Kulturfenster Nr. 05|2019 - Oktober 2019

infoatvsm.bz.it

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.

-70% – NE BOLZANO – 71. Jahrgang

Nr. 5 | OKTOBER | 2019

Zweimonatszeitschrift

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Blasmusik bewegt

Chorfestival in Brixen

Wende im Tourismus gefordert


• Geleitwort •

• Inhalt •

• Blasmusik

Ein tolles Konzert – und keiner

geht hin 3

Blasmusik bewegt 4

Eine musikalische Farbenpracht 9

Der Marschmusikwettbewerb aus

Sicht der Juroren 10

Oh Berge und Täler Ladiniens 12

Blasmusikstudium auf

höchstem Niveau 13

Musikkapelle Naturns:

Luxusklänge 14

Andreas Bramböck –

90. Geburtstag 15

Klang der Donaumonarchie –

CD erschienen 16

Musikpanorama 17

Anspruchsvolle Palette des VSM für

die kommenden 3 Jahre

Der Verband der Musikkapellen (VSM)

hat sich für die Dreijahresperiode (2019

bis 2021) das Motto „Blasmusik bewegt“

auf die Fahnen geschrieben. Der Vorstand

traf sich unlängst zu einer eigenen Klausurtagung

mit dem Ziel, dieses Motto mit

neuen Ideen zu füllen, „um die Blasmusik

in Südtirol ein Stück weiterzubringen“. Dabei

wurden u.a. folgende Ziele formuliert:

Förderung für ein stärkeres Miteinander

auf den drei Ebenen Verband, Bezirke,

Musikkapellen; Begeisterung wecken und

Attraktivität steigern, neue Vorstellungen

für die Funktionärsausbildung (,,Motiviert

und fi t“), neue Ideen zu den Südtiroler

Blasmusiktagen und den Blasmusikpreis

des Landes, zusätzliche Akzente bei der

Ausbildung von Kapellmeisterinnen und

Kapellmeister, Musik in Bewegung mehr

Klang verleihen. Das ist die anspruchsvolle

Palette, in deren Rahmen sich die Arbeit

des VSM in den kommenden drei Jahren

bewegen wird.

• Chorwesen

Siebtes Gesamttiroler

Wertungssingen 19

Chorleiter Hubert Brugger im

Interview: Jugendliche lassen

sich fürs Singen begeistern 20

Musicalschulung für

Jugendliche – hochkarätige

Referenten 23

Chorfestival in Brixen 24

Seminar für Chorleiter und

Chorleiterinnen 26

Trauer um Andreas

Hochenegger, Ehrenobmann des

Tiroler Sängerbundes 26

Nachruf auf Willi Tschenett –

ein Leben geprägt von Musik 27

Stimmgabel 28

Der SCV widmet dem Meraner Chorleiter

Hubert Brugger ein großes Interview. Das

Ziel von Brugger, von Beruf Mathematiklehrer

an einer Oberschule in Meran, ist

es, Jugendliche für das Singen zu begeistern.

Für seine Verdienste wurde Brugger

am 15. August in Innsbruck mit dem Tiroler

Verdienstkreuz ausgezeichnet.

Die Heimatpfleger fordern „dringend im

Tourismus eine Wende“. Landesobfrau

Claudia Plaikner analysiert den Zustand

des Tourismus in Südtirol, spricht sich vehement

für die Erhaltung von unbebauten

Naturräumen aus, lanciert engere Kontakte

mit der Politik und den Touristikern

und fordert ein „kurzes Innehalten“ – eine

Nachdenkpause, „damit wir gemeinsam

an Lösungsvorschlägen arbeiten und eine

Wende im Tourismus einleiten können“.

Agnes Andergassen, die Vorsitzende der

Arge Lebendige Tracht, beklagt in einem

Beitrag das Ende von handgestrickten Stutzen.

Mit dieser aussterbenden Handwerkskunst

ginge ein „kleines Stück unserer

Volkskultur für immer verloren.“

Alfons Gruber

• Heimatpflege

Wende im Tourismus dringend gefordert 31

Das dreiste Spiel mit der Landschaft 32

Wir sind „touristisch schwachentwickelt“ 33

Landauf, landab – ohne Rücksicht 35

Streuhotels – eine spannende Alternative 37

Bitte mehr Mut! 38

Unsere Berge brauchen

keine Geschmacksverstärker 39

Den Enkeln eine lebenswerte

Heimat übergeben 40

Ortsbegehung in Tramin 42

Andenken an Florian Schrott 45

Heimattreffen in Sexten 46

Benefiz-Heimatabend in Lana 49

Büchertisch 47

Unsere Muttersprache ist die „Mund-Art“ 50

Aussterbende Handwerkskunst 51

Titelbild: Die Musikkapelle Völser Aicha bei der Marschmusikbewertung in Latsch (Vinschgau)

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KulturFenster


Vorweg

Blasmusik

Ein tolles Konzert …

und keiner geht hin!?

Stephan Niederegger,

VSM - Medienreferent

Wenn ein Mann

seiner Freundin

Blumen schenkt,

dann ist das zielorientierte

Werbung.

Wenn er hingegen die Blumen

der Mutter seiner Freundin überreicht,

ist das Öffentlichkeitsarbeit, mit der er

das Umfeld für sein Vorhaben gestaltet.

Und das ist unsere große Aufgabe, denn

letztendlich sind die über 10.000 Musikantinnen

und Musikanten in unserem

Land lediglich 2 Prozent der Südtiroler

Bevölkerung. Bei ihnen müssen wir das

Interesse für die Blasmusik nicht wecken,

sondern bei den restlichen 98 Prozent. In

erster Linie gelingt das durch niveauvolle

Auftritte und gute Musik. Vergessen wir

dabei auch nicht auf unser äußeres Erscheinungsbild,

denn auch das ist Öffentlichkeitsarbeit.

In Tracht werden wir nicht

als Einzelpersonen wahrgenommen, sondern

als Teil einer großen Gemeinschaft,

die durch das Fehlverhalten Einzelner

schnell in eine falsche Ecke gestellt wird.

Diese indirekte Öffentlichkeitsarbeit ist

aber zu wenig. Wenn wir uns nicht aktiv

Das Publikum muss gewonnen werden, einerseits durch niveauvolle Auftritte und

gute Musik, andererseits durch eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit.

um unser Publikum bemühen, spielen wir

vor leeren Stühlen. Neben der Werbung ist

die Pressearbeit dabei der wohl wichtigste

Teil, der nicht vernachlässigt werden darf

und auch nicht nur nebenbei funktionieren

kann. In jeder Kapelle muss jemand

für die kontinuierliche Pressearbeit namhaft

gemacht werden und zuständig sein,

denn das ist eine zeitaufwändige Aufgabe.

Dabei ist der Unterschied zwischen einem

Journalisten und einem Pressereferenten

wesentlich. Während den Journalisten auf

planen und somit auch die finanziellen Weichen

für die kommenden 12 Monate stellen.

Als Dienstleister für unsere mehr als 200

Musikkapellen in Südtirol übernehmen wir

unter anderem auch die Aus- und Weiterbildung

unserer Musikantinnen und Musikanten,

sei es in musikalischer Hinsicht

als auch die Führungsarbeit in den Kapellen

und Bezirken betreffend.Als ehrenamtliche

Organisation sind wir folglich sehr auf

öffentliche Beiträge angewiesen. Beiträge,

die im Laufe des Jahres auch immer ausseiner

Suche nach auffallenden Themen

jede schlagzeilenträchtige Nachricht interessiert,

muss der Pressereferent seinen

Verein in das bestmögliche Licht rücken

- aber: „Nicht alles was wahr ist,

müssen wir sagen, aber alles was wir sagen,

muss wahr sein!“ (Peter Rosegger)

In diesem Sinn freue ich mich auf viele

interessante Medienberichte über unsere

Musikkapellen, damit möglichst

viele unsere tollen Konzerte und Auftritte

besuchen.

Herbstzeit ist Planungszeit

Elmar Seebacher,

VSM -Verbandskassier

Nicht nur gewinnorientierte

Betriebe

schließen im Herbst

die Planungen für

das kommende Jahr

ab. Auch unser Verband

muss voraus-

bezahlt worden sind. Allerdings kann man

nicht von „Planungssicherheit“ sprechen. Als

Verband und vor allem auch ich als Kassier

würden uns da von der öffentlichen Hand

mehr Verlässlichkeit und eine zeitnahe Zusage

wünschen. Dasselbe gilt natürlich

auch für die Musikkapellen, welche um einen

Beitrag, zum Beispiel für den Ankauf

von Musikinstrumenten oder Ausgaben das

Probelokal betreffend, ansuchen und sehr

lange im Ungewissen bleiben. Als vielleicht

aktivster Kulturträger im Lande, ob für Kultur,

Kirche, Tourismus oder Gemeinschaft

- mit über 10.000 Mitgliedern - fi nden wir

es wichtig, dass diese Bedürfnisse schneller

behandelt werden und somit mehr Planungssicherheit

gewährleistet wird.

Trotz allem bin ich voller Zuversicht, dass

wir unsere geplanten Aufgaben und Tätigkeiten

im kommenden Jahr wieder zur Zufriedenheit

aller bewältigen können. Nicht

nur für unsere Musikkapellen, sondern dadurch

auch für Land und Leute.

Planungs

Sicherheit …?

Um zielorientiert arbeiten können,

brauchen ehrenamtlich tätige Vereine

u. a. auch Planungssicherheit.

Nr. 05 | Oktober 2019 3


Das Thema

Blasmusik bewegt

Dieses Motto hat sich unser Verband für die laufende

Dreijahresperiode auf die Fahne geschrieben

nächster Zeit die Digitalisierung ausbauen,

unser Corporate Design auffrischen und

unsere Homepage den neuen Standards

anpassen.

Arbeitsbelastung senken

„Blasmusik bewegt“ - Dieses Motto hat sich unser Verband für die laufende Dreijahresperiode

auf die Fahne geschrieben. Es soll dies aber nicht ein wohlklingender

Slogan bleiben, sondern mit vielen Inhalten gefüllt werden. Nach den

Vorstandsneuwahlen im März hat der Verbandsvorstand in einer eigenen Klausurtagung

die Weichen gestellt, um die anstehenden Aufgaben anzugehen, neue

Ideen und Ziele zu formulieren und die Blasmusik in Südtirol weiterzubringen.

Pepi Fauster, Verbandsvorstand

Stärkung des Miteinanders auf den drei Ebenen Verband, Bezirke, Musikkapellen

Wir sind eine große Familie und gehören eng zusammen. Jede dieser drei

Ebenen hat ihre besonderen Aufgaben zu bewältigen und trägt zur gemeinsamen

Entwicklung der Blasmusik bei. Die Aufgaben sind definiert, sie werden

zugeordnet und verteilt. Danach folgt eine enge Vernetzung. Am meisten

helfen wir uns, wenn wir bürokratische Hürden abbauen, Verantwortung absichern

und Veranstaltungen auf ein „Weniger-ist mehr-Ausmaß“ festlegen.

Sehr wichtig ist nach wie vor die Stärkung des Ehrenamtes, auch bei unseren

Jungmusikanten, durch frühe Einbindung in verschiedene Tätigkeiten und

Weitergabe von Verantwortung.

Moderner werden

„Wir müssen uns (die Blasmusik) besser verkaufen“, heißt eine treffende

Aussage dazu. Das stimmt sicher. Die Gesellschaft hat sich geändert, die

Sichtbarkeit und die Sichtbarmachung von dem, was man tut, auch.

Die neuen Medien werden und sollen uns dabei helfen. Wir wollen in

In den letzten Jahren wurden einige Veranstaltungen

ins Leben gerufen, die für

die Entwicklung der Blasmusik sehr wichtig

waren und auch zukünftig nicht weggelassen

werden können. Dies brachte

aber notgedrungen auch viel Arbeit für

die Funktionäre mit sich. Zudem waren

immer größere bürokratische Hürden zu

bewältigen. Die Arbeitsbelastung stieg

um ein Vielfaches an, sodass sie – wenn

es so weiterginge – kaum mehr bewältigbar

ist. Um sie zu senken und auf ein erträgliches

Maß einzupendeln, sollen zunächst

die digitalen Hilfsmittel wie das

Mitglieder-Verwaltungsprogramm „VSM-

Offi ce“ und weitere internetbasierte PC-

Programme die Kommunikation und die

Arbeit erleichtern. Zudem wird es Initiativen

geben, bestimmte Aufgaben von

Funktionären mit ähnlichen aus ihrer Berufsumgebung

zu koppeln.

Begeisterung wecken und Attraktivität

steigern

Zuguterletzt richten sich viele Initiativen

und notwendige Anpassungen immer

wieder an den obersten Zielen unserer

Tätigkeit aus, nämlich Freude zur Musik

und zum gemeinsamen Musizieren

zu wecken und dafür Motivation und Attraktivität

zu schaffen.

Die Angebote der Aus- und Weiterbildung

für alle Funktionäre, die Zusammenarbeit

mit den musikalischen Partnern

Musikschule und Konservatorium,

die unterschiedlichsten Konzertauftritte

und Veranstaltungen wollen gut überlegt

und geplant sein und sollen helfen zu begeistern

und nachhaltig zu wirken.

4

KulturFenster


Blasmusik

Pepi Fauster, VSM-Verbandsobmann

Ein wichtiger Auftrag in unserer Arbeit

ist auch die Bewahrung von Traditionen.

Es wäre aber falsch, nur „die Asche weiter

zu tragen und nicht das Feuer immer

wieder neu zu entfachen“.

Zusammenarbeit zwischen Landesleitung

und Bezirken

Die Bezirke sind eine organisatorische

Untergliederung des Gesamtverbandes

und übernehmen verschiedene Aufgaben

in den jeweiligen Einzugsgebieten.

In gemeinsamer Absprache wurden

die Bezirksmusikfeste für die nächsten

Jahre festgelegt, wobei man sich auf jeweils

eine solche Großveranstaltung pro

Jahr einigte. Bei jedem Bezirksmusikfest

gibt es den Wettbewerb „Musik in

Bewegung“. Die Konzertwertungen werden

nicht damit gekoppelt, sondern in

einem anderen Rhythmus organisiert.

Ein besonderes Anliegen ist es, die

Kommunikation in beiden Richtungen –

vom Verband zu den Bezirken und umgekehrt

– noch auszubauen und zu verbessern.

Die Fortbildung der Funktionäre

und Musikanten sowie die saubere Ausführung

der Finanzgeschäfte werden in

enger Absprache koordiniert.

Neue Funktionärsausbildung

„Motiviert und fi t“

Das Projekt mit der Funktionärsausbildung

in Modulen wird im kommenden

Jahr fortgesetzt, um das Dreijahreskonzept

2018-2020 abzuschließen. Leider

konnten in diesen letzten beiden Jahren

nicht alle angebotenen Module umgesetzt

werden, da es teils an Teilnehmern mangelte.

Auf Grund dessen und wegen der

geplanten Arbeitsreduzierung soll die Anzahl

der Module im kommenden Jahr etwas

verkleinert werden.

Die Module werden wieder in den sechs

Bezirken angeboten; es wird auf eine gute

zeitliche und örtliche Verteilung geachtet.

In diesem dritten Jahr haben vermehrt

noch nicht angebotene Module Vorrang.

Die neuen Broschüren werden Ende November

veröffentlicht.

Südtiroler Blasmusiktage und

Blasmusikpreis des Landes

Die Südtiroler Blasmusiktage wurden von

allen Vorstandsmitgliedern grundsätzlich

positiv bewertet, da sie ein wichtiger Meilenstein

in der Arbeit des Verbandes zur

Zukunftsentwicklung sind. Da sie aus den

ursprünglichen „Sepp-Thaler-Musiktagen“

heraus entstanden sind, soll auch in Zukunft

besonders der Geist unseres ehemaligen

Verbandskapellmeisters – Musik,

Dirigent, Komponist, Literatur, … - in den

Mittelpunkt gerückt werden.

Folgende Ideen und Vorhaben sollen umgesetzt

werden:

➤ Dreijahresrhythmus 2021/2024/2027

➤ Idee: Symposion für Zukunftsentwicklung

für alle Fachbereiche

➤ Komponisten-Szene in Südtirol beleben

und neue Kompositionen fördern

➤ Wege der neuen Dirigentenausbildung

suchen

➤ Expertengespräche / Podiumsdiskussion

Auch der Blasmusikpreis des Landes,

der bisher in den Jahren 2011, 2014

und 2017 an insgesamt 15 Musikkapellen

vergeben wurde, wird als wichtige Einrichtung

angesehen. Dadurch werden die

großen Bemühungen der Musikkapellen

in ein ganz besonderes Licht gerückt und

erfahren auch von höchster politischer

Stelle eine Würdigung.

Bisher war der Preis mit einem Geldbetrag

von jeweils 3.000 Euro pro Kapelle

gekoppelt. Alle Leistungsstufen

wurden berücksichtigt. Die Auswahl-Kriterien

bestanden aus einem Gesamtbild

aus Jugendarbeit, Ensembles, Teilnahme

an Wettbewerben, Auftritten der Musikkapelle,

Teilnahme an Aus- und Weiterbildungen

(Musikanten, Funktionäre), Mitarbeit

im Bezirk und VSM und aus der

Austragung besonderer Projekte. Eine

fünfköpfige Jury aus Land und VSM bewertete

die Ansuchen.

Nr. 05 | Oktober 2019

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Das Thema

Meinhard Windisch, Verbandskapellmeister

“Wer das Ziel kennt, kann entscheiden.

Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe

findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen.

Wer überlegt, kann verbessern.”

In diesem Zitat von Konfuzius steckt wohl

sehr viel Wahrheit.

Im Vorfeld dieser Klausurtagung hat sich

die Fachgruppe Musik Gedanken gemacht,

welche Ansätze und Überlegungen wir in

diese Klausurtagung einbringen wollen,

und diese möchte ich nun im folgenden

Bericht darlegen.

Fachgruppe Musik, Ausrichtung und Ziele

Wir verstehen uns als Team, dabei gibt

es keine Hierarchie. Mir persönlich ist es

sehr wichtig, dass jeder sich als Teil eines

Ganzen versteht. Dies bedeutet auch, die

Bezirke besser zu vernetzen und in Folge

auch die Kapellen. Vor allem die Vernetzung

von Kapellmeisterinnen und Kapellmeistern

ist uns dabei ein großes Anliegen.

Die Stärkung des Miteinanders spielt

hier eine ganz große Rolle. Miteinander

bedeutet in erste Linie sich begegnen –

bei Fortbildungen, bei Veranstaltung und

Konzerten. Dazu zähle ich auch die Landesversammlung.

Auch ein gegenseitiger

Probenbesuch ist eine wunderbare Möglichkeit

sich auszutauschen und sich weiterzuentwickeln.

Die Fachgruppe Musik

möchte hier Impulse setzen und Hilfestellungen

anbieten. Noch eines möchte ich

hinzufügen: Zur Fachgruppe Musik gehören

im Grunde alle Kapellmeisterinnen

und Kapellmeister. Wäre schön, wenn wir

dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit

stärken könnten.

Hilfestellung für Musikkapellen

Die Kapellmeistersuche stellt Musikkapellen

sehr oft vor eine große Herausforderung.

In diesem Bereich möchten wir die

Musikkapellen in Zukunft stärker unterstützen.

Plattformen auf der Homepage und im

„KulturFenster“ sollen die erste Maßnahme

sein, Angebot und Bedarf sichtbar zu machen.

Natürlich ist das Ausbildungsangebot

eines der wichtigsten Themen. Dabei

sind wir aber alle gefordert, wir, die die Angebote

stellen und die Musikkapellen, die

Musikantinnen und Musikanten motivieren,

solche Angebote auch anzunehmen.

Meinhard Windisch, Verbandskapellmeister

Ausbildung für Kapellmeisterinnen und

Kapellmeister

In Südtirol haben wir ein sehr breit aufgestelltes

Fort- und Ausbildungsangebot.

Angefangen in der Musikschule und im

Konservatorium, das ab heuer neben dem

Bachelor-Studium ein fünfjähriges Masterstudium

anbietet. Dazu kommen die Fortbildungsangebote

vom Verband Südtiroler

Musikkapellen, welche mit dem Coaching,

der Dirigentenwerkstatt und den verschiedenen

Angeboten in der Funktionärsausbildung

doch insgesamt sehr gut aufgestellt

sind.

Uns als Fachgruppe ist es wichtig, das

breite Spektrum den Anforderungen und

Bedürfnissen anzupassen. Die Herausforderungen

bestehen darin, einerseits das

musikalische Niveau zu steigern und eine

professionelle innovative Richtung zu fördern,

anderseits dürfen wir die Alltagesprobleme

der kleinen Musikkapellen nicht

aus den Augen verlieren. Eine 30 Frau und

Mann starke Mittelstufenkapelle hat eine

völlig andere Realität wie eine D- Stufen

Kapelle mit 60 Mitgliedern. Dies müssen

wir verstärkt im Auge behalten und dementsprechend

die Kursangebote ausrichten.

Literatur und Komponisten

Man könnte sagen, es ist jedes Jahr dasselbe

Lied oder Leid. Gemeint sind hier die

Literaturauswahl und die Zusammenstellung

des Programms für die nächste Konzertsaison.

Natürlich gibt es Kataloge, Internet-Suchmaschinen

und Onlineportale,

die in der heutigen Zeit hilfreich sind. Doch

manchmal ist es genau dieses Überangebot,

das es nicht unbedingt leichter macht.

Dabei sind oft viele Kriterien zu beachten:

Passt das Programm in der Zusammenstellung,

ist die Bearbeitung gut, ist das

Stück für die Kapelle spielbar? - usw. In

dieser Hinsicht muss es nicht immer etwas

Neues sein, unsere Archive sind voll

von Schätzen, die manchmal nur wiederentdeckt

werden müssen. Auch in diesem

Bereich möchten wir Hilfe anbieten.

Ein besonderes Anliegen sind uns die jungen

Komponisten. Sie zu fördern und ihnen

die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren,

werden wir unter anderem mit der

Komponistenwerkstatt weiterhin verfolgen.

Wettbewerbe und Wertungsspiele

Ein Wettbewerb oder ein Wertungsspiel ist

in erster Linie ein Ziel. Als langjähriger Kapellmeister

und Musikpädagoge weiß ich,

wie wichtig Ziele sind. Eine Teilnahme an

einem Wertungsspiel ist für jede Musikkapelle

ein Gewinn. Dabei müssen aber

einige Punkte erfüllt sein. Wir als Fachgruppe

sind hier besonders gefordert. Für

uns ist die Beratung und Hilfestellungen

im Vorfeld eines Wertungsspiels ein besonderes

Anliegen. Noch wichtiger ist die

Ausrichtung eines Wertungsspiels. Zentrales

Thema ist hier das Beratungsgespräch.

Am Ende sollten alle das Gefühl

haben, wir haben viel dazugelernt, es hat

Spaß gemacht, und - gemäß dem Zitat von

Konfuzius - wir wissen, was wir in Zukunft

verbessern können.

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KulturFenster


Blasmusik

Hans Finatzer, Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer, Verbandsjugendleiter

„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes

zu sehen, wird nie alt werden“ so formulierte

es einst Franz Kafka.

Auf unsere Musikwelt übertragen, birgt

dieser tiefsinnige Ausspruch einiges an

Wahrheit, betrachtet man das gelebte

Miteinander unserer Musiklandschaft in

Südtirol. Kinder und Jugendliche wird es

immer geben, solange es die Menschheit

gibt, dabei sind die heutigen Jugendlichen

die Erwachsenen und Entscheidungsträger

von morgen.

In unserer Verantwortung liegt es, die

Jugendlichen zu begeistern, sie zu beflügeln,

sie aber auch zu leiten, ihnen neue

Wege aufzuzeigen.

Die digitale Revolution ändert das Musikleben

auf allen Ebenen,- Instagram,

Facebook, WhatsApp usw. sind bei Menschen

aller Altersschichten mittlerweile

allgegenwärtig und nicht mehr wegzudenken.

Diese Entwicklung änderte viele

unserer Gewohnheiten und vieles auf dem

Gebiet der Musik, nicht nur in Bezug auf

Musikkonsum und Hörgewohnheiten. Sogar

im Unterricht bieten sich immer raffiniertere

digitale Hilfsmittel an, mit einem

Wisch am Handy ist man überall am Geschehen

– mittendrin. Dieser vielfältigen

Entwicklung als Verband Rechnung zu tragen,

wird die Herausforderung der nächsten

Jahre - nicht nur in der Jugendarbeit

- sein. Die heutige Gesellschaft will

bequem und vor allem schnell an Informationen

kommen. Es wird in Zukunft

möglich sein, alles, was der Verband Südtiroler

Musikkapellen an Kursen, Weiterbildungen

und Schulungen anbietet, online

zu buchen. Eine Arbeitsgruppe bestehend

aus Vertretern des VSM und IT-Fachleuten

arbeitet seit dem heurigen Sommer

daran, die Homepage des VSM zu modernisieren.

Diese Maßnahme verspricht

zudem eine Erleichterung in der Verwaltung

und Entlastung der zumeist ehrenamtlich

tätigen Funktionäre.

Stichwort Entlastung: Ehrenamt ist nicht unbezahlte

Arbeit, sondern unbezahlbare Arbeit.

Das hohe Gut der Ehrenamtlichkeit muss

wohl dosiert und verantwortungsbewusst

eingesetzt werden, und es darf nicht mit

Selbstverständlichkeit in Verbindung gebracht

werden. Nur so lassen sich auch

in Zukunft Menschen finden, die Verantwortung

in Kapellen, Bezirken und auf

Landesebene übernehmen. Die Digitalisierung

ist nur ein Teil der Wahrheit, sie

hilft uns über bestimmte organisatorische

Hürden, um das Ganze übersichtlicher zu

gestalten. Gefordert sind die Politik, unsere

Entscheidungsträger und die Gesellschaft

gleichermaßen, das Ehrenamt in

Zukunft so positionieren, dass das wichtigste

– die Freude an der (Blas)Musik –

nicht in den Hintergrund tritt. Um es mit

Yehudi Menuhin zu halten: „Die Musik

spricht für sich alleine. Vorausgesetzt,

wir geben ihr eine Chance“

In diesem Sinne werde ich mich im

Namen der Fachgruppe Jugend bis 2021

auf den Weg machen.

Nr. 05 | Oktober 2019 7


Das Thema

Klaus Fischnaller, Verbandsstabführer

Musik-Tanz-Marsch-Festival der Jugend

Musik in Bewegung und Marschmusik im

Allgemeinen waren nicht die Hauptthemen

bei unserer Klausur. Gerne hätte ich mehr

Zeit gehabt, über die Idee eines „Jugend-

Festivals in Bewegung“ zu diskutieren. Somit

möchte ich die Gelegenheit nutzen, dies

über diesen Beitrag zu tun und euch alle

einladen, offen mitzudiskutieren.

Wir als Fachgruppe haben uns Gedanken

gemacht, wie wir für unsere Jugend

ein interessantes Angebot im Bereich

Musik in Bewegung anbieten könnten.

Dabei entstand die Idee, ein Festival zu

organisieren, wo sich unsere Jugendkapellen

treffen, egal ob klein oder groß,

ob einzeln oder kapellenübergreifend,

und dies alles ohne Wettbewerbscharakter.

Dabei sollen vor allem Musik,

Tanz, Marsch, Show und Spaß im Vordergrund

stehen.

Vorgesehen wäre dieses Festival der Jugend

für das Jahr 2021. Wir haben also

noch genügend Zeit für die Planung und

ich lade hiermit alle Bezirke, Kapellen, Jugendleiter

und Stabführer ein, diese tolle

Idee weiterzutragen und gemeinsam daran

zu arbeiten. Es wäre schade, wenn

es wieder ein mal nur bei einer der vielen

Ideen bliebe.

Klaus Fischnaller, Verbandsstabführer mit der MK Mauls

Musik in Bewegung Klang verleihen

Die Neue Funktionärsausbildung mit den

Zusatzmodulen im Bereich Musik in Bewegung

sind in den letzten 3 Jahren sehr

gut angenommen worden. Wir als Fachgruppe

möchten hier den eingeschlagenen

Weg weiterführen. Man einigte

sich darauf, ein Schwerpunktthema pro

Jahr durchzuarbeiten, ganz nach dem

Wunsch der Klausurtagung „Weniger ist

mehr“. Für 2020 steht das Angebot bereits,

und ich möchte die Gelegenheit nutzen,

euch für das Zusatzmodul „Musik in

Bewegung Klang verleihen“, welches für

den 16. Mai geplant ist, zu begeistern.

Als Referent hat bereits Mag. Hermann

Seiwald, Kapellmeister der Bürgerkorpskapelle

Hallein, zugesagt. Er stellte sich

in einer von ihm erstellten Studie selbst

die Frage „Welche Voraussetzungen sind

im Allgemeinen nötig, damit der Straßenmarsch

besser klingt?“ Melodie,

Begleitung, Probenarbeit, Marschaufstellung

mit Praxisbeispielen und vieles

mehr, sollen uns dazu anregen, uns weiterzubilden.

Eingeladen sind nicht nur Stabführer, sondern

auch Kapellmeister sowie Interessierte.

Die Fachgruppe Musik in Bewegung freut

sich wenn dieses Angebot wieder zahlreich

angenommen wird.

In einer eigenen Klausurtagung wurden die Weichen gestellt, um die anstehenden Aufgaben anzugehen, neue Ideen und Ziele zu

formulieren und die Blasmusik in Südtirol weiterzubringen.

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KulturFenster


Aus Verband und Bezirken

Blasmusik

Eine musikalische Farbenpracht

Marschmusikbewertung in Latsch (Vinschgau)

Die MK St. Georgen erreichte mit 92,86 Punkte die höchste Punktezahl.

Einmal im Jahr bietet der Verband Südtiroler

Musikkapellen (VSM) seinen Mitgliedskapellen

die Möglichkeit zur musikalischen

Standortbestimmung – sowohl auf der Konzertbühne

wie auch bei der Musik in Bewegung.

Nach dem Konzertwertungsspiel im Mai in

Auer stand nun die Marschmusikbewertung

auf dem Programm. Diese wurde heuer vom

VSM-Bezirk Schlanders in Zusammenarbeit

mit der Bürgerkapelle Latsch organisiert.

7 Musikkapellen stellten sich der Fachjury.

2 Kapellen traten in der Leistungsstufe

C und 5 in der Leistungsstufe D an.

Erik Brugger (Landesstabführer Vorarlberg),

Robert Werth (Landesstabführer Tirol) und

Rupert Steiner (Landesstabführer Salzburg)

begleiteten mit akribischem Auge den Auftritt

der Kapellen. Der Vorarlberger Landeskapellmeister

Helmut Geist bewertete die

musikalische Ausführung.

„Durch die besonders intensive Vorbereitung

wird das Niveau der Musikkapellen

gesteigert“, ist Verbandsstabführer Klaus

Fischnaller überzeugt: „Das gemeinsame

Ziel stärkt den Teamgeist im Verein und wirkt

sich so in mehrfacher Weise positiv aus.“

Bei strahlendem Wetter und vor einer mitreißenden

Zuschauerkulisse auf der Tribüne

des Sportplatzes in Latsch überzeugten die

Musikkapellen mit musikalischer Farbenpracht

und beeindruckenden Leistungen

und ernteten dafür anhaltenden Applaus

Die Ergebnisse in der Reihenfolge des Auftritts:

des Publikums und hervorragende Noten

der Juroren.

Stephan Niederegger

Musikkapelle der Stadt Glurns, Stabführer Fritz Wielander, Stufe C – 87,56 Punkte

Musikkapelle Tschengls, Stabführer Alexander Januth, Stufe C – 89,123 Punkte

Musikkapelle St. Georgen, Stabführer Josef Unterfrauner, Stufe D – 92,86 Punkte

Musikkapelle Kortsch, Stabführer Erwin Rechenmacher, Stufe D – 91,56 Punkte

Musikkapelle Prad, Stabführer Michael Eller, Stufe D – 89,90 Punkte

Musikkapelle Ranggen (A), Stabführer Meinrad Abfalterer, Stufe D – 88,96 Punkte

Musikkapelle Völser Aicha, Stabführer Markus Kompatscher, Stufe D – 90,05 Punkte

Am Ende waren sie alle Sieger.

Nr. 05 | Oktober 2019 9


Aus Verband und Bezirken

Der Marschmusik-Wettbewerb

aus der Sicht der Juroren

Aus der Betrachtung der Juroren, ein sehr gut organisierter und toller

Wettbewerb für die Blasmusik. Im Stadion von Latsch sind 7 Kapellen in

den Stufen C + D zu dieser Bewertung angetreten. Auch wenn die eine

oder andere Ausführung des Stabführers nicht immer den Vorschriften

entsprochen haben welche im Buch „Musik in Bewegung“ des Österreichischen

Blasmusikverbandes festgelegt sind, war dies nicht als falsch,

Sie beobachteten mit akribischem Aug‘

sondern eben als anders und somit wieder sehr fair bewertet worden.

und Ohr die Auftritte der Kapellen –

Gratulation an alle Teilnehmer!

v.l.: Erik Brugger, Robert Werth, Helmut

Geist und Rupert Steiner

Durch das Suchen des Vergleichs mit sich selbst, und nicht das Suchen des

Vergleichs mit anderen, und wenn es uns überhaupt gelingen würde, das Musizieren

als Herzensangelegenheit zu sehen, dann könnten wir mit viel Freude und Spannung in die künftigen

Wertungsspiele blicken. Letztlich geht es um eine umfassende Entwicklung, die wir durch Kennenlernen

neuer Marschliteratur und einer Vielfalt an Aufführungs- und Interpretationsmöglichkeiten erreichen können. Es geht aber auch darum,

sich dem Musizieren hinzugeben und bei einer besonderen Veranstaltung dabei zu sein.

Helmut Geist, Landeskapellmeister Blasmusikverband Vorarlberg

Musikkapelle Völser Aicha

Verbandsstabführer Klaus Fischnaller

zeigte sich erfreut über das gute Gelingen

der Marschmusikbewertung wie

auch über das hohe Niveau der teilnehmenden

Kapellen.

Sie freuten sich auf den Auftritt – die Stabführer (v. r.) der MK St. Georgen,

MK Kortsch, MK Tschengls, MK Prad, Verbandsstabführer Klaus

Fischnaller, MK Stadt Glurns, MK Ranggen und MK Völser Aicha

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KulturFenster


Blasmusik

Hier einige

Schnappschüsse …

Musikkapelle Stadt Glurns

Die Nordtiroler Musikkapelle Ranggen

Musikkapelle Tschengls

Musikkapelle Kortsch

Gleichermaßen kritisch interessiert

und begeistert folgten

die zahlreichen Zuschauer der

„Musik in Bewegung“.

Musikkapelle Prad am Stilfserjoch

… und viele

weitere findet man hier

Nr. 05 | Oktober 2019 11


Aus Verband und Bezirken

Oh munts y vals ladines

(Oh Berge und Täler Ladiniens)

Freundschaftstreffen der Musikbezirke Pustertal/Osttirol

Seit 1981 treffen sich die Funktionäre der

Musikbezirke des Osttirols (Lienzer Talboden,

Iseltal und Pustertal/Oberland) und des

VSM-Bezirks Bruneck im Zweijahresrhythmus

zu Freundschaftstreffen und zum wertvollen

Gedanken- und Erfahrungsaustausch,

jeweils diesseits und jenseits der Grenze.

Am vergangenen 14. September war es wieder

soweit: Die Osttiroler Kollegen waren zu

Gast im schönen Gadertal.

Treffpunkt war in Corvara - auf 2.194 Metern

Meereshöhe an der Mittelstation des

Piz Boè. Gar einige der Gäste ließen es sich

nicht nehmen und genossen noch die Weiterfahrt

mit dem Sessellift zur knapp 400

Meter höher gelegenen Bergstation „Vallon“

und den herrlichen Blick auf die frisch verschneite

Marmolata. Zurück am Treffpunkt

hieß Bezirksobmann Johann Hilber alle im

Namen des VSM-Bezirks herzlich willkommen:

„Wir haben die Verpflichtung, das was

vor knapp 40 Jahren mit viel Weitblick und

teils unter schwierigen Umständen und

Rahmenbedingungen initiiert wurde, in die

Zukunft weiterzutragen und an die nächste

Generation weiterzugeben.“ Gestärkt

beim reichhaltigen Buffet in der „Piz Boè

Alpine Lounge“ und musikalisch begleitet

vom „Conturines-Echo“ ging es schließlich

weiter nach Oies, zum Geburtshaus des Hl.

Pater Josef Freinademetz. Die gemeinsame

Messe in der Freinademetzkirche wurde von

Pater Franz Senfter zelebriert und von den

Weisenbläsern der Musikkapelle Abtei/Badia

unter der Leitung von Fridl Pescoller

musikalisch gestaltet. Auf dem Weg zum legendären

Runch-Hof auf der gegenüberliegenden

Talseite besuchte die Reisegruppe

noch kurz den Auftritt der Jugendkapelle

Hochabtei „Mujiga di jong dl'Alta Val Badia“

beim Kirchtagsfest, wiederum unter

der Leitung des „musikalischen Nimmersatt“

Fridl Pescoller.

Zum Willkommenstrunk am Runch-Hof

gesellte sich auch Roland Griessmair, seines

Zeichens der Präsident der Bezirksgemeinschaft

Pustertal. In seinen Grußworten hob

Gruppenfoto in mitten der herrlichen Landschaft des Gadertals

er die Wichtigkeit solcher Initiativen hervor:

„Es ist wichtig, dass der gegenseitige Austausch

unter den Menschen stattfindet und

nicht zwischen Bürgermeistern und offiziellen

Delegationen, denn erst die persönlichen

Verbindungen machen und halten

solche Ideen lebendig.“ Beim reichhaltigen

Abendessen gab es noch genügend

Gelegenheit, um Erinnerungen wachzurufen,

Erfahrungen auszutauschen und neue

Ideen zu schmieden.

Stephan Niederegger

Messfeier in der Freinademetzkirche

von Oies

Ein historisches Foto: Sie waren von Anfang an dabei, seit dem ersten

Freundschaftstreffen 1981 in St. Martin in Thurn - v.l. Helmuth Pescolderung, Klaus

Köck, Paul Winkler, Franz Lackner und Manfred Klocker - es war dies einer der

letzten "öffentlichen" Auftritte von Manfred Klocker, denn nur 10 Tage nach diesem

Treffen ist er überraschend verstorben.

12

KulturFenster


Blasorchesterstudium

auf höchstem Niveau

15.02.2020

Blasmusik

12. VSM - Landeswettbewerb

„Musik in kleinen

Gruppen“ 2020

www.vsm.bz.it/fachbereiche/jugend

Besondere Ausbildung am Bozner Konservatorium

Verbandsobmann Pepi Fauster (links)

und Verbandskapellmeister Meinhard

Windisch

Die Mitteilung, dass die Landesregierung

nun 3 neue Master-Studiengänge am Bozner

Musikkonservatorium genehmigt hat,

sorgte auch im Büro des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen (VSM) für große

Freude. Es sei dies ein weiterer Beweis

der Wertschätzung der Blasmusik und ihrer

Mitglieder in unserem Land und eine

neue Tür für moderne nachhaltige Entwicklungen,

hoben Verbandsobmann Pepi Fauster

und Verbandskapellmeister Meinhard

Windisch hervor.

„Der VSM freut sich außerordentlich

über die Genehmigung dieser besonderen

Ausbildung am Bozner Konservatorium“,

sagt Fauster. Es sei dies ein weiterer

wichtiger Schritt für die Blasmusik in

Südtirol. Mit der Einführung des Bachelor-Studiums

für Blasorchesterleitung am

Konservatorium in Bozen im Jahr 2010

war das Ziel erreicht, die höchste Ausbildungsstätte

des Landes in die Blasmusik

einzubinden. Ein großer Dank gehe dabei

auch an Thomas Doss, der maßgeblich

am Aufbau dieses Studiums in Bozen

mitgearbeitet und den Studiengang

begleitet hat, sowie an seinen Nachfolger

Walter Ratzek, der die Arbeit erfolgreich

fortsetzt. Ratzek setzte sich auch für

die Erweiterung des Studiengangs

ein. Zudem sucht

er den Kontakt zur Basis

und will auch aktive Kapellmeister

in ihrer Arbeit

unterstützen.

Das Masterstudium ermöglicht

nun den Studierenden

eine moderne, umfangreiche,

praxisnahe,

fundierte und weiterführende

Ausbildung auf dem

Gebiet der Blasorchesterleitung

und garantiere und steigere somit

die Qualität der Musikkapellen, ergänzt

Windisch.

Das Studium bereichert einerseits die

Studierenden selbst, andererseits erfährt

die gesamte Blasmusikszene einen

qualitativen „Rückenwind“, sind beide

überzeugt. Da erwartungsgemäß Studie-

6. Südtiroler Dirigentenwerkstatt

vom 8. bis 9. November 2019 in Bruneck

rende aus verschiedenen Ländern nach

Bozen kommen, gelangen neue Impulse,

frische Ideen und innovative Ansätze in

unser blasmusikalisches Umfeld: „Das

Image der Blasmusik wird gehoben, da

das künstlerische Element noch mehr

wie bisher verstärkt wird.“ Zudem werde

auch der Standort des Bozner Konservatoriums

noch weiter aufgewertet und reiht

sich in den Kreis jener Ausbildungsstätten

ein, die sich durch ihre Master-Lehrgänge

auf dem neuesten wissenschaftlichen

und künstlerischen Niveau bewegen.

Pepi Fauster und Meinhard Windisch bedanken

sich im Namen des Verbandes

und der 210 Südtiroler Musikkapellen bei

allen, die sich um diese neue Ausbildung

verdient gemacht haben, ganz besonders

dem Landeshauptmann, der Landesregierung

und dem Konservatorium Bozen.

Stephan Niederegger

Bereits zum 6. Mal lädt heuer der Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM) zur Dirigentenwerkstatt

für Kapellmeisterinnen und Kapellmeister. Oberstes Ziel dieser Werkstatt

ist es, mit Hilfe eines externen Referenten Inputs für die praktische, musikalische Arbeit

mit der Musikkapelle zu erhalten. Diese Fortbildung umfasst Blasorchesterliteratur

in allen unterschiedlichen Stufen und ist daher für alle Kapellmeisterinnen und Kapellmeister

interessant. Gastreferent der heurigen Werkstatt ist Walter Ratzek.

Bei der VSM-Jahreshauptversammlung 2017 stellte sich Walter Ratzek als neuer

Professor des Blasorchesterstudiums in Bozen vor.

Nr. 05 | Oktober 2019 13


Blasmusik International

29.02.2020

CON.BRIO

Kapellmeisterwettbewerb

Stadttheater Sterzing

http://www.vsm.bz.it/

2019/09/04/con-brio-west/

Kritisch hingehört

„Secret Escapes“

Luxusklänge beim Sommernachtskonzert der MK Naturns

Secret Escape - eine musikalische „Flucht“ mit sommerlich-heißen Rhythmen und Melodien bot die Musikkapelle Naturns beim

diesjährigen Sommernachtskonzert.

Am 22. und 24. August entfloh das zahlreich

erschienene Publikum dank des verlockenden

„Secret-Escape“-Angebotes der Musikkapelle

Naturns dem Alltag, um sich auf die

Luxusreise eines bunten, geschmackvollen

Musikcocktails unter dem Dirigat von Dietmar

Rainer zu begeben, der vor allem aus

Zutaten wie Rock, Pop, Swing und Samba

gemixt und mit einer ansehnlichen Prise

Schauspiel veredelt war. Judith Leiter und

Daniel Götsch verführten die Zuhörer in ihrer

beseelten, deklamatorischen Anmoderation

der Stücke in die wohl schönsten Urlaubsregionen

dieses Planeten, wie etwa

nach Spanien oder bis zum Strand von Copacabana

nach Brasilien.

Mit Carlos Santanas „Europa“, einer der

größten Rocklegenden, nahm das Konzert

seinen Lauf. Die unverkennbaren Gitarrenmelodien

übernahmen Jakob Geier an der

E-Gitarre und Anna Weithaler am E-Bass gemeinsam

mit Julia Wellenzohn am Klavier.

Loris Gitterle überzeugte hier am Drum-Set

genauso wie in den darauffolgenden spanischen

Melodien „Palindromia Flamenca“

am Cajon. Die Konzertbesucher goutierten

dabei vor allem Andreas Lamprechts ausgedehnte

bravouröse Improvisationen am

Sopransaxophon und die Flamenco-Begleitrhythmen

der spanischen Gitarre von

Anna Weithaler. Die musikalische Reise

der Musikapelle führte mit Apollo 11 sogar

ins Universum, so etwa im Stück „Fly Me

To The Moon“. Der von Frank Sinatra oder

anderen Interpreten gesungene bekannte

Evergreen präsentierte sich in diesem originellen

Arrangement mit verzaubernden

Soli für Saxophon und Gesang, dargeboten

von Sybille Kofler. Mit „Wave“, des brasilianischen

Komponisten Antonio Carlos,

präsentierte Kofl er in einer weiteren Sologesangdarbietung

im Klangbeet der Musikkapelle

die Komplexität des Bossa-Nova-

Stils sowohl in Harmonie und Melodie. Im

Werk „The Girl From Ipanema“ setzte Daniel

Götsch im mitreißenden Sologesang ebenfalls

die typischen stilistischen Eigenheiten

des Bossa-Nova-Gesangs gekonnt um, während

die Kapelle im Samba-Rhythmus ausdrucksstark

das am Strand von Ipanema

entlanglaufende Girl darstellte. In diesem

Stil präsentierte sich auch „Clarinet Samba“

von Parker, dabei glänzte das Klarinettenregister

in schnellen Läufen, begleitet vom

raffinierten Spiel lateinamerikanischer Perkussionsinstrumente.

Brasilianisch sollte es

auch in dem von Barry Manilow ursprünglich

gesungenem „Copacabana“ zugehen,

indem Sybille Kofler im Sologesang die Geschichte

eines Showgirls und deren Liebhaber

erzählte; auch das Flötenintermezzo

bot Kofler selbst. Sonnig-heiter flanierte Veronika

Schnitzer gesanglich „On The Sunny

Side Of The Street“, ein Popsong aus der

Feder von Jimmy McHugh. Wie schön es

ist, seine Sorgen hinter sich zu lassen und

auf der sonnigen Seite der Straße spazieren

zu gehen, erlebten die Zuhörer ebenso in

der luftig-leichten Klangdarbietung von Julia

Wellenzohn im klaviersolistischen „Sweet

Piano“, das von anfänglichen süßen Walzermelodien

in abschließende swingende

Vier-Viertel-Rhythmen modulierte. Das Naturnser

Blasorchester versorgte die Walzerliebhaber

im Publikum mit einem weiteren

Drei-Viertel-Rhythmus und zwar im vielfarbigen,

facettenreich instrumentierten modernen

Konzertwalzer „Jazz Waltz Number

One“ von Otto M. Schwarz. Dabei glänzten

vor allem Anna Platzgummer und Manuel

Tumler auf solistische Art und Weise. Faszinierende

Rhythmen boten auch die Solopassagen

der Perkussionisten in „Fascinating

Drums“ von Ted Huggens. Im Stück

„Nothing Gonna Change My Love For You“

eroberte Manuel Tumler im Trompetensolo

in der durch die Moderatoren eröffneten

„Nacht der Rosen“ die Herzen des Konzertpublikums.

Mit dem Radiohit „Despacito“

von Luis Fonsi und den Worten „Ladies

and gentlemen. This is Mambo Number 5”

schloss Thomas Moriggl im Sologesang gemeinsam

mit der Musikapelle Naturns die

musikalischen Sommernachtsträume unter

tosendem Applaus.

Fabian Fleischmann

14

KulturFenster


Zur Person

Blasmusik

Zum 90. Geburtstag

von Andreas Bramböck

Vielseitiger Pädagoge – Dirigent – Funktionär

Am 12. Juli 2019 feierte der ehemalige

Landeskapellmeister des Tiroler Blasmusikverbandes,

Andreas Bramböck, in Mariastein

mit seiner Familie den 90. Geburtstag.

Der Jubilar kann auf ein beachtliches

Lebenswerk als Pädagoge, musikalischer

Leiter mehrerer Musikkapellen, als Chordirigent,

verdienstvoller Funktionär, Initiator

zahlreicher Neuerungen, insbesondere

in der Aus- und Fortbildung von Kapellmeistern,

Jungmusikern und Jungmusikerinnen

zurückblicken.

Über sein vielfältiges Wirken, seine Kompetenz

in musikalischen und organisatorischen

Fragen, seine Verlässlichkeit, seinen

Fleiß und auch über seine zahlreichen

Bergtouren und Reisen, die ihn bis nach

Südamerika führten, wäre einiges Wissenswertes

und Unterhaltsames zu berichten.

Zentrale Themen der beruflichen Laufbahn,

beginnend als Lehrer an der Volksschule

Amras und nach 42 Jahren ebendort

als Direktor endend, die in diesem

Zeitraum erfolgte pädagogische Entwicklung,

die personelle wie auch räumliche

Erweiterung der Volksschule Amras sind

nur rudimentär wiederzugeben. Die Ernennung

zum Oberschulrat war die logische

Folge seiner Bemühungen.

Wegweisend in mannigfacher Weise waren

die Gründung des Amraser Jugendund

Kirchenchores (Winter 1951), wie

überhaupt die besondere Hinwendung

zur Jugend und sein Offensein allem sinnvoll

Neuen gegenüber. So schuf er solide

Voraussetzungen für die musikalisch anspruchsvolle

Gestaltung der Gottesdienste

sowie von Festen und Feiern im Jahreslauf.

Die gezielte Hinwendung zur Jugend

hatte nicht nur eine zahlenmäßige Erweiterung,

sondern auch eine qualitätsvolle

musikalische Entwicklung und Leistungssteigerung

zur Folge.

Mit der Musikkapelle Amras, deren

Kapellmeister er von 1955 bis 1970 und

1972 bis 1989 war, absolvierte er ein ansehnliches

Pensum von außerordentlich

gelungenen Konzertprogrammen und beachtlichen

Ausrückungen. Die langjährige

freundschaftliche Verbindung mit der

Musikkapelle Feldthurns im VSM und die

Wertschätzung der Vereine in Amras beweisen

seine Umsicht und Kooperationsbereitschaft.

Als Landeskapellmeister (1986 bis

1998) initiierte er u. a. erstmals die Zusammenstellung

eines symphonischen

Landesblasorchesters in Tirol. Zum Papstbesuch

von Johannes Paul II. im Bergisel-

Stadion in Innsbruck leitete er die Uraufführung

der „Intrada“ für Blasorchester

von Florian Bramböck. Mit der Musikkapelle

Amras führte er z. B. die Symphonie

in c-Moll von Franz Kinzl (1895-

1978) und das zeitgenössische Werk für

Violoncello und Blasorchester von Friedrich

Gulda (Solist Max Engel) auf.

Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen

kirchlicher und profaner Institutionen

(z. B. die Ernennung zum Professor)

und Vereinigungen dokumentieren

die Wertschätzung und Dankbarkeit für

zahlreiche Initiativen, Gründungen und

jahrzehntelang erbrachte Leistungen des

stets bescheiden gebliebenen Jubilars

als Vorgesetzter, Mitarbeiter und Freund.

Mögen alle guten Wünsche, die Prof.

Bramböck zu seinem Jubiläum erreicht

haben, in Erfüllung gehen und er mit seiner

Erfahrung und reichem Wissen noch

lange bei uns bleiben.

Friedrich Weyermüller

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

Nr. 05 | Oktober 2019 15


Neues

Klang der Donaumonarchie

Bläserphilharmonie Mozarteum Salzburg – CD des Neujahrskonzertes 2019 erschienen

Die Bläserphilharmonie Mozarteum

Salzburg musiziert im

„Olymp der Bläsersymphonik“ -

so titelte bereits die internationale

Fachzeitschrift „eurowinds“

über dieses einzigartige Orchester.

Ihr Salzburger Neujahrskonzert

im Großen Festspielhaus ist

mittlerweile zu einem Markenzeichen

geworden.

Das heurige Konzert am vergangenen

6. Jänner wurde zur

Primetime im ORF als Live-Übertragung

ausgestrahlt. Auch diesmal

setzte der Gründer und

Chefdirigent Hansjörg Angerer

besondere programmatische Akzente.

Speziell in der Umsetzung

der Musik der Strauss-Dynastie

in dieser Besetzungsform setzt

die Bläserphilharmonie neue

Maßstäbe, die weltweit als Vorbild

dienen. Nun wurde die CD des Neujahrskonzertes

2019 veröffentlicht – die

30-ste seit der Orchestergründung vor 17

Jahren. Unter dem Motto „Klang der Donaumonarchie“

hat Hansjörg Angerer Meisterwerke

führender Komponisten ausgesucht,

die während der letzten 100 Jahre

der Habsburger Monarchie wirkten. Da-

mit wird die letzte Glanzzeit des

Weltreiches mit Walzern, Märschen

und Tänzen wie Czárdás,

Polka und Mazurka zum Klingen

und Leuchten gebracht.

Neben Werken von Carl Michael

Ziehrer, Joseph Lanner,

Johann Strauss, Franz von

Suppé, Bedřich Smetana, Antonin

Dvořák , Johannes Brahms,

Julius Fučík und Josef Hellmesberger

ist auch das Schlagwerkkonzert

des Wiener Philharmonikers

Bruno Hartl mit

dem internationalen Solisten

Martin Grubinger zu hören.

Somit klingt die Musik der Donaumonarchie

weder antiquiert

noch verstaubt und der musikalische

Bogen spannt sich

bis in die Neuzeit. Die Bläserphilharmonie

Mozarteum Salzburg

beweist einmal mehr, dass sie in der

musikalischen Welt einen eigenen Kontinent

darstellt.

Stephan Niederegger

6. Südtiroler Dirigentenwerkstatt

am 8. und 9. November 2019 in Bruneck

Bereits zum 6. Mal lädt heuer der Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) zur Dirigentenwerkstatt für Kapellmeisterinnen und Kapellmeister.

Oberstes Ziel dieser Werkstatt ist es, mit Hilfe eines externen Referenten Inputs

für die praktische, musikalische Arbeit mit der Musikkapelle zu erhalten.

Diese Fortbildung umfasst Blasorchesterliteratur in allen unterschiedlichen Stufen und ist

daher für alle Kapellmeisterinnen und Kapellmeister interessant. Gastreferent der heurigen

Werkstatt ist Walter Ratzek.

Anmeldungen sind über das VSM-Office möglich.

Im Notizfeld ist die aktive (Kursgebühr = 150 Euro) oder die passive Teilnahme (Kursgebühr = 50 Euro) zu vermerken.

Informationen im Internet unter www.vsm.bz.it/2019/06/22/6-suedt-dirigentenwerkstatt

16

KulturFenster


Blasmusik

Die Musikkapelle Afers präsentierte sich bei ihrem Jubiläum in Feststimmung.

•Musikpanorama

Jubiläumsfest 100 Jahre Musikkapelle Afers

Abendkonzert mit Ehrungen – Festakt – Vereinschronik und Fotoausstellung

Die Musikkapelle und die Bevölkerung von

Afers feierten am 14. und 15. September

das 100-jährige Bestehen der Kapelle.

Die Jubiläumsfeier begann bereits am

Samstag, 14. September, mit einem

Abendkonzert der Jubelkapelle. Bei diesem

Anlass wurden Michael Prader für

seine 25-jährige Musikantenlaufbahn sowie

Albin Bacher für seine 25-jährige Tätigkeit

im Ausschuss, unter anderem als

Kapellmeister, Jugendleiter, Beirat und

Obmann-Stellvertreter geehrt. Der Bezirksobmann

Josef Ploner nahm die Ehrungen

vor und bedankte sich bei beiden

für ihren Einsatz und die Zeit, die sie in

all den Jahren für die Musikkapelle aufgebracht

haben. Am Sonntag, 15. September,

wurden am frühen Morgen die

Verbandsfahne und ca. 20 Fahnenabordnungen

des Bezirks Brixen empfangen.

Nach dem Gottesdienst in der Pfarrkirche

von Afers folgte der Festakt mit den Grußworten

der Ehrengäste. Chronist Martin

Prader, selbst aktiver Musikant, stellte der

Festgemeinde zudem die Chronik der Musikkapelle

Afers vor, die er mit viel Mühe

und Fleiß erarbeitet hatte. Damit konnte

er allen Interessierten einen kleinen Einblick

in das Geschehen, von der Gründung

im Jahr 1919 durch Vigil Gostner

bis heute, verschaffen. Außerdem konnten

die Dorfbewohner und Gäste anhand

einer Fotoausstellung im Mehrzwecksaal

viele schöne Eindrücke von der 100-jährigen

Vereinsgeschichte der Musikkapelle

sammeln. Am Nachmittag sorgten die Jugendkapelle

Lüsen/St.Andrä/Afers und die

Böhmische von Weitental für die musikalische

Unterhaltung. Die Vereine von

Afers unterstützten die Musikkapelle tatkräftig

bei der Durchführung des Jubiläumsfestes,

das von der Dorfbevölkerung

und von vielen Gästen aus nah und fern

mitgefeiert wurde.

MK Afers

Nr. 05 | Oktober 2019 17


Blasmusik Musikpanorama International

ab 15.02.2020

Kapellmeistercoaching

2020

http://www.vsm.bz.it/fachbereiche/

kapellmeister

Ein musikalischer Tag mit

namhaften Referenten

MK Prissian organisiert Seminar für Weisenbläser

Anfangs Juli organisierte die MK-Prissian

auf der „Unterwirtsalm“ oberhalb Platzers

ein Seminar für Weisenbläser. Dazu konnten

zwei namhafte Referenten gewonnen

werden:

Stefan Neussl aus Kaltenbach im Zillertal

ist Fachreferent für alpenländische Volksmusik,

Vorstandsmitglied im Tiroler Volksmusikverein,

Juror beim „Alpenländischen

Volksmusikwettbewerb“ Innsbruck, Gründer

und Leiter der „Zillertaler Weisenbläser“

sowie der „Tiroler Tanzmusikanten“.

Christian Egger aus Brixen im Thale (T),

Musikschullehrer und Kapellmeister der

MK-Hopfgarten, ist seit vielen Jahren als

Referent für Klarinette im Bildungshaus

Schloss Goldrain tätig, ebenso wie Stefan

Neussl für Flügelhorn. Stefan Neussl ging

vor allem auf die Grundvoraussetzung ein,

die es beim Weisenblasen braucht, damit

ein stimmiges Musizieren gelingen kann:

ein guter Ansatz, eine solide Tonbildung,

eine sichere und präzise Ansprache und,

als wesentliches Element, das „Gespür“

füreinander. Zu den etwa 15 Musikantinnen

und Musikanten der MK-Prissian

gesellten sich noch einige Musikfreunde

von auswärts hinzu, so auch die Familie

Hannes Wallnöfer/Schwärzer aus Tisens,

die im Herbst 2018 in Innsbruck den begehrten

Herma-Haselsteiner-Preis in der

Kategorie „Musizierende Familie“ gewonnen

hat. Den ganzen Tag hindurch wurde

fleißig geübt, wobei auch verschiedene Besetzungen

ausprobiert wurden.

In kleineren Pausen erfrischte ein guter Tropfen

aus dem Weingut der Familie Holzner

die Bläser; ebenso sorgten fleißige Helfer/

innen bestens für das leibliche Wohl. Insgesamt

war es ein sehr schöner, geselliger

Tag mit viel Musik unter schattigen Bäumen.

MK-Prissian

Eine Weise zum Abschluss

vom Balkon der Almhütte,

die dankenswerterweise

von der Familie Holzner

zur Verfügung gestellt

wurde - Referent Stefan

Neussl (4. v.r.)

Egerländer Musik in Naturns

Marsch- und Polka-Workshop mit Toni Scholl

Das Wochenende vom 30. August bis 1.

September stand bei der Naturnser Musikkapelle

im Zeichen der Egerländer Musik.

Mehrere Musikantinnen und Musikanten

aus verschiedenen Vinschger und Burggräfler

Musikkapellen folgten der Einladung

der Musikkapelle Naturns zum kostenlosen

Marsch- und Polka-Workshop mit dem Gastdirigenten

Toni Scholl in Naturns.

Toni Scholl arbeitete bereits zu Zeiten seines

Posaunenstudiums mit verschiedenen

Orchestern zusammen und besuchte mehrere

Meisterkurse im Dirigieren, bevor er im

Jahr 2000 sein Dirigier- und Kapellmeisterstudium

an der Hochschule für Musik Groningen

(NL) erfolgreich abschloss. 1991 bis

1999 war Scholl als 1. Tenorhornist bei den

Original Egerländer Musikanten unter der Leitung

von Ernst Mosch tätig und führte in Zusammenarbeit

mit Ernst Hutter bis 2003 die

neue Formation von „Die Egerländer Musikanten

- Das Original“. An zwei Probeabenden

brachte Toni Scholl den insgesamt ca. 80

Musikantinnen und Musikanten mit pädagogischem

Feingefühl die stilistischen und

musikalischen Eigenheiten der Egerländer

Musik näher. Erarbeitet wurden Werke wie

die „Fuchsgraben Polka“ von Karel Vacek,

„Egerländer Träumereien“ von Toni Scholl

sowie einige weitere Polkas und Märsche.

Zur Aufführung kam das Geprobte bei einem

kurzen Konzert beim Naturnser Kirchtag am

Sonntag, 1. September.

Julia Wellenzohn

Ende August wurde in Naturns unter der Leitung von Toni Scholl fleißig Egerländer

Musik geprobt.

18

KulturFenster


Vorweg

Chorwesen

7. Gesamttiroler Wertungssingen

Mit dabei auch die zwei Landesjugendchöre

Beim 7. Gesamttiroler Wertungssingen sind der Landesjugendchor Südtirol …

27 Chöre aus Nord- Ost- und Südtirol nehmen

am 7. Gesamttiroler Wertungssingen

am 9. und 10. November 2019 in der Aula

Magna in Auer (Sepp-Thaler-Straße 2) teil.

Das Wertungssingen wird auch heuer

eine gute Gelegenheit bieten, neue Literatur

kennen zu lernen, sich gegenseitig

zu intensiver Chorarbeit zu motivieren und

die Qualität nachhaltig zu verbessern. Besonders

wertvoll ist auch die Rückmeldung

der kompetenten Jury. Der Wert solcher

Perspektiven von außen ist unschätzbar

und jeder Chor ist angewiesen auf solche

Erfahrungen, wenn er nicht stehen bleiben

will. Neben den klassischen Chören

nehmen in einer offenen Klasse auch andere

Formationen teil. Die Vorträge der

Chöre beginnen am Samstag, 9. November

um 9.30 Uhr.

Der Festakt mit der Überreichung der

Urkunden fi ndet am Sonntag. 10. November

um 18.00 Uhr in der Aula Magna

in Auer, statt. Folgende Chöre nehmen

am Wertungssingen teil: der Freizeitchor

Radein, der Kirchenchor "St. Wolfgang"

Radein, der Mandochor Ehrenburg, der

Kirchenchor St. Margareth/Schabs, die

Frauensinggruppe "vox jubilans" Riffian,

das Ensemble "vox jubilans" Riffian, der

Männerchor Stegen, der Cor Sasslong,

der Kirchenchor "St. Oswald" Mauls, die

Gospel Cantorei Meran, der Kirchenchor

Auer, brummnet - der Männerchor, 4teen-

Frauen, der Frauenchor Sebald, der Landesjugendchor

Südtirol, der Männerchor

Terfens, der Oswald Milser Chor, der MGV

Liederkranz Telfs, der Kirchenchor Tulfes,

Gemischter Chor Schmirn, Steuerberaterchor

Kammerchor Tirol, "da Chor"

Niederau, Chor CHORrekt Zillertal, Chorwerkstatt

Telfs, Chor St. Marien, Lienz und

der Tiroler Landesjugendchor.

… und der Tiroler Landesjugendchor mit dabei.

Alle Informationen zu den Veranstaltungen und Schulungen des Südtiroler Chorverbands

auf www.scv.bz.it und auf Facebook!

Dominikanerplatz 7, I-39100 Bozen

Tel.: 0471 971833

E-Mail: info@scv.bz.it

www.scv.bz.it

facebook.com/SuedtirolerChorverband

Nr. 05 | Oktober 2019 19


Das Thema

Jugendliche lassen sich für das

Singen begeistern!

Chorleiter Hubert Brugger erzählt von seinen Erfahrungen

ich die Mittelschule besuchte. Es war ein

Privileg, im Knabenchor zu singen, und ich

denke gerne zurück an diese schöne Zeit.

Ich habe dann in der Oberschule mit

dem Gitarrenspiel begonnen, wir hatten

im Johanneum in Dorf Tirol eine Band, wir

haben öfters Feierlichkeiten an der Schule

mitgestaltet, und was uns natürlich am besten

gefallen hat: Wir wurden oft in andere

Dörfer im Burggrafenamt und in den Vinschgau

eingeladen, Jugendmessen musikalisch

zu gestalten und haben so nette

Leute kennengelernt. In meiner Oberschul-

und Studienzeit war ich außerdem

Mitglied der Musikkapelle Nals und habe

Trompete gespielt.

Chorleiter Hubert Brugger erhielt von den Landeshauptleuten von Tirol die

Verdienstmedaille des Landes Tirol.

Mit vielen anderen Menschen des Landes

erhielt heuer auch Hubert Brugger, Lehrer

und Chorleiter aus Meran, die Verdienstmedaille

des Landes Tirol für seine Verdienste

um die Kultur in unserem Land.

„Die Auszeichnung kam für mich völlig

überraschend und ich habe lange überlegt,

warum ich, denn es gibt so viele, die die

Auszeichnung genauso verdienen würden

wie ich“, sagt der Chorleiter und fügt hinzu:

„Trotzdem habe ich mich sehr gefreut und

sehe diese Auszeichnung als Dank und Anerkennung

für die Sänger und Sängerinnen

im Jugendchor Prisma, die über viele Jahre,

bzw. Jahrzehnte die Freizeit dafür eingesetzt

haben und immer noch einsetzen, durch

ihr Singen und Musizieren anderen Menschen

Freude zu bereiten.“ Hubert Brugger

stammt aus Sirmian bei Nals, wohnt seit

über 30 Jahren mit seiner Familie in Meran,

ist verheiratet und hat drei bereits erwachsene

Söhne. Als Schüler im Johanneum

in Dorf Tirol faszinierte ihn die Mathematik.

Deshalb studierte er nach der Matura

Mathematik in Innsbruck und unterrichtet

seither dieses Fach an der Handelsoberschule

- heute Wirtschaftsfachoberschule

- in Meran. „Es war schon immer mein

Berufswunsch, Lehrer zu werden“, erzählt

Hubert Brugger in seiner stets ruhigen und

freundlichen Art: „Ich freue mich jedes Jahr

neu auf die spannende und abwechslungsreiche

Arbeit mit den Jugendlichen.“ Ein

Lehrer mit Leib und Seele also - Vielleicht

liegt auch darin das Geheimnis für seinen

Erfolg als Jugendchorleiter.

KF: Sie sind nicht nur begeisterter Lehrer,

sondern leiten auch den Jugendchor

Prisma. Wie sind Sie selbst zur Musik gekommen?

H. Brugger: Musik hat mich schon als

Kind begeistert, das erste Instrument, das

ich gespielt habe, war eine einfache Ziehharmonika.

Leider gab es in meiner Kindheit

noch kaum Möglichkeiten, Unterricht

zu bekommen, und so habe ich versucht

mir vieles selbst beizubringen. Zum ersten

Mal gesungen habe ich im Knabenchor im

Chorherrenstift in Neustift bei Brixen, wo

KF: Welche Rolle spielt die Musik heute in

Ihrem Alltag?

H. Brugger: Für mich ist die Musik ein wunderschöner

Ausgleich zum Beruf. Zudem

habe ich das Glück, dass meine drei Buben

im Chor singen und bei Bedarf auch als Instrumentalisten

einsatzbereit sind. Auch

meine Frau unterstützt meine Arbeit mit

dem Chor sehr. Sie hilft beim Planen und

Organisieren. Sie freut sich immer, wenn

der Chor singt und schätzt das, was die Jugendlichen

leisten.

KF: Erzählen Sie uns, wie es zur Gründung

des Chores kam?

H. Brugger: Als im Jahre 1997 unser ältester

Sohn Simon auf die Firmung vorbereitet

wurde, gab es den Wunsch, den Firmungsgottesdienst

mit einer Gruppe musikalisch

zu gestalten. Ich suchte Instrumentalisten

und eine Gruppe von Sängerinnen, mit denen

ich einige Lieder einstudierte, und wir

umrahmten dann die Firmung in der Stadtpfarrkirche

von Meran. Nach der Feier kam

Herr Dekan Schönthaler zu uns und machte

unserer Gruppe ein großes Kompliment für

die gelungene musikalische Umrahmung

und sagte wörtlich: „Das war heute sehr

gut und was gut ist, müssen wir weitermachen!“

Dies war eigentlich die Geburts-

20

KulturFenster


Chorwesen

Der Jugendchor Prisma gestaltet Gottesdienste, aber auch Musicals und Konzerte stehen auf dem Programm.

stunde unseres Chores. In den ersten Jahren

haben wir alle zwei Wochen geprobt;

es kamen jedes Jahr neue Sängerinnen

und Sänger dazu, einige waren auch nur

kurze Zeit dabei, und wir probten dann,

so wie heute immer noch, wöchentlich,

immer freitags von 18.15 Uhr bis 19.30

Uhr im Jugendraum der Pfarre St. Nikolaus.

Dekan Schönthaler und Pastoralassistentin

Frau Martina Niederkofler haben

den Chor immer sehr unterstützt und die

Jugendlichen motiviert im Chor mitzusingen.

Zuerst bestand der Chor vor allem

aus Mittel- und Oberschülern, dann vorwiegend

aus Studenten, die trotz des Studiums

nach Möglichkeit versuchten, bei

der wöchentlichen Probe dabei zu sein.

Heute besteht der Chor aus jungen Erwachsenen,

die teilweise auch schon im

Berufsleben stehen. Seit der Zusammenlegung

der Pfarreien Maria Himmelfahrt und

St. Nikolaus haben wir mehrere Male gemeinsam

mit der Gruppe Mikado unter der

Leitung von Stefan Rinner von der Pfarre

Maria Himmelfahrt die Firmung gestaltet,

und seit nun drei Jahren sind wir zu einem

einzigen Chor zusammengewachsen. Derzeit

sind wir 12 Buben und 18 Mädchen.

KF: Ihr gestaltet also vor allem Gottesdienste

musikalisch mit...

H. Brugger: Begonnen haben wir mit einfachen

rhythmischen Jungschar- Liedern

und nun haben wir vor allem viele neue

geistliche Lieder in unserem Repertoire.

Wir singen bei verschiedenen kirchlichen

Anlässen, wie zu Erntedank, im Advent,

bei Jugendmessen, beim Jugend-Kreuzweg;

auch am Muttertag gestalten wir die

Messfeier mit und geben anschließend auf

dem Pfarrplatz unser bereits traditionelles

Ständchen. Ein Fixpunkt schon seit vielen

Jahren ist die musikalische Umrahmung der

Feier der Jubelpaare mit anschließendem

Ständchen im Nikolaussaal, einige Male

haben wir auch die lange Nacht der Kirchen

mitgestaltet. Wir singen auch gerne

weltliche Lieder aus Rock, Pop und Jazz,

aber auch traditionelles Liedgut, wie z. B

„in die Berg bin i gearn“ oder „Mai Maadele,

mai Tschurale“.

KF: Als Chor wächst man sicher auch zu

einer Gemeinschaft zusammen.

H. Brugger: Besonders schöne Erlebnisse

hatten wir bei unseren Chorreisen nach

Liechtenstein oder beim Festival der Jugendchöre

in Zell am See. Gerne denken

wir auch an unsere traditionellen Auftritte

beim Meraner Advent oder beim Glurnser

Stadtlsingen, auch an die gemeinsamen

Auftritte mit den Männerchören von Lana

und Algund, sowie mit der Stadtmusikkapelle

Meran beim Konzert der Bläserfreundschaft

in Passau. Auch die Auftritte in den

Gärten von Schloß Trauttmansdorff bleiben

uns in guter Erinnerung.

KF: Sie haben eine lange Erfahrung als Chorleiter

von Jugendchören. Was ist das Besondere

an der Arbeit mit Jugendlichen? Wo

sehen Sie besondere Herausforderungen?

H. Brugger: Ich bin in diese Rolle hineingewachsen

und habe mich laufend fortgebildet.

Viele Jahre habe ich die Chorleiterkurse

des Südtiroler Chorverbandes

besucht sowie Seminare zum neuen Geistlichen

Lied, wo ich viele Impulse und Ideen

und vor allem neue Literatur für den Chor

bekommen habe. Anfangs habe ich den

Chor meistens mit der Gitarre begleitet.

Dann habe ich gemerkt, wie praktisch es

ist, wenn man beim Einstudieren von neuer

Literatur Klavier spielen kann. Daraufhin

habe ich mehrere Jahre Klavierunterricht

genommen. Dies kam mir auch sehr zugute,

als ich dann vor rund 10 Jahren die

Chorleiterausbildung in der Musikschule

Naturns absolvierte. Das Besondere an der

Arbeit mit Jugendlichen ist, dass sie spontan

und begeisterungsfähig sind. Die Herausforderung

dabei ist, dafür zu sorgen,

dass ihre Begeisterung möglichst lange

anhält, sodass sie Woche für Woche zur

Probe kommen.

KF: Oft scheint es, Jugendliche seien für

das Singen im Chor nicht mehr zu motivieren,

regelmäßig zu Proben zu kommen

und über Projekte hinaus Mitglieder eines

Chores zu sein. Woher nehmen Ihre Sänger

und Sängerinnen ihre Motivation?

H. Brugger: Ich habe immer versucht herauszufinden,

was der Chor gerne singt.

Die Jugendlichen sind begeisterungsfähig,

und wenn sie spüren, dass ihr Einsatz im

Chor auch geschätzt wird, dann sind sie

auch bereit, verlässlich und immer wie-

Nr. 05 | Oktober 2019 21


Das Thema

der mitzumachen. Man soll sie auch mitgestalten

lassen und nach Möglichkeit ihre

Wünsche aufnehmen. So steigt ihre Motivation

und auch ihre Eigenverantwortung.

Sehr wichtig ist die Gemeinschaft. Wir haben

sehr viel gemeinsam unternommen.

Dies fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl

und das Verantwortungsbewusstsein.

Zu bestimmten Jubiläen haben wir

gemeinsam ein Konzert oder ein Musical

besucht, so z. B. „Grease“ in München,

„Rebecca“ in Stuttgart oder „Die Schöne

und das Biest“ in Linz.

Sehr schöne Erinnerungen haben wir an

die Konzertreisen nach Liechtenstein in den

Jahren 2008 und 2012 sowie an das Festival

der jungen Chöre in Zell am See im

Jahre 2011, wo wir in Vertretung des Südtiroler

Chorverbandes teilgenommen haben.

Demnächst besuchen wir gemeinsam das

Konzert mit Max Raabe und dem Palastorchester

im Meraner Kursaal. Dass solche

Reisen und Konzertbesuche überhaupt möglich

sind, verdanken wir unseren verschiedenen

Gönnern, die unsere Arbeit schätzen

und uns immer wieder unterstützen.

KF: Was ist das Schöne an der Chorleitung

für Sie persönlich?

H. Brugger: Das Schöne ist es, die Begeisterung

der Jugendlichen zu spüren und zu

erleben, wie es auch ihnen gut tut, wenn sie

durch ihr Singen vielen Menschen Freude

und Glück bereiten.

KF: Sie sind ja auch Lehrer. Gibt es Gemeinsamkeiten

zwischen den beiden Aufgaben?

H.Brugger: Ja, ich denke, es gibt schon Gemeinsamkeiten:

Man muss selbst begeistert

sein von der Sache, die man macht,

nur dann überträgt sich dies auch auf die

Sängerinnen und Sänger genauso wie auf

die Schülerinnen und Schüler.

Es gibt an unserer Schule Schülerinnen

und Schüler, welche singen oder ein Instrument

spielen. Einige sind immer

gerne bereit, bei den Feierlichkeiten an

der Schule musikalisch mitzuwirken. Dadurch

leisten sie einen wertvollen Beitrag

für die Schulgemeinschaft und bereichern

sich dadurch auch selbst. Für mich ist

es interessant, die Schüler auch außerhalb

des Faches Mathematik kennenzulernen,

und wenn ich zurückdenke, fallen

mir viele schöne Erlebnisse mit meinen

Exschülern ein. Auch sie werden sich an

solche Momente eher erinnern als an die

Mathematikstunden…

Voller Energie: der Jugendchor Prisma aus Meran

KF: Welche Tipps würden Sie einem Chorleiter

geben, damit Chorproben (und Konzerte)

gelingen?

H. Brugger: Auch ich habe kein Patentrezept.

Es ist mir wichtig, dass jemand, der

dabei ist, regelmäßig zu den Proben kommt.

Es ist mir auch wichtig, dass sich man sich

entschuldigt, wenn man ein mal nicht kommen

kann. Jedem, der sich aus irgendeinem

Grund entschuldigt, schreibe ich kurz

zurück. Da kann es schon vorkommen,

dass eine Sängerin kurz vor einem Einsatz

schreibt, ..“Leider kann ich morgen nicht

zum Singen kommen, mein Freund hat mich

eingeladen, an den Gardasee zu fahren…“

Ja was soll ich da sagen? „Schade, dass du

nicht kommst, dann das nächste Mal“, und

da ist sie auch wieder dabei. Würde ich da

zu streng sein, wären die Jugendlichen in

solchen Fällen dann eben nicht mehr dabei.

Bei den Proben ist mir eine gute Atmosphäre

sehr wichtig. Ich versuche stets das

Positive zu betonen und beim Einüben von

schwierigen Passagen genügend Geduld

zu haben. Es ist immer eine Gratwanderung,

die Sängerinnen und Sänger sollten

nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert

sein. Ab und zu lade ich verschiedene

Referenten ein, die mit dem Chor Stimmbildung

machen, damit der Chor neue Erfahrungen

macht und sich stimmlich weiterentwickeln

kann. Manchmal wird auch

ein intensives Chor-Probenwochenende organisiert,

wo musikalisch sehr viel weitergeht

und was gleichzeitig auch zur Stärkung

der Gemeinschaft beiträgt.

KF: Nach welchen Kriterien gehen Sie bei

der Werkauswahl vor?

H. Brugger: Die Kriterien der Stückauswahl

richten sich nach dem Anlass, den wir gestalten.

Da wir sehr oft bei kirchlichen Feierlichkeiten

singen, befassen wir uns vorwiegend

mit neuer geistlicher Musik. Es

sind vor allem rhythmische Lieder mit Elementen

aus Pop und Jazz und inhaltlich

mit sehr guten Texten. Sehr viel von dieser

Literatur habe ich von den verschiedenen

Chorleiterseminaren und den Workshops,

welche der Südtiroler Chorverband und der

Verband der Kirchenchöre immer wieder

organisiert. Bei solchen Seminaren merkt

man sofort, welche Lieder dem Chor gefallen

könnten und welche auch singbar sind.

KF: Welche Bedeutung sehen Sie im Chorgesang

heute, gerade auch bei Kindern

und Jugendlichen?

H.Brugger: Es ist in den letzten Jahren immer

schwieriger geworden, Jugendliche

zu motivieren, durch die vielen Angebote

und Möglichkeiten wird ihre Freizeit immer

knapper. Trotzdem mache ich immer

wieder die Erfahrung, dass sie sich begeistern

lassen, wenn sie es einmal versuchen

und dass es für jeden, eine große persönliche

Bereicherung ist, wenn er singen oder

ein Instrument spielen kann. Dies bestätigt

sich auch bei Fragen an Prominente:

Am meisten tut es diesen leid, dass sie nie

versucht haben zu singen oder ein Instrument

zu erlernen...

KF: Was bedeutet für Sie persönlich Musik

und Chorgesang?

H. Brugger: Musik ist für mich ein wunderbarer

Ausgleich zu meinem Beruf als Mathematiklehrer.

Ich glaube, dass Musik sehr

zum Wohlbefinden beiträgt, und wer selbst

musiziert oder singt, fördert dadurch viele

Kompetenzen. Musik bereichert das Leben!

Interview: Paul Bertagnolli

22

KulturFenster


Aus Verband & Bezirken

Chorwesen

Konzertbesuch der Regensburger Domspatzen

Kulturfahrt des Bezirks Bozen

Ziel der diesjährigen Kulturfahrt des Bezirks

Bozen war das S tift Stams mit dem

Konzert der Regensburger Domspatzen.

Am 13. Juli 2019 begaben sich an die 50

teilnehmende Sängerinnen und Sänger

der Mitgliedschöre auf die Fahrt über den

Brenner und machten zunächst Halt in

Innsbruck. Dort gab es Gelegenheit zur

Besichtigung der Sonderausstellung zum

Gedenkjahr „500 Jahre Kaiser Maximilian

I.“, bevor es am späteren Nachmittag

weiter ging nach Stams.

In der Stiftsbasilika kam es zur Aufführung

„Laudate Dominum“ der bekannten

Regensburger Domspatzen unter der

Leitung von Domkapellmeister Roland

Büchner. Der Konzertabend beinhal-

Genuss von Fortbildungen zu kommen, die

von der Landesregierung mitfinanziert werden.

Das Referententeam war wieder hochkarätig

besetzt: Stephen Lloyd war für die

Einstudierung der Chorwerke zuständig, die

Jugendlichen erhielten zudem Einzelunterricht

im Gesang von Sarah Yorke, Professorin

für Musical-Gesang an der Folkwang Unitete

Chormusik von der Gregorianik bis

zur Moderne. Die jugendlichen Stim-

Der Bezirk Bozen organisierte eine Kulturfahrt nach Stams

men vermochten die Zuhörer rundum

zu begeistern.

Musicalschulung des Südtiroler

Chorverbandes für Jugendliche

Hochkarätige Referenten und viele Talente

Musical Fever plus hieß es auch heuer wieder

vom 24. August bis 31. August in Brixen.

14 junge Frauen und vier junge Männer im

Alter von 15 bis 24 Jahre nahmen an der

Fortbildung des Südtiroler Chorverbandes

teil, die am 31. August mit einem Abschlusskonzert

im Vinzentinum endete. Dabei konnten

die Freunde und Musical-Liebhaber

bekannte Chorwerke hören, etwa „Good

Morning Starshine“ und Electric Blues aus

„Hair“, „Bring Me To The Light“ aus dem

Musical „Violet“ oder "And You Don't Even

Know It" aus „Jamie“. Außerdem trug jeder

Teilnehmer und jede Teilnehmerin ein selber

gewähltes Lied vor, so dass es ein abwechslungsreicher

Musical-Abend für alle

wurde. Das Konzert bewies nicht nur die

Begabung der Jugendlichen, sondern auch

die hohe Qualität der Fortbildung. „Für eine

vergleichbare Schulung müsste man in Österreich

1000 Euro zahlen“, sagt Stephen

Lloyd, der Leiter von „Musical Fever plus“,

und erinnerte so an das große Privileg der

Südtiroler Sänger und Sängerinnen, in den

versität der Künste, Essen, und von einem

echten Star der Musical-Welt, Enrico di Pieri.

Dazu gab es die choreographische Einstudierung

der Lieder mit Karin Mairhofer und

einen Schauspiel-Workshop mit Steffen Jäger,

Dozent am Reinhard Seminar in Wien.

„Die Kombination zuerst Schauspiel, dann

Gesang und dann Chor kommt sehr gut an“,

sagt Stephen Lloyd, der auch auf die große

Herausforderung hinweist, dass alle Teilnehmer

zwei Lieder auswendig zum Kurs mitbringen

müssen: „Das gibt es nirgendwo sonst!“

Nicht nur die Teilnehmer und Teilnehmerinnen

waren begeistert von dieser Schulung,

auch die Referenten zeigten sich begeistert

von den jungen Talenten aus Südtirol.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Schulung Musical Fever plus bewiesen ihr

großes Talent.

Nr. 05 | Oktober 2019 23


Aus Verband und Bezirken

„Wenn des Singen net war…“

Chöre-Festival des Bezirks Eisacktal-Wipptal

Auch unter den Lauben konnten die zahlreichen Interessierten den Chören zuhören.

15 Chöre mit knapp 400 Sängerinnen und

Sängern nahmen am 28. September am

Chörefestival des Bezirks Eisacktal-Wipptal

im Südtiroler Chorverband teil, das dieser

gemeinsam mit dem Verband der Kirchenchöre

Südtirols organisiert hatte.

Der Tag wurde mit einem gemeinsamen

Gottesdienst im Dom begonnen. Musikalisch

gestaltet wurde die Messfeier vom

Domchor Brixen unter der Leitung von

Heinrich Walder und vom Kirchenchor

Latzfons unter der Leitung von Renate Unterthiner

sowie vom Frauenchor Stilfes unter

der Leitung von Michaela Sparber. P. Urban

Stillhard betonte in seiner Predigt die

Bedeutung und den großen Wert des Gesangs

für jeden Menschen. Danach konnten

alle Liebhaber des Chorgesangs den

Vorträgen der 15 Chöre lauschen. Chöre,

die geistliche Lieder sangen, traf man im

Dom, in der Pfarrkirche und im Kreuzgang.

Die anderen sangen in der Hofburg und

unter den Lauben. Dabei war das Liedgut

so unterschiedlich wie die Chöre, sodass

das Chöre-Treffen einen vielfältigen Einblick

in den Chorgesang und das Leben

eines Chores bot. Dass das Chöre-Festival

ein richtiges Fest für alle Sinne wurde, dafür

sorgte auch der Männergesangsverein

Brixen, der Essen und Trinken vorbereitet

hatte. Der gemeinsame Abschluss am

Domplatz mit dem Lied „Wenn des Singen

net war“ zeigte nochmals eindrucksvoll den

Stellenwert, den das Singen im Bezirk hat.

Zahlreiche Zuhörer und Ehrengäste

waren zum Chöre-Festival gekommen.

Bezirksobmann Gottfried Gläserer und

Benedikt Baldauf vom Verband der Kirchenchöre

freuten sich über die Teilnahme

der Chöre und dankten den Sängerinnen

und Sängern für ihren Einsatz. Auch die

beiden Obleute Erich Deltedesco (SCV)

und Heinrich Walder (VKS) gingen auf

die Bedeutung des Singens ein. „Dieses

Festival ist eine gute Möglichkeit, Erfahrungen

auszutauschen, Kontakte zu pflegen,

Freundschaften

zu vertiefen und einen Tag gemeinsam

mit Gleichgesinnten zu erleben!“, betonte

Erich Deltedesco. Das gemeinsame Singen

auch bei größeren Veranstaltungen sei sehr

wichtig, um die Bedeutung und die Schönheit

des Chorgesangs der Gesellschaft immer

wieder in Erinnerung zu rufen. Singen

fördere den sozialen Zusammenhalt

und das körperliche und seelische Wohlbefinden.

Beeindruckt von den vielen singenden

Menschen zeigten sich auch Landeshauptmann

Arno Kompatscher und

Stadträtin Paula Bacher. Unter den Gästen

waren auch Landesrätin Magdalena

Amhof, Helmuth Tauber, Philipp Achammer

und Dekan Albert Pixner.

24

KulturFenster


Chorwesen

Einen besonders schönen Rahmen für den Gesang gab die Hofburg.

Bezirksobmann Gottfried Gläserer zeigte

sich erfreut über den Erfolg des Festivals

und kündigte an, dass es in drei Jahren

wieder ein Chöre-Festival geben wird.

KF: Sind Sie mit dem Verlauf des Chöre-

Festivals zufrieden?

G. Gläserer: Die Bischofsstadt ist bestens

geeignet für eine Veranstaltung dieser Art.

Sehr viele Zuhörer haben die Darbietungen

aufmerksam verfolgt.

KF: Wie war die Stimmung?

G. Gläserer: Die Stimmung war hervorragend.

Das herrliche Wetter trug das Seine

dazu bei. Es war ein herbstlicher, sonniger

Samstag. Die Gassen, Plätze und Kirchen

waren erfüllt von schönem Chorgesang. Es

war wirklich ein wunderbares Fest.

KF: Was waren die Herausforderungen bei

der Organisation?

G. Gläserer: Es galt natürlich alle Bestimmungen

und Vorschriften, die für eine Veranstaltung

in dieser Größe gelten, einzuhalten.

Viele Gesuche und Genehmigungen

waren erforderlich. Die Stadt Brixen und

die Tourismus-Genossenschaft Brixen waren

aber überaus hilfsbereit und haben

uns dankenswerterweise in allen Belangen

unterstützt. Die Veranstaltung wurde

auch von zahlreichen Sponsoren wohlwollend

unterstützt. Besonders erwäh-

nenswert ist der Einsatz des MGV 1862

Brixen, der hervorragend für das leibliche

Wohl gesorgt hat.

KF: Gab es einen besonderen Höhepunkt?

G. Gläserer: Ein Höhepunkt war sicherlich

der Eröffnungsgottesdienst im Dom, ein

weiterer Höhepunkt war die Abschlussfeier

am Domplatz mit zahlreichen Ehrengästen

aus Politik und Kirche und das Abschlusslied

"Wenn des Singen net war",

dirigiert von Verbandschorleiterin Renate

Unterthiner.

KF: Was ist das Ziel eines solchen Treffens?

G. Gläserer: Das Ziel ist vor allem die Stärkung

der Chorgemeinschaften und der Gemeinschaft

im Bezirk sowie des Chorgesangs

an sich: Das gemeinsame Singen

soll in den Mittelpunkt gerückt werden,

auch junge Menschen sollen dafür begeistert

werden. Es ist auch ein Festival

der Begegnung von Sängern und Sängerinnen

und allen Interessierten.

Landeshauptmann Arno Kompatscher gratulierte den Chören zu ihrem Einsatz und

ihrem schönen Chorgesang.

Nr. 05 | Oktober 2019 25


Aus Verband und Bezirken

Auch Bühnenpräsenz ist wichtig

Seminar für Chorleiterinnen und Chorleiter

Das Chorleiter/-innenseminar des Südtiroler

Chorverbandes fand heuer unter der

Leitung von Nataliya Lukina, der ehemaligen

künstlerischen Leiterin des Landesjugendchores,

statt.

Vom 4. bis 10. August erarbeiteten die

26 (angehenden) Chorleiter mit einem

professionellen Referententeam geistliche

und weltliche Chorwerke und lernten natürlich

wichtige Methoden in der Dirigiertechnik

und Probengestaltung kennen,

konnten aber auch an einem speziellen

Chorleitercoaching mitmachen. Neben

Lukina war auch Florian Maierl Referent.

Er ist Chorleiter, Komponist, Sänger und

Lehrender für Dirigieren und Ensembleleitung

am Salzburger Mozarteum sowie am

Diözesanmusikkonservatorium der Erzdiözese

Wien. Christian Klucker stammt

aus Graubünden und ist Experte für Dirigieren,

Coaching und Projektarbeit. Für

die Stimmbildung war Flora Königsberger

- Sängerin, Stimmbildnerin und Chorleiterin

– zuständig, sowie Martin “Smooth“

Obereder. Er ist gefragter Referent über

Stimmspezifika und Tontechnik/Stimme

an der pädagogischen Hochschule und

an höheren Schulen in Salzburg. Im Seminar

wurden drei Studios für Chorleitung,

gestaffelt nach Kenntnisstand und Erfahrung

der Teilnehmer, angeboten. In allen

drei Studios gab es Unterrichtsblöcke mit

dirigiertechnischen Übungen – angepasst

an die Anforderungen des Repertoires und

den Fortschritt der jeweiligen Teilnehmer.

Im Gruppenunterricht wurden die Chorproben

vorbereitet. Ein Gästesängerensemble

in Rotation stand jedem Studio zur

Verfügung. In den Übungschören übten

und vertieften die Teilnehmer das im Gruppenunterricht

Besprochene. Heuer wurde

auch ein Workshop zu den Themen Bühnenpräsenz,

Körpersprache und sicheres

Auftreten mit Christian Mair angeboten.

Außerdem standen drei Kammerchöre zur

Auswahl, wo die Teilnehmer/innen die Mög-

Nataliya Lukina leitete mit einem professionellen

Referententeam das Seminar

für Chorleiterinnen und Chorleiter.

lichkeit hatten in einem kleineren Chor zu

singen und somit die stimmtechnische Arbeit,

sorgfältiges Feilen am Chorklang und

musikalischen Ausdruck von den Chorleitungsreferenten

zu erleben. Das Seminar

schloss mit einem Konzert ab.

im Gedenken

Trauer um den Ehrenobmann des Tiroler Sängerbundes

Andreas Hochenegger verstorben

Der Südtiroler Chorverband gedenkt

in ehrender Erinnerung des Ehrenobmanns

des Tiroler Sängerbundes, Andreas

Hochenegger, der am 31. Juli im

86. Lebensjahr verstorben ist. Hochenegger

hat sich um das Chorwesen

in Tirol verdient gemacht und hat mit

Südtirol enge Kontakte gepflegt, so

war er auch Träger des Goldenen Ehrenzeichens

des Südtiroler Chorverbandes.

Unter seiner Obmannschaft

wurden wegweisende Akzente gesetzt:

Unter anderem gelang ihm 1996 die

Zusammenlegung der beiden Nordtiroler

Chorverbände, des Tiroler Sängerbundes

1860 und des Tiroler Sängerverbandes

zum neuen Tiroler Sängerbund.

Unter Hocheneggers Obmannschaft stieg

die Zahl der Mitgliedschöre von 200 auf

über 400 an. Der Tiroler Sängerbund wurde

damit nach dem Kärntner die zweitstärkste

Dachorganisation im Chorverband Österreich

(früher Österreichischer Sängerbund).

Ein weiterer Akzent war die Förderung der

Fortbildung und die enge Zusammenarbeit

mit dem Südtiroler Chorverband, die dem

Obmann ein Herzensanliegen war. Der Obmann

des Südtiroler Chorverbandes Erich

Deltedesco sowie der gesamte Verband

werden Andreas Hochenegger als Mensch

und seinen Einsatz für das Chorwesen in

Tirol in ehrendem Gedächtnis behalten.

26

KulturFenster


im Gedenken

Chorwesen

Ein Leben geprägt von Musik

Nachruf auf Willi Tschenett

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Ende

August die unfassbare Nachricht vom

plötzlichen Tod des allseits geschätzten

Chorleiters und Musikprofessors Dr.Willi

Tschenett.

„Unser Leben währet nur kurz, darum

durchmesst seine Bahnen auf das

fröhlichste“, steht auf seinem Sterbebild.

Es waren vor allem die Musik und

die Kunst, die er liebte und lebte. Sein

Leben war geprägt von Musik, sie war

innerste Überzeugung seines Lebens.

Willi Tschenett, Jahrgang 1956, geboren

in Stilfs, studierte nach dem humanistischen

Gymnasium im Johanneum

Dorf Tirol Philosophie an der Universität

Innsbruck. Gleichzeitig erwarb er

am Konservatorium in Innsbruck das

Diplom in Orgel und Dirigieren. 1983

kam Tschenett als Organist nach Kaltern,

übernahm nach ein paar Monaten

die Leitung des Pfarrchores, der

ihn nach seinem Ausscheiden im Jahre

2001 zum Ehrenmitglied ernannte. Das

Südtiroler Vokalensemble, das er 1986

mit dem damaligen Obmann und dem

Vizeobmann des Südtiroler Chorverbandes,

Siegfried Tappeiner und Raimund

Perkmann, gegründet hatte, leitete

er 26 Jahre. Fünf Jahre lang leitete

er auch die Musikschule und die Chöre

des MGV Bozen.

Die geistliche Musik bildete einen zentralen

Teil seiner musikalischen Tätigkeiten

in seinen Chören. Südtirol bietet

für die Musik ein sehr gutes und breites

Feld, das durch die vielen Möglichkeiten

der Ausbildung, sei es in den Musikschulen,

in den Musikkapellen in den

Chören und auch im Musikkonservatorium

entstanden ist. Er hat es verstanden,

ein Schöpfer aus diesem Reichtum

Südtirols zu sein. Das Südtiroler Vokalensemble

hat wohl als einer der wenigen

Chöre unter seiner Leitung fast alle

großen Werke der Chorliteratur musiziert.

Mit insgesamt rund 150 Sängerinnen und

Sängern hat er in diesen 26 Jahren bei ca.

800 Proben 170 Konzerte mit fast 100 verschiedenen

Programmen Musik aus acht

Jahrhunderten mit dem Südtiroler Vokalensemble

aufgeführt.

Tschenett pflegte dabei besonders die

Zusammenarbeit mit mehreren Orchestern,

wie z.B. mit der Streicherakademie Bozen,

dem Haydnorchester Bozen Trient, dem

Amarida-Ensemble und mit vielen jungen

Südtiroler Musikern und Musikstudenten

sowie auch mit Musikorganisationen des

ganzen Landes. Damit bereicherte Willi

Tschenett Südtirol als Ganzes und lieferte

den Beweis dafür, was ein kleines Land

hervorbringen kann.

Willi Tschenett ist dabei aber immer sehr

bescheiden geblieben und zielorientiert

seinen Weg der Konsequenz und Eigenständigkeit

der Interpretation gegangen.

Mit dem Südtiroler Vokalensemble hatte

Tschenett eine Vorreiterrolle in der Chorlandschaft

Südtirols gespielt, und der Chor

war mit ihm viele Jahre Botschafter des

Landes wie beispielsweise bei den Südtirolwochen

in den österreichischen Bundesländern.

Als Leiter des Pfarrchores

von Kaltern war er immer bestrebt, liturgisch

geeignete Werke zu wählen,

die Inspiration und Genialität in sich

haben, die geeignet sind, die Gläubigen

zu erbauen. Dabei pflegte er vor

allem als erzieherischen Aspekt für ein

Kunstverständnis, die Zusammenarbeit

zwischen den Laienmusikern und professionell

ausgebildeten Sängern und

Instrumentalisten, was auch heute noch

fortgeführt wird.

In Anerkennung und als Dank für

seine Verdienste im kirchlichen und

weltlichen Bereich hat ihm die Marktgemeinde

Kaltern 2007 den Ehrenring

verliehen.

Willi Tschenett hat es immer verstanden,

die Freude an der Musik durch

seine Musikalität und seine Ausstrahlung

auf die Chöre zu übertragen und

dadurch auch die Verbindung mit dem

Publikum herzustellen. Mit seinem musikalischen

Feingefühl und seiner wertschätzenden

Art hat er Sängerinnen

und Sänger zu musikalischer Höchstleistung

motiviert.Die Heirat mit Luise

Gallmetzer, Sängerin und Gesangspädagogin,

war wohl eine logische Entwicklung

im privaten Leben von Willi

Tschenett.

Eine überaus große Trauergemeinde

gab ihm in seiner Wahlheimat Petersberg

das letzte Geleit. Der Sterbegottesdienst

wurde vom Südtiroler Vokalensembles

und dem Pfarrchor Kaltern

unter der Leitung von Robert Mur mit

der „Kleinen Orgelsolomesse“ von J.

Haydn und Motetten von Mendelssohn,

Spohr und Chorälen von J.S.Bach musikalisch

mitgestaltet.

Willi Tschenett wird als Mensch, als

Musiker, als einer, der im Bewusstsein

seiner Pflichten gegenüber der Gemeinschaft

lebte und handelte, in Erinnerung

bleiben und weiterleben.

Nr. 05 | Oktober 2019 27


Die Olanger Pfarrspatzen beim

Jubiläumskonzert

Wenn Kinder gerne singen...

Fünf Jahre Kinder- und Jugendchor Olanger Pfarrspatzen

•Stimmgabel

Was führt 33 junge Menschen wöchentlich

zusammen, was lässt sie Zeit und

Geduld investieren und auch so manche

Mühe und Einsatz? Es ist die Freude am

gemeinsamen Singen, an den sozialen

Kontakten, an der Gemeinschaft und an

den Aufführungen, die wir im Kinder- und

Jugendchor seit dem Jahre 2014 pflegen.

Im Rahmen eines Jubiläumskonzertes unter

dem Thema „Auf dein Wort hin, fahr

ich auf’s Meer hinaus“ präsentierten die

Olanger Pfarrspatzen ein abwechslungsreiches

Programm. Kein Abend der Superlative,

keine Dia-Show mit multimedialen

Projektionen, keine Lichteinspielungen,

keine Band im Hintergrund mit Spezialisten,

die den Gesang so richtig aufpeppen,

nein – eben die Olanger Pfarrspatzen,

so wie sie das ganze Jahr über hauptsächlich

kirchliche Feiern mitgestalten.

Mit Liedern aus verschiedenen Stilepochen,

beginnend mit klassischen Gesängen,

modernen jugendlichen Rhythmen

sowie natürlich bekannten Titeln wie

„O happy Day“, „Hallelujah von Cohen“,

„Over my Head“, „Senzenina“ und als Abschluss

das „Pie Jesu“ aus dem Requiem

von A.L. Webber konnten wir dem überaus

zahlreich erschienenen Publikum einen

schönen Abend bereiten und mit den

freiwilligen Spenden die Kinderkrebshilfe

Peter Pan unterstützen.

Neben den Liedern wurde auch auf die

verschiedenen Ereignisse in diesen 5 Jahren

hingewiesen. Bereits nach den ersten

zwei Jahren durften wir beim Abschlusskonzert

des Universitätslehrganges für Kinder-

und Jugendchorleitung gemeinsam

mit verschiedenen Chören, unter anderem

mit dem Oberstufenchor der Wiener Sängerknaben,

im Solitär der Musikuniversität

Mozartheum in Salzburg auf der Bühne

stehen. Im Frühjahr 2017 nahmen wir

am Landesjungendsingen in Schwaz teil

und konnten einen ausgezeichneten Erfolg

erzielen. Bleibend in Erinnerung wird

hier sicher die Abschlussveranstaltung in

der Olympiahalle in Innsbruck sein, wo wir

ein Potpourri aus verschiedenen Volksliedern

sangen und über 2.000 Menschen

im Rhythmus der Musik mitklatschten

und ihre Smartphones leuchten ließen.

Auch die Mitwirkung beim Muttertagskonzert

des Männerchores Olang im Frühjahr

2018 war für uns ein Erlebnis; die Kombination

dieser beiden Chöre, der daraus

resultierende Klang aus tiefen, dunklen

Stimmen und hellen, glitzernden Kinderstimmen

gab diesem Abend eine besondere

Note. Jedoch sind nicht nur diese

„Highlights“ das Wesentliche im Leben

unseres Chores; vielmehr ist es das Eingebunden

sein in die kirchlichen Feste

und Feiern, die nicht weniger wichtig

sind. So gestalten wir jedes Jahr die Ministrantenaufnahme,

die Feier der Ehejubiläen,

die Kindermette, den Dankgottesdienst

zum Jahresabschluss, das Fest

Maria Lichtmess, die Jungscharaufnahme

sowie verschiedene Gottesdienste in unserer

Pfarrgemeinde mit.

Die Olanger Pfarrspatzen, aufgeteilt auf

den Jugendchor und den Kinderchor,

sind mittlerweile recht erwachsen geworden

und freuen sich auf die nächsten

fünf Jahre!

Walter Innerhofer –

für die Olanger Pfarrspatzen

28

KulturFenster


Chorwesen

Freundschaft über die Landesgrenzen hinaus

Männerchor Percha in Kärnten

Am Pfingstsonntag feierte der MGV Rangsburg

- Rangersdorf das 100-jährige Bestandsjubiläum

sowie das Mölltaler Männerquintett

sein 20–jähriges Bestehen.

Zu diesem Fest wurde auch der Männerchor

Percha als einzige Vertretung Südtirols

eingeladen. Dieser Einladung wurde

gerne Folge geleistet, man hatte diese Gegend

schon bei einem Seniorenausflug und

bei einem Althandwerker–Ausflug kennengelernt.

Außerdem stammt der Obmann

des Mölltaler Männerchores Josef Suntinger

aus Oberwielenbach/Gemeinde Percha.

Kärnten ist ja als besonders sangesfreudiges

Bundesland weitum bekannt.

Am Pfingssonntag kam der Reisebus mit

den vollzählig erschienenen 17 Männern

und 14 Begleitpersonen schon morgens

im Mölltal an. Das Jubiläum in Rangersdorf

begann um 8.30 Uhr mit dem Festgottesdienst

in der örtlichen Dorfkirche.

Danach erfolgte bei herrlichem Wetter auf

dem weitläufigen Dorfplatz der Festakt

mit Begrüßung der verschiedenen Ehrengäste

und ca. 350 Sängerinnen und Sänger,

insgesamt 22 Chorgruppen (Männerchöre,

Frauenchöre, Gemischte Chöre und

kleinere Chorgruppen aus Kärnten, Osttirol

Der Männerchor Percha feierte mit zwei Kärntner Chören deren Jubiläen.

und Nordtirol). Nach einem passenden Gemeinschaftslied

wurde ein Rückblick über

die 100 Jahre MGV Rangsburg gegeben.

Danach erfolgte die Übergabe der Gastgeschenke.

Der Festakt endete mit der Kranzniederlegung

und dem Kärntner Heimatlied.

Nach dem Festakt begaben sich die

teilnehmenden Chorgruppen abwechselnd

und jeweils zu zweit zu den einzelnen Ständen

und offenen Sälen, um dort die Anwesenden

mit passenden Liedern aus dem

jeweiligen Herkunftsland zu erfreuen. Es

war ein einmaliges Erlebnis, mit so vielen

Chorgruppen einen schönen Tag zu genießen.

Unserem Landesobmann Erich Deltedesco

danken wir für die tatkräftige Unterstützung.

Ebenso danken wir unserem

Vereinsobmann Siegfried Niederwanger für

die umfangreiche Organisation und unserem

Chorleiter Albert Pahl für die gezielte chorische

Vorbereitung. Bei dieser Gelegenheit

möchten wir schon jetzt bekanntgeben,

dass der Männerchor Percha am 23.

Mai des nächsten Jahres sein 60–jähriges

Bestandsjubiläum feiert und sich freuen

würde, wenn viele aus nah und fern dem

Jubiläumskonzert beiwohnen. Neben vier

einheimischen Gruppen wird uns auch das

Mölltaler Männerquintett mit ihren Liedern

erfreuen, sie waren übrigens auch heuer

beim Brunnensingen in Welsberg.

Franz Mair, Männerchor Percha

In den verdienten Ruhestand

Ludwig und Cäcilia Wilhalm

Das Ehepaar Ludwig und seine Frau Cäcilia

Wilhalm haben sich kürzlich vom Reschener

Kirchenchor verabschiedet. Verschiedene

Umstände, auch Alter und Altersbeschwerden,

haben dazu beigetragen. Cäcilia war

über 40 Jahre Chorleiterin in Reschen und

sie sang 70 Jahre lang bei verschiedenen

Chören. Ludwig war 14 Jahre Obmann des

Kirchenchores Reschen und er meldete

sich bereits im Alter von 12 Jahren zum Alt-

Grauner Kirchenchor als Altsänger, später

in Neu-Graun und Reschen. Nach einem

turbulenten Leben zwischen Vereinsarbeit

und Arbeit am Hof – auch mit ihrer großen

Familie – sind sie nun in ihrem Alter und

Kränklichkeit zur Einsicht gekommen, sich

von der Verantwortung der Vereinstätigkeit

zurückzuziehen. Möge ihnen Gott noch einige

Jahre Gemeinsamkeit gewähren. Der

Obmann des Südtiroler Chorverbandes Erich

Deltedesco würdigte den Einsatz und das

Ehrenamt des Paares mit folgenden Worten:

„Wir haben erfahren, dass Sie aus Altersund

Gesundheitsgründen die Chorleitung

des Reschener Kirchenchores abgegeben

haben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich

es nicht versäumen, ja es ist mir ein großes

Anliegen, Ihnen und Ihrer Gattin Frau Cäcilia

Ambach Wilhalm im Namen des Südtiroler

Chorverbandes, aber ganz besonders auch

persönlich, ein aufrichtiges „Vergelts Gott“

auszusprechen für Ihren langjährigen Einsatz

als Obmann und Chorleiterin des Kirchenchores

von Reschen. Ich danke Ihnen

für Ihren unermüdlichen Einsatz im Dienste

des Gemeinwohls, ich danke Ihnen für

alles, was Sie für den Kirchenchor, für die

Pfarrgemeinde, für die Dorfgemeinschaft,

für das Chorwesen in unserer Heimat geleistet

haben und wünsche Ihnen alles Beste,

Gottes Segen und vor allem Gesundheit.“

Wolfgang Thöni

Ludwig und Cäcilia Wilhalm

Nr. 05 | Oktober 2019 29


Stimmgabel

Fulminante Klänge und leise Töne

Pfarrchor Kaltern und Domchor Bozen zu Gast bei der Stadtkapelle Bozen

Ein schöner Zusammenklang von Blasmusik und Chorgesang: das Jubiläumskonzert

der Stadtkapelle Bozen

Wenn an die hundert begeisterte Laienmusiker

bestens vorbereitet einem gemeinsamen

Auftritt entgegenfiebern, dann erfüllt

eine positive Energie die Luft! So war

es am 26. Mai 2019 in der Grieser Stiftskirche,

als der Pfarrchor Kaltern und der

Domchor Bozen als Gastchöre das Jubiläumskonzert

der Stadtkapelle Bozen unter

der Leitung von Alexander Veit begleiteten.

In den Abend führte ein Bläserquartett mit

Orgel (Martin Rabensteiner) und Blasorchester

stimmig ein und übergab mit der

„Intrada festiva“ von Hans-Andrè Stamm

an das Blechbläserquintett mit Piccolo und

Orgel. Nun kam der Auftritt der Chöre. Von

hinten füllte sich der Altarraum mit ca. 80

Sängerinnen und Sängern, alle in schwarz

und bestens vorbereitet von den Chorleitern

Robert Mur und Tobias Chizzali. Diese

Herren übernahmen nun abwechselnd

den Taktstock, als es an die Aufführung

der Cäcilienmesse von Hannes Kerschbaumer

ging. Schön war die Stimmung –

die Sängerinnen und Sänger sangen freier,

als bei der Uraufführung der Messe im

Herbst 2018 im Dom zu Bozen. Die Musik

war für sie schon geläufiger und entsprechend

entspannter konnten sie den Vorgaben

der Dirigenten folgen.Szenenwechsel:

Die Kirche dunkel, nur der Chorraum

war beleuchtet, als Heidi Schwarz an der

Flöte gemeinsam mit der Orgel äußerst innig

„Unter dem Sternenhimmel, Berceuse

und Fairy Flight“ von Hans-Andrè Stamm

zum Besten gab. Es war eine bewegende

meditative Stimmung, die diese zwei Musiker

zauberten und die anschließend wieder

hell erleuchtete Kirche störte die Stimmung

beinahe. Aber nur kurz, denn ein weiterer

Höhepunkt stand auf dem Programm. Karin

Selva (Sopran) sang unter der Begleitung

der gesamten (!) Kapelle das „Christe

eleison“ von Alexandr Gilev, eine nicht

zu unterschätzende Aufgabe für eine Singstimme!

Karin Selva meistert mit ihrem innigen

Timbre diese Herausforderung sowie

auch die weiteren Stücke mit Bravour,

ebenso wie die übrigen Musiker. Alexander

Veit hat seine Musikanten gut im Griff

– sie folgen dem Taktstock, übernehmen

die Tempi und geben auch die Stimmung

wieder, die Veit mit seiner Gestik vorgibt.

Die Schlussakkorde des „Concertino für

Orgel Solo und Blasorchester“ von Thomas

Trachsel ließen eine Gänsehaut zurückließ,

ein Verdienst des Komponisten

– aber nicht nur! Alle Ausführenden haben

den tosenden Applaus nicht nur genossen,

sondern auch verdient.

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für das Chorwesen senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

30

KulturFenster


Vorweg

Heimatpflege

Wende im Tourismus

dringend gefordert

Schon wieder Tourismus! werden sich vielleicht

manche Leserinnen und Leser denken.

Die Heimatpflegeseiten des Kulturfensters

haben sich zum Teil schon im April des heurigen

Jahres mit dem Querschnittthema Tourismus

befasst, und in dieser vorliegenden

Nummer ist er der rote Faden, an dem entlang

sich die Artikel aneinanderreihen.

Diese Wiederaufnahme hängt einmal

damit zusammen, dass das Phänomen

des „Overtourism“ in der Öffentlichkeit

aktuell sehr breit diskutiert wird, und einmal

damit, dass wir Heimatpflegerinnen

und Heimatpfleger - aufgeschreckt über

die enorme Anzahl von neuen geplanten

Tourismuszonen im Grünen – im heurigen

Sommer dieses Thema von vielen Seiten

beleuchtet haben und uns aufgrund des

damit einhergehenden Grund- und Ressourcenverbrauchs

massiv gegen diese

Heimatpfleger suchen Zusammenarbeit

mit Politik und Touristikern

Entwicklungen im Tourismus ausgesprochen

haben. Selbst die Spitze der Landesregierung

hat auf unsere Mahnrufe hin

reagiert, und der Landeshauptmann hat

daraufhin ein notwendiges Moratorium

angemahnt. Wir werden in dieser Nummer

die Problematik des überbordenden

Tourismus von unterschiedlichen Ansätzen

her beleuchten und auch ein Alternativmodell

vorstellen.

Enorme Dichte an Ansuchen

Über 60 (!) Ansuchen um neue Tourismuszonen,

Chaletdörfer usw. liegen auf,

und das zumeist in bisher unbebautem

landwirtschaftlichem Grün. Schon genehmigte

und/oder realisierte Projekte gibt es

beispielsweise in Feldthurns und Palmschoß

und diese lassen erahnen, was

dem Land da an Grund- und Ressourcenverbrauch,

Zersiedelung und architektonischen

Auswüchsen noch „blüht“.

Man baut jetzt auch mit Vorliebe in die

Höhe – wie beispielsweise in Burgstall

oder Saalen – in Letzterem wird der geplante

fast 30 m hohe Hotelturm im privaten

Architekturwettbewerb sogar als

stimmiger Kontrapunkt zum altehrwürdigen

Wallfahrtskirchlein „gewürdigt“!

Den Grund für diese enorme Dichte

an Ansuchen sehen manche darin, dass

im Jahr 2020 das neue Gesetz für Raum

und Landschaft zur Anwendung kommen

soll und dieses angeblich viel restriktiver

sei. Dem ist aber nicht so, denn: In Südtirol

sind mehr als die Hälfte der Fraktionen

als „touristisch schwach entwickelt“

eingestuft und in diesen wird man auch

mit dem neuen Gesetz fast ungehemmt

im Grünen weiterbauen dürfen. Und in

touristisch entwickelten Gemeinden können

bestehende Betriebe weiterhin vergrößert

werden.

Erhaltung von unbebauten

Naturräumen

Nicht nur landwirtschaftliches Grün, sondern

auch Gebiete, in denen Schutzkategorien

wie Bannzone, Ensembleschutz,

Denkmalschutz, archäologische Zone

oder Gefahrenzone gelten, reichen leider

nicht aus, um solchen Bauvorhaben von

vornherein einen Riegel vorzuschieben.

Oder auch Fachgutachten der Kommission

für Natur, Landschaft und Raumordnung

werden geflissentlich ignoriert.

Wir Heimatpflegerinnen und Heimatpfleger

setzen uns u.a. auch für die Erhaltung

von unbebauten Naturräumen

ein, für den Schutz des landwirtschaftlichen

und alpinen Grüns und wir werden

auf verschiedenen Ebenen einfordern,

dass die Schutzklauseln, die auf

Grund und Boden liegen, berücksichtigt

werden und dass mit dem kostbaren

und nur beschränkt zur Verfügung stehenden

Gut Boden mehr gespart und mit

mehr Sorgfalt umgegangen werden muss.

Mit Tourismus und Politik

diskutieren

Wir treten gerne auch mit den Tourismustreibenden

in Diskussion, um zu signalisieren

und zu überzeugen, dass auch in

ihrem eigenen Interesse und im Sinne der

Nachhaltigkeit ein Umdenken im Tourismus

absolut nottut. Wir Heimatpflegerinnen

und Heimatpfleger versuchen in unserer

Arbeit eigentlich die Güter zu schützen, mit

denen die Touristiker dann um Gäste werben,

sprich: unberührte Landschaften und

Bergwelten, Orte der Stille und Ruhe, die

Kulturlandschaft mit ihrer baulichen Tradition,

aber auch die Bräuche usw.

Kurz innehalten

Wir bieten aber ebenso gerne der Politik

unsere Mithilfe an; eine auch von der

Politik angesprochene Nachdenkpause

unterstützen wir zweifellos und wir sind

gerne bereit, diese Zeit des Innehaltens

dafür zu nutzen, dass wir gemeinsam an

Lösungsvorschlägen arbeiten und eine

höchst notwendig gewordene Wende im

Tourismus einleiten können – den Einheimischen,

unserer Natur und Kultur,

aber auch den Gästen zuliebe.

Claudia Plaikner,

Landesobfrau HPV

Nr. 05 | Oktober 2019 31


Das Thema

Das dreiste Spiel mit der

Landschaft

Tourismuszonen und kein Ende

Südtirol erlebt zurzeit einen massiven

Ausbau der touristischen Infrastruktur,

der unsere einzigartige Kultur- und Naturlandschaft

nachhaltig verändern wird. Es

ist an der Zeit, die Strategie des touristischen

Ausbaus zu überdenken.

Der Tourismusintensitätsindex, das

heißt die Übernachtungen im Verhältnis

zur Wohnbevölkerung, liegt in Südtirol bei

13,3 und ist damit doppelt so hoch wie

der alpine Durchschnitt. Sogar absolute

Tourismusmagneten wie Tirol und Salzburg

werden übertroffen.

Auch bei der Anzahl der verfügbaren

Gästebetten ist Südtirol Branchenprimus.

Während in den touristisch hoch entwickelten

Zentralalpenregionen 12,3 Betten

pro Quadratkilometer zur Verfügung

stehen, sind es in Südtirol 20,7. Das wird

von keiner anderen Region übertroffen.

Nur bei der Auslastung der Betten muss

sich Südtirol dem Bundesland Tirol knapp

geschlagen geben, das heißt es besteht

keine vollständige Nutzung des Bettenpotenzials.

Das heißt aber auch, es gibt

keine unmittelbare Notwendigkeit für eine

Aufstockung der Gästebettenzahl.

Torschlusspanik vor Inkrafttreten

der neuen Raumordnung

Bereits in der Gesetzgebungsphase

zum neuen Raumordnungsgesetz warnten

der Heimatpfl egeverband und der Dachverband

davor, dass die lange Übergangszeit

bis zum Inkrafttreten des neuen Gesetzes

2020 Tür und Tor für „Unmengen

an spekulativen Vorarbeiten und vollendeten

Tatsachen“ öffnet. Die Entwicklung

der letzten Monate zeigt nun, dass

genau das eintritt.

Völlig losgelöst von rationalen Überlegungen

werden Dutzende Projekte von

Zonen für touristische Einrichtungen eingereicht.

Raumplanerische Werkzeuge,

wie Ensembleschutz und Bannzonen

sowie Gutachten von Fachkommissionen

werden dabei vielfach geflissentlich

ignoriert.

Keine Besserung mit dem neuen

Raumordnungsgesetz

Doch auch die neue Raumordnung

verspricht keine Verbesserung der Situation.

Die 1997 eingeführte Bettenobergrenze

wird ersatzlos gestrichen. Bestehende

Tourismusbetriebe können auch

weiterhin erweitert werden, auch außerhalb

der Siedlungsgrenzen. Und neue

Tourismuszonen können auch weiterhin

mitten im Grün, außerhalb von Siedlungen

ausgewiesen werden.

Mit dieser Politik des maßlosen Ausbaus

wird Südtirol mit einer Vielzahl von

Problemen konfrontiert.

Landschaft: ein sensibles Gut

Die Eurac-Studie Zukunft Tourismus

Südtirol 2030 bestätigt, dass die allermeisten

Internet-Suchanfragen von Touristen

in Zusammenhang mit Südtirol attraktive

Landschaft zum Thema haben. Gleichzeitig

ist das Hauptwerbemotiv von Tourismusbetreibenden

genau diese Landschaft.

Der Architekt Peter Zumthor bringt es

auf den Punkt, wenn er sagt „Zersiedelung

ist für mich ein Ausdruck von Mangel,

nämlich Mangel an Landschaft.“

Mit dem massiven Ausbau der touristischen

Flächen, den wir zurzeit erleben,

passiert aber genau das. Die Landschaft

wird auf Kosten kurzfristiger Gewinnmaximierung

zersiedelt.

Der beliebige Bau von touristischer

Infrastruktur auf der grünen Wiese, vielfach

in exponierter Lage und außerhalb

der Siedlungsgrenzen, ist also in zweierlei

Hinsicht schädlich: Er mindert nicht nur

die Lebensqualität aller Südtiroler, sondern

nimmt auch auf lange Sicht dem

Tourismus selbst die wichtigste Grundlage.

Es ist Zeit, die Strategie des

touristischen Ausbaus zu

überdenken

Dem „Verschenken“ von Baukubatur

auf der grünen Wiese durch die Gemein-

32

KulturFenster


Heimatpflege

den und die Landesregierung muss politisch

ein Riegel vorgeschoben werden.

Auch ohne die Ausweisung neuer Tourismuszonen

im Grünen können Tourismusbetriebe,

falls notwendig, behutsam

erweitert werden. Gerade der Leerstand

in vielen Dorfzentren bietet attraktive Angebote

in historischen Gebäuden.

Weiters wäre es sinnvoll, eine umfassende

Umweltbilanz für Hotels einzuführen.

Tourismusbetriebe hätten dadurch

die Möglichkeit, mit einem nachhaltigen

Umgang mit Landschaft und Ressourcen

sowie einem zukunftsträchtigen Erreichbarkeitskonzept

zu werben. In Deutschland,

nach wie vor das Hauptherkunftsland

Südtiroler Touristen, sorgen sich laut

der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins

Der Spiegel drei Viertel der Bevölkerung

um die Zukunft des Planeten.

Immer mehr Menschen wünschen sich

in allen Lebensbereichen eine nachhaltigere

Art des Wirtschaftens.

Dazu gehört auch der Urlaub. Diese

wachsende Zielgruppe kann mit einer

solchen Umweltbilanz angesprochen

werden. Dann haben wir auch die Gäste,

die wir in den Sonntagsreden umwerben:

Qualitätstouristen.

In unmittelbarer Nähe des Natura 2000-Gebietes und des UNESCO-Weltnaturerbes

entsteht im alpinen Grünland auf 2.000 Metern Meereshöhe ein Chaletdorf.

Wir sind „touristisch

schwach entwickelt“!

Die Südtiroler Landesregierung bewertet mehr als

die Hälfte der Südtiroler Fraktionen als touristisch schwach entwickelte Gebiete

Florian Trojer

Florian Trojer ist seit kurzem Assistent

der Geschäftsführung im Heimatpfl egeverband

und hat sich eingehend mit dem

Thema Tourismus beschäftigt. Im Interview

zeigt er Ungereimtheiten und Unverträglichkeiten

auf.

Kulturfenster: Schon fast eine Lachnummer:

Südtirol ist als touristisch schwach

entwickelt eingestuft?

Florian Trojer: Ja, die Südtiroler Landesregierung

bewertet mehr als die Hälfte

der Südtiroler Fraktionen als touristisch

schwach entwickelte Gebiete. Nur wenige

Gemeinden, wie zum Beispiel Dorf Tirol,

Meran, Gröden und das Gadertal werden

als stark entwickelt eingeordnet. Und das,

obwohl Südtirol bei den Übernachtungen

im Verhältnis zur Wohnbevölkerung unter

den touristisch hoch entwickelten Zentralalpenregionen

eine absolute Spitzenposition

einnimmt.

Mit einer realistischen Einstufung hätte die

Landesregierung ein Instrument, den massiven

Ausbau von touristischen Einrichtungen

und die Ausweisung neuer Tourismuszonen

in den Griff zu bekommen.

KF: Boomt mit dem Tourismus auch der

Bodenverbrauch?

Florian Trojer: In den letzten fünf Jahren

ist die Gesamtfläche der Zonen für touri-

Nr. 05 | Oktober 2019 33


Das Thema

stische Einrichtungen in Südtirol um unglaubliche

46 Prozent gestiegen. Aus 261

Hektar im Jahr 2013 wurden 381 Hektar

2018, Tendenz steigend. Diese Entwicklung

widerspricht diametral dem geltenden

Landesentwicklungs- und Raumordnungsplan

(LEROP), der feststellt, „dass Knappheit

an Boden und Schonung der Umwelt

die Rahmenbedingungen wirtschaftlichen

und politischen Handelns bleiben“ sollen.

25,0

20,0

20,7

KF: Warum brauchen Urlauber so viel Platz?

Florian Trojer: In den letzten Jahren werden

verstärkt Tourismuszonen für große

Hotels mit einer hohen Bettenanzahl im

Vier- und Fünf-Sterne-Bereich ausgewiesen.

Das dafür notwendige Raumprogramm

hat einen enormen Platzbedarf.

Sogenannte Hoteldörfer, die in der Bewerbung

oft als besonders naturnah und

nachhaltig propagiert werden, verbrauchen

ausgedehnte Landschaftsflächen

und erfordern wegen ihrer abgelegenen

Position oft aufwändige Zufahrtsstraßen

und Infrastrukturen.

15,0

13,3

12,3

10,0

6,0

5,0

0,0

Bayern Belluno Graubünden Salzburg St. Gallen Sondrio Südtirol

Tessin Tirol Trentino Vorarlberg Mittelwert

Beherbergungsdichte (Bettenanzahl der gastgewerblichen Betriebe des Gebietes im Verhältnis zur Fläche)

Beherbergungsdichte Tourismusintensität (Bettenanzahl (Anzahl der gastgewerblichen Übernachtungen im Verhältnis Betriebe zu Wohnbevölkerung des Gebietes und betrachteten im Verhältnis Zeitraum) zur Fläche)

Tourismusintensität (Anzahl der Übernachtungen im Verhältnis zu Wohnbevölkerung und betrachteten Zeitraum)

bergungsdichte und Tourismusintensität des zentralen Alpenraumes für das Jahr 2018 im Vergle

KF: Zum Bodenverbrauch kommt der Verbrauch

von Ressourcen aller Art…

Florian Trojer: Das Müllaufkommen und

der Stromverbrauch von Tourismushochburgen

liegen deutlich über dem Durchschnitt.

Der Verbrauch von Wasser für

Wellnessoasen und Hotelbetrieb ist exorbitant.

Der Verkehrskollaps auf vielen

Straßen in der Hochsaison zeigt auf, dass

die Kapazitätsobergrenze vielfach bereits

erreicht ist. Alternative Verkehrskonzepte

für Touristen haben vielfach nur Orchideenstatus.

„Beim Bedarf der eigenen Leute wird gespar. Im Wohnbau soll eine

Einzelperson mit 28 Quadrateter und eine 4-köpfige Familie mit

knapp70 QuadrateterWohnflächeauskommen.Gleichzeitighöre

ich einen bekannten Hotelier im Radio von Suiten fr die Touristen

reden, die sich auf 50 - 300 Quadrateter belaufen. Das passt einfach

nicht zusammen!“

Rosa Franzelin, langährige Präsidentin Wohnbauinstitt

34

KulturFenster


Heimatpflege

Landauf, landab - ohne Rücksicht auf Landschaft

und Schutzbestimmungen

Bereits in der Gesetzgebungsphase zum

neuen Raumordnungsgesetz warnte der

Heimatpflegeverband davor, dass die

lange Übergangszeit bis zum Inkraft-

treten des neuen Gesetzes 2020 Tür

und Tor für „Unmengen an spekulativen

Vorarbeiten und vollendeten Tatsachen“

öffnet.

Dies bewahrheitet sich nun in einer Vielzahl

von Fällen, wie die vorliegende Dokumentation

zeigt. Wir zeigen im Folgenden

einige der zahlreichen Projekte.

Feldthurns

Geplantes Objekt:

Hotelanlage mit 21 Chalets

Flächenverbrauch: 7.500 m 2

Status: Durch Landesregierung

genehmigt (Zurückstufung auf 11

Chalets und 60 Gästebetten

und die Einbeziehung des Beirates

für Baukultur bei der Verteilung der

Kubatur)

St. Lorenzen,

Sonnenburg

Geplantes Objekt:

Sechs Ferienwohnungen mit insgesamt

24 Betten.

Flächenverbrauch: 5.000 m 2

Status: Beschluss der Gemeinde St.

Lorenzen zur Eröffnung des Verfahrens

der Bauleitplanänderung um eine

Zone für touristische Einrichtungen

auszuweisen (25.06.2019)

Bemerkung:

Die geplante Tourismuszone liegt

mitten im landwirtschaftlichen

Grün in der Bannzone und in der

Ensembleschutzzone.

Nr. 05 | Oktober 2019 35


Das Thema

Burgstall

Geplantes Objekt: Hotelanlage

Flächenverbrauch: 20.830 m 2

Status: Die Genehmigung durch die

Landesregierung steht noch aus

Bemerkung:

Auch die geplante Tourismuszone

in Burgstall liegt mitten im

landwirtschaftlichen Grün, zum Teil

sogar im Waldgebiet. Während hier die

Zersiedelung nicht das vordergründige

Problem ist, fällt vor allem die

überbordende Dimension und die Höhe

des Hotelkomplexes auf.

Tramin

Geplantes Objekt:

Tourismuszonen hinter dem Kirchturm und

in Söll

Status: Das Verwaltungsverfahren zur

Abänderung des Bauleitplanes wurde noch

nicht eingeleitet

a. Die geplante Tourismuszone in Söll kann

nur als problematisch bezeichnet werden.

Die Lage mitten im landwirtschaftlichen

Grün und in der Ensembleschutzzone,

angrenzend an die Bannzone, beeinflusst

das ohnehin durch die Tourismusbauten

der letzten Jahre beeinträchtigte Ortsbild

stark.

b. Tourismuszone hinter dem Kirchturm

Hinter dem Kirchturm soll eine neue

Tourismuszone ausgewiesen werden.

Die dortigen Rebflächen sind als Bannzone

wie ein Gürtel um den alten Ortskern

unbedingt zu erhalten. Dieser Teil befand

sich ursprünglich in der Bannzone.

Außerdem ist der Rathausplatz von Tramin

bereits jetzt arg verkehrsgeplagt. Eine

weitere stark befahrene Zufahrt für eine

weitere Tourismuszone würde das Problem

nochmals zuspitzen und den Dorfplatz nur

mehr zur Verkehrsfläche degradieren.

36

KulturFenster


Heimatpflege

Streuhotels - eine

spannende Alternative

Aus der Not eine Tugend machen

Das erste Streuhotel entstand in Forgaria im Friaul nach dem verheerenden Erdbeben. Alte, z.T. verlassene Bauernhäuser fanden

so wieder eine neue Bestimmung. (www.alberghidiffusi.it)

Historische Ortskerne aufwerten, traditionellen

Lebensstil vermitteln und große Hotelneubauten

vermeiden - das sind Ziele

und Vorgaben für das Konzept der „Streuhotels“.

Erfunden in Friaul, machten sie aus

der Not eine Tugend und finden nun in ganz

Europa Nachahmer.

Seit März 2019 gibt es das erste Südtiroler

Streuhotel in Neumarkt. 13 Zimmer

und Wohnungen in drei verschiedenen

Gebäuden stehen den Gästen zur Verfügung.

In einem der Gebäude gibt es eine

gemeinsame Rezeption und auch einen

Frühstücksraum für alle Gäste. „Das Projekt

soll dazu beitragen, den Tourismus

anzukurbeln und den historischen Ortskern

besser zu nutzen“, so die Betreiber.

Möglich macht diese neue Form von

Hotel ein Landesgesetz*. Für die Führung

eines Streuhotels schließen sich private

Wohnungs- und Zimmerbesitzer zusammen,

um gemeinsam ihre Unterkunft zu

vermieten. Die Unterkünfte müssen sich

im historischen Ortskern befinden und

werden zentral verwaltet. Die einzelnen

Zimmer von Streuhotels dürfen laut Landesgesetz

nicht mehr als 300 Meter vom

Hauptgebäude entfernt sein, wo die Gäste

frühstücken können.

Wie so oft wurde auch das Konzept des

Streuhotels als Reaktion auf eine Notsituation

entwickelt. Nach dem Erdbeben in

Friaul 1976 standen viele der mit Hilfsgeldern

wieder errichteten historischen Häuser

leer. Der Professor für Tourimusmarketing

an der Universität Perugia, Giancarlo

Dall’Ara, verknüpfte daraufhin die verstärkte

Nachfrage nach ökologisch sinnvollen

Tourismuskonzepten mit der Wiederbelebung

historischer Ortskerne und entwickelte

das Konzept des „Albergo diffuso“.

Sardinien war dann bereits 1998 die erste

Region, die ein entsprechendes Gesetz

verabschiedete. Von Italien aus verbreitet

sich das Konzept der Streuhotels nun

über ganz Europa.

In Neumarkt läuft das erste Streuhotel

Südtirols jedenfalls gut. Die Gäste kommen

aus Deutschland und Italien, aber

auch aus Spanien, Japan, Korea, Tschechien

und Russland. „Die Gäste sind begeistert

von unserm Konzept des "Wohnens

unter den Einheimischen“, sagt die

Geschäftsführerin Ioana Cires. Seit der Eröffnung

im März sind schon einige Wohnungen

dazugekommen. „Wir hoffen, bis

Frühjahr mindestens 20 Zimmer in fünf

Gebäuden anbieten zu können“, so Cires.

* Landesgesetz Nr. 10 vom 11.07.2018,

veröffentlicht im Amtsblatt der Region Trentino

Südtirol Nr. 28 vom 12.07.2018, in

Kraft getreten am 13.07.2018

Laubenhäuser in Neumarkt (www.emotionliving.it)

Nr. 05 | Oktober 2019 37


Das Thema

Bitte mehr Mut!

Heimatpfleger geben neue Kriterien für die Einstufung der Gemeinden

nach ihrem touristischen Entwicklungsstand vor

Am 10. September empfing Landesrätin

Maria Kuenzer die Spitze des Heimatpflegeverbandes

zu einer Aussprache zum

Thema “Ausweisung von Tourismuszonen”

vor dem Hintergrund des Übergangs

vom geltenden Raumordnungsgesetz zum

neuen Landesgesetz Raum & Landschaft.

Dabei deponierte der Verband zwei Hauptforderungen:

1. Ein Moratorium für die Beurteilung und

eventuelle Genehmigung aller vorliegenden

Projektanträge - auch jener bereits bis 31.

August 2019 eingereichten Projekte – bis

zur gesetzlichen Verankerung neuer Beurteilungskriterien.

2. Neue, ökologische Kriterien für die Einstufung

der Gemeinden nach ihrem touristischen

Entwicklungsstand.

Zwei Tage nach dieser Aussprache, am

12. September, hat der Landtag ein Moratorium

für zukünftige Tourismuszonen

beschlossen.

Doch das klingt weitreichender, als es

ist. Denn die entscheidende Weichenstellung,

nämlich die völlige Überarbeitung

der touristischen Kategorien, wurde wieder

nicht vorgenommen. Und das ist schwerwiegend,

denn längst wären Dutzende vormals

“schwach entwickelte” Gemeinden in

den Status “stark“ einzustufen. Zum heutigen

Stand (Beschluss der Landesregie-

rung vom 27.04.2018) gibt es in Südtirol

168 (!) „touristisch gering entwickelte“ Gebiete,

192 „touristisch entwickelte“ und 24

„touristisch stark entwickelte“ Gebiete (d.h.:

Gemeinden, aber auch Teilgebiete einzelner

Gemeinden). (Siehe Grafik Seite 34).

Hier ist ein Paradigmenwechsel im besten

Wortsinn notwendig, es geht um eine Umkehr

der Prioritäten, es geht um den Vorrang

für die Aufnahmefähigkeit der Natur- und

Kulturlandschaft in den einzelnen Gemeinden:

Das Kriterium muss ökologische Verträglichkeit

heißen.

Wenn man außerdem bedenkt, dass bei

den meisten der geplanten neuen Tourismuszonen

nicht nur die entsprechende Änderung

der Gemeinde-Bauleitpläne, sondern

zugleich auch Einschränkungen der

jeweiligen Landschaftspläne und oft sogar

der Gefahrenzonenpläne (im Sinne der Einschränkung

der jeweiligen Schutzzonen!)

angestrebt wird, dann wird klar, dass hier

grundlegend gesetzgeberisch gegengesteuert

werden muss.

Das geltende Landes-Raumordnungsgesetz

gibt die Richtung ohne Wenn und Aber vor:

Art.5 (Abs.4) bestimmt, dass bei allen raumordnungsrelevanten

Entscheidungen im

Zweifel „im Interesse der künftigen Generationen

vor allem den Erfordernissen der

Ökologie Rechnung zu tragen ist“.

Und das neue Landesgesetz für Raum

und Landschaft vom 10. Juli 2018 (ab

2020) stellt in Art.1 jegliche „Raumentwicklung“

in den Kontext der „Aufwertung

der Landschaft“ und der „Einschränkung

des Bodenverbrauches“.

Die Landesregierung muss also nichts

anderes tun, als sich an ihre eigenen Rahmengesetze

zu halten.

38

KulturFenster


Heimatpflege

Unsere Berge brauchen keine

Geschmacksverstärker

Der Rosengarten braucht keinen Glasturm

Foto: Jan Kusstatscher

in seinem in allen Punkten negativen Gutachten

vom 06.02.2019 und 21.05.2019

die scheinbare Legitimation, das Welterbe

zu repräsentieren, klar ab und präzisiert:

Das TTD hat keinerlei Daseinsberechtigung

an diesem sensiblen Ort. Er bewertet

das Gebäude als massive Störung und als

Fremdkörper mit negativen Auswirkungen

auf den ästhetischen und touristischen Wert

des Weltnaturerbes. Außerdem erinnert die

Stiftung UNESCO daran, dass man sich mit

der Aufnahme ins Weltnaturerbe dazu verpflichtet

hat, den Besucherzustrom und den

Ausbau der Infrastrukturen in dieser sensiblen

Zone nicht zu intensivieren.

Am Samstag, 21. September, haben sich

die Befürworter eines unberührten Dolomiten-

Weltnaturerbes am Fuße des Rosengartens

versammelt, um ihre Position zu unterstreichen:

Unsere Berge brauchen keine

Geschmacksverstärker – Der Rosengarten

braucht keinen Glasturm.

Im Rahmen einer Sitzung der Landesregierung

im Oktober werden die Mitglieder

der Landesregierung die weitere Vorgangsweise

besprechen und das Projekt „Touch

the Dolomites“ gutheißen oder ablehnen.

Davor haben der Heimatpflegeverband Südtirol,

Mountain Wilderness, der Club Alpino

Italiano, der WWF, Legambiente, Italia Nostra

und der Dachverband für Natur- und

Umweltschutz zusammen mit vielen Unterstützern

mit der Aktion „Unsere Berge

brauchen keine Geschmacksverstärker“

ein klares Zeichen gesetzt.

Weltnaturerbe Rosengarten

Der Rosengarten ist nicht nur ein weltweit

einzigartiges Naturdenkmal, er ist auch ein

identitätsstiftendes Symbol für alle Südtiroler.

Mit seiner kulturellen, spirituellen und ökologischen

Schönheit und Wildheit ist der Rosengarten

einer der symbolträchtigsten und

markantesten Berge der Dolomiten, Südtirols

und der Alpen. Um diese einzigartige

Gebirgslandschaft auch für die zukünftigen

Generationen zu erhalten, steht der Rosengarten

gleich mehrfach unter Landschaftsschutz.

Im Jahre 2009 sind die Dolomiten

– mit dem Rosengarten – zudem aufgrund

ihrer landschaftlichen Schönheit sowie ihrer

geologischen und geomorphologischen

Bedeutung in die Liste des Welterbes der

Menschheit aufgenommen worden. Das

UNESCO Welterbe ist die weltweit höchste

Anerkennung für eine Naturstätte. Dieses

Siegel ist vor allem eine Verpflichtung zum

Schutz und Erhalt und nicht ein Freischein

für die grenzenlose Vermarktung.

Vernichtendes Gutachten

Im Februar 2019 hatte die Kommission für

Natur, Landschaft und Raumentwicklung

empfohlen, die weitere Vorgehensweise

vom Gutachten der Stiftung Dolomiten UN-

ESCO abhängig zu machen. Und dieses

Gutachten fiel eindeutig aus: Der wissenschaftliche

Beirat der Stiftung Dolomiten

UNESCO spricht dem geplanten Glasturm

Degradierung zur Kulisse für

kurzsichtigen Eventtourismus

Mit dem Projekt „Touch The Dolomites“ (Berühre

die Dolomiten) wird der Rosengarten

zur Kulisse degradiert. Statt das Verständnis

für die Einzigartigkeit der Dolomiten zu

fördern, vergrößert der Kristall die Distanz

zur Natur. Wer glaubt, mit einem Stahl-

Glas-Turm auf 2300 Metern Meereshöhe

den Menschen die Berge näher bringen zu

können, hat es verlernt, den Fels, die Natur

und die Umwelt differenziert zu betrachten.

Das Projekt ist Ausdruck eines kurzsichtigen

Eventtourismus, der vergessen hat,

dass ein möglichst unberührtes Weltnaturerbe

Dolomiten der eigentliche Schatz ist,

von dem wir alle profitieren. Auch Tourismus

und Wirtschaft.

Appell an die Landesregierung

Der Heimatpflegeverband Südtirol, Mountain

Wilderness, der Club Alpino Italiano,

der WWF, Legambiente, Italia Nostra und

der Dachverband für Natur- und Umweltschutz

fordern die Landesregierung erneut

auf, das negative Gutachten des wissenschaftlichen

Beirates der Stiftung UNESCO

ernst zu nehmen und den Glasturm an diesem

sensiblen Ort abzulehnen.

Nr. 05 | Oktober 2019 39


Aus Verband und Bezirken

Den Enkeln eine lebenswerte

Heimat übergeben

Vortragsabend zu Raum und Landschaft in Algund

Foto: Martin Geier

In Algund einen Prozess der Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Dorfes anzustoßen,

und damit die Weichen zu stellen, um den zukünftigen Generationen eine lebenswerte

Heimat zu übergeben - das ist das Anliegen des Heimatschutzvereins Algund und

seines Obmannes Peter Haller. Zu diesem Zweck lud man den Schweizer Landschaftsarchitekten

Andreas Kipar und Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer ins Thalguter Haus.

Interessierte aus Algund und aus ganz Südtirol folgten ihren Ausführungen und zeigten

sich in der Diskussion gleichermaßen engagiert wie besorgt.

Der international tätige Landschaftsarchitekt

Andreas Kipar, der in Mailand, Lugano

und Düsseldorf mit eigenen Büros vertreten

ist, stellt eingehend klar, dass Landschaft

nicht nur als etwas Schönes zu verstehen,

sondern stets der Spiegel einer Gesellschaft

ist. Spätestens seit der Europäischen

Landschaftskonvention von 2000

beginnt man der Landschaft neue Bedeutung

zuzumessen. Gerade die Alpenlandschaft

steht wegen ihrer natürlichen

Begrenztheit unter Druck. Auf geballtem

Raum müssen Wohnen und Arbeiten, Infrastrukturen

und Tourismus ihren Platz

finden. Umso sorgfältiger muss geplant

und vorgegangen werden, denn das „Verbrauchen“

von Land ist kein reversibler

Prozess, so Architekt Kipar.

Mit Blick auf das neue Landesgesetz

für Raum und Landschaft ist dabei sicherlich

die Zersiedlung jener heikle Punkt,

der klar werden lässt, dass Schäden an

der Landschaft nicht nur das historische

Gedächtnis zerstören, sondern auch die

Rechte der zukünftigen Generationen unwiderruflich

beschneiden.

Bei der Landschaft beginnen

Einem sorgfältig ausgearbeiteten Leitbild

kommt damit größte Wichtigkeit und

Bedeutung zu. Aus seinen Erfahrungen

im Bereich der Landschafts- und Freiraumplanung

forderte Kipar in diesem

Sinne aber den Mut, die traditionelle

Reihenfolge in der Planungsarbeit – Infrastrukturen,

Besiedlung, Landschaft –

umzukehren und bei der Landschaft zu

beginnen. Dabei geht es nicht um romantische

Vorstellungen, sondern durchaus

um wirtschaftlichen Nutzen. Als Beispiel

für ein Modell der Vernetzung von Landschaftsplanung

und wirtschaftlichen Bedürfnissen

stellte Arch. Kipar ein in Bardolino

am Gardasee umgesetztes Projekt

vor, das dem überlasteten Touristenstädtchen

Entlastung bringen sollte. Dies gelang

durch das Anlegen von vier neuen

Rad- und Wanderwegen in und durch

fünf umliegende Gemeinden, wodurch

die Touristenströme entsprechend drainiert

werden können. Das Konzept des

„Percorso“ ging auf und bedeutet heute

für die Gemeinden im Hinterland einen

wirtschaftlichen Aufschwung, für Bardolino

bringt es die dringend notwendige

Entlastung.

Freiräume lassen

Zwei Prinzipien von Kipars Arbeit macht

dieses Projekt deutlich: 1. Nur eine übergemeindliche

Zusammenarbeit macht

eine fruchtbringende Planung möglich.

2. Große „Bilder“ werden an kleinen

Maßnahmen umgesetzt. Ein drittes Prinzip

Kipars besteht in der Wertschätzung

des Freiraums. Laut dem Landschaftsarchitekten

sollte in der Landschaftsplanung

heute der Freiraum eine Hauptrolle

spielen, als unprätentiöser Raum, der –

manchmal auch nur periodisch – Menschen

aufnehmen kann, aber auch für

sich steht. Zur Veranschaulichung stellte

Arch. Kipar ein in der Schweiz umgesetztes

Projekt vor, bei dem ein in Jahrzehnten

gewachsener Verkehrsknotenpunkt

entwirrt und teilweise rückgebaut

wurde und Platz für neue Freiräume ließ,

40

KulturFenster


Heimatpflege

die von der Bevölkerung auf die verschiedenste

Weise genutzt werden und für die

Ortschaft eine neue Attraktivität und Lebensqualität

bedeuten.

In den Projekten von Arch. Kipar geht

es oft darum, Beschädigtes behutsam

wieder zu vernetzen und wiederzubeleben,

wobei sich zeigt, dass Identität aus

Freiräumen entsteht. Auch Landesrätin

Maria Hochgruber Kuenzer betonte,

dass Landschaft eine nicht zu unterschätzende

Basis für Identität und Heimatgefühl

ist, als sie im Anschluss kompetent

auf wichtige Punkte des neuen Landesgesetzes

für Raum und Landschaft einging

und Neuerungen erläuterte.

Die Tatsache, dass erstmals Raumordnung

und Landschaft in einem Gesetz

vereint sind, sieht Landesrätin Hochgruber

Kuenzer als Chance zur Gestaltung,

vor allem für die Gemeinden. Die Abgrenzung

des Siedlungsgebietes erfolgt

in Zukunft nämlich durch das Gemeindeentwicklungsprogramm,

obliegt also

den Gemeindeverwaltungen. Auch die

Umwidmung von Bebauungszonen wird

zukünftig Aufgabe der Gemeindeverwaltungen

sein, genauso wie das Erstellen

eines eigenen Mobilitätsplans und eines

Tourismusentwicklungskonzepts. Wie

in der abschließenden Diskussion klar

wurde, bedeuten diese Kompetenzverschiebungen

auch, dass der Druck auf

Bürgermeister und Gemeindeverwalter

in diesen Belangen sicher steigen wird.

Landesrätin Maria Kuenzer riet deshalb,

wie vor ihr auch Arch. Kipar, die Ausarbeitung

der Programme und Pläne breit

zu diskutieren und auf Gemeindeebene

einen möglichst umfangreichen Konsens

zu suchen. Ob dies alles bis Jänner 2020

zu schaffen ist, konnte selbst Maria Hochgruber

Kuenzer nicht eindeutig bejahen.

Die zahlreichen Wortmeldungen zeigten

jedenfalls, dass sich Bürger und Bevölkerung

durchaus Gedanken darüber machen,

wohin sich Algund bzw. unser Land

entwickeln soll, und dass es vielen ein

Anliegen ist, heute an morgen zu denken.

In diesem Sinne ist es dem Heimatschutzverein

Algund gelungen, mit dem

Vortragsabend Impuls und Basis für den

Weg zum neuen Gemeindeentwicklungsprogramm

zu sein. Nun gilt es, am Ball

Der Schweizer Landschaftsarchitekt

Andreas Kipar

zu bleiben und für weitere Schritte zu sorgen,

die zu angemessenen Strategien für

Algund und Umgebung führen.

Maria Kiem, Algund

Das Ortszentrum von Algund

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für die Heimatpflege im Kulturfenster senden Sie bitte an: josef@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)

Nr. 05 | Oktober 2019 41


Aus Verband und Bezirken

Kleinode, Ensembles,

Tourismuszonen und neue Straßen

Ortsbegehung in Tramin

Tramin mit seiner Pfarrkirche ist ein typisches Straßendorf, das sich mit einer engen

Bebauung entlang der historischen Hauptstraße an die Schutthügel der Weinhänge

schmiegt. (Foto: Albert Willeit)

Von einzigartigen Renaissance-Fresken des

Künstlers Bartlmä Dill Riemenschneider bis

zum lieblos neugestalteten Beginn des Gewürztraminer-Themenwegs

war bei der Ortsbegehung

in Tramin alles an Hochs und Tiefs

dabei, das man sich nur vorstellen kann. Viel

interessanter Diskussionsstoff also für die anwesenden

Heimatpfleger und Gemeindevertreter,

allen voran Obfrau Claudia Plaikner,

Obfrau des Vereins für Kultur- und Heimatpflege

Tramin Monika Oberhofer und Bürgermeister

Wolfgang Oberhofer sowie Gemeindereferentin

Sieglinde Häusl.

Tramin ist ein typisches Straßendorf, das

sich mit einer engen Bebauung entlang der

historischen Hauptstraße an die Schutthügel

der Weinhänge schmiegt. Die Straßenführungen,

die der Topographie der Landschaft

folgen, einen menschlichen Maßstab haben

und niemals als gerade Linie oder Schneise

in die Landschaft gesetzt wurden, prägen

dieses einzigartige Weindorf und verleihen

das besondere Flair und den angenehmen

Reiz. Noch schön zu sehen ist in Tramin

die Haus-an Haus-Bebauung, die die Landschaft

und die an- und absteigenden Hügel

in sich aufnehmen. Die notwendige engstrukturierte

und kostengünstige Bebauung ermöglichte

es, die Straße als öffentlichen

Raum, als Begegnungsraum zu nutzen, in

dem sich das tägliche Leben auf der Straße

abspielte. An den Hinterseiten der Gebäude

waren und sind teilweise immer noch die

privaten Gärten und Weinberge. Im Erdgeschoss

entlang der Straße fanden die Ställe

und anderen landwirtschaftlichen Räume

sowie Werkstätten und Geschäfte und die

Innenhöfe Platz. Die Wohnräume befinden

sich in den oberen Geschossen. Dieses Zusammenspiel

ergibt das wunderbare Dorfbild

mit kleinen Plätzen, Brunnen, Innenhöfen

und den verschiedenen Ansichten.

Bis in die Mitte des 20. Jh. wurde diese

Art der Ortsbebauung weitergeführt. Die Industrialisierung

und vor allem die Durchsetzung

des motorisierten Individualverkehrs

veränderten den Dorf- und Städtebau und

ersetzten den Menschen als Maßstab mit

dem Auto.

Seit Jahren ein zentrales Thema:

die Verkehrsbelastung

Wie viele andere Dörfer Südtirols leidet

auch Tramin unter einer enormen, größtenteils

hausgemachten Automobilbelastung.

Obwohl mit der Weinstraße bereits eine Umfahrung

besteht, sind die engen Gassen im

Dorfzentrum und der Hauptplatz stark frequentiert

und – vielfach wild – zugeparkt.

Fußgänger und Radfahrer sind auf Straßen

und Plätzen benachteiligt.

Entgegen den Empfehlung von Verkehrsexperten

möchte die Gemeindeverwaltung

dieses Problem mit einer neuen Straße

und einem neuen Parkplatz durch den und

im bisher unverbauten Pfarranger lösen.

Der Pfarranger steht heute unter Ensembleschutz.

Dieser freie Raum im sonst geschlossenen

Straßendorf betont die Sicht in

die Weinberge, in den Talboden und muss

unverbaut bleiben. Die Wichtigkeit des Widums,

der neben der Gemeinde und dem

Schulbau als eines der drei Gebäude die

Sicht von der engen Straße zum Talboden

hin öffnet, betont den öffentlichen Charakter

der Gebäude.

Alle an der Ortsbegehung Beteiligten kamen

zu dem Schluss, dass das geplante Projekt

nicht sinnvoll ist und alternative Standorte

für Parkplätze gefunden werden müssen.

Neue Tourismuszonen im landwirtschaftlichen

Grün

Der zurzeit noch boomende Touristenzustrom

und das neue Raumordnungsgesetz

bzw. die lange Übergangszeit bis zum

Inkrafttreten desselben öffnen auch in Tramin

Tür und Tor für wuchernde Bauspekulation,

deren Auswüchse das Dorfbild unwiederbringlich

zu entstellen drohen.

So sind etwa neue Tourismuszonen hinter

dem Kirchturm sowie in Söll jeweils im

landwirtschaftlichen Grün und zum Teil in

der Ensembleschutzzone geplant. Die Ausweisung

dieser touristischen Zonen und die

touristische Entwicklung in Tramin insgesamt

folgt derzeit leider keinem zusammenhängenden

ganzheitlichem Konzept. Allzu oft

nimmt sich die Gemeindeverwaltung hier

eher der Einzelinteressen an, als das Wohl

aller Traminer im Auge zu behalten.

42

KulturFenster


Heimatpflege

Ein einzigartiges, aber leider nicht öffentlich zugängliches Juwel in Tramin ist das Ensemble Langenmantelhaus und der

„Trinkturm mit Loggia“ im Ortsteil Betlehem. Mit seinen Renaissance-Fresken des Künstlers Bartlmä Dill Riemenschneider ist er

ein im gesamten Alpenraum einzigartiges Kulturgut. ( Foto links: Marlene Roner – Fotos mitte und rechts: Helmut Stampfer)

Ein verborgenes Kleinod

Ein einzigartiges, aber leider nicht öffentlich

zugängliches Juwel in Tramin ist das Ensemble

Langenmantelhaus und der „Trinkturm

mit Loggia“ im Ortsteil Betlehem. Mit

seinen Fresken des Künstlers Bartlmä Dill

Riemenschneider im Trinkturm und im Langenmantelhaus

ist das Gebäude ein im gesamten

Alpenraum einzigartiges Kulturgut.

Alle Teilnehmer der Ortsbegehung zeigen

sich begeistert von den wunderbaren

und trotz des allgemein schlechten Zustands

des Gebäudes noch sehr gut erhaltenen

profanen Malereien des berühmten

frühneuzeitlichen Malers. Die Möglichkeit,

dieses Kleinod zu begehen und zu besichtigen

ist von großem öffentlichem und touristischem

Interesse.

Das Langenmantelhaus gehört heute einer

Konkursmasse an und wird zurzeit verkauft.

Die Gemeinde könnte das Vorkaufsrecht in

Anspruch nehmen, um das einzigartige öffentliche

Gut der Allgemeinheit zuzuführen.

Der Rest des Gebäudes könnte zur

Wiedergewinnung von Wohnraum im historischen

Ortskern, wie es Glurns und andere

Dörfer in Südtirol vorgemacht haben,

verwendet werden.

Helmut Stampfer, der ehemaliger Direktor

des Denkmalamtes, sprach sich bei der

Dorfbegehung mit aller Deutlichkeit für diese

Lösung aus. Auch Katja Trauner, Architektin

und Ensembleschutzbeauftragte, hob hervor,

wie wichtig die öffentliche Hand für die

Erhaltung und den Schutz solcher Bauten

ist. Diese Art von Gebäuden sind als Allgemeingut

anzuerkennen und tragen nachhaltig

zum Kulturverständnis und zum Bezug

der Bürger bzw. der Gesellschaft zum

baulichen und historischen Kontext eines

Dorfes bei. Dies fördert langfristig gesehen

wiederum einen qualitätvollen Umgang mit

Raum und Landschaft und mit zeitgenössischem

Bauen. Wer Altes verfallen lässt,

baut Neues ohne Herz oder mit August Bebel

gesagt hat: „Nur wer die Vergangenheit

kennt, kann die Gegenwart verstehen und

die Zukunft gestalten.“

Laut Bürgermeister besteht in der Gemeindeverwaltung

allerdings nur wenig

Interesse daran, vom Vorkaufsrecht Gebrauch

zu machen, da teilweise auch die

Mittel dazu fehlen.

Neuer Themenweg

„Gewürztraminer“

Wäre er ein Wein, dann wäre der neue

Themenweg „Gewürztraminer“ einer dieser

beliebigen Allerweltsweine, die an den

scheinbaren Massengeschmack angepasst

keinerlei Rückschluss auf Landschaft und

Herkunft hinterlassen, keine Tiefe haben

und die man schon wieder vergessen hat,

sobald der letzte Tropfen die Kehle hinunterrinnt.

Bereits am Beginn des Themenweges

merkt man, dass ein nicht vollständig durchdachtes

Konzept vorliegt. Ein riesiges Metallschild

mit der Aufschrift „GewürzTRAminer“

an einer schönen Steinmauer und

eine ebenso überdimensionale stählerne

Perglkonstruktion hinterlassen den geneigten

Wanderer eher abgeschreckt als beeindruckt.

Weiter geht der Wanderweg mit

einem wunderbaren, bestehenden Steinpflaster.

Wo dieses aufhört, findet sich der

neugestaltete „Entspannungssitzplatz“ mit

verschiedensten Elementen: eine schlecht

ausgeführte Steinmauer, ein alter, von ir-

Bereits am Beginn des neuen Gewürztraminer-Themenweges merkt man, dass das

Konzept hinsichtlich einer konstanten Qualität nochmals überdacht werden sollte.

(Foto: Albert Willeit)

Nr. 05 | Oktober 2019 43


Aus Verband und Bezirken

Im Gegensatz zum „Trinkturm mit

Loggia“ wurde die „Trinkstube“ im

angrenzenden Gebäude von Besitzer

Armin Sinner (im Bild rechts mit

Helmut Stampfer“) 2015/16 vorbildlich

restauriert. (Foto: Albert Willeit)

Die Teilnehmenden beim Abschluss der Ortsbegehung des Vereins für Kultur und

Heimatpflege Tramin im [hoamet] Tramin Museum

gendwoher importierter Olivenbaum, der eigenartigerweise

in ein weißes Schotterbett

mit Folie gesetzt wurde. Außerdem gibt es

noch lose Steine, Lavendelpfl anzen, eine

alte Stampfbetonmauer und eine weitere

Fläche aus Porphyrschotter, in welchen ein

Traminer Apfelbaum gepflanzt ist.

Eine solch beliebige und wenig durchdachte

Gestaltung ist generell kritisch zu

sehen, ganz besonders aber an solchen

Standorten in der freien Kulturlandschaft.

Deshalb empfiehlt Albert Willeit im Sinne

der Anwesenden, das gesamte Konzept und

die Gestaltung zu überdenken und von Experten

bewerten zu lassen. Das zahlt sich

gewiss aus, denn anspruchsvolle und kulturell

interessierte Gäste, die vor allem Tramin

ansprechen will, merken sofort, ob etwas

Qualität hat oder nicht.

Abschluss mit Film und

Gewürztraminerverkostung

Zurück im Museum zeigte der Verein für

Kultur und Heimatpflege Tramin noch einen

Kurzfilm von Museumskustos Hermann Toll

über den Verfall des Trinkturmes mit Loggia

im Langmantelhaus im Dorfviertel Betlehem,

der seit nunmehr 100 Jahren darauf

wartet, renoviert und öffentlich zugänglich

gemacht zu werden.

Abgeschlossen wurde die Ortsbegehung

bei der Verkostung feiner lokaler Gewürztraminer.

Hier ließen die Teilnehmer noch

einmal die Eindrücke des wunderbaren

und einzigartigen, aber gleichzeitig fragilen

und bedrohten Ortsbildes Tramins Revue

passieren.

Marlene Roner und Florian Trojer

Fotowettbewerb

„Heimat im Fokus / Natur-Denkmal-Mensch / offen-kritisch-spielerisch“

Weg von den Klischees, hin zum kritischen Blick

Als Auftaktveranstaltung hat das „Netzwerk Kulturerbe“ (s.o.) einen Fotowettbewerb zum

Thema „Heimat im Fokus / Natur-Denkmal-Mensch / offen-kritisch-spielerisch“ ausgeschrieben,

der am 1. Juni 2019 gestartet ist und am 29. Februar 2020 endet.

Der Wettbewerb richtet sich an Jugendliche und Erwachsene. Er hat das Ziel, ein neues, kritisches

Bewusstsein für die Natur, die Umwelt und die Landschaft, die Bräuche und Traditionen,

die Baukultur und die Geschichte sowie das Zusammenwirken all dieser Bereiche

zu entwickeln. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Trampelpfade der Klischeebilder

zu verlassen und sich auf die Suche nach der „gefühlten“ Heimat zu machen – mit ihren

schönen, aber auch mit ihren problematischen Seiten.

Das Reglement des Fotowettbewerbs fi nden Sie auf der Homepage des Heimatpflegeverbandes

unter www.hpv.bz.it/fotowettbewerb-p39.html

44

KulturFenster


Heimatpflege

Andenken an den Grödner

Naturschützer Florian Schrott

Bronzetafel auf der Raschötz

Zu einem besonderen Ereignis lud der Naturschutz-

und Kulturverein St. Ulrich „Lia

per natura y usanzes“ am 15. September auf

die Raschötzer Alm. Man gedachte des Grödner

Naturschützers Florian Schrott (1941-

2017) und ehrte ihn mit einer Gedenktafel.

Die Idee dazu hatte, der leider zu früh

verstorbene, David Mahlknecht, der selbst

Mitglied bei der „Lia“ war und diese beim

Naturpark Puez Geisler vertrat. Die zur

Umsetzung nötigen Schritte vorangebracht

haben in St. Ulrich auch die Vizebürgermeisterin

Lara Moroder, die zuständige Gemeinderätin

Sara Stufflesser und allen voran

der Präsident der „Lia“ Engelbert Mauroner,

die allesamt im Führungsausschuss

des Naturpark Puez Geisler tätig sind.

Bei der feierlichen Messe in der Pfarrkirche

von St. Ulrich segnete Dekan Alois

Pitscheider die Bronzetafel. Er hob dabei

die Wichtigkeit des Naturschutzes hervor

und dankte allen Menschen, die sich dafür

einsetzen. Worte des Dankes an alle Beteiligten

und hier namentlich Genannten

sprach auch die Tochter Petra Schrott aus.

Sie dankte zudem der Marktgemeinde St.

Ulrich, die das Projekt fi nanzierte, Marco

Forni für die tiefgehenden Texte an der

Bronzetafel und Egon Trocker vom Amt für

Naturparke, der den Platz für die Gedenktafel

gestaltete.

Durch ein gemeinsames Mittagessen gestärkt,

wanderten die Teilnehmer der Feier

am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein

auf die Innerraschötz. Sie fanden

sich an einem Platz am Rande des von

Florian Schrott einzigartig gestalteten und

in mühevoller Arbeit gepflasterten Weges

ein. Hier errichtete Egon Trocker mit seinen

Mitarbeitern eine sehens- und sitzenswerte

Holzbank. Sie besteht aus einer einzigen

großen Zirbelkiefer (so die erläuternden

Worte Trockers), die unweit dieses malerischen

Ortes dem Windwurf erlegen war.

In dem als Ganzes belassenen Baumstamm

samt Wurzeln wurde direkt an seinem jetzigen

Standort eine Bank gehauen. Ein aus

einem Seitenast geschnitzter Adlerkopf bewacht

die Bank und ihre vorbeiziehenden

Gäste, die darauf Rast halten. Hinter der

Bank brachte Egon Trocker die Bronzetafel

an einem vorbereiteten Stein an.

Umgeben von der immer wieder beeindruckenden

Bergkulisse befanden sich unter

den Anwesenden die Familie, Freunde

und alte Weggefährten von Florian Schrott,

Vertreter der „Lia per natura y usanzes“

und der Gemeinde St. Ulrich.

Wertschätzende und ehrlich empfundene

Worte für Florian Schrott sprachen

der Präsident Engelbert Mauroner, der Geschäftsführer

des Heimatpflegeverbandes

Josef Oberhofer und der Amtsdirektor der

Naturparke Südtirols Enrico Brutti. In ihren

kurzen, prägnanten und spontanen Ansprachen

würdigten sie seine Verdienste,

seinen Idealismus und seine Beharrlichkeit

im Naturschutz und begrüßten das Anbringen

der Bronzetafel, die die Erinnerung an

Florian wachhält.

Musikalisch umrahmt wurden die Feierlichkeiten

in der Kirche und auf der Alm

vom Frauenviergesang bzw. den „Wetterhexen“

unter der Leitung von Carmen Declara

und Petra Schrott an der Gitarre.

Auch der Alphornbläser Gustav Perathoner

bereicherte die Feier auf der Raschötz,

indem er geschickt das aus der Ferne hörbare

verspätete Echo nutzte, es musikalisch

in sein Spiel einbaute und somit dem

Ganzen eine transzendente Note verlieh.

Auch mahnende Worte der Tochter fanden

bei dieser Feier Platz:

„Die Bronzetafel erinnert an meinen Vater

Florian. Gleichzeitig soll sie uns auch

bewusst machen, wie schön, ja grandios

die Natur ist und die, von Urzeiten an, vom

Menschen gestaltete Landschaft. Auch

wenn dieser besondere Fleck auf Erden,

den wir Heimat nennen, allzu oft als eine

Selbstverständlichkeit angesehen wird,

wenn uns die Berge, Almen und Wälder,

die Quellen, Bäche und Seen als eine schon

immer dagewesene Tatsache erscheinen,

soll uns der Platz auf der Raschötz mahnen,

wie fragil und schützenswert unsere

Umwelt ist. Dieser Platz soll uns vor Augen

führen, dass erreichte Ziele im Naturschutz

und in der Umweltpolitik zwar auf

Papier festgehalten, jedoch nicht in Stein

gemeißelt sind. Immer wieder aufs Neue

müssen wir für das Erreichte einstehen,

es verteidigen, hegen und pflegen,die Natur

lieben, ihr Respekt zollen und danken,

dass wir an ihr teilhaben dürfen.“ So endete

am späten Nachmittag die gelungene

Feier, die ganz im Sinne von Florian stattfand.

Er hätte seine hellste Freude daran

gehabt, physisch anwesend zu sein. Nur

nachgefeiert hätte er noch ein wenig länger.

Petra Schrott

Nr. 05 | Oktober 2019 45


Aus Verband und Bezirken

Widdramo ham af Segschtn

Heimatfernentreffen 2019

Die Voraussetzungen für ein außerordentliches

Fest waren gegeben: Bilderbuchwetter

den ganzen Tag über, gewissenhafte

Vorbereitung durch den Heimatpflegeverein

Sexten gemeinsam mit mehreren

Vereinen des Dorfes und der Gemeindeverwaltung

und viele Anmeldungen von

Heimatfernen mit ihren Angehörigen (an

die dreihundert).

Um 15 Uhr war der Startschuss, die

Anwesenden wurden vor der alten Schule

von der Obfrau des Heimatpflegevereins

Sexten Frau Regina Senfter Stauder herzlich

willkommen geheißen, ein reichlich

gedeckter Tisch mit allerlei Spezialitäten

aus dem Dorf war von den Bäuerinnen

und vom Familienverband vorbereitet worden

und Paul Tschurtschenthaler sorgte

auf seiner Ziehharmonika für gute Stimmung.

Kurz vor 16 Uhr begleitete die

Schützenkompanie Sepp Innerkofler die

fröhliche Gesellschaft in die Kirche, wo

Dekan Andreas Seehauser und Pater

Markus Rauchegger (auch ein Heimatferner)

die Eucharistie mit den Gläubigen

feierten. Der Kirchenchor unter der Leitung

von Alexander Patzleiner umrahmte

die Messfeier in würdevoller Weise. Anschließend

marschierten die Heimatfernen

mit ihren Angehörigen, der Gemeindeausschuss,

die Schützenkompanie und

die Ehrengäste - begleitet von den Klängen

der Musikkapelle Sexten - zum Haus

Sexten, wo sie von der Jugendkapelle mit

frohen Weisen empfangen wurden.

Um 18 Uhr begann der eigentliche

Festakt im großen Saal des Haus Sexten.

Die Obfrau des Heimatpflegevereins begrüßte

nochmals die anwesenden Ehrengäste:

Frau Waltraud Deeg, Landesrätin

und gleichzeitig Vizepräsidentin der Organisation

Südtiroler in der Welt, den Vorsitzenden

der Organisation Südtiroler in der

Welt, Erich Achmüller, die Obfrau des Heimatpflegeverbandes

von Südtirol, Claudia

Plaikner, den Bürgermeister, Fritz Egarter

und die Gemeindereferenten, die Vorsitzenden

der Sextner Vereine, die hohe

Geistlichkeit, Pater Markus Rauchegger

und Dekan Andreas Seehauser und alle

Heimatfernen aus Nah und Fern mit ihren

Angehörigen und Freunden. Ein besonderer

Gruß ging an Ernst Watschinger,

welchem die Gemeindeverwaltung

anschließend an die Grußworte ob seiner

Verdienste als ehemaligem Leiter des

Amtes für Wildbach- und Lawinenverbauung

die goldene Ehrennadel der Gemeinde

Sexten überreichte. Die Ehrengäste würdigten

in den Grußansprachen die Verdienste

Watschingers für die Gemeinde

und das Land Südtirol und durchleuchteten

den Begriff Heimat aus verschiedenen

Perspektiven. Ein Höhepunkt des

Abends war die Präsentation des Dialektbuches

„Segschta Wourt-Schätze“ durch

den Autor Andy Stauder. Es handelt sich

um ein kleines Lese- und Wörterbuch zur

Sextner Mundart, in welchem der Verfasser

in mühevoller Kleinstarbeit verschiedene

typische Dialektausdrücke nach ihrer

Herkunft überprüft und in die Standardsprache

übersetzt hat. Alle Anwesenden

konnten ein solches Buch anschließend

kostenfrei mit nach Hause nehmen, zudem

gab es einen Kalender von 2020 mit

herrlichen Landschaftsbildern des Naturfotografen

Markus Tschurtschenthaler als

Geschenk. Den Festakt umrahmten Rudi

und das Sextner - Trio mit alten Heimatliedern,

welche so manchen der Mitfeiernden

zum Mitsingen verleiteten.

Nach der Buchvorstellung wurde das

Abendessen serviert, es gab ein typisch

tirolerisches Essen: Speckknödel mit Gulasch

und als Nachtisch Buchteln mit

Vanillesoße. Zwischen Hauptspeise und

Nachtisch fand die Prämierung des Ratespiels

„Kennst du deine Heimat?“ statt

und einige Heimatferne erzählten von ihren

Erlebnissen in der Fremde bzw. es wurden

einige Botschaften von Menschen,

welche nicht anwesend sein konnten,

vorgelesen. Die Feierlichkeiten wurden

von jungen Musikanten mit Tanzmusik

abgerundet. Die Heimatfernen konnten

zudem zwei Ausstellungen bewundern:

„Sexten im Wandel der Zeit“ und „Alpenflora“

des Naturfotografen Markus

Tschurtschenthaler.

Es kann mit Fug und Recht behauptet

werden, dass dieses Heimatfernen Treffen

eine sehr gelungene Feier war, welche

uns allen noch lange in Erinnerung

bleiben wird.

Für den Heimatpflegeverein Sexten

Hans Peter Stauder

46

KulturFenster


Heimatpflege

•Büchertisch•

Segschta Wourt~Schätze

Kleines Lese - und Wörterbuch zur Sextner Mundart

Inhalt: Allgemeine Abschnitte dazu, was das Sextnerische zu einem besonderen-

Dialekt macht: wie sich seine besondere Lage im Grenzland zwischen Österreich,

dem romanischsprachigen Venetien und dem Südtiroler Dialektgebiet auf seine Geschichte,

Lautung, Grammatik und seinen Wortschatz ausgewirkt haben.

Wörterbuchteil mit ca. 2.000 Stichwörtern, Angaben zu ihrer Herkunft, Grammatik

und Verwendung; lustige Geschichten aus früheren Zeiten zu einzelnen Wörtern; 20

Bildtafeln mit farbigen Illustrationen, gestaltet von einem Künstler aus dem Dorf; für

die möglichst genaue, aber trotzdem noch leicht lesbare Wiedergabe der Aussprache

und Betonung wurde eine eigene Orthographie mit Sonderzeichen entwickelt .

Format: 17cm x 22 cm Umfang: Ca. 250 S.

Klappentext: „[ ... ]man mus die mutter jhm hause , die kinder auff der gassen, den

gemeinen man auff dem marckt drumb fragen, und den selbigen auff das maul sehen,

wie sie reden [ ... ]“ - so sagte Martin Luther, als er die Bibel in die Sprache des

Volkes übersetzte . „Maul“ ist in Luthers Sprache - dem Mittelhochdeutschen - genau

wie im Sextner Dialekt das normale Wort für „Mund“. Das wissen wir, weil auch

wir für dieses Buch den Leuten „auf das Maul gesehen“ und viele Einwohnerinnen

und Einwohner des malerischen Bergdorfes Sexten zu ihrem Dialekt befragt haben.

Dieses Buch ist das Ergebnis davon und enthält ca. 2.000 eigentümliche, urige und

schillernde Wörter, die jeweilige Geschichte ihrer Herkunft, Angaben zu ihrer Bedeutung, dazu passende handgemalte Illustrationen,

Hintergrundinformationen zum Sextner Dialekt sowie auch heimelig-lustige Geschichten zu früheren Zeiten. Sie halten

in Ihren Händen Sextner Wort-Schätze .

Zur Person des Autors Andy Stauder

Geboren 1985, aufgewachsen in Sexten, vier Geschwister (drei

Brüder, eine Schwester), nach dem Abschluss des Sprachengymnasiums

in Bruneck, Studium der Philosophie, der allgemeinen und

angewandten Sprachwissenschaft und der Translationswissenschaft

(Englisch – Russisch – Italienisch) an der Uni Innsbruck, promoviert

im Jahr 2013 an der Universität Innsbruck, lehrte mehrere Jahre an

der Uni Innsbruck am geisteswissenschaftlichen Institut und leitet derzeit das

Unternehmen „Innsbruck

University Innovations“.

In seiner Freizeit erforschte

er die ca. 2000

im Sextner Dialektwörterbuch

gesammelten Begriffe und

versuchte sie wissenschaftlich aufzuarbeiten

bzw. sie herzuleiten.Was das Buch

so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass dieses

Buch für den Laien genauso zu gebrauchen ist wie

für einen Studenten/ Wissenschaftler der Dialektologie.

Nr. 05 | Oktober 2019 47


Informiert und Reflektiert

Herbstliche „Heimatpflege“ für

tierische Mitbewohner

Finger weg vom Laubsauger

Wer seinen Garten im Herbst nicht blitzblank

aufräumt, schafft Heimat für Nützlinge

und Gartenbewohner. Laubreste, Reisighaufen

und verblühte Blumen können im

Winter verschiedenen Tieren Unterschlupf

und Futter bieten. Deshalb sollte man Mut

zur Unordnung haben und so Heimat für

Mitgeschöpfe schaffen.

An allem, was im Garten über den Winter

stehen bleibt, erfreuen sich Vögel und

Insekten. Die Samenstände von Blumen

und die Beeren an Sträuchern und Hecken

sind wertvolle Winternahrung. Alte Blüten

und Pflanzenstängel bieten lebensrettenden

Schutz vor Frost und Kälte. Wildbienen

und andere Insekten legen ihre Eier

in hohle, trockene Pflanzenstängel. Dort

überwintern dann die Larven und schlüpfen

im kommenden Jahr. Deshalb sollten

verdorrte Stängel unbedingt stehen bleiben

und nicht dem gärtnerischen Putzfimmel

zum Opfer fallen.

Ebenso hilfreich ist es, ein Stück der

Blumenwiese nicht zu mähen und über

den Winter stehen zu lassen. Auch das

bietet Insekten Überwinterungsquartiere.

Der ideale Platz für Winterschläfer ist der

Reisighaufen. Igel, aber auch Kröten oder

Eidechsen finden zwischen den Zweigen

Schutz und Nahrung.

Wer Rasenschnitt, Laub und zerkleinerte

Zweige umweltfreundlich entsorgen und

zugleich einen Profit daraus ziehen will,

verschnippelt größere Teile und mischt sie

mit Rasenschnitt und Laub. Eine circa 3

-5 cm dicke Mulchschicht verteilt auf die

Beete schützt Boden und Pflanzenwurzeln.

Dieser Mulch bewahrt den Boden

vor dem Austrocknen, was in regenarmen

Zeiten immer wichtiger wird. Das organische

Material bietet außerdem Regenwürmern

und Bodenlebewesen reichlich

Nahrung, die es so in wertvollen Humus

und letztlich wieder in Pflanzennährstoffe

umsetzen. Im Frühjahr kann der so entstandene

Humus als natürlicher Dünger

in den Boden eingearbeitet werden.

Reisighaufen und verblühte Blumen können im Winter verschiedenen Tieren

Unterschlupf und Futter bieten.

Umweltbewusste Gärtnerinnen und Gärtner

lassen die Finger vom Laubsauger. Dieses

Gartengerät schädigt Umwelt und Gesundheit

durch Lärm und Schadstoffe und

stört den Naturhaushalt. Durch den Schallpegel

von über 100 Dezibel – das ist ungefähr

so laut wie ein Presslufthammer –

werden vor allem die Nachbarn belästigt

und die Gesundheit der Benutzer geschädigt.

Laubsauger und -blaser, die von einem

Verbrennungsmotor angetrieben werden,

stoßen darüber hinaus gesundheitsschädliche

Abgase wie Kohlenwasserstoffe, Stickoxide

und Kohlenmonoxid aus.

Auch die Bodenbiologie wird durch

Laubsauger gravierend beeinträchtigt.

Die Geräte saugen mit den welken Blättern

auch Kleintiere wie Spinnen und Insekten

auf, häckseln und töten sie dabei.

Außerdem zerstören sie Pflanzensamen.

Da die abgesaugten oder mit einer Luftgeschwindigkeit

von bis zu 220 km/h weggeblasenen

Blätter und Äste nicht mehr auf

dem Boden verrotten, wird die Humusund

Nährstoffbildung behindert. Die am

Boden lebenden Kleintiere wie Würmer,

Insekten, Spinnen und Kleinsäuger verlieren

Nahrung und Lebensraum, der Boden

wird der Deck-Schicht beraubt, die

ihn vor Austrocknung und bei extremer

Kälte schützt.

Quelle: BUND Naturschutz Deutschland

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KulturFenster


Arge MundArt

Heimatpflege

Im Zeichen der

„Stillen Hilfe im Dorf“

17. Benefiz-Heimatabend in Lana

Musikanten, Sänger, Tänzer und Ehrengäste für die „Stille Hilfe im Dorf“ auf der Bühne im Raiffeisenhaus Lana (Foto Kofler).

Blasmusik, Chorgesang, Mundart und Volkstanz:

Das alles gab es kürzlich im Raiffeisenhaus

von Lana, beim 17. Benefiz-

Heimatabend; dieser stand erneut im

Zeichen der „Stillen Hilfe im Dorf“, welche

es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen

in Not schnell und unbürokratisch

zu unterstützen.

Maria Sulzer- als Organisatorin dieser

gemeinnützigen Veranstaltung- konnte

auch heuer wieder Sänger, Tänzer und

Musikanten gewinnen, welche sich unentgeltlich

in den Dienst einer guten Sa-

che stellten. Alfred Sagmeister führte mit

„heiterer Note“ durch den Abend und

stellte die Mitwirkenden vor: die Bläser

der Bauernkapelle Völlan (unter der Leitung

von Sigmund Hofer), der Seniorenchor

Lana (geleitet von Engelbert Perkmann),

die Passeirer Mundartdichterin

Burgi Kaufmann, die Meraner Mundharmonikafreunde

und die Volkstanzgruppe

Lana. Dazu gab es köstlichen Apfelsaft,

eingeschenkt von Sepp Pircher-Hofmann.

Die Ehrengäste des Abends waren Bürgermeister

Harald Stauder, die Sozialre-

ferentin Helga Hillebrand Malleier sowie

die Gemeindereferenten Valentina Andreis

und Helmuth Holzner.

Rosa Pfattner als Verantwortliche der

„Stillen Hilfe im Dorf“ dankte abschließend

allen Beteiligten auf und hinter der

Bühne, insbesondere dem Träger dieser

Veranstaltung, der Schützenkompanie

„Franz Höfler“ mit Hauptmann Andreas

Pixner, der Marktgemeinde Lana,

den Sponsoren, den freiwilligen Spendern

und Maria Sulzer für die Organisation

des Abends.

Arge Volkstanz I Hereinspaziert

• Landeskathreintanz am 16.November 2019 im Kursaal von Meran mit der Musikgruppe „Tanzig“. Die Pausengestaltung

übernimmt der Bezirk Überetsch/ Unterland.

• Winterlehrgang vom 26.Dezember 2019 bis 1.Jänner 2020 im Haus der Familie Lichtenstern

Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz, Tel.: 0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org

Nr. 05 | Oktober 2019 49


Arge MundArt

Unsere Muttersprache ist die

„Mund-Art“

Pustertaler MundArtdichterinnen und MundArtdichter -Pustertaler „MundArt“

Wenn wir überlegen und ehrlich sind, ist

unsere Muttersprache die „Mund-Art“. Die

ersten Worte sprechen wir unserer Mutter,

unserem Vater, Geschwistern nach.

Diese Ausdrucksform kann nicht nur

von Tal zu Tal, auch in einzelnen Abschnitten

eines Tales verschieden sein. Dies war

in früheren Zeiten noch viel markanter als

dies heutzutage der Fall ist. Die Täler waren

abgeschlossener, die Menschen mehr unter

sich. Veränderungen, auch in der Sprache

gingen langsamer voran, doch das Leben

in der kleinen Gemeinschaft war sicher

intensiver. Durch Fortschritt, Industrialisierung

und Fremdenverkehr änderte und vermischte

sich dies in verhältnismäßig kurzer

Zeit. Trotzdem haben sich die Mundart

und eine bestimmte Dialekte erhalten, sind

weiterhin im alltäglichen Sprachgebrauch

mehr oder weniger üblich. Dies zeugt auch

vom Bewusstsein der eigenen Herkunft und

der Treue zur Heimat.

Wir Mundartdichterinnen und -dichter

legen darauf großen Wert, schreiben unsere

Gedanken in Reimen und Versen nieder,

und zwar in einem in der Kindheit gelernten

Sprachgebrauch. Im Dialekt kann

man sich oft viel genauer und treffender

ausdrücken als in der sogenannten Schriftsprache.

Doch leider gehen zunehmend solche

Ausdrücke verloren, da es einstige Arbeitsmittel

und -geräte vielfach auch nicht

mehr gibt. Wir versuchen diese alten, fast

vergessenen Begriffe in unseren Gedichten

zu verankern und dadurch wieder in

Erinnerung zu rufen. Bei Lesungen haben

wir auch die Gelegenheit, wenn nötig,

diese zu erklären.

So zum Beispiel veranstaltet die Vertreterin

der Arge MundArt Bezirk Pustertal,

Maria Hilber Mutschlechner, in Zusammenarbeit

mit der Stadtbibliothek Bruneck

zweimal jährlich eine Lesung mit Mundartschreibenden

in verschiedenen Dialekten.

Zuletzt fand dort am 17. September 2019

eine solche mit der Mundartdichterin Klot-

hilde Oberarzbacher Egger aus Steinhaus im

Ahrntal statt. Nach der Begrüßung von Seiten

der Stadtbibliothek hieß die Bezirksvertreterin

alle Anwesenden willkommen und

stellte gleichzeitig ihre Kollegin Klothilde in

Gedichtform vor. Die darauffolgenden Ausführungen

und originellen Darbietungen

der Steinhauserin unter dem Titel „Va oll

awi'“ regten die zahlreichen Zuhörer zum

Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken

an. Simon Hopfgartner aus Gais lockerte

mit passenden Stücken auf der Ziehharmonika

den interessanten Abend auf. Die

gelungene Lesung wurde vom Publikum

mit viel Applaus gewürdigt.

Maria Hilber Mutschlechner

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Redaktion KulturFenster

Redaktionsschluss für die nächste

Ausgabe des KulturFensters

ist Freitag, 15. November 2019.

Bitte Termin genau beachten!

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KulturFenster


Arge Lebendige tracht

Heimatpflege

Zwei glatt, zwei verkehrt…

Zwei bitte was?

Vom Ende handgestrickter Trachtenstutzen

Musterbrief für Grieser Trachtenstrumpf

Stricken eines Frauenstrumpfes

Über die Entstehung des Strickens ist wenig

bekannt. Die älteste Darstellung ist wohl die

des Meisters Bertram aus dem Buxtehuder

Altar um 1400, wo die Gottesmutter Maria

an einem Kittelchen strickt. Seit wann bei

uns getrickt wird, ist nicht bekannt, bestimmt

aber schon seit ein paar Jahrhunderten.

Gestrickt wurde hauptsächlich aus Schafwolle.

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Sommerstrümpfe auch aus Seide.

Die Baumwolle kam erst viel später dazu.

Alte Handwerkskunst

Früher war es eine Selbstverständlichkeit,

dass jedes Mädchen Strümpfe stricken

konnte. Ganze Truhen voll handgestrickter

Strümpfe, wahre Meisterwerke, sind uns erhalten

geblieben. Je feiner der Faden und

die Nadeln, desto zarter der Strumpf. So an

die 300-400 Stunden musste man für ein

paar schöne Strümpfe locker aufwenden.

Auch das Lesen der Musterbriefe war gar

nicht so einfach. Reden durfte man beim

Stricken nicht, nur zählen und sich voll

auf das Muster konzentrieren. Ein Fehler

wirkte sich fatal aus.

Muster voll Symbolkraft

Zu einem schönen Strumpf gehören schöne

Muster. Sechs verschiedene sollten es

schon sein. Die Muster wurden früher unter

den Frauen ausgetauscht wie Kochrezepte.

Meterlange Musterbänder wurden

gestrickt, um ja kein Muster zu vergessen.

Jedes Muster hatte einen eigenen Namen.

Da gab es Glöggelen, Nelken und Himmelsloaterlen,

Katzntreppen und Hennensteige,

Tiroler Adler und natürlich auch die Brennende

Liab. Mit jeder Masche, so sagte

man, stricke man viele gute Wünsche für

den Stutzenträger mit hinein.

Wahrer Blickfang

Zu einer Lederhose gehören schöne Strümpfe,

und wenn sie dann noch handgestrickt

sind, sind die Wadl der Männer ein wahrer

Blickfang für die Frauen. Und wie sieht es

bei den Frauen aus? Dort sollte der Rock

nur so lang sein, dass man den handgestrickten

Strumpf noch sehen konnte, also

ungefähr eine Spanne vom Boden entfernt.

Ob rundherum gemodelt oder nur seitlich

mit einem Lebensbaum geschmückt – immer

zeugen Trachtenstrümpfe von einer

geschickten Frauenhand.

Aussterbende Handwerkskunst

Wer kann heute überhaupt noch stricken?

Und dann noch Trachtenstutzen dazu? Wir

sind dabei, ein kleines Stück unserer Volkskultur

für immer zu verlieren. Denken wir

daran, wenn wir das nächste Mal die Konfektions-Strümpfe

anziehen!

Agnes Andergassen

Blauer Burggräfler Seidenstrumpf

Nr. 05 | Oktober 2019 51


Impressum

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes

und des Heimapflegeverbandes Südtirol

Eigentümer und Herausgeber:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen

Ermächtigung Landesgericht Bozen

Nr. 27/1948

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes

verantwortlich:

Dr. Alfons Gruber

Als Pressereferenten für die Darstellung der

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:

VSM: Stephan Niederegger,

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it

SCV: Paul Bertagnolli,

E-Mail: info@scv.bz.it

HPV: Josef Oberhofer (interimsmäßig),

E-Mail: josef@hpv.bz.it

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte

werden nicht zurückerstattet.

Redaktion und Verwaltung:

Verband Südtiroler Musikkapellen,

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347

E-Mail: info@vsm.bz.it

Einzahlungen sind zu richten an:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,

Waltherhaus

Raiffeisen-Landesbank, BZ

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771

SWIFT-BIC: RZSBIT2B

Jahresbezugspreis: Euro 20

Gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung.

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,

August, Oktober und Dezember.

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen

Vormonats.

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