Berliner Zeitung 07.11.2019

BerlinerVerlagGmbH

Hartz-IV-Urteil: Muss der Staat Geld nachzahlen? – Tagesthema Seite 2

Heute

mit

Kulturkalender

5°/11°

Die Sonne zeigt sich

Wetter Seite 2

Hat ein Wolf in Berlin

ein Schaf getötet?

Berlin Seite 9

www.berliner-zeitung.de

Berliner Kita-Navigator

führt Eltern in die Irre

Berlin Seite 14

Donnerstag,7.November 2019 Nr.259 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Minister Maas belastet die

Beziehungen zu den USA

Politik Seite 5, Leitartikel Seite 8

Streik

Die Frau, die

die Lufthansa

am Boden hält

VonFrank-Thomas Wenzel

Sie ist die Schlüsselfigur in einer

Auseinandersetzung, die in der

Geschichte der deutschen Luftfahrt

ohne Beispiel ist: Sylvia de la Cruz, die

Vorsitzende der Flugbegleiter-Gewerkschaft

Ufo. Eine mächtige Organisation.

Hat sie doch die Lufthansa

dazu gezwungen, insgesamt 1300

Flüge am Donnerstag und am Freitag

zu streichen. Wegen eines geplanten

Streiks der Flugbegleiter.

De la Cruz hat

am Mittwoch

angekündigt, an

einem für den

Abend von Lufthansa-Chef

Carsten Spohr

Sylvia de la Cruz

führtdie Flugbegleiter-

Gewerkschaft Ufo.

spontan anberaumten

Spitzengespräch

doch noch teilnehmen

zu wollen. „Auch wenn der

Wegüber die Öffentlichkeit und der

Verteilerkreis vermuten lässt, dass

das Ganzeeine reine PR-Maßnahme

ist, halte ich es für richtig, dass Spohr

als Konflikttreiber auch derjenige ist,

der nach einem Ausstieg sucht“,

sagte die Ufo-Chefin. Bei dem Gespräch

sind auch Vertreter der konkurrierenden

Gewerkschaften Verdi

und Cabin Union vertreten.

Um die vertrackte Situation zu verstehen,

muss man etwas weiter zurückblicken.

Nicoley Baublies war

jahrelang das Gesicht von Ufo. Er

handelte 2016 nach Streiks einen Tarifvertrag

aus. Damals setzte die Interessenvertretung

einige Vereinbarungen

für die Flugbegleiter durch,

die bessere Arbeitsbedingungen bedeuteten,

die zum Teil aber auch heftig

umstritten sind. Im Hintergrund

war Sylvia de la Cruz daran maßgeblich

beteiligt.

Enttäuschte Ufo-Mitglieder warfen

ihr vor, gemeinsam mit Baublies

Zusatzvereinbarungen mit der Lufthansa

getroffen zu haben –und zwar

eigenmächtig, ohne dies mit ihren

Leuten abgesprochen zu haben. Die

Folge war heftiger Streit in der Gewerkschaft.

Mitglieder des Vorstandes

verklagten sich gegenseitig, dann

ließ die Staatsanwaltschaft Darmstadt

Räume der Gewerkschaft

durchsuchen. Der Vorwurf der Untreue

und des Betrugs steht im Raum.

Es folgten mehrere Rücktritte, auch

Baublies nahm seinen Hut. Übrig geblieben

ist ein Rumpfvorstand mit

dem Vize-Chef Daniel Flohr und mit

Sylvia de la Cruz.

Die Lufthansa bezweifelt, dass

das alles ordnungsgemäß ablief, und

stellte die Tariffähigkeit der Ufos infrage.Die

Querelen brachten die Gewerkschaft

in eine existenzielle

Krise. Doch auf einer Mitgliederversammlung

am 1. November in einer

Frankfurter Jugendherberge wurde

ein Abwahlantrag gegen Flohr und

de la Cruz mit „überwältigender

Mehrheit“ abgelehnt, so Baublies,

der inzwischen Ufo-Pressesprecher

ist. Damit ist die Vorsitzende offenbar

auch wieder zum Ansprechpartner

für die Lufthansa geworden.

Regierung verzögert Lobbyregister

VonChristine Dankbar

Die Antikorruptionsorganisation

Transparency

(TI) Deutschland hält es

für überfällig, dass sich

Bundesregierung und Bundestag

endlich auf ein Gesetz für mehr

Lobbytransparenz einigen. Zwar

gehe es bei vielen wichtigen Antikorruptionsthemen

auch in Deutschland

voran, doch sei dabei meist die

Europäische Union der Treiber,teilte

die Organisation am Mittwoch als

Reaktion auf die Halbzeitbilanz der

Regierung mit.

Derzeit gibt es keinen Überblick

darüber, wie viele Lobbyvertreter für

welche Verbände mit Bundestagsabgeordneten

und RegierungsvertreterninKontakt

stehen, sei es einmalig

oder regelmäßig. Dieser laxe Umgang

hat Deutschland in diesem Jahr sogar

eine offizielle Rüge eingebracht.

Die aus 49 Ländern bestehende

Staatengruppe gegen Korruption

(Group of States against Corruption,

kurzGreco) bemängelte im Sommer,

dass die Bundesrepublik fünf Jahre

alte Empfehlungen bei der Korruptionsprävention

noch immer nicht

umgesetzt habe. Besonders das Parlament

tue zu wenig, um Schwachpunkte

zu beseitigen, hieß es. So

wurde unter anderem kritisiert, dass

es keine klaren Regeln für den Umgang

mit Lobbyisten gebe.

Im Parlament hat man trotzdem

keine Eile mit einer Neuregelung, vor

allem bei CDU und CSU. Mandiskutierenoch

darüber,erklärtder parlamentarische

Geschäftsführer der

Unionsfraktion, Patrick Schnieder,

Auf der Straße

30 Kilometer Erinnerung für 30 Jahre Mauerfall: Eine Erkundungstour zu den

Orten der Festwoche für die Grenzöffnung 1989. Seite3

Magere Halbzeitbilanz der großen Koalition beim Thema Transparenz

dazu auf Anfrage. „Ich persönlich

halte ein neues Lobbyverzeichnis für

überfällig“, sagte er der Berliner Zeitung,

machte aber gleichzeitig deutlich,

dass dies für die große Koalition

nicht gerade die oberste Priorität

habe. Man konzentriere sich auf die

im Koalitionsvertrag festgelegten

Maßnahmen, zu denen das Lobbyregister

nun einmal nicht gehöre.

Bei Transparency International

ist man unzufrieden über die Entwicklung.

„Wir hatten damit gerechnet,

dass das Lobbyregister schon in

den Koalitionsvertrag kommt und

waren sehr enttäuscht, dass das

nicht der Fall war.Deshalb haben wir

in Wirtschaft und Zivilgesellschaft

neue Partner gesucht“, sagte Geschäftsführerin

Anna-Maija Mertens

der Berliner Zeitung. Die Organisation

hat bereits 2018 mit dem Verband

der chemischen Industrie

(VCI) eine Initiativegestartet.

Die Kooperation entstand auf Initiativedes

VCI. Er war auf die Nichtregierungsorganisation

zugegangen,

weil man nicht mehr länger in die

Schmuddelecke gestellt werden

„Es gibt viel Bewegung, aber noch

keine Entscheidung. Vorallem die Union sitzt

hier im Bremserhäuschen.“

Thomas Oppermann, Vizepräsident des Bundestages, über die

Entwicklung im Parlament, mehr Offenheit beim Thema Lobbyismus festzuschreiben

wollte. Interessenvertretung gehöre

zum Kern der politischen Willensvertretung,

erklärte der VCI. DerProzess

müsse aber transparent gestaltet

werden.

In einem gemeinsamen Papier

forderten derVerband und die Nichtregierungsorganisation

daher ein

neues „Gesetz zur transparenten Interessenvertretung“.

Es sollte ein

verpflichtendes Lobbyregister und

einen Verhaltenskodex für Interessenvertreter

ebenso vorschreiben

wie die verpflichtende Dokumentation,

welchen Einfluss Lobbyvertreter

auf den Gesetzgebungsprozess

haben. Dies wird als „legislativer

Fußabdruck“ bezeichnet. Außerdem

sollte das Amt eines oder einer Lobbybeauftragten

eingeführtwerden.

Dieser Forderungen schlossen

sich in einer außergewöhnlichen Allianz

in diesem Sommer auch der

Bundesverband der Deutschen Industrie

(BDI), die Familienunternehmer,der

Naturschutzbund Deutschland

(Nabu) sowie der Verbraucherzentrale

Bundesverband (vzbv) an.

„Wir haben jetzt den Eindruck, dass

sich etwas tut“, sagte Mertens. „Wir

befürchten aber, dass die Regelung

an falscher Stelle passieren könnte.

Wir brauchen unbedingt ein Gesetz

für mehr Lobbytransparenz, nicht

nur eine überarbeitete Bundestagsgeschäftsordnung.“

In der Tatist noch nicht einmal

der organisatorische Rahmen klar,in

dem die Neuregelung erfolgen soll.

„Es gibt viel Bewegung, aber noch

keine Entscheidung“, sagt SPD-

Fraktionsvize Thomas Oppermann

der Berliner Zeitung. Er findet, dass

vor allem die Union im „Bremserhäuschen“

sitzt. „Die Vorschläge der

Wirtschaftsverbände sind sehr progressiv“,

so Oppermann. Es habe

dazu Ende September aber nur eine

kurze Diskussion in der Rechtsstellungskommissiongegeben.

Dieses Gremium ist eine Unterkommission

des Ältestenrates, der

Änderungen des Abgeordnetengesetzes

berät. Eigentlich, so Oppermann,

müsse das Lobbyregister vom

Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität

und Geschäftsordnung beschlossen

werden. Dort liegt eine

entsprechende parlamentarische

Initiative von Grünen und Linken.

Man frage sich mittlerweile schon,

warum das alles so lange dauert,

wenn doch alle Parteien angeblich

dafür seien, meint Britta Haßelmann,

parlamentarische Geschäftsführerin

der Grünen. „Bürgerinnen

und Bürger müssen klar erkennen

können, ob und welchen Einfluss

Lobbyverbände beim Entstehen von

Gesetzentwürfen ausüben“, sagt sie.

„Wir erwarten uns Bewegung von

Union und SPD.“ Seiten 5und 8

AFP

Mohring als

Fraktionschef

wiedergewählt

AfD bietet Thüringer CDU

Tolerierung an

Der Rückhalt des Landeschefs der

Thüringer CDU, Mike Mohring,

schwindet. Bei der Wiederwahl zum

Fraktionschef erhielt der 47-Jährige

am Mittwoch in Erfurtnur zwei Drittel

der Stimmen, wie ein Fraktionssprecher

mitteilte.Bei derkonstituierenden

CDU-Fraktionssitzung in Erfurt

stimmten 14 der 21 Abgeordneten

für Mohring, sieben gegen ihn. Es

gab keinen Gegenkandidaten. Vor

fünf Jahren war Mohring noch einstimmig

als Fraktionschef bestätigt

worden.

Bei der Landtagswahl am 27. Oktoberhatte

die Union mit etwa zwölf

Prozentpunkten deutliche Verluste

hinnehmen müssen. Sielandete hinter

der Linkspartei und der AfD auf

Platz drei. Inzwischen gibt es eine interne

Debatte über eine Zusammenarbeit

mit der AfD. CDU und AfD

hätten im Erfurter Landtag eine

Mehrheit. Mohring sagte erneut,

dass die CDU in Thüringen weder

mit der AfD noch mit der Linken zusammenarbeiten

werde.

Mitten in der Diskussion über

den Kurs der Thüringer CDU hat

AfD-Landeschef Björn Höcke am

Mittwoch denChristdemokratendemonstrativ

angeboten, eine von ihnen

geführte Minderheitsregierung

zu unterstützen. In einemSchreiben

an die Landesvorsitzenden vonCDU

und FDP,Mike Mohring und Thomas

Kemmerich, regt Höcke an, „gemeinsam

über neue Formen derZusammenarbeit

ins Gespräch zu

kommen“. „Eine von unseren Parteien

gemeinsam getragene Expertenregierung

oder eine von meiner

Partei unterstützte Minderheitsregierung

wären denkbare Alternativen

zum ‚Weiter so‘ unter Rot-Rot-

Grün“, heißt es in dem von Höcke

unterzeichneten Schreiben, das der

Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Mohring hat eine Minderheitsregierung

von CDU, SPD, Grünen und

FDP unter seiner Führung vorgeschlagen.

Er werde indiese Richtung

mit den anderen Parteien reden –außer

mit der AfD. Eine Gruppe von

Thüringer CDU-Kommunalpolitikern

hatte genau dies gefordert. Die

CDU-Fraktion sei sich einig darüber,

dass es mit Linken oder AfD keine Koalition,

keine Kooperation und „auch

keine Grauzonen dazwischen“ geben

werde, sagte Mohring. (AFP,dpa)

Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin

Redaktion: (030) 63 33 11-457

(Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499;

leser-blz@dumont.de

Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76;

www.berliner-zeitung.de/leserservice

Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97;

berlin.anzeigen@dumont.de

Postvertriebsstück A6517

Entgelt bezahlt

4

194050

501603

41045


2* Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagesthema

Hartz IV

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts hat konkrete Auswirkungen für Bezieher von Arbeitslosengeld II.

Sanktionen dürfen nicht mehr pauschal verhängt werden. Das Berliner Sozialgericht erwartet mehr Streitfälle.

Das Hartz-IV-Urteil des

Bundesverfassungsgerichts

hat zumindest bei

der Höhe der Sanktionen

für Klarheit gesorgt. Zugleich wirdder

Spruch aber für Mehrarbeit an den

Sozialgerichten sorgen. Denn Karlsruhe

verlangt von den Mitarbeitern

der Jobcenter,dass sie künftig stärker

auf Einzelfälle eingehen. Das bedeutet,

es wird mehr Abwägungsentscheidungen

geben. „Das Urteil wird

bei uns vorGericht mit großer Wahrscheinlichkeit

zu einer bemerkbaren

Mehrbelastung führen“, sagt Marcus

Howe, Sprecher des Sozialgerichts

Berlin, das für Hartz-IV-Klagen zuständig

ist. Er geht davon aus, dass

noch mehr Menschen als zuvor Widersprüche

gegen ihre Sanktionsbescheide

einreichen werden. Das Urteil

und die Folgen:

Wie sollen die Jobcenter künftig mit

Hartz-IV-Empfängern umgehen, die

Auflagen nicht einhalten?

Da die Richter in Karlsruhe entschieden

haben, dass eine Leistungskürzung

von 60 Prozent und

mehr des regulären Hartz-IV-Satzes

das Existenzminimum der Betroffenen

unterschreiten, sind solch harte

Sanktionen ab sofort Geschichte.

Auch dürfen Jobcenter nicht mehr

pauschal Sanktionen aussprechen,

sondern müssen am Einzelfall entscheiden.

Kann sich ein Betroffener

erklären und zeigt sich einsichtig, ist

es möglich, dass die Sanktion schon

nach einem Monat aufgehoben

wird. DasJobcenter ist nicht wie bislang

gesetzlich dazu angehalten,

Minderungen pauschal für drei Monate

auszusprechen.

Gelten die Neuregelungen auch rückwirkend?

Nein, außer es betrifft aktuelle

Sanktionen. So haben Betroffene

normalerweise die Möglichkeit innerhalb

von vier Wochen nach Ausstellung

des Sanktionssbescheids

Widerspruch einzulegen. „Die Verfassungsrichter

haben im aktuellen

Urteil festgesetzt, dass ein Widerspruch

auch noch möglich ist, wenn

die Sanktion bis zum jetzigen Zeitpunkt

wirkt“, sagt Howe. Betroffene

können also womöglich für die vergangenen

drei Monate Rückzahlungen

erhalten –wie genau das abläuft,

ist aber noch ungeklärt.

Wie können Hartz-IV-Empfänger ansonsten

gegen Sanktionen vorgehen?

Ein Urteil mit Folgen

VonTheresa Dräbing

Seit 2005 sind am Berliner Sozialgericht fast 300 000 Klagen zu Hartz IV eingegangen. Das Gericht erwartet künftig einen noch stärkeren Zulauf.

Drohen Sanktionen, war es auch

nach der bisherigen Rechtsprechung

so,dass die Betroffenen vomJobcenter

angesprochen worden sind und so

die Möglichkeit hatten, sich zu Terminversäumnissen

oder anderen

Verstößen zu äußern. „Oftmals kam

es dann im Endeffekt gar nicht zu einer

Sanktionierung“, sagt Frank Steger,

Vorsitzender vom Berliner Arbeitslosenzentrum

evangelischer Kirchenkreise.

Wenn beispielsweise jemand

erklären konnte, dass er

kurzfristig ein krankes Kind betreuen

oder selbst einen dringenden Arzttermin

wahrnehmen musste.„Wenn die

Gründe den Sachbearbeiter dennoch

nicht überzeugen, stellt er einen

Sanktionsbescheid aus“, so Steger.

Aber auch dann hat ein Betroffener einen

Monat Zeit, Widerspruch einzureichen.

DieBeweislast liegt dabei bei

GETTY IMAGES

den Betroffenen. Wird auch diesem

nicht stattgegeben, besteht die Möglichkeit,

vorGericht zu klagen.„Unserer

Erfahrung nach werden rund 50

Prozent der Sanktionen vor Gericht

wieder aufgehoben“, so Steger.

Welche Sanktionen darf das Jobcenter

weiterhin verhängen?

Das Urteil bezieht sich nur auf

schwerere Versäumnisse. Wenn beispielsweise

wiederholt ein Jobangebot

abgelehnt wird. KleinereSanktionen

von bis zu 30 Prozent Leistungskürzung

bei Terminversäumnissen

können weiter verhängt werden.

Das Urteil bezieht sich außerdem

nicht auf jüngere Hartz-IV-Empfänger

vonunter 25 Jahren. BeidieserAltersgruppe

gelten verschärfte Regelungen.

Bereits bei der zweiten

Pflichtverletzung wird bislang das

komplette Arbeitslosengeld II gestrichen.

Doch es ist zu erwarten, dass es

auch hier noch Klärungsbedarfgibt.

Sind die Jobcenter auf die neue Gesetzeslage

vorbereitet?

„Die Umsetzung wird nicht einfach“,

glaubt Steger.„Es braucht dafür

einen Kulturwandel in den Jobcentern“,

sagt er.Daeskeine starren

Grenzen mehr gebe,müssten Einzelfälle

intensiver angeguckt werden.

„Mitarbeiter müssen verstärkt dazu

übergehen, Beratung und Hilfe in

denVordergrund zu stellen.“

Die Jobcenter sind derweil angehalten,

ab sofortkeine Leistungskürzungen

über 30 Prozent zu verhängen.

Weitere konkrete Richtlinien

müssen noch ausgearbeitet werden.

Erst im Frühjahr will das Bundesarbeitsministerium

einen Gesetzentwurf

vorlegen, der die Vorgaben des

Bundesverfassungsgerichts umsetzt.

Wie viele Berliner sind von Sanktionen

betroffen?

„Von Sanktionen ist in Berlin nur

einen geringfügiger Anteil vonHartz-

IV-Empfängern betroffen“, teilt die

Regionaldirektion Berlin-Brandenburg

der Bundesagentur für Arbeit

mit. So waren es im vergangenen Jahr

durchschnittlich 5,1 Prozent in Berlin

der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten,

welche mit mindestens einer

Sanktion betroffen waren. Der allergrößte

Anteil entfiel dabei auf Meldeversäumnisse

–inBerlin 84 Prozent.

„Die überwiegende Zahl der Sozialhilfeempfänger

kommt mit Sanktionen

aber nie in Berührung“, so die

Berliner Regionaldirektion.

VonRasmus Buchsteiner und

Theresa Dräbing

Fragt man Frank Steger,Vorsitzender

vom Berliner Arbeitslosenzentrum

evangelischer Kirchenkreise,

ist das Hartz-IV-Urteil des

Bundesverfassungsgerichts zwar ein

Schritt nach vorn,„bedauerlich finde

ich allerdings, dass die Sanktionspraxis

als solche nicht infrage gestellt

worden ist“, so Steger. „Unserer Erfahrung

nach brauchen die Menschen

Ermutigungen und Unterstüt-

zung –Sanktionen hingegen führen

viele Menschen noch weiter in die

Krise.“

DasUrteil in Karlsruhe ist gesprochen,

doch die Debatte darüber,welche

weiteren Konsequenzen aus der

Entscheidung gezogen werden müssen

und ob es Zeit ist für eine Generalrevision

vonHartz IV,ist in vollem

Gange,auch in den Parteien.

Während die Union sich dabei

möglichst eng an das Urteil der

obersten Richter halten will, gehen

die Forderungen bei SPD, Grünen

Reaktionen

Oder doch die komplette Abschaffung?

und Linkspartei weiter darüber hinaus.

Beiden Sozialdemokraten läuft es

auf eine Entscheidung beim Parteitag

Anfang Dezember zu. „Wir Jusos werden

dann beantragen, dass die SPD

künftig komplett auf Sanktionen verzichtet

und stattdessen Förderung,

Ermutigung und den Rechtsanspruch

auf Qualifizierung und Weiterbildung

in den Mittelpunkt stellt“,

kündigte Juso-Chef Kevin Kühnert in

der Rheinischen Post an. Bei dem

Parteitag wird dann wohl auch das

im Frühjahr noch unter Führung von

Ex-Parteichefin Andrea Nahles erarbeitete

Sozialstaatskonzept verabschiedet.

Zu den Mitwirkungspflichten bei

Hartz IVheißt es darin unter anderem,

sinnwidrige und sinnlose Sanktionen

gehörten abgeschafft. Die

strengeren Regelungen für unter 25-

Jährige seien kontraproduktiv.

Beiden Grünen konkretisiertParteichef

Robert Habeck seine Überlegungen

zur Reform von Hartz IV.

„Wir sollten eine Garantiesicherung

einführen, die auf Anreiz statt Strafe

setzt. Der Staat kann ein freundliches

Gesicht zeigen, ermutigen und

unterstützen“, sagte Habeck der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). „Menschen sollten

Leistungsprämien für Weiterbildung

und Qualifizierung erhalten. Ich bin

sicher,dass das Menschen besser auf

dem Wegineine neue Arbeit hilft als

purer Druck.“ Habeck sagte, die Garantiesicherung

solle jene unterstützen,

die Unterstützung brauchen,

aber frei sein vonbürokratischen Bedingungen:

„Und sie sollte dafür sorgen,

dass Leistung sich lohnt.“ Dies

sei bislang nicht der Fall: „Während

Spitzenverdiener in Deutschland

höchstens 45 Prozent ihres Einkommens

versteuern müssen, müssen

die Menschen, die am wenigsten

verdienen, 80 Prozent und mehr ihres

hartverdienten Einkommens abgeben

–nämlich die Bezieher des Arbeitslosengeldes,

die zusätzlich arbeiten.“

Beim anstehenden Grünen-

Parteitag in Bielefeld wirddasThema

wohl am Rande eine Rolle spielen.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute liegen die Höchstwerte bei 10bis 12 Grad. Dazu ist der Himmel

streckenweise durch Wolken verdeckt. Der Wind weht nur schwach aus

südlichen Richtungen. Inder Nacht gibt es viele Wolken am Himmel, die

Sterne zeigen sich nur ab und zu, und die Temperaturen gehen auf Werte

von 5bis 3Grad zurück.

Biowetter: Die Witterung wirkt sich

auf Menschen mit einer geschwächten

Körperabwehr ebenso wie auf

Rheumatiker negativ aus. Die Ansteckungsgefahr

mit Viren und Bak-

3°/10°

Wittenberge

terien ist höher als sonst üblich.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 17 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 27 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 16 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 88%

Gefühlte Temperatur: maximal 11Grad.

Wind: leichter Wind aus Süd.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

2°/11° 5°/11°

Luckenwalde

3°/11°

Freitag

Sonnabend

Sonntag

bedeckt Regen wolkig

5°/9° 5°/8° 2°/8°

Prenzlau

4°/10°

Cottbus

4°/12°

Frankfurt

(Oder)

4°/12°

Tief Carletto liegt über dem Süden der Britischen Inseln und hat einen Schwung

kühle Meeresluft sowie Schauerwolken imGepäck. Diese erfassen auch das

westliche Mitteleuropa. Vonder Ukraine bis zum Balkan lädt ein Wolkenband Regengüsse

abund markiert den Übergangsbereich zu warmer Luft weiter östlich.

Sylt

3°/9°

Hannover

3°/12°

Köln

5°/11°

Saarbrücken

2°/8°

Konstanz

2°/8°

Hamburg

2°/8°

Erfurt

5°/10°

Frankfurt/Main

5°/11°

Stuttgart

5°/11°

Rostock

1°/8°

Magdeburg

4°/13°

Nürnberg

4°/11°

München

0°/10°

Rügen

2°/8°

Dresden

5°/9°

Deutschland: Heute breiten sich vielerorts

reichlich Wolken mit wenigen

Regenfällen aus. Ihre Höchstwerte

erreichen die Temperaturen mit 8bis

13 Grad. Die niedrigsten Wertesind

bei 5bis 1Grad anzutreffen. Der

Wind weht schwach bis mäßig aus

Süd. Morgen bestimmen mehr oder

weniger dichte Wolken mit einzelnen

Regenfällen den Himmel. Dabei machen

die Temperaturen bei 4bis

10 Grad halt, und der Wind weht nur

schwach aus östlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 9°-11°

Nordsee: 10°-13°

Mittelmeer: 17°-26°

Ost-Atlantik: 12°-18°

Mondphasen: 12.11. 19.11. 26.11. 04.12.

Sonnenaufgang: 07:13 Uhr Sonnenuntergang: 16:26 Uhr Mondaufgang: 15:15 Uhr Monduntergang: 01:04 Uhr

Lissabon

17°

Las Palmas

22°

Madrid

14°

Reykjavik


Dublin


London

11°

Paris

11°

Bordeaux

13°

Palma

20°

Algier

22°

Nizza

18°

Trondheim


Oslo

-1°

Stockholm


Kopenhagen


Berlin

11°

Mailand

11°

Tunis

20°

Rom

18°

Warschau

12°

Wien

10° Budapest

14°

Palermo

18°

Kiruna

-11°

Oulu

-5°

Dubrovnik

18°

Athen

24°

St. Petersburg

-1°

Wilna


Kiew

12°

Odessa

19°

Varna

22°

Istanbul

24°

Iraklio

26°

Archangelsk

-7°

Moskau


Ankara

22°

Antalya

26°

Acapulco 33° heiter

Bali 32° heiter

Bangkok 32° Schauer

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 28° sonnig

Casablanca 21° heiter

Chicago 0° wolkig

Dakar 28° heiter

Dubai 32° sonnig

Hongkong 28° heiter

Jerusalem 24° sonnig

Johannesburg 33° heiter

Kairo 29° heiter

Kapstadt 19° Regen

Los Angeles 23° sonnig

Manila 31° Schauer

Miami 30° wolkig

Nairobi 29° wolkig

Neu Delhi 30° bewölkt

New York 15° Regen

Peking 12° sonnig

Perth 29° heiter

Phuket 32° wolkig

Rio de Janeiro 24° bewölkt

San Francisco 21° sonnig

Santo Domingo 30° heiter

Seychellen 29° wolkig

Singapur 32° Gewitter

Sydney 31° sonnig

Tokio 23° heiter

Toronto 5° bedeckt


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 3 *

·························································································································································································································································································

Seite 3

Flimmernde Geschichte

Filmprojektion auf das Humboldt-Forum

AFP/JOHN MACDOUGALL

Rund 30 Kilometer liegen zwischen

den sieben Orten des diesjährigen

Mauerfallgedenkens in Berlin. Das

ist so weit wie von Mitte nach Königs

Wusterhausen. Oder von der Erdoberfläche

bis in die Mitte der Stratosphäre. Kenenisa

Bekele, der Gewinner des diesjährigen

Berlin-Marathons, brauchte für diese

Strecke eine Stunde, 26Minuten und 55 Sekunden.

Mit dem Fahrrad und etwas Zeit an

den einzelnen Stationen dauertesfünf Stunden.

Einen Kilometer für jedes Jahr, das seit

dem Mauerfall vergangen ist, wenn man die

Orte nicht in der Reihenfolge ihrer historischen

Bedeutsamkeit, sondern in einer

Runde absolviert (gegen den Uhrzeigersinn

in diesem Fall: vonOst nach West).

Immer am Ufer des nie endenden und

sich in alle Richtungen erstreckenden Berliner

Verkehrsstromes geht es entlang und das

stets im Windschatten kommerzieller Botschaften,

die größer,schneller und eingängiger

sind als jede erlebte Geschichte und deren

Fehlen auf den historischen Fotos vielleicht

das eigentliche Erschrecken dieses

Rundgangs verursacht: dass das möglich

war! Dass die Stadt einmal aus Häusern, Straßen,

Menschen und Fläche bestanden hat!

Aber es hat ja offenbar nicht funktioniert.

Mitder Entscheidung, keine zentrale Ausstellung

zu den „30 Jahre friedlicher Mauerfall“-Festlichkeiten

auszurichten, sondern

dezentral „erzählende Orte“ auszuwählen,

setzt das Veranstalterbündnis auf Pluralität,

die Kraft des Vorhandenen und auf klassische

Geschichtsvermittlung durch Text, Bild

und akustische Zeitzeugenberichte sowie

zusätzlich das Mittel der Projektion. An jeder

Position wurde ein Info-Pavillon errichtet,

finden ganztägig Veranstaltungen statt, und

es gibt eine Freiluft-Ausstellung auf Stelltafeln

mit einem Bezug zum Ort. Siebenmal

wirddie gleiche Geschichte voneinem anderen

Anfang aus erzählt und bleibt natürlich

trotzdem Fragment. An vier Plätzen gibt es

zudem Projektionen von historischen Filmdokumenten

auf originale Schauplätze –

oder was daraus geworden ist.

DieEast Side Galleryander Mühlenstraße

ist die südlichste Station und die zeitlich zuletzt

relevante. Am28. September 1990 als

längste Galerie der Welt eröffnet, hatten

Künstler hier –Schwerter zu Pflugscharen! –

die Mauer zur Projektionsfläche gemacht.

Vorbei an Immoscout-, McDonald’s-und Zalando-Schildern

erreicht man den Mercedes-Benz-Platz,

wo am Dienstagnachmittag

gerade eine Aufführung der italienischen

Theatergruppe Teatro Due Mondi zu Ende

geht. Plastikflaschen, Einmannzelte und

Stofftiere liegen auf der mit Absperrgittern

markierten Szene herum, zwei Darsteller

lauern hinter Mauer-Requisiten und werfen

sie dann schwungvoll um, während sehnsüchtig

zum Akkordeon gesungen wird.

Einige Schülertouristen halten kurz ihre

Handys hoch und ziehen weiter,andereStehengebliebene

schreiten noch die Stelltafeln

längs des Spreeufers ab, auf denen es auf

Deutsch und Englisch vorallem um das Bauwerk

Mauer,aber auch um Rassismus in der

Zum 30. Mauerfall-Jubiläum gibt es keine zentrale Ausstellung,

stattdessen wird gleich an sieben bedeutungstragenden Orten

in Wort und Bild an die Geschichte

der friedlichen Revolution erinnert: An der East Side Gallery,inder

ehemaligen Stasi-Zentrale, an der Gethsemanekirche,

am Alexanderplatz, am Humboldt-Forum,

am Brandenburger Torund auch im Westen, am Breitscheidplatz.

VonPetraKohse

DDR geht, oder lauschen in die Audiobeiträge

von Pionierinnen der East Side Gallery

hinein. Dass das Angebot historischer Fotos

und einzelner großgedruckter Überschriften

oder Zitate attraktiv ist, merkt man an allen

Stationen. Die Menschen werden angezogen,

schreiten die Wände ab, halten sich

gerne in der Nähe auf. Aber ganzeAbschnitte

liest sich doch eher selten jemand durch.

An der Oberbaumbrücke geht es mit dem

Fahrrad weiter nach links, Richtung Norden.

Das Eckhaus gegenüber der Spree ist komplett

mit einem knallroten Coca-Cola-Transparent

bezogen, auf dem sich zwei dünne

weiße Arme einander entgegenstrecken.

„Mehr Menschen, die wollen“, offenbart der

nur wenige HundertMeter weiter an der Stralauer

Allee ansässige Konzern überraschend

krass den Motor seines gesellschaftlichen Engagements.

Tatsächlich waren die roten

Büchsen nur Stunden nach dem Mauerfall

vor30Jahren auf dem Kudamm kostenlos verteilt

worden, und 1990 gründete Coca Cola

eine Dependance für den ostdeutschen

Markt. „Da sind Sie jaendlich! Wir haben 28

Jahreauf Siegewartet“, hätten „die Leute“ gesagt,

kann man in der „30 Jahre Mauerfall“-

Storydes Unternehmens nachlesen.

DerWeg in die Stasi-Zentrale in Lichtenberg

führt durch das Herz des schicksten

Friedrichshain, an den antiimperialistischen

Plakaten am ehemals besetzten Haus

Scharnweber-/Ecke Colbestraße vorbei in

den herbstlichen Nachmittagsalltag der urbanen

Normalität: Schon leuchten die Lampen

an den Kinderfahrrädern, die hinter tütenbepackten

Elternfahrrädernmit zusätzlichem

Kindersitz herschlingern, Geschäft

folgt auf Geschäft, Vietnamese auf Thailänder,

wenn Menschen nicht voranhasten, zücken

sie ihr Smartphone an der Ampel.

Schon baulich eine Welt für sich ist dagegen

das Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale

an der Rusche- und Normannenstraße,

heute ein „Campus für Demokratie“. Zwischen

den abschirmenden Straßenfronten

verteilen sich Stasi-Museum und verschiedene

Archive umeine umfangreiche Dauer-

Freiluft-Ausstellung zum Ende der DDR, neben

der die zusätzlichen 30-Jahr-Stellwände

wie von sich selbst etwas peinlich berührte

Zaungäste wirken. Und esist auch nur ein

junger Polizist da, der sie betrachtet, sowie

eine Mutter mit Tragetuch, die kurz ineinen

Zeitzeugenbericht hineinhört, bevor sie von

einem älteren Kind wieder weggerufen wird.

Auch das Foyerimersten Stock des Informationsgebäudes

„Haus 22“ ist mit seinen

fast bodentiefen Messingfenstern und den

Neonleuchten ganz ohne weiteren Aufwand

ein von Funktionseliten erzählender Ort.

Später wird André Herzberg imVeranstaltungssaal

aus seinem Roman „Was aus uns

„Rückwirkend ist es

immer ganz erstaunlich,

wie die Kommunikation

funktionierte ohne

Internet, ohne WhatsApp,

ohne E-Mails.“

Marianne Birthler Bürgerrechtlerin, die im Oktober

1989 an den Mahnwachen in der

Gethsemanekirche teilgenommen hatte

geworden“ ist lesen, ein Buch, das vom Aufwachsen

jüdischer Kinder in der DDR handelt,

natürlich gibt es dazu auch Musik.

Siebenkommadrei im Regen geradelte Kilometer

weiter,bei denen sich erst durch die

teils nur dreistöckige Bebauung längs der

Storkower Straße, später durch das dortige

Gewerbegebiet eine Offenheit des Blicks ergibt,

die auf das Seltsamste mit dem in der

Ferne sichtbaren Fernsehturm kontrastiert,

gerade so,als würde man irgendwo aus dem

All auf Berlin blicken, bricht endgültig die

Dunkelheit ein und ist an der Gethsemanekirche

bereits die Projektion im Gange. Seltsame

Idee eigentlich, auf eine Backsteinkirche

Filme zu projezieren, auch wenn diese

Kirche ab Oktober 1989 „Brennpunkt der Revolution“

war. Oder auch Schaltzentrale.

„Rückwirkend ist es immer ganz erstaunlich,

wie die Kommunikation funktionierte ohne

Internet, ohne WhatsApp, ohne E-Mails“,

wird auf einer der Stellwände Marianne

Birthler zitiert, die damals an den Mahnwachen

in der Gethsemanekirche teilnahm.

Man kam dorthin, wenn man etwas wissen

wollte.Heute muss niemand mehr irgendwo

vor Ort sein. Trotzdem stehen am Dienstagabend

doch etliche an der Kreuzung Stargarder/Greifenhagener

Straße und blicken auf

die Kirche,auf der die Bilder vonDemonstrationszügen

nur als buntes Flackern sichtbar

werden. Als ob sie in Flammen stünde. Und

das tat sie damals ja auch irgendwie.

Am Alexanderplatz sind die Projektionen

auf die Gebäude rechts und links der Weltzeituhr

schon besser sichtbar. Egon Krenz,

der nach der Kommunalwahl 1989 98,85 Prozent

Ja-Stimmen „für die Wahlvorschläge der

Nationalen Front“ verkündet. Erich Honecker,

der den 40. Jahrestag der DDR begrüßt,

Stefan Heym,der sich für einen Sozialismus

ausspricht „der des Namens wert ist“,

Günter Schabowski, der die Reiseerlaubnis

aus Versehen „unverzüglich“ gibt, und Menschenmassen,

ungläubig, dann rennend, die

Arme fliegen in die Höhe.

Passanten werden auf dem Alexanderplatz

zu Zuschauern, lassen irgendwann ihr

Handy sinken, manche bleiben stehen, um

den Zusammenschnitt ein zweites Malzusehen,

auf den Gebäuden zählt eine Uhrdie Sekunden

herunter bis zum nächsten Start.

Auch hier blinken die umliegenden Geschäfte

heller als die Projektion, stehen die

Menschen zwischen Galeria und Saturn,

aber die Weite des Platzes gibt der Veranstaltung

eine Würde. Esist Kino in die Vergangenheit.

Daswaren wir.Oderhätten wir sein

können. Und die Worte der Bürgerrechtler,

dass sie sich darauf freuen, aus ihrer Erfahrung

heraus die Zukunft zu gestalten, hallen

noch viel länger im Kopf nach als bis zum

Schlossplatz, wo man über die Spreehinweg

eine ganz ähnliche Projektion aufder glatten

Fassade des Humboldt-Forums noch viel

besser sehen kann.

Die fünf Kilometer bis zum westlichsten

Info-Pavillon führen am Brandenburger Tor

vorbei und unter der unterwasserartig beleuchteten,

wie das Dach einer Shopping

Mall geformten, aber lustig wogenden Wünsche-auf-Bänder-Installation

hindurch auf

den Breitscheidplatz am Kurfürstendamm.

Recht genau dort, wo vor drei Jahren Anis

Amri den Sattelzug in die Menge der Weihnachtsmarktbesucher

steuerte, warten jetzt

einige Leute auf den Start eines szenischen

Auszugs aus der „Legende von Sorge und

Elend“ von Sören Hornung, der Geschichte

einer ostdeutschen Familie, die im Sommer

in OberharzamBrocken Premierehatte.

Draußen gibt es neben der Ausstellung,

die sich auf die Ankunft der DDR-Bürger im

Westen konzentriert, die Gelegenheit, sich

selbst als Tagesschausprecher mit der Meldung

zum Mauerfall ablichten zu lassen –

„Throw back 89“, eine Initiative der ARD.

Undrecht weit entfernt (über einem Saturn-

Schild) ist die Filmschleife auf das Europacenter

projiziert. Diesmal sieht man Walter

Ulbricht, der keine Absicht hatte,eine Mauer

zu erbauen, sieht man die Bauarbeiter, später

Ronald Reagan, der „Mr. Gorbatchev“

1987 auffordert, das Torzuöffnen, und natürlich

Helmut Kohl.

Am Ende flimmern hier viele gepixelte

Bilder ins Abenddunkel, und man hörtStimmen,

die etwa bürgerschaftliche Mitbestimmungsmodelle

fordern. Junge Stimmen, die

ganz selbstverständlich davon ausgehen,

dass über die „carbonfreie Gesellschaft“ und

andereFortschritte vonall jenen zu befinden

sei, die die Sachebetrifft. Stimmen, die politische

Arbeit für eine gesellschaftliche Aufgabe

halten. Das schließt in aller Offenheit

an die Bürgerrechtler von 1989/90 an und

macht die stille Stärke dieser erzählenden

Orte deutlich: dass sie bloß ein Post-it ans

Vorhandene machen, ein Angebot, hier oder

dortnocheinmal genauer hinzusehen.

Schade allerdings, dass am Breitscheidplatz

am Dienstag kaum jemand stehenblieb,

während einige Meter weiter aus dem

adidas-Flagship Storeum19.40 Uhreine gefühlte

Hundertschaft von Laufwilligen auf

die Straße strömte,die sich im Verkaufsraum

warm gemacht hatte, als handle es sich um

ihreguteStube.Auchdie Anstrengungslosigkeit,

mit der das KaDeWe in seinen Schaufenstern

meterlang seine Mitarbeiter erzählen

lässt, was sie am 9. November 1989 gemacht

haben, beweist noch im Abgang der

Runde die vermutliche ewige Überlegenheit

des Kommerziellen. Doch nicht um diese zu

widerlegen, war die Mauer vor 30 Jahren ja

aufgebrochen worden. Sondernumdie Idee

Beschränkung zu widerlegen und unter

mehr Möglichkeiten wählen zu können. Und

daskann man doch auch heute noch.

PetraKohse

radelte in fünf Stunden die „erzählenden

Orte“ zum Mauerfall ab.


4* Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Politik

NACHRICHTEN

Adoption von Stiefkindern

auch ohne Trauschein

Unverheiratete Paaresollen ebenso

wie Eheleute künftig das Recht haben,

dass ein Partner das Kind des

anderen adoptiert. DasBundeskabinett

billigte am Mittwoch den Gesetzentwurfvon

Bundesjustizministerin

Christine Lambrecht (SPD) zur

sogenannten Stiefkindadoption.

Voraussetzung ist, dass die Betroffenen

eheähnlich in einem gemeinsamen

Haushalt vier Jahrezusammengelebt

haben. DasBundeskabinett

brachte zudem ein weiteres Gesetz

auf den Weg, das mehr Hilfen für alle

Adoptivfamilien vorsieht. (AFP)

EU-Kommission: Rumänien

schlägt zwei Kandidaten vor

Bukarest schlägt für die Besetzung

des Rumänien zustehenden EU-

Kommissarspostens zwei Kandidaten

zur Auswahl vor: Adina Valean

und Siegfried Muresan. Daserklärte

der neue Ministerpräsident Rumäniens,Ludovic

Orban, am Mittwoch

nach einer Kabinettssitzung in Bukarest.

Diebeiden Kandidaten sind

EU-Parlamentarier und Mitglieder

vonOrbans konservativer Partei

PNL, die zum Dachverband der europäischen

Christdemokraten, EVP,

gehört. DieEntscheidung solle die

künftige EU-Kommissionschefin Ursula

vonder Leyen treffen. (dpa)

Amri-Ausschuss lädt

Bachmann vor

DerUntersuchungsausschuss des

Bundestages zum Weihnachtsmarkt-Anschlag

von2016 wirdauf

Antrag der Grünen am Donnerstag

beschließen, Pegida-Initiator Lutz

Bachmann vorzuladen. Dasberichtet

das RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND) unter Berufung

auf Ausschussmitglieder.Sie wollen

wissen, warum Bachmann wenige

Stunden nach dem Anschlag auf

Twitter behaupten konnte,erhabe

eine „interne Info“ aus der Berliner

Polizeiführung, dass der Täter„tunesischer

Moslem“ sei.(mdc.)

Demokraten gewinnen in

zwei US-Bundesstaaten

„Wir brauchen mehr Vergleichbarkeit“

Bildungsministerin Anja Karliczek über den nationalen Bildungsrat und neue Abituraufgaben

Bundesbildungsministerin

Anja Karliczek (CDU) will,

dass Eltern künftig mit ihren

Kindern von Bundesland

zu Bundesland ziehen können –

ohne dass es Schulprobleme gibt.

Dafür legt sie sich auch mit den Ministerpräsidenten

an.

Frau Karliczek, Sie wollen einen Nationalen

Bildungsrat durchsetzen.

Wenn Sieeseinem Fünftklässler erklären

müssen: Waswird für ihn besser,

wenn es ein solches Gremium gibt?

Wirbrauchen mehr Vergleichbarkeit,

mehr Transparenz und eine höhere

Qualität in unserem Bildungssystem.

Das wollen Schüler, Eltern

und Lehrer.Dazu kann der Nationale

Bildungsrat als ein Beratungsgremium

sehr viel beitragen. Egal, ob

ein Kind in Bremen, in Bayern oder

in Sachsen aufwächst: Es muss überall

vergleichbare Bildungschancen

haben. Und sie müssen überall sehr

gut sein.

Sowohl die mittelmäßigen Ergebnisse

des deutschen Bildungssystems bei

Untersuchungen wie Pisa als auch

die großen Unterschiede zwischen

den Ländern sind lange bekannt.

Die Qualität der Bildung ist überall

eines der wahlentscheidenden

Themen. Zu Recht: Denn die Menschen

wissen sehr gut, was für unsere

Zukunft wichtig ist. Ich denke,

dass dies sicher auch die Länder sehen,

die in der Bildung ja die Schlüsselposition

haben. Ichbin eine überzeugte

Anhängerin des Bildungsföderalismus.

Aber wir müssen daran

arbeiten, weil die Akzeptanz des Bildungsföderalismus

in der Bevölkerung

abnimmt. Also müssen wir unser

Bildungssystem auch deshalb

schon weiterentwickeln. Schule

muss im Kern dezentral gesteuert

werden. Dennoch müssen die Ziele

übereinstimmen. Bund und Länder

müssen auch in vielen Projekten die

Bildung künftig gemeinsam voranbringen.

Wir leben im Zeitalter der

Globalisierung und Digitalisierung.

Das sind echte Herausforderungen

für unser Bildungssystem.

Und entscheidende Verbesserungen

wollen Sie jetzt ausgerechnet mit einem

Expertengremium schaffen, das

nur eine beratende Funktion hat?

Der Nationale Bildungsrat ist so

angelegt, dass Wissenschaftler und

Praktiker der Politik Vorschläge machen,

wie wir unser Bildungssystem

Die Bildungschancen sollen überall in Deutschland gleich sein.

ZUR PERSON

GETTY IMAGES

Anja Karliczek, geboren am 29. April 1971, ist im Teutoburger Wald aufgewachsen. Ihre Familie

betreibt dortein Hotel. Sie ist Bankkauffrau, Hotelfachfrau und Betriebswirtin.

Im Bundestag sitzt die CDU-Politikerin seit 2013. Im März 2018 wurde die Finanzexpertin

überraschend Bundesministerin für Bildung und Forschung.Dasie kaum Profil entwickelte,

galt sie als Wackelkandidatin.

verbessern können. Ein wesentlicher

Punkt wird sein, Vergleichbarkeit

und Transparenz zwischen den

Ländern herzustellen. Dann wird

auch der Umzug mit Kindern von

Bundesland zu Bundesland leichter.

Der Bildungsrat kann helfen, dass

wir langfristig hohe Bildungsstandards

in ganz Deutschland etablieren.

Guter Ratvon Experten wirdam

Ende auch umgesetzt. Das beweist

der Wissenschaftsrat für die Hochschulen

und das Wissenschaftssystem,

den es schon seit Jahrzehnten

gibt und der bei allen Beteiligten

eine hohe Reputation besitzt.

Bayerns Ministerpräsident Markus

Söder (CSU) hat mit dem Ausstieg aus

dem Projekt des Nationalen Bildungsrates

gedroht. Er spricht von einem

„bürokratischen Monstrum, das am

Ende aus Berlin in die kleinen Schulstuben

hineinregiert und in die Klassenzimmer“.Wasentgegnen

Sieihm?

Die Aussage hat mich deshalb

verwundert, weil wir das Konzept gemeinsam

mit den Ländern erarbeitet

haben. DerNationale Bildungsrat

wird kein „bürokratisches Monstrum“

sein. Die zwischen Bund und

Ländernausgehandelten Eckpunkte

sind gerade mal drei Seiten lang. Es

geht darum, ein überschaubares Expertengremium

einzusetzen. Seine

Aufgabe: Die Erarbeitung übergreifender

und praktikabler Empfehlungen

zur Weiterentwicklung des Bildungssystems.

Das ist der Kernsatz

in dem Entwurf. Nicht mehr, aber

auch nicht weniger.

Unter den Unions-geführten Ländern

hat sich die Auffassung verbreitet,

die Länder sollten sich doch lieber

ohne den Bund auf mehr gemeinsame

Standards einigen und einen

Staatsvertrag machen.

Ich sage: Beides ist sinnvoll. Ich

begrüße es sehr, wenn die Länder

sich in einem neuen Staatsvertrag

darauf verständigen, dass etwa das

Abitur besser vergleichbar wird. Es

ist nicht überzeugend, dass jedes

Land für sich entscheidet, ob und

wie viele Aufgaben es aus dem gemeinsamen

Abitur-Aufgabenpool

nimmt. Das finden auch die Schüler

ungerecht, wie sich beim diesjährigen

Matheabitur gezeigt hat. DerBildungsrat

soll helfen, unser gesamtes

Bildungssystem beständig weiterzuentwickeln.

DasGespräch führte Tobias Peter.

Asylantrag

trotz

Einreisesperre

Clan-Chef Miri beantragt

subsidiären Schutz

VonMarkus Decker

Clan-Chef Ibrahim Miri war erst

kürzlich in den Libanon abgeschoben

worden. Doch er reiste illegal

wieder ein. Er sitzt in Abschiebehaft

und soll von Asylentscheidern

befragt werden. Warum kann er

überhaupt Asyl beantragen? Wir beantworten

die wichtigsten Fragen.

Wassteht in dem Asylantrag des Miri-

Clanchefs?

Miri gibt an, im Libanon vonschiitischen

Milizen mit dem Tode bedroht

zu werden. Die Hisbollah mische

sich damit in einen Blutrache-

Konflikt zwischen den Clans der Miri

und der el-Zein ein. Hintergrund sei

ein Überfall auf eine Bremer Kneipe

im Jahr 2006, bei dem ein Neffe Miris

erstochen wurde.Vermutlich aus Rache

wurde 2009 ein Mitglied der el-

Zeins in Bremen erschossen. Miri

beantragt nun subsidiären Schutz in

Bremen.

Wie ist Miri zurück nach Deutschland

gekommen?

Er soll sich heimlich mithilfe von

Unterstützern einen Pass verschafft

haben, dann aus dem Libanon über

Syrien in die Türkei gereist sein. Von

dort sei er mithilfe von Schleppern

vermutlich über die Balkanroute

nach Deutschland gekommen.

Ist der Asylantrag sein erster?

Nein. Der Libanese, der 2014 wegen

bandenmäßigen Drogenhandels

zu einer sechsjährigen Haftstrafe

verurteilt worden war, hatte

1986 bereits einen Asylantrag gestellt.

Damals war er 13 Jahrealt. Daher

muss jetzt geklärtwerden, ob der

gestellte Asylantrag als Erst- oder als

Folgeantrag zu bewerten ist.

Der Demokrat Andy Beshear setzte sich

in Kentuckydurch.

GETTY IMAGES

EinJahr vorder US-Präsidentschaftswahl

haben die Republikaner

vonAmtsinhaber Donald Trump bei

Wahlen in zwei Bundesstaaten empfindliche

Niederlagen erlitten: Die

gegen Trump kämpfenden Demokraten

setzten sich am Dienstag im

traditionell konservativen Bundesstaat

Kentucky durch und errangen

in Virginia erstmals seit 25 Jahren die

Mehrheit in beiden Parlamentskammern.

(AFP)

Verbot der Klima-Demo in

London warungesetzlich

DieLondoner Polizei hat die Klimaproteste

der Bewegung Extinction Rebellion

in der britischen Hauptstadt

im Oktober zu Unrecht verboten. Das

urteilte ein Gericht in London am

Mittwoch. Beiden Protesten, die Teile

Londons lahmgelegt hatten, waren

nach Polizeiangaben 1832 Menschen

festgenommen worden, davon

wurden mehr als 150 wegen verschiedenerVerstöße

angeklagt. (dpa)

Ausgewiesen

Omar Shakir ist Leiter des Israel-Büros von Human Rights Watch. Jetzt soll er das Land verlassen

VonAnja Reich, TelAviv

Als Omar Shakir sich vor vier Jahren

bei Human Rights Watch für

den Israel-Posten bewarb, sagte ihm

der Direktor, eins müsse ihm klar

sein: „Sie können in diesem Job

keine BDS-Positionen übernehmen.“

BDS ist eine Boykottbewegung,

die Israel zwingen will, ihre Besatzungspolitik

in den palästinensischen

Gebieten aufzugeben. Human

Rights Watch (HRW) ist eine

amerikanische Menschenrechtsorganisation

mit Sitz in NewYork, die

seit 1974 weltweit Rechtsverletzungen

recherchiertund dokumentiert.

Omar Shakir sollte neuer Leiter des

Israel-Palästina-Büros werden, ein

idealer Kandidat, so schien es: Sohn

irakischer Einwanderer, inKalifornien

aufgewachsen, Muttersprachen

Englisch und Arabisch, Studium

in Stanford, Arbeit für verschiedene

NGOs. Zu seinen größten

Erfolgen zählte die Freilassung von

zwei jemenitischen Guantanamo-

Häftlingen.

Das einzige Hindernis, seine

BDS-Unterstützung in seiner Studienzeit,

war schnell aus dem Weggeräumt.

Shakir versicherte seinen

Chefs,sich an die Regeln der Organisation

zu halten: Menschenrechtsverletzungen

werden dokumentiert,

aber nicht kommentiert. Boykott ist

nicht erlaubt. Omar Shakir,seit zweieinhalb

Jahren Leiter des HRW-Büros

inJerusalem, hielt sich

daran. So zumindest sieht

er es selbst, so sehen es

auch seine Vorgesetzten

und seine Anwälte. Das

höchste israelische Gericht

aber ist anderer Meinung.

Am Dienstag bestätigten

die Richter den Beschluss

des israelischen

Ministers für Strategische

Angelegenheiten, Shakirs

Visum nicht zu verlängern. Die Begründung:

Er habe seine Boykottaufrufe

gegen Israel nicht eingestellt. Bis

zum 25. November soll Omar Shakir

das Land verlassen.

Es ist das erste Mal in der Geschichte

der Menschenrechtsorganisation,

dass einem ihrer Vertreter die

Arbeit in Israel untersagt wird. Kenneth

Roth, Direktor von Human

Rights Watch, schreibt in einer Erklärung:„Das

Höchste Gericht hat damit

erklärt, dass die Meinungsfreiheit in

Omar Shakir,

Menschenrechtler

Israel nicht auf die Rechte der Palästinenser

anzuwenden ist.“ Omar Shakir

sagt in einem Telefoninterview,es

sei enttäuschend, dass ein unabhängiges

Gericht sich nicht zu einer eigenen

Entscheidung durchgerungen

habe, sondern stattdessen einen

Stempel auf eine Entscheidung

der Regierung setze.

BLZ/ANJA REICH

Wirklich überrascht

aber ist er nicht. VonAnfang

an seien ihm Steine in

den Weg gelegt worden,

sagt er. Die Genehmigung

seines Visums habe acht

statt zwei Monate gedauert.

Kaum sei er in Israel

gelandet, am 1. Juli 2017,

habe die rechte Pro-Siedler-Gruppe,

Shurat Hadim, gegen

ihn geklagt. Im November 2017 warf

ihm die Regierung vor, in seiner Studentenzeit

BDS-Aktivist gewesen zu

sein. Kurz zuvor hatte die Knesset ein

Gesetz verabschiedet, nach dem

Nichtstaatsbürgern jede Art von Israel-Boykott

verboten wird. Im Mai

2018 kam der Ausweisungsbescheid,

das Bezirksgericht bestätigte die Entscheidung.

Shakir legte Einspruch

ein, im September fand die letzte Anhörung

statt. Drei Richter unter-

suchten Shakirs Internet-Posts,

seine Reden, seine Dokumentationen.

Vor allem seine Kritik an

Airbnb-Wohnungen, Fifa-Fußballspielen

und israelischen Firmen in

Siedlungen wurden als problematisch

befunden. Shakir versteht

nicht, warum. Nach internationalem

Völkerrecht sind Siedlungen auf palästinensischem

Gebiet illegal, Israel

aber baut immer mehr Wohnungen.

Gerade wurden wieder 2300 neue

genehmigt, seit Beginn 2019 sind es

bereits 8000.

„Meine Arbeit hat nichts mit BDS

zu tun“, sagt Shakir. Kenneth Roth,

sein Chef, sagt:„Es geht uns nicht um

einen Boykott vonIsrael, sondernlediglich

darum, Firmen aufzufordern,

ihrer Verantwortung für die Einhaltung

der Menschenrechte nachzukommen.“

Dieisraelische Regierung hat Human

Rights Watch vorgeschlagen, einen

anderen Mitarbeiter ins Land zu

schicken. Omar Shakir und seine Organisation

lehnen das ab. Falls er

wirklich gehen müsse,werde er eben

vonaußerhalb das Büroweiterleiten,

von Jordanien zum Beispiel, sagt er.

„Wir lassen uns von Israel nicht diktieren,

werunsereArbeit macht.“

Wieder da: Ibrahim Miri, hier bei einem

Gerichtsprozess im Jahr 2014.

DPA

Warum wird der Asylantrag trotz Einreiseverbots

überhaupt bearbeitet?

Asyl ist ein Grundrecht. Werauf

deutschem Boden einen Asylantrag

stellt, muss angehört werden. Das

Bundesamt für Migration hatte eine

schnelle Bearbeitung des Asylantrags

angekündigt. DerAntrag werde

entsprechend allen rechtlichen Vorgaben

sorgfältig geprüft. Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU)

lässt sich fortlaufend unterrichten.

Wegen der Brisanz des Falles sind

Mitarbeiter aus der Nürnberger Zentrale

nach Bremen gekommen, um

Miri anzuhören.

Wie reagiertder Innenminister?

Seehofer kündigte via Bild-Zeitung

an, schärfer gegen illegale Einreise

und missbräuchliche Asyl-Anträge

vorgehen zu wollen. Er hat die

Bundespolizei zu mehr Kontrollen

an den Grenzen angewiesen.

Wie wird mit illegal Eingereisten verfahren?

Wer trotz bestehender Einreisesperre

über die Grenze wolle, werde

sofort abgewiesen, sagte Seehofer.

Wertrotz Einreisesperre Asyl beantragt,

solle künftig festgenommen

werden. Laut Seehofer soll das Verfahren

dann in der Abschiebehaft

abgeschlossen werden.


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 5 *

·························································································································································································································································································

Politik

Ein schwieriges Verhältnis: MikePompeo (l.) traf im Mai dieses Jahres HeikoMaas in Berlin.

GETTY IMAGES

Zwei Außenminister,viele Streitfragen

Heiko Maas lobt den Beitrag der Europäer zur deutschen Einheit und vergisst die Amerikaner.Nachhilfe kommt heute von Trumps Außenminister Mike Pompeo

VonMarina Kormbaki

Heiko Maas steht bereits

eine knappe Dreiviertelstunde

den Abgeordneten

des Bundestags Rede

und Antwort, als im Saal plötzlich

Applaus aufbrandet. Der Außenminister

hat soeben die Einschätzung

eines AfD-Abgeordneten, wonach

ein Großteil Syriens befriedet sei,

brüsk zurückgewiesen. „Ich weiß

auch nicht, wie man zu solch einer

Einschätzung kommt“, schiebt Maas

noch hinterher. So, als wollte er den

Applaus an diesem Mittwochmittag

noch ein kleines bisschen länger

währen lassen. Es kommt zurzeit ja

selten vor, dass der SPD-Politiker für

seine Positionen lautstarke Zustimmung

erfährt.

Maas muss sich erklären –fast jeden

Tagaufs Neue.Kaum schien sich

die Aufregung um seine in Ankara

geäußerte Zurückweisung des Syrien-Vorstoßes

von Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-Karrenbauer

(CDU), seiner Kabinettskollegin,

ein wenig zu legen, wird Maas

bereits der nächste Patzer vorgeworfen.

In einem Artikel zum 30. Jahrestag

des Mauerfalls, der am Wochenende

in zahlreichen europäischen

Zeitungen erschienen war, hatte

Maas auf einen ausdrücklichen

Dank an die USA für deren Beitrag

zur deutschen Wiedervereinigung

verzichtet. Dagegen hebt der Außenminister

die Leistung von Polen,

Balten, Tschechen und weiterer Osteuropäer

hervorund kommt zu dem

Schluss: „Die deutsche Einheit, sie

war auch ein Geschenk Europas an

Deutschland.“ Auch der damalige

sowjetische Präsident Michail Gorbatschowfindet

lobend Erwähnung.

Ronald Reagans Rolle

Im In- wie im Ausland ist die Kritik

nun laut. Von einem „historischen

Fehltritt“ spricht Norbert Röttgen

(CDU), Vorsitzender des Auswärtigen

Ausschusses im Bundestag. Und

auch der frühere Oberkommandierende

der US-Landstreitkräfte in Europa,

Ben Hodges, wirft Maas via

Twitter ein einseitiges Geschichtsverständnis

vor, weil Maas die Rolle

von US-Präsident Ronald Reagan

nicht erwähnte. Maas’ ausdrücklich

an Europa gerichteten Dank kommentierte

Hodges ironisch: „Gern

geschehen.“

Gut möglich also, dass Maas seinem

an diesem Donnerstag eintreffenden

Gast, US-Außenminister

Mike Pompeo, einiges zu erklären

hat. An der Zeit für ein ausführliches

MikePompeo ist seit April

2018 US-Außenminister.Zuvorwar

er Chef des Geheimdienstes

CIA. An diesem

Donnerstag reist er zunächst

in US-Truppenstandorte

nach Grafenwöhr und Vilseck

in Bayern.

VON BAYERN NACH BERLIN

In den späten 80er-Jahren

war Pompeo selbst als jungerSoldat

in Bindlach bei

Bayreuth nahe der deutschdeutschen

Grenze stationiert.

Am Donnerstag besucht

er das einst geteilte

Mödlareuth in Thüringen.

VonLeipzig aus fährtPompeonachHalle.

wo vorkurzemein

schwer bewaffneter

Rechtsextremer einen Anschlag

auf eine Synagogeverübte

und zwei Passantentötete.

Am Freitag findeninBerlinoffizielle

Gespräche statt.

Gespräch über die Rolle der Amerikaner

bei der deutschen Einheit

dürfte es nicht fehlen. Pompeo verbringt

zwei Tage in Deutschland. Gemeinsam

mit Maas wirdsich derVertraute

von US-Präsident Donald

Trump die alten Grenzanlagen in

Mödlareuth in Thüringen anschauen.

Bis vor 30 Jahren trennten

sie zwei Deutschlands, heute markieren

sie die geografische Grenze

zwischen Bayern und Thüringen.

Die beiden Außenminister werden

auch in Leipzig und Halle erwartet.

Mehr Raum als die Vergangenheit

dürfte allerdings die Gegenwart des

deutsch-amerikanischen Verhältnisses

im Gespräch zwischen Maas

und Pompeo einnehmen. Schließlich

war dieses im Laufe der zurückliegenden

sieben Jahrzehnte noch

nie so angespannt wie heute. Die

Konflikte sind zahlreich: Donald

Trump wirft den Deutschen bei jeder

sich bietenden Gelegenheit zu geringe

Rüstungsausgaben und sicherheitspolitisches

Trittbrettfahrertum

vor. Das deutsch-russische Projekt

Nordstream 2, das Erdgas aus Russland

durch die Ostsee nach Deutschland

führen soll, betrachtet Trump

als freiwillig gewählten Weginrussische

Abhängigkeit. Im Laufe der

kommenden Woche will der US-Präsident

entscheiden, ob er Strafzölle

auf deutsche Autos erhebt. Im Umgang

mit dem Iran verfolgen Amerikaner

und Deutsche gegensätzliche

Strategien.

Zum explosiven Streitthema entwickelt

sich überdies der Umgang

mit dem chinesischen Technologiekonzern

Huawei, zweitgrößter

Smartphone-Hersteller der Welt.

Während die USA unter Verweis auf

Sicherheitsinteressen jegliche Zusammenarbeit

mit dem Anbieter

von Telekommunikationslösungen

ablehnen, will Kanzlerin Angela

Merkel beim Ausbau des 5G-Netzes

nicht auf die chinesische Mobilfunk-

Technik verzichten. Für diesen Fall

drohen die USA mit dem Ende der

zur Terrorbekämpfung unerlässlichen

Zusammenarbeit der Geheimdienste.

Die Erwartungen an den Pompeo-Besuch

sind groß. „Wenn Pompeo

die Abkehr vonden Strafzollplänen

gegen die deutsche Automobilindustrie

im Gepäck hätte, wäre das

ein wichtiges Signal“, sagt der CDU-

Außenpolitiker Jürgen Hardt. „Die

Bundesregierung sollte vor allem

klarmachen, dass Deutschland und

Europa im Kampf um fairen Welthandel

nicht Gegner, sondern Partner

sind.“

FDP-Fraktionsvize Alexander

Graf Lambsdorff sieht Pompeos Besuch

als „ein notwendiges Zeichen

der Verbundenheit zwischen

Deutschland und Amerika jenseits

der Tagespolitik“. Unter Verweis auf

Maas’Artikel über den Fall des Eisernen

Vorhangs äußerterjedoch Zweifel

an einer konstruktiven Politik des

Bundesaußenministers. „In der

Maas’schen Außenpolitik ist offensichtlich,

dass er keinVerständnis für

die Vergangenheit und keinen Plan

für die Zukunft der transatlantischen

Beziehungen hat“, sagt Lambsdorff.

Irrtum mit gefährlichen Folgen

Die Grünen rufen die Bundesregierung

zu mehr Eigenständigkeit auf.

„Es reicht nicht, den Rückzug der

USA zu beklagen und zu kritisieren“,

sagt die Bundestagsabgeordnete

Franziska Brantner. „Wir müssen

uns jetzt selbst kümmern“, betont

sie.„In Syrien beispielsweise forderten

die USA die Bundesregierung

immer wieder auf, deutsche IS-

Kämpfer zurückzunehmen. Die

Bundesregierung hörte nicht hin –in

der Hoffnung, die Amerikaner meinten

es nicht wirklich ernst.“ Ein Irrtum,

sagt Brantner, dessen Folgen

eine Gefahr für die Sicherheit

Deutschlands seien.

Die Koalition findet sich gut

Ob das Regierungsbündnis fortgesetzt wird, entscheidet der Streit um die Grundrente. Merkel wirbt in der Unionsfraktion für einen Kompromiss mit der SPD

VonA.Holecek und A. Niesmann

Seit 19 Monaten ist die Bundesregierung

im Amt und 2021 ist die

nächste Bundestagswahl geplant.

AusSicht der großen Koalition ist daher

die Zeit gekommen, eine Halbzeitbilanz

zu ziehen. In einem 85-seitigen

Dokument bescheinigt sie sich

nun selbst, schon „viel erreicht und

umgesetzt“, aber auch noch „viel zu

tun“ zu haben. EinÜberblick:

Digitalpakt Schule: In den nächsten

Jahren sollen fünf Milliarden Euro in

die digitale Ausstattung der Schulen

fließen. Dafür war eine Grundgesetzänderung

nötig, die dem Bund

die Finanzierung von Bildungspolitik

in den Ländern erlaubt. Bisher

hat aber nur rund die Hälfte der Bundesländer

die Förderrichtlinien veröffentlicht,

mit denen die Schulen an

das Geld kommen.

Kohleausstieg: Der Ausstieg aus der

Braunkohle bis 2038 gilt als Meilenstein

in der Klimapolitik. DerPreis ist

aber hoch: 40 Milliarden Euro will

der Bund in den nächsten 20 Jahren

vorallem in Brandenburgund Nordrhein-Westfalen

investieren.

Klimapaket: Mit ihrem Klimapaket

reagierte das Kabinett auf das gestiegene

Umweltbewusstsein in der Bevölkerung.

Darin sind günstigere

Zugtickets, teurere Flugreisen, Gebäudesanierungen

und ein Verbot

neuer Ölheizungen vorgesehen. Für

Kritiker viel zu wenig.

Angela Merkelund Kanzleramtschef Helge Braun in der Unionsfraktion

schaffen. Noch nicht alle Elternprofitieren

davon, da die Länder erst

schleppend ihre Maßnahmen beschlossen

haben, für die sie das Fördergeld

investieren wollen.

Grundrente: Es ist das Vorhaben mit

dem größten Konfliktpotenzial.

Rentner, die mindestens 35 Jahre in

DPA

Baukindergeld: Familien mit geringerem

und durchschnittlichem Einkommen

erhalten über zehn Jahre

jeweils 1200 Euro als Zuschuss zum

Immobilienbau oder -kauf. BisEnde

September 2019 sind 147 000 Anträge

mit einem Volumen von 3,1

Milliarden Euro eingegangen.

.

„Gute-Kita-Gesetz“: 5,5 Milliarden

Euro will der Bund den Ländern bis

2022 zur Verfügung stellen, um die

Qualität der Kitas zu erhöhen oder

die Gebühren zu senken bzw. abzudie

gesetzliche Rentenversicherung

eingezahlt haben, sollen eine Rente

zehn Prozent oberhalb der Grundsicherung

bekommen. Da sind sich

die drei Parteien einig. Doch die

Union fordert vehement eine Bedürftigkeitsprüfung

ein, die SPD

lehnt diese ab. Finale Verhandlungen

über einen Kompromiss wurden

auf Drängen der Unionsfraktion vertagt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

(CDU) warb am Dienstag bei Abgeordneten

für das Vorhaben. Das Ergebnis

der Arbeitsgruppe, sagte sie

nach Angaben von Teilnehmern, sei

eine Basis für einen tragfähigen

Kompromiss. Wenn diese Vorlage in

den Endverhandlungen des Koalitionsausschusses

richtig abgestimmt

werde, werde eseinen Kreis von Bezieherngeben,

bei denen 99 Prozent

sagen könnten, dass es die Richtigen

betreffe. Es gebe eine Bedarfsprüfung,

die an dem ansetze, was der

Union vorschwebe. Merkel argumentierte

demnach, viele Menschen

hätten für sehr niedrige Einkommen

gearbeitet. Sie könne die Union nur

bitten, wenn sie Volkspartei bleiben

wolle, dass sie nicht unentwegt die

Beispiele vonden Villenbesitzernerzähle.Vielmehr

sollten sich die Unionsmitglieder

mal umgucken, wie es

beim Bäcker,bei der Reinigungskraft

oder in Logistikunternehmen sei.

Dassollten eben auch dieWähler der

Union sein, wie auch Unternehmer.

Außenpolitik: Ein unglückliches Bild

gibt die deutsche Außenpolitik ab.

Verteidigungsministerin Annegret

Kramp-Karrenbauer (CDU) schlug

eine„Schutzzone“ in Nordsyrien vor.

Außenminister Heiko Maas (SPD)

lehnte sie umgehend ab.

Maut: Krachend gescheitert ist der

Plan der CSU, eine Pkw-Maut in

Deutschland für Ausländer einzuführen.

Verkehrsminister Andreas

Scheuer (CSU) steht zudem in der

Kritik, weil der Ausbau der Mobilfunkversorgung

und des Glasfasernetzes

stockt. Der Zustand der Bahn

ist in vielen Regionen verbesserungswürdig.

Energiewende: Um das Ziel des Pariser

Klimaabkommens einzuhalten,

tut sich beim Ausbau der erneuerbaren

Energien zu wenig. Schwarz-Rot

will deshalb den Deckel für die Förderung

von Photovoltaik-Anlagen

abschaffen. Länder und Kommunen

sollen geringere Abstände zwischen

Windkraftanlagen festlegen dürfen.


6* Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▲ 13179,89 (+0,24 %)

7.8.19

6.11.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▼ 61,91 (–1,68 %)

7.8.19

6.11.19

Euro in US-Dollar

▼ 1,109 (–0,17 %)

Selbstbedienungskassen

werden selten genutzt

Viele Verbraucher in Deutschland

stehen Selbstbedienungskassen

nach wie vorskeptisch gegenüber.

Beieiner am Mittwoch veröffentlichten

Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts

EHI gaben

39 Prozent der Befragtem an, die in

immer mehr Handelsketten zu findenden

SB-Kassen nie oder nur selten

zu nutzen. Hauptgrund für die

Zurückhaltung ist der Umfrage zufolge

die Macht der Gewohnheit.

Zwei Drittel der Befragten machen

sich allerdings auch Sorgen, dass

Arbeitsplätzewegfallen könnten,

wenn sie SB-Kassen nutzen. (dpa)

7.8.19

Stand der Daten:06.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

Quelle

aus DAX und MDAX vom 06.11. zum Vortag

United InternetNA 28,95

6.11.19

+4,74 WWWWWWWW

Brenntag NA 47,27 +4,51 WWWWWWWW

Hann.Rückvers. NA165,80

CarlZeissMeditec103,20

+3,24 WWWWWW

+2,89 WWWWW

HugoBoss NA 38,53 +2,15 WWWW

Evonik Industries 25,74 +2,14 WWWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom06.11.zum Vortag

DialogSemic. NA 41,05 WWWWWWWWWWW –6,68

AdidasNA 266,30 WWWWWWWWW –5,35

Fraport 72,94 WWWWWW –3,65

Evotec 19,19 WWWWW –2,71

RTL Group 47,32 WWWW –2,15

Telefonica Deutschl. 2,80 WWWW –1,99

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 06.11. ±% z. 05.11.

Euro Stoxx 50 (EU) +0,33

3692/2909 3688,74

CAC 40 (FR) + 0,34

5876/4556 5866,74

S&P UK (UK) + 0,12

1562/1323 1491,78

RTS (RU) +0,74

1474/1033 1471,38

IBEX (ES) –0,10

9588/8286 9398,40

Dow Jones (US) –0,01

27560/21713 27488,96

Bovespa (BR) –0,07

109633/83892108644,50

Nikkei (JP) +0,22

23353/18949 23303,82

Hang Seng (HK) +0,13

30280/24897 27656,52

Stx Singap. 20 (SG) +0,41

1657/1390 1637,99

Sparbriefe und

langfristigeAnlagen 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Jahre 5Jahre 8Jahre

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 1,31 1,41 -

VTB Direktbank

vtbdirekt.de 1,00 1,20 1,20

Bank11

bank11.de 0,90 1,20 -

akf bank **

akf.de 0,95 1,10 1,10

Ziraat Bank

ziraatbank.de 0,85 1,10 -

Targobank

targobank.de 0,60 1,10 -

Santander

santander.de 0,45 0,60 0,60

ING

ing.de 0,03 0,10 -

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 0,01 0,01 0,01

Postbank

postbank.de - - -

Isbank

isbank.de 1,00 1,15 -

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de - - 0,15

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 0,01 - 0,01

Berliner Sparkasse

030/86986969 - - -

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,68 0,81 0,65

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Prinzipiell ist kein Computersystem unangreifbar,heißt es beim Digitalverband Bitkom.

Von Thomas Magenheim

Positive Nachrichten sind in der

deutschen Autoindustrie rar.

BMW mit seinem neuen Konzernchef

Oliver Zipse schwimmt nach

einem unerwartet erfolgreichen dritten

Quartal 2019 insoferngegen den

Strom.

Ökologisch auf den ersten Blick

nicht vorbildhaft, aber ökonomisch

erfolgreich hat der operativeGewinn

zwischen Juli und September getragen

vonGeländewagenmodellen um

fast ein Drittel auf knapp 2,3 Milliarden

Euro zugelegt. „Es wird sich die

Lösung durchsetzen, die der Kunde

annimmt“, sagt Zipse pragmatisch

zum Verkaufsschlager SUV.

Während VW sich betont auf

Elektromobilitätkonzentriert, halten

„Ich bin drin“

Hacker,Diebe und Saboteure schädigen die deutsche Industrieummehr als 100 Milliarden Euro

Von Frank-Thomas Wenzel

Konkurrenten: Bei einem

Fünftel der geschädigten

Unternehmen führtdie Spur

laut Bitkom zu Konkurrenten.

Bei 12 Prozent werden

ausländische Nachrichtendienste

für die Angriffe verantwortlich

gemacht. Organisierte

Kriminalität ist bei jedem

fünften Vorfall im Spiel.

Und die sogenannten Hobbyhacker

haben noch immer

einen Anteil vonfast 40 Prozent.

BMW macht Boden gut

Der Konzern verkauftmehr Geländewagen und verbessert die Rendite

sich die Bayern die Antriebsvariantenoffen,mitdenensieihreAutosbestücken.

Im dritten Quartal brachte

diese Philosophie im reinen Autogeschäft

eine operative Umsatzrendite

vonimmerhin 6,6 Prozent.

Dasist im Vorjahresvergleich eine

Verbesserung von 2,2 Prozentpunkten.

Derinder Branche viel beachtete

Wert liegt über den 6,0 Prozent, die

Daimler mit Mercedes im dritten

Quartal erreicht hat. Von den drei

deutschen Spitzenherstellern liegt

aktuell nur Audi mit 7,8 Prozent Rendite

vor den Münchnern, die zudem

im Abschlussquartal eine weitere

Verbesserung ihrer Profitabilität erwarten.

Dieist auch nötig, um auf das Gesamtjahr

2019 gerechnet noch in den

geplanten Renditekorridor zwischen

KEINE BESSERUNG IN SICHT

Mitarbeiter: Die größte Gefahr

für Unternehmen sind

aber nicht zwielichtigeGestalten,

die vonChina,Russland

oder irgendwo aus in

Osteuropa agieren, sondern

die eigenen ehemaligen Mitarbeiter,die

ein Unternehmen

vorsätzlich schädigen.

Sie haben noch Zugang zu

Systemen und nutzen dies

für ihre kriminellen Taten, die

nicht selten Racheaktionen

sind.

Abwehr: Dass eine Besserung

nicht zu erwarten ist,

steht für die Mehrheit der

Firmen außer Zweifel. 82

Prozent gehen voneiner Verschärfung

der Sicherheitslage

in den nächsten zwei Jahren

aus. Bitkom forderteine

stärkere Unterstützung von

Staat und Behörden. Das

vonder Bundesregierung geplante

Cyberabwehrzentrum

plus müsse möglichst

schnell aufgebaut werden.

Die Szenen kennt jeder aus

Filmen und Fernsehserien.

Junge Männer mit

Kapuzenpollover sitzen

in einem vorzugsweise abgedunkelten

Raum, starren auf hell erleuchtete

Bildschirme und tippen mit

schnellen Fingern auf eine Tastatur.

Irgendwann ruft ein Hacker:„Ichbin

drin.“ Unddann starrtermit großen

Augen auf all die Geheimnisse, die

ihm der Rechner offenbart.

Solche Fälle gibt es auch. DerAlltag

von Spionage, Datendiebstahl

und Sabotage sieht häufig weniger

konspirativ aus, umso gefährlicher

ist das aber für die ausgespähten

Unternehmen. Der Digitalverband

Bitkom hat 1070 Führungskräfte zum

Thema Wirtschaftsschutz befragt.

DieErgebnissesindalarmierend.Der

Gesamtschaden wird aktuell auf

jährlich knapp 103 Milliarden Euro

geschätzt –digitale und analoge Taten

(Diebstahl von Dokumenten auf

Papier, Maschinen, Produktprotypen

oder Bauteilen) zusammengezählt.

Tendenz steigend. Vor zwei

Jahren war es nur etwa halb so viel.

„Umfang und Qualität der Angriffe

auf Unternehmen haben dramatisch

zugenommen“, sagte Bitkom-

Präsident Achim Berg. Die Freizeit-

Hacker vonfrüher hätten sich zu sehr

versierten „Cyberbanden“ weiterentwickelt.

Auch mit „Staatsressourcen

im Rücken“. So gilt es als offenes

Geheimnis, dass Spionage bei ausländischen

Unternehmen zum inoffiziellen

Teil der chinesischen Industriepolitik

gehört. Zu denbekanntgewordenen

spektakulären Attacken

der jüngeren Vergangenheit gehört

ein Angriff auf den Chemie- und

Pharmakonzern Bayer im Frühjahr,

durchgeführtmit immensem Knowhow.

Die Angreifer drangen an einer

Schnittstelle von Inter- und Intranet

ein und installierten Schadsoftware,

die das Unternehmen ausspionieren

sollte.Expertender Sicherheitsfirma

Kaspersky sind davon überzeugt,

dass dahinter Hacker der sogenannten

Winnti-Gruppe aus der Volksrepublik

stecken, die den Auftrag hätten,

vorallem für staatsnahe Firmen

Informationen zu beschaffen. Branchenkenner

gehen davon aus,dass in

Europa eine große Zahl von Unternehmen

aus verschiedenen Branchen

von Winnti attackiert wurde

und noch immer wird. So gab es Anfang

des Jahres laut Medienberichten

auch Angriffe auf mittelständische

Unternehmen, die in den Sparten

Chemie, Maschinenbau und Softwareaktiv

sind.„Im globalen Wettbewerb

kann jede Information über die

Konkurrenz zum Vorteil werden –dafür

greifen immer mehr Unternehmen

zu kriminellen Mitteln“, betont

Berg.

4,5 und 6,5 Prozent zu kommen. Derzeit

liegt BMW nach neun Monaten

bei 4,1 Prozent. Denn im ersten Halbjahr

mussten satte 1,4 Milliarden

Euro als zu erwartende Strafe bei

einem EU-Kartellverfahren zurückgestellt

werden. Rein operativ betrachtet

geht es den Bayern aber besserals

der Konkurrenz.

Zipse macht es nicht nervös,dass

die Erholung im eigenen Haus betont

auf Geländewagenmodelle zurückgeht.

SchärfereEU-Abgasgrenzwerte

ab 2021 werde BMW dennoch ohne

Strafzahlungen erreichen, zeigt er

sich optimistisch. Das liegt zum

einen daran, dass BMW zunehmend

auch die Geländewagenflotte elektrifiziert.

SUV heißt dann nicht mehr

automatisch spritschluckend. Ein

großer Hoffnungsträger ist dabei der

FOTO: IMAGEBROKER/DPA

DieBitkom-Untersuchung hat ergeben,

dass die Angriffe in den vergangenen

beiden Jahren bei 70 Prozent

der befragten Unternehmen

Schäden verursacht haben. Zwei Jahre

zuvor galt das nur für 43 Prozent.

Diese Steigerungen sind auch ein Beleg

dafür,dass die Redensartvon der

Gelegenheit, die Diebe macht, mehr

denn je stimmt.

Mit der zunehmenden Digitalisierung

wächst die Zahl der elektronischen

Daten, die immer wichtiger

für den Erfolg von Firmen werden –

und damit zugleich der Anreiz, diese

zu stehlen. Schadsoftwaredient aber

nicht nur der Spionage, sondern

auch dazu, Betriebsabläufe zu sabotieren.

Wobei ein Bitkom-Sprecher darauf

aufmerksam macht, dass prinzipiell

kein Computersystem unangreifbar

ist. Das Hacken ist immer

auch eine Frage des Einsatzes von

Geld und Personal. Für Michael Niemeier,

Vize-Chef des Verfassungsschutzes,

ist indes klar: „Spionage

und Sabotage gefährden den Wirtschaftsstandort

Deutschland.“ Die

Aufklärung solcher Fälle sei eine

Kernkompetenz seiner Behörde.Von

immer größerer Bedeutung ist dabei

das sogenannte Social Engineering.

DieTätergebensichbesondersgerne

als Sicherheitsexperten oder Systemadministratoren

aus, um von Beschäftigten

Passwörter und andere

Daten zu erhalten, die den Zugang

auch zu höchst sensible Informationen

eröffnen.

vollelektrische BMW iX3, der vom

nächsten Jahr an in China zum weltweiten

Export von BMW-Bändern

laufen soll. „Wir rechnen damit, dass

die Elektromobilität ab 2021 deutlich

zulegt“, schätzt Zipse zudem und will

diese vermeintliche Kundennachfrage

dann mit neuen voll- und hybridelektrischen

Modellen bedienen

können.

Schon jetzt sieht sich BMW in

Deutschland mit Ende 2019 einem

Dutzend elektrifizierter Modelle als

elektromobiler Marktführer mit

einem Anteil von 21Prozent. Gut jedes

fünfte hierzulande verkaufte

Elektro-oderHybridautostammtdamit

von BMW. Zum Vergleich: Über

alle Antriebsarten kommt BMW auf

einen heimischen Marktanteil von

rund 8Prozent.

Mehr Zuschuss für

Regionalverkehr

DerBundstockt seine Milliardenzuschüsse

für den Regionalverkehr

auf. Von2020 bis 2023 sollen die

Länder insgesamt 1,2 Milliarden

Euro zusätzlich bekommen, wie das

Bundeskabinett am Mittwoch beschloss.Derzeit

gibt der Bund jährlich

rund 8,6 Milliarden Euro.Mit

dem Geld können die Länder Busund

Bahnlinien bei Verkehrsanbieternbestellen.

Festgelegt ist zudem,

dass die Mittel jährlich um 1,8 Prozent

steigen. Verkehrsminister Andreas

Scheuer (CSU) sagte dem RedaktionsNetzwerkDeutschland:

„Wir wollen den Umstieg auf öffentliche

Verkehrsmittel besser ermöglichen.“

(dpa)

Gewinn von Adidas

leicht gesunken

Adidasgibtmehrfür Marketing aus.

DerSportartikelhersteller Adidas

geht voneiner deutlichen Umsatzbeschleunigung

im vierten Quartal

aus.Der Konzernbestätigte daher

bei der Vorlage der Zahlen für das

dritte Quartal seine Ziele für das laufende

Jahr.Adidas geht dabei von

einem Umsatzwachstum vonwährungsbereinigt

5bis 8Prozent aus.

Im drittenQuartal stiegen die Erlöse

währungsbereinigt um 6Prozent auf

6,4 Milliarden Euro,nach neun Monaten

beträgt das Wachstum 5Prozent.

DasBetriebsergebnis nahm

wegen höherer Kosten unter anderemfür

Marketing leicht um 0,3 Prozent

auf 897 Millionen Euro ab.Der

Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft

sank leicht um 1,7 Prozent auf

644 Millionen Euro. (dpa)

Rückstellungen

belasten Springer

FOTO: TOBIAS HASE/DPA

Rückstellungen für die angekündigten

Umgestaltungen im Mediensegment

und Aufwendungen für die geplante

Partnerschaft mit dem US-Investor

KKR haben das Konzernergebnis

vonAxelSpringer verringert.

DerGewinnsank in den ersten

neun Monaten des Jahres auf

134,1 Millionen Euro –imVorjahreszeitraum

hatte er noch bei

247,4 Millionen Euro gelegen, wie

der KonzernamMittwochmitteilte.

Bereinigt um Effekte wie Käufe und

Verkäufe vonImmobilienoder

Unternehmen bezifferte das Unternehmen

den Konzernüberschuss

auf 174,5 Millionen Euro –das entspricht

einem Rückgang von32Prozent.

(dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 7

·························································································································································································································································································

Wirtschaft

Abschied von der Plastiktüte

Bundeskabinettverabschiedet Gesetzentwurf der Umweltministerin. Übergangsfrist geplant

Von Teresa Dapp

Die Bundesregierung hat

ein Verbot von Plastiktüten

auf den Weggebracht.

Das Bundeskabinett verabschiedete

am Mittwoch den Gesetzentwurf

von Bundesumweltministerin

Svenja Schulze, in dem es um

die typischen Tüten, die man im

Supermarkt oder anderen Geschäften

beim Bezahlen bekommt und die in

aller Regel inzwischen etwas kosten,

geht–nichtumMüllbeuteloderandere

Tüten, die nichtzur Verpackunggedacht

sind. „Plastiktüten sind der Inbegriff

von Ressourcenverschwendung:

Sie werden aus Rohöl hergestellt

undsie oft nur wenige Minuten

genutzt“, sagte die SPD-Politikerin in

Berlin. Auch sogenannte biobasierte

und bioabbaubare Tüten sollen verboten

werden. Ausgenommen sind

aber die besonders dünnen Tütchen

etwa für Obst und Gemüse sowie stabilere

Tragetaschen ab einer Wandstärke

von50Mikrometern.

Nach dem Kabinettsbeschluss

muss der Bundestag sich mit dem Gesetzbefassen.WennesBundestagund

Bundesrat passiert hat, soll esnoch

eine rund sechsmonatige Übergangsfrist

für die Tüten geben, um Restbestände

in den Läden abzubauen.

Schulzehatte ein Verbot vonPlastiktüten

zunächst nicht geplant, weil

es eine Vereinbarung ihres Ministeriums

mit großen Teilen des Handels

gab, diese nur noch gegen Geld an

Kunden auszugeben. Das hat in den

vergangen Jahren dazu geführt, dass

sehr viel weniger Tüten verbraucht

wurden –pro Kopf im Jahr 2018 nur

noch rund 20, 2015 waren es noch68

gewesen.Essei allerdings nicht zu erwarten,

dass der Verbrauch auf der

Grundlage dieser Vereinbarung noch

signifikant sinken werde. (dpa)

Arbeitsmarkt

bleibt

stabil

Sachverständigenrat sieht

keine breiteRezession

Von Andreas Hoenig

Die Wirtschaftsweisen gehen

von einer anhaltenden Konjunkturschwäche

aus –sehen aber

derzeit nicht die Gefahr einer „breiten

und tiefergehenden Rezession“

in Deutschland. DerChef des Sachverständigenrats,

Christoph

Schmidt, begründete dies am Mittwoch

vorallem damit, dass Arbeitsmarkt

und Binnennachfrage weiter

stabil seien. Die Wirtschaftsweisen

forderten aber die Politik auf, mehr

zu tun, um Wachstumskräfte bei

Unternehmen zu stärken. Die Anstrengungen

etwa für den Ausbau

der Infrastruktur sowie von Forschung

und Innovationen sollten

verstärkt werden. Risiken sieht der

Sachverständigenrat auf dem Immobilienmarkt.

Vorallem wegen einer schwächerenWeltwirtschaft

mit Folgen für die

exportstarke deutsche Industrie erwarten

die fünf Wirtschaftsweisen

in diesem Jahr nur noch ein Wachstum

des Bruttoinlandprodukts von

0,5 Prozent –und von0,9 Prozent im

kommenden Jahr. Die Prognose

liegt damit in etwa auf Höhe der

Bundesregierung, die für 2020 mit

einem Plus von1,0 Prozent rechnet.

Dieschwache wirtschaftliche Dynamik

werdesich voraussichtlich mindestens

bis in das kommende Jahr

ziehen, heißt es im Jahresgutachten

des Sachverständigenrats.

Die Notwendigkeit eines Konjunkturprogramms

sehen die Wirtschaftsweisen

derzeit nicht. Stattdessen

geht es dem Gutachten zufolge

darum, bestehende Instrumente

wirken zu lassen. Als ein solches

gilt etwa das Kurzarbeitergeld

für kriselnde Unternehmen.

Zugleich verweisen die Wirtschaftsweisen

darauf, dass die

Schuldenbremse eine Neuverschuldung

nicht ausschließe und Spielräume

für eine Erhöhung der öffentlichen

Investitionen lasse. Ineiner

konjunkturellen Schwächephase

erlauben die Schuldenbremse und

die europäischen Fiskalregeln gesamtstaatliche

Finanzierungsdefizite,

die über jene in konjunkturell

normalen Zeiten hinausgehen.

Lockerung der schwarzen Null

Eine Lockerung der schwarzenNull

halten die Wirtschaftsweisen für

denkbar –die Bundesregierung will

diesen Kurs einer Haushaltspolitik

ohne neue Schulden bisher beibehalten.

Schmidt sagte,ineiner Wirtschaftskrise

wäre das Festhalten an

der schwarzenNull nicht sinnvoll –

aktuell gebe es aber keine Notwendigkeit,

sie infrage zu stellen.

Die Politik müsse aber Wachstumskräfte

stärken. Voraussetzungen

für ein höheres Wachstum der

Produktivität seien Bildung, Forschung

und Innovation, heißt es im

Gutachten.

MitBlick aufgravierende Veränderungen

in der Arbeitswelt durch

den digitalen Wandel gelte es,Transformation

vonWissen in wirtschaftlichen

Erfolg zu stärken. Außerdem

müsse die digitale Infrastruktur verbessertwerden.

(dpa)

IN SCHÖNEBERG&LICHTENBERG: VERKAUFSOFFENER

SONNTAG

1

MONATE

100

0

OHNE ANZAHLUNG

OHNE GEBÜHREN

MONATE

0% FINANZIERUNG

JUBILÄUMSPREIS

je

je

Polsterstuhl79.-

**

ESSTISCH Wildeiche massiv geölt,

Gestell Metallschwarz,

mit Baumkante, B/Lca. 90x180cm,

77cm hoch 14302389

Höffner Möbelgesellschaft Lichtenberg

GmbH&Co. KG LandsbergerAllee 320

10365Berlin,Tel. 030/54606-0

POLSTERSTUHL

BezugStoff grau,

Gestell Eichegeölt

14302387

100€1

G100 1000 1.

0

100

0 100 1

JUBILÄUMSPREIS

399.-

**

399.

MASSIV

HOLZ

Esstisch

POLSTERBANK Bezug

Stoff grau,Eiche geölt,

B/T ca. 150x64cm, 89cm

hoch 14302388 199,-**

Höffner Möbelgesellschaft GmbH &Co. KG

Berlin-Schöneberg Sachsendamm20

10829Berlin,Tel.030/4604-0

F

0€

1Beim Kauf von Möbeln &Matratzen

ab einem Einkaufswert von

300€

GESCHENKT

Höffner MöbelgesellschaftGmbH&Co.KG

Schönefeld/Berlin Am Rondell 1

12529 Schönefeld, Tel. 030/37444-40

VERKAUFAB13UHR)

10.NOVEMBER | 12-18 UHR (BERATUNG &

1.000€

1Beim Kauf von Möbeln, Küchen &Matratzen

ab einem Einkaufswert von

3.000€

GESCHENKT

WIR FEIERN

JAHRE

Öffnungszeiten:

Mo-Sa 10-20Uhr (Schöneberg&Lichtenberg)

Mo-Sa 10-19Uhr (Schönefeld), www.hoeffner.de

F) 0%-Finanzierung bis 100 Monate, ab 1.200€,nach Abzug aller Rabatte, für Neukäufe möglich. Finanzierung über den Kreditrahmen mit Mastercard ® .Nettodarlehensbetrag bonitätsabhängig bis 10.000€. Vertragslaufzeit auf unbestimmte Zeit. Gebundener Sollzinssatz von 0% gilt nur für Verfügungen beim kreditvermittelnden

Händler, für diesen Einkauf zeitlich befristet für die ersten 40 Monate ab Vertragsschluss, im Falle nachfolgender Verfügungen befristet auf 3Monate ab Verfügung (soweit entsprechende Mitteilung durch Consors Finanz). Danach und für weitere Verfügungen beim kreditvermittelnden Händler (soweit

entsprechende Mitteilung durch Consors Finanz) gebundener Sollzinssatz 9,47%. Für alle anderen Verfügungen 14,84% (15,90% effektiver Jahreszins). Die monatliche Rate beträgt mind. 2,5% der jeweils höchsten, auf volle 100€ gerundeten Inanspruchnahme des Kreditrahmens, mind. 9€.Angaben zugleich repräsentatives

Beispiel gem. §6aAbs. 4PAngV. Vermittlung erfolgt ausschließlich für den Kreditgeber BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland, Schwanthalerstr. 31, 80336 München. Gilt nicht imOnline-Shop. Gültig bis einschließlich 19.11.2019. G) Ausgenommen von dieser Rabattaktion sind alle Artikel aus der

Elektroabteilung, Gutscheine und Bücher. Alle an der Aktion teilnehmenden Artikel imOnline-Shop und in den Prospektbeilagen werden im Aktionszeitraum bereits reduziert angezeigt und gekennzeichnet. Aktuelle Prospekte sind unter www.hoeffner.de einzusehen. Weiterhin ausgenommen sind bereits reduzierte

Möbel, Küchen und Matratzen oder als Dauertiefpreis gekennzeichnete Artikel. Nicht mit anderen Rabattaktionen kombinierbar. Kundenkartenrabatt ist bereits enthalten. Barauszahlungen nicht möglich. Pro Haushalt und Einkauf nur ein Gutschein einlösbar. Gültig für Neukäufe. Gültig bis einschließlich 19.11.2019.

J) 145 Jahre Höffner –das ist eine einmalige Erfolgsgeschichte: 1874 legte der Tischlermeister Rudolf Höffner mit seiner kleinen Berliner Möbeltischlerei den Grundstein für eines der erfolgreichsten deutschen Möbelunternehmen überhaupt. Heute betreibt Höffner deutschlandweit 21 Einrichtungszentren.

Und natürlich werden wir auch in Zukunft alles dafür tun, unsere Kunden glücklich zu machen. **Abholpreis. Lieferung &Montage deutschlandweit gegen Mehrpreis. Alle Rabatte bereits abgezogen. Alle Artikel nur solange der Vorrat reicht. Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen. Alle Angebote ohne Dekoration.

J

G


8* Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Meinung

Grenzkontrollen

ZITAT

Seehofers

Aktionismus

Markus Decker

über einen dreisten Asylfall und die

politische Überreaktion

Horst Seehofer zeigt gerade,was in der

klischeebehafteten Politiksprache

„klare Kante“ genannt wird. Der Bundesinnenminister

hat angeordnet, die Grenzkontrollen

zu verstärken, damit sich ein

Fall wie der des Libanesen Ibrahim Miri

nicht wiederholt. Der imJuli abgeschobene

verurteilte Kriminelle war erst kürzlich

wieder in Bremen aufgetaucht und

hatte einen Asylantrag gestellt.

Die Ankündigung von Grenzkontrollen

ist kaum mehr als Aktionismus.Denn

ein Staat kann seine Grenzen nicht flächendeckend

überwachen; gerade Verbrecher

mit einschlägigen Netzwerken

werden einen Wegfinden, sie zu durchdringen.

Überdies kommen Fälle dieser

Artnicht oft vor. Dasändertnichts daran,

dass im vorliegenden Fall hart durchgegriffen

werden muss.

Mag sein, dass Miri im Libanon von

schiitischen Milizen vom Tode bedroht

wird, wie er behauptet. Doch ein Argument

ist das nicht. Die Bundesrepublik

Deutschland kann beim besten Willen

nicht die Konsequenzen von Blutrache-

Konflikten tragen. Dies gilt umso mehr,

als der Mann, um den es geht, bereits 2014

wegen bandenmäßigen Drogenhandels

zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt

und später abgeschoben wurde. Er

hat sein Asylrecht moralisch verwirkt und

agiert auf Kosten der vielen, die dieses

Recht dringend brauchen.

Horst Seehofer hat auch gesagt, wenn

sich der Rechtsstaat im Fall Miri nicht

durchsetze, dann verliere die Bevölkerung

am Ende das Vertrauen in das gesamte

Asylsystem. In diesem Punkt hat

der CSU-Politiker bedauerlicherweise

recht. Darum wäre es das Beste, wenn

Miri bald ein Flugzeug besteigt und dieses

Land wieder gen Libanon verlässt.

Große Koalition

Müde

Halbzeitbilanz

Andreas Niesmann

glaubt, dass die Regierung wieder

in Fahrtkommen könnte.

Nein, so hatten sich das die Architekten

des Koalitionsvertrages im März

2018 wahrlich nicht vorgestellt. Seltsam

verdruckst zieht die große Koalition nach

der ersten Hälfte ihrer Amtszeit Zwischenbilanz.

Die Bestandsaufnahme der

Regierungsarbeit hätte ein Anlass zum

Feiern des gemeinsam Erreichten sein

können und Ausgangspunkt für einen

kraftvollen Neustart indie zweite Hälfte

der Legislaturperiode. Stattdessen geriet

sie zur fast schon lästigen Pflichtübung.

Eine politische Bewertung ihrer Arbeit

hat die Bundesregierung erst gar nicht unternommen.

Die sollen die Parteien liefern.

DieBundeskanzlerin und ihreMinister

begnügen sich mit dem Aneinanderreihen

vonSpiegelstrichen. Doch in der aktuellen

Lage blieb ihnen gar nichts anderes

übrig, denn die Bilanz kommt zur Unzeit.

Die Regierung wackelt und nahezu alle

wichtigen Fragen sind ungeklärt. Die

Macht von Bundeskanzlerin Angela Merkel

bröckelt, ihre Wunschnachfolgerin als

CDU-Chefin, Annegret Kramp-Karrenbauer,

taumelt. Die CSU wurde bei der

Landtagswahl in Bayern gerupft. Unddie

SPD sucht seit einem halben Jahr eine

neue Parteiführung. Hinzu kommen öffentliche

Kabbeleien der Minister auf der

Weltbühne und ein nicht enden wollender

Streit über die Grundrente.

DieKoalition könnte aber noch einmal

die Kurve kriegen. Wenn Annegret

Kramp-Karrenbauer den CDU-Parteitag

halbwegs schadlos übersteht und Olaf

Scholz mit seiner Tandempartnerin Klara

Geywitz die Stichwahl um den SPD-Vorsitz

gewinnt, könnten die beiden der

Groko fast schon im Alleingang neuen

Schwung verordnen. Sie müssten dass

dann aber auch schleunigst tun.

GroKo-Selbstzeugnistag

Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin,

empfängt zum Mauerfall-Jubiläum:

Der russische Präsident ist

da, der französische Präsident ist

ebenfalls nach Berlin gekommen, der britische

Premier ist dabei, der US-Präsident ist

auch eingeladen worden, bedauert aber

sehr, nicht kommen zu können und spricht

in einer Video-Botschaft große Worte andie

deutsche Hauptstadt: „Lassen Sie uns das

Licht der Freiheit auch in den dunkelsten

Nächten der Tyrannei aufrecht erhalten.

Glauben wir an die Freiheit.“

Sie ahnen es schon, das ist eine andere

Welt, nicht die Welt des Jahres 2019, in der wir

leben und den 30. Jahrestag des Mauerfalls

feiern. Es ist die Welt des Jahres 2009, gerade

einmal zehn Jahre ist das her: Der französische

Präsident hieß Sarkozy, der russische

Medwedew, der britische Premier war Gordon

Brown, die amerikanische Außenministerin,

die auch nach Berlin kam, hieß Hillary

Clinton. Undder US-Präsident mit derVideobotschaft,

das war natürlich Barack Obama.

Alle waren sie hier, zum zwanzigjährigen

Jubiläum 2009: Russen, Amerikaner, Briten

und Franzosen, die Mächte,die das Schicksal

des geteilten Deutschlands einst bestimmt

hatten –und nun in Berlin eine Welt ohne

Mauern feierten. VonBerlin ging das Signal

aus,dass der Fall der Mauer und die deutsche

Wiedervereinigung ein gelungenes Beispiel

von weltumspannender Diplomatie und,

Achtung, großes Wort, Völkerverständigung

war.Ein Zeichen. Daswar einmal.

Undheute? Heute feiern wir den 30. Jahrestag

des Mauerfalls ohne Macron, Putin,

Johnson und ohne Trump.Warum? Dieoffizielle

Lesartist die: Wirwollen den Blick auf die

osteuropäischen Staaten der sogenanntenVisegrad-Gruppe

lenken, sie sind die Ehren-

Das Wort „Laune“ kommt von„Luna“, lateinisch

für Mond: SeinWandel –von Sichel

bis Vollmond –ließ einen Einfluss auf

den menschlichen Stimmungswechsel vermuten.

Ich glaube das nicht, weil sich ja

dann alle Leute im Angesicht einer Mondphase

in ähnlicher Laune befinden müssten.

Nach meiner Beobachtung bleiben wir eher

verschieden, wir neigen aber wohl, bei weniger

Lichte betrachtet, im Herbst zu schlechter

Laune. Die hat auch einen Namen:

Herbstblues.

Bereits dieWintererwartung lässt manche

frösteln: Eine Nachbarin ist vonKopf bis Fuß

warmverpackt. Trotzdem zieht sie schon auf

der Treppe die Schultern hoch und hält

vorne den Kragen zusammen, sie antwortet

mir kurzund schleppt sich widerwillig durch

die Tür ins Leben.„Einigen Menschen macht

das nichts aus, andere leiden richtig“, das

stand gerade in Bild. „Jede dritte Frau und jeder

vierte Mann kennt dieses vorübergehende

milde Stimmungstief im Herbst und

Winter“, sagt der Präsident der Deutschen

Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie

und Nervenheilkunde.

Beimir ist das anders.Ich liebe Regen, der

schräg gegen die Scheiben prasselt, und Nebel,

der die Welt versteckt. Der große, vielleicht

einzigeVorteil der Schreibtischarbeiter

besteht in dem Gefühl, bei schlechtem Wetter

draußen nichts zu verpassen.

Launen hat jeder. Sie sind in Ordnung,

wenn sie echt sind. Lächeln macht krank,

wenn man lächeln muss.Eine Hotelkette hat

9. November

Unsere

kleine Welt

Jochen Arntz

fragt sich, warum Deutschland das Mauerfall-Jubiläum nicht

für eine größere diplomatische Initiativenutzt –wie 2009

Gäste der Feierlichkeiten in diesem Jahr. Die

Präsidenten aus Polen, Ungarn, Tschechien

und der Slowakei. Das ist eine sehr schöne,

noble und wichtige Geste.Denn Deutschland

hat diesen Staaten viel zu verdanken. Aber

hätte die diplomatische Partynicht trotzdem

ein wenig größer ausfallen können?

Das nun ist eine schwierige Sache, und

um diese weltpolitischen Schwierigkeiten

nicht zu offenbaren, ist die Visegrad-Geschichte

auch eine sehr formidable Ausrede.

Die Wahrheit ist vielleicht auch, dass niemand

hier mit Trump feiern will (und der

selbst wohl auch nicht auf die Idee kommen

würde), und Putin in Deutschland in diesen

Zeiten ebenfalls nicht allzu willkommen ist.

Wenn es aber mit Trump und Putin nichts

KOLUMNE

Schlechte Laune

hat

viele Vorteile

Regine Sylvester

Autorin

einen Verhaltenskodex: „Smile –Weare on

stage.“ Lächle,als stündest du auf der Bühne.

Eine japanische Bahngesellschaft testet mit

einem Computerprogramm das Lächeln der

Ticketverkäufer. Nur wer Augen und Lippen

optimal positioniert, erzielt hundertPunkte.

Wer nicht gut abschneidet, bekommt am

Bildschirm einen Hinweis: „Heben Sie Ihre

Mundwinkel weiter an.“ Es gibt auch Leute,

die tatsächlich immer gute Laune haben. Mir

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

wird, kann man schlecht nur die Briten und

Franzosen einladen. Also bleibt nur die

kleine,feine Lösung und die heißt: Visegrad.

So soll es nun sein, und das sagt eine

Menge über Deutschland und dieWelt im Jahr

2019 aus. Über eine Welt, die nicht zuletzt

durch die kalten Beziehungen zwischen dem

US-Präsidenten und Europa, durch das ständige

Misstrauen gegenüber Russland und den

irrlichternden Briten gekennzeichnet ist. Eine

Welt, in der jene Diplomatie,die zum wiedervereinigten

Deutschland führte, kaum noch

vorstellbar ist. Eine Welt, in der ein Zeichen

wie im Jahr 2009 kaum zu setzen ist.

Nur: Hinter diesem zersprengten Zustand

der globalen Politik kann man sich auch

ganz gut verstecken. Undhoffen, dass dabei

nicht auffällt, wie gering der diplomatische

Einfluss Deutschlands in der Welt geworden

ist. Wasnatürlich auch mitdem gegenwärtigen

Außenminister zusammenhängt.

Wäre esnicht ein großer Anlass gewesen,

dieser 30. Jahrestag des Mauerfalls, Donald

Trump in die Stadt zubitten, wirklich ernsthaft,

dann auchWladimir Putinindie Stadtzu

bitten, Boris Johnson und Emanuel Macron

ebenfalls,umimwiedervereinigten Deutschland

diegesamtdiplomatischen Beziehungen

zumindest einwenig zu verbessern? Doch dafür

haben offenbar die Kraft und der Mut

nichtgereicht, noch nicht einmal für die Idee.

Eine verpasste Chance,ein verpasster Anlass.Seltsam

eigentlich, denn für Angela Merkel

wäre esjaauch eine schöne, internationale

Abschiedsgala gewesen. So schnell werden

die Deutschen nichts ähnliches mehr an

Feierlichkeiten anzubieten haben. Bleibt nur

zu hoffen, dass man den Mauerfall in zehn

Jahren politisch nicht noch eine Nummer

kleiner feiernmuss, weil man 2019 schon keinen

Mutzudiplomatischer Größe hatte.

kommen sie merkwürdig vor, aber es gibt

keinen echten Grund, sie zu kränken.

Den immer schlecht Gelaunten kann ich

sagen: „Hörst du mal auf mit deinem ewigen

Gemecker?“, und dann glauben, auf der richtigen

Seite zu stehen. Aber Psychologen erkannten,

dass Menschen mit negativer Stimmung

wesentlich besser darin waren, analytisch

zu denken und deutlich erfolgreicher,

andere von ihrer Meinung zu überzeugen.

Damit besaßen die schlecht gelaunten Probanden

mehr Einfluss als die gut gelaunten.

Schlechte Laune sorgt auch für schnellere

Anpassung an neue Situationen –evolutionär

und gesundheitlich ein Vorteil.

Bei WhatsApp gibt es sogar Statussprüche,

mit denen schlecht gelaunte Kollegen

andere auf Abstand halten, Sprüche wie:

„Schlechte Laune. Einfach in Ruhe lassen,

das ist besser für jeden hier.“ „Grundlos

schlechte Laune.“ „Und ja es geht mir

schlecht. Undnein, ich kann dir nicht sagen

wieso.“

Meine Meinung über schlecht gelaunte

Leute hatte sich nahezu ins Positive verkehrt.

Aber dann gehe ich zum Arzt. Nach der Behandlung

trete ich an die Empfangstheke.

Da steht die Arzthelferin, eher sechzig als

fünfzig, strapaziertes blondes Haar.Ich sage:

„Ich möchte bitte einen nächsten Termin.“

Sie sagt: „Ich möchte auch manchmal was

und bekomme es nicht.“ Sie dreht sich um,

geht weg. Ich schlucke hilflos meine Wut

runter.Und das soll nun wirklich sehr ungesund

sein.

„Das ist der Schwachsinn,

den die Superreichen

raushauen, um ein

bisschen mehr Steuern

zu vermeiden.“

Jeremy Corbyn, Chef der britischen Oppositionspartei

Labour, weist am Mittwoch Vorwürfe von

Premierminister Boris Johnson zurück, der Labours

wirtschaftspolitische Pläne mit Methoden von Sowjetdiktator

Josef Stalin verglichen hatte.

AUSLESE

Sozialstaat und

Sanktionen

Das Bundesverfassungsgericht hat

entschieden, dass die Sanktionen,

die die Arbeitsämter gegen Hartz-IV-

Empfänger verhängen, zum Teil verfassungswidrig

sind. „Die Verfassungsrichter

haben dem System nun einen Teil seiner

Härte genommen. Im Grundsatz aber haben

sie es bestätigt, das Fundament nicht

ins Wanken gebracht“, schreibt Henrike

Roßbach dazu in der Süddeutschen Zeitung.„Ist

das ein Skandal? Nein.“ Bei der

Grundsicherung werdekeine Schuldfrage

gestellt, dem Staat sei es egal, warum jemand

in Notgeraten sei. „Inder Grundsicherung

wurde dafür jedoch eine Gegenleistung

verankert. Werseinen Lebensunterhalt

nicht selbst bestreiten kann, muss

mithelfen, aus dieser misslichen Lage

wieder herauszukommen. Dass das nicht

zu viel verlangt ist, haben nun auch die

Verfassungsrichter klargestellt.“

Die tageszeitung hält das Urteil für eine

Investition in den sozialen Frieden. „Aus

zahlreichen Studien ist seit Jahren bekannt:

Druck bewirkt eher das Gegenteil

dessen, was er erzeugen soll“, meint Simone

Schmollack. Natürlich gebe es Menschen,

die nicht arbeiten wollten und so

auf Kosten anderer leben. „Aber ein Sozialstaat,

der Deutschland immer noch ist,

muss das aushalten.“ „Das Bundesverfassungsgericht

hält damit die Eigenverantwortung

des Einzelnen hoch“, wertet die

Frankfurter Allgemeine Zeitung das Urteil.

„Leistungen des Staates gibt es nur, wenn

man sich anstrengt.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

Mitglied der Chefredaktion: Elmar Jehn.

Newsdesk-Chefs (Nachrichten/Politik/Wirtschaft): Tobias Miller,

Michael Heun.

Textchefin: Bettina Cosack.

Newsroom-Manager: Jan Schmidt.

Teams:

Investigativ: Kai Schlieter.

Kultur: Harry Nutt.

Regio: Arno Schupp, Karim Mahmoud.

Service: Klaus Kronsbein.

Sport: Markus Lotter.

Story: Christian Seidl.

Meinungsseite: Christine Dankbar.

Seite 3/Report: Bettina Cosack.

Die für das jeweiligeRessortanerster Stelle Genannten sind

verantwortliche Redakteure im Sinne des Berliner Pressegesetzes.

Reporterin: Sabine Rennefanz.

ArtDirektion: Annette Tiedge.

Newsleader Regio: Stefan Henseke, Susanne Rost, Marcus Weingärtner.

Newsleader Sport: Matthias Fritzsche, Christian Schwager.

Hauptstadtredaktion: Gordon Repinski (Ltg.), StevenGeyer (Stv.).

RND Berlin GmbH, GF: UweDulias, Marco Fenske.

Autoren: Joachim Frank, Holger Schmale, Dieter Schröder,ArnoWidmann.

Istanbul: Frank Nordhausen,

Moskau: Stefan Scholl,

Rom: Regina Kerner,

TelAviv: Anja Reich, Washington: KarlDoemens.

Redaktion: Berliner Newsroom GmbH, Berlin24 Digital GmbH,

Geschäftsführung: Aljoscha Brell, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

Lesertelefon: 030-63 33 11-457, E-Mail: leser-blz@dumont.de

Berliner Verlag GmbH Geschäftsführer:Jens Kauerauf.

Postadresse 11509 Berlin. Besucher:Alte Jakobstraße 105,

Telefon: (030) 23 27-9; Fax: (030) 23 27-55 33;

Internet: www.berliner-zeitung.de.

Vertrieb: BVZ Berliner Lesermarkt GmbH, KayRentsch.

Leserservice Tel.: (030) 23 27-77, Fax: (030) 23 27-76

www.berliner-zeitung.de/leserservice

Anzeigen: BVZ BM Vermarktung GmbH (BerlinMedien), Andree Fritsche.

Postfach 11 05 06, 10835 Berlin;

Anzeigenannahme: (030) 23 27-50; Fax(030) 23 27-66 97

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr.30, gültig seit 1.1.2019.

Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, Am Wasserwerk 11,

10365 Berlin, Internet: www.berliner-zeitungsdruck.de

Die Berliner Zeitung erscheint sechs Mal in der Woche. Bezugspreis monatlich

45,90 €einschl. 7% Mehrwertsteuer,außerhalb vonBerlin und Brandenburg

49,50 €; AboPlus, inklusiveStadtmagazin tip 54,19 €(nur in Berlin und

Brandenburg). Bezugspreis des Studentenabonnements monatlich 27,60 €,

außerhalb vonBerlin und Brandenburg 28,50 €. Das E-Paper kostet monatlich

29,99 €einschl. 7% Mehrwertsteuer.Der Preis für Studenten beträgt monatlich

18,99 €.Im Falle höherer Gewalt und bei Arbeitskampf (Streik/Aussperrung)

besteht kein Belieferungs- und Entschädigungsanspruch. Erfüllung und

Gerichtsstand Berlin-Mitte. Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder Fotomaterial

wird keineHaftung übernommen.

Die Auflageder Berliner Zeitung wird vonder unabhängigen Informationsgemeinschaft

zur Feststellung der Verbreitung vonWerbeträgerngeprüft.

Die Berliner Zeitung ist die reichweitenstärkste Abonnementzeitung Berlins

und erreicht laut Mediaanalyse 2018 in Berlin und

Brandenburg täglich 274 000 Leser.


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 – S eite 9 *

·························································································································································································································································································

Berlin

Geboren am

9. November 1989: Das

Finale unserer Serie

zum Mauerfall Seite 12

Enttäuschung: Kita-Navigator liefert falsche Angaben Seite 14

Hoffnung: Berliner Ärzte operieren kostenlos Kinder in Paraguay Seite 16

Stadtbild

Die Mauer

im Hof

Ruth Herzberg

vermisst die Freiheiten ihrer

Kindheit.

Ich bin in einer Ostberliner Erdgeschosswohnung

aufgewachsen.

Nach vorne raus, vorm Küchenfenster,

hielt der Bus und staute sich der

Verkehr,aber hintermHaus gab es einen

Spielplatz, eine Wiese, Apfelbäume,

Tischtennisplatten, noch einen

Spielplatz, noch eineWiese,noch

mehr Bäume, noch mehr Tischtennisplatten.

Kinder und Katzen konnten ohne

Begrenzung von Hof zu Hof wechseln.

Ich will das nicht verklären.

Mangels Zäunen gab es auch kein

Entkommen vor den fiesen Nachbarskindern,

den gefürchteten „Großen“,

die uns Kleinen die Sandburgen

zertrampelten, uns in die Brennnesseln

warfen, oder uns festhielten, um

mit uns „Mund-auf-Augen-zu“ zu

spielen, um uns Sand und Kieselsteine

in den Mund zu stecken.

Nun bin ich erwachsen. Als wir

hierher gezogen sind, konnten die

Kinder noch problemlos auf den

Nachbarhof gehen und dortauf dem

Trampolin springen. Dann fühlte

man sich nebenan gestört und der

erste Zaun wurde errichtet.

Nunkonnten die Nachbarskinder

eben auch nicht mehr zu uns auf die

große Wiese zum Spielen rüberkommen,

dafür aber in Ruhe auf ihrem

Trampolin springen und vielleicht ist

das ja –ausgehend vonmeinen Kindheitserfahrungen

–besser so.

Dann gefiel es den Vermieternder

Ferienappartements auf dem anderenHof

nicht mehr,dass wir über ihr

Grundstück den WegzuNebenstraße

und Späti abkürzen konnten und

auch sie zäunten sich ein. Dafür müssen

die Ferienapartment-Mieter jetzt

auf ihren ebenso teuren, wie schattigen,

wie winzigen Balkonen verharren

und können sich nicht mehr auf

unserer Wiese in die Sonne legen. So

sind nun wir nun alle beschützt: Vor

Einbrechern, vorObdachlosen, Fahrraddieben

und voreinander.

Also ich wäre auf jeden Fall lieber

in einem kleinen umzäunten Privatgarten

aufgewachsen, aber trotzdem:

DieKindheitswelt zwischen den Häusern

hing zusammen. Herumstreunen,

Klingelstreiche machen, Äpfel

klauen, die entlaufene Katze suchen,

in fremden Kellernstöbern, Wege abkürzen

und Opfer der „Großen“ werden:

Alles war möglich.

Mit dieser Art Freiheit ist es seit

dem Mauerfall vorbei. Die große

Mauer fiel, aber stattdessen wurden

viele kleine Mauern errichtet. Die

Stadt wurde privatisiert, parzelliert,

verkauft und eingezäunt. Denn Leben

ohne Grenzen ist gefährlich. Privateigentümer,

Versicherungen und

ich bestätigen das gern.

Früher waralles besser –Tischtennis in

NachbarsGarten. Ganz umsonst IMAGO IMAGES

Der letzte Wolf wurde 1904 in der Lausitz geschossen. Seit 1990 ist der Wolf streng geschützt. Im Jahr 2000 kamen die ersten Wölfe aus Polen in die Lausitz. DPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Wolfsverdacht

Im Südwesten von Berlin wurde ein totes Schaf gefunden. Unklar ist, wer das Tier gerissen hat

VonJens Blankennagel

Ein Wolf in Berlin –das gab

es bislang noch nicht, aber

es wird derzeit nicht gänzlich

ausgeschlossen, dass

ein solches Raubtier auf dem Gebiet

der Bundeshauptstadt zumindest

einmal zu Besuch gewesen ist. Denn

in der Nacht vom30. auf dem 31. Oktober

wurde auf einem Kinder- und

Familienbauernhof in Gatow – im

Südwesten vonBerlin, kurzvor Potsdam

–ein totes Schaf gefunden.

Das sorgt für einige Aufregung,

denn der „Vierfelderhof“ ist nicht irgendein

entlegener Bauernhof am

Rande der Stadt. DerKinder-und Familienbauernhof

ist ein beliebtes

Ausflugsziel –gerade auch für Kitagruppen

und Schulklassen.

„Morgens um 9 Uhr kam eine

Mitarbeiterin und sagte, dass ein totes

Schaf auf der Wiese liegt“, erzählt

Kerstin Stooff, die Sprecherin des

Hofes. Eswurden keinerlei Spuren

gefunden, die den MitarbeiternHinweise

gaben, werfür den Toddes Tieres

verantwortlich ist. Da es im benachbarten

Bundesland Brandenburg

immer wieder mal Fälle gibt,

bei denen Schafe von den streng geschützten

Wölfen gerissen werden,

wollten die Mitarbeiter den Fall melden.

„Wir haben zuerst den Amtstierarzt

in Spandau angerufen, dann

den Jäger vom Gatower Forst. Der

besorgte einen Tierspezialisten, der

den Kadaver untersucht hat“, sagt

Kerstin Stooff.

DNS-Probe zur Sicherheit

DerExperte konnten aber auch nicht

abschließend sagen, was für ein Tier

das Schaf getötet hat. „Deshalb wird

die Sache nun ganz genau untersucht“,

sagt die Sprecherin des

Hofes. „Der Kadaver kam kurz nach

dem Vorfall ins Landeslabor Berlin-

Brandenburg in Frankfurt (Oder)

und wird dort von den Fachleuten

untersucht.“

Die Betreiber des 900 Hektar großen

Hofes haben sich nach dem Vorfall

auch bei den Nachbarn erkundigt.

„Es gab keinerlei Sichtungen

voneinem Wolf“, sagt Kerstin Stooff.

Im Vorjahr wurde mal ein Fuchs gesichtet,

der freilaufende Hühner getötet

hatte.Mehr gab es nicht.

Wolfsrudel* im Land Brandenburg

Stand 2019

*Ein Rudel besteht aus

zwei Wölfen mit nachgewiesenem

Nachwuchs

Gatow

Die Indizien legen nahe, dass es

kein Wolf war. Grundsätzlich sind

Wölfe äußerst scheu und leben weit

entfernt von menschlichen Siedlungen

in Rudeln, die meist aus

zwei Elterntieren mit ihren vier bis

acht Jungen des Jahres sowie den

sogenannten Jährlingen bestehen.

Das sind Jungtiereaus dem Jahr davor,

die sich noch nicht vom Rudel

getrennt und ein neues Revier gesucht

haben. Allerdings gibt es auch

wandernde Jungwölfe, die immer

mal wieder auch in Gegenden gesichtet

werden, in denen es keine

Rudel gibt.

In Brandenburggibt es derzeit 38

Rudel, die meisten davon sind in

Südbrandenburg beheimatet, da

sich die Wölfe seit dem Jahr 2000 von

Polen kommend über Sachsen in

den Nordwesten ausgebreitet haben.

Das nächstgelegene Rudel lebt

etwa 70 Kilometer von Gatow entfernt

auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz

im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Dazwischen liegen

Potsdam und die Havelals schwer zu

überwindende Barrieren.

„Wir gehen derzeit nicht davon

aus,dass es im aktuellen Fall einWolf

war“, sagt Derk Ehlert, der Wildtierexperte

des Berliner Senats.Der vorläufige

Befund des Rissgutachters

BRANDENBURG

BERLIN

BLZ/HECHER; QUELLE: NABU

bestätigt diese Sicht. Die Bissspuren

bei dem toten Tier deuten darauf

hin, dass es ein Hund war.„Dieendgültigen

Ergebnisse dauern aber

noch etwa zwei Wochen, weil extra

noch die DNA, also der Gencode des

Tieres, untersucht wird, um die Sache

zweifelsfrei zu klären.“

Experten können bereits an den

Bissspuren rechtgut erkennen, ob es

ein Wolf war. Indiesem Fall soll der

Bauch des Tieres aufgerissen gewesen

sein, aber es gab wohl keine tödliche

Bisswunde am Hals. Das

spricht dafür, dass es sich um einen

verwilderten Hund handelte. Denn

Wölfe töten meist sehr eindeutig

durch einen kräftigen Kehlbiss.

Dass einWolfsonah an eine recht

dicht besiedelte Stadt herankommt,

ist selten. Meist werden dieWölfe am

Ortsrand von waldreichen Regionen

gesichtet. Grundsätzlich ist ein

Wolfsbesuch in Gatow möglich,

denn der Hofliegt doch rechteinsam

am Waldesrand, und Wölfe wandern

nachts bis zu 100 Kilometer.

Gesunde Wölfe greifen in freier

Natur keine Menschen an, denn die

gehören nicht zu ihrer Beute. Der

Geruch schreckt sie eher ab. Experten

sagen, dass Menschen mit ihrer

Kleidung und durch Waschmittel

und Deos für die Wölfe „stinken“.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass

es sich um einen sogenannten Hybriden

handelt. Also um ein Tier,das

geboren wurde, nachdem sich ein

verwilderter Hund mit einem Wolf

gepaarthat. Solche Tieresind mitunter

nicht ganz so scheu wie Wölfe.

In Brandenburgist es inzwischen

erlaubt, auch Wölfe zu töten –aber

nur in absoluten Ausnahmefällen.

Wenn es sich um sogenannte Problemwölfe

handelt, die ihrenatürliche

Scheu vorMenschen verloren haben

und sich wiederholt menschlichen

Siedlungen oder den Weiden von

Nutztieren nähern oder dort Schafe

oder Kälber reißen. Dann können

die Landwirte eine Sondergenehmigung

zur „Entnahme“ des Wolfes

stellen. Dasmussdann vonfachkundigen

Jägernübernommenwerden.

Jeden Monat eine „Wolfssichtung“

Auch wenn es in Brandenburg mehr

als 300 Wölfe gibt, wurden in Berlin

noch keine nachgewiesen. „Wir haben

bislang keinen wissenschaftlichen

Beleg dafür, dass es in Berlin

Wölfe gibt“, sagt Derk Ehlertvon der

Senatsverwaltung für Umwelt.

Fast jeden Monat geht beim Senat

eine Meldung ein, dass jemand

glaubt, in Berlin einen Wolf gesehen

zu haben. Oft gibt es auch Handyfotos.

Doch es waren bislang stets

Hunde. „In Berlin werden auch regelmäßig

Wildtiere gerissen“, sagt

Ehlert. Meist ist es Rehwild, das von

Hunden getötet wurde. „Vor allem

vonSchäferhunden und Huskys.“

Die Betreiber des Vierfelderhofs

in Gatowhoffen, dass sich der Wolfsverdacht

nicht bestätigt und sich die

Aufregung bald legt. DerHof,der von

einer Stiftung betrieben wird, ist 900

Hektar groß und befindet sich in einem

Landschaftsschutzgebiet. Dort

wird Landwirtschaft betrieben, und

dort leben 400 Tiere von Zwergziegen

über Hühner und Gänse bis zu

Schafen. Der Betrieb lebt auch davon,

dass er zum Weihnachtsfest

Bio-Gänse verkauft. „Auf dem Hof

muss kein Eintritt bezahlt werden“,

erzählt Sprecherin Kerstin Stooff.

„Die Idee ist, dass die Kinder auf dem

Bauernhofkindergarten lernen, wie

das ländliche Leben funktioniert.“

Und dazu gehört zumindest seit geraumer

Zeit auch wieder der Wolf.

NACHRICHTEN

Grütterswill über einen

Umweg wieder in Bundestag

DieKulturstaatsministerin und frühereBerliner

CDU-Vorsitzende Monika

Grütters will als Direktkandidatin

aus Reinickendorferneut in den

Bundestag einziehen. Dasteilte die

57-Jährige am Mittwoch mit. Nachdem

sie im Märzdieses Jahres den

Parteivorsitz an KaiWegner abgeben

musste,galt ihreZukunft als unsicher.InReinickendorfstehen

ihre

Chancen gut. DenWahlkreis hat seit

2009 stets Frank Steffel (CDU) gewonnen.

Sollte das auch Grütters

schaffen, wäredas für sie eine Premiere.

Seit 2005, als sie erstmals in

den Bundestag einzog, tat sie das

über die Berliner Landesliste. (elm.)

Mehr Berliner,

aber weniger Geburten

Berlin ist erneut gewachsen. In der

ersten Jahreshälfte stieg die Einwohnerzahl

um rund 7800 auf 3652 640

Menschen, wie das Amt für Statistik

am Mittwoch mitteilte.Damit ist die

Bevölkerungszahl um 0,2 Prozent

gewachsen. Beigetragen haben

Menschen, die aus dem Ausland

nach Berlin gezogen sind. Daswaren

rund 11 700 mehr als die Menschen,

die aus Berlin ins Ausland zogen.

Viele Berliner zogesnach Brandenburg.

Rund 7600 mehr Menschen

zogen vonder Hauptstadt ins Nachbarbundesland

als Brandenburger

nach Berlin kamen. Gleichzeitig gab

es weniger Geburten. Im ersten

Halbjahr 2019 wurden rund 18 600

Kinder geboren. Im Vorjahreszeitraum

waren es 645 mehr. (dpa)

Babyleiche –Spur führtzu

16-jähriger Mutter

Rund einen Monat nach dem Fund

einer Babyleiche in Lichtenrade haben

Polizei und Staatsanwaltschaft

die tatverdächtige Mutter ermittelt.

Die16-Jährige wirdverdächtigt, ihr

Kind getötet zu haben, sagte der

Sprecher der Staatsanwaltschaft,

Martin Steltner.Die Jugendliche

wurde aber nicht festgenommen. Sie

habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen

geäußert. DieStaatsanwaltschaft

teilte zudem per Twitter mit,

der Abgleich vonDNA-Spuren an der

Babyleiche und einer Decke hätten

den Tatverdacht erhärtet. (dpa)

Vermummte zerstören

26 Autohaus-Scheiben

Drei Tage nach linksextremistischen

Angriffen auf Polizisten in Berlin ist

es zu massiven Sachbeschädigungen

mutmaßlich wieder aus der linksradikalen

Szene gekommen. Mindestens

drei vermummte Täter zerstörten

in der Nacht zu Mittwoch in

Kreuzberg26Scheiben eines Autohauses,wie

die Polizei mitteilte.Außerdem

warfen die Täter mit Farbe

gefüllte Flaschen gegen das Haus in

der Prinzessinenstraße. (dpa)

GEWINNZAHLEN

Mittwoch-Lotto:

7-11-32-39-45-46

Superzahl: 4

Spiel 77: 1817643

Landeslotterie Super 6: 070359

Alle Angaben ohne Gewähr!


10 Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 10

·

·

· ························································································································································································································································································

Bezirke

Mahlsdorf

Ausgezeichnete Holzschule

Das Projekt „Sekundarschule

Mahlsdorf“ hat in

der Kategorie Neubauden ersten

Berliner Holzbaupreis gewonnen.

Die ISS Mahlsdorf

wurde am 5. August dieses

Jahres eröffnet und ist damit

das ersteBauvorhaben, das im

Rahmen der Berliner Schulbauoffensive

fertiggestellt

wurde. Es stellt gleichzeitig

das erste von drei Modellvor-

haben des Senats dar, die in

Holzmodulbauweise errichtet

werden. Seit der Grundsteinlegung

bis zur Eröffnung verging

lediglich ein Jahr. Die

Baukosten lagen bei 34,8 Millionen

Euro. 550 Schüler können

hier unterrichtet werden.

Der Senat will bis 2026 rund

5,5 Milliarden Euro in die Sanierung

und den Bau von

Schulen investieren. (sara.)

Ein Platz für Rio Reiser

Der Sänger, Schauspieler

und Aktivist Rio Reiser

(„Ton Steine Scherben“,

1950–1996) soll in seinerlangjährigen

Wahlheimat Kreuzberg

geehrtwerden. Ob durch

die Benennung einer Straße,

die Errichtung einer Gedenkinstallation

oder eines Denkmals

– diese Entscheidung

soll gemeinsam mit den

Friedrichshain-Kreuzber-

Kreuzberg

gern, den Freunden und der

Familie Rio Reisers, der Band

„Ton Steine Scherben“ und

Weggefährten getroffen werden.

Deshalb sind alle Interessierten

heute um 19 Uhr

(Einlass ab18Uhr) ins Aquarium,

Skalitzer Straße 6, zu einer

Diskussionsveranstaltung

eingeladen. Stadträtin

Clara Herrmann wird durch

den Abend führen. (sara.)

Wettbewerb ist entschieden

Noch ist das BIZ nur Vision der

Architekten.

KARLUNDP

Buch

Für den Bau des Bildungsund

Integrationszentrums

Buch (BIZ) ist derWettbewerb

nun entschieden. Gewonnen

hat der Entwurf des

Münchener Architekturbüros

karlundp und der Berliner

Landschaftsarchitekten Topos.

Alle 18 eingereichtenEntwürfe

werden im Delbrück-

Centrum, Robert-Rössle-

Straße 10, gezeigt. (mw.)

Preis für rappenden Putzteufel

H erzlichenGlückwunsch!

Der neue Tourismus-

Film„#4262“ derWirtschaftsförderung

des Bezirks hat es

unter die TopFünfder eingereichtenBeiträge

beim Deutschen

Wirtschaftsfilmpreis in

derKategorie „Wirtschaft gut

präsentiert“ geschafft. Die

kleine Produktion zeigt

Breakdancer, Parcoursler

und Rapper auf ihrem Trip

Tempelhof-Schöneberg

durch den Bezirk, angeführt

von Michael (Rapper Big-

Tiba), der im Rathaus als Reinigungskraft

arbeitet (übrigens

auch im wahren Leben).

Ein eigens komponierter

Hip-Hop-Track lässt den

Imagefilm wie ein Musikvideo

aussehen. 42, 62 sind die

alten Postleitzahlen von

Tempelhof und Schöneberg.

https://bwurl.de/14l1 (sara.)

Die Grünflächen am

Stuttgarter Platz haben

unter Vandalismus, wildem

Campen, Bauarbeiten und

nicht zuletzt unter den beiden

vergangenen Extremsommern

gelitten. Aufgrund

dieser Einflüsse sind etwa 24

Bäume auf dem Stuttgarter

Platz eingegangen, die nun

entnommen werden müssen.

In den folgenden Wo-

Charlottenburg

Es grünt so grün

chen werden 28 Bäume

nachgepflanzt. Außerdem

sollen die Pflanzinseln neu

gestaltet werden. Dabei spielen

Zierkirschen, Stauden,

Blumenzwiebeln und Winterblüher

eine besondere

Rolle. Die Neupflanzungen

müssen zunächst durch temporäre

Zäune geschützt werden.

Darüber informiert das

Bezirksamt. (sara.)

Sie verlassen den ...

...amerikanischen Sektor. Das Foto eines

sowjetischen Soldaten am Übergang

vonWest nach Ost, von Kreuzberg inden

Stadtteil Mitte,ist wohl eines der berühmtesten

Motivedes wiedervereinten Berlins.

Die Leuchtkasten-Installation von Frank

Thiel aus dem Jahr 1998 zeigt zwei überlebensgroße

farbige Portraits. Ein junger

amerikanischer und ein junger sowjetischer

Soldat blicken in das Hoheitsgebiet

der jeweils anderen und markieren so

Trennlinie und Übergang zwischen den

ehemaligen Einflussbereichen der Weltmächte.

(BLZ)

AFP

Reinickendorf

Ökologische Toilette

Eine neue Eco-Toilette ist

jetzt testweise auf dem

Franz-Neumann-Platz aufgestellt

worden. Im Zuge der

Entsorgung wird das Fäkalien-Holzspäne-Gemisch

kompostiert und zu einem

Bodenverbesserer aufbereitet.

Dadurch können ungefähr

20 bis 40 Kubikmeter

Trinkwasser pro Jahr eingespartwerden.

(nm.)

Stadträtin Katrin Schultze-

Berndt warvor Ort.

BEZIRKSAMT

Steglitz-Zehlendorf

Lastenräder gehen an den Start

Jetzt können sich auch

Steglitz-Zehlendorfer kostenfrei

Lastenräder im Bezirk

ausleihen. Zehn Standorte

werden in verschiedenen

Einrichtungen und bei gemeinnützigen

Trägern bis

zum Frühjahr 2020 eröffnet.

Drei Modelle werden mit

Elektroantrieb ausgestattet

sein. DerAuftakt zum Projekt

wird mit der Eröffnung der

ersten Ausleihstation Campus

Albert-Schweitzer und

der „Taufe“ des dort stationierten

Lastenrads stattfinden.

Treffpunkt ist am 8. November,

9.30 Uhr, Am Eichgarten

14. Das Bezirksamt

hat das Lastenrad-Projekt

„fLotte kommunal“ in Kooperation

mit dem Allgemeinen

Deutschen Fahrradclub

(ADFC) organisiert. (sara.)

Herbstklänge. Vonhumorvoll

bis schwelgend über schunkelbar:Wer

bei Akkordeon-Musik

nur an Lederhosen oder Baskenmützen

denkt, dem sei das

Akkordeon-Orchester empfohlen,

welches am 9. November,

16 Uhr, ins Gemeinschaftshaus

Gropiusstadt, Bat-Yam-Platz 1,

einlädt. Karten gibt es für

zwölf, ermäßigt zehn Euro:

(030) 902 39 14 16

TERMINE

Präsentation. ZumAbschluss

des Parcours durch die sieben

Stadtteilzentren Pankows präsentieren

sich diese am

11. November,17bis 20 Uhr,

im Rathaus Pankow, Breite

Straße 24a–26. Vorgestellt werden

unter anderem Angebote

und Beteiligungsmöglichkeiten,

die den nachbarlichen

und gesellschaftlichen Zusammenhalt

stärken.

Gespräch. Am 13. November,

18 Uhr, findet im Bezirksmuseum,

Alt-Marzahn 51, das

„Gespräch zur Geschichte:

1989/2019 –Erinnernbewegt.

Wirtschaft im Umbruch“ statt.

Über den Zustand der DDR-

Wirtschaft vor30Jahren

spricht unter anderem Christa

Bertag, bis 1990 Generaldirektorin

des VEB Kosmetik Kombinat

Berlin.

Die Berliner Zeitung berichtet aus den BezirkeninZusammenarbeit mit dem Berliner Abendblatt.

Staaken und die Mauer

Zum 30. Jahrestag des

Mauerfalls lädt die Linden-Grundschule,

Staakener

Feldstraße 6-8, in Zusammenarbeit

mit dem Briefmarkensammler-Klub

Spandau

1904 zu einer Fotoausstellung

über Staaken ein.

Gezeigt werden historische

Dokumente aus der Zeit vor

dem Bau der Mauer, während

der Teilung und nach

Spandau

der Wende. Zudem wird in

der Schulaula ein Sonderpostamt

eingerichtet, in dem

Sonderumschläge und ein

Sonderstempel ausgegeben

werden. Alle Interessierten

sind eingeladen, die zweitägige

Schau zu besuchen. Sie

ist am 9. November von 10

bis 16 Uhr und am 10. November

von10bis 15 Uhrgeöffnet.

(nm.)

Karriereinder

Hauptstadtregion

Nutz die Jobbörsefür Berlinund Brandenburg!

www.berliner-jobmarkt.de


KNÜLLER

KURIER

+++ KEINE FAKE NEWS +DIE BESTEN ANGEBOTE BERLINS +++

Exklusiv:

Dieser Sparkurstrifft ganz Berlin.

ecuadorianische/

kolumbianische

Bananen

kg

AKTION

nur

0.66

PICK

Echt ung. Salami

würzig-aromatisch

100 g

AUS UNSERER

WURSTTHEKE

-62%

2.69

1.00

K-PURLAND

Kasseler

Nuss-Schinken

im Netz, zum Kochen

kg

MARK

BRANDENBURG

haltbare Milch

1,5 %oder 3,5 %Fettgehalt

je 1-l-Packg.

AKTION

nur

0.49

Vollmilch –

voll günstig!

AUS UNSERER

KÜHLUNG

AUS UNSERER

KÜHLUNG

K-TO GO

Sushi-Box Tokyo

Sushi-Spezialitäten

mit separater Sojasauce,

Ingwer- und

Wasabizubereitung

460-g-Packg.

(1 kg =8.68)

-25%

5.99

4.44

-33%

5.99

3.99

SCHILKIN

Berliner Luft

Pfefferminzlikör

nach altbewährter

Rezeptur,

18 Vol. %

0,7-l-Fl.

(1 l=5.70)

-38%

6.49

3.99

FRISCHE

BACKWAREN

BERLINS

Pizza

Margherita

Pizzasnack mit

Edamer, ofenfrisch

Stück

1/2 PREIS

0.79

0.39

GARANTIEHAMMER

Ein Kaufland Service für Sie

Für alle Elektrogeräte gilt: 3-jährige Garantiezeit und

3-monatiges Rückgaberecht bei Vorlage des Kassenbons.

MAGGI

5-Minuten-Terrine

oder Asia Noodle Cup

versch. Sorten

je 41 -70-g-Becher

(100 g=0.70 -1.20)

-48%

0.95

0.49

LAVAZZA

Crema eAroma

für cremige

und aromatische

Kaffeespezialitäten

wie Espresso

und Milchkaffee,

ganze Bohnen

1-kg-Beutel

1/2 PREIS

15.99

7.99

K-CLASSIC

Küchentücher

saugstark

3Lagen,

besonders reißfest

4x51-Blatt-Rollen

-28%

1.55

1.11

VON DONNERSTAG, 07.11.2019 BIS MITTWOCH, 13.11.2019, NUR BEI KAUFLAND

*Aktionsware kann aufgrund begrenzter Vorratsmengen bereits im Laufe des ersten Angebotstages ausverkauft sein.

Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen und solange der Vorrat reicht. Alle Artikel ohne Deko. Abbildungen ähnlich.

Irrtum vorbehalten. Für Druckfehler keine Haftung. Firma und Anschrift unserer Vertriebsgesellschaften finden Sie

unter kaufland.de bei der Filialauswahl oder mittels unserer Service-Nummer 0800 /1528352.

Weitere tolle Angebote unter kaufland.de


12 Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

Der 9. November war für

mich schon immer etwas

Besonderes. Ich bin 1989

geboren, genau am Tag

des Mauerfalls in Berlin. Seit ich denken

kann, erlebte ich die Aufregung

der Erwachsenen mit, ihre freudige

Überraschung, wenn sie hörten,

wann ich geboren wurde.

Auf jeden Fall hat mir mein Geburtstag

eine einzigartige Sicht auf

die Geschichte eröffnet. Er verdeutlichte

mir früh die Wirkung historischer

Ereignisse, die man als später

Geborene oft nur aus Büchernerfährt

und distanziert betrachtet. Ich aber

hörte viel aus erster Hand, auch von

meiner eigenen Familie.

Besonders berührt hat mich die

Erzählung meiner Mutter über ihre

erste Reise nach Pariskurznach dem

Mauerfall. Sie kannte die Stadt aus

Büchern schon in- und auswendig,

hatte sich aber nie vorstellen können,

selbst einmal dort hinreisen zu können.

Und nun wurde dies plötzlich

wahr! Nachdem ich selbst alle Freiheit

hatte, zu reisen und ersehnte

Orte zu besuchen, kann ich mir den

Schmerz von jemandem vorstellen,

der nicht diese Möglichkeit besitzt.

Über Jahre meldeten sich zu meinem

Geburtstag Medienvertreter,die

Interviews mit mir wollten. Eine der

nervigsten Fragen war immer wieder

die, obich mich als Ossi oder Wessi

fühle. Esist schwer, soetwas zu beantworten,

wenn man keine eigenen

Erfahrungen mit der DDR gemacht

hat. Aufgrund meiner Herkunft und

meiner Familie würde ich vielleicht

sagen, dass ich mich mehr als Ossi

fühle und sicher auch einige „ostdeutscheWerte“

mitbekam.

Meine Mutter wirft zum Beispiel

selten etwas weg, man könnte es ja

noch mal verwenden. Meine Oma

fühlte sich als Lehrerin immer ihrem

Beruf verpflichtet und hätte nie

grundlos blau gemacht. Mein Opa

folgte dem Ruf, wenn er gebraucht

wurde, und hat dafür auch Opfer gebracht.

Arbeit war mehr als eine Stelle

für ein paar Jahreoder Monate,wie es

heute oft ist. Siewar etwas fürs Leben,

und nicht wenige sahen in ihr auch

einen Beitrag für die ganze Gesellschaft.

Das hat mich sicher geprägt,

wie auch ein Bewusstsein für den

Wert von materiellen Gütern, die

sorgfältig zu behandeln sind.

Gleichzeitig wuchs ich aber mit

hauptsächlich westlichen Einflüssen

auf: vielen Konsumgütern, Medien

und Reisen in überwiegend westliche

Länder.Ich habe das Gefühl, dass mir

dies eine recht gute Mischung bescherte.Einerseits

ist da eine gewisse

konsum- und kapitalismuskritische

Haltung und Bodenständigkeit und

ein Bewusstsein dafür,dass kein System

für die Ewigkeit ist. Andererseits

gibt es die unzähligen Möglichkeiten

der „freien Welt“, in der man seine Individualität

entfalten kann.

Im Alltag merke ich wenige Ost-

West-Unterschiede. Für mich ist es

auch nicht wichtig, woher meine

Freunde stammen, sondernmehr,ob

wir Gemeinsamkeiten haben und

uns gut verstehen. Besonders, wenn

man viele Menschen aus anderen

Ländern kennengelernt hat, scheint

die Frage „ostdeutsch oder westdeutsch“

recht unbedeutend zu sein.

Über die DDR kann ich nur sagen,

was ich mir im Laufe der Jahre aus

Medien, Erzählungen und Schulstunden

zusammengereimt habe. Ich

sehe sie als einen Versuch, nach einer

furchtbaren und zerstörerischen Zeit

etwas anderes, Gerechteres und

Friedvolles aufzubauen, an das viele

Menschen zu Recht geglaubt haben.

Sicherlich hatte die DDR auch nicht

den besten Start und war durch die

Dominanz der Sowjetunion geprägt,

Geboren am Tag

des Mauerfalls

Wieist es, im Schatten eines großen historischen Ereignisses

aufzuwachsen? Gedanken einer Dreißigjährigen, deren Leben

untrennbar mit dem 9. November 1989 verbunden ist

VonLauraHarmsen

Laura Harmsen studierte in Berlin Soziale Arbeit und ist in der Wohnungsnotfallhilfe tätig.

Job, Familie,Alltag:Auch 30 Jahre nach dem

Fall der Mauer prägt dieeinstigeTeilung Berlins

noch das Leben in der Stadt.Wirstellen Menschen

und ihre Geschichte vor. Heute:Laura

Harmsen, geboren am 9. November 1989.

DIE SERIE

Im Internet: Jeder Teil unserer im Mai begonnenen

Serie findet sich auch im Internet:

www.berliner-zeitung.de/mauerfall oder auf

der App der Berliner Zeitung (kostenlos im

Apple Store oder Google Play).

mit einem

aufgedrückten

System der

ideologischen

Bevormundung und

Beschränkungen persönlicher

Freiheit. Dennoch gab es

auch Positives und Leute,die sich engagierten.

Dass die DDR am Ende so

plötzlich verschwand, lag meiner Ansicht

nach auch daran, dass Kritik

ignoriert und unterdrückt wurde, bis

keine andere Möglichkeit mehr be-

VOLKMAR OTTO

stand, als dass das ganze System zusammenbrach.

Aber vielleicht konnte

es in Konkurrenz zum Westen auch

nicht bestehen.

An einigen Dingen aber könnte

man sich ein Beispiel nehmen: etwa

an der Herstellung sehr langlebiger

Produkte.Vielen fehlt heute auch ein

Gefühl vonGemeinschaft und Nachbarschaftlichkeit.

Mir fällt auch die

Art der ostdeutsch geprägten Menschen

auf, in der Regel etwas offener

und naiver an Dinge heranzugehen,

nicht so misstrauisch zu sein –was ihnen

allerdings nicht nur nützt. Auf

mich jedoch wirkt es sympathisch.

Nach dem Abitur erfüllte ich mir

einen Wunsch und ging für ein Jahr

als Freiwillige nach Südamerika, wo

ich mit Kindern arbeitete. Zurück in

Deutschland studierte ich Soziale Arbeit

und arbeite seit einigen Jahren in

der Wohnungsnotfallhilfe mit Menschen,

die keine Wohnung haben

oder von ihrem Verlust bedroht sind.

Den Wohnungsmangel sehe ich als

Problem, das jeden betrifft. Deshalb

war es mir auch wichtig, die Gelegenheit

zu nutzen, für meine neue Wohnung

die Mietpreisbremse durchzusetzen.

Auch vor Gericht. Ich befürworte,dass

es nun größereBewegungen

vonMietrechtsaktivisten gibt.

EinProblem für meine Generation

sehe ich auch darin, dass wir nicht

wissen, wie lange uns und unseren

Kindern noch eine Umwelt erhalten

bleibt, die unser Fortbestehen ermöglicht.

Diejüngeren Generationen

sind zu Recht wütend und frustriert,

dass sich so lange niemand um den

Klimawandel geschert hat und dass

rücksichtslose Ressourcenausbeutung

und Streben nach kurzfristigen

Profiten das Überleben gefährden. Es

verwundert daher nicht, dass immer

weniger sich repräsentiertfühlen und

an das Funktionieren unserer Demokratie

glauben. Es freut mich deshalb,

dass es gerade eine Welle vonAktivismus

und neuer Hoffnung gibt.

Ein weiteres Problem sehe ich in

finanziellen Unsicherheiten. Wir alle

können uns nicht darauf verlassen,

am Ende unserer Arbeitslebens –das

vermutlich dann im Alter von 70bis

80 Jahren liegen wird –eine Rente zu

beziehen, von der wir leben können.

Schon im Berufsleben haben wir häufig

so wenig zur Verfügung, dass es

kaum oder gerade zum Leben reicht.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass

noch so viele Kinder geboren werden.

Doch das Kinderkriegen wollen wir

uns nun auch nicht nehmen lassen.

Denn wenn wir eines aus der Geschichte

gelernt haben, dann, dass es

immer irgendwie weitergeht.

Ich wünsche mir für die Zukunft,

dass sich die Menschen weiter engagieren

und organisieren, denn nur so

können wir etwas verändern. Von

weiter oben kommt es sicher nicht,

denn die Stühle dortsind zu bequem.

Ichträume voneiner Welt, in der niemand

ausgebeutet wird, damit wenige

im Luxus leben können, in der

die Menschen Respekt voreinander

und allen Lebewesen haben, in der

wir nicht von unbegrenztem Wachstum

sprechen, sondernnachhaltig leben

und in der es keine Grenzen gibt,

sondern jeder leben kann, wie und

wo er will, solange er keinem anderen

damit schadet.

VonLauraHarmsen

Die Welt mit anderen Augen sehen

Auf dem Bild sieht man eine kleine Tasche,

wie sie typisch ist für die Handwerkskunst

in Ecuador.Darin befinden sich

kleine Geschenke vonSchulkindern, die ich

als Freiwillige betreute. Als ich 2009, nach

dem Abitur, nach Südamerika ging, wollte

ich vorallem raus aus dem strikt regulierten

und theoretischen Alltag und erst einmal

mehr vonderWelt sehen und erleben.

Viele gehen mit derselben Motivation für

längereZeit ins Ausland. Hauptsächlich sind

es junge Menschen aus reichen Industrienationen,

die sich eine solche Reise leisten

können. Einweiterer Beweggrund ist, anderen

zuhelfen. Dies galt sicherlich auch für

mich. Die meiste Zeit arbeitete ich in Ecuador

und unterrichtete in Grundschulen. Die

anderen Freiwilligen waren überwiegend

englische Muttersprachler und konnten oft

nicht wirklich Spanisch sprechen.

Doch auch eine 19-jährige Abiturientin

ist nicht unbedingt die geeignete Grundschullehrerin.

Die Gemeinden in Ecuador

waren dennoch dankbar für die Hilfe,daansonsten

nur eine einzige Lehrerin alle Schüler

unterschiedlichen Alters betreute.Außerdem

gab es über die Organisation materielle

Hilfen wie kostenloses Schulessen. So akzeptierten

die Menschen vor Ort auch die

häufig wechselnden, etwas überdrehten,

seltsam sprechenden Ausländer.

DieErfahrung war für mich sehr wertvoll,

und ich bin an vielen Herausforderungen

gewachsen. So stand ich während eines

Das besondere Ding

Ein Mitbringsel aus Ecuador mit Geschenken indigener

Schulkinder.

LAURA HARMSEN

Streiks auf einmal ohne die Lehrerin da und

musste alle Kinder der Schule in der abgelegenen

Bergregion zusammen mit einer anderen

Freiwilligen beschäftigen.

Ichnahm viel aus dieser Zeit mit, schloss

Freundschaften, die bis heute bestehen, und

lernte eine ganz neueWelt kennen. Ichwünsche

mir, dass auch mehr junge Menschen

aus ärmeren Schichten und Ländern diese

Gelegenheit bekommen. Beieinem solchen

Aufenthalt kann man die Welt mit den Augen

anderer sehen. Man gewinnt an Empathie

und Offenheit für andereLebensweisen

und Erfahrungen. Man wird damit jedoch

nicht die Welt verändern. Für echte Veränderungen

sehe ich an erster Stelle die Aufgabe,die

Eigenbestrebungen der Menschen

vorOrt zu unterstützen.

Bisheute verfolge ich die Entwicklung in

Ecuador. Dort wurde jüngst die Subvention

der Treibstoffe gestrichen, infolge vonAuflagen

des Internationalen Währungsfonds.

Der Preis verdoppelte sich. Daraufhin versammelten

sich vorallem indigene Gemeinden

zu Demonstrationen und traten einen

Marsch auf die Hauptstadt an. Polizei und

Militär griffen teilweise hart durch. Weil die

Lieferanten streikten, gab es tagelang keine

Lebensmittel in der Stadt. Wäre ich nicht

einst selbst dort gewesen, blieben es wohl

nur Nachrichten über ein fremdes Land und

irgendwelche Leute, die rebellieren. Stattdessen

sehe ich Orte,die ich wiedererkenne,

und mir vertraute Menschen in einer Ausnahmesituation.

Undich frage mich, wie es

wohl meinen Freunden vorOrt ergeht.


Alle Angebote gültig bis Samstag, 09.11.2019

3|

Schweinerouladen

1kg

Spanien

Spanien/Marokko

Blutwurst, Hausmacher

EDEKA WWF

Minipflaumentomaten

Fränkische Leberwurst

Leberwurst oder

Orangen

„Navelinas“

Kl. I

die deftigen Wurstspezialitäten

Kl. I

1kg =2,98

100g

1kg =1,33

500g Eimer

1,5kg Netz

2| 22 1| 99 1| 49 0| 69

Original Wagner Steinofen Pizza,

Lorenz Erdnuß Locken

Kölln

Piccolinis, Pizzies oder

versch. Sorten

Blütenzarte

Flammkuchen

100g =0,59/0,44

oder kernige

versch. Sorten,z.B.: Piccolinis Salami270g,

150/200g Beutel

Haferflocken

Flammkuchen Elsässer Art300g,

oder Crunchips

1kg =1,98

PizzaSalami 320g

versch. Sorten

500g Packung

1kg=5,00/4,50/4,22

100g =0,59/0,50

Packung

150/175g Beutel

0| 29 1| 35 0| 88 0| 99

Lavazza

Rotkäppchen

Elkos

Caffè Crema

Sekt

DentaMax

ganze Bohne,

Flour Fresh Zahngel

ideal für Kaffeevollautomaten,

0,75l Flasche

Zahncreme

oder Kräuter

versch. Sorten

100ml =0,36

1000g Beutel

125ml Tube

3| 49 9| 99 2| 69 0| 45

Peru

Heidelbeeren

Kl. I, 1kg =7,40

300g Schale

Zott

Sahnejoghurt

versch. Sorten

100g =0,21/0,19

140/150g Becher

Tassimo

versch. Sorten, z.B.:

Jacobs Krönung

XL 144g, Jacobs Latte

Macchiato 264g

1kg =24,24/13,22

Packung

nur aus der besonders zarten Oberschale

geschnitten, ein echter Genuss

1kg

4| 99 Schweinebraten

aus der Schulter, wie gewachsen,

mit der herzhaft knusprigen

Kruste, der saftige Braten

versch. Sorten

1l =3,59

49

=tiefgefroren

Sonntagsöffnung am 10.November 2019 haben folgende Märkte für Sie von 13-18Uhr geöffnet:

Andreasstr.59/Friedrichshain/EDEKA

Annenstr.4a/Mitte/EDEKA

Barbarossastr.69/Schöneberg/EDEKA Schrader

Baumschulenstr.31/Treptow/EDEKA

Bergmannstr.5-7/Kreuzberg/EDEKA

Berliner Str.24/Wilmersdorf/EDEKA

Bizetstraße 25-27/Weißensee/EDEKA

Bölschestr. 36/Friedrichshagen/EDEKA

Brunsbütteler Damm 196/Spandau/EDEKA

Budapester Straße 38-50 /Hardenbergstr.29/Charlottenburg/EDEKA

Clayallee 171-177/Zehlendorf/EDEKA

Dörpfeldstr.46/Treptow/EDEKA

Eichborndamm 77-85/Reinickendorf/EDEKAGörse &Meichsner

Falkenplatz 1-3/Konradshöhe/EDEKA Laurman

Fürstenberger Str.8/Mitte/EDEKA

Genthiner Straße42/Tiergarten/EDEKA

Gerlinger Straße 4/Buckow/EDEKAFromm

Greifswalder Str.86/PrenzlauerBerg/EDEKA

Grunerstr.20-Alexa/Mitte/EDEKAMoch

HildburghauserStr.52/Marienfelde/EDEKA Christ

Inaliderstraße 74/Tiergarten/EDEKA

Knesebeckstraße 56-58/Charlottenburg/EDEKA

Königin-Elisabeth-Str. 9a/Charlottenburg/EDEKA

LeipzigerPlatz12/13/Mitte/EDEKA

Marienfelder Chaussee143/Buckow/EDEKA Schrader

Müllerstr.127/Wedding/EDEKA Fromm

Neue Kantstr. 29-30/Charlottenburg/EDEKA

Nollendorfplatz 8-9/Schöneberg/EDEKA

Potsdamer Chaussee80/Nikolassee/EDEKA

Prager Platz 1-3/Wilmersdorf/EDEKAStadie

Rixdorfer Str.69/Mariendorf/EDEKA Lenkeit

Alle Kunden erhalten einen Gutschein im Wert von

10% ihres Sonntags-Einkaufs* für den nächsten Einkauf.

Siemensstr.21-23/Lankwitz/EDEKA

Steubenplatz 3-5/Charlottenburg/EDEKALaurman

WiesbadenerStr.53/55/Schmargendorf/EDEKA

WilmersdorferStr.46/Charlottenburg /EDEKA

Wittenbergplatz 4/Schöneberg /EDEKA

Hansastraße 236/Hohenschönhausen /Hansa Center

Schnellerstr.131/Niederschöneweide/ECenter

Siriusstraße 1/Altglienicke /E Center

Streitstraße 18/Spandau/ECenter

*ausgenommen sind Berlin-Kracher,Bücher,Pfand, Zeitschriften, Tchibo-Artikel, Tabakwaren, Gutscheine, Telefonkarten, Treuepunkt-Aktionen. DeutschlandCard Punkte,

die auf den Gutscheinwert anfallen, werdenbei Einlösung gutgeschrieben. Keine Barauszahlung oderTeileinlösung möglich. Gutschein kann nurimausgebenden Markt

innerhalb von 4Wochen eingelöst werden.

Weitere Informationen

erhalten Sie unter

www.edeka.de/berlin.

Diese Artikel sind in den mit dieser Werbung gekennzeichneten Märkten erhältlich. Alle Angebote gültig bis Samstag 09.11.2019, KW 45. Wir haben uns für diesen Zeitraum ausreichend bevorratet. Bitte entschuldigen Sie

wenn die Artikel auf Grund der großen Nachfrage dennoch im Einzelfall ausverkauft sein sollten. Abgabe in häuslichen Mengen. Für Druckfehler übernehmen wir keine Haftung. EDEKA Markt Minden-Hannover GmbH,

Wittelsbacherallee 61, 32427 Minden. Alle weiteren Informationen der Firma und Anschrift Ihres EDEKA-Marktes finden Sie unter www.edeka.de/marktsuche oder unter der Telefonnummer 0800 7242 855 (kostenfrei aus

dem dt. Fest- und Mobilfunknetz).

Alle Angebote schon

am Sonntag!

edeka.de/newsletter

Mehr Infos auf:

fb.com/edeka, edeka.de oder

www.facebook.com/EDEKA.Berlin


14 * Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Berlin

Erster Kuss

unterm

Fernsehturm

Punk in der DDR –

Daniel Krauses Biografie

Inden Augen der Stasi waren sie

Staatsfeinde: Die Punks in der

DDR. Einer dieser jungen Wilden

war der heutige Tätowierer und Seriendarsteller

Daniel Krause, bekannt

aus „Berlin –Tag & Nacht“.

Seine Clique trug Lederjacken und

kaputte Stiefel aus alten Kellern, die

Tattoos waren selbst gestochen. Im

Jahr 1987 beteiligten sich die Punks

an den Pfingstunruhen, bei denen

zum ersten MalinBerlin der Ruf„Die

Mauer muss weg“ erklang. Über

diese Zeit hat Krause,50, nun ein autobiografisches

Buch geschrieben.

Es heißt„Freiheit untermLadentisch

–Mein Leben als Punk in der DDR.“

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls

erinnert Krause an die Ost-Berliner

Subkultur und die Jugendlichen, die

sich der „Feier des Dagegenseins“

verschrieben hatten. „Punk hieß für

uns, sichtbar gegen das System und

die Zwänge der Betriebe zu sein“,

sagt Krause. Punk sei damals mehr

als Biertrinken gewesen. Krause erhielt

Aufenthaltsverbot am Alexanderplatz,

weil er bunte Haare hatte.

Mit18Jahren wurde er in Rummelsburg

inhaftiert. „Meine Erfahrungen

mit dem Staat haben Traumata hinterlassen“,

sagt Krause. Dies habe er

mit dem Buch verarbeiten wollen.

Krause schildert aber auch das

wilde Leben jenseits von FDJ und

Berufsschule –der erste Kuss unterm

Fernsehturm, das erste blaue Auge,

die Faszination für Frisuren von

Wave-Bands wie „The Cure“. Dies

waren die kleinen Freiheiten angesichts

der großen Unfreiheit. (mow.)

Daniel Krause:Freiheit untermLadentisch –

MeinLeben alsPunk in derDDR,RivaVerlag,

208 Seiten, Preis: 14,99 Euro

Daniel Krause, Autor und Tätowierer,vor

seinem Tattoo-Studio in Mitte. VOLKMAR OTTO

177000 Kita-Plätze gibt es derzeit in Berlin. Das wird in Zukunft bei weitem nicht reichen. Ein neues Tool sollte Elternnun zumindest die Suche erleichtern. HERO IMAGES

Kita-Navigator führt in die Irre

NeueWebseite sollte die Suche nach Betreuungsplätzen erleichtern. Dochdie Informationensind nicht korrekt

VonAnnika Leister

Einen „großen Tag“ für Eltern

hat Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD) bei

einer Pressekonferenz am

Mittwoch angekündigt. Eine neue

Webseite aus ihrem Haus, der „Kita-

Navigator“, soll Eltern die Suche

nach einem Kita-Platz erleichtern.

Doch die Hilfe für gestresste Eltern

könnte sich zu einem handfesten

Problem für die Berliner Bildungssenatorin

entwickeln. Denn der „Kita-

Navigator“ glänzt vorallem mit Fehlinformationen.

Eigentlich sollte der Navigator

das System vereinfachen: Statt sich

wie bisher bei Dutzenden Kitas auf

Vormerklisten setzen zu lassen, regelmäßig

per E-Mail und Telefon

nachzuhören, ob es denn jetzt was

gebe, sollte die Webseite alle 2600

Berliner Kitas sowie Infos zu Größe

und Konzept auflisten und vorallem:

mit wenigen Klicks die Angabe liefern,

welche Kitas freie Plätzehaben.

10 800 freie Plätzegebe es derzeit im

System, so Scheeres, 1 400 mehr

seien das als im November 2018,

frohlockte sie. Doch ein erster Test

am Mittwoch zeigt das Desaster:Die

Webseite ist gespickt mit falschen Informationen.

Mehrfach weist der „Kita-Navigator“

Kitas, die bereits ausgebucht

sind, mit einer grünen Ampel, also

mit freien Plätzen aus. Ein Beispiel:

Bei der Kita „Kitaträumer“ in Prenzlauer

Berg leuchtet die Ampel grün.

Vondiesem Monat bis zum Juli 2020

sind dortangeblich Plätzefrei. Doch

das ist nicht korrekt. „Wir sind voll“,

sagt ein Mitarbeiter am Telefon. Ein

Kind käme im Dezember noch zur

Eingewöhnung – dann seien die

Plätzefür ein Jahr lang vergeben.

Nächster Anruf, dieses

Mal bei der Kita

„Traumzauberbaum“ in

der Nähe des Alexanderplatzes,

ausgelegt auf

mehr als 200 Plätze. Auch

sie ist bis zum Juli 2020

mit freien Plätzen vermerkt.

Aber gibt es freie

Plätzeim„Traumzauberbaum“?

Der Mitarbeiter

am Telefon schnaubt.

„Das ist eine Utopie. Für die nächsten

ein bis anderthalb Jahre haben

wir keine Plätzefrei.“

Die Senatsbildungsverwaltung

war am Mittwochabend für ein

Statement und eine Erklärung nicht

zu erreichen. Klar aber ist: Waslaut

Scheeres die Transparenz für Eltern

erhöhen sollte, wird inder aktuellen

Form nur für noch mehr Verwirrung

sorgen –nicht nur für die Eltern, sondernauch

für die Träger der Einrichtungen,

die nun vermutlich hoff-

Bildungssenatorin

Sandra Scheeres

(SPD)

nungsvolle Eltern reihenweise werden

abwimmeln müssen.

Roland Kern vom Dachverband

Berliner Kinder- und Schülerläden

(DaKS) – Interessensvertretung für

800 Berliner Kitas –hält es für möglich,

dass der Fehler nicht bei der

Verwaltung liegt, sondernbei den Kitas.Möglicherweise

hätten viele Einrichtungen

ihre Daten nicht gepflegt.

So könne es zum Beispiel sein,

dass eine Kita auf 25

Plätze ausgelegt sei, aber

aus pädagogischen

Gründen nur 23 Plätze

vergeben wolle – das

müsse sie der Verwaltung

aber auch mitteilen.

Auch Plätze für Geschwister

könnten von

BERLINER ZEITUNG/PONIZAK

den Kindertagesstätten

schon Monate im Voraus

fest vergeben worden

sein, aber noch nicht im System vermerkt

sein. „Das System zwingt Kitas

jetzt, ihre Angaben zu pflegen“,

sagt Kern. Das sei begrüßenswert:

„Ein besserer digitaler Überblick ist

fällig gewesen.“

Für Kitas bedeute das neue System

allerdings eine erhebliche Umstellung,

sagt Kern. Zwar sollen die

Kitas seit Längerem mit einem ähnlichen

System arbeiten, viele aber hätten

das bisher vernachlässigt. Vorallem

kleinere Kitas hätten bisher vieles

auf Papier oder in einem eigenen

System geregelt. „UnsereLeute stöhnen

alle, es bedeutet für die Kitas

mehr Aufwand“, sagt Kern.

Mitdem Startdes neuen Tools hat

Scheeres’ Verwaltung nach eigener

Aussage den Druck auf die Kitas erhöht.

DasSystem zu benutzen, sagte

Scheeres am Mittwoch, sei„eineVerpflichtung,

nicht mehr freiwillig“.

Vertraglich seien die Träger dazu verpflichtet,

so Scheeres. Bedeutet: Im

Ernstfall könnten ihnen Leistungskürzungen

drohen.

Zwei Jahre Arbeit und eine halbe

Million Euro hat die Senatsbildungsverwaltung

nach eigener Aussage in

die Entwicklung des „Kita-Navigators“

gesteckt. Ursprünglich war der

Start der Plattform für Anfang des

Jahres geplant. DieWebseite soll Infos

zur Lage der Kitas,deren inhaltlichem

Konzept und den aktuell verfügbaren

Plätzen auflisten. Eltern

sollen im ersten Schritt über eine

Suchmaske nach Kitas suchen können.

In einem zweiten Schritt können

sie sich auch digital um einen

Platz bewerben.

Berlins größtes Problem aber

wird der „Kita-Navigator“, selbst

wenn er funktioniert, nicht lösen:

Zurzeit geht die Bildungsverwaltung

davon aus,dass Berlin zum Sommer

2021 weitere 16000 Kita-Plätze

schaffen muss.

Redaktion rollt

in der U2 von

Ost nach West

Aktion der Berliner Zeitung

zum Mauerfall-Jubiläum

Mit einer besonderen Aktion feiern

Berliner Zeitung, Tagesspiegel

und die BVGden 30. Jahrestag

des Mauerfalls.Am9.November wird

eine U-Bahn auf der Linie U2 als rollende

Redaktion zwischen Ost und

West hin- und herpendeln. Von10bis

13 Uhr bieten beide Redaktionen

während der FahrtLivetalks mit Zeitzeugen

in der U-Bahn an; zudem tauschen

sich Redakteurinnen und RedakteureliveimWaggon

mit Leserinnen

und Lesernsowie den Fahrgästen

über die Träume nach Revolution

und Mauerfall vor30Jahren und ihre

Hoffnungen heute aus.

Der besonders beklebte Zug startet

am Sonnabend, 9. November,um

10.09 UhramBahnhof Pankow–auf

der ersten Fahrt nach Ruhleben berichten

U-Bahn-Fahrerinnen und

Busfahrer von der Zeit, in der über

Nacht das BerlinerVerkehrsnetz wieder

vereint wurde.Zudem erzählt Tagesspiegel-Geschäftsführerin

Ulrike

Teschke vonihrer Zeit in der DDR.

Auf der zweiten Tour von Ruhleben

nach Pankow (Abfahrt um

11.03 UhrabRuhleben) berichten die

Journalisten Regine Sylvester und

Arno Widmann von ihren Ost-West-

Erfahrungen. Mike Lukasch gibt Einblicke

in seine Arbeit als Direktor des

Hauses der Geschichte und Jens Wieseke

vom Fahrgastverband erzählt,

wie er das Zusammenwachsen der

Stadt und vor allem des Bus- und

Bahnnetzes erlebt hat. Aufder dritten

Tour (Abfahrt 11.59 Uhr inPankow)

fahren Pankows Bezirksbürgermeister

Sören Benn (Linke) und der Bürgerrechtler

und Bundestags-PräsidentWolfgang

Thierse (SPD) mit.

„Wir wollen mit der rollenden Redaktion

ein Zeichen setzen: Diese

Stadt ist in Bewegung, 30 Jahre nach

dem Mauerfall erleben wir täglich die

Freiheit, die sich damals so viele

wünschten und die sie mit der friedlichen

Revolution werden ließen. Wir

wollen nicht nur an die Tage im

Herbst 1989 erinnern, sondern den

Geist dieser historischen Stunde lebendig

halten“, sagt Jochen Arntz, der

Chefredakteur der Berliner Zeitung.

Berliner Zeitung und Tagesspiegel

haben bereits gemeinsam mit der

Bundeszentrale für politische Bildung

eine zehnwöchige Debattenserie

unter dem Motto „Eine Stadt, ein

Land, viele Meinungen“ in beiden

Zeitungen veröffentlicht. (BLZ)

berliner

adressen

Jobmaschine.

renov. preisw. v. A–Z,eig. Tap./Tepp.

Laminat, Möbelrücken &Entrümpeln,

10% Rabatt f. Senioren bei Leerwhg.

Anzeigenannahme:

( 030) 2327-50

Telefonische anzeigenannahme: 030 2327-50

Vermischtes

dienstleistungen

Wir liefern Getränke in ganz Berlin.

Tel.5661837•www.getraenke-basar.de

Fragen Sie nach unserem Geschenk für Neukunden.

IhrTestament ermöglicht Großes

fürdie Kleinen. Helfen SieKindern chancengerecht

aufzuwachsen.Das Deutsche Kinderhilfswerksetzt sich

seit über 45 Jahren dafürein.

Sprechen Sieuns an:

Milena Feingold

030308693-12 |feingold@dkhw.de

www.dkhw.de/gutes-hinterlassen

an- und Verkäufe

Kaufgesuche

Kaufe Ölgemälde, Münzen, Antiquität.Dr.

Richter, 01705009959

Ihre Hilfe kommt an –

bei den Menschen in Osteuropa!

Spendenkonto 94

LIGA Bank eG

BLZ 750 903 00

www.renovabis.de


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 15

· ·

·······················································································································································································································································································

Berlin

Gastbeitrag

Nicht nur Tristesse und Trägheit

Meine Erinnerung an

den 9. November 1989

ist weiblich. Tante Ursula,

die Frau meines

Onkels Teisir, drückt aufgeregt den

Telefonhörer ans Ohr und ruft alle

paar Minuten neuen Gesprächspartnern

zu: „Kommt rüber! Kommt rüber!“

Ichwar damals zwölf und hatte

bei meinen Cousins im Wedding

übernachtet. Gespannt, wer soalles

in der Wohnung eintrudeln würde,

wartete ich. Doch es kam niemand.

Alle hatten offenbar Angst, danach

nicht mehr zurückreisen zu können.

Erst viel später hatte ich verstanden,

dass die Menschen, mit denen

Tante Ursula so aufgeregt gesprochen

hatte, alles Verwandte und

Freunde aus der DDR waren. Also

aus dem Gebiet, das hinter der großen

Wand lag, die wir als Kinder vom

Hahneberg, nicht weit vonder Heerstraße

Nord entfernt, immer gesehen

haben. Zu einer Begegnung mit

Menschen von hinter der Mauer

kam es dann schneller als gedacht.

Ichwar auf dem Theodor-Heuss-

Platz und konnte meinen Augen

kaum glauben: Hunderte,Tausende

drängten sich um die Bus- und die

U-Bahnstation. EinMann hatte von

einem Supermarkt eine riesige Tüte

mit Bananen dabei und verteilte

diese an die Leute. Wohl nicht wissend,

dass es auch in der DDR Bananen

gab. Mir fiel auf, dass viele Personen

eher graue, unauffällige, einfache

Kleidung trugen. Nicht die

knallbunten Sweater und Overalls,

die damals in den 80ern inWest-

Berlin so in waren. Aber die Stimmung

der Menschen stand im kompletten

Gegensatz zu ihren Klamotten:

da war Freude, Überschwang,

auch Übermut. Ichließ mich mitreißen

und feierte mit den völlig Unbekannten.

Dieser Tag hat unsere Gesellschaft

verändert. Allerdings weit

vielschichtiger,als es die aktuelle Erzählung

uns derzeit einzureden versucht.

Im Osten mussten die Menschen

von einem Tagauf den anderen

ihr Leben komplett umkrempeln.

Aber da war nicht nur Tristesse,

Trägheit und Ängstlichkeit. Zu Beginn

stand eine Revolution, die einzige

in unserer deutschen Geschichte,

die positiv ausging. Und

auch eine der wenigen, bei der Hunderttausende

Menschen ihr Leben

riskierten. Das haben heute leider

viele –gerade imWesten –vergessen.

Werinden Tagen vordem 9. November

1989 in Plauen, Leipzig, in Ost-

Berlin, Dresden oder Schwerin auf

die Straße ging, der brauchte verdammt

viel Mut.

Und auch danach waren die Ossis,wie

sie die Westler bis heute nennen,

nicht faul. Wersich von heute

auf morgen ein neues Leben zimmern

muss, der kann überhaupt

nicht träge sein. Ganz im Gegenteil:

gerade im Osten unserer Republik

haben in den letzten dreißig Jahren

massenweise Menschen neu aufgebaut,

umstrukturiert, neue Ideen

und Wertegeschaffen. Natürlich gab

es nicht nur Gewinner.ImWesten allerdings

auch nicht.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh

über seine Kindheit in der geteilten Stadt

und seine ganz persönliche Lehre

aus dem 9. November 1989

Auf beiden Seiten der Mauer änderte

sich der Alltag der Menschen.

Auch das wird heute weitgehend

ausgeklammert. Im Westen gab es

genauso Ängste. Während im Osten

der Stadt ganze Industrieanlagen

stillgelegt und abgerissen wurden,

fielen im Westen Berlins zig Arbeitsplätze

weg. Der Osten war für viele

Fabrikbosse nun das bequeme

Druckmittel, um die Belegschaft zu

gängeln oder zu feuern. Besonders

groß war die Furcht unter vielen Migranten.

Es stand auf einmal die

Frage im Raum, ob das neue,größere

Deutschland sie noch brauche.Viele

DPA/CHRISTOPH SOEDER

saßen damals auf in Gedanken gepackten

Koffern. Und erst, als der

SPD-Kanzler Gerhard Schröder

Jahrespäter zusammen mit den Grünen

Deutschland ganz offiziell zum

Einwanderungsland machte, gab es

wieder Erleichterung.

Heute bin ich überzeugt, dass es

nicht DEN Westen gibt oder DEN Osten.

Es waren Menschen auf beiden

Seiten der einstigen Mauer, die eher

gewonnen oder eher verloren haben.

Und leider, wie so oft in der Geschichte

der Menschheit, waren es

auf beiden Seiten vor allem die Reichen,

die Mächtigen oder Einflussreichen,

die sich in der neuen Situation

gut eingerichtet haben und von den

neuen Umständen profitierten. Teils

mit perfiden Mitteln. Bestes Beispiel

ist die Treuhand. Sie diente leider

auch West-Unternehmen, um mögliche

Konkurrenten im Osten aus dem

Wegzuräumen. Auch das gehörtzur

deutsch-deutschen Wahrheit dazu.

Ebenso der Ausverkauf ostdeutscher

Innenstädte. Ganze Gründerzeitviertel

sind heute, bestens renoviert, im

Besitz von Zahnärzten, Architekten

oder Anwälten ausTübingen oder Paderborn.

Im Osten gab es auch zahlreiche

Altkader, VEB-Chefs oder Stasi-Mitarbeiter,

die sich schnell mit der

neuen Lage arrangiert hatten und

damit nicht schlecht fuhren. Materiell

ging es vielen später besser. Einigen

wenigen ging es besonders gut.

Und einige müssen bis heute

schauen, wie sie über die Runden

kommen.

Im Jahr 2019 brauchen wir für

unsere deutsche Erzählung endlich

etwas mehr Ehrlichkeit:Wenn heute

die hohen AfD-Werte in den östlichen

Bundesländern mit einer fehlenden

demokratischen Sozialisierung

oder sogar Undankbarkeit erklärt

werden, dann ist das einfach

nur falsch. Im Westen sind die rechten

Hetzer auch so gut wie überall

zweistellig. Und in Städten wie

Dortmund oder weiten Teilen Hessens

gehören Neonazis leider genauso

zum Straßenbild wie in manchen

Winkeln vonBautzen.

Gerade habe ich mich länger mit

meinem Fraktionskollegen Robert

Schaddach, der als Wahlleiter 1989

die ersten demokratischen Wahlen

in der DDR im Roten Rathaus organisierte,über

die Zeit damals unterhalten.

Robert sagte mir, dass er im

Moment eine große Leerebei vielen

Menschen im Osten beobachte. Ich

denke, diese große Leere ist nicht

ost-typisch. Viele Menschen in unserem

Land empfinden aktuell eine

Form von Verunsicherung. Vielleicht

ist es gerade diese Gemeinsamkeit,

die uns noch mehr zusammenschweißen

könnte.

Für mich gibt es eine Lehre aus

dem 9. November 1989: Gerade wir

Deutschen sollten niemals unseren

Optimismus verlieren.

In diesem Sinne können wir uns

einmal zurücklehnen und zufrieden

auf das zurückschauen, was wir in

den vergangenen 30 Jahren geleistet

haben.

Dasist nicht wenig.

ABOplus

NochkeinAbo? Einfachjetzt unter

030–240025neuer Abonnent werden!

Exklusiv fürAbonnenten:

Alle Angebote NURMORGEN

erhältlich!

Morgen von 14bis 15 Uhr

20 x2 Freikarten für Nussknacker onIce mit Symphonie-Orchester

Mit einer eindrucksvoll inszenierten neuen Eisshow, einem Feuerwerk aus Eistanz und atemberaubender

Zirkusartistik, nimmt der „Russian Circus on Ice“ das Publikum auf eine zauberhafte Reise ineine

magische Märchenwelt mit. Diefantasievollen, spektakulären Choreographien, atemberaubende Akrobatik

auf Kufen, faszinierende Kostüme und mitreißende Orchester-Musik ergeben eine grandiose Eisshow und

ein unvergessliches Weihnachtserlebnis! Die neue,abwechslungsreiche und hochkarätige Produktion führt

denZuschauer in das Zauberreich, in demdas Guteund Schöne herrschen, in demalleTräume in Erfüllung

gehenund wohin man auch als Erwachsener immer wieder zurückkehren möchte. Der schwungvollelegante

Eistanz kombiniert mit großartigem, traditionellem, russischem Zirkusprogramm erschafft ein wahrhaft

magisches Spektakel für die ganze Familie.

20. und 21. Dezember IBeginn: 19 Uhr

Theater am Potsdamer Platz IMarlene-Dietrich-Platz 1

10785Berlin

10 x2Karten für Nussknacker am 20.12.19

10 x2Karten für Nussknacker am 21.12.19

Europapremiere! *

Für zusätzliche Karten

50% Rabatt für Kinderbis einschließlich 15 Jahre.

Kartentelefon: 030 47 997415 oder01806-570 070

www.eventim.de

*

Die Vorstellungen werden auf Kunststoffeis aufgeführt.

Bitte halten Sie für dieses Angebot Ihre Kundennummer bereit.

Das Angebot gilt nur für Abonnenten, die die Berliner Zeitung von

montags bis samstags beziehen.

Ihnensteht eingesetzliches Widerrufsrecht zu. Alle Informationen

überdiesesRecht und die Widerrufsbelehrung findenSie unter

www.berliner-zeitung.de/widerruf

Berliner Verlag GmbH, Alte Jakobstraße 105, 10969Berlin

Morgen anrufen und Wunsch-Angebot sichern!

0800 –2327023

Dieser Anruf ist für Sie kostenlos.


16 Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Gesundheit

Operation bessere Zukunft

In einer Klinik am Rande des Regenwaldes operieren Berliner Ärzte in den kommenden zwei Wochen kostenlos Kinder

VonMichael Timm

Die erste Sprechstunde

am kommenden Sonntag

ist schon ausgebucht.

Über hundert

kleine Patientinnen und Patienten

haben sich angesagt. Nächste Woche

kommen noch 300 weitere mit

ihren Eltern aus teilweise weit entfernten

Dörfern indie kleine Stadt

Ciudad del Este am Rande des

Dschungels von Paraguay. Sie hoffen

auf ein neues Leben. Denn hier,

direkt an der Grenze zuBrasilien,

liegt eine behelfsmäßige Krankenhaus-Baracke,

die sich in den

nächsten zwei Wochen vorübergehend

zu einem hochspezialisierten

Zentrum für Plastische Chirurgie

wandelt.

Kochen mit offenem Feuer

Sechs deutsche Fachärzte, die

Hälfte von ihnen aus Berlin, werden

hier zusammen mit zwei ebenfalls

angereisten Schwestern und

drei Helfern kostenlos Eingriffe

durchführen, die den Kindern aus

bettelarmen Familien eine bessere

Zukunft ermöglichen sollen.

„Wir operieren hauptsächlich

Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

und den Folgen von

schweren Verbrennungen“, sagt

Annett Kleinschmidt, Fachärztin

für Plastische Chirurgie aus Charlottenburg,

die den Einsatz leitet.

„Verbrennungen treten hier besonders

häufig auf, weil viele Familien

noch am offenen Feuer kochen.

Dabei kommt es oft zu Unfällen.

Die Narben der Verbrennungen

schränken die Lebensqualität besonders

dann erheblich ein, wenn

sie sich über Gelenken bilden.

Diese können dann oft nicht mehr

bewegt werden und versteifen. Wir

sehen auch Fälle,wodas Kinn über

das Narbengewebe fest mit der

Brust verwachsen ist. Das alles

lässt sich aber chirurgisch gut reparieren.“

Um die kleinen Patienten mit

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

kümmert sich Oberarzt Jürgen Ervens

von der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

der Charité.

Einen besseren Fachmann können

sich die Eingeborenen gar nicht

wünschen. Denn der Spezialist aus

dem Weddinger Virchow-Klinikum

gilt sogar bundesweit als einer der

besten seines Fachs. „Diese angeborenen

Spalt-Fehlbildungen treten

genetisch bedingt in Paraguay

sehr viel häufiger auf als in Berlin“,

so der Experte.„Wenn sie nicht korrigiert

werden, können die Babys

beispielsweise nicht ausreichend

an der Mutterbrust saugen und lernen

nicht richtig sprechen, weil das

Gehör oft nicht ausreichend funktioniert.

Die Kinder sind dann im

sozialen Miteinander stark eingeschränkt

und werden sehr häufig

ausgegrenzt, auch wegen ihres

Aussehens. Das können wir ihnen

durch eine Operation ersparen.“

Der OP-Einsatz am Rande des

Regenwaldes ist nicht der erste seiner

Art. Diesmal steht jedoch ein

Anzeige

HASENSCHARTE, VERBRENNUNGEN: WOHIN IN BERLIN?

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (die sog.Hasenscharte) können heute fast vollständig korrigiertwerden.

Meist sind dazu mehrere Eingriffe nötig.Der erste erfolgt in der Regel schon im

Alter vondrei bis vier Monaten.Wichtig ist es, mit dem Babygleich nach der Geburtein spezialisiertes

Zentrum aufzusuchen. In Berlin ist das z.B.die Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

der Charité am StandortVirchow(Wedding). AufVerbrennungs-Verletzungen ist z.B.die BG

Unfallklinik Marzahn spezialisiert.

Mi,13. NOVEMBER 2019 | 18.00 Uhr

Bluthochdruck

Die stille Gefahr

Referent:

Dr. med. Gunter Brücker

Facharzt für Innere Medizin

Oberarzt Fachabteilung für Innere Medizin I

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

krankenhaus

bethel berlin

Promenadenstraße 3–5

12207 Berlin-Lichterfelde • Telefon 030/7791- 0

www.krankenhaus-bethel-berlin.de

Jubiläum an. Denn vor genau zehn

Jahren gründete Annett Kleinschmidt

das Projekt „Interplast

Berlin-Paraguay“. Seitdem haben

die Berliner Ärztinnen und Ärzte

bei insgesamt sechs Einsätzen in

Ciudad del Este schon 500 Operationen

ehrenamtlich durchgeführt.

Die anfallenden Sach- und Reisekosten

wurden jeweils aus Spendengeldernbestritten.

Nur 36Betten

Im zehnten Jubiläums-Jahr sollen

bei dem jetzt startenden siebten

Einsatz, der vom 8.bis 23. November

dauert, etwa 80 Patienten operiert

werden, die über keine Krankenversicherung

verfügen.„Wirsehen

in den Sprechstunden etwa

400 Kinder, von denen wir diejenigen

auswählen, die am meisten

von einem Eingriff profitieren“, erklärtdie

Chirurgin.

Einsatzortist das kleine öffentliche

Krankenhaus, das lediglich

über 36 Betten und zwei äußerst

einfache OP-Säle verfügt, die jedoch

aufgrund des Mangels an ausgebildetem

Personal nur selten genutzt

werden.

Die Bedingungen, unter denen

die Berliner Ärzte arbeiten, sind

abenteuerlich. Zwar gehört Paraguay

offiziell nicht zu den Ländern

der Dritten Welt. Gleichwohl warnt

sogar das Auswärtige Amt inBerlin

ganz offiziell vor hoher Kriminalität,

unsicherer politischer Lage,bewaffneten

Auseinandersetzungen

zwischen Drogenkartellen und erheblichen

Gesundheitsgefahren

wie Chikungunya- und Dengue-

Fieber sowie Zika-Virus-Infektionen,

die alle durch Mücken übertragenwerden.

Die medizinische Versorgung in

Paraguay ist (mit Ausnahme der

Hauptstadt Asuncion) für den

Großteil der Einwohner absolut

unzureichend. Nuretwa 40 Prozent

der Bevölkerung sind krankenversichert

und können sich in Privatkliniken

behandeln lassen. 60 Prozent

jedoch verfügen über keine

Versicherung. Das betrifft hauptsächlich

Eingeborene und Indios

aus dem Umland und dem benachbarten

Regenwald. „Sie sind auf

unsere Hilfe besonders angewiesen“,

so Annett Kleinschmidt.

Letzte Woche hat das Team bereits

gepackt: „Wir transportieren

praktisch eine komplette Klinikausstattung

und haben 20 Koffer

mit insgesamt 460 Kilogramm

Übergewicht“, sagt die Chirurgin.

„Denn wir müssen alle Instrumente,

Narkosemittel, Medikamente

und Verbandmaterial mitbringen.

Kein Gepäckstück darf zu

viel wiegen.“

Jetzt hoffen Ärzte und Helfer nur

noch, dass die Lufthansa auf dem

Flug vonTegel nach Frankfurtnicht

streikt, von woesüber Sao Paulo

nach Paraguay weitergeht: „Das

würde unsere ganzen minutiösen

Planungen durcheinander bringen.

Denn die Logistik eines solchen

Einsatzes ist komplizierter als

ein chirurgischer Eingriff.“

Anzeige

Anzeige

PER ZWEITMEINUNG ZUR BESSEREN BEHANDLUNG SELTENER TUMORE

Umfassende und interdisziplinäre Expertise bei Hodenkrebs

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 4400

Männer neu an Hodenkrebs. Als mehrfacher

Zentren-Standort ist das Helios Klinikum Berlin-

Buch hoch spezialisiert auf die umfassende Behandlung

und Beratung von Patienten mit Hodentumoren.

Wird die Krankheit frühzeitig erkannt

und adäquat therapiert, beträgt die Heilungsquote

nahezu 100 Prozent.

Hodenkrebs gehört zu den seltenen Krebskrankheiten

bei Männern. Die Betroffenen sind

zumeist jung. Besonders Männer im Alter zwischen

20 und 40 Jahren sind von Hodenkrebs

betroffen. Eine frühe Diagnose und eine auf die

Erkrankung abgestimmte Therapie erhöhen die

insgesamt sehr guten Heilungs- und Überlebenschancen

von Hodenkrebspatienten.

Aus diesen Gründen wurde ein fachübergreifendes

Behandlungsteam zusammengestellt,

da Interdisziplinarität und Erfahrung mit der Diagnostik

und Therapie dieser relativ seltenen

Tumore ausschlaggebend für ein optimales Behandlungsergebnis

sind.

Die Versorgungskompetenz der Urologie im

Helios Klinikum Berlin-Buch reicht von der persönlichen

Risikoberatung, der Zweitmeinung, der

operativen Primärtherapie, der Chemotherapie

bis zur komplexen Residualtumorresektion. Zudem

ist in Berlin-Buch die Hochdosis-Chemotherapie

mit Stammzelltransplantation bei Hodentumoren

etabliert.

„Die Entscheidung für die notwendige Therapie

erfolgt interdisziplinär um die optimale und

individualisierte Krebstherapie festzulegen“,

sagt Prof. Dr. med. Mark Schrader, Chefarzt des

Fachbereichs Urologie sowie Leiter des Hodenkrebszentrums

und Prostatazentrums im Helios

Klinikum Berlin-Buch. Der hochqualifizierte Experte

für Uroonkolgie betreut mit großer Erfahrung

und Einfühlungsvermögen die ganzheitliche

Behandlung von Patienten mit Erkrankungen der

Nieren, Harnwege und männlichen Fortpflanzungsorgane.

Zudem ist Prof. Schrader Initiator und Leiter

des 2006 gegründeten Projekts „Nationalen

Zweitmeinungsnetzwerkes Hodentumoren“, das

für eine bessere Versorgung und Therapie bei

Hodenkrebs sorgt.

Zweitmeinung bei Hodenkrebs

Da Hodenkrebs eine seltene Erkrankung ist,

sind die Erfahrungen in den meisten Praxen und

Kliniken eher gering. Die Behandlungserfahrung

der Ärzte hat jedoch einen wichtigen Einfluss

Prof. Dr.med. Mark Schrader (Mitte) im Gespräch mit Fachkollegen, den Urologen Dr.med. Olaf Wenzel (links) und Dr. med. Thomas Nitzke.

auf den Erfolg der Therapie. Um effektiver entscheiden

zu können, welche Therapie die richtige

ist, kann sich der behandelnde Arzt nach Diagnosestellung

über das „Zweitmeinungsnetzwerk

Hodentumoren“ online unterstützen lassen und

eine Zweitmeinung einholen. „2017 wurde so für

jeden dritten Patienten mit Erstdiagnose Hodenkrebs

eine Zweitmeinung über unser Netzwerk in

Deutschland erstellt“, sagt Prof. Schrader.

Das Einholen einer Zweitmeinung führt bei

etwa 40 Prozent der Fälle zu einer Änderung

des Therapiekonzepts. Dem behandelnden Arzt

wird dadurch die Sicherheit gegeben, dass der

erstellte Behandlungsplan richtig ist. Zudem verbessert

eine zweite Meinung die Prognose: Eine

ausreichende Behandlungserfahrung von mehr

als 20 Patienten mit Hodenkrebs, so stellte eine

Studie der Kassenärztlichen Vereinigung fest, sei

einer der drei wichtigsten Prognosefaktoren.

Das Helios Klinikum Berlin Buch ist auch in

dieser Hinsicht hervorragend ausgestattet: Der

Fachbereich Urologie ist eines der nationalen

Zweitmeinungszentren für Hodentumoren. Das

Zentrum ist hoch spezialisiert und berät Fachkollegen

und Patienten. Pro Jahr erreichen mehr

als 300 Zweitmeinungsanfragen die Experten im

Zentrum Berlin-Buch.

Innovatives non profit-Projekt

Über die Internetseite www.zm-hodentumor.de

können Urologen anonymisiert Patientendaten

an einen Hodentumorspezialisten übermitteln

und erhalten in der Regel innerhalb von 48

Stunden eine Zweitmeinung mit einer Behandlungsempfehlung.

Unabhängig von der Versicherung

können Ärzte das Portal für Patienten

nutzen und für die Patienten fallen keine Kosten

an. Das Projekt wurde zunächst durch die

Deutsche Krebshilfe und die „Gert und Susanna

Meyer Stiftung“ sowie aktuell durch die Deutsche

Gesellschaft für Urologie e.V., die aQua-

Institut GmbH und die Techniker Krankenkasse

finanziert.

„Die bisherigen Ergebnisse unserer Arbeit zeigen,

dass eine gemeinsam mit Zweitmeinungszentren

erfolgte Therapieplanung zu einer signifikanten

Verbesserung für Patienten führt. Wenn

noch mehr Ärzte die vereinte Expertise der Urologie-Spezialisten

in Deutschland nutzen, wird die

Versorgungsqualität bei Hodentumoren nachhaltig

verbessert werden“, so Prof. Schrader.

THOMAS OBERLÄNDER/HELIOS KLINIKEN

KREBS-INFOTAG

Am Samstag, den 9. November sprechen

Spezialisten von 9bis 15 Uhr im Helios

Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit

Interessierten über moderne Krebsmedizin.

Arzt und TV-Moderator Dr. Carsten

Lekutat moderiert eine Expertenrunde

zur fachübergreifenden Krebsbehandlung.

Interessierte können sich über die Website

anmelden, aber auch spontane Teilnehmer

sind herzlich willkommen:

www.helios-gesundheit.de/

krebs-weiter-leben


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 17 *

·························································································································································································································································································

Wissenschaft

Entstand der

aufrechte Gang

im Allgäu?

Darauf deuten Fossilien

eines Menschenaffen hin

Der aufrechte Gang des heutigen

Menschen könnte sich in Europa

und nicht wie bislang angenommen

in Afrika entwickelt haben.

Darauf deuten Funde einer internationalen

Forschergruppe hin. Derim

Unterallgäu entdeckte möglicheVorfahr

von Mensch und Menschenaffe

habe sich wohl bereits vor fast zwölf

Millionen Jahren auf zwei Beinen

fortbewegen können, vermutet ein

Forscherteam um Madelaine Böhme

von der Universität Tübingen und

des SenckenbergCenters for Human

Evolution and Palaeoenvironment in

einer im Fachmagazin Nature veröffentlichten

Studie. Damit hätte dieser

Evolutionsschritt mehrereMillionen

Jahre früher stattgefunden als

bislang angenommen.

Die Funde stellten die bisherige

Sichtweise auf die Evolution der großen

Menschenaffen und des Menschen

grundlegend in Frage, sagt

Böhme. „Dass sich der Prozess des

aufrechten Gangs in Europa vollzog,

erschüttert die Grundfeste der Paläoanthropologie.“

Fund bei BadWörishofen

Das Team hatte zwischen 2015 und

2018 in einem Bachlauf der Tongrube

Hammerschmiede bei BadWörishofen

im Unterallgäu die Fossilien einer

bislang unbekannten Primatenart

entdeckt. Danuvius guggenmosi habe

vor11,62 Millionen Jahren gelebt und

sich wahrscheinlich sowohl auf zwei

Beinen als auch kletternd fortbewegt.

„Bislang war der aufrechte Gang ein

ausschließliches Merkmal von Menschen.

Aber Danuvius war ein Menschenaffe“,

sagt Böhme. Die bislang

ältesten Belege für den aufrechten

Gang sind rund sechs Millionen Jahre

alt und stammen von der Insel Kreta

und aus Kenia.

Aus der Tongrube bargen die Paläontologen

vollständig erhaltene

Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger-und

Zehenknochen –insgesamt

15 Prozent eines Skeletts.„Damit ließ

sich rekonstruieren, wie sich Danuvius

fortbewegte“, sagt Böhme.

„Zum ersten Mal konnten wir mehrere

funktionell wichtige Gelenke –

darunter Ellbogen, Hüfte, Knie und

Sprunggelenk – in einem einzigen

fossilen Skelett dieses Alters untersuchen“,

erläutert die Professorin. „Zu

unserem Erstaunen ähnelten einige

Knochen mehr dem Menschen als

dem Menschenaffen.“

So habe Danuvius seinen Rumpf

durch eine S-förmige Wirbelsäule

aufrecht halten können, während

Menschenaffen lediglich eine einfach

gebogene Wirbelsäule besitzen.

Nach Einschätzung der Forscher war

der neueVorfahr des Menschen etwa

ein Meter groß. Die Weibchen, von

denen ebenfalls Teile eines Exemplars

in der Tongrube gefunden wurden,

dürften etwa 18 Kilogramm gewogen

haben, das gefundene Männchen

31 Kilogramm.

Für Tracy Kivell, Professorin an

der University of Kent, beantwortet

der Fund vor allem einige noch offene

Fragen: Zusammengenommen

böten die Funde das bislang beste

Modell, um zu zeigen, wie ein gemeinsamer

Vorfahr vonMensch und

afrikanischen Menschenaffen ausgesehen

haben könnte, schreibt Kivell

in einer in Nature veröffentlichten

Einschätzung der Studie. (dpa)

Knochenfund des neu entdeckten

menschlichen Vorfahren. DPA/NATURE/JÄCKLE

Einweg-Besteck gibt es bereits seit einigen Jahren auch aus biologisch abbaubaren und kompostierbaren Kunststoffen.

VonHeikeKampe

Im Labor von Sebastian Riedel

und Stefan Junne riecht es leicht

nach Hefe. Die Quelle dieses

Geruchs blubbertineinem kleinen

Bioreaktor vor sich hin. Es sind

Knallgasbakterien der Art Ralstonia

eutropha, die hier heranwachsen. In

jedem Milliliter der trüben, beigefarbenen

Flüssigkeit leben Milliarden

Bakterien. Die beiden Forscher von

der Technischen Universität (TU)

Berlin versorgen die Kultur mit allem,

was die Mikroorganismen benötigen,

um rasch und dicht zu wachsen.

Über Schläuche strömen Sauerstoff,

Spurenelemente,Phosphor und

Stickstoff in den Bioreaktor.Vor allem

aber: organische Fette, die in der Lebensmittel-

und Agrarindustrie als

Abfall entstehen. Ausdiesen Rohstoffen

stellen die Mikroorganismen in

dem vomBundesforschungsministerium

gefördertenVorhaben PHA-Bioup

wertvolles Material her:Bioplastik.

Der Bedarf an Biomasse für die

Bioplastikproduktion dürfte in den

kommenden Jahren enorm steigen.

Schon jetzt konkurriert der Anbau

von Nahrungspflanzen mit dem der

Energiepflanzen auf den begrenzten

Ackerflächen. DieBakterien im Labor

der TU könnten zwar auch reines

Raps- oder Palmöl nutzen –doch die

Forscher aus der Bioverfahrenstechnik

setzen bewusst auf Stoffe,die woanders

übrig bleiben. Wenn die Fettmischung

aus Reststoffen bei Riedel

und Junne ankommt, ist es eine ranzig

riechende braune Paste.Schlachtabfälle,

Lebensmittelreste, altes Frittierfett

sowie Reste aus der Kosmetikindustrie

sind darin verarbeitet.

Bakterien als kleine Fabriken

Das klingt unappetitlich, doch die

Bakterien mögen es.Wenn ihre Zelldichte

hoch genug ist, stellen die

Wissenschaftler die Zufuhr von

Stickstoff ein. DieBakterien stoppen

daraufhin ihrWachstum und werden

zu kleinen Plastikfabriken. In ihrem

Inneren bauen Enzyme die Ausgangsfette

um und zerlegen sie in

einzelne Moleküle.Aus 10 000 dieser

Grundbausteine, den Monomeren,

entsteht eine neueVerbindung: Polyhydroxyalkanoat,

kurzPHA.

Diese Substanz ist wasserunlöslich

und farb- und geruchlos. Eshat

alle Eigenschaften, die für einen

Kunststoff notwendig sind. Auch in

der Natur nutzt das weltweit im Boden

vorkommende Bakterium R. eutropha

PHA als Energiereserve für

schlechte Zeiten und lagert Depots

der Substanz in seinem Zellinneren.

Vorallem aber hat PHA anderen

Biokunststoffen und erst recht dem

Besteck aus Frittenfett

Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin machen aus Abfall Bioplastik

Herstellung von Bioplastik

Abfallfette

Zutaten:

Stickstoff und

Mineralsalzlösung

Luft

Rührer: mischt

Substanzen

und verteilt

Luftblasen

Bioreaktor

Der Begriff Bioplastik wird

nicht einheitlich gebraucht.

Einigedazu zählende Verbindungen

sind biologisch abbaubar,basieren

aber auf

Erdöl. Andere werden aus

nachwachsenden Rohstoffen

hergestellt, sind aber genauso

langlebig wie herkömmliches

Plastik.

Im Bioreaktor produzieren

die Bakterien PHA aus

Abfallfetten.

BLZ/HECHER; QUELLE: ALINA GOLDBERG UND SEBASTIAN L. RIEDEL/TU BERLIN

PHA IST BESONDERS GUT ABBAUBAR

DieAbbaubarkeit: Nurdie

Hälftedes produzierten Bioplastiks

ist biologischabbaubar.

Besonders positiv

schneidet dabei der Kunststoff

PHAab, der noch ein Nischenprodukt

ist. Insgesamt

sind derzeit 2der 450MillionenTonnen,

die jährlichproduziert

werden,Bioplastik.

Bakterium

PHA (Polyhydroxyalkanoat)

Bakterien speichern PHA

im Inneren der Zelle

Nach der Kultivierung wird

das PHA aus den Zellen für

die Verarbeitung isoliert.

Die Kosten: Biokunststoffe

kosten 0,20 bis 1Euro pro

Kilo. PLA, das aus Milchsäure

hergestellt wird, gibt

es für 0,5 bis 2Euro. PHA,

für das Pflanzenöle, aber

auch Abfallfette verwendet

werden können, kostet 3bis

15 Euro. Künftig sollen es

wenigerals 2Eurosein.

auf Erdöl basierten Plastik eine wichtige

Eigenschaft voraus: Bakterien

oder Pilze bauen es unter gemäßigten

Temperaturen innerhalb von

Wochen oder Monaten komplett ab.

AndereBiokunststoffe benötigen dafür

viel höhere Temperaturen und

mehr Zeit, herkömmliches Plastik

überdauert oftmals gar Hunderte

vonJahren im Boden und im Meer.

PHA kennt man schon seit den

1920er-Jahren, in den 80ern kamen

erste Produkte auf den Markt. Nun

hoffen Riedel und Junne auf den großen

Durchbruch des Materials.Zum

einen durch den gesellschaftlichen

und politischen Druck, zum anderen,

weil Bioplastik zunehmend

auch ökonomisch konkurrenzfähig

zu erdölbasierten Kunststoffen ist.

„Das Thema wird immer wichtiger“,

bestätigt Anika Bockisch. Die

Geschäftsführerin des Netzwerks

Bio-Pat bringt all jene zusammen,

die Technologien rund um den Bioprozess

entwickeln, um ihn effizienter

und besser beherrschbar zu machen

und dies schließlich zu vermarkten.

Bisher gehören mehr als 20

Unternehmen und Forschungseinrichtungen

dem Verein an, der erst

im Juli seine Arbeit aufgenommen

hat. Auch das Team vom Fachgebiet

Bioverfahrenstechnik der TU ist in

dem Netzwerk organisiert und

tauscht in seinem aktuellen Projekt

Know-how und Erfahrungen mit

den Netzwerkpartnernaus.

Seit 2009 arbeitet Sebastian Riedel

daran, PHA von Knallgasbakterien

produzieren zu lassen. Das

Neue an seinem Ansatz ist, verschiedene

biogene Reststoffe flexibel zu

nutzen. Die Grundbausteine unterscheiden

sich dadurch leicht in ihrer

chemischen Struktur. Über den Anteil

dieser verschiedenen Bausteine

können die Eigenschaften des Materials,etwa

seine Flexibilität und Elastizität,

gesteuertwerden.

Rund 60 Stunden benötigen die

Bakterien im Labor,umdie zugeführten

Fette umzusetzen. Ihr Inneres ist

dann prall gefüllt mit PHA, 70 bis 75

Prozentder Biomasse besteht aus Bioplastik.

Aus einem Liter Kultur gewinnen

die Forscher 100 Gramm Biokunststoff,

den Industriepartner mit

Lösungsmitteln aus den gefriergetrockneten

Zellen isolieren. Am Ende

GETTY IMAGES

kann er die unterschiedlichsten Formen

annehmen. „Das stammt alles

aus einem Versuch, ist nur anders

aufgearbeitet“, sagt Riedel und zeigt

auf Fläschchen mit Plastikproben, die

eine milchige dünne Folie, styroporartige

Krümel oder ein feines weißes

Pulver enthalten.

Die möglichen Anwendungen

sind ebenfalls vielfältig. Erste Beispiele

gibt es für Granulate mit

Düngemitteln, die auf dem Feld ausgebracht

langsam abgebaut werden

und dabei die Nährstoffe freisetzen.

Auch medizinische Produkte wie

Operationsfäden und Knochenfüllmaterial

existieren bereits. Haushaltsgegenstände,

Folien, Zusätze

für Kosmetikartikel – all diese Anwendungen

werden in den kommenden

Jahren zunehmen, sind die

Forscher überzeugt. Die PHA-Proben

aus ihrem Labor testen sie gemeinsam

mit Industrie- und Forschungspartnern.

Ein Hersteller von

Funktionsbekleidung etwa möchte

das Material für seine Produkte nutzen.

Dafür muss das Bioplastik in Fadenformgebrachtwerden.

Bislang können in den Laboren

der Bioverfahrenstechnik bis zu zehn

Kilogramm Kunststoff pro Kultivierung

hergestellt werden. Doch ein

größerer Bioreaktor steht schon bereit.

Statt in5bis 100 Litern werden

die Bakterien künftig in mehreren

tausend Litern Nährmedium heranwachsen.

DasZiel ist es,die Prozesse

weiter zu optimieren, um die Produktion

schließlich auf industrielle Maßstäbe

zu heben und Kosten zu sparen.

Recycling trotzdem wichtig

Außerdem testen die Forscher weitereSubstrate,umdas

Spektrum der

nutzbaren Ressourcen zu erweitern.

„Die große Herausforderung ist es

dabei, keine Einbußen in der Produktqualität

zu haben“, erklärt

Junne, denn mit den Ausgangsstoffen

verändern sich auch die Eigenschaften

des PHAs. Derzeit laufen

erste Versuche mit Lebensmittelresten,

die von rund 3000 verschiedenen

Bakterienspezies „vorverdaut“

werden. Dasdabei entstehende Zwischenprodukt

dient als Ausgangsstoff

für die Produktion vonPHA.

Bei allem Enthusiasmus ist klar:

Auch dieRohstoffe für Bioplastik sind

endlich. 450 MillionenTonnen Plastik

werden derzeit jährlich weltweit produziert.

„Selbst alle biogenen Ressourcen

aus Reststoffen zusammen

reichen nicht aus,umsoviel Bioplastik

zu produzieren“, sagt Stefan

Junne. PHA sei ein Baustein in einer

Gesamtstrategie.Und dazu zählt: den

Plastikverbrauch reduzieren und die

Recyclingrate erhöhen.

Phänomen

El Niño kommt

2020 wieder

Erstmals besonders frühe

Prognose möglich

Das Wetterphänomen El Niño

wird nach Einschätzung von

Forschern aus Deutschland und Israel

wahrscheinlich Ende 2020 in der

Pazifikregion wieder auftreten. Die

Prognose beruhe auf einem Algorithmus,

mit dem die Lufttemperaturen

im Pazifikraum analysiertwerden,

teilte die Universität Gießen

mit. Damit sei eine Vorhersage deutlich

früher möglich. Bereits die beiden

letzten El-Niño-Ereignisse hätten

mit längerem Vorlauf korrekt

prognostiziertwerden können.

Dasalle paar Jahreinunregelmäßigen

Abständen auftretende Phänomen

wird von wärmeren Wassertemperaturen

im tropischen Pazifik

ausgelöst. In der Folge verschieben

sich aufgrund vonveränderten Luftund

Meeresströmungen weltweit

Wetterbedingungen. Als wichtigstes

Phänomen natürlicher Klima-

Schwankungen kann El Niño etwa

Überflutungen in Südamerika auslösen,

Dürren in Australien und Missernten

in Indien.

„Die konventionellen Methoden

sind nicht zu einer verlässlichen El-

Niño-Prognose mehr als sechs Monate

im Voraus in der Lage“, sagte

der beteiligte Gießener Physiker Armin

Bunde. Eine frühere Prognose

könne Landwirten in Südamerika,

Asien und Australien helfen, sich auf

die möglichen Folgen besser vorzubereiten.

Dasverwendete Modell erlaube

die Vorhersage, dass mit einer

Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent

El Niño im kommenden Jahr erneut

auftreten werde, schreiben die Forscher

um Josef Ludescher vomPotsdam-Institut

für Klimafolgenforschung.

Über die Stärke von ElNiño

können die Wissenschaftler noch

keine Aussage treffen.

Der El Niño hat seine Ursache

nicht im Klimawandel. Er wirddurch

die globale Erwärmung aber vermutlich

häufiger und stärker. (dpa)

Forscher erinnern

sich an den Tag

des Mauerfalls

Projekt des MDC zum

Thema „Mein 9. November“

Dreißig Jahre nach der gewaltfreien

Revolution und dem Fall

der Mauer veröffentlicht das Max-

Delbrück-Centrum für Molekulare

Medizin (MDC) in Berlin-Buch Erinnerungen

und Reflexionen von Forschern

und anderen Mitarbeitern –

als „ein Stück Geschichtsschreibung

von unten“. Insgesamt kommen im

Projekt „Mein 9. November“ 41 Menschen

aus Ostund West zu Wort.

So schreibt der bekannte Molekularbiologe

und Bürgerrechtler Jens

Reich einen Essay über „Die doppeldeutige

Revolution“. Der Fahrer

Mike Brüggert, damals 19 Jahre alt,

erinnertsich an seine Flucht über die

ungarisch-österreichische Grenze.

Der Physiker Thoralf Niendorf erzählt

vonden Montagsdemos,andenen

er als Student in Leipzig teilnahm.

Die ehemalige Institutsdirektorin

Gudrun Erzgräber berichtet

von Skepsis und Sorgen nach dem

Mauerfall. Der Hirnforscher Helmut

Kettenmann erzählt über seinen

Aufbruch von Heidelberg nach Berlin.

Und Oksana Seumenicht, eine

Wissenschaftlerin aus Kiew,schreibt

über den Wert der Freiheit.

DasMDC war 1992 aus drei Instituten

der einstigen Akademie der

Wissenschaften der DDR hervorgegangen.

(BLZ)

DasInternet-Projekt findet sich unter:

www.mdc-berlin.de/de/9november


18 * Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Sport

Asyl in Moabit: Lichtenberg wird am Sonntag und an zwei weiteren Terminen im Poststadion Heimspiele austragen. Dort, wo der Regionalligist Berliner AK zu Hause ist.

IMAGO IMAGES/KOCH

Ein Gen geht auf Reisen

Regionalligist Lichtenberg 47 zieht für das Duell mit Erfurt aus Sicherheitsgründen ins Poststadion um. Das gesamte Inventar muss mit. Ein logistischer Kraftakt

VonMichael Jahn

Das jüngste Lob für den

Regionalliga-Aufsteiger

Lichtenberg 47kam von

Andreas Neuendorf, genannt

Zecke, dem einstigen Publikumsliebling

von Hertha BSC. Neuendorf,

seit dieser Saison Trainer der

U23 vonHertha, verteilte es nach der

überraschenden 2:4-Heimniederlage

seiner Mannschaft gegen Lichtenberg.

„Es gibt Niederlagen, da

habe ich tagelang einen elend langen

Hals“, sagte Neuendorf, „aber

heute kann ich, ehrlich gesagt, damit

leben. Als ein Fußball liebender

Mensch kann ich den Lichtenberger

Spielernnur gratulieren.“

Der couragierte und spielerisch

starke Auftritt der Mannschaft von

Trainer Uwe Lehmann hatte auch

Neuendorf sehr imponiert. Der Aufsteiger,

dessen Akteure allesamt einer

Arbeit nachgehen oder studieren,

hat sich bis auf Rang neun in der

Tabelle vorgeschoben und elf seiner

bislang 19 Punkte in der heimischen

Hans-Zoschke-Arena, einem reinen

schmucken Fußballstadion, errungen.

Nun aber beginnt gezwungenermaßen

der vorübergehende Umzug

ins rund zehn Kilometer entfernte

Poststadion nach Moabit, wo

47-Manager Benjamin Plötz im Zoschke-Stadion, das jetzt umgerüstet wird.

am Sonntag die Partie gegen Rot-

Weiß Erfurt ausgetragen wird (13.30

Uhr).

Lichtenberg muss strenge Auflagen

des Nordostdeutschen Fußball-

Verbandes (NOFV) erfüllen und einen

großen Sicherheitszaun rund

um den Gästeblock errichten lassen.

Vorallem wenn Teams ins Zoschke

kommen, die zahlreiche Fans mit

nach Berlin bringen, wäredie Sicherheit

nicht mehr zu hundert Prozent

gewährleistet. Es geht etwa um die

Duelle gegen Energie Cottbus, Rot-

Weiß Erfurt, den BFC Dynamo und

auch Lok Leipzig.

Das Bezirksamt Lichtenberg ist

der Eigentümer des Hans-Zoschke-

Stadions, Lichtenberg 47der Hauptnutzer.

Die Kosten für den Sicherheitszaun,

rund 200 000 Euro, übernimmt

der Bezirk, der auch für weitere

Umbauten in den Jahren 2020

und 2021 zuständig ist. Das betrifft

eine dringend notwendige Flutlichtanlage

und die Überdachung der

Sitzplatztribüne.

In dieser Woche aber beginnt Teil

eins des Umzugs ins Poststadion, wo

auch Liga-Konkurrent Berliner AK

seine Heimspiele austrägt. Neben

der Partie gegen Erfurtmuss 47 zwei

weitereDuelle in der Fremde organisieren,

am 1. Dezember gegen Energie

Cottbus und am 8. Dezember gegen

den VfB Auerbach. „Das wird

eine große Herausforderung“, sagt

Geschäftsführer Henry Berthy, „wir

müssen ja jeden Löffel und jeden Becher

mitnehmen.“

Benjamin Plötz, der Sportliche

Leiter der Lichtenberger, war nach

einer Besichtigung der Ausweichspielstätte

begeistert. „Das Poststadion

ist top. Haupttribüne, Zäune,

Toiletten, VIP-Räume oder auch die

UHLEMANN

Sprecherkabine – alles hat extrem

hohe Qualität. Und auch der Rasen

ist super.“

Plötz sagt, es komme nun darauf

an, eine Heimspiel-Atmosphäre für

Mannschaft und Anhänger zu schaffen.

„Wir müssen das 47er-Gen ins

Poststadion übertragen.“ Er glaubt,

dass die angestammten Anhänger

der Mannschaft auch ins Ausweichquartier

folgen werden. „Gerade mit

Erfurt und Cottbus kommen namhafte

Gegner, und wir brauchen unser

Publikum.“

Das bislang letzte Duell bei der

U23 vonHertha BSC –das Team von

Trainer Neuendorf war lange Tabellenführer

der Liga –könnte noch einmal

einen Schub in Sachen Zuschauer

ausgelöst haben, glaubt

Plötz. Gut 300 Fans der Lichtenberger

waren ins Amateurstadion auf

dem Olympiagelände gekommen,

um ihr Team zu unterstützen.

Die Mannschaft um den starken

Keeper Niklas Wollert oder die Anführer

Sebastian Reiniger, Christian

Gawe und Thomas Brechler nimmt

den Umzug professionell, wird sich

auf die neuen Gegebenheiten einstellen.

Im Moment trainiert das

Team allerdings nur auf Kunstrasen,

weil im Zoschke rund um den heimischen

Naturrasen kein Flutlicht vorhanden

ist. DasTraining kann erst ab

18 Uhr stattfinden, weil alle Spieler

spät vonder Arbeit kommen. Undda

ist es längst dunkel.

Benjamin Plötz hofft nun, dass

bald eine Planungsgruppe gebildet

wird, in der Vertreter des Bezirks, des

Vereins und anderer wichtiger Institutionen

zusammenkommen, um

alle Umbauarbeiten voranzubringen.

„Da muss auch Tempo rein“,

fordert der Manager. Das erste Spiel

der Rückrunde gegen den ZFC Meuselwitz

soll am 2. Februar wieder im

Zoschke-Stadion stattfinden.

Sportlich hat sich der Aufsteiger

gemausert. Das Team des umsichtigen

Trainers UweLehmann lebt vom

Zusammenhalt, vom großen Teamgeist

und seiner Spielkultur.Nach einer

zwischenzeitlichen Negativserie

trumpfte die Mannschaft groß auf,

besiegte nacheinander die Spitzenmannschaften

der VSG Altglienicke

(2:1) und eben die mit Profis bestückte

U23 von Hertha. „Wir haben

die Regionalliga hinbekommen, wissen,

wie sie funktioniert“, lobt Plötz

Trainer und Spieler.

Am Mittwoch nun begann der

aufwendige Umzug ins Poststadion,

am Sonnabend startet der Aufbau.

„Alles muss mit“, sagt Plötz noch

einmal,„vom Banner fürdie Sponsoren

über Fahnenstangen bis zu den

Tickets.“ Gegner Erfurt wirdmit großem

Anhang kommen. 300 Fans haben

sich angesagt. Das sollte viele

Lichtenberger animieren, ihrer

Mannschaft nach Moabit zu folgen.

Michael Jahn

freut sich auf einspannendes

Gastspiel in Moabit.

Immobilienwelten

Magazin für Immobilien, Wohnen, Bauen und Design

Lesen Sie am 09.11.2019 in Ihrer Zeitung:

Gemütlicher Mittelpunkt – Das Wohnzimmer

Kurz &gut – Neues rund um den Immobiliensektor

Rechtsexperten antworten – Ihre Leserfragen zu Miete und Eigentum

Lesen Sie am 16.11.2019:

Sonderthema – Traumhäuser und Traumwohnungen

JETZT ANZEIGE SCHALTEN!

Michael Groppel

030 2327-6594

Marcus Jürgens

030 2327-5518

Glänzende

Perspektive

E-Mail und Fax

berlin.immobilien@dumont.de, 030 2327-5261

Das Eis-Experiment

Beim Deutschland Cup sichtet Bundestrainer Söderholm die zweite Eishockey-Garde

VonBenedikt Paetzholdt

Der Deutschland Cup stellt alle

Bundestrainer der deutschen

Eishockey-Nationalmannschaft vor

das gleiche Problem: Knappe zwei

Monate nach dem Saisonstart nehmen

die Verletzungen und Wehwehchen

zu. Zahlreiche Leistungsträger

sollen die Pause deshalb nutzen, um

sich auszukurieren, anstatt bei diesem

Traditionsturnier aufzulaufen,

das seit vergangenem Jahr in Krefeld

ausgetragen wird.

Toni Söderholm, der finnische

Bundestrainer des deutschen Teams,

41, versteht die einmal mehr angespannte

Personallage nicht als Bürde

bei seiner Turnierpremiere. „Es ist

die erste Möglichkeit für die Spieler,

sich für die nächste WM zu bewerben“,

sagt er vor dem Auftakt gegen

Russland am Donnerstag (19.45 Uhr,

Sport 1). Für diese Partie, genauso

wie für die Duelle mit der Schweiz

(Sonnabend) und der Slowakei

(Sonnabend) erwartet er entsprechend

einsatzwillige Spieler, die die

Abwesenheit der NHL-Cracks und

zahlreicher WM-Teilnehmer nutzen

wollen. „Im Hintergrund steht auch

Olympia. Auch dafür sind es die ersten

Schritte“, weiß Söderholm.

Eine derartige Planungssicherheit

beim Deutschen Eishockey-

Eistüftler:Trainer Toni Söderholm

DPA

Bund (DEB) ist eine von vielen Nebenwirkungen

des Aufschwungs

dieser Sportart. Musste sich Vorgänger

Marco Sturm mit seinem Team

noch mühsam durch die Qualifikation

für die Spiele 2018 in Pyeongchang

quälen, hat sich Söderholms

Mannschaft mit dem Viertelfinaleinzug

im Vorjahr in der Slowakei den

Zuschlag für Peking gesichert. Entsprechend

kann der begnadete Eishockey-Tüftler

schon jetzt mit der

langfristigen Planung beginnen.

Bei allen anstehenden Großveranstaltungen

hofft Söderholm natürlich

darauf, auf möglichst viel

NHL-Personal zurückgreifen zu können.

Allerdings entscheidet sich von

Jahr zu Jahr erst kurzfristig, auf wen

das deutsche Team bei einer WM

bauen kann; abhängig vom Abschneiden

der jeweiligen Teams bei

den Play-offs. Obdie Übersee-Profis

bei Olympia 2022 dabei sein dürfen,

steht noch nicht fest. 2018 hatte die

nordamerikanische Liga ihren Profis

ja untersagt, daran teilzunehmen.

Berliner DuoimEinsatz

Umso wichtiger ist es also, auf Führungsspieler

setzen zu können, die

hierzulande tätig sind. Marcel Noebels

und Jonas Müller gehören dazu.

Die Eisbären sind Teil des Sextetts

beim Deutschland Cup, dasauch bei

der WM 2018 spielte −Leo Pföderl

muss angeschlagen passen. Zusätzlich

braucht es aber eben jene Spieler,die

bislang eher unter dem Radar

spielen, aber eines Tages Verantwortung

tragen können. „Ich bin immer

blauäugig bei den eigenen Spielern“,

sagt Söderholm. Für ihn und die entsprechenden

Spieler ist der Deutschland

Cup die richtig Plattform zum

Ausprobieren. Da sind auch die vielen

fehlenden Leistungsträger verschmerzbar.


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 19 *

·························································································································································································································································································

Sport

Gruppe A

Fußball

Champions League, 4. Spieltag

Real Madrid -GalatasarayIstanbul 6:0 (4:0)

Paris Saint-Germain -FCBrügge 1:0 (1:0)

1. Paris Saint-Germain 410:0 12

2. Real Madrid 4 9:5 7

3. FC Brügge 4 2:8 2

4. Galatasaray 4 0:8 1

Gruppe B

Bayern München -Olympiakos Piräus 2:0 (0:0)

RS Belgrad -Tottenham Hotspur 0:4 (0:1)

1. Bayern München 4 15: 412

2. Tottenham Hotspur 4 13: 9 7

3. Roter SternBelgrad 4 3:13 3

4. Olympiakos Piräus 4 5:10 1

Gruppe C

Atalanta Bergamo -Manchester City 1:1 (0:1)

Dinamo Zagreb -Schachtjor Donezk 3:3 (1:1)

1. Manchester City 4 11: 210

2. Dinamo Zagreb 4 9: 7 5

3. Schachtjor Donezk 4 7: 9 5

4. Atalanta Bergamo 4 3:12 1

Gruppe D

LokomotiveMoskau -Juventus Turin 1:2 (1:1)

BayerLeverkusen -Atlético Madrid 2:1 (1:0)

1. Juventus Turin 4 9:4 10

2. Atlético Madrid 4 6:4 7

3. LokomotiveMoskau 4 4:7 3

4. BayerLeverkusen 4 3:7 3

Gruppe E

FC Liverpool -KRC Genk 2:1 (1:1)

SSC Neapel -RBSalzburg 1:1 (1:1)

1. FC Liverpool 4 10: 7 9

2. SSC Neapel 4 6: 3 8

3. RB Salzburg 4 12:10 4

4. KRC Genk 4 4:12 1

Gruppe F

FC Barcelona -Slavia Prag 0:0

Borussia Dortmund -Inter Mailand 3:2 (0:2)

1. FC Barcelona 4 4:2 8

2. Borussia Dortmund 4 5:4 7

3. Inter Mailand 4 6:6 4

4. Slavia Prag 4 2:5 2

Gruppe G

Zenit St. Petersburg -RBLeipzig 0:2 (0:1)

Olympique Lyon -Benfica Lissabon 3:1 (2:0)

1. RB Leipzig 4 6:4 9

2. Olympique Lyon 4 7:4 7

3. Zenit St. Petersburg 4 5:6 4

4. Benfica Lissabon 4 5:9 3

Gruppe H

ZAHLEN

FC Valencia -OSC Lille 4:1 (0:1)

FC Chelsea -Ajax Amsterdam 4:4 (1:3)

1. Ajax Amsterdam 4 10: 5 7

2. Chelsea London 4 7: 6 7

Offensive Anarchie

Achraf Hakimi führt den BVB zum Erfolg gegen Inter Mailand und wird von einem Ordnungsfanatiker gelobt

VonDaniel Theweleit, Dortmund

Spät in dieser zauberhaften

Fußballnacht kam es zu einer

letzten zufälligen Begegnung

des Helden mit seinem

Trainer. Nach einer wilden

Show eilte der zweimalige Torschütze

Achraf Hakimi dem Kleinbus

entgegen, der ihn vomOrt seiner

Großtaten fortbringen sollte, als Lucien

Favre auftauchte und ihm mit

erhobenem Zeigefinger ein paar

letzte Gute-Nacht-Worte zuraunte.

Dann verschwand Hakimi flankiert

von ein paar in schwarz gekleideten

Kumpels,die aussahen wie eine Hip-

Hop-Gang aus der Pariser Banlieue.

Favre kennt seine Jungs, zuletzt

musste er mitansehen, wie sich Jadon

Sancho ein wenig zu sehr seiner

Hybris hingab und nun längst nicht

mehr so brillant Fußball spielt wie in

seinen besten Phasen. Da kann sicher

auch Hakimi ein wenig Erdung

gebrauchen, denn der Marokkaner

fliegt spätestens nach diesem magischen

3:2 gegen Inter Mailand ganz

weit oben in den Sphären der Fußballgötter.

Mit 0:2 Toren hatte der BVB zur

Pause zurückgelegen, wieder waren

vermeidbare Fehler beim Verteidigen

passiert. Doch Hakimis elektrisierende

Energie machte die Wende

möglich. Zwei Tore schoss der noch

bis zum Sommer von Real Madrid

ausgeliehene Profi, damit hat er als

gelernter Rechtsverteidiger vier der

fünf Dortmunder Champions-

League-Treffer der Saison erzielt.

Undsein Treffer zum 1:2 war typisch

für sein unberechenbares Spiel. Am

Mittelkreis eroberte er den Ball.

Während der Angriff weiterlief,

sprintete er in den Strafraum und

lenkte einen Rückpass von Mario

Götzeaus kurzerDistanz ins Tor.

„Diese Gier,diese Verrücktheit“

Ende einer wilden Show: Achraf Hakimi jubelt in der Champions League. GETTY IMAGES/SCHÜLER

Die Welle rollt

Hakimi hatte Räume gefunden, in

denen Rechtsverteidiger meist nur

in Fällen akuter Orientierungslosigkeit

auftauchen. „Erbringt uns diese

Gier, diese Verrücktheit, diese läuferische

Intensität, das tut unserem

Spiel sehr gut“, sagte Sebastian Kehl,

Leiter der Lizenzspielerabteilung.

Danach wirkte die Mannschaft,

als habe jemand die Energiezufuhr

aufgedreht. Julian Weigl sollte später

von einem Rausch sprechen. Julian

Brandt gelang das 2:2 (64.), bevor

Hakimi den Siegtreffer erzielte (77.).

„Er ist sehr, sehr offensiv, extrem offensiv,

egal ob er Verteidiger spielt

oder Flügelspieler“, sagte Favre später

über Hakimi. Diesen Worten war

eine Zerrissenheit zwischen Begeisterung

und inneren Widerständen

angesichts der Unberechenbarkeit

Hakimis zu entnehmen. Favre mag

Kontrolle, Hakimi ist bereit, taktische

Pflichten zugunsten der offensiven

Chance aufzugeben. „Er will

immer nach vorne“, sagte Favre, „er

spürt die Situation sehr, sehr gut.“

Deshalb spielte Hakimi zuletzt meist

auf dem offensiven Flügel.

An diesem Abend kam er mal wieder

hinten zum Einsatz, weshalb der

ehemalige Weltklasseverteidiger Per

Mertesacker als TV-Experte eine gewisse

Mitschuld Hakimis am frühen

0:1 von Lautaro Martinez (5.) erkannte.

Der Dortmunder hätte seinen

Kollegen Manuel Akanji besser

absichern können. Womöglich wird

auch Favrenoch einmal auf diese Situation

hinweisen. Aber das war eine

Kritik auf sehr hohem Niveau, denn

der Hauptfehler war Akanji unterlaufen.

Und am Ende waren alle

dankbar, dass Hakimi endlich mal

wieder diesen Ur-BVB geweckt hatte.

„Das war richtiger BVB-Fußball, sehr

intensiv,sehr mutig“, sagte Kehl.

Diesmal spielte das Team schon

in der ersten Hälfte nicht diesen

übergeduldigen Sicherheitsfußball,

wie er zuletzt häufiger zu sehen war,

die Mannschaft fand viele Wege in

den Strafraum, der Haken: Zwei

kleine Fehler wurden mit zwei Gegentreffern

bestraft. Favre war aber

nicht sauer, das Offensivspiel hatte

ihm gefallen, der BVB habe insgesamt

mit viel „Geduld, Tempo und

Intensität“ agiert, sagte der Trainer.

Favres Entwicklung

Immer noch lag eine sanfte Euphorie

in seiner Stimme,nachdem er in den

finalen Minuten an der Seitenlinie

herumgesprungen war. Mitunter

rannte er auf den Platz, um taktische

Anweisungen zu geben, und am

Ende gab es ein Lob des Geschäftsführers

Hans-Joachim Watzke, der

sich während der vergangenen Wochen

intern zunehmend kritisch zu

dem Schweizer Trainer geäußert haben

soll. „Auch er hat überlegt: Was

kann ich verändern? Er lebt das.Das

gefällt mir“, sagte Watzke nach dem

Abpfiff über Favres Entwicklung.

Rechtzeitig zum Duell beim FC

Bayern scheinen die Dortmunder

wieder zu sich gefunden zu haben:

DerTrainer ist zufrieden, der Spielstil

findet Anerkennung, Mut sowie

Selbstvertrauen sind zurück, und in

Hakimi haben sie nun auch einen

aufblühenden Star in Hochform.

Mit dem 2:0 in St. Petersburg beweist Herthas nächster Gegner RB Leipzig, dass seine Formkurve weiter ansteigt

NACHRICHTEN

1. FC Union testet gegen

Kiel in der Länderspielpause

FUSSBALL. Bundesligist 1. FC Union

Berlin nutzt die Länderspielpause zu

einem Testmatch. Zweitligist Holstein

Kiel gastiertam13. November

im Stadion An der Alten Försterei.

Um 17.30 Uhrwirddie Partie angepfiffen,

Kinder bis zwölf Jahrehaben

freien Eintritt.

Maier startet bei Hertha

mit Individual-Training

FUSSBALL. Herthas Arne Maier hat

nach langer Verletzungspause einen

erneuten Anlauf für eine Rückkehr in

die erste Mannschaft unternommen.

„Arne Maier ist das erste Mal

raus nach der Reha“, sagte Hertha-

Pressesprecher Marcus Jung am

Mittwoch. Maier hatte gemeinsam

mit Athletiktrainer Hendrik Vieth ein

Individualtraining bestritten.

Neuer Code der Wada tritt

2021 in Kraft

DOPING. DieDebatte über den

neuen Welt-Antidoping-Code ist auf

der Welt-Antidoping-Konferenz am

Mittwoch in Polen abgeschlossen

worden. DerWada-Kodex muss am

Donnerstag vomGründungskomitee

der Wada gebilligt werden. „Es ist

der stärkste und robusteste Wada-

Code,den wir bislang hatten“, sagte

Lars Mortsiefer,Vorstand der Nationalen

Antidoping-Agentur.Der neue

Code tritt am 1. Januar 2021 in Kraft.

IAAF kürzt Programm der

Diamond League

Nicht mehr im Finale der Diamond League

dabei: Gesa-Felicitas Krause. IMAGO IMAGES

LEICHTATHLETIK. DerLeichtathletik-Weltverband

(IAAF) hat das Programm

der Diamond League für die

kommende Saison von32auf 24

Wettbewerbe gekürzt. Betroffen von

der Streichung sind HindernisläuferinGesa-Felicitas

Krause und Diskus-Olympiasieger

Christoph Harting.

Neben 3000 mHindernis und

Diskuswerfen zählen die 200 mund

Dreisprung nicht mehr zu den Disziplinen,

in denen Diamond-League-

Gesamtsieger gekürtwerden.

3. FC Valencia 4 6: 5 7

4. OSC Lille 4 3:10 1

Europa League, 4. Spieltag

Vitoria Guimaraes -FCArsenal 1:1 (0:0)

FC Astana -AZAlkmaar Do., 16.50 Uhr

Apoel Nikosia -Qarabag Agdam Do., 18.55 Uhr

F91 Dudelange-FCSevilla Do., 18.55 Uhr

FC Kopenhagen -Dynamo Kiew Do., 18.55 Uhr

FC Lugano -Malmö FF Do., 18.55 Uhr

FC Basel -FCGetafe

Do., 18.55 Uhr

FK Krasnodar -Trabzonspor Do., 18.55 Uhr

Trondheim -Sport. Lissabon Do., 18.55 Uhr

Linzer ASK -PSV Eindhoven Do., 18.55 Uhr

Lazio Rom -Celtic Glasgow Do., 18.55 Uhr

CFR Cluj -Stade Rennes Do., 18.55 Uhr

Standard Lüttich -Eintr.Frankfurt Do., 18.55 Uhr

Feyenoord Rotterdam -Young Boys Do., 21.00 Uhr

Glasgow Rangers -FCPorto Do., 21.00 Uhr

EspanyolBarcelona -Rasgrad Do., 21.00 Uhr

Ferenc. Budapest -ZSKA Moskau Do., 21.00 Uhr

VfL Wolfsburg -KAA Gent Do., 21.00 Uhr

PFK Oleksandrija -St. Etienne Do., 21.00 Uhr

M’gladbach -ASRom Do., 21.00 Uhr

Wolfsberger AC -Basaksehir Do., 21.00 Uhr

Sporting Braga-Besiktas Do., 21.00 Uhr

Wolverhampton -SlovanBratislava Do., 21.00 Uhr

Manchester United -Partizan Do., 21.00 Uhr

AmTag nach dem beherzten Auftritt

in St. Petersburg und dem

ersten Zu-Null-Spiel in der Champions

League gab Trainer Julian Nagelsmann

seinen Profis erst einmal

trainingsfrei. Äußerst zufrieden waren

der sächsische Bundesligist und

sein neuer Chefcoach abgereist. In

Europas höchster Spielklasse fehlt

RB nach dem 2:0-Erfolg beim russischen

Meister nur noch ein Punkt für

den Einzug in die K.-o.-Runde. Und

in der Liga geht es am Wochenende

zum Lieblingsgegner Hertha BSC.

Gefühlte Langeweile

Marcel Sabitzer erzielte ein Torund bereitete ein weiteres vor.

„Wir müssen jetzt noch einen kleinen

Schritt gehen, dann haben wir

das Achtelfinale gebucht“, sagte Nagelsmann

nach dem souveränen

Spiel seines Teams,das die erst in der

Schlussphase anstürmenden Russen

am Dienstagabend vor 50452 Zuschauernklar

kontrollierthatte.„Die

letzten zwölf Minuten waren dann

schon eher ein langweiliges Fußballspiel,

da hätten wir auch früher nach

Hause fliegen können“, scherzte Nagelsmann,

der sofort anden nächsten

Gegner dachte.„Wir sind auf einer

ganz guten Welle, und die müssen

wir versuchen, weiterzusurfen“,

sagte Nagelsmann vordem Spiel am

Sonnabend (15.30/Sky). Spielmacher

Emil Forsberg, der schon nach

dem 6:1 im DFB-Pokal gegen Wolfsburg

prophezeite, das „alte Leipzig“

sei zurück, drohte gar: „Wir können

immer noch viel mehr machen.“

Doch angesichts von drei Siegen in

drei Wettbewerben und 16:1 Toren

DPA/WOITAS

innerhalb vonsieben Tagen wollte er

„nicht klagen“.

Auffällig bei RB ist derzeit, dass

die Leipziger aus allen Mannschaftsteilen

Torgefahr ausstrahlen. In

Russland traf sogar Diego Demme.

„Er ist ja kein Torjäger, aber er übt

immer mal wieder Schüsse.Ich freue

mich, dass er sich als Arbeitstier, zu

denen er wie auch Konrad Laimer

zählt, auch mal belohnt“, sagte Na-

gelsmann angesichts des Führungstreffers

vonDemme (45.+5). Nach einem

Freistoß Marcel Sabitzers

nutzte der 27-Jährige den Nachschuss

für seinen erst zweiten Treffer

im siebten RB-Jahr.„Ein geiles Ding.

Ich habe mich riesig gefreut. Das

kommt nicht oft vor“, sagte Demme.

Sabitzer (63.) sorgte dann für die

Entscheidung. Neben dem Ergebnis

stimmte auch das Auftreten der

Gäste aus Leipzig. Torhüter Peter Gulacsi

lobte„die ArtundWeise,wie wir

gespielt haben: Mitviel Kontrolle am

Ball, wir haben immer Lösungen gefunden,

geduldig gespielt. Wirhaben

wenig zugelassen.“

Kurz vordem Achtelfinaleinzug

Schon mit einem Remis gegen Benfica

Lissabon in drei Wochen kann

RB den Achtelfinal-Einzug perfekt

machen. Die Lust auf mehr spricht

für die Leipziger Erfolgswelle. „Wir

wollen die drei Punkte holen, das ist

nicht nur wichtig für unseren Verein,

sondern auch für Deutschland, das

ist unser Anspruch“, sagte Ungarns

Nationalkeeper Gulacsi selbstbewusst.

(dpa)

Zweiter Angeklager gesteht

Überfall auf Mesut Özil

FUSSBALL. Nach dem versuchten

Raubüberfall auf Mesut Özil vomFC

Arsenal und seinen Teamkollegen

Sead Kolasinac hat sich auch der

zweite Angeklagte schuldig bekannt.

Der26Jahrealte Jordan Northover

gab vorGericht zu, am 25. Juli versucht

zu haben, den Fußball-Profis

ihreUhren zu stehlen. Bereits Anfang

Oktober hatte der 30 Jahrealte

Ashley Smith die Tatgestanden.

Zukunftspreis für den

Charlottenburger TSV 1858

EHRUNG. DerLandessportbund

Berlin hat den Charlottenburger TSV

1858 für sein Projekt „HOPE–Healthy

Onko People“ mit dem Zukunftspreis

des Berliner Sports ausgezeichnet.

DasProjekt, das voneiner ehemals

leukämiekranken jungen Frau

initiiertwurde,beinhaltet ein Sportangebot

für an Krebs erkrankte Kinder,Jugendliche

und ihreGeschwister.Erist

mit 7000 Euro dotiert.


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 – S eite 20 *

·························································································································································································································································································

Sport

Der Selbstkritiker

VonFelix Magath, mit dem Christian Gentner 2009 Deutscher Meister wurde, hat Unions Mittelfeldspieler gelernt, niemals zufrieden zu sein

VonPatrick Berger

So langsam kommt er in

Fahrt. Routinier Christian

Gentner, den der 1. FC

Union vor der Saison von

Absteiger VfB Stuttgart verpflichtet

hatte, wird für die Eisernen immer

mehr zur erhofften Verstärkung.

Zahlen belegen das: Beim 1:0-Derbysieg

gegen Hertha lief der 34

Jahre alte Profi am meisten. Mit

11,75 Kilometern legte Gentner sogar

eine größere Distanz zurück als

Unions Dauerläufer Robert Andrich

(11,6) und Herthas „Lunge“

Marko Grujic (11,63). Der frühere

Nationalspieler legte zudem 27

Sprints zurück und gab drei Torschüsse

ab. Seinen Auftritt fand er

selbst allerdings nicht so toll. Er sei

durchaus selbstkritisch, sagt Gentner.

„Ich habe mein Spiel nicht so

gut gesehen wie die öffentliche

Wahrnehmung. Im letzten Drittel

habe ich ein paar Mal die falsche

Entscheidung getroffen. Da stimmt

die Abstimmung noch nichtso.“

Magath, der Bessermacher

Routinier:Christian Gentner hat 386 Bundesligaspiele absolviert–neun davon machte er für den 1. FC Union.

Selbstkritisch sein, sich nach guten

Spielen nicht abfeiern lassen, stattdessen

den Finger in die (eigene)

Wunde legen – das hat ihm Felix

Magath, mit dem er 2009 mit dem

VfL Wolfsburg Meister wurde, beigebracht.

Es habe seinerzeit nur

ein paar wenige Spieler gegeben,

erinnert sich Gentner, die von Magath

ständig kritisiert wurden. „Ich

gehörte dazu“, sagt der Mittelfeldspieler

mit einem breiten Grinsen

im Gesicht. „Magath hat mich immer

gepikst und kritisiert. Ich

konnte noch so gut spielen. Anstatt

mir auf die Schulter zu klopfen, hat

er gesagt, was ich besser machen

soll. Ich bin froh, dass das so passiert

ist. Für meine Entwicklung

war das sehr gut.“ Sein vor elf Monaten

verstorbener Vater Herbert

sei da im Übrigen sehr ähnlich gewesen.

„Wir Schwaben haben ein

Sprichwort: Nicht geschimpft ist

gelobt genug.“ Das ist Gentners

Leitsatz.

Als Magath das hört, fängt er an

zu lachen. Der 66Jahre alte Trainer

sitzt in seinem Wohnzimmer in

Aschaffenburg und erinnert sich

gerne an die gemeinsame Zeit mit

Gentner zurück. In 81 Pflichtspielen

trainierte Magath den damals jungen

Spieler. „Ich freue mich, wenn

ich so etwas höre.“ Der Unterfranke,

der in der Fußballszene wegen seines

gefürchteten Konditionstrainings

als „Quälix“ bekannt war, erzählt:

„Ich habe immer versucht,

meine Spieler besser zu machen.

Wenn man weiterkommen will, halte

ich Kritik für unverzichtbar.“

2007 lieh Magath den 21-jährigen

Gentner vom Deutschen Meister

Stuttgart für zwei Jahre indie Autostadt

aus.„Bei aller Kritik, die Christian

unter mir einstecken musste: Er

war mein Stammspieler in der Meistersaison.

Er hat großes Vertrauen

von mir bekommen und eine wichtige

Rolle gespielt.“ Magath traut

Gentner,dessen Formkurve in Köpenick

in den letzten Wochen stark

nach oben zeigt,Vieles zu.„Christian

ist ein sehr schlauer Fußballer, der

sich auch als Persönlichkeit in der

Kabine einbringt. Er ist ein Führungsspieler.

Ich traue ihm zu, dass

er Union zum Klassenerhalt führt.“

BERND KÖNIG

Schon im Sommer habe Magath

den Eisernen zu diesem doch eher

ungewöhnlichen Leih-Transfer gratuliert.

„Ich finde gut, dass Union ihn

geholt hat und Christian diesen

Schritt von Stuttgart nach Berlin

noch mal gewagt hat. Er ruht sich nie

aus, will immer besser werden. Er

kann Union etwas geben. Ich halte

die Verpflichtung für richtig. Es ist

unabdingbar, dass man routinierte

Spieler wie ihn oder Neven Subotic

holt. Erfahrung ist im Abstiegskampf

unheimlich wichtig.“

Neue Qualität der Eisernen

Der umkämpfte Unioner Derbysieg,

der für Magath übrigens „total verdient“

war,hat für Gentner große Bedeutung.

„Die Mannschaft hatte vor

dem Spiel sieben Punkte und hat

wieder mal einer großen Drucksituation

standgehalten. Das ist eine

Stärke.“ Stolz ist Gentner auf die

scheinbar neue Qualität seiner

Mannschaft, Spiele in der Schlussphase

zu entscheiden. „Hertha ist

anders aufgetreten als erwartet, sehr

passiv und hat auf Fehler vonuns gewartet.

Wir haben uns aber nicht locken

lassen, haben nur ganz wenige

Fehler angeboten. Wir wurden nicht

unruhig. Die Mannschaft hat in einer

hitzigen Atmosphäre einen kühlen

Kopf bewahrt.

Das ist

eine Entwicklung.


In die letzte

Länderspielpause

Mitte Oktober

sei man

noch mit vier

Niederlagen gegangen,

blickt Felix Magath

Meistertrainer:

Gentner zurück.

„Das kann dich ganz schön stressen

und im Kopf zweifeln lassen“, weiß

der Altstar.„Aber das ist bei uns nicht

passiert. Es gab keine große Aufregung.

Wirkonnten in Ruhe weiterarbeiten.“

Dierealistische Erwartungshaltung

in Köpenick, wo nur der

Klassenerhalt zähle, sei ein gravierender

Unterschied zu seiner Zeit

beim VfB Stuttgart. „Das macht es

natürlich einfacher. Eine Garantie

dafür,dass wir die Liga halten, ist das

aber nicht.“ Es sei allerdings ein großer

Pluspunkt.

Für das Spiel am Sonnabend

beim FSV Mainz 05, das ein 0:8-

Trauma gegen Leipzig zu verarbeiten

hat, fordertGentner:„Wirwollen uns

nicht nur auf die Alte Försterei verlassen,

sondern auch mal auswärts

gewinnen.“ Dann kommen Gentner

und Co. dem Traum vom Klassenerhalt

wieder ein Stückchen näher.

Magath abschließend: „Ich freue

mich, dass Union schon so viele

Punkte geholt hat. Siehaben das Potenzial,

die Liga zu halten. Ichwürde

mir das wünschen, denn Union ist

eine Bereicherung für die Liga.“

IMAGO IMAGES

Zum Einstand ins Achtelfinale

Beim Debüt von Trainer Hansi Flick zieht der FC Bayern vorzeitig in die K.-o.-Runde der Champions League ein und stärkt sein Selbstbewusstsein vor dem Topspiel gegen Dortmund

VonMaik Rosner,München

Zwischendurch stand Hansi Flick

in seiner Coachingzone und

wirkte ziemlich ungehalten. Seine

Arme schnellten durch die Luft,

energisch gerieten seine Anweisungen.

Der angenehme Hansi, wie ihn

auch die Spieler nennen, war Mitte

der zweiten Halbzeit nur mit Mühe

zu erkennen. Doch bald darauf,

nachdem einmal mehr Robert Lewandowski

getroffen hatte (69.),

wurde auch Flick in seinem ersten

Spiel als Trainer des FC Bayern wieder

ruhiger und umgänglicher.

Am Ende stand der 54-Jährige als

vermutlich einziger Trainer in den

Geschichtsbüchern, der mit seinem

allerersten Champions-League-

Spiel überhaupt vorzeitig ins Achtelfinale

eingezogen war. Verdient 2:0

(0:0) gewannen die Münchner gegen

Olympiakos Piräus durch das weitere

Tor des eingewechselten Ivan

Perisic (89.) im ersten Spiel nach der

Trennung vom bisherigen Trainer

Niko Kovac.Nebenbei glückte ihnen

das erste Spiel zu Null seit dem 4:0

am 21. September gegen den 1. FC

Köln in der Bundesliga. Dort steht

am Sonnabend das Topspiel gegen

Borussia Dortmund an. Geglückt

war das Vorspiel gegen Piräus nun

zwar, doch ganz grundlegende Verbesserungen

waren erwartungsgemäß

noch nicht auszumachen im

Vergleich zu den Vorwochen.

„Wir haben uns in der zweiten

Halbzeit belohnt“, sagte Flick, benannte

aber einige „Dinge, die wir

noch besser machen können“. Besonders

hob er die Viererkette hervor,

die„richtig gut“ agierthabe.„Wir

haben ganz anders gestanden“,

lobte Flick im Vergleich zu den Vorwochen.

Vorallem deshalb war der

beschäftigungslose Torwart Manuel

Neuer zufrieden. „Wir haben

eine gute Leistung gezeigt

und das Spiel durchgezogen

über 90 Minuten“,

sagte der Kapitän

und lobte, die Mannschaft

habe „gut nach vorne verteidigt“.

Mal wieder zu

Null gespielt zu haben, sei

vordem Vergleich mit dem

BVB „für unser Selbstbewusstsein

in der Defensivarbeit

sehr wichtig“. Als„mehr als ordentlich“

stufte Thomas Müller die

Leistung ein. „Mit das wichtigste

Spiel der Saison“ stehe nun gegen

Dortmund an. Müller empfahl: „Viel

schlafen und dann geht’s wieder los.“

„Richtig gut“:

Trainer Hansi Flick

Wie angekündigt hatte Flick Javi

Martínez statt Jérôme Boateng und

Thomas Müller statt Philippe Coutinho

in der Startelf aufgeboten. Zudem

rutschte Leon Goretzka

neben Joshua Kimmich

ins Mittelfeld. Und

da Alphonso Davies als

Linksverteidiger und David

Alaba als Innenverteidiger

wie beim 1:5 in

GETTY IMAGES

Frankfurt begannen, ließ

sich die Aufstellung schon

als mutig bezeichnen. Zumal

sich auch Thiago

Alcántara, unter Kovac

meist gesetzt, mit einem Platz auf

der Bank begnügen musste.

Zielstrebigen Offensivfußball mit

defensiver Stabilität hatte Flick vorgegeben,

was angesichts der jüngsten

Darbietungen ambitioniert

klang. Doch es ließ sich gut an. Gedankenschnell,

spielfreudig und erkennbar

um Besserung bemüht, begannen

die Münchner. Richtig gefährlich

wurde es zunächst aber

nicht. Auch in der Defensive ließen

sich durchaus Parallelen zu den zurückliegenden

Spielen erkennen,

wenngleich seltener.Wie nach einer

guten Viertelstunde, als Alaba den

Ball herschenkte und Lazar Randjelovic

zur ersten Chance für Olympiakos

kam, aber leicht verzog.

Erstaunlich war es so kurz nach

dem Trainerwechsel nicht, dass die

Bayern altbekannte Mängel in der

Abstimmung erkennen ließen. Viel

mehr als einen harmlosen Kopfball

von Lewandowski brachten sie zunächst

nicht mehr zustande, was

auch daran lag, dass der anfängliche

Elan abnahm. Piräus musste nur gut

stehen, weil es den Münchnern an

Ideen und abgestimmten Handlungsmusternmangelte.Der

Einsatz

bei der Defensivarbeit im Verbund

aber passte, was im Vergleich zu

Frankfurt schon ein deutlicher Fortschritt

war. Und als Kingsley Coman

und Müller mit ihren Abschlüssen

Torwart José Sa zu Arbeitsnachweisen

zwangen und kurzvor der Pause

Benjamin Pavards Kopfball an den

Pfosten prallte, gab es auch die ersten

echten Chancen.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit

musste Sa gegen Goretzka retten, danach

gegen Comans Rechtsschuss.

Erst bei der dritten Chance im zweiten

Durchgang war er machtlos, als

Coman scharf hereingab und Lewandowski

den Ball mit dem Spann

ins Torlenkte.Perisic sorgte kurzvor

dem Abpfiff für die Entscheidung.


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 – S eite 21 **

·························································································································································································································································································

Feuilleton

Torsten Wahl

über die Polit-Groteske

„Hindafing“

Seite 23

„Das Problem ist die autistische städtebauliche Haltung der Architekten.“

Nikolaus Bernau über erhellende Zeichnungen von Stefan Braunfels zum Museum der Moderne Seite 22

Moviemento

Der letzte

Abspann

Thomas Klein

fragt sich, wie viel Zeit den

Berliner Kinos noch bleibt.

AmMontag kam der Hilferuf: Die

Räumlichkeiten des Kreuzberger

Moviemento-Kinos sollen verkauft

werden, das 1907 eröffnete „älteste

Kino Deutschlands“, Gründungsort

von X-Filme und Spielstätte für Festivals

und Produktionen jenseits des

Mainstreams wäre damit am Ende.

Doch das wollen Betreiber Iris Praefke

und Wulf Sörgel nicht hinnehmen,

auf der Crowdfunding-Plattform

Startnext sammeln sie Geld,

um die Räume zu kaufen. Biszum 4.

Februar sollen 100 000 Euro zusammenkommen,

Ziel sind bis Oktober

2020 1.6 Millionen. Sie selbst haben

200 000 Euro zur Seite gelegt; laut

rbb24 steht der Eigentümer, Teil der

Deutsche Wohnen, den Plänen „offen“

gegenüber.

Kinoschließungen gab es eigentlich

schon immer, aber inzwischen

geht es grundsätzlich um das Kino.

Senat und Bezirke haben sich nie zuständig

gefühlt, als Traditionshäuser

und Bezirkskinos verschwanden.

Heute sind die abendliche Ödnis in

der City-West und die Kultur-Lücken

in den Außenbezirken ebenso ein

Problem, wie die kaum noch profitablen

Multiplexe.Erst im Aprilmusste

auch das Friedrichshainer Intimes

schließen, nach einer Übernahme

durch die Tilsiter Lichtspiele soll es

im Februar wiedereröffnet werden.

Da werden Erinnerungen wach, aber

keine guten: Nach 30 Jahren hatte

das Kreuzberger Eiszeit schließen

müssen, neue Betreiber versuchten

2016 mit aufwendigem Umbau,

neuer Technik, Café, Bar und hübschem

Programm den Neustart. Ein

Streit um vereinbarte Baukosten-Beteiligung

des Hauseigentümers trieb

das neue„Eiszeit“ trotzdem in die Insolvenz.

Und dawar klar: Wenn Besucherzahlen

schwinden, weil auch

selbsternannte „Cinephile“ ihre

Schätze immer öfter als bequemen

Stream goutieren, wenn es kein

deutliches öffentliches oder politisches

Interesse gibt, Kinos zu erhalten,

gibt es selbst in Szene-Vierteln

und der Filmkunst-Nische bald den

allerletzten Abspann.

Gesegnete Nacht

Die Punkpoetin Patti Smith gab einen bewegenden Soloabend in der Gethsemanekirche

VonFrank Junghänel

Am Ende steht Patti Smith

mit geballter Faust vorden

Leuten, die sich von den

Kirchenbänken erhoben

haben, um sie und sich und diesen

Moment zu feiern–und es natürlich

mit ihren Smartphones festzuhalten.

DieSängerin und Poetin musste sich

nicht lange zu einer Zugabe bitten

lassen, und allen dürfte klar gewesen

sein, dass an diesem Tagandiesem

Ortnur ein Song dafür in Frage kam:

„People Have The Power“.

Gewidmet war der Abend in der

Gethsemanekirche in Prenzlauer

Berg der Herbstrevolution von 1989,

und welche Botschaft wäre besser

geeignet, an diese hoffnungsvollen

Tage zu erinnern. Menschen haben

die Macht, die Welt zu verändern.

„We can turn the world around, we

can turnthe earth’s revolution“, singt

Patti Smith in diesem Lied von1988,

das für viele der hier Anwesenden

vor dreißig Jahren in ihrem Leben

tatsächliche eine Rolle spielte,wie es

Popmusik nur selten vermag. Es war

einer dieser Augenblicke, indenen

ein Song den Sound der Geschichte

einfängt. Wie jeder Augenblick, war

auch dieser nur vonkurzerDauer.

Mitdem Transparent „Freiheit für

die politisch Inhaftierten“ hatte die

Gemeinde der Gethsemanekirche

schon zu einer Zeit, als Widerstand

mit Haft und Demütigung geahndet

wurde, ihren Protest gegen die

Staatsmacht artikuliert. In der Nacht

vom7.Oktober 89 flüchteten sich die

Demonstrierenden vom Palast der

Republik vor der prügelnden Polizei

in das Gotteshaus.Der Kessel um die

Gethsemanekirche wurde zu einem

Sinnbild für die brutale Reaktion der

Parteiführung auf jeglichen Willen

zur Veränderung.

All das spielte am Dienstagabend

beim Auftritt von Patti Smith eine

Rolle. Ihr Gastspiel injener Kirche,

die sich nicht nur zu DDR-Zeiten als

Hort der Libertas verstand, sondern

in jüngerer Zeit auch Mahnwachen

für den in der Türkei inhaftierten

Menschenrechtler Peter Steudtner

abhielt, war als Teil der Feierlichkeiten

zum Jubiläum des Mauerfalls gedacht.

Doch wie vorherzusehen,

sollte dieses Konzert nicht einfach

nur ein Programmpunkt von vielen

sein, sondernein Ereignis.

Patti Smith in der Berliner Gethsemanekirche

Zu Beginn erhob Patti Smith ihre

Stimme (und ihreArme) zu einer Art

Segnung. So wollte sie es verstanden

wissen. Wasinsofern bedeutsam ist,

da sich die streng religiös erzogene

Künstlerin zu Beginn ihrer Karriere

dezidiert von der Kirche abgewandt

hatte.„Für meine Sünden sterbe ich

selber.“ Nun also „Wing“, für jene,

„die sich in all den Dekaden im Namen

der Freiheit in diesem Raum

versammelten“. Begleitet wurde die

VOTOS/ROLAND OWSNITZKI

Interpretin von ihrem langjährigen

Weggefährten, dem Keyboarder und

Gitarristen Tony Shanahan, der nur

sparsame Akzente setzte, was ihrem

Gesangsvortrag vor dem schlichten

Altar eine wahrhaft sakrale Wirkung

verlieh. Wie immer ganz in schwarz

gekleidet und das graue Haar auf die

Schultern drapiert, erinnerte sie

eher an eine Priesterin denn an jene

Punkrocksängerin, die sie einmal

war,wie man wohl sagen muss.

Ihr vielleicht letztes Rockalbum,

„Banga“, ist vor nun schon sieben

Jahren erschienen. Gelegentlich tritt

sie noch mit ihrer Band auf, zur Zeit

ist sie jedoch unterwegs, um ihr

neues Buch „Year of the Monkey“

dem Publikum vorzustellen. Im Alter

von bald 73 Jahren hat sich Patti

Smith längst als Autorin feinsinniger

Beobachtungen, Erinnerungen und

Reflexionen etabliert. Und wenn sie

heute Texte und ausgewählte Lieder

bei ihren Soloprogrammen vorträgt,

hat sie als emeritierte Punkerin die

ihr gemäße Ausdrucksform für das

Spätwerk gefunden. An Autorität ist

dabei nichts verloren gegangen.

Nach dem Song „Ghost Dance“

gedachte Patti Smith ihres frühen

Freundes Robert Mapplethorpe, der

tags zuvor, am4.November seinen

73. Geburtstag gefeierthätte.ImJahr

1989 war der Fotograf, mit dem sie in

NewYorkzusammengelebt hatte,an

den Folgen von Aids gestorben. Die

Geister derVerstorbenen, sie tanzten

an diesem denkwürdigen Abend

durchs Kirchenschiff. Den Dramatiker

Sam Shepard, mit dem sie eine

tiefe Freundschaft verband, besuchte

sie noch kurzvor dessen Tod.

Eine Passage ihres neuen Buches

handelt davon. Für ihren Ehemann

Fred „Sonic“ Smith, der am 4. November

1994 starb, las sie einen seiner

geliebten Beethoven-Briefe.

Lou Reed, dessen Todestag sich

zum sechsten Mal jährte, war mit

„Perfect Day“ präsent, einem Lied,

das Patti Smith Berlin widmete,einer

Stadt, mit der sie sich auf besondere

Weise verbunden fühlt. Sie sei ein

Gewohnheitsmensch, erzählte sie,

so habe sie auch diesmal wieder die

Grabstätten von Bertolt Brecht und

Christoph Schlingensief auf dem

Dorotheenstädtischen Friedhof besucht

und in ihrem Lieblingscafé

Pasternak Pancakes gegessen.

Das Publikum, das nicht nur aus

Zeugen vergangener Zeiten bestand,

folgte Patti Smith mit Hingabe und sie

gab diese mit Herzlichkeit zurück.

Zum Schluss schien sie mit jeder

Strophe um Jahre jünger zuwerden.

People Have The Power.

Frank Junghänel

sah damals zum ersten Mal

Polizisten mit Schlagstöcken.

NACHRICHTEN

Schriftsteller

Ernest J. Gaines gestorben

Derafro-amerikanische Schriftsteller

Ernest J. Gaines ist im Alter von86

Jahren gestorben. Dasgab das Gouverneursbürovon

Louisiana bekannt.

Gaines war bekannt für seine

Werkeüber die Herausforderungen

vonSchwarzenineiner vonWeißen

dominierten US-Gesellschaft. Sie

wurden in mehrereandereSprachen

übersetzt. In Deutschland ist sein

1993 veröffentlichter Klassiker „A

Lesson BeforeDying“ für den Schulunterricht

aufbereitet worden. Gaines

wuchs in ärmlichen Verhältnissen

in einer Plantagen-Stadt in Louisiana

auf. Seine Erfahrungen verarbeitete

er zu universalen

Geschichten, er schrieb acht Bücher.

Aus„The Autobiography of Miss Jane

Pittman“ von1971 und „A Gathering

of OldMen“ (1984) wurden in den

USA Fernsehfilme gemacht. (BLZ)

Die Panther kehren nach

Sanssouci zurück

DieNachbildungen zweier Panther-

Skulpturen schmücken sei Mittwoch

wieder die Terrasse des Orangerieschlosses

im Park Sanssouci in Potsdam.

Damit werdedas historische

Figurenprogramm vorder 1851 bis

1864 errichteten Orangerie weiter

vervollständigt, teilte die Sprecherin

der Stiftung Preußische Schlösser

und Gärten Berlin-Brandenburgmit.

Diespringenden Panther entstanden

nach Angaben der Stiftung bereits

Mitte des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren

die Figuren starkbeschädigt und

mussten abgebaut werden, die

Köpfe gingen verloren. Dank einer

privaten Spende konnten die Nachgüsse

finanziertwerden. (dpa)

Eine der Panther-Skulpturen auf der Terrasse

der Orangerie in Sanssouci. DPA

UNTERM

Strich

Berlin-Syndrom

Pensionopolis

an der Spree

VonTomo MirkoPavlovic

Viele Schwaben im Allgemeinen und

Stuttgarter im Besonderen leiden unter

dem rätselhaften Berlin-Syndrom. Je nach

Ausprägung der Symptomatik können Patienten

verhaltensauffällig wirken und sind zu

lokalpatriotischen Aktivitäten (Häusle

bauen, Mercedes-SUV bestellen) kaum

mehr fähig. Sieverlieren ihren eigentlich unerschütterlichen

Appetit auf Maultaschen.

Häufig versagen sie als sparsame Schwaben,

verprassen plötzlich sinnlos viel Geld für

kompostierbare Anoraks, australische

Handseifen mit Peeling-Effekten und Superfood,

vondem man Blähungen wie das Klärwerk

in Schönerlinde hinter Pankow bekommt.

Sie lassen sich Hipster-Schnurris

wachsen, fahren gefährlich wankend auf

Vintage-Stahlrahmenrädern durch vollgentrifizierte

Stadtteile und setzen ihren Fahrradhelm

beim Betreten des Biosupermarkts ab

(was korrekte Schwaben ansonsten nie tun

würden).

In schweren Fällen sollten Angehörige auf

Kurztrips in die Hauptstadt samt leichtem

Kulturentspannungsprogramm mit Bewegungseinheiten

zwischen Rosa-Luxemburg-

Platz und den Hackeschen Höfen pochen,

was mitunter zu einer kostspieligen Therapie

geraten kann, die nicht vonden Krankenkassen

übernommen wird. Ein guter, recht

wohlhabender Stuttgarter Bekannter

(Häusle- und Porsche-Eigentümer) sagte vor

nicht allzu langer Zeit: „Ich weiß auch nicht,

warum. Aber wenn ich in Berlin bin, fühle ich

mich sofortzehn Jahrejünger.“ Doch wie bei

jeder Selbstwahrnehmungsstörung ist der

Rückfall umso schlimmer. Spätestens beim

Abheben vomFlughafenTegel fühlt man sich

ELISABETH BRINKMEIER

dann 20 Jahre älter, die Lachfalten verwandeln

sich in Bombentrichter.

Also: Berlin als Jungbrunnen der Schwaben?

Schwierig. Und dennoch wird die

Hauptstadt immer mehr zum Sehnsuchtsort

vieler nicht mehr ganz junger deutscher Südmenschen,

da wird der Mietendeckel auch

nichts ausrichten.Viele blicken ihr halbes Arbeitsleben

neidisch auf Berlin und verkennen

die Vorzüge ihrer Stadt. Weressich demnach

leisten kann, investiert seine zinslosen

Penunzen weiterhin in die Berliner Bauwirtschaft,

kauft eine Wohnung in einem so genannten

Szenebezirk, lässt sein Kind erst

einmal dortstudieren, um hernach als Jungrentner

selbst in genau diese nun abbezahlte

Verjüngungsimmobilie zu ziehen. So der

Plan. Jule zum Beispiel.Waschechte Stuttgarterin,

fleißige Kulturarbeiterin, überdurchschnittlicher

Rentenanspruch, zog vor ein

paar Jahren mit ihrem Ehemann, einem

ebenfalls glücklich verrenteten Wissenschaftler,

ins schwäbische Pensionopolis an

die Spree. Jule„genießt“, wie sie sagt, in Mitte

das „Kiezleben“ und sieht tatsächlich mittlerweile

bei gedämpftem Licht drei bis fünf

Jahrejüngeraus.Manchmal kommt sie nach

Stuttgart, wenn ihre zurückgekehrte Akademiker-Tochter

und Ex-Berlinerin eine Babysitterin

fürs Enkele benötigt.

In halb- und hochgebildeten Kreisen ist

es mittlerweile üblich, den Altersruhesitz so

raschwie möglich in die Metropole zu verlegen.

Einüberaus angesehener Direktor einer

Stuttgarter Kulturinstitution hat bei seiner

Abschiedsrede jene Stadt, in der er jahrzehntelang

erfolgreich gewirkt hat, über den grünen

Klee gelobt, nur um im Nachklappzubetonen,

dass er seine Umzugskartons bereits

gepackt habe.Dabei wirkte er ganz ausgelassen

und irgendwie faltenfrei. Berlin bleibt

doch Berlin.


22 * Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Feuilleton

NACHRICHTEN

Baubeginn für Einheitswippe

nicht mehr in diesem Jahr

DerBau des Freiheits- und Einheitsdenkmals

in Berlin wirdvoraussichtlich

nicht mehr in diesem Jahr beginnen.

ZumSchutz der Fledermäuse,

die im Sockel des einstigen Kaiser-

Wilhelm-Denkmals am Humboldt-

Forumleben, lehnte die Umweltverwaltung

am Mittwoch eine Ausnahmegenehmigung

für den sofortigen

Startder Arbeiten der „Einheitswippe“

ab.Der Naturschutzbund

Deutschland (NABU) hatte gegen die

Ausnahmegenehmigung geklagt.

Weil die Klage eine aufschiebende

Wirkung hat, dürfe zunächst keine

Bauerlaubnis erteilt werden, sagte

ein Sprecher der Umweltverwaltung

am Mittwoch weiter.Dadie Fledermäuse

nun in den Winterschlaf gehen,

ist laut Naturschutzbund ein

Baubeginn vorMai 2020 nicht möglich.

Ansonsten wäreeine Störung

oder Tötung der streng geschützten

Tieredie Folge.Anfang Oktober

hatte die Behörde für Umwelt, Verkehr

und Klimaschutz die Ausnahmegenehmigung

für den Baubeginn

erteilt. (dpa)

Deutsche Welle soll in

Russland bleiben

Dasrussische Außenministerium

sieht keine Notwendigkeit, der Deutsche

Welle,dem Auslandssender der

Bundesrepublik, wegen angeblicher

Gesetzesverstöße die Arbeitserlaubnis

zu verweigern. DasMinisterium

unterstützekeine Ideen, irgendeinem

Medium, ebenso wenig der DW,

die Akkreditierung zu entziehen,

sagte Außenminister Sergej Lawrow

am Mittwoch in Moskau bei einer

Medienkonferenz der Organisation

für Sicherheit und Zusammenarbeit

in Europa. Hintergrund ist ein Streit

nach den Massenprotesten für freie

und faireWahlen in der russischen

Hauptstadt im Sommer,bei denen

Hunderte friedliche Demonstranten

festgenommen wurden. DasMinisterium

hatte der DW vorgeworfen,

zur Teilnahme aufgerufen und sich

so in die russische Innenpolitik eingemischt

zu haben. DerSender bestreitet

dies jedoch. Zahlreiche Politiker

forderten, den DW-Journalisten

in Russland die Akkreditierung zu

entziehen. (dpa)

Impressionisten in der

Hamburger Kunsthalle

Zu ihrem 150-jährigen Jubiläum

zeigt die Hamburger Kunsthalle eine

Ausstellung mit Meisterwerken des

Impressionismus.Von Donnerstag

an bis zum 1. Märzsind rund 60 Gemälde

vonCamille Pissarro, Édouard

Manet, Edgar Degas,Alfred Sisley,

Claude Monet und Pierre-Auguste

Renoir aus der Sammlung Ordrupgaardzusehen.

Nach Hamburgist

die Ausstellung in Prag und London

zu sehen. DieGemälde sind Leihgaben

des Museum Ordrupgaardbei

Kopenhagen, dessen Sammlung auf

die Schätzedes Versicherungsdirektors

Wilhelm Hansen und seiner

Frau Henny zurückgeht. Nachdem

das Ehepaar seit den 1890er-Jahren

zunächst auf dänische Kunst setzte,

widmete es sich später der französischen

Malerei.(dpa)

TOP 10

Dienstag,5.November

1 Ina.Freundschaft ARD 4,67 15 %

2 Tagesschau ARD 4,57 15 %

3 Rosenheim-Cops ZDF 4,41 15 %

4 Tierärztin Dr.M. ARD 4,20 13 %

5 heute ZDF 4,13 17 %

6 heute-journal ZDF 4,03 15 %

7 Preis der Freiheit, 2 ZDF 3,95 12 %

8 SokoHamburg ZDF 3,65 17 %

9 Wer weiß denn ...? ARD 3,47 17 %

10 RTL aktuell RTL 3,24 14 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %

Aus der Neuen Nationalgalerie heraus wird künftig der Blick auf das Kulturforum der auf eine riesige Ziegelwand mit einigen Löchernsein. BRAUNFELS ARCHITEKTEN (2)

Die Scheune und der Tempel

Der Architekt Stephan Braunfels bringt mit neuen Illustrationen Schwung in die Debatte ums Kulturforum

VonNikolaus Bernau

Es ist nicht das erste Mal,

dass Berliner Kulturprojekte

erst dann debattiert

werden, wenn sich Nicht-

Berliner einmischen. DerMuseumsstreit

der 90er-Jahre oder der Krach

um das Humboldt-Forum und die

Kolonialpolitik waren und sind solche

Debatten. Der Streit um das geplante

Museum der Moderne auf

dem Kulturforum gehörtebenfalls in

diese Reihe. Eswar der Hamburger

Volkwin Marg,der die Frage aufwarf,

ob das Kulturforum nicht besser ein

öffentlicher Park sein solle. Und der

Münchner Architekt Stephan Braunfels

wies nach, dass die Platzbedürfnisse

der Nationalgalerie ohne weiteres

auch auf einem Grundstück an

der Sigismundstraße befriedigt werden

könnten, also den zentralen Ort

mitten auf dem Kulturforum gar

nicht benötigen. Am Donnerstag

stellt Braunfels ein Buch mit seinen

Ideen vor, in dem auch einige Zeichnungen

jenes Projekts der Schweizer

Architekten Herzog und de Meuron

zu finden sind, die wir hier vorabzeigen.

Mangelnde Transparenz

Allenfalls aus bestimmten Ecken wird der Schwung der Philharmonie sichtbar sein.

Der Plan: Zwischen Philharmonie

und der Neuen Nationalgalerie

soll bis zum Jahr

2016 das Museum der Moderne

entstehen, in dem die

Sammlung der Nationalgalerie

in gebührendem Umfang

gezeigt werden soll.

DAS MUSEUM DER MODERNE

Die Architekten: Die

Schweizer Baumeister

Jacques Herzog und Pierre

de Meuron haben 2016 den

Realisierungswettbewerb gemeinsam

mit Vogt Landschaftsarchitekten

aus Zürich

gewonnen.

Das Buch: Stephan Braunfels

hat seine Illustrationen

zum Kulturforum in einem

Buch veröffentlicht: „Kulturforum

Berlin“ ist erschienen

im Peter Hanstein Verlag

Köln, 2019, 232 Seiten,

19 Euro

DieBlätter aus Braunfels’Büromüssen

an die Stelle von Zeichnungen

treten, die seit der Vorstellung des

Entwurfs vonHdM im Oktober 2016

immer wieder gefordert, aber nie

veröffentlicht wurden. Auch die Berliner

Zeitung hat immer wieder bei

der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

darauf gedrängt, dass endlich

Perspektiven hergestellt werden, die

eine Gesamtansicht der Neuen Nationalgalerie

mit dem Museum der

Moderne und den Blick aus dem

längst zur Legende gewordenen Bau

vonMies vander Rohe hin zum Projekt

zeigen. Öffentlich wurden solche

Zeichnungen nie gezeigt, weder

im Wettbewerbsprojekt noch in dessen

Überarbeitungen.

Stephan Braunfels hat sie jetzt für

sein Buchprojekt herstellen lassen,

um mit diesen Blättern die kritische

Debatte um das Kulturforum erneut

zu befeuern. Außerdem musste er

mit den publizierten Plänen des aktuellen

Entwurfsstands arbeiten. Die

Behauptung der Stiftung Preußischer

Kulturbesitz, man habe den

Entwurfsprozess immer „transparent“

gehalten, ist in zumindest diesem

Punkt unzutreffend. Es stehen

keineswegs alle aktuellen Pläne,

Grundrisse, Schnittzeichnungen

oder wenigstens Lagepläne und Höhenentwicklungen

zur Verfügung.

Diese Zurückhaltung scheint zur

Strategie von Preußen-Stiftung, der

Kulturstaatsministerium und der Architekten

zu gehören, um das Projekt

politisch durchzusetzen. In der

Architektur- wie in der Museumswelt

ist der Bau überaus umstritten.

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung

Die Zeit macht Hanno

Rauterberg deutlich, dass das Konzept

eines enzyklopädisch alle Epochen

der Moderne gleichzeitig ausbreitenden

Museums eigentlich

nicht mit der Grundidee der Moderne

zu vereinbaren sei, sich immer

neu zu erfinden.

Genau deswegen zeigt selbst das

Museum der Moderne seine Sammlungen

nun nach Themen und in

breitem Wechsel. Inzwischen wird

immer lauter gefragt, warum die

Preußen-Stiftung schon wieder einen

Neubau errichten will, der zudem

nicht mehr 200 Millionen, wie

zunächst bewilligt, sondern insgesamt

mindestens 450 Millionen Euro

kosten soll. Kulturstaatsministerin

Monika Grütters erklärte dazu auf

Anfrage der Berliner Zeitung allerdings:

„Neben den Baukosten von

364 Millionen Euro haben wir deswegen

von Anfang an auch Risikokosten

und Indexsteigerungen ausgewiesen.

Diese Zahlen beruhen auf

einem soliden und belastbaren Planungsstand.

Das haben alle Fachleute

im Berichterstatter-Gespräch

glaubhaft vermittelt. Es geht um viel

Geld. Deshalb bildet die jetzt festgelegte

Summe für mich eine echte

Schmerzgrenze. Ich werde gemeinsam

mit den Haushältern strikt darauf

achten, dass sie nicht überschritten

wird.“

Braunfels’ Zeichnungen zeigen

nun in aller Deutlichkeit: Das Problem

des Neubau-Projekts sind nicht

nur das veraltete museale Konzept,

die exorbitanten Baukosten, die bis

heute vollkommen ungeklärten Betriebskosten

oder die Architektursprache.

Das Problem ist die geradezu

autistische städtebauliche Haltung

der Architekten HdM: Alles

drumherum muss sich auf ihr Projekt

beziehen. Charakteristisch dafür

ist auf den Zeichnungen der Schweizer,

dass alle Menschen von außen

hin zu dem Neubau zu strömen

scheinen, aber niemand aus dem

Bau heraus zu den Nachbarn, den

Staatlichen Museen, der Philharmonie,der

Kirche oder der Staatsbibliothek

wechselt.

Aus der Neuen Nationalgalerie

heraus aber wird künftig der Blick

auf das Kulturforum der auf eine riesige

Ziegelwand mit einigen Löchern

sein. Allenfalls,wenn man sich in die

Ecken ihrer großen Glashalle bewegt,

wirdder Schwung der Philharmonie

sichtbar sein. Es wird auch

keine ebenerdige Verbindung zwischen

den beiden Bauten geben, das

Museum der Moderne präsentiert

sich zur Sigismundstraße hin verschlossen

wie eine Shoppingmall.

Undzur Potsdamer Straße, das zeigt

Braunfels Perspektive in brutaler

Klarheit, wird die Neue Nationalgalerie

zum Anhängsel des Kulturforums

deklariert. Dabei ist gerade die

–zusammen mit der Philharmonie

Hans Scharouns –nach den Plänen

von Ludwig Mies van der Rohe 1968

eröffnete Neue Nationalgalerie recht

eigentlich ein Welterbe. Sie ist einer

der wenigen Museumsbauten der

Nachkriegszeit, die auch international

für Furore sorgten, mithin ein

künstlerisches Glaubensbekenntnis

vonMies vander Rohe.Dieser plante

die Nationalgalerie als absolute Architektur,

als weithin sichtbaren

„Kunst“-Tempel aus Glas und Stahl

auf einem hohen, mit hellgrauem

Granit verkleideten Podium.

Warumgerade hier

Es ist kein Zufall, dass gerade die

Neue Nationalgalerie mit einem antiken

Tempel verglichen wurde. Sie

ist also mindestens so sehr ein in sich

stehendes Kunstwerk wie das Haus

für eine erstklassige Kunstsammlung.

Doch genau diese Freistellung,

dieseWirkungindie Umgebung wird

durch das Projektvon Herzog und de

Meuron massivangegriffen. Eine Beschränkung,

die erträglicher wäre,

wenn sie auf jenem Grundstück errichtet

würde, das hinter der Neuen

Nationalgalerie an der Sigismundstraße

immer wieder als Alternative

in Betracht kam. Doch HdM planten

eben mitten auf dem Kulturforum,

also im ästhetischen Freiraum, der

zwischen NeuerNationalgalerie und

Philharmonie gespannt ist.

Warum soll gerade an dieser für

die Neue Nationalgalerie und die

Philharmonie so hoch empfindlichen

Stelle gebaut werden? Eher ungewollt

hat die Stiftung Preußischer

Kulturbesitz in der letzten Woche in

einem „Offenen Brief“, der als Antwort

auf einen Artikel in der Süddeutschen

Zeitung publiziertwurde,

offiziell Klarheit geschaffen. An der

Sigismundstraße hätte man tief in

den Boden gehen müssen, um ausreichend

Raum zu schaffen. Genau

dieser Tiefbau wird nun auch von

HdM geplant. Eigentlich verantwortlich

aber seien, so die Preußen-

Stiftung, für die Ortswahl der

Wunsch jener Kunstsammler, von

denen man große Stiftungen erwartete

–und inzwischen erhalten hat –

sowie der Repräsentationswille. Der

Neubau sollte gut sichtbar sein. Das

immerhin garantiert der Entwurf

vonHdM –auf Kosten der NeuenNationalgalerie

und der Philharmonie.

Nikolaus Bernau

fürchtet um einen

architektonischen Solitär.

Wenn Romane

miteinander

sprechen

Jochen Malmsheimer bei

den Wühlmäusen

VonTorsten Wahl

Sieben Jahrelang war er der Hausmeister

in der ZDF-Satire-Anstalt

unter Urban Priol, doch heute will er

von politischem Kabarett nichts

mehr wissen –das sei doch die „Pest

auf Socken“. Denn 90 Prozent der

Kabarettisten seien früher Lehrer gewesen,

der Rest sei es heute noch.

Nun hat Jochen Malmsheimer das

„epische Kabarett“ kreiert – nicht

etwa in neumodischer Deutung als

länglich, sondern traditionell als erzählend.

Dabei kann eine seiner

Glanznummern, die den epischen

Titel „Flieg, fisch und gesunde! Ein

Buch, ein Wort! Versprechen und

Auftrag“ trägt, schon mal gute 25 Minuten

dauern. Darin hat der Buchhändler,

der die Berufsbezeichnung

für einen Euphemismus hält, weil

der Buchpreis ja feststeht, sein ganzes

Herzblut gelegt. Denn er belauscht

hier die nächtlichen Diskussionen

seiner Bücher im Regal, wo

sich Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“

mit Thomas Manns „Zauberberg“

erbittert zofft, die „Alteinsortierten“

auf die „Zugekauften“

und die hehreLiteratur auf die profanen

Ratgeber herabblicken, immer

wieder unterbrochen durch derbe

Einwürfe aus Ernst Bornemanns Lexikon

„Obszöner Wortschatz der

Deutschen“. Malmsheimer schafft

es,jedem Buch seineeigene Stimme

zu geben. Insgeheim haben sie sich

dazu verabredet, die digitale Kommunikation

zu unterwandern.

Das „Flieg Fisch“-Programm sei

noch so neu, dass er beim Vortrag

immer noch selbst über Pointen lachen

müsse, hatte Malmsheimer

eingangs erklärt – ein guter Witz.

Denn in Wirklichkeit gehörtdas Programm

schon seit zehn Jahren zu

seinem Repertoire und wechselt mit

anderen Shows, die so absurde Titel

tragen wie „Dogensuppe Herzogin –

EinAustopf mit Einlage“.

Grimmig mit Witz: der Kabarettist Jochen

Malmsheimer

DOMINIC REICHENBACH

Das Wühlmäuse-Theater ist an

zwei Abenden hintereinander nahezu

ausverkauft, und das Programmwirkt

tatsächlich wie neu, geboten

werden Minidramen, die nicht

auf tagesaktuelle Gags, sondern

Haltbarkeit setzen. Auch wenn

Malmsheimers eigene Kinder sich

inzwischen im Erwachsenenalter

befinden dürften, so sind seine Einlassungen

über die Anschaffung von

Meerschweinen oder den Besuch im

Zoo noch immer urkomisch. Und

seine Hymne auf das Wurstbrot, mit

echtem Graubrot, dicker guter Butter

und drei Scheiben Cervelat, wird

in Zeiten, in denen man für derlei

Genüsse ein schlechtes Gewissen

eingeredet bekommt, erst recht bejubelt.

Optisch ist seine als klassische

Ballade erzählte Selbstbespiegelung,

bei der er sein erstes graues Haar

entdeckt, überholt –denn natürlich

hat der 58-Jährige mehr als ein

graues Haar. Dafür aber ist seine

markante Bluesstimme noch tiefer,

voller und grantiger geworden –und

darauf kommt es an.

JochenMalmsheimer tritt am 7.11. mit dem Programm„Dogensuppe

Herzogin –Ein Austopf mit

Einlage“ im Stubenrauch-Saal in Teltow auf


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 23 *

·························································································································································································································································································

Feuilleton

Die Fehlschüsse treffen ins Schwarze

Vielfach preisgekrönt und endlich fortgesetzt: Die zweite Staffel von „Hindafing“ startet auf Arte –eine irrwitzige Polit-Groteske aus Bayern

VonTorsten Wahl

Alfons Zischl (Maximilian

Brückner) ist zwar vom

Hindafinger Rathaus in

den bayerischen Landtag

aufgerückt –aber ein echter Aufstieg

sieht anders aus. Beider Wohnungsbesichtigung

im schicken München-

Lehel bekommt die Maklerin beim

Blick auf seine Gehaltsbescheinigung

Mitleid. So steckt er mit seiner

hochschwangeren Frau (Katrin Röver)

in einer kleinen Dienstwohnung

fest, in der sich auch noch Katrins

Mutter (Gitta Schweighöfer) einnistet

–eine ehemalige RAF-Terroristin

auf der Flucht. In der Fraktion

scheint die intrigante Diana Knaacke-Weibling

(Anne Schäfer) die besseren

Karten zu haben, und die

Pläne seines Hindafinger Spezies

Goldammer (Andreas Giebel), eine

Dosenfleischfabrik mitten im Naturschutzgebiet

aufzuziehen, stehen

vor dem Scheitern. Als sich aber die

Chance eröffnet, auf der bayerischen

Staatsjagd der Ministerpräsidentin

Barbara Obereder näher zu kommen,

greift er zum Gewehr. Doch

statt des stattlichen Hirsches trifft er

–die Ministerpräsidentin.

Derlei Fehlschüsse sind ein Running

Gag, besser: ein Shooting Gag

dieser Groteske vom Bayerischen

Rundfunk, die immer wieder voll ins

Schwarze trifft. Dieerste Staffel hatte

vor zwei Jahren selbst notorisch

mäklige Kritiker zu Vergleichen mit

Alfons Zischl (Maximilian Brückner) bei der Jagd. Leider erwischt er die bayerische Ministerpräsidentin.

US-Serien wie „Breaking Bad“ und

„Fargo“ hingerissen, Hauptdarsteller

Maximilian Brückner bekam diverse

Preise,ebenso BorisKunz als Ko-Autor

und Regisseur, der danach mit

„Labaule &Erben“ (mit Uwe Ochsenknecht

im SWR) eine weitereoriginelle

Regionalserie verantwortete.

Die erste Staffel mit Zischl als Bürgermeister

ist nicht nur in der Mediathek

des Bayerischen Rundfunks,

sondern auch bei Netflix abrufbar –

zwingend nötig für das Verständnis

der zweiten Staffel ist sie aber nicht.

Über die Vorausstrahlung bei Arte

findet „Hindafing“ nun seinen Weg

nach Frankreich.

Wiesich der Landtagsneuling mit

den Intrigen in der Fraktion auseinandersetzen

muss, wo der Wind

sich ständig dreht, das erinnertstark

an die Serie „MdB Eichwald“, die

ZDFneo mit BernhardSchütz produzieren

ließ. Doch anders als Hajo

Eichwald ist Alfons Zischl vor allem

in seinem Wahlkreis unterwegs, wo

er um bedrohte Arbeitsplätzekämpft

–mal in der Fleischfabrik von Goldammer,

mal in einer technologisch

zurückgebliebenen Waffenschmiede,

die schief schießende

Sturmgewehre fabriziert. Doch alles

was Zischl in seiner Unerfahrenheit

und Unkenntnis auch tut, scheint

sich erst mal gegen ihn zu wenden.

Immer wieder steckt er in Spiralen,

die immer größere Kreise ziehen –

von den Drehbuchautoren auf immer

wieder verblüffende Weise ausgefüllt.

„Warum bleibt der ganze

Scheißdreck an mir hängen“, flucht

er –als seine Sekretärin bei der Telefonkonferenz

aus Versehen falsche

Waffenhändler mit Politikern verbindet.

Das Thema Waffen rückt ins

BR/BILDARCHIV

Zentrum dieser Geschichte und wie

hier die Polizei, eine Reichsbürgergruppe

der Bundeswehr, ukrainische

Separatisten, die RAF und die

Schweizer Gardedes Papstes miteinander

ins Spiel gebracht werden, das

ist wirklich irrwitzig.

Die zweite durchgehende Linie

betrifft die Stärke der Frauen: Ob Ministerpräsidentin,

Fraktionskollegin,

Fleischersgattin oder Kameradin

beim Kameradschaftsabend – sie

sind in Bayern die eigentlichen Antreiberinnen,

die Männer merken es

nur noch nicht. Auch Zischls Gattin,

eine Malerin, übernimmt in der kriselnden

Ehe das Kommando und

zieht aus der permanenten nächtlichen

Abwesenheit ihres Mannes

Konsequenzen. Privat zeigt sich

Zischl zwar als notorischer Lügner,

ist aber vor allem ein Getriebener

seines Postens, der ihn immer tiefer

verstrickt. Dabei ist er nicht mal materiell

korrumpierbar, erkämpft als

Stehaufmännchen ums pureÜberleben.

Deshalb erfüllt die Rolle nicht

einfach Politikerklischees, sondern

ist durchaus vielschichtig –und was

für körperliche Proben allein Maximilian

Brückner so über sich ergehen

lassen muss,muss man auch gesehen

haben. Diese Rolle verlangt

wirklich alles vonihm ab.

Die Atmosphäre des Films unterscheidet

sich stark von bayerischen

Serien – ein weiß-blauer Himmel

strahlt hier ganz selten. Und wer

etwa deftige Blasmusik als Soundtrack

erwartet hat, der staunt immer

wieder,welche coolen, schrägen Jazz

Saxofonist David Reichelt über die

düsteren Bilder legt.

Hindafing1ist in der Mediathek des Bayerischen

Rundfunksund auf Netflix abrufbar

Die zweite Staffel läuftam7.11. und 14. 11.

um 20.15 Uhr auf Arte und steht biszum 21.11.

in der Arte-Mediathek

Im Bayrischen Rundfunk laufen die drei neuen

Doppelfolgenab26. 11.dienstagsund stehen

vom19. 11. an in der BR-Mediathek

Wenn Amor seine Flügel

hängen lässt

Der RIAS-Kammerchor gräbt an den Wurzeln der Oper

VonMartin Wilkening

Es ist reizvoll,

die Schnittstelle

zwischen älterer

Madrigal-Oper

und der Erfindung

der Monodie

nachvollziehbar

zu machen.

Die Erfindung der Oper im Italien

der Jahre um 1600 war

eine Sensation. Es ist paradox und

aus heutiger Sicht gar nicht einfach

nachzuvollziehen, weil uns das,

was damals sensationell war, als

der Normalfall erscheint: Ein Sänger

stellt solistisch singend eine

Rolle auf dem Theater dar.

Die Art und Weise, wie Claudio

Monteverdi in seinem Rezitationsstil

Sprache und Musik zur Darstellung

eines Menschen verband, war eigentlich

eine radikale Vereinfachung,

eine Art Naturalismus, aber

aufgehoben im Klang. Dievorausgegangene,

ausschließlich komödienhafte

Kunst des Musiktheaters basierte

auf dem Wechsel gesprochener

und gesungener Partien. Und

wenn gesungen wurde,geschah dies

nicht liedhaft, sondernwie durch einen

komplexen, fast postmodern

anmutenden Verfremdungseffekt.

Die Figur wurde musikalisch nicht

durch einen einzelnen Sänger repräsentiert,

sondern durch ein mehrstimmiges

Ensemble, inder Vertonung

als Madrigal.

Diese Schnittstelle zwischen älterer

Madrigal-Oper und der Erfindung

der Monodie, des einstimmigen

Gesangs über einer Basslinie,im

Konzertsaal auch nachvollziehbar zu

machen, ist eine reizvolle Idee, passend

für die Barocktage der Staatsoper.

Aber leider blieb das von Robert

Hollingworth geleitete Programm,

mit dem die Solisten des RIAS-Kammerchores

am Dienstag im Pierre

Boulez-Saal an den Wurzeln der

Oper gruben, irgendwo auf halber

Strecke stecken. Dass die Gegenüberstellung

vonMonteverdis „L’Orfeo“

und der ein Jahrzehnt zuvor entstandenen

Madrigaloper „L’Amfiparnasso“

von Orazio Vecchi so

spannungslos blieb, hatte vor allem

zwei Gründe: die Zufälligkeit der

Ausschnitte und die Blässe der Monteverdi-Gesänge.

DiedreiMadrigale vonVecchi waren

sängerisch pointiert und gewitzt

angelegt und schienen bisweilen als

Karikatur daherzukommen. Die in

Knittelversen selbst dazugedichteten

Überleitungen blieben dagegen

auf peinigende Art unter diesem Niveau.

Bei Monteverdi vermittelten

gerade die beiden Protagonisten zu

wenig von der Intensität der Verbindung

vonWortund Musik, die nur in

einem Schäfer-Chor und dem Auftritt

der Botin spürbar wurde. Dazu

gab es das berühmte „Lamento

d’Ariana“ in der Madrigalfassung –

aber warum ohne die nahe liegende

Gegenüberstellung mit der Version

als Monodie?

Runder gestaltete sich diezweite

Hälfte des Abends, dessen Instrumentalbegleitung

das Sheridan Ensemble

übernommen hatte. Die

Stücke aus Bühnenwerken von

John Blow und HenryPurcell zogen

einen Bogen durch die Mythenund

Märchenwelt, die der Gott

Amor aufstachelt und beseelt, in

der er gewinnen oder scheitern

kann. Besungen wird das ebenso

rührend wie mitreißend: Wenn

Amor in „Dido und Aeneas“ seine

Flügel hängen lässt, stockt der Musik

im wahren Sinn des Wortes der

Atem, am Ende aber siegt die

Freude, mit der Oberons Gefolge

aus „The fairy queen“ sich in den

Trubel eines neuen Tages stürzt.

Für Berliner,

von Berlinern.

Silke und Holger Friedrich,

dieneuen Verleger der Berliner Zeitung,

mit einer Sonderedition am 8. November und der

Wochenendausgabe zum 9./10. November.


24 Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

BerlinerEnsemble (& 28 40 81 55)

20.00: Panikherz

BerlinerKriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: InspektorCampbells letzter Fall

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: Madama Butterfly

DeutschesTheater (& 28 44 12 25)

19.00: 30 nach 89: Franziska Linkerhand

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00: 30 nach89: Philoktet

Galli Theater Berlin (& 27 59 69 71)

20.00: Männerschlussverkauf

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

(& 98 60 82 30) 19.00: Gefangenenlyrik –Zellendichtung

(Kathleen GallegoZapata und Christof Düro)

Hamburger Bahnhof /Museum für GegenwartBerlin

(& 39 78 34 11) 17.30Rieckhallen:Intervention

(EnsembleMaulwerker)

Anzeige

MARIANNESTROBL

Industrie-Fotografin um1900

19.9.-15.12.19

DAS

VERBORGENE

MUSEUM.DE

HAU2(&25 90 04 27)

17.00, 20.30: No Limits: Exposure (JoBannon)

19.30: No Limits: Gentle Unicorn(Chiara Bersani)

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

20.30 Studio: 4. Berliner Herbstsalon: Vatersprachmusik

/Cleite, die Göttin der Potenz /From

Hell with Love

Neuköllner Oper (& 68 89 07 77)

20.00: Giovanni. Eine Passion (STEGREIF.orchester

und Neuköllner Oper)

RambaZamba Theater (& 44 04 90 44)

19.30: Lulu

Anzeige

Wechselnde Bestetzung

MIT CHRISTMAS-SPECIAL

AB 27.11.2019

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Marias Testament

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00: Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Sophiensaele (& 283 52 66)

19.00 Festsaal: Das Ost-West-Ding:Tanz in der DDR –

Wasbleibt? (Saša Asentic &Collaborators)

Staatsoper Unter denLinden (& 20 35 45 55)

19.00: Barocktage: Il Primo Omicidio

Theater Thikwa (& 61 20 26 20)

19.30: No Limits: The Fishingdance &Other Cosmic

Confessions (Sindri Runudde)

21.00 Studio: No Limits: Diane foraday (hannsjana)

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00 Varieté Salon: Ein Aufenthalt in der Hölle

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Michael Kohlhaas

KABARETT/VARIETÉ

Arena Glashaus (& 533 20 30)

19.30: Cavequeen (Tim Koller)

BKA (& 202 20 07)

20.00: Zombie Berlin

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

19.30 Studio: Eins aufdie Presse (Gastspiel

ImproBerlin)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: Mein Lieblingsstatus wäre Witwer,aber dazu

müsste ich erst heiraten (Martin Herrmann)

Mehringhof-Theater (& 691 50 99)

20.00: Die Expertise war bedeutend höher (Fil)

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia!

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

20.00: So, als ob du schwebtest (Ursli &Toni Pfister)

TICKETS &GUTSCHEINE: 030 6831 6831

ESTREL SHOWTHEATER · STARS-IN-CONCERT.DE

Buchvorstellung

24 schwere

Wege aus

der DDR

Man konnte es beantragen,

das Verlassen der

DDR. Bis 1989 verließen fast

400 000 Menschen dieses

Land, indem sie ihre„ständige

Ausreise“ beantragten. Doch

wer den Ausreiseantrag gestellt

hatte, musste sich auf

eine harte Zeit einstellen und

wurde oft wie ein Verräter behandelt

–nicht nur vonBehörden,

oft auch von Vorgesetzten,

Kollegen und sogar von

Nachbarn oder Familienmitgliedern.

Christiane Hille, 18,

wird schon am nächsten Tag

aus dem Klassenzimmer geholt,

von der Schule suspendiert.

Ihre Geschichte ist eine

von 24, die die Herausgeber

Jana Göbel und Matthias Meisner

in ihrem Buch „Ständige

Ausreise“ versammelt haben.

24 schwierige Wege aus der

DDR werden hier beschrieben,

auch die Zwischenzeit,

das lange Warten auf den einen

Tag. Susanne Lenz

StändigeAusreise Buchvorstellungmit

Matthias Meisner, 20 Uhr,Buchhandlung

Die Insel, Greifswalder Str.41

„ImaginaryEurope“ ist ein höchst lebendiges Beispiel jenes Frljic-Theaters, das an die Schmerzgrenzen der Gesellschaft geht.

Im Februar, kurz vor der Premiere

seiner Kafka-Bearbeitung

„Ein Bericht für eine Akademie“

im Gorki Theater, hinterließ

Regisseur Oliver Frljic einen

schönen Satz in einem

Interview. Er messe seine Arbeit

nicht am Schulterklopfen, sondern

lieber an den Schlägen, die er dafür

kriegt. Besser hätte kein Beobachter

die Binnenspannung dieser Arbeiten

auf den Punkt bringen können.

Denn Frljic treibt eine radikale

Grundskepsis an, die zwar nicht immer

weiß, wo sie wirklich hin will, die

aber doch die sensiblen Punkte jeder

Gesellschaft genau kennt, die zu reizenersich

zum Auftrag gemacht hat.

In jedem Fall bestimmt ein hoher

Grad an Energie jedes seiner Stücke,

ob es einen literarischenText oder einen

gesellschaftspolitischen Stoff seziert,

einfriert, aufbläst, weiter

spinnt und so aus den Angeln hebt,

dass jede Gewissheit konsequent ins

Schlitterngerät.

Im Rahmen des „Herbstsalons“

gastieren nun zwei Produktionen im

GorkiTheater –Frljics Berlin-Basis –

die viel versprechen. Denn glaubt

man den Premierenbeobachtern in

Einem anderen Eu

Gastspiele dieser Wochefragen, wie politisch, wie

Stuttgart und dem slowenischen

Maribor, sind es zwei höchst lebendige

Beispiele jenes Frljic-Theaters,

das an die Schmerzgrenzen der Gesellschaft

geht, für die er inszeniert.

„Imaginary Europe“ stellt dabei das

erste Projekt des neu gegründeten

„Europa-Ensembles“ dar, mit dem

der Stuttgarter Intendant Burkhard

C. Kosminski der schwelenden Europaskepsis

ein Gegengewicht setzen

will. Zusammen mit dem NowyTheatr

Warschau und dem Zagreber Youth

Theater hat er 2018 das sechsköpfige

Ensemble ins Leben gerufen

–zweiSchauspieler aus jedem Theater

–und Frljic zu dessen künstlerischem

Leiter ernannt.

Unter derVorgabe,eine neue Utopie

für die hinkende alte Dame „Europa“

zu entwickeln, ist im Aprildieses

Jahres nun „Imaginary Europe“

entstanden, das offenbar mit größter

Spiel- und Verwandlungslust seiner

sechs Protagonisten, wobei sie auch

einen Gutteil des Abends gleich

nackt bleiben, durch die Kunst-, Literatur-und

Religionsgeschichte des

alten Kontinents rast. Dabei werden

einige Ikonen –auchder Gekreuzigte

spielt wieder eine nicht ganz bibel-

Doris Meierhenrich

empfiehlt drei Theaterstücke, die jenen

Punkt suchen, an dem das reale Ereignis

auf der Bühne mehr erzählt

als die Fiktion, die es meint.

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.45,17.30,20.30

Cinema Paris (& 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40, 20.30

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Lara 15.00, 17.30,

20.00, 20.30; Parasite 14.40, 17.30, 20.40; Das

perfekte Geheimnis 13.30, 16.15, 19.00, 21.40;

Verteidiger des Glaubens –Defender of the Faith

13.50; 2040 –Wir retten die Welt! 16.00; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 18.10, 21.00; Deutschstunde

15.15, 18.20; Systemsprenger 15.40; Joker

(OmU) 18.00, 21.00; Das Kapital im 21. Jahrhundert

14.00; Der Glanz der Unsichtbaren 16.15;

Downton Abbey (OmU) 18.40; Joker (OF) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 1753) Im Niemandsland

17.00; Happy Ending –70ist das neue 70 18.45;

DasWunder von Marseille 20.30; Ich war noch niemals

in NewYork 17.30; Deutschstunde 20.00

Kant Kino (& 319 9866) Babykino: Das perfekte

Geheimnis 11.00; Das perfekte Geheimnis 12.00,

15.00,17.45, 20.30;Babykino: Es hätte schlimmer

kommen können –Mario Adorf 11.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.40; Joker 17.20,

20.00;Eshätteschlimmerkommenkönnen–Mario

Adorf 17.40; Zoros Solo 15.15, 20.00; Babykino:

Ich war noch niemals in New York 11.00; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 15.00; Ich war noch

niemals inNew York 17.15, 20.00; Nurejew –The

White Crow 14.30,17.20, 20.00

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66)Atmos: Das perfekte

Geheimnis 14.30, 17.15, 20.00; Joker22.50;

DieAddamsFamily 15.00; Joker17.20, 20.20; Das

perfekte Geheimnis 23.10; Maleficent: Mächte der

Finsternis 15.00; Der letzte Bulle 17.45, 20.15,

22.50; Der letzte Bulle 14.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.00; Joker 19.45; Once

Upon aTime in... Hollywood 22.40; Ich war noch

niemals in New York 14.15; Terminator –Dark Fate

17.10, 20.00, 23.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.10; Joker (OF) 17.10; Maleficent:

Mächte der Finsternis 19.45, 22.30; AdAstra –Zu

den Sternen 14.45; DieAddams Family 17.30; Ich

war noch niemals inNew York 19.45; Joker (OF)

22.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) The Dead

Don‘t Die(OmU) 11.00; Parasite12.45;Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.00; Chicago Boys

(OmenglU) 16.45; Die Nacht der lebenden Toten –

Night of the Living Dead (OF) 19.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 20.45;

Ready orNot? –Aufdie Plätze, fertig, tot (OmU)

23.00; DjonAfrica (OmU) 11.00; 2040 –Wir retten

die Welt! (OmU) 12.45; Born inEvin –Alles über

Evin (OmU) 14.15; Deutschstunde 15.50; Im Niemandsland

(DFmenglU) 18.00; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.40; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.30; After the Wedding (OmU) 12.15;

Systemsprenger (DFmenglU) 14.15; Der Glanz der

Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 16.45;The Report

(OmU) 18.30; Joker (OmU) 20.30,22.40

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 8129) Das Kapital im

21.Jahrhundert–Capital in theTwenty-FirstCentury

(OmU) 14.00; Systemsprenger (OmenglU) 16.00;

2040 –Wir retten die Welt! (OmU) 18.15; Joker

(OmU) 20.00; Parasite – Gisaengchung (OmU)

22.15; Über Grenzen –Der Film einer langen Reise

14.00; Und der Zukunft zugewandt 16.15; Verteidiger

des Glaubens –Defender of the Faith 18.15;

Frau Stern 20.00; Congo Calling (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Gemini Man 13.45,

23.20;Angry Birds2:Der Film 13.45, 16.45; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.50, 16.50; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00; IMAX: Joker

14.00; Das perfekte Geheimnis 14.00, 16.30,

17.00, 19.10, 19.30, 20.00, 23.00; Joker (OF)

14.10, 22.50; Ballon 14.10; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 14.20; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.20; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.20, 17.20; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

14.30; Dora und die goldene Stadt 14.30;

DieAddams Family 14.40;Midway–Für dieFreiheit

16.15, 20.10, 22.30; Das Wunder von Marseille

16.15,20.20; Gut gegen Nordwind 16.30; 3D: Die

Addams Family 16.45; Spider-Man: Far From Home

17.00; IMAX: Free Solo (OmU) 17.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.10, 19.40, 22.20; Joker

17.10, 19.00, 19.30, 22.30; Ich war noch niemals

in New York 17.10; IMAX 3D: Der König der

Löwen 19.20; 4Blocks (Staffel III) 19.30, 20.00,

20.30, 23.10; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

19.40,22.10;Terminator–Dark Fate 20.10; Es:

Kapitel II 22.10; Terminator –DarkFate (OF) 22.30;

IMAX:Terminator –Dark Fate 22.30; Zombieland 2:

Doppelt hält besser –Zombieland 2: Double Trap

(OF) 22.50; Scary Stories toTell in the Dark 23.00;

Halloween Haunt 23.15

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Joker (OmU) 20.20, 22.40; Weitermachen

Sanssouci (OmenglU) 18.00; Der Glanz

der Unsichtbaren – Les invisibles (OmU) 19.45;

Bonnie &Bonnie (OmU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Dora und die

goldene Stadt 13.30; Angry Birds 213.40; Recep

Ivedik VI (OmU) 13.50,17.10, 20.10; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 17.00,20.00; Bayala 14.10; Die

Addams Family 14.15, 16.50; Everest 14.20; Ich

war noch niemals in New York 16.30; Joker 16.40,

19.50; Downton Abbey 16.50; Maleficent 17.15;

Terminator –Dark Fate 19.30; Scary Stories toTell

in the Dark 19.40; 4Blocks (Staffel III) 20.00; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 20.10

Kino Kiste (& 998 7481) Deutschstunde 14.00;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 16.20; Eine

ganz heiße Nummer 2.0 18.00; Lieber Antoine als

gar keinen Ärger 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) Das perfekte

Geheimnis 14.15, 16.50,19.50; Der König der Löwen

14.20;Angry Birds 214.20; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.30, 17.40, 20.20; DieAddams

Family 14.30, 17.30; Ich war noch niemals inNew

York 14.40, 17.20, 19.40; Der letzte Bulle 14.50,

17.15, 20.15; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

15.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

15.10; Midway –Für die Freiheit 16.50, 20.00;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 17.00, 20.10;

Maleficent: Mächte der Finsternis – Maleficent:

Mistress of Evil (OF) 17.10; Terminator –Dark Fate

17.15,20.00; Gemini Man 19.30; Joker 19.45

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) A Joker (OmU) 16.45,

19.30,22.15; B Once Upon aTime in...Hollywood

(OmU) 17.20, 20.40

fsk am Oranienplatz (& 614 2464) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30, 21.45; Lara (OmenglU)

17.45, 19.45, 22.30; Porträt einer jungen Frau in

Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

20.00

Moviemento (& 692 4785) Spatzenkino –Hüben

wie drüben 10.00, 11.15; Der kleine Maulwurf

(1963-1975) 13.15; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; The First Reel: Philippine Film

Festival: Respeto (OmenglU) 19.00; Midsommar

(OmU) 21.45; Der kleine Drache Kokosnuss –Auf

in den Dschungel! 10.15; Mein Lotta-Leben –Alles

Bingomit Flamingo!12.15; Systemsprenger 14.30;

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille en feu (OmU) 17.45, 20.30; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar 14.15; Systemsprenger

16.30,19.15,22.00

Sputnik (& 694 11 47) Im Niemandsland 16.00;

Scary Stories toTell in the Dark (OmU) 17.45; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 21.15; Systemsprenger

15.45; Human Nature: Die CRISPR Revolution

(OmU) 18.00; Der Glanz der Unsichtbaren 19.45;

Joker (OmU) 21.30

Yorck (& 78 91 32 40) Systemsprenger 14.30; Parasite17.10,20.00;

New Lara 16.00, 18.20, 20.40

KÖPENICK

KinoSpreehöfe (& 5389590) DieAddamsFamily

14.00, 16.00, 18.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer14.00,

16.00; Maleficent:Mächte der

Finsternis 14.30, 17.15, 20.00; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.45; Das perfekte Geheimnis

14.45, 17.30, 20.00; Midway –Für die Freiheit

17.00, 20.15; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

18.00;Terminator –Dark Fate 20.15; Joker 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Systemsprenger

13.00; Nurejew –TheWhite Crow 13.00; Happy

Ending –70ist das neue 70 13.00,18.00; Ich war

noch niemals inNew York 15.20; Im Niemandsland

15.30; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar 15.45;

Lieber Antoine als gar keinen Ärger 17.45; Das perfekte

Geheimnis 18.00,20.30; Parasite 20.15; Der

Distelfink 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 16.45; Dem

Horizont so nah 14.00; Das perfekte Geheimnis

14.00,17.00,20.00; Everest:Ein Yeti willhochhinaus

14.15; Dora und die goldene Stadt 14.30; Die

Addams Family 14.30; Bayala –Das magische Elfenabenteuer14.30;

Angry Birds2:Der Film 14.30;

Midway –Für die Freiheit 16.30, 19.45; Terminator

–Dark Fate 16.45, 20.00; Ich war noch niemals in

NewYork 16.50;Joker 17.00,20.00;Zombieland 2:

Doppelt hält besser 17.15, 20.15; 3D: Die Addams

Family 17.15; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

19.45;ScaryStories to Tell in theDark20.00; 4

Blocks (Staffel III) 20.00

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Wild

30) 19.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Passion or

Pleasure) 21.00; Verteidiger des Glaubens –Defender

of the Faith (OmU) 18.00; Liebes Ich (m. Gast

u. Gespräch) 20.00; Born in Evin –Alles über Evin

(OmU) 22.00

Babylon (& 242 5969) Interfilm-Kurzfilmfestival

(Together Apart) 13.30; Interfilm-Kurzfilmfestival

(Body) 15.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Confrontations

–Human Rights Films –Against all Odds)

15.30;Interfilm-Kurzfilmfestival (The WorldOutside)

17.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Animated 1 –

Squaring the Circle) 17.30; Interfilm-Kurzfilmfestival

(Man &Beast) 18.00; Interfilm-Kurzfilmfestival

(Cesars Dream – The Cabinet of Dr. Caligari VR

Experience) 18.30; Interfilm-Kurzfilmfestival (Soul)

19.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Twists &Detours)

19.30; Interfilm-Kurzfilmfestival (Queer Fever)

20.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Insight Venezuela)

21.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Mind) 21.30;

Interfilm-Kurzfilmfestival (short matters! European

Film Award –Guest Program) 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73)

Ballon 10.30; Lieber Antoine als gar keinen Ärger

(OmU) 14.30;Joker (OmU) 18.30, 21.15; DieWelle

10.15; Zombieland 2: Doppelt hält besser –Zombieland

2: Double Trap (OF) 14.00, 17.45, 20.00,

22.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 16.00

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) Everest

11.00; Die Addams Family 11.00, 13.15, 17.20;

Das perfekte Geheimnis 11.00, 14.00, 17.00,

20.00,23.00; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 11.10,

15.30; Der König der Löwen 11.10; Angry Birds 2:

Der Film 11.15; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

11.30, 14.00; Maleficent: Mächte der Finsternis

11.45, 13.45, 16.45; Dora und die goldene

Stadt 11.45; Joker 13.30, 16.30, 19.30, 22.55;

Dem Horizontsonah 13.30; Ichwar noch niemals in

New York 13.50, 16.20; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.30; Downton Abbey 14.45; Midway

–Für die Freiheit 16.30, 19.30, 22.50; Scary Stories

toTell in the Dark 17.30, 23.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.50, 20.30, 23.10; Der

letzte Bulle 17.50, 19.50, 23.15; Terminator –Dark

Fate 19.45, 22.40; 4Blocks (Staffel III) 20.00; 3D:

Maleficent:Mächteder Finsternis 20.15; Halloween

Haunt 20.30, 23.15; Es: Kapitel II 22.30

Hackesche Höfe (& 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU) 14.30; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 16.30, 21.30; Systemsprenger

(DFmenglU) 19.00; Weitermachen Sanssouci (DFmenglU)

14.45; Porträt einer jungen Frau inFlammen

–Portrait de la jeune fille en feu (OmU) 16.45,

19.15; Easy Love 21.45; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit (OmU) 14.30; Nurejew –The White

Crow (OmU) 16.30; Parasite (OmU) 19.15, 22.00;

Deutschstunde 14.30; Joker (OmU) 17.00, 19.30,

22.00; Der Glanz der Unsichtbaren (OmU) 15.15;

Lara (DFmenglU) 17.30,19.45,22.00

Z-inema (& 28 38 91 21) Mandy 20.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Berlin.Dokument:

Lebensdaten –Alltagsgeschichten aus Berlin 20.00

NEUKÖLLN

IL KINO (& 91 70 29 19) Babykino: Systemsprenger

(DFmenglU) 10.30; Parasite (OmU) 13.30;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 16.00; The

Report (OmU) 17.50; Interfilm-Kurzfilmfestival

(Met –Metropolis: Amsterdam) 20.00; Joker (OmU)

21.50

Neues Off (& 62 70 95 50) Porträt einer jungen

Frau in Flammen (OmU) 16.20; Joker (OF) 19.00;

Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 21.40

Passage (& 68 23 70 18) Joker (OmU) 17.45,

20.30, 21.20; Systemsprenger 16.00, 18.40; Das

perfekte Geheimnis 16.40, 19.15, 21.45; 2040 –

Wir retten die Welt! (OmU) 18.50; Der Glanz der

Unsichtbaren 21.00

Rollberg (& 62 70 46 45) Parasite (OmU) 16.30;

Interfilm-Kurzfilmfestival (Cosas que suceden...)

18.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Animated 2–Facing

It) 20.00; Interfilm-Kurzfilmfestival (Mundos

animados) 22.00; Parasite (OmenglU) 17.30,

20.30; Joker (OF) 18.00, 20.45; Marianne &Leonard

(OmU) 19.00, 21.15; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu

(OmenglU) 16.20, 19.20, 22.00

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

Maleficent 14.00, 16.50; Das perfekte Geheimnis

14.00, 17.00, 20.05; Dora und die goldene Stadt

14.10; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.15; Dem Horizont so nah 14.20; Die Addams

Family 14.30; Ich war noch niemals in New York

16.30; Joker 16.45,19.30; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 16.50, 19.45; 3D: Die Addams Family

17.15; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

19.40; 4Blocks (Staffel III) 20.15, 20.30

Wolf (& 921 039333) Born in Evin –Alles über

Evin(OmU) 12.00; DieInsel der hungrigen Geister–

Island of the Hungry Ghosts (OmenglU) 12.10;Djon

Africa (OmU) 14.00; Bait (OmU) 14.10; Kurenai

no buta –Porco rosso 16.00; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille enfeu

(OmU) 16.10, 21.00; Easy Love (OmenglU) 19.00;

Weitermachen Sanssouci (OmenglU) 19.10; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 21.10

PANKOW

BlauerSternPankow (& 47 61 18 98) Lara15.15,

18.00, 20.20; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

15.45; Ich war noch niemals in New York 17.30;

Parasite 20.15


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

ropa auf der Spur

utopisch und wie therapeutisch Theater sein kann

feste Rolle –zerlegt und neu zusammengesetzt.

So auch das historisch

einschlägige Gemälde „Floß der Medusa“

von Théodore Géricault, das

von dem Grauen einer Notgemeinschaft

Schiffbrüchiger erzählt, in deren

kannibalischem Überlebenskampf

jede Illusion von Humanismus

zugrunde geht. Dazu werden

historische Berichte der Katastrophe

ebenso gesprochen wie Texte von

Peter Weiss und Heiner Müller.

Wie dünn die Firnis der Zivilisation

ist, thematisiertauch das slowenische

Gastspiel „Medea“ nach Euripides.

Anders als das trashige Europa-Projekt

folgt es einer ArtUpper-

Class-Show-Ästhetik, in der

Smoking und Spitzenkleid das Mindeste

sind. DasDrama der liebenden

und hassenden Kolcherin, der man

am korinthischen Hof des untreuen

Gatten Jason die kalte Schulter zeigt,

spielt hier in den oberen Etagen von

Geld und Macht. Und sosucht das

Theater Maribor in der Mörderinnen-Tragödie

vor allem die Entblätterung

aktueller Machtkonstellationen,

an denen die Medeische Sehnsucht

nach einer anderen, menschlicheren

Gesellschaft zerschellt.

BÜHNE

Gorki Container

„ImaginaryEurope“, 7. 11., 18 Uhr

Gorki Theater

„Medea“, 8. 11., 19.30 Uhr;

Tel.: 20 22 11 15

HAU1

„Marat/Sade“, 12., 13. 11., 19 Uhr;

Tel.: 25 90 04 27

BJÖRN KLEIN

Ganz im Thema bleibt auch, wer

ein paar Tage später die Bochumer

Adaption vonPeter Weiss’ Lehrstück

„Marat/Sade“ durch das inklusive

Theaterkollektiv Monster Truck im

HAU1 besucht. Es ist „No Limits“-

Festivalzeit, in der alle zwei Jahre

bestes inklusives Theater aus der

ganzen Welt nach Berlin kommt.

UndMonsterTruck ist für seinen besonders

kritischen Blick auf den Betrieb

und dessen oberflächliche Vereinnahmung

auch des Theaters mit

Behinderten bestens bekannt. Ihre

Inszenierung deransich schon irren

Stückkonstellation vonPeter Weiss –

der Nihilist de Sade probt mit den Insassen

einer Nervenheilanstalt ein

Theaterstück über die Ermordung

des Revolutionärs Marat –setzt so

noch eine Wendung drauf. Denn die

divers gehandicapten Laiendarsteller

thematisieren sich und ihr Spiel

gnadenlos mit, was auch heißt, dass

sie die Spektakularisierung ihrer eigenen

Behinderung bewusst mit

aufs Spiel setzen. Undsoblendet die

quietschbunte Szenerie dieses

Abends den hoffentlich irritierten

Zuschauerblick auf den blinden

FleckimeigenenAugezurück.

Literatur

Die

Blicke der

anderen

Esgibt wohl nur wenige historische

Ereignisse,die wie

die friedliche Revolution in

Deutschland vor30Jahren mit

Gedenkritualen und Erinnerungen

bedacht werden. In regelmäßigen

Intervallen wird

dokumentiert, neu erzählt und

anders bewertet –Wiederholungen

inklusive. DerVorwurf,

dass dabei die Auseinandersetzung

mit deutschen Befindlichkeiten

überwiegt, ist nicht

von der Hand zu weisen. Um

so wichtiger, dass das Literarische

Colloquium am Wannsee

den Blick der anderen, ohne

die die Wende von 1989 nicht

hätte gelingen können, noch

einmal in den Mittelpunkt

rückt. „Wir schauen auf diese

Stadt“ rufen die Schriftsteller

Bora Cosic, György Dalos,Pascale

Hugues, Wolfgang Kubin

und andereund bringen so ins

Gedächtnis, dass die Umwälzungen

von 1989 auch in Budapest,

Paris und Belgrad

wirkten. HarryNutt

Wirschauenauf diese Stadt LiterarischesColloquium,

Am Sandwerder 5

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00 Wolfgang Neuss Salon: Clown Slam

Wintergarten Varieté (& 58 84 33)

20.00: Zauber Zauber –Nichts ist wie es scheint

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Mensch bleiben (Christoph Sieber)

KLASSIK

Berliner Dom (& 20 26 91 36)

20.00: Jakub Sawicki (Orgel), Simone Merkel

(Sprecherin), Grenzgängezwischen Himmel undErde,

Biblische Erzählungen und Musik

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

22.00: Calmus Ensemble,ensemble amarcord,Anna

Kellnhofer und Isabel Schicketanz (Sopran), 360°

Raum:Klang –Alte Musik unerhörtneu

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.Zubin Mehta,

Anton Bruckner:Symphonie Nr.8c-Moll, 2. Fassung

Staatsoper Unterden Linden (& 20 35 45 55)

16.00 Apollosaal: Barocktage: Musiker*innen der

Staatskapelle Berlin, Ltg.Matthias Wilke, Barocktage

2019 –Preußens Hofmusik I, HenryPurcell: Fantasias

und Sonaten

SynagogeRykestr. (Rykestr.53)

20.00: Deutsches Kammerorchester Berlin, Sol. Yury

Revich (Violine), Jüdischen Kulturtage, Werkevon

Ivan Khandoshkin, Alexander Rosenblatt, Mieczysław

Weinberg u.a.

KINDER

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

17.00: Das Nacktschnecken-Game (ab 12 J.)

LITERATUR/VORTRAG

Buchhandlung Die Insel (& 425 06 04)

20.00: StändigeAusreise –schwierigeWegeaus der

DDR, mit Matthias Meisner,Buchvorstellung

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Schwarzer September.Roman, SherkoFatah

Krimibuchhandlung Miss Marple (& 36 41 27 24)

19.30: 10. Krimimarathon Berlin-Brandenburg: „Helle

und die kalte Hand“, Judith Arendt, Anm.erf.

Anzeige

Tickets:O3O–678O111 www.berliner-konzerte.de

und an allenbekanntenVorverkaufsstellen

Kulturbrauerei/Alte Kantine (& 44 31 50)

20.00: Als die Mauer fiel, war ick uff Schicht, Ahne,

Jan vonImIch und Andreas Gläser lesen, singen und

trinken

Literarisches Colloquium (& 816 99 60)

16.30: Wirschauen auf diese Stadt! Literarische

Begegnungen mit Berlin um 1989, Bora Cosic,

GyörgyDalos, Pascale Hugues, Sonja Arnold, Martin

Jankowski, Wolfgang Kubin, Lesungen, Vorträge

Literaturforum im Brecht-Haus (& 282 20 03)

20.00 Grether-Salon: Krawalle &Liebe, Özlem Özgül

Dündar,Bettina Wilpert, Isabelle Grawu.a.

LiteraturhausBerlin (& 887 28 60)

19.30: EinAbend zu DagnyJuel: „Flügel in Flammen“,

mit Anne Tismer,Barbara Fruth und Lars Brandt

Nicolaische Buchhandlung (& /8 52 40 05)

19.30: Warumandie Zukunft denken?, Mario Sixtus,

Lesung &Gespräch. Anm. erf.

Theater im Palais (& 201 06 93)

19.30: Ein Schauspieler spielt selten allein, Regina

Beyer, Volkmar Kleinert, Buchpremiere

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

18.00Grüner Salon: Eine Stadt.Ein Land. Viele

Meinungen. 30 JahreMauerfall, Lesungen und Diskussionen

mit SimonStrauß, Deniz Utlu, Jackie Thomae

KONZERT

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: An Evening withBruce Hornsby

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.00: Yungblud

Columbiahalle (& 69 81 75 86)

20.00: Airbourne, Tyler Bryant &The Shakedown

Haus der Berliner Festspiele (& 25 48 91 00)

19.00: Konzertder Bundespreisträger*innen

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Willie Watson

Max-Schmeling-Halle (& 44 30 45)

20.00: Seeed

Metropol (Nollendorfpl. 5)

20.00: Lauren Daigle

Silent Green Kulturquartier (& 46 06 73 24)

20.00: Alexandra Stréliski

MEDIENPARTNER

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Lara15.20,

17.40,20.00; Unsere Lehrerin, dieWeihnachtshexe

15.20; Joker (OmU) 17.30, 20.50; Systemsprenger

14.15;Porträt einerjungen Frau in Flammen16.50,

19.30; Das perfekte Geheimnis 15.00, 17.45,

20.30; Parasite 18.00, 20.15

Kino inder Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

Das Wunder von Marseille 13.45, 20.00; Joker

(OmU) 14.00, 17.00, 19.30; Das perfekte Geheimnis

14.00, 16.45, 19.40, 22.45; Bayala 14.00;

Lara 14.15, 17.00, 19.30; Nurejew –The White

Crow 14.20; Der Glanzder Unsichtbaren 14.45; Ich

war noch niemals inNew York 15.00; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 16.10; Parasite 16.30, 20.00;

Deutschstunde 17.10; Porträt einer jungen Frau in

Flammen 17.15,20.40; 2040–Wirrettendie Welt!

(OmU) 18.20; Free Ride Festival 19.30; 4Blocks

(Staffel III) 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.10; Parasite (OmU) 22.40; Porträt

einer jungen Frau in Flammen (OmU) 22.45; Lieber

Antoine als gar keinen Ärger –Enliberte! (OmU)

22.50; Joker (OF) 23.00

Krokodil (& 44 04 92 98) Der seltsame Klang des

Glücks 18.00; Victory Day: Tag des Sieges –Den‘

Pobedy (OmU) 19.30; Vulkan – Volcano (OmU)

21.15

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) The Heart Isa

Drum (OmenglU) 18.15; The Sound is Innocent

(OmenglU) 19.30

UCI KinoweltColosseum (& 44 01 92 00)Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15; Der König der Löwen

14.15; Ballon 14.15; Das perfekte Geheimnis

14.20, 17.10, 20.00, 23.00; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.25; Die Addams Family 14.30;

Dora und die goldene Stadt 14.35; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.40; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.45, 17.00; Angry Birds 2:

Der Film 14.45; Midway –Für die Freiheit 16.35,

19.45,22.40; Terminator –Dark Fate 16.40, 19.40,

22.50; Ich war noch niemals in New York 16.55;

Joker 17.00, 19.35,23.00; 3D: DieAddams Family

17.05; Zombieland 2:Doppelt hält besser 17.10,

19.55, 22.40; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

17.10, 20.00; Der letzte Bulle 17.10, 19.50,

22.40; Once Upon aTime in... Hollywood 19.20;

Zombieland 2: Doppelt hält besser –Zombieland

2: Double Trap (OF) 20.00; 4Blocks (Staffel III)

20.00; Midsommar 22.45; Halloween Haunt 22.55;

3D: Gemini Man 22.55

Zeiss-Großplanetarium (& 42 18 45 12) 3D:

Interfilm-Kurzfilmfestival (Relief –Best of Courant

3D) 19.30

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) Die Addams

Family 13.40, 17.05; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 13.50; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00, 16.55; Dora und die goldene Stadt 14.05;

Das perfekte Geheimnis 14.05, 17.00, 20.00,

23.00; Angry Birds 2: Der Film 14.15; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.30; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.40; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.40; Midway –Für die

Freiheit 16.05, 19.30, 22.55; Ich war noch niemals

in New York 16.30; Zombieland 2: Doppelt hält

besser 16.45, 19.40, 22.30; Joker 17.00, 19.50,

22.55; Der letzte Bulle 17.15, 19.45, 23.00; Dem

Horizont so nah 17.25; 4Blocks (Staffel III) 20.00;

Terminator –Dark Fate 20.05, 23.05; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.05; Scary Stories to

Tell in the Dark 20.25, 23.15; Es: Kapitel II 22.30;

Halloween Haunt 23.15

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Lieber Antoine als gar keinen Ärger 14.45; Downton

Abbey 17.35, 20.25

Cosima (& 85 07 58 02) Deutschstunde 18.00;

Systemsprenger 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait delajeune fille en feu (OmU)

15.30,20.30; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 18.15

Xenon (& 78 00 15 30)Porträt einer jungen Frau in

Flammen 17.30; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille enfeu (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.10, 14.15;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 10.00; Die

Addams Family 10.00, 12.30, 14.45; Angry Birds 2:

Der Film 10.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

12.10, 14.00; Maleficent: Mächteder Finsternis

12.15, 14.20; Das perfekte Geheimnis 14.30,

17.15, 19.45, 22.45; Joker 16.30, 22.40; Zombieland

2: Doppelt hält besser 16.45, 20.15, 23.00;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 17.00; Midway

–Für die Freiheit 17.10, 19.30, 22.30; Terminator

–Dark Fate 19.30, 22.40; 4Blocks(Staffel 3,

Folgen 1&2, mit Fan-Doku) 20.00

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 60 81)

Und der Zukunft zugewandt 13.00; Downton Abbey

15.15; Systemsprenger 17.45; Deutschstunde

20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 0711) Ich war noch niemals

in NewYork 14.00, 17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

Unsere Lehrerin,die Weihnachtshexe 10.00, 12.15,

14.15; Shaun das Schaf: UFO-Alarm 10.00, 12.05,

14.30; Everest 10.00, 12.00; Dora und die goldene

Stadt 10.00, 12.15, 14.50; Die Addams Family

10.00, 12.05, 14.20; Bayala 10.00; Angry Birds

210.00, 12.10; Maleficent 12.10, 14.30; Joker

14.20, 17.00, 20.00, 22.30; Das perfekte Geheimnis

14.30, 16.35, 17.20, 19.45, 23.00; Midway

16.50, 19.45, 22.50; 3D: Maleficent 17.15,

19.30; 3D: Die Addams Family 17.15; Zombieland

217.20, 20.00, 22.45; NationalTheatre Live: Hansard

20.00; Preview: 4Blocks (Staffel 3,Folgen 1

&2,mit Fan-Doku) 20.00; Halloween Haunt 22.45;

Joker (OF) 22.50;Terminator –Dark Fate 23.00

Thalia Movie Magic (& 7743440) Everest 15.45;

Dora und die goldene Stadt 15.45; DieAddams Family

15.45, 18.15; Das perfekte Geheimnis 15.45,

18.00, 20.30; Ich war noch niemals in New York

17.45; Zombieland 218.15, 20.30; Terminator –

Dark Fate 20.30; Joker 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Afrikamera: Keteke

(OmenglU; m.Gast) 19.30; Magical History Tour:

Fitzcarraldo (OF) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Joker 12.50, 13.30, 16.00, 16.40, 19.10, 20.00,

22.30; Das perfekte Geheimnis 13.00, 14.40,

16.15, 17.50, 21.00, 23.00; Downton Abbey

13.15, 19.50; 3D: Maleficent 13.30, 16.30, 19.30,

22.30; Dem Horizont so nah 13.30; Shaun das

Schaf: UFO-Alarm 13.40; Bayala 13.40; Maleficent

13.45, 16.30; Good Boys 13.50; Playmobil 14.00;

Lara 14.00, 17.00, 19.40, 22.45; Die Addams Family

14.00; Angry Birds 214.00; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.10; Das Wunder von Marseille

14.15, 16.20, 20.00;AToy Story14.15;2040

16.15, 18.45; Terminator 16.30, 19.45, 23.00; Ich

war noch niemals in New York 16.30, 19.40; Der

letzte Bulle 16.30, 19.20, 22.20; 3D: Die Addams

Family 16.45; Der König der Löwen 16.45; Parasite

16.50, 19.10; Dora und die goldene Stadt 16.50;

Zombieland 217.00, 19.45, 22.30; Systemsprenger

17.00; Midway 17.10, 19.30, 23.00; Gemini

Man19.30, 22.45; Halloween Haunt 19.40, 22.15;

Es II 20.30; Scary Stories toTell in the Dark 21.15;

Once Upon aTime in... Hollywood 22.30; Rambo

5: Last Blood 22.45; 47Meters Down: Uncaged

22.45; Fast &Furious: Hobbs &Shaw 23.00

CineStar imSony Center (& 04 51/703 0200)

Terminator –Dark Fate (OF) 13.30, 16.15, 19.30,

22.40;Die Addams Family (OF) 13.30,16.30;Midway

(OF) 13.40, 16.30, 19.00, 23.10; Maleficent

(OF) 13.45, 22.40; Dora und die goldene Stadt –

Dora the Explorer (OF) 13.45; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm –Shaun the Sheep Movie:

Farmageddon (OF) 14.00; Once Upon aTime in...

Hollywood (OF) 16.40; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis –Maleficent: Mistress ofEvil (OF) 16.50;

Downton Abbey (OF) 17.00; Sneak Preview (OF)

20.00; 4Blocks (Staffel III) 20.00; Zombieland 2:

Doppelt hält besser –Zombieland 2:Double Trap

(OF) 20.20, 23.00

CineStar IMAX (& 04 51/703 0200) 3D, IMAX:

Galapagos: Wunderland der Natur 11.45; 3D,IMAX:

Buckelwale: Giganten der Meere 13.20; 3D, IMAX:

Pandas 14.50; IMAX: Joker (OF) 16.30, 19.45;

IMAX: Terminator –Dark Fate (OF) 23.00

Filmrauschpalast (& 394 4344) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.00; Interfilm-Kurzfilmfestival

(Experiments) 19.30; Nevrland (OF) 22.00

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Die Addams Family 14.00,

16.00; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

14.30, 18.00; Ich war noch niemals inNew York

14.30, 17.15; Das perfekte Geheimnis 14.30,

17.15, 20.00, 22.30; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

16.00; Midway –Für die Freiheit 17.00,

20.00, 22.00; Zombieland 2:Doppelt hält besser

18.00, 20.00, 22.45; Joker 20.00, 22.30; Terminator

–Dark Fate 20.30; Halloween Haunt 23.00

Casablanca (& 677 5752) Nurejew –The White

Crow 10.00; M. C. Escher: Reise in die Unendlichkeit

18.45; Ich war nochniemals in NewYork20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 0200)

Terminator –Dark Fate 14.00, 16.45, 20.00; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.10, 17.00; Joker

14.15, 17.15, 20.15; Dora und die goldene Stadt

14.15; Die Addams Family 14.20, 17.10; Bayala –

Das magischeElfenabenteuer 14.20;Angry Birds 2:

Der Film 14.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.40; Ad Astra –Zuden Sternen 16.40; Ich war

noch niemals in NewYork 16.50, 19.30; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 17.10; Scary Stories to

Tell in the Dark 17.15, 20.00; 7. KogustakiMucize–

Das Wunder in Zelle Sieben (OmU) 19.35; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 19.50; Slayer –The

Repentless Killogy (EnglmdtU) 20.00; Halloween

Haunt 20.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) DieAddams

Family 14.15, 17.10; Bayala 14.15; Maleficent

14.20; Das perfekte Geheimnis 14.20, 17.15,

20.10,23.00; Everest14.30;Doraund die goldene

Stadt 14.40; Recep Ivedik VI (OmU) 14.45, 16.30,

17.30,19.30,20.15, 22.30, 23.00; 3D: Maleficent

16.45, 20.30; Joker 16.50, 19.50, 22.50; 7. Kogustaki

Mucize –Das Wunder in Zelle Sieben (OmU)

17.20,23.00; Terminator–DarkFate19.30, 22.40;

4Blocks (Staffel 3,Folgen 1&2,mit Fan-Doku)

20.00; Halloween Haunt 23.00

City KinoWedding (& 01 77/270 19 76) Systemsprenger

18.45; Parasite (mit Vorfilm) 21.15

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 40 01) Weitermachen

Sanssouci 18.00; Im Niemandsland 20.15

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Kinderfilm des Monats:

Unheimlich perfekte Freunde 10.00; Fritzi –

Eine Wendewundergeschichte 13.30; Das perfekte

Geheimnis 15.30, 21.00; Das perfekte Geheimnis

12.30, 17.15; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

15.00; Ich war noch niemals in NewYork 19.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Nurejew –The

White Crow 15.30; Der Glanz der Unsichtbaren

18.00; Systemsprenger 20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Unheimlich perfekte

Freunde 14.30; Ich war noch niemals in New

York 17.45;The Report 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 4678) Die kleine Zauberflöte 16.00;

Fisherman‘s Friends – Vom Kutter in die Charts

(OmU) 18.00; Blinded by the Light (OmU) 20.30

Capitol (& 831 64 17)Lara 15.00, 20.30; Parasite

17.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Berlin

Calling (mit Gästen) 18.00; Berlin is in Germany

(mit Gästen) 20.00

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) Der Glanz

der Unsichtbaren 13.30; Deutschstunde 14.00;

Verteidiger des Glaubens –Defender ofthe Faith

14.15; ImNiemandsland 14.15; Das perfekte Geheimnis

15.30, 18.00, 20.45; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 16.15; Porträt einer jungen Frau in

Flammen 16.15, 20.45; Lara 16.30, 18.45; Marianne

&Leonard –Words of Love (OmU) 18.30;

Happy Ending –70ist das neue 70 18.45; Systemsprenger

20.45; Parasite 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Maleficent 13.50, 16.40; Ich war noch niemals in

New York 13.50, 16.50; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 13.50, 17.10; Das perfekte Geheimnis

13.55, 16.55, 19.55; Dem Horizont so nah 14.00;

Die Addams Family 14.10; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 14.20; Bayala – Das magische

Elfenabenteuer 14.30; Midway –Für die Freiheit

16.20, 19.40; Joker 16.50, 19.50; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 17.15, 20.15; 3D: Die Addams

Family 17.20; Terminator –Dark Fate 19.45; Sneak

Preview 20.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

20.00; 4Blocks (Staffel III) 20.00

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis17.15,

20.00

CineStar Wildau (& 04 51/703 02 00) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.30; Everest: Ein

Yeti willhochhinaus 14.30; Dasperfekte Geheimnis

14.30, 17.00, 20.00; Dora und die goldene Stadt

14.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.50; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.50,

17.15; Dem Horizont so nah 14.50; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.50; Angry Birds 2:

Der Film 14.50; Die Addams Family 15.15, 17.40;

Terminator –Dark Fate 17.00, 20.15; Ich war noch

niemals inNew York 17.00; Joker 17.15, 20.00;

Midway –Für die Freiheit 17.30, 19.50; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.30, 20.20; Preview:

Zombieland 2: Doppelt hält besser 17.40, 20.30;

Der letzte Bulle 17.45, 20.15; 4Blocks (Staffel III)

20.00; 3D: Gemini Man 20.10; Halloween Haunt

20.30

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00; Das perfekte

Geheimnis15.00, 17.45, 20.30; Die Addams Family

15.30; Ich war noch niemals inNew York 17.45;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 17.45,

20.30;Terminator –Dark Fate 20.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 4828)

Die Addams Family 14.30; Maleficent: Mächte der

Finsternis 14.45, 17.15; Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.30, 20.00; Angry Birds 2: Der Film

15.30;3D: DieAddamsFamily 16.15;Ich warnoch

niemalsinNew York 17.45; Joker18.00, 20.30;3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 19.45; Terminator

–Dark Fate 20.15

Movieland Erkner (& 033 62/36 68) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 15.00; Das perfekte

Geheimnis 15.30, 17.15, 20.00; Ich war noch niemals

inNew York 18.00; Joker 20.45


26 Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Netzwerk

WERKSTATT

Mit Backups

auf Nummer

sicher gehen

VonDaniel Dangelmaier

Eine Sicherheitskopie der Festplatte

kann im Ernstfall die Rettung

für wichtige Dokumente und

persönliche Erinnerungen sein.

Kommt es zu Hardwareproblemen

oder einem Datenverlust, lässt sich

der Inhalt eines Datenträgers mithilfe

des gespeicherten Systemabbilds

rekonstruieren.

Entgegen der landläufigen Meinung

ist das Erstellen eines Backups

weder sonderlich zeitintensiv noch

aufwendig. Der User muss lediglich

ein externes Medium an seinen

Computer anschließen, auf dem die

Systemkopie gelagert werden soll.

Die eigentliche Arbeit, also das Zusammenfassen

des Festplatteninhalts

und die Übertragung des sogenannten

Images auf den externen

Speicher, kann dann das Betriebssystem

übernehmen.

Windows-Nutzer finden in der

Systemsteuerung die Kategorie „System

und Sicherheit“. Da muss man

einfach „Sichernund Wiederherstellen

(Windows 7)“ ansteuern, dann

wird links die Option „Systemabbild

erstellen“ angezeigt. Nach der Wahl

des Speicherorts und der Laufwerke

beginnt der Backup-Prozess mit einem

Klick auf die Schaltfläche „Sicherung

starten“. Unter macOS

übernimmt die über Systemeinstellungen

abrufbare „Time Machine“

den Vorgang. Der Image-Speicher

wirdbei Apples Betriebssystem über

den „Backup-Volume auswählen“-

Button festgelegt.

Abhängig von der Datenmenge

und der Geschwindigkeit von Computer

und externem Speicher vergehen

wenige Minuten oder mehrere

Stunden, bis das Backup angelegt

ist. Während dieser Zeit kann der

User weiter am Rechner arbeiten

und muss sich fortan nicht mehr

daran erinnern, Sicherheitskopien

zu machen. Denn ist die Backup-

Funktion erst einmal aktiviert worden,

sorgt ein automatisiertes Datensicherungsverfahren

dafür, dass

das System selbstständig und in regelmäßigen

Abständen neue

Images erstellt.

Die Bordmittel der Betriebssysteme

reichen für den Hausgebrauch

allemal aus. Allerdings verfügen sie

im Vergleich zu Lösungen von Drittanbietern

oft über weniger Funktionen.

DieWindows-Software Acronis

True Image 2020 (49,99 Euro) zum

Beispiel hat einen Mechanismus implementiert,

der Backup-Dateien

vor Cyberangriffen schützt. Auf

Wunsch macht sie nur voneinzelnen

Dateien oder Ordnern regelmäßige

Kopien. Versierteren Usernwirdvielleicht

die Freeware Personal Backup

(personal-backup.rathlev-home.de)

zusagen. Dank der zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten

lassen sich

die Sicherungen detailliert konfigurieren.

FreeFileSync (freefilesync.org)

für PC, Mac und Linux ist

ebenfalls kostenlos und insbesondere

für Nutzer mit eher schwächeren

Rechnern zu empfehlen. Das

Programm kann nämlich den aktuellen

Festplatteninhalt mit dem Inhalt

eines Backups vergleichen und

macht auf Unterschiede aufmerksam.

So fällt es leicht, neue oder veränderte

Files ausfindig zu machen.

Daniel Dangelmaier

schreibt seit mehr als

17 Jahren über Digitales.

„Ich besitze keine Visitenkarten“

WieKontakte knüpfen in digitalen Zeiten? Tijen Onaran hat sich auf effektives Netzwerken spezialisiert

Bei wichtigen Veranstaltungen

ist Tijen Onaran dabei,

keine Frage. Sie ist eine

Meisterin des Netzwerkens

in Berlin. Ein Gespräch über

Gesprächsstrategien, wahreFreundschaften

und Belastungstests für das

persönliche Netzwerk.

Frau Onaran, Sie haben das Digitalnetzwerk„Global

Digital Women“ gegründet,

das inzwischen mehr als

30 000 Mitglieder hat. Sierichten sich

dabei aber nicht ausschließlich an

Frauen. Warum dann der Name, der

Frauen ins Zentrum stellt?

Frauen haben mich geprägt, und

ich hatte das große Glück toller Chefinnen.

Ich habe irgendwann einen

Stammtisch in Berlin gegründet für

Frauen in Digitalrollen, egal, ob als

Gründerin, in einer Konzernposition

oder einer NGO. Auf vielen Veranstaltungen

sitzen noch immer ausschließlich

Männer auf den Podien,

weil behauptet wird, man finde

keine Expertinnen. Wir zeigen aber,

dass es sie selbstverständlich gibt: in

sozialen Medien, auf unserer Content-Plattform,

mit dem Digital Female

Leader Award. Das hilft. Aber

unser Netzwerkist für alle offen. Und

wir haben uns natürlich entwickelt.

Der Fokus liegt heute auf Diversität

mit all den Dimensionen.

Was bedeutet für Sie imNetzwerk-

Zusammenhang Diversität?

Es geht dabei in erster Linie nicht

um die Herkunft oder das Geschlecht.

Viel wichtiger ist es, statt

nur Schulterklopfern auch Menschen

im Netzwerkzuhaben, die mir

widersprechen. Mit unterschiedlichen

Erfahrungswerten, Positionen,

Berufen. Als ich Kommunikationsleiterin

eines Verbands war, haben

sich die Kolleginnen und Kollegen

alle nur mit anderen Kommunikatorinnen

und Kommunikatoren verbunden.

Ich finde es spannender,

Personen mit einer neuen Perspektivekennenzulernen.

Kürzlich haben Sie Ihr erstes Buch,

die „Netzwerkbibel“, veröffentlicht.

Mit welcher Strategie sind Sie beim

Aufbau Ihres persönlichen Netzwerks

vorgegangen?

Ichhatte anfangs überhaupt keine

Netzwerk-Strategie.Ich bin in meiner

Heimatstadt Karlsruhe den Jungen

Liberalen beigetreten und kannte

niemanden, komme auch nicht aus

einer Genscher-Familie. Als ich zu

den erstenVeranstaltungen gegangen

bin, war ich alleine dort, alle anderen

kannten sich bereits und waren vernetzt.

Ich wollte etwas bewegen, das

geht nur gemeinsam, also war ich gezwungen,

Kontakte zu knüpfen. Daraus

habe ich übrigens eine wichtige

Regel entwickelt.

Welche?

Nie zuzweit, sondern immer alleine

auf Veranstaltungen gehen.

Dann hält man sich nicht an seiner

Begleitung fest, sondern ist gezwungen,

sich miteinander zu unterhalten.

Sollten Menschen, die gerade ihr

Netzwerkaufbauen, versuchen, möglichst

hochrangige Kontakte zu

knüpfen?

Funktionen sind zweitrangig. Es

hilft, sich komplett von Titeln freizumachen,

heute ist ja jeder Chief of Irgendwas.

Häufig bringt mir auch

nicht die vermeintlich wichtigste Person

in einer hohen Position den größten

Nutzen. Dashängt auch davon ab,

an welchem Punkt in meiner Karriere

ich mich befinde. Man sollte nicht

vergessen, dass Positionen meist

nicht von Dauer sind. Ich habe in

meiner Zeit in der Politik beobachtet,

wie schnell sich ein Netzwerk im

Nichts auflösen kann, weil die Leute

nur auf Positionen geschaut haben –

und diese dann plötzlich nicht mehr

innehatten.

Woranerkennt man, ob das Netzwerk

nachhaltig ist?

Dasstellt sich immer dann heraus,

wenn es mir mal nicht gut geht, weil

„Ein wichtiger Kontakt an einem Abend ist besser als 100 Leute kennenzulernen“, sagt

Tijen Onaran.

XIMAGO

ich mit etwas gescheitertbin oder auf

der Suche nach einem neuen Job.

Weil ich genau dann darauf angewiesen

bin, dass mir geholfen wird?

Ja. Viele fangen erst dann an zu

netzwerken, wenn sie dringend darauf

angewiesen sind. Wernicht die

notwendige Zeit in ein Netzwerk investiert,

wenn es gerade gut läuft,

darf sich auch nicht wundern, dass

niemand da ist, um zu helfen, wenn

das Kind einmal in den Brunnen gefallen

ist.

Viele haben beim Thema Netzwerken

geschlossene Gesellschaften mit

grauen Gestalten in dunklen Anzügen

im Kopf.Hat sich das gewandelt?

Netzwerken ist heute total demokratisiert.

Dashat auch damit zu tun,

ZUR PERSON

Tijen Onaran, 1985 geboren, ist Gründerin von„Global Digital Women“, einem Netzwerk für

digitale Pioniere mit sieben Niederlassungen in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien.

Sie arbeitet auch als Autorin und Moderatorin. Zuletzt hat sie das Buch „Die Netzwerkbibel:

Zehn Gebote für erfolgreiches Networking“ veröffentlicht.

Am kommenden Montag ist Tijen Onaran zu Gast im Newscafé des Berliner Verlags in der

Alten Jakobstraße 105. Die Veranstaltung beginnt um 17.30 Uhr.Eine Anmeldung ist möglich

unter:berlin.gf@berlinerverlag.com

dass sich das Arbeiten wandelt: Statt

in festgefahrenen Teams wirdinProjekten

gearbeitet. Experten und Expertinnen

aus verschiedenen Bereichen

und mit unterschiedlicher Erfahrung

tun sich dabei zusammen,

Hierarchien spielen eine immer geringere

Rolle. Das spiegelt sich beim

Netzwerken wider: Die Zeit der exklusiven

Netzwerke ist vorbei. Es ist

auch wichtig, dass Netzwerke offen

sind und frei vonHierarchien, damit

sich verschiedene Typen treffen. Je

diverser ein Netzwerk ist, desto besser

und nachhaltiger ist es.

Wiesieht ein gutes Netzwerkaus?

Wer netzwerken will, sollte sich

am Anfang überlegen, was er eigentlich

von einem Netzwerk erwartet.

Will man von anderen lernen? Will

man Mentor oder Mentorin für anderesein?

Geht es um die eigene Bekanntheit?

Sollen Kontakte innerhalb

oder außerhalb des eigenen

Unternehmens geknüpft werden?

Erst wenn man das weiß, lässt sich

ein gutes Netzwerk aufbauen. Wichtig

ist: Qualität ist wichtiger als

Quantität.

Möglichst viele Kontakte bei Linkedin

oder Xing zu sammeln, ist kein erstrebenswertes

Ziel?

Entscheidend ist nicht, wie viele

Kontakte ich habe, sondern obund

wie sie mir helfen können. Werohne

Anlass Kontakte sammelt, baut sich

ein diffuses Netzwerk auf. Soglauben

aber viele netzwerken zu müssen.

Für sie hat ihr Netzwerk einen

Vertriebscharakter, ist nur ein Mittel

zum Zweck, um ein Produkt zu verkaufen.

Das ist nicht mein Ding und

ich will Netzwerke auch aus dieser

Schmuddelecke holen.

Es gibt also gute und schlechte Ziele

beim Netzwerken?

Ich finde strategisches Netzwerken

nicht schlimm. Ichfinde es dann

schlimm, wenn man nicht überlegt,

was man anderen zurückgeben

kannt. Immer im Hinterkopf behalten:

Welche Person hat mir wirklich

geholfen.

Ein Netzwerk zupflegen, das klingt

nach viel Arbeit. Wieschafft man das

neben dem Job?

Heuteist es einfacher denn je.Du

musst nicht wie früher auf jede Veranstaltung

gehen, sondern kannst

auch vonder Couchaus netzwerken.

Dafür gibt es schließlich Linkedin,

Xing, Twitter und Instagram. Die sozialen

Netzwerke lassen sich sehr gut

in den Alltag integrieren.

Brauchen wir heute noch Visitenkarten,

um Netzwerk-Profis zu sein?

Ich besitze keine mehr. Für mich

sind sie ein Zeugnis der Vergangenheit.

Drückt mirjemand eine Visitenkarte

in die Hand, fliegen sie in meiner

Tasche rum. Ich füge die Menschen

lieber schnell online hinzu. So

kann ich später auch viel besser verfolgen,

womit sie sich aktuell beschäftigen

und was sie beruflich umtreibt.

Viele Menschen haben Hemmungen,

auf Veranstaltungen Kontakte zu

knüpfen. Wie können sie diese überwinden?

WerHemmungen hat, kann sich

ein Ziel vorgeben. Zum Beispiel die

Gastgeberin oder einen der Vortragenden

anzusprechen. Stück für

Stück kann man sich so ein eigenes

Netzwerk aufbauen. Ich mache das

jetzt seit vielen Jahren und habe gelernt,

mich nicht zu überfordern.

Manmussnicht an einem Abend alle

100 Gäste kennenlernen. Wenn man

einen wichtigen Kontakt mitnimmt,

reicht das vollkommen aus.

Nehmen wir an, Sie besuchen eine

Veranstaltung und sind in ein Gespräch

verwickelt, das Sie langweilt.

Wie entgehen Sie der Situation möglichst

freundlich?

Ich habe da einen Trick, den ich

schon in meinem Buch verraten

habe und deswegen leider nie wieder

anwenden kann: Es hilft, eine

dritte Person hinzu zu holen und die

Personen dann einander vorzustellen.

Es hilft aber auch, ehrlich zu sein

und zu sagen,dass es aufschlussreich

war, aber man sich noch weiter umschauen

möchte.

Müssen wir mit den Menschen in unserem

Netzwerkbefreundet sein?

Nein. Man kann mal zusammen

ein Glas Wein trinken gehen, um sich

auszutauschen und voneinander zu

lernen, aber man muss keine Freundschaft

knüpfen. Ich lege immer eine

professionelle Freundlichkeit an den

Tag, wahreaber eine ebenso gesunde

Distanz, die mich frei von Erwartungshaltungen

macht.

DasInterviewführten Eliana Berger

und Henrik Geisler.

NACHRICHTEN

Putin fordertrussische

Alternative zu Wikipedia

Russland soll nach Auffassung

vonKremlchef Wladimir Putin eine

eigene Alternativezum Online-Lexikon

Wikipedia bekommen. Das

schlug er in Moskau vor. Es sei besser,Wikipedia

durch eine neue,

große russische Enzyklopädie zu

ersetzen, sagte der Präsident

nach Angaben der Agentur Ria

Nowosti. „Das werden dann verlässliche

Informationen sein –präsentiertineiner

guten, modernen

Form.“ DieRegierung will dafür

den Angaben nach bis 2022 umgerechnet

24 Millionen Euro bereitstellen.

(dpa)

Huawei-Chef weist Kritik an

seinem Konzernzurück

In der Debatte um den Aufbau

des 5G-Netzes in Deutschland hat

der Chef des chinesischen Telekomausrüsters

Huawei Kritik an

seinem Unternehmen zurückgewiesen.

Er könne mit Sicherheit versprechen,

dass Huawei keine Daten an

die chinesische Regierung weitergibt,

sagte RenZhengfei am Mittwoch

vorJournalisten am Huawei-

Hauptsitz im südchinesischen

Shenzhen. „Die deutsche Regierung

wirdfür sich die beste Entscheidung

treffen“, gab sich RenZhengfei zuversichtlich.

Huawei wolle seine

Produkte in so viele Länder wie

möglich verkaufen. DieTechnik

des chinesischen Konzernwerde

in Deutschland „dringend

benötigt“. (dpa)

Ren Zhengfei verspricht, keine Daten an

die Regierung weiterzugeben. DPA/JÖRN PETRING

Verlustreiches Start-up

WeWork belastet Softbank

MilliardenschwereInvestitionen

in das strauchelnde Start-up We-

Work haben die Halbjahres-Bilanz

des japanischen Großaktionärs Soft-

Bank mächtig verhagelt. Wieder japanische

KonzernamMittwoch bekanntgab,schmolz

der Nettogewinn

zum Bilanzstichtag 30. September

um satte 49,8 Prozent auf

umgerechnet 3,5 Milliarden Euro.

DieJapaner hatten weitere9,5 Milliarden

Dollar über neue Kredite und

den Kauf vonAnteilen in das verlustträchtige

und viel Geld verbrennende

NewYorker Unternehmen gepumpt,

um das Start-up

zu retten. (dpa)

Game-Verband beklagt

mangelnde Unterstützung

DerVerband game hat zur

Halbzeit-Bilanz der Bundesregierung

weiter erhebliche Planungsunsicherheit

in der Games-Branche

beklagt. So gerate etwa die Fortsetzung

der gerade erst eingeführten

Games-Förderung zur unnötigen

Hängepartie,sagte game-Geschäftsführer

Felix Falk am Mittwoch.

DieBundesregierung hatte in

ihrem Koalitionsvertrag eine besserefinanzielle

Förderung ähnlich

wie in anderen Ländernaufgenommen,

um die Entwicklung vondigitalen

Spielen aus Deutschland international

wettbewerbsfähig zu

machen. Nundroht der Förderung

auf Bundesebene ein Jahr nach Einführung

wieder das Aus. DasFörder-Budget

von50Millionen Euro

sei ein historischer Schritt für den

StandortDeutschland gewesen,

sagte Falk. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 27

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live

nach Neun 9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45

(für HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer

weiß denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für HG)

Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Fluss 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Werweiß

denn sowas? 18.50 (für HG) In aller Freundschaft

–Die jungen Ärzte 19.45 (für HG) Wissen

voracht –Mensch 19.50 (für HG) Wetter voracht

19.55 Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Strandgut –

Der Usedom-Krimi

Krimireihe, D2019. Mit Katrin Sass,

RikkeLylloff.Auf dem Meeresgrund vor

Usedom liegen noch immer viele Tonnen

Munition aus dem Zweiten Weltkrieg.

21.45 (für HG) Monitor

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Nuhr im Ersten

Kabarettshow.Gäste: IngoAppelt, Lisa

Eckhart, Torsten Sträter,Abdelkarim

23.30 (für HG) Luise Kinseher –Live

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily

Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 10.00 Der Blaulicht

Report 11.00 Der Blaulicht Report 12.00 Punkt

12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00 Die

Superhändler –4Räume, 1Deal 15.00 Schätze

aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter allein zu

Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela 17.30

Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv–Das

Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 RTL Fußball –UEFA Europa League

Countdown /Anstoß 21.00 Uhr Borussia

Mönchengladbach –ASRom, live. Nach

dem missglücktemStartmit nur zwei

Punkten aus drei Spielen, ist die Borussia

ihren Fans Wiedergutmachung schuldig.

23.00 RTL Fußball –UEFA Europa League

Highlights und Zusammenfassung der

anderen Spiele

0.00 RTL Nachtjournal /Wetter

0.30 Gott als 12. Mann

1.00 (für HG) Alarm für Cobra 11

2.50 (für HG) Magda macht das schon!

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG) 1989

–Aufbruch ins Ungewisse 16.00 (für HG) MDR

um 4 17.45 (für HG) Aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Die

Falknerei am Rennsteig 20.15 (für HG) Voss &

Team 21.00 (für HG) Hauptsache gesund 21.45

(für HG) Aktuell 22.05 (für HG) artour 22.35 (für

HG) Ist die Mauer wirklich weg? 23.03 Aktuell

23.05 (für HG) Gerhard Schöne –Der leise

Rebell 23.35 (für HG) Das rote Erbe 0.18 Aktuell

Bayern

12.40 (für HG) Familie Dr.Kleist 13.30 (für HG)

weiß blau 14.15 (für HG) Hofgeschichten 14.45

(für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG)

Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 Regionales 18.00 (für

HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) mehr/wert 19.30 (für HG)

Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) quer 21.00 Schleichfernsehen

21.45 (für HG) Rundschau Magazin 22.00

Ringlstetter 22.45 (für HG) Hindafing 23.30

Woidboyz on the Road 0.00 Startrampe

Vox

5.15 (für HG) CSI: NY 6.55 (für HG) CSI: Den

Täternauf der Spur 8.45 Verklag mich doch!

10.50 Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind

11.55 Shopping Queen 12.55 Zwischen Tüll und

Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind 15.00

Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten und eine

Traumreise 17.00 Zwischen Tüll und Tränen

18.00 First Dates 19.00 Das perfekte Dinner

20.00 Prominent! 20.15 (für HG) Avatar –Aufbruch

nach Pandora. Science-Fiction-Film, USA/

NZ 2009 23.30 Nachrichten 23.50 (für HG)

Medical Detectives 0.45 Medical Detectives

Super RTL

8.55 PawPatrol 9.25 Die Oktonauten 9.45

Calimero 10.05 Sammy 10.40 Grizzy &die

Lemminge 11.05 Alvinnn!!! 11.35 Go Wild!

12.05 Friends 12.25 Trolls 12.45 Polly Pocket

13.15 Tomund Jerry 13.45 Bugs Bunny&

LooneyTunes 14.15 Angelo! 14.45 Dragons

15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally

Bollywood 16.40 Die Nektons 17.10 Mighty

Mops 17.40 Angelo! 18.10 Bugs Bunny&

LooneyTunes 18.35 Woozle Goozle 19.05

Alvinnn!!! 19.45 Tomund Jerry 20.15 (für HG)

CSI: Miami 23.55 30 Rock 0.25 Infomercials

Sport1

5.45 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30 Cajun

Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap 17.30

StorageWars –Geschäfte in Kanada. Doku-Soap

19.00 Sport1 News Live 19.30 Eishockey.

Deutschland Cup. Deutschland –Russland, live

22.00 Die PS Profis –MehrPower aus dem Pott.

Doku-Soap. Ein Mercedes SLK für nur 5000

Euro? 23.00 Die PS Profis –ImEinsatz 23.30

bwin Inside eSports 0.00 SportClips 0.45

Teleshopping Nacht 1.00 SportClips

ZDF

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

(für HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Krimiserie. Vergiftetes Glück 17.00

(für HG) heute 17.10 (für HG) hallo deutschland

17.45 (für HG) Leute heute 18.00 (für HG) Soko

Stuttgart. Krimiserie. Abi-Krieg 19.00 (für HG)

heute 19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG)

Notruf Hafenkante. Krimiserie. Magische Wahrheit

20.15 (für HG) Die Bergretter: Wiedersehen

Dramareihe, D/A 2019. AufEmilies Hof

verabschiedet sich Tobias. Mit seiner

Affäre in Südtirol hat er Emilie so verletzt,

dass die Ehe am Ende ist, und Tobias

Ramsau verlässt.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Maybrit Illner

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 (für HG) Heldt

Krimiserie.Die Sagenjäger

1.30 (für HG) Notruf Hafenkante

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 AufStreife

15.00 AufStreife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring.Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap.Die Gemeinschaftspraxis.Die

Mama des kleinen Ben ist

alarmiert, als der sonst so kerngesunde Jungeauf

einmal Blut im Urin hat. Die Ärzte der Gemeinschaftspraxis

stehen voreinem Rätsel. 17.30

Klinik am Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine

18.00 Die Ruhrpottwache 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) FBI: Special Crime Unit

Krimiserie.Die Ermittler arbeiten daran,

einen Serienkiller zu schnappen, der es

auf jungeFrauen abgesehen hat. Mit

Chrissy Bugasi hat der Täter bereits das

dritte Opfer auf dem Gewissen.

21.15 (für HG) Criminal Minds

Krimiserie.Der Kuss des Todes

22.15 Bull

Dramaserie. Anstiftung

23.10 Bull

Dramaserie. Elf Stunden

0.05 (für HG) Criminal Minds

WDR

12.45 (für HG) Aktuell 13.05 (für HG) Elefant,

Tiger&Co. 13.55 (für HG) Lichters Schnitzeljagd

14.25 (für HG) Tierärztin Dr.Mertens 16.00 (für

HG) Aktuell 16.15 Hier und heute 18.00 (für HG)

Aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Tatort: Eine andere Welt. Krimireihe,D

2013 21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Frau

tv 22.40 (für HG) Menschen hautnah 23.25 (für

HG) Stories We Tell. Dokumentarfilm, CDN 2012

1.10 Jack Bruce &friends feat. Billy Cobham

NDR

12.25 (für HG) In aller Freundschaft 13.10 (für

HG) In aller Freundschaft –Die jungen Ärzte

14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG) die

nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00

(für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) Typisch!

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) mareTV

21.45 (für HG) NDR Info 22.00 (für HG) Herr

Lehmann. Komödie, D2003 23.50 Stilles Land.

Drama, D1992 1.25 (für HG) extra 3

Kabel eins

5.55 Without aTrace 6.45 (für HG) The Mentalist

7.40 Blue Bloods 9.30 (für HG) Navy CIS: L.A.

10.25 Navy CIS 11.15 Without aTrace 12.10

Numb3rs 13.05 (für HG) Castle 14.00 (für HG)

The Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A.

15.50 kabel eins news 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung

Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15 Die

Klinik –Ärzte, Helfer,Diagnosen 22.15 Die Klinik

–Operation am offenen Herzen 0.10 Die Klinik

–Ärzte, Helfer,Diagnosen

RTLZWEI

5.15 PrivatdetektiveimEinsatz 6.00 Die

Straßencops Ruhrgebiet 7.00 Die Straßencops

Ruhrgebiet 8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch

12.00 Die Wollnys –Eine schrecklich

große Familie! 13.00 Die Wollnys –Eine

schrecklich große Familie! 14.00 Station B1

15.00 Die Wache Hamburg 16.00 Die Wache

Hamburg 17.00 News 17.04 Wetter 17.05 Krass

Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667

19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Hartes

Deutschland –Leben im Brennpunkt 22.15 Der

Jugendknast 23.15 Slasher 0.10 Slasher

Eurosport 1

8.30 Ski Freestyle 9.30 PowerOfOne. Togo

10.00 Snooker 12.00 Leichtathletik 13.30

Tennis 14.30 Tennis 15.30 Tennis 16.30

Snooker.World Open in Yushan. Das Finale 18.20

Ski Freestyle. FIS Weltcup 2019/20 in Modena.

Big Air 19.20 Snowboard. FIS Weltcup 2019/20

in Modena. Big Air 20.15 Nachrichten 20.20

Springreiten 20.50 Legenden Hautnah 21.20

Camps to Champs 21.50 PowerOfOne. Togo

22.25 Nachrichten 22.30 Tennis 23.30 Tennis

0.30 Tennis. Australian Open

TV-Tipps

ARD, 20.15 UHR KRIMIREIHE

Strandgut –Der Usedom-Krimi

Ada Harms (Anaïs Sterneckert) hat sich in der Nähe des Strandes ein

Refugium für ihreSchätzegeschaffen. Das Mädchen liebt es,amMeer

entlangzustreunen, auf der Suche nach Strandgut. Karin Lossow (Katrin Sass,

Foto) weiß um die Sammelleidenschaft der Kleinen. Um Adazuschützen,

sucht sie regelmäßig selbst den Sand nach Phosphorklumpen ab.Das leicht

entzündliche Material stammt aus Weltkriegs-Munition und wird regelmäßig

angespült. Adas Vater hat sich auf das Bergen dieser Kampfmitteln spezialisiert.

Sein Unternehmen ist jedoch in schweres Fahrwasser geraten, wodurch

er mit dem Gesetz aneinander gerät. Er bittet Karin um Hilfe.Als unterdessen

am Strand vor Heringsdorf eine Leiche angespült wird, ist Kommissarin

Norgaard (Rikke Lylloff)beunruhigt: Könnte die Tote ihreMutter sein?

(D/2019)

Foto: NDR/ARD

Anzeige

Immer und überall.

www.berliner-kurier.de/mobil

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

1 4

9 5 6

4 5 8 9

7 5

8 1

9 2

5 2 3

6 9 4

2

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

4 7

6 5

2

7 9

1 3

3

4 1 7 9

2 6

Nur fürs

Smartphone:

Rätsel, Videos,

Sonderausgaben

u.v.m.

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM6.11.2019

mittel MITTEL

7 9 5 4 3 1 6 8 2

6 2 1 8 9 7 4 5 3

4 8 3 6 2 5 1 9 7

9 1 4 5 7 6 2 3 8

8 3 6 9 4 2 7 1 5

2 5 7 1 8 3 9 6 4

5 7 9 3 6 4 8 2 1

1 6 2 7 5 8 3 4 9

3 4 8 2 1 9 5 7 6

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM 6. 11. 2019

vom 6.11.2019

schwer

SCHWER

6 2 9 1 5 8 7 4 3

4 3 7 2 9 6 5 8 1

1 8 5 3 4 7 2 9 6

5 4 3 9 2 1 8 6 7

8 1 2 6 7 3 9 5 4

7 9 6 5 8 4 3 1 2

2 7 4 8 6 5 1 3 9

3 6 8 7 1 9 4 2 5

9 5 1 4 3 2 6 7 8

RBB

5.25 Berliner Nächte 5.30 (für HG) Aktuelle

Kamera 6.00 (für HG) Berliner Abendschau 6.25

zibb 7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG)

Brandenburg aktuell 8.30 (für HG) Abendschau

9.00 (für HG) In aller Freundschaft 10.30 (für

HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturmder Liebe

12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche Frau

13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Meer

14.00 (für HG) Geschichten übernGartenzaun

16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für HG) Gefragt–

Gejagt 17.00 (für HG) rbb24 17.05 (für HG)

Panda, Gorilla &Co. 17.55 (für HG) Unser

Sandmännchen 18.02 rbb UM6 18.27 zibb

19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Wir müssen reden!

Talkshow. Thema: Sind Ossis Deutsche

zweiterKlasse? Die Moderatorinnen

Janna Falkenstein und Tatjana Jurylassen

Bürgerinnenund Bürger aus Berlin und

Brandenburg zu Wort kommen.

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Polizeiruf 110: Katharina

Krimireihe, DDR 1989

23.20 Talk aus Berlin

23.50 (für HG) rbbkultur

0.20 (für HG) Leviathan

Drama,RUS 2014. Mit Elena Lyadova

ProSieben

5.15 2BrokeGirls. Sitcom. Fliegen für Anfänger

5.35 The Middle. Comedyserie 6.15 (für HG) Two

and aHalf Men. Sitcom 7.35 (für HG) The Big

Bang Theory. Sitcom 8.55 (für HG) HowIMet

Your Mother.Sitcom 10.45 Fresh Off the Boat.

Sitcom. Mütter wissen’sbesser 11.10 Mike&

Molly.Sitcom. Mikes Füße 11.35 2BrokeGirls.

Sitcom 12.30 Mom. Sitcom 13.20 (für HG) Two

and aHalf Men. Sitcom 14.45 The Middle.

Comedyserie. Die Klassenfahrt/Der sechzehnte

Geburtstag 15.35 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom. Fruchtzwerg fliegt ins All /Die Date-

Variable /Händchen halten, bitte! 17.00 taff

18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die Simpsons.

Zeichentrickserie 19.05 Galileo

20.15 Die Besten! Die 22 lustigsten

Momente der letzten 5Jahrzehnte

Rankingshow. Es wird Zeit, die Lachmuskeln

so richtig zu trainieren. Denn

Annemarie Carpendale startet diesmal

einen Angriff aufs Zwerchfell.

22.20 Die Besten: Die 33 größten Erfolgsgeschichten

made in Germany

Rankingshow

0.55 Die Besten! Die 22 lustigsten

Momente der letzten 5Jahrzehnte

Rankingshow

2.30 ProSieben Spätnachrichten

Arte

7.15 360° 8.00 Wiedererstarkte Wildnis 8.45

Stadt Land Kunst 9.25 (für HG) Gutenberg –Genie

und Geschäftsmann. Doku-Drama, F2017

10.55 Wo Bücher die Welt bedeuteten 11.50

Wiedas Land, so der Mensch 12.15 Re: 12.50

Arte Journal 13.05 Stadt Land Kunst 13.50

Familiengrab.Krimikomödie, USA 1976 15.50

(für HG) Flüsse des Lichts 16.45 (für HG) Xenius

17.10 Fotografen auf Reisen 17.40 Südamerika

18.35 (für HG) Kreuzfahrtindie Ostsee 19.20

Arte Journal 19.40 Re: 20.15 Hindafing 22.30

Ein Engel verschwindet 1.25 Arte Journal

3Sat

5.40 Ab 18! –Jocko236.15 3satTextVision

6.20 Kulturzeit 7.00 nano 7.30 Alpenpanorama

9.00 (für HG) ZIB 9.05 Kulturzeit 9.45 nano

10.15 (für HG) Nachtcafé 11.45 (für HG) Thema

12.30 Eco 13.00 (für HG) ZIB 13.15 (für HG)

Grenzland 16.15 Griechenlands Inseln 17.00

(für HG) Zypernauf eigene Faust 18.30 nano

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 Die Revolution der

Roboter 21.00 scobel 22.00 (für HG) ZIB 2

22.25 Schwedisch für Fortgeschrittene. Komödie,

S2006 0.00 10 vor10

Phoenix

5.15 Aufgedeckt –Rätsel der Geschichte 6.00

(für HG) Aufgedeckt –Rätsel der Geschichte 6.45

Sardinien, Italien 7.00 Geheimnisvolle Orte 7.45

Schalom NeuesDeutschland 8.30 phoenix vor

ort 8.45 phoenix tagesgespräch 9.00 Bundestag

live 17.30 phoenix der tag 18.00 Dauerbaustelle

Handwerk 18.30 Dirty Dollars 19.15 Dirty Dollars

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Kampf gegenden IS-Terror 21.30 Sudan im

Aufbruch 21.45 (für HG) heute journal 22.15

Phoenix Runde 23.00 phoenix der tag 0.00

Phoenix Runde 0.45 Kampf gegenden IS-Terror

Kika

12.25 The Garfield Show 12.50 Marcus Level

13.15 Die Wilden Kerle 13.40 (für HG) Die

Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein –Erfurt

15.00 Ninja Nanny 15.25 Ein Fall für TKKG

15.50 Miss Moon 16.15 Die Piraten von

nebenan 16.50 Geronimo Stilton 17.35 Der

kleine Ritter Trenk 18.00 Ein Fall für die

Erdmännchen 18.10 (für HG) Der kleine Drache

Kokosnuss 18.35 Ernest &Celestine 18.47

Baumhaus 18.50 Sandmännchen 19.00 (für

HG) Yakari 19.25 Löwenzahn 19.50 (für HG)

logo! 20.00 Kika Live 20.10 (für HG) Alarm

Dmax

5.35 Historyinthe Making 6.00 Die Aquarium-

Profis 6.50 Infomercial 8.50 Hardcore Pawn

9.20 Auction Hunters 9.50 Infomercial 10.15

BaggageBattles 11.15 Die Zwangsvollstrecker

13.15 Dubai Airport 14.15 Ausgesetzt in der

Wildnis 15.15 Naked Survival XXL 16.15 Die

Zwangsvollstrecker 17.15 Combat Dealers 18.15

SteelBuddies 19.15 A8 –AbenteuerAutobahn

20.15 Asphalt-Cowboys 21.15 Euro Truckers

22.15 Expedition Unknown 23.10 DMAX News

23.15 Expedition Unknown 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Marktcheck 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Hausbesuch –Das DDR-Musterdorf

Mestlin 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-

Nachrichten 19.15 Erst die Miete,dann die

Moral? 20.00 Tagesschau 20.15 Raus aus der

DDR! 21.00 Tagesschau 21.02 maischberger.

die woche 22.15 Plusminus 22.45 Tagesschau

vor20Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30

Monitor 0.00 Exakt 0.30 Weltbilder 1.00

Nachtmagazin 1.20 Zapp 1.50 Brandenburg

aktuell 2.20 MDR Thüringen Journal 2.50 Extra

ONE

5.30 Um Himmels Willen 6.20 Morden im

Norden 7.05 Brisant 7.45 Echte Bauernsingen

besser.Komödie, D2019 9.15 Brisant 9.55 Hot

in Cleveland 10.35 Lindenstraße 11.05 Morden

im Norden 11.55 Sturmder Liebe 13.30 Um

Himmels Willen 14.20 Käthe und ich –Dornröschen.

Drama, D2019 15.50 Morden im Norden

16.40 Hot in Cleveland 17.20 Lindenstraße

17.50 Hartaber herzlich 18.40 Sturmder Liebe

20.15 Die Florian Schroeder Satire Show 21.00

extra 3 21.30 SWR3 ComedyFestival 2019

22.05 Nightwash 22.35 Gameface 23.20 Die

Pierre M. Krause Show 23.50 Hot in Cleveland

0.35 Die Florian Schroeder Satire Show

ZDF NEO

5.50 (für HG) Russlandvon oben 6.35 (für HG)

Russland vonoben 7.20 An Tagenwie diesen

8.05 Topfgeldjäger 9.00 Lafer!Lichter!Lecker!

9.40 (für HG) Bares für Rares 10.35 (für HG)

Bares für Rares 11.31 Dinner Date 12.15 (für

HG) Monk 12.55 (für HG) Monk 13.35 Psych

14.15 Psych 15.00 (für HG) Monk 15.40 (für

HG) Monk 16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 (für

HG) Bares für Rares 18.35 Dinner Date 19.20

(für HG) Bares für Rares 20.15 Letzte Spur Berli

21.00 (für HG) Letzte Spur Berlin 21.45 (für HG

heute-show 22.15 Neo Magazin Royale 23.00

(für HG) Blockbustaz 23.35 (für HG) Blockbustaz

0.05 Neo Magazin Royale

ZDF INFO

5.30 Der Zweite Weltkrieg 8.28 heute Xpress

8.30 Der Zweite Weltkrieg 9.55 ZDF-History

10.25 Die neuenNazis 13.25 (für HG) Die

gezielte Manipulation 13.55 (für HG) Staatsfeinde

in Uniform 14.25 Völkische Siedler 15.15

Störfall AfD 16.00 Chemnitz –Eine Stadt

zwischen Trauer und Hass 16.30 Rechtsrock in

Deutschland 17.15 (für HG) Die Welt der

Reichsbürger 18.00 Aufder Spur des rechten

Terrors 18.45 Kolumbien –Wem gehörtder

Frieden? 19.30 Erdogans Türkei 20.15 Erdogans

AKP 21.00 Die freundlichen Islamisten? 21.40

Der Schattengeneral 22.25 Geheimes

Saudi-Arabien 0.35 (für HG) heute journal

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Ausdem Kolosseum Lübeck: Gabriel

Fauré /Claude Debussy/Dmitrij Schostakowitsch.

Aufzeichnung vom08.10.2019,

ca. 117 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Historische Aufnahmen Virtuose für die

Ewigkeit: Der Pianist Vladimir Horowitz (1903 -

1989) in neu veröffentlichten Live-Mitschnitten.

VonPhilipp Quiring,ca. 45 Min.

0.05 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) ARD

Nachtkonzert CarlMaria vonWeber:Klarinetten

konzertNr. 1f-Moll, op. 73 /Felix Mendelssohn

Bartholdy: Streichquartett Es-Dur,op. 12 /Robe

Schumann: Vier doppelchörigeGesänge, op. 141

/PeterTschaikowsky: Symphonie Nr.6h-Moll,

op. 74 –„Pathétique“, ca. 115 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Der Ursprung der Welt (14/16) von

Ulrich Tukur.Gelesenvom Autor,ca. 31 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Neuere Geschichte Weltkongress der

Holocaustforschung in München: Zersplitterte

europäische Forschungslandschaft soll

zusammengeführtwerden, ca. 50 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Freispiel 30 Jahre Mauerfall: Zwischen den

Staaten –Neuorientierung 1990.Von Michael

Bohmeyer,ca. 57 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Perspektiven Bereit zur Gewalt –aus Verantwortung:

Ein Vortrag vonPeter Steinbach über den

HitlerattentäterGeorg Elser,ca. 56 Min.

MAGAZIN

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Weltzeit KonservativeWende in den USA –

Abtreibungskrieg in Alabama. VonMartina Butler,

ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

ARD Kulturtermin 30 Jahre „Coming Out“. Von

Knut Elstermann, ca. 26 Min.

19.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Zeitfragen. Forschung und Gesellschaft Wie

valide und vertretbar sind Vorhersagen zum Todes

zeitpunkt? VonCarina Fron, ca. 55 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die Songwriter-Legende Joni Mitchell.

Mit Lothar Jänichen, ca. 30 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

JazzFacts Neues vonder Improvisierten Musik.

Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer,ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Klaus Meine (71) umweht 30 Jahre

nach dem Mauerfall die Erinnerung

an seinenWelterfolg„Wind of

Change“, auch bekannt als„Hymne

derWende“ mit dem wohl berühmtesten

Pfeif-Introder Rockhistorie.

Meine komponierte das Lied im

Spätsommer 1989 –also noch Wochen

vordem Mauerfall. Damals traten

die Scorpions beim MoscowMusic

Peace Festival auf und schipperten

bei der Gelegenheit auch über

die Moskwa. DerRest ist Geschichte:

„I followthe Moskva, and down to

GorkyPark…“ Allerdings findet der

Sänger,inzwischen gebe es Bedarf

für eine neue Friedenshymne.„Es ist

ganz sicher Zeit für einen neuen

‚Wind of Change‘“, so Meine.Die

Hoffnung auf eine friedlichereWelt

sei heute noch genauso aktuell wie

vor30Jahren. Kleiner Tipp an alle geneigten

Songschreiber:„Einbisschen

Frieden“ ist schon vergeben.

Wolfgang Joop (74) liegt nach einem

SturzimBadezimmer mit einem

Knöchelbruch im Krankenhaus.„Es

ist der Klassiker:Glatter Steinboden,

etwas Wasser –und schon ist es passiert“,

sagte sein Partner Edwin Lemberg.

Eine erste Operation habe der

Potsdamer Designer gut überstanden.

„Erzeichnet, telefoniertund

macht seine Post“, so Lemberg. Da

sind wir beruhigt und wünschen

gute Besserung!

Kristen Stewart (29) hat auch sechs

Jahrenach der Trennung

vonihrem Kollegen RobertPattinson

(33)

noch viele warme Worte

für ihreerste große

Liebe.„Rob“, wie

sie ihn nennt, sei

einfach der Beste,

sagte die US-

Schauspielerin,

die Pattinson am

Setder „Twilight“-Filme

kennenlernte.

2013 trennten sich

die beiden –bis(s)

auf weiteres?

(avo.)

Sie schwärmt

noch immer von

ihrer ersten großen

Liebe. INVISION

TIERE

Plansch: Halloween (l.) und Kathy

in ihrem Element. DPA/ZOO KARLSRUHE

Speckschwartenpralles Lebensglück

im Karlsruher Zoo: Dortwurde unlängst

ein Flusspferdgeboren und

nunmehr auch der geneigtenWeltöffentlichkeit

vorgestellt. Einen Namen

hat das dralle Süßerchen auch schon:

Halloween. Unser Bild zeigt es beim

nichtschwimmerflachen Badevergnügen

mit Mutter Kathy.Apropos

Namen: Nurunschwer lässt sich wohl

erraten, wann Halloween geboren

wurde,klar,anHalloween, also am 31.

Oktober.Halloween wiegt 50 Kilo,das

Geschlecht konnte noch nicht bestimmt

werden, Kathy (1,8 Tonnen)

lässt niemanden an ihr Baby heran –

auchVater Platsch ist übrigens abgemeldet,

er würde das sensible Mutter-

Kind-Verhältnis durch fortgesetzte

Begattungsversuche ohnehin nur

stören. So ein Lümmel! (schl.)

Er ist Weltbürger,Lebemann, Charakterschauspieler,Grandseigneur –und eine beeindruckende Erscheinung.

Er spielte Theater und stand

für mehr als 200 Film- und

Fernsehrollen vor der Kamera,

als Vater Matzerath in

der „Blechtrommel“, als „Der große

Bellheim“ und als Klebstofffabrikant

Haffenloher in der Kultserie „Kir Royal“.

Zu unserem Gespräch im Berliner

Hotel Bristol erscheint Mario

Adorf in dunkelblauem Sakko und

Rollkragenpullover, sein Teint ist

leicht gebräunt. Entspannt und guter

Dinge sitzt der 89-Jährige voruns und

beugt sich bei jeder Frage interessiertvor,umnichts

zu verpassen. Am

Donnerstag kommt „Es hätte

schlimmer kommen können“ in die

Kinos – eine Dokumentation über

sein Leben.

Herr Adorf, wie viel Glück haben Sie

im Leben gehabt?

Sehr viel Glück! Interessanterweise

findet man vieles normal und

selbstverständlich, während man es

erlebt. Erst rückblickend erkennt

man, dass ein Glücksfall den anderen

gejagt hat. Mein Leben ist von

großer Kontinuität geprägt. Es gab

nie eine Zäsur, etwa durch Misserfolg,

Krankheit oder private Umstände.

Das alles scheint an mir vorüber

gegangen zu sein.

Wiekam es zu einer Doku über Sie?

EinProduzent, den ich gut kenne,

hatte die Idee. Ich fand das seltsam,

schließlich bin ich ja noch nicht tot.

Aber ich hab mich dann doch überreden

lassen. (lacht) Auch wenn es

für mich keinen Sinn macht, warum

man einen 90-minütigen Film über

einen Schauspieler drehen muss.

Sie wurden in Zürich als Sohn einer

ledigen elsässischen Röntgenassistentin

und eines verheirateten italienischen

Arztes geboren, 1930 war das

vielleicht kein optimaler Startins Leben.

Sielebten eine Zeit in einemWaisenhaus,

weil ihre Mutter im Eifel-

Städtchen Mayen als Näherin arbeitete.

Wiesehr prägte Siediese Zeit?

Die Nähmaschine meiner Mutter

besitzeich noch immer,die steht im

Keller. Ich konnte sie nicht wegwerfen,

sie war der Gegenstand, der uns

am Leben erhalten hat. Für die Doku

bat mich der Regisseur, sie aus dem

Keller hochzuholen und darauf zu

nähen. Da hat nach über 30 Jahren

sogar noch das kleine Lämpchen gebrannt,

das hat mich bewegt.

Wiehat IhreMutter Sieerzogen?

Sie musste ja hart für uns arbeiten,

daher hat sie immer gesagt: „Ich

habe keine Zeit für dich, du bist für

dich allein verantwortlich. Was du

auf der Straße machst, ist deine Sache.Bleib

anständig, ich kann dir da

nicht helfen.“ Wasmir half, war der

Umstand, dass wir nie Geld hatten.

Ich konnte nicht um Geld Karten

spielen, ich konnte mir kein Bier leisten.

Wenn ich Geld brauchte,musste

ich es mir irgendwo verdienen. So

bin ich nie auf die schiefe Bahn gekommen.

Haben Sie damals gelernt, mit Geld

umzugehen? Sie blieben ja auch als

Weltstar immer auf dem Teppich.

Ja, ich wusste einfach, was Geld

bedeutet. Ich hatte auch schon früh

einen Geschäftssinn: Meine Mutter

hat für ein Kleid, das sie genäht hat,

25 Mark in Rechnung gestellt. Da ich

aber für die Abrechnung zuständig

war, habe ich von den Kunden immer

35 Mark verlangt und auch im-

mer erhalten. Mutter hat deswegen

mit mir geschimpft, aber ich fand,

dass ihre Kleider nun mal 35 Mark

wert seien.

Haben Siesich vonIhrem ersten Lohn

etwas Luxuriöses geleistet?

Als ich an den Münchner Kammerspielen

anfing, verdiente ich

350 Mark im Monat. Ich rief voller

Stolz meine Mutter an, sie solle nach

München kommen, ich könnte sie

nun ernähren.

Mit Ihrem ersten Geld haben Sie Ihre

Mutter zu sich geholt?

Ja, erst machte sie ein paar Wochen

Urlaub in Italien. In München

wollte sie wieder arbeiten, aber das

ließ ich nicht zu. Ich hatte Angst um

sie. Wir mussten dann beide von

350 Mark leben, das war nicht viel.

Aber mit der Zeit wurde es mehr.

Und meine Mutter hat weitere 40

Jahregelebt.

HatIhnen Ihr Vater gefehlt?

Nein. Das muss ich ganz klar sagen.

Ichhatte ja auch keinVaterbild in

meiner Umgebung. Die Väter waren

alle nicht da. Meine Mutter hat auch

immer aufgepasst, dass ich mich

nicht für meine Herkunft oder meiner

unehelichen Geburtschäme.

ZUR PERSON

Washat Ihnen geholfen, zu Ihrem Beruf

zu finden?

Ichhabe es nie als freieWahl empfunden,

es hat sich einfach so entwickelt.

Viele Möglichkeiten waren

ausgeschlossen. Ich wollte mal Bildhauer

werden, oder Maler. Aber bis

in die Nachkriegsjahre gab es keine

guten Lehrer.Wir wussten alle nicht,

was aus uns werden soll. Ich habe

daher ein allgemeines Fach studiert,

das „Studium Generale“. So wurde

ich auf Literatur aufmerksam.

Ihre Berührung zum Theater kam

durch diese junge Liebe zur Literatur?

Ja,weil ich auf der UniSchiller und

Goethe entdeckt habe, Shakespeare

und die großen Dichter. Das wurde

eine große Leidenschaft. So kam ich

MarioAdorf kam im September1930 in Zürich zurWeltund wuchs in der Eifel auf. In München

absolvierte er eine Schauspielausbildung,esfolgte einEngagement bei denKammerspielen.

Seine Rolleals Frauenmörder in „Nachts, wenn der Teufel kam“machte ihn allgemein bekannt.

Mit seiner Abschiedstournee „Zugabe“ hat sich Adorf in diesem Jahr vonder Bühne verabschiedet.Am

7. November startet DominikWesselys Dokumentarfilm über sein Leben im Kino.

zum Theater.Eshat mich einfach gefunden.

Ich habe dort auch Plakate

entworfen, weil Pinsel fehlten, griff

ich mit Händen in die Farbe und

strich damit die Wände. Diese Erfahrung

war der Startpunkt für meine

Karriere, wie eine Explosion.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie Ihre

Rollen oft mit Dialekt spielten.

Warum taten Siedas?

Früher hatte der Dialekt eine ganz

andere Bedeutung. Politiker sprachen

alle ihren eigenen Dialekt.

Heuss, Strauß, Adenauer mussten

nur „Guten Tag“ sagen und man

wusste, woher sie kommen. Daher

habe ich so oft den Dialekt benutzt,

ob in der„Blechtrommel“,„Katharina

Blum“ oder„Kir Royal“. Es heißt nicht

umsonst: „Die Bindung zur Sprache

ist auch die Bindung zur Heimat.“

Aber Siewaren schon überzeugter Europäer,

bevor es das Konzept Europa

gab?

Absolut! Ichempfand mich immer

schon als Europäer. Ich lebe jetzt in

München, meine Sommer verbringe

ich in Saint-Tropez, wo meine Frau

geboren wurde. ImWinter bin ich

sehr gerne und auch oft in Paris. Rom

ist weggefallen, aber die anderen drei

Orte sind mir geblieben.

„Ich hatte

sehr viel

Glück“

Legende auf großer Leinwand:

Ein Filmporträt gibt Einblicke in das

bewegte Leben von Mario Adorf

IMAGO IMAGES

Sie sind seit 50 Jahren mit Ihrer Frau

Monique zusammen. Hatten Sieauch

in der Hinsicht einfach Glück –oder ist

eine glückliche Ehe harte Arbeit?

Glücklich zu sein ist kein Zustand,

sondernnur eine Momentaufnahme.

Glück ist nicht dehnbar. AmAnfang

stehen Verliebtheit und Leidenschaft

im Vordergrund, dann kommen Krisen,

dann wächst aber auch das Vertrauen.

Das Glück kann sich dann

zwischendrin immer kurz zeigen,

und diese Momente wurden vonuns

immer dankbar angenommen.

Wiegehen Siemit der Zeit um, die Sie

vorsich haben?

Ich habe mir schon lange vorgenommen,

Zeit nicht nutzlos zu vergeuden.

Ich habe irgendwo etwas

von einem „Zeitgeiz“ gelesen, und

dieses Wort hat sich für mich als Lebensmotto

eingeschlichen. Sonst

kann ich mit Geiz nichts anfangen,

aber mit meiner Zeit gehe ich gerne

geizig um.

Sie waren nicht nur Märchenonkel

und Mafiapate, sondern schrieben

auch. Gleich Ihr erstes Buch, Ihre Autobiografie

„Der Mäusetöter“, wurde

ein Bestseller.Woran merkten Sie, dass

Sieauch als Autor Talent haben?

Ach, ich konnte gut Witze erzählen,

Geschichten auch. Eines Tages

habe ich für einenVortragzum ersten

Mal Gedanken aufgeschrieben, ich

wollte gar nicht Goethe oder Schiller

zitieren, sondern nur dem Publikum

etwas über mich erzählen, in dem es

sich auch wiederfinden kann. An

dem Tagkam ein Verleger zu mir und

sagte:„Das wirdein Buch!“

Wie kamen Sie damals auf den Untertitel

„Unrühmliche Geschichten“?

Meine Mutter nannte diese Geschichten

Schmonzetten. Siewar gar

nicht begeistert, dass daraus ein

Buch werden sollte. Und vor allem,

dass sie selbst darin vorkam. Sie

drohte mir sogar mit dem Anwalt!

Also versprach ich ihr, dass ich ihr

das fertige Buch vorlese, und wenn

ihr etwas nicht gefiele, käme es weg!

Undwissen Siewas? Ichhabe ihr das

ganzeBuch vorgelesen –sie hat mich

nicht ein einziges Malunterbrochen.

Wie werden Sie 2020 Ihren 90. Geburtstag

feiern?

Werweiß, ob ich ihn erlebe? Aber

wenn, dann wirdein Fest unvermeidlich

sein. Mit 80habe ich das letzte

Malgroßgefeiert, seitdem war es mir

nicht so wichtig. Ich denke oft gar

nicht an den Tag. In den letzten Jahrengab

es maximal ein Abendessen.

DasGespräch führte

Mariam Schaghaghi.

Große Sorge: Catherine

Deneuve im Krankenhaus

Diefranzösische Schauspielerin Catherine

Deneuvehat nach Angaben

ihrer Familie einen leichten Schlaganfall

erlitten. Die76-Jährige sei in ein

Krankenhaus in Parisgebracht worden,

erklärte die Familie am Mittwoch.„Glücklicherweise“

habe der

Schlaganfall keinerlei Auswirkungen

auf Deneuves Bewegungsfähigkeit.

DieSchauspiel-Divawerde aber„einige

Zeit Ruhe“ brauchen, hieß es in

einer vonihrer Agentin verbreiteten

Erklärung der Familie.Catherine Deneuvegehörtzuden

größten Schauspielstars

Frankreichs. (AFP)

Sechs Festnahmen in neuem

Fall von Kindesmissbrauch

Einneuer Fall vonKindesmissbrauch

und Kinderpornografie in Nordrhein-

Westfalenhat sich massiv ausgeweitet:

Mittlerweile sind acht Opfer im

Alter zwischen einem und elf Jahren

bekannt, nach vier Festnahmen in

der vergangenen Woche wurden am

Dienstagabend und in der Nacht

zum Mittwoch zwei weitereVerdächtige

vorläufig festgenommen,

wie Staatsanwaltschaft und Polizei in

Köln mitteilten. Um das Ausmaß des

Falls möglichst schnell zu ermessen,

wertet die Polizei die bislang gesicherten

Datenträger mittlerweile im

Schichtbetrieb aus. (AFP)

Dammbruch in Brasilien:

Vorwürfe gegen Betreiber

Die Schlammlawine zerstörte auch diese

Eisenbahnbrücke.

AFP

Knapp zehn Monate nach dem tödlichen

Dammbruch an einer Eisenerz-Mine

in Brasilien kommt ein Untersuchungsbericht

zu dem Schluss,

dass der BergbaukonzernVale Mängel

verschwiegen hat. Einige der vom

Unternehmen an die nationale Bergbaubehörde

(ANM) gemeldeten Informationen

stimmten nicht mit jenen

in den internen Firmendokumenten

überein, heißt es in dem am

Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten

Bericht. Wäredie ANM korrekt informiertworden,

hätten Maßnahmen

ergriffen und die Katastrophe möglicherweise

verhindertwerden können,

ergänzt der Bericht der Bergbaubehörde.Der

Damm an der Mine

Córrego do Feijão war am 25. Januar

gebrochen. Eine Schlammlawine

rollte daraufhin überTeile der Anlage

und benachbarte Siedlungen nahe

der Ortschaft Brumadinho hinweg.

Beidem Unglück kamen etwa 250

Menschen ums Leben. (dpa)

Jugendlicher steigt ins

Gepardengehege im Zoo

Ein16-Jähriger ist bei einem Schulausflug

im Erfurter Zooindas Gepardengehege

geklettert. DerJugendliche

blieb unverletzt, wie die Polizei

am Mittwoch mitteilte.Erhabe sich

dem Geparden am Dienstagnachmittag

bis auf etwa zehn Meter genähert.

Dann sei er wieder zurück über

den Zaun geklettert. Wasder Teenager

mit dieser Aktion bezwecken

wollte,blieb zunächst unklar.Gegen

ihn wirdnun wegen Hausfriedensbruchs

ermittelt. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 – S eite 1

·························································································································································································································································································

Kulturkalender

DER WOCHENÜBERBLICK VOM 7. BIS 13. NOVEMBER 2019

Filmtipps

Kinoprogramm

Literatur

Ausstellungen

Konzerte

Bühne

Seiten 2&3

Seiten 2–6

Seite 6

Seite 7

Seite 7

Seite 8

Sei meine Tiefen, sei mein Rausch!

Falkenberg kommt mit alten Jugendhits und frischem Alterswerk in die Wabe

VonTorsten Wahl

Wer sang den Song des Jahres 1989? Bei den Hörern von

MDR Jump landete nicht etwa Karussells„Als ich fortging“

auf Platz eins, auch nicht die Scorpions mit

„Winds Of Change“ –und schon gar nicht David

Hasselhoffs unsägliches „Looking For Freedom“ –das

Stück wurde nur auf Platz 18 gewählt. Mit großem Abstand

auf dem Spitzenrang aber kam die Ballade„Dein

Herz“von IC. Während der MDR am Sonnabend die

Show „Sound der Wende –Musik ohne Grenzen“

um 20.15 Uhrausstrahlt, in der Ralf Schmidt alias

IC seinen Hit solo am Piano spielt, ist er in der

Berliner Wabe live zuerleben –hier sogar mit

Band!

Schon an seinen Namen lassen sich Metamorphosen

ablesen. Als Ralf Schmidt trug er

ab Mitte der 80er-Jahremaßgeblich dazu bei,

die vormalige Art-Rock-Combo „Stern Meißen“

in Richtung Pop zutrimmen, er sang

und schrieb Hits wie „Was fang ich an“ oder

„Eine Nacht“.„Wir sind die Sonne“ strahlt auf

dem aktuellen Sampler des deutschen Rolling

Stones,der sich bis dato nie für die Musik

aus dem Osten interessierthat, jetzt aber„Perlen

des DDR-Pop“ feiert. „Absurd –aber auch

schön“, kommentiert er selbst diesen 89er-

Hype. Parallel begann er in den 80ern als „IC“

eine Solokarriere –mit Titeln wie „Dein Herz“.

Doch anders als das Grosseiner Kollegen hat er sich

nie auf den DDR-Hits ausgeruht. Während die Stern

Combo Meißen heute zurück in die 70er reist und ihren

einstigen Hitschreiber nicht mehr kennt, ist Ralf Schmidt,

der sich später erst IC Falkenberg nannte, heute nur noch

Falkenberg nennt, musikalisch wie textlich immer weiter gegangen,

in Regionen, wo es rauer und einsamer wird.

Auch äußerlich hat er mit seinem grauen Bart das Pop-Motto „ForeverYoung“

weit hinter sich gelassen. In den letzten 20 Jahren hat er auf

seinem eigenen Label Mollwerkmehr als ein Dutzend Alben aufgenommen, in

Falkenberg &Band Sa (9. 11.), 20 Uhr, Wabe,DanzigerStr.101, Tel.: 902953850

Stücken wie „Osten 3.1“ seine Herkunft reflektiert, sich immer stärker

am Zustand der Gesellschaft gerieben -und ist vonBerlin zurück in

seine Hallenser Heimat gezogen.

Sein neuestes Album„Im leisen Verschwinden der Landschaft“

überrascht mit einer großen musikalischen

Spannweite. Im instrumentalen Intro „Himmel in

Scheiben“ lässt er die Gitarren heulen wie einst die

Smashing Pumpkins, umdanach zu jenen elegischen

Piano-Balladen zu finden, die ihn auszeichnen.

Nicht nur der Titelsong ist ein bitterer Abgesang,

auch in weiteren Stücken beklagt immer

wieder eine machtgeile „Welt ohne Vision“.

Nunsind ja apokalyptischen Beschwörungen

in der Kunst derzeit weit verbreitet –doch

Falkenberg ist kein allwissender Belehrer,

sondern findet immer wieder originelle Bilder

und Metaphern, die erst beim Nachklingen

ihre ganze eigenartige Kraft entfalten.

So singt er über Kontinente,die ihreRänder

verlieren und über Grenzen, die ihreLänder

verlieren. So verschmilzt er in wenigen Zeilen

Poesie, Philosophie und Politik – und

klingt auch noch richtig gut dabei!

Dieweiten Melodiebögen tragen ihn selbst

durch ein Stück, in denen er sich zu sehr als

Anti-Held darstellt –„Fallen oder fliegen“ erinnert

anZeilen von Altmeister Goethe „Steigen

oder sinken, Amboss oder Hammer sein“.

Schwärmte er früher für die Natur,etwa in „Schwimmen

im Regen“, so wird erheute eins mit ihr, wie in

„Vollmond, Federn und Sand“. Dazwischen aber hat er

sogar ein neues Liebeslied parat, das nicht mehr die heiße

Sommersonne feiert, sondern ums Suchen und Finden „untermletzten

Grün der Bäume“ kreist: „Sei meine Tiefen, sei mein

Rausch“ singt er in „Tiefenrausch“. Die Liebeslieder, die er mit

Mitte/Ende 20 schrieb,aber wirdinder Wabe spätestens als Zugabe spielen

–und garantiertauch den 89er-Song „Dein Herz“.

FALKENBERG-MUSIK.DE

Der Chef unterbricht sein Klavierspiel

und sagt: Die Stelle

hier ist schnell wegradiert, wenn ihr

die weiter so singt –soplump! Denkt

ihr, das merk ich nicht?! Dm, dm,

dm-dm-dm, das muss absolut zauberhaft

klingen, sanft.

Himmel, wie oft haben wir jetzt

an diesem dm-dm herumgesungen,

Zeilen, in der der Chor einen Gitarrenklang

VonBirgit Walter

nachempfinden soll. Sollte

zu schaffen sein. Der Berliner Chor

Studiosi Cantandi ist ein Klasse Oratorienchor,alles

Laien, aber der Probeneifer

macht’s.Der Chor hat mal

alle sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums

für ein Konzert einstudiert,

haften und mit herrlichen Chorsätzen,

hat längst Klassik-Status.Queen

–schön, dachten Sänger und Sängerinnen,

leicht nachzusingen, kennt

man ja alles. Was für ein Irrtum.

Händel, Haydn, Mendelssohn, Nichts ist hier einfach. Aus den

Mozart gehören zum Standard, er

brachte die Berliner Philharmonie

und den Münchner Herkulessaal zu

Songs nämlich entstand ein gewaltiges

Kunstprojekt, in dem die Rockband

ersetzt wird durch ein sinfonisches

stehendem Applaus und stemmte

Orchester mit einhundert-

zwischendurch neue Musik –atonal,

mit Störgeräuschen. Weil musikalische

Bandbreite dazu gehört.

Jetzt gibt es einen Ausflug in den

Pop: Die Konzertversion von „Porgy

zwanzig Chorstimmen.

Das Arrangement stammt vom

Chorleiter Norbert Ochmann. Das

ist in diesem Fall ein Mammutwerk

mit Zigtausenden Noten –für acht

& Bess“ und danach Songs von Stimmen im Chor und 31 Instrumente.Eine

Queen. Die Band des Sängers und

Komponisten Freddie Mercury, gestorben

1991, immer nah am Opernriment

Uraufführung, ein Expe-

als gemeinsames Projekt mit

dem Kammerchor Bethanien, dem Der Chorleiter NorbertOchmann in Aktion. TILL WIELAND

Queen mit 120 Stimmen

Songs der großen alten Rockband in völlig neuer Fassung mit Chor und Sinfonieorchester,

dazu „Porgy und Bess“ ganz traditionell

Tonkollektiv HTW, der Jungen Philharmonie

Kreuzberg sowie Lattilia

von Ledersteger (Sopran) und Haarkon

Schaub (Bass).

DiePartitur hält sich streng an die

Rhythmik des Queen-Originals, erlaubt

sich zusätzliche melodische

Kapriolen und wurde nur schubweise

fertig. Ochmann: „Ich habe die

Arbeit wirklich unterschätzt. Man

müsste dafür ein paar Wochen täglich

fünf, sechs Stunden ohne Störung

arbeiten, doch wemgelingt das

schon? DieMusik ist aber ungeheuer

reizvoll, allen voran ,Bohemian

Rhapsody‘ – ein bahnbrechender

Song, absolut faszinierend, was in

dem alles passiert. Er wirdmit jedem

Hören interessanter.“

Es handelt sich um den teuersten

Rocksong aller Zeiten, überliefert

sind Kosten von45000 Pfund und allein

das „Galileo“-Einspiel soll Wochen

gedauert haben. DieWucht des

Erfolgs hält an. Sielässt sich nicht toppen,

aber erneuern. Worin besteht

der Reiz? Ochmann: „Das Orchester

und der große Chor können einen

unglaublichen Klangreichtum aufmachen

–und da ist nichts elektronisch

verstärkt, es gibt keine Overdubs,sondernein

Sinfonieorchester

mit Streichern, Bläsern, Harfe und

gewaltigem Schlagwerk. Und es

macht Eindruck, wenn ein Englisch

Horn das Gitarrensolo übernimmt.“

Der Mitstampftitel „We will Rock

you“ gehört nicht ins Programm,

aber die schwebende Ballade „You

take my breath away“. Stadionsongs

wie„Showmust go on“ offenbaren in

sinfonischer Gestalt eine überraschende

Spannung und Raffinesse.

Dm-dm wurde nicht wegradiertsondern

umbenannt in du-du. Klingt

zauberhaft.

Porgy&Bess &Queen So (10.11.),18Uhr,

Konzertsaal der UdK, Hardenbergstr.33.

tickets@studiosi-cantandi.de,Tel.:68893524


2 Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019

·························································································································································································································································································

Film/Kinoprogramm

DVD-TIPP

NEU IM KINO

Ein atemloser

Thriller

Großes politisches Kino:

Yves Montand in „Z“

von Costa-Gavras

VonRalf Schenk

Ein linksliberaler Politiker (Yves

Montand) wird auf offener

Straße angegriffen; wenig später erliegt

er seinen Verletzungen. Polizei

und Justiz wiegeln ab: ein Unfall, jenseits

politischer Motive. Doch der

Untersuchungsrichter (Jean-Louis

Trintignant) gibt sich mit schnellen

Erklärungen nicht zufrieden. Er zitiert

Offiziere und Staatsbeamte auf

den Verhörstuhl, dringt immer tiefer

ein ins Geflecht von Machtspielen,

Korruption und Rechtsbeugung,

entdeckt ein Netzwerk des Umsturzes,

von Biedermännern, die gern

die Ehre des Vaterlandes im Munde

führen und doch nur ihr eigenes terroristisches

Süppchen kochen.

„Z –Anatomie eines politischen

Mordes“ ist ein atemloser Thriller.

Sein authentischer Hintergrund: die

Ermordung des griechischen Pazifisten

Grigoris Lambrakis 1963 in Thessaloniki,

die Etablierung des Militärregimes.

Regisseur Costa-Gavras ist

Grieche,sowie sein Komponist Mikis

Theodorakis und Darstellerin Irene

Papas. Ihr Film ist ein zorniges Pamphlet,

ein Aufruf zur aktiven Gegenwehr.

Aufgeboten wird eine Galerie

von Feinden der Demokratie: eindringliche

Studien gewissenloser Krimineller,

die Mordaufträge sportlich

ausführen, bis hin zu perfiden Strippenziehern

anden Schaltstellen von

Armee,Polizei und Parlament.

Autor von„Z–Anatomie eines politischen

Mordes“ ist Jorge Semprun,

spanischer Exilant und später Kulturminister

seines Landes.Auch 50 Jahre

nach der Premiere

bleibt der

Film hochaktuell.

Z–Anatomie

eines politischen

Mordes Frankreich

1968 R: Costa-Gavras,

126 Min,

ab 12,99 Euro

Katja (Emilie Neumeister) und Thorben (Ludwig Simon) müssen sich heimlich treffen, denn ihre Familien sind verfeindet.

VonChristina Bylow

Zu Beginn ist das Loch in

der Mauer gerade so groß,

dass sich ein schmaler

Mensch hindurchzwängen

kann. Am Ende ist von der

Mauer kaum mehr etwas zu sehen,

doch die Barrieren zwischen zwei

Familien scheinen unüberwindbar.

Natürlich kann man darin eine Parabel

sehen. Zwei Familien, eine

östlich, eine westlich der Mauer.

Zwei Häuser, zwei Lebensweisen

und eine gemeinsame Vergangenheit,

von der die Kinder nichts Genaues

wissen. Mitdem naiven Eifer

von Sechzehnjährigen tappen sie

in die Fallen, die ihre Eltern und

Großelternhinterlassen haben.

Romeo und Julia in Kleinmachnow,

dort wo es auf Zehlendorf

trifft. An der Schleuse im Teltowkanal

erleben sie ihre erste Nacht.

Das junge Liebespaar Katja (Emilie

Neumeister) und Thorben

(Ludwig Simon) muss sich heimlich

treffen, denn ihre Familien

sind verfeindet. Thorbens Familie

Alte Rechnungen

„Im Niemandsland“ erinnert an die Ernüchterung nach dem Mauerfall

lebt in dem Haus, in dem Katjas

Vater aufwuchs, bevor die Familie

in den Westen ging und später enteignet

wurde. Esgeht um Ansprüche,

die aus der Überzeugung entstehen,

Unrecht erfahren zu haben.

Und esgeht zugleich um die

Durchsetzung eigener Interessen

ohne Rücksicht auf andere.

In der Zeit zwischen Mauerfall

und Staatsvertrag wurden dafür die

Weichen gestellt. DasimEinigungsvertrag

festgeschriebene Gesetz

„Rückgabe vor Entschädigung“

führte zu einer Flut von Prozessen.

Gerade in Kleinmachnow kulminierten

Restitutionsklagen, Mitte

der 90er-Jahrewaren große Teile der

Bevölkerung ausgetauscht.

Der imeinstigen Westberlin aufgewachsene

Regisseur Florian Aigner,

geboren 1975, studierte an der

DFFB.Bisher hat er sich vorallem als

Regisseur von dokumentarischen

Fernsehformaten wie „Menschen

hautnah“ einen Namen gemacht.

Familiengeflechte sind sein Spezialgebiet,

dabei bleibt er auch in seinem

ersten langen Spielfilm. Die

Zeitläufte pulverisieren hier zwei typische

Mittelstandsfamilien, in diesem

Fall beide: Ostund West.

Das war die Ausnahme. Denn im

kurzenSommer der Anarchie zerfielen

vor allem ostdeutsche Familien,

der Westen tat unbehelligt und gefiel

sich als Modell, an dem sich die andere

Gesellschaft zu orientieren

hatte. „Siegerjustiz“ sagt Thorbens

Mutter. Gerade wurde sie entlassen,

Katjas Vater arbeitet bei der

Deutschen Bank, die den für die

Abwicklung der Firma notwendigen

Kredit gewährt hat. Katjas

Mutter hingegen ist Hausfrau. Die

Verhältnisse waren so. Aigner unternimmt

seine Zeitreise auf der

Basis genauer Recherchen und mit

der Distanz seiner Generation, die

damals Zaungast war und Erwachsene

in seltsamer Regression erlebte.

Euphorie, Angst und

schlaue Vorteilsnahme lagen nah

beieinander,alles andere, auch die

eigenen Kinder,gerieten leicht aus

dem Blick. Wer soetwas im klugen

Teenageralter erlebt, weigert sich,

Partei zu ergreifen.

IMFILM

Wie Katja, die ihren Vater anfangs

in seiner pubertären Trotzhaltung

unterstützt, dann aber sabotiert.

Überzeugend zeigt Aigner

dennoch die Imprägnierung der

Jugendlichen durch die Verbitterung

und Kleingeistigkeit der Eltern,

sie sind keine unbeschriebenen

Blätter, ebenso wenig wie ein

Handballtrainer, der sich als falscher

Verbündeter entpuppt. „Im

Niemandsland“ schlägt sich auf die

Seite der Jungen, darin ganz Coming-of-Age-Film.

Er lebt von der

puren, unprätentiösen Spielweise

seiner jungen Hauptdarsteller und

einer zurückhaltenden Regie, die

sich an bewunderten Vorbildern

orientiert. Für Aigner sind das die

späten Defa-Filme in ihrer Ruhe

und ihrer Hingabe an Gesichter.

Wer die Spaltungsprozesse der Gegenwart

begreifen will, findet in

diesem Film eine erhellende Spur.

Im Niemandsland Deutschland2019. Buchund

Regie: FlorianAigner;Darsteller:Emilie Neumeister,LudwigSimon,Judith

Engel,Lisa Hagmeister

u.a., Spielfilm, 92 Minuten. FSK: ab 12 Jahre

DAS WUNDER VON MARSEILLE

Frankreich 2019. Regie: Pierre-

François Martin-Laval. Fahim (Assad

Ahmed) kommt als achtjähriger

Junge mit seinem Vater Nura (Mizanur

Rahaman) nach Frankreich. In

Bangladesch besaß er als junger

Schachspieler schon einen gewissen

Bekanntheitsgrad, aber sein Leben

war in Gefahr, weil sein Vater gegen

die Regierung demonstriert hatte.

2012, als Fahim elf Jahre alt ist, gewinnt

er in Marseille die französische

Schachmeisterschaft in der Altersklasse

der unter zwölfjährigen

Schüler. Zudiesem Zeitpunkt leben

Fahim und Nura als Obdachlose in

Créteil, einem Vorort von Paris, sie

besitzen keine Papiere, sondernhalten

sich seit der Ablehnung von NurasAsylantrag

illegal im Land auf. In

einer Radiosendung voneiner Anruferin

auf Fahims Schicksal angesprochen,

sichert der damalige Premierminister

dem jungen Schachmeister

und seinem Vater einen geregelten

Aufenthaltsstatus zu. Aber ohne die

große Unterstützung seines Trainers

Sylvain (GérardDepardieu) wäreder

Traum von einem Leben in Sicherheit

nicht in Erfüllung gegangen.

MIDWAY –FÜR DIE FREIHEIT USA,

China 2019. Regie: Roland Emmerich.

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor

kommt es auf den Midwayinseln

im Pazifik zur entscheidenden Seeschlacht

zwischen Amerikanernund

Japanern. Die zahlenmäßig geschwächte

US-Marine und Luftwaffe

trifft auf die Kaiserliche Japanische

Marine und deren Luftstreitkräfte.In

den Auseinandersetzungen vom 4.

bis 7. Juni 1942 folgt der Film den

Schicksalen von einzelnen Führungsoffizieren

und Soldaten.

DER LETZTE BULLE Deutschland

2019. Regie: Peter Thorwarth.

25 Jahre Koma liegen hinter dem

knallharten Polizisten Mick Brisgau,

als er in einer ihm unbekannten Welt

erwacht. Alles ist neu, alles ist anders:

Sein altes Team wird von einer

Kommissarin geleitet, der raue Ton

ist der Bürokratie gewichen, und

seine ehemalige Freundin Lisa hat

einen neuen Mann. Aber wer hat eigentlich

Mick vor25Jahren ins Koma

befördert? Erzählt mit viel Humor,

rasanter Action und jeder Menge

Herz vonPeter Thorwarth –mit Henning

Baum und Maximilian Grill.

FILME 7. BIS 13. NOVEMBER

2040 -WIR RETTEN DIE WELT!

b-ware!Ladenkino (OmU): Fr-Mi 18 Uhr,Mia.11Uhr.

b-ware!Ladenkino 2(OmU): Do 12.45Uhr. Blauer

SternPankow 2: So 11 Uhr. CinemaxX Potsdamer

Platz 1-19: tgl 18.45 Uhr,Do-So/Di/Mia.16.15Uhr.

Delphi LUX 4: tgl 16 Uhr,Soa.11Uhr. Filmtheater am

Friedrichshain 2: So 12.30 Uhr,Mo14.40Uhr. Kino

in der Kulturbrauerei 1-8 (OmU): Do-Di 18.20 Uhr, Mi

14.30 Uhr. Passage4(OmU): tgl 18.50Uhr,Sa/Soa.

14.20 Uhr. Scala Kulturpalast Werder: Di 19 Uhr.

Thalia Babelsberg 1: Fr 16.30 Uhr,So12.15 Uhr. Tilsiter-Lichtspiele

1(OmU): tgl 18.15 Uhr.

25 KM/H UCI

Kinowelt Colosseum 1: Fr 19.30Uhr.

3FROM HELL -THREE FROM HELL

b-ware!Ladenkino 3(OmU): Mi 11 Uhr.

4BLOCKS

Cineplex Alhambra1-5: Do 20 Uhr. Cineplex Spandau

1-5: Do 20 Uhr. CineplexTitania Palast 1-7 (Preview):

Do 20 Uhr. CineStar -Der Filmpalast Treptower

Park 1: Fr 20 Uhr. CineStar CUBIX Filmpalast

Alexanderplatz 1: Do 20 Uhr. CineStar Hellersdorf 1:

Do 20 Uhr. CineStar im SonyCenter 1(OmU): Do 20

Uhr. CineStar Tegel1: Do 20 Uhr. Kino in der Kulturbrauerei

1-8: Do 20 Uhr. UCI Kinowelt am Eastgate

1: Do 20 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum 1: Do 20 Uhr.

UCI Luxe Gropius Passagen 1-6: Do 20.15,20.30

Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14: Do 19.30,

20, 20.30, 23.10 Uhr. UCI Luxe Potsdam Center 1-8:

Do 20 Uhr.

47 METERS DOWN: UNCAGED

CinemaxX Potsdamer Platz 1-19: Do/So-Mi

22.45 Uhr.

7. KOGUSTAKI MUCIZE -DAS WUNDER IN

ZELLE SIEBEN

Cineplex Alhambra1-5 (OmU): tgl 17.20 Uhr,Do-Sa

a. 23 Uhr,Fr-So/Di/Mia.19.50 Uhr,Moa.20.15Uhr.

CineStar -Der Filmpalast Treptower Park 1(OmU):

Do 19.35 Uhr,Fr-So22.45 Uhr.

AMOON FOR MY FATHER

Wolf 1-3 (OV): Sa 19 Uhr.

ATOY STORY: ALLES HÖRT AUF KEIN KOMMANDO

Cinema am Walther-Schreiber-Platz: Sa/So 12.30

Uhr. CinemaxX Potsdamer Platz 1-19: Do-Mo/Mi

14.15 Uhr,Di14Uhr. CineMotion Hohenschönhau-

sen 1: Sa/So12.20 Uhr. CineStar -Der Filmpalast

Treptower Park 1: So/Mo 12 Uhr. UCI Kinowelt am

Eastgate 1: Sa/So11.30 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum

1: Sa/So 12.05Uhr. UCI Luxe Potsdam Center

1-8: Sa/So11Uhr.

AD ASTRA -ZUDEN STERNEN

b-ware!Ladenkino 3(OmU): Sa 13 Uhr. CinemaxX

Potsdamer Platz 1-19: Fr-Mi 22.45 Uhr. CineStar -

Der Filmpalast Treptower Park 1: Do 16.40 Uhr. CineStar

im SonyCenter 1(OV): Sa 13.40 Uhr. Kino in

der Kulturbrauerei 1-8 (OmU): Fr/Di/Mi 22.40 Uhr.

Zoo Palast Clubkino B: tgl 14.45Uhr,Sa/So a.

12 Uhr.

DIE ADDAMS FAMILY (2019)

AstraFilmpalast 1-5 (2D): tgl 14,16Uhr,Sa/So a.

10, 12 Uhr. CinemaxX Potsdamer Platz 1-19 (3D):

Do-Sa/Mo-Mi 16.45 Uhr,So16.40 Uhr. CinemaxX

Potsdamer Platz 1-19 (2D): tgl 14 Uhr. CineMotion

Hohenschönhausen 1(2D): tgl 14.30, 17.30 Uhr,

Sa/So a. 12 Uhr. Cineplex Alhambra1-5 (2D): tgl

17.10 Uhr,Do-Di a. 14.15Uhr,Sa/So a. 12 Uhr. Cineplex

Spandau 1-5 (2D): tgl 12.30, 14.45Uhr,Do/Sa-

Mo a. 10 Uhr. Cineplex Titania Palast 1-7 (3D): tgl

17.15 Uhr. Cineplex Titania Palast 1-7 (2D): tgl

12.05, 14.20 Uhr,Do-Mo/Mi a. 10 Uhr. CineStar -Der

Filmpalast Treptower Park 1(2D): Do 14.20, 17.10

Uhr,Fr-Mi 14.45,17.15Uhr,So/Mo a. 11.45Uhr. Cine-

Star CUBIX Filmpalast Alexanderplatz 1(2D):

Do/Fr/So-Di 11,13.15Uhr,Do/Fr/Mo-Mi a. 17.20

Uhr,Sa11.30, 14.10 Uhr,Mi12.10, 13.45 Uhr. Cine-

Star Hellersdorf 1(2D): tgl 16.50 Uhr,Do-So/Di/Mi

a. 14.15 Uhr,Soa.11.30Uhr. CineStar Tegel1(2D):

tgl 13.40, 17.05 Uhr,Sa/Soa.11.15Uhr. Kino Spreehöfe

1(2D): tgl 14, 16,18Uhr,Soa.10, 12 Uhr. Thalia

Movie Magic 1(2D): tgl 15.45 Uhr,Do-So/Mi a.

18.15 Uhr,Sa/So a. 13.45Uhr,Soa.11.30Uhr. UCI

Kinowelt am Eastgate 1(3D): tgl 17.15 Uhr. UCI Kinowelt

am Eastgate 1(2D): tgl 14.30 Uhr,Sa/So a.

12 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum 1(3D): tgl 17.05

Uhr. UCI Kinowelt Colosseum 1(2D): tgl 14.30 Uhr,

Sa/So a. 12.05 Uhr. UCI Luxe Gropius Passagen 1-6

(3D): tgl 17.15 Uhr. UCI Luxe Gropius Passagen 1-6

(2D): tgl 14.30 Uhr,Sa/So a. 12.15Uhr. UCI Luxe

Kino Mercedes-Platz 1-14 (3D): Do-So 16.45Uhr,

Mo-Mi 17.30 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1-

14 (2D): Do-So 14.40 Uhr,Sa/So a. 12 Uhr,Mo-Mi

15.15 Uhr. UCI Luxe Potsdam Center 1-8 (3D):

Do/Fr/Mo-Mi 17.20 Uhr. UCI Luxe Potsdam Center 1-

8(2D): tgl 14.10 Uhr,Sa/So a. 11 Uhr. Zoo Palast 2

(2D): Do-So/Di/Mi 15 Uhr,Sa/Soa.12.45 Uhr,Mo

14.50Uhr. Zoo Palast Clubkino B(2D): tgl

17.30Uhr.

DIE ADDAMS FAMILY (2019) -

THE ADDAMS FAMILY CineStar im SonyCenter 1

(OV): Do/So/Mo/Mi 13.30 Uhr,Do/Fr a. 16.30 Uhr,

Fr/Sa13.50 Uhr,So-Di a. 16.45 Uhr,Di14.15Uhr,Mi

a. 16.40 Uhr.

AFTER THE WEDDING (2019)

b-ware!Ladenkino 3(OmU): Do 12.15 Uhr,Di16.35

Uhr. Kant Kino 3: Sa/So 13 Uhr.

ALADDIN (2019)

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14: Sa/So

11.10Uhr.

ALFONS ZITTERBACKE -DAS CHAOS IST ZURÜCK

Acud Kino 1: Mo 17 Uhr. Kino in der Kulturbrauerei

1-8: Mi 10 Uhr.

ALLE JAHRE WIEDER (1967)

Zeughauskino: So 21 Uhr.

ALPGEISTER -MYTHEN UND MYSTERIEN

DER BAYERISCHEN ALPEN

Babylon 1-2: Mo 19.30 Uhr,Di22Uhr.

AMA-SAN

b-ware!Ladenkino 3(OmU): Di 11 Uhr.

ANG NAWAWALA -WHAT ISN'T THERE

Moviemento 1(OmenglU): Fr 19 Uhr.

ANGRY BIRDS 2: DER FILM

CinemaxX Potsdamer Platz 1-19: Do-Sa/Mo/Mi 14

Uhr,Di13.35 Uhr. CineMotion Hohenschönhausen 1:

tgl 14.20 Uhr. Cineplex Alhambra1-5: Sa/So 12 Uhr.

Cineplex Spandau 1-5: Do-Sa 10 Uhr. Cineplex Titania

Palast 1-7: Do-Sa/Mo-Mi 12.10 Uhr,Do-So/Dia.

10 Uhr,So12.30 Uhr. CineStar -Der Filmpalast Treptower

Park 1: tgl 14.30 Uhr,So/Mo a. 11.30 Uhr. CineStar

CUBIX Filmpalast Alexanderplatz 1:

Do/Fr/So-Mi 11.15 Uhr, Sa 11.20 Uhr. CineStar Hellersdorf

1: Do-So/Di/Mi 13.40Uhr,Soa.11.50Uhr.

CineStar Tegel1: tgl 14.15Uhr. Filmkunst 66 Kino 1:

Sa/So15Uhr. Kino in der Kulturbrauerei 1-8: So

11.30Uhr. UCI Kinowelt am Eastgate 1: Do/Sa-Mi

14.30Uhr,Sa/So a. 11.45Uhr. UCI Kinowelt Colosseum

1: Do-Mo/Mi14.45 Uhr. UCI Luxe Gropius Passagen

1-6: Sa/So11.50 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-Platz

1-14: tgl 16.45 Uhr,Do/Fr/Mo-Mia.13.45

Uhr,Sa/So a. 11 Uhr. UCI Luxe Potsdam Center 1-8:

Sa/So 11.15 Uhr.

APOLLO 11 (2019)

Zeiss-Großplanetarium (OmU): So 13.30 Uhr.

DAS AUTOGRAMM

Arsenal 2: Fr 19 Uhr.

AVENGERS: ENDGAME UCI Luxe Kino Mercedes-

Platz 1-14 (IMAX 3D): So 16.30 Uhr,Mo14Uhr. UCI

Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14 (OV/IMAX 3D): Fr

14.45 Uhr.

B-MOVIE: LUST UND SOUND IN WEST-BERLIN

Sputnik (Höfe am Südstern) 1(OmenglU): Sa 23.15

Uhr,Mi23Uhr. Kinobar im Sputnik (Höfe am Südstern)

(OmenglU): Di 22 Uhr.

BAAMUM NAFI -NAFIS VATER

Arsenal 1(OmenglU): Mo 20.30 Uhr.

BAIT (2019)

Wolf 1-3 (OmU): Do/So/Di14.10Uhr,Fr/Mo/Mi

19.10 Uhr,Sa17.20Uhr.

BALA (2019)

Babylon 1-2 (OmenglU): Sa 15.15Uhr,So13.15 Uhr,

Mo 21.30 Uhr,Di20Uhr,Mi19.30Uhr. UCI Luxe Kino

Mercedes-Platz 1-14: So 11 Uhr.

BALLON (2019)

Central Hackescher Markt 1: Do 10.30Uhr. Cineplex

Titania Palast 1-7: Sa 22 Uhr. UCI Kinowelt am Eastgate

1: Sa/So 11 Uhr. UCI Kinowelt Colosseum 1: tgl

14.15 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14: Do-

So 14.10 Uhr,Mo-Mi14.45 Uhr. UCI Luxe Potsdam

Center 1-8: Sa 13.50 Uhr.

BAMBOO STORIES

Filmkunst 66 Kino 1(OmU/Preview): Mi 20 Uhr.

BANGLA (2019)

Kino in der Kulturbrauerei 1-8 (OmU): Mi 20.30Uhr.

THE BATTERY

Z-inema (OmU): Di 20 Uhr.

BAYALA -DAS MAGISCHE ELFENABENTEUER

AstraFilmpalast 1-5: tgl 14 Uhr,Sa/So a. 12.30 Uhr,

Sa a. 10 Uhr. CinemaxX Potsdamer Platz 1-19: Do-

Mo 13.40 Uhr,Di12.30 Uhr,Mi13.30 Uhr. CineMotion

Hohenschönhausen 1: tgl 15.10 Uhr,Sa/So a. 12.40

Uhr. Cineplex Alhambra1-5: tgl 14.15 Uhr,Sa/So a.

12 Uhr. Cineplex Spandau 1-5: Do-Mo/Mi12.10Uhr,

Do/Sa-Mi a. 14 Uhr,Fra.14.10 Uhr,Di12.25Uhr. Cineplex

Titania Palast 1-7: Do-Mo10Uhr,Fr/So/Di a.

14.30 Uhr. CineStar -Der Filmpalast Treptower Park

1: Do-So/Di/Mi14.20 Uhr,So/Mo a. 11.45 Uhr. Cine-

Star CUBIX Filmpalast Alexanderplatz 1: tgl 14 Uhr,

Do-Di a. 11.30 Uhr,Mia.11.10Uhr. CineStar Hellersdorf

1: Do-So/Di/Mi14.10 Uhr, Fr/Mo-Mi a. 17.20

Uhr, So a. 11.10 Uhr. CineStar Tegel1: tgl 14.40 Uhr,

Sa/So a. 12.05 Uhr. Kino in der Kulturbrauerei 1-8:

Do-Mo 14 Uhr. Kino Spreehöfe 1: tgl 14 Uhr, Do-Dia.

16 Uhr,Soa.10, 12 Uhr. UCI Kinowelt am Eastgate 1:

tgl 14.30Uhr,Sa/Soa.12Uhr. UCI Luxe Gropius Passagen

1-6: tgl 14.15 Uhr,Sa/So a. 11.50Uhr. UCI

Luxe Kino Mercedes-Platz 1-14: tgl 14.20Uhr,Do-So

a. 17.20 Uhr,Sa/So a. 12 Uhr,Mo/Dia.18Uhr,Mia.

17.40 Uhr. UCI Luxe Potsdam Center 1-8: tgl 14.30

Uhr,Sa/Soa.11.15 Uhr.

BELLE UND SEBASTIAN (2013)

Zeiss-Großplanetarium: Sa 16.30 Uhr.

BENJAMIN BLÜMCHEN (2019)

b-ware!Ladenkino: Sa 11 Uhr. Moviemento 1: Fr

12.15 Uhr,Sa10.15 Uhr,So12Uhr,Mi13.45Uhr.

BERLIN BABYLON

Hackesche Höfe Kino 1(DFmenglU): tgl 14.30Uhr,

So a. 10 Uhr.

BERLIN BOUNCER

Kinobar im Sputnik (Höfe am Südstern): Mo 20.15

Uhr. Zukunft 4(OmenglU): Fr/So/Di 18 Uhr.

BERLIN CALLING

Filmmuseum Potsdam: Do 18 Uhr.

BERLIN IS IN GERMANY

Filmmuseum Potsdam: Do 20 Uhr.

BEST OF AFRICAN SHORTS 2018-2019

Arsenal 1(OmenglU): So 15 Uhr.

DIE BILDER DES ZEUGEN SCHATTMANN

BrotfabrikKino: So 14, 16 Uhr.

BLINDED BY THE LIGHT (2019)

Bali: Fr-Mi 20.30 Uhr. Bali (OmU): Do 20.30Uhr.

BOHEMIAN RHAPSODY

Casablanca: Fr 20.30 Uhr. UCI Luxe Kino Mercedes-

Platz 1-14 (IMAX): So 20.15 Uhr.

BONNIE UND BONNIE

Sputnik (Höfe am Südstern) 1(OmenglU): Di 23

Uhr. Kinobar im Sputnik (Höfe am Südstern)

(OmenglU): Fr 18.30Uhr,So21.30Uhr. Zukunft 4

(OmU): Do/So/Mi 21.45 Uhr.

BOOKSMART

International (OmU/Preview): Mo 22 Uhr. Thalia Babelsberg

1(Preview): So 16.30 Uhr.

BORN IN EVIN -ALLES ÜBER EVIN

Acud Kino 2(OmU): Do 22 Uhr,Sa19.45 Uhr,Mi18

Uhr. b-ware!Ladenkino 2(OmU): Do/So/Mi 14.15

Uhr,Mo/Di 11 Uhr. b-ware!Ladenkino 3(OmU): Sa

16.50 Uhr. fsk am Oranienplatz 1(OmU): So 11 Uhr.

Sputnik (Höfe am Südstern) 2(OmU): So 13.45 Uhr,

Di 16.15 Uhr,Mi15Uhr. Wolf 1-3 (OmU): tgl 12 Uhr,

So a. 19.10 Uhr,Mo/Mia.19Uhr.

BOY HOWDY! THE STORY OF CREEM MAGAZINE

Lichtblick-Kino (OV): Mi 22 Uhr.

BUCKELWALE: GIGANTEN DER MEERE

CineStar IMAX (3D/IMAX): Do/Di 13.20 Uhr,Fr/Mo

14.50Uhr,Mi11.45Uhr.

CASABLANCA

Lichtblick-Kino (OmU): Sa 23.59 Uhr.

CHAPEAU CLAQUE

Zeughauskino: Fr 20 Uhr.

CHECKER TOBI UND DAS GEHEIMNIS

UNSERES PLANETEN

Kino in der Kulturbrauerei 1-8: Mi 9.30 Uhr.

CHICAGO BOYS (2019)

b-ware!Ladenkino (OmenglU): Do 16.45 Uhr.

CHUVA ECANTORIA NA ALDEIA DOS MORTOS -THE

DEAD AND THE OTHERS

Moviemento 2(OmenglU): Mi 20 Uhr.

CLEO (2019)

Zukunft 4(OmenglU): Sa/So 16 Uhr.

COME L'AMORE -SOETWAS WIE LIEBE: SOMETHING

LIKE LOVE

Bundesplatz-Kino (OmU): Fr 18 Uhr.

COMING OUT (1989)

Filmmuseum Potsdam: Sa 19.30 Uhr. International:

Sa 20.30 Uhr.

CONGO CALLING

Tilsiter-Lichtspiele 2(OmU): Do/Sa/Mo/Mi 21.45

Uhr.

CONSCIOUS LIGHT -THE DIVINE LIFE AND REVELA-

TION OF AVATAR ADI DA SAMRAJ

Babylon 1-2 (OmU): Mi 19 Uhr.

DARK EDEN -DER ALBTRAUM VOM ERDÖL

Scala Kulturpalast Werder: Di 15 Uhr.

DATSCHE (2019)

b-ware!Ladenkino (DFmenglU): Di 13.15Uhr.

THE DEAD DON'T DIE

b-ware!Ladenkino (OmU): Do 11 Uhr,Di/Mi

14.45Uhr.

DEM HORIZONT SO NAH

CinemaxX Potsdamer Platz 1-19:

Do 13.30 Uhr. CineStar CUBIX Filmpalast Alexanderplatz

1: Do-Di13.30 Uhr. CineStar Tegel1: tgl 17.25


Berliner Zeitung · N ummer 259 · D onnerstag, 7. November 2019 3

·························································································································································································································································································

Film/Kinoprogramm

Der Unbestechliche

11. September,CIA, Folter: „The Report“ schildert das lange, zähe Ringen um die Wahrheit, die Moral und das öffentliche Interesse

VonThomas Klein

Der neue Arbeitsplatz: Ein

fahl beleuchteter, fensterloser

Raum hinter einer

schweren Stahltür

mit der Aufschrift „Zutritt nur für Senatsmitarbeiter“.

An den Wänden

hängen meterlange Whiteboards,

sechs Schreibtische mit Lampen und

Computer-Bildschirmen.

In dem Bunker-Komplex ist das

Archiv der CIA nahe Washington beheimatet,

Daniel „Dan“ Jones (nüchternund

konzentriert: Adam Driver)

soll hier 2007 im Auftrag der demokratischen

Senatorin Dianne Feinstein

(Annette Bening) Aufklärungsarbeit

leisten. Es scheint unstrittig,

dass die CIA nach den Anschlägen

des 11. September 2001 wenig zimperlich

mit Terror-Verdächtigen und

angeblichen Sympathisanten umgesprungen

ist, aber jegl