Berliner Zeitung 19.11.2019

BerlinerVerlagGmbH

Warum Robert de Niro nicht über seinen neuen Film reden will – Panorama Seite 26

Kolumne:

Auf eine

Curry mit

Gysi

Seite 12

3°/7°

Öftersmal Sonne

Wetter Seite 2

Urteil: Mieterin wehrt

Eigenbedarfskündigung ab

Berlin Seite 10

www.berliner-zeitung.de

Wenn Ärzte

Fehler machen

Politik Seite 4

Dienstag,19. November 2019 Nr.269 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Mobilnetz: Eine Milliarde

gegen Funklöcher

Tagesthema Seite 2

Allianz

gegen die

Langeweile

VonChristian Schwager

Umesmit den Worten der ehemaligen

Biathletin Laura Dahlmeier

zu sagen: Ma mua ned Houchdeitsch

sprichn, um beim ZDF zua

arbadn. Dafür ist die 26-Jährige aus

Garmisch-Partenkirchen jetzt das

beste Beispiel. Dahlmeier wird dem

ZDF bei Übertragungen vom Biathlon

als Expertin zur Hand gehen, dabei

niemandem nach dem Mund reden,

sondern

wie gewohnt mit

bayrischem Einschlag.

Erstmals kurz

vorWeihnachten

wird sie das tun

beim Weltcup in

Le Grand Bor-

Laura Dahlmeier

wird als Kommentatorin

für das ZDF arbeiten.

Fernsehexpertin

nand, Frankreich.

Auch bei

der WM im Februar

in Antholz,

Südtirol, steht Laura Dahlmeier mit

Mikrofon am Start. Basst scho!

Zwar kommt langsam der Eindruck

auf, dass sich das ZDF als Notaufnahmelager

für frühereHochleistungssportler

sieht und daher zuletzt

auch der Tennisspielerin Andrea Petkovic

eine Anschlussvertrag im

Sonntagsformat „Sportreportage“ in

Aussicht stellte. Doch mit Laura

Dahlmeier geht der Sender eine geradezu

logische Symbiose ein. Im

Kampf gegen Langeweile nämlich,

die bei der Bayerin aufkam, nachdem

sie zweimal Olympiagold, sieben

WM-Titel und 33 Weltcuprennen

gewonnen hatte. Sie hörte auf

mit Biathlon, wechselte zum Berglauf

und debütierte nun am vergangenen

Sonnabend bei der WM in Argentinien

über 42 Kilometer. Resultat:

Platz 27. Herrschoftszeidn!

DasZDF wiederum bekämpft die

programmbedingte Langeweile mit

dem beliebtesten Dialekt der Deutschen.

Bayrisch liefertsich in alljährlichen

Umfragen ein Kopf-an-Kopf-

Rennen mit dem Norddeutschen

nach hanseatischer Art. Jeweils ein

Drittel findet einen der beiden Dialekte

am sympathischsten, doch

zum Wintersportpasst nun mal kein

Hamburger.Moizeid!

Glück hat der ehemalige Biathlet

und ZDF-Experte Sven Fischer. Er

kann beruhigt weitermachen und

sich künftig mit Dahlmeier abwechseln.

Der 48-Jährige kommt aus

Schmalkalden, spricht mithin Thüringisch,

nicht Sächsisch, das den

Umfragen zufolge hierzulande der

unbeliebteste Dialekt ist. Oder mit

den Worten von Laura Dahlmeier:

Kruzitürkn no amoi!

Hinter die Mauer

Sollen Sicherungsverwahrte in Berlin tatsächlich außerhalb des Gefängnisses leben? Daran zweifelt auch die SPD

VonAnnika Leister

Die Berliner Opposition

kritisiert die Pläne von

Justizsenator Dirk Behrendt

(Grüne), einen offenen

Vollzug für Sicherungsverwahrte

in Tegel außerhalb der Gefängnismauern

einzurichten. Auch

der Koalitionspartner SPD meldet

Zweifel an der Standortwahl an.

Wie berichtet soll ab Anfang 2020

ein Haus in der Seidelstraße 34, wenige

Meter vor der Mauer der Justizvollzugsanstalt

Tegel, saniert und

umgebaut werden. Dortsoll ein offener

Vollzug mit zehn Plätzen für Sicherungsverwahrte

eingerichtet werden.

Am Abend diskutierten Anwohner

mit Vertretern der Justizverwaltung

über dasVorhaben.

Aus der Senatsjustizverwaltung

heißt es zur Standort-Wahl vor den

Mauernder JVA, dass der offeneVollzug

nach gesetzlichen Vorgaben

ohne oder mit verminderten baulichen

Vorkehrungen gegen Entweichungen

ausgestattet sein müsse.

„Ein ‚offener Vollzug‘ innerhalb des

geschlossenen Justizvollzuges ist daher

per definitionem nicht möglich.“

Im Tränengas

In Hongkong eskalieren die Kämpfe zwischen Demonstranten

und der Polizei. Die Lage in der Universität ist dramatisch. Seite 5

Anders sieht das die Berliner SPD,

Koalitionspartner der Grünen: Die

Sicherungsverwahrten hätten einen

Anspruch auf Resozialisierung, sagte

Sven Kohlmeier, rechtspolitischer

Sprecher der SPD, der Berliner Zeitung.

„Aber ich sehe nicht, warum

man den offenen Vollzug nicht hinter

den Mauernauf dem Gelände der

JVA einrichten kann.“ Die Sicherungsverwahrten

hätten erst vorkurzem

einen Neubau auf dem JVA-Gelände

erhalten. „Es spräche nichts

dagegen, für den offenen Vollzug

dorteine Etage freizuräumen.“

Ähnlich klingt das bei den Oppositionsparteien

CDU und FDP: Der

offene Vollzug für normale Strafgefangene

in Plötzensee oder Hakenfelde

sei abgelegener und mit Zäunen

stärker gesichertals das nun geplante

Pilotprojekt für Schwerverbrecher,

sagte Holger Krestel,

Rechtsexperte der FDP. Im Zweifel

müsste man sich klar für den Schutz

der Allgemeinheit entscheiden und

nicht nach dem Motto verfahren:

„Mal schauen, ob das klappt.“

Auch Linken und Grünen ist die

Brisanz bewusst. „Ich verstehe die

„Wenn man dieVerfassung ernst nimmt, muss

man auch diesen Menschen eine Chance

geben, sich zu resozialisieren.“

Petra Vandrey, Rechtsexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus

Bedenken von Anwohnern, das ist

durchaus ein heikles Thema“, sagte

Petra Vandrey, Rechtsexpertin der

Grünen. „Aber wenn man die Verfassung

ernst nimmt, muss man auch

diesen Menschen eine Chance geben,

sich zu resozialisieren.“ Die

Linke verweist ebenfalls auf den

Grundsatz der Resozialisierung und

die strenge Prüfung der Kandidaten,

bevor sie in den offenen Vollzug verlegt

werden. „JVA und Richter werden

sehr genau hingucken, wer in

Frage kommt für dieses Projekt“,

sagte Sebastian Schlüsselburg von

der Linken.

Auch der Bund deutscher Kriminalbeamter

hält das Projekt für sinnvoll.

Objektiv mache es keinen Unterschied,

ob der offene Vollzug voroder

hinter den Gefängnismauern liege.

Die Menschen könnten das Gelände

im Rahmen ihrer Freigänge ohnehin

problemlos verlassen. Der Opferbeauftragte

des Landes Berlin, Roland

Weber,lobt das Pilotprojekt als„absolut

sinnvoll und vernünftig“. Die Sicherungsverwahrten

säßen zum Teil

Jahrzehnte lang im Gefängnis und

müssten langsam wieder an die Freiheit

gewöhnt werden. „Wir würden

eher Gefahrenquellen schaffen, wenn

wir die Person einfach so rauslassen.“

Dass ein Gutachter sich bei seiner

Einschätzung irre, käme selten vor.

Auswertungen zeigten außerdem,

dass Sicherungsverwahrte nach ihrer

Entlassung vergleichsweise selten

und wenn mit kleineren Straftaten

rückfällig würden, so Weber. Kommentar

Seite 8, Berlin Seite 11

DPA/AP/ACHMAD IBRAHIM

Birthler und

Kowalczuk

beraten Zeitung

Experten sichten

Stasi-Akten des Verlegers

Marianne Birthler, die frühere

Leiterin der Stasi-Unterlagen-

Behörde,und der Historiker Ilko-Sascha

Kowalczuk werden die Redaktionen

der Berliner Zeitung und des

Berliner Kuriers bei der Sichtung der

Stasi-Akten des Verlegers Holger

Friedrich unterstützen. Das teilten

Birthler und Kowalczuk den Redaktionen

am Montag mit.

Am Freitag vergangener Woche

war bekannt geworden, dass Holger

Friedrich, der den Berliner Verlag im

September gekauft hatte, Ende der

Achtzigerjahre an das Ministerium

für Staatssicherheit der DDR berichtet

hatte. Die Chefredakteure der

Berliner Zeitung und des Berliner

Kuriers, Jochen Arntz und Elmar

Jehn, hatten daraufhin erklärt, dass

sie den Fall wie jeden anderen objektiv

untersuchen wollen: „Wir werden

Fakten sammeln, wir wollen die Akten

–die Opfer- und die Täterakte –

einsehen.“ Holger Friedrich hatte

der Redaktion zugesichert, sie dabei

zu unterstützen.

Michael Maier, der Herausgeber

der Berliner Zeitung, hatte zu der

Aufarbeitung in der Süddeutschen

Zeitung erklärt:„Es bedarfder Expertise,

umden Fakten auf den Grund

zu gehen. Akten haben ihre eigene

Wahrheit.“

DieStasi-Unterlagen-Behörde hat

den zugänglichen Teil der Täter-Akte

mittlerweile der Berliner Zeitung zur

Verfügung gestellt. DieRedaktion hat

nun auch die Opfer-Akte angefordert,

mit dem Einverständnis von Holger

Friedrich, was eine rechtlicheVoraussetzung

dafür war.Die Redaktion hat

ein fünfköpfiges Reporter-Team für

die Aufarbeitung benannt und wird

vor einer Veröffentlichung beide Akten

gemeinsam prüfen. Dabei werden

Birthler und Kowalczuk sie fachlich

unterstützen. (BLZ)

Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin

Redaktion: (030) 63 33 11-457

(Mo-Fr13-14 Uhr), Fax-499;

leser-blz@berlinerverlag.com

Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76;

www.berliner-zeitung.de/leserservice

Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97;

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Tagesthema

Die Bundesregierung kam

am Montag auf Schloss

Meseberg bei Berlin zu

einer sogenannten Klausurtagung

zusammen. Dabei ging es

um Löcher, die auch der brandenburgischen

Provinz nicht fremd sind:

Funklöcher.Sowill die schwarz-rote

Koalition eine umfassende Strategie

erarbeiten, wie beim schnellen Mobilfunk

„weiße Flecken“ vor allem

auf dem Land geschlossen werden

können – an Orten also, die ohne

staatliche Hilfe keine Perspektivefür

ein Mobilfunknetz hätten. Allerdings

löst diese Strategie Unmut aus.

Der zuständige Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer ließ unter

anderem via Twitter Eckpunkte verbreiten.

Der CSU-Politiker strebt

demnach eine Bestandsaufnahme

des existierenden Mobilfunknetzes

an. Im Kern will er 1,1 Milliarden

Euro für 5000 neue Mobilfunkstandorte

im Rahmen eines Förderprogramms

bereitstellen –und die Kommunen

bei der Umsetzung dieses

Programms unterstützen. Schließlich

will der Bund wenn möglich eigenen

Grund und Boden zur Aufstellung

von Masten anbieten sowie ermitteln,

wo Regeln etwa im Baurecht

so verändert werden können, dass

der Ausbau des Netzes rascher vorangeht.

5000 neue Masten

Mobilfunk

Kein

Anschluss

Beim Handyempfang ist

Deutschland

Entwicklungsland. Die

Koalition verspricht,

das zu ändern.

Wieder einmal.

VonMarkus Decker

ler werden.“ Der Grünen-Vorsitzende

Robert Habeck übte indes

Kritik. Zwar sei es richtig, die 1,1

Milliarden Euro bereitzustellen,

sagte er, fügte aber hinzu, hier würden

Löcher gestopft, „die die Bundesregierung

selbst gerissen hat“.

So sei einst das Ziel ausgegeben

worden, 98 Prozent der Haushalte

mit einem funktionsfähigen IT-Netz

zu versorgen –wovon die meisten

sich in Städten befinden.

Die zwangsläufige Folge dieser

Strategie sei die Unterversorgung

RHEINLAND-

PFALZ

SAARLAND

Konkret ist geplant, die 5000 Standorte

zu erschließen, wenn weiße Flecken

trotz eingeleiteter Maßnahmen

und Versorgungsauflagen nicht bis

Ende 2024 vonden Mobilfunkbetreibern

selbst abgedeckt worden sind.

DasGeld soll aus dem Sondervermögen

Digitale Infrastruktur kommen.

In dieses Sondervermögen sind Milliardenerlöse

aus der 5G-Mobilfunkauktion

geflossen. Die Bundesregierung

will auch eine Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft

gründen, um

den Ausbau zu unterstützen und,

wenn nötig, selbst Aufträge zu vergeben.

Derdigitalpolitische Sprecher der

Unionsfraktion, Tankred Schipanski,

sagte: „Es gilt nach wie vor: Wirmüssen

bei der Umsetzung der Digitalisierung

in Deutschland noch schnel-

NORDRHEIN-

WESTFALEN

Ausfall: Gerade als ARD-Korrespondentin

Kristin Becker in der 12-Uhr-Sendung der

„Tagesschau“ am Montag erläuternwollte,

was die Bundesregierung nach der Klausur

auf Schloss Meseberg in Brandenburg gegen

Funklöcher auf dem Land tun möchte, brach

der Kontakt zu ihr ab.

BREMEN

SCHLESWIG-

HOLSTEIN

NIEDERSACHSEN

HESSEN

BADEN-

WÜRTTEMBERG

UNTERBRECHUNG

HAMBURG

MECKLENBURG-VORPOMMERN

THÜRINGEN

BAYERN

SACHSEN-

ANHALT

Ursache: „Ich fürchte, wir haben ein Funkloch

nach Meseberg gehabt. Leider ist die

Verbindung damit abgebrochen. Wirbitten

um Entschuldigung und kommen zum nächsten

Thema“, sagte „Tagesschau“-Sprecher

Claus-Erich Boetzkes direkt nach dem vorzeitigen

Ende der Schalte.

BRANDENBURG

BERLIN

SACHSEN

Wo 4G kein Standard ist

Regionen, in denen der

4G-Mobilfunkstandard in

den letzten 12 Monaten

nicht die häufigste gemessene

Netztechnologie war:

häufigste

Empfangsart

3G

2G

Stand: 15 November 2019

BLZ/GALANTY; QUELLE: BUNDESNETZAGENTUR „FUNKLOCH-APP“, OSM-MITWIRKENDE, DPA

ländlicher Regionen. Ähnlich äußerte

sich der Gründer vonNetzpolitik.org,

Markus Beckedahl. Er sagte

der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland), Scheuer

habe „eine neue Ankündigungsstrategie

vorgelegt. Doch konkrete Maßnahmen

muss man mit der Lupe suchen.“

Die genannten Ziele seien

„durchaus ambitioniert“, findet Beckedahl.

So sollten bis Ende 2020 fast

100 Prozent aller Haushalte zumindest

mit 4G ausgestattet sein. Derzeit

liege einer aktuellen Studie zufolge

die 4G-Versorgung nur bei rund 77

Prozent. Deutschland rangiertdamit

hinter Ländern wie Libanon, Vietnam

und Senegal. Überdies, soder

Digitalexperte, bedeuteten 99 Prozent

der Haushalte in der Praxis lediglich

rund 90 Prozent der Fläche.

„Das heißt, da bleiben zehn Prozent

Funklöcher übrig.“

DerNetzexperte erinnerte daran,

dass Scheuers Vorgänger Alexander

Dobrindt (CSU) 2016 die bis dahin

bereitgestellte Summe von2,7 Milliarden

Euro auf vier Milliarden Euro

aufgestockt habe. Dobrindt sagte

damals: „Wir investieren in die Entwicklung

der Gigabit-Gesellschaft.

Dafür benötigen wir überall in

Deutschland superschnelles Internet

für alle.“ Freilich sei das Geld

kaum ausgegeben worden, sagt Beckedahl,

„weil der bürokratische

Aufwand so groß war, dass kaum

eine Kommune das machen

wollte“. Am Ende habe der Bund

immer wieder teils identische Milliarden-Beträge„sehr

kreativ neu verpackt“

–bis heute.

International abgerutscht

Auch der Branchenverband Bitkom

zeigte sich skeptisch. „Im Koalitionsvertrag

steht 297 Mal das Wort

,digital‘, dennoch fällt Deutschland

im internationalen Digitalvergleich

weiter zurück“, sagte Bitkom-Präsident

Achim Berg. Der

Digitalindex der EU führeDeutschland

aktuell nur noch auf Rang 12,

zwei Plätze schlechter als 2015.

Und im Kernbereich staatlichen

Handelns, der Verwaltung, sei

Deutschland gerade vier Plätze abgerutscht

und stehe jetzt auf Rang

24 innerhalb der EU.

Der Parlamentarische Geschäftsführer

der FDP-Bundestagsfraktion,

Marco Buschmann, urteilte noch

schärfer. Ersagte: „Union und SPD

geben unser Land beim Mobilfunk

der Lächerlichkeit preis.“

Markus Decker

findet, dass den Worten

Taten folgen müssen.

VonFrank-Thomas Wenzel

Tiefer Luftdruck hat sowohl den Westen und Norden des Kontinents als auch

das nördliche Mitteleuropa und Italien fest imGriff.Vielfach dominieren Wolken

mit zeitweiligem Regen, am zentralen Mittelmeer mit unwetterartigem Starkregen.

Inden Alpen und Skanden herrscht bei Schneefällen verbreitet Winterwetter.

Der

Telekommunikationsverband

VATM fordert, den Breitbandausbau

auf dem Land mit der

direkten Vergabe von Gutscheinen

an Haushalte zu fördern. Die Beschlüsse

des Digitalkabinetts müssten

durch ein Voucher-System für

den Festnetzausbau ergänzt werden,

sagte VATM-Geschäftsführer

Jürgen Grützner am Montag. „Dies

wäre der effizienteste und billigste

Weg, um Gigabitverbindungen so

gut wie flächendeckend umzusetzen–dies

ist ergänzend zum Mobilfunk

dringend notwendig“, so

Grützner, in dessen Verband sich

die Rivalen der Deutschen Telekom

organisierthaben.

Die Bundesregierung hat während

einer Klausurtagung beschlossen,

neben den Mobilfunknetzen

auch die superschnellen Glasfasernetze

zuerweitern. Grützner macht

sich dafür stark, den Anschluss von

Haushalten an Festnetz-Glasfaserleitungen

zu forcieren. „Wir stehen

an einem Wendepunkt. Jetzt müssen

die Festnetze möglichst überall im

Land auf Gigabit-Niveau gebracht

werden.“ In Brüssel würden gerade

die Weichen für neue Förderkonzepte

gestellt. Die Vorgaben für den

Gigabit-Festnetzausbau seien noch

nicht bürgerfreundlich genug, zu

langsam und zu bürokratisch.

Grützner schlägt vor, dass der

Staat in ländlichen Regionen ohne

schnelles Internet Gutscheine ver-

Mit Gutscheinen schneller ans Netz

Breitbandausbau

Gegen Mobilfunkmasten gibt es erhebliche

Vorbehalte in der Bevölkerung. DPA

teilt: 500 Euro sollen für jedes Gebäude,

das einen Anschluss erhält,

gezahlt werden. Weitere 500 Euro

würden für jeden Haushalt gezahlt,

der einen Vertrag bei einem Telekommunikationsunternehmen

unterschreibt.

Zusätzlich könnten für die Verkabelung

innerhalb von Gebäuden

weitere 150 Euro gezahlt werden.

Grützner: „Wir gehen davon aus,

dass der Ausbau mit Vouchern rund

fünf Milliarden Euro kosten und realistisch

betrachtet zehn Jahredauern

würde“. Mit den Gutscheinen werde

eine Nachfrage erzeugt, die hohe Anschlussquoten

in den Regionen nach

sich ziehe,die nicht absehbar mit Gigabit-Anschlüssen

versorgt sein werden,

etwa durch besonders leistungsfähige

TV-Breitbandnetze.

Laut Grützner ist die stringent geplante

Vernetzung der InfrastrukturenGrundlage

für die weitereDigitalisierung

Deutschlands.

Bundesamt sieht keine Gefahren

Der VATM-Geschäftsführer begrüßt

überdies grundsätzlich die Mobilfunkstrategie.„Jetzt

hat sich die Bundesregierung

Ziele gesetzt, an der wir

sie messen können.“ Positiv zu bewerten

seien die geplanten Schritte

zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren

und der Abbau von

Bürokratie. Ebenso wichtig sei es öffentliche

Liegenschaften für Mobilfunkmasten

zur Verfügung zu stellen

und die Akzeptanz der Standorte bei

den Bürgerndeutlich zu erhöhen.

Dazu will die Bundesregierung

mit einer „Kommunikationsinitiative“

für mehr Verständnis werben.

Als Grund für Vorbehalte bei den

Bürgern gegen Mobilfunkmasten

wird in dem Strategiepapier die

Sorge vor zusätzlicher Strahlenbelastung

genannt. Aus Sicht des Bundesamts

für Strahlenschutz gibt es

keinen Grund zur Sorge, solange die

Grenzwerte eingehalten werden. Die

Auswirkungen des Mobilfunks für

die Gesundheit seien inzwischen gut

erforscht, sagte Präsidentin Inge

Paulini. „Demnach gibt es keinen

Beleg für negative gesundheitliche

Auswirkungen unterhalb der Grenzwerte.“

Diese Erkenntnisse ließen

sich „weitgehend“ auf den neuen

5G-Mobilfunk übertragen. (mit dpa)

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute scheint immer wieder die Sonne, doch teilweise ziehen Wolken vorüber.

Die Höchsttemperaturen steigen auf 7bis 9Grad, und der Wind

weht schwach bis mäßig aus Süd. In der Nacht muss man sich auf vereinzelten

Nebel einrichten. Funkelnde Sterne gibt es aber auch, und es werden

bis 2Grad erzielt.

Biowetter: Die derzeitige Wetterlage

verursacht verstärkt Kopfweh,

Migräneattacken, erhöhten Blutdruck

und beschleunigten Stoffwechsel.

Auch rheumatische

Schmerzen treten oftmals auf.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 8µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 29 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 29 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 88%

Gefühlte Temperatur: maximal 7Grad.

Wind: schwach aus Süd.

Wittenberge

4°/9°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

2°/9° 3°/7°

Luckenwalde

0°/8°

Prenzlau

3°/7°

Cottbus

0°/8°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

bedeckt bedeckt stark bewölkt

3°/8° 6°/9° 6°/9°

Frankfurt

(Oder)

3°/8°

Köln

2°/8°

Sylt

4°/9°

Saarbrücken

2°/5°

Hannover

4°/9°

Konstanz

0°/5°

Hamburg

3°/8°

Erfurt

2°/6°

Frankfurt/Main

2°/7°

Stuttgart

1°/6°

Rostock

3°/9°

Magdeburg

3°/9°

Nürnberg

0°/7°

München

0°/6°

Rügen

3°/9°

Dresden

2°/7°

Deutschland: Heute sorgen an wenigen

Stellen viele Wolken für Regenfälle.

Sonst kommt jedoch die Sonne

durch. Dabei werden während des

Tages 5bis 9Grad erreicht, nachts

kühlt es dann auf 4bis 0Grad ab.

Der Wind weht regional in Böen stürmisch

aus Süd. Morgen steigen die

Temperaturen auf 5bis 10 Grad.

Dazu ist es gebietsweise stark bewölkt,

vereinzelt jedoch auch freundlich.

Der Wind weht leicht aus

östlichen Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 9°-10°

Nordsee: 9°-12°

Mittelmeer: 14°-25°

Ost-Atlantik: 10°-17°

Mondphasen: 19.11. 26.11. 04.12. 12.12.

Sonnenaufgang: 07:34 Uhr Sonnenuntergang: 16:08 Uhr Mondaufgang: 22:50 Uhr Monduntergang: 13:32 Uhr

Lissabon

14°

Las Palmas

21°

Madrid

11°

Reykjavik


Dublin

11°

London


Paris


Bordeaux

10°

Palma

15°

Algier

16°

Nizza

13°

Trondheim


Oslo


Stockholm

10°

Kopenhagen


Berlin


Mailand


Tunis

16°

Rom

15°

Warschau

12°

Wien

11° Budapest

13°

Palermo

15°

Kiruna

-1°

Oulu


Dubrovnik

19°

Athen

22°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa

13°

Varna

20°

Istanbul

23°

Iraklio

23°

Archangelsk

-7°

Moskau


Ankara

17°

Antalya

24°

Acapulco 32° Gewitter

Bali 31° wolkig

Bangkok 32° heiter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 27° heiter

Casablanca 17° wolkig

Chicago 6° Regen

Dakar 28° wolkig

Dubai 29° heiter

Hongkong 25° sonnig

Jerusalem 15° sonnig

Johannesburg 29° Gewitter

Kairo 25° sonnig

Kapstadt 21° sonnig

Los Angeles 20° bewölkt

Manila 32° wolkig

Miami 26° wolkig

Nairobi 29° Gewitter

Neu Delhi 27° sonnig

New York 12° wolkig

Peking 7° wolkig

Perth 25° wolkig

Phuket 33° heiter

Rio de Janeiro 25° bedeckt

San Francisco 15° heiter

Santo Domingo 29° heiter

Seychellen 30° wolkig

Singapur 30° Gewitter

Sydney 37° sonnig

Tokio 22° wolkig

Toronto 4° bedeckt


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 3 *

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Seite 3

Wenn es kalt wird

Flüchtlinge im Lager Vucjak nahe der bosnisch-kroatischen Grenze

ANDREA JESKA

Stimmt das, fragt Hussein B., ein 23-

jähriger Flüchtling aus dem Irak.

„Die geben uns kein Essen mehr?

Wassollen wir denn dann tun?“ Da

ist Panik in seinem Gesicht, und seine Augen

betteln um eine beruhigende Antwort. Im

Flüchtlingslager Vucjak in der Nähe der bosnischen

Stadt Bihac ging das Gerücht um,

das Rote Kreuz von Bihac und dem Kanton

Una-Sana werdedie gut 700 Flüchtlinge dort

nicht mehr versorgen.

Ein Gerücht, das sich bewahrheitet hat.

Seit vergangener Woche hat das lokale Rote

Kreuz, zuständig für Bihac und den Una-

Sana-Kanton, die Arbeit in Vucjak eingestellt.

Husein Klicic, der Präsident, hat erklärt, mit

Einbruch desWinters sehe seine Organisation

sich nicht mehr in der Lage, das Überleben

der Flüchtlinge zu garantieren. „Wir wollen

die Verantwortung für eine humanitäreKatastrophe

nicht übernehmen. Wenn die Menschen

in Vucjak bleiben, werden sie erfrieren.

DieRegierung muss nun eine Lösung finden.“

Die Lösung kommt ein paar Tage später.

Vucjak, so heißt es, solle ganz geschlossen

werden. Doch wohin mit den Menschen?

Darüber gibt es keine Information. Denn trotz

der 14 Millionen Euro, die die Europäische

Union an in Bosnien tätige Akteure inder

Flüchtlingshilfe zahlte,werden diesen Winter

Tausende nicht wissen, wie überleben.

Gegründet auf einer Mülldeponie

Der bosnische Kanton Una-Sana ist zu einem

Knotenpunkt auf der Balkanroute geworden,

auf der die Flüchtlinge von Griechenland

durch Albanien und Montenegro

in die Länder der EU unterwegs sind. Längst

ist das kleine Bosnien mit der Situation überfordert,

stauen sich die Menschen in den

Städten Bihac und Velika Kladusa.

Die beiden Kleinstädte tragen die

Hauptlast der Probleme, die mit der Verlagerung

der Balkanroute durch Bosnien-

Herzegowina entstanden sind. Die Regierung

lasse seine Stadt im Stich, klagte Anfang

des Jahres Bihacs Bürgermeister SuhretFazlic,

der Vucjak errichten ließ.

Tatsächlich ist die Präsenz der Flüchtlinge

in der Stadt hoch, ebenso die der Polizei. Das

Camp Bira liegt zentral in der Stadt Bihac,

und seit Wochen gibt es Demonstrationen

von Bewohnern, die seine Schließung verlangen.

Die Kapazität des Camps ist erschöpft,

täglich bildet sich vor dem Lager

eine Schlange vonFlüchtlingen, die auf Aufnahme

hoffen und abgewiesen werden. Die,

die nicht aufgenommen werden, wohnen in

klammen Ruinen, in denen man ebenfalls

nicht überwinternkann.

Mitte November sollten die CampsVucjak

und Bira geschlossen werden. Doch trotz

monatelanger Verhandlungen hat die bosnische

Regierung es bislang nicht geschafft, einen

alternativen Standort zu bestimmen.

Die Balkanroute führt durch den bosnischen Kanton Una-Sana.

Rund 7000 Flüchtlinge halten sich dort auf.

Trotz Millionen an EU-Unterstützung gelingt es der Regierung und den

Hilfsorganisationen dort nicht, menschenwürdige Unterkünfte

zu schaffen. Und der Winter kommt bald

Nunist die Lizenz dieser Camps erstmal verlängertworden.

DendortLebenden aber soll

das Verlassen der Lager verwehrt werden, es

sei denn, hat die lokale Regierung verfügt, sie

wollten die GrenzezuKroatien überqueren.

Wasals Aufforderung zu illegaler Grenzüberquerung

gedeutet werden kann, zeigt

die Hilflosigkeit und Unfähigkeit der Behörden.

Schon bei der Gründung vonVucjak war

das deutlich geworden: DasCamp wurde im

vergangenen Jahr gegen internationale Proteste

auf einer Mülldeponie am Rande des

gleichnamigen Dorfes, 15Kilometer von Bihac

entfernt, errichtet. DieStadt begründete

die Entscheidung seinerzeit damit, dass die

40 000 Bewohner von Bihac sich nicht mehr

sicher fühlten angesichts der vielen zumeist

jungen Männer,die auf der Straße und in den

Parksschliefen, sich wuschen, Müll und Notdurft

hinterließen. Die ehemalige Deponie,

hieß es,sei der einzig mögliche Ort, die Männer

unterzubringen.

Seither werden männliche Migranten, die

auf den Straßen von Bihac angetroffen werden,

von der Polizei eingesammelt, nach

Vucjak gebracht und dort ausgesetzt zwischen

flatternden Zelten und einem Waldgürtel,

in dem noch die Landminen des Krieges

liegen.Wegen dieser Landminen, des mit

Methan verseuchten Bodens der Deponie,

aber auch wegen der inhumanen Bedingungen

für die Flüchtlinge weigerten sich internationale

Hilfsorganisationen, in Vucjak tätig

zu werden.

Das Ergebnis dieser Weigerung führt zu

Umständen, die man als Albtraum bezeichnen

muss. Die überbelegten Zelte im wohl

schlimmsten Flüchtlingscamp in Europa

sind feucht vom Regen und riechen nach

Schimmel, die meisten der Flüchtlinge

schlafen auf dem Boden, überall liegt Unrat

herum, die Wege sind schlammig. Die Wassertanks

werden von der Stadtregierung befüllt,

die auch den Müll abholt, es gibt einen

Generator zum Aufladen der Mobiltelefone

und vier Dusch- und Toilettencontainer, die

so verdreckt sind, dass die Bewohner es bevorzugen,

in den Wald zu gehen. Fast jeder

dort–die meisten sind Pakistani und Afghani

VonAndrea Jeska, Bihac

–hat Krätze, Flöhe, Läuse oder eitrige Wunden.

„Welcome to the jungle“, so werden Besucher

in Vucjak begrüßt –Galgenhumor in

tiefster Verzweiflung.

Lediglich das Rote Kreuz von Una-Sana

war in den vergangenen Monaten mit sechs

ehrenamtlichen Helfern präsent. „Aus

Menschlichkeit“, wie der Regionalkoordinator

Selam Midzic sagt. Die Entscheidung,

Vucjak nicht mehr zu versorgen, sei auch

deshalb gefallen, weil seine Mitarbeiter am

Rande ihrer Kräfte seien. „Sie haben dort

Hunderte vonjungen Männern, die zum Teil

100 km

Velika Kladusa

Lager Vucjak

KROATIEN

Bihac

UNGARN

SERBIEN

Adria

BOSNIEN-

HERZEGOWINA

Srebrenica

Sarajevo

MONTE-

NEGRO

BLZ/GALANTY

schwer traumatisiert sind. Täglich gibt es

Kämpfe und Streit –und keine Polizeipräsenz,

um unsereLeute zu beschützen. Wenn

der Frost kommt, wirddie Lage eskalieren.“

Als Bosnien, nach Schließung der serbisch-ungarischen

Grenze vor gut 18 Monaten,

neue Durchgangsstation auf dem Weg

nach Europa wurde,war die Solidarität unter

den Bewohnern zunächst groß. Zum einen

gab es damals noch keine Camps und keine

Versorgung. Die Flüchtlinge bekamen viel

private Hilfe,vor allem vonjenen Bosniaken,

die selber Krieg und Vertreibung erlebt hatten.

Zum anderen dachte man, es wäre eine

temporäre Situation. Doch der Strom jener,

die im Nordwesten von Bosnien über die

kroatische Grenze Richtung EU wollen, riss

nicht ab. Mehr als 30 000 Menschen schätzungsweise

haben seither das kleine Balkanland

durchquert. Als es im Una-Sana-Kanton

zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen

Polizei und Flüchtlingen, zu Einbrüchen in

leerstehende Häuser und zu Viehdiebstählen

kam, ließ die Hilfsbereitschaft starknach.

Dass die bosnische Regierung trotz internationalen

Drucks bislang keinen alternativen

Standort bestimmt hat, liegt zum einen

an der Angst, unpopuläre Entscheidungen

zu treffen, die Wählerstimmen kosten, zum

anderen an der föderalistischen Struktur.

„Keiner übernimmt Verantwortung für Entscheidungen.

Jeder fühlt sich zunächst der

Partei verpflichtet oder seinem Clan. Probleme

werden nicht gelöst, sondern von einem

zum anderen weitergegeben“, sagt PeterVander

Auweraert, Koordinator der Internationalen

Organisation für Migration in

Bosnien. „Wir verhandeln seit Januar, weil

die Probleme, die wir jetzt haben, absehbar

waren.“ Es sei jedoch nicht gelungen, alle involvierten

Parteien zu einer gemeinsamen

Strategie zu bewegen. „Wir haben gehört, es

soll neue Standorte in den Kantonen Sarajevound

Tuszla geben, doch wir haben diese

noch nicht gesehen.“ Die Entscheidung des

Roten Kreuzes, die Versorgung in Vucjak zu

beenden, kritisiert erheftig. „Wäre das Rote

Kreuz dort gar nicht erst tätig geworden,

wäre dieses Camp ohne Zelte, ohne Wasser

undEssen in 14 Tagen kollabiertund die Probleme

wären nicht entstanden. Wenn man

sich auf so etwas einlässt, dann muss man

wissen, man hält das durch.“

Laut Schätzungen des Roten Kreuzes von

Bosnien sind inden vergangenen Monaten

rund 2500 junge Männer nach Vucjak gebracht

worden. Die meisten versuchen, von

dort aus so schnell wie möglich die Grenzezu

überqueren.Gleich hinterVucjak beginnt die

dicht bewaldete Pljesevica-Gebirgskette, die

Bosnien von Kroatien trennt. Weil in diesen

Wälderndie Polizeipräsenz groß ist, nehmen

viele Flüchtlinge die Route, die auf einer

KarteimCamp als landminenverseucht eingezeichnet

ist. „Wenn du verzweifelt bist,

gehst du jedes Risiko ein“, sagt HusseinB.Er

ist seit drei Monaten in Vucjak und hat seither

ein Dutzend Mal versucht hat, von dort

zu entkommen. „Viermal haben sie mich

hinter der Grenze erwischt. Die kroatische

Polizei nimmt uns unsere Kleidung weg,

Schuhe und Schlafsäcke, und verbrennt sie

vor unseren Augen. Sie schicken uns barfuß

zurück. Unddie anderen Male hatdie Polizei

mich in Bihacvon derStraße geholt undwiederhierhergebracht.“

Noch sind die Temperaturen herbstlich

milde,dochein Sturmund heftige Regenfälle

in den vergangenen Tagen haben in Vucjak

einen Vorgeschmack darauf vermittelt, was

geschehen wird,wenndasWetter umschlägt.

Die Zelte haben dem Wind und dem Regen

kaum standgehalten,Wasser ist hineingelaufen,

an vielen Stellen sind sie aus ihren Verankerungen

gerissen.

In feuchteDecken gehüllt

Im stetenRegen istesnicht möglich, Decken

und Schlafsäcke zu trocknen. Die Flüchtlinge

hüllen sich in diefeuchten Decken,um

sich vor dem kalten Wind zu schützen, die

Stimmung ist angespannt. „Ich will hier nur

noch raus“, sagt Hussein B.„Die EUwird

doch nicht zulassen, dass wir im Winter

keine Bleibe haben“, fragt er hoffnungsvoll.

Doch selbst wenn es der bosnischen Regierung

gelingt, vorEinbruch desWinters und

vor den Nachrichten über erste Kältetote einen

alternativen Standort zu finden: Das

Problemfür Una-Sana wirddadurch nicht gelöst.

Im Frühjahr werden die Flüchtlinge wieder

Richtung kroatische Grenze wandern.

„Seit Anfang des vergangenen Jahres ist es

schätzungsweise 43 000 Menschen gelungen,

diese Grenzezuüberqueren. Ausder Perspektive

der Flüchtlinge ist sie keinesfalls geschlossen.

Sie werden also weiterhin durch

Bosnien kommen“, sagt vander Auweraert.

Gerald Knaus, Vorsitzender der Europäischen

Stabilitätsinitiative (ESI) mit Sitz in

Berlin, seit vielen Jahren wissenschaftlich auf

dem Balkan tätig, sieht die Verantwortung

für das humanitäre Drama in Bosnien auch

innerhalb der EU. „Die Vorstellung mancher

in der EU, man könne Flüchtlinge, die Griechenland

verlassen, im Balkan fest- und davon

abhalten, die EU zu erreichen, ist zum

Scheiternverurteilt. Überdies ist dies mit erheblichem

menschlichen Leid verbunden.“

Es brauche nicht nur mehr Hilfe in Bosnien,

sondern vor allem eine Strategie der EU, die

Zahl der in Griechenland Ankommenden zu

verringern.

Andrea Jeska war schon in vielen

Flüchtlingslagernweltweit. Die Zustände

in Bihac haben sie dennoch erschüttert.


4** Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

USA machen Kehrtwende

zu Gunsten Israels

DieUS-Regierung vollzieht eine weitereKehrtwende

in der Nahost-Politik

und betrachtet den israelischen

Siedlungsbau imWestjordanland

nicht mehr kategorisch als völkerrechtswidrig.

US-Außenminister

Mike Pompeo sagte ,der Bauvon israelischen

Siedlungen imWestjordanland

sei„nicht per se unvereinbar

mit internationalem Recht“. Der

Schritt reiht sich ein in eine Serieeinseitig

proisraelischer Entscheidungen

der Regierung vonPräsident Donald

Trump.Die EU wirdsich dem

US-Kurswechsel nicht anschließen.

DieUSA hätten nicht das Recht, Resolutionen

des internationalen Rechts

aufzuheben oder jüdischen Siedlungen

Rechtmäßigkeit zuzusprechen,

sagte die EU-Außenbeauftragte Federica

Mogherini. (dpa)

Einigung im Streit über

EU-Haushalt für 2020

Im Streit über den EU-Haushalt für

2020 gibt es eine Einigung. Regierungsvertreter

aus den 28 Mitgliedstaaten

verständigten sich am Montagabend

mit Europaabgeordneten

darauf, im nächsten Jahr mehr als

153,6 Milliarden Euro für Auszahlungen

bereitzustellen, wie Diplomaten

und Parlamentarier bestätigten. Zusätzliches

Geld soll es unter anderem

für den Klimaschutz, den Kampf gegen

Jugendarbeitslosigkeit und Digitalisierung

geben. (dpa)

Russland gibt Ukraine drei

Kriegsschiffe zurück

Ein ukrainisches Schiff (r.) wird aus dem

Hafen von Kertsch geschleppt. DPA/KRYM 24 TV

Russland hat der Ukraine drei voreinem

Jahr beschlagnahmte Kriegsschiffe

zurückgegeben. Wiedas Außenministerium

in Moskau mitteilte,erfolgte

die Übergabe nach

Abschluss der Ermittlungen zu der

voreinem Jahr begangenen Grenzverletzung

durch die ukrainische

Marine.Die 24 damals festgesetzten

Matrosen waren bereits Anfang September

nach einem Gefangenenaustausch

zwischen Kiew und Moskau

in ihreukrainische Heimat zurückgekehrt.

(AFP)

Clan-Chef Miri klagt gegen

negativen Asylbescheid

DerAnwalt des in Abschiebehaft

sitzenden libanesischen Clan-Mitglieds

Ibrahim Miri hat einen Eilantrag

und eine Klage gegen den

negativen Asylbescheid für seinen

Mandanten eingereicht. DieDokumente

seien am vergangenen Freitag

fristgerecht abgegeben worden,

teilte das Bremer Verwaltungsgericht

mit. DasGericht soll Eilanträge

binnen einer Woche entscheiden,

kann diese Zeit aber verlängern.

(dpa)

Parlament ohne Opposition

in Weißrussland

Nach derWahl inWeißrussland sind

keine Oppositionspolitiker mehr im

Parlament vertreten. Die110 gewählten

Abgeordneten gehören alle Parteien

an, die die Regierung des autoritären

Präsidenten Alexander Lukaschenko

unterstützen, wie aus den

offiziellenWahlergebnissen hervorgeht.

DieWahl habe einen„Mangel an

Respekt für die demokratischenVerpflichtungen“

gezeigt, sagte die Chefin

der OSZE-Beobachtermission,

Margareta Cederfelt. (dpa)

Behandlungsfehler sind schwer nachzuweisen –auch deswegen dauernSchadenersatzprozesse oft mehrere Jahre.

Schweigen und Desinteresse

Nurseltenführen Behandlungsfehler zu Urteilen gegen Ärzte. Diejuristischen Hürden für Patientensindhoch

VonTim Szent-Ivanyi

Irgendwann in jenen dramatischen

Tagen im Frühjahr 2014

verliert Renate Grandzinski

jegliche Zuversicht. Sie kann

nicht mehr, bricht zusammen. „Ich

dachte, ich verliere meinen Mann“,

erinnert sich die heute 75-Jährige.

Klaus Grandzinski liegt zu diesem

Zeitpunkt in einem Krankenhaus, er

ist verwirrt, verfällt körperlich immer

weiter – doch niemand weiß,

was ihm fehlt. Nur ein kleiner, eigentlich

harmloser Eingriff war vorgenommen

worden. Doch jetzt geht

es um Leben und Tod. Schon früh

hatte Renate Grandzinski den Verdacht,

dass bei der OP irgendetwas

schiefgelaufen sein muss. Aber sie

rennt gegen eine Mauer des Schweigens

und des Desinteresses.

Erst viel später wird klar: Ihr

Mann ist tatsächlich Opfer eines Behandlungsfehlers

geworden.

Klaus Grandzinski hat überlebt.

Doch aus dem einst rüstigen Senior

ist ein schwerkranker Mann geworden,

dessen Nerven geschädigt sind

und der nur noch sehr mühsam laufen

kann. Dabei hatte das Ehepaar

große Pläne. Ein altes Bauerngehöft

in der Nähe von Potsdam hatten sie

gekauft, im früheren Pferdestall betrieben

der ehemalige Schulamtsleiter

und seine Frau eine kleine Bücherbörse,inder

man bei Kaffee und

Wein lesen und über Literatur diskutieren

konnte. Einfach zur Ruhe setzen,

das war nichts für die beiden.

„Wir hatten noch viel vorinunserem

Leben“, sagt der 81-Jährige.

Im Krankenwagen nach Hause

Die verpfuschte Operation setze

dem ein jähes Ende. Die Bücherbörse

musste das Ehepaar schließen,

den Hof verkaufen. Klaus Grandzinski

musste rund um die Uhrgepflegt

werden, noch immer ist er täglich in

der Reha. Bis heute kämpft das Ehepaar

um Schadensersatz. Der Fall

zeigt exemplarisch, wie schwierig es

für Patienten ist, ihre Rechte durchzusetzen.

Was die Grandzinskis von den

dramatischen Tagen des Jahres 2014

berichten, weckt Zweifel am angeblich

so vorbildlichen deutschen Gesundheitswesen.

Klaus Grandzinski

leidet damals an Problemen beim

Wasserlassen, für den Eingriff am

Harnleiter geht er im April 2014 für

ein paar Tage ins Krankenhaus.Nach

der Operation wird seine Frau von

der Klinik informiert: DerEingriff sei

gut gelaufen, alles sei in Ordnung.

Doch als sie ins Krankenhaus

kommt, bietet sich ihr ein anderes

Bild: Ihrem Mann geht es erkennbar

schlecht, er halluziniert. „Die Ärzte

haben mich beruhigt und gesagt, er

habe wahrscheinlich die Narkose

nicht vertragen“, sagt sie. Der Zustand

verschlechtert sich. Klaus

Grandzinski fällt aus dem Bett –und

uriniert im Krankenhausflur gegen

eine Wand, weil er glaubt, auf der

Toilette zu sein. „Spätestens da hätten

die Ärzte doch merken müssen,

dass etwas nicht stimmt“, sagt seine

Frau heute. Klaus Grandzinski wird

untersucht, doch angeblich finden

die Mediziner nichts. Schließlich

wirderentlassen –obwohl er im Rücken

extreme Schmerzen hat. „Das

war völlig absurd. Wirsind mit der S-

Bahn ins Krankenhaus gefahren –

und mit dem Krankenwagen nach

Hause“, erinnert sich die frühere

Pädagogin.

Wenige Tage später –die Schmerzenwaren

immer schlimmer geworden

–lässt sie ihren Mann in ein anderes

Krankenhaus bringen. Auch

dort wird er untersucht, doch die

Ärzte finden nichts. Sie tippen auf

psychische Ursachen.Ihr Mann solle

sich nicht so anstellen, sagt einer der

Klinikärzte zu Renate Grandzinski.

„Gehen Sie mit ihm tanzen, dann

gibt sich das“, wird ihr empfohlen.

Nach 20 Tagen wirdihr Mann wieder

nach Hause geschickt. Am Tagder

Entlassung stürzt er im Klinikflur der

Länge nach hin. Doch die Ärzte bleiben

weiter dabei: alles nur psychische

Probleme.

EinBekannter vermittelt das Ehepaar

Grandzinski schließlich an einen

Arzt in der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg.

Erst dort –rund

drei Monate nach der ursprünglichen

Operation –wird systematisch nach

der Ursache geforscht. Schließlich

werden die neuen Ärzte fündig: Bei

der Operation am Harnleiter war es

zu einer Infektion gekommen. Siehat

nicht nur den gesamten Körper extrem

geschwächt, sondern zweiWirbelkörper

fast völlig zersetzt. In einer

umfangreichen Operation müssen

mehrereStäbe eingesetzt werden, um

die Wirbelsäule zu stabilisieren. „Ich

bin dem Tod von der Schippe gesprungen“,

sagt Klaus Grandzinski.

Rechtzeitig bemerkt, hätte man die

Infektion leicht mit Antibiotika bekämpfen

können.

„Ich möchte verhindern,

dass es anderen so

ergeht wie mir.“

Auf 60000 Euro Schadensersatz

hat Grandzinski die erste Klinik verklagt.

Doch die Erfolgsaussichten

sind unklar.Denndas deutsche Arzthaftungsrecht

macht es Opfern von

Behandlungsfehlern extrem schwer,

Ansprüche durchzusetzen. Zwar

hatte die schwarz-gelbe Koalition in

ihrer Regierungszeit zwischen 2009

und 2013 ein Patientenrechtegesetz

verabschiedet. Dort wurde allerdings

nur das in Gesetzesform gegossen,

was längst an Gerichten

Rechtspraxis war. Substanziell

wurde für die Patienten praktisch

nichts geändert.

Hierzulande müssen zur Durchsetzung

von Schadensersatzansprüchen

zwei hohe Hürden überwunden

werden. Zunächst muss der geschädigte

Patient nachweisen, dass

es überhaupt einen Behandlungsfehler

gegeben hat. Steht das fest,

muss der Patient zusätzlich mit einer

„weit überwiegenden Wahrscheinlichkeit“

nachweisen, dass dieser

Fehler tatsächlich für den Schaden

verantwortlich ist. In Zahlen ausgedrückt

wäre das eine Wahrscheinlichkeit

von über 95 Prozent. Doch

Klaus Grandzinski

ist seit einer nicht erkannten Infektion nach einer Operation ein Pflegefall.

dieser zweifelsfreie Beweis ist fast nie

zu erbringen. Denn in der Regel gibt

es irgendwelche Vorerkrankungen,

die ebenfalls als Ursache infrage

kommen können.

„Es herrscht keine Waffengleichheit

zwischen Patient und Arzt“, beklagt

Grandzinskis Anwältin Eva

Ohlsberg, eine Spezialistin für Medizinrecht

aus Berlin. Dazu kommt

nach ihrer Erfahrung, dass sich die

Haftpflichtversicherungen der Ärzte

immer hartleibiger verhalten. „Die

sitzen das aus. Vergleiche durchzusetzen

gelingt häufig nur noch nach

zähen Verhandlungen“, beobachtet

Ohlsberg. In der ersten Instanz dauern

Klageverfahren in der Regel um

die vier Jahre, in der zweiten Instanz

kommen noch einmal zwei dazu,

weiß Ohlsberg aus ihrer Berufspraxis.

„Aber das stehen viele geschädigte

Patienten oft gar nicht mehr

durch. Man darf nicht vergessen,

dass diese Menschen krank sind“,

sagt sie.

Schon seit Jahren fordern Patientenvertreter,

Krankenkassen und

Rechtsexperten, die Beweislast für

die Patienten abzusenken. So soll für

den Nachweis dafür, dass der Behandlungsfehler

den Schaden verursacht

hat, wie in einigen anderen

EU-Staaten, die überwiegende

Wahrscheinlichkeit reichen, also

mehr als 50 Prozent.

Grandzinski will keinen Deal

BLZ

Zudem wird ein Härtefallfonds für

Opfer von Behandlungsfehlern gefordert–auch

mit Blick auf die langwierigen

Gerichtsprozesse. Aus dem

Fonds könnten zum Beispiel unbürokratisch

und schnell Umbauten in

der Wohnung finanziert werden,

wenn ein geschädigter Patient auf einen

Rollstuhl abgewiesen ist.

Obwohl die Prüfung eines derartigen

Fonds im Koalitionsvertrag

steht, haben Union und SPD hier

noch nichts unternommen. Die Sozialdemokraten

haben zumindest

angekündigt, das Thema Patientenrechte

im kommenden Jahr anzugehen:

„Es gibt Handlungsbedarf“,

räumt die gesundheitspolitische

Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion,

Sabine Dittmar, ein. Viel

Zeit ist allerdings nicht mehr in dieser

Legislaturperiode.

Der Prozess von Klaus Grandzinski

dauert nun schon viereinhalb

Jahre. Die Klinik, die den Harnleiter

operiert hat, beharrt darauf, alles

richtig gemacht zu haben. Manhabe

die Infektion nicht erkennen können,

lautet die Argumentation. Anwältin

Ohlsberg wirft dem Krankenhaus

hingegen vor, dass die bei Klaus

Grandzinski erhobenen Entzündungsdaten

sofort weitere Untersuchungen

nötig gemacht hätten. Diese

seien aber versäumt worden.

So geht es seit Jahren hin und her,

immer neue Gutachten werden zurate

gezogen. Kürzlich hat das Gericht

einen Vergleichsvorschlag gemacht:

6500 Euro,also nur rund ein

Zehntel der geforderten Summe,soll

Grandzinski als Schmerzensgeld bekommen.

Er hat abgelehnt.

„Mir geht es doch gar nicht ums

Geld“, sagt er.Zwar habe er längst die

Hoffnung aufgegeben, dass sich die

Ärzte bei ihm entschuldigen. Doch

er möchte jetzt eine klare Entscheidung

des Gerichtes, keinen Deal.

Den Verantwortlichen solle gezeigt

werden, dass man so mit Menschen

nicht umgehen könne, dass solche

Fehler nicht passieren dürften: „Ich

möchte verhindern, dass es anderen

so ergeht wie mir.“

TimSzent-Ivanyi hält es für

skandalös, dass Patientenrechte

so schwach sind.

Alles dreht

sich um

Olaf Scholz

Letzte Diskussionsrunde

vor der SPD-Stichwahl

VonTobias Peter

Olaf Scholz, Klara Geywitz, NorbertWalter-Borjans

und Saskia Esken (v.l.) DPA

Jetzt reicht es Klara Geywitz, der

Kandidatin, die gemeinsam mit

Vize-Kanzler Olaf Scholz für den

SPD-Vorsitz kandidiert. Jetzt spricht

sie, die gelegentlich ein bisschen

säuselnd klingt, äußerst druckvoll.

Undatemlos.

Der Grund für ihre Aufregung:

Norbert Walter-Borjans, der mit Saskia

Esken gegen Scholz und Geywitz

antritt, hat gerade in der Sonderausgabe

des Berliner Salons des Redaktionsnetzwerks

Deutschland und des

Fernsehsenders Phoenix gesagt: „Die

Menschen wollen auch sehen, dass

wir personell einen Neuanfang machen.“

Die Brandenburger PolitikerinGeywitz

hält dem früheren nordrhein-westfälischen

Finanzminister

entgegen: „Ich finde, dass duesdir

einfach machst.“ Die Sozialdemokratie

habe europaweit Probleme.

„Ich lasse es dir nicht ständig durchgehen,

dass du sagst: ‚Das größte

existierende Problem der Sozialdemokratie

ist Olaf Scholz“‘, sagt sie.

Der Kampf um den SPD-Vorsitz

befindet sich in seiner letzten Runde.

Auf 23Regionalkonferenzen haben

sieben Kandidatenduos und ein Einzelbewerber

um die Zustimmung

der SPD-Mitglieder geworben. Ein

Verfahren, das oft mit einer Casting-

Show verglichen wurde. Sogesehen

ist das TV-Duell am Montagabend,

moderiertvon Julia Grimm und Gordon

Repinski, das Finale.

Ab Dienstag müssen die SPD-Mitglieder

in einer Stichwahl entscheiden:

Entweder diePartei wirdkünftig

von Geywitz und Scholz geführt –

oder von der Bundestagsabgeordneten

Saskia Esken und Walter-Borjans.

Es werden Gemeinsamkeiten und

Unterschiede deutlich an diesem

Abend. Beide Teams unterstreichen,

dass sie einen Mindestlohn von

zwölf Euro wünschen. Beide Teams

machen klar, dass sie gute Renten

wollen –auch wenn Walter-Borjans

hier noch etwas mehr fordert als

Scholz. Undbeide Teams unterstreichen,

dass sie sich von Verteidigungsministerin

Annegret Kramp-

Karrenbauer (CDU) nicht einen Kurs

aufzwingen lassen wollen, bei dem

offensiver als bisher deutsche Soldaten

ins Ausland geschickt werden.

Unterschiede werden beim

Thema Haushaltspolitik klar –hier

zücken die Kandidaten die Einspruchskarten,

die ihnen vorab gegeben

wurden für den Fall, dass ihnen

an den Argumenten der Gegenseite

etwas aufstößt. Walter-Borjans

betont: „Wir dürfen uns nicht versündigen

an der nächsten Generation.“

Damit meint er aber nicht, es

dürften keine Schulden gemacht

werden. Ihm sind Investitionen

wichtiger als ein ausgeglichener

Haushalt. Finanzminister Scholz betont

dagegen, wie viel Geld der Bund

unter seiner Regie investiere, ohne

sich in Schulden zu stürzen.

Für Scholz geht es bei der Stichwahl

um alles.Esist bekannt, dass der

Finanzminister sich für kanzler-tauglich

hält.Verlierter, sind seinen Ambitionen

ein Ende gesetzt. DerHanseat

trat zuletzt leidenschaftlicher auf, als

die Partei es vonihm gewohnt ist –so

auch an diesem Abend.


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 5 *

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Politik

Kampfzone Hongkong

Schüsse, Tränengas, Brandbomben –die Schlachten zwischen Demokratiebewegung und Polizei spalten die chinesische Sonderwirtschaftszone

VonFabian Kretschmer und

Michael Pohl, Hongkong

Das sind die Szenen, die

auch den moderaten

Teil der Hongkonger Zivilgesellschaft

wütend

machen: Mehrere Dutzend junger

Menschen in gelben Signalwesten

sitzen auf dem nackten Asphalt, die

Hände hinterm Rücken gefesselt,

eingepfercht zwischen Bereitschaftspolizisten

und Absperrbändern.

Sie sind in der Nacht zu Montag

festgenommen worden – aber

sie sind keine gewalttätigen Aktivisten.

IhrVerbrechen: Siesind freiwillige

Helfer, die verwundete Demonstranten

verarzten.

MitPfeil und Bogen gegen Polizisten

Demonstranten in Hongkong schützen sich mit Regenschirmen auf dem Campus der

Polytechnischen Universität vor den Wasserwerfernder Polizei.

DPA/KYODO

„Das ist ungeheuerlich! Die Hongkonger

Regierung hat die Kontrolle

über ihre Polizei verloren. Ein Blutbad

bahnt sich an“, twitterte der 23-

jährige Joshua Wong, das mediale

Gesicht der Protestbewegung. Der

Student fürchtet sich zu Recht. Aber

es liegt nicht an der Gewaltbereitschaft

der Polizei allein. Auch ein

Großteil der Protestierenden geht

nicht eben zimperlich vor. Schlagstöcke,Wasserwerfer

und Tränengas

sind die Waffen der Polizei. Brandbomben,

Ziegelsteine, Pfeil und Bogen

die der Protestierer.

Was im Juni noch zaghaft als

friedliche Demonstration für den Erhalt

demokratischer Rechte in Hongkong

begann, ist zum Überlebenskampf

geworden. Für beide Seiten.

Für die Regierung der chinesischen

Sonderverwaltungszone wie für die

Demokratiebewegung.

Hongkong ist in diesen Tagen der

ausufernden Gewalt eine geteilte

Stadt. Im Stadtteil Central etwa, dem

Banken- und Geschäftsviertel, ist an

diesem Montag alles wie immer: auf

den Straßen hektisches Treiben, in

den Einkaufszentren wie der riesigen

IFC Mall am Hafen volle Cafés und

Geschäfte.Der Protest auf dem Campus

der Polytechnischen Universität

auf der anderen Seite des Victoria

Harbours scheint weit weg zusein.

In den U-Bahnen aber starren viele

Hongkonger auf ihre Mobiltelefone,

wollen auf dem Laufenden sein über

jede Bewegung in der Schlacht zwischen

Demonstranten und Polizei.

Lee, ein Mittzwanziger, der in einem

der Coffeeshops in Central als

Barista arbeitet, räumt ein, vor Wochen

selbst auf der Straße gewesen zu

sein –damals, als die Proteste noch

friedlich verliefen. Wird er sich noch

mal beteiligen? Er weicht aus: „Vor allem

arbeite ich erst einmal hier.“

In anderen Teilen Hongkongs ist

der Alltag indes schon längst zum Erliegen

gekommen. Die Nathan Road

in Kowloon ist normalerweise eine

der meistbesuchten Straßen der früheren

Kronkolonie. Touristen drängen

sich hier dicht an dicht in den

zahlreichen Geschäften, Restaurants

und Apotheken, um Souvenirs, Anzüge

oder vermeintliche Markenware

zu kaufen. Am Montag aber sah es aus

wie voreinem angekündigten Sturm:

Rollläden an Geschäften waren heruntergezogen,

Restaurants machten

dicht. Die meisten Menschen zogen

in langen Reihen zu den U-Bahn-Stationen

imWesten der Hauptverkehrsstraße

– während junge Leute mit

Mundschutz und Regenschirmen zur

selben Zeit in Richtung Osten gingen.

Dorthin, wo auch die Polytechnische

Universität liegt. Am Abend war klar,

warum: In der Nähe der Uni hatten

Protestierende weitere Straßensperren

errichtet. Undder harte Kern der

Protestbewegung bereitete sich auf

die zweite Nacht der Belagerung der

Polytech vor.

Besetzte Hochschule

Die größte staatlich finanzierte

Hochschule ist als letzte noch von

Aktivisten besetzt, doch die Lage ist

dramatisch: DieVersorgung ist abgeschnitten;

vorallem Trinkwasser,Lebensmittel

und medizinische Ausrüstung

werden knapp. Die Aktivisten

sitzen fest, eine Flucht ohne Verhaftung

scheint unmöglich: An den

Ausgängen wartet die Polizei mit

Tränengasgeschossen. Studenten,

die sich hinauswagen, werden zurückgedrängt.

Entweder alle geben

auf – oder alle bleiben drin. Das

scheint die Taktik zu sein.

Ein halbes Jahr hält der Protest

gegen die Aushöhlung der demokratischen

Freiheiten Hongkongs durch

Festlandchina bereits an. Die noch

junge Woche steuert womöglich auf

die brutalsten Auseinandersetzungen

in diesem Konflikt zu. Allein bis

Montagmittag hat die Bereitschaftspolizei

rund 150 Demonstranten

festgenommen. Auch Journalisten

sind verhaftet worden. Die Gewalt

hat sich seit dem Wochenende vor

allem auf die Universitäten verlagert.

Die Polizei hatte bei den Gefechten

an der Polytechnischen Universität

angedroht, vonihremWaffenrecht

Gebrauch zu machen. „Wir haben

keine andereWahl, als die nötige Gewalt

anzuwenden, um der Situation

Herr zu werden“, sagte der Leiter der

Hongkonger Polizei, Louis Lau. „Kaltblütige

Randalierer“ seien die Aktivisten.

Diese wiederum setzten eine Zugangsbrücke

zum Campus in Brand

und schossen mit scharfen Pfeilen

auf die Polizei; ein Pfeil drang einem

Beamten tief ins Bein ein.

„Die zunehmende Gewalt der

Proteste und die daraus resultierenden

Verletzungen von unbeteiligten

Personen ist alarmierend, doch die

harte Reaktion der Polizei gegenüber

größtenteils friedlichen Demonstranten

während der letzten Monate

ist der Hauptgrund für die Eskalation“,

sagt Man-Kei Tam, Leiter von

Amnesty International Hongkong.

Menschlichkeit der Machteliten sei

gefragt, doch stattdessen würden

diese mit Tränengas, Schlägen und

der Androhung tödlicher Gewalt

antworten.

Opposition belagert

Parlament in Tiflis

Reform des georgischen Wahlrechts gescheitert

VonStefan Scholl

„Wir unterstützen

voll das Recht

auf friedliche

Versammlung

und freie

Meinungsäußerung.“

Aus einer gemeinsamen Erklärung

der US-Botschaft und der EU

Gegen 17 Uhr amSonntag gingen

die Sicherheitskräfte zum Angriff

über.Die mit Helmen, Schildernund

Gummiknüppeln ausgerüsteten Polizisten

stürmten das Zeltlager der Opposition

vor dem Parlament in Tiflis

und drängten mehrere Hundert Demonstranten

ab.Dabei wurden Wasserwerfer

eingesetzt und etwa 20

Menschen festgenommen. Etwa ein

Dutzend Oppositionelle setzte sich

auf den Asphalt des Rustawelli-Boulevards

vor dem Parlament, um den

Vormarsch der Polizei aufzuhalten.

Seit der Nacht auf Sonntag hatten

die Demonstranten unter Führung

mehrerer Oppositionsabgeordneter

das Parlament belagert. Sie verweigerten

Abgeordneten der Regierungspartei

Georgiens Traum den Zutritt

und erklärten, sie wollten das Gebäude

so lange blockieren, bis die Regierung

die gemeinsamen Forderungen

vonüber 20 meist westlich orientierten

Oppositionsparteien erfüllt:

vorgezogene Neuwahlen nach dem

Verhältniswahlrecht, den Rücktritt

der Regierung und die Reorganisation

der ZentralenWahlkommission.

Die Straßenproteste waren am

Donnerstag ausgebrochen. An diesem

Tagscheiterte im Parlament zur

allgemeinen Überraschung eine

lange angekündigte Verfassungsänderung,

die das gemischte durch ein

Verhältniswahlrecht ersetzen sollte.

Der Oligarch und Chef der Regierungspartei

Georgischer Traums

Bidsina Iwanischwili, der als starker

Mann Georgiens gilt, hatte die Wahlreform

persönlich in Aussicht gestellt.

Dann aber enthielten sich

zahlreiche seiner Abgeordneten, sodass

die Änderung nur 101 der 113

nötigen Stimmen erhielt.

Außer der Opposition glaubt

auch ein Großteil der Öffentlichkeit

an ein abgekartetes Spiel. Es gilt als

offenes Geheimnis, dass das gemischte

Wahlrecht, bei dem 77 Sitze

über die Parteilisten, 73 aber in

Mehrheitswahlkreisen vergeben

werden, Iwanischwilis finanzkräftige

Direktkandidaten bevorteilt. „Bei

den vergangenen Parlamentswahlen

haben in allen Mehrheitswahlkreisen

Kandidaten der regierenden Partei

gewonnen“, konstatiertdas Informationsportal

Grusija Online.„Eben

darum haben praktisch alle Oppositionsparteien

ständig den Übergang

vom gemischten zum Verhältniswahlrecht

gefordert. Und eben

darum hat der Georgische Traum,

der seit 2016 feierlich verspricht, das

gemischte Wahlsystem abzuschaffen,

das noch nicht getan.“

Auch gemäßigte Oppositionelle

wie Lewan Berdsenischwili, früher

Sowjetdissident und Gründer der

Republikanischen Partei, sind empört

über den Rückzieher der Parlamentarier

Iwanischwilis. „Sie verhöhnen

die Opposition, die Jugend,

die gesamte Bevölkerung“, sagte er

der Berliner Zeitung.

Die Botschaft der USA und die

Delegation der EU in Georgien kritisierten

in einer gemeinsamen Erklärung

„die Unfähigkeit des Parlaments,

die Verfassungsänderungen

zu beschließen, die für den vollen

Übergang zu einem Verhältniswahlrecht

bei den Parlamentswahlen

2022 nötig sind“ und äußerten ihr

Verständnis für „die tiefe Enttäuschung

eines Großteils der georgischen

Gesellschaft.“

Vonhier:klimaneutrale Wärme

fürs Quartier.

Das Märkische Viertel ist das größte

zusammenhängende Wohngebiet in

Deutschland, das komplett mit Warmwasser

und Wärme aus regionaler

Biomasse versorgt wird. Zusammen mit

der GESOBAU beliefert Vattenfall hier

rund 13.500 Wohnungen.

Für ein fossilfreies Leben innerhalb einer

Generation.

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6* Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

19.8.19

19.8.19

MÄRKTE

▼ 13207,01 (–0,26 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

19.8.19

Stand der Daten:18.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

18.11.19

▼ 62,22 (–1,94 %)

18.11.19

▲ 1,1061 (+0,24 %)

Quelle

18.11.19

aus DAXund MDAX vom18.11.zum Vortag

Qiagen 36,90 +8,34 WWWWWWWWWWW

MorphoSys 102,20 +7,47 WWWWWWWWWW

RWESt. 26,66 +3,70 WWWWW

Dt. Wohnen Inh. 35,68 +3,33 WWWWW

Vonovia NA 47,83 +2,05 WWW

Sartorius Vz. 182,90 +2,01 WWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom18.11.zum Vortag

K+S NA 10,80 WWWWWW –4,13

Volkswagen Vz. 175,94 WWWWWW –4,10

Dürr 28,26 WWWW –2,42

Lanxess 62,58 WWW –2,04

Fuchs Petrolub Vz. 40,10 WWW –1,86

BMW St 73,18 WWW –1,84

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 18.11. ±% z. 15.11.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,18

3719/2909 3704,92

CAC 40(FR) – 0,16

5948/4556 5929,79

S&P UK(UK) +0,06

1562/1323 1473,96

RTS (RU) – 0,44

1488/1033 1443,02

IBEX (ES) –0,04

9588/8286 9258,00

Dow Jones (US) +0,03

28041/21713 28013,33

Bovespa (BR) +0,57

109672/83892107161,43

Nikkei (JP) +0,49

23591/18949 23416,76

Hang Seng (HK) +1,22

30280/24897 26644,60

Stx Singap. 20 (SG) +0,49

1657/1390 1637,51

Tagesgeld Zins p.a. für Beträge

Kundenkontakt ab 1€ 5.000€ 50.000€

Renault Bank direkt */**

renault-bank-direkt.de 0,50 0,50 0,50

Advanzia **

advanzia.com - 0,40 0,40

Akbank

akbank.de 0,31 0,31 0,31

PrivatBank 1891 **

privatbank1891.com 0,30 0,30 0,30

PSA Direktbank **

psa-direktbank.de 0,25 0,25 0,25

ING *

ing.de 0,25 0,25 0,25

Postbank

postbank.de 0,01 0,01 0,01

Santander

santander.de 0,01 0,01 0,01

Targobank

targobank.de 0,01 0,01 0,01

Commerzbank

commerzbank.de 0,00 0,00 0,00

Berliner Sparkasse (Online)

berliner-sparkasse.de 0,01 0,01 0,01

Berliner Volksbank

030/30633300 0,001 0,001 0,001

Mittelbrandenburgische Sparkasse (Online)

mbsdirekt.de 0,001 0,001 0,001

Sparda-Bank Berlin (Online)

sparda-b.de - 0,001 0,001

BBBank

bbbank.de 0,00 0,00 0,00

Mittelwert von 85 Banken 0,13 0,13 0,12

*Neukunden /Neuanlagen

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Zentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz.

Von Ruppert Mayr

Machtkampf im Tower

Verkehrsminister und Aufsichtsratschef der Bahn sollen Ablösung des Finanzvorstandsbetrieben haben

Von Rasmus Buchsteiner

Der Aufsichtsrat der Deutschen

Bahn hat am Montag

in einer Sondersitzung

über Lösungen für

den wochenlangen Führungsstreit

an der Konzernspitze beraten. Am

Nachmittag teilte das Unternehmen

mit, Finanzvorstand Alexander Doll

werde das Unternehmen zum Jahresende

verlassen –und zwar „im

gegenseitigen Einvernehmen“, wie

es hieß. Die Arbeitnehmervertreter

im Aufsichtsgremium enthielten

sich nach Informationen des RedaktionsNetzwerks

Deutschland (RND)

bei der Abstimmungüber die Personalie.

Sie forderten Vorkehrungen,

damit sich Ähnliches nicht wiederholen

könne.

„Wir bedauern sein Ausscheiden

und haben hohen Respekt vorseiner

Entscheidung“, sagte Aufsichtsratschef

Michael Odenwald. Doll habe

den Verkaufsprozess für die Auslandstochter

Arriva „professionell

aufgesetzt und vorangetrieben“. Der

scheidende Finanzvorstand erklärte,

nur wenn alle Beteiligten „im gegenseitigenVertrauenundmiteinemgemeinsamen

Verständnis an einem

Strang ziehen“, könne die Bahn ein

besseres Unternehmenwerden.

Doch genauandiesem Vertrauen

zwischen den Beteiligten hatte es zuletzt

gefehlt. Bereits am vergangenen

Freitag unterzeichnete Doll einen

Auflösungsvertrag. Die Führung des

Kabinett entlastet Betriebsrentner

Auch der Beitrag zur Arbeitslosenversicherungsoll im neuenJahrsinken

Unternehmens um Bahnchef Richard

Lutz hatte dem 49-jährigen

Manager entgegen der Darstellung

nach der Aufsichtsratssitzung Fehler

und Versäumnisse in Zusammenhang

mit dem geplanten und inzwischen

gestoppten Verkauf der Auslandstochter

Arriva vorgeworfen.

Doll bestritt die Vorwürfe nach Informationen

des RND jedoch intern.

Ob der Machtkampf nun ausgestanden

ist, dürfte sich bald zeigen.

Insbesondere Bundesverkehrsminister

Andreas Scheuer (CSU) und

Aufsichtsratschef Odenwald sollen

die Ablösung Dolls hinter den Kulissen

betrieben haben. Die Auseinandersetzung

hatte den hoch verschuldetenStaatskonzernineiner

sensiblen

Phase schwer belastet. Die Krise

der Güterverkehrssparte war in den

vergangenen Wochen immer augenfälliger

geworden.

DieVerantwortung für diesen Bereich

im Vorstand, die bisher ebenfalls

Doll getragen hatte, soll ab Anfang

2020 die bisherige Chefin der

Berliner Verkehrsbetriebe (BVG),

Sigrid Nikutta, übernehmen. Vor der

Entscheidung soll Bahnchef Lutz

Doll erfolglos gedrängt haben, das

Finanzressort abzugeben und sich

künftig nur noch auf das RessortGüterverkehr

zu konzentrieren.

Der Arriva-Verkauf hatte dem finanziell

angeschlagenen Bahnkonzern

wieder Luft verschaffen sollen.

Doch über die Umstände, die zum

Scheitern des Deals führten, gehen

die Darstellungen auseinander. In

Unternehmenskreisen hieß es am

vergangenen Freitag, Doll habe in

„Wir wollen eine Versachlichung

der Debatte. Sowie bisher

geht es nicht weiter im Vorstand.“

Torsten Westphal, EVG-Chef

einer Aufsichtsratssitzung am

18. Oktober mitgeteilt, bei den Vorbereitungen

für den Verkauf vonArriva

laufe „alles nach Plan“, es gebe

mehreregute Angebote.

Kurz danach habe der ehemalige

Investmentbanker jedoch im Vorstand

eingeräumt, in seiner Kalkulation

Rückstellungen für die Altersvorsorge

von Arriva-Mitarbeitern in

trag bezahlen, wenn die Rente über

der Freigrenze liegt. Wer eine Betriebsrente

von318 Euro bezieht, was

dem Doppelten des Freibetrags entspricht,

muss folglich künftig den

halben Krankenkassenbeitrag bezahlen.

60 Prozent der Betriebsrentner

bekommen weniger als

318 Euro –sie müssen also künftig

höchstens den halben Satz bezahlen.

AufihreBetriebsrente müssen die

Empfänger der Altersbezüge heute

unter anderem den vollen Satz für die

Krankenkasse zahlen, derzeit

14,6 Prozent – und nicht nur den

Arbeitnehmeranteil von 7,3 Prozent.

Dazu kommen der Zusatzbeitrag von

derzeit im Schnitt 0,9 Prozent und die

Beiträge für die Pflegeversicherung

(3,05 Prozent plus 0,25 Prozentpunkte

für Kinderlose). Für die Beiträge

zur Pflegeversicherung ändert

sich nichts,dortgilt die Freigrenze.

Kritiker hatten moniert, dass die

Entlastung nicht weit genug gehe.

Dass die Beiträge komplett zu entrichten

sind, gilt seit 2004, damals

sollten Finanzlöcher bei der Krankenversicherung

gestopft werden.

Tatsächlich hatte Spahn Anfang des

Jahres bereits einen Gesetzentwurf

vorgelegt, nach dem zum halben Beitragssatz

zurückgekehrtwerdensollte.

Doch die Koalition stritt über die

Finanzierung.

Entlastet werden nun vor allem

Bezieher kleiner Betriebsrenten. Wer

im kommenden Jahr zum Beispiel

169,25 Euro im Monat Betriebsrente

bekommt, soll nur auf 10 Euro statt

auf den vollen Betrag Kassenbeiträge

bezahlen. Das sind bei einem Bei-

FOTO: FRANK SORGE/ IMAGO IMAGES

Höhe von rund 400 Millionen Euro

nicht berücksichtigtzuhaben. Kritiker

mutmaßen dagegen, das Problem

mit den Pensionen dürfte auch

Bahnchef Lutz bekannt gewesen

sein.Dieserwarselbstzwischen2010

und Ende 2018 für dasFinanzressort

zuständig gewesen.

Die Bundesregierung hatte noch

vor 14Tagen den Eindruck erweckt,

es werde am Verkauf von Arriva

grundsätzlich festgehalten. Am

4. November teilte das Bundesverkehrsministerium

unter Berufung

auf Konzernangaben mit, alle notwendigen

Unterlagen und Dokumente

seien den Kaufinteressenten

fristgerecht übermittelt worden.

Aufgrund des aktuell schwierigen

Marktumfeldes und der politischen

Situation im Vereinigten Königreich

verzögere sich jedoch die Entscheidung

über das weitereVerfahren.

Die Eisenbahner-Gewerkschaft

EVG hatte vor der Sitzung des Kontrollgremiums

eine sorgfältige Aufarbeitung

der Vorgänge gefordert.

„Wir wollen eine Versachlichung der

Debatte. Sowie bisher geht es nicht

weiter im Vorstand“, sagte EVG-Chef

Torsten Westphal dem RND.

Der Gewerkschaftschef sagte, die

ständigen Machtkämpfe bei der

Bahn würden allen auf die Nerven

gehen: „Viele Kollegen waren immer

stolz, bei der Bahn zu sein. Inzwischen

verzichten sie darauf im Bekanntenkreis

darüber zusprechen,

wo sie arbeiten.“

Betriebsrentner in Deutschland

werden ab dem kommenden

Jahr von Beiträgen für die Krankenkasse

entlastet. DasBundeskabinett

beschloss am Montag im brandenburgischen

Meseberg einen entsprechenden

Gesetzentwurfvon Gesundheitsminister

Jens Spahn

(CDU). Ab 1. Januar 2020 soll ein Freibetrag

von 159,25 Euro gelten. Das

heißt: Erst ab dieser Höhe werden

Krankenkassenbeiträge auf die Betriebsrente

fällig. Zu zahlen sind der

Beitragssatz der jeweiligen Krankenkasse

inklusiveZusatzbeitrag.

DerFreibetrag ersetzt die bisherige

Freigrenze in Höhe von 155,75

Euro. Bisher müssen Betroffene auf

die komplette Betriebsrente den Beitragssatz

von14,6 Prozent und einem

Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent nur

1,55 Euro –statt mit der Freigrenze

26,23 Euro. Wer 1000 Euro erhält,

muss demnach 130,32 Euro bezahlen

–statt mit Freigrenze155 Euro.

BefristeteBeitragssenkung

Zudem soll der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung

erneut sinken. Das

Bundeskabinett beschloss ,den Beitragssatz

zum 1. Januar von derzeit

2,5Prozentum0,1Punkteauf2,4Prozent

zurückzufahren. Diese Senkung

ist befristet bis Ende 2022, wie SozialministerHubertusHeil(SPD)mitteilte.

Bereits beschlossen ist, dass der

Beitrag danach wieder auf 2,6 Prozent

steigt. Die jetzige Entlastung

entspricht laut Heil einem Volumen

von1,2 Milliarden Euro. (dpa)

Onlinehandel

lässt Abfallberg

wachsen

Verpackungsmüll

erreichtAllzeithoch

Von Teresa Dapp

ImNetz bestellen statt ins Geschäft

gehen, Getränke und Snacks auf

die Hand, der Reis so praktisch portioniert:

Moderne Konsumgewohnheiten

haben den Verpackungsverbrauch

in Deutschland im Jahr 2017

auf einen Rekordwert getrieben.

18,7 Millionen Tonnen fielen an, wie

das Umweltbundesamt (UBA) am

Montag mitteilte –rechnerisch warendas

226,5 Kilogramm proPerson

und 3Prozent mehr als im Vorjahr.

Private Verbraucher hatten daran

einen Anteil von 47 Prozent oder

107 Kilogramm proKopf.

DenBericht zu „Aufkommen und

Verwertung von Verpackungen in

Deutschland“ veröffentlichte die

Umweltbehörde zum Auftakt der

europaweiten Woche der Abfallvermeidung.

Als Gründe nennt sie unter

anderem Trends zum Onlineversand

und zu kleinen Portionen sowie Speisen

und Getränken zum Mitnehmen,

aber auch überflüssige Verpackungen

–wenn etwa die Zahnpastatube

noch in einer Pappschachtel steckt.

Die Zahlen für 2017 liegen erst jetzt

vor, weil es lange dauert, sie zusammenzutragen

und zu überprüfen.

„Wir verbrauchen vielzuvieleVerpackungen“,

sagte UBA-Präsidentin

MariaKrautzberger.„Dasist schlecht

für die Umwelt und für den Rohstoffverbrauch.“

Abfälle müssten möglichst

schon in der Produktionsphase

vermieden werden. „Auf unnötige

und unnötig materialintensive Verpackungen

sollte deshalb verzichtet

werden.“ Es brauche „viel mehr

Mehrweg“, nicht nur bei Mineralwasser

und Bier. „Auch den Kaffee

kann man im Mehrwegbecher mitnehmen,

und wer sein Essen mitnimmt,

sollte das auch in Mehrwegbehälterntun

können.“

Nicht allesimGelbenSacklässt sich

wiederverwerten.

FOTO: PATRICK PLEUL/DPA

In Deutschland fällt zwar viel Verpackungsmüll

an, es wirddavon aber

auch viel recycelt –knapp 70 Prozent,

wie das UBA mitteilte. Die Quote ist

stark vom Material abhängig. Sehr

hoch liegt sie etwa bei Stahl mit

92 Prozent sowie Papier und Karton

mit 88 Prozent und Glas mit 84 Prozent.

Verpackungsmüll aus Kunststoff

wirdzurund 50 Prozent wiederverwertet,

aus Holz zu 26 Prozent.

Die Quoten können aber täuschen:

Bisher gilt als recycelt, was in

die Recyclinganlage gebracht wird.

Dort wird dann aussortiert, was zu

schmutzig ist oder sich aus anderen

Gründen nicht wiederverwerten

lässt. Bei Aluminium liegt die Ausschussquote

mit 87 Prozent hoch. In

dem, was als Alu gewertet wird, seien

eben nur 30 bis 40 Prozent reines Aluminium

enthalten, hieß es. Spätestens

von 2020 an werde die Recyclingquote

anhand dessen berechnet,

was wirklich wiederverwertet wird.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock

forderte,das Wirtschaftssystem

müssezueiner„wirklichenKreislaufwirtschaft“

umgebaut werden, in der

eingesetzte Rohstoffe alle wiederverwendet

werden könnten. Auf EU-

Ebene brauche es etwa eine Quote

zum Einsatz von recyceltem Material.

(dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 7 *

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Wirtschaft

HP lässt

Xerox

abblitzen

PC-Konzern lehnt

Kaufangebot ab

Von Michael Schilling

Der PC-KonzernHPhat das Übernahmeangebot

des Kopiererund

Druckerspezialisten Xeroxabgelehnt

–lässt aber die Tür für einen

Deal offen. Der HP-Verwaltungsrat

sei zu dem Schluss gekommen, dass

die Offerte den Wert von HPnicht

ausreichend widerspiegele und nicht

im besten Interesse der HP-Aktionäre

sei, teilte das Unternehmen mit.

Allerdings bleibe man offen für Gespräche

über einen Zusammenschluss.

Zuletzt war in den Medien von

einer fast 33 Milliarden Dollar

(30 Milliarden Euro)schwerenOfferte

die Rede. Xerox bot demnach pro

HP-Aktie 17 Dollar plus jeweils 0,137

eigene Anteilsscheine –was einem

Gesamtgebot vonrund22Dollar entsprechen

soll. Zum US-Handelsschluss

am Freitag vergangener Woche

lag der HP-Kurs bei gut 20 Dollar.

DasGrößenverhältnis der Firmen

beim Börsenwertwäreohnehin sehr

ungewöhnlich füreinen Zusammenschluss:

Xeroxbringt selbst nur etwa

neun Milliarden Dollar auf die Waage.

Furcht vorSchuldenlast

HP zeigte sich nun unter anderem

darüber besorgt, dass der Deal nach

bisherigen Xerox-Plänen mit Krediten

finanziert werden sollte – was

dann die Schuldenlast für das gemeinsame

Unternehmen hochgeschraubt

hätte.ImGegenzug deutete

HP an, dass für die Firma auch ein

Angebot für Xerox infrage kommen

könnte.Manwollemehrüberdenaktuellen

Zustand von Xerox wissen,

zumal die geschäftliche Entwicklung

der Firma angesichts des jüngsten

Umsatzrückgangs Fragen aufwerfe,

hießes.Esseizudemwichtig,dassein

Sparpotenzial im Zuge einer Fusion

genau geprüft werde.

Ein Deal wurde zuletzt auch vom

bekannten US-Investor Carl Icahn

vorangetrieben. Der Milliardär hält

gut 10 Prozent von Xerox und etwas

mehr als 4Prozent bei HP.ZuIcahns

üblicher Vorgehensweise gehört es,

Beteiligungen aufzubauen und damit

Druck auf die Unternehmen zu

machen.

Xerox ist stark im Geschäft mit

großen Druckern und Kopiergeräten.

HP ist vorallem als einer der führenden

PC-Hersteller bekannt, hat

aber auch ein lukratives Geschäft mit

kleineren Druckern. So warf die PC-

Sparte im vergangenen Quartal

einen operativen Gewinn von 547

Millionen Dollar bei 9,7 Milliarden

Dollar Umsatz ab. Das Druckergeschäft

brachte zugleich mit nur etwa

halb so hohen Erlösen von 4,9 Milliarden

Dollar ein operatives Ergebnis

von765 Millionen Dollar ein.

Die Firma HP in ihrer heutigen

Form entstand 2015 bei der Aufspaltung

des Computerurgesteins Hewlett-Packard.

Bei HP landete der

Hardwarebereich, während das Firmenkundengeschäft

mit Rechenzentren,

Speicherdiensten und Beratung

bei Hewlett Packard Enterprise

gebündelt wurde. (dpa)

US-InvestorCarlIcahn ist an beiden Firmen

beteiligt.

FOTO: MARK LENNIHAN/AP

Aller guten Dinge sind drei

Finanzminister Scholz will bei der hochumstrittenen Einlagensicherung vorankommen

Von Stefan Winter

Seit Jahren streiten die Euro-

Länder über eine gemeinsame

Absicherung für Sparguthaben.

Vor allem Deutschland

bremst, weil die Bundesregierung

teureRettungsaktionen für ausländische

Banken fürchtet. Nun will

Finanzminister Olaf Scholz (SPD)

mit einem neuen Vorstoß das Thema

voranbringen. DerKoalitionspartner

hält davon allerdings wenig: „Da sind

wir grundlegend skeptisch“, sagte

Bayerns Ministerpräsident Markus

Söder (CSU) dem „Handelsblatt“.

Wir erklären den Plan und die wichtigsten

Streitpunkte.

Worumgeht es bei der Einlagensicherung?

Nach der Finanzkrise wurde in der

EUeinheitlichgeregelt,wieSparerim

Fall einer Bankpleite zu schützen

sind. Pro Kopf und Bank werden

dann bis zu 100000 Euro ersetzt. Die

dafür nötigen Systeme muss jeder

Staat für sich aufbauen, den Sicherungsfonds

füllen die jeweiligen Banken.

DasSystem ist in vielen Ländern

noch im Aufbau, der Fonds noch

nicht gefüllt. In Deutschland besteht

dagegen schon länger ein gesetzliches

Sicherungssystem, außerdem

gibt es Fonds der verschiedenen Bankengruppen.

Seit 2015 wird über

einen gemeinsamen europäischen

Sicherungsfonds diskutiert. Vor allem

die deutschen Sparkassen sowie

Volks- und Raiffeisenbanken lehnen

das ab,weilsie nicht die Sicherheitspolster

für andereBanken mit riskanteren

Geschäftsmodellen bereithalten

wollen. DieBundesregierung fordert,

dass die europäischen Banken

erst faule Kredite und andereRisiken

abbauen müssen, bevor über gemeinsame

Haftung geredet werden

kann.

Wasschlägt Scholz vor?

Der Finanzminister fordert die

gleichen Vorleistungen wie bisher.

Sie müssten aber noch nicht umgesetzt

sein, bevor man über das gesamte

Paket verhandelt. So sollen

wenigstens Gespräche in Gang kommen.

Die wichtigsten Forderungen:

Der Anteil fauler Kredite –die also

wahrscheinlich nicht zurückgezahlt

werden –müsse bei allen Banken auf

einen bestimmten Prozentsatz gesenkt

werden. Außerdem sollen die

Kein Sport-, sondernein Geländewagen: Ford MustangMach-E.

ChefJimHackettdemSenderBloomberg

TVamMontag. Das kann man

auch als Seitenhieb auf Tesla verstehen,

wo schwierige Produktionsanläufe

immer wieder zu hohen Verlusten

führten.

Ford steht im Heimatmarkt vor

dem Angriff Teslas auf sein Kerngeschäft:

Tesla will in der Nacht zum

Freitag einen elektrischen Pick-up

Institute für Staatsanleihen in ihrem

Besitz Kapitalpolster bilden. Bisher

ist das nicht vorgeschrieben, weil

Staatsanleihen als sicher eingestuft

werden. Viele Experten kritisieren

das schon lange, weil die Schuldenkrise

die Risiken gezeigt hat. Außerdem

fordertScholz auch für kleinere

Banken einheitliche Insolvenzregeln,

wie sie bereits für die großen

gelten. Und essoll einen Mindeststeuersatz

geben, damit nicht kleine

Staaten eine überdimensionierte Finanzbranche

aufbauen –wie in Irland

und Luxemburg geschehen.

Unter diesen Voraussetzungen soll

eine dreistufige Sicherung gelten:

Zuerst springt das nationale Sicherungssystem

ein, dann in begrenztem

Umfang ein neu zu schaffender

europäischer Fonds,dann der jeweilige

Staat. Scholz schwebt also kein

komplett europäisches System vor.

Welche Folgen hätte das für Sparer?

Noch ist nicht klar,wer wie viel in

den neuen Fonds einzahlen müsste.

Es könnte aber zusätzlicher Aufwand

FOTO: CARLOS OSORIO/AP

vorstellen. Vorallem in dieser Fahrzeugklasse

verdient Ford mitModellen

wie dem Bestseller F-150 sein

Geld. Tesla-Chef Elon Musk versprach

bereits,der „Cybertruck“ werde

ein futuristisches Design und ungewöhnliche

Funktionen haben. Dazu

könnten eine 240-Volt-Steckdose

sowie ein eingebauter Kompressor

für den Betrieb von Druckluftwerk-

auf deutsche Institute zukommen,

den sie an ihre Kunden weitergeben

würden. Kunden könnten aber davon

profitieren, dass ihre Guthaben

bei ausländischen Banken besser abgesichertwären

als bisher.

Wie sind die Reaktionen?

DieanderenEuro-Finanzminister

und die großen Privatbanken begrüßen,

dass Scholz das Thema vorantreibt.

Die deutschen Sparkassen

und Genossenschaftsbanken warnen

davor, die Sparer mit Diskussionen

um die Einlagensicherung zu

verunsichern. „Die Sicherheit der

Sparguthaben ist keine Verhandlungsmasse“,

heißt es in einer Stellungnahme

der Verbandsspitzen

Helmut Schleweis und Marija Kolak.

Der Genossenschaftsverband Bayern

lehnt den Plan kategorisch ab:

„Scholz will den letzten Schritt zur

europäischen Einlagensicherung

vollziehen, bevor überhaupt zum

ersten angesetzt ist“, sagte dessen

Präsident Jürgen Gros. Bert VanRoosebeke

vom Centrum für Europäische

Politik in Freiburg spricht von

einer „vertretbaren Mischung“ und

einer „Flucht aus der Defensive“. Die

einzelnen Elemente seien sinnvoll,

aber es komme darauf an, sie in den

Verhandlungenauchdurchzusetzen.

Warumwagt sich Scholz jetzt vor?

Der Finanzminister verweist darauf,

dass der wichtige Finanzplatz

London durch den Brexit vonder EU

abgetrennt wird. „Wenn Europa

nicht auf der internationalen Bühne

herumgeschubst werden will“, müsse

es seinen Finanzsektor stärken

und die Bankenunion voranbringen

–zuder auch ein gemeinsames Sicherungssystem

gehöre. Experten

fordernschon lange eine Vereinheitlichung

in Europa, damit die Banken

wettbewerbsfähiger werden. Zudem

ist ein neuer Vorstoß der EU-Kommission

zu erwarten, dem Scholz

wohl zuvorkommen wollte.

Wie groß sind die Erfolgschancen?

„Eine rasche Einigung ist unwahrscheinlich“,

sagt VanRoosebeke. Es

gibt nicht nur in Deutschland Widerstand,

mit einzelnen Punkten beißt

Scholz auch bei EU-Ländernauf Granit.

So besitzen etwa italienische

Banken riesige Mengen Staatsanleihen,

die sie mit zusätzlichem Kapital

absichernmüssten.

Elektrischer Ford Mustang soll Tesla angreifen

Auch BMW plantneues Modell–Kabinett beschließt höherenZuschuss beim Kauf vonE-Autos

Von Andrej Sokolow

Fordsetzt auf die Anziehungskraft

seiner Sportwagenmarke Mustang,

um im Geschäft mit Elektroautos

Fußzufassen. Allerdings ist der

neue Mustang kein Coupé mehr:Das

vollelektrischeModellspielt alsFünftürer

in der Kategorie der Sportgeländewagen

(SUV) mit. Auf den Markt

kommt der Mustang Mach-E in rund

einem Jahr. Die Reichweite soll mit

Standardbatterie bis zu 450 Kilometer

betragen –und bis zu 600 Kilometer

in der ausgebauten Version.

Mit knapp 44000 Dollar in den

USA (46900 Euro) liegt der Mach-E

im Preissegment von Teslas kommendem

Kompakt-SUV Model Y. An

Tesla erinnertauch der große berührungsempfindliche

Bildschirm mit

einer Diagonalen vonrund39Zentimetern

(15,5 Zoll) in der Mitte des

Cockpits. Eine ungewöhnliche Lösung

ist dabei ein am unteren Ende

des Displays eingebauter physischer

Lautstärkeregler.

Tesla unterdessen trieb den Verzicht

auf Knöpfe inzwischen so weit,

dass beim Model 3selbst das Handschuhfach

über den Bildschirm geöffnet

werden muss. Der Mustang

Mach-E werde abdem ersten Fahrzeug

Geld verdienen, sagte Ford-

OlafScholzschlägteinedreistufigeSicherung vor.

ILLUSTRATION: ISTOCK

zeugen gehören. Musk gratulierte

Ford amMontagviaTwitterzumneuen

Mustang. DasModell werdeauch

andere Hersteller ermutigen, Elektroautos

zu bauen.

Kurz nach Fords Ankündigung

gab BMW neue Details zu seinem

Modell i4 bekannt, das in einer ähnlichen

Klasse spielen dürfte.Sosoll der

Wagen ebenfalls auf eine Reichweite

vonbis zu 600 Kilometernkommen.

BMW plant allerdings mit einer Produktion

erst von2021 an.

Unterdessen können sich Autofahrer

auf eine höhere Prämie beim

Kauf von Elektrofahrzeugen einstellen.

DasBundeskabinett brachte am

Montag eine milliardenschwerestärkere

und längere staatliche Förderung

der Elektromobilität auf den

Weg. Die bereits bestehende Prämie

für den Kauf vonE-Autos wirdbis Ende

2025 verlängert.

Die Kaufprämie für E-Autos soll

bei Fahrzeugen bis zu einem Nettolistenpreis

von 40000 Euro um

50 Prozent erhöht werden. Konkret

steigt der Zuschuss von4000 Euro auf

6000 Euro.Für teurereFahrzeuge bis

zu einer Grenze von 65000 Euro soll

die Prämie um 25 Prozent auf

5000 Euro steigen. DieAutoindustrie

übernimmt weiter die Hälfte der Kosten.

(dpa)

NACHRICHTEN

Coty kauft Kosmetikfirma

von Kylie Jenner

Reality-TV-Star KylieJennerhat ihre

Kosmetikmarke für 600Millionen

Dollaranden voneiner deutschen

Milliardärsfamiliekontrollierten

KonzernCoty verkauft. Zu Coty gehörenbereits

Make-Up-Markenwie

MaxFactor undBourjois Paris. Die

mit geschäftlichen Problemen

kämpfendeFirma will aber geradein

einem Umbauneue Zielgruppenerschließen.

Die22-jährige Jenner ist

die Schwestervon Kimund Kourtney

Kardashian. Ihre KosmetikmarkeKylie

Cosmetics, die vorallemmit Lippenstiften

erfolgreich wurde, startete

sie 2015. DerDeal, bei dem Coty

51 Prozent übernimmt, bewertet die

Firmainsgesamtmit 1,2Milliarden

Dollar. (dpa)

Lufthansa-Tochter ordert

zehn 737 Boeing Max

DieLuftfahrtmesseinDubai hat für

die zwei weltgrößten Flugzeughersteller

höchst unterschiedlich begonnen.

Während der europäische

Flugzeugbauer Airbus bei zwei arabischen

Airlines Großbestellungen

über insgesamt 170 Mittel- und

Langstreckenjets einsammelte,erhielt

Boeing einen Vertrauensbeweis

für sein Krisenmodell 737 Max.

DerLufthansa-Ableger Sunexpress

orderte zehn Maschinen der Modellreihe,für

die seit Märzein weltweites

Flugverbot gilt. „Wir haben

volles Vertrauen, dass Boeing uns

ein sicheres,verlässliches und effizientes

Flugzeug liefert“, sagte Sunexpress-Chef

Jens Bischof. (dpa)

Warnstreik in der

Betonindustrie

Arbeiter in einer Betonfabrik.

Beim Baustoff Beton ist nach Gewerkschaftsangaben

in den kommenden

Wochen mit streikbedingten

Produktionsausfällen in Norddeutschland

zu rechnen. Vondiesem

Dienstag an soll es zunächst in Niedersachsen

und später in Schleswig-

Holstein, Hamburgund Bremen

Warnstreiks geben, wie die IG BAU

mitteilte.Die Gewerkschaft fordert

6,8 Prozent mehr Lohn bei einer

Laufzeit vonzwölf Monaten. Darüber

hinaus sollen Azubis eine Übernahmegarantie

erhalten und der Jahresbonus

soll angehoben werden. Das

bisherige Angebot der Arbeitgeber

–eine Lohnerhöhung von2,4 Prozent

und 50 Euro mehr Jahresbonus –sei

nicht ausreichend. (dpa)

Volkswagen senkt

Gewinnziele

FOTO: IMAGO IMAGES

DerVolkswagen-Konzerngeht angesichts

der schwachen Branchenlage

vonweniger Geschäft im kommenden

Jahr aus als ursprünglich geplant.

DerUmsatz dürfte 2020 nun

nur noch mindestens 20 Prozent

über demjenigen von2016 liegen,

sagte VW-Finanzchef Frank Witter.

Vorher hatte VW mit einem Wachstum

vonmindestens 25 Prozent in

diesem Zeitraum gerechnet. Die

wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

im Automarkt hätten sich geändert,

sagte Witter.„DasBesteder

Partyist vorbei.“ Unter dem Strich

wirdmit 27 bis 28 Euro Gewinn je

Aktie gerechnet, zuvor waren es

30 Euro. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Meinung

Offener Vollzug

ZITAT

Nicht übertreiben,

Herr Senator

Elmar Schütze

über ein Resozialisierungsprojekt,

das viele überforderndürfte.

Dieses Projekt hat das Zeug zu einem

handfesten Aufreger: Berlins Justizsenator

Dirk Behrendt möchte die Sicherungsverwahrten

–jene Straftäter also,die

die Richter auch nach Verbüßung ihrer

Haftstrafe für gefährlich halten –rauslassen.

Er will diese Schlimmsten der

Schlimmen, die meisten von ihnen sind

Sexualstraftäter, in den offenen Vollzug

lassen. Das heißt, sie sollen tagsüber

draußen arbeiten können und abends in

den Knast zurückkehren. Nur, dass sie in

diesem Fall nicht etwa hinter hohe Mauernoder

Gitter zurückmüssten. Nein. Ihre

Einrichtung der JVA Tegel soll außerhalb

der Gefängnismauernsein.

Wirmachen das nicht, um Sympathiepunkte

zu sammeln, sagt Justizsenator

Dirk Behrendt. Das hätte der Grünen-Politiker

nicht eigens anmerken müssen.

Denn es gibt kaum eine Entscheidung, die

weniger populär wäre. Denn mal ehrlich:

Solche Nachbarn möchte keiner gerne

haben.

Daran ändert auch nichts, dass Behrendt

juristisch recht hat. So unangenehm

es auf den ersten Blick klingen mag, so ist

es doch richtig: Auch diese Täter müssen

einmal freikommen. Jeder hat das Recht

auf Resozialisierung. Niemand in diesem

Land soll sein ganzes Leben in Gefangenschaft

verbringen müssen. Und auch:

Niemand soll in Gefangenschaft sterben

müssen. Wenn also eine Freilassung,

selbst aus der Sicherungsverwahrung, ansteht,

ist es richtig, diese Menschen im offenen

Vollzug darauf vorzubereiten.

Aber bitte, Senator Behrendt, der offene

Vollzug muss nicht außerhalb der sicheren

Mauern von Tegel stattfinden!

Eine interne Lösung wäre politisch klug –

auch wenn es für den Sympathiepreis

wohl immer noch nicht reichen würde.

Deutsche Bahn

Wo bleibt der

Masterplan?

Rasmus Buchsteiner

über ein Unternehmen, das sich zu

wenig um die Zukunft kümmert.

Eigentlich müsste jetzt die Stunde der

Deutschen Bahn schlagen. Eigentlich

wärejetzt die Zeit für den ganz großen Befreiungsschlag.

Gerade erst hat der Bund

die Weichen gestellt für eine beispiellose

Modernisierungsoffensive. Mehr als 156

Milliarden Euro wird der Staatskonzern

bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts

zur Verfügung haben –eswar die

vielleicht wichtigste Entscheidung der

GroKo in diesem Jahr.

Perfekte Ausgangsbedingungen –wären

danur nicht die Grabenkämpfe, das

Misstrauen und die Machtspielchen, die

das Unternehmen in den vergangenen

Wochen regelrecht gelähmt haben. Der

Fall von Finanzvorstand Alexander Doll,

der als Hoffnungsträger galt und jetzt einen

Aufhebungsvertrag unterschrieben

hat, führt vor Augen, wie es um die Bahn

bestellt ist.

Ihre Führungskräfte waren zuletzt vor

allem mit sich selbst beschäftigt. Darunter

litt die Konzentration auf die notwendigen

Zukunftsaufgaben. Dass der Verkauf der

Auslandstochter Arriva, der dem Konzern

im Tagesgeschäft finanziell wieder Luft

verschaffen sollte, buchstäblich in letzter

Minute abgeblasen werden musste,

spricht Bände. Die Bahn braucht nun vor

allemVerlässlichkeit und Führung.

Verkehrsminister Andreas Scheuer war

in derVergangenheit bereits mehrfach auf

Distanz zuVorstandschef RichardLutz gegangen.

Es ist höchste Zeit für den CSU-

Politiker, die Zukunft des Konzerns zur

Chefsache zu machen und eine klare

Richtung vorzugeben. Was fehlt ist ein

schlüssiger Masterplan für den Verkehr

auf der Schiene.Eine Bahn, die sich selbst

blockiert, kann diese Republik nicht gebrauchen.

Die GroKo-Mobilfunk-Offensive läuft!

Der Staat sollte nicht mehr Geld

ausgeben, als er einnimmt: Es

gab einmal Zeiten, in denen

hätte eine breite Mehrheit in

Deutschland diesen Satz glatt unterschrieben.

Aber gilt das heute immer noch?

Haushaltsdisziplin: Schon das Wort wirkt

mittlerweile muffig wie eine Mottenkugel.

Man müsse, lautet die neue deutsche Talkshowweisheit,

endlich Schluss machen mit

dem „Fetisch der schwarzen Null“, dem leider

der heutige Bundesfinanzminister Olaf

Scholz (SPD) ebenso erlegen sei wie seinVorgänger

Wolfgang Schäuble (CDU). Bedauerliche

Gestalten allesamt, Gefangene eines alten

Denkens. Allzu selten wird zwischen

Schuldenbremse und schwarzer Null unterschieden.

DasGrundgesetz, in diesem Punkt

im Jahr 2009 reformiert, erlaubt dem Bund

durchaus neue Schulden, allerdings nur in

Höhe von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.Derzeit

wären das immerhin zwölf

Milliarden Euro. Weitere Ausnahmen gelten

im Fall vonKrisen und Katastrophen.

Dennoch glauben viele, die deutsche Finanzpolitik

befände sich in einem Käfig, aus

dem man dringend ausbrechen müsse.Grünen-Chef

Robert Habeck sagt, auch er habe

ja die Schuldenbremse einst für eine gute Sache

gehalten. Doch jetzt müsse man die Regelung

„zeitgemäß reformieren“ –imKlartext:

lockern. Denn es gebe ja negative Zinsen

(„wir zahlen weniger zurück, als wir aufnehmen

dürfen“) und gleichzeitig einen

immensen Investitionsbedarf, nicht nur bei

Umweltschutztechnologien, sondern „auch

bei der normalen Daseinsvorsorge,Schulen,

Bibliotheken, Schwimmbäder, Sporthallen

und so weiter und so fort“.

Schöne neue Welt durch neue Schulden?

Das schuldenfinanzierte kommunale

Nachdem das Kölner Verlagshaus Du-

Mont den BerlinerVerlag im Februar auf

die Resterampe geworfen hatte und keinen

Interessenten fand, kauften vorein paar Wochen

die Berliner Silke und Holger Friedrich

das gefährdete Unternehmen. Binnen weniger

Tage wurden der Internetauftritt umgestaltet

und ein von DuMont eingeführtes,

von Anbeginn steinzeitliches, nervtötendes

Redaktionssystem durch ein modernes ersetzt.

Hoffnung keimte unter den Mitarbeiternauf.

Doch blicken wir weiter zurück. 2002

hatte der Medienkonzern Holtzbrinck, zu

dem der Tagesspiegel gehört, den Berliner

Verlag übernommen. Nach dem Veto des

Bundeskartellamts verkaufte Holtzbrinck

die Berliner Zeitung an den nordirischen Finanzinvestor

Mecom, den eine „eiskalte“

(FAZ) Heuschrecke anführte: David Montgomery.

Dieser setzte einen in Personalunion

tätigen Geschäftsführer und Chefredakteur

ein, assistiert von einem Erfüllungsgehilfen,

deren Aufgabe in der Reduktion der Mitarbeiter

und in radikaler Kostensenkung bestand.

Dereine dachte hauptsächlich an sein

Motorrad („Pferdchen“). Der andere liebte

das Golfen und war journalistisch allein mit

dümmlich-sexistischen Golfclub-PR-Werken

aufgefallen, Überschrift: „Abschlag vom

Venushügel“. Die Berliner Zeitung und ihre

Belegschaft haben wirklich schon einiges

durchgemacht. Undjetzt noch das: der Stasi-

Vorwurf gegen den neuen Verleger Holger

Friedrich.

Schuldenbremse

Zinsen und

Zombies

Matthias Koch

warnt vorden Risiken einer Politik, die mit billigen Krediten

Zukunftsaufgaben finanzieren will.

KOLUMNE

Die Stasi hat uns,

und wir haben

die Stasi

Götz Aly

Historiker

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Schwimmbad, klarer Fall, bringt der Politik

erstmal Applaus in der Gegenwart. Doch

was, wenn die Gemeinde in zehn Jahren erdrückt

wirdvon dann wieder steigenden Zinsen?

Die Verantwortlichen von heute sind

dann nicht mehr im Amt. Gerade die Grünen

sollten es besser wissen. In der Umweltpolitik

fordernsie zu Recht, man dürfe keine Lasten

in Richtung künftiger Generationen

schieben. Warumsoll die gleiche Ethik nicht

auch in der Finanzpolitik gelten?

Umweltpolitiker entgegnen, die Maßnahmen

zur Kohlendioxid-Vermeidung dienten

der Rettung des Planeten. Doch ebenso

könnten Politiker aus anderen Ressorts aufstehen

und etwa eine Steigerung der Verteidigungsausgaben

zur Überlebensfrage ausrufen.

Letztlich liegt in der thematisch und

parteipolitisch neutralen Schuldenbremse

eine sehr weise Regelung: Überdrehungen in

jeder Richtung werden vermieden. Wiegen

die Prioritäten wirklich so schwer,bleibt immer

noch der Wegder Umschichtung im aktuellen

Haushalt. Dann zeigt sich, was die Sache

den Menschen wirklich wert ist.

Die Niedrigzinsen jedenfalls, auf die Grünen-Chef

Robert Habeck verweist und die

jetzt seine Bereitschaft zum Schuldenmachen

erhöhen, sind nicht Teil der Lösung. Sie sind

Teil des Problems. Die Europäische Zentralbank

hat mit den extrem niedrigen Zinsen seinerzeit

kurzfristig auf die Finanzkrise reagiert

–und damit langfristig ein neues Problem geschaffen.Weil

Sparkonten nichts mehr abwerfen,

investiert inzwischen alle Welt in Aktien

und Immobilien –mit dem Effekt, dass sich

Kurse und Preise Woche für Woche weiter

denn je von den Realitäten entfernen. Der

nächste große Crash ist nach Ansicht vieler

Experten nur eine Frageder Zeit.

Natürlich kann man jetzt in dieser Phase

billig einen Kredit aufnehmen. Und danach

am besten gleich noch einen. 15 Prozentaller

Firmen in der Europäischen Union sind bereits

„Zombieunternehmen“, am Leben gehalten

nur von Niedrigzinsen. Sobald sich

der Zins auch nur normalisiert, werden die

Kartenhäuser reihenweise kollabieren.

Gleiches drohtdann kompletten Staaten,

die, wie Italien und die USA, auch in konjunkturell

guten Jahren ihre Schulden erhöhen.

Vielleicht braucht es noch einen zweiten

großen Knall, damit so unterschiedliche

Schuldenmacher wie Donald Trump und

Robert Habeck eine gemeinsame Lektion

lernen: Eine Schuldenkrise bekommt man –

satirisch gesagt – nicht allein durch neue

Schulden in den Griff.

DieNachricht davon verbreitete die „Welt

am Sonntag“ (WamS) am vergangenen Donnerstag

ohne weitere Details. Erst am Sonntag

erschien ein ausführlicher Artikel. Aber

statt einer Begründung bot die Zeitung einen

dünnen Mischmasch ausVermutungen,Vorverurteilungen

und offensichtlichen Halbwahrheiten.

Nach eigenen Angaben war

Friedrich unter dem Verdacht der Republikflucht,

der Fahnenflucht und möglicherweise

des bewaffneten Grenzdurchbruchs

festgenommen und mit einer massiven

mehrjährigen Haftstrafe bedroht worden.

Dazu existiert in der Stasi-Unterlagenbehörde

der OperativeVorgang „Habicht“. Diesen

darf jedoch nur der Betroffene, nämlich

Holger Friedrich, lesen und publik machen.

Obwohl die WamS und der Springer-Verlag

wussten, dass sie nur einen Teil der Akten

und damit der Fakten kennen, erwecken sie

den Eindruck, als verbreite Friedrich eine

übliche, im Grunde wenig glaubwürdige

Schutzbehauptung. Erst ganz am Schluss

des Artikels steht, was der damals 22-jährige

NVA-Soldat seinem Stasi-Führungsoffizier

nach wenigen Monaten konspirativer Mitarbeit

sagte,nämlich dies:„… dass er die Sache

nicht freiwillig angefangen habe, und sich

daran auch in Zukunft nichts ändern wird.“

Außerdem verhielt sich Friedrich laut Stasi

bei den Treffen häufig „abweisend und zurückhaltend“.

Statt all das urteilsgerecht zu

bewerten, spielen sich die Journalisten der

WamS als fliegendes Standgericht auf. Zu

diesem Journalismus des Verdachts, der

schnellen Denunziation passt, dass der

Chefredakteur der Bild-Zeitung twitterte:„30

Jahre nach dem Mauerfall ist die @berlinerzeitung

wieder in Stasi-Hand.“ Absurd.

Ich lehne es ab, vorschnell „Stasispitzel“

zu schreien. Denn in seiner offenkundigen

Spannung zwischen Opfer/Täter und anderen

Opfern könnte gerade dieser Fall einen

hohen und differenzierten Erkenntnisgewinn

bringen.

„Aus unserem Grundrecht

kann man folgern, dass

Tiere inbestimmtem

Umfang Träger von Grundrechten

sein können.“

Cornelia Ziehm, Rechtsanwältin, erläutertimSpiegel-

Interview, warum sie im Namen der Ferkel vor das

Bundesverfassungsgericht zieht. Sie will mit einer Verfassungsbeschwerde

erreichen, dass die betäubungslose

Kastration von Ferkeln verboten wird.

AUSLESE

Die Grünen auf

dem Wegzur Macht

Sie wollen regieren“, schreibt die

Frankfurter Allgemeine Zeitung über

den Parteitag der Grünen in Bielefeld.

„Die Voraussetzungen, um die große Koalition

vom Sockel zu stoßen, könnten

nicht besser sein.“ Allerdings lauerten auf

die „Quasiregierungspartei im Wartestand“

auch Gefahren: „An dem Anspruch,

zu führen und gleichzeitig ein

bunter Haufen zu sein, kann man sich

verheben.“ Doch mit der Übernahme von

Regierungsverantwortung kommen auch

neue Probleme: „Dann muss man auch

ran andie schmutzigen Themen, für die

es keine ethisch saubereLösung gibt.“

Die Stuttgarter Zeitung verweist auf ein

näherliegendes Problem:„Gehen die Grünen

bei der nächsten Bundestagswahl mit

einem eigenen Kanzlerkandidaten ins

Rennen –und wenn ja, mit wem?“, fragt

das Blatt. „Bei den Vorstandswahlen erhielten

Baerbock und Habeck ungewöhnlich

hohe Ergebnisse. ... Früher oder späterwerdensie

... gemeinsam die Frage beantworten

müssen, wer die informelle

Nummer eins ist.“ Christine Dankbar

KORREKTUR

In der Kolumne vonKlaus Staeck am vergangenen

Donnerstag (14.11.2019) ist leider ein falscher Vorname

durch alle Korrekturen gerutscht. Statt Rudolf

Harig muss es Wolfgang Harig („ein amüsanter Stalinist“)

heißen.

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Welchen Einfluss die

Schwiegereltern

auf die Darmflora

haben können

Seite 16

Auf dem Brett: Berliner Wellenreiter will einen Surfpark errichten Seite 11

Auf dem Sattel: In Potsdam geht ein kostenloser Verleih für Transporträder an den Start Seite 15

Stadtbild

Zweifel und

Verzweiflung

Susanne Dübber

will klären, ob Weihnachten

Fleisch serviertwird.

Als Vorbereitung auf Weihnachten

diskutierten Freunde und ich

über die Speisekarte.Erstmals dachten

wir von der Fleischfresser-Fraktion

über ein veganes Festmahl

nach. Mit überraschend großem

Protest reagierte die Tierschutz-

Fraktion unter uns.Jetzt bin ich enttäuscht,

zweifele, dass unsere Entscheidung

wirklich richtig ist.

Wir wollten endlich gute Menschen

werden und nun nehmen uns

die anderen die Chance dazu. Jahrelang

war es hin und her gegangen,

Fleisch in Form von Gänse- und Entenkeulen

stand immer auf dem

Tisch. Die Tierschutz-Fraktion hatte

dies wie ein Ritual erst kritisiert und

danach tüchtig zugelangt. Uns

Fleischfressern aber hatten die jahrelangen

Vorwürfe, für unseren persönlichen

Vorteil unschuldige Lebewesen

zu töten, zugesetzt und ins

Herz geschnitten. Endlich wollten

wir klar Tisch machen. Aber weiter

sitzt der Zweifel mit am Tisch und

wenn er da bleibt, wird erzuVerzweiflung.

So geht es mir auch bei anderen

Lebensfragen. Die leidige Umwelt-

Diskussion: Küchenpapier gegen

waschbare Küchenlappen, Spülmaschine

oder per Hand, nie wieder

Ausland, weil nie wieder fliegen? Wie

mache ich es richtig, ist die Frage.

Stellt man diese anderen, endet das

Gespräch auch nicht hundertprozentig

schlauer. Nicht alleine mit

Problemen zu sein, beruhigt mich

nicht. Hatman die eine Antwortund

will sie festhalten, flutscht sie einem

wegwie ein glatter Aal aus den Händen

und die andereAntwortruft: Ich

bin die richtige.

Zweifeln und Zaudern auszuhalten

ist schwer, man sehnt sich nach

Erlösung, nach der richtigen Entscheidung.

Verdrängung bringt auch

nicht weiter. Eine unaufgearbeitete

Geschichte, ein nicht bis zu Ende

durchdachter Entschluss quälen womöglich

ein Leben lang. Also muss

man einen Schlussstrich ziehen. Das

taten wir von der Fleischfresser-

Fraktion nach dem ersten Erstaunen

dann. Weihnachten werden wir wie

gehabt Fleisch verzehren. Aber den

Wurstkonsum wollen wir weiterhin

starkeinschränken, auch an den anderen

364 Tagen im Jahr. Bewusster

genießen ist unser Ziel.

Denn gesund wollen wir leben.

Für die Zigarette, die wir uns ab und

zu noch gönnen, gehen wir auf den

Balkon, ins Kalte. Bibbernd inhalieren

wir das Nikotin –nicht wirklich

ein Genuss. Durch Bestrafung wird

Unerlaubtes möglich. Aber das ist

ein anderes Kapitel.

Ferdervieh mit ungewisser Zukunft.

IMAGO

Immer wieder kommt es an der deutsch-polnischen Grenze zu einem Großeinsatz gegen international agierende Autoschieber-Banden.

Dicke Pistolen und fette Gewinne

VonKatrin Bischoff

Die Angeklagten, die sich

derzeit vor der 11. Großen

Strafkammer des

Berliner Landgerichts

wegen gewerbsmäßiger Bandenhehlerei,

Urkundenfälschung und Bandendiebstahls

verantworten müssen,

kommen aus ganz unterschiedlichen

Ländern. Aus Polen, den baltischen

Staaten, dem Libanon und Jordanien.

Es handelt sich um eine mutmaßlich

international agierende Autoschieber-Bande,die

gestohlene Fahrzeuge

bis nach Afrika gebracht haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen

insgesamt 120 Straftaten vor. Auch

ein Deutscher ist unter den Angeklagten:

Rolf L., ein Beamter der Berliner

Polizei. Er ist wegen Bestechlichkeit

angeklagt.

Die Männer gehören zu den 767

Tatverdächtigen, die die Ermittler des

Projektes Limes identifiziert haben.

Im Fokus der Arbeit dieses seit Anfang

2017 durch die Europäische Union

geförderten Projektes standen international

agierende Autoschieberbanden

und Mitglieder der sogenannten

Russenmafia. Ermittler der Landeskriminalämter

Berlins, Brandenburgs,

Sachsen-Anhalts, Sachsens

und sechs osteuropäischer Länder

sowie Europol waren daran beteiligt.

Berlin ist noch immer Hotspot

Polizei-Projekt Limes macht europaweit Jagd auf organisierte Banden

88

Banden der Organisierten

Kriminalität sind identifiziert

500 000 Euro steuerte die EU für das

Polizeiprojekt Limes bei –das Geld

wurde vor allem für Reisekosten der

ermittelnden Beamten und die technische

Ausstattung für die Ermittlungen

–etwa für den Kauf vonGPS-

Sendern –verwendet. Geld, das offenbar

gut angelegt war.

DieArbeit vonLimes –dem europaweiten

Polizeinetzwerk–habe auf

beeindruckende Weise gezeigt, welche

Erfolge es bei grenzüberschreitender

Zusammenarbeit beim

Kampf gegen die Organisierte Kriminalität

geben könne, sagte Polizeipräsidentin

BarbaraSlowik am Montag

zu dem nun ausgelaufenen Projekt.

Gegründet wurden unter anderemgemeinsame

Ermittlungsteams,

der kurze Dienstweg machte Schule.

Deutsche Polizeibeamte und Staatsanwälte

waren bei Durchsuchungen

in osteuropäischen Länderndabei.

Seit Anfang 2017 bis zum Ende

des Projekts Ende September dieses

Jahres wurden 2255 Ermittlungsverfahren

eingeleitet, gegen 243 der insgesamt

354 festgenommenen Personen

Haftbefehle erlassen. Zudem

wurden 425 Wohnungen, Lagerhallen

und andere Räumlichkeiten

durchsucht. DieSchadenshöhe wird

auf fast 60 Millionen Euro beziffert.

Berlin ist noch immer ein Hotspot

für Autodiebe.3813 Pkw verschwanden

im vergangenen Jahr auf Nimmerwiedersehen.

Zwar sind das laut

Statistik des Bundeskriminalamtes

17,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Für den Rückgang machen die

Ermittler vor allem das Projekt Limes,

die grenzübergreifende

schnelle Zusammenarbeit, verantwortlich.

Doch noch immer schlagen

Diebesbanden nirgendwo sonst

in Deutschland so häufig zu wie in

ERFOLGE SEIT 2017

2255

Ermittlungsverfahren gabes

durch die Arbeit vonLimes

Bei der Fahndung sichergestellt: Waffen und Handgranaten.

94

Hintermänner

kamen in Haft

DPA/PAUL ZINKEN

DPA/ARNO BURGI

der Hauptstadt. Vorallem Mercedes-

Fahrzeuge stehen hoch im Kurs. Im

Kommen seien derzeit auch japanische

Autos.

„In Berlin haben wir eine große

Auswahl von Autos jedweder Art auf

der Straße stehen –wie in einer Auslage“,

sagte Thomas Susebach, Kommissariatsleiter

für organisierte internationale

Autoverschiebung und Leiter

des Limes-Projektes.Zubeachten

seizudem die Nähe zu Polen, die offenen

Grenzen. Noch bevor der „typische

Berliner Geschädigte“ überhaupt

wisse, dass sein Auto entwendet

worden sei, werde esimAusland

bereits in seine Einzelteile zerlegt.

Die meist aus osteuropäischen

Ländernstammenden Täter sind laut

Susebach hochprofessionell in Banden

organisiert, und gerade das habe

eine grenzübergreifende Zusammenarbeit

mit den Kollegen dortnotwendig

gemacht. Demnachreisendie Täter

immer nur für kurze Zeit nach Berlin.

Sie bevorzugen Fahrzeuge der

MarkeMercedesmit Keyless-Go-System

und benutzen zum Öffnen und

Startender Wagen sogenannte Funkstreckenverlängerer.

In einer Nacht

klauen sie so bis zu zehn hochwertige

Limousinen. DieAutos werden meist

irgendwo in Berlin abgestellt und von

Kurierfahrern abgeholt. Dann fahren

dieKuriere mitden gestohlenen Pkw

Pilotfahrzeugen hinterher, deren

Fahrer vorPolizeikontrollen warnt.

Durch die gemeinsame Ermittlungsarbeit

bei Limes stießen die

Fahnder auf insgesamt 88 Gruppierungen

der Organisierten Kriminalität.

Dabei wurden 182 Hintermänner

ermittelt, 94 davon verhaftet.

Bisher gabes47Verurteilungen, weitere

sollen folgen. Bei den Festnahmen

wurden vielfach auch Drogen

sichergestellt –häufig im zweistelligen

Kilo-Bereich. Zudemstellten die

Fahnder 33 Waffen, darunter Maschinenpistolen

undHandgranaten,

beiden Autodieben oder derenHintermännernsicher.

Es geht um Milliardengewinne

Auch aus europäischer Sicht sei der

Erfolg der Limes-Ermittlungen beeindruckend,

sagte MichaelWillvon

Europol. Vonder Organisierten Kriminalität

seijedeseuropäische Land

betroffen. Nach seinen Worten gehe

es bei dieser Art der Verbrechen um

Milliardengewinne. Jedoch werde

nurein Prozentdieser Gewinne konfisziert.

Das Instrument der Vermögensabschöpfung

sei nicht scharf

genug oder werde zu selten angewandt,

sagte Will.

Die Arbeit, die mit Limes begonnen

hat, soll weitergehen. Sie werde

jedoch erschwert, falls das Projekt

nicht auf andere Weise finanziert

werde, sagte Thomas Susebach.Man

habe sich damals nach einer Förderung

durch die EU bewusst und gewollt

umgeschaut, weil man bei den

Ermittlungen zur Organisierten Kriminalität

Defizite erkannt hatte.

Katrin Bischoff

hofft, dass das Limes-Projekt

weiterfinanziertwird

NACHRICHTEN

Deutsche Wohnen geht

gegen Millionen-Bußgeld vor

DasImmobilienunternehmen Deutsche

Wohnen hat Widerspruch gegen

den Bußgeldbescheid in Millionenhöhe

eingelegt, den die Berliner

Datenschutzbeauftragte erlassen

hatte.Nach Angaben der Datenschützer

vonAnfang November warenimArchiv

des Unternehmens

zum Teil Jahrealte persönliche Daten

vonMieterinnen und Mietern

einsehbar,darunter Sozial- und

Krankenversicherungsdaten, Arbeitsverträge

sowie Informationen

über ihrefinanziellen Verhältnissen.

DasBußgeld beläuft sich auf

14,5 Millionen Euro.Dagegen habe

die Deutsche Wohnen inzwischen

Widerspruch erhoben, sagte ein Firmen-Sprecher

am Montag. Dievorgeschriebene

Zwei-Wochen-Frist sei

damit eingehalten worden. (dpa)

Polizei ertappt in einer

Woche 8316 Parksünder

Beider gemeinsamen Aktion vonPolizei,

BVGund Ordnungsämter gegen

Parksünder in der vergangenen

Woche wurden 8316Verstöße festgestellt.

Dashat die Polizei am Montag

bekannt gegeben. In 449 Fällen wurden

demnach Fahrzeuge abgeschleppt.

Davonstanden 166 Fahrzeuge

verbotenerweise auf Busspurenund

behinderten somit den Verkehr.Die

Streifen waren vonMontag

bis Freitag auf 380 verkehrsbelasteten

Straßen unterwegs. (ls.)

Prozess um möglichen

Ärztepfusch verschoben

EinProzess gegen eine Ärztin, die

durch einen Behandlungsfehler den

Todeiner 80 Jahrealten Patientin

verschuldet haben soll, ist auf den

29. Januar 2020 verschoben worden.

Dasteilte die Gerichtspressestelle

am Montag mit. Ursprünglich sollte

es an diesem Tagzur Verhandlung

vordem Amtsgericht Tiergarten

kommen. Der42-Jährigen wirdfahrlässige

Tötung bei einer Operation

im November 2015 durch ein nicht

fachgerechtes Legen eines Katheters

zur Last gelegt. DieAngeklagte habe

laut Ermittlungen mit dem Führungsdraht

des Katheters das Rippenfell

durchstoßen und so Blutungenausgelöst,andenen

die Geschädigte

gestorben sein soll. (dpa)

Bosch-Beschäftigte bangen

um ihre Arbeitsplätze

Mehr als 100 Beschäftigte des Autozulieferers

Bosch in Reinickendorf

fürchten um ihreArbeitsplätze. Nach

Angaben der Gewerkschaft IG Metall

vomMontag drohen Kündigungen.

„Wenn jeder vierte oder fünfte Beschäftigte

rausgeworfen werden soll,

dann ist das ein Kahlschlag ohnegleichen“,

kritisierte Betriebsratschefin

Nicole Bock. Die530 Beschäftigten

in Reinickendorfstellen Getriebepumpen

sowie Hydraulikpumpen

für Servolenkungen her.

Nach Unternehmensangaben setzenAutohersteller

aber immer stärker

darauf, Lenkungen durch Elektromotoren

zu unterstützen. Deshalb

erwägt Bosch auch einen Verkauf

des Berliner Werks. Unabhängig

davon müssten 90 Stellen wegfallen,

sagte eine Sprecherin. Ob es Kündigungen

gibt, sei noch offen. „Wir

werden das möglichst sozialverträglich

machen.“ (dpa)


10 * Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Berlin

Bei Anruf Koks:

Polizei fasst

Lieferanten

Studie: Kokain-Konsum

hat zugenommen

VonLutz Schnedelbach

Nach der Großrazzia gegen eine

Dealer-Bande in der vergangenen

Woche haben die sechs Tatverdächtigen

Haftbefehl wegen bandenmäßigen

Drogenhandels erhalten.

Drei von ihnen sitzen nach Angaben

der Staatsanwaltschaft

inzwischen in Untersuchungshaft.

Die anderen drei, darunter der Fahrer

und der Bunkerverwalter, wurden

vonder Untersuchungshaft verschont.

Bei den Dealern handelt es

sich um Männer zwischen 18 und

39 Jahren. Nach Informationen dieser

Zeitung sind es Mitglieder sowie

Freunde der deutsch-libanesischen

Großfamilie C. Sie sollen einen Lieferservice

für Kokain betrieben haben.

DieGeschäfte wurden voneiner

BarinHellersdorfaus organisiert.

Die Masche mit sogenannten Taxis

ist nicht neu. Sie wurde in den

90er-Jahren bereits von vietnamesischen

Zigarettenhändlern betrieben.

Diese hatten sich für diese Methode

entschieden, nachdem der

Druck der Sicherheitsbehörden stark

zugenommen hatte.

Bevordie Dealer auf die Kokstaxis

setzten, haben sie nach den Erkenntnissen

der Ermittler auch versucht,

die verbotene Waren mit der Post zu

versenden. Dieses Unterfangen sei

aber nicht erfolgreich gewesen, so

die Polizei, vermutlich weil die Szene

eine umgehende Lieferung der

Droge erwarte.

Bei den Kokainzustellungen per

Auto werde die Bestellung per Anruf

oder SMS aufgegeben. Dabei würden

die Drogen als Obst deklariert,

so die Polizei. Diese Form des Handels

hat sich auch nach Einschätzung

vonPolizisten vorallem für die

Zum Schnupfen bereit: Eine gezogene Linie

Koks.

IMAGO/ULRICH ROTH

Abnehmer als sicherer erwiesen als

der Drogenkauf in der Öffentlichkeit,

etwa im Görlitzer Park. Der „Stoff“,

den die Kokstaxis portioniert lieferten,

stammt nach Erkenntnissen der

Ermittler von Großhändlern. Der

Kunde zahlt bis zu 80 Euro für ein

Gramm.

Die Polizei erfasst solche Fälle

von Kokainhandel wegen der Häufung

seit Mai systematisch. Dabei

fanden die Fahnder heraus,dass sich

das Netz nicht nur auf Kreuzberg,

Reinickendorf und Neukölln beschränkt.

Geliefertwirdnach Polizeiangaben

nun auch nach Hellersdorf,

Weißensee, Marzahn Ahrensfelde

und Blankenfelde-Mahlow.

Abwasser stärker belastet

Die jetzt verhafteten Dealer aus der

Familie C. sind bei den Drogenfahndern

bekannt. Der Clan kam in den

80er-Jahren aus dem Libanon nach

Berlin. Die Familie ist geteilt. Der

eine Teil ist auf Drogenhandel spezialisiert,

der andere auf Prostitution

und Falschgeld, sagen Polizisten.

Der Kokskonsum hat in Berlin

zugenommen. Nach einer Analyse

des Abwassers durch Experten der

TU Dresden stieg die ausgeschiedene

Menge Koks pro 1 000 Einwohner

am TaginMilligramm von

290,6 im Jahr 2017 auf 343,1 im vergangenen

Jahr.

VonUlrich Paul

Aranka Barfuss ist erleichtert.

„Ich freue mich, dass

mein lebenslanges Wohnrecht

jetzt gesichert ist“,

sagt die 60-jährige Mieterin aus der

Cunostraße in Wilmersdorf. „Das ist

ein sehr gutes Gefühl.“

Der Grund: Das Landgericht hat

entschieden, dass der Vermieter

Aranka Barfuss nicht wegen Eigenbedarfs

kündigen kann. Eine beim

Verkauf ihrer Wohnung vereinbarte

Klausel, nach der die Mieter dauerhaft

vor einer Eigenbedarfskündigung

geschützt sein sollten, gelte

auch dann, wenn diese nur zwischen

Käufer und Verkäufer vertraglich fixiert

wurde, nicht aber vom Mieter

selbst mit unterzeichnet worden ist.

Es handele sich „um einen echten

Vertrag zuGunsten Dritter“, so das

Landgericht (64 S 220/18).

Die Entscheidung stärkt die

Rechte vonMieternehemals landeseigener

Wohnungen. Tausende Unterkünfte

wurden mit ähnlichen

Schutzklauseln verkauft. Ursprünglicher

Vermieter von Aranka Barfuss

war die städtische Bewoge, die später

in der Wohnungsbaugesellschaft

Mitte (WBM) aufging. Im Jahr 2004

verkaufte eine WBM-Tochter den

Wohnblock an der Cunostraße an einen

privaten Geschäftsmann.

Umfangreiche Schutzklauseln

Frau Barfuss darf bleiben

Landgericht weist Eigenbedarfskündigung zurück. Rechte von Mietern gestärkt

Die Freude ist groß. Aranka Barfuss muss nicht ausziehen.

Mieter in vielen landeseigenen

Wohnungen in Berlin

sollten nach der Privatisierung

ihrer Häuser einen umfassenden

Schutz genießen,

um weiter unbesorgt in ihren

vier Wänden leben zu

können.

RECHT

In vielen Kaufverträgen

wurde deswegenunter anderem

festgeschrieben, dass

der Erwerber „für die Dauer

der bestehenden Mietverhältnisse“

auf Kündigungen

wegenEigenbedarfs

verzichtet.

BERLINER ZEITUNG/SABETH STICKFORTH

Vermieter versuchen trotzdem

immer wieder,Mieter

per Eigenbedarfskündigung

vordie Tür zu setzen. Die

Rechtsprechung zugunsten

der Mieter verfestigt sich seit

einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs

von2018.

Arbeitskampf bei Osram

Im Kaufvertrag wurde festgeschrieben,

dass der Erwerber „für die

Dauerder bestehenden Mietverhältnisse“

auf Kündigungen wegen Eigenbedarfs

verzichtet. Auch Kündigungen

wegen der Hinderung an einer

angemessenen wirtschaftlichen

Verwertung sowie Luxusmodernisierungen

sollten nicht möglich sein.

Für den Fall eines Weiterverkaufs

sollten die Mieterschutzklauseln an

die Erwerber weitergegeben werden.

Zwar wurde beim Weiterverkauf

von Aranka Barfuss’ Wohnung die

Mieterschutzklausel anfangs noch in

den Verträgen weitergegeben, doch

später nicht mehr. Im Kaufvertrag

mit dem jetzigen Vermieter steht nur

noch, dieser sei darüber informiert

worden, „dass die Voreigentümer“

zugunsten des jeweiligen Mieters auf

Kündigungen sowie sogenannte Luxusmodernisierungen

verzichtet haben.

Der Vermieter argumentierte

vorGericht, dass die Regelungen aus

dem Kaufvertrag nicht zum wirksamen

Ausschluss der Eigenbedarfskündigung

geführt habe. Ein dauerhafter

Verzicht bedürfe der Schriftform

zwischen den Beteiligten. Der

Eigentümer beanspruchte die Wohnung

für seinen Vater. Der Anwalt

von Aranka Barfuss hielt dagegen,

dass sich der Mieterschutz aus dem

Kaufvertragvon 2004 ergebe.

Schon in erster Instanz bekam

Aranka Barfuss Recht. Das AmtsgerichtCharlottenburgentschied,

dass

der Vermieter die Räumung der

Wohnung nicht verlangen kann. Die

Eigenbedarfskündigung sei durch

den im ersten Kaufvertrag von 2004

vereinbarten Schutz „wirksam ausgeschlossen“.

Auf eine Übertragung

der Verpflichtung auf den neuen Erwerber

durch nachfolgende Kaufverträge

komme es nicht an.

Berufung aufBundesgerichtshof

Das Landgericht erklärte, dass es

sich die Entscheidungsgründe des

Amtsgerichts zu eigen mache. Die

Vereinbarung zugunsten des Mieterschutzes

sei „auch ohne ausdrückliche

Annahmeerklärung“ der Mieterin

wirksam geworden. Die Richter

verweisen rein „vorsorglich“ darauf,

dass bereits der Mietvertrag Aranka

Barfuss’ aus dem Jahre 1993 das

Kündigungsrecht des Vermieters erheblich

beschränke.Danach sei eine

Kündigung nur „in besonderen Ausnahmefällen“

möglich. Dem Mieter

werde also ein „erhöhter Bestandsschutz

eingeräumt“. Ein „gewöhnlicher

Fall des Eigenbedarfs“ sei für

eine Kündigung nicht ausreichend.

Dass ein„besonderer Ausnahmefall“

vorläge, habe der Eigentümer im

vorliegenden Fall nichtdargelegt.

Das Landgericht verweist in seinerEntscheidungzudem

auf einUrteil

des Bundesgerichtshofs (BGH)

vom 14. November 2018. Darin entschieden

die Richter, dass sich die

Mieter eines ehemals städtischen

Hauses in Bochum nach dem Verkauf

der Immobilie auf eine Kündigungsschutzklausel

im Kaufvertrag

berufen können. Der BGH argumentierte,

dass es sich bei den im

Kaufvertrag enthaltenen Bestimmungen

zum lebenslangen Wohnrecht

umeinen Vertrag zugunsten

Dritter handelt, der dem Mieter eigene

Rechte gegenüber dem Käufer

einräumt –und die Kündigung ausschließt.

DerSieg vordem Landgericht hat

sich für Aranka Barfuss nicht nachteilig

ausgewirkt. „Das Verhältnis zu

meinemVermieter ist jetzt sogar besser

als vorher“, sagt sie.„Er ist ein guter

Verlierer.“

Ulrich Paul weiß, wie sich

Mieter nach einer Eigenbedarfskündigung

fühlen.

Beschäftigte protestieren vor dem Spandauer Werk gegen den geplanten Stellenabbau und die Übernahme durch AMS

VonThomas Magenheim

Mehrere Hundert Osram-Mitarbeiter

haben am Montag vor

dem Spandauer Standort des Beleuchtungsherstellers

gegen Stellenabbau

protestiert. Die Gewerkschaft

IG Metall forderte dabei langfristige

Investitionen in die deutschen

Standorte und die Zurücknahme der

Entscheidung für Verlagerungen ins

Ausland. Nach Angaben der Gewerkschaft

will Osram 800 seiner

5600 deutschen Arbeitsplätze abbauen,

davon 100 in Berlin, wo außerdem

bereits weitere Stellen bedroht

seien. Eine offizielle Bestätigung

des Vorstands für die Zahlen

gibt es allerdings bisher nicht.

An der Protestaktion „Fünf nach

zwölf“ am Osram-StandortamNonnendamm

nahmen nach Angaben

der IG-Metall rund 300 Beschäftigte

teil. Auf Schildern forderten sie

„Licht an statt aus!“ oder „Wir sind

Osram und wollen Osram bleiben“.

Andere Mitarbeiter des mehr als

110 Jahre alten Traditionsunternehmens

erklärten: „Wir wollen mit Osram

indie Zukunft.“ Regine Katerndahl,

Zweite Bevollmächtigte der

IG Metall Berlin, forderte außerdem

mehr Zeit für die Entwicklung neuer

Produkte. Demonstriert wurde auch

vorder Münchner Konzernzentrale.

An allen deutschen Standorten

„Fünf nach zwölf bedeutet nicht, dass

es das Ende ist“, rief Klaus Abel dort

ins Mikrophon. Abel ist der Unternehmensbeauftragte

der IG Metall

für Osram und Aufsichtsratsvize des

Lichttechnikkonzerns.Pfiffe aus hunderten

Trillerpfeifen und Sprechchöre

wie „Berlien raus“ begleiteten

Abels Rede.Für Osram-Chef Olaf Berlien

ist das nicht gerade schmeichelhaft.

Die rund 600 Protestierenden

aus allen deutschen Osram-Standorten

fühlen sich vonihrem Boss verraten.

Nach anfänglichem Widerstand

befürwortet er nun nicht nur eine

Übernahme durch den österreichischen

Sensorhersteller AMS. Berlien

will bei Osram zudem 800 Stellen

streichen. Er sagt auch, dass die unbestreitbaren

Probleme, die Osram

aktuell hat, mit einer Übernahme

durch AMS nicht besser, sondern

schlimmer würden. Deshalb wollen

Betriebsräte nun nicht nur einen erneuten

Kahlschlag im Personal, sondern

auch eine Übernahme durch

AMS mit aller Macht verhindern.

Wenn es stimmt, was Betriebsräte

erfahren haben, soll es die Standorte

München, Herbrechtingen und Berlin

am härtesten treffen. Demnach

will Osram in der Münchner Zentrale

270 und im baden-württembergischen

Herbrechtingen 260 Jobs

streichen. Zudem würden in Herbrechtingen

55 befristete Stellennicht

verlängert, sagt ein dortiger Betriebsrat.

In Berlin könnten nach Betriebsrats-Informationen

sogar bis

zu 200 Jobs auf der Streichliste stehen.

Drinnen inder Konzernzentrale

widersprach Osram-Vorstand Stefan

Kampmann. Es gebe noch keine fixen

Abbauzahlen oder Schließungsbeschlüsse

für Standorte, Standort-

garantien allerdings auch nicht. IG

Metall und Betriebsräte würden lediglich

Kostensparziele auf Stellen

hochrechnen. Es gibt noch Verhandlungsmasse,soll

das heißen.

Weniger flexibel gibt sich der

Technik-Vorstand beim zweiten

Grund für den Protesttag bei Osram.

Das ist die geplante Übernahme

durch den Sensorhersteller AMS aus

Premstetten bei Graz. Die sei strategisch

richtig und seriös finanziert.

Sorgevor Milliardenschulden

Die Industriegewerkschaft IG Metall

und die Osram-Betriebsräte halten

die Übernahme für den falschen

Schritt: Sie würde alles schlimmer

machen, weil ein Kauf auf Pump finanziert

wäre und Milliardenschulden

hinterlassen würde. Der AMS-

Plan, die rasch wieder abzubauen,

baue auf optimistische Annahmen

zur Steigerung der Profitabilität und

das in kriselnden Abnehmermärkten,

kritisiertAufsichtsratsvizeAbel. Nicht

nur ihm ist beim Gedanken daran

mulmig. (mit dpa)

Missbrauch

dauerte länger

als gedacht

Senat lässt Umgang mit

Pflegekindern untersuchen

„Es darf nichts

verharmlost

werden. Das sind

wir den Betroffenen

schuldig.“

Sandra Scheeres,

SPD-Bildungssenatorin

InBerlin wurden Kinder oder Jugendliche

wohl länger als bisher

angenommen gezielt zur Pflege an

Pädophile vermittelt und vondiesen

dann auch sexuell missbraucht. Das

legt ein am Montag in der Hauptstadt

vorgestellter Zwischenbericht

eines Forschungsvorhabens der

Universität Hildesheim zum verstörenden

Wirken des Sozialpädagogen

Helmut Kentler (1928-2008) nahe.

In dem Bericht, den der Senat in

Auftrag gab, werden die Fälle von

zwei Fünfjährigen aufgelistet, die

1989 beziehungsweise 1991 zu einem

Pflegevater kamen, der regelmäßigen

Kontakt zu Kentler pflegte.

Die Opfer schilderten nun in Interviews

mit den Wissenschaftlern ihr

Leiden und machten dabei auch

deutlich, das sie sich vonstaatlichen

Stellen –nicht zuletzt dem Jugendamt

–imStich gelassen fühlten.

Die von Kentler als „wissenschaftliches

Experiment“ verbrämte

Praxis, Pflegekinder und -jugendliche

an Pädophile zu vermitteln, begann

in Berlin Ende der 60er-Jahre.

Nach bisheriger Auffassung war sie

vor allem bis in die 70er- und 80er-

Jahren verbreitet. Jetzt zeige sich,

dass der Einfluss Kentlers über einen

weitaus längeren Zeitraum reiche als

bisher angenommen, sagte Bildungssenatorin

Sandra Scheeres.

„Und wir gehen davon aus, dass

nicht nur Jugendliche,sondern auch

Kinder betroffen waren.“

Kentler glaubte, dass sich pädophile

Männer als Pflegeväter besser

um ihre Schützlinge kümmern würden

als andere Pflegeeltern. Dass sie

dafür Sex wollen könnten, war für

den seinerzeit anerkannten Psychologen

und Sexualforscher kein Hinderungsgrund.

Die Pädophilen erhielten

sogar Pflegegeld. VonSeiten

der Behörden blieben diese Vorgänge

entweder unbemerkt, wurden

ignoriertodersogar gefördert.

Scheeres wie auch die beteiligten

Wissenschaftler verwiesen darauf,

dass das Projektzur Erforschung der

erschütternden Vorgänge noch nicht

abgeschlossen sei und bis April2020

weiterlaufe. „Es darf nichts beschönigt

werden, es darfnichts verharmlost

werden. Dassind wir den Betroffenen

schuldig“, sagte Scheeres.

Wichtig sei zudem, die Verantwortung

staatlicher Stellen, auch des Senats,

herauszuarbeiten, Strukturen

offenzulegen und Lehren für die

heutige Jugendhilfepraxis zu ziehen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes,das

nicht das erste,aberwohl

das umfassendste zu Kentler ist,

sichten die Wissenschaftler unter

anderem Akten und sprechen mit

unterschiedlichsten Zeitzeugen.

Hilfreich wären dabei Opfer des

quasi staatlich geförderten sexuellen

Missbrauchs –allerdings haben sich

bislang erst drei gemeldet, von denen

zwei den Forschernberichteten.

Wieviele Opfer es überhaupt gibt, ist

nach Aussageder Forscher unklar.

Kentler, der nach seiner Zeit am

„Pädagogischen Zentrum Berlin“ als

Professor fürSozialpädagogik an der

TU Hannoverlehrte,wurde nie strafrechtlich

verfolgt, weil seine Taten

als verjährt galten. An dieser rechtlichen

Hürde scheiterten auch Anläufe

von Opfern für eine juristische

Aufarbeitung. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 11 *

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Berlin

Der offene Vollzug für Sicherungsverwahrte soll in der Seidelstraße 34 eingerichtet werden –außerhalb der Gefängnismauer der JVATegel. Der Umbau soll Ende 2020 abgeschlossen werden und bis zu zwei Millionen Euro kosten.

MARKUS WÄCHTER/BLZ

Die Sorge bleibt

Die Justizverwaltung informiert Anwohner über den geplanten offenen Vollzug für Sicherungsverwahrte. Die Ängste aber kann sie den meisten nicht nehmen

VonAnnika Leister

Etwa 200 Einladungen wurden

verteilt, rund 100 Anwohner

meldeten sich an:

Das Interesse der Nachbarn

ander Info-Veranstaltung zum

geplanten offenen Vollzug für Sicherungsverwahrte

in Tegel war groß.

Am Montagabend nahmen Rentner,

junge Paare und besorgte Eltern im

Kulturraum der Justizvollzugsanstalt

Tegel Platz. Für viele war es die erste

Info-Veranstaltung zu dem Thema

überhaupt, sie hatten bisher nur aus

den Medien und von Nachbarn von

dem Vorhaben erfahren. Zumersten

Info-Abend im April waren lediglich

die Bewohner der Dienstgebäude in

der Seidelstraße eingeladen. Dieses

Malwurden die Einladungen auch in

den anliegenden Seitenstraßen verteilt.

Das Vorhaben polarisiert und ist

besonders den direkten Anwohnern

nur schwer zu vermitteln: Ab 2020

will die Senatsverwaltung ein ehemaliges

Dienstgebäude in der Nähe

der JVATegel zu einem offenen Vollzug

für Sicherungsverwahrte umbauen.

Nach dem Umbau, der ein

bis zwei Millionen Euro kosten und

Ende 2020 oder Anfang 2021 abgeschlossen

sein soll, werden die Bewohner

der Seidelstraße dann Tür an

Tür mit jenen leben, die ein Gericht

eigentlich als so gefährlich eingestuft

hat, dass sie auch nach Verbüßen ihrer

Haftstrafe hinter Gittern bleiben

müssen.

Doch auch die Sicherungsverwahrung

ist nicht darauf ausgelegt,

einen Menschen für immer hinter

Gittern zuhalten. Auch jetzt schon

werden Sicherungsverwahrte nach

günstigen Gutachten und vorbildlichem

Verhalten erst Lockerungen

und dann Ausgänge gewährt. Bewähren

sie sich weiterhin, werden

sie auch heute schon entlassen –15

Menschen kamen seit 2015 so aus

der Sicherungsverwahrung frei. Allerdings

ohne Vorbereitung auf das

Leben in Freiheit im offenen Vollzug.

Das kritisierte das Bundesverfassungsgericht.

Berlin hat sich aufWeisung

des höchsten deutschen Gerichts

2013 –noch unter einem von

SPD und CDU geführten Senat –

dazu verpflichtet, den offenen Vollzug

für Schwerstverbrecher einzuführen.

Vermitteln mussten diesesVorhaben

den direkt Betroffenen am Montagabend

Justiz-Staatssekretärin Daniela

Brückner, Martin Riemer, Leiter

der JVATegel, und Kerstin Becker,

„Der Fokus lag von Anfang an nur auf dem

Wohl der Insassen. Ein Schutz der

Bevölkerung findet nicht statt.“

Vater zweier Töchter, Anwohner in Tegel

Leiterin der Sicherungsverwahrung

in Tegel. Einige Sätze wiederholten

sie dabei im Wechsel wie ein Mantra:

Berlin sei zu der Umsetzung des offenen

Vollzugs verpflichtet. Chance

darauf, in den offenen Vollzug zu

kommen, hätten lediglich jene, die

sich bereits als zuverlässig erwiesen

hätten. Jeder Fall werdevon der Aufsicht

der JVA, einem externen Gutachter

sowie der Senatsverwaltung

gründlich geprüft. Das Haus liege

vor den Gefängnismauern, Justizvollzugsbeamten

sollten aber den

Ein- und Ausgang der Sicherungsverwahrten

24 Stunden lang kontrollieren.

Die Fenster im Erdgeschoss

des offenen Vollzugs würden vergittert.

„Überwiegend sind das einzelgängerische

Menschen, die eher zurückgezogen

leben“, sagte JVA-Leiter

Riemer.„Siehaben keine wilden Gartenpartys

zu erwarten.“

Wilde Gartenpartys allerdings

sind nicht die Befürchtung der An-

wohner. Die meisten fürchten ihre

neuen Nachbarn. Ob es Statistiken

darüber gebe, wie treffsicher die

Gutachten sind? Wie hoch die Rückfallquote

ist? Becker weiß vonnur einer

Person seit 2013, die ohneVorbereitung

in Freiheit kam, rückfällig

wurde und inzwischen wieder in

Haft sitzt. „Aber natürlich können

wir den Menschen nicht in den Kopf

gucken.“

Eine Mutter mit zwei Töchtern,

acht und 13 Jahrealt, fragt, ob sie ihre

Kinder noch alleine an dem Haus

vorbei zur Schule schicken könne?

Und will auch wissen, weshalb die

Sicherungsverwahrten überhaupt

verurteilt worden sind? „DieseWahrheit

kann ich ihnen nicht ersparen“,

sagt Becker.„Zwei Drittel sind Sexualstraftäter.“

Siewiederholt, dass das

Prozederehin zu Lockerungen für Sicherungsverwahrte

lang und komplex

sei. Erklärt, dass zurzeit nur drei

Sicherungsverwahrte in Tegel unbegleitete

Ausgänge machen dürfen

und damit überhaupt in Frage kommen

für den offenen Vollzug. „Die

drei sind alte Männer, über 60, körperlich

krank, sie wollen in Freiheit

leben“, sagt Becker. Und: „Diese

Männer werden entlassen, so oder

so. Wir wollen sie nur besser darauf

vorbereiten.“

Die Meinungen unter den Anwohnern

gehen nach der Veranstaltung

auseinander. Inder Unterzahl

sind eindeutig Menschen wie Jörg

Klauck, der die Transparenz der Verwaltung

lobt und den offenen Vollzug

lieber hier in der Nähe der Therapiezentren

und der gewohnten

Umgebung hätte. „Hier ist die Kontrolle

hoch, das ist doch gut.“

Den meisten Anwohnern aber

geht es wie dem Ehepaar mit den

zwei Töchtern, die bald wohl nicht

mehr alleine zur Schule laufen werden.

Auf die Frage, obdie Veranstaltung

sie weitergebracht habe, lachen

sie nur.„DerFokus lag vonAnfang an

nur auf den Insassen“, sagen sie,„ein

Schutz der Bevölkerung findet nicht

statt.“ Die Antworten an diesem

Abend seien sehr politisch gewesen,

„hohle Phraseologie“. Wasfür sie zu

kurz komme: Nicht nur der Sicherungsverwahrte

habe Anrecht auf

Freiheit. „Unsere Kinder haben ein

Anrecht auf ein unversehrtes Leben.“

Wellenreiten auf fünf Fußballfeldern

Eirik Randow möchte gemeinsam mit Freunden in den kommenden Jahren einen Surfpark errichten. Ein Investor ist schon gefunden

VonFlorian Thalmann

Wer schon einmal auf einem

Surfbrett gestanden hat,

schwärmt von den riesigen Wellen,

vom Wind in den Haaren, vom Gefühl

der Freiheit, vomAdrenalin, das

den Körper durchflutet. Als Eirik

Randow zum ersten Mal auf dem

Brett stand und eineWelle erwischte,

wurde auch er gepackt. „Es war in

Santa Cruz in Kalifornien“, sagt er.

„Und danach war mein Schicksal besiegelt.

Ichwusste: Wellenreiten wird

in der Zukunft die Weichen in meinem

Leben stellen.“ Schon als Kind

sei er zum Windsurfen gegangen,

sein Vater habe ihn im Alter von vier

Jahren erstmals auf ein Brett gestellt.

Aber dann, während eines Schüleraustauschs

im Alter von 15Jahren,

kam er in Amerika zu einer Familie,

in deren Leben das Surfen große Bedeutung

hatte.„Also ging ich mit –es

hat mich nicht mehr losgelassen.“

Das Feuer war entfacht. Heute

will der 30-Jährige dieses unbeschreibliche

Gefühl auch anderen

Menschen zugänglich machen. Auf

einem ungewöhnlichen Weg: Mit einem

Team aus Freunden will er in

den kommenden Jahren einen Park

zum Wellenreiten eröffnen. Bis zu

sechs Hektar groß soll das Gelände

sein, das Randows Start-up „Surf

Era“ entwickeln will. Kernelement:

Ein150 mal 150 Meter großes Becken

zum Surfen, mehr als fünf Fußballfelder

groß, mit einer Technologie,

die Wellen unterschiedlicher Höhe,

Frequenz und Intensität erzeugt. Mit

einem sonnendurchlässigen, einund

ausfahrbaren Dach, das das Surfen

auch im Winter möglich macht.

Ringsumher Platz für Restaurants,

Läden und Wellnessangebote, „ein

Sport- und Erholungszentrum“,

schwärmt Randow. Nach ersten

Hochrechnungen könnte das rund

36 Millionen Euro kosten.

Am besten im Südosten

Es hört sich verrückt an, aber wer

Randowund sein Team in ihrem PlanungsbüroinAdlershof

besucht, der

bemerkt sofort, dass das Projekt

Surfpark nicht nur ein Hirngespinst

ist. Überall hängen Visualisierungen

und Architekturmodelle.„Wir konnten

sogar einen Projektentwickler für

den Plan begeistern, der den Park finanzieren

würde“, sagt Randow.

„Aktuell suchen wir nach einem

Grundstück. Wir haben schon eine

Idee und sind in Gesprächen und

Verhandlungen.“ Wo sich der Park

genau befinden soll, verrät er nicht.

Nur, dass er im Idealfall im Südosten

Eirik Randow mit einem Modell –sokönnte der Park aussehen.

Berlins liegen könnte und somit in

einer halben Stunde vom Zentrum

aus erreichbar wäre.

Wie aber kommt man auf so eine

Idee? Randow studierte Sport und

BWL, wollte beides kombinieren –

und verfolgte mit Begeisterung das

Vorhaben von 2013, das einen Surfpark

für das Tempelhofer Feld vorsah.

Im Zuge der Bebauungs-De-

SABINE GUDATH

batte wurde der Plan gekippt. „Also

dachte ich: Dann mache ich es

selbst.“ Nach und nach versammelte

er Studienkollegen und Freunde um

sich, stellte ein Team zusammen, gemeinsam

starteten sie in die Planung.

Besonderen Wert wollen Randow

und sein Team auf Nachhaltigkeit

legen. Allein die Technik für die

Wellen verbraucht pro Jahr so viel

Strom wie 400 Einfamilienhäuser.

DerParksoll aber so konstruiertsein,

dass er mit regenerativen Energiesystemen

seinen eigenen Strom erzeugt.

7000 Quadratmeter Solaranlagen

sollen dafür sorgen, auf dem

Dach und an den Wänden. Im Netz

informiert das Team auf der Internetseite

surf-era.com über den Planungsstand,

für die laufende Feinplanung

läuft zudem eine Crowdfunding-Kampagne

auf Startnext,

bei der Surf-Fans aus der ganzen

Welt spenden können – mehr als

31000 Euro kamen hier bisher zusammen.

Jetzt olympische Disziplin

Mit der Idee sind Randow und sein

Team nicht allein – im Gegenteil.

„Wir sind Teil eines weltweiten

Trends, denn der Surfsport wird populärer“,

sagt er. Grund könne sein,

dass das Wellenreiten zur olympischen

Disziplin ernannt wurde, bei

den Sommerspielen in Tokio wird

erstmals ein Wettkampf im Surfen

ausgetragen. Richtige Surfparks mit

Wellen-Pools gibt es aber selten.

„Momentan sind sie bereits in Wales,

Kalifornien und Texas zu finden, es

sind aber eine Vielzahl internationaler

Anlagen in Planung.“ Für die

rund 500 000 Wellenreiter,die es laut

Statistik in Deutschland gibt, ist aber

kaum Infrastruktur vorhanden. In

Berlin wirdesdemnächst zumindest

eine kleine Anlage geben: Noch in

diesem Jahr soll in Lichtenberg das

„Wellenwerk“ entstehen, einWellenbecken

für Surfer. Inder Landsberger

Allee wurde dafür lange gebaut,

am Freitag wird hier Teileröffnung

des Wellen-Bereichs gefeiert. In den

kommenden Monaten sollen Surfbrett-Werkstatt,

Bar, Restaurant und

Biergarten folgen.

Trotz des Konkurrenzprojekts

glaubt Randow daran, dass es auch

für seinen Surfpark noch genug Potenzial

gibt.„Mit mehr als 3,1 Millionen

Einwohnern imAlter zwischen

15 und 65 Jahren bietet die Metropolregion

ein enormes Besucherpotenzial“,

heißt es in seinem Konzept.

„Hinzu kommen die rund 13

Millionen Touristen, die Berlin pro

Jahr besuchen.“

Einsolcher Park passe zudem zur

Vielschichtigkeit Berlins, könne sogar

in der sozialen Arbeit eingesetzt

werden, beispielsweise bei der Arbeit

mit Jugendlichen und Integrationsprojekten.

Und der Park könnte

nach Randows Ansicht eine Landmarke

werden: „Das 50 Meter hohe

Dach wäre ein neues Wahrzeichen

für Berlin.“


12 Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Berlin

Ermittlungen

nach Absturz

einer Gondel

Firmen aus Berlin und

Brandenburg im Visier

Nach dem Absturz einer Wartungsgondel

in Nordhessen, bei

dem Anfang September drei Menschen

getötet wurden, ermittelt die

Staatsanwaltschaft Kassel gegen zwei

Firmen aus Berlin und Brandenburg.

Es hätten sich konkrete Anhaltspunkte

ergeben, dass der Unfall möglicherweise

auf ein Fremdverschulden

zurückzuführen sei, sagte Justizsprecher

Andreas Thöne am Montag.

Zum einen bestehe der Verdacht,

dass die Drahtseilwinde der Gondelanlage

falsch zusammengebaut war.

DieVerantwortung dafür liege möglicherweise

bei einer Wartungsfirma in

Brandenburg. Zumanderen steht die

Firma der verunglückten Mitarbeiter

im Fokus. Die Gondelanlage habe

möglicherweise so,wie sie aufgebaut

und betrieben wurde, geltenden Sicherheitsanforderungen

nicht entsprochen.

„Diesen Verdachtsmomenten

werden die Ermittlungsbehörden

weiter nachgehen“, erklärte

Thöne. Beide Unternehmen seien

durchsucht worden.

Das Unglück hatte sich auf dem

Berg Hoher Meißner in Nordhessen

ereignet. DieMitarbeiter der Berliner

Firma wollten auf einem Sendemasten

eine neue Antenne montieren.

Dafür wurden sie in einer Gondel

durch eine Seilwinde nach oben gezogen.

Doch in einer Höhe von50bis

80 Metern stürzte die Gondel plötzlich

in die Tiefe.Für die Insassen –einen

50-Jährigen aus dem bayerischen

Landkreis Freyung-Grafenau,

einen 46-Jährigen aus Karlsruhe und

einen 27-Jährigen aus Dülmen –kam

jede Hilfe zu spät. (dpa)

Herr Gysi, Berlin und Brandenburg

wurden in der vergangenen Woche regelrecht

elektrisiert: Tesla kommt! Finden

Sie das auch so giga wie viele

Kommentatoren?

Es zeigt zumindest, dass Berlin

und Brandenburg ein gutes Umfeld

für zukunftsträchtige Investitionen

bieten. Genau dies wurde ja von vielen

angesichts dortiger Regierungskonstellationen

bezweifelt. Trotzdem

rate ich auch zum Abwarten, was real

den Ankündigungen folgen wird.

Wasbedeutet die Tesla-Ansiedlung für

Brandenburg und den deutschen Osten?

Der Osten könnte zum Zentrum der

modernen Automobilität in Deutschland

werden. VW produziert E-Mobile

schon jetzt in Zwickau. MitTesla

könnte sich einiges aus dem Westen

in den Osten verschieben. Einklimagerechter

Industrialisierungsprozess

im Osten gäbe der Region Auftrieb.

Tesla hat sich auch wegen des großen

Anteils erneuerbarer Energien in

Brandenburgfür diesen Standortentschieden.

DasLand wäregut beraten,

den Strukturwandel in der Kohleregion

unter Einbeziehung der energetischen

Kompetenz der Beschäftigten

offensiv und immer mit sozialen Lösungen

voranzutreiben.

VonTesla-Boss Elon Musk stammt der

Satz: „Niemand hat jemals die Welt

mit 40 Stunden proWoche verändert.“

Muss man rücksichtslos sein, um in

dieserWelt erfolgreich zu sein?

EineWelt, in der die Menschen nur

noch leben, um zu arbeiten, ist weder

erstrebens- noch lebenswert. Gewiss

kann man für ein großes Ziel auch

mal mehr unternehmen. Doch wer

das zum generellen Maßstab erhebt,

verkennt nicht nur die soziale und

humane Dimension von Arbeit, sondern

auch die Produktivitätsfortschritte

durch die Digitalisierung, die

eher nach Arbeitszeitverkürzung rufen.

Übrigens, weshalb kann sich die

Industrie nicht auf drei Batterietypen

verständigen, die an jeder Tankstelle

Die Interview-Kolumne

Eine Curry

mit Gysi

Die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar

Jehn reden jede Woche mit Gregor Gysi –

über das, was die Stadt, das Land und die Welt

bewegt. Kurz und klar,ein paar Minutennur,

solange man eben zusammensteht für eine

Curry am Mittag. Unser Thema in dieser Woche:

Die Ansiedlung von Tesla in Grünheide

Elmar Jehn (l.), Gregor Gysi und Jochen Arntz

gewechselt werden könnten, statt

Millionen Ladesäulen zu errichten?

Wird Elon Musk die Arbeitskultur in

Deutschland verändern oder wird er

sich anpassen müssen?

Es gibt in Deutschland aus gutem

Grund Regeln und Gesetzefür die Gestaltung

der Arbeit, die die Gewerkschaften

in langen Kämpfen durchgesetzt

haben. Das wird auch Herr

Musk zur Kenntnis nehmen müssen.

Er hat ja die deutsche Ingenieurskunst

hervorgehoben und wird die

Sozialpartnerschaft noch kennenlernen.

Ich denke, das wird ihm die IG

Metall schonbeibringen.

Istder Tesla-Coup eine Niederlage der

deutschen Autoindustrie?

Eher ein Ansporn. Wir stehen inder

Mobilitätsfrage vor grundlegenden

Veränderungen. Die Hoffnung, den

Einfluss des motorisierten Individualverkehrs

auf den Klimawandel dadurch

verringern zu können, dass

man Verbrenner- durch Elektromotoren

austauscht, ist trügerisch.

Auch die Batterien bestehen momentan

nicht aus erneuerbaren

Rohstoffen. Wir brauchen Mobilitätskonzepte,

die öffentlichen und

individuellen Verkehr eng und anders

verbinden. Da könnteDeutschland

eine Vorreiterrolle zurückgewinnen,

die wir bei E-Fahrzeugen

eher verloren hat.

Sind Sieschon mal Elektroauto gefahren?

Oder würden Siegerne mal?

Nein, bin ich noch nicht. Und ja,

würde ich gern. Es ist offensichtlich

wirklich ein anderes Fahrgefühl. Mir

gefällt vor allem die Idee für autonomes

Fahren. Da gibt es zwar noch

Kinderkrankheiten, und selbstverständlich

müssen die Sicherheitsfragen

geklärt werden. Aber dieVorstellung,

in zehn Jahren ins Auto zu steigen,

ein Ziel anzusagen und mich

dorthin fahren zu lassen, ist nicht nur

bequem, sondernauchdeshalb faszinierend,

weil es dann eigentlich keine

Unfälle mehr geben dürfte.

Berlinerin

bekommt

Lehrerpreis

Ihre Schüler hatten die

Pädagogin nominiert

Die Berliner Lehrerin Karen Pohlman

hat den Deutschen Lehrerpreis

in der Kategorie „Schüler zeichnen

Lehrer aus“ bekommen. Mit der

Auszeichnung würdige die Jury das

herausragende pädagogische Engagement

der Fachleiterin für Englisch

und Lehrerin für Französisch am

Evangelischen Gymnasium zum

Grauen Kloster,hieß es bei der Preisverleihung

am Montag in Berlin.

DiePreisträgerin wurde vonSchülern

der letzten beiden Abschluss-

Jahrgänge für die Auszeichnung nominiert.

Siehatten ihr fundierten und

spannenden Unterricht, großes Engagement

auch außerhalb des Schulalltags,

Einfühlungsvermögen und

Vertrauenswürdigkeit attestiert.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres

(SPD) sagte über Pohlman, der

Preissei eine Anerkennung ihrer täglichen

Arbeit für ihre Schüler. „Ihre

Auszeichnung steht auch stellvertretend

für die vielen Tausend kompetenten,

engagierten und kreativen

Lehrkräfte in unserer Stadt und in

ganz Deutschland.“

BeidemWettbewerb derVodafone

Stiftung und des Deutschen Philologenverbands

„Deutscher Lehrerpreis

–Unterricht innovativ“ wurden insgesamt

16 Auszeichnungen an Lehrer

und 6 Lehrkräfte-Teams aus zehn

Bundesländernvergeben. SechsAuszeichnungen

gingen nach Nordrhein-Westfalen,

vier nach Baden-

Württemberg, je zwei nach Bayern,

Hessen, in das Saarland und nach

Sachsen-Anhalt sowie jeweils eine

nach Berlin, Hamburg, Niedersachsen

und Thüringen. (dpa)

Leserreisen

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INFORMATIONEN UNTER

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Reiseveranstalter (i. S. d. G.): Marco Polo Reisen GmbH, Riesstr. 25,

80992 München

Beratung und Buchung: 089-500 60 470

Reiseveranstalter (i. S. d. G.): Marco Polo Reisen GmbH, Riesstr. 25,

80992 München

Beratung und Buchung: 089-500 60 479

Reiseveranstalter (i. S. d. G.): Studiosus Gruppenreisen GmbH,

Riesstr. 25, 80992 München

Mehr Informationen auch unter www.berliner-zeitung.de/leserreisen |leserreisen@berliner-zeitung.de

Detaillierte Informationen zur Reise und rechtliche Hinweise erhalten Sie vom Reiseveranstalter.

Berliner Zeitung Leserreisen

LESERREISEN


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 13

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Berlin

POLIZEIREPORT

Fußgänger verletzt.

Beieinem Unfall am Sonntagnachmittag

in Friedrichshain ist ein 51-

Jähriger voneinem Auto angefahren

worden. DerMann war in der Mühlenstraße

bei Rotüber die Straße gelaufen.

Dabei wurde er vomMercedes

eines 44- Jährigen erfasst. Der

Fußgänger prallte gegen die Windschutzscheibe

und schleuderte dann

auf die Fahrbahn. EinNotarzt und

Sanitäter versorgten ihn zunächst

am Ortund brachten ihn anschließend

mit schweren Kopf- sowie

Rumpfverletzungen in ein Krankenhaus.

Kind angefahren.

In der Silbersteinstraße in Neukölln

ist am späten Sonntagnachmittag

ein 11 Jahrealter Junge schwer verletzt

worden. Ein52Jahrealter Autofahrer

war in seinem Mercedes in

Richtung Oberlandstraße unterwegs.Ersah

das Kind zu spät. Der

Junge war zwischen geparkten Fahrzeugen

hindurch auf die Straße gelaufen.

DasKind prallte auf die Motorhaube

und rutschte anschließend

auf die Fahrbahn. Rettungskräfte

brachten ihn mit Kopf- und Beinverletzungen

in eine Klinik, in die er stationär

aufgenommen wurde.

Geldautomat aufgesprengt.

Zivilfahnder haben in der Nacht zum

Montag zwei Männer am S-Bahnhof

Heerstraße festgenommen. Diebeiden

Männer im Alter von42und 51

Jahren sollen zuvor in der Bahnhofshalle

einen Geldautomaten gewaltsam

geöffnet haben. EinAnwohner

hatte gegen 2Uhr die Polizei alarmiert,

als er voneinem Knall aus

dem Schlaf gerissen worden war.Die

mutmaßlichen Täter kamen in

Gewahrsam. Haftbefehl gegen sie

wurde beantragt. Nach dem 51-Jährigen

war wegen Trunkenheit am

Steuer bereits gefahndet worden.

Buttersäure versprüht.

Unbekannte haben im Flur eines

Hostels in der Residenzstraße in Reinickendorfübelriechende

und gesundheitsschädigende

Buttersäure

versprüht. Ein52Jahrealter Passant

hatte am Sonntag gegen 20 Uhrdie

Feuerwehr alarmiert. DieBeamten

neutralisierten die Chemikalie.Drei

Männer mussten wegen Reizungen

der Atemwege behandelt werden.

DieHintergründe des Anschlags

sind noch unklar.Der 52-Jährige berichtete,dass

er zuvor an seinem geparkten

Auto Buttersäuregerochen

habe.

Transporter angezündet.

In Prenzlauer Berg ist in der Nacht

zum Montag ein Transporter in

Flammen aufgegangen. EinAnwohner

hatte kurznach Mitternacht in

der Einsteinstraße die Flammen bemerkt.

Er alarmierte Feuerwehr und

Polizei. DerFordTransit einer Aufzugsfirma

war nicht mehr zu retten,

der Transporter brannte aus.Ein vor

dem Ford geparkter Dacia wurde am

Heck leicht beschädigt. Wegen des

Verdachts ein politisch motivierten

vorsätzlichen Brandstiftung ermittelt

der Staatsschutz. Verletzt wurde

niemand.

Zitronenlaster sichergestellt.

Polizisten haben am Sonntag in

Wannsee einen 40-Tonner aus Spanien

überprüft und stillgelegt. Der

Lkw war mit Zitronen beladen. Der

Kühltransporter wurde vonzwei

MännernimAlter von32und 45 Jahrenals

Zweifahrerbesatzung geführt.

Dieauf den Schwerlastverkehr spezialisierten

Polizisten stellten bei der

Kontrolle fest, dass der Fahrtenschreiber

sowie das Mauterfassungsgerät

manipuliertworden waren.

DieWeiterfahrtwurde verboten.

DieSpedition muss den Lkw nach

Spanien zurückbringen. (ls.)

ANZEIGEN-SONDERVERÖFFENTLICHUNG

WOHIN IM ADVENT

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WEIHNACHTSBÄUME

Einstimmung

aufs Fest

Wenn in diesen Tagen das winterliche

Grau auf den Parkplätzen vor

Berlins Bau- und Supermärkten durch

ein frisches Grün verdrängt wird, ist die

Vorweihnachtszeit endgültig eingeläutet:

Der Weihnachtsbaumverkauf hat

begonnen. Neben den mobilen Händlern

auf besagten Parkplätzen öffenen

dabei auch zahlreiche stationäre Verkäufer

mit so klingenden Namen wie

„Tannenmann“, „Tannentraum“ oder

„Tannen-Paradies“ ihre Pforten.

Der Brauch, sich immergrünes Gewächs

in ihre Wohnung stellen, geht

dabei in vorchristliche Zeiten zurück:

Schon im alten Ägypten, Rom und China

wurden Kränze und Bäume als Sinnbild

des ewigen Lebens verwendet.

Erst im 16. Jahrhundert wurde der

Brauch in Zusammenhang mit christlichen

Riten gebracht. Im Baltikum und

später im Elsass stellten einflussreiche

Bürger Weihnachtsbäume an öffentlichen

Orten oder in ihren Zunfthäusern

auf. Es sollte bis ins 19. Jahrhundert

dauern, ehe der Tannenbaum für breitere

Schichten eine Rolle spielte.

Der Weihnachtsbaum sorgt für Festtagsstimmung

zu Hause.

GETTYIMAGES/DMITRIISIMAKOV

Heute werden in Deutschland jährlich

zwischen 23 und 25 Millionen

Bäume verkauft, heißt es beim Bundesverband

der Weihnachtsbaumerzeuger.

Doch in Zeiten bewussten Konsums gilt

auch hier zunehmend: Baum ist nicht

gleich Baum. Die Zeiten, in denen die

mit Schneespray bedeckte Plastiktanne

als echte Alternative galt, sind vielerorts

vorbei. Laut Erzeugerverband „hat

der Natur-Weihnachtsbaum als Symbol

für familiäre Geborgenheit und heile

Welt eher an Bedeutung gewonnen.“

Viele Käufer setzen dabei auf regionales

und biologisch erzeugtes Tannengrün.

So bietet der „Weihnachtsurwald“

in der Chausseestraße Weihnachtsbäume

an, „die etwas krumm, schief und

individuell gewachsen sind.“ Damit leiste

man einen Beitrag zur Nachhaltigkeit,

da viele dieser Nordmanntannen sonst

im Schredder landen würden. Zudem

schone der Kauf eines unperfekten

Baumes auch den Geldbeutel.

Das gilt noch stärker für einen zweiten

Trend im Baumgewerbe: Wer möchte

kann seinen Weihnachtsbaum bei

einigen Anbietern auch mieten. Beim

„Weihnachtsurwald“ können die Bäume

etwa 2020 wieder zurückgegeben

werden –und werden dann im Frühjahr

ausgepflanzt. (pha)

SCOT-MESSEN

Tolle Ostprodukte

Seit 1991 veranstaltet SCOT-Messen

die OSTPRO in Berlin mit großem

Erfolg. Seitdem ist die OSTPRO ein Forum

für die Firmen aus den neuen Bundesländern.

Unter dem Motto „Schauen, Kosten,

Kaufen“ können wieder viele beliebte,

altbekannte oder neue Produkte wiederentdeckt

werden. Es werden Spezialitäten

und Köstlichkeiten aus den neuen

Bundesländern gezeigt.

Mecklenburg-Vorpommern begeistert

die Besucher etwa mit der Mecklenburger

Kartoffelveredlung und Möwe Nudeln.

Berlin/Brandenburg präsentiert

Bücher, Kalender, DEFA - Märchen-Videos,

Musikkasetten, Textilien, Kosmetik,

Haushaltswaren, Marmeladen aus

eigener Manufaktur, Spreewaldprodukte,

Spezialitäten vom Pferd und vieles mehr.

Thüringen ist unter anderem mit

Schmuck, Uhren, Strickwaren aus Apolda,

Spielwaren, Thüringer Glasbläsern

und Thüringer Spezialitäten vertreten.

Aus Sachsen-Anhalt kommt deftiges

aus der Gulaschkanone und Wurstspezialitäten,

Salzwedeler Baumkuchen,

Kathi-Kuchen Mehl und die leckeren Halloren

Kugeln und Filinchen Knusperwaffeln

in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Aber auch die beliebten Wikana

Kekse sind auf der Messe zu finden.

Sachsen präsentiert sich schließlich mit

Bekleidung, ESDA-Strümpfen, Plauener

Spitze, Weihnachtskerzen, Erzgebirgische

Holzwaren und Polstermöbeln. Aber auch

die Kult-Eierbechern inHühnerform, Sächsische

Wurst- und Käsespezialitäten,

Wackelpudding und Eiscremepulver von

Komet sind auf der Messe zu erstehen.

OSTPRO Berlin, 29.11-01.12.2019

Landesberger Allee 77, 10249 Berlin

Eintritt: 3Euro; Kinder bis 10 Jahre frei

Veranstaltungsort ist nicht barrierefrei!

ESTREL FESTIVAL CENTER

Elvis lädtzum Weihnachtsfest

Doppelgänger von Elvis und Marilyn Monroe laden zum Special.

Die Darsteller der Live-Show „Stars

in Concert“ sind im Weihnachtsfieber

und proben bereits eifrig für das

Christmas-Special, ab dem 27. November

im Estrel Showtheater. Für rockigweihnachtliche

Stimmung sorgen bei

dem Weihnachtsspecial von Berlins

erfolgreichster Show ausdrucksstarke

Doppelgänger unter anderem von

„Marilyn Monroe“, „Elvis Presley“, den

„Blues Brothers“, und „Whitney Houston“.

Gemeinsam begeistern sie mit

amerikanischen Weihnachtsliedern. Die

Täuschung perfekt machen vor allem

die starken Stimmen, denn die Darsteller

haben nicht nur optisch große

Ähnlichkeit mit den Originalen, sondern

liegen auch gesanglich unglaublich nah.

Doch nicht nur die abwechslungsreichen

Showacts bieten für jeden Geschmack

etwas: Auch die kulinarischen Angebote

–von erlesenen Festtagsmenüs bis

hin zu winterlichen Buffets – lassen

im direkt an das Estrel Showtheater

angrenzende Estrel Hotel Berlin keine

Wünsche offen und laden zur Einstimmung

auf das Weihnachtsfest ein. So

STARS INCONCERT/HANNIBAL HANSCHKE

hat Estrel-Küchendirektor Peter Griebel

für die schönsten Feiertage des Jahres

neue Variationen der klassischen-deutschen

Weihnachtsgerichte komponiert.

Rauschend wird dann anschließend der

Jahreswechsel gefeiert: Ob glamourös

bei der „Silvester-Show-Gala“ im Estrel

Congress Center oder in lockerer Atmosphäre

bei der „Silvester-Late-Night-

Show“ von „Stars in Concert“ im Estrel

Showtheater.

Anfang des neuen Jahres lässt dann

im Estrel Showtheater die Musical-Show

„Thank you for the music –Die ABBA-

Story“ die erfolgreichste Musikgruppe

aller Zeiten aufleben. In dem zweistündigen

Show-Ereignis wird vom 4. Januar

bis 9. Februar 2020 die musikalische

Erfolgsgeschichte der schwedischen

Pop-Band ABBA erzählt.

„Stars inConcert“ im Estrel Show Theater,

Sonnenallee 225, 12057 Berlin.

Mittwochs, donnerstags, freitags und

samstags 20.30 Uhr, sonntags 17 Uhr.

www.stars-in-concert.de

Restaurant

Täglich ab 12 Uhr geöffnet

• Vorbergstraße 2

• 10823 Berlin

• Telefon: 030-81 49 42 40

www.feinbaeck.de

Größte Verkaufsmesse für Ostprodukte

29.11.- 1.12. tgl. 10-18 Uhr

Landsberger Allee 77

SEZ Berlin

WIRTSHAUS HEUBERGER

Leckere Klassiker

Wer von Hektik und Stress der Vorweihnachtszeit

abschalten möchte,

ist im Heuberger genau richtig. Hier

steht der Genuss im Mittelpunkt. Und

der wird gerade im Winter großgeschrieben:

Deftigen Gerichte schmecken zu

dieser grauen Jahreszeit einfach am

Besten. Zum Beispiel Grünkohl mit Kasseler

und Knacker und hausgemachtem

Dattelsenf oder ein deftiges Gulasch.

Diese und andere Leckereien warten in

der Winterzeit imHeuberger auf Sie.

Mit üppig angerichteten Tellern und

sorgfältiger Zubereitung der Speisen

werden Sie im Wirtshaus verwöhnt.

In rustikaler, eleganter Atmosphäre

einfach die Vorweihnachtszeit genießen:

Von der Gänsekeule oder

Gänsebrust klassisch mit hausgemachtem

Rotkohl und Klößen über

kräftiges Hirschgulasch bis hin zu den

vegetarischen Gerichten wie Champagner

Käs’Spätzle oder Ziegenkäse-

Walnuss-Maultäschle mit Liebstöckel

geschwenkt in Orangenpesto – hier

kommt keiner zu kurz, für jeden Geschmack

gibt es das richtige Angebot.

Mit unser wechselnden Wochenkarte

zum Advent ist für jeden etwas dabei.

Unser erstklassiges und abwechslungsreiches

Angebot begeistert unsere

Gäste schon seit vielen Jahren.

Genießen Sie auch bis in den Januar

im Kreise von Freunden, der Familie

oder mit Arbeitskollegen einen feierlichen

Jahresabschluss und lassen sie

sich mit festlichen Speisen im Wirtshaus

verwöhnen.

Das Wirtshaus Heuberger bietet täglich

von 12 bis 23 Uhr warme Küche.

Heiligabend geschlossen

Wirtshaus Heuberger

Gotenstraße 8, 10829 Berlin

www.wirtshaus-heuberger.de

MENÜ

&SHOW

3-Gänge-Weihnachtsmenü

&Showbesuch

„Stars inConcert”

ab 80 Euro p.P.

DIE FEINBÄCKEREI

Uriges Ambiente

Wenn die Tage immer kürzer werden

und sich allerorten Weihnachtsstimmung

ausbreitet, ist es Zeit für gemütliche

Geselligkeit. Seit 1978 bietet

das Gasthaus die feinbäckerei die passende

Atmosphäre für diese wunderbare

Jahreszeit.

Das Restaurant teilt sich in verschiedene

Räumlichkeiten und bietet Ihnen

den richtigen Rahmen um mit Freunden,

im Familienkreis, oder mit Geschäftspartnern

zu speisen. In einer urig historischen

Backstube befindet sich das

Gasthaus etwas versteckt aber mitten

im Herzen von Schöneberg.

Hier servieren wir Ihnen frische deutsche

Hausmannskost, hier kann man

herrlich schlemmen –kurzum: Hier ist

der ideale Ort, um in der Winterzeit mit

der Familie oder Firma essen zu gehen.

Eine wöchentlich wechselnde Weihnachtskarte

sorgt für festliche Abwechslung

von leckeren Braten über die

Gänsekeule mit Thüringer Klößen und

Rotkohl bis zum Wildschweingulasch.

Auch vegetarische und vegane Gerichte

sind hier keine Seltenheit, vegane

Maultaschen auf Backpflaumen-Linsengemüse

sind nur eines der vielen

kreativen Gerichte auf der Speisenkarte.

Herzhaft herrlich ist auch die hausgemachte

Spätzle-Vielfalt oder einfach

Spätzle als Beilage zum Beispiel zum

Zwiebelrostbraten mit immer neuen

Ideen wird Deftiges und Frisches sorgfältig

zubereitet.

Fernab vom Trubel des Weihnachtsmarktes

können Sie hier in aller Ruhe

die Vorweihnachtszeit bei weihnachtlichem

Winzer-Glühwein oder einem alkoholfreiem

Punsch mit Sahne genießen.

Die Feinbäckerei

Vorbergstraße 2, 10823 Berlin

www.feinbaeck.de

MIT CHRISTMAS-SPECIAL AB27.11.2019

RESERVIERUNGEN &TICKETS: 030 6831 6831

ESTREL SHOWTHEATER · STARS-IN-CONCERT.DE

Fotos: A. Friese, M.Vorwerk

S.I.C. Stars in Concert Veranstaltungs GmbH, Berlin

Wechselnde Bestetzung


14 * Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Berlin

Bezirke für

Änderung bei

Mietendeckel

Bürgermeister zweifeln an

geplanten Aufgabenteilung

Einige Bezirke fordern angesichts

knapper personeller Ressourcen

Nachbesserungen beim geplanten

Mietendeckel. Mehrere Bürgermeister

äußerten am Montag Zweifel an

der geplanten Aufgabenteilung zwischen

Senat und Bezirken bei der

Umsetzung. Über die Einhaltung des

Mietendeckels sollen die Bezirke wachen,

Mietsenkungsbegehren will die

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

zentral bearbeiten.

Spandaus Bezirksbürgermeister

Helmut Kleebank (SPD) betonte, er

halte eine zentrale Aufgabenwahrnehmung

durch die Landesebene für

notwendig. „Eine rechtssichere und

einheitliche Umsetzung des Mietendeckels

gelingt nur mit einer zentralen

Steuerung.“ Ähnlich äußerten

sich Angelika Schöttler (SPD), Bürgermeisterin

von Tempelhof-Schöneberg,

und Pankows Bezirkschef Sören

Benn (Linke). Allerdings positionieren

sich die Bezirke in dieser Frage

nicht einheitlich, so Benn. Allerdings

stimme der Rat der Bürgermeister

dem Mietendeckel in einem BeschlussentwurfimGrundsatz

zu.

Rot-Rot-Grün will bis Anfang

kommenden Jahres ein bundesweit

bisher einmaliges Gesetz beschließen:

Geplant ist, die Mieten für fünf

Jahre einzufrieren und für Neuvermietungen

Obergrenzen je nach Alter

und Ausstattung der Wohnung

festzulegen. In bestimmten Fällen

sollen Mietsenkungen möglich sein.

An diesem Donnerstag will sich

der Rat der Bürgermeister mit dem

Mietendeckel beschäftigen, um eine

Stellungnahme dazu abzugeben.

Über Bedenken in dieser Runde hatten

zuvor die Bild-Zeitung und die

B.Z. berichtet. Nach deren Recherchen

heißt es in einem Beschlussentwurf:

„Der Rat der Bürgermeister

lehnt eine Aufgabenwahrnehmung

durch die Bezirke ab.“

Neuköllns Bürgermeister Martin

Hikel (SPD) unterstützt das und verwies

auf fehlendes Personal. Allerdings

gibt es auch gegenteilige Meinungen.

DieBezirksbürgermeisterin

von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika

Herrmann (Grüne), sagt: „Es ist

gut, wenn auch dezentral AnsprechpartnerInnen

und Beratungsstrukturen

existieren, weil ich von der

Notwendigkeit niedrigschwelliger

Zugänge überzeugt bin. Nur sokönnen

wir ermöglichen, dass alle Mieter

erreicht werden können.“ (dpa)

LaToyaJackson macht Werbung für die Show „Forever –King of Pop“ . CHRISTIAN SCHULZ (2) Johannes Schröder kennt man eher unter seinem Künstlernamen „HerrSchröder“.

Ganz im Sinne Michael Jacksons

LATOYA JACKSON

ist ja sonst eher als Sängerin bekannt,

am Montagabend bestätigte

sie sich in der 260-Grad-Dachbar am

Mercedes-Platz gegenüber der East

Side Gallery als Trommlerin. Sie

rührte die Werbetrommel für eine

Tournee zu Ehren ihres vorzehn Jahren

verstorbenen Bruders Michael.

Dessen Songs und Showssind legendär.Und

sie setzen Maßstäbe,denen

eine Tribute-Shownicht so leicht gerecht

wird. DieShow„Forever–King

of Pop“, die derzeit in Spanien gastiertund

im Dezember durch Frankreich

tourt, kommt im Januar nach

Deutschland. Am 10. Januar soll in

der Verti Music Hall Deutschland-

Premiere dieser musikalischen Michael-Jackson-Verehrung

gefeiert

werden, anschließend stehen 14

weitere deutsche Städte auf dem

Tourneeplan. Für Berlin und die

Gastspiele in den größeren Tournee-

Orten (wozu Osterholz-Scharmbeck

wohl eher nicht gehört) hat La Toya

Jackson schon ihre Anwesenheit zugesagt.

Es soll auch Tickets mit Preisaufschlag

für ein Treffen mit ihr geben.

Am Montag kam sie direkt aus

dem 30 Grad heißen Los Angeles und

sagte über das schmuddelige Berliner

Novemberwetter den seltsam

verrückten Satz: „Ich liebe es!“

IhrBruder,erinnerte sich die Sängerin,

habe so viele „Talente gehabt,

die er nicht zeigen konnte. Ich

wünschte, erhätte die Gelegenheit

dazu gehabt“. In ihrer allgemeinen

Begeisterung für die „Forever –King

of Pop“-Showwurde sie mit Hinweis

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

LaToya Jackson lobt eine

Tournee-Show über ihren Bruder,

die im Januar nach Berlin kommt.

Comedian Herr Schröder hat ein

Buch über seine Zeit als Lehrer

geschrieben

auf den Sänger Lenny Jay ganz konkret:

„Er ist absolut exzellent auf der

Bühne, wundervoll!“ Der Gelobte

reagierte gerührt. Und erzählte, was

das irdische Ende seines Idols Michael

Jackson bei ihm auslöste: „Ich

habe nach seinem Todgedacht, nun

muss ich für ihn singen.“ Undwenn

man die Augen schließt, dann erscheint

einem bei seinem absolut

originalgetreuen Gesang der King of

Pop. Lenny Jay gehört also nicht zufällig

zum 25-köpfigen Ensemble der

zweistündigen Show, die schon

700 000 Menschen in 50 Städten

rund um die Welt gesehen haben.

HERR SCHRÖDER

heißt er auf der Bühne,imPersonalausweis

des geborenen Charlottenburgers,

der in Westend aufwuchs,

steht sein vollständiger Name: Johannes

Schröder. Er ist ein echter

Deutschlehrer, was inzwischen viel

mehr Leute als seine früheren Schüler

in Offenburg wissen. Ihr Lehrer

Herr Schröder hat sich in den vergangenen

Jahren mit seinem Soloprogramm

„World of Lehrkraft“ zu

einem beliebten Comedian gemausert.

Bastian Pastewka sagt über ihn:

„Lehrer Schröders Programm ist für

mein Empfinden derzeit die beste

One-Man-Show. Undsolustig wie er

ist, wird erbald auf A16hochgestuft.“

Schröder ist nach wie vor Beamter

auf Lebenszeit, für die Bühne

hat er sich nur beurlauben lassen.

Bei Auftritten hat Schröder nun

auch ein eigenes (Lehr-)Buch dabei,

das die Zuhörer im Foyer erwerben

können. Auch wenn sein Titel„World

of Lehrkraft“ lautet, gibt es nur Überschneidungen

von etwa 10 Prozent

mit dem gleichnamigen Bühnenprogramm:

„Herr Schröder auf dem

Weg, Lehrer des Jahres zu werden,

das ist die Grundgeschichte. Mein

liebevoller Blick auf den Lehrerberuf.

90 Prozent sind Bonus.“

Schröder stört sich vor allem

daran, dass die Schule heute nur

noch als Problem betrachtet wird:

„Ich sehe eher den Spaß am Unterricht,

das Verbindende. Es geht

darum, wie die Lehrer die Schüler

unterrichten und wie die Schüler die

Lehrer unterrichten.“Voranderthalb

Jahren stand er zuletzt vor einer

Klasse. Ihm fehlen seine Schüler:

„Der Spaß, das spontane Lachen, die

ungescriptete Comedy, die täglich

im Klassenzimmer passiert. Mit 30

Individuen in einem Raum kann es

nie langweilig werden.“ Schröder

tröstet sich: „Ich mache ja weiter

pädagogische Arbeit. Von Außen,

nichtsosehrvom System zermürbt.“

Stehen nach der Show Groupies am

Bühnenausgang? Schröder verneint:

„Auf mich warten Jung-Lehrerinnen,

die von mir pädagogisch motiviert

worden sind: Laminier-Lara, Methoden-Melanie

und Folien-Frauke. Da

werden Fotos gemacht. Mehr nicht.“

„Die schönsten

Jahre meines

Lebens“

50 Jahre Puhdys: Sänger

Dieter Birr erinnert sich

VonNorbertKoch-Klaucke

Die Puhdys gibt es nicht mehr,

2016 spielten sie ihr letztes Konzert.

Doch die Fans feiern: den

50. Geburtstag der DDR-Rockband,

die am 19. November 1969 ihr erstes

offizielles Konzert gab. Eine Jubiläumsshow

soll es an diesem Dienstag

in Rostock geben, auch einige

Puhdys-Mitglieder kommen dazu

wollen. Der langjährige Frontmann

Dieter „Maschine“ Birr (75) wird

nicht dabei sein. „Für mich waren

diese Jahre die schönste Zeit meines

Lebens.Dass sich nun alles so entwickelt

hat, ist schade“, sagt er und

spielt damit auf

den aktuellen

Rechtsstreit der

einstigen Puhdys-Mitglieder

um Songrechte

an. Dieter Birr

sagt: „Für mich

war klar, dass eines

Tages mit Dieter

den Puhdys „Maschine“ Birr

Schluss sein

wird. Es war richtig, genau dann abzutreten,

wenn man Erfolg hat und

nicht erst, wenn keiner die Band

mehr hören will.“

Als die Puhdys vor50Jahren erstmals

auftraten, dachte niemand

daran, dass sie eines Tages zu den erfolgreichsten

Rockbands der DDR

gehören würden. „Wir waren eine

Tanzband, die Songs vonUriah Heep

oder Deep Purple nachspielte.Dabei

konnte ich damals wie heute kein

Englisch. ,I love you’ ist der einzige

Satz, den ich sagen kann“, sagt Birr.

„Das Singen deutscher Texte kam

später, als wir auf Bitten von Fans

beim Fernsehenunseren ersten Auftritt

bekamen.“

Für Birr sind die Puhdys nun Geschichte.

Nicht zurück-, sondern

nach vorne schauen, ist sein Motto.

Neue Projekte plant er. Eines heißt

„Maschine intim –Lieder für Generationen“,

bei dem er 2020 nur mit

Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker auf

ausgewählten Theaterbühnen auftreten

wird. Im kommenden Frühjahr

geht Birr mit City,Karat und Silly

auf „Rock-Legenden“-Tour, am

20. Juni werden sie in der Wuhlheide

zu hören sein. Und indieser Woche

erscheint eine neue Version seiner

Weihnachts-CD„AlleWinter wieder“

mit drei neuen Songs.

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Wir müssen Abschied nehmen vonmeinem lieben Papa,

Schwiegerpapa, unserem Opa, Schlagzeuger,

Lebemensch und Freund

Hans-Jürgen Thomas Wetzel

–Tom –

*13. 11. 1941 †14. 11. 2019

In Liebe und Dankbarkeit nehmen Abschied

Anna, Martin

Tim, Lukas und Phil

und alle die ihn liebten

Die Beisetzung findet am Dienstag, den 26.11.2019,

um 10.00 Uhr auf dem Städtischen Friedhof in 14612 Falkensee,

Kremmener Straße 18 statt.

“Dank der St. Josefs

Indianerschule lese und

lerne ich mit Begeisterung!”

Mehr Informationen auf:

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St. Josefs Indianer Hilfswerk e.V.


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 15 *

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Brandenburg

Erich Benesch ist vor einem Vierteljahrhundertvom Auto aufs Lastenrad umgestiegen.

THOMAS UHLEMANN

Flotte Lasttretwagen

In Potsdam geht ein kostenloser Verleih für Transport-Fahrräder an den Start –binnen kürzester Zeit finden sich zehn Stationen

VonTorsten Müller,Potsdam

Wilma hat einen Platten.

Über die Stirn von

Erich Benesch ziehen

sich ein paar Sorgenfalten.

Der 57-jährige Potsdamer inspiziertauf

dem Hofdes gemeinnützigen

Wohn- und Werkstättenkomplexes„Projekthaus“

in Potsdam-Babelsberg

einen nicht ganz

gewöhnlichen Drahtesel. Wilma ist

ein Lasten-Fahrrad der neu gegründeten

„Flotte Potsdam“ –eines offenen

und kostenlosen Verleihsystems

für Transportvelos. „Da hat es wohl

jemand etwas übertrieben mit seiner

Ladung“, sagt der Mitbegründer des

Netzwerkes. „Das sind die Tücken

des Alltags,auf die wir uns einstellen

müssen.“

Workshops im Angebot

Wilma muss so schnell wie möglich

in die Werkstatt, denn die „Lasttretwagen“,

wie Erich Benesch die klimafreundlichen

Transporter nennt,

sind mittlerweile sehr begehrtinder

Landeshauptstadt.

Knapp zehn Verleihstationen haben

sich binnen kürzester Zeit der

Initiative angeschlossen. Stadtteilund

Begegnungszentren, Bürgerhäuser,

die Fachhochschule, ein

Fahrradparkhaus und ein Lebensmittelmarkt

machen mit. Die einen

haben die Räder selber gekauft wie

der Bio-Supermarkt am Bassinplatz.

Dort wartet Fritz auf seine Kundschaft

–jedes Flotte-Rad hat seinen

eigenen Namen.„Das ist mindestens

zwei-, dreimal die Woche unterwegs“,

sagt der zuständige Mitarbeiter

Felix Rostock. „Die Leute packen

ihren Einkauf rein. Sieholen sich das

Rad aber auch gern für Fahrten zum

Baumarkt oder Ausflüge mit den

Kids am Wochenende.“

Andere Verleiher –vor allem die

gemeinnützigen Einrichtungen –

haben Potsdamer Eigenkreationen

im Angebot, die in zahlreichen Lastenrad-Workshops

des „Projekthauses“

entstanden sind. Die wurden

dortvor gut fünf Jahren vomRadenthusiasten

Erich Benesch zusammen

mit dem Hamburger Ingenieur

Till Wolfer ins Leben gerufen. Der

Designer hat unter dem Logo xyzcargo

Selbstbausätze für verschiedenste

Radtypen entwickelt. „Die

sind stabil, geprüft und im öffentlichen

Verkehr zugelassen“, sagt Erich

Benesch. „Und sie sind gut für die

Projektarbeit mit den verschiedensten

Gruppen geeignet.“

Dergelernte Journalist entwickelt

und betreut seit vielen Jahren als

freier Medienpädagoge soziale und

ökologische Kursangebote für alle

Altersklassen und Bevölkerungsschichten.

„Der Lastenradbau fing

Potsdam: Die Flotte wird

vomVerein Inwole koordiniert.

Er ist Träger des

Projekthauses Potsdam (Rudolf-Breitscheid-Str.164

in

Babelsberg). Mittwochs gibt

auch eine Offene Fahrradwerkstatt

von15bis 19 Uhr.

Bei Workshops werden gemeinsam

Räder gebaut. In

den nächsten Wochen werden

weitere Räder an Verleihstationen

übergeben.

Infos: www.projekthauspotsdam.de

mit einem Schul-Workshop an“, erinnert

ersich. „Die, die damals mit

geschraubt haben, sind heute übrigens

noch mit demselbenVehikel bei

Fridays for Futuremit unterwegs.“

Mittlerweile hat er auch mit Senioren,

mit Flüchtlingen, mit Studenten

oder anderen, bunt zusammengewürfelten

Gruppen zahlreiche

weitere Modelle ins Rollen gebracht.

„Beim Tüfteln kommt man

ins Gespräch“, sagt er. Denn Erich

DIE IDEE

Berlin: In der Bundeshauptstadt

betreut der ADFC, der

Allgemeine Deutsche Fahrrad

Club,das Netzwerk namens

„fLotte“. Dortstehen

aktuell mehr als 70 Räder

zur Verfügung.Seit dem Start

des kostenloses Verleihs im

Januar 2018 wurden in der

Hauptstadt 135000 Kilometer

mit den geliehenen Transport-Bikes

zurückgelegt. Das

entspricht allein drei Erdumrundungen.

Infos:

www.flotte-berlin.de

Brandenburg/Havel: Die

Stadt entwickelt eine „Arbeitsgruppe

Lastenrad“ derzeit

ein eigenes Verleihsystem.

Freie Lastenräder können

mittlerweile in mehr als

50 deutschen Städten ausgeliehen

werden. Die Initiativenhaben

sich zu einer

Plattformzusammengeschlossen.

Dortgibt es auch

Tipps und Erfahrungsberichte

zum Aufbau vonMietstationen.

Infos:

www.dein-lastenrad.de

Benesch hat eine Botschaft. Er will

mit seinem Lastenrad-Engagement

ganz bewusst für eine Verkehrswende

in der Stadt werben.

Selber ist er schon seit mehr als

30 Jahren mit einem schnittigen

Cargo-Treter namens Filibus auf

Achse. „Man kann das Auto locker

auch für größere Einkäufe und

Spritztouren mit den Kindern ersetzen“,

sagt er aus eigener Erfahrung.

Im Angebot der Potsdamer Flotte

gibt es das Dreirad mit und ohne

Sitzmöglichkeiten, das sicher auf

dem Geläuf liegt, aber etwas behäbiger

zu handhaben ist. Die, die

gern aufs Tempo drücken, können

auch auf schlanke, wendige Zweiräder

steigen. Alle Exemplare, die

in der Regel für rund 150 Kilogramm

Last zusätzlich zum Fahrer

ausgelegt sind, sollen noch in diesem

Monat online unter

www.flotte-potsdam.de gebucht

werden können. „Wir können die

Software der bereits bestehenden

Flotte Berlin nutzen“, sagt Erich

Benesch. „Dafür sind wir dankbar.

Die ist übersichtlich und sehr

leicht bedienbar, also warum das

Rad zweimal erfinden.“

Die über das gesamte Stadtgebiet

verteilten Akteure betreiben

das kostenlose „Verleihgeschäft“

sozusagen im Ehrenamt. Die Anschaffung,

Pflege und Reparatur

der Räder erfolgt entweder in Eigeninitiative

wie im Bio-Supermarkt-Markt

am Bassinplatz oder

über die geförderte Workshop-Arbeit.

Deswegen sind die Stationen

auch auf Spenden angewiesen.

Das soll im Grunde auch so bleiben,

geht es den Initiatoren doch

darum, dass sich möglichst viele

Einzelpersonen und auch Institutionen

bewusst für mehr Klimafreundlichkeit

im Alltag einsetzen.

„Wer ein Rad hat und mitmachen

will, ist herzlich willkommen“, sagt

Erich Benesch. Trotzdem soll die

„Flotte Potsdam“ langfristig auf gesicherter,

solider Grundlage rollen

und weiter wachsen. Deswegen bewirbt

sie sich im Rahmen des aktuellen

Bürgerhaushaltes der Stadt um

eine geregelte finanzielle Ausstattung,

mit der sowohl Personal zur

Koordinierung der Arbeit als auch

Material für den Bau weiterer Räder

und ihr Unterhalt bezahlt werden

kann.

Mitviel Eigeninitiative

„Wir wollen und brauchen nicht viel,

denn wir machen das ja aus Überzeugung

und mit viel Eigeninitiative“,

sagt Lastenrad-Pionier Erich

Benesch, „aber im Prinzip entscheiden

die Potsdamer selber

darüber, wie konsequent und professionell

wir das ausbauen können.“

Dann schwingt er sich auf seinen

eigenen zweirädrigen Lastenesel,

der heute mit Mischpult, Boxen

und allerlei weiteren Mediengerätschaften

vollgeladen ist. „Ja,

man kann auch eine ganze mobile

Sendeanstalt bequem auf sein Rad

laden“, sagt er mit einem Lachen

und macht sich auf zum nächsten

Workshop, bei dem es ums Radiomachen

gehen wird.

Kenia-Koalition kann kommen

Nach SPD und CDU stimmt auch die Grünen-Basis für die neue Landesregierung

Zweiter Schweinepest-Fall

Veterinäre stellen Erreger bei totem Wildschwein in der Wojwodschaft Lebus fest

Der Weg für eine Koalition aus

SPD,CDU und Grünen in Brandenburg

ist frei. Die Grünen sprachen

sich in einer Urabstimmung

mit deutlicher Mehrheit für den Koalitionsvertrag

aus,wie die Partei am

Montag mitteilte. Zuvor hatten bereits

Sozial- und Christdemokraten

für ein solches Kenia-Bündnis votiert.

Bei der Befragung der Grünen

machten 58,91 Prozent der

1942 Mitglieder mit, davon stimmten

1007 mit Ja, 74mit Nein. Es gab

28 Enthaltungen und 35 ungültige

Stimmen. Das entspricht einer Zustimmung

von90,8 Prozent. EinParteitag

der Grünen hatte vor rund einer

Woche als eine Art Stimmungstest

mit 81,4 Prozent dafür votiert.

Damit steht nun auch das Personal

der rot-schwarz-grünen Regierung,

die ein rot-rotes Bündnis nach

zehn Jahren ablöst. Die Grünen

stimmten nicht nur über den Koalitionsvertrag

ab, sondern auch über

den Personalvorschlag der Landesspitze:

Ursula Nonnemacher wird

Gesundheits- und Sozialministerin,

Axel Vogel Landwirtschafts- und

Umweltminister. Sie erhielten bei

der Urabstimmung 92,43 Prozent

Zustimmung. DieGrünen stellen damit

zwei der zehn Minister,die CDU

stellt drei, die SPD steuert mit fünf

die meisten Minister bei, dazu

kommt SPD-Ministerpräsident Dietmar

Woidke. Das neue Kabinett ist

weiblicher und jünger als das bisherige.

Die beiden größeren Koalitionspartner

hatten bereits Ja zu dem politischen

Bündnis unter Führung der

SPD gesagt: Beider SPD stimmte ein

Sonderparteitag am Freitag mit über

99 Prozent für den Koalitionsvertrag.

Beider CDU gab ein Landesparteitag

am Sonnabend mit rund 97 Prozent

grünes Licht dafür. Die drei Parteien

wollen den Koalitionsvertrag an diesem

Dienstag besiegeln.

DieKoalition will mehr Polizisten,

Richter und Staatsanwälte einstellen,

Betreuung und Beitragsfreiheit

in Kitas ausbauen und den Klimaschutz

fördern. In der Lausitz soll es

keine neuen Braunkohletagebaue

geben. Geplant ist ein „Zukunftsfonds“

von einer Milliarde Euro für

die nächsten zehn Jahre. (dpa)

Kurznach einem ersten Nachweis

der Afrikanischen Schweinepest

(ASP) nahe der polnischen Grenzezu

Brandenburg haben die Behörden

einen zweiten Fund gemeldet. Der

Erreger sei bei einem weiteren toten

Wildschwein in der Wojwodschaft

Lebus nachgewiesen worden, teilte

der polnische Veterinärdienst am

Montag mit.

Am Freitag hatte die Behörde

über einen ersten Fall informiert. Die

Afrikanische Schweinepest wurde

demnach bei einem Wildschwein

festgestellt, das am 4. November in

der Nähe der Landstraße zwischen

den Ortschaften NowaSol und Slawa

im Kreis Wschowski gefunden

wurde. Das Tier sei bei einem Wildunfall

ums Leben gekommen. Der

Fundort liegt etwa 80 Kilometer von

der GrenzezuBrandenburgentfernt.

Nach dem ersten Nachweis habe

man Sperrzonen im Umkreis um

den Fundort eingerichtet, sagte Stanislaw

Mysliwiec, Vorsitzender der

Landwirtschaftskammer. Freiwillige

durchkämmten das Gelände nach

toten Wildschweinen. „Am Samstag

haben wir neun verendete Tiere gefunden,

am Sonntag elf.“ Das jetzt

positiv getestete Wildschwein sei ein

Fund vom Sonnabend. Die Testergebnisse

für die weiteren Tieresollen

binnen 48 Stunden vorliegen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut in

Greifswald bleibt bei seiner Risikobewertung

für Deutschland. DieGefahr

einer Einschleppung der Seuche

nach Deutschland durch den Menschen

oder infizierte Tiere werde

weiter als hoch eingeschätzt, sagte

die Instituts-Sprecherin.

Möglicherweise habe in dem Fall

der Mensch eine Rolle gespielt. Der

Mensch gilt als einer der größten Risikofaktoren

für die Ausbreitung der

Afrikanischen Schweinepest. Bereits

ein weggeworfenes Wurstbrot mit

Erregern, das von einem Wildschwein

gefressen wird, kann Experten

zufolge die Krankheit auslösen.

Die Verbraucherschutzverwaltung

von Berlin warnte davor,

Fleisch und Wurst aus den betroffenen

Ländernmitzubringen. Dassind

neben Polen unter anderem das Baltikum,

Belgien, Bulgarien, Rumänien,

die Ukraine und die Tschechische

Republik. (dpa)


16 Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Wissenschaft

Hände weg von Desinfektionsmitteln

Übertriebene Hygiene im Haushalt kann krank machen und schadet der Umwelt. Denn Bakterien werden mitunter auch gegen Antiseptika resistent

VonSabine Sütterlin

Sauber soll es zuhause zugehen.

Mit desinfizierenden

oder bakterienhemmenden

Substanzen in Putz- und

Waschmitteln, Seifen und Zahnpasten

bedienen manche Hersteller das

offensichtlich verbreitete Verständnis,

sauber heiße auch keimfrei. Wie

anders ist zu erklären, dass in den

Regalen von Drogerie- und Supermärkten

immer noch Produkte mit

aufgedruckten Versprechen wie „hygienisch

rein“ oder „entfernt 99,9 %

der Bakterien“ stehen –obwohl Experten

seit langem mahnen, Desinfektionsmittel

seien in einem normalen

Haushalt nicht nur überflüssig,

sonderneher schädlich?

„Die meisten Menschen unterschätzen

die Bedrohung durch Mikroben

im Haushalt“, sagt der Biochemiker

Mark Lohmann. Er leitet

beim Bundesinstitut für Risikoforschung

(BfR) in Berlin die Fachgruppe,

die sich unter anderem mit

der Wahrnehmung von Risiken befasst.

Diese erhebt halbjährlich im

BfR-Verbrauchermonitor, einer repräsentativen

Befragung, wie die Bevölkerung

gesundheitliche Risiken

einschätzt und inwieweit sich diese

Wahrnehmung mit der wissenschaftlichen

Einschätzung dazu

deckt.

Die Gefahr, sich im eigenen Heim

unsichtbareKrankheitserreger einzufangen,

geht nicht etwa von Oberflächen

aus, die nur mit gewöhnlichem

Allzweck- oder Essigreiniger ausgewischt

werden. Wahrscheinlich

könnte man hierzulande von den

meisten Fußböden essen und Wasser

aus Toilettenschüsseln trinken, ohne

vonBakterien oder Virenverursachte

Erkrankungen befürchten zu müssen.

Die bedeutendste häusliche Infektionsquelle,soRisikoforscher

Lohmann,

sei ein unsachgemäßer Umgang

mit Lebensmitteln.

Warnung vorTriclosan

FürsAbtrocknen nach dem Händewaschen gilt: in öffentlichen Toiletten möglichst Einmalhandtücher nehmen. Zu Hause sollte jeder sein persönliches Handtuch benutzen. GETTY IMAGES

Wer etwa rohes Hühnerfleisch

schneidet und auf demselben Brett,

ohne es gewaschen zu haben, auch

Rohkost, riskiert eine Infektion mit

Campylobacter.Der vondiesem Bakterium

verursachte Brechdurchfall ist

die häufigste gemeldete bakterielle

Erkrankung des Magen-Darm-Trakts

in Deutschland. Das für Infektionskrankheiten

zuständige Robert-

Koch-Institut (RKI) zählt jährlich

60 000 bis 70 000 Fälle. Nach dem

BfR-Verbrauchermonitor kennt aber

nur knapp ein Viertel der Bevölkerung

ab 14 Jahren diesen Erreger –

und vermutet die Hauptursache für

Durchfallerkrankungen eher in der

Gastronomie als zuhause.

Um die potenziellen Gefahren,

die im Haushalt lauern, zu umgehen,

genügt es, einfache Hygieneregeln

zu berücksichtigen. Die Desinfektionskeule

hat eher schädliche Nebenwirkungen

auf die Gesundheit

und auf die Umwelt. Die Nebenwirkungen

haben BfR und RKI gemeinsam

mit dem Umweltbundesamt sowie

dem Bundesamt für Arbeitsschutz

und Arbeitsmedizin vor fünf

Jahren in einer gemeinsamen Arbeit

untersucht. Das Ergebnis, in zwei

Sätzen zusammengefasst: „Der Nutzen

von Desinfektionsmitteln für

den Haushalt ist gegenwärtig nicht

belegbar. Nicht auszuschließen sind

dagegen Risiken für den Anwender,

für unbeteiligte Personen, für die

Umwelt und bezüglich einer möglichen

Resistenzbildung.“ Diesem Befund

sei nach heutigem Stand nichts

hinzuzufügen, sagt Mark Lohmann.

In der professionellen Lebensmittelverarbeitung

und in der Gastronomie

ist genau vorgeschrieben,

welche Mittel in welcher Konzentration

und mit welcher Einwirkzeit anzuwenden

sind. Bei Haushaltsreinigern

mit antibakteriellen Zutaten

hingegen weiß niemand genau, ob

die Dosierung für eine effektiveVernichtung

der Keime ausreicht. USamerikanische

Wissenschaftler haben

schon vormehr als 20 Jahren gezeigt,

dass die bakterielle Besiedlung

auf der Oberfläche vonKüchengeräten

gleich bleibt –egal ob die Utensilien

mit einem einfachen Reinigungsmittel

gereinigt werden oder

mit einem antibakteriellen Mittel,

aber ohne vorherige Einweisung.

Nur bei fachgerechter Anwendung

kurz vor der Probenahme war

die Zahl der Bakterien deutlich verringert.

Ähnlich verhält es sich mit

bakteriziden Seifen und Handdesinfektionsmitteln:

In Krankenhäusern

und Arztpraxen, wo ein besonders

hohes Übertragungsrisiko für Krank-

Die Grundregel: Das Risiko, sich in

den eigenen vier Wänden mit Krankheitserregernzuinfizieren,

lässt sich

mit ganz einfachen Mitteln vermeiden.

An erster Stelle steht Händewaschen

mit Wasser und gewöhnlicher Seife

(siehe rechts) –besonders nach dem

Toilettenbesuch und beim Hantieren

mit leicht verderblichen Lebensmitteln

wie rohem Fleisch und Eiern.

DieMittel: Zum Putzen genügen essigoder

zitronensäurehaltigeMittel, Universalreinigerund

Scheuermilch. Werkeine

Desinfektionsmittel an die Haut lassen

will, verwendetbesser zertifizierte Naturkosmetik

oder prüftvor dem Kauf auf jeden

Fall die Liste der Inhaltsstoffe –etwa

auf das bedenkliche Triclosan.

Die Wäsche: BleichmittelhaltigeVollwaschmittel

machen KeimeninnormalerWäsche

auchbei niedrigen Temperaturen

weitgehend den Garaus. Werseine

Spüllappen nichtregelmäßig durch

neue ersetzen will, sollte sie mit einem

bleichmittelhaltigem Vollwaschmittel im

60-Grad-Waschprogramm waschen.

Die Ausnahmen: Experten raten,Desinfektionsmittel

im privaten Haushalt nur

in Ausnahmefällen anzuwenden –etwa

in medizinischbegründeten Situationen

und nachärztlicher Beratung und für einenbegrenzten

Zeitraum.

EINFACH NUR WASSER UND SEIFE

Gründliches Händewaschen

1

Hände unter

fließendes Wasser

halten

2

Alle Bereiche gründlich

einseifen, auch die

Fingerzwischenräume

20 bis 30 Sekunden

3

Seife einreiben –

und zwar so lange

wie es dauert zweimal

„Happy Birthday“

zu singen

4

Hände unter

fließendem Wasser

abspülen

5

Sorgfältig

abtrocknen,

auch zwischen

den Fingern

BLZ/GALANTY; QUELLE: AFP

heitserreger besteht, ist ihre Anwendung

sinnvoll. Zuhause indessen besitzen

sie gegenüber einer Handwäsche

mit Seife keinen Zusatznutzen.

Im Gegenteil: Wasangeblich die Hygiene

fördert, birgt Risiken und Nebenwirkungen.

Zumeinen können die desinfizierenden

Substanzen Reizungen verursachen,

wenn sie in die Hände von

Kindern oder empfindlichen Personen

geraten. Darüber hinaus gelangen

sie mit dem Abwasser in die Kläranlagen,

wo einige Stoffe nur teilweise

oder gar nicht abgebaut werden

können – und schließlich in

Gewässern, im Boden und in der Luft

landen.

Zum Beispiel Triclosan: Das

chlorhaltige Antiseptikum, das auch

als Konservierungsmittel dient, ist

zwar in der EU seit Juli 2015 teilweise

verboten, weil es im Verdacht steht,

Allergien auszulösen und den Hormonhaushalt

zu stören. In abzuwaschenden

Kosmetika, manchen

Zahnpasten und Deos ist der Stoff

aber nach wie vorenthalten.

Triclosan und seine Abbauprodukte

lassen sich in der Umwelt

nachweisen, wo sie sich möglicherweise

anreichern. Siewirken giftig auf

Fische,Wasserflöhe und Algen. Überdies

tragen Triclosan und verwandte

Substanzen in den Ökosystemen womöglich

dazu bei, die Resistenzbildung

gegen antimikrobielle Mittel zu

befördern. Denn sie erhöhen den

evolutionären Druck auf freilebende

Bakterien, ähnlich wie es Antibiotika

bei bakteriellen Krankheitserregern

tun. Stetsüberleben einige Bakterien,

die zufällig genetisch dafür ausgerüstet

sind, dem Angriff eines Keimkillers

zu widerstehen. Weil Bakterien sich

rasch vermehren, geben sie die Gene,

die ihnen Widerstandsfähigkeit gegen

eine bestimmte Substanz verleihen,

rasch an ihreNachkommen weiter.

Zudem können sie solche Resistenzgene

über gesonderte Erbgutstücke

an andere Bakterienarten

weiterreichen und so für deren Verbreitung

sorgen.

Dank dieser eingebauten Mechanismen

haben Bakterien im evolutionären

Wettlauf gegen den Menschen

immer einen Vorsprung. Derverbreitete

Einsatz diverser Antibiotika in

der Human- undTiermedizin hat den

Druck verstärkt und zunehmend

multiresistente Bakterien hervorgebracht,

auch als Krankenhauskeime

berüchtigt, gegen die gängige Antibiotika

nicht mehr helfen.

DerEinsatz vonDesinfektionsmitteln

im alltäglichen Gebrauch spielt

zwar im Hinblick auf Resistenzbildung

eine geringere Rolle. Aufhorchen

lässt jedoch, dass australische

Forscher kürzlich in zwei Krankenhäusern

eine Bakterienart gefunden

haben, die nicht nur resistent gegen

mehrere Antibiotika ist, sondern

auch eine Behandlung mit Isopropanol

überlebt, der Standard-Handdesinfektion

in Krankenhäusern. Wenn

Bakterien unempfindlich gegen Desinfektionsmittel

werden, birgt dies

zudem das Risiko sogenannter

Kreuzresistenzen, also der gleichzeitigen

Entwicklung weiterer Resistenzen–auchgegen

Antibiotika.

Nützliche Keime in Gefahr

Schließlich besteht auch das Risiko,

mit übertriebener Hygiene die eigene

Mikroflorazuschädigen. Denn

desinfizierende Verbraucherprodukte

machen nicht nur „bösen“

Keimen den Garaus, sondern setzen

auch den Billionen von Bakterien

und Viren zu, die jeder Mensch beherbergt,

im Darm und im Mund,

auf der Haut undinden Atemwegen

einschließlich der Lunge. Ohne sie

wären wir nicht in der Lage zu verdauen.

Sie wehren Krankheitserreger

ab und beeinflussen maßgeblich

nicht nur Gesundheit und Körpergewicht,

sondern auch Stimmung und

Denkfähigkeit. Verändert sich die

Zusammensetzung der mikrobiellen

Untermieter-Gemeinschaft, zum

Beispiel durch Bakterizide in der

Umgebung, kann dies langfristig die

Gesundheit beeinträchtigen.

Ein Indiz dafür liefert eine Beobachtungsstudie,

die ein kanadisches

Forscherteam letztes Jahr veröffentlichte:

Der – gut gemeinte –

häufige Einsatz von Desinfektionsmitteln

in Haushalten mit Säuglingen

führte dazu, dass sich deren

DarmfloradreiMonate nach der Geburt

deutlich verändert hatte. Die

betreffenden Kinder neigten im Alter

vondreiJahren eher zu Übergewicht

als jene in einer Vergleichsgruppe,

deren Eltern mit umweltverträglichen

Mitteln geputzt hatten.

Festessen bei den Schwiegereltern setzt sogar die Darmflora unter Stress

Niederländische Wissenschaftler haben in einer kleinen Studie untersucht, wie sich die Bakteriengemeinschaft im Verdauungstrakt im Laufe der Weihnachtstage verändert

Gänsebraten, Klöße,Stollen, Lebkuchen

– die Schlemmerei an

den Weihnachtstagen hat Folgen für

den Körper. Fettpölsterchen ist das

Stichwort. Eine aktuelle Studie deutet

nun jedoch darauf hin, dass die

Veränderungen noch umfassender

sein können. Während der Weihnachtstage

ändern sich äußere Faktoren

wie die Ernährung und soziale

Kontakte oft so, dass die körperliche

und psychische Gesundheit beeinträchtig

wird. Erstaunlicherweise

lässt sich an Veränderungen der

Darmflora sogar erkennen, ob jemand

die Festtage mit der eigenen

Verwandtschaft oder den Verwandten

des Ehepartners verbracht hat.

Das schließen niederländische

Forscher aus Analysen vonStuhlproben,

die Testpersonen vor und nach

den Feiertagen abgegeben hatten.

Sie vermuten, dass ein mehrtägiger

Besuch bei den Schwiegereltern für

viele mit einem Anstieg des Stresslevels

verbunden ist, der das Mikrobiom

des Darmsschädigt. So verringert

sich die Zahl derjenigen Mikrobenarten,

deren Zahl auch bei depressiven

Störungen sinkt, berichten

die Mediziner im Fachblatt Human

Microbiome Journal. Die gemessenen

Effekte waren allerdings gering

und traten nicht bei jedem auf.

Die Forscher um Nicolien de

Clercq von der Universität Amster-

dam räumen ein: „Erst wenn eine

größereStudie unsereErgebnisse bestätigt,

können wir Schwiegereltern

und deren Verwandtschaft als einen

möglichen Risikofaktor für das Mikrobiom

des Darms und daher auch

für unsereGesundheit betrachten.“

An der Studie beteiligten sich 24

normalgewichtige Männer und

Frauen, die 20 bis 40 Jahre alt und

Nichtraucher waren. Jede Testperson

lieferte am 23. und 27. Dezember

jeweils eine Stuhlprobe ab. Die Tage

dazwischen hatten sie entweder bei

der eigenen Verwandtschaft oder bei

der des Ehepartners verbracht. Sie

führten dabei ein Ernährungstagebuch.

Durch molekularbiologische

An der Gänsekeule allein liegt der Alarmim

Darmoffenbar nicht. IMAGO IMAGES/PANTHERMEDIA

Analysen ermittelten die Forscher,

wie sich das Spektrum der Bakterienarten

des Darmmikrobioms während

derWeihnachtstage veränderte.

Beide Gruppen steigerten im Versuchszeitraum

in ähnlichem Maße

die Aufnahme an Proteinen und gesättigten

Fettsäuren aufgrund eines

erhöhten Fleischkonsums. Bei den

Besuchern der Schwiegereltern veränderten

sich die Populationen einzelner

Darmbakterien zwar nur geringfügig,

aber doch auf eindeutig

andere Weise als bei den übrigen.

Von besonderer Bedeutung waren

dabei Arten aus der Familie der Ruminokokken.

In der Schwiegereltern-Gruppe

sank die Zahl dieser

Mikroben, während sie in der Familien-Gruppe

stieg. Eine verringerte

Zahl an Ruminokokken hat man

auch bei Menschen mit depressiven

Störungen und bei Mäusen unter

chronischem Stress beobachtet.

DieForscher vermuten einen Zusammenhang

zwischen sozialem

Stress und verändertem Mikrobiom.

Zur Überprüfung müssten nun in

größeren Studien zusätzliche mögliche

Einflussfaktoren und individuelle

Unterschiede berücksichtigt

werden, schreiben sie. Denn es gab

in dieser Studie auch einzelne Menschen,

die in der eigenen Verwandtschaft

offenbar erhöhtem Stress ausgesetzt

waren und andere, deren

Stresslevel bei den Schwiegereltern

wahrscheinlich kaum stieg. Ganz so

einfach sind die Zusammenhänge

also offenbar nicht. (wsa)


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 17 *

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Sport

Wenn es

ganz schnell

geht

Mainz 05 holt den in Köln

geschassten Beierlorzer

Achim Beierlorzer staunte selbst

ein wenig über seinen Turbo-

Wechsel von einem Abstiegskandidaten

zum anderen.„Es ist schon kurios:

Vorkurzem war ich noch Trainer

in Köln, nun werde ich in Mainz

als Chefcoach vorgestellt“, sagte

Beierlorzer am Montag über seine

Verpflichtung als neuer Trainer des

Bundesliga-16. FSV Mainz 05.

Nur neun Tage nach seinem unfreiwilligen

Abgang beim 1. FC Köln

fand der 51-Jährige schon wieder einen

Job inder Bundesliga. „In diesem

Geschäft kann es manchmal

schnell gehen, besonders wenn es

einfach passt“, sagte der Nachfolger

des geschassten Sandro Schwarz.

Und fügte an: „Beim FSV lebt man

eine klare Fußballphilosophie, und

diese deckt sich mit meiner:Wir wollen

aktiven Fußball spielen mit hohem

läuferischen Einsatz und großer

Leidenschaft.“

Der neue Coach erhält bei den

Rheinhessen einen Vertrag bis zum

Sommer 2022 und sitzt im Gastspiel

bei der TSG 1899 Hoffenheim am

Sonntag (18.00 Uhr/Sky) erstmals

auf der FSV-Bank. Beierlorzer hatte

mit Köln in elf Spielen gerade mal

sieben Punkte gesammelt, die Mainzerhaben

zwei Zähler mehr.

Am späten Montagnachmittag

meldete schließlich auch der 1. FC

Köln Vollzug bei der Suche nach einem

neuen Trainer beziehungsweise

einem neuen Sportchef. DerTraditionsklub

nimmt Markus Gisdol, 50,

und Horst Heldt, 49, in die Verantwortung.

Erstgenannter soll schon

heute das Training der Profis leiten

und auf das schwierige Bundesligaspiel

bei RB Leipzig am Sonnabend

vorbereiten. (dpa)

NACHRICHTEN

Ausfallzeit von Freiburgs

Waldschmidt weiter ungewiss

FUSSBALL. DieAusfallzeit vonNationalstürmer

Luca Waldschmidt ist

auch nach einer Operation seiner

Mittelgesichtsfraktur ungewiss.Der

Eingriff am Montag sei „erfolgreich“

verlaufen, teilte sein Klub SC Freiburgzwar

mit. Doch erst nach weiterenUntersuchungen

der Verletzungen

am rechten Knie und Sprunggelenk

soll in den kommenden Tagen

eine Diagnose folgen, wie lange der

23-Jährige pausieren muss.

Brasilien ist zum vierten Mal

U17-Weltmeister

FUSSBALL. Brasiliens Fußball-

Nachwuchs hat den Heimvorteil genutzt

und sich zum vierten Malzum

U17-Weltmeister gekrönt. Im Finale

setzte sich die kleine Seleção gegen

Mexiko mit 2:1 (0:0) durch. DenFührungstreffer

der Mexikaner durch

Bryan Gonzalez(66.) beantworteten

die Hausherren im FinalortGama

spät durch Kaio Jorge(84./Foulelfmeter)

und Lazaros Jokertor (90.+3).

Spandauer Wasserballer

fordernSpitzenteam Piräus

WASSERBALL. DieWasserfreunde

Spandau 04 hoffen trotz klarer Außenseiterrolle

auf den ersten Sieg in

dieser Champions-League-Saison.

Derdeutsche Rekordmeister tritt am

fünften Spieltag am Dienstag (19.00

Uhr) bei Spitzenreiter Olympiakos

Piräus an. Bislang sind die Berliner

mit zwei Unentschieden und zwei

Niederlagen aus vier Spielen Tabellenvorletzter

in der europäischen

Königsklasse.

Wo der Ball brennt: Renate Eichenberger vor der farbenfrohen Wand der Alba-Trainingshalle.

„Es gibt immer blinde Flecken“

Sportpsychologin Renate Eichenberger zu Studien bei Alba-Spielen, Mythen und Tatsachen über ihre Arbeit

Fünfzehn Kilometer mit dem

Fahrrad hat Renate Eichenberger

an diesem Vormittag

schon wieder zurückgelegt.

Mindestens fünfzehn weitere kommen

für sie hinzu, wenn sie vonAlba

Berlins Trainingsstätte in der Schützenstraße

nach Hause fährt. Oft absolviert

die Sportpsychologin aber

50, 60 Kilometer pro Tag auf dem

Rad. Eichenberger ist viel unterwegs.

Sie arbeitet an der Business School

Berlin, für die Fußballer von Union

Berlin, für die Wasserballer der Wasserfreunde

Spandau, für Einzelsportler

im Tennis, Kunstturnen,

Schwimmen, Springreiten und auch

für Schiedsrichter. Und eben für die

Berliner Basketballer, die an diesem

Dienstag Roter Stern Belgrad empfangen

(Arena am Ostbahnhof, 20

Uhr). Die gebürtige Schweizerin

lernt dabei allerhand Cafés kennen,

wie jenes in der Nähe der Alba-Trainingshalle

in Mitte. Essind ihre bevorzugten

Orte für Gespräche mit

Sportlern.

Frau Eichenberger: Wie hoch ist Ihr

täglicher Kaffeekonsum?

Meine Cafébesuche sind sehr intensiv

(lacht).

Warum wählen Sie ein Café und

nicht eine Praxis als Gesprächsort?

Ich arbeite sehr viel in Cafés, weil

es für mich ein neutraler Ortist. Vielleicht

mache ich das auch, weil es

Cafés meistens rund um die Sportstätten

gibt. Dort bespricht man

sich, und wenn ich merke, dass es

Themen sind, die nicht in diesen

Raum passen, findet man andereLokalitäten.

Aber ich brauche keine

Praxis und schon gar keine Couch. Es

ist sogar so, wenn ich in ein Café

gehe und irgendetwas entdecke,

dass einer Couch ähnlich ist, setze

ich mich darauf und nie mein Gesprächspartner.

Das mache ich mit

Absicht, weil ich nicht will, dass dieses

Bild der Couch, auf die sich der

Sportler legt, entsteht.

Gibt es weitere Vorurteile, mit denen

ein Sportpsychologe zu kämpfen hat?

Ich höre noch ganz oft: Ich bin ja

nicht krank. Es ist nach wie vor so,

dass viele denken, sie müssten ein

offensichtliches Leiden haben. Das

ist absoluter Quatsch. Es gibt immer

blinde Flecken, die wir haben. Alle

Menschen, auch Sportler.Man muss

sich darauf einlassen und an diesen

arbeiten. Für sich selbst etwas optimieren,

entwickeln.

Alba Berlin hat vordem Sieg in Athen

in der Euroleague sechs Spiele verloren.

Was sagt die Sportpsychologin

dazu?

Dasist das normale Leben, es gibt

Siege und Niederlagen. Wichtig ist,

dass man auswertet, woran es liegt,

Schlüsse daraus zieht, sich auf andere

Zeiten besinnt und sich dementsprechend

orientiert und weiterarbeitet.

Niederlagen gehören dazu –

und sie stärken uns auch am Ende.

Muss man das Verlieren lernen?

Unbedingt. Niederlagen zu verarbeiten,

ist schon eine Kunst. Aber

woraus lernen wir? Wir lernen aus

Dingen, die uns schwergefallen sind,

mehr als aus Dingen, die uns leichter

gefallen sind. Das ist wie in der

Schule.Wenn einem alles einfach so

zufliegt und es läuft, ich aber dann in

eine höhere Stufe komme und

merke,dass es jetzt schwieriger wird,

muss ich das Lernen erst lernen. Und

ZUR PERSON

Erfahrungsbericht: Die Sportpsychologin Renate Eichenberger ist 1973 in Genf (Schweiz)

geboren und Mutter eines hochbegabten Sohnes, der bereits im Alter von14Jahren in Freiburg

ein Studium aufgenommen hat. Ihr Buch „Fluch oder Segen? Das Leben mit einem hochbegabten

Kind“ ist ein Erfahrungsbericht ihrer Rolle als Mutter.

Erfahrungsaustausch: In Berlin hat die Schweizerin ihren Master in Sportpsychologeabgelegt

und arbeitet hier mit den Bundesligisten 1. FC Union, Alba Berlin, den Wasserfreunden

Spandau, aber auch mit Einzelsportlernzusammen.

Freud und Leid liegen oft dicht bei einander:Alba-Profi Johannes Thiemann.

IMAGO IMAGES

so muss ich auch erst lernen mit Niederlagen

umzugehen.

Wieist die Arbeitsweise hierzulande?

Das wird noch ganz unterschiedlich

gehandhabt. Grundsätzlich

schwirren in Deutschland noch zu

viele Mythen rund um das Thema

herum. Etwa, dass es nur etwas ist,

wenn man krank ist. Dabei setzen

wir ganz stark indem Moment an,

wo noch alles normal und gut ist. Ich

wünsche mir mehr Akzeptanz und

dass der Nutzen der Sportpsychologie

gesehen wird. Es ist wissenschaftlich

erwiesen, dass der Unterschied

oft im Kopf geschieht. Aber

natürlich ist das Zusammenspiel

nicht ganz so einfach, da wir einer

Schweigepflicht unterliegen. Die

Ärzte eigentlich auch, aber die sind

in den Vereinen davon entbunden

und dürfen den Trainern und Physios

Auskunft geben. Dasgeht in unserem

Berufnicht.

MARKUS WÄCHTER

Sind andereLänder weiter?

2000 bei den Olympischen Spielen

hatte Deutschland zwei Sportpsychologen

dabei, die USA 52. Dort

ist man in diesem Bereich viel offener,

da gehört Psychologenbesuch

wie ein Friseurtermin in die Woche

rein, das ist da völlig in Ordnung.

Manholt sich Hilfe,während bei uns

noch immer dieses Bild da ist, dass

ich mich auf die Couch legen, mich

entblößen muss und alles Erlebte

aus meiner Kindheit aufgedeckt

wird. Da gibt noch zu viele Mythen.

Wiedie Sache mit den Glasscherben?

Meine Arbeit ist für mich eine

Wissenschaft, da grenze ich mich

klar ab.Esist kein Hokuspokus,sondern

klar. Wenn es jemandem hilft,

dass er über Scherben läuft und er

das von sich aus tun möchte, soll er

es tun. Aber nicht vonmir angeleitet.

Steht die junge Generation bei Alba

dem Thema offener gegenüber?

Ich arbeite mit 14-, 15-jährigen

Spielernzusammen und die sind bei

dem Thema sehr offen. Für die ist

das völlig normal, die sprechen mich

in den Hallen an, schicken mir

WhatsApp-Nachrichten. Das hat

sich für mich schon verändert, und

das ist sehr erfreulich.

Sind Sie heute Abend um 20 Uhr bei

Albas Spiel gegen Roter Stern Belgrad

in der Arena?

Ja,bin ich.

Sind Sie Fan, schauen Sie auf Spieler,

auf Körpersprache?

Natürlich freue ich mich, wenn

die eigene Mannschaft gewinnt. Ich

habe mich letzte Saison gefreut, als

die Wasserballer Deutscher Meister

geworden sind. Aber ich bin kein

Fan, sondernarbeite in den Momenten.

Und auf was ich achte, hängt

stark davon ab, ob ich die ganze

Mannschaft als Team oder nur individuelle

Spieler betreue. Ich schaue

aber nicht auf Körpersprache, das

bringt mir nichts. Sondern ich

schaue, wie sie sich verhalten, hinsichtlich

dem, was wir vorher besprochen

haben. Ich empfinde, wie

das Spiel verläuft. Wo verändert sich

etwas, wokippt ein Spiel, um dann

wiederum zu erkennen, warum ist es

in diesem Moment gekippt und es

dem Trainer zu spiegeln. Für mich

sind solche Spiele nicht zur Entspannung

da, sondernArbeit.

DasGespräch führte Christian Kattner.

FUSSBALL

Qualifikation zur EM 2022

Gruppe A

Bulgarien -Tschechien 1:0 (0:0)

Kosovo -England 0:4 (0:1)

1. England* 8 37: 6 21

2. Tschechien* 8 13:11 15

3. Kosovo 8 13:16 11

4. Bulgarien 8 6:17 6

5. Montenegro 8 3:22 3

Gruppe B

Luxemburg -Portugal 0:2 (0:1)

Serbien -Ukraine 2:2 (1:1)

1. Ukraine* 8 17: 4 20

2. Portugal* 8 22: 6 17

3. Serbien 8 17:17 14

4. Luxemburg 8 7:16 4

5. Litauen 8 5:25 1

Gruppe C

Deutschland -Weißrussland 4:0 (1:0)

Nordirland -Niederlande 0:0

Deutschland -Nordirland Di., 20.45

Niederlande -Estland Di., 20.45

1. Deutschland* 7 24: 6 18

2. Niederlande* 7 19: 7 16

3. Nordirland 7 8: 7 13

4. Weißrussland 8 4:16 4

5. Estland 7 2:21 1

Gruppe D

Gibraltar -Schweiz 1:6 (0:1)

Irland -Dänemark 1:1 (0:0)

1. Schweiz* 8 19: 6 17

2. Dänemark* 8 23: 6 16

3. Irland 8 7: 5 13

4. Georgien 8 7:11 8

5. Gibraltar 8 3:31 0

Gruppe E

Aserbaidschan -Wales 0:2 (0:2)

Kroatien -Slowakei 3:1 (0:1)

Slowakei -Aserbaidschan Di., 20.45

Wales -Ungarn Di., 20.45

1. Kroatien* 8 17: 7 17

2. Ungarn 7 8: 9 12

3. Wales 7 8: 6 11

4. Slowakei 7 11:11 10

5. Aserbaidschan 7 5:16 1

Gruppe F

Malta -Norwegen 1;2 (1:1)

Spanien -Rumänien 5:0 (4:0)

Schweden -Färöer 3:0 (1:0)

1. Spanien* 10 31: 5 26

2. Schweden* 10 23: 9 21

3. Norwegen 10 19:11 17

4. Rumänien 10 17:15 14

5. Malta 10 3:27 3

6. Färöer 10 4:30 3

Gruppe G

Slowenien -Lettland 1:0 (0:0)

Österreich -Nordmazedonien 2:1 (1:0)

Israel -Polen 1:2 (0:1)

Nordmazedonien -Israel Di., 20.45

Lettland -Österreich Di., 20.45

Polen -Slowenien Di., 20.45

1. Polen* 9 15: 3 22

2. Österreich* 9 19: 8 19

3. Slowenien 9 14: 8 14

4. Israel 9 16:17 11

5. Nordmazedonien 9 11:13 11

6. Lettland 9 2:28 0

Gruppe H

Albanien -Frankreich 0:2 (0:2)

Andorra -Türkei 0:2 (0:2)

Moldau -Island 1:2 (0:1)

1. Frankreich* 10 25: 6 25

2. Türkei* 10 18: 3 23

3. Island 10 14:11 19

4. Albanien 10 16:14 13

5. Andorra 10 3:20 4

6. Moldau 10 4:26 3

Gruppe I

Zypern-Schottland 1:2 (0:1)

Russland -Belgien 1:4 (0:3)

San Marino -Kasachstan 1:3 (0:3)

Belgien -Zypern Di., 20.45

San Marino -Russland Di., 20.45

Schottland -Kasachstan Di., 20.45

1. Belgien* 9 34: 2 27

2. Russland* 9 28: 8 21

3. Schottland 9 13:18 12

4. Zypern 9 14:14 10

5. Kasachstan 9 12:14 10

6. San Marino 9 1:46 0

Gruppe J

Armenien -Griechenland 0:1 (0:1)

Finnland -Liechtenstein 3:0 (1:0)

Bosnien-Herzeg.-Italien 0:3 (0:2)

Griechenland -Finnland 2:1 (0:1)

Italien -Armenien 9:1 (4:0)

Liechtenstein -Bosnien-Herzeg. 0:3 (0:0)

1. Italien* 10 37: 4 30

2. Finnland* 10 16:10 18

3. Griechenland 10 12:14 14

4. Bosnien-Herzegowina 10 20:17 13

5. Armenien. 10 14:25 10

6. Liechtenstein 10 2:31 2

*für die Europameisterschaft qualifiziert


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 – S eite 18

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Sport

VonZeichen

und Fragezeichen

Emre Can galt mal als Ausnahmetalent.

In der Nationalelf läuft der 25-Jährige nun Gefahr,

Opfer des Erneuerungsprozesses zu werden

VonFrank Hellmann, Frankfurta.M.

Vielseitigkeit muss nicht immer ein Vorteil sein: Emre Can.

IMAGO IMAGES/SPORTIMAGE

Das neueste Mannschaftsfoto

ist gerade in derVilla

Kennedy entstanden.

Die deutschen Nationalspieler

postierten sich im Foyer der

Fünf-Sterne-Herberge in Frankfurt-

Sachsenhausen, um mit dem Verletzten-Quartett

Julian Draxler,Thilo

Kehrer, Antonio Rüdiger und Kevin

Trapp ein Zeichen der Verbundenheit

zu setzen. Auf dem am Montagmorgen

über die sozialen Netzwerke

verbreiteten Bild sitzt Emre Can

rechts außen, Bundestrainer Joachim

Löw stützt lässig den Ellbogen

auf seiner Schulter ab.Wer will, kann

aus dem Schnappschuss gerne Symbolcharakter

ableiten: Allzu gerne

würde der kernige Defensivallrounder

nämlich auch der DFB-Auswahl

mal Halt verleihen.

Der Abschluss der EM-Qualifikation

gegen Nordirland (Dienstag

20.45 Uhr/RTL) in seiner Heimatstadt

Frankfurtbietet sich da an, denn Löw

sieht in Can einen Akteur, „der die

Komponente Robustheit und Zweikampfstärke

einbringt“. DieInterpretation

seiner Vorzüge in der Rolle als

Innenverteidiger gegen Argentinien

habe ihm wirklich gut gefallen. „Er

spielt eine Rolle in unseren Planungen“,

sagte Löw am Montag. Sollte

der 25-Jährige heute in der nicht ausverkauften

Arena im Stadtwald zum

Einsatz kommen, wäre das sein 25.

Länderspiel. Gar nicht so viel für einen,

den der ehemalige DFB-Trainer

und heutige RTL-Experte Steffen

Freund einmal als „den komplettesten

U17-Nationspieler“ beschrieb,

„den ich je gesehen habe“.

„Klar in der Birne“

Sein ehemaliger Jugendtrainer bei

Eintracht Frankfurt, Samad El Messaoudi,

beschreibt einen Spieler,„der

in jungen Jahren schon genau

wusste, was er wollte“. Typ: extrem

ehrgeizig, extrem dominant. Derdamalige

Leiter des Nachwuchsleistungszentrums,

Armin Kraaz, erinnert

sich an ein kraftstrotzendes Eigengewächs,

„das vorne und hinten

gleichzeitig war“. Seinen Wechsel

bereits aus der U15 zum FC Bayern

begründete das Toptalent mit dem

Argument, „dass er so leichter in die

Premier League kommt“, erzählt

Kraaz. Was erst vermessen klang,

ging beim FC Liverpool bald in Erfüllung.

Messaoudi sieht in ihm einen

Vollblutprofi, „der klar in der Birne

ist“ –beide stehen bis heute noch in

Kontakt.

Can wuchs als Sohn türkischer

Einwanderer in der Nordweststadt

auf – kein einfacher Frankfurter

Klostermann

Lewis

Gnabry

DEUTSCHLAND

Gündogan

Dallas

Saville

J. Evans

Ginter

Davis

Werner

ter Stegen

Kimmich

Magennis

Can

Cathcart

Peacock-Farrell

Brandt

Whyte

McNair

Hector

Kroos

Voraussichtliche Aufstellung

Nordirland Schiedsrichter: Carlosdel Cerro Grande (Spanien)

C. Evans

BLZ/TIEDGE

Stadtteil, in dem die Eltern und die

Schwester wohnen. Onkel, Omaund

Opa leben hingen noch im anatolischen

Ort Ayfon, jedes Jahr war der

Fußballer mindestens einmal dort.

„Ich bin genauso Türke,wie ich auch

Deutscher bin“, sagte Can einmal.

Unddoch können türkischstämmige

Akteureindiesen politisch so aufgewühlten

Zeiten leicht in vermintes

Gelände geraten, wie Can vor dem

EM-Qualifikationsspiel in Estland

(3:0) erfuhr, als ihm genau wie Ilkay

Gündogan ein Instagram-Foto seines

ebenfalls bei Eintracht Frankfurt

ausgebildeten Freundes Cenk Tosun

gefiel. Can zog den „Like“ unter der

Bild mit dem„Salut-Jubel“ wenig später

zurück, doch da war es schon zu

spät.

Generell ist es für ihn eine schwierige

Phase. Seit der kauzige Italiener

Maurizio Sarribei Juventus Turindas

Sagen hat, sitzt der Deutsche meist

auf der Ersatzbank. Für die Champions

League wurde Cangar nicht gemeldet,

auch die Spielanteile in der

Serie Asind gemessen am eigenen

Anspruch viel zu gering. „Aber ich

lerne auch aus dieser harten Zeit, in

der es für mich nicht so läuft, wie ich

es mir erhofft habe“, sagt Can.

Er steht in Verein und Nationalmannschaft

gerade an einer wichtigen

Weggabelung. Für die DFB-Auswahl

muss er aufpassen, dass ihn der

Erneuerungsprozess nicht verschluckt.

Welche Rolle kann Can

beim „Umbruch im Umbruch“ spielen,

wie Löw die aktuelle Phase

nennt? Seine Lieblingsposition im

zentralen defensiven Mittelfeld besetzt

Joshua Kimmich, daneben ist

Toni Kroos gesetzt. Undrechtshinten

macht Lukas Klostermann weiter

Fortschritte.Seine Vielseitigkeit muss

nicht immer einVorteilsein.

Als er vor vier Jahren bei einem

EM-Qualifikationsspiel gegen Polen

in der A-Nationalmannschaft –übrigens

ebenfalls in Frankfurt–als rechter

Außenverteidiger debütierte, titelte

das DFB-Magazin: „Yes, he

CAN“. Unddoch erlebte Can die EM

2016 nur als Ergänzungsspieler, die

WM 2018 fand gänzlich ohne ihn

statt, obwohl er sich nach Rückenproblemen

damals rechtzeitigfür das

Champions-League-Finale seines FC

Liverpool zurückgekämpft hatte.

Dass Löw nun öffentlich nach mehr

Körperlichkeit bis in den Bundesliga-

Alltag verlangt, ist womöglich als Zeichen

zu werten, dass Widerstandskämpfer

wie Canmit Blick auf die EM

2020 auch von Löw höher wertgeschätzt

werden. Unddann nicht nur

beim Teamfoto ihm eine Stützesind.

Die Kraft der Fantasie

Der Grieche Stefano Tsitsipasgewinnt die ATPFinals in London –weilersich von lähmenden Ritualen in seinem Alltag befreit hat

VonDoris Henkel, London

Esgab schon eine Weile lang Hinweise

darauf, wie die Sache mit

dem besten Tennisspieler, den Griechenland

je hatte, weitergehen

würde. Aber man muss trotzdem

staunen, wie rasant sich die Dinge in

ziemlich kurzer Zeit entwickelt haben.

Gute zwei Jahre, nachdem er

sein erstes Spiel im Hauptfeld eines

ATP-Turniers gewonnen hatte,

schnappte sich Stefanos Tsitsipas bei

den Finals in London eine der größten

Trophäen des Tennis, und dabei

wird esaller Voraussicht nach nicht

bleiben.

Es ist auch schon eine Weile lang

zu beobachten, dass die Leute auf

ihn fliegen. Nicht nur,weil er mit seiner

einhändigen Rückhand klassische

Tennismuster in einer Verbindung

mit jugendlicher Leichtigkeit

und mediterranem Temperament

bedient. Sondern auch, weil er abseits

des Platzes einen Hang zu den

schönen Künsten hat: Er liest begeistert,

fotografiert inspiriert und lässt

seiner Fantasie freien Lauf.

Der Sieg am Sonntag in London

gegen Dominic Thiem −eine Begegnung

auf Augenhöhe, die der beeindruckend

spielende Österreicher

unglücklich verlor (7:6, 2:6, 6:7) −hat

seine Quelle allerdings auch in einer

schwierigen Phase. Nachdem Tsitsipas

wie schon in Wimbledon auch

bei den US Open in der ersten Runde

verloren hatte,klagte er über das lähmende

Gefühl, immer und immer

wieder dasselbe tun zu müssen. Wie

es ihm damals ging, beschrieb er

kürzlich in einem Interview mit der

Neuen Zürcher Zeitung: „Ich wurde

aus meiner Komfortzone gerissen,

lebte mein Leben nicht mehr so,wie

ich das eigentlich möchte. Plötzlich

war da eine Menge Druck, mit dem

ich nur schwer umgehen konnte.Ich

fühlte mich nicht mehr wie ein erwachsener

Mensch, sondernwie ein

Kind, das alles falsch macht. Ich

Beherrscht auch unkonventionelle Bewegungen: Stefano Tsitsipas.

suchte, den Reiz des Alltäglichen

wieder zu erkennen. Er fand heraus,

es sei wichtig, seine andereSeite,die

nichts mit dem Tennis zu tun hat,

nicht bis zum Ende der Karriere auf

dem Trainingsplatz zu parken, sondern

gleich stärker auszuleben. Es

war keine so existenzielle Erfahrung

wie jener Tagauf Kreta vor vier Jahren,

an dem er beinahe im Meer erdachte

falsch, ich benahm mich

falsch. Ich kam mir auf einmal unendlich

klein vor.“

Existenzielle Erfahrung auf Kreta

AFP/KIRK

Rückblickend betrachtet hatte die

Niederlage in New York allerdings

heilenden Charakter: Tsitsipas blieb

noch eine Woche in der Stadt, ließ

sich treiben, fotografierte und vertrunken

wäre. Damals wurde er von

seinem Vater Apostoles gerettet,

diesmal − aus ungleich flacherem,

aber nicht ganz ungefährlichem Gewässer

−rettete er sich selbst.

Seither geht es ihm besser, auch

deshalb, weil er beschloss, sich weitestgehend

von den bis dahin regelmäßig

bedienten sozialen Netzwerken

zu verabschieden. Spätestens

seit Oktober spielt er wieder so gut

wie zu Beginn des Jahres, und alles

zusammen führte in London zu seinem

bisher größten Sieg. Tsitsipas

behielt die Nerven, als es am Ende

noch mal richtig eng für ihn wurde

und als er die Gesänge der griechischen

Fans auf den Rängen hörte.Als

Jüngster seit dem Coup eines gewissen

John McEnroe anno 1978 gewann

er den Titel beim Saisonfinale,

aber er wirdwohl ein paar Tage brauchen,

bis er die Ereignisse sortiert

haben wird. Wie esihm zwei Stunden

nach dem Matchball ging? „Ich

kann das gar nicht richtig erklären“,

meinte er. „Ganz ehrlich, ich fühle

gar nichts, weil es einfach zu viele

Empfindungen auf einmal sind. Es

ist irgendwie furchteinflößend, die

Trophäe zu halten.“

Vor zwei Jahren verabschiedete

sich Griechenlands Bester auf Platz

91 der Weltrangliste in die Winterpause,

2018 war es Platz 15, jetzt

schließt er auf Position sechs ab,und

natürlich gehört erzum Kreis jener

jungen Spieler, die die Großen des

Tennis dereinst beerben sollen. Fragt

sich nur:wann.Tsitsipas kann darauf

natürlich auch keine konkrete Antwortgeben.

Aber er beschreibt seine

Aussicht mit der gewohnten Mixtur

aus Selbstbewusstsein und Offenheit.

„Ich hab das Gefühl, dass mein

Spiel mit der Zeit noch besser werden

wird, und ich glaube, dass ich

wirklich dicht dran bin, als Sieger eines

Grand-Slam-Turniers gekrönt zu

werden. Ich weiß, das sind starke

Worte, aber ich finde wirklich, dass

ich zu diesen Leuten gehöre.“


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 – S eite 19

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Feuilleton

Ulrich Seidler über

Ersan Mondtags

„Hass-Triptychon“

Seite 21

„Wie arbeitet man ohne die gewohnte Reibung?“

Dies fragte Christa Wolf Sarah Kirsch nach deren Ausreise– nachzulesen im soeben erschienenen Briefwechsel Seite 20

Protest

Schwache

Löwen in Dover

Susanne Lenz

über ein neues

Anti-Brexit-Kunstwerk

Großbritannien ist tief gespalten

in der Brexit-Frage, und ebenso

gibt es unter den Künstlern Leavers

und Remainers. Und viele drücken

ihre Haltung mit ihrer Kunst aus.

Anish Kapoor etwa hat eine Luftaufnahme

der Insel geschaffen, die von

einer klaffenden Wunde zerrissen

wird, einem Graben, der sich von

Glasgow bis zur Südküste erstreckt.

Susan Stockwell spielt ebenfalls mit

den Umrissen des Landes.Sie hat die

Insel aus grünem Stoff mit Stecknadeln

an eine Wand gepinnt, aber nur

den oberen Teil, also Schottland.

England und Wales –die Brexit-Befürworter

–kollabieren als formlose

Masse.

Vorkurzem ist ein weiteres Werk

dazugekommen. An einem Strand

unter den berühmten Weißen Klippen

vonDover liegen drei Löwen aus

Bronze. Nur, dass sie so gar nicht

aussehen, wie es dem König der

Tiere zukommt, sondern abgemagert,

krank und erschöpft.

DieSkulptur ist einWerk des britischen

Künstlers Jason deCaires Taylor,

erhat ihm den ironischen Titel

„The Pride of Brexit“ gegeben, „Der

Stolz des Brexit“. Die Löwen sind

eine Anspielung auf das englische

Wappen, das drei goldene Löwen auf

rotem Grund zeigt –Ausdruck der

Stärke, des Stolzes, der Macht. Auch

der Ort ist mit Bedacht gewählt: Dover,

Hafenstadt, Tor zum europäischen

Kontinent. Und esgibt noch

mehr Löwen des Künstlers im Land.

Sie liegen –ebenfalls in den letzten

Zuckungen –vor dem Parlament in

London, versehen mit Brexit-Slogans,

die da lauten „Take Back Control“

oder „Get It Done“.

Anish Kapoor hat seine Wunde

mit einer schrecklichen Verletzung

verglichen, die Großbritannien sich

selbst zugefügt hat, wie ein Teenager,

dem es an Selbstwertgefühl mangelt.

Jason deCaires Taylor spricht im

Guardian vom Brexit als einem der

unpatriotischsten Akte,die das Land

je erlebt hat. Doch seine Löwen sind

schon zu schwach, um dagegen aufzubegehren.

Die Rauminstallation „seeing is believing“ von Caline Aoun im Palais Populaire.

Donna Quichotte wider lärmende Daten

Caline Aoun transformiert im Palais Populaire die mediale Überflutung unserer Zeit ins Analoge

VonIngeborg Ruthe

Die sanfte Calin Aoun aus

Beirut leidet an dieser

Welt. An den realen Zerstörungen

wie den digitalen

Verstörungen. Aber sie jammert

nicht. Ihr trotziges Statement

lautet: „Sehen heißt glauben“. Und

ihr Instrument ist die Poesie.

In der Ausstellungshalle im Palais

Populaire Unter den Linden lässt sie

uns geradezu körperlich spüren, wie

das globale Weltgeschehen selbst

den letztenWinkel des Alltags medial

überflutet; wie es ins Atelier der 1983

geborenen Libanesin eindringt. Wegen

des Bürgerkriegs in ihrer Heimat

hat sie in London studiert. Heute lebt

und arbeitet sie in der Nähe vonBeirut.

Und die Kriege in Nahen Osten,

der Terror, die Kämpfe, das Elend in

den Flüchtlingslagern dringen

stündlich in ihren Alltag ein.

An einer Wand wickelt sie als riesiges

abstraktes Schwarz-Weiß-Tableau

eine Landschaft ab: Vermeintlich

schroffe Felsformationen, Berge,

Täler verschwinden, bis die Blätter

völlig leer sind, weil die Druckerpatronen,

mit denen Aoun die bizarren

Motive ausdruckte, keine Farbe

mehr hergaben. Das technologische

Digitalsystem hat in diesem Falle

also versagt. „Lands of Matter“ heißt

dieses 19-teilige Gleichnis für die Gegenwart,

und die Künstlerin klärt

auf, dass es da um gar keine reale

„stumme Landschaft“ geht, sondern

um ein Diagramm der libanesischen

Wirtschaftspolitik.

Um Daten, die

„permanent Lärm machen“,

der den Alltag dominiert,

krank macht.

„Und der Lärm muss aufhören“,

sagt sie.„Wirbrauchen

Raum fürs Innehalten,

um neue Systeme und

uns selbst zu finden.“

DieWand gegenüber ist

bedeckt mit einem Mosaik aus zuerst

stark farbig bedruckten und

schließlich leeren DIN-A3-Bögen.

„Erschöpfung“ heißt die riesige Arbeit.

DieInkjet-Drucker waren überfordert,

als Aoun sie so heftig „fütterte“.

Zuerst spuckten die Apparate

noch tiefschwarze, dann schwarzrote,

lila Blätter, schließlich solche

mit Farbresten von Rosa, Türkis,

Hellblau und Gelb aus. Zuletzt nur

Caline Aoun

aus Beirut

noch leere. DieIllusion der digitalen

Perfektion vergeht wie eine Fata

Morgana. Der digitale Datenfluss,

der ganze Volksvermögen bewegt,

behandelt Menschen, Waren, Werte

emotionslos als pures Material.

Um das bildhaft zu machen,

setzte Aoun auf ein großes flaches

PALAIS POLULAIRE/DB

Podest

vier

springbrunnenähnliche

Gebilde: blau, rot, gelb. Eigentlich

sind das die Farben

der westlichen Avantgarde

um Mondrian.

Hinzu kommt ein Brunnen

in Schwarz. Alle vier Fontänen

sind aufgebaut wie

zierliche orientalische Etageren

für Früchte und Gebäck.

Darin fließt CMYK-

Farbe –solche, die für den Vierfarbdruck

eingesetzt wird. Die sprudelt

aus den Düsen, plätschertindie unteren

Auffangbecken, die durch

Schläuche miteinander verbunden

sind. Alle vier Farben vermischen

sich mit dem Wasser zu einer trüben

Brühe.Der„Datenfluss“ wirdundefinierbar.

Das Gemisch symbolisiert

die fatale Mixtur aus Überfluss und

Mangel, Zirkulation, Distribution.

CALINE AOUN/PALAIS POPULAIRE/M. SCHORMANN

Analogien zu anderen gesellschaftlichen

Systemen sind vonder Künstlerinbeabsichtigt.

Undauch die beiden

an eine Sonnen-Korona erinnernden

Bilder an den Hallen-Säulen –diese

schwarzen Spritzer rund um weiße

Löcher –transportieren den Gedanken

der schier unbeherrschbar werdenden

Daten-Schwemme.

Caline Aoun, „Künstlerin des Jahres“

der Deutschen Bank, hat für Berlin

ein Gesamtkunstwerk geschaffen,

das eine Versuchsanordnung

darstellt, wie der globale digitale Datenfluss

ganze Gesellschaftssysteme

prägt – als Segen und als Fluch.

„Denn die Zirkulation und Verarbeitung

der Daten“, sagt die Künstlerin,

„scheint nicht verknüpfbar mit der

Lebenswirklichkeit von Milliarden

Menschen.“ Für ihre bildgewordenen

Bedenken lenkt sie die kritische

digitale Masse in analoge poetische

Installationen. Eine Donna Quichotte

wider die Datenwindmühlen.

PalaisPopulaire Unter den Linden 5. Bis

2. März 2020, MI–Mo Di 11–18/Dobis 21 Uhr.

Parallelist „Das totale Tanztheater“zum Ausklang

des 100. Bauhausjubiläumszuerleben.

Rahmenprogramm: www.db-palaispopulaire.de

NACHRICHTEN

Angela Shanelec gewinnt

Regie-Preis in Mar del Plata

Diedeutsche Filmemacherin Angela

Shanelec ist beim 34. Internationalen

Filmfestival vonMar del Plata in Argentinien

mit dem Astor-Preis für die

beste Regie ausgezeichnet worden.

DieRegisseurin von„Ichwar zuhause

aber“ teilte sich den PreisamSonntagabend

mit dem Portugiesen Pedro

Costa, der für„VitalinaVarela“ den

Astor empfing. DerSpielfilm„Lo que

arde“ (Was brennt) des spanischen

Regisseurs Oliver Laxe gewann den

Goldenen Astor für den besten Film.

Mardel Plataist das einzige A-Festival

mit internationalemWettbewerb in

Lateinamerika. Zu den Gästen zählte

auch der Berliner Dokumentarfilmer

Thomas Heise (64), der seinen Film

„Heimat ist ein Raum aus Zeit“ vorstellte.(dpa)

Spendenaktion für Kirche

in der Lausitz

Diediesjährige Spendenaktion für

vergessene Kunstwerke in Brandenburgsoll

Grabdenkmälerninder

Dorfkirche GroßJehser (Oberspreewald-Lausitz)

zugutekommen. Die

Aktion trage auch dazu bei, „dass sakrale

Kunstwerke sichtbar gemacht

werden und dass sie auch bewahrt

werden für künftige Generationen“,

sagte Brandenburgs KulturministerinMartina

Münch (SPD) am Montag

zum Startder Aktion in Potsdam.

Denkmäler hätten einen großen

Stellenwertfür das kulturelle Erbe.

Viele Kirchen seien nach wie vorsanierungsbedürftig,

hieß es. (dpa)

Dresden zeigt Švankmajers

Wunderkammer

Eine Ausstellung der Staatlichen

Kunstsammlungen Dresden gibt ab

Dienstag Einblick in das Werk der

tschechischen Surrealisten Janund

EvaŠvankmajer.Die rund 300 Werke

umfassende Retrospektivesei einem

Künstlerpaar gewidmet, das zu den

inspirativsten Vertreternder zeitgenössischen

Generation zähle,sagte

Generaldirektorin Marion Ackermann

am Montag. DasSpektrum der

Exponate reicht vonFilmen sowie

Malerei, Grafik, Objektcollagen über

Bühnen bis zu bearbeiteten Präparaten

und obskuren Reliquien.(dpa)

UNTERM

Strich

Genau genommen

VomAbschwellen

des Ingrimms

VonMartin Z. Schröder

Mit goldener Tinte steht „Vorläufige

Gießkanne“ draufgemalt, aber der Zustand

hält schon lange an. Vorfünfzehn Jahren

wurde mir die kleine Kanne von einer

Freundin geschenkt mit dem Vermerk, ihr

zehnjähriger Sohn hätte sie vorm Kaufhaus

mitgehen lassen. Ich habe dieses Kind trotz

seiner Delinquenz wegen seines Berufswunsches

geschätzt. Es wollte Autodesigner werden

und zeichnete kellerasselrückenartige

Dächer auf bunte Geräte mit Rädern.

Dieser Berufswunsch ist klug in Hinsicht

auf die Altersvorsorge. Esmuss ein gut bezahlter

Berufsein, sonst würde sich niemand

darin langweilen, denn alle Autos sehen, ungenau

genommen, gleich aus. Nur seitliche

Rillen sind unterschiedlich schräg oder

Hecks verschieden klobig. Für geübte Augen.

Ich kann sie nicht unterscheiden. Früher

sah ich, ob Dacia oder Saporoshez(gesprochen

Sabberfrosch, ukrainischer

Heckmotorwagen) mich anzwinkerten.

Man erkannte sie auch am Geräusch. Der

Dacia schwieg meist, der ukrainische Wagen

röhrte wie ein Panzer. Darinnen saß

man dicht am Boden und konnte durch

die Rostlöcher in den Türen die Asphaltlöcher

im Straßenbelag vorüberfliegen sehen.

Mein ehrenamtlicher LKW-Fahrlehrer,

hauptberuflich Polizist, hatte so ein

Ding, mit dem er wie eine besengte Sau

durch die Stadt böllerte.

MARTIN Z. SCHRÖDER

Als ich einmal von der Schönhauser Allee

mit dem LKW langsam um die Ecke bog,

hupte einer hinter mir. „Stop!“, befahl mein

Fahrlehrer, der seine Polizeiuniform trug. Er

stieg aus und kassierte Bußgeld vom Ungeduldigen.

Seither wünsche ich mir einen Polizisten

auf dem Gepäckträger meines Fahrrades,

einen dünnen, leichten, der Verkehrsrowdys

zur Buße bittet.

Einmal warfmich der Fahrlehrer für zwei

Wochen aus der Klasse,weil ich den LKW am

Pankower Rathaus mit Karacho in eine Einbahnstraße

lenken wollte, ander ich lediglich

übersah, dass sie mir entgegen verlief. Er

brüllte: „Hände weg! Füße weg!“, ich erstarrte

wie ein gefrosteter Hampelmann,

und er lenkte den Wagen in Sicherheit. Der

Lehrlastkraftwagen hatte ein doppeltes

Lenkgetriebe,also zwei Lenkräder,damit der

Fahrlehrer zulangen konnte,falls ein Schüler

falsch in Einbahnstraßen zu bretterndrohte,

was sicherlich kaum einmal vorkam. Dieses

Lenkrad zu drehen war schweißtreibend.

Leider ist das kannenstehlende Kind weder

Autodesigner noch dünner Polizist geworden.

Es hat die Rente nicht nur aus den

Augen verloren, sondern will sich mit einer

Geisteswissenschaft bis zur Altersarmut einen

Schokobauch anfressen. Wenn die jungen

Leute so etwas studieren, machen sie

sich kein Bild davon, wie der Körper in solchen

Berufen geschunden wird. Man sitzt

fünfzig Jahreauf dem Po und müht sich, den

Kopf nicht in die Bücher plumpsen zu lassen;

dieWirbelsäule ist nach zehn Jahren hinüber,

es folgen vierzig JahreRückentraining.

Nunhat die Freundin die vorläufige Gießkanne

seit fünfzehn Jahren nicht ersetzt. Ich

denke bei jedem Gießen daran. Nach dem

ersten Jahr der Empörung wuchsen Verdruss,

Bitterkeit und Missmut, im zweiten

Ärger, imdritten Groll, es folgten Ingrimm,

Zorn und Wut. Ich hatte schöne Abwechslung

des Haders beim Blumengießen, doch

im Abschwellen der Rage wurde ich sanftmütig.

Eine andere Gießkanne will ich nicht

mehr, ich lächle beim Gießen und träume

vonbuntenKellerasselautos.


20 * Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

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Feuilleton

Die Schriftstellerinnen Sarah Kirsch und Christa Wolf im Jahr 1985 in Hamburg.Sarah Kirsch lebte damals schon in Schleswig-Holstein.

PETER PEITSCH/PEITSCHPHOTO.COM

WasFrau Meier nicht darf

Drei Jahrzehnte lang schrieben Sarah Kirsch und Christa Wolf einander,nach dem Mauerfall verstummte der Briefwechsel

VonCornelia Geißler

Mit dem Faulkner-Satz

„Das Vergangene ist

nicht tot; es ist nicht

einmal vergangen“ eröffnet

Christa Wolf ihren Roman

„Kindheitsmuster“. Er kommt einem

bei ihrem jetzt publizierten Briefwechsel

mit Sarah Kirsch in den

Sinn. Sarah Kirsch (1935–2013) und

Christa Wolf (1929–2011) sind

Schriftstellerinnen, doch von sounterschiedlichem

literarischen Temperament,

dass hier kein Werkstattgespräch

über drei Jahrzehnte zu besichtigen

ist. Die Dichterin Sarah

Kirsch bringt Natur und Seele in einen

speziellen Rhythmus, Christa

Wolf sucht in der Prosa Gedankenströme

und Erkenntnisse zu verknüpfen.

Tauschen sich die beiden

Frauen zunächst über den von kulturpolitischen

Interventionen gestörten

Arbeitsalltag aus, nimmt

bald Familiäres größeren Raum ein,

schließlich Notizen zum Landleben

als Rückzugsmöglichkeit.

DerBand„Wir haben uns wirklich

an allerhand gewöhnt“ enthält 271

Briefe. Zusammengestellt und

gründlich mit Anmerkungen versehen

hat ihn die namensgleiche,nicht

verwandte stellvertretende Direktorin

des Archivs der Akademie der

Künste Sabine Wolf (unter Mitarbeit

ihres Mannes Heiner Wolf). In der

Autorenzeile müsste allerdings wenigstens

klein auch der Name GerhardWolf

auftauchen.

Sarah Kirsch und ihr damaliger

Mann Rainer Kirsch kamen Anfang

der Sechzigerjahre als Lyriker in

Kontakt zunächst zu Gerhard Wolf,

der als Lektor arbeitete und für den

Schriftstellerverband junge Autoren

betreute.AbWeihnachten 1962 richten

sich „die Kirschen“ gemeinsam

an „die Wölfe“. Lange Zeit schreibt

Sarah Kirsch abwechselnd an

Christa und GerhardWolf; an ihn legt

sie meist Gedichte bei. GerhardWolf

analysiert diese so aufmunternd,

dass man Lust hat, die entsprechenden

Texte rauszusuchen.

Der Buchtitel geht auf ein Zitat

Sarah Kirschs aus dem Jahr 1974 zurück.

Als Beispiel schreibt sie, dass

sie gern einmal nach Frankreich

führe. „Und wenn ich es ausnahmsweise

dürfte,darfesFrauMeier vom

Fließband noch lange nicht.“ Damals

stand die Mauer 13 Jahre und

sollte weitere15Jahreundurchlässig

für den Normalbürger bleiben.

Als sie sich kennenlernen, stehen

Sarah und Rainer Kirsch bereits unter

Partei-Beschuss: Sarah Kirsch

wegen eines Gedichtes, das missdeutbar

sei („Quergestreiftes“),

beide wegen ihres Einsatzes gegen

die Relegation einer Studentin vom

DAS BUCH

Sarah Kirsch, Christa Wolf:

Wirhaben uns wirklich an

allerhand gewöhnt. Der Briefwechsel.

Hrsg.Von Sabine Wolf unter Mitarbeit von

Heiner Wolf. Suhrkamp, Berlin 2019.

438 S.,32Euro.

Literaturinstitut Johannes R. Becher

(Helga M. Novak) in Leipzig. Aufdem

11. Plenum des ZK der SED 1965

wendet sich Christa Wolf gegen die

Diffamierung eines weiteren Kollegen

(Werner Bräunig), muss dann

auch erleben, dass ein Film, für den

sie und ihr Mann das Drehbuch geschrieben

hatten, verboten wird. Die

Briefschreiberinnen nennen sich

„vielliebe Sarah“, „herzliebe Christa“

und versuchen, oft mit (Galgen-)Humor,

sich aufzumuntern. Während

die Kirsch-Ehe zerbricht, Sarah

Kirsch mit Karl Mickel zusammenkommt,

aber nicht -bleibt, weiß

Christa Wolf ihren Mann seit 1951 an

ihrer Seite und schreibt in einer

Klammerbemerkung, dass sie parteiisch

sei, „nämlich für den weiblichen

Teil, den ich nicht gern zugrunde

gehen sehn wollte und will“.

Die Herausgeberin bedauert in

ihrem Nachwort Lücken in der Korrespondenz.

Sie vermutet, dass

nicht alles aufbewahrt wurde. So

folgt auf einen Brief Sarah Kirschs

vom August 1976 einer vom September

1977. Dazwischen liegt die

Ausbürgerung Wolf Biermanns, der

Protest dagegen (Sarah Kirsch und

Christa Wolf stehen als erste auf der

Unterschriftenliste) und die Ausreise

von Sarah Kirsch mit ihrem

Sohn Moritz zunächst nach West-

Berlin. 1983 zogen sie nach Schleswig-Holstein.

Christa Wolf fragt im

Januar 1978 eher sich als die Freundin,

„wie arbeitet man ohne die gewohnte

Reibung“, um zugleich zu

fragen, „wie arbeitet man mit der

nicht aufhörenden Reibung“. Zwar

kann sie zu Vorträgen etwa in die

USA reisen, dass ihr aber in der DDR

Pazifismus vorgeworfen wird,

dringt auch in den Westen; „gehässig“

nennt Sarah Kirsch einen Artikeldarüber.

In den Briefen ab dem Spätsommer

1989 wirddeutlich, dass ein Gespräch

über Garten und Kinder das

Wesentliche ausließe. Christa Wolf

verbindet viel Hoffnung mit den Demonstrationen,

mit dem Untersuchungsausschuss

der Polizei-Übergriffe

von Anfang Oktober, weniger

dann mit dem Mauerfall. Sarah

Kirsch möchte lieber nicht mehr Radio

hören oder fernsehen, sieht in

Gorbatschow keinen Erlöser und

findet Christa Wolfs Engagement

übertrieben. „Mach nicht zu viel“,

schreibt sie ihr,„die Menscher kommen

auch ohne Dich aus.“

Als Christa Wolf die Erzählung

„Was bleibt“ 1990 veröffentlicht, in

der sie die Überwachung durch die

Staatssicherheit thematisiert, die

nach der Biermann-Petition offensichtlich

wurde, wird zunächst in

der FAZund der Zeit, bald in weiteren

westdeutschen Zeitungen nicht

nur dieses Buch angegriffen –sondern

ihre Haltung als Schriftstellerin

imdirigistischen Staat und ihr

ganzes Werk.Sie fragt in einem Brief

an Sarah Kirsch, wie „die Schreckensbilder,

die die Zeitungen von

mir gemalt haben“ ankommen, die

aber geht darauf nicht ein, sondern

schreibt: „Hoffentlich kannste die

Politik auch mal wieder dahin rücken

wo sie hingehört“. Doch die

folgenden Gerüchte und Enthüllungen,

die so unterschiedliche Sicht

darauf, was aus Deutschland werden

soll, lässt den Briefwechsel verstummen.

Hilfreich ist es, sich dazu „Sei

dennoch unverzagt“ anzusehen,

den Band mit Gesprächen, die Jana

Simon, Enkelin der Wolfs und Journalistin,

mit den Großeltern führte.

„Mit Sarah Kirsch wurde es erst

nach dem Mauerfall böse“, sagt

Christa Wolf im August 1998. Jana

Simon fragt nach, es geht um einen

konkreten Fall, einen früheren

Nachbarn und Freund, der Inoffizieller

Mitarbeiter der Stasi war.

UndChrista Wolf führtaus,dass die

aus der DDR Weggegangenen drüben

nicht mit offenen Armen empfangen

worden seien.„Dann kommt

die Wiedervereinigung, und die Dagebliebenen

sollen straffrei ausgehen.

Wieso denn? Plötzlich hat man

die Geschichte anders erlebt.“

Die Freundschaft ist zerbrochen,

schuld daran war weder die eine

noch die andere Autorin. Es waren

die Verhältnisse: die Mauer durch

Deutschland, die auch Lebensläufe

teilte, und der Graben, der nach ihr

zurückblieb.

Buchpremiere 19. 11.,19Uhr.Sabine Wolf im

Gespräch mit Gerhard Wolf. Anna Thalbach und

Maren Eggert lesen aus dem Briefwechsel, Akademie

der Künste, Pariser Platz 4

In den Fängen der Königin des Nichts

Die neue Kinderrevue im Friedrichstadt-Palast „Im Labyrinth der Bücher“ führt in die Abenteuerwelt von Geschichten

VonBirgit Walter

Esist Vorsicht geboten bei Urteilen

von Kindern im Theater.

Meine Tochter ließ sich im Vorschulalter

mal von einem anbiedernden

Weihnachtsprogramm fesseln und

zischte mich zwischendurch an: Ich

weiß, dass dir das nicht gefällt, aber

mir! Doch soll man verzichten auf

eine kindliche Meinung, wenn es um

die Kinderrevue – sie heißt heute

Young Show –imFriedrichstadt-Palast

geht? Natürlich nicht.

Immerhin handelt es sich um das

größte junge Ensemble in Europa –

280 Kinder und Jugendliche zwischen

sieben und 16 Jahren treten in

zwei Besetzungen auf. Da macht

schon die Menge Eindruck. Dieneueste

Inszenierung „Im Labyrinth der

Bücher“ lässt sich nicht abhängen

von den Modernitätsschüben der

großen Revuen. Dazu bildet das

Haus seine Tänzerinnen, Schauspieler

und Sängerinnen über Jahre mit

penibler Intensität selbst aus.

Inhaltlich dagegen scheinen sich

die Showsnur sehr verhalten zu entwickeln

(Buch: Stefanie Froer,Regie:

Andreana Clemenz). Immer geht es

um Kinder, die zu Abenteuern ausschwärmen.

Die Hauptfiguren Ben,

Lea und Jule unternahmen schon

vorzweiJahren eine Zeitreise,dieses

Mal sind es Fantasie-Ausflüge durch

Bücherwelten. Auch ein Legastheniker

wie Ben darf mit: „Ich habe eine

Leseschwäche und sonst gar nichts.

MitBlödheit hat das nichts zu tun!“

Meine Begleiterin urteilt kühl:

„Da hat Ben also in den zwei Jahren

nichts dazugelernt und will trotzdem

auf Lesereise!“ Viktoria ist neun

Fantasie-Ausflüge in Bücherwelten: Mayla,

Ben, Lea und Jule.

NADY EL-TOUNSY

deren Wert. Aber im Stück spielt

Maylas Herkunft dann keine Rolle.

Es geht zu Robin Hood und seiner

„coolen Gang“, zu Robinson Crusoe,

wo zarte blutrünstige Moskitos (Kostüme:

José Luna) auftauchen, und zu

den Musketieren. Erst als die Kinder

„Schneewittchen“ umschreiben wollen

und die Königstochter vor dem

giftigen Apfel warnen, eskaliert das

Geschehen. Die Königin des Nichts

erscheint –eine mehrereMeter hohe

düster-imposante Erscheinung, die

sich die Eingriffe in ihr Reich verbittet.

Siedroht die Zerstörung der Märchenwelt

an und bringt ihre „Armee

des Nichts“ in Stellung – schwarze

Gestalten in wehenden fransigen Gewändern.

Man muss nur in die erstarrten

Gesichter der Kinder im Parkett

schauen, um zu erkennen, wie

sehr sie um die braven Helden fürchund

eine Bücherverschlingerin, sie

tanzt im Kindermusicaltheater Berlin

und schreibt gerade mit ihrer

Freundin an ihrem ersten Stück, das

sie mit der Klasse aufführen will. Ich

finde, sie ist fachlich ziemlich beschlagen.

Angesichts des Glamours

auf der Bühne fällt ihr Gesamturteil

ziemlich streng aus: „Klar, war die

Revue wieder toll. Aber sie ist so ähnlich

wie die vom letzten Mal. Und

richtig spannend wird esnur ganz

zum Schluss.“

So lässt sich der Abend auf den

Punkt bringen. DasTrioaus der Jetzt-

Zeit macht sich zusammen mit der

syrischstämmigen Klassenkameradin

Mayla auf den Weg. Na, schöner

Nebenaspekt. AufInternationalität

legt Intendant Berndt Schmidt, in

dessen Ensemble Kinder aus 20 Nationen

tanzen, bekanntlich besonten.

Unddas soll mit den Mitteln dieses

Palastes nicht konsequenter zu

machen sein? Dass junge Zuschauer

sich von einer spannenden Geschichte

fesseln lassen und nicht nur

von der phänomenalen Ausstattung

(JanWünsche,Chris Moylan)?

Natürlich begeistern Choreografien

und Bühneneinfälle.Als die Kinder

kleine Trampoline mit Lenkern

auf die Bühne rollen und darauf synchron

herumspringen wie auf rasenden

Motorrädern, dazu das ganze

Ensemble tanzt, setzt das Bewegungsbilder

von enormer Energie

frei. DasPremierenpublikum springt

zum Schluss vonden Stühlen. Viktoriawill

sich im nächsten Jahr im jungen

Ensemble bewerben.

Friedrichstadt-Palast: Im Labyrinthder Bücher

bis 31. 1. 20, Karten: 23 26 23 26, ab 5Jahren


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 21

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Feuilleton

Irres Zucken,

heiseres

Krächzen

Die Action-Lesung „Tiere

streicheln Menschen“

VonTorsten Wahl

Auf der Leinwand im Frannz posiert

eine Frau neben einer Fliegerbombe

–die absurden Bilderklärungen

zu Dias vom Trödelmarkt

sind ein Markenzeichen der Action-

Lesung„Tierestreicheln Menschen“.

Martin „Gotti“ Gottschild verspricht

einen „Abend der Versöhnung“.

Doch kreist das Programm weder

um Versöhnung noch um „Zwei

Moorleichen auf Ibiza“ –soheißt das

neue Programm. Ja,esgibt nicht mal

eine witzige Erklärung für die Frau

neben der Bombe –Erwartbares ist

hier rar.

Zusammen mit seinem musikalischen

Kompagnon Sven van Thom

schlägt Martin Gottschild schon seit

20 Jahren eine Schneise des

schnoddrig-absurden Humors

durch das dichte Berliner Unterholz.

Die beiden schafften es mit einer

Popband namens Sofaplanet und

dem Hit „Liebficken“ bis in die

Bravo, mit Beatplanet reaktivierten

sie den DDR-Beat der späten 60er-

Jahre, bis sie in der Action-Lesung

die passende Form fanden. Sven van

Thom ist solo in der Bar jeder Vernunft

zu erleben, Gottschild albert

auf Radio Eins.

Das Publikum gerät schnell in

Stimmung, als Martin Gottschild

sich als Fahrer eines SUVs mit

Münchner Kennzeichen beschreibt,

der im Prenzlauer Berg auf einem

Radweg parkt. Während Gottschild

gern den derb-berlinernden Proll

gibt, steigt Sven vanThom in Anzüge

mit Schlips.Wie er mit Gitarre, Looper,Sampler

und Theremin seine eigenartigen

Liebeslieder formt, das

ist fast schon ein Genrefür sich.

Sein irre zuckend dargebotener

Liebes-Schlager „Wie ein Tritt in die

Eier“ würde jeden TV-Abend mit Florian

Silbereisen schmücken. Zu einem

Rauchersong sampelt er heiseres

Krächzen in HipHop-Manier.

Paul Bokowski als Gast hat es schwer,

gegen die beiden zu punkten. Sein

Bericht über eine Odyssee mit der

Bahn ist nicht besonders originell,

und dass er Magdeburg mit langem

„a“ ausspricht, lässt das Ostpublikum

aufstöhnen.

Absurder Humor:Sven van Thom (r.) und

Martin Gottschild. KULTURBOTSCHAFTER-EVENTS.DE

Für den ausgefallenen Dia-Vortrag

haben Gottschild und vanThom

einen Ersatz parat. Seit zwei Monaten

vertonen sie im Auftrag des RBB

die historischen Sandmann-Filmchen

neu –nächsteWoche bringt der

Sender anlässlich des 60. Sandmann-Geburtstags

ja erstmals seit

1991 wieder neue Abenteuer. Und

was Gottschild aus den alten Filmen

macht, sorgt auch live für geballtes

Gelächter. Mal kommt das Männchen

mit dem Spitzbart auf einem

Motorrad als „Hells Angel“ daher,

mal flieht es im Ballon über die

Grenze ins Schlaffenland Charlottenburg.

In den anderthalb Minuten

schafft man es gar nicht, alle Feinheiten

zu erfassen. Wersich die Videos

im Netz ansieht, entdeckt darin immer

Neues.

Tiere streichelnMenschen 19. 11.,21. 11.,

27./28.11. sowie 1./2. 12.imFrannz Club,am

20. 11.imKino International

Niedliche Neurotiker

Berliner Premiere im Gorki-Theater: Sibylle Bergs „Hass-Triptychon“, inszeniert von Ersan Mondtag

VonUlrich Seidler

Hallo. Ich bin gekommen,

um Sie zuheilen“, sagt

der Gruppentherapeut,

fügt dann allerdings

hinzu, „und ich leide unter einer kognitiven

Verzerrung durch Überbewertung

meiner Kompetenzen.“ In

der Aufführung von „Hass-Triptychon“,

die in der Regie von Ersan

Mondtag am Sonntag Berliner Premierefeierte,spielt

Benny Claessens

diese Rolle.Herausgekommen ist die

Koproduktion des Gorki-Theaters

im Mai bei den Wiener Festwochen,

Sibylle Berg gewann für das Stück

den diesjährigen Nestroy-Preis.

Der Therapeut ist in vertrauensbildendes

Weiß gewandet von den

Absatzschuhen bis zum hohen Hut,

auch sein Wallehaar ist weißblond

mit einem kleinen Grünstich. Gegen

Ende wirft er seine Garderobe weitgehend

ab und ist in seiner zuckenden

Stattlichkeit voneinem glitzernden

Ölfilm überzogen. Ihm −Kerr-

Preisträger und Schauspieler des

Jahres 2018 −gehört die Bühne, ihm

gehört irgendwie auch die Inszenierung

und natürlich das Stück.

Welch ein Narziss

Zumal er nicht nur über ein Tremolo

verfügt, das mindestens so hübsch

perlt wie das Kohlendioxid in seinen

Weißweinschorlen. Auch seine Exaltiertheit

und glamouröse Launenhaftigkeit

verleihen ihm die für den

Heilungsprozess offenbar nötige

Macht. Zumindest die Rampe beherrscht

er unerbittlich. Einmal akzentuiert

ausatmen, und schon sinken

die Mitspieler zu Boden. Nötigenfalls

lassen sie sich auch mit einem

vorgereckten Kinn von der

Bühne schieben, aber achtkantig.

Und wenn ihm irgendwas nicht

passt, wirdnach der Intendantin geschrien

und mit Kündigung gedroht.

Bald schon wird klar, dass der lobenswert

transparente Umgang mit

seiner Selbstüberschätzung bei

gleichzeitigem Kompetenzmangel

nicht viel hilft, wenn der Führungsanspruch

zugleich mit einer Vehemenz

durchgesetzt wird, die an Sadismus

grenzt. Welch ein Narziss!

Andererseits kann man froh sein,

dass die anderen nicht auf die Idee

kommen, mehr Gestaltungsspielraum

zu beanspruchen, schließlich

handelt es sich −wie man an den

spitzen Ohren, den Fellfrisuren und

der Ausgebeultheit unschwer erkennt

−umTrolle.Trolle,wie man sie

aus dem Märchen, aber seit ein paar

Jahren auch aus den Forendes Internets

und den Kommunikationskanälen

der sozialen Medien kennt:

vom angstgestörten und triebgesteuerten

Pubertier, über die

Teilzeitalkoholikerin (nur abends!)

und den gegen den Verlust seiner Jugend

kämpfenden Bürohengst bis

Therapeut (Claessens) unter Trollen. Der Schriftzug bedeutet „Keine Kriege“. JUDITH BUSS

Hass-Triptychon. Wege aus

der Krise vonSibylle Berg

Regie: Ersan Mondtag,

Musik: Beni Brachtel,

Bühne: Nina Peller,

Kostüme: Teresa Vergho

TEAM, BESETZUNG, TERMINE

Es spielen: Bruno Cathomas,

BennyClaessens,

Jonas Grunder-Culeman,

Johannes Meier,Abak Safaei-Rad,

Aram Tafreshian

und Çiğdem Teke

Vorstellungen: 23. 11.,

6., 17. 12. (19.30 Uhr),

1. 12. (18Uhr)

im Maxim-Gorki-Theater

Karten unter T.:20221115

oder:www.gorki.de

Im Goldenen Kunstdreieck

Der Madrider Prado feiert sein 200. Jubiläum mit einer großen Goya-Schau

Detail einer Zeichnung in der Ausstellung „Dibujos de Goya“imPrado.

DPA/EUROPA PRESS

zum weinkrampfgeschüttelten Katzenkadaverkuschler.

Ihnen, die da

im Internet ihren Hass verbreiten,

sich in aller Hasenherzigkeit aufspielen

und doch nur Opfer ihrer Neurosen

sind, gehört unser Mitleid. Sie

sind −besonders der verhuschte,viel

weinende, tapsige Bruno Cathomas

−auch einfach sehr niedlich!

Dabei handelt es sich doch um Geknechtete

des Spätkapitalismus, die

in entfremdeten Produktionszusammenhängen

ihre Woche verbringen,

sich auf den Sonntag freuen, an dem

sie sich dann auf sich selbst geworfen

in einem Existenzloch wiederfinden:

zum Beispiel in einer Leichtbaucontainerbutze

amAutobahnzubringer.

Dieser ist allerdings −soviel Heimatliebe

muss schon sein −„der schönste

Autobahnzubringer auf derWelt. Niemand

hat so einen perfekten Autobahnzubringer,

an dem wir sitzen

und unsere lokalen Gerichte verzehren

und traditionelle Lieder singen.

Familie bedeutet uns sehr viel.“

Apokalyptisches Feuerwerk

Das dreiflüglige Triptychon, das von

der Farce mit Kabarettanteilen immer

wieder, aber nur andeutungsweise

zum Musical wechselt, trieft

sowohl vor Empathie als auch vor

Zynismus −und haut dem Publikum

beides um die Ohren. Schon die Anamnese

ist ein Quell der niederträchtigsten

Identifikationsangebote, die

Diagnose stürzt einen wohlgelaunt

in die Hoffnungslosigkeit, und im

dritten Teil –der Therapie, wenn die

Klienten endlich zum Ausleben ihrer

Kränkungen, Störungen und Fantasien

die nötigen Waffen in die Hand

bekommen − donnert, blitzt und

knattert der Bürgerkrieg los wie ein

apokalyptisches Feuerwerk. Macht

Spaß und befreit. Zumal die Niedergeschossenen

immer wieder aufstehen,

um sich neuerlich abzuknallen.

Der Therapeut hat seine Schuldigkeit

getan und wirdzurückgeschickt,

woher er kam: in die Kanalisation.

Ersan Mondtag hat die Fäden seiner

ansonsten eher installativen Inszenierungsweise

locker gelassen, es

gibt Improvisationsgelegenheiten,

die sich Claessens mit großem Appetit

greift. Selbst die Chorstellen und

die Gruppenchoreografien sind von

wohltuender menschlicher Nachlässigkeit,

die immer auch Raum für die

Individualität der Schauspieler und

ihrer Figuren lässt. Es ist wie eine

Wiederentdeckung: Allein das Spiel

mit der Bühnensituation −wer darf

wann ins Licht, wermuss zurückstecken,

wird vorgeführt oder bleibt

verwaist zurück −birgt einen unendlichen

Metaphernreichtum. Mitihm

werden Machtspiele, Kränkungen

und Einsamkeit mühelos kenntlich.

Denn was ist das Internet −dieser

Ursprung so vieler neuer Hoffnungen

und unlösbarer Probleme −anderes

als eine Bühne?

Zum 200. Jahrestag seiner Eröffnung

zeigt das Prado-Museum in

Madrid ab Dienstag eine große Sonderausstellung

mit mehr als 300

Zeichnungen des spanischen Malers

und Grafikers Francisco de Goya

(1746-1828). Die Werke stammen

aus zahlreichen privaten und öffentlichen

Sammlungen in der ganzen

Welt sowie aus dem Prado selbst.

DieSchau biete eine „einzigartige

und unwiederholbare Gelegenheit“,

das gesamte Schaffen Goyas chronologisch

zu verfolgen, von den Frühwerken

und dem italienischen Skizzenbuch

bis zu den späten Zeichnungen,

die in seinen letzten Lebensjahren

in Bordeaux entstanden,

so das Museum.

Mit mehr als 8600 Gemälden,

Zeichnungen, Drucken und bis zu

700 Skulpturen ist der am 19. November

1819 als „königliches Museum

für Malerei und Bildhauerei“

eingeweihte Prado heute eines der

größten und bedeutendsten Kunstmuseen

der Welt. Erbaut wurde es

zwischen 1785 und 1808 vondem Architekten

Juan de Villanueva. Als

1989 der Louvre umgebaut wurde,

löste dies auch die Erneuerung des

Prado aus. Nach einigen Verzögerungen

konnte im Oktober 2007 der

Erweiterungsbau eröffnet werden.

Zusammen mit den Museen

Thyssen-Bornemisza und Reina

Sofía bildet er das „Triángulo de

Oro“, das „Goldene Kunstdreieck“

im Zentrum Madrids. Anlässlich des

Jubiläumsjahres hat es in über 30

Städten Spaniens zahlreiche Ausstellungen

und Konferenzen gegeben.

Die Goya-Schau bleibt bis zum 16.

Februar 2020 geöffnet. (BLZ/dpa)

NACHRICHTEN

Kommission empfiehlt

höheren Rundfunkbeitrag

DerRundfunkbeitrag in Deutschland

sollte aus Sicht vonSachverständigen

ab 2021 steigen. Nach Informationen

der Deutschen Presse-

Agentur schlägt die aus unabhängigen

Experten bestehende

Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs

der Rundfunkanstalten

(KEF) in einem noch vorläufigen

Entwurfeine Anhebung auf 18,36

Euro proMonat vor. Derzeit sind pro

Haushalt monatlich 17,50 Euro fällig.

Es handelt sich noch nicht um den

endgültigen Bericht der Kommission,

den sie in Abständen vorlegt.

Zunächst sollen Anhörungen folgen,

die abschließende KEF-Empfehlung

wirdAnfang des nächsten Jahres erwartet.

Dasletzte Wort haben dann

die Bundesländer,die über die künftige

Höhe des Rundfunkbeitrags für

ARD,ZDF und Deutschlandradio

entscheiden. (dpa)

Wiener Architekt

GustavPeichl gestorben

Derösterreichische Architekt Gustav

Peichl, zu dessenWerken die Bundeskunsthalle

in Bonn zählt, ist tot.

Peichl starb mit 91 Jahren am Sonntag

inWien, wie sein Sohn am Montag

der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.ZuPeichls

Bauten gehören auch

das Probengebäude der Münchner

Kammerspiele,der Anbau des Städel-

Museums in Frankfurtsowie die Kindertagesstätte

des Deutschen Bundestags

in Berlin. Als„Ironismus“

zeichnete er zudem Karikaturen unter

anderem für die Süddeutsche Zeitung

und den Stern. Mitdem Zeichnen

begann der inWien Geborene

laut der Nachrichtenagentur APA, um

sein Architekturstudium zu finanzieren.

(dpa)

Das Sandmännchen wird 60

–Sondersendung im RBB

Das Sandmännchen in „Abenteuer im

Traumland“.

SCOPAS-MEDIEN

Am 22. November 2019 wirddie Sendung

„Unser Sandmännchen“

60 Jahre. Ausdiesem Anlass widmet

der Rundfunk Berlin-Brandenburg

(rbb) gemeinsam mit MDR, NDR

und KiKA dem Sandmännchen eine

eigene Dokumentation „60 Jahre

süße Träume –Mit dem Sandmann

durch die Zeit“(rbb,22. November,

20.15 Uhr). DerFilm geht der Frage

nach, was die Faszination des Sandmännchens

bis heute ausmacht.

Vorgestellt wirdder Sandmann-

Fuhrpark. So ist der Traumsandbringer

mit dem Unterseeboot oder auf

einem fliegenden Teppich unterwegs,lenkt

Straßenbahnen, U-Bahnen,

Schmalspurbahnen. 1978 flog

er sogar mit einem Raumschiff ins

All. (BLZ)

TOP 10

Sonntag,17. November

1 Tatort ARD 9,93 28 %

2 Tagesschau ARD 7,04 21 %

3 Formel 1Brasilien RTL 5,01 17 %

4 Terra X ZDF 4,22 13 %

5 heute journal ZDF 4,13 14 %

6 Marie fängt Feuer ZDF 3,95 11 %

7 heute ZDF 3,86 13 %

8 Anne Will ARD 3,67 14 %

9 Berlin direkt ZDF 3,34 11 %

10 Doctor Strange PRO7 2,65 8%

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


22 Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: Break the Tango

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

20.00 Kleines Haus: Amir

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

20.00: Der Menschenfeind

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00 Box: 30 nach 89: Jutta Wachowiak erzählt

Jurassic Park

Eschschloraque Rümschrümp (Rosenthaler Str.39)

22.00: Bande áPart-Tanzbare Veranstaltung für

Außenseiter:Chaotic Limbs Company

HAU3(&25 90 04 27)

19.00: Alles ist Material/20Jahre„Postdramatisches

Theater“: Playback (Joana Tischkau)

Komödie am Kurfürstendamm im SchillerTheater

(& 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: Gorki -Alternativefür Deutschland?

Radialsystem (& 288 78 85 88)

19.00: #disPlaced –#rePlaced Salon

Renaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Ewig Jung

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00 Globe: Ja heißt ja und …(Carolin Emcke)

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

19.30: Der Untertan

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

20.00 3. Stock: Die Hand istein einsamer Jäger

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Quint-Essenz (Ass-Dur)

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

20.00: Skandal im Spreebezirk

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: Howtobecome aBerliner in one hour?

(Karsten Kaie)

LaLuz (& 45 08 92 30)

19.30Theater-Restaurant: La Famiglia -Dinner-Komödie

(Claudio Maniscalco, Pascale Camele,

SantiagoZiesmer,Swinging Rossinis u. a.)

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Viel Tunnel am Ende des Lichts

StageBluemax Theater Berlin (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group -The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! -Das Musical mit den Hits von

ABBA

Tempodrom (& 69 53 38 85)

20.00: Fast fertig! (Sascha Grammel)

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

20.00: So, als ob du schwebtest (Ursli &Toni Pfister

als Cindy&Bert)

Wintergarten Varieté (& 58 84 33)

19.00: Krimidinner:Die Nacht desSchreckens

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Voll Fett (Jürgen vonder Lippe)

KLASSIK

Berliner Dom (& 20 26 91 36)

20.00: Kammerchor der Berliner Domkantorei,

Solist*innen: Barbara Berg,Susanne Langner,Volker

Arndt, Aris &Aulis, Axel Scheidig,Ltg.Tobias Brommann,

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem

BKA (& 202 20 07)

20.00: Die UnerhörteMusik, Neue und zeitgenössische

Musik

Französische Friedrichstadtkirche

(& 20 64 99 22) 15.00: Kilian Nauhaus, 30 Minuten

Orgelmusik, Orgelwerkeverschiedener Jahrhunderte

Hochschule fürMusikHanns Eisler

(& 203 09 21 01) 19.00 Studiosaal: Vortragsabend

Gesangklasse Prof. Thomas Quasthoff

Hochschule für Musik Hanns Eisler im Neuen

Marstall (& 203 09 21 01) 19.00 Krönungskutschen-Saal:

Vortragsabend Oboenklasse Prof.

Dominik Wollenweber

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

20.00 Kl. Saal: Cuarteto Quiroga, Javier Perianes

(Klavier), Brunetti: Streichquartett B-Dur; Ginastera:

Streichquartett Nr.1op. 20; Brahms: Klavierquintett

f-Moll op. 34

Philharmonie (& 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Else Ensemble, Lunchkonzert, Schumann:

Drei Romanzenfür Violine und Klavier op. 94;

Bartók: „Kontraste“ für Violine, Klarinette und Klavier;

Clara Schumann: Drei Romanzen für Klavier und

Violine op. 22 in Bearbeitung

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

17.00: Stipendiat*innen der Karajan-Akademie der

Berliner Philharmoniker,Carte blanche

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

20.00: Faust: Johannes Gahl (Erzählung &Klavier),

EvaMoreno (Flöte)

KINDER

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Hans im Glück (ab 6bis 10 J.)

10.30: Steffi und der Schneemann (ab 4J.)

Cabuwazi -Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab 8J.)

Computerspielemuseum (& 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

Das weite Theater (& 991 79 27)

10.00: Der kleine Wind,

Evas Arche (& 282 74 35)

19.00: Märchenabend:Das Wasser der Wildgans

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (& 53 07 12 50)

11.00: See youlater, Navigator,Platypus Theater,

English Theatre (ab 11 bis 14 J.)

FEZ Berlin (& 530 71 -0)

9.00: Der Krieg und ich -Kriegskinder 1939-1945,

multimediale Familienausstellung (ab 10 J.)

Figurentheater Grashüpfer (& 53 69 51 50)

10.00: Dornröschen, Theater Lakritz, Figurentheater

mit Fingerpuppen (ab 3J.)

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show(ab 5J.)

Gemeinschaftshaus Gropiusstadt

(& 902 39 14 16) 10.00: Das kleine Ich bin ich,

TheaterGeist (ab 3J.)

Gemeinschaftshaus Lichtenrade (& 902 77 70)

10.00: Nur wir alle, TheaterFusion (ab 4J.)

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reichinder Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

10.00: Anton macht’sklar (ab 8J.)

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

10.00: Magdeburg hieß früher Madagaskar (ab 6J.)

Jugendmuseum Schöneberg (& 902 77 61 63)

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern-Wunderkisten

Klax-Kinderkunstgalerie (& 34 74 53 46)

14.00: Zeigt her eure Bilder #12, Berliner Kinder und

Jugendliche, Kinderkunst (ab 3bis 17 J.)

MACHmit! Museum für Kinder (& 74 77 82 00)

10.00: Aufdem Holzweg,Ausstellung über Holz

10.00: Frei wie Wolken

14.00: Wach und munter bleiben: trink mehr Wasser,

Bezahlwerkstatt: 5€

Puppentheater Berlin (& 342 19 50)

10.00: Hänsel undGretel (ab 4J.)

Puppentheater Prenzlkasper (& 21 79 10 60)

10.00: Die Bremer Stadtmusikanten, Ulrich Müller-

Hönow

Konzerte

Nervöse

Spannung

ist dabei

Esist dies die Zeit der Vortragsabende

der Musikhochschule

Hanns Eisler. Sie

sind einerseits Aspekt einer

Ausbildung, die möglichst nah

an der Praxis sein möchte. Für

den Zuschauer wiederum ist

es unglaublich attraktiv,junge,

angehende Musiker zu erleben.

Im Krönungskutschensaal

findet am Dienstagabend

der Vortrag der Oboenklasse

von Diminik Wollenweber

statt, zur gleichen Zeit stellt

sich im Studiosaal die Gesangsklasse

von Thomas

Quasthoff vor. Weitere Vorträge

finden am Mittwoch,

Donnerstag und Freitag statt.

Es liegt eine nervöse Spannung

in der Luft bei diesen

Konzerten, die es bei professionellen

Veranstaltungen

nicht gibt, die aber entscheidend

zum Genuss beiträgt.

Noch dazu ist der Eintritt frei.

Susanne Lenz

Oboenklasse 19 Uhr,Krönungskutschensaal,

Gesangsklasse, 19 Uhr,

Studiosaal, Hochschule fürMusik

Hanns Eisler, Schloßplatz 7

Videostill des Elektroduos Chicks on Speed, das Teil des Right-the-Right-Festivals im Haus der Kulturen der Welt ist.

Das Urheberrecht ist ein

Dschungel, zugewachsen

und verschlungen,

vonseltsamen Pflänzlein

und Tierchen bevölkert. Gestritten

wird umdie Verteilung der Nahrung

in den Verwertungsketten, in denen

die streamende Leih- und Sharingwirtschaft

den physischen Besitz wesentlich

abgelöst hat. Gestritten wird

darum, was eigentlich wem gehört

und wer eswie und wann auf der

großen weiten Welt, also vor allem

im Netz, benutzen darf. Was kann

man mal eben hochladen und was

nicht? Welches Sample ist künstlerisch

begründet und welches nicht?

Und wie misst man das im Zweifel?

Müsste man gar den ganzen Klumpatsch

einfach abschaffen?

Was, wenn man alles anders machen

würde –solautet die zentrale

Frage, die sich das Right-the-Right-

Festival im HKW stellt. Es ist die logische

Folgeveranstaltung zum letztjährigen

„100 Jahre Copyright“, das

zu klären versuchte, worum es sich

beim Copyright handelt. Nun also

die Fragen: Wo hakt’s,was tun?

Dazu werden sich einerseits Talkrunden

voll Spezialisten beschäfti-

Markus Schneider

empfiehlt das HKW-Festival „Right the

Right“, das die Untiefen des Copyrights

ausleuchtet und sich dazu mit originellen

musikalischen Gerätschaften ausgerüstet

hat. Außerdem:Die neuseeländische

Singer/ SongwriterinAldous Harding und

der neue Musikpreis IMA.

gen, Juristen, Medienwissenschaftler,

Netzdesigner und Künstler. Und

andererseits werden naturgemäß die

letzteren die Probleme gleich in Konzerten

erhellen.

Am Freitag tun dies zum Beispiel

der smoothe, berlin-kanadische

Elektropopper DanBodan, der auch

für Googles lizenzfreie Audiobibliothek

geschrieben hat, und der Programmierer

Scott Carver. Dieser hat

ein paar Bodan-Kompositionen zur

Bearbeitung an ein selbstentwickeltes

Computerprogramm weitergegeben.

Und das Kammerensemble

Neue Musik stellt Original und KI-

Remix live und gleichsam zum Anfassen

gegenüber. Im zweiten Teil

des Abends wird John Oswald, der

Pionier der sogenannten Plunderphonics,

wohl wie seit über 40 Jahren,

seine Musikarchive plündern

und häckseln. Er verfremdet die

Schnipsel nicht, sondern hängt sie

nur mit anstrengend unterhaltsamem

Furor aneinander, ein Collagenwerk

aus ungefähr aller Musik

zwischen Klassik und Pop, die wir

kennen; oder die wir zum Erscheinen

von Werken wie „Plexure“ von

1993 kannten, das ich gerade im

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 85 51) Das perfekte

Geheimnis 14.45,17.30,20.30

Cinema Paris (& 881 3119) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40, 20.30

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Lara 15.00,

17.30,20.00

Delphi LUX (& 322 93 10 40) Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 13.40; Bis dann, mein

Sohn 16.00, 19.45; Parasite 14.30, 20.15; Das

perfekte Geheimnis 13.30, 16.15, 19.00, 21.40;

Verteidiger des Glaubens –Defender of the Faith

13.20; Systemsprenger 15.30; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 18.10, 21.00; M. C. Escher: Reise in

die Unendlichkeit 13.30; Deutschstunde 15.20;

Joker (OmU) 18.00, 20.45; But Beautiful –Nichts

existiert unabhängig (OmU) 13.50, 18.50; Booksmart

(OmU) 16.30, 21.30; Das Kapitalim21. Jahrhundert

14.00; Der Glanz der Unsichtbaren 16.15;

Downton Abbey (OmU) 18.40; Joker (OF) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53) DasWundervon Marseille

17.00; The Irishman (OmU) 19.30; Morgen

sind wir frei 17.30; Im Niemandsland (mit Gast)

20.00

Kant Kino (& 319 9866) Das perfekte Geheimnis

15.00, 17.45, 20.30; Es hätte schlimmer kommen

können –Mario Adorf 17.40; Joker 20.00; Ich war

noch niemals inNew York 14.30, 17.15, 20.00;

After the Wedding 14.45; Joker 17.15; PJHarvey

–ADog Called Money (OmU) 20.00; Nurejew –The

White Crow 14.30, 17.15, 20.00

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) Atmos: Das

perfekte Geheimnis 14.20, 17.10, 20.00; Atmos:

Joker 22.55; Last Christmas 14.00; Das perfekte

Geheimnis 22.30; Ich war noch niemals in New

York 14.35; Last Christmas 17.40, 20.10, 22.50;

Die Addams Family 15.00; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 17.20, 20.45; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.10; Joker 17.00, 19.50; Le Mans

66: Gegen jede Chance 22.45; LeMans 66: Gegen

jede Chance 14.30; Der letzte Bulle 17.50, 20.15;

Le Mans 66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari

(OF) 22.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

15.00;Terminator –Dark Fate 17.15, 23.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 20.10

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait delajeune fille

en feu (OmU) 11.00; 2040 –Wir retten die Welt!

(OmU) 13.15; The Dead Don‘t Die (OmU) 14.45;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 16.30; Gott

existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod postoi,

imeto i‘ ePetrunija (OmenglU) 18.00; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 19.45; Midsommar (OmU)

21.55; Born inEvin –Alles über Evin (OmU) 11.00;

Memory Games 12.45; Bamboo Stories (OmenglU)

14.15; Deutschstunde 15.50; Searching Eva

(OmenglU) 18.00; Systemsprenger (DFmenglU)

19.30; Once Upon aTime in... Hollywood (OmU)

21.40; Ama-San (OmU) 11.00;Nurejew–TheWhite

Crow (OmU) 13.00; M.C.Escher: Reise in die Unendlichkeit

–Escher: Het oneindige zoeken: Journey

Into Infinity (OmU) 15.10; After the Wedding (OmU)

16.35; Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait

de la jeune fille enfeu (OmU) 18.30; Joker

(OmU) 20.30; The Report (OmU) 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Das Kapital

im 21. Jahrhundert – Capital in the Twenty-First

Century (OmU) 14.00; 2040 –Wir retten die Welt!

(OmU) 16.00; Systemsprenger 17.45; Joker (OmU)

20.00; Parasite – Gisaengchung (OmU) 22.15;

M. C. Escher: Reise in die Unendlichkeit –Escher:

Het oneindige zoeken: Journey Into Infinity (OmU)

14.30; Verteidiger des Glaubens –Defender of the

Faith 16.15; Und der Zukunft zugewandt 18.00;

Frau Stern 20.00; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.00; Das perfekte Geheimnis

14.00, 16.30, 17.00, 19.00, 19.30, 20.00; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 14.10; Angry Birds

2: Der Film 14.10, 16.50; Unsere Lehrerin, die

Weihnachtshexe 14.20; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.20,18.00; Last Christmas 14.30,

17.15, 20.00; MyZoe 14.45; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.45, 17.40; Joker 15.00, 18.00,

20.30, 20.45; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

15.00; Dora und die goldene Stadt 15.15; Die

Addams Family 15.15; IMAX: Le Mans 66: Gegen

jede Chance 16.00, 19.30; Midway –Für die Freiheit

16.15, 19.30; 3D: Die Addams Family 16.40;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 17.40, 20.20;

Gut gegen Nordwind 17.45; Booksmart 17.45,

21.00; Ich war noch niemals in New York 17.50;

Joker (OF) 19.15; Le Mans 66: Gegen jede Chance

–Ford vFerrari (OF) 20.30; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 20.45; Terminator –Dark Fate 21.00

Zukunft (& 01 76/57 861079) Joker (OmU)

18.00; The Irishman (OmU) 20.15; Der Glanz der

Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.00; DieKinder

der Toten20.00;Bonnie &Bonnie (OmU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (& 04 51/703 02 00)

Le Mans 66: Gegen jede Chance 13.30, 16.40,

19.30; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 13.40;

Das perfekte Geheimnis 13.45, 16.30, 20.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.50, 16.45; Die

Addams Family 14.00, 17.00; Angry Birds 2:Der

Film 14.10; Last Christmas 14.15, 17.10, 20.10;

Joker 16.20, 19.40; Ich war noch niemals inNew

York 17.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

19.20; Terminator –Dark Fate 19.45; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.10

Kino Kiste (& 998 74 81) Ich war noch niemals in

New York 13.50; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

16.00; Eine ganz heiße Nummer 2.0 18.00;

Lieber Antoine als gar keinen Ärger 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion Hohenschönhausen (& 038 71

/211 41 09) Le Mans 66: Gegen jede Chance

14.15, 16.50, 19.45; Der König der Löwen 14.20;

Das perfekte Geheimnis 14.20, 17.15, 19.50; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.30, 20.20; Angry

Birds 2:Der Film 14.30; DieAddams Family 14.40,

17.20; Unsere Lehrerin,die Weihnachtshexe 14.50;

Last Christmas 15.00, 17.40, 20.15; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 15.10; Midway –Für die

Freiheit 16.50; Joker 17.00, 20.00; Der letzte Bulle

17.10; Ich war noch niemals in New York 17.20;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 17.30; Black

and Blue 19.30; Booksmart 19.45; Terminator –

Dark Fate 20.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.10

KREUZBERG

Babylon Kreuzberg (& 61 60 96 93) Joker (OmU)

16.20,19.30,22.15; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.10; Parasite – Gisaengchung

(OmU) 19.00, 21.50

fsk am Oranienplatz (& 614 2464) Porträt einer

jungen Frau inFlammen –Portrait de la jeune

fille en feu (OmU) 17.45; Lara (OmenglU) 17.45,

19.45; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod

postoi, imeto i‘ePetrunija (OmU) 20.15; PJ

Harvey –ADog Called Money (OmU) 21.45; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 22.15

Moviemento (& 692 4785) Searching Eva (OmU)

13.15, 22.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.15; Systemsprenger 17.15; Preview: Ich

bin Anastasia (m. Gästen) 20.00; Das Mädchen

Wadjda 14.15; Midsommar (OmU) 16.30; Porträt

einer jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune

fille en feu (OmU) 19.30; Systemsprenger 22.15;

Booksmart (OmU) 15.45, 18.00,20.15,22.30

Sputnik (& 6941147) Kinderfilm des Monats: Unheimlich

perfekte Freunde 10.30, 15.00; Deutschstunde

16.45; Smuggling Hendrix (OmU) 19.00;

Scary Stories toTell in the Dark (OmU) 20.30;

Parasite – Gisaengchung (OmenglU) 22.30; Human

Nature: Die CRISPR Revolution (OmU) 15.00;

Sterne über uns (OmenglU) 16.45; Der Glanz der

Unsichtbaren –Les invisibles (OmU) 18.30; Gott

existiert, ihr Name ist Petrunya (OmU) 20.30; Joker

(OmU) 22.15; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 17.00; Filmclub (OmU) 20.30

Yorck (& 78 91 32 40) Systemsprenger14.00; Parasite

16.40, 20.00; New Yorck Lara 15.10, 17.30,

19.30, 21.50

KÖPENICK

Spreehöfe (& 538 9590) Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.00, 16.00; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.30, 17.15, 20.00; Das perfekte

Geheimnis 14.45, 17.30, 20.15; Last Christmas

15.15, 17.45, 20.15; Die Addams Family 15.15,

18.00; Booksmart 17.30,20.00; Joker 20.30

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Lara 12.45,

20.00; LeMans 66: Gegen jede Chance 13.00,

16.15, 19.30; Die Addams Family 13.30; Happy

Ending –70 ist das neue 7014.50; Im Niemandsland

15.30; The Irishman 17.00; Das perfekte Geheimnis

17.30, 21.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Le

Mans66: Gegenjede Chance 14.00, 16.45, 20.15;

Das perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.15, 17.15; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.15; Dora und die

goldene Stadt 14.15; Booksmart 14.15, 17.30;

Last Christmas 14.30, 17.15, 20.00; Die Addams

Family 14.30; Terminator –Dark Fate 16.45; Ich

war noch niemals in New York 16.45; Joker 17.00,

20.00; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

19.50;Midway–Für dieFreiheit 19.55; Zombieland

2: Doppelt hält besser20.20; Sneak Preview20.30

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Preview: Götter von Molenbeek:

Gods ofMolenbeek (m.Gast u.Gespräch)

17.00; Und der Zukunft zugewandt 19.00; Porträt

einer jungen Frau in Flammen(OmU)21.15; Bornin

Evin –Alles über Evin (OmU) 18.00; Bande de filles

–Girlhood: Mädchenbande (OmU) 19.45; Morgen

sind wir frei 21.45

Babylon (& 242 5969) Gott existiert, ihr Name

ist Petrunya –Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 18.00; Premiere: Weg nach Athen (OmU; m.

Gästen) 20.00; Premiere: Yung (m. Gästen) 20.00;

Smuggling Hendrix (OmU) 20.00; Korea: Durst:

Thirst –Bakjwi (OmU) 21.45; Korea: Snowpiercer –

Seolguk-yeolcha (OmU) 22.00

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Joker

(OmU) 13.15,15.45, 18.30, 21.15; Lieber Antoine

als garkeinen Ärger –Enliberte! (OmU) 13.45; Fritzi

–Eine Wendewundergeschichte 16.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser –Zombieland2:Double

Trap (OF) 18.00, 20.15, 22.30

CineStarCUBIX (& 04 51/703 02 00) Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 11.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 11.00, 14.30; Maleficent: Mächte

der Finsternis 11.10, 13.30, 16.20; Dora und die

goldene Stadt 11.15; Die Addams Family 11.20,

13.45; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 11.30;

Das perfekte Geheimnis 11.30, 14.00, 17.10,

20.10, 22.45; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 11.45; Last Christmas 11.50, 14.30, 17.15,

20.00, 23.15; Downton Abbey 13.20; Le Mans 66:

Gegen jede Chance 13.45, 16.45, 19.40, 22.30;

Joker 14.00, 16.15, 19.20, 23.15; Ich war noch

niemals in New York 14.15, 16.30; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 17.00, 20.20, 23.00; Booksmart

17.20, 20.15; DerletzteBulle 17.45; Le Mans

66: Gegen jede Chance –Ford vFerrari (OF) 19.30;

3D:Maleficent:Mächte der Finsternis 19.50;Terminator

–Dark Fate 20.00; Midway –Für die Freiheit

22.50; HFR 3D: Gemini Man 23.00; Scary Stories

to Tell in the Dark 23.10; Halloween Haunt 23.15

Hackesche Höfe (& 283 4603) Berlin Babylon

(DFmenglU) 15.00; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 17.00; The Irishman 19.30; M. C.

Escher:Reise in die Unendlichkeit –Escher:Het oneindige

zoeken: Journey Into Infinity (OmU) 14.45;

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille enfeu (OmU) 16.30, 19.15; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 21.45; Bis dann, mein

Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 14.00, 17.30; Joker

(OmU) 21.00; Nurejew –The White Crow (OmU)

14.30; Systemsprenger (DFmenglU) 17.00; Parasite

–Gisaengchung (OmU) 19.30; Easy Love 22.15;

Der Glanz der Unsichtbaren –Les invisibles (OmU)

15.15; Lara (DFmenglU) 17.30, 19.45, 22.00

International (& 24 75 60 11)Lara 14.00, 16.30,

19.00; Booksmart (OmU) 21.30

Z-inema (& 28 38 91 21) Empty Town –Leere

Stadt (mit Gästen und Gespräch) 20.00

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Kurzfilmprogramm

(Museumsobjekte) 19.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 06 44)

Recep Ivedik VI (OmU) 14.00, 16.45, 17.15, 19.30,

20.10; LeMans 66: Gegen jede Chance 14.00,

17.00, 19.30; Das perfekte Geheimnis 14.15,

16.40, 19.45; Booksmart 14.15, 17.30; Angry

Birds 2: Der Film 14.15; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 14.20; Dora und die goldene Stadt 14.20;

Die Addams Family 14.20, 17.00; Last Christmas

14.45, 17.30, 20.15; 7. Kogustaki Mucize –Das

Wunder in Zelle Sieben 16.45, 19.55; Joker 17.00,

20.05; Terminator –Dark Fate 19.30; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.30

IL KINO (& 91 70 29 19) Joker (OmU) 10.00;

Porträt einer jungen Frau inFlammen –Portrait de

la jeune fille en feu (OmU) 12.20, 21.30; Systemsprenger

14.40; The Report (OmU) 17.00; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 19.10

Neues Off (& 62 70 95 50) Booksmart (OmU)

16.30, 19.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

21.30

Passage (& 68 23 70 18) Bis dann, mein Sohn

16.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian chang

(OmU) 19.45; Das perfekte Geheimnis 17.15,

20.00; Sneak Preview 22.30; Joker (OmU) 17.50,

20.30; PJHarvey –ADog Called Money (OmU)

16.15, 21.00; Systemsprenger 18.20

Rollberg (& 62 70 46 45) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30, 20.30; Joker (OF) 16.45, 19.30,

22.00; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 16.20, 19.00; Booksmart (OmU) 21.40; Le

Mans 66:Gegen jede Chance–Ford vFerrari (OmU)

16.50, 20.00; Booksmart (OF) 17.00, 22.10; Porträt

einer jungen Frau in Flammen –Portrait dela

jeune fille enfeu (OmenglU) 19.20

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

Last Christmas 14.00, 17.30, 20.15; Das perfekte

Geheimnis 14.10, 17.00, 20.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.20; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.30, 17.20; Dora und die goldene

Stadt 14.40; Die Addams Family 15.05, 17.10;

Joker 16.35, 20.10; Ich war noch niemals in New

York 16.45; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

19.30; Terminator –Dark Fate 19.40; Zombieland

2: Doppelt hält besser 19.50

Wolf (& 921 03 93 33) BabyWolfgang präsentiert:

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod postoi,

imeto i‘ ePetrunija (OmU) 11.00; PJ Harvey –A

Dog Called Money (OmU) 12.00; Gott existiert, ihr

Name ist Petrunya –Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 14.00, 19.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 14.30; Tonari noTotoro –Mein Nachbar

Totoro 16.10; Djon Africa (OmU) 17.00; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune

fille en feu (OmU) 18.10; Buchpräsentation (Lis

Rhodes) 20.00; The Irishman (OmU) 20.30; Bis

dann,mein Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 21.00


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 23

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

HKW

Streamingportal meines skeptischen

Vertrauens gehört habe. Schließlich

gibt es noch eine Kostprobe des mir

bisher unvertrauten „Algo-Raves“,

bei denen die Tanzenden als visuelle

Stimulation bei der audiovisuellen

Liveprogrammierung der Beats zuschauen

können. Interessant!

Spannend klingt auch die Forschung

des Münchner multimedialen

Elektroduos Chicks On Speed, in

der sie am Sonntag Musik aus Audio-

IDs herstellen, also den Detektivalgorithmen,

die Uploads nach einklagbaren

Copyrightverletzungen

beschnüffeln. Umgekehrt demonstrierthernach

liveJasmine Gaffond,

wie fehlerhaft diese Programme arbeiten

und was deren „false positives“

für unser aller digitales Treiben

bedeutet. Sie erhellt dabei wohl

auch, wie unser ganzer Alltag schon

kaum merklich von solchen Digitalmilben

verseucht ist. Schauder!

Erleichternd altmodisch wirkt dagegen

die Songschmiederei der Neuseeländerin

Aldous Harding. Für

mich persönlich rätselhaft ist nur,

welche Frequenz genau mir die

Freude an ihrem, von ihr selbst „gothic

folk“ genannten, Werk verdirbt.

Im Netz

wimmeln

digitale

Milben

Im Angebot der Popwoche:

eine Expedition durch den Copyrightdschungel,

feine Songwriterklassik und

POP

Aldous Harding 20. 11., Astra. 21 Uhr

Right the Right 21.–24. 11., Haus der

Kulturen der Welt

International Music Award 22. 11.,

VertiHalle. 20 Uhr

ein neuer Musikpreis

Sie baut ihre Songs vorzüglich, arrangiert

klug und mit Seele, sie singt

ihre wehen Weisen mit heller, klarer

Stimme. Vollkommen zu Recht also

finden alle sie und ihr jüngstes Album

„Designer“ toll. MitJohn Parish

hat es ein Mensch produziert, den

ich durch seine Arbeit mit PJ Harvey

schätze.Allein –ich fühl’das nicht.

Schließlich: Es ist ein neuer Musikpreis

in der Stadt. DenInternational

Music Award hat der deutsche

Rolling Stone ins Leben gerufen (für

den ich, dies aus Transparenzgründen,

auch schreibe). Manschautdabei

auf Qualität, Verkäufe interessierennicht.

Dazu gibt es eine breit besetzte

Jury aus Künstler*innen (darunter

Avantpopperin Charli XCX

und Soulerin Joy Denalane,Technogröße

Carl Craig und Poprapper Cro,

unddochauchChilly Gonzalez),aus

deren, wie ich finde schicken, Shortlists

ein „Board“ von (ungenannten)

internationalen Journalisten die Gewinner

in Kategorien wie „Future“,

„Style“ und auch „Commitment“

kürt. Es kommen u.a. die famosen

Holly Herndon und Anna Calvi

(yay!), UdoLindenberg und Peaches

(why not?). Undder leibhaftige Sting.

Architektur

Berlin

baut

um

Bauen hat in Berlin keinen

guten Ruf, zu stark waren

die öffentlichen Großprojekte

zuletzt mit der enervierenden

Begleitmusik von Kostensteigerung,

Umplanung und Bauverzögerung

versehen. Dabei

findet in der Berliner Architektur,

noch immer die öffentlichste

aller Künste, gerade

eine symbolische Großoffensive

statt. Unter der Federführung

des britischen Architekten

David Chipperfield wurde

unlängst die grazile und imposante

James-Simon-Galerie

auf der Museumsinsel eröffnet,

und vom Haushaltsausschuss

des Deutschen Bundestages

hat gerade Monika

Grütters’ Vorzeigeprojekt, das

Museum der Moderne (Herzog

&deMeuron) am Potsdamer

Platz, grünes Licht erhalten.

Gemeinsam mit dem

Schloss-Baumeister Franco

Stella setzen sich die Genannten

auf das Gesprächssofa von

3sat. HarryNutt

DasBlaue Sofa 19 Uhr, James-Simon-

Galerie,Bodestraße1–3

Schaubude (& 423 43 14)

10.00: MutigePrinzessin Glücklos, Erzähltheater mit

Zauberfaden und Papier (ab 7bis 12 J.)

Schwartzsche Villa (& 902 99 22 12)

10.30: Das Gespenst aus dem Koffer,Teatro Baraonda

(ab 3J.)

Theater Lichterfelde (& 84 31 46 46)

10.00: Frederik, der Träumer,Theater Vielfalt, Schattentheater

(ab2bis 6J.). Anm. erf.

Theater Zitadelle (& 335 37 94)

10.00: Rita, das Raubschaf, Theater Helm (ab 5J.)

LITERATUR/VORTRAG

Akademie der Künste am Pariser Platz

(& 200 57 10 00) 19.00 Plenarsaal: Buchpremiere:

Sarah Kirsch und Christa Wolf „Wir haben uns wirklich

an allerhand gewöhnt“ -Der Briefwechsel, mit Sabine

Wolf, Anna Thalbach undMaren Eggert, Lesung und

Gespräch mit Gerhard Wolf

Buchbox! Bötzowkiez (& /42 80 32 45)

20.00: Hufeland,EckeBötzow, Lea Streisand,

Buchvorstellung

Buchhandlung Lesen und lesen lassen

(& 291 53 82) 20.30: Insel-Lesen: Wir, im Fenster,

Lene Albrecht

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Frido Lampe. Briefe und Zeugnisse, Thomas

Ehrmann und E. vonWallmoden

Haus für Poesie (& 48 52 45 -0)

19.30: Samische Dichtung,Lesung und Gespräch

mit Johan Sandberg McGuinne, SigbjørnSkåden

und Inger-Mari Aikio. Moderation: PerBergström und

Laura Serkosalo

Literaturforum im Brecht-Haus (& 282 20 03)

20.00: Ein Auftrag für Otto Kwant, Jochen Schmidt,

Lesung und Gespräch, Mod: Thomas Flierl

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

20.00: Life Undercover, Moderation: WELT-Herausgeber

Stefan Aust, deutscher Text: Bettina Zimmermann

(Schauspielerin), Amaryllis Fox

Pierre Boulez Saal (& 47 99 74 11)

21.00: ANew Divan: Dichtung -The Appropriated

Female Voice, Gonca Özmen, Nujoom Alghanem, Iman

Mersal, Lesung in verschiedenen Sprachen

Regenbogen Kino (& 69 57 95 17)

19.00: Spontis, Sebastian Kasper

Schokoladen Mitte (& 282 65 27)

19.00: LSD -Liebe Statt Drogen

FÜHRUNG

Bärentouren (& 015 20 -5 22 67)

14.00: Architekturführung zu den berühmtesten Bauten

Preußens und Berlins: Die Hohenzollernund ihre

Baumeister,Treff: Granitschale, Lustgarten. Anm. erf.

16.00: Geschichte der Berliner Mauer -Ab„Checkpoint

Charlie“ entlang der bekanntesten Mauerrelikte,

Treff: Wachhäuschen „Checkpoint Charlie“, Friedrichstr..

Anm. erf.

Dalí Berlin (& 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí-Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Gemäldegalerie (& 266 42 42 42)

14.30: AugenblickeimMuseum. Herbst, Treff:

Information

Hamburger Bahnhof/Museum für Gegenwart

Berlin (& 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Materialität

in derKunst, Treff: Foyer

Olympiastadion (& 30 68 86 18)

11.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30: Tour durchs Olympiastadion (in English)

Stadt im Ohr (& 20 07 88 41)

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

11.00: Werkstatt Wedding.Hörspaziergang durchdie

Bilder einer Stadt, stadt im ohr,Treff und Ausgabe der

Audioguides. Rosa Parks Café, Soldiner Straße 32,

13359 Berlin

12.00: Audiotour Mitte-Schritte -Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin -Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im Cafe

Sibylle, Karl-Marx-Allee 72

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: Defne Sahin, Unravel

Acud MachtNeu (& 98 35 26 13)

20.00 Club: NAL (Leehee Moon)

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Tomas Rudzinskis Quartet

BadenscherHof Jazzclub (& 861 00 80)

21.00: Walter Gauchel (sax, fl) &Ekkehard Wölk (p),

Cookin’ with Jazz

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

21.00: Sassy 009

Cafe Tasso (& 48 62 47 08)

20.00: Catalina Sophie

Festsaal Kreuzberg (& 551 50 65 87)

20.00: Half Moon Run

Gretchen (& 25 92 27 02)

21.00: 30 Jahre Traumton: ShakeStew

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

20.00: Young Voices Brandenburg,Ltg.Prof. Marc

Secara, Young Voices Matter

Huxleys Neue Welt (& 301 06 80 88)

20.00: Ruel

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Tiere streicheln Menschen -Martin „Gotti“

Gottschild und Sven VanThom: Zwei Moorleichen

auf Ibiza

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (& 44 31 51 00)

20.00: Achim Kaufmann &Yorgos Dimitriadis feat.

BabySommer u. a., Vorder Mauer -nach der Mauer

Landesvertretung Baden-Württemberg beim Bund

(Tiergartenstr.15) 19.00: Zeitmusik BW Jazz: Olivia

Trummer

Metropol (Nollendorfpl. 5)

20.00: Lamb

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

20.00 Blaues Zimmer:Joy Crookes

20.30 Schwarzes Zimmer:Mat Kearney, City of Black

and Whie Revisited

Orania.Berlin (& 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series:Melanie Hierhammer

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Abdullah Ibrahim

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.15: Dirty DozenBrass Band

Rickenbacker’s (& 81 89 82 90)

21.00: Bluesrock-Session mitHeinz Glass u. a.

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Fabian Schöne Quartett

SO36 (& 61 40 13 06)

20.00: Lagwagon, Satanic Surfers

Zig Zag Jazz Club (& 94 04 91)

21.00: The Zig ZagJazzed Up Jam Session

CLUB

Bar Tausend (& 41 71 54 69)

22.00: Tausend Brazil, Dubben

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

23.00: Super Tuesday, RayBang,Dick Nasty

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Clärchens Discodienstag,Clärchen &friends

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Bellmeria, Hot Wlan, TheStain, Lewin Paul

Suicide Club (Revaler Str.99)

23.59: Encore.Une.Fois

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia,

Leandro

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) Lara

15.15, 18.00,20.20; Fritzi –EineWendewundergeschichte

16.00; Ich war noch niemals in New York

17.30; Parasite 20.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Systemsprenger

14.30; Parasite 17.10, 20.00; Bis dann,

mein Sohn 14.00, 19.30; Lara 15.30, 20.30;

But Beautiful –Nichts existiert unabhängig (OmU)

17.50; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte 14.00;

Booksmart (OmU) 16.00; Joker (OmU) 18.20,

21.00; Das perfekte Geheimnis 15.00, 17.45,

20.30

Kino &Bar in der Königstadt (& 01 63/262 72 80)

Fünf Dinge, die ich nicht verstehe 17.00; The Irishman

(OmU) 19.00

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

Le Mans 66: Gegen jede Chance 13.45, 17.00,

20.30, 22.00; Das perfekte Geheimnis 13.45,

16.40, 19.40, 22.45; Deutschstunde 14.00; Der

Glanz der Unsichtbaren 14.00; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm14.15; Booksmart14.15; Last

Christmas 14.30, 17.20, 20.00;Lara14.30,17.00,

19.30; Systemsprenger 16.30; MyZoe 16.30; Joker

(OmU) 16.45,20.00; Booksmart (OmU) 16.50;

Booksmart (OF) 19.00; Porträt einer jungen Frau

in Flammen 19.20; Parasite 19.30; Once Upon a

Time in... Hollywood (OmU) 21.30; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait delajeune fille

en feu (OmU) 22.15; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 22.30; Joker (OF) 22.40; Last Christmas

(OmU) 23.00

Krokodil (& 44 04 92 98)VictoryDay:Tag desSieges

–Den‘ Pobedy (OmU) 18.15; Gott existiert, ihr

Nameist Petrunya –Gospodpostoi,imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 20.00;Smuggling Hendrix(OmU) 21.45

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Systemsprenger

17.00; RoteRäte–Die bayrische Revolution aus der

Sicht von Augenzeugen /Esgeht durch die Welt ein

Geflüster–Zeitzeug*innender Münchner Revolution

&Räterepublik berichten (m. Gästen u.Diskussion)

19.00; Bamboo Stories (OmU) 22.30

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) Le

Mans66: GegenjedeChance14.10, 16.35, 19.35,

22.25; Last Christmas 14.10, 17.15, 19.50, 22.35;

Der König der Löwen 14.15; Das perfekte Geheimnis

14.15, 17.10, 20.00, 23.00; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.20; DieAddams Family 14.20;

Angry Birds 2:Der Film 14.20; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 14.25; Dora und die goldene

Stadt 14.25; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.45; Terminator –Dark Fate 16.40, 19.45, 22.55;

3D: Maleficent: Mächte der Finsternis 16.45,

20.00; Joker 16.50, 19.55, 22.55; Booksmart

17.00, 19.45; Ich war noch niemals inNew York

17.05; 3D: Die Addams Family 17.05; Zombieland

2: Doppelt hält besser 17.30, 20.00, 22.45; Once

Upon aTime in...Hollywood 19.20;Systemsprenger

19.55; Midway –Für die Freiheit 22.45; Scary Stories

to Tell in the Dark 22.55; Der letzte Bulle 23.00

REINICKENDORF

CineStarTegel (& 04 51/703 0200) Ella und das

große Rennen 9.00; Die Wiese –Ein Paradies nebenan

9.30;Traumfabrik 10.00; Le Mans66: Gegen

jede Chance 13.35, 16.45, 19.35; DemHorizont so

nah 13.50; Die Addams Family 14.00, 17.10; Das

perfekte Geheimnis 14.00, 17.00, 20.00; Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 14.10; Last Christmas

14.10, 17.00, 19.50; Booksmart 14.10, 20.30;

Angry Birds 214.20; Bayala 14.45; Ich war noch

niemals inNew York 16.25; Der letzte Bulle 16.45;

Maleficent: Mächte der Finsternis 16.50; Zombieland

2: Doppelt hält besser 16.55, 19.40; Joker

17.05, 19.45; Midway –Für die Freiheit 19.30; 3D:

Maleficent: Mächte der Finsternis 20.00;Terminator

–Dark Fate 20.10

SCHÖNEBERG

Cinema Walther-Schreiber-Platz (& 852 3004)

Downton Abbey 14.45; My Zoe 17.40,20.15

Cosima (& 85 07 58 02) Systemsprenger 18.00;

Deutschstunde 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Bis dann, mein Sohn –Di

jiutianchang (Omdt+englU) 14.00; Marianne &Leonard

–Words of Love (OmU) 17.45; Bis dann, mein

Sohn –Di jiu tian chang (OmU) 20.00

Xenon (& 78 00 15 30)Porträteiner jungen Frauin

Flammen 17.30; Porträt einer jungen Frau in Flammen

–Portrait de la jeune fille en feu (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.00; Spatzenkino

10.00, 11.15; Shaun das Schaf: Der Film

10.00, 12.05; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

10.00; Angry Birds 2:Der Film 10.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.10, 14.10, 17.00; Die

Addams Family 12.10, 14.15; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 12.20; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 14.05, 16.30, 19.30; Last Christmas

14.20, 16.55, 20.00; Das perfekte Geheimnis

14.35, 17.20, 20.10; Joker 17.30,19.50; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.20

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 60 81) Dark

Eden –Der Albtraum vom Erdöl (OmU) 10.00; Systemsprenger

12.45; Ich war noch niemals in New

York 15.15,20.15; Deutschstunde 17.45

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Last Christmas 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 0520)

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00, 12.10;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.50; Invisible Sue –Plötzlich unsichtbar

10.00; Dora und die goldene Stadt 10.00, 12.15,

14.15; Die Addams Family 10.00, 12.05, 14.20,

17.15; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

10.00; Angry Birds 2: Der Film 10.00, 12.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 12.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 12.10, 14.30, 17.35, 20.15;

Le Mans 66: Gegen jede Chance 14.05, 16.45,

20.30, 23.00; Das perfekte Geheimnis 14.10,

16.30, 17.05, 19.30, 20.05, 23.00; Ich war noch

niemals inNew York 14.20, 17.25, 19.45; Joker

17.15, 20.05, 22.20, 23.10; Zombieland 2:Doppelt

hält besser 20.30, 23.00; Midway –Für die

Freiheit 22.45

Thalia Movie Magic (& 774 3440) Last Christmas

15.30, 18.00, 20.30; Das perfekte Geheimnis

15.30, 18.00, 20.30; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 15.45; Die Addams Family 15.45; Ich war

noch niemals in NewYork 17.45;AdAstra –Zuden

Sternen 18.00, 20.30; Zombieland 2:Doppelt hält

besser 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Magical History Tour:

Showgirls (OF) 20.00; KinoPolska: Boisko bezdomnych

–Sportplatz der Obdachlosen (OmenglU; m.

Einführung) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 806969)

Joker 12.50, 13.30, 16.00, 16.50, 19.10, 19.45,

20.10, 22.20; Das perfekte Geheimnis 13.00,

14.00, 16.00, 17.15, 19.10, 20.30, 22.20; AToy

Story: Alles hört auf kein Kommando 13.15; Dora

und die goldene Stadt 13.20, 14.20; Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.30; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 13.30, 16.30, 19.00, 20.10, 22.40;

DasWunder von Marseille 13.30; Booksmart 13.50,

16.40, 19.40, 22.30; AngryBirds2:Der Film 13.50;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.00; Lara

14.00, 16.40, 19.30; Dem Horizont so nah 14.00;

Bayala –Das magische Elfenabenteuer 14.00; Last

Christmas14.10,17.00, 19.50, 22.50; DieAddams

Family14.10,16.30;DowntonAbbey16.00; Parasite

16.20, 19.30, 22.40; 3D: Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.20, 19.30, 22.40; Terminator –Dark

Fate 16.30, 19.40, 22.45; Systemsprenger 16.30;

Good Boys 16.30; Der König der Löwen 16.40; My

Zoe 17.00, 19.40; Zombieland 2 17.10, 20.00,

22.50; Ich war noch niemals in New York 17.10;

Once Upon aTime in... Hollywood 19.10; Midway –

Für die Freiheit 19.10; Everybody Everything –Eine

Dokumentation über Lil Peep (OmU) 19.45; Halloween

Haunt 20.20, 22.50; Es: Kapitel II 22.15;

Gemini Man 22.30; Fast &Furious: Hobbs &Shaw

22.40;Der letzte Bulle22.45; Scary StoriestoTellin

the Dark 22.50; Black and Blue 22.50

CineStar im Sony Center (& 04 51/703 02 00)

Rafiki (OmU) 10.00; Streik – En guerre (OmU)

10.15; Le Mans 66: Gegen jede Chance –Ford v

Ferrari (OmU) 13.30, 16.15, 19.50, 22.30; Die

Addams Family –The Addams Family (OF) 13.30;

Ad Astra – Zu den Sternen (OF) 13.30; Maleficent:

Mächte der Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil

(OF) 13.40, 16.45, 19.40; Shaun das Schaf: Der

Film: UFO-Alarm –Shaun the Sheep Movie: Farmageddon

(OF) 13.45; Joker (OF) 13.45, 17.00,

20.00, 23.00; Last Christmas (OF) 14.00, 16.45,

19.30, 22.20; Zombieland 2:Doppelt hält besser

–Zombieland 2:Double Trap (OF) 14.15, 17.00,

19.45, 22.40; Black and Blue (OF) 16.10; Once

Upon aTime in...Hollywood (OF) 16.30; Booksmart

(OF) 16.45, 19.30; Midway –Für die Freiheit (OF)

19.00, 22.40; Terminator –Dark Fate (OF) 20.00,

23.15; Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 22.20;

Scary Stories toTell inthe Dark (OF) 23.15

CineStar IMAX (& 04 51/703 0200) IMAX: Le

Mans 66: Gegen jede Chanc (OF) 11.45, 15.30,

19.10;IMAX:LeMans 66: Gegenjede Chance 22.45

Filmrauschpalast (& 394 4344) Sin City (OmU)

20.00; Zombieland 2:Doppelt hält besser –Zombieland

2: Double Trap (OF) 22.15

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.00; Die Addams Family 14.00,

16.00; Bayala – Das magische Elfenabenteuer

14.00; Das perfekte Geheimnis 14.30, 17.15,

20.00, 22.30; Ich war noch niemals in New York

15.00, 17.30; Last Christmas 15.45,18.00, 20.15,

22.30; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

16.00, 18.30; Zombieland 2: Doppelt hält besser

18.00, 20.15, 22.30; Joker 20.00,22.30; Terminator

–Dark Fate 21.00

Casablanca (& 677 57 52) Ich war noch niemals

in New York 15.30; Parasite 18.00; Deutschstunde

20.30

CineStar Treptow (& 04 51/703 02 00) Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.00, 17.00; Le Mans

66: Gegen jede Chance 14.00, 16.35, 19.45; Die

Addams Family 14.00, 17.25; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.15; Das perfekte Geheimnis

14.15, 17.15, 20.00; Angry Birds 2: Der Film

14.15; Last Christmas 14.30, 17.15, 20.00; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.30; Dora und die

goldene Stadt 14.45; Ich war noch niemals inNew

York 16.50; Recep Ivedik VI (OmU) 17.00, 19.50;

Joker 17.00, 20.15; Zombieland 2: Doppelt hält

besser 17.30, 20.15; Scary Stories to Tell in the

Dark 19.45; Terminator –Dark Fate 19.55; Midway

–Für die Freiheit 20.00

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Unheimlich

perfekte Freunde 10.00, 14.30; LeMans

66: Gegen jede Chance 14.00, 17.00, 20.30; Last

Christmas 14.10, 17.00, 19.50; Das perfekte Geheimnis

14.10, 17.00, 20.10; Die Addams Family

14.15; Dora und die goldene Stadt 14.20; Recep

Ivedik VI 14.45, 16.30, 17.30, 19.30, 20.15; 7. Kogustaki

Mucize –Das WunderinZelle Sieben16.45,

19.45; Maleficent: Mächte der Finsternis 17.25;

Joker 20.00

CityKino Wedding (& 01 77/270 19 76)Berlinale

Spotlight: Dreißig (m. Gästen) 19.00; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 21.30

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 4001) 30 Jahre Mauerfall:

Lustrum (OmU) 18.00; Parasite – Gisaengchung

(OmU) 20.00

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Everest: Ein Yeti

will hochhinaus 14.00; DerkleineMaulwurf (1963-

1975) 16.15; RoyalOperaHouse London: DonGiovanni

18.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

9.00; Das Tagebuch der Anne Frank 11.00; Das

perfekte Geheimnis 15.00,17.30,20.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Nurejew –The

White Crow 15.30; Systemsprenger 18.00; Parasite

20.30

Eva-Lichtspiele (& 92 25 53 05) Ichwar noch niemals

in NewYork 15.15; Parasite17.45; The Report

20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Deutschstunde 18.00; Der

Glanz der Unsichtbaren 20.30

Capitol (& 831 64 17) Lara 15.30,18.00,20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 8112) Die

Parallelstraße (m.Vorfilm u. Einführung)17.00; Weitermachen

Sanssouci 19.30

Thalia Potsdam (& 03 31/743 70 20) ImNiemandsland

13.30; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 14.00; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-

Alarm 14.15; Lara 14.45, 18.45, 20.45; Das perfekte

Geheimnis 15.30, 18.00, 20.45; Porträt einer

jungen Frau inFlammen 15.45, 18.15; Marianne

&Leonard –Words of Love (OmU) 16.00; Invisible

Sue –Plötzlich unsichtbar16.45; Das Forum (OmU)

18.15; My Zoe 20.45; Parasite 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Le Mans 66: Gegen jede Chance 13.40, 16.20,

19.50; Maleficent: Mächte der Finsternis 13.50,

16.40; Das perfekte Geheimnis 13.50, 16.50,

19.40, 20.00; Last Christmas 14.00, 17.10, 20.15;

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.10; Die

Addams Family 14.10, 17.20; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 14.15,17.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.20;Ich warnochniemals in New

York 16.30; Joker 16.50, 19.50; Terminator –Dark

Fate 19.50; 3D: Maleficent: Mächte der Finsternis

20.00; Zombieland 2:Doppelt hält besser 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis17.15,

20.00

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/

46 97 77) Ichwar noch niemals in NewYork 17.15;

Prelude 20.00

CineStar Wildau A10-Erlebniswelt (& 04 51/

703 02 00) Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.30; Le Mans 66: Gegen jede Chance 14.30,

17.00, 19.40; Last Christmas14.30, 17.15, 20.15;

Das perfekte Geheimnis 14.30, 17.10, 20.00;

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.40, 17.20,

20.20; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.40; AngryBirds

2: Der Film 14.40; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.45; Die Addams Family 14.50,

17.45; Dora und die goldene Stadt 15.15; Joker

16.50, 20.00; Ich war noch niemals in New York

17.00; Booksmart 17.00, 20.05; Der letzte Bulle

17.30, 19.45; Zombieland 2:Doppelt hält besser

17.45, 20.20; Terminator –Dark Fate 20.15; Midway

–Für die Freiheit 20.15

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Maleficent:

Mächte der Finsternis 15.00; Last Christmas

15.15, 18.00, 20.30; Das perfekte Geheimnis

15.15, 17.45, 20.30; AdAstra –Zuden Sternen

17.45; Nurejew –TheWhite Crow 20.30


24 * Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019

·························································································································································································································································································

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COMIC

Die Kunst,

am Abgrund

zu bestehen

VonOlaf Kieser

CassandraDrake ist seit Jahrzehnten

als Kunsthändlerin in London

tätig. Gutes Gespür für Kunst

und Geschäftssinn haben ihr einen

Wohnsitz im noblen Chelsea eingebracht,

in dem die egozentrische alte

Dame mit Neigung zur Boshaftigkeit

residiert. Doch die ruhigen Tage im

Wohlstand sind gezählt.

Cassandra hat nämlich unautorisierte

Kopien von Werken eines verstorbenen

Künstlers verkauft. Als das

auffliegt und sie vor Gericht landet,

kostet das Cassandra ihren Ruf und

ihre Galerie. Auch dass sie ihrer

Nichte Nicki, einer jungen Aktionskünstlerin,

in ihrer Souterrain-Wohnung

für einige Monate Unterschlupf

gewährt, erweist sich als folgeschwer.

Durch eine Verkettung von Umständen

werden Cassandra und Nicki in

einen Mordfall verwickelt, der Cassandra

aus ihrer elitären Enklave in

ziemlich düstere Londoner Gegenden

führtund mit Dingen in Kontakt

bringt, von denen man gerne in Kriminalromanen

liest, sie aber lieber

nicht selbst erleben möchte.

„CassandraDrake“ vonPosy Simmonds

ist ein Comic, der mit Fug

und Recht im engeren Sinne als Graphic

Novel bezeichnet werden

könnte. Bevor Simmonds sich dem

Medium Comic zugewandt hatte,

hat sie lange Jahre als Karikaturistin

für diverse englische Zeitungen und

Satire-Magazine gearbeitet. Ihre eigenwillige

Montage von Text und

Bild geht über das hinaus,was in den

meisten Comics üblich ist.

Simmonds ist aber nicht nur eine

großartige Zeichnerin, sie ist auch

eine ebenso gute Beobachterin und

Geschichtenerzählerin. In CassandraDrake

verbindet sie Komödie,

Generationen- und Familienkonflikte,

psychologisches Portrait und

Gesellschaftskritik zu einer ebenso

spannenden wie unterhaltsamen

Geschichte.Außerdem schafft sie es,

die moderne Medienwelt mit Kurznachrichten,

Kopfhörer, Smartphone

und ständiger Erreichbarkeit

zu integrieren.

Wenn Cassandra mit spitzer

Zunge die Kunstszene und die Konventionen

der britischen Mittel- und

Oberklasse kommentiert, bereitet

das großes Vergnügen. Auch das Aufeinandertreffen

zweier völlig unterschiedlicher

Kunstverständnisse ist

erheiternd. Für Cassandra besteht

Kunst aus Gemälden und Skulpturen.

Etwas, was man sich hinstellen

oder verkaufen kann. Nickis Performance-Kunst

ist ihr völlig fremd und

sei bestenfalls dazu geeignet, Leuten

auf die Nerven zu gehen.

Die Mordgeschichte konfrontiert

Cassandramit der teils brutalen Realität

des modernen Englands.Esgeht

um Zwangsprostitution und Menschenhandel.

Der Krimiplot ist zwar

wichtig, im Zentrum steht aber Cassandra.

Bei ihren Recherchen gelangt

sie,die stets auf ihreUnabhängigkeit

stolz war und eine damit einhergehende

Überheblichkeit an den

Taglegte, zueinigen schmerzhaften

Selbsterkenntnissen.

„Cassandra Drake“, aus dem Englischen von

Sven Scheer,Reprodukt, Berlin 2019, 98 Seiten,

24 Euro.

Olaf Kieser ist froh, dass

er vonden menschlichen

Abgründen nur lesen muss.

In zwei riesigen Lagerhallen in Neuenhagen (Brandenburg) und Leipzig werden die Produkte gelagert.

Profitieren von Greta

Second-Hand-Produkte zu kaufen, ist wieder in Mode: Das Berliner Start-up Momox spürt das besonders

VonJörg Hunke

Ein wenig neuwertiger Luxus

darfdann doch sein. Heiner

Kroke hat eine Kragenweite

von 39und eine Armlänge

von 41, da wird es schwierig, passende

Oberhemden zu finden. Deshalb

trägt er sie maßgeschneidert. Alles

andere, was man an ihm sieht,

Sakko, Jeans und Schuhe ,stammen

aus dem Second-Hand-Verkauf.

So muss das wohl sein, wenn man

der Chef von Momox ist, dem europaweit

sehr beachteten Online-

Händler für gebrauchte Artikel in

den Bereichen Textilien, Bücher und

Medien. Bei Momox können die

Kunden ihreausrangierten Warenzu

einem vorgeschlagenen Preis verkaufen,

Momox oder besser die

schlauen Algorithmen bieten die

Produkte dann auf verschiedenen

Plattformen zum Verkauf an.

Einkauf auf dem Flohmarkt

Die Geschäftsidee stammt aus dem

Jahr 2004, neuen Schwung gab es in

den vergangenen Monaten auch

durch die„Fridays for Future“-Bewegung.

Weralso daran zweifelt, dass

Greta Thunberg mit ihren Aussagen

wirklich etwas bewegt, der sollte in

die Lagerhallen von Momox nach

Neuenhagen (Brandenburg) oder

Leipzig fahren. Geschäftsführer

Kroke sagt jedenfalls nicht ohne

Stolz, dass das Start-up wirklich profitabel

arbeitet und händeringend

Fachkräfte gesucht werden.

Jede Gründergeschichte hat ihren

Charme, weil Schicksal und Zufall

sich immer einmischen, aber die von

Momoxist schon speziell. Eigentlich

war der Gründer Christian Wegner

aus Fürstenwalde vor 15

Jahren auf der Suche

nach einer Arbeit. Weil er

gerade Langeweile hatte

und auch nicht viel Geld

besaß, ging er in ein Antiquariat,

um sich ein Buch

zu kaufen. Zu Hause angekommen

merkte er,

dass es doch nicht spannend

war, wie er erhofft

hatte. Also bot er es im

Netz zum Verkauf an. Das

Ergebnis: Er konnte das Buch zu einem

höheren Preis verkaufen, als er

es erworben hatte. Damit war die

Geschäftsidee geboren.

Wegner stöberte danach auf Flohmärkten,

brachte sich das Programmieren

bei und zwei Jahre später

ging der Online-Handel los. Inzwischen

hat sich Wegner zurückgezogen.

Seitdem ist es ruhig geworden

um ihm. Die Geschäfte laufen trotzdem

gut weiter. Inzwischen so gut,

dass Momox die ehemaligen Geschäftsräume

von Zalando in der

Nähe des Ostbahnhofs übernommen

hat. Lange Flure, große Räume,

Geschäftsführer

Heiner Kroke

Platz für mehr als 150 Mitarbeiter,an

sechs Standorten sind es insgesamt

1700. „Wir stellen jede Woche neue

Mitarbeiter ein“, sagt Kroke.

Wiesich dasVerhalten der Konsumenten

im Umgang mit Second-

Hand-Produkten veränderthat, lässt

sich auch an den Ergebnissen von

Umfragen erkennen, die

Momox immer wieder

durchführen lässt. „Der

Nachhaltigkeitsgedanke

ist noch nicht bei allen

Deutschen angekommen.

Im Gegenteil: Bei

MOMOX

Die Spielmacherin

manchen Verbrauchern

scheint es bei diesem

Thema einigen Nachholbedarf

zugeben –insbesondere

beim Umgang

mit gebrauchter Kleidung.

Denn: 64 Prozent der in der

Studie Befragten werfen ihr gebrauchtes

T-Shirt oder die gebrauchte

Jeans lieber weg, anstatt sie

zu verkaufen.“ So lautete die Erkenntnis

vorein paar Jahren.

Zahlen aus dem vergangenen

Jahr kommen zu einem anderen Ergebnis.

Etwa 90 Prozent der Befragten

gaben an, dass ihnen Nachhaltigkeit

beim Kleidungskauf wichtig

oder sogar sehr wichtig ist. Und 25

Prozent der Befragten gaben an, dass

sie seit einem Jahr oder kürzer Second-Hand-Textilien

shoppen. Zur

Erinnerung: Greta Thunberg gewann

auch im vergangenen Jahr einen

Schreibwettbewerb in Schweden

und wurde danach mit dem

Schulstreik weltweit bekannt. Und

sie wies früh auf die Vorteile von Second-Hand-Produkten

hin.

Zehn Kilometer proTag

MOMOX

Thunbergund viele junge Aktivisten

beklagen, dass wir in einer Überflussgesellschaft

leben, in der viel zu

viel weggeschmissen wird. In den

beiden Lagern von Momox wird nur

der erste Teil bestätigt. Die Flächen

sind riesig, Kroke spricht davon, dass

die Angestellten bis zu zehn Kilometer

proTag zurücklegen, um die Waren

zutransportieren. Aber weggeschmissen

wird hier nicht. Es geht

ums Weiterverkaufen.

Bleibt noch die Frage nach der

Stromversorgung der leistungsstarken

Computer. Die Geräte sind immer

unterwegs im Netz, um Preise

und Angebote zu checken und auch

herauszufinden, welche Artikel der

Markt gerade so gar nicht braucht.

Das kostet Energie. Kroke verweist

darauf, dass das Thema fürs kommende

Jahr auf dem Plan stehe.„Wir

haben vorkurzemdie Verpackungen

umgestellt, um hier nachhaltiger zu

werden. In der Roadmap für 2020

stehen noch weitere Aktivitäten, die

uns ein nachhaltigeres Vorgehen ermöglichen,

auch die Nutzung von

Öko-Strom.“

Jade Raymond hat in den großen Gaming-Studios gearbeitet, bevor sie Googles Streamingdienst Stadia auf den Wegbrachte

VonSebastian Moll

Google hat nicht eben den besten

Ruf, wenn es um die Behandlung

von Frauen im Konzern geht.

Gerade einmal voreinem Jahr drang

an die Öffentlichkeit, wie hochrangige

Manager,die Angestellte sexuell

belästigt oder missbraucht hatten,

üppig ausbezahlt wurden. Die Muttergesellschaft

Alphabet hat erst in

der vergangenen Woche eine Kommission

ins Leben gerufen, um die

Vorfälle zu untersuchen.

So ist es ganz sicher kein Zufall,

dass Google im Frühjahr dieses Jahres

eine Frau an die Spitze eines rapide

wachsenden Geschäftsbereichs gestellt

hat. DieBerufung vonJade Raymond

zur Vize-Präsidentin mit Aufsicht

über Google Studios und den

Spiele-Streamingdienst Stadia soll

dabei helfen, das Image des Konzerns

in Sachen Frauen aufzupolieren.

Am heutigen Dienstag steht Raymond

im Mittelpunkt des öffentlichen

Interesses.Stadia soll online gehen

und damit eine neue Epoche im

Reich der Spiele einläuten. Stadia ist

nach Amazons Twitch der zweite

große Streaming-Dienst für Spiele

und Experten sehen darin das nahende

Ende der Konsole.Das Spielen

der Zukunft findet auf der Cloud statt.

Nun tut man Jade Raymond sicher

unrecht, wenn man sie bloß als

die Quotenfrau vonGoogle bezeichnet.

Wenn es jemanden gibt, der

dazu berufen ist, einen zentralen

Posten im Spiele-Sektor ein zu nehmen,

dann ist es Raymond.„Ich habe

eben mit meinen Schwestern rund

um die Uhr gespielt, als wir aufgewachsen

sind“, sagt Raymond. Sie

waren klassische Nerds und die Tatsache,

dass sie als Frauen in der

Szene eine Minderheit darstellten,

kamen ihnen gar nicht in den Sinn.

Das änderte sich auch nicht, als

Raymond nach dem Studium begann,

als Programmiererin bei Sony

Spiele zu entwerfen. Raymond folgte

einfach ihrer Leidenschaft. Erst als

der Erfolg sich einstellte, merkte sie,

dass es für Frauen in der Branche

deutlich schwieriger ist als für Männer.

Im Jahr 2004 wechselte Raymond

zu Ubisoft und wirkte maßgeblich an

der Entwicklung der „Assassin’s

Creed“-Serie mit, die auf anspruchsvolle

Weise große Momente der

Menschheitsgeschichte wie die Zeit

der Pharaonen oder die Französische

Revolution zum Anlass für eine

Spielidee machen. Sie stieg bald zur

Studio-Leiterin bei Ubisoft auf und

wurde zu einer der einflussreichsten

Entwicklerinnen in der Branche.

Ihre profilierte Stellung machte

sie aber auch zur Zielscheibe reaktionärer

Kräfte in der Branche. Ray-

mond war Anfeindungen ausgesetzt,

die in einem pornografischen Comic

mit ihr als Protagonistin gipfelten.

„Es war das erste Mal, dass ich der

hässlichen Seite unseres Gewerbes

ausgesetzt war“, sagt sie. „Bis dahin

hatte ich einfach nur Spaß an dem,

was ich tue.“

Aber es kam noch schlimmer:Um

das Jahr 2010 herum formierte sich

Widerstand gegen Frauen in der Gaming-Welt.

Zielscheibe waren neben

Raymond andere einflussreiche

Frauen in der Branche wie die Entwicklerinnen

Zoe Quinn und BriannaWu,Gamergate

war das Schlagwortdazu.

Diese Ereignisse haben letztlich

auch Jade Raymond politisiert, sie

setzt sich seither für die Beschäftigung

vonFrauen in der Branche ein,

die mittlerweile mehr als 40 Prozent

der Spiele-Konsumenten aber nur 23

Prozent der Arbeitnehmer bilden.

NACHRICHTEN

Weiterer Schlag gegen

Kinderpornografie

Im Zuge eines neuen Schlags gegen

die Verbreitung vonKinderpornografie

haben Ermittler eine Plattform

im sogenannten Darknet abgeschaltet.

Außerdem seien bei einer Razzia

in sieben Bundesländernamvergangenen

Mittwoch insgesamt 26 Objekte

durchsucht und zahlreiche Beweismittel

beschlagnahmt worden,

teilten die federführende Generalstaatsanwaltschaft

Frankfurtam

Main und das Polizeipräsidium

Münster am Montag mit. Festnahmen

habe es zunächst nicht gegeben.

DenAngaben zufolge soll ein

43-jähriger Baden-Württemberger

aus dem Landkreis Schwäbisch Hall

die Plattformbetrieben haben. Gegen

ihn bestehe Tatverdacht, darüber

hinaus gegen 25 mutmaßliche

Nutzer der Plattform. (AFP)

Iranische Regierung

schließt Internet-Zugang

Dieiranische Regierung hat nach den

massiven landesweiten Protesten

und Unruhen eine deutlicheWarnung

an die Bevölkerung ausgesprochen.

DieRegierung verstehe zwar

die Kritik der Bürger und ihreProteste,

gehe aber gegen Gewalt und

Vandalismus konsequent vor. „Unruhestifter

und Saboteureverfolgen andereZiele

und überschatten damit

auch die legitimen Proteste der Bürger“,

betonte Präsident Hassan Ruhani

im Staatssender Khabar.Wie

groß die Proteste tatsächlich sind und

wie hartdie Sicherheitsbehörden dagegen

vorgingen, war aus unabhängigen

Quellen seit Samstagnachmittag

kaum noch zu erfahren. Seither hat

die Regierung das Internet weitgehend

abschalten lassen. (dpa)

US-Chef John Legere

verlässt die Telekom

Mit aggressivem Marketing machte John

Legere auf sich aufmerksam. AP/S. BRASHEAR

DieDeutsche Telekom verliertmit

John Legereden schillernden Chef ihrerUS-Mobilfunktochter

T-Mobile

US. DerManager werdeseinenVertrag

bis Ende April2020 erfüllen und

das Amt dann an den fürs Tagesgeschäft

verantwortlichen Geschäftsführer

Mike Sievertübergeben, teilten

T-Mobile US und die Deutsche

Telekom mit.„John Legerekannauf

eine außerordentlich erfolgreiche

Zeit als CEO zurückblicken“, sagteTelekom-Chef.

Legerehatte die US-

Sparte mitaggressiven Marketingmethoden

und vielen Milliarden aus

Bonn zum drittgrößten Mobilfunker

der USA gemacht. (dpa)

Autokäuferin verliert

vor Gericht

Nicht immer gilt das zweiwöchige

Widerrufsrecht bei Waren, die im

Netz gekauft worden sind. Darauf

hat der Deutsche Anwaltsverein hingewiesen.

Eine Frau hatte gegen einen

Autohändler geklagt, weil sie das

gewünschte Fahrzeug auf einer

Plattformgefunden und zunächst

per Mail kommunizierthatte.Sie

ging voneinem sogenannten Fernabsatzgeschäft

aus.Dader Kauf des

Fahrzeugs aber vorOrt beim Händler

stattfand, wies das Landgericht

Osnabrück (Az.: 2O683/19) die

Klage ab.Das Online-Angebot und

die Kommunikation per Telefon und

Mail seien keine ausreichenden

Gründe,hieß es. (BLZ)


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun 9.55

(für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Wer weiß denn

sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für

HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG)

Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10

(für HG) Sturm der Liebe 16.00 (für HG)

Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG)

Brisant 18.00 (für HG) Wer weiß denn sowas?

18.50 (für HG) Familie Dr. Kleist 19.45 (für HG)

Wissen vor acht –Natur 19.50 (für HG) Wetter

19.55 (für HG) Börse 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Tierärztin Dr. Mertens

Tierarztserie.Ein unwiderstehliches

Angebot. Auf dem Weg zur Arbeit

begegnet Susanne in der Nähe des Zoos

einem Wolf. Georg und seine Mitstreiter

vom „BUND“ starten eine Suchaktion.

21.00 (für HG) In aller Freundschaft

Arztserie. Schöne Aussichten

21.45 (für HG) Report München

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) 3nach 9

0.45 (für HG) Nachtmagazin

1.05 (für HG) Tierärztin Dr. Mertens

RTL

5.05 Der Blaulicht Report 5.25 Exclusiv –Das

Starmagazin 5.35 Explosiv –Das Magazin 6.00

Guten Morgen Deutschland 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten 9.00 Unter uns. Daily

Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt 10.00 Der

Blaulicht Report 11.00 Der Blaulicht Report

12.00 Punkt 12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00

Die Superhändler–4Räume, 1Deal 15.00

Schätze aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter

allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf. Telenovela

17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –

Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Starmagazin

18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell –Das Wetter

19.05 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 RTL Fußball –European Qualifiers

Countdown/20.45 Anstoß: Deutschland

–Nordirland, live. In Gruppe Cder

European Qualifiers konkurrieren beide

Teams um Platz 1, daher ist ein erneuter

Sieg der Deutschen heute Pflicht.

22.40 RTL Fußball –European Qualifiers

Highlights und Zusammenfassung der

anderen Spiele

0.00 RTL Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.30 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Krimiserie. Die Frau am Flughafen

MDR

12.30 (für HG) Glücksbringer. Drama, D/A 2010

13.58 (für HG) MDR aktuell 14.00 (für HG) MDR

um 2 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt 16.00 (für

HG) MDR um 4 17.45 (für HG) MDR aktuell

18.05 (für HG) Wetter für 3 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Unser Sandmännchen

19.00 Regionales 19.30 (für HG) MDR aktuell

19.50 (für HG) Einfach genial 20.15 (für HG) Die

besten Hits aller Zeiten 22.30 (für HG) MDR

aktuell 22.50 Der Fall Biermann 23.33 MDR

aktuell 23.35 Polizeiruf 110: Schuldig.

Krimireihe, DDR 1978 1.05 WaPo Bodensee

Bayern

12.40 Fuchs und Gans 13.30 (für HG) Verrückt

nach Zug 14.15 (für HG) Hofgeschichten 14.45

(für HG) Gefragt –Gejagt 15.30 Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir in Bayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG)

Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Tatort:

Ausgelöscht. Krimireihe, A2011 21.45 (für HG)

Rundschau Magazin 22.00 (für HG) Capriccio

22.30 Zeichner der Zeit 23.15 nacht:sicht 23.45

Gardiner dirigiert Haydn 1.00 Rundschau Nacht

Vox

5.15 CSI: NY 6.55 CSI: Den Tätern auf der Spur

8.50 Verklag mich doch! 10.50 Vox Nachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 12.00 Shopping Queen 13.00 Zwischen

Tüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00

4Hochzeiten und eine Traumreise 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein

Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00

Prominent! 20.15 Hot oder Schrott –Die

Allestester 0.15 Vox Nachrichten 0.35 Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin

Super RTL

9.35 WeihnachtsmannJunior 10.10 Sammy

10.40 Grizzy &die Lemminge 11.10 Alvinnn!!!

11.40 Go Wild! 12.10 Friends 12.30 Trolls

12.50 Polly Pocket 13.15 Tom und Jerry 13.45

Bugs Bunny &Looney Tunes 14.15 Angelo!

14.45 Dragons 15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!!

16.10 Sally Bollywood 16.40 Barbie 17.10

Grizzy &die Lemminge 17.40 Angelo! 18.10

Bugs Bunny &Looney Tunes 18.35 Woozle

Goozle 19.05 Alvinnn!!! 19.45 Tom und Jerry

20.15 Snapped –Wenn Frauen töten 23.50

Böse Mädchen 0.20 Infomercials

Sport1

5.55 Sport Clips 6.00 Teleshopping 15.30

Normal 16.00 Cajun Pawn Stars –Pfandhaus

Louisiana 16.30 Storage Wars –Die Geschäftemacher.

Doku-Soap 17.30 Container Wars 18.55

Eishockey. ChampionsHockey League. Adler

Mannheim –Mountfield HK/CZE, Achtelfinale,

Rückspiel, live 21.30 Eishockey. Champions

Hockey League. EHC Biel Bienne/SUI –Augsburger

Panther, Achtelfinale, Rückspiel, live 22.15

Die PS Profis –10Zylinder 23.00 Die PS Profis

–Mehr Power aus dem Pott 0.00 Sport Clips

ZDF

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

heute Xpress 9.05 (für HG) Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15

(für HG) Soko Wismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) Soko Hamburg. Krimiserie. Tod

einer Unsichtbaren 19.00 (für HG) heute 19.20

(für HG) Wetter 19.25 (für HG) Die Rosenheim-

Cops. Krimiserie. Der letzte Jour fixe

20.15 (für HG) Der Kommissar und das

Meer: Tage der Angst

Krimireihe,D/S 2017. Lasse und Ellie

Wallins Tochter Stella ist verschwunden.

Robert Anders findet jedoch nicht sie,

sondern eine männliche Leiche.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) 37°: In den Fängen von

Scharlatanen

Wenn aus HeilsversprechenUnheil wird

22.45 (für HG) Markus Lanz

0.00 heute+

0.15 Neu im Kino

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf Streife

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring. Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer. Doku-Soap. Ein Mädchen

hat ständig blaue Flecken. Die Mutter macht sich

große Sorgen und fürchtet, dass ihre Tochter

ernsthaft erkrankt oder gar ein Opfer von

Gewaltexzessen ist. 17.30 Klinik am Südring /

oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00 Die

Ruhrpottwache 19.00 Genial daneben –das Quiz

19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) Navy CIS

Krimiserie.Der Eismörder. Vor 30 Jahren

hatte Stuart Crum einen Eiswagen. Einige

Tüten Eis waren mit Gift versetzt, was bei

einem Kind zum Tod führte. Nun hat der

NCIS den Fall wieder aufgerollt.

21.15 Navy CIS: L.A.

Krimiserie.Lunte und Pulverfass

22.15 Hawaii Five-0

Krimiserie.Wie ausgewechselt

23.10 Focus TV –Reportage

Stress auf Station –eine Klinik zieht um

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

WDR

11.55 (für HG) Nashorn, Zebra &Co. 12.45 (für

HG) Aktuell 13.05 (für HG) Elefant, Tiger &Co.

13.55 (für HG) Lichters Schnitzeljagd 14.25 (für

HG) Tierärztin Dr. Mertens 16.00 (für HG) Aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) Aktuell /

Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für

HG) Aktuelle Stunde 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Abenteuer

Erde 21.00 (für HG) Quarks 21.45 (für HG)

Aktuell 22.10 (für HG) Aufbruch ins Ungewisse.

Drama, D2017 23.40 (für HG) Marija. Drama,

D/CH 2016 1.15 (für HG) Quarks

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) NaturNah

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15

(für HG) Panorama 3 21.45 (für HG) NDR Info

22.00 (für HG) Tatort: Wacht am Rhein.

Krimireihe, D2017 23.30 (für HG) Weltbilder

0.00 (für HG) Leonora

Kabel eins

5.20 Abenteuer Leben Spezial 5.50 Blue Bloods

9.20 (für HG) Navy CIS: L.A. 10.15 Navy CIS

11.10 Without aTrace 12.05 Numb3rs –Die

Logik des Verbrechens 13.00 (für HG) Castle

13.55 (für HG) The Mentalist 14.55 (für HG)

Navy CIS: L.A. 15.50 kabel eins news 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55

Mein Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wir kümmern uns drum 20.15

Metro. Actionkomödie, USA 1997 22.35 Shaft

–noch Fragen? Kriminalfilm, USA 2000 0.30

Metro. Actionkomödie, USA 1997

RTLZWEI

5.15 Privatdetektive im Einsatz 6.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 7.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Die Geissens

–Eine schrecklich glamouröse Familie! 13.00

Die Reimanns –Ein außergewöhnliches Leben

14.00 Station B1 –Kinderärzte mit Herz 15.00

Die Wache Hamburg 16.00 Die Wache Hamburg

17.00 News 17.05 Krass Schule –Die jungen

Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &

Nacht 20.15 Deutschland –Deine Schulden

22.15 Hartz und herzlich 0.15 Autopsie

Eurosport 1

10.00 Tischtennis 11.00 Against all Odds 11.30

Mein Olympischer Moment 12.00 Mein

Olympischer Moment 12.35 Curling 14.00

Curling. Europameisterschaft in Helsingborg.

Frauen, Vorrunde, live 17.00 Motorsport 17.30

Motorsport 18.00 Volleyball. Champions League.

LKS Lodz (POL) –VfB Stuttgart (GER), live 20.00

Spirit of Yachting 20.35 Polo Line 21.05

Nachrichten 21.25 Formel E 21.55 Formel E

22.25 Nachrichten 22.30 Motorrad 23.30

Motorsport 0.00 Nachrichten 0.05 Springreiten

TV-Tipps

ARTE, 20.15 UHR DOKUMENTARFILM

Kleine Germanen

Als Kind hat Elsa mit dem geliebten OpaSoldat gespielt. Mitdem ausgestreckten

rechten Armhat sie „Für Führer,Volk und Vaterland!“ gerufen.

Heute blickt sie auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut

war,und versucht zu verstehen, was die Erziehung in einem rechtsradikalen

Umfeld aus ihr und ihren eigenen Kindern gemacht hat. Ausgehend

von dieser authentischen Geschichte gewährt„Kleine Germanen“ in einer

spannenden Verbindung aus Animations- und Dokumentarfilm Einblicke in

die Strukturen rechtsextremer Familien. DieZuschauer erleben mit, was es

heißt, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen und tagtäglich dazu erzogen

zu werden, das vermeintlich Fremde zu hassen. Wieist es,ineiner Welt aufzuwachsen,

in der der Stolz auf die nationale Identität über allem steht?

(D/2018)

Foto: SWR

3SAT,20.15 UHR KRIMIREIHE

Schnell ermittelt –Leben

NORMALVARIANTE –MITTEL mittel

5

1 2 4

7 5 6

7 9

5 8

2 4 3

2 3

4 9 5

1 9 7

3

6 8

Ineinem Wiener Krankenhaus liegt

seit Tagen ein namenloses Mädchen,

das keiner vermisst. Es wurde offenbar

nachts angefahren. Angelika Schnell

(Ursula Strauss) und Franitschek

machen sich auf zum Unfallort. Im

Burgenland angekommen, heißt man

sie nur mäßig begeistertwillkommen.

Man hat dortganz andereProbleme,

denn der Sohn des Bürgermeisters

hatte gerade einen tödlichen Unfall.

Zwei Unfälle am selben Ort, so knapp

hintereinander? Das kommt Angelika

seltsam vor. Sievertieft sich in die

Geschichten der Menschen und merkt,

dass es unter der Oberfläche brodelt.

(A/2014)

Foto: ZDF/ORF

SUDOKU

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

4 3

4

2 5

6 2

4 9 8 7

3 1

AUFLÖSUNG Auflösung

vom VOM 18.11.2019

11. MITTEL mittel

9 1 5 6 4 7 2 8 3

7 6 8 5 2 3 1 9 4

3 2 4 1 9 8 7 5 6

8 9 7 2 3 1 6 4 5

2 4 3 7 6 5 8 1 9

6 5 1 9 8 4 3 7 2

1 8 6 3 5 9 4 2 7

5 7 2 4 1 6 9 3 8

4 3 9 8 7 2 5 6 1

AUFLÖSUNG

Auflösung

vom

VOM

18.11.2019

18. 11. 2019

SCHWER schwer

2 5 7 1 9 8 3 4 6

9 3 1 6 7 4 2 5 8

8 4 6 3 2 5 9 1 7

7 8 5 9 4 2 6 3 1

3 2 4 5 1 6 8 7 9

1 6 9 8 3 7 5 2 4

5 9 3 7 8 1 4 6 2

6 7 2 4 5 9 1 8 3

4 1 8 2 6 3 7 9 5

RBB

6.20 zibb 7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG)

Brandenburg aktuell 8.30 (für HG) Abendschau

9.00 (für HG) In aller Freundschaft 10.30 (für

HG) Rote Rosen 11.20 (für HG) Sturm der Liebe

12.10 (für HG) Julia –Eine ungewöhnliche Frau

13.00 rbb24 13.10 (für HG) Verrückt nach Fluss

14.00 (für HG) Aus lauter Liebe zu Dir.

Liebeskomödie,D2002 15.30 (für HG) Tiere bis

unters Dach 16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für

HG) Gefragt –Gejagt 17.00 (für HG) rbb24

17.05 (für HG) Panda,Gorilla &Co. 17.55 (für

HG) Unser Sandmännchen 18.00 rbb wetter

18.02 rbb UM6 18.27 zibb 19.27 rbb wetter

19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Berlin und Brandenburg

unterm Hakenkreuz (1/2)

1933-1939. Die zweiteilige Dokumentation

zeigt seltene Farbaufnahmen aus

Berlin und Brandenburg während der Zeit

des Nationalsozialismus.

21.00 (für HG) Die Charité –Medizin unterm

Hakenkreuz

21.45 (für HG) rbb24

22.00 Dieter Hallervorden: Wer stehen bleibt,

hat schon verloren

23.30 Talk aus Berlin

0.00 (für HG) Abendshow

ProSieben

5.05 2Broke Girls 5.25 The Middle 6.05 (für

HG) Two and aHalf Men 7.30 (für HG) The Big

Bang Theory 8.50 (für HG) How IMet Your Mother

10.40 Fresh Off the Boat 11.05 Mike &Molly.

Sitcom 11.30 2Broke Girls. Sitcom 12.25 Mom.

Sitcom 13.20 (für HG) Two and aHalf Men.

Sitcom. Die reine Unbeschmutztheit /Sabber,

lechz, schmacht /Die haarähnlicheSubstanz

14.40 The Middle. Comedyserie. Der Kuss /Der

Weihnachtsbaum 15.35 (für HG) The Big Bang

Theory. Sitcom. Wie ein Wasserfall /Drinks von

Fremden /Eine Körbchengröße mehr 17.00 taff

18.00 Newstime 18.10 (für HG) Die Simpsons.

Zeichentrickserie. Apokalypse Springfield /

Whiskey Business 19.05 Galileo

20.15 Galileo Big Pictures: Hashtag! 50

außergewöhnliche Bilder und ihre

Geschichten

Moderator Aiman Abdallah präsentiert 50

unglaubliche, emotionale und faszinierende

Bilder zu bestimmten Themen.

23.40 Galileo Big Pictures: Momente –

30 Bilder, die man nie vergisst

Rankingshow

1.30 ProSieben Spätnachrichten

1.35 Galileo Big Pictures: Hashtag! 50

außergewöhnliche Bilder und ihre

Geschichten

Arte

8.00 (für HG) Geheimnisse Asiens 8.45 Stadt

Land Kunst 9.30 Südamerika 12.15 Re: 12.50

Arte Journal 13.00 Stadt Land Kunst 13.55 (für

HG) Der zerrissene Vorhang. Thriller, USA 1966

15.55 (für HG) Geheimnisvolle Wildblumen

16.50 Xenius 17.20 Amerika mit David Yetman

17.45 (für HG) Zum Sterben schön! 18.30 Im

Reich der Wolga 19.20 Arte Journal 19.40 (für

HG) Re: 20.15 (für HG) Kleine Germanen.

Dokumentarfilm, D2019 21.40 (für HG) Of

Fathers and Sons. Dokumentarfilm, D2017

23.20 Verlorene Seelen 0.15 Zimmer 108

3Sat

12.10 (für HG) Im Stau 13.00 (für HG) ZIB

13.20 Pistenzauber 13.55 (für HG) Almsommer

14.40 (für HG) Mariazeller Land 15.30

Naturparke in der Steiermark 16.15 Weiße

Pferde, blaue Reben 17.00 Burgen und

Schlösser in Österreich 17.45 Schlösser in

Österreich 18.30 nano 19.00 (für HG) heute

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Schnell ermittelt –Leben. Krimireihe, A

2014 21.45 kinokino 22.00 (für HG) Spanien

22.30 Ein Flughafen am Ende der Welt 23.15

Das Blaue Sofa 0.00 Reporter Wunderkinder

Phoenix

10.00 phoenix vor ort 10.30 Die Welt des

Donald Trump 11.00 TV-Duell Johnson/Corbyn

11.45 Impeachment 12.00 phoenix vor ort

12.45 Überbevölkerung –ein Mythos? 14.00

phoenix vor ort 14.45 phoenix vor Ort 17.30

phoenix der tag 18.00 Die Kinder der Friedlichen

Revolution 18.30 MadameMao 19.15 Marx und

seine Erben 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

Die Nordsee von oben. Dokumentarfilm, D2016

21.45 (für HG) heute journal 22.15 Die Welt des

Donald Trump 23.00 phoenix der tag 0.00

Phoenix Runde

Kika

13.15 Snowsnaps’ Winterspiele 13.20 Piets irre

Pleiten 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10

Schloss Einstein –Erfurt 15.00 Ninja Nanny

15.25 Ein Fall für TKKG 15.50 (für HG) Mascha

und der Bär 16.05 (für HG) Chi Rho 16.50 Peter

Pan 17.35 (für HG) Der kleine Prinz 18.00 Ein

Fall für die Erdmännchen 18.15 Esme &Roy

18.35 (für HG) Weißt du eigentlich, wie lieb ich

dich hab? 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 (für HG) Sherazade

19.25 (für HG) pur+ 19.50 (für HG) logo! 20.00

(für HG) Kika Live 20.10 Find me in Paris

Dmax

5.35 Outback Inferno –Feueralarm in Australien

6.00 Die Aquarium-Profis 6.55 Infomercial 8.55

Hardcore Pawn 9.25 Auction Hunters 9.50

Infomercial 10.15 Baggage Battles 11.15 Die

Zwangsvollstrecker 13.15 Inkasso Air 14.15

Australian Gold 16.15 Die Zwangsvollstrecker

17.15 SteelBuddies 18.15 A8 –Abenteuer

Autobahn 19.15 Deutschland 24/7 20.15 Steel

Buddies 21.15 Die Austausch-Cops 22.15 112:

Feuerwehr im Einsatz 23.15 DMAX News 23.18

Outback Inferno 0.15 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Lernen fürs Leben –Wie Bildung uns

gesund hält 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Super.markt 11.00 Tagesschau-Nachrich

ten 13.00 ARD-Mittagsmagazin 14.00

Tagesschau-Nachrichten 19.15 Ungenügend! Wi

der Lehrermangelunsere Grundschüler abhängt

20.00 Tagesschau 20.15 Hart aber fair 21.30

Tagesschau 21.32 Wo Liebe allein nicht hilft

22.00 Marktcheck 22.45 MDR Kultur –Das

Filmmagazin 23.00 Tagesthemen 23.30 Report

München 0.00 Der Grenzschützer–Dauereinsatz

im Dreiländereck 0.30 Tagesschau vor 20 Jahre

ONE

5.30 Lindenstraße 6.00 Hubert und Staller 6.50

kinokino 7.05 Brisant 7.45 Die Landärztin:

Schleichendes Gift. Arztreihe,D/A 2009 9.15

Brisant 9.55 Hot in Cleveland 10.15 Hot in

Cleveland 10.35 Lindenstraße 11.05 Hubert un

Staller 11.55 Sturm der Liebe 12.40 Sturm der

Liebe 13.30 Um Himmels Willen 14.20 Nach al

den Jahren. Familienfilm, D2013 15.50 Hubert

und Staller 16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in

Cleveland 17.20 Lindenstraße 17.50 Hart aber

herzlich 18.40 Sturm der Liebe 19.25 Sturm de

Liebe 20.15 Doctor Who 21.05 Doctor Who

22.05 Doctor Who 22.50 Class 23.40 Class

0.25 Doctor Who 1.15 Doctor Who

ZDF NEO

5.10 (für HG) Die Odyssee der einsamen Wölfe

5.55 (für HG) Faszination Erde –mit Dirk Steffen

6.40 (für HG) Abenteuer Polarkreis 7.20 (für HG

Expedition ins ewige Eis –Alfred Wegener 8.05

Topfgeldjäger 9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.45

(für HG) Bares für Rares 12.15 (für HG) Monk

13.35 Psych 15.00 (für HG) Monk 16.20 Psych

17.45 (für HG) Bares für Rares 20.15 (für HG)

Kommissarin Heller: Nachtgang. Krimireihe,D

2016 21.45 (für HG) Professor T. 22.45 (für HG

heute-show 23.15 Shapira Shapira 0.00 (für

HG) Eichwald,Mdb 1.05 (für HG) Arne Dahl:

Ungeschoren. Krimireihe, S/D 2015 2.55 (für

HG) Blood –Mord am Meer. Thriller, GB 2012

ZDF INFO

8.15 Die Wahrheit über Franco 9.05 200 Jahre

Kriminalgeschichte 9.50 200 Jahre Kriminalgeschichte

10.35 200 Jahre Kriminalgeschichte

11.20 200 Jahre Kriminalgeschichte 12.00

Mördern auf der Spur 12.30 ZDF-History 13.00

ZDF-History 13.45 ZDF-History 14.30 Warum wi

hassen 15.15 Warum wir hassen 15.55 Warum

wir hassen 16.40 Warum wir hassen 17.20

Warum wir hassen 18.05 Warum wir hassen

18.45 Loch Ness 19.30 Atlantis 20.15 Jack the

Ripper 21.00 Bigfoot 21.40 Wunder der

Wissenschaft 22.25 Wunder der Wissenschaft

23.10 Wunder der Wissenschaft 23.50 Wunder

der Wissenschaft 0.40 heute journal

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) ARD

Musikstadt Berlin Streifzüge durch das

klassische Musikleben der Hauptstadt. Mit Kai

Luehrs-Kaiser, ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Anna Þorvaldsdóttir: „Aeriality“ für

Orchester /Daníel Bjarnason: „Processions“ für

Klavier und Orchester /Jean Sibelius: Sinfonie N

5Es-Dur op. 82, ca. 117 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) ARD

Klassik-Werkstatt Bach: Wohltemperiertes

Klavier, Präludien und Fugen aus dem 1. Teil. Mi

Clemens Goldberg, ca. 56 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Ernste Musik Im Spiegel von Zeitgeschichte –

300 Jahre Musikverlag Breitkopf &Härtel. Von

Magdalene Melchers, ca. 45 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) ARD

Lesung Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles –

eine Ehe in Briefen (2/20). Von Theodor Fontane

Gelesen von JenniferAntoni und Max von

Pufendorf, ca. 30 Min.

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Mehr Commercy –weniger

Kommerz!: Ein Jahr unten den Gelbwesten. Von

Claus Josten, ca. 45 Min.

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Hörspiel Hörspielmagazin Extra: Zwischen Nazis

und Nofretete –Samuel Becketts Berliner

Tagebücher 1936/37. Von Bernd Kempkerund

Carola Veit, ca. 50 Min.

MAGAZIN

10.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Lesart Das Literaturmagazin: „Der Tunnel“ von

Abraham B. Yehoshua /„Das Glück der kalten

Jahre“ von Martyna Bunda /„Blödes Bild“ von

Johanna Thydell, ca. 55 Min.

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Weltzeit Kunst, Koka und Konflikt–Kolumbien

drei Jahre nach dem Friedensvertrag, ca. 30 Min

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin „Es hilft mir niemand, dich zu

betrauern“ –Schriftstellerinnenüberden Tod des

Vaters. Von Jutta Rosenkranz, ca. 26 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Der griechische Musiker George

Dalaras. Mit Susanne Papawassiliu, ca. 30 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz Live Dominik Wania: Piano Solo. Aufnahme

vom 18.10.2019 aus dem Beethoven-Haus

Kammermusiksaal in Bonn, ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 269 · D ienstag, 19. November 2019 – S eite 26 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

Matt Damon (49) hat gerade eine Lebenskrise

hinter sich. Daserzählte

der Schauspieler jetzt der Augsburger

Allgemeinen:„Ich wollte wegen meiner

Familie ein Jahr lang pausieren,

weil ich zuvor fünf Filme hintereinander

gedreht hatte.Aber 2017 lag mein

Vater im Sterben, und deshalb gingen

wir in meine Heimatstadt Boston zurück,

damit ich bei meinemVater im

Krankenhaus sein konnte.Eswar ein

schreckliches,sehr hartes Jahr.“ Und

weil es für seine Familie keine wirkliche

Pause gebracht habe,soDamon,

habe er ein Jahr Auszeit drangehängt.

Jetzt schaue er mit einigem Befremden

aufs Filmgeschäft:„Die Branche

hat sich verändert–die Artvon Dramen,

die mein Brot-und-Butter-Geschäft

waren, wandernins Fernsehen

oder werden gar nicht mehr gemacht.“

Nun, da klagt ein Superstar

aber auf höchstem Niveau.

Kanye West (42) wankte lange voneiner

Krise zur nächsten –der schwerreiche

Rapper und Ehemann der Ich-

Unternehmerin KimKardashian hat

uns in den letzte Jahren nur wenig

Unsinn und Peinlichkeiten erspart.

Seit geraumer Zeit sucht und findet er

offenbar bei Gott einen festen Halt.

Erst am Sonntag tratWest in der Lakewood

Church im texanischen Houston

auf, wo er an der Seite des protestantischen

Predigers Joel Osteen zu

den Gläubigen sprach. DieFrohe Botschaft:„Der

einzige Superstar ist Jesus!“

IstJesus nun ein Symptom der

Krise oder des Heils?

DirkNowitzki (41) erhält denVerdienstorden

der Bundesrepublik

Deutschland. DerfrühereBasketballstar

wirdam4.Dezember vonBundespräsident

Frank-Walter Steinmeier

in Berlin für sein Engagement

in der Bildung ausgezeichnet. Der

Sportler hat in den USA die Dirk-

Nowitzki-Foundation gegründet,

die bis heute vielfältige

Projekte in den Bereichen

Gesundheit

und Bildung vonKindernfördert.

DieStiftung

ist auch in

Deutschland tätig und

fördertKinder aus armen

Familien. Nowitzki

ist zudem als

Botschafter fürs UN-Kinderhilfswerks

Unicef unterwegs.Ein

Supermann!

(schl.)

Ausgezeichnet: Soziales

Engagement, so weit das Auge

reicht!

IMAGO IMAGES

TIERE

Noch eine Katze, eine ganz normale

aus der Ukraine.

DPA

Okay, ist ja gut: DasHabt-ihr-sienoch-alle-Telefon

der kleinen Tierkastenredaktion

stand am Montag

nicht still, nachdem wir das Bild einer

quasi-nackten Sphinx-Katzeveröffentlicht

hatten –eine Obszönität

sei das,eine Qualzucht, also Tierquälerei

…Heute zeigen wir zum

Ausgleich eine ganz normale Feldund-Wiesen-Katzeaus

der Ukraine.

DasBild erreichte uns unverhofft, eigentlich

geht es um Kiwibeeren –

auch Scharfzähnige Strahlengriffel

genannt. UnsereKatzesitzt in einem

solchen Kiwi-Strauch. (schl.)

„Es ist eine Schande!“

Robert De Niro ist in einem neuen Film zu sehen, will aber lieber über MeToo und Trump sprechen

Er ist einer der wenigen

Menschen weltweit, die

man nicht vorstellen muss:

Robert DeNiro, Kultschauspieler,

Chamäleon, Jahrhundertmime.

Interviews mit ihm sind eine

Rarität, vielleicht auch deswegen,

weil sie nicht seine Paradedisziplin

sind: Es ist schwer, DeNiro einige

längere Sätze zuentlocken. Wir treffen

die Schauspiellegende in einem

Hotel, das selbst legendär ist, das „La

Mamounia“ in Marrakesch. DeNiro

sitzt im Garten und gibt sich schon

bei der Kleidung so unauffällig, dass

man ihn fast übersieht: beigefarbene

Hose, dunkles Hemd, ein braunes

Sakko.Aber,das merkt man sofort: Er

ist für seine Verhältnisse extrem zugänglich,

gesprächig und offen.

Mr DeNiro, sieht man Sie in „The

Irishman“ endlich wieder in einem

gewichtigen Meisterwerk wie „Taxi

Driver“, „Goodfellas“ oder „Casino“?

Werist der „Irishman“?

„The Irishman“ erzählt die wahre

Geschichte des irischen Auftragsmörders

Frank Sheeran. Eigentlich

hatten Marty und ich etwas anderes

vor, aber dann las ich zufällig dieses

Buch und wir haben sofortbeschlossen,

den zu drehen.

Wasverbindet Sie mit „Marty“ Scorsese

außer nunmehr neun Filmen?

Wir sind in derselben NewYorker

Gegend aufgewachsen, in Little Italy,

und lernen uns mit 15,16 kennen.Wir

hatten schon damals denselben

Filmgeschmack und denselben Appetit

auf gute Storys.Daher haben wir

so oft miteinander gedreht. Ich habe

es aufgegeben zu erklären, wie wir

miteinander arbeiten. Das Einzige,

was ich inWortefassen kann, ist, dass

unsereArbeit aufVertrauen basiert.

Doch zurück zu unserer Eingangsfrage,

ich stelle sie noch einmal anders:

Warum sah man Siesooft in albernen,

fäkalhumorigen Streifen wie

„Dirty Grandpa“?

Ich liebe Komödien. Natürlich

unterscheiden sie sich sehr von

klassischen Filmdramen. Aber oft

sind Komödien sogar noch schwerer

zu drehen als die Dramen. Ich bin

leider kein begnadeter Komiker. Ich

kann gewisse komödiantische Rollen

spielen, aber das war’s dann auch

schon. Ich bin definitiv kein Comedy-Genie

wie Billy Crystal!

„The Irishman“ soll mit einem angeblichen

Budget von135 Millionen Dollar

der teuerste Netflix-Film überhaupt

sein…

Was, so viel? Was für ein Glück,

dass wir das bekommen haben! Ich

weiß nur,dass es nicht leicht war,ihn

auf traditionelle Art finanziert zubekommen.

Die großen Hollywood-

Studios kriegten es nicht hin, daher

waren wir selig, als Netflix zusagte.Sie

haben den Film nicht nur finanziert,

sondernhaben uns komplette künstlerische

Freiheit gewährt.

Wo stehen Sie inder Debatte: Wird

Netflix der letzte Sargnagel sein, um

die Filmkunst aus den Sälen zu treiben?

Oder werden Streamingdienste

vielleicht zum Refugium der Filmemacher,

die kaum noch Hoffnung

hatten, ihre Visionen für das Kino

umsetzen zu dürfen?

Ich verstehe die Problematik und

weiß, warum viele etablierte Studios

Angst vor Streaming-Diensten haben.

Wir haben mit Netflix auch

lange darüber diskutiert, sie haben

zugestimmt, unseren Film zusätzlich

in ausgewählten Kinos zu zeigen.

Der Konflikt zwischen Streamingdiensten

und Kinos muss irgendwie

gelöst werden, auch wenn

die Lösung nicht jedem gefallen

wird. Aber natürlich kann ich die Zukunft

des Kinos nicht voraussehen.

RobertDeNiro über den US-Präsidenten: „Er ist eine Pest für unser Land.“

Szene aus „The Irishman“ mit RobertDeNiro (l.) und Joe Pesci.

DER FILM „THE IRISHMAN“

In dem Film „The Irishman“ spielt RobertDeNiro den Geldeintreiber und Problemlöser Frank

Sheeran, der schon viele Jahre für den Mafiaboss Russell Bufalino (Joe Pesci) arbeitet. Auf

Empfehlung Russels stellt ihn der mit der Cosa Nostra verbandelte Gewerkschaftsführer

Jimmy Hoffa (Al Pacino) als seinen Bodyguard ein. Zwischen den beiden Männernentwickelt

sich erst Respekt, dann eine engeFreundschaft. Je mehr Jahre ins Land ziehen, desto höher

steigt Frank auch in den Rängen der Mafia auf und desto grausamer werden die Verbrechen,

die er verübt. Dann bekommt er den Auftrag,Hoffa zu ermorden ...

Die Netflix-Produktion ist bereits in ausgewählten Kinos auch in Berlin angelaufen. Am 27.

November wird „The Irishman“ dann auch auf Netflix zu sehen sein. (Regie: Martin Scorsese,

Buch: StevenZaillian, Dauer:209 Minuten)

GETTY

NETFLIX

Kommen wir zu einem weiteren Politikum:Wiesehen

Sieden Umbruch in

Hollywood durch die MeToo-Bewegung?

Ich hatte nie etwas von diesen

Dingen mitbekommen. Natürlich erzählt

man mir nicht, wenn jemand

hinter verschlossenen Türen jemanden

verführt, belästigt oder sogar

missbraucht wird. Wahrscheinlich

ahnte man, wie ich reagieren würde.

Aber es ist Zeit, dass Hollywood etwas

dagegen unternimmt! Mirwurde erst

jetzt klar, wie verbreitet das Problem

war! Natürlich hat man schon mal

voneiner Casting-Couch gehörtoder

so etwas …Vielleicht war ich zu naiv,

ich konnte mir einfach nicht vorstellen,

dass Leute so schreckliche Dinge

tun, nur um jemanden ins Bett zu bekommen!

Dasverstörtmich.

Kann Macht aus Menschen solche

Seiten herauskehren?

Ich weiß nur: Schauspieler sind

von Natur aus sehr sensibel. Wenn

man ihnen eine Rolle verspricht, nehmen

sie das sehr ernst. Man hat also

eine große Verantwortung als Produzent

oder Casting-Direktor. Ich finde

es völlig inakzeptabel, diese Macht zu

missbrauchen, indem sie Sexfordern.

Zu sagen „Wenn du mit mir schläfst,

werdeich dir diese Tür in Hollywood

öffnen“ – das ist indiskutabel, undenkbar,

untragbar! Gerade, weil ich

es früher nicht gemerkt habe,bin ich

jetzt umso aufmerksamer, wenn es

um dieses Thema geht!

Siegreifen Trump und die US-Politik

oft mit größter Deutlichkeit an. Entspricht

diese Haltung Ihrer persönlichen

Zivilcourage?

Wir alle wissen jetzt, was für ein

Mensch Donald Trump ist. Als er gewählt

wurde, war ich noch bereit,

ihm eine Chance zu geben. Ich

hoffte, dass er zumindest gute Absichten

hat. Aber jetzt hat er unsere

schlimmsten Befürchtungen übertroffen.

Meiner Meinung nach ist er

eine Pest für unser Land. Die Republikaner

sollten sich schämen, ihm

so vieles erlaubt zu haben. DiePartei

und er sollten das Volk repräsentieren

–und sie haben versagt. Ihre eigene

Agenda und ihr Machthunger

führten dazu, dass sie diesen Menschen

unterstützen und ihn so großmäulig

daherreden lassen. Es ist eine

Schande!

Sind Sie entschlossen, in Aktion zu

treten?

Ich will mich nicht zur Zielscheibe

machen. Aber wir müssen

die, die so belogen wurden, davon

überzeugen, dass man ihnen erst

helfen kann, wenn sie nicht länger

auf Trumps Versprechungen hereinfallen.Werihn

jetzt noch unterstützt,

tut das entweder aus Naivität, Informationsmangel

oder aufgrund

schlechter Bildung.

Sie haben Soziopathen, Psychopathen

„und alle anderen Arten vonPaten

gespielt“, wie Scorsese mal über

Sie sagte. Würden Sie auch Trump

spielen?

Nie. Für jede Figur, die ich spiele,

finde ich irgendwo etwas Mitgefühl.

Ichbeschäftige mich so lange mit ihnen,

bis ich etwas finde, was sie mir

nachvollziehbar macht. Bei Trump

versuche ich jeden Tagauf Neue, etwas

zu finden, was mir Mitgefühl abringt.

Es gelingt mir nicht.

Wasgibt Ihnen die Kraft für ihren herausfordernden

Jobs? Sie sind mittlerweile

auch 76 Jahrealt …

Kamillentee und ein guter Espresso.Abwechselnd.

Daseine pusht

mich, das anderebringt mich wieder

herunter.Das wirkt Wunder!

DasGespräch führte

Mariam Schaghaghi.

NACHRICHTEN

Ein Toter bei Unwetter und

Schneechaos in Österreich

Im Unwetter-und Schneechaos in

Österreich ist am Montag ein

Mensch ums Leben gekommen. Der

79-Jährige wurde hinter seinem

Haus in Kärnten voneiner

Schlammlawine erfasst, wie die Polizeimitteilte.Auch

in Salzburg, Tirol

und der Steiermarkgab es etliche Katastropheneinsätze,

Straßen und

Bahnstrecken waren gesperrt. Ein

zeitweise vonder Außenwelt abgeschnittenes

Skigebiet im Stubaital

war am Nachmittag wieder erreichbar.Von

Freitag- bis Montagmorgen

waren in Oberkärnten, Osttirol und

den südlichen Regionen vonSalzburgstellenweise

bis zu 300 Millimeter

Niederschlag gefallen. Am Mittwoch

sei mit einer „nachhaltigen

Entspannung“ der Lage zu rechnen,

teilte der österreichischen Wetterdienst

mit. (AFP)

Kritik an Prinz Andrewnach

BBC-Interviewnimmt zu

Derbritische Prinz Andrew (59) gerät

nach seinem Interview zum Missbrauchsskandal

um den toten US-

Multimillionär Jeffrey Epstein immer

stärker unter Druck. Rechtsanwälte

vonFrauen, die Epstein Missbrauch

vorwerfen, forderten vomPrinzen,

eine Erklärung bei der US-amerikanischen

Ermittlungsbehörde FBI abzugeben.

„Erscheint überhaupt kein

Mitleid für die Opfer zu haben, und

er scheint seine lange Freundschaft

mit Jeffrey Epstein nicht zu bereuen“,

sagte die Anwältin Lisa

Bloom, die einige der Frauen vertritt,

dem britischen Nachrichtensender

SkyNews. (AFP)

Polizei blitzt Frau mit

Kinderwagen

Ins Bild geschoben: Der Kinderwagen bewahrtden

Raser vor dem Bußgeld. DPA

Glück für einen Autofahrer im Sauerland:

Genau in dem Moment, als er

mit Tempo 61 in einer 50er-Zone geblitzt

wurde,schob eine Frau einen

Kinderwagen durchs Bild. DasFoto,

das die Polizei am Montagmorgen

veröffentlichte,zeigt Mutter und Kind

im Buggy –Kennzeichen und Fahrer

des Autos im Hintergrund sind verdeckt.

DerFahrer desWagens kann

sich bei der Frau bedanken: 15 Euro

Verwarnungsgeld hätte ihn das Blitzerfoto

wohl gekostet. (dpa)

Ariana Grande sagt wegen

„Schmerzen“ Auftritt ab

US-Superstar Ariana Grande (26),

seit Monaten auf Welttournee,hat

wegen gesundheitlicher Probleme

einen Auftritt abgesagt. Es tue ihr so

leid, aber sie müsse auf das für den

Abend geplante KonzertinLexington

im US-Bundesstaat Kentucky

verzichten, sagte die Popsängerin

am Sonntag (Ortszeit) in einer Videobotschaft

auf Instagram. Sie

habe sich am Morgen äußerst

schlecht gefühlt und könne kaum

schlucken. Am Vortag hatte die Sängerin

ihren Fans bereit mitgeteilt,

dass sie „große Schmerzen“ habe.

„Ich bin immer noch sehr krank“,

klagte Grande. (dpa)

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