WIRTSCHAFT+MARKT Herbst/Winter 2019/2020

wirtschaftmarkt

WIRTSCHAFT+MARKT ist die Printausgabe, die zweimal jährlich erscheint und das W+M eMag - das Internetmagazin - und die W+M NEWS - den Wochenreport - ergänzt.

INNOVATION

POLITIK

KÖPFE

GESELLSCHAFT

HERBST

WINTER

2019

2020

50MACHER

DER OSTDEUTSCHEN

WIRTSCHAFT

MÄRKTE

SO EXPORTIERT

DER MITTELSTAND

30. Jahrgang | Deutschland 6,50 €

ENERGIE

BATTERIE ODER

BRENNSTOFFZELLE

POLITIK

FOLGEN DER

AFD-STÄRKE


EDITORIAL

WIRTSCHAFT+MARKT 3

ENGAGIERTE

KÖPFE

Titel: Rudall30 - Freepik.com, Foto: Torsten George

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@WundM.info

Knapp elf Monate lagen zwischen dem und Ausblick zugleich. Stellvertretend

Mauerfall am 9. November 1989 und dem für die vielen Unternehmerpersönlichkeiten,

die den fünf neuen Ländern und

Vollzug der deutschen Einheit am 3. Oktober

1990. Vor 30 Jahren befand sich eine Berlin ihren Stempel aufgedrückt haben,

Region, die noch DDR hieß, mit ihren rund porträtieren wir 50 Frauen und Männer,

16 Millionen Einwohnern in einem Umbruch die mit ihren Firmen für Erfolg stehen und

mit damals unkalkulierbaren Folgen. Heute, die sich darüber hinaus für ihre Regionen

drei Jahrzehnte später, erinnern sich viele engagieren – als wichtige Auftraggeber für

Zeitzeugen in unzähligen Veranstaltungsformaten

an die turbulenten Wendemonate. sozialer Projekte oder als Unterstützer von

Mittelstand und Handwerk, als Förderer

Kultureinrichtungen und Sportvereinen.

In jener Zeit wurde übrigens auch unser Magazin

WIRTSCHAFT+MARKT aus der Taufe Etliche dieser „Köpfe“ können Sie bald

gehoben. Seither beobachtet und reflektiert persönlich treffen – auf dem nächsten Ostdeutschen

Wirtschaftsforum (OWF). Dafür

unsere Redaktion die Entwicklung des

ostdeutschen Unternehmertums. Allerdings sollten Sie sich den 15. und 16. Juni 2020

wollen wir Sie in diesem Jubiläumsjahr

vormerken. An diesen Tagen findet das OWF

nicht mit einem Übermaß an Rückblicken bereits zum fünften Mal in Bad Saarow

erschöpfen. Natürlich gilt unser Respekt der statt. Gemeinsam mit Spitzenpolitikern

Lebensleistung all jener, die sich zum Ende des Bundes, den ostdeutschen Ministerpräsidenten

und Wirtschaftsministern,

der DDR hin in die Unwägbarkeiten der bis

dato unbekannten Marktwirtschaft stürzten,

eigene Firmen gründeten oder ehemals und dem einen oder anderen hochrangigen

Wissenschaftlern, Machern der Wirtschaft

volkseigene Betriebe übernahmen. Etliche Überraschungsgast soll in dem märkischen

dieser Wirtschaftspioniere sind auf ihrem Kurort über wichtige Zukunftsthemen der

Weg gescheitert. Aber wesentlich mehr neuen Bundesländer debattiert werden.

Vertreter dieser Gründergeneration haben

sich am Markt durchgesetzt und zählen Eine Frage wird dort mit Sicherheit eine

heute zu den kleinen und großen regionalen

Leuchttürmen, die so wichtig für das die schlechte Stimmung im Osten, die der

Rolle spielen: Was muss getan werden, um

wirtschaftliche Wachstum zwischen Ostsee AfD bei den letzten Wahlen so große Stimmengewinne

brachte, nachhaltig zu drehen?

und Thüringer Wald sind.

Einige Antworten finden Sie bereits in diesem

Magazin – aus berufenem Munde, von

Diesen Machern der ostdeutschen

Wirtschaft widmen wir unsere Titelgeschichte

(ab Seite 40). Sie ist Rückblick dentin Manuela Schwesig (ab Seite

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsi-

36).









VINUM DEUTSCHER SEKT

AWARD 2018

VERANSTALTUNGS-

HÖHEPUNKTE











WWW.SCHLOSS-WACKERBARTH.DE


INHALTSVERZEICHNIS WIRTSCHAFT+MARKT 5

W+M TITEL

50 Macher der ostdeutschen

Wirtschaft 40

TITEL 40

50 Macher der ostdeutschen Wirtschaft

W+M INNOVATION

Foto: ScanHaus Marlow GmbH, InfraLeuna GmbH, Fotograf Matthias Wuttig, ALBA Group/Amin Akhtar, HPI/Kay Herschelmann, Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH, Micas AG, Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, Fotograf Michael Deutsch

Neue Ideen für mehr

Nachhaltigkeit 10

Schnell wachsende

Unternehmen im Osten 14

Durch Kompetenz die

Digitalisierung im Mittelstand

vorantreiben 17

Wie Mecklenburg-Vorpommerns

Digitalisierungsminister Christian

Pegel sein Land bis 2023 mit

Breitband erschließen will 20

W+M ENERGIE

Vier führende Energiemanager

positionieren sich zu den Themen

Klimawandel und Energiewende:

Stefan Dohler (EWE AG), Dr. Stephan

Lowis (enviaM), Dr. Alexander

Montebaur (E.DIS AG) und Bodo

Rodestock (VNG AG) 24

W+M INTERNATIONALE

MÄRKTE

Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand

bei der Commerzbank,

über die Internationalisierung

des ostdeutschen Mittelstands

und die Konflikte im

Welthandel 30

INNOVATION 10

Neue Ideen für mehr Nachhaltigkeit

Friedemann Kunz

Dr. Christof Günther

Sybille Kaiser

Prof. Dr. Christoph Meinel

Dr. Eric Schweitzer

W+M POLITIK

Katja Hillenbrand

Im Interview:

Mecklenburg-Vorpommerns

Ministerpräsidentin

Manuela Schwesig über den

Absturz der Volksparteien,

die Stimmung in

Ostdeutschland und die Folgen

des AfD-Aufschwungs 34

Davos des Ostens: Ausblick

auf das Ostdeutsche

Wirtschaftsforum 2020 37


6

WIRTSCHAFT+MARKT

INHALTSVERZEICHNIS

INTERNATIONALE 30

MÄRKTE

So agiert die ostdeutsche Exportwirtschaft

in Krisenzeiten

INTERVIEW 34

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin

Manuela Schwesig spricht über

den Absturz der Volksparteien und die Folgen

des AfD-Aufschwungs

W+M TITEL

50 Macher der ostdeutschen

Wirtschaft – Familienunternehmer,

Inhaber oder angestellte Manager

aus den fünf neuen Ländern und

Berlin, die über den Tellerrand der

eigenen Firma hinausblicken 40

ENERGIEWENDE 24

Vier Energiemanager erläutern ihre Positionen zum

Klimawandel

W+M GESELLSCHAFT

Berlin Capital Club –

weltweit daheim 68

Mode – Britenlook für kühle Tage 70

Gelebte Partnerschaften:

Uhren und Automobile 72

Von der Freude, eine Freude

zu machen: Präsentideen von

Schloss Wackerbarth 75

IMPRESSUM

WIRTSCHAFT+MARKT

Das Ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe: Herbst/Winter 2019/2020

Redaktionsschluss: 22.10.2019

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Friedrichstraße 171, 10117 Berlin

Tel.: 030 505638-00

info@wirtschaft-markt.de

redaktion@wirtschaft-markt.de

www.wirtschaft-markt.de

Herausgeber/Geschäftsführer:

Frank Nehring, frank.nehring@wirtschaft-markt.de

Chefredakteur:

Karsten Hintzmann, karsten.hintzmann@wirtschaft-markt.de

Autoren: Geraldine Graf, Katrin Kleeberg, Beate Lecloux,

Jörg K. Ritter, René Sadowski, Matthias Salm, Ron Uhden

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in

diesem Magazin auf eine durchgehende, geschlechtsneutrale

Differenzierung (z. B. Teilnehmer/Teilnehmerinnen)

verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der

Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.

Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und

beinhaltet keine Wertung.

Service: Abo- und Anzeigenverwaltung sowie Marketing

und Vertrieb, info@wirtschaft-markt.de

Layout & Design:

Möller Medienagentur GmbH, www.moeller-mediengruppe.de

Druck: Silber Druck oHG, ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur

mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht

mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos

übernehmen wir keine Haftung.

Premiere vor exklusiver

Kulisse – Arena Polo Masters

in Heiligendamm 78

Cloud-Experte – sieben Fragen

an Fabian Mahr 80

Unsere Experten –

Ihre Ratgeber 82

W+M WEITERE BEITRÄGE

Editorial 3

Impressum 6

Foto: Bild von Jan Paulussen auf Pixabay


Foto: © sdecoret – stock.adobe.com

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Ihr bestehendes oder geplantes Eigenheim verfügt über eine Photovoltaikanlage

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8

WIRTSCHAFT+MARKT

W+M IMAG

W+M IMAG

DAS INTERNETMAGAZIN

Aktuelle News unter

wirtschaft-markt.de und

der wöchentliche

Newsletter W+M NEWS

ergänzen das W+M IMAG

DIE BEITRÄGE DIESER AUSGABE FINDEN

SIE NOCH AUSFÜHRLICHER IN UNSEREM

INTERNETMAGAZIN.

Foto: Designed by Freepik


W+M IMAG WIRTSCHAFT+MARKT 9

AKTUELLE BEITRÄGE RUND

UM DIE WIRTSCHAFT

Aktuelle Interviews, Konjunkturberichte, Reports zu Unternehmen, herausragende

Preisträger, Expertenrat und mehr zum Lesen, Markieren, Kopieren,

Weiterleiten. So funktionieren zeitgemäße Medien für Vertreter der

Wirtschaft, die wenig Zeit haben, aber einen guten Überblick brauchen.

Die Konjunktur fest im Blick

Der ifo-Geschäftsklimaindex für die

ostdeutsche Wirtschaft erscheint monatlich

und wird durch die Trendberichte

und Konjunktureinschätzungen von

Branchen- und Unternehmerverbänden

sowie den Kammern ergänzt.

Macher im Interview

Die Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister der neuen Länder und Berlin sind regelmäßig

zu Gast bei WIRTSCHAFT+MARKT. Ebenso Vorstandsvorsitzende, Vorstände und

Geschäftsführer wichtiger Unternehmer aus unserem Wirtschaftsraum.

Ein Überblick zum Nachlesen:

Wirtschaft genauer besehen

Branchen und Unternehmen berichten

über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen.

Außergewöhnliche Unternehmer

und Preisträger werden vorgestellt.

Rankings werden recherchiert und

publiziert.

Vertreter aus der Politik (Auswahl)

• Die Ministerpräsidenten Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern), Michael

Kretschmer (Sachsen), Bodo Ramelow (Thüringen), Dr. Reiner Haseloff (Sachsen-

Anhalt), Dr. Dietmar Woidke (Brandenburg) und Michael Müller (Berlin)

• Die Wirtschaftsminister Harry Glawe (Mecklenburg-Vorpommern), Prof. Armin

Willingmann (Sachsen-Anhalt), Prof. Jörg Steinbach (Brandenburg)

• Christian Pegel, der Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung

des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Experten helfen weiter

Foto: W+M, Privat

Wirtschaftsvertreter (Auswahl)

• Dr. Robert Hermann, Geschäftsführer GTAI Germany Trade & Invest

• Bodo Rodestock, Vorstand Finanzen und Personal, VNG AG

• Fabian Mahr, Geschäftsführer Mahr EDV

• Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Mittelstandsbank Mitte/Ost der Commerzbank AG

• Gerold Jürgens, Geschäftsführer IRB Iso-Rüst-Bau GmbH und Präsident

des Unternehmerverbandes Vorpommern

• Dr. Stephan Lowis, Vorstandsvorsitzender der enviaM

• Dr. Alexander Montebaur, Vorstandsvorsitzender der E.DIS AG

• Stefan Dohler, EWE-Vorstandsvorsitzender

• Dr. Ulrich Müller, Generalbevollmächtigter für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern

Der Kreis der W+M-Experten

wird immer größer.

• Prof. Florian Stapper –

der Insolvenzexperte

• Beate Lecloux – die Modeund

Stilberaterin

• Ronald Haffner –

Steuerberater und

Buchrezensent

• Ron Uhden –

der Experte

für Uhren

und Juwelen


10

WIRTSCHAFT+MARKT

INNOVATION

Neue Ideen

für mehr

Nachhaltigkeit

150 innovative Unternehmen

stellte WIRTSCHAFT+MARKT im

Heft 1/19 vor. Eine Auswahl der

Besten. Doch es gibt noch weit

mehr Erfinder und Tüftler in der

ostdeutschen Wirtschaft. Gerade

im Bereich der Umwelttechnik treibt

der Wunsch nach Müllvermeidung,

Energieeffizienz und Ressourcenschonung

das Innovationsgeschehen.

Nachfolgend stellen wir fünf Unternehmen,

deren Technolo gien von sich

reden machen sowie eine aktualisierte

Liste mit inzwischen 170 hoch innovativen

Firmen aus den neuen Ländern vor.

VON MATTHIAS SALM

Eine Weltneuheit aus Schkopau – das versprechen

die Entwickler der Equipolymers GmbH im Schkopauer

ValuePark. Hier im Industrieareal der Dow Olefinverbund

GmbH arbeitet der Kunststoffspezialist gegenwärtig mit

Hochdruck an Viridis 25. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt

sich ein lebensmittelechtes Polyethylenterephthalat (PET)

mit bis zu 25 Prozent chemisch recyceltem PET. Ein so hoher

Rezyklat-Anteil aus chemischem Recycling wäre weltweit

einmalig, so die Schkopauer. An dem traditionellen Chemiestandort

hat das Unternehmen jüngst einen zweistelligen

Millionenbetrag in die Umstellung von fossilen Rohstoffen auf

Rezyklate investiert. Viridis 25 soll den europäischen Richtlinien

für Lebensmittelkontakt entsprechen und kann sowohl in der

Getränkeflaschenproduktion als auch im Thermoformen eingesetzt

werden.

Die Produktionsanlagen der Equipolymers GmbH in Schkopau.

Hinter der Equipolymers GmbH steht die internationale EQUATE

GROUP, ein Joint Venture des US-Chemieriesen Dow und des kuwaitischen

Petrochemiekonzerns PIC sowie weiterer kuwaitischer

Partner. Die Entwicklung des Verfahrens wird maßgeblich auch vom

Getränkeproduzenten Coca-Cola befördert. Der US-Multi setzt große

Erwartungen in das chemische Recycling. Es nährt die Hoffnung, aus

jeglichem PET-Abfall wieder lebensmitteltaugliches PET herstellen zu

können. Gegenwärtig wetteifern Unternehmen mit verschiedenen chemischen

Reinigungstechnologien darum, sie für den Einsatz im industriellen

Maßstab weiterzuentwickeln.

Während in Schkopau internationale Konzerne neuartige Recycling-Technologien

auf den Weg bringen, ist die DENKweit GmbH aus Halle (Saale) ein

typisches Start-up. Die Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur

von Werkstoffen und Systemen IMWS gewann jüngst den IQ Innovationspreis

Mitteldeutschland im Cluster Automotive. Die jungen Unternehmer

haben Methoden für eine effiziente Qualitätskontrolle in der Produktion von

Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, Fotograf Michael Deutsch


INNOVATION

WIRTSCHAFT+MARKT 11

Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, Fotograf Michael Deutsch

Batteriezellen und Solarmodulen erforscht –

wichtig beispielsweise für die Umrüstung der

Fahrzeugproduktion auf Elektromobilität.

Bisher werden Batteriezellen stichprobenartig

in Prüflaboren analysiert. Die Lösung aus Halle

hilft dagegen, Batteriezellen kontaktlos und in

Echtzeit auf Anomalien zu untersuchen. Das

Prinzip: Der Stromfluss in einer Zelle erzeugt

ein charakteristisches Magnetfeld, welches

sich bei elektrischen Defekten verändert. Diese

Abweichungen spürt die DENKweit-Technologie

mithilfe eines Sensors auf.

Gegründet haben das Unternehmen Dr.

Dominik Lausch, Dr. Kai Kaufmann und Markus

Patzold. Der Vorteil ihrer Innovation: Einerseits

kann die Qualitätsprüfung von Batteriezellen

flächendeckend bereits während der Produktion

durchgeführt werden, andererseits haben

die Gründer eine Kombination von maschinellem

Lernen und simulationsgestützter Analyse

entwickelt, die vermag, mögliche Defekte im

Zusammenspiel von moderner Sensortechnik

und Künstlicher Intelligenz auch eigenständig

auszuwerten.

Clever Kühlen bei heißem Klima

Auch die Chemnitzer EcoSyst GmbH wurde für

ihr neuartiges Klimaelement zur energiesparenden

Klimatisierung in heißen Klimazonen

bereits ausgezeichnet, u. a. ebenfalls mit

dem IQ Innovationspreis Mitteldeutschland.

Durch Verwendung des Baustoffs Lehm und in

Verbindung mit CO 2

-neutralen Energiequellen

wollen die Sachsen Bauherren neue Perspektiven

für ein klimafreundliches Kühlen und

Heizen von Gebäuden aufzeigen. Die Innovation

dürfte angesichts zunehmender Erderwärmung

nicht nur in heißen Klimazonen auf reges

Interesse stoßen.

Das Problem: Herkömmliche Klimaanlagen

sind sehr energieintensiv, weil riesige

Luftmengen gekühlt und entfeuchtet werden

müssen. Die EcoSyst-Klimaelemente setzen

dagegen auf Kapillarrohrmatten – diese heizen

und kühlen auf Basis von Wasser statt Luft.

Bisher sind solche Kühlleistungen allerdings

begrenzt, weil ab einer bestimmten Temperatur

(Taupunkt) schädigendes Kondenswasser

entsteht.

Den Chemnitzern ist es mit ihren EcoSyst-

Klima elementen gelungen, diese Beschränkung

zu überwinden. Dazu wird eine Trägerplatte

aus Kalziumsilikat, die große Mengen

Luftfeuchtigkeit bindet, eingesetzt. Auf der

Trägerplatte wird die Kapillarrohrmatte mit

einem Lehmkleber befestigt. Aufgrund der

zahlreichen Kapillaren kann das System

über eine große Oberfläche reichlich Energie

abgeben. Dadurch lassen sich Räume mit

einer Wassertemperatur von 17–22 Grad

gleichmäßig kühlen. Darüber hinaus bindet der

Lehmputz Keime und verbessert zusätzlich

das Raumklima.

Gelungene Kooperation

in der Lausitz

Ein gelungenes Beispiel für die erfolgreiche

Zusammenarbeit zwischen Mittelstand

und universitärer Forschung zeigt die LKT

Lausitzer Klärtechnik GmbH. Gemeinsam mit

dem Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten

Werkstoffen an der BTU Cottbus-Senftenberg

wurde das FlexReha®-Sanierungsverfahren

entwickelt. Die Kooperation verdeutlicht nebenbei

auch, welche Potenziale der innovative

Mittelstand und Forschungseinrichtungen in

der Lausitz für einen künftigen Strukturwandel

werden nutzen können.

Das Sanierungsverfahren sichert die Tragfähigkeit

von korrodierten unterirdischen

Betonbauwerken durch die Integration einer

selbstragenden Sandwichkonstruktion. Dies

kann etwa bei der Sanierung von Kläranlagen

und Pumpstationen zum Einsatz kommen. Der

Verbundwerkstoff wird auf Grundlage eines

3D-Scans individuell auf das zu sanierende

Objekt angepasst und im Vakuuminfusionsverfahren

umgesetzt. Verbunden ist damit

eine erhebliche Kosten- und Zeitersparnis gegenüber

herkömmlichen Sanierungsverfahren.

Die LKT Lausitzer Klärtechnik GmbH mit Sitz in

Luckau hat sich seit 1995 auf umwelttechnische

Anlagen für die dezentrale Abwasserreinigung

spezialisiert. Ihr FlexReha®-Verfahren

konnte bereits in Rahmen von Pilotsanierungen

in Cottbus und am Hamburger Hafen

erfolgreich getestet werden.

Für Innovation steht auch die isotech Gebäudetechnik

e.K., 1993 von Inhaber Klaus

Büttner in Plauen gegründet. Die Vogtländer

wollen überschüssigen Dampf in der Produktion

besser nutzbar machen. Denn im Dampf

steckt kostbare Energie, die oft im Produktionsprozess

verloren geht. Die Plauener habe

dazu Steam X entwickelt, ein patentiertes

Rückgewinnungssystem, das überschüssigen

Dampf wieder nutzbar macht. Entstehender

Nachdampf wird in das abfließende Kondensat

eingebracht und dem Energie-Kreislauf erneut

zugeführt. Aus einem offenen System wird so

ein geschlossenes, das Energieeinsparungen

von bis zu 16 Prozent ermöglicht. Dafür gab es

auf der internationalen Handwerksmesse in

München den „Bundespreis für hervorragende

innovatorische Leistungen für das Handwerk“.

PET-Recycling: Equipolymers-Betriebsleiter Oliver Thieme prüft das fertige Granulat.


12 WIRTSCHAFT+MARKT

Chemie- und Kunststoffindustrie

• 3D-Schilling GmbH

• Belyntic GmbH

• DEUREX AG

• ECH Elektrochemie Halle GmbH

• Equipolymers GmbH

• FEW Chemicals GmbH

• IAB Ionenaustauscher GmbH Bitterfeld

• KHW Kunststoff- und

Holzverarbeitungswerk GmbH

• K-UTEC AG Salt Technologies

• Miltitz Aromatics GmbH

• MOL Katalysatortechnik GmbH

• ORAFOL Europe GmbH

• POLIFILM EXTRUSION GmbH

• PURAGLOBE Germany GmbH

• SmartMembranes GmbH

• ThermHex Waben GmbH

• Trinseo Deutschland GmbH

• Trionplas Technologies GmbH

Energie- und Umwelttechnik

• 50Hertz

Transmission GmbH

• CLOUD & HEAT Technologies GmbH

• DENKweit GmbH

• e*Message Wireless Information Services

Deutschland GmbH

• EcoSyst GmbH

• E.DIS AG

• Elegant Energy GmbH & Co. KG

• envia Mitteldeutsche Energie AG

• EWE AG

• EXYTRON GmbH

• Gensoric GmbH

• Heliatek GmbH

• H.M. Heizkörper GmbH & Co. KG

• InvenSor GmbH

• isotech Gebäudetechnik e. K.

• LKT Lausitzer Klärtechnik GmbH

• LLA Instruments GmbH & Co. KG

• LXP Group GmbH

• Lumenaza GmbH

• Martin Membrane Systems AG

• ONTRAS Gastransport GmbH

• Professor Dr. Berg & Kießling GmbH

• sunfire GmbH

• TESVOLT GmbH

• Thermoelect GmbH

• ubitricity Gesellschaft für

verteilte Energiesysteme mbH

• VNG Innovation GmbH

• watttron GmbH

• WTZ Roßlau gGmbH

DIE 170

INNOVATIVSTEN FIRMEN

AUS DEN NEUEN LÄNDERN

Ernährungs- und Agrarwirtschaft Greentech

• Bäckerei VOLLKERN

• Biofabrik Technologies GmbH

• BioAnalyt GmbH

• Bombardier Transportation

• Carl Pabst – Samen & Saaten GmbH

• Coolar UG

• CONDIO GmbH

• CRONIMET Envirotec GmbH

• Fisch Domke

• DBF – Deutsche Basalt Faser GmbH

• IGV Institut für

• Embever GmbH

Getreideverarbeitung GmbH

• Kiwigrid GmbH

• InFarm – Indoor Urban Farming GmbH

• Nuventura GmbH

• Kool Zone Tracking Systems GmbH

• SOLMOVE GmbH

• LACOS Computerservice GmbH

• Skeleton Technologies GmbH

• Mosterei Ketzür GmbH

• SOEX Recycling Germany GmbH

• Roquette Klötze GmbH & Co. KG

• SONOTEC Ultraschallsensorik Halle GmbH

• Sächsisches Staatsweingut GmbH

• Center for Economics of Materials CEM

Schloss Wackerbarth

• Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von

• SternMaid GmbH & Co. KG

Werkstoffen und Systemen IMWS

• Torney Landfleischerei

• Fraunhofer IOSB Institutsteil Angewandte

Pripsleben GmbH

Systemtechnik

• UniCaps GmbH

Gesundheitswirtschaft

• AEROPHARM GmbH

• Bauerfeind AG

IT- und Digitalwirtschaft

• CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH

• CHRONOS VISION GmbH

• 3YOURMIND GmbH

• COLDPLASMATECH GmbH

• ADVA Optical Networking SE

• CORTRONIK GmbH

• AUGLETICS GmbH

• GA Generic Assays GmbH

• CiS Forschungsinstitut für

• denovoMATRIX GmbH

Mikrosensorik GmbH

• GETEMED Medizin- und

• cognitix GmbH

Informationstechnik AG

• CONTAG AG

• GWA Hygiene GmbH

• DEJ Technology GmbH

• INNOPROOF GmbH

• DIGITTRADE GmbH

• JeNaCell GmbH

• Funkwerk AG

• Lischka GmbH

• Indalyz Monitoring

• MediTex® - Medizinische

& Prognostics GmbH

Funktionswäsche GmbH

• INABE UG

• neotiv GmbH

• JENETRIC GmbH

• oncgnostics GmbH

• PipesBox GmbH

• Physiolution GmbH

• Rhebo GmbH

• Redwave Medical GmbH

• Silicon Radar GmbH

• Serumwerk Bernburg AG

• SkenData GmbH

• Smarterials Technology GmbH

• Software-Service John GmbH

• SpinPlant GmbH

• SPORTident GmbH

• Vaxxilon Deutschland GmbH

• Synfioo GmbH

• VEROVACCiNES GmbH

• Volucap GmbH


INNOVATION

WIRTSCHAFT+MARKT 13

Mobilität

• Automotive Lighting Brotterode

GmbH

• BASELABS GmbH

• Boryszew Oberflächentechnik

Deutschland GmbH

• Capron GmbH

• ChargeX GmbH

• DAKO GmbH

• Docter Optics SE

• ekoio UG

• Electric Mobility Concepts

GmbH

• Elektromotoren und Gerätebau

Barleben GmbH

• Finow Automotive GmbH

• FRAMO GmbH

• GÖPEL electronic GmbH

• Goldschmidt Thermit GmbH

• Hüffermann Transportsysteme

GmbH

• IAV GmbH Ingenieurgesellschaft

Auto und Verkehr

• IndiKar Individual Karosseriebau

GmbH

• KUMATEC Sondermaschinenbau

&

Kunststoffverarbeitung

GmbH

• Mecklenburger Metallguss

GmbH – MMG

• MITEC Automotive AG

• NAVENTIK GmbH

• Neptun Ship Design GmbH

• Scansonic MI GmbH

• SLM Kunststofftechnik

GmbH

• uesa GmbH

Maschinenbau

• AIM3D GmbH

• Bach Resistor Ceramics

GmbH

• BIP-Industrietechnik GmbH

• Gebrüder Leonhardt GmbH

& Co. KG Blema Kircheis

• GEFERTEC GmbH

• Glatt Ingenieurtechnik GmbH

• Gollmann Kommissioniersysteme

GmbH

• Häcker Automation GmbH

• HNP Mikrosysteme GmbH

• Laempe Mössner Sinto

GmbH

• Lehmann-UMT GmbH

• MICAS AG

• MTS Systems GmbH

• NILES-SIMMONS-

HEGENSCHEIDT Group

• Profiroll Technologies GmbH

• QUNDIS GmbH

• SCHMIDT + HAENSCH GmbH

& Co.

• SIOS Meßtechnik GmbH

• SITEC Industrietechnologie

GmbH

• Starrag GmbH

• UNION Werkzeugmaschinen

GmbH Chemnitz

• Aumann Limbach-Oberfrohna

GmbH

• VACOM Vakuum Komponenten

& Messtechnik GmbH

• VON ARDENNE GmbH

• Wildauer Schmiedewerke

GmbH & Co. KG

Immer sicher warm.

EWE business Wärme smart

Effizient heizen und dabei ganz entspannt bleiben: EWE business Wärme smart ist die

komfortable Wärmelösung für Unternehmen mit älteren Heizanlagen. Wir installieren für Sie

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14

WIRTSCHAFT+MARKT

INNOVATION

LUMOS MAXIMA –

NEWCOMER IN BERLIN

UND OSTDEUTSCHLAND

Neugründungen in Ostdeutschland? Risikokapital, das in die neuen Bundesländer wandert? Berichte über wirtschaftliche

Probleme im Osten unserer Republik sind uns meistens bekannter. Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall ist es höchste Zeit,

Licht auf eine beeindruckende Unternehmenslandschaft zu werfen, die das Potenzial des Ostens widerspiegelt.

VON RENÉ SADOWSKI, JÖRG K. RITTER UND GERALDINE GRAF

Wir haben uns, aufbauend auf der Identifikation

aller Start-up-Unternehmen in der

gesamten Bundesrepublik, welche zwischen

2013 und 2018 gegründet wurden, die

Risikokapitalbewegungen der Unternehmen

im Zeitraum dieser sechs Jahre angesehen,

konkret von Januar 2013 bis Dezember 2018.

Die finanzielle Untergrenze für die Analyse der

Investitionssumme je Start-up-Unternehmen

im Betrachtungszeitraum liegt bei 5 Mio. EUR.

Dies ist ein anerkannter, repräsentativer Indikator

für das von institutionellen Investoren

ausgemachte Geschäftspotenzial. Insgesamt

konnten wir 293 Start-up-Unternehmen,

sogenannte Newcomer, identifizieren.

Foto: Archiv Egon Zehnder


INNOVATION

WIRTSCHAFT+MARKT 15

Berlin ist das Gravitationszentrum

Von diesen 293 Newcomern sind 130 in Berlin

und Ostdeutschland zu Hause. Das ist im

bundesdeutschen Vergleich herausragend.

Unter einer stärkeren regionalen Perspektive

zeigt sich, dass 126 dieser Newcomer in der

Hauptstadt ansässig sind. Demnach haben

vier ostdeutsche Newcomer, die seit 2013

gegründet wurden, jeweils mindestens 5 Mio.

EUR Risikokapital eingeworben. Hier zeigt

sich das Gravitationszentrum Berlin, das

somit als echte Gründermetropole mit hoher

Risikokapitalattraktivität bezeichnet werden

kann. Denn die untersuchten 126 Newcomer

aus Berlin haben im betrachteten Zeitraum

insgesamt ca. 3,95 Mrd. EUR Risikokapital

eingesammelt. Allein 19 Newcomer haben

jeweils mindestens 50 Mio. EUR Risikokapital

erhalten. Und fünf von diesen haben jeweils

über 100 Mio. EUR eingeworben. Dies sind

Spotcap mit ca. 102 Mio. EUR, Wefox mit ca.

143 Mio. EUR, Frontier Car mit ca. 152 Mio.

EUR, Raisin mit ca. 185 Mio. EUR sowie N26

mit ca. 616 Mio. EUR.

Zugleich hatten gut die Hälfte der Newcomer

per Ende 2018 maximal 50 Mitarbeiter.

Überraschend ist, dass es in Berlin und

Ostdeutschland insgesamt nur sechs Unternehmen

gibt, die mehr als 500 Mitarbeiter

beschäftigen – und diese sind ausschließlich

in Berlin ansässig.

Während in den Jahren 2013 bis 2015 vor allem

Newcomer aus den Bereichen E-Commerce

und Shopping sowie Handel kamen, hat sich

Newcomer nach Risikokapital

Fundingklasse

Anzahl insgesamt

(Berlin &

Non-Berlin)

davon Anzahl

Non-Berlin

≥ 5 bis

< 10 Mio.

EUR

≥ 10 bis

< 20 Mio.

EUR

≥ 20 bis

< 30 Mio.

EUR

≥ 30 bis

< 40 Mio.

EUR

≥ 40 bis

< 50 Mio.

EUR

≥ 50 Mio.

EUR

Summe

44 32 22 6 5 19 128*

2 0 0 0 1 0 3*

*(zzgl. 2 Newcomer ohne Angaben zum Funding, davon 1 Newcomer aus Ostdeutschland)

das Interesse der Investoren in den zurückliegenden

Jahren stärker in Richtung Mobility,

Biotech, Fintech und Künstliche Intelligenz

entwickelt.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Wirtschaftliche Prosperität bedingt den Willen

und die Fähigkeit, kontinuierlich mit neuen Ideen

in den Wettbewerb zu gehen. Umfang und

Qualität dieser Ideen sind häufig das Resultat

forcierter Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten

bei hoher Kunden- oder Prozessorientierung

in etablierten Unternehmen, oft

auch in Zusammenarbeit mit unternehmensexternen

Partnern. Ein marktwirtschaftlich

funktionierender Wettbewerb zeichnet sich

aber auch durch das Auftreten neuer Akteure

in bestehenden Märkten oder bei der Etablierung

neuer Märkte aus, die dann ihrerseits

eine besondere Strahlkraft entfalten – Lumos

Maxima im besten Sinne.

Quelle: Analyse Egon Zehnder; Basis Datenbank Crunchbase

Ohne diesen Gestaltungs- und Geschäftswillen

sowie die Innovationsorientierung neuer

Akteure würden die marktwirtschaftlichen

Vorteile des unternehmerischen Wettbewerbs

ihre Kraft nicht entfalten können. Und gesellschaftlicher

Fortschritt und ökonomische Prosperität

fußen genau auf diesen Markt- und

Wettbewerbsmechanismen. Im Rahmen der

Initiative „Macher 30“, die erfolgreiche Persönlichkeiten

aus Berlin und den neuen Ländern

ehrt, haben wir uns die neuen Marktakteure,

die sogenannten Newcomer, genauer

angesehen. Dabei haben wir uns – wie oben

dargestellt – speziell auf die neuen Unternehmen

fokussiert, bei denen Gründerinnen und

Gründer ihre Unternehmung mit einem hohen

Professionalisierungs- und Wachstumswillen

gestartet haben. Als Maßstab dafür haben

wir die Öffnung für externes Risikokapital und

die damit verbundenen Partnerschaften bei

gleichzeitigem Interesse und ökonomischer







16 WIRTSCHAFT+MARKT

INNOVATION

Zuversicht der Kapitalgeber in die Idee respektive

das junge Unternehmen angelegt.

Herausragende ostdeutsche Beispiele

Unsere Erhebung erlaubt auch einen tieferen

Einblick in Ostdeutschland. So haben 15

ostdeutsche Newcomer jeweils mindestens 1

Mio. EUR Risikokapital und insgesamt 75 Mio.

EUR eingeworben. Ein herausragendes Beispiel

sind das Chemnitzer HR-Tech-Unternehmen

Staffbase, das neue technische Lösungen

für die Mitarbeiterkommunikation entwickelt

und über 48 Mio. EUR einwerben konnte. Auch

das Greifswalder Legal-Tech-Unternehmen

advocado, ein auf automatisiertes und KI-gestütztes

Matching sowie auf videobasierte

Rechtsberatung spezialisierter Newcomer,

sticht mit ca. 6 Mio. EUR an eingeworbenem

Investment heraus. Wandelbots aus Dresden,

ein Robotik-Tech-Unternehmen, mit dessen

Technologie Roboter über intelligente Kleidung

gesteuert werden, sammelte ebenfalls ca. 6

Mio. EUR ein.

Ein Großteil der Gründerinnen und Gründer

kommen laut dem Deutschen Startup Monitor

aus dem Hochschul- bzw. Universitätsumfeld.

Damit werden die Rolle und der Beitrag dieser

Institutionen für die (über-)regionale wirtschaftliche

Entwicklung besonders sichtbar.

Die ostdeutschen und Berliner akademischen

Institutionen leisten hier einen herausragenden

Beitrag. Der aktuelle Gründungsradar

2018, herausgegeben vom Stifterverband,

zeigt dies wunderbar auf. So liegen im Ranking

der besten großen (Gründer-)Hochschulen die

Universität Potsdam auf Rang 5 und die Freie

Universität Berlin auf Rang 6. Die TU Berlin, die

Universität Leipzig und die Humboldt-Universität

Berlin sind auf den Rängen 12 bis 14 zu

finden. Im Ranking der mittleren Hochschulen

sind die Europa-Universität Viadrina auf Platz

2, die HWR Berlin (Rang 4), die TU Chemnitz

Newcomer nach Gründungsjahr

Gründungsjahr Anzahl Risikokapital seit

Gründung insg.

(Rang 9), die Otto-von-Guericke-Universität

Magdeburg (Rang 12) sowie die Brandenburgische

Technische Universität Cottbus-Senftenberg

auf Rang 14 ebenfalls vorn dabei. Diese

ostdeutsche Stärke zeigt sich ebenfalls bei

den kleinen Hochschulen, denn hier wird die

HHL als beste Gründerhochschule Deutschlands

geführt, gefolgt von der Technischen

Hochschule Brandenburg, FH Potsdam, Bauhaus-Universität

Weimar und der Technischen

Hochschule Wildau auf den Rängen 9 bis 12.

Die Aussichten sind positiv

Sicherlich, für viele Gründer und Gründerinnen

ist der Verkauf (Exit) des eigenen Unternehmens

ein erklärtes Ziel. Herausragende

Beispiele dafür sind ebenso in Ostdeutschland

zu finden. Dazu zählt die auf organische Elektronik

spezialisierte Novaled, die im Jahr 2013

für 260 Mio. EUR an Samsung verkauft wurde.

Beispiele neueren Datums sind der Verkauf

des E-Commerce-Newcomers Bike24 für 112

Mio. EUR an Wiggle im Jahr 2017 und Siltectra,

ein Hersteller elektronischer Bauteile, der im

letzten Jahr für 124 Mio. EUR von Infineon

übernommen wurde. Diese drei Unternehmen

kommen aus Sachsen, das neben Berlin als

wichtiges Kraftzentrum für Unternehmensgründungen

gelten darf. Dort gelang es auch,

Top 3

2013 30 1.399 Mio. EUR N26, Raisin, Lesara

Newcomer nach Mitarbeiteranzahl

Klasse

Mitarbeiteranzahl

Anzahl insgesamt

(Berlin & Non-Berlin)

davon Anzahl

Non-Berlin

2014 35 930 Mio. EUR Wefox, Spotcap, Marley Spoon

2015 35 811 Mio. EUR Sennder, Movinga, McMakler

2016 22 671 Mio. EUR Frontier Car Group, SolarisBank, Tourlane

2017 4 54 Mio. EUR Element Insurance, i2x, Wandelbots

2018 5 151 Mio. EUR Circ, Tier Mobility, MXC

Bis 50

MA

51 bis

100 MA

Quelle: Analyse Egon Zehnder; Basis Datenbank Crunchbase

101 bis

250 MA

aus der dort etablierten Unternehmertradition

heraus kraftvolle Ökosysteme für die

Zukunftsbranchen Mikroelektronik, Software,

Elektromobilität, Telekommunikation und Maschinenbau,

primär in den Regionen in und um

Dresden, Leipzig, Chemnitz und Südwestsachsen,

zu etablieren, in denen junge, innovative

Unternehmen schnell Zugang zu Partnern und

Kunden sowie letztlich auch zu Investoren

finden. Innovationskraft, Mut und Wachstumswillen

von Gründerinnen und Gründern,

die forcierte Vernetzung von Hochschulen mit

Unternehmen in industriellen Clustern sowie

der Zugang zu Risikokapital: All das zeichnet

die Gründerlandschaft im Osten der Republik

aus – insgesamt also Leuchttürme allerorten.

Die Autoren

René Sadowski ist Engagement

Leader bei Egon Zehnder und

Professor für Entrepreneurship &

Innovation Management an der

ISM Hochschule Berlin

Jörg K. Ritter ist Senior Partner

bei Egon Zehnder und Professor

für Leadership & Human Resources

an der Quadriga Hochschule

Berlin

251 bis

500 MA

≥ 501

MA

Geraldine Graf ist Projektmitarbeiterin

bei Egon Zehnder für

die Initiative „Macher 30“ und

Summe

66 26 23 9 6 130

3 0 1 0 0 4

Quelle: Analyse Egon Zehnder; Basis Datenbank Crunchbase

Studentin der Betriebswirtschaft

an der Freien Universität Berlin


XXX INNOVATION WIRTSCHAFT+MARKT 17

SMErobotics-Zelle mit Leichtbauroboter.

DURCH KOMPETENZ

DIE DIGITALISIERUNG

IM MITTELSTAND

VORANTREIBEN

Foto: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Cottbus

Die Digitalisierung ist zu einem Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg geworden. Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit

bewahren und ausbauen wollen, kommen an Themen wie Cloud-Computing, Künstlicher Intelligenz oder

Robotik meist nicht mehr vorbei. Mit den richtigen Digitalisierungsschritten und innovativen Produkten können kleine

und mittlere Unternehmen ihre Umsätze steigern. Damit der Mittelstand die Digitalisierung für sich optimal nutzen

kann, unterstützen die Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren von Mittelstand-Digital Unternehmen mit einem breiten

Angebot an Seminaren, Workshops und Praxisbeispielen.

VON MARTIN LUNDBORG


18 WIRTSCHAFT+MARKT

INNOVATION

Der Druck, sich mit digitalen Themen auseinanderzusetzen

und digitale Technologien

in den Unternehmen einzuführen, wächst

seit Jahren. Rund ein Drittel aller deutschen

Unternehmen bezeichnet den eigenen

Digitalisierungsstand als fortschrittlich, ein

weiteres Drittel sortiert sich im Mittelfeld ein.

Die Zahlen des Monitoring-Reports Wirtschaft

DIGITAL 2018 des Bundesministeriums für

Wirtschaft und Energie belegen, dass die

Digitalisierung in der deutschen Wirtschaft

angekommen ist.

Nach den Vorteilen von Digitalisierungsmaßnahmen

gefragt, nennen die Unternehmen

an erster Stelle die verbesserte Kundenkommunikation.

Gleich darauf folgen die Punkte,

mithilfe von Daten erfolgsrelevantes Wissen

aufbauen zu können, die Qualität der Produkte

zu steigern sowie sich neue Märkte und Kundengruppen

zu erschließen.

Kompetenz zentren helfen

Unternehmen scheuen jedoch die mit der

Digitalisierung verbundenen Investitionen beziehungsweise

schätzen den Zeitaufwand als

zu hoch ein − zumal Mitarbeiter in der Regel

erst noch geschult werden müssen.

An genau diesen Punkten setzen die 26

Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum an, die

vom Bundesministerium für Wirtschaft und

Energie im Rahmen von Mittelstand-Digital

gefördert werden: Die Kompetenzzentren

bieten kostenfreie Seminare, Besichtigungen

von Demonstrationsorten, Workshops und

Infoveranstaltungen an. Unternehmen finden

Orientierung bei Digitalisierungsvorhaben und

können mit den Zentren gemeinsam einen

Digitalisierungsfahrplan erarbeiten.

In den ostdeutschen Bundesländern gibt es

Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum in Berlin,

Chemnitz, Cottbus, Ilmenau, Magdeburg und

Rostock. Die Kompetenzzentren haben unterschiedliche

thematische Schwerpunkte, die

sich auch an der regionalen Wirtschaftsstruktur

orientieren. Vermittelt werden beispielsweise

Kompetenzen in der Prozessoptimierung,

zu Datenschutzbestimmungen oder zur

Gestaltung der digitalen Arbeitswelt.

Individueller Fahrplan

Da kein Unternehmen dem anderen gleicht,

gibt es auch für die Digitalisierung von Unternehmen

keine Patentrezepte. Dennoch

lohnt es sich, diesen Prozess methodisch

anzugehen und einen Digitalisierungsfahrplan

zu erstellen. Dieser sollte auf die Branche, die

Region und die Struktur des Unternehmens

zugeschnitten sein. Die Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum

begleiten kleine und mittlere

Unternehmen bei allen dafür notwendigen

Schritten. Unterstützung gibt es nicht nur

bei der Analyse der Stärken und Schwächen

des Unternehmens, sondern auch bei der

Ermittlung des digitalen Reifegrades sowie

des technischen und personellen Bedarfs für

die geplanten Digitalisierungsmaßnahmen. Die

Kompetenzzentren bieten darüber hinaus auch

die Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild über

digitale Technologien zu verschaffen, sodass

teure Fehlinvestitionen – beispielsweise durch

Fehlentscheidungen bei der Anschaffung neuer

digitaler Produktionsanlagen − vermieden

werden können.

Optimierung durch Digitalisierung

Um Prozesse in der Produktion zu optimieren,

müssen in der Regel verschiedene Maschinen

vernetzt werden, um Daten zu gewinnen und

Anlagen zentral steuern zu können. Wie das

gelingt, führt das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum

Ilmenau unter anderem in der

Modellfabrik „Vernetzung von Maschinen

und Produktionsprozessen“ vor. Dort wird

beispielsweise anhand der Produktion eines

Schraubendrehers gezeigt, wie Systeme aus

unterschiedlichen Bereichen so eingesetzt

werden können, dass durch ihre Vernetzung

ein optimaler Produktionsprozess entsteht.

Die Modellfabrik präsentiert dabei exemplarisch,

wie mit Bildbearbeitung und 3D-Druck

Blockchain-Demonstrator.

das Produkt konfiguriert wird. Auch Technologien

wie die Informationsweitergabe mithilfe

von QR-Codes sowie RFID-Funk-Etiketten,

der Einsatz additiver Fertigung zur Produktion

in Losgröße 1 sowie digitale Kommissionierungssysteme

können in der Modellfabrik erlebt

und getestet werden. Dazu gehören etwa

Pick-by-Light-Module, die es dem Kommissionierer

über ein Display und einen Quittierknopf

an jedem Fach ermöglichen, die Ware ohne

Pickliste zu entnehmen und die Bestandsänderung

in Echtzeit an das Lagerverwaltungssystem

zurückzumelden. Einen Schwerpunkt

bei dieser und anderen Anwendungen bildet

die Idee der kooperativen Wertschöpfung:

Kleine und mittlere Unternehmen sollen so in

die Lage versetzt werden, gemeinsam über

eine Plattform Großaufträge abzuarbeiten und

zusammen Gewinne zu erzielen.

In einem weiteren Projekt wird für ein mittelständisches

Unternehmen in Thüringen eine

App entwickelt, die das Rüsten von Maschinen

bei wiederkehrenden Kleinserienaufträgen

erleichtert und beschleunigt. Die Mitarbeiter

können per Smartphone auf die passenden

Informationen zugreifen. Fallen Unternehmensmitarbeiter

aus, ist sichergestellt, dass

das Wissen über die Unternehmensprozesse

erhalten bleibt und neue Mitarbeiter einfach

und schnell angelernt werden können.

Robotik für den Mittelstand

Beim Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum

Foto: Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Ilmenau


INNOVATION

WIRTSCHAFT+MARKT 19

Foto: Romy Uhlig, WIK GmbH

Kompetenzzentrum der TU Chemnitz.

Cottbus liegt ein Fokus auf der Mensch-Roboter-Kollaboration.

Insbesondere mittelständische

Produktionsbetriebe arbeiten mit kleinen

Losgrößen und sind auf hohe Flexibilität

angewiesen. Ein Demonstrator des Zentrums

zeigt, wie auch Mitarbeitern ohne ausgewiesene

IT-Fachkenntnisse die Programmierung

von Robotern gelingt. Um das nötige Knowhow

bei den Firmen aufzubauen, organisiert

das Kompetenzzentrum auch Seminare zur

Einführung in die Programmierung von Industrierobotern.

Rechtssicherheit ist wichtig

Der Einsatz von Laptops, Tablets und Smartphones

prägt längst in vielen Unternehmen

den Arbeitsalltag. Die Nutzung dieser und

anderer digitaler Geräte berührt allerdings eine

Vielzahl rechtlicher Fragen, die vom Arbeitsrecht

über den Datenschutz bis hin zu Persönlichkeitsrechten

von Mitarbeitern reichen. Mit

der „Wissensbox Recht 4.0“ hat das Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum

Chemnitz auf

seiner Website eine Internet-Anlaufstelle für

diese Fragen geschaffen.

Dort finden sich neben Informationen zum

Arbeitsrecht und der Arbeitssicherheit auch

Themen wie die Inhaberschaft von Daten

sowie Erklärungen darüber, wer bei digitalen

Geschäftsmodellen welche Verantwortung

trägt und wofür haftet. Das Angebot richtet

sich vor allem an Mittelständler, die keine eigene

Rechtsabteilung haben und sich unsicher

sind, ob sie die Vorgaben des Gesetzgebers

erfüllen.

DSGVO wirft Fragen auf

Das Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung

(DSGVO) im Jahr 2018 hat viele

Unternehmen verunsichert. In der Wissensbox

finden Unternehmer umfangreiches Informationsmaterial

rund um die Dokumentations- und

Rechenschaftspflichten. Unternehmen, die besondere

personenbezogene Daten verarbeiten,

sind beispielsweise dazu verpflichtet, einen

Datenschutzbeauftragten zu ernennen, der als

Ansprechpartner für die rechtlichen Vorgaben

zur Verfügung steht. Bei personenbezogenen

Kundendaten müssen die Verarbeitungstätigkeiten

zudem in einem Verzeichnis aufgeführt

werden. Darüber hinaus müssen Unternehmen

darauf achten, dass sie die Daten der

Kunden wieder löschen, wenn diese über einen

längeren Zeitraum keine neuen Aufträge mehr

erteilen. Im Falle eines Diebstahls personenbezogener

Kundendaten ist es zudem erforderlich,

dass sie umgehend die Aufsichtsbehörden

und auch die Betroffenen informieren.

Neben einem praktischen Handlungsleitfaden

zur Umsetzung der DSGVO-Rechtsvorschriften

gibt die Wissensbox weitere Tipps zur DSG-

VO-konformen Erstellung und Verwendung

von Bildmaterial. Wer beispielsweise auf Veranstaltungen

Bilder von seinen Gästen macht,

benötigt zur Veröffentlichung der Bilder auf

Social-Media-Kanälen nicht nur eine entsprechende

Rechteeinwilligung des Fotografen,

sondern auch die Zustimmung der fotografierten

Personen. Wer gegen diese oder andere

Bestimmungen der DSGVO verstößt, kann

abgemahnt werden. Halten sich Unternehmen

wiederholt nicht an die Verordnung, müssen

sie im schlimmsten Fall mit Bußgeldern von

bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent ihres

Jahresumsatzes rechnen.

Autor

Martin Lundborg

ist in der Begleitforschung

des

Förderschwerpunkts

Mittelstand-Digital

des Bundesministeriums für

Wirtschaft und Energie tätig. Mittelstand-Digital

unterstützt kleine und

mittlere Unternehmen mit bundesweit

26 Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren

bei der Digitalisierung.

Der Partner

an Ihrer

Seite!

UNTERNEHMERVERBAND BERLIN e.V.

eine starke Gemeinschaft von klein- & mittelständischen Unternehmen

Ihre Vorteile als Mitglied

• wir vereinen Unternehmen aus allen Bereichen

• wir informieren Sie regelmäßig über aktuelle Themen

aus Recht, Steuern, Wirtschaft und Soziales

• wir dienen als Netzwerk für wechselseitigen

Austausch, Kooperationen und Geschäftskontakte

• wir veranstalten „Stammtische vor Ort“

• UV-Kultur - gemeinsame Theater- und Kaberettbesuche

• UV-Sport - regelmäßige Bowlingabende

Kontakt

Unser Versorgungswerk

Das Versorgungswerk bietet Ihnen und Ihren Angehörigen

umfangreiche Versicherungsleistungen an, wie

• Beratung und Betreuung von Rentenberechnungen und

Pflegeversicherungen

• Versicherungsleistungen (z.B. BAV, Lebens- & Unfallversicherungen)

• Hilfe in Schadensfällen

• Beratung für Geschäftsversicherungen

• u.v.m.

Träger des Versorgungswerkes ist die Signal Iduna Gruppe

Leunaer Straße 7 • 12681 Berlin • Tel.: 030 9818500

mail@uv-berlin.de • www.uv-berlin.de


20

WIRTSCHAFT+MARKT

INNOVATION

„BIS SPÄTESTENS 2023

WERDEN WIR DEN LÄNDLICHEN

RAUM MIT BREITBAND

ERSCHLIEßEN“

INTERVIEW MIT CHRISTIAN PEGEL, MINISTER FÜR ENERGIE, INFRASTRUKTUR

UND DIGITALISIERUNG IN MECKLENBURG-VORPOMMERN

Interview: Karsten Hintzmann

W+M: Herr Minister, haben Sie Erkenntnisse

darüber, inwieweit sich die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

schon auf die Herausforderungen

der Digitalisierung eingelassen hat?

Christian Pegel: Ich bin mir nicht sicher,

ob mein Blick hier unverstellt ist, denn als

Digitalisierungsminister treffe ich ja vorrangig

auf Unternehmen, die digitalisierungsaffin

sind. Aber eine Grundregel gibt es sicher:

Je stärker eine Firma einen hochmodernen

technischen Unternehmenszweck verfolgt,

desto intensiver befasst sie sich mit der

Digitalisierung. Aber mich hat in den letzten

Monaten beruhigt, dass sich auch viele andere

Branchen mit der Digitalisierung befassen.

Ich war bei Unternehmen aus dem Tiefbau,

dem Landschafts- und Grünflächenbau, in

Autohäusern und Reisebüros. Und überall

setzt man auf Digitalisierung und nutzt unser

neu aufgelegtes Mittelstandsprogramm. Das

gibt mir Zuversicht.

Es gibt meist zwei große Treiber: Zum einen

sind es oft große Lieferanten oder Hersteller,

die ihren mittelständischen Kunden Vorgaben

für den Einsatz modernster Technik

machen – etwa in Autohäusern. Oder wenn

junge Unternehmenschefs in die Fußstapfen

ihrer Vorgänger treten. Gerade im Zuge

dieser Unternehmensübergaben zieht oft der

digitale Wandel mit ein. Auch bei den jungen

Beschäftigten spielt das zunehmend eine

Rolle. Ihre Identifikation mit dem Unternehmen

wächst, wenn sie beispielsweise von

ihren Chefs in Digitalisierungsfragen um Rat

gebeten werden.

Christian Pegel: Eine genaue Benennung

können wir nicht vornehmen. Mir ist es besonders

wichtig, dass die für unser Land so wichtige

Tourismusbranche hier Schritt hält. Da haben

wir oft sehr kleine Unternehmen. Viele dieser

Unternehmerinnen und Unternehmer erkennen

MINISTER

FÜR ENERGIE,

INFRASTRUKTUR UND

DIGITALISIERUNG

2016

RECHTSANWALT

2005

HAMBURG

mehr und mehr, dass sie die Kunden, die per

Internet gebucht haben, auch online bis direkt

ans Zimmer führen können. Damit bleibt Zeit für

die echten Beratungsgespräche vor Ort. Sehr

bewusst kümmern wir uns auch um Start-ups.

Berlin und London scheinen da vielleicht auf

W+M: Welche Branchen sind bei Ihnen die

Vorreiter in Sachen Digitalisierung, in welchen

Branchen gibt es noch Zurückhaltung?

1974


INNOVATION

WIRTSCHAFT+MARKT 21

den ersten Blick attraktiver. Wir glauben aber, sich ausschließlich auf die Unterstützung beim

dass wir mit dem Slogan „Arbeiten, wo andere Aufbau von Breitband für das Festnetz. Da

Urlaub machen“ gute Argumente haben. Für sind wir im Vergleich der Bundesländer mit

diese jungen Unternehmerinnen und Unternehmer

schaffen wir Innovationszentren, die im ländlichen Raum. Wir haben das gesamte

am schlechtesten ausgestattet, vor allem

genau diese Verknüpfung

Land in 99 Projektgebiete

aufgeteilt. Weil wir

herstellen sollen.

vermeiden wollen, dass

W+M: Sie haben es als

Digitalisierungsminister

geschafft, für Ihr Land

ein besonders großes

Stück vom Kuchen,

also von den vom Bund

bereitgestellten Mitteln

für den Ausbau der

digitalen Infrastruktur in

den Bundesländern, zu

erhalten. Über welche

Summe reden wir und

„SEHR BEWUSST

KÜMMERN WIR UNS

UM START-UPS.“

Christian Pegel

am Ende weiße Flecken

bleiben. Die Landkreise

bewerben sich konkret

auf diese ausgewiesenen

Projektgebiete. Vom

Bund haben wir knapp

840 Millionen Euro

zur Verfügung gestellt

bekommen. Insgesamt

betragen die Kosten

etwa 1,3 Milliarden

Euro, wobei das Land

wofür wird das Geld konkret ausgegeben? aus dem Sondervermögen „Breitbandausbau

in Mecklenburg-Vorpommern“ die nicht

Christian Pegel: Das Bundesprogramm, aus Bundesmitteln gedeckten Kosten trägt.

das seit Anfang 2016 ins Laufen kam, bezieht Dieses Programm werden wir bis 2022/2023

Zur Person

Christian Pegel wurde am 7.

Januar 1974 in Hamburg geboren.

Schon als Schüler trat er

im Jahr 1990 der SPD bei. Nach

dem Abitur studierte er an der

Ernst-Moritz-Arndt-Universität

Greifswald Rechtswissenschaften.

Im Jahr 2012 wurde er Chef

der Staatskanzlei des Landes

Mecklenburg-Vorpommern. Seit

2014 bekleidet er einen Ministerposten

in der Landesregierung.

Christian Pegel ist verheiratet

und hat zwei Kinder.

Unser Netz verbindet Zukunft mit Nachhaltigkeit.

50Hertz sorgt für einen sicheren Transport von immer mehr Erneuerbaren Energien.

Wir versorgen über unser Höchstspannungsnetz rund 18 Millionen Menschen im Norden

und Osten Deutschlands sicher und zuverlässig mit Strom. Immer mehr davon stammt aus

erneuerbaren Quellen. Auf diese klimafreundliche Energie richten wir unser Stromnetz aus.

Dabei berücksichtigen wir die Bedürfnisse von Mensch und Natur und setzen ökologische

Kompensationsmaßnahmen um.

50hertz.com

© Jan Pauls


22

WIRTSCHAFT+MARKT

INNOVATION

> Christian Pegel bei einer Tour durch den

Stralsunder Hafen.

umgesetzt haben, und die Versorgung mit

Breitband wird dann landesweit bei über 90

Prozent liegen.

W+M: Wie viele von den 99 Projektgebieten

sind heute bereits mit Breitband ausgestattet?

Christian Pegel: Ausgestattet ist bislang

ein einziges auf Rügen. Alle anderen sind

entweder in der Vergabe oder im Bau. 39

Projekte sind im Bau, wobei die Fertigstellung

meist ein bis zwei Jahre dauert. Denn

die überwiegende Anzahl der Projektgebiete

erstreckt sich auf Größenordnungen von je 12

bis 25 Gemeinden. Da reden wir über Tausende

Kilometer Leitungen und Leitungsgräben in

jedem dieser Projektgebiete. Ich rechne damit,

dass wir im zweiten Halbjahr 2019 dann rund

90 Projektgebiete haben werden, in denen der

Bau angelaufen ist.

W+M: Die Bundesregierung hatte seinerzeit

das Ziel ausgegeben, bis 2018 überall in

Deutschland eine Versorgung mit 50 Mbit pro

Sekunde sicherzustellen. Dieses Ziel wurde in

vielen Regionen verfehlt. Sie haben in unserem

letzten Interview prognostiziert, dass der

Breitbandausbau bis 2025 geschafft sein soll.

Ist dieses Ziel realistisch?

Christian Pegel: Das halte ich unverändert

für realistisch. Bis spätestens 2023 werden

wir das Bundesprogramm umsetzen und

haben dann den ländlichen Raum erschlossen.

Danach kommt eine nicht minder schwere

Phase, die Versorgung der Städte. Die fielen

aufgrund des dort bereits erreichten Versorgungsgrades

aus dem Bundesprogramm

bislang raus. Hier werden wir weiteren

Glasfaserausbau brauchen, weil der aktuelle

Versorgungsgrad mit den Herausforderungen

der 20er-Jahre nicht mehr zusammenpasst.

Wir hoffen, dass der Bund sein Programm jetzt

auch für die Versorgung der Städte öffnet.

Wenn das so geschieht, halte ich das ausgegebene

Ziel für realisierbar.

W+M: Gibt es eigentlich Probleme, die 1,3

Milliarden Euro, die Bund und Land bereitgestellt

haben, auch auszugeben? Reichen die

Kapazitäten für die Realisierung der Projekte

aus?

Christian Pegel: Wir als Land bauen ja nicht

selbst. Wir sind einer von zwei Fördermittelgebern.

Die Praxis sieht so aus, dass sich die

Landkreise ein Telekommunikationsunternehmen

suchen, das dann den Bau übernimmt. Das

kümmert sich um die Baufirmen. Die meisten

dieser Telekommunikationsunternehmen

haben sich auf den einsetzenden Boom in den

letzten zwei Jahren vorbereitet und Baufirmen

langfristig an sich gebunden. Meine größere

Sorge ist das Thema Glasfaserkabel, das durch

die ständig wachsende Nachfrage immer teurer

wird. Es gibt weltweit nur vier bis fünf große

Anbieter und die reagieren natürlich mit entsprechenden

Marktreflexen auf die Nachfrage.

W+M: Auf Ihre Initiative hin wurden in allen

Kreisen und kreisfreien Städten Digitalisierungsbeauftragte

installiert. War diese Maßnahme

tatsächlich hilfreich, um Breitbandprojekte

spürbar zu beschleunigen?

Christian Pegel: Wenn die Breitbandkoordinatoren

nicht wären, würden wir meilenweit

von dem Stand entfernt sein, den wir heute

haben. Viele Landkreise haben es übrigens

nicht bei dem einen Koordinator belassen, den

wir seinerzeit angeregt hatten. Inzwischen

sind daraus vielerorts kleine Einheiten aus

Fachleuten entstanden, ohne die die Vielzahl

der Projekte gar nicht umzusetzen wäre. Dieses

Modell hat sich absolut bewährt.

W+M: Was tun Sie und Ihr Ministerium

über die Verteilung der Bundesmittel hinaus,

um den Mittelstand in Ihrem Land in Sachen

Digitalisierung zu unterstützen?

Christian Pegel: Es gibt mehrere Förderprogramme.

Und wenn ein Unternehmen hier

ernsthaft vorankommen will, versuchen wir,

es über das passende Programm an die Hand

zu nehmen. Wir haben hier im Ministerium

einen Bereich gebildet, der nur für die Digitalisierung

der Wirtschaft zuständig ist. Dazu gibt

es in den Kreisen regionale Fördergesellschaften.

Insgesamt ist Digitalisierung ein Thema

für die gesamte Landesregierung. Nach einer

Kabinettsklausurtagung ausschließlich zur

Digitalisierung hat etwa mein Kollege aus dem

Wirtschaftsministerium alle bei ihm laufenden

Förderprogramme darauf abgeklopft, ob

Digitalisierungsmaßnahmen förderfähig sind

und diese Programme, dort, wo es notwendig

war, entsprechend angepasst. Er hat darüber

hinaus dafür gesorgt, dass Aus- und Weiterbildung

von Mitarbeiten in diesem Bereich

förderfähig wird.

Gemeinsam haben wir auch zwei Lücken

geschlossen, die es bis dato gab. Wir haben

einen Bürgschaftsfonds aufgelegt, der nur für

Start-ups mit digitalen Geschäftsideen vorgesehen

ist. Und wir haben ein neues Programm

passgenau für kleine und mittlere Unternehmen

aufgelegt. Somit ist es jetzt möglich,

auch kleinere Beträge für Digitalisierungsmaßnahmen

zu beantragen. Bislang hatten

wir da sehr hohe Mindestförderschwellen.

Die haben wir im neuen Förderprogramm

deutlich abgesenkt und die DigiTrans-Richtlinie

ins Leben gerufen, hier können wir auch

Maßnahmen mit 3.000, 4.000 oder 10.000

Euro fördern.

W+M: Halten Sie eine zeitnahe flächendeckende

Versorgung mit 5G in Ihrem Land für

realistisch?

Christian Pegel: Wenn ich den Marktausbau

bei 4G betrachte, kann ich mir nicht vorstellen,

dass der 5G-Ausbau problemlos gelingt. Bei

der Versteigerung der Frequenzen durch den

Bund haben die Unternehmen wesentlich

mehr bezahlt als zunächst vermutet. Dieses

Geld fehlt nun natürlich für die Investitionen.

Insofern werden sich die Unternehmen

zunächst auf die lukrativen Bereiche fokussieren

– dicht besiedelte Ballungsgebiete. An

den reinen Marktumsetzungsprozess glaube

ich daher nicht, sondern ich setze darauf, dass

der Bund ein Programm für unterrepräsentierte

Regionen auflegt, um auch dort eine

Versorgung sicherzustellen. Und das möglichst

schnell, damit nicht erst wieder das Gefühl

entsteht, dass einzelne Regionen vom Fortschritt

abgehängt werden.

Foto: W+M


24 WIRTSCHAFT+MARKT

ENERGIE

„NACH WIE VOR FEHLT EIN

SCHLÜSSIGES GESAMTKONZEPT

FÜR DIE ENERGIEWENDE“

Viele öffentliche Debatten drehen sich derzeit um die Folgen des Klimawandels und die Notwendigkeit der Umsetzung

der Energiewende. Welche Positionen vertreten zu diesen Themen eigentlich die Chefs großer Energieunternehmen?

WIRTSCHAFT+MARKT sprach mit Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG in Oldenburg, Dr. Stephan Lowis,

Vorstandsvorsitzender der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) in Chemnitz, Dr. Alexander Montebaur, Vorstandsvorsitzender

der E.DIS AG in Fürstenwalde und Bodo Rodestock, Vorstand der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig.

Interviews: Frank Nehring, Katrin Kleeberg und Karsten Hintzmann

Foto: XXX


ENERGIE

WIRTSCHAFT+MARKT 25

W+M: Der Klimawandel ist plötzlich das Thema Nummer eins. Wie stehen

Sie zu der Diskussion, und was hat sich Ihr Unternehmen zum Thema

Begrenzung des Klimawandels vorgenommen?

Stefan Dohler: Für die

EWE ist das kein neues

Thema. Wir haben

eine klare Position

zur Entwicklung hin

zur Klimaneutralität. Für

uns wäre der Kohleausstieg

auch bereits für 2030 möglich gewesen. Wir

betrachten es als gesellschaftlichen Auftrag, bei

zu formulieren, um es glaubhaft umsetzen zu

können.

Die Diskussion um die CO 2

-Abgabe ist im politischen

Berlin dabei auf gutem Wege. Ziel sind

aufkommensneutrale Abgaben und Umlagen,

sonst ist das für die Industrie und das Gewerbe

nicht zu stemmen. Damit schaffen wir eine

Steuerungswirkung. Genauso wichtig ist aber

auch die Akzeptanz der Konsequenzen daraus.

derprogramm zum Ausbau der Elektromobilität.

Weitere wichtige Impulse versprechen wir

uns von unserem in diesem Jahr aufgelegten

Investitionsprogramm zur Digitalisierung der

Energiewende in Höhe von 250 Millionen Euro.

Dr. Alexander Montebaur: Nach meiner

Wahrnehmung liegt das daran, dass die Jugend

dieses Thema aufgegriffen hat und sehr medienwirksam

aufbegehrt. Stichwort: „Fridays for

Future“. Die wissenschaftlich fundierten Fakten,

die vorliegen, sind ja auch mehr als alarmierend.

Insofern ist es absolut verständlich, dass die

junge Generation sich hier so engagiert. Es ist

Foto: W+M

der Klimaneutralität zügig voranzukommen. Die

Umstellung dessen, was wir noch an konventionellen

Energieträgern einsetzen, wird weit vor

2030 erfolgen.

Was die aktuelle Klimaschutzdebatte anbelangt,

habe ich ein Problem damit, dass die Schüler

freitags wegen Fridays for Future auf die Straße

gehen, die Eltern vielleicht am Samstag gegen

Windräder protestieren und sich die Großeltern

am Sonntag gegen Erdverkabelung und Stromtrassen

wehren.

Wir bemühen uns, Angebote zu möglichst geringen

Kosten zu unterbreiten, aber wir brauchen

auch die Fairness aller, für die erforderliche

Infrastruktur einen Preis zu zahlen. Und das

meint nicht den Strompreis.

Ich wünschte mir von der Politik mehr Klarheit

und Mut, die Forderungen aufzunehmen, aber

gleichzeitig auch für einen Grundkonsens

einzutreten, den Preis für die Umsetzung klar

Und hier hapert es aktuell beträchtlich. Die

Positionen der Koalitionsparteien liegen weit

auseinander.

Dr. Stephan Lowis: Deutschland wird seine

für 2020 gesteckten Klimaschutzziele klar

verfehlen. Wir müssen deshalb deutlich mehr

tun. Dank der Fridays-for-Future-Bewegung

ist diese Botschaft inzwischen in der Mitte der

Gesellschaft angekommen und hat die Politik

erreicht. Die jüngsten Beschlüsse des Klimaschutzkabinetts

belegen, dass nun auch die

Bundesregierung erkannt hat, dass es so wie

bisher nicht weitergehen kann. Die

enviaM-Gruppe treibt als Erzeuger, Versorger

und Netzbetreiber den Ausbau der erneuerbaren

Energien in Ostdeutschland seit Jahren voran.

Wir haben zudem Energieeffizienznetzwerke

für Unternehmen, Kommunen und Stadtwerke

gegründet und beteiligen uns am Bundesför-

unstrittig, dass sich die Welt dieser Probleme

annehmen muss.

Bodo Rodestock: Ich empfinde die Diskussion

als extrem wichtig, aber teilweise

auch als etwas zu emotional. Ich hoffe, dass

wir das Thema wieder stärker versachlichen

können und uns die Fakten genau anschauen.

Beeindruckt hat mich, mit welcher Wucht das

Thema jetzt in das öffentliche Bewusstsein

gerückt ist und wie Politik, Gesellschaft und

jeder Einzelne gleichermaßen über dem Thema

Klimawandel nachdenken. Nachhaltige Veränderungen

werden aber nur möglich sein, wenn

sich alle gemeinsam und beherzt des Themas

widmen. Jetzt geht es darum, dieses kollektive

Momentum zu nutzen. Die Energiewende wird

nur dann erfolgreich sein, wenn sie mit einem

gesellschaftlichen Konsens einhergeht. Das ist

eine große Aufgabe.


26

WIRTSCHAFT+MARKT

ENERGIE

W+M: Die Energiewende ist vielleicht nicht mehr umkehrbar, aber was

sollte verändert werden?

Stefan Dohler: Wichtig ist, alle Sektoren

einzubeziehen – wir nennen das Sektorkopplung

–, um eine echte Energiewende hinzubekommen.

Dr. Stephan Lowis: Nach wie

vor fehlt ein schlüssiges

Gesamtkonzept für die

Energiewende. Dabei sind

neben dem Klimaschutz

auch die Bezahlbarkeit und

die Versorgungssicherheit zu

beachten. Die vereinbarten Neuregelungen

des Klimaschutzkabinetts lassen

leider erneut eine umfassende Gesamtstrategie

vermissen, die Planungssicherheit bietet.

Immerhin hat die Politik verstanden, dass

die Energiewende nicht nur als Stromwende,

sondern auch als Wärme- und Verkehrswende

begriffen werden muss. Dabei spielt die

Digitalisierung eine Schlüsselrolle. Denn ohne

sie kann die notwendige Kopplung des Stromsektors

mit dem Wärme- und Verkehrssektor

nicht funktionieren. Es ist bedauerlich, dass das

Klimaschutzkabinett zu Letzterem kaum ein

Wort verloren hat.

Dr. Alexander Montebaur: Ich glaube, dass

wir im Stromsektor insgesamt ganz gut unterwegs

sind. Die Synchronisation des Leitungsausbaus

mit dem Windkraftausbau ist jedoch

ein wichtiges Thema, wo man nachsteuern

muss. Ansonsten heißt das große Thema: Ausweitung

auf andere Sektoren – Verkehr, Wärme

und die Kopplung zwischen den Sektoren.

Gerade bei der Kopplung der Sektoren ist noch

jede Menge Entwicklungsarbeit zu leisten. Bei

der Frage, was können der Verkehrs- und der

Wärmesektor beitragen, da sehe ich bereits

erhebliches Potenzial, das auch heute schon

technologisch zu heben wäre, damit es insgesamt

eine Energiewende wird.

Bodo Rodestock: Zunächst: Die Energiewende

ist ein Riesenprojekt, bei dem auch

Fehler passieren können und werden. Bisher

hatten wir einen Konsens, der immer noch

aktuell ist: Wir wollen die Wende umweltverträglich,

versorgungssicher und wirtschaftlich

vollziehen. Die Umweltverträglichkeit stand im

Vordergrund, und manchmal haben wir dabei

die Wirtschaftlichkeit vernachlässigt.

Beispiel Wärmemarkt: Potenziale im Wärmemarkt

gab es von Anfang an. Den hohen Anteil

an Ölheizungen hätte man längst mit geringem

Aufwand auf moderne Gasheizungen umstellen

können. Da hätten wir 27 Millionen Tonnen

CO 2

einsparen können. Diese Größenordnung

entspricht annähernd dem CO 2

-Ausstoß des

internationalen Luftverkehrs in Deutschland.

Das ist nur ein Beispiel für niedrig hängende

Früchte, die man schnell ernten könnte. Der

Umbau der Energiewirtschaft muss weiter

erfolgen, aber wir brauchen den Konsens in

der Gesellschaft bei ausgewogener Wahrung

der drei Ziele. Der Schlüssel ist CO 2

, und CO 2

braucht einen Preis. Das haben wir zu lange

außer Acht gelassen.

Foto: W+M


ENERGIE WIRTSCHAFT+MARKT 27

W+M: War es aus heutiger Sicht klug, aus der Atomenergie auszusteigen.

Ist ein Wiedereinstieg vorstellbar?

Foto: W+M

Stefan Dohler: Ich versuche es philosophisch:

Der Wurm muss dem Fisch

schmecken, nicht dem Angler. Wenn man

aus der Atomenergie aussteigt, muss man

wissen, dass der CO 2

-Ausstoß ansteigen

wird. Vermutlich hatte man nach Fukushima

den Klimawandel noch nicht so im Blick.

Andere Länder, wie etwa Schweden, haben

da andere Sichten und selbst Greta Thunberg

hatte in ihren ersten Äußerungen in

Deutschland die Atomenergie befürwortet.

Dr. Stephan Lowis: Diese Entscheidung

steht fest und genießt hohe gesellschaftliche

Akzeptanz. Da gibt es keine Diskussion.

Dr. Alexander

Montebaur:

Der Ausstieg war

gesellschaftlich und

politisch ein ganz

breit getragener Konsens

im Jahr 2011. Den hat seither niemand

wieder aufgeknüpft. Und inzwischen ist es

so, dass auch die Wirtschaft keine neuen

Kernkraftwerke betreiben, geschweige

denn bauen will. Daher halte ich einen

Wiedereinstieg für völlig ausgeschlossen.

Das Thema ist in Deutschland endgültig

passé. Wenn man aber sieht, dass das

deutsche Vorbild international nicht so

viele Nachahmer gefunden hat, kann man

sich schon die Frage stellen, ob das energiewirtschaftlich

klug war. Aber das sind

Lieder am Grab eines toten Soldaten.

Bodo Rodestock: Spätestens nach

den Ereignissen des japanischen Atommeilers

in Fukushima entsprach ein

schneller und konsequenter Ausstieg

dem gesellschaftlichen Zeitgeist. Dieser

Wille wurde von der damaligen Bundesregierung

konsequent umgesetzt.

Insofern stellt sich diese Frage heute

nicht mehr. In der aktuellen politischen

Diskussion kann ich nicht erkennen, dass

diese Entscheidung wieder zurückgedreht

wird oder ansatzweise eine

Alternative ist. Im Zuge des Ausstiegs

aus Kern- und Kohleenergie wird aber

Gas im Energiemix und als Garant der

Versorgungssicherheit zukünftig noch

relevanter.

Mit dem Herzen dabei.

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28

WIRTSCHAFT+MARKT

ENERGIE

W+M: Wie schätzen Sie den Wettbewerb zwischen Batterie und

Brennstoffzelle ein?

Und diesen Wasserstoff kann man dann im

Sinne einer Sektorkopplung in den Verkehr

geben.

Stefan Dohler: Im Individualverkehr sehen

wir die batteriebetriebenen Fahrzeuge im

Vorteil, weil es noch günstiger ist. Wir als EWE

glauben allerdings, dass es Unfug ist, alles

elektrisch regeln zu wollen. Nehmen Sie sich

die großen Lkws, die würden immens große

Batterien benötigen. Daher sehen wir für den

Schwerverkehr, inklusive Busse und Sonderfahrzeuge,

mehr gasbasierte Lösungen. Und

hier kann Wasserstoff und damit die Brennstoffzelle

eine Lösung sein. Wir sind überzeugt,

dass wir künftig den Mix sehen werden,

auch wenn aktuell einseitig auf Stromer gesetzt

wird. Wir brauchen Technologieoffenheit

in der Praxis, dann wird sich das durchsetzen,

was am besten passt.

Dr. Stephan Lowis: Es ist für die Weiterentwicklung

der Energiewende grundsätzlich

sehr wichtig, dass wir technologieoffen sind.

Es ist kurzsichtig, nur auf eine Technologie zu

setzen. Deshalb macht es Sinn, dass es bei der

Elektromobilität einen Wettbewerb von Batterie

und Brennstoffzelle – beide haben Vor- und

Nachteile. Am Ende soll der Kunde entscheiden

können, womit er fahren will.

Dr. Alexander Montebaur: Ich bin kein Experte

für Kraftfahrzeugtechnik. Aber was ich

mir sehr wohl in Richtung Wasserstofftechnik

vorstellen kann, ist, dass wir mit Wasserstoff

vor allem auf den größeren Verkehr gehen –

auf den Schwerlastverkehr, die Binnenschifffahrt,

auf die Kreuzfahrtschiffe. Also jene

Verkehrsmittel, die gewichts- und platzmäßig

mehr Raum haben, um eine Wasserstofflösung

aufzunehmen. Im Pkw ist man diesbezüglich

immer begrenzt. Da geht sicher

auch eine Brennstoffzelle. Aber wenn man

klimapolitisch einen Effekt erzielen will, muss

der Fokus viel stärker auf dem Güterverkehr

und den großen Verkehrsmitteln liegen, die

heute noch mit Schweröl und Diesel fahren.

Da kann die Wasserstoffwirtschaft einen

großen Beitrag leisten, zumal sie eine ideale

Ergänzung zu unserer fluktuierenden Windenergie

ist. Dort, wo wir Wind im Überschuss

haben, kann Wasserstoff erzeugt werden.

Bodo Rodestock: Ich

denke, dass eine Koexistenz

beider Technologien

langfristig möglich

beziehungsweise auch

unumgänglich ist. Beide

Technologien haben besonders

geeignete Einsatzgebiete und sie ergänzen

sich komplementär recht gut. Das Thema

E-Mobilität hat Zukunft, und es wird uns noch

lange beschäftigen. Wir tun allerdings gut

daran, uns eine technologische Offenheit zu

bewahren. Das ist die Voraussetzung für neue

Entwicklungen, die sich in der Praxis beweisen

müssen. Es wird nicht die eine Lösung für alles

geben, und deshalb bin ich überzeugt davon,

dass auch Wasserstoff eine große Zukunft

hat. Die angesprochene Koexistenz zeigt sich

für uns als Unternehmen auch im Verhältnis

zur EnBW AG: Wir als VNG sind ein Gaskonzern

und setzen deshalb unter anderem auch auf

das Thema Wasserstoff, während EnBW als

unsere Muttergesellschaft auf Elektromobilität

setzt.

Foto: W+M


ADVERTORIAL

WIRTSCHAFT+MARKT 29

INNOVATIV

AUFGEROLLT

Der Etikettierexperte Herma investiert die höchste Summe der

Unternehmensgeschichte in ein neues Beschichtungswerk und nutzt

dafür eine attraktive KfW-Förderung für Energieeffizienzvorhaben.

Meter langen Beschichtungsanlagen bei einer

Geschwindigkeit von bis zu 1.100 Metern pro

Minute mit Silikon und Klebstoff beschichtet

und ein mehrlagiger Verbund, das sogenannte

Haftmaterial, hergestellt. Sechs Tage, rund um

die Uhr, laufen die Papier- und Folienbahnen

durch die Anlagen und haben nach dem Beschichten

eine Temperatur von etwa 30 Grad.

Um diese Rollen im nächsten Produktionsschritt

mit höchster Qualität weiterverarbeiten

zu können, muss der Klebstoff vollständig

abkühlen. Und diese Pause wird in Zukunft effizient

genutzt: „Die Rollen werden in ein

speziell dafür angeordnetes Lager

entlang des Materialflusses

gebracht und decken dort den

kompletten Heizbedarf“,

sagt Baumgärtner.

Rund 100 Mio. Euro kostet

das Gesamtvorhaben. 20

Mio. davon finanzierte

Herma mit einem Förderkredit

zur Steigerung der

Energieeffizienz. Aufgrund

dieses sehr ambitionierten Ziels

kann Herma einen Tilgungszuschuss

von mehr als 2,6 Mio. Euro realisieren, der die

zurückzuzahlende Kreditsumme mindert.

Der Baustellenlärm ebbt langsam ab. Die Gebäude

sind fertiggestellt, im Herbst startet die

energieoptimal durchdacht. Maßnahmen wie

zusätzliche Isolierungen, eine moderne Pro-

Bundesförderung für Energieeffizienz

in der Wirtschaft

Die KfW-Förderung für Weiterdenker, die in

Produktion. Auf 50.000 Quadratmetern baut

zesskühlung und -trocknung sowie effizientere

Energieeinsparung investieren. Günstige Kredite

Herma ein neues Beschichtungswerk und setzt

Raumlufttechnik sparen Energie.

mit bis zu 55 % Tilgungszuschuss aus Mitteln

damit Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz.

Besonders hoch ist der Energieverbrauch bei

des BMWi.

Ob Haftmaterialien, Selbstklebeprodukte oder

der Herstellung des Haftmaterials. Dabei wer-

hochmoderne Etikettiermaschinen – Herma gilt

den Rohpapier- und Folienrollen in über 100

Alle Infos auf: www.kfw.de/295

seit 113 Jahren als Pionier seiner Branche.

Im Jahr 1906 in Stuttgart von Heinrich Hermann

Foto: KfW Bankengruppe/Roderick Aichinger, Quelle Grafik: KfW 2019

mit zwei Mitarbeitern gegründet, hat Herma

aktuell 1.051 Beschäftigte und ist der größte

Arbeitgeber im baden-württembergischen

Filderstadt. Aber eben auch ein großer Energieverbraucher.

Allein im letzten Jahr verbrauchte

der Betrieb etwa 16 Mio. Kilowattstunden

Strom und knapp 30 Mio. Kilowattstunden Gas.

Als die Geschäftsleitung beschloss, ein weiteres

Werk am Standort zu bauen, war die Zielvorgabe

klar. „Als Fertigungsunternehmen hat Energieeffizienz

für uns eine große Bedeutung, um

wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Geschäftsführer

Dr. Thomas Baumgärtner. Zwei Jahre

lang wurden alle Fertigungsprozesse genau

überprüft. Herausgekommen ist ein Energieeinsparkonzept

mit 50 Einzelmaßnahmen.

Die neue Produktionshalle besteht aus fünf

würfelartigen Gebäudeteilen. Jeder Bereich ist

Effizient investieren

Unternehmer haben viele Möglichkeiten, Ressourcen zu

schonen und Energiekosten zu sparen. Die KfW fördert

Investitionen in Gebäude, Technologien und erneuerbare

Energien. Ein Überblick über Modernisierungen, die sich

auszahlen – für Unternehmen und Umwelt.

Vermeidung von Abwärme

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Anlagen

Aufbereitung

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Nachhaltigkeit

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5


30 WIRTSCHAFT+MARKT

INTERNATIONALE MÄRKTE

„Wir werden

weiter sehr

gute Jahre

im Export

haben.“

Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Mittelstandsbank

Mitte/Ost der Commerzbank

AG, im W+M-Interview über die Internationalisierung

des ostdeutschen Mittelstands,

die Konflikte im Welthandel und die Expertise

der Commerzbank AG im Auslandsgeschäft.

W+M: Herr Kotzbauer, die Commerzbank AG möchte im

Mittelstandssegment weiter wachsen. Wie gut sind Sie auf

diesem Weg in Ostdeutschland vorangekommen?

Michael Kotzbauer: In den ersten acht Monaten dieses Jahres

ist unser Kreditvolumen im ostdeutschen Firmenkundengeschäft

um rund zwei Prozent gestiegen. Mit diesem Ergebnis können wir

sehr zufrieden sein. Darüber hinaus haben wir in Ostdeutschland

im ersten Halbjahr in einem hart umkämpften Markt mehr als 100

neue Firmenkunden hinzugewonnen. Dieses Wachstum konnten wir

vor allem im breiten Mittelstand in einer Unternehmensgröße unter

100 Millionen Euro Umsatz verzeichnen. Das spricht für die Attraktivität

unserer Produkte und unserer Beratung, beispielsweise wenn

mittelständische Unternehmen auf internationale Märkte expandieren

wollen.

Tor zu Welt: Über den Hafen von Antwerpen

werden viele Exporte abgewickelt.

W+M: Über die gegenwärtigen Risiken im Auslandsgeschäft hat die

Commerzbank AG aktuell eine Studie vorgelegt, deren Ergebnisse für

Ostdeutschland W+M exklusiv vorliegen. Wie verunsichert ist, Ihren Erkenntnissen

zufolge, der ostdeutsche Mittelstand angesichts wachsender

Konflikte im Welthandel?

Michael Kotzbauer: Die mittelständische Wirtschaft befindet sich zurzeit

generell in einer Phase zunehmender Unsicherheit. Das betrifft nicht nur den

internationalen Handel. Auch auf den heimischen Märkten drängen sich den

Unternehmen zahlreiche Fragen auf. Gelingt beispielsweise die Digitalisierung

Foto: Bild von Jan Paulussen auf Pixabay


INTERNATIONALE MÄRKTE

WIRTSCHAFT+MARKT 31

Foto: W+M, Quelle Grafik: 19. Studie der Unternehmerperspektiven, Commerzbank AG

der Wirtschaft? In vielen Regionen

- übrigens in Deutschland

insgesamt - fehlt

immer noch der Zugang

zum schnellen Internet.

Dies wird immer

mehr zum Wettbewerbsnachteil,

etwa

wenn Kundenvertriebswege

digitalisiert

werden sollen. Auch der

Fachkräftemangel hemmt

das Wachstum – das bereitet

beispielsweise Speditionen Sorge,

die händeringend Lkw-Fahrer suchen. Auch

die IT-Branche benötigt dringend hochqualifizierte

Fachkräfte. Hinzu kommen dann noch,

wie Sie ganz richtig anmerken, die Krisen auf

den Weltmärkten ...

W+M: ... für die gegenwärtig keine Lösungen

in Sicht sind?

Michael Kotzbauer: Leider. Das ist mittlerweile

in das Bewusstsein vieler ost- wie auch

westdeutscher Mittelständler eingedrungen:

Die Krisen haben sich nicht, wie Anfang des

Jahres noch gehofft, aufgelöst, sondern, im

Gegenteil, verstetigt. Das gilt für den Handelskonflikt

zwischen den USA und China ebenso

wie für den Austritt Großbritanniens aus der

Europäischen Union. Auch außenpolitische

Experten können momentan keine realistische

Einschätzung abgeben, wann und wie diese

Konflikte gelöst werden. Unsere Studie hat ergeben,

dass mehr als die Hälfte – 60 Prozent

– der ostdeutschen Unternehmen mit einer

abnehmenden Planungssicherheit rechnet.

W+M: Welche Konsequenzen sollten die

Unternehmen daraus ziehen?

Michael Kotzbauer: Im Osten wie im

Westen: Die Konsequenz darf auf keinen

Fall heißen, sich aus dem Auslandsgeschäft

zurückzuziehen. Panik ist im Exporthandel

der falsche Ratgeber. Und die wirtschaftlichen

Daten zeigen ja zum Glück auch, dass sich die

Exporttätigkeit zunächst fortsetzt und die Unternehmen

sich von den politischen Unwägbarkeiten

nicht abschrecken lassen. Dies ist

wiederum auch ein Vorteil länger währender

Krisen: Die Unternehmen haben gelernt, sich

darauf einzustellen.

W+M: Wie beurteilen Sie die Exportstärke

der ostdeutschen Wirtschaft?

Michael Kotzbauer: Aus

Ostdeutschland heraus exportieren,

so das Ergebnis

unserer Studie, etwa 36

VERTRIEB VON PRODUKTEN ODER DIENSTLEISTUNGEN

IM AUSLAND

Frage: „Sind Teile der Wertschöpfungskette in Ihrem Unternehmen internationalisiert?“

findet statt ist eine Option kommt nicht infrage

Angaben in Prozent, an Hundert Fehlende: weiß nicht/keine Angabe

Basis: Bundesdurchschnitt n=2.000 befragte Unternehmen, regionale Stichprobe n=362 befragte Unternehmen

36

OST-

DEUTSCHLAND

56

Prozent der Unternehmen.

Da ist noch

deutlich Luft nach

oben, beispielsweise

im Maschinenbau oder

der Konsumgüterindustrie.

Denn wer nicht in das

Auslandsgeschäft investiert,

verspielt auch Chancen für

die Zukunft seines Unternehmens.

85 Prozent der ostdeutschen Unternehmen

sagen, dass „German solutions“, die Lösungskapazität

deutscher Produkte und Verfahren,

auf den globalen Märkten nach wie vor Exportschlager

sind. In China wird beispielsweise

deutsche Kompetenz bei Themen wie Recycling

oder Ressourcenschonung stark nachgefragt.

Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir

weiter gute Jahre im Export haben werden.

W+M: Wie kann die Commerzbank ihren

Kunden dabei helfen, Chancen auf den internationalen

Märkten zu ergreifen?

Michael Kotzbauer: Wir registrieren seit

geraumer Zeit, dass traditionelle Themen des

8

Außenhandels wieder stärker in den Fokus rücken.

Dazu gehören Produkte zur Absicherung

der Zahlungsströme im Export ebenso wie eine

kluge Handhabung der Währungsrisiken. Hier

können wir unsere Expertise im Auslandsgeschäft

ins Spiel bringen, nicht nur, weil wir in

zahlreichen Ländern Repräsentanzen unterhalten,

sondern weil wir den deutschen Mittelstand

seit fast 150 Jahren bei der Expansion

ins Ausland begleiten. Hier verstehen wir uns

als strategischer Partner, der hilft, die Risiken

im Export für die Unternehmen sachkundig zu

bewerten.

W+M: Herr Kotzbauer, abschließend noch

ein Blick in die Zukunft der Commerzbank AG:

Mit Beginn des Jahres 2020 ersetzt Roland

Boekhout, bisher Manager bei der ING, den jetzigen

Firmenkundenvorstand Michael Reuther.

Was wird sich mit dem Wechsel an der Spitze

des Firmenkundengeschäfts ändern?

Michael Kotzbauer: Jeder Firmenkundenvorstand

bringt sich natürlich in die Strategie

der Bank ein – das ist seine Aufgabe. Roland

Boekhout bringt sehr viel Erfahrung in wichtigen

Themen wie beispielsweise der Transformation

und Digitalisierung des Bankgeschäfts

mit. Seine neuen Impulse, da bin ich mir

sicher, werden helfen, das Erfolgsmodell der

Commerzbank AG als Bank für den deutschen

Mittelstand weiter auszubauen.

52

BUNDES-

DURCHSCHNTT

42

6


32 WIRTSCHAFT+MARKT

INTERNATIONALE MÄRKTE

ABSATZMÄRKTE

Frage: „Welche der folgenden Länder bzw. Regionen sind Absatzmärkte für Ihr Unternehmen?“ Ostdeutschland Bundesrepublik

A n g a b e n i n Proze n t, a n H u n d e rt Fe h l e n d e:

weiß nicht/keine Angabe

B a s i s: B u n d e s d u rch s ch n i t t n =2.0 0 0 b e f ra g t e

U n t e rnehmen, re g i o n a l e St i ch p ro b e n = 362 b e f ra g t e

Unternehmen

KANADA

5

14

AFRIKA

7

13

USA

12

22

BRASILIEN

6

12

ZU ERWARTENDE ENTWICKLUNGEN

IN DEN NÄCHSTEN EIN BIS ZWEI JAHREN

Frage: „Rechnet Ihr Unternehmen für die nächsten ein bis zwei Jahre mit den folgenden Entwicklungen?“ Ostdeutschland Bundesrepublik

Angaben in Prozent, an Hundert Fehlende: weiß nicht/keine Angabe B a s i s: B u n d e s d u rch s ch n i t t n =2.0 0 0 b e f ra g t e U n t e rnehmen,

regionale Stichprobe n=362 befragte Unternehmen

INSGESAMT GERINGERE PLANUNGSSICHERHEIT

60

64

EINE GENERELLE KONJUNKTURELLE EINTRÜBUNG

GERINGERE NACHFRAGE IM DEUTSCHEN MARKT

ZUNEHMENDE HANDELSBARRIEREN IN

AUSLANDSMÄRKTEN

ABSATZRÜCKGÄNGE IN BESTEHENDEN

AUSLANDSMÄRKTEN

POSITIVE EFFEKTE DURCH HANDELSKONFLIKTE

ZWISCHEN ANDEREN LÄNDERN WIE Z. B.

ZWISCHEN USA UND CHINA

14

20

24

25

30

33

37

37

49

61

Mehr Hintergründe zum Export

ostdeutscher Firmen lesen Sie im

Interview mit GTAI-Chef

Dr. Robert Hermann unter

www.wirtschaft-markt.de

Foto: W+M, Quelle Grafik: 19. Studie der Unternehmerperspektiven, Commerzbank AG


INTERNATIONALE MÄRKTE

WIRTSCHAFT+MARKT 33

GROß-

BRITANNIEN

NUR DEUTSCHLAND

19

29

64 48

RUSSLAND

11

18

Quelle Grafik: 19. Studie der Unternehmerperspektiven, Commerzbank AG

EURORAUM

Exkl. Deutschland

33

47

ITALIEN

26 15 CHINA

SCHWEIZ

23

37

TÜRKEI

9

18

INDIEN

3

13

11

22

JAPAN

5

14

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34 WIRTSCHAFT+MARKT

POLITIK

„INVESTOREN SCHAUEN SEHR

GENAU HIN, IN WELCHEM

UMFELD SIE INVESTIEREN.“

INTERVIEW MIT MANUELA SCHWESIG (SPD), MINISTERPRÄSIDENTIN

IN MECKLENBURG-VORPOMMERN

Interview: Karsten Hintzmann

1974

1995

2017

FRANKFURT (ODER)

DIPLOM-FINANZWIRTIN (FH)

MINISTERPRÄSIDENTIN DES

LANDES MECKLENBURG-

VORPOMMERN

W+M : Frau Schwesig, die AfD hat bei den

jüngsten Wahlen im Osten stark zugelegt.

Haben Sie eine Erklärung dafür ?

Manuela Schwesig : Es gelingt der AfD leider,

den gesellschaftlichen Unmut einzusammeln.

Wenn man sich die Entwicklung der Partei

anschaut, dann ist klar, dass das Thema Flüchtlingspolitik

eine entscheidende Rolle beim Erstarken

der AfD gespielt hat. Aber die Zahl der

nach Deutschland kommenden Flüchtlinge ist

seit 2016 deutlich zurückgegangen. Trotzdem

hat die AfD bei den Wahlen dazugewonnen. Das

zeigt, dass die Ursachen tiefer liegen.

W+M : Wie lassen sich zur AfD abgewanderte

Wähler aus Ihrer Sicht wieder zurückgewinnen ?

Manuela Schwesig : Wir müssen auf

Bundesebene und Landesebene mit guter

Regierungsarbeit überzeugen und für konkrete

Verbesserungen für die Bürgerinnen und

Bürger sorgen. Bei uns im Land schaffen wir

beispielsweise gerade die Elternbeiträge für

die Kita ab, für Krippe, Kindergarten, Hort und

Tagespflege. Damit machen wir nicht nur das

Kita-Angebot attraktiver. Das ist zugleich auch

die größte Familienentlastung in der Geschichte

unseres Landes.


POLITIK

WIRTSCHAFT+MARKT 35

W+M : Auch in Ihrem Bundesland trifft die

AfD auf recht starken Zuspruch. Welche Strategie

setzen Sie als Ministerpräsidentin und

Ihre gesamte Landesregierung dagegen ?

Manuela Schwesig : Wir setzen auf gute Regierungsarbeit

und auf Dialog mit den Bürgerinnen

und Bürgern. Ich bin als Ministerpräsidentin

viel im Land unterwegs, ebenso wie die

Ministerinnen und Minister. Dazu kommt bei

uns die Veranstaltungsreihe „Landesregierung

vor Ort“. Die Ministerinnen und Minister bieten

regelmäßig Bürgerforen im ganzen Land an.

Da hören wir zu und nehmen Anregungen auf.

Wir erläutern aber auch, was wir als Landesregierung

tun und wo es noch Schwierigkeiten

gibt. Ich habe sehr gute Erfahrung mit diesen

Dialogformaten gemacht.

W+M : Befürchten Sie, dass das Erstarken

der AfD internationale Investoren von einem

Engagement in den neuen Ländern abbringen

könnte ?

Manuela Schwesig :

Dafür gibt es zum

Glück bislang keine

„ES FEHLTE IN DEN

LETZTEN 30 JAHREN

LEIDER ALLZU OFT AN

RESPEKT VOR

OSTDEUTSCHEN

LEBENSLEISTUNGEN.“

und Wähler positiv bewertet wurde. Das zeigt :

Die Ursachen für die Schwierigkeiten liegen

weniger in den Ländern. Es ist die Stimmung

im Osten insgesamt. Und fairerweise muss

man sagen, dass die SPD auf Bundesebene in

den letzten Monaten den Wahlkämpfern vor

Ort keinen Rückenwind gegeben hat.

W+M : Nachfrage : Ist die SPD in den neuen

Ländern zu weit weg von den einfachen Menschen

oder sind ihre Themen zu beliebig ?

Manuela Schwesig : Weder noch. Ich habe den

Eindruck, dass wir mit unseren Themen nahe bei

den Menschen sind. Ein Beispiel : Wir kämpfen

auf Bundesebene dafür, dass die Grundrente

endlich kommt. Das ist ein klassisch sozialdemokratisches

Thema. In den ostdeutschen

Ländern geht jetzt die Generation in Rente, die

in den Jahren nach 1990 oft nur unterdurchschnittliche

Löhne erhalten hat. Für mich ist

klar : Wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss

am Ende seines Arbeitslebens mehr Rente

erhalten als derjenige, der das nicht getan hat.

Deshalb brauchen wir

eine Grundrente für

Manuela Schwesig

langjährige Beschäftigte,

die über der Mindestsicherung

liegt.

W+M : Ihr Bundesland

gehört zu den

ganz wenigen Regionen

Ostdeutschlands,

in denen die SPD

nach wie vor gute

Umfragewerte erhält.

Verraten Sie uns Ihr

Erfolgsrezept ?

Anzeichen. Aber klar

ist auch : Investoren

schauen sehr

genau hin, in welchem

Umfeld sie investieren.

Und natürlich

spielt es eine Rolle,

wie gut ausländische

Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmer bei

uns leben können. Ich

bin deshalb sehr froh,

dass sich die Wirtschaft

bei uns in Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig : Es wäre illusorisch zu

sehr klar für eine offene Gesellschaft einsetzt. glauben, dass die Stimmung auf Bundesebene

spurlos an uns vorbeigeht. Aber wir haben

W+M : Kommen wir zu Ihrer Partei, der SPD. das klare Ziel, bei der nächsten Landtagswahl

Sie hat – wenn wir bei den jüngsten Wahlen wieder stärkste Kraft im Land zu werden.

bleiben – in den neuen Ländern enorme Stimmenverluste

zu beklagen. Was macht die SPD Bürgerinnen und Bürgern deutlich, wofür die

Deshalb mache ich in den Gesprächen mit den

im Osten falsch ?

SPD in Mecklenburg-Vorpommern steht. Wir

bringen das Land wirtschaftlich voran, damit

Manuela Schwesig : Ich freue mich darüber, Arbeitsplätze entstehen und gesichert werden

dass Dietmar Woidke seine erfolgreiche

und damit wir auch bei der Lohnangleichung

Arbeit als Ministerpräsident in Brandenburg vorankommen. Und wir sind die Partei, die für

fortsetzen kann. In absoluten Zahlen hat die einen starken sozialen Zusammenhalt eintritt,

SPD dort sogar Stimmen hinzugewonnen. In die Familien und Kinder, aber auch die Älteren

Sachsen hatte es die SPD sehr schwer, obwohl in unserer Gesellschaft unterstützt. Zum Beispiel

mit der beitragsfreien Kita oder unserem

die Arbeit von Martin Dulig als Wirtschaftsminister

von einer Mehrheit der Wählerinnen Eintreten für die Grundrente.

W+M : In Ihrem Bundesland stehen erst im

Jahr 2021 wieder Landtagswahlen an. Was haben

Sie für Ihre eigene Arbeit als Regierungschefin

aus den jüngsten Wahlen gelernt ?

Manuela Schwesig : Das Ergebnis der Wahlen

zeigt, dass die Ministerpräsidenten auch

in diesen schwierigen Zeiten gute Chancen

haben, mit ihrer Partei stärkste Kraft zu

werden. Das wünsche ich mir natürlich auch

2021 bei uns.

W+M : Was muss die Sozialdemokratie tun,

um nicht nur einen weiteren Absturz zu verhindern,

sondern um wieder die Statur einer

Volkspartei in Deutschland zu bekommen ?

Zur Person

Manuela Schwesig wurde am

23. Mai 1974 in Frankfurt (Oder)

geboren. Nach dem Abitur absolvierte

sie ein Studium an der

brandenburgischen Fachhochschule

für Finanzen, das sie als

Diplom-Finanzwirtin abschloss.

Anschließend nahm sie im Finanzamt

Schwerin eine Tätigkeit

als Steuerfahndungsprüferin auf.

Im Jahr 2003 trat Schwesig in die

SPD ein. Von 2008 bis 2013 war

sie Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern.

Ende 2013

wechselte sie in die Bundesregierung

– als Bundesfamilienministerin.

Seit dem 4. Juli 2017 ist sie

Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern.

Sie übernahm

das Amt von Erwin Sellering

(SPD), der aus gesundheitlichen

Gründen zurückgetreten war.

Manuela Schwesig ist verheiratet

und Mutter zweier Kinder.


36

WIRTSCHAFT+MARKT

POLITIK

Manuela Schwesig : Zunächst einmal

müssen wir die Parteispitze neu besetzen.

Dann müssen wir wieder an Profil gewinnen.

Ich bin davon überzeugt, dass die SPD gerade

in Zeiten einer wachsenden gesellschaftlichen

Spaltung gebraucht wird. Denn wir sind

die Partei, die die Dinge zusammenführt. Wir

stehen für eine starke Wirtschaft, für sozialen

Zusammenhalt, für den Schutz der Umwelt

und unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Und nicht nur für eines dieser Ziele wie CDU/

CSU, Linke und Grüne.

W+M : Wäre eine Fusion mit den Linken eine

Option für Sie ?

Manuela Schwesig : Nein. Man kann

rückblickend sicher darüber streiten, ob die

SPD nach 1990 ehemalige SED-Mitglieder

zur Mitarbeit in unserer Partei hätte einladen

sollen. Vielleicht hätte sich die PDS und

spätere Linke dann nie etabliert. Man darf aber

nicht vergessen, dass sich

die SDP im Herbst 1989

gegen die SED-Herrschaft

gegründet

hat. Und zwar mit einem erheblichen Risiko

für die Parteigründer. Es war ja nicht klar, dass

die friedliche Revolution gut ausgehen würde.

Diese Konstellation hat das Verhältnis zwischen

SPD und PDS in den ersten Jahren nach

der friedlichen Revolution stark geprägt. Erst

mit der ersten rot-roten Landesregierung unter

Ministerpräsident Harald Ringstorff 1998

hier in Mecklenburg-Vorpommern ist so etwas

wie Normalität in das Verhältnis zwischen

SPD und PDS eingekehrt. Ich sehe weder in der

einen noch in der anderen Partei den Wunsch

nach einer Fusion.

W+M : Insgesamt betrachtet hat sich 30 Jahre

nach dem Mauerfall und 29 Jahre nach der

deutschen Wiedervereinigung die Stimmung

bei den Ostdeutschen stark eingetrübt. Von

der einstigen Euphorie ist nicht so viel übrig.

Sind die „Ossis“ einfach nur undankbar oder wo

liegen aus Ihrer Sicht die größten Defizite beim

Zusammenwachsen von Ost und West ?

Manuela Schwesig : Ich warne vor

Schwarz-Weiß-Malerei. Die Landesregierung

in Mecklenburg-Vorpom-

> Seit 2017 Ministerpräsidentin:

Manuela Schwesig.

mern führt einmal im Jahr eine Meinungsumfrage

durch, den MV-Monitor. Aktuell sagen

da 88 Prozent, dass sich unser Land seit der

Deutschen Einheit gut oder sogar sehr gut

entwickelt hat. Die Menschen sehen also die

Fortschritte. Sie wissen aber auch sehr genau,

wo Defizite bestehen. Wir haben trotz aller

Fortschritte immer noch wirtschaftlichen

Rückstand. Es gibt auch 30 Jahre nach der

friedlichen Revolution noch keine gleichen

Löhne und keine gleichen Renten. Und es

fehlte in den letzten 30 Jahren leider allzu oft

an Respekt vor ostdeutschen Lebensleistungen.

Zu einer ehrlichen Bilanz gehören die

Fortschritte und die Defizite.

W+M : Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage

für Beschäftigung und Wohlstand. Wie ist

es um die Unternehmen in Ihrem Land aktuell

bestellt – vor dem Hintergrund des Brexits,

der restriktiven Handelspolitik des US-Präsidenten

und der fortbestehenden Sanktionen

gegen Russland ?

Manuela Schwesig : Unser Land hat in den

letzten Jahren deutlich an Wirtschaftskraft gewonnen.

Wir sind vielleicht nicht so stark vom

Export abhängig wie andere Bundesländer.

Aber natürlich sehen wir auch die wirtschaftliche

Entwicklung mit Sorge. Unsere wichtigste

Antwort besteht darin, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern

mit dem Doppelhaushalt

2020/2021, der gerade im Parlament beraten

wird, die Investitionen nach oben schrauben.

Wir verbessern insbesondere die digitale Infrastruktur

im Land.

W+M : In welche Wirtschaftsbranchen

setzen Sie die größten Hoffnungen, wo gibt es

Wachstumspotenzial ?

Manuela Schwesig : Mecklenburg-Vorpommern

wird von außen vor allem als Tourismusland

wahrgenommen. Das ist unsere stärkste

Branche. Aber wir haben noch viel mehr zu

bieten. Ich sehe weiteres Wachstumspotenzial

in der Gesundheitswirtschaft. Sie trägt

in Mecklenburg-Vorpommern 15 Prozent zur

Bruttowertschöpfung bei. Das ist der Spitzenwert

bundesweit. Die maritime Wirtschaft bei

uns im Land hat mit dem Kreuzfahrtschiffbau

eine neue Perspektive gewonnen. Und ich bin

davon überzeugt, dass Umwelttechnik und

klimafreundliche Technologien an Bedeutung

gewinnen werden. Das ist auch für die

Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern eine

große Chance.

Foto: W+M


POLITIK WIRTSCHAFT+MARKT 37

FEST ETABLIERT: DAS

DAVOS DES OSTENS

OSTDEUTSCHES WIRTSCHAFTSFORUM FINDET

2020 BEREITS ZUM 5. MAL STATT

Das OWF.ZUKUNFT, das im Mai 2019 in Bad Saarow stattfand, war nicht nur

ein großer Erfolg, sondern es war eines der wenigen Ereignisse in den zurückliegenden

Monaten, das eine durchweg positive Berichterstattung über Ostdeutschland

in den wichtigsten deutschen Medien nach sich zog. Unter dem

Titel „Zeitenwende“ trafen sich knapp 300 Vertreter aus Politik, Wirtschaft

und Wissenschaft und diskutieren Zukunftschancen für die ostdeutsche Wirtschaft.

Im Juni 2020 findet das OWF.ZUKUNFT zum fünften Mal statt.

WIRTSCHAFT+MARKT sprach mit dem Begründer und Veranstalter Frank Nehring.

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum

läuft unter der Marke OWF.ZUKUNFT

und kokettiert damit, das Davos des

Ostens zu sein? Was hat es damit auf

sich?

Frank Nehring: Wirtschaftsforen gibt es wie

Sand am Meer. Große, kleine, internationale,

nationale, regionale und lokale, aber es gibt kein

Wirtschaftsforum für den Wirtschaftsraum der

neuen Bundesländer und Berlin. Die meisten

Foren beschäftigen sich mit der Gegenwart, und

das ist auch richtig und wichtig. Wir aber glauben,

dass wir zu wenig über die Zukunft sprechen und

das gerade auf Ostdeutschland bezogen. Deshalb

greifen wir Zukunftsthemen auf, und deshalb

heißt die Marke auch OWF.ZUKUNFT. Wir wollen

mit strategisch Interessierten aus Politik und

Wirtschaft, aus der Wissenschaft und den Medien

sprechen und Impulse setzen. Das tun wir in Bad

Saarow, und da es auch bescheidene Ähnlichkeiten

zum Geist von Davos gibt, ist unser OWF.

ZUKUNFT eben auch das „Davos des Ostens“.

Wirtschaftsmagazin, das bereits seit 1990 die

Unternehmen und die wirtschaftliche Entwicklung

Ostdeutschlands begleitet. Es war die Zeit

um den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung.

Alle sprachen von dem Stolz auf das Erreichte,

wussten aber auf die Fragen nach der Zukunft

keine Antworten. Gerade die kleinen Unternehmen

verfügten kaum über Strategien, schon gar

nicht über Wachstumsstrategien, und bei vielen

Politikern hatte man den Eindruck, dass die

Wahlperiode den Zeitraum von Gegenwart bis

Zukunft umfasste. Damit wollten wir uns nicht

abfinden. So haben wir unseren Fokus konsequent

auf die Zukunft gerichtet und entschieden,

dass so ein Forum die richtige Plattform dafür

ist.

Bei der ersten Veranstaltung im Oktober 2016

waren viele verunsichert, was es mit einem

ostdeutschen Wirtschaftsforum auf sich

haben sollte, waren doch die einen mehr norddeutsch,

die andern mitteldeutsch – aber wer

wollte schon ostdeutsch sein? Der damalige

Foto: W+M / Susann Welscher

Das OWF.ZUKUNFT findet 2020 bereits

zum fünften Mal statt? Wie kam

es überhaupt zu der Idee und wie hat

sich das Forum in den Jahren seit 2016

entwickelt?

Frank Nehring: Genaugenommen kam die

Idee aus unserer journalistischen Arbeit mit

WIRTSCHAFT+MARKT, dem ostdeutschen

Vizekanzler Olaf Scholz (li.) mit OWF-Initiator Frank Nehring.


38

WIRTSCHAFT+MARKT

POLITIK

In Bad Saarow dabei: Björn Böhning,

Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, die

ostdeutschen Ministerpräsidenten, auch der

Regierende Bürgermeister Berlins haben aber

verstanden, was wir wollten und sind gekommen,

um sich an der Diskussion zu beteiligen.

Dieses Format hat sich sehr gut entwickelt,

die Vertreter von Bund und Land sind uns treu

geblieben, viele Unternehmen, Verbände und

Verbünde sind dazu gekommen und bilden eine

Community, die es so bislang noch nicht gab.

Strategisch orientiert, an positiven Veränderungen

interessiert, entstand ein neues

Netzwerk, das von Jahr zu Jahr auch mehr die

Medien und damit die Öffentlichkeit erreichte.

Welche Themen werden

im Juni 2020 im Mittelpunkt des

OWF.ZUKUNFT stehen?

Frank Nehring: Für unsere Themen gilt, dass

sie global, europäisch, für Deutschland und

natürlich auch Ostdeutschland gleichermaßen

von Relevanz sein müssen. Deshalb stehen auf

unserer Agenda die Digitalisierung, die Internationalisierung,

der demografische Wandel und

die Entwicklung von Stadt und Land.

Erläuterte auf dem OWF sein Konzept

für die Entwicklung von Industrie und

Mittelstand: Bundeswirtschaftsminister

Peter Altmaier.

Unser Ziel ist es, kreative Denkansätze und

Lösungen zu all diesen Themen zu diskutieren.

Immer unter den Prämissen: Was sind

die Zukunftsfelder für die hiesige Wirtschaft?

Wo kann Ostdeutschland eine Führungsrolle

spielen? Wie kann der Wirtschaftsstandort

an Attraktivität gewinnen? Dabei kommt es

immer weniger darauf an, dass nur Ostdeutsche

ostdeutsche Themen besprechen. Nein,

wir sind offen für Referenten und Teilnehmer

aus allen Bundesländern und darüber hinaus.

Unsere Agendathemen stehen vielleicht morgen

auch als Themen auf der Tagesordnung

anderer. So ist unser Verständnis. Wir wollen

nicht Probleme beklagen, sondern Zeichen

setzen.

Im Fokus der Medien: Brandenburgs Ministerpräsident

Dr. Dietmar Woidke.

Diskussionsrunde mit Prof. Joachim Ragnitz (ifo), Sachsen-Anhalts

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff , Prof. Reint Gropp (IWH Halle) und

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (v. li.).

Ostbevollmächtigter Christian Hirte (3. v. li.) mit den Wirtschaftsministern

Prof. Jörg Steinbach (2. v. li.) und Prof. Armin Willingmann (2. v. re.) sowie

Unternehmern und Machern des ostdeutschen Wirtschaftsforums.

Foto: W+M / Susann Welscher


POLITIK WIRTSCHAFT+MARKT 39

und Dienstag, den 15. und 16. Juni 2020. Die

beiden Tage sind kompakt mit Vorträgen, Diskussionsrunden,

Workshops und weiterer Zeit

für individuelle Netzwerkarbeit gefüllt.

Foto: W+M / Susann Welscher

GTAI-Geschäftsführer Dr. Robert Hermann (Mitte) umringt von den Chefs

der ostdeutschen Landesfördergesellschaften.

W+M: Was erwartet die Teilnehmer

in Bad Saarow im Juni 2020?

Frank Nehring: Das OWF.ZUKUNFT wird vielgestaltiger.

So starten wir bereits am Samstag,

den 13. Juni 2020, und werden mit ersten

Teilnehmern kleinere Treffen und ein abendliches

Get-together in einer Top-Location am

Scharmützelsee durchführen. So geht es am

Sonntag weiter: Erste Meetings, Netzwerktreffen,

ein gemeinsamer

Ausflug, unser

Golfturnier und die

abendliche Gala mit

einem hochrangigen

Gast aus Politik oder

Wirtschaft sorgen für

eine gute Einstimmung

auf den Montag

Thomas Kralinski, Staatssekretär und

Bevollmächtigter des Landes Brandenburg

beim Bund und für Medien.

Wie können sich Teilnehmer anmelden

und was kostet die Teilnahme?

Frank Nehring: Interessierte können sich über

unsere Webseite unter https://wirtschaft-

markt.de/2019/05/15/

owf-anmeldung/

registrieren lassen.

Sie erhalten dann eine

offizielle Einladung und

es erfolgt eine Abstimmung

zu den konkreten

Buchungswünschen.

Vorrang haben Partner

und Unterstützer des

OWF. Die eigentliche

Teilnahme ist kostenlos,

abgesehen von optional

buchbaren Angeboten.

Mitnehmen, was Ihnen lieb ist:

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40

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50MACHER

DER OSTDEUTSCHEN

WIRTSCHAFT

Der Mittelstand bildet das Rückgrat der ostdeutschen

Wirtschaft. Große Konzerne sind auch 29 Jahre nach

der deutschen Wiedervereinigung eher die Ausnahme.

Taktgeber sind vielerorts die Chefs kleiner und mittelständischer

Firmen – Familienunternehmer, Inhaber oder

angestellte Manager, die über den Tellerrand des eigenen

Betriebes hinausblicken, innovative Geschäftsmodelle

entwickeln, Netzwerke pflegen und sich um soziale,

kulturelle und sportliche Belange in ihren Regionen

kümmern.

In unserem Beitrag stellen wir 50 der wichtigsten Macher

der ostdeutschen Wirtschaft vor. Uns ist bewusst, dass

es zwischen Ostsee und Erzgebirge wesentlich mehr

hoch engagierte Wirtschaftslenker gibt. In der künftigen

Berichterstattung wird das Magazin WIRTSCHAFT+

MARKT weitere dieser prägenden Unternehmerpersönlichkeiten

in den Fokus rücken.

Die 50 in diesem Beitrag vorgestellten Frauen und Männer

stehen stellvertretend für das vielschichtige unternehmerische

Engagement in den fünf neuen Ländern und

Berlin. Die Auswahl der „Köpfe“ erfolgte nicht auf der

Basis von Jahresumsätzen oder Beschäftigtenzahlen. Es

ging darum, höchst unterschiedliche Geschichten und Lebenswege

zu skizzieren – vom kleinen Handwerksmeister

bis zum Präsidenten des Deutschen Industrie- und

Handelskammertages.

VON KARSTEN HINTZMANN UND MATTHIAS SALM


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 41

Foto: Rudall30 - Freepik.com


42

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

FriedemannKu nz

Uwe Blau mann

Rolf Seelige-Steinhoff

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Dr. Christof Gü nther

Sybille Kaiser

Christof Qu eisser

Prof. Han

THÜRINGEN

SACHSEN-ANHALT

s B. Bau erfeind

Bianca Zorn

Dr. StefanTraeger

Dr. Eric Schweitzer

Prof. Dr. Christoph Meinel

Katja Hillenbrand

Prof. Dr. Axel Ekkern kamp

BERLIN

BRANDENBURG

Dr. Holger Loclair

SACHSEN

MartinBu hl-Wagner

Thomas Koch

Ilona Glawion

ChristianMü ller

Foto: XXX ScanHaus Marlow GmbH, Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, SEETELHOTELS Usedom, ALBA Group/Amin Akhtar, ukb/M. Hübner, 1.FC Union Berlin, InfraLeuna GmbH, Fotograf Matthias Wuttig, Rotkäppchen-Mumm

Sektkellereien GmbH, ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co. KG, HPI/Kay Herschelmann, W+M, Metallbau Glawion GmbH, Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH, Bauerfeind AG, Jenoptik AG, Micas AG, Leipziger Messe, AMAC-GARBE


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 43

BERLIN

Martin Bergner, Vorstandssprecher der Zentralkonsum eG

Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor

des Unfallkrankenhauses Berlin

Christian Herrmann, Geschäftsführer der Dr. Herrmann Gruppe

Thomas Koch, Vorstandsvorsitzender der Koch Automobile AG

Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Mittelstandsbank

der Commerzbank AG

Leonhard Lischka, Geschäftsführer der Lischka GmbH

Dr. Eric Schweitzer, Vorstandsvorsitzender der ALBA Group

Dr. Reinhard Uppenkamp, Vorstandsvorsitzender der BERLIN-CHEMIE AG

SACHSEN

Judith Borowski, Geschäftsführerin von Nomos Glashütte,

Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer Leipziger Messe

Dr. Holger Födisch, Vorstand Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG

Rainer Gläß, Vorstandsvorsitzender GK Software SE

Margret Gleiniger, Geschäftsführerin der KSG GmbH

Katja Hillenbrand, Vorstand der Micas AG

Christian Müller, Geschäftsführer Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG

Bodo Rodestock, Vorstand VNG AG

BRANDENBURG

Ilona Glawion, Geschäftsführerin der Metallbau Glawion GmbH

Dr. Holger Loclair, Vorstandsvorsitzender der ORAFOL Europe GmbH

Prof. Dr. Christoph Meinel, Direktor und Geschäftsführer

des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering gGmbH

Dr. Alexander Montebaur, Vorstandsvorsitzender der E.DIS AG

Dr. Ullrich Müller, Generalbevollmächtigter der EWE AG in Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern

Dr. Helmar Rendez, Vorstandsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau

AG und der Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG)

Dr. Miloš Stefanović, Sprecher der Geschäftsführung

der Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH

Tillmann Stenger, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank

des Landes Brandenburg

Klaus Zschiedrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Lausitzer

und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH

SACHSEN-ANHALT

Daniel Gollmann, Geschäftsführer Gollmann

Kommissioniersysteme GmbH

Dr. Christof Günther, Geschäftsführer InfraLeuna GmbH

Dr. Jürgen Koppe, Geschäftsführer MOL Katalysatortechnik GmbH

Michael Krüger, Geschäftsführer GISA GmbH

Peter Ledermann, Vorstand Mercateo AG

Christof Queisser, Sprecher der Geschäftsführung

der Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien GmbH

Jonas Taureck, Geschäftsführer Petromax GmbH

Thomas Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung,

G+E GETEC Holding GmbH

Bianca Zorn, Geschäftsführerin

ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co. KG

THÜRINGEN

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Uwe Blaumann, geschäftsführender Gesellschafter der PALMBERG Büroeinrichtungen

und Service GmbH

Sebastian F. Braun, Geschäftsführer der CHEPLAPHARM

Arzneimittel GmbH

Robert Dahl, Geschäftsführer der Karls Markt OHG

Dr. Thomas Diestel, Geschäftsführer der Dr. Diestel GmbH

Prof. Dr. Dietmar Enderlein, Geschäftsführer der MEDIGREIF GmbH

Kay Gundlack, Geschäftsführer der Kay Gundlack Schuhmanufaktur

Friedemann Kunz, Geschäftsführer der ScanHaus Marlow GmbH

Rolf Seelige-Steinhoff, Geschäftsführer der SEETELHOTELS Usedom

Prof. Hans B. Bauerfeind, Vorstandsvorsitzender Bauerfeind AG

Bernhard Helbing, geschäftsführender Gesellschafter der TMP

Fenster + Türen® GmbH

Sybille Kaiser, Geschäftsführerin Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH

Katrin Katzung, Geschäftsführerin Ingenieurbüro Katzung GmbH

Frank Orschler, Geschäftsführer Königsee Implantate GmbH

Günter Oßwald, Inhaber Oßwald-Fahrzeugteile & Technischer Handel

Holger Raithel, Geschäftsführer der KAHLA Thüringen Porzellan GmbH

Dr. Stefan Traeger, Vorsitzender des Vorstands der JENOPTIK AG

Foto: XXX


44 WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Prof. Hans B. Bauerfeind

DER WELTMARKTFÜHRER

Mit einer großen Festveranstaltung feierte die

Bauerfeind AG in Zeulenroda-Triebes in diesem

Sommer ihr 90-jähriges Bestehen. Und

zugleich auch die Lebensleistung von Prof.

Hans B. Bauerfeind, Vorstandsvorsitzender,

Enkel des Firmengründers und visionärer Macher

an der Spitze des Unternehmens, das zu

den Weltmarktführern im Bereich Bandagen

und medizinische Hilfsmittel zählt. Mit 2.100

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit,

davon 1.100 in Zeulenroda, und Tochtergesellschaften

in über 20 Ländern erwirtschaftet

die Bauerfeind AG heute rund 250 Millionen

Euro Umsatz im Jahr.

Die Bauerfeind AG stellt Bandagen, Orthesen,

Einlagen und Kompressionsstrümpfe

her, darüber hinaus hat das Unternehmen

seit 2016 die eigene Sportlinie Bauerfeind

Sports am Markt. Die Thüringer entwickeln

auch 3D-Technologie zur Vermessung von

Körperpartien. Unter der Dachmarke Bodytronic

bietet die Bauerfeind AG eine Reihe von

Messsystemen an, die Körpermaße exakt

und schnell ermitteln können. 2015 wurden

die Thüringer als eines der innovativsten

Unternehmen im deutschen Mittelstand

ausgezeichnet.

Hans B. Bauerfeinds Entscheidung, das Familienunternehmen

1991 an seinen Gründungsort

zurückzuführen, erwies sich als echter

Glücksfall für die Region. 1940 in Zeulenroda

geboren, floh der charismatische Unternehmer

als Kind mit seinen Eltern nach dem

Zweiten Weltkrieg nach Darmstadt. Dort stieg

er 1962 in den elterlichen Betrieb ein. „Rückblickend

bin ich zufrieden“, sagte der mittlerweile

79-Jährige über seine Entscheidung, die

Firma wieder in Thüringen anzusiedeln. „Ich

bedaure aber, dass so wenige meinem Beispiel

gefolgt sind.“

Dem Unternehmer, dem im Jahr 2000 das

Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, liegt

vor allem die Sportförderung am Herzen. Seit

2010 war die Bauerfeind AG, für die Basketball-Legende

Dirk Nowitzki als Markenbotschafter

wirbt, stets bei den Olympischen

Spielen für Athleten aller Nationen als Servicepartner

vor Ort.

Martin Bergner

DER KONSUM-CHEF

Es gibt ihn noch, den guten alten Konsum.

Natürlich nicht mehr in der Form, wie man

ihn früher kannte – als kleines Ladengeschäft

an der Ecke. Der Konsum, oder korrekt

gesagt, die Konsum-Gruppe hat sich in den

letzten Jahrzehnten enorm entwickelt. Unter

dem Dach der Zentralkonsum eG gibt es

heute zehn Konsumgenossenschaften, eine

Raiffeisengenossenschaft, drei gewerbliche

Genossenschaften, drei Kreditgenossenschaften,

drei Agrargenossenschaften und

elf weitere Gesellschaften. Insgesamt erwirtschaften

die knapp 4.500 Beschäftigten

einen Jahresumsatz in Höhe von rund 435

Millionen Euro.

Maßgeblich mitverantwortlich für die

erfolgreiche Entwicklung ist Martin Bergner,

der seit 2002 Vorstandssprecher der

Zentralkonsum eG ist. 1961 im thüringischen

Altenburg geboren, absolvierte Bergner in

den 1980er-Jahren ein Ökonomiestudium in

der Fachrichtung Gaststätten- und Hotelwesen

der Handelshochschule in Leipzig.

Unmittelbar danach folgte er dem Ruf des

Verbandes der Konsumgenossenschaften,

dem Vorläufer der Zentralkonsum eG.

Martin Bergner engagiert sich nicht nur als

Vorstandssprecher für die Zentralkonsum

eG, er ist auch als Aufsichtsrat in mehreren

Konsumgenossenschaften tätig und vertritt

die Interessen des KONSUM in verschiedenen

Gremien beim Genossenschaftsverband –

Verband der Regionen e. V., dem Prüfungsverband

der Zentralkonsum eG. Darüber

hinaus setzt er sich sowohl für soziale

Projekte als auch politisch und vorpolitisch

für die Abschaffung der 1934 in das Gesetz

aufgenommenen Zwangsmitgliedschaft

einer Genossenschaft in einem genossenschaftlichen

Prüfungsverband ein.

Foto: Bauerfeind AG, Zentralkonsum eG


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 45

Foto: Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, NOMOS/Glashütte/SA

Uwe Blaumann

DER BÜROMÖBEL-

PRODUZENT

Der 61-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter

der PALMBERG Büroeinrichtungen

und Service GmbH, die ihren Firmensitz in

Schönberg, einem kleinen Städtchen in Nordwestmecklenburg,

hat.

Vor drei Jahrzehnten, also in der Endphase der

DDR, war er Mitarbeiter im „VEB Möbelwerke

Schwerin, Betriebsteil Schönberg“. Dort erlebte

er die Wende und die damit verbundenen

strukturellen Brüche. Da er den Maschinenpark

und die Abläufe in „seinem“ volkseigenen

Betrieb aus dem Effeff kannte, meldete er sich

kurzerhand bei der Treuhand und kaufte die

Möbelfirma gemeinsam mit einem Tischler,

der aus Hamburg kam. Der neue Firmenname

war schnell gefunden – PALMBERG, wie die

Straße, an der das Betriebsgelände liegt.

Zunächst ging er durch ein Stahlbad, musste

die Hälfte der Mitarbeiter entlassen – alles

ehemalige Kollegen, Menschen aus seiner

Nachbarschaft. Doch er schaffte die Wende

hin zur Marktwirtschaft und positionierte

PALMBERG erfolgreich in der Marktnische der

Büromöbelhersteller. Jahr für Jahr stiegen die

Umsatz- und Mitarbeiterzahlen. Nach zehn

Jahren hatte er bereits 250 Mitarbeiter, mehr

Angestellte, als zu DDR-Zeiten in der Möbelfabrik

in Lohn und Brot standen.

Heute gehört PALMBERG zu den bedeutendsten

Unternehmen der deutschen Büromöbelindustrie

und produziert hochwertige Büroeinrichtungen

für den europäischen Markt. Die

inzwischen 540 Mitarbeiter erwirtschafteten

im Vorjahr einen Umsatz in Höhe von 105

Millionen Euro.

Uwe Blaumann hat angesichts seines unternehmerischen

Erfolgs nicht die Bodenhaftung

verloren. Er ist sozial engagiert, kümmert sich

um benachteiligte Menschen, integriert Menschen

mit Behinderung in seine Firma. Und er

fördert den Sport in seiner Region.

Judith Borowski

DIE UHREN-DESIGNERIN

Eine Pendlerin zwischen den Welten: hier

die pulsierende Hauptstadt Berlin, dort das

beschauliche, abgelegene Glashütte im Tal der

Uhrenmacher im Osterzgebirge. Das ist die

Lebens- und Arbeitswelt von Judith Borowski,

Geschäftsführerin der NOMOS Glashütte/SA.

Dass sie einmal für eine der bekanntesten

deutschen Uhrenmarken verantwortlich

zeichnet, war Borowski allerdings nicht in die

Wiege gelegt. Die 50-jährige Berliner Kreative

begann ihre berufliche Laufbahn eigentlich

nach dem Besuch einer Journalistenschule

als Journalistin für die ARD und die Financial

Times, ehe sie ein persönlicher Kontakt zum

NOMOS-Gründer Roland Schwertner in die

Uhrenbranche führte. Mit Pressearbeit für die

damals noch kleine Uhren-Manufaktur begann

2001 ihre zweite Karriere.

Heute verantwortet Borowski als Geschäftsführerin

und Gesellschafterin bei dem nach

eigenen Angaben größten Hersteller mechanischer

Uhren in Deutschland von Berlin aus

die Markenkommunikation und das Design und

leitet die Nomos-Tochtergesellschaft Berlinerblau.

Regelmäßig reist sie in die sächsische Firmenzentrale.

Rund 300 Mitarbeiter arbeiten

heute für das 1990 gegründete Unternehmen.

Die kreative Arbeit, die Uhrmacherkunst der

Glashütter durch ästhetisches Design und

einfallsreiche Kommunikation zu verdientem

Glanz zu verhelfen, treibt sie an.

Doch nicht immer lassen sich auch für eine

erfolgreiche Unternehmerin die Zeitenläufe

ausblenden. Zuletzt ging Borowski deshalb

mit ihrem Mitgeschäftsführer Uwe Ahrendt

bewusst in die Öffentlichkeit. NOMOS Uhren

bedienen den Weltmarkt, der Anteil ausländischer

Händler wächst stetig. Deshalb setzte

die Unternehmerin anlässlich rechtsradikaler

Übergriffe im vergangenen Jahr öffentliche

Zeichen für ein weltoffenes Sachsen. Das traf

nicht nur auf Zustimmung im Freistaat – doch

für Borowski war es ein Akt der Bürgerpflicht

und ein wichtiges Statement für den Wirtschaftsstandort

Sachsen.


46

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Sebastian F. Braun

DER PHARMA-PRODUZENT

Innerhalb von 16 Jahren hat Sebastian F.

Braun als Geschäftsführer die CHEPLAPHARM

Arzneimittel GmbH in Greifswald, die in ihren

Anfangsjahren mit dümpelnden Umsatzzahlen

eher als „graue Maus“ unterwegs war, in ein

innovatives, umsatzstarkes und profitables

Unternehmen verwandelt, das heute in mehr

als 120 Ländern aktiv ist. Der Exportanteil

beträgt etwa 96 Prozent der Umsätze. CHE-

PLAPHARM verfügt über Tochterunternehmen

in Hamburg, Levallois-Perret (Frankreich) und

in Englewood (New Jersey), USA.

Der studierte Betriebswirt setzt unbeirrt auf

Wachstumskurs: „Wir haben die Chance, unsere

Produktpipeline weiter zu füllen, den Marktanteil

zu stärken und unsere internationale

Präsenz auszubauen.“ Das Unternehmen, dem

in der Branche der Ruf eines Experten für den

Umgang mit Marken- und Nischenprodukten

vorauseilt, hat sich darauf spezialisiert, Arzneimittel

aufzukaufen und sie weiterzuentwickeln.

Bereits einige wenige Zahlen verdeutlichen,

wie rasant CHEPLAPHARM unter Geschäftsführer

Braun wächst: Vor fünf Jahren beschäftigte

das Unternehmen 70 Mitarbeiter und

erwirtschaftete einen Jahresumsatz in Höhe

von 61 Millionen Euro. Ein Jahr darauf knackte

Braun mit seinem Team die 100-Millionen-Euro-Umsatz-Marke.

Aktuell arbeiten in der

Pharmafirma 259 Mitarbeiter. Das Jahr 2019

soll mit einem Gesamtumsatz in Höhe von 400

Millionen Euro abgeschlossen werden.

Martin Buhl-Wagner

DER MESSECHEF

„Menschen fühlen sich in Leipzig gut aufgehoben,

weil es eine sehr natürliche Willkommenskultur

gibt“, sagte Martin Buhl-Wagner

jüngst in einem Interview mit Sachsen Fernsehen.

Dass dem so ist, davon ist Buhl-Wagner

überzeugt, liegt auch an der langen Historie

Leipzigs als internationale Messestadt. Bundesweite

Umfragen bestätigen ihn: Menschen

in ganz Deutschland kennen Leipzig vor allem

auch als Messestandort.

Heute sorgt Martin Buhl-Wagner als Leipziger

Messechef für einen wachsenden Zustrom an

nationalen und internationalen Gästen. Die

Messe PARTNER-PFERD mit ihrem Mix aus

Messe, Show und Sport, die Industriemessen

Intec und Z sowie der Publikumsmagnet

Leipziger Buchmesse locken immer wieder

Rekordzahlen an Besuchern. Mit Erfolg: 2018

konnte die Leipziger Messe Unternehmensgruppe

ihren Umsatz deutlich steigern. Und

sie ist beliebt: Kunden und Besucher kürten

die Leipziger Messe im letzten Jahr zum

fünften Mal in Folge zum Service-Champion

der Branche.

Auch dies ist ein Erfolg für den studierten

Wirtschaftsingenieur, dessen Vertrag vom

Aufsichtsrat der Messe vorzeitig bis 2023

verlängert wurde. Der 1966 im sächsischen

Annaberg-Buchholz geborene Buhl-Wagner

ist mit Unterbrechungen schon seit Mitte der

90er Jahre im Messegeschäft tätig. Seine

berufliche Laufbahn in der Unternehmensgruppe

begann 1995 als Projektmanager. Ab

Dezember 2002 arbeitete er für die Messe-Tochter

FAIRNET als Prokurist, später als

Geschäftsführer.

2008 stieg Buhl-Wagner zum Geschäftsführer

der Leipziger Messe GmbH auf, im Oktober

2010 wurde er zum Sprecher der Geschäftsführung

ernannt. Seit 2013 ist der verheiratete

Vater einer Tochter auch Vorstandsmitglied

des AUMA Ausstellungs- und Messe-Ausschusses

der Deutschen Wirtschaft.

Foto: Anette Pröber / CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH, Leipziger Messe


50 MACHER WIRTSCHAFT+MARKT 47

gen-Maschinen für Gebäude. Oder, um es

präzise zu sagen: Die Dr. Diestel GmbH ist

spezialisiert auf Lüftungs-, Klima-, Kälte- und

sogar Reinraumtechnik.

Seine Unternehmerkarriere startete der vor 63

Jahren in Dresden geborene Thomas Diestel, er

ist übrigens ein jüngerer Bruder des prominenten

Anwalts Peter-Michael Diestel, in den

Nachwende-Wirren des Jahres 1991. Er verließ

die Rostocker Warnow-Werft und gründete

eine Firma für Lüftungstechnik. Mit damals

13 Angestellten produzierte er noch vorrangig

Lüftungsanlagen für den Schiffbau. Die Qualität

der Dr. Diestel GmbH mit ihren 120 Mitarbeitern

hat sich längst herumgesprochen. Auf

Diestels Referenzliste stehen das Rostocker

Foto: Karls, Privat

Robert Dahl

DER OBSTBAUER

Robert Dahl führt den Familienbetrieb „Karls

Erdbeerhof“ in 3. Generation. Vor knapp 100

Jahren hatte Großvater Karl damit begonnen,

in der Nähe von Rostock Obst und Gemüse

anzubauen und es auf Wochenmärkten zu verkaufen.

Nach dem Krieg zog es die Familie nach

Schleswig-Holstein. Dort spezialisierte sich der

Betrieb auf den Anbau von Erdbeeren. Nach

der Wende wünschte sich Roberts Vater Karl-

Heinz, dass der Sohn in die Heimat von Opa Karl

zurückkehrt und dort einen Erdbeerhof aufbaut.

Damit begann eine der spektakulärsten Unternehmergeschichten

der Nachwendezeit.

Im Jahr 1992 kam der gelernte Obstbauer

Robert Dahl in Rövershagen an, bezog einen

alten Wohnwagen und machte sich mit Elan

daran, einen leeren Acker an der Bundesstraße

105, die direkt ins nahe Rostock führt,

zu bestellen. Die erste Erdbeerernte fuhr er

ein Jahr später ein. Und das Rövershagener

Wirtschaftswunder nahm seinen Lauf. Aus dem

Erdbeerhof entwickelte sich ein Freizeitpark

mit Fahrgeschäften, Erlebnisgastronomie und

Shoppingangeboten – mit jährlich weit über 1,2

Millionen Besuchern eine der meistbesuchten

Touristenattraktionen in Mecklenburg-Vorpommern.

Innerhalb eines guten Vierteljahrhunderts entwickelte

der heute 48 Jahre alte Unternehmer

seine Firma zu einem Mischkonzern, der unter

der Bezeichnung Karls Markt OHG firmiert.

Mit Geschäftszweigen in Landwirtschaft,

Handel, Gastronomie und Entertainment, die

allesamt profitabel arbeiten. Er beschäftigt

700 festangestellte Mitarbeiter, dazu kommen

2.800 Saisonkräfte, die als Pflücker und Verkäufer

arbeiten. Etliche neue Standorte sind

hinzugekommen – ein Erlebnis-Dorf in Zirkow

auf Rügen, ein Event-Pier am Kreuzfahrtanleger

in Warnemünde, weitere Erlebnisdörfer in

Warnsdorf bei Lübeck, Wustermark bei Berlin,

Koserow auf Usedom sowie das Barbycafé in

Loburg (Sachsen-Anhalt).

Dr. Thomas Diestel

DER LÜFTUNGSTECHNIK-

UNTERNEHMER

Wenn Thomas Diestel in Mecklenburg-Vorpommern

unterwegs ist, trifft er oft auf

seine Handschrift. Eine Handschrift, die der

promovierte Ingenieur bei der Errichtung vieler

Gebäude im Land in den vergangenen 28 Jahren

hinterlassen hat, die heute aber meist nur für

ihn selbst erkennbar ist. Denn mit ihrer Arbeit

prägen Diestel und sein Team nicht die Fassade

von Bauwerken, sondern deren „Organismus“.

Er baut – im übertragenen Sinne – Herz-Lun-

Ostseestadion, die Yachthafenresidenz Hohe

Düne in Warnemünde und der Hansedom

Stralsund. Dazu Krankenhäuser, Einkaufszentren,

der Windkraftanlagenbauer Nordex, das

Nestlé-Werk sowie das Werk YPSOMED, ein

Hersteller von Injektionssystemen der Medizintechnik,

bei Schwerin.

Thomas Diestel verkörpert einen eher ungewöhnlichen

Unternehmertyp. Er ist alles andere

als ein „Alphatier“. Im Gespräch wirkt er zurückhaltend,

nüchtern, bescheiden. Er ist einer, der

ungeachtet des unternehmerischen Erfolges jeden

Euro zweimal umdreht, ehe er ihn ausgibt.

Diestel kümmert sich um seine Mitarbeiter,

bietet ihnen eine betriebliche Altersvorsorge,

Betriebssport und Konzertbesuche. Es entspricht

seiner christlichen Überzeugung.

In seiner wenigen Freizeit engagiert sich der

ehemalige Boxer für klassische Musik. Als Vorsitzender

der Philharmonischen Gesellschaft

in Rostock hat er enorm viel für den Erhalt der

Norddeutschen Philharmonie getan.


48

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Prof. Dr. Axel Ekkernkamp

DER KLINIKCHEF

Eigentlich könnte sich Professor Axel Ekkernkamp

beruhigt zurücklehnen und beruflich

schon mit 62 Jahren den Fuß vom Gas nehmen.

Denn er hat ein Lebenswerk geschaffen,

das national und international höchste Wertschätzung

genießt – das Unfallkrankenhaus

Berlin in Marzahn (ukb). Ekkernkamp hat das

ukb, das zu den modernsten Kliniken Europas

zählt, seit 1994 geplant, aufgebaut und in

Betrieb genommen. Er ist seit 1996 Ärztlicher

Direktor und seit 1999 Geschäftsführer des

Unfallkrankenhauses. Ekkernkamps 2.000

Mitarbeiter versorgen heute pro Jahr 120.000

Patienten. Gut 63.000 davon in Deutschlands

größter Rettungsstelle.

Doch von Ruhe, Auszeit oder Schongang

hält der gebürtige Bielefelder gar nichts.

Der renommierte Unfallchirurg ist rastlos,

energiegeladen und steckt voller Ideen. Mit

Hochdruck und Leidenschaft arbeitet er an der

Fortentwicklung seines Lebenswerkes, dem

ukb-Gesundheitscampus, der mit jedem Jahr

neue innovative Facetten erhält. Ekkernkamp:

„Wir entwickeln hier einen umfassenden

Gesundheitscampus, der die Sektorengrenzen

zwischen niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern

und Rehabilitation durchbricht

und alle Gewerke sinnvoll vernetzt.“ Zum

Campus gehören bereits eine Poliklinik, eine

Akutgeriatrie, eine psychosomatische Klinik

und eine Augenklinik. Auch ein hochmodernes

Schlaganfallmobil ist am ukb stationiert. In

Kürze eröffnet eine große Klinik für Rehabilitation

ihre Pforten. Und es ist immer noch

viel in Bewegung: Es wird ein Gebäude für den

Arbeitsmedizinischen Dienst entstehen, die

IB-Hochschule – eine Einrichtung des traditionsreichen

Internationalen Bundes – wird

sich ansiedeln, und auch ein Hotelneubau soll

kommen. Das jüngste Projekt ist ein „Smart

Living Haus“, für das die Bauarbeiten gerade

begonnen haben. Dort soll künftig der Bevölkerung

demonstriert werden, mit welchen

modernen Methoden man zu Hause älter

werden kann, ohne ständig einen Pflegedienst

haben zu müssen.

Prof. Dr. Dietmar Enderlein

DER KLINIK-

UNTERNEHMER

Ursprünglich wollte Dietmar Enderlein, der in

den Kriegswirren des Jahres 1943 in Plauen

geboren wurde, Innenarchitekt werden. Doch

daraus wurde nichts, denn er schlug eine

Karriere ein, die ihn zu einem der weniger Gewinner

in zwei Systemen werden ließ – in der

damaligen DDR und im geeinten Deutschland.

Mit 20 Jahren ging Enderlein nach Greifswald

zum Medizinstudium an der Militärmedizinischen

Sektion, die unter dem Dach der

Ernst-Moritz-Arndt-Universität angesiedelt

war. Er wurde Offizier und Facharzt für Arbeits-

und Sozialmedizin. Bereits im Alter von

40 Jahren war er Professor, 1988 stieg er zum

Kommandeur der Militärmedizinischen Sektion

in Greifswald auf. Der Zusammenbruch der

DDR verhinderte nicht nur die Krönung seiner

militärischen Laufbahn – er sollte General

werden –, sondern entzog ihm komplett seine

berufliche Existenz.

Schon Anfang 1990 legte er den Grundstein

für seinen Neuanfang: Er gründete die auf

medizinische Dienstleistungen spezialisierte

MEDIGREIF GmbH – es war seinerzeit die

erste Firmenneugründung in Greifswald

und Umgebung. Er trotzte dem Gegenwind,

den Bürgerrechtler und Neider in den

Anfangsjahren entfachten. Über die Jahre

baute Enderlein die MEDIGREIF GmbH zu

einem ostdeutschen Klinikkonzern aus, zu

dem in Spitzenzeiten 20 Unternehmen und

Gesellschaften mit bis zu 1.600 Mitarbeitern

gehörten. Heute unterhält seine Unternehmensgruppe

mit 600 Beschäftigen fünf

Rehakliniken in Greifswald und auf der Insel

Usedom.

Speziell Kunst und Kultur profitieren von

Enderleins fortgesetztem Erfolg: Seit Jahren

unterstützt er als „Platin-Stifter“ die Festspiele

Mecklenburg-Vorpommern sowie das

Usedomer Musikfestival.

Foto: ukb/M. Hübner, MEDIGREIF GmbH


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 49

Foto: Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG, GK Software SE, Zirconicusso - Freepik.com

Dr. Holger Födisch

DER MESSTECHNIKER

300.000 Mark – damit fing 1991 alles an.

Genau diese Summe investierte Dr. Holger

Födisch auf Kredit, um von der Treuhandanstalt

den Versuchsstand des VEB Entstaubungstechnik

Edgar André in Markranstädt zu

erwerben. Der Betrieb, in dem zu DDR-Zeiten

Filter für Industriebetriebe entwickelt und

getestet wurden, war allerdings in keinem

markttauglichen Zustand. Folgerichtig war

Födisch, zuvor dort Betriebsleiter, gemeinsam

mit drei Kollegen der einzige Interessent und

ging – rückblickend betrachtet – ein eigentlich

kaum vertretbares unternehmerisches Risiko

ein.

Doch der Mut des heute 59-jährigen gebürtigen

Wolfeners wurde belohnt. Aus den einst

maroden Hallen erwuchs ein innovatives

mittelständisches Unternehmen und ein

Konzern mit über 200 Mitarbeitern, die rund

35 Millionen Umsatz erwirtschaften. Die

Staubmesstechnik aus Markranstädt ist vor

allem in China eine gefragte Technologie, seit

die chinesische Regierung den ungehemmten

Industrieemissionen im Land den Kampf angesagt

hat. Aber auch Gasanalysegeräte gehören

zu den Verkaufsschlagern der Dr. Födisch

Umweltmesstechnik AG.

Den Grundstein dieses unternehmerischen

Erfolgs legte Födisch mit einem Studium im

damals noch jungen Fach Umwelttechnik

an der TH Merseburg. Dort entwickelte der

promovierte Ingenieur nebenbei das Staubmessgerät

PFM 92, später das erste Produkt,

mit dem sein noch junges Unternehmen auf

dem Markt Fuß fassen konnte. Heute entwickeln

die Sachsen

ihre Messtechnik

laufend weiter.

Jüngste innovative

Idee: der Einbau

eines Umweltmoduls

in Straßenlaternen

zur Messung der

Feinstaubbelastung.

2019 wurde Holger

Födisch zu Sachsens

Unternehmer des

Jahres gekürt. Dabei

floss nicht nur die

unternehmerische

Leistung des Mittelständlers

in die

Bewertung der Jury

ein, sondern auch

sein Einsatz für seine Mitarbeiter und die Region.

Der Unternehmenssitz in Markranstädt

ist ein Vorzeigebetrieb mit selbst produziertem

Solarstrom und eigener Sporthalle für die

Mitarbeiter. Und das Gewandhaus zu Leipzig

fördert die Födisch Umweltmesstechnik AG

neuerdings als Advanced Partner.

Rainer Gläß

DER BILL GATES DES

VOGTLANDS

Als Bill Gates des Vogtlands wird Rainer

Gläß in der Öffentlichkeit schon einmal gern

apostrophiert. Ganz von der Hand zu

weisen ist der Vergleich nicht.

Schließlich gründete Gläß

sein Unternehmen, die

heutige GK Software

SE, im August 1990

zusammen mit

seinem Partner

Stephan Kronmüller

– wenn

schon nicht in

einer Garage,

dann doch als

Zwei-Mann-Unternehmen

im heimischen

Wohnzimmer.

Ausschlaggebend

war das Vertrauen

des heute 60-Jährigen,

der an der Uni Dresden

Informationstechnologie

studiert hatte, in die eigenen

Programmierkünste. Die Aufbruchsstimmung

nach der Wende nutzte Gläß zum

Sprung in die Selbstständigkeit . Von da an

ging es steil bergauf. Mit Software-Lösungen

für den Einzelhandel stieg das Unternehmen

aus der Kleinstadt Schöneck zur europäischen

Aktiengesellschaft auf. Einige der weltweit

größten Einzelhandelsunternehmen zahlen

heute auf das Kundenkonto der Vogtländer

ein. Mehr als 1.000 Mitarbeiter arbeiten für

den Global Player aus der Provinz, der Standorte

u. a. in Südafrika, Russland, der Ukraine

und den USA unterhält. Mit Akquisitionen im

Bereich der Künstlichen Intelligenz stärkte

Gläß zudem jüngst den Ruf der Vogtländer als

Innovationsführer.

Vom Erfolg der GK Software SE profitiert auch

die Region. Gläß, privat leidenschaftlicher Skifahrer

und sogar Verfasser eines Buches über

den Skilauf, fördert mit seinem Unternehmen

u. a. den Skiclub Schöneck, das Sportgymnasium

in Klingenthal, aber auch das Kinderheim

„Tannenmühle“ in Erlbach/Vogtland und den

Tourismus in der Region.

Gerade auch für dieses gemeinwohlorientierte

Engagement erhielt Rainer Gläß den Bundesverdienstorden

und wurde 2018 zu Sachsens

Unternehmer des Jahres gekürt. Nicht zuletzt

auch, weil er sich für die Förderung der Startup-Kultur

und für besonders familienfreundliche

Arbeitsbedingungen einsetzt.


50

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Ilona Glawion

DIE METALLBAU-

UNTERNEHMERIN

Die Firma Glawion ist ein Kleinod im Landkreis

Barnim und hat eine Chefin, die dazu passt.

Im Dezember 1990 nahm Ilona Glawion, eine

gelernte Zerspanerin vom Kranbau Eberswalde,

mit gerade 32 Jahren die Geschicke selbst

in die Hand und gründete mit ihrem Mann eine

eigene Firma. Es war eine Ausgründung des

Werkzeugbaus aus der Kranbau Eberswalde

GmbH, die sich über eine Tief- und Werkzeugbau

GmbH zum heutigen äußerst kreativen

Metallbaubetrieb mit 4,5 Millionen Euro

Umsatz im Jahr entwickelte.

Ilona Glawion, die gleich 1991 im Abendstudium

noch eine kaufmännische Ausbildung

machte, steuert seit 1994 als Geschäftsführerin

das Unternehmen mit der ihr eigenen ruhigen,

klugen Art. Metallbau Glawion hinterließ

dabei weit über den Barnim hinaus markante

Spuren – ob am Sony-Center in Berlin, beim

Bau der Nordischen Botschaften, im Sächsischen

Landtag oder an den Teleskopen des

Max-Planck-Institutes in Heidelberg. Führend

ist das Unternehmen mit seinen 34 Mitarbeitern

heute auf seinem Spezialgebiet, den Kugelkäfigen

für Großwälzlager – für Windräder

oder Tunnelbohrmaschinen. Hochgeschätzt

wird der Betrieb für seine Ausbildung, von der

viele andere Unternehmen profitieren. 18 Azubis

sind es derzeit, insgesamt waren es schon

mehr als 300. Dabei gibt Ilona Glawion immer

wieder Geflüchteten die Chance, den Weg in

die Arbeitswelt zu finden.

Das neueste Projekt der Unternehmerin soll

auch ihre „Altersbeschäftigung“ werden. Ilona

Glawion, geboren im Jahr 1957, kaufte die

Ragöser Mühle, ein abgebranntes Areal unweit

des Klosters Chorin, das sie zu einem kleinen

touristischen Zentrum entwickelt – mit Pension,

Café und einem selbstgebauten neuen

Wasserrad aus Edelstahl. Geben wird es dort

auch einen Stall, in dem dann die Pferde der

passionierten Hobbyreiterin stehen werden.

Margret Gleiniger

DIE BOTSCHAFTERIN

DES ERZGEBIRGES

Botschafterin des Erzgebirges – diesen wohlklingenden

Titel verlieh Margret Gleiniger, Geschäftsführerin

der KSG GmbH in Gornsdorf,

2010 eine regionale Wirtschaftsinitiative, die

sich für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts

Erzgebirge einsetzt. Eine Würdigung, mit

der auch das Engagement der 57-jährigen

Unternehmerin für die Menschen in der Region

honoriert wurde. Und dieses Engagement gilt

insbesondere der Förderung von Kindern und

Jugendlichen. Margret Gleiniger, die seit 2016

an der Spitze des Unternehmens steht, setzt

sich in mehreren regionalen Gremien für die

Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen

Wirtschaft und Schule ein, seit 2014 ist sie

Mitglied in der regionalen Jury zur Vergabe des

Qualitätssiegels für Berufs- und Studienorientierung

des Sächsischen Kultusministeriums

an sächsische Schulen.

Das ehrenamtliche Wirken der KSG-Chefin

zahlt sich auch für das Unternehmen aus:

Viele Mitarbeiter der KSG GmbH stammen

aus dem Umland, die Fluktuation im Betrieb

ist gering – der Leiterplattenhersteller gilt als

wichtiger Arbeitgeber im Landstrich südlich

von Chemnitz. Schließlich zählt die KSG GmbH

mittlerweile zu den Top Drei der Leiterplattenproduzenten

in Europa. Die Sachsen verstehen

sich als innovativer Technologieführer und

Vorreiter bei Hochfrequenz- und Hochstromanwendungen.

Mit ihren Produkten ist die KSG

GmbH mit ihren Standorten im erzgebirgi-

Foto: Metallbau Glawion GmbH, KSG GmbH


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 51

Foto: Gollmann Kommissioniersysteme GmbH, InfraLeuna GmbH, Fotograf Matthias Wuttig

schen Gornsdorf und im österreichischen Gars

am Kamp ein gefragter Partner, wenn es gilt,

Zukunftstechnologien wie das automatisierte

Fahren in der Automobilindustrie oder den Einsatz

Künstlicher Intelligenz in der industriellen

Produktion voranzutreiben.

Daniel Gollmann

DER AUTOMATEN-

HERSTELLER

Diesen Termin ließ sich Sachsen-Anhalts

Ministerpräsident Reiner Haseloff nicht nehmen.

Als die Gollmann Kommissioniersysteme

GmbH aus Halle (Saale) 2018 zwölf Jahre nach

der Firmengründung neue Räumlichkeiten bezog,

gehörte auch Sachsen-Anhalts Landesvater

zu den Gästen. Kein Wunder, Unternehmergeschichten

wie die von Daniel Gollmann

sind auch in Sachsen-Anhalt selten.

Der heute 41-jährige Firmengründer Daniel

Gollmann wagte sich 2006 mit einer Handvoll

Mitarbeiter und der Idee der Automatisierung

von Rollschränken für Apotheken in einer

schwierigen Branche in die Selbständigkeit.

Heute exportiert Gollmann seine Automaten in

15 Länder auf drei Kontinenten. Das Erfolgsrezept:

Die Gollmann Automaten passen sich

den Räumlichkeiten der jeweiligen Apotheke

an und eröffnen den Kunden zahllose individuelle

Anpassungsmöglichkeiten. Gollmann

produziert seine Kommissioniersysteme

ausschließlich in Halle. Täglich verlässt dort ein

patentierter Gollmann-Apothekenautomat die

neue Produktionsstätte.

Gollmanns

Geschäftsidee

entstand bereits

während seines

Studiums der

Mechatronik an der

heutigen Hochschule

Merseburg.

Hier machte der

Unternehmer 2003

seinen Abschluss,

dem ein weiterer

betriebswirtschaftlicher

an der HHL

Leipzig folgen sollte.

Nach einem beruflichen

Abstecher in

die Schweiz, kehrte

Gollmann zum Firmenaufbau

in seine

Heimatstadt zurück.

Wo es ihm nach wie

vor ausnehmend gut gefällt. „Halle ist klar

und ehrlich“, sagte Gollmann einmal über die

Saalestadt.

Dr. Christof Günther

DER CHEMIEPARK-

MANAGER

Es gibt nur wenige Erfolgsgeschichten in

der ostdeutschen Wirtschaft, die mit so

beeindruckenden Zahlen aufwarten können

wie die Chemieparks im mitteldeutschen

Chemiedreieck. Einer davon ist der Chemiepark

Leuna, betrieben von der InfraLeuna

GmbH. „Die Chemieparks in Sachsen-Anhalt

sind industrielle Leuchttürme und gelten als

Musterbeispiel für einen gelungenen Strukturwandel

in Ostdeutschland“, sagt deshalb Dr.

Christof Günther, der im Juli 2012 die alleinige

Geschäftsführung der InfraLeuna GmbH übernommen

hat.

Jüngst konnte sich davon sogar das belgische

Königspaar überzeugen, das dem Chemiestandort

Leuna einen offiziellen Besuch

abstattete. Was das Thronpaar zu sehen

bekam: einen Chemiepark mit großer Historie,

auf dem mehr als 100 Firmen aus zehn Nationen

ansässig sind und in dem rund 10.000

Menschen ihrer Arbeit nachgehen. Nach einer

tiefgreifenden Modernisierung setzt der

Chemiepark Leuna heutzutage Maßstäbe in

puncto Wettbewerbsfähigkeit und gehört zu

den Top-Adressen für moderne Chemie in

Europa. Jedes Jahr werden 12 Millionen Tonnen

Güter hergestellt. Dazu gehören chemische

Grundstoffe, Spezialprodukte und Kraftstoffe

wie Benzin und Diesel. Für die nächsten zwei

Jahre werden am Standort Leuna Investitionen

in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro

erwartet.

Die Geschicke des Chemieparks leitet Dr. Günther

seit 2012. Dabei begann seine berufliche

Laufbahn gar nicht in der Chemiebranche,

sondern im VEB Reparaturwerk „Clara Zetkin“

in Erfurt. Später studierte Günther, 1969 in

Saalfeld geboren, Elektrotechnik und Betriebswirtschaftslehre

an der TU Ilmenau, nach Auslandsaufenthalten

beendete er sein Studium

1997 an der TU Berlin als Diplom-Wirtschaftsingenieur.

Nach verschiedenen Führungspositionen in der

Energiebranche ist Günther seit 2004 bei der

InfraLeuna GmbH tätig und auch in wichtigen

Gremien und Verbänden der Branche aktiv.

Und ihm liegt am Herzen, dass auch künftige

Generationen die Erfolgsgeschichte des

Chemiedreiecks fortschreiben. Die InfraLeuna

GmbH beteiligt sich so beispielsweise an der

Aktion „Pro Chemieunterricht“ und unterstützt

Schulen im Landkreis bei der Anschaffung

von neuen Geräten und Chemikalien. 2016

wurde ihm die Ehrenmedaille der Stadt Leuna

verliehen.


52

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Kay Gundlack

DER SCHUHKÜNSTLER

Kay Gundlack hat sich seinen Kindheitstraum

erfüllt. Er stellt hochwertige Maßschuhe her.

In reiner Handarbeit. Alles Unikate, viele aus

exotischen Lederarten. Entgegen dem Trend

der kriselnden Schuhbranche hat der 46-Jährige

mit seiner Schuhmanufaktur in Parchim

großen Erfolg. Seine Kunden kommen aus aller

Welt.

Wenn man das Ladenlokal in dem orangerot

verputzten Haus am neuen Markt betritt, wird

man von exklusiver Atmosphäre umweht. An

den Wänden offene Vitrinen mit atemberaubend

schönen Schuhen, vorrangig für Herren.

Daneben viele Bilderrahmen, aus denen Prominente

mit Schuhmachermeister Gundlack

um die Wette lächeln. Dazu eine gediegene

Hausbar, ein ledernes Sofa, aus Wurzelholz

gefertigte Sessel und sogar ein gut sortierter

Humidor. Solch gehobenes Ambiente erwartet

man in Parchim eigentlich nicht. Doch Kay

Gundlack hat sich bewusst für Parchim entschieden.

Hier hat er seine Lehre zum Orthopädieschuhmacher

absolviert und hier hat er

sich vor 14 Jahren selbstständig gemacht. Der

Start war für den jungen Schuhmachermeister

allerdings recht steinig. Denn zunächst mangelte

es an betuchten Kunden. Denn mindestens

1.500 Euro für ein Paar handgemachte

Schuhe kann sich in

dieser Region kaum

jemand leisten.

Doch ein TV-Beitrag

verhalf zum Durchbruch.

Heute zählen

unzählige Prominente

zu seinen Kunden

– Stargeiger David

Garret, Show-Ikone

Thomas Gottschalk,

Ryan Tedder (von

der Band OneRepublic),

Joachim Llambi

(Let’s-dance-Juror)

oder Komiker

Markus Majowski.

Nicht alle kommen

nach Parchim, da

Gundlack – ganz

Dienstleister – zu

seinen Kunden fährt,

um das Aufmaß zu

nehmen. Aber sie alle

verbinden den Namen

der Kleinstadt

mit dem Wissen, dass hier einer der angesagtesten

Schuhmachermeister Deutschlands zu

Hause ist.

Bernhard Helbing

DER FENSTERBAUER

Bernhard Helbing ist, so sagen seine Wegbegleiter,

eine mittelständische Unternehmerpersönlichkeit,

die es so nur sehr selten

gibt. Dabei stammt der geschäftsführende

Gesellschafter der TMP Fenster + Türen

GmbH in Bad Langensalza von Hause aus

eigentlich aus der Agrarwirtschaft. In Halle

(Saale) hat er einst seinen Abschluss als

Diplomagraringenieur gemeistert, agierte

sogar nach 1990 für zwei Jahre als stellvertretender

Landesgeschäftsführer des Thüringer

Bauernverbandes.

Doch das Jahr 1992 erwies sich für Helbing

als persönliches Wendejahr, er wurde „vom

Bauern zum Fensterbauer“, wie er seinen

Einstieg in die TMP Fenster + Türen GmbH

einmal selbst charakterisierte. Der Quereinsteiger

übernahm ein junges Unternehmen,

das im Übrigen selbst aus einem ehemaligen

landwirtschaftlichen Betrieb hervorgegangen

war.

Unter Helbings Ägide wuchs der Thüringer Betrieb

zu einem der erfolgreichsten deutschen

Unternehmen im Fenster- und Türenbau heran.

In Bad Langensalza produziert es Fenster,

Türen und Wintergärten aus Kunststoff und

Aluminium für Kunden in aller Welt.

Doch es ist nicht allein dieser Erfolg, der

Helbing, Jahrgang 1954, aus der Masse der

Unternehmer hervorhebt. Der zweifache

Vater ist weit über Bad Langensalza auch für

sein bürgerschaftliches Engagement bekannt.

Auch dafür erhielt er aus den Händen des

thüringischen Ministerpräsidenten Bodo

Ramelow das Bundesverdienstkreuz, so wie

er zuvor auch schon mit dem Thüringer Ehrenamtspreis

ausgezeichnet worden war.

Helbing stand dem Institut für Fenstertechnik

(Ift Rosenheim) ebenso vor wie langjährig dem

Verband Fenster + Fassade (VFF) oder der

Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren.

Sein Unternehmen gilt als wichtiger Sponsor

im Jugend- und Sportbereich in der Region,

u. a. mit dem TMP-Weitsprungmeeting und

der TMP-Jugendtour im Radsport.

Und wie es sich für einen vorbildlichen Mittelständler

gehört, hat Helbing auch bereits

seine Nachfolge geregelt. 2021 soll der

Staffelstab weitergereicht werden. Dann wird

der Thüringer ein Unternehmen übergeben,

das sich längst für aktuelle Zukunftsthemen

wie Ressourcenschonung und Digitalisierung

gerüstet hat.

Katja Hillenbrand

DIE FAMILIENFREUNDLICHE

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – für

viele junge Arbeitnehmer wird diese Frage

immer mehr zum Schlüsselkriterium bei der

Arbeitsplatzwahl. Und für Unternehmen

Foto: W+M, TMP Fenster + Türen GmbH


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 53

Foto: Micas AG, W+M

abseits der großen Städte wie beispielsweise

die Micas AG im erzgebirgischen Oelsnitz zu

einem wichtigem Argument bei der Suche

nach Fachpersonal. Katja Hillenbrand (49),

Gründerin und Vorstandsvorsitzende der

Micas AG, hat das früh erkannt. Auch weil

sie selbst als junge Mutter ein Unternehmen

gründete, die Kinder in der Anfangszeit oft zu

Geschäftsterminen mitnehmen musste. Die

Wahl-Sächsin, eigentlich aus dem schwäbischen

Albstadt stammend, richtete in ihrem

Unternehmen deshalb 2009 einen Betriebskindergarten

und 2013 einen Hort ein und

wurde so zur Vorbild-Unternehmerin in puncto

Familienfreundlichkeit. Auch außerhalb des

Unternehmens hilft sie gern, wenn es um die

Förderung von Kindern oder Familien geht.

Hillenbrand erhielt einen Sonderpreis beim

CSR-Preis der Bundesregierung für besondere

soziale Verantwortung im Unternehmen

und wurde auch schon zu Sachsens Unternehmer

des Jahres gewählt. Dort zählte

natürlich aber auch der unternehmerische

Erfolg: Die Micas AG entwickelt und produziert

unter anderem hochqualitative Sensoren

und Steuerungen in der Gebäudeautomation.

Seit der Gründung im Jahr 2000 ist das

Unternehmen kontinuierlich gewachsen und

auch auf Auslandsmärkten erfolgreich. Auch

Wirtschaft + Markt würdigte die Micas AG

jüngst als einen der innovativen Leuchttürme

der ostdeutschen Wirtschaft.

Christian Herrmann

DER BUSUNTERNEHMER

Christian Herrmann ist erst 40 Jahre alt,

aber schon Chef eines der größten Busunternehmen

im Osten Berlins. Er führt die Dr.

Herrmann Gruppe in zweiter Generation.

Sein Ziel ist es, das Unternehmen zu einem

Verkehrsdienstleistungszentrum zu profilieren

und damit dem Wandel der Omnibusbranche

zuvorzukommen.

Am liebsten ist es Christian Herrmann, wenn

er auf dem 57.000 Quadratmeter großen Areal

seines Unternehmens keinem Bus begegnet.

„Dann weiß ich, dass die ganze Flotte im Einsatz

ist und Geld verdient.“ Unter der Flagge

der Dr. Herrmann Gruppe fahren derzeit 45

Busse. Sie sind im Linienverkehr, im Touristikbereich

und als Ausbildungsfahrzeuge im Einsatz.

Mit insgesamt 180 Mitarbeitern betreibt

Herrmann neben der Bussparte ein Verkehrsbildungszentrum,

in dem pro Jahr rund

450 Fahrschüler ihren Führerschein erwerben

und 500 Berufskraftfahrer diverse Aus- und

Weiterbildungen durchlaufen. Darüber hinaus

kümmert sich eine Werkstatt sowohl um die

Instandhaltung der eigenen Fahrzeuge als

auch um größere Reparaturen, unter anderem

für die städtischen Verkehrsbetriebe. Im letzten

Jahr erwirtschaftete das Familienunternehmen

einen Umsatz von rund 12 Millionen

Euro. In Berlin gilt Christian Herrmann damit

als Mittelständler im höheren Segment.

Mit 18 Jahren trat er in den väterlichen Betrieb

ein. Er lernte den Beruf eines Reiseverkehrskaufmanns,

aber auch Schlossern und

Busfahren. „Auch heute noch setze ich mich ab

und an hinters Steuer, das ist für mich Passion

und wichtige Erfahrung zugleich. Schließlich

habe ich seit meiner frühen Kindheit de facto

Diesel im Blut“, sagt Herrmann.


54

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

nur ein Arbeitsort. Wenn die Bezeichnung

„gelebtes Ehrenamt“ auf eine Unternehmerin

zutrifft, dann auf den unermüdlichen Einsatz

der 53-jährigen Diplomingenieurin für ihre

Heimatstadt. Als stellvertretende Vorsitzende

der Bürgerstiftung Weimar organisiert sie

Veranstaltungen und wirbt regelmäßig um

Spenden und Stifter. Die Bürgerstiftung Weimar,

eine von den Bürgerinnen und Bürgern

der Stadt getragene Gemeinschaftsstiftung,

unterstützt beispielsweise Kinder- und Jugendprojekte,

aber auch Kunst und Kultur, den

Umwelt- und Naturschutz oder die Betreuung

von Behinderten und Senioren. Auch dem

Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums

e. V. gehört Katzung an und ist Mitglied im

Vorstand der Weimarer Kunstgesellschaft

von Cranach bis Rohlfs e. V. Für dieses zivilgesellschaftliche

Engagement erhielt die Wei-

Sybille Kaiser

DIE KERAMIK-FACHFRAU

Rummel um ihre Person möge sie nicht so,

sagt Sybille Kaiser, seit 1999 Geschäftsführerin

der Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH,

wenn man sie auf ihre vielen ehrenamtlichen

Aktivitäten anspricht. Sie seien dann aber

doch hier erwähnt: Kaiser, geboren 1957, ist

Präsidentin des Bundesverbands der Keramischen

Industrie, Mitglied des Präsidiums der

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

und des Bundesverbands

der Deutschen Industrie sowie – und dies

ist ihr eine besondere Herzensangelegenheit

– Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe

für Menschen mit geistiger Behinderung

Saale-Holzland-Kreis. Ein Engagement, das

sich auch in der beispielhaften Integration

von Menschen mit Behinderungen in ihrem

Unternehmen widerspiegelt.

Sybille Kaiser, aufgewachsen in Bad Klosterlausnitz,

hat das ostthüringische Traditionsunternehmen

durch wechselhafte

Zeiten geführt. Die Hermsdorfer sind auf die

Entwicklung und Herstellung technischer

Keramik spezialisiert. Zu ihren wichtigsten

Produkten zählen wabenkörperförmige

Wärmetauscher für Abgas- und Abluftreinigungsanlagen.

Außerdem entwickeln die

Thüringer keramische Spezialanwendungen

für Chemieanlagen, Schleifmaschinen, den

Isolierkörperbau, Nachrichtentechnik sowie

die Glasindustrie als intelligente Alternativen

zu Kunststoff und Metall.

Für den anspruchsvollen Beruf des Keramikers

versucht Kaiser immer wieder junge

Menschen zu begeistern. Jüngst wurde die

Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH von der IHK

Ostthüringen zum Top-Ausbildungsunternehmen

im Saale-Holzland-Kreis gekürt. Denn

die Hermsdorfer, bekannt für ihre familiäre

Arbeitsatmosphäre, bemühen sich um Studienabbrecher

ebenso wie um Flüchtlinge, um

ihnen eine berufliche Perspektive aufzuzeigen.

Katrin Katzung

DIE EHRENAMTLERIN

Weimar – für Katrin Katzung ist die Klassikerstadt

im Herzen Thüringens mehr als

marerin den Verdienstorden des Freistaates

Thüringen und die Ehrennadel der IHK Erfurt.

Zuvorderst ist Katrin Katzung aber auch

erfolgreiche Unternehmerin. Noch vor 1990

begann sie an der Hochschule für Architektur

und Bauwesen – der heutigen Bauhaus-Universität

Weimar – ein Studium der Baustoffverfahrenstechnik.

Ihr Abschluss jedoch fiel

in die Wendezeit. Katrin Katzung nutze die

neuen Möglichkeiten – 1991 gründete sie mit

Ehemann Uwe das Baubüro Katzung, spezialisiert

vor allem auf die Beratung, Konzeption

und Leitung von Tiefbauprojekten. Jährlich

betreut das Ingenieurbüro so rund 70 bis 80

Projekte in Mitteldeutschland – die Aufträge

reichen vom öffentlichen Straßen- und Kanalbau

bis hin zur Erschließung

von Gewerbegebieten.

Von

diesen beruflichen

Erfahrungen möchte

die Diplom-Ingenieurin

auch etwas

vor allem an junge

Unternehmerinnen

weitergeben.

Katzung engagiert

sich als Vorsitzende

des Thüringer

Verbandes der

deutschen Unternehmerinnen

und

leitet jenen Verein,

der den Emily-Roebling-Preis

an herausragende

Frauen

in der Wirtschaft

verleiht.

Foto: Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH, Rolf Berger


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT

55

Thomas Koch

DER AUTOHÄNDLER

„Autos kauft man bei Koch.“ Dieser Spruch

ist in Berlin und im Umland allgegenwärtig.

Der Mann hinter diesem Werbeslogan heißt

Thomas Koch, Jahrgang 1962. Innerhalb von

27 Jahren hat er sich ein kleines Imperium in

der Autobranche aufgebaut. Heute zählt seine

„Koch Automobile AG“ zu den 70 größten

Autohäusern in ganz Deutschland. Er und seine

400 Mitarbeiter verkaufen pro Jahr mehr als

9.000 Autos der Marken Mazda, Volvo, SEAT

und Citroën. Der Jahresumsatz beläuft sich auf

rund 200 Millionen Euro.

Vorgezeichnet war dieser Weg nicht. Koch stu-

Foto: 1.FC Union Berlin, Commerzbank AG, MOL Katalysatortechnik GmbH

dierte zu DDR-Zeiten Außenwirtschaft an der

Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst.

Nach der Wende machte er sich selbstständig.

Gründete zunächst mit Gleichgesinnten eine

Transportfirma, mit der er Umzüge fuhr. Hinzu

kamen ein Taxi- und ein Schwerlastbetrieb.

Als er im Jahr 1992 schließlich zwei Plätze für

den Autohandel übernahm, konzentrierte er

sich voll und ganz auf diese Sparte, obwohl der

erste Autorausch im Osten, der mit der D-Mark

eingesetzt hatte, schon verflogen war.

Seine große Liebe ist seit jeher der in diesem

Jahr erstmals im deutschen Fußball-Oberhaus

spielende 1. FC Union Berlin. Seit seinem 14.

Lebensjahr hält er dem Kultklub die Treue. Vor 20

Jahren stieg er als Sponsor bei den Köpenickern

ein, 2004 wurde er in den Aufsichtsrat gewählt.

Seit sieben Jahren lenkt er die Geschicke als

Union-Aufsichtsratschef und hat mit seinem Engagement

einen nicht unerheblichen Anteil am

Höhenflug des Vereins von der „Alten Försterei“,

der für viele Fans bis heute einem Traum gleicht.

Michael Kotzbauer

DER BANKENVERBANDS-

CHEF

Michael Kotzbauer wurde 1968 in New York

geboren. Seit 1996 übernahm der gelernte

Bankkaufmann und Diplom-Betriebswirt

(FH) nach einem mehrjährigen Traineeprogramm

verschiedene leitende Positionen

bei der Commerzbank AG, unter anderem

für knapp zwei Jahre die des Regionalvorstands

Asien mit Sitz in Schanghai. 2013

wurde er Bereichsvorstand für große und

kapitalmarktnahe Unternehmen in Süd- und

Ostdeutschland. 2016 wurde er - überregional

- Bereichsvorstand Corporate Banking in

der Commerzbank Zentrale in Frankfurt am

Main. Seit Anfang 2017 ist Michael Kotzbauer

als Bereichsvorstand Mittelstandsbank für die

Region Mitte/Ost verantwortlich, mit Büros

in Frankfurt und Berlin. 2018 ernannte ihn der

Beirat des Ostdeutschen Bankenverbandes

zum Vorsitzenden des Vorstands. Der bereits

1949 gegründete Verband vertritt die Banken

in privater Rechtsform, die ihren Sitz oder

Geschäftsstellen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern,

Sachsen, Sachsen-Anhalt

oder Thüringen haben. Gemeinsam mit

seinen Vorstandskollegen gibt er auf der Basis

der Beschlüsse der Mitgliederversammlung

und des Beirats die Grundlinien für die laufende

Verbandsarbeit vor. Seit dem 1. Mai 2019 ist

Michael Kotzbauer zudem Vorsitzender des

Aufsichtsrates des #openspace der Commerzbank

AG. Die Commerzbank-Tochter mit

Hauptsitz in Berlin unterstützt den deutschen

Mittelstand dabei, die Chancen in der digitalen

Ökonomie zu erkennen und sowohl strategische

als auch operative Herausforderungen in

jeder Branche zu meistern.

Dr. Jürgen Koppe

DER REINIGUNGS-

FACHMANN

Sauberes Wasser ist eines der Anliegen von

Dr. Jürgen Koppe, Geschäftsführer der MOL

Katalysatortechnik GmbH. Um schädliche

Biofilme zu beseitigen, hat das 1995 von Koppe

gegründete Unternehmen aus Merseburg

verschiedene Verfahren erfolgreich im Markt

eingeführt. Biofilme hemmen den Durchfluss

in Rohren oder setzen sich in Standwasserleitungen

und Klimaanlagen fest. Dort können

sie Materialschäden verursachen oder als

Hort von Bakterienansammlungen auch die

menschliche Gesundheit gefährden.

Die Produkte aus Merseburg, die Jürgen Koppe,

in seiner Freizeit übrigens ein begeisterter

Hobbymaler, und seine Mitarbeiter entwickelt

haben, kommen mittlerweile weltweit zum

Einsatz. Dafür wurde das Unternehmen schon

mehrfach mit Umwelt- und Innovationspreisen

ausgezeichnet – so beispielsweise 2016 als

Bundessieger in der Initiative „Deutschland

– Land der Ideen“ in der Kategorie „Umwelt“.

Innovationspreise empfindet der 1954 in der

Lutherstadt Wittenberg geborene Koppe

immer auch als eine Möglichkeit, neue Technologien

auf ihre Resonanz in der Öffentlichkeit

zu testen.

Eine aktuelle Produktentwicklung aus der

Merseburger Ideenschmiede ist ein kleiner

Zauberwürfel namens MOL LIK CUBE HOME.

Damit kommen auch Privathaushalte in den

Genuss der MOL-Innovationen. Erster Anwendungsfall

ist die heimische Spülmaschine. MOL

LIK CUBE HOME hilft, unangenehme Nebeneffekte

wie Gerüche, Glaskorrosion, Rostflecken

und Kalk aus der Spülmaschine zu verbannen

– und das ohne chemische Zusätze.


56

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

natürlich: GISA setzt auf Triathlon-Profis und

ist Namenssponsor eines Bundesliga-Triathlon-Teams

sowie mehrerer Teams aus der

Landes- und Regionalliga und des Triathlon-Wettbewerbs

in der Saale-Stadt.

Friedemann Kunz

DER FERTIGHAUS-

UNTERNEHMER

In seinem ersten beruflichen Leben, leitete er

in Schweden einen florierenden Großhandel

für Bürobedarf. In dem skandinavischen Land

wurde er vor 63 Jahren geboren. Die Chancen,

die sich nach der Deutschen Einheit auf der

südlichen Seite der Ostsee auftaten, weckten

das Interesse des jungen Unternehmers. Gemeinsam

mit einem Freund grübelte er darüber

nach, was man Osten Deutschlands auf die

Beine stellen konnte. Da gute Wohnungen in

Michael Krüger

DER IT-TRIATHLET

Eigentlich ist Michael Krüger ja Basketballer.

Seine Vita weist ihn als begeisterten Freizeit-Korbjäger

im Universitätssportverein

Halle aus. Aber auch der Triathlon liegt dem

Wirtschaftsinformatiker aus Halle, seit 2001

Geschäftsführer der GISA GmbH, am Herzen.

Denn das IT-Geschäft ist dem Dreikampf der

Athleten durchaus verwandt. In der IT heißen

die Disziplinen: Beratung, Betreuung und

Betrieb. Darauf versteht sich die GISA GmbH

seit mehr als 25 Jahren. Als IT-Partner von

mehr als 330 Unternehmen und Institutionen

deutschlandweit wird die GISA GmbH mit über

800 Mitarbeitern unter den fünf führenden

IT-Dienstleistern in der Energiebranche

gerankt. Und seit die Versorger im Zuge der

Digitalisierung neue Geschäftsmodelle suchen,

steigt der Bedarf am IT-Service der GISA

GmbH weiter.

Diese Prozesse managt GISA-Geschäftsführer

Michael Krüger, Jahrgang 1964, seit mittlerweile

18 Jahren. Er gilt als feste Größe in der

Förderung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts

Mitteldeutschland. So ist

das Unternehmen seit vielen Jahren überzeugter

Partner und Sponsor des IQ Innovationspreises

Mitteldeutschland und verleiht

als Preisstifter den „L. V. Kantorovič-Forschungspreis“

für die beste Dissertation des

wirtschaftswissenschaftlichen Bereiches der

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Im Sport laufen die halleschen Basketballerinnen

unter dem Namen Gisa Lions auf. Und

den neuen Ländern zu Beginn der 1990er-Jahre

knapp waren, war die Idee schnell geboren:

Friedemann Kunz wollte Schwedenhäuser

bauen, „schick, günstig und in guter Qualität“,

wie er später dem Magazin „Capital“ verriet.

Der Wechsel von Schweden nach Mecklenburg-Vorpommern

fiel ihm nicht schwer.

Schließlich stammt seine Familie aus dieser

Region. Der Ururgroßvater gründete im Jahr

1891 in Marlow ein Holzsägewerk. Nach dem

Zweiten Weltkrieg floh die Familie Kunz nach

Schweden. Friedemann Kunz ging nach Marlow,

kaufte das Werk seiner Vorfahren zurück

und stellte es auf die Produktion von Fertighäusern

um. Heute ist die ScanHaus Marlow

GmbH einer der größten Fertighausanbieter

in Deutschland

und erzielte 2018

erstmalig mehr als

100 Millionen Euro

Umsatz. Pro Jahr

stellen die rund 500

Scanhausmitarbeiter

gut 650 bis 700

Häuser her, für deren

Errichtung kaum

mehr als je zwei Tage

bis zum Richtfest

benötigt werden.

Dem Firmenchef

ist es wichtig, sich

auch in der Region

zu engagieren – für

Inklusionsprojekte,

die Freiwillige Feuerwehr

in Marlow, den

Rostocker Zoo und

für diverse Vereine im Spitzen-, Breiten- und

Behindertensport.

Peter Ledermann

DER INTERNET-HÄNDLER

„Köthen und Mercateo gehören für mich

einfach zusammen“, sagte Peter Ledermann,

Vorstand der Mercateo Deutschland AG, einmal

über die Symbiose seines Unternehmens

mit der sachsen-anhaltschen Kleinstadt. Und

dieses Lob gilt nun seit 15 Jahren, denn solange

schon wickelt die erfolgreiche B2B-Plattform

einen Großteil des operativen Geschäfts

in Köthen ab.

Foto: GISA GmbH, ScanHaus Marlow GmbH, Mercateo Deutschland GmbH


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 57

Foto: Lischka GmbH, W+M

In der alten Köthener

Kaffeerösterei

mitten im Zentrum

der Bachstadt, mittlerweile

großzügig

erweitert, arbeiten

rund 250 Mitarbeiter,

weltweit sind es 550

in Deutschland und

weiteren 13 Ländern,

darunter auch am

Standort Leipzig.

Mercateo gilt als

größter B2B-Marktplatz

Europas und

Pionier im digitalen

B2B-Handel. Im

Gegensatz zu vielen

anderen Gründungen

der New-Economy-

Ära um die Jahrtausendwende

hat Mercateo einen langen Atem

bewiesen und sich trotz Rückschlägen am

Markt durchgesetzt.

Dazu trug auch das Engagement von Peter

Ledermann bei. Der studierte Betriebswirt,

Jahrgang 1966, stieß zum Unternehmen hinzu,

als der Energiekonzern E.ON zeitweilig bei

Mercateo einstieg. Seine berufliche Laufbahn

begann bei einem Regionalversorgungsunternehmen

des damaligen Bayernwerks,

heute E.ON Energie. Hier baute er das interne

Consulting auf und leitete später die Abteilung

Facility Management, ehe er als Prokurist die

Bereiche Personal und Vertrieb verantwortete.

Ende 2000 wechselte Ledermann die Seiten

und ist heute bei der Mercateo Deutschland

AG zuständig für Personal und Finanzen.

Leonhard Lischka

DER MEDIZINTECHNIK-

UNTERNEHMER

Die Karriere von Leonhard Lischka entwickelte

sich geradlinig und ungewöhnlich zugleich –

vom Elektroinstallateur über den Elektromeister

bis hin zum Inhaber und Geschäftsführer eines

Industriebetriebes, das heute auf allen Kontinenten

und in mehr als 25 Ländern zu Hause ist.

1993 gründete er mit einem Mitstreiter den

Vorläufer der heutigen Lischka GmbH, deren

Hauptsitz sich inzwischen in Berlin-Marzahn

befindet. „Ich wollte es einfach selbst probieren,

ein Unternehmen aufzubauen“, erläutert

der heute 58-Jährige die Beweggründe, ins

Unternehmerfach zu wechseln. Bereut hat

Leonhard Lischka diese Entscheidung nie, seine

Firma hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre

kontinuierlich entwickelt. „Heute gehören wir

international zu den stärksten Herstellern auf

unserem Gebiet“, sagt Lischka selbstbewusst.

Die Firma ist spezialisiert auf Komplettausstattungen

von Krankenhauseinrichtungen im

Bereich Edelstahl und Stahlblech. Oder anders

gesagt: Lischka produziert und vertreibt mit

seinen 75 Mitarbeitern maßgeschneiderte

Funktionsmöbel aus Metall für Kliniken. Der

Jahresumsatz liegt aktuell bei 6,5 Millionen

Euro. Forschung und Entwicklung wird im Hause

Lischka großgeschrieben. Mit seinem neuesten

Produkt, einem innovativen Endoskopie-Lagerschrank,

liegt er im internationalen Wettbewerb

wieder „ganz weit vorn“.

Lischka ist ein Mann, dem neue Ziele nie ausgehen

– langfristig plant er die Übergabe des

Unternehmens an seine Kinder, die bereits in

der Firma mittun. Der Exportanteil soll weiter

wachsen. Und die Produktion soll ausgebaut

werden – mit einer Investition in Höhe von rund

drei Millionen Euro.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für

Unternehmertum interessieren ihn. Daher ist er

Mitglied der Vollversammlung der Berliner IHK

und aktiver Teilnehmer diverser Expertenkreise

in der deutschen Hauptstadt.

Dr. Holger Loclair

DER VERFAHRENS-

CHEMIKER

Trifft man Dr. Holger Loclair zum ersten Mal,

ahnt man nicht, dass er „Vater“ eines Oranienburger

Unternehmens ist, das weltweit 1.700

Beschäftigte hat und einen Jahresumsatz von

mehr als 650 Millionen Euro erwirtschaftet.

Loclair ist ein ausgesprochen zurückhaltender

Mann, beileibe kein Dampfplauderer. Die große

Bühne ist nicht der Lieblingsort des promovierten

Verfahrenschemikers. Sachlich und

bescheiden berichtet der 1951 im mecklenburgischen

Penzin geborene Vorstandsvorsitzende

der ORAFOL Europe GmbH über die Entwicklung

seiner Firma, die von ihrer Entstehung her fast

ein ostdeutsches Mittelstands-Unikat ist.

Denn ORAFOL gilt als eine der wenigen gelungenen

Privatisierungen der Treuhandanstalt unter

Mitwirkung eines ostdeutschen Unternehmers

und Geschäftsführers. Im Jahr 1991 übernahm

Loclair das betriebliche Erbe der früheren

DDR-Firma „VEB Spezialfarben Oranienburg“, in

der er zuvor selbst viele Jahre gearbeitet hatte.

Mit ihm starteten 66 Mitarbeiter ins unternehmerische

Abenteuer. Heute ist ORAFOL ein international

führendes Unternehmen für selbstklebende

Spezialprodukte. Es verfügt über ein

weltumspannendes Netzwerk von Händlern in

mehr als 100 Ländern und eigenen Töchtern auf

fünf Kontinenten, darunter in den USA, Australien

und der Türkei. Zu den besonders gefragten

Produkten zählen Digitaldruckmaterialien,

Plottermaterialien, Fahrzeugvollverklebungen

und Laminier- und Kaschierfolien.

Von der aufstrebenden und erfolgreichen Entwicklung

profitieren seit vielen Jahren kleine und

mittlere Unternehmen aus der Region, die

Aufträge von ORAFOL erhalten. Zu den größten

Nutznießern zählt zweifellos die Stadt Oranienburg

– sie erhielt insgesamt mehr als 100 Millionen

an Gewerbesteuerzahlungen von ORAFOL.


58

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

tern in weiten Teilen der Länder Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern das

Stromnetz. Derzeit durchlebt das mit dem

Hauptsitz in Fürstenwalde/Spree beheimatete

Unternehmen einen groß angelegten

Transformationsprozess. Der einst fast ausschließlich

auf den Netzbetrieb fokussierte

Konzern wird fit für die Zukunft gemacht.

Auf dem Weg hat sich die E.DIS-Gruppe

neue Geschäftsfelder eröffnet – von der

Telekommunikation bis zur Wärmeversorgung.

Geleitet wird dieser Prozess maßgeblich von

Dr. Alexander Montebaur, der seit Januar

2017 Vorstandschef bei E.DIS ist. Der

49-Jährige hat seine Profession von der Pike

auf gelernt. Nach dem Studium der Elektrotechnik

und Promotion an der RWTH Aachen

begann Montebaur im Jahr 2000 seine berufliche

Laufbahn als Abteilungsleiter Zentrale

Technik beim Elektrizitätswerk Wesertal

GmbH in Hameln und trat 2003 in die Avacon

AG ein. Dort war er zunächst als Bereichs-

Prof. Dr. Christoph Meinel

DER INFORMATIKER

Es ist praktisch unmöglich, alle Jobs und

Funktionen aufzuführen, die Christoph Meinel

innehat. Daher seien hier nur die wichtigsten

Ämter aufgeführt: Der 65 Jahre alte Wissenschaftler

ist Direktor und Geschäftsführer

des Hasso-Plattner-Instituts für Digital

Engineering gGmbH (HPI) und Dekan der Digital

Engineering Fakultät der Universität Potsdam.

Er ist C4-Professor für Informatik und leitet

das Fachgebiet für Internet-Technologie und

Systeme. Meinel ist unter anderem Mitglied der

acatech, der Nationalen Deutschen Akademie

der Technikwissenschaften, und Gastprofessor

an Universitäten im In- und Ausland. Er hat die

erste europäische MOOC-Plattform openHPI

entwickelt, leitet das vom Bundesforschungsministerium

beauftragte Schul-Cloud-Projekt

und ist Programm-Direktor des HPI-Stanford

Design Thinking Research Program.

Wissenschaft ist für ihn kein Selbstzweck.

Es geht Christoph Meinel vielmehr darum,

Wissenschaft und Wirtschaft zu koppeln und

zu vernetzen. Dafür veranstaltet er seit Jahren

diverse internationale Konferenzen – etwa zu

den Themen „Industrie 4.0“, Cybersicherheit

oder Big Data in der Medizin. Unternehmer,

Manager und Politiker hören genau zu, wenn

Christoph Meinel analytisch präzise aufzeigt,

wie die Entwicklungen der Digitalisierung für

technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt

sinnvoll genutzt werden können.

Die Basis für seine heutige Arbeit legte der in

Meißen geborene Wissenschaftler übrigens an

der Humboldt Universität, wo er einst Mathematik

und Informatik studierte.

Dr. Alexander Montebaur

DER ENERGIENETZ-

MANAGER

Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 betreibt die

E.DIS AG mit ihren mehr als 1.400 Mitarbei-

leiter Technische Planung und Steuerung

tätig bevor er 2006 die Geschäftsführung

der LandE in Wolfsburg übernahm. Seit 2012

leitet er den Bereich Netzsteuerung bei der

E.ON Deutschland.

Der Energie-Manager Montebaur ist in vielfältigen

Gremien aktiv, die sich mit dem großen

Thema Energiewende befassen - etwa

im Plenum der Plattform Energienetze im

Bundeswirtschaftsministerium, im Bundesverband

der Energie- und Wasserwirtschaft

und der Energietechnischen Gesellschaft im

Technologieverband VDE.

Foto: HPI/Kay Herschelmann, E.DIS AG


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 59

Christian Müller

DER SPEZIALIST FÜR

RASURKULTUR

Dem älteren der beiden Müller-Brüder,

Christian, 1973 in Schlema geboren, sei hier

kurz der Vortritt gewährt. Aber eigentlich sind

Christian und Andreas Müller, Geschäftsführer

der Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG,

nur gemeinsam denkbar. Das Unternehmen,

gegründet 1945, ist Inhaber und Produzent der

berühmten Rasierpinsel-Marke MÜHLE. Die

Produkte der Rasurkultur aus dem sächsischen

Stützengrün nahe der tschechischen

Grenze sind weltweit gefragt. Die mehrfach

mit Design-Preisen gewürdigte Kollektion

der Sachsen umfasst Pinsel, Halter, Rasierer,

Hobel und Rasiersets, dazu gibt es formschöne

Accessoires.

Für die beiden Unternehmer führten zwei

unterschiedliche Wege zum Ziel. Mit 18 Jahren

begann Christian Müller eine Ausbildung

zum Pinsel- und Bürstenmacher im Unternehmen

des Vaters in Stützengrün. Andreas

Müller, 1976 in Schlema zur Welt gekommen,

studierte hingegen in Leipzig und Heidelberg

evangelische Theologie und fand 2006 den

Weg in den elterlichen Betrieb. Gemeinsam

führen die beiden Brüder das Unternehmen in

dritter Generation und haben es 2008 in einen

vollstufigen Manufakturbetrieb umgewandelt.

Sie setzen damit das Werk ihres Vaters

Hans-Jürgen Müller fort, der das Familienunternehmen

nach der Wende erfolgreich

reprivatisiert hatte.

Als Botschafter des Erzgebirges werben

Christian und Andreas Müller aber nicht nur

mit ihren Produkten für ihre Heimatregion,

sondern setzen sich auch darüber hinaus

für den Wirtschaftsstandort Erzgebirge ein.

Die Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG ist

Gründungsmitglied im Verband Deutscher

Manufakturen und hat sich als Mitglied der

Umweltallianz Sachsen einem nachhaltigen

und ressourcenschonenden Wirtschaften

verschrieben.

Dr. Ulrich Müller

DER ENERGIE-MANAGER

Zwischen Brandenburg und Rügen ist Dr. Ulrich

Müller bekannt wie ein bunter Hund. Denn seit

rund 20 Jahren ist der geschätzte

Energie-Manager

immer dann vor Ort, wenn

wichtige regionale Entscheidungen

getroffen werden

und es um die Zukunft der

Region geht.

Müller, Jahrgang 1954, stammt aus Thüringen,

studierte in Cottbus und arbeitete als Ingenieur

in Berlin. An der Humboldt Universität promovierte

Müller 1990 zu Fragen der Informations-

und Datenverarbeitung. Zwischen 1997

und 1999 war er Geschäftsführer der EWE

Wasser GmbH. Seit zwei Jahrzehnten lenkt er

die Geschäfte des Energiedienstleisters EWE

AG in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Der Vater von drei Kindern war

zudem bis 2017 zehn Jahre lang Präsident der

Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg.

Nach seiner Amtszeit wurde er zum

Ehrenpräsidenten der Kammer gewählt.

Dass das Unternehmen EWE in der Region

längst eine feste Größe ist – auch wenn die

Ursprünge in Oldenburg liegen – ist nicht

zuletzt Müller zu verdanken. Er und sein Team

setzen sich stark für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern

ein, schaffen Arbeitsund

auch Ausbildungsplätze in der Region und

fördern sehr viele gemeinnützige Projekte vor

Ort.

Foto: AMAC-GARBE, EWE AG


60

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Frank Orschler

DER MEDIZINTECHNIKER

Ein „Macher des Ostens“ – diesen Titel

bekam Frank Orschler 2015 verliehen. Einer

der zahlreichen Preise für den umtriebigen

Vorzeigeunternehmer Thüringens, den auch

der Ministerpräsident des Landes, Bodo Ramelow,

gern exemplarisch hervorhebt, wenn

es zu beweisen gilt, dass auch abseits der

städtischen Zentren in Thüringen erfolgreich

gearbeitet wird. Kein Wunder, die Königsee

Implantate GmbH ist eines der führenden

deutschen Medizintechnikunternehmen auf

dem Gebiet der Osteosynthese. Sie entwickelt,

produziert und vertreibt Stahl- und

Titanimplantate und Instrumente für die

Traumatologie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie.

Die Königsee-Implantate kommen

weltweit zum Einsatz.

Frank Orschler wurde 1961 in Aschaffenburg

geboren. Seine berufliche Karriere startete

er als Diplom-Betriebswirt in der Leasingbranche.

Doch im Betrieb des Vaters zeigte

Orschler sein gesamtes unternehmerisches

Können. Die Wurzeln des Unternehmens

reichen übrigens zurück bis zum Jahr 1919, als

der Orthopädiemechaniker Otto Bock in Berlin

eine Firma für Prothesen gründete, welche

kurz darauf nach Königsee in Thüringen umzog.

Das Nachfolgeunternehmen „Orthopädie

Königsee“, von der Treuhand an einen französischen

Investor verkauft, meldete 1993

Insolvenz an. Die Chance nutzte Erich Orschler

und gründete mit dem vorhandenen Fachpersonal

zunächst in Königsee das heutige

Unternehmen, dessen Firmensitz später nach

Allendorf-Aschau im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

verlegt wurde

Die Königsee Implantate GmbH ist ein wichtiger

Arbeitgeber und Ausbilder in der Region.

2009 fiel die Entscheidung zum Bau eines

Ausbildungszentrums, in dem auch innovative

Ausbildungskonzepte zur Anwendung

kommen. Dies geschah mit dem Ziel, der

demografischen Entwicklung und der Landflucht

entgegenzuwirken. Auch hierfür gab

es 2018 wieder einen Preis – den Deutschen

Exzellenzpreis vom Deutschen Institut für

Service-Qualität und dem DUB-Unternehmermagazin.

Günter Oßwald

DER SPORTLICHE HÄNDLER

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft

(BVMW) zeichnete Günter Oßwald (68),

Seniorchef der Oßwald Fahrzeugteile & Technischer

Handel im thüringischen Mühlhausen,

2016 für sein Lebenswerk aus. Eine wohlverdiente

Ehrung für ein bewegtes Unternehmerleben.

1979 hatte Oßwald eine selbständige

Werkstatt für die Herstellung von Plattfedern

für verschiedene Fahrzeuge übernommen.

Später entwickelte sich das Unternehmen zu

einem Handelsunternehmen für Fahrzeugteile

und technische Komponenten aller Art, etwa

Nutzfahrzeugteile, PKW-Teile, Agrartechnik

oder Ersatzteile für Oldtimer.

Oßwald war stets politisch und gesellschaftlich

aktiv, als Mitglied des Runden Tisches in

Treffurt in der Wendezeit, später als Mitglied

des Treffurter Stadtrates. Dazu kommt eine

leidenschaftliche Unterstützung des Sports,

sei es der regionale Breitensport, der Skilanglauf

oder die nordischen Kombinierer. Erfolgreiche

Wintersportler wie Axel Teichmann

und Jens Filbrich genossen seine Unterstützung.

Besonders der Nachwuchssport ist ihm

ein Anliegen. Auch der Handball- und Radsport

werden von dem Mühlhausener Unternehmen

gefördert.

Christof Queisser

DER SEKT-KÖNIG

Den größten Umsatz der Unternehmensgeschichte

präsentierte Anfang des Jahres

Christof Queisser (50) als Vorsitzender der

Geschäftsführung der Rotkäppchen-Mumm

Sektkellereien GmbH, der Nummer eins im

deutschen Sektmarkt. Damit darf Queisser

sich mit Fug und Recht als Deutschlands

Sekt-König bezeichnen lassen.

Dabei stammt der Rotkäppchen-Chef, der sich

selbst gern als Genussmensch bezeichnet und

die Geschicke des wohl bekanntesten ostdeutschen

Markenprodukts seit 2013 in der

Nachfolge von Gunter Heise leitet, nicht etwa

Foto: Königsee Implantate GmbH, Boris Löffert/Oskar-Patzelt-Stiftung, Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 61

aus einer alten Winzerdynastie. Im Gegenteil,

bevor der Diplom-Betriebswirt das Ruder

des Traditionsunternehmen an der Unstrut

übernahm, durchlief er seit Beginn der 1990er

Jahre mehrere Stationen der nationalen und

internationalen Markenindustrie, so beispielsweise

bei Unilever und Tengelmann.

Bei der Tengelmanngruppe sammelte er als

Category Manager auch bereits umfassende

Erfahrungen mit den Produkten Sekt, Spirituosen

und Wein. Zuletzt zeichnete er für den

Wursthersteller Zimbo verantwortlich. Beim

Angebot, Sachsen-Anhalts führende Marke zu

managen, zögerte Queisser allerdings nicht.

Dem Vater zweier Töchter gefällt die immer

noch familiäre Atmosphäre der Sektkellerei,

auch wenn diese zuletzt durch Akquisitionen

weiter wuchs und sich zunehmend internationaler

aufstellt.

Holger Raithel

DER PORZELLANMACHER

Holger Raithel führt eines der modernsten

Porzellanunternehmen Europas, die KAHLA/

Thüringen Porzellan GmbH. 2019 feierte das

Unternehmen 25 Jahre Neugründung unter

der Führung der Familie Raithel und 175

Jahre Porzellanproduktion im thüringischen

Kahla. Der Ex-Rosenthal-Manager Günther

Raithel rettete im Jahr 1994 die Tradition

mit der Gründung der KAHLA/Thüringen

Porzellan GmbH. Er investierte in wegweisende

Fertigungstechnologie und erneuerte

das Sortiment. 2005 trat Holger Raithel als

geschäftsführender Gesellschafter die Unternehmensnachfolge

an. KAHLA produziert

klassisches Haushaltsporzellan ebenso wie

Produkte für Hotellerie und Gastronomie –

eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. Ein Grund

dafür, so resümiert Geschäftsführer Raithel: „

Wir sind unserem Innovationsanspruch stets

treu geblieben.“ Das wird in aller Welt anerkannt.

KAHLA exportiert in über 60 Länder.

Vor seinem Einstieg in das thüringische Traditionsunternehmen

absolvierte Raithel ein

Physikstudium an der Universität Bayreuth,

arbeitete später in einer internationalen

Unternehmensberatung (im Automotive- und

Logistikbereich). Erst 2004 führte ihn der Weg

in die Porzellanbranche und nach Thüringen.

Dort leitet er einen Betrieb, der für seine

hohen Frauenanteil unter der Belegschaft und

familienfreundliche Konzepte bekannt ist.

Dr. Helmar Rendez

DER KOHLE-MANAGER

Trifft man Helmar Rendez vor den offiziellen

Bürozeiten an, dann nicht selten in Trainingskleidung.

Der 57-jährige Rendez powert sich

als Triathlet gern aus und will vorn dabei sein.

Nicht nur im Sport, vor allem auch im Job. Seit

Herbst 2016 ist er Vorstandsvorsitzender der

Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz

Energie Kraftwerke AG (LEAG). In dieser

Funktion muss er das Unternehmen auf den

nahenden Kohleausstieg Deutschlands vorbereiten.

In der Cottbuser Konzernzentrale sucht

Rendez mit seinem Team nach Wegen, eine

zukunftsfähige Aufstellung des Noch-Kohle-Unternehmens

zu finden.

Dabei dürfte ihm sein bisheriger beruflicher

Werdegang durchaus helfen. Rendez studierte

an der Technischen Universität Berlin

Wirtschaftsingenieurwesen. In den neunziger

Jahren leitete er die Berliner Niederlassung

der Unternehmensberatung Kienbaum. 1998

wechselte er als Leiter zur VEAG-Unternehmensentwicklung.

Von 2004 bis 2007 lenkte

er als Vorstand die Geschicke der WEMAG in

Schwerin. Anschließend war er drei Jahre als

Vorstandsmitglied der Vattenfall AB in Stockholm

für den Bereich Strategieentwicklung

und weitere fünf Jahre für die Stromnetze des

Staatskonzerns verantwortlich.

Rendez, der zugleich auch Vorsitzender des

Bundesverbandes Braunkohle ist, zeigt sich

zuversichtlich, dass er für die LEAG jenseits der

Kohle neue Geschäftsfelder findet. „Wir haben

Potenzial, das sind unter anderem unsere Infrastruktur,

das Know-how unserer Mitarbeiter

und unsere Flächen“, sagte er der Lausitzer

Rundschau. Allerdings dürfe es, warnt Rendez,

keine „verheerenden Strukturbrüche“ geben.

Vielmehr sei das Kohleausstiegsdatum 2038

zwingend einzuhalten, um Planungssicherheit

beim Aufbau alternativer Geschäftsfelder zu

haben.

Foto: KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, LEAG


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Bodo Rodestock

DER FINANZCHEF

Bodo Rodestock verantwortet im dreiköpfigen

Vorstand des Leipziger VNG-Konzerns die

Bereiche Personal und Finanzen. Damit steht

der gebürtige Sachse, 1968 in Frauenstein

zur Welt gekommen, auch für das Wachstum

und die angestrebte neue Ausrichtung

des Energieunternehmens. Der europaweit

aktive Unternehmensverbund mit mehr als 20

Gesellschaften arbeitet entlang der gesamten

Wertschöpfungskette der Erdgaswirtschaft

und setzt Schwerpunkte in den Geschäftsbereichen

Handel und Vertrieb, Transport sowie

Speicherung. Zu den neuen Geschäftsfeldern

der Sachsen zählen unter anderem aber auch

Biogas, digitale Infrastruktur und Quartierslösungen.

Mit der Strategie VNG 2030+ und

der Vision „Grün, digital, mit Gas“ wollen die

Leipziger aktiv an der Energiewende mitwirken

– mit Gas als zentralem Baustein in Form von

Erdgas, aber auch Biomethan, grünem Wasserstoff

oder synthetischem Methan. 2018

kamen die Leipziger auf ihrem neuen Weg gut

voran. Sowohl das Geschäftsergebnis als auch

der Umsatz überstiegen die eigenen Erwartungen.

„2018 war ein außergewöhnlich gutes

Jahr für VNG“, bilanzierte Rodestock.

Um auch bei den weiteren Herausforderungen

der Energiewende die VNG AG auf Wachstumskurs

zu halten, bringt Rodestock jede

Menge Erfahrung mit. Mehr als 13 Jahre leitete

er den Bereich Finanzen, bevor Rodestock

2013 Vorstandsmitglied der VNG für die Ressorts

Finanzen und Personal wurde. Seitdem

ist der studierte Betriebswirt Mitglied in verschiedenen

Aufsichts- und Verwaltungsräten

der VNG-Gruppe sowie wichtiger Beteiligungen.

Er engagiert sich darüber hinaus als

Vorstandsmitglied im Arbeitgeberverband der

energie- und versorgungswirtschaftlichen

Unternehmen sowie in Gremien von Stiftungen

wie beispielsweise als Vorstandsmitglied der

Stiftung „Leipzig hilft Kindern“.

Dr. Eric Schweitzer

DER RECYCLING-

UNTERNEHMER

Als er 13 Jahre war, träumte Eric Schweitzer

davon, Fußballprofi bei Hertha BSC zu werden.

Doch daraus wurde wegen seiner sportlichen

Begabung nichts. Der 1965 in Ipoh (Malaysia)

geborene Schweitzer musste daher umplanen,

was ihm jedoch nicht schwer fiel. Denn er

wusste schon früh, wie man sein eigenes Geld

verdient: Bereits als Schüler packte er gemeinsam

mit seinen Brüdern auf dem Schrottplatz

seiner Eltern mit an, holte Altmetalle aus

dem Bauschutt und besserte sich damit sein

Taschengeld auf. Schnell stand für ihn fest:

„Ich wollte Unternehmer werden, mein eigener

Herr sein.“ Diese Herausforderung kam früher

als erwartet auf ihn zu. Als sein Vater Franz

Josef Schweizer im Jahr 1998 starb, musste

er mit erst 33 Jahren gemeinsam mit seinem

Bruder Axel den Platz auf der Brücke übernehmen.

Sie formten und entwickelten seither

eines der größten Entsorgungs- und Recyclingunternehmen

weltweit – die ALBA Group.

Mit den beiden Marken ALBA und Interseroh

erwirtschafteten die rund 8.000 Mitarbeiter

des in Deutschland, Europa und Asien aktiven

Umweltdienstleisters im Vorjahr einen Umsatz

in Höhe von 2,1 Milliarden Euro.

Nur an der Spitze seines Unternehmens zu

stehen, ist Eric Schweitzer nicht genug. Er will

mitmischen, verändern, erneuern, die Gesellschaft

gestalten. Von 2004 bis 2016 fungierte

er als Präsident der IHK Berlin. In dieser Zeit

startete Berlins Wirtschaft richtig durch,

die Arbeitslosigkeit sank, der Gründerboom

setzte ein. Seit 2013 führt Eric Schweitzer

als Präsident den Deutschen Industrie- und

Handelskammertag, einen der vier Spitzenverbände

der deutschen Wirtschaft. Was er

sagt hat Gewicht und findet Gehör selbst im

Bundeskanzleramt.

Rolf Seelige-Steinhoff

DER HOTELIER

Die Wende in der ehemaligen DDR und die darauffolgende

deutsch-deutsche Wiedervereinigung

haben verhindert, dass Rolf Seelige-Steinhoff

eine klassische, eine vorgezeichnete

Karriere einschlug. 1963 in Beckum (Westfalen)

geboren, studierte er in Aachen Elektrotechnik

und Wirtschaftswissenschaften. Doch die sich

plötzlich in den neuen Bundesländern eröffnenden

Möglichkeiten waren viel zu verlockend, als

dass er sein Glück in einem Industrieunternehmen

suchen wollte. Sein Vater und er gründeten

vor knapp 30 Jahren die SEETELHOTELS Usedom.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2010

trug er plötzlich allein die unternehmerische

Verantwortung. Für Rolf Seelige-Steinhoff war

Foto: VNG AG, ALBA Group/Amin Akhtar


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 63

das rückblickend kein Problem: „Ich habe das

Unternehmergen in mir, vielleicht habe ich es

geerbt oder es wurde mir anerzogen, jedenfalls

brenne ich für das, was ich tue. Das ist mein

Erfolgsrezept.“

Blickt man auf seine Zwischenbilanz, ist erkennbar,

dass Seelige-Steinhoff kein Phrasendrescher

ist: Zur Seetel-Hotelgruppe gehören

derzeit 17 Hotels, Residenzen und Villen auf

Usedom sowie Mallorca. Bei der Entwicklung

seines Unternehmens lässt er sich von einer

klaren Maxime leiten: „Wenn du nicht von einer

Sache begeistert bist, kannst du es nicht gut

machen. Man darf nie aufgeben, Unternehmer

sind keine Unterlasser, sondern unternehmen

etwas, auch wenn es manchmal unmöglich

anmutet. Und mit einem guten Team von Mitarbeitern

kann man fast alles erreichen.“

Die Art und Weise, wie er als geschäftsführender

Gesellschafter sein Unternehmen leitet,

hat ihm sowohl in der Branche, als auch im

Land Mecklenburg-Vorpommern viel Respekt

eingebracht. Davon zeugen diverse Auszeichnungen

und Preise.

Das Interesse an Wirtschaft und Bankwesen

packte, den im Jahr 1957 in Belgrad geborenen,

Stefanović bereits auf dem Gymnasium.

Fast folgerichtig suchte er sich daraufhin

die passende Studienrichtung aus. Er ging

nach West-Berlin, studierte an der dortigen

Technischen Universität und einer Berliner

Filiale der University of Maryland Wirtschaftsingenieurwesen

und Betriebswirtschaftslehre.

1985 begann er als Trainee seine Laufbahn bei

der Deutschen Bank. Stationen im klassischen

Firmenkundengeschäft, der Innovations- und

Gründungsfinanzierung und der Venture-Capital-Finanzierung

folgten. Ab 2002 war er

Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich

für Business Banking und Spezialberatung

Finanzierung. Außerdem war er verantwortlich

für elf Filialen in der Marktregion Berlin-Nord-

Ost. Gleichzeitig ist Stefanović ebenfalls seit

15 Jahren Geschäftsführer der Mittelständischen

Beteiligungsgesellschaft Berlin-Brandenburg.

In der Bürgschaftsbank prägt er die Strategie

seines Hauses und ist zugleich nah bei den

Kunden. Er fühlt sich nicht nur als Berater

und Bürge, sondern auch als Partner seiner

Kunden.

Nebenbei ist Stefanovic auch ein begnadeter

Netzwerker. Als Präsident des Wirtschafts-

Forums Brandenburg leitet er - seit über 10

Jahren - eine Plattform, die von unzähligen

Firmen, Politikern und Medienvertretern zwischen

Pritzwalk und Finsterwalde geschätzt

und genutzt wird.

Dr. Miloš Stefanović

DER BÜRGSCHAFTSBANKER

Foto: SEETELHOTELS Usedom, Karoline Wolf

Seit 15 Jahren leitet Dr. Miloš Stefanović die

Bürgschaftsbank Brandenburg. Eine Institution,

die dem märkischen Mittelstand gezielt

unter die Arme greift. Etwa wenn es darum

geht, Bürgschaften für Firmengründer und

etablierte Unternehmen auszureichen und damit

temporär die Haftung gegenüber anderen

Kreditinstituten zu übernehmen.


64

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Foto: ILB, Petromax GmbH

Tillmann Stenger

DER INVESTITIONSBANKER

1959 in Siegen geboren, studierte Tillmann

Stenger zunächst an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität.

Anschließend

führte ihn sein beruflicher Weg von der Westdeutschen

Landesbank über die Staatskanzlei

Nordrhein-Westfalens zur Investitionsbank

des Landes.

Die friedliche Revolution in Ostdeutschland

brachte auch für Stenger eine persönliche

Wende. Er arbeitete an einer Konzeption für

eine Förderbank in Brandenburg mit und

konnte diese im Januar 1991 dem Landeskabinett

vorstellen. 1992 begann Stenger dann im

Aufbaustab mit der Umsetzung des Kabinettbeschlusses

und wurde mit der offiziellen

Errichtung der Investitionsbank des Landes

Brandenburg (ILB) Leiter des Vorstandsstabes.

In der Folge übernahm Stenger verschiedene

Leitungsfunktionen in der ILB, beispielsweise

den Bereich Öffentliche Kunden und die Unternehmenssteuerung.

Von 2011 bis 2012 war er

Mitglied des Vorstandes und wurde im Januar

2013 zum Vorstandsvorsitzenden berufen.

Besonders wichtig war ihm, das Geschäftsmodell

der ILB auf eine breite Grundlage

zu stellen. Neue Landesförderprogramme

wurden übernommen, etwa die ESF-Förderung

oder die Bildungsinfrastruktur, und das

Geschäft mit ILB-eigenen Programmen wurde

ausgebaut. Stenger übernahm auch weitere

strukturpolitisch relevante Aufgaben wie die

Gründungsgesellschaft für die Brandenburgische

Bodengesellschaft, den Ausbau von

Technologie- und Gewerbezentren und aktuell

den Aufbau der Digitalagentur Brandenburg

und einer Brandenburgischen Strukturentwicklungsgesellschaft,

die den Strukturwandel

in der Lausitz unterstützen soll.

Neben seiner Vorstandstätigkeit ist Stenger

ehrenamtlicher Vorsitzender des Kuratoriums

des Landesausschusses für Innere Mission

a. V. (LAFIM) und Aufsichtsratsmitglied der

WFBB, des Medienboards Berlin-Brandenburg

und im Landeskuratorium Berlin/Brandenburg

des Stifterverbandes.

Jonas Taureck

DER OUTDOOR-SPEZIALIST

Reisen bildet – und führt manchmal zu einer

erfolgreichen Unternehmerkarriere. Während

einer Afrika-Reise im Jahr 2000 strandet der

damals 20-jährige Jonas Taureck in einem Dorf

in Niger. Er benötigt Strom zum Laden der Autobatterie.

Alles ist hell erleuchtet, doch Strom

gibt es keinen, wie ihm die Dorfbewohner

erklären. Taureck entdeckt schnell des Rätsels

Lösung: alte Petroleum-Starklichtlampen der

deutschen Traditionsmarke Petromax.

Zurück in Deutschland lässt ihn die Faszination

für die Petromax-Lampe, die 1910 von Max

Graetz, genannt Petroleum-Maxe, entwickelte

wurde, nicht mehr los. Er kauft Altbestände


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 65

der Bundeswehr auf, erwirbt 2006 schließlich

die weltweiten Markenrechte und lässt die

Produktion der Lampen wieder aufleben, die

bis heute in sorgfältiger Handarbeit zusammengebaut

werden. Im selben Jahr erfolgt die

Gründung einer Manufaktur in Magdeburg,

wo Taureck an der dortigen Universität ein

Wirtschaftsstudium begonnen hatte.

2014 steigt Ehefrau Dr. Pia Christin Taureck

nach ihrem Studium des Internationalen

Managements in Magdeburg in die Petromax

GmbH ein. Unter ihrer gemeinsamen Leitung

wird das Unternehmen einer der führenden

deutschen Hersteller von Ausrüstung zum

Draußen-Kochen und Draußen-Leben. Im

Mittelpunkt, verspricht die Firmenphilosophie,

steht das Erlebnis der Ursprünglichkeit in

der Natur mit traditioneller und zugleich klug

gestalteter Ausrüstung. Hinzu kommen laufend

innovative Sortimentserweiterungen, so

zuletzt um das Thema “Kühlen” (Passivkühlboxen).

Heute arbeiten mehr als 50 Mitarbeiter

für die Magdeburger.

Dr. Stefan Traeger

DER PHOTONIKER

Seit 2017 steht Dr. Stefan Traeger an der Spitze

der JENOPTIK AG, dem weltweit agierenden

Technologie-Konzern aus Jena. Ein Heimspiel,

denn die Berufung zum Vorstandsvorsitzenden

der Gesellschaft war gleichbedeutend mit

einer beruflichen Rückkehr in seine Geburtsstadt.

Hier wurde Traeger 1967 geboren und

legte sein Abitur ab. Vor seiner Tätigkeit bei

Jenoptik hatte der promovierte Physiker zuvor

bereits mehrere Führungspositionen in der

internationalen Photonik-Industrie inne, u.a,

bei Carl Zeiss in Deutschland und Großbritannien.

Zuletzt wurde Traeger im Juli in seinem

gegenwärtigen Amt für fünf weitere Jahre

bestätigt. Seine Aufgabe: Die Transformation

des Konzerns zu einer auf Photonik fokussierten

Technologiegruppe mit Wachstum und

erfolgreichen Akquisitionen voranzutreiben.

Das Motto dieses Prozesses: „More Light“: Dahinter

verbirgt sich eine Strategie zur Stärkung

der Innovationsfähigkeit und dem Ausbau der

globalen Aktivitäten. Seit Traegers Amtsantritt

konnte die Jenoptik AG wichtige Akquisitionen

vornehmen und neue Rekordwerte

bei Umsatz, Auftragseingang und Ergebnis

verbuchen. Mit der schrittweisen Umsetzung

der Konzernstrategie 2022 will Jenoptik-CEO

Traeger auch die knapp mehr als 4.000 Arbeitsplätze

im Konzern sichern.

Thomas Wagner

DER ENERGIE-

DIENSTLEISTER

Bei der GETEC-Gruppe, Deutschlands führendem

Energiedienstleister aus Magdeburg, war

zuletzt viel in Bewegung. Die Unternehmen

der Gruppe firmieren unter dem gemeinsamen

Dach der G+E GETEC Holding GmbH. Das

schwedische Unternehmen EQT ist mittlerweile

Hauptgesellschafter und hält rund 75

Prozent der Gesellschaftsanteile. Die restlichen

Anteile sind im Besitz der GETEC Energie

Holding GmbH. Mit dem Einstieg des schwedischen

Investors nahm das Unternehmen

neuen Schwung auf. So sind die Magdeburger

heute Marktführer für dezentrale Energielösungen

im Contracting. Früher vorwiegend

ein deutscher Player, werden mittlerweile

rund 25 Prozent des Umsatzes außerhalb von

Deutschland erzielt.

Den frischen Schwung verkörpert auch

seit Mai 2017 Thomas Wagner, der als CEO

den Vorsitz der Geschäftsführung der neu

gegründeten G+E GETEC Holding GmbH

übernommen hat. Thomas Wagner, geboren

1967 in Gaildorf / Schwäbisch Hall, brachte

bei seinem Amtsantritt mehr als 25 Jahre

Erfahrung aus einer Reihe europäischer und

weltweit aktiver Unternehmen ein, so als CEO

bei Dorma, einem der führenden Anbieter von

Zutrittslösungen, oder bei dem Aufzugshersteller

OTIS Deutschland. Bei allem Wandel,

das stellte Wagner aber erst kürzlich klar,

bleibt das Unternehmen in Magdeburg weiter

fest verwurzelt.

Foto: Jenoptik AG, Andreas Lander


66

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

Bianca Zorn

DIE NACHFOLGERIN

In die Fußstapfen des Seniors treten – eine anspruchsvolle

Aufgabe. Manch mittelständisches

Unternehmen ist an einer klugen Nachfolge im

Kreise der Familie schon gescheitert. Nicht so

im Falle der ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co.

KG aus Stendal. Bianca Zorn hat das Ruder des

hochmodernen Mess- und Prüfgeräteherstellers

mit Geschick und Kompetenz übernommen,

obgleich die Fußstapfen ihres Vaters beachtlich

waren. Denn für seine unternehmerischen Aktivitäten

sowie für sein ehrenamtliches Engagement

wurde Bernd Zorn mehrfach geehrt. 2011

erhielt er beispielsweise das Bundesverdienstkreuz,

2012 durfte sich Zorn in das Goldene

Buch der Hansestadt Stendal eintragen.

Nun entstehen also unter der Ägide von Bianca

Zorn in Stendal spezialisierte und hochpräzise

Prüf- und Messinstrumente für den Straßen-,

Dr. Reinhard Uppenkamp

DER ARZNEIMITTEL-

MANAGER

Seit 22 Jahren arbeitet der am 14. April

1950 in Düsseldorf geborene Manager für

den traditionsreichen Arzneimittelhersteller

BERLIN-CHEMIE AG. 17 Jahre davon als

Vorstandsvorsitzender. Bevor Uppenkamp im

Jahr 1997 in den Ostberliner Ortsteil Adlershof

kam, war eine entscheidende Weichenstellung

für den schon zu DDR-Zeiten erfolgreichen

Pharmahersteller bereits erfolgt – die Übernahme

durch die weltweit agierende italienische

MENARINI-Gruppe, die bis heute zu den

wenigen wirklich gelungenen Übernahmen von

DDR-Industrieunternehmen in der Nachwendezeit

zählt. Unter Uppenkamp entwickelte

sich BERLIN-CHEMIE stetig weiter, stärkte das

traditionelle Geschäft speziell in Osteuropa

und den Nachfolgestaaten der ehemaligen

Sowjetunion. Die Zahlen sprechen für sich:

BERLIN-CHEMIE beschäftigt heute 5.200

Mitarbeiter aus mehr als 70 Nationen, ist in

30 Staaten aktiv und erwirtschaftet einen

Jahresumsatz in Höhe von rund 1,7 Milliarden

Euro.

Für Uppenkamp, der vor seiner Berliner Zeit

unter anderem für die Hoechst AG, Schwarz

Pharma (Monheim) und das Kölner Pharmaunternehmen

Madaus arbeitete, sind

nicht nur Produktions- und Umsatzzahlen

wichtig. Schon früh begann er, sich um seine

Belegschaft zu kümmern. Sein Credo – eine

familienbewusste Personalpolitik. In einem Interview

sagte Uppenkamp: Auf der einen Seite

sehen wir es als eine unserer gesellschaftlichen

Pflichten, unseren Mitarbeitern und deren

Familien konsequent zur Seite zu stehen.

Auf der anderen Seite unterstützen wir somit

das Engagement und die Motivation unserer

Beschäftigten, eine niedrige Fluktuationsrate

sowie ein gutes Betriebsklima, was dann wieder

dem Unternehmen und seiner Entwicklung

zu Gute kommt.“ Bei BERLIN-CHEMIE

gibt es flexible Arbeitszeitregelungen, ein

firmeninternes Gesundheitsprogramm sowie

Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Reinhard Uppenkamp ist für das Land Berlin

Botschafter des Unternehmensprogramms

„Erfolgsfaktor Familie“.

Gleis-, Brücken-, Tiefbau-, Garten- und Landschaftsbau

sowie für die Medizintechnik. Bianca

Zorn absolvierte nach dem Abitur ein Studium

an der Hochschule Magdeburg - Stendal im

Wirtschaftsingenieurwesen in der Fachrichtung

„Produktion und Fertigung“. Ab 2009 zog es

sie aber zunächst in den Forschungsbereich.

Sie verantwortete im Fraunhofer-Institut für

Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in

Magdeburg als Projektcontrollerin die kaufmännische

Abwicklung von Projekten industrieller

Auftraggeber, öffentlicher Zuwendungsgeber

sowie von EU-Vorhaben. 2015 entschied sich

Bianca Zorn für die Rückkehr nach Stendal und

den Einstieg in das Familienunternehmen. 2017

erfolgte dann die gelungene Übergabe des

Staffelstabs in der Geschäftsführung.

Foto: BERLIN-CHEMIE, ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co. KG


50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 67

Foto: LMBV / Steffen Rasche

Klaus Zschiedrich

DER OBERSTE BERGBAU-

SANIERER

Von Senftenberg aus leitet Klaus Zschiedrich

die Sanierung der ehemaligen Braunkohletagebaue

in Brandenburg, Sachsen,

Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der 1951

geborene Maschinenbau-Ingenieur begann

seine Laufbahn 1975 im Lausitzer Braunkohlenbergbau

und arbeitete seitdem in

verschiedenen Leitungsfunktionen vor

allem in der Instandhaltung und Technik. Im

Jahr 1996 wurde er zum Prokuristen und

Länderbereichsleiter des Bundesunternehmens

LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche

Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH)

berufen und leitete zunächst die Bergbausanierung

im ostsächsischen Revier. Seit 1999

fungierte der Lausitzer als Bereichsleiter des

Ingenieurbereiches Sanierung der LMBV und

nahm die bergrechtliche Verantwortung als

Chefingenieur für die vielfältigen ingenieurtechnischen

Sanierungsprozesse wahr.

Ab 2009 war der im Spreewald lebende

Bergmann in Personalunion auch Geschäftsführer

der Gesellschaft zur Verwahrung und

Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben

mbH in Sondershausen, einer

damaligen Tochtergesellschaft. Vorsitzender

der Geschäftsführung der LMBV ist er seit

Beginn des Jahres 2014. Zu seinem Verantwortungsbereich

gehören unter anderem alle

Fragen der langfristigen Planungen, des Sanierungs-

und Genehmigungsmanagements,

der Geotechnik, des Umweltschutzes und der

bergbaulichen Wiedernutzbarmachung.

Heute sind 680 Mitarbeiter in der LMBV

tätig. In der Grundsanierung und bei der

Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem

Grundwasser-Wiederanstieg wurden im Jahr

2018 Sanierungsleistungen in Höhe von 229

Millionen Euro erbracht, die wesentlich in den

Bergbauregionen am Markt ausgeschrieben

und an mittelständische Bau- und Handwerksunternehmen

vergeben wurden.

Foto: Fotolia/Wayhome Studio

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68

WIRTSCHAFT+MARKT

GESELLSCHAFT

Home away from Home für

IAC-Mitglieder

Beste Aussichten im „House 17“

in Luxemburg

Seit Mai 2019 finden die IAC-Mitglieder im

privaten Business-Club „House 17“ in Luxemburg

ein zweites Zuhause. Der diskret hinter

der unscheinbaren Eingangstür in der Rue du

Nord 17 versteckte private Business-Club

„House 17“ befindet sich nur wenige Schritte

vom wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum

Luxemburgs sowie den wichtigsten Einkaufsstraßen

im Herzen der Stadt entfernt.

Der Club ist durch seine Lage über dem

Petrustal mit seinem spektakulären Ausblick

auf das Geschäftsviertel Kirchberg und

die alten Befestigungsanlagen von Vauban

bekannt. Das denkmalgeschützte Gebäude

in der ehemaligen Residenz des Gerichtshofs

stammt aus dem späten 19. Jahrhundert

und beherbergt zahlreiche architektonische

Schätze, darunter die große Mitteltreppe und

die originalen Deckenleisten.

Auf vier Etagen erstrecken sich die exklusiven

Einrichtungen für Mitglieder, darunter ein

Mitglieder der fast 250 IAC-Clubs weltweit, zu denen auch der Berlin Capital

Club und der Berliner Golf & Country Club Motzener See zählen, haben

in vielen Ländern die Möglichkeit, in exklusivem Clubambiente zu

netzwerken und zu entspannen. Folgen sie uns nach Luxemburg, Bremen,

Sofia und Sydney.

erstklassiges Restaurant, modern ausgestattete

Tagungsräume, ein Spielezimmer, eine das hervorragend mit der Arkadenarchitektur

Die Einrichtung hat etwas vornehm Zeitloses,

Zigarrenlounge, zwei Bars sowie eine Sonnenterrasse

mit Panoramablick über Luxemburg. gen Börse korrespondiert: edle Hölzer, schim-

des historischen Treppenhauses der ehemali-

www.house17.lu

mernde Wandverkleidungen aus Stoff, schwere

Vorhänge und herrschaftliche Parkett- und

Havanna Lounge Bremen

Natursteinböden. Mittelpunkt der kreisförmig

angelegten Räume ist der begehbare Humidor,

Die Havanna Lounge ist Bremens Gourmet-Club.

Die als Wirtschafts- und Gesellglieder

zu schätzen wissen, obwohl die Hälfte

den – so Olaf Janotta schmunzelnd – „alle Mitschaftsclub

im Jahre 2001 gegründete Havanna tolerante Nichtraucher sind“.

Lounge Bremen liegt mitten im Herzen der

Stadt gegenüber dem St. Petri Dom, im Gebäude

der einstigen Wertpapierbörse, dem Bör-

Nutzung der Clubräume ein. Die stilvollen

Die Mitgliedschaft schließt die kostenlose

senhof A. Diese historischen Räumlichkeiten Konferenzräume, die komplett mit modernster

Technik für Seminare und stehen den Mitgliedern und deren Gästen offen.

Präsentationen

Foto: IAC / Berlin Capital Club


GESELLSCHAFT

WIRTSCHAFT+MARKT 69

ausgestattet sind, dürfen entsprechend belegt

werden. Außerdem besteht die Möglichkeit,

die clubeigene Loge im Weser-Stadion zu nutzen,

die natürlich im Look der Havanna Lounge

eingerichtet ist.

www.havannalounge.net

Networking auf höchstem Niveau

in Sofia

The Residence Exclusive Club – der erste und

derzeit einzige bulgarische Club im Netzwerk

der International Associate Clubs – im Herzen

von Sofia wurde im Jahr 2011 gegründet und

hat sich seitdem zu einem beliebten Treffpunkt

für Entscheider entwickelt. Der Club befindet

sich gegenüber dem nationalen Parlament

und der Universität von Sofia. Das Clubgebäude

wurde 1906/07 von Dimitr Yablanski

gebaut und wird als eines der bekanntesten

architektonischen Meisterwerke Bulgariens

hochgeschätzt.

Der Club bietet sowohl das passende Ambiente

zur Entspannung als auch den perfekten

Rahmen zur Pflege geschäftlicher Netzwerke

und privater Kontakte. In der Residence

Lounge Bar kann man den Tag schwungvoll

starten oder entspannt ausklingen lassen und

das Residence Restaurant verbindet Tradition

und kreative Interpretation der internationalen

und bulgarischen Kochkunst. Die Encore Music

Bar, ein Ort für Unterhaltung, Musik und Tanz,

und der Residence Garden runden das Angebot

perfekt ab.

www.theresidence-club.com

Tradition und Moderne

im City Tattersalls Club in Sydney

Der Club bietet ein vielfältiges Angebot, darunter

eine große Auswahl an Restaurants und

Bars, die für jeden Geschmack etwas bieten,

von feinen Restaurants bis zu entspannten

Räumlichkeiten mit kostenlosem Live-Entertainment.

Seit über 120 Jahren ist der City Tattersalls

Club ein fester Bestandteil der Gesellschaft im

australischen Sydney. Der Club befindet sich im

Herzen des Geschäftsviertels in der Pitt Street

zwischen der Market Street und der Park Street

und gilt heute als einer der besten Veranstaltungsorte

Sydneys. Obwohl die Traditionen

des Clubs mit Stolz gepflegt werden, findet

man im City Tattersalls Club hochmoderne

Einrichtungen für Mitglieder und Gäste. Mit

preisgekrönten Restaurants, exzellenten Bars,

Live-Unterhaltung und erstklassigen Veranstaltungsräumen

ist der City Tattersalls Club

ein perfekter Ort für alle Anlässe.

Für die Auszeit gibt es ein Frauen- als auch

ein Herren-Fitnesscenter, jeweils mit eigenen

Fitnessräumen und Pools, sowie eine Bibliothek

und Day Spa.

Zum Portfolio gehört auch eine Skihütte in

Perisher Valley, die begeisterte Skifahrer

und Schneeliebhaber in den Wintermonaten

genießen können. „Boonoona“ ist bekannt für

hervorragenden Service, exquisite Küche und

hervorragende Unterkünfte. Das Skiparadies

ist nur wenige Augenblicke vom Ski Tube Terminal

und den Liften entfernt gelegen.

https://citytatts.com.au

www.iacworldwide.com

Foto: IAC / Berlin Capital Club


70 WIRTSCHAFT+MARKT

GESELLSCHAFT

Irgendwie verrückt: Unsere britischen Freunde verabschieden sich

unter recht chaotischen Umständen aus der EU und die großen

europäischen Messen für die Herrenmode im Herbst 2019

schwelgten einhellig in einem Britenlook, genau wie die für eine

Modefrau wie mich obligatorische Fachpresse.

Harris Tweed ist der Klassiker

für Ihr Freizeit sakko schlechthin.

Anzüge sind etwas breiter geschnitten und werden mit weiten

Mänteln getragen. Hosen sowohl im Business- als auch im

Freizeitbereich werden kürzer und verzichten in bester

italienischer Manier auf den deutschen Knick im Hosenbein

oberhalb des Schuhs. Das ist für einen hiesigen Schneider

durchaus gewöhnungsbedürftig, sieht aber wirklich gut

aus.

Oversized-Mantel mit Hahnentritt

ergänzt edles Flanelltuch.

Karos und karoähnliche Strukturen wie Glencheck und

Hahnentritt sind schwer in. Gerne werden Businessanzüge

mit Westen aus einem komplementären

Tuch ergänzt. Die Farben sind erdig – von braun

bis beige, von camel bis ziegelrot finden Sie perfekte

Begleiter für den unverzichtbaren Klassiker

in diesem Herbst: Das Harris-Tweed-Sakko,

das Sie in der Freizeit mit Chinos und Denim

kombinieren können. Ebenso sind die wieder gerne

Foto: SCRABAL, Cut For You


GESELLSCHAFT

WIRTSCHAFT+MARKT 71

Britisch-edles

Harris Tweed für

ein stilvolles Sakko.

gesehenen Flanell- und Cordstoffe gut mit

dem charakteristischen Harris-Tweed-Look

kombinierbar.

Freizeithemden können in dieser Saison gerne

bedruckt sein, auch mit den überall gezeigten

floralen Mustern bis hin zu Tannenzapfen, aber

bitte greifen Sie unverändert zu den weißen,

hellblauen und gestreiften Businessklassikern

– idealerweise mit Umschlagmanschetten –,

wenn es ins Meeting geht.

Gerade zum Anzug im britischen Stil sehen

braune Businessschuhe einfach gut aus, gerne

können Sie aber auch braune Sneaker zum

Tweed-Sakko tragen. Mittlerweile kann man

aber auch (Leder-)Sneaker im halboffiziellen

Businessbereich sehen.

Und zum Schluss mein Appell an Ihr Qualitätsbewusstsein:

Achten Sie auf wirklich gute

Stoff-, Leder- und Verarbeitungsqualität Ihrer

Kleidung und insbesondere auf eine perfekte

Passform. Auch wenn Sie in paar Euro mehr

ausgeben müssen, haben Sie einen ungleich

höheren Mehrwert aus dem Tragegefühl einer

hochwertigen zweiten Haut und viel länger

Spaß an Ihrer Kleidung.

Fazit: Auch wenn immer noch Einflüsse von

Streetware in die Businessmode drängen, wie

bei den genannten Sneakern, ist der Trend

zurück zu klassischer Eleganz ungebrochen:

Ein wahrer Gentleman wie Sie darf sich in

stilsicherer Business- und Freizeitkleidung

wohlfühlen.

www.cutforyou.com

www.facebook.com/cutforyouberlin

Edle Brauntöne auch bei maßgefertigten

Sneakern im Casualbereich.

Dieser britisch-stilvolle Look

weiß bei Terminen im Kreativbereich

zu gefallen.

Foto: Holland & Sherry, Atelier Torino, Redford, Cut For You

Die W+M-Modeberaterin

Beate Lecloux ist Inhaberin

des Berliner Maßbekleiders

Cut For You mit

Filialen in der Reinhardtstraße

38 in Mitte und

der Bleibtreustraße 13

in Charlottenburg.


72

WIRTSCHAFT+MARKT

GESELLSCHAFT

Ferrari trifft Chopard.

Foto: Chopard


GESELLSCHAFT

WIRTSCHAFT+MARKT 73

Gelebte Partnerschaften


Uhrenmarken und ihre Automobile

VON RON UHDEN

Im klassischen Uhrenbau wird viel Wert auf die Exklusivität

der verwendeten mechanischen Werke gelegt.

Es wird konstruiert, getüftelt und getestet. Doch vor

der Fertigung überlegt man sich: Was soll die Uhr denn

leisten, für welchen Einsatz ist sie gedacht? Und häufig

werden bei diesen Überlegungen Partnerschaften mit

einbezogen. Nahe liegen Kooperationen mit der Automobilindustrie

– verständlich, denn der Grundgedanke

bei der Konstruktion eines Motors ist identisch dem

der Schaffung eines Uhrwerks. Und da auch das Tragen

mechanischer Uhren lange Zeit als anachronistisch galt,

verbinden sich historische Rallyes gerne mit exklusiven

Uhren-Sondereditionen.

CHRONOSWISS-Handschrift, die anerkannt hohe Verarbeitungsqualität

und das Kitzbühel-Logo nebst der Limitierungsnummer machen den

Zeitmesser zum begehrten Sammlerstück. Nur 11 Personen weltweit

werden in den Genuss kommen, diese einzigartige Kombination aus

echter Handarbeit, Mechanik und Tradition am Handgelenk zu tragen.

CHRONOSWISS Regulator Classic Kitzbühel Edition, 4.650,- Euro

CHRONOSWISS –

Sondermodell für die

Kitzbühler Alpenrallye.

So ist CHOPARD seit 30 Jahren Partner der berühmten Oldtimer-Rallye

Mille Miglia. Dabei geht es nicht um die reine Geschwindigkeit, sondern

um ein Zeitfahren, das über 1600 Kilometer von Brescia nach Rom und

wieder zurückführt. Und das Messen der Zeit übernimmt der Chronograph,

der jedes Jahr seitens CHOPARD in neuer Aufmachung als exklusives

Modell erscheint. Ganz in der Tradition des klassischen Gentleman

strahlt die im Vintage-Stil gestaltete Uhr Eleganz und Rassigkeit gleichermaßen

aus. Doch im Inneren arbeitet ein hocheffizientes Chronometer-Uhrwerk,

welches mit einer Gangautonomie von 48 Stunden für

den optimalen Gang sorgt.

CHOPARD MILLE MIGLIA 2019 RACE EDITION 6.800,- Euro

Foto: CHRONOSWISS

CHRONOSWISS hingegen propagiert seit Jahrzehnten die Uhr mit Regulator-Ziffernblatt.

Historischer Hintergrund dieser Zeigeranordnung ist

die perfekter Ablesbarkeit: Die Zeiger überdecken sich nicht gegenseitig,

da der Minutenzeiger das große Zifferblatt beherrscht, während die

Stunden- und Minutenzeiger auf kleineren Hilfszifferblättern kursieren.

Zur Kitzbüheler Alpenrallye wird ein Sonder-Modell lanciert, das sich

durch ein wohlproportioniertes Gehäuse perfekt an das Handgelenk

des Trägers schmiegt. Das sportive Design in der charakteristischen


74 WIRTSCHAFT+MARKT

GESELLSCHAFT

FREDERIQUE CONSTANT wiederum besitzt das gleiche Gespür für

klassische Formen wie die altenglische Motorenwerkstatt HEALY. Dabei

haben die Uhrmacher bei der Gestaltung des Gehäuses die Karosserie

der Oldtimer vor Augen. Beide Unternehmen eint der Innovationsgeist

und der Sinn für Eleganz und Ästhetik. So entstand ein harmonischer

Chronograph mit aktuellen farblichen Akzenten. Das blaue, perforierte

und mit roten Nähten verzierte Lederarmband ergänzt das kontrastreiche

Zifferblatt. Ein blau-rotes Textilband liegt der auf 99 Exemplare

limitierten Uhr bei sowie das originalgetreue Modell eines Austin Healey

aus dem Jahr 1953. Und wie diese Sportwagen strahlen auch die edlen

Zeitmesser eine Faszination aus.

FREDERIQUE CONSTANT: Vintage Rallye German Limited Edition

2.595,- Euro

Juwelier Leicht

Unter den Linden 77

10117 Berlin

www.juwelier-leicht.de

Ron Uhden ist Niederlassungsleiter

von Juwelier Leicht in Berlin.

Selbstverständlich steht bei den Armbanduhren das exakte Ablesen der

Zeit im Vordergrund, das Festhalten wichtiger Momente. Doch darüber

hinaus sind sie auch eine Versinnbildlichung von Stil und Zeitgeschmack.

So spiegeln sich in ihnen immer aufs Neue auch aktuelle Modeströmungen

wider. Eine Uhr wird als Status und Privileg getragen – und das zu

Recht, werden diese besonderen Exemplare doch nur in kleiner Auflage

gefertigt für diejenigen, die das Besondere schätzen.

Innovationsgeist kombiniert mit Eleganz: Frederique Constant.

Foto: Frederique Constant, Juwelier Leicht


GESELLSCHAFT

WIRTSCHAFT+MARKT 75

Von der Freude,

eine Freude

zu machen

KARTONAGE – „SCHOKOLADENMÄDCHEN“

Das empfiehlt

Schloss

Wackerbarth

Foto: Staatsweingut Schloss Wackerbarth, Minervastudio - Freepik.com


76 WIRTSCHAFT+MARKT

GESELLSCHAFT

Präsente haben bei weitem nicht nur innerhalb der

Familie und um die Weihnachtszeit Konjunktur. Gerade

im geschäftlichen Bereich bieten sich viele derartige

Anlässe – Firmenjubiläen, die Einweihung neuer Produktionsstätten

oder auch runde Geburtstage von Inhabern,

Geschäftsführern oder führenden Managern. Geschenke

unter Geschäftspartnern sollten aus steuerlichen und

Compliance-Gründen nicht mehr als 35 Euro kosten. In

diesem Preissegment bietet das Erlebnisweingut Schloss

Wackerbarth eine ganze Reihe exklusiver Präsente. Im

Gespräch mit WIRTSCHAFT+MARKT verrät Michael Thomas,

Marketing- und Vertriebsleiter auf Schloss Wackerbarth,

welche Präsente besonders hoch im Kurs stehen.

Von Karsten Hintzmann

Wen beliefern Sie mit Präsenten?

Unsere Präsente erfreuen sich sowohl bei Unternehmen

als auch bei Privatkunden großer

Beliebtheit: Unternehmen fragen Präsente vor

allem zur Weihnachtszeit oder für besondere

Anlässe wie Jubiläen, Firmenfeste und Feiern

an. Privatkunden hingegen sind das ganze

Jahr über auf der Suche nach hochwertigen

Geschenkideen.

Seit wann haben Sie Präsente im

Sortiment?

Vor ein paar Jahren hat eine Untersuchung

festgestellt, dass in Deutschland etwa jede 5.

< Präsent „Kunst bringt Genuss“

„Das schönste Pastell, was man je gesehen

hat“ – so wird das „Schokoladenmädchen“

des Schweizer Künstlers Jean-Étienne

Liotard beschrieben. Heute ist das weltberühmte

Gemälde in Dresden zu Hause, wo

auch die Kunst der Schokoladenherstellung

ihre Wurzeln hat. Gemeinsam mit den

Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

und den Chocolatiers von Adoratio würdigt

Schloss Wackerbarth dieses einzigartige

Kunstwerk und die jahrhundertelange

Genusstradition Sachsens mit einem

erlesenen Präsent – einer exklusiven

Trinkschokolade mit feinen Gewürzen aus

der Zeit des Schokoladenmädchens und

einem vollmundigen sächsischen Rotwein.

(siehe Seite 75) PREIS: 34,90 €

Flasche Sekt als Geschenk gekauft, demzufolge

also auch verschenkt wird. Diese Ergebnisse

decken sich mit unseren Erfahrungen.

Schon vor 15 Jahren, kurz nach der Einführung

unserer Sekt-Edition „August der Starke“,

wünschten sich unsere Kunden eine hochwertige

Verpackung für diesen Sekt. Daher haben

wir bereits kurze Zeit später eine entsprechende

Geschenkverpackung in unser Sortiment

aufgenommen und unser Angebot seitdem

regelmäßig erweitert.

Heute finden alle Genießer in unserem

umfangreichen Angebot für jede Gelegenheit

das passende Präsent – von Geburtstagsgeschenken

über Hochzeitspräsente bis

hin zu Gastgeschenken und kleinen Aufmerksamkeiten.

Für unsere eleganten „Cool

Climate“-Weine, ausgezeichneten Sekte und

beliebten Wintergetränke bieten wir verschiedene

Geschenkverpackungen und Kartonagen

an. Darüber hinaus kombinieren wir unsere

Produkte auch mit den ausgesuchten Erzeugnissen

regionaler Partner und sächsischer

Manufakturen zu besonderen Geschenkideen.

Diese vereinen Genuss, Tradition und höchste

Qualität miteinander. Sie sind ein Stück sächsischer

Lebenskultur und zeugen von der hohen

Handwerkskunst in Sachsen.

Welche Produkte sind im Präsentbereich

besonders gefragt?

Wir sehen zum einen den Trend zur Individualisierung.

Unsere Kunden können sich das ganze

Jahr über ihr individuelles Präsent aus unserem

umfangreichen Sortiment selbst zusammenstellen

oder von uns zusammenstellen lassen.

Weitere Individualisierungsmöglichkeiten

bieten wir unter anderem mit bedruckbaren

Premiumgeschenkkartons an.

Wir beobachten außerdem einen Trend hin zu

hochwertigen, regionalen Produkten sowie in

der kalten Jahreszeit auch zu Winzerglühweinen.

Immer mehr Genießer sind heute auf der

Suche nach ausgesuchten, manufakturell hergestellten

Genussmitteln mit einer bekannten

Herkunft. In diesem Zusammenhang steigt

auch das Interesse an unseren Angeboten sowie

an unserem Erlebnisweingut in Radebeul

als touristische Destination.

Wie wichtig ist die Verpackung,

wie wichtig der Inhalt?

Eine schöne, hochwertige Verpackung ist ein

wichtiger Punkt, auf den unsere Kunden achten.

Denn wenn sie das Geschenk überreichen,

ist diese mit entscheidend für den ersten Eindruck,

den der Beschenkte erhält. Aus diesem

Grund bieten wir hier eine Vielzahl unterschiedlicher

Möglichkeiten an – von speziellen

Geschenkverpackungen für unsere Sekte über

hochwertige Premiumgeschenkkartons mit

individueller Bedruckung und unsichtbarem

Magnetverschluss bis hin zu Kartonagen mit

festlicher Gestaltung oder dekorativen Holzkisten.

Im Mittelpunkt steht natürlich aber auch

der Inhalt: Schloss Wackerbarth gehört heute

zur Spitze der deutschen Weinwirtschaft.

Unser Erlebnisweingut mit mehr als 190.000

Gästen pro Jahr steht für die manufakturelle

Herstellung ausgezeichneter „Cool Climate“

Weine, klassischer Flaschengärsekte und traditionsreicher

Wintergetränke. Wir stehen für die

jahrhundertelange Genuss-Tradition Sachsens.

Foto: Staatsweingut Schloss Wackerbarth


GESELLSCHAFT

WIRTSCHAFT+MARKT 77

Präsent „Winterzauber – WEISS & HEISS“

Stoßen Sie mit „Wackerbarths Weiß & Heiß“ auf den

Erfindungsreichtum des Raugrafen von Wackerbarth an: Im

Dezember 1834 suchte der Kunst- und Genussliebhaber

im winterlichen Belvedere nach einem besonderen

Wintergetränk. Er vermählte sächsischen Weißwein mit

ausgesuchten Gewürzen. Mit „Wackerbarths Weiß &

Heiß“ führen wir diese genussvolle Tradition mit einem

zeitgemäßen Geschmack fort.

PREIS:

19,90 EURO

Präsent „Dresdner Weihnachtsengel“

Lassen Sie sich von den engelsgleichen Stimmen der Kruzianer und

erlesenem Sekt-Genuss von Schloss Wackerbarth verzaubern.

Läuten Sie die stimmungsvollste Zeit des Jahres ein, mit der CD

„Weihnachten mit den Kruzianern“ – eine Komposition ausgesuchter

Weihnachtslieder, meisterhaft vorgetragen von den reinen

Stimmen des Dresdner Kreuzchores.

PREIS:

25,00 EURO

Präsent „Himmlisches Prickeln“

Foto: Staatsweingut Schloss Wackerbarth

Sie sind begehrt und berühmt – die Engel aus

der traditionsreichen erzgebirgischen Manufaktur Wendt

& Kühn. Seit 100 Jahren entstehen in den Grünhainichener

Werkstätten exklusive Figuren in feiner Handarbeit nach

den Originalentwürfen von Grete und Olly Wendt. Bei der

Cuvée Tradition werden ausgesuchte sächsische Trauben zu

prickelndem Genuss vermählt.

PREIS:

39,90 EURO


78

WIRTSCHAFT+MARKT

PREMIERE: ARENA

POLO MASTERS

IN HEILIGENDAMM

Vom 13. bis 15.09.2019 fand erstmals auf dem Areal des Grand Hotel Heiligendamm das Arena

Polo Master statt. Der Veranstalter Matthias Ludwig ist kein Unbekannter hier, im Gegenteil, er

ist auch der Organisator des jährlichen Beachpolo-Turniers am Strand von Warnemünde im Mai

und mit zwei Boutiquen in Warnemünde und Kühlungsborn ansässiger Unternehmer. Polo an sich

ist ja schon ein sehenswerter Sport, aber nun auf dem kleinen Rasen des Grand Hotels Heiligendamm

mit Blick auf die Ostsee oder auf die weiße Stadt, das war

schon von besonderer Faszination.

Matthias Ludwig, der Veranstalter,

ist hochzufrieden mit der Premiere in

Heiligendamm.

Thies C. Bruhn findet, dass Poloevents

sehr gut zum Hotel passen und will

eine Tradition begründen.

Dem General Manager des Grand

Hotel Heiligendamm, Thies Bruhn,

spielt das in die Karten. Der erfahrene

Hotelmanager ist seit Mai dieses

Jahres für das Haus verantwortlich

und will mehr Lifestyle-Events,

und deshalb war der Entschluss für ein

solches Turnier auch kurzfristig gefallen. Sein erstes Fazit:

„Polo ist ein toller Sport, es passt in die neue Strategie,

und das Ambiente ist einfach perfekt. Die Gäste sind begeistert,

auch die Hotelgäste, die von dem Event nichts

wussten. Wir wollen gern aus dem Turnier eine Tradition

machen und Polo jährlich bei uns im Haus haben.“

Foto: Gunnar Rosenow / W+M


GESELLSCHAFT WIRTSCHAFT+MARKT 79

Acht Teams mit je zwei Spielern aus fünf

Nationen waren am Start. Sie kamen aus

Deutschland, Japan, der Schweiz und Tschechien.

Bemerkenswert war auch, dass vier

Teams allein von Spielerinnen gestellt wurden.

Für ein solches Turnier waren 47 Polopferde

erforderlich, die aufgrund ihrer besonderen

Art für zusätzliches Aufsehen sorgten.

Foto: Gunnar Rosenow / W+M

Die Sponsoren und Unterstützer waren zahlreich. Neben WIRTSCHAFT+MARKT als Medienpartner

waren es vor allem Polar Twist, SGB AG, Makers Mark, Bentley, Veuve Cliquot, Lübzer,

TransGourmet, natürlich das Grand Hotel Heiligendamm und viele andere.


80 WIRTSCHAFT+MARKT

GESELLSCHAFT

Der

Cloud-

Experte

EDV-Fachmann Fabian Mahr.

Foto: Mahr EDV GmbH


GESELLSCHAFT WIRTSCHAFT+MARKT 81

7

FRAGEN AN

FABIAN MAHR

W+M: Wie wurde Ihr Unternehmen

gegründet?

Fabian Mahr: Ich habe die Mahr EDV GmbH

1999 in Berlin gegründet, damals als Einzelunternehmen

„Computerservice Mahr EDV“.

Seitdem wachsen wir zweistellig pro Jahr,

in den letzten beiden Jahren haben wir den

Umsatz sogar verdoppelt.

W+M: Was war Ihr bislang größter Fehler?

Fabian Mahr: Manchmal bin ich zu perfektionistisch.

Wäre ich vor 15 Jahren als erster

Cloud-Anbieter an den Markt gegangen,

wären wir heute noch viel größer.

W+M: Welche wichtigste Eigenschaft sollte

ein Unternehmer haben?

W+M: Wo liegt die Kernkompetenz Ihrer

Firma?

Fabian Mahr: Mit unseren Standorten

Berlin, Düsseldorf und Potsdam und rund 100

Mitarbeitern betreuen wir die IT mittelständischer

Unternehmen und setzen dabei auf

eigene Software und eigene Cloud-Server. Ehrenamtlich

engagieren wir uns zudem gegen

Kinderpornografie im Netz und unterstützen

Jugendliche bei ihrem Ausbildungsweg.

Fabian Mahr: Verantwortungsbewusstsein,

Ehrlichkeit und Mut halte ich für

essentiell. Den Mut braucht der Unternehmer,

um etwas zu erschaffen, an das kein anderer

glaubt. Die Ehrlichkeit, um befähigt zu sein,

aus Fehlern zu lernen. Und Verantwortungsbewusstsein,

um tatsächlich nachhaltig nach

dem Besten zu streben.

W+M: Was ist Ihr Schlüssel zur Mitarbeitermotivation?

Im Jahr 2018 nahm Fabian Mahr (li.)

mit seinem Partner Pascal Kube den

Mittelstandspreis entgegen.

W+M: Was war Ihr Antrieb für die Gründung

des Unternehmens?

Fabian Mahr: Schon zu Beginn der IT-Technologie,

die ich als Jugendlicher erlebt habe,

wurde mir klar: Die Digitalisierung wird unser

Arbeitsleben revolutionieren. Irgendwann

werden wir Menschen nur noch die spannenden

Aufgaben erledigen, und die Maschinen

übernehmen die Routine. Diese revolutionäre

Entwicklung wollte ich verstehen, begleiten

und mitgestalten.

Fabian Mahr: Wir hören auf unsere Mitarbeiter

und besprechen Fehler gemeinsam.

Zudem erhält jeder Mitarbeiter ein jährliches

Budget von 6.000 Euro zur Fortbildung. Alle

Verträge laufen unbefristet, wir bieten flexible

Arbeitszeiten und sind auch großzügig,

wenn es etwa um die private Nutzung von

Fahrzeugen oder Firmen-IT geht. Über Boni

sind die Mitarbeiter zudem am Unternehmenserfolg

beteiligt. Total abgefahren sind

auch unsere Team-Events: Einmal waren

wir im Winter zelten im Grunewald, mit

Glühwein und Lagerfeuer. Sowas schweißt

zusammen.

W+M: Was war Ihre bisher erfolgreichste

Idee?

Foto: Boris Löffert, Mahr EDV GmbH

Fabian Mahr: Vor mehr als 15 Jahren sprach

ich mit meinem langjährigen Partner Pascal

Kube darüber, wie man Server für Kunden in

einem Rechenzentrum betreiben könnte. Von

Cloud oder Managed Services war damals

noch nicht die Rede. Heute ist unsere externe

Datenspeicherung sehr erfolgreich.

Fabian Mahr (li.) mit seinem Team.


82

WIRTSCHAFT+MARKT

GESELLSCHAFT

UNSERE EXPERTEN –

IHRE RATGEBER

WIRTSCHAFT+MARKT ist auch weiterhin Ratgeber für seine Leser. Dazu haben wir einige Experten aus

unterschiedlichsten Bereichen an Bord. Ihre Beiträge finden Sie regelmäßig in unserer Internetausgabe

unter https: /wirtschaft-markt.de/wm-das-magazin/. Heute stellen wir Ihnen die ersten Experten kurz vor.

Professor Dr. Florian Stapper –

der Insolvenzexperte

Prof. Dr. Florian Stapper ist Rechtsanwalt

und Fachanwalt für Insolvenz- und

Steuerrecht. Er ist seit mehr als 20 Jahren

als Insolvenzverwalter in Leipzig und

Umgebung tätig und hat eine Vielzahl von

Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen

und Größen vor und in der Insolvenz fortgeführt und durch übertragende

Sanierung oder Insolvenzplan saniert. Mit mehr als 50

bei Gericht eingereichten Insolvenzplänen und einer Erfolgsquote

von nach wie vor 100 % ist er insofern bundesweit führend.

Der persönliche Tipp:

Nutzen Sie jede Krise als Chance, um nach der Krise deutlich

besser dazustehen als vorher.

Ron Uhden –

der Juwelen- und Uhrenexperte

Ron Uhden ist Goldschmiedemeister und

Diamantgutachter. Sein besonderes

Interesse gilt den verschiedensten

Handwerkstechniken, der Geschichte

und den Technologien der Uhrmacher-

und Goldschmiedekunst. Als

regelmäßiger Fachbesucher internationaler

Uhren- und Schmuckmessen

und Mitinitiator unterschiedlicher

Ausstellungen ist er ein Experte, der

sein Wissen gern weitergibt, ob im

täglichen Beratungsgeschäft bei Juwelier

Leicht im Berlin Hotel Adlon oder als Autor

zahlreicher Veröffentlichungen.

Der persönliche Tipp:

Genießen Sie das Schöne.

Beate Lecloux –

die Stilexpertin

Beate Lecloux, die gelernte

Bankkauffrau und studierte

Diplom-Betriebswirtin

hat nach ihrer Bankkarriere

2003 das Metier gewechselt

und den Modeausstatter

CutForYou gegründet. In den Filialen

im Berliner Regierungsviertel Mitte und in

Charlottenburg berät sie täglich Kunden aus

allen gesellschaftlichen Bereichen in Stil- und

praktischen Modefragen. Der Besuch internationaler

Modemessen lässt sie immer dicht

an den neuesten Trends sein.

Der persönliche Tipp:

Stil ist die Bekleidung der Seele.

Ronald Haffner –

der Steuer- und Gesellschaftsexperte

Ronald K. Haffner ist Steuerberater mit eigener

Kanzlei in Berlin-Mitte. Der studierte Diplom-Kaufmann

und Diplom-Ingenieur ist

ein umtriebiger Mensch und versteht sich

als Privatgelehrter. Er ist Co-Autor des

regelmäßig vom Stollfuß-Verlag herausgegebenen

Lexikons ABC der Finanzbuchführung,

schreibt regelmäßig Steuertipps

und rezensiert mit Leidenschaft und hoher

Akribie Büchern, die gesellschaftlich relevante

Themen berühren.

Der persönliche Tipp:

Jugend ist kein Vorrecht – Alter kein Verdienst.

Foto: Privat, Juwelier Leicht, Cut For You, Privat


Foto: .shock, Fotolia

Bewegt sitzen –

mehr bewegen!

Die Aktion für mehr Bewegtsitzen.

büro-bewegung.de


BAD SAAROW JUNI 2020:

DAS ZUKUNFTSTREFFEN DER

OSTDEUTSCHEN WIRTSCHAFT

Wirtschaft trifft Politik trifft

Wissenschaft trifft Medien

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15./16.Juni 2020

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www.owf.de/anmeldung2020

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