50 Macher aus WIRTSCHAFT+MARKT Herbst/Winter 2019/2020

wirtschaftmarkt

Die Auswahl der 50 ostdeutschen Macher durch die Redaktion des ostdeutschen Wirtschaftsmagazins WIRTSCHAFT+MARKT

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WIRTSCHAFT+MARKT

TITEL

50

MACHER

WIRTSCHAFT+MARKT 65

Tillmann Stenger

DER INVESTITIONSBANKER

1959 in Siegen geboren, studierte Tillmann

Stenger zunächst an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität.

Anschließend

führte ihn sein beruflicher Weg von der Westdeutschen

Landesbank über die Staatskanzlei

Nordrhein-Westfalens zur Investitionsbank

des Landes.

Die friedliche Revolution in Ostdeutschland

brachte auch für Stenger eine persönliche

Wende. Er arbeitete an einer Konzeption für

eine Förderbank in Brandenburg mit und

konnte diese im Januar 1991 dem Landeskabinett

vorstellen. 1992 begann Stenger dann im

Aufbaustab mit der Umsetzung des Kabinettbeschlusses

und wurde mit der offiziellen

Errichtung der Investitionsbank des Landes

Brandenburg (ILB) Leiter des Vorstandsstabes.

In der Folge übernahm Stenger verschiedene

Leitungsfunktionen in der ILB, beispielsweise

den Bereich Öffentliche Kunden und die Unternehmenssteuerung.

Von 2011 bis 2012 war er

Mitglied des Vorstandes und wurde im Januar

2013 zum Vorstandsvorsitzenden berufen.

Besonders wichtig war ihm, das Geschäftsmodell

der ILB auf eine breite Grundlage

zu stellen. Neue Landesförderprogramme

wurden übernommen, etwa die ESF-Förderung

oder die Bildungsinfrastruktur, und das

Geschäft mit ILB-eigenen Programmen wurde

ausgebaut. Stenger übernahm auch weitere

strukturpolitisch relevante Aufgaben wie die

Gründungsgesellschaft für die Brandenburgische

Bodengesellschaft, den Ausbau von

Technologie- und Gewerbezentren und aktuell

den Aufbau der Digitalagentur Brandenburg

und einer Brandenburgischen Strukturentwicklungsgesellschaft,

die den Strukturwandel

in der Lausitz unterstützen soll.

Neben seiner Vorstandstätigkeit ist Stenger

ehrenamtlicher Vorsitzender des Kuratoriums

des Landesausschusses für Innere Mission

a. V. (LAFIM) und Aufsichtsratsmitglied der

WFBB, des Medienboards Berlin-Brandenburg

und im Landeskuratorium Berlin/Brandenburg

des Stifterverbandes.

Jonas Taureck

DER OUTDOOR-SPEZIALIST

Reisen bildet – und führt manchmal zu einer

erfolgreichen Unternehmerkarriere. Während

einer Afrika-Reise im Jahr 2000 strandet der

damals 20-jährige Jonas Taureck in einem Dorf

in Niger. Er benötigt Strom zum Laden der Autobatterie.

Alles ist hell erleuchtet, doch Strom

gibt es keinen, wie ihm die Dorfbewohner

erklären. Taureck entdeckt schnell des Rätsels

Lösung: alte Petroleum-Starklichtlampen der

deutschen Traditionsmarke Petromax.

Zurück in Deutschland lässt ihn die Faszination

für die Petromax-Lampe, die 1910 von Max

Graetz, genannt Petroleum-Maxe, entwickelte

wurde, nicht mehr los. Er kauft Altbestände

Foto: ILB, Petromax GmbH

Foto: Jenoptik AG, Andreas Lander

der Bundeswehr auf, erwirbt 2006 schließlich

die weltweiten Markenrechte und lässt die

Produktion der Lampen wieder aufleben, die

bis heute in sorgfältiger Handarbeit zusammengebaut

werden. Im selben Jahr erfolgt die

Gründung einer Manufaktur in Magdeburg,

wo Taureck an der dortigen Universität ein

Wirtschaftsstudium begonnen hatte.

2014 steigt Ehefrau Dr. Pia Christin Taureck

nach ihrem Studium des Internationalen

Managements in Magdeburg in die Petromax

GmbH ein. Unter ihrer gemeinsamen Leitung

wird das Unternehmen einer der führenden

deutschen Hersteller von Ausrüstung zum

Draußen-Kochen und Draußen-Leben. Im

Mittelpunkt, verspricht die Firmenphilosophie,

steht das Erlebnis der Ursprünglichkeit in

der Natur mit traditioneller und zugleich klug

gestalteter Ausrüstung. Hinzu kommen laufend

innovative Sortimentserweiterungen, so

zuletzt um das Thema “Kühlen” (Passivkühlboxen).

Heute arbeiten mehr als 50 Mitarbeiter

für die Magdeburger.

Dr. Stefan Traeger

DER PHOTONIKER

Seit 2017 steht Dr. Stefan Traeger an der Spitze

der JENOPTIK AG, dem weltweit agierenden

Technologie-Konzern aus Jena. Ein Heimspiel,

denn die Berufung zum Vorstandsvorsitzenden

der Gesellschaft war gleichbedeutend mit

einer beruflichen Rückkehr in seine Geburtsstadt.

Hier wurde Traeger 1967 geboren und

legte sein Abitur ab. Vor seiner Tätigkeit bei

Jenoptik hatte der promovierte Physiker zuvor

bereits mehrere Führungspositionen in der

internationalen Photonik-Industrie inne, u.a,

bei Carl Zeiss in Deutschland und Großbritannien.

Zuletzt wurde Traeger im Juli in seinem

gegenwärtigen Amt für fünf weitere Jahre

bestätigt. Seine Aufgabe: Die Transformation

des Konzerns zu einer auf Photonik fokussierten

Technologiegruppe mit Wachstum und

erfolgreichen Akquisitionen voranzutreiben.

Das Motto dieses Prozesses: „More Light“: Dahinter

verbirgt sich eine Strategie zur Stärkung

der Innovationsfähigkeit und dem Ausbau der

globalen Aktivitäten. Seit Traegers Amtsantritt

konnte die Jenoptik AG wichtige Akquisitionen

vornehmen und neue Rekordwerte

bei Umsatz, Auftragseingang und Ergebnis

verbuchen. Mit der schrittweisen Umsetzung

der Konzernstrategie 2022 will Jenoptik-CEO

Traeger auch die knapp mehr als 4.000 Arbeitsplätze

im Konzern sichern.

Thomas Wagner

DER ENERGIE-

DIENSTLEISTER

Bei der GETEC-Gruppe, Deutschlands führendem

Energiedienstleister aus Magdeburg, war

zuletzt viel in Bewegung. Die Unternehmen

der Gruppe firmieren unter dem gemeinsamen

Dach der G+E GETEC Holding GmbH. Das

schwedische Unternehmen EQT ist mittlerweile

Hauptgesellschafter und hält rund 75

Prozent der Gesellschaftsanteile. Die restlichen

Anteile sind im Besitz der GETEC Energie

Holding GmbH. Mit dem Einstieg des schwedischen

Investors nahm das Unternehmen

neuen Schwung auf. So sind die Magdeburger

heute Marktführer für dezentrale Energielösungen

im Contracting. Früher vorwiegend

ein deutscher Player, werden mittlerweile

rund 25 Prozent des Umsatzes außerhalb von

Deutschland erzielt.

Den frischen Schwung verkörpert auch

seit Mai 2017 Thomas Wagner, der als CEO

den Vorsitz der Geschäftsführung der neu

gegründeten G+E GETEC Holding GmbH

übernommen hat. Thomas Wagner, geboren

1967in Gaildorf / Schwäbisch Hall, brachte

bei seinem Amtsantritt mehr als 25 Jahre

Erfahrung aus einer Reihe europäischer und

weltweit aktiver Unternehmen ein, so als CEO

bei Dorma, einem der führenden Anbieter von

Zutrittslösungen, oder bei dem Aufzugshersteller

OTIS Deutschland. Bei allem Wandel,

das stellte Wagner aber erst kürzlich klar,

bleibt das Unternehmen in Magdeburg weiter

fest verwurzelt.

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