50 Macher aus WIRTSCHAFT+MARKT Herbst/Winter 2019/2020

wirtschaftmarkt

Die Auswahl der 50 ostdeutschen Macher durch die Redaktion des ostdeutschen Wirtschaftsmagazins WIRTSCHAFT+MARKT

INNOVATION

POLITIK

KÖPFE

GESELLSCHAFT

HERBST

WINTER

2019

2020

50MACHER

DER OSTDEUTSCHEN

WIRTSCHAFT

MÄRKTE

SO EXPORTIERT

DER MITTELSTAND

30. Jahrgang | Deutschland 6,50

ENERGIE

BATTERIE ODER

BRENNSTOFFZELLE

POLITIK

FOLGEN DER

AFD-STÄRKE


40

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 41

50MACHER

DER OSTDEUTSCHEN

WIRTSCHAFT

Der Mittelstand bildet das Rückgrat der ostdeutschen

Wirtschaft. Große Konzerne sind auch 29 Jahre nach

der deutschen Wiedervereinigung eher die Ausnahme.

Taktgeber sind vielerorts die Chefs kleiner und mittelständischer

Firmen – Familienunternehmer, Inhaber oder

angestellte Manager, die über den Tellerrand des eigenen

Betriebes hinausblicken, innovative Geschäftsmodelle

entwickeln, Netzwerke pflegen und sich um soziale,

kulturelle und sportliche Belange in ihren Regionen

kümmern.

In unserem Beitrag stellen wir 50 der wichtigsten Macher

der ostdeutschen Wirtschaft vor. Uns ist bewusst, dass

es zwischen Ostsee und Erzgebirge wesentlich mehr

hoch engagierte Wirtschaftslenker gibt. In der künftigen

Berichterstattung wird das Magazin WIRTSCHAFT+

MARKT weitere dieser prägenden Unternehmerpersönlichkeiten

in den Fokus rücken.

Die 50 in diesem Beitrag vorgestellten Frauen und Männer

stehen stellvertretend für das vielschichtige unternehmerische

Engagement in den fünf neuen Ländern und

Berlin. Die Auswahl der „Köpfe“ erfolgte nicht auf der

Basis von Jahresumsätzen oder Beschäftigtenzahlen. Es

ging darum, höchst unterschiedliche Geschichten und Lebenswege

zu skizzieren – vom kleinen Handwerksmeister

bis zum Präsidenten des Deutschen Industrie- und

Handelskammertages.

VON KARSTEN HINTZMANN UND MATTHIAS SALM

Foto: Rudall30 - Freepik.com


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 43

BERLIN

SACHSEN

Dr. Christof Günther

Sybille Kaiser

Christof Queisser

Prof. Hans B. Bauerfeind

THÜRINGEN

Friedemann Kunz

SACHSEN-ANHALT

Bianca Zorn

Dr. Stefan Traeger

Uwe Blaumann

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Dr. Eric Schweitzer

Prof. Dr. Christoph Meinel

Rolf Seelige-Steinhoff

Prof. Dr. Axel Ekkernkamp

BERLIN

BRANDENBURG

Dr. Holger Loclair

SACHSEN

Martin

Katja Hillenbrand

Buhl-Wagner

Thomas Koch

Ilona Glawion

Christian Müller

Foto: XXX ScanHaus Marlow GmbH, Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, SEETELHOTELS Usedom, ALBA Group/Amin Akhtar, ukb/M. Hübner, 1.FC Union Berlin, InfraLeuna GmbH, Fotograf Matthias Wuttig, Rotkäppchen-Mumm

Sektkellereien GmbH, ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co. KG, HPI/Kay Herschelmann, W+M, Metallbau Glawion GmbH, Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH, Bauerfeind AG, Jenoptik AG, Micas AG, Leipziger Messe, AMAC-GARBE

Foto: XXX

Martin Bergner, Vorstandssprecher der Zentralkonsum eG

Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor

des Unfallkrankenhauses Berlin

Christian Herrmann, Geschäftsführer der Dr. Herrmann Gruppe

Thomas Koch, Vorstandsvorsitzender der Koch Automobile AG

Michael Kotzbauer, Bereichsvorstand Mittelstandsbank

der Commerzbank AG

Leonhard Lischka, Geschäftsführer der Lischka GmbH

Dr. Eric Schweitzer, Vorstandsvorsitzender der ALBA Group

Dr. Reinhard Uppenkamp, Vorstandsvorsitzender der BERLIN-CHEMIE AG

BRANDENBURG

Ilona Glawion, Geschäftsführerin der Metallbau Glawion GmbH

Dr. Holger Loclair, Vorstandsvorsitzender der ORAFOL Europe GmbH

Prof. Dr. Christoph Meinel, Direktor und Geschäftsführer

des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering gGmbH

Dr. Alexander Montebaur, Vorstandsvorsitzender der E.DIS AG

Dr. Ullrich Müller, Generalbevollmächtigter der EWE AG in Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern

Dr. Helmar Rendez, Vorstandsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau

AG und der Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG)

Dr. Miloš Stefanović, Sprecher der Geschäftsführung

der Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH

Tillmann Stenger, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank

des Landes Brandenburg

Klaus Zschiedrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Lausitzer

und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Uwe Blaumann, geschäftsführender Gesellschafter der PALMBERG Büroeinrichtungen

und Service GmbH

Sebastian F. Braun, Geschäftsführer der CHEPLAPHARM

Arzneimittel GmbH

Robert Dahl, Geschäftsführer der Karls Markt OHG

Dr. Thomas Diestel, Geschäftsführer der Dr. Diestel GmbH

Prof. Dr. Dietmar Enderlein, Geschäftsführer der MEDIGREIF GmbH

Kay Gundlack, Geschäftsführer der Kay Gundlack Schuhmanufaktur

Friedemann Kunz, Geschäftsführer der ScanHaus Marlow GmbH

Rolf Seelige-Steinhoff, Geschäftsführer der SEETELHOTELS Usedom

Judith Borowski, Geschäftsführerin von Nomos Glashütte,

Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer Leipziger Messe

Dr. Holger Födisch, Vorstand Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG

Rainer Gläß, Vorstandsvorsitzender GK Software SE

Margret Gleiniger, Geschäftsführerin der KSG GmbH

Katja Hillenbrand, Vorstand der Micas AG

Christian Müller, Geschäftsführer Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG

Bodo Rodestock, Vorstand VNG AG

SACHSEN-ANHALT

Daniel Gollmann, Geschäftsführer Gollmann

Kommissioniersysteme GmbH

Dr. Christof Günther, Geschäftsführer InfraLeuna GmbH

Dr. Jürgen Koppe, Geschäftsführer MOL Katalysatortechnik GmbH

Michael Krüger, Geschäftsführer GISA GmbH

Peter Ledermann, Vorstand Mercateo AG

Christof Queisser, Sprecher der Geschäftsführung

der Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien GmbH

Jonas Taureck, Geschäftsführer Petromax GmbH

Thomas Wagner, Vorsitzender der Geschäftsführung,

G+E GETEC Holding GmbH

Bianca Zorn, Geschäftsführerin

ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co. KG

THÜRINGEN

Prof. Hans B. Bauerfeind, Vorstandsvorsitzender Bauerfeind AG

Bernhard Helbing, geschäftsführender Gesellschafter der TMP

Fenster + Türen® GmbH

Sybille Kaiser, Geschäftsführerin Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH

Katrin Katzung, Geschäftsführerin Ingenieurbüro Katzung GmbH

Frank Orschler, Geschäftsführer Königsee Implantate GmbH

Günter Oßwald, Inhaber Oßwald-Fahrzeugteile & Technischer Handel

Holger Raithel, Geschäftsführer der KAHLA Thüringen Porzellan GmbH

Dr. Stefan Traeger, Vorsitzender des Vorstands der JENOPTIK AG


44 WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 45

Prof. Hans B. Bauerfeind

DER WELTMARKTFÜHRER

Mit einer großen Festveranstaltung feierte die

Bauerfeind AG in Zeulenroda-Triebes in diesem

Sommer ihr 90-jähriges Bestehen. Und

zugleich auch die Lebensleistung von Prof.

Hans B. Bauerfeind, Vorstandsvorsitzender,

Enkel des Firmengründers und visionärer Macher

an der Spitze des Unternehmens, das zu

den Weltmarktführern im Bereich Bandagen

und medizinische Hilfsmittel zählt. Mit 2.100

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit,

davon 1.100 in Zeulenroda, und Tochtergesellschaften

in über 20 Ländern erwirtschaftet

die Bauerfeind AG heute rund 250 Millionen

Euro Umsatz im Jahr.

Die Bauerfeind AG stellt Bandagen, Orthesen,

Einlagen und Kompressionsstrümpfe

her, darüber hinaus hat das Unternehmen

seit 2016 die eigene Sportlinie Bauerfeind

Sports am Markt. Die Thüringer entwickeln

auch 3D-Technologie zur Vermessung von

Körperpartien. Unter der Dachmarke Bodytronic

bietet die Bauerfeind AG eine Reihe von

Messsystemen an, die Körpermaße exakt

und schnell ermitteln können. 2015 wurden

die Thüringer als eines der innovativsten

Unternehmen im deutschen Mittelstand

ausgezeichnet.

Hans B. Bauerfeinds Entscheidung, das Familienunternehmen

1991 an seinen Gründungsort

zurückzuführen, erwies sich als echter

Glücksfall für die Region. 1940 in Zeulenroda

geboren, floh der charismatische Unternehmer

als Kind mit seinen Eltern nach dem

Zweiten Weltkrieg nach Darmstadt. Dort stieg

er 1962 in den elterlichen Betrieb ein. „Rückblickend

bin ich zufrieden“, sagte der mittlerweile

79-Jährige über seine Entscheidung, die

Firma wieder in Thüringen anzusiedeln. „Ich

bedaure aber, dass so wenige meinem Beispiel

gefolgt sind.“

Dem Unternehmer, dem im Jahr 2000 das

Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, liegt

vor allem die Sportförderung am Herzen. Seit

2010 war die Bauerfeind AG, für die Basketball-Legende

Dirk Nowitzki als Markenbotschafter

wirbt, stets bei den Olympischen

Spielen für Athleten aller Nationen als Servicepartner

vor Ort.

Martin Bergner

DER KONSUM-CHEF

Es gibt ihn noch, den guten alten Konsum.

Natürlich nicht mehr in der Form, wie man

ihn früher kannte – als kleines Ladengeschäft

an der Ecke. Der Konsum, oder korrekt

gesagt, die Konsum-Gruppe hat sich in den

letzten Jahrzehnten enorm entwickelt. Unter

dem Dach der Zentralkonsum eG gibt es

heute zehn Konsumgenossenschaften, eine

Raiffeisengenossenschaft, drei gewerbliche

Genossenschaften, drei Kreditgenossenschaften,

drei Agrargenossenschaften und

elf weitere Gesellschaften. Insgesamt erwirtschaften

die knapp 4.500 Beschäftigten

einen Jahresumsatz in Höhe von rund 435

Millionen Euro.

Maßgeblich mitverantwortlich für die

erfolgreiche Entwicklung ist Martin Bergner,

der seit 2002 Vorstandssprecher der

Zentralkonsum eG ist. 1961 im thüringischen

Altenburg geboren, absolvierte Bergner in

den 1980er-Jahren ein Ökonomiestudium in

der Fachrichtung Gaststätten- und Hotelwesen

der Handelshochschule in Leipzig.

Unmittelbar danach folgte er dem Ruf des

Verbandes der Konsumgenossenschaften,

dem Vorläufer der Zentralkonsum eG.

Martin Bergner engagiert sich nicht nur als

Vorstandssprecher für die Zentralkonsum

eG, er ist auch als Aufsichtsrat in mehreren

Konsumgenossenschaften tätig und vertritt

die Interessen des KONSUM in verschiedenen

Gremien beim Genossenschaftsverband –

Verband der Regionen e. V., dem Prüfungsverband

der Zentralkonsum eG. Darüber

hinaus setzt er sich sowohl für soziale

Projekte als auch politisch und vorpolitisch

für die Abschaffung der 1934 in das Gesetz

aufgenommenen Zwangsmitgliedschaft

einer Genossenschaft in einem genossenschaftlichen

Prüfungsverband ein.

Foto: Bauerfeind AG, Zentralkonsum eG

Foto: Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, NOMOS/Glashütte/SA

Uwe Blaumann

DER BÜROMÖBEL-

PRODUZENT

Der 61-Jährige ist geschäftsführender Gesellschafter

der PALMBERG Büroeinrichtungen

und Service GmbH, die ihren Firmensitz in

Schönberg, einem kleinen Städtchen in Nordwestmecklenburg,

hat.

Vor drei Jahrzehnten, also in der Endphase der

DDR, war er Mitarbeiter im „VEB Möbelwerke

Schwerin, Betriebsteil Schönberg“. Dort erlebte

er die Wende und die damit verbundenen

strukturellen Brüche. Da er den Maschinenpark

und die Abläufe in „seinem“ volkseigenen

Betrieb aus dem Effeff kannte, meldete er sich

kurzerhand bei der Treuhand und kaufte die

Möbelfirma gemeinsam mit einem Tischler,

der aus Hamburg kam. Der neue Firmenname

war schnell gefunden – PALMBERG, wie die

Straße, an der das Betriebsgelände liegt.

Zunächst ging er durch ein Stahlbad, musste

die Hälfte der Mitarbeiter entlassen – alles

ehemalige Kollegen, Menschen aus seiner

Nachbarschaft. Doch er schaffte die Wende

hin zur Marktwirtschaft und positionierte

PALMBERG erfolgreich in der Marktnische der

Büromöbelhersteller. Jahr für Jahr stiegen die

Umsatz- und Mitarbeiterzahlen. Nach zehn

Jahren hatte er bereits 250 Mitarbeiter, mehr

Angestellte, als zu DDR-Zeiten in der Möbelfabrik

in Lohn und Brot standen.

Heute gehört PALMBERG zu den bedeutendsten

Unternehmen der deutschen Büromöbelindustrie

und produziert hochwertige Büroeinrichtungen

für den europäischen Markt. Die

inzwischen 540 Mitarbeiter erwirtschafteten

im Vorjahr einen Umsatz in Höhe von 105

Millionen Euro.

Uwe Blaumann hat angesichts seines unternehmerischen

Erfolgs nicht die Bodenhaftung

verloren. Er ist sozial engagiert, kümmert sich

um benachteiligte Menschen, integriert Menschen

mit Behinderung in seine Firma. Und er

fördert den Sport in seiner Region.

Judith Borowski

DIE UHREN-DESIGNERIN

Eine Pendlerin zwischen den Welten: hier

die pulsierende Hauptstadt Berlin, dort das

beschauliche, abgelegene Glashütte im Tal der

Uhrenmacher im Osterzgebirge. Das ist die

Lebens- und Arbeitswelt von Judith Borowski,

Geschäftsführerin der NOMOS Glashütte/SA.

Dass sie einmal für eine der bekanntesten

deutschen Uhrenmarken verantwortlich

zeichnet, war Borowski allerdings nicht in die

Wiege gelegt. Die 50-jährige Berliner Kreative

begann ihre berufliche Laufbahn eigentlich

nach dem Besuch einer Journalistenschule

als Journalistin für die ARD und die Financial

Times, ehe sie ein persönlicher Kontakt zum

NOMOS-Gründer Roland Schwertner in die

Uhrenbranche führte. Mit Pressearbeit für die

damals noch kleine Uhren-Manufaktur begann

2001 ihre zweite Karriere.

Heute verantwortet Borowski als Geschäftsführerin

und Gesellschafterin bei dem nach

eigenen Angaben größten Hersteller mechanischer

Uhren in Deutschland von Berlin aus

die Markenkommunikation und das Design und

leitet die Nomos-Tochtergesellschaft Berlinerblau.

Regelmäßig reist sie in die sächsische Firmenzentrale.

Rund 300 Mitarbeiter arbeiten

heute für das 1990 gegründete Unternehmen.

Die kreative Arbeit, die Uhrmacherkunst der

Glashütter durch ästhetisches Design und

einfallsreiche Kommunikation zu verdientem

Glanz zu verhelfen, treibt sie an.

Doch nicht immer lassen sich auch für eine

erfolgreiche Unternehmerin die Zeitenläufe

ausblenden. Zuletzt ging Borowski deshalb

mit ihrem Mitgeschäftsführer Uwe Ahrendt

bewusst in die Öffentlichkeit. NOMOS Uhren

bedienen den Weltmarkt, der Anteil ausländischer

Händler wächst stetig. Deshalb setzte

die Unternehmerin anlässlich rechtsradikaler

Übergriffe im vergangenen Jahr öffentliche

Zeichen für ein weltoffenes Sachsen. Das traf

nicht nur auf Zustimmung im Freistaat – doch

für Borowski war es ein Akt der Bürgerpflicht

und ein wichtiges Statement für den Wirtschaftsstandort

Sachsen.


46

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50 MACHER WIRTSCHAFT+MARKT 47

gen-Maschinen für Gebäude. Oder, um es

präzise zu sagen: Die Dr. Diestel GmbH ist

spezialisiert auf Lüftungs-, Klima-, Kälte- und

sogar Reinraumtechnik.

Seine Unternehmerkarriere startete der vor 63

Jahren in Dresden geborene Thomas Diestel, er

ist übrigens ein jüngerer Bruder des prominenten

Anwalts Peter-Michael Diestel, in den

Nachwende-Wirren des Jahres 1991. Er verließ

die Rostocker Warnow-Werft und gründete

eine Firma für Lüftungstechnik. Mit damals

13 Angestellten produzierte er noch vorrangig

Sebastian F. Braun

DER PHARMA-PRODUZENT

Innerhalb von 16 Jahren hat Sebastian F.

Braun als Geschäftsführer die CHEPLAPHARM

Arzneimittel GmbH in Greifswald, die in ihren

Anfangsjahren mit dümpelnden Umsatzzahlen

eher als „graue Maus“ unterwegs war, in ein

innovatives, umsatzstarkes und profitables

Unternehmen verwandelt, das heute in mehr

als 120 Ländern aktiv ist. Der Exportanteil

beträgt etwa 96 Prozent der Umsätze. CHE-

PLAPHARM verfügt über Tochterunternehmen

in Hamburg, Levallois-Perret (Frankreich) und

in Englewood (New Jersey), USA.

Der studierte Betriebswirt setzt unbeirrt auf

Wachstumskurs: „Wir haben die Chance, unsere

Produktpipeline weiter zu füllen, den Marktanteil

zu stärken und unsere internationale

Präsenz auszubauen.“ Das Unternehmen, dem

in der Branche der Ruf eines Experten für den

Umgang mit Marken- und Nischenprodukten

vorauseilt, hat sich darauf spezialisiert, Arzneimittel

aufzukaufen und sie weiterzuentwickeln.

Bereits einige wenige Zahlen verdeutlichen,

wie rasant CHEPLAPHARM unter Geschäftsführer

Braun wächst: Vor fünf Jahren beschäftigte

das Unternehmen 70 Mitarbeiter und

erwirtschaftete einen Jahresumsatz in Höhe

von 61 Millionen Euro. Ein Jahr darauf knackte

Braun mit seinem Team die 100-Millionen-Euro-Umsatz-Marke.

Aktuell arbeiten in der

Pharmafirma 259 Mitarbeiter. Das Jahr 2019

soll mit einem Gesamtumsatz in Höhe von 400

Millionen Euro abgeschlossen werden.

Martin Buhl-Wagner

DER MESSECHEF

„Menschen fühlen sich in Leipzig gut aufgehoben,

weil es eine sehr natürliche Willkommenskultur

gibt“, sagte Martin Buhl-Wagner

jüngst in einem Interview mit Sachsen Fernsehen.

Dass dem so ist, davon ist Buhl-Wagner

überzeugt, liegt auch an der langen Historie

Leipzigs als internationale Messestadt. Bundesweite

Umfragen bestätigen ihn: Menschen

in ganz Deutschland kennen Leipzig vor allem

auch als Messestandort.

Heute sorgt Martin Buhl-Wagner als Leipziger

Messechef für einen wachsenden Zustrom an

nationalen und internationalen Gästen. Die

Messe PARTNER-PFERD mit ihrem Mix aus

Messe, Show und Sport, die Industriemessen

Intec und Z sowie der Publikumsmagnet

Leipziger Buchmesse locken immer wieder

Rekordzahlen an Besuchern. Mit Erfolg: 2018

konnte die Leipziger Messe Unternehmensgruppe

ihren Umsatz deutlich steigern. Und

sie ist beliebt: Kunden und Besucher kürten

die Leipziger Messe im letzten Jahr zum

fünften Mal in Folge zum Service-Champion

der Branche.

Auch dies ist ein Erfolg für den studierten

Wirtschaftsingenieur, dessen Vertrag vom

Aufsichtsrat der Messe vorzeitig bis 2023

verlängert wurde. Der 1966 im sächsischen

Annaberg-Buchholz geborene Buhl-Wagner

ist mit Unterbrechungen schon seit Mitte der

90er Jahre im Messegeschäft tätig. Seine

berufliche Laufbahn in der Unternehmensgruppe

begann 1995 als Projektmanager. Ab

Dezember 2002 arbeitete er für die Messe-Tochter

FAIRNET als Prokurist, später als

Geschäftsführer.

2008 stieg Buhl-Wagner zum Geschäftsführer

der Leipziger Messe GmbH auf, im Oktober

2010 wurde er zum Sprecher der Geschäftsführung

ernannt. Seit 2013 ist der verheiratete

Vater einer Tochter auch Vorstandsmitglied

des AUMA Ausstellungs- und Messe-Ausschusses

der Deutschen Wirtschaft.

Foto: Anette Pröber / CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH, Leipziger Messe

Foto: Karls, Privat

Robert Dahl

DER OBSTBAUER

Robert Dahl führt den Familienbetrieb „Karls

Erdbeerhof“ in 3. Generation. Vor knapp 100

Jahren hatte Großvater Karl damit begonnen,

in der Nähe von Rostock Obst und Gemüse

anzubauen und es auf Wochenmärkten zu verkaufen.

Nach dem Krieg zog es die Familie nach

Schleswig-Holstein. Dort spezialisierte sich der

Betrieb auf den Anbau von Erdbeeren. Nach

der Wende wünschte sich Roberts Vater Karl-

Heinz, dass der Sohn in die Heimat von Opa Karl

zurückkehrt und dort einen Erdbeerhof aufbaut.

Damit begann eine der spektakulärsten Unternehmergeschichten

der Nachwendezeit.

Im Jahr 1992 kam der gelernte Obstbauer

Robert Dahl in Rövershagen an, bezog einen

alten Wohnwagen und machte sich mit Elan

daran, einen leeren Acker an der Bundesstraße

105, die direkt ins nahe Rostock führt,

zu bestellen. Die erste Erdbeerernte fuhr er

ein Jahr später ein. Und das Rövershagener

Wirtschaftswunder nahm seinen Lauf. Aus dem

Erdbeerhof entwickelte sich ein Freizeitpark

mit Fahrgeschäften, Erlebnisgastronomie und

Shoppingangeboten – mit jährlich weit über 1,2

Millionen Besuchern eine der meistbesuchten

Touristenattraktionen in Mecklenburg-Vorpommern.

Innerhalb eines guten Vierteljahrhunderts entwickelte

der heute 48 Jahre alte Unternehmer

seine Firma zu einem Mischkonzern, der unter

der Bezeichnung Karls Markt OHG firmiert.

Mit Geschäftszweigen in Landwirtschaft,

Handel, Gastronomie und Entertainment, die

allesamt profitabel arbeiten. Er beschäftigt

700 festangestellte Mitarbeiter, dazu kommen

2.800 Saisonkräfte, die als Pflücker und Verkäufer

arbeiten. Etliche neue Standorte sind

hinzugekommen – ein Erlebnis-Dorf in Zirkow

auf Rügen, ein Event-Pier am Kreuzfahrtanleger

in Warnemünde, weitere Erlebnisdörfer in

Warnsdorf bei Lübeck, Wustermark bei Berlin,

Koserow auf Usedom sowie das Barbycafé in

Loburg (Sachsen-Anhalt).

Dr. Thomas Diestel

DER LÜFTUNGSTECHNIK-

UNTERNEHMER

Wenn Thomas Diestel in Mecklenburg-Vorpommern

unterwegs ist, trifft er oft auf

seine Handschrift. Eine Handschrift, die der

promovierte Ingenieur bei der Errichtung vieler

Gebäude im Land in den vergangenen 28 Jahren

hinterlassen hat, die heute aber meist nur für

ihn selbst erkennbar ist. Denn mit ihrer Arbeit

prägen Diestel und sein Team nicht die Fassade

von Bauwerken, sondern deren „Organismus“.

Er baut – im übertragenen Sinne – Herz-Lun-

Lüftungsanlagen für den Schiffbau. Die Qualität

der Dr. Diestel GmbH mit ihren 120 Mitarbeitern

hat sich längst herumgesprochen. Auf

Diestels Referenzliste stehen das Rostocker

Ostseestadion, die Yachthafenresidenz Hohe

Düne in Warnemünde und der Hansedom

Stralsund. Dazu Krankenhäuser, Einkaufszentren,

der Windkraftanlagenbauer Nordex, das

Nestlé-Werk sowie das Werk YPSOMED, ein

Hersteller von Injektionssystemen der Medizintechnik,

bei Schwerin.

Thomas Diestel verkörpert einen eher ungewöhnlichen

Unternehmertyp. Er ist alles andere

als ein „Alphatier“. Im Gespräch wirkt er zurückhaltend,

nüchtern, bescheiden. Er ist einer, der

ungeachtet des unternehmerischen Erfolges jeden

Euro zweimal umdreht, ehe er ihn ausgibt.

Diestel kümmert sich um seine Mitarbeiter,

bietet ihnen eine betriebliche Altersvorsorge,

Betriebssport und Konzertbesuche. Es entspricht

seiner christlichen Überzeugung.

In seiner wenigen Freizeit engagiert sich der

ehemalige Boxer für klassische Musik. Als Vorsitzender

der Philharmonischen Gesellschaft

in Rostock hat er enorm viel für den Erhalt der

Norddeutschen Philharmonie getan.


48

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 49

Prof. Dr. Axel Ekkernkamp

DER KLINIKCHEF

Eigentlich könnte sich Professor Axel Ekkernkamp

beruhigt zurücklehnen und beruflich

schon mit 62 Jahren den Fuß vom Gas nehmen.

Denn er hat ein Lebenswerk geschaffen,

das national und international höchste Wertschätzung

genießt – das Unfallkrankenhaus

Berlin in Marzahn (ukb). Ekkernkamp hat das

ukb, das zu den modernsten Kliniken Europas

zählt, seit 1994 geplant, aufgebaut und in

Betrieb genommen. Er ist seit 1996 Ärztlicher

Direktor und seit 1999 Geschäftsführer des

Unfallkrankenhauses. Ekkernkamps 2.000

Mitarbeiter versorgen heute pro Jahr 120.000

Patienten. Gut 63.000 davon in Deutschlands

größter Rettungsstelle.

Doch von Ruhe, Auszeit oder Schongang

hält der gebürtige Bielefelder gar nichts.

Der renommierte Unfallchirurg ist rastlos,

energiegeladen und steckt voller Ideen. Mit

Hochdruck und Leidenschaft arbeitet er an der

Fortentwicklung seines Lebenswerkes, dem

ukb-Gesundheitscampus, der mit jedem Jahr

neue innovative Facetten erhält. Ekkernkamp:

„Wir entwickeln hier einen umfassenden

Gesundheitscampus, der die Sektorengrenzen

zwischen niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern

und Rehabilitation durchbricht

und alle Gewerke sinnvoll vernetzt.“ Zum

Campus gehören bereits eine Poliklinik, eine

Akutgeriatrie, eine psychosomatische Klinik

und eine Augenklinik. Auch ein hochmodernes

Schlaganfallmobil ist am ukb stationiert. In

Kürze eröffnet eine große Klinik für Rehabilitation

ihre Pforten. Und es ist immer noch

viel in Bewegung: Es wird ein Gebäude für den

Arbeitsmedizinischen Dienst entstehen, die

IB-Hochschule – eine Einrichtung des traditionsreichen

Internationalen Bundes – wird

sich ansiedeln, und auch ein Hotelneubau soll

kommen. Das jüngste Projekt ist ein „Smart

Living Haus“, für das die Bauarbeiten gerade

begonnen haben. Dort soll künftig der Bevölkerung

demonstriert werden, mit welchen

modernen Methoden man zu Hause älter

werden kann, ohne ständig einen Pflegedienst

haben zu müssen.

Prof. Dr. Dietmar Enderlein

DER KLINIK-

UNTERNEHMER

Ursprünglich wollte Dietmar Enderlein, der in

den Kriegswirren des Jahres 1943 in Plauen

geboren wurde, Innenarchitekt werden. Doch

daraus wurde nichts, denn er schlug eine

Karriere ein, die ihn zu einem der weniger Gewinner

in zwei Systemen werden ließ – in der

damaligen DDR und im geeinten Deutschland.

Mit 20 Jahren ging Enderlein nach Greifswald

zum Medizinstudium an der Militärmedizinischen

Sektion, die unter dem Dach der

Ernst-Moritz-Arndt-Universität angesiedelt

war. Er wurde Offizier und Facharzt für Arbeits-

und Sozialmedizin. Bereits im Alter von

40 Jahren war er Professor, 1988 stieg er zum

Kommandeur der Militärmedizinischen Sektion

in Greifswald auf. Der Zusammenbruch der

DDR verhinderte nicht nur die Krönung seiner

militärischen Laufbahn – er sollte General

werden –, sondern entzog ihm komplett seine

berufliche Existenz.

Schon Anfang 1990 legte er den Grundstein

für seinen Neuanfang: Er gründete die auf

medizinische Dienstleistungen spezialisierte

MEDIGREIF GmbH – es war seinerzeit die

erste Firmenneugründung in Greifswald

und Umgebung. Er trotzte dem Gegenwind,

den Bürgerrechtler und Neider in den

Anfangsjahren entfachten. Über die Jahre

baute Enderlein die MEDIGREIF GmbH zu

einem ostdeutschen Klinikkonzern aus, zu

dem in Spitzenzeiten 20 Unternehmen und

Gesellschaften mit bis zu 1.600 Mitarbeitern

gehörten. Heute unterhält seine Unternehmensgruppe

mit 600 Beschäftigen fünf

Rehakliniken in Greifswald und auf der Insel

Usedom.

Speziell Kunst und Kultur profitieren von

Enderleins fortgesetztem Erfolg: Seit Jahren

unterstützt er als „Platin-Stifter“ die Festspiele

Mecklenburg-Vorpommern sowie das

Usedomer Musikfestival.

Foto: ukb/M. Hübner, MEDIGREIF GmbH

Foto: Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG, GK Software SE, Zirconicusso - Freepik.com

Dr. Holger Födisch

DER MESSTECHNIKER

300.000 Mark – damit fing 1991 alles an.

Genau diese Summe investierte Dr. Holger

Födisch auf Kredit, um von der Treuhandanstalt

den Versuchsstand des VEB Entstaubungstechnik

Edgar André in Markranstädt zu

erwerben. Der Betrieb, in dem zu DDR-Zeiten

Filter für Industriebetriebe entwickelt und

getestet wurden, war allerdings in keinem

markttauglichen Zustand. Folgerichtig war

Födisch, zuvor dort Betriebsleiter, gemeinsam

mit drei Kollegen der einzige Interessent und

ging – rückblickend betrachtet – ein eigentlich

kaum vertretbares unternehmerisches Risiko

ein.

Doch der Mut des heute 59-jährigen gebürtigen

Wolfeners wurde belohnt. Aus den einst

maroden Hallen erwuchs ein innovatives

mittelständisches Unternehmen und ein

Konzern mit über 200 Mitarbeitern, die rund

35 Millionen Umsatz erwirtschaften. Die

Staubmesstechnik aus Markranstädt ist vor

allem in China eine gefragte Technologie, seit

die chinesische Regierung den ungehemmten

Industrieemissionen im Land den Kampf angesagt

hat. Aber auch Gasanalysegeräte gehören

zu den Verkaufsschlagern der Dr. Födisch

Umweltmesstechnik AG.

Den Grundstein dieses unternehmerischen

Erfolgs legte Födisch mit einem Studium im

damals noch jungen Fach Umwelttechnik

an der TH Merseburg. Dort entwickelte der

promovierte Ingenieur nebenbei das Staubmessgerät

PFM 92, später das erste Produkt,

mit dem sein noch junges Unternehmen auf

dem Markt Fuß fassen konnte. Heute entwickeln

die Sachsen

ihre Messtechnik

laufend weiter.

Jüngste innovative

Idee: der Einbau

eines Umweltmoduls

in Straßenlaternen

zur Messung der

Feinstaubbelastung.

2019 wurde Holger

Födisch zu Sachsens

Unternehmer des

Jahres gekürt. Dabei

floss nicht nur die

unternehmerische

Leistung des Mittelständlers

in die

Bewertung der Jury

ein, sondern auch

sein Einsatz für seine Mitarbeiter und die Region.

Der Unternehmenssitz in Markranstädt

ist ein Vorzeigebetrieb mit selbst produziertem

Solarstrom und eigener Sporthalle für die

Mitarbeiter. Und das Gewandhaus zu Leipzig

fördert die Födisch Umweltmesstechnik AG

neuerdings als Advanced Partner.

Rainer Gläß

DER BILL GATES DES

VOGTLANDS

Als Bill Gates des Vogtlands wird Rainer

Gläß in der Öffentlichkeit schon einmal gern

apostrophiert. Ganz von der Hand zu

weisen ist der Vergleich nicht.

Schließlich gründete Gläß

sein Unternehmen, die

heutige GK Software

SE, im August 1990

zusammen mit

seinem Partner

Stephan Kronmüller

– wenn

schon nicht in

einer Garage,

dann doch als

Zwei-Mann-Unternehmen

im heimischen

Wohnzimmer.

Ausschlaggebend

war das Vertrauen

des heute 60-Jährigen,

der an der Uni Dresden

Informationstechnologie

studiert hatte, in die eigenen

Programmierkünste. Die Aufbruchsstimmung

nach der Wende nutzte Gläß zum

Sprung in die Selbstständigkeit . Von da an

ging es steil bergauf. Mit Software-Lösungen

für den Einzelhandel stieg das Unternehmen

aus der Kleinstadt Schöneck zur europäischen

Aktiengesellschaft auf. Einige der weltweit

größten Einzelhandelsunternehmen zahlen

heute auf das Kundenkonto der Vogtländer

ein. Mehr als 1.000 Mitarbeiter arbeiten für

den Global Player aus der Provinz, der Standorte

u. a. in Südafrika, Russland, der Ukraine

und den USA unterhält. Mit Akquisitionen im

Bereich der Künstlichen Intelligenz stärkte

Gläß zudem jüngst den Ruf der Vogtländer als

Innovationsführer.

Vom Erfolg der GK Software SE profitiert auch

die Region. Gläß, privat leidenschaftlicher Skifahrer

und sogar Verfasser eines Buches über

den Skilauf, fördert mit seinem Unternehmen

u. a. den Skiclub Schöneck, das Sportgymnasium

in Klingenthal, aber auch das Kinderheim

„Tannenmühle“ in Erlbach/Vogtland und den

Tourismus in der Region.

Gerade auch für dieses gemeinwohlorientierte

Engagement erhielt Rainer Gläß den Bundesverdienstorden

und wurde 2018 zu Sachsens

Unternehmer des Jahres gekürt. Nicht zuletzt

auch, weil er sich für die Förderung der Startup-Kultur

und für besonders familienfreundliche

Arbeitsbedingungen einsetzt.


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 51

Ilona Glawion

DIE METALLBAU-

UNTERNEHMERIN

Die Firma Glawion ist ein Kleinod im Landkreis

Barnim und hat eine Chefin, die dazu passt.

Im Dezember 1990 nahm Ilona Glawion, eine

gelernte Zerspanerin vom Kranbau Eberswalde,

mit gerade 32 Jahren die Geschicke selbst

in die Hand und gründete mit ihrem Mann eine

eigene Firma. Es war eine Ausgründung des

Werkzeugbaus aus der Kranbau Eberswalde

GmbH, die sich über eine Tief- und Werkzeugbau

GmbH zum heutigen äußerst kreativen

Metallbaubetrieb mit 4,5 Millionen Euro

Umsatz im Jahr entwickelte.

Ilona Glawion, die gleich 1991 im Abendstudium

noch eine kaufmännische Ausbildung

machte, steuert seit 1994 als Geschäftsführerin

das Unternehmen mit der ihr eigenen ruhigen,

klugen Art. Metallbau Glawion hinterließ

dabei weit über den Barnim hinaus markante

Spuren – ob am Sony-Center in Berlin, beim

Bau der Nordischen Botschaften, im Sächsischen

Landtag oder an den Teleskopen des

Max-Planck-Institutes in Heidelberg. Führend

ist das Unternehmen mit seinen 34 Mitarbeitern

heute auf seinem Spezialgebiet, den Kugelkäfigen

für Großwälzlager – für Windräder

oder Tunnelbohrmaschinen. Hochgeschätzt

wird der Betrieb für seine Ausbildung, von der

viele andere Unternehmen profitieren. 18 Azubis

sind es derzeit, insgesamt waren es schon

mehr als 300. Dabei gibt Ilona Glawion immer

wieder Geflüchteten die Chance, den Weg in

die Arbeitswelt zu finden.

Das neueste Projekt der Unternehmerin soll

auch ihre „Altersbeschäftigung“ werden. Ilona

Glawion, geboren im Jahr 1957, kaufte die

Ragöser Mühle, ein abgebranntes Areal unweit

des Klosters Chorin, das sie zu einem kleinen

touristischen Zentrum entwickelt – mit Pension,

Café und einem selbstgebauten neuen

Wasserrad aus Edelstahl. Geben wird es dort

auch einen Stall, in dem dann die Pferde der

passionierten Hobbyreiterin stehen werden.

Margret Gleiniger

DIE BOTSCHAFTERIN

DES ERZGEBIRGES

Botschafterin des Erzgebirges – diesen wohlklingenden

Titel verlieh Margret Gleiniger, Geschäftsführerin

der KSG GmbH in Gornsdorf,

2010 eine regionale Wirtschaftsinitiative, die

sich für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts

Erzgebirge einsetzt. Eine Würdigung, mit

der auch das Engagement der 57-jährigen

Unternehmerin für die Menschen in der Region

honoriert wurde. Und dieses Engagement gilt

insbesondere der Förderung von Kindern und

Jugendlichen. Margret Gleiniger, die seit 2016

an der Spitze des Unternehmens steht, setzt

sich in mehreren regionalen Gremien für die

Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen

Wirtschaft und Schule ein, seit 2014 ist sie

Mitglied in der regionalen Jury zur Vergabe des

Qualitätssiegels für Berufs- und Studienorientierung

des Sächsischen Kultusministeriums

an sächsische Schulen.

Das ehrenamtliche Wirken der KSG-Chefin

zahlt sich auch für das Unternehmen aus:

Viele Mitarbeiter der KSG GmbH stammen

aus dem Umland, die Fluktuation im Betrieb

ist gering – der Leiterplattenhersteller gilt als

wichtiger Arbeitgeber im Landstrich südlich

von Chemnitz. Schließlich zählt die KSG GmbH

mittlerweile zu den Top Drei der Leiterplattenproduzenten

in Europa. Die Sachsen verstehen

sich als innovativer Technologieführer und

Vorreiter bei Hochfrequenz- und Hochstromanwendungen.

Mit ihren Produkten ist die KSG

GmbH mit ihren Standorten im erzgebirgi-

Foto: Metallbau Glawion GmbH, KSG GmbH

Foto: Gollmann Kommissioniersysteme GmbH, InfraLeuna GmbH, Fotograf Matthias Wuttig

schen Gornsdorf und im österreichischen Gars

am Kamp ein gefragter Partner, wenn es gilt,

Zukunftstechnologien wie das automatisierte

Fahren in der Automobilindustrie oder den Einsatz

Künstlicher Intelligenz in der industriellen

Produktion voranzutreiben.

Daniel Gollmann

DER AUTOMATEN-

HERSTELLER

Diesen Termin ließ sich Sachsen-Anhalts

Ministerpräsident Reiner Haseloff nicht nehmen.

Als die Gollmann Kommissioniersysteme

GmbH aus Halle (Saale) 2018 zwölf Jahre nach

der Firmengründung neue Räumlichkeiten bezog,

gehörte auch Sachsen-Anhalts Landesvater

zu den Gästen. Kein Wunder, Unternehmergeschichten

wie die von Daniel Gollmann

sind auch in Sachsen-Anhalt selten.

Der heute 41-jährige Firmengründer Daniel

Gollmann wagte sich 2006 mit einer Handvoll

Mitarbeiter und der Idee der Automatisierung

von Rollschränken für Apotheken in einer

schwierigen Branche in die Selbständigkeit.

Heute exportiert Gollmann seine Automaten in

15 Länder auf drei Kontinenten. Das Erfolgsrezept:

Die Gollmann Automaten passen sich

den Räumlichkeiten der jeweiligen Apotheke

an und eröffnen den Kunden zahllose individuelle

Anpassungsmöglichkeiten. Gollmann

produziert seine Kommissioniersysteme

ausschließlich in Halle. Täglich verlässt dort ein

patentierter Gollmann-Apothekenautomat die

neue Produktionsstätte.

Gollmanns

Geschäftsidee

entstand bereits

während seines

Studiums der

Mechatronik an der

heutigen Hochschule

Merseburg.

Hier machte der

Unternehmer 2003

seinen Abschluss,

dem ein weiterer

betriebswirtschaftlicher

an der HHL

Leipzig folgen sollte.

Nach einem beruflichen

Abstecher in

die Schweiz, kehrte

Gollmann zum Firmenaufbau

in seine

Heimatstadt zurück.

Wo es ihm nach wie

vor ausnehmend gut gefällt. „Halle ist klar

und ehrlich“, sagte Gollmann einmal über die

Saalestadt.

Dr. Christof Günther

DER CHEMIEPARK-

MANAGER

Es gibt nur wenige Erfolgsgeschichten in

der ostdeutschen Wirtschaft, die mit so

beeindruckenden Zahlen aufwarten können

wie die Chemieparks im mitteldeutschen

Chemiedreieck. Einer davon ist der Chemiepark

Leuna, betrieben von der InfraLeuna

GmbH. „Die Chemieparks in Sachsen-Anhalt

sind industrielle Leuchttürme und gelten als

Musterbeispiel für einen gelungenen Strukturwandel

in Ostdeutschland“, sagt deshalb Dr.

Christof Günther, der im Juli 2012 die alleinige

Geschäftsführung der InfraLeuna GmbH übernommen

hat.

Jüngst konnte sich davon sogar das belgische

Königspaar überzeugen, das dem Chemiestandort

Leuna einen offiziellen Besuch

abstattete. Was das Thronpaar zu sehen

bekam: einen Chemiepark mit großer Historie,

auf dem mehr als 100 Firmen aus zehn Nationen

ansässig sind und in dem rund 10.000

Menschen ihrer Arbeit nachgehen. Nach einer

tiefgreifenden Modernisierung setzt der

Chemiepark Leuna heutzutage Maßstäbe in

puncto Wettbewerbsfähigkeit und gehört zu

den Top-Adressen für moderne Chemie in

Europa. Jedes Jahr werden 12 Millionen Tonnen

Güter hergestellt. Dazu gehören chemische

Grundstoffe, Spezialprodukte und Kraftstoffe

wie Benzin und Diesel. Für die nächsten zwei

Jahre werden am Standort Leuna Investitionen

in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro

erwartet.

Die Geschicke des Chemieparks leitet Dr. Günther

seit 2012. Dabei begann seine berufliche

Laufbahn gar nicht in der Chemiebranche,

sondern im VEB Reparaturwerk „Clara Zetkin“

in Erfurt. Später studierte Günther, 1969 in

Saalfeld geboren, Elektrotechnik und Betriebswirtschaftslehre

an der TU Ilmenau, nach Auslandsaufenthalten

beendete er sein Studium

1997 an der TU Berlin als Diplom-Wirtschaftsingenieur.

Nach verschiedenen Führungspositionen in der

Energiebranche ist Günther seit 2004 bei der

InfraLeuna GmbH tätig und auch in wichtigen

Gremien und Verbänden der Branche aktiv.

Und ihm liegt am Herzen, dass auch künftige

Generationen die Erfolgsgeschichte des

Chemiedreiecks fortschreiben. Die InfraLeuna

GmbH beteiligt sich so beispielsweise an der

Aktion „Pro Chemieunterricht“ und unterstützt

Schulen im Landkreis bei der Anschaffung

von neuen Geräten und Chemikalien. 2016

wurde ihm die Ehrenmedaille der Stadt Leuna

verliehen.


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 53

Kay Gundlack

DER SCHUHKÜNSTLER

Kay Gundlack hat sich seinen Kindheitstraum

erfüllt. Er stellt hochwertige Maßschuhe her.

In reiner Handarbeit. Alles Unikate, viele aus

exotischen Lederarten. Entgegen dem Trend

der kriselnden Schuhbranche hat der 46-Jährige

mit seiner Schuhmanufaktur in Parchim

großen Erfolg. Seine Kunden kommen aus aller

Welt.

Wenn man das Ladenlokal in dem orangerot

verputzten Haus am neuen Markt betritt, wird

man von exklusiver Atmosphäre umweht. An

den Wänden offene Vitrinen mit atemberaubend

schönen Schuhen, vorrangig für Herren.

Daneben viele Bilderrahmen, aus denen Prominente

mit Schuhmachermeister Gundlack

um die Wette lächeln. Dazu eine gediegene

Hausbar, ein ledernes Sofa, aus Wurzelholz

gefertigte Sessel und sogar ein gut sortierter

Humidor. Solch gehobenes Ambiente erwartet

man in Parchim eigentlich nicht. Doch Kay

Gundlack hat sich bewusst für Parchim entschieden.

Hier hat er seine Lehre zum Orthopädieschuhmacher

absolviert und hier hat er

sich vor 14 Jahren selbstständig gemacht. Der

Start war für den jungen Schuhmachermeister

allerdings recht steinig. Denn zunächst mangelte

es an betuchten Kunden. Denn mindestens

1.500 Euro für ein Paar handgemachte

Schuhe kann sich in

dieser Region kaum

jemand leisten.

Doch ein TV-Beitrag

verhalf zum Durchbruch.

Heute zählen

unzählige Prominente

zu seinen Kunden

– Stargeiger David

Garret, Show-Ikone

Thomas Gottschalk,

Ryan Tedder (von

der Band OneRepublic),

Joachim Llambi

(Let’s-dance-Juror)

oder Komiker

Markus Majowski.

Nicht alle kommen

nach Parchim, da

Gundlack – ganz

Dienstleister – zu

seinen Kunden fährt,

um das Aufmaß zu

nehmen. Aber sie alle

verbinden den Namen

der Kleinstadt

mit dem Wissen, dass hier einer der angesagtesten

Schuhmachermeister Deutschlands zu

Hause ist.

Bernhard Helbing

DER FENSTERBAUER

Bernhard Helbing ist, so sagen seine Wegbegleiter,

eine mittelständische Unternehmerpersönlichkeit,

die es so nur sehr selten

gibt. Dabei stammt der geschäftsführende

Gesellschafter der TMP Fenster + Türen

GmbH in Bad Langensalza von Hause aus

eigentlich aus der Agrarwirtschaft. In Halle

(Saale) hat er einst seinen Abschluss als

Diplomagraringenieur gemeistert, agierte

sogar nach 1990 für zwei Jahre als stellvertretender

Landesgeschäftsführer des Thüringer

Bauernverbandes.

Doch das Jahr 1992 erwies sich für Helbing

als persönliches Wendejahr, er wurde „vom

Bauern zum Fensterbauer“, wie er seinen

Einstieg in die TMP Fenster + Türen GmbH

einmal selbst charakterisierte. Der Quereinsteiger

übernahm ein junges Unternehmen,

das im Übrigen selbst aus einem ehemaligen

landwirtschaftlichen Betrieb hervorgegangen

war.

Unter Helbings Ägide wuchs der Thüringer Betrieb

zu einem der erfolgreichsten deutschen

Unternehmen im Fenster- und Türenbau heran.

In Bad Langensalza produziert es Fenster,

Türen und Wintergärten aus Kunststoff und

Aluminium für Kunden in aller Welt.

Doch es ist nicht allein dieser Erfolg, der

Helbing, Jahrgang 1954, aus der Masse der

Unternehmer hervorhebt. Der zweifache

Vater ist weit über Bad Langensalza auch für

sein bürgerschaftliches Engagement bekannt.

Auch dafür erhielt er aus den Händen des

thüringischen Ministerpräsidenten Bodo

Ramelow das Bundesverdienstkreuz, so wie

er zuvor auch schon mit dem Thüringer Ehrenamtspreis

ausgezeichnet worden war.

Helbing stand dem Institut für Fenstertechnik

(Ift Rosenheim) ebenso vor wie langjährig dem

Verband Fenster + Fassade (VFF) oder der

Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren.

Sein Unternehmen gilt als wichtiger Sponsor

im Jugend- und Sportbereich in der Region,

u. a. mit dem TMP-Weitsprungmeeting und

der TMP-Jugendtour im Radsport.

Und wie es sich für einen vorbildlichen Mittelständler

gehört, hat Helbing auch bereits

seine Nachfolge geregelt. 2021 soll der

Staffelstab weitergereicht werden. Dann wird

der Thüringer ein Unternehmen übergeben,

das sich längst für aktuelle Zukunftsthemen

wie Ressourcenschonung und Digitalisierung

gerüstet hat.

Katja Hillenbrand

DIE FAMILIENFREUNDLICHE

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – für

viele junge Arbeitnehmer wird diese Frage

immer mehr zum Schlüsselkriterium bei der

Arbeitsplatzwahl. Und für Unternehmen

Foto: W+M, TMP Fenster + Türen GmbH

Foto: Micas AG, W+M

abseits der großen Städte wie beispielsweise

die Micas AG im erzgebirgischen Oelsnitz zu

einem wichtigem Argument bei der Suche

nach Fachpersonal. Katja Hillenbrand (49),

Gründerin und Vorstandsvorsitzende der

Micas AG, hat das früh erkannt. Auch weil

sie selbst als junge Mutter ein Unternehmen

gründete, die Kinder in der Anfangszeit oft zu

Geschäftsterminen mitnehmen musste. Die

Wahl-Sächsin, eigentlich aus dem schwäbischen

Albstadt stammend, richtete in ihrem

Unternehmen deshalb 2009 einen Betriebskindergarten

und 2013 einen Hort ein und

wurde so zur Vorbild-Unternehmerin in puncto

Familienfreundlichkeit. Auch außerhalb des

Unternehmens hilft sie gern, wenn es um die

Förderung von Kindern oder Familien geht.

Hillenbrand erhielt einen Sonderpreis beim

CSR-Preis der Bundesregierung für besondere

soziale Verantwortung im Unternehmen

und wurde auch schon zu Sachsens Unternehmer

des Jahres gewählt. Dort zählte

natürlich aber auch der unternehmerische

Erfolg: Die Micas AG entwickelt und produziert

unter anderem hochqualitative Sensoren

und Steuerungen in der Gebäudeautomation.

Seit der Gründung im Jahr 2000 ist das

Unternehmen kontinuierlich gewachsen und

auch auf Auslandsmärkten erfolgreich. Auch

Wirtschaft + Markt würdigte die Micas AG

jüngst als einen der innovativen Leuchttürme

der ostdeutschen Wirtschaft.

Christian Herrmann

DER BUSUNTERNEHMER

Christian Herrmann ist erst 40 Jahre alt,

aber schon Chef eines der größten Busunternehmen

im Osten Berlins. Er führt die Dr.

Herrmann Gruppe in zweiter Generation.

Sein Ziel ist es, das Unternehmen zu einem

Verkehrsdienstleistungszentrum zu profilieren

und damit dem Wandel der Omnibusbranche

zuvorzukommen.

Am liebsten ist es Christian Herrmann, wenn

er auf dem 57.000 Quadratmeter großen Areal

seines Unternehmens keinem Bus begegnet.

„Dann weiß ich, dass die ganze Flotte im Einsatz

ist und Geld verdient.“ Unter der Flagge

der Dr. Herrmann Gruppe fahren derzeit 45

Busse. Sie sind im Linienverkehr, im Touristikbereich

und als Ausbildungsfahrzeuge im Einsatz.

Mit insgesamt 180 Mitarbeitern betreibt

Herrmann neben der Bussparte ein Verkehrsbildungszentrum,

in dem pro Jahr rund

450 Fahrschüler ihren Führerschein erwerben

und 500 Berufskraftfahrer diverse Aus- und

Weiterbildungen durchlaufen. Darüber hinaus

kümmert sich eine Werkstatt sowohl um die

Instandhaltung der eigenen Fahrzeuge als

auch um größere Reparaturen, unter anderem

für die städtischen Verkehrsbetriebe. Im letzten

Jahr erwirtschaftete das Familienunternehmen

einen Umsatz von rund 12 Millionen

Euro. In Berlin gilt Christian Herrmann damit

als Mittelständler im höheren Segment.

Mit 18 Jahren trat er in den väterlichen Betrieb

ein. Er lernte den Beruf eines Reiseverkehrskaufmanns,

aber auch Schlossern und

Busfahren. „Auch heute noch setze ich mich ab

und an hinters Steuer, das ist für mich Passion

und wichtige Erfahrung zugleich. Schließlich

habe ich seit meiner frühen Kindheit de facto

Diesel im Blut“, sagt Herrmann.


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 55

Sybille Kaiser

DIE KERAMIK-FACHFRAU

Rummel um ihre Person möge sie nicht so,

sagt Sybille Kaiser, seit 1999 Geschäftsführerin

der Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH,

wenn man sie auf ihre vielen ehrenamtlichen

Aktivitäten anspricht. Sie seien dann aber

doch hier erwähnt: Kaiser, geboren 1957, ist

Präsidentin des Bundesverbands der Keramischen

Industrie, Mitglied des Präsidiums der

Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

und des Bundesverbands

der Deutschen Industrie sowie – und dies

ist ihr eine besondere Herzensangelegenheit

– Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe

für Menschen mit geistiger Behinderung

Saale-Holzland-Kreis. Ein Engagement, das

sich auch in der beispielhaften Integration

von Menschen mit Behinderungen in ihrem

Unternehmen widerspiegelt.

Sybille Kaiser, aufgewachsen in Bad Klosterlausnitz,

hat das ostthüringische Traditionsunternehmen

durch wechselhafte

Zeiten geführt. Die Hermsdorfer sind auf die

Entwicklung und Herstellung technischer

Keramik spezialisiert. Zu ihren wichtigsten

Produkten zählen wabenkörperförmige

Wärmetauscher für Abgas- und Abluftreinigungsanlagen.

Außerdem entwickeln die

Thüringer keramische Spezialanwendungen

für Chemieanlagen, Schleifmaschinen, den

Isolierkörperbau, Nachrichtentechnik sowie

die Glasindustrie als intelligente Alternativen

zu Kunststoff und Metall.

Für den anspruchsvollen Beruf des Keramikers

versucht Kaiser immer wieder junge

Menschen zu begeistern. Jüngst wurde die

Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH von der IHK

Ostthüringen zum Top-Ausbildungsunternehmen

im Saale-Holzland-Kreis gekürt. Denn

die Hermsdorfer, bekannt für ihre familiäre

Arbeitsatmosphäre, bemühen sich um Studienabbrecher

ebenso wie um Flüchtlinge, um

ihnen eine berufliche Perspektive aufzuzeigen.

Katrin Katzung

DIE EHRENAMTLERIN

Weimar – für Katrin Katzung ist die Klassikerstadt

im Herzen Thüringens mehr als

nur ein Arbeitsort. Wenn die Bezeichnung

„gelebtes Ehrenamt“ auf eine Unternehmerin

zutrifft, dann auf den unermüdlichen Einsatz

der 53-jährigen Diplomingenieurin für ihre

Heimatstadt. Als stellvertretende Vorsitzende

der Bürgerstiftung Weimar organisiert sie

Veranstaltungen und wirbt regelmäßig um

Spenden und Stifter. Die Bürgerstiftung Weimar,

eine von den Bürgerinnen und Bürgern

der Stadt getragene Gemeinschaftsstiftung,

unterstützt beispielsweise Kinder- und Jugendprojekte,

aber auch Kunst und Kultur, den

Umwelt- und Naturschutz oder die Betreuung

von Behinderten und Senioren. Auch dem

Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums

e. V. gehört Katzung an und ist Mitglied im

Vorstand der Weimarer Kunstgesellschaft

von Cranach bis Rohlfs e. V. Für dieses zivilgesellschaftliche

Engagement erhielt die Weimarerin

den Verdienstorden des Freistaates

Thüringen und die Ehrennadel der IHK Erfurt.

Zuvorderst ist Katrin Katzung aber auch

erfolgreiche Unternehmerin. Noch vor 1990

begann sie an der Hochschule für Architektur

und Bauwesen – der heutigen Bauhaus-Universität

Weimar – ein Studium der Baustoffverfahrenstechnik.

Ihr Abschluss jedoch fiel

in die Wendezeit. Katrin Katzung nutze die

neuen Möglichkeiten – 1991 gründete sie mit

Ehemann Uwe das Baubüro Katzung, spezialisiert

vor allem auf die Beratung, Konzeption

und Leitung von Tiefbauprojekten. Jährlich

betreut das Ingenieurbüro so rund 70 bis 80

Projekte in Mitteldeutschland – die Aufträge

reichen vom öffentlichen Straßen- und Kanalbau

bis hin zur Erschließung

von Gewerbegebieten.

Von

diesen beruflichen

Erfahrungen möchte

die Diplom-Ingenieurin

auch etwas

vor allem an junge

Unternehmerinnen

weitergeben.

Katzung engagiert

sich als Vorsitzende

des Thüringer

Verbandes der

deutschen Unternehmerinnen

und

leitet jenen Verein,

der den Emily-Roebling-Preis

an herausragende

Frauen

in der Wirtschaft

verleiht.

Foto: Porzellanfabrik Hermsdorf GmbH, Rolf Berger

Foto: 1.FC Union Berlin, Commerzbank AG, MOL Katalysatortechnik GmbH

Thomas Koch

DER AUTOHÄNDLER

„Autos kauft man bei Koch.“ Dieser Spruch

ist in Berlin und im Umland allgegenwärtig.

Der Mann hinter diesem Werbeslogan heißt

Thomas Koch, Jahrgang 1962. Innerhalb von

27 Jahren hat er sich ein kleines Imperium in

der Autobranche aufgebaut. Heute zählt seine

„Koch Automobile AG“ zu den 70 größten

Autohäusern in ganz Deutschland. Er und seine

400 Mitarbeiter verkaufen pro Jahr mehr als

9.000 Autos der Marken Mazda, Volvo, SEAT

und Citroën. Der Jahresumsatz beläuft sich auf

rund 200 Millionen Euro.

Vorgezeichnet war dieser Weg nicht. Koch studierte

zu DDR-Zeiten Außenwirtschaft an der

Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst.

Nach der Wende machte er sich selbstständig.

Gründete zunächst mit Gleichgesinnten eine

Transportfirma, mit der er Umzüge fuhr. Hinzu

kamen ein Taxi- und ein Schwerlastbetrieb.

Als er im Jahr 1992 schließlich zwei Plätze für

den Autohandel übernahm, konzentrierte er

sich voll und ganz auf diese Sparte, obwohl der

erste Autorausch im Osten, der mit der D-Mark

eingesetzt hatte, schon verflogen war.

Seine große Liebe ist seit jeher der in diesem

Jahr erstmals im deutschen Fußball-Oberhaus

spielende 1. FC Union Berlin. Seit seinem 14.

Lebensjahr hält er dem Kultklub die Treue. Vor 20

Jahren stieg er als Sponsor bei den Köpenickern

ein, 2004 wurde er in den Aufsichtsrat gewählt.

Seit sieben Jahren lenkt er die Geschicke als

Union-Aufsichtsratschef und hat mit seinem Engagement

einen nicht unerheblichen Anteil am

Höhenflug des Vereins von der „Alten Försterei“,

der für viele Fans bis heute einem Traum gleicht.

Michael Kotzbauer

DER BANKENVERBANDS-

CHEF

Michael Kotzbauer wurde 1968 in New York

geboren. Seit 1996 übernahm der gelernte

Bankkaufmann und Diplom-Betriebswirt

(FH) nach einem mehrjährigen Traineeprogramm

verschiedene leitende Positionen

bei der Commerzbank AG, unter anderem

für knapp zwei Jahre die des Regionalvorstands

Asien mit Sitz in Schanghai. 2013

wurde er Bereichsvorstand für große und

kapitalmarktnahe Unternehmen in Süd- und

Ostdeutschland. 2016 wurde er - überregional

- Bereichsvorstand Corporate Banking in

der Commerzbank Zentrale in Frankfurt am

Main. Seit Anfang 2017 ist Michael Kotzbauer

als Bereichsvorstand Mittelstandsbank für die

Region Mitte/Ost verantwortlich, mit Büros

in Frankfurt und Berlin. 2018 ernannte ihn der

Beirat des Ostdeutschen Bankenverbandes

zum Vorsitzenden des Vorstands. Der bereits

1949 gegründete Verband vertritt die Banken

in privater Rechtsform, die ihren Sitz oder

Geschäftsstellen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern,

Sachsen, Sachsen-Anhalt

oder Thüringen haben. Gemeinsam mit

seinen Vorstandskollegen gibt er auf der Basis

der Beschlüsse der Mitgliederversammlung

und des Beirats die Grundlinien für die laufende

Verbandsarbeit vor. Seit dem 1. Mai 2019 ist

Michael Kotzbauer zudem Vorsitzender des

Aufsichtsrates des #openspace der Commerzbank

AG. Die Commerzbank-Tochter mit

Hauptsitz in Berlin unterstützt den deutschen

Mittelstand dabei, die Chancen in der digitalen

Ökonomie zu erkennen und sowohl strategische

als auch operative Herausforderungen in

jeder Branche zu meistern.

Dr. Jürgen Koppe

DER REINIGUNGS-

FACHMANN

Sauberes Wasser ist eines der Anliegen von

Dr. Jürgen Koppe, Geschäftsführer der MOL

Katalysatortechnik GmbH. Um schädliche

Biofilme zu beseitigen, hat das 1995 von Koppe

gegründete Unternehmen aus Merseburg

verschiedene Verfahren erfolgreich im Markt

eingeführt. Biofilme hemmen den Durchfluss

in Rohren oder setzen sich in Standwasserleitungen

und Klimaanlagen fest. Dort können

sie Materialschäden verursachen oder als

Hort von Bakterienansammlungen auch die

menschliche Gesundheit gefährden.

Die Produkte aus Merseburg, die Jürgen Koppe,

in seiner Freizeit übrigens ein begeisterter

Hobbymaler, und seine Mitarbeiter entwickelt

haben, kommen mittlerweile weltweit zum

Einsatz. Dafür wurde das Unternehmen schon

mehrfach mit Umwelt- und Innovationspreisen

ausgezeichnet – so beispielsweise 2016 als

Bundessieger in der Initiative „Deutschland

– Land der Ideen“ in der Kategorie „Umwelt“.

Innovationspreise empfindet der 1954 in der

Lutherstadt Wittenberg geborene Koppe

immer auch als eine Möglichkeit, neue Technologien

auf ihre Resonanz in der Öffentlichkeit

zu testen.

Eine aktuelle Produktentwicklung aus der

Merseburger Ideenschmiede ist ein kleiner

Zauberwürfel namens MOL LIK CUBE HOME.

Damit kommen auch Privathaushalte in den

Genuss der MOL-Innovationen. Erster Anwendungsfall

ist die heimische Spülmaschine. MOL

LIK CUBE HOME hilft, unangenehme Nebeneffekte

wie Gerüche, Glaskorrosion, Rostflecken

und Kalk aus der Spülmaschine zu verbannen

– und das ohne chemische Zusätze.


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

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MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 57

Michael Krüger

DER IT-TRIATHLET

Eigentlich ist Michael Krüger ja Basketballer.

Seine Vita weist ihn als begeisterten Freizeit-Korbjäger

im Universitätssportverein

Halle aus. Aber auch der Triathlon liegt dem

Wirtschaftsinformatiker aus Halle, seit 2001

Geschäftsführer der GISA GmbH, am Herzen.

Denn das IT-Geschäft ist dem Dreikampf der

Athleten durchaus verwandt. In der IT heißen

die Disziplinen: Beratung, Betreuung und

Betrieb. Darauf versteht sich die GISA GmbH

seit mehr als 25 Jahren. Als IT-Partner von

mehr als 330 Unternehmen und Institutionen

deutschlandweit wird die GISA GmbH mit über

800 Mitarbeitern unter den fünf führenden

IT-Dienstleistern in der Energiebranche

gerankt. Und seit die Versorger im Zuge der

Digitalisierung neue Geschäftsmodelle suchen,

steigt der Bedarf am IT-Service der GISA

GmbH weiter.

Diese Prozesse managt GISA-Geschäftsführer

Michael Krüger, Jahrgang 1964, seit mittlerweile

18 Jahren. Er gilt als feste Größe in der

Förderung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts

Mitteldeutschland. So ist

das Unternehmen seit vielen Jahren überzeugter

Partner und Sponsor des IQ Innovationspreises

Mitteldeutschland und verleiht

als Preisstifter den „L. V. Kantorovič-Forschungspreis“

für die beste Dissertation des

wirtschaftswissenschaftlichen Bereiches der

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Im Sport laufen die halleschen Basketballerinnen

unter dem Namen Gisa Lions auf. Und

natürlich: GISA setzt auf Triathlon-Profis und

ist Namenssponsor eines Bundesliga-Triathlon-Teams

sowie mehrerer Teams aus der

Landes- und Regionalliga und des Triathlon-Wettbewerbs

in der Saale-Stadt.

Friedemann Kunz

DER FERTIGHAUS-

UNTERNEHMER

In seinem ersten beruflichen Leben, leitete er

in Schweden einen florierenden Großhandel

für Bürobedarf. In dem skandinavischen Land

wurde er vor 63 Jahren geboren. Die Chancen,

die sich nach der Deutschen Einheit auf der

südlichen Seite der Ostsee auftaten, weckten

das Interesse des jungen Unternehmers. Gemeinsam

mit einem Freund grübelte er darüber

nach, was man Osten Deutschlands auf die

Beine stellen konnte. Da gute Wohnungen in

den neuen Ländern zu Beginn der 1990er-Jahre

knapp waren, war die Idee schnell geboren:

Friedemann Kunz wollte Schwedenhäuser

bauen, „schick, günstig und in guter Qualität“,

wie er später dem Magazin „Capital“ verriet.

Der Wechsel von Schweden nach Mecklenburg-Vorpommern

fiel ihm nicht schwer.

Schließlich stammt seine Familie aus dieser

Region. Der Ururgroßvater gründete im Jahr

1891 in Marlow ein Holzsägewerk. Nach dem

Zweiten Weltkrieg floh die Familie Kunz nach

Schweden. Friedemann Kunz ging nach Marlow,

kaufte das Werk seiner Vorfahren zurück

und stellte es auf die Produktion von Fertighäusern

um. Heute ist die ScanHaus Marlow

GmbH einer der größten Fertighausanbieter

in Deutschland

und erzielte 2018

erstmalig mehr als

100 Millionen Euro

Umsatz. Pro Jahr

stellen die rund 500

Scanhausmitarbeiter

gut 650 bis 700

Häuser her, für deren

Errichtung kaum

mehr als je zwei Tage

bis zum Richtfest

benötigt werden.

Dem Firmenchef

ist es wichtig, sich

auch in der Region

zu engagieren – für

Inklusionsprojekte,

die Freiwillige Feuerwehr

in Marlow, den

Rostocker Zoo und

für diverse Vereine im Spitzen-, Breiten- und

Behindertensport.

Peter Ledermann

DER INTERNET-HÄNDLER

„Köthen und Mercateo gehören für mich

einfach zusammen“, sagte Peter Ledermann,

Vorstand der Mercateo Deutschland AG, einmal

über die Symbiose seines Unternehmens

mit der sachsen-anhaltschen Kleinstadt. Und

dieses Lob gilt nun seit 15 Jahren, denn solange

schon wickelt die erfolgreiche B2B-Plattform

einen Großteil des operativen Geschäfts

in Köthen ab.

Foto: GISA GmbH, ScanHaus Marlow GmbH, Mercateo Deutschland GmbH

Foto: Lischka GmbH, W+M

In der alten Köthener

Kaffeerösterei

mitten im Zentrum

der Bachstadt, mittlerweile

großzügig

erweitert, arbeiten

rund 250 Mitarbeiter,

weltweit sind es 550

in Deutschland und

weiteren 13 Ländern,

darunter auch am

Standort Leipzig.

Mercateo gilt als

größter B2B-Marktplatz

Europas und

Pionier im digitalen

B2B-Handel. Im

Gegensatz zu vielen

anderen Gründungen

der New-Economy-

Ära um die Jahrtausendwende

hat Mercateo einen langen Atem

bewiesen und sich trotz Rückschlägen am

Markt durchgesetzt.

Dazu trug auch das Engagement von Peter

Ledermann bei. Der studierte Betriebswirt,

Jahrgang 1966, stieß zum Unternehmen hinzu,

als der Energiekonzern E.ON zeitweilig bei

Mercateo einstieg. Seine berufliche Laufbahn

begann bei einem Regionalversorgungsunternehmen

des damaligen Bayernwerks,

heute E.ON Energie. Hier baute er das interne

Consulting auf und leitete später die Abteilung

Facility Management, ehe er als Prokurist die

Bereiche Personal und Vertrieb verantwortete.

Ende 2000 wechselte Ledermann die Seiten

und ist heute bei der Mercateo Deutschland

AG zuständig für Personal und Finanzen.

Leonhard Lischka

DER MEDIZINTECHNIK-

UNTERNEHMER

Die Karriere von Leonhard Lischka entwickelte

sich geradlinig und ungewöhnlich zugleich –

vom Elektroinstallateur über den Elektromeister

bis hin zum Inhaber und Geschäftsführer eines

Industriebetriebes, das heute auf allen Kontinenten

und in mehr als 25 Ländern zu Hause ist.

1993 gründete er mit einem Mitstreiter den

Vorläufer der heutigen Lischka GmbH, deren

Hauptsitz sich inzwischen in Berlin-Marzahn

befindet. „Ich wollte es einfach selbst probieren,

ein Unternehmen aufzubauen“, erläutert

der heute 58-Jährige die Beweggründe, ins

Unternehmerfach zu wechseln. Bereut hat

Leonhard Lischka diese Entscheidung nie, seine

Firma hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre

kontinuierlich entwickelt. „Heute gehören wir

international zu den stärksten Herstellern auf

unserem Gebiet“, sagt Lischka selbstbewusst.

Die Firma ist spezialisiert auf Komplettausstattungen

von Krankenhauseinrichtungen im

Bereich Edelstahl und Stahlblech. Oder anders

gesagt: Lischka produziert und vertreibt mit

seinen 75 Mitarbeitern maßgeschneiderte

Funktionsmöbel aus Metall für Kliniken. Der

Jahresumsatz liegt aktuell bei 6,5 Millionen

Euro. Forschung und Entwicklung wird im Hause

Lischka großgeschrieben. Mit seinem neuesten

Produkt, einem innovativen Endoskopie-Lagerschrank,

liegt er im internationalen Wettbewerb

wieder „ganz weit vorn“.

Lischka ist ein Mann, dem neue Ziele nie ausgehen

– langfristig plant er die Übergabe des

Unternehmens an seine Kinder, die bereits in

der Firma mittun. Der Exportanteil soll weiter

wachsen. Und die Produktion soll ausgebaut

werden – mit einer Investition in Höhe von rund

drei Millionen Euro.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für

Unternehmertum interessieren ihn. Daher ist er

Mitglied der Vollversammlung der Berliner IHK

und aktiver Teilnehmer diverser Expertenkreise

in der deutschen Hauptstadt.

Dr. Holger Loclair

DER VERFAHRENS-

CHEMIKER

Trifft man Dr. Holger Loclair zum ersten Mal,

ahnt man nicht, dass er „Vater“ eines Oranienburger

Unternehmens ist, das weltweit 1.700

Beschäftigte hat und einen Jahresumsatz von

mehr als 650 Millionen Euro erwirtschaftet.

Loclair ist ein ausgesprochen zurückhaltender

Mann, beileibe kein Dampfplauderer. Die große

Bühne ist nicht der Lieblingsort des promovierten

Verfahrenschemikers. Sachlich und

bescheiden berichtet der 1951 im mecklenburgischen

Penzin geborene Vorstandsvorsitzende

der ORAFOL Europe GmbH über die Entwicklung

seiner Firma, die von ihrer Entstehung her fast

ein ostdeutsches Mittelstands-Unikat ist.

Denn ORAFOL gilt als eine der wenigen gelungenen

Privatisierungen der Treuhandanstalt unter

Mitwirkung eines ostdeutschen Unternehmers

und Geschäftsführers. Im Jahr 1991 übernahm

Loclair das betriebliche Erbe der früheren

DDR-Firma „VEB Spezialfarben Oranienburg“, in

der er zuvor selbst viele Jahre gearbeitet hatte.

Mit ihm starteten 66 Mitarbeiter ins unternehmerische

Abenteuer. Heute ist ORAFOL ein international

führendes Unternehmen für selbstklebende

Spezialprodukte. Es verfügt über ein

weltumspannendes Netzwerk von Händlern in

mehr als 100 Ländern und eigenen Töchtern auf

fünf Kontinenten, darunter in den USA, Australien

und der Türkei. Zu den besonders gefragten

Produkten zählen Digitaldruckmaterialien,

Plottermaterialien, Fahrzeugvollverklebungen

und Laminier- und Kaschierfolien.

Von der aufstrebenden und erfolgreichen Entwicklung

profitieren seit vielen Jahren kleine und

mittlere Unternehmen aus der Region, die

Aufträge von ORAFOL erhalten. Zu den größten

Nutznießern zählt zweifellos die Stadt Oranienburg

– sie erhielt insgesamt mehr als 100 Millionen

an Gewerbesteuerzahlungen von ORAFOL.


58

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 59

Prof. Dr. Christoph Meinel

DER INFORMATIKER

Es ist praktisch unmöglich, alle Jobs und

Funktionen aufzuführen, die Christoph Meinel

innehat. Daher seien hier nur die wichtigsten

Ämter aufgeführt: Der 65 Jahre alte Wissenschaftler

ist Direktor und Geschäftsführer

des Hasso-Plattner-Instituts für Digital

Engineering gGmbH (HPI) und Dekan der Digital

Engineering Fakultät der Universität Potsdam.

Er ist C4-Professor für Informatik und leitet

das Fachgebiet für Internet-Technologie und

Systeme. Meinel ist unter anderem Mitglied der

acatech, der Nationalen Deutschen Akademie

der Technikwissenschaften, und Gastprofessor

an Universitäten im In- und Ausland. Er hat die

erste europäische MOOC-Plattform openHPI

entwickelt, leitet das vom Bundesforschungsministerium

beauftragte Schul-Cloud-Projekt

und ist Programm-Direktor des HPI-Stanford

Design Thinking Research Program.

Wissenschaft ist für ihn kein Selbstzweck.

Es geht Christoph Meinel vielmehr darum,

Wissenschaft und Wirtschaft zu koppeln und

zu vernetzen. Dafür veranstaltet er seit Jahren

diverse internationale Konferenzen – etwa zu

den Themen „Industrie 4.0“, Cybersicherheit

oder Big Data in der Medizin. Unternehmer,

Manager und Politiker hören genau zu, wenn

Christoph Meinel analytisch präzise aufzeigt,

wie die Entwicklungen der Digitalisierung für

technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt

sinnvoll genutzt werden können.

Die Basis für seine heutige Arbeit legte der in

Meißen geborene Wissenschaftler übrigens an

der Humboldt Universität, wo er einst Mathematik

und Informatik studierte.

Dr. Alexander Montebaur

DER ENERGIENETZ-

MANAGER

Seit ihrer Gründung im Jahr 1999 betreibt die

E.DIS AG mit ihren mehr als 1.400 Mitarbeitern

in weiten Teilen der Länder Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern das

Stromnetz. Derzeit durchlebt das mit dem

Hauptsitz in Fürstenwalde/Spree beheimatete

Unternehmen einen groß angelegten

Transformationsprozess. Der einst fast ausschließlich

auf den Netzbetrieb fokussierte

Konzern wird fit für die Zukunft gemacht.

Auf dem Weg hat sich die E.DIS-Gruppe

neue Geschäftsfelder eröffnet – von der

Telekommunikation bis zur Wärmeversorgung.

Geleitet wird dieser Prozess maßgeblich von

Dr. Alexander Montebaur, der seit Januar

2017 Vorstandschef bei E.DIS ist. Der

49-Jährige hat seine Profession von der Pike

auf gelernt. Nach dem Studium der Elektrotechnik

und Promotion an der RWTH Aachen

begann Montebaur im Jahr 2000 seine berufliche

Laufbahn als Abteilungsleiter Zentrale

Technik beim Elektrizitätswerk Wesertal

GmbH in Hameln und trat 2003 in die Avacon

AG ein. Dort war er zunächst als Bereichsleiter

Technische Planung und Steuerung

tätig bevor er 2006 die Geschäftsführung

der LandE in Wolfsburg übernahm. Seit 2012

leitet er den Bereich Netzsteuerung bei der

E.ON Deutschland.

Der Energie-Manager Montebaur ist in vielfältigen

Gremien aktiv, die sich mit dem großen

Thema Energiewende befassen - etwa

im Plenum der Plattform Energienetze im

Bundeswirtschaftsministerium, im Bundesverband

der Energie- und Wasserwirtschaft

und der Energietechnischen Gesellschaft im

Technologieverband VDE.

Foto: HPI/Kay Herschelmann, E.DIS AG

Foto: AMAC-GARBE, EWE AG

Christian Müller

DER SPEZIALIST FÜR

RASURKULTUR

Dem älteren der beiden Müller-Brüder,

Christian, 1973 in Schlema geboren, sei hier

kurz der Vortritt gewährt. Aber eigentlich sind

Christian und Andreas Müller, Geschäftsführer

der Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG,

nur gemeinsam denkbar. Das Unternehmen,

gegründet 1945, ist Inhaber und Produzent der

berühmten Rasierpinsel-Marke MÜHLE. Die

Produkte der Rasurkultur aus dem sächsischen

Stützengrün nahe der tschechischen

Grenze sind weltweit gefragt. Die mehrfach

mit Design-Preisen gewürdigte Kollektion

der Sachsen umfasst Pinsel, Halter, Rasierer,

Hobel und Rasiersets, dazu gibt es formschöne

Accessoires.

Für die beiden Unternehmer führten zwei

unterschiedliche Wege zum Ziel. Mit 18 Jahren

begann Christian Müller eine Ausbildung

zum Pinsel- und Bürstenmacher im Unternehmen

des Vaters in Stützengrün. Andreas

Müller, 1976 in Schlema zur Welt gekommen,

studierte hingegen in Leipzig und Heidelberg

evangelische Theologie und fand 2006 den

Weg in den elterlichen Betrieb. Gemeinsam

führen die beiden Brüder das Unternehmen in

dritter Generation und haben es 2008 in einen

vollstufigen Manufakturbetrieb umgewandelt.

Sie setzen damit das Werk ihres Vaters

Hans-Jürgen Müller fort, der das Familienunternehmen

nach der Wende erfolgreich

reprivatisiert hatte.

Als Botschafter des Erzgebirges werben

Christian und Andreas Müller aber nicht nur

mit ihren Produkten für ihre Heimatregion,

sondern setzen sich auch darüber hinaus

für den Wirtschaftsstandort Erzgebirge ein.

Die Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG ist

Gründungsmitglied im Verband Deutscher

Manufakturen und hat sich als Mitglied der

Umweltallianz Sachsen einem nachhaltigen

und ressourcenschonenden Wirtschaften

verschrieben.

Dr. Ulrich Müller

DER ENERGIE-MANAGER

Zwischen Brandenburg und Rügen ist Dr. Ulrich

Müller bekannt wie ein bunter Hund. Denn seit

rund 20 Jahren ist der geschätzte

Energie-Manager

immer dann vor Ort, wenn

wichtige regionale Entscheidungen

getroffen werden

und es um die Zukunft der

Region geht.

Müller, Jahrgang 1954, stammt aus Thüringen,

studierte in Cottbus und arbeitete als Ingenieur

in Berlin. An der Humboldt Universität promovierte

Müller 1990 zu Fragen der Informations-

und Datenverarbeitung. Zwischen 1997

und 1999 war er Geschäftsführer der EWE

Wasser GmbH. Seit zwei Jahrzehnten lenkt er

die Geschäfte des Energiedienstleisters EWE

AG in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Der Vater von drei Kindern war

zudem bis 2017 zehn Jahre lang Präsident der

Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg.

Nach seiner Amtszeit wurde er zum

Ehrenpräsidenten der Kammer gewählt.

Dass das Unternehmen EWE in der Region

längst eine feste Größe ist – auch wenn die

Ursprünge in Oldenburg liegen – ist nicht

zuletzt Müller zu verdanken. Er und sein Team

setzen sich stark für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern

ein, schaffen Arbeitsund

auch Ausbildungsplätze in der Region und

fördern sehr viele gemeinnützige Projekte vor

Ort.


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 61

Frank Orschler

DER MEDIZINTECHNIKER

Ein „Macher des Ostens“ – diesen Titel

bekam Frank Orschler 2015 verliehen. Einer

der zahlreichen Preise für den umtriebigen

Vorzeigeunternehmer Thüringens, den auch

der Ministerpräsident des Landes, Bodo Ramelow,

gern exemplarisch hervorhebt, wenn

es zu beweisen gilt, dass auch abseits der

städtischen Zentren in Thüringen erfolgreich

gearbeitet wird. Kein Wunder, die Königsee

Implantate GmbH ist eines der führenden

deutschen Medizintechnikunternehmen auf

dem Gebiet der Osteosynthese. Sie entwickelt,

produziert und vertreibt Stahl- und

Titanimplantate und Instrumente für die

Traumatologie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie.

Die Königsee-Implantate kommen

weltweit zum Einsatz.

Frank Orschler wurde 1961 in Aschaffenburg

geboren. Seine berufliche Karriere startete

er als Diplom-Betriebswirt in der Leasingbranche.

Doch im Betrieb des Vaters zeigte

Orschler sein gesamtes unternehmerisches

Können. Die Wurzeln des Unternehmens

reichen übrigens zurück bis zum Jahr 1919, als

der Orthopädiemechaniker Otto Bock in Berlin

eine Firma für Prothesen gründete, welche

kurz darauf nach Königsee in Thüringen umzog.

Das Nachfolgeunternehmen „Orthopädie

Königsee“, von der Treuhand an einen französischen

Investor verkauft, meldete 1993

Insolvenz an. Die Chance nutzte Erich Orschler

und gründete mit dem vorhandenen Fachpersonal

zunächst in Königsee das heutige

Unternehmen, dessen Firmensitz später nach

Allendorf-Aschau im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

verlegt wurde

Die Königsee Implantate GmbH ist ein wichtiger

Arbeitgeber und Ausbilder in der Region.

2009 fiel die Entscheidung zum Bau eines

Ausbildungszentrums, in dem auch innovative

Ausbildungskonzepte zur Anwendung

kommen. Dies geschah mit dem Ziel, der

demografischen Entwicklung und der Landflucht

entgegenzuwirken. Auch hierfür gab

es 2018 wieder einen Preis – den Deutschen

Exzellenzpreis vom Deutschen Institut für

Service-Qualität und dem DUB-Unternehmermagazin.

Günter Oßwald

DER SPORTLICHE HÄNDLER

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft

(BVMW) zeichnete Günter Oßwald (68),

Seniorchef der Oßwald Fahrzeugteile & Technischer

Handel im thüringischen Mühlhausen,

2016 für sein Lebenswerk aus. Eine wohlverdiente

Ehrung für ein bewegtes Unternehmerleben.

1979 hatte Oßwald eine selbständige

Werkstatt für die Herstellung von Plattfedern

für verschiedene Fahrzeuge übernommen.

Später entwickelte sich das Unternehmen zu

einem Handelsunternehmen für Fahrzeugteile

und technische Komponenten aller Art, etwa

Nutzfahrzeugteile, PKW-Teile, Agrartechnik

oder Ersatzteile für Oldtimer.

Oßwald war stets politisch und gesellschaftlich

aktiv, als Mitglied des Runden Tisches in

Treffurt in der Wendezeit, später als Mitglied

des Treffurter Stadtrates. Dazu kommt eine

leidenschaftliche Unterstützung des Sports,

sei es der regionale Breitensport, der Skilanglauf

oder die nordischen Kombinierer. Erfolgreiche

Wintersportler wie Axel Teichmann

und Jens Filbrich genossen seine Unterstützung.

Besonders der Nachwuchssport ist ihm

ein Anliegen. Auch der Handball- und Radsport

werden von dem Mühlhausener Unternehmen

gefördert.

Christof Queisser

DER SEKT-KÖNIG

Den größten Umsatz der Unternehmensgeschichte

präsentierte Anfang des Jahres

Christof Queisser (50) als Vorsitzender der

Geschäftsführung der Rotkäppchen-Mumm

Sektkellereien GmbH, der Nummer eins im

deutschen Sektmarkt. Damit darf Queisser

sich mit Fug und Recht als Deutschlands

Sekt-König bezeichnen lassen.

Dabei stammt der Rotkäppchen-Chef, der sich

selbst gern als Genussmensch bezeichnet und

die Geschicke des wohl bekanntesten ostdeutschen

Markenprodukts seit 2013 in der

Nachfolge von Gunter Heise leitet, nicht etwa

Foto: Königsee Implantate GmbH, Boris Löffert/Oskar-Patzelt-Stiftung, Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH

Foto: KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, LEAG

aus einer alten Winzerdynastie. Im Gegenteil,

bevor der Diplom-Betriebswirt das Ruder

des Traditionsunternehmen an der Unstrut

übernahm, durchlief er seit Beginn der 1990er

Jahre mehrere Stationen der nationalen und

internationalen Markenindustrie, so beispielsweise

bei Unilever und Tengelmann.

Bei der Tengelmanngruppe sammelte er als

Category Manager auch bereits umfassende

Erfahrungen mit den Produkten Sekt, Spirituosen

und Wein. Zuletzt zeichnete er für den

Wursthersteller Zimbo verantwortlich. Beim

Angebot, Sachsen-Anhalts führende Marke zu

managen, zögerte Queisser allerdings nicht.

Dem Vater zweier Töchter gefällt die immer

noch familiäre Atmosphäre der Sektkellerei,

auch wenn diese zuletzt durch Akquisitionen

weiter wuchs und sich zunehmend internationaler

aufstellt.

Holger Raithel

DER PORZELLANMACHER

Holger Raithel führt eines der modernsten

Porzellanunternehmen Europas, die KAHLA/

Thüringen Porzellan GmbH. 2019 feierte das

Unternehmen 25 Jahre Neugründung unter

der Führung der Familie Raithel und 175

Jahre Porzellanproduktion im thüringischen

Kahla. Der Ex-Rosenthal-Manager Günther

Raithel rettete im Jahr 1994 die Tradition

mit der Gründung der KAHLA/Thüringen

Porzellan GmbH. Er investierte in wegweisende

Fertigungstechnologie und erneuerte

das Sortiment. 2005 trat Holger Raithel als

geschäftsführender Gesellschafter die Unternehmensnachfolge

an. KAHLA produziert

klassisches Haushaltsporzellan ebenso wie

Produkte für Hotellerie und Gastronomie –

eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. Ein Grund

dafür, so resümiert Geschäftsführer Raithel: „

Wir sind unserem Innovationsanspruch stets

treu geblieben.“ Das wird in aller Welt anerkannt.

KAHLA exportiert in über 60 Länder.

Vor seinem Einstieg in das thüringische Traditionsunternehmen

absolvierte Raithel ein

Physikstudium an der Universität Bayreuth,

arbeitete später in einer internationalen

Unternehmensberatung (im Automotive- und

Logistikbereich). Erst 2004 führte ihn der Weg

in die Porzellanbranche und nach Thüringen.

Dort leitet er einen Betrieb, der für seine

hohen Frauenanteil unter der Belegschaft und

familienfreundliche Konzepte bekannt ist.

Dr. Helmar Rendez

DER KOHLE-MANAGER

Trifft man Helmar Rendez vor den offiziellen

Bürozeiten an, dann nicht selten in Trainingskleidung.

Der 57-jährige Rendez powert sich

als Triathlet gern aus und will vorn dabei sein.

Nicht nur im Sport, vor allem auch im Job. Seit

Herbst 2016 ist er Vorstandsvorsitzender der

Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz

Energie Kraftwerke AG (LEAG). In dieser

Funktion muss er das Unternehmen auf den

nahenden Kohleausstieg Deutschlands vorbereiten.

In der Cottbuser Konzernzentrale sucht

Rendez mit seinem Team nach Wegen, eine

zukunftsfähige Aufstellung des Noch-Kohle-Unternehmens

zu finden.

Dabei dürfte ihm sein bisheriger beruflicher

Werdegang durchaus helfen. Rendez studierte

an der Technischen Universität Berlin

Wirtschaftsingenieurwesen. In den neunziger

Jahren leitete er die Berliner Niederlassung

der Unternehmensberatung Kienbaum. 1998

wechselte er als Leiter zur VEAG-Unternehmensentwicklung.

Von 2004 bis 2007 lenkte

er als Vorstand die Geschicke der WEMAG in

Schwerin. Anschließend war er drei Jahre als

Vorstandsmitglied der Vattenfall AB in Stockholm

für den Bereich Strategieentwicklung

und weitere fünf Jahre für die Stromnetze des

Staatskonzerns verantwortlich.

Rendez, der zugleich auch Vorsitzender des

Bundesverbandes Braunkohle ist, zeigt sich

zuversichtlich, dass er für die LEAG jenseits der

Kohle neue Geschäftsfelder findet. „Wir haben

Potenzial, das sind unter anderem unsere Infrastruktur,

das Know-how unserer Mitarbeiter

und unsere Flächen“, sagte er der Lausitzer

Rundschau. Allerdings dürfe es, warnt Rendez,

keine „verheerenden Strukturbrüche“ geben.

Vielmehr sei das Kohleausstiegsdatum 2038

zwingend einzuhalten, um Planungssicherheit

beim Aufbau alternativer Geschäftsfelder zu

haben.


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 63

Bodo Rodestock

DER FINANZCHEF

Bodo Rodestock verantwortet im dreiköpfigen

Vorstand des Leipziger VNG-Konzerns die

Bereiche Personal und Finanzen. Damit steht

der gebürtige Sachse, 1968 in Frauenstein

zur Welt gekommen, auch für das Wachstum

und die angestrebte neue Ausrichtung

des Energieunternehmens. Der europaweit

aktive Unternehmensverbund mit mehr als 20

Gesellschaften arbeitet entlang der gesamten

Wertschöpfungskette der Erdgaswirtschaft

und setzt Schwerpunkte in den Geschäftsbereichen

Handel und Vertrieb, Transport sowie

Speicherung. Zu den neuen Geschäftsfeldern

der Sachsen zählen unter anderem aber auch

Biogas, digitale Infrastruktur und Quartierslösungen.

Mit der Strategie VNG 2030+ und

der Vision „Grün, digital, mit Gas“ wollen die

Leipziger aktiv an der Energiewende mitwirken

– mit Gas als zentralem Baustein in Form von

Erdgas, aber auch Biomethan, grünem Wasserstoff

oder synthetischem Methan. 2018

kamen die Leipziger auf ihrem neuen Weg gut

voran. Sowohl das Geschäftsergebnis als auch

der Umsatz überstiegen die eigenen Erwartungen.

„2018 war ein außergewöhnlich gutes

Jahr für VNG“, bilanzierte Rodestock.

Um auch bei den weiteren Herausforderungen

der Energiewende die VNG AG auf Wachstumskurs

zu halten, bringt Rodestock jede

Menge Erfahrung mit. Mehr als 13 Jahre leitete

er den Bereich Finanzen, bevor Rodestock

2013 Vorstandsmitglied der VNG für die Ressorts

Finanzen und Personal wurde. Seitdem

ist der studierte Betriebswirt Mitglied in verschiedenen

Aufsichts- und Verwaltungsräten

der VNG-Gruppe sowie wichtiger Beteiligungen.

Er engagiert sich darüber hinaus als

Vorstandsmitglied im Arbeitgeberverband der

energie- und versorgungswirtschaftlichen

Unternehmen sowie in Gremien von Stiftungen

wie beispielsweise als Vorstandsmitglied der

Stiftung „Leipzig hilft Kindern“.

Dr. Eric Schweitzer

DER RECYCLING-

UNTERNEHMER

Als er 13 Jahre war, träumte Eric Schweitzer

davon, Fußballprofi bei Hertha BSC zu werden.

Doch daraus wurde wegen seiner sportlichen

Begabung nichts. Der 1965 in Ipoh (Malaysia)

geborene Schweitzer musste daher umplanen,

was ihm jedoch nicht schwer fiel. Denn er

wusste schon früh, wie man sein eigenes Geld

verdient: Bereits als Schüler packte er gemeinsam

mit seinen Brüdern auf dem Schrottplatz

seiner Eltern mit an, holte Altmetalle aus

dem Bauschutt und besserte sich damit sein

Taschengeld auf. Schnell stand für ihn fest:

„Ich wollte Unternehmer werden, mein eigener

Herr sein.“ Diese Herausforderung kam früher

als erwartet auf ihn zu. Als sein Vater Franz

Josef Schweizer im Jahr 1998 starb, musste

er mit erst 33 Jahren gemeinsam mit seinem

Bruder Axel den Platz auf der Brücke übernehmen.

Sie formten und entwickelten seither

eines der größten Entsorgungs- und Recyclingunternehmen

weltweit – die ALBA Group.

Mit den beiden Marken ALBA und Interseroh

erwirtschafteten die rund 8.000 Mitarbeiter

des in Deutschland, Europa und Asien aktiven

Umweltdienstleisters im Vorjahr einen Umsatz

in Höhe von 2,1 Milliarden Euro.

Nur an der Spitze seines Unternehmens zu

stehen, ist Eric Schweitzer nicht genug. Er will

mitmischen, verändern, erneuern, die Gesellschaft

gestalten. Von 2004 bis 2016 fungierte

er als Präsident der IHK Berlin. In dieser Zeit

startete Berlins Wirtschaft richtig durch,

die Arbeitslosigkeit sank, der Gründerboom

setzte ein. Seit 2013 führt Eric Schweitzer

als Präsident den Deutschen Industrie- und

Handelskammertag, einen der vier Spitzenverbände

der deutschen Wirtschaft. Was er

sagt hat Gewicht und findet Gehör selbst im

Bundeskanzleramt.

Rolf Seelige-Steinhoff

DER HOTELIER

Die Wende in der ehemaligen DDR und die darauffolgende

deutsch-deutsche Wiedervereinigung

haben verhindert, dass Rolf Seelige-Steinhoff

eine klassische, eine vorgezeichnete

Karriere einschlug. 1963 in Beckum (Westfalen)

geboren, studierte er in Aachen Elektrotechnik

und Wirtschaftswissenschaften. Doch die sich

plötzlich in den neuen Bundesländern eröffnenden

Möglichkeiten waren viel zu verlockend, als

dass er sein Glück in einem Industrieunternehmen

suchen wollte. Sein Vater und er gründeten

vor knapp 30 Jahren die SEETELHOTELS Usedom.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2010

trug er plötzlich allein die unternehmerische

Verantwortung. Für Rolf Seelige-Steinhoff war

Foto: VNG AG, ALBA Group/Amin Akhtar

Foto: SEETELHOTELS Usedom, Karoline Wolf

das rückblickend kein Problem: „Ich habe das

Unternehmergen in mir, vielleicht habe ich es

geerbt oder es wurde mir anerzogen, jedenfalls

brenne ich für das, was ich tue. Das ist mein

Erfolgsrezept.“

Blickt man auf seine Zwischenbilanz, ist erkennbar,

dass Seelige-Steinhoff kein Phrasendrescher

ist: Zur Seetel-Hotelgruppe gehören

derzeit 17 Hotels, Residenzen und Villen auf

Usedom sowie Mallorca. Bei der Entwicklung

seines Unternehmens lässt er sich von einer

klaren Maxime leiten: „Wenn du nicht von einer

Sache begeistert bist, kannst du es nicht gut

machen. Man darf nie aufgeben, Unternehmer

sind keine Unterlasser, sondern unternehmen

etwas, auch wenn es manchmal unmöglich

anmutet. Und mit einem guten Team von Mitarbeitern

kann man fast alles erreichen.“

Die Art und Weise, wie er als geschäftsführender

Gesellschafter sein Unternehmen leitet,

hat ihm sowohl in der Branche, als auch im

Land Mecklenburg-Vorpommern viel Respekt

eingebracht. Davon zeugen diverse Auszeichnungen

und Preise.

Dr. Miloš Stefanović

DER BÜRGSCHAFTSBANKER

Seit 15 Jahren leitet Dr. Miloš Stefanović die

Bürgschaftsbank Brandenburg. Eine Institution,

die dem märkischen Mittelstand gezielt

unter die Arme greift. Etwa wenn es darum

geht, Bürgschaften für Firmengründer und

etablierte Unternehmen auszureichen und damit

temporär die Haftung gegenüber anderen

Kreditinstituten zu übernehmen.

Das Interesse an Wirtschaft und Bankwesen

packte, den im Jahr 1957 in Belgrad geborenen,

Stefanović bereits auf dem Gymnasium.

Fast folgerichtig suchte er sich daraufhin

die passende Studienrichtung aus. Er ging

nach West-Berlin, studierte an der dortigen

Technischen Universität und einer Berliner

Filiale der University of Maryland Wirtschaftsingenieurwesen

und Betriebswirtschaftslehre.

1985 begann er als Trainee seine Laufbahn bei

der Deutschen Bank. Stationen im klassischen

Firmenkundengeschäft, der Innovations- und

Gründungsfinanzierung und der Venture-Capital-Finanzierung

folgten. Ab 2002 war er

Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich

für Business Banking und Spezialberatung

Finanzierung. Außerdem war er verantwortlich

für elf Filialen in der Marktregion Berlin-Nord-

Ost. Gleichzeitig ist Stefanović ebenfalls seit

15 Jahren Geschäftsführer der Mittelständischen

Beteiligungsgesellschaft Berlin-Brandenburg.

In der Bürgschaftsbank prägt er die Strategie

seines Hauses und ist zugleich nah bei den

Kunden. Er fühlt sich nicht nur als Berater

und Bürge, sondern auch als Partner seiner

Kunden.

Nebenbei ist Stefanovic auch ein begnadeter

Netzwerker. Als Präsident des Wirtschafts-

Forums Brandenburg leitet er - seit über 10

Jahren - eine Plattform, die von unzähligen

Firmen, Politikern und Medienvertretern zwischen

Pritzwalk und Finsterwalde geschätzt

und genutzt wird.


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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 65

Tillmann Stenger

DER INVESTITIONSBANKER

1959 in Siegen geboren, studierte Tillmann

Stenger zunächst an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität.

Anschließend

führte ihn sein beruflicher Weg von der Westdeutschen

Landesbank über die Staatskanzlei

Nordrhein-Westfalens zur Investitionsbank

des Landes.

Die friedliche Revolution in Ostdeutschland

brachte auch für Stenger eine persönliche

Wende. Er arbeitete an einer Konzeption für

eine Förderbank in Brandenburg mit und

konnte diese im Januar 1991 dem Landeskabinett

vorstellen. 1992 begann Stenger dann im

Aufbaustab mit der Umsetzung des Kabinettbeschlusses

und wurde mit der offiziellen

Errichtung der Investitionsbank des Landes

Brandenburg (ILB) Leiter des Vorstandsstabes.

In der Folge übernahm Stenger verschiedene

Leitungsfunktionen in der ILB, beispielsweise

den Bereich Öffentliche Kunden und die Unternehmenssteuerung.

Von 2011 bis 2012 war er

Mitglied des Vorstandes und wurde im Januar

2013 zum Vorstandsvorsitzenden berufen.

Besonders wichtig war ihm, das Geschäftsmodell

der ILB auf eine breite Grundlage

zu stellen. Neue Landesförderprogramme

wurden übernommen, etwa die ESF-Förderung

oder die Bildungsinfrastruktur, und das

Geschäft mit ILB-eigenen Programmen wurde

ausgebaut. Stenger übernahm auch weitere

strukturpolitisch relevante Aufgaben wie die

Gründungsgesellschaft für die Brandenburgische

Bodengesellschaft, den Ausbau von

Technologie- und Gewerbezentren und aktuell

den Aufbau der Digitalagentur Brandenburg

und einer Brandenburgischen Strukturentwicklungsgesellschaft,

die den Strukturwandel

in der Lausitz unterstützen soll.

Neben seiner Vorstandstätigkeit ist Stenger

ehrenamtlicher Vorsitzender des Kuratoriums

des Landesausschusses für Innere Mission

a. V. (LAFIM) und Aufsichtsratsmitglied der

WFBB, des Medienboards Berlin-Brandenburg

und im Landeskuratorium Berlin/Brandenburg

des Stifterverbandes.

Jonas Taureck

DER OUTDOOR-SPEZIALIST

Reisen bildet – und führt manchmal zu einer

erfolgreichen Unternehmerkarriere. Während

einer Afrika-Reise im Jahr 2000 strandet der

damals 20-jährige Jonas Taureck in einem Dorf

in Niger. Er benötigt Strom zum Laden der Autobatterie.

Alles ist hell erleuchtet, doch Strom

gibt es keinen, wie ihm die Dorfbewohner

erklären. Taureck entdeckt schnell des Rätsels

Lösung: alte Petroleum-Starklichtlampen der

deutschen Traditionsmarke Petromax.

Zurück in Deutschland lässt ihn die Faszination

für die Petromax-Lampe, die 1910 von Max

Graetz, genannt Petroleum-Maxe, entwickelte

wurde, nicht mehr los. Er kauft Altbestände

Foto: ILB, Petromax GmbH

Foto: Jenoptik AG, Andreas Lander

der Bundeswehr auf, erwirbt 2006 schließlich

die weltweiten Markenrechte und lässt die

Produktion der Lampen wieder aufleben, die

bis heute in sorgfältiger Handarbeit zusammengebaut

werden. Im selben Jahr erfolgt die

Gründung einer Manufaktur in Magdeburg,

wo Taureck an der dortigen Universität ein

Wirtschaftsstudium begonnen hatte.

2014 steigt Ehefrau Dr. Pia Christin Taureck

nach ihrem Studium des Internationalen

Managements in Magdeburg in die Petromax

GmbH ein. Unter ihrer gemeinsamen Leitung

wird das Unternehmen einer der führenden

deutschen Hersteller von Ausrüstung zum

Draußen-Kochen und Draußen-Leben. Im

Mittelpunkt, verspricht die Firmenphilosophie,

steht das Erlebnis der Ursprünglichkeit in

der Natur mit traditioneller und zugleich klug

gestalteter Ausrüstung. Hinzu kommen laufend

innovative Sortimentserweiterungen, so

zuletzt um das Thema “Kühlen” (Passivkühlboxen).

Heute arbeiten mehr als 50 Mitarbeiter

für die Magdeburger.

Dr. Stefan Traeger

DER PHOTONIKER

Seit 2017 steht Dr. Stefan Traeger an der Spitze

der JENOPTIK AG, dem weltweit agierenden

Technologie-Konzern aus Jena. Ein Heimspiel,

denn die Berufung zum Vorstandsvorsitzenden

der Gesellschaft war gleichbedeutend mit

einer beruflichen Rückkehr in seine Geburtsstadt.

Hier wurde Traeger 1967 geboren und

legte sein Abitur ab. Vor seiner Tätigkeit bei

Jenoptik hatte der promovierte Physiker zuvor

bereits mehrere Führungspositionen in der

internationalen Photonik-Industrie inne, u.a,

bei Carl Zeiss in Deutschland und Großbritannien.

Zuletzt wurde Traeger im Juli in seinem

gegenwärtigen Amt für fünf weitere Jahre

bestätigt. Seine Aufgabe: Die Transformation

des Konzerns zu einer auf Photonik fokussierten

Technologiegruppe mit Wachstum und

erfolgreichen Akquisitionen voranzutreiben.

Das Motto dieses Prozesses: „More Light“: Dahinter

verbirgt sich eine Strategie zur Stärkung

der Innovationsfähigkeit und dem Ausbau der

globalen Aktivitäten. Seit Traegers Amtsantritt

konnte die Jenoptik AG wichtige Akquisitionen

vornehmen und neue Rekordwerte

bei Umsatz, Auftragseingang und Ergebnis

verbuchen. Mit der schrittweisen Umsetzung

der Konzernstrategie 2022 will Jenoptik-CEO

Traeger auch die knapp mehr als 4.000 Arbeitsplätze

im Konzern sichern.

Thomas Wagner

DER ENERGIE-

DIENSTLEISTER

Bei der GETEC-Gruppe, Deutschlands führendem

Energiedienstleister aus Magdeburg, war

zuletzt viel in Bewegung. Die Unternehmen

der Gruppe firmieren unter dem gemeinsamen

Dach der G+E GETEC Holding GmbH. Das

schwedische Unternehmen EQT ist mittlerweile

Hauptgesellschafter und hält rund 75

Prozent der Gesellschaftsanteile. Die restlichen

Anteile sind im Besitz der GETEC Energie

Holding GmbH. Mit dem Einstieg des schwedischen

Investors nahm das Unternehmen

neuen Schwung auf. So sind die Magdeburger

heute Marktführer für dezentrale Energielösungen

im Contracting. Früher vorwiegend

ein deutscher Player, werden mittlerweile

rund 25 Prozent des Umsatzes außerhalb von

Deutschland erzielt.

Den frischen Schwung verkörpert auch

seit Mai 2017 Thomas Wagner, der als CEO

den Vorsitz der Geschäftsführung der neu

gegründeten G+E GETEC Holding GmbH

übernommen hat. Thomas Wagner, geboren

1967in Gaildorf / Schwäbisch Hall, brachte

bei seinem Amtsantritt mehr als 25 Jahre

Erfahrung aus einer Reihe europäischer und

weltweit aktiver Unternehmen ein, so als CEO

bei Dorma, einem der führenden Anbieter von

Zutrittslösungen, oder bei dem Aufzugshersteller

OTIS Deutschland. Bei allem Wandel,

das stellte Wagner aber erst kürzlich klar,

bleibt das Unternehmen in Magdeburg weiter

fest verwurzelt.


66

WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 67

Dr. Reinhard Uppenkamp

DER ARZNEIMITTEL-

MANAGER

Seit 22 Jahren arbeitet der am 14. April

1950 in Düsseldorf geborene Manager für

den traditionsreichen Arzneimittelhersteller

BERLIN-CHEMIE AG. 17 Jahre davon als

Vorstandsvorsitzender. Bevor Uppenkamp im

Jahr 1997 in den Ostberliner Ortsteil Adlershof

kam, war eine entscheidende Weichenstellung

für den schon zu DDR-Zeiten erfolgreichen

Pharmahersteller bereits erfolgt – die Übernahme

durch die weltweit agierende italienische

MENARINI-Gruppe, die bis heute zu den

wenigen wirklich gelungenen Übernahmen von

DDR-Industrieunternehmen in der Nachwendezeit

zählt. Unter Uppenkamp entwickelte

sich BERLIN-CHEMIE stetig weiter, stärkte das

traditionelle Geschäft speziell in Osteuropa

und den Nachfolgestaaten der ehemaligen

Sowjetunion. Die Zahlen sprechen für sich:

BERLIN-CHEMIE beschäftigt heute 5.200

Mitarbeiter aus mehr als 70 Nationen, ist in

30 Staaten aktiv und erwirtschaftet einen

Jahresumsatz in Höhe von rund 1,7 Milliarden

Euro.

Für Uppenkamp, der vor seiner Berliner Zeit

unter anderem für die Hoechst AG, Schwarz

Pharma (Monheim) und das Kölner Pharmaunternehmen

Madaus arbeitete, sind

nicht nur Produktions- und Umsatzzahlen

wichtig. Schon früh begann er, sich um seine

Belegschaft zu kümmern. Sein Credo – eine

familienbewusste Personalpolitik. In einem Interview

sagte Uppenkamp: Auf der einen Seite

sehen wir es als eine unserer gesellschaftlichen

Pflichten, unseren Mitarbeitern und deren

Familien konsequent zur Seite zu stehen.

Auf der anderen Seite unterstützen wir somit

das Engagement und die Motivation unserer

Beschäftigten, eine niedrige Fluktuationsrate

sowie ein gutes Betriebsklima, was dann wieder

dem Unternehmen und seiner Entwicklung

zu Gute kommt.“ Bei BERLIN-CHEMIE

gibt es flexible Arbeitszeitregelungen, ein

firmeninternes Gesundheitsprogramm sowie

Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Reinhard Uppenkamp ist für das Land Berlin

Botschafter des Unternehmensprogramms

„Erfolgsfaktor Familie“.

Bianca Zorn

DIE NACHFOLGERIN

In die Fußstapfen des Seniors treten – eine anspruchsvolle

Aufgabe. Manch mittelständisches

Unternehmen ist an einer klugen Nachfolge im

Kreise der Familie schon gescheitert. Nicht so

im Falle der ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co.

KG aus Stendal. Bianca Zorn hat das Ruder des

hochmodernen Mess- und Prüfgeräteherstellers

mit Geschick und Kompetenz übernommen,

obgleich die Fußstapfen ihres Vaters beachtlich

waren. Denn für seine unternehmerischen Aktivitäten

sowie für sein ehrenamtliches Engagement

wurde Bernd Zorn mehrfach geehrt. 2011

erhielt er beispielsweise das Bundesverdienstkreuz,

2012 durfte sich Zorn in das Goldene

Buch der Hansestadt Stendal eintragen.

Nun entstehen also unter der Ägide von Bianca

Zorn in Stendal spezialisierte und hochpräzise

Prüf- und Messinstrumente für den Straßen-,

Gleis-, Brücken-, Tiefbau-, Garten- und Landschaftsbau

sowie für die Medizintechnik. Bianca

Zorn absolvierte nach dem Abitur ein Studium

an der Hochschule Magdeburg - Stendal im

Wirtschaftsingenieurwesen in der Fachrichtung

„Produktion und Fertigung“. Ab 2009 zog es

sie aber zunächst in den Forschungsbereich.

Sie verantwortete im Fraunhofer-Institut für

Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in

Magdeburg als Projektcontrollerin die kaufmännische

Abwicklung von Projekten industrieller

Auftraggeber, öffentlicher Zuwendungsgeber

sowie von EU-Vorhaben. 2015 entschied sich

Bianca Zorn für die Rückkehr nach Stendal und

den Einstieg in das Familienunternehmen. 2017

erfolgte dann die gelungene Übergabe des

Staffelstabs in der Geschäftsführung.

Foto: BERLIN-CHEMIE, ZORN INSTRUMENTS GmbH & Co. KG

Foto: Fotolia/Wayhome Studio

Foto: LMBV / Steffen Rasche

Klaus Zschiedrich

DER OBERSTE BERGBAU-

SANIERER

Von Senftenberg aus leitet Klaus Zschiedrich

die Sanierung der ehemaligen Braunkohletagebaue

in Brandenburg, Sachsen,

Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der 1951

geborene Maschinenbau-Ingenieur begann

seine Laufbahn 1975 im Lausitzer Braunkohlenbergbau

und arbeitete seitdem in

verschiedenen Leitungsfunktionen vor

allem in der Instandhaltung und Technik. Im

Jahr 1996 wurde er zum Prokuristen und

Länderbereichsleiter des Bundesunternehmens

LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche

Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH)

berufen und leitete zunächst die Bergbausanierung

im ostsächsischen Revier. Seit 1999

fungierte der Lausitzer als Bereichsleiter des

Ingenieurbereiches Sanierung der LMBV und

nahm die bergrechtliche Verantwortung als

Chefingenieur für die vielfältigen ingenieurtechnischen

Sanierungsprozesse wahr.

Ab 2009 war der im Spreewald lebende

Bergmann in Personalunion auch Geschäftsführer

der Gesellschaft zur Verwahrung und

Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben

mbH in Sondershausen, einer

damaligen Tochtergesellschaft. Vorsitzender

der Geschäftsführung der LMBV ist er seit

Beginn des Jahres 2014. Zu seinem Verantwortungsbereich

gehören unter anderem alle

Fragen der langfristigen Planungen, des Sanierungs-

und Genehmigungsmanagements,

der Geotechnik, des Umweltschutzes und der

bergbaulichen Wiedernutzbarmachung.

Heute sind 680 Mitarbeiter in der LMBV

tätig. In der Grundsanierung und bei der

Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit dem

Grundwasser-Wiederanstieg wurden im Jahr

2018 Sanierungsleistungen in Höhe von 229

Millionen Euro erbracht, die wesentlich in den

Bergbauregionen am Markt ausgeschrieben

und an mittelständische Bau- und Handwerksunternehmen

vergeben wurden.

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