03 | 2019 msg Studienband

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IT-KONSOLIDIERUNG IN DER ÖFFENTLICHEN VERWALTUNG

Zusammenfassung

Verlagerung von IT-Aufgaben auf IT-DLZ

Die Konsolidierung durch Verlagerung von IT-Aufgaben auf IT-DLZ ist in den Ländern

und Großstädten weit vorangeschritten. Bei der IT-Konsolidierung Bund hingegen waren

nur bei Behörden der Gründungsressorts BMF, BMI und BMVI Fortschritte gegenüber

2017 zu verzeichnen.

Wesentliche Hindernisse bei der Verlagerung von IT-Aufgaben auf IT-DLZ und damit

auch die zentralen Kritikpunkte der Fachbehörden sind die immer noch unzureichende

Servicequalität und die Befürchtung, keinen Einfluss auf die Priorisierung ihrer

Anforderungen zu haben.

Erfolgsfaktoren für die Zukunft der IT-DLZ

Unzureichende Investitionen in die IT-Systeme sind die Ursache für einen massiven

Investitionsstau. Die dezentralen Entscheidungen von Ressorts und Verwaltungsebenen

über ihre jeweiligen IT-Systeme führten zu einer sehr heterogenen, komplexen

IT-Landschaft in der öffentlichen Verwaltung Deutschlands. Die IT-DLZ haben in den

letzten Jahren massive Anstrengungen unternommen, um ihr Leistungsportfolio, ihre

Organisation und ihr Personal zu stärken. Doch dauern diese Veränderungen in vielen

Fällen länger als geplant und erfordern mehr finanzielle Mittel als vorgesehen. Die

Veränderungen gegenüber 2017 zeigen jedoch: Der eingeschlagene Professionalisierungsweg

der IT-DLZ ist richtig.

Die Personalgewinnung bleibt speziell für die IT-DLZ schwierig. Mittlerweile haben

allerdings viele der befragten IT-DLZ erfolgreich Maßnahmen eingeführt, um Nachwuchskräfte

zu gewinnen. Durch attraktive Ausbildungsangebote in Zusammenarbeit

mit lokalen Hochschulen, durch verbesserte Aufstiegsmöglichkeiten und Zulagen für

IT-Fachkräfte gelingt es den IT-DLZ, Schulabgänger und -abgängerinnen zu gewinnen

und zu halten. Damit lässt sich zumindest mittelfristig der Engpass bei IT-Führungskräften

mildern.

Faktisch steuern derzeit externe Berater und Beraterinnen viele Konsolidierungsvorhaben.

Diese Abhängigkeit von Beratungsunternehmen und die hohen Kosten werden

aktuell in der politischen Diskussion stark kritisiert. Die Lösung kann nur darin

bestehen, die IT-DLZ mit entsprechend dotierten Stellen auszustatten, um zumindest

mittelfristig Schlüsselfunktionen mit eigenem, gut qualifiziertem Personal zu besetzen.

Die Fachbehörden als Kunden tragen immer noch sehr heterogene Anforderungen an

die IT-DLZ heran. Der Betrieb unterschiedlicher Systeme belastet die IT-DLZ weiterhin

massiv. Eine konsequente Standardisierung ist der einzig gangbare Weg, um die Komplexität

durch den entstandenen Wildwuchs an unterschiedlichen Technologien und

Systemen zu reduzieren und die IT insgesamt beherrschbar und bezahlbar zu halten.

Die meisten IT-DLZ sind aus klassischen Behördenstrukturen heraus entstanden und

damit durch eine funktionale Organisationsstruktur geprägt. Um die Servicequalität für

die Fachbehörden zu verbessern, müssen die IT-DLZ ihre Organisationsstrukturen zu

einer prozessorientierten Organisation entwickeln, die sich an üblichen Standards wie

ITIL orientiert.

Die Rechtsform bleibt ein entscheidender Faktor für die Handlungsfähigkeit der IT-DLZ.

Die bestehenden IT-DLZ sind zumindest auf Bundes- und Landesebene meist als Behörden

organisiert. Sie unterliegen den Vorgaben der Kameralistik, der Stellenplanung

und der direkten Steuerung eines Ressorts. Durch die Abhängigkeit von der Haushaltsplanung

können die IT-DLZ nur begrenzt in langfristige Innovationen investieren.

Sie sind stark abhängig von politischen Entscheidungen, welche allerdings oft stärker

durch die Zyklen der Legislaturperioden beeinflusst werden als durch fachliche oder

technische Notwendigkeiten.

Fazit

Die Komplexität der IT-Konsolidierung in der öffentlichen Verwaltung haben die Beteiligten

unterschätzt. Gleichzeitig ist den Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung

bewusst, dass die IT-Konsolidierung als Grundlage der digitalen Transformation im öffentlichen

Sektor weiter voranzutreiben ist, auch wenn dies mehr Geld und Zeit erfordert.

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