NATURZYT, Ausgabe Dezember 2019

michi1969

NATURZYT Magazin, Ausgabe Dezember 2019 mit spannenden Themen rund um die Natur. Printausgabe abonnieren unter www.naturzyt.ch. Inhalt dieser Ausgabe: Lautlose Jägerin (Waldohreule), Naturwärts - Malen mit Licht, Wie Pflanzen die Welt wahrnehmen, Hasel - Kraftnahrung und Räucherpflanze, Kraftvolles Wintermenü mit Birnen, Zu Besuch beim Auerhahn und vieles mehr.

Aus Liebe zur Natur.

Nr. 27 | Dezember 19 – Februar 20 | CHF 7.90

Natur erfahren

Lautlose Jägerin

Natur erleben

Naturwärts –

Malen mit Licht

Natur bewahren

Wie Pflanzen die

Welt wahrnehmen

Natur erfahren

Hasel – Kraftnahrung

und Räucherpflanze

Natur bewahren

Kraftvolles Wintermenü

mit Birnen

Natur erleben

Zu Besuch

beim Auerhahn


Schweizer

Gemüse

gemuese.ch

Verband Schweizer Gemüseproduzenten


EDITORIAL

Impressum

NATURZYT 7. Jahrgang

Knaus Marketing- & Verlagsservice

Sonnhalde 37

8602 Wangen

Redaktion

Telefon 043 542 72 91

redaktion@naturzyt.ch

Anzeigen

Michael Knaus

Telefon 043 542 72 91

michael.knaus@kmvs.ch

Freie und ständige Mitarbeiter

Virginia Knaus, Michael Knaus, Daniel

Fleuti, Ernestine Astecker, Tobias Ryser,

Deborah Millet, Olivia Scherrer,

Isabelle Blum, Sebastian Wagener

Nicht alles lässt sich gewinn bringend recyceln. Viel landet im Ausland zur «günstigen»

Weiterverarbeitung und Entsorgung mit verheerenden Umweltfolgen.

Probleme exportieren

Grafik & Produktion

Martina Roth

Bildbearbeitung

Heinz Weber

Titelbild

Adobe Stock

Korrektorat

Christoph Meyer, Basel

Druck

AVD GOLDACH AG, 9403 Goldach

Abonnementspreise

4 Ausgaben CHF 29.50 (inkl. 2.5% MwSt.),

8 Ausgaben CHF 56.50 (inkl. 2.5% MwSt.).

Auslandabonnemente auf Anfrage.

Abonnementsdienst

Knaus Marketing & Verlagsservice

Sonnhalde 37, 8602 Wangen

Telefon 043 542 72 91, abo@NATURZYT.ch

www.NATURZYT.ch/abonnieren

ISSN-Nummer 2296-2859

© Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit

aus drücklicher Genehmigung des Verlages.

Das Magazin wird in der Schweiz auf

100% Recycling papier gedruckt.

Liebe Leserin, lieber Leser

Im Moment ist der Klimawandel das

grosse Thema. Um das Ziel des Pariser

Abkommens zu erreichen, sprich unsere

Emissionen gegenüber 1990 um 50% bis

ins Jahr 2020 zu reduzieren und bis 2050

in der Schweiz unter dem Strich keine

Treibhausemissionen mehr auszustossen,

werden verschiedene Massnahmen eingeleitet.

Zum Beispiel weitere CO 2

-Gebühren

auf das Heizöl und Benzin mit dem Ziel,

weg von den fossilen Energieträgern hin

zur Elektromobilität und Wärmepumpen.

Das Problem ist, wir können das CO 2

nicht sehen. Wir glauben daran, dass die

Politik und Wissenschaft wissen, was

sie unternehmen.

In verschiedenen Medien werden aber

auch Informationen über die Problematik

mit dem Mikroplastik behandelt. Es wird

anschaulich erklärt, wie Müll zur Verarbeitung

in Drittweltländer exportiert und dort

ohne Rücksicht auf Natur verarbeitet wird.

Wir haben das Problem also exportiert.

Hier in den europäischen Industrieländern

sind wir aber weiterhin Weltmeister im

recyceln. Wir sehen also den Plastikmüll

und Müllberge nicht. Alles ist perfekt.

Und statt dass unsere Politik und Wirtschaft

handeln, wird einfach auf die Plastiksäcke

im Denner, Coop etc. eine Gebühr

eingeführt. So werden wir Konsumenten

«umerzogen». Dabei wäre ein Verbot von

Plastiksäcken eine einfache Sache. Auch

für unnötige Plastikverpackungen. Oder

weshalb müssen Bio-Früchte und Bio-

Gemüse in Plastikverpackungen im Laden

angeboten werden?

Und die gleiche Frage stelle ich mir

beim CO 2

. Weshalb wird das Benzin verteuert,

damit ich möglichst wenig fahre

oder noch besser mir ein Elektroauto anschaffe,

welches noch gefördert wird mit

Beiträgen, Steuerbefreiungen? Logisch,

damit fahre ich künftig emissionsfrei und

die Schweiz kann die gesetzten Klimaziele

erreichen. Dass bei der Förderung der

Lithium-Batterien viel CO 2

im Ausland anfällt,

enormer Raubbau an der Natur erfolgt

– entzieht sich meinem Blickfeld,

wie beim Plastikmüll, denn schliesslich

recyceln wir. Das Problem haben wir exportiert,

da es im Ausland anfällt.

Ich frage mich einfach: Weshalb erhebt

der Staat laufend neue Gebühren, nur um

unser Konsumverhalten zu lenken oder

bestimmte Wirtschaftszweige zu fördern?

Er könnte schliesslich auch den Import von

Neufahrzeugen verbieten, die zu viel CO 2

verursachen resp. Brennstoff verbrauchen,

und dies nicht nur im Ausstoss, sondern

in der gesamten Produktionskette. Aber

ein Verbot würde der Wirtschaft schaden,

also lenkt man den Konsumenten mit

Gebühren und neuen Vorschriften, das

ist doch viel einfacher.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen

schöne Festtage und einen naturnahen

Rutsch ins neue Jahr.

Herzlichst

Ihr Michael Knaus

NATURZYT 3


Seite 14

Lautlose

Jägerin

Seite 20

Hasel – Kraftnahrung

und Räucherpflanze

Inhalt

3 Editorial/Impressum

4 Inhaltsverzeichnis

7 Wissenswertes

Weshalb frieren Enten auf dem

Eis nicht fest?

Wie überwintern die Wespen?

8 Entdeckt & Fair

Eine Uhr pflanzt Bäume.

Ein Reiserucksack, der unterstützt.

10 Bastel-Tipp

Weihnachtliche Zapfen-Engel für den Baum.

62 Zu guter Letzt

Mut zum «Zero Waste»-Experiment

Natur erfahren

12 Homöopathie für Mensch und Tier

Schnupfen, Erkältung, Grippe – die meisten erwischt

es im Winter einmal.

14 Lautlose Jägerin

Kaum jemand sieht sie. Sie verschläft den Tag auf

dem Baum und wird erst in der Dämmerung aktiv.

Ihre steil aufgerichteten Ohren sind das Markenzeichen

der Waldohreule.

20 Hasel – Kraftnahrung und Räucherpflanze

Der holzige Duft einer Räucherung mit der Hasel wirkt

klärend und beruhigend und stärkt unsere Intuition.

22 Haselnuss in der Kräuterapotheke

Schweisstreibender Grippetee mit Haselnuss und

die Herstellung einer Räuchermischung zur Wintersommerwende.

4 NATURZYT


INHALT

Seite 40

Zu Besuch

beim Auerhahn

Seite 28

Wie Pflanzen die

Welt wahrnehmen

Seite 54

Malen mit Licht

Natur bewahren

24 Tierisch gute Interviews

Er ist ein Erstzersetzer und Humusbildner und

mag Falllaub und Totholz. Alfred Assel im Gespräch

mit NATURZYT.

28 Wie Pflanzen die Welt wahrnehmen

Das Bild vom «strohdummen» und passiven Grünzeug ist

überholt. Die Pflanzen besitzen keine Nervenzellen, aber

sie erbringen erstaunliche Sinnesleistungen. Sie können

fühlen, sehen, riechen, sich erinnern und kommunizieren.

34 Kraftvolles Wintermenü mit Birnen

Apfel-Birnen-Schaumsuppe, ein Kürbis-Birnen-Curry

mit Rindfleisch und ein Früchtekompott zum Dessert.

36 Liebenswerte Insekten

Eine Liebeserklärung und warum sie im 2020

im Fokus stehen.

Natur erleben

40 Zu Besuch beim Auerhahn

Wo das Auerhuhn lebt, da gefällt es auch dem

Schneeschuhläufer: in intakten Landschaften

mit lichten Wäldern, verwunschenen Mooren und

sanften Weiden. Rund um die Ibergeregg sind

Mensch und Hühnervogel willkommen.

46 Winter in den Bergen

Auf märchenhaften Schneepfaden durchs Lötschberger-

Land. Wohltuend, ruhig und authentisch im Safiental

unterwegs oder abseits der Hektik im Glarnerland

den Schnee knirschen hören. Einfach den Winter in

den Bergen erleben.

54 Naturwärts – Malen mit Licht

Naturwärts mit unserem Fotografen Tobias Ryser in

eine schöne Lichtstimmung. Besonders im Winter

sieht man besonders schön den Einfluss des Lichtes.

NATURZYT 5


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Wissenswertes

WISSEN

WESHALB FRIEREN ENTEN AUF DEM

EIS NICHT FEST?

Wenn es richtig kalt wird, die Seen und sogar die

Flüsse zufrieren, würde man meinen, dass Enten

und andere Wasservögel auf der Eisfläche festfrieren

könnten. Beobachtet man Enten, stehen diese

den ganzen Winter «barfuss» auf der Eisfläche. Sie

paddeln auch völlig munter durch das eiskalte

Wasser. Uns würden die Zehen abfrieren und wir

könnten barfuss nicht lange umherlaufen oder

«Watscheln». Wie machen das die Enten und andere

Wasservögel nur? Sie haben kalte Füsse! Das heisst,

in die Entenfüsse strömt nur wenig Blut, und dieses

kühlt auf dem Weg nach unten von 40 Grad auf rund

sechs Grad ab. Sie haben also kalte Füsse und damit

empfinden sie die Kälte nicht wie wir als Kälte

und können auf dem Eis stehen, ohne festzufrieren.

Sie sind also bestens an die widrigen Umstände

angepasst. Dass die federlosen Füsse nicht auskühlen,

dafür sorgt das sogenannte Wundernetz. In den

Vogelbeinen liegen die feinen Blutgefässe sehr dicht

nebeneinander. Das Blut strömt dabei vom 40 Grad

warmen Körper Richtung Füsse und kühlt ab. Dabei

fliesst es sehr nah an den Venen vorbei, die das

abgekühlte Blut aus den Füssen wieder zum Körper

zurücktransportieren. Im Wundernetz erwärmt das

warme Blut das kalte – wie eine Art Wärmetauscher.

Allerdings können bei langanhaltendem Frost kranke

oder verletzte Tiere doch im Eis einfrieren und

brauchen dann menschliche Hilfe.

WIE ÜBERWINTERN DIE WESPEN?

Wir wissen von den Bienen, dass diese gemeinsam

im Nest überwintern und sich sozusagen

gegenseitig wärmen. Aber wie überwintern die

Wespen? Anfang Herbst waren die Wespen noch

aktiv und haben uns «geärgert», doch schon im

Oktober/November sind sie verschwunden. Findet

man ein Wespennest, ist dieses in der kalten

Jahreszeit leer. Wo sind sie hin? In den Süden

geflogen, wo es wärmer ist, um im Frühling wieder

zurückzukehren? Natürlich nicht. Die Wespen

sterben in der kalten Jahreszeit, ausser die zukünftigen

Wespenköniginnen, diese überwintern, um

sich im Frühling wieder fortzupflanzen und ein

eigenes Wespenvolk aufzubauen. Aber weshalb ist

das Nest dann ganz leer?

Die amtierende Wespenkönigin verströmt Pheromone,

die dafür sorgen, dass die anderen weiblichen

Wespen unfruchtbar bleiben. Gegen Ende

des Sommers lässt die Lebenszeit der Wespenkönigin

nach und damit auch die Produktion der

Pheromone. Nun werden die Nachkommen fruchtbar,

und sobald sie stark genug sind, fliegen die

männlichen Drohnen und die weiblichen Jungköniginnen

aus, um sich mit fruchtbaren Nachwuchs

anderer Völker zu paaren. Die Männchen sterben

kurz nach der Paarung, die befruchteten weiblichen

Wespen suchen sich einen geeigneten Platz,

um zu überwintern, und fallen dort in eine Winterstarre,

aus der sie erst im Frühling erwachen.

Nun beginnen sie, sich ein eigenes Nest zu bauen

und einen Wespenstaat aufzubauen. So beginnt der

Zyklus von Neuem.

Text Michael Knaus Foto Adobe Stock

NATURZYT 7


Entdeckt & Fair

In meinen Reissack packe ich …

Aus einstigen Reissäcken

fertigen Mitarbeiterinnen

der staatlich anerkannten

Kooperative Kamay Krafts

in den Philippinen praktische Reisetaschen,

die Weekendbags, in optimaler

Grösse für verschiedenste Gelegenheiten.

Sie bieten sich – wie der Name schon

verrät – als Taschen für kürzere Reisen

an. Selbstverständlich kann auch anderes

darin verstaut werden, wie zum Beispiel

Wolle und Zubehör für Häkelbegeisterte.

Aber auch hartge sottene Fans von Gesellschaftsspielen

können einige davon in

der Weekendbag verstauen, Spiele spielen

kann man ja nicht nur zu Hause.

Apropos zu Hause: die Handwerkerinnen

fertigen die Taschen zu Hause,

in den Slums. So können sie bei ihren

Kindern sein und trotzdem Geld verdienen.

Dies hilft, die Armut etwas zu

lindern, und alle Beteiligten gewinnen.

Wird die Tasche gerade nicht gebraucht,

lässt sie sich übrigens platzsparend

zusammenfalten und verstauen.

Weekendbags sind in verschiedenen

Farbvarianten für CHF 30.00

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V I N Z

S I L K W E A R


Unterwegs

Teneriffa. Auf der kanarischen Insel Teneriffa kommen alle Naturfreunde auf ihre Kosten. Uralte Lorbeerwälder,

karge Hochebenen und Sukkulentenbusch verzaubern Wanderer und Botanikerinnen; auf die Ornithologen warten

zahlreiche Endemiten wie der blaue Teidefink oder der Kanarengirlitz. Ein Besuch der Insel abseits der Badestrände

lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Franz Geiser

konzert der Singvögel im Lorbeerwald von Teneriffa

gleich. Eben noch war es dunkel und vollkommen still

gewesen. Doch mit dem ersten Dämmerlicht erhoben

sich zaghaft die ersten Vogelstimmen, dann fielen immer

mehr Vogelarten ein, und daraus wob sich schliesslich

ein Klangteppich, der uns in seiner Fülle und Harmonie

nur noch staunen liess.

Wir waren in aller Frühe von Puerto de la Cruz losgefahren

und kamen noch in der Nacht in Chamorga an,

einem kleinen Nest im Anaga-Gebirge, ganz im Nord-

42 ornis 5/17

osten von Teneriffa. Als wir ausstiegen, umgab uns totale

Finsternis. Hier gab es keine Strassenlampen. Es war

kühl, und wir verzehrten klamm an einer Gartenmauer

kauernd unsere mitgebrachten Brote. Wir wollten durch

den Lorbeerwald aufsteigen und dann auf der Cumbre

Dorsal, dem Hauptkamm des Anaga-Gebirges, nach Südwesten

wandern. Der Weg versprach herrliche Ausblicke

bis hinunter ans Meer und sogar zum grossen Teide-Vulkan

im Süden. Aber jetzt sassen wir im Dunkeln und

wussten nicht, wie wir den Einstieg in die Wanderroute

finden sollten. Schliesslich brachen wir einfach auf. Mit

unseren Stirnlampen suchten wir auf schmalen Pfaden

durch die Pflanzungen der Dorfbewohner den Aufstieg.

Die Zeitschrift von BirdLife Schweiz

für junge Naturfreunde

Nr. 1 / März 2017

Links: Über der Insel thront der 3718 m hohe Teide-

Vulkan. An seinem Fuss wähnt man sich auf dem Mars.

Unten: Der Lorbeerwald ist nur auf wenigen atlantischen

Inseln erhalten geblieben.

Ganz unten: Das Männchen des endemischen Teidefinks

ist sonderbar gefärbt – ganz blau.

Schon nach etwa 10 bis 15 Minuten erreichten wir den

Lorbeerwald. Und dann setzte mit dem ersten Tageslicht

dieses Vogelkonzert ein! Schöner kann ein Tag nicht

beginnen.

Uralter Lorbeerwald

Der Lorbeerwald ist ein wahrer Märchenwald. Seinen

Namen hat er vom Azoren-Lorbeer (Laurus azorica), der

mit anderen immergrünen Bäumen und Sträuchern eine

Art Waldgestrüpp bildet. Die Bäume wachsen nicht hoch.

Doch ihre krummen, knorrigen Stämme und Äste sind

über und über mit Moosen und Flechten behangen, so

dass unter ihnen ein geheimnisvolles Halbdunkel

herrscht. Wer hier wandert, würde sich nicht wundern,

wenn hinter dem nächsten Baumstrunk Zwerg Laurin

persönlich hervorkäme. Stattdessen begegnen uns Naturwunder.

Die Gattung Erika, die wir bei uns als kleine

Pflänzchen kennen, kommt hier als strauchförmige

Baum-Erika (Erica arborea) vor. Und die Kanaren-Glockenblume

(Canarina canariensis) am Wegrand ist nicht blau

wie unsere Glockenblumen, sondern rot. Mit Glück entdeckt

man auch den Kanaren-Enzian, den Kanaren-

Fingerhut oder den Kanaren-Hahnenfuss.

Die Häufung des Wortes «Kanaren-» in den Pflanzennamen

unterstreicht die Besonderheit der Flora mit ihren

5/17 ornis 43

It’s Time for Change

Es ist an der Zeit, der Natur

auch wieder etwas zurückzugeben.

Das Label Holzhelden

macht genau das,

indem es in Partnerschaft mit «Hochstamm

Suisse» für jede verkaufte

Uhr einen Baum pflanzt und damit

alles andere als auf dem Holzweg ist.

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innovatives Label, arbeiten eng mit

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Lernen Sie

Ornis kennen!

Avalon/Peter Schickert

Insel des Glücks

s war das herrlichste Vogelkonzert meines Lebens.

ENichts, was ich je in den Wäldern und Dschungeln

dieser Welt gehört hatte, kam dem wunderbaren Morgen-

mauritius images/Johnny Madsen/Alamy

mauritius images/Kate Diamond/Alamy

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Vögel Natur Umwelt 6/Dezember 2017

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Bastel-Tipp

Weihnachtliche

Zapfen-Engel


So machen wir’s

Ob als Christbaumschmuck

oder Fensterdekoration,

wo immer Sie rumfliegen,

verbreiten sie den Geist

der Weihnachtszeit. Die kleinen Zapfenengel

können Sie mit verschiedensten

Zapfen und gefundenen Vogelfedern

fliegen lassen und so etwas weihnachtlichen

Glanz in Ihrem Zuhause verbreiten

oder jemandem eine kleine

Vorweihnachtsfreude machen. Mit

kleinen Föhren- oder Erlenzapfen

und kleinen Tauben federn als Flügel,

eignen sie sich auch wunderbar als

hübsche Päckchenanhänger. Lassen

Sie Ihrer Weihnachtsstimmung freien

Lauf und verzieren Sie sie mit Glitter

in Rot, Gold oder Silber, damit sie

auch ein festliches Licht verstrahlen

können.

In diesem Sinne wünschen wir

Ihnen eine frohe Weihnachtszeit

und viel Freude mit Ihren kleinen

kreativen Fliegern.

Euer NATURZYT-DIY Team

Virginia Knaus

Schritt für Schritt

MATERIALLISTE:

• Zapfen (Tannzapfen, Föhrenzapfen,

Mammutbaumzapfen u.a.)

– für den Körper

• Verschiedene Vogelfedern

– für die Flügel

• Garn oder Wolle – für die Haare

• Glitter oder Glitzersteinchen – zum

Verzieren

• Papierbälle (aus einer Tischbombe),

Holzkugeln oder Styroporkügelchen

– für das Köpfchen

• Draht oder Nylonfaden

– zum Aufhängen

• Filzstifte oder Acrylmalstifte

(je nach Köpfchenmaterial)

– um Augen und Mund zu malen

• Altes Laken oder Zeitung

– als Unterlage

• Schere und Heissleimpistole

Schritt 1:

Passende Federn zum gewählten

Zapfen finden und mit Heissleim

hinten in die Lücken kleben.

Bei Bedarf die Federkiele mit einer

Schere kürzen.

Text/Fotos Virginia Knaus

Schritt 2:

Garn um die 3 mittleren Finger wickeln,

so ca. 20 Mal. Die so entstandene

Rolle zusammenbinden und in der

Mitte durchschneiden, sodass sie ein

Büschel entsteht, welches auf das

Papierkügelchen passt. Dann das

Garn auf dem Papierkügelchen mit

Heissleim fixieren. Frisur nach Wunsch

zurechtschneiden und mit Filzstift

Augen und Mund auf das Papierkügelchen

malen.

Schritt 3:

Das fertige Köpfchen mit Heissleim

auf dem Zapfenkörper fixieren. Danach

ein Drahtstück oder einen Faden am

Köpfchen befestigen und den Zapfen

noch nach Wunsch mit Strass oder

Glitter verzieren.

Und schon ist Ihr kleiner

Weihnachtsbote flugbereit.

NATURZYT 11


Homöopathie für Mensch und Tier

Belladonna –

Schwarze Tollkirsche hilft bei Fieber

Schnupfen, Erkältung, Grippe – die meisten erwischt es im Winter

einmal. Die einen kommen mit einem harmlosen Schnupfen davon

und sind nach wenigen Tagen wieder fit, die anderen werden richtig

krank und hüten mit Fieber das Bett.

Fieber ist ein wichtiger Abwehrmechanismus

unseres Körpers

gegen Krankheitserreger und

somit ein Zeichen für ein gut

funktionierendes Immunsystem. Fieber

hat zudem den positiven Effekt, dass es uns

zur Bettruhe zwingt, was nebst Schlafen

und viel Trinken für den Heilungsprozess

sehr wichtig ist. Nicht jedes Fieber muss

gesenkt werden. Wenn sich der Patient

sehr schlecht fühlt, eine Neigung zu

Olivia Scherrer ist Tierärztin und klassische

Homöopathin für Mensch und Tier.

Sie arbeitet in Zürich und Kloten. Weitere

Informationen auf www.oliviascherrer.ch

oder 076 528 41 81

Fieberkrämpfen besteht, weitere Symptome

wie Kopfschmerzen dazukommen oder

das Fieber hoch bleibt, können Mittel zur

Senkung des Fiebers eingesetzt werden.

Es muss aber nicht immer gleich ein

Entzündungshemmer sein. Manchmal

reichen Hausmittel wie kalte Wadenwickel

oder Essigsocken, um die Symptome zu

lindern. Oder auch ein homöopathisches

Mittel.

HOMÖOPATHISCHE MITTEL BEI FIEBER

Ein wichtiges Mittel im Anfangsstadium

von Infektionen ist Ferrum phosphoricum,

das auch als Schüsslersalz Nr. 3 bekannt

ist. Das Salz wird eingenommen, wenn

sich erste, noch unbestimmte Symptome

wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Halsschmerzen

und leichtes Fieber zeigen.

Und wenn die Beschwerden langsam auftreten.

Bei langsam ansteigendem Fieber

kommt auch das Mittel Bryonia, die

Zaunrübe, in Frage. Wenn die Patienten

dann noch einen grossen Durst auf kalte

Getränke haben und eine Abneigung

gegen jegliche Bewegung, fällt die Wahl

ganz klar auf das Mittel Bryonia. Diesen

Patienten ist am wohlsten, wenn sie ganz

still daliegen können. Ganz Im Gegensatz

dazu, wenn das Mittel Aconitum

angesagt ist. Wie schon der Name dieser

Pflanze – der Sturmhut – sagt, kommt die

Krankheit plötzlich wie ein Sturm, meist

als Folge von kaltem, trockenem Wind

oder von Unterkühlung. Die Patienten

frieren stark und zeigen plötzlich hohes

Fieber, ohne zu schwitzen, und eine grosse

Unruhe, manchmal mit Angstzuständen.

Vor allem bei Kindern kann man beobachten,

dass sie wegen dieser Ängste nicht

gerne allein sind.

BELLADONNA IN DER HOMÖOPATHIE

Das bekannteste homöopathische Fiebermittel

ist Belladonna. Es ist generell angezeigt

im Anfangsstadium von Entzündungen.

Bei Patienten mit typischem

Belladonna-Fieber kommt das Fieber

plötzlich und die Hitze steigt in den Kopf.

Sie haben ein rotes, heisses Gesicht, aber

kalte Hände und Füsse. Nicht selten

kommen zum Fieber noch Kopfschmerzen

hinzu, die als hämmernd oder pulsierend

geschildert werden. Menschen, die

auf Belladonna gut ansprechen, sind

sehr empfindlich auf Sinneseindrücke

12 NATURZYT


wie Lärm, Licht, Gerüche und Berührung.

Deshalb ist ihnen am wohlsten allein

in einem abgedunkelten, ruhigen Raum.

Belladonna-Patienten werden oft geschildert

als «ein Engel wenn gesund,

ein Teufel wenn krank». Sie können

sehr wütend werden und sich aggressiv

benehmen, wenn sie krank sind. Dies

sieht man vor allem bei kleinen Kindern

und Tieren, bei welchen die Emotionen

nicht im Zaume gehalten werden. Diese

können um sich schlagen, beissen, schreien,

wenn man sie untersuchen möchte. Bei

Patienten mit Belladonna-Fieber können

auch Delirien und Krämpfe vorkommen,

so wie auch eine Vergiftung mit der

Pflanze Belladonna zu diesen Zuständen

führen kann. Atropa Belladonna, auf

Deutsch Tollkirsche, Teufelskirsche oder

Wutbeere genannt, gehört zu den Nachtschattengewächsen

und ist in Europa

heimisch. Den Gattungsnamen Atropa

hat sie von der gleichnamigen griechischen

Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden

abschneidet. Eine Vergiftung mit

Tollkirschen kann durchaus tödlich

enden. Auch in der Schweiz kommt es

immer wieder zu Vergiftungen mit

diesen verlockend aussehenden dunkelblauen

Beeren. Die Symptome reichen

von Mundtrockenheit und grossen

Pupillen über Herzrasen zu Halluzinationen

und Krämpfen. In der Augenheilkunde

wird heute noch der Wirkstoff

Atropin verwendet, um die Pupillen

zu erweitern. Man nimmt an, dass die

Pflanze deshalb den Namen Belladonna

trägt. Schon im Mittelalter träufelten

sich Frauen den Saft der Pflanze in die

Augen, weil grosse Pupillen als besonders

schön galten. Ob das Herzrasen dann

von bewundernden Blicken oder von

den Tropfen herrührte, bleibe dahingestellt.

Text Olivia Scherrer Fotos Adobe Stock

Weiterführende Literatur

Heidi Grollmann, Urs Maurer:

«Homöopathische Selbstbehandlung

in Akutfällen»; Brigitte Kurath:

«Natürliche Heilmittel»

Die Anwendung der aufgeführten Mittel

erfolgt auf eigene Verantwortung und

ersetzt keinen Arztbesuch. Eine Haftung

der Verfasserin bzw. der Redaktion ist

ausgeschlossen.

Homöopathie

von OMIDA.

Erhältlich in Apotheken und Drogerien.

Dies sind zugelassene Arzneimittel. Lesen Sie die Angaben auf der Packung.


Lautlose Jägerin

Kaum jemand sieht sie. Sie verschläft den Tag

auf einem Baum und wird erst in der Dämmerung

aktiv. Und doch ist sie eine der häufigeren Eulenarten

der Schweiz. Ihre steil aufgerichteten Ohren sind

das Markenzeichen der Waldohreule.

14 NATURZYT


NATURZYT 15

NATUR ERFAHREN


Die Waldohreule ist noch eine

der häufigeren Eulenarten

in der Schweiz und brütet

bei uns im Mittelland und

im Jura sowie in den Alpentälern bis zu

einer Höhe von 1500 Metern. Ihr optimaler

und bevorzugter Lebensraum sind halboffene

Gebiete mit niedrigem Pflanzenwuchs

und mit Übergangsbereichen

zwischen Wald- und Kulturland mit

lichten Waldpartien, Magerwiesen sowie

Hecken- und Obstgartenlandschaften.

Zurzeit wird der Bestand in der Schweiz

auf 2500 bis 3000 Brutpaare geschätzt

und sie gilt als noch nicht gefährdet. Aber

durch die heute dichten Hochwälder

und das intensiv genutzte Kulturland

wird der sonst artenreiche Übergang

«messerscharf» abgegrenzt. Die früher

breite Übergangszone schrumpft auf

eine Linie zusammen, und damit verlieren

die Waldohreule und auch zahlreiche

weitere Tier- und Pflanzen arten ihren

Lebensraum.

SPANNENDER HEIMLICHTUER

Kaum jemand sieht sie, denn die Waldohreule

ist wie andere Eulenarten auch,

auf die nächtliche Lebensweise spezialisiert.

Sie wird damit erst bei Einbruch

der Dämmerung aktiv und begibt sich

dann auf die Jagd. Den Tag verschläft sie

gemütlich sitzend auf einem Baum,

wohlwissend, dass sie praktisch unentdeckt

bleibt. Eigentlich erstaunlich, denn

mit einer Körperlänge von circa 36 Zentimetern

und einer stattlichen Flügelspann

weite von fast einem Meter kann

man sich doch nicht so gut verstecken.

Vielleicht liegt es an den grossen

und auffälligen Federohren, die sie

ruhend und beim Fliegen an den Körper

anlegt und mit denen sie Eindringlinge

schon von Weitem hören kann?

Aber mit diesen kann sie gar nicht

hören. Entgegen ihrer Bezeichnung,

welche auch zur Namensgebung

massgebend beigetragen hat, sind diese

Federohren nicht zum Hören da. Sie

werden zusammen mit dem Gesichtsschleier

vor allem für die Mimik eingesetzt.

Oder sind es die grossen Augen,

welche im Gegensatz zu anderen Vogelarten

wie bei uns vorne im Gesicht

16 NATURZYT


Sie liebt Nadelbäume,

welche ausreichend

Deckung bieten.

Jungeulen sind gute

Kletterer und werden

auch «Ästlinge» genannt,

wenn sie das Nest verlassen

haben.

Die grossen Federohren

und gelborange Augen

sind ihr Markenzeichen.

gelegen sind? Denn dank den 14 Hals -

wirbeln kann die Eule den Kopf um

270 Grad drehen und hat so fast einen

Rundumblick.

Nein auch nicht. Es ist die Färbung

ihres Gefieders, welche mit seinem

gelblichbraunen Ton und dunklen

graubraunen Flecken ähnlich wie die

Rinde der Bäume gezeichnet ist. Dies

ergibt eine optimale Tarnung. Da sich

die Eulen meist in Stammnähe ausruhen,

sind sie damit im Geäst kaum

zu entdecken.

Gut getarnt durch

ihr «baumstammähnliches»

Federkleid

bleibt sie den

Tag durch praktisch

unentdeckt.

GEWIEFTE UND LAUTLOSE JÄGERIN

Das Geheimnis ihres Jagderfolges liegt

im praktisch geräuschlosen Flug. Wie

bei allen Eulenarten kann sie dank


… dank ihres speziellen

Federkleides.

Das Geheimnis ihres

Jagd erfolges liegt im praktisch

geräusch losen Flug …

ihrem einzigartigen Gefieder nahezu geräuschlos

fliegen. Dabei helfen ein samtiger

Bewuchs auf den Federn und gezahnte

Ränder, die sich auch im Gegensatz zu

anderen Vögeln an den Füssen befinden.

Die Luft wird damit so ver wirbelt, dass

keine Fluggeräusche entstehen. Die Beute,

welche zu fast 90 Prozent aus Feldmäusen

besteht, spürt sie mit ihrem

Gesichts schleier auf. Wie ein Schalltrichter

fängt dieser selbst die kleinsten

Geräusche auf und leitet diese zum

Trommelfell im Gehör. Der Gesichtsschleier

ersetzt somit die Ohrmuschel.

Die Ohren liegen seitlich am Kopf, aber

nicht auf gleicher Höhe, was ihr erlaubt,

die Position von Mäusen sehr genau

wahrzunehmen.

Vielleicht liegt der lautlose Flug auch

daran, dass sie sich vor Jagdbeginn ausgiebig

das Gefieder putzt. Erst dann

startet sie zur zwei- bis dreistündigen

Jagd, bevor sie eine Ruhepause einlegt,

welche auch bis weit nach Mitternacht

dauern kann. Dann startet sie erneut

nochmals intensiv ihren Suchflug, welcher

relativ dicht über dem Boden erfolgt.

Aber auch die Ansitzjagd gehört zum

Jagdverhalten der Eule. Dabei lauscht

sie von einem Ast aus nach Mäusen.

Oder sie begibt sich auf den Boden, um

dort mit dem Schnabel die wirbellosen

Insekten zu jagen. Auch Maikäfer zu

fangen, ist ein Kinderspiel, dabei klettert

die Waldohreule geschickt durch das

Geäst der Bäume. Die gesamte aktive

Jagd beträgt 5-6 Stunden pro Tag und

endet in der Morgendämmerung, die

einen neuen Tag ankündigt.

NAHRUNGSANGEBOT BESTIMMT

NACHWUCHS

Den Waldrand nutzt die Waldohreule

nicht nur als Ruheraum, sofern es dort

genügend Freiflächen für die Jagd gibt,

sondern auch als Brutrevier. Nadelbäume,

welche nicht nur ausreichend Deckung

bieten, sondern auch alte Nester von

Krähen oder Elstern beherbergen, sind

erste Wahl. Denn sie baut keine eigenen

Nester, sondern bezieht alte Krähenund

Elsternnester. Waldohreulen sind bereits

nach Ende ihres ersten Lebensjahres

fortpflanzungsfähig und leben in sogenannten

«Saisonehen». Im Frühjahr lockt

das Männchen durch Paarungsrufe das

Weibchen in sein Revier. Mit einem Imponierflug,

bei dem die weissen Flügelunterseiten

präsentiert werden und die Flügel

gelegentlich unter dem Körper zusammenklatschen,

gekoppelt mit intensiven Rufen,

wirbt er um die Gunst des Weibchens.

Die Brutablage beginnt normalerweise

zwischen Ende März und Mitte April. Im

Abstand von je zwei Tagen werden die

vier bis sechs Eier gelegt. Ist die Mäuseangebot

sehr reich vorhanden, kann das

Gelege bis zu acht Eier umfassen. Das

Weibchen verlässt während der Brutphase

von 27 bis 28 Tagen und auch während

der ersten Tage der Jungeulen das Nest

nur für kurze Zeit. Während der ersten

Tage werden diese vom Weibchen intensiv

gehudert, das heisst mit den Flügeln

vor Witterungseinflüssen geschützt. Das

Männchen sorgt für die Beute, bis die

Jungeulen das Nest nach ca. 20 Tagen

noch flugunfähig verlassen und als «Ästlinge»

in den Baumkronen hocken, erst

dann beteiligt sich das Weibchen an der

Futterversorgung. Die jungen Waldohreulen

sind geschickte Kletterer, und nach

Einbruch der Dämmerung zeigen sie

ihren Standort durch ein hohes «Zieeh»

an, das sie im Abstand von wenigen

Sekunden wiederholen. Nach etwa

5 Wochen können auch die Jungeulen

fliegen, und ab 10 Wochen sind sie in

der Lage, selbständig Mäuse zu erjagen,

erhalten jedoch noch bis zur 11. Lebenswoche

Unterstützung der Eltern.

GEEIGNETER LEBENSRAUM

Selbständige Jungeulen legen auf der

Suche nach neuen geeigneten Lebensräumen

gelegentlich mehrere hundert

Kilometer zurück. Normalerweise sind

es in einem Radius von 50 bis 100 Kilometern

um den Horst. Früher waren

die Übergangsbereiche zwischen Wald

und den Ackerflächen sehr vielfältig.

Lockere und lichte Waldpartien, Hecken,

Sträucher, Feldgehölze und Obstgärten

mit Magerwiesen boten optimale Lebensräume

– nicht nur für die Waldohreule.

Heute sind dichter Hochwald und

intensiv genutztes Kulturland messerscharf

abgetrennt. Die wichtige Übergangszone

von einst ist verschwunden

und damit auch lebenswichtiger Raum

für die Waldohreule und zahlreiche

weitere Tier- und Pflanzenarten.

Text Michael Knaus

Fotos Adobe Stock, Stiftung PanEco

18 NATURZYT


Auris – Patenschaft einer Waldohreule

Auris wurde am 12. Mai 2019 in

Schaffhausen als geschwächter

Jungvogel aufgefunden und

hatte Glück, denn er wurde

zur Pflege in die Greifvogelstation Berg am

Irchel übergeben. Hier wurde er liebevoll

«aufgefüttert» und konnte in gesichertem

Umfeld sein Flugtraining absolvieren.

NATURZYT hat die Patenschaft von

Auris übernommen und durfte ihn am

30. August 2019 gemeinsam mit der

Greifvogelstation Berg am Irchel gestärkt

und sicher in die Freiheit entlassen. Ein

schönes Gefühl, einem so edlen Tier

einmal so nahe zu kommen.

Jedes Jahr werden in der Greifvogelstation

zirka 250 Vögel betreut und ge -

pflegt. Und um die 80 Prozent der aufgenom

menen Tiere können nach der Reha

wieder ausgewildert werden. Darauf sind

Andi Lischke und sein Team stolz. Es

sind vor allem Mäusebussarde, Turmfalken

und Rotmilane, die hier gepflegt

werden. Viele davon weisen Brüche

an Flügeln und Schulterknochen auf,

weil sie mit einem Fahrzeug oder einer

Fensterscheibe kollidiert sind.

In der Greifvogelstation werden aber

nicht nur Greifvögel liebevoll umsorgt,

sondern es werden auch Führungen

und Vorträge angeboten. Damit können

den Besuchern auch die Probleme

der Greifvögel aufgezeigt werden und

weshalb es so wichtig ist, diese gefährdeten

Tiere und vor allem ihren

Lebensraum zu schützen.

Die Greifvogelstation Berg am Irchel

gehört zur Stiftung PanEco und ist auf

Spenden angewiesen, so kann zum Beispiel

mit CHF 45.00 eine Woche lang das Futter

finanziert werden, mit CHF 80.00 erhält

ein Pflegling während einer Woche medizinische

Behandlung auf der Intensivstation.

Oder mit CHF 120.00 kann ein

verletzter Baum-, Turm- oder Wanderfalke

gepflegt werden. Und möchten

Sie wie NATURZYT eine Patenschaft

übernehmen, inkl. privater Führung mit

anschliessender Freilassung, dann ist

dies für CHF 300.00 möglich. Vielleicht

ein schönes und sinnvolles Weihnachtsgeschenk,

welches Tieren wie Auris, der

Waldohreule, eine Zukunft ermög licht.

Kontakt:

Greifvogelstation Berg am Irchel

Stiftung PanEco

Chileweg 5, 8145 Berg am Irchel

T 052 354 32 32

info@greifvogelstation.ch

www.greifvogelstation.ch

Spendenkonto 84-9667-8

Auris auf dem Weg in die Natur.

Graziös

Skandalös

Landet Plastik im Wasser, leiden sogar die Meeresbewohner in der Antarktis darunter. Engagieren Sie sich mit uns: oceancare.org


Ernestines Kräuterapotheke

Hasel – Kraftnahrung

und Räucherpflanze

Haselnüsse waren schon bei den Menschen in der Steinzeit eine

geschätzte Sammelnahrung. Der warme, holzige Duft einer Räucherung

mit Holz und Blättern der Hasel wirkt klärend und beruhigend und stärkt

unsere Intuition.

BEGEGNUNG IN DER NATUR

Die Hasel finden wir in lichten Mischwäldern,

entlang von Waldwegen, am

Waldrand und in Gebüschen. Sie wächst

als bis zu 12 Meter hoher mehrstämmiger

Strauch mit langen, biegsamen Ästen

und einer breiten, buschigen Krone. Die

Blätter sind oval geformt, etwa 6 bis

10 Zentimeter lang, mit einem gesägten

Blattrand. Sie sind wechselständig angeordnet.

Die männlichen Kätzchen sind

herabhängend und blühen blassgelb,

die weiblichen Blüten bleiben in ihrer

Knospe versteckt, es sind nur kleine

rote Narbenfäden zu sehen. Haselstauden

siedeln sich gerne in der Nähe

von Menschen an.

HASELSTRAUCH IM GARTEN

Die Haselsträucher werden in verschiedenen

Arten angebaut und

als Heckenpflanze gezogen. Die

Pflanze ist anspruchslos und gedeiht

in einem leicht feuchten Boden.

ERNTE UND AUFBEWAHREN

Die Kätzchen werden im zeitigen

Frühjahr geerntet, die Blätter können

bis in den Sommer gepflückt werden.

Im Schatten trocknen und luftdicht

aufbewahren. Die Nüsse erntet man

im Herbst und isst sie entweder geschält

direkt roh oder verarbeitet sie

20 NATURZYT


(Hag) vor wilden Tieren. Haselgebüsche

und -hecken bieten nicht nur Schutz

und Abgrenzung, sie werden auch

als Eintrittspforten für die Anderswelt

gesehen. Im Märchen Aschenputtel

schlägt der Haselnussstrauch, den die

Tochter auf das Grab der Mutter pflanzt,

die Brücke zur Anderswelt. Von dort erhält

sie von ihrer Ahnin Hilfe und weise

Führung.

z.B. geröstet als Beigabe zu Gebäck

und Schokolade.

GESCHICHTE

Bereits vor rund 8000 Jahren war der

Haselstrauch bei uns heimisch und bedeckte

einen grossen Teil Mittel europas.

Das Klima war damals ideal für die Haselnuss,

da es wärmer und trockener war.

Vor rund 7500 Jahren kam es zu einer

kleinen Klimaveränderung, das Klima

wurde feuchtwarm und begünstigte

das Wachstum der Laubbäume. Linden,

Eichen und Ulmen verdrängten den

kleinen Haselstrauch. Früher durfte er in

keinem Gehöft oder Bauerngarten fehlen,

da er für unsere Ahnen Schutzkraft gegen

dunkle Mächte darstellte. In steinzeitlichen

Siedlungen schützte er als Hecke

MYTHOLOGIE

Bei den Kelten galt der Haselstrauch

als Gefäss des Wissens. Heute ist bekannt,

dass Haselnüsse essenzielle Fettsäuren

enthalten, die wichtig sind für das Gedächtnis.

Für die Kelten und Germanen

war die Hasel ein Symbol der Fruchtbarkeit

und erotischen Kraft.

WÜNSCHELRUTE

Die leicht biegsamen Äste des Haselnussstrauches

werden seit Jahrtausenden als

Wünschelruten verwendet. Sie dienten

den Rutengängern auf der Suche nach

Wasseradern und Energiefeldern. Das

Haselholz ist ein ausgezeichneter Leiter

für Energieströme und die Menschen

in früherer Zeit wussten damit umzugehen.

Im Volksglauben wurde dem

Haselstrauch eine blitzabweisende Kraft

zugesprochen. Bei Aufsteigen eines

Gewitters steckte man Haselnusszweige

ans Fenster.

WAS SAGEN DIE ALTEN KRÄUTER-

KUNDIGEN?

Für die heilige Hildegard war der Haselstrauch

ein Symbol für Ausgelassenheit,

sie empfahl die Pflanze bei Unfruchtbarkeit

als potenzstärkendes Mittel.

Kräuterpfarrer Künzle empfahl: «Aus

den Blüten der Haselnuss, den bekannten

Kätzchen, lässt sich ein wirksam schweisstreibender

und die Fieber bekämpfender

Tee zubereiten.»

VOLKSHEILKUNDE

Die Volksheilkunde kennt die Anwendung

der Haselkätzchen als fiebersenkendes

und schweisstreibendes Mittel. Der Tee

wird auch zur Stoffwechselanregung, bei

Fettleibigkeit und Kreislaufstörungen

empfohlen. Zubereitungen aus den Blättern

und der Rinde wurden bei Hautbeschwerden

und schlecht heilenden Wunden

angewendet.

HASELNÜSSE – KRAFTNAHRUNG

Die Haselnüsse gehören zu den gesündesten

Nüssen überhaupt. Durch den hohen

Öl- und Eiweissgehalt sind sie wahre Kraftnahrung.

Sie sind wichtige Lieferanten von

Mineralstoffen und Spurenelementen. Die

enthaltenen E- und B-Vitamine unterstützen

u.a. Hirntätigkeit und Konzentrationsfähigkeit.

Haselnüsse besitzen auch

die Eigenschaft, das Immunsystem zu

stärken, was insbesondere in Grippezeiten

von Bedeutung ist. Ausserdem regen sie

den Stoffwechsel an und verbessern dadurch

die Leistungsfähigkeit der Organe.

Bereits in der Jungsteinzeit waren die

Haselnüsse als Lebensmittel hochbegehrt.

WESEN DES HASELSTRAUCHES

Für die alten Pflanzenkundigen standen

die Planetenkräfte von Merkur und Venus

in enger Beziehung zur Hasel. Venus

schenkt Heiterkeit, Lebensfreude und

Fruchtbarkeit. Merkur als Bote der Götter

Kräuterkurse und Kräuterrundgänge

mit Ernestine:

Ernestine Astecker ist Allgäuer

Wildkräuterführerin, Homöopathin und

Apothekerin und arbeitet in eigener

Gesundheitspraxis in Hedingen ZH. In

Kräuterkursen und auf Kräuterrundgängen

gibt sie gerne ihre Begeisterung,

ihr Wissen und ihre Erfahrung über

Kräuter weiter. Nächster Kräuterkurs:

«Kräuterkraft beim Räuchern» am

8. Dezember 2019.

Nähere Informationen zum Kursangebot

unter www.eastecker.ch

oder Telefon 043 322 86 70.

NATURZYT 21


wirkt vermittelnd und hilft die Verbindung

zum tiefen inneren Wissen und der

Intuition herzustellen. Oft wird der Haselstrauch

mit dem Merkurstab (Hermesstab

oder Äskulapstab), um den sich

zwei Schlangen winden, in Verbindung

gebracht. Der Merkurstab ist das Symbol

der Heilberufe.

RÄUCHERN MIT DER HASEL

Räuchern mit Kräutern und Harzen ist

eine uralte und weltweit verbreitete

Tradition. Insbesondere zu den Jahreskreisfesten

(z.B. Winter-Sonnenwende)

wurden Räucherrituale gefeiert. Räuchern

ist ein sinnlicher Genuss und steigert das

Wohlbefinden. Beim Räuchern können

wir mit der Heilkraft der Pflanzen in Verbindung

kommen. Der warme, holzige

Duft von Haselblättern, -rinde oder -holz

wirkt klärend und beruhigend. Die Haselräucherung

fördert unsere Intuition,

schafft Vertrauen, sich dem Fluss des

Lebens hinzugeben, und öffnet die Tore

in andere Dimensionen.

Ihre Ernestine

Haselnuss in der Wildkräuterküche

MÄNNLICHE BLÜTENKÄTZCHEN

Der Pollenstaub ist sehr eiweissreich.

Daher wurden die Kätzchen früher getrocknet

und vermahlen zum Strecken

von Mehl verwendet. Beim Backen können

Sie bis zu 10% des verwendeten Mehls

durch Mehl aus getrockneten Haselkätzchen

ersetzen. Das ergibt eine gute

Eiweissergänzung.

Knospen und ganz junge Blätter sind

Beigaben zu Salaten und Suppen. Die

zarten jungen Blätter können auch als

Gemüsechips oder beigemengt in Bratlingen

verwendet werden.

HASELNUSSÖL –

DELIKATE KOSTBARKEIT

Kaltgepresstes Haselnussöl mit seinem

frischen, nussigen Geschmack ist eine

Haselnuss in der Kräuterapotheke

Kostbarkeit in der Küche. Salate, Gemüse

und Nusskuchen lassen sich damit verfeinern.

Haselnussöl verwöhnt Haut und

Sinne und ist ein ideales Hautpflegeöl

besonders für empfindliche und trockene

Haut. Durch seinen hohen Ölsäureanteil

ist es hervorragend als Massageöl geeignet.

Es wirkt entzündungshemmend und beruhigend.

Durch seine gewebefestigende

Eigenschaft kann es reife Haut elastisch

halten.

Wenn ich Sie, liebe Leserin, lieber

Leser, dazu ermutigen kann, das eine

oder andere Rezept selber auszuprobieren,

freut mich das sehr! Ich wünsche Ihnen

wunderbare Erfahrungen mit den

Pflanzenschätzen aus der Natur.

Text Ernestine Astecker

Fotos Ernestine Astecker, Adobe Stock

Quellen und weiterführende Literatur:

Fischer-Rizzi, S., Blätter von Bäumen.

Greiner, K., Bäume in Küche und Heilkunde.

Kauderer, R., Handbuch der heimischen

Räucherpflanzen. Strassmann, R., Baumheilkunde.

Zuther, S., Die Sprache der

Pflanzenwelt.

SCHWEISSTREIBENDER GRIPPETEE

Haselkätzchen gelten als schweisstreibend

und fiebersenkend. Mit anderen Kräutern

werden sie gerne als Grippetee angewendet.

Haselkätzchen zu gleichen Teilen mit

Holunderblüten mischen, davon 2 Teelöffel

mit 1 Tasse kochendem Wasser übergiessen,

5 Minuten ziehen lassen, abseihen.

Empfehlenswert bei Erkältungsbeschwerden

wie Schnupfen, Grippe, Husten oder

Bronchitis. Als Schwitztee am besten

im warmen Bett einige Tassen des heissen

Tees trinken. Den feucht-heissen Körper

mit kaltem Wasser abwaschen und anschliessend

wieder im warmen Bett ruhen.

Das stärkt die Abwehrkräfte. Durch das

Schwitzen scheidet der Körper Giftstoffe

über die Haut aus und das Fieber kann

sinken.

TEE AUS HASELNUSSBLÄTTERN

Die Blätter wirken insbesondere durch

ihren Gerbstoffgehalt zusammenziehend,

gefässverengend, blutstillend und fiebersenkend.

1 bis 2 Teelöffel mit 1 Tasse

kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten

ziehen lassen, abseihen. 2 bis 3 Tassen

pro Tag. Der Tee eignet sich auch für

Kompressen oder Umschläge bei Hauterkrankungen

oder schlecht heilenden

Wunden. Dafür ein Leinentuch im abgekühlten

Tee tränken und 15 Minuten

auflegen.

Ein Absud aus der Haselrinde wurde

früher als Waschung bei Ekzemen oder

unreiner Haut verwendet.

Wichtig: Bei Allergie auf Blütenpollen

oder Nüsse der Hasel sollten

keine Teile der Pflanze eingenommen

oder angewendet werden.

Die Anwendung der angeführten Rezepturen

erfolgt auf eigene Verantwortung und ersetzt

keinen Arztbesuch. Eine Haftung der Ver fas serin

bzw. der Redaktion ist ausgeschlossen.

22 NATURZYT


Herstellung von Räuchermischung – Wintersonnenwende

Räucherritual zur Wintersonnenwende: In der dunkelsten Nacht des Jahres kann man bei einem Ritual das Alte

des abgelaufenen Jahreszyklus zurücklassen. Beim Räuchern der Kräuter schicken Sie alles, was Sie aus

Ihrem Leben loslassen möchten, symbolisch in den aufsteigenden Rauch und verabschieden es in Dankbarkeit

für die daraus gewonnenen Erfahrungen. Zünden Sie ein Licht an, als Symbol für das Licht in Ihnen und das

strahlende Licht der Hoffnung und des Vertrauens, das Sie in das Neue begleitet.

Zubehör: feuerfeste Räucherschale,

Räucherkohle, Räuchersand, Räucherkohlenzange

Zutaten: Haselnussholz und -rinde,

Kiefernharz, Eisenkraut, Holunderblüten,

Beifuss. Kräuter und Harz können

Sie entweder selber sammeln oder in

gut sortierten Drogerien erwerben

Herstellung der Räuchermischung:

alle Zutaten im Mörser zerkleinern und

zu gleichen Teilen mischen

NATURZYT 23


Tierisch gute Interviews

Interview

mit Alfred Assel

Wir sind nicht die einzigen Lebewesen auf diesem Planeten,

doch wir sehen die Dinge immer nur aus unserer Sicht.

Wie aber wäre es, wenn wir hören könnten, was unsere 4-, 8-

oder 111-beinigen Mitbewohner dieser Erde uns zu sagen haben?

Was würden sie wohl über uns Menschen denken, und wie

würden sie ihr Zusammenleben mit uns empfinden?

24 NATURZYT


Eine spannende Idee – sähen wir das ganze

einmal aus ihrer Sicht und erführen, was

sie uns alles zu sagen hätten. Naturzyt

hat sich deshalb entschlossen, neue Wege

aus zuprobieren und sich darüber Gedanken zu

machen, was wäre, wenn sie wie wir sprächen und

wir sie einfach fragen könnten.

Sie sind unter Steinen, in Laubhaufen oder im

Kellern zuhause. Unscheinbare, graue, kleine Panzertierchen

mit gefühlten hundert Beinchen. Ekel befällt

die meisten Menschen, wenn sie die kleinen grauen

Gesellen sehen. Ungeziefer nennen wir sie, doch haben

auch sie einen Platz im Naturkreislauf und werden

gebraucht. Die Rede ist von unseren Landasseln.

Eines Abends kurz vorm Verlassen unserer Redaktion

fand ich ein kleines, graues Wesen im WC,

welches verzweifelt versuchte, aus dem Lavabo herauszukrabbeln.

Natürlich ohne Erfolg, denn in dem

rutschigen Becken fand es nirgends Halt. Wie gut,

dass ich noch keinen Interviewpartner hatte, so

konnte ich die Rettungsaktion gleich zu einem

kleinen Gespräch nutzen.

NA, DU ARMER KERL, WIE BIST DU DENN

HIER HINEINGERATEN?

Mann, ich bin an so einem haarigen Hintern

hängen geblieben und dann hier runtergefallen.

Bitte, bitte spül mich nicht runter.

DAS WERDE ICH SICHER NICHT TUN. WAHR-

SCHEINLICH HAT SICH UNSER REDAKTIONS-

KATER AUF DICH GESETZT, UND WEIL’S

DRAUSSEN NOCH ETWAS FEUCHT WAR, BIST

DU AN IHM HÄNGEN GEBLIEBEN. ICH WERDE

DICH WIEDER NACH DRAUSSEN IN DEN

GARTEN BRINGEN. IST DAS FÜR DICH OK?

Ehrlich, das machst du? Du bist aber wirklich nett.

Ich hatte schon Angst, dass du mich ertränkst.

zerquetschen oder vertreiben uns die Menschen, weil

sie sich vor uns ekeln. Und du, du willst was über uns

wissen. Wieso?

WEIL ICH FINDE, ES HAT JEDES AUCH NOCH SO

KLEINE WESEN SEINE AUFGABE AUF UNSERER

ERDE, UND ICH MÖCHTE GERNE DEN MENSCHEN

ZEIGEN, WARUM UND WESHALB IHR WICHTIG

SEID. DESHALB MACHE ICH IN JEDER AUSGABE

DES NATURZYT-MAGAZINS EIN INTERVIEW MIT

EINEM VERTRETER EINER WESENSGATTUNG.

UM ZU ZEIGEN, WAS FÜR EINEN WICHTIGEN

BEITRAG ZUR ER HALTUNG UNSERER ERDE IHR

LEISTET. VIELLEICHT BEWEGT DAS ANDERE

MENSCHEN, EUCH ALS NÜTZLICHE WESEN AN -

ZUSEHEN, WELCHE GENAUSO EINE DASEINS-

BERECHTIGUNG HABEN WIE WIR.

Wow, das ist aber cool. Dann gebe ich dir natürlich

sehr gerne Auskunft. Was möchtest du denn wissen?

NA, EINFACH ALLES, WAS ES SO ÜBER EUCH ZU

WISSEN GIBT. WAS GENAU SEID IHR? GIBT ES

VERSCHIEDENE ARTEN VON EUCH? WIE GROSS

SEID IHR? WO LEBT IHR? WOVON LEBT IHR? WIE

PFLANZT IHR EUCH FORT? WIE ALT WERDET IHR?

ETC. ETC. EINFACH ALLES, WAS DU SO WEISST.

Okay. Also dann werde ich mal ein bisschen erzählen.

Also hör gut zu. Wir Asseln sind eine Ordnung, die

zur Klasse der höheren Krebse gehört. Es gibt Asseln,

die sind nur gerade 0,3 Millimeter gross, es gibt aber

auch welche, die werden bis zu 50 Zentimeter lang.

NATUR BEWAHREN

NEIN, DU HAST DOCH AUCH EINE DASEINS-

BERECHTIGUNG. DU BIST EINE ASSEL, NICHT

WAHR? WIE HEISST DU DENN?

Ich bin Alfred und ich bin eine Landassel.

SIND LANDASSELN DENN ANDERS ALS

ANDERE ASSELN?

Ähm ja, wir leben, wie es der Name schon sagt, an

Land. Aber es gibt auch welche von unserer Art, die

leben im Wasser, sogar im Meer.

IM WASSER, ABER KÖNNT IHR DENN DA ATMEN?

ERZÄHL DOCH MAL ETWAS ÜBER EURE ART!

HÖRT SICH JA RICHTIG INTERESSANT AN.

Das interessiert dich? Ich bin doch nur so ein kleines

graues Panzertierchen. Normalerweise vergiften,

Im Gespräch mit NATURZYT

Alfred Assel, Erstzersetzer und Humusbildner. Vater von Hunderten

Kellerasseln. Im Sommer meist nachts aktiv. Mag Feuchtig keit.

Isst mit Vorliebe Falllaub, Totholz, mag aber auch Insektenkadaver,

Kot und Spinneneier.

NATURZYT 25


für nur CHF 129.50 im Jahr.

Die grossen Asseln jedoch leben im Meer, welches auch

der ursprüngliche Lebensraum von uns Asseln ist. Es

gibt aber auch im Süsswasser Asseln und auch eine

Gruppe, die das Wasser verlassen hat. Nämlich die Landasseln,

zu welchen ich gehöre. Wir haben aber durchweg

die Kiemenatmung beibehalten. Da wir unsere zarten

Kiemenanhänge ständig feucht halten müssen, bevorzugen

wir ein eher feuchtes Zuhause. Wir können aber

trotzdem auch im Trockenen gefunden werden. Zum

Beispiel könnt ihr Mauer asseln im Falllaub, unter

Baumstümpfen oder unter Steinen finden. Dort können

sie mit ihrem Mundwerkzeug, man nennt das Mandibeln,

Falllaub und Totholz anfressen. Die meisten

Asseln sind nämlich Pflanzenfresser und gehören somit

biologisch zu den Erstzersetzern. Ich bin eine sogenannte

Keller assel und ernähre mich von abgestorbenen

orga nischen Substanzen. Ich lebe in einer Kolonie im

Garten, unter einem von euren Blumentöpfen. Dort

ist es immer schön feucht und weder zu kalt noch zu

warm. Ausserdem gibt es dank den ver rottenden Blättern

und Pflanzenteilen auch immer genug Nahrung.

Wir sind meist nachts aktiv, denn vor allem in den

wärmeren Monaten verlieren wir sonst zu viel Wasser.

Dann trocknen wir aus und sterben. Unsere Art ist

meistens schiefergrau. Wir haben einen fein gezackten,

halbringförmig gegliederten Rückenpanzer mit

14 Schreitbeinen und 12 Spaltfüssen sowie eine

Schwanzplatte mit Tastorganen. Unsere Fühler sind

zweigliedrig und wir haben eine Körpergrösse von

9 bis etwa 14 Millimetern. Wenn wir in Gefahr sind

stellen wir uns meistens tot. Diese Schreckstarre

funktioniert meistens ganz gut. Wir haben aber

viele Fressfeinde. Spinnen, Spitzmäuse, Igel, Kröten,

Frösche, Blindschleichen, Laufkäfer, Wolfsspinnen,

Weberknechte, Hundertfüsser und, und, und. Die

fressen uns aber nur sporadisch. Die schlimmsten

sind für uns aber der Grosse Asseljäger, eine Spinne,

und die Asselfliege. Die haben uns zur Haupt nahrungsquelle

erkoren und sind auf unsere Art spezialisiert.

Naja, dafür haben wir auch ganz viel Nachwuchs, so gibt

es kein Ungleichgewicht. Das gehört einfach zum Lebenszyklus

dazu. Nach der Paarung häutet sich das Weibchen

und ent wickelt dabei zwischen den Laufbeinhüften

einen Brutraum. Dort trägt es die 10 bis 70

befruchteten Eier in einer flüssigkeits gefüllten Blase an

der Bauchseite. Fast wie in einem Aquarium. Das

dauert etwa 40 bis 50 Tage. Danach schlüpfen die

Jungtiere und der kleine Assel- Nachwuchs wird

freigesetzt. Nach etwa 14 Häutungen, welche etwa

3 Monate dauern, sind dann die kleinen Landasseln

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ausgewachsen. Eine Häutung kann einige Stunden

bis zu 2 Tage dauern. Die abgeworfene Hülle fressen

wir meist danach auf, da sie für uns wichtige Nährstoffe

enthält. Asseln häuten sich ein Leben lang immer

wieder, sonst können wir ja nicht wachsen. Unsere

Lebens erwartung beträgt 2 bis 3 Jahre. Wir sind

somit die einzigen dauerhaft an Land lebenden Krebstiere,

welche sich auch ausserhalb des Wassers fortpflanzen.

Weltweit gibt es mehr als 3500 verschiedene

Arten von uns Landasseln. Wir sind also für unser

Ökosystem wichtig, denn als Zersetzer und Humusbildner

verputzen wir tonnenweise abgestorbenes

Pflanzenmaterial und scheiden es wieder aus. Ähnlich

wie Regenwürmer. So, und mehr weiss ich jetzt

auch nicht mehr zu erzählen. Hast du noch irgendwelche

Fragen?

WOW, NEIN. ICH GLAUBE, DU HAST ALLES,

WAS ICH WISSEN WOLLTE, GESAGT UND NOCH

MEHR. IHR SEID WIRKLICH UNGLAUBLICH

INTERESSANTE GESCHÖPFE. DAS HÄTTE ICH

NICHT VERMUTET, SO UNSCHEINBAR WIE

EUER ÄUSSERES IST. ICH DANKE DIR SEHR FÜR

DIESES AUFSCHLUSSREICHE GESPRÄCH MIT

DEN VIELEN INTERESSANTEN DETAILS ZU

EURER ART. GIBT ES NOCH ETWAS, DAS DU

DEN MENSCHEN GERNE SAGEN MÖCHTEST?

Das habe ich sehr gerne gemacht. Ich finde es gut, dass

du mir die Möglichkeit gegeben hast, von unserer Art

zu leben zu berichten. Ich fände es nämlich sehr schön,

wenn die Menschen uns nicht immer nur als Ungeziefer,

welches ekelig ist und unbedingt ausgerottet gehört,

ansähen. Sondern dass sie auch sehen, wie nützlich

wir sind, und dass es wichtig ist, dass wir am Leben

sind und damit viel Gutes für unsere Erde tun. Wäre

schön, wenn sie uns dadurch mit etwas anderen Augen

sehen würden. Wir behelligen sie ja nicht und leben

meist ungesehen und unerkannt unter euch. Aber wenn

ihr dann doch mal einen Stein umdreht und uns findet,

dann deckt uns doch vorsichtig wieder zu und lasst

uns leben, denn auch wir haben ein Recht, da zu sein.

DAS WERDE ICH SEHR GERNE AN UNSERE

LESER WEITERGEBEN, ALFRED. ICH WÜNSCHE

DIR ALLES GUTE FÜR DEINE ZUKUNFT.

Danke das wünsche ich dir auch.

Text, Illustration Virginia Knaus Foto Adobe Stock

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Es ist wieder Zeit für Strath

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Natur im Garten

W ieP fl anzen

die Welt wahrnehmen

Unser Bild vom «strohdummen»

und passiven Grünzeug ist überholt.

Zwar besitzen Pflanzen keine Nervenzellen.

Aber sie erbringen erstaunliche

Sinnesleistungen. Pflanzen können

fühlen, sehen, riechen, sich erinnern

und kommunizieren.

Wenn Sie aus dem Fenster

schauen, sehen Sie vielleicht

einen Baum.

Wie er reglos, still und

stumm dasteht, eventuell seine Äste

ein wenig im Wind bewegt. Wenn Sie

nach draussen gehen, können Sie diesen

Baum betrachten, seine Rinde berühren,

allenfalls seine Blätter oder Früchte

schmecken, in sein Inneres hören und

seine Düfte riechen. Nun stellen Sie sich

vor, all das kann der Baum auch. Er

28 NATURZYT


Eine Buche sieht genau,

wo Licht und Schatten

ist, damit sie dem Licht

entgegenwachsen kann.

(Foto Isabelle Blum)

sieht, riecht, schmeckt, fühlt, kann sich

erinnern und kommunizieren.

Sie denken jetzt vielleicht, Mumpitz.

Der Baum hat keine Augen, Ohren, Hände,

keine Nase und keinen Mund, weshalb

er nicht das kann, was wir für gewöhnlich

können. Sie haben natürlich recht.

Unsere eigenen Fähigkeiten und sinnlichen

Erfahrungen sind als Ganzes nicht mit

denjenigen der Pflanzen vergleichbar.

Pflanzen haben kein Gehirn, weshalb jede

menschen ähnliche Beschreibung nur

sehr eingeschränkt gilt. Worte wie «sehen»,

«riechen», «spüren» ermöglichen uns

aber, das Verhalten von Pflanzen dem

Verständnis halber in menschlichen

Begriffen zu erfassen. Die Begriffe

provozieren uns auch, darüber nachzudenken,

was Sehen und Fühlen

ist, was Pflanzen und wir eigentlich

sind. Denn wie neue wissenschaftliche

Befunde zeigen, sind Pflanzen mehr

als «Bio automaten» mit genetisch

fixiertem Programm, die beliebig

manipuliert werden können. Heute

erscheinen Pflanzen als kommunikative,

hoch differenzierte und eigenständige

Wesen, die gut vernetzt sind.

DIE SINNE DER PFLANZEN

Pflanzen überwachen ständig ihre Umgebung.

Als ortsgebundene Lebe wesen

müssen sie die wechselhaften Standortbedingungen

erkennen, um überleben

zu können. Informationen über Licht,

Temperatur und chemische Stoffe in

der Luft oder im Boden müssen ständig

aufgenommen, verarbeitet und weitergegeben

werden. Eine Buche muss beispielsweise

wahrnehmen, ob ein Nachbar

Schatten wirft, damit sie dem Licht entgegenwachsen

kann. Eine Maispflanze

muss bemerken, ob gefrässige Raupen

an ihr knabbern, damit sie entsprechende

Abwehrmassnahmen treffen kann.

Pflanzen mussten komplexe Systeme der

Sinneswahrnehmung entwickeln, um

sich der Umwelt optimal anzupassen.

LICHT UND FARBEN UNTERSCHEIDEN

Wie wir wissen, brauchen Pflanzen grundsätzlich

Licht, um zu wachsen. Aber

«sehen» Pflanzen Licht? Wie wir besitzen

Pflanzen verschiedene Photorezeptoren,

um Licht wahrzunehmen. Im Gegensatz

zu uns sehen sie sogar in einem breiteren

Spektrum. Sie sehen ultraviolettes Licht

und Infrarotlicht. Nehmen Farben

wahr, die wir uns nicht einmal ausmalen

können. Und stellen Sie sich vor: Pflanzen

sehen Sie. Pflanzen sehen, wenn Sie sich

über sie beugen, und wenn Sie in ihre

Nähe kommen. Sie sehen sogar, ob Sie

ein blaues oder rotes Kleidungsstück

anhaben. Pflanzen sehen aber nicht, ob

Sie eine Frau oder ein Mann sind. Sie

«sehen» nicht bildlich wie wir. Ihnen

fehlt das Nervensystem, das Lichtreize

in Bilder übersetzt.

Wenn wir Sehen als die Fähigkeit

definieren, sinnvoll auf Lichtreize

zu reagieren, haben Pflanzen jedoch

eine ausgeprägte «Sehfähigkeit». Und

Pflanzen nehmen das Licht nicht nur

wahr, sie bewegen sich aktiv darauf

zu. Dieses Verhalten nennt sich Phototropismus,

eine durch einen Lichtreiz

hervorgerufene Wachstumsbewegung.

Pflanzen messen auch, wie viel Licht

sie aufnehmen, dieses Phänomen nennt

man Photoperiodismus. Beispielsweise

sind Chrysanthemen sogenannte Kurztagpflanzen.

Sie blühen dann, wenn der

Tag kurz ist. Das nutzen Blumenzüchter,

um Chrysanthemen punktgenau zum

Muttertag zum Blühen zu bringen.

Im Herbst und Winter halten sie die

Blumen im Gewächshaus davon ab

zu blühen, indem sie nachts das Licht

für einige Minuten anschalten. Zwei

Wochen vor dem Muttertag bleibt das

Licht nachts einfach aus. Und alle Blumen

setzen gleichzeitig Blüten an. Pflanzen

haben auch innere Uhren, die viele Prozesse

regeln, darunter die Bewegung

der Blätter. Wenn wir den Tag-Nacht-

Rhythmus künstlich verändern, brauchen

sie einige Tage, um sich umzustellen. Auf

der Wahrnehmungsebene ist das pflanzliche

Sehen also wesentlich komplexer

als das menschliche Sehen.

INFORMATIONEN RIECHEN

Wenn Pflanzen ihre Umgebung also

sehen, können sie diese auch «riechen»?

Offensichtlich senden Pflanzen ja ein

Bouquet an Gerüchen aus. Denken Sie

nur an den Duft von Jasmin oder frisch

gemähtem Gras. «Forscher kennen

bei 900 Pflanzenfamilien rund 2000

Duftstoffvokabeln», schätzt die Schweizer

Genetikerin und Pflanzenforscherin

Florianne Koechlin. Viele dieser Aromen

werden für die vielschichtige Kommunikation

zwischen Tieren und Pflanzen

eingesetzt, dienen der Abwehr oder

dem eigenen Schutz.

Duftstoffe der Pflanzen sind oft Signalträger

und Wirkstoff in einem. Werden

Pflanzen von Tieren angefressen, stossen

sie Ethylen oder Methylsalicylat aus.

Die Gase signalisieren einerseits den

eigenen Blättern, andererseits benachbarten

Pflanzen, sich gegen den Angriff

zu wehren. Methylsalicylat wiederum

wandeln die Pflanzen in Salicylsäure

NATUR BEWAHREN

NATURZYT 29


(den Vorläufer des in Aspirin enthaltenen

Wirkstoffs Acetylsalicylsäure) um. Damit

rüsten sie ihr Immunsystem auf, um

Infektionen abzuwehren.

Pflanzen verströmen aber nicht nur

Düfte, sie riechen auch andere Pflanzen.

So sucht sich beispielsweise der Teufelszwirn

(Cuscuta pentagona), eine nordamerikanische

Kletterpflanze und ein

Parasit, seine Wirtspflanzen (bevorzugt die

Tomate) über den Geruch. Wenn Riechen

bedeutet, ein chemisches Signal in der Luft

in ein bestimmtes Verhalten umzusetzen,

dann haben Pflanzen demnach so etwas

wie einen Geruchssinn.

DEN BODEN SCHMECKEN

Geruch und Geschmack hängen eng zusammen.

Wenn Pflanzen also riechen

können, «schmecken» sie auch? Offenbar,

denn Pflanzen können zwischen verschiedenen

löslichen Stoffen unterscheiden.

Ihre «Zunge» befindet sich quasi in den

Wurzeln. Die Pflanze schmeckt die

Mineralstoffe im Boden zunächst an der

Wurzeloberfläche und entscheidet dann,

welche Mineralien sie aufnimmt. Die

Wurzeln erfassen auch chemische Signale,

die von benachbarten Wurzeln und

Mikroorganismen abgegeben werden.

Im Gegensatz zu uns können Pflanzen

die meisten ihrer Nährstoffe selber herstellen.

In Bezug auf die erforderlichen

Mineralstoffe sind sie jedoch vollständig

auf äussere Quellen angewiesen. Pflanzen

müssen also die Mineralien im Boden

wahrnehmen und entscheiden, wie viel

sie davon aufnehmen. Wenn beispielsweise

Arabidopsis-Pflanzen merken, dass

der Boden sauer geworden ist, nehmen

sie mehr Magnesium auf als sonst. Eine

Pflanze weiss demnach genau, wie die

Umgebung um sie herum «schmeckt».

KONTAKT SPÜREN

Pflanzen sehen, riechen und schmecken

demnach. Aber wie steht es um das

Fühlen? Vielleicht sind Sie überrascht,

zu erfahren, dass Pflanzen merken, wenn

sie angefasst werden. Sie spüren direkten

Kontakt, können zwischen heiss und kalt

unterscheiden und wissen, wann sich

ihre Äste im Wind bewegen.

Manche Gewächse, etwa Kletterpflanzen,

fangen an, schneller zu wachsen,

wenn sie Kontakt mit einem Gegenstand,

um den sie sich wickeln können,

bekommen. Denken Sie nur an Bohnenranken

oder Duftwicken. Bekannt ist

auch die Venusfliegenfalle, die gezielt

ihre Fangblätter zuklappt, sobald ein

Insekt auf ihnen landet. Manche Pflanzen

mögen es jedoch gar nicht, wenn sie

zu oft berührt werden. Sie verändern

dann ihr Wachstum oder stellen es

ganz ein.

Pflanzen «fühlen» natürlich nicht im

üblichen Sinn des Wortes. Sie kennen keine

emotionalen Zustände, spüren keinen

Zweifel, Bedauern oder Freude. Aber sie

nehmen taktile Reize wahr, manche sogar

feiner als wir, und können auf spezifische

«Dumme rennen,

Kluge warten,

Weise gehen

in den Garten»

Rabindranath Tagore

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4. März 19

AUF GERÄUSCHE REAGIEREN

Das Hören ist der am wenigsten untersuchte

Sinn bei Pflanzen. Zwar konnte

gezeigt werden, dass Pflanzen in viel- Professor an der Universität Florenz,

www.natUrban ch

fältiger Weise auf unterschiedliche Ge- beobachteten, dass Erbsenpflanzen ihre

räusche reagieren. So produzierten Wurzeln deutlich zu einer Geräuschquelle

hin krümmen, deren Wellenlänge

von Wasser übertragenen Vibrationen

ähnlich ist. Das würde bedeuten, dass

Wurzeln neue Wasserquellen entdecken,

indem sie lauschen, ob irgendwo Wasser

www.natUrban

fliesst. Das könnte auch erklären, warum

Pflanzenwurzeln so gerne Wasserleitungen

umschlingen oder durchbrechen. Bis

jetzt wissen und verstehen Forscher aber

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nicht, wie Pflanzen akustische Signale

Mimosenpflänzchen erinnern sich an Bewegungen und merken, wenn das wahrnehmen und übersetzen.

Gerüttel keine schlimmen Folgen hat. (Foto: Ulrike Leone, Pixabay.com)

Weise reagieren. Pflanzen und Menschen

weisen überraschende Ähnlichkeiten

beim Spüren einer Berührung auf.

Farbenoper

beispielsweise Individuen der Zwerg-

Nachtkerze (Oenothera perennis), denen

man Geräusche ihrer Bestäuber vorspielte,

zuckerhaltigeren Nektar als solche, um

die es still blieb. Und Monica Gagliano,

Professorin an der University of Western

Australia, sowie Stefano Mancuso,

EIGENWAHRNEHMUNG UND

GEDÄCHTNIS

Pflanzen haben also mehr oder weniger

alle fünf Sinne beieinander. Wie steht es

jedoch um den sechsten Sinn, die Eigenwahrnehmung,

und die Erinnerung?

Haben Pflanzen ein «Körpergefühl» und

ein «Gedächtnis»?

Wie Versuche zeigen, haben sie das.

Pflanzen wissen genau, wo sie sind. Sie

können zwischen oben und unten unterscheiden

und sich dementsprechend

Libellennovelle

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Naturnahe Pflege und Gestaltung

von Gärten ist unsere Kompetenz


Pflanzen können den Boden

schmecken und nehmen

gezielt die Mineralien auf,

die sie brauchen.

(Foto Sebastian Wagener)

ausrichten. Sie sind sich auch bewusst,

wo sich ihre einzelnen Teile befinden.

Pflanzen können offenbar auch vergangene

Ereignisse behalten und zu einem

späteren Zeitpunkt abrufen. So gewöhnen

sich Mimosenpflänzchen rasch an

ruckartige Bewegungen, wenn die Gewächse

merken, dass das Gerüttel keine

schlimmen Folgen hat. Kirschbäume

wissen, wann Frühling ist, weil sie

sich an den vorangegangenen Winter

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erinnern. Eine wachsende Zahl von Beispielen

festigt zudem die Vorstellung,

dass es im Pflanzen reich auch ein transgenerationales

Gedächtnis gibt.

Natürlich sind Pflanzenerinnerungen

etwas anderes als unsere detaillierten

und emotionsgeladenen Erinnerungen.

Pflanzen können mittels der

Erinnerung Abhilfe für aufgetretene

Schwierigkeiten schaffen und spezifische

Entwicklungsreaktionen herbeiführen.

Das Pflanzengedächtnis ist eher ein prozedurales

Gedächtnis, also ein Gedächtnis

dafür, wie man etwas macht. Seine

Erinnerungen hängen von der Fähigkeit

ab, äussere Stimuli wahrzunehmen. Das

bedeutet im Sinne von Endel Tulving,

einem Psychologen und emeritierten

Professor der University of Toronto,

aber auch, dass Pflanzen eine Form von

Bewusstsein haben. Pflanzen reagieren

also nicht bloss reflexartig auf Reize

ihrer Umwelt, sondern erkunden flexibel

verschiedene Möglichkeiten, ehe sie

sich entscheiden.

PFLANZENWELT DIFFERENZIERT

WAHRNEHMEN

Wenn Pflanzen sich also erinnern und

eine Art von Bewusstsein haben, sollen

wir sie dann als intelligent betrachten?

Nun, Intelligenz ist ein umstrittener

Begriff ohne klare Definition. Jeder, von

Alfred Binet, dem Erfinder der Intelligenztests,

bis hin zum bekannten Psychologen

Howard Gardner, hat eine unterschiedliche

Auffassung davon, was intelligent

genau bedeutet. Die Frage sollte deshalb

nicht lauten, ob Pflanzen intelligent sind,

sondern eher, ob Pflanzen wahrnehmen.

Und das tun sie, wie wir jetzt wissen,

auf vielfältige und intensive Weise.

Wenn Pflanzen also eine Wahrnehmung

ähnlich der unseren haben, was

bedeutet das für unseren Umgang mit

ihnen? Wenn wir Pflanzen betrachten,

32 NATURZYT


Pflanzen spüren direkten

Kontakt und merken, wenn

sie angefasst werden.

(Foto: MireXa, Pixabay.com)

NATUR BEWAHREN

Rankpflanzen bewegen ihre Ranken ganz gezielt an Orte, an

denen sie sich festhalten können. (Foto: Егор Камелев, Pixabay.com)

Was sieht der Storchschnabel im Beet?

Was schmeckt die Erbse im Boden?

Was merkt der Holunder, wenn Sie im

Vorbeigehen seine Blätter streifen?

Nehmen Sie Anteil an der Wahrnehmung

der Pflanzen und begegnen Sie

ihnen als eigenständigen, komplexen

Wesen. Ihnen wird sich eine neue Welt

eröffnen.

die wie wir Vorlieben haben und sich

erinnern können, sehen wir dann uns

selbst? Zum Teil ja, denn wir besitzen

parallele Fähigkeiten, die Welt zu spüren

und ihrer gewahr zu werden. Auf allgemeiner

Ebene teilen wir mit der Pflanzenwelt

sogar unsere Biologie. Wir sollten

uns bewusst sein, dass wir gemeinsame

Gene und damit eine gemeinsame

Vergangenheit besitzen. Wir sollten in

Rosen, Haseln oder Efeu Verwandte

erkennen, die uns vor langer Zeit im

Laufe der Evolution verlassen haben.

«Ich beschäftige mich mit Pflanzen,

weil ich wissen will, was Leben ist.

Das ist nämlich überhaupt noch nicht

klar. Bloss geben die meisten Forscher

das nicht zu.» Für Mancuso verhindert

gerade in der Wissenschaft ein allzu

menschenfixierter Standpunkt, dass wir

andere Wesen so wahrnehmen, wie sie

sind. Wir können ihre Fähigkeiten nicht

erkennen – und erst recht nicht anerkennen.

Wenn Sie also das nächste Mal durch

Ihren Garten schlendern, fragen Sie sich:

Ihre Isabelle Blum

Text Isabelle Blum Fotos Isabelle Blum,

Sebastian Wagener, Pixabay

Literaturempfehlungen:

Chamovitz, Daniel (2017). Was Pflanzen

wissen. Wie sie hören, schmecken und

sich erinnern. Carl Hanser Verlag, München

Koechlin, Florianne (2016). Schwatzhafte

Tomate, wehrhafter Tabak. Leno-Verlag,

Basel.

NATURZYT 33


Kraftvolles Wintermenü

APFEL-BIRNEN-SCHAUMSUPPE

Zutaten (für 4 Personen)

3 Schalotten

1 Knoblauchzehe

30 g Butter

2 Äpfel

2 Birnen

1 kleiner Knollensellerie

8 dl Bouillon

1 Becher Crème fraîche

2,5 dl Rahm

Salz, Rosa Pfeffer & Apfelringli

zum Garnieren

Zwiebeln und Knoblauchzehe

schälen und klein schneiden. In

einer Pfanne mit der Butter auf

mittlerer Stufe glasig dünsten.

In der Zwischenzeit die Birnen

und Äpfel schälen, das Kern gehäuse

entfernen und sie in kleine Würfel

schneiden. Den Sellerie rüsten

und in kleine Würfel schneiden.

Alles zu den Zwiebeln in die Pfanne

geben und ca. 2 Minuten auf

mittlerer Stufe rührbraten, ohne

dass das Obst Farbe annimmt.

Mit der Bouillon ablöschen

und ca. 20 Minuten köcheln,

bis der Sellerie weich ist.

Vom Herd nehmen und sehr

gut pürieren.

1 dl Rahm und Crème fraîche

zugeben und nochmals

aufkochen lassen.

Anrichten: den restlichen Rahm

halbsteif schlagen, einen Klecks auf

die Suppe geben und mit Apfelringli

und rosa Pfeffer garnieren.

Rezepte und Fotos in Kooperation mit Schweizer Obst verband. Mehr fruchtige Rezepte auf www.swissfruit.ch

unikat

« Saftige

Schweizer Birnen.

Natürlich frisch

und gesund»

34 NATURZYT


NATURZYT kocht

mit Birnen

KÜRBIS-BIRNEN-CURRY

MIT RINDFLEISCH

Zutaten (für 4 Personen)

150 g Lauch

500 g Birnen

500 g Kürbisfleisch

2 EL Olivenöl

400 g geschnetzeltes

Bio- Rindfleisch, zum Kurzbraten

Salz, Pfeffer

2 EL (30 g) rote Currypaste*,

z.B. Thai Kitchen

3 dl schwache Bouillon

3 Zweige Koriander

Lauch in 4 cm lange, dünne Streifen

schneiden. Birnen schälen, mit

dem Kürbis in ca. 1,5 cm grosse

Würfel schneiden.

Ein Esslöffel Öl in einer Bratpfanne

gut erhitzen. Fleisch kurz anbraten,

aus der Pfanne nehmen und mit

Salz und Pfeffer leicht würzen.

Restliches Öl erhitzen. Lauch und

Kürbis 1–2 Minuten anbraten. Currypaste

zufügen und mit Bouillon

ablöschen. Zugedeckt garen, bis

der Kürbis weich ist. Birnen und

Fleisch beifügen, nur kurz erhitzen

und falls nötig mit Salz und Pfeffer

abschmecken.

Korianderblättchen von den Stielen

zupfen und über das Curry streuen.

Reis oder Nudeln dazu servieren.

* Die Schärfe kann je nach Produkt

sehr unterschiedlich sein.

FRÜCHTEKOMPOTT

Zutaten (für 4 Personen)

4 Äpfel

4 Birnen

Johannisbeeren

6 EL Cointreau

Zucker

Zimt

Zimtstange

Äpfel und Birnen schälen,

halbieren und entkernen.

Früchte in mundgerechte

Stücke schneiden und in einer

Porzellanform verteilen.

Johannisbeeren über die

Form verteilen, mit Cointreau

beträufeln.

Die Porzellanform in den

kalten Garraum des Steamers

schieben und bei 100 Grad

10 bis 15 Minuten dämpfen.

Das Kompott nach Belieben

mit Zucker und Zimt süssen.

Als Dekoration kann eine Zimtstange

verwendet werden.

NATURZYT 35


Wildbienen schützen

Liebenswerte

Insekten

Eine Liebeserklärung an Insekten und weshalb sie 2020

im Fokus stehen sollten. Wünsche und Hoffnungen

begleiten uns zu Weihnachten und auf das neue Jahr hin –

welche Veränderungen wünschen wir uns?

36 NATURZYT


Wildbienen-Projekt auf

www.NATURZYT.ch/

wildbienen-schützen

Wer bist du nur? Eine

atemberaubende

Schönheit sitzt auf der

Blüte, trinkt Nektar –

schnell ein Foto, bevor sie weiterfliegt.

Mit etwas Glück geben die Bilder später

wertvolle Informationen.

So viele Insekten gibt es, so schwierig

sind sie anhand optischer Merkmale eindeutig

zu bestimmen. Weisen die gelben

Streifen auf eine Wespe hin? Die grossen

grünen Augen auf eine Fliege? Geben die

gelben Beine einen Hinweis? Oder die

orangen Fühler?

Das Resultat mag überraschen, es

ist eine Biene, genauer eine Wildbiene.

Eine Wespenbiene (Nomada sp.), um

genau zu sein, die genaue Art bleibt offen.

Sie ist eine Kuckucksbiene, die ihre

Eier in die Nester ihrer Wirte schmuggelt.

Doch die vielen Haare an ihrem Körper

machen auch sie zu einem wichtigen

WUNDERVOLLE PROJEKTBEISPIELE

Vorbildlicher Lebensraum für Wildbienen – gerne zum

Nachmachen:

Eine 100-Quadratmeter-Quartierecke in Seengen (AG)

wurde zum Wildbienenparadies, umgesetzt mit

Wildbienen freund David Hegnauer.

NATUR ERLEBEN

Bestäuber. Auch hier bleibt beim Blütenbesuch

Pollen hängen und wird von einer

Pflanze zur anderen transportiert für

die Bestäubung.

Ein Vorgang, der unersetzlich ist

für die Zukunft, unverzichtbar für

Kultur-, aber auch für Wildpflanzen,

die Grundlage unseres Ökosystems.

Und so mag man sich, gerade jetzt

auf das Jahresende zu, wünschen, dass es

den Insekten besser geht. Ein Ende des

Insektensterbens, dass sich die Bestände

erholen und sie Zukunft haben.

Immer mehr Menschen erkennen

längst, was das Insektensterben bedeutet,

und engagieren sich. Mit wunderbaren

Projekten ergreifen sie Eigeninitiative und

machen vor, wie es geht – bitte nachmachen!

Heere Wünsche, denn Wirtschaft

und Politik haben die Zeichen der Zeit

Wunderbares Schulprojekt in Fahrwangen (AG) in

Zusammenarbeit mit der Schule, dem Naturschutzverein,

der Gemeinde und wildBee.ch

wivena-Schaugarten in Ottenbach: Nistplätze für

Wildbienen von Dominik Schmuki, der auch den

wildBee-Schaugarten pflegt.

NATURZYT 37


ENTDECKUNGSREISEN 2020

ZU DEN BESTÄUBERN:

Projekt Wildbienen schützen: Jedes Abo hilft!

Mit dem Projekt konnte der Verlag NATURZYT die gemeinnützige

Organisation wildBee.ch mit CHF 10 918.60 aus Abos unterstützen.

Mit diesen Fördermitteln ist ein neuer Themenweg in Planung

im Wildbienen-Schaugarten rund um Erdnister und Trockenmauer-Bewohner.

Möchten Sie die Arbeit von wildBee mit einer Spende

direkt unterstützen?

Spendenkonto: IBAN CH27 0900 0000 8563 1032 5,

wildBee.ch, 5725 Leutwil – Herzlichen Dank!

• Wildbienen-Schaugarten

in Leutwil (AG)

Monatliche Erlebnistage:

21. März, 4. April, 18. April,

2. Mai, 16. Mai und 6. Juni,

jeweils von 13 bis 17 Uhr.

www.wildbee.ch/

wildbienen-garten-leutwil

• Wildbienen-Kalender im

Papiliorama, Kerzers (FR)

Arten nach Monaten entdecken,

Blick ins Hummelnest

www.papiliorama.ch/erleben/

wild-seeland

verkannt. Sie setzen auf Zeit, schieben

überfällige Entscheidungen auf, setzen

auf mehr Forschung, obwohl die Datenlage

mehr als ausreichend ist. Wir wissen,

was zu tun ist. Wir müssen nur danach

handeln. Damit es 2020 mit den Insekten

aufwärts gehen kann.

Ein gutes Jahr wird es hoffentlich auch

für die fleissigen Wildbienen und Schwebfliegen,

die unverzichtbaren Wespen,

flatternden Schmetterlinge oder prächtigen

Käfer. Können wir sie in das «Fest

der Liebe» einschliessen, im Wissen,

was sie uns alles Gutes tun? Ihre unglaublichen

Leistungen für das Ökosystem,

das Gleichgewicht, einen Planeten

voller Leben. So begleiten Wünsche

und Hoffnungen für alle den Weg ins

neue Jahr – mit einer kleinen Liebeserklärung

an die Welt der Insekten.

Die zu oft verkannten, die sich nun –

langsam, aber sicher – die Bedeutung

zurückholen, die ihnen zusteht.

GUETZLIFORM

«WILDBIENE»

Mit dieser hübschen Ausstechform

können Guetzli für Weihnachten, als

Geschenk oder für Standaktionen rund

ums Thema Bienen gemacht werden.

Ideal für feste und kalte Teige wie

Mailänderli, Blätterteig, Marzipan etc.

(funktioniert nicht für grobe Teige

wie Brunsli u.Ä.). Auch geeignet zum

Basteln oder Modellieren, etwa mit Knetmasse,

Salzteig oder Fimo. 76 mm breit.

www.wildBee.ch/shop

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«FRÜHBLÜHER»

mit saisonal 10 besonders wertvollen

einheimischen Bienenweiden: Jeder

Ziegel kann ganz einfach mit 6 Spatenstichen

als Initialbepflanzung eingesetzt

werden: www.sellana-shop.ch

oder direkt beziehen im neuen

«Gärtnerei-ade» (täglich, mit

Wildbienengarten) in Schafisheim:

http://d-labhart.ch

Text Deborah Millett

Fotos wildBee.ch

38 NATURZYT


Wildbienen-Porträt und wie Sie helfen können

Ein Viertel aller Wildbienenarten sind

Kuckucksbienen. Wie der namensgebende

Vogel legen sie ihre Eier in das

schon gemachte Nest ihrer Wirte.

Das macht sie aber auch total von ihnen

abhängig. Sind die Wirte bedroht, sind

es auch ihre Kuckucksbienen.

Zu den Kuckucksbienen gehören

die Brutparasiten:

Kraftbienen (Biastes)

Kegelbienen (Coelioxys)

Zweizahnbienen (Dioxys)

Schmuckbiene (Epeoloides)

Trauerbienen (Melecta)

Wespenbienen (Nomada)

Blutbienen (Sphecodes)

Düsterbienen (Stelis) und

Fleckenbienen (Thyreus)

sowie die Sozialparasiten:

die Schmarotzerhummeln.

Alle diese Schmarotzer haben ein hartes

Leben: Sie müssen sehr schnell sein

und unbemerkt ihr Ei ablegen, um nicht

erwischt zu werden.

Es ist faszinierend zu beobachten,

wie sie schnell und flink nach Wirtsnestern

Ausschau halten und dann

in der Nähe wie Jägerinnen auf ihre

Chance lauern.

Parasitierung:

Die meisten Kuckucksbienen haben

ein eingeschränktes Wirtsspektrum.

Wo sie erfolgreich ein Ei ablegen

konnten, schlüpft bald ihre Larve,

welche dann das Ei beziehungsweise

Die Felsen-Kuckuckshummel

(Bombus rupestris)

NATUR ERLEBEN

Goldsaum-Kegelbiene

(Coelioxys aurolimbata)

Greiskraut-Wespenbiene

(Nomada flavopicta)

Gemeine Trauerbiene

(Melecta albifrons)

die Larve des Wirts isst und danach

den fremden Pollennektar-Vorrat.

Lebensraum:

In der Nähe ihrer Wirte. Abends

klammern sie sich oft an einem Halm

oder einem Blatt fest zum Schlafen.

Fördermöglichkeit:

Kuckucksbienen können wir am besten

fördern, indem wir ihre Wirte und

deren Lebensgrundlagen fördern mit

natürlichen Niststrukturen und

mit blütenreichen Bienenweiden.

Blutbienen (Sphecodes) erkennt man leicht am stark im Sonnenlicht leuchtenden

Rot an ihrem Hinterteil, das ihnen auch den Namen gegeben hat.

Text Deborah Millett

Fotos wildBee.ch

NATURZYT 39


Wer Glück hat begegnet

vielleicht dem mächtigen

Auerhahn.

Zu Besuch beim

Auerhahn

Wo das Auerhuhn lebt, da gefällt es auch dem Schneeschuhläufer:

in intakten Landschaften mit lichten Wäldern, verwunschenen Mooren

und sanften Weiden. Rund um die Ibergeregg sind Mensch und Hühnervogel

willkommen.

40 NATURZYT


Im Aufstieg zum Furggelenstock leistet schon

bald die Sonne Gesellschaft.

Die beiden Mythengipfel, Wahrzeichen der Urschweiz.

Der Auerhahn ist ein mächtiger Vogel.

Gut 80 Zentimeter gross – was in etwa

einer Gans entspricht –, braun bis schwarz

gefärbt, mit charakteristischem Bart

unter der Kehle und roter Färbung über den Augen

stolziert er durch die Wälder. Bekannt ist der Auerhahn

für sein eindrückliches Paarungsritual. Am

Abend bezieht er seinen Balzbaum, eine Fichte oder

Tanne. Dann, vor Tagesanbruch, beginnt der Vogel

auf den waagrechten Ästen hin- und herzulaufen,

dazu schmettert er einen trillernden und schnalzenden

Gesang durch den Wald. Ist auch das vollbracht,

fliegt er zu Boden und treibt dort seinen Balztanz

mit bis zu zwei Meter hohen Sprüngen so lange fort,

bis eine paarungswillige Henne sich auf ihn einlässt.

Das war's dann aber mit dem trauten Familienleben.

Der Auerhahn ist ein Einzelgänger – und obendrein

ein ungeselliger und streitsüchtiger. Nach der Paarung

sucht der Hahn das Weite, die Weibchen bleiben zusammen,

bis die Jungen selbstständig sind.

BESTAND STARK GEFÄHRDET

Auerhühner lieben zusammenhängende, lichte Mischwälder

mit trockenen bis feuchten Böden, und sie

mögen Ruhe. Solche Lebensräume sind in der Schweiz

mittlerweile Mangelware. Intensive Forstwirtschaft

und Skigebiete haben die stolzen Vögel verdrängt,

mit rund 500 Paaren ist der Bestand stark gefährdet.

Einer dieser Auerhuhn-Wälder liegt zwischen Oberiberg

und Ibergeregg, bei den sagenumwobenen Mythen

und in der Nähe des Muotathals, bekannt für seine

kauzigen Wetterfrösche. Auf 33 Quadratkilometern

breiten sich hier Moore, Bergföhren- und Tannenwälder

sowie Alpweiden aus. Klar, steht solch eine

Urlandschaft unter Schutz. Schneeschuhläufer heisst

man trotzdem willkommen: Auf bestens markierten

Pfaden darf Auerhahns Wohnstube durchwandert

und vom höchsten Punkt aus, dem 1650 Meter hohen

Furggelenstock, überblickt werden.

SCHNELL RAUS AUS DEM SKIGEWUSEL

Am Ausgangspunkt der Tour finden wir uns statt in

einsamer Ruhe- und Wildnislandschaft in einem

bunten Gewusel aus Skifahrern, Snowboardern und

Schlittlern wieder. An Auerhahns Heimat grenzt

das Skigebiet Hoch-Ybrig, wir stehen etwas verloren

auf dem Parkplatz des Sessellifts Lauchern. Lange

bleibt uns der Skizirkus nicht erhalten. Beim nahen

Campingplatz heisst es die Schneeschuhe anschnallen,

die kleine Brücke über die Minster bringt uns ins

Reich der Bäume und Moore. Doch halt. Ein Blick

zurück auf die Zivilisation muss sein. Die Minster ist

einer der Bergbäche, welche den Sihlsee mit Wasser

speisen. Dieser ist der grösste Stausee der Schweiz, eine

33 Meter hohe Mauer hält das Wasser zurück. Bricht

sie, sind binnen zweier Stunden weite Teile Zürichs

geflutet. Der Abfluss des Sees, die Sihl, mündet auf

Stadtgebiet in die Limmat.

Wasser ist heute kein Thema, zu vieles schon gar

nicht. Die Sonne lacht vom blauen Himmel, wie wir der

Heikenhütte entgegenstapfen, dem ersten Etappenziel

auf dem Weg zum Furggelenstock. Zu Beginn ist

NATURZYT 41


Gipfel erreicht. Auf dem

Furggelenstock sind

Gipfelkreuz und

Aussicht eindrücklich.

behaupten. Man möchte sich unter den Bäumen

niederlassen und verweilen. Wäre da nicht der Furggelenstock,

dessen Charme nicht zu widerstehen ist.

die Landschaft unspektakulär, von der Aussicht ist

nicht viel zu sehen. Doch nach der Alp ändern die

Dinge. Das Land wird weit und sanft kupiert, der

mit Mooren und Weiden durchsetzte Nadelwald

erinnert an nordische Gefilde. Hier also fühlt sich

der Auerhahn wohl; von uns können wir dasselbe

Tipps & Infos

Schneeschuhtour: Oberiberg, Talstation Hoch-Ybrig Laucheren –

Petersboden – Heikenhütte – Leimgütsch – Furggelen – Furggelenstock

– Brünnelistock – Ibergeregg – Hobacher – Oberiberg, Talstation

Hoch-Ybrig Laucheren.

Anforderungen: Technisch ist die Tour einfach, einzig die Besteigung

des Furggelenstocks ist steil und fordert beherztes Herangehen.

Der Gipfel kann umgangen werden, bei hoher Lawinengefahr ist dies

ein Muss. Die reine Wanderzeit beträgt rund 4,5 Stunden.

Fuchs und Hase: Die Schneeschuhtour führt durch das Naturschutzgebiet

Ibergeregg mit wertvoller Auerhuhnpopulation. Die markierten

Wege dürfen nicht verlassen werden. www.wildruhezonen.ch

Orientierung: Einfach, man folgt stets den pinkfarbenen Stangen und

Wegweisern.

Ausrüstung: Nebst Schneeschuhen gehören eine Lawinenausrüstung

und eine Karte zum Bestandteil einer Schneeschuhtour. Das Lawinenbulletin

ist unter www.slf.ch abrufbar.

Einkehrmöglichkeiten: Auf der Ibergeregg und in Oberiberg.

Anreise: Mit dem Zug nach Einsiedeln, dann mit dem Postauto bis

Hoch-Ybrig Talstation Laucheren. Zurück auf demselben Weg.

Karten: Swisstopo-Landeskarte 1:25 000 Blatt Ibergeregg (1152);

Schnee- und Skitourenkarte 1:50 000 Blatt Lachen (236S).

Auf www.mythenregion.ch kann ein Plan mit den Schneeschuhrouten

bezogen werden.

SYMBOL DER URSCHWEIZ

Je höher wir steigen, desto herausfordernder wird

die Tour, an die Stelle der Weiden und Moore treten

Rippen, Grate, Senken und Tälchen. Auf der Furggelen,

dem Passübergang ins Alpthal, ist Pausenzeit. Das muss

so sein, viel zu schön ist der Platz, um geradewegs

weiterzugehen auf den Gipfel. Vor der im Winter geschlossenen

Alphütte stehen Tische und Bänke

bereit, von gegenüber leisten der Kleine und Grosse

Mythen Gesellschaft. Die klobigen Pyramiden sind das

Symbol der Urschweiz schlechthin, sie zieren gar das

grosse Wandgemälde im Nationalratssaal. «Unser»

Berg, der Furggelenstock, nimmt sich dagegen bescheiden

aus. Ohne ist er aber auch nicht, der steile

Aufstieg über die schmale Rippe bringt uns ordentlich

ins Keuchen. Umso mehr geniesst man den Ausblick,

ist man durchgeschwitzt oben. Die ganze Zentralschweiz

breitet sich aus, eine Panoramatafel versieht

die vielen unbekannten Berge mit Namen. Unser

nächster heisst Brünnelistock, im kurzweiligen

Auf und Ab erreichen wir den höchsten Punkt des

Skigebiets Ibergeregg.

MIT STARRKÖPFIGKEIT ZUM ZIEL

Vorbei ist es nun mit Ruhe und Beschaulichkeit, dem

Pistenrand entlang geht's zur Talstation des untersten

Skilifts. Danach ist die Heimat des Auerhahns zurück,

auf dem Alten Schwyzerweg nähern wir uns dem Ausgangsort

der Tour. Der breite Weg war im Mittelalter

Zugang der Schwyzer zu den Alpen und Ländereien

um Oberiberg, die sie dem Kloster Einsiedeln abgetrotzt

hatten. Alles Protestieren und Exkommunizieren

der Geistlichen brachte nichts, die Schwyzer blieben

stur und behielten das Gebiet.

Text, Fotos Daniel Fleuti

Durch weite Landschaft

Richtung Ibergeregg.

Hier gefällt es auch dem

Auerhahn.

42 NATURZYT


Mehr Naturerlebnisse auch

auf www.NATURZYT.ch

Die Natur im Winter erleben

NATUR ERLEBEN

Zauberhafter Wintertag

im Gantrischgebiet.

(Foto Tobias Ryser)

HÖHENRUNDWEG LEITERLI,

2001 M Ü.M.

Winterzauber – Ruhe – Klarheit: Auf

dem Rundweg kann man allem entfliehen,

selbst der Piste. Den Alltag

hinter sich lassen und sauberste Bergluft

atmen – sofern einem das Panorama

nicht den Atem raubt! Der Rundweg

(1,5 h) verläuft sanft coupiert

und bietet die perfekte Gelegenheit,

dem Knirschen des Schnees unter

den Füssen zu lauschen. Alle Winterwanderwege

am Betelberg werden

täglich mit einem Pistenfahrzeug

präpariert.

Mehr: www.lenk-bergbahnen.ch/

winterwandern

GENIESSEN SIE

DIE SCHNEESCHUH-RUH

Herzlich willkommen im Natur- und

Schneeschuh-Paradies Maria-Rickenbach

auf der Sonnenterrasse des Engelbergertals.

In acht Minuten bringt Sie

die Luftseilbahn von Dallenwil hinauf

ins autofreie Niederrickenbach, auf

1200 m ü.M. Es erwarten Sie abwechslungsreiche

und gut markierte Schneeschuh-Trails.

Eine Ausrüstung kann

an der Talstation gemietet werden.

Gruppen und Vereinen stehen Tourenleiter

zur Verfügung. An Wochenenden

geführte Schneeschuh-Wanderungen.

Programm auf

www.maria-rickenbach.ch

LANGLAUF-PARADIES

NATURPARK GANTRISCH

Vor Berns Haustüre warten ein wunderbares

Alpenpanorama, verschneite

Wälder und 45 Kilometer perfekt präparierte

Loipen bis auf 1600 m ü.M.

Ob ein Langlauf-Schnupper- oder ein

Skating- Wochenende: Das Langlaufzentrum

hat Angebote für Anfänger

sowie für Ambitionierte. Wer keine

Langlauf ausrüstung hat, muss nicht

verzichten. Im Gebiet kann an drei

Standorten günstig Material gemietet

werden. Raus auf die Loipen im Gantrisch!

Mehr auf

www.gantrisch.ch/

wintersport/langlauf/

NATURZYT 43


Am Anfang war das Feuer

Ein Feuer vermittelt nicht nur Wärme und Geborgenheit.

In einer über den Flammen gekochten Mahlzeit steckt eine Fülle

an Lern- und Erlebnismöglichkeiten: vom Holz- und Zundersammeln

bis zum achtsamen Hüten des Feuers.

Rezepte

Zu welchem Zeitpunkt in der Erdgeschichte der

Mensch begann, das Feuer zu beherrschen, ist

unbekannt. Archäologische Funde deuten

darauf hin, dass Feuer bereits vor fast zwei

Millionen Jahren genutzt wurde, während es nochmals

etwa 1,3 Millionen Jahre dauerte, bis die Menschen

Feuer selbst entzünden konnten. Die Kontrolle über das

Feuer eröffnete neue Möglichkeiten und eine rasante

Zimtschnecken am Stock

Schlangenbrot mal anders: Um einen Stecken winden wir Würste

aus süssem Hefeteig, den wir mit etwas Butter bestreichen und in einer

Zimtzucker-Mischung wälzen. Dann langsam über der Glut backen.

Zutaten: 100 g Butter, 375 ml Milch, 1 Würfel Hefe, 1 TL Salz,

750 g Mehl, 75 g Zucker, Zimt-Zucker-Mischung. Aus den Zutaten

ausser dem Zimt zucker einen Teig kneten und aufgehen lassen.

Stein(zeit)suppe

Bei diesem «Experiment» bereiten wir eine kalte Suppe vor, zum

Beispiel aus etwas Bouillon und Brennnesselblättern und/oder anderen

Wildkräutern. In die Flüssigkeit geben wir nun saubere, in der Glut erhitzte

Steine, bis die Suppe heiss ist respektive kurz kocht. Wiederholen,

bis das Grünzeug gar ist. Besonders eindrücklich und auch effizient ist

diese Zubereitungsmethode in kleinen Schüsseln oder Tassen aus Holz

oder Email.

(Gehirn-)Entwicklung. Die Kräuter- und Wildnisfachfrau

Susanne Fischer Rizzi sagt über die Beziehung

zwischen Mensch und Feuer: «Dort, wo man kocht und

isst, ist man zumindest zeitweise zuhause. Die Natur, die

Wildnis ist dann kein fremder Ort mehr. Dies führt zu

einem bereichernden Erleben der Natur, zu einer tiefen,

beglückenden und behaglichen Verbundenheit.»

FEUER MACHEN

Es gibt unzählige Arten, ein Feuer zu machen, und

ebenso gibt es unterschiedlichste Garmethoden – vom

Topf über den Flammen, dem Fladenbrot direkt auf

der Glut bis hin zur Erdgrube. Ein praktisches Kochfeuer

ist zum Beispiel das «Upside-down-Feuer». Es wird

– das mag im ersten Moment überraschen – oben

angezündet. Zuunterst liegen zwei bis drei grobe dickere

Scheite. Nach oben hin werden immer kleinere Äste

zu einem Kreuzstapel aufgeschichtet, zuoberst legen

wir dann etwas Nadelholz und feinere Späne, darauf

kommt etwas Zunder aus fluffigem Pflanzenmaterial wie

Heu, Rohrkolbensamen, Waldrebensamen, trockenes

Moos etc. Birkenrinde ist ein hervorragender Feuerstarter;

deshalb lohnt es sich, immer etwas davon bei

sich zu haben. Auf künstliche Anzündhilfen können

wir so verzichten. Das Feuer frisst sich gemütlich

von oben durch den Stapel nach unten, und bis es die

passende Kochgrösse erreicht hat oder eine gute Glut

entstanden ist, kann man sich um die Vorbereitung

des Essens kümmern.

44 NATURZYT


SICHERHEIT UND HYGIENE

Zu einer guten «Camphygiene» gehört eine Waschgelegenheit

für Hände und gesammelte Wildpflanzen,

zum Beispiel ein kleiner Wasserkanister mit Hahn.

Dazu ein kleines Handtuch und ein Stück (biologisch

abbaubare) Naturseife. Seife gehört weder in den Bach,

Brunnen oder Quelle, sondern sollte über festem Grund

abgespült werden. Der Boden filtert und baut die

Lauge schneller ab.

Zum Rüsten saubere Messer und eine saubere

Unterlage verwenden. Für das Hantieren mit Kochkessel,

Kaffeekanne oder Waffeleisen können Gartenhandschuhe

aus Leder nützlich sein, zudem empfehlen

sich geschlossene Schuhe für den Fall, dass doch

einmal heisses Wasser verschüttet wird.

TIPPS FÜR EIN RAUCHFREIES FEUER:

• Kleinere Holzscheite nehmen und öfter nachlegen.

• Rundhölzer ab einem Durchmesser von ca. 4 cm

spalten. So kommt man an den trockenen Kern

des Holzes. Es braucht übrigens keine Axt dazu.

Ein günstiges Handwerkermesser mit feststehender

Klinge genügt: Klinge nahe beim Griff

auf einem Ende des Holzscheites platzieren,

das andere Ende steht auf einer stabilen Unterlage.

Mit einem angemessen dicken Stock die

Klinge durch das Holz schlagen.

• Bei kühlem Wetter Holz zum Nachlegen am

Rand der Feuerstelle vorwärmen.

Text Andrea Kippe Fotos Daniel Fleuti

Literatur Susanne Fischer-Rizzi: Wilde Küche.

Das grosse Buch vom Kochen am offenen Feuer;

Katharina Bodenstein: Wildes Brot.

Archaisch backen im Freien – am Feuer, über

der Glut, auf dem Grill und im Ofen;

Evelyn Schocher-Mündle, Waltraud Wohlwend:

Wild Wald wunderbar.

Ein kulinarischer Streifzug durch den Wald;

Sybille Günther: Feuerwerk & Funkentanz.

Zündende Ideen: Spiele, Lieder und Tänze,

Experimente, Geschichten und Bräuche rund

ums Feuer;

Richard Wrangham: Feuer fangen. Wie uns

das Kochen zum Menschen machte – eine

neue Theorie der menschlichen Evolution.

Neue Schneesportkarten

Mit neuer Kartengrafik

wasser-/reissfestes Papier

wohin

wissen

swisstopo

NATUR ERLEBEN

Foto: Bertrand Zuchuat

Schweizerische Eidgenossenschaft

Confédération suisse

Confederazione Svizzera

Confederaziun svizra

Bundesamt für Landestopografie swisstopo

www.swisstopo.ch

Schweizer Alpen-Club SAC

Club Alpin Suisse

Club Alpino Svizzero

Club Alpin Svizzer


NATURZYT Ferien-Special

Winter in de

46 NATURZYT


NATUR ERLEBEN

Drei Partner laden Sie ein,

einen herrlichen Winter in

atem beraubender Natur

zu erleben und zu geniessen.

Auf Schneepfaden durch die märchenhafte

Bergwelt im Lötschberger-Land

– sei es im Berner Oberland oder im

Oberwallis (Seite 48–49). Wohltuend,

ruhig und authentisch – so präsentiert

sich das atemberaubende Safiental,

welches im Naturpark Beverin liegt

(Seite 50–51). Oder der spezielle Winterzauber

im Glarnerland, abseits der

Hektik das Knirschen des Schnees und

die Stille der Natur geniessen (Seite 52–53).

NATURZYT und ihre Partner nehmen Sie

mit in einen märchenhaften Winter.

Text Michael Knaus Foto Adobe Stock

n Bergen

NATURZYT 47


AUF SCHNEEPFADEN DURCH

DIE MÄRCHENHAFTE BERGWELT

Der Herbst ist zwar vorbei, doch das Lötschberger-Land entpuppt

sich auch im Winter als Wanderparadies. Wir stellen Ihnen drei

traumhafte Routen im Berner Oberland und im Oberwallis vor.

Sobald Frau Holle ihre glitzernde

Decke über die Täler und Berge

gelegt hat, verwandelt sich

die Schweiz in ein Winterwunderland:

Gefrorene Seen und Bäche,

verschneite Hügel und Berggipfel, verzuckerte

Bäume und Wälder sowie

romantische Berghütten erwecken die

Abenteuerlust. Wer glaubt, dass die

Wandersaison in den Bergen vorbei ist,

der irrt. Gerade im Berner Oberland

und im Oberwallis laden viele sichere

und gut präparierte Winterwanderwege

dazu ein, die unberührte alpine

Landschaft in ihrem weissen Kleid zu

entdecken.

WINTERPANORAMAWEG

LAUCHERNALP

Mit bis zu 3020 Metern über Meer gilt

er als höchster Winterweg Europas:

der Panoramaweg auf der Lauchernalp.

Diese liegt im Lötschental eingebettet

zwischen den Walliser und den

Berner Alpen. Die Anreise erfolgt

mit dem RegioExpress Lötschberger

nach Goppenstein und weiter mit

dem Postauto bis zur Talstation der

Lauchernalp Bergbahnen. Oben

angekommen, ist der ein Kilometer

lange Weg hinter der Gletscherbahn

auf dem Hockenhorngrat zu finden.

Rund 50 Minuten dauert es bis zum

Aussichtspunkt, der einen einzigartigen

Blick auf zahlreiche Viertausender

bietet. Ein Hüngerli? Im Restaurant

Zudili gibt es eine herzhafte Walliser

Küche und selbstgebackenen Kuchen.

Die Lauchern alp hat übrigens auch

für Familien Spannendes auf Lager:

Auf einem fünf Kilometer langen Rundgang

erfährt man an interaktiven

Stationen viel Wissenswertes.

bls.ch/panoramaweg

WINTERWANDERN NIEDERHORN

Hoch über dem Thunersee liegt der

Beatenberger Hausberg: das Niederhorn.

Die Strecke Niederhorn–Hohwald–

Waldegg gilt mit zehn Kilometern als

längste und attraktivste Wanderung ihrer

Art, weil sie einen top Ausblick auf die

Berner Alpen und den Thunersee bietet.

Und so geht’s: mit dem RegioExpress

Lötschberger nach Thun und mit dem

STI-Bus der Linie 21 bis «Beatenbucht».

Danach fährt die Bergbahn zum Ausgangspunkt

dieser Wanderung, die dem Grat des

Niederhorns entlang in Richtung Burgfeld

zur Oberburgfeld-Hütte führt, wo sich das

Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau

von seiner schönsten Seite zeigt. Durch den

verschneiten Wald erreicht man talabwärts

die urchige Alphütte Chüematte (sonntags

geöffnet). Via Bergstation Hohwald endet

die Wanderung beim Dorfteil Waldegg,

Beatenberg. Das Postauto fährt entweder

48 NATURZYT


Winterwanderung ab Sunnebüel

bis zum Gemmipass mit

schöner Aussicht auf die

mächtigen Walliser Alpen.

Er gilt als höchster Winterweg

Europas: der Panoramaweg

auf der Lauchernalp mit bis

zu 3020 Metern über Meer.

Die Strecke Niederhorn–

Hohwald–Waldegg gilt

mit zehn Kilometern als

längste und attraktivste

Wanderung ihrer Art.

zur Bahnstation Beatenberg oder nach

Interlaken West. Die Strecke kann von der

entgegengesetzten Richtung mit einer

rasanten 30-minütigen Schlittel-Partie ab

Niederhorn bis Vorsass verbunden werden

– ein Muss für Kinder, Junge und Junggebliebene!

bls.ch/niederhorn

WINTERWANDERN GEMMIPASS

Er ist historisch: Schon die Römer und

Berühmtheiten wie der Schriftsteller

Marc Twain beschritten den Passübergang,

der vom Berner Oberland ab Sunnbüel

(1936 m ü.M.) bis zum Gemmipass

(2350 m ü.M.) im Wallis führt. Start dieser

zwölf Kilometer langen Wanderung ist

die Endstation der Luftseilbahn Sunnbüel

in Kandersteg. Zuerst folgt ein kurzer

Abstieg zur Ebene der «Spittelmatte»,

bevor es hinauf zum rustikalen Berg hotel

Schwaren bach geht. Dem Dauben see entlang

erreichen die Wanderlustigen den

Gemmipass mit seiner Aussicht auf die

mächtigen Walliser Alpen. Wer mag, kann

denselben Weg zurückwandern oder mit

der GemmiBahn nach Leukerbad herunterfahren

und mit Bus und Zug zurück nach

Kandersteg. Ein Tipp zum Schluss: Im

Thermalbad Leukerbad lässt sich dieses

wunderbare Pass-Abenteuer entspannt

ausklingen. Das aussichts reiche und

schneesichere Hochplateau bietet weitere

tolle Winter erlebnisse wie Skifahren, Langlaufen,

Winterbiken oder Skitouren.

Profitieren Sie vom RailAway-Kombi

mit attraktiven Ermässigungen auf die

Luftseilbahnfahrten. bls.ch/gemmi

Text/Fotos BLS

BLS-Freizeitshop

Im Brigerbad oder Leukerbad entspannen, das Tropenhaus Frutigen

erkundigen oder einen Wintertag auf dem Stockhorn geniessen: Lassen

Sie sich von unseren vielfältigen Ausflugsideen in den Regionen Berner

Oberland, Oberwallis und Piemont inspirieren und kaufen Sie ausgewählte

Ausflüge direkt im BLS-Freizeitshop. Wer möchte, kauft die An-/Rückreise

mit dem ÖV in Kombination mit einer Freizeitleistung und profitiert bei

ausgewählten Angeboten von attraktiven Ermässigungen.

Infos unter: bls.ch/freizeitshop

NATURZYT 49


SAFIENTAL –

WOHLTUEND RUHIG UND AUTHENTISCH

Im Safiental finden sportliche Winterfreaks und Ruhesuchende eine

alpine Oase. Das Tal im Naturpark Beverin beeindruckt mit seiner

faszinierenden Landschaft, regionalem Genuss und ungestörter Natur.

Wer sich auf den Weg ins

Safiental im Naturpark

Beverin macht, kommt

schon bei der Anreise

ins Staunen. Zuerst ist da die faszinierende

Rheinschlucht mit ihren schroffen

und eindrücklichen Felswänden links

und rechts vom gemächlich dahinfliessenden

Vorderrhein. Und von der Schlucht

windet sich dann die Strasse hinauf

durch das 25 Kilometer lange Tal. Auf

der schmalen Strasse ins Safiental könnte

man vermeintlich den Eindruck erhalten,

dass an diesem abgeschiedenen Ort

wohl niemand zu Hause ist. Hohe und

teilweise schroffe Bergzüge grenzen

das Tal gegen Osten, Süden und Westen

ab und verleihen dem Safiental ein wildromantisches

Landschaftsbild. Doch

sobald man Safien Platz, Tenna, Thalkirch

oder die höher gelegenen Weiler wie

Camana oder Zalön erreicht, weiss

man, wo sich die Walser niedergelassen

haben, als sie das Safiental um 1300

besiedelten. Sonnenverwöhnt und mit

grandioser Aussicht liegen die Dörfer

und Weiler hoch über dem Talgrund,

genauso wie es für Walser Streusiedlungen

typisch ist. Die kontrastreiche

Landschaft des Safientals zieht schroff

und sanft jeden Besucher und jede

Besucherin in ihren Bann – leise und

ruhig, aber voller Kraft und Energie.

Egal wo man Halt macht, taucht man

hier in eine alpine Oase ohne Hektik

und Lärm.

DIE SCHÖNSTEN SKITOURENZIELE

ZU FÜSSEN

Obwohl sich das Safiental ruhig und

beschaulich zeigt, bietet es Winterliebhabern

ein grosses Spektrum an

Schneesportangeboten. In Thalkirch,

Camana oder Safien Platz liegen den

Skitourenfahrern die schönsten Tourenziele

sprichwörtlich zu Füssen. Da und

dort kreuzt man am frühen Morgen

Tierspuren, und mit etwas Glück kann

man Gämsen, Rehe, Hirsche und Steinböcke

beobachten oder hört das Gurren

von Schnee- oder Birk hühnern. Die

weiten, nach Osten geneigten Hänge

zwischen 1200 und 3000 m ü.M. garantieren

den einen oder anderen Schweisstropfen

im Aufstieg und manchen Jauchzer

bei der Abfahrt.

Der Schneeschuhwanderer findet

ebenso aussichtsreiche Tourenziele

wie auch zwei markierte Trails durch

ungestörte Natur und prächtige Landschaft.

Die Routenbeschriebe dieser

beiden Trails findet der Naturliebhaber

unter SchweizMobil.ch. Wer sich lieber

50 NATURZYT


Winteridylle bei Camana

mit Piz Beverin im Hintergrund.

(Foto: Werner Stucki)

Winteridylle auf Imschlacht.

(Foto: Barbara Steinmann)

Schlitteln bei Imschlacht

auf dem Winter- und

Schlittelweg Brün.

(Foto: Safiental Tourismus)

auf den Langlaufskis bewegt, kommt auf

der sieben Kilometer langen, abwechslungsreichen

Loipe auf seine Kosten.

GENUSSMOMENT

BEIM WINTERWANDERN

Hoch über der Rheinschlucht vergisst

man beim Winterwandern zwischen

Brün und Imschlacht schnell Raum und

Zeit. Der Weg schlängelt sich den Berg

hinauf, stets begleitet von gross artigen

Ausblicken. Einmal oben angekommen,

wartet ein gemütliches Beizli mit selbstgemachten

Köstlich keiten auf die Wanderer.

Genuss pur in allen Belangen.

Wer es gerne rasant mag, nimmt den

Rückweg unter die Schlittenkufen.

MIT SONNENENERGIE SKIFAHREN

Im familiären Bergdorf Tenna steht der

innovative und weltweit viel beachtete

Solarskilift. Der 450 Meter lange Lift

be fördert Skigäste mit eigenem Solarstrom.

Auf den beiden Tragseilen über

dem Lifttrassee sind 82 Solarwings

montiert, welche, stets dem Sonnenstand

folgend, Strom produzieren. Dabei wird

an sonnigen Tagen sogar mehr Strom

generiert, als der Liftbetrieb selbst verbraucht,

und die überschüssige Leistung

kann ins Netz der lokalen Elektrizitätsversorgung

eingespiesen werden.

Insgesamt 4,5 Pistenkilometer sorgen

für Abwechslung und Plausch bei

den jungen Skistars. Die Kleinsten

entdecken auf dem Schneespielplatz

das Skifahren.

Text Safiental Tourismus, Jolanda

Rechsteiner Fotos Werner Stucki,

Barbara Steinmann

Schneetourenbus im Safiental

Der Schneetourenbus verbindet Versam mit dem Weiler Brün hoch

über der Rheinschlucht. Er verkehrt vom 26. Dezember 2019 bis

am 5. Januar 2020 täglich und danach bis 1. März 2020 am Wochenende

zwei Mal pro Tag.

www.schneetourenbus.ch

NATURZYT 51


WINTERZAUBER IM GLARNERLAND

Abseits der Hektik das Knirschen des Schnees und die Stille der Natur

geniessen: Wie eine weiche Decke legt sich die Ruhe über das Glarnerland und ist

Begleiter auf unseren wunderschönen Schneeschuh- und Winterwanderungen.

PANORAMAWANDERUNG HOCH

ÜBER DEM ALLTAG

Die «Panoramawanderung», eingebettet

in die märchenhafte Glarner Bergwelt,

startet mitten im Familien-Skigebiet

Braunwald. Sie führt durch lichte Wälder

und auf aussichtsreiche Pfade. Je höher,

umso offener präsentiert sich das Glarner

Gipfelpanorama mit dem Ortstock, dem

Hausberg Braunwalds, und dem mächtigen

Tödi auf 3614 m ü.M. Staunen lässt

der spektakuläre Anblick des tiefsten

Taleinschnitts der Schweiz – denn fast

3000 Höhenmeter liegen zwischen dem

höchsten Glarner Berg und dem Dorf

Linthal. Die Route führt an einem Bergrücken

vorbei und überrascht plötzlich

mit einer Eisgalerie. Ein Tunnel durch

dicken Fels bietet eine zauberhafte Welt

voller Eiszapfen und Eiskristalle. Bis

zum Gumen, dem höchsten Punkt der

Wanderung auf 1900 m ü.M., ist es

nicht mehr weit. Nebst dem heimeligen

Berggasthaus wartet hier einer der

schönsten Aussichtsplätze des Glarnerlands.

Von hier gibt’s zwei Möglichkeiten.

Mit der einzigartigen Panoramabahn

zurück nach Braunwald oder weiter via

Ortstockhaus, das durch eine raffinierte

Architektur und herzliche Gastgeber

besticht, nach rund 3 Wanderstunden

zurück zum Ausgangspunkt.

WINTERWANDERUNGEN MIT BLICK

AUFS UNESCO WELTERBE SARDONA

Kürzer, aber nicht minder beeindruckend

ist die Wanderung vom Ämpächli zur

Bischofalp in der Elm Ferienregion: Der

Ausgangspunkt für diese gemütliche

Wanderung befindet sich im Herzen des

Elmer Skigebiets. Auf dem komfortablen

Winterwanderweg kommt man an der

pittoresken Heuersiedlung Hengstboden

vorbei. Hier in der tiefverschneiten

Landschaft scheint die Zeit stehen zu

bleiben. Beim Berghotel Bischofalp auf

1650 m ü.M. wartet der herrliche Blick

auf die Tschingelhörner mit dem berühm

ten Martinsloch, die das Herzstück

des UNESCO-Welterbes Tektonikarena

Sardona bilden. Jeweils an zwei

Tagen im Frühling und im Herbst treffen

die Sonnenstrahlen durch das Martinsloch

direkt auf die Dorfkirche von Elm

und bieten ein weltweit einzigartiges

Lichtspektakel.

SCHNEESCHUHTOUR IM ÄLTESTEN

WILDSCHUTZGEBIET EUROPAS

Zwischen dem Gross- und dem Sernftal

liegt das älteste Wildschutzgebiet Europas.

Der über 450 Jahre alte Freiberg Kärpf

ist mit seiner Fläche von 106 Quadratkilometern

auch eines der grössten

Wild-Rückzugsgebiete der Schweiz. Mit

der Luftseilbahn dauert die Bergfahrt

52 NATURZYT


Winterlandschaft im

autofreien Braunwald.

Hier in den tiefverschneiten

Weissenbergen scheint

die Zeit stehen zu bleiben.

Blick auf das UNESCO-

Welterbe Tektonik arena

Sardona in Elm.

nach Mettmen nur wenige Minuten.

Die wundervolle Abgeschiedenheit in

der verschneiten Winterlandschaft ist

einzigartig. Von hier kommt man mit

Schneeschuhen in 3 Stunden zur Leglerhütte

SAC. Die Hütte besticht mit einem

reichhaltigen Verpflegungsangebot

und einer modernen Infrastruktur. Wer

es etwas gemütlicher mag oder gleich

für mehrere Tage die Abgeschiedenheit

in den Glarner Alpen geniessen will,

ist im kürzlich eröffneten Berghotel

Mettmen bei Sarah und Romano Frei

an der richtigen Adresse.

VERSCHNEITE FICHTENWÄLDER

UND LICHTUNGEN MIT WEITBLICK

Mullern, Fronalp und Ennetberge bieten

wunderschöne, lawinensichere Schneeschuhpfade

und präparierte Winterwanderwege

in Glarus Nord. Verschneite

Fichtenwälder, Lichtungen und Alpweiden

gestalten die malerische Landschaft

mit wunderschöner Aussicht auf

die Linthebene und fast alle Glarner

Berge. Die ganze Tour erstreckt sich

über 14 Kilometer, man kann sich aber

auch auf kleinen Etappen bewegen. Ein

Geheimtipp ist die beleuchtete (Schneeschuh-)

Wanderung mit Fackeln in der

Hand zu «Heu & Herz» auf Mullern.

Als Belohnung winkt ein gemütliches

Fondue, das mit dem «uurwürzig» guten,

ältesten Schweizer Markenprodukt –

dem Glarner Schabziger – nach Wunsch

gewürzt werden kann.

Text Tanja Gygli Fotos Daniele Giardina,

Maya Rhyner, Samuel Truempy

Andere Regionen sind grösser, doch nur wenige sind so vielfältig und abwechslungsreich

wie das Glarnerland. Die Glarner Ferienorte sind familiär,

die Menschen gesellig – wer sich im Glarnerland vom Alltag erholt, und

sei es nur für einen Tag, kehrt garantiert entspannt zurück. Im Winter

stehen neben Ski, Snowboard und Schlitteln auch spezielle Aktivitäten

wie Eisfischen oder Eistauchen auf dem Programm.

Reisen Sie gratis mit dem ÖV ins Glarnerland, indem Sie mindestens zwei

Übernachtungen buchen.

Weitere Informationen unter: www.glarnerland.ch

NATURZYT 53


Naturwärts – auf den Spuren der Natur

Malen mit Licht

54 NATURZYT


Das letzte Abendlicht

auf dem Chäserrugg

NATUR ERLEBEN

Fotografieren bedeutet «Malen mit Licht». Die vorhandene

Lichtstimmung in einem Bild ergibt sich aus

dem Zusammenspiel von Lichtquelle, Lichtrichtung,

Lichteinfall.

Im Winter sieht man besonders schön, wie gross der Einfluss

des Lichts ist. Denn die an sich neutrale Schneefläche

gibt die vorhandene Lichtfarbe sehr schön wieder.

Schneefelder im Schatten sind bläulich, besonnte Schneefelder

leuchten warm.

Wenn die Sonne ganz tief steht, nimmt der Schnee das

orangerote Licht wunderschön auf, und es entstehen

ganz besondere Bilder.

Ich wünsche Ihnen einen schneereichen und sonnigen

Winter!

Text/Fotos Tobias Ryser

NATURZYT 55


Milchstrasse über

dem Bristen

56 NATURZYT


NATURZYT 57

NATUR ERLEBEN


Der Autor

Tobias Ryser arbeitet als selbstständiger Fotograf mit

Schwerpunkt Natur- und Landschaftsfotografie. Auf der

Suche nach dem perfekten Moment legt er grossen

Wert auf eine ästhetische Bildkomposition und atemberaubendes

Licht.

Tobias Ryser zählt zu den erfolgreichsten Natur fotografen

der Schweiz, seine Bilder werden regelmässig

publiziert und wurden bereits mehrfach aus gezeichnet in

diversen nationalen und internationalen Wettbewerben.

Mehr Informationen unter:

www.tobias-ryser.ch, www.naturwaerts.ch

58 NATURZYT


Vollmondaufgang über

dem Fluebrig

zur blauen Stunde

NATUR ERLEBEN

NATURZYT 59


Bergketten im

sanften Abendrot

Licht- und Schattenspiel

am Berg

60 NATURZYT


Naturwunder Schweiz

Dürfen wir Sie zum Staunen

einladen?

Zusammen mit Martin Mägli tritt Tobias Ryser ab

März 2020 mit der Multivisions-Show «Naturwunder

Schweiz» in verschiedenen Schweizer Städten auf.

Die Show besteht aus einer Kombination von Bildern,

Videos, Musik und Live-Erzählungen und zeigt die

Schweizer Naturlandschaften im schönsten Licht.

Tickets und mehr Informationen

unter www.naturwunder-schweiz.ch

03.03.2020 Baden Pfarreisaal Roter Turm

04.03.2020 Solothurn Landhaus

05.03.2020 Buchs AG Gemeindesaal

10.03.2020 Münchenstein Kuspo

11.03.2020 Schaffhausen Kammgarn

12.03.2020 Wetzikon Kantonsschule Aula

17.03.2020 Thun Burgsaal

NATUR ERLEBEN

18.03.2020 Spiez Lötschbergsaal

19.03.2020 Interlaken Kirchgemeindehaus

24.03.2020 Burgdorf Aula Gsteighof

25.03.2020 Glarus Schützenhaus

26.03.2020 Chur Titthof

Goldenes Gegenlicht im

verschneiten Wald

NATURZYT 61


Zu guter Letzt

Mut zum «Zero Waste»-Experiment

Ein Experiment ist manchmal

der erste Schritt zur Veränderung.

Vielleicht auch

beim Thema «Zero Waste»?

Das Bewusstsein für die Auswirkungen

von Plastik und anderen Verpackungen

wächst. Immer mehr Menschen entscheiden

sich für «Zero Waste» – oder

überlegen sich verschiedene Massnahmen,

um den Müllwahnsinn drastisch zu

reduzieren. Dem wiederverwendbaren

Kaffeebecher, den Unverpackt-Läden

und anderen Innovationen sei Dank ist

«Zero Waste» inzwischen viel realistischer

als noch vor ein paar Jahren. Trotzdem

kommt wohl jeder Konsument früher

oder später ins Grübeln: Was soll ich

als Einzelperson schon ausrichten? Und

ganz auf Verpackungen verzichten –

wie soll das gelingen?

Diese Fragen beschäftigen auch

Lena und ihre Familie, die Protagonisten

des Kinderbuchs «Kein Plastik

für den Wal: Lena kauft unverpackt».

Die Schülerin will ihre Eltern zu mehr

Umweltbewusstsein motivieren. Doch

die reagieren ablehnend: Ohne Plastik

leben? Viel zu kompliziert! Einfach un -

realistisch! Um ihre Eltern zu über zeugen,

überredet Lena sie zu einem besonderen

Experiment: sieben Tage ohne Plastik.

Das Experiment wird anspruchsvoller

als gedacht – und trotzdem schliesslich

ein Erfolg. Denn Lenas Einsatz für

«nackte» (unverpackte) Früchte und

kompostierbare Zahnbürsten weckt

schliesslich auch die Kreativität der

Eltern und der ganzen Klasse. Alle entwickeln

gemeinsam kreative Ideen und

erkennen: «Zero Waste» fällt gemeinsam

viel leichter als allein. Es gibt schon

viele konkrete Erfahrungen, die man

miteinander teilen kann. Nach sieben

Tagen sind Lena und ihre Familie noch

keine «Zero-Waste-Experten», aber sie

sind erstaunt, dass «Zero Waste» gar

nicht so kompliziert und unrealistisch

ist wie vermutet. Die Geschichte «Kein

Plastik für den Wal» hilft Familien,

Kindern «Zero Waste» näherzubringen.

Sie zeigt mit vielen witzigen und konkreten

Ideen, wie man als Familie ohne

Plastik leben kann. Dafür muss man

sein Leben nicht von heute auf morgen

komplett auf den Kopf stellen. Warum

es nicht einfach mal als Experiment

ausprobieren? Jede Einzelperson, jedes

Paar und jede Familie kann sich auf ein

«Zero-Waste-Experiment» einlassen.

Nach sieben Tage oder einem Monat

wird ein Fazit gezogen: Was hat sich

verändert? Wie kompliziert war es? Was

könnte man sonst noch machen? So

wird «Zero Waste» Schritt für Schritt

Realität.

Text Stephan Sigg

Fotos pixabay.com

Stephan Sigg:

«Kein Plastik für den Wal:

Lena kauft unverpackt»

mit Illustrationen von

Anna-Katharina Stahl

120 Seiten, 13,3 x 20,5 cm,

gebunden mit Softcover

Erstauflage 2019

Camino-Verlag

ISBN 978-3-96157-092-8 CHF 14.90

Mehr zum Autor unter

www.stephansigg.com

62 NATURZYT


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