RCKSTR Mag. #172

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Pilates: Das Kriegsgefangenschaftsyoga

Pilates ist die Arial-Font zu Yogas Papyrus-Schriftart: Beide Methoden sind

ruhige, sich auf den Atem konzentrierende Bewegungsabläufe, doch kommt

eine davon mit weniger «Ommm ...» und Räucherstäbchen aus. Joseph Hubertus

Pilates entwickelt das Programm während seiner Kriegsgefangenschaft im

Ersten Weltkrieg mit der Absicht, verwundeten Soldaten wieder auf die Beine

zu helfen. Anschliessend siedelt JHP in die USA über, wo sich vorwiegend Balletttänzerinnen

für das speziell den Becken- und Taillenbereich ansprechende

Training interessieren. Doch erst in den 1990er Jahren feiern Pilates-Klassen

in den Gyms ihren weltweiten Siegeszug und sind aus keiner Frauenzeitschrift

mehr wegzudenken.

QUENTIN TARANTINO LIKES THIS POST

PRO: Nur Pros. Noch immer die aktuellste, einflussreichste, effektivste Fitnessidee

aller Zeiten. Auch Iron-Man-Athleten betreiben Pilates.

CON: Nix. Ausser das anhaltende Image, es sei höchstens etwas für Frauen

nach der Schwangerschaft.

Zumba: Caliente ohne Alkohol? Ugh!

#172 | NOVEMBER 2019

Das Gerücht, Zumba sei eine Erfindung von schlechten Grafikern, um ihre miserablen

Dienste in die Produktion scheusslicher Werbeflyer zu stellen, können wir hier

weder abschliessend bestätigen noch aus der Welt schaffen. Die offizielle Version

lautet, dass Zumba vom Choreographen Alberto Pérez aus der kolumbianischen

Metropole Cali stammt. Ja, die gleiche Stadt, deren Drogenkartell zeitweise 80%

des weltweiten Kokainhandels kontrollierte. Welche der beiden Exporte mehr Elend

ausgelöst hat, auch darüber streiten sich Fachleute. Der Siegeszug von Zumba beginnt

mit dem 21. Jahrhundert, das Intervall-Workout verbindet einfache Tanzschritte

mit Aerobic und [heavy sigh] feurigen Latino-Klängen.

PRO: Spass verbunden mit Fettkillerworkout.

CON: Sieht halt etwas scheisse aus.

«MEINE AUGEN! OH GOTT, MEINE AUGEN!!!» -

ZHDK BA DESIGN

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Shake Weight: ... Fleshlight, anyone!?

«Pfff, wir bieten den selben Service seit Jahren für gratis an!», denkt sich die Geschäftsleitung von Xhamster.com,

als der Shake Weight nach seinem Debüt im Jahr 2009 innert kürzester Zeit viral geht und sogar

in einer «South Park»-Folge verewigt wird: Die elektronische Kurzhantel wird in beide Hände genommen,

durch das Oszillieren des Geräts sollen dabei Arme, Schultern und Oberkörper trainiert werden. Eine Million

Handjob-Witze später kommt eine amerikanische Verbraucherorganisation zum Schluss: Eh, nützt

nicht wirklich was.

PRO: Kann als guter Wille gezählt werden, etwas zu ändern.

CON: Es bleibt beim guten Willen. Da macht wohl selbst Hand anlegen fitter.

SCHON GUT, EMMA-STONE-FANS, WIR

WARTEN HIER SO LANGE, BIS IHR DAS

GIF DAZU GEGOOGLET HABT

Spin Class: Total abgedreht

Als hätte die Tour de France eine Etappe «Illegaler Fabrik-Rave»: Dunkle Räume,

zuckendes Neonlicht, pumpende Beats, schweisstropfende Körper und ganz vorne

eine hibbelige Frontsau zum Einpeitschen; was als beschauliches Gruppenradeln

begann, ist inzwischen vielerorts zu einem psychedelischen Krampfwaden-Trip geworden.

Bis zu 1’000 Kalorien können während einer Intensiv-Session verbrutzelt

werden, einige davon finden gar in IMAX-Kinos und Wasserpools statt. Da verwundert

es nicht, dass die meisten Teilnehmenden davon erzählen, als hätten sie einen

Armdrück-Contest bei Burning Man gewonnen.

PRO: Sehr effektiv, kann sehr viel Spass machen, wie Disco halt. Ist auch noch

immer sehr beliebt.

CON: Nur etwas für schon sehr fitte, herzstarke Menschen.

FOLTERMETHODE ODER ALTER-

NATIVE ENERGIEQUELLE?

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