Floridi, übersetzt von<br />

Marc Rezzonico<br />

Foto: Ian Scott<br />

Der Raum, den wir uns teilen, besteht<br />

immer mehr aus Daten und<br />

Dingen, Digitalem und Analogem,<br />

Software und Materie. Dieses besondere<br />

Lebensumfeld ist vergleichbar<br />

mit jenem eines Mangrovenbaums,<br />

der dort wächst, wo sich kühles, süsses<br />

Flusswasser und warmes, salziges<br />

Meerwasser mischen. Unsere<br />

Gesellschaft entwickelt sich unter<br />

ähnlichen Bedingungen, und alle<br />

richten sich darin ein.<br />

Schaut eure Küche an: Sie ist<br />

ein bisschen analog, ein bisschen<br />

digital, besteht aus Materie und<br />

aus Informatik, ihr redet dort mit<br />

Gadgets wie Alexa, um Musik zu hören,<br />

ihr wascht Gemüse mit Wasser<br />

aus der Leitung. Willkommen in der<br />

Info sphäre. Daten, überall in unserem<br />

Alltag und jederzeit. Man ist<br />

ständig on- und offline.<br />

In diesem Umfeld gibt es viele<br />

Fragestellungen. Eine davon ist die<br />

Künstliche Intelligenz (KI), die sich<br />

auf vielerlei Arten beschreiben und<br />

definieren lässt. Wir verzichten hier<br />

darauf und sagen einfach, dass man<br />

KI erkennt, wenn man ihr begegnet.<br />

Eine Definition ist nicht nötig.<br />

Der Bruch zwischen Mensch und<br />

Maschine<br />

In der Infosphäre erzeugen wir<br />

jeder zeit Daten, viele Daten. Mit<br />

ihnen lässt sich die Welt konfigurieren,<br />

damit KI und Roboter erfolgreich<br />

funktionieren können. Hier<br />

liegt der Bruch zwischen Mensch<br />

und Maschine. Die meisten unserer<br />

heutigen Probleme kommen nicht<br />

daher, dass wir Roboter schaffen,<br />

sondern daher, dass diese Maschinen,<br />

obwohl sie nicht intelligent<br />

sind, dennoch Dinge für uns erledigen<br />

können – und besser als wir.<br />

Dieser Bruch führt zu Risiken<br />

und zu Chancen. Einige sind offensichtlich,<br />

andere weniger. Sie können<br />

in drei Kategorien eingeteilt<br />

werden. Die «guten» Chancen von KI<br />

ermöglichen es den Menschen, sich<br />

zu entfalten, ihre Fähigkeiten und<br />

Produkte zu verbessern oder den gesellschaftlichen<br />

Zusammenhalt zu<br />

fördern. Die «schlechten», d. h. der<br />

Missbrauch von KI, führen zu einer<br />

Abwertung der menschlichen Fähigkeiten,<br />

zu einer Aushöhlung der<br />

menschlichen Verantwortung und<br />

Kontrolle und gar einer Beschränkung<br />

unserer Fähigkeit zur Selbstbestimmung.<br />

Klare Regeln für die Bewältigung<br />

der Zukunft<br />

Drittens gibt es auch die Chancen,<br />

die unterschätzt werden. Von Politiker*innen<br />

und an der Gesetzgebung<br />

beteiligten Personen, die aus Angst<br />

vor Fehlern nicht tätig werden.<br />

Ganze Branchen und Technologieund<br />

Wirtschaftsbereiche werden<br />

nicht von Gesetzen erfasst, andere<br />

nur annähernd. Das ist inakzeptabel.<br />

Es braucht Spielregeln, die von<br />

allen eingehalten werden müssen.<br />

Und um diese Spielregeln festzulegen,<br />

müssen ethische Überlegungen<br />

angestellt werden.<br />

Einen Fussballmatch beginnt<br />

man nicht ohne Regeln. Die Gesichtserkennung<br />

oder der Einsatz<br />

von Drohnen im Krieg werden nicht<br />

ohne Regeln eingeführt, etc.<br />

In allen Bereichen braucht es<br />

Diskussionen darüber, was wir<br />

für richtig oder falsch halten oder<br />

für gut oder schlecht befinden.<br />

Man möchte zum Beispiel, dass die<br />

Multis diese Regeln einhalten.<br />

Manchmal ist zu hören, dass<br />

uns die digitalen Technologien<br />

dümmer machen. Im Vergleich<br />

wozu denn genau? Wir haben zwei<br />

Weltkriege hinter uns, den Nationalsozialismus,<br />

Konzentrationslager<br />

… Wir haben die Erde so weit<br />

zerstört, dass unser Ökosystem und<br />

unsere Zukunft in Gefahr sind. Es<br />

ist schwierig, dümmer zu sein als<br />

frühere Generationen!<br />

Wir brauchen ein neues Projekt.<br />

Wir haben nun einen neuen<br />

Lebens raum. Wir haben eine neue<br />

Kraft: KI. Die Ethik kann den Bruch<br />

zwischen Mensch und Maschine<br />

verhindern. Es braucht deshalb eine<br />

gute Governance zur Gestaltung der<br />

Zukunft der Arbeitswelt – und jetzt<br />

auch der Zukunft der Erde.<br />

Die Website von Luciano Floridi (englisch):<br />

philosophyofinformation.net


23<br />

Wir machen eigentlich keine Prophezeiungen, aber eines ist sicher:<br />

Die Welt in 20 Jahren wird ganz anders sein als unsere.<br />

Wie wird die Gewerkschaft funktionieren? Unser Autor Marc Rezzonico<br />

hat drei Visionen – zwischen Warnruf und Enthusiasmus.<br />

«Die Arbeit ist weder menschlicher<br />

noch tierischer Natur.<br />

Sie ist maschineller Natur.<br />

Sie ist die Maschine in uns.<br />

Alles, was mit Arbeit zu tun hat,<br />

wird irgendwann von Maschinen<br />

übernommen.»<br />

Dies sagt Dastan Akerlane, der Protagonist der Kurzgeschichte «coÊve 2051» von<br />

Norbert Merjagnan (aus dem Sammelband «Le Bal des Actifs», 2016).<br />

Es ist so: Maschinen, Roboter und ihre digitalen Brüder – Algorithmen, Bots und<br />

andere Software – übernehmen immer mehr Arbeit. Vor allem solche mit hohem<br />

Anteil an Repetition. Die Konsequenzen für die Arbeitnehmenden kennen wir gut.<br />

Die Welle der Digitalisierung strömt aber nicht nur in eine Richtung, Digitalisierung<br />

ist nicht nur elitär oder antidemokratisch. Sie bietet Möglichkeiten in alle<br />

Richtungen.<br />

Sollten die Gewerkschaften jetzt nicht neue Strategien und Handlungsmöglichkeiten<br />

ausarbeiten, um die Arbeitnehmenden tatkräftig zu unterstützen? Und<br />

welche?<br />

Vision 1<br />

Im Jahr 2039 wird die Kontaktperson<br />

bei <strong>syndicom</strong> nicht mehr ein Berater<br />

oder eine Regionalsekretärin sein,<br />

sondern ein Bot. Ein automatischer<br />

Software-Agent, der mit Computerservern<br />

interagiert. Sein Zweck:<br />

juristische Kämpfe zur Verteidigung<br />

der Mitglieder. Es wird bei <strong>syndicom</strong><br />

2039 also keine Jurist*innen und<br />

keinen Rechtsdienst mehr geben.<br />

Die Gesetze sind für Menschen zu<br />

kompliziert geworden.<br />

Andere digitale Agenten unterstützen<br />

die Mitglieder bei der Stellensuche,<br />

der Weiterbildung, bei Gesuchen<br />

um staatliche Beiträge, der Steuererklärung,<br />

bei den Lohnverhandlungen<br />

mit Arbeitsplattformen und so weiter.<br />

Die Mitarbeitenden von <strong>syndicom</strong><br />

2039 können sich ganz den Aktionen,<br />

den Kampagnen und dem Erhalt von<br />

Gemeinschaftsgefühl und Solidarität<br />

unter den Arbeitnehmenden widmen.<br />

Sie werden sich um die Kultur und die<br />

Werte der Arbeit, ihre Bedeutung für<br />

Identität und Gesellschaft kümmern.<br />

Vision 2<br />

Da aber die Unternehmen sich letztlich<br />

über die erstrittenen Gerichtsurteile<br />

hinwegsetzen können und da auch die<br />

oben skizzierte digitale Infrastruktur<br />

für <strong>syndicom</strong> unerschwinglich ist,<br />

erfindet die Gewerkschaft ... eine<br />

Kryptowährung: den synDinar.<br />

Bekanntlich kann jeder und jede<br />

ihre eigene digitale Währung erschaffen,<br />

sicher und nützlich für die<br />

eigenen Zwecke. Dazu braucht es nicht<br />

einmal Banken. Was den synDinar von<br />

allen bis dahin erschaffenen Währungen<br />

unterscheiden würde, wäre sein<br />

sozialer und kooperativer Wertzuwachs.<br />

Mit einem solchen Mechanismus<br />

ausgestattet, wird der Wert des<br />

synDinar steigen, wenn er in kooperativen<br />

Projekten eingesetzt wird:<br />

Investieren 100 Personen 100 synDinar<br />

in ein gemeinsames Projekt, zum<br />

Beispiel eine neue Arbeitsplattform,<br />

so wird ihr Börsenwert automatisch<br />

12 000 statt 10 000 synDinar betragen.<br />

Sänke die Anzahl Teilnehmender oder<br />

Menschen, die die Plattform unterstützen<br />

oder betreiben, auf 20, so<br />

verlören der synDinar und die Plattform<br />

massiv an Wert. Die Konzentration<br />

von Kapital wäre von keinerlei<br />

Interesse mehr! Der synDinar wäre<br />

eine «Kampfwährung», die Gemeinschaftsunternehmen<br />

und die Verteilung<br />

des Wohlstands fördern würde.<br />

Vision 3<br />

Fehlen aber nicht nur die Finanzmittel,<br />

sondern auch die Tech-Kenntnisse<br />

zur Schaffung von digitalen Rechtsagenten<br />

oder einer Kryptowährung,<br />

wird sich <strong>syndicom</strong> in der Schaffung<br />

und Koordination von Orten für<br />

Austausch, Tauschhandel und Kreation<br />

betätigen. Orte ausserhalb der Sphäre<br />

der Tech-Konzerne, welche die<br />

Menschheit steuern. Orte, die in<br />

städtischen Gebieten entstehen,<br />

die uninteressant geworden sind,<br />

oder auch ausserhalb der Städte, in<br />

ländlichen Räumen.<br />

Dort werden Möbel gegen Gemüse,<br />

Babysitten gegen Lesekurse, Soja-<br />

Steaks gegen Code-Zeilen, Pflegedienste<br />

gegen Handwerk getauscht.<br />

Es werden Erziehungsmodelle,<br />

Mobilität und Kultur geteilt und<br />

ausgetauscht. In FabLabs werden<br />

Gebrauchsgüter hergestellt. Die<br />

meisten Menschen suchen sich keine<br />

Arbeit mehr, sondern erfinden sich<br />

selber neu. Diese Orte könnten für<br />

80 Prozent der Bevölkerung von<br />

Bedeutung sein. Sie könnten die<br />

Abwanderung in die Städte stoppen,<br />

ein egalitäres Bildungssystem<br />

schaffen, die Familie, die humanistische<br />

Kultur erhalten und vielleicht<br />

sogar ... den Service public!


24 Politik<br />

Rund 100 Interviews und 1000 Fragebögen: Eine grosse<br />

Studie gibt Auskunft über Frauen und Männer, die sich<br />

für die Arbeit in der Gewerkschaft entschieden haben.<br />

Gleichstellung in den<br />

Gewerkschaften:<br />

Durch die gläserne Decke<br />

Immer mehr Frauen, mehr<br />

Konfessionslose und mehr<br />

Hochschulabsolvent*innen –<br />

das sind drei der wichtigsten<br />

Trends, die in einer faszinierenden<br />

«Röntgenaufnahme»<br />

der Gewerkschaften in der<br />

Schweiz deutlich werden.<br />

Text: Fabrice Bertrand<br />

2011 bis 2016 arbeiteten sechs Forscherinnen<br />

und Forscher unter der<br />

Leitung von Olivier Fillieule, Vanessa<br />

Monney und Hervé Rayner der<br />

Universität Lausanne* an einem<br />

umfangreichen Forschungsprojekt<br />

im Auftrag des Bundesrates, der<br />

eine kritische Reflexion über den<br />

Stand der Gleichstellung der Geschlechter<br />

in der Schweiz lancieren<br />

wollte.<br />

Ausgehend von typischen Ungleichheiten<br />

in der Arbeitswelt (Entlohnung,<br />

Diskriminierung, Ausbildung,<br />

Weiterbildung) untersuchten<br />

sie die Gleichstellungspolitik der<br />

Gewerkschaften, und zwar sowohl<br />

in der Aussenwirkung als auch intern,<br />

bei den Gewerkschaften als Arbeitgebern.<br />

Jetzt ist ein Teil der Studie<br />

als Buch erschienen, das allein<br />

die interne Dimension der Gleichstellungspolitik<br />

beleuchtet.<br />

Laufbahnen<br />

Engagement<br />

Häufig lernt man den Beruf am Arbeitsplatz,<br />

durch «Learning by<br />

Doing». Man muss sich die nötigen<br />

Fertigkeiten aneignen, um den vielfältigen<br />

Aufgaben gerecht zu werden:<br />

Leiten von Sitzungen, Rechtsberatung,<br />

Verhandlungen,<br />

Mobilisierung der Arbeitnehmenden<br />

… In der Praxis begegnet man<br />

oft Krisensituationen wie Kündigungen,<br />

mit denen man umgehen<br />

muss. Viele der befragten Sekretär*innen<br />

sprechen aber von ihrer<br />

Berufstätigkeit als «Berufung». In<br />

den Arbeitskämpfen vertreten sie<br />

ihre persönlichen Überzeugungen.<br />

Der sehr hohe Einsatz belastet mitunter<br />

das Familienleben.<br />

Machtkämpfe<br />

Die Studie zeigt die Geschlechterverhältnisse<br />

in den Gewerkschaften<br />

auf – einem historisch stark männlich<br />

geprägten Umfeld. Frauen müssen<br />

ihren Platz darin finden, was<br />

Machtkämpfe mit sich bringt. Vorerst<br />

sind Frauen stärker in den Organisationen<br />

des tertiären Sektors<br />

– im Vergleich z. B. mit dem Bauwesen<br />

oder Handwerk – vertreten,<br />

aber auch im administrativen Bereich<br />

der Gewerkschaften. Gleichstellungspolitiken<br />

bilden eine der<br />

Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.<br />

«Ich gehöre<br />

in die<br />

Gewerkschaft»<br />

3 Fragen an Catherine Tabary,<br />

Regionalsekretärin<br />

<strong>syndicom</strong>.<br />

Catherine Tabary<br />

(© Neil Labrador)<br />

Weshalb bist du Gewerkschaftssekretärin<br />

geworden?<br />

Seit dem Start meiner beruflichen<br />

Laufbahn 1979 habe ich mich stets<br />

für meine Kolleginnen und Kollegen<br />

eingesetzt, für den Respekt und<br />

die Wertschätzung ihrer Arbeit.<br />

So habe ich verstanden, dass mein<br />

Platz in einer Gewerkschaft sein<br />

sollte. Ich engagierte mich zum Beispiel<br />

in meinem früheren Betrieb<br />

als Präsidentin der Personal kommission<br />

für meine Kolleg*innen,<br />

damit sie bei einer Restrukturierung<br />

einen Sozialplan erhielten.<br />

Ich kämpfte auch dafür, dass das<br />

Unternehmen unabhängig bleibt<br />

und nicht übernommen wird. Das<br />

hat mich geprägt.<br />

Wie hast du diesen Beruf erlernt?<br />

In den Lehrgängen zur Gewerkschaftssekretärin<br />

mit Fachausweis,<br />

in der Praxis und mit der Unterstützung<br />

der Kolleginnen und Kollegen.<br />

Ein Blick auf die Laufbahnen zeigt<br />

eine grosse Vielfalt an Berufsprofilen.<br />

Trotz der manchmal unterschiedlichen<br />

Werdegänge zeichnen<br />

sich Trends ab. Zunächst einmal<br />

stammen die Befragten hauptsächlich<br />

aus der Arbeiter- oder Mittelschicht.<br />

Oft sind sie die Ersten in<br />

der Familie, die eine höhere Ausbildung<br />

absolviert haben. Die Anzahl<br />

der Frauen steigt. Zudem geht ein<br />

gewerkschaftliches Engagement<br />

häufig mit einer Nähe zu Linksparteien<br />

einher, wo sich ein Repertoire<br />

gemeinschaftlicher Aktionen findet:<br />

Dazu gehört die Nutzung der direktdemokratischen<br />

Instrumente wie<br />

des Referendums- oder des Initiativrechts.<br />

Aktueller Stand<br />

Diese Realitäten verändern sich in<br />

den Gewerkschaften unterschiedlich<br />

stark. Die Autor*innen stellen<br />

aber fest, dass sich die gläserne Decke<br />

trotz des höheren Frauenanteils<br />

in der Gewerkschaftsbasis und der<br />

langsam wachsenden Anzahl der<br />

Frauen in Führungspositionen zu<br />

halten scheint. Ein Rätsel, das man<br />

rasch lösen möchte. Mit ihrer Fülle<br />

an Informationen ist diese Analyse<br />

ein wertvolles Instrument für alle<br />

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter.<br />

* Le métier et la vocation de syndicaliste,<br />

Antipodes, 2019.<br />

Gibt es einen typischen Arbeitstag?<br />

Eigentlich nicht! Es sind immer<br />

viele verschiedene Aufgaben zu erledigen:<br />

Man beantwortet Anrufe<br />

von Mitgliedern, besucht Kolleginnen<br />

und Kollegen an ihrem Arbeitsplatz,<br />

hört sich Probleme an, die<br />

danach auf kollektiver Ebene gelöst<br />

werden, man erklärt die Rolle der<br />

Gewerkschaft und die Bedeutung<br />

der Gesamtarbeitsverträge, motiviert<br />

Arbeitnehmende zum Gewerkschaftsbeitritt<br />

...<br />

Catherine Tabary triffst Du im RS Lausanne an,<br />

wo sie für den Sektor ICT zuständig ist.


Recht so!<br />

25<br />

Lieber Rechtsdienst,<br />

ich arbeite von Montag bis Freitag (8 Uhr bis 17 Uhr) in einer<br />

Grafikagentur. Meine Vorgesetzte ruft mich häufig nach<br />

Feierabend auf meinem Geschäftshandy an. Darf sie das?<br />

Muss ich das Geschäftshandy überhaupt abnehmen? Muss<br />

ich sie noch am selben Abend zurückrufen?<br />

Diese abendlichen Telefonate können auch länger dauern,<br />

manchmal mehr als zwei Stunden. Welche Konsequenzen<br />

muss ich erwarten, wenn ich mich weigere, nach Feierabend<br />

geschäftliche Telefongespräche in diesem Ausmass<br />

zu führen?<br />

Diese Woche hat mir meine Vorgesetzte um 23 Uhr eine<br />

E-Mail geschickt, mit den Unterlagen für eine Sitzung am<br />

nächsten Tag, damit ich mich vorbereite. Ich habe eine<br />

Nachtschicht eingelegt. War ich dazu verpflichtet?<br />

Antwort des <strong>syndicom</strong>-Rechtsdienstes<br />

In der Schweiz ist das «Recht auf Abschalten»<br />

gesetzlich nicht verankert.<br />

Dennoch muss der Arbeitnehmer<br />

für den Arbeitgeber grundsätzlich<br />

nur während der definierten Arbeitszeiten<br />

verfügbar und erreichbar sein.<br />

Ausnahmen können vertraglich vereinbart<br />

werden oder in Notfällen<br />

geboten sein. Verlangt ein Arbeitgeber<br />

ohne vertragliche Abrede und<br />

ausserhalb von Notfällen, dass ein<br />

Arbeitnehmer nach Feierabend erreichbar<br />

ist, kann dies verweigert<br />

werden. Besteht eine vertragliche<br />

Verpflichtung, während Zeiten ausserhalb<br />

der Arbeitszeit erreichbar zu<br />

sein, ist diese Rufbereitschaft zu<br />

entschädigen.<br />

Die Weigerung ist rechtmässig, wenn<br />

die Gespräche ausserhalb vertraglich<br />

definierter Zeitfenster erfolgen und<br />

es sich nicht um Notfälle – also Ausnahmen<br />

– handelt. Verlange zudem,<br />

dass dir solche ausserordentlichen<br />

Einsätze als Arbeitszeit gutgeschrieben<br />

und entlohnt werden, gegebenen falls<br />

mit Überstundenzuschlag.<br />

Käme es im Extremfall zu einer<br />

Kündigung, wäre diese schwer missbräuchlich.<br />

<strong>syndicom</strong> würde dich<br />

juristisch unterstützen und deine<br />

Rechte auch vor Gericht durchsetzen.<br />

Gemäss Arbeitsgesetz ist Nachtarbeit<br />

– zwischen 23 Uhr und 6 Uhr – ohne<br />

Bewilligung untersagt. Deine Vorgesetzte<br />

darf dir dennoch auch nach<br />

23 Uhr eine E-Mail schicken, aber sie<br />

kann nicht verlangen, dass du sie umgehend<br />

bearbeitest. Hier ist auch die<br />

Eigenverantwortung der Arbeitnehmer<br />

gefragt: Kontrolliere deine geschäftlichen<br />

E-Mails ausschliesslich<br />

während deinen Arbeitszeiten oder<br />

vertraglich definierten Zeit fenstern,<br />

aber sicher nicht am Abend spät. Du<br />

bist ja nicht der CEO, oder? Bei Unsicherheiten<br />

nimm Kontakt mit uns<br />

auf: Wir beraten dich und helfen dir!<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/rechtso


26 Freizeit<br />

Tipps<br />

Alle einsteigen, bitte!<br />

Aus unserem Angebot stellen wir dir<br />

hier einige Kurse vor, für die du keine<br />

grossen Vorkenntnisse benötigst,<br />

die dich aber einen grossen Schritt<br />

weiterbringen können.<br />

Die sehr beliebten Besuche im<br />

Berner Bundeshaus mit <strong>syndicom</strong><br />

werden fortgesetzt. Der letzte organisierte<br />

Besuch dieses Jahres findet<br />

am 9. Dezember statt und wird von<br />

unserer IG Jugend veranstaltet, mitkommen<br />

können alle Mitglieder,<br />

egal, wie alt.<br />

Geboten wird unter anderem ein<br />

Blick von der Zuschauertribüne auf<br />

das Geschehen vor Ort, Gespräche<br />

mit ausgewählten Nationalrät*innen<br />

und ein Apero auf der spektakulären<br />

Galérie des Alpes. Schnell anmelden<br />

auf my.<strong>syndicom</strong>.ch!<br />

Auch der Movendo-Computerkurs<br />

für Einsteiger*innen ohne Vorkenntnisse<br />

findet dieses Jahr noch<br />

einmal statt, vom 4. bis 6. Dezember<br />

in Bern. Der Kurs im Wert von <strong>13</strong>80<br />

Franken (für Nichtmitglieder, inkl.<br />

Kost, jedoch ohne Logis) ist für dich<br />

als Mitglied kostenlos. Behandelt<br />

werden Windows 10 und die<br />

Office-Programme von Microsoft<br />

von Anfang an: Von der Bedienung<br />

des Computers bis zum Erstellen<br />

von Texten und Rechnungen in 3<br />

Tagen!<br />

Das Bildungsinstitut Helias bietet<br />

ebenfalls Anfängerkurse an. Der<br />

Tageskurs Photoshop für Einsteiger<br />

bietet dir einen fundierten Einstieg<br />

in Themen wie Bildauflösung, Retusche<br />

und Komposition.<br />

Hier werden einige allgemeine<br />

Kenntnisse vorausgesetzt. Details<br />

dazu auf my.<strong>syndicom</strong>.ch. Der Kurs<br />

läuft am <strong>13</strong>. November im Publi-College<br />

in Burgdorf, also nicht mehr<br />

lange zuwarten.<br />

Das Bildungs-Programm für das<br />

Jahr 2020 wird derzeit zusammengestellt,<br />

wir werden zu gegebener Zeit<br />

die Werbetrommel rühren!<br />

© ekz<br />

Elektrizität – von magischen<br />

Spielereien bis zur E-Mobilität<br />

Die Elektrizitätswerke des Kantons<br />

Zürich (EKZ) sind ein selbständiges,<br />

öffentlich-rechtliches Unternehmen<br />

und zu 100 Prozent im Besitz des<br />

Kantons Zürich. Im Besucherzentrum<br />

«Stromhaus Burenwisen» führen<br />

die EKZ ein Technikmuseum.<br />

Das Besondere hier: Die Fachleute<br />

der EKZ führen Gruppen selber<br />

durch die Räume und Zeiten, stehen<br />

Rede und Antwort.<br />

Die Besucher*innen erwartet im<br />

Stromhaus eine Auswahl historischer<br />

Elektroapparate aus mehr als<br />

100 Jahren, etwa der erste elektrische<br />

Geschirrspüler. Anhand von<br />

spannenden Experimenten erfahren<br />

Besucher physikalische Zusammenhänge<br />

der Stromproduktion. Persönlich<br />

und kompetent werden Fragen<br />

beantwortet: Wie wird das<br />

Stromnetz der Zukunft aussehen?<br />

Wo steht die Elektromobilität? Und<br />

wie entwickeln sich Leuchtmittel?<br />

Gleichzeitig ist es ein verlockendes<br />

Ausflugsziel: Das Stromhaus Burenwisen<br />

im Glatttal bei Glattfelden<br />

liegt inmitten idyllischer Landschaft<br />

und lädt zum Spazieren und<br />

Verweilen ein. Zahlreiche Velo- und<br />

Wanderwege ermöglichen erlebnisreiche<br />

Ausflüge.<br />

Der Besuch ist möglich für Gruppen<br />

ab 10 und bis 35 Personen. Auf<br />

die Interessenlage der jeweiligen<br />

Gruppe wird eine besondere Führung<br />

zugeschnitten und individuell<br />

vorbereitet. Anmeldung ist deshalb<br />

unerlässlich. Die Führungen inklusive<br />

Imbiss dauern zwischen einer<br />

und zwei Stunden, sie sind kostenlos.<br />

Das Stromhaus Burenwisen in<br />

Glattfelden ist in nur 5 Minuten<br />

Gehdistanz hervorragend mit der<br />

S-Bahn erschlossen.<br />

Starke Worte für die<br />

Zukunft des Menschen<br />

© xxxxxxxxxxxxxxx<br />

Dieses Buch ist ein Akt des Widerstands,<br />

warnt sein Autor Paul<br />

Mason, dem wir schon den Bestseller<br />

«Postkapitalismus» verdanken.<br />

Widerstand gegen die Wirtschaftslehre,<br />

die zu einer Religion<br />

geworden ist. Aber es ist kein akademischer<br />

Essay gegen den Neoliberalismus.<br />

Mason begleitet uns durch<br />

die grossen Schlachten der nahen<br />

Zukunft: Eine Technologie, die Wissens-<br />

und Machtgefälle verschärft,<br />

Algorithmen, die uns in Tastaturzombies<br />

verwandeln, der langsame<br />

Zerfall der Demokratie.<br />

Der Autor bringt Beispiele, die<br />

von «Blade Runner» über Louise Michel<br />

bis hin zum Geplauder seiner<br />

Freunde im Pub von Leigh gehen.<br />

Unwiderstehlich. Mason schlägt bessere<br />

Technologien und andere Gesetze<br />

vor, um den Menschen wieder<br />

ins Zentrum der Weltanschauung zu<br />

rücken. Denn wir Menschen haben,<br />

was die Maschinen nicht haben: Die<br />

Fähigkeit, in einem Team zu arbeiten,<br />

die Vorstellungskraft, die Sprache<br />

und die Technik. Gegen die<br />

Macht müssen wir wir unsere physischen<br />

Körper stellen, unsere alten<br />

«Säcke aus Knochen und Fleisch».<br />

Sie sind unsere ultimative Waffe.<br />

Schauen wir nur, was ein schwedisches<br />

Mädchen mit einem Plakat<br />

und einer einfachen Protestaktion<br />

erreicht hat, jeden Freitag, anstatt<br />

zur Schule zu gehen …<br />

(Giovanni Valerio)<br />

Infos und Anmeldung zu allen Kursen<br />

immer auf my.<strong>syndicom</strong>.ch<br />

Anmeldung der Gruppe: 058 359 19 11 oder<br />

ekz.ch/stromhaus<br />

Paul Mason: Klare, lichte Zukunft.<br />

Suhrkamp 2019. CHF 38.50


1000 Worte<br />

Ruedi Widmer<br />

27


28 Bisch im Bild Stets präsent in der sich verändernden Arbeitswelt, aktiv in einer Welt (die sich<br />

verändern muss) hat <strong>syndicom</strong> den Westschweizer Tag der Typografie und das<br />

Weltformat Graphic Design Festival mitorganisiert. Und wir waren auch an der<br />

grossen Klimademo vom 28. September in Bern.<br />

1<br />

2 3<br />

4<br />

5


1, 3, 4 Momentaufnahmen der 17. Ausgabe des Westschweizer Tags der<br />

Typografie in Nyon am 28. September. (© Pierre-Antoine Grisoni)<br />

2 Das Weltformat Graphic Design Festival fand am 29. September<br />

im Kulturzentrum Neubad – einem ehemaligen Hallenbad –<br />

in Luzern statt. (© Suzanne Castelberg)<br />

5 Vom 20. bis 22. September war <strong>syndicom</strong> in Zürich an der Seite ihrer<br />

neuen Mitglieder – der Velokurier*innen – aus der ganzen Schweiz bei<br />

der Schweizerischen Meisterschaft der Velokuriere. (© Dominik Dietrich)<br />

6, 7, 9 «Klima des Wandels»: Unter diesem Motto marschierten<br />

fast hunderttausend Personen zum Bundesplatz in Bern.<br />

(© Sergio Ferrari)<br />

8 Nicht die Engel werden den Planeten retten:<br />

Wir müssen uns darum kümmern, jetzt! (© Patrizia Mordini)<br />

29<br />

7<br />

6<br />

8<br />

9


30<br />

Aus dem<br />

Leben von ...<br />

Zoe Sutter: «Mir macht die Klimakrise<br />

Angst. Wir dürfen nicht mehr warten!»<br />

Zoe Sutter, 2000 geboren, lernt Buchhändlerin.<br />

Schon als Kind hat sie viel<br />

gelesen. Verwandte haben ihr empfohlen,<br />

als Buchhändlerin zu schnuppern –<br />

sie hat sich sofort in den Beruf<br />

verliebt. Eine Lehrstelle fand sie bei<br />

einer kleinen Zürcher Buchhandlung.<br />

Sie liest hauptsächlich Fantasy und<br />

Science Fiction. 2019 ist sie Mitglied<br />

der <strong>syndicom</strong> geworden. Zoe Sutter<br />

engagiert sich auch politisch, sie ist<br />

im Aargauer Juso-Vorstand aktiv.<br />

Text: Dominik Fitze<br />

Bild: Severin Nowacki<br />

«Wir müssen die Politik<br />

zum Handeln zwingen»<br />

«In meinem Umfeld ist die Klimakrise<br />

ein grosses Thema. Das erste Mal,<br />

dass ich von ihr und den Folgen gehört<br />

habe, war in der achten Klasse.<br />

Für eine Projektarbeit habe ich viel<br />

darüber gelesen und recherchiert –<br />

und rasch wieder verdrängt. So geht<br />

es vielen: Sie wissen eigentlich, wie<br />

schlimm es um das Klima steht, wollen<br />

es aber lieber wieder vergessen.<br />

Ernsthafter damit beschäftigt<br />

habe ich mich, als es mit den Klimastreiks<br />

in der Schweiz losging. Es<br />

kann doch nicht sein, dass wir die<br />

Lebensgrundlage zukünftiger Generationen<br />

zerstören. Ich will eine<br />

Welt, die noch in hundert Jahren<br />

lebenstauglich und lebenswert (!) ist,<br />

doch das können wir nur erreichen,<br />

wenn wir sofort beherzt handeln.<br />

Deshalb beteilige ich mich an den<br />

Klimastreiks.<br />

Aus den Streiks ist längst eine<br />

globale Bewegung von Menschen geworden,<br />

die eine Zukunft für unsere<br />

Gattung wollen. Menschen, die wütend<br />

auf eine Politik sind, die diese<br />

schlimme Lage zugelassen und erst<br />

ermöglicht hat. Menschen, die wissen,<br />

wie schlimm es steht, aber die<br />

Hoffnung nicht aufgeben. Wie mein<br />

14-jähriger Bruder, der seine halbe<br />

Klasse für die Klimademos mobilisiert.<br />

Auch an meiner Berufsschule<br />

sind die Streiks ein Thema. Als wir<br />

im Frühling für eine Klassenreise<br />

nach Berlin flogen, sind einige wegen<br />

des Fliegens nicht mitgegangen.<br />

Nächstes Jahr geht es nach Wien und<br />

für unsere Lehrpersonen war sofort<br />

klar, dass wir mit dem Zug hinfahren.<br />

Seit Mai können wir in der Schule<br />

ein Gesuch einreichen, um an den<br />

Klimastreiks teilzunehmen.<br />

Gerade wir Buchhändler*innen<br />

merken, wie das Interesse am Thema<br />

steigt: Immer mehr Bücher zur<br />

Klimakrise werden verkauft und die<br />

Reaktionen auf ein thematisches<br />

Schaufenster sind gross. Viele junge<br />

Menschen belastet die Klimakrise<br />

stark. Mir persönlich macht sie<br />

Angst. Es ist beklemmend: Die Temperaturen<br />

steigen, ebenso der<br />

Meeres spiegel. Bereits jetzt gibt es<br />

Millionen Menschen, die wegen der<br />

Klimakrise ihre Heimat verlieren.<br />

Täglich sterben 200 Tierarten aus.<br />

Doch das ist erst der Anfang, vieles<br />

liegt noch im Ungewissen. Mit jedem<br />

weiteren Jahr, das wir mit Zuwarten<br />

verbringen, statt zu handeln, sinkt<br />

unsere Chance, die Klimakatastrophe<br />

noch abzuwenden.<br />

Deshalb müssen wir die Politik<br />

zum Handeln zwingen – mit Streiks,<br />

Demonstrationen, zivilem Ungehorsam.<br />

Die Lösungen sind eigentlich<br />

seit Jahren bekannt, jetzt geht es um<br />

ihre Umsetzung. Wir müssen Alternativen<br />

schaffen, nicht Verbote. Alternativen,<br />

die allen zugänglich sind<br />

und nicht nur denen, die genug Geld<br />

haben. Ein grosses Problem bei der<br />

Umsetzung ist unser System, das seine<br />

Existenz auf Umweltverschmutzung<br />

und Ausbeutung aufgebaut hat.<br />

Damit die Politik uns endlich<br />

hört, gehe ich auf die Stras se, wieder<br />

und wieder, wie an der grossartigen<br />

Klimademo vom 28. September.»<br />

Climatestrike.ch


Impressum<br />

Redaktion: Sylvie Fischer,<br />

Giovanni Valerio, Marc Rezzonico<br />

Tel. 058 817 18 18, redaktion@<strong>syndicom</strong>.ch<br />

Mitarbeit: Rieke Krüger<br />

Porträts, Zeichnungen: Katja Leudolph<br />

Fotos ohne Copyright-Vermerk: zVg<br />

Layout, Korrektorat und Druck: Stämpfli AG, Bern<br />

Adressänderungen: <strong>syndicom</strong>, Adressverwaltung,<br />

Monbijoustrasse 33, Postfach, 3001 Bern<br />

Tel. 058 817 18 18, Fax 058 817 18 17<br />

Inserate: priska.zuercher@<strong>syndicom</strong>.ch<br />

Abobestellung: info@<strong>syndicom</strong>.ch<br />

Abopreis ist im Mitgliederbeitrag inbegriffen. Für<br />

Nichtmitglieder: Fr. 50.– (Inland), Fr. 70.– (Ausland)<br />

Verlegerin: <strong>syndicom</strong> – Gewerkschaft<br />

Medien und Kommunikation, Monbijoustr. 33,<br />

Postfach, 3001 Bern<br />

Das <strong>syndicom</strong>-Magazin erscheint sechsmal im Jahr.<br />

Ausgabe <strong>Nr</strong>. 14 erscheint am <strong>13</strong>. Dezember 2019<br />

Redaktionsschluss: 11. November 2019.<br />

31<br />

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32 Inter-aktiv<br />

<strong>syndicom</strong> social<br />

Endlich!02.09.2019<br />

@SergiooFerrari – Das Schiedsgericht hat<br />

über den Sozialplan für die 41 entlassenen<br />

Mitarbeitenden von Le Matin entschieden!<br />

Die Forderungen der «41 du Matin» werden<br />

endlich anerkannt und sie erhalten angemessenere<br />

Entschädigungen!<br />

#41duMatin #Tamedia #LeMatin<br />

#Sozialplan<br />

Solidarität mit den<br />

Chauffeur*innen im Jura12.09.2019<br />

Der Jura schreibt sämtliche konzessionierten<br />

Buslinien aus. Damit will er 1 Million Franken<br />

pro Jahr sparen. Für die betroffenen<br />

Chauffeur*innen birgt dies grosse Risiken.<br />

Zeige dich solidarisch unter: <strong>syndicom</strong>.ch/<br />

stopdumping<br />

Digitaltag 201903.09.2019<br />

Am 3. September fand der dritte<br />

nationale Digitaltag mit schweizweit<br />

über 270 000 BesucherInnen und<br />

300 Aktivitäten statt.<br />

Digitalswitzerland wird zusammen<br />

mit einem Konsortium von Wissenschaftler*innen<br />

die Ergebnisse aus<br />

den Diskussionen an diesem Event<br />

analysieren.<br />

«Der Kollege Roboter» ist online September 2019<br />

Das Magazin 12 widmet sich der Entwicklung der KI<br />

und dem Arbeiten «mit und für» Roboter.<br />

Jetzt online unter: <strong>syndicom</strong>.ch/mitgliederservice/<br />

<strong>syndicom</strong>-<strong>magazin</strong>. Werft einen Blick hinein!<br />

@<strong>syndicom</strong>_de26.07.2019<br />

Wenige Social-Media-<br />

Spezialist*innen bei den<br />

Schweizer Parteien26.09.2019<br />

Nur Grüne, GLP, SP und BDP beschäftigen<br />

Personen, die sich allein<br />

um Social Media kümmern. CVP und<br />

FDP haben keine.<br />

Erstaunlich in unserer Zeit … oder<br />

etwa nicht? (Quelle: swissinfo.ch)<br />

Ein Urteil folgt dem anderen. Wann überdenken<br />

#Deliveroo, #UberEats und Co.<br />

ihr Geschäftsmodell? Alle Foodkuriere<br />

unter den Kurier-GAV, jetzt!<br />

Roland Kreuzer @RoKreuzer24.09.2019<br />

Frank Werneke ist gewählt als neuer Vorsitzender<br />

von ver.di: Herzliche Glückwünsche von <strong>syndicom</strong>!<br />

@<strong>syndicom</strong>_de @_verdi<br />

Festival di Internazionale a Ferrara Oktober 2019<br />

Wieder war <strong>syndicom</strong> am Festival der Zeitung Internazionale<br />

in Ferrara mit hochklassigen Filmen und Journalist*innen<br />

von überall. Mehr auf unserer Facebook-Seite.<br />

Jonathan Progin @jprogin22.10.2019<br />

Crazy: Das Management von #GoogleZurich wollte ein<br />

Info-Treffen über Gewerkschaften in der Schweiz im<br />

Zürcher Google-Büro verhindern. Heute Montag fand es<br />

trotzdem statt, organisiert von Google-Mitarbeitenden<br />

und geleitet von @<strong>syndicom</strong>_de. Quelle: vox.com<br />

Mit uns auf Kurs September 2019<br />

Ob im Beruf, in deiner Gewerkschaftsarbeit<br />

oder in deiner persönlichen<br />

Entwicklung – mit Weiterbildung<br />

kommst du voran. Für alle Mitglieder<br />

sind die Kurse unseres hauseigenen<br />

und weiterer Bildungsinstitute<br />

kostenlos oder stark vergünstigt!<br />

Programm und Anmeldung:<br />

my.<strong>syndicom</strong>.ch/Service und Bildung

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