Berliner Zeitung 18.11.2019

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6 Berliner Zeitung · N ummer 268 · M ontag, 18. November 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Aramco legt Spanne für

Emissionspreis fest

Beim womöglich größtenBörsengang

aller Zeiten hat der saudische

Ölriese Aramco die Preisspanne seiner

Aktien zwischen 30 und 32 Riyal

festgelegt, was 8,00 beziehungsweise

8,53 US-Dollar entspricht. Aramco

will 1,5Prozent oder etwa drei

Milliarden seiner Anteileverkaufen,

wie das Unternehmen am Sonntag

mitteilte. Damit könnte Aramco bis

zu 25,6 Milliarden Dollar einnehmen

und den Rekordfür den größten

Börsengang knapp brechen,

den derzeit noch die chinesische

HandelsplattformAlibaba mit Einnahmen

von25Milliarden Dollar

hält. Derendgültige Emissionspreis

soll am 5. Dezember festgelegt werden.

(dpa)

Spezialeinheit gegen

Steuerbetrug

DasBundesfinanzministerium will

künftig mit einer spezialisierten Einheit

gegen groß angelegten Steuerbetrug

wie im Fall derCum-Ex-Geschäfte

vorgehen. Finanzminister Olaf

Scholz (SPD) werdedazu einemit

48 Stellen ausgestattete Spezialeinheit

beim Bundeszentralamt für Steuerneinrichten,

berichtetedie „Welt

am Sonntag“. Für die „Taskforce

gegen Steuergestaltungsmodelle am

Kapitalmarkt“ seien Ausgabenvon

etwa 21 Millionen Euro veranschlagt,

die im Bundeshaushalt 2020 schon

eingeplantseien. Mitdem Hin- und

Herschieben vonAktien mit (cum)

und ohne (ex) Dividendenanspruch

hatten Investoren viel Geld zulasten

der Staatskasse eingestrichen. (dpa)

Ford und Toyota wollen

IAA nach Köln holen

Die IAAwill sich neu orientieren.

DieChefs der Autohersteller Ford,

Toyota und e.Go –alle mit Sitz in

NRW–haben sich für Köln als neuen

Standortder Automesse IAA ausgesprochen,

so der „Kölner Stadt-

Anzeiger“. „Mit der Spielemesse

Gamescom hat Köln ja bereits bewiesen,

dass man solche Formate

stemmen kann“, sagte etwa Gunnar

Herrmann, Chef vonFordDeutschland,

der Zeitung. Toyota-Deutschland-Chef

Alain Uyttenhovensagte:

„Köln wäredefinitiv ein sehr guter

Standortfür die Messe.Nicht nur

Ford undToyota haben hier ihren

Sitz, sondernauch zahlreiche große

und bedeutende Zulieferer.“ (dpa)

Pro Bahn lobt Verzicht

auf Preiserhöhung

FOTO: MICHAEL PROBST/AP

DerFahrgastverband ProBahn begrüßt

den Verzicht der Deutschen

Bahn auf Fahrpreiserhöhungen zum

Fahrplanwechsel im Dezember.Dies

sei„absolut richtig“, sagte der stellvertretende

Bundesvorsitzende Lukas

Iffländer.„In der aktuellen Klimadebatte

ist es nicht zu vertreten,

den Verkehrsträger Bahn noch teurerzumachen.“Die

Deutsche Bahn

hatte im September angekündigt,

die Preiserhöhung im Fernverkehr

in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

Durchdie am Freitag mit dem Klimapaket

beschlossene Senkung der

Mehrwertsteuer auf Bahntickets von

19 auf 7Prozent soll das Preisniveau

im Fernverkehr um 10 Prozent senken.

(dpa)

Nach der Erhöhung ist vor der Abgabe

Mit der Rentenerhöhung werden wieder mehr Rentner steuerpflichtig –und müssen Geld zurückzahlen

Von Theresa Dräbing

Ersteinmalisteseinepositive

Nachricht: Rentner können

im kommenden Jahr mit

deutlich steigenden Bezügen

rechnen. Zum 1.Juli 2020 sollen

die Renten in Westdeutschland um

3,15 Prozent und in Ostdeutschland

um3,92Prozentsteigen.Dasgehtaus

einem Entwurf für den Rentenversicherungsbericht

2019 hervor, der

vergangene Woche bekannt geworden

ist. Eine monatliche Rente von

1000 Euro dürfte sich nach den derzeitigen

Schätzungen im Westen um

31,50 Euro und im Osten um

39,20Euromonatlich erhöhen.

Eine solche Erhöhung bedeutet

aber auch, dass mehr Rentner künftig

eine Steuererklärung abgeben

müssen. Einige,die zuvor noch nicht

steuerpflichtig waren, werden nun

eine Grenzeüberschreiten, die sie zu

einer Abgabe verpflichtet. Das kann

fürsiebedeuten, dasssievonderausgezahlten

Rente einen kleinen Anteil

wieder an den Fiskus zurückgeben

müssen. Aber keine Panik: Wenn jemand

erstmals durch eine Rentenanpassung

steuerpflichtig wird, ist

die Höhe der Abgabenlast immer

noch sehr gering.

Ein Beispiel: Wenn ein Alt-Rentner,der

bereits 2005 in Rente gegangen

ist, dieses Jahr gerade noch im

steuerfreien Bereich liegt, käme er

2020 mit den vorgesehenen Rentenerhöhungen

–unter der Annahme,

dasssichdieSozialversicherungsbeiträge

2020 nicht ändern –auf eine

Steuerbelastung von 54Euro (Ost),

beziehungsweise 42 Euro (West).

„Ob ein Alt-Rentner in die Steuerpflicht

rutscht, hängt unter anderem

davon ab,inwelchem Jahr er in Rente

gegangen ist und ob er mit seinem

steuerpflichtigen Einkommen den

Grundfreibetrag überschreitet“, sagt

Uwe Rauhöft, Geschäftsführer vom

Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine

(BVL).

Auch derGrundfreibetrag steigt

Denn jedes Jahr wird zum einen der

Grundfreibetrag angepasst und zum

anderen für Neurentner der steuerpflichtige

Anteil prozentual erhöht.

WarbeispielsweiseimJahr2005noch

die Hälfte des Einkommens steuerfrei,

wird dieser Wert jährlich abgesenkt

und beträgt dieses Jahr 22 Prozent,

2020 werden nur noch 20 Prozent

steuerfrei sein. Dieser Wert

bleibt für Rentenbezieher in den Folgejahren

unverändert, nur für Neurentner

gilt der jeweils angepasste

Wert.

Hingegen für alle wirdjährlich das

steuerfreie Existenzminimum, der

sogenannte Grundfreibetrag, der

sich unter anderem an der Inflation

orientiert, angepasst. Zurzeit beträgt

er 9168 Euro, 2020 soll er auf

9408 Euro steigen (für Verheiratete

gilt jeweils der doppelte Wert).

So kannesauchvorkommen,dass

sich eine Rentenerhöhung mit dem

höheren Grundfreibetrag ausgleicht.

Das war dieses Jahr allerdings nicht

der Fall und nach Einschätzung von

Von Andreas Hoeinig

Die Windenergiebranche wirft der

Bundesregierung angesichts der

Krise der Windkraft an Land schwere

Fehler vor. „Anstatt dem Ausbau der

Windenergie wieder in die Spur zu helfen,werdenderBrancheweitereSteine

in den Weggelegt“, sagte der Präsident

des Bundesverbands Windenergie,

Hermann Albers. „Dassdie Bundesregierung

beim wichtigsten Projekt

unserer Volkswirtschaft aufgrund der

Kritik einiger Bürgerinitiativen einzuknickendroht,zeigtihreaktuellepolitische

Schwäche.“ DieRegierung müsse

ANLAGEN IN DER STEUERERKLÄRUNG

Verpflichtend: Jeder Rentner,der eine

Steuererklärung abgibt, muss neben dem

Mantelbogen die AnlageR„Renten und andere

Leistungen“ ausfüllen. Wenn es Einkünfte

aus Vermietung oder Verpachtung gibt,

auch die AnlageV.Kapitalerträgesindinder

Anlage„KAP“ aufzuführen.

stattdessen „neue Begeisterung“ für

das wichtige Projekt Energiewende

schaffen.

Albers sagte, die Bundesregierung

mache mit der Einführung einer Abstandsregelung

von 1000 Metern von

Windrädern zu Wohnsiedlungen

einen „fatalen Fehler“. Mitdieser bundeseinheitlichenRegelung,aufdiesich

das Klimakabinett verständigt hatte,

soll bei Anwohnerndie Akzeptanz für

Windräder vergrößert werden. Fünf

nebeneinander stehende Häuser sollen

als Wohnsiedlung gelten, wie es in

dem Gesetzentwurf des zuständigen

Wirtschaftsministeriums heißt. Bisher

Individuell: EinigeAusgaben können auch

Rentner vonder Steuer absetzen. In der Anlage

„Vorsorgeaufwand“ können beispielsweise

Beiträgezur Kranken- und Pflegeversicherung

aufgeführtwerden. Kosten für die Haushaltshilfe

oder den Schornsteinfeger zählen zu

den haushaltsnahen Dienstleistungen.

„Fatale Fehler“

Die Windkraftbranchewirft der Bundesregierung schwere Versäumnisse vor

gibt es vonLand zu Land unterschiedlich

strenge Vorgaben.

Vorallem an der Fünf-Häuser-Regel

gibt es Kritik, auch vonBundesumweltministerin

Svenja Schulze (SPD).

Den Bundesländern steht es laut Gesetzentwurfallerdingsfrei,abweichende

Regelungen zutreffen. Bei Wirtschafts-

und Energieverbänden, aber

auchdenLändernstoßendiePläneder

Bundesregierung dennoch auf heftige

Kritik.

„Das darf niemals Gesetz werden“,

sagte Grünen-Fraktionschef Anton

Hofreiter dem Nachrichtenportal

„t-online.de“. „Das wäre die Zerstö-

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

Rauhöft wird sich die Rentenerhöhung

auch nächstes Jahr nicht vollständig

mit der Anpassung des

Grundfreibetrags ausgleichen. „Es

wirdauch 2020 einen kleinen Teil von

Alt-Rentnern geben, die neu in die

Steuerpflicht rutschen.“ Wieviele,ist

offen. Für das Steuerjahr 2019 sind es

nach Schätzungen des Bundesministeriums

für Finanzen 48 000 Rentner,die

aufgrund der vorangegangenen

Rentenanpassungen erstmals

ihreSteuer erklären müssen.

In jedem Fall müssen Rentner

eine Erklärung abgeben, wenn sie

das Finanzamt dazu auffordert.

Doch sind sie auch verpflichtet, selber

zu prüfen, ob sie über der Einkommensgrenzeliegen.

Einen Richtwert,

bei welcher Rentenhöhe man

selbst betroffen ist, bietet zum Beispiel

eine Tabelle des Bundesverbands

Lohnsteuerhilfevereine. Zu

finden unter: bvl-verband.de/steuern/steuertipps.

Demnach ist ein 2019 in Rente gegangener

Ruheständler im Steuerjahr

2019 zur Abgabe einer Steuererklärung

verpflichtet, wenn seine

Bruttojahresrente über 13848 (Ost

und West) liegt. Wer2005 in Rente gegangen

ist, darfnoch eine Bruttorente

von maximal 17727 (Ost) und

18973 (West) beziehen, ohne beim

Finanzamt eine Erklärung abzugeben.

Diese Werte gelten allerdings

nur für den Fall, dass ausschließlich

Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung

bezogen wird. Bei zusätzlichen

Bezügen, wie etwa einer

betrieblichen Altersvorsorge oder

anderen Einkünften, muss die Grenze

individuell berechnet werden. Dabei

helfen Lohnsteuerhilfevereine

oder Steuerberater.

Immerwieder überprüfen

Ansonsten sieht die Rechnung vereinfacht

wie folgt aus: Vonder Bruttorente

wird der steuerfreie Anteil

abgezogen. Für Neurentner von2019

also 22 Prozent, für alle davor liegenden

Jahrgänge liegt der Freibetrag

höher. Eine solche Tabelle lässt sich

ebenfalls online einsehen. Weiterhin

abgezogen werden kann der Pauschbetrag

für Werbungskosten von

102 Euro, ein Sonderausgaben-

Pauschbetrag von36Eurosowie Pflegeversicherungs-

und Krankenversicherungsbeitrag.

Bei dem Wert, der

übrig bleibt, handelt es sich um das

zu versteuernde Einkommen. Liegt

dieses über dem Grundfreibetrag,

fallen Steuern an. In vielen Fällen

können allerdings auch noch weitere

Aufwendungen steuermindernd geltend

gemacht werden wie Krankheitskosten

oder Handwerkerleistungen.

„Wer zurzeit mit seinem steuerpflichtigen

Einkommen nur knapp

den Grundfreibetrag unterschreitet,

sollte das in kürzeren Abständen

überprüfen als jemand, der deutlich

darunter liegt“, so Rauhöft vomBVL.

„Das gilt umso mehr, wenn sich die

persönlichen Lebensumstände ändern“,

rät er.Wenn beispielsweise ein

Ehepartner verstirbt, ändertsich die

Steuersituation ebenfalls.

rungeinerSchlüsselbranchedersozial-

ökologischen Marktwirtschaft.“ Der

Ausbau der Windkraft an Land ist in

diesemJahr fast zum Erliegen gekommen.

Hauptgründe sind lange Genehmigungsverfahren,

zu wenige ausgewiesene

Flächen und viele Klagen. Vor

Ortgibt es viele Bürgerinitiativen gegen

Windräder.Die Branche fürchtet, dass

sich die Ausbaukrise verschärft, weil

durch neue Abstandsregelungenkaum

noch neue Flächen für Windräder zur

Verfügung stehen würden. Einweiterer

Ausbau der Windkraft an Land gilt als

notwendig, damit Deutschland Klimaziele

schaffen kann. (dpa)

Strom

wird

teurer

Die Kunden erwartet eine

Welle von Preiserhöhungen

Von Claus Haffert

Auf Stromkunden in Deutschland

kommt eine Welle an Preiserhöhungen

zu. Nach Angaben der Vergleichsportale

Verivox und Check24

haben bereits rund 170 Versorger angekündigt,

die Preise für private Verbraucher

zum 1. Januar anzuheben.

Laut Verivox wollen bislang

177örtlicheStromversorgerihrePreise

um durchschnittlich 5,4 Prozent

erhöhen. Ein Musterhaushalt mit

einem Verbrauch von4000 Kilowattstunden

müsse in den von den

Strompreiserhöhungen betroffenen

Regionen mit Mehrkosten von

durchschnittlich 64 Euro pro Jahr

rechnen. „Die Bundesregierung hat

zwar erklärt, die Haushalte bei den

Strompreisen entlasten zu wollen,

doch davon ist bisher noch nichts angekommen“,

sagte Valerian Vogel,

Energieexperte bei Verivox.

DasPortal Check24, das 171 angekündigte

und seit August vorgenommene

Preiserhöhungen zählt, ermittelte

einen durchschnittlichen Anstieg

von 5,3 Prozent. Preissenkungen

habe bisher kein Stromanbieter

vorgenommen oder angekündigt.

„Verbraucher zahlen schon seit Monaten

Rekordpreise für Strom“, sagte

Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie

bei Check24. „Daran wird sich

auch 2020 nichts ändern.“ Für einen

Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden

hat Check24 ein durchschnittlichesPlusvon82Euroerrechnet.

DiePortale erwarten, dass zahlreiche

weitere Stromanbieter in den

kommenden Tagen Preiserhöhungen

zum 1. Januar ankündigen werden.

Die Frist dazu laufe nächsten

Mittwoch (20. November) ab.Zuletzt

hatte es zudem noch viele Erhöhungen

im ersten Quartal 2019 gegeben.

Als Grund für die Strompreiserhöhungen

gaben die Versorger gestiegene

Umlagen und Netzgebühren

an. Die EEG-Umlage, über die der

Ausbau der erneuerbaren Energien

finanziert wird, steigt zum Jahreswechsel

um rund 5 Prozent auf

6,756 Cent je Kilowattstunde. Sie

macht rund 22 Prozent des gesamten

Strompreises aus. Auch die Gebühren

für die Stromnetze, auf die ein

weiteresknappesVierteldesGesamtpreises

entfällt, steigen, allerdings regional

unterschiedlich. DieMehrheit

der Netzbetreiber in Deutschland hat

Verivox zufolge Erhöhungen von

rund 6Prozent angekündigt.

Laut Check24 kaufen die Versorger

die Energie an der Strombörse im

Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent

günstiger ein, die gesunkenen Preise

würden bislang aber nicht an die Verbraucher

weitergegeben. Verbraucherschützer

sehen die Stromanbieter

in der Pflicht, für Preisstabilität zu

sorgen. „Steigende Strompreise sind

jetzt mit Blick auf den Klimaschutz

ein völlig falsches Signal“, sagte der

Energieexperte der Verbraucherzentrale

NRW, Udo Sieverding, auf

dpa-Anfrage. Die Versorger könnten

„mit den Spielräumen ihrer Beschaffungsstrategien

Preisveränderungen

durchaus so lange aufschieben, bis

das Klimapaket greift“. (dpa)

EinigeAnbieter erhöhen denStrompreis

um sechs Prozent.

FOTO: JENS WOLF/ZB/DPA

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