unsere brücke 11 2019

franz.bachinger

unsere brücke

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IESTERSEMINAR

IÖZESE

INZ

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Dezember 2019

bis Juni 2020


„Ich habe euch Freunde genannt“ (Joh 15,15)

Herausgeber und

Medieninhaber:

Priesterseminar

der Diözese Linz

Redaktion:

Regens Michael Münzner

Verwaltung:

Georg Brandstetter

Harrachstraße 7

4020 Linz

Telefon (0732) 77 12 05

www.priester-werden.at

Mail: priesterseminar@dioezese- linz.at

Herstellung:

Innpuls

Werbeagentur GmbH

A-4910 Ried i. I.

Wir danken den Leserinnen und

Lesern „Unserer Brücke“

für das Interesse an unserem

Leben und für jede Form der

Unterstützung.

Unsere Brücke

wird allen Freunden und Wohltätern

unseres Hauses zweimal

jährlich kostenlos zugesandt.

Spenden erbitten wir auf folgende

Kontonummer:

IBAN:

AT17 1500 0004 2519 3000

BIC:

OBKLAT2L

bei der Oberbank Linz.

Wir bitten alle Spender, Ihre

Adresse deutlich und vollständig

auf dem Erlagschein anzugeben

und uns bei einer etwaigen Änderung

Ihres Wohnsitzes sowohl

die alte als auch die neue Adresse

bekannt zu geben.

Vergelt´s Gott!

Grußwort des Regens .............................................................. 1

Der neue Spiritual Johann Karner ............................................ 2

Unterstützung in der Hausleitung ........................................... 4

Freundschaft mit Christus ........................................................ 5

Es ist schön solche Freunde zu haben! .................................... 9

Taufe - Beginn einer Freundschaft ....................................... 10

„Für einen treuen Freund gibt es keinen Gegenwert“ –

Freundschaft im Alten Testament ........................................... 12

Eine mögliche Definition von: Freundschaft ........................ 14

„Vielmehr habe ich euch Freunde genannt“ ......................... 16

Bildung und Leben in Heiligkeit:

Priestersein nach John Henry Newman. ................................ 18

Der Vatikan - Zentrum der Katholischen Kirche ................... 20

Meine Jahresexerzitien ........................................................... 22

Sozialpraktikum im Krankenhaus

der Barmherzigen Brüder ....................................................... 23

Neu im Priesterseminar .......................................................... 24

Chronik .................................................................................... 25

Bildnachweise: Michael Münzner, Priesterseminar Linz, Mario Gimpel, Monika-

Maria und Josef Leithner, Diözese Linz: Appenzeller, Katholische Kirche Vorarlberg:

Dietmar Steinmair, Jack Haijes, Lukas Hitzl, Valentine Okpalanochikwa, Nichodemus

Okoye, Alex Matovu, Pfarramt Mondsee.


Liebe Leserinnen und Leser

unserer Seminarzeitschrift!

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste was es gibt auf der Welt“, so

haben die Comedian Harmonists gesungen. Es ist in der Tat von großem Wert,

wenn wir Menschen um uns haben, auf die eine Textpassage des Jungscharliedes

zutrifft, wo es heißt: „Es ist ein wunderbares Gefühl, zu wissen, dass es

jemand gibt, auf den du dich wie ein Blinder verlassen kannst, und wo du

niemalsverlassenbist,aufdenduhundertprozentigbauenkannst,sodasskein

Baustein verloren ist.“

In Zeiten diverser „Social media“-Plattformen wird der Begriff der Freundschaft

heute sehr inflationär verwendet. Es genügt ein Mausklick und schon

ist jemand in einer Freundschaftsliste aufgenommen, die oftmals mehrere

hundert oder gar tausend Einträge umfasst. Mark Zuckerberg, der Gründer von

Facebook,hateinmalgesagt:„FacebookhilftmitLeuteninKontaktzubleiben,

die wir auch im echten Leben kennen. Mehr nicht. Wer glaubt, dass jeder

Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiß nicht was Freundschaft bedeutet.“

Um eine Freundschaft zu knüpfen, ist es wichtig, dass man selbst die Initiative

Mag. Michael Münzner

Regens

ergreift. Und zwar mit dem Gedanken, für jemand ein guter Freund oder eine gute Freundin sein zu

wollen, und nicht mit der Überlegung, einen guten Freund haben zu wollen. Freundschaft ist eine

Haltung, ein andauerndes Verhalten gegenüber jemandem, das auf Selbstlosigkeit, Offenheit, Aufrichtigkeit,

Verschwiegenheit und Zuverlässigkeit beruht.

Auch Jesus bezeichnet seine Jünger als „Freunde“. Und er zeigt ihnen diese Freundschaft dadurch, dass

er sie teilhaben lässt an dem, was er weiß, was ihn ausmacht und im Innersten bewegt. (vgl. Joh 15,15) Er

gibt seinen Jüngern also Anteil an sich selber, schenkt ihnen seine Liebe und motiviert sie so zu einem

Leben unter der Führung des Heiligen Geistes.

Ausgehend vom Priestereinkehrtag in der Karwoche zum Wort Jesu „Ich habe euch Freunde genannt“

haben wir uns entschieden, das Thema Freundschaft in dieser Ausgabe „unsere brücke“ aufzugreifen. Ich

danke allen, die bereit waren, einen Artikel zu verfassen und sich Gedanken zum Thema Freundschaft zu

machen. Gleichzeitig möchten wir mit unserer Zeitschrift, wie gewohnt, auch allen unseren LeserInnen

einen Einblick in das Leben im Priesterseminar geben.

In besonderer Weise möchte ich unseren neuen Spiritual Mag. Johann Karner willkommen heißen, der

neben den Seminaristen des Propädeutikums auch unsere Linzer Seminaristen spirituell begleitet. Sehr

dankbar bin ich auch, dass ich in der Begleitung der Seminaristen nun auf die Unterstützung des neuen

Studienpräfekten Mag. Daniel Blumenschein zählen kann.

Ich freue mich immer, wenn ich in Gesprächen mitbekomme, dass Menschen Interesse an der Priesterausbildung

haben und sich im besten Sinne sorgen um den Priesternachwuchs. Danke für alle Gebete und

alle Unterstützung. Bitte helfen Sie aber auch mit, dass junge Männer den Weg der Priesterausbildung

beginnen möchten.

Gottes Kraft und Segen wünscht Ihnen

Michael Münzner

michael.muenzner@dioezese-linz.at

Aufgrund der neuen datenschutzrechtlichen Bestimmungen möchten wir darauf hinweisen, dass Sie die Zusendung

unserer brücke“ jederzeit per Mail an „priesterseminar@dioezese-linz.at“ beenden können.


Der neue Spiritual Mag. Johann Karner

Am 5. Juni 1957 habe ich

in meinem Elternhaus in

der oststeirischen Pfarre

St. Margarethen an der

Raab das Licht der Welt

erblickt. Zusammen mit

meinen beiden Brüdern

Franz und Rupert und mit

meiner Schwester Anneliese

durfte ich in der

bunten, natürlichen Umgebung

der elterlichen Landwirtschaft

eine sehr schöne

Kindheit erleben. Im hautnahen

Kontakt mit Pflanzen

und Tieren, im Blick

auf den nächtlichen Sternenhimmel,

aber auch in

Furcht und Zittern vor der

zerstörerischen Gewalt von

Blitz und Hagel lernte ich

von frühester Kindheit an

das Staunen vor den zarten und mächtigen Wundern der Natur. Der

vorbildliche Glaube meiner Eltern, den ich vor allem in der Atmosphäre

gemeinsamen Betens schon als Kleinkind erleben durfte,

schaffte mir die Brücke zu Gott als eigentliches Geheimnis der

Schöpfung.

Aus dem Rückblick auf meine Kindheitserfahrung erschließen sich

mir zwei wichtige Voraussetzungen für den Beginn der Freundschaft

mit Jesus:

Erstens die Freundschaft mit Menschen. Meine ersten Freunde waren

meine Geschwister. Wir (v.a. wir Geschwister) haben naturgemäß

sehr viel Zeit miteinander verbracht. Zeit füreinander haben – das ist

die erste Voraussetzung für Freundschaft. Was zwischenmenschlich

gilt, gilt in vielerlei Hinsicht auch für die Freundschaft mit Jesus.

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Zweitens: das Beispiel von Menschen, die Freundschaft mit Jesus

leben. Dieses Beispiel haben mir zuallererst meine Eltern gegeben.

Sie haben mit vorgelebt, dass man Jesus gute Zeit schenken muss,

damit die Freundschaft mit ihm bestehen kann. Außerdem haben


sie mir gezeigt, dass man für einen guten Freund, erst recht auch für

Jesus, keine Mühe scheut, um mit ihm beisammen zu sein, wenn sie

etwa jeden Sonntag zu Fuß zum Sonntagsgottesdienst gegangen sind,

(wir Kinder durften/mussten mitgehen!) mindestens eine Stunde hin

und eine Stunde lang zurück und das, obwohl sie an den Werktagen

schwere manuelle Arbeit zu verrichten hatten.

Mit zunehmendem Alter kam ich selber immer wieder ins Staunen

vor dem Allerhöchsten, besonders dann, wenn ich an den Hochfesten

des kirchlichen Jahreskreises davon hörte, dass Gott Mensch geworden

ist, und dass der Gott-Mensch sein Leben aus Liebe zu uns

Menschen am Kreuz dahingegeben hat. In meiner Volksschulzeit

(vierte Klasse) türmte sich in mir erstmals die Begeisterung dafür auf,

diesem Jesus von Nazareth ganz und gar nachzufolgen. Sie entsprang

weniger rationalen Überlegungen – verstanden habe ich damals sehr

wenig – als vielmehr einem tiefinneren Berührtsein von der Person

Jesu.

Heute, nach 31 Priesterjahren, kann ich bestätigen, was ich damals

intuitiv erfahren habe: Freundschaft mit Jesus Christus spielt sich

nicht (nur) im Kopf ab, sie ist vor allem Herzens“sache“.

ER, Christus, hat uns zuerst erwählt als seine Freunde. Wenn uns

(auch im Seminaralltag!) an einer innigen Beziehung mit IHM liegt,

muss unser Bemühen vor allem darauf abzielen, empfänglicher für

seine liebevolle Gegenwart bzw. für sein hingebungsvolles, befreiendes

Handeln an uns zu werden. Das ist folgerichtig auch die Hauptstoßrichtung

all unserer „geistlichen Übungen“: uns stets neu für die

Begegnung mit IHM zu disponieren und mit IHM in Beziehung bleibend

zu leben.

Freundschaft mit Jesus will nicht isoliert sein. Sie mündet in

Freundschaft mit Menschen und umgekehrt. Die Erfahrung von

Gemeinschaft im Geiste Jesu fördert die eigene, persönliche Christusbeziehung.

– Für mich ist die Priestergemeinschaft Jesus Caritas

(i.S. von Charles de Foucald) sehr hilfreich. Wir treffen uns monatlich

zum gemeinsamen Gebet, zum persönlichen Austausch sowie

zum ungezwungenen Beisammensein und Miteinander-Plaudern.

Im Zuge der „revision de vie“ – so nennen wir den Austausch, zu

dem wir den Hl. Geist als Regisseur einladen, - ist auch correctio

fraterna (brüderliche Zurechtweisung) möglich. Sie ist aus meiner

Sicht ein wichtiges Qualitätsmerkmal für gute Freundschaft und

ein erstrebenswertes Ziel auch für unsere Seminargemeinschaft.

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Unterstützung in der Hausleitung

Mag.

Daniel Blumenschein

Studienpräfekt

im Priesterseminar

Referent im Institut

Pastorale Fortbildung

4

Ein neuer Studienpräfekt oder anders formuliert „Koordinator für

pastorale und intellektuelle Bildung“ im Priesterseminar, was und

wer ist das? Eine an mich in den letzten Tagen oft gestellte Frage, die

ich in diesem Brückeartikel gerne beantworten möchte.

Ich gehe zunächst auf die Frage, „Wer ist das?“ ein. – Dazu darf ich

mich kurz vorstellen.

Grundsätzlich bin ich kein neues Gesicht im Priesterseminar, denn

ich arbeite bereits seit 2017 als Bildungsreferent am Institut Pastorale

Fortbildung, das im Priesterseminar eingemietet ist. Zuvor war ich als

Pastoralassistent tätig, wechselte 2017 zu 50% in die Erwachsenenbildung

und mit weiteren 50% als Stadtjugendreferent in die Jugendpastoral

(die mir aus meiner Zeit vor der Tätigkeit als Pastoralassistent

nicht fremd war). Seit 1. September 2019 bin ich ausschließlich in der

Erwachsenenbildung, nämlich zu 50% im bereits beschriebenen Institut

und mit 50% als Studienpräfekt bzw. Koordinator für pastorale

und intellektuelle Bildung im Priesterseminar. Darüber hinaus macht

es mir Freude, als Organisationsentwickler und Gemeindeberater im

Netzwerk der Diözese Linz tätig zu sein. Privat bin ich mit Julia,

Volksschullehrerin, verheiratet und wir leben mit unseren zwei Mädchen,

6 und 4 Jahre, in der Gemeinde Hargelsberg.

Was ist nun ein Studienpräfekt?

Als Studienpräfekt, dessen Aufgaben in der Ratio Fundamentalis

(die Rahmenordnung der Priester(aus)bildung) beschrieben sind,

unterstütze ich den Regens in der intellektuellen und pastoralen

Bildung der Seminaristen. Dabei steht die persönliche Begleitung der

Seminaristen im Vordergrund, die durch eine ganzheitliche Bildung

geprägt ist. In dieser persönlichen Begleitung unterstütze ich die

Seminaristen in der philosophischen und theologischen Ausbildung

an der Universität, in ihren pastoralen Lernfeldern und im Bildungsprogramm

des Priesterseminars. Dazu erstellen wir für jeden Seminaristen

einen ausführlichen Aus- bzw. Bildungsplan, den er in der Zeit

seines Seminarlebens zu absolvieren hat. Am Schluss der Bildung im

Priesterseminar stehen der erfolgreiche Abschluss des Studiums, die

menschliche und intellektuelle Reife, geprägt durch das Leben im

Seminar und der Seminargemeinschaft, die pastoralen Erfahrungen

u.a. durch die Bezugspfarren und die pastoralen Lernfelder darüber

hinaus (Krankenhausseelsorge, etc.).

Vor allem die pastorale Dimension der Priesterbildung ist mir ein

großes Anliegen! Die Seminaristen sollen und müssen gut auf die

(neuen) pastoralen Situationen unserer Diözese vorbereitet werden,

um gemeinsam mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern gut und erfolgreich am Reich Gottes bauen zu

können.


Freundschaft mit Christus

„Es gibt nichts Schöneres als Ihn [Christus] zu kennen und die

Freundschaft mit ihm auch an andere weiterzugeben. Die Aufgabe

eines Hirten, eines Menschenfischers kann oft als belastend und

drückend erscheinen. Und doch ist sie schön und groß; denn letztlich

ist sie ein Dienst an der Freude, an der Gottes-Freude, die in diese

Welt eintreten will.“ (Papst Benedikt XVI., 24.4.2005)

Können wir das so einfach nachvollziehen? Was heißt „Freund“ –

angesichts der inflationären Verwendung dieses Wortes im Zeitalter

von Facebook-friends? Esther Maria Magnis geht in ihrem autobiographischen

Bestseller „Gott braucht dich nicht“ (2014) scharf ins

Gericht mit einer pastoralen Sprache, die so locker Jesus als Freund

anpreise: Als Teenager habe sie wenig damit anfangen können –

wozu, wenn man schon genug Freunde hat, und von den Predigten

nur bleibt: „Der Typ war okay“?

Die Bibel ist sparsam mit dem Attribut „Freund Gottes“; geradezu wie

ein Solitär-Diamant ragt das Wort Jesu heraus: „Ich nenne euch nicht

mehr Knechte, sondern Freunde …“. Die meisten Kirchenväter gehen

zurückhaltend mit dem Thema um (ausgenommen Augustinus und

Chrysostomus). Und Heilige wie Teresa von Avila, die mit dieser

Freundschaft Erfahrung haben, nehmen kein Blatt vor den Mund, wie

wenig „angenehm“, ja anstrengend sie zuweilen ist. Nichts Selbstverständliches

also!

Univ.-Prof. in Dr. in

Marianne Schlosser

Universitätsprofessorin

und Vorstand des Fachbereichs

Theologie der

Spiritualität an der

Katholisch-Theologischen

Fakultät,

Universität Wien

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6

Um die Tiefe des in Joh 15,13-16 Gesagten besser einschätzen zu

können, ist ein Blick auf die antiken Auffassung von Freundschaft

hilfreich, galt sie doch damals als die edelste Weise personaler Verbundenheit.

Thomas von Aquin wählte diesen Blickwinkel, um das

Besondere der treuen, wechselseitigen Liebe zwischen Gott und

Mensch, der caritas, zu umschreiben (Sth II II q23). Nach der klassischen

Definition besteht Freundschaft im beiderseitigen „Wohl-Wollen“

(benevolentia), so dass jeder das Gut des Freundes entschieden

bejaht und nach Kräften unterstützt. Freundschaft setzt voraus, dass

die Personen etwas gemeinsam haben (communicatio) und lebendigen

Austausch pflegen (conversatio). Gerade diese Kriterien lassen

eine Freundschaft zwischen den Göttern (oder der Gottheit) und

Menschen unmöglich erscheinen (Aristoteles): Es gibt hier keine

echte Gemeinschaft, geschweige denn ein wechselseitiges „Wohl-

Wollen mit herzlicher Zuneigung“ und Umgang.

Wenn wir als Christen wagen, von Freundschaft mit Gott zu

sprechen, worin liegt die „Gemeinschaft“? Selbstverständlich kann

es „zwischen“ Gott und seinem Geschöpf kein Drittes geben, das sie

gemeinsam hätten. Sie gründet vielmehr in dem, was Gott mit uns

teilen will, damit wir es besitzen. Thomas nennt dies: „die Seligkeit“

(beatitudo). Man könnte auch sagen: das ewige Leben, als Leben in

Fülle und Heiligkeit, wie es Gott zueigen ist. Diese Gemeinschaft mit

Gott beginnt, senfkorn-gleich, bereits auf Erden: Glaube, Hoffnung

und Liebe sind der Beginn dieses Lebens, der Anfang der Freundschaft.

Das bedeutet zunächst einen Primat der Gnade. Die Beziehung geht

auf Seine Initiative zurück: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich

habe euch erwählt“. Seine Liebe ist die Gabe, die bewirkt, dass wir

dieser Liebe antworten können. Während wir einen Menschen für

gewöhnlich lieben, weil er gut ist, liebt Gott liebt uns, damit wir gut

seien. Seine Liebe ist nicht einfache Bejahung, sondern schaffendes,

heiligendes Wirken; und Freund-Sein bedeutet, sich auf dieses Handeln

einzulassen. Das zeigt sich gerade bei besonderen Berufungen:

die „electio“ durch Christus überragt das eigene Wünschen und Wollen,

selbst unsere besten Neigungen. Darum hat eine solche Berufung,

die in der Freiheit des Rufenden gründet und sich an die Freiheit des

Berufenen wendet, nicht selten eine gewisse Furcht oder Abwehr als

Begleiterscheinung.

Dass Er unser Heil und Wohl von ganzem Herzen will, ist Inhalt unseres

Glaubens und unserer Hoffnung. Aber können wir Ihm „wohlwollen“?

In einem gewissen Sinn tatsächlich: Denn darüber glücklich

zu sein, dass Er so ist wie Er ist, bedeutet, sein Gut-sein zu bejahen.

Die Freude schafft sich Ausdruck im Lob, mit dem man zugleich auch

andere für den Freund gewinnen und begeistern möchte.


Freunde schauen nicht nur aufeinander, sondern in die gleiche Richtung;

„sie wollen dasselbe, bzw. lehnen dasselbe ab“. Man denkt vielleicht

an das Wort Jesu: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was

ich euch auftrage“ (v.14), und fragt sich, ob das nicht eher nach

Gebots-Erfüllung als nach Freundschaft klingt? Liest man die Verse

im Zusammenhang, so zeigt sich, dass das Halten der Gebote das

Zeichen der echten Freundschaft, also Folge der Liebe ist – ähnlich

wie die Nächstenliebe die sichtbare Auswirkung der Gottesliebe

(v.12). Denn der Freund will sich ja gerne dem Willen seines Freundes

angleichen: In der Freundschaft verwirklicht sich das Paradox

der frei-gewollten Gebundenheit. Wer aus Liebe handelt, wird nicht

wegen eines Zieles tätig, das in ihm selbst liegt – d.h. er denkt nicht

an „Selbstverwirklichung“ (vgl. 1 Kor 13,5) – sondern fühlt sich „gedrängt“,

so dass er „nicht anders kann“ (wie Paulus); dennoch wird

er von sich aus tätig – eben nicht wie ein Knecht, der keine innere

Beziehung zu seinem Herrn hat (v.15). Meisterhaft drückt es Thomas

v. Aquin aus: Die Freunde Gottes „werden freiwillig vom Heiligen

Geist geführt“; der Wille Christi ist seinen Freunden nicht „fremd“,

sondern aufs Herz geschrieben.

Aus der Freundschaft kommt der Wunsch, für den anderen etwas zu

tun (cooperatio). Nicht zufällig fragt Jesus Petrus: Bist du mir Freund?

Und betraut ihn dann mit dem Auftrag: Weide meine Schafe.

Das „Vergelten“ der empfangenen Freundschaft nimmt hier den Weg

über diejenigen, die dem Freund am Herzen liegen – ein Gedanke,

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besonders für Caterina von Siena bestimmend war. Sie hörte Christus

sagen: Mach du meine Sorgen zu den deinen, und ich werde mich um

die deinigen kümmern!

Das Mit-Arbeiten mit dem Erlöser trägt freilich immer auch das Zeichen

der com-passio, der Nachfolge im Leiden (v.19f.). Als letzte

Erprobung einer treuen Freundschaft gilt – nicht nur in der Antike

(vgl. Schillers „Bürgschaft“) – die Bereitschaft, für den Freund zu

sterben. „Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben gibt für

seine Freunde“. Dazu gehört, sich zu ihm zu bekennen (confessio),

auch wenn es Nachteile bringen könnte. Denn noch ist die Welt nicht

heil (vgl. Kol 1,24), und der Schmerz darüber geht denen am tiefsten,

die durch die Freundschaft mit dem Erlöser feinfühlig für Gottes

Ziele geworden sind. Darum nennt Thomas von Aquin als innere

Wirkungen der Gottesfreundschaft nicht nur „Freude“ und „Frieden“

– die Jesus in den Abschiedsreden verheißt – sondern auch einen

spezifischen Schmerz: das „Erbarmen“ (misericordia).

Gleichklang des Willens äußert sich nicht nur im Tun oder im Erleiden,

sondern auch im Beten. Denn das Bitt-Gebet ist „der Weg, um zu

erhalten, was Gott bereit hält, um es uns zu geben“ (Gregor d. Gr.). Im

Vaterunser bitten wir um das Geschehen des Willens Gottes – nicht

fatalistisch, als geschehe er ohnehin; nicht misstrauisch, was er denn

wohl beinhalten werde, sondern im Bewusstsein, dass es der Wille

dessen ist, der uns mehr liebt, als wir uns selbst – und womöglich

Größeres bereithält, als wir uns ausdenken können. Daher können

einem bei dieser Bitte durchaus die Knie zittern (Teresa von Avila)!

Vor allem aber ist Beten einer jener Vollzüge, von denen die Beziehung

lebt: das aufrichtige Wort. „Ich habe euch alles mitgeteilt, was

ich vom Vater habe“: Er will gekannt sein, so sehr es nur möglich ist.

Dei Verbum hat dies aufgegriffen: „wie zu Freunden“ spricht der sich

offenbarende Gott. Dem soll das Gebet entsprechen: Öffnung des Herzens,

im Wissen, erwartet und gehört zu sein.

Das Gespräch (colloquium) von Freunden wird ergänzt durch „Blickkontakt“.

Freilich ist die „contemplatio“ kein direktes Sehen, doch

lässt man mit Freude „die Worte und Taten des Freundes“ vor dem

inneren Auge vorbeiziehen (Thomas), im Bewusstsein seiner lebendigen,

wenn auch unsichtbaren Gegenwart. Und schließlich gehört zur

Freundschaft das con-vivium, gemeinsam zu essen. Wer miteinander

isst, teilt das Leben; wie viel mehr, wenn der Gastgeber sein eigenes

Leben, seine Substanz zur Speise gibt, um bei den Seinen zu bleiben.

Darum ist die Eucharistie der höchste Ausdruck der Freundschaft auf

Erden, in der Verhüllung des Sakraments die Vorwegnahme der unzertrennlichen

Gemeinschaft, die verheißen ist.


Es ist schön solche Freunde zu haben!

„Ich will dir danken, mein Herr und mein Gott, für alle Freunde,

die ich hab‘!“, so beginnt das Lied, das am Kaleidio in Schwaz, einem

österreichweiten Jungschar- und MinistrantInnenlager, eine Woche

lang an allen Enden zu hören war. Und Recht hat der Texter: Es gibt

wohl kaum ein größeres Geschenk als einen echten Freund. Gleichzeitig

sind unsere Möglichkeiten, eine Freundschaft aktiv zu befördern,

sehr eingeschränkt. Natürlich können wir Zeit und Anstrengung

investieren, und dies ist auch notwendig, damit eine Freundschaft

entstehen kann. Doch letztlich kann einem ein Freund nur „geschehen“,

durch (scheinbar) zufällige Begegnung in unerwarteter Sympathie

und Ähnlichkeit. In der Sprache der Theologie heißt das Gnade,

ein unverdientes Beschenkt-Werden, dessen Ursprung wir ehrfürchtig

„Gott“ nennen.

Aber zurück zum Jungscharlager. Dort gilt für die Kinder (und Betreuer):

eine Woche volles Programm, Halligalli rund um die Uhr und

kaum Schlaf. Es ist beeindruckend, welche Energie die Kinder auch

noch am letzten Tag einer solchen Woche auf Vollgas mitbringen.

Bevor einer müde wird, hat schon wieder ein anderer eine neue Idee,

und der eben noch Erschöpfte läuft in der Gruppe mit, wie wenn nie

etwas gewesen wäre. Diese Bereitschaft, sich mitreißen zu lassen,

brachten sie sich aber nicht nur untereinander entgegen, sondern

auch den Helfern, die das Programm gestalteten. Als König David war

ich immer wieder überrascht, wie bereitwillig

und offen sich die Kinder auf das Spiel mit den

Rollen eingelassen haben, wie sie dann bei der

Beschäftigung mit den Psalmen aber völlig

ernsthaft an diese alten Gebetstexte herangingen

und kluge, tiefe Gedanken dazu äußerten. Dazu

ist es nötig, sie zu gewinnen, sich also genauso

wie sie fröhlich auf das Spiel einzulassen,

gleichzeitig aber geradeheraus und offen mit ihnen

umzugehen.

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die

Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich

hineinkommen.“ (Mt 18,3) Jesus meint mit diesem

Wort sicher nicht, dass wir so brav oder

naiv sein sollen wie Kinder – denn das sind sie nicht. Ich glaube, es

geht ihm um die Voraussetzungen für Freundschaft mit Gott und den

Mitmenschen: Einerseits die Freude am „Spiel“, an der Dynamik des

Sich-Aufeinander-Einlassens, andererseits tiefe Offenheit und Klarheit

im Zugehen aufeinander. So können wir uns beschenken lassen –

mit dem Geschenk, das der Andere für uns ist.

Florian Sachsenhofer

Seminarist

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Taufe - Beginn einer Freundschaft

Am 9. November 2019 wurden Hermann Josef Hehenberger OPraem

und ich von Herrn Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer im Linzer

Mariendom zu Diakonen geweiht. In diesem Zusammenhang möchte

ich allen einen herzlichen Dank aussprechen, die von nah und fern

gekommen sind, diesen Gottesdienst mitgefeiert und zum Gelingen

dieses Festes beigetragen haben! Danke im Besonderen für das Gebet!

Mag.

Franziskus Schachreiter

Seminarist, Diakon

Die Freundschaft mit Jesus weiter zu vertiefen und den Menschen zu

dienen, ist unser aller Aufgabe und besonders die der Diakone. Nachdem

es als neugeweihter Diakon zu meinen Aufgaben gehört, das Sakrament

der Taufe zu spenden, möchte ich ein paar Gedanken dazu

einbringen. Für mich ist es ein großes Geschenk, ganz junge oder

auch schon ältere Erdenbürger taufen zu dürfen. Es ist ein Auftrag des

Auferstandenen an seine Jünger, Menschen zu ihm zu führen, sie zu

seinen Jüngern zu machen, sie zu lehren und sie auf den Namen des

Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen (vgl. Mt

28,19-20). Neugeboren aus dem Wasser und dem Heiligen Geist werden

bei der Taufe Menschen mit Jesus Christus fest verbunden. Wir

Getaufte gehören als Kinder Gottes zur Familie Gottes, der Kirche, in

der wir alle untereinander Brüder und Schwestern in Christus und

Erben des ewigen Lebens sind. Wie ein Siegel bleibt diese Zugehörigkeit

zu Christus ein Leben lang erhalten.

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Die Pfarrkirche Ostermiething ziert rechts vorne an der Schwelle zum

Presbyterium ein uraltes Taufbecken aus der Zeit der Spätgotik. Es gehört

neben der Marienstatue „Maria Königin“ am rechten Seitenaltar

zu den ältesten noch aus der gotischen Vorgängerkirche erhaltenen

Kunstwerken. Pfarrer Arnoldus Taubenprunner, dessen Wappen vorderseitig

am Taufstein abgebildet drei ineinander verkettete Ringe

zeigt, ließ es um das Jahr 1465 aus Untersberger Scheckmarmor errichten.

Der Fuß des Taufsteins ist kunstvoll profiliert. Der Holzdeckel

in Marmorimitation samt der Figurengruppe der Taufe Christi durch

Johannes kam im 18. Jahrhundert dazu. Für mich ist dieser Taufstein

ein ganz besonderer Ort in der Kirche, weil er ein Zeuge für den

christlichen Glauben vergangener Generationen bis zur Gegenwart ist.

Wie viele Menschen werden wohl hier schon getauft und damit in

die Gemeinschaft der Kinder Gottes, die Kirche, hineingenommen

worden sein – die meisten von ihnen als Kleinkinder? - Es müssen

Hunderte, ja sogar Tausende gewesen sein, wenn man die alten Taufbücher

studiert.


In der Osternacht findet hier alljährlich

die Taufwasserweihe statt.

Dabei wird die brennende Osterkerze

in das bis zum Rand mit

Wasser gefüllte Taufbecken eingetaucht

mit den Worten: „Durch

deinen geliebten Sohn steige herab

in dieses Wasser die Kraft des Heiligen

Geistes, damit alle, die durch

die Taufe mit Christus begraben

sind in seinen Tod, durch die Taufe

mit Christus auferstehen zum

ewigen Leben.“ Nach der Erneuerung

des Taufversprechens werden

die Menschen mit dem geweihten

Wasser besprengt und dürfen es

nach dem Gottesdienst herausschöpfen

und mit nach Hause

nehmen. Wie bei der Taufe Jesu

so spricht gleichsam auch heute

bei jeder Taufe eine Stimme aus

dem Himmel zum/r Neugetauften:

„Du bist mein geliebter Sohn, du

bist meine geliebte Tochter. An dir

habe ich mein Wohlgefallen.“ Gott

ruft jede/n von uns persönlich bei

seinem/ihren Namen. Wir sind

Gottes erste Liebe, noch bevor wir

gezeugt und geboren wurden. Er

salbt uns zu Königen, Priestern

und Propheten, damit sein Reich

komme und sein Wille auf der

Erde wie im Himmel geschehe

durch unsere Bereitschaft und

unser Mitwirken. Durch die Taufe

wird der Mensch von aller Schuld

befreit, geheilt und geheiligt. Er

wird zu einer neuen Schöpfung.

Diese Taufgnade gilt es bis ins

ewige Leben zu bewahren.

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„Für einen treuen Freund gibt es keinen

Gegenwert“ – Freundschaft im Alten Testament

Jakob Stichlberger

Seminarist

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Abgesehen von den jüngeren Teilen des Alten Testaments, welche

schon in hellenistischem Einfluss entstanden sind, kommt Freundschaft

als explizites Thema im Alten Testament sehr spärlich vor.

Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass es ein entsprechendes

Wort im Hebräischen gar nicht gibt und die Beschäftigung mit

dem Phänomen Freundschaft an sich erst durch den Einfluss der

griechischen Kultur auf die jüdische einsetzte.

Von Freundschaft mit Gott ist im Alten Testament kaum die Rede.

Nur wenigen, wie Abraham oder Mose wird etwa zugebilligt,

Freunde Gottes zu sein. Von Mose heißt es in Ex 33,11, Gott und

Mose„redetenvonAngesichtzuAngesicht,wiemanmiteinem

Freundspricht“. Was bei Mose noch ein fast unerreichbares Privileg

scheint (und in den fünf Büchern Mose sicher auch ist), ist für uns

Christen zu einer Zusage geworden, die jedem gilt, wenn Christus

zu seinen Jüngern sagt, „ich aber habe Euch Freunde genannt“

(Joh 15,15).

Ausführlicher wird hingegen die zwischenmenschliche Freundschaft

beleuchtet, insbesondere bei Jesus Sirach, welcher immer wieder auf

die Freundschaft zu sprechen kommt und sie unter verschiedenen

Aspekten reflektiert. Besonders in Sir 6,5-17 finden wir eine ausführliche

und sehr realistische Abhandlung zur „Freundschaft“, derzufolge

man nur sehr wenige als seine Freunde bezeichnen sollte. Die

Quintessenz des Textes ist, dass sich in Zeiten der Not zeigt, wer ein

wahrer Freund ist. Deshalb rät Sirach auch, einen Freund „durch

Erprobung zu gewinnen“ und ihm nicht zu schnell zu vertrauen.

Ähnlich argumentiert auch Spr 17,7:„DerFreunderweistzujeder

ZeitseineLiebe,alsBruderfürdieNotistergeboren.“ Liest man das,

so könnte man den Eindruck gewinnen, man habe viele Menschen,

die sich gerne mit einem abgeben, solange man genügend Geld hat,

gesund ist, ein heiteres Leben führt und sich der „süßen Rede“ bedient.

Sobald man auf welche Weise auch immer arm wird und der

Hilfe bedarf, bleiben ein paar übrig, welche dann als Freunde zu bezeichnen

sind.

Mir scheint trotz dieser eher pessimistischen Darstellung, dass hier

ein zentraler Aspekt von Freundschaft angesprochen ist. Wie wohltuend

ist es doch für uns, wenn wir in einer schwierigen Situation

der Ratlosigkeit, des Schmerzes, des Versagens, der Enttäuschung

spüren, dass uns ein Freund zur Seite steht, an den wir uns anlehnen

können, bei dem wir uns ausheulen können, bei dem wir so sein dürfen,

wie wir sind. Gewiss hat Sirach hier auch recht, dass es in einer

solchen Situation wenige sind, auf die wir uns wirklich verlassen

können.


Eine schwierige Situation durchlebt auch Hiob. Er führt ein gottwohlgefälliges

Leben und plötzlich werden ihm durch tragische Geschehnisse

Hab und Gut, die Gesundheit und sogar seine Kinder genommen.

So hören wir, dass„seinSchmerzsehrgroßwar.“ (Ijob 2,13) In

dieser Situation kommen drei seiner Freunde zu Besuch, die von den

Ereignissen Kenntnis genommen haben. Ihre Freundschaft zeigt sich

einerseits darin, dass sie einen weiten Weg und somit große Mühe auf

sich nehmen, um Hiob beizustehen. Als sie ankommen, ist Hiob derart

in Trauer, dass er nicht sprechen will und so harren sie sieben

Tage bei ihm aus, ohne zu sprechen. Anschließend versuchen sie ihm

andererseits aber mit durchaus kritischen Worten in seiner Situation

weiterzuhelfen. – Auch das kann man von einem Freund erwarten:

ehrliche Rückmeldung und Kritik. Denn, wer sagt schon jedem zu

jeder Zeit, was er sich wirklich über die Verhaltensweisen seines

Gegenübers denkt? Sehr oft ist es doch so, dass bevor wir unliebsame

Kritik direkt üben, lieber mit Dritten über die Schwächen anderer

reden. Das ehrliche, wenn auch harte Wort eines Freundes ist deshalb

Gold wert. Sir 22 zeigt uns, dass solche Kritik natürlich in Brüderlichkeit

geschehen soll und nicht in„BeschimpfungoderHochmut“.

Trotz all dieser richtigen Aspekte, meine ich, dass sich eine Freundschaft

immer zunächst aus schönen Erfahrungen, aus gemeinsamen

Sternstunden nährt und aus der Erfahrung, jemandem bedingungslos

vertrauen zu können. So schließe ich wieder mit Sirach„Füreinen

treuenFreundgibteskeinenGegenwert,seineKostbarkeitlässtsich

nichtaufwiegen“.

13


Eine mögliche Definition von:

Freundschaft

bezeichnet ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis

von Menschen zueinander,[¹] das sich durch Sympathie und Vertrauen

auszeichnet. Eine in einer freundschaftlichen Beziehung stehende

Person heißt Freund oder Freundin.¹

Mag.a Katharina

Brandstetter

Projektassistenz

von „Kirche weit

denken“ –

Zukunftsweg der

Katholischen

Kirche in

Oberösterreich

Ich nehme an, jede_r von uns, ob klein oder groß, kennt diese existenzielle

Suche nach Freundschaft, nach dieser einen perfekten Freundin

oder diesem einen perfekten Freund. Gerade für Kinder und

Jugendliche ist dieses Thema, Freundschaft schließen, zu einem

Freundeskreis gehören, die eine oder den einen verlässliche_n

Freund_in zu haben, lebenswichtig. Und auch Kinder und Jugendliche

wissen, dass 1400 Freund_Innen auf Facebook nicht wirklich

aussagekräftig sind, dass Freundschaft in erster Linie ein analoges,

ein reales Beziehungsgeschehen sein muss.

Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass mein Sohn in regelmäßigen

Abständen zu mir kommt und mich fragt: „Mama, wer ist momentan

deine allerbeste Freundin?“

Seine Frage deutet meistens daraufhin, dass er grad seinen allerbesten

Freund wechselt oder mit ihm gestritten hat.

Und abgesehen von dieser im Moment sehr lebenswichtigen Sache

für Frederik, muss ich schmunzeln, wenn ich als Mutter diese Frage

gestellt bekomme: Wer ist momentan deine allerbeste Freundin?²

Ich gehe in Gedanken durch, wer für mich die allerbeste Freundin im

Moment ist. Und ich komme immer auf ein nicht besonders überraschendes

Ergebnis: Verschiedene Facetten meines Lebens werden von

unterschiedlichen ganz wichtigen und allerbesten Menschen begleitet.

Die Sandkisten-Freundin, die Freizeit-Freundin, die plötzlich geschenkte

Freundin, die keine-Geheimnisse-Freundin, die Familien-

Freundin,…

Mein Sohn fragt mich aber nach der allerbesten Freundin. Was macht

die allerbeste Freundin aus? Was unterscheidet eine Freundin von der

allerbesten Freundin? Oder gibt es ab einem freundschaftlichen Verhältnis

keine Differenzierung mehr? Ist es als Erwachsene nicht mehr

angemessen von allerbester Freundin zu sprechen, weil man dadurch

andere Menschen kränken könnte?

14

Ich halte es für vermessen, eine Besten-Liste meiner Freundinnen zu

erstellen. Jede an sich ist für mein Leben existenziell.


Wäre die allerbeste Freundin diejenige, die nicht nur Facetten meines

Lebens begleitet, sondern mich ganz und gar annimmt? Nicht wegen

der guten Seiten an mir, sondern trotz aller schlechten?

Während ich diesen Text formuliere, sitze ich vor der Freundschafts-

Ikone (Jesus und sein Freund) in Taizé (Anm.: siehe Titelbild). Diese

älteste bekannte koptische Ikone aus dem 8.Jahrhundert zeigt Christus

und Abt Menas, der im 3. Jahrhundert nach seinem öffentlichen Bekenntnis

zum Christentum verhört, gefoltert und hingerichtet wurde.

In Taizé befindet sich eine Kopie, die Original-Ikone im Louvre.

Die Abbildung von diesem heiligen Abt Menas und Jesus, der seine

Hand sanft auf die Schulter des Heiligen legt, mutet wie ein Selfie

unter Freunden an.

Freré Roger, der Gründer von Taizé, sah in dieser Geste des Umarmens,

jene Freundschaft ausgedrückt, die Jesus jedem und jeder von

uns anbietet.

Die Freundschaft, die Jesus uns anbietet ist eine Freundschaft, die

nicht wegen einer besonders guten Eigenschaft, sondern trotz all der

schlechten Eigenschaften besteht.

Jesus, der uns einlädt, mit ihm ein Freundschafts-Selfie³ zu machen.

Er hält den Arm immer bereit, um ihn freundschaftlich und sicher um

uns zu legen, uns – und hier trau ich es mir sagen – allerbester

Freund zu sein.

Auch wenn es nicht wirklich im Trend liegt, Jesus als seinen allerbesten

Freund zu bezeichnen, ich bin überzeugt, hier handelt es sich um

jene Freundschaft, die uns den Druck rausnehmen könnte, auf unserer

Suche nach dieser allerbesten Freundschaft.

Jesus bietet uns in seiner freundschaftlichen Geste die Freundschaft

an, in der wir ganz wir selbst sein können, eine Freundschaft, in der

wir uns selbst annehmen können.

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Freundschaft [Stand 2019 10 24]

2 Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass allerbeste Freunde sowohl Frauen als auch

Männer sein können. Aber ich möchte hier wiedergeben, wie die Frage wirklich gestellt

wird.

3 Ein Selfie ist eine Fotografie in der Art eines Selbstporträts, oft auf Armeslänge aus der

eigenen Hand aufgenommen. [https://de.wikipedia.org/wiki/Selfie Stand 2019 10 25]

15


„Vielmehr habe ich euch Freunde genannt“

(Joh15,15)

Klemens Langeder

Seminarist

Freude und Friede sucht jeder Mensch. Unser Herz sehnt sich danach,

und eigentlich wissen wir nicht einmal warum. Es ist halt so,

und wir gewöhnen uns daran. Man sucht Freude und Friede in verschiedensten

Dingen. Man lernt aber mit der Zeit, dass es verschiedene

Varianten davon gibt. Manchmal entpuppt sich ein Versprechen

als Fehlschlag, und es raubt uns am Ende mehr Freude und Frieden.

Manchmal sind der Friede und die Freude nur oberflächlich und

auch schnell wieder weg. Manchmal sind sie aber doch tiefer. Diese

Variante, so glaube ich, sucht der Mensch eigentlich. Es ist eine Art

von Freude und Friede, die nicht in den Gefühlen sitzt, sondern unser

ganzes Wesen erfüllt. Ich glaube, dass diese Sehnsucht nicht zufällig

ist, sondern von Gott in uns eingepflanzt wurde, damit wir

etwas suchen. - Nämlich die Gemeinschaft mit Gott.

Der Weg, der uns zu dieser Gemeinschaft führt, ist uns in Jesus

Christus geschenkt (Joh 14,6). Er bietet uns seine Freundschaft an,

damit wir ihn immer besser kennen- und immer mehr lieben lernen.

Durch Ihn werden wir im Heiligen Geist zum Vater geführt. Diese

Aussage kann sich aber leicht etwas theoretisch anhören, darum

möchte ich dies aus der Lebensperspektive anschauen.

Das Fundament für die Freundschaft mit Christus finden wir in der

Heiligen Schrift. Die zweite Person der Dreifaltigkeit – durch den

alles geworden ist und ohne den nichts geworden ist – wurde Mensch

(Joh 1,2-14). Gott hat einen menschlichen Leib angenommen und ist

auf der Erde gewandelt – ganz Gott, ganz Mensch. Er ist gekreuzigt

worden, aber von den Toten auferstanden. Und dies ist die wunderbare

Nachricht, die wir in den Festzyklen im Jahreskreis immer wieder

betrachten.

Sie werden sich fragen, wo jetzt die Lebensperspektive ist, von der

ich gerade noch gesprochen hatte? Ich denke, dass „Zeit-miteinanderverbringen“

und „Das-Gute-für-den-Anderen-wollen“ zum Fundament

einer jeden Freundschaft gehören. Wenn Freundschaft mit

Christus möglich sein soll, dann muss auch sie auf einem stabilen

Fundament stehen. Dieses Fundament bieten die Heilige Schrift und

jene Grundwahrheiten des Glaubens aus dem letzten Absatz.

Der erste Teil meiner Freundschaftsbeschreibung – „Zeit-miteinanderverbringen“

– führt uns zum Gebet.¹ Der zweite Teil – „Das-Gutefür-den-Anderen-wollen“

– braucht das Kennenlernen des anderen.

In diesem Punkt ist es interessant und hilfreich, sich an ein paar Beispielen

anzusehen, wie Jesus und seine Jünger dies gelebt haben.

16

Dabei ist die Frage Jesu an die Jünger, für wen sie ihn halten (Lk 9,22)

ein erster Anhaltspunkt. Für Jesus war es wichtig, dass die Jünger ihn


ichtig kennen und verstehen, wer er ist. Die Lektüre der Evangelien

ist deshalb für mich von grundlegender Bedeutung, um eine Antwort

darauf geben zu können, wer Jesus für mich ist. Es ist ein Geschenk,

Jesus besser kennen zu lernen und auch eine große Freude.

Ein zweiter Anhaltspunkt ist für mich die Verklärung Jesu auf dem

Berg Tabor. Für die Jünger war Jesus ihr Rabbi, mit dem sie auch eine

Freundschaft verband (Joh 15,15). Ich stelle mir das so vor, dass sie

auf ihren Wanderungen rund um den See von Galiläa viel Zeit zu

Gesprächen hatten und sich so immer besser kennengelernt haben.

Sie waren sicher sehr beeindruckt davon, wie er über Gott, seinen

Vater und das Himmelreich sprach. Petrus hatte ihn zuvor schon als

Sohn Gottes bezeichnet, aber ich glaube nicht, dass er genau wusste,

was das bedeutet. Darum wollte der Herr den Jüngern dies deutlicher

zeigen und ließ seine göttliche Natur hervorleuchten (Lk 9).

Die Zeiten des Lesens und Betrachtens der Evangelien (Lectio Divina)

haben mir in den vergangenen Jahren am meisten geholfen, ein bisschen

besser zu verstehen, was es heißt, wenn wir Jesus als den Sohn

Gottes bekennen.

Im wünsche Ihnen, dass auch Sie immer weiter in die Freundschaft

mit Jesus Christus hineinwachsen dürfen.

1 Eine sehr gelungene Beschreibung des Gebets findet sich in: „Zeit für Gott“ von P. Jaques

Philippe, Parvis Verlag, 2014 (126 Seiten)

17


Bildung und Leben in Heiligkeit:

Priestersein nach John Henry Newman.

Univ.-Prof. Mag. Dr.

Roman A. Siebenrock

(Dies academicus,

Innsbruck, 27. 4. 2010)

18

„DieReligionscheintimmeramSterben,Spaltungenvorherrschend,

dasLichtderWahrheitfahl,seineAnhängerverstreut.DieSache

ChristiistimmerimTodeskampf.So,alsseiesnureineFrageder

Zeit,obsieheuteodermorgenendgültigscheitert.…DerTagdes

GerichtsistbuchstäblichimmerimAnbrechen;undesistunsere

Pflicht,immerdanachAusschauzuhalten,ohneEnttäuschungdarüber,daßwirschonsooftgesagthaben,jetztistderAugenblick‘…

SovielTrostgewinnenwirinderZwischenzeitausdem,wasbisher

gewesenist,nichtzuverzweifeln,nichtzuerschrecken,unsnichtzu

ängstigenüberdieSchwierigkeiten,dieunsumgeben;esgabsieimmer,eswirdsieimmergeben,siesindunserAnteil.“(ViaMediaI,

354f[Ende])

Angesichts der Untergangshymnen auf das Christentum in Europa ist

es gut, an jenen anglikanischen Priester, Oratorianer und Kardinal zu

erinnern, der wie kaum ein anderer gelebt und reflektiert hat, wie

Glauben unter den Bedingungen der Moderne verwirklicht wird.

Gerade in der Ausbildung der Priester heute wäre auf solche Priester

und Laien zu verweisen, die Intellektualität, sozialen Einsatz und

neue Formen von priesterlicher und christlicher Existenz vorlebten.

John Henry Newman (1801-1890) ist einer jener Persönlichkeiten.

Im Nährboden seiner Urerfahrung, dass „mein Schöpfer und Ich“ die

einzigen gewissen Wesen seien, entwickelt er ein christliches Leben

im Umkreis der evangelikalen Bewegung, das stets vom Bewusstsein

geprägt ist, eine Sendung von Gott verwirklichen zu sollen und daher

dem Ruf Gottes im eigenen Leben Priorität einräumt. Seit er sich 1822

zum Diakon weihen lässt, weiß er sich mit seiner ganzen Existenz für

„Seelen verantwortlich“. Als akademischer Lehrer bleibt er stets Seelsorger

und erneuert mit Freunden in der „Oxfordbewegung“ die Pastoral

aus der Überlieferung der alten Kirche und den katholischen

Traditionen der anglikanischen Kirche. Seine pastorale Verantwortung

prägt auch seine Arbeit als akademischer Lehrer an der Traditionsuniversität

Englands: Oxford. Hier prägt sich sein christliches

Ideal: Heiligkeit am Maßstab der alten Kirche, Kultur des Gentleman

und Bildung als unverzichtbares Kennzeichen von Glaubenden in

einem wissenschaftlichen Zeitalter. In allem aber geht es immer zuerst

um die Begegnung mit Menschen: „cor ad cor loquitur“. Dieses

Motto wählte er für sein Kardinalswappen und verband diese Innigkeit

mit Diskretion und jener notwendigen Freiheit, die allein der Ort

sein kann, dass Gott mit seinem Geschöpf handeln kann.

In diesem Zusammenhang entwickelt er seine Gewissenlehre, die

nicht nur moralischer Sinn und den Sinn für Pflicht umfasst, sondern

im Innersten des Menschen ein Ort der Gottes- und Christusbegegnung

umschreibt. Jede menschliche Person ist von dieser Unmittelbarkeit

zu Gott getragen, die von nichts und niemandem verletzt oder


gar ersetzt werden darf. Deshalb kann allein das Gewissen

der höchste Souverän im Leben sein: „Erst das

Gewissen und dann der Papst (oder der König)“,

lautet sein berühmter Spruch. Im Anspruch meines

Gewissens werde auch ich aus mir selbst herausgerufen

und begegne dem Echo der Stimme Gottes.

Daher haben alle Menschen das Recht, in der Religion

für sich zu sprechen und ihre Erfahrungen einzubringen.

Ohne freie und personale Glaubenszustimmung

wird es in Zukunft keinen Glauben mehr geben.

Personen zu stärken und zu begleiten, ist daher die

Aufgabe allen kirchlichen Dienstes.

Als Katholik findet er im Priesterideal des Oratoriums

nach Philip Neri eine kongeniale Lebensform. Eine

Gemeinschaft von Freunden, in der jeder durch die

Qualität der Beziehung für die gesamte Gemeinschaft

verantwortlich ist, kultiviert ein Ideal von Kirche in

Freiheit und Anerkennung. Dass diese Gemeinschaft

in einem armen Viertel von Birmingham, einer rasch

wachsenden Industriestadt, wohnt, war bald Grund

der Trennung der Gruppe um Faber. Diese schließt sich der Kirchenpolitik Mannings an,

der faktisch zum klaren Gegner Newmans wird und weswegen Newmans später schreiben

wird, dass er kein Vertrauen mehr zu kirchlichen Autoritäten haben wird. Manning setzt

sich ohne Rücksicht auf Verluste für die Unfehlbarkeit des Papstes ein. Newman hat das

Agieren dieser Gruppe als Tyrannei kritisiert. Denn die Autorität des Papstes (und damit

aller Verkündigung der Kirche) beruht nach innen auf der apostolischen Autorität der

Kirche und sowohl nach innen wie nach außen auf der unbedingten Anerkennung des

Gewissens und damit der Freiheit jedes Menschen. Deshalb können nicht nur Priester,

sondern auch alle Glaubenden allein durch ein Zeugnis überzeugen, das Heiligkeit,

Bildung und eine „Kultur des Gentleman“ miteinander verbindet.

Als Minderheit, in einer von Vorurteilen und Ablehnung geprägten Gesellschaft kann eine

Kirche, die in ihren Reihen Sünde und Schwächen natürlich nicht vermeiden kann, nur

durch die Glaubwürdigkeit der Personen überzeugen. Auch für den katholischen Kardinal

bleibt die Erfahrung des evangelikalen Christen gültig: Hinter Struktur, vergangener Größe

oder gar Privilegien kann sich heute niemand mehr verstecken. Nicht das Amt trägt die

Person oder ersetzt sie gar, sondern allein die Person gibt dem Amt Glaubwürdigkeit.

Auch ein Papst genießt nur jene Anerkennung, die er sich als Zeuge des Evangeliums und

als wirklich guter Hirte erwerben kann. Denn welche Macht hätte wohl ein Papst, wenn

ihm niemand zuhört? Und spräche er nicht in Achtung und eindringlicher Ehrfurcht zum

Gewissen, würde er jenen Boden zerstören, auf dem seine Autorität heute allein beruhen

kann.

Literaturhinweis: Leben als Ringen um die Wahrheit. Hrsg. von Günter Biemer und John D.

Holmes. Neu herausgegeben von Roman A. Siebenrock. Ostfildern: Grünewald-Verlag 2019.

ISBN: 978-3-7867-3205-1.

19


Der Vatikan - Zentrum der Katholischen Kirche

Lukas Hitzl

Seminarist

Manchmal scheint uns der Vatikan sehr weit entfernt, obwohl Rom

geografisch so nahe liegt.

Heuer hat mich die Studienreise der Fakultät in Innsbruck nach

Rom, genauer zur römischen Kurie, geführt. Dort hatte ich das

Privileg, Personen und Räumlichkeiten kennenzulernen, die ganz eng

mit dem Oberhaupt der Katholischen Kirche, dem Papst, zusammenarbeiten.

Dass auch dort nicht immer nur Harmonie und Himmel auf

Erden stattfindet, ist wohl bekannt. Außerdem steckt die Kurie mitten

in einer Reform. Das Schöne und Gute daran ist, dass hier viel Energie

investiert wird, um eine gute Reform durchführen zu können.

Und ich bekam so einen näheren Einblick in das Herz der Katholischen

Kirche.

Rom ist eine unheimlich beeindruckende Stadt, eine Stadt mit einer

langen Geschichte. Und zu dieser Geschichte gehört der Vatikanstaat

dazu. Aus einem ursprünglichen kirchlichen „Herrscherapparat“ im

11. Jahrhundert entwickelte sich ab dem späten 16. Jahrhundert das

Kongregationssystem unter der Bezeichnung „römische Kurie“. Sie

hat die Aufgabe einerseits den Papst in seiner Funktion der sichtbaren

Einheit der Kirche zu unterstützen und andererseits die Anliegen

der Weltkirche, also der einzelnen Kirchenprovinzen und Diözesen,

wahrzunehmen und im Sinne des Hl. Geistes zu bearbeiten. Wenn ich

20


mir das bewusstmache, dann scheint es mir, dass dies eine fast nicht

zu schaffende Aufgabe ist. Der Papst und seine Verwaltung, die in

Rom ihren Hauptsitz haben, sollen über eine Milliarde Katholiken

weltweit zusammenhalten! - Das ist nur möglich, wenn es einen regen

Austausch zwischen der Zentrale und den Teilkirchen gibt, wenn

gegenseitiges Verständnis der Teilkirchen vorhanden ist und das Miteinander

von Respekt und Demut getragen ist.

Man merkt aktuell, wie unterschiedlich sich die Teilkirchen in

Europa, Amerika, Afrika, Asien entwickeln, was mitunter auch zu

Spannungen und Auseinandersetzungen führt. In Afrika gibt es beispielsweise

einen enormen Aufschwung der Kirche, während sich in

Europa die Kirche schwertut, den Menschen ihre Lehre verständlich

zu machen. In China scheint es zwei Kirchen zu geben, eine „Staatliche“

und eine, die im Untergrund agiert. In Amerika ist die katholische

Kirche eine unter vielen christlichen Glaubensgemeinschaften.

Es wundert daher nicht, dass sich die Herausforderungen und Bedürfnisse

der Teilkirchen ganz unterschiedlich darstellen. Oft hat man

den Eindruck, in der Kirche geht einfach gar nichts weiter. Soll man

also einen eigenen Weg einschlagen, der den je eigenen Anforderungen

und Bedürfnissen gerecht wird? Oder ist es doch gut und richtig,

sich zu besinnen, Geduld von sich selbst zu fordern und gemeinsam,

wenn auch etwas träge, einen gemeinsamen Weg zu gehen? Diese

Fragen stellen sich die Gläubigen sicherlich nicht erst seit dem

21. Jahrhundert. Das sind Fragen, derer sich die Kirche immer schon

annehmen musste und an denen sie auch wachsen konnte. Und so

haben wir einen gewaltigen Erfahrungsschatz von zwei Jahrtausenden

Kirchengeschichte.

Die Diskussionen und Themen, die uns heute innerhalb und außerhalb

der Kirche beschäftigen, zeigen uns, wie lebendig und in Bewegung

vieles ist. Das Ringen um die Wahrheit zieht sich wie ein roter

Faden durch die Geschichte der Kirche und der Menschheit.

Beim Besuch der Kurie in Rom habe ich gemerkt, wie schwer es für

die Mitarbeiter der Kurie ist, allen Ansprüchen und Erwartungen gerecht

zu werden und dennoch eine einheitliche Kirche zu bewahren.

Sie müssen viele verschiedene Meinungen, Lebensumstände, Sichtweisen,

Positionen in ihre Reformüberlegungen einbeziehen und

dabei die Heilige Schrift und die Tradition nicht aus den Augen verlieren.

Mir ist bei der Studienreise bewusstgeworden, wie sehr wir als Kirche

abhängig sind von Gott und dass wir alle eine lebendige Beziehung zu

Gott brauchen.

21


Meine Jahresexerzitien

„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ (Mk 6,31)

Valentine

Okpalanochikwa

Seminarist

22

Freundschaft ist ein großes Thema in unserer heutigen Gesellschaft.

Jede und jeder Einzelne von uns braucht gute Freunde, die uns beistehen

und unterstützen in guten und schlechten Momenten. Doch

meiner Meinung nach ist es viel leichter Freundschaft zu schließen,

als sie zu pflegen. Darum unternehmen Ehepaare, Verlobte, Freunde

viel Interessantes z.B. an den Strand gehen, Rad fahren, in der Natur

sein, eine tolle Veranstaltung besuchen, etwas gemeinsam in der

Familie machen…

Auch das geistliche Leben braucht Pflege, Aufmerksamkeit und Auffrischung.

In den Ferien hatte ich Gelegenheit, Exerzitien zu machen.

− Mit geistlicher Begleitung also Rückschau zu halten, über die gegenwärtige

Situation nachzudenken und das Herz für das Kommende zu

öffnen. - Im Schweigen, in Stille und im Da-sein vor Gott. Insgesamt

zehn Teilnehmer begannen am 16. Juli im Exerzitienhaus in Attnang-Puchheim ihre Exerzitienwoche.

Begleitet wurden wir von P. Joseph Kazda SJ und Sr. Johanna Siller SDS.

Täglich hatten wir die Möglichkeit zum Austausch über die Betrachtung der Bibelstellen,

die uns gegeben wurden. Wir feierten die Hl. Messe und machten in der Früh verschiedene

Bewegungsübungen. Ein gesunder Mensch braucht sowohl Ruhe und Stille, als auch

Bewegung und Aktion.

Exerzitien sind geistliche Übungen und entsprechen

dem, was Jesus während seiner Lebenszeit

gemacht hat. Bevor er sein öffentliches Wirken begann,

lebte er 40 Tage in der Wüste. Wenn er von

öffentlichen Einsätzen zurückkam, suchte er immer

wieder einsame Orte, um zu beten (vgl. Mt 14,23;

Mk 1,35; Lk 4,42). Das war auch unsere Erfahrung

bei den Exerzitien. Am ersten Tag durften wir in

die Natur, um zu erleben wie wunderschön Gottes

Gegenwart in der Welt ist. Anschließend wurden

wir gebeten, uns von der Welt möglichst abzuschalten,

damit wir sowohl zur inneren als auch äußeren

Ruhe kommen konnten.

Jesus hat es getan und er fordert uns auf, dasselbe

zu tun. In Mt. 6,6 heißt es: „Wenn du betest, geh

in deine Kammer, schließ die Tür; dann bete zu

deinem Vater, der im Verborgenen ist!“ Eine ähnliche

Stelle findet sich auch im Alten Testament, wo Elija den Herrn im Sturm, im Erdbeben,

im Feuer gesucht hat, ihn aber schließlich im sanften leisen Säuseln des Windes

gefunden hat (vgl. 1 Kön 19,11-13).

In unserem alltäglichen Leben unternehmen wir viel Gemeinsames mit unseren Geliebten

/Freunden, aber wir sollten nicht vergessen, auch unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen,

uns immer wieder geistlich zu erholen und Gott um Kraft für das tägliche Leben zu bitten.


Sozialpraktikum im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder

Im Sommer hatte ich die Gelegenheit, vier Wochen auf der Akutgeriatrie

im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder zu arbeiten. Diese

Arbeit erinnerte mich an mein einjähriges Praktikum im „Regina Caeli

Hospital and Maternity“ nach meinem Abschluss des Knabenseminars.

Auf der Akutgeriatrie der Barmherzigen Brüder arbeitete ich als

Abteilungshelfer. Hier sind hauptsächlich alte Menschen, die sich

nicht mehr alleine helfen können, die Schwierigkeiten beim Gehen

haben oder krank sind. Für mich als Seminarist war es eine wertvolle

Gelegenheit, mit alten Menschen zu arbeiten, ihre Ansichten, Sorgen,

Leiden zu teilen, sie zu trösten und in ihnen die Freude und Hoffnung

auf Genesung zu wecken und zu stärken.

Nichodemus Okoye

Seminarist

Meine Aufgabe war es, in den Zimmern die Gegenstände und Materialen für die Arbeit der

Ärzte/Ärztinnen und Krankenpfleger/-innen vorzubereiten. Ich durfte den PatientInnen

auch das Essen und Getränke servieren und manche Reinigungsarbeiten machen.

Ich hatte auch manchmal die Möglichkeit, Gespräche mit den PatientInnen zu führen.

Das Praktikum war für mich eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, verschiedene

Lebensgeschichten zu sehen und zu hören, mit

Hilfsbedürftigkeit umgehen zu lernen und auch

meine deutsche Sprache und den Dialekt zu verbessern.

Ich möchte sagen: das Gesundheitssystem in Österreich

ist hoch entwickelt. Die Menschen kommen

mit großen Hoffnungen ins Krankenhaus und erhalten

die beste Behandlung. Sehr lobenswert ist der

Dienst der Ärzte/Ärztinnen und KrankenpflegerInnen.

Ein Beispiel: Während des Mittagessens im

Restaurant des Krankenhauses gab es einen Alarm.

Blitzschnell sprangen einige Ärzte/Ärztinnen und

Krankenpfleger/-innen auf. Ein Kollege erklärte mir,

dass dies ein Herzalarm war und das bedeutet, dass

sich jemand in einer Notsituation befindet.

Ich danke der Leitung des Krankenhauses für die

Möglichkeit dass ich das Sozialpraktikum und all

die wertvollen Erfahrungen machen konnte.

Die Arbeit im Krankenhaus hat mich angeregt,

über den Wert des Lebens nachzudenken und Gott

für das Leben und die Gesundheit

zu danken.

23


Neu im Priesterseminar

Mein Name ist Alex Matovu Bukenya

und ich wurde am 27. Juni 1991 als erstes

von sechs Kindern geboren. Ich komme

aus Uganda (Ost-Afrika), in dessen

Hauptstadt Kampala meine Familie lebt.

Ich bin in einer stark katholischen Familie

aufgewachsen. Die Sonntagsgottesdienste

und Gebete haben in meiner

Familie eine wichtige Rolle gespielt. Ab

und zu hatten wir zu Hause eine heilige

Messe für besondere Anliegen und ich

war Ministrant beim Gottesdienst. Ich

war immer von den Handlungen des

Priesters fasziniert.

Nach einem Gespräch mit meinen Eltern

und einem Gespräch mit dem Rektor des

Knabenseminars bin ich mit 10 Jahren

ins Knabenseminar eingetreten. Meine

ganze Schulzeit habe ich in Uganda im

Knabenseminar und Priesterseminar verbracht.

Dort habe ich auch Klavier und

Orgel gelernt, weshalb ich mich nach

meinem Philosophie-Studium im Priesterseminar

in Nord-Uganda im Jahr 2015

entschlossen habe, in Deutschland Kirchenmusik

mit Schwerpunkt Orgel und

weiter Theologie zu studieren.

Im Jahr 2017 habe ich eine Unterstützung vom Stift Kremsmünster

bekommen, um Theologie und Orgel hier in Linz studieren zu können.

Ich bin jetzt im fünften Semester an der KU Linz und studiere

gleichzeitig Orgel bei Prof. Wolfgang Kreuzhuber am Konservatorium

Linz.

Nachdem ich meine Berufung zum Priestertum weiterhin gespürt

hatte, bin ich nach zahlreichen Gesprächen mit P. Bernhard Eckerstorfer

OSB und vielen Gebeten ins Priesterseminar Linz gekommen,

um das Leben im Priesterseminar kennenzulernen. Nach sechs Monaten

als Gast im Priesterseminar meldete ich mich bei Regens Michael

Münzner. Ich bin dankbar, aufgenommen worden zu sein. Vor ein

paar Wochen habe ich mit dem Propädeutikum begonnen.

24

Ich bitte Sie/euch um das Gebet für mich und meine Mitbrüder im

Propädeutikum.


Chronik

Priesterweihe von Johannes Hofer

Am Samstag, 29. Juni 2019, dem Hochfest

der Apostel Petrus und Paulus, wurde um 10

Uhr Johannes Hofer im Linzer Mariendom

von Bischof Manfred Scheuer zum Priester

geweiht.

In seiner Predigt legte Bischof dem Weihekandidaten

besonders die Dankbarkeit ans

Herz. Er sagte: „Die Dankbarkeit und Freude

über das Wirken Gottes an uns ist das

Fundament von Berufung. Dankbarkeit

befreit uns von dem zwanghaften und verfehltenBemühen,Berufung,aberauchStrukturen,

Prozesse oder die Zukunft selbst

„machen“ zu wollen bzw. zu müssen. Dankbarkeit

hat eine befreiende Wirkung. Sie

befreit von selbstbezogener Enge und Ängsten;

sie öffnet den Blick auf andere. Dankbarkeit

blickt nie bloß zurück, sondern bewährt

sich im Vorausblick. Dankbarkeit auf Zukunft

gerichtet ist Hoffnung.“

Wir wünschen unserem Neupriester viel

FreudeanseinerBerufungundGottesSegen

für sein Wirken als Priester.

Planungstage mit Brückefest

Michael Münzner

Das heurige Brückefest am Ende des Studienjahres

begann mit einer Dom(fenster)führung.

Dompfarrer Max Strasser gab uns so

einenEinblickineinpaarwichtigeEreignisseunsererDiözesangeschichte.Eslohntsich

auf jeden Fall den Blick zu erheben, denn

vielleichtfindetsichindenFensternjaauch

ein verewigter Urahn in den dargestellten

Figuren… Nach dem gemütlichen Grillen

im Seminargarten bei herrlichem Sommerwetter

verabschiedeten wir Rafael Fesel,

25


Chronik

Alte Betten, alte Lampensysteme, diverse

Überbleibsel.IndiesenSommerferienkonnte

ich den Hausmeistern bei der Entrümpelung

des Dachbodens helfen. Es war ein interessanter

und manchmal lustiger Einblick in

vergangene Tage des Priesterseminars. Alles

in allem ist viel geschehen. Der Dachboden

ist nun fit für die nächste feuerpolizeiliche

Inspektion.

Klemens Langeder

Pfarrpraktikum

Zur Ausbildung gehört es auch, über die

eigenen Pfarrgrenzen hinaus kirchliches Leben

kennenzulernen. Ich durfte dazu im

September drei Wochen im wunderschönen

St. Georgen im Attergau verbringen und

erhielt Einblick in eine große, lebendige

Gemeinde und das Leben eines Pfarrers.

Pfarrpraktikum in Mondsee

Florian Sachsenhofer

einen Mitbewohner in unserer Hausgemeinschaft

im vergangenen Jahr. Er wird in Turin

das Noviziat bei den Salesianer Don Boscos

machen.

Florian Sachsenhofer

Hausarbeiten im Priesterseminar

26

Mondsee ist an sich ein bekannter Ort. Die

Pfarre Mondsee ist eine sehr dynamische

und lebendige Gemeinde. Seit knapp einem


Chronik

Jahr darf ich die Pfarre Mondsee regelmäßig

aufsuchen. Im Sommer habe ich dort ein

Praktikum absolviert. Schwerpunkt waren

Führungen durch die Basilika minor, die

eine knapp 1300-jährige Geschichte erzählt.

Bei dieser interessanten Tätigkeit wurde

mein Sinn für den sakralen Raum geschärft,

wobei ich auf viele spannende und zum Teil

lustige Details gestoßen bin. Ich kann einen

Ausflug in das wunderschöne Mondseeland

und besonders einen Besuch in der Basilika

undbeimSeligenAbtKonradII.nurherzlich

empfehlen.

Lukas Hitzl

Neue Mitarbeiterinnen

im Priesterseminar

Frau Fahrija Karadza (re. im Bild) und Frau

Simona Ciungu (li. im Bild) haben in den

vergangenen Monaten als Reinigungskräfte

bei uns im Priesterseminar begonnen. Wir

freuen uns, dass sie nun mithelfen, unser

HaussauberzuhaltenundfürdieSeminaristen,dieBewohnerunddievielenGästeeinen

guten Ort zu gestalten, an dem man sich

wohlfühlen kann.

Michael Münzner

Einführungstage für

das Propädeutikum

Nicht nur die Schule und das Studium

haben im Oktober wieder begonnen, sondernauchdasPropädeutikum.Heuerdurfte

ich die sieben neuen Seminaristen aus ganz

Österreich, darunter auch Alex Matovu für

unsere Diözese, bei den Einführungstagen

Mitte September begleiten. Nach dem Kennenlernen

am ersten Nachmittag gab es eine

erste Orientierungsrunde durch die Stadt

mit Ausklang an einer Strandbar an der

Donau.DerzweiteTagwurdefürallgemeine

Informationen zum Ablauf des Propädeutikums

genutzt. Am Abend des zweiten Tages

wurde der bisherige Spiritual Dr. Stefan Ulz

mit Dankesworten feierlich verabschiedet.

Am letzten Vormittag war die Anmeldung

an der KU Linz für den Griechisch-Kurs

vorgesehen. Danach traten die Teilnehmer

die Heimreise an.

Lukas Hitzl

Seminarfahrt nach Bergamo

Zur Einstimmung auf das neue Studienjahr

verbrachten wir Ende September einige

Studientage miteinander. Heuer hatten wir

die Gelegenheit mit Eugen Giselbrecht, der

zwölf Jahre das Pastoralamt der Diözese

27


Chronik

Feldkirch leitete, die Heimat von Papst

Johannes XXIII. in Sotto Il Monte in der

NähevonBergamozuentdecken.Derheitere

und tieffromme Heilige hat unsere Kirche

mit der Einberufung des Zweiten Vatikanischen

Konzils geprägt wie wenige zuvor. Die

einfachen Verhältnisse, aus denen er stammte

und die Schwierigkeiten, die er auf seinem

Weg zu überwinden hatte, erinnern an

König David und lassen staunen über einen

Gott, der „auf das Herz sieht“ (1 Sam 16,7)

und eine Kirche, in der der Geist Gottes auf

so wunderbare Weise wirkt.

Florian Sachsenhofer

Studienjahreröffnung

Mit einem Gottesdienst in der Priesterseminarkapelle

und einem anschließenden Festvortrag

von Generalvikar Univ.-Prof. DDr.

Severin Lederhilger zum Thema „Tradition -

Reform - Innovation. Überlegungen zum

Zukunftsweg der Diözese Linz“ wurde am

Montag, dem 30. September 2019 das akademische

Studienjahr 2019/20 an der Katholischen

Privat-Universität Linz eröffnet.

Michael Münzner

Das Priesterseminar Linz hat auch eine eigene Homepage. Hier können sie

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STRATEGIE

KREATION ONLINE FILM

3D

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Die Freundschaft kann nicht gesucht,

nicht erträumt, nicht begehrt werden;

sie wird ausgeübt.

Simone Weil

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