RCKSTR Mag. #172

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REVIEWS

INDIE-ROCK

MANDO DIAO

BANG

Zugegeben, der eine oder andere hatte Mando Diao sicher schon abgeschrieben.

Mit dem Seitenprojekt Caligola, dem schwedischen Album

«Infruset» und dem Totalschaden «Ælita» tauchte die Band mit Beginn

dieses Jahrzehnts in eine experimentelle Phase ein, die die Mutter von

Björn Dixgård liebevoll die «Berlin-Jahre» von Mando Diao nennt. Als

mit Norén dann auch noch einer der beiden Sänger die Segel strich,

schien alles verloren – doch mit «Good Times» bäumte sich die Band

vor zwei Jahren noch mal auf. Pünktlich zu ihrem 20-jährigen Bestehen

kehren Mando Diao mit «Bang!», das über das schwedische Indie-Label

Playground Music erscheint, nun zum Rock’n’Roll zurück. Schuld daran

ist vor allem der neue Gitarrist Jens Siverstedt. «Er war als Kind grosser

Rolling-Stones-Fan und schickte mir plötzlich all diese Gitarrenriffs», so

Dixgård. «Dadurch bekamen auch wir wieder Lust auf Gitarren. Wir wollten

dieses Mal keine Balladen, sondern eine Platte zum Feiern. Eine, die

du auflegst, bevor du ausgehst.» Tatsächlich kriegt man die eingängigen

Refrains von «One Last Fire» und «Bang My Head» so schnell nicht mehr

aus dem Kopf. Über den Titel lässt sich zwar streiten, aber am Ende ist

«Bang!» das beste Mando-Diao-Album seit «Give Me Fire!». Thematisch

geht es auf der Platte übrigens viel um Freiheit. «Don’t tell me what I

can’t do / don’t tell me that I can’t dance» haut Dixgård in «Don’t Tell Me»

auf den Tisch und in «Get Free» fordert er: «Sister won’t you run with me

/ to the place I know you want to be». «Wir wollen die Menschen inspirieren,

sich zu trauen, so frei wie möglich zu sein», sagt Bassist Carl-Johan

Fogelklou. «Die Leute setzen sich selbst so viele Regeln, sagen sie

können dieses oder jenes nicht tun, dies oder das nicht hören. Man sollte

sich selbst nicht zu viele Regeln setzen. So lange man niemand anderem

schadet, sollte man einfach tun, was man will – und stolz drauf sein, wer

man ist.» Eine Philosophie, das kann und muss man ihnen lassen, nach

der Mando Diao immer gelebt haben. (naw)

wwwwv

Für Fans von: Friska Viljor, The Hives, Johnossi

LIVE: 26.11., X-Tra, Zürich

#172 | NOVEMBER 2019

25

LO-FI-HIGH-LIFE

BATBAIT

PARADISE

Sollte zwischen Wiedikon

und Wipkingen

demnächst wieder öfters der Watusi getanzt

werden – und das sollte er wirklich –, liegt das

womöglich an der Debüt-EP von Batbait. Mit

der Lässigkeit einer beiläufig zerplatzenden

Kaugummiblase lässt das weibliche Trio aus Zürich

eine Welle aus Garage Rock und Surf Pop

über uns anrollen, im Opener «Searching» mit

extra viel Twang und im Closer «Guys» dann mit

so richtig wütend fauchenden Saiten. Ein vielversprechender

Start und mindestens so cool,

wie in einer Lederjacke Schirmchen-Cocktails zu

schlürfen. (rec)

wwwwv

Für Fans von:

Honeyblood, Khruangbin, Hinds

HERBSTSCHMERZ

FINK

BLOOM INNOCENT

Pink Floyd, Radiohead

– in seinen jüngsten

Äusserungen sehnt

sich Fin Greenall nach

dem Sound der ganz grossen Klangkünstler unserer

Vergangenheit und Gegenwart. Dementsprechend

viel Wert legte seine Band Fink bei

der Produktion unter der Ägide von Flood (PJ

Harvey, Nine Inch Nails) auf die Liebe zum Detail

der sich majestätisch ausrollenden Songs.

In einem Berliner Studio hat die Band ihren

Folk mit ganz viel Soul, Wärme und Melancholie

ausgestattet. Kein Album für Ungeduldige, definitiv

aber für die nächste Flasche Rotwein am

Küchentisch. (rec)

wwwvv

Für Fans von:

Bon Iver, Elbow, Sharon Van Etten

LIVE: 13.11. Kaufleuten, Zürich

BREXIT

SOUNDTRACK

KELE

2042

Ist «Let England Burn»

nun so was wie Keles

transatlantisches Echo zu Childish Gambinos

explosivem «This Is America»? Der ehemalige

Frontmann von Bloc Party macht zumindest keinen

Bogen um die lodernden Brandherde der

Stunde – furios bringt er beispielsweise im Opener

«Jungle Bunny» die Rassenthematik auf den

Punkt und in den Groove. Immer wieder findet

Kele im Politischen aber auch das Persönliche

und so ist «2042» ein aufwühlendes, aufregendes,

intimes und eklektisches Stück Pop geworden

– womöglich das bislang beste Album des

38-jährigen Liverpoolers. (rec)

wwwwv

Für Fans von: Kendrick Lamar,

Blood Orange, Little Simz

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