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Hochweit 2019

ISBN 978-3-86859-596-3

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hochweit 2019

jahrbuch der

fakultät für architektur

und landschaft

Leibniz Universität Hannover


inhaltsverzeichnis


4

6

10

14

einleitung

Hilde Léon: Vorwort

Markus Jager: Vom Bauhaus zur Werkkunstschule –

Das Fakultätsgebäude von Ernst Zietzschmann

Herbert Lindinger: Das Bauhaus und die Ulmer

Hochschule für Gestaltung

Professorinnen und Professoren

16

schaufenster

44

58

70

84

98

112

118

136

studentische projekte

Institut für Entwerfen und Gebäudelehre | IEG

Institut für Entwerfen und Konstruieren | IEK

Institut für Entwerfen und Städtebau | IES

Institut für Geschichte und Theorie der Architektur | IGT

Institut für Gestaltung und Darstellung | IGD

Institut für Freiraumentwicklung | IF

Institut für Landschaftsarchitektur | ILA

Institut für Umweltplanung | IUP

154

156

170

forschung und lehre

Promotion

Forschung

Lehre

174

faculty news

190

Impressum


vorwort

redaktionsteam

Edin Bajrić

Sabine Bartels

Lennart Beckebanze

Steffen Bösenberg

Dr. Jens Broszeit

Prof. Dr. Margitta Buchert

Julia Bürkner

Valentina Forsch

Jan-Eric Fröhlich

Valerie Hoberg

Lilly Irmer

Dr. Roswitha Kirsch-Stracke

Judith Schurr

Lisa Seiler

Johannes Wolff

Dear Readers,

The Faculty of Architecture and Landscape has been

publishing the HOCHWEIT yearbook for nineteen

years. People regularly query whether the small number

of projects and essays it contains is sufficient to reflect

the faculty’s broad range of research and teaching.

While it is true that this yearbook only allows readers

to peek through the keyhole and catch a glimpse of our

annual process of creativity, analysis, and research, it

is also not the only volume our faculty produces. Numerous

research reports, exhibitions, and publications

by the university’s institutes provide a differentiated

reflection of our faculty’s multifaceted areas of teaching

and research, as is also apparent in our Faculty

News summary. So the yearbook should not be regarded

as an accountability report; above all, it provides

an insight into the themes and production of, and engagement

with, design and planning concepts in the

context of urban centres and rural regions, revealing

the breadth of our programmes and in-depth constructive

studies. We focus on the large scale in both architecture

and rural landscapes, as well as adjusting our

perspective to examine cities, the countryside, entire

regions, and the environment on a smaller scale. Thus

our facultys open a wide range of cooperation, creativity,

theory, and technology.

As anyone involved with architecture, urban planning,

or landscape architecture certainly knows, the

Bauhaus is celebrating its 100th anniversary this year.

And nothing seems to be more popular in contemporary

architecture than the Bauhaus, which became worldfamous

despite only existing for fourteen years. At the

Bauhaus exhibition in Berlin, 1 Mies van der Rohe was

quoted as saying: “The Bauhaus was an idea. Only an

idea has the power to spread so far.” He added that it

was also possible to disseminate the idea through publications,

exhibitions, and propaganda. Naturally, the

new buildings in Dessau themselves were an immensely

effective sign of the Bauhaus.

Architecture has a strong identity-enhancing potential

and can even come to express the identity of

an entire institution. This is evident in the example of

the entire Leibniz Universität in Hannover: beginning

with the former Conti high-rise from the 1950s, moving

on to the monumental, historical main building,

and proceeding yet further to the exceptional individual

buildings throughout the entire neighbourhood towards

Herrenhausen – and finally to the new location

in Garbsen, which houses the Mechanical Engineering

Faculty. Our own Faculty of Architecture and Landscape

is embedded in that context, with its two outstanding

1960s buildings. One of them, the Architecture

Department in Herrenhäuser Strasse 8, was designated

a listed building shortly before a complete overhaul

of its façade, drawing public attention to the quality of

its architecture and its significance to contemporary

history. The article by my colleague Markus Jager in

this yearbook and the symposium he chaired last year

on 1960s architecture provide further evidence of this

interest. The façade’s renewal is now a high-profile

event that is being actively supervised by our faculty.

Today, Bauhaus has become a popular synonym

for classical modernism, especially in architecture. My

emeritus colleague Herbert Lindinger highlights the

effects of the Bauhaus on teaching in an interview with

the editorial team, not only providing a review of the

Hochschule für Gestaltung in Ulm but finishing with a

moving appeal regarding future tasks in design, architecture,

and landscapes.

The themes of the Bauhaus are regarded as fundamentals

in the field of landscape architecture and environmental

planning, and our teaching and research

engage with them in detail. The themes are also reflected

in architectural teaching on issues such as densification

and extensions in architecture. Thus, Bauhaus

themes are combined with current issues without losing

sight of the search for an idea.

The faculty would like to thank the editorial team,

which has once again managed to focus on the key factors

of our annual production. Every year, its work represents

an act of cooperation across the entire faculty;

all institutes are represented within the editorial team.

Our thanks also go to the designer of the book. It takes

an overall concept for typography, colour, and proportions

to unify the yearbook; and thus the “power of the

idea” is transferred from architecture and landscapes

to the design of HOCHWEIT 2019.

4


Liebe Lesende,

schon seit 19 Jahren erscheint nun das Jahrbuch

HOCHWEIT der Fakultät für Architektur und Landschaft.

Immer wieder gibt es Stimmen, ob die geringe

Anzahl an Studienprojekten und Aufsätzen ausreichend

ist, um das breite Angebot von Forschung und

Lehre wiederzugeben. Das stimmt: Dieses Jahrbuch

bietet nur einen Schlüssellochblick in den jährlichen

Prozess an Kreativität, Analysen und Recherchen. Das

Jahrbuch ist jedoch nicht das einzige Produkt unserer

Fakultät. Zahlreiche Veröffentlichungen der Institute,

Forschungsberichte, Ausstellungen und Publikationen

zeigen ein differenziertes Bild und die vielseitigen Aspekte

unserer Fakultät in Lehre und Forschung. Davon

zeugt die Zusammenfassung in den „Faculty News“.

Überhaupt ist das Jahrbuch kein Rechenschaftsbericht,

sondern gibt vor allem ein Einblick in die Themen, die

Produktion und Auseinandersetzung von Konzepten

im Kontext von Stadt und Land, es zeigt die Bandbreite

von Programmentwicklung bis zu konstruktiver Vertiefung.

Wir dringen in die Tiefe des großen Maßstabs,

sei es in der Architektur oder sei es im Freiraum. Unsere

Fakultät richtet aber auch den Blick in die Weite

des kleinen Maßstabs, in die Betrachtung von Stadt,

Land, Region und Umwelt. Das ist ein Spagat, den wir

kooperativ und kreativ, theoretisch und technologisch

abdecken.

Das Bauhaus wird 100 Jahre alt. Das haben auch

all diejenigen mitbekommen, die mit Architektur,

Städtebau und Landschaft nichts zu tun haben. Es

scheint nichts Populäreres in der neuzeitlichen Architektur

zu geben als das Bauhaus. Es hat letztlich nur

14 Jahre existiert, aber es ist zu Weltruhm aufgestiegen.

In der Berliner Bauhausausstellung 1 wird Mies

van der Rohe damit zitiert: „Das Bauhaus war eine

Idee. Nur eine Idee hat die Kraft, sich so weit zu verbreiten“,

er ergänzte, dass es auch gelungen sei, diese

Idee durch Publikationen, Ausstellungen und Propaganda

nach außen zu tragen. Aber natürlich waren die

neuen Bauten in Dessau ebenfalls ein immens wirksames

Zeichen des Bauhauses.

Architektur hat ein starkes Identitätspotenzial

und kann Ausdruck einer gesamten Institution sein.

Das zeigt sich auch ganz konkret am Beispiel der gesamten

Leibniz Universität in Hannover und erstreckt

sich ausgehend vom ehemaligen Conti-Hochhaus aus

den 1950er Jahren über das monumentale historische

Hauptgebäude, über herausragende Einzelbauwerke

im gesamten Quartier Richtung Herrenhausen nun

auch bis Garbsen mit dem neuen Standort des Maschinenbaus.

Darin eingebettet liegt unsere Fakultät

für Architektur und Landschaft mit ihren beiden herausragenden

Gebäuden aus den 1960er Jahren, von

denen das Gebäude der Architekturfachgruppe in der

Herrenhäuser Straße 8 gerade unter Denkmalschutz

gestellt wurde. Kurz vor einer grundsätzlichen Erneuerung

der Fassade wurde damit die Aufmerksamkeit auf

die architektonische und zeitgeschichtliche Qualität

gelenkt. Davon zeugen auch der Beitrag des Kollegen

Markus Jager in diesem Jahrbuch und das von ihm im

letzten Jahr geleitete Symposium über die Architektur

der 1960er Jahre. Der Erneuerung der Fassade wird

nun große Aufmerksamkeit geschenkt und wird aktiv

von unserer Fakultät begleitet.

Das Bauhaus ist inzwischen zu einem populären

Synonym der klassischen Moderne geworden, insbesondere

in der Architektur. Die Auswirkungen des

Bauhauses in der Lehre zu beleuchten, gelingt dem

emeritierten Kollegen Herbert Lindinger in einem Interview

mit dem Redaktionsteam. Darin beschränkt er

sich nicht auf einen Rückblick auf die Hochschule für

Gestaltung in Ulm, sondern endet mit einem berührenden

Appell zu den Aufgaben der Zukunft in Gestaltung,

Architektur und Landschaft.

Diese Themen werden elementar aufgegriffen im

Bereich Landschaftsarchitektur und Umweltplanung

und in Lehre wie Forschung vertieft. Sie spiegeln sich

auch in der Architekturlehre in Themen wie Verdichtung,

Umnutzung, Erweiterungen in der Architektur

sowie in theoretischen Vertiefungen und technologischen

Studien über Materialien und energetische Aspekten.

So verbinden sich Themen aus dem Bauhaus

mit aktuellen Themen, ohne dabei das Suchen nach

einer Idee aus den Augen zu verlieren. Überhaupt

schwingt der Einfluss der Bauhauslehre, gerade auch

bei der Grundlehre, im Entwurf und in den künstlerischen

Grundlagen spürbar mit.

Die Fakultät bedankt sich bei dem Redaktionsteam,

das es wieder einmal geschafft hat, die Jahresproduktion

auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es ist jedes

Mal ein Akt der Kooperation der gesamten Fakultät;

alle Institute sind im Redaktionsteam vertreten. Der

Dank geht auch an die Buchgestalterin. Denn nur mit

einer Idee für Typografie, Farbe und Proportionen wird

das Jahrbuch zu einem Ganzen. So zieht sich die „Kraft

der Idee“ von der Architektur und Landschaft bis in die

Gestaltung von HOCHWEIT 2019.

1 Original Bauhaus. Die Jubiläumsausstellung, Bauhaus-Archiv mit der

Berlinischen Galerie, Berlin September 2019–Januar 2020

hilde léon

Dekanin der Fakultät für Architektur und Landschaft /

Dean of the Faculty for Architecture and Landscape

Sciences

5


professorinnen

und professoren

Prof. Hilde Léon

Dekanin

Institut für Entwerfen

und Gebäudelehre

Prof. Zvonko Turkali

Institut für Entwerfen

und Gebäudelehre

Prof. Jörg Friedrich

Institut für Entwerfen

und Gebäudelehre

Prof. Michael Schumacher

Institut für Entwerfen

und Konstruieren

Prof. Dr. Dirk Bohne

Institut für Entwerfen

und Konstruieren

Prof. Alexander Furche

Institut für Entwerfen

und Konstruieren

Prof. Dr. Markus Jager

Institut für Geschichte

und Theorie

der Architektur

Prof. Dr. Barbara Zibell

Institut für Geschichte

und Theorie

der Architektur

Prof. Dr. Tanja Mölders

Institut für Geschichte

und Theorie

der Architektur

Prof. Mirco Becker

Institut für Gestaltung

und Darstellung

Prof. Anette Haas

Institut für Gestaltung

und Darstellung

Prof. Dr. Klaus Littmann

Institut für

Berufswissenschaften

im Bauwesen

Prof. Christian Werthmann

Institut für

Landschaftsarchitektur

Prof. Dr. Christina von

Haaren

Institut für

Umweltplanung

Prof. Dr. Michael Reich

Institut für

Umweltplanung

Prof. Dr. Rüdiger Prasse

Institut für

Umweltplanung

Prof. Dr. Eva Hacker

Institut für

Umweltplanung

Prof. Dr. Christian Albert

Institut für

Umweltplanung

14


Prof. Jörg Schröder

Institut für Entwerfen

und Städtebau

Prof. Andreas Quednau

Institut für Entwerfen

und Städtebau

Prof. Tim Rieniets

Institut für Entwerfen

und Städtebau

Prof. Dr. Margitta Buchert

Institut für Geschichte

und Theorie

der Architektur

Prof. Dr. Andreas O. Rapp

Institut für

Berufswissenschaften

im Bauwesen

Apl. Prof. Dr. Michael Rode

Institut für

Umweltplanung

Prof. Dr. Martin Prominski

Institut für

Freiraumentwicklung

Prof. Dr. Rainer Danielzyk

Institut für

Umweltplanung

Prof. Katja Benfer

Institut für

Landschaftsarchitektur

Prof. Dr. Frank

Othengrafen

Institut für

Umweltplanung

Prof. Dr. Joachim

Wolschke-Bulmahn

Institut für

Landschaftsarchitektur

Weitere Professorinnen und

Professoren der Fakultät:

Prof. Dr. Bettina Oppermann,

Institut für Freiraumentwicklung

Prof. Dr. Anke Seegert,

Institut für Landschaftsarchitektur

Prof. Gilbert Lösken,

Institut für Landschaftsarchitektur

Prof. Dr. Bettina Matzdorf,

Institut für Umweltplanung

Fotos: Julian Martitz

15


one for all – frankfurts haus der religion

Leon Schittek

> SEITE 50

22


Blick entlang der Arkaden

torre gioia – ein wohnhochhaus

in mailand

Fabian Wenning, Jan Wilmer

> SEITE 60

23


immerschön – winteraspekt

in der bepflanzungsplanung

Agnes Oltmann, Marlene Saecker, Janina Wagner

> SEITE 130

30


„um eine gleichberechtigte teilnahme am

leben in der gesellschaft zu gewährleisten, muss

es jedem verkehrsteilnehmenden möglich sein,

sich ohne besondere erschwernis und

grundsätzlich ohne fremde hilfe im

öffentlichen raum bewegen zu können.“

planung von barrierefreien haltestellen

des öffentlichen personennahverkehrs

René Klinner

> SEITE 132

31


immer schöner – zum zusammenhang

von verschönerungsvereinen und

kommunaler freiraumplanung

Prof. Bettina Oppermann, Philipp Ludwig

> SEITE 162

36


gut stemmen – vom konzept über den

förderantrag zur denkmalpflegerischen

umsetzung

Josephine Rother, Janine Teßmer

> SEITE 124

37


institut für

entwerfen und

gebäudelehre

ieg

Baukunst

Prof. Zvonko Turkali

Entwerfen und Architekturtheorie

Prof. Jörg Friedrich

Stadt Raum Gestaltung

Prof. Hilde Léon


zentrum kultureller

entwicklung des elsass

> SEITE 46

eine werkkunstschule für

die faguswerke in alfeld

> SEITE 48

one for all

> SEITE 50

gemeinsam

> SEITE 52

venice athletic club

> SEITE 54

mind the gap

> SEITE 56


one

for all

frankfurts haus der religion

An den Resten der historischen Stadtmauer

von Frankfurt / Main soll ein

Ort des Zusammenkommens und des interreligiösen

Dialogs geschaffen werden. Der keilförmige Baukörper

schließt den Block und schafft mit der Mauer einen

Vorplatz. Durch die Höhe des Gebäudes werden

Blickbeziehungen in die belebten Straßen Frankfurts

ermöglicht, wobei die abgeschrägten Fassaden die Verschattung

der Nachbarbebauung reduzieren und das

Gebäude als besonderen Stadtbaustein markieren.

In dieser Hülle liegen die Sakralräume für die Gemeinden

der fünf Weltreligionen alternierend übereinander.

Der übrige Raum bietet gemeindeübergreifende Veranstaltungs-

und Seminarräume, Ausstellungsflächen

sowie am Ende der spiralförmig hinaufsteigenden

Treppe einen offenen Raum der Stille als Ruhepol in

der Metropole.

one for all – frankfurt’s house of religion

For my thesis I designed a place for interreligious

dialogue and congregation in Frankfurt’s city centre.

The trapezoidal structure caps the end of the block

and adjoins the remnants of the historic city wall to create

a forecourt. The height of the building allows for an

unobstructed view into the lively streets, and the tilted

facade reduces the shading of neighbouring buildings

and marks the site’s significance.

This structure contains sacred spaces for the local communities.

Alternating from floor to floor and retaining

a continuous space throughout, each space is designed

to accommodate the ceremonial needs of one of the

five world religions. The remaining space offers rooms

for community seminars and events as well as an open

spiritual space at the top of the spiral staircase, creating

a haven of calm in the heart of the metropolis.

leon schittek

Bachelorthesis

Betreuung: Prof. Jörg Friedrich

Entwerfen und Architekturtheorie

50


51


dimensionierung

von heiz- und

raumlufttechnischen

anlagen

einfluss auf den

strombedarf für

ein hotelgebäude

Die Hotellerie ist in

Deutschland eine star-

ke und energieintensive Branche. So fließen rund

5–10 Prozent des Betriebsumsatzes in die Energiekosten.

Eine Studie der Energiekampagne Gastgewerbe

ergab weiterhin, dass ca. 4 Prozent der gesamten

Klimaemissionen von Nichtwohngebäuden von

Hotels stammen. 1 Dabei ist die Lüftungsanlage eines

Hotels für mehr als 50 Prozent der Energieausgaben

verantwortlich. 2 Die Installation von Wärmerückgewinnungssystemen,

die Überarbeitung der einzelnen

Lüftungsregister und eine optimale Kanalnetzführung

sind wichtige Bestandteile, um die Energiekosten zu

senken.

Die Arbeit behandelt ein Hotelgebäude, das sich

noch in der Planungsphase befindet. Ihr Ziel ist es, die

raumluft- und heizungstechnischen Anlagen im Hinblick

auf den Strombedarf zu optimieren. Dazu wird

zunächst ein Hotelgebäude in Düsseldorf untersucht

und vorgestellt. An einer der verschiedenen RLT-Anlagen

erfolgt beispielhaft eine geschwindigkeitsorientierte

Optimierung des Rohr- und Kanalnetzes. Dabei

werden die bedarfsgebundenen Stromkosten sowie

die kapitalgebundenen Kosten ermittelt und mithilfe

des in Microsoft Office enthaltenen Solvers durch eine

Anpassung der Strömungsgeschwindigkeit minimiert.

Zudem werden die Auswirkungen untersucht, die eine

Variation verschiedener Parameter wie Betriebsstunden,

Leistungs- oder Strompreis hat. Weiterführend

werden die Ergebnisse auf andere vorhandene RLT-Anlagen

übertragen und der Einfluss auf den Strombedarf

des Hotels wird ermittelt.

Das Hotel Belsenplatz besteht aus einem Untergeschoss

(UG), Erdgeschoss (EG), 1.–4. Obergeschoss (1.–

4. OG) und einem Staffelgeschoss (SG). Zwölf RLT-Anlagen

versorgen das Hotel. Der Fokus dieser Arbeit liegt

auf der RLT-Anlage für das Erdgeschoss Nord. Der Bereich

Erdgeschoss Nord setzt sich zusammen aus der

Lobby, Büroräumen, einem Fitnessstudio, WC-Räumen

und einigen Konferenzräumen. Die Aufenthaltsräume

im EG werden mechanisch be- und entlüftet. Die

Abb. 1: Isometrie des ungünstigsten Kanalstrangs

raumlufttechnischen Anlagen sind mit den thermodynamischen

Behandlungsfunktionen Heizen und

Kühlen vorgesehen, infolgedessen ist das System eine

Klimaanlage. Die bereits bekannten sowie die neu

ermittelten Luftzustandsdaten werden nun in ein

h,x-Diagramm eingetragen, ebenso Vorerhitzer, Befeuchter

und Nacherhitzer in umgekehrter Reihenfolge.

Um das Kanal- bzw. Rohrnetz zu berechnen und

anschließend zu optimieren, müssen vorhergehend einige

Randbedingungen definiert werden. Grundlegend

erfolgt eine Berechnung des ungünstigsten Strangs,

da dieser den höchsten Druckverlust aufweist. Dieser

Druckverlust ist maßgebend für den hydraulischen

bzw. pneumatischen Abgleich, durch den die Ventile

an den Strangausgängen denselben Gesamtdruckverlust

erhalten wie der ungünstigste Strang. Der Abgleich

geschieht über eine Berechnung des Druckverlusts der

Leitungen eines einzelnen Strangs und der daraus resultierenden

Differenz zwischen Druckverlust des ungünstigsten

Strangs und Druckverlust des einzustellenden

Strangs.

Die Berechnung des Kanalstrangs erfolgt in zwei

Schritten. Zunächst werden die Energiekosten für den

Lufttransport sowie die Leistungskosten des Ventilators

berechnet. Zusammengefasst ergibt dies die Stromkosten.

Daraufhin werden die kapitalgebundenen Kosten

für den Kanal ermittelt. Die Optimierung lässt sich sowohl

auf die Strömungsgeschwindigkeit als auch auf

den Druckverlust beziehen. Bei der Optimierung der

Energiekosten wird zunächst die Strömungsgeschwindigkeit

bzw. der Druckverlust verändert und der sowohl

wirtschaftlich als auch technisch günstigste Fall bestimmt.

Daraufhin erfolgt eine Variation der Betriebsstunden

sowie des Strom- und des Leistungspreises,

um den Einfluss dieser Faktoren zu bestimmen. Die

Berechnung und Optimierung der Strom- und kapitalgebunden

Kosten findet für jede Teilstrecke des Strangs

einzeln statt, da sich Parameter wie der Volumenstrom

und die Einzelwiderstände innerhalb einer Teilstrecke

nicht ändern, jedoch von Teilstrecke zu Teilstrecke variieren.

Die Strömungsgeschwindigkeit wurde durch

das Programm liNear CAD Solutions ermittelt. Zur

Berechnung der Energiekosten werden weiterhin die

Betriebsstunden benötigt. Diese werden zunächst mit

4015 h / a angesetzt, was nach DIN 18599-10 „Energetische

Bewertung von Gebäuden“ der Nutzung eines

Büros entspricht.

Abschließend ist als Randbedingung zur Berechnung

der Energiekosten der Strompreis notwendig.

Der Strompreis ist in diesem Fall der verbrauchsabhängige

Arbeitspreis eines Stromanbieters, angegeben in

Euro pro kWh. Dieser beträgt laut einer Statistik des

Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

(BDEW) 0,1717 € / kWh für Industriebetriebe mit einem

Jahresverbrauch zwischen 160.000 und 20 Millionen

kWh. 3 Dieser Strompreis wird zunächst konstant gehalten

und in der weiteren Optimierung variiert. Da

es nicht möglich ist, die genaue Preisentwicklung im

Voraus zu bestimmen, wurde für die vorliegende Arbeit

die Berechnung mit einem gleichprozentigen Ansatz

gewählt. Dies ist die häufigste Art der Angabe von

Preissteigerungswerten und durch den exponentiellen

Ansatz kann eine realistische Aussage über die Entwicklung

des Strompreises gemacht werden. Der Optimierung

des Rohr- sowie des Kanalnetzes liegen dann

die Strompreise der Jahre 2020, 2025, 2030, 2035 und

2040 zugrunde.

Um eine Bestandsanalyse und eine Optimierung

durchzuführen, muss zunächst der ungünstigste

Strang des Netzes in sinnvolle Teilstrecken untergliedert

werden. Dabei sind bei der Berechnung von liNear

CAD Solutions bereits Teilstrecken vorgegeben. Das

Kanalnetz der RLT-Anlage 01 Erdgeschoss Nord führt

vom Lüftungsgerät, das auf dem Dach aufgestellt ist,

64


is in das Erdgeschoss, in dem verschiedene Bereiche

versorgt werden. Der ungünstigste Strang des Netzes

versorgt dabei die Lobby, eine Co-Working-Zone, Konferenzräume

sowie wenige WCs. Dabei lässt sich der ungünstigste

Strang in 18 Teilstrecken gliedern (Abb. 1).

Mit den Randbedingungen sowie den jährlichen

Betriebsstunden von 4015 h / a und einem Strompreis

von 0,1717 € / kWh können die Energiekosten für die

einzelnen Teilstrecken ermittelt werden. Die Leistungskosten

ergeben sich über die Ventilatorleistung

bezogen auf jede Teilstrecke einzeln sowie den Leistungspreis

von 95,08 € / (kW*a). Somit ergeben sich

die Stromkosten aus der Summe der Energiekosten für

den Transport sowie der Summe der Leistungskosten

von 550,39 € / a. Anschließend wurden die kapitalgebundenen

Kosten der Teilstücke berechnet. In Summe

ergeben diese 355,43 € / a.

Zur Optimierung des Kanalnetzes wird zunächst

der Bestand variiert, um für jede Teilstrecke eine optimale

Strömungsgeschwindigkeit herauszufinden.

Die Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Strömungsgeschwindigkeit

und Energiekosten macht den

Einfluss der Strömungsgeschwindigkeit erkennbar.

Danach werden die wichtigsten Parameter aller Teilstrecken

berechnet. Dies beinhaltet die optimale Strömungsgeschwindigkeit,

den daraus resultierenden

Durchmesser, die Kapital-, Leistungs- und Energiekosten

sowie die Gesamtkosten. Fasst man die Gesamtkosten

zusammen, ergibt die Summe aller 18 Teilstrecken

519,92 € / a. Die optimalen Strömungsgeschwindigkeiten

liegen in den meisten Teilstrecken zwischen

w=2 m / s und w=6 m / s, nur vereinzelt sind sie höher.

Die Kapitalkosten sind immer um ein Vielfaches höher

als die Energiekosten und üben daher mehr Einfluss auf

die optimale Geschwindigkeit aus. Wie Abb. 2 aufzeigt,

weichen die optimierten Strömungsgeschwindigkeiten

stark von den geplanten ab. Dabei sind die geplanten

Geschwindigkeiten meistens größer als die begrenzten

optimierten Strömungsgeschwindigkeiten. Die unbegrenzten

optimierten Strömungsgeschwindigkeiten

sind jedoch vor allem in den Anschlussleitungen um ein

Vielfaches höher als die geplanten Geschwindigkeiten.

Somit führen sowohl die unbegrenzten optimierten als

auch die geplanten Strömungsgeschwindigkeiten zu

Abb. 2: Vergleich der Strömungsgeschwindigkeiten, Kanalnetz

Schallproblemen. Daher ist die Begrenzung der maximalen

Strömungsgeschwindigkeiten unabdinglich.

Durch die wirtschaftliche Optimierung der Strömungsgeschwindigkeiten

im Kanalnetz entsteht, trotz

einer Begrenzung der Strömungsgeschwindigkeiten,

eine Einsparung von 361,70 € / a. Mithilfe der ermittelten

Einsparung pro Kubikmeter Luft lässt sich eine Einsparung

auf die anderen elf RLT-Kanalnetze des Hotels

Belsenplatz übertragen. Es ergibt sich eine mögliche

Einsparung von 6880,12 € / a, vorausgesetzt, die anderen

Kanalnetze verhalten sich gleich wie Anlage 01.

Bezogen auf den Lebenszyklus von 30 Jahre kann man

somit von einer Gesamteinsparung von 206.403,60 €

ausgehen.

plant dimensioning of heating and ventilation

systems – influence on the electricity

demand of a hotel building The aim

of this work was to optimise ventilation and heating

systems in terms of electricity consumption. A hotel

building in Dusseldorf was investigated and presented

as the case study. To this end, a velocity-oriented optimisation

of the duct network was performed for one

of the hotel’s airconditioning plants. The study showed

that an optimisation of the duct network would be easy

to implement. Furthermore, the economic optimisation

of the duct network was also highly feasible. By using

the Excel tool Solver, it was possible to save half the

power consumption of an HVAC system within a short

period of time. If the hotel implemented this solution

for the rest of its air-conditioning plants, it would be

possible to save almost € 7,000 annually.

1 Bernard, Soara / Voss, Karsten: „Energieverbrauch in der Hotellerie“.

In: DBZ Spezial. 10 / 2012, S. 38–41

2 Schmidt, Mario u.a.: 100 Betriebe für Ressourceneffizienz. BD. 1: Praxisbeispiele

aus der produzierenden Wirtschaft. Berlin/Heidelberg 2017

3 Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V.: BDEW-Strompreisanalyse

Mai 2018. Haushalte und Industrie. Berlin 2018.

www.bdew.de / media / documents / 1805018_BDEW-Strompreisanalyse-Mai-

2018.pdf, 27.7.18

jennifer peine

Masterthesis

Betreuung: Prof. Dr. Dirk Bohne, Prof. Maik Schenker

Gebäudetechnik; Staatliche Studienakademie Glauchau

65


open

common

zentral- und landesbibliothek

berlin Im Rahmen der

Aufgabenstellung des Schinkel-Wettbewerbs

2019, die zukünftige Zentral- und Landesbibliothek

(ZLB) in Berlin als „Open Common“ zu denken

und eine Bibliothek als besonderen Ort des Wissensund

kulturellen Austauschs zu entwerfen, wurden programmatische,

räumliche und prozessuale Szenarien

sowohl für die ZLB als auch für das sie umgebende

Quartier entwickelt.

Die behandelten Fragestellungen waren unter anderem,

welche Formen von Öffentlichkeit notwendig

und wünschenswert sind; wie eine demokratische Gemeinschaftsbildung

durch räumliche Konzepte einer

innovativen Bibliothek unterstützt werden kann; und

wie sich die alltäglichen Bedürfnisse der multi-ethnisch

geprägten Kreuzberger Stadtgesellschaft in einer

kulturellen Institution programmatisch und baulich

am Blücherplatz in Berlin realisieren lassen.

open common – a central state library

for berlin The project was linked to the task for

this year’s annual Schinkel Competition: to design a

central state library in Berlin as an ‘Open Common’ – a

forum for knowledge and cultural exchange. Potential

programmatic, spatial, and processual developments

for the new library and its surrounding neighbourhood

were developed. The term ‘Open Common’ led to a

number of questions and considerations: what forms

of publicness are desirable or necessary? How can the

spatial concept of an innovative library support the formation

of an open and democratic society? What are

the credible architectural languages for the context,

and how can an institutionally and culturally orientated

building contribute to the everyday needs of the multiethnic

citizenry of Berlin-Kreuzberg?

josephine arfsten, laura baden

Betreuung: Prof. Andreas Quednau, Anett Eberhardt,

Dr. Agnes Müller

Städtebauliches Entwerfen

78


Magazin

Future Lab

Kinder Bib

Lesesaal

Lesesaal

U-Bahn

Verwaltung

Veranstaltungen

Parken

Sportdeck

Axonometrie

79


institut für

geschichte und

theorie der

architektur

igt

Architektur und Kunst 20. / 21. Jahrhundert

Prof. Dr. Margitta Buchert

Bau- und Stadtbaugeschichte

Prof. Dr. Markus Jager

Planungs- und Architektursoziologie

Prof. Dr. Barbara Zibell

gender_archland

Forum für GenderKompetenz in

Architektur | Landschaft | Planung

Prof. Dr. Tanja Mölders


supernormal hannover

> SEITE 86

offenheit für einfachheit

> SEITE 88

gedenkort kräutergarten der

deutschen versuchsanstalt

dachau

> SEITE 90

der gutshof der freiherren

knigge von g. l. f. laves

> SEITE 92

luxuslandleben

> SEITE 94

deutsche rathäuser im

20. jahrhundert

> SEITE 96


deutsche

rathäuser

im 20. jahrhundert

fein Fein


Rathaus Garbsen, Durchwegung und Zugänglichkeit im Erdgeschoss

Unterschiedliche Bautypologien des Rathauses vom Mittelalter bis heute

Die Arbeit betrachtet das 20. Jahrhundert, da sich innerhalb

dieses Zeitraums die Anforderungen an das

Rathaus nur wenig wandelten, die gesellschaftlichen

Normen jedoch starken Veränderungen unterlagen. In

drei Schlaglichtern werden das späte Kaiserreich, die

frühe Bundesrepublik und die Nachwendezeit beleuchtet.

Anhand der jeweiligen Matrix von zehn Rathäusern

wurden vergleichbare Ergebnisse erarbeitet, verglichen

und diskutiert. Als Ergebnis werden zehn Postulate für

zukünftige Rathausbauten formuliert:

1. Es gab zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche

Rathaustypologien, von denen keine heute noch Bedeutung

besitzt. Eine Form muss sich also aus anderen

Erwägungen entwickeln.

2. Rathäuser beherbergten zu fast jeder Zeit die drei

Funktionen Repräsentation, städtisches Leben und

Organisation. Diese bilden zusammen die Funktionstypologie

Rathaus.

3. Die Gewichtung der verschiedenen Funktionen unterscheidet

sich in jeder Zeitepoche. Alle Funktionen

sollten gleichermaßen im Rathaus vorhanden sein.

Das bedeutet eine quantitative Zunahme der Bereiche

für Repräsentation und städtisches Leben, aber

auch eine qualitative Aufwertung der Räume für Organisation.

4. Wenn Rathäuser in der BRD die unterste Ebene

des Staats bilden, dann darf sich dies nicht nur in der

Weitergabe von Verwaltungsaufgaben zeigen, sondern

muss auch in lokalen Vertretungen der repräsentativen

Demokratie, zum Beispiel durch Büros

von Landtags- und Bundestagsabgeordneten und der

Parteien, im Rathaus wiederzufinden sein.

5. Die Funktionen sollten stärker verteilt werden, damit

das ganze Gebäude belebt ist und alle Nutzungsgruppen

miteinander in Kontakt kommen.

6. Der große Raumbedarf der Verwaltung wird auf

mehrere Baukörper aufgeteilt. Monotone oder sogar

einschüchternde Verwaltungsbauten lassen sich so

vermeiden.

7. Durch die Verteilung der Baumasse können insgesamt

kürzere Erschließungswege realisiert werden,

die, wenn sie ihren Ursprung in einem Ort haben,

zudem zufällige Begegnungen fördern.

8. Diesen Begegnungsort bildet das Erdgeschoss, das in

Rathäusern schon immer dem städtischen Leben vorbehalten

war.

9. Die zurückliegenden Versuche, Rathäuser als Nukleus

städtebaulicher Erweiterungen zu nutzen, sind

fehlgeschlagen. Das Rathaus ohne Stadt besitzt keine

Strahlkraft. Für Neubauprojekte lässt sich der idenitätsstiftende

Charakter des Rathauses nutzen, um

bestehende Stadtteile miteinander zu verbinden.

Hier kommen besonders innerstädtische Industrieund

Infrastrukturbrachen infrage.

10. Da sich der Umfang der Verwaltung stetig vergrößert

und die Ausgestaltung der Funktionen eines

Rathauses einem ständigen Wandel unterliegt, muss

die Konstruktion und Lage eines Rathauses so gewählt

sein, dass Um- und Anbauten möglich sind.

german town halls in the twentieth

century – the influence of social ideals

on architecture This thesis compares the townhall

building type across three different decades, focusing

particularly on the aspects of function, usage,

and floor-plan structure. The study incorporates both

literature research and fieldwork. The aim was to

identify the influence of society on architecture. To

do this, a matrix was created which enabled a deep

structural analysis of any building, as well as making

it possible to compare different buildings. The research

resulted in ten proposals for future town hall

design, aimed at once again making this type of building

a part of city life, rather than merely a shelter for

bureaucracy.

ibrahim klingeberg-behr

Bachelorthesis

Betreuung: Prof. Dr. Barbara Zibell,

Prof. Dr. Tanja Mölders

Planungs- und Architektursoziologie, gender_archland

97


fotografie

und architektur

Seit dem Wintersemester

2017 / 18 bietet die

Fakultät für Architektur

und Landschaft das Seminar „Fotografie und Architektur“

an. Jedes Semester werden rund 25 Studierende an

das „Malen mit Licht“ herangeführt. Das Beherrschen

der eigenen Kamera steht dabei ebenso im Fokus wie

das bewusste Wahrnehmen von Licht und Perspektive.

Inputveranstaltungen wechseln sich mit gemeinsamen

Fotogängen, kritischem Reflektieren der Aufnahmen

und dem Erstellen der eigenen Fotoserie ab. Nach Ende

des Seminars sind die Studierenden in der Lage, selbstständig

technisch richtige und ästhetisch ansprechende

Architekturaufnahmen zu erstellen.

photography and architecture Since

the 2017 / 18 winter term, the Faculty of Architecture

and Landscape Sciences has offered the ‘Photography

and Architecture’ seminar. Around twenty-five students

are introduced to the subject of ‘painting with

light’ each semester. Becoming familiar with all the

relevant camera settings is just as important as developing

a conscious perception of light and perspective.

Lectures, group photowalks, critical examinations of

photographs, and the creation of an architectural photo

series on a topic of the student’s choice form the main

building blocks of the seminar. After the conclusion of

the seminar, the students are able to meet the technical

and aesthetic requirements of portraying architecture

in its best light.

Foto: Hendrik Wiese

diverse

Betreuung: Julian Martitz

Architekturinformatik und Darstellung

102


Fotoserie: Laura Bollwein

Reflexion der eigenen Aufnahmen

103


phyto water flächenregenerietransformation

rung durch ökologische

sanierung

am beispiel des shenmei-wasserre servoirs

Die Masterarbeit entwickelt einen Entwurf für das

Shenmei-Wasserreservoir in der Stadt Taoyuan,

Taiwan. Der Schwerpunkt der Thesis liegt in der Flächenregenerierung

durch Phytoremediation. In insgesamt

drei Prozessschritten findet die Umgestaltung des

Entwurfsortes statt. Zu Beginn wird der Ort als ein neues,

grünes und soziales Netzwerk angelegt, das mit der

Umgebung verbunden ist und die lokale Bevölkerung

über grüne Infrastruktur informiert. Darauf aufbauend

wird die Methode der Phytoremediation etabliert,

um Umweltprobleme wie kontaminierte Böden zu sanieren.

Auf diese Weise werden das Shenmei-Wasserreservoir

und dessen ursprüngliche Funktionen wiederhergestellt.

Die Schritte münden durch die Integration

gestalterischer Ansätze in einem übergreifenden

Gesamtkonzept.

phyto water transformation – openspace

development of the shenmei reservoir

through ecological remediation This

master’s thesis proposes a transformation of the historical

Shenmei water reservoir in Taoyuan, Taiwan. It is

focused on brownfield regeneration using the phytoremediation

method, with a transformation process consisting

of three stages. The site is designed as a new

green and social mesh that is not only connected to the

surrounding region but also informs local people and

tourists about green infrastructure. The intention is for

the site to be developed sustainably in different phases.

The phytoremediation method is an established measure

for remediating environmental problems such as

contaminated soil. By using this method, the Shenmei

site can return to its original function as a water reservoir.

In addition to this, this transformation will add a

new aspect of open space to the site.

yung-chin shih

Masterthesis

Betreuung: Prof. Dr. Martin Prominski, Anna Schwinge

Entwerfen urbaner Landschaften

Masterplan Shenmei-Wasserreservoir 2050

114


Schemaschnitte zeigen den zeitlichen Ablauf der Wiedergewinnung des Freiraums durch Phytoremediation.

Luftaufnahme der Stadt Taoyuan „The thousand ponds“

115


küsten der

zukunft

auf dem weg zu meer land

Nicht nur weltweit, auch in

Deutschland bedarf es vor dem

Hintergrund des immer weiter ansteigenden Meeresspiegels

neuer und vor allem alternativer Schutzstrategien,

da der linienhafte Deichbau aufgrund

seiner Starrheit zeitnah an seine Grenzen stoßen

wird. Nur durch bereits heute initiierte, innovative

und horizontal gestaffelte Maßnahmen wird es möglich

sein, die Küstengebiete als Siedlungs- und Wirtschaftsraum

zu erhalten. Im Rahmen dieser Masterarbeit

wurden räumliche Kombinationen und die Verortung

innovativer Küstenschutzelemente am Beispiel

der niedersächsischen Insel Juist getestet. Das Ziel war

es, bereits bestehende Mechanismen neu zu denken,

mit neuartigen Ideen zu füttern und Wege aufzuzeigen,

die einen Erhalt der deutschen Küste als Lebensraum

gewährleisten und vor allem verdeutlichen, dass

ein Umdenken nötig, aber auch möglich ist.

coasts of the future – new methods of

land reclamation As sea levels continue to rise,

new and alternative protection strategies are needed –

both worldwide and in Germany specifically. Due to its

rigidity, the linear dike construction primarily used to

date will soon reach its limits. Only by initiating innovative

and horizontally staggered measures today will

it be possible to maintain coastal regions as settlement

and economic areas. In the context of this master’s thesis,

the locations and spatial combinations of innovative

coastal protection elements were tested using the

example of the island of Juist in Lower Saxony. The aim

was to rethink existing mechanisms, to infuse them

with new ideas, to identify methods of guaranteeing

the preservation of the (German) coast as a habitat, and

– most importantly – to demonstrate that rethinking

such methods is not only necessary, but possible.

Entwickelter Maßnahmenkatalog mit Kategorisierung

ann katrin schönmann

Masterthesis

Betreuung: Prof. Christian Werthmann, Lisa Seiler

Landschaftsarchitektur und Entwerfen

126


Landschaftliche Inselentwicklung: lineare Aufstockung / geplanter Rückzug / horizontale Staffelung

Zukunftsvision Juist

127


gärten für

menschen

mit demenz

planungsempfehlungen

Eine der häufigsten psychischen

Störungen im Alter ist

die Demenz. In Deutschland

wurden 2014 um die 1,6 Millionen Demenzerkrankte

gezählt. 1 Aufgrund des demografischen Wandels werden

es in rund 30 Jahren ungefähr doppelt so viele

Betroffene sein. 2 Vor diesem Hintergrund steigt die

Relevanz von Pflegeeinrichtungen und deren Gestaltung,

da Lebensqualität und Wohlbefinden auch im

Alter nicht zurückgehen sollen. Ein Garten wird oft

mit beruhigenden Aspekten in Verbindung gebracht.

Menschen mit Demenz gehören zu einer Personengruppe,

deren alltägliches Leben durch kognitive wie

auch psychische und körperliche Störungen stark

eingeschränkt ist. 3 Gerade dann kommt dem „Naturerleben“

und dem Aufenthalt im Freien eine hohe Bedeutung

zu, denn ein Garten kann sich positiv auf das

Wohlbefinden und die psychische Ausgeglichenheit

von Betroffenen auswirken. 4 Für die Gestaltung einer

solchen Außenanlage ist es notwendig, sich die besonderen

Bedürfnisse und Einschränkungen von Menschen

mit Demenz vor Augen zu führen. Sicherheit, Geborgenheit

und Heimatgefühl spielen eine besondere

Rolle, aber auch Empfindungen wie Glück, Freiheit,

Erinnerung und Selbstwertgefühl. Bei der Planung

von Gärten für Menschen mit Demenz sind somit eher

Hausgärten als „dekorativ institutionell wirkendes

Grün“ anzustreben. 5

Demenz ist nicht gleich Demenz

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Formen der

Demenz, allerdings kann der Krankheitsverlauf zusammenfassend

in eine leichte, eine mittelschwere und

eine schwere Demenz eingeteilt werden. 6 Im Anfangsstadium

der Erkrankung stehen kognitive Verluste

im Vordergrund. Dazu gehören die Abnahme des Orientierungsvermögens,

der Gedächtnisleistung und

allgemeiner Denkprozesse. Zunächst tauchen diese

Störungen leicht auf und verstärken sich im weiteren

Verlauf der Erkrankung. Eine mittelschwere Demenz

ist in vielen Fällen von psychischen Störungen geprägt.

Eine veränderte Wahrnehmung, (motorische) Unruhe,

Ängste und teilweise auch aggressives Verhalten zählen

dazu. Die letzte Phase weist neben dem weiteren Abfall

im kognitiven Bereich wesentliche körperliche

Einschränkungen auf. Menschen mit einer schweren

Demenz sind in ihrer Bewegung teilweise stark eingeschränkt,

was von Gangstörungen bis zur Bettlägerigkeit

reichen kann. Daneben können Sensibilitätsstörungen

auftreten. 7

Räumliche Aufteilung des Außenraums

In einer Pflegeeinrichtung leben Bewohner mit

unterschiedlich fortgeschrittenen Demenzen nicht getrennt

voneinander. Dies führt zu der Frage, wie sich

eine Außenanlage für unterschiedlich mobile Menschen

mit verschiedenen Graden der Demenz gestalten

lässt.

Um Menschen mit einer leichten Demenz zu

fördern und Betroffene einer schweren Demenz zu

schützen, kann eine räumliche Zonierung des Außenbereichs

in Betracht gezogen werden, wobei die Zonen

den drei Demenzstadien entsprechen sollen. Die Gestaltung

der Zonen soll auf Störungen und noch vorhandene

Fähigkeiten eingehen.

Beispielhaft wird im Folgenden das Prinzip der

Zonierung anhand der Gestaltung des Wegesystems

verdeutlicht. Betroffene einer schweren Demenz sind

körperlich stark eingeschränkt, nehmen aber diese

Einschränkung häufig nicht mehr wahr. Sie benötigen

eine sichere Umgebung mit kurzen Wegen. Ein einfacher

Rundweg erscheint auf den ersten Blick eintönig,

allerdings bewirkt er, dass Nutzende mit stark gestörter

Orientierung automatisch zu ihrem Ausgangspunkt

zurückfinden. Ein kleiner Rundweg entspricht dem

kleinen Bewegungsradius einer schwer demenzerkrankten

Person. Großzügige Terrassenbereiche direkt

am Gebäude und an den Bewohnerzimmern können

Abb. 1: Ein einfacher Rundweg, ein achtförmiger Rundweg

und ein Schlaufenrundweg fordern die Kognition

in unterschiedlicher Intensität.

auch körperlich schwer beeinträchtigten Personen den

Aufenthalt im Freien ermöglichen, sei es im Rollstuhl

oder liegend im Bett vor der offenen Terrassentür.

Menschen mit einer mittelschweren Demenz sind

oft unruhig und entwickeln aus dieser Unruhe häufig

einen starken Bewegungsdrang. Ein achtförmiger

Rundweg kann dieser Unruhe gerecht werden. Die

Reduzierung auf eine einzige Kreuzung fördert die

abnehmende Kognition der Betroffenen, ohne zu überfordern.

Menschen mit einer leichten Demenz zeigen einen

ersten Abfall der kognitiven Fähigkeiten. Um

noch vorhandene Fähigkeiten in diesem Bereich zu

fördern, ist die Planung eines Schlaufenwegs mit bis

zu vier Schlaufen möglich. Im Anfangsstadium sollen

Betroffene körperlich wie auch kognitiv gefördert werden;

auch können sie die eigenen Kräfte mit der leichten

Demenz noch besser einschätzen. Generell gilt es,

Wege so anzulegen, dass sie zum Ausgangspunkt zurückführen.

8

Eine Alternative zum klassischen Rundweg

Rundwege können aber auch Rastlosigkeit und

Unruhe fördern, da Nutzende scheinbar nie ans Ziel

kommen. Dagegen können eindimensionale Wege,

wie zum Beispiel Stichwege und geradlinige Strukturen,

die Orientierung und das Wohlbefinden besser

fördern. 9 Jedoch ist eine Sackgasse, die abrupt endet,

für Menschen mit Demenz nicht zu empfehlen, da sie

zu Irritation und Unsicherheit führen kann. Um trotzdem

den positiven Nutzen eindimensionaler Strukturen

zu übernehmen, kann ein Stichweg mit einem Gelenk

geplant werden (Abb. 2). Das Gelenk befindet sich

am Ende des Stichweges und beinhaltet ein optisches

Ziel, das als visueller Reiz dient. Das kann beispielsweise

eine Bank, ein Baum oder ein Wasserelement

sein. Dieser Gelenkpunkt bewirkt, dass Nutzende nicht

anhalten und sich um 180 Grad drehen müssen. Sie

können, ähnlich wie bei einem Kreisverkehr, um den

Gelenkpunkt herumgehen und dann dem Stichweg

zurückfolgen. Die Anzahl dieser Gelenkwege in einer

Außenanlage sollte nicht zu hoch sein, um aufgrund

der Ähnlichkeit dieser Wege die Kognition nicht zu

überfordern. Betroffene einer mittelschweren und

134


Abb. 2: Das Gelenk bewirkt ein kreisförmiges Umkehren. Hier bildet ein Baum mit einer Bank den Gelenkpunkt.

schweren Demenz brauchen eindeutige, klare geometrische

und überschaubare Strukturen. 10 Aufgrund

dessen empfiehlt es sich, diese Art von Wegen speziell

für Menschen mit einer leichten Demenz zu planen,

um deren Kognition zu fördern.

Umsetzung von Ideen und Vorschlägen

Auch wenn für diese Vorschläge versucht wird, die

Demenzerkrankung und die betroffenen Menschen zu

kategorisieren, um Planungsabläufe zu vereinfachen,

ist es wichtig, den einzelnen Menschen zu sehen. Jeder

Mensch mit Demenz entwickelt eine eigene „Kopfwelt“,

die der von anderen Dementen zwar ähnelt, aber

in engerem Sinne individuell und biografisch bedingt

ist. Auftretende Symptome können von Person zu Person

unterschiedlich sein, weshalb es schwierig ist, sie

zu generalisieren. 11 Die vorgestellten Ansätze sind als

Anstoß und Inspiration zu verstehen. Sie sind nicht in

allen Fällen eins zu eins übertragbar, sondern müssen

in enger Absprache mit der jeweiligen Pflegeeinrichtung

an deren Bewohner angepasst werden.

Die Recherche zu dieser Arbeit wurde von Gesprächen

mit Fachkräften aus dem Bereich der Pflege-

einrichtungsleitung, der Pflege, der Betreuung ohne

pflegerischen Hintergrund und der Planung demenzorientierter

Gärten unterstützt.

gardens for people with dementia –

planning advice Dementia is one of the most

common mental disorders. Future scenarios anticipate

that the number of people affected will double over the

next thirty years. As a result of this increase, care facilities

will become more important – and considering the

design of those facilities is essential to preserving the

quality of life of their inhabitants.

Gardens can have positive effects on mental health.

For people with dementia, whose daily life is limited by

cognitive, mental, and physical disorders, experiences

in the outdoors are important. People with dementia

display different symptoms, behaviours, and needs,

and care facilities host patients with different types

and levels of dementia. As such, it is important to consider

the question of how to design a dementia-orientated

outdoor space that supports the use of patients’

still-extant abilities on the one hand while creating a

safe environment on the other.

1 Bickel, Horst: Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen. 2016, S. 1.

www.deutsche-alzheimer.de / fileadmin / alz / pdf / factsheets / infoblatt1_

haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf, 8.11.17

2 ebenda

3 Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Wege zu mehr Barrierefreiheit für

Menschen mit Demenz. Berlin 2017, S. 9. www.allianz-fuer-demenz.de /

fileadmin / de.allianz-fuer-demenz / content.de / bilder / meldungen /

17-05-09_Arbeitsgruppe_veroeffentlicht_Ratgeber / Wege_zu_mehr_

Barrierefreiheit.pdf, 27.11.17

4 Heeg, Sibylle / Bäuerle, Katharina: Freiräume. Gärten für Menschen mit

Demenz, Reihe Planen und Bauen. Konzepte für den demenzfreundlichen

Pflegeheimbau. Stuttgart 2007, S. 7

5 Heeg, Sibylle: „Bau und Innenraumgestaltung“. In: Stationäre

Versorgung von Demenzkranken. Leitfaden für den Umgang mit

demenzkranken Menschen. Berlin 2011, S. 97–122, hier S. 113

6 Kastner, Ulrich / Löbach, Rita: Handbuch Demenz. München 2010,

S. 26 ff.

7 Vgl. Anm. 6, S. 10 ff.

8 Bendlage, Rudolf u. a.: Gärten für Menschen mit Demenz. Ideen und

Planungsempfehlungen. Stuttgart 2009, S. 21

9 Marquardt, Gesine / Schmieg, Peter: „Demenzfreundliche Architektur“.

In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. Band 42, Ausgabe 5, Berlin

2009, S. 402–407, hier S. 405

10 Vgl. Anm. 9, hier S. 406

11 Gilliard, Jane / Marshall, Mary: Naturgestützte Pflege von Menschen mit

Demenz. Bern 2014, S. 26

mira eggersglüss

Bachelorthesis

Betreuung: Prof. Gilbert Lösken,

Dr. Roswitha Kirsch-Stracke

Technisch-konstruktive Grundlagen der

Freiraumplanung; Landschaftsplanung und

Naturschutz

135


alternative

zukünfte für

die lahn-flusslandschaft

Gegenwärtig unterliegt ein

Großteil deutscher Flusslandschaften

den Einflüssen

von Wirtschaft, Tourismus,

Klimawandel, Ener-

giewende sowie dem demografischen Wandel. Stark

begradigte, verbaute Flussläufe und degradierte Auenbereiche

sind die negativen Folgen. Dieser Problematik

wollte sich die Projektgruppe angesichts der

Gestaltung einer nachhaltigen Umwelt für jetzige und

zukünftige Generationen und im Zuge der EU-Wasserrahmenrichtlinie

2000 sowie des Hochwasserschutzes

stellen. Eine Flusslandschaft, die aktuell genau vor den

genannten Herausforderungen steht, ist die Lahn in

Hessen zwischen Wetzlar und Gießen. Sie ist in Teilen

als Bundeswasserstraße ausgewiesen, dient jedoch

nicht mehr dem Waren- und Gütertransport. Die touristische

Nutzung, beispielsweise durch Motorboote

und Kanufahrer, ist aufgrund ihres Status unverändert

und zulässig. Die dafür benötigten Wehre und Schleusen

beeinträchtigen jedoch die ökologische Durchlässigkeit

erheblich. Hier kann die Landschaftsplanung

steuernd eingreifen, indem sie sich der Aufgabe annimmt,

ihren Planungsprozess sowie die räumliche

Umsetzung an diese vielfältigen und sich wandelnden

Rahmenbedingungen anzupassen.

Um künftige Entwicklungen darzustellen, werden

in der Landschaftsplanung unter anderem Szenarien

entwickelt. Diese Methode nimmt alternative Entwicklungen

an und schätzt deren potenzielle Auswirkungen

ab. Die Projektarbeit erarbeitet Szenarien und

alternative Zukünfte für die Flusslandschaft der Lahn

zwischen Wetzlar und Gießen. Drei verschiedene Szenarientypen

– Trend-Szenario, Szenario „Späte Anpassung“,

Szenario „Frühe Anpassung“ – waren hierbei

das Ziel, um unterschiedliche mögliche Entwicklungen

und ihre potenziellen Auswirkungen abzuschätzen.

Aufbauend auf getroffenen Annahmen, den identifizierten,

nicht beeinflussbaren Rahmenbedingungen

sowie auf mittels Kreativmethoden erarbeiteten Visionen

wurden die Szenarien der Landnutzungen für das

10 × 10 Kilometer große Untersuchungsgebiet entworfen.

Für ein Fokusgebiet (3 × 3 Kilometer) innerhalb

des Untersuchungsgebiets wurde eine detaillierte

Aktueller

Zustand

Aktueller

Zustand

Szenario

Vision

Annahmen & Maßnahmen

AZ

AZ

AZ

AZ

AZ

Alternative

Zukunft

Schematische Darstellung des Szenario-Aufbaus

2018 2035 2050

Szenario

Frühe

Anpassung

Szenario

Späte

Anpassung

Trend-

Szenario

AZ = alternative Zukunft

Übersicht der erstellten Szenarien und alternativen

Zukünfte (AZ = alternative Zukunft)

Maßnahmenplanung durchgeführt, die fünf räumlich

und zeitlich unterschiedliche alternative Zukunftsaussichten

hervorbrachte (Trend 2035 und 2050, Spät

2050, Früh 2035 und 2050).

Um die Änderungen der Landnutzungen zu evaluieren,

wurden der aktuelle Zustand und die alternativen

Zukünfte der Lahn-Flusslandschaft in Hinblick

auf ihre Bedeutung für vier ausgewählte Ökosystemleistungen

(ÖSL) bewertet –Nahrungsmittel und Rohstoffe,

Klimastabilität, Habitate für Tier- und Pflanzenarten

sowie Erholung, Freizeit und Tourismus.

Es wurden die Landnutzungen für jede ÖSL bewertet

und die Ergebnisse anschließend in Karten visualisiert.

Im aktuellen Zustand der Lahn-Flusslandschaft

kommt der ÖSL Nahrungsmittel und Rohstoffe durch

das dominierende Vorkommen von Ackerland und

Wäldern eine hohe Bedeutung zu. Für die drei anderen

ÖSL – Klimastabilität, Habitate für Tier- und Pflanzenarten

sowie Erholung, Freizeit und Tourismus – sind

intensiv genutzte Ackerflächen wiederum negativ zu

beurteilen. Vor allem Wälder, aber auch Fließ- und

Nachhaltigkeit

Stillgewässer, zusammenhängende Grünflächen und

extensiv bewirtschaftete Flächen sind für die Bereitstellung

dieser ÖSL hingegen positiv zu betrachten.

Das Trend-Szenario bildet eine Zukunft ab, die voraussichtlich

unter gegebenen und unveränderlichen

Zuständen entstehen wird. Die politisch-wirtschaftlichen

Ziele sind hoch gesteckt, erreicht werden vermutlich

wenige davon, sodass sich keine deutlichen Veränderungen

für die Bereitstellung der ÖSL ergeben.

Das Szenario „Späte Anpassung“ stellt eine Art

technisches Feuerwehr-Szenario dar, in dem Notfalllösungen

ab dem Jahr 2035 kurzfristige Abhilfe schaffen

sollen. Durch einige Extremwetterereignisse kommt

es zu einem gesellschaftlichen und politischen Umdenken,

ein Aktionsplan wird beschlossen. Darin enthaltene

Hochwasserschutzmaßnahmen betreffen die

Bauweise der Siedlungen sowie die Sanierung der Deiche.

Die Technik der erneuerbaren Energien wird stark

gefördert und sorgt für einen Wandel des Landschaftsbilds.

E-Mobilität und alternative, nachhaltige Konzepte

gewinnen an Bedeutung. Die vermehrt technischen,

kurzfristigen Lösungen führen lediglich zu geringfügigen

Veränderungen für die ÖSL im Jahr 2050.

Das umweltfreundlichste und nachhaltigste Szenario

stellt das der „Frühen Anpassung“ dar. Dieses

zeichnet sich durch weiche, langfristige Maßnahmen

aus, die bereits ab 2018 zur Umsetzung kommen. Die

Region wird zu einem Biosphärenreservat, das als Modell

und Vorbild für eine erfolgreiche Klimawandelanpassung

dient. Die Stadt Wetzlar setzt das Prinzip

der Schwammstadt um, sodass Regenwasser, unter

Grünflächen gespeichert, in Hitzeperioden zur Kühlung

des Stadtklimas beiträgt. Die Renaturierung und

Ausweitung der Aue fördert den natürlichen Hochwasserschutz

und den Zustand des Gewässers. Die Entwicklungen

haben positive Auswirkungen auf die ÖSL

Klimastabilität, Habitate für Tier- und Pflanzenarten

sowie Erholung, Freizeit und Tourismus. Lediglich die

ÖSL Nahrungsmittel und Rohstoffe erfährt durch die

reduzierten Landwirtschaftsflächen Einbußen.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Szenarien

sehr spekulativ sind und die Methode der selbst gewählten

ÖSL-Bewertung stark vereinfacht ist. Sie kann

somit lediglich zu einer groben Einschätzung führen.

146


Visualisierung Trend-Szenario

Visualisierung Szenario „Frühe Anpassung“

Dennoch legen die Ergebnisse nahe, ganzheitliche

Konzepte frühzeitig zu verfolgen und Flusslandschaften

künftig noch stärker zum Schwerpunkt der Planung

zu machen.

Die Wiederherstellung von naturnahen Gewässern

und Auen erfordert große Anstrengungen und ein

Umdenken aller Landnutzenden.

alternative futures for the lahn river

landscape Many river landscapes in Germany are

subject to human influences in the forms of climate

change, energy revolutions and demographic changes.

In this project, scenarios for the Lahn river landscape

in Hessen between Wetzlar and Gießen were created to

meet these challenges.

The landscape was evaluated with regard to ecosystem

services in both its current state and in the

three scenarios (the Trend scenario, the Late Adaption

scenario, and the Early Adaption scenario). The Trend

scenario envisages the future that is likely to occur if

conditions remain as they are. The Late Adaption scenario

represents a technical ‘fire-fighting’ scenario set in

2035. The Early Adaption scenario distinguishes itself

by including soft and long-term measures to be implemented

from 2018. This holistic concept is the most

sustainable option for the region.

Visualisierung Szenario „Späte Anpassung“

franziska fritz, tomke van hove,

säde palmu, lisa raab, anna uecker,

nicola wegener, ramona wolff

Betreuung: Prof. Dr. Christian Albert, Sarah Gottwald

Landschaftsplanung und Ökosystemleistungen

147


forschung

und lehre

Promotion

Forschung

Lehre


transportknoten

und orte

> SEITE 154

artenvielfalt in

urbanen grünflächen

> SEITE 155

eltstore –

wissenstransfer

> SEITE 156

future habitats //

open research

> SEITE 158

regiobranding

> SEITE 159

city makers

> SEITE 160

matera soundscapes

> SEITE 161

immer schöner

> SEITE 162

prozesse reflexiven

entwerfens

> SEITE 163

neue entwicklungen in

der genderplanung und

im wohnungswesen

> SEITE 164

sozinno_dv

> SEITE 165

nachhaltige mobilität

zwischen transport und

bewegung

> SEITE 166

inform@risk

> SEITE 167

umweltleistungen

sichtbar machen

> SEITE 168

photovoltaikfreiflächenanlagen

und lebensraumvernetzung

> SEITE 169

die kopie

> SEITE 170

archcityland

future lab

> SEITE 172

summer school im rahmen

der daad-hochschulpartnerschaft

in athen

> SEITE 173


immer

schöner

zum zusammenhang von

verschönerungsvereinen

und kommunaler freiraumplanung

In zahlreichen Städten des Deutschen

Reichs wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Vereine gegründet, die sich der „Verschönerung“

der Städte widmeten. Ihre Blütezeit erreichte diese Vereinsgattung

im Zuge des Industrialisierungsprozesses.

Die Vertreter der Verschönerungsvereine haben

in vielen Fällen aktiv Einfluss auf die kommunale

Freiflächenpolitik genommen, indem sie öffentliche

Freiflächen anlegten, pflegten und finanzierten. Die

Verschönerungsaktivitäten erstreckten sich sogar über

die Grenzen der Städte hinaus in die Landschaft. Landschaftliche

Schönheit erlebbar zu machen war ebenso

Ziel der Vereine wie die Sicherung öffentlicher Freiräume

für die Bevölkerung. Obgleich sie ihre Blütezeit

vor mehr als 100 Jahren feierten, sind auch heute noch

viele Verschönerungsvereine aktiv.

Fehlendes Wissen trotz freiraumpolitischer Relevanz

Trotz der offensichtlichen freiraumplanerischen

Bedeutung der Verschönerungsvereine sind sie bislang

weitgehend unerforscht geblieben. Über vereinzelte

Fälle und regionale Studien hinaus gibt es aktuell keine

umfassende und überregionale Betrachtung dieses

Themas. Die fachspezifische Geschichtsforschung

nahm den aktiven Einfluss der Verschönerungsvereine

auf die Stadtentwicklung und auf die kommunale

Freiflächenpolitik bisher kaum wahr. Ein möglicher

Grund für die Vernachlässigung des Themas mag in

der schwierigen Etikettierung der geschaffenen Anlagen

als landschaftsarchitektonische Neuerung liegen.

Es konnte bislang kein eigener Gartenstil aus der Verschönerungsvereinsbewegung

heraus nachgewiesen

werden. Die Innovation liegt viel mehr in der soziologischen

Funktion, aus bürgerlicher Initiative heraus

Stadt und Freiräume aktiv mitzugestalten. In zahlreichen

deutschen Städten waren die Verschönerungsvereine

am Aufbau einer entsprechenden kommunalen

Verwaltung beteiligt. Beispielsweise war der Verschönerungsverein

in Stuttgart, gegründet 1861, lange vor

der Gründung des dortigen Grünflächenamts im Jahr

1901 tätig. Seine Anlagen sind schließlich in die Grünflächenverwaltung

eingegliedert worden. Angesichts

der historischen wie auch der erneuten aktuellen Bedeutung

der Verschönerungsvereine ist der Zusammenhang

der Aktivitäten von Verschönerungsvereinen

mit der kommunalen Freiflächenpolitik offensichtlich.

Kontinuität und weite räumliche Verbreitung

Bislang ließen sich von 1830 bis heute über 1000

Verschönerungsvereine im gesamten Bundesgebiet

ausfindig machen. Die Vereine verteilen sich flächendeckend

über das gesamte Bundesgebiet mit regionalen

Schwerpunkten in den Bundesländern Bayern,

Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Darüber hinaus sind oder waren in der Schweiz, in

Österreich sowie Luxemburg Verschönerungsvereine

aktiv. Auch für das ehemals ostdeutsche Gebiet des

heutigen Polens (zum Beispiel Konitz, Münsterberg,

Posen) ließen sich ehemalige Vereine nachweisen.

Die ersten Vereinsgründungen datieren in den

1830er Jahren (Osnabrück 1835, Rostock 1836), spätestens

ab 1860 ist eine Welle an Gründungen festzustellen,

die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs

anhält. Einige der alten Vereine sind auch heute noch

aktiv (zum Beispiel Stuttgart 1861, Bad Salzuflen 1876,

Weilheim 1861, Göttingen 1875), andere haben sich

aufgelöst.

Die Zeit zwischen und während der beiden Weltkriege

war eine schwere Zeit für die Vereine. Kriegsgeschehen,

finanzielle Nöte und das Gleichschaltungsgesetz

im Dritten Reich brachten das Vereinsleben

zunehmend zum Erliegen. Bis zur Nachkriegszeit lösten

sich viele Vereine auf oder wandten sich anderen

Aktivitäten wie der Tourismusförderung zu, andere

konnten jedoch reaktiviert werden. Seit den 1950er

Jahren sind bis heute stetig neue Vereinsgründungen

zu verzeichnen. Während sich im 19. Jahrhundert die

Vereine als ein fast ausschließlich städtisches Phänomen

zeigten, finden Gründungen seit Ende des Zweiten

Weltkriegs überwiegend im ländlichen Raum statt.

In einem nächsten Forschungsschritt sollen die

Ziele, Strukturen und Aktivitäten der Verschönerungsvereine

und Fallstudien auf Grundlage einer Typologie

eingehend analysiert werden, um zeitliche und räumliche

Wirkungen in engem Bezug zur kommunalen

Grünflächenplanung zu erkennen. Ein Vergleich mit

heutigen bürgerschaftlichen Assoziationsformen soll

die freiraumhistorische Relevanz der Vereine verdeutlichen.

beautification – the relationship between

beautification associations and the

planning of municipal open spaces From

the second half of the nineteenth century onwards,

beautification associations were founded in many cities

of the German Empire. In addition to encouraging the

creation of public green spaces, the beautification efforts

extended well into the urban environment. Beautification

associations have actively influenced the municipal

open space policies of many cities. Today, the

topic of civic self-organisation is again becoming more

prevalent, something which is also reflected in the creation

or reactivation of numerous associations. In historical

research, these clubs have rarely been perceived

as “engines” of urban development. This research aims

to clarify both the historical and the current, modernised

relevance of these beautification associations, as

well as the relationship of their activities to municipal

open space policies.

„Verschönerung“ steht einerseits für ein Gemeinschaftswerk

im Sinne des Allgemeinwohls, andererseits

verfolgte die Elite auch eigennützige Ziele.

prof. bettina oppermann, philipp ludwig

Forschung

Institut für Freiraumplanung, Freiraumpolitik und

Planungskommunikation

162


prozesse

reflexiven

entwerfens

Mit der Veröffentlichung Prozesse

reflexiven Entwerfens. Entwerfen

und Forschen in Architektur

und Landschaft ist das dritte

Buch in einer Publikationsreihe rund um das Forschungsfeld

Reflexives Entwerfen erschienen. Es versammelt

Beiträge des internationalen Symposiums

„DARA. Entwerfen und Forschen in Architektur und

Landschaft“, das im April 2018 an der Fakultät für

Architektur und Landschaft der Leibniz Universität

Hannover mit Professoren, Professorinnen, Promovierenden

und Postdocs der Architektur und Landschaftsarchitektur

sowie Architektinnen und Architekten aus

der Praxis stattgefunden hat.

Welche Arten von Prozessen und Prozesseigenschaften

lassen sich vor dem Hintergrund nicht vollständig

greifbarer verschiedenartiger Wissensbestände

und unterschiedlicher Einflüsse differenzieren? Wie

wirken Systematisierungsarbeit und kreative Prozesse

ineinander? Wie werden spezifische Wissensformen

und ihre Interaktionen generiert, evaluiert und transformiert?

Hierzu schlägt die Publikation ein breites

Spektrum zur Erschließung, Beschreibung und Erprobung

unterschiedlicher Typen von Prozessen und

Prozesseigenschaften in den Dynamiken des Entwerfens

und Forschens vor und zeigt auf, wie sie für die

Relevanz qualitätsvoller Gestaltung verstanden und

kommuniziert werden können. Zehn Beiträge wurden

zu den drei rahmenden Themenbereichen „Treibende

Kräfte“, „Verschränkungen“ und „Transformation“ zusammengestellt.

In der Sektion „Treibende Kräfte“ beleuchten

Beiträge von Hilde Léon, Katja Benfer / Cyrus Zahiri

und Carolin Voet, wie unterschiedliche Denk- und

Handlungsweisen die Annäherung und den Einstieg

in Entwurfsprozesse und verschiedene Phasen seines

Verlaufs gezielt stimulieren und ihn regulieren können.

Ebenfalls beschrieben werden treibende Kräfte in

spezifischen Situationen des Ortes und in der Entwicklung

der individuellen Grundkonzeption und Haltung.

Ole W. Fischer, Sarah Wehmeyer und Andreas

Nütten zeigen mit ihren Beiträgen auf, wie Entwerfende

mit zentralen Entwurfsinstrumenten wie bildlichen

Medien oder Modellen forschend interagieren. „Verschränkungen“

unterschiedlicher Art verdeutlichen

hierbei die dichten Relationen von entwerfenden und

forschenden Prozessen in Architektur, Landschaft und

Städtebau.

„Transformation“ verweist mit Beiträgen von Tom

Avermaete, Giorgia Aquilar und Isabel M. Finkenberger

schließlich auf den größeren Spannungsbogen im historischen

Verlauf sowie auf die Intention, mit Konzepten

und Projekten transformatorische Wirksamkeit zu

erreichen.

In ihrem übergreifenden Beitrag „Prozesse denken“

geht Margitta Buchert darauf ein, wie die Fokussierung

von Formen, Eigenschaften und Interaktionen

spezifischer Prozesse reflexiven Entwerfens neue Forschungspotenziale

eröffnet und impulsgebend für unser

entwerferisches Denken und Handeln sein kann.

processes of reflexive design This research

differentiates the facets and entanglements of the

genesis, transformation, and interaction of design and

research in architecture and landscape architecture.

How do creative processes and systematisation

work affect each other? How are specific forms of

knowledge generated, evaluated, and transformed?

This publication showcases the development, description,

and testing of a broad spectrum of different processes

and process characteristics in the dynamics of

design and research.

herausgeberin: margitta buchert

mit beiträgen von giorgia aquilar,

tom avermaete, katja benfer / cyrus zahiri,

isabel m. finkenberger, ole w. fischer,

hilde léon, andreas nütten, caroline voet,

sarah wehmeyer und margitta buchert

Forschung

Institut für Geschichte und Theorie der Architektur,

Architektur und Kunst 20. / 21. Jahrhundert

163


archcityland

future lab

Wir bilden für die Zukunft

aus, wissen jedoch nicht, wie

diese aussehen wird. Auch

das Thema Zukunft an sich kommt in der Ausbildung

zu kurz. Wir sehen in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen

Bereichen, dass große Veränderungen

anstehen. Wie sollen wir damit umgehen? Welche

Strategien helfen? Sind die Denkweisen, die wir bisher

genutzt haben, noch tauglich für die Zukunft? Wie

sollten wir in der Lehre darauf reagieren?

Das Thema Zukunft ist Inhalt und Strategie zugleich.

Wir haben mit Studierenden versucht herauszufinden,

wie die Zukunft aussehen könnte und dabei

neue Lehrstrategien angewendet. Unser Ansatz war

nicht, nur auf Experten zu hören, sondern erst einmal

zu erfahren, welche Themen die Studierenden umtreiben:

Wie, denken sie, wird die Zukunft sein?

Unser Fokus richtete sich auf die Architektur. Wir

haben dennoch gesehen, dass Klimawandel, die gesellschaftlichen

Veränderungen durch die Digitalisierung

und weitere ökologische und politische Themen die

Studierenden stark beschäftigen und in den Diskurs

einbezogen werden mussten. Wir haben aus diesem

Kurs viel gelernt. Die Erkenntnisse mögen vielleicht

simpel klingen, aber nachdem, was wir in der Evaluation

zurückgespiegelt bekommen haben, fehlt es im

Studium oft genau an diesen einfachen Dingen:

• Es macht Spaß, mit Studierenden zu diskutieren.

Viele Studierende mussten nicht erst in diesem Seminar

zu „Experten“ werden, um wichtige Themen

fundiert erörtern zu können. Es gab einen intrinsischen

Bedarf nach Austausch und Diskussion. Was

jedoch fehlt – und das haben wir mehrfach gespiegelt

bekommen –, ist die Möglichkeit des offenen

Austauschs zu unterschiedlichen Themen.

• Wir haben gelernt, uns zurückzuhalten, zuzuhören

und zu lernen. Es war wichtig, den Rahmen flexibel

zu gestalten und dennoch mit Aufgaben und unterschiedlichen

Kommunikationsformen die zielgerichtete

Diskussion in Gang zu halten.

• Für spannende Diskussionen braucht es eine offene

Atmosphäre ohne Druck. Unterschiedliche Szenarien,

ob utopisch, real oder dystopisch, wurden kontrovers

diskutiert. Diese Offenheit ist vielleicht bei

einem Thema wie Zukunft einfacher, da wir alle

nicht wissen, wie diese sich entwickeln wird.

• Wir müssen das kritische Denken mehr fördern.

• Wir haben gelernt, dass immer wieder darüber diskutiert

wurde, was man jetzt tun und verändern müsse,

damit Ignoranz und Gleichmut nicht die Geschicke

der Zukunft bestimmen und die reale Zukunft, nicht

die Utopie, zur Dystopie wird.

Der Weg war von Anfang an das Ziel, er stand dabei

niemals fest. Mit Voranschreiten des Kurses haben wir

den Weg angepasst. Wir wollten den Rahmen bieten,

in dem es den Studierenden mithilfe unterschiedlichster

Szenarien und Interaktionsformaten möglich ist,

sich über die Zukunft auszutauschen. Vorausgesetzt

wurde das Verifizieren von Informationen, aktive und

engagierte Mitarbeit und die Freude an kreativem,

evolutionärem Denken. Die Abgabeleistung war eine

Dokumentation über den Prozess und ein Bild der jeweiligen

eigenen Zukunftsvision.

Wir betrachten das Seminar als geglücktes Experiment,

bei dem wir viel gelernt haben, vor allem von

den Studierenden. Die Tatsache, dass unsere Professur

zurzeit unbesetzt ist, hat uns noch mehr ermutigt, dieses

Experiment zu wagen.

archcityland future lab This seminar

was taught in the winter semester and dealt with the

main topics and issues we foresee for the future, with

a special focus on architecture. Over the course of the

seminar we had to adapt and rearrange the structure of

the course to meet the needs of the students. We were

overwhelmed by the engagement and passion the students

brought to the course. As the topics of culture

and society became more important in discussions of

the overall future, we had to give them more space –

which the students appreciated. As such, the course

was not only about the future and about new ways of

teaching, but also about listening and learning from

the students. The journey became the reward for all of

us. This was only possible by not requiring a specific

output as a goal. Ultimately, participants in the seminar

produced a documentation of the process and a

personal vision for the future. This successful experiment

was beneficial and left us all enriched.

„Geteilte Stadt“ von Claudia Schmidt

„Megalomania“ von Elvin Demiri

20 studierende, valentina forsch,

peter haslinger

Lehre

Institut für Entwerfen und Gebäudelehre,

Entwerfen und Architekturtheorie

172


summer school im

rahmen der daadhochschulpartnerschaft

in athen

Vom 24. bis 29.

Juni 2018 fand in

Athen die Summer

School zum Thema

„Resilienz und

sozioökonomische Folgen der Krise“ statt. Die Summer

School ist Teil des vom Deutschen Akademischen

Austauschdienst (DAAD) geförderten Projekts „He-

KriS – Challenges of Resilience in European Cities“

und damit eine der Säulen gemeinsamer Bildungsund

Forschungsaktivitäten der Fakultät für Architektur

und Landschaft der Leibniz Universität Hannover

(LUH) und der Hochschule für Architektur der Nationalen

Technischen Universität Athen (NTUA).

Während der Summer School analysierten die Teilnehmenden

sozio-ökonomische Aspekte im lebendigsten

und kontrastreichsten Stadtteil Athens, Exarcheia.

Entwickelt wurden Planungsstrategien und -konzepte

zu folgenden fünf Themen:

• verlassene Gebäude

• bezahlbares Wohnen

• Obdachlosigkeit

• lokale Lebensmittelproduktion

• temporäre Interventionen

Es wurde nach Lösungen gesucht, mit denen sich die

sozialen und die wirtschaftlichen Auswirkungen von

Krisen in der Athener Nachbarschaft minimieren und

effizient lösen lassen.

Während der Summer School arbeiteten zehn

Masterstudierende der LUH (Studiengänge M. Sc.

Umweltplanung und European Master in Territorial

Developement) und zehn Studierende der NTUA (Studiengang

Architektur) in fünf interdisziplinären und

internationalen Gruppen zusammen, um detaillierte

Analysen und Konzepte für die oben genannten Herausforderungen

zu entwickeln.

Exkursionen und mehrere Keynotes von internationalen

Fachleuten fanden begleitend statt. Die

Vorträge hielten Zoe Hatziyannaki, eine griechische

Künstlerin, die ihre Installation in einem zuvor besetzten

verlassenen Gebäude in Exarcheia präsentierte,

und Dr. Simone Tulumello, ein italienischer Dozent

der Universität Lissabon in Portugal, der sich mit dem

Thema „Fighting ‚Post-Austerity Austerityʻ. From the

Housing Crisis to the Right to the City in Post-Crisis

Lisbon“ beschäftigt. Darüber hinaus hielt Prof. Thanos

Pagonis von der NTUA einen Vortrag zum Thema „Development

of Athens and Urban Resilience“, während

Prof. Maria Stratigaki, Vizebürgermeisterin von Athen

für soziale Solidarität und Gleichberechtigung, Wege

aufzeigte, wie die Stadt Athen mit Herausforderungen

der sozialen Integration umgeht.

Die Summer School endete mit Vorträgen von

Constantina Theodorou von der Initiative Co-Hab

Athens über „Challenges and Possibilities of Introducing

Collective Ownership Patterns in Athens“ sowie

von Dr. Riccardo Guidi von der Universität Pisa in Italien

mit seinem Input zu „Everyday Mobilizations in the

Age of (Permanent) Austerity. Framing, Exploring and

Questioning Southern European Experiences Between

Resistance and Resilience“. Darüber hinaus präsentierte

die Initiative des Athener Stadtrats „100 Resilient

Cities Athens“ ihre Arbeit in der Stadt.

Die DAAD-Partnerschaft wurde im September

2018 fortgesetzt mit einer Exkursion der NTUA-Studierenden

nach Hannover und einer Exkursion der

Studierenden der LUH nach Athen. Im Sommer 2019

fand die Summer School zum Thema „Urban Governance

Resilience“ in Hannover statt.

summer school in athens 2018 In June

2018, the students’ Summer School – with “Resilience

and socio-economic consequences of the crisis” as

their topic – took place in Athens. The Summer School

is part of the project HeKriS – Challenges of resilience

in European cities funded by the German Academic Exchange

Service (DAAD). The programme for the event

was primarily focused on participants’ work, but also

included field visits and several keynotes from international

researchers.

Dr. Simone Tulumello bei seinem Vortrag

(Foto: Lena Greinke)

Teilnehmende der Summer School 2018

(Foto: Laura Choconta)

prof. dr. frank othengrafen, lena greinke,

filip śnieg

Lehre

Institut für Umweltplanung, Landesplanung und Raumforschung,

vor allem Regional Governance;

Hochschule für Architektur der Nationalen Technischen

Universität Athen (NTUA)

173


faculty news


neuberufungen und

verabschiedungen

> SEITE 176

besondere

auszeichnungen

> SEITE 176

ausstellungen

> SEITE 177

habilitationen

> SEITE 178

dissertationen

> SEITE 179

neue mitgliedschaften

> SEITE 179

gäste und vorträge

> SEITE 179

internationale kontakte

und gastaufenthalte

> SEITE 180

exkursionen

> SEITE 181

neue

forschungsprojekte

> SEITE 184

publikationen

> SEITE 185

symposien und workshops

> SEITE 187

kooperationen

> SEITE 189

verschiedenes

> SEITE 189


Architektur und Landschaft

Herrenhäuser Strasse 8

valentina orioli, universität bologna

Prof. Dr. Valentina Orioli war im Februar 2019 Gastkritikerin

für die Präsentation und Diskussion des Projekts

Lang „City Makers“ und des Entwurfs Stadt „Emilia“,

die sich mit aktuellen Fragen und Methoden des

Städtebaus und metropolitaner Entwicklung beschäftigten.

Valentina Orioli ist als Stadtbaurätin zuständig

für Stadtplanung, städtische Immobilien, Umwelt

und das historische Zentrum Bolognas. Außerdem ist

sie Professorin für Stadtplanung am Department für

Architektur der Universität Bologna, mit dem die Fakultät

für Architektur und Landschaft der LUH eine

Erasmus+-Kooperation unterhält. Mit EU-Mitteln wurde

auch die Dozentenmobilität für den Workshop in

Bologna im November 2018 gefördert.

[IES – Regionales Bauen und Siedlungsplanung]

erstlingswerke – berufskarrieren ehemaliger

der fakultät Zum zweiten Mal berichteten

am 11. Dezember 2018 jeweils drei Alumni der beiden

Fachgruppen Architektur und Landschaft von ihrem

Berufseinstieg: Christoph Borchers (CAD & Planungsbüro,

Hannover), Yuliyana Dimitrova (Hübotter + Stürken

+ Dimitrova, Hannover), Eberhard Irion (Internationale

StadtteilGärten Hannover e.V.), Sanna Richter

(Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen,

Berlin), Katja Risthaus (club L94 Landschaftsarchitekten,

Köln), Janine Sybertz (Leibniz Universität Hannover

/ Bosch & Partner, Hannover). Veranstalterinnen

di6

VORLESUNGSREIHE

Leibniz Universität Hannover

waren die dezentralen Gleichstellungsbeauftragten.

„Erstlingswerke“ wurde moderiert von Lisa Kietzke

(IGT)

ERSTLINGSWERKE

und Dr. Roswitha Kirsch-Stracke (IUP).

[Dezentrale Berufskarrieren Gleichstellungsbeauftragte Ehemaliger der Fakultät | 11.12.2018 der FAL | 18 / Uhr

Herrenhäuser Str. 8 | C050

gender_archland]

IM ANSCHLUSS RELEASE DES JAHRBUCHS hochweit 2018

Dipl.-Ing. Eberhard Irion

Internationale StadtteilGärten Hannover e.V.

Dipl.-Ing. Yuliyana Dimitrova

Hübotter+Stürken+Dimitrova, Architektur & Stadtplanung

Dipl.-Ing. Christoph Borchers

CAD & Planungsbüro Christoph Borchers

Dipl.-Ing. Sanna Richter

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin

Dipl.-Ing. Janine Sybertz

Bosch & Partner

Dipl.-Ing. Katja Risthaus

club L94 Landschaftsarchitekten GmbH

studium – und dann? eine veranstaltung

zur berufsorientierung „Ich will ins Planungsbüro!“,

unter diesem Motto stand die diesjährige

Veranstaltung „Studium – und dann?“ am 16. Mai

2018. Das Praktikantenamt der Fachgruppe Landschaft

hatte Büroinhaberinnen und Büroinhaber, Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter und einen Werkstudenten

aus drei Planungsbüros der Region eingeladen:

nsp christoph schonhoff, Gruppe Freiraumplanug und

GrünPlan Landschaftsarchitekten. Sie berichteten von

ihren Erfahrungen und äußerten ihre Erwartungen an

neue Kolleginnen und Kollegen. Fachliche Neugierde,

die Lust am Lernen sowie Kommunikationsfähigkeit

wurden dabei besonders hervorgehoben.

[Praktikantenamt der Fachgruppe Landschaft]

internationale kontakte

und gastaufenthalte

tanja mölders an der leuphana universität

lüneburg – vertretung der professur

für umweltplanung Von Oktober 2018 bis

September 2019 vertrat die Maria-Goeppert-Mayer-

Juniorprofessorin für Raum und Gender, Dr. Tanja

Mölders, die Professur für Umweltplanung an der

Leuphana Universität Lüneburg, Institut für Nachhaltigkeitssteuerung

(INSUGO). Ihr laufendes Forschungsvorhaben

zum Thema „Caring for Natures?

Geschlechterperspektiven auf (Vor)Sorge im Umgang

mit ‚Natur/ enʻ“, das im Rahmen des Programms „Geschlecht

– Macht – Wissen“ durch das Niedersächsische

Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert

wird, verblieb an der LUH. Im Anschluss an den

Gastaufenthalt in Lüneburg hat Prof. Mölders ihre Juniorprofessur

in Hannover wieder aufgenommen.

[gender_archland]

forschungskooperationen mit dem technion

in haifa, israel Prof. Dr. Christina von

Haaren verbrachte von März bis Juli 2018 ein Forschungssemester

am Technion Haifa. Dort kooperierte

sie mit Prof. Rachele Alterman im Rahmen des

BMBF-Projekts „ViWA Virtuelle Wasser Werte“. Außerdem

verfassten die beiden Wissenschaftlerinnen

gemeinsam ein Kapitel für das 2019 erscheinende

englischsprachige Lehrbuch zur Landschaftsplanung.

Während ihres Forschungsaufenthalts hielt Prof. von

Haaren sechs Vorträge zu Themen der Ökosystemservice-Forschung

und der Umweltplanung an verschiedenen

Instituten in Israel sowie in Beirut, Libanon.

Aus dem Forschungsaufenthalt resultierte ein Besuch

von Prof. Dr. Assaf Schwartz (Technion Haifa) im

November 2018 in Hannover.

[IUP – Landschaftsplanung und Naturschutz]

180


exkursionen der deutschen und griechischen

hekris-partner Im Rahmen der

deutsch-griechischen DAAD-Lehr- und Forschungspartnerschaft

„Herausforderung Krisenfestigkeit europäischer

Städte (HeKriS)“ kamen 22 Studierende der

Athens School of Architecture – National Technical

University of Athens (NTUA) vom 10. bis 15. September

2018 nach Deutschland. Sie wurden begleitet von

Prof. Konstaninos Serraos und Prof. Evangelos Asprogerakas.

Ziel ihrer Exkursion waren Düsseldorf und

die Metropolregion Ruhr. Anschließend reisten vom

23. bis 28. September 15 Hannoveraner Studierende

der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung nach

Athen, begleitet von Prof. Dr. Rainer Danielzyk und

Filip Śnieg. Weitere Infos: www.resilient-cities.eu.

[IUP – Raumordnung und Regionalentwicklung]

Gespanntes Zuhören bei der City Tour durch Athen

(Foto: Anna-Lena Brede)

deutsch-französisches planungsseminar –

raum- und umweltplanung in der region

havelland-fläming und in potsdam Das

deutsch-französische Planungsseminar, gefördert vom

Deutsch-Französischen Jugendwerk, dient alljährlich

dem Austausch zwischen der Raum- und Umweltplanungsabteilung

der Ingenieurschule der Universität

Tours und dem Institut für Umweltplanung der LUH.

Die Seminare finden abwechselnd in einer deutschen

und einer französischen Region statt, so 2018 vom 7.

bis 13. Oktober. Es nahmen 38 Studierende sowie als

Lehrende Dr. Frank Scholles und Magrit Putschky aus

Hannover und Dr. Eric Thomas aus Tours teil. Die

Themen bezogen sich auf alle Planungsebenen und

reichten von der Landesentwicklungsplanung und

dem Hochwasserrisikomanagement bis zur Sanierung

des Holländischen Viertels in Potsdam.

[IUP – Raumordnung und Regionalentwicklung]

Auf den Weinbergterrassen von Schloss Sanssouci

(Foto: Josefine Reitmann)

exkursionen

rotterdam Im Rahmen des Entwurfs „Eine Therme

in Rotterdam“ reisten Studierende und Lehrende

in die größte europäische Hafenstadt und entdeckten

den Mut zu ungewöhnlicher zeitgenössischer Architektur.

Im Vordergrund stand die Besichtigung des

Grundstücks: ein prominenter, innerstädtischer Ort

an der Uferkante der Maas, der derzeit einen gläsernen

Kuppelbau mit dem Namen Tropicana beherbergt

und als ehemaliges Badeparadies mittlerweile der regionalen

Speisepilzzucht dient. Höhepunkte waren die

Übernachtung im Kubushaus von Piet Blom, Einblicke

in die Kunsthal von Rem Koolhaas und die Markthal

von MVRDV. Abgerundet wurde das Programm durch

den Bürobesuch bei Cityförster unter Leitung von

Martin Sobota.

[IEG – Entwerfen und Architekturtheorie]

Teilnehmende vor der Markthal in Rotterdam von

MVRDV

berlin Mit Studierenden des 2. Semesters haben

sich Lehrende der Abteilung Entwerfen und Architekturtheorie

in die Vergangenheit, Gegenwart und

Zukunft der Architektur in Berlin gestürzt. Fokus war

der Wohnungsbau im ungeteilten und geteilten Berlin

im Wandel der Zeit. Dies hat einen Blick auf den

Einfluss von Weltanschauung, Politik sowie gesellschaftlichen

und sozialen Aspekten eröffnet. Referate

zu unterschiedlichen Themen gaben vor Ort einen

tieferen Einblick in Entwicklungen aller Art und führten

zu spannenden Diskussionen zur historischen

Rekonstruktion. Höhepunkte bildeten das visionäre

Kreativdorf Holzmarkt am Berliner Spreeufer sowie

die soziale und ökologische urbane Landwirtschaft

Prinzessinnengärten am Moritzplatz.

[IEG – Entwerfen und Architekturtheorie]

181


lerische Erkenntniswerkzeuge wie Video und Collage

illustriert und reflektiert das Buch die Methodik und

Ergebnisse des Workshops im Rahmen der Architekturbiennale

2018 in Venedig, der in Kooperation mit

dem Departement DICEA der Polytechnischen Universität

der Marken (Ancona) durchgeführt wurde.

[IES – Regionales Bauen und Siedlungsplanung]

Schröder, Jörg / Hartmann, Sarah (Hg.): lago di

garda. urban scenarios between water and

mountains. Hannover 2018

Urbane Szenarien eröffnen dem Gardasee eine neue

Perspektive von „Habitat Horizons“ als Orten und Architektur

neuer Lebensmodelle und Raum der produktiven

Aktivität für 500.000 permanente Einwohner.

Ausgehend von der Interpretation räumlicher Dynamiken,

von kulturellen, sozialen und ökonomischen

Energien um den Gardasee – die sich an Orte dichten

räumlichen Charakters binden – illustriert die Publikation

einen Research-Design-Ansatz. Das Buch wurde

auf Grundlage eines kombinierten Forschungs- und

Studienprojekts in Kooperation mit der Stadt Riva del

Garda und der Universität Trient gestaltet.

[IES – Regionales Bauen und Siedlungsplanung]

Buchert, Margitta (Hg.): das besondere buch.

Hannover 2019

Im Anschluss an die Veranstaltung „Das besondere

Buch“ bei der letzten „Nacht, die Wissen schafft“ im

November 2018 veröffentlichte Margitta Buchert Anfang

2019 nun die gleichnamige Publikation. Diese

gibt spannende Einblicke in die Arbeit und den Umgang

von ArchitekturtheoretikerInnen sowie niedersächsischen

ArchitektInnen des BDA mit dem auch

für die Architekturdisziplin zentralen Medium des

Buches. In zwölf Beiträgen stellen die AutorInnen für

sie wichtige Bücher vor und charakterisieren deren Bedeutung

für ihre persönliche Haltung und ihr individuelles

Schaffen.

[IGT – Architektur und Kunst 20. / 21. Jahrhundert]

Karácsony, Maya / Zibell, Barbara (Hg.): frauennetzwerke

in architektur und planung. erfahrungen

– orientierungen. Zürich 2018

Mit der Publikation kann ein mehrjähriges Forschungsvorhaben

abgeschlossen werden. Das Buch

zieht Bilanz zum schweizerischen Frauennetzwerk

„Planung, Architektur, Frauen. (P, A, F.)“, das sich seit

1994 für die Sichtbarkeit und Teilhabe von Frauen in

den planenden und bauenden Berufen eingesetzt und

2012 aufgelöst hat. Das gender_archland erhielt den

Auftrag, die Geschichte von P, A, F. aufzuarbeiten, mit

dem Ziel, daraus Lehren für gegenwärtige und künftige

Netzwerke zu ziehen. Das Buch schaut aber nicht

nur zurück. Es enthält auch Einschätzungen aktiver

Netzwerkerinnen im ganzen deutschsprachigen Raum

und leistet so einen Beitrag zur Dokumentation unsichtbarer

Geschichte(n).

[gender_archland]

Zibell, Barbara / Damyanovic, Doris / Sturm, Ulrike

(Hg.): gendered approaches to spatial development.

Ergebnisse des internationalen Arbeitskreises

der ARL 2014–18. London 2019

Die Publikation im renommierten Verlagshaus Routledge

markiert den Abschluss einer mehrjährigen

Zusammenarbeit im internationalen Arbeitskreis

„Gender in Spatial Development“, der auf Initiative von

Prof. Barbara Zibell bei der Akademie für Raumforschung

und Landesplanung eingerichtet und von ihr

geleitet wurde. Die Mitglieder aus neun europäischen

Ländern repräsentierten ein beachtliches Spektrum

186


an Disziplinen: Architektur und Städtebau, Stadt- und

Regional- / Raum- und Landschaftsplanung, Soziologie

und Umweltpsychologie, Humangeografie und Umweltwissenschaften.

Das Ergebnis ist ein Beitrag zu

einer transnationalen Planungstheorie, die im internationalen

Raum bisher ihresgleichen sucht.

[gender_archland]

zu sozialen und ökonomischen Herausforderungen in

Krisenzeiten und mit den studentischen Arbeitsergebnissen

der Summer School.

[IUP – Raumordnung und Regionalentwicklung]

Erbeck, Desiree (Hg.): glück auf. szenarien für

das kaliwerk sigmundshall in bokeloh bei

wunstorf. IUP-Arbeitsmaterialien Band 62, Hannover

2019

Mit der Schließung des Kaliwerks Sigmundshall

müssen neue Nutzungen des Geländes gefunden

werden. Für die Rückstandshalde, das Werksgelände

mit Bahnanschluss, das Streckennetz unter

Tage sowie eine Werkssiedlung sind verschiedene

Entwicklungen vorgesehen, die zum einen rechtlichen

Planungen unterliegen und somit feststehen, zum anderen

aber Spielraum für neue Ideen zulassen. Unter

Berücksichtigung von Wünschen und Vorstellungen

der örtlichen Bevölkerung entwickelt Desiree Erbeck

mittels der Szenario-Technik Zukunftsbilder für das

Jahr 2045.

[IUP]

Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung

(Hg.): regiobranding. innovationskonzept.

branding von stadt-land-regionen

durch kulturlandschaftscharakteristika.

4 Bände. Koordination: Dr. Daniela Kempa, PD Dr.

Sylvia Herrmann, Birgit Böhm (Büro mensch und region);

Zusammenstellung: Dr. Meike Levin-Keitel. Hannover

2018

Das Innovationskonzept zeigt, wie unterschiedliche

Wertschätzungen über das, was eine Region

ausmacht, dargestellt werden können und wie die

gemeinsame Wissensgenerierung in aktivierenden

Beteiligungs- und Kommunikationsformaten funktioniert.

Band 1 gibt einen Überblick, in den Bänden

2 bis 4 werden norddeutsche Fokusregionen und deren

innovativer Umgang mit ihren Kulturlandschaftscharakteristiken

vorgestellt.

[IUP – Landschaftsplanung und Naturschutz]

Othengrafen, Frank / Serraos, Konstantinos (Hg.):

urban resilience, changing economy and

social trends. coping with socio-economic

consequences of the crisis in athens,

greece. Hannover / Athen 2019

Soziale und ökonomische Herausforderungen waren

Thema der diesjährigen DAAD-Partnerschaft des IUP

und der Hochschule für Architektur der Nationalen

Technischen Universität Athen (NTUA). Im Rahmen

der Summer School in Athen entstand die 167-seitige

Publikation mit Beiträgen internationaler Fachleute

symposien und workshops

forum des netzwerks baukultur in niedersachsen

– städtebau | zukunft | ausbildung

Wie soll die Ausbildung für Städtebau in

Zukunft aussehen? Wie schaffen wir es, engagierten

Nachwuchs in Städtebau und Stadtplanung für die Arbeit

in und für Kommunen zu begeistern? Das Forum

des Netzwerks Baukultur in Niedersachsen hat hierzu

am 8. November 2018 an der Fakultät für Architektur

und Landschaft eine öffentliche Debatte angestoßen.

Mit dem niedersächsischen Minister für Umwelt, Energie,

Bauen und Klimaschutz Olaf Lies diskutierten ExpertInnen

von Kommunen, der Landesverwaltung, des

Netzwerks Baukultur und aus Lehre und Forschung,

unter anderem Prof. Jörg Schröder und Prof. Andreas

Quednau. Auch durch einen Projektaufruf ausgewählte

Studierende waren in der Debatte dabei.

[IES – Entwerfen und Städtebau]

187

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