Sprungbrett_Ausgabe 2019_02

blutsbruder2

Das Netzwerkmagazin des APOLLON Alumni Network e.V.
Die aktuelle Auflage beschäftigt sich mit dem Thema "Nachhaltigkeit" - ein Thema im Gesundheitssektor, das zum Nachdenken anregt und Potential zum Handeln hat.
Wer Lust auf die verschiedensten Denkansätze und Betrachtungen hat, ist in diesem Heft mal wieder goldrichtig :-).

Anforderungsmanagement bei Medizinprodukten – Herausforderungen und Lösungsansätze

Anforderungsmanagement bei

Medizinprodukten – Herausforderungen

und Lösungsansätze

Maurice Bromund

Vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwicklung von Medizinprodukten

ist es erforderlich, kunden- und marktspezifische

sowie regulatorische und technische Anforderungen zu erfassen,

zu handhaben und deren Rückverfolgbarkeit über den gesamten

Produktlebenszyklus zu gewährleisten. Hersteller stehen hierbei

aufgrund vielfältiger Vorgaben und einer zunehmenden Digitalisierung

vor komplexen Herausforderungen.

Rechtliche und regulatorische

Herausforderungen

Die erfolgreiche Entwicklung und Zulassung

von Medizinprodukten kann

nur über eine korrekte Formulierung

der sogenannten Zweckbestimmung

(beabsichtigte Verwendung) erfolgen.

Anhand der Zweckbestimmung wird

entschieden, ob das Produkt ein Medizinprodukt

gemäß der rechtlichen

und regulatorischen Rahmenbedingungen

ist und wie dieses zu klassifizieren

ist. Aktuell gelten hierfür auf

europäischer Ebene (noch) folgende

Richtlinien:

• Richtlinie 90/385/EWG – Active Implantable

Medical Devices (AIMD)

• Richtlinie 93/42/EWG – Medical

Device Directive (MDD)

• Richtlinie 98/78/EWG – In-vitro

Diagnostic1 Directive (IVDD)

Diese drei relativ ähnlichen Richtlinien,

welche die Herstellung, Inverkehrbringung

und den Vertrieb von

Medizinprodukten regeln, werden

in Deutschland durch das Medizinproduktegesetz

(MPG) und weitere

medizinprodukteassoziierte Gesetze

und Verordnungen (bspw. die Medizinproduktebetreiberverordnung


1 In-vitro Diagnostika sind Medizinprodukte

zur Untersuchung von Proben aus dem

menschlichen Körper

MPBetreibV), in nationales Recht umgesetzt

[1].

Am 25.05.2017 trat in Europa zudem

die neue Verordnung „(EU) 2017/745“

über Medizinprodukte, die sogenannte

Medical Device Regulation

(kurz MDR) in Kraft. Diese ersetzt vollständig

die bisher für das Herstellen,

Inverkehrbringen oder Vertreiben

von (aktiven) Medizinprodukten gültigen

EU-Richtlinien MDD und AIMD.

Die IVDD wird allerdings nicht in der

MDR aufgehen, sondern wird durch

eine eigene EU-Verordnung, der IVDR

(In-vitro-Diagnostic Device Regulation)

abgelöst werden, die ebenfalls

am 25.05.2017 in Kraft getreten ist. Für

die Umsetzung der MDR gibt es eine

Übergangsfrist, die bisher offiziell am

26.05.2020 endet. Ab diesem Tag verlieren

die MDD und die AIMD ihre Gültigkeit

und die MDR erlangt volle Geltung.

Die Übergangsfrist für die IVDD

endet dagegen zwei Jahre später am

26.05.2022.

Das Besondere an der MDR und der

IVDR ist, dass sie ohne direkte Zustimmung

der EU-Länderparlamente erlassen

wurden und als europäisches,

übernationales Recht direkt anzuwenden

sind und es keiner Umsetzung

durch nationale Gesetze bedarf, wie

es bei den bisherigen Richtlinien der

Fall gewesen ist [2]. Um den Forderungen

der Richtlinien und Gesetze

Rechnung zu tragen, existieren neben

den EU-Verordnungen zusätzlich

noch eigene europäische Normen, die

bezüglich der Richtlinien harmonisiert

sind [3]. Hierzu gehören zum Beispiel:

• EN ISO 13485 – Medizinprodukte –

Qualitätsmanagementsysteme

• EN ISO 14971 – Anwendung des

Risikomanagements auf Medizinprodukte

• EN 62304 – Medizingeräte- Software

– Software-Lebenszyklus- Prozesse

• EN 62366 – Anwendung der

Gebrauchs tauglichkeit auf

Medizinprodukte

Aus den Richtlinien und Normen resultieren

vielfältige Arten von Anforderungen

an Medizinprodukte, die der

Hersteller erfassen und lenken muss,

um eine effiziente und effektive Entwicklung,

Bewertung, Inverkehrbringung,

Vermarktung und Wartung der

Medizinprodukte zu gewährleisten.

Der eigentliche medizinische Zweck

des Produktes (was soll mit dem Produkt

erreicht werden?) unterscheidet

sich dabei nochmals von dessen bestimmungsgemäßen

Gebrauch (wie

soll der medizinische Zweck mit dem

Produkt erreicht werden?) [4]

Diese weitreichenden gesetzlichen

Vorgaben für Medizinprodukte haben

somit eine direkte Auswirkung auf das

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