Berliner Zeitung 18.11.2019

BerlinerVerlagGmbH

Erst Havemann, dann Tesla: Grünheide als Rückzugs- und Zukunftsort – Brandenburg Seite 17

In eigener

Sache –ein

Brief der

Chefredaktion

Seite 2

5°/12°

Wolken und Regen

Wetter Seite 2

Löws Personalsorgen

nach der EM-Qualifikation

SportSeite 22

www.berliner-zeitung.de

Mit Franziska Giffey

durch Neukölln

Berlin Seite 11

Montag,18. November 2019 Nr.268 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Mehr Rente –aber auch

mehr Abgaben

Wirtschaft Seite 6

Ferkel

vor

Gericht

VonChristian Rath

Ein Ferkel müssen wir uns denkbar

weit von jeder Gerichtsbarkeit

vorstellen. Ferkel werden geboren, sie

wachsen heran und werden geschlachtet.Viel

mehr haben wir Menschen

in der Regel nicht für sie übrig.

Umso erstaunlicher ist es, dass in einer

Verfassungsbeschwerde der Tierrechtsorganisation

Peta, die am

Dienstag eingereicht werden soll, all

jene männlichen

Ferkel als Beschwerdeführer

angeführt sind,

die betäubungslos

kastriert werden.

Peta würde

mit dieser Klage

gerne Rechtsge-

Ein Ferkel,

das durchsetzbare

Rechte haben sollte

Tierschutz

schichte schreiben.

Halten wir

also fest: Männliche

Ferkel führen

vor dem Bundesverfassungsgericht

in Karlsruhe eine Beschwerde.

Grund dazu hätten sie allemal:

Derzeit werden fast alle männlichen

Ferkel kurznach der Geburtkastriert,

weil ein kleinerTeil der nicht-kastrierten

männlichen Schweine einen komischen

Geruch entwickelt, den

Ebergeruch. Zwar ist inzwischen bekannt,

dass die Tiere bei der Kastration

Schmerzen erleiden, dennoch

wird sie in Deutschland immer noch

ohne Betäubung durchgeführt. Zwar

beschloss der Bundestag schon 2013

den Ausstieg aus der betäubungslosen

Kastration, gewährte den Schweinezüchtern

aber eine Übergangszeit

bis Ende 2018. Kurz vor Ablauf der

Frist beschloss der Bundestag auf

Druck der Agrarwirtschaft eine weitereVerlängerung

bis Ende 2020.

Genau dagegen richtet sich nun

die Verfassungsbeschwerde der betroffenen

Ferkel. Mehr als die Hälfte

de 67-seitigen Klage, die dieser Zeitung

vorliegt, befasst sich mit der

Frage, obFerkel überhaupt Grundrechte

haben und diese einklagen

können. Bisher sind im Wesentlichen

Menschen Träger vonGrundrechten.

Die Klageschrift wurde von der renommierten

Umweltrechtsanwältin

Cornelia Ziehm verfasst. Ihr Argument

geht so: Es kann nicht sein, dass

sich ausTierschutzgesetz und Grundgesetz

(Staatsziel Tierschutz) Pflichten

zugunsten der Tiere ergeben, die

dann aber nicht durchgesetzt werden

können. Tiere müssten deshalb als

klagefähige „nichthumane Rechtspersonen“

anerkannt werden.

Allerdings wirdkeines der klagenden

Schweine namentlich benannt.

Vertreten werden die Ferkel von Harald

Ullmann, dem 2. Vorsitzenden

vonPeta. Es ist völlig unklar,wie diese

Vertretung zustande kam. Weder haben

die Schweine Peta eineVollmacht

gegeben, noch gibt es (wie bei Kindern)

eine gesetzlich geregelteVertretung.

Faktisch geht es Peta also weniger

um ein Klagerecht von Tieren,

sondern eher um eine Art verfassungsrechtliches

Verbandsklagerecht

für Tierschutzvereine. Mal sehen, ob

sich das Bundesverfassungsgericht

dafür zuständig fühlt.

Bäume

sterben

leise

Warum es Berlins Stadtbäumen

in diesem Jahr so schlecht geht

Berlin Seite 12

VonAnnika Leister

Nur ein paar Schritte trennen

die Wohnung des

Ehepaars Schäfer (Name

von der Redaktion geändert)

von der Gefängnismauer der

Justizvollzugsanstalt Tegel. Ausihrem

Wohnzimmerfenster im zweiten

Stock blicken die Rentner direkt auf

die massivegraue Mauer und die dahinterliegenden

Zellen. Katina Schäfer,

roter Rollkragenpulli, die dunkelblonden

Haare im Nacken zusammengebunden,

lebt seit 60 Jahren

hier.Fast ihr ganzes Leben lang. Unsicher

gefühlt habe sie sich in der Umgebung

der JVA bisher noch nie, sagt

sie. Doch das hat sich in den vergangenen

Monaten drastisch geändert.

Plötzlich hat Schäfer ein „ungutes

Gefühl“, sagt sie, fühlt sich unsicher

wie nie zuvor. Grund dafür sind die

Pläne der Senatsjustizverwaltung,

einen offenen Vollzug für Sicherungsverwahrte

in Tegel einzurichten.

Sicherungsverwahrte sind die

gefährlichsten Straftäter hinter Gittern

– Sexualstraftäter und extrem

brutale Gewaltverbrecher,bei denen

ein Gericht entschieden hat, dass sie

auch nach Verbüßen ihrer Haftstrafe

noch eine so große Gefahr für die Allgemeinheit

darstellen, dass sie von

ihr ferngehalten werden müssen.

Der offene Vollzug für diese Straftäter

ist ein Pilotprojekt in Berlin.

Man setze damit einen gesetzlichen

Auftrag aus dem Sicherungsverwahrungsvollzugsgesetz

um, heißt es aus

der Verwaltung. Auch die anderen

Bundesländer seien dazu verpflichtet.

50 Sicherungsverwahrte sitzen

zurzeit in Tegel. Darunter: Keith M.,

Das Gesetz und die Angst

Sexualstraftäter und Gewaltverbrecher in Sicherheitsverwahrung sollen bald im offenen Vollzugleben können

verurteilt 2005, weil er mit 16 einen

siebenjährigen Jungen zu Tode quälte

und zu seinen Gründen sagte, dass

„er schon immer wissen wollte, wie

das so ist“. Die Sicherungsverwahrung

erhielt M. erst später, weil er im

Gefängnis immer wieder gewalttätig

wurde.Ein weiterer bekannter Fall in

Sicherungsverwahrung: Gerhard H.,

der Mitte der 90er-Jahre versuchte,

eine Zwölfjährige zu vergewaltigen,

sie misshandelte und tötete.

Auf Nachfrage der Berliner Zeitung

erklärt die Senatsjustizverwaltung,

dass alle Sicherungsverwahrten

in Tegel verurteilt wurden wegen

„Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

und Gewaltdelikten“.

Vor ihrer Sicherungsverwahrung

müssen sie ihreHaftstrafen absitzen.

Zuletzt hat die Justizverwaltung

2016/2017 erhoben, wie lange die Sicherungsverwahrten

insgesamt –

also mit Haftstrafe und Sicherungsverwahrung

–bereits hinter Gittern

sitzen. Ergebnis: im Schnitt 15 Jahre.

Die längste Sicherungsverwahrung

in Tegel währtbereits 18 Jahre.

Die Sicherungsverwahrten können

sich schon jetzt für „Lockerungsmaßnahmen“

qualifizieren –

und dann zum Beispiel ehrenamtlich

in einer Suppenküche arbeiten.

„Vor der ersten Lockerungsmaßnahme

muss immer ein externes

Sachverständigengutachten vorliegen“,

schreibt die Senatsjustizverwaltung

zum jetzigen Prozedere. Bewähren

sich die Sicherungsverwahrten

bei ihren Ausgängen, haben sie

Aussicht auf Freiheit. Seit 2015 sind

15 Menschen in Berlin aus der Sicherungsverwahrung

entlassen worden,

erklärtdie Senatsjustizverwaltung.

Für den offenen Vollzug könnten

sich in Zukunft nur Sicherungsverwahrte

qualifizieren, die bereits für

Lockerungen zugelassen und erprobt

seien, teilt die Verwaltung wei-

„Warum mutet man uns zu, mit ihnen zu leben?“

Eine Anwohnerin

der JVA Tegel über den offenen Vollzug für Sicherungsverwahrte

ter mit. Sachverständige und JVA

müssten zu einer „günstigen Gesamtabwägung“

gelangen. Vor der

endgültigen Entscheidung sei das

zuständige Gericht zu hören. Es

dürfe nicht zu befürchten sein, dass

der Untergebrachte fliehe „beziehungsweise

die gelockerten Bedingungen

des offenen Vollzugs zur Begehung

neuerlicher einschlägiger

Straftaten missbraucht“.

DieSchäfers in Tegel beruhigt das

nicht. Gutachter können irren, sagen

sie.Und ihr größtes Problem ist: Der

offene Vollzug soll nicht irgendwo

eingerichtet werden, vor allem nicht

hinter der dicken Gefängnismauer.

Sondern inder Seidelstraße 34 und

damit vor der Mauer, direkt neben

Berliner Senat

steht zum

Mietendeckel

Innenministerium hält

Gesetz für verfassungswidrig

VonJulia Haak

ImBerliner Senat gibt man sich angesichts

der neuesten Entwicklungen

beim Thema Mietendeckel betont

gelassen. Am Wochenende war

eine Einschätzung des CSU-geführten

Bundesinnenministeriums öffentlich

geworden, der zufolge der geplante

Mietendeckel des Berliner Senats

gegen das Grundgesetz verstößt.

Das Land habe gar nicht das Recht,

solche Entscheidungen zu treffen.

Das sieht man in Berlin anders. Die

verlautbarte Haltung aus dem Hause

von Horst Seehofer sei nur eine Meinung,

es gebe Hunderte andere, heißt

es aus Kreisen des Berliner Senats.

EinGericht wirdentscheiden

Die Berliner CDU hatte am Sonnabend

den Inhalt einer E-Mail aus

dem Bundesinnenministerium an

den Abgeordneten Kai Wegner zitiert.

Das Land Berlin sei „kompetenzrechtlich

gehindert“, Gesetze

zur Mietbegrenzung zu erlassen,

schreibt das Ministerium. Die Mietpreisbegrenzung

sei durch den Bund

„umfassend und abschließend geregelt“

worden. Solche Entscheidungen

des Bundesgesetzgebers dürften

nicht durch Entscheidungen eines

Bundeslandes „verfälscht“ werden.

DieE-Mail liegt der Redaktion vor.

Dierot-rot-grüne Koalition in Berlin

will Anfang kommenden Jahres

ein „Gesetz zur Neuregelung gesetzlicher

Vorschriften zur Mietenbegrenzung“

verabschieden. Das Vorhaben

ist bundesweit einmalig. Geplant ist

ein Mietenstoppfür fünf Jahre.

In der Verwaltung von Stadtentwicklungssenatorin

Katrin Lompscher

(Linke) ordnet Sprecherin Katrin

Dietl die Einlassungen des Bundesinnenministeriums

als bekannte

CDU-Position ein. „Allen Beteiligten

war von Anfang an bewusst, dass sie

juristisches Neuland betreten. Am

Ende wird ein Gericht entscheiden,

ob der Mietendeckel Bestand hat“,

sagt sie. Kai Wegner hingegen warnt:

„Die Linkskoalition muss endlich zur

Besinnung kommen. Wenn erst später

ein Gericht den Mietendeckel zu

Fall bringt, droht ein Chaos.“ DieBerliner

CDU will auf dem Bundesparteitag

in der kommenden Woche in

Leipzig eine Normenkontrollklage

anregen. Berlin Seite11

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Entgelt bezahlt

den Schäfers, in der an ihr Haus

grenzenden Doppelhaushälfte. Anfang

2020 soll die Sanierung beginnen.

Wohnzimmer an Wohnzimmer

sollen die Schäfers danach wohnen

mit den Sicherungsverwahrten, denen

Lockerungen gewährt wurden.

Ihre neuen Nachbarn könnten aus

ihren Zimmern indas Bad, den Flur

und den Garten der Schäfers hinter

dem Haus gucken –und müssen nur

um die Ecke laufen, um bei ihnen vor

der Tür zu stehen. Vonden Plänen

erfahren haben die Schäfers aus dem

Radio, das hat sie verärgert. Inzwischen

hat es Gespräche mit der JVA

und der Bauaufsicht gegeben. Die

Schäfers konnten sich Sicherheitsvorkehrungen

wünschen, darunter:

Schallschutz im Wohnzimmer, Jalousien

für Bad und Flur, ein Türspion,

Sichtschutz für den Garten.

Doch die Schäfers verstehen

nicht, warum der offene Vollzug

nicht hinter den Mauern liegt –wie

es beim offenen Vollzug für normale

Strafgefangene häufig der Fall ist.

Schließlich hätten die Sicherungsverwahrten

doch gerade erst einen

neuen Trakt bekommen. Der Neubau

für die Sicherungsverwahrten

wurde 2014 vom Regierenden Bürgermeister

an die JVA übergeben.

Kosten: 14Millionen Euro. „Warum

kann man denen nicht zumuten,

über den Hof zulaufen?“, fragt Katina

Schäfer.„Warummutet manuns

zu, dass wir mit ihnen leben?“ Diese

Fragen will Schäfer am Montagabend

Vertretern der Justizverwaltung

stellen. Dann wird eseinen Informationsabend

für Anwohner geben.

Der aber wird hinter den Mauernder

Haftanstalt Tegel stattfinden. 4 194050 501603

IMAGO IMAGES

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2 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Tagesthema

In eigener Sache

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Redaktion der Berliner Zeitung ist die Redaktion

in Deutschland, in der die Vergangenheit manchmal

drei Jahrzehnte und manchmal nur ein paar Sekunden

entfernt ist. Das ist eine Aufgabe. Und seit

dem vergangenen Freitag, seitdem unserVerleger Holger

Friedrich erklärt hat, vor dreißig Jahren an die

Staatssicherheit der DDR berichtet zu haben, ist diese

Aufgabe nicht kleiner geworden.

Die Redaktion debattiert seit diesem Tagintensiv

über diesen Fall und die Frage,wie sie damit umgehen

soll. UnsereAntwort: Wirwerden damit umgehen wie

mit anderen Fällen auch, wir werden diesen Fall journalistisch

aufbereiten. Wir werden Fakten sammeln,

wir wollen die Akten –die Opfer- und die Täterakte –

einsehen. Die Redaktion wird sich ein Bild machen

und auch Experten bitten, sich ein Bild zu machen. Sie

wird auch versuchen, mit Menschen zu reden, die in

den Akten auftauchen. Holger Friedrich hat der Redaktion

ausdrücklich zugesichert, sie auf diesem Weg

zu unterstützen. Die Berliner Zeitung wird über den

Fall berichten, wie sie auch sonst berichten würde.

Journalistisch klar und unabhängig.

DieRedaktion der Berliner Zeitung hat sich selbstverständlich

gefragt, wieso Holger Friedrich sie nicht

schon früher, nämlich als er den Verlag gekauft hat,

darüber informierte, dass da etwas ist, was sie wissen

sollte.Wir werden unserenVerleger dazu befragen.Wir

wollen seine Beweggründe kennenlernen, wir wollen

verstehen, wie seine Entscheidung zustande kam.

Roland Jahn, der Beauftragte für die Stasi-Unterlagen,

hat in einem Interview der Zeit zum Fall Friedrich

gesagt: „Persönliche Aufarbeitung, das Bekenntnis zur

eigenen Stasi-Tätigkeit muss nicht immer öffentlich geschehen.

Es kann auch im Gespräch mit den Bespitzelten

geschehen, die letztlich die Opfer waren, auf die das

SED-Regime und die Stasi Druck ausgeübt haben.“

Holger Friedrich hatte sich entschieden, über seine

Geschichte nicht öffentlich zu reden. Er hat der Redaktion

am Freitag zu verstehen gegeben, dass er dieses

Thema für sich abgeschlossen hatte.Das ist für viele in

der Redaktion und im Land nicht befriedigend. Auch

über diese Entscheidung wird zu debattieren sein.

Undüber die Frage,obRoland Jahns Satz, dass ein Bekenntnis

nicht immer öffentlich sein muss, für einen

Verleger richtigseinkann.

Wir sind eine Redaktion mit einer langen und

schmerzhaften Geschichte in der Aufarbeitung der

DDR-Vergangenheit. Wir haben dabei gelernt, dass

diese nur mit Transparenz, Wahrhaftigkeit und Mut

gelingen kann. Dies gilt auch für die jetzige Situation.

Die Redaktion der Berliner Zeitung wird sich auch

damit beschäftigen, warum in diesem Land dreißig

Jahrenach dem Mauerfall so viele Fragen nicht beant-

Jochen Arntz

ist Chefredakteur

der Berliner Zeitung

Elmar Jehn

ist Chefredakteur des Berliner Kuriers und

Mitglied der Chefredaktion der Berliner Zeitung

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

wortet sind und Menschen ihre Geschichte nicht offenlegen.

Wir haben in den Sonderausgaben zum

Mauerfall-Jubiläum dafür plädiert, aus der Geschichte

zu lernen und uns nicht ewig in gegenseitigen Schuldzuweisungen

zu verlieren zwischen Ost und West beziehungsweise

Systemtreuen und Dissidenten, da wie

dort.

Einige Reaktionen auf das Bekanntwerden der

Stasi-Vergangenheit von Holger Friedrich zeigen aber

auch, dass manchmal die Chance,zueinem angemessenen

Urteil zu kommen, noch schneller vergeben

wird, als man nach dreißig Jahren Geschichte erwartet

hätte. Der Chefredakteur der Bild-Zeitung twitterte:

„Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist die @berlinerzeitung

wieder in Stasi-Hand“.

Nein, das sind wir nicht.

Die Berliner Zeitung hat –gerade weil sie in den

letzten 30 Jahren immer besonders in den Kämpfen

der Zeit stand –gelernt, die Dinge differenziertzubetrachten.

Wenn es um ihre Leserinnen und Leser und

deren Lebensgeschichte geht, wenn es um die eigenen

Redakteurinnen und Redakteure und auch wenn es

um Politikerinnen und Politiker geht. Dasist etwasBesonderes

an dieser Zeitung. Das macht sie widerstandsfähig

gegen Ideologie und Lagerdenken. Das

macht sie manchmal tastender und vorsichtiger, hält

sie aber wach.

In Deutschland hat es nach dem Mauerfall keine

Wahrheitskommissionen gegeben wie in Südafrika

oder ähnliche institutionelle Angebote.Zeitungen haben

diese Debatten oft geführt, die Berliner Zeitung ist

auch dafür bekannt.

Wir werden auch jetzt eine Debatte führen, oder

besser gesagt zwei. Dieeine mit unserem Verleger über

seine Verantwortung. Die andere mit uns und diesem

Land über die Frage,wieso die Deutschen dreißig Jahre

nach dem Mauerfall nicht weiter gekommen sind in der

Pflicht, uns unserer Verantwortung zu stellen und unserebesondereGeschichte

eines geteilten Landes in all

ihrer Härte zu erkennen. Um es mit Roland Jahn zu sagen:

„Niemand soll auf ewig verdammt sein. Auch wer

sich mit der Stasi eingelassen hatte, soll heute eine

Chance bekommen. Aber keiner darf aus der Verantwortung

für sein Handeln entlassen werden.“

Darüber möchten wir mit Ihnen, liebe Leserinnen

und liebe Leser, debattieren. Sprechen Sie mit uns,

schonungslos.Schreiben Sieuns.Denn, wiegesagt, in

der Berliner Zeitung sind die vergangenen dreißig

Jahre manchmal nur Sekunden entfernt. Diesem Befund

müssen und werden wiruns stellen.

Herzlich,

die ChefredakteureJochen Arntz und Elmar Jehn

Berichterstattung

Centogene und die Berliner Zeitung

Inder aktuellen Ausgabe des Spiegel

und auf Spiegel Online beschäftigt

sich das Magazin mit Holger

Friedrich, demVerleger der Berliner

Berliner Zeitung, und der Berichterstattung

der Berliner Zeitung

über das Rostocker Unternehmen

Centogene.

Der Spiegel schreibt: „Der neue

Eigentümer der Berliner Zeitung,

Holger Friedrich, muss sich vorhalten

lassen, seine geschäftlichen Interessen

als Zeitungsverleger und

als Aktionär einer Diagnostikfirma

nicht transparent gemacht zu ha-

ben. Am 8. November vermeldete

sein Blatt auf der Titelseite eine

’Ostdeutsche Erfolgsstory in der

Medizin’. Darin erfuhren die Leser

vom Börsengang der Firma Centogene

aus Rostock, nach Angaben

des Blattes ’Weltmarktführer in

der gentechnischen Analyse seltener

Krankheiten’. Was die Leser

nicht erfuhren: Verleger Friedrich

ist selbst Aktionär von Centogene.

Laut US-Börsenaufsicht hielt er im

Juni über eine in Berlin ansässige

Firma 3,27 Prozent an dem Unternehmen.

Zudem ist Friedrich Mitglied

des Centogene-Aufsichtsrats.

Dafür erhielt er den Angaben

zufolge 2018 eine Vergütung von

23.000 Euro.“

Die Redaktion der Berliner Zeitung

hat versprochen, diesen

Sachverhalt aufzuklären. Das wollen

wir an dieser Stelle tun:

Richtig ist, dass Holger Friedrich

dem Herausgeber und der Chefredaktion

der Berliner Zeitung den

Hinweis gegeben hat, dass Centogene,

ein ostdeutsches Unternehmen,

Weltmarktführer in der gentechnischen

Analyse sei und der Börsengang

ein Anlass zur Berichterstattung

sein könnte.

Da es sich nach Einschätzung der

Redaktion bei Centogene tatsächlich

um ein interessantes Unternehmen

handelt, über dessen Geschichte

und bevorstehenden Börsengang

auch schon andereMedien berichtet

hatten, sahen wir keinen Grund, eine

Interessenskollision zwischen einer

Berichterstattung und möglichen

Privatinteressen Holger Friedrichs

zu vermuten.

Zudem passte ein Bericht über

ein erfolgreiches ostdeutsches Unternehmen

thematisch gut in die

Ausgaben des 8. und 9. November

zum 30. Jahrestag des Mauerfalls.

Daher gab die Chefredaktion die Information

an die Wissenschaftsredaktion

der Berliner Zeitung weiter,

mit dem Auftrag, einen Artikel über

das Unternehmen zu schreiben. Weder

der Chefredaktion noch den beiden

Wissenschaftsredakteuren war

zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass

Holger Friedrich an dem Unternehmen

beteiligt ist.

Wäre das anders gewesen, hätte

die Redaktion diese Information in

den Artikel mit aufgenommen. Wir

bedauern, dass wir diese Information

den Lesern nicht geben konnten,

stehen aber zu unserem journalistischen

Interesse an diesem

Thema.

Wir werden in Zukunft für

Transparenz sorgen, indem wir

unsere Berichterstattung ausnahmslos

darauf prüfen werden,

ob geschäftliche Interessen des

Unternehmerehepaares Friedrich

oder unseres Hauses davon berührt

sind – und dies öffentlich

machen. (BLZ)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute ziehen dichte Wolken heran, die vielerorts Regen dabei haben. Die

Temperaturen sind bei maximal 10 bis 14Grad anzutreffen, und der Wind

weht schwach bis mäßig aus Südwest. In der Nacht erreichen die Temperaturen

3bis 0Grad. Dazu kommen zuweilen die Sterne heraus. Nur lokal

treten Schauer auf.

Biowetter: Das allgemeine Wohlbefinden

lässt zu wünschen übrig.

Nach einem wenig erholsamen

Schlaf sind Wetterfühlige erschöpft

und elanlos. Im Arbeitsalltag fallen

ihnen Aufgaben schwer.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 23 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 31 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 24 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 94%

Gefühlte Temperatur: maximal 12Grad.

Wind: schwach aus Südwest.

Wittenberge

4°/10°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

3°/11° 5°/12°

Luckenwalde

3°/11°

Cottbus

4°/13°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

wolkig heiter wolkig

4°/8° 2°/6° 4°/10°

Prenzlau

6°/13°

Frankfurt

(Oder)

6°/14°

Ein Tief wandert über Mitteleuropa nordwärts in Richtung Nordsee und hat

Regen im Gepäck. Gleichzeitig kommt an dessen Südflanke bei uns wieder

kühle Luft an, und die Schneefallgrenze sinkt auf 1100 bis 500 Meter. Weitere

Regenwolken ziehen über den westlichen Mittelmeerraum und Italien hinweg.

Köln

4°/8°

Sylt

5°/9°

Saarbrücken

3°/4°

Hannover

5°/10°

Konstanz

1°/6°

Hamburg

4°/9°

Erfurt

2°/7°

Frankfurt/Main

4°/6°

Stuttgart

2°/6°

Rostock

5°/10°

Magdeburg

4°/11°

Nürnberg

2°/7°

München

2°/7°

Rügen

6°/12°

Dresden

5°/11°

Deutschland: Heute gibt es bei vielfach

stark bewölktem Himmel zeitweilige

Regenfälle, und die

Temperaturen klettern am Tage auf

4bis 14 Grad. Nachts gehen die

Wertedann auf 4bis 0Grad zurück.

Der Wind weht schwach bis mäßig

aus südwestlichen Richtungen. Morgen

herrscht bei größtenteils stark

bewölktem Himmel nur sehr vereinzelt

Regenwetter. Dabei kommen die

Höchsttemperaturen auf 3bis 9Grad

voran, und der Wind weht schwach

bis mäßig aus Südwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 8°-10°

Nordsee: 9°-12°

Mittelmeer: 14°-26°

Ost-Atlantik: 10°-17°

Mondphasen: 19.11. 26.11. 04.12. 12.12.

Sonnenaufgang: 07:33 Uhr Sonnenuntergang: 16:09 Uhr Mondaufgang: 21:31 Uhr Monduntergang: 12:58 Uhr

Lissabon

16°

Las Palmas

19°

Madrid

12°

Reykjavik


Dublin


London


Paris


Bordeaux


Palma

16°

Algier

15°

Nizza

14°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen

10°

Berlin

12°

Mailand

10°

Tunis

19°

Rom

14°

Warschau

15°

Wien

10° Budapest

15°

Palermo

16°

Kiruna

-9°

Oulu


Dubrovnik

17°

Athen

22°

St. Petersburg


Wilna

10°

Kiew


Odessa

14°

Varna

18°

Istanbul

22°

Iraklio

23°

Archangelsk

-4°

Moskau


Ankara

17°

Antalya

22°

Acapulco 32° wolkig

Bali 34° heiter

Bangkok 32° heiter

Barbados 29° Schauer

Buenos Aires 27° Gewitter

Casablanca 19° Schauer

Chicago 6° heiter

Dakar 29° wolkig

Dubai 29° heiter

Hongkong 28° sonnig

Jerusalem 15° heiter

Johannesburg 31° Schauer

Kairo 27° sonnig

Kapstadt 20° sonnig

Los Angeles 25° sonnig

Manila 31° wolkig

Miami 26° heiter

Nairobi 29° wolkig

Neu Delhi 27° heiter

New York 8° Regen

Peking 4° wolkig

Perth 33° heiter

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 23° bedeckt

San Francisco 20° sonnig

Santo Domingo 29° heiter

Seychellen 29° heiter

Singapur 33° Gewitter

Sydney 30° wolkig

Tokio 22° wolkig

Toronto 4° Regen


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 3· ·

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Seite 3

Am29. Juli 2013 geht bei der Berliner

Polizei eine Anzeige ein. Sie ist an

die Staatsanwaltschaft gerichtet.

Deranonyme Verfasser schreibt, er

sei„Mitarbeiter der Geburtsklinik“ eines Berliner

Krankenhauses. Erkönne die in seiner

Klinik praktizierten Spätabtreibungen nicht

mehr hinnehmen. Es seien lebensfähige Kinder,

die getötet würden, heißt es in der Anzeige.

Die Ausnahme sei zum Regelfall geworden.

Dies lasse ihm keine Ruhe, erwolle

nicht mehr stiller Mitwisser sein. DerVerfasser

rechtfertigt seine Anonymität damit, dass

er Angst um seinen Arbeitsplatz habe.

Der Anzeige liegt ein Operationsbericht

vom 12. Juli 2010 über einen Kaiserschnitt

bei einer Zwillingsschwangerschaft bei. In

dem Bericht mit der Buchnummer 684 heißt

es, dass das erste Kind um 5.20 Uhr geboren

wurde.Eswog bei einer Größe von40Zentimetern

1670 Gramm und war ein gesundes

Mädchen. Derzweite Zwilling, 41 Zentimeter

groß und 1430 Gramm schwer, kam zehn

Minuten später auf die Welt. Tot.

Er starb noch in der geöffneten Gebärmutter

an Herzstillstand. Die Ärzte hatten

ihm, bevor sie die Nabelschnur durchtrennten,

20 Milliliter Kaliumchlorid in die Nabelvene

gespritzt. Eine tödliche Dosis.

Neun Jahre nach diesem Kaiserschnitt

stehen zwei Frauenärzte vor dem Berliner

Landgericht. Siewerden nicht aus der Untersuchungshaftanstalt

vorgeführt, was ungewöhnlich

ist. Denn der Vorwurf lautet auf

Totschlag. DieStaatsanwältin Silke vanSweringen

geht davon aus,dass die Gynäkologen

das tödliche Kaliumchlorid während der Geburtinjizierthaben.

Zu diesem Zeitpunkt sei

das aber rechtlich verboten gewesen.Wasdie

Mediziner gewusst hätten.

Totschlag ist ein vorsätzliches Tötungsverbrechen.

Verhandelt wird daher seit dem

22. Oktober vor einer Schwurgerichtskammer.

Indiesem Fall ist es jene Kammer, die

auch in einem neuaufgerollten Prozess die

beiden sogenannten Kudamm-Raser wegen

Mordes erneut zu lebenslanger Haft verurteilte.

Auf der Anklagebank sitzt Babett R., eine

schmale Frau mit ernstem Gesicht und randloser

Brille.Die promovierte Gynäkologin ist

58 Jahre alt und seit 2005 bis zum heutigen

TagOberärztin der Geburtsklinik. Sie leitete

damals die Operation.

Der mitangeklagte Klaus V. assistierte bei

dem Kaiserschnitt. Klaus V. war Chefarzt der

Klinik. 2012 ging der Professor und einstige

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie

und Geburtshilfe in den Ruhestand.

Beide Mediziner haben unzähligen Kindern

das Leben geschenkt. Die Staatsanwältin

sagt, sie hätten einem Kind das Leben genommen.

Vorsätzlich und wider besseres

Wissen.

Die Angeklagten wollen nicht, dass ihre

Gesichter auf den Fotos aus dem Gerichtssaal

unkenntlich gemacht werden. Auch das

ist ungewöhnlich bei einem Strafprozess,bei

dem die Angeklagten üblicherweise ihre

Köpfe hinter Aktendeckeln verbergen. Doch

die Erklärung vonBabett R. und Klaus V.,Gesicht

zu zeigen, leuchtet ein: Sie seien

schließlich keine Kriminellen, sie hätten

nichts Strafbares getan. Im Gegenteil: Sie

hätten mit dem Toddes Zwillings ein Leben

gerettet. Es sei das einzige Mittel gewesen,

größeres Übel zu verhindern.

Beantwortet werden muss in diesem Prozess,

indem an diesem Dienstag das Urteil

erwartet wird, bis zu welchen Zeitpunkt der

Schwangerschaft ein Spätabbruch zulässig

ist. Und esgeht um die Fragen, wann aus

dem Fötus ein Mensch wird. Mitder Geburt,

heißt es. Doch wann gilt ein Kind als geboren?

Wann wird aus der Leibesfrucht ein

Mensch? Für Staatsanwältin van Sweringen

steht dieser Zeitpunkt fest: mit den Eröffnungswehen

oder mit dem Öffnen der Gebärmutter.Sostehe

es im Gesetz.

In einerPlazenta gewachsen

Für Tonya Gaibler, der Anwältin von Babett

R., ist die Antwort nicht so eindeutig. Sie

weist darauf hin, dass die Frage in unserer

Rechtsordnungunterschiedlich beantwortet

werde. Im Zivilrecht beginne die Rechtsfähigkeit

des Menschen mit der Vollendung

der Geburt. Mit dem Austritt aus dem Mutterleib.Das

Strafrecht dagegen stelle auf den

Beginn der Geburtab.

In der Klinik, in der Babett R. noch immer

als Oberärztin arbeitet, kommen jedes Jahr

3500 Kinder zur Welt, ein Drittel davon

durch eine Risikogeburt. Als die Angeklagten

bei einer 27-jährigen Patientin aus Brandenburg

den Kaiserschnitt durchführten, handelte

es sich um eine Hochrisikoschwangerschaft.

Die werdende Mutter war in der 32.

Schwangerschaftswoche.Wehen hatten eingesetzt.

Niemand kann sagen, ob es die Eröffnungswehen

waren.

Ein Arzt hatte Wochen zuvor bei einem

Zwilling eine hochgradige Hirnschädigung

festgestellt. Beide Föten waren in einer Plazenta

gewachsen, hatten gemeinsame Gefäßverbindungen

und waren dadurch ungleich

mit Blut versorgt worden. Es bestand

ein sogenanntes fetofetales Transfusionssyndrom:

EinFötus –der dadurch erkrankte

–galt als Geber,der andereals Nehmer.

Die Eltern entschlossen sich nach eingehender

Beratung zu einem selektiven

Fetozid, der Tötung des kranken Zwillings

im Mutterleib,umdas gesunde Kind zu retten.

Das ist nach dem Gesetz als Spätabbrucherlaubt,

wenn die Schädigung des Kindes

eine unzumutbare physische und psychische

Belastung für die Mutter darstellt.

DerFetozid muss noch im Mutterleib vorgenommen

werden.

Verhandelt wird vor dem Berliner Landgericht.

Auf Leben

und Tod

VorneunJahren injizierten zwei Gynäkologen einem schwer kranken

Zwilling während eines Kaiserschnitts eine tödliche Dosis Kaliumchlorid.

Sie taten das, um den anderen Zwilling zu retten.

Nun stehen die Ärzte vor dem Berliner Landgericht. Die Anklage lautet

auf Totschlag. Und die entscheidende Frage in der Verhandlung:

Wann wird aus einem Fötus ein Mensch?

VonKatrin Bischoff

Es war ein Dilemma, in dem sich Babett R.

und Klaus V. damals befanden und das im

Gerichtssaal deutlich wird. Anfragen bei Kliniken

und Kollegen, die sich mit derartigen

Schwangerschaften auskannten, hatten offenbar

keine Hilfe gebracht.

Als die Schwangerschaftsbeschwerden

akut wurden, entschlossen sich die Ärzte

zum Kaiserschnitt. Es sei der sicherste Weg

gewesen, den gesunden Zwilling zu retten,

beteuern die Angeklagten. Mit keinem

Wort bestreiten sie, dass sie dem zweiten

Fötus nach dem Kaiserschnitt Kaliumchlorid

spritzten. Eine frühere Tötung im geschlossenen

Uterus sei zu riskantgewesen,

erklärt Babett R. Durch die gemeinsame

Blutversorgung hätte auch das gesunde

DPA/BRITTA PEDERSEN

Die Angeklagten: Babett R. und Klaus V. OLAF WAGNER (2)

Kind Schaden nehmen oder gar getötet

werden können.

Im gesamten Operationsteam habe es damals

keine Diskussion über die Vorgehensweise

gegeben, sagt Klaus V. vor Gericht. Sie

hätten sich auf der sicheren Seite gewähnt,

weil der kranke Fötus während der Injektion

noch im Mutterleib und für die Ärzte nicht

geboren gewesen sei.

„Wir waren der Meinung, das Richtige zu

tun“, erklärt der einstige Chefarzt. Der Kaiserschnitt

sei optimal für die Geburt des gesunden

Kindes gewesen. „Im Vordergrund

stand für uns Ärzte nicht das Juristische, sonderndas

gesunde Kind.“

Peter Kozlowski sollte in dem Verfahren

klären, ob die Angeklagten 2010 etwas Verbotenes

taten. Ob es keine Möglichkeit für

einen früheren Fetozid gegeben habe. Peter

Kozlowski ist Pränatalmediziner aus Düsseldorf.

In demVerfahren trat der 68 Jahre alte

Mediziner als Sachverständiger auf. Er äußert

in seinem Gutachten durchaus Verständnis

für die angeklagten Ärzte, die in einer

Situation waren, die sich kein Geburtshelfer

wünsche.

DasProblem beider Schwangerschaft sei

die Plazenta gewesen, die sich die Föten geteilt

hätten, sagt Kozlowski. „Die Zwillinge

waren auf Gedeih und Verderb aufeinander

angewiesen.“ Jede Behandlung des kranken

Fötus hätte den gesunden Fötus gefährdet.

„Eine Injektion mit Kaliumchlorid geht hier

nicht“, erklärter.

Kozlowski greift in seinem Gutachten

auch auf Zahlen zurück, die für sich sprechen

sollen. Im Jahr 2010 gab es demnach in

Deutschland 67 8000 Entbindungen, davon

waren gut 3000 eineiige Zwillingsgeburten.

Bei 2700 dieser Entbindungen teilten sich

die Föten eine Plazenta. Bei wiederum 300

dieser Zwillingsschwangerschaften trat ein

fetofetales Transfusionssyndrom auf. Kozlowski

erklärt, dass in 17 Prozent dieser 300

Hochrisikoschwangerschaften kein Kind

überlebt habe.

Fachliteratur gab es offenbar genügend –

nur nicht für einen Fall wie diesen: für die Tötung

nach dem Kaiserschnitt. Warum nicht?,

fragt die Staatsanwältin den Gutachter.„Weil

wir uns in einer rechtlichnicht eindeutig definierten

Zone befinden“, antwortet Kozlowski.

„Ineiner rechtlichnicht zulässigen?“, hakt die

Anklagevertreterin nach. „Nein, nicht aus

meiner Sicht“,widerspricht Kozlowski.

Aber es habe doch nach der Entbindung

des gesunden Kindes keine Gefahr mehr bestanden.

Weder für das gesunde Kind noch

für die Mutter.Welche medizinische Indikation

habe es denn dann noch gegeben, die

Spritze zusetzen, will der Vorsitzende Richter

wissen. „Die Entscheidung der Mutter.

Ausmeiner Sichtist das eine fortbestehende

Indikation“, sagt Kozlowski.

Es ist ein juristischer und auch medizinischer

Streit, der hier im Gerichtssaal ausgefochten

wird. Undder keineswegs so eindeutig

scheint –auchnicht unter Juristen.

Denn dasVerfahren war vier Monate nach

der anonymen Anzeige zunächst eingestellt

worden. Weil, so sagt es die Anwältin Gaibler,

zwei Profis, ein Gerichtsmediziner und ein

Staatsanwalt, keine Verfehlungen bei den

Ärzten gesehen hätten.

Eingesundes Mädchen

Doch die Staatsanwaltschaft verfügte im Mai

2014, die Ermittlungen wieder aufzunehmen.

Erneut waren Babett R. und KlausV. anonym

angezeigt worden. Zwei Jahre später

wurde Anklage erhoben. Da die zuständige

Schwurgerichtskammer lange Zeit mit Haftsachen

beschäftigt war, wird der lange zurückliegende

Fall erst jetzt verhandelt.

Die Staatsanwältin Silke van Sweringen

hält die Angeklagten nach der Beweisaufnahme

weiter für schuldig, einen Totschlag

im minderschweren Fall begangen zu haben.

Die Alternative seien nicht zwei tote Babys

gewesen. „Die Alternative waren zwei lebende

Babys: eins gesund, das anderebehindert.“

VanSweringen fordertfür beideAngeklagte

eine Verurteilung zu einer Haftstrafe

von jeweils 18 Monaten, die auf Bewährung

ausgesetzt werden soll.

Die Verteidiger der Mediziner verlangen,

ihre Mandanten freizusprechen. Die Angeklagten

seien davon ausgegangen, eine

rechtlich mögliche Schwangerschaftsunterbrechung

vollzogen zu haben.

„Wir alle haben es gut in unserem Job. Wir

müssen eine solch schreckliche Entscheidung

wie diese Ärzte nicht fällen“, sagt die

Anwältin Gaibler. Sie fordert eine normative

Korrektur. Die Grenze eines Spätabbruchs

könne dort gezogen werden, wo die angeklagten

Ärzte agierthätten.

Dochkann dieKammernach derGesetzeslage

die Ärzte überhaupt freisprechen?

DerVorsitzende Richter deutete schon einmal

an, dass im Falle eines Schuldspruchs

dielange Verfahrensdauer undauchdie Art

derAnzeige berücksichtigt werden müsse.

Egal, wie das Urteil ausfällt, der Fall wird

vermutlich noch einmal höchstrichterlich

entschieden werden müssen.

Es istein Prozess, derratlos macht. Zumal

dieÄrzte nicht aufder Anklagebank gelandet

wären, wenn sie den Fetozid noch im Mutterleib

vorgenommen hätten –und wenn dabei

auch das gesunde Zwillingskind gestorbenwäre.

Dasgesunde Mädchen, dasBabettR.und

Klaus V. damals per Kaiserschnitt zur Welt

brachten, istheute neun Jahrealt.

KatrinBischoff sieht einDilemma

zwischen Ethikund Recht und hat

Verständnis fürdas Handelnder Ärzte.


4* Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Hongkong: Wieder heftige

Zusammenstöße

In Hongkong ist es erneut zu gewalttätigen

Zusammenstößen zwischen

Demonstranten der Pro-Demokratie-Bewegung

und der Polizei gekommen.

Sicherheitskräfte feuerten

Tränengas auf Aktivisten, die seit Tagen

einen wichtigen Tunnel der

Stadt blockieren und sich auf einem

Universitätsgelände verschanzt haben.

DieDemonstranten antworteten

mit Molotow-Cocktails.Amnesty

International hat in diesem Zusammenhang

die Bundesregierung zu

einem Ende der militärischen Zusammenarbeit

zwischen der Bundeswehr

und der chinesischen Armee

aufgefordert. (AFP,dpa)

Netzausbau: Regierung

investiert1,1 Milliarden Euro

Im Bemühen um ein Ende der Funklöcher

in Deutschland hat die Bundesregierung

am Sonntag ihreMobilfunkstrategie

beschlossen. DerBund

nehme dafür 1,1 Milliarden Euro in

die Hand, sagte Kanzleramtsminister

Helge Braun (CDU) in Meseberg, wo

das Kabinett zu einer zweitägigen Digitalklausur

zusammenkam. Braun

sagte,mit den Ausgaben werdesichergestellt,

dass künftig in allen

Haushalten sowie auf Straßen und im

ländlichen Raum mobil telefoniert

werden könne. (dpa)

Weitere Zeugen belasten

US-Präsident Trump

Zwei weitereZeugenaussagen in den

Impeachment-Ermittlungen gegen

Donald Trump bringen den US-Präsidenten

und dessen Umfeld in Erklärungsnot.

DerGeheimdienstausschuss

des US-Repräsentantenhauses

veröffentlichte am Sonnabend

die Mitschriften der Befragungen

voneinem früheren Mitarbeiter des

Nationalen Sicherheitsrates,Tim

Morrison, und einer Mitarbeiterin

vonUS-Vizepräsident Mike Pence,

Jennifer Williams.Beide äußerten

Bedenken über Versuche,die ukrainische

Führung mit Druck zu politischen

Ermittlungen gegen einen Rivalen

Trumps zu drängen. (dpa)

Hundertausende Tschechen

fordernRücktritt von Babis

Alle mögen Annalena Baerbock

Beim Grünen-Parteitag erhält die Vorsitzende so viel Zustimmung wie noch niemand vor ihr

VonMarkus Decker

Annalena Baerbock bekam

am Sonntag langanhaltenden

Beifall von den Delegierten,

die sich von ihren

Plätzen erhoben hatten. Zum zweiten

Mal beim Bielefelder Parteitag.

Undman merkte,wie gut ihr das tat.

Am Sonnabend war die 38-Jährige

mit dem besten Ergebnis,das es

je gab, zur Grünen-Vorsitzenden gewählt

worden: 97,1 Prozent. Am

Sonntag sprach sie über Klima und

Wirtschaft und wirkte zeitweilig wie

befreit. Baerbock sagte, die Grünen

müssten in die Breite der Gesellschaft

gehen, weil man in einer Demokratie

nun mal Mehrheiten benötige.Sie

sagte aber auch: „Natürlich

braucht ein Markt Regeln. Das

kann man auch Verbote nennen.“

Dabei hatten die Grünen zuletzt

wenig so gefürchtet wie das Etikett

„Verbotspartei“. Ja, wenn es eine

Gewinnerin auf diesem Parteitag

gab,dann Baerbock.

Kapitalismus ökologisch lenken

Thematisch ging es vorallem um die

Klima- und Wirtschaftspolitik. Hier

war die Palette der Positionen breit.

Karl-Wilhelm Koch, linker Partei-Rebell

aus der Vulkan-Eifel, sagte, mit

Wirtschaftswachstum Marke Green

New Deal „kommen wir auch in

Deutschland nicht weiter“. Die Europaabgeordnete

Jutta Paulus

mahnte, man müsse beim Klimawandel

„das Schlimmste verhindern“.

Junge Delegierte zeigten sich

beunruhigt, dass gegen den CO 2 -

Ausstoß zu spät zu wenig geschehe.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek

Al-Wazir räumte hingegen zwar

ein, dass der Kapitalismus ökologisch

und sozial blind sei. Er fügte

jedoch hinzu, der Sozialismus habe

offenbar nicht funktioniert. Deshalb

müsse man den Kapitalismus

ökologisch und sozial lenken. Der

Vizechef der Bundestagsfraktion,

Oliver Krischer, warnte, man dürfe

nicht zu ambitioniert sein, weil

man sonst den Rückhalt in der Gesellschaft

verliere.

Am Ende blieben die Grünen dabei,

schon bis 2030 aus der Kohle

aussteigen und ab 2030 keine Neuwagen

mit Verbrennungsmotoren

mehr zulassen zu wollen. Eine Änderung

gab es beim CO 2 -Preis: 2020 soll

er proTonne nun bei 60 Euro liegen

Annalena Baerbock erhielt deutlich mehr Stimmen als RobertHabeck.

Klimaschutz: Die Partei

bleibt bei ihren Forderungen,

schon bis 2030 aus der

Kohle auszusteigen und ab

2030 keine Neuwagen mit

Verbrennungsmotoren zuzulassen.

Eine Änderung gab

es aber beim CO 2 -Preis:

2020 soll er pro Tonne nun

bei 60 Euro liegen.

DIE WICHTIGSTEN FORDERUNGEN

Wirtschaft: DieGrünenforderneinensozialen

und ökologischen

Umbauder Marktwirtschaft.

Die Schuldenbremse

soll für den Bund im

Rahmen der EU-Regelngelockertwerden,

damit der Staat

mehr investieren kann. Der

Mindestlohn soll von9,19 auf

12 Euro angehoben werden.

DPA/GUIDO KIRCHNER

Wohnen: Den Beschluss,

der für das größteAufsehen

während des Parteitags

sorgte, fassten die Grünen

gleich zu Beginn. Bereitsam

Freitagverabschiedeten sie

ein umfassendes Programm

gegendie steigenden Mieten

und gegenden Wohnungsmangel.

und in Schritten von20Europro Jahr

ansteigen. Der Bundesvorstand

wollte 60 Euro erst ein Jahr später

und danach keinen Anstieg fix festlegen.

Alle Einnahmen aus dem CO 2 -

Preis wollen die Grünen als sogenanntes

Energiegeld direkt an die

Bürger zurückgeben. Dassoll für sozialen

Ausgleich sorgen. Dem gleichen

Ziel dient das Votum der Partei,

den Mindestlohn vonjetzt 9,19 Euro

auf 12 Euro anzuheben. Die Grünen

wollen dem Vorwurf entgehen, zu

wenig auf soziale Gerechtigkeit zu

achten.

Absprache mit RobertHabeck

Neben den inhaltlichen Fragen

stand die Statik in der Parteiführung

zur Debatte. ImVorfeld war gemutmaßt

worden, bei der Wiederwahl

könne Baerbocks Co-Vorsitzender

Robert Habeck ein so überragendes

Ergebnis einfahren, dass er als logischer

Kanzlerkandidat aus dem Parteitag

hervorgehe. Andere mutmaßten,

dass Baerbock, um genau das zu

verhindern, ein mindestens ebenso

gutes Ergebnis bekommen werde.

Schließlich kam es aus Baerbocks

Sicht noch besser. Sie erzielte

97,1 Prozent der Stimmen. Das bis

dahin beste Ergebnis einer Grünen-

Chefin hatte 2001 Claudia Roth errungen

–mit seinerzeit 91,5 Prozent.

Habeck schnitt mit 90,4 Prozent

deutlich schlechter ab. Der Politische

Bundesgeschäftsführer Michael

Kellner hatte da schon vorgebaut.

DieWahl sei „nicht relevant für

die Frage“ einer etwaigen Kanzlerkandidatur,hatte

er gesagt.

Ausführenden Parteikreisen verlautete,Baerbock

und Habeck würden

die Entscheidung über die

Kanzlerkandidatur letztlich unter

sich ausmachen. Gespräche darüber

hätten bereits begonnen.

Auch ohne Absprachen herrschte

in Bielefeld ein Konsens über das

Hauptziel der Partei: die Beteiligung

an der nächsten Bundesregierung

–meist in das Wort „Verantwortung“

gekleidet. „Jetzt wählen

uns eben nicht mehr nur eingefleischte

Ökos, sondern ganz viele

Menschen suchen Orientierung

bei uns und erwarten von uns realistische

Antworten“, sagte Baden-

Württembergs Ministerpräsident

Winfried Kretschmann. Dem müssten

die Grünen folgen.

Weidel soll für Strafzahlungen persönlich haften

AfD-Spendenaffäre: Ein Antrag für den kommenden Parteitag zeigt, wie groß der Unmut der Mitglieder ist

Paris und die

Rückkehr

der Gewalt

Krawalle zum Jahrestag der

„Gelbwesten“-Proteste

VonBirgit Holzer,Paris

Scharf und beißend ist das Gemisch

aus Qualm und Tränengas,

das in den Augen und im Rachen

brennt. Im Winter und Frühjahr

überzog es jeden Sonnabend Teile

vonParis,wenn die „Gelbwesten“ an

verschiedenen Orten in der Stadt demonstrierten.

Weil sich auch Randalierer

unter sie mischten, die Motorroller

anzündeten, Fensterscheiben

einschlugen und die Polizei angriffen,

reagierten die Beamten scharf

und versprühten Tränengas.

Touristen und Einwohner bekamen

gerade in der Vorweihnachtszeit

ein erschütterndes Bild vonder französischen

Hauptstadt geboten: Sie

sahen sie als Zentrum eines Klassenkampfes,der

mit roher Gewalt ausgefochten

wird. DieLage beruhigte sich

im Frühjahr, doch jetzt sind die

„Gelbwesten“ in die Öffentlichkeit

zurückgekehrt. Am Wochenende begingen

sie den Jahrestag ihrer ersten

Demonstration.

Galeries Lafayette besetzt

Die Polizei war mit einem Großaufgebot

unterwegs,mehrereMetrostationen

wurden geschlossen. Vorallem

rund um den Place d’Italie im

Südosten der Stadt kam es ab Sonnabendmittag

zu heftigen Zusammenstößen

zwischen Polizei und

Demonstranten. Die Fensterscheiben

einer Bank wurden zerschmettert,

Elektroroller und Absperrungen

angezündet, Autos demoliert. Der

Polizeipräfekt vonParis,Didier Lallement,

verbot einen angemeldeten

Demonstrationszug mitVerweis auf,

wie er sagte, skandalöse Zerstörungen

und verletzte Polizisten. „Die

Bilder sind spektakulär, aber der

Rest der Hauptstadt lebt normal“,

versuchte Lallement zugleich zu beruhigen.

Allerdings gingen die Proteste

auch am Sonntag weiter,als einige

Dutzend „Geldwesten“ das Luxuskaufhaus

Galeries Lafayette besetzten.

Am Sonnabend hatten

Demonstranten im Nordwesten

zeitweise die Ringautobahn blockiert.

Insgesamt nahm die Polizei

147 Personen fest. Laut Innenministerium

demonstrierten in Paris4700

Menschen und landesweit 28 000,

während die „Gelbwesten“-Bewegung

selbst von insgesamt 40 000

Demonstranten sprach.

Rund 250 000 Menschen protestierten in

Prag gegen den Regierungschef.

AP

Hunderttausende Tschechen haben

am Sonnabend bei einer Demonstration

in Prag den Rücktritt vonRegierungschef

Andrej Babis gefordert.

Sieskandierten „Schande“ und „Tritt

zurück!“ Innenminister JanHamacek

gab die Zahl der Teilnehmer mit

rund 250 000 an. (dpa)

Inzwischen 23 Todesopfer

nach Protesten in Bolivien

Bolivien kommt auch eine Woche

nach dem Rücktritt des Präsidenten

EvoMorales nicht zur Ruhe.Nach

neuen Zusammenstößen zwischen

Demonstranten und Sicherheitskräften

habe sich die Zahl der Todesopfer

seit Beginn der politischen Unruhen

auf 23 erhöht, teilte die Interamerikanische

Menschenrechtskommission

mit. UN-Menschenrechtskommissarin

Michelle Bachelet

prangerte die „unnötige und

nicht angemessene“ Gewalt durch

Polizei und Armee an. (AFP)

VonJan Sternberg

Die AfD-Spendenaffären sind

nicht ausgestanden, auch wenn

sie während der Wahlkämpfe im

Sommer in den Hintergrund gerieten.

Spätestens auf dem Bundesparteitag

Ende November in Braunschweig

dürfte die innerparteiliche

Kritik an Parteichef Jörg Meuthen

und Bundestags-Fraktionschefin

Alice Weidel wieder laut werden.

Denn im Antragsbuch zum Parteitag,

das dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland (RND) vorliegt, wird

unter anderem gefordert, dass die

Verursacher vonStrafzahlungen persönlich

dafür in Haftung genommen

werden: „Wer vorsätzlich durch

schuldhaftes Finanzgebaren die Partei

zu Strafzahlungen zwingt oder

von staatlichen Geldzuwendungen

abhält, muss persönlich dafür haften“,

heißt es in einem Antrag, der in

Braunschweig diskutiert werden

soll. Vorsatz und Schuld streiten

Meuthen und Weidel ab.

Ein anderer Antrag, der auch von

Bundesschatzmeister Klaus Fohrmann

unterstützt wird, sieht hingegen

vor, dass die Landesverbände

gegenüber der Bundespartei für finanzielles

Fehlverhalten ihrer Mitglieder

haften sollen.

Es geht dabei um Hunderttausende

Euro. Die Anträge zielen vor

allem auf Meuthen, Weidel und das

noch amtierende Vorstandsmitglied

Guido Reil. Meuthen und Reil bekamen

Wahlkampfunterstützung in

Form von Sachleistungen von der

Schweizer Goal AG,die im Finanzbericht

nicht angegeben wurde.

Strafbescheide an die Partei

In beiden Fällen hat die Bundestagsverwaltung

in den vergangenen Monaten

Strafbescheide an die Partei

versandt –über rund 400 000 Euro

insgesamt. Parteispenden aus dem

Ausland sind in Deutschland illegal.

Weidels Kreisverband Bodensee

erhielt außerdem 132 000 Euro in

mehreren Tranchen aus der Schweiz

mit dem Verwendungszweck „Wahlkampf

Alice Weidel Social Media“.

DasGeld wurde mit Verzögerung zurückgezahlt.

Die Bundestagsverwaltung

hat kürzlich die AfD informiert,

dass sie auch hier eine Strafzahlung

verhängen will, es geht um 396 000

Euro. Die Partei hat Rückstellungen

in Höhe vonetwa einer Million Euro

für Strafzahlungen gebildet.

In Braunschweig wählt die AfD

eine neue Bundesspitze und sucht

einen Nachfolger für Meuthens Co-

Parteichef Alexander Gauland. Der

bald 79-Jährige soll zum Ehrenvorsitzenden

gewählt werden. Er wird

dem Vernehmen nach den Sachsen

Tino Chrupalla als seinen Nachfolger

vorschlagen. Meuthen kandidiert

erneut als Parteichef. Weidel

will zur ersten Stellvertreterin aufrücken.

Für beide geht es also um viel.

Auch wenn die Anträge scheitern

sollten: Würden sie auf dem Parteitag

debattiert, gäbe es für die Delegierten

Gelegenheit, den aufgestauten

Unmut öffentlich zu machen

und schmutzige Wäsche zu waschen.

Der Umgang vonWeidel und

Meuthen mit ihren Spendenproblemen

sorgt bis in höchste Parteikreise

für heftige Kritik –die bisher nur hinter

den Kulissen geäußertwurde.

Aber auch andere Landesverbände

haben Probleme: DieBundestagsverwaltung

untersucht in einem

Dutzend Verfahren unter anderem

dieVerteilung dubioser Gratiszeitungen

in mehreren Landtagswahlkämpfen.

Auch Björn Höckes Thüringer

Landesverband hat Ärger,weil

Mitgliedsbeiträge und Spenden für

das „Kyffhäusertreffen“ des radikalen

Parteiflügels nicht gesondert abgerechnet

wurden.

Mit schlechten Nachrichten von

der Justiz müssen Meuthen undWeidel

vor dem Parteitag immerhin

nicht mehr rechnen. Wegen der

Strafzahlungen im Fall Meuthen/Reil

hat die AfD die Bundestagsverwaltung

verklagt. Die Verhandlung

vor dem Verwaltungsgericht

Berlin war ursprünglich für

Mitte November angesetzt, wurde

auf Antrag der Partei aber auf Anfang

Januar verschoben. Parteiintern

rechnet man mit einem schwierigen

Verfahren durch mehrereInstanzen.

Langwierige Ermittlungen

Gegen Weidel ermittelt zudem die

Staatsanwaltschaft Konstanz nach

wie vor wegen des Verdachts eines

Verstoßes gegen das Parteiengesetz.

Einrascher Abschluss ist nicht zu erwarten,

teilte ein Sprecher der

Staatsanwaltschaft dem RND mit.

Eine Klage in der Schweiz sorge

für Verzögerungen. Die Staatsanwaltschaft

Zürich hat im Wege der

Rechtshilfe unter anderem den Chef

der Firma vernommen, über deren

Konto das Geld an Weidels Kreisverband

gezahlt wurde. Die Schweizer

haben auch Kontoauszüge beschlagnahmt.

Gegen die Herausgabe der

Unterlagen an die deutschen Ermittler

wurde jedoch geklagt. Auch dieser

Rechtsstreit könnte durch mehrere

Instanzen bis zum Bundesstrafgericht

in Lausanne gehen.

Die „Geldwesten“ waren am Wochenende

wieder in Paris unterwegs. GETTY/KIRAN RIDLEY

Demgegenüber gingen voreinem

Jahr bis zu 300 000 Menschen landesweit

auf die Straßen – es war

keine Massenbewegung, doch die

Proteste erhielten große politische

Bedeutung durch die gewalttätigen

Ausschreitungen, die sie begleiteten,

sowie die große Zahl der Franzosen,

die ihreAnliegen unterstützten.

Denn grundsätzlich handelte es

sich um die Forderung nach mehr sozialer

Gerechtigkeit und mehr Kaufkraft

für die untereMittelschicht. Auf

mehrere Aufrufe in den sozialen

Netzwerken zum Widerstand gegen

steigende Kraftstoffpreise hin begannen

die Proteste an Kreuzungen und

Kreisverkehren. Echte Anführer fehlten,

wollte die Bewegung sich doch

von klassischen Protestzügen absetzenund

vonkeiner politischen Partei

vereinnahmen lassen.


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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Aramco legt Spanne für

Emissionspreis fest

Beim womöglich größtenBörsengang

aller Zeiten hat der saudische

Ölriese Aramco die Preisspanne seiner

Aktien zwischen 30 und 32 Riyal

festgelegt, was 8,00 beziehungsweise

8,53 US-Dollar entspricht. Aramco

will 1,5Prozent oder etwa drei

Milliarden seiner Anteileverkaufen,

wie das Unternehmen am Sonntag

mitteilte. Damit könnte Aramco bis

zu 25,6 Milliarden Dollar einnehmen

und den Rekordfür den größten

Börsengang knapp brechen,

den derzeit noch die chinesische

HandelsplattformAlibaba mit Einnahmen

von25Milliarden Dollar

hält. Derendgültige Emissionspreis

soll am 5. Dezember festgelegt werden.

(dpa)

Spezialeinheit gegen

Steuerbetrug

DasBundesfinanzministerium will

künftig mit einer spezialisierten Einheit

gegen groß angelegten Steuerbetrug

wie im Fall derCum-Ex-Geschäfte

vorgehen. Finanzminister Olaf

Scholz (SPD) werdedazu einemit

48 Stellen ausgestattete Spezialeinheit

beim Bundeszentralamt für Steuerneinrichten,

berichtetedie „Welt

am Sonntag“. Für die „Taskforce

gegen Steuergestaltungsmodelle am

Kapitalmarkt“ seien Ausgabenvon

etwa 21 Millionen Euro veranschlagt,

die im Bundeshaushalt 2020 schon

eingeplantseien. Mitdem Hin- und

Herschieben vonAktien mit (cum)

und ohne (ex) Dividendenanspruch

hatten Investoren viel Geld zulasten

der Staatskasse eingestrichen. (dpa)

Ford und Toyota wollen

IAA nach Köln holen

Die IAAwill sich neu orientieren.

DieChefs der Autohersteller Ford,

Toyota und e.Go –alle mit Sitz in

NRW–haben sich für Köln als neuen

Standortder Automesse IAA ausgesprochen,

so der „Kölner Stadt-

Anzeiger“. „Mit der Spielemesse

Gamescom hat Köln ja bereits bewiesen,

dass man solche Formate

stemmen kann“, sagte etwa Gunnar

Herrmann, Chef vonFordDeutschland,

der Zeitung. Toyota-Deutschland-Chef

Alain Uyttenhovensagte:

„Köln wäredefinitiv ein sehr guter

Standortfür die Messe.Nicht nur

Ford undToyota haben hier ihren

Sitz, sondernauch zahlreiche große

und bedeutende Zulieferer.“ (dpa)

Pro Bahn lobt Verzicht

auf Preiserhöhung

FOTO: MICHAEL PROBST/AP

DerFahrgastverband ProBahn begrüßt

den Verzicht der Deutschen

Bahn auf Fahrpreiserhöhungen zum

Fahrplanwechsel im Dezember.Dies

sei„absolut richtig“, sagte der stellvertretende

Bundesvorsitzende Lukas

Iffländer.„In der aktuellen Klimadebatte

ist es nicht zu vertreten,

den Verkehrsträger Bahn noch teurerzumachen.“Die

Deutsche Bahn

hatte im September angekündigt,

die Preiserhöhung im Fernverkehr

in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

Durchdie am Freitag mit dem Klimapaket

beschlossene Senkung der

Mehrwertsteuer auf Bahntickets von

19 auf 7Prozent soll das Preisniveau

im Fernverkehr um 10 Prozent senken.

(dpa)

Nach der Erhöhung ist vor der Abgabe

Mit der Rentenerhöhung werden wieder mehr Rentner steuerpflichtig –und müssen Geld zurückzahlen

Von Theresa Dräbing

Ersteinmalisteseinepositive

Nachricht: Rentner können

im kommenden Jahr mit

deutlich steigenden Bezügen

rechnen. Zum 1.Juli 2020 sollen

die Renten in Westdeutschland um

3,15 Prozent und in Ostdeutschland

um3,92Prozentsteigen.Dasgehtaus

einem Entwurf für den Rentenversicherungsbericht

2019 hervor, der

vergangene Woche bekannt geworden

ist. Eine monatliche Rente von

1000 Euro dürfte sich nach den derzeitigen

Schätzungen im Westen um

31,50 Euro und im Osten um

39,20Euromonatlich erhöhen.

Eine solche Erhöhung bedeutet

aber auch, dass mehr Rentner künftig

eine Steuererklärung abgeben

müssen. Einige,die zuvor noch nicht

steuerpflichtig waren, werden nun

eine Grenzeüberschreiten, die sie zu

einer Abgabe verpflichtet. Das kann

fürsiebedeuten, dasssievonderausgezahlten

Rente einen kleinen Anteil

wieder an den Fiskus zurückgeben

müssen. Aber keine Panik: Wenn jemand

erstmals durch eine Rentenanpassung

steuerpflichtig wird, ist

die Höhe der Abgabenlast immer

noch sehr gering.

Ein Beispiel: Wenn ein Alt-Rentner,der

bereits 2005 in Rente gegangen

ist, dieses Jahr gerade noch im

steuerfreien Bereich liegt, käme er

2020 mit den vorgesehenen Rentenerhöhungen

–unter der Annahme,

dasssichdieSozialversicherungsbeiträge

2020 nicht ändern –auf eine

Steuerbelastung von 54Euro (Ost),

beziehungsweise 42 Euro (West).

„Ob ein Alt-Rentner in die Steuerpflicht

rutscht, hängt unter anderem

davon ab,inwelchem Jahr er in Rente

gegangen ist und ob er mit seinem

steuerpflichtigen Einkommen den

Grundfreibetrag überschreitet“, sagt

Uwe Rauhöft, Geschäftsführer vom

Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine

(BVL).

Auch derGrundfreibetrag steigt

Denn jedes Jahr wird zum einen der

Grundfreibetrag angepasst und zum

anderen für Neurentner der steuerpflichtige

Anteil prozentual erhöht.

WarbeispielsweiseimJahr2005noch

die Hälfte des Einkommens steuerfrei,

wird dieser Wert jährlich abgesenkt

und beträgt dieses Jahr 22 Prozent,

2020 werden nur noch 20 Prozent

steuerfrei sein. Dieser Wert

bleibt für Rentenbezieher in den Folgejahren

unverändert, nur für Neurentner

gilt der jeweils angepasste

Wert.

Hingegen für alle wirdjährlich das

steuerfreie Existenzminimum, der

sogenannte Grundfreibetrag, der

sich unter anderem an der Inflation

orientiert, angepasst. Zurzeit beträgt

er 9168 Euro, 2020 soll er auf

9408 Euro steigen (für Verheiratete

gilt jeweils der doppelte Wert).

So kannesauchvorkommen,dass

sich eine Rentenerhöhung mit dem

höheren Grundfreibetrag ausgleicht.

Das war dieses Jahr allerdings nicht

der Fall und nach Einschätzung von

Von Andreas Hoeinig

Die Windenergiebranche wirft der

Bundesregierung angesichts der

Krise der Windkraft an Land schwere

Fehler vor. „Anstatt dem Ausbau der

Windenergie wieder in die Spur zu helfen,werdenderBrancheweitereSteine

in den Weggelegt“, sagte der Präsident

des Bundesverbands Windenergie,

Hermann Albers. „Dassdie Bundesregierung

beim wichtigsten Projekt

unserer Volkswirtschaft aufgrund der

Kritik einiger Bürgerinitiativen einzuknickendroht,zeigtihreaktuellepolitische

Schwäche.“ DieRegierung müsse

ANLAGEN IN DER STEUERERKLÄRUNG

Verpflichtend: Jeder Rentner,der eine

Steuererklärung abgibt, muss neben dem

Mantelbogen die AnlageR„Renten und andere

Leistungen“ ausfüllen. Wenn es Einkünfte

aus Vermietung oder Verpachtung gibt,

auch die AnlageV.Kapitalerträgesindinder

Anlage„KAP“ aufzuführen.

stattdessen „neue Begeisterung“ für

das wichtige Projekt Energiewende

schaffen.

Albers sagte, die Bundesregierung

mache mit der Einführung einer Abstandsregelung

von 1000 Metern von

Windrädern zu Wohnsiedlungen

einen „fatalen Fehler“. Mitdieser bundeseinheitlichenRegelung,aufdiesich

das Klimakabinett verständigt hatte,

soll bei Anwohnerndie Akzeptanz für

Windräder vergrößert werden. Fünf

nebeneinander stehende Häuser sollen

als Wohnsiedlung gelten, wie es in

dem Gesetzentwurf des zuständigen

Wirtschaftsministeriums heißt. Bisher

Individuell: EinigeAusgaben können auch

Rentner vonder Steuer absetzen. In der Anlage

„Vorsorgeaufwand“ können beispielsweise

Beiträgezur Kranken- und Pflegeversicherung

aufgeführtwerden. Kosten für die Haushaltshilfe

oder den Schornsteinfeger zählen zu

den haushaltsnahen Dienstleistungen.

„Fatale Fehler“

Die Windkraftbranchewirft der Bundesregierung schwere Versäumnisse vor

gibt es vonLand zu Land unterschiedlich

strenge Vorgaben.

Vorallem an der Fünf-Häuser-Regel

gibt es Kritik, auch vonBundesumweltministerin

Svenja Schulze (SPD).

Den Bundesländern steht es laut Gesetzentwurfallerdingsfrei,abweichende

Regelungen zutreffen. Bei Wirtschafts-

und Energieverbänden, aber

auchdenLändernstoßendiePläneder

Bundesregierung dennoch auf heftige

Kritik.

„Das darf niemals Gesetz werden“,

sagte Grünen-Fraktionschef Anton

Hofreiter dem Nachrichtenportal

„t-online.de“. „Das wäre die Zerstö-

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

Rauhöft wird sich die Rentenerhöhung

auch nächstes Jahr nicht vollständig

mit der Anpassung des

Grundfreibetrags ausgleichen. „Es

wirdauch 2020 einen kleinen Teil von

Alt-Rentnern geben, die neu in die

Steuerpflicht rutschen.“ Wieviele,ist

offen. Für das Steuerjahr 2019 sind es

nach Schätzungen des Bundesministeriums

für Finanzen 48 000 Rentner,die

aufgrund der vorangegangenen

Rentenanpassungen erstmals

ihreSteuer erklären müssen.

In jedem Fall müssen Rentner

eine Erklärung abgeben, wenn sie

das Finanzamt dazu auffordert.

Doch sind sie auch verpflichtet, selber

zu prüfen, ob sie über der Einkommensgrenzeliegen.

Einen Richtwert,

bei welcher Rentenhöhe man

selbst betroffen ist, bietet zum Beispiel

eine Tabelle des Bundesverbands

Lohnsteuerhilfevereine. Zu

finden unter: bvl-verband.de/steuern/steuertipps.

Demnach ist ein 2019 in Rente gegangener

Ruheständler im Steuerjahr

2019 zur Abgabe einer Steuererklärung

verpflichtet, wenn seine

Bruttojahresrente über 13848 (Ost

und West) liegt. Wer2005 in Rente gegangen

ist, darfnoch eine Bruttorente

von maximal 17727 (Ost) und

18973 (West) beziehen, ohne beim

Finanzamt eine Erklärung abzugeben.

Diese Werte gelten allerdings

nur für den Fall, dass ausschließlich

Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung

bezogen wird. Bei zusätzlichen

Bezügen, wie etwa einer

betrieblichen Altersvorsorge oder

anderen Einkünften, muss die Grenze

individuell berechnet werden. Dabei

helfen Lohnsteuerhilfevereine

oder Steuerberater.

Immerwieder überprüfen

Ansonsten sieht die Rechnung vereinfacht

wie folgt aus: Vonder Bruttorente

wird der steuerfreie Anteil

abgezogen. Für Neurentner von2019

also 22 Prozent, für alle davor liegenden

Jahrgänge liegt der Freibetrag

höher. Eine solche Tabelle lässt sich

ebenfalls online einsehen. Weiterhin

abgezogen werden kann der Pauschbetrag

für Werbungskosten von

102 Euro, ein Sonderausgaben-

Pauschbetrag von36Eurosowie Pflegeversicherungs-

und Krankenversicherungsbeitrag.

Bei dem Wert, der

übrig bleibt, handelt es sich um das

zu versteuernde Einkommen. Liegt

dieses über dem Grundfreibetrag,

fallen Steuern an. In vielen Fällen

können allerdings auch noch weitere

Aufwendungen steuermindernd geltend

gemacht werden wie Krankheitskosten

oder Handwerkerleistungen.

„Wer zurzeit mit seinem steuerpflichtigen

Einkommen nur knapp

den Grundfreibetrag unterschreitet,

sollte das in kürzeren Abständen

überprüfen als jemand, der deutlich

darunter liegt“, so Rauhöft vomBVL.

„Das gilt umso mehr, wenn sich die

persönlichen Lebensumstände ändern“,

rät er.Wenn beispielsweise ein

Ehepartner verstirbt, ändertsich die

Steuersituation ebenfalls.

rungeinerSchlüsselbranchedersozial-

ökologischen Marktwirtschaft.“ Der

Ausbau der Windkraft an Land ist in

diesemJahr fast zum Erliegen gekommen.

Hauptgründe sind lange Genehmigungsverfahren,

zu wenige ausgewiesene

Flächen und viele Klagen. Vor

Ortgibt es viele Bürgerinitiativen gegen

Windräder.Die Branche fürchtet, dass

sich die Ausbaukrise verschärft, weil

durch neue Abstandsregelungenkaum

noch neue Flächen für Windräder zur

Verfügung stehen würden. Einweiterer

Ausbau der Windkraft an Land gilt als

notwendig, damit Deutschland Klimaziele

schaffen kann. (dpa)

Strom

wird

teurer

Die Kunden erwartet eine

Welle von Preiserhöhungen

Von Claus Haffert

Auf Stromkunden in Deutschland

kommt eine Welle an Preiserhöhungen

zu. Nach Angaben der Vergleichsportale

Verivox und Check24

haben bereits rund 170 Versorger angekündigt,

die Preise für private Verbraucher

zum 1. Januar anzuheben.

Laut Verivox wollen bislang

177örtlicheStromversorgerihrePreise

um durchschnittlich 5,4 Prozent

erhöhen. Ein Musterhaushalt mit

einem Verbrauch von4000 Kilowattstunden

müsse in den von den

Strompreiserhöhungen betroffenen

Regionen mit Mehrkosten von

durchschnittlich 64 Euro pro Jahr

rechnen. „Die Bundesregierung hat

zwar erklärt, die Haushalte bei den

Strompreisen entlasten zu wollen,

doch davon ist bisher noch nichts angekommen“,

sagte Valerian Vogel,

Energieexperte bei Verivox.

DasPortal Check24, das 171 angekündigte

und seit August vorgenommene

Preiserhöhungen zählt, ermittelte

einen durchschnittlichen Anstieg

von 5,3 Prozent. Preissenkungen

habe bisher kein Stromanbieter

vorgenommen oder angekündigt.

„Verbraucher zahlen schon seit Monaten

Rekordpreise für Strom“, sagte

Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie

bei Check24. „Daran wird sich

auch 2020 nichts ändern.“ Für einen

Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden

hat Check24 ein durchschnittlichesPlusvon82Euroerrechnet.

DiePortale erwarten, dass zahlreiche

weitere Stromanbieter in den

kommenden Tagen Preiserhöhungen

zum 1. Januar ankündigen werden.

Die Frist dazu laufe nächsten

Mittwoch (20. November) ab.Zuletzt

hatte es zudem noch viele Erhöhungen

im ersten Quartal 2019 gegeben.

Als Grund für die Strompreiserhöhungen

gaben die Versorger gestiegene

Umlagen und Netzgebühren

an. Die EEG-Umlage, über die der

Ausbau der erneuerbaren Energien

finanziert wird, steigt zum Jahreswechsel

um rund 5 Prozent auf

6,756 Cent je Kilowattstunde. Sie

macht rund 22 Prozent des gesamten

Strompreises aus. Auch die Gebühren

für die Stromnetze, auf die ein

weiteresknappesVierteldesGesamtpreises

entfällt, steigen, allerdings regional

unterschiedlich. DieMehrheit

der Netzbetreiber in Deutschland hat

Verivox zufolge Erhöhungen von

rund 6Prozent angekündigt.

Laut Check24 kaufen die Versorger

die Energie an der Strombörse im

Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent

günstiger ein, die gesunkenen Preise

würden bislang aber nicht an die Verbraucher

weitergegeben. Verbraucherschützer

sehen die Stromanbieter

in der Pflicht, für Preisstabilität zu

sorgen. „Steigende Strompreise sind

jetzt mit Blick auf den Klimaschutz

ein völlig falsches Signal“, sagte der

Energieexperte der Verbraucherzentrale

NRW, Udo Sieverding, auf

dpa-Anfrage. Die Versorger könnten

„mit den Spielräumen ihrer Beschaffungsstrategien

Preisveränderungen

durchaus so lange aufschieben, bis

das Klimapaket greift“. (dpa)

EinigeAnbieter erhöhen denStrompreis

um sechs Prozent.

FOTO: JENS WOLF/ZB/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 7· ·

·······················································································································································································································································································

Wirtschaft

Stockende

Versorgung der

Apotheken

Einige Medikamente

sind Mangelware

Früher

aus der

Schuldenfalle

Justizministerium will

Fristenändern

Von Alexander Sturm

Eine stockende Versorgung bei

gängigen Medikamenten wird

für Apotheken und Patienten zu

einem immer größeren Problem.

„Lieferengpässe bei Schilddrüsenarzneien,

Arzneiengegen Gicht oder

Schmerzmitteln wie Ibuprofen sind

ein dauerndes Ärgernis“, sagtMathias

Arnold, Vizepräsident der Apothekervereinigung

ABDA. Auch der

Rückruf des Blutdrucksenkers Valsartan

nach einer Verunreinigung

habe 2018 zu einem Mangel inden

Apotheken geführtund normalisiere

sich erst langsam. „Die Lieferengpässe

haben in den vergangenen

Jahren zugenommen.“

Zwar lassen sich viele knappe Arzneien

durch andere Medikamente

ersetzen, doch das bleibe nicht ohne

Folgen, warnt Arnold. „Das sind

nicht die Mittel, auf die die Patienten

eingestelltsind, und nicht zwingend

die,die sie am bestenvertragen.“

Hormone in Schilddrüsenmedikamenten

etwa würden in Minidosierungen

verabreicht. „Wenn Firma

Bdie Pillen anders presst, macht

das schon einen Unterschied.“ Patienten

müssten dann von ihrem

Arztanders eingestellt werden. Auch

bei Apothekern kosten Lieferengpässe

Zeit: Helfen eine größere Packung

oder doppeltsostarke Tabletten,

die der Patient teilen muss?

Muss der Arzt das Rezept ändern?

Das zerrt anden Nerven. Für neun

von zehn selbstständigen Apothekern

zählen Lieferengpässe zu den

größten Ärgernissen im Alltag,sodie

ABDA. Laut dem Apothekerverband

hat sichdie Zahl der nicht verfügbaren

Rabattarzneien fast verdoppelt:

von 4,7 Millionen Packungen 2017

auf 9,3 Millionen im vergangenen

Jahr. Jedes 50. dieser Mittel sei von

Lieferengpässen betroffen – also

mehr als zwei Wochen nicht verfügbaroderdeutlichstärkernachgefragt

als angeboten.

MancheArznei ist wochenlang nichtzu

haben.

FOTO: OLIVER BERG/DPA

Gründe für Lieferengpässe gibt es

viele. Soherrscht im globalen Gesundheitswesen

Kostendruck. Viele

Pharmakonzerne lassen laut ABDA

Wirkstoffe in Fernost herstellen–etwa

Antibiotika inChina und Indien.

Dort konzentriert sich die Produktion

auf wenige Betriebe, wie der

Bundesverband der PharmazeutischenIndustrie(BPI)erklärt.DieFolge:

Steht die Produktion zeitweilig

still oder kommteswegen Verunreinigungen

zuArzneirückrufen, hakt

es in der Lieferkette.„Kein Hersteller

hält bewusst Arzneimittel knapp

oder gibt nur vor, lieferunfähig zu

sein“, betont der BPI.

Sind nun Arzneien in großem Stil

knapp? DrohenPatienten ernsthafte

Gesundheitsgefahren? Das Bundesinstitut

für Arzneimittel und Medizinprodukte

sieht keinen Grund,

Alarm zu schlagen. Die Behörde hat

derzeit knapp 290 Meldungen über

Lieferengpässe bei Medikamenten

erfasst –bei rund 103000 zugelassenen

Arzneimitteln in Deutschland.

Zwar gebe es „eine kontinuierliche

Steigerung der Lieferengpassmeldungen“,

so das Institut. Die

Zahlen ließensich aber nicht mit den

Vorjahren vergleichen, da sich die

Datengrundlage geändert habe. Zudem

gibt es keine Pflicht, Lieferengpässe

bei Arzneien zu melden –wohl

aber einen Trend zu mehr freiwilligen

Angaben. (dpa)

Ein BMW i3 an der Ladesäule. Der Konzern willimGegensatz zu Teslaoder VW keine eigene Zellfabrik bauen.

Heikle Rohstoffe

BMW sieht sich bei Batteriezellentechnologisch und ökologisch in der Führungsrolle

Von Thomas Magenheim

Batteriezellen gelten als

Schlüsselprodukt von

Elektroautos. Peter Lamp

weiß es genau. „80 Prozent

der Batteriekosten sind Zellkosten

und 80 Prozent der Zellkosten sind

Materialkosten“, sagt der Leiter des

neuen BMW-Kompetenzzentrums

Batteriezelle, das die Bayern binnen

zwei Jahren für 200 Millionen Euro in

Nachbarschaft zur Konzernzentrale

gebaut haben. Gut 200 Spezialisten

wie Lamp arbeiten dort, um die Batteriezellen

der nahen Zukunft zu erforschen,

die am besten zu BMW-

Autos passen. Siefertigen in der neuen

Hightechabteilung auch Prototypen,

um Lieferanten Blaupausen zur

kostenoptimierten Fertigung an die

Hand zu geben. Kritische Rohstoffe

wie Kobalt kauft BMW zudem selbst

ein. Konzernchef Oliver Zipse wähnt

sein Haus bei Batteriezellen technologisch

wie ökologisch in einer Führungsrolle.

„Wir sind ganz vorne dabei“,

meint Zipse mit ungebrochenem

bayerischen Selbstbewusstsein. Öffentlich

ist dagegen der Eindruck

entstanden, BMW habe nach anfänglichen

Pionierleistungen in Sachen

Elektromobilität zuletzt den

Anschluss verpasst. Zipse und seine

Batterieexperten widersprechen.

Von der Rohstoffbeschaffung über

den Batteriezellbau bis zum Recycling

überblicke BMW heute die ganze

Wertschöpfungskette. Selbst eine

Zellfabrik bauen wollen die Bayern

zwar im Gegensatz zu VW oder Tesla

weiter nicht.

Wergenau wisse,wie und mit welchen

Materialien eine Batteriezelle

idealerweise gebaut werden muss,

brauche das aber auch nicht, lautet

diePhilosophiederMünchner.Dafür

gebe es Auftragsfertiger,die bei BMW

Samsung und Catl heißen. Mitihnen

sei man beim Batteriewissen auf Augenhöhe.

„Die Batteriezelle ist kein Schüttgut

sondern ein Differenzierungsmerkmal

der Elektromobilität“, stellt

UdoHänle klar.Inihnen würden entscheidende

Eigenschaften wie Lebensdauer,

Ladefähigkeit, Reichweite

oder Spitzenleistung festgelegt, erklärt

der BMW-Experte für Produktionsstrategie.

Deshalb müsse BMW

genau verstehen, was in einer Zelle

abläuft und wie man sie in Großserie

baut. Andererseits wisse ein Batteriezellhersteller

im Gegensatz zu BMW

nicht, was in einem Auto abläuft, ergänzt

Lamp.Nur werbeide Wissensstränge

zusammenbringen könne,

schaffe es,die ideale Batteriezelle zu

konfigurieren.

häufig, sagt Roshdy, der Stressfaktor

unter Kapitänen sei hoch. Mitarbeiter

der Reederei Hapag-Lloyd oder des

EnergiekonzernsShellkommen inzwischen

für Schulungenzuihm.

Auch für erfahrene Seeleute ist es

kein Leichtes, einen 400 Meter langen

Stahlriesen bei Strömung und Seitenwind

durch eine schmale Schifffahrtsrinnezusteuern.DerWüstenwindkann

hier mit stürmischen 40 oder50Knoten

pro Stunde über den Kanal fegen und

ein haushohes Schiff in einen „Ballon“

verwandeln,wieRoshdysagt.„EinSchiff

ist nicht wie ein Auto. Wenn du die

Steuerungverlierst, weißt du nicht, wo

es hintreiben wird.“

Doch um den Suezkanal führen in

der Schifffahrtnicht viele Wege herum –

jedenfallsnichtfüreinenausSaudi-Arabienoder

dem Irak kommenden Öltanker,der

unterengem Zeitplan die Niederlande,ItalienoderdieUSAansteuert.

Den Seeweg von Europa nach Indien

Ebenso wichtig wie die Funktionalität

einer Batteriezelle sind aber

deren Herstellungskosten. Denn vor

allem die Batterie ist der Grund, warum

Elektroautos heute für Hersteller

weit weniger profitabel sind als

Verbrenner. „Die größte Herausforderung

sind die Kosten“, räumt

Lampein.Um aufdasangepeilteProfitabilitätsniveau

zu kommen, müssten

die Batteriepreise mindestens

halbiert werden. Wann das so weit

seinkönnte,willLampnichtabschätzen.

Schon heute reklamiert BMW

aber im globalen Maßstab die Kostenführerschaft

beim Bauvon Batteriezellen

für sich.

Hinsichtlich Energiedichte und

damit der Reichweite ist Konzernchef

Zipse konkreter. Beides wolle

BMW bis 2030 durch eigene Forschung

verdoppeln. Man lege aber

auch Wert auf Nachhaltigkeit. „Wir

überlassen den Materialeinkauf

nicht unseren Zelllieferanten“, betont

Zipse.Denneinige Rohstoffe wie

Kobalt oder Lithium gelten als heikel.

Vorallem Kobalt wird immer wieder

mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht.

Massive Umweltschäden

7000 Kilometer Abkürzung

verkürzt der Kanal um etwa7000 Kilometer,derUmwegüberdasKapderGuten

Hoffnung könnte ein Schiff bei

16 Knoten (etwa30Kilometer proStunde)

fastdreiweitereWochen kosten. Im

eng getakteten Welthandel ist das eine

Ewigkeit.

Die enorme Zeitersparnis entzückt

Händler, Schiffsleute und Politiker

schon vor150 Jahren, als derBau am 17.

November 1869 mit großem Pomp eröffnet

wird. 5000 prominente Gäste aus

aller Welt reisen an, umdas damals

größte Projekt des maritimen Weltverkehrszubestaunen.SiefeiernbeiFeuerwerk

und einem Festball, dennErbauer

Ferdinand de Lesseps, ein französischer

Diplomat, war im kargen Land eine

technische Meisterleistung gelungen.

Dass Zehntausende ägyptische

Zwangsarbeiter unter brutalen Bedingungen

schuften mussten und Tausende

beim Bauums Leben kamen, wird

heute selten erwähnt.

beim Abbau vor allem im Hauptlieferland

Kongo sind an der Tagesordnung.

Deshalb kauft BMW ab 2020

Kobalt und Lithium selbst ein, um es

dann an seine Zelllieferanten weiterzureichen.

„WirkennenalleMinenweltweit“,

sagt BMW-Einkaufsexperte Ralf

Hattler. AmEnde entschieden habe

man sich bei Kobalt für Australien

und Marokko als Lieferländer. Dort

würden Sozial- und Umweltstandards

auf europäischem Niveau eingehalten.

BeiKobalt sei BMW Kongofrei,

betont er. Bislang gesichert hat

BMW sich die Rohstoffversorgung

für Batterien vertraglich bis 2025 –zu

den üblichen Marktpreisen, wirdbetont.

Völlig unabhängig sind die Bayernmittlerweile

vonseltenen Erden,

einem weiteren kritischen Element

des Batteriebaus. Nach Forschungserfolgen

kommt BMW demnächst

ohne diesen Rohstoff aus.

Am anderen Ende der Wertschöpfungskette

von Batterien entwickelt

BMW deren Recycling. Eine Quote

von gut 90 Prozent wird angestrebt.

Biserste Batterien in größerer Stückzahl

etwa 2025 am Ende ihrer Lebensdauer

angekommen sind, soll

auch das so weit sein. Auch solche

Nachhaltigkeit hat Konzernchef Zipse

neben den Leistungsdaten seiner

Elektroautos im Blick, wenn er den

bayerischen Motorenwerken ein anspruchsvolles

Ziel setzt. „Wir wollen

die besten Antriebe der Welt bauen,

das ändertauch die Elektromobilität

nicht“, sagt er.

Vor 150 Jahren wurde der Suezkanal gebaut, eine der wichtigsten Routen desglobalenHandels

Von Johannes Schmitt-Tegge

Achtung, an die gesamte Crew: Wir

haben eine Kollision!“ Arabische

Funksprüche und Anweisungen auf

Englischsind zu hören, als dasContainerschiff

imSuezkanal wie in Zeitlupe

mit einem Schüttgutfrachter kollidiert.

DasVideo im Internet zeigt,wie dramatisch

eine Fahrt durch die ägyptische

Wasserstraße verlaufenkann. Ausdem

Welthandel istdas Transport-Nadelöhr

auch 150 Jahre nach seiner Eröffnung

nichtmehr wegzudenken, fürdie Ägypter

bleibt derKanal einPrestigeobjekt.

„Einige Kapitäne verlieren an Bord

komplett die Nerven“, sagt Mohamed

Roshdyüberdiemeistelfbis16Stunden

lange Durchfahrt. Seit fast 40 Jahren

arbeitet der Ägypterals LotseamSuezkanal,

wo Tankernund großen Containerschiffen

ohne seine Anweisungen

ein Millionenschaden oder Schlimmeresdrohen

kann. Herzprobleme seien

„Wir sind ganz vorne dabei“

Oliver Zipse, Vorstandschef von BMW

FOTO: JAN WOITAS/DPA

Die eigentliche Party beginnt für

Ägyptenerst1956,alsderKanalverstaatlicht

und damit zu einer der wichtigsten

DevisenquellendesLandeswird.Durch

mehrmaligeErweiterungen–zuletztein

zweispuriger Ausbau auf zusätzlichen

Abschnitten –sollderKanalfürFrachter

und Containerriesen attraktiv bleiben,

unter anderem wegen kürzererWartezeiten.Im

AugustverkündetedieKanalbehörde

einen Rekordjahresumsatz

von 5,9 Milliarden Dollar (5,37 Mrd.

Euro),imFebruarwurdediehöchsteTages-Tonnage

seit 150 Jahren gemeldet.

Trotz dieser Jubelmeldungen wirkt das

Ziel, den Umsatz bis 2023 mehr als zu

verdoppeln, noch wie eine Seefahrermär.

Kritiker werfen Präsident Abdel

Fattah al-Sisi außerdemvor,mit derErweiterung

2015 nur ein weiteresPrestigeprojekt

aus dem Boden gestampft

undStaatsgeldverschwendet zu haben

–ähnlich wie beim Bau einer neuen

Hauptstadt östlich vonKairo. (dpa)

Von Friederike Marx

Menschen in der Schuldenfalle

können auf einen schnelleren

Neubeginn hoffen: DasBundesjustizministerium

will die Frist für eine Befreiung

von Restschulden bei Verbraucherpleitenvon

derzeit sechs auf

regulär drei Jahresenken. „Es ist sinnvoll,

dass die Restschuldbefreiung

künftig ohne Bedingungen nach drei

Jahren erfolgen soll“, sagte Christoph

Zerhusen vonder Verbraucherzentrale

Nordrhein-Westfalen. „Die meisten

Menschenrutschen nach und nach in

die Schuldenfalle, oft auch durch

Schicksalsschläge.“

Kein Mensch gehe leichtfertig in

eine Insolvenz, sagte Zerhusen.

„Während des Insolvenzverfahrens

stehen den Menschen nur die pfändungsfreien

Einkünfte zur Verfügung,

um die laufenden Lebenshaltungskosten

zu decken.“

Zwar haben Verbraucher bereits

jetzt schon die Möglichkeit, drei Jahre

nach der Pleite die restlichen Schulden

erlassen zu bekommen. Allerdings

sind aus Sicht vonVerbraucherschützernund

Insolvenzrechtsexperten

die Hürden dafür zu hoch.

Nur, werinnerhalb vondreiJahren

mindestens 35 Prozent der GläubigerforderungensowiedieKostendesVerfahrens

für das Gericht und den Insolvenzverwalter

stemmt, kann vorzeitig

neu anfangen. Nach einer Untersuchung

des Bundesjustizministeriums

im Jahr 2018 können weniger als zwei

Prozent der Schuldner diese Bedingungen

erfüllen.

Neue EU-Richtlinie

Hintergrund für die geplanten Änderungen

ist eine EU-Richtlinie,die eine

Entschuldung nach drei Jahren vorsieht.

Das Bundesjustizministerium

plant eine Übergangszeit, in der die

Fristschrittweiseverkürztwerdensoll.

Damit soll verhindert werden, dass

Verbraucher in der Schuldenfalle bis

zum Inkrafttreten des neuen Rechts

mit der Anmeldung der Insolvenz

warten, um in den Genuss der Dreijahresregelzukommen.Zudemsollen

Ungerechtigkeiten vermieden werden,diebeieinerVerkürzungdesZeitraumes

von heute auf morgen entstünden.

Zerhusen hält eine Übergangsfrist

für sinnvoll: „Damit wird

ein Verfahrensstau bei den Schuldnerberatungsstellen

vermieden.“

EineeuropaweiteHarmonisierung

der Vorschriften befürwortet der Verbraucherschützer,

„auch um Insolvenztourismus

zu vermeiden und

einen einheitlichen Rechtsraum zu

schaffen“. In manchen EU-Ländern

gelten bislang kürzere Fristen als in

Deutschland. Ein Referentenentwurf

des Ministeriums ist um die Jahreswende

geplant.

Nach jüngst veröffentlichten

Daten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform

ist die Zahl überschuldeter

Personen inDeutschland in diesem

Jahr erstmals seit fünf Jahren wieder

gesunken –allerdingsnurgeringfügig.

Aktuell sind demnach rund 6,92 Millionen

Verbraucher nicht in der Lage,

ihreRechnungen zu bezahlen.

Dennoch waren weiter bei jedem

zehnten Erwachsenen die Gesamtausgaben

dauerhaft höher als die Einnahmen.

(dpa)

Fast siebenMillionenVerbrauchersind

überschuldet.

FOTO: ROLF VENNENBERND/DPA


8* Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Meinung

Impeachment

ZITAT

Amerikanische

Schicksalswochen

KarlDoemens

wähnte sich während der Anhörung

bisweilen im Mafia-Milieu.

Am Abend des 21. April erhielt der

frischgewählte ukrainische Präsident

Wolodymyr Selenskyj einen denkwürdigen

Anruf. Am anderen Ende der Leitung

war US-Präsident Donald Trump, der

überschwänglich gratulierte und eine

Einladung ins Weiße Haus aussprach:

„Wir sind auf ganzer Linie bei Ihnen.“ Die

beiden Staatsoberhäupter hätten verabredet,

bei Reformen zur Stärkung der Demokratie

und Ausrottung der Korruption

zusammenzuarbeiten, verlautbarte anschließend

das Weiße Haus.

Ein halbes Jahr später wissen wir:

Nichts davon ist wahr. Demokratie und

Korruptionsbekämpfung wurden ausweislich

des inzwischen veröffentlichten

Protokolls mit keiner Silbe erwähnt. Auch

unterstützte Trump Selenskyj keineswegs,

sondern arbeitete gegen ihn. Er forderte

eine Schmutzkampagne gegen seinen

möglichen Herausforderer Joe Biden und

hielt offenbar als Druckmittel die zugesagte

Militärhilfe und den prestigeträchtigen

Foto-Termin im Weißen Haus zurück.

Der amerikanische Präsident nimmt

den Regierungschef eines von Russland

bedrohten Staates in Geiselhaft für seine

sinistren Interessen: Es sind alarmierende

Vorgänge, die bei den Impeachment-Anhörungen

schon in der ersten Woche ans

Tageslicht kamen. Hochrangige Beamte

berichteten, wie dasWeiße Haus über den

Trump-Anwalt Rudy Giuliani eine irreguläre

Neben-Diplomatie mit der Ukraine

aufbaute, wie eine regelrechte Unterwerfungserklärung

für Selenskyj formuliert

wurde und wie die gesetzestreue US-Botschafterin

in Kiew nach einer Verleumdungskampagne

ihrer eigenen Regierung

den Posten räumen musste.

Werden Zeugen zuhörte, wähnte sich

bisweilen im Mafia-Milieu. Dass Trump

zudem das verfassungsmäßige Impeach-

Dass Trump von

einem illegalen

Lynchprozess spricht

und dem

Whistleblower droht,

lässt erschaudern.

ment-Verfahren als illegalen Lynchprozess

bezeichnet und dem Whistleblower,

der sich streng an die behördlichenVorgaben

hielt, mit Vergeltung droht, muss jeden

Demokraten erschaudernlassen.

Mitseiner zynischen Missachtung elementarer

Normen ist Trump dabei, das

Fundament der amerikanischen Gesellschaft

zu zerstören. Vorzwei Jahrzehnten

wurde Ex-Präsident Bill Clinton vomKongress

wegen einer Falschaussage über

eine außereheliche Affäre angeklagt. Dieses

Mal geht es um Amtsmissbrauch, Bestechung

und Behinderung der Justiz.

Daswiegt deutlich schwerer und sollte genügend

Begründung für ein Impeachment

bieten.

Doch zur Amtsenthebung wird esam

Ende nur kommen, wenn neben den Demokraten

auch 20 Republikaner im Senat

dafür stimmen. Ohne eine massive Empörungswelle

in der Bevölkerung wirddas

nicht passieren. Davon ist bislang noch

wenig zu spüren. Deshalb sind die kommenden

Tage der Anhörungen so wichtig:

Dort treten vor laufenden Kameras stundenlang

integre, patriotische Mitarbeiter

des Weißen Hauses und des diplomatischen

Dienstes auf und demonstrieren,

wie ihr oberster Dienstherr die Normen

dieser Gesellschaft verrät. Ob die Fernsehbilder

den von den Demokraten erhofften

Aufschrei bringen, ist offen. Den

USA stehen schicksalhafte Wochen bevor.

Bislang immerhin unterstützt Trump

seine Gegner nach Kräften: Eindringlicher

als mit einem beleidigenden Tweet,

wie er ihn während der Vernehmung der

abberufenen Ukraine-Botschafterin abfeuerte,

kann man die Einschüchterung

einer Zeugin in Echtzeit kaum vorführen.

Zwischen zwanzig Jahren können

Welten liegen. Als die Grünen 1999

einen Bundesparteitag in Bielefeld

abhielten, ging dieser unter in

Chaos und Tumult –das Ja zum Nato-Einsatz

der Bundeswehr im Kosovo hinterließ eine

für lange Zeit zerrissene Partei. Dagegen

nahm sich der Bielefelder Parteitag des Jahres

2019 wie ein Wellness-Wochenende aus:

harmonisch, heiter und reich an Gelegenheiten,

um sich der eigenen Bedeutsamkeit und

Stärke zu versichern.

DieGrünen sind geeint wie nie zuvor.Der

innere Zusammenhalt ist ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal

in der bröckelnden

deutschen Parteienlandschaft. Ihre Geschlossenheit

zeigt sich allem voran inder

überwältigenden Zustimmung bei der Wiederwahl

ihrer Vorsitzenden Annalena Baerbock

und RobertHabeck.

MitWerten jenseits der 90-Prozent-Marke

bekundet die Basis dreierlei: Dankbarkeit für

die zurückliegendenWahlerfolge,Zufriedenheit

mit dem integrativen Kurs ihrer Chefs –

und die Hoffnung darauf, das grüne Hoch

möge noch eine gute Weile fortdauern. Genauer

gesagt: bis zur nächsten Bundestagswahl.

Denn auch dieses hat der Parteitag gezeigt:

DieGrünen wollen regieren.

Habeck und Baerbock bekräftigen bei jeder

Gelegenheit ihren Willen zur Macht.

Dass ihnen dies die sonst gegenüber Autoritäten

so skeptische Grünen-Basis nicht verübelt,

liegt an der Begründung für den

Machthunger: der Klimarettung soll er dienen,

den Lebenschancen junger Menschen.

Die Delegierten vertrauen der demonstrativenSelbstlosigkeit

der Grünen-Chefs.

Die Partei folgt ihrer Führung hinein in

die politische Mitte.Zwar redet die Spitzeviel

von „Mut“ und „Radikalität“. Im Programm

Die Neunziger, das waren die Baseballschlägerjahre.

Die Geschichte dazu betrifft

nicht die Ostdeutschen allein. DerWesten

hat dazu beigetragen, dass sich die Nazis

in jener Zeit so ungehindert ausbreiten

konnten. Der Westen tat es durch eine verfehlte

Politik, durch Ignoranz und durch Zurückweichen

vorKonflikten.

Viele, die im Osten aufgewachsen sind,

teilen auf Twitter ihre gruseligen Erfahrungen

mit Nazigewalt. Sie erinnern an die

Jahre, als Naziskins sie durch die Straßen gejagt

haben, was ihnen angetan wurde und

wie allein sie damit blieben.

Ich hatte Glück, denn ich lebte in Berlin

und war außerdem nicht mehr in dem Alter,

in dem man sich auf der Straße behaupten

muss.Und doch hatte ich jeden Tagdamit zu

tun. Damals war ich sehr viel in ganz Ostdeutschland

unterwegs. Überall traf ich Jugendliche,die

vonNazis zusammengeschlagen

wurden. Ihre Geschichten waren furchtbar,

ihre Perspektive trostlos. Ganze Regionen

wurden von Nazis beherrscht. Für die

meisten Jugendlichen gab es dazu keinerlei

Alternative. Diejenigen, die trotzdem nicht

rechts sein wollten, hatten dafür einen hohen

Preis zu bezahlen. Die Polizei jedenfalls

half ihnen nicht.

Jahrelang habe ich versucht, meinen

Partnern imWesten zu beschreiben, was

da im Osten los war. Die Nazis hatten die

kulturelle und reale Hegemonie in weiten

Landstrichen. Meinen Freunden im Westen

war das nicht zu vermitteln. Jaja, das

Grüne

Günstige

Zeit

Marina Kormbaki

erklärtden Erfolg der Grünen. Das wachsende

Umweltbewusstsein in der Bevölkerung zum Beispiel hilft.

KOLUMNE

Als im Osten die

Baseballschläger

herrschten

Anetta Kahane

Amadeu-Antonio-Stiftung

gäbe es im Westen auch, war eine der Standardantworten.

Andere meinten, so

schlimm könne es ja nicht sein, denn andernfalls

wäre jeder, der Bomberjacke und

Glatze trägt, ein Nazi. Und das seien ja

dann so viele. Selbst die Grünen, die ich

damals noch in Bonn deswegen aufsuchte,

lächelten nur milde und winkten ab. Auch

die hohe Zahl der Todesopfer jener Jahre

änderte daran grundsätzlich nichts.

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

finden sich die behaupteten Zumutungen

aber kaum wieder. Selbst beim Klimaschutz

stellen deren Beschlüsse Lockangebote für

Koalitionsverhandlungen mit der Union dar.

So liegt der von den Grünen geforderte

Einstiegspreis von 60Euro pro CO 2 -Tonne

unter den Empfehlungen vieler Klimawissenschaftler.

Viele Grüne wünschen sich

mehr. Entsprechend emotional verliefen die

Debatten dazu am Wochenende. Habeck

und Baerbock aber verweigern sich dem

Wünschenswerten. Sie schwören ihre Partei

auf Pragmatismus ein, verpackt in visionäre

Rhetorik. Undohne erhobenen Zeigefinger.

Sie wollen einer „Bündnispartei“ vorstehen.

Was das bedeutet, wurde in Bielefeld

klar:Während vor der Halle „Fridays for Future“

den sofortigen Kohleausstieg fordern,

sitzen drinnen im Saal die Gewerkschaftschefs

von IGBCE und DGB. Die Umarmung

so gegensätzlicher Milieus macht den gegenwärtigen

Erfolg der Grünen aus.

Mit dieser Strategie des Sowohl-als-Auch

trifft das Führungsduo eine weit verbreitete

Stimmung. DerKlimawandel ist real; immer

mehr Bürger teilen das Wissen darum, dass

ihr Lebenswandel untragbar ist. Zur Abkehr

sind die Wenigsten bereit. Man nimmt weiterhin

das Auto zur Arbeit –mit einem Mehrwegbecher

im Getränkehalter. Die Grünen

vermitteln den Eindruck, dass schon das

Wissen um dieWidersprüchlichkeit des eigenen

Handelns einen CO 2 -Einspareffekt hat.

Habeck und Baerbock spenden einem von

Öko-Zweifeln geplagten Bürgertum Trost.

Sicher, der klimabewegte Zeitgeist arbeitet

den Grünen zu. Und ihre Führung zeigt

einiges Geschick darin, die Partei nach außen

zu öffnen und nach innen zusammenzuhalten.

Eine ehrliche Erklärung des Grünen-Erfolgs

erfordert aber auch einen Blick

auf die Konkurrenz: Die Stärke der Grünen

ist Abbild der Schwäche vonUnion und SPD.

Gut möglich, dass die bevorstehenden

Parteitage vonCDU und SPD am beklagenswerten

Erscheinungsbild beider nichts ändern.

Gut möglich, dass Baerbock und Habeck

konzentriert und charismatisch weitermachen

und von hohen Zustimmungswerten

weit ins nächste Jahr getragen werden.

Dann aber wird esihnen nicht erspart sein,

die in Bielefeld so gemiedene Kanzlerkandidatenfrage

zu klären. Sieoder er?

Indem er Baerbock bei ihrer Wiederwahl

einen klaren Vorsprung verschaffte, widersetzte

sich der Parteitag dem Habeck-Hype.

Das Rennen ist offen. Ein Rennen, das die

grüne Harmonie aufdie Probestellen wird.

Wann sich das änderte? Icherinneremich

vor allem an zwei Ereignisse. Das eine war,

als ich einem meiner bürgerlich-liberalen

Freunde in Baden-Württemberg erzählte,

wie in Frankfurt (Oder) eine Abiturfeier von

Nazis gesprengt wurde.Eine Abiturfeier? Abitur,die

heilige Reifeprüfung, der Höhepunkt

und Inbegriff bürgerlicher Schulkarriere –

diese Feier zu stören, das galt als Affront. Da

plötzlich wurde das Naziproblem wahrgenommen.

Das andere war ein Dokumentarfilm

über die brandenburgische Stadt

Schwedt. Die Nazis hatten dort das Sagen

und teilten dies auch stolz den Reportern

mit. Jugendamt und Stadt ließen sie gewähren.

Der Bürgermeister wies jede Kritik

scharfzurück und die Polizei zuckte mit den

Schultern. Dieser Film bekam schließlich

den Civis-Fernsehpreis und löste damit wenigstens

ein kleines bisschen Entsetzen aus.

Es dauerte noch Jahreheftiger Diskussionen,

um klarzumachen, dass das westdeutsche

Konzept der offenen Jugendarbeit in

Ostdeutschland am Ende nur„Glatzenpflege

auf Staatskosten“ war.Und dass dieses Naziproblem

nicht einfach verschwindet, dass es

nicht nur Arbeitslosigkeit war, die es verursachte,

sondern esauch inder DDR schon

zum Alltag gehörte. Damals war schon klar,

dieses Nazithema muss endlich die gesamte

Bundesrepublik beschäftigen, weil sich

sonst Ignoranz bitter rächt.

Werheute fragt, weshalb die AfD gerade

im Osten so starkist,darfsich gernandie Baseballschlägerjahreerinnern.

„Widerwillige Anführer

sind die besten Anführer

und nicht diejenigen,

die alles tun, um an die

Macht zu gelangen.“

Olivia Colman, britische Schauspielerin,

im Magazin Fous über Queen Elizabeth II., die

eigentlich nie Königin werden wollte. Colman spielt in

der dritten Staffel der Netflix-Serie „The Crown“

die Queen im mittleren Alter.

AUSLESE

Klimaschutz und

verpasste Chancen

Kaum hat die Große Koalition nach

langem Streit das Klimaschutzgesetz

beschlossen, da steht das Paket schon

wieder heftig in der Kritik: Wieesdie Süddeutsche

Zeitung sieht, hat die Bundesregierung

am vergangenen Freitag eine historische

Chance verpasst: „Viele Ziele,

gute Prosa –aber kaum Instrumente, um

das Land wirklich auf einen sauberen

Pfad zu bringen.“ Trotz aller Appelle und

aller Erkenntnisse über den Ernst der

Lage wirke das Gesetz „wie die hübsche

Verpackung eines Nichts“. Die zentrale

Botschaft des Pakets sei: „Wir haben’s

diesmal nicht geschafft. Aber beim nächsten

Malpacken wir’s.Ehrenwort.“

Auch die Junge Welt fällt ein vernichtendes

Urteil: „So sieht also Klimaschutz

nach Vorstellungen der Berliner Koalition

aus: Wir sparen hier und dort ein paar

Tonnen CO 2 ein, lassen die Bevölkerung

ein bisschen mehr für Benzin und Heizung

zahlen, reichen das Geld per Pendlerpauschale

an den in den Speckgürteln

lebenden Mittelstand weiter,während die

ärmeren Haushalte draufzahlen. UnduntermStrich

ist alles für die Katz.“ DieWelt

beklagt ebenfalls verpasste Chancen und

hätte sich einen konsequenteren Kurs gewünscht:

„Die Einführung eines echten

Emissionshandels“ werde auf 2026 verschoben.

Bisdahin „wirdder Klimaschutz

nach den Wünschen der Sozialdemokraten

verwaltet. Dieaber misstrauen marktwirtschaftlichen

Ansätzen. Es sind sechs

verlorene Jahre.“ Gabriela Keller

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berlin

WasArchäologen alles

am Alexanderplatz

gefunden haben

Seite 10

Die Restaurierung des Ernst-Thälmann-Denkmals kommt nicht wie geplant in Gang Seite 11

Lange vor Tesla war Grünheide Heimat eines der klügsten Oppositionellen der DDR Seite 17

Stadtbild

Stadt

der Engel

BarbaraWeitzel

begegnet einem

guten Menschen.

Jetzt ist schon wieder was passiert.

Dassagt der Brenner immer in den

Krimis von Wolf Haas. Ich kann das

erst jetzt sagen, als ich es aufschreibe.

Denn kurznachdem wieder was passiert

war, war mir alles andere als

brennerisch-lakonisch zumute.

Voreiniger Zeit schrieb ich hier

vonVerlusten, und dass sie immer als

Horde daher kommen. Da ahnte ich

noch nicht, dass nach einem verlorenen

Turnbeutel, einer Bauchtasche

und einer Kameranoch nicht Schluss

sein würde.Dass die Kameraals Ende

nicht dick genug war.Ich schrieb von

Hoffnungen auf die Ehrlichkeit der

Mitbürger und deren teilweise Enttäuschung.

Und dass ich trotzdem

weiter an sie glauben will. Denn es

gibt immer solche und solche.

An einem Samstagmittag also fehlt

mein Portemonnaie. Zwischen drei

Maldie Wohnung absuchen, zwanzig

Mal die Tasche auskippen, Flüchen,

Tränen und Selbstgeißelung, schaffe

ich es irgendwie,telefonisch drei Karten

sperren zu lassen und zitternd

eine Liste der Dokumente zu erstellen,

die ich in der Woche darauf neu

beantragen muss. Die Kinder, zunächst

verstört über den Zerzausungsgrad

der Mutter, erweisen sich

als Engel. Nehmen mich in den Arm

und decken abends den Tisch.

Aufder Polizeiwache sage ich, was

ich eigentlich schon nach dem ersten

Tascheauskippen wusste: Dass ich

die Geldbörse wohl nach dem Bezahlen

im Taxi habe liegen lassen. Ob ich

denn die Quittung noch hätte, fragt

der Polizist, der so väterlich mit mir

spricht, dass ich schon wieder weinen

könnte. Dann könnte ich beim Taxiunternehmen

anrufen. „Die steckt

auch im Portemonnaie“ wimmere

ich und schäme mich über meinen

aufgelösten Zustand.

Wieder zu Hause suche ich im

Stundentakt in der Online-Datenbank

des Fundbüros. Obwohl ich

weiß, dass es bis zu drei Tage dauern

kann, bis Verlorenes dort abgegeben

wird. Dass es am Wochenende ohnehin

geschlossen ist. Dieeinzige Folge

dieser sinnlosen Recherche: Am

Sonntag habe ich jede Hoffnung verloren

und denke: Bestimmt hat der

nächste Fahrgast es eingesteckt. Oder

doch der Taxifahrer, der nur so nett

getan hat, als er auf meinen Wunsch

das Radio lauter stellte.

Am Sonntagabend klingelt es an

der Tür.„Taxi ... Geld ... Freitag“, verstehe

ich nur, dazwischen das Rauschen

der Straße. Ich betätige den

Summer und renne nach unten. Falle

dem Taxifahrer,der mit erleichtertem

Gesicht vor mir steht, fast um den

Hals. Erleichtert ist er, wie er mir erklärt,

weil er morgen früh in die Türkei

abreise.Warum ich mich nicht gemeldet

hätte beim Taxi-Verband,

fragt er.Ich aber bin ganz stumm vor

Glück, strecke ihm das komplette

Bargeld hin, er lehnt ab. Zehn Euro

nimmt er dann doch als Dank. Ich

wünsche ihm eine gute Reise.

Als er weg ist, merke ich, dass das

Glücksgefühl nicht nur vom zurückgekehrten

Portemonnaie rührt. Sondern

auch daher, dass der nächste

Kunde es dem Fahrer gegeben und

dass dieser den Wegzumir auf sich

genommen hat. Daher,dass es solche

und solche Menschen gibt. Undwelche,die

Engeln sehr ähnlich sind.

Einer der Flure der Haftanstalt Tegel.

Neue Herausforderungen hinter Gittern

VonAndreas Kopietz

Der Anteil ausländischer

Gefangener hat in den

Berliner Justizvollzugsanstalten

(JVA)stark zugenommen.

In der Untersuchungsund

Strafanstalt Moabit zum Beispiel

hat weniger als ein Drittel der

Häftlinge die deutsche Staatsbürgerschaft.

Ende September saßen von

923 Strafgefangenen dort 293 deutsche

Staatsbürger ein. Dasist ein Anteil

von30,5 Prozent. Vorfünf Jahren

machten die Deutschen noch 44,8

Prozent aus.

Dies geht aus einer noch unveröffentlichten

Antwort der Justizverwaltung

auf eine parlamentarische

Anfrage des FDP-Abgeordneten

Marcel Luthe hervor. In den fünf

Männergefängnissen sowie dem

Frauengefängnis und der Jugendstrafanstalt

bilden Insassen mit

deutschem Pass zwar die größte

Gruppe. Doch überall sinkt ihr Anteil.

In der JVA Tegel waren deutsche

Staatsbürger im Jahr 2014 noch mit

67,2 Prozent vertreten. Inzwischen

haben nur noch 52,8 Prozent einen

deutschen Pass. InPlötzensee sank

der Anteil in dieser Zeit von 68,6 auf

60,9 und in Heidering bei Berlin von

54,4 auf 44 Prozent. Nur imoffenen

Ausländeranteil in Berlins Gefängnissen ist stark gestiegen

Haftanstalten: Berlin hat

vier Männergefängnisse: Die

JVATegel, JVAMoabit, JVA

Plötzensee, die JVAHeidering

bei Berlin sowie ein

Frauengefängnis, eine Jugendstrafanstalt,

eine Jugendarrestanstalt

und die

JVAdes Offenen Vollzuges.

Vollzug sind Deutsche mit 67,4 Prozent

noch stärker repräsentiert. Eine

Erfassung zum Migrationshintergrund

von Gefangenen mit deutschem

Pass erfolgt durch die Verwaltung

nicht.

Besonders zahlreich vertreten

sind nach Angaben der Verwaltung

Gefangene aus der Türkei und Polen,

aber auch aus südosteuropäischen

Ländern wie Rumänien oder Bulgarien.

Stark gestiegen ist in den vergangenen

Jahren außerdem der Anteil

von Häftlingen aus dem Nahen

Osten und Afrika.

„Inden letzten Jahren hat die Belastung

im Justizvollzugsdienst im-

ES SIND NOCH PLÄTZE FREI

Haftplätze: Die Justizvollzugsanstalten

der Hauptstadt

haben insgesamt

4621 Haftplätze. Hinzu

kommt das Justizvollzugskrankenhaus

Berlin in der

Justizvollzugsanstalt Plötzensee

mit 116 weiteren Haftplätzen.

Auslastung: Die Anstalten

sind nicht voll ausgelastet. In

der JVAMoabitwaren zum

Beispiel am 13. November

944 von947 Plätzen belegt.

In Tegelwaren 772 von935

Haftplätzen belegt und in der

JVAPlötzensee 209 von369

Plätzen.

mer weiter zugenommen“, sagt

Marcel Luthe. „Immer mehr Insassen

unterschiedlichster Herkunft,

Kultur und Sprache, teils ohne jeden

Respekt voreinander und den Bediensteten,

bringen unsere Justizvollzugsanstalten

immer wieder an

die Grenzen des Schaffbaren.“ Anstatt

die Probleme abzustreiten,

müsse der Senat endlich gegensteuernund

nicht nur das Personal, sondern

auch die Zahl der Haftplätze

deutlich aufstocken und die Angebote

verbessern, so Luthe. Erkritisiert

die seiner Ansicht nach fehlende

Leistungsfähigkeit der Haftanstalten.

Abrechnung mit der Senatspolitik

BERLINER ZEITUNG/ANDREAS KOPIETZ

Sebastian Brux, Sprecher von

Justizsenator Dirk Behrendt, verweist

darauf, dass die Zahl der Gefängnisinsassen

insgesamt abgenommen

habe. Tatsächlich lag die

Zahl etwa in Moabit vor fünf Jahren

noch bei 942 Insassen, inzwischen

sind es 19 weniger.

Doch zumindest in großen Justizvollzugsanstalten

wie Tegel und

Heidering saßen Ende September

851 Häftlinge ein – 30 Insassen

mehr als noch vorfünf Jahren beziehungsweise

592 –sechs mehr als vor

fünf Jahren. „Wir werben verstärkt

darum, dass wir auch unter den

Nachwuchs-Beamten die gesellschaftliche

Vielfalt abbilden, die wir

in unseren Anstalten haben“, sagt

Brux.

Er verweist darauf, dass Ende

dieses Monats weiterer Beamtennachwuchs

seinen Lehrgang beende.„Wir

sind froh über jeden Beamten,

der mehr als deutsch und

englisch spricht.“ Zudem stünden

für ausländische Gefangene Dolmetscher

bereit.

Nach Angaben der Justizvollzugsverwaltung

wurden in diesem Jahr

bis Ende September 121 Personen

aus der Haft in ihre Heimatländer

abgeschoben. DieGesamtkosten für

einen Haftplatz belaufen sich auf

161,40 Euro proTag.

Kreuzbergs Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann sieht bei Regierung „noch verdammt viel Luft nach oben“

Die Bezirksbürgermeisterin von

Friedrichshain-Kreuzberg, Monika

Herrmann (Grüne), sieht bei

der Arbeit des rot-rot-grünen Berliner

Senats viel Verbesserungspotenzial.

„Der rot-rot-grüne Koalitionsvertrag

ist der beste, den Berlin je

hatte“, sagte Herrmann in einem Gespräch

mit der Tageszeitung taz

(Sonnabend-Ausgabe). Nach drei

Jahren grüner Regierungsbeteiligung

sei jedoch„noch verdammt viel

Luft nach oben“.

Explizit kritisierte die Grüne-Bürgermeisterin

auch ihre Parteifreundin

und Verkehrssenatorin Regine

Günther –mit Blick auf den Radweg

auf der Oberbaumbrücke. Kritiker

hatten bemängelt, dass er nicht genug

gegen den Autoverkehr geschützt

sei. „Wir sind jetzt im Jahr

Drei der rot-rot grünen Regierungskoalition

und im Jahr Zwei des Mobilitätsgesetzes“,

sagte Herrmann.

„Über die Oberbaumbrücke bewegen

sich die meisten Menschen mit

dem Rad. Ich frage mich, warum

man jetzt nachbessern muss. Man

hätte es gleich richtig machen können.“

Heftige Vorwürfe machte Herrmann

bestimmten Gruppen linker

und linksradikaler Protestierer. Als

2014 ein Flüchtlingscamp auf dem

Kreuzberger Oranienplatz geräumt

wurde, „weil die Leute nicht im

Dreck leben sollten“, sei von ihnen

der Vorwurf gekommen: „du hast

uns die Bilder weggenommen“.

Wortwörtlich! Weiße deutsche Aktivistinnen.

Das ist eine Form von Zynismus,dawill

ich keine Politik mehr

machen.“

Herrmann sagte weiter:„Selbst in

einer Situation, in der es um Leben

und Todgeht –die Leute in der Schule

drohten vomDach zu springen –, haben

die Aktivisten, alle Parteien und

alle Fraktionen und einzeln agierende

Menschen auf unterschiedlichen

Ebenen versucht, die Situation politisch

auszunutzen.“ (dpa)

NACHRICHTEN

Bund gibt 100 Millionen

Euro für Herzzentrum

Aufdem Charité-Campus Virchow-

Klinikum inWedding soll ab 2021 ein

neues Herzzentrum entstehen. Der

Bund wolle sich daran mit 100 Millionen

Euro beteiligen, teilte die Senatsverwaltung

für Wissenschaft am

Freitag mit. Dashabe der Haushaltsausschuss

des Bundestages beschlossen.

DasLand Berlin hatte bereits

etwa 287 Millionen Euro zugesagt.

Im neu gebauten Universitären

Herzzentrum Berlin (UHZB) sollen

auf 28 000 Quadratmeterndie herzmedizinischen

Kompetenzen der

Charité und des Deutschen Herzzentrums

Berlin zusammengeführt

werden. Geplant sind modernste

OP-Säle,Labore, Hybrid-Eingriffsräume

und 380 Betten zur Behandlung

vonHerz-Kreislauf-Erkrankungen.

(BLZ)

Berlin prüft Antrag für

Cannabis-Modellversuch

DerAntrag für ein Projekt zur Abgabe

vonCannabis als Genussmittel

ist auch mehrereMonate nach der

Ankündigung noch nicht eingereicht.

Er werdederzeit in der Senatsverwaltung

für Gesundheit geprüft,

teilte deren Sprecherin Lena

Högemann auf Anfrage mit. Man

gehe davon aus,dass der Antrag

noch dieses Jahr an das Bundesinstitut

für Arzneimittel und Medizinprodukte

(Bfarm) gestellt werden

könne.Das Institut habe dann drei

Monate Zeit für die Bearbeitung, sodass

bis spätestens Ende Märzmit

einem Bescheid gerechnet werde.

Für die Umsetzung des Projekts

oder die Klage im Fall einer Ablehnung

des Antrags seien im Doppelhaushalt

2020/21 je 350 000 Euro

gesichert, sagte die drogenpolitische

Sprecherin der Grünen-Fraktion,Catherina

Pieroth. Als Abgabestellen

seien etwa Apotheken sinnvoll,

wegen der für Betäubungsmittel

nötigen Sicherheits

vorkehrungen. DerBezirkFriedrichshain-Kreuzberghatte

voreinigen

Jahren versucht, ein Modellprojekt

für den kontrollierten Verkauf

vonCannabis durchzusetzen. Das

BfArM lehnte den Antrag des Bezirks

damals ab. (dpa)

Bibliotheken schließen

für eine Woche

Vondiesem Sonntag an bleiben die

öffentlichen Bibliotheken in Berlin

für eine Woche geschlossen. Auch

der Online-Katalog könne nicht genutzt

werden, wie der Verbund Öffentlicher

Bibliotheken Berlin

(VÖBB) mitteilte.Bis zum 24. November

sollen alle Daten in das IT-

Dienstleistungszentrum Berlin

überspielt werden, begründete der

VÖBB die Schließzeit. Dabei werde

die Datenbank auf ein anderes Systemumgestellt.

DerDaten-Umzug

sei vomLand Berlin wegen der Standardisierung

der IT-Struktur vorgeschrieben

worden. Betroffen sind 81

Bibliotheken. DieNutzerkönnen ab

dem 25. November wieder Medien

ausleihen und auf den Katalog zugreifen.

Zudem werdeder Online-

Katalog, auf dem die Medien desVerbundes

recherchiert und gebucht

werden können, um neue Funktionen

erweitert, hieß es.Medien, derenLeihdauer

vordem 17. November

ablaufe,sollten jedoch vordiesem

Tagzurückgegeben oder verlängertwerden.

(dpa)


10 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Stadtgeschichte

Schichtenweise Alexanderplatz

Archäologen fanden bei der jüngsten Grabung ein Stück Friedhof, Fundamente einer Reit- und Exerzierhalle und Reste der Kleinen Alex-Markthalle

VonMaritta Tkalec

Ein ländlicher Ort vor der

Stadtmauer,wodie Bauern

und Kaufleute über alte

Straßen aus dem Norden

und Osten, aus Prenzlau oder Frankfurt

ander Oder ankamen –das war

der Platz vor dem Stadttor, der seit

1805 nach dem russischen Zaren

Alexander heißt. Derälteste Plan von

Berlin zeigt um 1652 die Gegend vor

dem damaligen Georgentor unbebaut.

Unbenutzt lag er allerdings

nicht da. Vieh-, und Lebensmittelhändler

tummelten sich vor dem

wichtigsten Zugang zur Stadt. In

Sichtweite stand der Galgen.

Vordem Tordehnten sich Friedhöfe

aus. Die mittelalterlichen Begräbnisstätten

der beiden großen

Kirchen St. Nikolai und St. Marien

waren um 1700 gefüllt; eine Königsorder

verfügte für neue Totenstätten

die Platzierung vorder Stadt.

Als die Archäologen um Torsten

Dressler Ende September 2019 neue

Grabungen zwischen Park Inn Hotel

und Alexanderstraße begannen,

wussten sie ungefähr,was sie erwartete.

Doch Neuigkeiten und Überraschungen

gibt es immer wieder –

selbst im Untergrund des im Laufe

der vergangenen zwei Jahrhunderte

immer wieder umgewühlten und

umgebauten Alexanderplatzes. Vor

allem die Zerstörungen des Zweiten

Weltkrieges und die folgenden groben

Eingriffe durch die DDR-Bauplaner

haben das Gesicht des Ortes

bis zur Unkenntlichkeit zerstört.

Keine Spur mehr von der Alten

Schützenstraße oder jenem Teil der

Keibelstraße, der sie kreuzte. Will

man sich ein Bild verschaffen von

der Lage zu Zeiten der wachsenden

preußischen Königsstadt vor dem

Königstor, wie es nach 1701 hieß,

müssen alte Karten her und der Blick

in den Untergrund.

Das jüngste archäologische Grabungsfeld

liegt an der Alten Schützenstraße

2und ist recht übersichtlich.

Dass es geöffnet werden konnte,

liegt an den Vorbereitungen für den

Bau eines 130 Meter aufragenden

Hochhauses durch das europäische

Immobilienunternehmen Covivio

zwischen Park Innund Saturn–dort,

wo einst die Alex-Oase Drinks anbot.

Bald wieder zu klein?

Das Grabungsfeld zwischen Park Inn Hotel und Alexanderstraße. Ein Archäologe dokumentiertGräber des Friedhofs der St. Marien- und Nikolaigemeinde. Die Mauerreste vor den

Gräbernund neben dem Schirmgehören zum Fundament einer Exerzierhalle.

ADB DRESSLER

Zwei Hauptfunde –35Gräber und

Fundamentreste der Exerzierhalle,

die vom Architekten und Geheimen

Oberbaurat David Gilly für militärische

Übungen erbaut wurde –erzählen

nun ihre Geschichten: Die eine

handelt vomBeginn des Wachstums

der Residenzstadt, die andere von

der Neigung der Preußenkönige zum

Militärischen.

Die Gräber liegen am Rand des

zwischen 1708 und 1802 genutzten

Friedhofs der Gemeinde St. Nikolai

und St. Marien. Dass sie zum Teil in

Reihe angeordnet sind, deutet bereits

auf den Zwang zum Platzsparen

hin, sagt der Archäologe Torsten

Dressler,der die Grabung als Projektleiter

betreut. Noch deutlicher zeigen

übereinander geschichtete Gräber

den Platzmangel. Etwa 55 000

Menschen hatten 1710 in Berlin und

Cölln gelebt, 90 Jahrespäter waren es

mehr als 170 000. Da waren auch die

neuen Friedhöfe zu klein geworden,

die nächsten legte man weiter außerhalb

an, an der Landsberger und

der Prenzlauer Allee beispielsweise.

Die hölzernen Särge der jetzt gefundenen

Gräber sind vergangen,

nur noch dünne schwarze Bänder

im hellen Sand sind geblieben. Die

Knochen wurden geborgen. Ein Teil

wird wieder beigesetzt, nachdem

alle anthropologisch untersucht

worden sind. Mitdiesen Erkenntnissen

wird man das Wissen über die

Galeria

Kaufhof

Park Inn Hotel

Alexanderplatz

Primark

Brunnen der

Völkerfreundschaft

geplantes

Hochhaus

Alexanderstr.

Ausgrabung

Alexanderplatz

Berrnhard-Weiß-Str.

20 m

BLZ/TIEDGE

Lebensumstände der Berliner jener

Zeit ergänzen können. Vieles weiß

man schon aus der Analyse von

knapp tausend Skeletten, die gleich

nebenan 2007 bis 2011 vor dem Bau

der Tiefgarage unter der Alexanderstraße

vom Archäologiebüro ABD-

Dressler geborgen wurden. Infektions-

und Mangelkrankheiten sowie

üble hygienische Umstände trieben

die Kindersterblichkeit in die Höhe.

Die mittlere Lebenserwartung lag

bei 25 bis 30 Jahren. Die Menschen

litten an Anämie, Arthrose, Karies

und Zahnausfall. Hinzu kamen die

Folgen der Kriege, die Friedrich der

Große mit Energie betrieb.

Die jetzt freigelegten Fundamente

einer Exerzierhalle stammen

aus jener Zeit –der erste derartige

Bau andieser Stelle wurde 1769 errichtet,

als Preußen sich nach dem

Siebenjährigen Krieg stabilisierte.

Für die Halle ließ der Alte Fritz einen

Teil der Gräber plattmachen oder

überbauen; auf Proteste der Kirchgemeinde

reagierte er spitz: Wenn die

Soldaten dort übten, hätten die Toten

doch Geselligkeit …

Auf den Grundmauern der ersten

Halle errichtete David Gilly 1799 bis

1800 ein fast 80 Meter langes und

knapp 17 Meter breites Bauwerk für

das Militär:„Ein echtes architektonisches

Highlight der Zeit“, sagt Torsten

Dressler.Gerne würde er den mit jüngerem

Ziegelwerk verblendeten

Kalksteinsockel als südliche Begrenzung,

also zur Alexseite hin, näher erkunden,

um die originalen Ausmaße

präzise bestimmen zu können.

150 Jahrelang stand die Halle und

prägte neben dem sandigen, ebenfalls

zum Exerzieren gedachten Paradeplatz

vor dem Königstor den Militärcharakter

des Platzes mit. Anfang

des 20. Jahrhunderts brauchte keiner

mehr eine Reit- und Exerzierhalle,

Gillys Bauwurde zur Markthalle umfunktioniert

und erlangt als Kleine

Alexhalle große Beliebtheit. Unerwartet

fanden sich unter deren Boden

gemauerte Keller. Grabungsleiterin

Diana Megel sagt: „Die stammen

offenbar aus der Zeit der Nutzung

als Markthalle.“

Spuren zum Alten

Der Auftraggeber der Grabungen

und Bauherrdes gemischt genutzten

Turmprojekts (Büro, Wohnen, Einzelhandel,

Kita, Club) mit öffentlich

zugängigem Sockel sieht die Arbeit

der Archäologen wohlwollend gelassen.

Norman Weichhardt, Head of

Development Covivio Deutschland,

ist zufrieden, dass diese Arbeiten

rechtzeitigund geordnet stattfinden.

„Nichts ist wäreschlimmer als Überraschungen

während des Baus, die

zu teuren Verzögerungen führen

können“, sagt er.

Womöglich werden die archäologischen

Funde die Ausgestaltungdes

neuen Hochhauses sogar bereichern.

Der Bauherr prüft jedenfalls,

ob es Verweise auf die Vornutzung

des Terrains geben könnte, eine historische

Linie vom Alten zum

Neuen. „Für den öffentlich zugänglichen

Gewerbebereich bietet sich

zum Beispiel die Markthalle an“, findet

Norman Weichhardt.

Ab diesem Montag wird die

Grube wieder zugeschüttet –bis auf

weiteres. Das nächste Forschungsfeld

betrifft den zweiten Abschnitt

des Baustellenareals neben dem

Park Inn. Dort war 1884 das Grand-

Hôtel Alexanderplatz erbaut worden.

Das Hotel schloss 1919, andere

nutzten das Bauwerk, bis eine

Bombe es 1943 zerstörte. Das neue

Grabungsfeld wird dann auch ein

Gelände mit Wohnbebauung samt

Innenhöfen umfassen. Vielleicht, so

hoffen die Archäologen, kann man

dort tiefer, bis in mittelalterliche

oder gar ältereSchichten vorstoßen.

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Neukölln kolonial

Fritz Ascher

Rixdorfer Karneval

Mit einer Ausstellung zur kolonialer Vergangenheit reagiert

die Volkshochschule Neukölln auf Überlegungen

und Diskussionen zur Umbenennung der Wissmannstraße

im Neuköllner Norden und zur Sichtbarmachung

vonSpuren kolonialerVergangenheit. DerKolonialismus

des späten Kaiserreichs ging auch an Neukölln nicht

spurlos vorüber und ist noch heute an verschiedenen Orten

im Bezirkgegenwärtig. DieAusstellung hilft, die historische

Bedeutung dieser Orte zu erfassen und zu bewerten.

Nurnoch bis 30. November!

Verdrängte Geschichte. Spuren kolonialer Vergangenheit in Neukölln,

FoyerKurt-Löwenstein-Haus, Karlsgartenstr.6,Mo–Fr 9bis 21.30 Uhr

DerMaler Fritz Ascher,geboren 1893 in Berlin, gestorben

1970, gehörte zu den deutschen Expressionisten mit

kühner Pinselführung und ausdrucksstarker Farbwahl.

Fritz Ascher verbrachte den Großteil seines Lebens in

Berlin, wo er zwei Weltkriege überlebte sowie im Untergrund

die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Zu

seinen Lehrerngehörten MaxLiebermann und Lovis Corinth.

Inhaltlich stehen frühe akademische Studien und

figurale Kompositionen der Weimarer Republik im Kontrast

zu den nach 1945 entstandenen mystischen Landschaften.

In seinemVersteck, in dem er von1942 bis 1945

lebte, schuf Ascher Gedichte, die als „ungemalte Bilder“

verstanden werden können. Die weltweit erste Werk-

schau des Künstlers war von 2016 bis 2018 in sechs Museen

in Deutschland und 2019 in den USA (New York)zu

sehen. Am 13. November 2019 ist in der Stiftung Stadtmuseum

nun die Fritz-Ascher-Stiftung gegründet worden

mit dem Zweck, das Werk des Berliner Künstlers im

Kontext der verfolgten und verfemten Künstler der Berliner

„Vergessenen Moderne“ zu würdigen und durch angemessene

Berücksichtigung in der deutschen Kunstgeschichte

zu verankern. Wieesvonseiten der Stifter –private

Sammler vonAschers Werk –hieß, sei das Stadtmuseum

mit seiner Sammlung von 2800 Gemälden und

Werken berühmter jüdischer Maler ein idealer Ort, um

das Andenken an Fritz Ascher zu bewahren. (mtk.)

Vonwegen karnevalresistentes Berlin! Dieregionale Karnevalstradition

ist jahrhundertealt. In zahlreichen Vereinen

startet derzeit in Berlin die Saison. Zum 70. Mal feiern„Fidele

Rixdorfer“ die Galanacht der Berlin-Neuköllner

Karnevalsgesellschaft von 1950 e.V. Diese Veranstaltung

gehört zu den Höhepunkten der diesjährigen

Berliner Karnevalsaison. Zu erwarten ist ein närrisches

Programm aus Garde-, Showtanz und Gesang. Nichtnur

Karnevalsfreunde aus Berlin gestalten das Programm,

dabei ist auch das Männerballett aus Finsterwalde.

Gemeinschaftshaus Gropiusstadt, Großer Saal, 23. November,

18 Uhr,Bat-Yam-Platz 1, (U7 Lipschitzallee, Bus 373)


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 11 *

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Berlin

Nicht

zuständig für

Mietendeckel

Bund schaltet sich in

Debatte ein

Thälmann

muss weiter

rosten

Denkmal-Restaurierung

beginnt erst 2021

VonJulia Haak

Der vonder rot-rot-grünen Koalition

geplante Mietendeckel

sorgte von dem Moment an, in dem

das Vorhaben bekannt wurde, sowohl

für großen Zuspruch wie auch

für stark ablehnende Reaktionen.

Mittlerweile nimmt die Anspannung

bei den Gegnern spürbar zu. Offenbar

belastet der geplante Deckel die

Gespräche mit der Wohnungswirtschaft.

Der Immobilienverband

BFW Berlin-Brandenburg sagte ein

für diesen Montag geplantes Treffen

mit Bausenatorin Katrin Lompscher

(Linke) ab, wie Geschäftsführerin

Susanne Klabe am Sonntag sagte.

„Wenn nunmehr die Auswirkungen

des Mietendeckels auf die Lage

der Bauwirtschaft diskutiert werden

sollen, halten wir dies für den falschen

Zeitpunkt“, schrieb Klabe nach

eigenen Angaben an die Verwaltung.

„Ineinem ernsthaften Dialog auf Augenhöhe

wäre dies der erste Schritt

bei Überlegungen für ein neues Gesetzesvorhaben

gewesen.“

Lompschers Sprecherin Katrin

Dietl sagte, die Verbände hätten ihre

Einwände und Ergänzungen in der

Verbändeanhörung einbringen können.

Der Gesprächstermin am Montag

habe mit dem Gesetzgebungsverfahren

nichts zu tun. Das Treffen sei

aus Termingründen abgesagt worden

und werdenachgeholt, sagte Dietl.

Die Mietenbegrenzung soll für 1,5 Millionen

Berliner Wohnungen gelten. IMAGO IMAGES

Unterdessen rüstet sich die CDU

für ein juristisches Vorgehen gegen

die aus ihrer Sicht ungeliebte Regulierung.

Wie am Wochenende bekannt

wurde,hat der Bundestagsabgeordnete

KaiWegner das Bundesinnenministerium

um rechtliche Einschätzung

gebeten. Er erhielt sie in

Form einer E-Mail des Parlamentarischen

Staatssekretärs beim Innenminister

MarcoWanderwitz (CDU).

In dem Schreiben legtWanderwitz

dar, dass das Innenministerium das

Berliner Mietendeckelgesetz für verfassungswidrig

hält. Die Gesetzgebungskompetenz

liege beim Bund

und nicht beim Land. „Der Bund hat

mit der Regelung des Mietpreisrechts

auf dem freien Wohnungsmarkt von

seiner Kompetenz nach Art. 74 Abs. 1

Nr. 1GGabschließend Gebrauch gemacht,

sodass die Gesetzgebungskompetenz

der Länder gesperrt ist“,

heißt es in dem Schreiben, das der

Berliner Zeitung vorliegt. Das Innenministerium

bezieht sich auf ein Gesetz

zur Dämpfung des Mietanstiegs

auf angespannten Wohnungsmärkten.„Die

Mietpreisbegrenzung wurde

damit durch den Bund umfassend

und abschließend geregelt. Eine solche

konzeptionelle Entscheidung des

zuständigen Bundesgesetzgebers

darf durch auf Spezialzuständigkeiten

gründende Einzelentscheidungen

eines Landesgesetzgebers nicht

verfälscht werden“, heißt es weiter.

Der Gesetzentwurf greife in die Eigentumsfreiheit

der Wohnungseigentümer

ein. Eigentümerinteressen

würden in den Hintergrund gestellt.

DasMinisterium hält auch eine Kappung

von Wuchermieten für problematisch.

DerBerliner Senat sieht das

anders und führt Gutachten an, die

die eigene Position stützen. (mit dpa)

Locker,nahbar –und gerne mittendrin: Familienministerin Franziska Giffey(SPD).

VonElmar Schütze

Wieder Hoffnungsträgerin

Nach überstandener Plagiatsaffäre stehen Franziska Giffey die Türen offen. Doch das finden nicht alle SPDler gut

Es sind mal wieder diese

Franziska-Giffey-Momente:

Als die Bundesfamilienministerin

von der SPD am

Morgen die Fritz-Karsen-Schule im

Neuköllner Ortsteil Britz betritt, begrüßt

sie jeden einzelnen Schüler,der

am Büffet Essen an die Gäste verteilt.

Kurz darauf auf der Bühne ruft sie

fröhlich in den noch recht müden

Saal: „Hey, schläft Neukölln noch?

Wasist denn mit euch los?“ Ein paar

Minuten später zieht sich die Ministerin

einen Hoodie der Kampagne

„Respect Coaches“ über, deren einjähriges

Bestehen bei der Gelegenheit

gefeiert wird. Es ist ein Heimspiel, in

Neukölln sitzen ihre treuesten Fans.

Hier hat sie begonnen, die politische

Karriere der Franziska Giffey. Eine

Karriere, zu der in den nächsten Wochen

und Monaten noch einige Stationen

hinzukommen könnten.

Giffeys Aufstieg gelang schnell. In

Neukölln wurde sie erst Bildungsstadträtin,

dann Bezirksbürgermeisterin

und schließlich Bildungsministerin.

In nur acht Jahren vom verrufensten

Berliner Bezirk ins Bundesministerium.

Möglich gemacht hat

ihr das ihre Mischung aus Freundlichkeit

und Zugänglichkeit –und natürlich

das Wissen darum, wie dies

auf anderewirkt, wie ihr das auch bei

Krisen hilft. Es ist gerade einmal zwei

Wochen her, dass sich über der Frau

mit dem roten Blazer als Markenzeichen

eine düstere Wolke verzogen

hat. Franziska Giffey darf ihren Doktortitel

behalten. Zuvorhatte die Freie

Universität (FU) Berlin, bei der sie im

Jahr 2010 promoviertwurde,ihreDissertation

auf einen Plagiatsverdacht

hin untersucht. Am Ende erteilte das

Universitätspräsidium der Politikerin

eine Rüge, der ihr verliehene Grad

„Doktorin der Politikwissenschaft“

werdeaber nicht entzogen.

Wieesaussieht, haben ihr die Plagiatsvorwürfe

zumindest nicht sehr

geschadet. Die 41-Jährige gilt weiter

oder vielleicht auch wieder als eines

der beliebtesten Mitglieder der Bundesregierung.

Undals besonders eifrig.

Seit Amtsantritt im März2018 verblüffte

sie mit ihrer Reiselust. Siefuhr

durch die Republik, besuchte Projekte,die

nur irgendwie mit ihrem Arbeitsbereich

Familie, Senioren,

Frauen und Jugend zu tun haben.

Unddawar noch mehr: Als nach einer

tödlichen Messerstecherei ein

rechter Mob durch die Straßen von

Chemnitz zog, war sie die erste Ministerin,

die in die Stadt in Sachsen

reiste.„Es gibt Momente,dapassieren

Dinge in Deutschland, da muss die

Regierung einfach da sein“, sagte Giffey.

An diesem Morgen in Neukölln, einem

Freitag, berichtet sie mit leuchtenden

Augen von der kurzen Nacht,

die sie gerade hinter sich habe. Von

der sogenannten Bereinigungssitzung,

der Sitzung, in der die Etats jedes

Ministeriums final im Detail festgezurrt

werden. „Ich war umMitternacht

dran“, berichtet sie. Eshabe

sich gelohnt. „Im nächsten Jahr sind

im Bundeshaushalt 21 Millionen

Euro für Respect Coaches vorgesehen.“Applaus!

Man nimmt Franziska Giffey ab,

wenn sie sagt: „Ich mache diese Arbeit

gerne.“ Wenn sie davon

schwärmt, „gestalten und regieren“

zu können, wie sie es nennt. Undaus

der Partei gibt es jede Menge zurück.

Wobei nicht bei jeder Wortmeldung

sofort klar wird, ob darin nicht vielleicht

auch vergiftetes Lob steckt. Als

vor zwei Wochen die FU die „Rüge“

aussprach, gratulierten Hinz und

Kunz der Bundes-SPD öffentlich:

erste Reihe, zweite Reihe und noch

ein Stück dahinter. Rechts wie links.

Doch darin liegt auch eine Gefahr:

Für die Kandidatur um den Vorsitz

kam die Entscheidungder Unijedenfalls

zu spät. Als dies im August absehbar

war, erklärte Giffey, dafür nicht

zur Verfügung zu stehen. Jüngst

schlug der Bundestagsabgeordnete

Axel Schäfer in der Süddeutschen

Zeitung dennoch vor, dass Giffey

doch im Duomit Finanzminister Olaf

Scholz kandidieren könne – zuungunsten

dessen bisheriger Partnerin

KlaraGeywitz aus Brandenburg.Toxischer

kann ein Lob kaum sein.

So oder so wirdsich auf dem Bundesparteitag

der SPD Anfang Dezember

imCity Cube auf dem Messegelände

auch Giffeys Zukunft mitentscheiden.

Niemand kann derzeit sagen,

ob die Partei an der Großen

Koalition festhält. Sollte dies nicht der

Fall sein, käme es zu Neuwahlen. Und

die SPD fände sich danach sehr wahrscheinlich

dort wieder, wo viele sie

gerne sähen, die von „Erneuerung“

sprechen: in der Opposition. Undwas

würdeaus der Bundesfamilienministerin?

Siewürde wohl oder übel ihren

Blickauf Berlin richten.

ZUR PERSON

Anfang voriger Woche veröffentlichte

der Tagesspiegel die Ergebnisse

einer repräsentativen Umfrage des

Instituts Civey. Danach fände es die

Hälfte der Berliner gut, wenn Giffey

2021 für das Amt der Regierenden

Bürgermeisterin kandidieren würde.

Dafürsprachen sich 47,9 Prozent der

Umfrageteilnehmer aus. Die größte

Unterstützung bekommt sie bei den

Anhängern der eigenen Partei, von

denen 78,3 Prozent ihre Kandidatur

gut fänden. Doch selbst bei Sympathisanten

der Linken (58,5 Prozent),

Grünen (56,8 Prozent) und der CDU

(54,6 Prozent) fände sie absolute

Mehrheiten.

Sprichtman sie auf solche Zahlen

an, wehrt sie ab. Die Groko im Bund

sei stabil und verlässlich. Siehielte einen

Ausstieg für nicht gut und die

Endzeitdebatten für schädlich. Und

Geboren wurde Franziska Giffey1978 in Frankfurt/Oder.Nach dem Abi in Fürstenwalde ging

sie 1997 nach Berlin. Dortwurde sie Europabeauftragte vonNeukölln.

In die SPD trat sie 2007 ein. sie wurde zunächst in den Kreisvorstand gewählt, dessen Vorsitz

sie 2014 übernahm. 2018 gabsie das Amt an Severin Fischer ab.

Ihr erstes politisches Amt war 2010 bis 2018 zunächst Stadträtin, dann Bezirksbürgermeisterin.

Seit März 2018 ist sie Familienministerin. Severin Fischer ist Leiter ihres Leitungsstabs.

was Ambitionen in Berlin angehe?

„Spekulationen nutzen nichts“, sagt

sie am Freitag in Neukölln der Berliner

Zeitung, „so vergeudet man nur

Kraft, Zeit und Energie.“ Dennoch

wirdauchGiffey die Diskussion nicht

abwürgen können. Wie auch, angesichts

einer in Berlin darbenden SPD

mitsamt ihrem Vorsitzenden und Regierungschef

Michael Müller,der bisher

von seinem Wahlvolk und auch

aus der eigenen Partei auch so gar keinen

Amtsbonus bekommt?

Spätestens dann ist es auch für

Giffey an der Zeit, in die Berliner SPD

hineinzuhorchen. Doch da ist ihre

Lage keineswegs einfach. Der Vorschlag,

sie zur Ministerin zu machen,

kam nicht etwa aus Berlin, sondern

aus Brandenburg. Es war Parteichef

und Ministerpräsident Dietmar Woidke,

der sein Landeskind –Franziska

Giffey stammt aus Frankfurt ander

Oder –imBund ins Gespräch brachte.

Aus Berlin kam nichts. KeinWunder,

hier hat sie mit ihrem Karrieresprung

die Landesebene einfach mal eben

ausgelassen.

Doch will Giffey überhaupt Regierende

Bürgermeisterin werden?

SPDler,die sie gut kennen, glauben zu

wissen, dass es sie persönlich sehr

GERD ENGELSMANN

wohl in die Stadtziehe.Hier habe sie

als Bezirksbürgermeisterin erfahren,

wie viel sich an Ort und Stelle gestalten

ließe. Soviel mehr als im Bund,

wo ihre(aktuellen) Ressorts im Zweifeldochals

Gedöns abgetan würden.

DasAmt derRegierungschefin würde

ihr sicher liegen, dort könnte sie ihrem

bisherigen Haupt-Thema Bildung

auch noch die Komponenten

Sicherheit und Ordnung beifügen.

Themen, mit denen sie schon in Neukölln

auffiel. Und die dazu führten,

dass sie bei ihrer bisher einzigen

Wahl, der zur Bezirksverordnetenversammlung

im Jahr 2016, das zweitbeste

SPD-Ergebnis in Berlin holte.

Nur Helmut Kleebank in Spandau

war mit einer ähnlichen Programmatik

noch ein bisschen erfolgreicher.

Wenn es also überhaupt so etwas

geben könnte wie eine Hausmacht

für Franziska Giffey in Berlin, fände

man diese wohl auf der kommunalen

Ebene,inden Bezirken, bei den Delegierten.

Im Kraftzentrum der Partei

jedoch, im Abgeordnetenhaus und in

der Senatskanzlei, sieht man sie als

unliebsame Konkurrentin. Als Parteirechte

hatsie auch ideologisch einen

schweren Stand in einer in ihrer Verzweiflung

immer linker werdenden

Berliner SPD, inder nicht wenige sogar

die Enteignung großer Immobilienkonzerne

gut finden.

Ein langgedienter Genosse glaubt

ohnehin, dass Michael Müller alles

daran setzen werde, 2021 noch einmal

anzutreten. Im Gespräch mit der

Berliner Zeitung fallen Begriffe wie

Ehre und Kränkung. Müller werde

„nicht die Hintertür suchen“, um

seine dann eigentlich gescheiterte

politische KarriereimBundestag ausklingen

zu lassen. Die Partei, so die

Überlegung, würde nur dann auf

Franziska Giffey zurückgreifen,

„wenn NotamMann ist“.

Doch wann ist Not am Mann?

Nächstes Jahr muss sich Müller erneut

als Parteivorsitzender zur Wahl

stellen.Voriges Malbekam er dürftige

64,9 Prozent. Wann die Schmerzgrenze

erreicht ist, wird Müller nicht

alleine entscheiden können. Denkbar

wäre es, dass die SPD die Ämter Regierungschef

und Parteichef trennt –

Müller wäre weiter geschwächt. Und

für 2021 gilt: Die Berliner SPD ist

machtbewusst. Nur inknapp 10 der

74 JahrenachEnde des Zweiten Weltkriegs

saß sie nicht mit in der Regierung.

Wenn man also fürchten

müsste,mit Müllerander Spitze nicht

in den Senat zu kommen, taucht der

Name Franziska Giffey sicher wieder

auf. Ganz automatisch.

Elmar Schütze

beobachtetdie Karriere von

Franziks Giffey schon lange

VonNorbertKoch-Klaucke

ImInnern frist der Rost bereits seit

Jahren am Stahlkorsett der Bronzebüste

des einstigen KPD-Führers.

Doch die Restaurierung des Ernst-

Thälmann-Denkmals an der Greifswalder

Straße kommt nicht wie geplant

in Gang. Die Arbeiten sollen

daher nicht 2020 beginnen, so wie es

von der Senatskulturverwaltung ursprünglich

angekündigt wurde, sondernnun

erst ein Jahr später.Das erfuhr

die Berliner Zeitung aus dem

Landesdenkmalamt.

Es hatte 2018 aufgrund einer Untersuchung

die Rostschäden festgestellt.

Daraufhin wurde angekündigt,

dass das Thälmann-Denkmal 2020

etwa ein Jahr lang restauriertwerden

sollte. Doch daraus wird nun nichts.

„Die Planungen für die Restaurierung

werden erst im kommenden

Jahr beginnen. DerenUmsetzung ist

momentan für 2021 geplant“, sagte

ein Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes

auf Anfrage dieser Zeitung. Es

liege nicht an den Kosten von

150 000 Euro.Das Geld wäreimBerliner

Landeshaushalt vorhanden.

Aus„Kapazitätsgründen und fehlenden

Ressourcen“ könne die Behörde

die Arbeiten nicht so in Angriff nehmen,

wie es angedacht war,hieß es.

Im Klartext: Es gibt nicht genug

Personal, um die Denkmal-Arbeiten

voranzutreiben. „Es müssen momentan

mehrereandereProjekte abgearbeitet

werden, die eine höhere

Priorität haben“, hieß es weiter.Welche

dies sind, wurde nicht gesagt.

Nur soviel: „Beim Thälmann-Denkmal

besteht derzeit keine Gefahr in

Verzug.“

Das Ernst-Thälmann-Denkmal wird später

als geplant restauriert. IMAGO-IMAGES/HOHLFELD

Die Schäden hatte Diplom-Restaurator

Mario Jehle 2018 festgestellt.„Zwar

besteht nicht die Gefahr,

dass das System nun einzustürzen

droht. Aber damit der Rost sich nicht

weiter ausbreitet, die Schäden an der

Substanz des Gerüstes größer werden,

muss etwas dagegen unternommen

werden“, sagte er damals.

Durch eine weitere Ausbreitung der

Rostschäden auf den Stahlträgernim

Innernder Büste könnte die Restaurierung

jedoch teurer werden.

ZurVerzögerung des Planes führe

auch die jetzige Erkenntnis,dass sich

die technische Umsetzung der Arbeiten

komplizierter gestalte als bisher

angenommen. Der Zugang an

der Seite der Büste biete nur eine geringe

Öffnung, um Gerätschaften in

das Innere zuschaffen, hieß es aus

dem Landesdenkmalamt.

DieBehörde will nun die Planung

und Umsetzung der Restaurierung

des Ernst-Thälmann-Denkmals an

die untere Denkmalschutzbehörde

übertragen, die zum Bezirksamt

Pankow gehört.

EinGrund ist, dass derBezirksich

derzeit mit der sogenannte „künstlerische

Kommentierung“ des 1986

eingeweihten Monuments beschäftigt.

Diese soll künftig mittels Infotafeln

vor Ort die Geschichte und die

historische Einordnung des Thälmann-Denkmals

erläutern. Zu der

künstlerischen Ausgestaltung dieser

Kommentierung läuft bis April 2020

ein Wettbewerb.


12 * Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Berlin

POLIZEIREPORT

Massenschlägerei.

In Fennpfuhl hat es in der Nacht zum

Sonntag eine Massenschlägerei gegeben.

Kurz nach Mitternacht wurden

Polizisten zum Weißenseer Weg

alarmiert. DieBeamten beendeten

eine Auseinandersetzung vonetwa

20 Personen. MehrereBeteiligte

flüchteten, konnten aber gestellt

werden. Nach Angaben der Zeugen

und Beteiligten, die teilweise betrunken

waren, war es im Fennpfuhlpark

zu Streit zwischen zwei Gruppen gekommen.

Eine Gruppe soll sich danach

Richtung Weißenseer Wegbegeben

haben. Eine etwa 20-köpfige

Gruppe soll sie verfolgt haben. Die

Beamten schrieben drei Strafanzeigen

wegen Körperverletzung und gefährlicher

Körperverletzung. Zwei

Männer kamen zur ambulanten Behandlung

in Krankenhäuser,ein 19-

Jähriger und ein 23-Jähriger jeweils

wegen einer Kopfverletzung. Drei

junge Männer im Alter von18und 19

Jahren erlitten Augenreizungen.

Schnellrestaurant überfallen.

Zwei unbekannte Männer haben am

Samstagabend in Siemensstadt ein

Schnellrestaurant überfallen. Nach

Angaben eines 27 Jahrealten Angestellten

betraten gegen 21 Uhr, kurz

vorGeschäftsschluss,zweiMaskierte

das Geschäft in der Nonnendammallee.Einer

der Täter soll den

Angestellten dann mit einer Schusswaffe

bedroht und aufgeforderthaben,

die Einnahmen herauszugeben.

Dann musste er sich auf den Boden

legen. DieTäter flüchteten mit der

Beute in unbekannte Richtung.

Autos in Flammen.

In diesem Jahr zählte die Polizei

schon 487 Autos,die Opfer von

Brandstifternwurden. Auch in der

Nacht zu Sonntag brannten wieder

Autos.Gegen 22.10 Uhrbrannte auf

einem Parkplatz an der Masurenallee

in Charlottenburgein Peugeot.

DieFeuerwehr löschte das Feuer,

konnte aber nicht verhindern, dass

der Wagen ausbrannte.Ein neben

dem Fahrzeug abgestellter Renault

wurde ebenfalls beschädigt. Gegen

23.10 Uhrbrannte in der Wollenberger

Straße in Lichtenbergein stillgelegter

Opel Vectraaus.AmKölner

Damm in Gropiusstadt setzten Unbekannte

gegen 23.15 Uhreinen

BMW in Brand. Passangten riefen

die Feuerwehr.Der Wagen wurde

starkbeschädigt. EinBrandkommissariat

des Landeskriminalamtes ermittelt

in allen Fällen wegen des Verdachts

der Brandstiftung.

Feuerwehrleute löschen ein Auto in Alt-

Hohenschönhausen.

MORRIS PUDWELL

Schwer verletzt.

Beieinem Unfall in Kreuzbergist am

Samstagabend ein 45-jähriger Autofahrer

verletzt worden. Laut Polizei

befuhr ein 25-Jähriger gegen 20.10

Uhrmit einem Mercedes mit überhöhter

Geschwindigkeit den Mehringdamm

in Richtung Süden. Dabei

ließ er laut Zeugen den Motor aufheulen

und fuhr dann bei Rotauf die

Kreuzung Mehringdamm/Yorckstraße/Gneisenaustraße.Dortstieß

er mit dem Opel des 45-Jährigen zusammen,

der in entgegengesetzter

Richtung auf dem Mehringdamm

unterwegs war und links abbiegen

wollte.Außer dem Opel-Fahrer

wurde niemand verletzt. Während

der Unfallaufnahme beleidigte der

Mercedes-Fahrer einen Polizisten.

DiePolizei leitete Ermittlungen wegen

Verdachts eines verbotenen

Kraftfahrzeugrennens ein, beschlagnahmte

den Führerschein und Mercedes

des 25-Jährigen. (kop.)

In der historischen Gartenanalge vom Schloss Charlottenburg haben die Bäume unter der extremen Hitze gelitten.

Der Todder Stadtbäume

Tausende Bäume in Berlin sind infolge des extrem heißen, trockenen Sommers abgestorben

VonGabriela Keller

Die Kastanien an der StorkowerStraße

haben bessere

Zeiten gesehen:

„Mir ist im September

aufgefallen, dass die Blätter ganz

braun und eingerollt waren, da sahen

die Bäume schon aus wie sonst

erst im tiefsten Herbst“, sagt Matthias

Dressel, Busfahrer aus Lichtenberg,

der ganz in der Nähe wohnt. Zu

DDR-Zeiten hatte er mit dem Stadtgartenamt

einen Vertrag zur Pflege

der Grünanlagen vorseinem Haus.

Heute aber fehlt es den Grünflächenämtern

vieler Bezirke an Geld

und Personal. Nach Informationen

des BUND stehen pro Baum im Jahr

im Schnitt 48 Euro zur Verfügung.

Nötig dagegen seien 80 bis 100 Euro.

Das hat in Zeiten des Klimawandels

gravierende Folgen: In den Kastanien

in Lichtenberghaben sich Miniermotten

eingenistet, sagt Dressel,

ein Schädling, der vom Balkan

stammt und sich dank des zunehmend

warmen Wetters in Berlin ausgebreitet

hat. Eigentlich müsste das

Laub sofort weggefegt werden, weil

die Motten darin ihreEier ablegen.

Das ist aber an der Storkower

Straße schwer: Dort wurden unter

den Kastanien offenbar aus Kostengründen

sogenannte Bodendecker

angepflanzt, Efeu; der Boden lässt

sich daher kaum vollständig säubern.

Wie der Bezirk das Problem

einschätzt, bleibt unklar;die Anfrage

der Berliner Zeitung blieb zunächst

unbeantwortet; später teilt ein Referent

am Telefon mit, die Antwort

nicht bis Redaktionsschluss liefern

zu können: „Wir sind unterbesetzt.“

„Eine komplett andereQualität“

Die Bäume an der Storkower Straße

sind nur ein Beispiel für eine Entwicklung,

die Umweltschützernund

Baumexperten Sorge bereitet: Die

trockenen, heißen Sommer haben

massive Auswirkungen auf den Zustand

der Bäume in Berlin. Eine Abfrage

der Berliner Zeitung in den Bezirken

ergab, dass sich die Zahl der

abgestorbenen Bäume 2019 in manchen

Gegenden vervielfacht hat, wobei

einige Bezirke nicht in der Lage

sind, die Schäden einzuschätzen.

Besonders drastisch sieht es in

Steglitz-Zehlendorf aus: Zwar habe

ihr Bezirk auch in den vergangenen

Jahren immer wieder Bäume verloren,

sagt Umwelt-Bezirksstadträtin

Maren Schellenbach, Bezirksstadträtin:

„Was wir nun erleben, hat aber

eine komplett andereQualität.“

Aufdem Friedhof Bergstraße zum

Beispiel seien 2018 25 Bäume abgestorben.

2019 sind es 220 –also rund

das Zehnfache, so Schellenbach:

„Das bestätigt die langjährige Erfahrung,

dass Trockenschäden erst im

Folgejahr oder noch später in vollem

Umfang zu erkennen sind.“

Der Bezirk hat erst vor wenigen

Wochen begonnen, Hochrechnungen

über Trockenschäden zu erstellen.

Für 2019 wurden dabei 350 tote

Straßenbäume ermittelt, vor allem

Birken, Linden und Hainbuchen –

zum Vergleich: zwischen 2012 und

2017 lag diese Zahl im Schnitt bei 50.

In den Grünanlagen seien infolge

der extremen Hitzesommer 3300

Bäume zusätzlich abgestorben, hier

hätten vor allem Nadelbäume und

Rotbuchen „extrem gelitten“.

In Pankow meldet das Umweltamt

448 abgestorbene Bäume für

Diese Eberesche hat den Sommer nicht überstanden.

2019 –imVergleich zu 237 imVorjahr,

verwies aber darauf, dass die Ursache

für die Schäden unklar sei.

Zunahme vonSchädlingen

Auch aus Charlottenburg-Wilmersdorfheißt

es,man wisse nicht, „welcher

Anteil der Schäden auf Hitze

oder Trockenheit zurückzuführen“

sei. Auch würden sich „die Folgen

der diesjährigen Trockenheit erst

noch zeigen.“ Reinickendorf will

sich ebenfalls nicht auf konkrete

Zahlen festlegen; neben der Hitze

setzten den Bäumen auch Stürme,

Streusalz, Erdgas, Hundeurin und

eine „klimabedingte Zunahme von

Schädlingen“ zu. Mitte teilt mit, dass

2018 in dem Bezirk 175 Straßenbäume

aufgrund von Trockenheit

und Hitzeeingegangen sind. Zu 2019

könne der Bezirk erst Mitte kommenden

Jahres etwas sagen.

Unterfinanzierte Stadtnatur

Auch Friedrichshain-Kreuzberg hat

eine „generell erhöhte Zahl“ von toten

Bäume in den Extremjahren

2018 und 2019 festgestellt, „um bis

zum Vierfachen normaler Jahre“.

Angesichts dieser Entwicklungen

benötigten die zuständigen Ämter

dringend mehr Mittel:„Es ist ein großes

Problem, dass die Pflege der

Stadtnatur unterfinanziert ist“, teilt

der Bezirk mit. Insbesondere ineinem

so dicht besiedelten Bezirk

„Extrem auf Trockenstress reagiert

die Birke, die flächendeckend im Bezirk vom

Aussterben bedroht ist. Auch die Eberesche

reagiert zum Teil mit Totalausfall.“

Nadja Zivkovic,

Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen in Marzahn-Hellersdorf

DPA

seien Bäume und Parks„für das städtische

Klima und das Wohlbefinden

der Menschen“ wichtig, so heißt es:

„Für den Unterhalt und die Pflege

der Straßenbäume bekommen wir

als Bezirk zum Beispiel deutlich zu

geringe Mittel zugewiesen.“

Marzahn-Hellersdorf hält sich

mit konkreten Zahlen abgestorbener

Bäume zurück. Bezirksstadträtin

Nadja Zivkovic spricht aber von

4000 Bäumen, die wegen des Wassermangels

besondere Pflegemaßnahmen

brauchten:„Extrem auf Trockenstress

reagiert die Birke, die flächendeckend

im Bezirk vom Aussterben

bedroht ist“, sagt sie. „Auch

die Eberesche reagiert zum Teil mit

Totalausfall auf die Trockenheit.“

In Tempelhof-Schöneberg gehen

die Behörden von 1000 vertrockneten

Bäumen aus: „Dies zeigt sich in

unserem Bezirkvor allem bei Birken,

Fichten und Buchen, Hainbuchen.“

Aus Neukölln heißt es, Trockenheit

sei meist nicht der einzige

Grund für das Absterben, hinzu kämen

in vielen Fällen Nährstoffmangel,

Pilze, Krankheiten, Schädlinge.

Erst im Frühjahr werde eine Einschätzung

möglich sein: „Wir gehen

davon aus, dass circa fünf Prozent

des Bestand erheblich beschädigt

sind.“ Treptow-Köpenick wie auch

Lichtenberg können keine Zahlen

vorlegen, dort werden die Gründe

für das Absterben vonBäumen „statistisch

nicht erfasst“.

Berlinweite Erhebungen fehlen,

die Senatsverwaltung für Umwelt,

Verkehr und Klimaschutz verweist

auf die Bezirke. Ein Problem dabei

ist, dass diese die Zahlen auf Grundlage

unterschiedlicher Kriterien erheben

und bei ihrer Erfassung auch

nicht gleich weit sind. „Die Regelkontrollen

finden jetzt noch statt; die

Bezirke gehen Straße für Straße vor“,

sagt Christian Hönig, Fachreferent

für Baumschutz beim BUND Berlin;

verlässliche Angaben erwartet er erst

im kommenden April. „Grundsätzlich

aber sind die Schäden immens.“

Hönig sagt, dass zu den direkten

Folgen des Wassermangels weitere

Schäden kommen: So werden die

Bäume aufgrund der Trockenheit

anfälliger für Krankheiten, Parasiten,

Pilzeund Insektenbefall.

Bäume sorgen für Kühle

SABETH STICKFORTH

Mehr noch: Die Bäume stellen sich

auf die Notsituation ein, indem sie

ihre Blattoberfläche verringern.

„Manche Bäume rollen ihre Blätter

ein oder werfen sie ganz ab, weil sie

sich nicht anders zu helfen wissen“,

sagt Hönig. Nur führt das dazu, dass

der Baum im Folgejahr gleich weniger

Laub ausbildet –und damit Substanz,

Robustheit und Kraft einbüßt.

Der BUND-Experte fordert daher

vonBezirken und Land mehr Einsatz

zum Schutz der Bäume:„Wir können

uns darauf einstellen, dass solche

Wetterextreme jetzt häufiger kommen.

Und mit der gegenwärtigen

Minderausstattung werden die Bezirke

die Probleme nicht auffangen

können.“ In vielen Bezirke reichen

die Ressourcen nicht aus, umregelmäßige

Gießdienste einzurichten.

Dabei seien gerade Straßenbäume

wichtig, um die Folgen des Klimawandels

abzumildern. Ihr Schatten

trage dazu bei, dass sich die Stadt

nicht zu stark aufheizt; im Schatten

der Baumkronen sei es im Sommer

bis zu zehn Grad kühler als außerhalb,

sagt Hönig: „Wir brauchen gerade

jetzt große,starke Bäume.“

„Es darf

kein Zaudern

geben“

Josef Schuster zum Umgang

mit Rechten und Extremisten

VonCarsten Hoffmann

Der Präsident des Zentralrats

der Juden in Deutschland, Josef

Schuster, hat zum Volkstrauertag

vor Gleichgültigkeit gegenüber

Extremismus und rechten Parolen

gewarnt. „Gegenüber Rechtsradikalen

und anderen Demokratiefeinden

darf es kein Schwanken

und kein Zaudern geben“, forderte

Schuster laut einem vorab verbreiteten

Redemanuskript am Sonntag

bei einer Gedenkfeier auf dem jüdischen

Friedhof in Berlin-Weißensee.

„Hier müssen wir an einer roten

Linie festhalten, die nicht überschritten

werden darf.“

Schuster forderte null Toleranz

gegenüber Antisemitismus, Islam-

Hass oder Rassismus.„Veränderungen

in der Gesellschaft vollziehen

sich schleichend. Daher besteht die

große Gefahr der Gewöhnung“, so

Schuster. Inzwischen seien der

Erste und Zweite Weltkrieg für die

nachfolgenden Generationen zu

Kapiteln im Geschichtsbuch geworden.

Die Verbrechen der Nationalsozialisten

und die zu ziehenden Lehren

müssten wieder stärker ins Bewusstsein

rücken. Schuster erinnerte

an das Leid von sechs Millionen

ermordeten Juden. Weltweit

waren 60 Millionen Tote in den Kriegen

zu beklagen, wie er weiter sagte.

Schuster kritisierte vorallem die

AfD. Esdürfe nicht hingenommen

werden, dass es eine Fraktion im

Bundestag gebe, deren Vorsitzender

die NS-Zeit als „Vogelschiss“ in

der deutschen Geschichte bezeichne.

Der AfD-Vorsitzende Alexander

Gauland hatte im Juni 2018

mit einer Äußerung zur Nazi-Zeit

für Empörung gesorgt: „Hitler und

die Nazis sind nur ein Vogelschiss

in über 1000 Jahren erfolgreicher

deutscher Geschichte“, sagte er.

Später bezeichnete Gauland seine

Äußerung als „missdeutbar und

damit politisch unklug“.

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher

Gedenktag –immer zwei Sonntage

vordem ersten Advent. Er wirdin

Deutschland schon seit 1919 begangen

– ursprünglich, um Solidarität

mit den Hinterbliebenen der Opfer

des Ersten Weltkriegs zu zeigen. Inzwischen

gedenkt die Bundesrepublik

aller Opfer vonKrieg und Gewaltherrschaft.

(dpa)

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SEITE 14 NUMMER 268 •18. NOVEMBER 2019

Prominente Vertreter wie die Hertha-Profis, die in diesem Jahr „Schichtwechsel“ mitmachten, sorgen für besondere Aufmerksamkeit –der Aktionstag steht aber allen Teilnehmern offen.

HOLGER GROSS

BEIM AKTIONSTAG TAUSCHEN MENSCHEN MIT UND OHNE BEHINDERUNG IHREN ARBEITSPLATZ –INDIESEM JAHR WAREN ERSTMALS PROFIS DER HERTHA BSC DABEI

Neue Perspektiven beim „Schichtwechsel“

Der Arbeitsplatz von Niklas Stark,

Alexander Esswein und Per Skjelbred

ist normalerweise der grüne

Rasen –doch an einem Vormittag im

Oktober befinden sich die drei Profis

des Bundesligisten Hertha BSC in einer

Halle im L-Werk, einer Werkstatt

für Menschen mit Behinderung, und

reparieren unter fachmännischer Anleitung

Fahrräder. Zur gleichen Zeit stehen

40 Beschäftigte aus den Werkstätten

mit Hertha-Profis wie Maximilian Mittelstädt

auf dem Platz und absolvieren

eine Trainingseinheit.

Es ist „Schichtwechsel“, ein besonderer

Aktionstag, bei dem Menschen

mit und ohne Handicap für einen Tag

ihren Arbeitsplatz tauschen. Mehr

als 500 Personen aus gut 100 Unternehmen

und Organisationen sowie

17 Werkstätten für behinderte Menschen

nahmen allein in diesem Jahr an

der Aktion in der Hauptstadt teil –von

der Charité über Edeka bis zur Berliner

Feuerwehr. „Hertha BSC setzt sich aktiv

und proaktiv für die Vielfalt unserer

Gesellschaft ein. Die Teilnahme am

„Schichtwechsel“ ist für uns die logische

und sinnvolle Weiterführung unserer

aktuellen Projekte im Bereich Inklusion“,

meint Paul Keutner, Mitglied der

Geschäftsleitung des Bundesligisten.

Die Idee hat sich dabei mittlerweile

im gesamten Bundesgebiet etabliert

und findet überall Nachahmer – vom

Erzgebirge über München bis nach

Rheinhessen tauschen Menschen für

einen Tag ihren Arbeitsplatz.

Ausgezeichnete Idee

Erfunden wurde der Aktionstag allerdings

in Berlin, von der Landesarbeitsgemeinschaft

Werkstätten für

behinderte Menschen Berlin e.V. (LAG

WfbM). Dabei handelt es sich um einen

Zusammenschluss der Werkstätten in

Berlin, die mit einer großen Auswahl an

Arbeits-, Bildungs-und Fördermöglichkeiten

über das gesamte Stadtgebiet

verteilt sind. Mit dabei sind die Werkstatträte.

Sie sichern den Selbstvertretungsanspruch

von rund 10 000 Menschen

mit Behinderung. Beide Partner

arbeiten gemeinsam daran, über Menschen

und ihre Leistungen in den Werkstätten

aufzuklären.

Im Jahr 2017 fand erstmals ein

„Schichtwechsel“ statt –damals waren

bereits 320 Menschen mit und ohne

Behinderung am Aktionstag beteiligt

und tauschten ihren Arbeitsplatz.

Für die Initiierung des Schichtwechsels

erhielten die Arbeitsgemeinschaft

den „exzellent“–Sonderpreis, der von

der BAG WfbM vergeben wird. Das

Konzept habe ausreichend Kraft und

Ideen, um aus der Berliner Aktion eine

bundesweite zu machen, hieß es in der

Begründung der Jury.

Tatsächlich wirft der Aktionstag ein

Schlaglicht auf die 17 Werkstätten, die

es in Berlin gibt. Hier stehen die rund

10000 Beschäftigten mit ihren unterschiedlichen

Fähigkeiten und Interessen

im Mittelpunkt der Angebots- und Arbeitsgestaltung.

Sie fertigen in inklusiver

Arbeit hochwertige Produkte wie beispielsweise

Designlampen, Bonbons und

Umhängetaschen.Privaten, gewerblichen

und öffentlichen Kunden bieten die Werkstätten

außerdem ein breites Spektrum

an professionellen Dienstleistungen an.

Ob Malerarbeiten, Mediendigitalisierung,

Verpackung, gastronomische Angebote

oder Catering –die Beschäftigten realisieren

individuelle Wünsche ebenso wie

die Komplettabwicklung komplexer Aufträge

als DIN EN ISO zertifizierte Lieferanten

der Industrie. Mit einem jährlichen

Gesamtumsatz von mehr als 35 Millionen

Euro leisten sie einen wichtigen Beitrag

zur Berliner Wirtschaftskraft.

Gleichwohl steht weniger die Vorstellung

der Berliner Werkstätten im

Zentrum des Aktionstages als die Idee

eines Perspektivwechsels. „Menschen

begegnen sich, veraltete Bilder, Wahrnehmung

und Vorurteilewerden aus

dem Weg geräumt. Der Schichtwechsel

verändert die Sichtweise –diese Idee

möchten wir weitertragen“, erklärt Bettina

Neuhaus, Geschäftsführerin der

LAG WfbM das Konzept.

Von einer neuen Wahrnehmung berichtet

etwa Berlins Senatorin für Integration,

Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach.

Die Politikerin hatte bereits im

vergangenen Jahr an dem Aktionstag

teilgenommen, damals wechselte sie

für einen Tag in die Floristik des Unionshilfswerk.

In diesem Jahr packte

die Sozialsenatorin in der Buchbinderei

der Stephanus-Werkstätten mit an.

„Ich freue mich, an diesem Tag selbst

aktiv dabei zu sein. Denn die Aktion

Schichtwechsel ist für mich auch ein

Perspektivwechsel. Ich sehe, wie auch

schon in den vergangenen Jahren, was

Menschen mit Behinderung täglich

leisten und leisten können. Ihre Motivation

beeindruckt mich sehr. Auf der

anderen Seite kann ein Mensch mit

Behinderung an diesem Tag einen Blick

in meinen Arbeitsalltag bekommen“,

so Breitenbach.

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Beim diesjährigen Schichtwechsel

machte jedoch nicht nur die Landespolitik

mit. So öffneten etwa auch auch das

Bundministerium für Arbeit und Soziales

und die Agentur für Arbeit ihre Türen.

Sieben Beschäftigte aus Werkstätten

schlüpften beispielsweise in die Rolle eines

Mitarbeiters einer obersten Bundesbehörde.

Dafür erlebten 20 Mitarbeiter

des Ministeriums für Arbeit und Soziales

an diesem Tag hautnah, welche wertvolle

Arbeit die Menschen in den Werkstätten

tagtäglich leisten. „Inklusion lebt

vom Mitmachen Vieler. Ein besonders

schönes Beispiel dafür ist das Projekt

Schichtwechsel. Er dient dem gegenseitigen

Verständnis, macht neugierig und

fördert auf diese Weise Übergänge und

Kooperationen -und damit auch das Vorankommen

der beruflichen Inklusion,“

meint Staatssekretär Dr. Rolf Schmachtenberg

aus dem Bundesministerium für

Arbeit und Soziales (BMAS) Und Cornelia

Schwarz, Geschäftsführerin Operativ der

Agentur für Arbeit Berlin Süd ergänzt:

„Das Projekt Schichtwechsel stärkt

das menschliche Miteinander und ist

damit gelebte Demokratie. An diesem

Aktionstag nehmen wir die Perspektive

des Anderen ein. Die Perspektive des

Anderen einnehmen heißt, den Anderen

wertschätzen. Die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter der Agentur für Arbeit Berlin

Süd fühlen sich diesem Gedanken jeden

Tag verpflichtet und beteiligen sich

deshalb selbstverständlich am Aktionstag

Schichtwechsel.“

Tatsächlich kommt der Aktionstag

auch in Bereichen an, in denen inklusives

Arbeitsleben sonst eher selten

Thema ist: Er sei „mega aufgeregt“,

verkündete etwa Dominik Dreyer, Geschäftsführer

beim deutschen Ableger

des US-amerikanischen Rabattanbieteres

Groupon im Vorfeld seines„Schichtwechsels“

über die sozialen Medien.

Gemeinsam mit zwei Kollegen nahm

er an dem Aktionstag teil und stellte in

der Schlosserei und Tischlerei Blumenfisch

in Weißensee seine handwerklichen

Fähigkeiten unter Beweis. Dreyers

Fazit im Nachgang: „Ein toller Tag voller

neuer Perspektiven und Learnings!“

Auch die Hertha-Fußballer, die sich

beim Auswechseln von Schläuchen

und Bremsen in der Fahrradwerkstatt

des L-Werks versuchten, waren von ihren

Erfahrungen beeindruckt. So freute

sich Per Skjelbred über die kompetente

Anleitung seiner Kollegen für einen

Tag –erhabe gelernt, was er lernen

wollte. Die Hoffnung auf eine „ganz

besondere Erfahrung“, die Hertha-Geschäftsleiter

Paul Keutner bereits im

Vorfeld zum Ausdruck gebracht hatte –

sie dürfte sich erfüllt haben.

Der nächste „Schichtwechsel“

ist für den 17. September 2020 geplant

–auch dann wieder bundesweit.

Die Organisation startet im Frühjahr,

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NUMMER 268 •18. NOVEMBER 2019 SEITE 15

PARA-WM IN DUBAI

Blinder Athlet

Marcel Böttger

läuft mit Guide

Als ihm sein Verein den Vorschlag

unterbreitet, muss Alexander Kosenkow

erst einmal schlucken.

Der Sprinter fühlt sich nach fast 20 Jahren

in der erweiterten Weltspitze auch

mit 41 noch fit genug, um an der Heim-

EM in Berlin 2018 teilzunehmen. „Die

wollte ich unbedingt mitnehmen“, sagt

er. Doch der TV Wattenscheid plant

schon Richtung Olympia und bietet ihm

stattdessen an, Trainer und Guide bei

der blinden Läuferin Katrin Müller-Rottgardt

zu werden.

„Am Anfang hatte ich echte Berührungsängste“,

sagt der mehrfache deutsche

Meister: „Ich habe mich gefragt:

Wie soll ich das machen? Ich hatte mit

einer eigenen Saison geplant, und die

kommen mit sowas.“ Trainer wollte er

immer werden. Aber ein Begleitläufer?

Er überlegt, „drei bis vier Wochen“.

Dann sagt er zu.

Mit Müller-Rottgardt gewinnt er

2018 bei der Para-EM -die auch in Berlin

stattfindet -einen kompletten Medaillensatz.

Dennoch passt es nicht. Und Kosenkow

kontaktiert Marcel Böttger. „Er

hat mich bei Facebook angeschrieben“,

erzählt dieser: „Da habe ich erst einmal

bei Wikipedia nachgelesen, wer das ist.“

Böttger ist da schon 25. Er ist nahezu

blind. Das rechte Auge wurde ihm

2000 entnommen, links beträgt die

Sehkraft zwei Prozent. Man munkelt,

er sei ein Talent. Aber eigentlich hat er

r

r

Bei der Para-WM in Dubai laufen viele

rAthleten mit einem Guide. LUC PERCIVAL

t

tkein Interesse, das mit der Leichtathletik

zu intensivieren. Doch Kosenkow

ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten

deutschen Sprinter, also

will er es versuchen. Und ist schnell

kurz vor der Aufgabe. „In den ersten

zwei Wochen dachte ich nur: „Ach, du

-Schande““, gesteht er: „Aber ich wollte

mir und allen anderen beweisen, dass

-es mit uns funktioniert.“

Auch Kosenkow berichtet, dass

g„Marcel es in den ersten zwei Mona-

gar nicht so recht zugelassen hat.

-ten

Da haben wir nur am Vertrauen gefeilt.

Erst dann kam die Technik.“ Heute sind

-die beiden ein eingespieltes Team. „Es

rmacht mir Riesenspaß“, sagt Kosen-

„Mittlerweile bin ich sehr glücklich

-kow.

-damit“, sagt auch Böttger: „Auf der

Laufstrecke ist er mein Auge. Denn

inzwischen vertraue ich ihm. Aber das

musste sich erst entwickeln. Es ist

-schwer, sich bei solchen Geschwindig-

auf einen zu verlassen.“

-keiten

Heute sagt der 26-Jährige: „Als

rGuide macht er es sehr gut. Als Trainer

kann er einem ganz schön auf die

Nerven gehen.“ Und er meint beides

als Kompliment. „Er hat Talent ohne

tEnde“, lobt Kosenkow. Er selbst ist mit

-42 noch fit, hat eine Saison-Bestmarke

von 10,56. Zusammen sind sie bei der

-Para-WM in Dubai, acht Monate nach

Beginn ihrer Zusammenarbeit, schon

bei 11,10 Sekunden angekommen.

„Ziel ist, dass er so nahe wie mög-

an mich herankommt“, sagt Kosen-

-lich

kow: „Wir sind nur so schnell wie der

– langsamere von uns beiden.“ Wird dies

irgendwann Kosenkow sein, werden sie

die Zusammenarbeit beenden müssen.

-„Ich werde immer langsamer, er wird

immer schneller. Wenn er irgendwann

schneller ist, bin ich eine Last“, sagt der

tCoach. Und auch Böttger weiß: „Wir werden

irgendwann in die Phase kommen,

wo er keine Hilfe mehr ist.“

Doch käme es so, wäre Böttger in

der Welt-Spitze des Para-Sports angelangt.

Und beide hätten ihr Ziel erreicht.

Trotz anfänglicher Skepsis. (dpa)

Mit zeitlosem Design inpassender Größe punktet das Berliner Label „Auf Augenhoehe“ bei seinen Kunden.

BEKLEIDUNG FÜR KLEINWÜCHSIGE MENSCHEN

Mode,die passt

Mick Mehnert hat eine beeindruckende

Karriere als Modell und

Schauspieler hingelegt, in ZDF-

Verfilmungen ebenso mitgespielt wie

in Stücken an der Komischen Oper. Vor

zwei Jahren war er für den Preis als bester

Nachwuchsschauspieler nominiert.

Wenn Mehnert jedoch über die Straße

läuft, erkennen Menschen in ihm oft

nicht den erfolgreichen Künstler –sondern

halten ihn für ein Kind. „Die Leute

sehen, „Ah! Der trägt ein Pokemonshirt“,

das heißt, dass er vielleicht zwölf

oder sechs oder neun ist“, sagt der

23-Jährige.

Mit einer Körpergröße von unter

1,50 Metern gilt Mehnert als kleinwüchsig,

so wie rund 100 000 Menschen allein

in Deutschland. Die Modeindustrie

hatte diese Gruppe aber lange nicht im

Blick und unpassende Standardgrößen

im Angebot. Menschen wie Mehnert

trieb das in die Kinderabteilungen, wo

sie sich notgedrungen mit bunt bedruckten

Pokemon-T-Shirts eindeckten.

Spezielle Konfektionsgrößen

Eine Berlinerin hat sich aufgemacht,

diesen Zustand zu ändern. „Auf Augenhoehe“

heißt das Label von SemaGedik,

das Ready-to-wear Mode für kleinwüchsige

Menschen bietet. „Ich bin bereits

sehr früh mit dem Thema Kleinwuchs in

Berührung gekommen, da meine Cousine

Funda kleinwüchsig ist. Wenn ich sie

in der Türkei besuchte und wir zum Beispiel

gemeinsam shoppen gehen wollten,

habe ich hautnah miterlebt, vor welchen

Herausforderungen sie Tag für Tag

steht“, berichtet Gedik. Bislang hätten

kleinwüchsige Menschen jedes gekaufte

Produkt aufwendig beim Schneider

ändern oder sogar maßanfertigen lassen.

„Die Idee besteht darun, die Modebranche

inklusiver zu machen und einen

gleichberechtigten Zugang zu Bekleidung

zu bieten“, so Sema Gedik weiter.

Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen,

musste das Team von „Auf Augenhoehe“

einige Herausforderungen

meistern. Schließlich bedeutet Mode

für Kleinwüchsige nicht, dass Hemd

und Hose einfach ein paar Nummern

kleiner genäht werden. „Es ist ein fast

unerforschtes Feld und ich musste die

Körperproportionen erstmal selbst kennenlernen“,

berichtet Labelchefin Gedik.

Weltweit legten Gedik und ihre Kollegen

Maßbänder an und vermaßen kleinwüchsige

Menschen. Der Fokus lag dabei auf

der so genannten Achondroplasie, der

häufigsten Form des Kleinwuchses. „Dabei

sind unter anderem Körperextremitäten,

wie Oberschenkel und Oberarme

verkürzt. Außerdem sind die verkürzten

Arme nicht gerade ausgerichtet und

der Gesäßumfang ist stark ausgeprägt.

Der obere Abschnitt der Wirbelsäule ist

verkrümmt. Gleichzeitig liegt auch ein

Hohlkreuz und O- oder X-Beine vor, die

einen Einfluss auf die komplette Körperhaltung

hat“, erläutert Gedik.

All das galt es zu berücksichtigen,

als Gedik und ihr Team ihre Messungen

durchführten und auf dieser Grundlage

erstmals ein eigenes Konfektionsgrößensystem

entwickelten. Mit Kundenfragebögen

arbeitet das Label daran,

seine Ergebnisse noch belastbarer zu

machen. Sie sind die Voraussetzung,

um passformgerechte Bekleidung für

kleinwüchsige Menschen herzustellen,

die bequem im Online-Shop bestellt werden

kann.

Statt sich in Kinderabteilungen großer

Modeketten einem wenig befriedigenden

Shoppingausflug auszusetzen,

finden kleinwüchsige Menschen hier

eine Auswahl an Mode, die seriös, aber

nicht langweilig daherkommt. Ebenso

schlichte wie stylische Shorts, Hemden

und Cardigans für Herren, zeitlose Jumpsuits,

Röcke und Blusen für Damen zählen

zu den Angeboten im labeleigenen

Shop. Sogar einen Kimono hat Gedik

entworfen. Mit Preisen zwischen knapp

17 Euro für eine Feinstrumpfhose und

rund 160 Euro für eine Collegejacke

bewegt sich das Label in etwa auf dem

Niveau bekannter Designerlabels. Im

Vergleich zu den Angeboten der auf die

breite Masse abzielenden Bekleidungshersteller

mag das gehoben wirken –

berücksichtigt man jedoch Entwicklung

und Produktion, relativiert sich dieser

Eindruck schnell. „Das Design ist extrem

innovativ und bedarf viel Entwicklungszeit

um die perfekte Passform zu

gewährleisten“, meint Gedik. Und statt

in asiatischen Fabriken werden die Produkte

von „Auf Augenhoehe“ direkt in

Berlin produziert –auf Anfrage und nicht

in großen Stückzahlen oder auf Lager.

So werde „nur hergestellt, was bestellt

wird“, heißt es bei dem Label, das zudem

auf „vertrauensvolle und langjährige

Lieferantenbeziehungen“ verweist.

Überhaupt ermöglichen die Produkte

auch kleinwüchsigen Menschen, die

sich keine maßgeschneiderte Kleidung

leisten können, sich stilvoll und nach

den eigenen Bedürfnissen zu kleiden.

Insofern ist „Auf Augenhoehe“ mehr

als ein Modelabel, das eine bestimmte

Nische bedient. „Wir zeigen, dass smarte

Produkte und ein starker Community

Gedanke erfolgreich neue Märkte öffnen

und sozialen Impact generieren. Durch

unsere Arbeit wollen wir nicht nur kleinwüchsigen

Menschen die Partizipation

an einer gleichberechtigten Modewelt

ermöglichen, sondern auch auf soziale

Ausgrenzung und Benachteiligung aufmerksam

machen“, sagt Labelgründerin

Gedik. Das passt es ins Bild, dass

mit Baseballcap und Kaffeebecher auch

Produkte im Sortiment zu finden sind,

die ganz unabhängig von Körpergröße

und -bau genutzt werden können.

Enge Zusammenarbeit

MALTE VOGT

Bei der Zielgruppe kommt das Label

jedenfalls an, das Feedback sei entsprechend

positiv, meint Gedik. „Dass

Modelle oder Schnitte die unseren Kunden

gefallen und Anklang finden, ist aufgrund

der engen Zusammenarbeit mit

Kleinwüchsigen nicht schwer.“

Gedik steht dabei weltweit in engem

Austausch mit kleinwüchsigen Menschen

und führt viele Gespräche. „So

habe ich wertvolle Einblicke in die fehlenden

Produkte in der Modebranche

erhalten und es hat mir geholfen, die

Identität des Labels klarer zu definieren.

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist,

gerade in der Anfangsphase eines Unternehmens,

eine starke Gemeinschaft

aufzubauen“, erläutert Gedik. Wie stark

diese Gemeinschaft ist, zeigt sich an

Schauspieler Mick Mehnert, der das

Label von Anfang an begleitet: „Da mir

Auf Augenhoehe sehr wichtig ist, ist es

meine Mission Auf Augenhoehe noch

größer und erfolgreicher zu machen.“

Von soviel Kundennähe können andere

Labels nur träumen.

Philip Aubreville

Trau'dich.

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sein Leben in dieeigeneHandzunehmen.

Wirhelfen Menschen mitBehinderungen

eigenständiger mitten im Leben zu leben.

futura-berlin.de

ONLINE-DATING

Digitale

Partnersuche

ohne Barrieren

Wie sehr die Digitalisierung viele

Lebensbereiche grundlegend

verändert hat, zeigt sich besonders

deutlich in der Welt der Partnersuche:

Wer mit lockeren Flirtsprüchen an

der Bar oder dem Streifzug durch die

Discotheken überfordert ist, hat längst

Alternativen – Datingportale im Internet

oder Angebote wie Tinder, die das

Anbahnen des ersten Flirst mit einem

Wisch über das Smartphone ermöglicht.

Solche Singlebörsen böten „einen

besonderen Mehrwert für Gruppen in der

Bevölkerung, die nur begrenzt Zugang

zu anderen Singlemarktplätzen haben“,

heißt es in einer Marktstudie des Portals

singleboersen-vergleich.de, das zu

diesen Gruppen explizit auch Menschen

mit Behinderung zählt. Tatsächlich stoßen

aber auch sie in der Praxis aber

häufig auf Probleme. Da gibt es die Gesprächspartner,

die den lockeren Chat

lieber abbrechen, wenn der Gegenüber

berichtet, dass er eine Behinderung hat.

Zahlreiche Anbieter wollen hier Abhilfe

schaffen und bieten Dating-Plattformen

speziell für Menschen mit Handicap

an. „Zahlreiche Menschen mit Handicap

haben einen längeren Leidensweg

hinter sich. Daher besteht oftmals der

Wunsch, einen Partner kennenzulernen,

der Verständnis für eventuelle Krankheiten

hat bzw. für die Einschränkungen

die einfach effektiv vorhanden sind“, erläutert

Benedict Schmidt vom Anbieter

handicap-love.de. Hier könnten Nutzer

von Anfang an offen mit ihrer Behinderung

umgehen.

Die Kritik, durch gesonderte Angebote

würde die Trennung von behinderten/

nicht-behinderten Menschen erst noch

verstärkt, hält Schmidt dabei für unberechtigt:

„Solange im Internet speziell

nach Datingportalen für Menschen mit

Behinderung gesucht wird, hat Handicap-Love.de

eine Daseinsberechtigung.

Wenn ein Single mit Behinderung zu

dem Entschluss kommt, dass ein Partner

mit Handicap mehr Verständnis aufbringt,

was ist daran verkehr? Es ist eine

Entscheidung, die unsere Mitglieder aufgrund

persönlicher Erfahrungen, getroffen

haben.“ (pha)

Wer online auf Partnersuche geht, hat viele

Angebote zur Auswahl. GETTYIMAGES/ANTONIO_DIAZ

#nurmut


16 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Berlin/Brandenburg

Wolfgang Joop

feiert seinen

75. Geburtstag

Auf eine große Party will der

Modemacher aber verzichten

VonOliver von Riegen

und Marion vander Kraats

Sonnengebräunter Teint, immer

schick gekleidet –und nun die 75:

Modeschöpfer Wolfgang Joop hat an

diesem Montag Geburtstag. Eine

große Party plant Joop aber nicht,

heißt es in seinem Umfeld. Denn es

wird ein Tagunter besonderen Umständen:

Anfang des Monats brach

Joop sich bei einem Sturz imBadezimmer

den Knöchel. „Es ist der

Klassiker: glatter Steinboden, etwas

Wasser –und schon ist es passiert“,

hatte sein Partner Edwin Lemberg

der dpa dazu gesagt. Joop kam ins

Krankenhaus.

Joop nur als Modeschöpfer zu bezeichnen,

würde zu kurz greifen. Er

ist Maler, bildender Künstler, Autor

und Modeschöpfer. Mit Jil Sander

und dem inzwischen gestorbenen

Karl Lagerfeld zählt er zu den erfolgreichsten

Deutschen in dieser

Branche.

DerKünstler wirdauf einem Bauernhof

in Potsdam geboren. 1954

zieht die Familie nach Braunschweig.

Zu DDR-Zeiten sehnt er

sich in die Heimat zurück und genießt

die Besuche in Potsdam bei

Tante Ulla auf dem Familienstammsitz

Gut Bornstedt. In seinem Buch

„Die einzig mögliche Zeit“ aus diesem

Jahr berichtet er vonseinem ersten

Fashion-Moment in den 50er

Jahren: Mit Wollsocken und weiten

Hosen aus Großvaters Kleiderschrank

stellte er sein Outfit zusammen.

Er studiert Werbepsychologie

und Kunsterziehung, allerdings

nicht bis zum Abschluss. Später

macht er als bildender Künstler,Maler,

Schriftsteller und Schauspieler

von sich reden. Sein größtes Talent

ist das Zeichnen. Schon in der Schule

setzte er dieses Können ein: DieMitschüler

sagten ihm gegen eine Pinup-Zeichnung

Lösungen vor.

Im Jahr 1978 präsentiert erseine

erste eigene Pelz-Kollektion, 1982 die

erste Damenkollektion unter der

Marke„Joop!“. Mitdiesem Label wird

er bekannt, verkauft es aber 1998.

Drei Jahrespäter steigt er als Chefdesigner

aus. 2012 wird ermit dem Designpreis

der Bundesrepublik

Deutschland ausgezeichnet. Im Jahr

darauf meldet er sich mit dem Luxuslabel„Wunderkind“

zurück. (dpa)

BARBARA SCHÖNEBERGER

moderiert Fernsehsendungen und

Galas,sie macht Radio,gibt ein Magazin

heraus, das ihren Vornamen

trägt, sie singt, macht Werbung. Zu

unserem Gespräch, das wir führen,

weil sie am 12. November 2020 in

der VertiMusic Hall ihr Konzert„Alles

Gute und so weiter“ spielt, wird

dem Fotografen und mir Speiseeis

angeboten, denn in Eis macht die

geschäftstüchtige Berlinerin nun

auch. Das Bild, das man leicht von

ihr bekommt, würde sie gern korrigieren:

„Alle vermuten hinter mir

und meiner harmlosen Fassade die

knallharte Geschäftsfrau, die bereits

morgens um 7inwichtigen Powerpoint-Präsentationen

irgendwelche

Entscheidungen fällt. So ist

es nicht. Mein Telefon ist immer auf

leise gestellt, ich kriege maximal 12

E-Mails am Tag, davon sind drei von

irgendwelchen Einrichtungshäusern,

die Werbung machen wollen.“

Sie ist fleißig, aber weder Treibende

noch Getriebene: „Ich arbeite wie

eine Schülerin einen Stundenplan

ab, den ich mir zwar selber eingebrockt,

aber den ich mir nicht selbst

erstellt habe. Ich habe in der Regel

von allen Menschen, mit denen ich

zu tun habe,die meiste Energie.“

Ihre vielen Jobs kann sie gut begründen:

„Wenn ich nur Fernsehmoderatorin

geblieben wäre, dann

wäre ich Befehlsempfängerin und

total abhängig von grauen Eminenzen

in dunklen Anzügen, die mir

Jobs zuteilen. Davon wollte ich

mich nicht so gerne abhängig machen.

Ich arbeite einfach gerne.“

Und richtig viel. Wie esdazu kommen

konnte, ist ihr selbst schleierhaft:

„Ich weiß es nicht mehr. Und

ich weiß auch nicht, ob ich es wieder

so hinkriegen würde.Für meine

Empfindungen habe ich gar nichts

gemacht, es ist so passiert.“ Eine Erklärung

hat sie aber doch: „Mach

viele Sachen, wo du viele Menschen

triffst, dann ist immer einer dabei,

der glaubt, du kannst was und der

dich eine Stufe höher hebt. Wenn du

dich immer weiter drehst, dann

passiertauch was.“

Wer oft erlebt hat, wie Barbara

Schöneberger jedes Publikum in

wenigen Momenten auf ihre Seite

zieht, erkennt irgendwann den

Trick. Sie fängt immer mit Witzen

an und die gehen immer auf ihre

eigenen Kosten: „Das hat mir Thomas

Hermanns vor 20 Jahren gesagt:

Sprich aus, was alle denken.

Und das ist fast der wertvollste

Tipp, den ich in meiner ganzen

Karriere bekommen habe. Er hat

gesagt: Die Leute sehen dich raus-

Barbara statt Beyoncé

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Barbara Schöneberger

genießt den Erfolg der Fleißigen,

will keine Chefin sein, macht

ständig Witze auf ihre Kosten und

glaubt an den Karriere-Zufall

Die Grande Dame Barbara Schöneberger.

CHRISTIAN SCHULZ

kommen und alle haben das Gleiche

im Kopf: Gabs das Kleid auch in

ihrer Größe? Oder: Warum macht

sie das, sie kann es eigentlich ja

nicht so gut. Und wenn du das

gleich aussprichst, dann hast du

die sofort.“

Eine Bezeichnung weist die Moderatorin

und Sängerin immer weit

von sich: „Ich bin keine Chefin.

Wenn hier jemand der Chef ist,

dann meine Managerin. Diescheißt

mich auch regelmäßig zusammen.

Ich bin keine Chefin, ich hasse das,

deshalb habe ich auch nie eine

Firmagegründet.“

Wer Barbara Schöneberger

bucht, der bekommt das Rundumsorglos-Paket:

„Ich habe meinen

Autor Christof Mannschreck und

meinen Visagisten Matthias, die

Claudi macht mein Management,

ich habe eine Schneiderin, die näht

mir meine Kostüme auf den Leib.“

Gerade die eigene Schneiderin ist

praktisch: „Ich muss nicht mehr irgendwohin

und fragen: Haben sie

was in Größe 38 mit langen Armen

und in der Taille eng? Ich sage jetzt

einfach: Ich brauche vier Outfits für

den Herbst, dann näht sie mir das

und das kommt dann mit dem Taxi

nach Hause. Dafür muss sie mich

nicht mal ausmessen. Das nimmt

viel Stress.“

Barbara Schöneberger liebt ihr

schönes Leben, muss aber ständig

etwas dafür tun: „Ich habe so eine

calvinistische Arbeitsethik, dass ich

es ganz schlecht aushalten kann,

Dolce Vita zu leben, wenn ich nicht

auch hart dafür arbeite. Das könnte

ich dann nicht so gut genießen.“

Preisverleihungen, Benefizgalas,

Sponsorenbeweihräucherungen –

Barbara Schöneberger moderiert

gefühlt alles. „An so einem Abend

beim Goldenen Lenkrad oder beim

GQ Award, da kann ich unter Beweis

stellen, dass ich den Job zuRecht

mache. Das muss ich vor mir selber

auch immer wieder rechtfertigen.

Undbei denGesangsshows beweise

ich mir selbst, es ist auch weiterhin

ok, mich Entertainerin zu nennen.“

Wobei sie zugibt, dass sie sich

eine andere Gesangsstimme

wünscht: „Ich hätte gern eine Charakterstimme,

eine dreckige Soulstimme.“

Es gibt da ein Vorbild: „Ich

wäre gerne Beyoncé. Der folge ich

bei Instagram und schaue mir ihre

Auftritte an. Wenn man sich das einmal

angekuckt hat, dann kann man

eigentlich nicht mehr auf die Bühne

gehen. Aber ich mache es dann

trotzdem und greife alle die ab, die

keine Karten für Beyoncé gekriegt

haben.“

Das

teure

Sterben

Sozialbestattungen kosten

Kommunen viel Geld

VonChristian Bark

Brandenburgs Landkreise und

kreisfreie Städte geben jedes Jahr

mehrereZehntausend Euro für Sozialbestattungen

aus. Das ergab eine

Umfrage der Deutschen Presse-

Agentur. Inmanchen Regionen sind

die Kosten extrem gestiegen, wie

etwa im Landkreis Oberhavel. Kreissprecherin

Constanze Gatzke zufolge

wurden in diesem Jahr dortbisher

fast 70 000 Euro an Bestattungskosten

übernommen. Das sind fast

30 000 Euro mehr als im gesamten

vergangenen Jahr. Eine Rolle spiele

dabei nicht nur die leicht erhöhte

Fallzahl, sondern spielten auch Kostensteigerungen

sowie die Anhebung

der Friedhofsgebühren.

„Unseren Beobachtungen zufolge

hat die Anzahl der Sozialbestattungen

in Brandenburg zugenommen“,

sagt Fabian Lenzen von der

Bestatterinnung Berlin-Brandenburg.

Gegenüber dem Jahr 2017 hat

die Zahl beantragter Fälle auf Kostenübernahme

im vergangenen Jahr

auch in Cottbus um über 300 zugenommen.

Tatsächlich sind laut

Stadtsprecher JanGloßmann bei den

1245 nur in 59 Prüffällen die Kosten

übernommen worden. Insgesamt

habe die Stadt 2018 fast 94 000 Euro

für Sozialbestattungen ausgegeben.

Eine Sozialbestattung kommt

dann infrage,wenn der oder die Verstorbene

kein Geld hatte und die Bestattungskosten

den Hinterbliebenen

nicht zugemutet werden können.

Leicht rückläufig oder auf stabilem

Niveau sind die Fälle hingegen

in der Landeshauptstadt Potsdam,

mit bisher 65 Anträgen in diesem

Jahr, dem Landkreis Uckermark mit

53 bezahlten Fällen im Jahr 2018 und

dem Landkreis Teltow-Fläming mit

bisher 69 bezuschussten Fällen in

diesem Jahr.

„Die Kosten einer Bestattung, die

durch den Sozialhilfeträger Potsdam

übernommen werden, betragen je

nach Einzelfallentscheidung 1500

bis 3000 Euro“, erklärt Potsdams

Sprecherin Juliane Güldner. InPotsdam

könnten Angehörige das Bestattungsinstitut

sowie die Art der

Bestattung frei wählen. Berücksichtigt

werden müssten dabei aber die

Religion und der letzte Wille des Verstorbenen.

(dpa)

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Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 17

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Brandenburg

Vielleicht wird der Name

Grünheide in ein paar Jahren

vor allem mit Elektroautos

verbunden sein –

wenn Tesla hier die neue Autofabrik

betreibt. Immerhin will der US-Elektroauto-Hersteller

hier bis zu vier

Milliarden Euro in die geplante „Gigafactory“

investieren und Grünheide

damit zum Automobilstandort

ausbauen. Noch aber lässt der Ortim

Südosten vonBerlin bei älteren, vornehmlich

Ost-Deutschen ganz andereAssoziationen

aufscheinen. Robert

Havemann lebte hier, einer der

klügsten und mutigsten Oppositionellen,

die es in der DDR je gab.Sein

kleines Haus am Möllensee steht bis

heute fast unverändert inder Burgwallstraße.

Die fallenden Blätter der Kastanien

auf dem Grundstück leuchten

an diesem regnerischen Vormittag

hellgelb durch das Novembergrau,

manche bleiben auf dem vor Jahrzehnten

gezimmerten Holzbriefkasten

liegen, der noch immer den Namenszug

HAVEMAN trägt, mit einem

Strich über dem N, um zu zeigen,

dass dort noch ein zweites

hingehört. Den Namen der neuen

Bewohner liest man auf einem kleinen

bescheidenen Schild daneben.

Aus Respekt vor dem berühmten

Vorgänger haben sie hier alles so belassen

wie zu seiner Zeit.

MitHonecker im Gefängnis

RobertHavemann –regimekritischer Intellektueller und Künstler.

Während der Nazijahre gehörte der

als Chemiker an einem Giftgasprojekt

der Wehrmacht beteiligte Kommunist

zu einer Widerstandsgruppe.

Er wurde verhaftet und 1943 vom

Volksgerichtshof unter Roland Freisler

zum Tode verurteilt. Kollegen

konnten seine Hinrichtung verhindern,

indem sie auf seine „kriegswichtige“

Forschung verwiesen, die

er auch im Gefängnis von Brandenburg

fortsetzen konnte. Hier traf er

auf den Mitgefangenen Erich Honecker.

Inden ersten Jahren der DDR

gehörte Havemann zu den führenden

Naturwissenschaftlern und war

Direktor des Instituts für Physikalische

Chemie an der Humboldt-Universität.

Er wurde Volkskammerabgeordneter

und inoffizieller Mitarbeiter

vonStasi und KGB.

Doch Ende der Fünfziger wuchs

seine Kritik am Aufbau des Sozialismus

in der DDR, die er im Wintersemester

1963/64 in einer Vorlesungsreihe

zum Thema „Naturwissenschaftliche

Aspekte philosophischer

Probleme“ offen behandelte.

Es kamen immer mehr Zuhörer aus

der ganzen DDR angereist, die seinen

Gedanken über echte Freiheit,

Demokratie und einen revolutionär

reformierten Sozialismus lauschten.

Es war Systemkritik von links,

mit der die SED nur schwer umgehen

konnte.Havemann verlor seine

Posten, wurde aus der SED ausgeschlossen

und erhielt Berufsverbot.

Doch seine Vergangenheit als Widerstandskämpfer

und seine Gefängnisbekanntschaft

mit Erich

Honecker schützten ihn vor weitergehenden

Repressalien.

Er zog sich auf seine Datsche in

Grünheide zurück, die nun zusehends

zu einem Anziehungspunkt

DPA

regimekritischer Intellektueller und

Künstler wurde. Eine wichtige Rolle

spielte dabei Wolf Biermann, der

sich ebenfalls als Kommunist bekannte,

mit seinen Liedern aber bei

der SED zunehmend aneckte. Die

beiden verband bald eine enge

Erst Havemann,

dann Tesla

Wo Elon Musk bis zu vier Milliarden Euro

in seine geplante „Gigafactory“

investieren will, lagt einst der Rückzugsort

eines der klügsten und mutigsten

Oppositionellen der DDR

VonHolger Schmale

Dieses Haus am Möllensee in Grünheide warRobertHavemanns Rückszugsort. HOLGER SCHMALE (2)

Freundschaft. Biermann nannte sie

„ideale Komplizen: alter Fuchs und

junger Wolf“. In Biermanns Wohnung

in der Chausseestraße lernte

Havemann seine spätere Frau Katja

kennen. Alle trafen sich im Sommer

gern auf dem Grundstück in Grünheide.

Auch der kritische Schriftsteller

Stefan Heym kam zu Besuch,

er reiste per Motorboot von seinem

Haus in Grünau an. Havemann

liebte es, mit seinem Boot „Kuddeldaddeldu“

über die Seen derUmgebung

zu brausen. So musste sich

auch die Stasi Sportboote zulegen,

um das Treiben jederzeit im Blick

behalten zu können.

Die Lage eskalierte nach der Ausbürgerung

Biermanns 1976. Robert

Havemann protestierte in einem offenen

Brief an Honecker, den der

Spiegel veröffentlichte. Erwurde unter

Hausarrest gestellt und erhielt

Kontaktverbot zu westlichen Journalisten.

Nunwurde die kurze Burgwallstraße

in Grünheide zu einer ArtBelagerungsgebiet.

Lastwagen versperrten

die Zufahrt, vorHavemanns Haus

parkten demonstrativ die Autos der

Bewacher. Anwohner wurden auf

dem Weginihre Häuser streng kontrolliert.

Doch Havemann ließ sich

nicht einschüchtern. Er nahm die Familie

des inhaftierten Schriftstellers

Jürgen Fuchs inseinem Gartenhaus

auf und veröffentlichte 1982 gemeinsam

mit dem Pfarrer Rainer Eppelmann

den „Berliner Appell“ für eine

unabhängige gesamtdeutsche Friedensbewegung.

Gleich nebenan stehen die Villen

Wenig später erreichte Biermann die

Nachricht, dass sein Freund im Sterben

liege. Erwandte sich in einem

persönlichen Schreiben an Honecker

mit der Bitte,Havemann besuchen

zu dürfen. DasUnerwartete geschah:

Der Ausgebürgerte durfte

noch einmal in die DDR reisen, um

sich von seinem Freund zuverabschieden.

Biermann nahm die eigentlich

so beschauliche Burgwallstraße

als Stasi-Gebiet wahr.„Etliche

Bewacher warenindie Nachbarhäuser

sogar mit Familie eingezogen

und gärtnerten Radieschen“, schrieb

er in seinen Erinnerungen. Heuteist

Havemanns weiß gestrichenes Ziegelhäuschen

eines der letzten baulichen

Überbleibsel jener Jahre. In der

Nachbarschaft stehen nun schicke

neue Villen auf den attraktiven Seegrundstücken.

Gerade in diesenWochen sind die

Gedanken vieler noch einmal hierher

zurückgekehrt. Am 10. September

1989 hatte Katja Havemann andere

Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley,

Ingrid Köppe, Sebastian Pflugbeil

undJensReich in ihr Haus in der

Burgwallstraße 4eingeladen. Sieformulierten

die Erklärung„Die Zeit ist

reif“ und riefen dazu auf, Mitglieder

des „Neuen Forums“ zuwerden. Es

ist die Gründungserklärung der

wichtigsten Gruppierungder friedlichen

Revolution. Man kann sagen,

dass dieses Häuschen in Grünheide

einen Wendepunkt der deutschen

Geschichte markiert. Robert Havemann

istheute Ehrenbürger derGemeinde,

die sich nun anschickt, ein

wichtiger Ort der Industriegeschichte

zu werden.

Holger Schmale

war als dpa-Journalist schon

zu DDR-Zeiten in Grünheide


18 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Lokalsport

Schiedsrichter unter Schutz

Der Berliner Fußball-Verband beschließt harte Strafen für Gewalttäter.Mit anderenProblemen undZukunftsfragen soll sich jetzt eine neue Arbeitsgruppe befassen

VonChristian Schwager

Und dann war da noch die

Sache mit der 88. Keine

große Sache, aber eine

mit Symbolkraft, weil die

88 eine teuflische Chiffreist, die sehr

oft von Neonazis missbraucht wird.

Symbolkraft aber auch, weil sich

daran die Mechanismen in einer

Sportorganisation erkennen ließen.

Auf dem Arbeitsverbandstag des

Berliner Fußball-Verbandes (BFV)

stand am Sonnabend ein Antrag zur

Abstimmung, die 88 als Trikotnummer

im Amateurfußball der Hauptstadt

zu verbieten. Der Jugendbeirat

wollte den Beschluss erwirken, nach

hessischem Vorbild. Am Ende setzten

sich die Gegner des Antrags,setzten

sich Argumente durch wie jenes,

im Verbotsfall sei auch eine andere

symbolbeladene Zahl von den Trikots

zu verbannen, die 18. VomTisch

ist der Vorschlag der BVF-Jugend

nicht. Manche Ideen brauchen Zeit.

Immerhin, es wurde diskutiert,

wie sich überhaupt die Vertreter Berliner

Fußballvereine bei dem Treffen

auf Debatten in wichtigen Zukunftsthemen

einließen, rund acht Stunden

lang. Am Ende stand auch der

Beschluss, eine Arbeitsgruppe einzurichten.

Sie soll Antworten auf

wichtige Fragen finden. Etwa jene,

ob die Amtszeit des Präsidenten zu

begrenzen sei, ob eine Frauenquote

im BVB-Vorstand helfen könne, wie

sich der Verband zum Phänomen E-

Sport positioniert und zu den Herausforderungen

der Digitalisierung.

Lebenslange Sperren

Harte Strafen sollen die wachsende Gewalt gegen Schiedsrichter eindämmen. Aber auch Übergriffe auf Fans bleiben ein Problem, wie der Berliner Pokal jetzt gezeigt hat.IMAGO IMAGES

Für eines der zurzeit drängendsten

Probleme im Amateurfußball gibt es

schon jetzt einen vielversprechenden

Lösungsansatz: für den Kampf

gegen Gewalt, mit der sich Schiedsrichter

immer massiver konfrontiert

sehen. Auf Antrag des Steglitzer Berlin-Ligisten

Stern1900 beschloss der

Verbandstag härtere Strafen. Gewalttäter

unter Spielern erhalten in

besonders schweren Fällen eine

Sperreauf Lebenszeit.„Das ist etwas,

womit man argumentieren, womit

man abschrecken kann“, sagt Gerd

Thomas, 1.Vorsitzender des FC Internationale

aus Schöneberg. „Eine

solche Schwarze Liste ist unmissverständlich.“

Es soll Abstufungen geben: Je

nach dem, wie schwer das Vergehen

eines Spielers ist und wie oft dieser

bereits auffiel, wird die Strafe eine

Saison, zwei Spielzeiten oder länger

dauern. Ein mutmaßlicher Gewalttäter

wird umgehend aus dem Verkehr

gezogen und darf bis zu seiner

Verhandlung vor dem Sportgericht

des BFV nicht eingesetzt werden.

Nicht nur auf Mittel zur Abschreckung

verständigten sich die Teilnehmer

des Verbandstages. Zur Vorbeugung

sollen künftig Zuständigkeiten

klar geregelt sein. In Begegnungen

mit „aufstiegsberechtigten

Herrenmannschaften“, wie es im Beschluss

heißt, muss der Heimverein

mindestens eine Ansprechperson

für den Schiedsrichter benennen.

Der Schiedsrichterausschuss des

Verbandes hatte zuvor gefordert,

dass der Gastgeber einer Begegnung

mindestens zwei Platzordner abzustellen

hat. Die sollten durch Signalwesten

für jedermann erkennbar

sein. „Die heute getroffenen Entscheidungen

sind ein tolles Zeichen

für den Berliner Amateurfußball“, zitiert

der BFV Jörg Wehling, der im

Präsidium des Verbands die Schiedsrichter

vertritt. „Wir sind dankbar,

dass es nun nach vornegeht und ein

erster wichtiger Schritt gemacht ist.“

Bereits vor dem Verbandstag

hatte das BFV-Präsidium beschlossen,

dass in den Klubs feste Ansprechpartner

für Schiedsrichter

eingesetzt werden müssen. Zudem

ACHTELFINALE IM BERLINER POKAL

Hertha 03 Zehlendorf (Oberliga) – BFC Dynamo (Regionalliga) 0:3

FC SternMarienfelde (Landesliga) – Tennis Borussia Berlin (Oberliga) 3:1

Berliner SC (Berlin-Liga) – SCCroatia Berlin (Berlin-Liga) 5:4

TuSMakkabi Berlin (Berlin-Liga) – CFC Hertha 06 (Oberliga)

2:1 n.V.

Berliner AK (Regionalliga) – VSG Altglienicke(Regionalliga) 0:1

Türkiyemspor Berlin (Berlin-Liga) – SCStaaken (Oberliga) 1:3

FC Amed (KreiligaA,STaffel 1) – FCViktoria 1889 Berlin (Regionalliga) 1:7

SV Sparta Lichtenberg (Berlin-Liga) – SVTasmania Berlin (Oberliga)

2:2 n.V.

sollen Trainer, Betreuer und Zuschauer

verstärkt Regelschulungen

erhalten. „Wir haben heute gemeinsam

mit denVereinen sehr konstruktive

Gespräche geführt und Mittel

gefunden, um ein starkes Zeichen

gegen Gewalt auf unseren Fußballplätzen

zu setzen“, hat BFV-Präsident

Bernd Schultz auf dem Treffen

am Sonnabend gesagt.

Zuletzt wurde im Berliner Fußball

eine zunehmende Zahl von Übergriffen

gemeldet. Vonmehr als 100

Fällen von Gewalt und Diskriminierung

erfuhr der BFV in dieser Saison

aus Amateurligen und Jugendklassen.

In mehr als 50 Fällen waren Unparteiische

betroffen. Vorknapp drei

Wochen hatte sich daher der

Schiedsrichterausschuss des BFV

entschlossen, einen Spieltag mit

1500 Partien zu boykottieren.

Mit den Beschlüssen vom Sonnabend

haben die Regelhüter im BFV

nun starke Instrumente zur Hand.

Allerdings wird der neue Strafenkatalog

zunächst auf seine juristische

Umsetzbarkeit überprüft. „Da meldeten

sich skeptische Stimmen, die

meinten, es könnte Probleme mit

der Rechts- und Verfahrensordnung

des BFV geben“, sagt Gerd Thomas,

der zusammen mit anderen Vereinsvertretern

der „Berliner Fußball-Interessengemeinschaft“

an die 30 Anträge

auf dem Verbandstag eingebracht

hatte, unter anderem eben

jene Forderung, die Amtszeit des

Präsidenten auf drei Legislaturperioden

zu verkürzen. Nicht„um eine Palastrevolution

vom Zaun zu brechen“,

wie Gerd Thomas hervorhebt:

„Es geht darum, den Verband für die

Herausforderungen der kommenden

Jahrefit zu machen.“

Dazu wird nun die „Arbeitsgemeinschaft

Zukunft“ eingerichtet.

Für Probleme an der Fußball-Basis,

die schnelle und flexible Lösungen

erfordern, setzt der BFV vier Regional-Konferenzen

ein, in denen die

Vereine aus jeweils drei Berliner Bezirken

zusammengefasst sind. Darauf

verständigt hatten sich das BFV-

Präsidium und die„Berliner Fußball-

Interessengemeinschaft“ bereits vor

demVerbandstag am Wochenende.

Angriff auf TeBe-Fans

Nicht alle Probleme kann der Berliner

Fußball allein angehen, bei manchen

Phänomenen ist er auf staatliche

Hilfe angewiesen. Beim Kampf

gegen Gewalt unter Fans etwa. Das

istamvergangenenFreitagabend erneut

deutlich geworden, als es im

Achtelfinale des Berliner Landespokals

zu Zwischenfällen mit rassistischem

Hintergrund kam. Im Verdacht

stehen Anhänger aus dem

Umfeld des Bundesligisten Hertha

BSC. Ziel ihrer Attacke waren Fans

desOberligistenTennis Borussia,die

ihre Mannschaft bei Stern Marienfelde

unterstützten. Bereits während

der Partie soll es zu antisemitischen

Beleidigungen auf den Rängen gekommen

sein.

Nach dem3:1-Sieg derMarienfelder,

so berichteten Augenzeugen

später, sei eine Gruppe Randalierer

handgreiflich geworden. So sei ein

Fanvon Tennis Borussia geschlagen,

ein Bus der Linie M11 angegriffen

worden. Dabei soll eine Insassin einen

Schock erlitten haben, ein weitererMannwurde

denBerichten zufolge

verletzt.

Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt

nun wegen schwerem Landfriedensbruch.

Den Tätern drohen

zwischen sechs Monaten und zehn

Jahren Haft. Auch so kann Abschreckung

gehen.

Christian Schwager

begrüßt harte Strafen gegen

Gewalttäter im Fußball.

Grenzenlos an der Grenzallee

Serie –Tierisch fit: Beim VfB Sperber hat Nationalspieler Antonio Rüdiger mit Fußball begonnen. Der Kreisligist sieht sich in einer großen sozialen Verantwortung. Ein Besuch in Neukölln

VonChristian Kattner

AmAbend ist das das Scheinwerferlicht

nicht zu übersehen. Direkt

an der AusfahrtGrenzallee weist

es dem Suchenden den Weg. Zwei

Kunstrasenplätze, eingerahmt von

Autobahn und Industriegebäuden,

die auf den ersten Blick nicht gerade

einladend wirken, beim zweiten

Hinsehen aber doch einen gewissen

Charme versprühen. Erkan Kamberler

ist jeden Taghier beim VfB Sperber

Neukölln, bis auf dienstags. Für

ihn, dessen Onkel Präsident, der Vater

zweiter Vorsitzender und die

Mutter als Kassenwart tätig ist, ist es

„die Arbeit nach der Arbeit“, sagt der

Geschäftsführer des Fußballvereins.

EinVerein, der in dieser Form erst

seit 1998 existiertund aus der Fusion

des NSC Sperber und des VfB Neukölln

hervorgegangen ist. Die Namen

wurden munter durchgemischt,

der Sperber, ein Greifvogel,

musste allerdings erhalten bleiben.

Zu schön klingt schließlich die Geschichte,die

dafür sorgte,dass dieser

Jäger der Lüfte nicht nur im Namen,

sondern auch auf dem Vereinslogo

landete. Als es im Jahr 1912 um den

Namen ging, seien laut Erzählung

drei, vier Sperber vorbeigeflogen

und hätten die Gründungsmitglieder

bei der Namensgebung inspiriert.

Im Angriffsflug ist der Sperber

noch heute auf dem Vereinslogo zu

sehen, auch direkt neben der Eingangstür

zur Geschäftsstelle.

Es ist dortlängst nicht das einzige

Schild. Über einer bebilderten Anleitung

ist zu sehen, wie man sich auf

dem Jubiläumssportplatz an der

Grenzallee richtig verhält. Darüber

wirdeine wichtige Botschaft vermittelt:

„Kein Platz für Rassismus und

Gewalt“, ist in schwarzer und roter

Schrift zu lesen.

Im Verein leben sie diese Worte.

Besucher werden freundlich empfangen,

zum Teeoder auf einen Kaffee

eingeladen, sie können Fußball

schauen oder spielen. „Wir spüren

eine große Verantwortung“, sagt Erkan

Kamberler,„in dieser Saison haben

wir auch deshalb eine zweite

Männermannschaft und eine 7er-

Mannschaft nachgemeldet, als ein

paar Spieler noch für uns spielen

wollten. Wir wollen, dass sie keine

AttackeinBlau: Der VfB Sperber im Duell mit dem Lichtenrader BC. CAMCOP MEDIA/ANDREAS KLUG

Dummheiten machen und von der

Straße wegkommen.“ Im Gegenzug

liege es in der Verantwortung der

Spieler, dass sie ihre Partien nicht

ausfallen lassen.

Der VfB Sperber hat 180 Mitglieder,70davon

sind aktiv.Nachwuchskicker

gibt es derzeit nicht, da der

Sportplatz für Kinder schlecht zu erreichen

ist: Weder S- noch U-Bahn

halten in der Nähe.Bis zur nächsten

Bushaltestelle an der Grenzallee sind

es 15 Minuten zu Fuß.

Dassah es zur Jahrtausendwende

noch anders aus.Gerade hatten sich

der NSC Sperber, der ausschließlich

über Männerteams verfügte,und der

VfB Neukölln, der wiederum lediglich

Nachwuchsteams gemeldet

hatte, zusammengeschlossen. „Es

ging zu Beginn auch bergauf, wir haben

Landesliga gespielt, die Kassen

waren voll, es wurden auch Reisen

mit den Nachwuchsmannschaften

gemacht“, erzählt Erkan Kamberler.

Die Männer spielten sogar gegen

Fenerbahçe Istanbul, das damals

von Joachim Löw trainiert wurde.

UndimNachwuchs kickte ein junger

Mann, der heute deutscher Nationalspieler

ist: Antonio Rüdiger.

Der VfB Sperber Neukölln ist der

erste Verein des Abwehrspielers, der

heute beim FC Chelsea in der Premier

League aktiv ist. Zwei Jahre hat

er für die Greifvögel im Süden Berlins

gespielt, wofür sie nach der Saison

2011/12 eine finanzielle Zuwendung

vom DFB in Höhe von 3333

Euro erhielten: Rüdiger hatte die

Fritz-Walter-Medaille in Gold bekommen,

sein erster Verein schließlich

einen wertvollen Beitrag zu dessen

Ausbildung geleistet. So steht es

jedenfalls auf der Urkunde,die in der

Geschäftsstelle verwahrtwird.

Als Rüdiger von Rom nach Chelsea

wechselte, ging der VfB leer aus.

Anders als der SV Tasmania Berlin,

der damals als ein weiterer Ausbildungsverein

des Verteidigers finanziell

profitierte, „hat uns leider ein

Jahr gefehlt“, sagt Kamberler.

Das Geld hätte dem zwischenzeitlich

in finanzielle Schieflage geratenen

Verein geholfen. 2007/08

in der Landesliga aktiv, wanderten

nach und nach die Spieler ab. „Es

gab kaum noch Mitglieder, keine

Nachwuchsmannschaften mehr

und das Geld war auch alle“, sagt

Kamberler. Jetzt leuchtet das Flutlicht

für Spiele in der Kreisliga B.

„Aber wir machen das gern“, sagt

der Geschäftsführer, „das ist ein

über 100 Jahre alter Verein, da

steckt Herzblut dahinter. Vorstandsarbeit

heißt bei uns auch

Verantwortung zu übernehmen.“

Tagfür Tag, Wochefür Woche.


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 19 *

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Sport

Eine

progressive

Kurve

Wiesich die BR Volleys der

Champions League nähern

VonKarin Bühler

Während sich die Spieler der BR

Volleys am Sonnabend nach

dem 3:0 (25:16, 25:20, 25:22)-Erfolg

gegen Düren abklatschten, kniete

Trainer Cedric Enard vor dem Laptop,

das er auf seinem Stuhl am

Spielfeldrand abgestellt hatte. Er

schaute die Statistiken an, tippte auf

den Tasten. Trotz des zehnten Sieges

im wettbewerbsübergreifend zehnten

Saisonspiel verfiel er nicht in Euphorie,

auch wenn er mit Vielem,

was sein Team zeigt, zufrieden ist.

„Imersten Satz haben wir gut aufgeschlagen.

Wir haben Druck gemacht,

wir haben viele Punkte erzwungen.“

Auch im zweiten Satz zogen

die BR Volleys ihr Spiel auf –was

dadurch erleichtert wurde, dass die

Dürener Mannschaft voneiner Grippewelle

gebeutelt angereist war. Ihr

bester Angreifer, Sebastian Gevert,

war zu Hause im Bett liegen geblieben,

Zuspieler Tomas Kocian so geschwächt,

dass er kaum Einsatzzeit

bekam, auf der Diagonalen schickte

Düren einen Mittelblocker aufs Feld.

Dennoch zogen die Powervolleys,

die vorige Saison zu den unangenehmsten

Gegnern der Berliner gehörten,

im dritten Durchgang an. Sie

brachten ihre Aufschläge mit mehr

Druck übers Netz, zwangen die Berliner

zu Fehlern. Düren führte 8:2.

„Normalerweise gewinnst du so einen

Satz nicht mehr“, sagte Enard. Er

wechselte Außenangreifer Cody Kessel

ein. DerUS-Profi punktete sofort

und hopste wie ein Springbock in die

Höhe. „Er hat uns neue Energie gebracht“,

sagte Enard. DieBerliner erkämpften

sich auch Satz drei.„Meine

Mannschaft ist in dieser Saison einfach

viel selbstbewusster als voriges

Jahr“, verglich Enard, „und im Dezember,

mit all diesen großen Spielen,

die wir voruns haben, ist es gut,

selbstbewusst zu sein.“

Denkt voraus und beurteilt den Moment:

Trainer Cedric Enard.

DPA/FABIAN SOMMER

Auch wenn es niemand bei den

BR Volleys ausdrücklich sagt, ist dieses

erste Saisondrittel, in dem die

Qualität der Gegner eine ArtprogressiveKurve

bildet, auf Dezember ausgerichtet:

auf die Vergleiche in der

Champions League. Und so kam

Enard am Sonnabend auf Berlins

Aufschläge zu sprechen.„Damüssen

wir wie Killer agieren“, sagte er mit

Blick auf den Champions-League-

Auftakt am 3. Dezember daheim gegen

den slowenischen Meister Ljubljana.

„Wenn wir in der Champions

League etwas erreichen wollen, können

wir diese Partie nicht verlieren.“

Da ist es gut, dass Nicolas Le Goff

und Benjamin Patch ihre Stabilität

im Aufschlag wiedergefunden haben

und Jeff Jendryk, Moritz Reichert

oder Sergej Grankin im Ligawettbewerb

ihreService-Gefährlichkeit verfeinernkönnen.

Die Steigerungskurve dieser Saison

sieht als nächsten Gegner den

VfB Friedrichshafen vor. Am Mittwoch

(20 Uhr) müssen die Berliner

im Pokal-Viertelfinale am Bodensee

ran. „Wir müssen einfach so weitermachen

wie bisher, auch wenn das

Programm immer härter wird“, sagt

Trainer Enard.„Bislang liefernmeine

Spieler großartige Arbeit ab.“

Rundflug mit Roger Federer

Alexander Zverev beendet ein wechselhaftes Tennis-Jahr –und prophezeit einen neuen Grand-Slam-Sieger

VonDoris Henkel, London

Es gab genügend Momente

in diesem komplizierten

Jahr,indenen er das Gefühl

hatte, es sei alles zu viel.

Doch am Ende ging es ihm deutlich

besser, selbst nach einer Niederlage

im letzten offiziellen Spiel. „Dass ich

dieses Jahr nach allem, was passiert

ist, als Nummer sieben der Welt beende,

ist ziemlich unglaublich“,

sagte Alexander Zverev. „Ich hätte

nicht gedacht, dass ich das schaffen

würde.“ Natürlich hätte er sich gewünscht,

wieder im Finale zu landen

oder wie im vergangenen Jahr sogar

den Titel zu gewinnen. Doch dazu

kam es nicht mehr.

Bei der Halbfinal-Niederlage gegen

Dominic Thiem wirkte er matter

als bei den beiden Siegen in der Vorrunde,

speziell jenem gegen Rafael

Nadal. DerAufschlag wirkte weniger

zwingend, den Bällen beim Return

fehlte die Länge,und Mitte des zweiten

Satzes präsentierte er dem Österreicher,

der am Sonntag im Finale

dem Griechen Stefanos Tsitsipas in

drei Sätzen unterlag (7:6, 2:6, 6:7),

mit ein paar massiven Fehlern die

Chance zum Break, die der sich nicht

entgehen ließ.

Dasseien so dumme Fehler gewesen,

meinte Zverev später bei der

Rückschau, dass er die Strafe verdient

gehabt habe. Alles in allem in

London: Ein sehr guter Auftritt (gegen

Nadal), ein guter (gegen Daniil

Medwedew), ein mittelprächtiger

(gegen Thiem) und ein weniger als

mittelprächtiger gegen Stefanos Tsitsipas.

Und das steht in gewisser

Weise als Spiegelbild des ganzen Jahresmit

all seinen Wechselfällen.

Operation am Auge

Obwohl erden einzigen Titel im Mai

in Genf in der ersten Hälfte gewann,

sah es im Herbst deutlich besser aus,

speziell bei der Tour in Asien mit dem

Finale von Schanghai. „Natürlich

wollte ich mehr Turniere gewinnen“,

sagt Zverev,„und natürlich wollte ich

bei den großenTurnieren besser spielen.“

Bei den Australian Open und

den US Open erreichte er die vierte

Runde, Höhepunkt war das Viertelfinale

in Paris,Tiefpunkt die Niederlage

in der ersten Runde inWimbledon gegen

einen Tschechen vomWeltranglistenplatz

124, Jiri Vesely.

Zu den Dingen, die bei Alexander

Zverev nun vor dem Beginn des

neuen Jahres noch auf der To-do-

Liste stehen, gehört ein kleiner Eingriff

an den Augen, dem er sich im

Zufrieden nach dem Aus: Alexander Zverevbei den ATPFinals in London. GETTY IMAGES/FINNEY

Überraschend: Der ehemaligeTennisprofi

Rainer Schüttler wird neuer Trainer des deutschen

Fed-Cup-Teams. Diese überraschende

und durchaus pikante Personalie teilte der

Deutsche Tennis Bund am Sonntag mit. Der

43 Jahre alte Korbacher tritt die Nachfolge

vonJens Gerlach an, der künftig als Trainer

vonJulia Görges tätig sein wird.

SCHÜTTLER WIRD FED-CUP-COACH

Enttäuschend: In seiner neuen Funktion trifft

Schüttler wieder auf Deutschlands Nummer

eins Angelique Kerber.Die Kielerin und

Schüttler hatten ihre Zusammenarbeit nach

nur rund einem halben Jahr im Anschluss an

Kerbers enttäuschendes Zweitrunden-Aus

beim Grand-Slam-Turnier in Wimbledon im

Juli beendet.

„Der absolute Wahnsinn“

Dezember in New York unterziehen

wird. Wegen einer Hornhautverkrümmung

spielt Zverev seit Jahren

mit Kontaktlinsen, doch das funktioniert

indiesem Jahr weniger gut als

zuvor, zudem ist die Verkrümmung

stärker geworden.

Aber vordem Termin in NewYork

stehen diverse andere auf dem Programm.

Auch diesmal stieg er nach

den ATPFinals in ein Flugzeug, im

Gegensatz zu den beiden vergangenen

Jahren ging es aber nicht in den

Urlaub. AmSonntag hob er mit Roger

Federer in Richtung Buenos Aires

ab, von dort aus wird die Reise nach

Santiago de Chile weitergehen, wo

am Dienstag der erste von fünf gemeinsamen

Auftritten bei der Südund

Mittelamerika-Tournee des

Schweizers auf dem Programm

steht. WeitereSpielorte in dieser Woche

sind Buenos Aires, Bogotá, Mexiko

City und zum Abschluss am

kommenden Sonntag Quito.

Kaum Zeit zur Erholung

Es wirdauf der einen Seite eine ziemlich

spannende Sache werden, eine

Woche lang das Leben von Federer

zu teilen, und eine lehrreiche dazu.

„Wir werden vermutlich die meiste

Zeit im Flieger sitzen“, sagt Zverev,

„aber ich hoffe, dass wir auch Spaß

haben.“ Federer verlor in London

im Halbfinale gegen Tsitsipas (6:7,

4:6), auch er leistete sich ein paar

Fehler, die er sich nicht erklären

konnte,und auch für ihn war es ein

Jahr mit Höhen und Tiefen.

Spannend einerseits, die Jet-

Set-Woche auf der anderen Seite

des Atlantiks, andererseits geht sie

zu Lasten der Regenerationszeit

nach der langen Saison. Mehr als

sechs Tage Urlaub sind danach für

Zverev nicht mehr drin, dann beginnt

das Training zur Vorbereitung

auf 2020 mit dem ersten Auftritt

beim neuen ATP Cup am 3. Januar

in Brisbane.

Wasdas neue Jahr bringen wird,

nicht nur in Australien, sondern

auch darüber hinaus? Zverev prophezeit,

dieWelt des Tennis werdeeinen

neuen Sieger bei einem Grand-

Slam-Turnier sehen, keinen aus dem

Quartett mit Rafael Nadal, Novak

Djokovic, Roger Federer und Andy

Murray, das mehr als anderthalb

Jahrzehnte dominierte.„Wir werden

sehen, wer das sein wird. Das kann

Daniil (Medwedew) sein, Stefanos

oder Dominic, und ich hoffe, dass

ich auch dazu gehören werde. Es

wirdein aufregendes Jahr für die jungen

Leute werden.“

Sarah Köhler schwimmt bei den Kurzbahn-Meisterschaften in Berlin Weltrekord über 1500 Meter Freistil

VonKarin Bühler

Ungläubig zwischen den Schwimmleinen: Sarah Köhler.

Sie hatte ihren Trainer draußen am

Beckenrand winken gesehen. Auf

eine besondereArt,die SarahKöhler

schon klargemacht hatte,wosie sich

auf ihren 60 Bahnen in der Berliner

Europaschwimmhaller an der

Landsberger Allee befand: auf Weltrekordkurs.

Als sie schließlich anschlug,

kraulten die meisten anderen

Schwimmerinnen aus dem Finale

über 1500 Meter Freistil bei den

deutschen Kurzbahn-Meisterschaften

noch ein oder mehrfach überrundet

hin und her.Sarah Köhler erklomm

die Schwimmleine,setzt sich

darauf, zeigte die Fäuste, feierte ihrenWeltrekord:

15:18,01 Minuten.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich

die zwei Buchstaben „WR“ hinter

meinem Namen mal sehen werde.

Für mich geht heute definitiv ein

Traum in Erfüllung. Natürlich ist es

die Langbahn, die dieses Jahr besonders

zählt, aber jetzt ist es erst mal

ein Weltrekord und das ist der absolute

Wahnsinn“, sagte die 25 Jahre

alte Schwimmerin vonder SG Frankfurt,

die bei Teamchef Bernd Berkhahn

in Magdeburg trainiert. Die

Zweite der Weltmeisterschaften auf

der langen Bahn vonGwangju in diesem

Sommer verbesserte die fünf

Jahre alte Bestmarke der Spanierin

Mireia Belmonte um 1,7 Sekunden.

Bereits 2017 hatte Sarah Köhler,

die Freundin von Freiwasser- und

Beckenweltmeister Florian Wellbrock,

der in Berlin dieTitel über 400,

800 und 1500 Meter gewann, in

DPA/JO KLEINDL

Wiesbaden in 15:39,74 Minuten den

damals 35 Jahre alten Rekord von

DDR-Schwimmerin Petra Schneider

(15:43,31 Minuten) gebrochen. Petra

Schneider, verheiratete Kind, hatte

2005 beim Deutschen Schwimmverband

beantragt, ihre Rekorde zu

streichen, weil sie Ende der 70er

Jahre beim SC Karl-Marx-Stadt von

ihrem Trainer EberhardMothes anabole

Steroide,die berühmten blauen

Pillen, erhalten hatte. Das tat der

DSV aber nicht.

Bei ihrem Kurzbahn-Weltrekord

war Köhler jetzt noch einmal 20 Sekunden

schneller als bei ihrem deutschen

Rekord imJahr 2017. Kurz vor

den Meisterschaften in Berlin war

die Jurastudentin mit ihrer Trainingsgruppe

aus dem Höhentrainingslager

in der Sierra Nevada zurück

gekehrt. Die Leistungssteigerung

der Athletensprecherin des

DSV, die auf der Innenseite ihres

rechten Arms ein Tattoo mit einer

Sanduhr trägt, auf dem steht: „Jeder

ist seines Glückes Schmied“, erscheint

phänomenal. Für die Olympischen

Spiele 2020 in Tokio gilt Köhler

bereits seit ihren Erfolgen bei der

vergangenen Weltmeisterschaft, wo

sie mit der Freiwasserstaffel die

Goldmedaille gewann, als eine der

Medaillenhoffnungen des DSV.

Bereits am Donnerstag hatte sie

ihren deutschen Rekord über 800

Meter verbessert. Am Sonntag wurde

Köhler über 400 Meter allerdings von

der 17-jährigen Isabel Gose geschlagen,

die ihr dabei in 3:58,91 Minuten

den deutschen Rekordabnahm.

NACHRICHTEN

Dardai sagt Trainerjob

beim 1. FC Köln ab

FUSSBALL. Wunschkandidat Pal

Dardai soll nach Informationen des

Senders Sport1 dem Bundesligisten

1. FC Köln bei dessen Trainersuche

abgesagt haben. Dardai war bis

Sommer bei Hertha BSC Cheftrainer

und soll nach einer Auszeit nächste

Saison als Jugendtrainer zu den Berlinernzurückkehren.

Unmittelbar

nach der Trennung vonAchim Beierlorzeram9.November

hatte schon

Bruno Labbadia (zuletzt Wolfsburg)

dem Tabellen-17. abgesagt.

Deutschlands U21 patzt

gegen Belgien

REITEN. Diedeutsche U21-Nationalmannschaft

hat auf dem Wegzur

Europameisterschaft 2021 einen bösen

Rückschlag kassiert. Gegen Belgien

verlor die Mannschaft vonDFB-

Trainer Stefan Kuntz mit 2:3 (1:2)

und liegt nach der ersten Heimpleite

in einem Qualifikationsspiel seit

zehn Jahren in der Gruppe 9nun einen

Zähler hinter den Young Devils.

Nurdie Gruppensieger und der

beste Gruppenzweite lösen das Ticket

für die Junioren-EM im übernächsten

Sommer in Slowenien und

Ungarn.

Alba verliertSpitzenspiel

in Ludwigsburg

BASKETBALL. Alba Berlin hat in der

Bundesliga seine zweite Niederlage

kassiert. Am Sonntag unterlag der

Hauptstadtklub vor4000 Zuschauernnach

einer schwachen zweiten

Halbzeit bei den MHP Riesen Ludwigsburgmit

77:81 (44:35). Alba

bleibt damit Tabellenvierter.Beste

Berliner Werfer war Rokas Giedraitis

mit 17 Punkten.

ZAHLEN

Basketball

Bundesliga, 8. Spieltag

FC Bayern -Bayreuth 91:79

Würzburg -Frankfurt 68:67

Baskets Oldenburg -Baskets Bonn 88:83

Riesen Ludwigsburg -Alba Berlin 81:77

Bamberg -Ulm

Eishockey

DEL, 19. Spieltag

Eisbären -Iserlohn 4:0 (2:0,1:0,1:0)

Köln- Straubing 3:4 n.V.(0:1,1:2,2:0)

Nürnberg -Schwenningen 4:1 (1:0,2:1,1:0)

Ingolstadt -Wolfsburg 6:3 (2:1, 2:1, 2:1)

Krefeld -Augsburg 7:4 (5:0, 1:2, 1:2)

Mannheim -Bremerhaven 3:0 (0:0, 1:0, 2:0)

Düsseldorf -München 1:2 (1:1, 0:0, 0:1)

1. Red Bull München 19 66:37 52

2. Straubing Tigers 19 76:49 41

3. Adler Mannheim 19 60:58 32

4. Düsseldorfer EG 19 52:40 31

5. Eisbären Berlin 18 54:47 31

6. ERC Ingolstadt 19 55:53 29

7. Nürnberg Ice Tigers 19 51:52 29

8. Bremerhaven 19 48:50 27

9. Kölner Haie 19 42:55 25

10. Grizzlys Wolfsburg 19 49:56 23

11. Krefeld Pinguine 19 52:63 21

12. Augsburger Panther 19 52:64 21

13. Iserlohn Roosters 19 42:57 19

14. Schwenninger Wild Wings 18 47:65 15

Volleyball

Bundesliga, 8. Spieltag

BR Volleys -Düren 3:0

Lüneburg -Netzhoppers KW-Bestensee 3:0

Grizzlys Giesen -United Volleys Frankfurt 3:1

Volleys Herrsching -Volleys Eltmann 3:1

TV Rottenburg -Volleyball Bisons Bühl 3:0

1. Berlin Recycling Volleys 8 24: 3 23

2. VfB Friedrichshafen 6 18: 4 18

3. WWK Volleys Herrsching 7 16:13 13

4. Hypo Tirol AlpenVolleys 6 15:10 12

5. United Volleys Frankfurt 7 15:12 12

6. SVGLüneburg 7 14:14 10

7. SWD Powervolleys Düren 7 10:14 9

8. TV Rottenburg 7 11:15 8

9. Helios Grizzlys Giesen 7 9:17 7

10. Netzhoppers KW-Bestensee 7 10:17 6

11. Volleyball Bisons Bühl 7 10:18 5

12. Heitec Volleys Eltmann 8 6:21 3


20 * Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Sport

Keine Gnade

für den

Kumpel

Eisbären besiegen Iserlohn

bei Baxmanns Rückkehr

VonBenedikt Paetzholdt

Als die Spieler in der Partie zwischen

den Eisbären und den

Iserlohn Roosters während der sogenannten

Powerbreak zum ersten Mal

innehielten, flimmerten mal wieder

emotionale Bilder auf dem Videowürfel.

Hauptdarsteller war Jens

Baxmann, der nach 18 Jahren in Berlin

zum ersten Mal mit einem fremden

Trikot bekleidet in der Arena am

Ostbahnhof auflief. Noch einmal genoss

die Nummer 29 die volle Zuneigung

der Fans.Und es war nicht klar

zu erkennen, ob er sich Schweiß

handelte oder auch die eine oder andere

Träne, die ihm über die Wange

rann. EHC-Kapitän André Rankel

sagte während des Spiels, das die

Gastgeber 4:0 gewannen: „Es ist

schon komisch ohne ihn. Wir waren

15 Jahre Zimmernachbarn und wie

ein altes Ehepaar.“

Baxmanns Abschied steht aber

zugleich für den Aufbruch in eine andere

Phase in der EHC-Geschichte.

Der Neu-Sauerländer war der erste

des deutschen 85er-Jahrgang-Quartetts,

der sich anderswo Beschäftigung

suchen musste. Auch die verbliebenen

siebenmaligen Meister

stehen nach dieser Saison zur Disposition.

Während Rankel und Frank

Hördler immerhin regelmäßig im

Kader stehen, ist Florian Busch seit

Wochen krankgeschrieben.

Im EHC-Ensemble,das SergeAubin

seit dieser Saison trainiert, sind

es aber eher die anderen Spieler, die

für Furore sorgen. Leo Pföderl zum

Beispiel. Nach einer Phase der Eingewöhnung

zeigt sich der Bayernun

genauso torgefährlich wie zuvor in

Nürnberg. Gegen Iserlohn erzielte er

sein siebtes Saisontor (13.) nach feinem

Pass von John Ramage. Somit

traf der Nationalspieler nun in fünf

Spielen hintereinander.

Verband im Verruf

Der Berliner Olympiastützpunkt-Trainer Uwe Hüttenrauch erklärt die Probleme des deutschen Eisschnelllaufs

VonBenedikt Paetzholdt

Enttäuschung war die übergeordnete

Stimmungslage

nach dem ersten Weltcup-

Wochenende der Eisschnellläufer

in dieser Saison im

weißrussischen Minsk: Nico Ihle und

Joel Dufter sprinteten über die 1000-

Meter-Distanz auf die Plätze 13und

15. Roxanne Dufter muss nach ihrem

Rennen über 1500 Meter,indem sie

20. und somit Letzte wurde, beim

nächsten Weltcup sogar in der B-

Gruppe antreten. Das beste deutsche

Resultat war Claudia Pechsteins

neunter Platz im Massenstart am

Sonntag.

Die Resultate entsprechen allerdings

genau den Prognosen, die der

Berliner Olympia-Stützpunkt-Trainer

Uwe Hüttenrauch vor den Wettkämpfen

geäußert hatte. „Einige

Sportler haben die Qualifikationskriterien

für den Weltcup ja nur geschafft,

weil die Normen nach unten

gesetzt wurden“, sagt er. Ihle, der ja

noch immer zu den Frontläufern im

Verband gehört, wäre nach den Kriterien

des Vorjahres sowohl über 500

als auch 1000 Meter zu langsam gewesen.

Gleiches gilt für Sprinterin

Katja Franzen. „Es geht längst nicht

mehr darum, sich mit den Niederlanden

zu vergleichen“, weiß Hüttenrauch,

der Pechstein einst an die

Weltspitze geführt hatte. „Von den

Besten sind wir so weit entfernt wie

der Mond vonder Erde.“

Ohne Konkurrenz zum Titel

Dass Pechstein bei den Deutschen

Meisterschaften in Inzell vor einer

Woche mit mittlerweile 47 Jahren

ihrenächsten beiden Meistertitel gewann,

irritiert ihren einstigen Trainer

längst nicht mehr, „auch wenn

das natürlich nicht sein kann, dass

da niemand mithalten kann“. Die

Art und Weise, wie Titel Nummer 39

zustande kam, hingegen schon.„Wie

kannst du Deutscher Meister werden,

wenn nur einer antritt?“, wundert

sich Hüttenrauch immer noch.

Keine weitere deutsche Athletin trat

über die fünf Kilometer an. So ging

der Pokal praktisch konkurrenzlos

an die Berlinerin. Immerhin sorgte

die Tschechin Martina Sablikova dafür,

dass überhaupt ein Rennen zustande

kam.

Als Einzelkämpferin verstand

sich Pechstein in den vergangenen

Tagen auch außerhalb des Eises mal

wieder. Grund dafür war die Ankündigung

des Sportdirektors Matthias

Kulik unter der Woche, Pechsteins

Lebensgefährten Matthias Große

Nur Elfter über 5000 Meter:Patrick Beckert.

„nicht in den Betreuerstab der Deutschen

Eisschnelllauf-Nationalmannschaft

einzubinden“. Als Reaktion

auf dessen Ambitionen, nach

dem überraschenden Rücktritt von

Stefanie Teeuwen neuer Präsident

der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft

zu werden –verbunden

mit harscher Kritik am Verband. Unter

anderem hieß es: „Die leben wie

die Fürsten und haben gar kein

Geld.“

Wie fast alle in der Branche hält

auch Hüttenrauch nicht viel vonder

DPA/GRITS

Idee des Gespanns Pechstein/Große:

„Als Präsidenten möchte ich ihn

nicht haben. Er ist zu nah dran an

Claudia, aber die Eisschnelllauf-Gemeinschaft

sind immer noch wir

alle.“ Der Berliner Trainer weiß um

die Probleme, die es in der Vergangenheit

immer wieder mit anderen

Athleten und auch Verbandsvertretern

gab. „Wenn es um den Schutz

von Claudia geht, geht er offensiv

nach vorne, da kommt das Militär

bei ihm durch“, sagt Hüttenrauch.

Große hatte einst an der Militärpolitischen

Hochschule in Minsk studiert.

Die Diskussion hält der Stützpunkt-Trainer

ohnehin für überdreht:

Ein Präsident muss schließlich

durch Vereine oder

Landesverbände vorgeschlagen und

anschließend gewählt werden.

Dass sich Pechstein immer wieder

kontrovers zuWort meldet, ist für

Hüttenrauch eines der wenigen Lebenszeichen

des Eisschnelllaufens.

„Wenn sie keinen Rabatz machen

würde, würde gar nichts passieren“,

sagt er. Beim Gespräch in der Sportkneipe

desWellblechpalastes fühlt er

sich an eine Situation zu Beginn der

Neunzigerjahre erinnert. „An genau

dieser Stelle saß Helmut Berg (ehemaliger

Präsident der Eisbären; d.

Red.) und hat gesagt: ,Ob mit

schlechten oder mit guten Nachrichten:

Wir müssen es jeden Tagindie

Zeitung schaffen’.“ Dass Michelle

Uhrig aus Berlin, die mittlerweile in

Erfurt trainiert, bei den Deutschen

Meisterschaften über 1000 und

1500 Meter triumphierte,sei für ihn

ein positives Signal.

Kollege unter Verdacht

Obwohl große Erfolge im deutschen

Eisschnelllauf nun länger zurückliegen,

liegt nicht nur medial, sondern

auch konzeptionell eine gewisse Lethargie

über der Branche. „Über

Jahrzehnte musste man sich ja keine

Gedanken machen, wo das Geld herkommt“,

weiß Hüttenrauch. Pechstein,

Gunda Niemann-Stirnemann

und Anni Friesinger lenkten nicht

nur die Aufmerksamkeit der Medien

und Zuschauer auf diesen Sport.

Auch für die Sponsoren war die Werbeplattform

Eisschnelllauf attraktiv.

Doch die schlechteren Leistungen

sorgen dafür, dass Geldgeber sich

umorientierten. Stellvertretend dafür

steht die DKB-Bank, die sich

nach Olympia 2018 als Hauptsponsor

zurückzog.

Zudem kam bei den Ermittlungen

rund um den Erfurter Doping-

Mediziner Mark S. ans Licht, dass der

ehemalige Eisschnellläufer und Hüttenrauchs

Berliner Trainerkollege

RobertLehmann-Dolle in den Skandal

verwickelt sein soll. Vergangene

Woche wurde er vom Olympiastützpunkt

entlassen. „Wir sind uns natürlich

über den Weggelaufen und

haben das Thema immer wieder gestreift.

Es ist ja unbestritten, dass er

großen Bockmist gebaut hat“, sagt

Hüttenrauch. Anders als dieses

Thema lassen sich die anderen Problemfelder

der DESG nicht abhaken,

sondern werden auch diesen Weltcupwinter

dominieren.

FUSSBALL

Qualifikation zur EM 2022

Gruppe A

Bulgarien -Tschechien 1:0 (0:0)

Kosovo -England 0:4 (0:1)

1. England* 8 37: 6 21

2. Tschechien* 8 13:11 15

3. Kosovo 8 13:16 11

4. Bulgarien 8 6:17 6

5. Montenegro 8 3:22 3

Gruppe B

Luxemburg -Portugal 0:2 (0:1)

Serbien -Ukraine 2:2 (1:1)

1. Ukraine* 8 17: 4 20

2. Portugal* 8 22: 6 17

3. Serbien 8 17:17 14

4. Luxemburg 8 7:16 4

5. Litauen 8 5:25 1

Gruppe C

Deutschland -Weißrussland 4:0 (1:0)

Nordirland -Niederlande 0:0

Deutschland -Nordirland Di., 20.45

Niederlande -Estland Di., 20.45

1. Deutschland* 7 24: 6 18

2. Niederlande* 7 19: 7 16

3. Nordirland 7 8: 7 13

4. Weißrussland 8 4:16 4

5. Estland 7 2:21 1

Gruppe D

Gibraltar -Schweiz Mo., 20.45

Irland -Dänemark Mo., 20.45

1. Dänemark 7 22: 5 15

2. Schweiz 7 13: 5 14

3. Irland 7 6: 4 12

4. Georgien 8 7:11 8

5. Gibraltar 7 2:25 0

Gruppe E

Aserbaidschan -Wales 0:2 (0:2)

Kroatien -Slowakei 3:1 (0:1)

Slowakei -Aserbaidschan Di., 20.45

Wales -Ungarn Di., 20.45

1. Kroatien* 8 17: 7 17

2. Ungarn 7 8: 9 12

3. Wales 7 8: 6 11

4. Slowakei 7 11:11 10

5. Aserbaidschan 7 5:16 1

Gruppe F

Malta -Norwegen Mo., 20.45

Spanien -Rumänien Mo., 20.45

Schweden -Färöer Mo., 20.45

1. Spanien* 9 26: 5 23

2. Schweden* 9 20: 9 18

3. Rumänien 9 17:10 14

3. Norwegen 9 17:10 14

5. Färöer 9 4:27 3

6. Malta 9 2:25 3

Gruppe G

Slowenien -Lettland 1:0 (0:0)

Österreich -Nordmazedonien 2:1 (1:0)

Israel -Polen 1:2 (0:1)

Nordmazedonien -Israel Di., 20.45

Lettland -Österreich Di., 20.45

Polen -Slowenien Di., 20.45

1. Polen* 9 15: 3 22

2. Österreich* 9 19: 8 19

3. Slowenien 9 14: 8 14

4. Israel 9 16:17 11

5. Nordmazedonien 9 11:13 11

6. Lettland 9 2:28 0

Wiedersehen auf Eis: Jens Baxmann (l.)

und Eisbär Marcel Noebels. CITY-PRESS/RENNER

Ein anderer, der zurzeit von sich

reden macht, ist Mark Olver. Der

manchmal so unnahbar wirkende

Deutsch-Kanadier, den die Eisbären

auch als Protagonisten verschiedener

PR-Aktionen auserkoren haben,

setzt als Center nicht nur seine Nebenleute

in Aktion. In der 16. Minute

erzielte er seinen fünften Treffer. Im

Kuddelmuddel vor dem Iserlohner

Tor behielt er den Überblick,

schnappte sich die Scheibe und erhöhte

auf 2:0. Ein Torschussverhältnis

von 22:4 nach dem ersten Drittel

offenbarte die Dominanz.

Und die Eisbären ließen nicht

nach. Das Mitteldrittel war drei Minuten

alt, als Louis-Marc Aubry die

14 200 Zuschauer in der ausverkauften

Arena feiernließ, indem er einen

Abpraller verwandelte. Seitdem sein

langjähriger Kumpel Landon Ferraro,der

den ersten Schuss abgefeuert

hatte, für den EHC spielt, blüht

der Kanadier auf. Einziges Manko an

diesem Nachmittag war die Verwertung

teils bester Möglichkeiten. Zu

keinem Zeitpunkt in diesem Spiel

hatten die Gäste auch nur den

Hauch einer Chance. Den Schlusspunkte

setzte James Sheppard in

Überzahl (58.) Zudem durfte Sebastian

Dahm sein erstes Spiel als EHC-

Keeper ohne Gegentor feiern.

Team macht Tempo

Die Füchse Berlin starten stark in die internationale Saison

Nach dem starken Startindie Europapokal-Saison

sollte der

Einzug in die Gruppenphase des

EHF-Pokals für Handball-Bundesligist

Füchse Berlin nur noch Formsache

sein. Mit dem 34:27-Auswärtssieg

am Sonnabend beim schwedischen

Spitzenklub HK Malmö können

sich die Füchse im Rückspiel

sogar eine Niederlage mit sechs Toren

Unterschied erlauben. „Das war

ein sehr zufriedenstellender Auftritt,

wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“,

so Manager BobHanning.

Daszweite Duell findet am Sonntag

kommender Woche in Berlin

statt (16 Uhr). „Natürlich muss man

auch das Rückspiel ernst nehmen.

Wirhaben ja gesehen, was passieren

kann, wenn man einige Minuten unkonzentriert

agiert“, sagte Hanning.

Bis auf eine kleine Schwächephase

zu Beginn der zweiten Hälfte,als die

Schweden bis auf vier Tore herankamen,

dominierten die Füchse die

Partie. „Wir haben eine tolle Teamleistung

abgerufen. Über eine gute

Abwehr unsere Chancen im Tempospiel

genutzt und am Ende einen

wichtigen Schritt gemacht, um eine

Runde weiterzukommen“, sagte

Füchse-Profi Michael Müller.

Durch den klaren Spielverlauf

hatten Kräfte geschont werden können.

„Wir hatten die Möglichkeit,

Spielanteile zu verteilen und mussten

nicht das komplette Team durchs

Dorf jagen“, sagte Hanning. Denn

vor dem Rückspiel steht in der Bundesliga

am Donnerstag noch das

schwere Auswärtsspiel in Magdeburgan.

„Das war genau das,was wir

uns erhofft hatten. Denn so setzen

wir uns nicht weiter unnötig unter

Druck“, sagte Hanning weiter.

Zeichen an die EHF

So bekam Müller, bisher meist Ersatzmann,

deutlich mehr Spielanteile

und nutzte diese zu fünf Treffern.

„Es war wichtig, dass er gezeigt

hat, dass er der Mannschaft helfen

kann“, sagte Hanning. Der Erfolg

war auch ein Signal an die EHF. Sie

tagt am 21. und 22. November und

entscheidet, wo das Final Four stattfinden

wird. Nantes und Berlin sind

die einzigen Bewerber. (dpa)

Ferrari schlägt sich selbst

In Brasilien eskaliert der Zoff zwischen Vettel und Leclerc

Im irren Brasilien-Chaos ist der

Zoff zwischen SebastianVettel und

Charles Leclerc endgültig eskaliert.

Fünf Runden vordem Ende des vorletzten

Saisonrennens krachten die

beiden Ferrari-Stallrivalen ineinander

und schieden beide aus.Ineiner

wahnwitzigen Schlussphase sicherte

sich MaxVerstappen im RedBull den

Sieg. Lewis Hamilton musste sich bei

der Zieldurchfahrt hinter Toro-

Rosso-Mann Pierre Gasly zunächst

mit Rang drei begnügen. Wegen eines

regelwidrigen Überholversuchs

mit Verstappens Teamkollege Alexander

Albon kassierte der Mercedes-Mann

später aber eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe

und fiel damit als

Siebter aus den Podesträngen. Carlos

Sainz im McLaren profitierte von der

Ahndung.

Die Startreihe eins besaß an diesem

Renntag ordentlich Brisanz: Verstappen

vs. Vettel. Der niederländische

Heißsporn hatte die Scuderia

um den deutschen Routinier wegen

eines überraschenden Leistungsabfalls

zuletzt offen der Schummelei bezichtigt.

Am Freitag in Brasilien waren

die beiden Ferrari noch die schnellsten

gewesen, in der Qualifikation am

Sonnabend jedoch nicht mehr.

Leclerc legte beim Rennen erst

mal eine irreAufholjagd hin. Nach einem

Motorenwechsel ging der Monegasse

nur als 14. in den vorletzten Saisonlauf.

Nach zehn Runden hatte er

aber schon acht Rivalen überholt.

Vettel indes ließ sich erst in Umlauf

25 frische Reifen aufziehen, Ferrari

entschied sich hier für die mittlere

Mischung. Der Hesse versuchte,

an Verstappen und Hamilton ranzukommen

und lag nach 44 Runden bei

einem Stopp weniger tatsächlich mit

knapp sieben Sekunden in Front.

Sein Tempo brach aber ein. 21 Runden

vordem Ende musste auchVettel

zum zweiten Mal andie Box. Bis auf

Platz vier fiel der Heppenheimer dadurch

zurück.

Fünf Runden vor Schluss dann

das Drama! Im knallharten Zweikampf

krachten Vettel und Leclerc

zusammen. Beim Monegassen riss

vorne rechts das Rad ab, der Deutsche

schlitzte sich auf der rechten

Seite den Hinterreifen auf. (dpa)

Gruppe H

Albanien -Frankreich

Andorra -Türkei

Moldau -Island

1. Frankreich* 9 23: 6 22

2. Türkei* 9 16: 3 20

3. Island 9 12:10 16

4. Albanien 9 16:12 13

5. Andorra 9 3:18 4

6. Moldau 9 3:24 3

Gruppe I

Zypern-Schottland 1:2 (0:1)

Russland -Belgien 1:4 (0:3)

San Marino -Kasachstan 1:3 (0:3)

Belgien -Zypern Di., 20.45

San Marino -Russland Di., 20.45

Schottland -Kasachstan Di., 20.45

1. Belgien* 9 34: 2 27

2. Russland* 9 28: 8 21

3. Schottland 9 13:18 12

4. Zypern 9 14:14 10

5. Kasachstan 9 12:14 10

6. San Marino 9 1:46 0

Gruppe J

Armenien -Griechenland 0:1 (0:1)

Finnland -Liechtenstein 3:0 (1:0)

Bosnien-Herzeg.-Italien 0:3 (0:2)

Griechenland -Finnland Mo., 20.45

Italien -Armenien Mo., 20.45

Liechtenstein -Bosnien-Herzeg. Mo., 20.45

1. Italien* 9 28: 3 27

2. Finnland* 9 15: 8 18

3. Griechenland 9 10:13 11

4. Armenien 9 13:16 10

5. Bosnien-Herzeg. 9 17:17 10

6. Liechtenstein 9 2:28 2

*für die Europameisterschaft qualifiziert


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 21

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Sport

Berliner Strippenzieher in Moskau

Seit sechs Monaten ist Tomas Zorn, 33, Generaldirektor bei Spartak. Wieder jüngsterussische Vereinschef dem Rekordmeister zu neuem Glanz verhelfen will

VonPatrick Berger

Zu Hause ist es doch am

schönsten. Deshalb war

Tomas Zorn für das spielfreie

Wochenende nach

Berlin gereist. Am Sonnabend wurde

der in Moskau tätige Fußballfunktionär

33 Jahre alt und feierte seinen

Geburtstag mit der in Dahlem lebenden

Familie. ImKreise seiner Ehefrau

sowie dem Sohn, 5, und der

Tochter,2,kommt Zorn zur Ruhe.Da

kann er mal für ein paar Stunden abschalten

und Abstand nehmen vom

kräftezehrenden Geschäft. Ein 24/7-

Job sei das,„in dem man ständig erreichbar

sein muss“, sagt Zorn. Der

Berliner ist seit sechs Monaten Generaldirektor

von Spartak Moskau

und damit der jüngste Manager in

der russischen Premjer Liga.

Über Umwege kam Zorn zu seinem

Posten. Der Deutsch-Russe ist

studierterVolljurist und arbeitete damals

parallel zum Studium der

Rechtswissenschaften an der Freien

Universität als Spielerberater. Er

gründete im Alter von22Jahren eine

Agentur und vertrat Fußballer weltweit,

unter anderem Kevin Kuranyi

und Pawel Progrebnjak. Auch Hertha-Profi

Jordan Torunarigha zählte

zu seinen Klienten. Als Fifa Match

Agent organisierte Zorn zudem

Freundschaftsspiele. Zuseinen Klienten

gehörte auch Spartak Moskau.

Dadurch stand Zorn, der in Moskau

geboren wurde und in Charlottenburg-Wilmersdorfaufwuchs,inKontakt

mit Leonid Arnoldowitsch Fedun.

Wunsch vomOligarchen

Alles im Griff: Tomas Zornführtden größten russischen Fußballverein.

Der63-jährige Fedun ist Eigentümer

von Spartak und Vizepräsident des

größten russischen Ölkonzerns Lukoil.

Feduns Privatvermögen

schätzte das Manager Magazin zuletzt

auf 7,4 Milliarden Euro.ImMärz

klingelte der einflussreiche Oligarch

bei Zorn durch und bat um dessen

Rat. Wieder Berliner denn die sportliche

Situation und die Qualität des

Kaders bewerte,wollte Fedun wissen

–und ob er denn für ihn als Sportdirektor

arbeiten wolle. Zorn war Feduns

Wunschkandidat. Der Klub-

Boss schätzte den gewieften Fachmann

für sein hohes Arbeitspensum,

sein fußballerisches Wissen

und sein weitreichendes Netzwerk.

Undsounterschrieb Zorn im Maieinen

Vertrag bei Spartak und darf

plötzlich als Strippenzieher in seiner

Geburtsstadt die fußballerischen Fäden

ziehen. Als Generaldirektor ist

der Familienvater im Übrigen Geschäftsführer

und Sportchef in Personalunion.

In erster Linie deckt Zorn das

Sportliche ab. Neben den Profis fallen

auch die U23, die U19 und die

schicke Nachwuchsakademie,inder

aktuell 191 Talente ausgebildet werden,

in seine Verantwortungsbereich.

Aber auch für die Bereiche

Marketing, Finanzen und Scouting

kommt er auf. 355 Mitarbeiter –die

130 Fußballer und Trainer ausgenommen

–führtZorn. EinArbeitstag

kann schon mal vonhalb neun bis in

die späte Nacht hinein gehen. Meetings

in Moskauer Restaurants, Bars

oder Cafés und Treffen auf den Geschäftsstellen

der anderen Vereine

gehören zum Arbeitsalltag.„Es ist ein

Vorteil, dass sich die russische Fußballwelt

zum großen Teil in Moskau

abspielt“, sagt Zorn, sokönne man

problemlos handelnde Personen aus

dem Business treffen. Mit Spartak,

Dynamo,Lokomotiveund ZSKA gibt

es gleich vier große Erstliga-Klubs in

der Millionen-Metropole.

Zorns Auftrag nach Dienstantritt

war sofort klar: Den Rekordmeister,

den schillerndsten und populärsten

Klub des größten Landes der Welt,

aus der tiefen Krise führen. „Wir befinden

uns hier bei Spartak in einem

sehr großen Umbruch“, meint Zorn.

„Wir wollen den Verein europäischer

ausrichten und mehr Struktur reinbringen.

Als ich kam, war keine klare

Linie zu erkennen. Es war nicht klar,

wohin sich der Verein eigentlich entwickeln

möchte.“ Im Jahr 2022 feiert

der als „Narodnaya komanda“ („Das

Volksteam“) bezeichnete Hauptstadtklub

100-jähriges Jubiläum.

„Bis dahin wollen wir die eine oder

andereTrophäe eingefahren haben.“

Spartaks Glanz liegt in derVergangenheit.

Die großen Erfolge liegen

schon länger zurück. Zwölf sowjetische

und zehn russische Meisterschaften

fuhr der Klub ein. In den

„Wladimir Putin

habe ich noch

nicht getroffen.

Er kommt aus

St. Petersburg und

drückt Zenit die

Daumen. So weit

ich weiß, ist er aber

Eishockey-Fan.“

Tomas Zorn über den russischen

Staatspräsidenten

ZVGU

Neunzigerjahren war Spartak Serienmeister.Inden

letzten 18 Jahren holten

die Rot-Weißen aber nur eine

Meisterschaft (2017) und einen Pokalsieg

(2003). Vier Trainerwechsel

gab es zuletzt innerhalb von zwölf

Monaten. Zorn weiß aber auch: Trotz

der sportlichen Talfahrtist die Erwartungshaltung

ungebrochen groß.

„Der Druck ist immer da, die Fans

wollen Erfolge sehen.“ Und die gegnerischen

Mannschaften wollen den

Rekordmeister in jedem Spiel schlagen.

„Spartak hat schon eine Wucht“,

verrät Zorn. Regelmäßig wird das

Team von tausenden Fans auswärts

begleitet. DerDruck sei enorm. Auch

medial würde jede kleine Nachricht

aufgebauscht. „Wenn Mannschaft X

einen neuen Spieler holt und bei uns

Spieler Yorangene Schuhe trägt, wird

eher über die Schuhe berichtet“, stellt

Zorn plakativ dar.

Spartak ist der beliebteste Verein

des Landes. Seine Anhängerschaft

wird auf 26 Millionen Russen geschätzt.

Klar, dass der FC Bayern

Russlands nach Titeln lechzt. Dauerhaft

in der Champions League spielen,

das ist der Anspruch. „Wir müssen

Einnahmen generieren und Ausgaben

minimieren, um wieder sukzessive

erfolgreich sein zu können“,

sagt Zorn. Seit Winter gab der Klub

17 Spieler ab. Nur noch fünf Spieler

aus der Meistersaison 2016/2017

sind noch im Kader. „Wir haben einen

Generationswechsel eingeführt

und setzen überwiegend auf jüngere

Spieler“, sagt Zorn.

Tedescound Schürrle geholt

Allein im Sommer verzeichnete

Spartak unter dem neuen Chef Zorn

Abgangseinnahmen von rund 30

Millionen Euro – Vereinsrekord!

Auch kürzten die Verantwortlichen

die Gehälter,sparten so rund 10 Millionen

Euro netto ein. Nicht nur im

Spielerpersonal, auch in der Vereinsführung

und im Scouting stellte sich

der Verein neu auf. Aktuell sucht

Zorn einen Scoutingchef. Gut möglich,

dass er in Deutschland fündig

wird. Spartak ist aktuell nämlich so

Deutsch wie nie. Zorn sorgte kürzlich

für Aufsehen, als er Weltmeister

André Schürrle,28, vomBVB auslieh

und den früheren Schalker Domenico

Tedesco, 34, als Coach verpflichtete.

Als Co-Trainer holte Zorn

Andreas Hinkel, 37, als Torwarttrainer

wurde MaxUrwantschky,38, von

Erzgebirge Aue verpflichtet. „In

Russland sind Deutsche gerne gesehen“,

sagt Zorn. „Sie werden mit

Qualitätsarbeit verbunden. Es wird

sehr positiv aufgenommen, dass

Deutsche hier sind und den Klub

nach vornebringen wollen.“

Sorgen, mit Spartak unter dem

Radar zu laufen, hat Zorn indes

nicht. „Das Niveau der russischen

Liga wird imAusland etwas unterschätzt.

Die Liga ist sehr anspruchsvoll

und taktisch auf einem guten Niveau.“

Es gab fünf verschiedene

Meister in den letzten zehn Jahren.

„Das ist attraktiv“, findet der Stratege.

Auch profitiert die russische

Liga von den modernen Trainingszentren

und den Stadien, die für die

WM 2018 gebaut wurden.

An diesem Montag istTomasZorn

wieder zurück in seinem Moskauer

Büro. Die Arbeit ruft. Er muss das

Spartakvon Morgen entwickeln.

Patrick Berger

ist einmal mit der Transsib

durch Russland gefahren.

Münchner Stilwechsel

Bei der Übergabe von Hoeneß an Hainer wird sofort deutlich, dass der neue Präsident den FC Bayern anders führen wird –sein Vorgänger beendet seinen Ausstand mit gewohntem Furor

VonMaik Rosner,München

Von den Gemeinsamkeiten war

bisher vor allem die Rede, wenn

es um den Abtritt vonUli Hoeneß als

Präsident sowie Aufsichtsratschef

des FC Bayern und um die Ämterübergabe

an seinen Freund Herbert

Hainer ging. Auf den schwäbischen

Metzgersohn aus Ulm ist nun der

niederbayerische Metzgersohn aus

Dornwang bei Dingolfing gefolgt.

Hochgearbeitet zu führenden

Köpfen der Sportwelt haben sich

beide mit sehr ausgeprägtem Ehrgeiz.

Hoeneß, 67, als Fußballer der

Bayern und der Nationalelf, dann 30

Jahre als Manager und zehn als Präsident,

unterbrochen voneiner Haftstrafe

wegen Steuerhinterziehung

(2014 bis 2016). Hainer,65, ebenfalls

einst Stürmer,wenngleich ohne Profikarriere,

als studierter Betriebswirt,

der 1987 bei Adidas ein- und 2001

zum Chef aufstieg, ehe er 2016 den

Vorstandsvorsitz abgab.Beide gelten

als sozial eingestellt und in der Sache

sehr bestimmt. Und doch waren es

vor allem die Unterschiede, die am

Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung

auffielen, bei der die

6091 anwesenden Mitglieder Hainer

mit 98 Prozent der Stimmen in sein

neues Amt gewählt hatten, wonach

er als Erstes Hoeneß zum Ehrenpräsidenten

ernannte.

Kritische Wortmeldungen

Hainer gab sich ausgleichend und

reagierte auf kritische Wortmeldungen

einiger Mitglieder souverän, diskussionsbereit.

Hoeneß sagte auf der

abschließenden Pressekonferenz

mit Furor:„Den Nörglernrufe ich zu:

Geht doch nach Hause. Esist keiner

gezwungen, Mitglied beim FC Bayern

zusein.“ Bis zuden Wortmeldungen

habe er sich „sauwohl“ gefühlt,

es sei eine „super Veranstaltung“

gewesen. Man müsse das mit

den Wortmeldungen überdenken,

den Rednern gehe es „unter dem

Deckmantel der Demokratie und

freien Meinungsäußerung“ doch vor

allem darum, sich zu produzieren.

Wie ein Ehrenpräsident für alle

klang Hoeneß nicht. Undauch nicht

danach, dass er seine letzten Worte

Bayern-Präsident HerbertHainer

GETTTY

den, dass der neue Präsident den FC

Bayern anders führen und damit

wohl auch verändern wird. DerVerein

sei„kein kickender Konzern“, der

Sport, die Werte und das Heimatgefühl

müssten im Mittelpunkt stehen,

auch wenn man natürlich sportlich

und wirtschaftlich Erfolg brauche.

Dazu müsse man den Verein auch

„in die digitale Welt führen“, sagte

Hainer und zog den neben ihm sitzenden

Hoeneß lachend auf, dass er

im Gegensatz zu seinem Vorgänger

das Internet nutzeund schätze.

Wütendes Finale

In Hoeneß’ Sinne möchte Hainer

den FC Bayern leiten, das schon.

Aber wie ein Strohmann, der sich aus

dem Hintergrund steuern lässt, trat

er keineswegs auf, sondernmit eigenen,

neuen Schwerpunkten. Und

womöglich, das klang bei beiden an,

mit Pep Guardiola nach 2013 bis

2016 erneut als Trainer.

„Ich fühle mich nicht autorisiert,

in dieser Position, die ich jetzt habe,

solche Gedanken zu artikulieren“,

sagte Hoeneß. „Der Vorstand kümaus

seiner Rede umzusetzen gedenkt.

„Das war’s. Ich habe fertig.

Danke“, hatte Hoeneß gesagt.

Dabei war in denWortmeldungen

maßvoll und für viele in der Olympiahalle

erneut durchaus nachvollziehbar

Kritik geübt worden. An

Sportdirektor Hasan Salihamidzic

etwa und dessen geplante Beförderung

zum Sportvorstand imJuli, die

Geschäftsbeziehungen des FC Bayern

zuKatar und der stets von Skepsis

geprägte Umgang vonVorstandschef

Karl-Heinz Rummenigge mit

Trainer Niko Kovac, von dem man

sich vorzweiWochen getrennt hatte.

Nachfolger Hans-Dieter Flick werde

nun „mindestens bis Weihnachten,

möglicherweise darüber hinaus“

Chefcoach bleiben, kündigte Rummenigge

nun an. Präsident Hainer

hatte die Wortmeldungen gekonnt

als Moderator aufgenommen. Hoeneß,

der gerne betont, „ein großer

Demokrat“ zu sein, sagte aufgebracht:

„Ich war kurz davor, auf die

Bühne zu gehen.“

Es ist sofortbei der Übergabe von

Hoeneß an Hainer deutlich gewormert

sich jetzt um die Sache, wird

versuchen, nach bestem Wissen und

Gewissen den besten Trainer für den

FC Bayern München zu bekommen“,

sagte Hainer. Der „beste Trainer“

bedeute: „Den wir gerne haben

wollen.“ Dieser müsse jedoch „auch

verfügbar sein“. Guardiola sei ein

„super Trainer“, stehe aber beim Premier-League-Klub

Manchester City

unter Vertrag. Manwarte ab,„bis der

Vorstand auf uns zukommt, dann

befassen wir uns mit allen Alternativen.

Aber prinzipiell wollen wir den

besten Trainer für den FC Bayern

München haben“, sagte Hainer lächelnd.

Wie Hoeneß künftig agiert, ließ

sein wütendes Finale erahnen: „Ich

habe das schon so verstanden, dass

ich, wenn ich jetzt nicht Präsident

bin, meine Meinung deutlicher sagen

kann, weil sie nicht gleichzeitig

auf den FC Bayern Rückschlüsse zulässt.“

Doch auch dieser Eindruck

blieb vomAusstand: Hoeneß könnte

mit unbedachten Auftritten vor allem

sich selbst schaden, weniger

dem FC Bayern.


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 – S eite 22

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Sport

Schockmoment: Der deutsche Nationalspieler Luca Waldschmidt liegt in der Partie gegen Weißrussland in Mönchengladbach verletzt am Boden.

DPA/FEDERICO GAMBARINI

Wasser im Wein

Nach der Qualifikation für die EM 2020 plagen Bundestrainer Löw Personalsorgen. Nun fällt auch Luca Waldschmidt aus, wenigstens auf drei Weltmeister ist Verlass

VonFrank Hellmann

Alle Laster muss auch ein

Bundestrainer nicht ablegen.

Auf das Rauchen verzichtet

Joachim Löw schon

geraume Zeit, aber ein Schlückchen

Wein gönnt sich der Südbadener

schon noch ab und an. ZurEntspannung.

„Nach den Spielen trinke ich

immer ein Glas Wein, nicht nur zur

Belohnung. Auch mal aus Frust.“ Der

4:0-Pflichtsieg gegen Weißrussland

in der EM-Qualifikation hatte zunächst

einmal wieder Lust geweckt,

weil sich die deutsche Nationalmannschaft

in Mönchengladbach

nicht nur die Teilnahme an der EM-

Endrunde sicherte.Zudem bestehen

durch das 0:0 der Niederlande bei

den wehrhaften Nordiren gute

Chancen auf den Gruppensieg.

„Daher ist es unser Ziel, dass wir

einen Sieg einfahren und am Ende

ganz vorne sind“, konstatierte Löw

mit Blickrichtung auf die letzte Partie

gegen Nordirland (Dienstag 20.45

Uhr/RTL). Jetzt wisse man auch,

sagte der Bundestrainer am Sonnabend

noch hochzufrieden, was das

schwer erkämpfte 2:0 in Belfast wert

gewesen sei. Doch am Tagdanach

fühlte es sich für den 59-Jährigen

trotzdem so an, als wolle jemand unbedingt

Wasser in seinen Wein

schütten.

Doppelt bitter

Da nämlich herrschte bei der DFB-

Auswahl Gewissheit, dass sich der

spät eingewechselte Luca Waldschmidt

vom SCFreiburg nach einem

Zusammenprall mit dem weißrussischen

Torhüter Aleksandr Gutor

eine Mittelgesichtsfraktur, eine Gehirnerschütterung

und eine Verletzung

am rechten Knie und Sprunggelenk

zugezogen hatte. Der 23-Järige

reiste am Sonntag für Untersuchungen

nach Freiburg. Zu einer

möglichen Ausfallzeit machte der

DFB keine Angaben.

Der Fall ist doppelt und dreifach

bitter: Für den Spieler, den Verein

und die Nationalelf, denn der Shootingstar

vonder U21-EM war für das

letzte Qualifikationsspiel fest eingeplant.

Waldschmidt hätte sich in

Frankfurt imHinblick auf die EM-

Endrunde zeigen sollen. Löw dürfte

Sicher dabei: Manuel

Neuer,M.-A. ter Stegen, L.

Klostermann, M. Ginter,J.

Tah, Nico Schulz, J. Kimmich,

Toni Kroos, IlkayGündogan,

Leon Goretzka, Kai Havertz,

SergeGnabry, Timo Werner,

Marco Reus, Julian Brandt

LÖWS KANDIDATEN

Gute Chancen: Bernd Leno,

Kevin Trapp, Emre Can, Marcel

Halstenberg

Muss sich beweisen: Jonas

Hector,Robin Koch, Niklas

Stark, J. Draxler,Nadiem

Amiri, S. Rudy, Suat Serdar

Muss fit werden: Niklas

Süle (Kreuzbandriss), Leroy

Sané (Kreuzbandriss), Antonio

Rüdiger (Leistenverletzung),

Thilo Kehrer (Fußverletzung),

Luca Waldschmidt

Sonderfall: Mats Hummels

auch deshalb besonders betrübt

sein, weil er aufgrund seiner Herkunft

eine besondere Beziehung zu

SC Freiburg hat: Der Bundestrainer

profitiert imbesonderen Maße von

dem Ausbildungsbetrieb unter Joachim

Streich.

„Die Verletzungen sind ein ständiger

Begleiter“, hatte Löw zuletzt

verärgert festgestellt, und 2019 deshalb

fast ein verlorenes Jahr genannt.

Nun kommt einer der wenigen hoffnungsvollen

Profis aus dem zunehmend

ausgedünnten Unterbau auch

auf die Liste derjenigen, deren Teilnahme

an der EM 2020 ungewiss ist.

Darauf stehen mit Leroy Sané, Niklas

Süle oder Antonio Rüdiger bereits

genügend fest eingeplante Stützen.

Klar, dass sich bei Löw die Freude

über die positiven Aspekte der nicht

immer runden, aber insgesamt

überzeugenden Darbietung im Borussia-Park

soschnell verflüchtigte

wie das Aroma eines Billigweins aus

dem Supermarktregal.

Doch bereits am Sonntag zog die

Auswahl nach Frankfurt um. Im

Frankfurter Stadtwald will die

Mannschaft morgen den Gruppensieg

sicherstellen.„Ich weiß nicht, ob

das Richtung EM wirkt, aber es ist ein

schönes Gefühl, wenn du die Chance

hast, Erster zu werden in der

Gruppe“, versicherte Doppeltorschütze

Toni Kroos. Imersten Lostopf

zu landen, ist psychologisch der

vielleicht größte Vorteil, weil es am

30. November in Bukarest bei der Besetzung

der Endrunde 2020 zu gar

keiner echten Auslosung kommt. So

kompliziert ist das schwer durchschaubare

Konstrukt mit den Vorgaben

für die zwölf festen Spielorte,

dass sich nicht mal Löw im Detail damit

beschäftigt hat.

Ginter als Abwehrchef

Ausgiebiger sprach der Bundestrainer

am Wochenende über seine drei

verbliebenen Weltmeister. Matthias

Ginter erntete von den 33 164 Zuschauern

den meisten Applaus für

einen künstlerisch wertvollen Hackentreffer

aus Abseitsposition. Sein

erstes Länderspieltor (41.) festigte

sein Standing als vorläufiger Abwehrchef.

Der 25-Jährige musste

aufklären, wie ihm das in „seinem

Wohnzimmer“ gelungen war:„In der

Halbzeit wollte es tatsächlich nicht

jeder glauben, dass ich das war oder

ob es nicht doch ein Eigentor war“,

sagte der gebürtige Freiburger. „Ich

habe es dann in einer Trockenübung

nachgemacht. Dann hat es mir jeder

geglaubt.“

Sehenswert zudem die beiden

Treffer, die der fleißige Kroos mit

chirurgischer Präzision beisteuerte

(55. und 83.) –das zwischenzeitliche

2:0 kam von Leon Goretzka (49.).

UndTorwart Manuel Neuer, der am

Dienstag absprachegemäß durch

Marc-André ter Stegen ersetzt wird,

hielt bravourös nicht nur den Elfmeter

des Weißrussen Igor Stasewitsch

(75.). Ein Plädoyer für das Rio-Trio

kam Löw daher vergleichsweise

leicht über die Lippen: „Das sind

Spieler,die schon über Turniererfahrung

verfügen. Deswegen spielen

diese drei in meinen Planungen eine

große Rolle.“Wärenur gut, wenn wenigstens

diese Führungsfiguren bis

nächsten Sommer gesund blieben.

Einheit mit Schwächen

Die Niederländer werden nach der geglückten Qualifikation schon zu den Titelkandidaten für die EM 2022 gezählt, doch von der Klasse vergangener Tage ist das Team noch ein Stück entfernt

Als die erste Teilnahme an einem

großen Turnier seit der Weltmeisterschaft

2014 gesichertwar,rissen

aufseiten von Oranje lediglich

die Innenverteidiger Matthijs de Ligt

und Virgil van Dijk die Arme kurz

nach oben. Ihre Mitspieler hielten

sich dagegen zurück, nahmen die

Tatsache, dass man sich soeben die

Teilnahme an der Europameisterschaft

2020 gesichert hatte, doch

eher nüchtern zur Kenntnis. Nun, in

den Niederlanden herrschte Erleichterung

statt großem Jubel nach dem

Ende der „dunkelsten Fußballjahre

dieses Jahrhunderts“ (NRC). Unmengen

an Spott waren in den vergangenen

Jahren auf die Elftal eingeprasselt,

vor allem die hämischen

Gesänge der ungeliebten Nachbarn

aus Deutschland dürften nun aber

vorerst verstummen.

Das zähe 0:0 in Nordirland am

Sonnabendabend genügte der niederländischen

Nationalmannschaft

zur Qualifikation für die paneuropäische

EM im kommenden Jahr. „Wir

müssen froh sein, wenn wir sehen,

woher wir kommen“, sagte Daley

Blind, mit 69 Länderspielen der erfahrenste

in der starkverjüngten Elftal:

„Wir sind wieder eine Mannschaft,

die schwer zu schlagen ist.“

Undauch Abwehrchef Virgil vanDijk

forderte: „Wir müssen es genießen.“

Spöttischer Gassenhauer

Als die Niederlande zuletzt für Furore

auf der großen Fußball-Bühne

gesorgt hatten, hatten ehemalige

Starspieler wie Arjen Robben, Rafael

van der Vaart und Robin van Persie

noch die Hauptrollen. 2014 bei der

Weltmeisterschaft in Brasilien war

das –amEnde stand sogar Platz drei.

Danach folgte allerdings der tiefe Absturz:

keine EM 2016, keine WM

2018. Vor allem in Deutschland

machte der Gassenhauer„Ohne Holland

fahr'n wir zur WM“ die Runde.

Hollands Vorzeigeverteidiger:Virgil van Dijk.

Bondscoach Ronald Koeman, der

zuvor in der Premier League den FC

Southampton und den FC Everton

betreut hatte, übernahm nach der

gescheiterten Qualifikation im Februar

2018 und vollzog den Umbruch

– mit Erfolg. Aus jungen,

hungrigen Spielernwie de Ligt, Fren-

GETTY IMAGES/HEWITT

kie de Jong und Donny van deBeek

formte er eine Einheit, dazu ein Anführer

wie van Dijk von Jürgen

Klopps FC Liverpool. Die Mischung

macht es, wenngleich in ein paar

Mannschaftsteilen, im Besonderen

im Sturm, vonWeltklasse noch nicht

die Rede sein kann.

Zwar gaben die Niederlande in

Gruppe C die Tabellenführung an

Joachim Löws DFB-Elf ab,amDienstag

gegen Estland (20.45 Uhr) kann

Koemans Team aber noch einmal

zurückschlagen. Ohne Kapitän van

Dijk allerdings, der das niederländische

Lager am Sonntag„aus privaten

Gründen“ verlassen hatte. Die Niederlande

muss auf einen Patzer der

deutschen Nationalmannschaft gegen

die Nordiren hoffen –bei zwei

Punkten Rückstand ist der Gruppensieg

aber noch möglich.

Kritische Stimmen

Und dennoch mischten sich unter

die Vorfreude auf die lang ersehnte

Teilnahme an einem großen Turnier

auch kritische Stimmen. Vor allem

die heimische Presse zeigte sich

nach den durchschnittlichen Auftritten

des Teams in Weißrussland, in

den beiden Duellen mit Nordirland

und dem verschenkten Platz eins

skeptisch. „Der Glanz war auf einen

Schlag verloren“, schrieb De Telegraaf,

es seien „mehr Probleme als

erwartet“. De Jong, der im Sommer

von Ajax Amsterdam zum FC Barcelona

gewechselt war, reagierte darauf

mit Unverständnis und forderte,

man solle „nicht zu kritisch sein“.

Doch auch er sollte wissen, dass

Oranje wohl auf ewig am Voetbal total

der Siebzigerjahre gemessen

wird.

Dennoch gehören die Niederlande

zu den Titelkandidaten für das

kommenden Jahr. Oder? „Erst verpassen

wir eine Europameisterschaft

und eine Weltmeisterschaft

und jetzt sind wir wieder ein Favorit“,

sagte Blind mit einem müden

Lächeln: „Das ist nur in den Niederlanden

möglich.“ Aber immerhin

hatte Oranje durch das Erreichen des

Endspiels der Nations League gegen

Portugal (0:1) in diesem Sommer

schon aufhorchen lassen. (sid)


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 – S eite 23

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Feuilleton

Ulrich Seidler über

das Epos „Diamante“

in den Festspielen

Seite 24

„Schreiben Sie uns, was immer Sie auf dem Herzen haben.“

Mit diesen Worten forderte BBC-Moderator Austin Harrison DDR-Bürger zum Briefeschreiben auf Seite 25

Social Media

Ein grausamer

Rechner

Susanne Lenz

freut sich, weil sie jetzt weiß,

wie sie sich verändernkann

Indieser Kolumne soll es um einen

Rechner gehen, ja, und sie steht

richtig hier im Feuilleton. Zunächst

ein paar allgemeine Informationen:

Der Soziologe Mateusz Mucha entwickelt

zusammen mit zwei Kollegen

Rechner für so ziemlich alle Lebenslagen,

deshalb heißt ihr Projekt

auch Omni Calculator und in der

Unterzeile „Your life in 895 calculators“,

also „Ihr Leben in 895 Rechnern“.

Es gibt den Verlorene-Socken-Rechner,

den Pokémon-Gewichtsverlust-Rechner

oder den Pizzagrößen-Rechner.

Hier soll es um

den „Social-Media-Zeit-Alternativen-Rechner“

gehen, der einem ausrechnet,

was man alles tun könnte,

würde man nicht so viel Zeit bei

Twitter, Instagram oder Snapchat

verplempern. Augenöffnend, sage

ich Ihnen! Mankönnte ihn auch den

„Grausamen Rechner“ nennen.

Die Anwendung ist einfach. Zunächst

muss man eingeben, wie oft

am Tag man die sozialen Medien

checkt und wie viel Zeit man damit

dann jeweils verbringt. Ein Selbstversuch

–und hier sollte man ehrlich

mit sich sein –erbrachte Folgendes:

Wenn ich den sozialen Medien fünf

Mal amTag für jeweils 15 Minuten

Aufmerksamkeit schenke, habe ich

eine Stunde und 25 Minuten verschwendet.

Nun kann man herausfinden,

wie viel Geld man in der Zeit

hätte verdienen können oder wie

viele Kalorien man hätte abtrainierenkönnen.

Da wir uns hier im Kulturteil befinden,

soll berechnet werden, wie

viele Bücher ich in der Zeit hätte lesen

können. Der Rechner geht von

einer Durchschnittslänge von 240

Seiten aus, wobei auf einer Seite

durchschnittlich 250 Wörter stehen.

Die Lesegeschwindigkeit wird mit

200 Wörtern pro Minute angesetzt,

was bedeutet, dass man 1,25 Minuten

für eine Seite braucht. Man

könnte also 91 Bücher im Jahr lesen.

Oder 65, wenn jedes 500 Seiten hat.

Deswegen könnte man sich jetzt verachten.

Andererseits gilt: Erkenntnis

ist der erste Schritt zur Veränderung.

VonPeter Uehling

Die neue Oper „Heart

Chamber“ von Chaya

Czernowin, uraufgeführt

am Freitag in der Deutschen

Oper Berlin, beginnt mit einem

Kontrabass-Solo. Uli Fussenegger

steht rechts vonder Bühne in einer

Box und zupft, streicht, tremoliert,

schlägt aufs Griffbrett, von

unten nach oben, wieder zurück bis

ganz nach oben, wo sich die Sache

auf zwei Tönen festfrisst. Dann geht

auf der Bühne das Licht an und zwei

Menschen auf Sesseln, vordem Niemandsland

eines schwarzen Hintergrunds,schweigen

uns an. Undnun?

Das Kontrabass-Solo setzt etwas

in Gang, in dem Bezüge prinzipiell

schwer herzustellen sind. Die90Minuten

kurze Oper ist komplex und

simpel zugleich. Die israelische

Komponistin schrieb sich den Text

selbst, und er handelt vonzweiMenschen,

die sich treffen, zusammenfinden

und sich doch nicht finden,

die träumen und streiten, und am

Ende heißt es „I love you“, was man

dann doch nicht für eine Lösung halten

möchte.

DerHoch-Tief-Gegensatz

Man glaube nicht, dass dieses Setting

Chaya Czernowin zu einem

Kammerspiel inspiriert hätte. Den

beiden Sängern der Hauptfiguren,

der Sopranistin Patricia Ciofi und

dem Bariton Dietrich Henschel, sind

Innenstimmen beigesellt, die den

Hoch-Tief-Gegensatz ausgleichen,

ohne die Geschlechter-Polarität aufzuheben:

NoaFrenkel ist als tiefer Alt

der Frau zugeordnet, Terry Wey als

Countertenor dem Mann. Dazu

kommen zahlreiche Statisten auf die

Bühne. Und außer dem Orchester

und dem separaten Kontrabassisten,

neben dem die Vokalartistin Frauke

Aulbert sonderbare Geräusche hervorbringt,

findet man links der

Bühne das Ensemble Nikel mit Klavier,

Saxophon, Schlagzeug und E-

Gitarreund in zwei Logen ein Vokalensemble

aus 16 Sängern.

Dominant schließlich die Elektronik,

teilweise live verfremdend,

teilweise mit Samples arbeitend. Der

Dirigent Johannes Kalitzke, der

schon die drei vorigen Opern Czernowins

uraufgeführthat, hält diesen

Apparat zusammen; hätten wir ihn

Vonaller Musik verlassen

„Heart Chamber“, die neue Oper von Chaya Czernowin, handelt von Beziehungen

Am Ende heißt es „I love you“: Dietrich Henschel und Patrizia Ciofi.

MICHAEL TRIPPEL

bei einer Probe nicht detaillierte Anmerkungen

machen hören, stünde

die Behauptung, er leite die Aufführung

souverän, auf wackligen Füßen.

Die Mittel sind gewaltig, der Effekt

ist eher übersichtlich: Czernowin

schreibt keine Überwältigungsmusik,

vieles klingt überraschend

dünn, aber dennoch so, als wäre es

aus einer ursprünglichen Fülle destilliert.

Auch der Text wirkt so: Ursprünglich

wollte die Komponistin

Abhandlungen aus medizinischen

und psychologischen Büchern hineinarbeiten

–nun sind nur einige-

Sätze geblieben, die das Verhalten

der Personen skizzieren und zugleich

ihrezuweilen widersprechenden

Gedanken. Wenig davon wird

gesungen, vieles gesprochen und geflüstert.

Eine Handlung ergibt sich

kaum, entweder sitzen uns in der Inszenierung

Claus Guths die beiden

Personen gegenüber und hinter ihnen

laufen Projektionen wie Erinnerungen

ab,oder die Bühne dreht sich

und zeigt eine moderne Villa. Indem

vieles weggelassen wurde,vieles von

dem Übriggebliebenen aber gleichzeitig

abläuft, stellt sich spontan ein

Gefühl vonÜberforderung ein –was

nicht schlecht sein muss.

Stilisiertund fragmentiert

Wenn sich nur eine Verbindung zum

Geschehen einstellen würde! Tief hineinnehmen

in die Wechselfälle einer

Liebesbeziehung will uns diese

Oper, die Figuren flüstern ihre Geheimnisse

dank Elektronik dem Hörerdirekt

ins Ohr, aber wirkliches Interesse

für diese stark stilisierten Figuren

regt sich nie. Die Fragmentierung

der Figuren in mehrere vokale

und szenische Erscheinungsformen

erschwertdie Anteilnahme nicht nur

des Zuschauers: Auch die Sänger

selbst haben dadurch keine „vollständige“

Partie, die sie im vertrauten

Sinne „gestalten“ könnten. Sie

werden zu funktionalen Größen einer

vonder Komponistin beherrschten

Struktur, die den Ausführenden

wenig Raum lässt, etwas beizutragen,

den Rest an Spontaneität erledigt

der Zeitplan der Elektronik und

der Videos.

So klinisch isoliert ist ein Beziehungsgeschehen

kaum je zum Gegenstand

einer Oper gemacht worden,

und gerade diese weitestgehende

Isolation von gesellschaftlichen

oder gar metaphysischen

Rahmungen ist aktuell. Man könnte

„HeartChamber“ als musikdramatisches

Pendant zu den soziologischen

Untersuchungen vonCzernowins

Landsfrau EvaIllouz verstehen,

die das Schicksal der Gefühle im Kapitalismus

untersucht: Ebenso isoliertwie

hier wirddie Liebe zum nervös

befragten, mit Erwartungen

überfrachteten Mittelpunkt der

emotionalen Existenz. Dass sich in

all dem Hauchen, Knacken, Summen

kein musikalischer Ausdruck

dafür findet, ist bemerkenswert und

grausam. WirscheinenimInnersten

vonMusik verlassen. Alle Beteiligten

empfing großer Applaus.

Chaya Czernowin: HeartChamber,nächsteVorstellungen:

21., 26.und 30. 11., 19.30 Uhr,

DeutscheOper,Bismarckstr.35

NACHRICHTEN

Beatles-Fotograf

TerryO’Neill gestorben

Er wurde mit Aufnahmen der Beatles

oder der Rolling Stones aus den 60er-

Jahren berühmt: Im Altervon 81 Jahrenist

der britische Fotograf Terry

O'Neill am Sonnabend nach langer

Krankheit gestorben. Dies teilte

seine Agentur Iconic Images am

Sonntag mit. In den 60er-Jahren galt

TerryO'Neill als Chronist der „Swinging

Sixties“ in London, wo er sich in

der Welt vonMusikern, Models und

anderen Berühmtheiten bewegte.Er

porträtierte Schauspieler wie MichaelCaine,Sean

Connery, Audrey

Hepburn, Elizabeth Taylor und Brigitte

Bardot und machte berühmte

Aufnahmen vonFrank Sinatra. Später

arbeitete er mit Musikernwie Elton

John, David Bowie und Amy Winehouse

zusammen. 2019 wurde

O'Neill mit dem Orden „Commander

of the British Empire“ für Verdienste

um die Fotografie ausgezeichnet.(dpa)

Antiquaria-Preis für

Christoph Meckel

DerSchriftsteller und Grafiker Christoph

Meckel erhält den Antiquaria-

Preis für Buchkultur.Der 84-Jährige

werdefür sein grafisches Werk und

seine faszinierende Eigenartausgezeichnet,

in außergewöhnlicher

Weise Dichtung und Grafik nebeneinander

zu stellen und ineinander

zu führen, teilte die Jury der Ludwigsburger

Antiquariatsmesse mit.

Meckel wirddie mit 10 000 Euro dotierte

Auszeichnung Mitte Januar

2020 zur Eröffnung der Antiquariatsmesse

in Ludwigsburgentgegennehmen,

wie die Organisatoren bekannt

gaben. Meckel ist bereits

mehrfach ausgezeichnet worden,

u.a. mit dem Hölty-Preis. (dpa)

„Wenn die Chinesen

Rügen kaufen“

Istder Titel eines Gespräches zwischen

F.C. Delius und ParagKhanna

auf Seite 9des Magazins der Sonnabend-Ausgabe.Leider

ist die abgedruckte

Fassung nicht die vonden

Autoren durchgesehene.Wir bitten

sie und die Leserinnen und Leser um

Entschuldigung. Online steht jetzt

die richtige Version. (BLZ)

UNTERM

Strich

Rom &Peter

Der Strom ist

nicht zu stoppen

VonPeter Wawerzinek

Nun also,sage ich mir an diesem Morgen,

bin ich lange genug in Rom ansässig,

dass Rom inmir Sodbrennen auslöst. Sodrommen

oder Rombrennen möchte ich dazu

sagen. Wie etwas Falsches gegessen oder

eine Tüte Romroms geschluckt, stoßen mir

Worte auf, die allesamt hauptsächlich die

Silbe rom insich tragen. Zuerst ist das Wort

Rombeere wie „Rom entbehren“. Dann

drängt sich mir das Wort Rombeerbowle auf.

Wasich von Rom weiß, in Rom erlebe, mir

einbilde über Rom, rede über Rom–einzelne

Früchte sind es. AmBoden ruhend, im Sud

tanzend, zuckend, schwebend. Grüngelb,

lilamalvenfarbig, taubengrau und ziegelsteinzeitlos.Tage,Stunden,

Monate.

Mein Metronom ist in Gang gesetzt und

wirdzueinem Metromon. Lebenszeit tickt.

Ich pilgere unzählige Male ins Zentrom

Roms, halte mich in der Metrompole auf.

Und schon wird die Silbe „trom“ hier dem

Wort Traum so sehr verwandt. Wir tromen

alle von Rom, ertrömen uns Rom als romantische

Stadt, die doch ein Monstrom

ist. Es gilt, das Bild von Rom zu entromen

und zu überrompeln. Deswegen liefere ich

mich Rom aus, seinen romatösen Zuständen.

Deswegen erleide ich Rom, suche

Romheim in Roms städtischen Rombulanzen,

fiebrig römlings hingestreckt, um

ständig neue Worte mit der Silbe Rom zu

fantasieren. Futurom. Forom. Spektrom.

KLAUS ZYLLA

Plektrom. Maturom. Roma Koma. Der

StromanWorten ist nicht zu stoppen.

Es klingt in mir ein Rom inRom-A-Dur.

Ein Rom-Atoll trollt toll auf der Promenade

von Rom. Und seht nur, dort läuft Rometheus

herom, als Romjuwel und Romleuchter.

Den werde ich zu meinem Romzeugen

machen. Romsoll in mir sein! Küss mich Romeo,

werde du mein Romdeo. Rombivalent

und rombitioniert und auf Rom bereitwillig

eingeromt, will ich, durch Romvollkommen

verromisiert, mit Rom endlich auf Mundhöhe

rommunizieren. Du romsähmiges

Rom, du, ich schlecke dich bis mir pappsatt

von dir speirömel wird. Unerkannt, unbemannt

und völlig romonym, suche ich in

Romsorichtig romzig zu werden, bis ich fast

schon so etwas wie ein Einromer bin. Ichwill

mitrömen beim römisch Romlett, verlieren,

gewinnen und jubelnd dann lauthals singen.

Warom?, rufe ich fragend zum Himmel

über Rom. Darom, antwortet der Rabe in mir

aus der Familie Nevermore. Romgar Allan Poe

bist du es, Edgar Alrom Poe? Undseht doch

nur,lest selber! Nevermorerückwärts gelesen

heißt eRom reven. Undreven ist doch dem

englischen Ravenvom Klang her so gleich.

So lasst denn also meine Raben sein über

Rom. Rom soll flirren, surren, zirkulieren.

Rom soll in mir romoren. Ich will eine Romsonde

werden. Hokus Pokus Romulus. Der

Rock’n’Rom soll durch mich auferstehen. Ich

süchte Serom, Hörom, Tasteterom.

Auf Rom zu rücke ich vorwärts mit meinem

Romulator.Ganz ohne Romallüren entrolle

ich meinen Romolog. Ich will dich atmen,

Rom, trinken, will deine Promille auf

meiner Zunge schmecken. Syndrom, Velodrom,

Palindrom, Kondrom, Kosmodrom,

Aerodrom lautet mein Reim zu Rom. Romsassa

stampft der porzellanene Romofant in

die Romdylle. Ich werde über Rom schreiben,

wider die allgemeine Berömlichkeit,

Romdingfest machen. Undhörtdochnur.Es

spricht ein seltsamer Papst in mir: Der Promoter

romovend zum Romgelee in Romolloss

et Rominus denn Romeplus. Amen. Romen.

Dromedar.


24 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Feuilleton

Alles

unter

Kontrolle

Toll: Stereolab spielten

beim Synästhesie-Festival

VonJohannes von Weizsäcker

Viele ältere, aber auch erfrischend

viele jüngere Menschen verließen

in der Nacht zum Sonntag das

Kesselhaus in der Kulturbrauerei am

Prenzlauer Berg mit glückseligen Gesichtern,

nachdem hier die britischfranzösische

Band Stereolab um den

Gitarristen TimGane und die Sängerin

Laetitia Sadier den ersten Abend

des diesjährigen Synästhesie-Festivals

beschlossen hatte. Zuvor hatte

die Gruppe das Publikum durch einen

repräsentativen Querschnitt der

früheren Jahre ihres unvergleichlichen

Easy-Listening-Kraut-Spacerock-Indie-Chanson-Klangs

mit

marxistischen Texten geführt, den

man getrost als einen der einflussreichsten

Pop-Klänge der Neunzigerjahrebezeichnen

kann.

Interessant dabei, dass Stereolabs

Auftritt direkt nach dem vonMichael

Rother erfolgte,der eine starkdigitalisierte

Version seines stilbildenden

Neu!-Klangs darbot, welcher, wie

man sich kurzdarauf noch mal überzeugen

konnte,einer der wichtigsten

Ausgangspunkte für die Musik von

Stereolab war.Während Rother,dessen

Musik in den Siebzigern vor allem

zukunftsgerichtet war,keine Berührungsängste

mit moderner Technologie

hat und seinen Sound davon

auch heute stark beeinflussen lässt,

waren Stereolab rein klanglich gesprochen

immer ein retro-futuristisches

Unternehmen.

Trotz der gelegentlichen Verwendung

digitalisierter Playbacks blieb

ihr Konzert dem warmen Huldigungssound

aus den Neunzigern

treu, der damals inmitten von

Grunge und Britpop besonders erfrischend

war, weil Stereolab –egal in

welcher ihrer wechselnden Besetzungen

–dabei durchaus zu rocken

vermochten. Wobei es sich dank der

glasklaren Kindermelodie-Polyphonie

von Laetitia Sadier und der 2002

bei einem Fahrradunfall ums Leben

gekommenen Sängerin Mary Hansen

um ein dezidiert unmachistisches

Rocken handelte, eine transzendentale

Rhythmik, einen Aufbruch

in eine inklusiveUtopie.

Immer noch so selbstverloren wie 1996:

TimGane und Laetitia Sadier. R. OWSNITZKI

Diesen Geist haben sich Stereolab,

die dieses Jahr nach längerer

Pause noch einmal zusammengefunden

haben, bewahrt: Toll, wie Tim

Gane im Kesselhaus immer noch genauso

selbstverloren den Kopf am

Beat vorbeischüttelte,als sei es 1996.

Herrlich, wie Sadier den einfachsten

Melodien Hypnotik abzugewinnen

vermochte. Unfassbar, wie soundnerdig-souverän

und doch dilettantisch-entdeckungsfreudig

die Band

sich zeigte und dabei immer die Performance-Auraverschüchterter

Aushilfslehrer

bewahrte.

„Reiß alles ein und bau es besser

wieder auf!“ war schon immer die

Message von Stereolab –wie Sadier

im Stück „Crest“ zu zwei Akkorden

und immer höher sich türmenden

Krachschichten sang: „Ifthere’sbeen

away to build it /there’ll be away to

destroy it /things arenot all that out

of control“ –also los, Kids, lasst uns

diese abgefuckte Welt doch noch

rumreißen! Wasfür eine tolle Band.

Wer kennt es nicht, das

Gefühl, eine Figur in

einer Seifenoper zu

sein? Mitspieler aus

den unteren Schubladen einer Klischeefabrik

tauchen auf. Der Lebenslauf

nimmt Wendungen, als

würde das verantwortliche Schreibbüro

verzweifelt auf sinkende Quoten

reagieren. Handlungsstränge

werden mit beleidigender Willkür

ausgeleiert oder abgeschnitten.

Oder es wird abgenudelte Gebrauchtwarevon

anderswo an die eigene

Geschichte geknotet. Das Leben

– ein banales und mühsames

Epos, das aus aneinandergereihten

Längen zwischen unwillkommenen

Drehpunkten besteht und dann am

Ende zu kurz gewesen sein wird.

Bleibt das Wie. Bleibt die Erzählweise.Sie

macht das Leben vielleicht

doch interessant. Siesucht den Kern

im Rohmaterial und schleift ihn zum

Edelstein ab.

EinÖlkonzernschmiertab

Die

Plotmaschine

Die Festspiele zeigen das Sechs-Stunden-Epos

„Diamante“ von Mariano Pensotti

VonUlrich Seidler

VomHippie zum Prügelknaben: eine von unzähligen Entwicklungen.

Ente gut, alles gut

OSTKREUZ/A. HAUSCHILD

DasHaus der Berliner Festspiele präsentiert

mit dem 2018 bei der Ruhrtriennale

zur Uraufführung gekommenen

„Diamante“ von Mariano

Pensotti in erster Linie eine Erzählweise

–und dann eine Geschichte.

Der von den Sitzreihen befreite Zuschauersaal

bildet zusammen mit der

Bühne eine mit Kunstrasen ausgelegte

Fläche. Das ist ein Teil der von

der Öl- und Bergbaugesellschaft

Goodwind im Dschungel von Argentinien

betriebenen Mitarbeitersiedlung

„Diamante“. Wie ineinem Pionierlager

stehen da zehn Bungalows,

allerdings mit großen Schaufenstern,

dazu kommen ein Auto, eine Bühne

und ein zentraler Platz mit der Büste

des Gründers: Emil Hügel, ein dicker

Deutscher, der als Kind seine Ferien

in Schweden verbracht hat –was inspirierend

in seine kapitalistische

Utopie eingeflossen ist.

Alle sind wohl versorgt, kulturell,

aber auch medizinisch, werden überwacht

und beschützt gegen die Armen

außerhalb der Siedlung. Zu den

Pflichten der Einwohner gehört es,

den Rasen zu mähen, sie müssen eine

Choreografie für den Frühsport und

mindestens ein Musikinstrument beherrschen.

Die Schulbildung ist kostenlos

und beinhaltet Schauspielunterricht.

Lauter produktivitätssteigernde

Maßnahmen.

„Diamante“ steht vor seinem 100.

Jubiläum, das mit Pomp gefeiertwird.

Hinter den Kulissen schmiert der

Konzern ab in eine wirtschaftliche

Krise, die schnell in die Lebensläufe

der Bungalowbewohner ausgreift

und private Krisen nach sich zieht.

Erzählt wirddas GanzeindreiTeilen,

die aus synchron stattfindenden,

parallel gespielten, jeweils ein paar

Minuten dauernden Kapiteln bestehen.

Die Zuschauer können ein Höckerchen

nehmen und sich in einer

beliebigen Reihenfolge vonStation zu

Station begeben. Die Szenen werden

so lange geloopt, bis jeder Zuschauer

Gelegenheit hatte, jede Szene zu sehen

–esist auch genug Raum, um ein

paar Blicke in benachbarte Bungalows

zu riskieren und so mit der Perspektive

zu spielen. Klingt komplizierter,als

es ist, zumal es vorder Veranstaltung

eine Einführung gibt und

der fiktionale Rahmen im Handout

nachzulesen ist.

Die Handlung steht also weitgehend

still, bis alle Einzelgeschichten

erzählt sind, und springt in den beiden

Pausen zwischen den Hauptteilen.

Dasgeht nicht anders,wenn man

die Dinge nicht nacheinander, sondern

gleichzeitig erzählen will, also

so,wie sie im Leben nun einmal passieren.

DasProblem ist, dass Pensotti

seine unübersichtliche nicht-sukzessive

Erzählstruktur mit sehr übersichtlichen

Inhalten befüllt. DieFiguren

müssen auf kurzer Strecke wiedererkennbar

sein, ihre dreistufige

Entwicklung darfsich nicht mit Differenzierung

aufhalten, zumal Pensotti

offenbar den Anspruch hat, jede Figur

vom Paulus zum Saulus werden

zu lassen. Das geht dann schnell ins

Reißbrettartige und führtzuProduktenttäuschungen,

zumal man in der

ersten Runde so viele aufgestapelte

Informationen vorgesetzt kriegt, nur

damit diese Stapel im Folgenden umgestupst

werden können: Die pubertäreViolinistin

wird zur Voodoohexe,

der integere Barkeeper zum Verräter,

der Sicherheitsmann zum Bandit, die

liberale Politikerin zur Machtpuppe,

der verdrogte Hippierocker zum Prügelknaben,

der Theaterregisseur zum

Wahlkämpfer, der verwaiste Bauernsohn

zum Kapitalistenmonster.Soin

der Art.

Fasse dich kurz

Um gedankliches Ergänzungsfutter

anzubieten –und die Plotmaschine

auf die Relevanzhöhe zu hieven, die

das in Richtung Utopieskepsis, Gesellschaftskritik,

Apokalyptik und

Postkapitalismus gepushte Setting

verspricht, greift Pensotti auf simple

Titeleinblendungen zurück. Hier

kann er autoreflexiv und ironisch

werden, Hintergründe und Fußnoten

einschieben, Kommentareabgeben,

Subtexte und Figurengedanken

ausformulieren, Metaphernausdeuten

oder Handlungsstände aktualisieren.

All das,was ein Erzähler in einem

Roman so tut. Nur, dass Pensotti

sich kurz fassen und prägnant

bleiben muss, also nicht weiter ausdifferenzieren

und abwägen kann.

Weil der Abend doch auch so schon

sechs Stunden dauert.

Diegehen wie beim sogenannten

Binge-Watching zwar ziemlich

schnell vorbei, hinterlassen aber

auch das schale Gefühl, Lebenszeit

verloren zu haben –oder sich mit

Problemen und Banalitäten von anderen

unterhalten zu haben, statt

sich mit den eigenen so lange und

intensiv zu beschäftigten, bis sie vielleicht

doch interessant werden.

Diamante 20., 22., 23. 11., 17Uhr;24. 11.,

15Uhr,Haus der Berliner Festspiele,Tel.:

25489100

Das Dinner-Theater Palazzo hüllt das Publikum in „Family Affairs“ in eine Welle des Wohlgefühls

VonBirgit Walter

Das aktuelle Palazzo-Programm

im Zelt am Bahnhof Zoo handelt

von Familienaffären und erinnert

daran, dass Familiengeschichten

im Dinner-Theater lange als vermintes

Gelände galten. Clowneskes

und Anarchisches durfte sein in den

wilden Neunzigern, als Hans-Peter

Wodarz die Erlebnisgastronomie erfunden

und mit „Pomp Duck and

Circumstance“ auf eine besinnungslose

Erfolgsspur gesetzt hatte. Doch

der einzige gewagte Ausflug ins kulinarische

Erotik-Theater führte 2006

am Potsdamer Platz zu einem Millionenflop.

Unvergessen, dass die Inszenierung

damals mit einer Familienaffärebegann.

Erschütterungen wie diese gibt es

längst nicht mehr, das Palazzo-Konzept

von einem hochklassigen Viergang-Menü

mit Spitzenakrobatik

und schrulliger Komik ist in seine finale

Form gegossen, die Zahl der

Gäste steigt trotzdem, in der letzten

Saison auf 27 000. Es gibt nur mehr

oder weniger überzeugende Jahrgänge

–die jüngste Premiere„Family

Affairs“ vomMittwoch zählt eindeutig

zu den gelungenen. Völlig gleich,

ob der Familiengedanke musikalisch

behauptet („It’safamily affair“) oder

theatralisch erzählt wird.

Die eigentliche Leistung von

Hans-Peter Wodarz und Kolja Kleeberg

besteht darin, ein komplettes

Genusspaket anzubieten, die Gäste

mit einer Welle aus Aufmerksamkeit

und Wohlgefühl zu überschwemmen,

wenn sie das leuchtende Spiegelzelt

mit Hunderten Kerzen auf

festlich gedeckten Tischen betreten.

Natürlich wird geschwelgt. Die

Ente,wie immer knusprig und trotzdem

butterzart, in diesem Jahr mit

Orangensauce und Spitzkohl, wird

durch die Vorspeise fast noch getoppt.

Das Kabeljautürmchen mit

seiner fein-würzigen Sauce Rouille

gerät auch schön knackig –und das

auf 400 Tellern. Wobei hier niemand

nur zum Anbeten der Gerichte erscheint,

sondern zum Amüsieren

und Staunen. Noch vor dem Hauptgang

hebt der Spanier Mateo von

15Feet6 ab zu einem Salto ganz oben

in der Zeltspitze, landet aber punktgenau

auf seinem sehr schmalen

Schleuderbalken.

Dirigat zum Mitklatschen

Karl-Heinz Helmschrot moderiert

klassische Trapez-, Strapaten- und

Rollschuhnummern sowie die feine

Alleskönner-Band mit dem stimmgewaltigen

Sänger Unathi Mzekeli

aus Südafrika an der Spitze. Der

amerikanische Comedy-Star Peter

Shub versucht hübsch ungeschickt

seinen Trenchcoat anzuziehen, während

der stur auf dem Bügel hängen

bleibt. Es geht nicht gut, aber sein

komisches Dirigat zum Mitklatschen

funktioniert trotzdem: Es fehlt nicht

viel und alle stampfen „We will rock

you“.

Das ist ein Abend, an dem Gäste

einander beschwingt näherkommen.

Nebenan prostet ein Gast in

vollem orthodoxen Ornat den Nachbartischen

mit Alkoholischem zu,

Ex-Kultursenator Christoph Stölzl

bereut seine zeitraubende Anreise

aus Weimar keine Sekunde und

nimmt freudig Huldigungen auf seinen

berühmten Sohn Philipp entgegen,

Wolfgang Lippert versucht sich

mit Kerol im Beatboxing zwischen

den Tischen und Kolja Kleebergentschließt

sich wieder zu einer

Rock’n’Roll-Einlage auf der Bühne.

Nach fünf Stunden machen sich

die Gäste nur zögerlich auf den

Heimweg. Wer weiß, was sie hier

noch alles verpassen.

Palazzo,bis Apriltägl.außer Montag,Hertzallee,

www.palazzo.org

Fasching

für

Mozart

Das DSO spielte dessen drei

letzte Sinfonien ohne Frack

VonClemens Haustein

Mehr Flexibilität und eine Weitung

des stilistischen Horizonts

wünscht sich Robin Ticciati

vomDeutschen Symphonie-Orchester

(DSO). Deshalb schickte er das

Ensemble zu Beginn der Spielzeit zu

einer Gruppenimprovisation auf die

Bühne, deshalb ließ er die Streicher

nun auf Darmsaiten und die Blechbläser

auf historischen Instrumenten

spielen wie schon in der vergangenen

Saison bei Georg Friedrich

Händels Oratorium „Messias“.

Wolfgang Amadeus Mozarts

letzte drei Sinfonien standen am

Freitagabend in der Philharmonie

auf dem Programm, nicht nur die

Stahlsaiten und Ventilinstrumente

legten die Musiker dafür ab,sondern

auch den Frack. In schwarzenHosen

und schwarzenHemden, gerne auch

über dem Hosenbund getragen, traten

sie auf, den Frauen wurde freier

Zugriff auf die Farbpalette gewährt.

Wenn nicht alles täuscht, versuchte

das DSO sich hier als Originalklangensemble

zu verkleiden, das aus Distinktionsgründen

die offizielle Konzertgarderobe

nicht anrührt.

Wie sollte man das nun verstehen?

Dass Mozartviel zu lässig ist für

den bürgerlichen Konzertbetrieb,

wie ihn auch das DSO sonst in Frack

und schwarzer Kleidung repräsentiert?

Oder andersherum, dass das

DSO unter Ticciati eigentlich viel zu

lässig ist für einen Konzertbetrieb,in

dem es sich sonst immer im Frack

verkleiden muss? Seltsamer Einfall,

dieser Fasching.

Träumt vom Originalklang: Dirigent Robin

Ticciati, hier doch im Frack. KAI BIENERT

Vielleicht sollte mit dem legeren

Auftritt auch einfach der Werkstattcharakter

der Unternehmung unterstrichen

werden. In Workshops hatten

sich die DSO-Streicher mit dem

Spiel auf Darmsaiten beschäftigt.

Dass es mit dem Aufziehen der

Därme tatsächlich nicht getan ist,

ließ sich im Konzert gut erleben:

Zwar war der Streicherklang nun fein

und durchhörbar, doch war an Farbigkeit

wenig gewonnen. Die zuerschließen,

bräuchte es wohl doch die

Expertise des Originalklang-Profis.

Ähnliches betraf die Intonation:

Besonders die ersten Geigen suchten

einen Abend lang nach einem geschlossenen

Klangbild. Nicht nur die

langsamen Sätze wurden darüber

äußerst lang, was auch mit Ticciatis

Interesse vornehmlich für die größerenZusammenhänge

zu tun hat. Bei

der Binnengestaltung schien er sich

–vielleicht im Wunschtraum, doch

vor einem originalen Originalklangensemble

zu stehen –auf die Musiker

zu verlassen. Von denen kam

aber nicht so viel, sodass selbst das

berühmte Kopfthema der g-Moll-

Sinfonie in unbefriedigender Brüchigkeit

erklang.

Auch wenn man sich zu furiosen

Schlusssätzen zusammenraufte: Ein

dramaturgischer Bogen über die jeweilige

Sinfonie oder gar über alle

drei hinweg, die Robin Ticciati als

Trilogie verstanden wissen möchte,

mochte sich nicht einstellen. EinExperiment,

an dem –soweit zu sehen

–immerhin die Musikerinnen und

Musiker des DSO ihren Spaß hatten.


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 25 *

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Feuilleton

Seit 140 Jahren

in der Hand

der Familie

Katharina Wagner bleibt

bis 2025 Chefin in Bayreuth

Katharina Wagner (41) bleibt bis

zum Jahr 2025 Chefin der Bayreuther

Richard-Wagner-Festspiele.

Die Gesellschafter-Versammlung

der Festspiele beschloss am Freitag

in Nürnberg eine Vertragsverlängerung

um fünf weitere Jahre. DerVertrag

soll in Kürze unterzeichnet werden,

wie das bayerische Kunstministerium

mitteilte. Ihr derzeitiger Vertrag

läuft noch bis zum kommenden

Jahr.Sie freue sich sehr darauf, „dass

es eine kontinuierliche Fortsetzung

und Weiterentwicklung unserer Arbeit“

geben wird, sagte Katharina

Wagner der Deutschen Presse-Agentur.

Die Urenkelin des Komponisten

Richard Wagner (1813–1883) hatte

die Festspielleitung im Jahr 2008 gemeinsam

mit ihrer Halbschwester

EvaWagner-Pasquier übernommen,

seit 2015 ist sie die alleinige Chefin

auf dem Grünen Hügel. Katharina

Wagner dankte den Gesellschaftern

der Festspiele für ihr Vertrauen.

Bayerns Kunstminister Bernd

Sibler (CSU) freute sich laut Mitteilung

„außerordentlich, dass Frau

Wagner ihre erfolgreiche Arbeit auf

dem Grünen Hügel fortsetzen

kann“. Mit ihr bleibe „die einzigartige

Tradition, dass die Leitung der

Bayreuther Festspiele seit über 140

Jahren bei der Familie des großen

Komponisten Richard Wagner liegt,

erhalten“. In den vergangenen elf

Jahren habe sie das Opern-Festival

„konsequent und künstlerisch weiterentwickelt“.

Auch Bayreuths

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-

Erbe reagierte erfreut. Dem Bayreuther

Tagblatt sagte sie: „Mit Katharina

Wagner ist für die kommenden

Jahresichergestellt, dass die Bayreuther

Festspiele durch ein Mitglied

der Familie Wagner repräsentiert

und geleitet werden. Eine solche

Kontinuität über Generationen hinwegdürfte

weltweit einmalig sein.“

Die Aufführung der zehn HauptwerkeRichardWagners

machen den

Kern der Festspiele aus. Katharina

Wagner hat zudem die jährliche Kinderoper

sowie die Reihe „Diskurs

Bayreuth“ ins Leben gerufen. Die

Festspielleiterin ist bei Wagner-Anhängern

umstritten, ihre Inszenierungen

stießen vor allem bei den

Traditionalisten auf Unmut.

Die Urenkelin des Komponisten Richard

Wagner:Katharina Wagner.

DPA

Über die Zukunft von Musikdirektor

Christian Thielemann wurde

dagegen nach der Sitzung des Verwaltungsrates

und der Gesellschafterversammlung

noch nichts bekannt.

Auch sein aktueller Vertrag

läuft im kommenden Jahr aus. Das

Ministerium verwies dazu auf die

Festspiele. Katharina Wagner sagte,

Thielemann sei derzeit in Asien.„Wir

verhandeln, sobald er zurück ist.

Dann setzen wir uns zusammen.“

Im Juli hatte Thielemann, der

Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle

in Dresden, im dpa-Interview

über eine mögliche Vertragsverlängerung

als Musikdirektor gesagt,

er glaube, „dass es mehr oder

weniger so weitergeht“. „Wenn es

nach mir geht, soll das gerne so weitergehen.

Ich mag auch die Gegend

hier so gern –und man isst hier so

gut.“ (BLZ/DPA)

Düsternis mit Goldrand

Stadtvisionen, Filmbilder,Blade Runner: Die Ausstellung „Syd Mead -Future Cities“ im O&O Depot

VonThomas Klein

Los Angeles,November 2019.

Wie gewaltige Pyramiden

des Kapitalismus nehmen

riesige Konzernkomplexe

die Skyline ein, eine dunkle urbane

Kulisse, wuchtig, menschenfeindlich.

Aber nicht ohne visuellen Reiz:

Überall ist Licht und Bewegung,

über den gewaltigen Silhouetten

blinken die Lichter fliegender Autos,

auf den teils übervollen, teils menschenleeren

Straßen wird die ewige

Nacht von zahllosen Neon-SchildernundVideo-Billboards

unterbrochen.

So stellte sich Ridley Scott die

Stadt und ihre Zukunft 1982 in seinem

Film „Blade Runner“ vor. Für

die visuelle Gestaltung hatte er sich

Unterstützung geholt, auf Grundlage

des Bildbands„Sentinel“ (1979) auch

den amerikanischen Künstler und

Designer Syd Mead. Tatsächlich basieren

viele Schlüsselmotive des

Films – die bedrohlich-futuristischen

Hochhausklötze, die Autos,

die Straßenszenen, aber auch die detailreichen

Interieurs – auf Meads

Entwürfen. Nur die Stimmung ist in

seinen Bilderneine etwas andere.

Wenn man sich inzwischen berühmte

Produktionsarbeiten wie

„Downtown Cityscape“ oder „Los

Angeles Skyline –Night“ anschaut,

VonTorsten Wahl

Schreiben Sie uns –woimmer Sie

sind, was immer Sieauf dem Herzen

haben!“ Über 20 Jahre lang

sprach Austin Harrison, Moderator

der BBC, in seiner Sendung „Briefe

ohne Unterschrift“ die Hörer in der

DDR an, verlas und kommentierte

Briefe, die sich kritisch mit den Problemen

im Realsozialismus beschäftigten.

Die Autorin Susanne Schädlich

hatte vor einigen Jahren in den

BBC-Archiven diesen Schatz gefunden:

Hunderte Ordner mit ausführlichen

unzensierten Schilderungen

des DDR-Alltags von Mitte der 50erbis

Mitte der 70er-Jahre.

Schon vor ihrem Buch „Briefe

ohne Unterschrift“ hatte sich Susanne

Schädlich belletristisch mit

den Wechseln zwischen Ost und

West auseinander gesetzt. DieTochter

des Schriftstellers Hans Joachim

Schädlich reiste mit ihrer Familie als

Kind in den Westen aus,ihr Ostberliner

Onkel Karlheinz Schädlich war

Informant der Stasi – über dessen

Biografie stieß sie auf Umwegen

auch auf die Briefe an die BBC.

Die ARD-Dokumentation zeigt

Susanne Schädlich bei Recherchen

und stellt zwei Briefeschreiber vor:

Syd Mead: „Downtown Cityscape“, 1981

bemerkt man, dass Meads Umgang

mit Licht, Neonschein, Farbe ein vager

Hauch von Zukunftsoptimismus

eigen ist, der Scotts Film völlig abgeht.

BeiMead hat selbst die Düsternis

einen Goldrand.

Die Ausstellung „Syd Mead –Future

Cities“ im Charlottenburger

O&O Depot, in der Meads „Blade

Runner“-Arbeiten erwartungsgemäß

eine prominente Rolle spielen,

lädt jetzt auch dazu ein, sich mit der

Ästhetik und den Subtexten

seines Werksauseinanderzusetzen.

Der

am 18. Juli 1933 in Saint

Paul/Minnesota geborene

Sydney Jay Mead

hatte seine Karriere

Ende der Fünfzigerjahre

Der Künstler und Designer

Syd Mead

als Industrie-Designer

bei Ford begonnen.

Doch im Rück- und

Überblick seines Schaffens

wirdrasch deutlich,

dass Meads Arbeiten bei aller Funktionalität

und allem Detailreichtum

weniger Baupläne als vielmehr Stimmungsbilder

sind. Sein „Sentinel“-

Buch trug die Unterzeile „Steel Couture“,

der Künstler wird dort als ein

„Visualisierer des Amerikanischen

Traums“ vorgestellt, er illustriert

eine futuristische Welt aus utopischer

Architektur und schnittigen

Auto-Visionen, bevölkert von schönen

Männern und Frauen. Ende der

Siebzigerjahre entdeckte Hollywood

Mead, nach zahllosen Arbeiten für

verschiedene Unternehmen wurde

er als „Visueller Futurist“ zum gefragten

Film-Designer des Science

Fiction-Kinos. Für „Star Trek –Der

Film“ (1979) entwarf erden planetengroßen

Enterprise-Antagonisten

V’ger, ein bedrohliches Maschinenwesen,

das in Meads Design voller

Symmetrien und Disco-Ära-Lichteffekten

erschien.

Ähnlich war auch

seine Gestaltung für Disneys

„Tron“: Im gleichen

Jahr wie „Blade Runner“

zeigte Syd Mead damit

eine rasante, futuristische

Laser-Show; von

JENNY RISHER

dem Film sind eigentlich

nur die Verfolgungsjagden

auf seinen Computer-MotorräderninErinnerung

geblieben. Aber

Mead konnte Technik auch glaubhaft

gestalten, sein sowjetisches Raumschiff

Leonovaus Peter Hyams unterschätzter

„2001“-Fortsetzung „2010“

(1984) gehört bis heute zu den überzeugendsten

Darstellungen futuristischer,

aber wissenschaftlich fundierter

Raumfahrttechnik.

Mead hat seitdem immer wieder

Fahrzeuge oder Hardware für Hollywood-Filme

entworfen, von„Aliens“

Die Stasi schnitt die Sendungen mit

Die ARD-Doku „London Calling“ zeigt, wie die BBC mit Hörern in der DDR kommunizierte

Susanne Schädlich im Archiv der Hörerbriefe aus der DDR.

Einer wurde bei einem Fluchtversuch

in den Westen verhaftet. Der

andere war noch Oberschüler, als er

sich kritisch zur Zerschlagung des

Prager Frühlings äußerte,wegen dieser

Briefe zu zwei Jahren Haft verurteilt

wurde –und danach gegen seinen

Willen in den Westen verkauft

werden sollte.

Deutlich wird im Buch wie im

Film, welch großen Aufwand die

DDR-Staatssicherheit betrieb, um

die über Deckadressen verschickten

Briefe abzufangen, die Schreiber zu

ermitteln und zu kriminalisieren.

RBB

Mit dem Autor Rudolf Harnisch gelang

es dem MfS sogar, einen Informanten

in die Nähe des BBC-Manns

Harrison zu bringen, der öfter die

DDR besuchte. Von der Stasi stammen

auch die Mitschnitte der Sendungen,

die BBC hatte sie gar nicht

archiviert.

DerFilm geht in einem wichtigen

Punkt aber über das Buch hinaus.

Während Susanne Schädlich die Behauptung

von Medien der Sowjetunion

und der DDR, hinter dem Auslandsservice

der BBC steckten die

Geheimdienste, als Propaganda ab-

SYD MEAD

über „Strange Days“ bis zu „Elysium“.

Im O&O Depot und „Future

Cities“ stehen Meads Stadtbilder im

Mittelpunkt. Konzeptionierung und

Kuratorium übernahm Boris Hars-

Tschachoti, der sich auf filmisches

Produktionsdesign spezialisiert hat

und bereits die beeindruckende Ken-

Adam-Ausstellung „Bigger than Life“

für das Filmhaus gestaltet hatte. Die

33 zu besichtigenden, um eine kurze

Doku ergänzten Werke des bis heute

aktiven Designers und Künstlers sind

Zeichnungen und Gouache-Bilder

für Filmproduktionen, Firmen, aber

auch freie Arbeiten.

Deutlich wird dazweierlei: Dass

die Zukunft für Syd Mead bis heute

ein wundersamer,verheißungsvoller

Ort des technischen Fortschritts ist,

eingetaucht in Chrom-Glanz und

wohlwollendes Abendsonnenlicht.

Undklar wirdbei allenWiedererkennungsmomenten

auch, wie konsequent

und stilprägend Meads Werk

bis heute ist: Los Angeles sieht im

November 2019 zum Glück nicht wie

in „Blade Runner“ aus, aber wenn

Menschen –zumindest die eines bestimmten

Alters – an die Zukunft

denken, schwirren ihnen Syd Meads

Ideen und Bilder durch die Köpfe.

SydMead–Future Cities bis16. 1., Mo–Fr

15–19 Uhrund nach Vereinbarung,O&O Depot,

Leibnizstr. 60

tat, recherchierte RBB-Autor Christian

Hans Schulz weiter und kann

belegen, dass BBC-Moderator Austin

Harrison tatsächlich ein hochrangiger

Mitarbeiter einer geheimen Propagandaabteilung

des britischen

Außenministeriums war und dass

alle Brief geheimdienstlich ausgewertet

wurden.

Eine Historikerin der Universität

Oxford, die diese Verflechtung aufarbeitet,

vermutet, dass viele DDR-

Bürger nicht an die BBC geschrieben

hätten, wenn sie gewusst hätten,

dass ihreSchreiben bei den Geheimdiensten

landeten. Selbst die Gerichtsurteile

der DDR-Justiz gegen

die enttarnten Briefeschreiber, so

perfide sie waren, bauten damit auf

einem realen Vorwurf: der verbotenen

Kontaktaufnahme zu staatlichen

Stellen des kapitalistischen

Westens. Für den Verhafteten aber,

dessen komplette berufliche Laufbahn

in der DDR von ein paar kritischen

Briefen aus dem Jahre1968 geprägt

wurde,macht das heute keinen

großen Unterschied mehr:Erbetont,

er habe sich vonder BBC nicht missbraucht

gefühlt.

London Calling–Briefeaus demKalten Krieg

18. 11., 23.30 Uhr,ARD

NACHRICHTEN

Vier Fernsehpreise für

„Aufbruch in die Freiheit“

DieDeutsche Akademie für Fernsehen

(DAFF) vergab am Sonnabend

im Kino Babylon in 21 Kategorien

ihrediesjährigen Preise für herausragende

Einzelleistungen im deutschen

Fernsehen. DerZDF-Vierteiler

„Aufbruch in die Freiheit“ wurde

gleich vierfach geehrt: für Schauspielerin

Anna Schudt als Hauptdarstellerin,

für die Regie (Isabel Kleefeld),

das Szenenbild (Andrea Kessler)

und die Maske (Delia Mündelein,

Sonja Fischer-Zeyen). Rund 800

Akademie-Mitglieder konnten darüber

abstimmen. Geehrtwurden

auch die Macher der Serie„Beat“

(Bildgestaltung/Musik), der Thrillerserie

„Der Pass“ (Casting/Tongestaltung)

und der Filmproduktion „Alles

Isy“ (Produktion/Nebenrolle). Thomas

Schmauser bekam einen Preis

für seine Rolle als Rudolph Moshammer

in „Der große Rudolph“. (dpa)

„Aufbruch in die Freiheit“: Erika (A.

Schudt) und Dr.Wesseling (D.Wiemer). ZDF

Auszeichnung für Heiko

Maas und Anselm Kiefer

Bundesaußenminister Heiko Maas

(SPD) und der Künstler Anselm Kiefer

sind am Sonnabend vomJüdischen

Museum Berlin mit dem Preis

für Verständigung und Toleranz ausgezeichnet

worden. Maas habe sich

fortwährend für ein vereintes Europa

ausgesprochen und früh klareWorte

im Kampf gegen Rechtspopulismus

und Antisemitismus gefunden, erklärte

das Museum. Im Falle Anselm

Kiefers würdigte das Museum, dass

der Künstler mit seinen monumentalen

Arbeiten schon im Jahr 1969

das Schweigen der Deutschen über

den Nationalsozialismus und die

Schuld am Holocaust gebrochen

habe. (dpa)

Zwei Verlage mit Berliner

Verlagspreis ausgezeichnet

DerBerliner Verlagspreis geht in diesem

Jahr gleich an zwei Buchverlage.

Beieinem feierlichen Festakt im

Deutschen Theater wurden am

Sonntag der BerenbergVerlag und

der Verbrecher Verlag ausgezeichnet,

wie der Börsenverein des Deutschen

Buchhandels mitteilte.Die beiden

Verlage teilen sich das Preisgeld von

35 000 Euro.„DieTeilung des Hauptpreises

verdeutlicht die Bibliodiversität

Berlins“, erklärte die Jury ihre

Entscheidung. Trotz programmatischer

Unterschiede entwickelten die

Verlage kontinuierlich vielfältige und

wichtige Positionen. Förderpreise im

Wert vonje15000 Euro erhielten die

Verlage „edition.fotoTAPETA“ und

„KOOKbooks“. (dpa)

TOP 10

Sonnabend, 16.November

1 Deutsch.–Weißruss. RTL 8,99 32 %

2 Tagesschau ARD 8,16 27 %

3 Mein Schwiegerv.... ARD 5,47 20 %

4 heute ZDF 3,99 18 %

5 Ein starkes Team ZDF 3,70 12 %

6 European Qualifiers RTL 3,62 13 %

7 Der Staatsanwalt ZDF 3,02 11 %

8 SokoKitzbühel ZDF 2,99 15 %

9 RTL Aktuell RTL 2,74 13 %

10 Formel 1 ARD 2,64 11 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


26 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Der Tatortreiniger

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.00, 21.00 Box: zu unseren füßen, das gold, aus

dem boden verschwunden

20.00: Ausweitung derKampfzone

GarnTheater (✆ 78 95 13 46)

20.30: Die Sanfte

Indische Botschaft (✆ 25 79 50)

18.00 Saal: Spirit of India

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

19.30: Hass-Triptychon -Wegeaus der Krise

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Ewig Jung

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs

Theater O-Tonart (✆ 37 44 78 12)

19.00: Thomas Bernhard -Udo Jürgens (Hermann

Beil und Andreas Bieber)

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00 3. Stock: Die Hand istein einsamer Jäger

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

21.00: Cosmic ComedyOpen-Mic -English Comedy

Berlin (Dharmander Singh, Neil Numb u. a.)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: American Woman (Gayle Tufts)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Überall ist besser als nichts!

Tempodrom (✆ 69 53 38 85)

20.00: Fast fertig! (Sascha Grammel)

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Nicht direkt perfekt (Nicole Jäger)

KLASSIK

Institut Francais Berlin -Maison de France

(Kurfürstendamm 211) 20.00: Inland: Vanessa

Wagner (Piano), Minimal Music -Kompositionen von

Moondog,Emilie Levienaise, Bryce Dessner,Philip

Glass, William Susman, Hans Otte, Meredith

Monk, Michael Nyman, Nico Mulhy, Gavin Bryars, Wim

Mertens

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

14.00: Espresso-Konzert

Piano Salon Christophori (Uferstr.8)

20.00: Busch Trio, Beethoven: Erzherzog-Trio; Schostakowitsch:

Klaviertrio Nr.2

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Hans im Glück (ab 6bis 10 J.)

10.30: Steffi und der Schneemann (ab 4J.)

Cabuwazi -Zelt Kreuzberg (✆ 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“ bei CabuwaziKreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab 8J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.30: Max und Moritz -Eine musikalische Lausbubengeschichte

mit dem Bundespolizeiorchester (ab

5bis 10 J.)

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Anton macht’sklar (ab 8J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

10.00: Magdeburg hieß früher Madagaskar (ab 6J.)

JugendmuseumSchöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern-Wunderkisten

Puppentheater Firlefanz (✆ 283 35 60)

10.00: Die Zauberflöte, Oper vonMozartals Marionettentheater

(ab 6bis 14 J.). Anm. erf.

RBB Haus des Rundfunks (✆ 97 99 30)

11.00: Tierparade mit Barbara Schöneberger (Erzählerin)

und demRundfunk-Sinfonieorchester Berlin,

Ltg.Johannes Zurl,Raphaela Gromes (Violoncello),

Ferhan &Ferzan Önder (Klaviere) -Schulkonzert

-Saint-Saëns: „Le Carnavaldes animaux -Der

Karnevalder Tiere“; Prokofjew: „Peter und der Wolf“

-Ein musikalisches Märchen für Kinder, für Sprecher

und Orchester op.67

Schaubude (✆ 4234314)

10.00: Mutige Prinzessin Glücklos, Erzähltheater mit

Zauberfaden und Papier (ab 7bis 12 J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Peter und der Wolf, Scuraluna –Schattenbühne

Berlin, Schattenspiel (ab 4J.)

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Wirvom Reuterkiez (ab 9bis 13 J.)

10.00: Der Drache (ab 8bis 14 J.)

10.00: Der Zinnsoldat und diePapiertänzerin, (ab

7J.)

Theater Lichterfelde (✆ 84 31 46 46)

10.00: Frederik, der Träumer,Theater Vielfalt, Schattentheater

(ab 2bis 6J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

20.00 Werkraum: Pop-Up: Ihr Waldenten unseres

Volkes, Klaus Pohl &Peter Luppa, Lesung mitPeter

Luppa

Danziger 50 (✆ 41 71 58 87)

19.00: Erzählbühne, Kathleen Rappolt;Sven Tjaben

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

19.30: Bilderlust, Volker Pfüller,Buchvorstellung mit

Christian Grashof und Stephan Dörschel

Galerie im Reisebüro unter den Arkaden

(Kranoldplatz 4) 18.00: „MeinLeben als Katze“

Kurzgeschichten, Krimis, Kurioses

Heinrich-Böll-Stiftung (✆ 28 53 40)

19.00: Demokratie Jetzt. Der schwierigeWeg zur

deutschen Einheit, Gerhard Weigt, Buchvorstellung

und Diskussion mit Prof. Rainer Eckert, Moderation:

Anne Ulrich

Literaturhaus Berlin (✆ 8872860)

12.30: BrownBag Lunch: Bettine vonArnim -Letzte

Liebe, mit Blanche Kommerell, Wolfgang Bunzel im

Gespräch mit Olivia Franke

21.00: Wortservierungen: Für den Freitod -Essay,von

DavidHume, mit Richard Burger

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00 Kl. Salon: Autorenforum: Lesen -Zuhören -Diskutieren,

Vorlesen unveröffentlichter Texte

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.00: Freihafen -offene Lesebühne

FÜHRUNG

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

Bärentouren (✆ 015 20 -5 22 67)

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain -

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bis heute, Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

14.00: Berlin on the Second View -Berlin insider tour

to famous historical sights, Meeting point: ‚Granitschale’

(big stone bowl), Lustgarten, Führung in engl.

Spr.. Anm. erf.

16.00: Berlin zur Zeit der Romantik -Literaturführung

vonE.T.A. Hoffmann überdie Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour -Alt-Berliner Sagen und Anekdoten:

Romantiktour zwischen Hackeschem Markt

und Klosterviertel, Treff: Klosterruine -Klosterstr./

Grunerstr.(Nähe U-Bhf. Klosterstraße). Anm. erf.

Lesung

Bettine

und

Julius

Nachdem Sie das gelesen

haben, müssen Sie

schnell sein. Denn das Gespräch

über Bettine von Arnims

180 Jahre alten und erst

dieses Jahr veröffentlichten

Briefwechsel mit dem 32 Jahre

jüngeren Studenten Julius Döring

aus Wolmirstedt bei Magdeburg

findet schon am Montag

Mittag statt. „Brown Bag

Lunch“ nennt sich das Format,

aber sicher darf man auch

seine Brotbox aus nachwachsenden

Rohstoffen aufklappen.

Wolfgang Bunzel hat das

schwärmerische und im Übrigen

zwei Jahreanhaltende Geflüster

zwischen der schon berühmten,

selbstbewussten

Schriftstellerin und ihrem jungen

Verehrer in der Anderen

Bibliothek ungekürzt herausgegeben

und ist mit der Kulturwissenschaftlerin

Olivia

Franke darüber im Gespräch.

Die Schauspielerin Blanche

Kommerell wirdaus dem Band

lesen. PetraKohse

Bettine von Arnim: LetzteLiebe 12.30

Uhr,Literaturhaus Berlin, Fasanenstr.23

Wusste sich aus Handschellen zu befreien, während sie im Kofferraum eines Autos lag: Amaryllis Fox.

Marcus Weingärtner

war bei der Lektüre vonAmaryllis Fox'

Biografie hin und her gerissen zwischen

Faszination, Ärger und purer Freude

an der Unterhaltung.

GETTY

Mir sagte der Name

Amaryllis Fox nichts.

Beim Blick auf den

Schutzumschlag ihres

Buches „Life Undercover–Als Agentin

bei der CIA“ dachte ich zuerst, es

handele sich um einen Krimi. Jene

Art von Thriller, die man aus dem

Drehständer in Bahnhofsbuchhandlungen

kennt, unterhaltsame Massenware.

Auf dem Umschlag ist eine

blonde Frau mit Lederarmbändern

abgebildet, eine grisselige Aufnahme

der Autorin, dazu eine alarmrote

Schrift. Der Verlag Hanserblau jedoch

ließ auf wertigere Literatur

schließen, eine Art Krimi ist „Life

Undercover“ hingegen schon. Es ist

die Autobiografie der Autorin, die

tatsächlich Agentin bei einer Eliteeinheit

der CIA war, zehn Jahre in

der Terrorismusabwehr arbeitete,

dann ausstieg, einen Spross des

Kennedy-Clans heiratete und nun

in Kalifornien lebt, in den Bergen

Hollywoods. Ein zwiespältiges

Buch.

Fox erzählt von ihrer Kindheit,

geboren 1980 in New York, aufgewachsen

in der Oberschicht, Tochter

einer Schauspielerin und eines

Managers, und als Kind schon politisch

interessiert, wie sie schreibt.

Im zarten Alter von 19interviewte

sie heimlich die unter Hausarrest

stehende burmesische Nobelpreisträgerin

Aung San Suu Kyi. Danach

folgte ein Studium in Oxford und an

der Georgetown University, wodie

Autorin einen Algorithmus für die

Vorhersage von Terroranschlägen

entwickelte, den die CIA bis heute

verwendet. So etwas kann man nicht

erfinden, schon nach rund 30 Seiten

hat man das Gefühl, die eigene Existenz

irgendwie verplempert zuhaben,

während Foxein Leben lebt, das

man am besten als eine Mischung

aus Emma Peel und John Le Carré

beschreiben könnte, wenn das alles

nicht bittereRealität wäre.

Die Autorin wird früh mit dem

Terrorismus konfrontiert, sie verliert

ihre beste Freundin beim Anschlag

von Lockerbie im Dezember

1988, bei dem 270 Menschen getötet

werden. Später wird ihr Mentor,

der Journalist Daniel Pearl, von Al-

Quaida-Terroristen enthauptet. Die

Anschläge vom 11. September 2001

sind für Fox die Initialzündung, die

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.45,17.30,20.30

Cinema Paris (✆ 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40, 20.30

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Lara 15.00,

17.30,20.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40) Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 13.40; Bis dann, mein

Sohn 16.00, 19.45; Parasite 14.30,17.20, 20.15;

Friends 25: Jubiläums Special (Teil 1) 19.30; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 16.45, 19.00, 21.40;

Verteidiger des Glaubens –Defender of the Faith

13.20; Systemsprenger 15.30; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.10, 21.00; M. C. Escher: Reise in

die Unendlichkeit 13.30; Deutschstunde 15.20;

Joker (OmU) 18.00, 20.45; But Beautiful –Nichts

existiert unabhängig (OmU) 13.50, 18.50; Booksmart

(OmU) 16.30, 21.30; Das Kapitalim21. Jahrhundert

14.00; Der Glanz der Unsichtbaren 16.15;

Downton Abbey (OmU) 18.40; Joker (OF) 21.20

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Happy Ending –70

ist das neue 7017.15; The Irishman (OmU) 19.30;

Zwingli –Der Reformator 17.30; Morgen sind wir

frei 20.00

Kant Kino (✆ 319 98 66) Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.45, 20.30; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 15.40; Es hätte schlimmer kommen

können –Mario Adorf 17.40; Joker 20.00; Ich war

noch niemals inNew York 14.30, 17.15, 20.00;

After the Wedding 14.45; Joker 17.15; PJ Harvey

–ADog Called Money (OmU) 20.00; Nurejew –The

White Crow 14.30,17.15, 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66)Atmos: Das perfekte

Geheimnis 14.20, 17.10; Atmos: Bohemian

Rhapsody 20.00; Atmos: Joker 23.10; Last Christmas

14.45; Joker 17.20; Das perfekte Geheimnis

20.15, 23.15; Ich war noch niemals inNew York

14.35; Last Christmas 17.40, 20.10, 22.50; Die

Addams Family 15.00; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 17.20, 20.45; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 18.00; Joker 20.45; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 14.30, 22.45; Der letzte Bulle 17.50,

20.15; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

15.00;Terminator –Dark Fate 17.15, 23.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Das Forum

(OmU) 11.00; M. C. Escher: Reise in die Unendlichkeit

–Escher: Het oneindige zoeken: Journey

Into Infinity (OmU) 12.55; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 14.15;Shaundas Schaf:Der Film: UFO-

Alarm 16.30; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

–Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija (OmU) 18.00;

Parasite –Gisaengchung (OmU) 19.45; Midsommar

(OmU) 21.55; Born inEvin –Alles über Evin (OmU)

11.00; Searching Eva (OmenglU) 12.45; Bamboo

Stories (OmenglU) 14.15; Deutschstunde 15.50;

2040 –Wir retten die Welt! (OmU) 18.00; Systemsprenger(DFmenglU)

19.30;OnceUponaTime in...

Hollywood (OmU) 21.40; Smuggling Hendrix (OmU)

11.00; Diego Maradona 12.40; Djon Africa (OmU)

14.40; Systemsprenger (DFmenglU) 16.20; Porträt

einer jungen Frau in Flammen –Portrait delajeune

fille enfeu (OmU) 18.30; Joker (OmU) 20.30,

22.40

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Das Kapital im

21.Jahrhundert–Capital in the Twenty-FirstCentury

(OmU) 14.00; 2040 –Wir retten die Welt! (OmU)

16.00; Systemsprenger 17.45; Joker (OmU) 20.00;

Parasite –Gisaengchung (OmU) 22.15; Congo Calling

(OmU) 14.30; Verteidiger des Glaubens –Defender

of the Faith 16.15; Und der Zukunft zugewandt

18.00; Frau Stern 20.00; PJ Harvey –ADog

Called Money (OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.00; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 14.00; Das perfekte Geheimnis

14.10, 16.30, 17.00, 19.00, 19.30, 20.00; Angry

Birds 2:Der Film 14.10, 16.50; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.20; Bayala – Das magische

Elfenabenteuer 14.20, 18.00; Last Christmas

14.30, 17.15, 20.00; My Zoe 14.45; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.45, 17.40; Joker 15.00,

18.00, 19.20; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.00; Dora und die goldene Stadt 15.15; Die Addams

Family 15.15; IMAX: LeMans 66: Gegen jede

Chance 16.00, 19.30; Midway –Für die Freiheit

16.15; 3D: Die Addams Family 16.40; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.30, 20.45; Gut gegen

Nordwind 17.45; Booksmart 17.45,21.00; Ich war

noch niemals in NewYork 17.50; Joker (OF) 19.40;

Friends25: JubiläumsSpecial (Teil 1) 20.00; Sneak

Preview 20.30; Le Mans 66: Gegen jede Chance –

Ford vFerrari (OF) 20.30; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 20.45; Terminator –Dark Fate 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 861079) Joker (OmU)

18.00; The Irishman (OmU) 20.15; Der Glanz der

Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.00; Deckname

Jenny (DFmenglU; mit Filmgespräch) 20.00;

Die Kinder derToten 22.30

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (✆ 04 51/703 02 00) Joker

16.20, 19.40; Das perfekte Geheimnis 16.30,

20.00; Le Mans 66: Gegen jede Chance 16.40,

19.30; Maleficent: Mächte der Finsternis 16.45;

Ich war noch niemals inNew York 17.00; Die Addams

Family 17.00; Last Christmas 17.10, 20.10;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 19.20; Terminator

–Dark Fate 19.45; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.10

Kino Kiste (✆ 998 7481) Lieber Antoine als gar

keinen Ärger 14.00; Unheimlich perfekte Freunde

16.00; Ich war noch niemals in New York 17.40;

Und der Zukunft zugewandt 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion Hohenschönhausen (✆ 03871/

211 41 09) Le Mans 66: Gegen jede Chance

14.15, 16.50, 19.45; Der König der Löwen 14.20;

Das perfekte Geheimnis 14.20, 17.15, 19.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30; Angry Birds

2: Der Film 14.30; Die Addams Family 14.40,

17.20; Unsere Lehrerin,die Weihnachtshexe 14.50;

Last Christmas 15.00, 17.40, 20.15; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 15.10; Midway –Für die

Freiheit 16.50; Joker 17.00, 20.00; Der letzte Bulle

17.10; Ich war noch niemals in New York 17.20;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 17.30; Black

and Blue 19.30; Booksmart 19.45; Terminator –

Dark Fate 20.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.10; Der weiße Hai 20.15

KREUZBERG

Babylon Kreuzberg (✆ 61 60 96 93) Joker (OmU)

16.20,19.30,22.15; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.10; Parasite – Gisaengchung

(OmU) 19.00, 21.50

fsk am Oranienplatz (✆ 614 2464) Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune

fille en feu (OmU) 17.45; Lara (OmenglU) 17.45,

19.45; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod

postoi, imeto i‘ePetrunija (OmU) 20.15; PJ

Harvey –ADog Called Money (OmU) 21.45; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 22.15

Moviemento (✆ 692 4785) Searching Eva (OmU)

13.15, 20.00, 22.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.15; Systemsprenger 17.15; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar 14.15; Midsommar

(OmU) 16.30;Porträt einerjungen FrauinFlammen

–Portrait de la jeune fille en feu (OmU) 19.30; Systemsprenger

22.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

11.15;Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

13.30; Booksmart (OmU) 15.45, 20.15, 22.30;

Nur eine Frau 18.00

RegenbogenKino (✆ 69 57 95 17) CarmineStreet

Guitars (OmU) 20.30

Sputnik (✆ 694 1147) Fünf Dinge, die ich nicht

verstehe (OmenglU) 16.00; Der Glanz der Unsichtbaren

–Les invisibles (OmU) 17.30; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 19.30; Scary Stories to Tell in

the Dark (OmU) 22.00; Sterne über uns (OmenglU)

16.00; Systemsprenger 17.45; Joker (OmU) 20.00;

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya (OmU) 22.15;

Welcome in Ernumino (OmenglU) 19.00; PJ Harvey

–ADog Called Money (OmU) 22.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Systemsprenger14.00; Parasite

16.40, 20.00; New Yorck Lara 15.10, 17.30,

19.30, 21.50

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.00, 16.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30, 17.15, 20.00; Das

perfekte Geheimnis 14.45, 17.30, 20.15; Last

Christmas 15.15, 17.45, 20.15; Die Addams Family

15.15,18.00; Booksmart 17.30, 20.00; Joker

20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) LeMans 66:

Gegen jede Chance 13.00, 16.15, 19.30; Lara

13.00, 17.30, 20.00; Im Niemandsland 13.00;

Happy Ending –70ist das neue 7015.15; Die

Addams Family 15.15; Das perfekte Geheimnis

17.30; The Irishman 20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt amEastgate (✆ 93 03 02 60) Le

Mans66: Gegen jede Chance14.00, 16.45, 20.15;

Das perfekte Geheimnis 14.00,17.00, 20.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.15, 17.15; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15; Dora und die

goldene Stadt 14.15; Booksmart 14.15, 17.30;

Last Christmas 14.30, 17.15, 20.00; Die Addams

Family 14.30; Terminator–Dark Fate 16.45, 19.45;

Ich war noch niemals in New York 16.45; Joker

17.00, 20.00; Midway –Für die Freiheit 19.55;

Friends 25: Jubiläums Special (Teil 1)20.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.20

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Mein Leben als Zucchini

17.00; Zwingli –Der Reformator 18.15; Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune

fille en feu (OmU) 20.30; Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU)21.00; BambooStories (OmU)

18.00; Tomboy 19.45; Morgen sind wir frei 21.30

Babylon (✆ 242 59 69) Korea: Durst: Thirst –

Bakjwi (OmU) 17.15; Gott existiert,ihr Name istPetrunya

–Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija (OmU)

18.00; Deutschland imJahre 2019 (m. Einführung

u. Gespräch) 19.30; Doc Berlin 2019:Dokumentarfilme

(OmenglU) 20.00; Die Khello Brüder (m. Gast

u. Gespräch) 20.00; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 22.15; Korea: Snowpiercer –Seolgukyeolcha

(OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Joker

(OmU) 13.00,15.30,18.15, 21.00; Lieber Antoine

als garkeinen Ärger –Enliberte! (OmU) 13.45; Fritzi

–Eine Wendewundergeschichte 16.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser –Zombieland 2: Double

Trap (OF) 18.00, 20.15, 22.30

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 11.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 11.00, 14.30; Maleficent:

Mächte der Finsternis 11.10, 13.30,16.20; Dora

und die goldene Stadt 11.15; Die Addams Family

11.20, 13.45; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

11.30; Das perfekte Geheimnis 11.30,14.00,

17.10,20.10,22.45; Shaundas Schaf: DerFilm:

UFO-Alarm 11.45; Last Christmas 11.50, 14.30,

17.15, 20.00, 23.15; Dem Horizont so nah

13.20; LeMans 66: Gegen jede Chance 13.45,

16.45, 19.40,22.30;Joker 14.00,16.15,19.20,

23.15; Ich war noch niemals inNew York 14.15,

16.30;Zombieland2:Doppelt hält besser17.00,

20.20, 23.00; Booksmart 17.20, 20.15; Der

letzte Bulle 17.45; Terminator –Dark Fate 20.00,

23.00; Sneak Preview 20.00; Friends 25: Jubiläums

Special (Teil 1)20.00; Es: Kapitel II 22.30;

Midway –Für die Freiheit 22.50; Halloween Haunt

23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.00; The Irishman 19.30; M.C.

Escher: Reise in die Unendlichkeit –Escher: Het

oneindige zoeken: Journey Into Infinity (OmU)

14.45; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille en feu (OmU) 16.30,

19.15; Parasite –Gisaengchung (OmU) 21.45; Bis

dann, mein Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 14.00,

17.30; Joker (OmU) 21.00; Nurejew –The White

Crow (OmU) 14.30; Systemsprenger (DFmenglU)

17.00; Parasite – Gisaengchung (OmU) 19.30;

Easy Love 22.15;Der Glanz der Unsichtbaren –Les

invisibles (OmU) 15.15; Lara (DFmenglU) 17.30,

19.45,22.00

International (✆ 24 75 60 11)Lara 14.00, 16.30,

19.00; Siegessäule und Teddy präs. MonGay: Preview:

Ich binAnastasia 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Recep Ivedik VI (OmU)14.00, 16.45,17.15, 19.30,

20.10; LeMans 66: Gegen jede Chance 14.00,

17.00, 19.30; Das perfekte Geheimnis 14.15,

16.40, 19.45; Booksmart 14.15, 17.30; Angry

Birds 2:Der Film 14.15; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.20; Dora und die goldene Stadt 14.20;

Die Addams Family 14.20, 17.00; Last Christmas

14.45, 17.30, 20.15; 7. Kogustaki Mucize –Das

Wunder in Zelle Sieben 16.45, 19.55; Joker 17.00;

Sneak Preview (OF) 20.00; Sneak Preview 20.00;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 20.30

IL KINO (✆ 91 70 29 19) Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

10.00, 19.20; Systemsprenger 12.30; The Report

(OmU) 14.50; Joker (OmU) 17.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 21.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Booksmart (OmU)

16.30, 19.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

21.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Bis dann, mein Sohn

16.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian chang

(OmU) 19.45; Das perfekte Geheimnis 17.15,

20.00; Joker (OmU) 17.50, 20.30; PJ Harvey –A

Dog Called Money (OmU) 16.15, 21.00; Systemsprenger

18.20

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30, 20.30; Friends 25: Jubiläums

Special (Teil 1) 20.00; Joker (OF) 16.45, 19.30;

But Beautiful –Nichts existiert unabhängig (OmU)

16.20, 19.00; Booksmart (OmU) 21.40; Le Mans

66: Gegen jede Chance – Ford v Ferrari (OmU)

16.50,20.00;Porträteiner jungenFrauinFlammen

–Portrait de la jeune fille en feu (OmenglU) 17.15;

Booksmart (OF) 22.10

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Last Christmas 14.00, 17.30, 20.15; Das perfekte

Geheimnis 14.10, 17.00, 20.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.20; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.30, 17.20; Dora und die goldene

Stadt 14.40; Die Addams Family 15.05, 17.10; Joker16.35,

19.30;Ich war nochniemalsinNew York

16.45; Zombieland 2:Doppelt hält besser 19.50;

Friends 25:JubiläumsSpecial (Teil1)20.00; Sneak

Preview 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

12.00; PJ Harvey –ADog Called Money (OmU)

12.00, 19.00; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

–Gospod postoi,imeto i‘ ePetrunija (OmU) 14.00,

21.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 14.30,

18.00; Kurenai nobuta –Porco rosso 16.10; Born

in Evin –Alles über Evin (OmU) 17.00; Bis dann,

mein Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 20.30


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 27

· ·

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Tagestipp

KALENDER

Superheldin

Die Ex-CIA-Agentin Amaryllis Fox

hat ihre Memoiren geschrieben

LITERATUR

Amaryllis Fox: Life Undercover

19. 11. Pfefferberg Theater,20Uhr.

Eintritt: 13,50 Euro.

Moderation: Stefan Aust

Berufswahl steht fest: Mit nur 21

Jahren wird sie von der CIA rekrutiert

und nach der Ausbildung als

Undercover-Agentin in China stationiert.

Getarnt als Kunsthändlerin

ist sie dort mehrere Jahre lang als

Antiterrorismus-Spezialistin im

Einsatz, immer überwacht vomchinesischen

Geheimdienst, auch bei

der Zeugung ihrer ersten Tochter.

Deren Geburt lehrt Fox dann

eine des Art des imperialen Gleichmuts,

man könnte auch sagen zuversichtliche

Ignoranz, dass „alle

Menschen in ihrem Streben nach

Glück, Sicherheitund einer stabilen

Zukunft gleich sind“.„Life Undercover“

ist jedoch nicht verflacht, wie

es dieses Zitat vermuten lässt. Fox

hat außerordentliches erzählerisches

Talent, ihre Vita ist außergewöhnlich,

sie erzählt sie spannend

und rasant,einfach, ohne unterkomplex

zu sein. Dabei vergisst man oft,

dass es sich hier um Tatsachenberichte

handelt.

Fox' Erlebnisse traumatisieren sie

offenbar wenig: „Bei meinen Einsätzen

dadraußen habe ich vor allem

eines gelernt: Du kannst deinen

Feind nicht besiegen, ohne in zu verstehen.

Du musst ihm zuhören.

Wenn wir mit dem Krieg gegen den

Terror so weitermachen wie bisher,

dann wird er nie enden.“ Die

Gründe für diesen Terror indes spielenkeine

Rolle.

Es scheint bei Amaryllis Fox ein

Naturgesetz zu sein, dass Amerikaner

die Welt befrieden müssen, auch

wenn die Autorin zu der Erkenntnis

gelangt, dass es eine Artglobaler Ungerechtigkeit

sein müsse, die zu Tod

und Terror führe. Eine Ungerechtigkeit,

die für Fox immerhin eine zeitlang

sinnstiftend war.„Ich trainierte

mit der Glock, beherrschte das M4,

wusste mich aus Plastikhandschellen

zu befreien, während ich im Kofferraum

eines Autos lag. Ich wurde

gedrillt, Folter auszuhalten, lernte,

welche Methoden des Suizids für

den Fall der Gefangenschaft anzuwenden

wären. Am Ende aber

brachte mir meine kleine Tochter

bei, dass zwischenmenschliche

Nähe die mächtigste Waffe vonallen

ist.“

Fox’ Leben sollte ein Streamingdienst

verfilmen, in der Hauptrolle

Brie Larson, die schon mal eine

Superheldin spielte.

Konzert

Koffein

und klassische

Musik

Laut Wikipedia ist Espresso

eine Kaffeezubereitungsart,

bei der heißes Wasser mit

hohem Druck durch sehr fein

gemahlenes Kaffeemehl gepresst

wird. Ein Espresso enthält

Koffein in hoher Konzentration,

ist also genau richtig

für eine Mittagspause,der kein

toter Punkt folgen soll. Das

Konzerthaus verbindet das

Getränk mit einem 45Minuten

langen Konzert mitten am

Tag. Das Programm ist eine

Überraschung. Es wird erst im

Konzert von den Musikern

vorgestellt und von Mitgliedern

des Konzerthausorchesters

und herausragenden jungen

Talenten präsentiert, an

diesem Montag sogar im Großen

Saal. Es wirdvor dem Konzert

übrigens wirklich ein Espresso

serviert. Und wie in einem

Café gibt es für die Espresso-Konzerte

eine

Treue-Karte. Manbezahlt fünf,

darfaber sechs Konzerte besuchen.

Deal! Susanne Lenz

Espresso-Konzert 14 Uhr, Konzerthaus

Berlin, Gendarmenmarkt

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí-Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

11.00: ZwischenSchlange und Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge, Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte-Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr, Treff:

ausberlin -Kaufhausfür Berlinprodukte,Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain istausleihbar im Cafe

Sibylle, Karl-Marx-Allee 72

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie -Haus 7

(Ruschestr.103) 15.00: Einblickins Geheime,Treff:

Foyer

KONZERT

A-Trane (✆ 313 25 50)

21.00: Andreas Schmidt (p) &Friends

Arcanoa (✆ 67 96 26 51)

21.00: Open-Stage-Singer-Songwriter +Poets

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Johannes MössingerQuartett

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.30: Ghostly Kisses

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Fieh

Café Engels (Herrfurthstr.21)

20.00: Blue MoondayJazzsession hosted by Charlotte

Joerges

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

20.00: The Chats, Crocodylus

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

20.00: Ute Freudenberg,Gastspiel

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

21.00: João Donato

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

21.00: The Comet Is Coming

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

20.00: Tiere streicheln Menschen -Martin„Gotti“

Gottschild und Sven VanThom: Zwei Moorleichen

auf Ibiza

Max-Schmeling-Halle (✆ 44 30 45)

19.00: Wincent Weiss

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00: James Barker Band, Sound of Nashville

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: AndrewAdair

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Kazu

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: RozaMarjolex

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: JUJU -Gioele Valenti, Psych Fuzz Club feat.

Harrison Fraud

SO36 (✆ 61 40 13 06)

17.30: Crystal Lake, In Hearts Wake,Polar,JakeHill

/Josh A, Our HollowOur Home, Alpha Wolf, Great

American Ghost, Impericon NeverSay Die

Theater untermDach (✆ 902 95 38 17)

20.00: Jugendband Ende September

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

19.00: Balbina, Punkt

Zig Zag Jazz Club (✆ 94 04 91)

19.15, 21.15: The Bad Plus

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

19.30: Singer-Songwriter-Forum-die offene

Liederbühne

Zitadelle Spandau (✆ 35 49 44 29 7/)

20.00 Gotischer Saal: Evgeni Finkelstein, Quique

Sinesi, Claus Boesser-Ferrari und Peter Finger,International

Guitar Night 2019

CLUB

KitKat/Sage-Club (Köpenicker Str.76)

23.00: 5years Electric MondayMonth, Solvane,

Freedom B, Ricardo Rodriguez, FrankieFlowerz

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Double Impact, Wolle XDP,Tanith, Roentgen

Limiter

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 +4Bar:House of Waxx, Gramrcy,Deep Nalström,

Daisy Moon

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

MUSEEN

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

10.00: KunstinBerlin 1880–1980

10.00: Gartenparade, Atelier le balto

10.00: original bauhaus -Die Jubiläumsausstellung

10.00: Bettina Pousttchi, Mi-Mo 10-18 Uhr

Brücke-Museum (✆ 831 20 29)

11.00: Unzertrennlich: Rahmen undBilder der

Brücke-Künstler, Mi-Mo 11-17 Uhr

DDR Museum Berlin (✆ 847 12 37 31)

10.00: Geschichte zum Anfassen, tgl. 10-20,

Sa 10-22 Uhr

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

10.00: Deutsche Geschichte in Bildernund

Zeugnissen

10.00: Die Armbrust -Schrecken und Schönheit, tgl.

10-18 Uhr

Futurium (Alexanderufer 2)

10.00: Visionen möglicher Zukünfte, Mo/Mi/Fr-So

10-18, Do 10-20 Uhr

Georg Kolbe Museum (✆ 304 21 44)

10.00: Asana Fujikawa /David Hockney: Figuren der

fließenden Welt

10.00: Emy Roeder -Das Kosmische allen Seins, tgl.

10-18 Uhr

Jüdisches Museum (✆ 25 99 33 00)

10.00: Awie Jüdisch. In 22 Buchstaben durch die

Gegenwart

10.00: This Place, WendyEwald, Martin Kollar,Josef

Koudelka, Jungjin Lee u. a., tgl. 10-20 Uhr

Käthe-Kollwitz-Museum (✆ 882 52 10)

11.00: Mehr als ein Leben. Dauerausstellung des

Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, Käthe Kollwitz

11.00: August Gaul zum 150. Geburtstag,

tgl. 11-18 Uhr

Museum für Film und Fernsehen (✆ 300 90 30)

10.00: 120 Jahre Deutsche Filmgeschichte und

Fernsehgeschichte in West und Ost

10.00: Fokus Fernsehen: Leben, sterben, Hochzeit

feiern, Mi-Mo/Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

Neues Museum (✆ 266 42 42 42)

10.00: 10-jähriges Jubiläum: Perspektivenwechsel

10.00: 10 Jahre Neues Museum, tgl./Feiert. 10-18,

Do 10-20 Uhr

Pergamonmuseum (✆ 266 42 42 42)

10.00: Transkulturelle Beziehungen, globale Biografien

-islamische Kunst

10.00: Museum für Islamische Kunst (Steinfassade

vonMschatta)

10.00: Vorderasiatisches Museum (Ischtar-Tor)

10.00 Museum für Islamische Kunst: Traum und

Trauma. Wiedereröffnung der Teppichsäle

10.00: Der Babel-Bibel-Streit

10.00: Capturing the Past, tgl./Feiert. 10-18, Do

10-20 Uhr

Pergamonmuseum. Das Panorama

(Am Kupfergraben 2) 10.00: Pergamon. Meisterwerke

der antiken Metropole und 360°-Panorama von

Yadegar Asisi, tgl./Feiert. 10-18, Do 10-20 Uhr

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Lara

15.15, 18.00,20.20; Fritzi –EineWendewundergeschichte

16.00; Ich war noch niemals in New York

17.30; Parasite 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Systemsprenger

14.30; Parasite 17.10, 20.00; Sneak

Preview 22.00; Bis dann, mein Sohn 15.45,19.30;

Lara 15.30, 20.30; But Beautiful – Nichts existiert

unabhängig (OmU) 17.50; Booksmart (OmU)

15.30, 21.00; Das perfekte Geheimnis 14.00,

16.45, 19.30

Kino &Bar in der Königstadt (✆ 01 63/262 72 80)

Die Geldwäscherei –The Laundromat (OmU) 17.00;

The Irishman (OmU) 19.00

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Le Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari

(OmU) 13.45, 17.00, 20.30, 22.00; Das perfekte

Geheimnis 13.45, 16.40, 19.40, 22.45; Deutschstunde

14.00; Booksmart (OmU) 14.00, 17.30;

Systemsprenger 14.10; Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm 14.30; Lara 14.30, 17.30; Last Christmas

(OmU) 14.45, 17.00, 20.00, 23.00; My Zoe

(OmU) 16.45; Booksmart (OF) 19.15; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 19.30,22.30; Sneak Preview

20.00; Joker (OF) 20.00, 22.40; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en

feu (OmU) 22.40

Krokodil (✆ 44 04 92 98)VictoryDay:Tag desSieges

–Den‘ Pobedy (OmU) 18.15; Gott existiert, ihr

Name ist Petrunya –Gospodpostoi, imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 20.00;Smuggling Hendrix (OmU) 21.45

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Systemsprenger

18.00; Audre Lorde: The Berlin Years 1984

to 1992 –Audre Lorde: Die Berliner Jahre 1984-

1992 (OmenglU) 20.15; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 21.45

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Le

Mans 66: Gegen jede Chance 14.10, 16.35, 19.35,

22.25; Last Christmas 14.10, 17.15, 19.50, 22.35;

Der König der Löwen 14.15; Das perfekte Geheimnis

14.15, 17.10, 20.00, 23.00; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.20; DieAddams Family 14.20;

Angry Birds 2:Der Film 14.20; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.25; Dora und die goldene

Stadt 14.25; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.45;Terminator–DarkFate16.40, 19.45, 22.55;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 16.45,

20.00; Joker 16.50, 19.55, 22.55; Booksmart

17.00; Ich war noch niemals in New York 17.05;

3D: Die Addams Family 17.05; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.30, 20.00, 22.45; Once Upon

aTime in... Hollywood 19.20; Le Mans 66: Gegen

jede Chance –Ford vFerrari (OF) 20.00; Friends

25: Jubiläums Special (Teil 1)20.00; Midway –Für

die Freiheit 22.45; Der letzte Bulle 23.00

REINICKENDORF

CineStarTegel (✆ 04 51/703 02 00) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 9.30; Elias, das kleine

Rettungsboot 10.00; LeMans 66: Gegen jede

Chance 13.40, 16.50, 19.40; Dem Horizont so

nah 13.55; Das perfekte Geheimnis 14.00, 17.00,

20.00; Die Addams Family 14.05, 17.15; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.15;Last Christmas

14.15,17.05, 19.55; Booksmart14.15, 20.30; AngryBirds

2: DerFilm 14.25; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.50; Ich war noch niemals in

NewYork 16.30; Der letzte Bulle 16.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 16.55; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 17.00, 20.15; Joker 17.10, 19.50;

Midway –Für die Freiheit 19.35; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.00; Sneak Preview 20.05

SCHÖNEBERG

Cinema Walther-Schreiber-Platz (✆ 852 3004)

Downton Abbey 14.45; My Zoe 17.40,20.15

Cosima (✆ 85 07 58 02) Systemsprenger 18.00;

Deutschstunde 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Bis dann, mein Sohn –Di

jiutianchang (Omdt+englU) 14.00; Marianne&Leonard

–Words of Love (OmU)17.45; Bis dann, mein

Sohn –Di jiu tian chang (OmU) 20.00

Xenon (✆ 78 00 15 30)Porträteiner jungen Frauin

Flammen 17.30; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait delajeune fille en feu (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.00; Shaun

das Schaf: Der Film 10.00, 12.05; Everest: Ein Yeti

will hoch hinaus 10.00; DieAddams Family 10.00,

12.10, 14.15; AngryBirds 2: Der Film 10.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.00, 14.10, 17.00;

Bayala –Das magische Elfenabenteuer 12.20; Le

Mans 66:Gegen jede Chance 14.05, 16.30, 19.30;

Last Christmas 14.20, 16.55, 20.20; Das perfekte

Geheimnis 14.35, 17.20, 20.10; Joker 17.30,

19.50; Sneak Preview 20.15

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Global

Family 10.00; Deutschstunde 12.45; Ich war

noch niemals in New York 15.15, 20.15; Systemsprenger

17.45

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Last Christmas 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.10;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.50; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

10.00; Dora und die goldene Stadt 10.00, 12.15,

14.15; Die Addams Family 10.00, 12.05, 14.20,

17.15; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

10.00; Angry Birds 2: Der Film 10.00, 12.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 12.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.10, 14.30, 17.35, 20.15;

Le Mans 66: Gegen jede Chance 14.05, 16.45,

20.30, 23.00; Das perfekte Geheimnis 14.10,

16.30, 17.05, 19.30, 20.05, 22.45; Ich war noch

niemals inNew York 14.20, 17.25, 19.45; Joker

17.15, 20.05, 22.20; Zombieland 2: Doppelt hält

besser 20.30, 23.00; Sneak Preview 23.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Last Christmas

15.30, 18.00, 20.30; Das perfekte Geheimnis

15.30, 18.00, 20.30; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 15.45; Die Addams Family 15.45; Nurejew

–The White Crow 17.45; Ich war noch niemals in

NewYork17.45; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.30; Joker 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Magical History Tour:

The Gang‘s All Here (OF) 20.00; KinoPolska: Nina

(OmenglU; m.Gast) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Das perfekte Geheimnis 12.30, 14.00, 16.00,

17.15, 19.30, 20.30, 22.40; Joker 12.50, 13.30,

16.00, 16.40, 19.10, 19.35, 22.20; AToy Story:

Alles hört auf kein Kommando 13.15; Dora und

die goldene Stadt 13.20, 14.20; Maleficent: Mächte

der Finsternis 13.30; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 13.30, 16.30, 20.10, 22.40; Booksmart

13.50, 16.40, 19.55, 22.30; Angry Birds 2: Der

Film 13.50; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.00; Lara 14.00, 16.40, 19.30; Das Wunder von

Marseille 14.00;Bayala–Das magischeElfenabenteuer

14.00; Last Christmas 14.10, 17.00, 19.50,

22.50; Die Addams Family 14.10, 16.30; Dem

Horizont sonah 14.20; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 15.30, 20.00, 22.20; Downton Abbey

16.00; Parasite 16.20, 19.30, 22.40; Terminator

–Dark Fate 16.30, 19.40, 22.45; Systemsprenger

16.30; Der König der Löwen 16.40; MyZoe 17.00,

19.40; Zombieland 2: Doppelt hält besser 17.10,

19.40, 23.00; Ich war noch niemals inNew York

17.10, 19.10; Good Boys 17.20; Royal Opera

House London: Don Pasquale 18.30; Midway –Für

die Freiheit 19.00; Sneak Preview 20.00; Friends

25: Jubiläums Special (Teil 1)20.00; Black and

Blue 20.20; Gemini Man 22.15; Once Upon aTime

in...Hollywood 22.20; Der letzteBulle 22.20; Halloween

Haunt 22.40; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

22.40; Scary Stories to Tell in the Dark 22.50; Ad

Astra –Zuden Sternen 23.00

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/7030200) Le

Mans66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari (OmU)

13.30, 16.15, 19.50; Die Addams Family –The Addams

Family (OF) 13.30; Ad Astra –Zu den Sternen

(OF) 13.30; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm–Shaun theSheep Movie:Farmageddon (OF)

13.45; Joker(OF)13.45, 17.00,20.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil

(OF) 14.00, 16.45, 19.40; Last Christmas (OF)

14.00, 16.45, 19.30; Zombieland 2:Doppelt hält

besser –Zombieland 2:Double Trap (OF) 14.15,

17.00, 19.45; Downton Abbey (OF) 16.15; Once

Upon aTime in... Hollywood (OF) 16.30; Booksmart

(OF) 17.15, 20.20; Terminator –Dark Fate (OF)

19.30; Friends 25: Jubiläums Special (OF) 20.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) IMAX: Le

Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari (OF)

11.45, 19.10; IMAX: Le Mans 66:Gegen jede Chance

15.30

Filmrauschpalast (✆ 394 4344) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30; Zombieland 2: Doppelt

hält besser –Zombieland 2: Double Trap (OF)

20.00; Joker (OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.00; Die Addams Family 14.00,

16.00; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; Das perfekte Geheimnis 14.30, 17.15,

20.00, 22.30; Ich war noch niemals in New York

15.00, 17.30;Last Christmas 15.45, 18.00, 20.15,

22.30; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

16.00, 18.30; Zombieland 2:Doppelt hält besser

18.00,20.15,22.30; Joker 20.00, 22.30; Terminator

–Dark Fate 21.00

Casablanca (✆ 6775752) Deutschstunde 16.15;

M. C. Escher: Reise in die Unendlichkeit 18.45; Parasite

20.30

CineStar – Der Filmpalast Treptower Park (✆

04 51/703 02 00) Maleficent: Mächte der Finsternis

14.00, 17.00; Le Mans 66: Gegen jede Chance

14.00, 16.35, 19.45; Die Addams Family 14.00,

17.25; Unsere Lehrerin, dieWeihnachtshexe 14.15;

Das perfekte Geheimnis 14.15, 17.15, 20.00; Angry

Birds 2: Der Film 14.15; Last Christmas 14.30,

17.15, 20.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.30; Dora und die goldene Stadt 14.45; Ich war

noch niemals in New York 16.50; Recep Ivedik VI

(OmU) 17.00, 19.50; Joker 17.00, 20.15; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.30, 20.15; Terminator

–Dark Fate 19.55; Sneak Preview 20.00;

Midway –Für die Freiheit 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00,17.25; LeMans

66: Gegen jede Chance 14.00, 16.50, 19.45; Last

Christmas 14.10, 17.00, 19.50; Das perfekte Geheimnis

14.10, 17.00, 20.10; Die Addams Family

14.15; Dora und die goldene Stadt 14.20; Recep

Ivedik VI 14.45,16.30, 17.30,19.30, 20.15;7.Kogustaki

Mucize–Das Wunder in Zelle Sieben 16.45;

Sneak Preview 20.00,20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01) Nordlichter: Armomurhaaja

–Euthanizer (OmU) 18.00; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 20.00

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Das perfekte Geheimnis

10.30, 13.00, 15.30, 18.00, 20.30; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 12.45; Invisible Sue

–Plötzlich unsichtbar 15.00; Ich war noch niemals

in NewYork 17.15, 20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Der Glanz der

Unsichtbaren 15.30; Systemsprenger 18.00; Parasite

20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Ichwar noch niemals

in NewYork 15.15; Parasite17.45; The Report

20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Deutschstunde 18.00; Der

Glanz der Unsichtbaren 20.30

Capitol (✆ 831 64 17) Lara 15.30,18.00, 20.30

POTSDAM

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) MyZoe

(OmU) 13.30, 21.00; Marianne &Leonard (OmU)

14.00; Im Niemandsland 14.45; Porträt einer jungen

Frau in Flammen (OmU) 15.30; Das perfekte

Geheimnis 15.30, 18.00, 20.45; PJ Harvey –ADog

Called Money (OmU) 16.15; Lara 16.45, 18.45,

20.45; Die Maske (OmU; mit Gast) 18.00; Das Forum

(OmU) 18.15; Parasite (OmU) 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 70) Le

Mans 66:Gegen jede Chance 13.40,16.20, 19.40;

Maleficent: Mächte der Finsternis 13.50, 16.40;

Das perfekte Geheimnis 13.50, 16.50, 20.00;

Last Christmas 14.00, 17.10, 20.15; Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.10; Die Addams

Family 14.10, 17.20; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.15, 17.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.20; Ich war noch niemals in New

York 16.30; Joker 16.50, 19.50; Terminator –Dark

Fate 19.50; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

20.00; Friends 25: Jubiläums Special (Teil 1)

20.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis 17.15,

20.00

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75

/46 97 77) Ich war noch niemals in New York

17.15; Prelude 20.00

CineStar Wildau A10-Erlebniswelt (✆ 04 51/

703 02 00)LeMans 66:Gegen jede Chance17.00,

19.40; Ich war noch niemals in New York 17.00;

Booksmart 17.00, 20.05; Das perfekte Geheimnis

17.10, 20.00; Last Christmas 17.15, 20.15; Maleficent:

Mächte der Finsternis 17.20, 20.20; Der

letzte Bulle17.30; Zombieland 217.45, 20.20; Die

Addams Family 17.45; Joker 20.00; Terminator –

Dark Fate 20.15; Midway –Für die Freiheit 20.15

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00; Last Christmas

15.15, 18.00, 20.30; Das perfekte Geheimnis

15.15, 17.45, 20.30; Nurejew –The White Crow

17.45;3D: Maleficent:Mächteder Finsternis 20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828) Le

Mans 66: Gegen jede Chance 14.45,17.00, 20.00;

DieAddams Family 15.00; Das perfekte Geheimnis

15.15,17.45,20.15;LastChristmas 15.30, 17.30,

19.45; Der Honiggarten: Das Geheimnis der Bienen

17.50; Der weiße Hai 20.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Systemsprenger

14.00, 20.45; Die Addams Family 15.00;

Das perfekte Geheimnis17.15, 20.00;Ich war noch

niemals in NewYork 18.00

Union Fürstenwalde (✆ 033 61/73 64 40) Zwischen

uns die Mauer 14.00; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 16.15; Lieber Antoine als gar keinen

Ärger 20.15

Union Kino-Center Luckenwalde (✆ 033 71/

40 16 41) Last Christmas 15.30, 17.50, 20.15;

Die Addams Family 15.30; Das perfekte Geheimnis

15.30, 17.40, 20.00; M. C. Escher: Reise indie

Unendlichkeit 17.45; Maleficent: Mächte der Finsternis

20.00


28 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

·························································································································································································································································································

Spreewild

Klartext

Noch zweimal

teuer menstruieren

VonSelly Häußler, 28Jahre

Der Bundestag hat nach zwei Petitionen

endlichfür eine Absenkung

der Steuer für Periodenprodukte

gestimmt. Statt 19 Prozent sollen

ab 2020 nur noch 7Prozent Mehrwertsteuer

erhoben werden. Das ist

der übliche Steuersatz für andere

Produkte, die den Grundbedarf

decken. Obwohl jede Frau Artikel für

die Monatshygiene braucht, gelten

sie bisher steuerlich

als Luxus.

Vor allem für

Menschen mit

sehr wenig Geld

ist der Kauf von

Tampons und

Binden eine zu-

Selly begrüßt, dass

die Tamponsteuer

2020 gesenkt wird.

PRIVAT

sätzliche Belastung.

Das gilt

etwa für Schülerinnen,

die andere

Produkte bevorzugen

als ihre

Mutter oder ohne Frau im Haushalt

groß werden, und für Studentinnen.

Ein nächster Schritt wäre auch, darüber

nachzudenken, den Hartz-IV-

Regelsatz für Frauen monatlich um

wenige Euro anzuheben.

Aber es geht um mehr als das gesparte

Geld. Die Steuersenkung ist

ein politisches Symbol dafür, der

strukturellen Benachteiligung von

Frauen aktiv entgegenzuwirken.

Frauen verdienen durchschnittlich

weniger als Männer trotz gleicher

Position, viele Hygieneartikel für

Frauen sind teurer und sie müssen

Periodenprodukte kaufen. Diese

nicht mehr als „Luxusartikel“ einzustufen,

ist deshalb das Mindeste.

Eine Befürchtung war, dass viele

andere Änderungen fällig wären.

Denn das Steuergesetz richtet sich

nach einem veralteten Grundsatz:

Für Produkte, die vom Land kommen,

gab es keine Mehrwertsteuer,

damit die damals ungebildeten Bauern

nicht so viel Papierkram hatten.

Deshalb werden Schnittblumen und

Rennpferde bis heute geringer besteuertals

Rasierer und Tampons.

Eigentlich sollte die Steuer für Binden,Tampons

und Menstruationstassen

ganz abgeschafftwerden. Kanada,

Kenia und Irland machen es vor.

AndereHygieneartikel könnten dann

auf 7 Prozent gesenkt werden. Der

jetzige Beschluss ist aber ein Anfang.

Das bedeutet dann wohl, nur noch

zweimal teuer zu menstruieren!

Online-Tipp

Lizzo in Berlin

Die US-amerikanische Rapperin

Lizzo ist wahrlich eine Erscheinung.

Ihren fülligen Körper setzt sie in

bunten, knappen Kostümen eindrücklich

in Szene. AmDonnerstag

trat das Energiebündel in der Berliner

Columbiahalle auf und versetzte

die Massen in rhythmische Bewegung.

Doch Lizzo macht nicht nur

gute Laune, sie bricht mit Konventionen

und setzt sich für Diversität

und Body Positivity ein. Chapeau!

Mehr über die Rapperin Lizzo lest

ihr morgen online auf spreewild.de.

„Sexuelle Gewalt wird verharmlost“

Deutsche Medien haben

ein Sexismus-Problem,

sagt Anne Jacob vomVerein

Gender Equality Media.

Die 25-Jährige durchforstet die

Medien täglich ehrenamtlich nach

sexistischen Bildern, Artikeln und

Worten. Ihr Ziel: ein Kulturwandel

in der Medienlandschaft. Wie das

gehen soll, erklärt Anne im Interview.

Ihr kritisiert, die deutsche Berichterstattung

sei oft sexistisch. Was läuft

deiner Meinung nach falsch?

Wir scannen die Medien seit

zweieinhalb Jahren. Dabei sind uns

bestimmte Strukturen aufgefallen,

die hinter dem Sexismus stehen.

ZumBeispiel dieVerharmlosung von

sexualisierter Gewalt gegen Frauen

in den Medien. Da ist dann zum Beispiel

die Rede von„Sex-Täter“.Wenn

man liest, es war eine „Sex-Tat“ statt

einer Vergewaltigung, dann wirkt die

Tatnur halb so schlimm. Das wiederum

mündet dann auch in reeller

Gewalt. Das ist ein Problem, das

auch Studien belegen.Wenn man regelmäßig

die Begrifflichkeiten und

Objektifizierungen von Frauen medial

befeuert und unterstützt, kann

das zueiner gesellschaftlichen Verankerung

dieser Verharmlosung von

Gewalt gegenFrauen beitragen.

Wie wollt ihr das ändern?

Wir üben vorwiegend über Social

Media Druck aus und durch direkte

Kritik mit Änderungsvorschlägen.

Wir twittern zum Beispiel öffentlich

Journalisten an, wenn etwa

„Sex-Täter“ in der Überschrift steht,

undfragen, ob man das nicht ändern

kann.

2013 habt ihr eine Petition gegen das

„Bild“-Girl gestartet. Erfolgreich –

das „Bild“-Girl gibt es so nicht mehr.

Darauf sind wir schon stolz,

dass wir dazu beigetragen haben

durch unsere anhaltende Kritik.

Man muss aber dazusagen, die

„Bild“-Zeitung hat ja nur ihre eigenen

„Bild“-Girl-Produktionen eingestellt.

Aber es ist nicht so, dass es

keine nackten Frauen mehr in der

„Bild“ gibt. Das „Bild“-Girl trägt

mittlerweile immer Unterwäsche.

VonKristina Vasilevskaja, 18 Jahre

Hier kommt das Flugzeug.“ Nein,

heute geht es mir nicht um den

CO2-Ausstoß von Flugzeugen, sondern

umdas Aufessen. Schon von

klein auf wurde mir jedenfallsbeigebracht,

dass man Essen nicht wegschmeißt.

Um auchnoch die letzten

Reste in mich hineinzubekommen,

taten meine Elternso, als sei der Löffel

ein Flugzeug –ich machte voller

Faszination brav meinen Mund auf

–und schwups: Der Teller war leer.

Später brachte man mir bei, die

Reste wenigstens aufzuheben, um

sie später noch zu essen.

Heute erlebe ich das ganz anders.

Lebensmittelknappheit oder sonstige

Versorgungsengpässe, wie meine

Großeltern sie noch erlebt haben,

kennen wir nicht mehr. Die Angst

davor ist verblasst. Und solebe ich

mittlerweile in einer Gesellschaft, in

der es normal geworden ist, Essen zu

verschwenden. Wo ich nur hinschaue:

überall Überfluss. Wie soll

Dreizehn junge Ehrenamtliche wollen den Sexismus in der Medienwelt abschaffen

Schon 2013 wurde inBerlin unter dem Motto „Gegen Sexismus in der Werbung“ demonstriert. DPA

Der Verein setzt sich gegen

sexistische Berichterstattung

sowie für einen

diversen und

respektvollen Medienton

ein –also auch gegen

Rassismus.

Im Schnitt wirft jeder

Deutsche jährlich 85 Kilo

Nahrungsmittel weg. DPA

WASIST GENDER EQUALITY MEDIA?

Selbst erklärtes Ziel ist

es, dass die Medien diverser

werden. Mit Aktionen

soll öffentlich Druck

auf die großen Medienhäuser

in Deutschland

ausgeübt werden.

Nachhaltigkeits-Kolumne

Aktuell arbeiten dreizehn

Ehrenamtliche bei

Gender Equality Media,

die meisten sind Studenten.

Das Team freut sich

über Zuwachs. Infos unter

genderequalitymedia.org.

Kampf dem Verschwendungswahn

man sich da entscheiden?! Am Ende

sind die Augen wieder größer als der

Magen. Die Teller bleiben halb voll.

Unddie Mülltonnen quillen über.Ist

das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen,

werfen wir das Lebensmittel

lieber weg. Noch vorwenigen Jahrenhaben

wir uns noch auf unseren

Geruchssinn verlassen, um festzustellen,

ob etwas wirklich abgelaufen

ist oder nicht.

Dabei ist die Verschwendung

nicht nur ein individuelles Problem,

es ist ein gesellschaftliches. Unternehmen

wirtschaften unökologisch.

DieWirtschaft vernichtet ihre eigenen

Ressourcen. Unzählige

Bauernhöfebeispielsweise

ernten ihr Gemüse nicht

komplett ab – weil es

nicht hübsch genug ist

oder die Lager den Platz

gar nichthergeben. Hinzu

kommt, dass nicht selten die Arbeitskräfte

für die Ernte fehlen.Einige

Höfe wie der von Kai Dech im

brandenburgischen Seeblick sind

da schon weiter und erlauben interessierten

Bürgern übrig gebliebenes

Gemüse „nachzuernten“. Genaudas

Richtige für mich. Zurück in

Berlin sah ich mich voll behangen

mit Beuteln voller Kürbisse, Kohlköpfe

und reklamiertem Mais –ja,

tatsächlich gibt es Lebensmittel, die

von Supermärkten zurückgeschickt

werden. Alles ergab ein ordentliches

Abendessen für viele Personen.

Insgesamt macht es das aber nicht

besser, weil sie trotzdem ein Objekt

der Begierde bleiben soll und die

Zeitung weiterhin aufgrund von so

viel nackter Haut gekauft wird.

Wasist der „Kodexfür die Beendigung

sexistischer Berichterstattung“?

An dem arbeiten wir. Wir entwickeln

gerade unser nächstes Projekt:

„Recoding:Media“. Da werden

wir uns mit Journalisten zusammensetzen,

umzuschauen, woman in

den Redaktionen andocken kann.

Wo es Veränderungsbedarf gibt und

auch-möglichkeiten. DieIdee,etwas

zu verändern, wollen wir so ganz

praktisch angehen. Auf Grundlage

der Gespräche wollen wir dann einen

Leitfaden oder Kodex erarbeiten.

Dersollauch in die Redaktionen

gehen und dabei helfen, sexistische

Berichterstattung allgemein, aber

auch die Verharmlosung vonGewalt

gegen Frauen abzuschaffen. Wir

wünschen uns,dass die Bebilderung

so divers wie unsereGesellschaft ist.

Bei der Berichterstattung sollten

Frauen nicht als Objekte oder Eigentum

dargestellt werden. „Spielerfrau“

ist zum Beispiel kein Name.

Wiehängen Sexismus und Rassismus

zusammen?

Wir haben im Sommer-Screening

beobachtet, dass Stockfotos

weiße junge Cis-Frauen (Anm. d.

Red.: Körpergeschlecht und Geschlechtsidentität

fällt bei Cisgender

zusammen) abbilden. Nur selten

People of Color.ImHinblick auf Diskriminierung

fällt auch auf, dass keine

behinderten Menschen abgebildet

werden. Dadurch werden bestimmte

Schönheitsideale vermittelt,

die wiederum ein sexistisches

Bild abgeben. Waswir jetzt auch im

Zusammenhang mit der Berichterstattung

über Gewalt gegen Frauen

beobachtet haben, ist, dass „Ehrenmord“

geschrieben wird, wenn die

Täter nicht prototypisch deutsch

sind. Da setzt man eine Gewalttat in

einen bestimmten Kontext. Macht

das ein deutscher Mann, dann ist es

nur eine „Eifersuchtstragödie“.

Das Interview führte Selly Häußler,

28 Jahre

Führt man sich vor Augen, wie

viele Lebensmittel auf der ganzen

Welt verschwendet werden, dann

brauchen wir vielleicht nicht mehr

Lagerkapazitäten, sondern einfach

eine andere Denkweise. Klar, nicht

jeder Mensch kann zueinem Bauernhof

fahren, um dortLebensmittel

zu retten. Dennoch kann jeder in seinen

eigenen vier Wänden anfangen,

etwas gegen diesen Wahnsinn zu

tun. Muss der vorgestern abgelaufene

Joghurt wirklich in die Tonne?

Wembringt das etwas?

Ach, übrigens müssen Obst und

Gemüse nicht immer sofort imBiomüll

oder auf dem Kompost landen.

Geriebene Zitronen- und Orangenschalen

beispielsweise lassen sich

sehr gut trocknen und zum Backen

verwenden. Und auch Kürbiskerne

gehören nicht in den Müll, sondern

für zehn Minuten in den Ofen –und

dann in den Mund.

Alle Teile vonKristinasKolumne und

weitereTipps gibt‘sauf spreewild.de.

DIE ERFAHRUNG LEHRT

Bereuen wird

man nur

bereuen

Warum es nichts bringt,

sich über Fehler zu ärgern

Von Tamina Grasme, 24 Jahre

Mittwochnacht,

Turmstraße.

Verzweifelt suche ich mein

Fahrrad. Habe ich es wirklich hier

abgestellt? Steht mein geliebter

Drahtesel vielleicht nicht doch im

Innenhof? Leidernicht.

DasFahrradist weg–samtSchloss

und Erinnerungen. Reue macht sich

breit. „Du hättest es besser zu Hause

gelassen oder

wärst noch besser

gar nicht mit

der Fachschaft

zum Kneipenabend

gegangen!

Was wolltest du

da eigentlich?

Bist doch gar kein

richtiger Ersti!“,

wettert die Stimme

in meinem

Tamina ist es

endgültig leid, Kopf. Eins kommt

zu bereuen. zum anderen. Beginnend

mit dem

schmerzenden Verlust des Fahrrads

bereue ich nicht nur die vorherige

Abendgestaltung, sondern baldauch

meine gesamte Semesterplanung.

Da hätte ich besser nachdenken sollen.

Jetzt habe ich kaum freie Tage

und komme mit meiner Master-Arbeit

nicht voran. Und weil das Rad

wegist, verpasseich dann auchnoch

die Einführungsveranstaltung. Die

Woche ist gelaufen. Ich gönne mir

zwei entspannte Tage mit Freunden

im ländlichen Brandenburg. Sofort

meldet sich die Stimme zurück: „Du

hättest deinen Laptop mitnehmen

und an deiner Arbeit ackern sollen!“

Ich komme aus dem Bereuen nicht

mehr raus. Irgendwann bereute ich

das Bereuen. Wasuns das lehrt? Die

einzig mögliche Vorsichtsmaßnahme,

sich vor diesem Teufelskreis zu

schützen, bleibt der Verzicht. Der

Verzicht aufs Bereuen.

PRIVAT

Die Erfahrung lehrt: Bereuen bringt

nichts. Es ist ja sowieso schon passiert.

MELDUNG

Bald Anmeldeschluss

für „Jugend forscht“

Noch bis Ende November können

Jungforscherinnen und -forscher

bis 21 JahreihreProjekte für

„Jugend forscht“ 2020 anmelden.

Diesmal stehtder Wettbewerb unter

dem Motto „Schaffst Du!“. Für die

Anmeldung reicht es zunächst aus,

das Forschungsthemafestzulegen.

Es kann frei gewählt werden, muss

aber in eines der sieben „Jugend

forscht“-Fachgebiete passen. (jill.)

Alle Infos findet ihr unter

jugend-forscht.de.

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

instagram.com/spreewild_de

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twitter.com/Spreewild


Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019 29

· ·

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Werweiß denn sowas?

18.50 (für HG) Morden im Norden 19.45 (für

HG) Wissen voracht 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Operation Bahn

Statistisch fährtjeder Bewohner des

Landes 25 Mal im Jahr mit der Bahn. Sie

gilt als umweltfreundlich und ist

Hoffnungsträger der Klima- und

Verkehrspolitik.

21.00 (für HG) Hart aber fair

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Die Story imErsten:

Abnehmen um zu überleben

23.30 (für HG) London Calling

Briefe aus dem Kalten Krieg

0.15 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.30 Explosiv –Weekend 6.00 Guten Morgen

Deutschland 8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte

Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap

9.30 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 10.00

Der Blaulicht Report. Reality-Soap 11.00 Der

Blaulicht Report 12.00 Punkt 12 –Das

RTL-Mittagsjournal 14.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 15.00 Schätze aus Schrott 16.00

Mensch Papa! Väter allein zu Haus 17.00 Herz

über Kopf. Telenovela 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Starmagazin 18.45 RTL Aktuell

19.03 RTL Aktuell –Das Wetter 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Daily Soap 19.40 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Bauer sucht Frau

Dateshow. Zarte Flirtversuche und ein

Liebesbeweis, der eine der Frauen

buchstäblichzum Würgen bringt: Aufden

Höfen vonJürgen, Michael, Burkhard

Thomas und Kai ist mächtig was los.

22.15 Extra –Das RTL Magazin

23.25 SpiegelTV

0.00 RTL Nachtjournal /Wetter

0.30 Die Alltagskämpfer –

Überleben in Deutschland

1.15 Ohne Filter –

So sieht mein Leben aus!

MDR

12.30 (für HG) Ein Wochenende im August.

Drama, D2019 13.58 (für HG) MDR aktuell

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG)

Mach dich ran 20.15 (für HG) Polizeiruf 110: Tod

im Ballhaus. Krimireihe, D2006 21.45 (für HG)

MDR aktuell 22.05 Fakt ist! 23.03 MDR aktuell

23.05 (für HG) Weissensee 0.40 Salto Postale

Bayern

13.30 (für HG) Verrückt nach Zug 14.15 (für HG)

Hofgeschichten 14.45 (für HG) Gefragt –Gejagt

15.30 Schnittgut 16.00 (für HG) Rundschau

16.15 (für HG) WirinBayern 17.30 Regionales

18.00 (für HG) Abendschau 18.30 (für HG)

Rundschau 19.00 (für HG) Unkraut 19.30 (für

HG) Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Landfrauenküche

21.00 (für HG) Jahre der Verführung 21.45 (für

HG) Rundschau Magazin 22.00 (für HG)

Lebenslinien 22.45 Der Kaiser vonSchexing

23.35 Asül für alle 0.20 Rundschau Nacht

Vox

5.15 CSI: NY 6.55 CSI: Den Täternauf der Spur

8.45 Verklag mich doch! 10.50 VoxNachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 11.55 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00

4Hochzeiten und eine Traumreise 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein

Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00

Prominent! 20.15 Goodbye Deutschland! Viva

Mallorca! 23.15 (für HG) Survivor 0.35 Vox

Nachrichten 0.55 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

9.25 Thomas &seine Freunde 9.35 Weihnachtsmann

Junior 10.10 Sammy 10.40 Grizzy &die

Lemminge 11.10 Alvinnn!!! 11.40 Go Wild!

12.10 Friends 12.30 Trolls 12.50 Polly Pocket

13.15 Tomund Jerry 13.45 Bugs Bunny&

LooneyTunes 14.15 Angelo! 14.45 Dragons

15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally

Bollywood 16.40 Barbie 17.10 Grizzy &die

Lemminge 17.40 Angelo! 18.10 Bugs Bunny&

LooneyTunes 18.35 Woozle Goozle und die

Weltentdecker 19.05 Alvinnn!!! 19.45 Tomund

Jerry 20.15 On the Case 0.25 Infomercials

Sport1

5.00 SportClips 5.30 Antworten mit Bayless

Conley 6.00 Die Arche-Fernsehkanzel 6.30

Teleshopping 15.30 Cajun Pawn Stars –Pfandhaus

Louisiana 16.30 StorageWars –Die

Geschäftemacher.Doku-Soap 17.30 Container

Wars. Doku-Soap.Das Geheimversteck /Alles

oder Nichts 18.30 Fußball. Viktoria –Böse

Geister 19.00 Volleyball. Bundesligader Männer:

Hypo Tirol AlpenVolleys Haching –VfB Fri