Berliner Zeitung 30.10.2019

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Dieselfahrverbot in Berlin: Die Bezirke sind vorbereitet – Berlin Seite 9

Wie wir

im Alter

wohnen

Seite 10

1°/8°

Sonnig,aber kalt

Wetter Seite 2

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Mittwoch, 30. Oktober 2019 Nr.252 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Drei Tage biszum Derby Union –Hertha:

Der Weisheit letzter Schuss

Sport Seite 20

Geglückte Generalprobe: Union zieht ins

Pokal-Achtelfinale ein

SportSeite 18

Der auf

dem Zaun

sitzt

VonKatrin Pribyl

Esist erst zwei Jahre her, dass die

Organisatoren des Labour-Parteitags

Jeremy Corbyn für ein Video

buchstäblich übers Wasser gehen

lassen wollten. DerChef der Opposition

sollte für die Kameras in biblische

Sphären gehoben werden. Es

kam nicht soweit. Doch zeigten die

Jesus-Pläne das Selbstbewusstsein

der britischen Sozialdemokraten,

die ihren Vorsitzenden

frenetisch

bejubelten.

Heute sieht alles

etwas anders

aus. Lange

sperrte sich der

Oppositionschef

Jeremy Corbyn,

Labour-Chef und

Europaskeptiker

Großbritannien

gegen den

Wunsch von Premier

Boris Johnson,

vor Weihnachten

Neuwahlen

abzuhalten. Nun gab er den

Forderungen des Konservativen nach

und hat bei einer Abstimmung am

Dienstagabend eine vorgezogene

Wahl am 12. Dezember unterstützt.

Der Druck war zu groß geworden

und sein Argument nach der Einigung

der 27 übrigen Mitgliedstaaten

auf einen Brexit-Aufschub kaum

noch haltbar. Immer wieder hatte

Corbyn betont, er werde Neuwahlen

erst zustimmen, wenn ein ungeordneter

EU-Austritt ohne Abkommen

ausgeschlossen sei. Diese Bedingung

sei jetzt erfüllt, hieß es.Das Argument

durfte als nobler Grund bezeichnet

werden, auch wenn hinter dem Zögernvor

allem die Gewissheit steckte,

dass ein kurz vor dem Urnengang

vollzogener Brexit mit Austrittsvertrag

Johnson beflügeln würde.

Einige Beobachter meinten, Corbynsei

in die Falle des konservativen

Regierungschefs getappt. Denn

während seine Fans überzeugt sind,

dass der 70-Jährige noch einmal eine

ähnliche Kampagne liefern könnte

wie vor zwei Jahren, fürchten seine

Kritiker Schlimmes. Der altlinke Sozialist

schreckt moderate Labour-

Anhänger und will sich obendrein

bei der wichtigsten Aufgabe der

Nachkriegsgeschichte Großbritanniens

schlichtweg nicht festlegen.

„Er sitzt auf dem Zaun“, wie die Briten

seine Unentschiedenheit nennen.

Der lebenslange Europaskeptiker

fordert, „dass die Menschen die

Möglichkeit haben, zwischen einem

Verbleib in der EU und einem Austritt

mit einem Abkommen zu wählen,

das wir von Labour ausgehandelt

haben“, erklärte der Oppositionsführer

seinen Plan, mit dem er

die europaskeptischen Wähler von

der Abwanderung zu den Tories oder

der Brexit-Partei abhalten will.

Der Haken für die Pro-Europäer:

Ob der Star des linken Flügels für den

mit Brüssel vereinbarten Deal oder

für einen Verbleib werben würde,

lässt er offen. Wie lange sich Corbyn

weiter auf „dem Zaun“ halten kann,

werden die nächsten Wochen zeigen.

Für eine Chance bei der Dezemberwahl

muss er sich vermutlich

endlich für eine Seite entscheiden.

Der 9. November spaltet die CDU

Fürdie Berliner CDU ist schon ein gemeinsames Mauerfall-Gedenken mit der

Linkspartei unvorstellbar.InThüringen aber redet man mit der Linken über die Macht

VonElmar Schütze

Die Landtagswahl in Thüringen

ist vorbei. Und

nicht nur in Thüringen

stellt sich für die CDU

die Frage,wie man mit der Linkspartei

umgehen soll. Aus Berlin gibt es

jetzt eine klareAntwort: DieCDU im

Abgeordnetenhaus will nicht einmal

eine Resolution zum 30. Jahrestag

des Mauerfalls mittragen, die auch

die Linkspartei unterschrieben hat.

Am Dienstag sagte BurkardDregger,

Vorsitzender der CDU-Fraktion

im Abgeordnetenhaus, zuden unmittelbaren

Konsequenzen aus der

Thüringen-Wahl, was man als dreihundert

Kilometer entfernt Sitzender

eben so sagt: Er wolle den Freundinnen

und Freunden in Erfurtkeine

Ratschläge geben. Und CDU-Wahlverlierer

Mike Mohring sei „ein guter

Freund“, an dem „es sicherlich nicht

gelegen“ habe.

Im nächsten Atemzug sagte Dregger,dass

seine Fraktion keine Resolution

zum 30. Jahrestag des Mauerfalls

unterstützen könne,die auch vonder

Linkspartei getragen werde. Schließlich

sei dies„die Partei vonMauer und

Stacheldraht“. Mitdieser Partei wolle

man sich in dieser Frage zur „glücklichsten

Stunde des deutschen Volkes

im 20. Jahrhundert“ nicht gemein

machen, so Dregger, sondern „feinsinnige

Unterscheidungen“ vornehmen

und auf die „historische Verantwortung“

verweisen. Also formulierte

die CDU-Fraktion einen eigenen Text

zum 9. November,dem Jahrestag des

Mauerfalls.

Auch im Resolutionstext der rotrot-grünen

Koalition in Berlin wird

auf die Verantwortung der Linkspartei-Vorgängerin

SED verwiesen. So

ist von„40 Jahren SED-Diktatur“ die

Rede, von willkürlichen Verhaftungen,

vonStacheldraht und Schießbefehl.

DieBotschaft von1989 sei „Demokratie,

Selbstbestimmung, Freiheit

und vorallem Gewaltlosigkeit in

der politischen Auseinandersetzung“.

Dafür stehe Berlin mit „der

übergroßen Mehrheit seiner Bürgerinnen

und Bürger“.

Unterschrieben wird der Text

nach dem Abspringen der CDU von

Vertretern der Regierungsfraktionen

–und vonder FDP.Die AfD war nicht

„Die Linkspartei

ist die Partei von Mauer

und Stacheldraht.“

gefragt worden. Am Donnerstag soll

die Resolution im Berliner Parlament

beschlossen werden.

In seiner Erklärung, warum die

CDU eine eigene Resolution brauche,

verwies Fraktionschef Dregger

am Dienstag darauf, dass zuletzt

„auch in Teilen der SPD“ infrage gestellt

worden sei, „dass die DDR ein

Unrechtsstaat war“. Er nannte die

SPD-Politikerin Manuela Schwesig.

Tatsächlich hatte sich die Ministerpräsidentin

von Mecklenburg-

Vorpommern Anfang des Monats in

einem Zeitungsinterview an dem

Begriff des „Unrechtsstaates“ gestoßen.

„Die DDR war eine Diktatur“,

sagte Schwesig. Der Begriff „Unrechtsstaat“

werde aber von vielen

Menschen, die in der DDR gelebt haben,

als herabsetzend empfunden.

„Er wirkt so, als sei das ganze Leben

Unrecht gewesen. Wir brauchen

aber mehr Respekt vorostdeutschen

Lebensleistungen.“

Burkard Dregger nennt das „Beliebigkeits-

und Verharmlosungsrhetorik“.

Im CDU-Text taucht der

Begriff des „SED-Unrechtsregimes“

nun gleich zweimal auf, einmal stelle

man sich zudem „als überzeugte De-

Burkard Dregger,

CDU-Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus

IMAGO IMAGES/THOMAS IMO

mokraten gegen jede Relativierung

der DDR als Unrechtsstaat“.

Wie sehr die CDU das Thema bewegt,

belegt ein Blick zurück: Im November

2009, 20 Jahrenach der Maueröffnung,

hatte es eine gemeinsame

Resolution von SPD, Linkspartei,

Grünen und FDP gegeben. Damals

hatte auch die CDU mitgemacht, beurkundet

unter anderem durch die

Unterschrift des damaligen Fraktionschefs

Frank Henkel, bekanntlich

ein gebürtiger Ost-Berliner,der 1981

im Alter von18Jahren in den Westen

ausreiste. Henkel ließ den Text passieren,

in dem der Begriff des „Unrechtsstaates“

nicht auftauchte.

Aber nun, nach diversen Niederlagen

und schlechten Wahlergebnissen

in den ostdeutschen Ländern

stellt sich für die Union die Frage

nach dem Umgang mit der Linkspartei

eben neu.

Der Thüringer CDU-Landeschef

Mohring hatte am späten Montagabend

versucht, die Debatte zu beruhigen.

Nach der Sitzung des Landesvorstandes

in Erfurt hat er explizit

eine Koalition mit der Linkspartei

ausgeschlossen: „Ich kann mir keine

Situation vorstellen, dass die abgewählte

rot-rot-grüne Landesregierung

durch die Unterstützung der

CDU in eine neue Regierungsverantwortung

gehoben wird. Das schließt

sich aus.“ Dennoch werdeereine Gesprächseinladung

des Ministerpräsidenten

Bodo Ramelow nicht ausschlagen.

Genau diese Ankündigung

hatte die Abgrenzungsdebatte in der

Union ausgelöst. Derstellvertretende

Bundesvorsitzende Thomas Strobl

sagte der Rhein-Neckar-Zeitung:

„Wenn ich an eine Zusammenarbeit

mit der Linken denke,sträubtsich alles

in mir, wirklich alles.“ Vizefraktionschef

Carsten Linnemann pflichtete

Strobl bei. „Die DNA der CDU

muss sein: Haltung statt Beliebigkeit.

Deswegen kann und darf es auch

keine Zusammenarbeit mit den Linken

in Thüringen geben.“

Aber nicht nur die Wahlniederlage

und die Kooperationsfrage beschäftigen

die CDU. Sehr scharf ist

deswegen auch die Parteivorsitzende

Annegret Kramp-Karrenbauer

in die Kritik geraten. FriedrichMerz,

der bei der Vorsitzendenwahl gegen

Kramp-Karrenbauer unterlag, hat

der Führung Schwächen vorgeworfen

und das Erscheinungsbild der

großen Koalition als „grottenschlecht“

bezeichnet. Tagesthema

Seite 2, Kommentar Seite 8

Blockadeplan

für Berliner

Flughafen

Protestaktion von

Klimaschützern

VonAnnika Leister

Klimaaktivisten der Initiative„Am

Boden bleiben“ rufen für den

10. November zur Blockade eines

Berliner Flughafens auf. Ob es den

Flughafen in Tegel oder den in Schönefeld

treffen soll, lassen die Aktivisten

offen. Man protestiere mit der

Aktion gegen die „katastrophale Klimabilanz“

der Flugindustrie, heißt

es in dem Aufruf.

In einem Video nennen die Aktivisten

den 9. und den 10. November

als Protesttag. Am 9. November solle

aber lediglich abends ein Plenum

stattfinden, erklärte eine Sprecherin

auf Nachfrage.„Die Aktion findet am

10. November statt.“ Wie weitreichend

die Blockade ausfällt, ist fraglich.

DerProtest solle sich nicht gegen

einzelne Passagiere richten, so die

Sprecherin von„Am Boden bleiben“.

Siesollten nicht am Abflug gehindert

werden. Man wolle mit der Blockade

lediglich die „Normalität des Fliegens“

durchbrechen. Inzwischen haben

sich allerdings auch die Klimaaktivisten

von Extinction Rebellion mit

der Aktion solidarisch erklärt.

„Am Boden bleiben“ fordertMaßnahmen

zur Reduktion des Flugverkehrs,

darunter einen Ausbaustopp

für Flughafeninfrastruktur, die Abschaffung

von Kurzstreckenflügen,

die Einführung einer Kerosinsteuer

sowie einer „progressiven Ticketsteuer“,

die Vielfliegerstärker besteuert.

Die Initiative hat sich nach eigenen

Informationen 2018 gegründet

und ist verbunden mit dem internationalen

Netzwerk „Stay Grounded“,

das sich ebenfalls für eine Reduktion

desFlugverkehrs einsetzt.

EinSprecher der Flughafengesellschaft

Berlin-Brandenburg teilte

mit, dass man bereits informiert sei.

Fragen zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen

beantworte man allerdings

nicht. Aber: „Wir sind grundsätzlich

mit den zuständigen Sicherheitsbehörden

im Austausch.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Klimaaktivisten

mit Flughafen-Blockaden

drohen. In Londonkündigte Extinction

Rebellion im Oktober an,

den Stadtflughafen lahmzulegen.

Am Ende aber sorgten sie mit kleineren

Protestaktionen für Chaos und

Verzögerungen –die meisten Flugzeugeaber

hoben planmäßig ab.

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Tagesthema

Der Angriff beginnt mit einem

Lächeln. Es dauert

ein, zwei Sekunden und

dann wird der Blick

ernst. Ein großes Misstrauensvotum

gegenüber der sogenannten großen

Koalition sei die Landtagswahl in

Thüringen gewesen, sagt Friedrich

Merz und zieht dabei die StirninFalten.

Es ist ein Interview mit dem ZDF,

die Journalistin fragt nach und aus

der Groko wird schnell Angela Merkel:

Über dem Land liege „seit Jahren

wie ein Nebelteppich die Untätigkeit

und die mangelnde Führung der

Bundeskanzlerin“, sagt Merz.Nebelteppich,

das Wort betont er fast mit

einem gewissen Ekel. „Das kann so

nicht weitergehen“, fügt er hinzu. Er

könne sich nicht vorstellen, dass

diese Art des Regierens jetzt „noch

zwei Jahre dauert“. Merz schüttelt

dabei den Kopf.

Aus einer Stellungnahme zur

Landtagswahl in einer Hotellobby

wirddamit ein Frontalangriff auf die

Kanzlerin –fast auf den Taggenau

ein Jahr nachdem Merz nach langer

Absenz wieder in die Politik zurückgekommen

ist, um sich nach dem

Rücktritt von Angela Merkel um den

CDU-Vorsitz zu bewerben.

„Mein Name ist Merz,mit e“, sagte

er damals lächelnd, und in der CDU

wurde es turbulent. Ein lange Vermisster

war da zurückgekehrt, einer,

der in der Wirtschaft Erfolg gehabt

hatte,ein Millionär,der Erlösung versprach.

Vonder Kritik an seinem Arbeitgeber,

dem Vermögensverwalter

Blackrock, schien Merz überrascht.

DieLösung der Probleme,solässt

sich Merz kurz fassen, ist: Merkel

muss weg. UndMerzmuss her.

Merz sagt das anders. Erspricht

von einem Nebelteppich, und erinnertdamit

an dasWort vomMehltau,

das mit den letzten Jahren der Regierung

von Helmut Kohl verbunden

wird. Lähmung und Stillstand sind

die Assoziation. Das ist eine der Gaben

von Merz: Er kann gut reden.

Seine Sätzesind prägnant.

Beiihm klingt vieles ziemlich einfach.

Führen. Entscheiden. Machen.

SPD und Union ringen seit Monaten

um einen Kompromiss bei der

Grundrente, es dauert wirklich

schon lange. Muss man einfach machen,

findet Merz.Dass die SPD halt

nicht mitmacht, einfach so, kommt

dabei nicht vor.

Über dem Land liege „seit Jahren wie ein Nebelteppich die Untätigkeit und die mangelnde Führung der Bundeskanzlerin“, sagt Friedrich Merz.

Merz sagt auch, über die Probleme

müsse auf dem Parteitag gesprochen

werden. Der findet Ende

November in Leipzig statt. Ausgerechnet

in Leipzig. Der „Leipziger

Parteitag“ ist bislang eine Chiffre für

einen der größten Erfolge von Merz.

2003 hat die CDU damals sein Steuerkonzept

verabschiedet, die berühmte

Bierdeckel-Reform mit drei

Steuersätzen, von dessen Nimbus er

heute noch zehrt.

Wiederholt sich Leipzig 16 Jahre

später mit einem Triumph für Merz?

Es wäreein Rückspiel –gegen Merkel

nach vielen Jahren, gegen Kramp-

Karrenbauer,die Siegreiche im Wettbewerb

um den CDU-Vorsitz. Merkel

wirdbei ihm zur Nebelmaschine,

er selbst zu dem Mann, der wieder

für klare Verhältnisse sorgt. Politik

nach dem Bierdeckel-Prinzip, vielleicht

klappt es diesmal. Zumindest

scheint es der Sauerländer zu versuchen.

Es gibt ja die Unzufriedenheit

in der CDU, mit der Groko,den Umfragewerten,

den Wahlergebnissen.

Merz hat zwar formal keine führende

Funktion in der CDU. Er ist Ex-

Fraktionschef und Vize-Vorsitzender

des Wirtschaftsrats. Aber er ist eine

prominente Stimme. Erist seit Jahren

die Sehnsuchtsfigur des Wirtschaftsflügels,erhat

das Rennen um

den Parteivorsitz knapp verloren, er

ist weiter einer aus der Riege der

möglichen Kanzlerkandidaten. Die

K-Frage wirdseit Monaten diskutiert

in der CDU, auch weil Kramp-Karrenbauer

Fehler an Fehler reiht.

Nur Stunden vor seinem Auftritt

hat AKK die Partei zur Ruhe gemahnt

und dazu, nicht ständig über die

Kanzlerkandidatur zu reden, weil

dadurch der Rufder Partei nicht besser

werde.

Merz hat das Stoppschild registriert,

er greift nicht Kramp-Karrenbauer

an, oder zumindest fast nicht.

Die Parteivorsitzende habe für Thüringen

„kaum eine negative Rolle“

gespielt, sagt er. Merz nimmt einen

Umweg und attackiert Merkel. Er

stellt die K-Frage auf andere Weise,

CDU

Friedrich Merz attackiert Kanzlerin

Angela Merkel direkt. Es geht um die

Macht –inder Partei und in Deutschland.

Sein Angriff

VonDaniela Vates

IMAGO-IMAGES.DE

aus der Kanzlerkandidaten- wirddie

Kanzlerfrage.Das eine führtschließlich

zum anderen und er kann trotzdem

Loyalität zur Parteivorsitzenden

vorweisen. Er habe AKK seine

Unterstützung zugesagt, sagt Merz.

„Und dazu stehe ich.“

Wie die Unterstützung für

Kramp-Karrenbauer genau aussieht,

ist bislang nicht ganz klar. Wie die

Unterstützung für Merz aussieht, ist

etwas deutlicher. Der hessische Ex-

Ministerpräsident Roland Koch

springt ihm am Dienstag bei. „Die

Argumentationsenthaltung der Führung

und besonders der Bundeskanzlerin“

müsse aufhören, schreibt

er in einem Gastbeitrag für das Magazin

Cicero. Solche Hefte werden

früh geplant, aber der Thüringer

Wahltermin stand ja fest. „Es fällt

schwer,darin einen Zufall zu sehen“,

heißt es in der CDU. Am Montag

greift zudem Junge-Unions-Chef Tilman

Kuban im Parteivorstand an:

Die CDU habe ein Führungsproblem,

sagt er. Noch so ein interessanter

Zufall, stellen CDU-Politiker fest.

Aufdem Deutschlandtag der Jungen

Union wurde der 63-Jährige gefeiert.

„Wenn Siewollen, dass ich dabei

bin, bin ich dabei“, rief Merz.Die

Truppen für Merz scheinen zu stehen.

Nur: Sind es genug Truppen

oder einfach immer nur dieselben?

Koch war einer derer, die Merkel

2003 als Kanzlerkandidatin verhinderten

und Edmund Stoiber aufs

Schild hoben. Als die Wahl verloren

war, unterstützte Koch Merz, als

Merkel nach dem Unions-Fraktionsvorsitz

griff. Merkel schob Merz zur

Seite.Eswar der Bruch, der bis heute

nachwirkt. Merz schmiss seine PosteninFraktion

und Partei hin.

Es wirdbrodeln in Leipzig

Kann er nun eine Stimmung aufbauen?

So dass der CDU-Parteitag

Beschlüsse fasst, die die Groko ins

Straucheln bringen oder gleich direkt

Merkel oder AKK? „Die Welle

wird nicht bis an die Kaimauer reichen“,

sagt der Merz-Freund.

Merz wird auf dem Parteitag eine

Rede halten, so viel ist sicher. „Es

wird brodeln, aber der Kessel wird

nicht überlaufen“, sagt ein erfahrener

CDU-Mann.

Einer der ersten Konflikte von

Merz undMerkel drehte sich um die

Steuerreform. Merz war Fraktionschef,

Merkel Parteivorsitzende. Die

Union scheiterte damit, die Steuerpläne

der rot-grünen Bundesregierung

auszubremsen, obwohl es im

Bundesrat dafür die Möglichkeit gegeben

hätte. Die Union müsse aufpassen,

„dass sie ihre Kräfte richtig

einschätzt und dass wir uns nicht

abermals verheben“, ließ Merkel

Merz wissen.

Vielleicht hat sie sich gerade mal

wieder an diesen Satz erinnert.

Daniela Vates

staunt über die Langlebigkeit

mancher Zerwürfnisse.

„Solche Debatten können wir im Moment überhaupt nicht gebrauchen“

Herr Günther, Friedrich Merz wirft

Angela Merkel Untätigkeit vor und

stellt den Bestand der Regierung infrage.

Teilen Siedas?

Nein, ich teile das überhaupt

nicht. Das erinnert mich an die SPD

und wie sie es geschafft hat, so weit

nach unten zu rutschen. Dasbegann

auch damit, dass man die eigene Arbeit

und die eigenen Verdienste

schlechtgeredet und sich auf Personaldebatten

konzentrierthat.

Wasraten Sie?

Wir sollten uns jetzt gemeinsam

dagegenstemmen, dass Leute vonder

Seitenlinie in der CDU die Debatten

prägen. Das sind Menschen, die gar

keine politische Verantwortung mehr

tragen, sondern immer nur dann zu

hören sind, wenn es darum geht, eine

Schlagzeile zu produzieren, und sich

vomAcker machen, wenn man sie in

die Arbeit einbinden will. Solche Debatten

können wir im Moment überhaupt

nicht gebrauchen. Wir haben

keine offenen Personalfragen.Wirhaben

eine Parteivorsitzende und eine

Kanzlerin, mit der wir vier Bundestagswahlen

am Stück gewonnen haben.

Vondaher brauchen wir keine

Empfehlungen vonaußen.

Wasvermuten Siehinter dem Angriff?

Es gibt vonseiten des JU-Vorsitzenden

Tilman Kuban ja auch Kritik

an Annegret Kramp-

Karrenbauer. Roland Koch

hat sich ebenfalls zu Wort

gemeldet. Will der rechte

Parteiflügel beide sturmreif

schießen?

Ichglaube,dass hier ein

paar ältere Männer, die

vielleicht nicht das in ihrem

Leben erreicht haben,

was sie erreichen wollten,

die Chancen nutzen

möchten, alte Rechnungen

zu begleichen. Das ist

nicht gut. Es geht vielmehr darum,

Schleswig-Holstein

Daniel Günther,

CDU, Ministerpräsident

von Schleswig-Holstein

Wahlergebnisse vernünftig zu analysieren.

Wenn eine Partei

wie die Union bei Landtagswahlen

in der Größenordnung

wie in Thüringen

abschneidet und das offenkundig

auch daran

liegt, dass das Erscheinungsbild

der Partei auf

Bundesebene nicht gut ist,

dann muss man darüber

DPA

reden. Nurwerden wir unserer

Verantwortung mit

Standardfloskeln wie „Es

muss jetzt alles anders

werden“ nicht gerecht

werden. DieProbleme liegen tiefer.

Wie sollte man mit dem Angriff umgehen

–etwa mit Blick auf den Parteitag

im November?

Annegret Kramp-Karrenbauer

hat ihren Führungsanspruch klar gemacht.

Danach war Ruhe im Parteivorstand.

Manche, die inhaltlichen

Debatten aus dem Wege gehen, machen

es sich gern leicht, indem sie

sich auf Personalfragen kaprizieren.

Daswirdnicht breit getragen.

Frau Kramp-Karrenbauer sitzt also

fest im Sattel?

Ja,sie ist gewählt. Undsie hat zuletzt

auch noch mal klar gemacht, dass

wir im nächsten Jahr über dieKanzlerkandidatur

entscheiden. Wenn die

große Koalition ihre Arbeit fortsetzt,

was ich hoffe,gibt es keine Notwendigkeit,

daran etwas zu verändern.

Ihre Bildungsministerin Karin Prien

hat sich aus der Union der Mitte zurückgezogen.

Sollten sich Union der

Mitte und Werteunion auflösen?

Ja, genau das Zeichen hat Karin

Prien ja auch ausgesandt. Wirsollten

alle an einem Strang ziehen und

diese Flügel-Diskussionen nicht

weiter fortsetzen. Ich hoffe, dass ihremBeispiel

alle anderen folgen.

DasGespräch führte Markus Decker.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute dominiert bei meist lockerer Bewölkung häufig die Sonne. Die Temperaturen

kommen auf 7bis 9Grad voran, und der Wind weht leicht aus

Ost. In der Nacht ist der Himmel wolkenfrei, und die Temperaturen pendeln

sich bei 0bis minus 3Grad ein.

Biowetter: Die Witterung führt zu

vermehrten rheumatischen und

asthmatischen Beschwerden. Das

allgemeine Wohlbefinden kann

durch Kopfweh- und Migräneattacken

beeinträchtigt sein.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 50 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 48 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 10 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 81%

Gefühlte Temperatur: maximal 8Grad.

Wind: leiser Zug aus Ost.

Wittenberge

-1°/8°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

-2°/8° 1°/8°

Luckenwalde

-2°/8°

Cottbus

-1°/9°

Donnerstag

Freitag

Sonnabend

wolkig wolkig Regen

1°/8° -1°/9° 9°/15°

Prenzlau

0°/7°

Frankfurt

(Oder)

0°/8°

Hoch Oldenburgia reicht von der Nordsee bis nach Polen und zu den Alpen.

Daher ist eshier trocken und teils freundlich, teils längere Zeit trüb. Kühle Luft

behält bei uns die Oberhand. Regenwolken erfassen derweil Irland und Norwegen.

Über dem zentralen Mittelmeer kreisen Schauerwolken.

Sylt

0°/9°

Hannover

0°/10°

Köln

1°/11°

Saarbrücken

4°/9°

Konstanz

7°/8°

Hamburg

-1°/9°

Erfurt

0°/8°

Frankfurt/Main

1°/10°

Stuttgart

5°/9°

Rostock

1°/8°

Magdeburg

-2°/9°

Nürnberg

-1°/10°

München

5°/6°

Rügen

1°/8°

Dresden

1°/8°

Deutschland: Heute wird esoft

freundlich. Nur lokal ziehen teils

dichte Regenwolken am Himmel vorüber.

Dabei werden während des

Tages 6bis 11 Grad erreicht, nachts

kühlt es dann auf 7bis minus 3Grad

ab. Der Wind weht schwach aus Ost.

Morgen belaufen sich die Höchsttemperaturen

auf 8bis 11 Grad. Dazu ist

der Himmel teils heiter, teils bewölkt.

Der Wind weht schwach aus östlichen

Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 9°-11°

Nordsee: 10°-14°

Mittelmeer: 18°-27°

Ost-Atlantik: 14°-19°

Mondphasen: 04.11. 12.11. 19.11. 26.11.

Sonnenaufgang: 06:58 Uhr Sonnenuntergang: 16:41 Uhr Mondaufgang: 09:37 Uhr Monduntergang: 18:19 Uhr

Lissabon

22°

Las Palmas

27°

Madrid

22°

Reykjavik


Dublin

10°

London

13°

Paris


Bordeaux

20°

Palma

24°

Algier

26°

Nizza

21°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

15°

Tunis

23°

Rom

19°

Warschau


Wien

8° Budapest

11°

Palermo

20°

Kiruna

-9°

Oulu


Dubrovnik

21°

Athen

23°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa

12°

Varna

14°

Istanbul

21°

Iraklio

24°

Archangelsk

-1°

Moskau


Ankara

20°

Antalya

26°

Acapulco 33° wolkig

Bali 32° heiter

Bangkok 31° heiter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 23° bewölkt

Casablanca 21° heiter

Chicago 6° Regen

Dakar 35° heiter

Dubai 36° sonnig

Hongkong 28° wolkig

Jerusalem 19° sonnig

Johannesburg 27° wolkig

Kairo 26° heiter

Kapstadt 19° wolkig

Los Angeles 19° sonnig

Manila 32° wolkig

Miami 31° heiter

Nairobi 28° wolkig

Neu Delhi 33° wolkig

New York 20° bedeckt

Peking 21° sonnig

Perth 22° Schauer

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 32° Gewitter

San Francisco 18° sonnig

Santo Domingo 30° heiter

Seychellen 29° heiter

Singapur 31° Gewitter

Sydney 31° wolkig

Tokio 23° heiter

Toronto 13° bedeckt


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 3 *

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Seite 3

Dies ist eine Geschichte von Misstrauen

und Verrat. Eines möglicherweise

doppelten Verrats

noch dazu, weil er nicht nur die

Verratenen, sondern auch den mutmaßlichen

Verräter trifft. Das klingt kompliziert,

und so ist es auch. Denn in dieser Geschichte

geht es um Terrorgruppen und Geheimdienste

und den kalten Krieg –umeine Welt

also,inder Grenzen und Frontverläufe selten

stabil waren und sich oft genug verwischten.

WasimFolgenden erzählt wird, liegt mehr

als drei Jahrzehnte zurück. Die Beteiligten

von damals schweigen sich aus, die Archive

der Behörden bleiben verschlossen. Bis auf

das des DDR-Geheimdienstes, inder eine

jetzt aufgetauchte Akte mit dem Decknamen

„Meiler“ die Spur zu dieser unerzählten Geschichte

gelegt hat. Vor33Jahren, im April

1986, hatte der Staatssicherheitsdienst den

Aktenvorgang angelegt, da man sicher war,

dem V-Mann eines westlichen Geheimdienstes

auf die Spur gekommen zu sein.

Weil sich dieser Spitzel unter westdeutschen

und westeuropäischen Linksterroristen herumtrieb,

warnte das MfS unter anderem die

Rote Armee Fraktion (RAF) und deren Unterstützer

vorihm. Eineinzigartiger Vorgang.

DerMann, um den es geht, ist heute noch

am Leben, er ist Unternehmer in Süddeutschland.

Weil er sich trotz mehrfacher

Anfragen einem Gespräch entzogen hat,

wird erindiesem Text nicht unter seinem

richtigen Namen, sondern unter dem ihm

von der Stasi verpassten Decknamen –Meiler

–auftauchen.

Es war der Juni 1985, als Meiler das erste

Malins Visier des MfS geriet. Kontaktpartner

aus der militanten „Volksfront für die Befreiung

Palästinas“ (PFLP) hatten berichtet, dass

bei ihnen in Damaskus ein Deutscher aufgetaucht

war, der sich Michele nannte. Dieser

Michele offerierte die Vermittlung von Kontakten

zu westeuropäischen Terrorgruppen

und bat um Gespräche mit der PFLP-Führung,

die er für ein Buchprojekt befragen

wollte. Der Mann, bei dem es sich um den

der Stasi bis dahin unbekannten Meiler handelte,

gab vor, ein freischaffender Journalist

zu sein, der seit 1977 aktiv in der linken militanten

Szene agiere. Er unterhalte –was sich

später als korrekt herausstellte –Verbindungen

zu Führungskräften entsprechender

Gruppen in Deutschland, Frankreich, Belgien,

Holland, Japan und der Schweiz. So

habe er Anfang 1985 ein Treffen im Ost-Berliner

Interhotel Stadt Berlin am Alexanderplatz

organisiert, an dem der PFLP-Pressesprecher

Bassam Abu Sharif und Unterstützerder

RAF teilgenommen hätten.

Widersprüche im Lebenslauf

Der mysteriöse

Westdeutschen Sicherheitsbehörden war es Mitte der 80er-Jahre

gelungen, einen Spitzel in die Nähe der RAF und weiterer

westeuropäischer Terrorgruppen zu bringen.

Die Stasi bekam Wind davon und warnte ihrerseits die RAF

vor dem Mann, der daraufhin abtauchte.

Eine Geschichte über Misstrauen und Verrat

Die mit der Betreuung linker Terrorgruppen

befasste Stasi-Abteilung XXII/8 übernahm

denVorgang und prüfte den Hintergrund des

mysteriösen Michele alias Meiler.Dabei stießen

die Genossen auf eine Melange aus Fakten,

Halbwahrheiten und Widersprüchen im

Lebenslauf des Deutschen. Das erhärtete

denVerdacht, dass Meiler im Auftrag„gegnerischer

Sicherheitsorgane bzw. Geheimdienste“

in der Szene unterwegs sei, wie es in

einem MfS-Vermerkheißt.

So hatte beispielsweise das vonMeiler erwähnte

Treffen im Januar 1985 in Ost-Berlin,

bei der über eine Reaktivierung der Kooperation

zwischen PFLP und RAF beraten worden

sein soll, zwar tatsächlich stattgefunden.

Eine Beteiligung Meilers an der Vorbereitung

dieses Treffens aber konnte das MfS nicht

feststellen. Dafür ergaben Abhörmaßnahmen

der Stasi-Lauschabteilung III, dass dem

Bundeskriminalamt bereits vor dem Treffen

im Hotel Stadt Berlin Informationen darüber

vorlagen. DasBKA berief sich in Telefonaten

dabei auf eine als „sehr gut“ eingestufte

Quelle.

In Süddeutschland hatte Meiler für ein

linkes Szeneblättchen gearbeitet. Das von

1974 bis 1987 erschienene Magazin stand

lange im Visier der Behörden, weil es Texte

militanter linker Gruppen und der RAF abdruckte.

Immer wieder kam es zu Durchsuchungen

und Ermittlungsverfahren.

Einer,der damals dabei war,ist Klaus Vetterle,

der Anfang der 80er-Jahre zudem Magazin

gestoßen war.Inder Redaktion habe er

Meiler kennengelernt, „ein ganz sympathischer

Typwar das“, sagtVetterle.Gemeinsam

habe man Texte akquiriert, von linksradikalen

Gruppen, der Antifa. „Auch RAF-Texte

waren dabei, die wurden uns aber zugeschickt,

wir hatten da keine Verbindung“,

stellt er klar. Selber geschrieben habe man

hingegen wenig. „Ich bin 30 Jahre raus aus

der Szene,wir haben uns alle aus den Augen

verloren“, sagt er dann noch. Ende des Gesprächs.

Über Vetterle kommt immerhin noch ein

Kontakt zu Paul Moussault zustande. Der

Niederländer gehörte in den 70er-und 80er-

Jahren zum linksradikalen Milieu seines Heimatlandes

und gab die Zeitschrift De Knipselkrant

heraus. Ähnlich wie das süddeutsche

Magazin veröffentlichte Knipselkrant

alle möglichen Artikel und Pressemitteilungen

über Themen, die mit dem bewaffneten

Kampf linker Gruppen zu tun hatten. Auch

hier war Meiler,mit dem Moussault bis heute

eine Freundschaft verbindet, aktiv. Das wöchentlich

erscheinende Blatt verstand sich

als Organ der linksextremistischen Organisation

Het Rood Verzetsfront (RVF), der Roten

Widerstandsfront, die auch Kontakte zur

RAF unterhielt.

Moussault gibt selbst zu, Mitglied der RVF

gewesen zu sein. MitMeiler sei er außerdem

an den Aktivitäten der Terrorgruppe Japanische

Rote Armee (JRA) und der Sympathisantengruppe

der belgischen Terrororganisation

Cellules Communistes Combattantes

CCC (deutsch: Kämpfende kommunistische

Deutsche

VonAndreas Förster

GETTY IMAGES

Zellen) beteiligt gewesen, teilt er auf Anfrage

mit. „Durch diese Aktivitäten und als Knispelkrant-Herausgeber

bin ich mehrmals mit

der Justiz in Kontakt gekommen“, erklärt

Moussault. In den vergangenen Jahren hatte

sich der Journalist und Buchautor immer

wieder aufVeranstaltungen und inVeröffentlichungen

als Opfer finsterer Machenschaften

westlicher und östlicher Nachrichtendienste

dargestellt. Die linksradikale Szene

der Niederlande hat dies allerdings wenig

überzeugt, dort gilterseitlangem als Provokateur

mit verdächtigen Beziehungen zu Geheimdiensten.

MitMeiler stehe er noch heute in Kontakt,

räumt Moussault ein. Einvon ihm vermittelter

Versuch der Kontaktaufnahme schlägt allerdings

fehl –der alte Freund will mit Journalisten

offenbar nicht über seine Vergangenheit

sprechen.

Dabei gebe es viel zu erklären. Etwa die

seltsame Festnahmeaktion am Amsterdamer

Flughafen Schiphol am 1. Mai 1986. An diesem

Tagwar ein JRA-Aktivist festgenommen

worden. In einem vonihm mitgeführten Kofferradio

war Sprengstoff entdeckt worden.

Auch drei belgische CCC-Mitglieder gingen

den Behörden ins Netz. DenTransportdes explosiven

Materials, das offenbar für die CCC

gedacht war,hatte die JRA-Führung mit Meiler

eingefädelt. Auffällig war, dass sich die

Zollbeamten bei der Kontrolle des JRA-Kuriers

am Flughafen sofort auf das Radio konzentrierten,

worin der Sprengstoff versteckt

war.Vor Gericht kam später heraus, dass die

Behörden einen Tipp erhalten hatten.Weil sie

ihre Quelle aber nicht offenlegen wollten,

platzte der Prozessgegen den Kurier.

Und es gibt noch einen weiteren Umstand,

der Meilers Agieren in einem seltsamen

Licht erscheinen lässt. Laut einer Auskunft

des tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienstes

an das MfS von 1986 fand

sich sein Name auf einer Liste von Terroristen,

die BRD-Behörden im Jahre 1978 an

Prag übergeben hatten. Damals stand der

Besuch des CSSR-Präsidenten in Bonn bevor,

und in Vorbereitung solcher Staatsbesuche

war es üblich, dass die Behörden die Namen

sicherheitsrelevanter Personen austauschten.

Meiler stand also auf einer Terroristenliste.Und

dennoch war er,das hatte das MfS

herausgefunden, in den Folgejahren nicht

im internen Fahndungssystem der bundesdeutschen

Behörden registriert. Ein westdeutscherTerrorist,

nach dem nicht gefahndet

wird und der sich ungehindert inWesteuropa

und im Nahen Ostenbewegen kann?

Und der in der Szene damit hausieren ging,

er könne für die Leute im Untergrund gefälschte

oder auch Blanko-Pässe besorgen?

Unglaublich.

Im Juni 1986 erfuhr die Stasi von einem

bevorstehenden Besuch Meilers in Ost-Berlin.

Für den 13. Juni um 12 Uhrhatte sich der

Deutsche mit einem gesuchten Mitglied der

japanischen Terrorgruppe JRA am Leninplatz

in Friedrichshain verabredet. Das MfS

witterte eine Falle und brachte den JRA-Aktivisten

dazu, den Treff nicht wahrzunehmen

und die DDR kurzfristig zu verlassen. Voneiner

Überwachung Meilers während seines

Ost-Berlin-Aufenthaltes sah die Stasi jedoch

ab. Der Grund: Man wusste weder, wie er

aussieht, noch unter welchem Namen und

mit welchem Pass er einreisen und welchen

Grenzübergang er benutzen wird. Doch er

wurde offenbar identifiziert. Und soist von

Meilers einzigem Aufenthalt in Ost-Berlin

nur bekannt, dass er am 13. Juni 1986 um

11.40 Uhr über die Friedrichstraße ein- und

sechs Stunden später wieder ausreiste.

Einen Vorteil konnte die Stasi aus der

Kurzvisite des geheimnisvollen Deutschen

aber ziehen: Man hatte jetzt ein Foto von

Meiler, weil bei der Grenzkontrolle sein Pass

fotografiertwurde.

Im Blickfeld des Gegners

Wochen später erfuhr das MfS, dass sich

Meiler mit dem JRA-Aktivisten zu einem

neuen Treffen Anfang Juli in Damaskus verabredet

hatte. InBegleitung des Deutschen

reiste dabei ein führendes Mitglied der französischen

Terrorgruppe Action directe.Zweieinhalb

Monate später wurde der Franzose

verhaftet, nicht zuletzt wegen des Treffens in

Damaskus. „Es ist die Möglichkeit von Verratshandlungen

nicht auszuschließen“, notierte

die Stasi und verwies darauf, dass Meiler

die Syrien-Reise organisierthatte.

In einem zusammenfassenden Bericht

sprach die Stasi schließlich davon, dass Meiler

mit hoherWahrscheinlichkeit„mit gegnerischen

Sicherheitsorganen zusammenarbeitet

und in deren Auftrag Aktivitäten zur

Herstellung vonKontakten zu linksextremistischen

Organisationen, …illegalen Mitgliedern

der RAF“ und zu „linksextremistischen

Organisationen im Nahen Osten“ unternehme.

Als Konsequenz zog das MfS die zur

Aufklärung Meilers bislang eingesetzten

Spitzel –darunter zwei Angehörige der JRA

und der westdeutsche RAF-Anwalt Klaus

Croissant (IM „Thaler“) –zurück, weil sie bereits„im

Blickfeld des Gegners“ stehen könnten.

Und man alarmierte die Szene im Westen:

„Durch unsereoperativeEinflussnahme

wurde erreicht, dass die Kontaktpartner aus

linksextremistischen Kräftepotentialen …

dieVerbindungen (zu Meiler –d.A.) abgebrochen

haben, um ein Eindringen des Gegners

…zuverhindern“, heißt es im Stasi-Bericht.

Meiler zog sich aus Deutschland zurück,

weil ihm die Szene –nicht zuletzt dank des

Eingreifens der Stasi – nun mit offenem

Misstrauen begegnete.Sein alter Kumpel aus

der Redaktion des süddeutschen Szeneblatts

erinnert sich daran. In den späten 80er-Jahren

sei Meiler ausgestiegen und ins Ausland

gegangen, sagtVetterle.„Ichhabe ihn damals

dort besucht.“ Mehr will er aber dann auch

schon nicht mehr sagen. „Alles lange her,

Schnee vongestern.“

Vetterles Einsilbigkeit wird verständlich,

wenn man das von Meilers altem Freund

Moussault 2018 in den Niederlanden publizierte

Buch „Die RVF imVisier der Geheimdienste“

liest. Darin verrät der Autor, was

sein deutscher Freund heute treibt: Meiler

sei ein erfolgreicher Unternehmer und besitze

eine beeindruckende Zahl von Firmen

in Süddeutschland.

Andreas Förster ist enttäuscht, dass

sich Meiler einem Gespräch über seine

Vergangenheit nicht stellen wollte.


4* Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Gabriel dementiert

Gespräche über VDA-Vorsitz

DerfrühereSPD-Chef Sigmar Gabriel

hat auf Medienberichte reagiert, er sei

als neuer Präsident desVerbandes der

Automobilindustrie (VDA) im Gespräch.

Es habe mit ihm keinerlei

„formelle Gespräche darüber gegeben“,

sagte der frühereBundeswirtschafts-

und Bundesaußenminister

der Zeit lautVorabbericht vomMontagabend.„Ich

habe mich nicht ins

Spiel gebracht und bin nicht offiziell

vomVDA angesprochen worden.“

AmWochenende hatten die Bild am

Sonntag und die Frankfurter Allgemeine

Sonntagszeitung berichtet,

Gabriel könnte an die Spitzedes LobbyverbandesVDA

rücken. (AFP)

Deutscher YPG-Kämpfer bei

Türkei-Offensive getötet

Während der türkischen MilitäroffensiveinNordsyrien

soll ein deutscher

Staatsbürger getötet worden sein.

Nach Informationen des NDR

stammt der Mann aus Kiel, Schleswig-Holstein.

Konstantin G. hatte als

Freiwilliger auf Seiten der kurdischen

Volksverteidigungseinheiten (YPG) in

Syrien gekämpft und nannte sich

„Andok Cotkar“. DieYPG melden,

dass er am 16. Oktober in der Ortschaft

Serekaniyeums Leben gekommen

sei. Konstantin G., der in

Deutschland als Landwirtgearbeitet

hatte,kämpfte seit 2016 unter anderemgegen

den IS in Rakka. (BLZ)

Härtere Strafen bei Angriffen

auf Rettungssanitäter

In Deutschland wurden in letzter Zeit immer

mehr Helfer selbst zu Opfern. DPA

Ärzte in der Notaufnahme und Sanitäter

im Rettungswagen werden immer

häufiger zur Zielscheibe gewalttätiger

Übergriffe.Für solche Attacken

plant die Bundesregierung deshalb

härtereStrafen.„Wer

medizinisches Personal im Einsatz

angreift mitWort und Tat, der muss

auch entsprechend bestraft werden“,

erklärte Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn (CDU).„Wir müssen auch

als Staat und als Gesellschaft öfter

mal die Grenzen aufzeigen dessen,

was geht und was nicht geht.“ (dpa)

Beginn des Truppenabzugs

in der Ostukraine

Im Osten der Ukraine hat am Dienstag

der Abzug vonRegierungstruppen

und prorussischen Rebellen aus

einem wichtigen Gebiet an der Frontlinie

begonnen. Dieukrainische Armee,einVertreter

der selbst ernannten

Republik Luhansk und die Organisation

für Sicherheit und Zusammenarbeit

in Europa (OSZE)

bestätigten die Truppenbewegungen

in der Region Luhansk. (AFP)

Organisation Givat Haviva

feiert70-jähriges Bestehen

Am Montag haben Gäste aus Politik

und Öffentlichkeit in der israelischen

Botschaft Berlin das 70-jährige

Bestehen der Organisation Givat

Havivagefeiert. Unter den Gästen

war auch Bundespräsident Frank-

Walter Steinmeier.„DieOrganisation

leistet einen wichtigen Beitrag zur

Verständigung der arabischen und

jüdischen Bevölkerung in Israel“,

sagte Steinmeier.Givat Haviva

wurde 1949 ursprünglich als Weiterbildungsinstitut

der nationalen Kibbutzbewegung

errichtet. (BLZ)

„Ego-Shooter haben die SPD geprägt“

SPD-Generalsekretär Lars

Klingbeil erklärt die Stichwahl

über den Parteivorsitz

zur Richtungsentscheidung.

Er fordert die Kandidatenteams auf,

inhaltlich Position zu beziehen.

Herr Klingbeil, 53 Prozent der SPD-

Mitglieder haben an der Abstimmung

über die Parteispitze teilgenommen.

Zufrieden können Sie mit

dieser Beteiligung nicht sein, oder?

Ichhabe dafür gekämpft, dass die

SPD einen neuen Weggeht und die

Parteiführung nicht im Hinterzimmer

ausgeknobelt wird. Wir haben

einen offenen und transparenten

Prozess aufgesetzt – jeder konnte

sich bewerben. Im ersten Wahlgang

haben rund 230 000 Mitglieder über

die neue Parteiführung entschieden,

früher waren es zwei oder drei. Das

ist ein riesiger Fortschritt. Ichbin damit

zufrieden.

Wird die Wahlbeteiligung in der

Stichwahl steigen?

Wir haben nun eine Duellsituation

zwischen zwei Kandidatenteams.

Die Aufmerksamkeit wird

noch einmal größer sein. Gut möglich,

dass dadurch auch die Wahlbeteiligung

steigt.

Haben Sieein Favoritenteam?

DasPräsidium und der Parteivorstand

der SPD werden ganz bewusst

keine Wahlempfehlungen für eines

der beiden Duos abgeben. Die ausgeschiedenen

Teams haben das bislang

auch nicht getan. Ich finde das

richtig, ich habe mich dafür starkgemacht

und ich appelliere an alle

Gliederungen unserer Partei, sich

ebenfalls mit Wahlempfehlungen

zurückzuhalten. Unsere Mitglieder

sind durchaus in der Lage,sich selbst

ein Bild zu verschaffen. Empfehlungen

anderer brauchen sie dafür

nicht.

KlaraGeywitz und Olaf Scholz gelten

als pragmatische Sozialdemokraten,

Saskia Esken und Norbert Walter-

Borjans als Linke. Steht die SPD nicht

nur voreiner Personenwahl, sondern

auch vor einer Richtungsentscheidung?

Natürlich geht es bei der Wahl

auch um die künftige Ausrichtung

unserer Partei. Beide Bewerberteams

werden sich in den kommenden

Wochen deutlich positionieren

müssen. Das gilt nicht nur für die

Frage, wie es mit der großen Koalition

weitergeht, sonderngenauso für

viele weitereinhaltliche Punkte.UnsereMitglieder

haben ein Recht darauf

zu erfahren, für welche Richtung

die einzelnen Teams stehen. Nurauf

Generalsekretär Lars Klingbeil über den Zustand der Partei und die neue Führung

ZUR PERSON

IMAGO STOCK&PEOPLE

Lars Klingbeil kam 1978 in Soltau zur Welt, wuchs in Munster auf und ist der Sohn eines

Berufssoldaten und einer Einzelhandelskauffrau. Er studierte in HannoverPolitik, Soziologie

und Geschichte und übernahm im Anschluss erste Funktionen in der SPD,unter anderem im

Wahlkreisbüro vonBundeskanzler Gerhard Schröder,als Jugendbildungsreferent im

Landesverband Nordrhein-Westfalen und bei den Jusos.

Seit 2009 ist er Bundestagsabgeordneter,gehörtdem Seeheimer Kreis an, dem konservativenFlügel

der SPD,und wurde 2017 zum SPD-Generalsekretär gewählt. In dieser Funktion

verhandelte er 2018 den Koalitionsvertrag vonSPD,CDU und CSU mit.

Altmaier stürzt von der Bühne

dieser Grundlage können sie eine

Entscheidung treffen.

Aber das künftige Führungsduo wird

den Kurs der SPD nicht im Alleingang

bestimmen können…

Wir haben das Profil der SPD ja

bereits in den letzten zwei Jahren geschärft:

Wir wollen wieder eine Vermögenssteuer

einführen, wir wollen

den Sozialstaat zum Partner der

Menschen machen und wir sind klar,

dass die Eigenanteile in der Pflege

begrenzt werden müssen. Nur drei

kurze Beispiele. Ich erwarte schon,

dass die künftige Parteispitze daran

anknüpft, darüber hinaus Verantwortung

übernimmt und eine klare

Führung zeigt. Dasgilt schon auf den

letzten Metern zum Parteitag und

vor allem danach. Wir wählen kein

Moderatorenteam, sondern eine

neue Führung. Das sollte jedem klar

sein.

Sie sind als Generalsekretär angetreten

mit dem Versprechen, die Partei

zu erneuern. Wie weit sind Sie mit

dieser Mission gekommen?

Ich habe viele Dinge zusammen

mit den Vorsitzenden angestoßen.

Wir haben die SPD programmatisch

neu aufgestellt. Organisationspolitisch

haben wir eine ambitionierte

Reform auf den Weg gebracht, wir

sind gerade dabei die Partei agiler

und moderner zu machen, die Neuaufstellung

des Willy-Brandt-Hauses

läuft. Was noch fehlt, ist das neue

Personaltableau. Wenn das gewählt

ist, haben wir den Auftrag vorerst erfüllt.

Und die Phase der Selbstbeschäftigung

der SPD muss mit dem

Parteitag dann auch enden.

Als Generalsekretär haben Sie nun

schon sechs Parteivorsitzende erlebt,

wenn man die Übergangsvorsitzenden

mitzählt. Kritiker werfen Ihnen

deshalb Beliebigkeit vor.

Ich empfinde es nicht als Schwäche,dass

ich loyal mit sechs sehr unterschiedlichen

Parteivorsitzenden

zusammengearbeitet habe –ganz im

Gegenteil. Ich habe mich immer in

den Dienst der Partei gestellt, den

Laden in schwierigen Zeiten zusammengehalten

und trotzdem die Veränderung

vorangetrieben. Wir müssen

weg vom Lagerdenken und den

ewigen Grabenkämpfen. DieSPD ist

zu viele Jahredurch Ego-Shooter geprägt

worden. Dashat uns dahin gebracht,

wo wir heute sind. Vertrauen

erkämpfen wir nur durch Teamspiel

zurück. Das muss die SPD ausmachen.

DasGespräch führte Andreas Niesmann.

Der Wirtschaftsminister verletzt sich beim Digitalgipfel in Dortmund und muss in einem Krankenhaus behandelt werden

Essind dramatische Szenen. Peter

Altmaier hat gerade auf der

Bühne seine Rede auf dem Digitalgipfel

in Dortmund beendet. Der Wirtschaftsminister

will zurück zu seinem

Platz in der ersten Reihe, dafür muss

er eine Treppe herunter.Doch der 61-

Jährige gerät ins Stolpern, verliertdas

Gleichgewicht und stürzt. Altmaier ist

kurz bewusstlos, kommt aber noch

vor Ort zu sich. Rettungssanitäter

sind schnell beim Minister.Die Helfer

schirmen den am Boden liegenden

CDU-Politiker mit einem schwarzen

Laken vor Blicken ab. Altmaier wird

mit einem Rettungswagen in ein

Dortmunder Krankenhaus gebracht

und untersucht.

Nach Stunden dann Nachrichten

über die Diagnose: DerWirtschaftsminister

erleidet beim Sturz einen

Nasenbeinbruch und trägt eine

Platzwunde,Prellungen und Schürfwunden

davon, wie die Deutsche

Presse-Agentur aus Regierungskreisen

erfährt. Wielange er in der Klinik

bleiben muss, sei unklar und werde

Peter Altmaier vor seiner Rede beim Digitalgipfel

in Dortmund

DPA

sungswünsche. Kanzlerin Angela

Merkel berichtet dann in ihrer Rede

auf dem Digitalgipfel, Altmaier

müsse sich ein bisschen pflegen.

„Aber es geht ihm gut. Ich bin optimistisch,

dass er bald wieder an

Deck ist.“

Neues Cloud-Netzwerk

„Uns allen stockte der Atem“, schildert

der nordrhein-westfälische Ministerpräsident

Armin Laschet die

dramatischen Minuten. Er hatte vor

Altmaier im ForumAder Messehalle

geredet. „Gut, dass sofort ein Arzt

und Medizinprofessor bei ihm war.“

Die Linke-Bundestagsabgeordnete

Anke Domscheit-Berg twittert nach

dem Sturz: „Alle machen sich große

Sorgen.“

Vorseinen Ausführungen auf der

Bühne strahlte Altmaier noch in die

Kameras, neben sich Laschet und

der Präsident des Digitalverbandes

Bitkom. Denn für den Minister sollte

es eigentlich ein großer Tagwerden.

Monatelang hatte das Ministerium

sich erst am Mittwoch entscheiden.

Die Kabinettssitzung in Berlin an

dem Tagwirderverpassen.

Altmaier meldet sich später aus

dem Krankenhaus und schreibt auf

Twitter,nach den „Schreckminuten“

werdeersehr gut vonfachkundigem

Personal behandelt, zugleich bedankt

er sich für die vielen Genean

dem Projekt gearbeitet, das der

Minister vorstellte. Esgeht um eine

neue europäische Daten-Infrastruktur

– als Alternative zu Diensten

amerikanischer Internet-Riesen.

Das Cloud-Netzwerk Gaia-X soll unter

anderem europäischen Firmen

den Wegzudigitalen Geschäftsmodellen

ebnen und auch helfen, mit

Hilfe von Datenanalyse Krankheiten

wie Krebs zu bekämpfen.

„Was für ein Schreck! Lieber Peter

Altmaier, ich wünsche Dir gute Besserung

und dass Du schnell wieder

auf die Beine kommst“, schreibt

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Auch Außenminister

Heiko Mass,wie Altmaier und „AKK“

ein Saarländer, meldet sich zu Wort

und wünscht gute Genesung: „Dein

Sturzhat uns einen Schrecken eingejagt“,

twittert Maas. ImNamen der

gesamten Bundesregierung wünscht

der Sprecher von Kanzlerin Angela

Merkel (CDU) gute Besserung. Altmaier

ist seit Jahren ein enger Vertrauter

Merkels. (dpa)

Netzwerke der

Rechten in der

Bundeswehr

MAD räumt Defizite bei der

Bekämpfung ein

VonMarkus Decker

Der Präsident des Militärischen

Abschirmdienstes (MAD),

Christof Gramm, hat eindringlich

vor Rechtsextremisten in der Bundeswehr

gewarnt. Er will deshalb

fortan auch solche Soldaten in den

Blick nehmen, bei denen die

Schwelle zum Rechtsextremismus

noch nicht eindeutig überschritten

ist. Das machte er am Dienstag bei

einer Anhörung des Parlamentarischen

Kontrollgremiums (PKGr) des

Bundestages für die Geheimdienste

deutlich.

Man müsse auch auf Bundeswehr-Angehörige

schauen, bei denen

es „Erkenntnisse zu fehlender

Verfassungstreue“ gebe, sagte

Gramm. Diese „haben in der Bundeswehr

nichts verloren“. Dabei gestand

er, dass es an dieser Stelle „erhebliche

Graubereiche“ gebe. Auf

die Frage, ob rechtsextremistische

Netzwerke in der Truppe existierten,

antwortete Gramm: „Jein“.

DerFall Franco A.

DerMAD war zuletzt in die Kritik geraten,

weil er sich auf eindeutige

Fälle beschränkt hatte. Dies räumte

Gramm jetzt auch ein. Er sprach von

aktuell rund 500 rechtsextremistischen

Verdachtsfällen – wobei pro

Jahr nur rund zehn bestätigte Extremismus-Fälle

in der Bundeswehr registriert

würden, von denen die

Hälfte rechtsextremistisch sei.

Der Fall des Offiziers Franco A.

hatte im April2017 umfangreiche Ermittlungen

ausgelöst, weil es den

Gedenken für einen der am 9. Oktober in

Halle Erschossenen.

DPA

Verdacht gab,erkönne Teil einer größeren

rechtsextremistischen Gruppe

sein. Franco A. hatte sich als syrischer

Flüchtling ausgegeben. Die

Bundesanwaltschaft wirft ihm vor,

aus einer rechtsextremen Gesinnung

heraus Anschläge geplant zu haben.

Derzeit prüft der Bundesgerichtshof,

ob ihm wegen Terrorverdachts der

Prozess gemacht werden kann.

Halle war eine Zäsur

Gramm unterstrich, die durch den

Fall Franco A. aufgekommenen Befürchtungen,

in der Bundeswehr

habe sich eine radikale „Schattenarmee“

gebildet, hätten sich so nicht

bestätigt. Gleichwohl habe man es

nach dem rechtsextremistischen

Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke sowie

dem Anschlag auf die Synagoge von

Halle „mit einer echten Zäsur zu

tun“. Die Extremismus-Abwehr des

MAD werde nun „mit Priorität ausgebaut“.

Der Präsident des Bundesamtes

für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang,

beklagte ebenfalls eine

wachsende Gefahr durch den

Rechtsextremismus sowie terroristische

Ansätze außerhalb der etablierten

Szene. Dabei bereite unter

anderem Sorge, dass die Grenzen

zur gesellschaftlichen Mitte fließend

würden. Auf die Frage nach

seinem wegen rechtspopulistischer

Äußerungen umstrittenen Vorgänger

Hans-GeorgMaaßen antwortete

Haldenwang:„Ich bin nicht das Kindermädchen

vonHerrnMaaßen.“


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 5 *

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Hauptstadt

Der Laute:

Donald Trump

Glaubt man der eigenenWahrnehmung,dann dominiertder

US-Präsident das Medium Twitter.Dabei ist er gar

nicht der Follower-König unter den US-Politikern. SeinemVorgänger

im Amt, Barack Obama, folgen etwa rund 110 Millionen Menschen und

damit fast doppelt so viele wie Trump. Auch bei Instagram schlägt der alte

den neuen Präsidenten um Längen. Aber wie sonst in der Politik gilt auch im

virtuellen Raum: Weramlautesten schreit, wird erstmal gehört. Dass @realDonaldTrump

sich dabei öfter peinliche Patzer leistet oder schlicht Unwahrheiten verbreitet,

tut seiner Popularität keinenAbbruch. Das hängt auch damit zusammen, dass

es dem Präsidenten gelingt, sich –trotz einesVermögens von3,1 Milliarden Dollar –als

Mann aus demVolk zu inszenieren. Er twittertumgangssprachlich und lässt die Follower

an seinem Privatleben teilhaben –das sich vorwiegend auf dem Golfplatz abzuspielen

scheint. Darüber hinaus hatTrump einen Hang zum „Kampftwittern“, wobei er bei der

Wahl seiner Gegner nicht zimperlich ist: Er beschimpft und beleidigt nicht nur Oppositionspolitiker,sondernauch

die der eigenen Partei, sofernsie Widerspruch

wagen. Auch kritische Journalisten stehen immer wieder im Fadenkreuz; dem

Kampfbegriff „FakeNews“ verhalferzum internationalen Siegeszug.Es

wäre ein Leichtes, DonaldTrump als impulsiven Spinner darzustellen,

dem dringend jemand das Handywegnehmen sollte. Naheliegender

ist, dass hinter dem aggressivenTwitter-Verhalten

eine Strategie steckt. Eine, die leider ziemlich

erfolgreich ist.

@

So viele E-Mails werden

im Bundestag durchschnittlich

pro Tagverschickt.

ca.

110 000

Das tägliche Internet-Datenvolumen

beträgt im Bundestag

in Sitzungswochen zwischen

4und 6 Terabyte

in sitzungsfreien Wochen

zwischen

2und 4Terabyte

So viele

E-Mails erreichen

den Bundestag im

durchschnitt pro Tag.

ca.

180 000

rund

90%

der deutschsprachigen

Bevölkerung ab

14 Jahren ist

2019 online

Nutzer im

Vergeich

März 2019

weltweit,

in Millliarden

Messenger

1,3

Facebook

2,38

WhatsApp

1,6

Instagram

1,0

Internetnutzung

von Personen nach Endgeräten

1. Quartal 2018 in Deutschland

Handys und Smartphones

Laptops

Desktop-PCs

Tablets

andere

16%

46%

Sie sind

jetzt online

Am 29. Oktober 1969 wurde die erste Nachricht im Netz

65%

62%

verschickt. Das System stürzte nach nur zwei

Buchstaben ab, doch das Datum gilt als Geburtsstunde

des Internets. 50 Jahre später ist die

Online-Kommunikation via Twitterund Co. zum festen

Bestandteil des Alltags geworden –das gilt auch für die

87%

Politik. Zwei Buchstaben reichen längst nicht mehr;

aber auch 280 Zeichen können ihre Tücken haben

VonTanja Brandes und Isabella Galanty

So viele

E-Mail-Adressen

gibt es im Bundestagsnetz

ca.

17 000

Der Vernünftige:

Ruprecht Polenz

Der Mann ist der lebende Beweis dafür,dass man auch

nach der aktiven Bundestagskarriere in der politischen Diskussion

ganz vornemitmischen kann. Laut dem Nachrichtenmagazin Focus

ist der frühere CDU-Generalsekretär,der 2013 aus dem Bundestag

ausschied, der reichweitenstärkste Politiker auf Twitter.Mit rund 27 000 Followern

gehörterzwar nicht zu den Politikernmit den meistenAnhängern, seit der

Reaktivierung seines Twitter-AccountsimJanuar 2019 seien Polenz’ Tweets aber

mehr als 900 000 Mal geteilt oder favorisiertworden. Polenz bedient beiTwitterein

offensichtliches Bedürfnis nach klaren Ansagen gepaartmit mäßigenden Tönen –

und nach parteiübergreifender Gesprächsbereitschaft. Immer wieder bezieht er öffentlich

klar Position gegendie AfD, die er ohne Umschweife als faschistische Partei

bezeichnet, ohne jedoch je ausfallend zu werden. Stattdessen entlarvt er die

Poltereien vonWeidel, Gauland und Co. als populistische Stimmungsmache.

Und er scheut sich auch nicht, die eigene Partei zu kritisieren oder dem

vermeintlichen politischen Gegner zuzustimmen, wenn es der Sache

dienlich ist. Da seine Zeit als aktiver Politikervorbei ist, kann Ruprecht

Polenz freier agieren als seine Kollegen im Bundestag.

Und sie an Zeiten erinnern, als „liberal“ noch kein

Schimpfwortwar.Auch nicht für

CDU-Politiker.

4,0

3,0

2,0,

2002

1,0 0,67

Internetnutzer

weltweit

in Milliarden

Onlineaktivitäten

Anteil derjenigen, die das Internet

für folgende Tätigkeiten (mindestens

einmal wöchentlich) nutzen, in Deutschland

Videos schauen

Musik hören

Schularbeiten

Spiele

2018

3,9

Soziale Netzwerke

67%

65%

61%

76%

87%

DPA/CHRISTOPH SOEDER; DPA/BRITTA PEDERSEN; AP/EVAN VUCCI; DPA/KARLHEINZ SCHINDLER

DieStreitlustige:

Sawsan Chebli

Für die Berliner Staatssekretärin sind die sozialen

Netzwerkeein essenzieller Teil derpolitischen Debatte –

und sie weiß siezunutzen. Die SPD-Politikerin mit palästinensischenWurzelnschießt

immer wieder scharf gegenAfD-Politiker und

andere, die sich ihrer Meinung nach zu weit rechts vonder demokratischen

Grundordnung bewegen. Einesihrer Hauptthemen im Netz ist

das Verhältnis vonJudentum und Islam. Chebli wehrtsichvehement gegenden

Eindruck, die beiden Religionen stünden sich ablehnend oder

garfeindlich gegenüber.Nach dem Attentat vonHalle rief die gläubige

Muslima für denselben Abend via TwitterzueinerMahnwache vorder

Berliner Synagogeinder Oranienstraße auf. Mehrere HundertMenschen

kamen –unter ihnen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sawsan Chebli ist nicht gerade fürihre Diplomatie bekannt, wie

wenig anderen Politikerinnen schlägt ihr aber auch der –

vorallem frauenfeindliche –Hass im Netz entgegen.

Sie wehrtsichdagegen nach eigenen Angaben

mit bis zu 30 Strafanzeigen pro

Woche.

Internetnutzer

in Deutschland

in Millionen, im Alter von

16 bis 74 Jahren

56,6

51,3

45,4

30,8

’02

’07

’13

’18

Nutzung

des Internets

in Stunden pro Woche

Berlin Brandenburg

62,9 49,2

DerAbstinente:

RobertHabeck

Derfreundliche Grünen-Chef muss sich schon sehr anstrengen,

um sich unbeliebt zu machen. Unter seiner Führung und der

seiner Co-VorsitzendenAnnalena Baerbock erlebte die Partei in denletzten

Monaten einen Höhenflug nach dem anderen; erst das Ergebnis bei der

Thüringenwahl fiel ernüchternd aus. Habeck ist eigentlich der Prototyp des Social-Media-Politikers:Telegen,

wortgewandt, sympathisch. DochAnfang des Jahres

wurde er zum lebenden Beweis dafür,dass man in den sogenannten sozialen Medien

gerade alsPolitiker aufdie Nase fallen kann. In einem vonden Grünen veröffentlichtenVideo

sagte er:„Wirversuchen, alles zu machen, damitThüringen ein offenes,

freies, liberales, demokratisches Land wird (...).“ DasVideo habe geklungen, „als

würde ichThüringen absprechen, weltoffen und demokratisch zu sein.Wasich natürlich

null tue“, schrieb Habeck –und zog die Konsequenzen: „Die polemischeArtvon

Twitter“ färbe auf ihn ab,daherwerde er seinenAccount abschalten.Vieleunterstellten

dem Grünen-Chef daraufhin, er seivom Medium derZukunft überfordert.

Habeck räumte ein, er wisse nicht, ob sich die Entscheidung alsFehlerherausstellen

werde.„Aber ichweiß, dass es eingrößerer Fehler

wäre,diesen Schritt nicht zu gehen.“Angesichts des Ergebnisses

vomWochenende muss sich der Parteichef zumindest

fragen, ob derThüringer nicht nachtragender

ist, als vermutet.

QUELLE: LEIBNIZ-INSTITUT, UNICEF, AFP, BITKOM, DPA, DESTATIS

PLATZ DER REPUBLIK

Eklats, gestern

und heute

Holger Schmale

über die Zeit, als Grüne im Bundestag störten

Ralph Brinkhaus, Fraktionschef

der CDU/CSU, ist eigentlich ein

heiterer,gelassener Zeitgenosse.Vergangene

Woche geriet er im Bundestag

aber gehörig aus dem Häuschen.

Beatrix von Storch, eine AfD-Dame

mit besonders lockerem Mundwerk,

hatte den FDP-Abgeordneten Marco

Buschmann als Terroristen bezeichnet

und wurde dafür von Bundestagspräsident

Wolfgang Schäuble

mit einem Ordnungsruf verwarnt.

Brinkhaus protestierte lautstark,

ihm war das zu wenig, derVerrohung

der Sitten im Parlament müsse Einhalt

geboten werden. Dasbedeutete,

dass er den Ausschluss der Abgeordneten

forderte. Das obliegt aber allein

der Entscheidung des amtierenden

Sitzungspräsidenten.

Obwohl vielfach beklagt wird,

AfD-Abgeordnete bedienten sich einer

aggressiven, beleidigenden und

sogar niederträchtigen Wortwahl, ist

noch keiner voneiner Sitzung ausgeschlossen

worden. EinBlick in die Geschichte

des Bundestages zeigt, dass

die Präsidenten generell sehr zurückhaltend

mit dieser Strafe umgegangen

sind. Zuletzt traf es 2010 die ganze

Fraktion der Linken, die mit Plakaten

gegen den Afghanistan-Einsatz der

Bundeswehr protestierte. Bis dahin

waren seit 1949 nur 24 Abgeordnete

ausgeschlossen worden. Derbekannteste

Fall betraf 1984 zwei Politiker der

Grünen, Jürgen Reents und Joschka

Fischer.Dabei fiel der Ausspruch, der

diesen Eklat so prominent gemacht

hat, erst nach dem Ausschluss.Eswar

die Reaktion Fischers auf die Entscheidung

des amtierenden Sitzungsleiters,RichardStücklen(CSU):

„Mit Verlaub,HerrPräsident, Siesind

ein Arschloch“, rief er ihm beim Hinausgehen

zu.

Inzwischen ist der eigentliche

Hintergrund dieser Konfrontation in

Vergessenheitgeraten. DerAbgeordnete

Reents hatte in einer Debatte

Helmut Kohl als Kanzler bezeichnet,

„dessen Weg an die Spitze seiner

Fraktion und seiner Partei,wie wir in

diesen Tagen erfahren haben, von

Flick freigekauft wurde“. Es gab TumulteimPlenumund

Vizepräsident

Stücklen reagierte hart: „Für diesen

ungeheuren Vorwurf schließe ich

den Abgeordneten Reents von der

Teilnahme an dieser Plenarsitzung

aus.“ Nun protestierten die Grünen,

und Stücklen schloss auch den Zwischenrufer

Fischer aus.

Damals erschütterte die Affäre

um Bestechungszahlungen des

Flick-Konzerns an führende Politiker

die Bonner Republik. Reents bezog

sich auf gerade bekannt gewordene

fingierte Zuwendungen an den inzwischen

zum Bundestagspräsidenten

aufgestiegenen Rainer Barzel,

derseine Ämter als CDU-Partei- und

Fraktionschef einige Jahre zuvor zugunsten

Helmut Kohls aufgegeben

hatte. Hatte Flick ihm die Entscheidung

finanziell versüßt, um den genehmeren

Kohl in seine Ämter zu

bringen? Das war eine weit verbreitete

Lesart, die freilich nie bewiesen

werden konnte. Zurücktreten

musste Barzel dennoch. Wolfgang

Schäuble war damals übrigens Fraktionsgeschäftsführer

der CDU/CSU

und ermunterte Stücklen mit dem

Zuruf:„Müssen wir uns eigentlich alles

bieten lassen?“ zu hartem Durchgreifen.

Nun ist Schäuble immer

noch da, doch solch handfeste Skandale

wie die Flick-Affäre hat die Republik

gerade nicht zu bieten.


6* Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

30.7.19

30.7.19

▼ 12939,62 (–0,02 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

30.7.19

Stand der Daten: 29.10.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

29.10.19

▲ 61,57 (±0,00 %)

29.10.19

▲ 1,1095 (+0,07 %)

Quelle

29.10.19

aus DAXund MDAX vom29.10.zum Vortag

Cancom 49,44 +4,97 WWWWWWWWWWW

Fresenius M. C. St. 62,60

+4,65 WWWWWWWWWW

Fresenius 45,77 +4,57 WWWWWWWWWW

Linde PLC 180,55 +2,12 WWWWW

RTLGroup 45,26 +2,12 WWWWW

Gerresheimer 72,20 +1,40 WWWW

Verlierer

aus DAX und MDAX vom 29.10. zum Vortag

Fuchs Petrolub Vz. 34,12 WWWWWWW –3,18

Zalando 41,26 WWWWWW –2,41

DeutscheBörse NA140,55 WWWWWW –2,40

United Internet NA 28,13 WWWWWW –2,39

Knorr-Bremse 90,69 WWWWW –2,23

MorphoSys 95,10 WWWWW –2,21

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 29.10. ±% z. 28.10.

Euro Stoxx 50(EU) –0,10

3638/2909 3622,09

CAC 40(FR) +0,17

5747/4556 5740,14

S&P UK(UK) –0,36

1562/1323 1473,87

RTS (RU) +0,86

1432/1033 1424,05

IBEX (ES) –0,35

9588/8286 9400,10

Dow Jones (US) –0,07

27399/21713 27071,46

Bovespa (BR) –0,30

108393/83892107863,40

Nikkei (JP) +0,47

23008/18949 22974,13

Hang Seng (HK) –0,51

30280/24700 26749,80

Stx Singap. 20 (SG) +0,29

1657/1361 1604,70

Ratenkredite 10.000 Euro

Kreditzinsen, bonitätsunabhängig bzw.2/3 Zins

Kundenkontakt 36 Mon. 48 Mon. 60 Mon.

Deutsche Skatbank

skatbank.de 2,89 2,89 2,89

PSD Bank Nürnberg

psd-nuernberg.de 2,93 2,93 2,93

EthikBank

ethikbank.de 2,95 2,95 2,95

DKB Deutsche Kreditbank

dkb.de 3,19 3,19 3,19

SWK Bank

couchkredit.de 3,49 3,49 3,49

Commerzbank

069/98660966 3,74 4,98 4,74

Postbank

postbank.de 3,79 3,79 3,79

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 3,89 3,89 3,89

Targobank

targobank.de 3,95 3,95 3,95

ING

ing.de 3,99 3,99 3,99

PSD Berlin-Brandenburg

psd-bb.de 3,49 3,49 3,69

Pax-Bank

pax-bank.de 3,99 3,99 3,99

ABK Allgemeine Beamten Bank

030/28535200 4,49 4,49 3,39

BBBank

030 202480 5,82 5,61 5,40

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 8,99 8,99 8,99

Mittelwert von 70 Banken 3,87 3,95 4,07

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Viele habensichwegender Niedrigzinsenvom Sparbuch abgewendet.

Von Frank-Thomas Wenzel

Was waren das für Zeiten,

als brave Kinder

geduldig in der

Schlange warteten,

um vor den Augen des Sparkassen-

Kassierers ihr Sparschwein zu

schlachten. DieMünzen wurden mit

größter Sorgfalt gezählt und in das

dunkelrote Sparbuch wurde eine

neue Zahl eingetragen.

Viele der einst emsigen Jungsparer

legen zwar immer noch was zur

Seite. Aber Sparschwein und -buch

und auch die einst so beliebten Tagesgeldkonten

sind out. Aus dem

zum Weltspartag (30. Oktober) vom

Deutschen Sparkassen- und Giroverband

(DSGV)vorgelegten Vermögensbarometer

geht hervor, dass 46

Prozent der Bundesbürger wegen

der extrem niedrigen Zinsen ihr Verhalten

beim Thema Sparen verändert

haben oder dies noch tun wollen.

Angst vorImmobilienblase

Aktien, Wertpapiere und Direktinvestitionen

in Unternehmen liegen

bei der Frage nach der aktuell geeigneten

Geldanlageform erstmals auf

Platz eins, und zwar mit klarem Abstand.

Die Präferenz hierfür ist im

Vergleich zu den zurückliegenden

Jahrenerheblichgestiegen. Immobilien,

die zuvor erste Wahl waren, sind

auf den dritten Platz abgerutscht –

hier spielt offenbar die Angst vor

einer Immobilienblase eine wichtige

Sicherheits- oder Industriepolitik?

Die Bundesregierung legt ein Gesetz vor, um Rüstungsaufträgenichtmehreuropaweit ausschreibenzumüssen

Von Andreas Niesmann

Das Bundeskabinett soll an diesem

Mittwoch das von Wirtschaftsminister

Peter Altmaier

(CDU) eingebrachte Gesetz zur beschleunigten

Anschaffung von Rüstungsgütern

und Gütern der Sicherheitsindustrie

beschließen. Das erfuhr

das RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND) aus Kreisen der

Bundesregierung.

DasGesetz soll verlässlich regeln,

wann bei öffentlichen Aufträgen

künftig Ausnahmen von der Pflicht

zur europaweiten Ausschreibung

gelten sollen, weil deutsche Sicherheitsinteressen

betroffen sind. Wesentliche

Sicherheitsinteressen

könnten insbesonderedann berührt

sein, „wenn ein öffentlicher Auftrag

Mehr Risiko wagen

Das Sparschwein ist out. Die Deutschen setzen zunehmend auf Aktien

Nullzinsniveau: Mario Draghi,

der gerade verabschiedete

Präsident der Europäischen

Zentralbank (EZB),

hat die Zinsen auf das Nullniveau

gedrückt.Das soll zu

Konsum und Investitionen

ermuntern, konterkariert

aber das Konzept des Weltspartages,

der 1924 beschlossen

wurde.

Rolle.Auf dem zweiten Rang: Investment-

und Immobilienfonds.

Die iminternationalen Vergleich

bislang als sehr konservativ geltenden

Deutschen werden –wenn’s ums

Geld geht –erkennbar mutiger. Immerhin

gut ein Fünftel (21 Prozent)

ist mittlerweile bereit, für eine höhere

Verzinsung „etwas mehr Risiko“

einzugehen. Das sind immerhin 10

Prozentpunkte mehr als im Jahr

2016.

Die Neigung, was zu wagen, ist

seither kontinuierlich gewachsen.So

das Vermögensbarometer,für das im

Auftrag des DSGV zwischen Maiund

Juni 2019 rund 5800 Bundesbürger

ab 14 Jahren befragt wurden. Sein

Echo findet all dies auch in der Entwicklung

der Aktienmärkte. Der

IDEE EINES ITALIENERS

Initiative: AlsVater der Initiativegilt

der Italiener Filippo

Ravizza. Er gabdas Motto

aus, dass die Menschen

vom„Ideal des Sparens“

überzeugt werden müssten.

Damals kämpften viele

Staaten mit einer Hyperinflation.

Heute beträgt die Teuerungsrate

in der Euro-Zone

nur noch ein Prozent.

Früchte: Gleichwohl trägt

Ravizzas Idee noch immer

Früchte: Laut DSGV-Präsident

Helmut Schleweis ist

die Summe der täglich fälligenGelder,die

auf Sparkassen-Girokonten

zur Verfügung

stehen, in den ersten

acht Monaten 2019 im Vergleich

zum Vorjahr um 6,1

Prozent gestiegen.

Deutsche Aktienindex klettert von

einem Jahreshoch zum nächsten.

Das wichtigste hiesige Börsenbarometer

hat in diesem Jahr schon um

rund 23 Prozent zugelegt.

Womöglich hängt die steigende

Risikobereitschaft auch damit zusammen,

dass es vielen Bundesbürgern

offenbar gut geht. 43 Prozent

der Befragten bezeichnen ihrefinanzielle

Situation als gut oder sehr gut.

Auch dieser Wert ist im Vermögensbarometer

seit2016 vonseinerzeit 31

Prozent kontinuierlich gestiegen.

Dazu passt, dass die Bereitschaft, der

„Niedrigzinsproblematik“ auszuweichen,

mit der Höhe des verfügbaren

Einkommens steigt. Wer viel

Geld übrig hat, kann sich eher auf das

Auf und Ab an den Aktienmärkten

oder eine Konzession eine Technologie

betrifft, die als verteidigungsindustrielle

Schlüsseltechnologie eingestuft

wird“, heißt es in dem abgestimmten

Gesetzentwurf, der dem

RND vorliegt. „Die Einstufung einer

Technologie als verteidigungsindustrielle

Schlüsseltechnologie erfolgt

durch einen Beschluss des Bundeskabinetts,beispielsweise

im Rahmen

des durch das Bundeskabinett

verabschiedeten Weißbuchs der

Bundeswehr oder im Strategiepapier

der Bundesregierung zur Stärkung

der Verteidigungsindustrie in

Deutschland“, so der Gesetzentwurf.

Derzeit sind zum Beispiel U-Boote

oder gepanzerte Fahrzeuge als

Schlüsseltechnik definiert. Im Wirtschaftsministerium

gibt es Bestrebungen,

auch den Überwasserschiffbau

in die Liste aufzunehmen. Laut

Gesetzentwurf können deutsche Sicherheitsinteressen

auch dann betroffen

sein, wenn bei einer Anschaffung

ein hohes Maß anVertraulichkeit

nötig ist.

„Damit können sowohl bestimmte

Beschaffungen erfasst sein, die der

Sicherstellung des grenzpolizeilichen

Schutzes des Bundesgebietes

dienen, als auch solche, die zur präventiven

Abwehr oder repressiven

Verfolgung von Straftaten mit terroristischem

Hintergrund oder im Bereich

der organisierten Kriminalität

bestimmt sind“, heißt es in dem

Papier. Auch bei Anschaffungen im

Rahmen verdeckter Ermittlungen

zum Zweck der Gefahrenabwehr

oder Strafverfolgung seien deutsche

Sicherheitsinteressen betroffen.

FOTO: DANIEL NAUPOLD/DPA

einlassen.DarausziehendieAutoren

aber auch die Schlussfolgerung, dass

Menschen mit weniger Geld es derzeit

deutlich schwerer haben, Alternativen

zu finden. 18 Prozent der Befragten

beurteilen ihreaktuelle Lage

als „schlecht“ oder „eher schlecht“.

In den Jahren 2005 und 2006 war es

noch jeder Dritte gewesen.

Just die Sparkassen machen derzeit

eher Negativwerbung für klassische

Sparverträge, die gerade bei

Leuten mit kleinem Geldbeutel beliebt

waren. Dutzende der öffentlichrechtlichen

Institute haben in den

vergangenen Monaten überall in

Deutschland Tausende von Prämiensparplänen

gekündigt.

Kündigungen gebilligt

Allein bei der Sparkasse München

waren es kürzlich 28000. Es handelt

sichinderRegelumunbefristeteVerträge,

die schon viele Jahre laufen

und derzeit zwar ebenfalls nur geringe

Zinsen abwerfen. Mitwachsender

Laufzeit steigen aber die Prämien,

die für das jährlich gesparte Geld von

der Sparkasse draufgezahlt werden.

Ab 15 Jahren gibt es vielfach 50 Prozent

dazu: Wer1000 Euro in einem

Jahr einzahlt,bekommt 500 Euro dazu.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe

hat als höchste Instanz aber das

Kündigen solcher Verträge gebilligt,

wenn die Kunden die Bonusstaffel

komplett ausgeschöpft haben –mit

dem Hinweis auf die anhaltende

Niedrigzinsphase.

In allen vom Gesetzentwurf vorgesehenen

Fällen soll die ab einem

gewissen Schwellenwertbestehende

Pflicht zur europaweiten Ausschreibung

öffentlicher Aufträge künftig

wegfallen. Die EU-Vergaberichtlinie

sieht solche Ausnahmen ausdrücklich

vor, bisher hatte Deutschland allerdings

keinen Gebrauch davon gemacht.

Schon im Koalitionsvertrag hatten

sich Union und SPD darauf verständigt,

entsprechende Voraussetzungen

zu schaffen. Dadurch sollen

Beschaffungsvorhaben vor allem im

Rüstungsbereich beschleunigt werden.

Das Instrument lässt sich allerdings

auch industriepolitisch nutzen

–etwa um europäische Wettbewerber

bei großen Aufträgen des

Staates außen vorzuhalten.

Bafin will Kontrollen

verschärfen

DieFinanzaufsicht Bafin sieht die

Lage vonLebensversicherernund

Pensionskassen angesichts der anhaltenden

Zinsflaute mit Sorge. „Die

Situation der Lebensversicherer und

Pensionskassen erfordert, dass wir

unsereKontrolle verstärken“, sagte

der Chef der Versicherungsaufsicht,

Frank Grund. DieNiedrigzinsphase

forderedie Versicherer besonders

heraus,sagte Grund. DieBafin sei

dem Schutz der Versicherten und

Versorgungsberechtigten verpflichtet.

Dieses Mandat sei ein Auftrag,

„auf die dauerhafte Leistungsfähigkeit

der Unternehmen zu achten“.

Grund mahnte,die Assekuranzen

müssten sich auf die Zinssituation

bestmöglich einstellen. (dpa)

Ifo-Geschäftsklima für

Ostdeutschland verbessert

DieStimmung in der ostdeutschen

Wirtschaft hat sich im Oktober erneut

leicht verbessert. Daszeigt der

Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts

Dresden. Beim Blick auf einzelne

Bereiche ergibt sich jedoch ein

unterschiedliches Bild. Im verarbeitenden

Gewerbe bewerteten die befragten

Unternehmer ihrelaufenden

Geschäfte merklich besser als im

Vormonat. „Allerdings revidierten

sie ihreErwartungen für die kommenden

sechs Monate spürbar nach

unten“, hieß es.Auch im Dienstleistungssektor

hellte sich das Geschäftsklima

etwas auf. Im Handel

stieg die Stimmung nach einem Abwärtstrend

der Vormonate erstmals

wieder. (dpa)

Aramco geht im

Dezember an die Börse

Der Aramco-Börsengang soll 90 Milliarden

Euroeinbringen. FOTO: JOHN MOORE/AP

Aktien des saudi-arabischen ÖlkonzernsAramcosollen

ab Dezember

an der Börse gehandelt werden. Der

Aktienpreis solle am 4. Dezember

festgelegt werden, der Handelsstart

in Saudi-Arabien sei für den 11. Dezember

geplant, berichtete der Satellitenkanal

Al-Arabija, der sich in

saudischem Besitz befindet. DerBericht

kam pünktlich zum Beginn

eines Treffens,bei dem um Investitionen

in Saudi-Arabien geworben

wird. Dersaudische Kronprinz Mohammed

bin Salman hofft, durch

den Verkauf einiger Aramco-Anteile

an der Börse 90 Milliarden Euro einzunehmen.

(dpa)

Indischer Billigflieger

bestellt 300 Airbus-Jets

Mitten in der Krise des US-Flugzeugbauers

Boeing hat der europäische

Konkurrent Airbus einen Riesenauftrag

aus Indien eingesackt.

Derindische Billigflieger IndiGoorderte

300 Flugzeuge der Modellfamilie

A320neo,wie beide Unternehmen

mitteilten. DerAuftrag ist einer

der größten in der Geschichte des

Flugzeugbauers.Ausgehend vonder

Standardversion A320neo,die auf

der Preisliste mit 110,6 Millionen

US-Dollar aufgeführtist, könnte die

Bestellung einen Gesamtwertvon

mehr als 33 Milliarden Dollar (rund

29,8 Milliarden Euro)erreichen. Allerdings

sind bei Flugzeugbestellungen

hohe Rabatte üblich. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 7

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Wirtschaft

Eine Weichenstellung

Wegmit Kupferkabeln, weg mit analoger Technik: In Rostock-Warnemünde geht das erste digitale Stellwerk der Deutschen Bahn im Fernverkehr in Betrieb

Von Rasmus Buchsteiner

Sie steht bereits am Bahnsteig:

S-Bahn 33417 nach Güstrow.

In fünf Minuten ist Abfahrt

am Bahnhof Warnemünde

Werft. Johannes Eltermann stellt

noch schnell die nächsten Signale

und Weichen richtig ein. Zwei Klicks

mit der Computermaus genügen.

Dererste Streckenabschnitt auf dem

Bildschirmleuchtet grün auf. „Wenn

alles stimmt, kann die S-Bahn losfahren“,

sagt der 21-Jährige und lehnt

sich zurück.

Eltermann und seine Kollegen

leisten Pionierarbeit in Sachen Digitalisierung

bei der Bahn. In einem

kleinen Zweckbau unweit der Ostsee

in Rostock-Warnemünde geht an

diesem Mittwoch Deutschlands erstes

digitales Stellwerk offiziell in Betrieb.

Genauer gesagt: Es ist das erste,

das an einer Fernverkehrsstrecke

liegt. Zumindest bald wieder.

DieVerbindung nach Warnemünde

soll vom kommenden Mai anbesondere

Bedeutung erhalten. Dann

geht es im neuen Stellwerk nicht

mehr nur um S-Bahnen. DasOstseebadbekommt

wieder eine Direktanbindung

mit Intercityund ICE –unter

anderem für den Kreuzfahrttourismus.

Das Ganze ist ein Prestigeprojekt

für die Bahn, die den Zugbetrieb

in ihrem Netz nun nicht mehr mit

analoger Technik steuern möchte.

Die65-Millionen-Euro-Investition in

Warnemünde ist Teil der „Digitalen

Schiene Deutschland“, eines Großprojekts,mit

dem die Bahn ehrgeizige

Ziele verfolgt.

Schritt für Schritt will der Staatskonzern

Stellwerktechnik aus dem

Verkehr ziehen, die vielerorts noch

aus der Kaiserzeit stammt. Der Zugverkehr

auf dem 33400 Kilometer

langen Streckennetz in Deutschland

soll eines nicht allzu fernen Tages von

280 digitalen Stellwerken gesteuert

werden. Seit vergangenem Jahr werden

im sächsischen Annaberg-Buchholz

bereits die Weichen und Signale

auf einer Regionalstrecke digital gesteuert.

Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald

Pofalla sieht im groß angelegten

Stellwerkumbau die Voraussetzung

für mehr Effizienz im Schienennetz.

„Die Eisenbahn kann ihren Beitrag

für die Mobilitätswende und den Klimaschutz

nur leisten, wenn sie leistungsfähiger

wird. Die Digitalisierung

wirdentscheidend dazu beitragen“,

sagte Pofalla dem Redaktions-

Netzwerk Deutschland (RND). Digitale

Stellwerke würden „eine komplett

neue Organisation“ des Bahnbetriebs

ermöglichen. „Die Schiene

gewinnt bedeutend mehr Kapazität,

wird zuverlässiger und technisch

standardisierter.“

Rund um das neue Stellwerk in

Warnemünde sieht es noch aus wie

auf einer Baustelle. Kein Schild am

Eingang, gerade wirddie Zufahrtplaniert.

In orangefarbener Warnweste

steht Projektleiter Ingo Buhlke vor

dem Gebäude und erläutert, wie die

neue Technik funktioniert: „Die

Steuerungsbefehle werden von der

Zentraleinheit, dem Gehirn des Stellwerks,

über ein Netzwerk übertragen,

nicht mehr wie früher über

Stromkabel.“

Dieneun Weichen und 26 Signale

im Einzugsgebiet des Stellwerks haben

nun eine Internetadresse.22Kilometer

Glasfaserkabel hat die Bahn

verbuddeln lassen, um sie anzuschließen.

Vor dem alten Stellwerk

vonWarnemünde,dasgeradefürden

Abriss vorbereitet wird, zeigt Buhlke

Müllsäcke voller Relais und Platinen,

Kupferkabel und Leuchtdioden –Relikte

aus einer Eisenbahnära, die bald

der Vergangenheit angehören soll.

Einerder entscheidenden Vorteile

digitaler Stellwerke sei, dass man Störungen

und Ausfällen von Weichen

und Signalen schneller auf den

Grund gehen könne. Auch die Wartung

werdeeinfacher.„Wirkommen

schneller an des Pudels Kern,was genau

die Ursache ist“, erklärt Buhlke.

Ein weiterer Vorteil aus Bahnsicht:

Mankommt mit weniger Stellwerken

aus –und benötigt deutlich weniger

Kabelkilometer.„Für die heutige Infrastruktur

mit 2700 herkömmlichen

Stellwerken, 67000 Weichen und

160000 Signalen sind 400000 Kilometer

Kupferkabel vonnöten“, heißt

es bei der Bahn.

„Die Schonzeit

ist einfach

vorbei“

Mehr Firmen sollen sich an

Recycling beteiligen

Von David Schwarz

Z ehnMonatenachInkrafttretendes

Verpackungsgesetzes erhöht die

Kontrollbehörde den Druck auf die

Unternehmen, die sich nicht ausreichend

am Recyclingsystem beteiligen.

„Die Schonzeit ist einfach vorbei“, sagte

die Vorsitzende der zur Kontrolle

eingerichteten Zentralen Stelle Verpackungsregister,

Gunda Rachut, am

Dienstag in Berlin.Esseien bereits einige

Bußgelder zwischen 15000 und

25000 Euro ausgesprochen worden.

Im Juni habe man den Vollzugsbehörden

2000 Ordnungswidrigkeiten gemeldet.

Das sei aber nur der Anfang, sagte

Rachut.„Weresjetztnochnichtmitbekommen

hat –nach einem wirklich

turbulentenJahrimBereichderVerpackungen

–, da kann ich es nicht ändern,

da muss dann irgendwann der

Vollzugkommenundsagen:Vertriebsverbot,

Bußgeld und Gewinnabschöpfung“,

sagte sie.

Die Zentrale Stelle organisiert als

Behörde seit dem 1. Januar dasVerpackungsregister

für Unternehmen, die

Verpackungen indenVerkehrbringen,

die dann beispielsweise in Privathaushalten

als Abfall anfallen. Die Firmen

müssen sich deshalb auchanden Kosten

fürs Entsorgen und Verwerten beteiligen

und Lizenzentgelte zahlen an

die dualen Systeme wie den Grünen

Punkt.

DasUmweltbundesamt (UBA) forderte

die Bundesländer auf, konsequenter

gegen die „schwarzenSchafe“

vorzugehen. DieLänder sollten „deutlich

stärker ihrer gesetzlichen Aufgabe

nachkommen, Trittbrettfahrer, die

sicheinerRegistrierungentziehen,mit

Bußgeldernzuverfolgen“, sagte UBA-

Präsidentin Maria Krautzberger am

Dienstag. Sie wies jedoch darauf hin,

dass im Vollzug teilweise Personal fehle.

Manche Hersteller zahlen demnach

weiterhin keine oder zu wenig

Entgelte für die Sammlung und Verwertung

ihrer Verpackungen. BesondersbeidenLeichtverpackungensieht

Rachut noch Probleme. Hier sei die

Systembeteiligung noch nicht auf

einem befriedigenden Niveau. Dies

liege vorallem daran, dass Unternehmen

bestimmte Verpackungsarten

noch nicht meldeten, sagte sie. Bei

Papier,Pappe,KartonundGlashabees

größereFortschritte gegeben.

Um bei den Firmen Rechtsklarheit

zudenPflichtenfürfastalleVerpackungen

herzustellen, hat die Zentrale Stelle

einen Katalog herausgebracht. Jeder

Hersteller könne seine Verpflichtungen

damit schnell ermitteln. So werdeman

„die Wettbewerbsverzerrungen durch

das Herausdefinieren von Verpackungen

aus der Systembeteiligungspflicht

beseitigen“, sagte Rachut. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Meinung

CDU

ZITAT

Letzte Runde

im Machtkampf

Gordon Repinski

erwartet im Winter eine Entscheidung

in der Führungsfrage.

AmMontagabend griff der ehemalige

CDU-Fraktionsvorsitzende Friedrich

Merz Bundeskanzlerin Angela Merkel in

beispielloser Weise an: Er warf ihr Führungsschwäche

vor, die Regierung arbeite

grottenschlecht. Hätte dieses Interview

noch einige Momente länger gedauert,

Merz hätte womöglich das ganzeLand zur

Bananenrepublik erklärt.

Angela Merkels Widersacher leitet mit

diesen Worten die entscheidende Phase

im Kampf um die Nachfolge im Kanzleramt

ein. Es ist eine bedeutende Entscheidung

für das Land, für die CDU. Merz’

große Chance in diesem Wettbewerb ist

der Rückhalt in der Jungen Union und das

diffuse Gefühl an der Parteibasis,dass die

Dinge früher besser waren und Friedrich

Merz ein Politiker aus dieser besseren Zeit

ist. Doch Kanzlerkandidat der Union

kann der Sauerländer wohl nur über einen

Mitgliederentscheid werden. In wenigen

Wochen wird auf dem Parteitag darüber

abgestimmt. Zur Vorbereitung jagt

Merz ein Geschoss in die Mitte der Union,

damit die Wände ordentlich wackeln.

Es ist eine Taktik, die mit großer Wahrscheinlichkeit

scheitern dürfte. Merz ist

zwar Projektionsfläche für die Anti-Merkel-Fraktion,

aber diese Fraktion ist mit

der Kanzlerin selbst längst versöhnt. Merkel-Kritikern

geht es eigentlich gar nicht

um die Kanzlerin selbst in ihrem 15. Jahr

im Kanzleramt: Es geht ihnen darum, dass

sich die Dinge nach ihr ändern. Deswegen

hat Merz einen Freifahrtschein in Sachen

Kritik an der Parteivorsitzenden Annegret

Kramp-Karrenbauer, den er mal mehr,

mal weniger subtil nutzt.

Aber Angriffe dieser Art gegen die

Kanzlerin wird ihm die CDU auf Dauer

nicht verzeihen. Siewerden ihm als Illoyalität

an einer Person ausgelegt, die längst

ihren Abgang erklärt hat. Die Partei liebt

eben den Verrat, aber nicht den Verräter.

Es kann sein, dass Merz seine Chance auf

Wenn sich Armin

Laschet und Jens

Spahn zusammentun,

kommt an dem Team

niemand in der CDU

mehr vorbei.

das Kanzleramt (die ohnehin klein ist) mit

diesem Interview verspielt hat.

Weil auch Kramp-Karrenbauer zeitgleich

Stück für Stück Rückhalt in ihrer

Partei verliert, werden sich schon bald die

Augen auf zwei Politiker richten, die sich

seitWochen geschickt zurückhalten –und

die wohl die Kanzlerkandidatur unter sich

ausmachen werden: Nordrhein-Westfalens

Ministerpräsident Armin Laschet

und Gesundheitsminister Jens Spahn. Die

Sehnsucht der Partei nach einer Versöhnungslösung

wächst mit der Intensität

der Konflikte. Beide Politiker könnten

diese Rolle übernehmen. Wenn sich die

beiden Rivalen von einst zusammentun,

kommt an dem Team niemand in der

CDU mehr vorbei.

Bei aller taktischen Streitbarkeit muss

man Friedrich Merz eines lassen: DieKritik

der Führungslosigkeit der Bundesregierung

hat einen wahren Kern. Angela

Merkels Rückzug auf aalglattes, politisches

Projektmanagement hat wegen der

zum Teil schwachen Minister hinter ihr

ein Vakuum hinterlassen. Es fehlt in manchen

Bereichen an einem ordnenden

Machtwort oder schlicht an einer Entscheidung.

Am deutlichsten wurde dieses

in der vergangenen Woche, in der die

deutsche Außenpolitik kopflos war und

am Ende der Gewinner der chaotischen

Zustände der türkische Präsident Erdogan.

Das wäre mit einer Kanzlerin mit

Führungsanspruch nicht passiert. Und

auch bei dem großen SPD-Projekt, der

Grundrente, fehlt es an einer Grundsatzentscheidung.

In Berlin braut sich ein gefährliches

Gemisch zusammen. Vorgezogene

Neuwahlen? Vielleicht wäre esnicht

das schlechteste Ergebnis.

Vorbei

Als ich anfing, diesen Text zu schreiben,

war der Terroranschlag in

Halle an der Saale gerade eine Woche

her. Die Synagoge liegt gegenüber

der Wohnung meiner Freunde, durch

deren Tür ich jahrelang ein und aus ging. Ein

Ort, der mir wohlbekannt ist. Der Schock

sitzt tief, überraschend kam das Attentat jedoch

nicht. Dreißig Jahre nach dem Mauerfall

feiert Deutschland die sogenannte

„friedliche Revolution“ und die „Wiedervereinigung“.

Zum Jubiläumsjahr des Beitritts

der DDR zur BRD 2020 werde auch ich 30

Jahrealt. Als erste Generation, die nach dem

Mauerfall geboren wurde, fällt mir ein Mitfeiern

jedoch schwer. Bereits anhand der

Stationen meines Lebenslaufes kann eine

lange Geschichte von rassistischen Gewalttaten

im vereinigten Deutschland erzählt

werden.

Meine Geburtsstadt Hoyerswerda ist bekannt

für das erste Pogrom nach dem Mauerfall

1991. MehrerehundertMenschen griffen

damals aus rassistischen Motiven ein Wohnheim

für Vertragsarbeiter_innen und ein

Asylwohnheim an. In dieser Zeit prägten die

Asylkompromisse zwischen CDU/CSU, FDP

und SPD einen öffentlichen Diskurs, indem

Migration verstärkt als Problem wahrgenommen

wurde. Am1.Januar 1991 trat das von

Helmut Kohl lange vorbereitete neue Ausländerrecht

in Kraft. Dies sollte die Einbürgerung

vieler sogenannter Gastarbeiter_innen

und ihrer Familien, die seit Jahrzehnten in

der BRD lebten, massiv erschweren und das

Recht auf Asyl einschränken. In der ehemaligen

DDR wurden die Aufenthaltstitel der dort

lebenden Vertragsarbeiter_innen nicht verlängert,

viele mussten ungewollt in ihreHerkunftsländer

zurückkehren. Es folgten bundesweit

rechte Gewalttaten und Morde an

Migrant_innen, also denen, die bei der Wiedervereinigung

nicht dazugehören sollten.

Die rassistischen Pogrome schufen ein

Klima, in dem sich rechte Strukturen ungestört

entwickeln konnten. Ich wuchs in Jena

Die Schweden hätten Peter Handke nicht

viel Schlimmeres antun können, als

ihm den Literaturnobelpreis zu verleihen. Es

war doch gerade eine ganze Wildblumenwiese

über die Serbien-Sache gewachsen

und kaum einer erinnerte sich noch an die

Jugoslawien-Kriege und Handkes irrlichternde

Einlassungen dazu. Ruhe war eingekehrt,

das Gras wuchs und wuchs. Erhätte

noch ein paar Bücher schreiben, ein paar

subnobelartige Preise gewinnen können und

wäreindie Literaturgeschichte eingegangen

als ein verdienter Autor,der sich hin und wieder

in der politischen Arena verlaufen hat. So

aber, mit einem Nobelpreis um den Hals,

wirddaraus nichts.

Für Schriftsteller und alle anderen Personen

des öffentlichen Lebens gilt, was auch für

Politiker gilt: je höher sie die Karriereleiter hinaufklimmen,

desto intensiver wirdihreBiografie

nach Fehltritten und Skandalen untersucht.Werganz

oben in der Sphäreder Nobelpreise,

Bonus-Zahlungen oder der Macht

mitspielen will, muss entweder eine so weiße

Weste mitbringen, dass es schon wieder langweilig

wird, oder den Shitstorm überleben,

den die Vergangenheit entfacht. Die Doktorarbeit

einer Bezirksbürgermeisterin interessiertkeinSchwein,

die Doktorarbeit einer Ministerin

ganze Schwärme. Schwarz angemalte

Gesichter zu Karneval gehen bei einem

weißen Studenten noch durch, kehren aber

wie ein Bumerang zurück, wenn man das Level

Premierminister erreicht hat. Es ist eine

Dynamik, die nicht aus Böswilligkeit in Gang

Zehn Debatten in zehn Wochen.

Die Berliner Zeitung,der Tagesspiegel und die Bundeszentrale

für politische Bildung feiern30Jahre Meinungsfreiheit.

Diese Woche: Sind wir ein Land?

Argumente und Ideen bitte an

leser-blz@dumont.de; Stichwort: Meinungsfreiheit

Alle Debatten online unter

berliner-zeitung.de/meinungsfreiheit

Mitfeiern

fällt schwer

Lydia Lierke

ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet an einer Publikation zu

„30 Jahre Mauerfall aus migrantischer Perspektive“.

KOLUMNE

Nur

nicht

jammern

Volker Heise

Filmemacher und Autor

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

auf und verbrachte meine ersten Partys in

dem Club, indem sich zehn Jahre zuvor der

NSU traf. Nach meinem Abitur zog ich nach

Leipzig, wo 2015 auf dem Augustusplatz die

Legida-Demonstrationen begannen, welche

einen Anfangspunkt für den Wahlerfolg der

AfD markieren. Die Zeit meines Studiums

verbrachte ich in Halle und Kassel. Dort

wurde 2006 Halit Yozgat in seinem

Internetcafé als neuntes bekanntes Opfer

des NSU ermordet. Diese Ereignisse stellen

nur einen Bruchteil der rassistischen Gewalt

in Deutschland dar. Die Brandanschläge in

Mölln und Solingen machen deutlich, dass

es sich nicht um ein ostspezifisches Problem

handelt. Der Begriff „Wiedervereinigung“

drängt daher unweigerlich die Frage auf, wer

vereinigt wurde und unter welchem Ausschluss

diese stattfand?

Dierassistische Kontinuität der letzten 30

Jahre macht deutlich, dass mit dem Slogan

„Wir sind ein Volk“ ein Ihrkonstruiertwurde,

das an den Feierlichkeiten nicht teilnehmen

soll, um den Zusammenhalt der weißen

Mehrheitsgesellschaft zu kreieren. Die Kosten

des Zusammenhalts in der Mehrheitsgesellschaft

Nachwendedeutschlands sind der

NSU-Komplex, Halle und all die vergangenen

und kommenden rassistischen Gewalttaten.

Für eine andere Gesellschaft ist die

Aufarbeitung der deutsch-deutschen Geschichte

notwendig. Siekann nur im Zusammenhang

einer öffentlichen Analyse der rassistischen

Zustände seit der BRD und DDR

bis hin zur Gegenwart stattfinden. Darin

müssen vor allem die Perspektiven und das

Wissen derer sichtbar gemacht werden, auf

deren Rücken die „Wiedervereinigung“ ausgetragen

wurde und die im Zuge dessen ausgeschlossen

wurden. Glücklicherweise gibt

es seit jeherWiderstand und immer mehr Initiativen

und Einzelpersonen, die ihre Geschichte

und Analysen in einen öffentlichen

Diskurs einbringen. Bis diese jedoch in den

gesellschaftlichen Kanon eingehen, braucht

es noch einen langen Atem.

gesetzt wird; sie ist der Preis,der zu zahlen ist:

Gesellschaft und Öffentlichkeit wollen wissen,

ob all die Aufmerksamkeit, der Ruhm, der

finanzielleVorteil auch verdient sind und man

den Bevorteilten trauen kann.

Vorallem Frauen und Männer, die einen

hohen moralischen Anspruch an sich und

ihre Umwelt haben, tappen schnell in die

Falle. Einem Saubermann verzeiht man den

Seitensprung nicht, Donald Trump und Genossen

dagegen schon. Sie können ihre Sünden

wieTrophäen vorsich hertragen und werden

dafür bewundert. Das Geheimnis ihres

Erfolges ist nicht, dass sie bessere Menschen

sind, sondern soschlecht und egoistisch wie

der Durchschnittsbürger und ebenso darauf

versessen, das Finanzamt übers Ohrzuhauen

wiediese.Das Problem der Linken war schon

immer, dass sie die besseren Menschen sein

wollten, und in gewisser Weise ist es auch das

Problem vonPeter Handke.

Die Texte von Handke waren noch nie

mein Fall: zu viel ereignisarmer Nebel und

eine reaktionäre Dichterfürst-Haltung. Er

war nie so schlimm wie Botho Strauß, aber

viel fehlte nicht. Beide reklamieren für sich,

anderen Sphären anzugehören, denen der

Literatur,was sievon miraus gernetun dürfen.

Aber wenn sie in die Niederungen der

Politik eintauchen, müssen sie auch den

Kopf dafür hinhalten. Zuerst Partei in einem

Bürgerkrieg ergreifen und Jahre später sagen,

man sei nur ein Schriftsteller und verstehe

die Aufregung nicht, ist Feigheit vorder

eigenen Geschichte.Umesmit Meghan. und

Harryzusagen: Werbei denRoyals einheiratet

,sollte mit Paparazzi rechnen.

Wenn Künstler Politik machen, geht es sowieso

meistens schief, weshalb ich jetzt auch

still bin. Erstens bin ich durch meine Abgaben

an die Künstlersozialkasse Teil der Truppe,

und zweitens habe ich schon viel Blödsinn in

meinem Leben geschrieben. Aber zum Glück

–das istdie frohe Botschaft desTages –ist weit

undbreit kein Nobelpreisfür mich in Sicht.

„Falls Sie ineiner

Evakuierungszone

sein sollten,

machen Siekeinen Unsinn,

hauen Sie ab.“

Arnold Schwarzenegger,

Schauspieler und Ex-Gouverneur von Kalifornien,

rät den Anwohnern, vor den

Feuern indem US-Staat zu fliehen. Der „Terminator“-

Star muss selbst vor den Flammen flüchten.

AUSLESE

Die Frage

der Kooperation

Die Antwortauf die Frage,obdie CDU

in Thüringen mit der Linkspartei bei

einer Regierungsbildung zusammenarbeiten

soll, fällt bei vielen internationalen

Kommentatoren entspannt aus. In der

Neuen Zürcher Zeitung heißt es zwar, die

Konsequenzen aus einem solchen Bündnis

seien unabsehbar, esgebe keine Erfahrungswerte.Aber:„Sollte

sich der Thüringer

CDU-Chef Mike Mohring über den

Widerstand in seiner Partei hinwegsetzen

und das Gespräch mit dem Linken-Ministerpräsidenten

Bodo Ramelow vertiefen,

könnte ihm dies durchaus Sympathiepunkte

bei den ThüringerWählerneintragen.

Der Entscheid wirkte unideologisch

und pragmatisch. Für die Zukunft seiner

Partei in Thüringen müsste dies nicht der

Untergang sein.“ Unddie sozialdemokratische

Budapester Tageszeitung Nepszava

meint:„Vielleicht wäredas sogar die beste

Lösung: Denn es braucht eine stabile Regierung,

um das weitere Vordringen der

AfD aufzuhalten.“

Die konservative polnische Zeitung

Rzeczpospolita warnt vor einer Ausgrenzung

der AfD.„Dievon der Elite ständig kritisierte

Partei hat mehr oder weniger ein

Viertel der Einwohner der früheren DDR

hinter sich.Wenn man das Alter derWähler

betrachtet –die Jungen wählen öfter AfD –

werden ihreKräfte noch wachsen. Zusätzlich

gestärkt wird die AfD noch durch die

Isolation der anderen Parteien, wenn das

einzige, was ihnen einfällt, die Bildung eines

Anti-AfD-Blocks ist.“ Tobias Miller

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Vorzeitig:

Salvador-Allende-Brücke

ab Mitte November

befahrbar

Seite 11

In Raumnot: AfD bittet Regierenden Bürgermeister um Hilfe Seite 13

In echt: Tina Turner klagt wegen Show im Admiralspalast Seite 12

Stadtbild

Willkürlicher

Schutz

Torsten Landsberg

ist der Durchblick vernebelt.

Die Zeitenwende sticht an jeder

Ecke ins Auge. Ineinem Transporter

sitzt ein Mann am Steuer, auf

dem Beifahrersitz eine Frau. Beide

rauchen –soweit, so normal. Bisder

kleine Junge zwischen ihnen ins

Blickfeld rückt, der auf einem Handy

rumdaddelt. Plötzlich wirken seine

vermeintlichen, ihn auf 1,5 Kubikmeter

zuqualmenden Eltern wie

Monster, die ein unschuldiges Kind

in die Geiselhaft ihrer Sucht nehmen.

Mit einer Verurteilung ist es

trotzdem nicht so leicht: Vorein paar

Wochen erst fiel das Gespräch im

Freundeskreis auf Geburtstagsfeiern

aus frühen Kindertagen, bei denen

unsere Eltern, spätestens beim Abholen,

gesellig zusammen pafften.

Seitdem ist viel Zeit vergangen,

und vieles, was vor Jahrzehnten völlig

normal war, gilt heute als No-Go,

häufig aus guten Gründen, die selbst

hartnäckigen Gegnern irgendwann

einleuchten. Oder ihnen eingebläut

werden. Die Gurtpflicht gab es in

Deutschland schon seit 1976, umgesetzt

wurde sie aber erst nach der

Einführung eines Bußgeldes ab

1984. Gegner argumentierten davor,

das Anschnallen würde die Angst vor

einem Unfall erst schüren und überdies

die Freiheitsrechte einschränken.

In den Zeiten, als unsere Eltern

noch munter die Bude zuqualmten,

gab es übrigens auch noch keine

Fahrradhelme. Ist ein Kind ohne

Helm heute überhaupt noch denkbar?

Und wären seine Eltern nicht

völlig verantwortungslos,würden sie

ihm keinen aufsetzen? Eine Helmpflicht

wiederum –also auch für Erwachsene

–lehnen viele mit dem Argument

ab, sie schränke die freie

Entscheidung ein, außerdem gehe

der Selbstschutz vor dem Fehlverhalten

der Autofahrer am eigentlichen

Problem vorbei.Wasnatürlich

Quatsch ist, weil auch ohne Zutun

eines Autos passable Verletzungen

möglich sind.

Die Freiheit der Autofahrer einschränken

zu wollen, ist dagegen

okay, weil es um den Klimaschutz

geht und die Fahrzeuge mit Abgasen

die Luft verpesten, die wir alle atmen.

Diese tatsächlich schlüssige

Begründung hatte so ähnlich vorein

paar Jahren das Nichtraucherschutzgesetz

aufgegriffen. Das wiederum

wurde seitdem bis zur Nutzlosigkeit

aufgeweicht. Womit wir zurück wären

beim Kind im Transporter, in

dem die verpestete Luft niemanden

stört, weil Rauchen am Steuer eine

freie Entscheidung ist –egal, werdaneben

sitzt.

Ein No-Go: Kinder und Zigaretten gehen

nicht zusammen.

IMAGO IMAGES

Der Geysir von Oberschöneweide

Land unter in Oberschöneweide: In der Nacht zu Dienstag war die Berliner

Feuerwehr wegen eines Brandes in einer leerstehenden Wohnung

in der Siemensstraße im Einsatz. Gegen 1.15 Uhrlöste sich dann plötzlich

mit einem lautem Knall eine Rohrverbindung, die die Feuerwehr

Diesel: Das Ende der Schonfrist

Acht Straßen sind künftig für viele Diesel tabu. Nicht mehr lang, dann werden die Verbotsschilder aufgestellt

VonPeter Neumann

Jetzt wird esernst für viele Dieselfahrer.

Sie müssen sich darauf

einstellen, dass sie bestimmte

Straßenabschnitte in

Berlin bald nicht mehr befahren dürfen.

DasEnde einer mehrmonatigen

Schonfrist ist in Sicht. Auf Anfrage

der Berliner Zeitung haben die zuständigen

Bezirksämter mitgeteilt,

ab wann die in ihrem Bereich geplanten

Diesel-Durchfahrverbote

gelten werden. In Mitte sollen die

Schilder in der zweiten Hälfte des

Monats November stehen, in Neukölln

Anfang Dezember,hieß es.

Damit die Berliner Luft weniger

stark mit Stickstoffdioxiden belastet

wird, sind künftig acht Abschnitte für

Dieselfahrzeuge bis einschließlich

Euro 5tabu. Sechs Straßen befinden

sich in Mitte –Alt-Moabit, die Leipziger,Brücken-,

Friedrich-, Reinhardtsowie

die Stromstraße. InNeukölln

sind die Hermann- und Silbersteinstraße

betroffen. Der kürzeste Stück

misst 150, das längste 840 Meter.

Insgesamt geht es um 2,9 Kilometer,das

sind gerade mal 0,05 Prozent

des Berliner Straßennetzes. Nicht

viel –aber aus rechtlichen Gründen

wären weitere Fahrverbote nicht

möglich, hieß es. Solche Einschränkungen

seien nur auf Straßen mit besonders

schlechter Luft verhältnismäßig.

Die Umwelthilfe hatte gefordert,

das gesamte Zentrum innerhalb

der Ringbahn einzubeziehen.

175 000 Euro Gesamtkosten

Ursprünglich sollten die Durchfahrverbote

früher in Kraft treten. Im Oktober

des vergangenen Jahres hatte

das Verwaltungsgericht Berlin der

Umwelthilfe recht gegeben und das

Land dazu verpflichtet, mehr gegen

Gift in der Luft: Stickstoffdioxid

schädigt die Luftwege

und kann Asthma verstärken.

Kinder und Senioren

sind besonders gefährdet.

Schon seit 2010 besteht

die Pflicht zur Einhaltung

des Grenzwerts: im Jahresmittel

maximal 40 Mikrogramm

pro Kubikmeter Luft.

Nicht nur Fahrverbote sollen

in Berlin dazu beitragen,

dass er eingehalten wird.

MEHR TEMPOLIMITS IN BERLIN

Solche Schilder stehen

bald auch in Berlin. IMAGO

Bitte langsam fahren: Auf

mehr als 30 weiteren Straßen

werden Tempo-30-

Schilder aufgestellt. Beispiele:

Sonnenallee, Elsen-,

Schönholzer und Kaiser-

Friedrich-Straße. Die neuen

geschwindigkeitsreduzierten

Bereiche summieren

sich auf fast 20,5 Kilometer.

Es gibt aber Kritik, dass

Tempo 30 auch den Busverkehr

derBVG ausbremst.

PUDWELLX

zur Löschwasserentnahme gelegt hatte. Daraufhin schoss eine rund

zwölf Meter hohe Wasserfontäne in den Himmel und ergoss sich über

den Bürgersteig, sowie einen im absoluten Halteverbot abgestellten

Lieferwagen. Weshalb die Rohrverbindung platzte,wirdnun ermittelt.

Stickstoffdioxide zu unternehmen.

Derneue Luftreinhalteplan, der Fahrverbote

vorsehen sollte, hätte Ende

März2019 in Kraft treten müssen.

Weil es sich um ein umfangreiches

Verfahren handelt, konnte der

Senat den Masterplan aber erst im

Juli verabschieden. Auch die Beschaffung

der Schilder erwies sich

als ziemlich kompliziert. Es handelt

sich um Sonderanfertigungen, was

die Lieferfrist verlängert. Zudem erfordern

die großen Blechtafeln besondere

Fundamente, für die Gehwege

aufgerissen werden müssen –

Tiefbauarbeiten waren auszuschreiben.

Nicht zuletzt war zu klären, wer

die hohen Kosten übernimmt.

Inzwischen haben die Bezirke all

das hinter sich. „Das Vergabeverfahren

ist abgeschlossen, Firmen sind

beauftragt worden“, sagte Christian

Zielke,der Sprecher des Bezirksamts

Mitte. Anmehreren Standorten gab

es bereits Fundamentierungsarbeiten.

DerBeton müsse aushärten, was

28 Tage dauert. „Es ist davon auszugehen,

dass voraussichtlich Mitte/

Ende November mit der Aufstellung

und Montage der erstenVerkehrszeichentafeln

begonnen werden kann.“

DieDieselfahrverbote gelten, sobald

alle Schilder hängen, sagte Zielke.

Die Kosten summieren sich auf

134 000 Euro,die vomSenat getragen

werden, so Zielke. Für das Material

seien 45 000 Euro eingeplant, für

Bauarbeiten 85 000 Euro. Die Montage

der Beschilderung schlage in

Mitte mit rund 4000 Euro zu Buche.

In Neukölln geht man von 41000

Euro aus, für die ebenfalls der Senat

aufkommt. Nunwerden die Baustellen

eingerichtet, berichtete Christian

Berg,Sprecher des Bezirksamts.„Zunächst

werden für die Masten tiefe

Fundamente eingebracht, die dann

aushärten müssen“, sagte er.

Wann die Schilder stehen, ließe

sich allerdings derzeit noch nicht seriös

sagen, gab Berg zu bedenken.

„Das hängt im wesentlichen davon

ab, obsich beim Einbau der Fundamente

Probleme ergeben –sowie davon,

wie schnell die Fundamente

aushärten. Wir gehen derzeit von einem

Abschluss der Bauarbeiten in

der 49. Kalenderwoche aus“ – das

wäre dann Anfang Dezember. „Die

Durchgangsverbote gelten dann unverzüglich“,teilteder

Sprecher mit.

Biszu75EuroBußgeld

Allein vonden knapp 300 000 Diesel-

Pkw,deren Kennzeichen mit „B“ wie

Berlin beginnen, sind knapp 190 000

betroffen. Von den leichten Nutzfahrzeugen,

die in Berlin zugelassen

worden sind, werden 70 Prozent ausgesperrt,

bei den schweren Lkw liegt

der Anteil immerhin bei 40 Prozent.

Anlieger dürfen die Verbote ignorieren

–auch Handwerker, Lieferanten,

Pflegedienste und Taxifahrer,die

ein Grundstück an einer betroffenen

Straße ansteuern. Anträge sind dafür

nicht erforderlich. Werdort verbotenerweise

unterwegs ist, zahlt als

Pkw-Fahrer 25 Euro, als Lkw-Fahrer

75 Euro.Allerdings wirdesder Polizei

schwer fallen, die Einhaltung der

neuen Regeln zu kontrollieren. Denn

eine Kennzeichnung für „saubere“

Fahrzeugegibt es weiterhin nicht.

„Würden die Fahrverbote dazu

führen, dass die Belastung an einer

Straßen sinkt, dafür an einer Parallelstraße

die Grenzwerte überschritten

werden, wäre nichts gewonnen“,

sagte Christian Zielke. Dann müsste

gegengesteuertwerden.

Peter Neumann

glaubt nicht, dass sich

viele an die Verbote halten.

NACHRICHTEN

Festplatz offenbar Favorit

für neues Hertha-Stadion

In der Debatte um den Standortfür

das mögliche neue Stadion vonFußball-Bundesligist

Hertha BSC gibt es

einem Medienbericht zufolge einen

neuen Favoriten. Wiedie Bild-Zeitung

berichtete,soll der Zentrale

Festplatz nahe des Flughafens Tegel

die bevorzugte Variante vonExperten

aus dem Senat sein. DieLandesregierung

hatte zuletzt vier mögliche

Alternativen für eine Hertha-Arena

prüfen lassen, drei auf dem Gelände

des heutigen Flughafens und den

Festplatz. „Das war nicht Thema in

der Staatssekretärskonferenz“, sagte

Senatssprecherin Claudia Sünder

am Dienstag. „Aber es gab eine interne

Runde,die sich mit dem

Thema befasst hat. Dasist aber noch

kein Anlass für öffentliche Mitteilungen.“

Hertha will 2025 das Olympiastadion

verlassen und in eine eigene,

kleinereArena ziehen. „Wir freuen

uns darüber,dass unser Wunsch

nach einer eigenen Arena inzwischen

anerkannt wird“, hieß es in einer

Stellungnahme des Vereins.Im

Sommer schon habe der Klub seine

Bereitschaft erklärt, offen über Alternativen

zum Wunschstandortim

Olympiaparkzudiskutieren. Einem

gemeinsamen Termin mit Vertretern

des Senats sehe man mit Interesse

entgegen, hieß es weiter. (dpa/BLZ)

Mehr Steuerkontrollen

bei Millionären geplant

DasLand Berlin will auf Bundesebene

häufigereSteuerprüfungen

für Einkommensmillionäredurchsetzen.

Derrot-rot-grüne Senat beschloss

am Dienstag eine entsprechende

Bundesratsinitiative. „Damit

soll eine regelmäßige Überprüfung

sichergestellt werden“, sagte Finanzsenator

Matthias Kollatz (SPD). Die

Regierungsfraktionen im Abgeordnetenhaus

wollen ein Mindestprüfungsintervall

vondreiJahren. (dpa)

Autofahrerin im Grunewald

von Baum erschlagen

Eine 40-Jährige ist am Montagabend

in Grunewald voneinem Baum erschlagen

worden. Siewar mit ihrem

Mann in einem Land Roverauf der

Königsallee unterwegs.Etwa 500

Meter hinter der Kreuzung Hüttenwegstürzte

ohne erkennbaren

Grund der Baum auf das Auto.Die

Frau erlag in der Nacht den Folgen

ihrer Kopfverletzungen. IhrEhemann

erlitt leichteVerletzungen. (ls.)

Steuerzahlerbund kritisiert

Ankauf von Wohnungen

DerBund der Steuerzahler wirft dem

Senat Geldverschwendung in der

Wohnungspolitik vor. „Durch den

Aufkauf abgewirtschafteter Plattenbauwohnungen

zu völlig überteuerten

Spekulantenpreisen wirddieVersorgung

mit Wohnraum um keinen

einzigen Quadratmeter ausgeweitet“,

kritisiertder Verband in seinem

neuen Schwarzbuch. Im Februar

hatte die städtische Wohnungsgesellschaft

Stadt und Land 1821Wohnungen

im Kosmosviertel in Alt-

Glienicke zurückgekauft. Laut RBB

kostete der Kauf 250 Millionen Euro.

Alsweiteren Fall vermeintlicher

Geldverschwendung nennt der Steuerzahlerbund

die Aufstellung sogenannter

Parklets in der Kreuzberger

Bergmannstraße. (BLZ)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Berlin

BANK ATM

DER PERFEKTE RUHESTAND


1

2

3

Teil 1: Kassensturz kurz vor der Rente ● Teil 2: Wasbleibt im Portemonnaie ● Teil 3: Wohnen im Alter ● Teil 4: Fitbleiben ● Teil 5: Jede Menge Freizeit ● Teil 6: Alter und Liebe

BLZ/GALANTY

Alt werden

unter der

Sonne

240 000 Rentner verbringen

ihren Ruhestand im Ausland

Soviele Deutsche wie nie zuvor

verbringen ihren Lebensabend

im Ausland. Immer beliebter sind

Länder im Süden Europas. Die vergleichsweise

günstigen Staaten Südosteuropas

entwickeln für deutsche

Rentner zunehmend Charme. In

Ländern wie Ungarn, Rumänien,

Kroatien, Bulgarien und Griechenland

leben nach Angaben der Deutschen

Rentenversicherung inzwischen

deutlich mehr als 10 000 Rentner.

Das sind etwa doppelt so viele

wie vorzehn Jahren.

Generell haben noch nie so viele

deutsche Rentner ihren Lebensabend

im Ausland verbracht. Die

Rentenversicherung hat zuletzt

rund 240 000 Renten an Deutsche

mit ausländischem Wohnsitz überwiesen.

„Dies ist ein neuer Rekord“,

sagt Dirk Manthey von der Rentenversicherung

Bund in Berlin.

Bulgarien ist am günstigsten

In Bulgarien sind nach Angaben des

Statistischen Bundesamtes die Lebenshaltungskosten

europaweit am

günstigsten. Hier müssen Verbraucher

für die üblichen Produkte und

Dienstleistungen nur rund halb so

viel zahlen wie im Schnitt aller EU-

Mitgliedstaaten.

So kostet ein Kilogramm Äpfel

umgerechnet 0,60 Euro. Beim Friseur

reichen umgerechnet 15 Euro

für einen Damenhaarschnitt samt

Föhnen. Importwaren wie Pasta,

Käse, Bekleidung oder Schuhe

sind allerdings oft viel teurer als in

Deutschland. Laut Eurostat kosten

Lebensmittel auch in Rumänien

und Ungarn teils deutlich weniger

als hierzulande oder in Hochpreisländern

wie Dänemark und Österreich.

In Griechenland wiederum sind

Lebensmittel laut Statistik in etwa

so teuer wie in Deutschland. (dpa)

Immer mehr Rentner im Ausland

Anzahl Deutscher, die im Ausland Rente

beziehen, in Tausend

240,5

228,9

206,0

152,4

129,2

115,0

Schweiz

Österreich

USA

Spanien

Frankreich

Niederlande

Kanada

Australien

Großbrit.

Italien

169,6

’92 ’95 ’00 ’05 ’10 ’15 ’18

Die beliebtesten Länder

2018, Zahl der Rentner

10 357

9470

8870

7770

7268

21 377

17 693

26 390

25 053

24 000

BLZ/GALANTY; QUELLE: DPA

Walter Bühler und die Kirchstraße 22 BLZ/GERD ENGELSMANN Ein neues Zuhause im Seniorenstift SABINE GUDATH Rainer Vetter und seine Frau leben heute in Havanna.PRIVAT

Haus der Generationen

Leben mit Familie

und Freunden

Wer wünscht sich das nicht? Unabhängig

wohnen und die Kinder ganz in der Nähe

haben. Mitten in der Stadt leben und doch genau

so, wie man es sich selbst vorstellt. Walter Bühler

hat sich diesen Traum erfüllt. In seinem Haus in

der Kirchstraße 22 in Berlin-Moabit ist alles so,wie

er es sich vorstellt. Genau genommen, wie seine

Miteigentümer und er es wollten insgesamt zwölf

Personen, die aus einer Adresse ein Zuhause gemacht

haben.

Das begann 1984. Damals kaufte die Gruppe,

zu der Bühler gehört, das Haus.„Wirkannten uns

aus der benachbarten Friedensinitiative“, berichtet

er. Nach dem Kauf kam die Sanierung und

dann ein halbes Leben. 35 Jahre später sitzt der

pensionierte Lehrer in seinerWohnung im fünften

Stock am Stubentisch. An denWänden hängen Familienfotos,

inden Regalen stehen Schulbücher,

Nachschlagewerke und Romane.

Dieerste Generation der Käufer ist grau geworden.

DieKinder sind ausgezogen, doch nach einigen

Jahren kehrten nicht wenige von ihnen zurück.

DieTochter der Bühlers lebt mit ihrem Kind

im Haus. Auch Kinder der anderen Paare fanden

mit ihren Familien eine Wohnung. UndimErdgeschoss

gibt es weiter den Kinderladen, den die Bewohner

vor 35Jahren gegründet haben. Aber es

gab auch Krankheit und Tod. Bühler wird still,

wenn die Sprache darauf kommt.

Die Menschen im Haus stehen ihm nah. Auf

Socken geht er einen Stock tiefer zu seinem

Freund Günter Hiddo Hidden, 71. Diebeiden machen

in der Küche ein Bier auf und erzählen von

alten Zeiten. Als die Ehefrauen der beiden Männer

und ein Nachbar aus dem Hinterhaus vorbeikommt,

wird gelacht und gefrotzelt. Die Zeit verfliegt.

„Wenn ich die Wohnung verlasse, finde ich

immer jemanden, zu dem ich gehen kann. Dasist

das Wichtigste“, sagt Bühler. Weihnachten wird

zusammen gefeiert, Geburtstage sowieso. „Wenn

Menschen Altersdepressionen bekommen, entstehen

die meist durch Einsamkeit“, sagt er. Die

Kirchstraße 22 lässt das nicht zu. (mec.)

Seniorenstift

Freiwillig ins

Altenheim

Die Sanierung ihrer Wohnung gab den Ausschlag:

Damals, vor zwei Jahren, entschied

sich Gisela Ballauf*, 71, freiwillig in ein Seniorenstift

zu ziehen. Wie hoch die Miete nach der Modernisierung

sein würde, stand in den Sternen.

Ballauf wollte der Unsicherheit ein Schnippchen

schlagen. „Ich habe immer versucht, selbstbestimmt

zu leben. Jetzt konnte ich den Umzug aus

der Kraft heraus machen, nicht aus der Schwäche“,

sagt sie. Das Seniorenstift in der Nachbarschaft

war ganz neu fertiggestellt worden und ihre

Mutter lebte zu der Zeit auch noch im angeschlossenen

Pflegeheim.

Dieehemalige Bibliothekarin konnte so im vertrauten

Kiez bleiben, wo sie seit 50 Jahren zuhause

ist. Sie wohnt in zwei Zimmern, auf 53 Quadratmetern,

im dritten Stock; vor ihrem Balkon liegt

eine Grünfläche. Das Wohnmodell heißt Service-

Wohnen und schließt Dienstleistungen ein: Mahlzeiten,

Waschen von Kleidung, Wohnungsputz,

Hausmeister-Dienste,kulturelle Veranstaltungen.

Ballauf lebt selbstbestimmt, ohne Pflege, mit

freundlichen Nachbarn. Statt des Fahrstuhls benutzt

sie meist die Treppe.Wer ihreWohnung betritt,

vergisst, dass er sich in einem Seniorenheim

befindet: Designer-Sessel, die vomBauhaus inspiriertsind,

weiße Bücherregale,Kunst an den Wänden.

Diebodenhohen Fenster machen die Räume

groß und eröffnen einen weiten Blick.

„Der Umzug war für mich eine Möglichkeit, Ballast

abzuwerfen. Es ist nicht leicht, sich vonDingen

zu trennen. Man liebt sie, weil sie Geschichten erzählen“,

erzählt sie.Aber sie hat es geschafft und ist

ohne Wehmut. Ballauf findet ihr neues Leben entspannter,

genauso fröhlich wie bisher, und weiß,

dass sie Hilfe bekommt, wenn sie welche braucht.

Jeden Morgen geht sie an die Rezeption und holt

sich ihreZeitung. Dasgibt ihr immer noch ein bisschen

das Gefühl vonUrlaub.Und wenn sie sagt, sie

wohne im Altersheim, ist das Koketterie und trotzdem

dieWahrheit. (mec.)

*Name vonder Redaktion geändert.

Ausland

Ruhestand

unter Palmen

Die geplante Südamerikatour vonRainer Vetter

endete in Havanna, der ersten Station, denn

hier traf ihn die Liebe. Migdalia Contreras, 70, studierte

zu DDR-Zeiten in Berlin und sprach gut

Deutsch. Vetter und sie wurden ein Paar und der

einstige Stuttgarter „blieb auf Kuba hängen“, wie er

sagt. Das war 2013. Inzwischen sind die beiden

schon seit vier Jahren verheiratet. Zunächst pendelten

sie,seitJanuarhaben sie sich in Havanna eingerichtet.

Zur Liebe kamen bei Vetter Abenteuerlust

und der Wunsch nach Veränderung hinzu. Auch

das Geld spielte eine Rolle.„Mit1000 Euro Rente ist

es in Deutschland schwierig“, sagt der 73-Jährige.

Der Neuanfang glückte. InHavanna kann der

ehemalige Versicherungsmitarbeiter von seiner

Rente gut leben. Das Geld hebt er mit der Visa-

KarteamAutomaten ab.Aber ist es tatsächlich ein

Traum, auf der Karibik-Insel zu wohnen? „Klar

gehe ich zum Meer undgenieße das gute Wetter“,

sagt Vetter und lacht. Doch der Alltag stellt auch

Anforderungen. Auf den Fotos, die er von seinem

Zuhause schickt, ist eine gemütliche Wohnung zu

sehen, die nicht viel anders anmutet als eineWohnung

in Deutschland. Um alles soeinzurichten,

mussteVetter sich bemühen. Auch heute noch besorgt

er für kleine Renovierungen immer wieder

Farben oder Baumaterial. „Manchmal suche ich

im Baumarkt Sachen, die es gar nicht gibt“, sagt er.

In seiner Freizeit fertigt Vetter Keramiken, trifft

die Familie seiner Frau oder Freunde. Zweimal in

der Woche kommt eine Spanischlehrerin, denn

die Sprache beherrscht er noch nicht sehr gut.

Dennoch: Er will bleiben. Da ist er sich sicher.

Denn Heimweh hat Vetter keins. „Höchstens

Äpfel fehlen mir“, sagt er.InDeutschland vermisse

ihn fast niemand, sagt er,nur seine ehemaligeVermieterin

freut sich, ihm ab und an ein Care-Paket

mit Büchern und Bratensoßen zu schicken. Die

medizinische Versorgung auf Kuba bereitet ihm

allerdings Sorgen.„Die Untersuchungsmethoden

sind aus der Steinzeit“, sagt Vetter. Zum Sterben,

fügt er hinzu, werde erwohl nach Deutschland

kommen. „Dortgibt es Palliativmedizin.“ (mec.)

Die Zukunft

rechtzeitig

planen

Die Möglichkeiten der

Pflege ausloten

Obwohl die meisten Menschen

irgendwann auf Unterstützung

angewiesen sind, wird das Thema

Pflege häufig tabuisiert. Experten

empfehlen jedoch, rechtzeitig die

Möglichkeiten der pflegerischen

Versorgung auszuloten. Es gibt heutzutage

viele Möglichkeiten. Die Unterbringung

im Heim ist nur eine davon.

Interessierte finden persönliche

Beratung in den 36 Pflegestützpunkten

der Stadt (siehe Website:

www.pflegestuetzpunkteberlin.de).

„Alle reden von der Gesellschaft

des langen Lebens, aber wir müssen

auch lernen, damit umzugehen“,

sagt Ralf Suhr von der Stiftung Zentrum

für Qualität in der Pflege (ZQP).

Er rät, auch dann über Pflege zu

sprechen, wenn sie nicht unmittelbar

bevorstehe.

Dabei solle der Umzug in ein Pflegeheim

ebenfalls besprochen werden.

Irgendwann könne es schnell

gehen – zum Beispiel nach einem

Sturz. Dann solle klar sein, welches

Heim gewünscht ist.

Alternativen zum Heim sind ambulante

Dienste,Tages- oder Nachtpflege,

Pflege-Wohngemeinschaften

oder betreutes Wohnen samt Fahrstühlen.

In einigen Fällen kann die

beste Lösung für alle Beteiligten

auch bedeuten, einzelne Komponenten

zu ergänzen, wie zum Beispiel

Hausnotrufsysteme, Einkaufsoder

Putzhilfen.

Christine Sowinski vom Kuratorium

Deutsche Altershilfe glaubt,

dass der Heimeinzug oft zu schnell

empfohlen wird. Nach ihrerlangjährigen

Erfahrung als Krankenschwester

und pflegende Angehörige ist die

Psychologin nun in der Beratung tätig

und plädiert für umsichtige Entscheidungen.„Niemand

geht freiwillig

ins Heim, das geschieht meist auf

Bitten eines Gesünderen. Viele Menschen

sind bei einer Heimunterbringung

oft in einer Schocksituation.“

Gerade nach einem Krankenhausaufenthalt

sollten Ältere zunächst

nach Hause kommen, auch

wenn der Zustand zuvor kritisch erschien,

sagt Sowinski. „Ich habe

schon wahre Wunder gesehen, was

die älteren Menschen auf einmal alles

können. DasZuhause ist gesundheitsfördernd.“

So bieten die eigenen vier Wände

Möglichkeiten, die andernorts nicht

denkbar sind. „Zuhause haben die

Menschen die Hoheit über ihr Verhalten“,

erklärtsie. (dpa)

Auch im Alter zuhause leben. Das wollen

die meisten Menschen.

IMAGO IMAGES


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 11 *

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Berlin

Alarmierende Spiele

BeimOriginal Play raufen fremde Erwachsene mit Kindern.Nach Missbrauchsvorwürfen prüftdie zuständigeSenatsverwaltung nun ein Verbot derMethode in Kitas

VonMelanie Reinsch

Die Bilder sind irritierend:

Männer, die sich mit

Kindern wälzen und auf

Matten rollen, die

schmusen, raufen, rangeln, die die

Kinder zwischen ihreBeine nehmen,

sie umarmen und ihnen so nah kommen,

wie es eigentlich nur Eltern

oder engste Freunde tun sollten.

Original Play nennt sich das Spiel,

das der 76-jährige US-Amerikaner

Fred O. Donaldson erfunden hat.

Nachdem das ARD-Magazin „Kontraste“

am vergangenen Donnerstag

über die Methode berichtet hat, reagieren

nun diverse Stellen alarmiert.

Dem Bericht zufolge soll es im vergangenen

Jahr in einer evangelischen

Kita bei solchen „Spielen“ in

Kreuzberg zusexuellen Übergriffen

gekommen sein. Die Eltern sollen

vonder Methode nichts gewusst haben.

In Hamburg und Berlin sollen

Missbrauchsfälle und sogar Vergewaltigungen

angezeigt worden sein.

Im „Kontraste“-Bericht erzählt ein

Vater aus Berlin, dass sein Sohn von

sexuellen und gewalttätigen Dingen

berichtet und diese auch vorgespielt

habe. Doch man glaube dem Kind

nicht –weder die Kirche noch die Kitaleitung

oder der Träger.Die Staatsanwaltschaft

in Berlin hat die Ermittlungen

wegen Mangels an Beweisen

eingestellt.

Aus der Senatsverwaltung für Bildung,

Jugend und Familie heißt es,

dass die Kita-Aufsicht Original Play

aus Kinderschutzgründen ablehne.

„Die Senatsverwaltung prüft ein Verbot

von Original Play in den Berliner

Kitas. Denn es gibt Anhaltspunkte,

dass es im Zusammenhang mit Original

Play zu Kindeswohlgefährdungen

kommen könnte“, sagte Sprecherin

Iris Brennberger. Derzeit werde ein

Schreiben zum Thema Original Play

an die Kitas vorbereitet. Allerdings sei

der Senatsverwaltung aktuell keine

Toben mit Kindern: Das Bild ist von der Webseite von Original Play. Wasunbedarft aussieht, sorgt auch die Kirchen und die Senatsverwaltung.Sie prüft ein Verbot.

Kita in Berlin bekannt, die Original

Play anwende.ImSommer 2018 hätte

es Missbrauchsvorwürfe in einer

Kreuzberger Kita gegeben. Die Kita-

Aufsicht der Senatsverwaltung habe

sich in diesem Zusammenhang mit

dem Konzept Original Play auseinandergesetzt,

da die Kita Elemente davoninihren

Alltag integrierthätte.Einige

der Erzieher und Erzieherinnen

hätten demnach entsprechende Fortbildungen

gehabt. „Die Kreuzberger

Kita hat –nachdem die Missbrauchsvorwürfe

erhoben wurden –von dem

Konzept Abstand genommen“, so

Brennberger.

Heinz Hilgers, Präsident des

Deutschen Kinderschutzbundes,

sagte der Berliner Zeitung: „Das sind

verstörende Bilder, die man auf der

Webseite sieht.“ Das sei ein Prüffall.

„Ich empfehle, dass sich hier die

Länder: Original Play–also

das ursprüngliche Spiel –

wird laut Webseite in Österreich,

in Deutschland, in den

Niederlanden, in Polen, in

Schweden, in Griechenland

und in Tschechien angewandt

und unterrichtet.

Landesjugendämter unmittelbar

einschalten sollten. Die sind von

Amts wegen verpflichtet, wenn ein

Verdacht geäußert wird“, sagte Hilgers.

Viele Fragen blieben bisher

ORIGINAL PLAY

Fred O. Donaldson: Der 76-

jährigeErfinder des „Spiels“

ist Geograf und hat keinen

pädagogischen Hintergrund.

Er selbst bezeichnet sich als

„Spiel“-Experte. Donaldson

hat ein Buch über seine Methoden

geschrieben.

Leitidee: Das Spiel will das

Zugehörigkeitsgefühl fördern

und eine Grundlagefür Lernen,

Kreativität und Selbstentwicklung

schaffen. NegativeVerhaltensmuster

sollen

in neue Gewohnheiten umgewandelt

werden.

aber ungeklärt. Der Kinderschutzbund

prüfe die Methode und die

Vorfälle und werde inden kommenden

Tagen eine fundierte und fachliche

Stellungnahme erarbeiten.

ORIGINAL PLAY

„Das Spiel“, so jedenfalls heißt es

auf der offiziellen Homepage von

Original Play, „versucht die Beziehungen

zwischen Individuen und

Gruppen zu verbessern, in dem Aggression

und Gewalt zwischen Menschen

durch Freundlichkeit und

Liebe ersetzt werden und jedes Kind

sich sicher und geliebt fühlt“. Ein

Verein bietet Workshops für das alternativepädagogische

Konzept an –

auch in Berlin. 210 Euro kostet der

zweitägige Workshop, der laut Webseite

„ermutigen soll, sich für das ursprüngliche

Spiel von Kindern zu

öffnen und das Potenzial des Spiels

im eigenen Leben wieder zu entdecken“.

Mitte November wird in

Friedrichshain der nächste derartige

Workshop angeboten.

Auch die Kirche und die Diakonie

haben sich zu Original Play geäußert.Werdie

Kinder betreue oder anleite,

mit ihnen spiele oder lerne,

müsse immer mit den Eltern abgesprochen

werden, heißt es in einer

gemeinsamen Erklärung. Pädagogische

Konzepte, die durch Externe in

die Kindertageseinrichtungen eingebracht

werden, müssten immer

zur Voraussetzung haben, dass sie

das Wohl des Kindes uneingeschränkt

garantieren. „Daher warnen

wir, die Methode Original Play

zu praktizieren, da es zu Grenzüberschreitungen

im Umgang mit Nähe

und Distanz kommen könnte“,

schreiben die Diakonie und die

Evangelische Kirche in Deutschland.

Aus dem Familienministerium

hieß es,dass das Phänomen bekannt

sei, man sich aber noch nicht näher

damit befasst habe.„Wasdie konkreten

Fälle betrifft, die in der aktuellen

Berichterstattung beschrieben werden,

reichen die vorliegenden Informationen

nicht aus, um eine fundierte

Einordnung abgeben zu können“,

sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Grundsätzlich ließe sich

jedoch festhalten, dass man es für

problematisch erachte, wenn Kindern

die Botschaft vermittelt werde,

„intimer Körperkontakt mit Fremden

sei wünschenswert“.

Die CDU-Abgeordneten Burkard

Dregger und Stefan Evers haben eine

Anfrage an die Senatsverwaltung geschickt,

in der sie wissen wollen, was

die Verwaltung von den Vorfällen

konkret wusste. Für die kommende

Plenardebatte am Donnerstag will

die CDU-Fraktion zudem einen

Dringlichkeitsantrag ins Abgeordnetenhaus

einbringen, in dem der Senat

aufgefordert wird, die Missbrauchsvorwürfe

lückenlos aufzuklären.

Zudem solle ein berlinweites

Verbot von Kita-Spielen verhängt

werden, deren pädagogisches Konzept

Körperkontakt zwischen Kita-

Kindern und fremden Erwachsenen

vorsieht.

Neue Spreequerung wird bald fertig

Senat will den ersten Teil der neuen Allende-Brücke bald für den Verkehr freigeben

AOK Nordost

VonPeter Neumann

Für Kraftfahrer und Busfahrgäste

gibt es eine gute Nachricht. Die

erste Hälfte der neuen Salvador-Allende-Brücke,

die in Köpenick über

die Müggelspree führt, soll in knapp

drei Wochen eröffnet werden. Das

teilte die Senatsverkehrsverwaltung

auf Anfrage der Berliner Zeitung mit.

„Die Arbeiten gehen gut voran“,

hatte Verkehrssenatorin Regine

Günther (Grüne) schon vor einigen

Monaten gesagt. Jetzt ist absehbar,

dass Ende 2019, der bisher genannte

Zeitraum für die Wiedereröffnung,

nicht bis zuletzt ausgereizt wird.

„Unser Ziel ist, den westlichen

Teil der Brücke bereits ab dem

22. November in beiden Fahrtrichtungen

einspurig für den Verkehr

freizugeben“, kündigte Günthers

Sprecherin Dorothee Winden an.

„Wenn dasWetter mitspielt, kann die

Freigabe somit einen Monat früher

als geplant erfolgen. Damit ist diese

wichtigeVerkehrsverbindung für Köpenick

bald wieder befahrbar.“

An der Brücke werde „mit Hochdruck“

gebaut, damit die Vollsperrung

so bald wie möglich aufgehoben

werden kann. Die Zeit der Umwegfahrten

ist dann vorbei.„Die umfangreichen

baulichen Anpassungen

entlang der eingerichteten Umleitungsstrecke

werden etwa bis Anfang

Dezember 2019 schrittweise zurückgebaut“,

teilte Winden mit.

BVG-Busse fahren wie gewohnt

Auch Busfahrgäste kämen bald wieder

ohne Umweg ans Ziel: „Die BVG

plant, den Busverkehr am Morgen

des 23. November ab 3Uhr früh in

den alten Linienführungen wieder

aufzunehmen.“ Dies betrifft die Buslinien

X69, 169, 269 sowie N67.

Die Freigabe des westlichen Brückenteils

sei ein„Meilenstein“ für die

Fertigstellung des Ersatzneubaus der

Salvador-Allende-Brücke, hieß es.

„Als nächstes wird nun wie geplant

der östliche Teil der Brücke abgerissen

und neu gebaut. Der Abschluss

der gesamten Bauarbeiten ist für

Ende 2021 vorgesehen“, so Winden.

Das Vorgängerbauwerk war eine

der wichtigsten Brücken über die

Spree. Täglich nutzten bis zu 30 000

Fahrzeuge die 1981 eröffnete Spann-

betonbrücke. Doch sie litt unter Betonkrebs,

einer chemischen Reaktion,

die Bauten voninnen zerfrisst.

2008 glaubten Experten noch,

dass sie das Problem mit einer Instandsetzung

in den Griff bekommen.

Das hätte die Kosten niedrig

gehalten. Aber dann war klar: Die

136 Meter lange Brücke musste abgebrochen

werden. Risse zeigten:

DieStandfestigkeit war bereits in Gefahr.2014

wurde der westliche Überbau

gesperrt, der Straßenverkehr auf

dem östlichem Teil konzentriert.

Im Januar 2019 musste dann

überraschend auch die verbliebene

Osthälfte gesperrt werden. Um Platz

für den Neubau zu schaffen, hatte

man dem Vernehmen nach das Brückenwiderlager

halbiert. Das führte

dazu, dass sich der östliche Überbau

absenkte. Immer mehr Risse brachen

auf. DieBrücke war am Ende.

Im Februar stand die Baustelle erneut

in den Schlagzeilen. Bei den

Bauarbeiten wurde ein wichtiges

Stromkabel und dessen Ersatzleitung

angebohrt. 31 000 Haushalte

und 2000 Gewerbebetriebe waren

anderthalb Tage ohne Elektrizität.

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Wichtige Verbindung im Osten von Berlin: Die Salvador-Allende-BrückeinKöpenick wird neu gebaut.

DPA/GREGOR FISCHER


12 * Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Radfahrer schwer verletzt.

In der Oranienburger Straße in Mitte

ist in der Nacht zum Dienstag ein

21 Jahrealter Radfahrer voneinem

Auto erfasst worden, als dessen Fahrergerade

einen anderen Wagen

überholte.Dabei prallte er gegen

den entgegenkommenden Radfahrer.

DerZweiradfahrer schleuderte

über die Motorhaube und stürzte

anschließend auf die Straße.Die Unfallbeteiligten

verständigten sich zunächst

am Unfallort. Später begab

sich der 21-jährige Fahrradfahrer in

ein Krankenhaus,woeraufgrund

des Verdachts auf ein Schädelhirntrauma

verblieb.

Kind angefahren.

Miteinem gebrochenen Oberschenkel,

mehreren Rippenfrakturen sowie

Prellungen und Schürfwunden

ist ein 12 Jahrealter Junge am Montagnachmittag

in Marzahn in ein

Krankenhaus eingeliefertworden.

DasKind war unvorhergesehen auf

die Fahrbahn der Eichhorster Straße

gelaufen. Dortwurde der Junge von

einer Autofahrerin erfasst.

Kinderwagen angezündet.

Unbekannte haben am Montagabend

im Flur eines Mehrfamilienhauses

in der Barther Straße in Hohenschönhausen

Feuer gelegt. Dabei

fing ein Kinderwagen Feuer.

Gleichzeitig entzündete sich eine

Wohnungstür.Anwohner bemerkten

den Rauch und informierten die

Feuerwehr.Verletzt wurde niemand.

DiePolizei ermittelt wegen schwerer

Brandstiftung.

Verdächtiger Gegenstand entdeckt.

Im Keller eines sechsgeschossigen

Wohnhauses im Parsteiner Ring im

Marzahn hat ein Mieter ein verdächtigen

Gegenstand entdeckt. Er alarmierte

die Polizei. Kriminaltechniker

nahmen das Päckchen mit. Im Keller

wurde auch ein Schreiben sichergestellt.

Darinsoll gedroht worden

sein, das Gebäude zu sprengen. Hinweise

auf den Verfasser hat die Polizeinicht.

Dieb erwischt.

Polizisten haben in Wilmersdorfeinen

24-Jährigen festgenommen.

Zeugen hatten berichtet, dass er

kurznach Mitternacht eine Barin

der Pariser Straße betreten hatte.Er

ging hinter den Tresen und stahl

eine Kellnerbörse.Dann verließ er

das Lokal und lief nach Hause.Dort

stellten ihn drei Polizisten und

durchsuchten ihn. Dabei entdeckten

sie das Geld aus der Kellnerbörse.Der

Mann wurde überwältigt.

Dabei wehrte er sich, sodass gegen

ihn Pfefferspray eingesetzt werden

musste.Dabei wurde der Mann

leicht verletzt. Zwei Angestellte der

Kneipe konnten ihren Dienst nicht

fortsetzen. (ls.)

Die wahre Tina Turner,2006 bei einem Konzert

Es kann nur eine Tina Turner geben

Der Weltstar verklagt einen Veranstalter,der im Admiralspalast eine Doppelgänger-Showzeigen will

VonNorbertKoch-Klaucke

Sie ist „simply the best“. Zumindest

für ihre Fans ist sie

wohl unbestritten noch immer

die einfach beste Rock-

Sängerin der Welt: Tina Turner, die

Ende November ihren 80. Geburtstag

feiertund deren Alben wie„Privat

Dancer“ zu Mega-Erfolgen wurden.

Seit 2009 war sie auf keiner Konzertbühne

mehr zu sehen. Doch nun

meldet sich der Welt-Star zurück.

Nicht etwa mit einem neuen Song

oder Album. Die Sängerin taucht

nun mit einem bekannten Medien-

Anwalt aus Berlin auf, mit dem sie

den deutschen Tournee-Veranstalter

der Doppelgänger-Show „Simply

The Best –Die Tina Turner Story“

verklagt hat. Die Gerichtsverhandlung

an diesem Mittwoch könnte

Konsequenzen für das Stück haben,

das im kommenden Jahr in der

Hauptstadt gezeigt werden soll.

DerGrund ist schon recht kurios,

warum die Künstlerin gegen die bayrische

Entertainment-Firma Cofo

und deren Chef Oliver Forster vor

Gericht zieht. Denn sie stört sich offenbar

an dem bundesweiten Tourplakat,

das seit Wochen auch in Berlin

für Forsters Tina-Turner-Show

wirbt, die am 1. und 2. Mai 2020 im

Admiralspalast gastiert. Darauf ist

IMAGO STOCK&PEOPLE

die Hauptdarstellerin des Stückes,

Dorothea „Coco“ Fletcher,zusehen.

Das Tina-Turner-Double, das in der

Vergangenheit schon in der „Stars in

Concert“-Veranstaltungsreihe des

Neuköllner Hotels Estrel-Berlin als

Abbild der Künstlerin große Erfolge

feierte und als Backround-Sängerin

mit Stars wie Udo Jürgens auftrat,

sieht in der TatTina Turner verblüffend

ähnlich.

Der echte Weltstar, der seit Jahren

am Zürichsee in der Schweiz lebt,

fühlt sich nun mit dem Plakat und der

darauf abgebildeten Doppelgängerin

in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt.

Tina Turner will die Reklame

quasi verbieten lassen. Ein Unterlassungsbegehren

gegenüber der Tourneeveranstalter-Firma

Cofo scheiterte

im Frühjahr. Nun soll der Berliner

Promi-Anwalt Christian Schertz

mit einer Klage vor dem Landgericht

in der Stadt Köln, wo die Sängerin mit

Ehemann Erwin Bach einst wohnte,

ihre Rechte durchsetzen. Die Verhandlung

soll am Mittwoch um 12.15

Uhrbeginnen.

Dem Anwalt zufolge würde auf

dem Werbeplakat für die Show „Die

Tina Turner Story“ der Doppelgänger-Einsatz

nicht offengelegt. Durch

das Bild des Doubles und die Namensnennung

„Tina Turner“ bestünde

eine Verwechslungsgefahr.

Tina-Turner-Double Dorothea „Coco“ Fletcher

Das umstrittene Plakat der Tina -Turner-

Show

COFO ENTERTAINMENT

„Der Betrachter der Werbemittel

wird ... in die Irre geführt, dass eine

Show der Klägerin (der echten Tina

Turner, die Redaktion) beworben

wird“, schreibt Schertz in der Klageschrift,

die der Berliner Zeitung vorliegt.

Dagegen wolle sich die echte

Tina Turner wehren, so der Anwalt.

Ob infolge der Klage nur das Plakat

geändert werden muss oder

möglicherweise auch in einigen

Punkten sogar Bestandteile der

Show, müssen die Kölner Richter

entscheiden. Bei der Verhandlung

STARS IN CONCERT

wirdTina Turner allerdings nicht dabei

sein. Dafür will der angeklagte

Tour-Veranstalter mit dem Tina-Turner-Double

im Gerichtssaal erscheinen,

um dem Richter deutlich zu

machen, wer datatsächlich auf dem

umstrittenen Plakat zu sehen ist.

Forster erklärt, dass er mit der

Show schon seit 2017 in Deutschland,

Österreich und der Schweiz

unterwegs ist. Seitdem wirdauch bereits

mit dem Plakat geworben, das

nun für Ärger sorgt. Vonseiten Tina

Turners gab es bisher nie Einwände,

so Forster. Auch eine Verwechslungsgefahr

bestünde nicht, betont

er. „Es ist hinlänglich bekannt, dass

Tina Turner vor zehn Jahren ihre

Bühnenkarrierebeendet hat. Wirgehen

davon aus,dass jeder Zuschauer

daher weiß, dass in unserer Show sie

nicht zu sehen sein wird.“ Mit der

Tina-Turner-Story zeige man musikalisch

nur ihreGeschichte.Die Sängerin

mache ja momentan Ähnliches,

sagt der Cofo-Chef und verweist

auf das vonTurner mitgetragenen

Musical „Tina“, das seit dem

Frühjahr in Hamburg aufgeführt

wird.

Egal, wie am Ende der Streit ausgehen

wird: Für Tour-Veranstalter

Forster wirdtrotz der Klage Tina Turner

weiterhin eine der besten Sängerinnen

der Welt bleiben.

70-Jähriger

antisemitisch

angegriffen

Unbekannter schlug

Senior ins Gesicht

Schon wieder hat es in Berlin einen

antisemitischen Angriff gegeben.

Ein 70-jähriger Mann wurde

am Montag in Karowvon einem Unbekannten

durch Schläge am Kopf

und Kinn verletzt. Der Senior war

kurzvor 15 Uhrauf der Busonistraße

am Ballonplatz spazieren. Einunbekannter

Mann kam auf ihn zu und

beschimpfte den äußerlich als Juden

zu erkennenden Mann. Als sich das

Opfer verbal zurWehr setzte,griff ihn

der Schläger an. Er schlug dem Opfer

ins Gesicht. Bei dem Versuch, sich

gegen die Schläge zu wehren, verlor

der Mann sein Gleichgewicht und

stürzte zu Boden. Erst eine vorübereilende

Passantin vertrieb den Täter.

Sieschrie ihn an und rief die Polizei.

DerStaatsschutz ermittelt.

Erst am Montag hat eine Gruppe

von Abgeordneten von SPD, CDU,

Linken, Grünen und FDP gefordert,

antisemitische Straftaten konsequent

zu erfassen und zu ahnden.

Die Parlamentarier kritisierten, die

Statistik sei nicht genau genug. Der

Senat hatte in einer Antwortauf eine

Anfrage eingeräumt: „Eine Differenzierung

nach klassischem Antisemitismus,israelbezogenem

und sekundärem

Antisemitismus ist nicht

möglich.“

Nach den genannten aktuellen

Zahlen wurden in den 13 Monaten

zwischen dem 1. Juli 2018 und dem

31. Juli 2019 exakt 488 Strafverfahren

erfasst. 319 Verfahren richteten sich

gegen identifizierte Verdächtige,

169 gegen unbekannt. Dabei ging es

um Sachbeschädigungen, Beleidigungen,

Bedrohungen und Angriffe.

Der Senat listete in seiner Antwort

Beispiele auf, viele davon betrafen

Gedenkstätten oder jüdische Einrichtungen,

es gab Schmierereien

mit Hakenkreuzen und Beschädigungen

vonStolpersteinen.

Berlins Regierender Bürgermeister

Michael Müller (SPD) hatte am

Sonnabend eine klareHaltung gegen

Antisemitismus gefordert und gesagt:

„Es hat auch in unserer Stadt

antisemitische Übergriffe gegeben,

auch gegen Rabbiner. (...) Ich will

ganz klar sagen, dass ich mich dafür

schäme.“ Er betonte: „In unserer

Stadt, in unserem Land mit unserer

Geschichte darf soetwas nicht passieren.“

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde

zu Berlin, Yehuda Teichtal,

war im Juli in Begleitung eines seiner

Kinder von Männern auf Arabisch

beschimpft und bespuckt worden.

Die Ermittlungen wurden mangels

Beweisen eingestellt. (ls./mit dpa)

Meinen Ausbildungsplatz habe

ich auf azubis.de gefunden!


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 13 *

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Berlin

AfD in Raumnot

Die Oppositionspartei muss unter Umständen ihren Landesparteitag absagen. Sie findet keinen Veranstaltungsort und bittet nun Michael Müller um Hilfe

VonAnnika Leister

Wimpelshow: Die Bezirksgruppe Marzahn/Hellersdorf beim Landesparteitag der AfD 2016.

Die Berliner AfD wird ihren

für 9. und 10. November

geplanten Landesparteitag

voraussichtlich

absagen. Damit entfällt vorerst

auch die Wahl eines neuen

Parteivorstands. Das gaben Mitglieder

des noch amtierenden Vorstands

am Dienstag auf einer Pressekonferenz

bekannt. Als Grund nannten

Landeschef Georg Pazderski sowie

Stellvertreterin Beatrix von Storch

Raumprobleme: Man habe in den

vergangenen „drei bis vier Monaten“

rund 100 Locations für einen Raum

für 450 Teilnehmer angeschrieben

und sich „intensiv bemüht“, jedoch

keine Zusagen erhalten. Parteiinterne

Kritiker hingegen halten kühles

Kalkül von Parteichef Pazderski

als möglichen Grund für die Absage –

um Vorstandsneuwahlen zu vermeiden.

Zum Teil seien die Räumlichkeiten

bereits ausgebucht gewesen, in

anderen Fällen aber hätten Wirteabgesagt,

weil sie Bedrohungen fürchteten,

hieß es vomVorstand. Pazderski

sprach voneiner bisher nie dagewesenen

Situation, „linksextremistischen

Bedrohungen“ und

„Verstößen gegen das Grundrecht

auf Versammlungsfreiheit“. Die AfD

könne ihre parteipolitischen Pflichten

so nicht erfüllen. „Man versucht

ganz bewusst, die Demokratie auszuhebeln“,

so Pazderski.

Er habe einen Brief an den Regierenden

Bürgermeister Michael Müller

(SPD) geschrieben, in dem er ihn

dazu auffordere, der AfD Räume zur

Verfügung zu stellen. Einhöchst ungewöhnlicher

Schritt –für die Planung

ihrer Veranstaltungen sind in

der Regel alleine die Parteien verantwortlich.

Senatssprecherin Claudia Sünder

erteilte der Bitte am Dienstag eine Abfuhr.

Der Regierende Bürgermeister

sei nicht „alleroberster Saalvermieter“

und die Senatskanzlei nicht die

„Organisationszentrale der AfD“. Anzunehmen,

dass die Senatskanzlei

zuständig sei, Räumlichkeiten für

Partei-Veranstaltungen bereitzustellen,

sei „einigermaßen absurd“, so

Sünder.„Dasbetrifft Anfragen der Koalition

genauso wie der Opposition.“

„Der Regierende Bürgermeister ist

weder alleroberster Saalvermieter in Berlin

noch ist die Senatskanzlei

die Organisationszentrale der AfD.“

Claudia Sünder, Senatssprecherin

IMAGO IMAGES

AfD-Mitglieder bezweifeln ohnehin,

dass Bedrohungen der Grund für

die Raumprobleme sind. Zwar sei die

Raumsuche für die AfD in den vergangenen

Jahren tatsächlich schwieriger

geworden. Allerdings habe der

Landesvorstand schlicht zu spät angefangen,

sich zu kümmern. „Das

plant man sofort ein Jahr im Voraus,

nicht kurzvor knapp“, hieß es.Natürlich

sei das machbar.

Die parteiinternen Kritiker fürchten

außerdem, dass hinter der Absage

des Parteitags auch Kalkül stecken

könnte: Denn dem Landesvorsitzenden

Georg Pazderskikönnte bei Neuwahlen

eine Niederlage drohen. Sein

Rückhalt bröckelt zurzeit –und das

auf Landes- wie Bundesebene. Gottfried

Curio, AfD-Bundestagsmitglied

aus Steglitz-Zehlendorf, gilt als potenzieller

Konkurrent um den Landesvorsitz

und gilt an der Basis als beliebt.

Und auch auf Bundesebene, wo

Pazderski seit 2017 einer von drei

stellvertretenden Bundessprechern

der AfD ist, schwindet sein Einfluss:

Gerade hat sein parteiintern größter

Gegenspieler BjörnHöcke in Thüringen

einen Wahlerfolg für die Partei

eingefahren. Höcke hat immer wieder

Anspielungen gemacht, dass er

oder ein Mitglied des „Flügels“ für

den Bundesvorstand kandidieren

wollen. DieWahlen stehen am 30. November

an –und Pazderski, so heißt

es in Parteikreisen, wolle dann um jeden

Preis seinen Platz im Bundesvorstand

verteidigen. Um seine Position

nicht zu schwächen, klammere er

sich zurzeit an jedes Amt –auch an

das des Landesvorsitzenden.

Pazderski sowie vonStorch wiesen

Spekulationen, dass dem Vorstand

eine Aussetzung der Wahl gelegen

käme, zurück. VonStorch sagte, dass

niemandem eine Absage des Parteitags

mehr schade als dem Vorstand

selbst. Pazderski ergänzte, dass kurz

voreinem Parteitag in jeder Partei die

Emotionen hoch kochten. Das sei

normal. „Da darf man nichts drauf

geben.“

Annika Leister

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Berlin

Ohne Kittelschürze und Schokolade

CORINNA HARFOUCH

macht rund um ihren 65. Geburtstag

Mitte Oktober klar, dass sie mit dem

Thema Ruhestand nicht viel anfangen

kann. Gerade feierte die Berlinerin

amSchauspiel in Hannover Premiere

mit der Bühnenversion des

Romans „Orlando“ von Virginia

Woolf, für die es beste Kritiken gab.

Am Dienstagabend ging im Delphi-Filmpalast

an der Fasanenstraße

die Premiere des Dramas

„Lara“ über die Leinwand, in dem

sie die Titelrolle spielt. Und weil die

Hauptfigur anlässlich ihres 60. Geburtstages

(einen 65. würde man

der Schauspielerin auf der Leinwand

wohl noch nicht abnehmen)

in Schräglage gerät, versteht so

mancher der Beteiligten den Film

als Geschenk des Lebens und von

Regisseur Jan-Ole Gerster („Oh

Boy“) an die Jubilarin. Auch Corinna

Harfouch selbst: „Ich werde imMoment

nur beschenkt. Es fühlt sich an

wie Ernte.“

Auch TomSchilling, der in „Lara“

ihren Sohn spielt, freut sich für die

Kollegin. Und für sich selbst auch,

denn er hatte einen Pianisten zu

spielen: „Ich konnte tun, was ich am

liebsten tue: Klavier üben.“

ALEXANDER KHUON

kennt die Jubilarin von der gemeinsamen

Arbeit am Deutschen Theater:

„Ich war auf der Bühne sowohl

schon Corinnas Sohn als auch ihr

Liebhaber. Ich habe noch nie über

ihr Alter nachgedacht. Sie, glaube

ich, auch nicht.“ So einen großen

Film zum runden Geburtstag, noch

dazu von einem Regisseur wie Jan-

Corinna Harfouch hält nichts vom Ruhestand.

CHRISTIAN SCHULZ (3)

OleGerster,findet Khuon beeindruckend:

„Ich kenne Jan-Ole jetzt seit

über zehn Jahre und hoffe, dass wir

noch viele Filme zusammen machen.

Mitihm an meinem Fünfundsechzigsten

auf dem roten Teppich

zu stehen, wäreeine Ehrefür mich.“

DANIEL ZILLMANN

kommentiertdie Zahl, die angeblich

das aktuelle Alter von Corinna Harfouch

sein soll: „Alter ist doch völlig

wurscht! Sollen 65-Jährige wie früher

mit Kittelschürze rumrennen und

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Corinna Harfouch feiert rund um ihren

65. Premieren. Robert Habeck durfte

bestimmen, was in der Astor Filmlounge

gezeigt wird und entschied sich für den

dänischen Film „Adams Äpfel“.

RobertHabeck durfte das Abendprogramm in der Astor Filmlounge auswählen und sich

mit Christiane Paul darüber unterhalten.

Alexander Khuon spielt mit Corinna Harfouch

am Deutschen Theater.

kleinen Kindern Schokolade schenken?“

Zillmann hat eine klare Meinung

zur Jubilarin: „Ich finde, Corinna

Harfouch ist und bleibt eine der interessantesten

Schauspielerinnen

Deutschlands.“ Aber nicht nur das:

„Ich habe sie mal in einer ganz anderen

Rolle bewundern dürfen. Beim

Regiedebüt ihres Sohnes Robert

Gwisdek. Da habe ich mitgespielt

und Corinna hat das vegane Catering

gemacht. Und das war sehr lecker.“

GOLO EULER

findet, dass nichts, was irgendwie

definieren will, zu Corinna Harfouch

passt. Auch kein runder Geburtstag:

„Zahlen sind da ganz und gar profan.“

Er hält die Kollegin für „faszinierend,

weil geheimnisvoll, weil

nicht einzuordnen, weil ganz und

gar eigen, weil hart und weich zugleich.“

Undfreut sich schon auf ein

berufliches Wiedersehen mit ihr:

„Über das darf ich allerdings noch

nicht sprechen.“

ROBERT HABECK

durfte bestimmen, was am Dienstagabend

in der Astor Filmlounge lief.

Freie Auswahl! Dasist das Prinzip von

„Mein Film“, der Veranstaltungsreihe

der Deutschen Filmakademie. Vor

ihm durften das auch schon Judith

Holofernes, Paul Breitner, Jean Paul

Gaultier und Angela Merkel. DerBundesvorsitzende

von Bündnis 90/Die

Grünen hatte die dänische Komödie

„Adams Äpfel“ ausgewählt. Habeck

trifft damit das Thema der Woche,

denn im Film des Regisseurs Anders

Thomas Jensen gerät ein Neonazi in

das Resozialisierungsprogramm eines

Landpfarrers. Habeck, der nach

der Vorführung mit Christiane Paul

über den Film sprach, ist mit seiner

Auswahl zufrieden: „Der Film passt

perfekt in das Jahr 2019. Genau so einen

ehemaligen Rechtsradikalen, vor

dem ich mich vor zwei Jahren noch

gefürchtet hätte, traf ich im Wahlkampf

in Sachsen. Der hat noch ein

halbes Jahr im offenenVollzug und ist

ein anderer Mensch geworden, dem

ich heute meine Kinder anvertrauen

würde.“

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Berliner Zeitung und

Berliner Kurier,

Berliner Abendblatt

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23 Eberhardt TRAVEL GmbH

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Slowakischen Republik

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ist es uns leider nicht möglich, alle Briefe zu

beantworten oder abzudrucken.

Die Redaktion behält sich das Recht

sinnwahrender Kürzungen vor.

Die DDR blieb immer eine

Kolonie der Sowjetunion

Berlin: „Wir Clowns der Freiheit“ von

DursGrünbein

(26./27. Oktober)

Weil vomHauptverbündeten UdSSR

immer weniger an Unterstützung,

also an dringend benötigten Rohstoffen,

Waren und Gebrauchsgüternkam

(die verkauften die Sowjets

lieber gegen hartes Westgeld an den

Klassenfeind), entstanden Ende der

80er Jahre gravierende wirtschaftliche

Probleme und Versorgungsengpässe.

Ohne diese wirtschaftliche

Krise wäre es mit der DDR längst

nicht so schnell zu Ende gewesen.

Die DDR blieb immer eine Kolonie

der Sowjetunion. In dem Moment,

als sie sich emanzipierte, die Perestroika

nicht mitmachte, stellte sich

heraus, dass sie eigenständig gar

nicht existieren konnte.

UweKnoch, Berlin-Pankow

Kein Badegewässer,sondern

verdrecktes Kanalwasser

Berlin: „Schön in der Mitte schwimmen“

von Elmar Schütze

(22. Oktober)

Vergleiche mit Flussbädern wie in

Bern sind Augenwischerei. Haben

die Städte bei Regen auch Überläufe

aus der Mischkanalisation direkt in

den Fluss wie bei uns in den Spreekanal?

Wirhaben hier kein Badegewässer,

sondern verdrecktes Kanalwasser!

Wir als Steuerzahler der bisherigen

Millionen für die Machbarkeitsstudie

möchten uns über die

Wasserqualität ein Bild machen.

Heide Ellerbrock, Berlin-Mitte

Deutschlands Außenminister HeikoMaas

Stellen Sie Fragen an den Außenminister

Beim politischen Talk-Format stellt sich Bundesaußenminister Heiko

Maas (SPD) am 4. November 2019 um 19 Uhr den Fragen von Gordon

Repinski, Hauptstadtbüroleiter vomRedaktionsnetzwerkDeutschland

(RND). Anschließend haben Gäste aus den Regionen des Netzwerks die

Gelegenheit, Fragen zu stellen. DieVeranstaltung findet im Adlon (Berlin-Mitte)

am Brandenburger Torstatt. Interessierte Leserinnen und

Leser der Berliner Zeitung haben exklusiv die Gelegenheit, teilzunehmen

und Fragen zu stellen. Wasmöchten Siepersönlich vomBundesaußenminister

wissen? Schreiben Sie mit Ihrer Frage und Ihren Kontaktdaten

und der Telefonnummer,unter der Sietagsüber zu erreichen

sind, an:

berlin.chefredaktion@dumont.de

AP

Die Facebook-Diskussion:

kostenlose Lastenräder

Facebook: „,Flotte Berlin‘ wächst:

Lastenräder kostenlos ausleihen“

(28. Oktober)

Besser wäre es, mehr Parkplätze zu

schaffen. Dann muss man sich mit

den schweren Dingen nicht abstrampeln.

Man muss nicht ständig

die Radler bevorzugen. Es gibt auch

noch Autos. Die Errungenschaft

schlechthin und das schon seit über

hundertJahren.

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Ständig nach mehr Platz fürs Auto zu

rufen, ist nicht mehr zeitgemäß!

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Berlin/Brandenburg

NACHRICHTEN

Justiz: AfD-Werbung mit

Willy Brandt warrechtens

DieBrandenburger AfD durfte aus

Sicht der Staatsanwaltschaft Potsdam

mit Willy Brandt (SPD) für die

Landtagswahl am 1. September werben.

In der Wahlwerbung mit dem

verstorbenen Ex-Bundeskanzler

wurde keine Straftat verwirklicht,

sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft

am Dienstag und bestätigte

damit einen Bericht der Potsdamer

Neuesten Nachrichten .Der Tatbestand

derVerunglimpfung des Andenkens

Verstorbener sei nicht

gegen, sagte die Sprecherin. „Es gibt

keinen Anfangsverdacht.“ (dpa)

Polizei meldet Rückgang der

Kriminalität in Grenzregion

Nachdem die Kooperationen der

deutschen und der polnischen PolizeiErfolge

zeitigt, wollen die Sicherheitsbehörden

ihreZusammenarbeit

ausbauen. Dassagte ein Sprecher

der Polizei Brandenburgwährend

einer Grenztagung im

polnischen Kostrzyn (Küstrin) am

Dienstag. In den ersten neun Monaten

des Jahres sei der Diebstahl von

Autos aus den 24 Grenzgemeinden

in Brandenburgumüber ein Drittel

gegenüber dem Vorjahreszeitraum

zurückgegangen. „Das ist ein gemeinsamer

Erfolg vonvielen gemeinsamen

Projekten“, sagte der

Sprecher. (dpa)

Höchste Flatterulme steht

in der Märkischen Schweiz

Aufder Suche nach der höchsten

Flatterulme –dem Baum des Jahres –

in BrandenburgsindWissenschaftler

in Buckow(Märkische Schweiz) fündig

geworden. DieUlme wurde am

Dienstag zusammen mit Schülern

der nahegelegenen Bertolt-Brecht-

Schule der Öffentlichkeit vorgestellt.

DerSieger der diesjährigen Spitzenbaumaktion

des Landeskompetenzzentrums

Forst Eberswalde und der

Schutzgemeinschaft Deutscher

Wald misst den Angaben zufolge

41,03 Meter und hat einen Umfang

von1,30 Metern. (dpa)

Kenia macht schon mal Politik

Die neue Koalition steht noch gar nicht, schafft aber schon mal Fakten. Auch erste Minister sind bekannt

VonJens Blankennagel, Potsdam

Der Erste, der es nicht für

sich behalten konnte,

dass er vielleicht bald einen

neuen Job haben

wird, war Michael Stübgen, der kommissarische

Chef der Brandenburger

CDU. Als am vergangenen Freitag

der Koalitionsvertrag der neuen Kenia-Regierung

vorgestellt wurde,

ging es auch darum, wer Minister

wird. Regierungschef Dietmar Woidke

sagte, dass seine SPD bis Mitte

November keine Namen von potenziellen

Ministern oder Ministerinnen

kommentieren werde.

Da sagte Michael Stübgen, der

derzeit noch Staatssekretär im Bundesagrarministerium

in Berlin ist:

„Es ist nicht ganz ausgeschlossen,

dass der neue Innenminister oder

die Innenministerin ein Mann ist

und dass ich das bin.“

Nun sind die Namen von zwei

weiteren Ministern bekannt: Die

Grünen bekommen zwei Ressorts,

und beide sollen an die bisherigen

Fraktionsvorsitzenden gehen. Axel

Vogel soll Minister für Landwirtschaft,

Umwelt und Klimaschutz

werden. Ursula Nonnemacher soll

die Bereiche Soziales, Gesundheit,

Integration und Verbraucherschutz

übernehmen.

Einmaliger Vorgang

Sie wurden vom Landesvorstand

und vom Parteirat einstimmig für

diese Ämter vorgeschlagen. Axel Vogel

sagte am Dienstag dazu nur:„Ich

bin noch nicht Minister.“ Dies habe

die Parteiführung aber vorgeschlagen.

„Wenn die Mitglieder der Partei

dem Vorschlag und dem Koalitionsvertrag

zustimmen, bin ich bei der

Vereidigung am 20. November entweder

dabei oder nicht.“

Die bundesweit neuartige Kenia-

Koalition aus SPD,CDU und Grünen

unter Führung der Sozialdemokraten

startet nun mit einer nie dagewesenen

Neuerung in die neue Legislaturperiode.

Denn üblicherweise ist

es so, dass erst einmal der neue Regierungschef

gewählt und die Minister

ernannt werden –und dass erst

danach neue Gesetze erlassen wer-

Die Potsdamer Staatskanzlei: Arbeitsplatz des Ministerpräsidenten.

DIE REGIERUNG

DietmarWoidke (SPD) ist der dritte Ministerpräsident in Brandenburg nach

Manfred Stolpe und Matthias Platzeck. Der 58-Jährigeist seit 2013 im

Amt, nachdem Platzeck zurückgetreten war.Der gebürtigeLausitzer war davorbereits

Agrarminister und später für das Innenressortzuständig.Außerdem

war er Fraktionschef der SPD im Potsdamer Landtag.

IMAGO IMAGES

Michael Stübgen (CDU) wurde auch in der Lausitz geboren. Der Theologe

war seit 1990 im Bundestag.Derzeit ist der 60-JährigeStaatssekretär im

Bundesagrarministerium. Als sich seine CDU in Brandenburg nach der

Landtagswahl am 1. September zerstritt, trat Parteichef IngoSenftleben zurück.

Stübgen übernahm das Amt und soll nun Innenminister werden.

Ursula Nonnemacher (Grüne) stammt aus Wiesbaden. Die Ärztin arbeitete

in Berlin-Spandau. Sie lebt in Falkensee im Kreis Havelland und wurde

2009 in den Potsdamer Landtag gewählt. Sie war bei der Landtagswahl

2014 und 2019 Spitzenkandidatin ihrer Partei. Sie war Verhandlungsführerin

bei den Koalitionsgesprächen und soll Gesundheitsministerin werden.

Axel Vogel(Grüne),geboren in Bochum, gehörte 1980 zu den Gründungsmitgliedernder

Grünen, war im Bundestag und auch Schatzmeister der Partei.

Der damaligeBrandenburger Umweltminister Matthias Platzeck (SPD)

holte ihn nach Potsdam. Nun soll der 63-JährigeUmweltminister werden

und setzt sich für eine „klimaangepasste Landwirtschaft“ ein.

den. Die Ernennung der Regierung

soll am 20. November erfolgen, denn

davor müssen die drei Parteien noch

dem Koalitionsvertrag und damit

der neuen Regierung zustimmen.

Kritik an Kenia kommt zum Beispiel

vonder Grünen Jugend.

Trotzdem wollen die drei bislang

nur eventuellen Regierungsfraktionen

schon davor Politik machen. Am

5. November wollen sie ein Gesetz

zum Nachtragshaushalt beschließen

und in den Landtag einbringen.

Die Kenia-Koalition hat sich darauf

geeinigt, dass sie zusätzlich und

sehr schnell eine Milliarde Euro neue

Schulden aufnehmen will, dass sie

das Geld dann im sogenannten Zukunftsinvestitionsfonds

Brandenburg

parken will, um es in den

nächsten zehn Jahren auszugeben.

Dafür ist höchste Eile nötig, denn

ab Anfang 2020 gilt eine Schuldenbremse,

und die Regierung darf nur

noch im Notfall zusätzliche Schulden

aufnehmen.

„Wir wollen und können keine

Zeit verlieren“, sagte SPD-Fraktionschef

Mike Bischoff am Dienstag.

„Der Fonds muss vor dem Ende des

Jahres beschlossen werden.“

Da es sich um ein Gesetz zum

Nachtragshaushalt handelt, sind

drei Lesungen im Landtag nötig.

Und damit die vor dem Jahresende

überhaupt stattfinden können, muss

die erste Lesung nach der Ernennung

der Minister erfolgen.

Mehr Geld für Klimaschutz

Auf die Frage, was passiert, wenn

eine der drei Parteien die neue Koalition

ablehnen sollte,hat der potenzielle

neue Agrarminister eine Antwort.

Axel Vogel sagte, dass das Geld

nicht für Vorhaben vorgesehen sei,

die im Koalitionsvertrag stehen, sondernfür

zusätzliche Projekte,auf die

sich die Fraktionen noch einigen

müssen, etwa für den Klimaschutz.

„Wir haben immer gesagt, wir müssen

mehr in den Klimaschutz investieren

und sehen, dass das Geld

nicht da ist“, sagte er. „Wir würden

dem Gesetzentwurf auch als Opposition

zustimmen. Denn egal, wer

die Regierung bildet, muss Handlungsspielraum

haben.“

Landesfirmen

mit sattem

Überschuss

Wasserbetriebe erzielen ein

Plus von 194,4 Millionen Euro

Die Unternehmen, die ganz oder

teilweise dem Land Berlin gehören,

haben 2018 unterm Strich

654 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Dassind gut 30 Millionen Euro mehr

als im Vorjahr, teilte Finanzsenator

Matthias Kollatz (SPD) am Dienstag

mit. Aus den Überschüssen flossen

demnach deutlich mehr als 100 Millionen

Euro in den Landesetat zurück.

Demstehen 911 Millionen Euro

gegenüber, die die Unternehmen an

Zuschüssen aus dem Haushalt erhielten.

Der größte Batzen entfiel mit

605 Millionen Euro auf die BVG.

GrößterVerlustbringer:BER

Insgesamt ist Berlin an 54 Unternehmen

in unterschiedlichen Anteilen

beteiligt. 44 davon erwirtschafteten

2018 Gewinne. Den größten Überschuss

fuhren die Wasserbetriebe mit

194,4 Millionen Euro ein. Den größten

Verlust – 77,1 Millionen Euro –

machte wie schon in den Vorjahren

die Flughafengesellschaft wegen der

Verzögerungen am neuen Hauptstadt-

AirportBER.

Kollatz hob bei derVorstellung des

Beteiligungsberichtes hervor, dass

das Investitionsvolumen der landeseigenen

Firmen weiter gestiegen sei:

2018 belief es sich auf 3,2 Milliarden

Euro –fast ein Drittel mehr als imVorjahr.

Die Hälfte davon entfiel auf die

kommunalen Wohnungsgesellschaften,

die Wohnungen bauen. Zugleich

stiegen die Verbindlichkeiten – auf

16,9 Milliarden Euro.Das waren etwa

700 Millionen mehr als 2017.

Kollatz zufolge gab es erstmals einen

–wie er es ausdrückte –vertikalen

Vergütungsvergleich in diesen

Unternehmen. Demzufolge verdienen

die Geschäftsführer im Schnitt

6,6 mal soviel wie ihreMitarbeiter.Bei

den sonstigen Vorständen und Angehörigen

der Geschäftsleitung lag die

Manager to Worker Pay Ratio bei 5,3

zu 1. Kollatz nannte das angemessen

und„sehr weit entfernt“ vonder Relation

vonnach seinen Angaben 52 zu 1

in Dax-Unternehmen. (dpa)

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Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 17 *

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Wissenschaft

Botsuana als

Wiege der

Menschheit?

Forscher uneins über

Interpretation neuer Studie

Der anatomisch moderne

Mensch könnte vor etwa

200 000 Jahren in der Region des

heutigen Botsuana im südlichen

Afrika entstanden sein. Dies schließt

ein internationales Forscherteam

umVanessa Hayesvom Garvan Institute

of Medical Research in Sydney

hauptsächlich aus genetischen Analysen.

Der Darstellung im Fachmagazin

Nature widersprechen jedoch

zwei deutsche Experten entschieden.

Hayes und ihre Kollegen konzentrierten

sich auf das Erbgut der Mitochondrien,

der Energielieferanten in

den Körperzellen. DerenErbgut wird

über die mütterliche Linie vererbt.

„Mitochondriale DNA ist wie eine

Zeitkapsel unserer angestammten

Mütter und häuft Veränderungen

über Generationen hinweg langsam

an“, erläutert Hayes. Die Forscher

fügten 198 Mitochondrien-Genome

heutiger Menschen zu den vorhandenen

Datenbanken hinzu und analysierten

1217 solche Genome. Ihr

Interesse galt einer bestimmten genetischen

Signatur: Die besonders

alte L0-Haplogruppe ist häufig in der

Gruppe der Khoisan zu finden, die

heute im südlichen Afrika leben.

Die Resultate der genetischen

Analysen kombinierten die Forscher

mit geologischen Daten und der Rekonstruktion

des Klimas im südlichen

Afrika in den vergangenen

250 000 Jahren. Siezeichnen folgende

Entwicklung nach: Einriesiger Seeim

heutigen Botsuana, Makgadikgadi,

verschwand aufgrund von geologischen

Veränderungen im Untergrund.

Er hinterließ ein ausgedehntes

Feuchtgebiet, in dessen Nähe die L0-

Haplogruppe voretwa 200 000 Jahren

entstand und in den folgenden 70 000

Jahren zum Merkmal der dortigen Population

wurde.

Spuren im Erbgut der Khoisan

Aus Klimasimulationen schließen

die Forscher, dass im Zeitraum von

vor 130 000 bis vor 110 000 Jahren

grüne Korridore existierten, die zunächst

zum Auswandern von Gruppen

nach Norden und Nordosten,

später dann nach Westen und Süden

geführt hätten. Die wichtigste

Gruppe sei entlang der Küste des

heutigen Namibia bis ins heutige

Südafrika gelangt.

Andere Forscher sehen die

Schlussfolgerungen des Teams kritisch.

Eleanor Scerri vom Max-

Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

in Jena etwa, weist darauf

hin, dass die frühen Träger der L0-

Haplogruppe vor etwa 200 000 Jahren

keineswegs die einzigen Menschen

gewesen seien, die in Afrika

gelebt hätten.

Und Jean-Jacques Hublin, Direktor

am Max-Planck-Institut für evolutionäre

Anthropologie in Leipzig,

findet: „Die Studie ignoriertwichtige

Erkenntnisse der Paläontologie.“ Er

verweist vorallem auf die Fundstätte

Djebel Irhoud in Marokko. Dort hat

sein Team Fossilien des anatomisch

modernen Menschen gefunden, die

mehr als 300 000 Jahrealt sind. Überhaupt

sei die Menschheitsgeschichte

komplexer,als in der Studie

dargestellt. (dpa/fwt)

Urtümliche Gene: Khoisan-Buschmänner

im südlichen Afrika. IMAGAO/PANTHERMEDIA

Ein Mensch in seelischer Not braucht Verständnis. Wenn psychisch Erkrankte unter Diskriminierung leiden, sprechen Experten von Stigmastress.

Tödliches Stigma

Psychisch Erkrankte werden oft ausgegrenzt und medizinisch schlechter versorgt –mit dramatischen Folgen

VonJana Hauschild

Sie werden gemieden, abgelehnt,

kritisch beäugt, oft sogar

medizinisch schlechter

versorgt.Trotz zunehmender

Offenheit im Umgang mit seelischem

Leid hängt psychisch Erkrankten ein

Stigma an, das zusätzlich bedrücken

und sogar erdrücken kann. Menschen

mit psychischen Erkrankungen

sterben im Durchschnitt 15 bis 20

Jahrefrüher als seelisch gesunde.Die

Ursachen dafür sind vielfältig. Doch

die Stigmatisierung gilt unter Forschern

als ein entscheidender Mosaikstein

für verkürztes Leben.

„Vielen psychisch erkrankten

Menschen begegnen im Alltag Intoleranz

und Ablehnung“, sagt der Psychiater

Nicolas Rüsch, Professor für Public

Mental Health am Universitätsklinikum

Ulm. Er untersucht seit Jahren

die Folgen der Stigmatisierung.

Aus seinen Studien und aus Gesprächen

mit Patienten weiß er: In

Deutschland gibt es Arbeitgeber, die

psychisch erkrankte Menschen ohne

konkreten Anlass als faul, unverantwortlich

oder unberechenbar abstempeln

und entweder die Kündigung

ausstellen oder niemanden mit

solch einer Krankheitsgeschichte einstellen.„Ein

ähnlichesVerhalten kann

es in Sportvereinen, unterVermietern

oder auch in der Nachbarschaft sowie

im Freundeskreis geben. Dieerkrankten

Menschen werden ausgegrenzt“,

sagt Rüsch.

Das alles zu erleben, aber auch

schon die Erwartung, das dies geschehen

könnte, könne zu einer

Überlastung führen. Experten wie

Rüsch sprechen von Stigmastress.

Dieser zwinge bei manchen das ohnehin

schon schwer belastete seelische

Gerüst in die Knie.Der zusätzliche

seelische Schaden sei immens.Er

könne zu Isolation führen, erschweren,

sich Hilfe zu suchen und die

Menschen bis in den Suizid treiben.

Längeres Warten bei Herzinfarkt

Rüschs Kollegin, die Sozialpsychiaterin

Nathalie Oexle, hat in mehreren

Untersuchungen festgehalten, wie

deutlich dieser Zusammenhang ist.

Bereits„die bloßeWahrnehmung von

Stigma kann Suizidalität erhöhen“,

heißt es in einer Übersichtsarbeit der

Gesundheitswissenschaftlerin von

2018. Schon die Erwartung, aufgrund

der Erkrankung diskriminiertzuwerden,

verstärkt Suizidgedanken. Das

zeigt eine Studie von Nathalie Oexle

und Kollegen. Je mehr Diskriminierung

die Menschen bereits erlebten,

aber auch je mehr sie die ablehnende

Haltung anderer verinnerlicht haben,

desto eher hegen sie demnach Suizidgedanken.

Studie. Fast jeder Dritte

möchte keinenMenschenmit

Schizophrenie als Nachbarn

haben, jeder sechste keinen

mit Depression. Das ergab

2013 eine Studie des Forschers

MatthiasAngermeyer.

Sechs vonzehn Deutschen

wollen niemanden mit Schizophrenie

als Ehepartnerfür ein

Familienmitglied, vier vonzehn

lehnen Personen mit Depression

ab.Ein Drittel würde ungern

mit einem Menschen mit

Schizophreniezusammenarbeiten.

Knapp jeder fünfte

lehnt einen depressivenArbeitskollegen

ab.

EINTRETEN GEGEN DISKRIMINIERUNG

Diese Verknüpfung legen auch die

Befunde einer internationalen Forschergruppe

um den Sozialpsychiater

Georg Schomerus nahe, der seit

Mai die Klinik und Poliklinik für

Psychiatrie und Psychotherapie am

Universitätsklinikum Leipzig leitet.

Die Forscher untersuchten in 25 europäischen

Ländern die Haltung der

Allgemeinbevölkerung gegenüber

psychisch Erkrankten sowie die Zahl

der Selbsttötungen. Je weniger Akzeptanz

für seelische Leiden in einer

Region vorherrschten, desto mehr

Suizide verzeichnete diese.

Doch nicht nur der seelische Schaden

kann Menschenleben kosten.

„Unter psychisch Erkrankten gibt es

eine sehr viel höhereSterberate,aber

nicht allein, weil die Suizidraten hoch

sind, sondern weil körperliche Erkrankungen

nicht diagnostiziertoder

nicht behandelt werden“, sagt Wolfgang

Gaebel, Psychiatrieprofessor

der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

und Vorsitzender der Anti-

Stigma-Initiative Aktionsbündnis für

Seelische Gesundheit. Körperliche

Beschwerden würden als Teil der seelischen

Probleme verkannt oder heruntergespielt,

erklärtGaebel. DiePatienten

erhielten nicht die volle Palette

an möglichen Therapien.

„Das geschieht, weil Mediziner

oder Pfleger das Stigma gegenüber

psychischen Erkrankungen billigen“,

erklären Forscher aus den USA. Diese

haben in einem Experiment 166 Allgemeinärzten

und Psychiatern das

fiktive Fallbeispiel eines schizophren

erkrankten Erwachsenen vorgelegt,

der sich wegen Arthritis und Rückenschmerzen

ärztliche Hilfe sucht. Die

Behandler sollten entscheiden, wie

Stigmatisierung. Menschen,

die an Schizophrenie erkrankt

sind, würdenhäufig pauschal

als gewalttätig und unberechenbar

eingestuft, heißt es

auf der Seite desAktionsbündnisses

SeelischeGesundheit.Menschen

mit Depressionen

oder einer Suchterkrankung

hörten oft, ihnen

fehle nur die nötigeSelbstdisziplin.

Dies seien nur zwei Beispiele

fürVorurteile gegenüber

Menschen mit psychischenErkrankungen.

Die Stigmatisierung

sei oft eine „zweite Erkrankung“.Weiteres

unter:

seelischegesundheit.net

Bündnis. Das Aktionsbündnis

Seelische Gesundheit

setzt sich gegenVorurteile

und Diskriminierung ein und

versucht einer Stigmatisierung

psychisch Erkrankter

entgegenzuwirken. Im Aktionsbündnis

haben sich 110

Verbände zusammengeschlossen.

In Berlin gehören

dazu unter anderem: Basta –

Das Bündnis für psychisch

erkrankte Menschen und der

Verein für Psychiatrie und

seelische Gesundheit in Berlin.

Informationen unter:

bastagegenstigma.de

psychiatrie-in-berlin.de

sie handeln würden. Der Befund erschreckt:

Nicht einmal jeder Fünfte

hätte den jungen Mann zu einem

Spezialisten überwiesen. Nur einer

von sechs hätte Medikamente gegen

die Schmerzen verschrieben. Drei

vonvier Ärzten gingen vonvorneherein

davon aus, dass der Patient die

empfohlene Medikation ohnehin

nicht befolgen würde. Solche Unterlassungen

traten eher auf, wenn ein

Mediziner Vorurteile gegenüber psychisch

Erkrankten aufwies.

Selbst wer mit einem Herzinfarkt

in die Notaufnahme kommt, hat

schlechtere Karten, wenn in seiner

Krankenakte eine psychische Erkrankung

vermerkt ist, wie kanadische

Wissenschaftler aufdeckten. Sie berechneten,

wie lange Patienten auf

eine lebensnotwendige Behandlung

warteten. Von6784 untersuchten Patientenakten

enthielten 680 den Vermerk

einer Depression. Die Betroffenen

wurden bei einem Herzinfarkt im

Schnitt eine Viertelstunde später mit

einer Infusion behandelt und mussten

geschlagene 140 Minuten länger

als andere Patienten bis zu einer sogenannten

Ballonbehandlung ausharren.

Sie waren Patienten zweiter

Klasse –sogar in Lebensgefahr.

Das Fachjournal The Lancet

spricht angesichts von solchen Befunde

von einer Gesundheitskrise.

„Von Krebsvorsorge über Krankenhausaufnahme

bei diabetischen Krisen

bis hin zu Bluthochdruck-Management:

Die körperliche Gesundheitsversorgung,

die Menschen mit

psychischen Erkrankungen erhalten,

ist entsetzlich schlecht im Vergleich

zu dem, was ihnen angeboten

werden sollte“, heißt es in einem Beitrag

der Herausgeber. Auch in

Deutschland sei die Schieflage deutlich

erkennbar, etwa in der psychotherapeutischen

Versorgung, meint

der Psychiater Nicolas Rüsch: „Bei

keiner körperlichen, lebensbedrohlichen

Erkrankung ist es vorstellbar,

dass die Betroffenen Monate auf

eine wirksame Behandlung warten

müssen. Da würde es einen lauten

Aufschrei geben. Doch hierzulande

erhalten die Menschen auch mit

schweren psychischen Erkrankungen

oft erst nach Monaten einen Psychotherapieplatz.“

In dieser Zeit

werde ihre Erkrankung chronisch,

viele verlören ihren Arbeitsplatz,

manche ihr Leben.

Vorurteile überwinden

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Doch wie soll man der Stigmatisierung

begegnen? Große Antistigma-

Kampagnen haben die erhoffte Wirkung

nicht erreicht. Die Öffentlichkeit

weiß mehr über psychische Erkrankungen,

doch ihre ablehnende

Haltung hat das wenig beeinflusst,

wie Studien immer wieder zeigen.

Rüsch setzt deshalb auf die Emanzipation

der Erkrankten und versucht

mit Kollegen, ihr Selbstbild zu stärken.

Beidem Programm„InWürde zu

sich stehen“ lernen Teilnehmer nach

US-amerikanischem Vorbild unter

Anleitung von anderen Erkrankten,

selbstbestimmt zu entscheiden, ob

sie ihreErkrankung offenlegen.

Nicht wenige Betroffene versuchen,

ihre Erkrankung geheimzuhalten.

Dies fördert den Stigmastress.

Die Teilnehmer üben daher, ihre

Krankheitsgeschichte zu erzählen

und zu entscheiden, ob,wann und zu

wem sie darüber sprechen möchten.

Ersten Studien zufolge senkte dies

den Stigmastress,milderte depressive

Symptome und erhöhte die Lebensqualität.

Nicht zuletzt entsteht Stigmatisierung

aber inmitten der Gesellschaft.

„Die Menschen müssen in Kontakt

mit den Betroffenen kommen, sie

kennenlernen und dabei Vorurteile

überwinden“, sagt der Psychiater

Wolfgang Gaebel. Er und das Aktionsbündnis

für Seelische Gesundheit mit

seinen 110 Verbänden ermutigen daher

jeden einzelnen Bürger,imAlltag

hinzuschauen. Da sei der Arbeitskollege,der

einem anderen in einer Krise

seine Hilfe anbieten könne, soGaebel.

Da sei der Lehrer, der Jugendlichen

beibringen könne,wie man mit

vermeintlich Schwächeren respektvoll

umgeht. Der Bürger könne prüfen,

welche Sendung er schaut, welches

Blatt er liest und ob darin Menschen

mit psychischen Erkrankungen

verunglimpft werden. Jeder

könne etwas dazu beitragen, das

Stigma zu reduzieren.

Neues Problem

bei Berliner

Mars-Sonde

Der Bohrroboter bewegt

sich in die falsche Richtung

Zuerst steckte der Mars-Maulwurf

fest, dann grub er wieder, und

jetzt hat der in Deutschland entwickelte

Bohrroboter auf dem Roten

Planeten das gemacht, was er gar

nicht soll: Er ist nach oben gekommen,

steckt aber noch im Bohrloch,

wie die Nasa dokumentiert hat, unter

deren Regie die Mission Insight

vor einem Jahr auf dem Mars gelandet

ist.

Die Forscher halten trotz der

Schwierigkeiten an ihrem Ziel fest,

mit dem Maulwurfauf eine Tiefe von

drei bis fünf Meternzukommen, wie

aus einem Blog des Deutschen Zentrums

für Luft und Raumfahrt (DLR)

hervorgeht. „Die Angelegenheit ist

nicht ,gegessen’, auch wenn es uns

der Maulwurf wirklich nicht einfach

macht“, schreibt Tilman Spohn, Direktor

des in Berlin-Adlershof ansässigen

Instituts für Planetenforschung

des DLR, in seinem Logbuch. DasZusammenspiel

von geringem Atmosphärendruck,

geringer Schwerkraft,

wenig bekannten Bodeneigenschaften

und der Dynamik der Sonde sei

eine echte Herausforderung.

Spohn ist der wissenschaftliche

Leiter des Maulwurf-Instruments,

das eigentlich HP3 heißt. Es war im

November 2018 mit der Sonde Insight

auf dem Mars gelandet und soll

sich drei bis fünf Meter tief eingraben,

um den Wärmestrom aus der

Tiefe zu messen. Davon erhoffen

sich die Forscher Aufschluss darüber,

wie sich das Innere des Planeten

entwickelt hat und ob er noch

immer über einen flüssigen Kern

verfügt. (dpa)

Testbohrung mit dem Maulwurf in einem

Labor der Nasa.

NASA/JPL-CALTECH

Charité warnt vor

Halbwissen bei

Pilzbestimmung

Starker Anstieg der

Anfragen beim Giftnotruf

Dieses Jahr ist ein gutes Pilzjahr.

Auch in Berliner Wäldern sieht

man viele Sammler mit Körbchen in

der Hand durchs Unterholz streifen.

Experten des Giftnotrufs der Charité

warnen davor,Pilzezupflücken und

ohne weitere Beurteilung zu essen,

wenn man nur wenig Fachkenntnis

besitzt. Sie verweisen eindringlich

auf ausgewiesene Pilzberater.

„Spezielle Apps, aber auch Bücher

zur Pilzbestimmung können

Laien schnell in die Irre führen. Dabei

kann eine einzige Fehleinschätzung

fatale Folgen haben“, teilte die

Charité am Dienstag mit. Die Zahl

der Anfragen beim Giftnotruf sei

stark gestiegen. „Eine Vergiftung

durch Pilze kann zu starken Magen-

Darm-Symptomen, Halluzinationen,

Leberversagen und weiteren

Krankheitsbildern führen, mitunter

sogar tödlich sein“, sagt Daniela Acquarone

vom Giftnotruf. Pilzberatung

bietet etwa der Botanische Garten:

www.bgbm.org/de/Pilzberatung

(BLZ)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Müller bewahrtBayernvor

einer Blamage

FUSSBALL. Bayern München hat

seine Pokal-Pflichtaufgabe beim VfL

Bochum dank Thomas Müller mit

Achund Krach gelöst. DerRekordmeister

kämpfte den Zweitligisten in

der zweiten Runde mit 2:1 (0:1) nieder

und steht zum 19. MalinSerie im

Achtelfinale.Die Diskussionen um

Trainer Niko Kovac dürften dennoch

nicht verstummen. SergeGnabry

(83.) und Müller (89.) drehten das

Spiel beim Underdog, der einer Sensation

ganz nahe war.Alphonso Davies

(36.) hatte vor26600 Zuschauernimausverkauften

Ruhrstadion

ins eigene Torgetroffen. Bochums

Armel Bella-Kotchap (88.) sah in der

Schlussphase Rot.

Volleys stehen bereits unter

hoher Belastung

VOLLEYBALL. DieBerlin Volleys stehen

schon zu Saisonbeginn unter

zeitlichem Stress.Gegen Aufsteiger

Volleys Eltmann bestreitet der deutsche

Meister am Mittwoch (19.30

Uhr) bereits sein sechstes Pflichtspiel

in den 18 Tagen seit Saisonbeginn.

„Wir müssen eben über die

Spiele unsereAutomatismen entwickeln“,

meint Manager KawehNiroomand

über fehlende Trainingseinheiten

in der heimischen Halle.

Bulgarien mit zwei

Geisterspielen bestraft

FUSSBALL. DieUefa hat den bulgarischen

Verband nach den rassistischen

Ausfällen der Fans in der EM-

Qualifikation hartbestraft. DieKontroll-,

Ethik- und Disziplinarkammer

des Europäischen Fußball-Verbandes

verhängte nach den Vorkommnissen

beim 0:6 der Bulgaren gegen

England eine Sperrevon zwei Geisterspielen

und eine Geldstrafe von

insgesamt 85 000 Euro.Wie die Uefa

mitteilte,wurde das zweite Spiel unter

Zuschauerausschluss zur zweijährigen

Bewährung ausgesetzt. Am

14. Oktober waren in Sofia die englischen

Profis massiv rassistisch beleidigt

worden.

ZAHLEN

Fußball

DFB-Pokal, 2. Runde

MSV Duisburg -TSG Hoffenheim 0:2 (0:0)

1. FC Saarbrücken -1.FCKöln 3:2 (0:0)

SC Freiburg -1.FCUnion Berlin 1:3 (1:1)

Hamburger SV -VfB Stuttgart 1:2 n.V.(1:1)

VfL Bochum -BayernMünchen 1:2 (1:0)

Darmstadt 98 -Karlsruher SC 0:1 (0:0)

BayerLeverkusen -SCPaderborn 1:0 (1:0)

Arminia Bielefeld -Schalke04 2:3 (0:3)

Kaiserslautern-1.FCNürnberg Mi., 18.30 Uhr

SC Verl -Holstein Kiel

Mi., 18.30 Uhr

VfL Wolfsburg -RBLeipzig Mi., 18.30 Uhr

Werder Bremen -Heidenheim Mi., 18.30 Uhr

Fortuna Düsseldorf -Erzgeb.Aue Mi., 20.45 Uhr

Borussia Dortmund -M’gladbach Mi., 20.45 Uhr

Hertha BSC -Dynamo Dresden Mi., 20.45 Uhr

FC St. Pauli -Eintr.Frankfurt Mi., 20.45 Uhr

Eishockey

DEL

Mannheim −Iserlohn 5:7

Wolfsburg −München Do., 14.00

Nürnberg−Eisbären Do., 19.30

Krefeld −DEG Fr., 16.30

Köln−Mannheim Fr., 16.30

Ingolstadt −Augsburg Fr., 17.00

Schwen'gen−Iserlohn Fr., 19.30

Bremerhaven−Straubing Fr., 19.30

1 München 15 55: 29 42

2 Straubing 15 58: 38 30

3 DEG 15 44: 28 29

4 Mannheim 15 52: 46 28

5 Bremerhaven 15 44: 39 27

6 Eisbären 14 41: 38 23

7 Nürnberg 15 40: 41 23

8 Ingolstadt 15 42: 44 19

9 Wolfsburg 15 37: 43 17

10 Augsburg 15 42: 52 17

11 Iserlohn 15 35: 45 17

12 Köln 15 29: 44 17

13 Krefeld 15 32: 48 12

14 Schwenningen 14 36: 52 11

Bravo, Urs!

Union-Coach Fischer wagtimPokalspielbeim SC Freiburg die große Rotation –und wirdmit einem 3:1 belohnt

VonPatrick Berger,Freiburg

Verwunderung im Kreis der

Beobachter, nachdem vor

dem Zweitrundenspiel im

DFB-Pokal zwischen dem

gastgebenden SC Freiburg und

Union im Presseraum des Schwarzwald-Stadions

die Zettel mit den

Aufstellungen gereicht worden waren.

Wie mutig! Vielleicht sogar ein

bisschen übermütig. Das war die

einhellige Meinung der Beobachter.

Na, klar: warum nicht?! Das war offensichtlich

die Meinung vonUrs Fischer,der

als Trainer des 1. FC Union

beim Zweitrundenspiel im DFB-Pokal

seine Startelf im Vergleich zum

Ligaspiel beim FC Bayern gleich auf

sechs Positionen verändert hatte. Ja,

warum nicht, darfman im Nachhinein

konstatieren: Denn durch einen

platzierten, in der 87. Minute vonder

Strafraumgrenze abgefeuerten

Schuss des überragenden Robert

Andrich und dem Treffer von Christian

Gentner nach einem Konter in

der Nachspielzeit siegten die Eisernen

3:1 beim Ligakonkurrenten, stehen

zum ersten Mal seit 2013/14

wieder im Achtelfinale des nationalen

Pokalwettbewerbs.

Mees trifft und überzeugt

„Es ist schön, dass wir uns heute belohnen

konnten. Wir haben heute

die wenigen Fehler, die Freiburg gemacht

hat, sehr effizient genutzt“,

führte Fischer im Nachgang aus.

Und: „Es war heute ein Spiel auf Augenhöhe,amEnde

konnten wir Profit

daraus ziehen, wie intensiv wir gegen

den Ball gearbeitet haben und

wie viel wir gekämpft haben.“

Wie schon beim 2:0-Erfolg im Ligaspiel

gegen die Breisgauer im Stadion

An der Alten Försterei ließ der

Schweizer Fußballlehrer sein Team

in einem 3-4-3 agieren. Keven

Schlotterbeck durfte an alter Wirkungsstätte

den Abwehrchef geben,

im zur Seite standen in der Abwehrkette

Marvin Friedrich, der für den

leicht angeschlagenen Christopher

Trimmel die Spielführerbinde trug,

sowie Michael Parensen. Letztgenannter

verletzte sich aber bereits

nach 14. Minute, wurde durch Nicolai

Rapp ersetzt. Im Mittelfeld?

Kein Christian Gentner! Kein Felix

Kroos! Dafür aber Manuel Schmiedebach

und Julian Ryerson. Im

Sturm gab Anthony Ujah, der Zwei-

Millionen-Euro-Einkauf aus Mainz,

den Stoßstürmer, flankiert von Marcus

Ingvartsen und Joshua Mees.

Jung, aber reif

Eiserner Glücksmoment: AnthonyUjah und Marcus Ingvartsen.

Werfen: Der 1. FC Saarbrücken hat den 1. FC

Köln blamiertund aus dem DFB-Pokal geworfen.

Der Spitzenreiter der viertklassigen Regionalliga-Südwest

setzte sich am Dienstagabend

in der zweiten Runde mit 3:2 (0:0) gegenden

Bundesliga-Aufsteiger durch und hat

damit wohl in Köln eine Diskussion um Trainer

Achim Beierlorzer ausgelöst.

Jaron Siewert coacht die Füchse ab der kommenden Saison

VonCarolin Paul

Das Lächeln vonVelimir Petkovic

schien tatsächlich etwas gequält

zu sein am Dienstag. Verständlich,

schließlich hatte Füchse-Geschäftsführer

Bob Hanning kurz zuvor

bekanntgegeben, dass der 63-

Jährige ab der nächsten Saison nicht

mehr das Traineramt innehaben

wird. EinEntschluss,der wenig überrascht,

da Petkovics VertragimSommer

nächsten Jahres ausläuft und

der Hauptstadtklub den eigenen Erwartungen

seit einiger Zeit hinterherläuft.

Ebenso wenig überrascht

der Nachfolger: Jaron Siewert. Es ist

schon lange ein offenes Geheimnis,

dass der gebürtige Berliner eines Tages

bei den Füchsen das Ruder übernehmen

soll. Die Frage war bisher

nur:wann?

„Seine Klarheit und sein Handballsachverstand

haben mich davon

überzeugt, dass er in den kommenden

Jahren die richtige Wahl für die

Füchse Berlin ist“, erklärte Sportvorstand

Stefan Kretzschmar. Und

führte aus: „Erbesitzt Persönlichkeit

und trotz seines jungen Alters eine

beeindruckende Reife.“

Siewert war bereits mit 23 Jahren

der jüngste Profi-Coach Deutschlands

und hat seitdem bewiesen,

dass sein Alter nicht gegen eine erfolgreiche

Trainerkarriere spricht. In

den letzten zwei Jahren hat er die

TUSEM Essen vom strauchelnden

Zweitligisten zum Aufstiegskandidaten

entwickelt. Jetzt sagt er:„Ichdarf

nun zu dem Verein, bei dem ich

großgeworden bin, nach Hause zurückkehren“,

sagt Siewert.

Geboren und aufgewachsen in

Reinickendorf, spielte Siewert seit

seiner Kindheit für die Füchse, absolvierte

mit 19 Jahren sein erstes

Spiel für die Profis. Trotzdem legte

ihm sein damaliger Jugendtrainer

Hanning nahe, den aktiven Sport zu

verlassen. „Ich habe ihm gesagt, dass

er vielleicht in der zweiten Liga spielen

könnte“, erzählt Hanning, „für

mehr hätte es aber nicht gereicht.

Doch so viel Verständnis für den

Handball habe ich selten bei einem

jungen Menschen erlebt.“ Siewert

nahm sich den Ratschlag zu Herzen,

wechselte mit nur 20 Jahren an die

Seitenlinie und coachte sich durch

verschiedene Jugendmannschaften

bis nun in die Bundesliga.

SAARBRÜCKEN BLAMIERT KÖLN

CITY-PRESS

Treffen: Vor6800 ZuschauerninVölklingen

trafen Christopher Schorch (53. Minute), Gillian

Jurcher (57.) undTobias Jänicke(90.) für

den Außenseiter.Nationalspieler Jonas Hector

(71.) und Simon Terodde (84.) konnten

für die enttäuschenden Kölner vordem Last-

Minute-K.o. nur zwischenzeitlich ausgleichen.

Wilde Würfe

Letztgenannter, da gab es wohl

auch zwischen den Beobachtern

und Fischer keine zwei Meinungen,

machte ein sehr gutes Spiel. Unddas

nicht nur wegen seines Kopfballtreffers

zum 1:0, den Ujah mit einer bestens

getimten Flanke vom rechten

Flügel vorbereitet hatte,sondernvor

allen Dingen wegen seiner fortdauernden

Präsenz. Wie aufgedreht

wirkte der 23-Jährige,übte Druck auf

die Freiburger aus,unterstützte aber

auch Christopher Lenz in der Rückwärtsbewegung.

Ob er am Sonnabend

im Stadtderby gegen Hertha

BSC erneut von Beginn an ran darf,

ist allerdings dann doch nicht gewiss.

Marius Bülter, der nach 88 Minuten

für Mees ins Spiel kam und

Gentners Treffer vorbereitete, darf

nämlich inzwischen für die Position

auf dem linken Flügel die Bezeichnung

Stammkraft für sich in Anspruch

nehmen.

Allerlei positiveEffekte

Für die Verabredung mit dem Stadtrivalen

darf ein noch intensiverer

Kampf um jeden Meter und jeden

Ball erwartet werden als beim Kräftemessen

mit dem Sportclub. Wenngleich

sich die beiden Teams in diesem

94 Minuten andauernden Pokalfight

natürlich schon einiges abverlangten.

Mitunter wurden

Zweikämpfe an der Grenzezur übertriebenen

Härte geführt, mitunter

kam das Spielerische zu kurz. Aber

aus Sicht der Unioner war dies im

Nachhinein nur Nebensache. Genauso

wie der Gegentreffer,der nach

einem Eckball von Vincenzo Grifo,

einer kleinen Schläfrigkeit von Keven

Schlotterbeck schließlich durch

Neu-Nationalspieler Robin Koch per

Kopf erzielt wurde.

DasFazit dieses Pokalabends lautet

jedenfalls: Nach dem ersten Drittel

der Saison in einem gar nicht so

unwichtigen Pflichtspiel auch den

Reservisten eine Chance zur Bewährung

zu geben, ist im Erfolgsfall, der

ja tatsächlich eingetreten ist, gut fürs

Binnenklima, kann auf lange Sicht

allerlei positive Effekte hervorrufen,

weil so eine tief greifende Rotation ja

auch den Konkurrenzkampf verschärft.

Bravo, Urs Fischer! Der

Schweizer scheint ein richtig gutes

Gefühl für diese Mannschaft zu haben.

Andrich, sein Musterschüler,

schloss den Abend mit einer Aussicht

aufs Wochenende. „Das wird

ein Kampf. Ein Riesenkampf. Das

brauchen wir wieder elf Fighter.“

Alba verpasst beim 78:81 gegen Mailand die Chance auf mehr

VonChristianKattner

Mit einem Dreier noch mal auf einen

Punkt herangekommen,

zwei Freiwürfe kassiert und sogar

noch eine letzte Wurfchance bekommen.

Am Ende wurde es noch einmal

undurchsichtig und ein bisschen

wild. Im Prinzip so,wie das Duell Alba

Berlin gegen Armani Mailand in vielen

Phasen gelaufen war. Aneinem

Tag, an dem die favorisierten Gäste

schlagbar gewesen wären, musste

sich Alba mit 78:81 geschlagen geben.

„Es war nicht unser Tag, defensiv haben

wir einen guten Job gemacht,

aber offensiv zu viele Würfe vergeben“,

sagte Martin Hermannsson.

Vier Tage hatte Berlins Aufbauspieler

krank im Bett gelegen und die

Niederlage gegen Moskau vom Sofa

aus verfolgt. Die wichtigsten Lehren

aus diesem Spiel hatte auch er gezogen:

besser rebounden und den eigenen

Spielfluss pflegen. Letzteres

wollte am Dienstagabend erst einmal

gar nicht gelingen. Etwas mehr als

drei Minuten blieben die Berliner gegen

Mailand ohne Punkt. Erst dann

erlöste Rokas Giedraitis die Fans mit

dem ersten erfolgreichen Dreipunktwurf.

Überhaupt resultierten die ersten

zwölf Zähler der Gastgeber nur

aus Dreiern, direkt am Korb wollte

nichts reingehen, im kompletten ersten

Viertel trafen die Berliner nur einen

ihrer sieben Würfe.Aber:Zumindest

beim Kampf um die Abpraller

am Korb wurde besser gearbeitet. Gerade

am offensiven Brett sammelten

die Berliner acht Rebounds, mit 16:9

ging das Reboundduell deutlich, das

erste Viertel aber nur knapp mit 18:17

an die Gastgeber.Einen Leckerbissen

bekamen die 9351 Fans in der Arena

am Ostbahnhof nicht zu sehen.

Ein wenig berappelten sich beide

Teams bis zur Pause, inwelche Alba

mit einem 33:26-Vorsprung ging. Den

Spielfluss also weiterhin nicht gefunden,

aber zumindest weiterhin bei

den Rebounds und dem Spielstand in

Führung. Dassollte sich aber im drittenViertel

drehen. DieMailänder entdeckten

da nämlich ihr Offensivpotenzial.

Luis Scola verdoppelte sein

Punktekonto vonsechs auf zwölf, aus

drei DreierninHalbzeit eins machten

die Gäste sechs im dritten Viertel. Im

Schlussabschnitt kämpfte Alba verbissen,

die Hypothek des drittenViertels

war aber zu groß.

Highlight

vor dem

Highlight

Herthas komplizierter

Spagat vor dem Stadtderby

VonSebastian Schmitt

Für Ante Covic ist diese Woche die

heikelste seiner bisherigen viermonatigen

Amtszeit. Während sich

gefühlt ganz Berlin bereits im Derbyfieber

befindet und das erste Bundesliga-Duell

zwischen dem 1. FC Union

und Hertha BSC an diesem Sonnabend

herbeisehnt, muss Herthas

Cheftrainer die Sinne seiner Spieler

für das Highlight vor dem Highlight

schärfen. „Wir sind gut beraten, alle

Konzentration auf Mittwoch zu legen“,

mahnte er dann auch vor der

zweiten Pokalrunde gegen Dynamo

Dresden. Pokal und Liga seien

„grundsätzlich zwei völlig unterschiedliche

Wettbewerbe – das hat

nichts miteinander zu tun“.

Nur68Stunden bis zum Derby

Das stimmt natürlich. Und Covic

wäreschlecht beraten, wenn er etwas

anderes sagen würde. Doch zur

Wahrheit gehörteben auch, dass zwei

Pflichtspiele innerhalb von weniger

als 68 Stunden selbstverständlich eng

miteinander verknüpft sind. Das

weiß auch Covic aus seiner Zeit als

U23-Coach in der Regionalliga. Also

kündigte der gebürtige Berliner vor

seiner ersten englischen Woche als

Bundesligatrainer auch „den einen

oder anderenWechsel“ an.

Das Knifflige: Normalerweise

würde sich die Pokal-Partie gegen

den formschwachen Tabellenvorletzten

der Zweiten Liga anbieten, um

eine sogenannte Kaderpflege zu betreiben.

Doch angesichts Herthas Pokalhistorie,

seltenen Heimspielen in

diesen Wettbewerb und dem nicht

enden wollenden Traum vomEinzug

ins Finale im eigenen Stadion kommt

der Partie eine immense Bedeutung

zu. DerPokal ist schließlich weiterhin

der kürzeste Wegins internationale

Kandidaten für einen Startelfeinsatz: Kalou

(r.) hilft Selkeins Leibchen. ENGLER

Geschäft, weswegen es für Manager

Michael Preetz „eminent wichtig“ ist,

eine Runde weiterzukommen. Hinzu

kommt, dass das Olympiastadion wegen

der mehr als 30 000 Gästefans fast

ausverkauft sein wird, was bekanntlich

bei Hertha-Spielen nur sehr selten

vorkommt. „Es ist zwar nur die

zweite Runde,aber es fühlt sich nach

mehr an“, gesteht auch Covic.„70 000

Zuschauer und Flutlicht werden für

eine tolle Atmosphäresorgen.“

Diese Ausgangslage macht den

Spagat für Covic so schwer. Und obwohl

davon auszugehen ist, dass er

dennoch einige nur wenig zum Einsatz

gekommene Profis in die Startelf

befördertund anderefür das Duell in

Köpenick schont, hüllt er sich bezüglich

seiner Personalwahl in Schweigen.

Stattdessen warnt er lieber vor

dem Gegner.„Dynamo kann mit nur

einem einzigen Spiel einen Stimmungswechsel

schaffen. Das ist gefährlich.“

In einer ähnlichen Situation befindet

sich Hertha BSC dann am Sonnabend,

wenn es im Stadion An der

Alten Försterei um die Stadtmeisterschaft

geht. Einem Spiel, das außerhalb

der Wertung stattfindet, auch

wenn es sich natürlich um ein

Punktspiel handelt. Um ein Spiel,

dessen Ausgang für die Stimmungslage

im Klub doch wesentlich ist.


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 19 *

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Sport

Schwarz-gelber Wahnsinn

Dass rund 30 000 Fans aus Dresden ihr Team zum DFB-Pokalspiel bei Hertha BSC begleiten, zeigt: Der Mythos Dynamo lebt

VonMichael Jahn und

Matthias Roch, Dresden

Dresden empfängt uns mit

einem Sonne-Wolken-

Mix. Die Lenné-Straße

ist am Vormittag schon

belebt. Kurz vor zehn Uhr tauchen

die ersten Anhänger von Dynamo

Dresden vor dem großzügigen Fanshop

an der Frontseite des Rudolf-

Harbig-Stadions auf. Dortfinden die

Anhänger des Zweitligisten – einst

achtmaliger DDR-Meister und siebenmaliger

Sieger im FDGB-Pokal,

später stolzer Bundesligist von 1991

bis 1995 –alles,was das Herz begehrt.

Mützen in Dutzend Varianten, Trikots,

Fahnen, Bettbezüge, Feuerzeuge,Schals,Ringe

und, und, und …

Auch Schokoladen-Weihnachtsmänner

in Gelb-Schwarz für 3,95

Euro sind schon zu haben. Doch der

Renner sind seit Wochen die speziellen

T-Shirts, die für das DFB-Pokalspiel

Dynamos bei Erstligist Hertha

BSC an diesem Mittwochabend angefertigt

wurden. Motto: „Niemand

hat die Absicht nach Berlin zu fahren.“

Doch nach den letzten Schätzungen

werden etwa 30 000 Fans die

Reise nach Berlin antreten und das

Olympiastadion rund um das Marathontor

in Gelb-Schwarz tauchen.

Rund 20 000 der Shirts sind verkauft

worden für zehn Euro das Stück.

Gleich gegenüber der schmucken

32 000-Mann-Arena, zentral in Dresden

gelegen, bittet Trainer Cristian

Fiel, 39, zum Training im Großen Garten.

DieBedingungen auf den Rasenplätzen

nahe der Straße mit Tram-

Verkehr scheinen nicht optimal zu

sein. Vielleicht zehn, zwölf Kiebitze

sehen die Koordinationsübungen.

Der ehemalige Hertha-Profi Patrick

Ebert, seit 2018 bei Dynamo, trabt

vorneweg. Schon in der nächsten Saison

werden die Dynamos auf dem

neuen, modernen Trainingsgelände

schwitzen, das gerade am Ostragehege,

Teil einer breiten Auenlandschaft

an der Elbe,entsteht.

Ralf Minge,59, als Spieler einst ein

Dynamo-Idol und mit Matthias Sammer,

Hans-Jürgen Dörner, Reinhard

Häfner oder UlfKirsten 2010 vonden

Fans in die „Dresdner Traum-Elf“ gewählt,

empfängt uns und holt erst

einmal Kaffee. Minge ist der Geschäftsführer

Sport und das Gesicht

des Vereins. Der ehemalige Mittelstürmer,

ein schlaksiger Mann, führt

uns weit hinauf in eine Lounge des

Stadions.„Lasst uns zuerst mal rausgehen“,

sagt Minge, der 36 Länderspiele

für die DDR bestritt und 103

Tore in 222 Spielen für Dynamo erzielte.

Der Blick in die leere Arena ist

grandios.Steile Tribünen, nah bis ans

Die Fans von Dynamo Dresden werden auch im Olympiastadion für eine beeindruckende Kulisse sorgen.

Spielfeld führend. 28 000 Fans kommen

im Schnitt. Minge ist stolz.

Isterüberrascht vonder Fan-Invasion,

die sich nach Berlin aufmachen

wird? „Die Zahl von rund 30 000 ist

schonWahnsinn. Dashat eine brutale

Eigendynamik angenommen“, sagt

der Sportchef, „wir haben lange nicht

gegen Hertha gespielt, die Entfernung

nach Berlin ist nicht so groß

und am Tagnach dem Pokalspiel haben

wir einen Feiertag in Sachsen. Da

kommt vieles zusammen, aber es

zeigt, der Mythos Dynamo lebt.“

LegendäreEuropapokalspiele

Dresden gilt schon immer als Fußballstadt,

bereits in den Dreißigerjahren

war es der Dresdner SC, Deutscher

Meister 1943 und 1944, der die

Massen in seinen Bann zog. Später

dann die SG Dynamo,die in der DDR-

Oberliga immer in heftiger Konkurrenz

zum BFC Dynamo stand. In 98

Europapokalspielen, meist im Landesmeister-Cup,

traten die Dynamo-

Kicker an, darunter in legendären

Duellen wie gegen Juventus Turin

(2:0, 2:3), Bayern München (3:4 und

3:3) oder auch gegen Bayer Uerdingen

(2:0, 3:7) und gegen den AS Rom

(2:0, 2:0). „Viele unserer heutigen Anhänger

haben diese großen Zeiten gar

nicht erlebt, aber die Liebe zu Dynamo

wird vererbt und in den Familien

weitergegeben“, sagt Minge.

Dresden sei eben Dynamo und Dynamo

ist Dresden. „Das steht auch so

in unserem Leitbild.“

Oft gaben die reisefreudigen Dynamo-Fans

allerdings in der Fremde

kein gutes Bild ab, eskam zu Randalen,

die vom Deutschen Fußball-

Bund (DFB) auch hart sanktioniert

wurden. So wurde Dynamo wegen

Ausschreitungen der Fans vom DFB-

Pokalwettbewerb 2013/14 ausgeschlossen.

Minge sagt: „Die jüngste Entwicklung

bei unseren Fans ist deutlich positiv.Die

Intensität und die Anzahl der

Verfehlungen sind rückläufig. BeiGewalt

ist bei uns die rote Linie,wir reagieren

knallhart mit Stadionverboten.“

Drei hauptamtliche Fanbeauftragte

leisten intensiveArbeit. Einmal

im Monat gibt es ein Treffen der aktiven

Fanszene, die viele Facetten

kennt, mit der Geschäftsführung.„Da

herrscht nicht Friede,Freude,Eierkuchen“,

berichtet Minge, „aber der

Austausch ist wichtig.“

„Die Zahl von rund 30 000 ist schon

Wahnsinn. Das hat eine brutale

Eigendynamik angenommen.“

Ralf Minge hat als Geschäftsführer Sport bei Dynamo Dresden nicht damit gerechnet,

welch enorme Anziehungskraft das Pokalspiel im Berliner Olympiastadion entfaltet.

DasSpiel in Berlin sei nun ein Höhepunkt

für alle Anhänger, so der

Sportchef. Hertha BSC ist Dynamo

wegen der enormen Nachfrage entgegengekommen.

Zuerst wurden

11 200 Tickets zur Verfügung gestellt,

später noch mal 4200, die auf 8000

aufgestockt wurden. Schon am 16.

September waren rund 19 200 Karten

IMAGO IMAGES/MATTHIAS KOCH

an Dynamo-Anhänger verkauft. Danach

besorgten sich tausende Fans

weitere Tickets auf anderen Wegen.

Aufjeden Fall wirdeseinen neuen Rekord

anAuswärtsfans geben. Bislang

steht die Bestmarke bei rund 22 000

Dresden-Anhängernbei einem Duell

bei 1860 München.

Minge erzählt in der Stadion-

Lounge auch davon, dass die eigenen

Fans großen Anteil an der Existenz

des Vereins besitzen. Er selbst kehrte

im Februar 2014 von seinen Zwischenstationen

als Assistenztrainer

und Amateurcoach bei Bayer Leverkusen

und als Assistenztrainer der

Nationalmannschaft Georgiens zu

Dynamo zurück und wurde Sportchef,

musste aber mit dem Abstieg in

die Dritte Liga leben. „Damals haben

uns die Fans und Vereinsmitglieder

über schwierige Zeiten getragen. Uns

drückten rund acht Millionen Euro

Schulden, wir hätten den Laden beinahe

zumachen müssen.“ Es folgte

ein Kraftakt, um denVerein möglichst

schnell zu entschulden. Zwei Sonderumlagen,

bei denen die Klubmitglieder

je zweimal ihren Jahresbeitrag in

Höhe von 72 Euro jeweils doppelt

entrichteten, brachte enorme Entlastung.

Und auch ein Benefizspiel des

FC Bayern München im August 2015

im ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion,

das die Gäste 3:1 gewannen,

brachte 1,2 Millionen Euro ein. Bayern

verzichtete auf eine Antrittsgage

und spielte in Bestbesetzung. Sämtliche

Einnahmen gingen in die Schuldentilgung

ein, und im März 2016

konnte Minge endlich vermelden,

dass Dynamo nach 25 Jahren schuldenfrei

ist.

Egal, in welcher Liga Dynamo

spielte,der Verein zogstets Anhänger

an. Im August 2011 verzeichnete Dynamo

zum ersten Mal mehr als

10 000 Mitglieder,jetzt sind es bereits

23 000. Die fanatischsten Anhänger

versammeln sich in Dresden im sogenannten

K-Block auf der Stehtribüne,

wo häufig aufwendige Choreographien

kreiert werden und die Ultras

das Sagen haben. Dort ist man stolz

auf einen besonderen europäischen

Rekord. Nach 851 Tagen Arbeitszeit.

mit 12 250 Quadratmeter Stoff und 70

Kilometer Nähgarn setzte eine Choreografie

beim Heimspiel von Dynamo

gegen den 1. FC Magdeburgim

Oktober 2015 in der Dritten Liga neue

Maßstäbe.Die Blockfahne in den Maßen

350 Meter mal 35 Meter bedeckte

nahezu alle PlätzeimStadion. Damit

war man im Besitz der größten Blockfahne

Europas! Minge lächelt beim

Gedanken an diese einzigartige Choreografie.

Die Lage ist ernst

Dynamo boomt auf vielen Gebieten.

DieNachwuchs-Akademie wurde für

ihre erfolgreiche Arbeit mit drei Sternen

vomDFB belohnt, das neue Trainingszentrum

im Ostragehege

wächst. Es soll im Mai 2020 eröffnet

werden und rund 20 Millionen Euro

kosten. Dort wird das Profiteam trainieren

und dazu die U19, die U17 und

die U16.

Nurauf dem Rasen blieben zuletzt

die positiven Ergebnisse aus.„Wirhaben

eine junge, entwicklungsfähige

Mannschaft“, sagt Minge. Das Team

schwächelt aber unter Trainer Cristian

Fiel heftig. Die Situation im Tabellen-Keller

ist sehr ernst. Minge

sagt zur Lage: „InDresden ist das Anspruchsdenken

immer extrem hoch,

aber solche Schwächephasen gibt es

immer wieder.“ Nach der vierten Niederlage

in Serie rief Minge offiziell

den Abstiegskampf aus.

Nun kommt es zwischen den brisanten

Meisterschaftsspielen zum

Pokal-Hit bei Hertha BSC, dem die

Fans entgegenfiebern. „Dort im

Olympiastadion sind die Rollen klar

verteilt“, befindet der ehemalige Stürmer

Minge, „ein gestandener Erstligist

empfängt zu Hause einen Zweitligisten,

obwohl das ‚zu Hause‘ in dem

Fall relativ ist …“

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Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 – S eite 20 *

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Sport

Derby-Duell im Hintergrund,

Teil 2: die Co-Trainer

Der

gelungene

Versuch

VonPatrick Berger

Es passierte im Urlaub in

Costa Rica. Mit der Ehefrau

und den beiden Kindern

wollte Markus Hoffmann

im Sommer 2018 nach seinem Aus

beim FC St.Gallen die Seele baumeln

lassen, als ihn der Anruf von Urs Fischer

ereilte. Hoffmann und Fischer

kannten sich aus gemeinsamen Zeiten

beim FC Basel, wo sie zwei Meisterschaften

und einen Pokalsieg feierten.

„Hoffi“, soll Fischer am Telefon

gefragt haben, „wollen wir es mit

Union Berlin versuchen?“ Hoffmann

nahm den Job als Assistenztrainer in

Köpenick an und stieg ein Jahr später

mit demVerein in die Bundesliga auf.

Trotz großer Siege mit Basel in der

Champions League gegen Chelsea

oder Bayern bezeichnet Hoffmann

den Union-Aufstieg als größten Moment

seiner Karriere. Gegenüber den

Salzburger Nachrichten meinte der

47-Jährige kürzlich:„Kein Mensch hat

geglaubt, dass wir es schaffen. Ein

Schweizer und ein Österreicher haben

es in Deutschland zu Beginn sehr

schwer. Die Deutschen haben ein

sehr großes Selbstbewusstsein bezüglich

ihres Wissens über Fußball.

Unddann kommen zwei für sie Unbekannte

und wollen ihnen erklären,

wie man erfolgreich Fußball spielt.

Letztendlich war es aber so, dass sie

einen Schweizer und einen Österreicher

gebraucht haben, um endlich etwas

zu gewinnen.“

Hoffmann beendete 2007 seine

aktive Karriere als aktiver Fußballer,

in der er über die zweite österreichische

Liga nie hinausgekommen war,

und begann als Trainer bei seinem

Heimatverein SV Seekirchen in der

drittklassigen Regionalliga. Er habe

seinerzeit aber nichts über Fußball

gewusst, hat er mal überspitzt formuliert.

„Ich wollte wissen, wie man international

arbeitet“, sagte er.Und so

lieh er sich ein Wohnmobil und fuhr

aus dem Flachgau an den Tegernsee,

wo der FC Basel einTrainingslager absolvierte.Hoffmann

schlief imWohnmobil,

schaute täglich beim Training

vorbei, hospitierte beim damaligen

Basel-Trainer Thorsten Fink und dessen

Assistenten Heiko Vogel. Als Fink

zum HSV ging, stieg Vogel zum Cheftrainer

auf –und fragte den wissbegierigen

Hoffmann, ob er denn nicht

als sein Co-Trainer anfangen wolle.

DerAnfang seiner erfolgreichen Laufbahn

als Assistent.

Bei Union ist er Fischers rechte

Hand. Er bereitet Videoanalysen vor,

bereitet Trainingsinhalte vor. Sein Arbeitstag

in Köpenick, sagte er mal,

könne durchaus 16 Stunden dauern.

Ob er denn nicht irgendwann mal

Lust auf einen Jobals Cheftrainer hat?

Für ihn ausgeschlossen. Er genieße

es, Fußball zu arbeiten. Außerdem

wolle er nicht „tausend Maldem ganzen

Vorstand Rede und Antwort stehen.

Oder 7000 Fans, die sich nicht

mit Fußball beschäftigen, erklären,

warum man was macht.“

Rot-Weiße Fußballkompetenz:

Hoffmann (l.) und Fischer. IMAGO IMAGES/KOCH

VonAndreas Baingo

Wer kneifenwill, nee,das

gilt nicht, das war mal,

das ist spätestens am

Sonnabend ab 18.30

Uhr vorbei. Da heißt es, Farbe zu bekennen.

Für jeden Fußballfan in der

Stadt, wirklich für jeden. Einbisschen

Rot-Weiß und ein klein wenig das Andere,

das geht nicht, es muss schon

mit Haut und Haar sein. Deshalb: Für

mich kann es nur einen Sieger geben

im Derby der Köpenicker gegen die

Charlottenburger, das ist Union. Es

gibt genügend Gründe dafür, glaube

ich.

Also: Derbys haben

wie Pokalspiele ihreeigenen

Gesetze. Warum

das so ist? Weil die Rollen

–hier krasser Außenseiter,

da haushoher

Favorit – zumeist

klar vergeben sind, der

Außenseiter nichts zu

verlieren hat und er dadurch

locker aufspielen

kann. Lockerer zumindest

als der Gegner.

Wie sonst hätte

Dänemark 1992 als

Nachrücker der EM

den Titel holen können?

Wie sonst hätte

Deutschland 1954

Der Weisheit letzter Schuss

Zwei Berliner Teams in der Bundesliga,

zwei Kenner des Berliner Fußballs:

Andreas Baingound Michael Jahn geben

immer mittwochs ihre Expertise ab.

Andreas Baingofür den 1. FC Union, seine

Eisernen, für die er selbst früher am Ball war.

Und Michael Jahn für Hertha BSC, seine

Hertha, die er seit mehr als zwei Jahrzehnten

als Reporter begleitet. Vordem Stadtderby

haben die beiden allerlei gute Gründe

gefunden, warumder 1. FC Union

beziehungsweise Hertha BSC als Siegeraus

diesem brisanten Duell hervorgehen wird.

Die Stunde des

zwölften Manns

Weltmeister werden

können gegen die

„Goldene Elf“ der Ungarn? Wie sonst

hätte der 1. FC Union 1968 FDGB-Pokalsieger

werden können gegen ein

Team,das Tage zuvor Meister geworden

und in allen Belangen überlegen

war? Zugegeben, das sind keine Derbys.

Aber gewonnen haben, allein das

ist wichtig, diejenigen, die eigentlich

gar keine Chance hatten.

Waswirklich zählt, ist der zwölfte

Mann. Selten war er für die Eisernen

so wichtig wie in diesem Match. Na

gut, die Blau-Weißen haben ihreOst-

Kurve. Aber die ist gefühlt 100 Meter

weg vom Geschehen. Warum nur

möchten die Herthaner ihre Heimspiele

lieber in einem reinen Fußballstadion

austragen? Klar,weilnachihren

Berechnungen und den Erfahrungen

aller die Fans für fünf bis

sechs Punkte mehr pro Saison gut

„Aller guten

eisernen

Dinge

sind drei.

Die Zeit ist

also reif für

den ersten

Dreier.“

sind. Nur zu, Unioner, lasst diesen

Mehrwert sprudeln!

Der dritte Grund steht gewollt genau

an dieser Stelle: Aller guten eisernen

Dinge sind drei. In den Zweitliga-

Derbys hat es in der Alten Försterei in

beiden bisherigen Spielen keinen

Sieg der Rot-Weißen gegeben. Im

dritten Versuch ist die Zeit reif für den

ersten Dreier. Zugleich wäre ein Triumph

über den Ortsrivalen der dritte

eiserne Sieg in der Bundesliga. Und

wenn alles andereauch noch wie am

Schnürchen läuft, könnte die Elf von

Trainer UrsFischer in derTabelle –genau!

–dreiPlätzenach oben klettern.

Werglaubt, all das

sei ein bisschen mau,

ich selbst könnte ein

wenig nachhelfen.

Schon am 28. Mai,

beim Relegationsrückspiel

gegen den VfB

Stuttgart, hat es geklappt.

An alte Zeiten

habe ich mich erinnert,

als ich selbst gespielt

habe für den 1.

FC Union, als „Bulle“

Sigusch, „Potti“ Matthies,

„Kulla“ Heine,

„Meter“ Hendel und all

die anderen meine

Mitspieler waren (na

ja, eher war ich ihr Mitspieler),

ich von meinerdamaligen

Arbeitsstelle,

dem Fernsehen

der DDR, zum Nachmittagstraining

musste und reichlich Zeit hatte: Zu

Fuß bin ich gegangen, die Dörpfeldstraße

nach Spindlersfeld, rechts über

die Lange Brücke und gleich links am

Ufer durch den Luisenhain, über die

Dammbrücke die Lindenstraße entlang

bis zum Stadion. Eine knappe

Stunde hat es gedauertund es hat was

gebracht. Wir sind damals, eswar in

der Saison 1975/76, in die DDR-Oberliga

aufgestiegen und 43 Jahrespäter,

der Wegkam mir allerdings viel beschwerlicher

vor, in die Bundesliga.

Nicht dass Fußballer am Ende

abergläubisch wären und ich schon

gar nicht. Aber um ganz sicher –in

doppelter Wortbedeutung – zu gehen:

Am besten werdeich denWeg, es

hat durchaus was von Pilgern, am

Sonnabend erneut so nehmen.

Die Stunde

der Experten

VonMichael Jahn

Es ist Sonnabend, der 2. November

2019 gegen 20.30

Uhr. Im überfüllten Stadion

an der Alten Försterei hat

der Schiedsrichter gerade ein packendes

Derby zwischen dem 1. FC

Union und Hertha BSC abgepfiffen,

nachdem es beinahe sechs Minuten

Nachspielzeit gegeben hatte. Doch

dann: Herthas Profis reißen die Arme

nach dem 3:2-Sieg in die Höhe,Trainer

Ante Covic rennt auf den Rasen

und herzt alle seine Kicker.

Keine Angst Union-Fans, das ist

nur ein Traum, genauer:

ein Wunschtraum.

Doch gibt es

tatsächlich ein paar

gute Gründe, warum

Hertha dieses Derby

gewinnt.

Erstens: Trainer

Ante Covic ist ein

Mann, der seine Versprechen

hält. Bereits

im Sommer,als er nach

der Bedeutung der

Derbys gefragt wurde,

ging der ehemalige

Stürmer auch verbal in

die Offensive und

sagte: „Es ist selbstverständlich,

dass wir

diese Spiele gewinnen

werden und müssen,

weil wir Hertha BSC

sind, weil wir das unseren Fans schuldig

sind, weil wir Qualitäthaben müssen,

jederzeit Union zweimal schlagen

zu können.“ Noch Fragen?

Zweitens: Der König der Derbys

heißt Kalou. Salomon Armand MagloireKalou

–wie das klingt! Für mich

nach spektakulären Toren, nach wilden

Dribblings und wunderschönen

Tricks aufdem Platz. Ja,dieserKalou,

inzwischen 34, ist der größte Derby-

Experte,den dieAlte Försterei bislang

gesehen hat. In seinen sechs Jahren

beim FC Chelsea in London trumpfte

der Ivorer mächtig auf: in den Stadtderbys

gegen Tottenham, Arsenal,

Crystal Palace,West Hamund denFC

Fulham. Mehr Derbygehtnicht.Aber

auch HerthasBelgierDedryck Boyata

hat etwas erlebt, was niemand sonst

im Berliner Derby aufweisen kann:

„Hertha-

Trainer

Ante

Covic ist

ein Mann,

der seine

Versprechen

hält.“

GETTY IMAGES

DerAbwehrmann siegte in einem der

heißesten Stadtduelle der Welt, im

„Old Firm“, fürCelticgegen die Glasgow

Rangers. Damit nicht genug:

Stürmer Davie Selke erlebte einst im

Trikot vonWerder Bremen das Nord-

Derbygegen den Hamburger SV.Und

Flügelspieler Marius Wolf stand für

Borussia Dortmund im Revierderby

gegen Schalke 04 –und kassierte zuletzt

sogar eine Rote Karte. Wie soll

Union da mithalten?

Drittens: Frank Zander liegt im

Duell mit Nina Hagen vorn. Na, wer

singt sofort mit? „Nur nach Hause

geh“n wir nicht“ oder „Niemals vergessen

– Eisern

Union!“ Beide Hymnen

bringen Gänsehaut

und das immer

wieder. Die zwei kultigen

Vereinshymnen

gesungen von zwei

Künstlernmit Kultcharakter,

Reibeisenstimme

Frank Zander

und der schrillen Nina

Hagen, gehören zu

Berlin wie die Currywurst.

Zander führtdie

interne Hitparade an.

Schon im März 1993,

beim Pokal-Halbfinale

der Hertha-Bubis gegen

den Chemnitzer

FC (2:1), sang der Ur-

Berliner mit Sympathie-Potenzial

zum

„Regierenden Bürgermeister“ die

Hymne „Nur nach Hause …“ live im

Olympiastadion. Erst fünf Jahre später

war Nina Hagen mit „Eisern

Union“ am Startund sang im November

1998 das erste Maldie Hymne live

an der Alten Försterei. Zander frotzelt:

„Ich habe unsere Hymne bestimmt

schon 200 Mal live imOlympiastadion

vor der Ostkurve gesungen,

Nina bei Union vielleicht zweimal

…Da kann sie nicht mithalten.“

Tatsächlich, so bestätigte mir Union-

Chronist MatzeKoch, habe die Hagen

nur noch beim Pokalendspiel zwischen

Union und Schalke (0:2) im

Mai2001 im Olympiastadion das „Eisern

Union“ live geschmettert. Ansonsten

kommt die Hymne als Konserve

vom Band. Zander: „Es steht

beim wichtigen Liveerlebnis 200:2!“

Derby-Duell im Hintergrund,

Teil 2: die Co-Trainer

Die

große

Versuchung

VonMichael Jahn

Als der Schweizer Harald Gämperle

im Sommer 2007 nur wenige

Wochen nach der Inthronisierung

seines Landsmannes Lucien

Favreals Cheftrainer vonHertha BSC

im Trainingslager in Österreich auftauchte,

eilte ihm der Ruf voraus, ein

gnadenloser Übungsleiter in Sachen

Kondition zu sein. Gämperle wurde

Co-Trainer vonFavre, ein Job, den der

ehemalige Verteidiger schon lange

zuvor beim FC Zürich innehatte.

Gämperle, so hieß es, mache alle

seine Spieler fitter! Einwenig argwöhnisch

erwarteten die Profis den

neuen Mann, der danach auch

durchaus seinem Rufgerecht wurde.

Cheftrainer Favre, der mit Gämperle

zuvor zweimal Meister mit dem

FC Zürich geworden war, hatte von

Herthas Manager Dieter Hoeneß gefordert,

Gämperle schnellstens nach

Berlin zu lotsen. Koste es, was es

wolle! Zähneknirschend gab Zürichs

Präsident Ancillo Canepa nach, kassierte

aber für Gämperle eine sechsstellige

Summeals Ablöse vonHertha

BSC.

MitFavre zerstritten

Über zwei Jahre leistete das Duo

Favre/Gämperle hervorragende Arbeit

in Berlin, spielte in der Saison

2008/09 lange um dieDeutscheMeisterschaft

mit.AmEndewurde es Rang

vier.Als dieMannschaft, dieinMarko

Pantelic, Andrej Woronin und Josip

Simunic drei populäre Leistungsträger

verloren hatte, imHerbst 2009 in

eine sportliche Krise geriet, wurden

die beiden Schweizer entlassen. Die

zerstritten sich zudem und sind bis

heute keine Freunde mehr geworden.

Gämperle,als Profiein eisenharter

Abwehrmann, der vor allem Erfolge

mit Grasshoppers Zürich feierte und

auch vier Länderspiele bestritt,

kehrte zum FC Zürich zurück und

wurde Assistent vonUrs Fischer,dem

heutigen Chefcoach des 1. FC Union.

Ab 2013 aber hieß der neue Arbeitgeber

für Gämperle Young Boys Bern,

wo er als Co-Trainer und zwischenzeitlich

als Chef ad interim fungierte.

Er verhalf den Cheftrainern Adi Hütter

und GerardoSeoane zu Meistertiteln

mit denYoungBoys.

Als Hertha BSC im Mai2019 einen

Nachfolger für PalDardai suchte,war

auch Seoane im Gespräch. Der„Trainer

des Jahres“ in der Schweiz aber

dementierte im Schweizer Fernsehen

und wenig später war es überraschend

sein Assistent Gämperle, der

zum zweiten Maldas Abenteuer Berlin

suchte. Mit Herthas Manager Michael

Preetz hatte Gämperle stets

Kontakt gehalten. Preetz suchte einen

erfahrenen Mann an der Seite des

Bundesliga-Novizen Ante Covic.

Gämperle, 51, besitzt die Uefa-Pro-

Lizenz, die ihn befähigt, in allen europäischen

Ligen als Cheftrainer zu arbeiten.

Ob das irgendwann sein Ziel

ist? „Ich bin gern, was ich bin“, sagte

Gämperle dazu.

Blau-Weiße Fußballkompetenz:

Gämperle (l.) und Covic. IMAGO IMAGES/POPOW


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Felix Klein plädiert

für die Entfernung der

„Judensau“

Seite 23

„Was wäre das für eine Gesellschaft, in der jeder dieselbe Meinung hat.“

Christoph Stapelfeldt im Streitgespräch mit Elke Schmidt im Rahmen von „Deutschland spricht“ Seite 22

Stadtkrimi

16 Monate

Baustelle

Cornelia Geißler

sieht einen Kiezladen

in Sorge

Die Bestsellerliste führt Garry

Dishers Roman „Hitze“ an, aber

das kann sich bald ändern. Denn die

Krimibuchhandlung Hammett aktualisiert

die Statistik jeden Monat,

und jetzt ist ja wieder einer um. Bestückt

wird die Liste, einsehbar auf

der Webseite und anfassbar vorhanden

auf dem Ladentisch, ausschließlich

vonden Titeln, die genau hier,in

der Friesenstraße 27 in Kreuzberg,

verkauft werden. AufPlatz 9klafft am

Dienstagmittag eine Lücke,„Derchinesische

Verräter“ von Adam Brookes

(Suhrkamp) ist erst anderntags

wieder lieferbar. So gut gehen die

Geschäfte hier. Gehen sie wieder,

würde der Buchhändler Christian

Koch an dieser Stelle ergänzen.

Der Hammett-Newsletter vom

vergangenen Freitag weist auf eine

bedrohliche Lage hin und spricht

vom Weiterbestehen erst einmal bis

Ende Dezember. Der 1995 gegründete

Buchladen liegt gleich bei der

Bergmannstraße und damit in einem

Kiez, indem nicht nur lebhaft

Verkehrsberuhigungskonzepte ausprobiert

werden; die Friesenstraße

selbst war von April 2018 bis August

2019 wegen Arbeiten am Untergrund

aufgerissen. Autos kamen

nicht durch, Parkplätze fehlten und

vor der Buchhandlung verkürzte

sich der Fußweg zeitweise auf Ein-

Personen-Breite. Laufkundschaft

konnte da nicht mehr vorbei.

Umsatzschwankungen sind normal

in jedem Geschäft. Im Buchhandel

werden sie schnell bemerkt, weil

die Gewinnspanne äußerst gering

ist. Ein guter Monat hilft noch nicht

viel, wenn fast anderthalb Jahre

schlecht liefen.Wegen der im Prinzip

für die Literaturlandschaft so nützlichen

Buchpreisbindung kann auch

ein spezialisierter Händler nicht auf

seine gut verkäuflichen Titel etwas

draufschlagen. Die Käuferschwundstudie

vomvergangenen Jahr hat alle

alarmiert. Und Anfang dieses Jahres

kam noch die Insolvenz des Großhändlers

KNV hinzu, deren Folgen

gerade die kleineren Verlage und

Buchhandlungen spürten.

Dass nun neben seinem Stammpublikum

auch wieder Leser ins

Hammett kommen, die vielleicht

nach dem Einkauf in der Markthalle

auf dem Marheinkeplatz noch herumspazieren,

hilft dem Händler

jetzt. Auch die treuen Kunden, die so

wenigspannende Literatur wie Kochbücher

bei ihm kaufen. Dennoch

setzt er sich eine Frist, um zu entscheiden,

ob er weitermachen kann.

An der Aufmerksamkeit seines Publikums

zerren auch Lesezeit-Fresser

wie Netflix und Amazon prime.

Die Krimibuchhandlung Hammett im

Bergmannkiez.

C. GEISSLER

Blick auf die Piazetta am Kulturforum. Im Depot des Kunstgewerbemuseums darunter schützen nur Paletten und Plastikhüllen kostbare Möbel vor Nässe. BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Undichte Fenster,feuchte Wände

Der Bundesrechnungshof rügt den Instandhaltungsstau bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

VonNikolaus Bernau

Die Fotos im neuesten Bericht

des Bundesrechnungshofs

über das Baugebaren

der Stiftung

Preußischer Kulturbesitz –erwurde

am 25. Oktober an den Haushaltsausschuss

des Bundestags geschickt

und liegt der Berliner Zeitung vor –

schockieren: Undichte Fenster in Instituten,

Bibliotheken und Museen,

hinter denen wertvolle Bücher, Manuskripte

und Instrumente, Kunstwerke

oder Akten lagern. Feuchte

Wände und Fußböden, Notdächer in

den Dahlemer Museen gegen abfallenden

Fassadenputz, ein Notdepot

des Kunstgewerbemuseums in der

Garage unter der „Piazetta“ am Kulturforum,

in dem kostbarste Möbel

nur durch Paletten und Plastikhüllen

vor Nässe geschützt sind. Ein seit

langem beklagter Skandal.

Jahrzehntelange Vernachlässigung

Fünfzig Millionen Euro betrage, so

der Bundesrechnungshof, inzwischen

alleine in den Berliner Staatlichen

Museen der Instandhaltungsstau.

Zwar seien die Gelder für den

Bauunterhalt in Museen, Bibliotheken

und Archiven in den vergangenen

zwei Jahren auf jetzt sieben Millionen

Euro erhöht worden. Undfür

2020, so das Kulturstaatsministerium

des Bundes (BKM) in seiner

Antwort anden Rechnungshof, geben

der Bund und Berlin zusätzlich

5,5 Millionen Euro in den Betriebshaushalt

der Stiftung, so dass dann

zehn Millionen zur Verfügung stehen.

Dassei, so derVizepräsident der

Stiftung, Gereon Dimter, im Gespräch

mit der Berliner Zeitung immerhin

eine Verdoppelung der bisherigen

Summen. Aber angesichts

der jahrzehntelangen Vernachlässigung

sowie der steigenden Kosten

für Personal und Materialien ist das

kaum ein Tropfen auf den heißen

Stein. Es überrascht eher, dass die

Summe so niedrig ist. Sind doch

selbst in der Alten Nationalgalerie

schon erste Abnutzungsschäden zu

sehen, die Neue Gemäldegalerie

wirkt an manchen Stellen sogar regelrecht

abgeschubbert.

Die Kritik des Bundesrechnungshofs

wendet sich vor allem an das

BKM und dessen Chefin Monika

Grütters.Seit 1996 habe das BKM die

Mittel für die Instandhaltung der Stiftungsbauten

„nicht annähernd“ ausreichend

erhöht:Wenn man die Inflation

und den Baukostenindex abziehe,

stünden der Preußen-Stiftung

heute gerade 1,51 Euro pro Quadratmeter

mehr zur Verfügung als 1996 –

und schon damals wurde beklagt,

dass sie zu wenig Geld für den Unterhalt

ihrer rund 60 Gebäude habe.

Aber auch die Preußen-Stiftung

wirdscharfkritisiert: „Die Hauptverwaltung

und die Einrichtungen der

SPK haben den Bauunterhaltsbedarf

ihrer Liegenschaften in keinem der

untersuchten Fälle ordnungsgemäß

ermittelt und beantragt“. Es gäbe

nicht einmal eine Übersicht über

den Instandhaltungsbedarf in der

Staatsbibliothek, im Staatsarchiv

und in den Instituten, nur über jenen

in den Museen. Das lässt die Frage

zu, ob Stiftungs-Präsident Hermann

Parzinger seine Verwaltung wirklich

im Griff hat –vor allem aber, obdie

vielen teuren und repräsentativen

Neubauprojekte der Stiftung längst

nicht den Blick auf das alltäglich

Notwendige verstellten.

In der „Abendschau“ des RBB am

Dienstag verteidigte Vize-Präsident

Gero Dimter die Stiftung mit dem

Verweis auf mangelnde Handwerker

und steigende Kosten. Doch warum

gibt es keine Übersicht, warum wurden

nicht wenigstens die Anträge gestellt

–erführtgegenüber der Berliner

Zeitung Personalmangel an und verspricht

Besserung. Aber zehn Zentimeter

dicke Rankpflanzen und kaputte

Fenster entstehen nicht über

Nacht. Sie sind die Zeugen von jahrzehntelanger

Vernachlässigung und

davon, dass die Stiftung in den

1990er-Jahren das hauseigene Personal

massiv abgebaut hat, bis hin zu

den Hausmeistern, die früher einfache

Schäden schnell beseitigt haben.

Eine klassisch neoliberale Politik, die

jetzt ihreKosten zeigt.

Solche Schäden sind schließlich

auch Zeichen von langfristigen Fehlplanungen:

Seit Jahren ist etwa bekannt,

dass die Neue Staatsbibliothek

saniert werden muss. Eswurde auch

bereits die Asbestsanierung und die

der Fassaden begonnen. Doch insgesamt

sind die Schäden nun so groß,

dass eine „Grundinstandsetzung“

kommen soll. Kosten: bisher unbekannt,

aber sicher in die Hunderte

„Die Hauptverwaltung und die Einrichtungen

der SPK haben den Bauunterhaltsbedarf ihrer

Liegenschaften in keinem der untersuchten

Fälle ordnungsgemäß ermittelt und beantragt.“

Aus dem Bericht des Bundesrechnungshofs

von Millionen Euro gehend. Oder

Dahlem: Trotz aller Kritik von Mitarbeiternetwa

aus dem Ethnologischen

Museum hielt die Stiftungsspitze

über fast zwei Jahrzehnte am Bau eines

Zentraldepots in Friedrichshagen

fest. Sieunterließ deswegen seit etwa

2005 systematisch Investitionen in

die Dahlemer Museumsbauten. Jetzt

erst werden diese, wie schon lange

gefordert, als künftiger „Forschungscampus“

mit Depots,Werkstätten, Bibliotheken,

Ausstellungshallen und

Büros neu entdeckt. 250 Millionen

wenigstens sollen nach letzten Schätzungen

die Sanierung und der Umbau

kosten, genaue Kalkulationen liegen,

so GeroDimter zur Berliner Zeitung,

bisher nicht vor. Dennoch wird

derzeit „mit Energie“ das ebenfalls

hoch umstrittene Zentraldepot der

Stiftung in Friedrichshagen weiter gebaut

–nun zwar nicht mehr für die

Bestände des Ethnologischen Museums,aber

für jene des Kunstgewerbemuseums,

der Staatsbibliothek und

der Nationalgalerie. Diese soll zudem

noch das geplante Museum der Moderne

als Depotraum erhalten.

2023 soll in Friedrichshagen der

Betrieb aufgenommen werden. Woher

aber kommen dann die Betriebsund

damit auch die Bauunterhaltgelder

für all diese neuen Flächen?

Gero Dimter ist zuversichtlich: „Da

müssen wir mit den Geldgebernverhandeln,

dass es Aufwüchse im Betriebshaushalt

gibt.“ Genau das haben

aber alle seine Vorgänger seit

1996 vergeblich versucht.

All diese Projekte tauchen nicht im

Rechungshofbericht auf, weil sie

haushaltsrechtlich als Neubauten

gelten. Undgenau das ist ein Teil des

Problems, vor dem nicht nur die

Preußen-Stiftung, sondern das staatliche

Bauen inDeutschland generell

steht: Gelder für den Bauunterhalt

gelten unsinnigerweise als „konsumtive“

Kosten und nicht als Teil der

Werterhaltung staatlichen Vermögens.

Deswegen stehen sie im Betriebshaushalt

in direkter Konkurrenz

mit den Ausgaben, die die Museen,

Bibliotheken und Archivefür ihrPersonal,

für Ausstellungen und Forschungsprojekte,

die Restaurierung

von Objekten oder Ankäufe planen.

Auch die Behörde von Kulturstaatsministerin

Monika Grütters konstatierte

gegenüber dem Rechnungshof:

„Den Bauunterhaltstitel im vollen

Umfang zu erhöhen hätte zu erheblichen

Minderausgaben in anderen

Bereichen geführt. Diese wären zu

Lasten des gesetzlichen Auftrags der

SPK gegangen“. Eine Hierarchie, die

ganz offenkundig zu Lasten der Werterhaltung

der Häuser geht.

Nachhaltigkeit sieht anders aus

Wirkliche„Investitionen“, behauptet

das deutsche Haushaltsrecht, seien

nur Großsanierungen und Neubauten.

So wie die milliardenschweren

Projekte der Stiftung àlaAlte Staatsbibliothek,

Radikalumbau des Pergamonmuseums,Neubau

des Museums

der Moderne. Sie werden vom

Bundestag auch immer wieder finanziert,

während die Bauinstandhaltung

zu Lasten des Betriebshaushalts

geht. Diese Politik spiegelt zwar

perfekt eine auf ununterbrochenes

Wachstum und Verschwendung einmal

geschaffener Werte ausgerichtete

Wirtschaftsform. Ökonomische,

ökologische und kulturelle Nachhaltigkeit

aber sehen anders aus.

Nikolaus Bernau

möchte eine Revolution

im Haushaltsrecht

NACHRICHTEN

Patricia Highsmiths

Tagebücher erscheinen

DieNotiz- und Tagebücher der amerikanischen

Schriftstellerin Patricia

Highsmith werden im Herbst 2021

erstmals veröffentlicht. Diese dokumentieren

Highsmiths Leben vonihrenJahren

als Studentin in NewYork

bis zu ihrem Tod1995 in der Schweiz,

wie der DiogenesVerlag am Dienstag

in Zürich mitteilte.Die 56 Notizbücher,die

insgesamt 8000 Seiten umfassen,

seien vonihrer Lektorin Anna

vonPlanta und dem damaligen Verleger

Daniel Keel hinter Bettwäsche

und Handtüchernversteckt in ihrem

Haus im Tessin gefunden worden.

Siewerden, illustriertmit Highsmiths

Zeichnungen und Aquarellen,

zum 100. Geburtstag der Autorin

herauskommen. (dpa)

Das „Steigerlied“ soll

Kulturerbe werden

Dasauch „Steigerlied“ genannte

„Lied des Bergmanns“ soll offizielles

Kulturerbe Deutschlands werden.

Eine entsprechende Bewerbung sei

beim nordrhein-westfälischen Kulturministerium

eingereicht worden,

sagte der Vorsitzende des Vereins

Ruhrkohle-Musik, Andreas Artmann,

der Deutschen Presse-Agentur.Initiatorin

der Bewerbung ist

nach eigenen Angaben die RAG-Stiftung.

Laut Stiftung soll das Lied als

Kulturformindas bundesweite Verzeichnis

des immateriellen Kulturerbes

aufgenommen werden. DasLied

beginnt mit der Zeile „Glück auf,

Glück auf! DerSteiger kommt“ und

gilt als die Hymne der Bergleute.Besonders

in Bergbauregionen wie

dem Ruhrgebiet wirdeshäufig gesungen,

etwa bei allen Heimspielen

des Fußball-Bundesligisten Schalke

04. (dpa)

DDR-Großwandbild in Erfurt

ist wieder komplett

Dasaus 70 000 Glasfliesen zusammengesetzte

DDR-Wandmosaik

„Die Beziehung des Menschen zu

Natur und Technik“ ist zurück an seinem

früheren Standort. Miteinem

Kran wurde die letzte Platte vonJosep

Renaus KunstwerkamMoskauer

Platz in Erfurtangebracht.„Ein Stück

Zeitgeschichte kehrtanden Moskauer

Platz zurück“, sagte der Kulturbeigeordnete

der Stadt Erfurt, Tobias

Knoblich, am Dienstag. Vier

Jahrelang war das etwa sieben mal

30 Meter große Wandbild des spanischen

Künstlers und Kommunisten

(1907-1982), der zu DDR-Zeit auch

Werkeinanderen Städten malte,restauriertworden.

Bis2012 hing es an

einem Kultur-und Freizeitzentrum

in der Plattenbausiedlung.VorAbriss

des Zentrums wurde das denkmalgeschützte

Werk auch durch Bürgerengagement

gerettet. (dpa)

Aus 70 000 Glasfliesen zusammengesetzt:

das Großwandbild in Erfurt.

DPA


22 Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

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Feuilleton

Der Algorithmus von

„Deutschland spricht“

hat Elke Schmidt und

Christoph Stapelfeldt

zusammengebracht. Die Aktion ist

ein Projekt vonDie Zeit und Zeit online

und findet nach 2017 und 2018

bereits zum dritten Mal statt. Die

Berliner Zeitung war diesmal Partnermedium.

Die Idee der Aktion:

Zwei Menschen, die möglichst unterschiedliche

Meinungen haben,

aber möglichst nah beieinander

wohnen, treffen für ein paar Stunden

aufeinander. Elke Schmidt und

Christoph Stapelfeldt haben vonsieben

Ja-Nein-Fragen alle gegensätzlich

beantwortet. Ist Deutschland

durch Einwanderung unsicherer geworden?

Elke Schmidt sagt ja, Christoph

Stapelfeldt nein. Haben Frauen

in Deutschland die gleichen Chancen

wie Männer? Sie meint ja, er

nein. Kümmert sich Deutschland zu

wenig um die Ostdeutschen? Siefindet

ja, er nein. Auch sonst liegen sie

weit auseinander. Er kommt aus

Westdeutschland, sie aus dem Osten,

sie ist 63 Jahrealt, er 28. Am Mittwoch

treffen in der Dresdner Frauenkirche,

inFrankfurt amMain und

überall in Deutschland, die so zustande

gekommenen Paare aufeinander.Wir

trafen uns vorab imCafé

des Berliner Verlags.

ELKE SCHMIDT: So hab’ ich Sie

mir vorgestellt. Im Anzug.

CHRISTOPH STAPELFELDT: Dabei

trage ich den ganz selten. Ichbin

Christoph.

SCHMIDT: Und ich bin Elke und

finde es sehr gut, dass wir altersmäßig

weit auseinander sind und ich

anders aufgewachsen bin als Sie.

STAPELFELDT: Ichbin in Bremen

aufgewachsen. Die DDR habe ich

nicht miterlebt. Deswegen finde ich

es spannend, da ein bisschen was zu

erfahren. Mittlerweile weiß ich natürlich

einiges. Ich habe Politik studiert

und arbeite jetzt auch in der Politik.

Aber wie das Leben war,und wie sich

dadurch die Weltanschauung veränderthat

–darüber weiß ich gar nichts.

SCHMIDT: Ich bin in der DDR

aufgewachsen und hab dort Facharbeiter

für Schreibtechnik gelernt. Ich

kann nicht sagen, dass ich unglücklich

war, ich wurde ja nicht politisch

verfolgt. Natürlich war es für Leute,

die weiterkommen wollten, schwieriger.

Dahat man heute andere Möglichkeiten,

auch was ein Studium anbelangt.

Das Schulsystem war einfacher,

aber deshalb sind wir nicht ungebildeter.

Nur das ganze

Drumherum, das komplizierte Aussuchen

der Schule –das gab es nicht.

STAPELFELDT: Dass es komplizierter

geworden ist, liegt vielleicht

daran, dass viele Herausforderungen

komplexer geworden sind. Auch was

Jobs angeht. Man braucht teilweise

ganz andere Spezialisierungen, allein

durch die Digitalisierung.

SCHMIDT: Da gebe ich Ihnen

recht. Ichhabe auch einen Sohn, der

studiert hat. Es ist eine andere Welt

jetzt. Wobei ich manchmal Sorge

habe, dass dieser schnelle Wandel

den Menschen nicht gut tut. Siesind

teilweise gereizt, überarbeitet, nicht

gut im Umgang miteinander.

Die Stimmung ist angenehm, die

beiden lassen einander ausreden, höreneinander

zu. Es wirdöfter gelacht.

Siearbeiten sich nicht an den Fragen

der Aktion ab, sondern lassen sich

durch ihr Gespräch treiben. Man hat

nicht den Eindruck, dass sie einander

überzeugen wollen, sondern dass sie

neugierig aufeinander sind und vor

allem erfahren möchten, wie der andere

denkt. Ein Austausch im besten

Sinn.

STAPELFELDT: Jede Generation

hat ihre Herausforderungen. Wir leben

aber in einer Zeit, die sehr gesegnet

ist. Ichhabe noch keinen Krieg in

meinem näheren Umfeld erlebt.

SCHMIDT: Das stimmt, aber in

dem Zusammenhang würde ich

gerne ansprechen, dass die Generationen

gegeneinander ausgespielt

werden. Manhörtimmer wieder den

Satz: Die Alten leben auf Kosten der

Jungen. Unddas macht mich betroffen.

Ich habe nach meiner Ausbildung

sofortangefangen zu arbeiten.

In der DDR gab es das nicht, dass

man erstmal durch die Welt reiste.

Man muss sich streiten können

Zwei mit ganz unterschiedlichen Meinungen: Elke Schmidt und Christoph Stapelfeldt

Christoph Stapelfeldt und ElkeSchmidt hat der Algorithmus von „Deutschland spricht“ zusammengebracht.

STAPELFELDT: Dasgab es zu der

Zeit bei meinen Eltern inder BRD

auch nicht.

SCHMIDT: Manmusste jedenfalls

gleich eine Arbeit finden. Und ich

habe meine Rente selber eingezahlt.

STAPELFELDT: Viele merken,

dass es Deutschland nicht mehr so

gut wie noch vor ein paar Jahren

geht, auch Menschen aus der Mittelschicht

haben Angst vor dem Abstieg.

Deshalb fällt es wohl leicht,

Menschen gegeneinander auszuspielen.

Es geht gar nicht um die

Rente, auch wenn die Rentenpolitik

wohl nicht mehr lange tragbar ist.

Ich werde jedenfalls keine Rente

mehr kriegen. Aber man versucht

das so lange rauszuschieben, wie es

geht. Denn die Regierung wird ja

maßgeblich vonLeuten gewählt, die

kurz vor der Rente stehen oder sich

schon in Rente befinden. Diese

Gruppe ist auch zahlenmäßig die

größte. Deshalb wird eine Politik gemacht,

die diese Gruppe befriedigt.

SCHMIDT: Viele in meinem Alter

bekommen gar nicht so eine dicke

Rente, weil sie in der DDR weniger

verdient haben. Und es gibt auch

Menschen, die nach der Wende keinen

Jobmehr gefunden haben. Aber

die Lebenshaltungskosten sind

hoch. Die Wohnungen sind teuer,

besonders für Singles.Ich wohne selber

alleine und bei mir rückt die

Rente auch näher und ich frage

mich, was ich abstoßen kann.

STAPELFELDT: Ichbin keiner von

denen die sagen: Dann zieht doch

raus.Meine Mutter geht nächstes Jahr

in Rente und ist jetzt auch in eine kleinere

Wohnung gezogen. Sie ist viele

Jahre zu Hause geblieben, was sie

heute bereut. Sie hat das Glück, dass

es die Mütterrente gibt. Aber viel ist

das nicht. Unddamuss man sich mal

überlegen, was man honorieren

möchte. Dass Menschen sich dafür

entscheiden, die Kinder zu Hause zu

Christoph Stapelfeldt ist 28 Jahre alt und

wurde in Bremen geboren. Er hat Politik studiertund

arbeitet als wissenschaftlicher Angestellter

bei einem Bundestagsabgeordneten.

In dem Fragebogen von„Deutschland

spricht“ schrieb er,man erkenne ihn daran,

dass er gern debattiere und neugierig auf

Antworten sei. Wasergar nicht mag: Die Verharmlosung

des grassierenden Rechtsextremismus.

erziehen und man das vielleicht in die

Rente miteinbeziehen muss. Das ist

schließlich harte Arbeit.

SCHMIDT: Es ist auch harte Arbeit,

Kinder zu erziehen, den Haushalt

zu machen und arbeiten zu gehen.

Wasinder DDR aber viel schöner

war, war das Scheidungsrecht.

Ichbin ja leider in diesem System geschieden,

und da muss man Rentenpunkte

abgeben, und wenn man

lange verheiratet war und große Einkommensunterschiede

bestanden,

das geht richtig an die Existenz.

VonSusanne Lenz

ZU DEN PERSONEN

ElkeSchmidt ist 63 jahre alt und wurde im

thüringischen Greiz geboren. Sie hat eine

Lehre als Facharbeiterin für Schreibtechnik

gemacht, lebt seit 1976 in Berlin und arbeitet

in einem Berliner Sozialamt. In dem Fragebogen

von„Deutschland spricht“ hat sie

auf die Frage, was sie garnicht mag,geantwortet:

Wenn Menschen nicht zuhören, Meinungen

nicht akzeptiertwerden und man

deshalb verurteilt wird.

Gemeinsam mit fünf Partnermedien möchte

die Berliner Zeitung Menschen zusammenbringen,

die hinsichtlich ihrer Ansichten und Einstellungen

vieles voneinander trennt.

Weitere Informationen unter

www.berliner-zeitung.de/deutschland-spricht

STAPELFELDT: Aber derVorwurf,

die Alten lebten teilweise auf Kosten

der Jungen, ist hinsichtlich der Klimapolitik

teilweise berechtigt. Denn

der Klimawandel verursacht Kosten.

Die Politik trifft teilweise Entscheidungen,

die momentane Steuerzahler

weniger belastet als zukünftige

Generationen. Diejetzige Klimapolitik

reicht ja nicht, um die Klimaziele

zu erreichen. Das heißt, dass es für

meine Generation und noch mehr

für die, die jetzt in die Schule gehen,

viel, viel teurer wird.

PAULUS PONIZAK

SCHMIDT: Es wird zuviel über

das Klima geredet und kein richtiger

Anfang gefunden. Wenn man nicht

weiter weiß, muss der Kleine herhalten,

der Autofahrer,der Verbraucher.

Mir gefallen die ganzen Plastikverpackungen

im Supermarkt

auch nicht, aber mich darum zu

kümmern, ist nicht meine Aufgabe,

dafür gibt es andere Instanzen, die

Verantwortung tragen und ihr Bewusstsein

ändernmüssen.

Um jetzt mal auf die AfD zu sprechen

zu kommen. Warum haben die

denn so viele gewählt? Sicher nicht,

weil sie sich Gedanken darüber gemacht

haben, was da alles dranhängt.

Eingrößerer Teil hat das aus Frust gemacht,

weil sie sich alleine gelassen

fühlen mit ihren Problemen, weil sie

sich überrannt fühlen vonder Migrationspolitik.

Nehmt doch solche

Leute mal mit ins Boot.Wenn ich eine

Partei immer ausschließe, dann stachel

ich die doch erst recht an.

STAPELFELDT: Man kann nicht

mit einer Partei zusammenarbeiten,

die Faschisten in ihren Reihen duldet,

die am liebsten alle Ausländer

abschieben und ihre politischen

Gegner mit Waffengewalt bekämpfen

will. Bei den Wählern muss man

unterscheiden. Es gibt Menschen,

die ein rassistisches Weltbild haben,

die sich eine starke Führungsfigur

wünschen. Und esgibt welche, die

AfD wählen, weil sie keinen anderen

Ausweg sehen.

SCHMIDT: Ich stelle immer wieder

fest, dass man schnell in eine

Ecke gestellt wird, wenn man eine

andere Meinung hat. Ich bin mal in

den Gärten derWelt voneinem türkischen

Mitbürger beleidigt worden,

aus dem Nichts heraus. Ich habe

dann die Polizei gerufen. Irgendwann

bekam ich einen Brief, dass

kein Verfahren eingeleitet würde, da

es für die Öffentlichkeit nicht wichtig

sei. Hätte ich den türkischen Mitbür-

ger beleidigt, hätte das bestimmt in

der Zeitung gestanden.

STAPELFELDT: Dasvermuten Sie

ja nur.

SCHMIDT: Ja, aber man liest so

etwas immer wieder. Das verstehe

ich nicht. Binich denn weniger wert?

Und dann sind wir beim nächsten

Punkt, der mich sehr berührt, dem

Zuwachs an ausländischen Mitbürgern.

Ich finde es in Ordnung, dass

Menschen aus wirklichen Kriegsgebieten

kommen. Aber ich finde die

Migrationspolitik nicht in Ordnung.

Das macht mir Angst. Ich habe seit

acht Jahren ein arabisches Patenkind

und bin in der Familie –sie lebt in

Kreuzberg – gut aufgenommen,

habe einen guten Einblick. Obwohl

ich die Familie sehr mag, bin ich

manchmal über ihre Ansichten

schockiert.

STAPELFELDT: Sie kennen jetzt

diese Familie, aber keine andere. Es

gibt sicher Menschen, bei denen es

eine Verachtung für Deutsche gibt.

Aber es gibt auch die anderen.

SCHMIDT: Ichfinde schon, dass

diese zwei Religionen nicht zusammenpassen.

Die arabische Familie

versteht das Denken der Deutschen

nicht. Genau wie wir uns

schwertun, deren Denken nachzuvollziehen.

Da will aber auch keiner

mal nachgeben.

STAPELFELDT: Manmuss sich ja

nur in den Berliner Straßenverkehr

begeben, um das zu sehen.

SCHMIDT: Ich bin Autofahrer

und denke immer wieder: Was ist

denn dabei, den, der da blinkt, reinzulassen.

Wasist denn dabei, wenn

ich den mal dabei anlächele. Aber

nein. Es ist ein Hupen und ein Toben

und ein ich, ich, ich. Wenn ich die

Querelen unter den Politikern beobachte,

denke ich, kümmert euch

doch mal um das Wichtige.Ich habe

gehört, dass Deutschland das einzige

europäische Land ist, das vor

kurzem wieder die Geschwindigkeitsbegrenzung

von 130 Stundenkilometern

auf Autobahnen abgelehnt

hat. Undauf der anderen Seite

wird erzählt, wir sollen umweltbewusst

leben, nicht so schnell fahren

wegen der Unfälle und des CO 2 -

Ausstoßes.

STAPELFELDT: Das Problem ist,

dass wir in Deutschland 82 Millionen

Meinungen darüber haben, wie

vernünftiges Regieren aussieht. Ich

arbeite in der Politik und verstehe

manches auch nicht.

SCHMIDT: Das ist schon mal

beruhigend. Und was Entscheidungen

angeht: Viele Köche verderben

den Brei.

STAPELFELDT: Es ist schwierig,

Entscheidungen mit vielen Menschen

zu treffen, in einer demokratischen

Regierung, aber ich bin froh,

dass wir eine haben.

SCHMIDT: Die Menschen haben

auch verlernt einander zuzuhören

und sich respektvoll zu verhalten,

vorallem Älteren gegenüber.

STAPELFELDT: Es gibt generell

einen Mangel an Respekt. Ich finde

aber nicht, dass ein Mensch nur

wegen seines Alters mehr Respekt

verdient.

SCHMIDT: Ich meine Rücksichtnahme.

STAPELFELDT: Ja,dagebe ich Ihnen

recht. Ichbegegne aber auch oft

alten Menschen, die mir kein bisschen

Respekt entgegenbringen und

meinen, sie können sich Dinge rausnehmen,

nur weil sie alt sind.

Das Fazit der beiden ist durchweg

positiv. Sie loben, dass man in einem

solchen Gespräch neue Perspektiven

gewinnt, weil man aus seiner Blase

herauskommt, wenn man auch nicht

unbedingt seine Meinung ändert.

Christoph Stapelfeldt findet, man

sollte so etwas öfter veranstalten, mit

mehreren Menschen, die dann paarweise

miteinander reden.

SCHMIDT: So unterschiedlich

sind wir eigentlich gar nicht.

STAPELFELDT: Undselbst wenn.

Waswäre das für eine Gesellschaft,

in der jeder dieselbe Meinung hat.

SCHMIDT: Die käme nicht vorwärts.

STAPELFELDT: Man muss über

Dinge streiten können. Und man

muss sich danach in die Augen

schauen können. Und das kann ich

definitiv bei Ihnen.


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 23 *

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Feuilleton

Zu

Gott

gefunden

Religiöses Popwerk: „Jesus

Is King“ von Kanye West

Lieber

ins

Museum

Felix Klein plädiert für die

Entfernung der „Judensau“

VonMarkus Schneider

Kanye West ist ein lustiger Knopf.

Zuverlässig wie nur sein Kumpel

Donald Trump feuert er erratische

Meldungen in die Welt, fühlt sich mal

als verfolgter Schmerzensmann, mal

als gottgleiches Genie, Großvisionär

und baldiger US-Präsident. Was,

mochte man sich fragen, kann noch

kommen?„God is king/ we’rejust soldiers“,

rappt er jetzt auf „Selah“, dem

ersten Titel seines jüngsten Werks,

atemlos,mit einer schick möhrenden

Orgel unterlegt, bis die Bassdrum

schlägt und ein Chor in Autotunehöhen„Hallelujah“

jubelt.

„Jesus Is King“, das neunte Album

des HipHop-Superstars, ist 27 Minuten

lang, und womöglich das entschlossenste

religiöse Popwerk seit

„Jesus Christ Superstar“. Wobei man

sich bei West nie sicher sein kann, wo

die Grenze zwischen PR-Strategie,

Überzeugung oder Dienst an der

Kundschaft liegt, die schräge Manövervon

ihm erwartet: Es spielt für ihn

letztlich keine Rolle, oberander abgebrochenen

Schule leidet, Sklaverei

selbstverschuldet findet, Konsum

und George W. Bush geißelt, oder

seine Autos, den Hintern seiner Frau

Kim Kardashian oder sich selbst als

göttlich feiert.

Jetzt hat er, 15Jahre nach seinem

„Jesus Walks“-Nachweis,dass Gospel

und HipHop zusammengehen, also

zu Gott gefunden. Seit einiger Zeit

hält er sogar Gottesdienste ab, deren

Sunday Service Choir hier genauso zu

den Gästen gehört wie Gospelstar

Fred Hammond und die von ihren

ultraaussichtslosen Koksrap-Szenen

geheilten, wiedergeborenen Christen

Clipse.

Hält seit einiger Zeit sogar Gottesdienste

ab: Kanye West.

UNIVERSAL MUSIC

Ohne religiöse Gefühle verletzen

zu wollen: Wests Bekehrung fiel zusammen

mit dem öffentlich vermeldeten

Absetzen seiner Medikamente

gegen die bi-polare Störung und hält

vielleicht nicht. Undsowieso versteht

er Gott vor allem als den Typen, der

ihm in Krisen und als Genie assistiert.

Mir ist andererseits egal, auf welchem

High Künstler reiten, wenn’s

hilft. Wests Großwerke der Nullerjahre

liegen auf „Jesus Is King“ fern,

die Tracks hat er wohl auch aus Streamingmarktgründen

kurz gehalten.

Aber soundtechnisch hat er sich angestrengt.

Er singt ab und zu mit viel

Effekt, rappt entschlossen, balanciert

Tupfen-Minimalismen meisterlich

mit Dröhnsounds aus, lässt ferne

Bässe, seichte Synthies sich in flirrende

Modulationen verschlingen.

Seine Samplewühlerei ist erstaunlich,

es gibt viele in Popkreisen naturgemäß

ungehörte Gospelsamples, die

er wie für „FollowGod“ im Stil seiner

frühen Soulzitate einsetzt; dazu fand

er krass obskures Zeug vonargentinischen

Gesangsgruppen über kanadische

Progchansonniers bis zu einem

Pornotrack des Schmuddel-Moog-

Pioniers Bruce Haack. Im besten, sehr

abgespeckten Track „Use This Gospel“

hören wir Clipse, einen Synthpop-Tinnitus,

melancholisch brummende

Synthie-Harmonien – und

Kenny GamSaxofon. Genie? Derzeit

sicher nicht. Unterhaltsam und originell?

Aufjeden Fall.

WasJennyBins (r.), Michael Sosna und Andrea Wesenberg auf der Bühne treiben, ist leider arg bieder bis bräsig.

Zum Lachen in den Keller gehen

Das Kabarett „Die Stachelschweine“ feiert sein 70-jähriges Bestehen mit „Überall ist besser als nichts!“

VonIrene Bazinger

Als das Europa-Center 1965

eröffnet wurde,hatte es einen

ungewöhnlichen ersten

Mieter. Dies war das

1949 gegründete Kabarett „Die Stachelschweine“,

das sich im Untergeschoss

einquartierte –und dort bis

heute anzutreffen ist. Kabarett im

Souterrain? Da lag der Scherz nahe,

dass man in Berlin zum Lachen in

den Keller gehen müsse …Aber dort

gab es ja tatsächlich etwas zu lachen

–dank Kabarettisten wie Wolfgang

Gruner, Günter Pfitzmann, Edith

Hancke, Ingrid van Bergen, Achim

Strietzel,Wolfgang Neuss,umdie bekanntesten

zu nennen.

So wurde die Compagnie zu einem

Begriff, und zwar nicht nur in

Berlin, sonderninganz Deutschland

und darüber hinaus. Das ist sie über

all die Jahre geblieben, wenngleich

die Strahlkraft mit der Zeit schwand.

Unddas öffentliche Interesse an politischem

Kabarett, wie es hier gepflegt

wurde, schmolz. Im Trend lag

inzwischen die Comedy, also das

Amüsement über Alltagsgeschichten

und gekonnt aufbereitete Banalitäten.

Seit dem Fall der Mauer gerieten

die „Stachelschweine“ immer

massiver ins Abseits. Die Bühne

VonClemens Haustein

wurde längst vorallem vonTouristen

frequentiert, die sie noch aus dem

Fernsehen kannten. Einheimische,

gar jüngeren Datums, waren kaum

mehr anzutreffen. Deshalb engagierten

die Eigentümerinnen Andrea Ulrich

und Charlotte Reeck, beide

hoch im Rentenalter, imJuni 2018

den Kabarettisten Michael Frowin

als künstlerischen Leiter, um die

„Stachelschweine“ zurück in die Erfolgsspur

zu bringen. Doch nach einem

halben Jahr trennte man sich

nicht im besten Einvernehmen und

suchte nun einen anderen Käufer.

Als Frank Lüdecke davon hörte,

rief er sofort an. Und jetzt ist er, zusammen

mit seiner Frau Caroline,

der neue Eigentümer der „Stachelschweine“.

Der gebürtige Charlottenburger

(Jahrgang 1961) zählt zu

den bekanntesten deutschen Kabarettisten.

Er hat sich bereits früh dem

politischen Kabarett zugewandt und

will die „Stachelschweine“ in diesem

Sinne weiterführen. „Wir wollen zeigen,

dass im Zuge der Politisierung

gerade vieler junger Menschen das

Kabarett genau die richtige Kunstformist.“

Lüdecke hatte sein eigenes Erweckungserlebnis

ebenfalls bei den

„Stachelschweinen“, als ihn sein

Deutschlehrer 1979 dorthin mitnahm.

Er hat seitdem zahlreiche renommierte

Preise abgeräumt, war

Ensemble-Mitglied beim Düsseldorfer

Kom(m)ödchen, von 2006 bis

2008 künstlerischer Leiter der Distel,

tritt regelmäßig bei den Wühlmäusen

auf. Bei all diesen Institutionen

hat er große Veränderungen miterlebt:

„Ich kenne Umbruchsituationen

recht gut und weiß, welche Probleme

da auf einen zukommen. Das

wirdmir bei den ,Stachelschweinen‘

helfen.“ Er sorgte für ein paar bauliche

Veränderungen, um den Neuanfang

überdies äußerlich zu unterstreichen,

zum Beispiel durch eine

kleine Bühne im Foyer, wo sich

Nachwuchs-Kabarettisten ausprobieren

sollen. „Nach sechs Wochen“,

so der hoffnungsvolle Theaterchef,

„können wir sagen, dass die Auslastung

wirklich steigt. Es besuchen

endlich wieder mehr Berliner die

,Stachelschweine‘. Das Haus muss

stärker als Kultureinrichtung für

diese Stadt positioniert werden –

nicht nur für die Touristen, die sind

natürlich stets willkommen, sondern

eben auch für die Einheimischen.“

Der Ansatz, den Frank Lüdecke

und sein Team verfolgen, ist solide

wie lobenswert. Doch ob er mit dem

neuen Programm „Überall ist besser

Wieman Bach teasert

Pedalselig: Ein Klavierabend mit dem Isländer Víkingur Ólafsson

Beim Auftritt erinnertVíkingur Ólafsson an einen Pastorensohn.

Der Verkauf vonKlassik-CDs mag

zurückgehen und der Plattenmarkt

übersättigt sein, große Plattenfirmen

scheinen aber nach wie

vor über ausreichend Markenkraft

und Werbemittel zu verfügen, um

Künstler aus dem Nichts ins große

Rennen zu werfen. So geschehen bei

dem Isländer Víkingur Ólafsson, den

die Deutsche Grammophon seit seinem

Plattendebüt vor drei Jahren

mit Werken von Philip Glass als den

Pianisten des digitalen Zeitalters zu

inszenieren versucht, mal poppig,

mal retro-mäßig vom Cover schauend

mit hartem Seitenscheitel und

Wissenschaftler-Brille.

Beim Auftritt erinnert Ólafsson

eher an einen pausbäckigen Pastorensohn.

Die Ausstrahlung verschiebt

sich ins Knuffige.Wie bei seinem

Klavierabend am Montag im

Konzerthaus zu beobachten –dort

ist er diese Saison Artist in Residence

–, sind ihm dadurch Sympathien besonders

aus der weiblichen, schon

reiferen Zuhörerschaft sicher. Dort

wird amEnde des Abends mit den

Füßen getrampelt und herzhaft gejohlt.

Ob das bei der Deutschen

Grammophon so geplant war? Und

am Konzerthaus, woman gerne auf

den Publicitiy-Zug aufsprang, wohl

in der Hoffnung, ein junges Publikum

anzusprechen?

In einem Sinn ist Ólafsson tatsächlich

ein Pianist des Smartphone-Zeitalters:

als er die Aufmerksamkeitsspanne

seiner Hörer nicht

unnötig herausfordert. Er spielt

kurze Stücke von Johann Sebastian

ARI MAGG

Bach an diesem Abend, Inventionen,

Sinfonien, Bearbeitungen von Kantatenarien

und Orgelstücken, alles

bunt gemischt. Und erspielt diese

Zusammenstellung in einer Weise,

die sich mit einem Wort aus der Medienwelt

beschreiben lässt: Teasern,

das knappe Anreißen eines Themas,

um das Interesse des Lesers zu wecken.

Themen gibt es auch in der

Musik, und bei Bach wandern sie

durch alle Stimmen. Ólafsson liebt

DIE STACHELSCHWEINE

als nichts!“ tatsächlich umgesetzt

werden kann? Man möchte es der

engagierten Truppe wünschen, bloß

ist das, was Jenny Bins, Michael

Sosna und Andrea Wesenberg auf

der Bühne treiben, arg bieder bis

bräsig. Die Nummernrevue mit Texten

von Lüdecke und Sören Sieg

scheint wie mit der heißen Nadel gestrickt.

Die Figuren überzeugen

nicht, die Konflikte bleiben flach, an

Tempo fehlt’s und an Pointen. Ob es

um die zu vielen Touristen in der

Hauptstadt geht oder um abgegriffene

Ost-West-Klischees, um eine

aggressive SUV-Fahrerin oder einen

aufdringlichen Bestatter,obumeine

überforderte Ministerin oder einen

söderhaften Parteitagseiferer, das

junge Ensemble gibt sich Mühe,

kommt aber in der Inszenierung von

Marcus Kaloff nicht von der Stelle.

Am Schluss werden auf eine Leinwand

historische Fotos projiziert

und das Jubiläumslied gesungen, in

dem es heißt: „Schon Heinrich

Heine/ schrieb für die Stachelschweine“.

Nein, das hat er leider

nicht, wie der anämische Abend eindeutig

beweist.

Überallist besserals nichts! 1.,2.,4.,8.,9.,

10.,11.,16.,18.,21.,22.,25.11. und bis 24.2.,

Stachelschweine, Europa-Center,Tel. 261 47 95

es, solche Themeneinsätze deutlich,

zuweilen mit ganz unpastorenhaft

harter Hand, zu markieren. Ist der

Anfang gezeigt, interessiert ihn die

Stimme aber nicht weiter,erlässt sie

fallen und wendet sich der Sensation

des nächsten Themeneinsatzes zu.

DieAufmerksamkeit des Hörers wird

damit auf ständig wechselnde Ereignissse

gelenkt –wenn es keine Stimmeneinsätze

zu markieren gibt,

dann platziert Ólafsson doch wenigstens

knallende Akzente oder angeschärfte

Rhythmen –etwas Großes,

das Bachs Größe gerecht werden

würde,entsteht dabei nicht.

Die Kunst der Phrasierung, also

der Gestaltung weiter Melodiebögen,

scheint der Pianist nicht zu kennen,

ihn interessieren nur Anfänge oder

quadratische Lösungen wie im Fall

der c-Moll-Fuge aus dem ersten Band

des Wohltemperierten Klaviers, dessen

Thema er einfach in Einheitslautstärke

durchnagelt. Auf der Gegenseite

liegt bei Ólafsson die Sentimentalität,

zelebriert etwa in einer eigenen,

pedalseligen Bearbeitung von

„Widerstehe doch der Sünde“ aus der

Kantate BWV 54. Schön ist das nicht.

Undneu auch nicht.

VonMarkus Decker

Der

Antisemitismusbeauftragte

der Bundesregierung, Felix

Klein, hat dafür plädiert, die umstrittene

„Judensau“ an der Wittenberger

Stadtkirche zu entfernen. „Meiner

Einschätzung nach gehörtdie Judensau

ins Museum“, sagte er der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) nach dem Anschlag auf

die Synagoge in Halle. „Dort sollte

man sie mit einem erläuternden Text

versehen.“ Klein fügte hinzu: „An der

Stelle, ander sich die Judensau jetzt

befindet, sollte eine Hinweistafel angebracht

werden. DieTafel sollte aussagen,

dass die evangelische Kirche

mit der Entfernung der Judensau einen

sichtbaren Beitrag zur Überwindung

vonAntijudaismus und Antisemitismus

leistet.“

Zuvorhatten sich IrmgardSchwaetzer,

Präses der Evangelischen Kirche

in Deutschland, und der neue

evangelische Landesbischof in Mitteldeutschland,

Friedrich Kramer,

ebenfalls distanziert. Untersuchungen

zufolge nimmt der Antisemitismus

in Deutschland starkzu.

Die„Judensau“ –ein mittelalterliches

Relief an der Südostfassade der

Kirche im Zentrum der Stadt –stellt

ein Schwein dar, andessen Zitzen

Menschenkinder saugen, die durch

ihre Spitzhüte als Juden identifiziert

werden sollen. Eine durch seinen

Hut als Rabbiner zu erkennende Figur

hebt den Schwanz der Sau und

blickt ihr in den After.Sie wurde 1570

ergänzt durch den Schriftzug:

„Schem Ha Mphoras“ – eine jüdische

Umschreibung für Gott.

Die Stadtkirchengemeinde stellte

2017 fest, dass es sich um ein Relief

handelt, das „die Juden und ihreReligion

karikiertund verspottet“. Sieverweist

darauf, dass 1988 unterhalb des

Reliefs eine Bodenplatte angebracht

worden sei mit dem Schriftzug: „Gottes

eigentlicher Name, der geschmähte

Schem Ha Mphoras, den

die Juden vor den Christen fast unsagbar

heilig hielten, starb in sechs

Millionen Juden unter einem Kreuzeszeichen.“

Sie betont zudem: „Geschichte

soll nicht versteckt werden,

und Geschichtsvermittlung gelingt

am eindrücklichsten am authentischen

Ort“ –wenngleich dies ein„immer

auch schmerzlicher und paradoxer

Prozess“ sei,„weil etwas Negatives

etwas Positives bewirken soll“.

Das mittelalterliche Relief „Die Judensau“

an der Stadtkirche Wittenberg. IMAGO

TOP 10

Montag,28. Oktober

1 Tagesschau ARD 5,1 17 %

2 Bauer sucht Frau RTL 5,0 17 %

3 Die Schatten … ZDF 4,7 15 %

4 heute ZDF 3,8 15 %

5 Wer weiß denn … ARD 3,7 18%

6 heute-journal ZDF 3,5 12 %

7 SOKOPotsdam ARD 3,4 16 %

8 RTL aktuell RTL 3,3 14 %

9 WISO ZDF 3,1 11 %

10 Morden im Norden ARD 3,0 12 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acker Stadt Palast (✆ 441 00 09)

20.00: Rhizome /Before we Die (Justyna Kalbarczyk /

Edith Buttingsrud Pedersen, Philip Kevin Brehse)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Die Parallelwelt

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Fisch zu viert

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.00: Les Contes d’Hoffmann

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

19.30: Zeiten des Aufruhrs

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30: Der Plan vonder Abschaffung des Dunkels

(Junges DT)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Schlagersüsstafel

HAU2(✆25 90 04 27)

19.00: 16 Jahre andcompany&Co. /The &ofHistory:

iNViSiBLE REPUBLiC: #stilllovingtherevolution

Haus der Statistik (Otto-Braun-Str.70-72)

19.30: Ausbreitung Variabel (Novoflot)

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Schachnovelle

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 19.30: RioReiser –Mein Name

ist Mensch

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: 4. Berliner Herstsalon: Common Ground

20.00 Container:4.Berliner Herbstsalon: Stören

20.30 Studio: 4. Berliner Herbstsalon: Mythen der

Wirklichkeit #7: Tyskland (White on White)

Neuköllner Oper (✆ 68 89 07 77)

20.00: Giovanni. Eine Passion (STEGREIF.orchester

und Neuköllner Oper)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

19.30 Studio: The Human Condition

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Staatsoper Unterden Linden (✆ 20 35 45 55)

19.30 Alter Orchesterprobensaal: Linden 21: Love,

youson of abitch

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Berliner Geschichten: Alfred Henschkegenannt

Klabund–Ick baumle mit de Beene

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Varieté Salon: Antiwords (Spitfire Company,

Prag)

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Hiob

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00 3. Stock: Go BabyGo(P14 Jugendtheater)

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die 5glorreichen Sieben (Meret Becker,

Anna Fischer,AnnaMateur,Andreja Schneider und

Katharina Thalbach)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: ZombieBerlin (Benedikt Eichhorn &Unter

Niewo)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: Bitter and Sweet Symphony–Tonarten einer

Beziehung (Nika Weckler &Dominik Wirth)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Wirhaben genug (Ruwe&Valenske)

20.00: Weltretten für Anfänger

Estrel Showtheater (✆ 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: NonSens(Michael Sens &Gäste)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: Kabarett der rote Stuhl(Thomas Kreimeyer)

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Das große 7(DieGorillas)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Christian delaMotte

(Mod.)

Schlot (✆ 448 21 60)

20.00: Berlin in einem Zug –die abgefahrenste

Latenight-Showder Hauptstadt (Lars Redlich, Tino

Andrea Honegger &Gäste)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue ManGroup –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

18.30: Mamma Mia! –Das Musical mit den Hits

vonABBA

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: MathiasRichling #2019

KLASSIK

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

14.00: Espresso-Konzert

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: 3. Internationaler Berliner Musikwettbewerb –

Preisträgerkonzert

Pierre BoulezSaal (✆ 47 99 74 11)

19.30: Staatskapelle Berlin, Ltg.Oksana Lyniv,Yury

Shadrin(Klavier), Richard Wagner:Siegfried-Idyll;

Franz Liszt: „Malédiction“ für Klavier und Orchester;

Valentin Silvestrov: Serenadefür Streicher;Sergej

Prokofjew: Symphonie Nr.1D-Dur op. 25 „Symphonie

classique“

KINDER

Archenhold-Sternwarte (✆ 536 06 37 19)

10.30: Stups, diekleine Sternschnuppe

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

9.30,11.00 Studio: Bei derFeuerwehr wird der

Kaffee kalt, Das Weite Theater (ab 3J.)

10.30: Albirea –Nur ein Kind kann die Welt retten,

Fantasy-Singspiel mit Video-Mapping,Kammerorchester

und Chor (ab 10 J.)

Ballhaus Ost (✆ 44 03 91 68)

9.00, 11.30: Fennymore oder Wieman Dackel im

Salzmantel macht, Kirsten Reinhardt &Sebastian

Mauksch, Interaktive Schauspiel-Performance (ab

9J.)

Das weite Theater (✆ 991 79 27)

10.00: Das kleine Ich bin Ich (ab 3bis 5J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00: Sterntaler (ab 4bis 9J.)

FEZBerlin (✆ 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich –Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

:Hase und Igel, Nicole Weißbrodt, Erzähltheater mit

Objekten (ab 3J.)

Fliegendes Theater (✆ 692 21 00)

10.30: Rumpelstilzchen, Fliegendes Theater,Figurentheater

(ab5bis8J.)

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Anton macht’sklar (ab 8J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

Planetarium am Insulaner (✆ 7900930)

9.30: Sonne, Mond &Sterne

11.00: Mit Raketen zu Planeten

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Die Geschichte vomheiligen Martin (ab 4J.)

Puppentheater Felicio (✆ 44 67 35 30)

10.00, 16.30: Marionettenzirkus Piccoli eGrandi

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

16.00: Der gestiefelte Kater,Puppentheater-Märchen

(ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

10.00: Die Bremer Stadtmusikanten, Ulrich Müller-

Hönow

Buchvorstellung I

Ein Jahr

zu

wenig

Halina Birenbaum ist 1929

geboren. Damit fehlte ihr

das entscheidende Jahr, als sie

im Juli 1943 in das KZ Majdanek

und vondortnach Auschwitz-Birkenau

deportiertwird.

Als Kind hätte sie keine Überlebenschance

gehabt. Siewagt

den Sprung, macht sich zur Erwachsenen

und überlebt. Am

2. Mai 1945 wird sie von der

Roten Armee im Lager Neustadt-Glewebefreit.

Ihre Eltern

und ein Bruder wurden ermordet.

1947 gelingt ihr die Einwanderung

in Palästina, wo sie

zunächst in Kibbuzim arbeitet.

1950 heiratet sie Henryk

Birenbaum und bekommt

zwei Söhne. In ihrem Buch

„Ich suchte das Leben bei den

Toten“ (Metropol 2019), das

hier vorgestellt wird, beschreibt

sie ihreErinnerungen

an ihreFamilie,ihr Leben in Israel

und was es bedeutet, in

Polen und Deutschland Zeitzeugin

zu sein. Susanne Lenz

Ichsuchte das Leben bei denToten

18 Uhr,Ehemaliges Jüdisches Waisenhaus,

BerlinerStraße 120/121

Jordi Savall macht auch bei den

„Barocktagen“ mit.

CONSTANZE ZACHARIAS

Die Staatsoper veranstaltet

oft, wenn die Staatskapelle

auf Reisen ist, „Barocktage“.IndiesemJahr

ist die Kapelle nur ein paar Tage in Parisund

wirdauchimKammermusikbereich

zu den Barocktagen beitragen;

bei der großen Premiere von

Alessandro Scarlattis „Ilprimo omicidio“

dirigiert René Jacobs jedoch das

belgische „B’rock“-Orchester auf Originalinstrumenten.

Mitdabei im Programm

ist auch der unermüdliche

Jordi Savall mit seinem „Concert des

Nations“, und der Rias-Kammerchor

führt mit italienischen Madrigalkomödien

und englischen Masqueszurück

zu den„Wurzeln der Oper“.

Allerdings waren die angekündigten

John Blow oder Henry Purcell

weniger mit irgendwelchen Wurzeln

befasst, als dass sie die längst florierende

italienische Oper mit der anders

gearteten heimischen Theatertradition

zu verbinden versuchten:

150 Jahre später noch schrieb Carl

Maria von Weber seinen „Oberon“

eher als Einlagenmusik für eine Art

des Musiktheaters, das der Sprache

viel größeren Raum einräumt. Während

andererseits Orazio Vecchi, der

Peter Uehling

bewundertdie Fantasie der Alten Musik-

Szene, in ihrem Repertoire neue Ideen zu

entwickeln: Der schmale Grat zwischen

Anregung und Kitsch garantiertLebendigkeit.

Womit nichts gegeneine sorgfältigeund

temperamentvolle Interpretation

nach traditionellen Maßstäben gesagt

sein soll

zwei Jahre vor der Uraufführung von

Monteverdis Ur-Oper „L’Orfeo“ starb,

in seiner Madrigalkomödie „L’Amfiparnasso“

über das wichtigste technische

Mittel zum Opern-Komponieren,

den Generalbass, schlicht noch

nicht verfügte: So war die eine singende

Person, die instrumental und

harmonisch begleitet wird, ihm noch

nicht vorstellbar. Harmonie aber

musste sein –also bleibt nichts übrig

als mehrstimmiger Gesang, der aber

nicht im dramatischen Sinne bühnenwirksam

ist.

„Barocktage“ –unter solchem Titel

erwartete man früher Aufklärung

darüber, wie es noch früher wirklich

gewesen ist, wie es wirklich geklungen

hat. Diesen Anspruch hat man

weitgehend fahren gelassen. Niemals

hätte man früher einen Pianisten

wie Christian Zacharias eingeladen,

der, wie geistreich auch immer,

Scarlatti-Sonaten oder Bach-Fugen

auf dem Konzertflügel spielt! Dieses

Instrument kannten die Komponisten

doch noch nicht! Diese Farben

hatten sie nicht im Sinn! Daskommt

ja einer Bearbeitung gleich!

Und schon kommt die Szene mit

Bearbeitungen in Massen um die

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Ich war noch

niemals in NewYork 14.30, 17.20, 20.15

Cinema Paris (✆ 881 3119) Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles 15.30, 20.30; Der Glanz

der Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Parasite 14.00,

17.00,20.00

Delphi LUX (✆ 322 931040) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 15.20, 18.10, 21.00; Joker (OF)

15.15,18.00, 20.00, 20.45;Deutschstunde 14.30,

17.15, 20.00; Systemsprenger 14.00, 19.00; Das

Kapital im 21. Jahrhundert 16.40; Lieber Antoine

als gar keinen Ärger 15.30; Lieber Antoine als gar

keinen Ärger –Enliberte! (OmU) 21.00; Parasite –

Gisaengchung (OmenglU) 14.30, 21.40; Der Glanz

der Unsichtbaren 17.30; M. C. Escher: Reise in die

Unendlichkeit 14.00; Nurejew – The White Crow

(OmU) 16.00; Downton Abbey (OmU) 18.40; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Ich war noch niemals

in NewYork 17.30, 20.00;After the Wedding 17.45;

Deutschstunde 20.15

Kant Kino (✆ 319 98 66) Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 15.40; Joker 17.40, 20.30; Ich

warnochniemals in NewYork15.00, 17.45, 20.20;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

15.15;After the Wedding 17.20, 20.00; Zoros Solo

15.15,20.00; Leid und Herrlichkeit 17.20;Nurejew

–The White Crow 14.40, 17.20, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) Joker 13.50,

16.45, 19.45, 22.55; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.30, 17.15; Preview: Das perfekte

Geheimnis 20.00; Joker (OF) 22.50; Die Addams

Family 15.15; 3D: Gemini Man 17.45, 23.15; Joker

(OF) 20.30; Downton Abbey 14.30; Terminator

–DarkFate 17.20; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

20.20, 23.10; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.10; Joker (OF) 17.20; Terminator

–Dark Fate 20.10, 23.10; Die drei !!! 14.00; Die

Addams Family 16.20; Dem Horizont so nah 18.30;

Gemini Man 21.15; Gemini Man 15.00; Ad Astra

–Zuden Sternen 17.45; Once Upon aTime in...

Hollywood 20.30

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Joker (OmU)

11.00; Datsche 13.15; The Dead Don‘t Die (OmU)

14.45; Die Geldwäscherei –The Laundromat (OmU)

16.30; Der Glanz der Unsichtbaren 18.15; Systemsprenger

20.00; Es: Kapitel II–It: Chapter Two(OF)

22.10; Paranza: Der Clan der Kinder 11.00;

Unsere große kleine Farm – The Biggest Little

Farm(OmU) 12.45; Cleo (OmenglU) 14.15; Ready

or Not? –Auf die Plätze, fertig, tot (OmU) 15.50;

The King (OmU) 17.30; After the Wedding (OmU)

19.50; Preview: Halloween Haunt 21.45; Easy Love

(DFmenglU) 23.15; Yesterday (OmU) 11.00; Gelobt

sei Gott 13.00; M.C.Escher: Reise in die Unendlichkeit

–Escher: Het oneindige zoeken –Journey

Into Infinity (OmU) 15.20; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 16.45; Joker 18.15; Joker (OmU)

20.20,22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29)Und derZukunft

zugewandt 14.00; Systemsprenger 16.00; Das Kapital

im 21. Jahrhundert–Capital in theTwenty-First

Century (OmU) 18.15; Gelobt sei Gott –Grace a

Dieu (OmU) 20.15; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.45; Über Grenzen –Der Film einer

langen Reise 14.00; Memory Games (OmU) 16.15;

Lebe schon langehier18.00; M. C. Escher: Reise in

die Unendlichkeit –Escher: Het oneindige zoeken

–Journey Into Infinity (OmU) 19.45; Die Insel der

hungrigen Geister –Island ofthe Hungry Ghosts

(OmU) 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Ich war noch niemals

in NewYork 13.45,16.45,19.45;Angry Birds

2: Der Film 13.45, 16.50; Terminator –Dark Fate

14.00, 16.30, 17.00, 19.45, 20.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00; Joker 14.10,

17.10,20.30,20.45,21.00; Dora und die goldene

Stadt 14.10, 16.50; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.15, 17.50; Lino: Ein voll verkatertes

Abenteuer 14.20; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.45, 20.45; Gemini Man 14.45, 19.30;

Dem Horizont so nah 14.45, 17.45; Die Addams

Family 15.00; 3D: Der König der Löwen 15.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 15.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil

(OF) 16.15; Gutgegen Nordwind 16.15; 3D:Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.40,21.00; Downton

Abbey 17.45; Spider-Man: Far From Home 18.00;

3D: Die Addams Family 18.00; Joker (OF) 19.15;

Terminator –Dark Fate (OF) 19.30; Preview: Halloween

Haunt 20.00; Preview: Das perfekte Geheimnis

20.00; 47 Meters Down: Uncaged 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Easy Love (OmenglU) 20.20;

Skin (OmU) 22.10; Nevrland (OmU) 18.00,23.10;

Weitermachen Sanssouci(OmenglU) 19.45;Bonnie

&Bonnie (OmU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Joker 13.40,

17.00, 20.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

13.40; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

13.50, 16.40, 19.40; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.00; Angry Birds 2: Der Film 14.10;

Bayala – Das magische Elfenabenteuer 14.15,

16.50; Die Addams Family 14.20, 17.10; Ich war

noch niemals in New York 16.20, 20.10; Dora und

die goldene Stadt 16.30; Terminator –Dark Fate

16.50, 19.50; Es: Kapitel II 19.20; Preview: Das

perfekte Geheimnis 19.45; Gemini Man 19.50

Kino Kiste (✆ 998 7481) Deutschstunde 13.45;

3D: AToy Story: Alles hört auf kein Kommando

16.00; Downton Abbey 17.50; Gelobt sei Gott

20.05

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) Joker 14.10,

17.10, 20.20; Ich war noch niemals inNew York

14.20,16.50,19.30; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.30, 17.20, 20.00; Dora und die goldene

Stadt 14.30, 17.00; Angry Birds 2: Der Film 14.30;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.50; Die Addams

Family 14.50, 17.15; 3D: Die Addams Family

14.50; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

15.00,17.20;Terminator–Dark Fate 17.00,19.50;

Der König der Löwen 17.10; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 17.15, 19.30; Gemini Man 19.40;

Es: Kapitel II 19.50; Preview: Halloween Haunt

20.00; Preview: Das perfekte Geheimnis 20.00

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Joker (OmU) 16.45,

19.30, 22.15; B Ad Astra –Zuden Sternen (OmU)

18.00; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.40

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Born inEvin

–Alles über Evin (OmU) 17.30; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.00, 20.30; Weitermachen Sanssouci

(OmenglU) 19.30; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 21.15

Moviemento (✆ 692 4785) Benjamin Blümchen

12.15; Mein Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo!

14.30; Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

16.45; Pornfilmfestival: Jonathan Agassi Saved My

Life (OmenglU) 19.00; Pornfilmfestival: Berlin Porn

Shorts I(OmenglU) 21.30; Systemsprenger 10.00,

12.45, 15.30, 18.15, 21.00; Prelude 13.00; Das

Kapital im 21. Jahrhundert –Capital in the Twenty-

First Century (OmenglU) 15.15; Midsommar (OmU)

17.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

20.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Kinderfilm des Monats:

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

15.00; M. C. Escher: Reise indie Unendlichkeit –

Escher: Het oneindige zoeken –Journey Into Infinity

(OmU) 17.00; Systemsprenger 18.30; Bonnie &

Bonnie (OmenglU) 20.30; Once Upon aTime in...

Hollywood (OmU) 22.00; Lebe schon lange hier

15.00; Born in Evin –Alles über Evin (OmU) 16.45;

Deutschstunde 18.30; Skin (OmU) 20.30; Ad Astra

–Zuden Sternen (OmU) 22.30; Kinobar imSputnik

CatVideoFest 2019 (OmU) 20.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Parasite 14.20, 17.10,

20.00; New Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00; Der Glanz der Unsichtbaren 16.00, 20.50;

Systemsprenger 18.15

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 5389590) Die Addams Family

14.00, 16.00, 18.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.00, 15.50; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 15.00, 17.30, 20.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.15; Dora und die

goldene Stadt 15.15; Ich war noch niemals inNew

York 17.15, 20.00; Terminator –Dark Fate 17.30,

20.30; Joker 17.45, 20.15; Bruce Springsteen:

Western Stars 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Ich war noch

niemals inNew York 10.00, 13.00, 17.45, 20.30;

Lieber Antoine als gar keinen Ärger 10.15, 15.45,

18.00; M. C. Escher: Reise indie Unendlichkeit

10.30; Dora und die goldene Stadt 13.00; Der

Glanz der Unsichtbaren 13.00, 18.15; Joker 15.15,

20.30; Der Junge muss an die frische Luft 15.15;

Preview: Das perfekte Geheimnis 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00; Joker 14.00,

17.00, 20.00; Dora und die goldene Stadt 14.00,

17.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.15; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.15;

Die Addams Family 14.30; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.30, 17.30; Angry Birds 2:Der

Film 14.30, 17.15; Ich war noch niemals in New

York 16.30, 19.45; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.45, 19.40; Terminator – Dark Fate

17.00,19.45; 3D: Die Addams Family 17.00; Dem

Horizont so nah 19.45; Preview: Halloween Haunt

20.00; Gemini Man 20.00; Preview: Das perfekte

Geheimnis 20.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Deutschstunde 18.45; The Wild

Boys –Les garcons sauvages (OmenglU) 21.00;

Born inEvin –Alles über Evin (OmU) 18.00; Mein

Leben mit Amanda (OmU) 20.00; Dunkel, fast

Nacht –Ciemno, prawie noc 22.00

Babylon (✆ 242 59 69) Nurejew –The White Crow

(OmU) 11.00; Nurejew –The White Crow 11.05;

Late Night –Die Show ihres Lebens (OmU) 17.00;

Refugees Film Festival: The March ofHope (OmenglU;

m.Gast) 17.15; FFRB: Reviver (OmenglU; m.

Vorfilm u. Gast) 17.30; Refugees Film Festival: La

balade d‘Ivan –The Wanderings of Ivan (OmenglU;

m. Gast) 19.00; FFRB: Cidade dedeus: 10 anos

depois –City of God: 10Years Later (OmenglU)

19.00; Grenzgebiet (OmenglU; m. Gast) 19.30;

FFRB: Kurzfilmprogramm: Society Displaced, Outsider

and Refugees (OmenglU; m. Gast) 21.00;

Refugees Film Festival: Fremde im Herzen Europas

–Strangers in the Heart ofEurope (u.a. Kurzfilme;

m. Gästen) 21.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Lysis

13.30; Joker (OmU) 15.30, 18.15, 21.00; Der

kleine Maulwurf (1963-1975) 10.00; Midsommar

(OmU) 12.30; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.15; Lieber Antoine als gar keinen Ärger –En

liberte! (OmU) 17.00,19.30; Joker (OmU) 22.00

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU) 14.30; Nurejew – The White Crow

(OmenglU) 16.30; Systemsprenger (DFmenglU)

19.15; Joker (OmU) 21.45; Weitermachen Sanssouci

(DFmenglU) 15.00, 19.00; M. C. Escher: Reise

in die Unendlichkeit (EnglmdtU) 17.00; Parasite

(OmenglU) 21.00; Parasite (OmU) 14.30, 19.30;

BrittanyRunsaMarathon(OmU) 17.15; Once Upon

aTime in... Hollywood (OmU) 22.15; Deutschstunde

14.45; Joker (OmU) 17.15, 20.00, 22.30; Easy

Love 14.45, 21.15; Der Glanz der Unsichtbaren –

Les invisibles (OmU) 16.45, 19.00

International (✆ 24 75 60 11) Joker(OmU) 15.00,

21.00; Parasite 18.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Berliner Herbstsalon:

Videoprogramm (Tashlikh –Cast Off) 16.00;

Eva und Adam oder drum prüfe! 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

10.00, 14.30; Joker 14.00, 17.05, 19.50, 20.00;

Terminator –Dark Fate 14.10, 16.50, 19.55; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.20, 17.05, 19.30;

Die Addams Family 14.20; Dora und die goldene

Stadt 14.30, 17.10; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.50, 17.10; Gloria: Das Leben wartet

nicht 15.00; 7. Kogustaki Mucize –DasWunder

in Zelle Sieben 16.40, 19.45; Ich war noch niemals

in NewYork 16.55, 19.55; Gemini Man 17.00; 3D:

Die Addams Family 17.10; Terminator –Dark Fate

(OF) 19.30; Preview: Halloween Haunt 20.00; Preview:

Das perfekte Geheimnis 20.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Midsommar (OmU)

10.00, 21.50; Diego Maradona (OmenglU) 13.30;

Brittany Runs aMarathon (OmU) 16.00; Systemsprenger

(DFmenglU) 17.50; Shorts Attack –Big

Data: Kommunikation in Ekstase (OmU) 20.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Joker (OF) 16.45,

19.30; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 22.15

Passage (✆ 68 23 70 18) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30, 21.40; Deutschstunde 14.40,

17.20,20.00; Systemsprenger 16.20,19.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 17.10, 20.00; Joker (OF) 17.45, 20.30,

22.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 15.40,

18.30, 21.20; Parasite – Gisaengchung (OmU)

16.10, 19.00, 21.50; Systemsprenger (OmenglU)

16.00; Leid und Herrlichkeit –Dolor ygloria

(OmenglU) 19.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00; Die Addams

Family 14.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 14.30; Dora und die goldene Stadt 14.40;

Bayala – Das magische Elfenabenteuer 14.50,

17.10; Angry Birds 2: Der Film 15.00; Terminator

–Dark Fate 16.30, 19.30; Ich war noch niemals in

New York 16.40; Joker 17.00, 19.40; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.20, 20.10; 3D: Die

Addams Family 17.30; Preview: Das perfekte Geheimnis

20.00; Preview: Halloween Haunt 20.15;

Gemini Man 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) AdAstra –Zuden Sternen

(OmU) 12.00; Wajib –Die Hochzeitseinladung

(OmU) 12.00; Systemsprenger (OmenglU) 14.00;

Born inEvin –Alles über Evin (OmU) 15.00; Easy

Love (OmenglU) 19.10; Weitermachen Sanssouci

(OmenglU) 19.20; Die Insel der hungrigen Geister

–Island of the Hungry Ghosts (OmU) 21.00; Bait

(OmU) 21.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Deutschstunde

15.00; Parasite 17.40, 20.30; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.15; Ich war noch

niemals in NewYork 17.15, 20.00


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 25

· ·

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Tagestipp

KALENDER

Ecke,eigentlich spielen nur noch die

Traditionsensembles wie Freiburger

Barockorchester oder Akademie für

Alte MusikjeneWerke, für die ihreInstrumente

gedacht sind. EinEnsemble

wie die Lautten Compagney, die

an diesemWochenendeihr 35-jähriges

Bestehen feiert, pflegt eine Riesenspannweite

von Bearbeitung,

wenn sie Stücke aus Bach-Kantaten

instrumental aufführt, bis Crossover,

wenn sie Minimal Music mit früher

Barock- oder Renaissance-Musik

kombiniert auf eine Art, dass man

unsicher wird, wo das eine anfängt

und das andere aufhört: Auf der aktuellen

CD„Circle Line“ wirddie Musik

Guillaume Du Fays,der noch mit

einem Fuß imMittelalter steht, mit

Musik von Philip Glass und Steve

Reich zusammengeführt –und das

auf ganz andere Art und Weise, als

man es von der Echo-ausgezeichneten

CD „Timeless“ kennt: Diese CD

schwebte,die aktuelle dagegen ist irdisch,

bodenständig, kraftvoll.

Am Sonntag spielen kurz hintereinander

das Rundfunk-Sinfonieorchester

und das Deutsche Symphonie-Orchester

–und auch hier kann

man das Konzept weiterverfolgen:

Dieses

Instrument

kannte Scarlatti

nicht

KLASSIK

Lautten Compagney &Bach: 1. 11.,

19:30, Elisabeth-Kirche, Invalidenstr.4a

Jordi Savall: 2. 11., 11 Uhr,Staatsoper

Unter den Linden, 3. 11., 15 Uhr,Pierre-

Boulez-Saal, Französische Str.33d

Christian Zacharias: 2. 11., 15 Uhr,

Pierre-Boulez-Saal

Lautten Compagney &Circle Line:

2. 11., 19 Uhr,Elisabeth-Kirche

RSB: 3. 11., 16 Uhr,Philharmonie,

Herbert-von-Karajan-Str.1

DSO: 3. 11., 20 Uhr,Philharmonie

In der Alten Musik wird längst

nicht mehr nur alte Musik gespielt –

Rias-Kammerchor: 5. 11., 19.30 Uhr,

Pierre-Boulez-Saal

zu ihrer Vermittlungwerden

unterschiedlichste Wege

begangen

So hat Vladimir Jurowski beim RSB

vor dem „Deutschen Requiem“ von

Johannes Brahms Motetten von

Heinrich Schütz aufs Programm gesetzt,

denen der gleiche Bibeltext zugrundeliegt

wie den Sätzen des

„Deutschen Requiems“ –nicht geistlos,

weil Brahms als einer der ersten

Komponisten über breite Kenntnis

des Repertoires vor Bach verfügte

und sich vonden sogenannten Alten

Meisternauch anregen ließ. Aber natürlich

vertraute er nicht wie Schütz

auf die musikalische Lesung des Textes;

seiner Absicht, Trost für die Hinterbliebenen

zu spenden, konnte

nur eine Musik entsprechen, die

selbst tröstende Gebärde ist.

Beim DSO dagegen begegnet einem

ein ähnlicher historischer Abstand,

nur ist er leicht in unsere Zeit

verschoben: Mozarts „Prager“ Symphonie

steht der Dritten des in Prag

ausgebildeten Bohuslav Martinu gegenüber,

eines ähnlich klassizistischen

und ähnlich leichthändig produzierenden

Komponisten wie Mozart.

Mit Roger Norrington dirigiert

ein Vertreter der Alten Musik, den es

früher als andereins 19. Jahrhundert

gezogen hat.

Buchvorstellung II

Reisender

mit

Zeichenstift

Alexander von Humboldt

war nicht nur Reisender,

Wissenschaftler und Autor,

sondern auch Zeichner und

Grafiker.Inseinem Nachlass in

Berlin und in Krakau befinden

sich Hunderte Blätter, die Naturobjekte,

Kunstwerke und

Apparate darstellen. Dieses

Material wird nun erstmals im

Druckpräsentiert. DerBand ermöglicht

es, die Zeichnungen

mit den Stichen zu vergleichen,

die nach ihrer Vorlage veröffentlicht

wurden und so den

Entstehungsprozess vonHumboldts

Werken nachvollziehbar

machen. Seine Skizzen dienten

ihm nicht nur dazu, Gegenstände

der Naturforschung naturalistisch

abzubilden. Sie erlaubten

ihm auch, neues Wissen

modellhaft darzustellen.

Die Herausgeber, Dominik

Erdmann und Oliver Lubrich,

stellen hier „Das zeichnerische

Werk Humboldts“ dem Publikumvor.

Frank Junghänel

Buchpräsentation 19 Uhr, me Collectors

Room,Auguststraße68. Anmeldung

unterregistration@me-berlin.com

Schillertheater-Werkstatt (Bismarckstr.110)

16.00: Shut up and Dance (ab 9J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Kasper undder Farbenklau, Kindertheater

Mobil

Strahl.Halle Ostkreuz (✆ 69 59 92 22)

11.00: Klasse Klasse, Masken-Beatbox-Theater (ab

13 J.)

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Die Unbehausten –Das Battle um die Stadt

(ab 11 bis 15 J.)

Theater Lichterfelde (✆ 84 31 46 46)

10.00: Schlaf jetzt,Willi!, Theater Vagabunt, Puppentheater

(ab 3bis 10 J.). Anm. erf.

Theater Mirakulum (✆ 449 08 20)

10.00: Die kleine dickeRaupe Nimmersatt, Thomas

Mierau, Puppenspiel(ab 3bis 10 J.). Anm. erf.

theater strahl probebühne (✆ 69 59 92 22)

9.00, 11.00: Spaaaß, InterAktives Theater zum Thema

Mobbing für Keenies (5. bis 7. Klasse) (ab 12 J.)

Theater Zitadelle (✆ 335 37 94)

10.00: HerrWolf und die sieben Geißlein, Gastspiel

Schäfer-Produktion (ab 5J.)

LITERATUR/VORTRAG

AHA Berlin e. V. (✆ 89 62 79 48)

20.00: Slam des Westens in the Dark, Mod.: Volker

Surmann

Backfabrik (✆ 44 03 16 11)

20.00 Clinker Lounge: Für mich soll es Neurosen

regnen. Mein Leben mit Zwangsstörungen, Peter

Wittkamp, Buchpräsentation Mod.: Shelly Kupferberg

Buchbox! Bötzowkiez (✆ /42 80 32 45)

20.00: Lasst uns reden!, Stefanie Molthagen-Schnöring

und DietmarMolthagen, Buchvorstellung

Ephraim-Palais (✆ 240 02 -1 62)

18.00: Ost-Berlin erlesen: „Waldsiedlung Wandlitz“,

Dr.Jürgen Danyel, Dr.ElkeKimmel

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Schöner als überall, Kristin Höller,Lesung und

Gespräch mit Marius Hulpe und Miku Kühmel, Mod.:

Hanne Reinhardt

Literaturhaus Berlin (✆ 887 28 60)

19.30: Berlin. Biographie einer großen Stadt, Jens

Bisky,Mod.: PiekeBiermann

me Collectors Room Berlin (Auguststr.68)

19.00: „Das zeichnerische Werk“ vonAlexander von

Humboldt, Dominik Erdmann und OliverLubrich,

Buchpräsentation, Anm. erb.bis 27.10.2019 unter:

registration@me-berlin.com

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00: Tonatiuh oder Apokalypse in Pasewalk, Daniel

Marschall, Buchpremiere

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: LiteraturLive: Hufeland, EckeBötzow, Lea

Streisand, Buchpremiere, Moderation mitMarion

Brasch

Theaterforum Kreuzberg (✆ 70 07 17 10)

20.00: Caroline Schlegel-Schelling oder die Dame

Luzifer,Beate Krützkamp und Anemone Poland

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Liebeserklärungen, Wladimir Kaminer

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00 Großes Haus: Best of PoetrySlam, Aron Boks,

Tanasgol Sabbagh, Noah Klaus, Bas Böttcher,Sebastian

23, Moderation: Wolf Hogekamp, Julian Heun

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: Christoph Pepe Auer,White Noise

Acud Macht Neu (✆ 98 35 26 13)

20.00Club: ShanaCleveland

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Brit Floyd –Pink FloydShow

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Spielleute-Session

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: Solly

Auster Club (✆ 611 33 02)

19.30: Fangclub

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Robin’sNest Jam Session

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.30: The Parlotones

Badenscher Hof Jazzclub (✆ 861 00 80)

21.00: Roland Satterwhite’sTolyqyn, Blue Wednesday

Show

Bar Tausend (✆ 41 71 54 69)

21.00: The Mighty Mocambos, WednesdayLive

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

21.00: MorMor

Café Lyrik (✆ 44 31 71 91)

19.30: Trio Scho

Donau115 (Donaustr.115)

20.30: Atrin Madani &Alex Ruess Duo, special

guests: Asger Uttrup Nissen (as), Philip Dornbusch (ts)

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

21.00: La Brigida Orquesta

Kleine Weltlaterne (✆ 892 65 85)

21.00: Otto Hamborgs Viertakter

Mercedes-Benz Arena (✆ 20 60 70 88 99)

20.00: An Evening withMichael Bublé

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: Circa Waves

20.00: Willie Jones &Tyler Rich,support: Tenille Arts,

CountryMusic Week

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: Thibault Falk

Panda (✆ 44 31 95 57)

20.00: Sasha Pushkin

20.30: Hilbig /Vandeweyer/Allemano/Martinez

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

21.00: Bears of Legend

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Jovi’sMainstream Session –Rock &Pop

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Heathe, thirsty &miserable

SO36 (✆ 61 40 13 06)

20.00: The BouncingSouls, support: The Dirty Nil,

Death by Stereo

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

21.00: Radiorgasmo, Wild Wednesday

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: James Sunburst &Lars VegasBand

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

21.00: Super Funky Soul Wednesdays feat. Ingrid

Arthur

CLUB

Begine (✆ 215 14 14)

19.00: Karaokeparty

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

23.00: Bass Station, SelektaMik, Bass Station

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Shantinism, Neobeo, Leuchtturm

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: Die Musiktherapeuten, Jri &MissVergnügen

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Ping Pong Club

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 21.00: Hippie-okewith Supernoa

Solar Berlin (✆ 016 37 65 27 00)

14.00: IbizasoulonBerlin, Rene Goldman

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor NewFaces hosted by Refracted, Ario,

!nertia

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchen swingt, Evan &Friends

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

19.00: El Ocaso –TangoArgentino

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Joker

16.15, 20.45; Joker (OmU) 18.00; Preview: Verteidiger

des Glaubens 19.00; Parasite 14.20, 17.10,

20.00,22.00; Fritzi 14.45; Systemsprenger 16.45,

19.20;Shaun das Schaf:UFO-Alarm 15.45; Parasite

(OmU) 20.30; Deutschstunde 15.15, 17.45

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Ich war noch niemals inNew York 13.45, 16.10,

19.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 13.45;

Angry Birds 2: Der Film 13.50; Maleficent: Mächte

der Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil (OmU)

14.00, 16.45, 19.30, 22.30; Joker (OmU) 14.00,

17.00, 20.00, 23.00; Das Kapital im 21. Jahrhundert

–Capital in the Twenty-First Century (OmU)

14.00; Systemsprenger 14.20, 18.00; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.45, 17.15; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.50; Deutschstunde

16.30, 19.20; Parasite 17.00, 19.40, 22.50;

Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles (OmU)

17.00; Preview: Das perfekte Geheimnis (m. Gästen)

19.45; Preview: Lara 20.30; Lieber Antoine als

gar keinen Ärger –Enliberte! (OmU) 20.50; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 22.00; Midsommar

(OmU) 22.15; Ad Astra –Zuden Sternen

(OmU) 22.30

Krokodil (✆ 44 04 92 98) The Secret ofaLeader

–Das Geheimnis eines Leaders (OmU; m. Gast u.

Gespräch) 19.00; Vulkan –Volcano (OmU) 21.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Lebe schon lange

hier 17.15; Born in Evin –Alles über Evin (OmU)

18.45; On the Beach at NightAlone–Bamui haebyun-eoseo

honja(OmenglU) 20.30; Easy Love 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.15; Joker 14.15,

16.45, 19.55, 22.50; Der König der Löwen 14.15,

16.50; Angry Birds 2:Der Film 14.20; Dora und

die goldene Stadt 14.25, 16.55; Bayala – Das

magische Elfenabenteuer 14.25, 17.10; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 14.30; Die Addams

Family 14.35; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.50, 17.10; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.50; Ich war noch niemals in New

York 16.45, 19.50; Terminator –Dark Fate 16.55,

19.35, 22.45; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

17.05, 20.00, 23.00; 3D: Die Addams Family

17.05; Dem Horizont so nah 17.15; Once Upon a

Time in...Hollywood 19.25,22.25; Systemsprenger

19.30; Downton Abbey 19.30; Preview: Halloween

Haunt 20.00; 3D: Gemini Man 20.00, 22.45; Preview:

Das perfekte Geheimnis 20.00; Es: Kapitel II

22.20; Midsommar 22.30; Rambo 5: Last Blood

22.55; 47 Meters Down: Uncaged 23.00

Zeiss-Großplanetarium (✆ 42 18 45 12) Mein

Lotta-Leben –Alles Bingo mit Flamingo! 10.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Ich war

noch niemals inNew York 13.20, 19.30; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 13.40; Dora und

die goldene Stadt 13.40; Angry Birds 2:Der Film

13.40;Terminator –Dark Fate 13.50, 17.00, 20.15;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 13.50,

16.50, 20.05; Joker 13.50, 16.30, 20.10; Bayala

–Das magische Elfenabenteuer 14.40, 17.00; Die

Addams Family 14.45, 17.15; Maleficent: Mächte

der Finsternis 16.20; Systemsprenger 16.30; Der

König der Löwen 16.30; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 17.10; 47 Meters Down: Uncaged 19.40;

Preview: Das perfekte Geheimnis 19.45, 20.00;

Preview: Halloween Haunt 20.00; 3D: Gemini Man

20.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Deutschstunde 14.45; Lieber Antoine alsgar keinen

Ärger 17.35, 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Und der Zukunft zugewandt

18.00; Nurejew –TheWhite Crow 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Joker (OmU) 15.00,

17.45, 20.30

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.15;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 10.00; Die Addams

Family 10.00, 12.00, 14.00; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 10.00, 11.55, 13.50,

15.50; Angry Birds 2: Der Film 10.00; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.05, 14.30, 17.10;

AToy Story: Alles hört auf kein Kommando 12.05;

Joker 14.20,17.10, 20.40; Gloria: Das Leben wartet

nicht 15.00; 3D: Die Addams Family 16.05;

Terminator –Dark Fate 17.10, 20.45; Ich war noch

niemalsinNew York 17.55, 20.05; DemHorizontso

nah 18.10; Preview: Halloween Haunt 20.00; Preview:

Das perfekte Geheimnis 20.00

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Systemsprenger

13.00, 17.45; Downton Abbey 15.15,

20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Ich war noch niemals

in NewYork 14.30, 17.30, 20.30

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.10; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

10.00, 12.15, 14.25, 17.15, 20.15, 23.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 10.00, 12.40; Dora

unddie goldene Stadt 10.00,12.25, 14.20, 16.55;

Die Addams Family 10.00, 12.10, 15.05; Bayala

–Das magische Elfenabenteuer 10.00, 12.15,

14.55, 17.00; Angry Birds 2: Der Film 10.00,

12.10, 14.30; Joker 14.20, 17.10, 20.05, 23.00;

Gloria: Das Leben wartet nicht 15.00; Terminator –

Dark Fate 17.05, 20.15, 22.45; 3D: Die Addams

Family 17.15; Gemini Man 17.30, 23.00; Dem

Horizont sonah 19.25; Preview: Halloween Haunt

20.00; Preview: Das perfekte Geheimnis 20.00;

Downton Abbey 20.05; Es: Kapitel II22.30; After

theWedding 23.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.30, 18.00, 20.30; Dora

und die goldene Stadt 15.30;Shaun das Schaf:Der

Film: UFO-Alarm 16.00; Die Addams Family 16.00,

18.15; Terminator –Dark Fate 17.45, 20.30; Joker

18.00, 20.30; Preview: Das perfekte Geheimnis

20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Peter Lilienthal: Malatesta

(m. Gast) 19.00; Koreanisches Kino: Eoneu

yeodaesaengui gobaek –Confessions of aCollege

Student (OmenglU) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Joker 13.00, 14.00, 15.30, 16.20, 17.20, 19.00,

20.15, 22.10, 22.50; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

13.00, 14.15; Maleficent: Mächte

der Finsternis 13.15, 16.10; AToy Story: Alles hört

auf kein Kommando 13.20; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 13.30; Gemini Man 13.30, 17.00,

20.00, 22.50; Pets II 13.40; Der König der Löwen

13.45, 17.15, 19.30; Terminator –Dark Fate

13.50, 16.40, 19.50, 22.50; Ich war noch niemals

in New York 13.50, 17.10, 19.50; Playmobil: Der

Film 14.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.00; DieAddams Family 14.00; Angry

Birds 2: Der Film 14.00; Dora und die goldene

Stadt 14.10,16.45; Downton Abbey 16.20, 19.45;

After the Wedding 16.20; Parasite 16.30, 20.30,

22.50; Es: Kapitel II 16.30, 20.30, 22.30; Dem

Horizont sonah 16.30, 19.50; Good Boys 16.40,

19.30; Der Glanz der Unsichtbaren 16.40; Preview:

Scary Stories to Tell in the Dark 17.15, 23.00; 3D:

Die Addams Family 17.15; Ad Astra –Zuden Sternen

19.10, 22.50;

Systemsprenger 19.20; Preview: Das perfekte Geheimnis

19.30; Gut gegen Nordwind 19.40; Preview:

Halloween Haunt 20.00; 47 Meters Down:

Uncaged 20.15; Once Upon aTime in... Hollywood

20.30, 22.20; Midsommar 22.10; Fast &Furious:

Hobbs &Shaw 22.30; Ready or Not? –Auf die Plätze,fertig,tot

22.40; Rambo 5:Last Blood 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Terminator –Dark Fate (OF) 13.30, 16.40, 19.45,

22.50; Joker (OF) 13.30, 17.30, 19.00, 20.20,

23.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm –

Shaun the Sheep Movie: Farmageddon (OF) 13.40;

Bayala –Das magische Elfenabenteuer (OF) 13.50,

17.15; Maleficent: Mächte der Finsternis –Maleficent:

Mistress of Evil (OF) 14.00, 16.00, 22.15;

Dora und die goldene Stadt –Dorathe Explorer (OF)

14.20; Die Addams Family –The Addams Family

(OF) 14.30, 17.00; Downton Abbey (OF) 16.15,

19.30; Der König der Löwen –The Lion King (OF)

16.30; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis –Maleficent:

Mistress of Evil (OF) 17.00, 19.20; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 19.10; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 19.40, 22.45; Ad Astra

–Zuden Sternen (OF) 20.00; Es: Kapitel II –It:

Chapter Two (OF) 22.00; Midsommar (OF) 22.30;

Rambo 5: Last Blood (OF) 22.45; 3D: Gemini Man

(OF) 23.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: ABeautiful

Planet 11.30; Joker (OF) 13.00, 16.15, 19.30,

22.45

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Midsommar

(OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Terminator –Dark Fate 10.00,

17.00, 20.00, 22.30; Joker 10.00, 18.00, 20.00,

22.30; Ich war noch niemals inNew York 10.00,

14.30, 17.15; Die Addams Family 10.00, 12.00,

16.00, 18.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

10.00, 12.00, 14.00, 16.00; Dora und die

goldene Stadt 12.15,14.30; Shaun das Schaf: Der

Film:UFO-Alarm14.00; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 15.00, 17.30, 20.00, 22.30; Preview:

Das perfekte Geheimnis 20.00, 22.30; Preview:

Halloween Haunt 20.30,22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Deutschstunde 15.45;

Und der Zukunft zugewandt 18.15; Leberkäsjunkie

20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Terminator –Dark Fate 14.00, 16.55, 20.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 17.00; Joker

14.00, 16.45, 20.00; Angry Birds 2: Der Film

14.00; Dora und die goldene Stadt 14.10, 16.45;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.15,

17.00; Die Addams Family 14.15, 17.15; Everest:

EinYeti will hoch hinaus 14.30; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.30,17.00; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 16.35, 20.00; Ich war noch

niemals inNew York 17.00, 19.30; Once Upon a

Time in... Hollywood 19.30; Es: Kapitel II 19.30;

Preview: Das perfekte Geheimnis 19.45; Preview:

Halloween Haunt 20.00; Ad Astra –Zuden Sternen

20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Bayala

–Das magische Elfenabenteuer 14.15, 16.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.20, 17.10,

19.30; Joker 14.30, 17.15, 20.00; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 14.30; Dora und die goldene

Stadt 14.30;Angry Birds 2: Der Film 14.40; Gloria:

Das Leben wartet nicht 15.00; Terminator –Dark

Fate 16.45, 19.45; Ich war noch niemals in New

York 17.00, 20.00; 3D: Die Addams Family 17.00;

7. Kogustaki Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben

17.30, 20.00; Preview: Das perfekte Geheimnis

20.00; Gemini Man 20.15

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Der

Glanzder Unsichtbaren19.15;Weitermachen Sanssouci

21.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Weitermachen

Sanssouci 18.00; Easy Love 20.30; Midsommar

(OmU) 21.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Ich war noch niemals

inNew York 14.45; ND Filmclub: Dokumentarische

Einblicke in Lebens- und Arbeitswelten

der DDR: Volker Koepp: Dokumentarfilme 18.00;

Systemsprenger 20.45; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 15.00; Ich war noch niemals in New York

17.15,20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) M.C.Escher:

Reise in die Unendlichkeit 16.00; Deutschstunde

18.00; Der Glanz der Unsichtbaren 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Der alte deutsche

Film: Ein Mädchen aus Flandern 15.45; Born

in Evin –Alles über Evin 18.00; Downton Abbey

(OmU) 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Late Night –Die Show ihres

Lebens 18.00; Ramen Shop 20.30

Capitol (✆ 831 64 17) Parasite 14.50, 20.30;

Deutschstunde 17.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 8112) Yesterday

(OmU) 17.00; Stan &Ollie 19.15

Thalia Potsdam (✆ 03 31/7437020) BorninEvin

–Alles über Evin 13.15; Systemsprenger 14.00,

20.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00; After the Wedding 14.00; Deutschstunde

15.15; Salmas Geheimnis 16.15; Fritzi –EineWendewundergeschichte

16.30; Joker (OmU) 17.30;

Parasite 17.45, 20.45; Nurejew –The White Crow

18.15; Der Glanz der Unsichtbaren 18.30; Kinder

unter Deck (mit Gast) 20.00; Preview: Das perfekte

Geheimnis 20.30

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Ich

warnoch niemalsinNew York 13.40, 16.40,19.30;

Joker 13.50, 16.55, 19.30, 20.10, 23.00; Die AddamsFamily

13.50; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00,

17.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.10;Angry Birds 2: Der Film 14.10; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.20, 17.10; Der König

der Löwen 16.30; Terminator –Dark Fate 16.50,

19.45, 23.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

16.50, 20.00, 23.00; 3D: Die Addams Family

17.00; Preview: Halloween Haunt 20.00; Preview:

Das perfekte Geheimnis 20.00, 20.15; Once Upon

aTime in... Hollywood 22.45; Gemini Man 23.00;

Ad Astra –Zuden Sternen 23.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/2798877) Gloria: Das

Leben wartet nicht 15.00; Ich war noch niemals in

New York 17.15; Preview: Das perfekte Geheimnis

20.30

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Leid und Herrlichkeit 17.15; Deutschstunde 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Die Wiese

10.00; Terminator 14.45, 17.10, 20.15, 22.50;

Good Boys 14.45; Everest 14.45; 3D: Maleficent

14.50, 17.40, 20.00; Der König der Löwen 14.50;

Angry Birds 214.50; Shaun das Schaf: UFO-Alarm

15.00; Dora und die goldene Stadt 15.00; Die Addams

Family 15.00, 17.40; Bayala 15.00, 17.15;

Maleficent 17.10, 23.00; Downton Abbey 17.10;

Ich war noch niemals in New York 17.20, 20.15;

Dem Horizont sonah 17.20; Joker 17.30, 19.50,

22.45; Gut gegen Nordwind 17.40; Das perfekte

Geheimnis 19.45; Es II 19.50, 22.40; Preview: Halloween

Haunt 20.00; HFR 3D: Gemini Man 20.15,

23.15; AdAstra –Zuden Sternen 20.15, 23.00;

Fast &Furious 23.00;Angel HasFallen23.10; Ready

or Not? 23.20; Rambo 5: Last Blood 23.30


26 Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

NACHRICHTEN

BND-Chef sieht Beteiligung

von Huaweian5Gkritisch

GAMING

Schwierige

Mission im

Südpazifik

VonOlaf Kieser

Das

High-Tech-Unternehmen

Skell Tech hat auf Auroa, einer

fiktiven Insel im Südpazifik, sein

Hauptquartier errichtet, um dort

eine bessere Welt 2.0 zu erschaffen.

Als ein Schiff der US Navy vor Auroa

versenkt wird, werden die Ghosts,

eine Eliteeinheit für verdeckte Operationen

der US-Streitkräfte, mobilisiert.

Sie sollen herausfinden, was

auf Aurora vorsich geht.

DieMission beginnt desaströs,als

Drohnen die Helikopter der Ghosts

in der Luft zerlegen. Nur Spielercharakter

Nomad (wahlweise männlich

oder weiblich) überlebt den Crash

seines Hubschraubers. Die Lage

wäre hoffnungslos, gäbe es da nicht

eine Gruppe von Selbstversorgern,

die in den Bergen eine versteckte

Siedlung errichtet hat. Vonhier aus

macht sich Nomad an die Befreiung

Auroas.

„Tom Clancy’s Ghost Recon

Breakpoint“ ist ein Spiel mit klaren

Stärken, aber auch ebenso klaren

Schwächen. Interessant ist die Survival-Thematik.

Erschöpfung und Verletzungen

wirken sich auf die Beweglichkeit

der Spielerfigur aus. Vor

feindlichen Patrouillen und Drohnen

kann Nomad sich im Gebüsch

verstecken, er kann sich auch mit

Erde bedecken. Angriffe auf feindliche

Einrichtungen sind herausfordernd,

benötigen Planung und machen

gerade deshalb Spaß, weil nicht

aus einer Position der Überlegenheit

heraus agiertwird.

Lobenswert ist die Freiheit, die

das Spiel bei der Wahl und der Erfüllung

vonMissionen lässt. Frontalangriff

oder heimlich, still und leise –es

gibt viele Wege zum Erfolg.

Die Spielwelt Aurora ist optisch

ansprechend gestaltet, wenn auch

oft etwas menschenleer. Wie beim

Hersteller Ubisoft üblich ist Auroa

eine offene, sehr weitläufige Spielwelt

voller Sammelobjekte.Die Sammelei

wirkt auf Dauer jedoch wie ein

Selbstzweck und wird durch Waffen

und Ausrüstungen in verschiedenen

Qualitätsstufen in die Länge gezogen.

Ein Battle-Pass wie bei „Fortnite“

soll Spieler motivieren, möglichst

viele Nebenmissionen zu spielen,

um sich Belohnungen zu verdienen.

DieMenüs sind allerdings überladen

und verwirrend. Ein Immersionsproblem

tritt im Social Hub inder

Siedlung der Selbstversorger auf. Eigentlich

sind ja fast alle Ghosts zu

Beginn der Mission ums Leben gekommen.

Dennoch tummeln sich

hier Dutzende Spieler-Charaktere.

Nervig ist der für Ubisoft typische

ständige Online-Zwang, besonders

wenn es Verbindungsabbrüche gibt.

Die Story ist spannend, vermeidet

aber politische oder ethische Themen,

obwohl sich einiges angeboten

hätte. Ubisoft steckt wohl noch der

Protest Boliviens in den Knochen,

dem die Darstellung im Vorgänger

„Wildlands“ als Land der Drogenkartelle

nicht gefiel. „Tom Clancy’s

Ghost Recon Breakpoint“ ist dennoch

kein schlechtes Spiel. Es leidet

nur darunter,dass Ubisoft alle angesagten

Trends in das Spiel gestopft

hat und so den Mut zur Individualität

vermissen lässt.

Olaf Kieser hat „Tom

Clancy’sGhost Recon

Breakpoint“ ausprobiert.

Wasmacht das Internet mit den Menschen? Nicht jeder Nutzer kann die vielen Informationen richtig einschätzen.

„Nicht sehr talentiert“

Der Internet-PionierHasso Plattner spricht in Potsdam überdie Fehler der Industrieund Falschinformationen

VonJörg Hunke

Google, Apple, Amazon,

Facebook –bei der Suche

nach den Digitalgiganten

führt die Spur nicht so

schnell nach Deutschland. Miteiner

Ausnahme: SAP,das Software-Unternehmen

aus Mannheim. Einer der

Gründer ist der gebürtige Berliner

Hasso Plattner (75), der früh ein Gespür

für die Entwicklungen des Internets

hatte. Ersprach am Montagabend

in Potsdam über zwei Jubiläen:

20 Jahre Hasso-Plattner-Institut

und 50 Jahre Internet: Was

kommt also auf uns zu?

Probleme in Deutschland

Zwei Themen sind es,die Plattner so

richtig in Rage bringen. Dieerste Sache

ist das Mensch-Maschine-Ding.

Aufden Straßen und in den Cafés ist

immer häufiger zu sehen, wie sicher

vor allem junge Menschen ihr

Smartphone ständig in der Hand

halten und trotzdem alle Handgriffe

problemlos und schnell erledigen

können. Mensch und Maschine waren

sich wohl noch nie so nah wie

jetzt im 21. Jahrhundert. Ein großes

Thema also,auch aus Sicht vonPlattner.

Aber was bedeutet das für den

Industrie-Standort Deutschland?

Plattner erzählte, wie er den Entwicklungschef

von Porsche in Baden-Württemberg

besucht habe.

Mehrere Entwicklungen an den Porsche-Modellen

hatten den Unternehmer

gestört. So fehlte jahrelang

in allen Sportwagen eine Abstellmöglichkeit

für Kaffeebecher. Eine

Unmöglichkeit, wenn man die Gewohnheiten

der Autofahrer in den

USA kennt, sagte Plattner. Erbekam

vom Autobauer zunächst die Antwort,

in Zuffenhausen würden

Sportwagen entwickelt, da wären

Halter für Kaffeebecher überflüssig.

Dann die Kupplung, viel zu hart für

Fahrerinnen –immerhin 30 Prozent

der Modelle werden in den USA von

Frauen gekauft. Undnicht zu vergessen,

das Dilemma beim Öffnen der

ruckeligen Türen. Es bestehe die Gefahr,

sich die Fingernägel abzubrechen.

Ein No-Go inder Dienstleistungswelt.

Plattners Fazit: DieIndustrie

in Deutschland müsse diese Mischung

aus Arroganz und Ignoranz

aufgeben und die Endnutzer viel früher

in die Entwicklung einbeziehen.

Wichtig sei es, Produkte herzustellen,

die die Menschen brauchen.

Sein Fazit:„Wir müssen uns viel häufiger

fragen, warum wir etwas machen,

wemeshelfen soll. Wirsind in

Deutschland aber nicht sehr talentiert

in der Interaktion zwischen

Mensch und Maschine.“

Ein zweites Aufregerthema in der

Welt des Hasso Plattner ist die Verbreitung

von Falschnachrichten.

„Ich habe geglaubt, das Internet wird

zur allgemeinen Wahrheitsfindung

„Diese Kultur, wie Informationen

beliebig drehbar sind, dass es eigentlich keine

Wahrheit gibt,sondernnur eine Meinung, das

sehe ich als gefährlich an.“

Hasso Plattner, SAP-Gründer und Gründer des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam

beitragen, hat es aber nicht“, sagte

der Technologie-Experte.Inder Wissenschaftswelt

würde das Internet

durchaus helfen, aber in den anderen

Bereichen viel Verwirrung stiften.

Aus seiner Sicht liegt das daran,

dass die Journalisten auf dem Rückzug

sind. Als er von Günther Jauch

gefragt wurde, obwir schlechter informiert

sind als vor 20oder 30 Jahren,

antwortete er:„Diese Kultur,wie

Alphabet verdient weniger

Informationen beliebig drehbar sind,

dass es eigentlich keineWahrheit gibt,

sondern nur eine Meinung, das sehe

ich als gefährlich an. Wie man damit

umgeht, kann ich auch nicht sagen,

außer dass es wieder eine Journalistenschicht

gibt, nicht jeder kann in

das Internet hineinpinkeln.“ Wie das

genau gehen könnte mit Kontrolle

und Meinungsfreiheit und welche

Verantwortung dabei die Konzerne

haben, das ließ Plattner offen.

Kompetenzschulung gewünscht

Im Kampf gegen gefälschte Nachrichten

forderte die EU-Kommission

am Dienstag jedenfalls die Online-Riesen

wie Facebook und

Google zu größerem Einsatz auf. Es

gebe nach wie vor eine umfangreiche

automatisierte Propaganda

und Desinformation, sagte EU-Justizkommissarin

Vera Jourova anlässlich

der Veröffentlichung einer

jährlichen Selbstbewertung der

Unternehmen. Mehrere Online-

Firmen hatten 2018 einen freiwilligen

Verhaltenskodex unterzeichnet.

Seitdem hatten sie die EU-

Kommission mehrmals über ihre

Bemühungen informiert.

Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt

Berlin-Brandenburg,

lobte zunächst, dass das Internet viele

Möglichkeiten geschaffen habe, sich

am Diskurs zu beteiligen. „Beteiligung

bedeutet aber auch Verantwortung“,

teilte sie der Berliner Zeitung

mit. Sie wünschte Kompetenzschulungen

und klareTransparenzregeln,

damit Nutzer zwischen Realtität und

Fake unterscheiden können.

Gewinn des Google-Mutterkonzerns ist von 9,2 auf knapp 7,1 Milliarden Dollar zurückgegangen

Firma Waymo oder das Lieferdrohnen-Projekt

Wing verschlingen nach

wie vor viel Geld bei schmalen Umsätzen.

So legten ihre gesammelten

Erlöse von 146 auf 155 Millionen

Dollar zu. Der operativeVerlust weitete

sich unterdessen von727 auf 941

Millionen Dollar aus.

Das weiterhin robuste Wachstum

der Werbeerlöse dürfte zugleich die

Kartellwächter in Washington sowie

die Staatsanwälte von 50 US-Bundesstaaten

interessiert haben, die

jüngstWettbewerbsermittlungen gegen

den Internet-Konzern angestoßen

haben. Sie prüfen unter anderem,

ob der Marktführer einen unfai-

GETTY/COLIN ANDERSON PRODUCTIONS, DPA

Der Google-Mutterkonzern Alphabet

hat im vergangenen

Quartal sein Geschäft deutlich ausgebaut,

aber wegen steigender Kosten

weniger verdient. Der Alphabet-

Umsatz stieg im Jahresvergleich um

ein Fünftel auf 40,5 Milliarden Dollar,

während der Gewinn von 9,2 auf

knapp 7,1 Milliarden Dollar zurückging.

Voreinem Jahr hatten allerdings

positiveEffekte der US-Steuerreform

den Überschuss hochgetrieben. Zugleich

lasteten jetzt Bewertungsverluste

bei Investitionen in andereFirmen

auf dem Ergebnis. Alphabet

nannte dazu aber keine Details. Außerdem

drückten auch Investitionen

in den Ausbau des Cloud-Geschäfts

den Gewinn.

Nach wie vor war es mit einem

Umsatz von knapp 34 Milliarden

Dollar (plus 17 Prozent) vor allem

das Werbegeschäft von Google, das

bei Alphabet das Geld reinholt. Andere

Google-Erlöse –dazu gehört

zum Beispiel das Geschäft mit den

Pixel-Smartphones oder vernetzten

Lautsprechern –wuchsen zugleich

im Jahresvergleich um mehr

als 38 Prozent auf 6,4 Milliarden

Dollar.

Die anderen Alphabet-Bereiche

wie zum Beispiel die RoboterwagenrenVorteil

gegen kleinereRivalen erlangte.

Kurz vor der Zahlenvorlage

sorgte auch ein Bericht über Übernahmepläne

vonAlphabet für Aufsehen.

Die Google-Mutter wolle den

Fitnessband-Pionier Fitbit kaufen,

berichtete unter anderem der US-

Fernsehsender CNBC. Angaben zum

Preis gab es zunächst nicht.

Die Mitarbeiterzahl steigerte Alphabet

binnen drei Monaten von

rund 107 600 auf gut 114 000. Die

meisten Neuzugänge habe es im

Cloud-Geschäft gegeben, erklärte Finanzchefin

Ruth Porat. Google will

in dem MarktzuAmazon und Microsoft

aufschließen. (dpa)

DerBundesnachrichtendienst

(BND) hält eine Beteiligung des chinesischen

Netzwerkausrüsters HuaweiamAufbau

des neuen deutschen

Mobilfunknetzes für riskant. Seine

Behörde sei „zu dem Schluss gekommen,

dass die Infrastruktur kein

tauglicher Gegenstand ist für einen

Konzern, dem man nicht voll vertrauen

kann“, sagte BND-Präsident

Bruno Kahl in einer Anhörung des

Parlamentarischen Kontrollgremiums

des Bundestages.Dieses Vertrauen

könne man einem Staatskonzern,der

in sehr großer Abhängigkeit

vonder Kommunistischen Partei

stehe,nicht entgegenbringen. Es

gebe möglicherweise Bereiche,in

denen eine Beteiligung vonHuawei

denkbar wäre. Dortwoesumdie

Kerninteressen gehe,sollte dies jedoch

nicht möglich sein. Trotz Sicherheitsbedenken

insbesondere

der USA will die Bundesregierung

das chinesische Unternehmen Huaweibeim

neuen 5G-Mobilfunknetz

nicht ausschließen. (dpa)

Die Nähe zur Staatsführung in China

macht Huaweiverdächtig. AFP/STEFAN WERMUTH

Lufthansa will mit KI

Kundenservice verbessern

DieLufthansa-Gruppe setzt auf

Künstliche Intelligenz, um den Service

für ihreKunden zu verbessern.

So soll die Technologie für das Service

Help Center eingesetzt werden, das

die Mitarbeiter bei internen Fragen

unterstützt. Dortkönnten weltweit

Mitarbeiter anrufen und Antworten

etwa auf die Frage erhalten, wie ein

Passagier mit drei Surfbretterneinzuchecken

sei, erläuterte MircoBharpalania,

Leiter Data Analytics bei der

Lufthansa Group. DasUnternehmen

wolle sich mit seinem Service positiv

vonder Konkurrenz unterscheiden.

„Es geht um Qualitätsverbesserung,

darum, die richtigen Infos zur richtigen

Zeit zurVerfügung zu stellen“,

sagte Bharpalania. DieAirline will mit

dem Technologieriesen IBM zusammenarbeiten.

(dpa)

Apple legt im umkämpften

Ohrhörer-Geschäft nach

Apple kontertinseinem gut laufenden

Ohrhörer-Geschäft die Attacke

vonRivalen wie Huawei und Amazon

mit einem neuen Modell. Dievorgestellten

kabellosen AirPods Probieten

nun auch die aktiveUnterdrückung

vonUmgebungsgeräuschen, genauso

wie jüngst angekündigte neue

Geräte der Konkurrenz. Anders als die

bisherigen AirPods-Modelle hat die

neueVersion weiche Ohrstöpsel an

der Spitze. Mit279 Euro sind die Air-

Pods Pronoch einmal teurer als das

Basis-Modell für 179 Euro. (dpa)

Südostasien treibt

Spotify-Wachstum an

DerMusikstreaming-Marktführer

Spotify hat im vergangenen Quartal

die Nutzerzahlen trotz scharfer Konkurrenz

vonApple und Amazon

deutlich gesteigert. MitSüdostasien

als am schnellsten wachsende Region

legte die Zahl der zahlenden

Abo-Kunden binnen drei Monaten

von108 auf 113 Millionen zu. Insgesamt

kam Spotify auf 248 Millionen

mindestens einmal im Monat aktive

Nutzer,das waren 16 Millionen mehr

als Ende Juni. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 27

· ·

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TV-Programm

ARD

9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live

nach Neun 9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45

(für HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer

weiß denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für HG)

Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Fluss 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Werweiß

denn sowas? 18.50 (für HG) Hubertohne Staller

19.45 (für HG) Wissen voracht –Werkstatt

19.50 (für HG) Wetter voracht 19.55 (für HG)

Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Sportschau

DFB-Pokal. 2. Hauptrunde: Borussia

Dortmund –Borussia Mönchengladbach,

live/ca. 22.55 DFB-Pokal: Zusammenfassung

vonden Spielen: U. a.: Hertha

BSC –Dynamo Dresden

23.45 (für HG) Sportschau Club

0.15 (für HG) Nachtmagazin

0.35 (für HG) Die Stadt und die Macht

Dramaserie.AmScheideweg

1.25 (für HG) Die Stadt und die Macht

Dramaserie. Familienbande

2.15 (für HG) Die Stadt und die Macht

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv–Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Mario Barth räumt auf!

Show. Gäste: Frank Matthée, Mario

Basler,Evelyn Burdecki. In den neuen

Folgen der Showgeht es um Themenwie

den Bildungswahnsinn an den Schulen

oder den Betrug beim Online-Shopping.

22.15 sternTV

U. a.: Altersarmut in Deutschland

0.00 RTL Nachtjournal /Wetter

0.30 (für HG) CSI: Den Tätern auf der Spur

Krimiserie. BombenalarminLas Vegas

1.20 (für HG) CSI: Den Tätern auf der Spur

Krimiserie. SolangeesHaie gibt

MDR

17.45 (für HG) Aktuell 18.05 (für HG) Wetter für

3 18.10 (für HG) Brisant 18.50 (für HG)

Gedanken zum Reformationstag 18.54 (für HG)

Unser Sandmännchen 19.00 Regionales 19.30

(für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Tierisch tierisch

20.15 (für HG) Exakt 20.45 (für HG) Messerland

Deutschland? 21.15 (für HG) Die Spur der Täter

21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG) Tatort:

Déjà-vu. Krimireihe, D2018 23.35 (für HG)

Lammerts Leichen 23.38 Aktuell 23.40 (für HG)

Kanzleramt Pforte D 0.25 Fünf Sterne.

Dokumentarfilm, D2017

Bayern

14.15 (für HG) Hofgeschichten 14.45 (für HG)

Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG) Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) WirinBayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG)

Stationen 19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Münchner Runde 21.00 (für HG) Kontrovers –Die

Story 21.45 (für HG) Rundschau Magazin 22.00

(für HG) Raus aus der DDR! 22.45 früher oder

später 0.45 (für HG) Only Lovers Left Alive.

Drama, D/GB/GR 2013

Vox

5.15 (für HG) CSI: NY 6.50 (für HG) CSI: Den

Täternauf der Spur 8.45 Verklag mich doch!

10.50 VoxNachrichten 10.55 Mein Kind, dein

Kind –Wie erziehst du denn? 12.00 Shopping

Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00

Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du denn?

15.00 Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten und

eine Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und Tränen

18.00 First Dates 19.00 Das perfekte Dinner

20.00 Prominent! 20.15 (für HG) The Good

Doctor 22.10 (für HG) ChicagoMed 0.00 Vox

Nachrichten 0.20 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

9.25 Die Oktonauten 9.45 Calimero 10.05

Sammy 10.35 Grizzy &die Lemminge 11.05 Voll

zu spät! 11.30 Alvinnn!!! 12.00 Go Wild! 12.30

Friends 12.50 Trolls 13.10 Polly Pocket 13.35

Tomund Jerry 14.10 Bugs Bunny&LooneyTunes

14.20 Angelo! 14.45 Dragons 15.15 Ninjago

15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally Bollywood 16.40

Die Nektons 17.10 Mighty Mops 17.40 Angelo!

18.10 Bugs Bunny&LooneyTunes 18.35

Woozle Goozle 19.05 Alvinnn!!! 19.45 Tomund

Jerry 20.15 (für HG) Dr.House 23.55 Comedy

total 0.25 Infomercials

Sport1

5.45 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30

StorageWars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap.

Geld ist alles 16.00 StorageWars –Die

Geschäftemacher.Doku-Soap. Im Tanktop zum

Gewinn 16.30 StorageWars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap.

Überraschungsgast 17.00

Poker. PCA 2018 Main Event 18.00 Magenta

Sport: Arena 19.00 Volleyball. Bundesligader

Frauen: Vilsbiburg –Schwerin, 4. Spieltag,live

21.00 SportQuiz 0.00 SportClips 0.45

Teleshopping Nacht 1.00 SportClips

ZDF

5.05 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoWismar 18.54 Lotto am

Mittwoch 19.00 (für HG) heute 19.20 (für HG)

Wetter 19.25 (für HG) Heldt

20.15 (für HG) Die Toten von Salzburg –

Zeugenmord

Krimireihe,A/D 2018. Mit Florian

Teichtmeister,Michael Fitz. Doppelmord

in einem Salzburger Krankenhaus: Wer

steckt dahinter?

21.45 (für HG) heute journal

22.15 auslandsjournal

22.45 (für HG) ZDFzoom

Bayer, Bauernund die Bienen

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 auslandsjournal –die doku

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Eine jungeMutter kommt mit

unerträglichen Rückenschmerzen zum Arzt, die sie

seit der Geburtplagen und nahezu bewegungsunfähig

machen. Nach einem MRT offenbartsich für

die Mutter eine schreckliche Diagnose. 17.30

Klinik am Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 The Taste

Castingshow. WerimTeamkochen die

Geschmacksknospen der Juryüberzeugt,

darf sich in der nächsten Runde mit den

Lieblingszutaten vonGastjuror Christoph

Rüffer kreativ austoben.

23.00 TopTen! Der Geschmacks-Countdown

Rekordverdächtig: Essen extrem

0.00 The Taste

Castingshow

2.15 Auf Streife –Die Spezialisten

3.00 Auf Streife –Die Spezialisten

3.45 Auf Streife

WDR

12.45 (für HG) Aktuell 13.05 (für HG) Elefant,

Tiger&Co. 13.55 Erlebnisreisen 14.00 (für HG)

Vonund zu lecker 14.30 (für HG) In aller

Freundschaft 16.00 (für HG) Aktuell 16.15 Hier

und heute 18.00 (für HG) Aktuell /Lokalzeit

18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für HG)

Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Markt 21.00 (für

HG) Doc Esser 21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für

HG) Pulverfass Nordirland 22.55 (für HG) sport

inside 23.25 (für HG) Krieg der Träume

1918-1939 1.10 (für HG) Menschen hautnah

NDR

14.00 (für HG) Aktuell 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) Aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag

17.10 (für HG) Leopard, Seebär&Co. 18.00

Regionales 18.15 (für HG) Wiegeht das? 18.45

(für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Expeditionen ins

Tierreich 21.00 (für HG) Einheitsland –Oder

doch nicht? 21.45 (für HG) Aktuell 22.00 (für

HG) Großstadtrevier 22.50 (für HG) extra 3

23.20 (für HG) Zapp 23.50 (für HG) 7Tage...

0.20 Kümo Henriette

Kabel eins

5.55 Without aTrace 6.40 (für HG) The Mentalist

7.35 Blue Bloods 9.30 (für HG) Navy CIS: L.A.

10.25 Navy CIS 11.10 Without aTrace 12.05

Numb3rs 13.05 (für HG) Castle 14.00 (für HG)

The Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –Der

Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir

kümmernuns drum 20.15 (für HG) Crocodile

Dundee II. Komödie, AUS1988 22.35 (für HG)

Shang-High Noon. Actionkomödie, USA 2000

0.45 (für HG) SawV.Horrorfilm, USA/CDN 2008

RTLZWEI

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops West 7.00 Die Straßencops West

8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00

Frauentausch 14.00 Station B1 –Kinderärzte mit

Herz 15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die

Wache Hamburg 17.00 News 17.05 Krass

Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667

19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Die Wollnys

–Eine schrecklich große Familie! 21.15 Die

Wollnys –Eine schrecklich große Familie! 22.15

Babys! Kleines Wunder –Großes Glück 23.15

Hartz und herzlich 1.15 Crime Town USA

Eurosport 1

7.25 Snooker.World Open in Yushan: Tag3,live

10.30 Snooker 12.25 Snooker.World Open in

Yushan: Tag3,live 15.30 Snooker 16.30

Legenden Hautnah 17.00 Camps to Champs.

SizweNdlovu 17.30 PowerOfOne. Montenegro

18.00 Motorsport. WTCR in Suzuka: Rückblick

18.30 Motorrad 19.10 Motorrad 19.55

Nachrichten 20.05 Snooker.World Open in

Yushan: Tag321.30 Bogenschießen 22.00

Nachrichten 22.10 Schwimmen 23.05 Ski Alpin

23.45 Ski Alpin 0.30 Ski Alpin 1.00 Ski Alpin

TV-Tipps

ARTE, 20.15 UHR ANIMATIONSFILM

Loving Vincent

Frankreich, Sommer 1891: EinJahr nach dem TodVincent vanGoghs

taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an seinen Bruder Theo auf. Der

Postmann Joseph Roulin, der mit Vincent befreundet war,beauftragt seinen

Sohn Armand, nach Paris zufahren und den Brief persönlich zu übergeben.

Widerwillig macht dieser sich auf denWeg, doch in Paris kann er Theo nicht

finden. VomFarbenlieferanten PèreTanguy erfährter, dass der Adressat nur

wenige Monate nach Vincents Todverstorben ist. Nach diesem Gespräch will

Armand unbedingt wissen, warum der Maler sich nach all seinen Kämpfen

ausgerechnet das Leben nahm, als der Erfolg zum Greifen nah war.Armand

reist weiter zu dessen letztem Aufenthaltsort... DerFilm wurde 2018 als bester

animierter Langspielfilm für den „Oscar“ nominiert.

(GB,PL/2017)

Foto: ARTE

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SUDOKU

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SCHWER schwer

3 8 1 9 6 2 4 7 5

6 2 4 7 8 5 9 3 1

9 7 5 3 4 1 2 8 6

4 1 7 6 2 9 3 5 8

8 9 3 5 1 7 6 2 4

2 5 6 4 3 8 1 9 7

5 4 8 2 9 6 7 1 3

1 6 9 8 7 3 5 4 2

7 3 2 1 5 4 8 6 9

RBB

5.25 Berliner Nächte 5.30 (für HG) Panda,

Gorilla &Co. 6.20 zibb 7.20 (für HG) Brisant

8.00 (für HG) Brandenburg aktuell 8.30 (für HG)

Abendschau 9.00 (für HG) In aller Freundschaft

10.30 (für HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm

der Liebe 12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche

Frau 13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt

nach Meer 14.00 (für HG) Ein Hausboot zum

Verlieben. Liebesfilm, D2009 15.30 (für HG)

Tiere bis unters Dach 16.00 (für HG) rbb24

16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG)

rbb24 17.05 (für HG) Panda, Gorilla &Co.

17.55 (für HG) Unser Sandmännchen 18.02 rbb

UM6 18.27 zibb 19.30 (für HG) Abendschau /

Brandenburg aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) rbb Praxis

RaikoThal zeigt unter anderem, dass

Strahlentherapien neue Chancen gegen

Krebs bieten. Dazu gibt es die Themen

„Vitamine aus dem Tropf“ und „Mit dem

Defibrillator Leben retten“.

21.15 (für HG) Die rbb Reporter

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Alaskas Bären (2/3)

22.45 (für HG) Wildes Südafrika

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) Juraj Kubanka –Die

Zärtlichkeit des Steins

ProSieben

5.10 2BrokeGirls. Sitcom. CupcakeWars 5.30

The Middle.Comedyserie 6.10 (für HG) Twoand

aHalf Men. Sitcom 7.30 (für HG) The Big Bang

Theory. Sitcom 8.50 (für HG) HowIMet Your

Mother.Sitcom 10.40 Fresh Off the Boat. Sitcom.

Eine Hochzeit und vier Todesfälle 11.05 Mike&

Molly.Sitcom. Das erste Weihnachten 11.35 2

BrokeGirls. Sitcom. Darius, der Lach-Express /

Süße Versuchung 12.30 Mom. Sitcom.Abinden

Knast /Die perfektenEltern 13.20 (für HG) Two

and aHalf Men. Sitcom 14.40 The Middle.

Comedyserie. Der neue Tick /Der Gartenschlauch

15.35 (für HG) The Big Bang Theory. Sitcom

17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die

Simpsons. Zeichentrickserie 19.05 Galileo

20.15 (für HG) 9-1-1 Notruf L.A.

Actionserie.Inder Praxis eines

plastischen Chirurgen kommt es zu einem

Zwischenfall: Offenbar tritt aus einem

Rohr Narkosemittel aus, sodass alle Ärzte

in eine ArtTiefschlaf fallen.

Achtung, Programmänderungmöglich!

15 Minuten Joko &Klaasbei einem

Showsieg amDienstag!

22.15 (für HG) Atlanta Medical

Arztserie. Herzklappe /Die schwarze Pest

0.10 (für HG) Two and aHalf Men

1.50 The Flash

Arte

8.00 (für HG) Tierisch alt! 8.45 Stadt Land Kunst

9.45 (für HG) Naturwunderdes Nordens 11.15

Unser Bauch 12.15 Re: 12.50 Arte Journal

13.00 Stadt Land Kunst 13.55 Der Richter und

der Mörder.Kriminalfilm, F1976 16.00 Feine

Stoffe, ferne Länder 16.50 (für HG) Xenius 17.20

Wiedas Land, so der Mensch 17.50 Manegefrei

18.30 (für HG) VonTierenund Hexen 19.20 Arte

Journal 19.40 Re: 20.15 Loving Vincent. Animationsfilm,

GB/PL 2017 21.45 Das Verhängnis des

Doktor Frankenstein 22.45 (für HG) Train to

Busan. Horrorfilm, ROK2016 0.35 Arte Journal

3Sat

11.35 Der Überlebenskünstler 12.00 Indien

12.30 Loco Escrito auf der Suche nach Weltruhm

13.00 (für HG) ZIB 13.15 Inseln der Schweiz

14.55 Die SchweizerRettungsflugwacht 16.30

Hummerfang in Kanada 16.55 Einstein auf

Kreuzfahrt 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Wahlkampf –Hinter den Kulissen der

Demokratie 21.45 Unsere wilde Schweiz 22.00

(für HG) ZIB 2 22.25 Der große Kater.Drama,

CH/D 2010 23.50 (für HG) Schutzengel Stefanie

0.20 10 vor100.50 Eco

Phoenix

10.00 phoenix vorort 11.15 Steckbrief

Brandenburg 12.00 phoenix vorort 12.45

phoenix plus 14.00 phoenix vorort 14.45

phoenix plus 15.00 Ergebnisseder Steuerschätzung:

Pressekonferenz mit Finanzminister Olaf

Scholz 15.30 TabuthemaEinsamkeit 17.30

phoenix der tag 18.00 Boeings Todesmaschinen

18.30 Aufgedeckt 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Indiens Superreiche 21.00 Mahatma

Gandhi 21.45 (für HG) heute journal 22.15

Phoenix Runde 23.00 phoenix der tag 0.00

Phoenix Runde 0.45 Indiens Superreiche

Kika

12.50 Marcus Level 13.15 (für HG) Die Wilden

Kerle 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10

Schloss Einstein –Erfurt 15.00 (für HG) Helium

15.45 Livespiel 15.50 Miss Moon 16.15 Die

Piraten vonnebenan 16.50 Geronimo Stilton

17.35 Der kleine Ritter Trenk 18.00 Ein Fall für

die Erdmännchen 18.10 (für HG) Der kleine

Drache Kokosnuss 18.35 Ernest &Celestine

18.47 Baumhaus 18.50 Unser Sandmännchen

19.00 (für HG) Yakari 19.25 (für HG) Anna und

die wilden Tiere 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) Kika Live 20.10 (für HG) Durch die Wildnis

Dmax

5.35 Historyinthe Making 6.00 Die Aquarium-

Profis 6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn

9.20 Auction Hunters 9.50 Infomercial 10.15

BaggageBattles 11.15 Die Zwangsvollstrecker

13.15 Dubai Airport–Der Megaflughafen 14.15

Ausgesetzt in der Wildnis 16.15 Lone Star Law

17.15 Combat Dealers 18.15 SteelBuddies

19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15 Auction

Hunters 20.45 Hardcore Pawn 21.15 Baggage

Battles 22.15 Shark Tank 23.10 DMAX News

23.15 Shark Tank 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ARD-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrich

ten 9.15 Hirschhausen im Hospiz 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 Ersatzteile im

Körper –Was taugen Implantate wirklich? 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15

Markt 20.00 Tagesschau 20.15 Digitale

Nomaden 20.45 Panorama –Die Reporter

21.15 Tagesschau 21.17 Fakt ist! 22.15

Tagesthemen 22.22 Markt 23.10 Tagesthemen

23.17 Tagesschau vor20Jahren 23.32 Die

Helden von Prag 0.15 defacto 0.55 Extra 1.00

Nachtmagazin 1.20 extra 3 1.50 Extra

ONE

7.45 Pampa Blues. Tragikomödie, D2015 9.15

Brisant 9.55 Hot in Cleveland 10.40 Lindenstraße

11.10 Morden im Norden 12.00 Sturmder

Liebe 13.35 Um Himmels Willen 14.20 Waswir

wussten –RisikoPille. Drama, D2019 15.50

Morden im Norden 16.40 Hot in Cleveland

17.20 Lindenstraße 17.50 Hartaber herzlich

18.40 Sturmder Liebe 20.15 Agatha Christies

Marple: Ein Mord wird angekündigt. Krimireihe,

GB 2005 21.50 Alfred Hitchcock präsentiert:

Krimiserie.Ein Portrait vonJacqueline 22.15

Agatha Christies Poirot 23.55 Hot in Cleveland

0.40 Agatha Christies Marple: Ein Mord wird

angekündigt. Krimireihe, GB 2005

ZDF NEO

5.40 TerraXpress 6.10 (für HG) Verlorenes

Wissen 7.40 (für HG) Ungelöste Fälle der

Archäologie 8.20 Topfgeldjäger 9.15

Lafer!Lichter!Lecker! 10.00 (für HG) Bares für

Rares 11.45 Dinner Date 12.30 (für HG) Monk

13.50 Psych 15.05 (für HG) Monk 16.25 Psych

17.45 (für HG) Bares für Rares 18.35 Dinner

Date 19.20 (für HG) Bares für Rares 20.15 (für

HG) Wilsberg: Die Entführung.Krimireihe, D2013

21.45 (für HG) Ein starkes Team: Gnadenlos.

Krimireihe,D2011 23.15 Nocturnal Animals.

Thriller,USA 2016 1.00 Undercover 2.40 (für

HG) Ungelöste Fälle der Archäologie 4.10 (für

HG) Rätselhafte Phänomene

ZDF INFO

5.30 ZDF-History 8.28 heute Xpress 8.30

ZDF-History 9.15 Erbarmungslos 10.45 Geständ

nisse einesSerienkillers 11.30 Mördernauf der

Spur 13.00 Mein Land, Dein Land 13.30

Endstation Crystal –Leben in der Drogenhölle

14.15 Dirty Dollars 15.00 Crystal Meth: Die

Horror-Droge 15.45 Frankfurt–Bahnhofsviertel

16.30 Trinken ohne Limit –Die verborgene

Alkoholsucht 17.15 Volk auf Droge 18.00 Legal

Highs –Todesdrogen aus dem Internet 18.45

DDR mobil 19.30 Das war dann mal weg 21.00

DDR mobil 21.45 Das war dann mal weg 23.15

DDR mobil 0.00 Das war dann mal weg 0.45

(für HG) heute journal 1.15 Trinken ohne Limit

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Opernführer GaetanoDonizetti –Maria di Rohan

mit Matthias Käther,ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Musikfest Bremen, Konzerthaus Die

Glocke: La Valse /Konzertfür Violine und

OrchesterNr. 1g-Moll op. 26 /„Petruschka“ –

Ballettmusik für Orchester /Rotterdams

Philharmonisch Orkest, ca. 87 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Spezial Fleißiger Kapellmeister –Jacobus

Clemens non Papa. Mit Bernhard

Schrammek, ca. 56 Min.

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Alte Musik Noten aus dem GoldenenBären: Die

Breitkopfische BuchdruckereyinLeipzig.Von

HelgaHeyder-Späth, ca. 30 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Hörspiel Der Ursprung der Welt (8/16) vonUlric

Tukur.Gelesenvom Autor, ca. 30 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Weltzeit Epochenjahr 1989 für die Welt: Abzug,

Rückkehr,Hungertod. VonShikiba Babori, Leonie

March und Klaus Scherer, ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin „HeißerHerbst“ –Vor 50 Jahren:

Revolte in Italien. VonWinfried Roth, ca. 26 Min.

20.30 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lesung Jochen Beyse liest aus „Panikraum Erde

dieEpisode 14,ca. 50 Min.

MAGAZIN

15.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Tonart Das Musikmagazin am Nachmittag,

ca. 115 Min.

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Zeitfragen. Kultur und Geschichte „So

verschieden waren wir nicht!“: Ost und West –

über das Aufwachsen in zwei Systemen. VonLydi

Heller&Christine Watty,ca. 55 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Aus Religion und Gesellschaft Die Zwei-Milliar

den-Euro-Frage: Die tschechischeKirche und das

Geld. VonKilian Kirchgeßner,ca. 20 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die chilenische Sängerin und

Gitarristin Camila Meza. Mit Ortrun Schütz,

ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Gegenwart QueeresKomponieren m

politischem Anspruch: Laure M. Hiendl. Mit

Eckhard Weber, ca. 56 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 252 · M ittwoch, 30. Oktober 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Matthias Reim (61) und seine Hits

hätten durchaus das Potenzial, auch

in politischen Zusammenhängen zu

mobilisieren. Eine Partei im historischen

Umfragetief? EinSpitzenkandidat

mit miesen Erfolgsaussichten?

So ein schmissiges „Verdammt, ich

wähl’dich“ könnte der Retter in der

Notsein. Aber nein, nicht mit Reim.

Er möchte keine politischen Lieder

singen: „Dukannst mit einem Song

nicht informieren oder analysieren,

du kannst mit einem Song nur polarisieren.

Unddas ist am Ende die Methode

der AfD“, sagte Musiker der

Zeit. Undsoeine Aussage ist ja dann

auch irgendwie politisch.

Fabian Hambüchen (32) ist seit 2016

offiziell in Turn-Rente,kann aber

doch nicht vomSportlassen. „Ich

bin ein- bis zweimal in der Woche in

der Halle,mache Fitness und gehe

zum Laufen“, erzählt der Olympiasieger

und Weltmeister.Und: „Wenn

ich in der Halle bin, muss ich ans

Reck.“ Eigentlich will Hambüchen ja

bis Weihnachten seine Bachelor-Arbeit

an der Sporthochschule fertig

haben (in der es natürlich auch ums

Turnen geht). Wenn ihm da mal

nicht die Riesenfelge einen Strich

durch die Rechnung macht.

Kollegah (35) rappt Textzeilen wie

diese: „Duwärst gernwie wir,doch

du hast den Körper einer Frau. Und

warst nach der Geburtnie mehr im

Körper einer Frau.“ Oder:„Mirkönn’

diese Nutten nix anhaben. Denn ich

geh nur in Clubs,wodie Nutten nix

anhaben.“ Oder auch: „Bitches,oben

ohne wie Cabriolet,

ballernCocaine im Diablo

GT.“ Jetzt hat die

Frauenzeitschrift Emma

den umstrittenen Musiker

zum größten Sexisten

des Jahres gekürt.

DenTitel„Sexist

ManAlive2019“ hat

sich Kollegah wirklich

mehr als verdient. Gratulation!

(avo.)

Emma meint: „Keiner

ist so sexistisch,

homophob und so

antisemitisch wie

du.“ IMAGO IMAGES

TIERE

Der Biber hilft der Polizei bei ihrer

Arbeit. DPA/POLIZEIPRÄSIDIUM MITTELFRANKEN

Platzverweis! Im mittelfränkischen

Lauf an der Pegnitz watschelte unlängst

ein Biber durch die Gassen und

rief die Polizei auf den Plan. Dieerkannte

den Ernst der Lage und nutzte

die jetzt folgende Tierrettung für ihre

Öffentlichkeitsarbeit. @PolizeiMFR

schrieb also auf Twitter:„In Lauf a.d.

Pegnitz irrte ein Biber durch die Stadt

und begab sich in Gefahr,überfahren

zu werden. DieKollegen konnten ihn

dazu bewegen, die Fahrbahn zu verlassen

und führten ihn zurück zur

Pegnitz, wo er wortlos in den Fluten

verschwand.“ Ha,„wortlos“, voll undankbar,dieser

Biber.Voll witzig,

diese Polizei. Dann allerdings schrieb

der Spielverderber @BOfH_Dj4n90

diesen Tweet hier:„O.K. Könntet Ihr

bitte auch mit den ganzen rechten

Spacken ebenso verfahren?“ Huch,

eine launige Tiermeldung wirdpolitisch

weiterverwendet …Gefährliches

Internet! (schl.)

Tausche

Der Automat streikt mal

wieder, Annalisa seufzt.

DieAngestellte einer Reinigungsfirma

steht jeden

Nachmittag in der römischen Metro-

Station Piramide geduldig Schlange,

bepackt mit Müllsäcken voller Plastikflaschen.

Seit die städtischen Verkehrsbetriebe

im Sommer Automaten

aufgestellt haben, in die man alte

PET-Flaschen einwerfen kann, sammelt

sie bei der Arbeit.

DasProgramm „+Ricicli +Viaggi“

(„recycle und reise“)

schreibt proFlasche fünf Cent

zum Kauf von U-Bahn- und

Bustickets in einer Handy-App

gut. 30 Flaschen entsprechen

einer Fahrkarte.Inden Büros,in

denen Annalisa saubermacht,

kommt so viel zusammen, dass

sie davon die Monatskarte für 35

Euro finanzieren kann.

Dafür nimmt die alleinerziehende

Mutter vonzweiKindern

auf dem täglichen Nachhausewegeine

halbe Stunde Umweg

in Kauf. Denn bisher gibt es in

der Millionenstadt Rom nur drei solcher

Automaten. Entsprechend lang

sind die Schlangen. Heute wartet in

der Station Piramide etwa ein Dutzend

Leute, „wenig im Vergleich zu

sonst“, sagt Annalisa. Gerade hat ein

Ehepaar fünf Minuten lang ununterbrochen

Flaschen eingelegt, die der

Automat knirschend zerquetscht.

Jetzt ist er voll und streikt. Es dauert

eine ganze Weile, bis der Wartungsdienst

anrückt.

Kein Pfandsystem

Trotz aller Widrigkeiten ist „+Ricicli +

Viaggi“ ein Erfolg. Schon in den ersten

sechs Wochen kamen 350 000

Plastikflaschen zusammen, teilten

die städtischen Verkehrsbetriebe

mit. Nun sollen weitere Automaten

aufgestellt werden.

Rom ist die erste europäische

Hauptstadt mit einem solchen System,

betont Bürgermeisterin Virginia

Raggi von der populistischen

Fünf-Sterne-Bewegung voller Stolz.

Allerdings hat es die Ewige Stadt nötiger

als andere, nach Alternativen

bei der Abfall-Entsorgung zu suchen.

Sie leidet unter chronischer Vermüllung.

Im Frühsommer musste wegen

der stinkenden Unrat-Berge in den

Straßen fast der Notstand ausgerufen

werden. Der Ärzteverband

schlug Alarm und warnte vor Gesundheitsgefahren

für die knapp

drei Millionen Römer und vielen

Touristen. Derzeit quellen die Cassonetti,

die großen grauen Container,

wieder über.Die Abfallbetriebe Ama

wissen einfach nicht, wohin mit dem

30 Flaschen

gegen

Abfälle stapeln sich an der Straße,

Mülltonnen quellen über: WieRom versucht,

des Unrats Herr zu werden

VonRegina Kerner,Rom

Tausche Plastik gegen Ticket: Einer von drei Automaten in Rom.

Silvana Cavaniglia kauft Müll an und trennt ihn sorgfältig.

Müll. Es gibt zu wenige Halden, Verbrennungsanlagen

wurden stillgelegt.

Von konsequenter Wiederverwertung

ist Rom auch weit entfernt.

Die Mülltrennungsquote liegt nur

bei etwas mehr als 40 Prozent.

Gerade Plastikflaschen sind ein

Riesenproblem. Die Mehrzahl der

Italiener trinkt kein Wasser aus der

Leitung, sondern kauft es abgefüllt.

EinPfandsystem wie in Deutschland

existiertnicht. Millionen grüner und

eine Fahrkarte

DPA/ANNETTE REUTHER

IMAGO IMAGES/STEFANO DAL POZZOLO

weißer 1,5 Liter-PET-Flaschen landen

in den Tonnen. Zwar gibt es in

RomContainer für Plastik, Glas,Biomüll,

aber das meiste wird ungetrennt

eingeworfen oder einfach daneben

gestellt. Auch die Ausfallstraßen

rund um die Stadt sind vonPlastikflaschen

und Mülltüten gesäumt.

Während die Mehrzahl der Römer

den Dreck klagend und resigniert

hinnimmt, entwickelte Silvana

Cavaniglia eine lukrative Idee.

BLZ/BAUM, BLZ/GALANTY

„Non sono rifiuti“ –essind keine Abfälle

–heißt das Start-up der 47-Jährigen.

Auf dem Trionfale-Markt,

gleich hinter dem Vatikan, zwischen

Gemüse- und Käsehändlern, kauft

Silvana den Leuten ihren Müll ab.

Am Stand mit der Nummer 95 können

jeden Vormittag Altpapier, Glas,

PET-Flaschen, Aluminium und Dosen

abgegeben werden. Alles muss

ordentlich sortiert und gespült sein,

sonst bekommen die Kunden von

der resoluten Silvana einen Rüffel.

„Ich versuche, die Leute zu erziehen“,

sagt sie lachend. Hinter ihr

steht eine Maschine, die Plastik

presst und bündelt.

Je nach Gewicht und Wert des recyclefähigen

Materials wird ein Guthaben

auf dem Kundenkonto verbucht.

Es sind Cent-Beträge. Trotzdem

steht auch vor Silvanas Stand

eine lange Schlange. UmGeld gehe

es ihr nicht, sagt Ombretta, eine

Bankangestellte, die einmal proWoche

Ikea-Tüten voller leerer Dosen

und Flaschen anschleppt. Sie sehe

das als ihren Beitrag, das Müllproblem

zu lösen. „Hier bin ich sicher,

dass alles tatsächlich recycelt wird.“

Ombretta ist wie so viele Römer

überzeugt, dass bei der städtischen

Müllabfuhr die Abfälle am Ende alle

auf einem Haufen landen. „Auch

deshalb pfeifen die Leute auf Mülltrennung.“

Eingutes Geschäft

Silvana Cavaniglia hat früher selbst

bei der hoch verschuldeten und ineffizienten

städtischen Ama gearbeitet.

Ihr Konzept wollte man dort

nicht. Also kündigte sie 2014. Sieund

ihr junger Mitarbeiter verdienen nun

mit Abfällen, die eigentlich Wertstoffe

sind, ihren Lebensunterhalt.

Das Rezept: Recycling-Firmen zahlen

Silvana deutlich mehr als die

Ama, weil sie saubere und reine

Wertstoffe liefert. Undder Transport

kostet deutlich weniger. Die gleiche

Menge an Plastikflaschen, die bei Silvana

in einen kleinen, 35 Kilo schwerenBallen

gepresst wird, füllt bei der

Ama einen ganzen Lkw.

„Non sono rifiuti“ hat inzwischen

fast 5000 registrierte Kunden. Weil

das Geschäft so gut läuft, gibt es bereits

einen Ableger auf dem Testaccio-Markt.

Silvana schwebt ein Franchising-System

vor, mit mindestens

einer Annahmestelle in jedem Stadtteil.

Vielleicht wäreRom dann schon

ein bisschen sauberer.

Regina Kerner weiß:

Das römische Müllproblem

ist ein Dauerthema.

NACHRICHTEN

Brände in Kalifornien von

Winden weiter angefacht

DerUS-Westküstenstaat Kalifornien

hat weiter mit schweren Bränden zu

kämpfen. Einneues Feuer plagt nun

die Menschen in Los Angeles: In einer

waldigen Gegend nahe dem berühmten

Getty-Kunstmuseum imWesten

der Metropole brach am Montag ein

weiterer Brand aus.Auf trockenem

Boden und angefacht vonden gefährlichen

Santa-Ana-Winden breiteten

sich die Flammen schnell aus.

DieFeuerwehr vonL.A.erklärte am

Dienstag, über 10 000 Gebäude seien

vondem Feuer bedroht. Acht Häuser

seien bereits zerstörtworden, sechs

beschädigt. Einige Schulen blieben

wegen des Feuers geschlossen. Die

Flammen des sogenannten Getty-

Feuers bedrohten auch Prominenten-Villen

im angrenzenden Nobelviertel

Brentwood. (dpa)

Mindestens sechs Tote bei

Erdbeben auf den Philippinen

Beieinem schweren Erdbeben im

Süden der Philippinen sind am

Dienstag mindestens sechs Menschen

getötet worden, darunter mindestens

zwei Kinder.Mehr als 300

Menschen wurden durch das Beben

der Stärke 6,6 auf der Insel Mindanao

verletzt. Erst vorknapp zwei Wochen

hatte in derselben Region schon einmal

die Erde gebebt. Damals kamen

sieben Menschen ums Leben. Die

Furcht vorweiteren Nachbeben ist

nun groß. Viele Anwohner wollten

nicht mehr in ihreHäuser zurück,

sondernblieben im Freien. (dpa)

Kritik an Feuerwehr nach

Grenfell-Hochhausbrand

Zwei Jahrenach dem Großbrand im

Londoner Hochhaus Grenfell Tower

mit Dutzenden Toten wirft ein offizieller

Bericht der Feuerwehr laut britischen

Medien schwereVersäumnisse

vor. DieReaktion der Feuerwehr

habe„schwerwiegende Mängel“ und

„systemische“ Fehler aufgewiesen,

zitierten mehrereörtliche Medien am

Dienstag aus dem Untersuchungsbericht,

der eigentlich erst einen Tag

später veröffentlicht werden sollte.

Kritisiertworden sei insbesonderedie

Anweisung der Feuerwehr an die Bewohner

des Hochhauses,inden

Wohnungen zu bleiben. Zu spät sei

die Evakuierung des brennenden Gebäudes

angeordnet worden. (dpa)

Hai beißt Schnorchler vor

Australien den Fuß ab

Beieiner Schnorcheltour vorder

australischen Küste sind zwei britische

Urlauber am Dienstag voneinem

Haiangegriffen worden. Der

Raubfisch biss einem der beiden

Männer im Wasser vorden Whitsunday-Inseln