Berliner Zeitung 15.11.2019

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Niemals geht man so ganz: Uli Hoeneß dankt ab – Seite 3

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Seite 26

4°/12°

Wenig Sonnenschein

Wetter Seite 28

Paris protestiert

gegen Polanski

Panorama Seite 28

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Die Gewinne der Berliner

Landesunternehmen

Made in Berlin Seite 6

Freitag,15. November 2019 Nr.266 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Warum die Grünen auf

den Kapitalismus setzen

Politik Seite 4

Sprecherin

Plötzlich

in der

SPD

VonElmar Schütze

Manchmal muss man über seinen

eigenen Schatten springen

–und sei es für sein eigenes berufliches

Fortkommen. Also trat

Claudia Kintscher kürzlich in die

SPD ein, obwohl sie eine Parteimitgliedschaft

als „bisher eigentlich

nicht vereinbar mit meinem Beruf“

erachtet hatte. Doch nur so, sagt

Kintscher wahrscheinlich völlig zu

Recht, konnte sie

sich erfolgversprechend

auf

die vakante

Stelle einer Sprecherin

der Berliner

SPD bewerben.

Den Job hat

sie bekommen,

Claudia Kintscher an diesem Freitag

tritt Claudia

ist die neue Sprecherin

der SPD Berlin. Kintscher ihren

Dienst an.

Die 50-Jährige stammt aus einer

„eher sozialdemokratischen Familie“

(immerhin!) aus Bonn, wo sie Japanologie,

Politologie und Volkswirtschaft

studiert hat. Seitdem hat

sie stets im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

gearbeitet. Angefangen

hat sie bei Komba, einer

Fachgewerkschaft für Beschäftigte

der Kommunen. 2007 kam sie mit

Komba nach Berlin, 2013 wechselte

sie hier zur Fachgemeinschaft Bau,

einem Verband der Bauindustrie.

Ausgerechnet, möchte man jetzt

sagen, denn die Fachgemeinschaft

Baugehörtseit Jahren zu den schärfsten

Kritikernder auf Regulierung setzenden

Wohnungsbaupolitik des rotrot-grünen

Senats – also auch des

neuen Mietendeckels. Und nun

wechselt Kintscher ausgerechnet zur

SPD,Anführer der Koalition. „Warum

nicht?“, fragt sie, dakönne sich doch

ihre Expertise auf der anderen Seite

gleich gewinnbringend einbringen.

Bisher kann Claudia Kintscher

freilich noch gar nicht wissen, welche

Expertise ihr neuer Arbeitgeber

am nötigsten hat. Die Partei steckt

auch in der Bundeshauptstadt noch

immer im Umfrageloch. Und das,

obwohl sie mit Michael Müller bekanntlich

den Regierungschef stellt.

Aber auch Müllers eigene Sympathiewerte

sind bescheiden.

Wie eng Kintscher künftig mit

Müller zusammenarbeiten wird, um

„unglaublich viel gestalten zu können“,

wie sie sich vorgenommen hat,

wird sich zeigen. Bisher war die Senatskanzlei

das absolute Machtzentrum

der SPD, die Zentrale im Kurt-

Schumacher-Haus in Wedding

spielte öffentlich keine große Rolle.

Wird Teslas Gigafactory 4in Brandenburg abgehen wie eine Rakete? Tesla-Chef Elon Musk ist auch Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX.

VonTorsten Harmsen

Der US-amerikanische Visionär

Elon Musk beschäftigt

seit Tagen Berlin

und Brandenburg. Er

ist nicht nur Mitbegründer von Internetfirmen

wie Paypal und Chef

des 2002 gegründeten privaten

Raumfahrtunternehmens SpaceX,

das irgendwann Menschen zum

Mars bringen will. Nun will sein

Elektroauto-Unternehmen Tesla im

brandenburgischen Grünheide im

großen Stil E-Autos, Antriebsstränge

und Batterien bauen. In Berlin wiederum

soll ein Forschungs- und Entwicklungszentrum

entstehen. Doch

was bedeutet die Ankündigung Elon

Musks für die Region, abgesehen von

der Debatte um Arbeitsplätze?

Teslas sogenannte Gigafactory 4

könnte den generellen Wandel der

deutschen Autoindustrie in Richtung

Elektromobilität unterstützen,

sagt der Innovationsexperte Dietmar

Harhoff. „Das bringt Wind rein, das

hilft uns,innovativer zu werden“, erklärte

der Direktor des Münchner

Max-Planck-Instituts für Innovation

und Wettbewerb.

Wie der Klimaforscher Hans Joachim

Schellnhuber jüngst der Berliner

Zeitung sagte, könnte Brandenburg

mit seiner Nähe zu Berlin „ein

Der große Schub

Es geht um mehr als Autos und Tesla: WieElonMusk

eine neue Technik-Begeisterung in Deutschland weckt

führendes Innovationsland für Nachhaltigkeit

in Deutschland werden“.

Ministerpräsident Dietmar Woidke

(SPD) verwies bereits auf verfügbaren

Ökostrom im Land, der Tesla neben

anderen Dingen bewegt habe, sich

für Brandenburgzuentscheiden. Mit

der Ansiedlung der Tesla-Gigafactory

würde Berlin-Brandenburgzueinem

Zentrum für die Verkehrswende in

Europa werden, meint Jan Hinrich

Glahr, Landesvorsitzender Berlin-

Brandenburg des Bundesverbandes

WindEnergie (BWE).

„Die Tesla-Gigafactory zeigt: Wir

brauchen den Windstrom, der hier

bei uns in Brandenburg erzeugt

wird“, sagt Glahr. „Die Landesregierung

darfden Ausbau der Windenergie

daher nicht weiter bremsen.“ Von

der Größenordnung her wäre Teslas

„Das bringt Wind rein,

das hilft uns,

innovativer zu werden.“

Dietmar Harhoff,

Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts

für Innovation und Wettbewerb

Gigafactory 4ein guter Motor für die

Transformation, die mit dem Ende

des Kohlezeitalters in der Region in

Gang kommen soll. ZumVergleich: In

der Lausitzer Braunkohle sind derzeit

etwa 8000 Menschen beschäftigt. Die

geplante Tesla-Fabrik in Grünheide

könnte am Ende bis zu 7000 Stellen

haben. Und ein industrieller Ersatz

für die Braunkohleindustrie wird bereits

seit langem gesucht. Auch besäße

das Land mit dem Lausitzring

eine ideale Teststrecke für E-Fahrzeuge

vonTesla.

Mit Teslas Werk und dem Entwicklungszentrum

könnte Berlin

seine Rolle als Technologie-Standort

ausbauen. Unter anderem bei der

Batterieforschung. Die Technische

Universität (TU) Berlin besitze hier

„eine weitreichende Expertise, von

IMAGO IMAGES

der Material-, Elektroden- und Zellherstellung

bis hin zum Recycling“,

teilte die TU am Donnerstag mit. Sie

sei Partnerin des deutschlandweiten

Kompetenznetzwerkes Lithium-Ionen-Batterien

(Klib). Die Forschung

könnte befeuert werden vom Engagement

Elon Musks in der Region.

Denn Tesla ist führend bei der Entwicklung

leistungsfähiger Batterien.

Erst im September beschrieb eine

von Tesla unterstützte Forschergruppe

an der Dalhousie University

im kanadischen Halifax die Entwicklung

einer Lithium-Ionen-Batterie,

mit der ein E-Auto mehr als 1,6 Millionen

Kilometer –etwa 40-mal um

die Erde –fahren und rund 4000 Ladezyklen

überstehen könne. Eingesetzt

werden könnte sie in „Robotaxis“

und Langstrecken-E-Lastern,

wie sie Teslaentwickelt.

Wenn der Produktions- und Forschungsstandort

erst einmal gebaut

und entwickelt ist, wäre sicher vieles

denkbar.Denn neueste Technologien

werden nicht nur für Autos gebraucht.

In seinen beiden US-Gigafactorys

in Nevada und NewYorkentwickelt

Tesla etwa auch Akkus für stationäre

Stromspeicher – etwa auf

Häusern –sowie Solarziegel und Fotovoltaik-Module.

Die Region Berlin-

Brandenburg könnte davon profitieren.

(mit dpa) Tagesthema Seite 2

Bundestag

schafft Soli für

fast alle ab

Vorallem Familien

werden entlastet

Die meisten Bundesbürger müssen

von 2021 an keinen Solidaritätszuschlag

mehr zahlen, beschloss

der Bundestag am Donnerstag.

Nur die einkommensstärksten

3,5 Prozent der Steuerpflichtigen

werden weiterhin voll zur Kasse gebeten.

Dazwischen ist es nach Einkommen

gestaffelt. Der Abbau sei

möglich, weil die Deutsche Einheit

weit vorangekommen sei, sagte Finanzminister

Olaf Scholz (SPD).

Der Soli war als Sondersteuer vor

allem für den Aufbau Ostdeutschlands

nach der Wende eingeführt

worden. Er beträgt 5,5 Prozent der

Körperschaft- und der Einkommensteuer,

imvergangenen Jahr brachte

er 18,9 Milliarden Euro Einnahmen.

Durch den Teil-Abbau nimmt der

Bund ab 2021 rund 10,9 Milliarden

Euro weniger ein.

Ab welchem Einkommen künftig

noch Soli fällig wird, kann man nur

ungefähr sagen, da es bei der Einkommensteuer

unterschiedliche

Freibeträge etwa für Kinder oder verheiratete

Paare gibt. Laut Finanzministerium

wirdeine Familie mit zwei

Kinderninetwa bis zu einem Jahresbruttolohn

von 151 000 Euro voll

entlastet, Singles bis zu einem Jahresbruttolohnvon

rund 73 000 Euro.

Besonders Steuerzahler mit mittlerenEinkommen

profitieren.

Der Streit um den Rest-Soli geht

aber weiter. Der Präsident des Bundesverbandes

mittelständische

Wirtschaft, Mario Ohoven, kündigte

eine Verfassungsbeschwerde an. Vor

allem Unternehmer, Selbstständige,

aber auch gut verdienende Facharbeiter

würden weiter belastet. „Der

Soli ist somit eine Strafsteuer für die

Mitte der Gesellschaft“, sagte Ohoven.

Ähnlich sieht es die FDP.Die AfD

hält die Abgabe für eine verkappte

Vermögenssteuer. (dpa)

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2* Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Tagesthema

Tesla

Berlin

Erfolg

mit

Zweifeln

VonElmar Schütze

Auch Tage nach der überraschenden

Ankündigung des

kalifornischen Unternehmers

Elon Musk, in Berlin ein Entwicklungszentrum

seines ElektroautobauersTesla

eröffnen zu wollen,

gibt es viele Fragen und kaum

Antworten. Bis heute weiß niemand

in der Stadt, was Tesla in

Berlin an Infrastruktur, Räumlichkeiten

oder möglichen Kooperationen

mit anderen Unternehmen

oder Universitäten brauchen

könnte. Gleichzeitig erscheint

eine vermeintlich

gemeinsame Ansiedlungspolitik

für die viel beschworene Metropolregion

Berlin/Brandenburg in

einem schummrigen Licht.

Wirtschaftssenatorin Ramona

Pop hörte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus,

wie die Ankündigung

Musks für Berlin fast einhellig

begrüßt wurde. Selbst die

oppositionellen Wirtschaftspolitiker

Christian Gräff (CDU) und

Florian Swyter (FDP) sprachen

von einem großen Erfolg, einzig

Christian Buchholz von der AfD

zweifelte die wirtschaftliche Seriösität

der Amerikaner an.

Doch wer hat eigentlich einen

Erfolg errungen? CDU-Mann

Gräff ließ kein gutes Haar an Senatorin

Pop. Diese verhöhne die

Automobilindustrie und leiste der

Dienstleistungs- und Innovationsmetropole

Berlin damit einen

Bärendienst. Zudem lasse sie eine

Investorenfeindschaft zu, setze

sich nicht „gegen Ihre Fundis in

Kreuzberg“ durch, präsentiere

sich insgesamt „ohne Mut und

Leidenschaft“. FDP-Kollege Swyter

legte den Finger in eine andere

Wunde: „Die herzlichen Glückwünsche

gehen nach Brandenburg“,

dort sei man mit Tesla

schon handelseinig. In dem Zusammenhang

kritisierte Swyter,

dass eine gemeinsam orchestrierte

berlin-brandeburgische

Ansiedlungspolitik nicht zu erkennen

sei. „Mehr Kakophonie

kann man sich gar nicht vorstellen“,

sagte Swyter.

Doppelte Überraschung

Erinnertsei an eine Äußerung aus

der brandenburgischen Landesregierung

vom Mittwoch: „Wir

wundernuns immer noch, wie es

uns gelungen ist, die Sache so

lange unter der Decke zu halten.“

Kunststück, wenn man das deutlich

größere Stück des Tesla-Kuchens

in sein Land geholt hat.

Berlin wurde dabei offenbar

gleich doppelt überrascht. Weder

wusste man vom Fabrikbau in

Brandenburg, noch von einer geplanten

Investition in Berlin.

Dennoch sagte Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop amDonnerstag:

„Berlin und Brandenburg ergänzen

sich mit ihren Stärken.“

Der eine habe die Dynamik der

innovativen Großstadt, der andere

die Fläche. Das bedeute:

„Eine gemeinsame Metropolregion

ist gut für beide Länder.“

Ähnlich wolkig klingt, was in

der nahen Zukunft im Fall Tesla

aus Berliner Sicht zu tun sei. „Wir

sind im Austausch mit Tesla und

schauen jetzt gemeinsam mit der

Wirtschaftsförderung Berlin Partner,

was die Bedürfnisse sind“,

heißt es aus Pops Verwaltung. Mal

schauen, wann die erste Berliner

Delegation nach Kalifornien fliegt

und die Stadt dortinden schönsten

Farben zeichnet. Ob dabei

auch nur einmal Brandenburgerwähnt

wird, ist die Frage.

Elon Musk will seine Gigafactory in der Gemeinde Grünheide bauen.

Dort ist die Freude groß. Doch die Bürger spüren, dass sich vieles ändern wird.

Das Tesla-Werk? DerBesitzer

des Autohofs winkt

ab. Wieder ein Reporter.

„Die kommen hier im

Halbstundentakt vorbei und fotografieren

alles, ohne mich zu fragen“,

sagt er.Mehr will er dann auch

nicht erzählen. Außer, dass er doch

erstmal anfangen soll, der Elon

Musk. Unddass an der Ladesäule für

Elektroautos noch nie jemand getankt

hat. Jedenfalls hatte der Mann

den richtigen Riecher.

Freienbrink ist ein Gewerbegebiet

sieben Kilometer südwestlich

von Grünheide, direkt am östlichen

Berliner Ring. Früher betrieb die

Stasi hier eine Anlage, wo sie die

Habseligkeiten ausgereister und geflüchteter

DDR-Bürger verteilte und

West-Pakete durchsuchte und plünderte.

Heute unterhalten hier Lidl

und Edeka riesigeVerteilzentren. Die

Bahngleise sind überwuchert oder

längst abgetragen, die Seitenstraßen

enden an Betonblöcken, dahinter

beginnt der Kiefernwald. Es ist einer

dieser Orte, der schon längst hätte

erblühen sollen und wo ziemlich

lange doch ziemlich wenig passierte.

Aufder anderen Seite der Landesstraße

38 ist die Fläche,die schon vor

zwanzig Jahren für Großes reserviert

wurde.BMW suchte damals nach einem

Standortfür eine Fabrik. Leipzig

bekam den Zuschlag. Und wahrscheinlich

war das ein Glück, es dauerte

bloß zwei Jahrzehnte,ehe es sich

einstellte. Am Dienstagabend verkündete

Elon Musk, Gründer und

Vorstandsvorsitzender des US-Autobauers

Tesla, dass er eine neue Fabrik

in Berlin bauen wollte.

Erste Autos 2021

In Berlin? Verzeihung, in Grünheide,

genauer in Freienbrink. Eine Fabrik?

Verzeihung, eine Gigafactory, wo

nicht nur ganze Elektroautos, sondern

auch ihre Akkus hergestellt

werden. Es wird die erste Autofabrik

Deutschlands, die von vornherein

für die Produktion von Elektroautos

konzipiert ist. 7 000 Arbeitsplätze

könnte es einmal geben, etwas mehr

als 3000 sollen zum geplanten Produktionsstart

entstehen. Undder ist

ziemlich bald, wenn alles funktioniert.

2021, in zwei Jahren soll der

erste Tesla made in Grünheide vom

Band laufen. In Schanghai hätte man

die Fabrik auch so schnell hochgezogen,

hieß es von Tesla. Das ist jetzt

der Maßstab für Grünheide.

Bisher ging es hier rechtbeschaulich

zu. Zwischen Peetzsee undWerlsee

liegt der Ort. Die Bahnstrecke

liegt in sicherer Entfernung vom

Platz der Zukunft

Ortskern, ab und an schnauft ein Bus

durch die Hauptstraße. Sonst hält es

sich in Grenzen mit demVerkehr.Außer

indiesen Tagen. Schon wegen

der unzähligen Reporter, die dieses

moderne Industriemärchen erzählen

wollen vondem kleinen Örtchen

und dem Öko-Milliardär aus Amerika,

der es wachküsst. Wo man auch

aus dem Auto steigt, trifft man Journalisten.

Wen man auch anspricht,

alle wurden schon befragt.

Tesla-Fahrer treffen sich am Donnerstag in Freienbrink.

„Ich bin ganz froh darüber, dass wir

da nicht die Gesamtverantwortung haben,

sondern Tesla auch seines eigenen Glückes

Schmied ist.“

Bernd Rühl auch. Er ist Photovoltaik-Unternehmer

aus Berlin. Seinen

nagelneuen weißen Tesla Model 3hat

er neben den Bahngleisen in Freienbrink

geparkt, dort unterhält er sich

mit Hans Kurtzweg aus Trebbin, der

mit seinem schwarzenTesla Roadster

von2011 gekommen ist. In beeindruckendem

Tempo referiert Kurtzweg

über technische Finessen. Er gehört

zur Interessengemeinschaft Elektromobilität

Berlin-Brandenburg. „Das

hier ist die Zukunft“, ist er sich sicher.

Aber er muss weiter.InZossenwill er

mit dem Besitzer eines Model Sfeiern,

der soeben eine Million Kilometer

mit seinem Auto zurückgelegt hat.

„Mit dem dritten Akku“, sagt Kurtzweg.

Dann setzt er sich in seinen Wagen

und surrt los. Bernd Rühl ist in

vier Monaten 25 000 Kilometer mit

VonFrederik Bombosch, Grünheide

Der geplante Standortfür die Tesla-Fabrik im Gewerbegebiet Freienbrink. BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER (2)

Jörg Steinbach (SPD),

Wirtschaftsminister Brandenburgs

seinem Auto gefahren, er hatte gerade

in der Gegend zu tun und wollte sich

das Gelände mal anschauen. „Ich bin

ein riesiger Fanvon Elon Musk“, erzählt

er. Sogroß ist die Verehrung,

dass er in diesem Jahr den Führerschein

gemacht hat, im fortgeschrittenen

Erwachsenenalter.DerTesla sei

endlich ein Auto, mit dem er als umweltbewusster

Mensch leben könne.

Ein wenig, sagt Bernd Rühl, sei er

auch auf der Suche nach einem

Voraussichtlicher Standort

der Tesla-Fabrik bei Berlin

5km

BERLIN

A113

Flughafen

Schönefeld/

künftig BER

A13

A10

A10

Grünheide

Tesla-Fabrik/

Gewerbegebiet

Freienbrink

A12

BLZ/GALANTY; QUELLE: BRANDENBURGISCHES WIRTSCHAFTS-

MINISTERIUM, OSM-MITWIRKENDE, STAND 13. NOV. 2019

neuen Wohnort. Undspannend wäre

das schon, vor den Toren Berlins im

selben Ort wie die Tesla-Ingenieure

zu leben. Manche Zeitungen schrieben

am Donnerstag, nun entstehe in

Grünheide ein SiliconValley.

Am Donnerstagabend tagt der

Hauptausschuss –imSaal des Gasthauses

Heydewirt statt im Rathaus,

wegen des Publikumsandrangs. Eigentlich

sollte es an diesem Tagum

eine Änderung der Baumschutzsatzung

gehen, um Grundstücksangelegenheiten

und die Umsetzung eines

Bekanntmachungskastens. Nun

kam eben das Milliardenprojekt eines

US-Investors dazu. Und der Besuch

vonBrandenburgs Wirtschaftsminister

JörgSteinbach (SPD).

Ihm ist das Adrenalin der letzten

Tage und Wochen noch anzumerken

und die Freude, dass er jetzt endlich

über das Projekt sprechen darf. „Ich

konnte nicht vorher mit Ihnen reden“,

sagt Steinbach zu den rund 90

Zuhörern. „Wir mussten ein Geheimhaltungsabkommen

unterschreiben

–das war so heftig formuliert,

das kannte ich noch nicht.“

Bäume müssen gefällt werden

Aber der Zuschlag für Brandenburg–

festgehalten in einer Absichtserklärung

–ist eben nur der erste Schritt.

So eine Fabrik muss genehmigt werden.

70 Hektar Kiefernforst müssen

gefällt, das Gelände für den Bauvorbereitet

werden. Grünheide braucht

neue Wohnungen, Kitas und Schulen,

Busse für den Nahverkehr, der

Bahnhof braucht eine Renovierung,

die Mobilfunklöcher müssen geschlossen

werden –und das alles innerhalb

von zwei Jahren. Nach und

nach scheint den Grünheidern klar

zu werden, was ihnen da bevorsteht.

Den ersten Applaus bekommt ein

jüngerer Mann in Sportjacke,der sich

wünscht, dass Grünheide eben so

bleiben soll: grün. Das nächste Mal

klatschen die Leute,als ein älterer Lokalpolitiker

sagt: „Wir können nicht

nur von Blümchen leben. Wir wollen

nicht, dass unsereKinder nach Westdeutschland

gehen, um Arbeit zu finden.“

Steinbach verspricht, die Landesregierung

werde nächste Woche

eine Arbeitsgruppe für die Tesla-Ansiedlung

einrichten. Alle Anliegen

würden dortgebündelt. Ministerpräsident

Dietmar Woidke (SPD) würde

sich persönlich berichten lassen.

„Wenn wir das schaffen, dann ist das

ein Signal in dieWelt“, sagt er.Fünfzig

Prozent der Arbeit seien geschafft.

Dass die zweiten 50 Prozent die

schwereren sein können, das weiß

der Minister aber auch.

Brandenburg

Der lange

Marsch durch

die Instanzen

VonGerhard Lehrke

Die Tesla-Fabrik in Grünheide

(Mark) solle bereits Ende

2021 ihre Produktion von Autos,

Batterien und Autoteilen aufnehmen,

mehreren Tausend Menschen

Arbeit geben. Doch Brandenburgs

Wirtschaftsminister

Jörg Steinbach (SPD) hält diesen

Zeitplan für „ehrgeizig“. Trotz der

Vorlage in Schanghai, wo es von

der Planung bis zum Produktionsbeginn

der sogenannten Gigafactory

gerade einmal elf Monate

dauerte.

Noch ist auf dem vorgesehenen

Standort, auf dem bereits Anfang

2020 die Bagger anrollen sollen,

nichts als brandenburgischer

Kiefernwald. BernhardWeyrauch,

Leiter des Fachgebiets Bau- und

Planungsrecht an der BTU Cottbus-Senftenberg,

sieht aber zunächst

gute Voraussetzungen für

einen schnellen Bau: Es gibt sowohl

einen Flächennutzungs- als

auch einen Bebauungsplan, der

die Fläche als Industriegebiet ausweist.

BMW hatte auch schon mal

ein Auge auf die Fläche geworfen.

Baugenehmigung fehlt

Jetzt müsse allerdings noch ein

Bauantrag beim Landkreis Oder-

Spreeeingereicht werden, die eine

Umweltverträglichkeitsprüfung

mit einer, laut Weyrauch, „langen

Latte“ notwendiger, wenn auch

üblicher Anforderungen enthält.

Darin muss unter anderem beschrieben

werden, welche Emissionen

entstehen, welche Eingriffe

es in den Boden gibt und ob auf

der Fläche geschützte Tiere oder

Pflanzen leben. Die müssten gegebenenfalls

umgesiedelt werden.

Die Prüfung des Bauantrags

könne mehrere Monate in Anspruch

nehmen, auch wenn es

keine Öffentlichkeitsbeteiligung

mehr geben muss. Die von Tesla

angekündigten Ersatzpflanzungen

für den zu fällenden Wald,

dreimal so groß, ergebe sich aus

dem Landeswaldgesetz, sagte

Weyrauch.

Wolfgang Probstmeier, Berliner

Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht,

hält den Zeitplan

für nicht einzuhalten. Es könne

Klagen von Umweltverbänden

wegen der Auswirkungen der Fabrik

auf die Umgebung, wegen

des zunehmenden Verkehrs oder

wegen schützenswerter Tiere geben,

unter Umständen auch gegen

Stromleitungen für die Versorgungder

Fabrik. Angesichts einer

reinen Bauzeitvon einem Jahr

sei der Produktionsbeginn Ende

2021 nicht zu schaffen, weil alle

Unterlagen geprüft und gegebenenfalls

noch Gutachten eingeholt

werden müssten.

Ob die Pläne Teslas mit dem

Bebauungsplan vereinbar sind,

weiß die Gemeinde Grünheide

nicht: Ihr liegt noch nichts vor.

Der „Bebauungsplan Nr. 13Freienbrink-Nord“

sieht vor, dass 240

der 300 Hektar bebaut werden

dürfen. Dieerlaubte Baumasse ist

gewaltig: Rechnerisch ist eine

quadratische, 30 Meter hohe

Halle mit einer Seitenlänge von

einem Kilometer möglich.

Steinbach hat keine grundsätzlichen

Bedenken: „Risiken in der

absoluten Durchführung sehe ich,

ehrlich gesagt, gar keine.“ Um allerdings

so schnell zu sein wie Elon

Musk es wünscht, müsse Tesladie

Unterlagen „so vollständig und

hoch qualitativ einreichen, dass

auch eine schnellstmögliche Prüfung

möglich ist.“


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 3

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Seite 3

Der

Patriarch

geht

Der Präsident: Ulrich „Uli“ Hoeneß, 67 Jahre alt.

GETTY IMAGES/BONGARTS/ALEXANDER HASSENSTEIN

Uli Hoeneß benötigte keine 24

Stunden, um für Schlagzeilen in

Dauerschleife zu sorgen und

noch einmal viele seiner Facetten

zu präsentieren, auf die nun zurückgeblickt

wird. Stolz schwärmte er vom soeben

errungenen 4:0 gegen Borussia Dortmund,

„Weltklasse“ nannte Hoeneß diesen Sieg im

Klassiker der Bundesliga. So habe er sich sein

letztes Spiel als Präsident des FC Bayern vorgestellt,

„meinen Abschied“, wie er sagte. Er

denke natürlich auch an Freitag, an seinen

Ausstand auf der Jahreshauptversammlung.

„Es ist angenehmer, wenn man dort mit einem

4:0 einmarschiertals mit einem 0:2.“

Undnatürlich dachte er am vergangenen

Sonnabend auch daran, wie nun übergeordnet

auf sein Lebenswerkgeblickt wird, wie es

bewertet wird –und wie er bewertet wird.

Hoeneß ging es nun um die Deutungshoheit,

er erinnerte an die Anfänge,dann sagte er zu

den versammelten Reportern:„Jetzt schauen

Sie mal da raus“, er deutete aus der Interviewzone

in den Innenraum der Münchner

Arena,„was da steht.“ Manhabe keine Schulden,

„alles abbezahlt“, er legte eine kurze

Pause ein, „dafür stehe ich.“

Aufder Zielgeraden

Was folgte, wirkte wie ein rasender Abriss

dessen, wofür Hoeneß, dieser Mann, der

durchaus eine soziale Ader hat, aus Sicht des

Publikums ebenso steht: für Widersprüche,

Polarisierendes, Überraschungen, Angriffe,

Selbstgewissheit und Drohgebärden.

Am Vormittag nach dem Spiel gegen

Dortmund rief er bei „Doppelpass“, dem

Fußball-Frühschoppen von Sport 1,anund

ließ sich liveindie Sendung schalten, um zu

poltern. Aber vorallem, um Vereinspolitik zu

betreiben vor der letzten Aufsichtsratssitzung

unter seiner Leitung, die mit der Absichtserklärung

enden sollte, den Sportdirektor

Hasan Salihamidzic im kommenden

Sommer zum Sportvorstand zu befördern.

Es sei „unverschämt“, dass nicht über Salihamidzic

gesprochen werde und wenn

doch, dann „total despektierlich“, rief Hoeneß

im „Doppelpass“ ins Telefon. Zur spontanen

Einladung des Moderators Thomas

Helmer,ein ehemaliger Profi des FC Bayern,

er könne gerne in die nächste Sendung kommen,

sagte Hoeneß: „Da muss man dann

schauen, welche Qualität eingeladen ist.“

Ein paar Stunden später, nun bei seinen

Basketballern des FC Bayern, legte Hoeneß

nach: „Der eine oder andere Journalist wird

sich jetzt schon gefallen lassen müssen, dass

ich die Abteilung Attacke wieder ausfahre.“

Und ersagte: „Immer, wenn ich Unsachliches

höreund sehe,werde ich denVerein wie

eine Glucke bewachen.“

Es wirkte,als wolle Hoeneß auf der Zielgeraden

vor seinem Abtritt als Präsident noch

einmal auf alles und jeden voller Angriffslust

losstürmen wie einst als nicht übermäßig talentierter,

aber extrem ehrgeiziger Spieler

des FC Bayern und der Nationalmannschaft,

der sich hochgearbeitet hatte und die 100

Meter in elf Sekunden lief.

Manchen imponierte Hoeneß’ wuchtige

Omnipräsenz nun, andere fanden sie peinlich,

wie andere Ausbrüche zuvor. Wie auf

der legendären Pressekonferenz im Oktober

2018, die mit dem Verweis auf die unantastbareMenschenwürde

eingeleitet wurde,ehe

Hoeneß nur Minuten später dem ehemaligen

Bayern-Profi Juan Bernat nachrief, dieser

habe einen „Scheißdreck“ gespielt. Oder

wie zuletzt, als sich Hoeneß schützend vor

Nationaltorwart Manuel Neuer warf und

über dessen Konkurrenten Marc-André ter

Stegen sagte, dieser habe überhaupt keinen

Anspruch zu spielen.

Im TV-Studio am vergangenen Sonntag

lachten einige der Gäste über Hoeneß. Es

war allerdings weniger ein amüsiertes Lachen,

sonderneher ein Auslachen.

An diesem Freitag wirdHoeneß wieder im

Mittelpunkt stehen, und man darf davon

ausgehen, dass sein Ausstand auf der Jahreshauptversammlung

so triumphal geraten

wird, wie er sich das wünscht.Vorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich ganz

in diesem Sinne. Hoeneß sei der Architekt

und der Spiritus Rector des FC Bayern und

habe „rauschenden Beifall“ verdient.

Anders war es im Vorjahr gewesen, als er

erstmals voneinem erheblichen Teil der Mitglieder

ausgebuht wurde, nachdem er sich

einer Diskussion über einen kritischen Redebeitrag

verweigert hatte. Der FC Bayern sei

keine „One-Man-Show“ und „nicht Ihr Eigentum“,

hatte der Redner Johannes Bachmayr

gesagt. Hoeneß hatte das schwer getroffen.

Derartiges muss er nun wohl kaum fürchten

in der extra angemieteten Olympiahalle,

die mehr als doppelt so vielen Menschen

Platz bietet wie der sonst für die Konvente

genutzte Audi Dome.Vorgesehen ist ein Abschied

durchs ganz große Tormit ebensolchen

Emotionen. Unddie dürfte Hoeneß gewohnt

zuverlässig liefern, ebenso wie eine

letzte, freie Rede als Präsident voller Wucht.

Unddann, als künftig einfaches Mitglied im

Aufsichtsrat bis November 2023? „Ich bin

nicht so ehrgeizig, dem Verein jetzt weiter

meinen Stempel aufzudrücken“, hat der 67-

Jährige jüngst gesagt, „ich sehe mich in Zukunft

als Elder Statesman, der seinen Ratanbietet,

aber nicht aufdrängt.“

Ob das wirklich so kommt, ob sich Hoeneß

wirklich zurücknehmen kann, ist eine

Uli Hoeneß hat den

FC Bayern München

wie kaum ein anderer in

den vergangenen

Jahrzehnten geprägt.

Nun gibt er das

Präsidentenamt ab.

War’sdas wirklich?

Und was wird aus dem

Klub ohne ihn?

VonMaik Rosner,München

Der Spieler:Uli Hoeneß in der Saison 73/74 im

Münchner Olympiastadion.

IMAGO IMAGES

der spannenden Fragen, die seinen Ausstand

begleiten. Eine andere ist, wie es ohne den

Patriarchen an der Spitzenach fast 50 Jahren

im Verein, davon mehr als 40 als Manager

und Präsident, weitergehen wird.

Und obHoeneß die Zeit nach ihm in der

Hauptverantwortung in seinem Sinne wirklich

weise geregelt hat, ob der Verein so gut

für die Zukunft aufgestellt ist, wie er das hofft

und denkt. Mitseinem Freund, dem ehemaligen

Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer,

65, als Präsident und Aufsichtsratschef. Mit

dem früheren Bayern-Torwart Oliver Kahn,

50, der vom 1.Januar an eingearbeitet werden

soll und vonRummenigge,64, übernehmen

soll, wenn dieser Ende 2021 als Vorstandschef

abtritt. Und mit Hasan Salihamidzic,

42, der auch intern teils durchaus

kritisch gesehen wird.

Die Infrastruktur und die Wirtschaftszahlen

sprechen dafür,dass Hoeneß’ Lebenswerk

und Vermächtnis zukunftssicher aufgestellt

sind. Als er 1979 mit 27 Jahren als Manager anfing,

standen zwölf Millionen D-MarkUmsatz

und sieben Millionen Schulden in der Bilanz.

Nunliegen der Umsatz bei 750 Millionen Euro

und der Gewinn nach Steuernbei 52,5 Millionen

Euro,Letzterer beläuft sich auf 78 Prozent

mehr alsimVorjahr.Das Eigenkapital beträgt

fast eine halbe Milliarde Euro.

Andererseits ist es sportlich zuletzt eher

bergab gegangen, auch wegen neureicher

Investorenklubs in Europas attraktiveren

Topligen. National ist der FC Bayern eigentlich

unangefochtener Branchenführer, doch

die sportliche Überlegenheit bröckelte zuletzt,

trotz sieben Meistertiteln in Serie. Vor

einpaar Jahren wurden sie stets mit zweistelligen

Punktevorsprüngen Klassenbester.

Unter Trainer Niko Kovac, von dem sich

der Verein vorzwölf Tagen trennte,reichte es

in der Vorsaison immer noch zum Double

aus Meisterschaft und Pokal, wenn auch

knapp. Inder Champions League aber war

im Achtelfinale Endstation. Kovac war wie

Salihamidzic als Kompromiss ins Amt gekommen,

weil sich Hoeneß und Rummenigge

nicht auf andere Kandidaten verständigen

konnten.

Nun ist der von Rummenigge vor Kovac

favorisierte Thomas Tuchel von Paris Saint-

Germain als langfristiger Nachfolger des

Übergangstrainers Hansi Flick wieder im Gespräch,

ebenso wie Ajax Amsterdams Erik

ten Hag, von 2013 bis 2015 Trainer der zweiten

Mannschaft des FC Bayern.

Oliver Kahn hat sich auch schon zur Trainersuche

geäußert und dabei in Teilen benannt,

was der ebenfalls frühereBayern-Kapitän

Philipp Lahm bereits vor zehn Jahren

kritisierthatte und was viele an Hoeneß’Wirken

seit Pep Guardiolas Abschied 2016 bemängeln,

nämlich die Entwicklung einer

sportlichen Identität verschleppt zu haben.

Es fehle eine klarePhilosophie vonden Profis

bis zum Nachwuchs, eine übergeordnete

Idee, hatte Lahm 2009 gesagt. Kahn sagte

nun: „Man muss sich Gedanken machen, für

welchen Fußball Bayern München steht,

welcher Trainer dazu passt.“ Und esgehe

darum, dass dieser eine Äraprägen könne.

Es ist kein Zufall, dass gerade auch sehnsüchtig

über eine Rückkehr Guardiolas spekuliert

wird, der derzeit Manchester City im

vierten Jahr trainiert. Hoeneß scheint zumindest

teilweise zu spüren, dass sein Rückzug

für den Verein auch von Vorteil sein

könnte.Würde er sich noch einmal als Präsident

bestätigen lassen, sagte er im Magazin

Kicker, „würde ich die Entwicklung wieder

drei Jahre aufhalten“. Hoeneß bezog das vor

allemauf dasleitende Personal.

Das Gerangel zwischen Hoeneß und

Rummenigge hat die vergangenen Jahre geprägt,

nachdem Hoeneß nach seiner Haftstrafe

wegen Steuerhinterziehung in Höhe

von 28,5 Millionen Euro Ende 2016 wieder

ins Präsidentenamt zurückgekehrtwar.

Vorder Haft war Hoeneß ein beliebter TV-

Gast, in Polittalks gab er gerne das nationale

und soziale Gewissen, gestützt durch seine

Vita. Er war der fleißige Metzgersohn aus

Ulm mit dem kaufmännischen Geschick

schon als Spieler, der den sehr klammen FC

Bayern zu einem Weltklub formte, 1982 einen

Flugzeugabsturz überlebte, 2000 Christoph

Daum als Bundestrainer wegen dessen

Kokainkonsums verhinderte und oft im Stillen

bei Problemen half.

Nach der Haft

Jene Glaubwürdigkeit, die Hoeneß’ Image

über Jahrzehnte prägte, ließ sich nach der

Haft nicht wiederherstellen. Wenn er nun

poltert, polarisierternicht nurwie immer,er

erntet auch vermehrt Kopfschütteln.

An diesem Freitagabend aber wird ergefeiert

werden, auch für das, wofür sein LebenswerkFCBayernbewundert

wird. Als erfolgreicher

Familienklub,indem Hoeneß oft

seine soziale Kompetenz nachwies.

Dieser Teil seinesWesenskerns soll erhalten

bleiben, das wünschen sich wie Hoeneß

viele im Klub. Aber der Patriarch ahnt oder

fürchtet, dass der FC Bayern ohne ihn an

der Spitze „ein anderer Verein“ werden

könnte.

Bevor Hoeneß seine Haftstrafe antreten

musste, hatte er den Mitgliedern zugerufen:

„Und dann, wenn ich zurück bin, werde ich

mich nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch

nicht.“

Auch jetzt wird’sdas noch nicht ganz gewesen

sein, das hat Hoeneß in den vergangenen

Tagen klargemacht. Es soll in seinem

Sinne weitergehen, und er wirddarüber wachen,

auch ohne Spitzenamt.

Maik Rosner beobachtet Hoeneß seit

2005 und kann sich nur schwer vorstellen,

dass er nun loslassen wird.


4* Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Bundestag beschließt

Masern-Impfpflicht

Ab März2020 gilt in Deutschland

eine Masern-Impfpflicht. DerBundestag

beschloss am Donnerstag das

Masernschutzgesetz, wonach Kinder

in Kitas,Schulen und der Kindertagespflege

gegen die hochansteckende

Virusinfektion geimpft sein

müssen. DieImpfpflicht gilt zudem

für Bewohner und Mitarbeiter von

Asylbewerber-und Flüchtlingsunterkünften.

Gesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) nannte in der Debatte

das Masernschutzgesetz ein

„Kinderschutzgesetz“. Es gehe

darum, die Schwächsten in der Gesellschaft

zu schützen, sagte Spahn.

Masernseien „keine harmlose Kinderkrankheit“,

es gebe keine Therapie

dagegen, betonte Spahn. Nach

Angaben des Bundesgesundheitsministeriums

wurden in diesem Jahr

in Deutschland bis Mitte Juni bereits

429 Masern-Fälle registriert. (AFP)

Kommunen wollen schnelle

Hilfen für Strukturwandel

Kommunalpolitiker aus den drei

deutschen Braunkohlerevieren haben

die Bundespolitik aufgefordert,

zügig über zugesagte Milliardenhilfen

für den Strukturwandel zu entscheiden.

Sieverlangten am Donnerstag

außerdem –wie auch Regierungschefs

der Kohle-Länder –einen

Staatsvertrag, um die Finanzierung

des Umbruchs dauerhaft und verbindlich

zu sichern. 15 Bürgermeister

aus der Lausitz, dem Mitteldeutschen

und dem Rheinischen Revier

trafen auch mit Bundeswirtschaftsminister

Peter Altmaier (CDU) zusammen.

(dpa)

Ermittlungen zur Vertreibung

von Rohingya eingeleitet

Mehr als 740 000 Rohingya flohen vor der

Militäroffensive nach Bangladesch. AFP

DerInternationale Strafgerichtshof

hat umfangreiche Ermittlungen wegen

der Verfolgung der muslimischen

Rohingya-Minderheit im

südostasiatischen Myanmar autorisiert.

DieRichter in DenHaag folgten

damit am Donnerstag einem

Antrag der Staatsanwaltschaft bei

dem auch als Weltstrafgericht bezeichneten

Gerichtshof. Für dieVertreibung

der Rohingya werden weithin

die Militärs im vorwiegend buddhistischen

Myanmar verantwortlich

gemacht. Im März2018 hatte

die UN-Sonderberichterstatterin

für Myanmar,Yanghee Lee,vor dem

UN-Menschenrechtsrat in Genf erklärt,

die Rohingya-Vertreibung

weise sogar Merkmale eines Völkermords

auf. (dpa)

Färöer-Inseln schließen ein

Wochenende lang

DieFäröer-Inseln bleiben für eine

Umweltschutzaktion einWochenende

lang für Touristen geschlossen.

Vom16. bis zum 17. April2020 werden

touristische Anziehungspunkte

der zu Dänemarkgehörenden Inselgruppe

nach Behördenangaben für

Besucher gesperrt. BisDonnerstag

konnten sich Freiwillige beim Touristenbüroder

Inseln bewerben, um bei

Maßnahmen zum Umweltschutz zu

helfen. Eine ähnliche Aktion hatte die

Inselgruppe,die im vergangenen Jahr

110 000 Urlauber anlockte,bereits im

Märzorganisiert. (dpa)

„Es geht nur mit der Wirtschaft“

Annalena Baerbock, Co-Vorsitzende der Grünen, über den Zusammenhang von Klimaschutz und Gerechtigkeit

Annalena Baerbock ist seit

knapp zwei Jahren Grünen-

Chefin. Beim Parteitag in

Bielefeld stellt sie sich zur

Wiederwahl. Wir haben mit ihr über

den Kurs ihrer Partei und das Verhältnis

zurWirtschaft gesprochen.

Frau Baerbock, ein Schwerpunkt des

Grünen-Parteitages soll das Thema

Wirtschaft sein. Wollen Sie noch weiter

in die Mitte rücken?

Es geht nicht um die Partei, sondern

um unsere Gesellschaft. Und

unsere Generation hat die Aufgabe,

eine klimaneutrale Wirtschaft zu

schaffen. So wie vorherige Generationen

die Wiedervereinigung oder

die Einführung des Euro als zentrale

Aufgabe hatten, ist dies nun unsere.

Es geht um eine grundsätzlich andere

Form des Wirtschaftens –ein

Wirtschaften, das die planetaren

Grenzen anerkennt und ohne Kohle,

Öl und Gasauskommt.

Sie schwärmen im Parteiprogramm

von der „innovativen Kraft der

Marktwirtschaft“. Woher rührt Ihr

plötzliches Vertrauen in die Märkte?

Ungeregelte Märkte können sehr

viel zerstören. Dashaben wir bei der

Bankenkrise gesehen. Siehat Europa

an den Rand eines Kollaps geführt

und den Rechtspopulismus gestärkt.

Wenn wir Märkte aber nachhaltig

und sozial ausrichten, dann können

sie mit ihrer Wucht Innovationen

entfachen. Diese Wucht brauchen

wir, um die Klimaziele überhaupt

noch zu erreichen.

Nehmen Sie denn die Unternehmen

mit? Man hat da ja auch sehr viel

Skepsis vernehmen können.

Ichvernehme eher das Gegenteil.

Zentrale Akteure in der Industrie

und in der Start-up-Szene wissen,

dass die Innovationen und Geschäftsfelder

der Zukunft auf einer

grünen Wirtschaftsweise basieren

werden. Allerdings braucht es klare

staatliche Vorgaben, auch zur Sicherung

des Industriestandorts Europa

im 21. Jahrhundert und damit auch

von Arbeitsplätzen. Beim globalen

Dumping-Wettbewerb um Stahl, der

sich bereits jetzt –ganz ohne Klimaschutz

–abspielt, kann Deutschland

zum Beispiel nicht mehr mithalten.

Wirplädieren deshalb für Quoten für

klimaneutralen Stahl.

Wiedas?

KlareVorgaben schaffen Investitionssicherheit.

In den Stahlwerken

von Duisburg und Salzgitter fängt

man schon an, Wasserstoff statt Koks

und Kohle einzusetzen. Die Mammutinvestition

muss sich für sie aber

auch wirtschaftlich lohnen. Wenn in

jedes Auto in Europa ein bestimmter

Prozentsatz an klimaneutralem Stahl

eingebaut werden muss und die führenden

deutschen oder europäischen

Stahlunternehmen die einzigen sind,

die das liefern, dann sichert das den

Standort in Duisburg und nicht irgendwo

in China.

Haben Sieinzwischen die Handynummer

vonSiemens-Chef JoeKaeser?

Wirtwitternabund an miteinander.Aber

ansonsten ist es ja nicht so,

als hätten Grüne und führende Leute

aus der Wirtschaft nicht auch schon

vorfünf Jahren miteinander geredet.

Entscheidend ist, wie man zu einer

Wirtschaftspolitik kommt, die dem

Gemeinwohl dient und den Wohlstand

unserer Gesellschaft sichert,

ohne unsere natürlichen Lebensgrundlagen

zu ruinieren. Das geht

nur mit der Wirtschaft.

Sie plädieren im Leitantrag für den

Parteitag für einen neuen Wohlstandsbegriff,

bei dem Wachstum

nicht mehr im Mittelpunkt steht.

Müssen die Bürger um ihren Lebensstandardfürchten?

Ich sehe es andersrum: Wir wollen,

dass das Wohlergehen der Menschen

im Mittelpunkt steht, nicht die

Gewinnmaximierung von Konzernen.

Das derzeitige Wachstum ist

blind. Es zielt vor allem darauf, immer

mehr fossile Rohstoffe zu verbrauchen,

immer mehr Müll zu pro-

ZUR PERSON

DPA/MICHAEL KAPPELER

Annalena Baerbock wurde 1980 in Hannovergeboren. Sie studierte Politikwissenschaften

und öffentliches Recht in Hamburg und Völkerrecht in London. Seit 2005 ist sie Mitglied bei

Bündnis 90/Die Grünen. Gemeinsam mit RobertHabeck wurde sie am 27. Januar 2018 zur

Vorsitzenden ihrer Partei gewählt.

duzieren und immer mehr Autobahnen

zu bauen. Damit sägen wir an

dem Ast, auf dem wir sitzen. Wirsollten

wirtschaftlichen Erfolg anders

bemessen. Als Ergänzung zum klassischen

Bruttoinlandsprodukt schlagen

wir einen Wohlstandsindikator

vor, der auch Bildung, Einkommensverteilung

und Ressourcenverbrauch

einbezieht. Es geht nicht

darum, dass es insgesamt weniger

Wachstum geben soll, sondern

darum, dass gewisse Bereiche

schrumpfen und andere wachsen

müssen – die Windenergiebranche

zum Beispiel. Zugleich müssen wir

zu einer vollständigen Kreislaufwirtschaft

kommen, in der Produkte wieder

in ihreEinzelbestandteile zerlegt

und dann recycelt werden. Das ist ja

heute nicht so. Dalanden alte Kinderspielsachen

in der Müllverbrennungsanlage

genauso wie Joghurtbecher,

wenn der Aludeckel nicht

abgemacht worden ist. Dasist weder

nachhaltig, noch dient es einer gesunden

Wirtschaft.

Strafverfahren gegen Großbritannien

Wasschwebt Ihnen konkret vor?

Wir wollen bis 2030 europaweit

dafür sorgen, dass in jedem Produkt

mindestens 50 Prozent recycelte Materialien

enthalten sind.

Die künftige EU-Kommissionspräsidentin

Ursula vonder Leyen geht sehr

starkmit ihrem Green NewDeal nach

vorne. Istsie eine Verbündete?

Wenn Frau vonder Leyen es ernst

meint, dann muss sich das konkret in

der Politik ihrer Kommission widerspiegeln,

also den europäischen

Haushalt auf Klimaschutz ausrichten,

Leitplanken setzten und investieren.

Klar sind wir bei so etwas dabei. Bloße

Labels aber bringen uns nicht weiter.

In Ihrem Leitantrag steht, dass der

Mindestlohn auf zwölf Euro steigen

soll und öffentliche Aufträge nur noch

vergeben werden sollen, wenn die Unternehmen

Tariflöhne zahlen. Treten

Sie sodenen entgegen, die sagen, die

Grünen redeten zu viel von Klimaschutz

und zu wenig von sozialer Gerechtigkeit?

Klimaschutz kann nur funktionieren,

wenn er sozial gerecht ist.Wir

haben deshalb das Energiegeld vorgeschlagen

–also dass alle Einnahmen

aus dem CO 2 -Preis wieder ausgezahlt

werden, an jeden und jede.

Aber den höheren Mindestlohn von

zwölf Euro braucht es sowieso. Man

muss vonseinem Lohn ja leben können.

Mit solchen Schritten könnten

diejenigen mal anfangen, die in der

Klimaschutzdebatte plötzlich ihr

Herz für Menschen mit geringen

Einkommen entdecken und sagen,

deswegen dürfen wir beim Klima

bloß nichts machen.

Sind Ihre bescheidenen Ergebnisse bei

den ostdeutschen Landtagswahlen ein

Zeichen dafür,dass Siemehr auf soziale

Ausgewogenheit achten müssen?

In Thüringen haben wir uns mehr

erhofft. In Brandenburg haben wir

ein Wahlergebnis erreicht, das fast

doppelt so hoch war wie vorfünf Jahren.

Aber klar: Wenn wir Politik für

die Breite der Gesellschaft machen

wollen, dann müssen wir künftig

auch mehr als zehn Prozent der

Wählerinnen und Wähler erreichen

und dafür die gesamte Bandbreite

der politischen Themen aktiv bespielen.

Deshalb haben wir Fragen

der Mobilität in ländlichen Regionen

stärker in den Mittelpunkt gestellt –

das heißt zum Beispiel, dass wir den

öffentlichen Nahverkehr stärken

müssen, also stillgelegte Bahnhöfe

und Buslinien wieder aktivieren.

Dersächsische Ministerpräsident Michael

Kretschmer (CDU) spricht neuerdings

mit Blick auf die Klimapolitik

von„Inländerdiskriminierung“.

Ich hoffe, dass das eine missglückte

Formulierung war. Erstens

ist es sachlich falsch. Und zweitens

halte ich es für gefährlich, die Klimapolitik

zur Identitätspolitik zu machen

und mit populistischen Stereotypen

zu spielen.

DasGespräch führten Markus Decker

und Marina Kormbaki.

EU sieht Pflichtverletzung darin, dass London vor der Unterhauswahl keinen EU-Kommissar mehr benennen will

Großbritannien drohen EU-Strafmaßnahmen,

weil die Regierung

keinen Kandidaten für die neue

Europäische Kommission vorschlagen

will. Die amtierende Kommission

startete am Donnerstag ein Vertragsverletzungsverfahren.

Der EU-

Staat habe seine Pflichten nicht eingehalten,

erklärte die Brüsseler

Behörde am Abend. London habe

nun bis zum 22. November –also nur

eine Woche –, um die britische Position

darzulegen.

Die britische Regierung hatte am

Mittwoch schriftlich mitgeteilt, dass

kampf will er nun offenbar vermeiden,

durch die Nominierung eines

EU-Kommissars Zweifel an seinem

Austrittswillen aufkommen zu lassen.

Die künftige Kommissionspräsidentin

Ursula von der Leyen hofft

dennoch, am 1. Dezember ihr Amt

anzutreten. Voraussetzung ist, dass

drei noch fehlende Kommissionskandidaten

aus Frankreich, Rumänien

und Ungarndurch das EU-Parlament

grünes Licht bekommen.

„Der 1. Dezember bleibt das Ziel

der gewählten Präsidentin“, sagte

eine Sprecherin vonder Leyens zum

sie vor der Parlamentswahl am 12.

Dezember keinen EU-Kommissar

vorschlagen werde. Grund sind den

Angaben zufolge Konventionen in

Großbritannien, die den Handlungsspielraum

einer Regierung kurz vor

einer Parlamentswahl einschränken.

Eigentlich muss jedes EU-Land in

der EU-Kommission vertreten sein.

Derbritische Premier BorisJohnson

hatte sein Land Ende Oktober

aus der EU führen wollen. AufDruck

des Unterhauses musste er eine erneute

Verschiebung des Brexit bis

Ende Januar beantragen. Im Wahlgeplanten

Amtsantritt der neuen

Kommission. Von der Leyen hatte

die britische Regierung zweimal

schriftlich aufgefordert, einen Kandidaten

zu benennen.

Unterdessen bekam der Ungar

Oliver Varhelyi vom Europaparlament

vorerst kein grünes Licht für

seine Berufung in die neue EU-Kommission.

Sollte er in dem Verfahren

durchfallen, müsste Ungarn erneut

einen neuen Kandidaten vorschlagen.

Schon die erste Nominierung

aus Budapest war am Widerstand des

Parlaments gescheitert. (AFP,dpa)

Türkei schiebt

deutsche

Familie ab

Sie soll salafistischem

Milieu angehören

Nach ihrer Abschiebung aus der

Türkei ist eine siebenköpfige

deutsch-irakische Familie in Berlin

eingetroffen. Sie landete am späten

Donnerstagnachmittag am Flughafen

Tegel, wie die Deutsche Presse-

Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr.

Reporter der dpa sahen, wie

mehrere Passagiere, darunter eine

Frau mit einem Baby im Arm, direkt

in Polizeiwagen vom Rollfeld gefahrenwurden.

Die Familie B. aus Hildesheim

wirddem salafistischen Milieu zugerechnet.

Das türkische Innenministerium

bezeichnete sie als„ausländische

Terroristenkämpfer“. Haftbefehle

wegen islamistischer Umtriebe

liegen gegen die Familienmitglieder

in Deutschland nicht vor. Allerdings

könnte dem Vater dem Vernehmen

nach wegen eines Delikts,das mit Islamismus

nichts zu tun hat, womöglich

Strafverfolgung drohen.

Nach der Landung sollte die Familie

nach Angaben aus Sicherheitskreisen

auf Vertreter mehrerer Behörden

treffen und auch befragt werden.

Wie esdanach weitergeht, war

zunächst offen. Die Bundespolizei

wollte Einreisekontrollen vornehmen

und etwa prüfen, ob die Familie

gültige Papierehat.

Die Familie stammt ursprünglich

aus dem Irak. Nach Erkenntnissen

deutscher Behörden besitzen alle

Familienmitglieder bis auf den Vater

die deutsche Staatsbürgerschaft. Es

handelt sich um vier Frauen, zwei

Männer und ein Baby. Ende Januar

waren sie in die Türkei gereist und

nach zwei Monaten in der Stadt

Samsun festgenommen worden. In

Der türkische Präsident Erdogan will weitere

IS-Anhänger nach Europa abschieben. AFP

türkischer Abschiebehaft wurde eines

der Kinder geboren. Den Grund

für die Inhaftierung teilten die türkischen

Behörden nicht mit.

DieTürkei hatte die Abschiebung

mehrerer deutscher mutmaßlicher

Anhänger der Terrormiliz Islamischer

Staat (IS) in dieser Woche angekündigt.

Über einen möglichen

Aufenthalt der Familie B. im ehemals

vom ISkontrollierten Gebiet im Irak

oder Syrien ist jedoch nichts bekannt.

Nach Angaben des türkischen

Innenministeriums wurde zudem

ein Brite nach London ausgewiesen.

Scotland Yard teilte am Abend mit,

ein 26 Jahre alter Mann sei wegen

Terrorverdachts am Flughafen London

Heathrow festgenommen worden.

Eingereist sei der Mann aus der

Türkei. Die Festnahme habe Syrien-

Bezug, hieß es weiter.

Am Freitag werden in Deutschland

zwei Ehefrauen von IS-Kämpfern

erwartet. Dabei handelt es sich

nach dpa-Informationen um eine

1998 geborene Frau, der es gelungen

war,aus dem vonKurden bewachten

Gefangenenlager Al-Hol in Syrien zu

fliehen. Sie saß in der türkischen

Stadt Gaziantep in Abschiebegewahrsam.

Nach bisheriger Planung

soll am Freitag auch eine gebürtige

Hannoveranerin ins Flugzeug gesetzt

werden, der es nach einer Massenflucht

aus dem syrischen Lager

Ain Issa gelungen war, sich in Richtung

Türkei abzusetzen. Ankara bereitet

zudem die Abschiebung eines

amerikanischen mutmaßlichen IS-

Anhängers in die USA vor. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 5 *

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Politik

In einem Dorf der Bevölkerungsgruppe der Hamer in der Omo-Region im Südwesten von Äthiopien.

IMAGO IMAGES/XINHUA

Äthiopien überrascht

Zahl der Kinder,die in dieSchule gehen, hat sich in 20 Jahren verdoppelt –und dieGeburtenquote sinkt. Die Weltbevölkerung wächst inzwischen langsamer

VonJohannes Dieterich

Kronprinzessin Mary geriet

richtig ins Schwärmen.

„Ein Wendepunkt in der

Geschichte der Menschheit“

sei er gewesen, pries die dänische

Monarchin den Bevölkerungsgipfel

in Kairo: Damals,vor 25 Jahren,

habe die Welt „eine mutige Vision“

über das Verhältnis zwischen Bevölkerung,

Entwicklung und individuellem

Wohlbefinden gefunden – und

mehr als 6000 Delegierte klatschten

zustimmend Beifall. Zumindest in

der geschichtlichen Nachschau waren

sich bei der am Donnerstag in

Nairobi zu Ende gegangenen Nachfolgekonferenz

des Kairoer Gipfels

alle einig: Soll das Bevölkerungswachstum

in den Griff bekommen

werden, müssen wirtschaftliche Entwicklung

und Geburtenkontrolle zusammenspielen

–und Frauen als die

Hauptakteure einer Lösung in den

Mittelpunkt gerückt werden.

Tatsächlich hat die Menschheit

seitdem einige Fortschritte erzielt:

Der Prozentsatz der im Kindbett

sterbenden Frauen wurde seit Kairo

fast um die Hälfte verringert; dagegen

stieg die Zahl der Frauen, die

über Zugang zu Verhütungsmitteln

verfügen, um beinahe ein Viertel an.

Bekam eine Frau 1994 im weltweiten

Durchschnitt noch 2,8 Kinder, so

sind es heute noch 2,5: Würde sich

dieser Trend fortsetzen, hätte sich

die Zahl der Erdenbürger spätestens

in fünfzig Jahren stabilisiert.

Täglich eine neue Großstadt

Ausder Nähe betrachtet stellt sich der

Erfolg allerdings als zweifelhaft heraus.

Während sich die Geburtenquote

in manchen Teilen derWelt wie

in Europa oder China tatsächlich nivelliert

hat oder gar rückläufig ist,

steht anderenorts eine Bevölkerungsexplosion

erst noch bevor –vor allem

im südlich der Sahara gelegenen Teil

Afrikas, wosich die Bevölkerung bereits

in den nächsten 32 Jahren erneut

verdoppeln wird. Neben den Indern

sorgen vorallem Afrikaner dafür,dass

es statt der heute 7,7 Milliarden Menschen

schon in zehn Jahren 8,5 Milliarden

geben wird. Ende des Jahrhunderts

sollen es gar elf Milliarden sein.

Derzeit wächst die Erdbevölkerung

um 230 000 Menschen proTag –eine

Stadt so groß wie Kiel. Das sind 82

Millionen Erdenbürger,die jedes Jahr

zusätzlich ernährt und ausgebildet

werden wollen und ein annehmliches

Leben erwarten.

Geburtenrate nach Regionen

Jährliche Geburten pro 1000 Einwohner, Schätzungen für 2015 bis 2020,

Stand August 2019

Nordamerika

11,8

16,5

Lateinamerika

und Karibik

Europa

10,4

Im westafrikanischen Niger bekommt

eine Frau auch heute noch

im Durchschnitt fast acht Kinder,bereits

in dreißig Jahren wird sich die

Zahl der Nigrer auf 60 Millionen verdreifacht

haben. Zurselben Zeit werden

40 Prozent aller extrem armen

Erdenbürger in zwei afrikanischen

Staaten leben: in Nigeria und der Demokratischen

Republik Kongo.

Längst ist bekannt, dass wachsender

Wohlstand fallende Kinderzahlen

Nordafrika

und Westasien

35,5

22,9

Afrika

südl. d. Sahara

Zentral- und

Südasien

19,7

Ost- und

Südostasien

13,2

12,8

Australien und

Neuseeland

BLZ/GALANTY; QUELLE: VEREINTE NATIONEN, DPA

mit sich bringt. Doch wenn sich der

Wohlstand –auch wegen des extremen

Bevölkerungsanstiegs –partout

nicht einstellt, hilft auch diese Korrelation

nicht weiter.

Diezweite unumstrittene Korrelation:

dass die bessereAusbildung von

Mädchen die Geburtenziffern reduziert.

„Je länger ein Mädchen zur

Schule geht, desto älter ist es,wennes

heiratet“, erklärt eine Studie des Berliner

Instituts für Bevölkerung und

Entwicklung: „Diese Mädchen haben

höhere Erwartungen an ihre Zukunft

und tragen mehr zum Familieneinkommen

bei.“ Wenn sie während ihrer

Ausbildung und den ersten Berufsjahren

ungewollte Schwangerschaften

verhindern wollen, brauchen

sie Zugang zu

Verhütungsmitteln.

Doch die Forderung, dass „alle

Frauen“ Zugang zu Familienplanungsdiensten

haben und „von allen

Formen sexueller Gewalt und schädlichen

Praktiken ferngehalten“ werden

sollen, ist noch immer Zukunftsmusik.

In traditionellen afrikanischen

Gemeinschaften gelten Verhütungsmittel

für Heranwachsende als

„ungehörig“, sagt Candace Lew von

der unabhängigen US-Gesundheitsorganisation

„Pathfinder International“:

„Doch wie anderswo in der Welt

habenauchafrikanische Jugendliche

Sex, ob sie nun Verhütungsmittel haben

oder nicht.“ Jahr für Jahr kommt

es in Entwicklungsländernzu89Millionen

ungewollten Schwangerschaften

–vor allem in Afrika sind Kinderehen

und der soziale Druck, möglichst

viele Babys zu bekommen,

noch immer gang und gäbe.

Umso erstaunlicher, dass es ausgerechnet

im zweitbevölkerungsreichsten

Staat Afrikas,inÄthiopien,

zu einer Trendwende kam. Die Zahl

der Kinder,die zur Schule gehen, hat

sich in 20 Jahren verdoppelt –die Geburtenquote

fiel von fast sieben auf

4,6 Babys pro Frau. Gleichzeitig verdreifachte

sich der Einsatz von Verhütungsmitteln:

Jede vierte Äthiopierin

nutzt heute langfristige Verhütungsmittel

wie Intrauterinpessareoder

Hormonimplantate.

Gesundheitsberaterinnen helfen

Experten führen den Wandel vor allem

auf die 34 000 Gesundheitsberaterinnen

zurück, die die Regierung

seit dem Jahr 2000 ausgebildet und

eingestellt hat: junge Frauen, die

mindestens zehn Jahre lang zur

Schule gegangen sein müssen und

danach ein Jahr lang in Hygiene,

Krankheitsvorsorge und Familienplanung

ausgebildet wurden. Die

Beraterinnen können –auf Kosten

des Staates –Pessaresetzen und Implantate

injizieren, weswegen keine

Äthiopierin heute noch Tagesreisen

absolvieren muss, umsich in einem

Krankenhaus ein Verhütungsstäbchen

einsetzen zu lassen. „Äthiopien

hat uns wirklich überrascht“, sagt

Alisa Kaps vom Berliner Institut für

Bevölkerung und Entwicklung.

Aus Pflichtgefühl

In der ersten öffentlichen Anhörung im Amtsenthebungsverfahren belasten zwei Top-Diplomaten den US-Präsidenten schwer

VonKarlDoemens, Washington

Der eine trägt Fliege und Einstecktuch

zum Dreiteiler. Der

anderemacht sich nach Gesprächen

akkurate Notizen. Hitzköpfige

Trump-Gegner sind George Kent

undWilliam Taylor sicher nicht. Eher

verkörpern sie die USA so, wie sie

sich selbst lange gerne gesehen haben:

patriotisch, idealistisch und

doch weltoffen. Der mit einer Usbekin

verheiratete Harvard-Absolvent

Kent spricht Ukrainisch, Russisch,

Thai sowie etwas Deutsch, Polnisch

und Italienisch. Taylor hat die Militärakademie

West Point absolviert,

drei Jahrzehnte im diplomatischen

Dienst gewirkt und sich nach der

Pensionierung aus Pflichtgefühl

noch einmal aktivieren lassen.

Unddoch sitzen der Vize-Außenstaatssekretär

und der Ukraine-Botschafter

an diesem Mittwoch nebeneinander

am Zeugentisch im Raum

1100 des Longworth-Kongressgebäudes

in Washington, um als erste

vor laufenden Kameras in dem Impeachment-Verfahren

auszusagen,

das nach dem Willen der Demokraten

zur Amtsenthebung des Präsidenten

führen soll. Seit Generationen

habe seine Familie dem Vaterland

gedient, betont Kent. UndTaylor

streicht mehrfach heraus,dass es

ihm alleine um die Wahrheit geht.

Es geht ums Prinzip

Gerne treten der 72-jährige Taylor

und der zwei Jahrzehnte jüngere

Kent nicht ins Rampenlicht. Doch

genau jene Mischung aus uneitler

Korrektheit und furchtloser Prinzipientreue

trotz drohender Sanktionen

macht die Aussagen in der siebenstündigen

Anhörung so glaubhaft.

Beide Beamte haben mehreren republikanischen

und demokratischen

Präsidenten gedient. Und sie

waren alarmiert, als sie mitbekamen,

wie Donald Trump in der Ukraine-

Politik ganz andere Ziele als die offiziell

proklamierte Demokratieförderung

verfolgte.

„Grundsätzlich glaube ich nicht,

dass die Vereinigten Staaten andere

Länder auffordern sollten, sich in

politisch motivierte Untersuchun-

George Kent (l.) und William Taylor vor der Anhörung im Kongress.

Im Kern bestätigen beide Zeugen,

was sie und andere Spitzen-Beamte

schon hinter verschlossenen Türen

ausgesagt haben: dass nämlich das

Weiße Haus die Auszahlung einer

Militärhilfe von400 Millionen Dollar

und einen Trump-Termin für den

neu gewählten Präsidenten Wolodymyr

Selenskyj von gänzlich unfundierten

Ermittlungen gegen den degen

und Verfolgungen von politischen

Gegnern zuengagieren, weil

das die Herrschaft des Rechts untergräbt“,

erklärt Kent. Es geht ihm

wirklich ums Prinzip.Taylor wiederholt

seine frühere Kritik am zeitweisen

Zurückhalten der US-Militärhilfe

für die Ukraine: „Ich habe das

damals verrückt gefunden, und das

finde ich auch heute noch.“

AP/ANDREW HARNIK

mokratischen Präsidentschaftsbewerber

Joe Biden abhängig machte.

So zahlreich sind die Indizien und

Belege,dass daran kein vernünftiger

Zweifel mehr bestehen kann. Doch

für das Impeachment-Verfahren

muss Trumps persönliche Verantwortung

nachgewiesen werden.

Deshalb wirkt ein neues Detail

hochbrisant, das Taylor den Abgeordneten

berichtet: Einer seiner Mitarbeiter

habe am 26. Juli in einem

Restaurant in Kiew ein Telefonat zwischen

dem amerikanischen EU-Botschafter

Gordon Sondland und

Trump mitgehört. In dem Gespräch

informierte Sondland, eine Schlüsselfigur

der Ukraine-Affäre, den Präsidenten

über seine Gespräche vor

Ort. Der Mitarbeiter konnte hören,

wie sich Trump nach „den Ermittlungen“

erkundigte. Später soll

Sondland gesagt haben, dass sich

der Präsident mehr für die Ermittlungen

gegen Biden als für die

Ukraine interessiere. DieSzene zeigt

nicht nur, dass Trump die öffentlich

proklamierte Korruptionsbekämpfung

oder die Unterstützung der

Ukraine gegen Russland ziemlich

gleichgültig waren. Vorallem belegt

sie die Intrige gegen Biden.

Noch streitet Trump alles ab. „Es

ist das erste Mal, dass ich davon

höre“, sagt er am Mittwoch. An das

Telefongespräch könne er sich nicht

erinnern, seinen einstigen Großspender

Sondland will er kaum kennen.

Doch das könnte sich bald ändern.

Am Freitag wird der Mitarbeiter

angehört. Undamnächsten Mittwoch

muss Sondland vor laufenden

Kameras unter Eidaussagen.

Entlastungsversuche

Die Entlastungsversuche der Republikaner

wirken verzweifelt. Nachdem

Taylor die dubiose Schatten-Diplomatie

des Weißen Hauses beschrieben

hat, ergreift Republikaner-

Anwalt Steve Cantor das Wort.

„Dieser irregulärediplomatische Kanal

ist aber doch nicht so hanebüchen,

wie er sein könnte?“, fragt er

den Zeugen. Taylor zögerteinen Moment.

Dann lacht er: „Nein, er ist

nicht so hanebüchen, wie er sein

könnte.“


6 Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Made in Berlin

BERLINER BEKANNTE

Im Schatten

von

Frankfurt

VonTheresa Dräbing

Wenn es um die Börse geht,

denkt man gemeinhin an

Frankfurt am Main, dem Börsenplatz

in Deutschland. Kein Wunder:

Er verzeichnet die allermeisten Handelsumsätze–mit

Abstand. Mehr als

90 Prozent des Wertpapierhandels

werden dort abgewickelt. Dabei hat

auch Berlin eine Regionalbörse, genau

wie Düsseldorf, Stuttgart, München,

Hamburg und Hannover. Im

Prinzip wird gehandelt wie an der

Deutschen Börse auch –nicht nur regional,

sonderninternational. Wobei

die Regionalbörsen ihren Fokus statt

auf institutionellen Handel auf Privatanleger

legen. Auch, um zumindest

ein kleines Gegengewicht zur

Deutschen Börse zu setzen.

Denn für Berlin wie für die restlichen

Regionalbörsen ist es nicht einfach,

gegen den Riesen Deutsche

Börse anzukommen. Die Börse Berlin

gehörte zuletzt mit einem Marktanteil

im unteren einstelligen Bereich

zu den kleinsten der Regionalbörsen.

2018 wies sie im klassischen

Börsenhandel gerade einmal ein Volumen

von knapp fünf Milliarden

Euro aus.

Underst im Oktober kam es zu einer

Konsolidierung –wohl um langfristig

in der Zukunft weiter bestehen

zu können. So hat die Tradegate Exchange,

eine ebenfalls in Berlin ansässige

Wertpapierbörse, die Börse

Berlin übernommen. Im Gegensatz

zur Börse Berlin verfügt die Handelsplattform

über ein Volumen von

rund 103 Milliarden Euro, gehört

aber gleichzeitig zu 75 Prozent der

Deutschen Börse in Frankfurt am

Main. EinSchritt zurVerdichtung der

seit Jahren schwächer werdenden

Regionalbörsen. Erst 2016 hatten

sich Düsseldorf, Hamburgund Hannoververbündet.

Historie vonüber 300 Jahren

Dabei galt die Börse Berlin tatsächlich

eine Zeit lang als einer der führenden

Handelsplätze Deutschlands.

Doch dafür muss man einen

weiten Blick zurückwerfen. Gegründet

worden ist die Berliner Börse

1685 durch ein Edikt des Kurfürsten

vonBrandenburgFriedrichWilhelm.

Nicht sofort, aber spätestens mit Beginn

der Industrialisierung in den

1820er-Jahren wurde sie groß, wichtig

und über die Landesgrenzen hinweg

bedeutend. Nach dem Ersten

Weltkrieg stieg der Börsenhandel in

Berlin ein weiteres Malsteil an. Zwar

gab es gleichsam auch Tiefpunkte

mit der Weltwirtschaftskrise oder infolge

einer Spekulationsblase im Immobiliensegment

in den Gründerjahren.

Dennoch hat sie sich Jahrhunderte

behauptet.

Lange war sie auch in einem repräsentativen

Bau inder Burgstraße

in Mitte beheimatet. Für damalige

Verhältnisse in den größten Sälen

von ganz Berlin. Die sind jedoch im

Zweiten Weltkrieg fast vollständig

zerstört worden. An den damaligen

Standort erinnert heute nur noch

eine Bronzetafel. Der jetzige Sitz befindet

sich in einem Glasbau in der

Fasanenstraße nahe dem S-Bahnhofs

Zoologischer Garten.

Hochbetrieb in der Berliner Börse am ersten

Handelstag nach dem Krieg. BÖRSE BERLIN

VonJochen Knoblach (Text) und

Sabine Hecher (Grafik)

Mehr als 53 000 Mitarbeiter,ein

Gesamtumsatz

von8,5 Milliarden

Euro und am Ende ein

Gewinn von654 Millionen Euro:Die

Berliner Unternehmen, die dem

Land ganz oder zum Teil gehören,

haben im vergangenen Jahr offenbar

ordentlich gewirtschaftet. Finanzsenator

Mathias Kollatz nennt sie einen

„wichtigen Aktivposten“ und ist

zufrieden. „Die Gesellschaften verbesserten

das gute Ergebnis des Vorjahres

noch einmal deutlich“, sagte

er bei der Vorstellung des vomSenat

beschlossenen Beteiligungsberichts

für das Geschäftsjahr 2018.

Mehr Investitionen und Schulden

Dabei sind Unternehmen formal eigentlich

eine fast verschwindend geringe

Größte. Rund 190 000 Firmen

gibt es insgesamt in Berlin, an 54 Unternehmen

ist das Land in unterschiedlichen

Anteilen beteiligt. 34

Firmen befinden sich zu 100 Prozent

in Landesbesitz. Sie dienen einem

öffentlichen Zweck, sie lassen Bahnen

und Busse fahren, halten die

Stadt sauber,vermieten Wohnungen

oder versorgen uns mit Trinkwasser.

Im vergangenen Jahr gelang Letzteres

besonders gut. Die Berliner Wasserbetriebe

fuhren mit 195 Millionen

Euro den größten Gewinn ein. Den

größten Verlust machte wiederum

die Flughafengesellschaft ob der

BER-Verzögerung. Das Minus belief

sich 2018 auf 77,1 Millionen Euro.

Dabei unberücksichtigt sind die 1,15

Millionen Euro,die der unfertige Airport

den Steuerzahler kostet –pro

Tag.

Tatsächlich aber erwirtschafteten

44 der 54 Landesunternehmen 2018

Gewinne und profitierten vornehmlich

von der wachsenden Stadt. So

brachten es die sechs landeseigenen

Wohnungsbauunternehmen, denen

hier mehr als 300 000 Wohnungen

gehören, auf einen Umsatz von 2,1

Die Hauptstadt AG

Die landeseigenen Unternehmen Berlins steigerten Umsätze und Gewinne im vergangenen Jahr

288 000

Christoph Beck

Degewo

331 000

Roland Stauber*

Berlinovo

um gut fünf Prozent. Einige Chefgehälter wuchsen dagegen zweistellig

Frauen kontrollieren

Geschlechterverteilung der Aufsichtsratsmandate

in den Unternehmen mit Landesbeteiligung,

in Prozent

2014 2019

473 000

Andrea Grebe

Vivantes

284 000

Dirk-Uwe Michaelis

MEAB**

Milliarden Euro. Während sie also

etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes

der Landesfirmen lieferten, geht

mit 330 Millionen Euro die Hälfte des

Gewinns auf ihr Konto.Wohnungseigentum

ist auch dort lukrativ. 2017

lag die Nettokaltmiete bei den sechs

Landesgesellschaften im Schnitt bei

5,91 Euro pro Monat und Quadratmeter.

2018 waren es 6,09 Euro. Zudem

ging die Leerstandsquote weiter

zurück. Zugleich wurde kräftig investiert.

Vonden insgesamt 3,2 Milliarden

Euro, die die Berlin-Unternehmen

2018 invertierten, floss jeder zweite

Euro bei den landeseigenen Wohnungsbauunternehmen.

Laut Finanzsenator

investierte man dort

vor allem in den Bestand. Darüber

hinaus wurde neu gebaut und wurden

Privatwohnungen gekauft –jeweils

mehr als 3000 im vergangenen

Jahr. Dafür betrug die Neuverschuldung

der Unternehmen 822 Millio-

594 000

Sigrid Nikutta

Berliner

Verkehrsbetriebe

318 000

Stefanie Frensch*

Howoge

283 000

Markus Terboven

Gewobag

Die 20 bestbezahlten Chefposten

in Berliner Unternehmen mit

Landesbeteiligung, Gesamtbezüge 2018

in Euro

420 000

Tanja Wielgoß*

Berliner

Stadtreinigung

598 000

Christian Göke

Messe Berlin

525 000 495 000

Jürgen Allerkamp

Investitionsbank

Berlin

310 000

Peter Stäblein*

Behala

253 000

Ingo Malter

Stadt und Land

394000

Jörg Simon

Berliner

Wasserbetriebe

2014 2019

8575

654 3250

Männer lenken

Geschlechterverteilung in den Geschäftsführungen

und Vorständen bei den Mehrheitsbeteiligungen des

Landes Berlin,

in Prozent

44,6 55,4 55,0 45,0 27,6 72,4 41,7 58,3

Umsatz

in Millionen Euro, 2018

Jahresergebnis

in Millionen Euro, 2018

Investitionen

in Millionen Euro, 2018

Engelbert Lütke Daldrup

Flughafen

Berlin-Brandenburg

305 000

Jörg Franzen

Gesobau

245 000

Christina Geib

WBM

nen Euro. Bis 2026 soll der Bestand

um 80 000 Wohnungen wachsen.

Nachdem in der Vergangenheit

immer wieder mal die Gehälter des

Führungspersonals landeseigener

Unternehmen kritisiert worden waren,

findet sich im aktuellen Beteiligungsbericht

des Senats erstmals ein

sogenannter vertikaler Vergütungsvergleich.

Nach diesem Manager-to-

Worker-Index verdienen die Geschäftsführer

und Vorstandschefs

der Unternehmen mit Landesbeteiligung

durchschnittlich 6,6-mal

mehr als ihreMitarbeiter,was Kollatz

als angemessen bezeichnete und als

„sehr weit entfernt“ vonder Relation

52 zu 1inDax-Unternehmen.

Allerdings ist das Berliner 6,6-zu-

1-Verhältnis nur ein Durchschnittswert,hinter

dem deutlichen voneinander

abweichende Einzelwerte stehen.

Während etwa bei den Berliner

Bäder Betrieben der Chef das 4,4-Fache

des durchschnittlichen Mitarbeitergehalts

bekam, der Gesobau-

Boss das 5,4-Fache, so kassierte

Christian Göke, Chef der Messe Berlin,

laut Senatsfinanzverwaltung 8,7-

mal mehr als seine Mitarbeiter. Ex-

BSR-Lenkerin Tanja Wielgoß bekam

das 7,8-Fache,BVG-Chefin Sigrid Nikutta

brachte es sogar auf Faktor

11,9.

Fast 20 Prozentmehr

Nichtweniger aufschlussreich ist die

Entwicklung der Bezügeinden Chefetagen

von2017 auf 2018. Insgesamt

stiegen die Löhne und Gehälter in

diesem Zeitraum laut Statistischem

Landesamt in Berlin um durchschnittlich

3,4 Prozent. Dass es auch

mehr sein konnte,bewies wiederum

BVG-Chefin Sigrid Nikutta. Zwar

machte Deutschlands größtes kommunales

Nahverkehrsunternehmen

2018 einen Gewinn von13Millionen

Euro, doch rechtfertigt ein Gewinnwachstum

um 2,1 Prozent kaum eine

Gehaltssteigerung um 19,5 Prozent

auf 594 000 Euro. Zudem darf daran

erinnert werden, dass im Frühjahr

einige Streiks nötig waren, bis BVG-

Mitarbeiter einen Lohnzuwachs um

durchschnittlich acht Prozent erstreiten

konnten. Für die Chefs der

Wohnungsbauunternehmen Howoge

und Degewo wuchsen die Bezüge

um etwa elf Prozent.

Sehen lassen kann sich dagegen

der Frauenanteil in den Aufsichtsräten.

Immerhin 55 Prozent der Kontrollposten

waren voneiner Frau besetzt.

„Das macht uns stolz“, sagte

Kollatz, der sich dafür vor allem bei

drei Landesbediensteten bedanken

darf. So bekleidete Wirtschaftssenatorin

Ramona Pop insgesamt fünf

Aufsichtsratsposten und kontrollierte

etwa die BVG und die BSR.

Barbro Dreher, Staatssekretärin im

Ressort Pop kommt auf sieben Aufsichtsratsmandate

und Margaretha

Sudhof, Staatssekretärin in der Senatsfinanzverwaltung

gar auf acht

Kontrollposten. In den Geschäftsleitungen

verharrte der Frauenanteil

indes bei rund 42 Prozent.

365 000

Berndt Schmidt

Friedrichstadtpalast

303 000

Burkhard Kieker

Visit Berlin

242 000

Sven Lemiss

BIM***

*ausgeschieden

**

Märkische

Entsorgungsanlagen

Betriebsgesellschaft

***

Berliner Immobilienmanagement

****

Deutsche Einheit

Fernstraßenplanungs

und –bau GmbH

QUELLE: BETEILIGUNGS-

BERICHT DES BERLINER

SENATS

231 000

Dirk Brandenburger

DEGES GmbH****

NEU IN DER STADT

Members only!

Der andere

Supermarkt

VonJochen Knoblach

Ein Supermarkt, der wie ein Privatclub

geführt wird, das gibt es

noch nicht in dieser Stadt. Aber die

Vorbereitungen dafür laufen. Supercoop

nennt sich das entsprechende

Projekt, das den hiesigen Lebensmittel-Einzelhandel

revolutionieren

soll. Denn wer ineinem Supercoop-

Markt einkaufen will, muss Genossenschaftsmitglied

sein. Einmalig

100 Euro sind dafür in die Gemeinschaftskasse

zu zahlen. Darüber hinaus

müssen die Mitglieder monatlich

drei Stunden im Supermarkt arbeiten.

Unentgeltlich, versteht sich,

um die Betriebskosten zu senken.

DieGegenleistung: ökologisch hochwertige

Produkte, idealerweise aus

der Region und unverpackt, in bester

Qualität zum vergleichsweise günstigen

Preis.

Johanna Kühner, Mitinitiatorin

des Projekts, beruft sich auf eine aktuelle

Oxfam-Studie, in der das

Bündnis internationaler Hilfsorganisationen

festgestellt habe,dass deutsche

Supermärkte „zu den intransparentesten

und unnachhaltigsten

Europas“ zählen. Das sei in einem

kooperativen Supermarkt anders.

„Bei Supercoop geht es nicht um den

Gewinn für einen Investor, sondern

um sehr persönlichen Gewinn an Lebens-

und Ernährungsqualität für jeden

Einzelnen“, sagt die 22-jährige

Innovationsmanagement-Studentin.

Das Hauptziel sei es, allen Mitgliedern

eine gute Ernährung zu ermöglichen.

Vorbilder in NewYorkund Paris

Dass das funktionieren kann, wurde

in NewYorkund Parisbereits bewiesen.

In der US-Metropole öffnete der

erste kooperative Supermarkt bereits

vor45Jahren. 17 000 Mitglieder

zählt die Kooperative dort, die etwa

beschlossen hat, in ihrem Laden

kein Wasser in Plastikflaschen mehr

zu verkaufen. Paris zog 2016 nach.

Dorthat die Genossenschaft mittlerweile

6000 Mitglieder.

Tatsächlich sollen die Genossenschaftsmitglieder

mit ihren drei Monatsstunden

dem Modell nach das

gesamte Geschäft im Verkaufsraum

bestreiten. Sie räumen die Regale

ein, sorgen für Sauberkeit, sitzen an

der Kasse. Nur das Filialmanagement

betreiben Mitarbeiter mit Festanstellung.

Ihnen, so Kühner, werde

ein „fairer Lohn“ gezahlt. Ob die Angestellten

tatsächlich nach Einzelhandelstarif

entlohnt werden, wollte

sie indes nicht versprechen.

Im Moment sind die Einzelhandels-Revoluzzer

dabei, das Startkapital

für den ersten Members-only-

Shop in Deutschland einzusammeln.

Eine vorzehn Tagen gestartete

Crowdfunding-Kampagne soll

15 000 Euro bringen. Bislang haben

über 200 Unterstützer etwa 8400

Euro aufgebracht. „Es läuft gut“, sagt

Johanna Kühner. Danach soll ein

Kredit aufgenommen werden.

Inzwischen ist man auf der Suche

nach einem geeigneten Markt. Mindestens

800 Quadratmeter sollen zur

Verfügung stehen. Eine möglichst

zentrale Lage schwebt Kühner vor.

Innerhalb des S-Bahnrings und mit

durchmischtem sozialen Milieu.

„Wir wollen dorthin, wo sich nicht

alle den Einkauf ineinem Biomarkt

leisten können“, sagt Kühner. Bestenfalls

öffnet der MarktimSommer

2020. Damit sich das Modell rechnet,

braucht Supercoop dafür mindestens

1200 Mitglieder.

SUPERCOOP


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 7 *

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▼ 13180,23 (–0,38 %)

15.8.19

14.11.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▼ 62,36 (–0,43 %)

15.8.19

14.11.19

Euro in US-Dollar

▼ 1,0997 (–0,08 %)

Lufthansa bietet

Klimaausgleich an

Passagiere der Lufthansaund Swiss

könnenkünftig bereitsimBuchungsprozess

dieKlimafolgen ihrer

Flügefinanziell ausgleichen. Über

die Plattform „Compensaid“ wird

demFluggast nebenklassischenAufforstungsprojekten

auch angeboten,

die fürihn benötigte Kerosinmenge

ausnachhaltigenRohstoffen einzukaufen.

DieLufthansabeziehtden

Treibstoff nach eigenen Angaben

vomfinnischen HerstellerNeste Oil

und tankt ihn aufspäteren Flügen in

Frankfurt.Das nachhaltige Kerosin

wirdaus alten Speisefettenhergestellt

und istderzeit rund viermal so

teuer wie fossiler Treibstoff. (dpa)

15.8.19

Stand der Daten: 14.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

Quelle

14.11.19

aus DAX und MDAX vom 14.11. zum Vortag

Qiagen

CompuGroup Med. 59,65

33,57 +13,99 WWWWWWWWWWW

+3,74 WWWW

Bechtle 116,50 +2,64 WWW

Zalando 38,12 +2,20 WWW

LEG Immobilien 103,40 +2,02 WW

Alstria Office 16,61 +1,28 WW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 14.11. zumVortag

CTSEventim 52,25 WWWWW –5,94

K+SNA 11,99 WWWWW –5,41

Daimler NA 51,14 WWWW –4,48

Knorr-Bremse 87,12 WWW –3,34

Merck 106,15 WWW –3,28

Evotec 18,55 WWW –3,18

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 14.11. ±% z. 13.11.

Euro Stoxx 50(EU) –0,29

3719/2909 3688,81

CAC 40 (FR) – 0,10

5931/4556 5901,08

S&P UK (UK) – 0,82

1562/1323 1471,08

RTS (RU) – 0,06

1488/1033 1436,98

IBEX (ES) –0,23

9588/8286 9173,30

Dow Jones (US) +0,01

27806/21713 27785,10

Bovespa (BR) +0,26

109672/83892106334,10

Nikkei (JP) – 0,76

23591/18949 23141,55

Hang Seng (HK) –0,78

30280/24897 26319,48

Stx Singap. 20 (SG) –0,15

1657/1390 1631,20

Festgeld für 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Mon. 6Mon. 12 Mon.

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 0,56 0,66 0,91

Bank11

bank11.de 0,40 0,50 0,50

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,45 0,46 0,51

akf bank **

akf.de 0,20 0,45 0,65

abcbank

abcbank.de - 0,45 0,55

Deutsche Bank

deutsche-bank.de - 0,01 0,01

Santander

santander.de - 0,01 0,05

Targobank

targobank.de 0,00 0,00 0,20

ING

ing.de - - 0,01

Commerzbank

commerzbank.de - - -

Isbank

isbank.de 0,35 0,35 0,50

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de 0,01 0,01 0,01

Mittelbrandenburgische Sparkasse

mbs-potsdam.de - - 0,01

Sparda-Bank Berlin

sparda-b.de - - 0,002

Berliner Sparkasse

-030/86986969 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,22 0,29 0,39

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Das Statistische Bundesamt hatmehr Ausfuhren für September gemeldet, und zwar auf breiter Front.

Von Nico Esch

Knapp an der Rezession vorbei

Die deutscheWirtschaft wächst um 0,1 Prozent.Doch viele Firmen halten sich mit Investitionen zurück

Von Frank-Thomas Wenzel

Es sind 0,1 Prozent –das ist

nicht besonders viel. Dennoch

hat diese Zahl gestern

bei Politikernund Volkswirten

für viel gute Laune gesorgt. Denn

die Wirtschaftsleistung, gemessen

am Bruttoinlandsprodukt (BIP), ist in

den drei Monaten vonAnfangJuli bis

Ende September im Vergleich zum

Vorquartal überraschend gestiegen –

um jene 0,1 Prozent. Viele Ökonomen,

auch die der Bundesbank, hatten

mit einem negativen Vorzeichen

gerechnet.

Damit ist die Diskussion, ob

Deutschland in eine sogenannte

technische Rezession abrutscht, erst

einmal beendet. Das wäre der Fall,

wenn die Wirtschaftsleistung in zwei

Vierteljahresabschnitten hintereinander

sinkt –imzweiten Quartal

gab es ein Minus von 0,2 Prozent. In

den vergangenen Monaten waren die

Prognosen vieler Experten immer

düsterer geworden. Als Hauptgrund

wurden immer wieder die Verwerfungen

genannt, die durch den Handelskonflikt

zwischen den USA und

China entstanden sind. Für solche

Störungen sei die deutsche Wirtschaft,

die starkvom Exportabhänge,

besonders anfällig, hieß es. Zumal

China einer der wichtigsten Handelspartner

für Deutschland ist, und in

der Volksrepublik hat die wirtschaftliche

Entwicklung wegen der Spirale

aus Strafzöllen und Vergeltungszöllen

tatsächlich an Dynamik verloren.

Perspektiven: Experten wie

Friedrich Heinemann vom

Mannheimer ZEW-Institut

warnen: Es sei unerheblich,

ob das Wachstum knapp

über oder knapp unter der

Nulllinie liege. „Sorgemuss

vielmehr bereiten, dass die

längerfristigeWachstumsperspektivesinkt.“

Unter anderem

die Krise in der Autoindustrie

werde uns 2020 in

Atem halten.

Strikt auf Sparkurs

Daimler-Chef Källeniuslegt seineZukunftsstrategie vorund setzt den Rotstift an

kung unserer Prozesse und Strukturen.“

Allein beim Personal will der

Autobauer in den kommenden drei

Jahren konzernweit rund 1,4 Milliarden

Euro einsparen und dazu unter

anderem jede zehnte Stelle auf den

Führungsebenen streichen. Auch in

der Verwaltung sollen Arbeitsplätze

wegfallen. Zudem will Källenius die

Materialkosten senken, die allein im

Pkw- und Van-Bereich rund 45 Milliarden

Euro im Jahr ausmachen.

DerBetriebsrat reagierte alarmiert.

„Inder Automobilindustrie stehen wir

vor schwierigen Zeiten“, sagte Gesamtbetriebsratschef

Michael Brecht.

„Wir müssen uns dieser Realität stellen,

dürfen aber nicht an der Zukunftsfähigkeit

unseres Unternehmens sparen.“

Um die CO 2 -Vorgaben zu erreichen

und Strafen zu vermeiden, muss

SCHLÜSSELBRANCHE IM UMBRUCH

Strukturwandel: Tatsächlich

gibt es in der Schlüsselbranche

derzeit viele Unbekannte.

Zu einer heraufziehenden

generellen Absatzschwäche

kommt ein Strukturwandel,

der sich 2020 mit großer

Wahrscheinlichkeit verstärkenwird.

Die Elektromobilität

wird massiv an Bedeutung

gewinnen, es werden

viele neue E-Modelle auf

den Markt kommen.

Weniger Verbrenner: Nach

Auskunft vonBranchenkennernwerden

die Händler von

den Herstellernmit Vehemenz

dazu aufgefordert, die

Zahl der E-Auto-Verkäufe

deutlich zu steigern. Zugleich

werden damit auch

tendenziell weniger Pkw mit

Verbrennungsmotor neu zugelassen.

Genau dies macht

sich bereits bei Zulieferern

bemerkbar.

Maschinenbauer, die Chemie- und

die Elektroindustrie klagten zuletzt

über schrumpfende Absätze und

Aufträge.

Doch ganz so schlimm kann es für

die gesamte Wirtschaft nicht gewesen

sein. DasStatistische Bundesamt

(Destatis) hatte schon voreinigen Tagen

mehr Ausfuhren für September

gemeldet, und zwar auf breiter Front.

Vorallem sorgte die Nachfrage der

Nachbarn in der Europäischen Union

für ein steigendes Exportvolumen.

Dasist nicht der einzige Faktor für

das Miniwachstum. Deutschland

schrammte an der Rezession vorbei,

weil der Staat seine Ausgaben erhöhte

und weil bei den Konsumenten das

Portemonnaie locker sitzt. Das hat

mit der geringen Arbeitslosigkeit zu

tun. Laut Destatis wurde im dritten

Quartal eine Wirtschaftsleistung von

knapp 860 Milliarden Euro von 45,4

Millionen Erwerbstätigen geleistet.

Daswaren 356000 Frauen und Männer

mehr als ein Jahr zuvor. Verstärkend

kommt hinzu, dass die Gewerkschaften

in der jüngeren Vergangenheit

vielfach Lohn- und Gehaltssteigerungen

erkämpft haben, die deutlich

über der Inflationsrate lagen. Das

hat die Kaufkraft gestärkt. Unter den

Branchen ragt die Bauwirtschaft heraus.

Die niedrigen Zinsen und die

große Nachfrage nach Wohnungen –

Daimler den Anteil von Elektro- und

Hybridfahrzeugen an seiner Neuwagenflotte

deutlich erhöhen. Etwa

2Prozent sind es bisher, kommendes

Jahr sollen es 9sein, ein Jahr später

dannbereits15Prozent.Daskostetviel

Geld für Entwicklung und Produktion,

bringt auf absehbareZeitaberdeutlich

weniger ein. Hinzu kommen hohe Investitionen

in Zukunftstechnologien

wiedasautonomeFahrenodermilliardenschwere

Altlasten wie die Diesel-

Rückrufe.

Gut100 Gramm CO 2 proKilometer

darf die Mercedes-Neuwagenflotte

2020 im Schnitt noch ausstoßen, 138

Gramm sind es nach dem älteren

Messverfahren NEFZ derzeit. „Auch

wenn es wie eine Herkulesaufgabe

aussieht: Wir können das Ziel erreichen“,

sagte Källenius.Man müsseda-

FOTO: MARKUS SCHOLZ/DPA

vor allem in Ballungsgebieten –sorgen

für hohe Umsätze und kräftige

Gewinne am Bau.

Mau sieht es laut Destatis hingegen

bei „Investitionen in Ausrüstungen“aus.VieleUnternehmenhalten

sich bei der Anschaffung neuer

Maschinen und Anlagen zurück, weil

sie nicht sicher sind, ob sie alsbald

auch ausgelastet werden können.

Das trifft besonders auf die Autobranche

zu. Bei vielen Zulieferern

sind Sparprogramme mit Stellenstreichungen

angelaufen. Unterm

Strich: „Die aktuellen Daten zeigen

die Widerstandsfähigkeit der deutschen

Wirtschaft dank der kräftigen

Inlandsnachfrage“, sagte Sebastian

Dullien, Direktor des gewerkschaftsnahen

IMK-Wirtschaftsforschungsinstituts.Auch

das Wirtschaftsministerium

sprach vomprivatenKonsum

als „verlässlicher Stütze“. DieDebatte

über Steuersenkungen für Unternehmen

und staatliche Konjunkturprogramme

dürfte nun bis auf Weiteresadacta

gelegt werden.

Jetzt läuft es auf ein Wachstum

von 0,5 Prozent für das Gesamtjahr

2019 hinaus. 2018 wurde allerdings

noch ein BIP-Plus von1,5 Prozent erreicht.

Aus Sicht der IMK-Volkswirte ist

die Wahrscheinlichkeit, dass

Deutschland in den letzten drei Monaten

des Jahres doch noch einen

Rückschlag erleidet, deutlich gesunken.

Die Chancen seien gestiegen,

dass die aktuelle Flaute ohne tatsächliche

Rezession überstanden werde.

Sechs Monate nach seinem Antritt

bei Daimler ruft der neue Vorstandschef

OlaKällenius einen rigiden

Sparkurs bei dem Autobauer aus.Kostenrunter,Investitionen

kappen, Modellpalette

straffen: Die Strategie, die

der seit Mai amtierende Schwede am

Donnerstag in London präsentierte,

lässt nichts aus.Vor allem die strenger

werdenden Vorgaben der EU für den

Kohlendioxidausstoß (CO 2 )der Neufahrzeuge

setzen Daimler in den kommenden

Jahren finanziell unter Druck

–bei Pkws,Vanssowie Lastwagen und

Bussen.

DasmacheeineSteigerungderEffizienz

in allen Bereichen des Unternehmens

erforderlich, sagte Källenius.

„Dazu gehören auch die Verschlanzu

aber im kommenden Jahr bereits

die Sonderregeln wie die sogenannten

Supercredits nutzen, die der Gesetzgeberzugesteht,umdenÜbergangzuerleichtern.

DieTechnologiehabe man,

sagte Källenius.Was man nur bedingt

beeinflussen könne, sei das Kaufverhalten

der Kunden.

Im Hinblick auf die Investitionen

will Källenius künftig „wählerischer“

sein,sprich:Strikterüberprüfen,wofür

der Konzern Geld ausgibt und wofür

nicht –auch bei Forschung und Entwicklung.

Das aktuelle Niveau von 16

Milliarden Euro bleibt noch 2020, danach

soll es wieder sinken. „Wir haben

allesvonallem“,sagtederSchwedemit

Blick auf die Motorvarianten, die Mercedes

in seinen Fahrzeugen anbietet.

Das werde es so auf lange Sicht nicht

mehr geben. (dpa)

ADAC erhöht

Mitgliederbeiträge

DerADACerhöhtdie Beiträge für

seine 21 Millionen Mitglieder.Auf

einer außerordentlichen Hauptversammlung

wurde beschlossen, den

Jahresbeitrag im Basistarif ab April

von49auf 54 Euro zu erhöhen. Die

bisher vonden meisten Mitgliedern

gewählte Plus-Mitgliedschaft wird

sogar 10 Euro teurerund kostet

künftig 94 Euro.Neu eingeführtwird

außerdem eine Premium-Mitgliedschaft

mit weltweiter Pannenhilfe,

Rückholdienst und Abschleppen in

die Wunschwerkstatt für 139 Euro

Jahresbeitrag. DieBeitragserhöhung

ist die erste seit 2014. Siesolldem

Verein mindestens 10 Prozent mehr

Geld in die Kasse bringen. (dpa)

Porzellanmanufaktur

streicht 200 Jobs

Porzellanaus Meißen trägt diegekreuzten

Schwerter. FOTO: MONIKA SKOLIMOWSKA/DPA

DieStaatliche Porzellanmanufaktur

Meissen will ein Drittel ihrer Stellen

streichen. Damit reduzieresich die

Zahl der Mitarbeiter von619 auf 418,

teilte das Traditionsunternehmen

mit. Zu diesem Schrittsehe man

sich angesichts eines schwierigen

Umfelds in der Porzellanbranche sowie

des zu erwartenden wirtschaftlichen

Abschwungs gezwungen, hieß

es am Donnerstag in Meißen. Zudem

wolle man sich vonnicht profitablen

Standorten trennen. Europas

älteste Porzellanmanufaktur –1710

gegründet –kämpftseit Jahren mit

Millionenverlusten. DerUmbau

zum Luxuskonzernunter dem früheren

Chef Christian Kurtzke scheiterte.2017

kündigte Chef Tillmann

Blaschke einen Kurswechsel und die

Rückbesinnung auf das Kerngeschäft

Porzellan an. DieManufaktur

ist eine hundertprozentige Tochter

des Freistaats. (dpa)

Abnahmemenge

in Liter

HEIZÖLPREISE

Durchschnittspreis

je 100 LiterinEuro

(in Klammern Vorwoche)

1000 73,43 (73,33)

3000 68,71 (68,76)

5000 67,10 (67,08)

10 000 65,60 (65,59)

15 000 65,13 (65,13)

inkl. MWSt., frei Haus an Abladestelle,

Quelle: www.dieter-maeder.de

Preisermittlung 14. 11. 2019


8* Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Meinung

Wohnen

ZITAT

Vonwegen

„besonders“

Annika Leister

denkt über Mehr- und

Minderheiten in Berlin nach.

Besondere Bedarfsgruppen“, das ist

ein unmöglichesWort.Kühl, bürokratisch,

blutleer.Füllen wir das Wort mit Leben:

631 000 Menschen in Berlin haben

eine Behinderung. Das sind 18 Prozent!

Siealle fallen in die Kategorie „besondere

Bedarfsgruppe“ .Hätten Siegedacht, dass

es so viele sind?

Hinzu gesellen sich in die „besondere

Bedarfsgruppe“ Flüchtlinge und Hartz-

IV-Beziehende, Studenten oder auch Senioren

mit mickriger Rente und Betreuungsbedarf.

Merken Sie was? So „besonders“

ist diese Bedarfsgruppe nicht. Sonderneher

die Mehrheit in dieser Stadt, wo

viele Menschen schlecht verdienen. Sie

sind die breite Masse. Auf jeden Fall eher

als der freischaffende Hipster aus Kreuzberg

oder die festangestellte Journalistin,

die gerade diese Zeilen verfasst.

Doch für wenwerden geradeWohnungen

gebaut? Natürlich nicht für die „besondere

Bedarfsgruppe“, denn die ist ja

besonders und hat vor allem: kein Geld.

Bitter ist allerdings, dass nicht nur viel zu

wenig für sie gebaut wird, sondern sie

auch noch die wenigen Sozialwohnungen

verlieren, die es bisher für sie gab: Denn

die fallen nach einer gewissen Zeit einfach

aus der Bindung und können nach 30

Jahren normal am Markt vermietet werden.

Die Folge: Die Anzahl der staatlich

gefördertenWohnungen hat sich in Berlin

zwischen 2008 und 2018 fast halbiert.

Das ist fatal für diese Stadt. Und muss

sich ändern. DiePolitik muss daraus Konsequenzen

ziehen: die Privaten zum

Bauen von günstigen Wohnungen verpflichten,

viel stärker als bisher. Und die

zeitliche Begrenzung für Sozialwohnungen

aufheben. Damit der breiten Masse

endlich auch die breite Masse der Wohnungen

zur Verfügung steht.

Impfpflicht

Gesetz mit

Nebenwirkungen

Christian Burmeister

meint, dass die Neuregelung

kleinere Risiken in sich birgt.

Der Bundestag hat die Impfpflicht für

Masern beschlossen –imwesentlichen

für Kinder und Personen, die berufsbedingt

häufig damit in Kontakt kommen.

Es wird sich zeigen, ob so die Impfquote

bei Masern über die „Herdenimmunität“

von 95Prozent steigt. In Europa gibt es

positiveund negativeBeispiele dafür.Die

größte „Impflücke“ besteht zudem nicht

bei Kindern, sondern bei der Gruppe der

20- bis 50-Jährigen.

Sicher ist aber: Das Gesetz lässt einige

Fragen offen, die auch zu einer Klagewelle

führen dürften. So ist ein erheblicher bürokratischer

Aufwand zur Registrierung

und Sanktionierung von Impfverstößen

notwendig. Bisher ist beispielsweise nicht

geregelt, ob es bei fehlender Immunisierung

bei der Kita-Anmeldung die Gelegenheit

zur Nachimpfung geben soll –

und wenn ja, wie lange.

Das neue Gesetz, das bereits im März

in Kraft tritt, bringt aber auch Verbesserungen:

So kann künftig jeder Arzt jeden

impfen, also der Kinderarzt auch die Eltern;

eine eindeutige Erleichterung. Die

neue Impfpflicht richtet unterm Strich

wohl keinen Schaden an. Gegenargumente

wie der Hinweis auf den Verstoß

gegen das Gebot der körperlichen Unversehrtheit

des Einzelnen lassen sich

schlüssig entkräften. Trotzdem drängt

sich der Eindruck auf, dass die Impfpflicht

auch eine gute Gelegenheit für Gesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) und die

Koalition ist, Tatkraft zu demonstrieren.

Die Kürzungen der vergangenen 15 Jahre

im öffentlichen Gesundheitsdienst bei

Bund und Ländern rückgängig zu machen,

würde die Impfquote effektiver steigern,

wäre aber nur halb so publikumswirksam

wie eine Impfpflicht.

Bewegt sich wasdurch die öffentlichen Anhörungen?

Europa hübscht sich auf. Am Berlaymont-Gebäude

im Brüsseler Europaviertel,

in dem demnächst Ursula

von der Leyen als neue Präsidentin

der EU-Kommission arbeiten und

auch leben wird, entsteht ein neuer Besucherpavillon.

Es sieht nach Aufbruch aus,

nach Neubeginn. Das ist ganz im Sinne der

ehemaligen deutschen Verteidigungsministerin.

Siewill endlich Gasgeben können. Das

sagen nicht nur ihreVertrauten. Selbst politische

Gegner wollen, dass sich die künftige

Chefin der großen EU-Behörde so schnell

wie möglich in die Arbeit stürzenkann.

Doch Ursula von der Leyen hat noch einige

Hürden zu nehmen, bevor sie als erste

Deutsche seit mehr als 50 Jahren die Hauptgeschäftsstelle

der EU übernehmen kann.

Und die meisten von ihnen hat sie nicht

selbst aufgestellt, sondern übernommen.

DieBaustelle vordem Berlaymont in Brüssel

ist dabei das geringste Problem.

DieBriten wollen –wieder einmal –nicht

mitspielen und keinen Kommissar nach

Brüssel schicken. Dasallein könnte zwar den

Amtsantritt von der Leyens nicht verzögern.

Doch das Europaparlament bestätigte am

Donnerstag den ungarischen Ersatzkandidaten

für das Amt des Erweiterungskommissars

nicht. Erst nächste Woche wird sich zeigen,

ob von der Leyen am 1. Dezember die

Arbeit aufnehmen kann.

London hält sich also wieder einmal nicht

an die Regeln. Das mag aus britischer Sicht

sogar logisch sein, schließlich will Großbritannien

die EU spätestens am 31. Januar kommenden

Jahres verlassen. Doch die EU betritt

juristisches Neuland, denn den Regeln nach

muss jedes Mitgliedsland einen Kommissar

benennen. Es ist gut, dass die Kommission

noch einen juristischen Trick gefunden hat,

Kürzlich mussten mein Praktikant Siemen

und ich zu einer Messe fahren, die etwa

fünfzig Kilometer außerhalb von Amsterdam

stattfand. Wirfuhren mit dem Auto seiner Eltern,

denn in dem Verlag, in dem ich arbeite,

hat niemand ein eigenes Auto.Etwa die Hälfte

meiner Kollegen hat nicht mal einen Führerschein

–inder Hinsicht sind Amsterdamer

und Berliner einander ähnlicher als ihren jeweiligen

Landsleuten aus der Provinz. Kein

Wunder, denn man braucht tatsächlich chirurgische

Präzision, um ein Auto entlang der

engen Grachten und durch die schmalen Gassen

Amsterdams zu manövrieren.

Siemen und ich tuckern aber gerade mit

gemütlichen 100 Sachen über die niederländische

Autobahn, als er mich fragt: „Sag mal,

Yulian, warum stellt ihr Deutschen euch eigentlich

so an, eine Geschwindigkeitsbegrenzung

auf Autobahnen einzuführen?“ Ich

sitze auf dem Beifahrersitz und überlege

kurz, wie ich ihm unsere kulturellen Eigenheiten

erkläre, ohne zugeben zu müssen,

dass das begrenzungsfreie Rasen auf Autobahnen

tatsächlich irgendwie ein Reizthema

ist. Eigentlich hat er ja recht. Ichkenne auch

alle unabhängigen Studien, die besagen,

dass bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung

weniger Unfälle passieren, diese Unfälle seltener

tödlich sind und die Umwelt mit weniger

Schadstoffen belastet wird. Und ganz

ehrlich, ich liebe die Umwelt. Und lebende

Menschen liebe ich auch. Aber irgendwie

will ich mir voneinem Holländer auch nicht

erzählen lassen, wie schnell ich fahren darf.

EU-Kommission

Baustellen

in Brüssel

Damir Fras

sieht die Europäische Union in einer schlechten Verfassung,

was nicht nur am geplanten Austritt der Briten liegt.

mit dem sie den Amtsantritt von der Leyens

am 1. Dezember sichern könnte. Doch auch

eineVerschiebung um einen Monat wärerelativ

unbedeutend. Es gibt schließlich eine

funktionierende Kommission.

Schlimmer ist, dass Londons Weigerung

die These bestätigt, dass mittlerweile der

Verstoß gegen Regeln und Usancen in der

EU zur Normalität geworden ist. Die Ungarn

machen das, die Polen und auch die

deutsche Bundesregierung. „Nichts muss

bleiben, wie es ist“, hat Bundestagspräsident

Wolfgang Schäuble (CDU) vordem Europaparlament

in Brüssel gesagt, als er über

den Fall der Berliner Mauer vor 30Jahren

sprach. In der Tat. Nichts ist von Dauer,

auch die EU nicht. Vielewichtige Akteurein

KOLUMNE

Ich geb Gas,

ich will

Spaß

Yulian Ide

Autor

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

vielen wichtigen EU-Mitgliedsstaaten stellen

derzeit nicht unter Beweis, dass ihnen die

Zukunft Europas allzu sehr am Herzen liegt.

Die große Koalition in Berlin etwa will sich

die Extrakosten für die EU sparen, die durch

den Austritt Großbritanniens entstehen.

Dann ist da Emmanuel Macron, der selbst

ernannte, forsche Erneuerer der EU. Aus

Angst, die Kommunalwahlen im nächsten

Frühjahr gegen die Rechtsextremisten von

Marine Le Pen zu verlieren, blockiert der

französische Präsident die Aufnahme von

Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien

und Albanien. Das ist ein Fehler von

historischer Dimension.

Zwischen Deutschland und Frankreich

läuft es nicht mehr rund. Wenn sich aber die

beiden größten Mitgliedsstaaten der EU

nicht einig sind, dann wirddas auch vonder

Leyens Arbeit beeinflussen. Das letzte Wort

in der EU haben die Staats- und Regierungschefs,

die –wie beschrieben –ihre nationalen

Interessen im Zweifel über europäische

Interessen stellen. Dasgilt für Angela Merkel

und Emmanuel Macron gleichermaßen.

So war es zwar immer schon in der Geschichte

der EU. Nurwaren die Zeiten selten

so turbulent und selten war die EU so zerstritten

wie heute. Ursula von der Leyen hat

viele Ideen. Sie möchte eine „geopolitische

Kommission“ anführen, die Europa mehr

Einfluss in der Welt verschafft. Siewill innerhalb

von 100 Tagen nach Amtsantritt einen

Green NewDeal und bis zur Mitte kommenden

Jahre ein belastbares Konzept für eine

gemeinsame europäische Migrationspolitik

schaffen. DieIdeen sind gut, doch die EU ist

in einer schlechten Verfassung. Nach innen

schwinden ihre Bindekräfte und von außen

warten die USA, Russland, die Türkei und

China nur auf ein Scheiterndes Projekts.

Undein kleiner, sehr irrationaler Teil von

mir findet es irgendwie auch ganz schön,

dass wir entgegen aller redlichen Argumente

der restlichen Weltbevölkerung so bescheuert

schnell über unsere Autobahnen rasen.

WirDeutschen sind halt voll edgy,denke ich

dann. Nix damit deutscher Tugendhaftigkeit,

eigentlich sind wir krass wild und rebellisch,

oder so.„Wirklich gefährlich ist es auf

deutschen Autobahnen ohne Tempolimit eigentlich

nur, wenn ein Holländer auf der

Überholspur fährt“, antworte ich dann jedenfalls

und merke,dass der Stich ordentlich

sitzt. Stimmt halt aber auch irgendwie: Als

Deutscher habe ich in der Fahrschule gelernt,

worauf man achten muss, wenn man

mit 180 Stundenkilometern über niedersächsischen

Asphalt cruisen will: früh blinken,

viel Abstand halten, die nähere Umgebung

auf niederländische Pkw-Kennzeichen

scannen und halt irgendwie einfach keinen

Unfall bauen.

Siemen ist nicht so richtig überzeugt, und

vermutlich zu Recht. Ich kenne die Statistiken

nicht, aber ich schätze mal, dass wir

Letzteres letztlich doch nicht so gut hinbekommen.

Mitder Raserei auf deutschen Autobahnen

verhält es sich nämlich wie mit

dem Waffenbesitz in den Vereinigten Staaten

oder Zwarte Piet in den Niederlanden. Es

sind alte Gewohnheiten, die längst vomZeitgeist

eingeholt wurden.

Alle US-Amerikaner, Deutsche und Niederländer

mit ein bisschen Verstand wissen

eigentlich auch, dass es bescheuerte Gewohnheiten

sind, die mehr schaden als nutzen.

Aber irgendwie können wir sie nicht

loslassen, weil wir fälschlicherweise glauben,

dass sie ein Teil unserer nationalen

Identität seien. Dabei sind es nur heilige

Kühe, die endlich zur Schlachtbank geführt

werden müssen. Und wowir gerade dabei

sind, können wir über das tatsächliche

Schlachten von Kühen vielleicht auch bald

mal reden.

„Das Parlament war

keine Schande,

sondern lebhaft. Es hat

seinen Job gemacht.

Und sich durchgesetzt. “

John Bercow, jüngst in den Ruhestand getretener

Speaker des britischen Unterhauses, verteidigt im

Interview mit dem Stern die Wochen der vergeblichen

Abstimmungen zum Brexit.

AUSLESE

Die AfD und der

Rechtsausschuss

Der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner

ist alsVorsitzender des Rechtsausschusses

abgewählt worden. Die Frankfurter

Allgemeine Zeitung hält das für richtig,

auch wenn das Vorgehen zwei Schwächen

gehabt habe: „Eine liegt in dem Hinweis

mancher Politiker, mit dem ‚Judaslohn‘-

Tweet habe der AfD-Rechtspolitiker Stephan

Brandner eine angebliche antisemitische

Gesinnung selbst entlarvt. Dasgeht

fehl, denn das Wort wird generell als Synonym

für Verrat verwendet. Die andere

Schwäche liegt darin, dass die Regeln des

Bundestages keine Abwahl kennen.“ Doch

Brandner sei einer jener AfD-Politiker, die

„für den Fall einer AfD-Regierung ankündigen,

dass dann‚kein Steinauf dem anderen‘

bleiben werde. Diesem Treiben

musste dringend ein Stoppzeichen in den

Weggestellt werden.“

Dieser Meinungist auch die Thüringer

Allgemeine. „Nach Grenzüberschreitungen

oder Fehlverhalten wurden in nicht

allzu ferner Vergangenheit AfD-Mitglieder

von der Parteispitze immerhin noch

pseudo-gerügt“, kommentiert das Blatt.

„Diese Zeiten sind vorbei. Das Bild wird

klarer.“ Die Welt ist auch der Meinung,

dass Brandner fehl amPlatz war. „Nun

aber sollten die anderen Fraktionen der

AfD das ihr zustehende Amt eines Bundestagsvizepräsidenten

zukommen lassen.

Wer Brandner richtigerweise abwählt,

muss fähig sein, in gebotener Differenzierung

akzeptable AfD-Abgeordnete

zu wählen.“ Christine Dankbar

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 – S eite 9 **

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Berlin

Rund 100 000 Berliner

wissen nicht, dass sie

an Diabetes leiden

Seite 17

Der Streit um die 1500 neuen U-Bahn-Wagen geht in die nächste Runde Seite 11

Die Kliniken rüsten auf, weil es immer öfter zu Gewalttaten kommt Seite 14

Stadtbild

Umsonst

gewartet

Ruth Herzberg

mag es nicht, wenn

man an ihrer Tür klingelt

Bitte seien Sie zwischen zehn und

zwölf UhrzuHause,zwecks Austausch

des Warmwasserzählers“ –

stand auf dem Zettel im Briefkasten.

Kein Problem, ich bin als Freischaffende

ja meistens daheim. Aber es ist

natürlich trotzdem Stress,wenn man

aufgefordert wird, Fremden die Tür

zu öffnen. Genau wie letztes Jahr, als

sie die neuerdings gesetzmäßig vorgeschriebenen

Rauchmelder eingebaut

haben, oder als für eine Standard-Qualitätsprüfung

Wasserproben

entnommen werden mussten. Es

ist nicht nur,dass man anwesend sein

muss, wenn Monteure sich ankündigen,

man muss ja auch bekleidet sein.

Und aufräumen muss man wegen

denen auch. Damit sie sich nicht

durch dreckiges Geschirr in der Spüle

hindurcharbeiten müssen. Oder den

Staub und das ganze „kreative

Chaos“, die Wäscheberge und leere

Flaschen und so weiter sehen. Man

will ja einen guten Eindruck machen.

Vielleicht liegt es an meiner Sozialisierung

als DDR-Bürgerin. Ich

fürchte wohl unterbewusst, bei unaufgeräumter

Wohnung könnte Meldung

gemacht werden, an die Hausverwaltung,

das Jugendamt, die Rentenversicherung,

den Geheimdienst,

die Regierung. Aber was sein muss,

muss sein. Ich habe aufgeräumt, bin

bekleidet und hoffe, esbald hinter

mich gebracht zu haben. Also: halb

elf. Ichwarte angespannt und mit gespitzten

Ohren. Werde ich das Klingeln

hören? Normalerweise stelle ich

die Türklingel immer aus.Bei mir soll

normalerweise nicht geklingelt werden.

Mandarfmich nicht stören.

Denn selbst wenn ich zu Hause

bin, bin ich doch nicht zu Hause. Ich

bin Schriftstellerin. Ich schreibe! Ich

schwebe in Fantasiewelten. Ich befinde

mich nicht in meinem Heim, an

meinem Schreibtisch, sondern außerhalb

der Grenzen des sichtbaren

Universums.

Wenn ich schreibe,wenn ich endlich

im Flow bin, dann darf ich nicht

unterbrochen werden. Und sonst

auch nicht. Wenn ich nicht schreibe,

dann denke ich nach, dann träume

ich. Schlafwandler darf man ja auch

nicht wecken. Deswegen ist bei mir

immer die Klingel aus und das Handy

auf lautlos gestellt. Das muss auch

sein, denn sonst läuten sie alle bei

mir.Paketboten zum Beispiel.

Aber ich will auf keinen Fall die Pakete

meiner Nachbarn annehmen.

Weil die ja dann zum Abholen auch

wieder bei mir klingeln würden. Ich

habe ja eine solche Abscheu gegen

plötzliches Klingeln, dass ich nicht

mal meine eigenen Pakete annehmen

würde und deswegen bestelle

ich nichts im Internet.

ElfUhr.Esist still in der Wohnung.

Ich sitze und warte und lausche.

Nicht mal Musik darfich hören. Mein

Türklingelton webt sich nämlich problemlos

in bestehende Soundteppiche

ein, wenn ich mich recht erinnere.

Es ist ein harmonischer Dreiklang,

wie beim Bürgeramt, wenn die

nächste Wartenummer aufgerufen

wird. Zwölf Uhr. Das Zeitfenster ist

abgelaufen. Kein Klingeln, kein Monteur.Ich

hänge die Klingel wieder aus

und tauche wieder in meine Fantasiewelt

ein. Warum kam der Monteur

nicht? Ich weiß es nicht. Vielleicht

mochte er auch kein Klingeln.

18 Prozent der Berliner haben eine Behinderung.Anbezahlbaren, barrierefreien Wohnungen aber mangelt es. GETTY IMAGES/WESTEND61

Die ewige Suche

Menschen mit Behinderungen finden in Berlin kaum Wohnungen. Sozialgipfel fordert zentrales Register

VonAnnika Leister

Wohnungssuche in Berlin?

Für Lars Hemme

ein „Martyrium“. Die

Suche ist für fast niemanden

leicht zurzeit, die Lage ist

angespannt, die Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen

sind lang.

Doch für Hemme, 44Jahre alt, ist es

noch schwieriger, denn er sitzt im

Rollstuhl. 24 Stunden am Tagwirder

von einem Assistenten begleitet, der

ihn im Alltag unterstützt –und wegen

seiner Behinderung kommen für

ihn ohnehin nur wenigeWohnungen

infrage.

Für Menschen wie Lars Hemme

will der zehnte Berliner Sozialgipfel

ab Montag Lösungen diskutieren –

und im besten Fall finden. Neun Gewerkschaften,

Sozialverbände und

Mietervereine sitzen einen Nachmittag

zusammen und diskutieren die

Frage:„Wohnen für alle!? Für eine soziale

Stadtentwicklung“. Im Fokus

stehen jene,die es bei Wohnungsbesichtigungen

oft nicht einmal in die

Schlange schaffen: Flüchtlinge, Alte,

Menschen mit Behinderungen.

Kaum Wohnungen ohne Stufen

Der Sozialgipfel: Das zehnte

Treffen befasst sich vorallem

mit dem Thema Wohnen im

Alter und Wohnen mit Handicap.

Teilnehmer sind Betroffene,

Experten aus Politik,

Verwaltung und Wohnungsunternehmen,

AWO, DGB,

Sozialverband Berlin-Brandenburg

und VDK.

Die Zahl der billigen, barrierefreien

Wohnungen ist gering –und nicht

gesammelt in einemVerzeichnis einsehbar.Wer

zum Beispiel aktuell eine

Zwei-Zimmer-Wohnung in Friedrichshain

oder Kreuzberg sucht, erhält

bei Immobilienscout 272 Angebote.Wer

aber„stufenlosesWohnen“

als Bedingung anklickt („barrierefrei“

gibt es als Kategorie gar nicht

erst), dem werden nur noch 53 Angebote

angezeigt –viele davon mit Mieten

weit über 1000 Euro.

Hemme kam vor anderthalb Jahren

aus Paderborn nach Berlin –aus

beruflichen Gründen. Er hatte vom

Sozialverband VDK eine Stelle als

„Ergänzend unabhängiger Teilhabeberater“

angeboten bekommen,

eine vomBundüber das Teilhabegesetz

geförderte Stelle. Ein Glückstag.

„An den Tag der Zusage kann ich

mich noch sehr genau erinnern“,

sagt er und lächelt.

Erst stiegerzur Zwischenmiete in

einer Wohnung am Gleisdreieck ab,

die Bekannte ihm vermittelt hatten.

Dann ging er wieder drei Monate

lang auf die Suche –in Friedrichshain-Kreuzberg,

einem der beliebtesten

Bezirke Berlins. Ein anderer

Bezirkkommt für Hemme eigentlich

nicht infrage, denn sein Arbeitsplatz

liegt in der Nähe, und er muss nicht

aufwendig umsteigen, wenn er mit

den Öffentlichen unterwegs ist. Ein

extrem wichtiger Faktor für Menschen

im Rollstuhl, denn jeder Umstieg

birgt die Gefahr, aneinem kaputten

Aufzug hängenzubleiben und

sich zu verspäten.

Schließlich sagte Hemme bei einer

Wohnung zu, die eigentlich

überhaupt nicht für ihn taugt: Statt

der nötigen drei hat sie nur zwei

Zimmer. „Meine Assistenten müssen

also auf der Couch schlafen. Das

geht eigentlich gar nicht“, sagt

Hemme. Eine Trennwand im Bad

musste er entfernen lassen, damit

DER SOZIALGIPFEL

Zeit und Ort: Der zehnte Sozialgipfel

findet am Montag,

18. November,von 16.30

bis 19.30 Uhr,imHaus der

IG Metall, an der Alten Jakobstr.149,

10969 Berlin,

statt. Schon jetzt kann man

sich sich online anmelden

auf der Homepage

www.berliner-sozialgipfel.de

Höhepunkte: Um 16.45 Uhr

spricht die Landesbeauftragte

für Menschen mit Behinderung,Christine

Braunert-Rümenapf,

zu inklusiver

Wohnpolitik. Um 18.30 Uhr

beantwortet die Berliner

Bausenatorin Katrin Lompscher

die Frage: „Was macht

der Senat?“

LarsHemme arbeitet als Teilhabeberater beim Sozialverband VDK. CAMCOP MEDIA/ANDREAS KLUG

er mit dem Rollstuhl überhaupt hineinpasst.

Unddie Wohnung ist mit

53 Quadratmetern einfach zu klein

für Hemme und seinen Assistenten.

Seine Hilfsgeräte, wie ein Schieberollstuhl

und ein Hubarm für Treppenstufen,

stehen in seinem engen

Flur und müssen immer wieder umgeräumt

werden. Trotz all dieser

Nachteile sagt Hemme über seine

Wohnung: „Ein Glücksfall. Mit Sozialhilfe

hätte ich die nicht gekriegt.“

„Gnadenlos“ nennt Reiner Wild

vom Mieterverein die Konkurrenz

für Haushalte „mit besonderen Bedarfen“

bei der Wohnungssuche in

Berlin. Diese Menschen blieben

häufig chancenlos. „Daran hat sich

kaum etwas geändert.“ Zwar seien

seit 2016 bis zum Halbjahr 2019

rund 40 000 neue Wohnungen in

Berlin fertiggestellt worden. Doch

die meisten dieser Wohnungen

seien Eigentumswohnungen oder

hochpreisig – und deswegen für

Menschen mit besonderen Bedarfen

„letztendlich ohne Interesse“.

Seit 2016 seien lediglich 3500 Sozialwohnungen

fertiggestellt worden.

Viel zu wenig, sagt Wild. Er geht davon

aus, dass Berlin aktuell rund

10 000 bräuchte. Rein rechnerisch

haben die städtischen Wohnungsbauunternehmen

ihre Quote an

Wohnungen für Haushalte mit besonderen

Bedarfen zwar übererfüllt,

sagt Wild, aber es reicht immer

noch nicht. Auch private Investoren

müssten sich deutlicher im sozialen

Wohnungsbau engagieren, wenn es

auf diesem speziellen Wohnungsmarkt-Segment

tatsächlich so etwas

wie eine Entlastung geben soll.

Doch die privaten „sind nicht bereit

zu Kooperationen“, so Wild.

Rechte vonMieternneu regeln

Dabei trifft es so viele.Allein 631 000

Menschen mit Behinderung leben in

Berlin –das sind 18 Prozent der Bevölkerung.

Ursula Engelen-Kefer

vom Behinderten- und Sozialverband

SoVD hatganz konkrete Forderungen

für diese große Gruppe: Ein

zentrales Register zum Beispiel, das

alle geeigneten Wohnungen für

Menschen mit Behinderung auflistet.

„Wir brauchen einen Überblick,

wie es in den einzelnen Bezirken

überhaupt mit barrierefreien Wohnungen

aussieht.“ Bei Neubauten

sollten außerdem unbedingt Sachverständige

für barrierefreies Bauen

an Planung und Prüfung beteiligt

sein. Die Architektenkammer bilde

entsprechende Experten schon aus.

Außerdem fordertEngelen-Kefer eine

Bundesratsinitiative, die Rechte und

Pflichten vonMieternmit Einschränkungen

neu regelt. ZumBeispiel, dass

Menschen, die eine Wohnung barrierefrei

umbauen müssen, sie beim

Auszug nicht auf eigene Kosten wieder

zurückbauen müssen.

Wichtige Maßnahmen, die Lars

Hemmeerst einmal nicht weiterhelfen.

Er ist schon wieder auf der Suche

nach einer neuen Wohnung. Oder

immer noch, denn eigentlich beobachtet

er den Wohnungsmarkt seit

dem Tag, als er in seine jetzige Wohnung

einzog.

NACHRICHTEN

Mutmaßlichem US-Neonazi

Einreise verweigert

Diedeutsche Polizei hat laut einem

Medienbericht einem mutmaßlichen

Anhänger der rechtsextremistischen

„Atomwaffen Division“ die

Einreise verweigert. Der31-jährige

US-Bürger sei in der vergangenen

Woche aus Dublin kommend in Berlin-Tegel

gelandet, berichtete „Zeit

online“. Nach einer Befragung habe

er wieder zurückreisen müssen. Das

Bundesinnenministerium bestätigte

am Donnerstag die Zurückweisung

einer aus Dublin einreisenden Person.

Zu weiteren Details wollte sich

ein Sprecher nicht äußern. „Zeit online“

berichtete unter Berufung auf

einen deutschen Sicherheitsexperten,

der Mann gehörezum harten

Kern der „Atomwaffen Division“. Vor

kurzemhatten die Grünen-Politiker

Claudia Roth und CemÖzdemir

Morddrohungen erhalten, die mit

dem Absender „Atomwaffen Division

Deutschland“ unterzeichnet

waren. (dpa)

Großrazzia gegen Dealer:

Fünf Festnahmen

DiePolizei hat am Mittwochmorgen

fünf Männer festgenommen. Siestehen

unter dem Verdacht, einen Kokain-Handel

betrieben zu haben.

DieBeamten durchsuchten insgesamt

17 Objekte in Berlin und Brandenburg.

Insgesamt waren 170 Polizisten

im Einsatz. Beiden Razzien

wurden Kokain, eine scharfe Pistole,

Munition sowie eine fünfstellige

Geldsumme beschlagnahmt. Haftbefehle

gegen die Tatverdächtigen

im Alter zwischen 18 und 39 Jahren

wurden beantragt. (ls.)

Hochhaus entsteht nach

Entwurf von Chipperfield

Am Bahnhof Jannowitzbrücke in

Mitte entsteht ein Hochhaus nach

Plänen des britischen Star-Architekten

David Chipperfield. Chipperfield

konnte sich mit seinem Entwurffür

den rund 70 Meter hohen Turm gegen

elf Konkurrenten durchsetzen.

Dasteilten die Bauherren, ein Joint

Ventureaus der ArtReal Estate und

der CESA Group,amDonnerstag

mit. DerTurmmit einer Fläche von

zirka 20 000 Quadratmeterngehört

mit dem benachbarten Stadthaus

und dem Anbau an das Baudenkmal

Holzmarktstraße 10 zu dem Projekt

JAHO,das an der Holzmarktstraße/Ecke

Alexanderstraße entstehen

soll. In dem Turm ist eine Skybar

geplant, die öffentlich zugänglich

sein soll. Aufdem gesamten Areal

sollen Büros sowie Co-Working-Flächen

entstehen. Dererste Bauabschnitt

mit einer Fläche von30000

Quadratmeternwirdnach Plänen

des Architekturbüros Kuehn Malvezzi

gestaltet. (ulp.)

Der geplante Turm nach Plänen David

Chipperfields.

DAVID CHIPPERFIELD ARCHITECTS


10 * Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Berlin

Auf dem Dach des

Atelierszeigt

Kaska Hass ihre Mode.

Trip nach Kuba

50 Kreative aus Berlin reisen

in die Karibik –

eine davon ist Kaskaa Hass

VonGerd Engelsmann

Ein Kleid für den Geburtstag Havannas.

Kaska Hass’Schaufenster sind bis weit über die Grenzen ihres

KiezesinMitte bekannt. EinHingucker. Die Modemacherin

arrangiertihreKreationen aufwendig in den Schaufenstern

ihres Ladenlokals am Legiendamm. Am Freitag packt Hass

ihreKleider in Umzugskartons und wirddamit am Wochenende nach

Havanna fliegen. Mitvon der Partie sind 50 andere

Kreative, Künstler, Maler, Modemacher aus

Berlin, die gemeinsam nach Kuba aufbrechen,

um am 16. November den 500.

Geburtstag der Hauptstadt Havanna zu

feiern. Organisiert, geplant und gesponsert

wird der Trip von Monika Ehrhardt-Lakomy. Sie hat den „Traumzau-

berbaum“ ihres Mannes Reinhard Lakomy

auf Kuba ins Spanische

übersetzen lassen und wird die Proben des

kubanischen Kinderen-

Havannas, die an

sembles La Colmenita unterstützen.

„Ein wunderbares Geschenk an die Menschen

ihren Träumen und Visionen für einer gerechte Welt festhalten. Dass

die Blätter des Traumzauberbaumes so weit fliegen, hätte Laky sehr

gefreut“, sagt Monika Ehrhardt-Lakomy. Unterstützung erhält Ladie

Schirmherrschaft über

komy vonKultursenator Klaus Lederer,der die Delegation übernommen hat.

Kaska Hass’

Mode über den

Dächernder Stadt.

SVEN HAGOLANI (2), ROCH GERLACH, PRIVAT, BLZ/GERD ENGELSMANN

Die Modemacherin in ihrem Atelier.

Hass’ farbenfrohe

Mode wird auch in

Havanna ein

Hingucker sein.


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 11

· ·

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Berlin

Kampf um Milliardenauftrag

Die BVG will 1500 U-Bahn-Wagen kaufen, doch ein bei der Ausschreibung unterlegenes Unternehmen geht dagegen vor.Nun befasst sich das Kammergericht damit

VonPeter Neumann

Der Zeitplan für die neuen

U-Bahnen der Berliner

Verkehrsbetriebe (BVG)

ist schon aus den Fugen

geraten. Eigentlich sollten sie in diesem

Jahr bestellt und ab 2021 geliefertwerden,

aber daraus wirdnichts.

Ein Gerichtsverfahren, bei dem für

diesen Freitag der erste Verhandlungstermin

angesetzt ist, könnte die

Beschaffung weiter verzögern –um

einige Jahre. Für die Fahrgäste,die in

alten vollen Zügen schwitzen, wäre

das eine schlechte Nachricht. Für sie

hängt vondem Gerichtsverfahren einiges

ab. Für BVG-Chefin Sigrid Nikutta

jedoch nicht –sie wechselt in

den Vorstand der Deutschen Bahn.

Compliance-Regeln verletzt?

„Das wird sehr spannend“, heißt es

in der Bahnbranche.Sie wirdmit vielen

Zuschauernvertreten sein, wenn

das Kammergericht um 10 Uhr die

Verhandlung im Saal 449 eröffnet.

Das Verfahren mit dem Aktenzeichen

Verg 7/19 gilt als ungewöhnlich

– und überraschungsträchtig.

Wann das Urteil fällt, ist noch unklar.

Wer baut und liefert die bis zu

1500 U-Bahn-Wagen? Und wer

sorgt für die Ersatzteile? Darumging

es bei der Ausschreibung der Berliner

Verkehrsbetriebe (BVG), die

Ende 2016 begann. Nach zweieinhalb

Jahren fiel im vergangenen Mai

die Entscheidung,: Stadler Pankow

Diese U-Bahn ist knapp 25 Jahre alt. Die Flotte braucht eine Verjüngung.

IMAGO IMAGES

soll den auf drei Milliarden Euro taxierten

Rahmenvertrag erhalten. Die

anderen Bieter,der deutsche Ableger

vonAlstom aus Frankreich sowie ein

Konsortium von Siemens und Bombardier,

gingen leer aus. Doch das

Landesunternehmen durfte den Zuschlag

bis heute nicht erteilen.

Wie berichtet reichte Alstom bei

der Vergabekammer einen Nachprüfungsantrag

ein. Wie erwartet wies

die zur Senatswirtschaftsverwaltung

gehörende Stelle die Rüge Ende Juli

zurück – als „teilweise unzulässig

und im Übrigen unbegründet“. Die

Firma Alstom nahm aber auch das

nicht hin. Siezog vordas Kammergericht

und legte dort eine sofortige

Beschwerde ein –über die jetzt erstmals

öffentlich verhandelt wird.

Ungewöhnlich an dem Verfahren

ist, dass es überhaupt stattfindet.

Meist werden Entscheidungen von

Vergabekammern klaglos hingenommen.

In einer Branche mit nur

wenigen Akteuren will es sich keiner

mit den anderen verscherzen–wenn

es nicht nötig ist. Dasführtzur Frage:

Welches Motiv hat Alstom? Die

Deutschland-Zentrale gab sich gewohnt

schmallippig. Sprecherin

Tanja Kampa: „Alstom äußert sich

nicht zu zu laufenden Ausschreibungen.“

Will der börsennotierte Konzern

seinen Anlegernzeigen, dass es

den Kampf um den Milliardenauftrag

nicht aufgibt? Das wäre ein teuresSchaulaufen

–die Verfahrenskosten

könnten sich auf bis zu 1,8 Millionen

Euro belaufen. Oder hat die

BVG in dem Vergabeverfahren tatsächlich

Gesetze verletzt? Nahm sie

zu mindestens einem Bieter unzulässige

Kontakte auf, um ihm Informationen

zu übermitteln, damit sein

Angebot Erfolg hat? Solche Vorwürfe

zum Thema Compliance waren in

den vergangenen Wochen laut geworden.

Mankommentierenicht jedes

„Geschwätz“, so die BVGdazu.

Erster Zugfrühestens im Jahr 2025

Schon an Ablauf und Inhalt der U-

Bahn-Ausschreibung gab es Kritik.

„Das Ganze galt als Verhandlungsverfahren,

aber verhandelt wurde

kaum. Meist dekretierte die BVG etwas,was

wir dann befolgen mussten.

Kein Widerspruch möglich“, hieß es.

Bis kurz vor Abgabeschluss führten

Änderungen immer wieder dazu,

dass Angebote angepasst werden

mussten. War anfangs von bis zu

1050Wagen die Rede,wollte die BVG

plötzlich bis zu 1500 bestellen. Zunächst

sollten die U-Bahnen für eine

Jahreslaufleistung von 90000 Kilometern

ausgelegt werden, dann auf

120 000 –was ebenfalls Neuberechnungen

erforderte. Offenbar war die

BVG, die auf die Unterstützung von

Fachkanzleien anfangs verzichtete,

überfordert. In Unterlagen entdeckten

die zunehmend genervten Bieter

Zahlen, die nicht stimmen konnten.

Allerdings hatte Alstom die Möglichkeit,

während des Verfahrens bei

der BVG Bedenken zu äußern. Juristisch

ist es deshalb so, dass das Unternehmen

vorGericht jetzt neue Argumente

ins Feld führen muss.

Wasist nun zu erwarten –wenn

die Beschwerde nicht abgewiesen

wird? „Das Gericht kann das Verfahren

zum Teil zurücksetzen“, so ein

Beobachter.Was strittige Punkte anbelangt,

müsste es mit allen drei Bieternwiederholt

werden. Dauer:vielleicht

ein halbes Jahr. Dann könnte

der Auftrag 2020 vergeben werden.

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Glimpflich ginge das Ganze auch

aus, wenn sich Alstom und die BVG

auf einen Vergleich einigen würden.

Alstom könnte mit Geld oder Aufträgen

abgefunden werden. Unklar ist

aber, ob Siemens und Bombardier

das hinnähmen. Die für die Fahrgäste

schlimmste Variante wäre,

wenn das Gericht das Vergabeverfahren

aufhebt und anordnet, es neu

zu beginnen. Dann könnte der Zuschlag

erst in drei bis vier Jahren erteilt

werden –und die ersten U-Bahnen

würden nicht vor2025 geliefert.

Demonstranten stoppen

Feierabendverkehr

Protestkundgebung auf wichtigem Knotenpunkt in Biesdorf

VonPeter Neumann

„Der Stau in der

Köpenicker Straße

wirdvon TagzuTag

schlimmer.“

Hagen Ludwig vomVerband Deutscher

Grundstücksnutzer (VDGN)

Am kommenden Mittwoch werden

in Berlin Menschen auf die

Straße gehen, die sonst nie oder selten

demonstrieren. Eigenheimbesitzer,

Grundstücksnutzer und andere

Bewohner der östlichen Bezirke sind

aufgerufen zu protestieren.

„Abgehängter Stadtrand Ost? Es

reicht!“ –solautet das Motto der Protestkundgebung,

die um 17.30 Uhr

beginnt. Schauplatz ist die Kreuzung

der Bundesstraße B1/B5mit dem

Blumberger Damm in Biesdorf. Dort

werden die Demonstranten für einige

Minuten auf die Fahrbahn treten

und den Verkehr aufhalten, sagte

Frank Hufnagel am Donnerstag.

Er ist Sprecher des Verbands

Deutscher Grundstücksnutzer

(VDGN), der die Demo angemeldet

hat. Es gehe darum, „ein Signal zu

setzen“. Der Verband beklagt: „Seit

Jahren werden die Ortsteile am

Stadtrand Ost von der Berliner Politik

regelrecht abgehängt.“ So werde

ein wichtiges Projekt, der Bau eines

weiteren Abschnitts der Tangentialen

Verbindung Ost, kurz TVO,„verschleppt“.

Hagen Ludwig arbeitet in der Verwaltung

des Verbands, der

120 000 Grundstücksnutzer vertritt.

In der Nähe des Verbandssitzes in

der Irmastraße in Biesdorf-Süd verläuft

die Köpenicker Straße,mangels

TVOnoch die wichtigste Verbindung

zwischen Marzahn und Köpenick.

„Dortwirdder Stau vonTag zu Tag

schlimmer“, berichtete Hagen Ludwig.

Immer häufiger komme es vor,

dass auch auf der nahen Irmastraße

Stillstand herrscht –weil Kraftfahrer

die Siedlungsstraße als Schleichweg

nutzen, um dem Chaos auf der Köpenicker

Straße zu entkommen.

Über die TVO, dem rund 6,5 Kilometer

langen und mehr als 150 Millionen

Euro teuren Lückenschluss

zwischen der Märkischen Allee und

Wuhlheide, wird seit Jahren diskutiert.

Die Nord-Süd-Verbindung soll

Wohngebiete vomVerkehr entlasten

und Gewerbestandorte anbinden.

Immer wieder musste der Senat

die Termine verschieben und die

Bürger vertrösten. Zuletzt strebte er

an, das Planfeststellungsverfahren

Anfang 2020 anzufangen, was eine

TVO-Eröffnung 2027 ermöglicht

hätte. Doch im vergangenen Juni

sorgten Meldungen, wonach die

Deutsche Bahn keine Kapazitäten

frei habe, umdie vier Überführungen

über ihren Außenring zu planen,

für erneute Aufregung. Befürchtet

wurde, dass das Genehmigungsverfahren

nun erst 2021 beginnen kann.

Kritisch reagierten viele Bürger

auch auf die Forderung des Bundes

für Umwelt und Naturschutz

(BUND), auf das Projekt TVO ganz

zu verzichten. Wenn es der Senat

ernst meine mit dem Kampf gegen

Klimawandel, müssen er in ganz

Berlin den Straßenbau stoppen,

hieß es.Wenn es in Zukunft viel weniger

Autos gibt als heute, wäre die

TVO „hoffnungslos unwirtschaftlich“.

Bei der Kundgebung am kommenden

Mittwoch geht es aber

auch darum, dass das Nahverkehrsnetz

ausgebaut werden muss.Busse

und Bahnen müssten öfter fahren,

hieß es. Immerhin: Nachdem die S-

Bahn große Gebiete wegen Bauarbeiten

abgehängt hatte, rollen die

Züge auf den Linien S5, S7 und S75

wieder. An den kommenden Wochenenden

ist allerdings auf Teilstücken

wieder Schienenersatzverkehr

angesagt.

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Berlin

Ein Teehaus

für das

Schloss

Skulptur japanischer

Architekten aufgebaut

Das als Kultur- und Ausstellungszentrum

errichtete Humboldt-

Forum auf dem Schlossplatz hat am

Donnerstag ein japanisches Teehaus

bekommen. Das 300 000 Euro teure

Haus ist, für die streng rechtwinklige

japanische Architekturtradition

höchst ungewöhnlich, als frei geformte

Skulptur entworfen worden.

Sie soll vage an den Turm der Gedächtniskirche

erinnern, sagte Bauleiterin

Saki Nakano vom Wettbewerbssieger

UraArchitekten aus dem

japanischen Kanazawa.

Die japanische Teezeremonie –

eine meditativ aufgeladene Einladung

an hohe Gäste und gute

Freunde –sei nicht nur ein nationales

Symbol, erklärte der Kurator für Japanische

Kunst des Museums für Asiatische

Kunst, Alexander Hoffmann. Sie

sei auch ein Kunstwerk für sich. Im

Teehaus im Humboldt Forum wird

eine solche Zeremonie bei ausgewählten

Anlässen zu erleben sein,

etwa wenn die Teemeisterin Nobuko

Socho Sugai-Baumgarten eineVeranstaltung

anbietet.

Dervon den Kuratoren als Gartenersatz

versprochene Ausblick auf den

nahen Lustgarten wird zwar gerade

den meist knienden Zeremonie-Teilnehmern

durch die hohen Brüstungen

verstellt –aber der Raum strahlt

doch eine erstaunliche Intimität aus.

Das Teehaus sei ein Gewinn, sagte

Kurator Hoffmann, wenn jetzt noch

der ganz traditionell gehaltene Teeraum

im Dahlemer Museum erhalten

bliebe,wäredas perfekt. Derzeit werden

die Objekte des dortigen Museums

für Asiatische Kunst auf ihren

Umzug ins Schloss vorbereitet. (nb.)

Bauleiterin Saki Nakano (l.) und Teemeisterin

NobukoSoho Sugai-Baumgarten WÄCHTER

Einzug ohne Ermächtigung

Manche Vermieter buchen eine höhere Miete ab, obwohl die Mieter gar nicht zugestimmt haben

VonUlrich Paul

Mieter Thomas Schulze*

ist sauer. „Meine

Hausverwaltung hat

zum 1. September

eine Mieterhöhung von mehr als 50

Euro monatlich verlangt“, berichtet

er. „Und obwohl ich der Erhöhung

nicht zugestimmt habe, weil ich sie

für unberechtigt halte,hat die Hausverwaltung

den neuen Betrag mehrmals

von meinem Konto abgebucht.“

Zuletzt Anfang November.

DieVerwaltung habe sich einfach der

erteilten Einzugsermächtigung bedient.

„Das ist nicht in Ordnung“,

sagt Schulze. „Sogeht es nicht.“

Er habe die Einzugsermächtigung

im Vertrauen darauf erteilt, dass der

Vermieter nur die Beträge abbucht,

denen er zugestimmt habe.Jetzt fordert

Schulze die zu viel kassierten

Beträge über das Onlineportal wenigermiete.de

zurück. Dortist das Vorgehen

bereits bekannt. „Uns liegen

zahlreiche Fälle von Berliner Wohnungsunternehmen

vor, in denen

die erhöhte Miete per Lastschrift

eingezogen wurde, obwohl der Mieter

der Erhöhung nicht schriftlich

zugestimmt hat“, sagt der Gründer

von wenigermiete.de, der Rechtsanwalt

Daniel Halmer. Essei „ganz erstaunlich“,

dass Wohnungsunternehmen

so vorgehen. „Sie setzen

sich ganz offen über geltendes Recht

hinweg, obwohl diese Unternehmen

eine Armee von Anwälten und

Rechtsexperten beschäftigen“, sagt

Halmer. Die Vermieter gingen offenbar

„davon aus, dass ihr systematisch

widerrechtliches Vorgehen unentdeckt

oder ungeahndet“ bleibe.

AufFacebook nachgefragt

Nachdem wenigermiete.de die ersten

Fälle bekannt geworden seien,

habe das Online-Portal seine Nutzer

auf Facebook gefragt, ob auch bei

anderen Gesellschaften die erhöhte

Miete ohne Zustimmung abgebucht

wurde. Dabei seien weitere Vermieter

genannt worden, die genauso

verfahren. Rechtlich ist die Sache

laut Halmer klar. Das Landgericht

Stuttgarthabe im Jahr 2011 ein Urteil

dazu gefällt, sagt er. Die Richter entschieden,

dass ein Vermieter eine

höhere Miete zurückzahlen muss,

die er ohne Zustimmung des Mieters

drei Jahre lang per Lastschrift eingezogen

hatte. Der Vermieter sei bereits

mit dem ersten Lastschrifteinzug

vertragsbrüchig geworden und

Mieter,die eine Einzugsermächtigung erteilt haben, müssen aufpassen.

Wenn Mieter der Mieterhöhung

noch nicht zugestimmt

haben, können sie die Lastschrift

innerhalb von8Wochen

bei der Bank widerrufen

und die alte Miete neu

überweisen.

TIPPS

Falls die Rückgabe der Lastschrift

nicht mehr möglich

ist, sollte der Vermieter darauf

hingewiesen werden,

dass nicht zugestimmt wurde

–und die Rücküberweisung

verlangt werden.

IMAGO IMAGES

Das Lastschrift-Mandat

kann, zum Beispiel im Online-Banking

der Bank, beendet

werden. Stattdessen

sollte dann eine Dauerüberweisung

der alten Miete in

Auftrag gegeben werden.

habe nicht davon ausgehen können,

die unrechtmäßig eingezogene

Miete behalten zu dürfen. Rechtlich

gesehen gelte ein Schweigen des

Mieters – abgesehen von wenigen

Ausnahmen –nicht als eine Willenserklärung.

„Im Gegenteil. Eine Zustimmung

zur Mieterhöhung ist

darin niemals zu sehen“, so der

Rechtsanwalt.

Mitunter werde die Nutzung des

Lastschriftmandats zur Abbuchung

der erhöhten Miete ganz offen angekündigt.

So schrieb ein Unternehmen:

„Sollten Sie amLastschriftverfahren

teilnehmen, werden wir die

erhöhte Miete ab dem 01.07.2019

vonIhrem Konto einziehen.“ Einanderes

forderte in knapp zehn Fällen

zwar eine Zustimmung zur Mieterhöhung

ein, kündigte aber zugleich

den Einzug per Lastschrift an. Dieses

Unternehmen habe inzwischen aber

eingesehen, dass es damit unrechtmäßig

gehandelt habe –und die Ankündigung

zur Nutzung des Lastschriftmandats

wieder aus den

Schreiben herausgenommen.

Überprüfung kann sich lohnen

„Unrechtmäßige Lastschrifteinzüge

und behauptete stillschweigende

Zustimmungen zu Mieterhöhungen

sind nur die Spitze des Eisbergs“,

sagt Halmer. Die Überprüfung von

Mieterhöhungsverlangen und Verträgen

zeige, dass die Verstoßquote

aktuell sogar noch zunehme. „Mehr

als jede zweite Mieterhöhung ist unrechtmäßig.

Und mehr als drei von

vier neu abgeschlossenen Mietverträgen

verstoßen gegen die Mietpreisbremse“,

sagt Halmer.

Besonders dreist sei das Schreiben

einer Wohnungsgesellschaft.

„Diese hat im August dieses Jahres

im Mieterhöhungsschreiben mitgeteilt,

dass sie bei Vorhandensein eines

Lastschriftmandats von einer

stillschweigenden Zustimmung ausgehe,

sollte der Mieterhöhung nicht

schriftlich widersprochen werden.“

Für den Verband Berlin-Brandenburgischer

Wohnungsunternehmen

(BBU) sind die Praktiken neu. „Solche

Vorkommnisse sind uns nicht

bekannt und würden auch wenig

Sinn ergeben“, sagt BBU-Sprecher

David Eberhart. „Wir gehen daher

davon aus,dass es sich dabei nur um

technische Pannen oder Versehen

handeln kann, die nach Bekanntwerden

zügig behoben werden.“

*Name geändert

Erste

Fahrverbote

ab November

Acht Straßenabschnitte bald

für Diesel bis Euro 5tabu

VonPeter Neumann

Lange dauert esnicht mehr, dann

müssen sich viele Dieselfahrer in

Berlin neue Wege suchen. Im Auftrag

der Bezirke Mitte und Neukölln haben

Baufirmen damit begonnen, an

acht Straßenabschnitten Masten für

Durchfahrverbotsschilder zu bauen.

Sobald dieVerkehrszeichen montiert

sind, sind dieTeilstücke für Diesel bis

einschließlich Euro 5tabu.

In Mitte geht das Straßen- und

Grünflächenamt davon aus, dass

die ersten Durchfahrtsverbote Ende

November in Kraft treten, teilte ein

Bezirksamtssprecher der Berliner

Zeitung auf Anfrage mit. Auch in

Neukölln kommen die Bauarbeiten

für die neuen Verkehrszeichen

voran. „Auch wenn sie erstaunlich

aufwendig sind“, sagte Christian

Berg,der Sprecher des Bezirks.Gehwege

müssten aufgerissen, für die

kräftigen Stützen tiefe Löcher gegraben

werden. Wann die Schilder

enthüllt werden können, könne

noch nicht gesagt werden –vermutlich

eher Anfang Dezember als Ende

November, teilte Berg mit. „Die

Nächte werden auch in den nächsten

Tagen ziemlich kalt, was das

Aushärten der Fundamente eher

verzögerndürfte.“

Sechs Verbotsabschnitte führen

durch Mitte –Alt-Moabit, Leipziger-,

Brücken-, Friedrich-, Reinhardt- sowie

die Stromstraße. In Neukölln

sind Hermann- und Silbersteinstraße

betroffen. Der kürzeste Stück

misst 150, das längste 840 Meter.Insgesamt

geht es um 2,9 Kilometer,

0,05 Prozent der Berliner Straßen.

Solche Schilder stehen bald auch an Berliner

Straßenabschnitten.

DPA/ MURAT

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Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 13 *

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Berlin

Nie ohne meinen Heizlüfter

VICKY LEANDROS

ist immer etwas früher als ihr Publikum

in Weihnachtsstimmung. Das

liegt an den Vorbereitungen auf ihre

traditionelleWeihnachtstournee,auf

der sie sich in diesem Jahr selbst ein

Geschenk macht: „Ich war schon oft

als Besucherin im Konzerthaus am

Gendarmenmarkt, auf der Bühne

stehe ich dortam10. Dezember zum

ersten Mal.“ Dabei lag es doch wirklich

nahe, dort zugastieren: „So ein

festlicher Saal passt besonders gut zu

den weihnachtlichen Liedern.“

Weil das letzte Konzert der Tour erst

am 21. Dezember in Weimar stattfindet,

muss die Sängerin mit den griechischen

Wurzeln vorher organisieren:„Alles

ist vorbereitet, die meisten

Geschenke sind schon gekauft. Aus

Weimar geht es direkt nach Hause

und schon beginnen die Vorbereitungen

für die großen Familienessen.“

Die ganze Familie kommt, 22

Personen sind zu beköstigen. Wenn

das nicht im Chaos enden soll, ist Logistik

wichtig.

Auf der Tournee wird es entscheidend

sein, dass sich die Künstlerin

nicht verkühlt. Die Hotels wissen,

dass sie ein besonders warmes Zimmer

benötigt. „Es muss mindestens

25 Grad haben. Ichhabe immer meinen

eigenen Heizlüfter dabei.“

Im Konzerthaus wirdVicky Leandros

von einem Trio –Piano, Gitarre und

Schlagzeug – begleitet. Das Finale

singt sie gemeinsam mit einem Kinderchor.

Imersten Teil beginnt sie

mit internationalen Weihnachtsliedern

und arbeitet sich dann zu den

deutschen vor. Irgendwann stimmen

dann auch die Zuhörer ein.

Luise Befortdarf sich jetzt „Young Style

Icon“ nennen.

Über die Weihnachtsmärkte in den

Tourneeorten kann die Sängerin

nichts sagen, denn die meidet sie sicherheitshalber:

„Mir ist die Gefahr

zu groß, dass ich mich da erkälte.“

CHRISTIAN BOROS

gehörte am Donnerstagabend mit

Matthias Düwel und Lothar Eckstein

zu den Gastgeberneines Abends,der

Folgen haben soll. Die drei Geschäftsleute

wollen die legendäre

Berliner Bekleidungsmarke Manhei-

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Vicky Leandros hat es auf

Weihnachtstour gern kuschelig.

Christian Boros reanimiert die

Traditionsfirma Manheimer.Luise

Befort ist jetzt eine amtliche Stilikone

VickyLeandros, Sängerin mit griechischen Wurzeln, braucht es immer schön warm.

CHRISTIAN SCHULZ (3)

Christian Boros, Geschäftsmann, Kunstsammler

und Modefreund

mer neu beleben und hatten zu Gespräch,

Essen, Drinks und einer Präsentation

von neuer Bekleidung in

der Manheimer-Tradition ins Lapidarium

am Halleschen Ufer eingeladen,

das dem Unternehmer und

Kunstsammler Borosgehört. Beidieser

Gelegenheit wurde Andreas Valentin

vorgestellt, der Erbe der

Marke. Seine Vorfahren –Valentin,

Moritz und David Manheimer –hatten

1836 die Firma „Gebr. Manheimer“

gegründet, die sich der Herstellung

und dem Verkauf von Konfektionskleidung

widmete. Der Name

Manheimer ist schon seit dem 19.

Jahrhundert mit der damals innovativen

Kombination von Schneiderhandwerk

und Konfektion verbunden.

Christian Boros griff sofort zu,

als sich ihm die Möglichkeit bot, als

Anteilseigner Teil des neuen Kapitels

dieser Geschichte zu werden: „Ich

bin ein Überzeugungstäter und

denke über solche Herzensentscheidungen

nicht lange nach.“

LUISE BEFORT

bekam es am Donnerstagabend im

Spindler &Klatt schriftlich, dass sie

eine „Young Style Icon“ ist. So steht

es auf dem Sockel ihres roten Panthers,

der Trophäe beim New Faces

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Schauspielerin, woher sie die Inspirationen

für ihreKlamotten holt:„Als

Kind war es meine Oma, heute sind

es meine Freunde oder Besuche in

London.“ WeitereNew FacesAwards

gingen an Julia Leiffert („Young FashionDesigner“)

und Swantje Sömer

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14 Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Radfahrer schwer verletzt.

Beieinem Unfall in Moabit ist am

Mittwochnachmittag ein Radfahrer

schwer verletzt worden. Ein41-Jähriger

war mit einem Mercedes Vito

auf der Gotzkowskybrücke unterwegs

und wollte rechts in die Levetzowstraße

abbiegen. In Höhe der

Radwegfurtbremste der Autofahrer.

Daraufhin versuchte der Radfahrer

nach links auszuweichen. Dabei fuhr

er gegen den Mercedes.Der 27-Jährige

erlitt Kopfverletzungen.

Fußgänger beim Ausparkenerfasst.

Eine Autofahrerin hat am Mittwoch

beim Ausparken in Westend eine

Fußgängerin erfasst. Die49-Jährige

war gegen 15.45 Uhrinder Reichsstraße

mit ihrem Nissan rückwärts

aus einem auf dem Mittelstreifen befindlichen

Parkhafen gefahren. Dabei

erfasste sie die 82-Jährige.Die Seniorin

erlitt Kopfverletzungen und

kam in eine Klinik.

Rennen mit verbotenen Blaulicht.

Polizisten haben am Mittwochabend

einen 21 Jahrealten Mann

und dessen 25 Jahrealten Bekannten

in Wedding festgenommen. Siewarenmit

einem schwarzenCadillac

mit aufgesetztem blinkenden Blaulicht

durch Wedding gerast. Dabei

wurden sie voneinem 32 Jahrealten

Zeugen verfolgt, der vonseinem

Auto aus die Polizei verständigte.Am

Lichtburgring stoppten die Polizisten

den SUV.Beide Insassen wurden

in ein Polizeigewahrsam gebracht.

DerFührerschein des Jüngeren sowie

der Cadillac und das Blaulicht

wurden beschlagnahmt.

Haftbefehle vollstreckt.

Bundespolizisten haben einen mit

Haftbefehlen gesuchten 47 Jahrealten

Rumänen bei der Einreisekontrolle

am Flughafen Schönefeld verhaftet.

DerMann war aus Moldawien

gekommen. Beiseiner Kontrolle

stellten die Beamten fest, dass

die Staatsanwaltschaften Hannover

und Augsburgbereits seit Juni 2010

mit entsprechenden Haftbefehlenwegen

schweren räuberischen Diebstahls

nach dem Mann suchten. Er

wurde kurzdarauf in eine Haftanstalt

eingeliefert. (ls.)

Kampfzone Krankenhaus

Weil es immer öfter zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kliniken kommt, rüsten diese jetzt auf

VonPhilippe Debionne

und Eric Richard

Innerhalb von nur einer Woche

hat die Polizei zu zwei Großeinsätzen

in Krankenhäuser ausrücken

müssen. Verfeindete

kriminelle Banden, die teils dem

Clan-Milieu zugerechnet werden,

trugen ihre blutigen Auseinandersetzungen

auch in den Fluren der

Kliniken aus. Auch wenn die Polizei

keine Einsatzzahlen nennt: Die Gewalt

in den Spitalen ist ein zunehmendes

Problem. Der Bundesverband

der Sicherheitswirtschaft bestätigt

in einer Mitteilung, dass „immer

mehr Krankenhäuser und

Notaufnahmeeinrichtungen mit Sicherheitskräften

aufrüsten“.

Ein jetzt aufgetauchtes Video

zeigt einen dieser Vorfälle von vergangener

Woche im St.Joseph Krankenhaus

in Tempelhof. In einem

Krankenzimmer der Klinik in der

Wüsthoffstraße hatte aus bislang unbekannten

Gründen ein Streit zwischen

mehreren Männern begonnen,

teilte die Polizei mit.

60 Polizisten im Einsatz

Die Auseinandersetzung verlagerte

sich dann mit vonbeiden Seiten herbeigerufener

Verstärkung im weiterenVerlauf

auf die Straße vordie Klinik.

Hier gingen dann bis zu 30 Personen

aufeinander los. Die zu diesem

Zeitpunkt bereits alarmierten

Polizeikräfte versuchten zwar,die Situation

zu entschärfen. Doch auf

dem Video ist zu sehen, wie die rivalisierenden

Banden die Polizei weitgehend

ignorieren und der Streit immer

weiter eskaliert. Erst mit massiverVerstärkung

schafften es die Einsatzkräfte

schließlich, die Lage in

den Griff zu bekommen.

Nach Polizeiangaben waren dazu

60 Beamte des Abschnitts 44 sowie

der 35. Einsatzhundertschaft nötig.

Drei Menschen wurden verletzt,

Festnahmen gab es keine.

In der Nacht zu Dienstag, also nur

wenige Tage später, dann der

nächste Vorfall: Nach einer Messerstecherei

in Kreuzberg kamen die

An dieser Klinik in Tempelhof kam es zu einer Massenschlägerei.

beiden Kontrahenten mit Stichverletzungen

in ein Krankenhaus. Hier

erschienen nach Polizeiangaben

dann „nach und nach Angehörige

und Bekannte der Verletzten“. Diese

sollen teils hochgradig aggressiv gewesen

sein. „Nur unter Hinzuziehung

weiterer Einsatzkräfte konnten

die Personen abgedrängt und die Arbeitsfähigkeit

der Rettungsstelle gewährleistet

werden“, so die Polizei

weiter.

„Pöbelnde Patienten, aggressive

Familienmitglieder oder betrunkene

Stressmacher – die Situationen in

ERIC RICHARD

deutschen Krankenhäuser ist zunehmend

unentspannter“, heißt es

beim Bundesverband der Sicherheitswirtschaft

(BDSW). Deshalb

würden „immer mehr Krankenhäuser

und Notaufnahmeeinrichtungen

mit Sicherheitskräften aufrüsten“.

Dass „private Sicherheitskräfte

Veranstaltungen, den öffentlichen

Personenverkehr, Einzelhändler,

Universitäten, Schulen oder Jobcenter

schützen, überrascht niemanden

mehr. Dass leider aber auch immer

häufiger Ärzte und Pflegekräfte beschützt

werden müssen, ist ebenfalls

traurige Realität geworden“, sagt Harald

Olschok, Hauptgeschäftsführer

und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied

des BDSW.

Auch die Charité beschäftigt inzwischen

Securitypersonal: Die

Kräfte der Charité CFM Facility Management

GmbH sorgten „durch

Präsenz für Sicherheit“, heißt es in

einer Selbstbeschreibung des Unternehmens.

Zudem gehe es auch um

die „Gewährleistung des störungsfreien

Ablaufes des Krankenhausbetriebes“.

Das hauseigene Securitypersonal

würde bei „rund 800 Ereignissen

pro Jahr“ zum Einsatz kommen,

„beispielsweise in Form von

Alarminterventionen oder der

Durchsetzung des Hausrechts“.

Soziale Kompetenz notwendig

Nach Einschätzung der Berufsgenossenschaft

für Gesundheit und

Wohlfahrtspflege gibt es bei einem

Einsatz privater Sicherheitsdienste

in Krankenhäuser allerdings „einiges

zu bedenken“. So könne „ein Sicherheitsdienst

in Dienstkleidung“ unter

Umständen negative Gefühle wecken,

die „zum Teil erst recht Aggressionen

auslösen“ könnten, so die Berufsgenossenschaft.

Zugleich

könnte Sicherheitspersonal den Beschäftigten

im Krankenhaus das Gefühl

geben, beschützt zu sein. Auch

manche Klinikmitarbeiter würden es

als entlastend empfinden, „sich angesichts

dieser Unterstützung wieder

störungsfrei ihrer eigentlichen

Tätigkeit widmen zu können“.

Gerade in Einrichtungen des Gesundheitsdienstes

sei es aber

„wichtig, dass die dort eingesetzten

Sicherheitskräfte bestimmte persönliche

und soziale Kompetenzen“

mitbringen. Diese seien „nur zum

Teil trainierbar“. So käme ein „reiner

Türsteher, der sich nur durch

eine stabile,muskulöse Statur,nicht

aber die nötige Sozialkompetenz

auszeichnet“, nicht infrage. Der Sicherheitsdienst

in Krankenhäusern

müsse nach Ansicht der Berufsgenossenschaft

daher in jedem Fall

„einer gründlichen Personalauswahl

unterzogen sein“.

Angriff auf

Soldat war

vorgetäuscht

Ermittlungen wegen

rassistischer Attacke

Der Angriff auf einen türkischstämmigen

Bundeswehrsoldaten

in Neukölln ist vondiesem offenbar

nur vorgetäuscht worden. Dieangebliche

Attacke vom 2.September

hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Der 25-jährige Obergefreite erstattete

an jenem TagAnzeige bei der

Polizei. Demnach hätten ihn gegen

9.20 Uhrinder Saalestraße zwei Männer

hinterrücks angegriffen, geschlagen

und getreten. Lautstarksollen die

Angreifer gesagt haben, dass nur

Deutsche eine Soldatenuniform tragen

dürften.

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Der erste Eindruck zählt

Weil die Polizei voneinem rassistischen

Hintergrund der Tatausging,

übernahm der Staatsschutz beim

Landeskriminalamt die Ermittlungen.

„Das Ermittlungsverfahren ist inzwischen

eingestellt worden“, sagte

Martin Steltner, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft,

am Donnerstag.

„Im Krankenhaus konnten die

von ihm behaupteten Verletzungen

nicht belegt werden.“ Zudem habe er

sich bei seinen Angaben in Widersprüche

verstrickt. „Es besteht der

Verdacht, dass der Angriff vorgetäuscht

worden ist“, so Steltner. Der

25-Jährige war zwar tatsächlich gegen

9.20 Uhr inder Saarstraße. Doch die

Auswertung von Videoaufzeichnungen

konnte den behaupteten Tathergang

nicht belegen. Gegen den Soldaten

wirdjetzt wegen Vortäuschens einer

Straftat ermittelt. (kop.)

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und öffentlicher Verkehrsflächen

Sie können die Planzeichnung, die Begründung und fachbezogene

Gutachten einsehen und nach Erläuterung der Ziele,

Zwecke und Auswirkungen der Planung Äußerungen hierzu

abgeben. Das Anhörungsergebnis wird indie weitere Planung

einfließen.

Ort: Bezirksamt Lichtenberg von Berlin, Abteilung Stadtentwicklung,

Soziales, Wirtschaft und Arbeit, Stadtentwicklungsamt,

Fachbereich Stadtplanung, 10315

Berlin, Alt-Friedrichsfelde 60, Haus 2, Zimmer 2.1119,

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Der Bebauungsplanentwurf kann auch imInternet eingesehen

werden unter: http://www.berlin.de/ba-lichtenberg/

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oder http://www.mein.berlin.de

Datenschutz: Die Verarbeitung personenbezogener Daten erfolgt auf der Grundlage des §3Baugesetzbuch in Verbindung

mit Art. 6Abs. 1Buchst. eDatenschutz-Grundverordnung und Berliner Datenschutzgesetz. Geben Sie Ihre Stellungnahmen

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Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 15

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Berlin

Die Schwelle zum Ruhestand

ist meist auch eine

Schwelle in Finanzdingen.

Um die Rente aufzubessern,

haben viele während des

Arbeitslebens privat etwas zurückgelegt.

Wird dann die Lebensversicherung

fällig, stellt sich häufig die

Frage: Wastun damit, wird das Geld

nicht gleich benötigt? Zinsen werden

von der Inflation aufgefressen, Börsenanlagen

sind nicht ohne Risiko.

Wie man dennoch auch im Alter

noch einiges zusammensparen

kann, das war das Thema bei unseremTelefonforum.

DieFragen unserer

Leserinnen und Leser beantworteten

die Finanzfachleute Petra

Hauschulz von der Stiftung Warentest/Finanztest

und Frank Schöndorf

vom deutschen Fondsverband

BVI. Hier eine Zusammenfassung:

Ich habe breit gestreute ETF (börsengehandelte

Fonds) und überlege jetzt,

etwa10000 Euro in Aktien von klassischen

Unternehmen oder Wohnungsbauunternehmen

anzulegen.

Wasraten Sie?

Generell ist bei dieser Summe von

Einzelaktien abzuraten, da hier

keine angemessene Streuung möglich

ist. Auch auf eine einzelne Branche

wieWohnungsbauunternehmen

sollten Sie sich nicht festlegen, da

hier wegen der Entwicklung auf dem

Wohnungsmarkt die Kurse bereits

hoch sind. Suchen Siesich besser einen

global und einen europaweit anlegenden

Fonds –auch wenn Siebereits

breit gestreute Fonds haben.

Sollte man den Aktienanteil jetzt verringern?

Mir ist weltwirtschaftlich gesehen

zu viel Unsicherheit im Markt.

Ich habe 70 Prozent meiner Anlagen

in Aktien und bin jetzt 58 Jahre alt.

Waswären die Alternativen?

Alternativen gibt es wenige. Bei

Festgeld und Tagesgeld gibt es fast

keine Zinsen. Bei festverzinslichen

Wertpapieren gibt es ebenfalls kaum

Zinsen, und es besteht das Risiko des

Verlustes,sollten irgendwann die Zinsen

steigen. Vielleicht legen Sieeinen

Anteil vonzehn Prozent in einen offenen

Immobilienfonds. Dort haben

SiegeringeWertschwankungen. Über

die letzten zehn Jahre betrachtet lag

die Wertentwicklung im Schnitt bei

zwei bis drei Prozent jährlich. Wichtig

ist, dass Sie offene Immobilienfonds

eher als langfristige Geldanlage ansehen,

also mindestens über fünf, besser

über zehn Jahre. Die Mindesthaltedauer

beträgt zwei Jahre. Ansonsten

sind breit streuende Aktienfonds

empfehlenswert.

Clever anlegen für den Ruhestand

Finanzexperten beantworteten Leserfragen

Kann ich bei der Insolvenz der Fondsgesellschaft

alles verlieren, wenn ich

dortangelegt habe?

Fondsanteile gelten als Sondervermögen

und sind im Fall einer Insolvenz

geschützt. Das Sondervermögen

muss getrennt vom Vermögen

der Fondsgesellschaft verwahrt

werden. Es kann nicht an die Gläubiger

fallen. Es spielt keine Rolle,obdie

Anteile bei einer Bank, direkt bei einer

Fondsgesellschaft oder bei einem

unabhängigen Vermittler gekauft

wurden.

Kann ich meinen Fonds zur Not verkaufen,

wenn ich das Geld brauche?

Ja, das ist möglich. Sie können

Fondsanteile börsentäglich verkaufen.

Aber besser ist es,einen Notgroschen

in Form vonTagesgeld zu haben.

Eine Fondsanlage sollte man

vonvornherein mit fünf, besser zehn

Jahren planen. Damit lassen sich die

Wertschwankungen ausgleichen

und man kann eine ordentliche Rendite

erwirtschaften.

Ich bin jetzt Mitte 50, bekomme bereits

eine Rentenversicherung ausgezahlt,

in Renten gehen will ich mit 63.

Kann ich die Summe bei der Rentenversicherung

einzahlen und damit die

Abschläge ausgleichen?

Ja, das ist eine Möglichkeit. Vereinbaren

Sie zunächst bei der Deutschen

Rentenversicherung eine

Kontenklärung und lassen Sie sich

ausrechnen, wie hoch Ihre gesetzliche

Rente voraussichtlich sein wird.

Dortkann man Ihnen ebenfalls ausrechnen,

wie viel Sie einzahlen

müssten, um die Abschläge mit 63

auszugleichen.

Ich bekomme jetzt eine Versicherung

ausgezahlt. Ist es besser,den monatlichen

Betrag oder die Einmalzahlung

zu nehmen?

Dasist vonden persönlichen Umständen

abhängig. Wenn Sie das

Geld zum Lebensunterhalt benötigen,

ist die monatliche Zahlung zu

empfehlen –auch auf das Risiko hin,

dass bei einem vorzeitigen Toddas

restliche Geld weg wäre. Benötigen

Sie die Summe nicht sofort, können

Sie die Einmalzahlung nehmen und

diese neu anlegen.

Für eine Geldanlage ohne größere

Wertschwankungen wurden mir offene

Immobilienfonds empfohlen. Raten

Sie das auch?

Man muss natürlich immer die

persönliche Finanzsituation betrachten,

aber generell ist das eine

Variante. Offene Immobilienfonds

TELEFONFORUM

legen ihre Gelder in zahlreichen

Immobilien an. Dabei wirdauf eine

breite Streuung der Objekte nach

Lage, Alter und Laufzeiten der

Mietverträge geachtet. Die Wertschwankungen

sind in der Tateher

gering. Sehen Sie solch einen

Fonds auf alle Fälle als längerfristige

Anlage,denn es gibt einen Ausgabeaufschlag

von etwa fünf Prozent.

Dieser muss erst einmal erwirtschaftet

werden.

GETTY IMAGES/PHIL LEO /MICHAEL DENORA

Ich bekomme etwa 65000 Euro aus

meiner Lebensversicherung.Ich brauche

das Geld nicht und würde es lieber

für meinen Enkel sparen. Wie lege ich

es am besten an?

Streuen Sie den Betrag auf verschiedene

Fonds, beispielsweise Aktienfonds,

die global, europaweit

und in deutschen Werten anlegen.

Dazu ein gemischter Fonds, der sowohl

in Aktien als auch in festverzinsliche

Papiere anlegt und in der

Regel geringere Wertschwankungen

aufweist als ein Aktienfonds. Auch

ein offener Immobilienfonds käme

in Betracht. Noch ein Tipp: Legen Sie

nicht den gesamten Betrag an einem

Tag an. Stattdessen sollten Sie die

Fondsanteile über einen Zeitraum

von mehreren Monaten verteilt erwerben.

So vermeiden Sie es, zu einem

ungünstigen Zeitpunkt einzusteigen.

Was mache ich mit meinem Fondssparplan,

wenn ich in Rente gehe? Ich

weiß noch nicht, ob ich monatlich

weiter einzahlen kann.

Sie sind nicht gezwungen, weiter

regelmäßig einzuzahlen. Da ein

Fondssparplan flexibel ist, können

Sie je nach finanzieller Lage die

Einzahlungen fortsetzen oder beenden

und wieder aufnehmen.

Sollten Sie das Geld für Ihren monatlichen

Lebensunterhalt benötigen,

können Sie Ihren Einzahlplan

in einen Auszahlplan umwandeln

und bekommen monatlich einen

festen Betrag. Steht eine größere

Anschaffung an, können Siedas Ersparte

auch als Einmalsumme entnehmen.

Ich will einen Teil meiner Ersparnisse

als Sicherheit in Festgeld anlegen.

Wie finde ich die besten Konditionen?

Oft bieten Online-Banken etwas

bessereKonditionen als Filialbanken.

Da sich aber die Konditionen ständig

ändern, ist es günstig, wenn Sieauch

mit IhrerAnlage flexibel bleiben können.

Vielleicht versuchen Sie esmit

der sogenannten Treppenstrategie.

Dabei legen Sie Ihr Geld über verschiedene

Laufzeiten an, also für ein

Jahr,für zwei Jahre, bis zu fünf Jahren.

Das Geld, das wieder frei wird, legen

Siedann erneut an.

Meine Lebensversicherung wird demnächst

mit etwa 75000 Euro fällig.

Ich möchte einen Teil davon monatlich

zur Verfügung haben. Ist ein

Fondsauszahlplan günstiger oder eine

private Rentenversicherung?

Das ist abhängig von Ihren persönlichen

Intentionen. Die monatlichen

Auszahlungen einer privaten

Rentenversicherung haben den Vorteil,

dass Sieeinen feststehenden Betrag

bis zum Lebensende sicher haben.

Es ist also ein wenig eine Wette

auf ein langes Leben. Beider Fondsvariante

können Sie die Auszahlungssumme

selbst bestimmen und

somit mal mehr und mal weniger

entnehmen. Ausgezahlt wird, solange

Kapital vorhanden ist. Sie haben

aber die Chance auf eine annehmbare

Rendite und könnten das

Restkapital in voller Höhe vererben.

Ich habe mein Geld als Tages- und

Festgeld angelegt. Was ist, wenn

wirklich Negativzinsen kommen?

Welche Alternative habe ich als Endsechziger?

Ein großes Risiko will ich

nicht mehr eingehen.

DieInflation eingerechnet, ist unter

Umständen Ihre Anlage jetzt

schon im Negativen. Insofern ist

ohne ein gewisses Risiko kein Gewinn

zu erwarten. Als Alternative

bieten sich breit gestreute Fonds an.

Diese sollten Sie mindestens fünf,

besser zehn Jahre halten, was in Ihrem

Alter aber durchaus möglich

sein dürfte. Aktienfonds haben in

der Regel die höhere Rendite, aber

auch die höheren Wertschwankungen.

Geringere Schwankungen finden

Siebei gemischten Fonds.Allerdings

ist hier auch die Wertentwicklung

geringer, ebenso wie bei offenen

Immobilienfonds.

Mir wurde von meiner Bank ein Ethikfonds

empfohlen. Kann man darauf

vertrauen, dass solche Fonds wirklich

nachhaltiger sind als andere?

Leider gibt es für diese Fonds

keine allgemeinverbindlichen Kriterien.

Das handhaben die Fondsgesellschaften

oder die Fondsmanager

nach eigenen Vorstellungen von

Nachhaltigkeit oder Ethik. Dieeinen

schließenWaffenherstellung aus,andereKinderarbeit

oder Fracking. Ansonsten

unterliegen Ethikfonds den

gleichen Bedingungen und Marktentwicklungen

wie alle anderen

Fonds. (BLZ)

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Brandenburg

Ex-Polizeichef

Kandt will nach

Potsdam

Er soll Staatssekretär im

Innenministerium werden

VonKlaus Peters, Potsdam

Der designierte Brandenburger

Innenminister und Vize-Regierungschef

Michael Stübgen (CDU)

will einen Berliner als Staatssekretär.

Als Stübgen am Donnerstag seiner

Landtagsfraktion die neuen CDU-

Minister in der geplanten rotschwarz-grünen

Kenia-Koalition

vorgestellte, ging es auch um Klaus

Kandt. Der frühere Berliner Polizeipräsident

soll Staatssekretär für den

Bereich InnereSicherheit werden.

Auch die Namen der beiden

CDU-Minister sind nun offiziell: Susanne

Hoffmann soll Justizministerinwerden.

Erst im September hatte

sie das Amt der brandenburgischen

Generalstaatsanwältin übernommen.

Als neuer Infrastrukturminister

ist Guido Beermann vorgesehen,

bislang Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

Nach der Vorstellungsrunde sagte

Fraktionschef Jan Redmann, die

CDU habe den starken Staat und das

Wachstum vonganz Brandenburgin

den Mittelpunkt ihres Landtagswahlkampfs

gestellt. Mitden beiden

Kandidaten habe die CDU „zwei

hochkarätige Spezialisten in ihrem

Bereich“ gewinnen können.

Nunsind die Bereich Inneres und

Justiz in CDU-Hand. Bislang war die

SPD für Inneres zuständig, die Linke

für Justiz. Beide hatten sich heftige

Auseinandersetzungen zur Inneren

Sicherheit geliefert. DerCDU-Fraktionschef

äußerte nun die Hoffnung,

dass sich unter Führung der CDU die

Zusammenarbeit von Innen- und

Justizministerium bei der Strafverfolgung

verbessern werde. „Bislang

hatten wir den Eindruck, dass Innenministerium

und Justizministerium

häufig gegeneinander gearbeitet

haben, was der Strafverfolgung

nicht zuträglich war.“

Derkünftige Innenminister Stübgen

will als Staatssekretär für Kommunales

seinen früheren persönlichen

Referenten im Bundeslandwirtschaftsministerium,

Uwe Schüler.

ImInfrastrukturministerium soll

der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer

Genilke Staatssekretär werden.

Als Justiz-Staatssekretärin ist Christiane

Leiwesmeyer vorgesehen, die

dortbereits Ministerialrätin ist.

Als nächsten Schritt muss nun ein

CDU-Landesparteitag am Sonnabend

über die Annahme des Koalitionsvertrags

mit SPD und Grünen

entscheiden. (dpa)

Trockene Kranich-Saison

Serie zur Vogelwelt in Brandenburg, Teil 1: Zwei Dürresommer hintereinander sorgen für Probleme

VonJens Blankennagel, Linum

Ein klarer Abend im Herbst,

dazu ein schöner Sonnenuntergang

–und dann einfach

abwarten: Wer das in

der Nähe des Dorfes Linum macht,

erlebt irgendwann ein beeindruckendes

Naturschauspiel: In der

Fernestarten Kraniche auf den Stoppelfeldern,

auf denen sie tagsüber

gefressen habe, dann fliegen sie an

dem Örtchen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin

vorbei zu ihren Schlafplätzen

im Naturschutzgebiet.

„Derzeit sind noch 11 000 Kraniche

hier“, sagt Norbert Schneeweiß,

der Chef der Naturschutzstation

Rhinluch. Der höchste Wert diese

Herbstes lag bei 70 000 Tieren. „Das

ist ein gutes Durchschnittsjahr“, sagt

er. Aber der Wert ist ein gehöriges

Stück entfernt vom Bestwert: 2014

waren es 120 000 Vögel. Das Rhinluch,

keine 60 Kilometer nordwestlich

des Berliner Stadtzentrums, ist

bundesweit der größte Festlandsrastplatz

für Kraniche.

Es gibt zwei wesentliche Voraussetzungen,

damit die scheuen Zugvögel

im Herbst einen Zwischenstopp

beim Flug in den Süden einlegen:

Erstens sind Felder nötig, auf

denen sie etwas zu fressen finden.

Außerdem muss viel Wasser da sein.

„Kraniche schlafen stehend in flachen

Teichen oder auf gefluteten

Feuchtwiesen“, sagt Schneeweiß.

Genau das ist das Problem. Das

Dürrejahr 2018 und das ebenfalls

sehr trockene 2019 sorgen dafür,

dass es weniger Wasserflächen gibt.

Lieblingsplatz für Zugvögel

Glücksvögel: Kraniche werden seit der Antikeverehrt, Gänse gegessen.

Serie: Unsere Herbstserie

dreht sich um die Vogelwelt

in Brandenburg.Wir stellen

dar,wie gut die Weiten des

Landes rings um Berlin geeignet

sind für Vögel, die hier

brüten oder in der Region als

Zugvögel zu Gast sind.

VOGELWELT

Protagonisten: Außerdem

stellen wir Leute vor, die sich

beruflich oder ehrenamtlich

für den Vogelschutz einsetzen.

Und wir zeigen, welche

Auswirkungen das allseits

beklagte Insektensterben

auf die Vogelwelt hat.

DPA/PATRICK PLEUL

Brandenburg: Landesweit

gibt es 221 Arten, die hier

brüten. Bundesweit sind es

248 Brutvogelarten. Damit

ist der übergroße Teil in Brandenburg

heimisch.

Alle Teile der Serie unter:

www.berliner-zeitung.de

Dass die Region für Kraniche und

andere Zugvögel ein solcher Lieblingsplatz

ist, liegt nicht nur an den

passenden natürlichen Bedingungen,

sondernesist ganz entschieden

auch ein Werk des Menschen, besser

gesagt: der hauptamtlichen Mitarbeiter

der Naturschutzstation und

der ehrenamtlichen Naturschützer.

Ihnen ist es mit finanzieller Unterstützung

des Potsdamer Agrarund

Umweltministeriums gelungen,

eine gezielte Kooperation mit den

Landwirten aufzubauen und so einen

möglichst perfekten Rastplatz

für Kranich &Co. zu schaffen.

Die Region ist geprägt von einem

Dutzend alter Fischteiche,die schon

lange nicht mehr bewirtschaftet,

aber von den Naturschützern erhalten

werden. Das heißt: Im Herbst,

zur Kranichzeit, wird das Wasser

nicht abgelassen. Außerdem werden

in dem Naturschutzgebiet zusätzlich

etliche Wiesen geflutet, damit die

Vögel dort schlafen können –ungestört

von ihren Feinden wie den

Füchsen. Dasbedeutet aber,dass die

Landwirte ihre Flächen dort nicht

mehr so intensiv bewirtschaften

können wie andere Kollegen und

dass sie Ernteeinbußen haben. Doch

dafür bekommen sie Entschädigungszahlungen

vomLand.

Brandenburg schließt für solche

Arten des Vertragsnaturschutzes jedes

Jahr etwa 400 Verträge ab, durch

die 8000 Hektar geschützt werden.

Von1992 bis 2018 hat das Land dafür

fast 110 Millionen Euro investiert.

Um die Feuchtwiesen zu fluten,

ist reichlich Wasser nötig, und die

Vogelschützer sind froh, dass sie etwas

abbekommen. In diesem Jahr

waren die Probleme sogar noch größer

als im Dürrejahr 2018 –denn damals

profitierte man noch von den

vielen Niederschlägen aus dem Jahr

davor, die dafür gesorgt hatten, dass

noch viel Wasser in der Landschaft

war.„Aber das zweite Trockenjahr in

Folge sorgte für echten Wassernotstand“,

sagt Schneeweiß. 2019 war es

bis zum Herbst viel zu heiß und es

fiel zu wenig Regen –und der Wind

sorgte dafür, das das wenige auch

noch verdunstete.

Weniger Jungtiere

Wasser war also besonders begehrt,

denn nicht nur die Natur dürstete

danach, auch die Landwirtschaft

und der Tourismus. Mit einem ausgeklügelten

Wassermanagement

werden in der Region die verschiedenen

Interessen vonMensch und Naturschutz

unter einen Hut gebracht.

Es wirdaber nicht endlos Wasser aus

den umliegenden Seen abgezweigt,

denn auch die Wassertouristen sollen

möglichst immer ihre Handbreit

Wasser untermKiel haben.

„Man muss die Bauern, die Wasserämter

und den Landkreis wirklich

loben, dass es auch in Dürrejahren

gelingt, diesen Rastplatz für Zugvögel

herzurichten“, sagt NaturschützerSchneeweiß.

„Das ist eine besondere

Leistung unserer Gesellschaft

für die Natur. Denn es ist weit und

breit die einzige größerefeuchte Gegend

für Vögel.“

Trotzdem waren die Schlafplätze

jetzt nur halb so groß wie in Jahren

mit normalem Regenmengen. Dass

sich weniger Kraniche in Linum einfanden,

lag auch daran, dass die

Tiere wegen der Dürre weniger Futter

fanden und weniger Nachwuchs

bekamen. Zudem rasten sie auch

nicht so lange in der Region. „Es gab

quasi keinen Stau“, sagt Schneeweiß.

„Sie ziehen schneller weiter.“

Wie sich die beiden Dürrejahre

auf die Gesamtpopulation der Kraniche

auswirken, ist noch unklar.

Brandenburger

haben weniger

Schulden

Altersarmut zeigt sich

allerdings sehr deutlich

Erstmals seit fünf Jahren ist die

Zahl der überschuldeten Verbraucher

leicht zurückgegangen.

ZumStichtag 1. Oktober waren bundesweit

6,92 Millionen Menschen

überschuldet und hatten „nachhaltige

Zahlungsstörungen“. Das geht

aus dem Schuldneratlas der Auskunftei

Creditreform her. Die Überschuldungsquote

der Gesamtbevölkerung

sank auf genau zehn Prozent

–Grund dafür ist die wachsende Bevölkerung

durch Zuwanderung.

Im Bericht heißt es: „So ist die

Zahl der Überschuldungsfälle im

Westen Deutschlands leicht gestiegen,

während sie in Ostdeutschland

zum zweiten Mal zurückgegangen

ist.“ Die Zahl ist auch in Brandenburg

gesunken. Aktuell können

210 000 Verbraucher ihre Rechnungen

nicht bezahlen. Die Überschuldungsquote

lag bei 9,83 Prozent. Damit

blieb Brandenburg auch in diesem

Jahr unter dem Bundesdurchschnitt

von 10 Prozent und belegt

insgesamt Platz fünf im deutschlandweiten

Ranking. Besser schnitten

die Bundesländer Sachsen, Thüringen,

Baden-Württemberg und

Bayern ab.

Berlin im unteren Mittelfeld

Beim Vergleich der 16 Hauptstädte

der Bundesländer ist Berlin im hinteren

Mittelfeld: Auf Platz 1ist Mainz

mit einer Quote von8,03 Prozent, gefolgt

von Potsdam mit 8,66 Prozent.

Berlin liegt bei 12,31 Prozent, der

Wert verbesserte sich um 0,12

Punkte. Schlusslicht ist Wiesbaden

mit 17,9 Prozent.

Für den Schuldneratlas erfasst die

Wirtschaftsauskunftei nicht nur Privatinsolvenzen,

sondernalle Fälle,in

denen die zu leistenden Gesamtausgaben

höher sind als die Einnahmen.

Erkannt wirddies zum Beispiel

durch mindestens zwei vergebliche

Mahnungen vonGläubigern.

Der Anstieg der Schuldner ist bei

alten Menschen besonders hoch. Innerhalb

von nur zwölf Monaten sei

die Zahl der überschuldeten Verbraucher

im Alter ab 70 Jahren um

44,9 Prozent auf etwa 380 000 gestiegen.

Seit 2013 habe sich die Zahl der

überschuldeten Senioren sogar um

243 Prozent erhöht. Die Gründe für

die wachsende Altersarmut sind

vielfältig: dramatisch steigende Mieten,

die Rentenreformen, die wachsende

Zahl„unsteter Erwerbsbiografien“

und das Anwachsen des Niedriglohnsektors.

(dpa, afp,BLZ)

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Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 17

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Gesundheit

Gemeinsam

zurück

ins Leben

In Deutschland gibt es

70 000 Selbsthilfegruppen

VonSandraArens

AmTiefpunkt ihrer Krankheit hatten

die Ärzte Lea Gericke aufgegeben.

Austherapiert–so lautete die

niederschmetternde Bilanz nach

15 Jahren Magersucht, nach unzähligen

Klinikaufenthalten und Therapiestunden.

Wasfolgte,war Einsamkeit.

DieAnorexie übernahm die Regie

im Leben der Berlinerin. Heute,

Jahre später, hat Lea Gericke es sich

zurückerobert. Die31-Jährige ist immer

noch zierlich, aber stabil. Der

Grund dafür? „Meine Selbsthilfegruppe“,

sagt sie. „Erst durch sie

habe ich mich erholt.“ Mindestens

70 000 solcher Gruppen gibt es in

Deutschland –viel mehr als die klassischen

Stuhlkreise. Etwa die tangotanzenden

Parkinsonpatienten oder

die Sport- und Theatergruppen.

So unterschiedlich Selbsthilfegruppen

sein können, eins haben sie

immer gemeinsam: Die Betroffenen

bleiben unter sich. Sich nicht erklären

zu müssen, das war es,was auch Gericke

half. Weil es für Menschen mit

Magersucht noch keine Selbsthilfegruppe

in Berlin gab, gründete sie

mithilfe der Selbsthilfe-Kontakt-und

Informationsstelle (Sekis) selbst eine.

In ihrer Gruppe namens „Ana-dismissed“

treffen sich bei ihr zu Hause

regelmäßig neun Menschen mit Essstörung.

Herzlich gehe es zu, sagt sie.

„Erst mal werden alle gedrückt.“

Die Idee ist nicht neu. Bereits in

den 50er-Jahren bildeten sich Gruppen

von Menschen mit Alkoholproblemen,

die sich gegenseitig unterstützten.

Daraus entstanden die

Anonymen Alkoholiker und später

viele andereSelbsthilfegruppen.

Lea Gerickehat in Berlin eine Selbsthilfegruppe

für Menschen mit Anorexie und

Bulimie gegründet. GEORG J. LOPATA/AXENTIS.DE/DPA

„Der große Nutzen ist der persönliche

Austausch“, sagt Jutta Hundertmark-Mayser

von der Nationalen

Kontakt- und Informationsstelle zur

Anregung und Unterstützung von

Selbsthilfegruppen (Nakos). Natürlich

könne man sich heutzutage im Internet

austauschen. „Aber dort kann einen

keiner in den Armnehmen.“

Neben der heilsamen Nähe gibt

es aber auch Risiken. „Gerade magersüchtige

Menschen vergleichen

sich viel mit anderen“, sagt Gericke.

Zudem stürze das Leid der anderen

völlig ungefiltert auf die Teilnehmer

ein. Gericke führt vor jeder Neuaufnahme

daher ein Einzelgespräch.

Außerdem gibt es Regeln, an die sich

alle Mitglieder halten. „Wir reden

beispielsweise nie über Mitglieder,

die nicht anwesend sind und führen

niemals Kaloriendiskussionen.“

Aber was, wenn Probleme auftreten?

Wenn Gruppenmitglieder sich

etwa gegenseitig hochschaukeln,

Ängste entstehen anstatt Erleichterung?

„Dann können sich die Gruppen

an uns wenden“, sagt Ella Wassink

vonSekis.Mehr als 300 Selbsthilfekontaktstellen

gibt es hierzulande.

Sie sind nicht nur Ansprechpartner

für die Gruppen, sondernhelfen auch

dabei, eine neue zu gründen.„Hierfür

benötigt niemand sein privates

Geld“, erklärtWassink. „Die Krankenkassen

fördern gesundheitliche

Selbsthilfegruppen.“ Werauf der Suche

nach einer Gruppe ist, findet bei

Nakos eine Datenbank. (dpa)

„Es droht eine Diabetes-Epidemie“

Ärzte schlagen Alarm: 100 000 Berliner wissen nicht, dass sie an der Zuckerkrankheit leiden

VonMichael Timm

Es ist ein Riesen-Problem,

das da auf uns zukommt,

ein lebensgefährliches

Problem. Schon jetzt leiden

etwa 350 000 Menschen allein in

Berlin und Umgebung unter Diabetes.

Bundesweit sind es sogar sieben

Millionen Betroffene. Das Problem

dabei: DieZahl nimmt rasant zu.Was

sogar noch stärker steigt, ist die hohe

Dunkelziffer. Denn es gibt inzwischen

rund 100 000 Berlinerinnen

und Berliner, die bereits unter Diabetes

leiden, aber noch gar nichts

davon wissen. Sie ahnen nicht, in

welcher Gefahr sie schweben. Weil

die Zuckerkrankheit nicht weh tut

und lange Zeit keine besonders auffälligen

Symptome verursacht. Aber

die Uhrtickt. Unerbittlich. Diegroße

Gefahr dabei: Wenn Diabetes nicht

konsequent behandelt wird, drohen

schlimme Spätschäden.

„Deutschland droht eine Diabetes-Epidemie“,

warnt Chefarzt und

Diabetes-Experte Klaus-Dieter Palitzsch

aus München.„Inunserer Klinik

beispielsweise müssen wir viele

Diabetiker versorgen, die ihreKrankheit

lange Zeit nicht erkannt oder

nicht ernst genug genommen haben.

Siewerden mit Herzinfarkt oder

Schlaganfall bei uns eingeliefert, weil

die krankhaft hohen Zuckerwerteim

Blut ihreArterien angegriffen haben.

Denn Zucker ist ähnlich gefährlich

wie Nikotin. Wenn beides zusammenkommt,

kann Zucker sogar tödlich

sein.“

Die Patienten, von denen Palitzsch

spricht, haben verengte Arterien,

Durchblutungsstörungen in

den Beinen, Gefäßschäden in den

Nieren oder im Auge. Sie leiden unter

Schmerzen, sehen nicht mehr

richtig, ihre Nieren arbeiten nur

noch ungenügend. Nachfolgend beantworten

wir die wichtigsten Fragen

zu der Volkskrankheit:

Warum gibt es immer mehr Diabetiker?

„Die Hauptursachen sind Übergewicht

und Bewegungsmangel“,

sagt Palitzsch. „Wir sitzen zu lange

am Schreibtisch, im Auto oder vor

dem PC. Gleichzeitig essen wir zu

viel und ernähren uns zu ungesund.

Hohe Blutdruck- und Cholesterinwerte

erhöhen die Diabetes-Gefahr

zusätzlich. Das sind jedoch alles

Umstände, die jeder ganz leicht ändern

kann. Es ist also gar nicht

schwer, sich zu schützen und der

Diabetes-Falle zu entrinnen. Werallein

fünfmal pro Woche mindestens

30 Minuten spazieren geht oder sich

anderweitig bewegt, kann das Diabetes-Risiko

schon um 36 Prozent

vermindern.“

Die Bauchspeicheldrüse produziertInsulin. Übergewicht und Bewegungsmangel verminderndie

Wirkung des Insulins im Körper,Diabetes droht.

IMAGO IMAGES

Warum macht Übergewicht zuckerkrank?

Übergewicht und Bewegungsmangel

verminderndie Wirkung des

Insulins im Körper.Der Zucker ist als

Energielieferant lebenswichtig.

Doch nur durch das Insulin gelangt

er auch aus dem Blut in die Zellen,

wo er benötigt wird. Wirkt das Insulin

nicht mehr ausreichend, bleibt zu

viel Zucker im Blut. Das zerstört einerseits

die Arterien und macht

gleichzeitig auch schwach und

müde,weil die Energie fehlt.

Werist besondersgefährdet?

Viele denken, Diabetes sei eine

normale Alterserscheinung. Der

häufig anzutreffende Diabetes

Typ2wurde früher noch als Altersdiabetes

bezeichnet. Aber die Entwicklung

verläuft geradezu dramatisch.

Die Patienten werden immer

jünger.Viele Berufstätige zwischen

30 und 40 inzwischen erkranken

daran. Sogar bei Jugendlichen tritt

Diabetes Typ 2auf. Dazu kommt,

dass oft fünf bis sieben Jahrevergehen,

bis ein Diabetes erkannt wird.

Weil viele die Symptome nicht kennen

oder als gefährlich einschätzen.

Woran erkennt man Diabetes?

Die Betroffenen fühlen sich

schlapp und müde.Sie müssen häufig

Wasser lassen, haben starken

Durst und trinken auffallend viel

Flüssigkeit. Wunden heilen schlechter.Eskann

zu einem unerklärlichen

Gewichtsverlust kommen. Wenn

Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen

oder auch Sehstörungen auftreten,

ist der Diabetes meist schon weit

fortgeschritten.

Wassollte man tun?

Der Experte rät deshalb zu regelmäßigen

Vorsorgeuntersuchungen:

„Spätestens ab 35 sollte jeder vom

Hausarzt alle zwei Jahre den Blutzucker

bestimmen lassen. Bei Menschen

mit hohem Diabetes-Risiko

sind engere Kontrollen sinnvoll.

Dazu gehören Patienten, die übergewichtig

sind, sich wenig bewegen, an

Bluthochdruck und zu hohen Cholesterinwerten

leiden.“

Urinuntersuchungen mit Teststreifen

zeigen einen etwa vorhandenen

Diabetes allerdings zu spät an.

Blutzuckermessungen in der Apotheke

liefern auch immer nur einen

Schätzwert, der um zehn bis fünfzehn

Prozent schwanken kann.

Wie behandelt man Diabetes?

Im Anfangsstadium reichen oft

schon einfache Maßnahmen wie Abnehmen

und Bewegung. Wenn das

nach drei Monaten nicht zum Erfolg

führt, setzt der Arzt blutzuckersenkende

Tabletten ein, die später zum

Teil auch mit weiteren Medikamenten

kombiniert werden. Lassen sich

aber auch dadurch die Zuckerwerte

nicht normalisieren, ist heute auch

für Typ-2-Diabetiker zusätzliches Insulin

eine optimale Therapie.

Ist Diabetes heilbar?

Der seltene Typ-1 Diabetes ist

nicht heilbar. Aber jeder zweite Typ-

2-Diabetiker, der seine Krankheit

frühzeitig entdeckt und seinen Lebensstil

geändert hat, kann nach

sechs Jahren wieder ganz normale

Zuckerwerteerreichen.

Wo bekomme ich Hilfe?

Hat der Hausarzt oder Internist

Diabetes diagnostiziert, sollten sich

die Patienten in einer Diabetes-

Schwerpunktpraxis weiterbehandeln

lassen. Hier erhalten sie von

Spezialisten die richtige Therapie

und eine umfassende Aufklärung,

was Betroffene und Angehörige

künftig alles zu beachten haben. Das

bezahlt die Kasse. Die Adressen von

zertifizierten Praxen und Zentren in

ihrer Nähe findet man etwa auf der

Website www.deutsche-diabetesgesellschaft.de

Wann muss man ins Krankenhaus?

Liegt ein Typ-1-Diabetes voroder

treten besondere Probleme auf, ist

oft ein stationärer Aufenthalt in einer

Klinik nötig, um die Medikamente

(Insulin) richtig einzustellen.

Gibt es spezialisierte Kliniken?

In Berlin sind folgende Kliniken

von der Deutschen Diabetes Gesellschaft

für die Behandlung von Zuckerkranken

zertifiziert (in alphabetischer

Reihenfolge): DRK Kliniken

Mitte, Evangelisches Krankenhaus

Königin Elisabeth Herzberge, Gemeinschaftskrankenhaus

Havelhöhe,Helios

Klinikum Emil vonBehring,

Helios Klinikum Buch, St. Hedwig

Krankenhaus, St. Joseph Krankenhaus,

Vivantes Klinikum Am

Urban, Vivantes Klinikum Auguste

Viktoria, Vivantes Klinikum Kaulsdorf,

Vivantes Klinikum Neukölln.

Eine Million Probanden und keine Unglücksfälle

Bundesinstitut genehmigte seit 2004 rund 13 000 klinische Prüfungen von Arzneimitteln

Das Bundesinstitut für Arzneimittel

und Medizinprodukte

(BfArM) hat in den vergangenen

15 Jahren rund 13 000 klinische Prüfungen

vonArzneimitteln mit insgesamt

einer Million Probanden in

Deutschland genehmigt.

Dabei wurde durch strikte EU-

Leitlinien und engmaschige behördliche

Kontrollen erreicht, dass es in

Deutschland bisher noch keinen

schwerwiegenden Zwischenfall in

einer klinischen Prüfung gab, wie

das BfArM am Mittwoch in Bonn

mitteilte. Seit 2004 müssen entsprechende

Studien in Europa behördlich

genehmigt werden.

Nach eigenen Angaben hat die Behörde

rund 60 Prozent aller Erstanträge

beanstandet und Nachbesserungen

gefordert. In den meisten Fällen

würden die Nachforderungen des

BfArM umgesetzt, letztlich würden

dann etwa 95 Prozent der beantragten

klinischen Prüfungen genehmigt,

heißt es in der Mitteilung weiter.WeitereVoraussetzung

für die Durchführung

von Arzneimittel-Studien am

Menschen in Deutschland sei die Zustimmung

der Ethik-Kommission.

Eine durch das BfArM genehmigte

klinische Prüfung werdewährend des

Verlaufs weiter vom BfArM begleitet,

um sicherzustellen, dass nicht bisher

unbekannte Risiken die Sicherheit

der Teilnehmer beeinträchtigen.

Klinische Prüfungen seien eine

essenzielle Voraussetzung für die

Entwicklung neuer Arzneimittel,

hob das Bundesinstitut hervor. Darüber

hinaus werde Patienten und

Ärzten damit die Möglichkeit gegeben,

Zugang zu noch nicht zugelassenen

Arzneimitteln zu erhalten und

so die möglichen Behandlungsop-

tionen zu erweitern. BfArM-Präsident

Karl Broich erklärte, durch das

Genehmigungsverfahren „haben wir

sehr gute Einflussmöglichkeiten auf

die Durchführung klinischer Prüfungen

in Deutschland“. Dies komme

Patientensicherheit und Forschungsfreiheit

gleichermaßen zugute.Broich

fügte jedoch hinzu:„Zugleich

sehen wir mit Blick auf unsere

hohen Standards bei Patienten- und

Probandensicherheit mit Sorge, dass

immer mehr Studien in Schwellenländer

außerhalb von Europa verlagertwerden.“

(AFP,BLZ)

Weniger

Fehltage durch

Sportangebot

Studie zur Wirksamkeit

betrieblicher Prävention

Angebote des Arbeitgebers zur

Gesundheitsförderung sind immer

dann besonders erfolgreich,

wenn sie mehrereProblemfelder abdecken.

Zu diesem Ergebnis kommt

der neue Report der Initiative Gesundheit

und Arbeit (Iga). Für den

Report haben die Autoren nach Iga-

Angaben 100 wissenschaftliche Studien

ausgewertet, die die Wirksamkeit

der arbeitsweltbezogenen Gesundheitsförderung

und Prävention

für die Jahre 2012 bis 2018 untersucht

haben. EinErgebnis der Untersuchung:

DieZahl der krankheitsbedingten

Fehltage verringern sich,

wenn beispielsweise Sportprogramme

regelmäßig im Unternehmen

durchgeführt werden. Kombiniert

mit einer zusätzlichen Ernährungsberatung

beugt man außerdem

einer Gewichtszunahme vor.

In der Initiative Gesundheit und

Arbeit arbeiten eigenen Angaben zufolge

gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung

zusammen. Ziel der

Initiative ist es, die Gesundheit im

Arbeitsleben zu fördern. Derjüngste

Report sei erstellt worden, um Betrieben

Argumente zu liefern, in präventive

Maßnahmen für ihre Beschäftigten

zu investieren, hieß es

weiter. Die Iga werte seit 2003 regelmäßig

die wissenschaftliche Literatur

hinsichtlich der Frage aus, ob

sich Maßnahmen der betrieblichen

Gesundheitsförderung und Prävention

positiv auf die Gesundheit der

Beschäftigten und den Unternehmenserfolg

auswirken.

Erfolgreiche Rauchentwöhnung

Bei der Rauchentwöhnung seien die

Erfolge der Entwöhnungsprogramme

im betrieblichen Setting besonders

hoch, heißt es in der Mitteilung.

Voraussetzung ist dabei allerdings,

dass die Beschäftigten aus eigenem

Antrieb mit dem Rauchen

aufhören wollen. Sinnvoll sind betriebliche

Angebote wie Gruppenoder

Einzeltherapien, gekoppelt mit

medikamentösen Behandlungen,

zum Beispiel mit Nikotinpflaster.

Unbedingt, so die Autoren des Reports,

ist Fachpersonal bei der Planung

und Umsetzung von Maßnahmen

einzubeziehen.

Im Vergleich zu den Vorjahren

habe sich das Themenspektrum der

Studien deutlich verschoben, konstatieren

die Autoren. Stress und psychische

Störungen kristallisierten

sich als die am besten untersuchten

Themen heraus.

Einen neuen Schwerpunkt bilde

das Thema Sitzverhalten. Um Erkrankungen

durch Bewegungsmangel

vorzubeugen, könnten höhenverstellbareSchreibtische

oder Laufbandschreibtische

helfen. Die Einführung

sollte mit Beratung der

Beschäftigten einhergehen. (BLZ)

Anzeige

Vortrag für Augenpatienten:

Altersabhängige

Makula-Degeneration

(AMD)

Do., 28.11.19, 17:00 Uhr

Referentin: Prof. Dr. med.

Sabine Aisenbrey, Chefärztin

der Klinik für Augenheilkunde

am Vivantes Klinikum

Neukölln

Ort: ABSV, Auerbachstr.7,

14193 Berlin

(Nähe S- Bhf. Grunewald)

Eintritt frei! Anmeldung:

Tel. 030 895 88-151, E-Mail:

berlin@blickpunkt-auge.de

Unterstützt von der Blindenstiftung

„ Weißer Stock”Berlin


18 Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Lokalsport

Motivieren sich gegenseitig: die Biesdorfer Brüder Malte (l.) und Ole Braunschweig.

OSTKREUZ/SEBASTIAN WELLS

Eine Sekunde noch

Die Brüder Ole und Malte Braunschweig hoffen, dass diese Schwimmsaison für beide in Tokioendet –bei Olympiaund bei den Paralympics

VonKarin Bühler

Ole Braunschweig ist gerade

aus dem Becken gestiegen;

Trainingsende

im Sportforum Hohenschönhausen,

Wassertropfen glitzern

auf seinen Schultern. Er zeigt

auf den Kraftraum im ersten Stock.

„Mein Bruder Malte ist noch oben an

den Geräten“, sagt er, umsich noch

schnell ein Handyvideo mit Grimassen

seines Teamkollegen Ramon

Klenz anzuschauen, das Trainer

Lasse Frank ihm geschickt hat –ein

Motivationsvideo mit Erheiterungscharakter

vor Beginn der deutschen

Kurzbahn-Meisterschaften, die noch

bis Sonntag in Berlin stattfinden.

An der Schwimmhallenwand

hängt eine japanische Nationalflagge,„Tokyo“

steht darauf, „Japan“,

und in dem roten Punkt „2020“.

Auch die Fahne dient der Motivation.

Wobei für Ole Braunschweig,

der am heutigen Freitag 22 Jahre alt

wird, und für Malte, 19, klar ist, was

sie wollen: In Tokio zusammen auftauchen,

Ole bei Olympia, Malte bei

den Paralympics.

„Die Quali zu zweit, das wäre der

absolute Traum, das Ultimative für

uns“, sagt Ole Braunschweig. Er

schaut seinen Bruder an, der inzwischen

unten in die Halle neben ihm

sitzt.„Ich wünsche es Malte vonHerzen.

Und für unsere Eltern wäre es

mit das Schönste.“ Sie haben viel

Zeit und Geld in den Sportihrer Kinder

investiert. Malte nickt.

Er ist mit einer Dysmelie im rechten

Arm zur Welt gekommen, seine

Oberarmmuskulatur ist nur zum Teil

vorhanden, sein kleiner Finger fehlt.

Seit 2010 startet Malte Braunschweig

für das Berliner Schwimmteam. 2018

war er in Dublin EM-Sechster über

100 Meter Freistil und -Siebter über

100 Meter Schmetterling. Zuletzt hat

er bei der Para-WM im September in

London vier deutsche Rekorde in der

Startklasse S9 aufgestellt.

Dieser Sommer hat den Glauben

der Brüder aus Berlin-Biesdorf befeuert,

ihr Ziel in Japan erreichen zu

können. Denn Ole Braunschweig ist

im August als Kerl mit der grünen

Badekappe aufgefallen. Er war bei

den deutschen Meisterschaften in

allen Zusammenschnitten der

Sportnachrichten zu sehen: Wie er

nach dem Blick auf die Anzeigetafel

die Oberarmmuskeln anspannt, den

Mund weit aufreißt, das Wasser aufpeitscht.

Hulk, hat ihn Trainer Lasse

Frank danach genannt. Der Muskelmann

in Grün gewann über 100 und

50 Meter Rücken. Er brach als einziger

die Dominanz der gerade vonder

WM zurückgekehrten Schwimmer,

Bewerbung: Die Schwimmer

kämpfen noch bis Sonntag

bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften

in

Berlin um die Titel. Die Wettkämpfe

sind die letzte Möglichkeit,

sich für die Kurzbahn-Europameisterschaften

in Glasgow Anfang Dezember

zu qualifizieren.

KURZBAHN-MEISTERSCHAFTEN IN BERLIN

bezwang Christian Diener vomPotsdamer

SV,den EM-Zweiten von2014

und Olympiasiebten von2016.

Die Emotionalität dieser Momente

war für jeden zu spüren. „Es

war für ihn ein Fingerzeig, Mensch,

hier bin ich“, sagt sein Trainer.„Klar,

Diener kam vom Saisonhöhepunkt

zurück. Aber es war wichtig für Oles

Entwicklung zu sehen: Der ist

schlagbar.“ Als er im Vorstartzelt saß,

habe er gedacht: „Jetzt ist der Zeitpunkt

gekommen“, erzählt Ole

Braunschweig. Er findet: „Das beste

am Schwimmen ist der Wettkampf.“

Unddageht es um den Olympiaplatz

Beginn: Die Finals in der Europaschwimmhalle

beginnen

am Freitag und Sonnabend

um 15.30 Uhr,am

Sonntag um 14.30 Uhr.Am

Donnerstag verbesserte Sarah

Köhler über 800 min

8:08,02 Min. ihren deutschen

Rekord aus dem Vorjahr

um mehr als 2,5 Sek..

Bewegung: Während der

Berliner Ramon Klenz ebenfalls

über 200 mSchmetterling

in 1:51,88 Min. den

Meistertitel gewann, startet

Ole Braunschweig auf allen

Rückenstrecken: am Freitag

über 200 m, am Sonnabend

über 100 mund am Sonntag

über 50 m.

in der Lagenstaffel. Seine 100-Meter-

Rücken-Bestzeit vom August, die

54,79 Sekunden, sind eine Sekunde

über der Olympianorm. Das ist kein

Pappenstiel, aber Ole Braunschweig

ist ein Kämpfer. Einer, der sich im

Training verausgabt und „oft nah

dran ist, die Lichter auszuschießen“,

wie es Lasse Frank formuliert. Mit

seinem Kraftstil, hohem Aufwand im

Wasser also,hat es OleBraunschweig

schon weiter geschafft, als viele

dachten. „Eine Sekunde ist machbar

wenn ich sehe,was ich noch alles bei

Unterwasserphasen, Start und Wenden

herausholen kann. Das hat mir

ein Test beim IATgezeigt.“ Es gehört

zu den Absurditäten des Sportfördersystems,

dass ein Athlet, der in

den vergangenen Jahren deutschlandweit

Zweiter,Dritter,Vierter war,

erst jetzt, seit 1. November, imKadersystem

des Schwimmverbandes

Platz fand. Erst jetzt wurde sein Stil

am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft

(IAT) untersucht,

erst jetzt bekommt er Sporthilfe,erst

jetzt kann er bei der Studienplatzsuche

für Lehramt in Sport und Biologie

die Kategorie „Leistungssportler“

ankreuzen.

Malte ist schon länger Kaderschwimmer.

Ertrainiert bei Phillip

Semechin und hat im Mai 2020 zusätzlich

das Abitur am Schul- und

Leistungssportzentrum (SLZB) vor

sich, peilt da einen Schnitt von 1,3

oder 1,4 an, denn „das Abi ist etwas,

das man fürs Leben braucht“. Wie

Ole fing er beim BSV Medizin Marzahn

zu schwimmen an. Eigentlich

wollte er Fußballer werden, aber die

Elternmeinten, Schwimmen sei besser

für seinen Arm.„Ich glaube nicht,

dass ich stehen würde, woich bin,

wenn Olenicht schwimmen würde“,

sagt Malte.„Wirunterhalten uns viel.

Der andere versteht, was man fühlt,

bei welcher Serieman fast gestorben

wäre.“ Ole sagt, er versuche, für

Malte ein gutesVorbild zu sein. Als er

2017 eine Qualifikation verhaute,

habe aber sein jüngerer Bruder ihm

zugeredet, ihn neu motiviert. „Ich

glaube, dass es für Ole oft schwierig

war, weil bei mir der Erfolg früher

kam“, sagt Malte. Schon 2012 gewann

er deutschen Kurzbahn-Meisterschaften

neun Goldmedaillen.

DieBrüder gehen fürsorglich miteinander

um, liebevoll. Beide kochen

gern. Malte hat am SLZB ein

Kochprojekt gestartet, Olehätte sich

Koch alsBeruf vorstellen können. An

Weihnachten haben sie sich einen

Kochwettbewerb mit den Eltern geliefert.

„Sie die Gans, wir die Ente“,

sagt Ole. „Nee, wie die Gans, sie die

Ente“, meint Malte.

An diesem Wochenende hat er

zehn Starts bei den Para-Kurzbahn-

Meisterschaften in Remscheid vor

sich. Ole sagt, er wolle auf der Kurzbahn

sehen, wie er sich bei den Unterwasserphasen

und Wenden entwickelt

habe und sich für die Kurzbahn-EM

qualifizieren. Die Meisterschaften

sind für beide ein Schritt in

eine spannende Olympia- undParalympics-Saison.

Karin Bühler

findet es schön, wie die Brüder

miteinander umgehen.

Dass die Eisbären aus Hohenschönhausen

nach Westberlin

fahren, um bei den Preussen aufs Eis

zu gehen, ist selten geworden. Das

Berliner Eishockeyderby ist schließlich

längst Geschichte. AmDienstag

war es dann aber doch mal wieder

soweit, zumindest in Person vonVerteidiger

Kai Wissmann und Ersatz-

Torwart Maximilian Franzreb. Die

beiden bekamen eine

kleine Einweisung, wie

es beim Para-Eishockey

so zugeht. Am Sonntag

beginnt im Eisstadion

P09 am Glockenturm

die B-WM in dieser

Sportart.

Entsprechend ist es

auch nicht ganz richtig,

dass die beiden aufs Eis

gegangen sind, sie sind vielmehr

durch das Stadion gerutscht, auf den

dafür üblichen Schlitten. Und weil

Parasportler wie der querschnittsgelähmte

Christian Pilz, der die beiden

EHC-Profis instruierte, eben nicht

ihre Beine bewegen können, sondern

vorwärts kommen, indem sie

die zwei 73 Zentimeter langen Schläger,

die am unteren Ende mit Spikes

bestückt sind, wie Langlaufstöcke

ins Eis rammen, braucht es Kraft in

den Armen sowie gut trainierte

AKTIVES ABSEITS

Auf dickem

Eis

Am Sonntag beginnt in Berlin die WM im Para-Eishockey.

Zwei Eisbären-Profis haben das Spiel auf Kufen getestet

VonBenedikt Paetzholdt

Deutschlands Frontmann im Para-Eishockey:Christian Pilz.

CITY PRESS

lohn Roosters (14 Uhr) aus Friedrichshain

nach Charlottenburg zu

kutschieren, wo um 19 Uhrdas erste

Spiel gegen China ansteht, ist eine

von verschiedenen Ideen, um die

Halle am Glockenturm vollzukriegen.

Das ganze Jahr über haben die

Nationalspieler im Rahmenprogramm

von DEL-Spielen und auch

zuletzt beim Deutschland CupWerbung

gemacht für dieses Turnier, an

dessen Ende derAufstieg stehen soll.

WobeiRussland als der große Favorit

gilt.

Dass die Zuschauer actionreiche

45 Minuten (drei mal 15 Minuten)

geboten bekommen, steht fest.

Denn was die Spielhärte und die Intensität

angeht, steht das Para-Eishockey

dem Eishockey in nichts

nach. „Du merkst schnell in einem

Spiel, ob es dreckig wird“, sagt Pilz.

Trashtalk gehört genauso dazu wie

Checks.Wenn die Aluschlitten ineinander

rasseln, rummst es gewaltig.

Die Ausrüstung ist deshalb fast

identisch mit der im Eishockey. Bis

auf den größten Unterschied der

Fortbewegung ist die Vollmaske

Pflicht. Zum einen, weil die Schüsse

mit zirka 100 Stundenkilometernabgefeuertwerden.

Aber auch, weil die

Spikes zu erheblichen Verletzungen

führen können.Vorallem leiden aber

Bauch- und Rückenmuskeln. Dazu

ist jeder Spieler festgeschnallt. „Am

Hintern tut’s richtig weh“, sagte

EHC-Profi Wissmann hinterher.

„Wenn man immer die Balance halten

muss, werden andere Muskeln

beansprucht als die, die man sonst

so gewohnt ist.“ Damit sie nicht

ständig auf die Seite kippen, müssen

die Para-Eishockeyspieler ihren

Schlitten, der auf einer

Kufe steht, immer im

Gleichgewicht halten.

„Was andere inden Beinen

haben, haben wir im

Rücken“, scherzt Pilz.

DerDresdner sitzt im

Rollstuhl, seitdem er

2011 als 20-Jähriger einen

schweren Unfall

hatte. 2004 entdeckte er

seine Leidenschaft fürs Para-Eishockey,

drei Jahre später gehörte er

erstmals zur Nationalmannschaft.

Die B-WM in Berlin ist der Höhepunkt

seiner bisherigen Karriere.

„Wir sind schon durch die ganzeWelt

getourt, aber jetzt findet zum ersten

Mal so ein großes Turnier in

Deutschland statt.“ Verbunden mit

der Hoffnung auf etwas Aufmerksamkeit.

Dass die Eisbären am Sonntag

einen Shuttle einrichten, um die

Fans nach dem Spiel gegen die Iserdie

Hände durch den Dauereinsatz

der Schläger. Blasen gehören als

Dauer-Nebenwirkung beim Para-

Eishockey dazu.

Damit überhaupt ein solches Turnier

stattfinden kann, muss die Eishalle

umgerüstet werden. Neben

transparenten Banden, die den Spielern,

die gerade nicht auf dem Eis

sind, Durchblick verschaffen soll,

der auch nötig ist, um die Formationen

zu wechseln, muss die Eisschicht

dicker werden. „Derzeit liegen

wir bei etwa 2,5 Zentimetern“,

sagt Organisationschef Martin

Hyun, der auch schon das olympische

Eishockeyturnier in Pyeongchang

verantwortete, „wir müssen

aber etwa auf fünf Zentimer kommen.“

Denn nur so können die Spieler

barrierefrei vom Eis in die Wechselzone

fahren. Sogenanntes synthetisches

Eis, also Kunststoffplatten,

die Natureis imitieren und ähnlich

wie Parkett zu großen Flächen zusammengefügt

werden, ermöglichen

das reibungslose Fortkommen.

Nationalspieler Christian Pilz ist

jedenfalls angetan von den Bedingungen,

die er kurzvor dem TurnierstartinBerlin

vorfindet. InsStolpern

sollen nur jene kommen, die wie die

EHC-Profis neu beim Para-Eishockey

sind.


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 19 **

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Sport

NACHRICHTEN

Unions Abdullahi fällt

erneut länger aus

FUSSBALL. Suleiman Abdullahi vom

1. FC Union muss nur kurznach seinem

Comeback schon wieder pausieren.

Der22Jahrealte Offensivspieler

erlitt beim 3:0-Testspielsieg

gegen Holstein Kiel am Mittwoch

eine Kopfverletzung und wirdzehn

bis 14 Tage fehlen. „Erhat sich eine

Gehirnerschütterung und einen Riesen-Cut

zugezogen“, sagte Profifußball-Geschäftsführer

Oliver Ruhnert

am Donnerstag. Abdullahi war gegen

Kiel in der 13. Minute mit Holstein-Profi

Finn Porath zusammengeprallt.

Er verbrachte die Nacht im

Krankenhaus und muss auch wegen

der tiefen Wunde länger pausieren.

Hannover 96 holt

Kenan Kocak als Trainer

FUSSBALL. Zweitligist Hannover96

hat Kenan Kocak als Trainer verpflichtet.

Der38-Jährige erhält einen

Vertragbis zum Ende der laufenden

Saison und tritt beim Bundesliga-

Absteiger die Nachfolge vonMirko

Slomka an, der am 3. November von

seinen Aufgaben entbunden wurde.

Kocak trainierte bis Oktober 2018

den Zweitligisten SV Sandhausen.

Berliner Verband beschließt

Maßnahmen-Katalog

FUSSBALL. Nach dem Schiedsrichter-Streik

hat der Berliner Fußball-

Verband Maßnahmen gegen Gewalt

auf Sportplätzen der Hauptstadt angekündigt.

DasPräsidium beschloss

in einem selbst titulierten„Masterplan“

unter anderem, dass verbindliche

Ansprechpartner für Schiedsrichter

geschaffen werden sollen. Das

geht aus einem Brief vordem Arbeitsverbandstag

am Sonnabend hervor,

den der BFV am Donnerstag veröffentlichte.Zudem

soll dieVermittlung

vonRegeln bei Trainern, Betreuern

und Zuschauernausgebaut werden.

Beimehr als 100Vorfällen vonGewalt

und Diskriminierung in dieser Saison

in den Berliner Amateur-und Jugendklassen

wurden in mehr als 50

Fällen Referees als Opfer gezählt.Vor

knapp dreiWochen hatte sich deshalb

der Schiedsrichterausschuss des

BFV zu einer Nichtbesetzung aller

rund 1500 Spiele entschlossen.

Hülkenberg bestätigt

„Formel-1-Aus für 2020“

MOTORSPORT. Nico Hülkenberg,

32, hat sein „Formel-1-Aus für 2020“

bestätigt. Obwohl der Emmericher

für das kommende Jahr kein Cockpit

gefunden hat, sei er „ziemlich entspannt“

und betonte: „Es ist kein

Rücktritt. Ob sich danach noch einmal

etwas ergibt, das weiß keiner.

Aber ich liebe den Sport.“ Er werde

sich „bereit und fit halten für ein

mögliches Comeback“, sagte der Renault-Pilot.

Hülkenbergwirdnach

drei Jahren bei Renault in der nächsten

Saison durch Esteban Ocon ersetzt

Damit wirdinder nächsten Saison

voraussichtlich Ferrari-Star Sebastian

Vettel (Heppenheim) der

einzige deutsche Fahrer in der Königsklasse

sein.

Federer schlägt Djokovic,

erreicht Halbfinale bei WM

TENNIS. Roger Federer hat das Duell

mit Novak Djokovic für sich entschieden

und das Halbfinale der ATP

Finals in London erreicht. In einer

Neuauflage des diesjährigen Wimbledon-Endspiels

setzte sich der 38

Jahrealte Tennisprofi aus der

Schweiz am Donnerstag im letzten

Gruppenspiel gegen den sechs Jahre

jüngeren Serben mit 6:4, 6:3 durch.

Damit revanchierte sich Federer für

die Niederlage vonWimbledon und

zogals Gruppenzweiter hinter dem

Österreicher Dominic Thiem in das

Halbfinale am Samstag ein. Im 49.

Vergleich mit Djokovic war es der 23.

Eine Branche in Aufruhr

Der DEB fordert weniger Ausländer im deutschen Eishockey und setzt damit auch die Eisbären unter Druck

VonBenedikt Paetzholdt

Seit Donnerstag kämpfen die

Teams der Deutschen Eishockey

Liga (DEL) wieder

um Punkte, die Eisbären

sind heute Abend mit dem Spiel in

Bremerhaven (19.30 Uhr) mit von

der Partie.ImGegensatz zu den Vorjahren,

als der Deutschland Cupeine

in sich geschlossene Veranstaltung

war und schon wenige Tage später

niemand mehr einWort darüber verloren

hat, wirkt der Auftritt der Nationalmannschaft

diesmal nach. Stefan

Schaidnagel, der beim Deutschen

Eishockey Bund (DEB) seit

2015 offiziell als Bundestrainer Wissenschaft

und Ausbildung angestellt

ist, fordert, dass bis 2026 nur noch

sechs Ausländer pro DEL-Team zulässig

sind. Derzeit dürfen neun pro

Spieltag im Kader stehen, elf darf jeder

Verein unter Vertraghaben. „Das

ist der einzige richtige Weg“, sprang

ihm Präsident Franz Reindl zur Seite.

Vorbild Lukas Reichel

Seitdem diskutiert die Branche angeregt

darüber, obein solcher Einschnitt

a) sinnvoll und b) realisierbar

ist. Früher wären solche Vorschläge

vonden Ligavertreternmilde weggelächelt

worden. Aber jetzt, wo sich

die Nationalmannschaft Anerkennung

erspielt hat, zeigen sich die

DEL-Verantwortlichen zumindest

gesprächsbereit.

Eisbären-Sportdirektor Stéphane

Richer sagte am Donnerstag: „Wir

haben schon einen Plan für den

Nachwuchs.“ Der DEL-Stufenplan

sieht vor, dass bis zur Saison

2023/2024 von 19Feldspielern mindestens

drei der Altersklasse U23

und jünger angehören und zudem

für eine deutsche Nationalmannschaft

spielberechtigt sind. „Aber wir

haben beschlossen, dass sich DEL,

DEL und DEB zusammensetzen, um

Entscheidungen zu treffen, was das

Beste für das deutsche Eishockey

ist.“ Eine Kontingentreduzierung

würde die Vereine schließlich vor

große Herausforderungen stellen.

Bei den Eisbären Juniors, wodie

Ausbildung des EHC-Nachwuchses

stattfindet, gibt es dennoch eine

klare Meinung zum DEB-Vorstoß:

„Ich bin klar dafür“, sagt Geschäftsführer

Marc Dannbeck. „Es kann natürlich

sein, dass die Liga vorübergehend

schwächer wird, aber junge

Spieler müssen sich entwickeln können.“

Lukas Reichel, 17, verzückt

derzeit als zweitbester Eisbären-Scorer

den Klub. Dannbeck aber ist

Lukas Reichel hat mit 17 Jahren noch Gitterpflicht.

überzeugt: „Mit seinem Talent hätte

er auch schon letztes Jahr DEL spielen

können.“

Reichel, Fabian Dietz, der zweite

vorgeschriebene U23-Profi im aktuellen

Kader, oder auch Jonas Müller

und Kai Wissmann, die inzwischen

gestandene Profis sind, werden aufgeführt,

um die Entwicklungschancen

junger Profis zu zeigen. Juniors-

Geschäftsführer Dannbeck sieht

trotzdem, „dass viele junge Spieler

IMAGO IMAGES/BEAUTIFUL SPORTS

keine Chance haben“. Der Schritt

vonder Deutschen Nachwuchs-Liga

(DNL) ins Profieishockey ist schwer.

Die Forderungen, den eigenen

Nachwuchs zu stärken, setzen eine

entsprechende Infrastruktur voraus.

Während Vereine wie Bremerhaven

gezwungen wären, ernsthafte Nachwuchsarbeit

zu betreiben, anstatt

wie bisher vor allem auf das Modell

Einbürgerung zu setzen, müssten

sich auch die Eisbären überlegen,

Scharade um die Läufer

wie sie mit München (Red-Bull-Akademie)

und Mannheim als DEL-Seriensieger

mithalten können.

Die Juniors träumen ja schon

lange von einer weiteren Halle im

Sportforum, um ein bis zwei weitere

Eisflächen zu betreiben. „In 15Jahren

könnten wir jedes Jahr einen

NHL-Spieler bereitstellen“, lautet

seine Vision. Schon vor dem Boom,

den Olympiasilber ausgelöst hat,

mussten die Juniors jährlich zahlreiche

Kinder, also potenzielle spätere

Profis, ablehnen. „Pro Jahrgang haben

wir rund 50 Kinder, von denen

wir nur 30 aufnehmen können“, erklärt

er. „Und das Schlimme ist: Wir

haben keinen Platz für Quereinsteiger,

die vielleicht erst etwas später

zum Eishockey gekommen sind.“

Dass wenige Meter vom Wellblechpalast

entfernt derzeit eine

Schusshalle für 1,5 Millionen Euro

entsteht, wo die Spieler zukünftig

ihreFähigkeiten beim Abschluss verbessern

können, sei ein wichtiger

Schritt, aber er reiche eben nicht aus.

ZumVergleich: In München entsteht

derzeit eine gemeinsame Basketballund

Eishockeyarena mit drei zusätzlichen

überdachten Eisflächen.

Dresden rüstet auf

Aber nicht nur derVergleich mit dem

Branchenprimus bereitet Dannbeck

Sorgen. Selbst die Dresdner Eislöwen,

die wie die Eisbären und zehn

weitere Klubs die Auszeichnung

„Fünf Sterne“ für herausragende

Nachwuchsarbeit erhalten haben,

tüfteln an einer besseren Zukunft.

„Sie haben schon zwei Eishallen und

bauen noch eine“, weiß Dannbeck.

„Bei der Nachwuchsarbeit werden

sie im nächsten Jahrzehnt an uns

vorbeiziehen“, glaubt er.

Spannend wird eszudem, wenn

es ab der kommenden Saison wieder

Auf- und Abstieg zwischen DEL und

DEL 2gibt. Derzeit verstehen sich

viele Zweitligisten als Farmteams

und setzen die jungen Spieler ein,

die die DEL-Klubs noch nicht für reif

genug halten. Sobald es um Existenzkampf

geht und sich Partner womöglich

eines Tages gegenüberstehen,

könnte sich auch die Bereitschaft

zur Kooperation neu ausrichten.

Wie schwierig es wohl sein wird,

die Interessen von DEB und DEL zu

vereinen, offenbarte auch Nationalspieler

Marcel Noebels: „Für die

deutschen Spieler wäre das sicher

eine gute Sache, aber die Vereine

müssen geduldig sein.“ UndGeduld

im Profisportist bekanntlich selten.

Die Salazar-Affäre erreicht nun auch Trainer Pete Julian, der Konstanze Klosterhalfen in die Weltspitze geführt hat

Die Affäre umdas Nike Oregon

Project (NOP) und Alberto Salazar

hat nun auch KonstanzeKlosterhalfens

Coach Pete Julian eingeholt.

Die frühere US-Laufhoffnung Mary

Cain, die vorige Woche ihreLeidenszeit

in dem inzwischen eingestellten

Elite-Team öffentlich machte und

sogar von Selbstmordgedanken berichtete,

warf dem ehemaligen Salazar-Assistenten

in der Zeitschrift

Sports Illustrated mangelnde Unterstützung

vor. Daher eigne sich Julian,

der bei vielen abfälligen Kommentaren

Salazars dabei gewesen sei, aus

ihrer Sicht nicht als Trainer.

„Man muss als Trainer eine Führungspersönlichkeit

sein. Manchmal

bedeutet das,Leuten die Stirnzu

bieten, die in einer höheren Position

sind als man selbst, und zu sagen:

'Das ist nicht in Ordnung'“, sagte

Cain: „Wenn man nicht das Rückgrat

hat, wenn man nicht die Fähigkeit

hat, einzuschreiten, wenn dein

Schützling leidet, wie soll man eine

Führungspersönlichkeit sein?“ Cain

hatte in der New York Times ein erschreckendes

Bild gezeichnet. Man

habe sie mit Mobbingmethoden und

Gewann in Doha WM-Bronze über 5000 Meter:Konstanze Klosterhalfen.

entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen

aufgefordert, deutlich

ihr Gewicht zu reduzieren. Sieentwickelte

dadurch das Red-S-Syndrom,

das zumVerlust ihrer Periode für drei

Jahre und fünf Knochenbrüchen

führte.AmEnde habe sie über Suizid

nachgedacht. Cains Vorwürfe werden

von einer Reihe früherer Teammitglieder

sowie Betreuer gestützt.

Das Management von Klosterhalfen

IMAGO IMAGES

wollte sich zur neuenThematik nicht

äußern. Julian erklärte in Sports Illustrated,

es tue ihm leid, was Cain

habe durchmachen müssen. Rückblickend,

sagte er, wenn er die Zeit

zurückdrehen könnte, würde er versuchen,

sich anders zu verhalten

und mehr Unterstützung zu geben.

Nach dem Ende des NOP hatte Julian

erklärt, mit sieben Athleten des

Teams weiterarbeiten zu wollen,

darunter Klosterhalfen. Das NOP

war wegen Dopinggerüchten in die

Kritik geraten, Salazar wurde wegen

Verstößen gegen die Antidoping-Regeln

für vier Jahre gesperrt. Wenig

später stellte Nike das Laufteam ein.

Salazar, der Einspruch gegen seine

Sperreeingelegt hat, räumte„gefühllose

oder unsensible“ Kommentare

ein. Sollten dadurch Sportler verletzt

worden sein, „war ein solcher Effekt

völlig unbeabsichtigt, und es tut mir

leid“, teilte der 61-Jährige mit.

Die Rufe nach einer unabhängigen

Untersuchung werden lauter.

Bisher hat nur Nike Ermittlungen

angekündigt. Travis Tygart, Chef der

US-Antidoping-Behörde,erklärte,es

gebe im Zuge der Doping-Ermittlungen

„Berge von Beweisen“ für eine

vergiftete Kultur im NOP.Jeder,der in

einer Position gewesen sei, die Entscheidungen

vonAthleten in puncto

Gesundheit und Wohlbefinden zu

beeinflussen, müsse voneiner unabhängigen

Organisation untersucht

werden. Jede Untersuchung, die

Nike an dieser Stelle selbst durchführe,

so Tygart, sei „Scharade, um

die Markezubeschützen“. (sid)

ZAHLEN

Eishockey

DEL, 18. Spieltag

Wolfsburg -Düsseldorf 4:1 (0:0, 1:0, 3:1)

Iserlohn -Ingolstadt Fr., 19.30

Straubing -Krefeld Fr., 19.30

Schwenningen -Köln Fr., 19.30

München -Nürnbergr

Fr.,19.30

Bremerhaven-Eisbären Berlin Fr., 19.30

Augsburg -Mannheim Fr., 19.30

1. EHC Red Bull München 17 61:32 48

2. Straubing Tigers 17 67:43 36

3. Düsseldorfer EG 18 51:38 31

4. Adler Mannheim 17 56:54 29

5. Pinguins Bremerhaven 17 46:44 27

6. Eisbären Berlin 16 47:45 25

7. Nürnberg Ice Tigers 17 43:48 24

8. ERC Ingolstadt 17 46:48 23

9. Grizzlys Wolfsburg 18 46:50 22

10. Kölner Haie 17 34:47 20

11. Iserlohn Roosters 17 40:50 19

12. Augsburger Panther 17 44:56 18

13. Krefeld Pinguine 17 42:54 18

14. Schwenninger Wild Wings 16 42:56 15

Fussball

EM-Qualifikation

Gruppe A:

England -Montenegro 7:0 (5:0)

Tschechien -Kosovo 2:1 (0:0)

1. England 7 33: 6 18

2. Tschechien 7 13:10 15

3. Kosovo 7 12:10 11

4. Bulgarien 7 5:17 3

5. Montenegro 8 3:22 3

Gruppe B:

Portugal -Litauen 6:0 (2:0)

Serbien -Luxemburg 3:2 (2:0)

1. Ukraine 7 15: 2 19

2. Portugal 7 20: 6 14

3. Serbien 7 15:15 13

4. Luxemburg 7 7:14 4

5. Litauen 8 5:25 1

Gruppe C:

Nordirland -Niederlande Sa., 20.45

Deutschland -Weißrussland Sa., 20.45

1. Deutschland 6 20:6 15

2. Niederlande 6 19:7 15

3. Nordirland 6 8:7 12

4. Weißrussland 7 4:12 4

5. Estland 7 2:21 1

Gruppe D:

Schweiz -Georgien Fr., 20.45

Dänemark -Gibraltar Fr., 20.45

1. Dänemark 6 16:5 12

2. Irland 7 6:4 12

3. Schweiz 6 12:5 11

4. Georgien 7 7:10 8

5. Gibraltar 6 2:19 0

Gruppe E:

Aserbaidschan -Wales Sa., 18.00

Kroatien -Slowakei Sa., 20.45

1. Kroatien 7 14:6 14

2. Ungarn 7 8:9 12

3. Slowakei 6 10:8 10

4. Wales 6 6:6 8

5. Aserbaidschan 6 5:14 1

Gruppe F:

Norwegen -Färöer Fr., 18.00

Spanien -Malta Fr., 20.45

Rumänien -Schweden Fr., 20.45

1. Spanien 8 19: 5 20

2. Schweden 8 18: 9 15

3. Rumänien 8 17: 8 14

4. Norwegen 8 13:10 11

5. Malta 8 2:18 3

6. Färöer 8 4:23 3

Gruppe G:

Slowenien -Lettland Sa., 18.00

Österreich -Nordmazedonien Sa., 20.45

Israel -Polen Sa., 20.45

1.Polen 8 13: 2 19

2. Österreich 8 17: 7 16

3. Slowenien 8 13: 8 11

4. Israel 8 15:15 11

5. Nordmazedonien 8 10:11 11

6. Lettland 8 2:27 0

Gruppe H:

Türkei -Island 0:0

Frankreich -Moldau 2:1 (1:1)

Albanien -Andorra 2:2 (1:1)

1. Frankreich 9 23: 6 22

2. Türkei 9 16: 3 20

3. Island 9 12:10 16

4. Albanien 9 16:12 13

5. Andorra 9 3:18 3

6. Moldau 9 3:24 3

Gruppe I:

Zypern-Schottland Sa., 15.00

Russland -Belgien Sa., 18.00

San Marino -Kasachstan Sa., 18.00

1. Belgien 8 30: 1 24

2. Russland 8 27: 4 23

3. Zypern 8 13:12 10

4. Schottland 8 11:17 9

5. Kasachstan 8 9:13 7

6. San Marino 8 0:43 0

Gruppe J:

Finnland -Liechtenstein Fr., 18.00

Armenien -Griechenland Fr., 18.00

Bosnien-H. -Italien Fr., 20.45

1. Italien 8 25: 3 24

2. Finnland 8 12: 8 15

3. Bosnien-Herzegowina 8 17:14 10

4. Armenien 8 13:15 10

5. Griechenland 8 9:13 8

6. Liechtenstein 8 2:25 2


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 – S eite 20

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Sport

Herr der neuen Ordnung

Die Hierarchien in der deutschenNationalelf sindflacher geworden, aber mit Blickauf die EM 2020müssten mehr Spieler dem Beispielvon Joshua Kimmich folgen

VonFrank Hellmann, Düsseldorf

Es kommt nicht so oft vor,

dass beim Training der

deutschen Nationalmannschaft

plötzlich ein in der

Bundesliga beschäftigter Fußballlehrer

am Platzrand steht. Friedhelm

Funkel hatte es sich nicht nehmen

lassen, mal schnell einen Abstecher

in jene Arena zu unternehmen, die

gemeinhin von seiner Düsseldorfer

Fortuna genutzt wird. Nach einem

Plausch mit Bundestrainer Joachim

Löw spürte der dienstälteste Bundesliga-Coach

seine besondere

Wertschätzung, weil fast jeder Akteur

zum Handschlag vorbeikam. Ob

nun Manuel Neuer, Serge Gnabry

oder Matthias Ginter: Fast alle begrüßten

den 65-Jährigen, der vereinsübergreifend

höchste Wertschätzung

erfährt. Als ein Trainer,

der keinen Stimmungen nachgibt,

sondernseiner Überzeugung folgt.

Lob vonLöw

Funkel gilt bis heute als Verfechter

von klaren Hierarchien. Doch was

bietet dabei jene von ihm beobachtete

Mannschaft, die in den EM-

Qualifikationsspielen gegen Weißrussland

in Mönchengladbach

(Samstag 20.45 Uhr/RTL) und gegen

Nordirland in Frankfurt

(Dienstag 20.45 Uhr/RTL) den

letzten Schritt zur EM 2020 machen

will? Klar, Manuel Neuer (33

Jahre/ 91 Länderspiele) und Toni

Kroos (29/ 94) stehen vornean,

aber dahinter verschwammen die

Hierarchien, nachdem nach und

nach die Weltmeister von 2014 zurücktraten

oder ausgemustert

wurden. Sicherlich kein Zufall,

dass am Donnerstag nun ein legitimer

Nachfolger in einem Düsseldorfer

Hotel am Karl-Arnold-Platz

zum Pressegespräch erschien. Dabei

bestätigte Joshua Kimmich, im

Vergleich zur missratenen WM 2018

mehr Verantwortung zu tragen.

„Die Hierarchien entwickeln sich

mit den Spielen. Ich bin sicher geklettert“,

sagte der 24-Jährige, der

zuletzt in Dortmund im Freundschaftsspiel

gegen Argentinien (2:2)

sogar die Kapitänsbinde trug. Das

schwarz-rot-goldene Stückchen

Stoff saß zwar nicht ganz perfekt,

mächtig stolz war der gebürtige

„Ich bin sicher geklettert“: Joshua Kimmich schätzt seine Position in der Teamhierarchie offenbar realisitsch ein.

Schwabe trotzdem. Löw lobte: „Erist

ein Vorbild in seiner ganzen Einstellung.“

Fleißiges Tunist wichtiger als

protziges Gewese wegen einer bestimmten

Anzahl von Länderspielen.

Dasmacht die Führungsstrukturenflacher.

„Jeder darf bei uns was sagen,

dazu muss er keine 50 Länderspiele

gemacht haben“, erklärt Leon Goretzka.

Kimmichs Klubkollege gehört

ebenso zu den 95er und 96er-

Jahrgängen, auf denen viele Hoffnungen

ruhen. DieConfed-Cup-Sieger

von 2017, als übrigens der nach

seiner Verletzung noch nicht wieder

berufene Julian Draxler den Kapitän

gab,sollen mehr das Gefüge prägen,

nachdem die WM 2018 in Russland

das desaströse Bild einer innerlich

zerrissenen Mannschaft vorführte.

GETTY IMAGES/LARS BARON

Löws erste Maßnahme lautete

hernach, dem Allrounder vom FC

Bayern die zentrale Mittelfeldrolle

zu übertragen, die ihm neuerdings

auch Löw-Intimus Hansi Flick im

Verein fest zugeteilt hat. Für den

Bundestrainer ist Kimmich längst

der „Stabilisator“. Seine Position

hilft, seine prägende Rolle auszuführen,

wobei Kimmich die atmosphärische

Gemengelage für Profis

ganz pragmatisch beschrieb:

„Die Stimmung ist dann am besten,

wenn man Spiele gewinnt.“

Und deshalb kann der 46-fache

Nationalspieler auch die Zurückhaltung

der Zuschauer verstehen:

„In erster Linie sind wir verantwortlich

dafür, ob die Zuschauer

kommen.“ Man müsse halt einfach

„sexy“ spielen. Er hat auch gar

nicht ausgerechnet, in welcher

Konstellation sich die DFB-Auswahl

bereits am Wochenende für

die EM-Endrunde qualifiziert.

„Wir wollen beide Spiele gewinnen.“

Schluss.Aus.Ende.

Mangel an Widerstandskämpfern

In der internen Hackordnung hat der

ehrgeizige Musterschüler schon so

manch älteren Akteur überholt. Ihm

sollte nur der eine oder anderenoch

folgen, sonst könnte die DFB-Auswahl

in heiklen Situationen über zu

wenige Widerstandskämpfer seines

Kalibers verfügen. Vielleicht wäre

Löw mit dem Umbruch bereits ein

gutes Stück weiter, wenn nicht „immer

so viele Spieler verletzt wären“,

wie Kimmich anmerkte. ImOktober

hat es zwölf Absagen gegeben, jetzt

im November sind es noch neun

Ausfälle. Vor allem der als Abwehrchef

auserkorene Niklas Süle wird

dabei als natürliche Autorität vermisst,

wobei der Vereinsgefährte von

Kimmich hofft, „dass er es noch bis

zur EM schafft –erist auf jeden Fall

sehr positiv“.

Dass der Teamgeist wirklich so

viel besser geworden ist – vielleicht

nicht ganz so euphorisch,

wie das Nationalmannschaftsdirektor

Oliver Bierhoff beschrieben

hatte – bestätigte Kimmich insofern

als dass es beim Essen keine

festen Sitzordnungen mehr gebe.

„Die meisten von uns kennen sich

seit der Jugend und haben dann

schon zusammengespielt.“ Aber

deswegen kann trotzdem nicht

gleich jeder mit jedem. „Bei der Arbeit

ist es bei Ihnen doch auch so,

dass Sie mit dem einen lieber zusammenarbeiten

als mit dem anderen“,

wandte er mit einem verschmitzten

Grinsen ein.

An der roten Linie

Spaniens Erstliga-Fußballerinnen streiken. Sie wollen 16 000 Euro Mindestlohn jährlich. Der DFB fürchtet offenbar,dass sich die Debatte auf Deutschland ausweitet

VonFrank Hellmann

Ángela Sosa mag es,den Bizeps zu

spannen und ihre Tätowierung

zu zeigen. „Bis ins Unendliche und

darüber hinaus“, prangt auf ihrem

muskulösen Oberarm. DasganzeLeben

der Nationalspielerin von

Atlético Madrid war bislang ein

Kampf. Sie wuchs in einem der

ärmsten Stadtviertel Sevillas auf,

und wenn sie Fußball spielte, rieten

fremde Menschen ihrem Vater, dass

seine Tochter lieber putzen gehen

sollte,damit würde sie eher Geld verdienen.

Anfangs stimmte das auch,

wie die 26-Jährige erzählte.„Wir haben

früher immer alles in einen Topf

geworfen und geteilt: Heraus kamen

75 Euro proKopf.“

Inzwischen geht es um andere

Summen; um 16 000 Euro Mindestlohn

jährlich, den alle Spielerinnen

der Primera Iberdrola erhalten sollen,

wie die nach einem Energieunternehmen

benannte erste spanische

Frauen-Liga heißt. Mehr als ein

Jahr verhandelten die Fußballer-Gewerkschaften

AFE, UGT und Futbolistas

ON und die Klubvereinigung

ACFF ergebnislos. Nun scheiterte in

Madrid der letzte Schlichtungsversuch

im Ministerium für Arbeit, Migration

und soziale Sicherheit. Folge:

Am Sonnabend wird nicht trainiert,

am Sonntag nicht gespielt. DerStreik

gilt unbefristet.

„Es gibt eine rote Linie, die die

Frauen markierthaben“, teilte Diego

Rivas als AFE-Vertreter mit. 93 Prozent

von189 Spielerinnen hatten am

22. Oktober für die Spielpause gestimmt.

Die Gegenseite bietet nur

Halbjahresverträge und maximal

8000 Euro. Mehr sei den meisten

Vereinen nicht möglich. Der spanische

Fußball-Verband RFEF, der gerade

seinen Supercup für einen dreistelligen

Millionenvertrag für die

nächsten Jahre nach Saudi-Arabien

verhökert hat, wollte 1,1 Millionen

Euro zuschießen. Diese Summe löse

das Problem nicht, ließ die Gewerkschaft

verlauten. Die internationale

Spielergewerkschaft FIFpro unterstützt

den Arbeitskampf „als gutes

Beispiel, den Frauenfußball als berufliche

Tätigkeit anzuerkennen“.

Fassungslos: Bei der WM 2019 unterlagen die Spanierinnen den USA.

Der spanische Frauenfußball erlebt

nie dagewesenen Zuspruch:

Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl

der Spielerinnen auf 64 000 verdreifacht.

Das Liga-Spiel zwischen

Atlético und dem FC Barcelona

lockte im Frühjahr 60 739 Zuschauer

ins Metropolitano –Weltrekord auf

Vereinsebene. Im Viertelfinale der

Women’s Champions League treffen

die beiden spanischen Spitzenklubs

nächstes Frühjahr aufeinander. Der

IMAGO IMAGES

Sieger könnte im Halbfinale auf den

VfL Wolfsburgtreffen.

Nationaltorhüterin Schult klagt an

In Barcelona soll die nigerianische

Stürmerin Asisat Oshoala bereits

350 000 Euro Jahresgehalt beziehen.

Real Madrid steigt ab 2020 über die

Fusion mit CD Tacon in die Frauen-

Liga ein, die neben einem Namenssponsor

auch einen TV-Partner gewonnen

hat. „Vieles läuft in die rich-

tige Richtung“, sagt die zweimal zur

besten spanischen Liga-Spielerin gewählte

Sosa, die auch für die Nationalelf

antritt.

Die deutsche Nationaltorhüterin

Almuth Schult findet, es sei eine

Frechheit, den spanischen Spielerinnen

abzuverlangen, professionell ihren

Job auszuüben, und ihnen dann

eine Gehaltsobergrenze zu setzen,

die genau das Gegenteil widerspiegele.

Gleichwohl besteht auch in

Deutschland eine große Kluft: Die

Spanne reicht von dem Mindestgehalt

für Vertragsspielerinnen von250

Euro monatlich bis zu den fünfstelligen

Monatsgagen der Topspielerinnen

beim VfL Wolfsburgund FC Bayern.

Rund 500 000 Euro wendet ein

Frauen-Bundesligist im Schnitt für

Gehälter auf. „Einige Spielerinnen

verdienen in der Frauen-Bundesliga

weniger Geld als beispielsweise

Männer in der Landesliga oder noch

tieferen Ligen“, kritisiertSchult.

Aber kann das überhaupt verglichen

werden? Nach dem Finale der

Frauen-WM in Lyon brüllten vorrangig

amerikanische Zuschauer „equal

pay, equal pay“. Als Unterstützung

für den Weltmeister USA mit Frontkämpferin

Megan Rapinoe, die mit

den Mitspielerinnen ihren Verband

verklagt hatte. Das US-Modell ist jedoch

kaum auf Europa übertragbar,

weil die Spielerinnen vom Verband

bezahlt werden, weshalb sich Bundestrainerin

Martina Voss-Tecklenburgzurückhält:

„Bevor wir uns über

equal pay unterhalten, sollten wir

über equal play reden!“ Erst mal gleiche

Voraussetzungen schaffen.

DFB-Präsident Fritz Keller fordert

zwar von allen Lizenzvereinen ein

überfälliges Bekenntnis für den

Frauen- und Mädchenfußballs,doch

sein Vizepräsident Rainer Koch

stellte am Wochenende klar: „Bevor

wir Geld für die Frauen ausgeben,

müssen wir es erst einmal einnehmen.“

Die Aufwendungen für

Frauen- und Mädchenfußball würden

im DFB die Erlöse bei weitem

übersteigen. Da schien einer fast zu

fürchten, dass auch deutsche Nationalspielerinnen

im Kampf um bessere

Entlohnung die Muskeln spielen

lassen.


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

Markus Schneider über

das neue Album

von FKA twigs

Seite 22

„Die hassen uns.“

André Aden, einer von drei Journalisten, gegen die Neonazis in Hannover mobil machen Seite 23

Kolonialismus

Fünfzehn

Namen

Harry Nutt

begrüßt die Umbenennung

vonStraßen im Namibia.

Der 1932 in Tsumeb in Südwestafrika

geborene Politiker Mburumba

Kerina war Mitte der 50er-

Jahreeiner der Ersten, die sich für die

Unabhängigkeit seines Landes stark

machten. Die Umbenennung der

ehemaligen deutschen Kolonie

Deutsch-Südwest in Namibia geht

maßgeblich auf Kerina zurück. Nun

sind, wie der deutschsprachige Radiosender

„Hitradio Namibia“ berichtet,

15 Straßen der Hauptstadt Windhuk

nach Freiheitskämpfern des

Landes benannt worden, darunter

auch Mburumba Kerina.

Namibia befand sich mehr als 30

Jahre unter deutscher Kolonialherrschaft,

die kulturellen und sozialen

Spuren dieser gewalttätigen Besatzung

und Ausbeutung finden sich in

dem bei Touristen beliebten Land

noch immer.Weichen mussten jetzt

Namen wie Bismarck-, Lüderitzund

Bahnhofstraße. Ein evidenter

Vorgang, der allein deshalb Erstaunen

auszulösen vermag, weil er erst

jetzt erfolgt. Während hierzulande

intensiv darüber gestrittenen wird,

ob die Namen deutscher Kolonisatoren

aus dem Berliner Straßenbild

verschwinden oder, mit entsprechenden

historischen Erläuterungen

versehen, beibehalten werden

sollen, erscheint der Versuch Windhuks,

sich die eigene Geschichte

auch über die Namensgebung von

Straßen und Plätzen anzueignen,

mehr als geboten.

Die eher in den Kurzmeldungen

verhandelte Notiz verweist aber

auch darauf, wie sich das Verhältnis

vonKolonialismus und dem Bedürfnis

nach Dekolonisierung

noch einmal ganz neu ordnet. Über

110 Jahrenach der blutigen Niederschlagung

der Aufstände der Herero

und Nama scheint die Zeit reif

für eine wechselseitige Auseinandersetzung

mit den historischen

Okkupationen und Gewaltereignissen.

Die neuen Straßennamen

in Windhuk sind Teil der namibischen

Identitätsbildung, die vom

deutschen Geschichts- und Selbstverständnis

nicht zu trennen ist.

Nina Hagen (links natürlich, unmöglich zu verkennen) und Veronika Fischer,beide im Jahr 1974 RBB/HERBERT SCHULZE (2)

Viele Bewohner der DDR

hatten den Namen Wolf

Biermanns bis zum November

1976 nur selten gehört.

Seine Lieder waren eher einer

verschworenen Gemeinde bekannt,

bestenfalls kursierten einzelne Textzeilen.

Erst als der seit 1965 in seiner

ostdeutschen Wahlheimat systematisch

totgeschwiegene Liedermacher

ausgebürgertwurde,erlangte er

weitreichende Berühmtheit.

Das war bei anderen Musikern

ganz anders. Die Renft-Combo zum

Beispiel war ausgesprochen populär,

ihre Songs wurden von Tausenden

Jugendlichen geliebt. Deshalb erlebte

die Band auch eine hartnäckige

Umkreisung durch FDJ und Konzertund

Gastspieldirektion. Sie wurde

zeitweilig stark gefördert, erhielt

Preise und trat im Fernsehen auf. Erinnert

sei an ihren fulminanten Auftritt

während der Weltfestspiele 1973

auf dem Alexanderplatz. Doch die

Leipziger Jungs blieben –bis auf eine

Ausnahme –unbestechlich. Die zunehmende

Kriminalisierung der

Anti-Puhdys mit Auftrittsverbot,Verhaftungen

und letztlich Ausweisung

geriet für die SED in den Jahren

1975–77 zum PR-Totaldesaster. Einmal

mehr wurde dadurch das völlige

Versagen einer lediglich auf Schadensbegrenzung

ausgerichteten

Kultur-und Jugendpolitik deutlich.

Mit der aktuellen Film-Dokumentation

„Nach drüben –Ost-Stars

wechseln die Seiten“ von Michael

Rauhut und TomFranke gibt es nun

erstmals ein filmisches Gruppenporträt

über den Exodus der Barden

aus dem Osten. Da die Produktion

fürs Fernsehen entstand, gibt es den

üblichen Mix aus erklärenden Kom-

Exodus

der Stimmen

mentaren, Zeitzeugen-Aussagen

und Expertenstimmen, das Ganze

durchsetzt mit teils anrührenden,

teils bizarren Archivaufnahmen.

Dennoch haben wir es hier mit einem

sehenswerten Beitrag im derzeit

kaum mehr überschaubaren Erinnerungsschub

zu tun. Dies liegt

vor allem an der unverbrauchten

Auswahl der Gesprächspartner sowie

an bislang nur wenig thematisierten

Problemlagen.

Die in anderen Zusammenhängen

bereits ausführlich behandelten

Fälle von Wolf Biermann, Manfred

Krug, der Renft-Combo oder Nina

Hagen kommen hier nur als Fußnoten

vor. Dieberühmteste im Film interviewte

Künstlerin ist Veronika Fischer,

die 1981 endgültig den Weg

von Ost- nach Westdeutschland gegangen

war.Sie hatte in einem zähen

Kampf mit den Kulturfunktionären

um ihreAusreise gerungen –als eine

der beliebtesten Sängerinnen sollte

sie um fast jeden Preis im Lande gehalten

werden. An diesem Beispiel

Eine Film-Dokumentation

über Musiker und Musikerinnen,

die die DDR verließen

VonClaus Löser

werden auch die Stärken des Films

von Rauhut und Franke am deutlichsten.

Es zeigt sich nämlich, dass

sich mit dem „Systemwechsel“ der

Künstler von einem Teil Deutschlands

in den anderen keineswegs alle

Konflikte auflösten, sondern, im Gegenteil,

auch neue und sogar komplexerehinzukamen.

Im Fall von„Vroni“ sah das so aus,

dass ihr West-Management alles

daran setzte, ihr ein neues Image

überzustülpen. Sie wurde ganz auf

Schlager getrimmt, die in ihrem

Sound angelegten Soul- und Jazz-

Elemente hingegen wurden weitgehend

eliminiert. Als sie dann 1983 für

die Bundesrepublik am Eurovision

Song Contest teilnahm, landete sie

dortauf dem vorletzten Platz. Es kostete

sie viel Mühe und Zeit, wieder

als anspruchsvollere Musikerin akzeptiertzuwerden.

15 Jahre vorher hatte die Flucht

des Liedermachers Reiner Schöne

für Aufsehen gesorgt. Als die FDJ-

Singebewegung immer stärker unter

die Kandare der SED genommen

und der Hootenanny-Klub in Oktoberklub

umbenannt wurde, zog er

sich auf Soloprojekte zurück. Schon

damals wirkte der gernimeleganten

Dreiteiler auftretende Sänger wie

von einem anderen Stern. Im Mai

1968 setzte er sich nach West-Berlin

ab, schlug später eine erfolgreiche

Karriere als Schauspieler („Star

Trek“) und Synchronsprecher (William

Dafoe) ein. Im Film erzählt er

von seinen Triumphen und Ängsten

beim Übergang von Ost nach West.

Fürdie Kameragreift er noch einmal

zur Gitarre.

Am radikalsten hatten sich 1980

die Musiker der Rockband Magdeburgvon

der einengenden DDR-Kulturpolitik

distanziert. Warensie 1975

noch kompromissbereit genug, um

ihren provozierenden Namen Klosterbrüder

abzulegen, war für sie

fünf Jahrespäterdas Maßvoll. Als sie

sich weigerten, sich für einen Auftritt

in der Jugendsendung „Rund“ die

Haare zuschneiden, entzog man ihnen

die Spielerlaubnis. Daraufhin

stellte Magdeburggeschlossen einen

Ausreiseantrag. Für diesen Mutwanderten

Dietrich Kessler und Hans-

Joachim Kneis für mehr als ein Jahr

in den Knast. ImFilm erinnert sich

Kessler daran ohne Verbitterung.

1992 fanden die alten Kollegen wieder

zusammen. Seit 2000 treten sie

wieder als Klosterbrüder auf. Schon

1979 hatten sie prophetisch gereimt:

„Werden wir noch alt, so wie’s uns

gefällt? Oder lebst du bald in einer

andren Welt?“

Filmpremiere „Nach drüben –Oststars wechselndie

Seiten'', Volksbühne,15. 11., 20 Uhr,

anschließend Konzertder Reiner-Schöne-Band

Wichtiger

Schritt für

Grütters

Bund bewilligt Geld für

Museum der Moderne

Die umstrittene Finanzierung

des Museums der Moderne in

Berlin ist vom Haushaltsausschuss

des Bundestages bestätigt worden.

Während der Bereinigungssitzung

des Ausschusses stimmte am Donnerstag

eine Mehrheit der Abgeordneten

für die Baukosten von 364,2

Millionen Euro. Die Gesamtsumme

für das Projekt liegt bei rund 450 Millionen

Euro. Allerdings stand die

vom Finanzministerium bereits in

Aussicht gestellte Finanzierung für

eine mögliche Steigerung der Baukosten

in Höhe von 52 Millionen

Euro sowie knapp 34 Millionen Euro

Risikokosten nicht zur Abstimmung.

Die Linken-Abgeordnete Gesine

Lötzsch erinnerte daran, dass 180

Millionen Euro für das Projekt veranschlagt

waren. „Das ist eine Kostenexplosion

vor dem ersten Spatenstich,

die es in der Baugeschichte

noch nicht gegeben hat“, sagte sie.

Auch für die Aufarbeitung der

DDR-Geschichte und der SED-Diktatur

stellt der Bund im kommenden

Jahr mehr Geld bereit. In ein Zentrum

zur Oppositions- und Widerstandsgeschichte

in der ehemaligen

Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg

sollen dabei 250 000 Euro als Startfinanzierung

fließen.

Für die Sanierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

sagte der

Bund ab 2021 insgesamt 16 Millionen

Euro zu, nachdem bereits für

dieses und das nächste Jahr 1,5 Millionen

Euro bewilligt wurden. DieJesus-Christus-Kirche

in Dahlem erhält

eine Million Euro für 2020 und

2021, die St-Matthäus-Kirche 5Millionen

Euro, die Immanuelkirche in

Pankowrund6,8 Millionen Euro,die

Stephanuskirche in Gesundbrunnen

rund 5,5 Millionen und die St.-Laurentius-Stadtkirche

in Köpenick 2

Millionen Euro, wie der CDU-Abgeordnete

Klaus-Dieter Gröhler mitteilte.

Weitere Mittel in Höhe von

rund 2,8 Millionen Euro kommen

der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

zugute. Das Dokumentationszentrum

NS-Zwangsarbeit Berlin

wird mit 1,15 Millionen Euro gefördert.

DerHaushalt soll Ende November

beschlossen werden. (BLZ/dpa)

UNTERM

Strich


22 Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Feuilleton

Die britische Musikerin FKA twigs alias Tahliah Barnett, ausgebildete Tänzerin, performt ein Tanzspiel anlässlich des Erscheinens ihres neuen Albums.

AFP/GETTY/STEVE JENNINGS

Lieder eines gefallenen Aliens

Weit entfernt von allen Konventionen: Das neue Album „Magdalene“ der britischen Sängerin und Tänzerin FKA twigs

VonMarkus Schneider

Schaut nur, was sie mit FKA

twigs auf dem Cover ihres

neuen Albums angestellt

haben. Seltsam zerbeult

und formlos das Gesicht, der Hals

breit, die Schultern aufgepumpt,

schaut sie ikonenhaft nach oben aus

dem Bild. Vorallem jedoch wirkt sie

zerschrammt, die Augen zerlaufen,

ein Augapfel buntes CGI-Geschmier,anWange

und Nacken blättert

die Haut ab wie von einer Plastik-

oder Wachsfigur.

Der Anblick verstört zweifellos

jene Leute,die sie vonihren bisherigen

Arbeiten als filigranes,jaätherisches

Wesen kennen, zierlich, feingliedrig,

so zart wie die Stimme, die

sich bis in die hellsten Höhen aufschwingen

kann. Noch verwirrender

wirkt er, wenn man sie, wie ich, im

Frühjahr in der Ballettaufführung

gesehen hat, mit der sie nach längerer

Konzertpause dieses zweite Album

angekündigt hat. Sie hieß

„Magdalene“, wie jetzt auch das Album,

ein gewissermaßen redseliger

Titel angesichts des Debüts „LP1“

vor fünf Jahren. Die Performance

war ein straff choreografiertes Tanzspiel,

die Kostüme des jungen Modedesigners

Ed Marler so anachronistisch

wie die Bewegungen zwischen

Breakdancephysis und klassischer

Schwerelosigkeit. VomAlbum

selbst gab es damals nur ein paar Titel,

die etwas kompakter klangen als

der furiose R&B-Futurismus, mit

dem sie ihre Karriere begann. Ein

trügerischer Eindruck.

Es empfiehlt sich auf jeden Fall,

„Magdalene“ laut zu hören. DieNuancen

in den digitalen und digitalisierten

Sounds öffnen die Architektur

der vom Hall aufgerissenen

Räume ganz wunderbar;aber sie hat

ihre Klangwelt auch überraschend

analog erweitert und zeigt sich melodisch

zugänglicher als bisher. Die

ersten EPs und das Albumdebüt

wirkten wie Meldungen aus fernen

Welten, voll wundersamer,unerhörter

Sounds aus Materialien, die bei

uns am Boden bis in den schwebenden

und verfremdeten Aliensopran

vollkommen unbekannt schienen.

Erdschwer gab sie sich allein in den

Texten: „I can fuck youbetter“, sang

sie, oder „Water Me“, während der

Sexsich im Cyberspace verflüssigte.

Auf „Magdalene“ scheint es, als

habe sich der Alien im

irdischen Körper eingelebt,

und dabei neben

Begehren und Lust auch

Gefühle in Bodennähe

erfahren. „Ich bin ein

gefallener Alien“, singt

sie in„Fallen Alien“, und

wechselt die Temperatur

der Stimme zwischen

zorniger Entschlossenheit

und verzweifelten

Spitzen, während um sie

her ein wild gepitchter Chor zischt

und Klavier und die Percussion giften

und bollern.

DerSturzhat einen biografischen

Hintergrund: Als Künstlerin wurde

Tahliah Barnett, so der bürgerliche

Name der Britin, in eher avantgardistischen

Szenen gefeiert; durch

FKA twigs: Magdalene

LP,Young Turks

die Beziehung mit dem Schauspieler

und Teen-Idol Robert Pattinson

fand sie sich zeitweilig in eine hysterische

Celebrity-Welt geschubst,

mit Heeren von Paparazzi, enttäuschten

Teenagern und rassistischen

Anfeindungen im Netz. Die

Beziehung endete 2017

und durch eine Unterleibsoperation

im letzten

Jahr wurde ihr

künstlerisches Selbstverständnis

zusätzlich

erschüttert. Als ausgebildete

Tänzerin –

auch beide Elterntanzten

professionell –

hatte sie ihre ersten

Popauftritte in Musikvideos

und die physische Performance

gehörtzuden wesentlichen

Bausteinen ihrerMusik.

„Ich hatte keine Ahnung, wie allumfassend

sich ein gebrochenes

Herz anfühlt“, gab sie vorabden Hörern

als Statement mit auf den Weg.

„Ich hätte nie gedacht, dass mein

Körper versagt und mir die Mög-

lichkeit des physischen Ausdrucks

verweigert, den ich liebe, der mir

Trost bringt.“ Doch so sehr dieser

Hintergrund die oft zerrissene und

widersprüchliche Musik prägt –es

geht Barnett nicht darum, ihre

Wunden zu zeigen. Sie zielt ins

Überindividuelle.

Sieempfinde es als enorm„stressig,

als Woman of Color ständig die

nubische Königin geben zu müssen:

Ichbin starkund unabhängig –aber

auch sehr verletzbar und sensibel“,

sagte sie in einem Interview, um

sich hier mit letzter Zerbrechlichkeit

an der Liebe abzuarbeiten, mit

orgasmischen Seufzern indigitalen

Atmosphären zu verschwinden

oder, in „Daybed“, wortreich zu

masturbieren und ihre Titelheldin

aus der einseitigen Beziehung mit

dem berühmten Mann zu befreien:

„I can lift you higher/ Idoitlike

Mary Magdalene/ I’m what you desire/

come just alittle bit closer till

we collide“, singt sie.

Dazu hörtman einen schleppend

pochenden Downbeat, die Stimme

solo schwebend, im Hall aufgelöst

oder zum Chor vervielfältigt, das Arrangement

verbindet in ominösen

Verwischungen harfische Saiten,

knöchernes Rasseln, dumpfes Dröhnen

und Keyboardschwaden.

Die Musik des Albums, wesentlich

von ihr selbst mit dem Elektromusiker

Nicolas Jaar produziert,

spielt auf unerwartete Weise mit allerlei

Popformaten, vom Traptitel

mit Rapstar Futurezur abschließenden

Klavier-mit-etwas-Noise-Ballade.

Aber die Arrangements mit ihren

mutigen, oft atemberaubenden

stofflichen Fallhöhen und Einbrüchen,

der entschlossenen Mischung

vertrauter und andersweltlicher

Sounds entfernen „Magdalene“ mit

Macht vonjeder Konvention.

Auf der Rückseite des Covers

sieht man die Ganzkörperversion

des Porträts: Als massige Athletin,

die modernisierteVersion des Faustkämpfers

von Quirinal, liegt sie da,

erschöpft, zerschrammt, fremd.

Aber voll seltsam menschlicher

Würde.

Gut, dass das vorbei ist!

Ein Roman über eine Ost-Berliner Theaterschule in den Neunzigern und den Mief des Geniekults, geschrieben von der Ernst-Busch-Absolventin Christiane Neudecker

VonUlrich Seidler

Die Schriftstellerin Christiane

Neudecker, selbst Absolventin

des Studiengangs Regie an der Hochschule

für Schauspielkunst „Ernst

Busch“, hat einen Roman über eine

Berliner Theaterschule im Jahr 1995

verfasst. Zwar trägt diese traditionsreiche

Ausbildungsstätte in fiktionaler

Abweichung den Namen des großen

Theateravantgardisten Erwin

Piscator und residiertdirekt im Wasserturm

amKollwitzplatz, also nicht

wie das Original in der benachbarten

Belforter Straße, aber man darf davonausgehen,

dass die Erfahrungen

der Autorin in das Romangeschehen

eingeflossen sind und ihm einen autobiografischen

Drall geben.

Das könnten doch dann eigentlich

die Textteile sein, die aus konkreter,

erinnernder Anschauung entstanden

sind und nicht auf schnell

und allgemein verfügbare Muster

zurückgreifen müssten. Aber offenbar

ist das Authentische an dem

Buch seine Klischeehaftigkeit −also

der Umstand, dass die unreifen Figuren

einem so abgedroschenen wie

unreflektierten Selbstbild aufsitzen.

Sie dürfen in dem Buch diesem Bild

weder entwachsen, noch wird esihnen

überhaupt bewusst. Sie leiden

an der Diskrepanz zwischen ihrem

irgendwie zu kleinen und zu alltäglichen

Leben und dem Wunschbild,

das sie sich von einem Theaterkünstler

ausmalen. Es ist ein

Wunschbild des Geniewahnkitsches,

dessen niederschmetternde

Kraft einen Regiestudenten verhängnisvollerweise

in den Todjagt.

Wenn der schon im Titel „Der

Gott der Stadt“ anklingende, schimmelige,

verfilzte und verlogene Geniekult

das fiktionale Echo dessen

ist, was die 1974 in Nürnberg Geborene

an der Ost-Berliner Schule erlebt

hat, dann will man heute noch

die Fenster aufreißen, Weckrufe ausstoßen

und Hinterntritte verteilen.

Neudecker beschreibt in ihrem

dritten Roman einen grauhaarigen

Regieprofessor mit guruhaftem Verblendungstalent.

Er bewegt sich mit

herrisch pathetischem Gestus, hüllt

sich in Zigarillorauchschwaden, die

ihn wie auratische Geheimnisse

umwabern

sollen, aber doch eigentlich

nur stinken

dürften.

Seine nicht dämonische,

sondern nur demolierte

Persönlichkeitsstruktur

müsste

jedem, der nur zu einem

bisschen Distanz

fähig ist, kenntlich werden:

Sie hat offensichtlich

nach mehrfachen

Kränkungen Schaden

genommen. Einst gefeiert

(wenn das mal

keine Legende ist), wird er heute

von der natürlich ahnungslosen

Kritik verrissen, von den jüngeren

Konkurrenten verdrängt und von

den künstlerisch nicht satisfaktionsfähigen

Westkollegen in den

Christiane Neudecker:

Der Gott der Stadt.

Roman, Luchterhand

München 2019,

672 Seiten, 24 Euro

Schatten gestellt. Zudem plagt ihn

seine Stasivergangenheit, die zwar

keine Gewissensqualen verursacht,

aber seine Karrierebedroht.

Die Sorgen um seine

nachlassende künstlerische

Durchsetzungskraft

kompensierterdamit,

dass er fünf Regiestudierende

des neuen

Jahrgangs durch den

Psycho-Wolf dreht. Er

gibt ihnen das „Faust“-

Fragment des Dichters

Georg Heym als Materialgrundlage

für eine gemeinsame

Studioinszenierung

− und nimmt

sie ihnen bei Gelegenheit

mitsamt den Ideen

der jungen Leute wieder

weg, um doch lieber selbst als derjenige

in die Theatergeschichte einzugehen,

dem der Ruhm der Uraufführung

zufällt. Für seine Eitelkeit hetzt

er sie gegeneinander auf, stellt sie

bloß und putzt sie runter.Deprimie-

rend zu lesen ist, wie leicht das funktioniert

und wie die Schutzbefohlenen

ihren Meister anhimmeln, statt

sich zu wehren und ihn mit seinen

kunstreligiösen Posen nach Strich

und Faden zu blamieren, wie es hoffentlich

heute,nach etlichen Machtmissbrauchsdebatten

der Fall wäre.

Beunruhigend ist, dass auch die Autorin

selbst dem Geniekult anheimgefallen

zu sein scheint, schließlich

lässt sie ihre Protagonisten unter all

dem Psychodruck kreative Höchstleistungen

vollbringen.

Besonders ehrgeizig und geradezu

besoffen vor Bewunderung für den

Professor ist die weibliche Hauptfigur.

Einerseits ist sie so weit weg von

der fränkischen Heimat und allein in

der nach Braunkohlerauch stinkenden

Oststadt verunsichert, andererseits

pflegt sie vonder ersten Sekunde

an ihre Profilierungsneurose. Sie feilt

permanent an ihrer Wirkung und

fragt sich zugleich mit großer seelischer

Zerknirschung, ob sie wohl eine

wahreKünstlerin sei. Siestürzt sich in

ihre Georg-Heym-Recherchen, vergleicht

sich ohne Scheu mit dem jung

zu Ruhm und zu Tode gekommenen

Dichter. Und als sie −wie auch nicht

in all der erotischen Aufgeladenheit −

für einen Kommilitonen Feuer fängt,

klopft sie auch diese Beziehung nach

Vorteilen für ihreKarriereab.

Hat man einmal den Impuls

überwunden, das Buch als Schlüsselroman

zu lesen und widmet sich

ihm stattdessen als einem zeithistorisch

dekorierten Großstadtmärchen

aus einem vergangenen Jahrhundert,

dann entwickelt der Fortgang

des geschickt konstruierten

Geschehens einen durchaus unterhaltsamen

Sog.

Aber wenn die Autorin auf die

Bremse tritt, um die Handlung detailreich

zu bebildernund die Atmosphäre

auf allen Sinnesebenen auszutuschen,

dann merkt man ihr den

Ehrgeiz, den Fleiß, den Stilwillen

und das Bemühen an, nur ja alles

richtig zu machen. Der Professor

wärebegeistert.


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 23

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Feuilleton

Herz,

du kleine

Sau!

Miss Allie erobert

das BKA-Theater

VonTorsten Wahl

Dass junge Männer ein gesungenes

Menstruationstagebuch als

Zugabe eines Konzerts verlangen,

dürfte eher selten vorkommen –bei

Miss Allie ist es die Regel. Denn ihr

Lied über Dieter,den eine Feewegen

seiner frauenfeindlichen Sprüche

die Strafe auferlegt, dreimal den

weiblichen Zyklus zu durchleben

und zu durchleiden, war ihr Türöffner.

Damit wurde sie ins Fernsehen

eingeladen, das Video über eine

halbe Million Mal abgerufen. Schon

bei ihrem ersten Auftritt im BKA

Theater ist das Haus ausverkauft.

Ihre wundersame Karriere dient

immer noch als roter Faden ihres

Programms. Nach dem Abi war sie

nach Australien gegangen, verlor ihr

Herz an einen Einheimischen und

fand Halt in Auftritten mit der Gitarre.

Aus Elisa wurde „Miss Allie“.

Diegescheiterte Liebe verarbeitet sie

im Stück „Schweinesteak Medium“,

in dem sie sich nicht nur wünscht, so

saftig, blutig und rotzusein, sondern

auch: „Ich wäre sogern seine Nase –

da steckt er die Finger gernrein“.

In Deutschland trat sie dann zunächst

in Pubs vors Publikum, und

wie ihr ein angetrunkener Schlossermeister

die Welt zu erklären versuchte,

das besingt sie in „Na du

kleine Süße“. Umso kurioser fand sie

es,dass sie für ihr Lied „Dubist wunderschön“,

mit dem sie selbstironisch

einen „oberkörperfreien“

Gärtner anhimmelt und mit dem sie

einen Wettbewerb gewann, von einem

Kritiker als sexistisch eingestuft

wurde.Zum Gaudi der Gäste rezitiert

sie Zeilen von Rappern, die ansonsten

als sexistisch eingestuft werden.

Die Sängerin Miss Allie ist als Elisa Hantsch

1990 in Berlin geboren. PHILIPP EISERMANN

Scheu vor schmutzigen Wörtern

kennt sie nicht. In einem Song für ihr

neues Album „Aus Scheiße wird

Gold“ feiertsie eine neue Geschäftsidee

–das „Papiertüten-Kack-Imperium“,

mit dem man Rache an Ex-

Lovern nehmen kann. Ihre Frechheiten

trägt die„Kleine Singer/Songwriterin

mit Herz“ –sonennt sie sich

selbst −mit unschuldigem, scheinbar

naivem Lächeln vor. Als müsste

sie Ablass für ihrecharmanten Sauereien

leisten, singt sie zwischendurch

brave, herzige Lieder über die

Familie –aber mit einer solchen Inbrunst,

dass ihr das Publikum auch

hier gernfolgt. Ihre Gäste wickelt sie

um die Finger, mal weich, mal hart.

Als einer sein Handy bimmeln lässt,

kommt die norddeutsch knappe Ansage:

„Noch so’n Ding –Augenring!“

Natürlich wird sie nicht ewig den

eigenen Herzschmerz ins Zentrum

stellen können, den sie mit dem Finale

„Herz, du kleine Sau!“ abschließt.

Ansätze gibt es längst: In

„Ärger-Therapie“ wütet sie nicht nur

über den Ex,sondernüber mächtige

Idioten weltweit. Im neuen Stück

„Gelernt ham wir nicht viel“ ruft sie

ihre Götter Bob Dylan, Joni Mitchell

und Bruce Springsteen an und

wünscht sich, sie würden der Jugend

mit neuen Songs zur Seite stehen –

„1963, 1970 und 1995 ging’s doch

auch!“ Und zumindest stimmlich

muss sie sich hinter Joni Mitchell

nicht verstecken.

MissAllie: Nächster Auftritt im BKA:1.3.2020

VonFarbattacken bis Morddrohungen

Hunderte von Journalisten und Verbände fordern einen Schutz der Pressefreiheit gegen Angriffe von rechts

VonAndreas Förster

Am 23. 11. wollen Neonazis in Hannover gegen drei Journalisten aufmarschieren. IMAGO

So etwas hat es in Deutschland

nach 1945 noch nicht

gegeben: Am 23. November

wollen in Hannover Hunderte

Neonazis aufmarschieren, um

ihren Hass gegen die freien Journalisten

André Aden, Julian Feldmann

und David Janzen zu artikulieren.

Die drei Reporter werden von der

rechten Szene seit Jahren offen angefeindet,

weil sie über braune Umtriebe

in Niedersachsen berichten

und Fotos von Neonazitreffen und

rechten Konzerten veröffentlichen.

467 Berufskollegen sowie Gewerkschaften

und Berufsverbände

haben sich inzwischen mit den drei

angefeindeten Journalisten solidarisch

erklärt. In einem gemeinsamen

Aufruf mit dem Titel „Schützt die

Pressefreiheit!“, der am heutigen

Freitag veröffentlicht wird, fordern

sie, alle rechtlichen Möglichkeiten

auszuschöpfen, um die angekündigte

Demonstration in Hannoverzu

verhindern.

Mitdem geplanten Aufmarsch erlebt

die zunehmende Hetze von

rechts gegen Vertreter der als „Lügen-

und Systempresse“ geschmähten

Medien einen neuen Höhepunkt.

Denn noch nie hatten Neonazis

öffentlich gegen konkret benannte

Journalisten mobilisiert. Das

wirdauch in dem Aufruf zum Schutz

der Pressefreiheit betont. Gleichzeitig

wird darauf hingewiesen, dass

Journalisten, die über Rechtsextremismus

berichten, in den letzten

Jahren zunehmend ins Visier von

Neonazis geraten sind.

Ihre Fotos und Daten würden in

der Szene als „potenzielle Angriffsziele“

verbreitet, sie würden im Internet

verächtlich gemacht und denunziertsowie

mit kostenintensiven

Unterlassungserklärungen und Klagen

überzogen. Presserat, Verleger

und Redaktionen werden in dem

Aufruf aufgefordert, sich mit den betroffenen

Kollegen solidarisch zu

zeigen und sie zu unterstützen. An

die Politik geht der Appell, Gesetze

auf den Wegzubringen, um Journalisten

besser zu schützen.

Zu den Drangsalierungen der drei

betroffenen Reporter durch Rechte

gehört einem NDR-Bericht zufolge,

dass vor zwei Wochen die Haustür

von David Janzen –der auch Sprecher

des Braunschweiger „Bündnisses

gegen rechts“ ist –mit roter Farbe

beschmiert und mit rechten Aufklebern

beklebt wurde. Einige Tage zuvorhatte

es bereits eine ähnliche Attacke

gegeben –dabei wurde zusätzlich

eine übel riechende, Augenreizungen

hervorrufende Substanz in

den Briefkasten des 47-Jährigen gekippt.

Janzen selbst machte im vergangenen

Juli öffentlich, dass er

nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten

Walter Lübcke

wiederholt Todesdrohungen erhalten

habe. Soschmierte damals eine

rechtsextreme Gruppe mit dem Namen

„Adrenalin BS“ die Worte „Wir

töten Dich! Janzen“ an die Haustür

des Bündnissprechers. Die Polizei

konnte keine Tatverdächtigen ermitteln.

Allerdings wurde Janzen zeitweise

unter Polizeischutz gestellt.

Seit Jahren mit Gewalt bedroht

wird auch der 39-jährige Journalist

André Aden, der überwiegend als Fotograf

für das Netzwerk „Recherche

Nord“ arbeitet. Bei dem Netzwerk

handelt es sich um einen Zusammenschluss

von Journalisten, die

das rechte Milieu in Norddeutschland

analysieren, aber auch Szeneaussteigern

helfen. 2013 wurde bekannt,

dass Aden zudem rechtswidrig

vom niedersächsischen Verfassungsschutz

beobachtet worden ist.

In einem Interview mit dem Internetmagazin

Vice bestätigte Aden

kürzlich, dass er und seine Kollegen

sich unter Neonazis viele Feinde gemacht

hätten. „Die hassen uns. UnsereNamen

werden in der Szene herumgereicht“,

sagte er. Immer wieder

werde erverbal bedroht, wenn

Rechte ihn erkennen. „Ich komme

morgen vorbei, dann schlitze ich

dich auf, dann weide ich deinen

Hund und deine Familie aus“ –solche

Drohungen höre erregelmäßig.

„Mittlerweile haben die sogar eigene

Sprechchöreüber mich.“ Sein Name

und Foto wirdauch auf der rechtsextremen

Website Judas Watch verbreitet,

die nach eigenen Angaben „antiweißeVerräter,Staatsfeinde

und herausragende

jüdische Einflusspersonen“

anprangert.

Auch Julian Feldmann, der sich

als freier Autor beim NDR für das Politikmagazin

„Panorama“ mit den

Themen Innere Sicherheit, Terrorismus

und Rechtsextremismus beschäftigt

und für Zeit online und die

taz schreibt, wird imNetz mit Hass

und Drohungen überzogen. Besonders

seit er für „Panorama“ vor einem

Jahr mit dem damals im niedersächsischen

Nordstemmen lebenden

SS-Mann und Kriegsverbrecher

Karl Münter sprach, einem Idol

deutscher Neonazis.

Münter war als Angehöriger 12.

SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“

im April 1944 an dem sogenannten

„Massaker von Ascq“ im besetzten

Frankreich beteiligt, bei dem 86 Zivilisten

ermordet wurden. Als Feldmann

seine Recherchen zu noch lebenden

Kriegsverbrechern fortsetzte,beschimpfte

ihn die Neonazi-

Partei Die Rechte auf ihrer Webseite

und warf ihm vor, er sei „schon wieder

bei zwei Weltkriegsveteranen

aufgetaucht – vollkommen unbescholtene,

hochanständige und tapfereMänner

…unserealten Kameraden

und Zeitzeugen!“ Der Text auf

der Internetseite der extremistischen

Partei war mit einer deutlichen

Drohung versehen: „Soll man

einen Mann wie Julian Feldmann in

Ruhe lassen?“, hieß es dort. Mehrere

Kommentatoren antworteten mit

„Nein“, einer von ihnen namens

„Wehrwolf“ schrieb: „Kennt zufällig

jemand die Anschrift des HerrnFeldmann,

bzw den Wohnort?“

Auftauchen aus versunkenen Popmelodien

VonMarkus Schneider

Es wird sich einiges ändern im

Laufe deines Lebens/ versuch’,

dich nicht davon beeindrucken zu

lassen“. So ging der erste Refrain,

den Natalie Mering am Mittwoch im

ausverkauften Bi Nuu einem Publikum

aus offenbar vertrauten Hörern

vorsang. In der Tatkennt man sie in

Berlin gut, auch weil sie gerade erst

im April mit ihrer Band als Weyes

Blood zu Gast war.

Damals war „Titanic Rising“, das

vierte Album der Singer-Songwriterin

aus Santa Monica in L.A. gerade

erschienen, jetzt erinnert sie daran,

dass wir es nicht vergessen sollten,

wenn wir die musikalischen Höhepunkte

des Jahres auflisten. Wie das

Konzert beginnt es mit „A Lot’s

Gonna Change“, einem Lied, das

sich mit einem skeptischen Blick in

die Zukunft an eine geliebte Person

wendet, vielleicht ein Kind, aus der

Perspektiveeiner Person, die wie die

31-jährige Sängerin, „in einem Jahrhundertgeboren

ist, das in der Erinnerung

verloren ist“. Es ist einer der

besten Titel des melancholischen

Die kalifornische Sängerin Weyes Blood gastierte im Kreuzberger Bi Nuu

und doch lichten Albums und auch

der KarriereWeyes Bloods.

Das Stück klingt nach versunkenen

Popmelodien früherer Jahre, mit

filmischen Breitwandstreichern verziert,

mit Grandezza in der Stimme.

Dem Album dient das versunkene

Schiff als Bild für eine Welt am Abgrund,

die Songs sprechen vonUnsicherheit

und dem Verlust der Unschuld,

aber auch mal recht konkret

von der Zerstörung unserer Welt

durch uns – nostalgisch, aber mit

festem Blick ins Jetzt. Entsprechend

bewegen sich die Songs sehr raffiniertzwischen

Popklassik, mit Anleihen

von den Beatles zu Brian Eno

und warmer elektronischer Modernisierung.

Im Konzert mischt sie in

die neuen Stücke auch einige ältere

wie die fein gebaute,wehmütige Ballade

„Used to Be“vom letzten Album

oder der letzten Zugabe „In the Beginning“.

Dass sich diese etwas

schlichteren Folkrocker nahtlos einfügen,

liegt leider auch daran, dass

ihr Begleitquartett weder die Vielfalt

noch die Nuancen reproduzieren

konnte, die „Titanic Rising“ vom Orchesterschmelz

des Starts zur flirrenden

Synthiemodulation des tollen

„Movies“ am Ende des offiziellen

Teils auszeichnen.

Daher klang der mittlere Teil des

Konzerts ein wenig gleich: gleiches,

etwas wuchtiges Backing, gleiches

mittleres Tempo, gleiche Vokalkoloraturen.

Ihre wundervolle, klare und

dunkle Stimme braucht solche

Dehnübungen eigentlich nicht, und

man konnte fast den Eindruck bekommen,

sie habe die Joints,umdie

sie zwischendurch – „in L.A. darf

man nirgendwo mehr rauchen“ –

bat, auch gleich geraucht.

Im Zugaben-Teil gab es noch eine

Coverversion von „Whiter Shade of

Pale“, der Bach-basierte „Babyboomer-Klassiker“,

wie sie sagte,tief aus

dem schon verblassten letzten Jahrhundert.

Kaum einer der Songs des

Abends kann mit dessen umstandsloser

Eingängigkeit konkurrieren.

Nur wäre man gar nicht auf die Idee

gekommen, sie zu vergleichen, wenn

die Band weniger unbeeindruckt mit

den Feinheiten ihrer eigenen Lieder

umgegangen wäre.

NACHRICHTEN

Gründungsdirektor der

Bauakademie bestimmt

DerSPD-Bundestagsabgeordnete

Florian Pronold wirdGründungsdirektor

der Bundesstiftung Bauakademie.Der

46-jährige Politiker aus

Bayern,der auch Parlamentarischer

Staatssekretär im Bundesumweltministerium

ist, werdefederführend

die vonKarl Friedrich Schinkel

(1781–1841) gegründete Akademie

wiederbeleben, teilte das Bundesinnenministerium

am Donnerstag

mit. DieAkademie soll ein Forumfür

Themen rund um Architektur,Bauwesen

und Stadtentwicklung sein.

DieBauakademie brannte 1945 im

Krieg bei einem Bombenangriff aus

und soll für 62 Millionen Euro aus

dem Bundeshaushalt wiederrichtet

werden. (dpa)

Cervantes-Preis

für Dichter Joan Margarit

Derspanische Dichter Joan Margarit

(81) wirdmit dem diesjährigen Cervantes-Literaturpreis

ausgezeichnet.

Derkatalanische Lyriker und Architektur-Professor

ist nicht nur in

seiner Heimatregion, sondernin

ganz Spanien einer der meistgelesenen

Dichter.Der Cervantes-Preis gilt

als die wichtigste literarische Auszeichnung

in der spanischsprachigenWelt

und ist mit 125 000 Euro dotiert.

Seine frühen Werkeschrieb

Margarit noch auf Spanisch, später

wechselte er zu Katalanisch. Seine

Werkeseien von„tiefer Transzendenz“

und einer „großartigen und

immer innovativen Sprache“ geprägt,

würdigte ihn die Jury. (dpa)

100 wichtigste Personen

des Kunstbetriebs gekürt

Dasbritische Magazin ArtReview

veröffentlicht jedes Jahr die Liste der

„Power 100“. DasRanking listet die

weltweit 100 einflussreichsten Persönlichkeiten

und Bewegungen der

aktuellen Kunst auf. Aufdem ersten

Platz steht in diesem Jahr Glenn D.

Lowry, der Direktor des Museum of

ModernArt in NewYork, gefolgt von

der US-Fotografin NanGoldin (Platz

2) und den Schweizer Galeristen

Iwan &ManuelaWirth. Diedeutsche

Videokünstlerin Hito Steyerl kam,

wie schon im Vorjahr,auf den vierten

Platz. (dpa)

GojkoMitic erhält Preis

für sein Lebenswerk

Derhäufig als „Defa-Chefindianer“

und „Winnetou des Ostens“ bezeichnete

Schauspieler Gojko Mitic

erhält den mit 10 000 Euro dotierten

Preis der Defa-Stiftung für sein filmkünstlerisches

Lebenswerk. Mitic

habe mit den vonihm verkörperten

Figuren das Genredes Defa-Indianerfilms

geprägt, heißt es zur Begründung.

Dem79Jahrealten

deutsch-serbischen Schauspieler

soll die Auszeichnung am 13. Dezember

in Berlin verliehen werden.

Ab Mitte der 60er-Jahrezählte Mitic

zu den populärsten Stars der DDR.

Er galt über Jahrzehnte als Ost-Gegenstück

zum französischenWinnetou-Darsteller

PierreBrice. (BLZ)

Grandezza in der Stimme: Natalie Mering alias Weyes Blood ROLAND OWSNITZKI

TOP 10

Mittwoch, 13. November

1 Aktenzeichen xy ZDF 6,33 17 %

2 Tagesschau ARD 4,71 16 %

3 Eine Klasse für sich ARD 4,17 13 %

4 heute ZDF 3,87 15 %

5 heute-journal ZDF 3,78 14 %

6 SokoWismar ZDF 3,64 17 %

7 Wer weiß denn ...? ARD 3,64 18 %

8 RTL aktuell RTL 3,25 14 %

9 GZSZ RTL 3,07 11 %

10 Bares für Rares ZDF 2,89 24 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acud (✆ 44 35 94 97)

19.00: Théâtre Francophone #9: LifeSquared (Océan

Leroy)

21.00: Théâtre Francophone #9: Hysterikon (Le

Peuple Aveugle)

Ballhaus Ost (✆ 44 03 91 68)

21.30: No Limits: BondageDuell (SilkeSchönfleisch

&DasniyaSommer)

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Der kaukasische Kreidekreis

20.00 Neues Haus: Pussy

Brotfabrik (✆ 471 40 01)

20.00: KlangGestik

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: HeartChamber

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.00: CryBaby

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30 Box: Die Pest; 20.00: 30 nach 89: Philoktet

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

19.30 Studio: Beziehungskiste

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Schachnovelle

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

20.00: Findet Fassbinder! Deutsche Dramatiker

Improvisiert(Improtheater Foxy Freestyle)

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

20.30 Studio: 4. Berliner Herbstsalon: Youare not the

hero of this story

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

19.00 Glaspalast: Rotkäppchen /Hase und Igel

20.00: Münchhausen –Die Wahrheit übersLügen

(Drehbühne Berlin)

Schaubude (✆ 423 43 14)

20.00: queer papa queer (Kahmann &Scharpff)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Orlando

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Sophiensaele (✆ 283 52 66)

20.00 Hochzeitssaal: FanDeEllas (Catalina Fernández,

Juliana Piquero, Alex Viteri)

Staatsoper Unter denLinden (✆ 20 35 45 55)

19.00: Barocktage: Il Primo Omicidio

Theater im Delphi (✆ 70 12 80 20)

20.00: DasLebeneines Narren (4RUDE)

Theater im Nikolaiviertel (✆ 017 6/ 40 53 11)

19.30: Zillesein Milljöh

Theater im Palais (✆ 201 06 93)

19.30: Berliner Geschichten: Der Buddha vom

Alexanderplatz

Theater Thikwa (✆ 61 20 26 20)

19.30: No Limits: Randen Saft Horror (Tiziana Pagliaro

/Theater HORA)

21.00 Studio: No Limits: Trapped (Unmute Dance

Company)

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Wolfgang Neuss Salon: Welche Drogepasst zu

mir? (Kerstin Slawek)

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Indien

KABARETT/VARIETÉ

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Foil, Arms &Hog

Arena Glashaus (✆ 533 20 30)

19.30: Caveman -Dusammeln, ich jagen!. Anm. erf.

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die 5glorreichen Sieben)

Berliner Schnauze -MundArt&Comedy Theater

(✆ 017 95 34 66 96) 20.00: In der Nacht isst der

Mensch nicht gern alleine (Genz &Hausmann)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: Geduldsproben (Daphne de Luxe)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Frauenhauen! (Kuhn &Leibold)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Estrel Showtheater (✆ 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Das Beste (Michael Sens)

Mehringhof-Theater (✆ 691 50 99)

20.00: Die Expertise war bedeutend höher(Fil)

Palazzo (✆ 018 06 38 88 83)

19.30: Family Affairs

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

19.00: Die LiveShow

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater Berlin (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group -The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia!

TheaterO-Tonart (✆ 37 44 78 12)

19.30: From Berlin with Love (Ludique!)

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: So, als ob du schwebtest (Ursli &Toni Pfister)

UdK Hardenbergstraße

(✆ 31 85 23 74) 20.00: Arschkrampen Radio

Weltmission

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Theatersaal: Bescheidenheit (Till Reiners)

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Zauber Zauber -Nichts ist, wie es scheint

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

16.00: Gelogene Wahrheiten (Wühlmäuse-Ensemble)

KLASSIK

Akademie der Künste am Pariser Platz

(✆ 200 57 10 00)20.00 Plenarsaal: Busoni-Kompositonspreis

2019:Hanna Eimermacher:ensemble

mosaik, Werkevon Hanna Eimermacher,Hovik Sardaryan,

Ferrucio Busoni -Preisverleihung und Konzert

Bethanien (Mariannenpl. 2)

20.00: KlangwerkstattBerlin -Festival für Neue

Musik: Weite -Inder Zeit und aus derZeit: Minguet

Quartett, Werkevon Gottfried Michael Koenig,Franco

Evangelisti, Wolfgang Rihm, Brian Ferneyhough, Stefan

Streich und Gerhard Stäbler

Blackmore’sMusic Lounge (✆ 89 73 48 65)

20.00: Maria Karpova (Klavier) &Andrej Karpov

(Waldhorn), Werkevon Jean-Joseph Mouret, J.S. Bach,

Ludwig vanBeethoven,

Jean-Baptiste Loeillet de Gant u. a.

Epiphanienkirche (✆ 30 11 69 -0)

19.00: Staatschor Vilnius Litauen

Französische Friedrichstadtkirche

(✆ 20 64 99 22) 20.00: FestivalOrchestra Berlin,

Vivaldi: Vier Jahreszeiten u. a.

Heilig-Kreuz-Kirche Kreuzberg (✆ 69 40 12 41)

21.00: Mitglieder derDeutsch-Türkischen Musikakademie,

NachtKlänge-Anatolische Farben, Musik im

Dialog zwischen Orient und Okzident

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

20.00: Orchesterder Komischen Oper Berlin, Ltg.

Jordan de Souza, Fazil Say(Klavier),Nihan Inan

(Sopran), Burcu Karadag (Neyflöte) u. a., Sinfoniekonzert1,Fazil

Say: „Hezarfen“, Konzertfür Neyflöte

und Orchester op.39, Goethe-Lieder für Sopran und

Streichorchester mit Schlagzeug op. 44; Ludwig van

Beethoven: Konzertfür Klavier und Orchester Nr.5

Es-Dur op. 73 „Emperor“

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

14.00: Espresso-Konzert

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

20.00: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin,

Ltg.Robin Ticciati, Wolfgang Amadeus Mozart:

Symphonien Nr.39Es-Dur,Nr. 40 g-Moll, Nr.41

C-Dur „Jupiter“

Lesung

Die Autoren

unserer Bücher

von morgen

Lotti Spieler aus Berlin

schrieb einen „Bericht von

dort, wo man jedes Jahr viel zu

viele Kaffeehäuser um riesige

Swimmingpools erweitert“,

Carla Rotenberg, ebenfalls von

hier, hat „Fieberträume“ und

Lukas Friedland aus Hildesheim

beeindruckte die Jury des

Treffens junger Autoren mit

„katalysatoren einer weite die

nicht unbedingt greifbar und

genauso wenig mittelbar erscheinen

würde in gedanken

(scharfe spitzen)“. Lotti ist 15

Jahrealt, Carla 17 und Lukas 20.

Sie gehören zu den zwanzig

Nachwuchsschriftstellern, die

an einem Workshop der Berliner

Festspiele teilnehmen. Der

Wettbewerb ist eine frühe Möglichkeit

für literarische Talente,

mit anderen in Austausch zu

kommen und sich vonerfahrenen

Lektoren beraten zu lassen.

Alle Teilnehmer lesen

heute vor Publikum. Später

sind bestimmt einige von ihnen

berühmt. Cornelia Geißler

Preisträgerlesung 19 Uhr,Haus der BerlinerFestspiele,

Schaperstr.24

Else Hertzer:„Mazurka (Tanz um den Maibaum)“, Öl, eine ausgelassene Metapher für den polnischen Dreiertakt-Tanz

Allesamt waren sie keine

Kinder von Traurigkeit.

Und sohat diese Ausstellung

mit dem trotzigen Titel

„Das weibliche Statement“ eine

Wirkung, als wehe,mitten im grauen

November,schon der Frühlingswind

durch die Räume an der Auguststraße

und färbte alles farbenfroh,

optimistisch und feinfühlig.

In der Möwe wird mittels der

Kunst von 14Malerinnen, Zeichnerinnen

und Bildhauerinnen mit geradezu

musealem Anspruch daran

erinnert, welch ein Befreiungsakt

das war, als die Weimarer Republik

1919 für Frauen endlich die Staatlichen

Kunsthochschulen und Akademien

öffnete.Dreidieser Künstlerinnen

betrachten wir hier etwas näher,

lassen diese Auswahl aber zugleich

für alle anderen Künstlerinnen sprechen,

ganz egal, ob man ihreNamen

und Werkegut oder kaum kennt.

Für Else Hertzer aus Wittenberg,

die 1910 mit ihrem Mann nach Berlin

gezogen war, aber nur beim Verein

Berliner Künstlerinnen „studieren“

durfte, also nicht in der Nähe

männlicher Maler, war es ein Urknall,

als ihr die Akademie der

Else tanzt Mazurka

In der Salongalerie Die Möwe schauen Kunstfreunde im Jahr 2019

weiblichen Bildsprachen nach 1919 bei der Emanzipation zu

Künste offenstand. Käthe Kollwitz,

Paula Modersohn-Becker, Lotte Laserstein

und Jeanne Mammen waren

da ihre Gefährtinnen. Sie standen

miteinander nachgerade im Wettbewerb

ihrer vonpatriarchalischer Einschränkung

befreiten Bildsprache.

Hertzerwar schon früh vomdeutschen

Expressionismus beeinflusst,

das sieht man ihren Landschaften in

verschiedensten Techniken an. 1919

nahm sie dann bei dem französischen

Maler und Bildhauer André

Lhote in Paris Unterricht. Die NS-

Zeit überstand sie ohne künstlerische

Möglichkeiten, aber nach dem

Krieg arbeitete sie zusammen mit

Karl Schmidt-Rottluff in Tiergarten

für eine große Schau. Das Bild „Mazurka“

wurde 1953 ihr spätes Hauptwerk,

ein lyrisch-expressives Tanz-

Motiv, farbstark und wieder lebensfroh.

Dann fand sie im Schablonendruck

eine neue Darstellungsform.

Teile ihres Nachlasses befinden sich

heute in der Berlinischen Galerie.

Louise Stomps gehörte zusammen

mit Renée Sintenis, Schöpferin

der Berliner-Bären-Plastik und Berlinale-Trophäe,

und Jenny Wiegmann-Mucchi

zu den Protagonistin-

Ingeborg Ruthe

begegnet in dieser Ausstellung der Möwe“Gemälden,

Zeichnungen und Plastikenvon

Frauen, die der Sturmwind der

Reformen des Jahres 1919

umwehte und zu künstlerischen

Höchstleistungen trieb.

MÖWE

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.45,17.30,20.30

Cinema Paris (✆ 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40, 20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Lara 15.00,

17.30,20.00

DelphiLUX (✆ 322 93 10 40)Marianne &Leonard

–Words ofLove (OmU) 13.40; Bis dann, mein Sohn

16.00, 19.45; Parasite 14.30, 17.20, 20.15; Das

perfekte Geheimnis 13.30, 16.15, 19.00, 21.40;

Verteidiger des Glaubens –Defender of the Faith

13.20; Systemsprenger 15.30; Parasite (OmU)

18.10, 21.00; M. C. Escher: Reise in die Unendlichkeit

13.30; Deutschstunde 15.20; Joker (OmU)

18.00, 20.45; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 13.50, 18.50; Booksmart (OmU)

16.30, 21.30; Das Kapital im 21. Jahrhundert

14.00;Der Glanzder Unsichtbaren16.15; Downton

Abbey (OmU) 18.40; Joker (OF) 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Das Wunder von

Marseille 17.00; The Irishman (OmU) 19.30; Morgen

sind wir frei 17.30; Kamikaze 1989 (OmenglU)

22.30

Kant Kino (✆ 319 9866) Das perfekte Geheimnis

12.00,15.00, 17.45, 20.30; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 15.40; Eshätte schlimmer

kommen können –Mario Adorf 17.40; The Irishman

20.30; Ich war noch niemals in New York 14.30,

17.15, 20.00; After the Wedding 14.45; Joker

17.15; PJHarvey –ADog Called Money (OmU)

20.00; Nurejew –The White Crow 14.30, 17.15,

20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 2966) Atmos: Das

perfekte Geheimnis 14.20, 17.10, 20.00; Atmos:

Joker 22.55; Last Christmas 14.45; Joker 17.20,

20.15; Das perfekte Geheimnis 23.15; Ich war

noch niemals in New York 14.35; Last Christmas

17.40, 20.10, 22.50; Die AddamsFamily 15.00; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 17.20, 20.45; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.10; 3D:Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.00; Joker 19.45; Le Mans

66: Gegen jede Chance 22.45; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 14.30; Der letzte Bulle 17.50, 20.15;

Le Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari

(OF) 22.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.30;Terminator –Dark Fate 16.40, 23.15

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Systemsprenger

(DFmenglU) 11.00; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit – Escher: Het oneindige zoeken:

Journey Into Infinity (OmU) 13.05; Synonymes

(OmU) 14.25; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 16.30; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

(OmU) 18.00; Parasite (OmU) 19.45; Parasite

(OmenglU) 21.55; Djon Africa (OmU) 11.00; Easy

Love (DFmenglU) 12.45; Im Niemandsland (DFmenglU)

14.15; Deutschstunde 15.50; Searching

Eva (OmenglU) 18.00; Systemsprenger (DFmenglU)

19.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

21.40; The Report (OmU) 11.00; Skin (OmU)

13.00; Morgen sind wir frei 15.00; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus –Abominable (OmU) 16.45; Porträt

einer jungen Frau in Flammen –Portrait dela

jeunefille en feu(OmU) 18.30; Joker(OmU) 20.30,

22.40

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Das Kapital

im 21. Jahrhundert – Capital in the Twenty-First

Century (OmU) 14.00; 2040 –Wir retten die Welt!

(OmU) 16.00; Systemsprenger 17.45; Joker (OmU)

20.00;Parasite (OmU) 22.15; CongoCalling (OmU)

14.30; Verteidiger des Glaubens –Defender of the

Faith 16.15; Und der Zukunft zugewandt 18.00;

Frau Stern 20.00; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz My Zoe 13.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.50,16.50; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 16.30, 17.00, 19.00, 19.30,

20.00, 23.00; LeMans 66: Gegen jede Chance

14.10; Joker 14.10, 17.15, 19.40, 20.10, 22.00;

Angry Birds 2:Der Film 14.10, 16.50; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 14.20; Dora und die goldene

Stadt 14.20; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.20, 17.30; Last Christmas 14.30, 17.15,

20.00, 22.45; Die Addams Family 14.30; IMAX: Le

Mans66: Gegenjede Chance 16.00, 19.30, 23.00;

Midway –Für die Freiheit 16.15, 19.30, 22.50; Gut

gegen Nordwind 16.40; 3D: Die Addams Family

16.40; Ich war noch niemals in New York 16.50;

Booksmart 17.00, 19.40; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.40,20.20,23.10; Joker (OF) 19.15,

22.20; Terminator –Dark Fate 19.50, 23.00; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 19.50;Halloween

Haunt 20.20; Black and Blue 22.15; Terminator –

Dark Fate (OF) 22.30; Zombieland 2: Doppelt hält

besser –Zombieland 2:Double Trap (OF) 22.50;

Midnight Movie:Ilprimo re –Romulus &Remus:The

First King 23.00; Scary Stories toTell in the Dark

23.15; Gemini Man 23.15

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) Joker (OmU)

18.00, 23.55; The Irishman (OmU) 20.15; Der

Glanz der Unsichtbaren – Les invisibles (OmU)

18.00; Die Kinder der Toten 20.00; Bonnie &Bonnie

(OmU) 21.45; Nevrland (OmU) 23.30

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (✆ 04 51/703 02 00) Le

Mans66: Gegen jede Chance 13.30, 16.40, 19.30,

22.20;Everest: Ein Yeti will hochhinaus 13.40; Das

perfekte Geheimnis 13.45, 16.30, 20.00, 23.00;

Maleficent: Mächte der Finsternis 13.50,16.45;Die

Addams Family 14.00, 17.00; Angry Birds 2: Der

Film 14.10; Last Christmas 14.15, 17.10, 20.10,

22.50; Joker 16.20, 19.40, 22.40; Ich war noch

niemals in NewYork 17.00; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 19.20; Terminator –Dark Fate 19.45,

23.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser 20.10,

22.50; Scary Stories to Tell in the Dark 22.50

Kino Kiste (✆ 998 7481) Lieber Antoine als gar

keinen Ärger 13.30; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

15.00; Ich war noch niemals inNew

York 17.10; Eine ganz heiße Nummer 2.0 19.20

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion Hohenschönhausen (✆

038 71/211 41 09) Le Mans 66: Gegen jede

Chance 14.15, 16.50, 19.45, 22.15; Der König

der Löwen 14.20; Das perfekte Geheimnis 14.20,

17.15, 19.50, 22.45; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.30, 20.20; AngryBirds 2: Der Film 14.30;

Die Addams Family 14.40, 17.20; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.50; Last Christmas 15.00,

17.40, 20.15, 23.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

15.10; Midway – Für die Freiheit

16.50; Joker 17.00, 20.00, 22.40; Der letzte Bulle

17.10; Ich war noch niemals in New York 17.20;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 17.30; Black

and Blue 19.30; Booksmart 19.45; Terminator –

Dark Fate 20.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.10, 22.50; Es: Kapitel II 22.10; Scary Stories

toTell inthe Dark 22.50; Gemini Man 22.50;

Halloween Haunt 23.00

KREUZBERG

Babylon Kreuzberg (✆ 61 60 96 93) Joker (OmU)

16.20, 19.30, 22.15; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.10; Parasite(OmU) 19.00, 21.50

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune

fille en feu (OmU) 17.45; Lara (OmenglU) 17.45,

19.45; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod

postoi, imeto i‘ePetrunija (OmU) 20.15; PJ

Harvey –ADog Called Money (OmU) 21.45; Parasite

(OmU) 22.15

Moviemento (✆ 692 47 85) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

14.45; Systemsprenger 16.45;

Buldoc:Jevois rouge –ISee RedPeople (OmenglU)

19.30; Searching Eva (OmU; m. Gästen) 21.45;

Mein Lotta-Leben – Alles Bingo mit Flamingo!

10.30; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar 12.45;

Midsommar (OmU) 15.00; Bamboo Stories (OmU;

m. Gast) 18.00; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portraitdelajeunefille en feu(OmU) 20.30;

Systemsprenger23.15; Benjamin Blümchen 10.00;

Booksmart (OmU) 12.00, 19.00, 21.15, 23.30;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.15; Fack

Ju Göhte 16.30

Regenbogen Kino (✆ 69 57 95 17) Synonymes

(OmU) 20.30

Sputnik (✆ 694 1147) Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm 15.00; Systemsprenger 16.30;

Smuggling Hendrix (OmU) 18.45; Parasite (OmU)

20.30;Joker (OmU) 22.45;BorninEvin –Alles über

Evin (OmU) 15.00; Im Niemandsland 16.45; Gott

existiert,ihr Name ist Petrunya (OmU) 18.30; Scary

Stories toTell in the Dark (OmU) 20.15; Parasite

(OmenglU) 22.15; Bonnie & Bonnie (OmenglU)

19.00; PJHarvey –ADog Called Money (OmU)

21.15

Yorck (✆ 78 91 32 40) Systemsprenger14.00; Parasite

16.40, 20.00; New Yorck Lara 15.10, 17.30,

19.30,21.50

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Bayala 14.00,

16.00; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.30,

17.15, 20.00; Das perfekte Geheimnis 14.45,

17.30,20.15;Last Christmas15.15, 17.45,20.15;

Die Addams Family 15.15, 18.00; Booksmart

17.30, 20.00; Joker 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Unheimlich

perfekte Freunde 10.30; Happy Ending –70ist

das neue 70 13.00, 17.30; Das perfekte Geheimnis

13.00, 17.30, 22.15; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 13.15, 16.30, 19.45; Lara 15.15, 20.00;

DieAddams Family 15.30; The Irishman 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt amEastgate (✆ 93 03 02 60) Le

Mans66: Gegenjede Chance 14.00,16.45, 20.15,

22.45; Das perfekte Geheimnis 14.00, 17.00,

20.00, 23.00; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.15, 17.15; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.15; Dora und die goldene Stadt 14.15; Booksmart

14.15, 17.30; Last Christmas 14.30, 17.15,

20.00, 22.45; Die Addams Family 14.30; Terminator

–Dark Fate 16.45,19.45; Ich war noch niemals

in New York 16.45; Joker 17.00, 20.00, 23.00;

3D: Maleficent 219.50; Midway –Für die Freiheit

19.55; Zombieland 2: Doppelt hält besser 20.20,

23.00;Gemini Man22.50; Midnight Movie:Ilprimo

re –Romulus &Remus:The First King 23.00

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mein Leben als Zucchini

17.00;Bamboo Stories(OmU; m. Gast u. Gespräch)

19.30; Marianne &Leonard –Words of Love (OmU)

21.30; Verteidiger des Glaubens –Defender of the

Faith (OmU) 18.00; Morgensind wirfrei 19.45; Water

Lilies: Der Liebe auf der Spur 21.30

Babylon (✆ 242 59 69) Korea: Snowpiercer –

Seolguk-yeolcha (OmU) 17.00; Smuggling Hendrix

(OmU) 17.45; LaKino: La vida en comun(OmenglU;

m. Kurzfilm) 18.15; Im Niemandsland 19.30; Gott

existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod postoi,

imeto i‘ePetrunija (OmU) 19.30; LaKino: La deuda

–The Dept (OmenglU; m.Kurzfilm) 20.00; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.30; Korea:

The Host –Gwoemul (OmU) 21.30; LaKino: Perro

Bomba (OmenglU) 21.45; Videoart at Midnight (Ari

Benjamin Meyers) 0.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Systemsprenger

10.00; Joker (OmU) 13.00, 15.30,

18.15, 21.00; Lieber Antoine als gar keinen Ärger

–Enliberte! (OmU) 13.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

16.00; Zombieland 2: Doppelt hält

besser –Zombieland 2: Double Trap (OF) 18.00,

20.15,22.30

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00)Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 11.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 11.00, 14.30; Maleficent: Mächte

der Finsternis 11.10, 13.30, 16.20; Das perfekte

Geheimnis 11.10, 13.20, 17.10, 20.10, 22.45;

Dora und die goldene Stadt 11.15; Die Addams

Family 11.20, 13.45; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 11.30; Last Christmas 11.50, 14.30,

17.15, 20.00, 23.15; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 13.45, 16.45, 19.40, 22.30; Joker 14.00,

16.15,19.20, 23.15; Ich war noch niemals in New

York 14.15,16.30; Zombieland 2: Doppelt hält besser

17.00, 20.20, 23.00; Booksmart 17.20, 20.15;

Der letzte Bulle 17.45; LeMans 66: Gegen jede

Chance –Ford vFerrari (OF) 19.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 19.50; Terminator–Dark Fate

20.00; Midway –Für die Freiheit 22.50; HFR 3D:

Gemini Man 23.00; Scary Stories toTell in the Dark

23.10; Black and Blue 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.00; The Irishman 19.30; M. C.

Escher:Reise in die Unendlichkeit –Escher: Het oneindige

zoeken: Journey Into Infinity (OmU) 14.45;

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille en feu (OmU) 16.30, 19.15; Parasite

(OmU) 21.45; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian

chang (OmU) 14.00, 17.30; Joker (OmU) 21.00;

Nurejew – The White Crow (OmU) 14.30; Systemsprenger

(DFmenglU) 17.00; Parasite (OmU)

19.30; Easy Love 22.15; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 15.15; Lara (DFmenglU)

17.30,19.45, 22.00

International (✆ 24 75 60 11)Lara 14.00, 16.30,

19.00; Booksmart (OmU) 21.30

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Alle Jahre wieder

19.00; Quartett imBett 21.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Systemsprenger 10.00; Recep Ivedik VI (OmU)

14.00, 16.45, 17.15, 19.30, 20.10, 22.30; Le

Mans 66:Gegen jede Chance 14.00, 17.00, 19.30,

22.40; Das perfekte Geheimnis 14.15, 16.40,

19.45;Booksmart14.15, 17.30; AngryBirds2:Der

Film 14.15;Everest: Ein Yeti willhochhinaus14.20;

Dora und die goldene Stadt 14.20; DieAddams Family

14.20, 17.00; Last Christmas 14.45, 17.30,

20.15, 23.00; 7. Kogustaki Mucize –Das Wunder

in Zelle Sieben 16.45, 19.55, 22.55; Joker 17.00,

20.05,23.00; Terminator–DarkFate 19.30, 23.00;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 20.30, 23.00;

Le Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari

(OF) 22.45; Midway –Für die Freiheit 23.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Joker (OmU) 10.00,

21.30; The Report (OmU) 12.20, 23.50; Systemsprenger

14.30; Parasite (OmenglU) 16.50; Porträt

einer jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune

fille en feu (OmU) 19.20

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Booksmart (OmU)

16.30,19.00; Parasite (OmenglU) 21.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Bis dann, mein Sohn

16.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian chang

(OmU) 19.45; Das perfekte Geheimnis 17.15,

20.00; Joker (OmU) 17.50, 20.30; PJ Harvey –A

Dog Called Money (OmU) 16.15, 21.00; Systemsprenger

18.20

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite (OmU) 17.30,

20.30; Joker (OF) 16.45, 19.30, 22.00; But Beautiful

–Nichts existiert unabhängig (OmU) 16.20,

19.00; Booksmart (OmU) 21.40; Le Mans 66:

Gegen jede Chance –Ford vFerrari (OmU) 16.50,

20.00; Booksmart (OF) 17.00,22.10; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmenglU) 19.20

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Last

Christmas 14.00,17.30, 20.15,23.00;Das perfekte

Geheimnis 14.10, 17.00, 20.00, 22.50; Bayala

–Das magische Elfenabenteuer 14.20; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30, 17.20; Dora und die

goldene Stadt 14.40; Die Addams Family 15.05,


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 25

· ·

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Tagestipp

KALENDER

Jeanne Mammen: „Neapolitanisches Kindermädchen“, eine lyrische Abstraktion

MEIN BILD DER WOCHE

Die Kunst von14heute namhaften, aber

auch relativ unbekannten Malerinnen,

Zeichnerinnen und Bildhauerinnen der

Zeit nach 1919 erzählt unter dem Titel

„Das weiblicheStatement“ vomschöpferischen

Potenzial vonFrauen, denen der

Zugang zu den Staatlichen Kunsthoch

schulen bis zur Gründung der Weimarer

Republik verwehrtblieb.

Die Ausstellung in der Salongalerie

Die Möwe, Auguststr.50b,ist bis

zum 22. Februar zu sehen, Di–Sa 12–

18 Uhr (Galerieferien vom21. 12. bis

13. 1. 2020), Tel.:30881842,

www.salongalerie-die-moewe.de

MÖWE/VG BILDKUNST BONN 2019

Louise Stomps: „Göttin“, Bronze

nen der Berliner Moderne. Als Bildhauerin

widmete sich Stomps einer

ausdrucksstarken, organischen Abstraktion

der Figuren, was ihrer bronzenen„Göttin“

anzusehen ist. Siebesuchte

in den 20er-Jahren die Bildhauerklasse

der Hochschule der Bildenden

Künste. Inder NS-Zeit ging

sie in die innere Emigration. Einer

sich endlich anbahnenden Karriere

nach dem Krieg, die bis in die 80er-

Jahre anhielt, setzte tragischerweise

ein tödlicher Motorradunfall in ihrer

Wahlheimat Oberbayern ein jähes

Ende. Auch von ihr besitzt die Berlinische

Galerie sinnliche Plastiken.

Ein Höhepunkt der Möwe-Ausstellung

ist Jeanne Mammens Malerei:

Ihr „Neapolitanisches Kindermädchen“

ist eine meisterhafte,lyrische

Abstraktion dreier Gestalten,

die man dem (West-)Berliner Nachkriegs-Surrealismus

zuschreiben

darf. Die gebürtige Berlinerin, die

mit ihren Bildern ein Star in der

Sammlung der Berlinischen Galerie

ist, zählt zu den imponierendsten

deutschen Malerinnen des 20. Jahrhunderts

und steht im veristisch-expressiven

Stil der„Goldenen“ Zwanzigerdicht

neben meisterlichen Kollegen

und Bildchronisten des „Tanzes

auf dem Vulkan“, zwischen

Weimarer Republik und Nazi-Terror

–etwa George Grosz undOttoDix.

Jeanne Mammen hatte das deutscheVerdikt,

welches Frauen den Zutritt

zu staatlichen Kunstakademien

bis 1918 verbot, geschickt unterlaufen.

Sieließ sich in Paris, wo ihre begüterte

Familie lebte, ander Académie

Julian privat ausbilden, danach

auch in Brüssel und Rom. Als der

ErsteWeltkrieg ausbrach, musste die

Familie Mammen aus Frankreich

flüchten, zurück nach Berlin. Hier

wurde die Malerin zur stadtbekannten

Chronistin des Metropolenlebens.

Als sie sich den Nazis verweigerte,gab

es keine Aufträge,etwa für

Zeitungs-Illustrationen, mehr.

Die finanzielle Not war groß. Das

aber machte ihren Malstil nur umso

wütender. Nach dem Krieg experimentierte

sie mit Collagen aus Stanniolpapier,die

Gemälde wurden immer

abstrakter, auch surrealer, wie

wir es auf der Abbildung sehen. Im

legendären West-Berliner Treffpunkt

Galerie Rosenfühlte sie sich mitWerner

Heldt, Heinz Trökes und Hannah

Höch unter Gleichgesinnten.

ARCHIV KOLBE MUSEUM/DUCH

Pop

Die

Liebe

zum Soul

Beim allgemein etwas abfälligen

Blick auf die sogenannten

Castings-Shows, die

in schöner Regelmäßigkeit

Star-Gefühle evozieren, ohne

tatsächliche Stars hervorzubringen,

sollten jene nicht unterschlagen

werden, denen wir

ohne das zwiespältige TV-Format

vermutlich nicht begegnet

wären. DieSchweizer Sängerin

Stefanie Heinzmann gehört

unbedingt dazu. Sie

wurde 2007 im Castingwettbewerb

von Stefan Raabs „TVtotal“

entdeckt, hat sich danach

aber unbeirrt dem Zuschnitt

einer Soulkarriere gewidmet,

einer Musikgattung, die es in

hiesigen Breitengraden eher

schwer hat. Ihr Debütalbum

„Masterplan“ stammt aus dem

Jahr 2008, in der Zwischenzeit

folgten vier weitereAlben, von

denen eines in Nashville aufgenommen

wurde. Ihr neuestes

Produkt heißt „All We Need

Is Love“–ach ja. HarryNutt

Stefanie Heinzmann

20 Uhr,Kulturbrauerei/Kesselhaus,

Schönhauser Allee 36

KINDER

Buchbox! Kastanienallee (✆ /40 50 02 35)

16.00: Slambox-Special: Der PoetrySlam U18, PoetrySlam

anlässlich des bundesweiten Vorlesetages

(ab 6bis 17 J.)

Cabuwazi -Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

17.15: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus fürdie ganze Familie (ab8J.)

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show (ab 5J.)

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

17.00: Aladdin und die Wunderlampe (4 bis 14 J.)

MACHmit! Museum für Kinder (✆ 74 77 82 00)

16.00: Bundesweiter Vorlesetag in der Bücherwunderkammer

Puppentheater Prenzlkasper (✆ 21 79 10 60)

17.00: Kasper auf der Ritterburg,Gastspiel Alpenkasper

Schmargendorfer Buchhandlung (✆ 82 30 97 77)

15.00: Lenni &Luis -AttackeSchimmelbacke, Vorlesestunde

im Rahmen des bundesweiten Vorlesetags

(ab 7J.)

Varia Vineta (✆ 43 72 32 44)

16.00: Der gestiefelte Kater (ab 3J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Buchhändlerkeller (✆ 55 14 93 58)

20.30: Der unbekannte Raum. Theater der Befreiung,

Peter Weitzner

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

19.30: Weiter Schreiben, musikalische Lesung mit

Ramy Al-Asheq und Monika Rinck

Haus der Berliner Festspiele (✆ 25 48 91 00)

19.00: Lesung derBundespreisträger*innen des 33.

Treffens junger Autor*innen, mit Lisa Marleen Allisat,

Laura Bärtle, Cara Biester,Lisa Bresch, Lukas Friedland

u. a., Mod.: Sirka Elspaß und SebastianMeineck

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

19.30: Akademie zur Lyrikkritik -Zwischen Haltung

und Unterhaltung: DerKritiker als Journalist, Spezialist

und Zirkulationsagent, u.a. Eric Ehrhardt, Jan Kuhlbrodt,

Regina Menke, Pecha Kucha-Abend

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Lost in comic translation, Daria Bogdanska,

Katharina Erben und Tinet Elmgren im Gespräch

Moderation: HannaRobertz

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.00: 4. Berliner Herbstsalon: „Die Heiliginnen“, Lea

Draeger,Lesung vonLea Draeger

PeriplanetaKreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00: FantastischeLesebühne: Die Nacht der

Drachenfliege, RobertRescue, Swantje Niemann und

Jane Steinbrecher,The Sycamore Tree

Planetarium am Insulaner (✆ 790 09 30)

20.00: rbb-Hörspielkino: Tannöd, Autor:Andrea Maria

Schenkel, Regie: NorbertSchaeffer,mit Michael

Vogtmann, Katharina Schmuttermaier,Elisabeth

Tscharkeu.a.

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00 Bruckner-Foyer: Goethe und der Orient, Rosa

Tennenbaum, am Klavier:Jonathan Tennenbaum

Thalia-BuchhandlungimGesundbrunnen-Center

(✆ 49 30 68 -0) 19.30: 10. Krimimarathon

Berlin-Brandenburg: „Die Todesbotin“, Thomas Elbel,

Buchvorstellung

Tucholsky-Buchhandlung (✆ 27 57 76 63)

19.30: Taxi, Cemile Sahin, Lesung

Wirtshaus Moorlake (✆ 805 58 09)

19.00: Fontane-Abend, mit Brigitte Grothum, Literarisch-kulinarischer

Abend mit Dreigangmenu. Anm. erf.

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: David Haynes &Friends feat. Elisha Blue

b-flat (✆ 283 31 23)

21.30: Karl Seglem /NRecycling Nunatak

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.00: Marathonmann, Die Heart, The Pariah

Bi Nuu (✆ 69 56 68 40)

20.00: GaryWashington

Columbiahalle (✆ 69 81 75 86)

20.00: Zedd

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

19.00: The Dark Tenor,Laut und akustisch

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

21.00: Acid Arab

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

21.00: Banks, Glowie

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

20.00: The Waterboys

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (✆ 218 50 23)

20.00: Jericho Brass Berlin, Sound of Eternity -Klang

der Ewigkeit

Kiste (✆ 998 74 81)

21.00: Magical Mystery Band plays Pink Floyd

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Gr.Saal: amiina

22.00 Werner-Otto-Saal: ADHD Quartett, Late-Night-

Konzert

Kulturbrauerei/Kesselhaus (✆ 44 31 51 00)

20.00: StefanieHeinzmann

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (✆ 44 31 51 00)

20.00: Blackbird

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: Whitney, support: Girlpool

Max-Schmeling-Halle (✆ 44 30 45)

18.30: Sido

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: Sparkling,Linn Koch-Emmery

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

19.30 Blaues Zimmer:8Kids

20.00 Schwarzes Zimmer:Van Holzen,Drens

Ölbergkirche (✆ 616 93 10)

20.00: JazzKorea Festival:Getting Closer -Commissioned

Work mit Mitgliederndes Andromeda MegaExpress

Orchestra,Ltg.Daniel Glatzel, Free-Jazz-Projekt

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Telmo Pires

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Neukölln Un&Plugged: A.S.Fanning,support:

Diagram

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: Tony Momrelle

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: Ulli &Die Grauen Zellen

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: MelanieHaupt (voc), Jonathan Bratoëff (g),

Marcel Krömker,(b), JoeSmith (dr), In dieser Stadt

muss man singen

Tempodrom (✆ 69 53 38 85)

20.00: Metallica Symphonic Tribute by Orion-Orchestra

&Scream Inc.

Theater Adlershof (✆ 23 93 45 79)

19.00: Sun Down Ferry,Wenn die Sonne untergeht

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00 Theatersaal: TerraBrasilis mit Samba Reggae

Berlin, Bloco Caju, FogodoSamba /Bloco Fogo,

Schlag auf Schlag!

WasserturmKreuzberg (✆ 53 65 76 41)

19.30: LikeMint Trio

Werkstatt der Kulturen (✆ 609 77 00)

21.30: Miss Gniss, WorldWideMusic

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

22.00: Kultasiipi +Deafmen, Bärlin Pedäl Bättle

Aftershowparty

CLUB

Berghain (Am Wriezener Bahnhof)

23.59 Panorama Bar:FinestFriday, KAS:ST (live),

Fideles, Tale Of Us, Vaal

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00 Ballsaal: Schwoof, Clärchen &Freunde

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor xR&S present In Order To Dance,

Machine Woman (live), Lakker,Renaat Vandepapeliere,

Mischa

KINO

17.10; Joker 16.35, 20.30, 22.30; Ich war noch

niemals inNew York 16.45; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 19.30; Terminator –Dark Fate 19.40;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 19.50, 22.40;

Gemini Man 22.45

Wolf (✆ 921 039333) Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait delajeune fille en feu (OmU)

12.00, 18.50; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 14.00; Parasite (OmenglU) 14.30; Tonari

no Totoro –Mein Nachbar Totoro 16.10; Bait (OmU)

17.10; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod

postoi, imetoi‘ePetrunija(OmU)19.00; Anouk

de Clercq: Buchpräsentation („Where is Cinema“)

19.30; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian chang

(OmU) 21.00; The Irishman (OmU) 21.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Lara

15.15,18.00,20.20; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

16.00; Ich war noch niemals in New York

17.30; Parasite 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Systemsprenger

14.30; Parasite 17.10, 20.00; Bis dann,

mein Sohn 15.45, 19.30; Lara 15.30, 20.30;

But Beautiful –Nichts existiert unabhängig (OmU)

17.50; Booksmart (OmU) 16.00; Joker (OmU)

18.20, 21.00; Das perfekte Geheimnis 15.00,

17.45, 20.30

Kino &Bar in der Königstadt (✆ 01 63/262 72 80)

Fünf Dinge, die ich nicht verstehe 18.00; The Irishman

(OmU) 19.30

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Das perfekte Geheimnis 13.45, 16.40, 19.40,

22.45; Porträt einer jungenFrau in Flammen14.00;

Le Mans 66: Gegen jede Chance 14.00, 17.00,

20.30, 22.00; Deutschstunde 14.00; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.15; Booksmart

14.15; Last Christmas 14.30, 17.00, 20.00; Lara

14.30, 17.30, 19.30; My Zoe 16.30; Joker (OmU)

16.45, 20.00; Booksmart (OmU) 16.50; IFFB:

Santiago, Italia (OmenglU) 17.30; Booksmart (OF)

19.00; Parasite 19.30; IFFB: Il primo re–Romulus

&Remus: The First King (OmenglU) 20.30; Once

Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.30; Parasite

(OmU) 22.30; Joker (OF) 22.40; Last Christmas

(OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98)VictoryDay:Tag desSieges

–Den‘ Pobedy (OmU) 18.15; Gott existiert, ihr

Name ist Petrunya –Gospodpostoi, imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 20.00; Smuggling Hendrix (OmU)21.45

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Le

Mans 66: Gegen jede Chance 14.10, 16.35, 19.35,

22.25; Last Christmas 14.10, 17.15, 19.50, 22.35;

Das perfekte Geheimnis 14.15, 17.10, 20.00,

23.00; Black and Blue 14.15; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.20; Die Addams Family 14.20;

Angry Birds 2:Der Film 14.20; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.25; Dora und die goldene

Stadt 14.25; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.45; Terminator –Dark Fate 16.40, 19.45; 3D:

Maleficent:Mächteder Finsternis 16.45,20.00;Joker16.50,19.55,22.55;

Booksmart17.00, 19.45;

Ich war noch niemals inNew York 17.05; 3D: Die

Addams Family 17.05; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.30, 20.00, 22.45; 25 km/h 19.45;

Systemsprenger 19.55; Midway –Für die Freiheit

22.45; Scary Stories toTell in the Dark 22.55;

Sneak Preview 23.00; Midnight Movie: Ilprimo re–

Romulus &Remus:The First King 23.00; Der letzte

Bulle 23.00

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Le Mans 66:

Gegen jede Chance 13.35, 16.25, 19.35, 22.40;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 13.50; Dem

Horizont so nah 13.50; Die Addams Family 14.00,

17.10; Das perfekte Geheimnis 14.00, 17.00,

20.00, 23.10; Last Christmas 14.10, 17.00, 19.50,

22.55; Booksmart 14.10, 20.05;Angry Birds 2: Der

Film 14.20; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.45; Ich war noch niemals in New York 16.25;

Derletzte Bulle 16.45; Maleficent: Mächte derFinsternis

16.50; Zombieland 2: Doppelt hält besser

16.55, 19.40, 23.15; Joker 17.05, 19.45, 22.50;

Midway –Für die Freiheit 19.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.00; Terminator –DarkFate

20.10, 23.05; Es: Kapitel II 22.30; Scary Stories

to Tell in the Dark 23.00; Halloween Haunt 23.20

SCHÖNEBERG

Cinema Walther-Schreiber-Platz (✆ 852 3004)

Downton Abbey 14.45; MyZoe 17.40, 20.15

Cosima (✆ 85 07 58 02) Systemsprenger 18.00;

Deutschstunde 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Bis dann,mein Sohn –Di

jiu tian chang (Omdt+englU) 14.00; Marianne &Leonard

–WordsofLove (OmU) 17.45; Bis dann,mein

Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 20.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) Porträteiner jungen Frau in

Flammen 17.30; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille en feu (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.00; Die

Addams Family 10.00, 12.10, 14.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.00,14.10, 17.00; Shaun

das Schaf: Der Film 12.05; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 12.20; LeMans 66: Gegen jede

Chance 14.05, 16.30, 19.30, 22.40; Last Christmas

14.20, 16.55, 20.00,22.55; Das perfekte Geheimnis

14.35, 17.20, 20.10, 23.00; Joker 17.30,

19.50; Zombieland 2: Doppelt hält besser 20.20,

22.45; Midway –Für die Freiheit 22.50

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Systemsprenger

12.45; Ich war noch niemals in New

York 15.15, 20.15; Deutschstunde 17.45

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/5050711) Last Christmas 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Maleficent: Mächte der Finsternis 10.00, 12.10,

14.40, 17.35, 20.15; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

10.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

10.00; Shaun dasSchaf: DerFilm: UFO-Alarm

12.00, 14.50; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

12.00; Die Addams Family 12.05, 14.20, 17.15;

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 12.10; Angry

Birds 2: Der Film 12.10; Dora und die goldene

Stadt 12.20, 14.15; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 14.05, 16.45, 20.30, 23.00; Das perfekte

Geheimnis 14.10, 16.30, 17.05, 19.30, 20.05,

23.00; Ich war noch niemals inNew York 14.20,

17.25, 19.45; Joker 17.15, 20.05, 22.20, 23.10;

Zombieland 2:Doppelt hält besser 20.30, 23.00;

Midway –Für die Freiheit 22.45

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) Das perfekte

Geheimnis 15.30, 18.00, 20.30; Last Christmas

15.45, 18.00, 20.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.45; DieAddams Family 15.45, 18.15; Ich

warnoch niemalsinNew York 17.45;Zombieland 2:

Doppelt hält besser 20.30; Joker 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Rithy Pahn: Les Artistes

du Theatre Brule (OmU) 19.30; Magical History

Tour:The Gang‘s All Here (OF) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 806969)

Joker 12.50, 13.30, 16.00, 16.50, 19.10, 19.35,

20.10, 22.20; Das perfekte Geheimnis 13.00,

14.00, 16.00, 17.15, 19.10, 20.30, 22.20; AToy

Story:Alles hört auf kein Kommando 13.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.30; Le Mans 66:

Gegen jede Chance 13.30, 16.30, 19.00, 20.10,

22.40; Booksmart 13.50, 16.40, 19.40, 22.30;

Angry Birds 2: Der Film 13.50; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.00; Lara 14.00, 16.40,

19.30; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; Playmobil: Der Film 14.10; Last Christmas

14.10, 17.00, 19.50, 22.50; Die Addams Family

14.10, 16.30; Dora und die goldene Stadt 14.20;

DemHorizont so nah 14.20; Downton Abbey16.00;

Parasite 16.20,19.30; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.20, 19.30, 22.40; Terminator –Dark

Fate 16.30, 19.40, 22.45; Systemsprenger 16.30;

Der König der Löwen 16.40, 19.50; My Zoe 17.00,

19.40; Zombieland 2:Doppelt hält besser 17.10,

20.00, 22.50; Ich war noch niemals in New York

17.10; Good Boys 17.20; Midway –Für die Freiheit

19.10; GeminiMan 19.40, 22.15; Halloween Haunt

20.20, 23.00; Once Upon aTime in... Hollywood

22.30; Es: Kapitel II22.30; Rambo 5: Last Blood

22.40; Der letzte Bulle 22.45; Scary Stories toTell

in the Dark 22.50; Black and Blue 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 02 00)

Le Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari

(OmU) 13.30, 16.15, 19.50, 22.30; Die Addams

Family –The Addams Family (OF) 13.30; Ad Astra

–Zuden Sternen (OF) 13.30; Maleficent: Mächte

der Finsternis –Maleficent: Mistress ofEvil (OF)

13.40, 16.45, 19.40; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm – Shaun the Sheep Movie: Farmageddon

(OF) 13.45; Joker (OF) 13.45, 17.00, 20.00,

23.00; Last Christmas (OF) 14.00, 16.45, 19.30,

22.20; Zombieland 2(OF) 14.15, 17.00, 19.45,

22.40; Downton Abbey (OF) 16.00; Once Upon a

Time in... Hollywood (OF) 16.30; Booksmart (OF)

16.45,19.30;Midway–Für die Freiheit(OF) 19.00,

22.40; Terminator –Dark Fate (OF) 20.00, 23.10;

Parasite (OmenglU) 22.20; Scary Stories to Tell in

the Dark (OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) IMAX: Le

Mans 66: Gegen jede Chance (OF) 11.45, 19.10,

22.45;IMAX:LeMans 66: Gegenjede Chance15.30

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) Assault: Anschlag

bei Nacht 20.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.00; Die Addams Family 14.00,

16.00; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; Das perfekte Geheimnis 14.30, 17.15,

20.00, 22.30; Ich war noch niemals in New York

15.00, 17.30; Last Christmas 15.45, 18.00, 20.15,

22.30; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

16.00, 18.30; Zombieland 218.00, 20.15,22.30;

Joker 20.00, 22.30; Terminator –Dark Fate 21.00

Casablanca (✆ 677 57 52) Systemsprenger

15.30; Parasite 18.00; Ich war noch niemals in

NewYork 20.30

CineStarTreptow (✆ 04 51/703 02 00)Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 17.00; Le Mans 66:

Gegen jede Chance 14.00, 16.35, 19.45, 22.40;

Die Addams Family 14.00, 17.25; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.15; Das perfekte Geheimnis

14.15, 17.15, 20.00, 23.00; Angry Birds 214.15;

Last Christmas 14.30, 17.15, 20.00, 23.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.30; Dora und die

goldene Stadt 14.45; Ich war noch niemals inNew

York 16.50; Recep Ivedik VI (OmU) 17.00, 19.50,

23.10; Joker 17.00, 20.15, 22.40; Zombieland 2

17.30, 20.15, 23.10; Scary Stories to Tell in the

Dark 19.45; Terminator –Dark Fate 19.55, 22.50;

Midway 20.00, 22.45; Halloween Haunt 23.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 17.25; Le

Mans66: Gegenjede Chance 14.00, 17.00, 20.30,

22.30; Last Christmas 14.10, 17.00, 19.50, 23.00;

Das perfekte Geheimnis 14.10, 17.00, 20.10;

Die Addams Family 14.15; Dora und die goldene

Stadt 14.20; Recep Ivedik VI 14.45, 16.30,17.30,

19.30, 20.15, 22.15, 23.00; 7. Kogustaki Mucize

–Das Wunder in Zelle Sieben 16.45, 19.45; Joker

20.00, 23.00; Terminator –Dark Fate 22.30

City Kino (✆ 01 77/270 1976) Wir sind 100!:

Kurzfilmwettbewerb (Block 1) 15.00; Wirsind 100!:

Kinderkurzfilmwettbewerb (Block 2) 16.45; Systemsprenger19.00;

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

–Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija (OmU) 21.30

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) 30Jahre Mauerfall:

Honeckers unheimlicher Plan 18.00; Parasite

(OmU) 20.00; Easy Love 22.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Das perfekte Geheimnis

13.15, 15.45, 18.15, 20.45; Invisible Sue 15.00;

Ich war noch niemals in NewYork 17.15, 20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Fritzi –Eine

Wendewundergeschichte 13.30; Systemsprenger

15.30; Parasite 18.00; Parasite (OmU) 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Happy Ending –

70 ist das neue 7015.15; Ich war noch niemals in

NewYork 17.45; Parasite 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Mein Lotta-Leben –Alles Bingo

mit Flamingo! 16.00; Deutschstunde 18.00; Der

Glanz der Unsichtbaren 20.30

Capitol (✆ 831 6417) Lara 15.30, 18.00, 20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Weitermachen Sanssouci 17.00; Experimentalfilme

(aus dem ex.oriente.lux-Archiv, mit Einführung)

19.00; Synonymes 21.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) Fritzi –

Eine Wendewundergeschichte 13.30; Porträt einer

jungen Frau in Flammen 13.45, 18.15; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.15; Lara 14.45,

18.45, 20.45; Das perfekte Geheimnis 15.30,

18.00, 20.45; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 16.15; Invisible Sue –Plötzlich

unsichtbar 16.15; Unsere Lehrerin,die Weihnachtshexe

16.45; Marianne &Leonard –Words of Love

(OmU) 18.30; My Zoe 20.45; Parasite 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Le

Mans66: Gegenjede Chance13.40, 16.20, 19.50,

23.00; Maleficent: Mächte der Finsternis 13.50,

16.40; Das perfekte Geheimnis 13.50, 16.50,

19.40, 20.00, 23.15; Last Christmas 14.00,17.10,

20.15, 23.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 14.10; Die Addams Family 14.10, 17.20;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.15, 17.00;

Bayala –Das magische Elfenabenteuer 14.20; Ich

war noch niemals inNew York 16.30; Joker 16.50,

19.50, 23.10; Terminator –Dark Fate 19.50; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 20.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.15, 23.00; Halloween

Haunt 23.00; Midway –Für die Freiheit 23.10

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis17.15,

20.00

Capitol Königs Wusterhausen (✆

033 75/46 97 77) Prelude 17.15; Ich war noch

niemals in NewYork 20.00

Fate 19.45, 22.30; Joker 20.00,22.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Le Mans 66: Gegen jede Chance 14.45, 17.00,

20.00, 22.15; Die Addams Family 15.00; Das perfekte

Geheimnis 15.15, 17.45, 20.15, 22.50; Last

Christmas 15.30, 17.30,19.45,23.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.50; Joker 20.20; Halloween

Haunt 23.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Die Addams

Family 15.00; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 16.00; Das perfekte Geheimnis 17.15,

20.00; Systemsprenger 18.00; Joker 20.45

Kammerspiele Kleinmachnow (✆ 03 32 03/

84 75 84) Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 16.00;

Deutschstunde 18.00;LieberAntoine als garkeinen

Ärger 20.30


26 Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019

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Netzwerk

NACHRICHTEN

Motorola entwickelt eigene

Vision für Falt-Smartphone

STREAMING

Filme

statt

Serien

VonMarcus Posimski

Als Serienfan hat man es oft nicht

leicht. Lieblingsfiguren sterben

(„Game OfThrones“), eine grandiose

Serie wird wider Erwarten abgesetzt

(„Terriers“) oder die Macher meinen,

an einem großartigen Format nicht

festhalten zu müssen und bringen

durch überambitionierte Wendungen

die Seriezueiner Bruchlandung

(„How to get away with Murder“).

Manchmal hat man aber Glück, und

ein Liebling kommt in Form eines

Filmes zurück. Drei Tipps für nostalgische

Serienfans.

„El Camino – Ein ‚Breaking Bad‘-

Film“: Die Serie „Breakting Bad“ hat

es in den vergangenen Jahren geschafft,

vom Geheimtipp zur massentauglichen

Kultserie zu werden,

die sogar vonStaffel zu Staffel immer

besser geworden ist. Den Machern

war es auch gelungen, ein perfektes

Serienfinale hinzubekommen. Das

ist auch keine Selbstverständlichkeit.

Nunhat Netflix den Film „ElCamino

–‚ABreaking BadFilm‘“ nachgeschoben

und es geschafft, auch

der Figur des Jesse einen würdigen

Abschied zu geben. Eigentlich ist es

weniger ein klassischer Film, sondern

vielmehr ein Doppel-Episoden-Epilog.

Geschrieben vom„Breaking

Bad“-Macher Vince Gilligan

und natürlich mit dem fantastischen

Aaron Paul in der Hauptrolle.

Zu sehen bei Netflix.

„Serenity“: Vorsiebzehn Jahren lief

in den USA bei Fox„Firefly“. DenInhalt

dieser Science-Fiction-Western-

Serie zubeschreiben, ist hier leider

aus Platzgründen nicht möglich.

Wenn man aber hört, dass hinter„Firefly“

der geniale Joss Whedon

steckt, der neben vielen anderen

Projekten schon für „Toy Story“ den

ersten „Avengers“-Film und „Buffy“

mitverantwortlich war, wundert es

nicht, dass Universal Pictures sich

die Rechte schnappte und der unvollendeten

Serie eine gelungenes

Ende in Filmlänge verschaffte.

Zu sehen bei Amazon und iTunes.

Kristen Stewart (v.l.), Ella Balinska und

Naomi Scott als Charlies Engel. SONY

„Charlie’sAngels“: Bereits Ende der

1970er-Jahre lief die ultimative

Frauen-Power-Serie „DreiEngel für

Charlie“ im Fernsehen und sorgte

damals in der Besetzung mit Kate

Jackson und Farrah Fawcett für viel

Aufsehen. Im Jahr 2000 gab es eine

neue Version mit Lucy Liu, Cameron

Diaz und Drew Barrymore.

Auch dieser Film ist schon wieder

fast 20 Jahre alt. Ende des Jahres

kommt dann die von Elisabeth

Banks erdachte Neuinterpretierung

der drei Engel in die deutschen

Kinos.

Marcus Posimski hat

amerikanische Kultur mit

Schwerpunkt Film studiert.

Ein kleiner Supermann taucht in die literarische Welt der Abenteurer ab, so ein Freizeitverhalten empfehlen viele Wissenschaftler.

„Lesen bildet, daddeln nicht“

Buch statt Smartphone: Wissenschaftler raten Eltern und Kindern zur klassischen Mediennutzung

VonIrena Güttel und

YurikoWahl-Immel

Gebannt blicken die Kinder

auf eine Leinwand, auf

der Bilder aus Michael Endes

Geschichte „Das

Traumfresserchen“ zu sehen sind. Im

Dunkeln lauschen sie dem Text, der

ihnen vorgelesen wird, denn Vorhänge

schirmen sie vomTrubel in der

Bibliothek ab. In der Nürnberger

Stadtbibliothek ist an diesem TagBilderbuchkino.Eins

vonvielen niedrigschwelligen

Angeboten, um Kindern

Bücher schmackhaft zu machen, wie

Bibliotheksleiterin Elisabeth Sträter

es nennt. „Das macht es Kindern, die

nicht so leseaffin sind, leichter.“

Störung im Grundschulalter

Kinder und Jugendliche in Deutschland

lesen heute zwar nicht weniger

als früher. Die Zeit, die sie mit Büchernverbringen,

hat sich in den vergangenen

20 Jahren zwar nicht verändert.

Trotz Smartphone. Trotz Computerspielen.

Allerdings hapert esan

der Lesekompetenz erheblich, wie

bei Studien festgestellt wurde. Laut

Stiftung Lesen hat jedes fünfte

Grundschulkind Probleme beim Lesen.

Lernforscherin Katharina Scheiter

sagt, dass das Leseverhalten sich

durch die Digitalisierung verändert

habe. Bei längeren Texten, die auf

dem Handy,Tablet, am PC- oder Laptop-Bildschirmgelesen

würden, gebe

es Schwierigkeiten, das Gelesene tiefer

zu verarbeiten und im Gedächtnis

abzuspeichern, erklärt die Psychologin

vomLeibniz-Institut für Wissensmedien

(IWM) in Tübingen.

Mit den digitalen Medien gewinne

man anreichernde Quellen

wie Erklärvideos, Bilder, Grafiken,

15

Jahre ist es her,dass der

dritte Freitag im November

als „Tag des Vorlesens“

ausgerufen wurde.

ZU WENIG ZEIT FÜRS VORLESEN

2760

Sekunden lesen Jugendliche

pro Werktag,wenn ihnen

als Kleinkind vorgelesen

worden ist.

32

Prozent derElternlesen

KindernimVorlesealter

vonzweibis acht Jahren

zu selten vor.

Kundenbewertung vor Gericht

IMAGO

Animationen –ein Plus. „Die große

Frage ist aber: Wie bekommen wir

das alles gut verknüpft?“ Es bereite

Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen

Schwierigkeiten, die Inhalte

der verschiedenen Quelleneinzeln

zu verstehen und in Bezug zueinander

zu stellen.

Beim Lesen eines Buches bleibe

mehr hängen, es habe auch einen

höheren Anspruch, ist der Neurowissenschaftler

und Psychiater Manfred

Spitzer überzeugt. „Beim Bildschirm-Lesen

flackert jeder Blödsinn

rüber, jeder kann irgendwas

schreiben und per Knopfdruck in die

Welt senden.“ Er betont:„Lesen lernt

man durch lesen. Wenn nur noch

kurze Nachrichten über kleine Bildschirme

gelesen werden, ist das

hochproblematisch.“

Und: „Lesen bildet, Daddeln

nicht“ –auch elektronische Lehrbücher

verführten zum Daddeln, beobachtet

der Gründer des Transferzentrums

für Neurowissenschaften

und Lernen an der Universität Ulm.

Digitale Medien hätten in Grundschulen

nichts zu suchen. Mit Verweis

auf Untersuchungen von Wissenschaftlern

und Kinderärzten

warnt Spitzer: Digitaler Medienkonsum

schade im Kindergartenalter

der Sprachentwicklung und führeim

Grundschulalter zu Störungen der

Aufmerksamkeit.

Scheiter zufolge sollte die digitale

Variante vor allem unterstützenden

Charakter haben –sofernsie einen didaktischen

Mehrwert habe.ZuHause

wie in der Schule müssten Kinder in

die digitale Nutzung eingewiesen

werden. „Es darf auch im Unterricht

nichts ungeleitet geschehen. Schüler

dürfen mit dem multimedialen Angebot

nicht überfordert werden.“ Eine

Chance sieht sie dafür, die Schere

zwischen bildungsschwachen und

bildungsaffinen Familien etwas zu

schließen: „Digitale Medien haben

für die individuelle Förderung ein hohes

Potenzial. Man kann viel besser

differenzieren.“ Die Klassen seien

sehr heterogen, bedingt auch durch

unterschiedliche soziale Herkunft –

hier lasse sich digital gut ansetzen.

Hirnforscher und Psychologe PeterGerjetsverweist

auf die Herausforerungen

für das Gehirn. „Digitales

Lesen heißt auch multimediales Lesen,

mit Hyperlinks, bewegten und

interaktiven Grafiken, Animationen –

solche digitalen Leseelemente können

das Gehirn starkbeanspruchen“,

erläutertder Expertevom IWM.

DasGehirnarbeitet wie ein Muskel

„Lesen im Internet ist anstrengender

und tendenziell oberflächlicher“, so

Gerjets. „Ressourcen, die für ein tiefes

Lesen nötig wären, werden leicht

durch Klicken und Multimedia verschwendet.“

Auch er betont: DasLesen

auf Papier, das Lesen längerer

Texte in Büchern sei sehr wichtig.

„Das muss unbedingt bleiben. Was

man dabei lernt – Konzentration,

Gedankengänge länger verfolgen –

erweitertdas Gehirn.“

Verändert sich unsere Schaltzentrale

im Kopf,wennsie vonKindheit

an immer stärker auf digital umschaltet?

Der Grundmechanismus

des Gehirns ändere sich zwar nicht,

die synaptische Struktur aber schon,

erklärt Gerjets. „Was nicht aktiviert

wird, wird abgebaut. Daist das Gehirn

wie ein Muskel, den man trainieren

muss: Useitorloseit.“

Was noch dazukommt: Eine

wichtige Rolle spielt der Umgang

mit Büchern zuHause, dasind sich

Fachleute einig. „Wir wissen, dass

die sprachliche Anregung im Elternhaus

einen wichtigen Einfluss hat“,

sagt Sascha Schroeder, Professorfür

Pädagogische Psychologie an der

Universität Göttingen. Vor allem

beim Vorlesen förderten Eltern das

Sprachvermögen und damit die

spätere Lesekompetenz ihrer Kinder.

„Wichtig ist nicht unbedingt der

Inhalt der Bücher, sondern die Gespräche

über das Gelesene, also der

Umgang mit Sprache und die Reflexion.“

(dpa)

BGH muss klären, ob eine Produkt-Beurteilung bei Amazon Werbung ist oder eine Meinungsäußerung

Sie können beim Online-Einkauf

die Auswahl erleichtern – aber

auch voller falscher Versprechungen

sein: Produktbewertungen vonKunden

auf der Handelsplattform Amazon

beschäftigen seit Donnerstag

den Bundesgerichtshof (BGH). Die

obersten Zivilrichter in Karlsruhe

haben zu entscheiden, ob der Verkäufer

für irreführende Bewertungen

zu seinem Angebot haftet. Das

Urteil wird inden nächsten Wochen

verkündet (Az. IZR193/18).

In dem Fall hatten mehrere Käufer

eines Muskel-Tapes geschrieben,

es helfe schnell gegen Schmerzen.

So eine Wirkung ist wissenschaftlich

nicht nachgewiesen. Der

Verband Sozialer Wettbewerb

(VSW) hatte den Verkäufer, einen

Händler aus Essen, deshalb schon

vor längerem darauf verpflichtet,

mit dieser Behauptung nicht mehr

zu werben. Durch die Bewertungen

auf Amazon sieht der Verband diese

Unterlassungserklärung verletzt. Er

meint: Der Händler hätte die Löschung

veranlassen oder sein Produkt

gleich ganz von der Seite nehmen

müssen.

VorGericht geht es um Abmahnkosten

und die Zahlung einer Vertragsstrafe.Bisher

hatte die Klage des

VSW keinen Erfolg. Die Bewertungen

enthielten zwar irreführende

Angaben, entschied zuletzt das

Oberlandesgericht Hamm. Der Verkäufer

habe darauf aber keinen Einfluss.

Die Richter hielten die Rezensionen

nicht für Werbung. Ihr Inhalt

könne sich in kürzester Zeit verändern,

eine einzige vernichtende Kritik

ganz schnell ein positives Meinungsbild

zerstören. Außerdem

wisse der Durchschnitts-Verbraucher

zumindest ungefähr, wie Amazon

und das Bewertungssystem

funktionierten.

In Karlsruhe sah es zu Beginn der

Verhandlung am Donnerstag ganz

danach aus, dass der BGH sich dem

anschließt. Aber dann kamen von

der Richterbank auch kritische Fragen:

Werträgt Sorge dafür, dass die

besonders strengen Vorschriften für

das Geschäft mit Medizinprodukten

auch eingehalten werden? Und

könnte der Verkäufer nicht doch verpflichtet

sein, die Seite mit seinem

Produkt hin und wieder auf proble-

matische Inhalte zu prüfen? Es gebe

noch Beratungsbedarf, stellte der Senatsvorsitzende

Thomas Koch am

Ende fest.

Der BGH-Anwalt des Verbandes,

Peter Wassermann, sagte, auf Amazon

gehe es nicht um neutrale Bewertungen,

sondern umAbsatzsteigerung.

Die vermeintlich objektiven

Aussagen hätten einen ganz besonderen

Werbeeffekt. Er sieht deshalb

den Verkäufer in der Pflicht: Dieser

könnte einen problematischen Eintrag

direkt kommentieren oder im

Angebotstext einen richtigstellenden

Hinweis platzieren. „Es kann

niemand verlangen, dass ich mein

eigenes Produkt schlechtmache“,

entgegnete der Anwalt des Verkäufers,Christian

Rohnke. (dpa)

DieTraditions-Marke Motorola ist

der nächste Anbieter mit einem Falt-

Smartphone –und verfolgt dabei ein

anderes Konzept als Rivalen wie

Samsung. Denn die Neuauflage des

vor15Jahren populären Modells

Razr ist im Grunde ein Smartphone

in heute üblichem Format, das sich

auf halbe Größe zusammenklappen

lässt. Samsung und Huawei bauten

dagegen Smartphones,die sich zu

einem kleinen Tablet auffalten lassen.

Motorola, das zum chinesischen

PC-Weltmarktführer Lenovo

gehört, will sein neues Razr im Januar

2020 für rund 1500 Dollar auf

den Marktbringen. Aufgefaltet hat

der Bildschirmeine Diagonale von

6,2 Zoll (knapp 16 Zentimeter). In zusammengeklapptem

Zustandkann

der Nutzer auf ein kleines Display

(2,7 Zoll) zurückgreifen, das Benachrichtigungen

anzeigt, Musiksteuerung

erlaubt und Selfies machen

lässt. DasDesign des Geräts lehnt

insgesamt sehr starkandas Razr-

Klapphandy aus dem vergangenen

Jahrzehntan. (dpa)

Allianz geht Bündnis

mit Microsoft ein

DieAllianz will sich in einem Bündnis

mit Microsoft zum führenden

Software-Anbieter für das Geschäft

mit dem Risiko entwickeln. Europas

größter Versicherer wirdwesentliche

Teile seines hauseigenen Software-

Systems ABS anderen Unternehmen

der Versicherungsbranche auf

Microsofts Cloud-Servern anbieten.

Darüber hinaus will die Allianz den

Quellcode ihres Systems als Open-

Source-Softwareoffenlegen, sodass

externe Entwickler neue Funktionen

entwickeln und einbauen können.

Dasteilten beide Unternehmen am

Donnerstag in München mit. (dpa)

Streamingmarkt wächst

weiter deutlich

Derdeutsche Marktfür kostenpflichtigesVideo-Streaming

befindet

sich weiter im Wachstum: Zwischen

2012 und 2018 ist er jährlich um 82

Prozent gestiegen. Dies ist Ergebnis

einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage

im Auftrag des Unternehmensberaters

McKinsey,ander

2021 Deutsche Anfang November

teilgeommen haben. Insgesamt

nutzt jeder zweite Haushalt mittlerweile

einen der kostenpflichtigen

Services.Die beliebtesten Bezahlangebote

in Deutschland sind Amazon

Prime (30 Prozent Marktanteil) und

Netflix (28 Prozent), gefolgt vonMagenta

TV (7 Prozent). (BLZ)

AUSDER REDAKTION

Berlin Mitte,

der Podcast

von

Jochen Arntz

Freitags

ab sechs

Jetzt gibt’s unter www.berliner-zeitung.de

auch was zum Hören –direkt

aus der Chefredaktion. „Berlin

Mitte“ heißt der Podcast, in dem ich

Ihnen jeden Freitag ab sechs Uhr

morgens Neues aus der Redaktion

und Neues aus Berlin präsentiere.

Diesmal spreche ich mit Markus Lotter,

dem Chef der Sport-Redaktion,

über Uli Hoeneß, der sich offiziell

beim FC Bayern München verabschiedet.

Wirhören uns,

Ihr Jochen Arntz, Chefredakteur

bei Twitter @JochenArntz


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 27

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TV-Programm

ARD

9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live

nach Neun 9.55 (für HG) Sturmder Liebe 10.45

(für HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer

weiß denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ZDF-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für HG)

Tagesschau 15.10 (für HG) Sturmder Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Meer 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Werweiß

denn sowas? 18.50 (für HG) Quizduell-Olymp

19.45 (für HG) Wissen voracht –Zukunft 19.50

(für HG) Wetter voracht 19.55 (für HG) Börse vor

acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Billy Kuckuck –

Eine gute Mutter

Tragikomödie, D2019. Mit Aglaia

Szyszkowitz. Zu Billys Klienten gehört

diesmal eine jungeMutter mit niedrigem

IQ,die vomJugendamt überfordertist.

21.45 (für HG) Tagesthemen

22.00 (für HG) Tatort: Schlangengrube

Krimireihe, D2018. Mit Axel Prahl, Jan

Josef Liefers

23.30 (für HG) Zorn –Wo kein Licht

Krimireihe, D2015. Mit Stephan Luca

1.00 (für HG) Tagesschau

RTL

5.00 Der Blaulicht Report 5.25 Exclusiv –Das

Starmagazin 5.35 Explosiv –Das Magazin 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Unter uns. Daily

Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt 10.00 Der

Blaulicht Report 11.00 Der Blaulicht Report

12.00 Punkt 12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00

Die Superhändler–4Räume, 1Deal 15.00

Schätze aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter

allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela

17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –

Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bin ich schlauer als Günther Jauch?

Quizshow. Geballte Frauenpower: Sonja

Zietlow, Ilka Bessin und Alice Schwarzer

treten gegenGünther Jauch an und

werden die gleichen Tests machen wie

der beliebte Moderator.

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 Mirja Boes live! Das Leben ist kein

Ponyschlecken

Comedyshow

2.20 Der Blaulicht Report

3.10 Der Blaulicht Report

MDR

11.00 (für HG) MDR um 11 11.40 (für HG) In

aller Freundschaft 12.25 (für HG) Betragen

ungenügend! Komödie,D1972 13.58 (für HG)

Aktuell 14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für

HG) Die gefährlichsten Schulwegeder Welt 16.00

(für HG) MDR um 4 17.45 (für HG) Aktuell 18.05

(für HG) Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant

18.54 (für HG) Unser Sandmännchen 19.00

Regionales 19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für

HG) Elefant, Tiger&Co. 20.15 (für HG) Winterhits

&Spaß 21.45 (für HG) Aktuell 22.00 Riverboat

0.08 Aktuell 0.10 MDR Kultur –Filmmagazin

Bayern

12.40 (für HG) Familie Dr.Kleist 13.30 (für HG)

Verrückt nach Zug 14.15 (für HG) Hofgeschichten

14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 (für HG)

Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für

HG) WirinBayern 17.30 Regionales 18.00 (für

HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau

19.00 (für HG) Unser Land Extra 19.30 (für HG)

Landgasthäuser Alpenseen 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Hubertund Staller

21.55 (für HG) Rundschau Magazin 22.10 (für

HG) Mittermeier! 22.55 (für HG) Sierra Charriba.

Western, USA 1965 1.05 Rundschau Nacht

Vox

5.20 CSI: NY 6.45 (für HG) CSI: Den Täternauf

der Spur 8.40 Verklag mich doch! 10.50 Vox

Nachrichten 10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 11.55 Shopping Queen 12.55

Zwischen Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind –Wie erziehst du denn? 15.00 Shopping

Queen 16.00 4Hochzeiten und eine Traumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Readytobeef

22.15 (für HG) Bones 0.15 VoxNachrichten

0.35 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

11.05 Alvinnn!!! 11.35 Go Wild! 12.05 Friends

12.25 Trolls 12.45 Polly Pocket 13.15 Tomund

Jerry 13.45 Bugs Bunny&LooneyTunes 14.15

Angelo! 14.45 Dragons 15.15 Ninjago 15.40

Alvinnn!!! 16.10 Sally Bollywood 16.40 Die

Nektons 17.10 Grizzy &die Lemminge 17.40

Angelo! 18.05 Bugs Bunny&LooneyTunes

18.35 Woozle Goozle und die Weltentdecker

19.05 Alvinnn!!! 19.40 Super ToyClub 20.15

Die Schneekönigin –Eiskalt entführt.Animationsfilm,

RUS 2014 21.45 (für HG) CSI: Miami

23.40 Comedytotal 0.10 Infomercials

Sport1

5.50 SportClips 6.00 Teleshopping 15.30 Cajun

Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher.Doku-Soap 17.30

Container Wars. Doku-Soap. Outdoor Abenteuer

18.00 StorageWars –Die Geschäftemacher.

Doku-Soap 18.15 Drückglück.de –Glück für alle

18.30 Sport1 News Live 19.00 Darts 20.00

Darts. Grand Slam of Darts. Viertelfinale, live

23.00 Darts. Highlights Deutsche Meisterschaft

Softdarts 2019 0.00 Normal 0.30 SportClips

0.45 Teleshopping Nacht 1.00 SportClips

ZDF

5.15 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ARD-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) SokoWismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) SokoWien 19.00 (für HG) heute

19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG) Bettys

Diagnose. Krankenhausserie. Verlust

20.15 (für HG) Der Kriminalist

Krimiserie.Die Richterin. Die italienische

Richterin Chiara Bernardi stirbt bei der

Explosion einer Autobombe. Sie war in

Berlin, um die Auslieferung des Mafioso

Benedetto Scialdi zu veranlassen.

21.15 (für HG) Soko Leipzig

Krimiserie.Crystal

22.00 (für HG) heute journal

22.30 (für HG) heute-show

23.00 aspekte

23.45 heute+

0.00 (für HG) Neo Magazin Royale

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfenfür Sie!

Reality-Soap 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit

–Wir kämpfen für Sie! Reality-Soap 12.00

Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz

14.00 AufStreife 15.00 AufStreife –Die

Spezialisten 16.00 Klinik am Südring.

Doku-Soap. Eine Hausfrau leidet nach einem

Sturz unter Halluzinationen, die sich die Ärzte

kaum erklären können: Sind sie Folgeoder

Ursache des Unfalls? 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer.Doku-Soap 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

Genial daneben –das Quiz 19.00 Genial

daneben –das Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Dancing on Ice

Angeleitet vonEiskunstlauf-Profis,

trainieren die Promis hart, nicht nur,um

eine gute Figur auf den Schlittschuhen zu

machen,sondernauch eine beeindruckende

Kür aufs Eis zu bringen.

23.05 Vorschrift ist Vorschrift

Zu Gast: Ruth Moschner,Simon Pearce,

Martin Klempnow, Max Giermann

0.05 Switch reloaded

Comedyshow

0.35 Switch reloaded

1.05 Sechserpack

WDR

12.40 Erlebnisreisen 12.45 (für HG) Aktuell

13.05 (für HG) Elefant, Tiger&Co. 13.55 (für

HG) Lichters Schnitzeljagd 14.25 (für HG)

Tierärztin Dr.Mertens 16.00 (für HG) Aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) Aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Ausgerechnet 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Die

Arbeitermetropole an der Ruhr 21.00 (für HG)

Unser Westen, Unsere Lieder 21.45 (für HG)

Aktuell 22.00 (für HG) Kölner Treff 23.30 Domian

live 0.30 (für HG) Kölner Treff

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) Hofgeschichten

18.45 (für HG) DAS! 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) die nordstory 21.15 (für HG) Morddeutschland

21.45 (für HG) NDR Info 22.00 (für

HG) 3nach 9 0.10 Olivia Jones –eine Drag

Queen mit Haltung

Kabel eins

5.00 K1 Magazin 5.50 Without aTrace –Spurlos

verschwunden 6.35 (für HG) The Mentalist 7.30

Blue Bloods 9.25 (für HG) Navy CIS: L.A. 10.20

Navy CIS 11.10 Without aTrace–Spurlos

verschwunden 12.05 Numb3rs 13.00 (für HG)

Castle 13.55 (für HG) The Mentalist 14.55 (für

HG) Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wirkümmernuns drum 20.15

Navy CIS 22.15 Navy CIS: NewOrleans 23.10

(für HG) Navy CIS: L.A. 0.05 Navy CIS

RTLZWEI

6.00 Die Straßencops Ruhrgebiet –Jugend im

Visier 7.00 Die Straßencops Ruhrgebiet –Jugend

im Visier 8.00 Frauentausch 10.00 Frauentausch

12.00 Frauentausch 14.00 Station B1 15.00

Die Wache Hamburg 16.00 Die Wache Hamburg

17.00 News 17.05 Krass Schule –Die jungen

Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Real Steel –Stahlharte Gegner.

Actionfilm, USA 2011 22.50 Beyond Skyline.

Actionfilm, SGP/USA/GB/CDN/RI 2017 1.00

Skyline –Der Tagdes Angriffs. Science-Fiction-

Film, USA 2010

Eurosport 1

6.30 Motorsport. WTCR in Macao. Qualifikation,

live 8.00 ERC All Access 8.30 Snooker.Northern

Ireland Open in Belfast. Tag410.30 Tennis

11.30 ERC All Access 12.00 Snooker.Northern

Ireland Open in Belfast. Tag412.45 Snooker.

NorthernIreland Open in Belfast. Viertelfinale, live

19.00 Snooker.NorthernIreland Open in Belfast.

Viertelfinale 19.40 Nachrichten 19.45 Snooker.

NorthernIreland Open in Belfast. Viertelfinale, live

23.00 Nachrichten 23.10 Radsport 0.30

Radsport. UCI Straßen-Weltmeisterschaft 2019

TV-Tipps

ARTE, 20.15 UHR DRAMA

Ich verkaufe deine Heimat

Die junge Rumänin Roxana sitzt im Bus auf dem Weg zurück inihre

Heimat, als sie von zwei Polizisten verhaftet wird. Sie soll den kleinen

Sohn des Ehepaars David (Nicolas Duvauchelle) und Elisabeth entführt haben,

um den sie sich liebevoll als Nanny gekümmert hat. Ein Akt der Rache

gegenüber ihren Arbeitgebern? Aber wie konnte es so weit kommen?

Und wo ist der kleine Georges jetzt? Alles begann zwei Monate zuvor, als

Davids Arbeitgeber, die Europäische Bank für Entwicklung, die Chance

auf ein millionenschweres Straßenbauprojekt inRumänien bekam. Um

mehr über das Land zu erfahren, befragte David Nanny Roxana zu ihrer

Heimat. Diese Entscheidung trägt schwerwiegende Folgen mit sich ... Basierend

auf dem Roman „Kidnapping“ des Schriftstellers Gaspard Koenig.

(F/2019)

Foto: ARTE

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7 3 8 4 2 6 1 5 9

2 7 6 5 4 1 9 8 3

1 5 4 8 3 9 7 2 6

8 9 3 6 7 2 5 1 4

4 1 5 7 6 3 8 9 2

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SCHWER schwer

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7 4 2 3 5 8 1 6 9

8 1 5 9 4 6 3 7 2

3 6 9 1 2 7 8 4 5

6 8 3 2 1 4 5 9 7

5 9 1 6 7 3 2 8 4

2 7 4 5 8 9 6 3 1

RBB

5.30 (für HG) Panda, Gorilla &Co. 6.15 zibb

7.15 (für HG) Die Wahrheit über ... 8.00 (für HG)

Brandenburg aktuell 8.30 (für HG) Abendschau

9.00 (für HG) In aller Freundschaft 10.30 (für

HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturmder Liebe

12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche Frau

13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Fluss

14.00 (für HG) Tierisch verliebt. Drama, D2009

15.30 (für HG) Tiere bis unters Dach 16.00 (für

HG) rbb24 16.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

17.00 (für HG) rbb24 17.05 (für HG) Panda,

Gorilla &Co. 17.50 (für HG) Unser Sandmännchen

Wunschfilm 18.02 rbb UM6 18.27 zibb

19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Las Vegas ander Spree

Hier waren sie alle zu Gast: Publikumslieblingewie

Hape Kerkeling, Popsternchen

wie Michelle sowie legendäre Bands

wie ABBA. Der Berliner Friedrichstadtpalast

feiert Geburtstag.

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Nuhr Wissenswertes

22.45 (für HG) Riverboat

0.55 (für HG) Wiedersehen macht Freude

2.55 (für HG) Kontraste

3.25 (für HG) Abendshow

4.10 Täter –Opfer –Polizei

ProSieben

5.10 2BrokeGirls. Sitcom. Maschinevs.

Mädchen 5.30 The Middle. Comedyserie 6.10

(für HG) Twoand aHalf Men. Sitcom 7.30 (für

HG) The Big Bang Theory. Sitcom 8.50 (für HG)

HowIMet Your Mother.Sitcom 10.40 Fresh Off

the Boat. Sitcom. Echte Action 11.05 Mike&

Molly.Sitcom. Das H-Wort 11.35 2BrokeGirls.

Sitcom 12.30 Mom. Sitcom 13.20 (für HG) Two

and aHalf Men. Sitcom 14.40 The Middle.

Comedyserie 15.40 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom. Prinzessinnender Wissenschaft /

Ordnung in der Abstellkammer /Kein Jobfürs

Leben 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 (für

HG) Die Simpsons. Verrückt nach Mary7/Eine

Glatze macht noch keinen Kirk 19.05 Galileo

20.15 (für HG) Pirates of the Caribbean –

Am Ende der Welt

Abenteuerkomödie, USA 2007. Mit

JohnnyDepp. Will, Elizabeth und Captain

Barbossa müssen Jack Sparrowaus dem

Land der Toten zurückholen.

23.50 Underworld 4

Fantasyfilm, USA 2011. Mit Kate

Beckinsale,Stephen Rea

1.25 Stephen Kings Quicksilver Highway

Thriller,USA 1997. Mit Christopher Lloyd,

Matt Frewer

3.10 Watch Me –das Kinomagazin

Arte

11.45 (für HG) Ein Mann, ein Hund, ein Pickup

12.15 Re: 12.50 Arte Journal 13.05 Stadt Land

Kunst 13.45 Der Staat gegenFritz Bauer.Drama,

D2015 15.20 Wiedas Land, so der Mensch

15.50 (für HG) Die Inseln der Queen 16.40 (für

HG) Xenius 17.10 Fotografen auf Reisen 17.40

Kamtschatka 18.30 VomErdboden verschluckt

19.20 Arte Journal 19.40 Re: 20.15 (für HG) Ich

verkaufe deine Heimat. Drama, F2019 21.45

Die Gitarre 22.40 SevenSongs 22.55 Tracks

23.40 (für HG) Ms. Lauryn Hill –Baloise Session

2018 0.55 Arte Journal 1.20 Leonardo da Vinci

3Sat

12.30 (für HG) Selbstbestimmt 13.00 (für HG)

ZIB 13.15 (für HG) Australiens Mississippi 14.00

(für HG) Neuseeland 14.45 Neukaledonien

15.30 (für HG) Sri Lanka 17.00 Malediven

17.45 (für HG) Tropenparadies Bali 18.30 nano

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) „Ey,HerrStober!“

21.00 makro 21.30 auslandsjournal extra 22.00

(für HG) ZIB 2 22.25 (für HG) Boiling Point –Die

Bombe tickt. Thriller,USA 1993 23.50 (für HG)

Point Blank –Aus kurzer Distanz. Thriller,F2010

1.10 (für HG) Zapp

Phoenix

5.30 Hauptschule vordem Aus? 7.00 Das

Märchen vonder Inklusion 7.45 Ein Schüler

verklagt den Staat 8.30 phoenix vorort 9.00

Bundestag live 15.00 phoenix vorort.U.a.:

Anhörungen bei den Impeachment-VorermittlungeninWashington

/Grünen-Parteitag in Bielefeld

19.30 phoenix persönlich 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 Die geheime Welt der Pflanzen

21.00 Die geheime Welt der Pflanzen 21.45 Die

geheime Welt der Pflanzen 22.30 Die Wächter

der Bäume 23.00 phoenix der tag 23.50

augstein und blome 0.00 phoenix persönlich

Kika

12.25 The Garfield Show 12.50 Ernest &

Rebecca 13.15 Piets irre Pleiten 13.40 (für HG)

Die Pfefferkörner 14.10 Schloss Einstein –Erfurt

15.00 Ninja Nanny 15.25 Ein Fall für TKKG

15.50 (für HG) Mascha und der Bär 16.05 (für

HG) Chi Rho 16.50 (für HG) Geronimo Stilton

17.35 (für HG) Der kleine Prinz 18.00 Ein Fall für

die Erdmännchen 18.15 Esme &Roy 18.35 (für

HG) Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?

18.47 Baumhaus 18.50 Unser Sandmännchen

19.00 Sherazade 19.25 (für HG) logo! 19.30

(für HG) Amelie rennt. Abenteuerfilm, D/I 2017

Dmax

5.25 Feueralarm! –Einsatz in Dänemark 6.00

Die Aquarium-Profis 6.50 Infomercial 8.50

Hardcore Pawn 9.20 Auction Hunters –ZweiAsse

machen Kasse 9.50 Infomercial 10.15 Baggage

Battles 11.15 Die Zwangsvollstrecker 13.15

DMAX Doku 14.15 Australian Gold 16.15 Die

Zwangsvollstrecker 17.15 Steel Buddies 19.15

A8 –Abenteuer Autobahn 20.15 Hurricane Man

21.15 YukonMen 22.15 Moonshiners 23.10

DMAX News 23.15 Caravaning &Cooking 23.45

Man vs. Food mit CaseyWebb 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ARD-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrich

ten 9.15 Zapp 9.45 Shift 10.00 Tagesschau-

Nachrichten 10.15 quer 11.00 Tagesschau-

Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin 14.00

Tagesschau-Nachrichten 19.15 Mex –Das

Marktmagazin 20.00 Tagesschau 20.15

Kontraste 20.45 Zwei Lehrerfür den Sprung ins

Leben 21.15 Tagesschau 21.17 Islam. Macht.

Schule. 22.00 Tagesthemen 22.15 Dialog mit

China 23.10 mehr/wert 23.40 Tagesschau vor

20 Jahren 0.00 Tagesthemen 0.15 Fakt ist! 1.15

Tagesschau 1.25 mehr/wert 1.55 Extra 2.00

Tagesschau 2.10 Wenn Brücken Gondeln tragen

ONE

5.00 Lindenstraße 5.30 Um Himmels Willen

6.15 Hubertund Staller 7.10 Brisant 7.50 Käth

und ich –Das Findelkind. Drama, D2019 9.20

Brisant 10.00 Hot in Cleveland 10.20 Hot in

Cleveland 10.40 Lindenstraße 11.10 Hubertun

Staller 12.00 Sturmder Liebe 12.45 Sturmder

Liebe 13.35 Um Himmels Willen 14.25 Partyof

Five 15.05 PartyofFive 15.50 Hubertund

Staller 16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in

Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Hartaber

herzlich 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmde

Liebe 20.15 Sarah Bosetti –Solo 21.00

Mängelexemplar.Tragikomödie, D2016 22.45

Grand Hotel 23.30 Grand Hotel 0.15 Lifjord

ZDF NEO

5.10 Tabula Rasa 6.00 ArtofCrime 6.55 Artof

Crime 7.45 Gätjens großes Kino 8.00

Topfgeldjäger 8.55 Lafer!Lichter!Lecker! 9.40

(für HG) Bares für Rares 10.30 (für HG) Bares fü

Rares 11.25 Bares für Rares 12.10 (für HG)

Monk 12.50 (für HG) Monk 13.35 Psych 14.15

Psych 14.55 (für HG) Monk 15.40 (für HG)

Monk 16.20 Psych 17.00 Psych 17.45 (für HG)

Bares für Rares 18.35 Bares für Rares 19.20 (fü

HG) Bares für Rares 20.15 Death in Paradise

21.05 Death in Paradise 22.00 Death in

Paradise 22.50 Countdown Copenhagen II

23.35 Silent Witness 0.30 Silent Witness 1.25

Silent Witness 2.15 Silent Witness

ZDF INFO

5.15 Das unterirdische Reich 6.00 Die geheime

Bunker der DDR und der Schweiz 6.45 „Brennt

Paris?“ 7.45 forum am freitag 7.58 heute Xpres

8.00 (für HG) Frontal 21 8.45 auslandsjournal

9.15 Apokalypse Abfall 10.15 Die Plastik-Invasi

on 11.00 Leschs Kosmos 11.30 Rettung vorde

Biotonne 12.15 (für HG) plan b: Die Reparatur-

Revolution 12.45 TerraXpress XXL 15.00

Schätze der Geschichte 16.30 Mythen-Jäger

17.15 ZDF-History 18.00 Die Schatzsucher

18.45 ZDF-History 19.30 (für HG) Das

Jahrhundertwrack 20.15 (für HG) Atlantis der

Nordsee 21.00 Geisterschiff im Wattenmeer

21.45 Aufgedeckt 0.45 (für HG) heute journal

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Der Klangzauberer aus Paris –

François Couperin. Mit mit Bernhard Schrammek

ca. 46 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Liveaus der Berwaldhallen Stockholm:

Victoria Borisova Ollas „Oh Giselle, remember

me“ für Violoncello und Orchester/Dmitrij

Schostakowitsch, ca. 117 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) Lesung

Marcia aus Vermont (4/4) vonPeter Stamm.

Gelesen vonChristian Brückner,ca. 30 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Mikrokosmos –Die Kulturreportage

Entwicklung und Gebrauch vonSexpuppen:Wie

wollen wir lieben?,Von Jan Decker,ca. 50 Min.

19.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Zeitfragen. Literatur Vonder Wichtigkeit des

Wohnens für das Schreiben: Wiewir leben wollen

VonKatharina Teutsch, ca. 30 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Wendeländer (5/5): Rumänien ’89

Liviu und Ceausescus kalte Klaue. Regie: Hüseyin

Michael Cirpici, ca. 50 Min.

MAGAZIN

9.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Im Gespräch Autor Frank Baumann im Gespräc

mit Susanne Führer,ca. 55 Min.

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lebenszeit Das Leben festhalten –Sind

Tagebücher aus der Zeit gefallen? Gäste: Dr.

Christiane Holm, Dr.Birgit Schreiber,Marlene

Kayen, ca. 80 Min.

18.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Wortwechsel Wieumweltfreundlich sind E-Autos

wirklich?, ca. 55 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die britische Jazzsängerin und Pianisti

Liane Carroll. Mit Ortrun Schütz, ca. 30 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Jazz Berlin Jazzfest Berlin 1983 –Avantgarde

trifft Tradition. Mit Ulf Drechsel, ca. 116 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

On Stage Mit Druck, Präsenz und Energie:

Danielle Nicole &Band. Aufnahme vom9.6.201

beim Bluesfestival Schöppingen. Am Mikrofon:

TimSchauen, ca. 55 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Milestones –Jazzklassiker Dino Saluzzi:

„Once upon atime ... Farawayinthe south“,

„Responsorium“, „Senderos“, ca. 45 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 266 · F reitag, 15. November 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Harry und Meghan bleiben, um mal

eine Wendung aus dem Trash-TVzu

bemühen, auf Konfro-Kurs mit den

royalen Gepflogenheiten. Daserste

Weihnachtsfest mit Baby Archie wird

nicht mit der Queen gefeiert, sondernmit

Herzogin Meghans Mutter

Doria Ragland. Normalerweise verbringt

die engereKönigsfamilie die

Festtage mit der Queen auf dem

Landsitz Sandringham –man packt

gemeinsam Geschenke aus,nimmt

Afternoon Teaund ein festliches

Dinner und geht dann zum Gottesdienst

in der Kirche St.MaryMagdalene.Früher

waren solche Traditionen

noch unverbrüchlich –aber früher

war ja auch mehr Lametta.

Henning Baum (47) ist „Der letzte

Bulle“ und als solcher ein knallharter

Ermittler.Und im wahren Leben?

Nun, jedenfalls beteuertder Schauspieler,dass

er bei rührenden Filmen

keine einzige Träne vergießt. „Jenseits

vonAfrika“ etwa sei schon ein

Film, der sehr zu Herzen gehe –aber

auch da werdeman ihn nicht weinen

sehen. Okay,geschenkt, Herr Baum.

Aber was ist mit „Bambi“ und der

Stelle,als Bambis Mutter voneinem

Jäger erschossen wird? Oder mit dem

„König der Löwen“, als Simba seinen

toten Vater findet? Dasist doch zum

Heulen! Schluchz. (avo.)

TIERE

Gestatten, Narwhal, ein Golden Retriever

aus Jackson, Missouri. AP

Eine magische, eine wunderbareGeschichte

erreicht uns aus Jackson:

DieStadt im US-Bundesstaat Missourihat

ein Hunderettungszentrum,

und dort, in Mac’sMission,

lebt eine kleine Sensation –Narwhal.

So heißt ein zehn Wochen alter Golden

Retriever,dem ein Schwänzchen

aus der Stirnwächst. DerFortsatz hat

allerdings keine Knochen und kann

sich auch nicht bewegen. Wahrscheinlich

wurde der Welpe wegen

dieser Fehlbildung ausgesetzt.

Narwhal heißt wegen des (im Englischen)

gleichnamigen Narwals und

seines Stoßzahns so,wirdinder

Presse aber auch als „Einhorn-

Welpe“ gefeiert. EinWunder eben.

Vorallem, dass er noch lebt! (schl.)

Nach den jüngsten Vergewaltigungsvorwürfen gegen Roman Polanski haben Demonstrantinnen die Premiere seines neuen Films in Paris verhindert.

Protest gegen Polanski

In Frankreich wurde die MeToo-Debatte lange zurückhaltend geführt. Doch damit ist jetzt Schluss

VonBirgit Holzer,Paris

Es sollte die Vorpremiere eines

vielversprechenden

neuen Films von Roman

Polanski im Pariser Ausgehviertel

Quartier Latin werden.

„J’accuse“ –„Ich klage an“, heißt die

Kinoproduktion über die Dreyfus-

Affäre, bei der ein jüdischer Offizier

Anfang des 20. Jahrhunderts in

Frankreich zu Unrecht des Hochverrats

beschuldigt worden war.

Doch dieVorstellung wurde abgesagt,

der Regisseur zum Angeklagten

gemacht, als rund 40 Frauen, in

Schwarz gekleidet und mit roten

Rauchfackeln, die Eingänge zum

Kino blockierten und den Besuchern

ihr eigenes „J’accuse“ entgegenschleuderten:

„Polanski –Vergewaltiger!

Publikum –Komplizen!“

Brief an Brigitte Macron

Kurz vor dem Start des Films, der

beim Festival von Venedig den Großen

Preis der Jury erhalten hat, war

eine weitere Anschuldigung öffentlich

geworden. Die französische Fotografin

Valentine Monnier, die früher

als Mannequin und Schauspielerin

arbeitete, sagte gegenüber der

Zeitung Le Parisien, Polanski habe

sich während eines Skiurlaubs Anfang

1975 brutal an ihr vergangen,

als sie als 18-Jährige mit anderen

Freunden in sein Schweizer Chalet

eingeladen war: „Er prügelte auf

mich ein, bis ich aufgab,dann vergewaltigte

er mich.“

Le Parisien zitiert mehrere Bekannte

Monniers, die bestätigten,

Monnier habe ihnen bereits damals

von der Vergewaltigung berichtet –

darunter ein Mann, bei dem sie direkt

danach Zuflucht gesucht habe.

„Sie wirkte erschüttert“, sagte er

demnach. „Ich glaube

mich zu erinnern, dass

sie einen blauen

Fleck auf der

Wange hatte.“

Polanskis

Anwalt Hervé

Temime erklärte,

sein

Mandant

weise die Anschuldigungen

„mit größter

Entschiedenheit

zurück“. Man prüfe,

juristisch dagegen vorzugehen.

Weil die Ereignisse

verjährtseien, habe sie nicht geklagt,

sagt Monnier. Allerdings berichtete

sie seit 2017 in Briefen davon: Sie

schrieb an die Polizei von Los Angeles,

anden französischen Kulturminister

Franck Riester,die Staatssekretärin

für Gleichstellung, Marlène

Schiappa, sowie an Frankreichs First

Lady Brigitte Macron.

Unddie Politik reagiert: „Genie ist

keine Garantie für Straffreiheit“,

sagte Kulturminister Riester am

Donnerstag in Paris bei einer Debatte

zur Gleichberechtigung im

Film, ohne den polnisch-französischen

Regisseur namentlich zu nennen.

Und:„Talent ist kein mildernder

Umstand.“ Zugleich warnte Riester

voreinem „Meinungs-Tribunal“.

Monnier ist die fünfte Frau, die Polanski

öffentlich Vergewaltigung vorwirft

–dreiSchauspielerinnen hatten

dies im Zuge der MeToo-Affäre2017

getan. Bereits 1977 wurde

Polanski in Los Angeles

wegen Vergewaltigung

der damals

13-jährigen Samantha

Geimer

zu einer

90-tägigen

Haftstrafe ver-

Roman Polanski

lässt über seinen Anwalt die Vorwürfe

„mit größter Entschiedenheit“

zurückweisen. Man prüfe, juristisch

dagegen vorzugehen.

urteilt und

nach 42 Tagen

vorzeitig entlassen.

Daraufhin

zog er nach

Europa. Aufgrund eines

weiterhin schwebenden

Verfahrens in den

USA gegen ihn vermied Polanski seitdem

Reisen dorthin.

Die neuen Vorwürfe erschüttern

die französische Kino-Szene. Jean

Dujardin und Polanskis Ehefrau Emmanuelle

Seigner, die in „J’accuse“

mitspielen, sagten Interviews ab,TV-

Sender verzichteten auf die Ausstrahlung

bereits aufgezeichneter Sendungen.

Immer lauter wird die Debatte

darüber, obdie künstlerische Arbeit

eines Regisseurs von ihm als Person,

der Schwerwiegendes vorgeworfen

wird, zu trennen sei. „Wir glauben

nicht, dass das möglich ist“, erklärte

2017 die Gruppe Osons le féminisme.

AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT, AP

Oscar-Preisträger Polanski kann

auf viele Fürsprecher in der Branche

zählen. Doch die Stimmung droht zu

kippen. Gerade erst sorgte ein Interview

der Schauspielerin Adèle Haenel

für Aufruhr, die dem Regisseur

Christophe Ruggia vorwirft, sie als

Jugendliche sexuell missbraucht zu

haben. „Er behauptet, er habe mich

entdeckt –erhat mich in erster Linie

zerstört“, sagte Haenel, die auf ihre

Enthüllungen hinvielUnterstützung

erhielt, etwa vonMarionCotillard.

Erotisierung derGewalt

Denn sie brach ein Tabu. In Frankreich

wurde die MeToo-Diskussion

gespalten aufgenommen. Mehrere

prominente Frauen, darunter Schauspielerin

Catherine Deneuve, forderten

vor knapp zwei Jahren ineinem

offenen Brief „die Freiheit, lästig zu

sein“ für Männer ein, die„für die sexuelle

Freiheit unerlässlich“ sei. Für

Feministinnen war dies ein Beleg dafür,

wie schwer sich die französische

Gesellschaft mit dem Aufbrechen alter

Geschlechter-Schemata und einer

echten Befreiung der Frauen tue.

Die franko-amerikanische Forscherin

Iris Brey sieht das Land trotzdem

an einem Wendepunkt: „Die Geschichte

des Kinos hat sich teils auf

der Erotisierung der Gewalt gegen

Frauen aufgebaut. Es ist schwer, infrage

zu stellen, was uns erregt.“ Um

die andere Facette einer vergötterten

Persönlichkeit wie Michael Jackson

oder eben Roman Polanski wahrzunehmen,

brauche es Mut, so Brey.

Italiens Regierung kündigt

Hilfe für Venedig an

Nach dem schlimmsten Hochwasser

inVenedig seit mehr als 50 Jahren hat

die italienische Regierung der Lagunenstadt

Hilfen zugesagt. DieKatastrophe

sei „ein Stich in das Herz unseres

Landes“, sagte Regierungschef

Giuseppe Conte bei einem Besuch in

Venedig. Er kündigte an, den Notstand

für die Unesco-Welterbestadt

auszurufen, um Hilfsgelder freizugeben.

Am Donnerstag standen immer

noch weite TeileVenedigs unterWasser.Schulen

und Museen blieben geschlossen.

Dasals „Acqua Alta“ bekannte

Hochwasser war in der Nacht

zum Mittwoch auf einen Pegel von

1,87 Meter gestiegen. (AFP)

Schon vier Tote durch

Buschbrände in Australien

Beiden verheerenden Buschbränden

in Australien ist die Zahl der Todesopfer

auf vier gestiegen. Bei

Löscharbeiten in Kempsey im Bundesstaat

NewSouth Wales wurde am

Donnerstag die Leiche eines Mannes

entdeckt. Dabei handelt es sich laut

Polizei um einen 58-jährigen Australier,der

seit mehreren Tagen als vermisst

galt. Zudem nahm die Polizei

zwei Verdächtige im Alter von16und

20 Jahren als mutmaßliche Brandstifter

fest. Viele der Feuerwurden

absichtlich gelegt. Durchdie Flammen

sind in NewSouth Wales und

Queensland bereits mehr als 12 000

Quadratkilometer Buschland abgebrannt.

Beide Regionen haben den

Notstand ausgerufen. (dpa)

Simbabwesiedelt wegen

Dürre 600 Elefanten um

Der Kadaver eines Elefanten im Hwange-

Nationalpark.

AP

Schon jetzt sind mehr als 200 Elefanten

der verheerenden Dürreimafrikanischen

Simbabwe zum Opfer gefallen.

Für einige Tiereplant das

Land nun eine schnelle Lösung. In

einer Umsiedlungsaktion sollen

rund 600 vonHunger und Durst geschwächte

Elefanten, aber auch Büffel

und Löwen, in andereGebiete mit

mehr Regen umziehen. (dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es bei stark bewölktem bis bedecktem Himmel nur wenig Sonnenschein,

und es ist mit Temperaturen von maximal 11 bis 14Grad zu

rechnen. Der Wind weht mäßig, in Böen stark aus Ost. In der Nacht funkeln

die Sterne bei stark bewölktem Himmel nur selten. Die Temperaturspanne

umfasst 10 bis 4Grad.

Biowetter: Vermehrt machen Kopfschmerzen,

Migräne und Blutdruckschwankungen

zu schaffen.

Dadurch fühlen sich einige Menschen

nicht wohl. Sie gehen müde

und abgespannt durch den Alltag.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 38 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 16 µg/m 3 ;

Schwebstaub: –µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 63%

Gefühlte Temperatur: maximal 12Grad.

Wind: mäßig aus Ost.

Wittenberge

3°/11°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

3°/12° 4°/12°

Luckenwalde

2°/12°

Prenzlau

3°/11°

Cottbus

3°/14°

Sonnabend

Sonntag

Montag

wolkig wolkig stark bewölkt

5°/10° 2°/8° 6°/12°

Frankfurt

(Oder)

3°/13°

Vonden Benelux-Ländern bis zum westlichen Mittelmeer kreisen Tiefdruckgebiete

mit Schauerwolken und kühler Luft. Dabei hängen regenschwere Wolken

über den Südalpen und Norditalien, dort drohen örtliche Unwetter. Über Osteuropa

dominiert Hoch Paloma mit milder Luft und trockenem Wetter.

Köln

3°/8°

Sylt

4°/8°

Saarbrücken

2°/7°

Hannover

3°/10°

Konstanz

-1°/5°

Hamburg

2°/9°

Erfurt

-1°/6°

Frankfurt/Main

3°/8°

Stuttgart

2°/6°

Rostock

2°/10°

Magdeburg

3°/12°

Nürnberg

1°/7°

München

1°/7°

Rügen

3°/10°

Dresden

4°/14°

Deutschland: Heute verdunkeln viele

Wolken die Sonne, aber es bleibt trocken.

Dabei werden während des

Tages 5bis 14 Grad erreicht, nachts

kühlt es dann auf 10 bis minus

1Grad ab. Der Wind weht in Böen im

Nordosten stark aus Ost. Morgen

werden 6bis 10 Grad erzielt. Dazu

ist es stark bewölkt, anwenigen Stellen

regnet es auch. Der Wind weht

schwach bis mäßig aus südwestlichen

Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 7°-10°

Nordsee: 8°-12°

Mittelmeer: 15°-26°

Ost-Atlantik: 10°-17°

Mondphasen: 19.11. 26.11. 04.12. 12.12.

Sonnenaufgang: 07:27 Uhr Sonnenuntergang: 16:13 Uhr Mondaufgang: 18:19 Uhr Monduntergang: 10:20 Uhr

Lissabon

13°

Las Palmas

19°

Madrid

11°

Reykjavik


Dublin


London

10°

Paris


Bordeaux

10°

Palma

15°

Algier

16°

Nizza

14°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin

12°

Mailand

11°

Tunis

21°

Rom

16°

Warschau

12°

Wien

11° Budapest

15°

Palermo

20°

Kiruna

-8°

Oulu


Dubrovnik

19°

Athen

22°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa

14°

Varna

20°

Istanbul

22°

Iraklio

22°

Archangelsk


Moskau


Ankara

15°

Antalya

21°

Acapulco 32° heiter

Bali 31° heiter

Bangkok 32° heiter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 24° heiter

Casablanca 15° Regen

Chicago 1° heiter

Dakar 28° wolkig

Dubai 28° sonnig

Hongkong 25° sonnig

Jerusalem 22° Schauer

Johannesburg 29° sonnig

Kairo 26° heiter

Kapstadt 25° heiter

Los Angeles 18° wolkig

Manila 31° bewölkt

Miami 27° Schauer

Nairobi 28° Gewitter

Neu Delhi 29° heiter

New York 11° heiter

Peking 10° sonnig

Perth 37° heiter

Phuket 32° heiter

Rio de Janeiro 26° Gewitter

San Francisco 16° heiter

Santo Domingo 29° heiter

Seychellen 30° Gewitter

Singapur 30° Gewitter

Sydney 33° heiter

Tokio 17° bewölkt

Toronto 4° bewölkt