Berliner Zeitung 21.11.2019

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„Reden mit dem Feind“: Ex-Mossad-Chef Halevy im Interview – Politik Seite 6

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Der offene Vollzug und

die Angst: Ein Zwischenruf

Berlin Seite 15

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und der Mietspiegel

Berlin Seite 11

Donnerstag,21. November 2019 Nr.271 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Unions Christopher Lenz

freut sich auf Gladbach

Sport Seite 19

Ein bisschen

Curry

fürs Spiel

VonChristian Schwager

Eshat mit Curry zutun. Mit dem

Gewürz? Das auch. Der Torjubel

des deutschen Fußball-Nationalspielers

Serge Gnabry, dieses imaginäre

Rühren mit einem Löffel in einem

Schälchen, ist nämlich eine

Hommage an Stephen Curry, den

Basketballer aus der NBA. „Er ist der

Chefkoch“, hat Gnabry gesagt und

damit gemeint, Curry sei einer, der

stets die Zutaten

eines Spiels bestimmt.

Insofern

passt die Geste.

Serge Gnabry,

24, geboren in

Stuttgart und

beim FC Bayern

Serge Gnabry,

Nationalspieler und

dreifacher Torschütze

Fußball

München unter

Vertrag, ist so

eine Art Johann

Lafer des deutschen

Fußballs.

Nicht, weil sein Schnauzbart andie

Oberlippenbehaarung des Fernsehkochs

erinnert, sondern weil er

wichtige Zutaten in die Auftritte der

Nationalmannschaft mischt. Schärfe

etwa durch seine Treffer. Drei hat er

im letzten Spiel der EM-Qualifikation

erzielt, bei jenem 6:1-Erfolg gegen

Nordirland am Dienstag, der

dem deutschen Team Platz eins in

Gruppe Cvor den Niederlanden einbringt

und es bei der Auslosung zum

Kontinentalturnier 2020 in Topf eins

befördert. In diesem Länderspieljahr

hat Gnabryneun Tore erzielt.

Dasist das eine,das Zählbare, das

den Angreifer zum Star eines Kaders

im Umbruch und Aufbruch werden

lässt. Dasanderewürde Kochkollege

Lafer auf gut Österreichisch beschreiben

mit: Sahneee.Gnabrygibt

den Vorstößen seiner Mannschaft

das süße Etwas obendrauf, wie zum

Beispiel beim Ausgleich gegen die

Nordiren, dem 1:1 –Ballannahme,

Drehung, Schuss,Tor.

„Er ist einer, der durch seine Aktionen

immer wieder ein Spiel belebt“,

hat Oliver Bierhoff gesagt, der

Direktor des Nationalteams hat erklärt:„Erkann

durch schnelle Einzelaktionen

die Mannschaft immer

wieder aufwecken.“ Wie nach eben

jenem 0:1 gegen Nordirland in der

siebten Minute. Aber auch in vorangegangenen

Begegnungen verlieh er

den Mitspielern Sicherheit und der

deutschen Qualifikation trotz personeller

Ausfälle Souveränität.

Gnabry selbst musste oft verletzt

passen, ist „immer so ein bisschen

aus dem Rhythmus gekommen“, wie

sein langjähriger Wegbegleiter und

Teamkollege Leon Goretzka sagt.

„Jetzt hat er sich stabilisiert, auch

körperlich, das sieht man auf dem

Platz.“ Um im Bild zu bleiben: Gnabry

hat sich die Suppe nie versalzen

lassen. Oder wie er es formuliert:

„Immer, wenn man arbeitet, kriegt

man etwas zurück. Ich habe nie den

Kopf in den Sand gesteckt und immer

an mich geglaubt.“

Nunglauben andereanihn, glauben,

er stehe für eine erfolgreiche

Zukunft der deutschen Elf: Serge

Gnabry, der mit der Curry-Note.

Mord

aus Hass

Der Arzt Fritz von

Weizsäcker wurde von

einem 57-Jährigen

erstochen, weil der Täter

eine Abneigung gegen

Richard von Weizsäcker

hegte –den Vater

des Opfers

VonPhilippe Debionne, Andreas Kopietz,

Eric Richard und Lutz Schnedelbach

Der Mann, der am Dienstagabend

den tödlichen

Angriff auf den Mediziner

Fritz vonWeizsäcker,

den Sohn von Alt-Bundespräsident

Richard von Weizsäcker, verübt hat,

wirdinein psychiatrisches Krankenhaus

eingewiesen. „Der Unterbringungsbeschluss

wegen Mordes und

wegen versuchten Mordes ist soeben

antragsgemäß erlassen worden“,

teilte die Staatsanwaltschaft Berlin

am Mittwochabend bei Twitter mit.

Der 57-Jährige sollte demnach noch

am Mittwoch in eine nicht näher benannte

Einrichtung gebracht werden.

DasTatmotiv des 57-Jährigen aus

Rheinland-Pfalz liege nicht im

höchstpersönlichen Bereich, sondern

ineiner wohl „wahnbedingten

allgemeinen Abneigung des Beschuldigten

gegen die Familie des

Getöteten“, sagte Martin Steltner,

Sprecher der Staatsanwaltschaft, am

Nachmittag zur Begründung des Antrags.

Er sprach von einer „akuten

psychischen Erkrankung“ des Beschuldigten

und berief sich auf eine

psychiatrische Untersuchung vom

Mittwoch.

In der Vernehmung durch die

Mordkommission räumte der Mann

die Tatein. Um sie zu planen, recherchierte

der 57-Jährige den Angaben

zufolge im Internet und stieß dabei

auf den Vortragdes Weizsäcker-Sohnes

in der Schlosspark-Klinik in

Charlottenburg. Demnach fuhr er

am Dienstag mit der Bahn zu der

Veranstaltung nach Berlin, nachdem

er zuvor noch ein Messer gekauft haben

will, um die Tatzubegehen.

Nach dem Ende der Veranstaltung

hatte der Mediziner noch mit

Die Leitung der Klinik hat ein Kondolenzbuch ausgelegt.

Zuhörern gesprochen. Zeugen zufolge

ging der 57-Jährige schnell auf

den Arzt zu und stach ihn mit einem

Messer nieder.Ein Zuhörer ging dazwischen

und wurde von dem Angreifer

schwer verletzt.

Nach Angaben der Polizei ist der

Helfer ein 33-jähriger Polizist, der

privat bei dem Vortrag war. Mehrere

Menschen aus dem Publikum halfen,

überwältigten den Angreifer und

hielten ihn bis zum Eintreffen der

Polizei fest. Bei dem 33-Jährigen

handelt es sich nach Informationen

der Berliner Zeitung um einen Vater

von vier Kindern, der in der Abteilung

II des Landeskriminalamtes Betrugsdelikte

verfolgt. Er wurde im

Krankenhaus operiert und war am

Mittwoch wieder außer Lebensgefahr,

konnte aber bis zum Nachmittag

noch nicht befragt werden.

Der 57-jährige Tatverdächtige ist

nach Angaben der Staatsanwaltschaft

nicht vorbestraft. „Über ihn

liegen nach derzeitigem Ermittlungsstand

auch keine anderweitigen

strafrechtlichen Erkenntnisse

vor“, so Sprecher Steltner.

Nach Informationen der Berliner

Zeitung stammt der Verdächtige ursprünglich

aus Berlin. Er lebte aber

zuletzt in der Nähe von Koblenz in

Rheinland-Pfalz. Dortdurchsuchten

„Das Tatmotiv liegt in einer

wohl wahnbedingten allgemeinen

Abneigung des Beschuldigten gegen die

Familie des Getöteten.“

Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin

Polizei und Staatsanwaltschaft die

Wohnung des Mannes. Dabei sei

nichts Auffälliges gefunden worden,

hieß es aus Polizeikreisen.

Nach Recherchen des Spiegel begründete

der Täter seine Abneigung

mit der Rolle Richard von Weizsäckers,desVaters

des Getöteten, beim

Chemiekonzern Boehringer Ingelheim.

Richardvon Weizsäcker sei als

Geschäftsführer des Konzerns in den

Sechzigerjahren dafür verantwortlich

gewesen, dass das Unternehmen

tödliche Giftstoffe für den Vietnam-Krieg

geliefert habe. Daerden

Vater nicht mehr habe treffen können,

habe er sich den Sohn als Opfer

ausgesucht.

Die Schlosspark-Klinik hat im

Eingangsbereich ein Kondolenzbuch

für Fritz vonWeizsäcker ausgelegt.

„Alle Mitarbeiter haben die

Möglichkeit, in einem geschützten

Raum ihre Betroffenheit zum Ausdruck

zu bringen“, teilte die Klinik

am Mittwoch mit.

Kanzlerin Angela Merkel bekundete

ihr Beileid. Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier schrieb der

Mutter des Opfers,der einstigen First

Lady Marianne von Weizsäcker (87),

und drückte sein Mitgefühl aus.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci

(SPD) bekundete ihr Beileid.

DPA/SCHLOSSPARK-KLINIK

US-Botschafter

Sondland

belastet Trump

Schlüsselfigur in der

Ukraine-Affäre sagt aus

Ein wichtiger Zeuge hat in den Impeachment-Ermittlungen

zentrale

Vorwürfe gegen US-Präsident

Donald Trump untermauert. Der

US-Botschafter bei der EU, Gordon

Sondland, sagte am Mittwoch im

Kongress aus, essei Druck auf die

ukrainische Regierung ausgeübt

worden, damit diese Ermittlungen in

die Wege leitet, die Trumps Rivalen

JoeBiden hätten schaden können. Er

habe im Umgang mit der Ukraine

auf ausdrückliche Anordnung

Trumps mit dessen persönlichem

Anwalt Rudy Giuliani zusammengearbeitet.

„Die Forderungen von

Herrn Giuliani waren ein Quid pro

quo (Gegenleistung), um für Präsident

Selenskyj einen Besuch im Weißen

Haus zu arrangieren.“

Sondland betonte, Giuliani habe

verlangt, dass die Ukraine ein öffentliches

Statement abgebe und die gewünschten

Ermittlungen ankündige.„Herr

Giuliani hat die Wünsche

des Präsidenten der Vereinigten

Staaten ausgedrückt, und wir wussten,

dass diese Ermittlungen dem

Präsidenten wichtig waren.“

Er und andere hätten nicht mit

Giuliani zusammenarbeiten wollen.

Er betonte aber: „Wir haben mit

Herrn Giuliani zusammengearbeitet,

weil der Präsident uns angewiesen

hat, das zu tun.“ Undweiter:„Wir

haben alle verstanden, dass wir eine

wichtige Gelegenheit verlieren würden,

die Beziehungen zwischen den

Vereinigten Staaten und der Ukraine

zu zementieren, wenn wir uns weigern

würden, mit Herrn Giuliani zusammenzuarbeiten.

Also folgten wir

den Anweisungen des Präsidenten.“

Im Juli und August 2019 sei bekannt

geworden, dass das Weiße

Haus die Auszahlung vonbereits beschlossener

Militärhilfe an die

Ukraine vorerst gestoppt habe.Ersei

dagegen gewesen, weil Kiew sehr auf

die Militärhilfe angewiesen gewesen

sei. Er habe versucht herauszufinden,

warum diese ausgesetzt wurde,

aber keine Antworten bekommen.

Später sei er zu der Erkenntnis gelangt,

dass die Militärhilfe erst dann

fließen würde,wenn eine öffentliche

Erklärung aus der Ukraine vorliege,

in der die Ermittlungen angekündigt

würde,die Giuliani es verlangt hatte.

Die Demokraten werfen Trump

Amtsmissbrauch vor. (dpa)

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Entgelt bezahlt

„Ich bin bestürzt über die Nachricht

vom tödlichen Angriff auf Fritz von

Weizsäcker. Meine Gedanken und

mein Beileid sind bei seinen Angehörigen“,

erklärte die SPD-Politikerin

amMittwoch. Sie verurteile Gewalt

gegen Ärztinnen und Ärzte und

Pflegekräfte „aufs Äußerste“. Dass

Menschen, die anderen helfen und

Leben retten, so etwas passiere, erschüttere

sie besonders. „Mein

Dank und Respekt gilt den Teilnehmenden

der Veranstaltung, die Zivilcourage

gezeigt haben“, so Kalayci

weiter.

„Eine solch grausames Gewaltverbrechen

lässt uns alle mit der

Frage nach dem Warum zurück“, erklärte

der Präsident der Berliner Ärztekammer,

Günther Jonitz. Man

trauere umeinen „engagierten Kollegen“,

der seit Jahren in verschiedenen

Gremien in der Ärztekammer

aktiv gewesen sei.

Der Vorstand der Charité zeigte

sich „zutiefst erschüttert“ über den

gewaltsamen Tod des Arztes. „UnsereGedanken

sind bei den Angehörigen

und den Kolleginnen und Kollegen

der Schlosspark-Klinik“, heißt

es in einer Erklärung.

Zuletzt war in einem Krankenhaus

der Hauptstadt im Juli 2016 ein

Arzt getötet worden. Der55Jahrealte

Oberarzt Thomas P. war im Klinikum

Steglitz voneinem 72 Jahrealten Patienten

in einem Behandlungszimmer

erschossen worden. Anschließend

tötete sich der Mann selbst.

Thomas P. war Spezialist für Mund-,

Kiefer und Gesichtschirurgie. Später

stellte sich heraus,dass der Täter unheilbar

krank war, und er kurz zuvor

die Diagnose erhalten hatte: Der

Krebs im Mund und Rachen sei nicht

zu heilen, hatte der Mediziner seinem

Patienten gesagt. Das verkraftete

der Kranke nicht. Seiten 2und 3 4 194050 501603

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2* Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Report

IMAGO IMAGES (2)

„Es ist ein entsetzlicher Schlag für die Familie

von Weizsäcker, und die Anteilnahme

der Bundeskanzlerin …geht andie Witwe,

an die ganze Familie.“

Steffen Seibert, Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel

„Ich fand ihn ganz

wunderbar.

Ich habe ihn ungewöhnlich

lieb gehabt.“

Ernst Ulrich von Weizsäcker, Cousin von Fritz vonWeizsäcker

Müssen Mediziner an

Kliniken besser geschützt

werden? Diese

Frage stellt sich nach

dem Fall an der Berliner Schlosspark-Klinik.

Denn Krankenhäuser

sind ein öffentlicher Raum. „Im Alltag

unternehmen die Verantwortlichen

in den Kliniken das Menschenmögliche,

um den Schutz der Beschäftigten

und Patienten zu gewährleisten“,

sagt Gerald Gaß,

Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft

(DKG). Dertödliche

Anschlag auf den Chefarzt Fritz von

Weizsäcker aber sei eine Extremsituation,

die sich in einer offenen Gesellschaft

niemals gänzlich ausschließen

lasse, sagt Gaß. Jährlich

finden zum Beispiel in Berlin Hunderte

von medizinischen Vorträgen

statt –anKliniken, in der Urania und

anderswo. All diese könne man aber

nicht unter Polizeischutz stellen,

sagt ein Ärzte-Vertreter.

Aggression und Pöbelei

Wirkliche Probleme macht den Kliniken

vor allem die Zunahme von

Aggression und Gewalt in ihren Häusernselbst.„Körperliche

und verbale

Angriffe stellen ein Problem dar, für

das es keine einfachen Lösungen

gibt“, erklärt DKG-Präsident Gerald

Gaß. Die meisten Krankenhäuser

hätten umfassende Sicherheitskonzepte

mit einem Bündel von Maßnahmen.

Das Personal sei sensibilisiert,

auf auffällige Personen im

Krankenhaus zu achten. Derdeeskalierende

Umgang mit Angriffen gehöre

zum Berufsalltag von Pflege

und Medizin. Gewalttätige oder randalierende

Patienten und Besucher

könnten ein Hausverbot erhalten,

das gegebenenfalls mit Unterstützung

der Polizei durchgesetzt werde,

sagt Gaß. „Es ist heutzutage keine

Seltenheit mehr, dass beispielsweise

Notaufnahmen Sicherheitsdienste

beschäftigen.“

Die Sicherheits- und Empfangsdienste

an den drei Standorten der

Charité handeln eigenen Darstellungen

zufolge bei „rund 800 Ereignissen

pro Jahr“, indem sie etwa Alarm

auslösen oder das Hausrecht durchsetzen.

Siegehören zu einer Tochterfirma,

der Charité CFM Facility Management

GmbH.

Bei beschriebenen Ereignissen an

Kliniken geht es etwa um pöbelnde

Patienten, aggressive Familienmitglieder

oder betrunkene Stressmacher.

ImSt. Joseph Krankenhaus in

Tempelhof kam es jüngst –wie berichtet

–zueiner Massenschlägerei

zwischen rivalisierenden Gruppen.

Nach einer Messerstecherei in Kreuzberg

wurden Bekannte und Angehörige,die

ins Krankenhaus zu den Verletzten

kamen, hochgradig aggressiv.

Auch andere Fälle gab es. Erst im Juli

2016 wurde im Klinikum Benjamin

Franklin der Charité in Steglitz ein

Arzt voneinem Patienten erschossen.

Mediziner beobachten eine Veränderung.

Wie Peter Schuh, Vorstandsmitglied

im Klinikum Nürnberg,

2018 im Portal RP-Online berichtete,habe

es im Jahr 2013 vorallem

tätliche Angriffe von Patienten

gegeben, die unter Alkoholeinfluss

standen oder abhängig von Crystal

Gewalt

gegen Ärzte

In Krankenhäusern gibt es immer öfter

Übergriffe auf Mediziner.Was können Kliniken tun,

um ihre Mitarbeiter zu schützen?

VonTorsten Harmsen

Der Verdächtige und Polizisten am Dienstagabend in der Schlosspark-Klinik MORRIS PUDWELL

Meth waren. Seitdem jedoch beobachte

man immer mehr Übergriffe

vonMenschen, die nicht süchtig

oder psychisch krank seien. Ein

Patient, der unbedingt eine Kur

wollte,habe zum Beispiel eine Ärztin

zusammengeschlagen, die ihm diese

nicht verschreiben wollte.

Eine allgemeine Statistik über tätliche

Angriffe auf Ärzte gebe es nicht,

sagt eine Sprecherin der DKG. Kliniken

sammelten höchstens die eigenen

Fälle.ImMärz2019 beschloss die

Landesärztekammer in Hessen, Gewalt

gegen Ärzte systematisch mit einem

Meldebogen zu erfassen. So etwas

ist aber für Berlin nicht geplant.

„Für die Charité steht die Sicherheit

ihrer Patienten und Mitarbeiter

im Vordergrund“, erklärtdas Berliner

Universitätsklinikum nach dem Vorfall

in der Schlosspark-Klinik, „daher

wirddas Sicherheitskonzept kontinuierlich

weiterentwickelt und angepasst.“

Mitarbeiter würden auf den

Umgang mit aggressiven Patienten

oder deren Angehörigen vorbereitet.

Man unterstütze sie darin, „selbstständig

potenzielle Gefahren zu erkennen,

diese frühzeitig zu vermeiden

und im gegebenen Fall abzuwehren“.

Sie würden in Deeskalationstrainings

geschult, Konflikte zu

entschärfen.

Weitere Maßnahmen sind laut

Charité „verbesserte Zugangsregelungen

mit Türschließanlagen, aber

auch optimierte Wegeleitungen für

Patienten“. Andere Kliniken nennen

als Möglichkeiten vorgelagerte Empfangsbereiche,

verbesserte Fluchtwege

und geschützte Pflegeinseln.

Teilnehmer von Deeskalationstrainings

lernten, wie man den eigenen

Körper und das Gesicht schützt oder

einen Raum schnell verlässt, um einen

Notruf abzusetzen.

Wie die Ärztezeitung 2018 berichtete,

klagen auch niedergelassene

Ärzte zunehmend über Aggressionen

und Gewalt in ihren Praxen.Der„Ärztemonitor

2018“ zeigte, dass es in

deutschen Arztpraxen täglich zu 75

Fällen körperlicher und zu2870 Fällen

verbaler Gewalt komme. IndiesemHerbsterst

kündigte dieBundesregierungan,

mit einer Änderung des

Strafgesetzbuches Gewalt gegen

Ärzte und Pfleger im Notdienst stärker

zu ahnden. Beitätlichen Angriffen

gegen sie sollen künftig bis zu fünf

JahreHaft drohen, wie es auch bei Gewalt

gegen Vollstreckungsbeamte

und Rettungskräfte gilt.

Selbstschutz lernen

Künftige Mitarbeiter von Kliniken

sollten bereits in der Ausbildung auf

das Thema Gewalt in der Pflege und

Maßnahmen des Selbstschutzes vorbereitet

werden, meint der DKG-Präsident

Gerald Gaß. „Für psychiatrische

Kliniken oder Abteilungen gelten

gesonderte und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen,

um einen

Schutz zu gewährleisten.“ Diese

reichten vonräumlicher Abtrennung

bis hin zu geschlossenen Abteilungen.

Gaßfügt hinzu: „Aberbei allem,

was wir hier vorbeugend tun, müssen

wir immer auch im Blick behalten,

dass wir die Krankenhäuser

nicht zu Hochsicherheitsbereichen

umwandeln können und wollen.“

Ein leidenschaftlicher Mediziner

Fritz von Weizsäcker galt als kluger,witziger,großzügiger Mensch. Seine Patienten und die Mitarbeiter der Schlosspark-Klinik trauern um ihn

VonAnnika Leister

Ein Krankenhaus kennt keine

Pause. Doch am Tagnach dem

Mord an Fritz von Weizsäcker nehmen

sich viele Ärzte, Schwestern

und Pfleger eine Auszeit, um des engagierten

Chefarztes still zu gedenken.

Im Foyer des Haupthauses hat

die Klinik ein großes Bild von von

Weizsäcker aufgehängt, schwarz

umrahmt lächelt er milde in den

Raum. Auf einem Pult darunter ist

ein Kondolenzbuch ausgelegt. Fast

jeder,der das Haus betritt, hält inne,

reiht sich stumm ein in die Schlange

der Trauernden und hinterlässt Abschiedsgrüße

im Buch. Nicht wenige

legen auch Blumen am Pult nieder,

einige haben Kerzen mitgebracht.

Ob Patient, Schwester oder Oberarzt

–sie alle halten viel vondem Humanmediziner,

der im Alter von 59

Jahren so plötzlich aus dem Leben

gerissen wurde.„Danke für das, was

Sie geleistet haben“ und „Mit tiefer

Trauer und Fassungslosigkeit“

schreiben die Kollegen. „Ein großartiger

Mensch ist unverhofft von uns

gegangen“, so tragen sich drei Pfleger

ins Buch ein. Eine Frau mit Kopftuch,

die gerade aus einem Behandlungszimmer

kommt, schreibt: „Er

war sehr nette Arzt. Schade!“

14 Jahre lang war Fritz Eckhart

Freiherr von Weizsäcker, 1960 in Essen

geboren, Chefarzt der Abteilung

InnereMedizin Iander Schlosspark-

Klinik in Charlottenburg. Zuvorhatte

er in Bonn und Heidelberg studiert,

Fritz von Weizsäcker

IMAGO IMAGES

sein praktisches Jahr in den USA absolviert,

den Facharzt für Gastroenterologie

abgelegt. 2003 war er zum

Professor für Innere Medizin an der

Universität Freiburgberufen worden.

Er galt als Experte für Leber-und Gallenwegserkrankungen.

Erstochen wurde er am Dienstagabend

in einem kleinen Raum eines

Nebengebäudes, kaum 50 Meter

entfernt, nach einem Vortrag über

eines seiner Spezialgebiete: „Fettleber

–(K)ein Grund zur Sorge?“ Die

Tür zum Tatort ist am Mittwoch geschlossen,

ein handgeschriebenes

Schild hängt daran: „Konferenzraum

gesperrt!“

Die Mitarbeiter und die Teilnehmer

des Vortrags erhielten der Klinik

zufolge psychologische Unterstützung.

Der Geschäftsführer Mario

Krabbe erklärte, mit Fritz von Weizsäcker

habe die Klinik einen„hervorragenden

Arzt und überaus geschätzten

Kollegen“ verloren.

Als klug, reflektiert, witzig, großzügig,

hilfsbereit und vielseitig interessiertbeschreiben

Familienmitglieder

den vierfachen Vater. Seine Kinder

habe er geliebt, sagen sie.

Fritz vonWeizsäcker war Mitglied

einer Partei – allerdings nicht der

Partei, der sein berühmter Vater ein

Leben lang angehörte. Statt zu den

Christdemokraten zog esvon Weizsäcker

zu den Liberalen: Seit mehr

als zehn Jahren war er Mitglied der

Berliner FDP im Ortsverband Dahlem.

Doch um sich aktiv in der Politik

zu engagieren und um Ämter zu bewerben,

fehlte dem Chefarzt entweder

die Muße oder ganz einfach die

Zeit. Denn auch in seiner Freizeit

brannte er für die Medizin und engagierte

sich in zahlreichen Organisationen:

Er war Vorstand der Gesundheitsstadt

Berlin, eines Vereins, der

sich für die Vernetzung vonMedizin,

Forschung und Politik einsetzt. Auch

bei der Gesellschaft für Gastroenterologie

und Hepatologie in Berlin

und Brandenburg, die Leitlinien entwickelt

und Fortbildungen veranstaltet,

saß er im Vorstand.

„Fritz von Weizsäcker sollte uns

allen nicht als Sohn in Erinnerung

bleiben“, sagte Christoph Meyer,

Landeschef der FDP Berlin, „sondern

vor allem als passionierter Arzt

und großartiger Mensch.“

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute sorgen größtenteils dichte Wolken gelegentlich für Nieselregen.

Dabei werden 8bis 11 Grad erreicht, und der Wind weht nur schwach aus

östlichen Richtungen. In der Nacht erreichen die Temperaturen 7bis

5Grad. Dazu ist es stark bewölkt oder bedeckt, gebietsweise regnet es.

Biowetter: Das allgemeine Wohlbefinden

wird auf die Probe gestellt.

Schwindelgefühle und Kopfschmerzen

sind keine Seltenheit. Auch Migräneattacken

machen des Öfteren 3°/10°

Wittenberge

zu schaffen.

Berliner Luft: gestrige Höchstwerte

um 13 Uhr: Ozon: 16 µg/m 3 ;

Stickstoffdioxid: 38 µg/m 3 ;

Schwebstaub: 19 µg/m 3 ;

Luftfeuchtigkeit: 97%

Gefühlte Temperatur: maximal 9Grad.

Wind: leichter Wind aus Ost.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

3°/11° 5°/9°

Luckenwalde

4°/8°

Freitag

Sonnabend

Sonntag

wolkig stark bewölkt wolkig

6°/10° 6°/10° 4°/9°

Prenzlau

5°/9°

Cottbus

4°/9°

Frankfurt

(Oder)

5°/9°

Zwischen tiefem Luftdruck bei den Britischen Inseln und einem Russlandhoch

gewinnen schwache Südwinde bei uns die Oberhand. Sie transportieren in höheren

Luftschichten etwas mildere Luft zu uns. Regenwolken finden sich von Island

über Westfrankreich bis in den westlichen und zentralen Mittelmeerraum.

Köln

1°/7°

Sylt

0°/5°

Saarbrücken

0°/7°

Hannover

0°/5°

Konstanz

1°/8°

Hamburg

-1°/6°

Erfurt

3°/5°

Frankfurt/Main

2°/6°

Stuttgart

3°/7°

Rostock

3°/10°

Magdeburg

3°/7°

Nürnberg

2°/7°

München

2°/9°

Rügen

4°/10°

Dresden

6°/10°

Deutschland: Heute fällt teilweise

Regen aus dichten Wolken. Die

Höchstwertebetragen 5bis 11 Grad,

die Tiefsttemperaturen 7bis 1Grad.

Der Wind weht schwach aus Ost.

Morgen gibt es zwar etwas Sonne,

stellenweise jedoch eine geschlossene

Wolkendecke, und die Temperaturen

klettern auf 7bis 10 Grad. Der

Wind weht schwach aus Südost.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 7°-10°

Nordsee: 8°-11°

Mittelmeer: 14°-25°

Ost-Atlantik: 10°-16°

Mondphasen: 26.11. 04.12. 12.12. 19.12.

Sonnenaufgang: 07:38 Uhr Sonnenuntergang: 16:05 Uhr Mondaufgang: 00:12 Uhr Monduntergang: 14:21 Uhr

Lissabon

16°

Las Palmas

22°

Madrid

12°

Reykjavik


Dublin


London


Paris

10°

Bordeaux

12°

Palma

17°

Algier

19°

Nizza

14°

Trondheim


Oslo


Stockholm


Kopenhagen


Berlin


Mailand

12°

Tunis

20°

Rom

14°

Warschau

11°

Wien

11° Budapest

13°

Palermo

16°

Kiruna

-5°

Oulu


Dubrovnik

17°

Athen

22°

St. Petersburg


Wilna


Kiew


Odessa


Varna

14°

Istanbul

21°

Iraklio

22°

Archangelsk


Moskau

-2°

Ankara

14°

Antalya

22°

Acapulco 32° bewölkt

Bali 30° wolkig

Bangkok 32° heiter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 27° Gewitter

Casablanca 19° bedeckt

Chicago 14° Regen

Dakar 28° wolkig

Dubai 24° bedeckt

Hongkong 26° sonnig

Jerusalem 17° wolkig

Johannesburg 28° Gewitter

Kairo 22° wolkig

Kapstadt 22° heiter

Los Angeles 15° heiter

Manila 31° wolkig

Miami 25° bewölkt

Nairobi 28° Gewitter

Neu Delhi 28° heiter

New York 11° heiter

Peking 9° wolkig

Perth 24° heiter

Phuket 32° Gewitter

Rio de Janeiro 27° Gewitter

San Francisco 15° sonnig

Santo Domingo 27° Gewitter

Seychellen 29° wolkig

Singapur 32° Gewitter

Sydney 33° heiter

Tokio 15° wolkig

Toronto 9° Regen


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 3 *

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Report

„Ein passionierter Arzt und feiner

Mensch. …Einmal mehr

fragt man sich,

in welcher Welt wir leben.“

Christian Lindner, FDP-Vorsitzender

„Ich bin bestürzt über die Nachricht vom

tödlichen Angriff …Mein Dank und Respekt gilt

den Teilnehmenden der Veranstaltung,

die Zivilcourage gezeigt haben.“

Dilek Kalayci, Gesundheitssenatorin

IMAGO IMAGES (2)

Am12. November 1989, drei

Tage nach dem Mauerfall,

besucht Richardvon Weizsäcker

einen Gottesdienst

in der völlig überfüllten Gedächtniskirche.

AmEnde der Andacht bittet

Landesbischof Martin Kruse den

Bundespräsidenten, ein paar Worte

an die Gemeinde zu richten. Es ist

nur eine kurze Ansprache,aber sie ist

ein starker Ausdruck der Haltung

Weizsäckers in diesen aufgewühlten

Tagen und den Jahren danach.

„Wie lange haben wir in Berlin

gehofft und gewartet, gemeinsam

aus Ost und West einen Gottesdienst

feiern zukönnen“, sagt er.

Umso größer seien nun Freude und

Dankbarkeit, jedoch: „Dabei sollte

niemand sich und anderen gegenüber

Triumphgefühle aufkommen

lassen.“ Die Menschen aus dem

Westen sollten mit offenen Herzen

und Türen handeln, „aber nicht mit

unserer Tür drüben ins Haus fallen.

Es geht nicht darum, dass nun unsere

Urteile und Gewohnheiten

einfach überschwappen“.

Richard von Weizsäcker war einer

der wenigen bundesdeutschen

Politiker, die schon damals ein feines

Gespür für die Probleme hatten,

die viele DDR-Bürger auf dem

Wegindie deutsche Einheit begleiten

würden.

Er war in diesem Sinne schon

lange ein gesamtdeutscher Politiker,

der aus dem Erfahrungsschatz einer

der wenigen großen deutschen Familien

dachte und handelte,die über

Jahrhunderte und über Systemwechsel

hinweg das Schicksal des

Landes mitgeprägt haben.

Klare, menschliche Haltung

Sein Großvater Karl Hugo vonWeizsäcker

war baden-württembergischer

Ministerpräsident, sein Vater

Ernst vertrat als Diplomat erst die

Weimarer Republik und dann das

Dritte Reich Adolf Hitlers. Schließlich

wurde er als SS-Brigadeführer

Staatssekretär im Auswärtigen Amt

und war an der Deportation französischer

Juden nach Auschwitz beteiligt.

Er wurde vom Nürnberger

Kriegsverbrechertribunal zu einer

Haftstrafe verurteilt. Während des

Prozesses stand ihm sein Jura studierender

Sohn Richard als Hilfsverteidiger

zur Seite, der sein Abitur 1937

an einem Gymnasium in Wilmersdorfbestanden

hatte.

Seine Karriere als Jurist begann

bei der Mannesmann AG. Einen

Schatten auf den Lebenslauf wirft

Weizsäckers Zeit in der Geschäftsführung

des Pharmakonzerns Boehringer

Ingelheim Anfang der Sechzigerjahre.

Das Unternehmen lieferte

damals Zusatzstoffe des Umweltgifts

Agent Orange an die USA. US-Truppen

setzten das Gift imVietnamkrieg

zur Entlaubung von Wäldern ein.

Weizsäcker erklärte, erhabe damals

Hinweise auf die Lieferung des dioxinhaltigen

Stoffs nicht zur Kenntnis

bekommen und erst später „mit großer

Betroffenheit“ davon erfahren.

Dasbezweifelten Kritiker.

Obwohl Richard von Weizsäcker

wesentliche Abschnitte seines Lebens

in der Wirtschaft und der Politik

in Westdeutschland verbracht hat,

stellte Berlin für ihn und seine Familie

stets einen Fixpunkt dar. Erwar den

Berlinerntief verbunden und hat das

Klima in der Stadt mit seiner klaren,

menschlichen Haltung lange beeinflusst.

Er pflegte eine Art des bürgerlich-vornehmen

Auftretens, die sehr

vielen Menschen gefallen hat.

1979 trat er zum ersten Mal als

CDU-Kandidat für das Amt des Regierenden

Bürgermeisters an und erzielte

ein sensationelles Ergebnis

von44,4 Prozent für die Christdemokraten,

die damit erstmals stärkste

Richard von Weizsäcker spielt im Jahr 1968 mit seinen vier Kindern.

politische Kraft in West-Berlin wurden.

Die sozialliberale Koalition von

Dietrich Stobbe konnte sich trotzdem

im Amt behaupten. Nun hätte

Weizsäcker eigentlich Oppositionsführer

im Abgeordnetenhaus werden

können und sollen, doch dafür

war er sich zu fein.

Er hielt stets eine kluge Distanz

zu den parteipolitischen Niederungen

und speziell zur rustikalen

West-Berliner CDU. Das machte einen

guten Teil der Sympathien aus,

die ihm auch aus anderen politischen

Lagern zufielen. So blieb er

Vizepräsident des Bundestages in

Bonn, bis zwei Jahre später seine

nächste Chance kam. Die Berliner

Politik versank in Bauskandalen, die

Bonner Parteiführungen schickten

Rettungskräfte, und so traten Richard

von Weizsäcker für die CDU

und Hans-Jochen Vogel für die SPD

gegeneinander an. Die CDU holte

dieses Mal 48Prozent, das reichte

Weizsäcker zur Bildung eines Minderheitssenats.

Er wurde getragen vonder Zustimmung

breiter Bevölkerungskreise.

Nach Jahren des provinziellen Klein-

Kleins im Rathaus Schöneberg fühlten

sich viele angezogen von diesem

weltgewandten, eloquenten, vornehmen

und gut aussehenden Mann, der

den Ehrentitel „König Silberlocke“

amüsiert zur Kenntnis nahm. Die

Der Glanz von Berlin

Fritz von Weizsäcker stand als renommierter Chefarzt fest in der Tradition seiner Familie.

Die Weizsäckers haben viele bedeutende Politiker und Wissenschaftler hervorgebracht.

Manche nennen sie die „deutschen Kennedys“

VonHolger Schmale

Marianne und Richard von Weizsäcker 1984

„Wir sind zunächst einmal wir.“

Fritz von Weizsäcker (1960–2019) über seine Familie

IMAGO IMAGES/DIETER BAUER

IMAGO IMAGES/SVEN SIMON

Notwendigkeit, sich immer neue

Mehrheiten zu suchen, kamen seiner

Neigung entgegen, als eher über den

Parteien schwebendes Stadtoberhaupt

zu regieren. Die Schmutzarbeit,

etwa das von der CDU gewünschte

harte Vorgehen gegen

Hausbesetzer,überließ er Leuten wie

dem Innensenator Heinrich Lummer.

AnTagen harter Auseinandersetzungen

auf den Straßen zogWeizsäcker

es vor, aufReisen zu sein. Viele

davonführten ihn auch ganz inoffiziell

in die DDR, wo er enge Kontakte

zur evangelischen Kirche pflegte.

Richard von Weizsäcker war ein

ehrgeiziger Mann, Bundespräsident

wollte er werden.Ein erster Versuch

scheiterte 1968, als Helmut Kohl ihn

bei einer internen CDU-Auswahl

vorgeschlagen hatte. 1974 trat er in

der Bundesversammlung gegen

Walter Scheel an, wohl wissend,

dass er der SPD/FDP-Mehrheit unterliegen

würde.

1983 war es dann so weit, Richard

von Weizsäcker wurde zum

Staatsoberhaupt gewählt. Schon

1985 hielt er seine historische Rede

zum 8. Mai, als er die Niederlage

Deutschlands im Zweiten Weltkrieg

als Befreiung bezeichnete. Erzeigte

dabei diese besondereBegabung, in

größeren historischen Dimensionen

zu denken, die ihn zu einem der

herausragenden Politiker der Bun-

desrepublik und dann zum ersten

gesamtdeutschen Präsidenten werden

ließ.

Auch in seiner ersten Zeit als in

Bonn amtierendes Staatsoberhaupt

behielt Weizsäcker Berlin stets besonders

im Auge.1986/87 ließ er das

Schloss Bellevue gründlich renovieren,

um seinen dort angesiedelten

zweiten Amtssitz intensiver nutzen

zu können. Im Juni 1990 wurde ihm

die Ehrenbürgerwürde Berlins verliehen,

und er forderte in seiner Dankesrede

in der Nikolaikirche ein

schnelles und klares Votum zugunsten

der Stadt als Sitz von Bundestag

und Regierung. Der Präsident setzte

damit die Politiker in dieser damals

sehr umstrittenen Frage gehörig unter

Druck. Es dauerte dann noch ein

Jahr, bis der Bundestag den Umzug

für 1999 beschloss. Weizsäcker aber

schuf schon vorher Fakten: Er erklärte

Schloss Bellevue bereits 1994

zu seinem ersten Sitz, vondem aus er

nun amtierte,fünfJahrevor allen anderen.

Seine Frau Marianne, aus einer

preußischen Adelsfamilie stammend,

war ihm stets eine zuverlässige,manchmal

resolute Begleiterin,

der es wichtig war, dass vom Familienleben

möglichst wenig an die Öffentlichkeit

drang. Die vier Kinder

waren freilich schon erwachsen, als

ihr Vater als Bürgermeister und Präsident

besonders ins Scheinwerferlicht

trat. Sie legen auf diese Art der

Prominenz keinen besonderen Wert

und haben die lange währende Tradition

des öffentlichen, politischen

Dienstes ihrer Familie beendet.

„Gib Acht auf meinen Bruder“

Ihre Eltern ließen ihnen freie Hand

bei der Berufswahl. Der 1954 geborene

Robert wurde Ökonom und

lehrt Volkswirtschaftslehre an der

Technischen Universität München.

Er trägt auch einen Präsidententitel:

Er ist Ehrenpräsident des Deutschen

Schachbundes. Sein Vater klagte

manchmal, dass er gegen seinen

Sohn schon in dessen jungen Jahren

am Schachbrett keine Chance gehabt

habe. Der 1956 geborene BruderAndreas

war Bildhauer.Umseine

künstlerischen Neigungen zu fördern,

schickten ihn seine Eltern auf

die Odenwaldschule. Erstarb 2008

an einem Krebsleiden.

Seine Schwester Beatrice, 1958

geboren, studierte Jura. Sie arbeitet

als Autorin und ist wie einst ihr Vater

Mitglied im Präsidium des Deutschen

Evangelischen Kirchentages.

Am Mittwoch reagierte sie als erstes

Familienmitglied öffentlich auf die

Gewalttat in Berlin. Sie postete bei

Instagram ein Kruzifix mit den Worten:

„Gib Acht aufmeinen Bruder…“

Ihrjüngster Bruder Fritz, der 1960

in Essen zur Welt kam, studierte Medizin.

Durch seine Tätigkeit als Arzt

in Berlin stand er den Eltern vielleicht

am nächsten. VonZeit zu Zeit

sah man sie gemeinsam bei Theaterund

Opernaufführungen. Ein fester

Familientermin, zu dem sich alle

Kinder und Enkel trafen, waren über

viele Jahregemeinsame Urlaubstage

im oberbayerischen Wackersberg.

Die Weizsäckers blieben nach

dem Ende seiner Präsidentschaft in

Berlin wohnen, in ihrem Privathaus

in Dahlem.Von dort aus sind es nur

wenige Schritte zum Waldfriedhof,

wo Richard von Weizsäcker im Februar

2015 nach einem Staatsakt im

Familienkreis bestattet wurde. Nun

wird sichdie Familie wieder zu einer

Trauerfeier zusammenfinden.

Holger Schmale

hat Richard vonWeizsäcker

langeals Journalist begleitet.


4* Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Umfrage zeigt schwindendes

Vertrauen in die Politik

Politische Stabilität gehörtnach Einschätzung

einer Mehrheit der Bevölkerung

zu den Stärken Deutschlands.Allerdings

ist das Grundvertrauen

der Bürger bei weitem nicht

mehr so hoch wie noch vorvier Jahren,

wie eine am Mittwoch veröffentlichte

repräsentativeUntersuchung

des Allensbach-Instituts im Auftrag

der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

zeigt. Aufdie Frage „Was ist Ihrer

Meinung nach eine Stärke Deutschlands?“

nannten 57 Prozent der Befragten

die „politische Stabilität“.

Vier Jahrezuvor hatten noch 81 Prozent

der Bürger diese Ansicht vertreten.

(dpa)

VW deckt Schriftzug in Halle

des AfD-Parteitags ab

Während des Bundesparteitags der

AfD Ende November in Braunschweig

wirdder Schriftzug „Volkswagen

Halle“ abgedeckt sein. Auf

Wunsch des Sponsors VW werdeder

Name „neutralisiert“, teilte ein Sprecher

des Veranstaltungsortes am

Mittwoch mit. DenWunsch hatte die

Belegschaftsvertretung geäußert.

Auch das Unternehmen unterstützt

die Haltung. (dpa)

Maas will politische

Weiterentwicklung der Nato

Außenminister HeikoMaas will die Nato

reformieren.

LISELOTTE SABROE

Als Reaktion auf die scharfe Kritik

des französischen Präsidenten Emmanuel

Macron an der Nato startet

Außenminister Heiko Maas eine Initiativezur

Stärkung der politischen

Zusammenarbeit in dem Bündnis.

Beim Nato-Außenministertreffen

schlug er am Mittwoch in Brüssel die

Einsetzung einer Expertenkommission

vor, die Reformvorschläge erarbeiten

soll. (dpa)

Mehr als 20 Tote bei Israels

Angriffen auf Ziele in Syrien

Beineuen Angriffen der israelischen

Luftwaffe im benachbarten Syrien

sind mehr als 20 Menschen ums Leben

gekommen. DieLuftschläge

richteten sich gegen Truppen, die

eng mit Israels Erzfeind Iran verbunden

sind. Sieseien eine Reaktion auf

iranischen Raketenbeschuss aus Syrien

gewesen, teilte die israelische

Armee am Mittwoch mit. Zuvorwarenvier

Raketen aus Syrien abgefeuertworden.

(dpa)

Botschaftsanwalt in der

Türkeifestgenommen

Einfür die deutsche Botschaft in Ankaratätiger

Anwalt ist einem Bericht

zufolge wegen Spionageverdachts

festgenommen worden. Dertürkische

Jurist sei beauftragt gewesen, in

der Türkei Informationen für Asylverfahren

türkischer Staatsbürger in

Deutschland einzuholen, berichtete

der Spiegel. DieBundesregierung befürchte,dass

durch die Festnahme

sensible Daten in die Hände des türkischen

Geheimdienstes MIT gelangen

könnten. DerAnwalt hatte laut

Spiegel etwa bei Polizei und Staatsanwaltschaft

abgefragt, ob gegen die

AsylbewerberVerfahren in der Türkei

laufen oder ob ihnen bei der Rückkehr

in ihreHeimat Haft droht. (AFP)

Frust auf Hof und Feld

Immer mehr Bauern protestieren gegen die strengen Auflagen des Agrarpakets der Bundesregierung

VonMarina Kormbaki

Vor wenigen Tagen strömen

Bauern inden Bundestag.

Im Sitzungssaal der Unionsfraktion,

wo sonst die

Abgeordneten Platz nehmen, machen

die Landwirte ihrem Ärger Luft.

Einer nach dem anderen treten sie

ans Mikrofon. Die Bauern klagen

über strenge Auflagen, sie beschweren

sich über ihren schlechten Ruf.

Vorne amPult sitzen mit Christian

Freiherr von Stetten, Carsten Linnemann

und Gitta Connemann führende

Vertreter der Fraktion.

„Die Bauern kommen sich von

der CDU/CSU-Fraktion verraten

und verkauft vor“, sagt Willi Kremer-

Schillings, Landwirt aus Neuss.

„Bauer Willi“, wie Kremer-Schillings

sich bei Facebook und Instagram

nennt, ist als Gastredner geladen. Er

beschreibt eine neue politische Heimatlosigkeit

seines Berufsstandes.

„Da bleibt als Hoffnungsschimmer

nur noch die wirtschaftsliberale

FDP“, sagt er. „Und eine Partei am

rechten Rand, die alle Unzufriedenen

und Unverstandenen einsammelt.“

Flut vonE-Mails

Bauern, so lautet ein Vorurteil, jammern

gern. Über Wetter und Preise,

Politik und Auflagen. Und dieser

Bauernaufstand hat eine neue Qualität.

Er geht von Social-Media-affinen

Agrarbloggern wie Bauer Willi

und der Facebook-Gruppe „Land

schafft Verbindung“ aus, ohne dass

traditionelle Berufsvereinigungen

wie der Bauernverband ihn einfangen

könnten. Undertrifft mit Wucht

die einstige Schutzmacht der deutschen

Landwirte in der Politik: die

CDU.

Aufgebrachte Landwirte fluten

jetzt die E-Mail-Konten der Unionsabgeordneten

im Bundestag. Grüne

Pakete werden in den Abgeordnetenbüros

abgeliefert, mit verschrumpeltem

Obst und verbeulten

Kartoffeln. Die Absender wollen

den Abgeordneten vor Augen führen,

wie die Ernte aussieht, wenn sie

nicht mit Pflanzenschutz behandelt

wird.

So protestieren sie gegen das Agrarpaket,

mit dem Bundeslandwirtschaftsministerin

Julia Klöckner

(CDU) und Bundesumweltministerin

Svenja Schulze (SPD) den Einsatz

von Insektiziden und Düngemitteln

einschränken möchten, zugunsten

der Artenvielfalt und des

Grundwassers.

Die Unionsabgeordneten kriegen

Bauernprotest Ende Oktober in Stuttgart

daheim in ihren Wahlkreisen den

Frust der Bauern persönlich zu spüren.

Sie werden zur Verantwortung

gezogen für die Agrarpolitik von

Landwirtschaftsministerin Klöckner

–selbst Christdemokratin und Winzertochter.

Sie sollen erklären, weshalb

Bauern weniger Gülle auf die

Felder ausbringen sollen, wie ihr Ertrag

trotz geringerem Einsatz von Insektiziden

gleich hoch bleiben soll.

Undimmer weniger Unionsabgeordnete

sind zur Verteidigung der Ministerin

bereit. Sie teilen die Einschätzung

der Bauern, wonach Klöckners

Politik die deutschen Landwirte vor

Probleme stellt –und auch die CDU.

Bauer Willi ist bei seinem Besuch

IMAGO IMAGES

im Bundestag die Entfremdung zwischen

der Unionsfraktion und ihrer

Ministerin nicht entgangen. „Mein

Eindruck war: Zwischen Frau Klöckner

und der Fraktion stimmt etwas

nicht“, sagt er.

Selbst innerhalb der Bundesregierung

schauen Klöckners Parteifreunde

mittlerweile skeptisch auf

die Arbeit der Ministerin. „Sie hat es

sich in kürzester Zeit mit der gesamten

Bauernschaft verdorben“, sagt

ein CDU-Mann, „das war absolut

unnötig.“ Anstelle zahlreicher

schwieriger Politikentscheidungen

für die Landwirte hätte sie etwa bei

der Ferkelkastration einen öffentlich

bemerkbaren Schlussstrich ziehen

Schwarze Tage im Iran

können, um dann bei vielen anderen

kritischen Themen im Sinne der

Bauernzuentscheiden –sodie Kritik

aus den eigenen Reihen. Doch

Klöckner entschied anders herum.

Und muss nun mit ihrem ramponierten

Image leben.

Auch aus den Ländernerfährtdie

Ministerin Widerstand. Niedersachsens

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann

warnte Klöckner dem Vernehmen

nach in Anspielung auf die

Proteste in Frankreich vor dem Entstehen

einer Grünwesten-Bewegung.

DieCDU müsse jetzt „höllisch

aufpassen“, die Stimmung kippe. Es

gebe bereits Parteiaustritte. Sein

Landesverband hat das Thema auf

die Agenda des CDU-Parteitags gesetzt,

der am Freitag in Leipzig beginnt.

DieParteiführung rechnet mit

einer hitzigen Debatte.

Merkel soll es richten

Im Bundeslandwirtschaftsministerium

bemüht man sich derweil um

Dialog. Es laufen Gespräche mit der

Unionsfraktion, aber auch mit den

Initiatoren der Bauernproteste. Das

Ministerium verweist auf EU-Vorgaben

zum Schutz des Grundwassers:

Deutschland könne sich nicht weiterhin

als einziges Land in der EU

über die Regeln zum Ausbringen von

Gülle hinwegsetzen. Es drohen Strafzahlungen

von 800 000 Euro –täglich.

Bauer Willi kennt die Argumente,

auch mit ihm hat die Ministerin das

Gespräch gesucht. Überzeugt hat sie

ihn nicht. „Frau Klöckner antwortet

mir zu sehr mit den bekannten Sätzen.

Ich fühle mich da von ihr nicht

ernst genommen, das bringt uns

nicht weiter“, sagt er. „Sie setzt sich

auf Twitter und Instagram sehr für

die Bauern ein –aber sie macht leider

die falschen Gesetze.“

Bauer Willi wird seinen Protest

fortsetzen: Um auf ein drohendes Höfesterben

hinzuweisen, stellte er Anfang

September ein grünes Kreuz auf

seinem Acker auf. Fotos davon veröffentlichte

er im Internet. Tausende

Landwirte machten es ihm nach. Wer

dieser Tage über Land fährt, meint

angesichts all der Kreuze rechts und

links auf einem endlosen Friedhof

unterwegs zu sein.

Die Hoffnungen der Landwirte

ruhen jetzt auf Angela Merkel. Die

Kanzlerin hat den Aufstand der Bauern

zur Chefsache erklärt und seine

Initiatoren für den 2. Dezember ins

Kanzleramt geladen. Merkel soll ihre

Ministerin Klöckner bremsen. Die

Bauern erwarten das –und viele in

der CDU.

Die Bevölkerung wehrt sich gegen die Benzin-Rationierung und die Abschaltung des Internets

Landesweite Unruhen, viele Tote

und unzählige Festnahmen: Der

iranische Präsident Hassan Ruhani

hat sein Land mit einer wirtschaftspolitischen

Entscheidung in eine

regelrechte Staatskrise gestürzt.Wegen

der durch die harten US-Sanktionen

entstandenen Wirtschaftskrise

im Land rationierte er das subventionierte

Benzin auf 60 Liter im

Monat. Für alles darüber müssen

die Iraner seit letzter Woche das

Dreifache bezahlen. Mehrmals verteidigte

Ruhani den Schritt: „Das

war eine richtige und notwendige

Entscheidung, besonders für die sozial

schwachen Klassen,“ meint der

Präsident.

Wegen der harten US-Sanktionen

seien die damit verbunden Einnahmen

der einzige Weg, den sozial

schwächeren Klassen mehr Subventionen

gewähren zu können, wie Ruhani

zuletzt immer wieder betont

hatte.

Die Iraner –besonders die sozial

Schwachen –sehen das anders. Es

kam zu landesweiten Protesten, bei

denen Tankstellen und öffentliche

Einrichtungen in Brand gesetzt wurden.

Dabei soll es auch Zusammenstöße

zwischen Demonstranten und

Polizei gegeben haben. Die Menschenrechtsorganisation

Amnesty

International sprach am Dienstag

von über 100 Toten seit vergangenem

Freitag, Augenzeugen gar von

Tausenden. Dassteht in krassem Gegensatz

zu den Zahlen in staatlich

kontrollierten und damit fast amtlichen

Medien im Iran, wonach neun

Menschen ums Leben gekommen

und 1000 festgenommen worden

sein sollen.

Rial verliertanWert

Zwar halten auch Wirtschaftsexperten

Ruhanis Entscheidung für

durchaus gerechtfertigt, das Timing

jedoch für schlecht. Wegen der US-

Sanktionen hat die nationale Währung

Rial schon die Hälfte ihres

Werts verloren. Mit den höheren

Benzin- und somit Transportpreisen,

die im Iran als „die Mutter aller

Inflationen“ gelten, wird der wirtschaftliche

Druck auf die Bevölkerung

noch größer.

„Nur Gott weiß, was sich Ruhani

bei dieser Entscheidung gedacht

hat“, sagt der 43-jährige Bankangestellte

Babak M. aus Teheran der

Deutschen Presse-Agentur. Es

herrscht wenig Verständnis für den

Schritt der Regierung. Befürchtet

wird, dass der Rial nach der Preiserhöhung

bald noch weniger wert und

letztendlich zu „Domino-Geld“ werden

wird.

Die Proteste der letzten Tage waren

die logische Folge. Doch richteten

sie sich nicht nur gegen Ruhani

und die neuen Benzinpreise, sondernsehr

schnell auch gegen die allgemeine

Politik des gesamten islamischen

Establishments. Auf den

Straßen und auch in der Universität

Teheran waren etwa Rufe wie „Tod

dem Diktator“ zu hören. Immer lauter

wird auch die Kritik an der Nahostpolitik

der Regierung. „Millionen

für Syrien, Jemen, Libanon und Gazastreifen

ausgeben, aber fürs eigene

Volk die Benzinpreise erhöhen, ist

inakzeptabel“, sagt der Student Parham

T. stellvertretend für die Kritiker.

AufTeherans Straßen wurden wegen

der Unruhen Hunderte Polizeiund

Sicherheitskräfte stationiert.

Um die Verbreitung von Informationen,

Bildern und Videos zu verhindern,

stellte der Nationale Sicherheitsrat

das Internet ab. Auch am

fünften TaginFolge blieb das Internet

am Mittwoch weitgehend blockiert.

Informationen lassen sich

deshalb nur schwer überprüfen.

„Protestieren ist das legitime

Recht der Bürger, aber Vandalismus

ist etwas ganz anderes“, sagt Ruhani.

Für ihn haben an den gewaltsamen

Protesten hauptsächlich „Krawallmacher“

teilgenommen, die vom

Ausland finanziert und gelenkt worden

seien. Einigen der festgenommenen

Anführer droht Medienangaben

zufolge die Todesstrafe.

Für Irans Bevölkerung bleibt indes

die Internetsperre ein großes Problem.

Sie paralysiert seit Tagen viele

Aktivitäten des normalen Lebens.

Über 80 Millionen Menschen können

weder Mails senden oder empfangen

noch auf Kurznachrichtendienste

oder Google-Suchen zugreifen. (dpa)

Umwelt-Aktivist

verharmlost

den Holocaust

Extinction Rebellion: Genozid

„fast ein normales Ereignis“

Der Mitgründer der Umweltbewegung

Extinction Rebellion

hat den Holocaust als „fast normales

Ereignis“ in der Menschheitsgeschichte

bezeichnet. „Tatsache ist,

dass in unserer Geschichte Millionen

vonMenschen unter schlimmen

Umständen regelmäßig umgebracht

worden sind“, sagte der Brite Roger

Hallam der Zeit. Für ihn sei der Holocaust

„nur ein weiterer Scheiß in der

Menschheitsgeschichte“. Seine Äußerungen

stießen auf harsche Kritik

in Deutschland; der Ullstein Verlag

stoppte noch am Mittwoch die Auslieferung

des neuen Buchs von Hallam

an deutsche Buchläden.

Genozide habe es in den vergangenen

500 Jahren immer wieder gegeben,

sagte Hallam. „Umehrlich zu

sein, könnte man sagen: Das ist fast

ein normales Ereignis.“ Als Beispiele

nannte der 53-Jährige Gräueltaten in

China und im Kongo: „Die Belgier

sind im späten 19. Jahrhundert in

den Kongo und haben ihn dezimiert.“

Er wisse,dass es unterschiedliche

Debatten darüber gebe, obder

Holocaust einzigartig sei oder nicht.

Für ihn sei die Sache klar.

Der Ullstein Verlag distanzierte

sich umgehend von Hallam. „Die

Auslieferung des Buches wurde mit

sofortiger Wirkung gestoppt“, teilte

derVerlag in Berlin mit. DasWerkmit

dem Titel „Common Sense. Die gewaltfreie

Rebellion gegen die Klimakatastrophe

und für das Überleben

der Menschheit“ sollte eigentlich am

26. November in die deutschen

Buchläden kommen.

Auch Bundesaußenminister

Roger Hallam ist Mitgründer der Umweltbewegung

Extinction Rebellion. SOPA IMAGES

Heiko Maas (SPD) reagierte empört:

„Der Holocaust ist mehr als Millionen

Tote und grausame Foltermethoden.

Jüdinnen und Juden industriell

zu ermorden und ausrotten zu

wollen, ist einzigartig unmenschlich.

Das muss uns immer bewusst sein,

damit wir sicherstellen: nie wieder!“,

schrieb er auf Twitter.

Extinction Rebellion Deutschland

distanzierte sich von Hallam

und sprach von „verharmlosenden

und relativierenden Äußerungen

zum Holocaust“. Er sei bei der Bewegung

in Deutschland nicht mehr

willkommen.

Der Bundesvorsitzende der Grünen,

Robert Habeck, forderte auch

andere Ableger von Extinction Rebellion

(XR) dazu auf, sich von Hallam

loszusagen. Die Bewegung

„muss sich in Gänzeglasklar vonihm

distanzieren“, sagte Habeck der Bild-

Zeitung.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident

Armin Laschet (CDU)

sprach auf Twitter von „inakzeptablem

Gerede“ Hallams, das den Holocaust

relativiere. „Warum dieses

antisemitische und rechtsradikale

Framing, wenn es doch angeblich

um Klimaschutz geht?“

Extinction Rebellion ist in Großbritannien

entstanden und macht

mit Protestaktionen für den Klimaschutz

inzwischen in vielen Ländern

auf sich aufmerksam. Hallam, der im

britischen Landesteil Wales lebt, ist

das bekannteste Gesicht der Bewegung.

Er ist Soziologe und Biobauer.

(dpa)


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6 Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Politik

Efraim Halevy,84, warvon 1998 bis 2002 Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad. Er warmit Yitzhak Rabin befreundet.

LAIF/JONAS OPPERSKALSKI

„Wer nicht mit dem Feind spricht, zahlt einen hohen Preis“

Efraim Halevy war Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad. Er jagte Terroristen, löste Staatskrisen und handelte Friedensverträge aus. Ein Gespräch

Ein Wohnhaus im Norden

TelAvivs, eine Haustür, ein

Klingelschild, viele Namen,

darunter Efraim Halevy.Als

wäre erein ganz normaler TelAviver

und nicht der ehemalige Chef des israelischen

Geheimdienstes Mossad.

Einer,der Terroristen jagte,Staatskrisen

löste und mit Ex-Premierminister

Yitzhak Rabin Friedensverträge

aushandelte. Von allen Mossad-

Chefs in der Geschichte Israels gilt

Halevy als der besonnenste und diplomatischste.

„Good morning“,

sagt er,macht Teefür sich und Kaffee

für den Gast, setzt sich aufs Sofa und

redet über sein Leben, sein Land und

seine Sorgen. Er ist fast 85 und hellwach.

Vorein paar Tagen hat der israelische

Geheimdienst in Gaza einen Führer

des Islamischen Dschihad ermorden

lassen. Wasbringen solche Aktionen?

Es geht immer darum, Leben zu

retten. Im konkreten Fall haben wir

es mit Baha Abu al-Ata zu tun, einem

Mann, der den Norden von

Gaza kommandierte und Raketenangriffe

auf Israel befohlen hat.

Seine Angriffe hatten kein konkretes

Ziel. Durch sie sollten unschuldige

Menschen ermordet werden, egal

welchen Alters, auch Kinder, alte

Leute.Erwar eine Bedrohung für Israel.

Hatten Sie vorher schon von ihm gehört?

Ichwusste seit langem vonihm.

In Israel wird darüber gerätselt,

warum dieser Mann ausgerechnet

jetzt an der Reihe war, obesmit den

politischen Schwierigkeiten des noch

amtierenden Ministerpräsidenten

Benjamin Netanjahu zu tun hat.

Eine Zeitung schrieb: Sein Name, den

vorher niemand gehört hatte, wurde

in den letzten Wochen so oft vom israelischen

Militär benutzt, dass ein

palästinensischer Fernsehkommentator

prophezeite: DieIsraelis bringen

ihn demnächst um.

Davon weiß ich nichts. Aber auf

jeden Fall gibt es einen persönlichen

Bezug zu unserem Premierminister:

Vorein paar Wochen musste Netanjahu

im Wahlkampf die Bühne verlassen,

weil der Islamische Dschihad

eine Rakete aus Gaza nach Aschdod

abgeschossen hatte.

Netanjahu hat später viel Spott für

diesen Auftritt geerntet.

Ja, ermusste seine Rede in der

Mitte unterbrechen und in einem

Bunker Schutz suchen. Daswar kein

besonders vorteilhafter Auftritt,

nicht das Bild, das deine Wähler von

dir sehen wollen.

Unddeswegen hat er al-Ata umbringen

lassen?

Das war sicher nicht der Hauptgrund

für die Operation, aber vielleicht

der Auslöser.Bereits in der Vergangenheit

wurde mehrfach darüber

diskutiert, sich seiner zu entledigen.

Grundsätzlich ist meine Haltung zu

solchen Operationen: Ja, manchmal

sind sie notwendig, um zu zeigen, es

bringt nichts, uns anzugreifen. Aber

nur auf Abschreckung zu setzen, ist

keine langfristige Politik. Es gibt in

Gaza eine Arbeitslosenrate von60bis

70 Prozent. Die Menschen leben unter

schlechten Bedingungen, haben

nur ein paar Stunden am TagElektrizität,

Wasser ist ein großes Problem.

Ichdenke,auf lange Sicht müssen wir

den Dialog mit der Hamas suchen.

DieHamas hat sich an den Angriffen

auf Israel diesmal nicht beteiligt. Ist

das bereits eine Artvon Dialog?

Ja und nein. Wir reden nicht direkt

mit ihnen, sondern über die

Ägypter. Das Problem ist aber, wenn

du über Vermittler verhandelst, erreichst

du weniger,als wenn du es direkt

tust. Denn dann siehst du die

andere Seite, verstehst sie vielleicht,

und die andereSeite versteht dich, es

entwickelt sich eine gewisse Art von

Vertrauen. Nur dann kann es wirklich

zu einem Durchbruch kommen.

Und warum wird es nicht so gemacht?

Weil es immer heißt: MitTerroristen

redet man nicht. Es kommt mir

fast wie ein religiöser Glaube vor,

dieser Vorsatz. Aber Terrorismus ist

kein losgelöstes Problem, es ist Teil

eines größeren Zusammenhangs.

Warum hat Israel früher mit Leuten

verhandelt, die als Terroristen galten,

Yasser Arafat zum Beispiel, und jetzt

nicht mehr?

Es stimmt, es wurde damals verhandelt,

aber man darfnicht vergessen,

dass das Osloer Friedensabkommen

in der israelischen Gesellschaft

vonAnfang an sehr umstritten

war und letztlich zur Ermordung von

Premierminister Yitzhak Rabin geführthat.

Sein Killer war ein fanatischer Religiöser,

der die Rechtfertigung für den

Mord in der Tora gesucht hat.

Er war ein Einzeltäter, aber er

steht für viele.Ich erinneremich sehr

gut an die Zeit, sehr,sehr gut.

Siekannten Rabin gut?

Ja, ich war stellvertretender Chef

des Mossad, als er Premierminister

war. Vier Tage bevor er umgebracht

wurde,bin ich aus dem Mossad ausgeschieden.

Rabin wollte zu meiner

Abschiedsfeier kommen, als Ehrengast,

am 8. November 1995. DieParty

wurde abgesagt wegen seines Todes.

Meine Abschiedsfeier fand nie statt.

Wiehaben SieRabin kennengelernt?

In Washington Ende der 60er. Er

war israelischer Botschafter, ich war

der Mossad-Vertreter.Alle Nachrichten

zwischen der israelischen Premierministerin

Golda Meir und ihm

gingen über mein Büro. Das bedeutete:

Ich wusste alles, was er wusste.

Undwir verstanden uns wirklich gut,

haben uns vertraut und auch später,

als er Premierminister wurde, eng

zusammengearbeitet.

Sie haben zusammen Friedensverträge

ausgehandelt, zum Beispiel den

zwischen Israel und Jordanien, der

nun, 25 Jahrespäter,inGefahr ist. Die

Beziehungen haben sich in den letzten

Wochen dramatisch verschlechtert.

Sind Sieenttäuscht über die Entwicklungen?

Ja, ich bin sehr traurig und sehr

verstört, was heute von unserem

Vertrag übrig geblieben ist. Der

Frieden mit Jordanien wurde damals

vonmehr als hundertKnesset-

Mitgliedern verabschiedet. Es gibt

keinen anderen Vertrag, der so eine

große Mehrheit hatte, und heute

will niemand mehr davon etwas

wissen.

Haben Sie noch Kontakte zu Jordaniern,

mit denen Siedamals den Friedensvertrag

verhandelten?

ZUR PERSON

Ja,ich habe gerade in Jordanien an

einem Treffen mit unseren früheren

Verhandlungspartnern teilgenommen.

Keiner hat michdarum gebeten,

noch einmal zu vermitteln, keiner hat

mich gefragt. Ichhabe das auch nicht

erwartet. Es zeigt, dass die Verhandlungen

gescheitertsind, es zeigt Israels

Versagen. Wirhatten 25 JahreZeit. Wir

hätten sie nutzen können.

Efraim Halevy wurde 1934 in London geboren, kam 1948 nach Israel, besuchte eine religiöse

Schule und studierte Jura an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Zum Mossad kam er 1961, weil er wegeneines Herzfehlers nicht im Militär dienen konnte.

Von1990 bis 1995 war er Stellvertreter,von 1998 bis 2002 Leiter des Mossad, der einzige

zivile Chef des Geheimdienstes. Von1996 bis 1998 vertrat er Israel als Botschafter bei der EU

in Brüssel. An der Seite vonYitzhak Rabin handelte er 1995 den Friedensvertrag mit Jordanien

aus. 1998 gelang es ihm im Fall Maschal, durch sein Verhandlungsgeschick und seine guten

Beziehungen zu König Hussein eine Staatskrise zu verhindern. Nach seinem Ausscheiden aus

dem Mossad war Halevy Chef des Nationalen Sicherheitsrates in Israel. Efraim Halevy lebt mit

seiner Frau in TelAviv.Erhat zwei Kinder und sechs Enkelkinder.

Wasist passiertindiesen 25 Jahren?

Man darf nicht vergessen, dass in

Jordanien viele Palästinenser leben,

die nach 1948 und 1967 dorthin geflohen

sind. DieFraudes Königs Abdullah

zum Beispiel ist aus Nablus. Die

Krisen häufen sich, die Distanz zwischen

dem König und dem israelischen

Premierminister wird immer

größer.Auch zu den USA. In den letzten

drei Jahren hatten die USA keinen

Botschafter in Jordanien. Einjordanischer

Diplomat erzählte mir, erhabe

einen US-Kollegen gefragt: Warum

schickt ihr keinen? Die Antwort war:

Es ist nicht notwendig. Auch wirtschaftlich

geht es Jordanien nicht gut.

Als ich vor zwei Wochen dort war,

habe ich auch ein Flüchtlingslager

besucht. Sie haben eine Million

Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen,

die in Zelten leben und nach Arbeit

suchen, billige Arbeitskräfte, die

anderen ihreArbeit wegnehmen. Das

sorgt für viel Unmut.

Haben Sie auch König Abdullah getroffen?

Nein, diesmal nicht. Ich kenne

ihn seit langem, schon als er noch

ein Teenager war. Als der alte König

starb,war ich Mossad-Chef. Wirhatten

ein sehr gutes Verhältnis und ich

habe auch nach dem Abschluss des

Friedensvertrages noch oft zwischen

beiden Ländern vermittelt. Sie haben

vielleicht von der Maschal-Affäregehört.

Ja, Chalid Maschal war ein Hamas-

Führer, der 1997 von einem Mossad-

Kommando vergiftet werden sollte.

Aber die Aktion ging schief.

Folgendes war passiert: Vordem

Mossad-Komplott hatte die Hamas

in Jerusalem auf dem Yehuda-Markt

einen Terroranschlag verübt. Israelis

wurden ermordet. Es gab einen Aufruhr

in der Bevölkerung. Der Premierminister


Das war damals Benjamin Netanjahu

in seiner ersten Amtszeit?

Ja, ersagte: Wir müssen reagieren,

zeigen, dass wir so etwas nicht

tolerieren. Der Mossad hat ein Ziel

gesucht, und das war Maschal, kein

besonders hochrangiges Hamas-

Mitglied. Austragungsort war Amman.

Hatte Maschal etwas mit dem Terroranschlag

in Jerusalem zu tun?

Nein, er gehörte zum politischen

Flügel der Hamas. Esging Israel um

Vergeltung. Ich sage Ihnen ganz ehrlich:

Als ich damit beauftragt wurde,

habe ich gedacht, das kann eine

große Krise auslösen zwischen Israel

und Jordanien. Sechs israelische Geheimagenten

waren an der Operation

beteiligt gewesen. Zwei waren von

den Jordaniernverhaftet worden, vier

hatten sich in die israelische Botschaft

geflüchtet. Das jordanische

Militär hatte die Botschaft umstellt

und war bereit zuzuschlagen.

Dann sind Sie ins Spiel gekommen,

obwohl Siegar nicht mehr beim Mossad

waren, sondern israelischer Botschafter

in Brüssel.

Ja, aneinem Freitagmorgen, kurz

vor Sabbatbeginn. Die Presse hatte

noch nichts mitbekommen und

sollte auch nichts erfahren. Mir war

klar,dass wir den Fall bis Sonntag lösen

müssen, um einen Aufruhr im

Land zu verhindern. Der König

wollte aber keinen Israeli sprechen.

Er ließ mir ausrichten: Sie mischen

sich da nicht ein!

Siehaben es trotzdem gemacht?

DieAngebote Israels gingen nicht

weit genug, waren nicht ernst gemeint.

Ich sagte zu unseren Leuten:

Ihrmüsst eins verstehen: Maschal ist

Jordanier, der König ist unter Druck.

Ich schlug vor, den Chef der Hamas

freizulassen, der in israelischer Haft

saß, und ihn nach Jordanien auszuliefern.

Alle waren geschockt. Der

Premierminister sagte zu mir: Niemals!

Denken Sie sich was anderes

aus! In der Nacht zu Sonnabend bat

König Hussein Präsident Clinton um

Hilfe und kündigte eine internationale

Pressekonferenz an. Er sagte

nicht, was er verkünden wollte, aber

ich war sicher, erwürde den Friedensvertrag

suspendieren. Sonnabendmorgen

rief mich Netanjahu

an und sagte: Machen Sie!

Der Hamas-Chef wurde freigelassen,

die Israelis auch. Sie haben eine

Staatskrise verhindert, und als Dank

machte Netanjahu Sie zum Mossad-

Chef und versprach Ihnen lebenslange

Freundschaft, habe ich gelesen.

Nein, nein, nein. Dashat er nicht

versprochen. Er hat in diesen Tagen

überhaupt nur zweimal kurz mit

mir gesprochen. Er hat sich auch nie

mit mir zusammengesetzt, um die

Lage zu besprechen. Ich habe auch

nie Berichte über die Verhandlungen

geschrieben und wurde nie aufgefordert,

es zu tun. Es gibt innerhalb

des Mossad keinen einzigen

Bericht darüber. Auch nicht über

mein Gespräch mit dem König. Niemand

hat mich jemals danach gefragt.

Warum nicht?

Wasdenken Sie? Es war keine besonders

angenehme Sache für die israelische

Regierung, oder?

Stehen SieinKontakt mit Netanjahu?

Nein.

Fragt er Sienie nach Ihrer Meinung?

Nein. Mit Staatsangelegenheiten

habe ich nichts mehr zu tun. Ichbin

ein freier Bürger Israels, ich sage

meine Meinung offen. Ichsage,dass

wir mit der Hamas verhandeln sollten.

Ich sage, dass wir mit den Iranernverhandeln

sollten. Biszur Islamischen

Revolution 1979 hatten wir

gute Beziehungen zu ihnen. Nicht

nur zum Schah, auch zu den Menschen

dort. Wenn man mit dem

Feind nicht spricht, zahlt man einen

hohen Preis,injeder Hinsicht.

Was zeichnet einen guten Mossad-

Agenten aus?

Er sollte gut mit Menschen umgehen

können, ein gutes Urteilsvermögen

besitzen und moralische Prinzipien.

Ein Freund von mir sagte einmal:

Manchmal musst du die

schmutzigsten Dinge tun, aber saubere

Hände haben. Ich finde, das ist

eine gute Formel.

DasGespräch führte Anja Reich.


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 7 *

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▼ 13158,14 (–0,48 %)

21.8.19

20.11.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▲ 62,43 (+2,66 %)

21.8.19

20.11.19

Euro in US-Dollar

▼ 1,1059 (–0,16 %)

Minuszinsen ab

dem ersten Euro

DieCommerzbank bittet wegen der

Negativzinsen der Europäischen

Zentralbank (EZB) Firmenkunden

verstärkt zur Kasse.Einigen Unternehmen

berechnet die Bank bereits

ab dem ersten Euro Negativzinsen.

Betroffen ist dem Vernehmen nach

eine überschaubareZahl der

70000 Firmenkunden des Instituts.

Nach Informationen des „Handelsblatts“

sind das meist Kunden, die

auf ihrem Konto viel Geld liegen haben,

mit denen die Bank sonst aber

kaum Geschäfte macht. Geschäftsbanken

müssen 0,5 Prozent Zinsen

zahlen, wenn sie Geld bei der EZB

parken. (dpa)

21.8.19

Stand der Daten:20.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

Quelle

20.11.19

aus DAX und MDAX vom 20.11. zum Vortag

DeliveryHero 44,97 +1,81 WWWW

CarlZeissMeditec106,00

+1,44 WWW

Cancom 51,75 +1,37 WWW

GEA Group 29,23 +1,32 WWW

thyssenkrupp 13,51 +1,27 WWW

Aurubis 48,70 +1,21 WWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom20.11.zum Vortag

Rheinmetall 96,02 WWWWWWWWWWW –7,05

Wirecard 117,25 WWWWWW –3,30

Siltronic NA 74,74 WWWWW –2,99

Lufthansa vNA 17,26 WWWWW –2,54

K+S NA 10,50 WWWWW –2,51

Kion Group 59,30 WWWW –2,15

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 20.11. ±% z. 19.11.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,34

3733/2909 3683,88

CAC 40 (FR) – 0,25

5967/4556 5894,03

S&P UK (UK) – 0,83

1562/1323 1465,35

RTS (RU) – 0,22

1488/1033 1448,40

IBEX (ES) –0,37

9588/8286 9225,40

Dow Jones (US) –0,43

28090/21713 27814,31

Bovespa (BR) –0,52

109672/83892105714,20*

Nikkei (JP) – 0,62

23591/18949 23148,57

Hang Seng (HK) –0,66

30280/24897 26887,36

Stx Singap. 20 (SG) –0,10

1657/1395 1626,08

Sparbriefe und

langfristigeAnlagen 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Jahre 5Jahre 8Jahre

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 1,21 1,31 -

VTB Direktbank

vtbdirekt.de 1,00 1,20 1,20

Bank11

bank11.de 0,90 1,20 -

akf bank **

akf.de 0,95 1,10 1,10

Ziraat Bank

ziraatbank.de 0,85 1,10 -

Targobank

targobank.de 0,60 1,10 -

Santander

santander.de 0,45 0,60 0,60

ING

ing.de 0,03 0,10 -

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 0,01 0,01 0,01

Postbank

postbank.de - - -

Isbank

isbank.de 1,00 1,15 -

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de - - 0,15

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 0,01 - 0,01

Berliner Sparkasse

030/86986969 - - -

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,67 0,81 0,62

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Die Chancen stehen schlecht, dass Alitalia bald einen neuenEigentümer hat.

Neue Vorwürfe gegen Wirecard

Ein verweigertes Testat bringt den Dax-KonzerninErklärungsnot. Der Aktienkurs sackt erneutab

Von Thomas Magenheim

Diesmal ist es nicht die „Financial

Times“ (FT), die den deutschen

Dax-Konzern Wirecard in Erklärungsnot

bringt. Das „Handelsblatt“

enthüllt, dass der Zahlungsdienstleister

aus Aschheim bei München

für seine Tochter in Singapur für 2017

kein Testat des Wirtschaftsprüfers EY

erhalten hat.

„Wir können weder die Angemessenheit,

Vollständigkeit und Richtigkeit

des Jahresabschlusses feststellen,

noch können wir den Umfang

möglicherAnpassungenabschätzen,

die in Bezug auf den Jahresabschluss

der Gesellschaft erforderlich sein

könnten“, zitiert die Wirtschaftszeitung

aus einem EY-Prüfbericht und

Dokumenten im Register der Finanz-

Tannengrüne Trophäe

Die Lufthansa würde gern bei der Pleiteairline Alitalia einsteigen, fordert aber eine Sanierung

Von Frank-Thomas Wenzel

Tarifkonflikt: Im Tarifkonflikt

bei der Lufthansa verzichtet

die Flugbegleitergewerkschaft

Ufo auf kurzfristige

Streiks. Zugleich setzt sie

dem Unternehmen eine Frist

bis Donnerstag nächster Woche.

Sollte sich bis dahin

keine Annäherung ergeben,

würden unmittelbar an diesem

TagAusstände angekündigt,

erklärte Ufo-Sprecher

NicoleyBaublies.

UFO SETZT LUFTHANSA ULTIMATUM

Schlichtung gescheitert:

Tags zuvor waren vereinbarte

Schlichtungsverhandlungen

für die blau-gelbe Kerngesellschaft

in letzter Minute

vonder Lufthansa abgesagt

worden. Der Grund: Dem

Management waren Aussagenvon

Ufoüber einen

Streikverzicht während der

gesamten Dauer der

Schlichtungsverhandlungen

nicht klar genug gewesen.

Zusagen zurückgezogen:

Ufo hatte erklärt, „zunächst“

auch auf Arbeitskampfmaßnahmen

bei den Marken

Eurowings, Germanwings,

Cityline und Sunexpress zu

verzichten. Laut Lufthansa

wurden mit dem vorläufigen

Scheiternder Schlichtung

auch Zusagen zurückgenommen.

Dazu gehörteine Einmalzahlung

vonje1500

Euro an Kabinenmitarbeiter.

Die tannengrünen Uniformen

der Alitalia-Crews

zählen noch immer zu den

modischen Highlights der

Flugfahrtbranche. Ansonsten ist bei

Italiens nationaler Fluglinie der Lack

ziemlich ab.Das Unternehmen ist seit

zweieinhalb Jahren pleite. Die Lufthansa

würde gerneals kommerzieller

Partner einsteigen, macht aber eine

umfassende Sanierung zur Bedingung.

An diesem Donnerstag wird es

spannend. Eine Frist läuftab, um neue

Eigner für die insolvente Alitalia zu finden.

Doch die Chancen dafür stehen

schlechter denn je. Denn der Infrastrukturkonzern

Atlantia, der von der

Familie Benetton kontrolliertwird, ist

kurzfristig ausgestiegen. Das Unternehmen

teilte mit, die Bedingungen

für eine Beteiligung an einem Konsortium

zur Rettung der Airline seien derzeit

nicht erfüllt.

Eigentlich war geplant,dassdie Benettons

mit 37,5 Prozent zu einer Art

Ankereigner werden sollten. Mit dem

gleichen Anteil soll der staatliche

EisenbahnkonzernFSeinsteigen.Zudem

wolltesich derStaat direkt engagieren,

und schließlich war ein kommerzieller

Partner, der 10 Prozent

übernehmen sollte,eingeplant.Lange

sah es so aus,als würde die US-Airline

Delta diese Rolle übernehmen. Doch

es soll zu einem Zerwürfnis gekommen

sein. DasDelta-Management erklärte

zwar seine Bereitschaft, für 100

Millionen Euro dem Konsortium beizutreten.

Doch Medienberichten zufolge

konnte keine Einigung darüber

erzielt werden, wie das Langstreckengeschäft

umgebautwerden soll.

So kommt nun wieder die Lufthansa

ins Spiel. Seit der erneuten Pleite

von Alitalia im Frühjahr 2017 bekundet

Lufthansa-ChefCarsten Spohr mit

schwankender Intensität immer wieder

sein Interesse an der italienischen

Fluggesellschaft. Sie wäre ein schöne

Trophäe, schon allein wegen des bekanntenNamensund

weil dieAirline

nochimmerderCarrierdesPapstesist.

Hinzu kommt,dass Italien für die Lufthansa

ein wichtiger Markt mit langer

Tradition ist. Dabei geht es einerseits

um Ferienfliegerei über die Alpen hinweg,

andererseits um Langstreckenverbindungen

vonund nach Mailand

und Rom –den beiden wichtigsten

Flughäfen für Alitalia. Hinzu kommt,

dass Spohr immer wieder betont, dass

sein Unternehmen eine aktive Rolle

bei der Konsolidierung der europäischen

Luftfahrtbranche spielen will.

DieItalienerwären eine naheliegende

Ergänzung, zumal mit der Swiss und

der österreichischen AUA schon zwei

„benachbarte“ Airlines zu Europas

größtem Luftfahrtkonzern gehören.

Am Dienstag kursierte in Italien schon

das Gerücht, dass die Lufthansa für

150bis200MillionenEuroden10-Prozent-Anteil

übernehmen wolle. Das

wurdeprompt dementiert.

aufsicht von Singapur. EYhabe die

Tochter in Singapur nur eingeschränkttestiert,räumtWirecardein.

Seit Anfang 2018 sät die „FT“ in einer

Reihe vonArtikeln Zweifel an den Bilanzierungspraktiken

vonWirecard.

DasUnternehmen habe Umsätze

durch Scheingeschäfte aufgebläht,

hieß es darin unter anderem. Wirecard

sieht die Vorwürfe als widerlegt

an. Vonihnen aufgeschreckt hatten

seinerzeit Behörden in Singapur mit

Ermittlungen begonnen. Unterlagen

der dortigen Tochter wurden beschlagnahmt.

EY habe damals für sie kein Testat

erteilen können, weil dafür wichtige

Dokumente vonBehörden beschlagnahmt

worden waren, erklärt der

Dax-Konzernjetzt. Nicht etwa Unregelmäßigkeiten

seien für das verweigerte

Testat verantwortlich. Bilanzrechtlich

sei das aber nicht relevant.

Den Abschluss für den Gesamtkonzern

habe EY uneingeschränkt testiert.

Wirecardhabe damit alle Veröffentlichungspflichten

eingehalten.

Ob das wirklich so ist, kann nicht

einmal eine erfahrene Juristin wie

Daniela Bergdolt mit Sicherheit sagen.

Bestürzt ist die Vizepräsidentin

der Deutschen Schutzvereinigung

für Wertpapierbesitz über das Kommunikationsverhalten

des Dax-Konzerns.

Wenn alles so einfach zu erklären

sei, wie Wirecard jetzt behaupte,

warum habe das Unternehmen dann

nicht selbst über das verweigerte Testat

in Singapur informiert, fragt sie

sich. DerVorgang hätte den Anlegern

nicht vorenthalten werden dürfen.

Das sei eine Entscheidung des Ma-

FOTO: NICOLAS ECONOMOU/PICUTRE ALLIANCE

Spohr weiß schließlich sehr genau,

dass ein Einstieg oder gar eine Übernahme

eine extrem heikle und sehr

teure Angelegenheit werden könnte–

so schlug 2018 die Integration vonTeilen

der Air Berlin mit 170 Millionen

Euro zu Buche. Der Lufthansa-Chef

wiederholte jedenfalls ständig seine

Forderung,dasseinekompletteSanierung

die Voraussetzung füreinen Einstieg

als kommerzieller Partner sei.

Dessen Know-how wird zwingend gebraucht,

damit Alitalia „wieder mit

ausgebreiteten Flügeln fliegen kann“,

wie es kürzlich Ministerpräsident Giuseppe

Conte (parteilos) formulierte.

DasUnternehmenfliegt derzeit jeden

Tageinen Nettoverlust vonetwaeiner

Million Euro ein. Nach der jüngsten

Pleite wurde der Flugbetrieb mit staatlichen

Hilfen in Höhe von rund 900

Millionen Euro aufrechterhalten. Ende

des Jahres werden nach Einschätzungvon

Analysten die letztenfinanziellen

Reservenaufgebraucht sein.

Die von Spohr geforderte Sanierung

würde massiveStellenstreichungen

bedeuten, nicht nurinder Verwaltung,

sondern auch beim fliegenden

Personal,unddiePilotengeltenalsextrem

einflussreiche Gruppierung. Brisant

wirddie Sache nun dadurch,dass

sich dasAtlantia-Management Spohrs

Argumentation weitgehend angeschlossenhabensoll.Zugleichabererklärtedie

Benetton-Firma, bei der Suche

nach einemPartner aus der Luftfahrtbrancheweiter

zur Verfügung zu

stehen.SokönntedieLufthansanunin

die Favoritenrolle rutschen.

nagements gewesen, heißt es bei Wirecardhinter

vorgehaltener Hand.

Die Tochter in Singapur ist nicht

irgendeineGesellschaftimWirecard-

Reich. Genau dortsollen die vonder

„FT“ behaupteten Fragwürdigkeiten

ihren Ursprung haben. Das erklärt

auch die Reaktion der Börse auf die

neuen Vorwürfe. Umgut 5Prozent

gab der Kurs der Aktie am Mittwoch

zum Börsenstartnach.

Vorstandschef Markus Braun hatte

sowohl bei der jüngsten Bilanzvorlage

als auch noch vorwenigen Tagen

in einem Fernsehinterview alle angeblichen

Bilanzierungsprobleme

für widerlegt und erledigt erklärt. Bei

Wirecard sei alles untersucht und

von Prüfern als korrekt eingestuft

worden. Das fehlende Testat in Singapur

hat er nie erwähnt.

Großfusion auf

dem Wurstmarkt

DerWurstmarkt in Deutschland

ordnet sich neu: DasBundeskartellamt

hat den mittelständischen

FleischverarbeiternKemper und

Reinertgrünes Licht für die Fusion

zum zweitgrößten Fleisch- und

Wurstwarenhersteller der Bundesrepublik

gegeben. „Auch nach der Fusion

gibt es für Abnehmer und Lieferanten

noch hinreichende Alternativen“,

sagte der Präsident des Bundeskartellamts,Andreas

Mundt. Das

neue Unternehmen mit dem Namen

The Family Butcher wirdeinen Umsatz

vonmehrals 700 Millionen Euro

haben. Größer ist in Deutschland

nur noch die Tönnies-Gruppe. (dpa)

Ikea Deutschland wächst

kräftig –vor allem online

Ikea ist nicht nur fürseine Möbel bekannt.

FOTO: JULIAN STRATENSCHULTE/DPA

DerMöbelhändler Ikea bleibt in

Deutschland auch dank des boomenden

Onlinegeschäfts auf

Wachstumskurs.Der Umsatz stieg

im Geschäftsjahr 2019 (bis zum

31. August) um 5,5 Prozent auf

5,3 Milliarden Euro unddamit stärker

als im Jahr zuvor,wie die deutsche

Tochter des Konzerns am Mittwoch

berichtete.Weltweithatte der

in Schweden gegründete Möbelriese

beim Umsatz um 5Prozent auf rund

36,7 Milliarden Euro zugelegt, wie

der Ikea-MutterkonzernIngka bereits

mitgeteilt hatte.Besonders

kräftig wuchs bei Ikea Deutschland

der Onlineumsatz. Er legte um

33 Prozentauf 494 Millionen Euro

zu. DerAnteil an den gesamten Erlösen

stieg dadurch um zwei Prozentpunkte

auf 9,4 Prozent. (dpa)

Kleine Fortschritte

bei Vapiano

DieRestaurantkette Vapiano sieht

trotz weiter hoher Verluste erste

Fortschritte auf ihrem Sanierungskurs.JederGast

habe in den ersten

neun Monaten dieses Jahres im

Schnitt5Prozentmehr Geld ausgegeben

als zuvor,teiltedas UnternehmenamMittwochmit.Damit

lag

der sogenannte Durchschnittsbon

proBesuch beimehr als12Euro. Zudem

sank derMaterialaufwand,

unter anderemwegeneiner abgespecktenMenükarte.

Trotzdem

musste die Firmainden ersten drei

Quartalen einen Verlust von

46,1Millionen Euro hinnehmen–

deutlich mehrals voreinemJahr

(minus29,4Millionen Euro). (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Meinung

Brandenburg

ZITAT

Kenias gute und

schlechte Signale

Jens Blankennagel

ist gespannt auf die neue Regierung

im Land Brandenburg.

Die Parteien haben es geschafft: In

Potsdam steht die Anti-AfD-Regierung.

Wegen der Stärke der Rechtsnationalen

ist in Brandenburg erstmals seit

1994 wieder eine Drei-Parteien-Koalition

nötig. Es ist die derzeit größtmögliche Koalition

aus der in Brandenburg dauerregierenden

SPD, der ewig mit sich selbst

verzankten CDU und den dieses Malauch

in Brandenburgerstarkten Grünen.

DieKoalition hat zehn Minister,bei denen

teilweise eine gute Mischung gelungen

ist: Ministerpräsident Dietmar

Woidke war 2014 nach der Wahl vorgeworfen

worden, quasi ein Männerkabinett

anzuführen, weil unter den zehn Leuten

auf der Regierungsbank nur drei

Frauen saßen. Diesmal sind die Frauen

mit sechs vonelf sogar in der Mehrheit.

Das ist positiv, genauso, dass es einen

sehr hohen Anteil von Fachleuten in der

Regierung gibt: eine Ärztin wird Gesundheitsministerin,

ein ehemaliger Uni-Präsident

bleibt Wirtschaftsminister, ein

einstiger Abteilungsleiter des Landesumweltamtes

wirdUmweltminister,eine Generalstaatsanwältin

wird Justizministerin,

eine Verwaltungsfachwirtin wird Finanzministerin.

Negativ ist allerdings, dass der Anteil

der Ossis im Kabinett drastisch gesunken

ist. Bei der Vorgängerregierung war der

Ost-West-Anteil 8:2,nun ist er 6:5.Eigentlich

sollte die Herkunft 30 Jahrenach

dem Mauerfall keine entscheidende Rolle

mehr spielen –sonderndie Kompetenz.

Aber es wirdseit Monaten darüber diskutiert,

dass der Ost-Anteil bei den politischen

und wirtschaftlichen Lenkern im

Osten überproportional klein ist. Die Debatte

ist mehr als überfällig. In diesem

Punkt setzt die dritte Regierung des Ossis

Dietmar Woidke ein falsches Signal.

Nato

Das Problem sind die

Männer

Damir Fras

zweifelt am Erfolg

der Maas-Initiative.

Außenminister Heiko Maas hat es geschickter

angestellt als seine Kabinettskollegin

Annegret Kramp-Karrenbauer.

Sein Vorschlag, wie die „hirntote

Nato“ (O-Ton Emmanuel Macron) wiederbelebt

werden könnte, sei innerhalb

der Bundesregierung abgestimmt. Sagt

das Auswärtige Amt. Immerhin ist das ein

Fortschritt gegenüber der Idee einer

Schutzzone im Norden Syriens. Weil außer

der CDU-Chefin niemand davon

wusste,sorgte der Vorstoß für Streit.

Die Form also stimmt, doch ob Maas’

Vorschlag zündet, das ist noch lange nicht

ausgemacht. Eine Expertenkommission

soll sich der Reanimierung der Nato annehmen.

Na ja. Wenn du mal nicht weiter

weißt, dann gründe einen Arbeitskreis.

Es ist ja nicht so, dass es an Regeln in

der Nato mangelt. Im Grunde ist klar,dass

die Allianz nur dann erfolgreich ist, wenn

sie gemeinsam handelt. Wenn also gemeinsame

Interessen Vorrang vor nationalen

haben. So weit, so klar. Eine Expertenkommission

dürfte es schwer haben,

spezielle Vorschläge zu liefern, die diese

allgemeine Regel noch besser machen.

Das Problem sind nicht die fehlenden

Regeln. Das Problem der Nato sind jene

Staats- und Regierungschefs, die sich

nicht um die Regeln scheren. Hätte Donald

Trump etwas für die Nato übrig,

dann hätte er nicht im Alleingang die US-

Soldaten aus Nordsyrien abgezogen. Und

wäre Recep Tayyip Erdogan an einem Erfolg

der Nato interessiert, wäreernicht in

den Norden Syriens eingefallen.

Die Nato hat ein Personalproblem. Es

sind diese Männer, die das Bündnis in

seine schwerste Sinnkrise seit Gründung

vor70Jahren gestürzt haben. Eine Expertenrunde

wirddas kaum heilen können.

Der Außenminister und seine Herausforderungen

Es ist die alarmierendste Umfrage

seit vielen Jahren: Laut Allensbach

ist das Zutrauen der Deutschen in

das System, in dem sie leben,„geradezu

erdrutschartig verfallen“. Nie zuvor

habe der Glaube an die politische Stabilität

in Deutschland so sehr gelitten wie jetzt.

DasbesondereDrama liegt darin, dass in

Berlin gerade eine große Koalition regiert. Im

Zusammengehen von Union und SPD lag

eingestandenermaßen stets etwas Unschönes.

Eines aber konnte das breite Bündnis

immerhin garantieren: Stabilität. Was aber,

wenn Schwarzen und Roten jetzt nicht mal

mehr ihr Stabilitätsversprechen abgenommen

wird?

Genügt jetzt die viel zitierte Rückkehr zur

Sachpolitik? Pustekuchen. Zu Klimaschutz

und Grundrente kann die schwarz-rote Koalition

inzwischen beschließen, was sie will,

sie dringt schon kaum noch durch. Daszentrale

Manko liegt tiefer, imPsychologischen,

in einem Bedarf anglaubwürdiger Führung.

Deutschland braucht jetzt nicht irgendeinen

neuen politischen Programmpunkt.

Deutschland braucht jetzt offenbar eine Persönlichkeit,

die selbstbewusst auf die Bühne

kommt und neues Vertrauen schafft, neue

Zuversicht.

Doch wertraut sich das überhaupt noch?

Seit Jahren bauen Union und SPD niemanden

wirklich auf. Sie ziehen nur ihre Oberen

runter.Die Bürger blicken seit drei Jahren bei

beiden Parteien auf immer neue Zermürbungsprozesse.

Angela Merkel wurde vonihren unionsinternen

Gegnern gezwungen, den CDU-Vorsitz

schon vor dem Amt der Kanzlerin abzugeben.Vorausgegangen

waren monatelange,

für Merkel zeitweise existenzbedrohende

Machtkämpfe mit der CSU. Parallel dazu

Vielleicht schneit es bald. Dann könnte

man die vielen Kippen nicht sehen. Eben

steht eine ältereMieterin vorHaus Nr.10. Sie

kommt von der Arbeit, nimmt noch einen

Zug, schmeißt die Zigarette vor die eigene

Tür und geht rein. Die Kippe liegt zwischen

den Mosaik-Pflastersteinen, mit denen Berliner

Bürgersteige gesäumt sind. Auf Gehwegplatten

wären die Kippen wegzufegen,

aber zwischen ganz kleinen Steinen nicht.

Jürgen, der nette Nachbar,der auch vormeiner

Haustür kehrt, obwohl er es nicht

müsste, kann so was nicht durchgehen lassen.

Derbückt sich und fummelt die Kippen

einzeln raus.

November ist der letzte Herbstmonat. Anders

als der „Erntemonat September“ oder

der „Goldene Oktober“ hat er keinen guten

Ruf. Es gilt im Krankheitskalender als Monat

der Hausstauballergie. Denn es wird wieder

geheizt. Heizungen wirbeln Staub auf, der

Milbenkot enthält. Denatmet man ein, viele

Menschen schlafen ja auch mit offenem

Mund. Ein Allergologe spricht vom „ProblemortBett“:

Biszu1,5 Millionen Milben leben

da unter uns.Nur ein Prozent der Deutschen

heiratet im November.

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines

mehr.“ Das sind Zeilen aus „Herbsttag“ von

Rainer MariaRilke.Zeiten ändernStimmungen.

Viele Gedenktage haben einen religiösen

Hintergrund: Allerheiligen. Allerseelen.

Volkstrauertag. Buß- und Bettag. Totensonntag.

Die stehen alle im Kalender im November.

Gute Stimmung macht nur der 11.11. –

Politikverdrossenheit

Mut zum

Querdenken

Matthias Koch

fordertFührungspersonen in den Parteien, denen es ums Land

geht, nicht um sich selbst.

KOLUMNE

Der Kalender

im

November

Regine Sylvester

Autorin

da beginnt der Karneval, er zieht sich aber

gleich bis Februar zurück.

Deutsche wie Internationale Tage des Gedenkens

im November sind durch ernstes

Engagement verbunden: Rettet die Kastanie.

Weltqualitätstag. Welttag der Philosophie.

Weltvegantag. Kauf-nix-Tag.Weltnettigkeitstag.

Tag der Erfinder. Welttag der Wissenschaft.

Tagder Autoren hinter Gittern. Internationaler

Tagfür Toleranz. Welttoilettentag.

HEIKO SAKURAI

drehte die SPD gleich drei Vorsitzende nacheinander

durch den Wolf, Sigmar Gabriel,

Martin Schulz und Andrea Nahles.Inbeiden

Parteien wirkte,was feierlich als Erneuerung

bewimpelt war, amEnde nur zersetzend. Es

entstand doppelter Schaden: für die jeweilige

Partei, aber eben auch, wie Allensbach

jetzt zeigt, für das Land als Ganzes.

Es ist Zeit für Gegenstrategien, die konstruktiv

sein müssen, aber auch radikal. Die

CDU zum Beispiel darf den Blick jetzt nicht

verengen auf ihreNRW-Aspiranten fürs Kanzleramt,

Friedrich Merz,Jens Spahn und Armin

Laschet. In Kiel zum Beispiel gibt es einen

jungen Regierungschef, der mehr integriert

als intrigiert: Daniel Günther.Man kann auch

kreativ sein und ans andere Ende der Altersskala

blicken. Ein Bundeskanzler Wolfgang

Schäuble mit seinem scharfen Intellekt ließe

jedenfalls schlagartig viele Meckerer und

Motzer verstummen. Vonden Grünen wirder

geachtet, für die AfD wäre ereine schlechte

Nachricht. Schäuble ist schon 77, wie JoeBiden.

Quer durchEuropaaber genießt er heute

einen Ruf wie Donnerhall. Dass er nichts

mehr werden muss,könnte ihm in Berlin ungeahnte

Souveränität verschaffen.

Nur durch Mut zum Querdenken jedenfalls

werden dieParteienAuswege aus derVertrauenskrise

finden. Dasgiltauchfür die SPD.

Was, wenn Olaf Scholz bei der Stichwahl

durchfällt? Müsste sich dann nicht in letzter

Minute doch noch derNiedersachse Stephan

Weil in die Pflicht nehmen lassen, einer, der

Wahlen zu gewinnen versteht, aber sich putzigerweise

nie nach vorn gedrängt hat? Liegt

nicht gerade im Rückgriff auf die Stilleren, die

Glaubwürdigeren, eine riesige Chance?

Dem bloß Destruktiven wird oft eine zu

große Bühne gegeben. „Grottenschlecht“ sei

die Arbeit der großen Koalition, sagte Friedrich

Merz mit düsterem Blick und wurde damit

wieder mal zum Medienstar.Als Beispiel

fürs Versagen der Koalition verwies Merz auf

„die monatelange, ergebnislose Diskussion

über die Grundrente“. Nur zehn Tage später

verkündeten Annegret Kramp-Karrenbauer

(CDU), Manuela Dreyer (SPD) und Markus

Söder (CSU) die Einigung über die Grundrente.

Was, genau genommen, ist nun eigentlich

grottenschlecht? Ist eswirklich die

Substanz derPolitik?Oderder Umgang unter

Parteifreunden?

Karrieristen, die sich in Erwartung der

nächsten Beförderung schon den Schlips

glatt streichen, gibt es genug. Gefragt sind

jetzt aber Führungspersonen, denen es ums

Land geht, nicht um sich selbst.

Transgenderday. Deutscher Lebertag. Tag

der Hausmusik. Welttag der Zeitschriften.

Aber wo und mit wemwirddas begangen?

Was habe ich zum Beispiel am Weltnettigkeitstag

verpasst? Heute ist Welttag des Fernsehens.Steht

was im Programm?

Eigentlich bin ich gut informiert, aber

ich habe zwei Tage verpasst, die mich besonders

interessieren könnten –der 3. November

ist seit 2000 der Weltmännertag. Er

soll zur Gesundheit der Männer beitragen.

Vorgestern war Internationaler Männertag:

Sein Anliegen ist es, das Verhältnis der Geschlechter

zu verbessern. Er wird inTrinidad

und Tobago, Jamaika, Australien, Indien,

den Vereinigten Staaten, Singapur,

Malta, Südafrika, Ungarn, Irland, Ghana,

Österreich, Kanada, Dänemark und Liechtenstein

begangen und ist komplett an mir

vorbeigerauscht.

Aber ich habe erfahren, dass es eine Bewegung

gibt, deren Motto für einen ganzen

Monat gilt –„No-Not-November“: Männer

verzichten freiwillig auf Sex und Masturbieren,

drei Fehlversuche sind erlaubt. Sie diskutieren

in Selbsthilfegruppen und Foren

über die Herausforderung: Sie ermuntern

sich durchzuhalten, haben mehr Freizeit,

entdecken Willenskraft und Energien. Der

Sex danach soll viel genussvoller sein und

mehr mit Liebe als einem flüchtigen Gefühl

zu tun haben.

Der November ist bald vorbei. Ich weiß

bloß nicht, wen ich fragen könnte, obder

Verzicht was gebracht hat.

„Ich lasse mich

nicht einschüchtern.

Ich möchte diesen

Menschen keine Macht

über mich geben.“

Benigna Munsi, 17-jährige Gymnasiastin

und kürzlich zum diesjährigen

Nürnberger Christkind gekürt,

im aktuellen Zeit.Magazin über Anfeindungen

im Internet

AUSLESE

Ein vernichtender

Schlag

Die USA wollen nach den Worten von

Außenminister Mike Pompeo Israels

Siedlungsbau im Westjordanland nicht

länger als Verstoß gegen das Völkerrecht

betrachten. Die Neue Zürcher Zeitung

schreibt: „Der Schritt steht in einer Reihe

mit früheren Tabubrüchen wie der Verlegung

der amerikanischen Botschaft nach

Jerusalem, der Anerkennung der israelischen

Annexion der syrischen Golanhöhen

und der Schließung der palästinensischen

Vertretung in Washington. DieUSA

nehmen damit klar Partei zugunsten Israels

und verringern ihre Möglichkeit, im

Nahostkonflikt als Vermittler aufzutreten.

…Der Grundfür die amerikanische Kursverschiebung

ist unschwer zu erkennen.

Trump benötigt für seine Wiederwahl die

Stimmen des proisraelischen Lagers.“

Für die Zeitung El Pais aus Madrid ist

Trumps Entscheidung „ein vernichtender

Schlag für das Bemühen um einen gerechtenFrieden

zwischen Israelis und Palästinensern“.

Die schwedische Zeitung Dagens Nyheter

schreibt, internationales Recht sei

„gewiss keine exakte Wissenschaft. Aber

wenn ein völkerrechtliches Prinzip unbestritten

sein sollte, dann das, dass ein

Land auf besetztem Boden nicht machen

kann, was es will. Das Westjordanland

wird immer ein unentbehrlicher Teil der

Diskussionen über einen palästinensischen

Staat sein. Die neue Linie der

Trump-Regierung sieht jetzt wie ein Todesstoß

dafür aus.“ Ingo Preißler

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 – S eite 9 *

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Berlin

WasesNeues

in den

Bezirken gibt

Seite 10

Hart an der Grenze: Programmierer entwickeln Mauer-Videospiel Seite 12

VonTegel in die Welt: Ausstellung über die Humboldt-Brüder eröffnet Seite 14

Stadtbild

Das Idiom

der Stadt

Ruth Herzberg

hat sich das Berlinern

abgewöhnt

Beim Betrachten einer der vielen

Dokus zu 30 Jahren Mauerfall fiel

es mir auf. Die haben damals alle

noch berlinert! Egal, ob man die innerstädtische

Grenze imTrabi oder

im Mercedes überquerte. Was die

Menschen beiderseits der Mauer

einte,war der starke Berliner Dialekt.

Wo ist der jetzt hin?

Ungeniert zuberlinern ist heutzutage

eher unüblich. Zumindest in

den inneren Kreisen der inneren Bezirke,soweit

ich das beurteilen kann.

Klar, wenn wir, ich und meine Berliner

Freunde unter uns sind, dann

rutschen wir schnell und unbemerkt

in das Idiom unserer Kindheiten.

Undwie!

Auf Berlinerisch denkt es sich

schneller und spricht es sich freier.

Das Gestelzte, Bedachte des Hochdeutschen

fällt weg, rasch fließen die

Witze und Gedanken. Aber als Kosmopoliten

sind wir den Umgang mit

der Außenwelt gewöhnt und da wird

eben nicht berlinert. Menschen, die

stur an ihrem Dialekt festhalten, wirken

im internationalen Umfeld auch

schnell mal zurückgeblieben. Das

beste Beispiel dafür sind immer

noch Sachsen und Bayern.Dialekt ist

Privatsache. In der Öffentlichkeit

gibt man sich die Blöße nicht.

Hatte meine mittlerweile verstorbene

Großmutter meine Mutter

noch für das starke Berlinern ihrer

Enkeltochter (also mir) getadelt, so

würde sie das bei mir wegen meiner

Kinder nicht tun müssen. Meine

Kinder sprechen astreines Hochdeutsch.

Ich berlinere mit meinen

Kindern nicht. Nicht mal aus erzieherischen

Gründen, sondern weil

deren Vater kein Berliner ist. Und

berlinerntuick nur mit Berlinern.

Die Sprache der Stadt –schon immer besonders.

IMAGO

Ichhabe mir das Berlinernmit 16

Jahren am Internat abgewöhnt, weil

mir gesagt wurde: „Kommst du aus

Berlin? Dashörtman.“ BeiBesuchen

in der Heimatstadt wurde ich dann

wegen meines neuen Hochdeutsches

als arrogant bezeichnet. Mittlerweile

kommt das nicht mehr vor,

auch weil ich meine Sprache dem

Gegenüber nach Belieben anpassen

kann. So laviere ich ich mich durchs

Leben, für immer auf dem goldenen

Mittelweg, für immer unauthentisch,

für immer in der Gefahr, entweder

für zurückgeblieben oder für

arrogant gehalten zu werden.

Es gehörtzum guten Ton, nicht zu

berlinern. Werwirklich auf sich hält,

spricht nach langen Jahren des Aufenthalts

in der Stadt ja noch nicht mal

Deutsch. Warum denn auch? In den

Innenstadtbezirken kommt man

überall mit Englisch durch, in manchen

Lokalitäten noch nicht mal

ohne. Manche glauben sogar, ganz

ohneWortedurchzukommen. Sietreten

auf der Straße an mich heran, zeigen

vage in irgendeine Richtung und

sagen in fragendem Ton: „Kollwitzplatz?“„Weeß

ick nich“, sage ich dann

und gehe meinerWege.

Laut Verfassungsschutzbericht umfasst das rechtsextremistische Spektrum in Berlin 2018 etwa1410 Mitglieder.

VonGerhard Lehrke

In Berlin startet im kommenden

Jahr ein neues Projekt, um

Rechtsextreme zum Ausstieg

aus der Szene zu bewegen. Das

kündigte der Geschäftsführer der Organisation

Violence Prevention Network,

Thomas Mücke, amMittwoch

im Ausschuss für Verfassungsschutz

des Berliner Abgeordnetenhauses

an.

Nach seinen Angaben geht es

darum, in Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden

gezielt als „gefahrenrelevant“

geltende Rechtsextremisten

anzusprechen, die noch

nicht aus eigener Motivation aussteigen

wollen. Ihnen sollen in direkten

Gesprächen Ausstiegsmöglichkeiten

aufgezeigt werden. Diese

„aufsuchende Tätigkeit“ sei ein Bestandteil

der „Strategie der 1000 Nadelstiche“,

erläuterte Mücke, dessen

Organisation in Deutschland Deradikalisierungsprojekte

für Extremisten

anbietet.

Das Konzept der direkten Ansprache

habe sich im Bereich des

religiös geprägten Extremismus,

also etwa des Islamismus, bereits

bewährt, so Mücke.Ab1.März2020

solle es in Berlin nun auch bei

Rechts raus

Berlin startet Projekte zur Deradikalisierung und Re-Integration von Extremisten

Über 750 Rechtsextreme

wurden seit 2000 bundesweit

vonExit begleitet, davon

rund 70 in Berlin. Ausder

Haft melden sich in Berlin

jährlich einer bis vier.

Rechtsextremisten zum Tragen

kommen. Laut Verfassungsschutzbericht

umfasste das rechtsextremistische

Spektrum in Berlin 2018

etwa 1410 Mitglieder. ImVergleich

zum Vorjahr nahm es nur marginal,

um 20, ab. Rechtsextremisten zum

Ausstieg zu bewegen und sie dabei

zu begleiten, sei ein aufwendiger

Prozess, sagte Fabian Wichmann

von der Initiative Exit, die auf diesem

Feld bundesweit aktiv ist, in einer

Anhörung des Ausschusses.

Exit versucht, Rechtsextremisten

aus Gruppen, die vom Verfassungsschutz

beobachtet werden, aus ihrer

Gedankenwelt zu holen. DieInitiative

bietet eine Palette von Beratungen

ES SIND DIE MÄNNER

Zwei bis vier Jahre dauert

die Betreuung,Die Zahl der

Rückfälligen ist laut Exit mit

16 gering.86Prozent der

Klienten sind Männer im Alter

von18bis 35 Jahren.

1766 Fälle rechsextrem motivierter

Kriminalität gabes

2018 in Berlin. Das war ein

Rückgang,die Zahl der Gewalttaten

stieg aber von116

(2017) auf 125.

und Hilfen an, vonAnti-Aggressionstrainings

über Hilfe bei der Klärung finanzieller

Probleme bis zu Fällen, bei

denen jemand zum Schutz vor den

alten Kameraden eine neue Identität

bekommt. Grundsätzlich verlangte

Exit-Mitbegründer Bernd Wagner,

dass Ex-Neonazis bei der Entlassung

einen Integrationshelfer an die Seite

bekommen, um wieder Fuß zufassen.

Er berichtete auch vonRacheakten

der Szene,von speziell trainierten

„Zielfahndungskommandos“, die bereits

Aussteiger auch schon ausfindig

gemacht und bedroht hätten.

Exit habe seit der Gründung im

Jahr 2000 rund 750 Menschen beim

Ausstieg aus rechtsextremistischen

Wasgeschah in Hohenschönhausen?

IMAGO

Organisationen begleitet, davon

etwa 70 in Berlin. Zumeist handelte

es sich um 18- bis 35-jährige Männer,

Frauen sind mit 14 Prozent in

der Minderheit. Alle Betroffenen

waren fünf bis zehn Jahre in der

Szene aktiv, teils noch länger. Die

Ausstiegsbegleitung dauere in der

Regel zwei bis vier,manchmal bis zu

sieben Jahre. DieUnterstützung reiche

bis zur Verschaffung einer

neuen Identität an neuem Wohnort.

Offenbar trotz vieler Widrigkeiten

auch mit Erfolg: Lediglich 16 der Betreutenseien

seit 2000 rückfällig geworden,

so Wichmann.

Bernd Wagner kritisierte in der

Anhörung, dass Behörden bei der

Re-Integration von Neonazis oft

nicht hilfreich seien, weil es große

Vorbehalte gegen diese Menschen

geben. Mücke regte eine Beratungshotline

für den rechtsextremistischen

Bereich an. Auch Berlins Polizeipräsidentin

Barbara Slowik hatte

Mitte Oktober ein solches Angebot

vorgeschlagen, an das sich Angehörige,

Freunde, Bekannte oder Lehrer

wenden können, wenn sich in ihrem

Umfeld jemand radikalisiert. Für

Fragen zur islamistischen Radikalisierung

gibt es bereits ein Beratungstelefon.

(mit dpa)

Ein Untersuchungsausschuss soll klären, welche Rolle der Kultursenator bei der Entlassung von Hubertus Knabe spielte

VonElmar Schütze

Jetzt also doch: Die CDU will zusammen

mit der FDP die Umstände

der Entlassung vonHubertus

Knabe als Chef der Stasi-Gedenkstätte

Hohenschönhausen mithilfe

eines Untersuchungsausschusses

im Abgeordnetenhaus aufklären.

Doch es könnte sein, dass damit ein

Streit in der CDU erneut aufflammt.

Knabe ist Gründungsdirektor der

Gedenkstätte an der Genslerstraße

in Hohenschönhausen. Im Spätsommer

2018 entließ der Stiftungsrat den

Historiker nach 18 Jahren im Amt.

Nach einem gescheiterten Versuch,

an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren,

einigte sich Knabe im

Dezember mit der Senatskulturverwaltung

auf einen

Vergleich.

Knabe wurde vorgeworfen,

in der Gedenkstätte

ein Klima der Frauenfeindlichkeit

und des

Sexismus zugelassen zu

haben. Ein Kulturwandel

sei notwendig –und dieser

sei mit Knabe undenkbar, sodie Argumentation

für die Kündigung.

Als Stiftungsratschef hatte Kultursenator

Klaus Lederer (Linke) Knabes

Entlassung betrieben. Zwei

CDU-Politiker, die persönlich oder

über Vertreter im Stiftungsrat wirk-

Klaus Lederer,

Kultursenator

ten, stimmten zu: Kulturstaatsministerin

Monika

Grütters (damals Berliner

Parteichefin) und Dieter

Dombrowski (damals

Vize-Präsident des brandenburgischen

Landtags).

Dennoch kursierte das Gerücht,

Lederer habe Knabe

wegen dessen strikten Antikommunismus

gekündigt.

Trotzdem war CDU-Fraktionschef

Burkard Dregger gegen einen

Ausschuss –nach heftiger Kritik willigte

er doch ein. Die Fraktion beantragte

umfangreiche Akteneinsicht.

Dreggers Vize Stefan Evers will in

zehn bis 15 Sitzungen des Ausschus-

BLZ/PAULUS PONIZAK

ses „insbesondere aufklären, warum

die Kulturverwaltung ihre Personalverantwortung

in Hohenschönhausen

so spät übernommen hat“. Sein

Mitstreiter Stefan Förster (FDP) zweifelt

die Notwendigkeit eines Kulturwandels

in der Gedenkstätte an. „Das

ist nicht zu erkennen“, sagte er.

Der Untersuchungsausschuss

kann Zeugen unter Eid vernehmen.

So wolle man unter anderem die

Frauenbeauftragte der Kulturverwaltung

laden, bei der sich im Laufe

der Jahre insgesamt ein Dutzend

Frauen beklagt hatte, hieß es. Wenn

diese Befragung akzeptabel ausfalle,

sei eine Ladung der Frauen nicht

zwingend nötig.

NACHRICHTEN

Verfassungsschutz

weiß von 1120 Salafisten

Verfassungsschutzchef Michael Fischer

geht aktuell vonetwa

1120 Anhänger des salafistischen

Islamismus in Berlin aus.Ende vergangenen

Jahres waren den Sicherheitsbehörden

noch 1020 Salafisten

bekannt, voreinigen Jahren warenesnur

mehrereHundert. Er sei

sich „nicht ganz sicher,obwir ein

weiteres reales Ansteigen dieser dynamischen

Szene beobachten oder

ob wir mehr Salafisten erkennen,

weil wir unsereMaßnahmen verstärkt

haben“, sagte Fischer.Wie

viele Salafisten als gewaltbereit eingestuft

würden, sagte er nicht. Am

Dienstag hatten die Sicherheitsbehörden

in Schönebergeinen terrorverdächtigen

Syrerfestgenommen,

der einen Anschlag geplant haben

soll. (dpa)

Trauerfeier für einsam

verstorbene Menschen

Am Freitag können Bürgerinnen

und Bürger bei einer Trauerfeier in

Mitte derer gedenken, die in diesem

Jahr mittellos und einsam gestorben

sind. DieFeier beginnt am 22.

November,um17Uhr,inder

St.-Marienkirche,teilte der Bezirk

mit. Organisiertwirddie Veranstaltung

demnach vomBezirksamt und

vomEvangelischen Kirchenkreis

Berlin Stadtmitte.Jedes Jahr sterben

in Berlin Hunderte Menschen arm

und vereinsamt. Siewerden vom

Sozial- oder Ordnungsamt bestattet.

Wenn auch später keine Angehörigen

auffindbar sind, gelten sie

als „einsam Verstorbene“. In diesem

Jahr habe es in Mitte 54 vonihnen

gegeben, hieß es. (dpa)

Nur 30 Prozent der Berliner

sind mit dem Senat zufrieden

DieBerliner sind im Vergleich zu

den anderen Bundesbürgernam

unzufriedensten mit ihrer Landesregierung.

Laut aktuellem Berlintrend

vonInfratest Dimap im Auftrag

der RBB-Abendschau und der

Berliner Morgenpost erreicht der

Senat im November 30 Prozent Zustimmung.

Im Maiwaren es noch

31 Prozent. Beider Sonntagsfrage

gibt es nur wenig Bewegung. Die

SPD legt um einen Prozentpunkt

auf 16 Prozent zu. Auch die CDU gewinnt

einen Punkt und steht bei

18 Prozent. DieLinke verliert

2Punkte und liegt bei 17 Prozent.

Bündnis 90/Die Grünen verharren

bei 23 Prozent und sind weiter

stärkste Kraft. Gewinner ist die AfD.

Sielegt 4Punkte zu und kommt auf

14 Prozent. Dasist der beste Wert

der Partei seit August 2016. DieFDP

müsste um den Wiedereinzug ins

Abgeordnetenhaus bangen. Sieverlierteinen

Punkt und liegt bei 5Prozent.

Dasist der niedrigste Wert im

Berlintrend seit August 2016. (dpa)

Sonntagsfrage Abgeordnetenhaus

November 2019 „Wenn am Sonntag

Abgeordnetenhauswahl wäre...“

in KlammernVeränderung zum Vormonat

SPD

16 %

(+1)

Grüne

23 %

(±0)

Linke

17 % (–1)

CDU

18 % (+1)

FDP

5%(-1)

AfD

14 % (+4)

Sonstige

7%(-4)

BLZ/TIEDGE; QUELLE: INFRATEST DIMAP


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 10

· ·

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Bezirke

Weißensee

Steglitz

Preis für Schulsafari

Die Schülerfirma Schulsafari

der Hagenbeck-

Schule belegte beim Bundes-Schülerfirmen-Contest

2019 den sehr guten dritten

Platz. Dievier Mädchen und

neun Jungen durften sich

bei der Preisverleihung im

Bundeswirtschaftsministerium

über einen Scheck in

Höhe von1000 Euro freuen.

Sie hatten überlegt, wie sie

das Konzept ihrer Schule –

„Biologische Vielfalt erleben“

– anderen Menschen

näherbringen können. Die

Idee war, die sowieso schon

stattfindenden Führungen

durch die Erlebnisbereiche

Bauernhof, Vivarium, Biotop

und Schulgarten so zu

professionalisieren, dass jeder

Schüler eine Führung

geben kann. (mw.)

Autobahn soll bleiben

Die Autobahn 103 soll bis

auf Weiteres eine Autobahn

bleiben. Dashat die Bezirksverordnetenversammlung

(BVV) Steglitz-Zehlendorf

mit den Stimmen von

CDU, SPD, FDP und AfD beschlossen.

Das Bezirksamt

wird aufgefordert, sich eindeutig

und auf Dauer zum

Erhalt der Westtangente als

Bundesautobahn zu beken-

nen und einseitigen Änderungswünschen

entgegenzutreten.

Mitte Mai hatte die

BVV Tempelhof-Schöneberg

auf Initiative von Grünen,

SPD und Linke für den Rückbau

der Autobahn zu einer

Stadtstraße mit Radverkehrsanlagen

votiert. Begründet

wurde die Entscheidung

mit der mangelnden

Auslastung der A103. (nm.)

Mitte

Reinickendorf

Neuer Textilhafen

Vintage-Sale im Haus der Statistik.

GETTY IMAGES PLUS/NITO100

Absofort gastiert der Textilhafen

der Berliner

Stadtmission an jedem dritten

Sonnabend im Monat

mit einem Pop-up-Store im

Haus der Statistik am Alexanderplatz,

Karl-Marx-Allee 1.

Von12bis 18 Uhr finden neben

dem Verkauf von Vintage-Sachen

auch textile

Workshops in Sachen Upcyceling

statt. (kr.)

Standort für MUF gesucht

Auf dem Gelände des Paracelsus-Bades

wird

keine Modulare Unterkunft

für Flüchtlinge (MUF) entstehen.

Das hat das Bezirksamt

Reinickendorf zum Wochenbeginn

mitgeteilt. Nach

intensiver Prüfung vonmehrerenVarianten

habe sich der

vomSenat festgelegte Standortaus

denkmalschutzrechtlichen

Gründen als nicht

umsetzbar erwiesen. Auch

die Ersatzfläche auf dem

Parkplatz der Berliner Bäder-

Betriebe könne als Baufläche

nicht genutzt werden, da er

nicht zum Verkauf steht. Der

rot-rot-grüne Senat werde in

Kürze mit dem BezirkinVerbindung

treten und mit ihm

Möglichkeiten für Ersatzstandorte

abstimmen, hieß

es weiter. (nm.)

Garten bleibt erhalten

Auch wenn sich das Quartiersmanagement

bis

Ende 2021 schrittweise aus

dem einstigen sozialen

Brennpunktgebiet rund um

die Mehrower Allee zurückzieht,

soll eine wichtige Einrichtung

erhalten bleiben:

der Garten der Begegnung.

Weil der weiterhin nicht nur

grüne Oase, sondern auch

Ort der Erholung, Bildungs-

Marzahn

stätte und Forum für nachbarschaftliche

Aktivitäten

bleiben soll, wird der Träger

„soulgardenberlin“ ab Januar

gemeinsam mit allen

interessierten Anwohnern

und Hobbygärtnern Ideen

entwickeln, die auch nach

2021 blühende Flächen und

ein buntes Gartenleben sicherstellen.

Erster Treff ist

am 16. Januar,16Uhr. (ylla.)

Mustafa zieht um

Nach dem Brand in Berlins bekanntesten

Dönerstand wird „Mustafa’s Gemüse

Kebab“ in Kreuzberg neu eröffnet. Wie das

Bezirksamt am Mittwoch mitteilte, werde

eine temporäre Lösung neben einem bestehenden

Imbiss am Mehringdamm nahe

dem Finanzamt getestet. Ziel sei es, eine

VOLKMAR OTTO

langfristige Lösung zu finden. In dem Dönerstand

hatte es Anfang Oktober gebrannt.

Eine Neuerrichtung von„Mustafa’s

Gemüse Kebab“ am alten Standort ist laut

Bezirksamt nicht möglich, da dies zu Behinderungen

vonFußgängernund Radfahrern

führen würde.

Sanierung verschoben

Die Arbeiten zur Umgestaltung

des Reformationsplatzes

in der Altstadt

Spandau werden voraussichtlich

auf den Beginn des

nächsten Jahres verschoben.

Nach Darstellung des Bezirks

waren die Angebote der Baufirmen

nicht wirtschaftlich.

Die Baukosten waren mit

etwa einer Million Euro angesetzt

worden. (nm.)

Spandau

Hier soll neues Pflaster verlegt

werden.

IMAGO IAMGES/SCHÖNING

Leopoldplatz wird schöner

Das

Stadtentwicklungsamt

und das Straßenund

Grünflächenamt des Bezirks

Mitte wollen den nordöstlichen

Bereich des Leopoldplatzes

(Maxplatz) umgestalten.

Nach einer Auftaktveranstaltung

im August

lädt das Amt zum nächsten

Beteiligungsschritt am

26. November, 19bis 21 Uhr,

in den ehemaligen BVV-Saal

Wedding

im Jobcenter Wedding, Müllerstraße

147, ein. Im Zuge einer

mehrstufigen Bürgerbeteiligung

wurden in den letzten

Wochen insbesondere

mit Kindern und Jugendlichen

sowie Menschen verschiedenen

Alters und unterschiedlicher

Herkunft Interviews

geführt. In einer Werkstatt

werden die Ergebnisse

auf Plänen angeordnet. (kr.)

Preisgekrönt Für Schnellentschlossene:

Heute Abend, 18

Uhr, und am 22. November,10

Uhr, zeigt das Ensemble Turbo

Pascal im Theater an der Parkaue

die Uraufführungen seines

Stückes „Unterscheidet euch“.

Das„interaktive, theatrale Gesellschaftsspiel“

hat gerade

den diesjährigen Kinder-und

Jugendtheaterpreis „Ikarus“

gewonnen.

TERMINE

Versteigerung Dienächste Versteigerung

vonFahrzeugen

ohne gültige amtliche Kennzeichen

findet am 26. November,ab11Uhr,imAudimax

der

Hochschule für Wirtschaft und

Recht, Haus 1, Alt-Friedrichsfelde

60 statt. Mehr Informationen

sowie die Liste aller angebotenen

Fahrzeuge sind ab sofortimInternet

zu finden.

https://bit.ly/37jzn0H

Verkauf Beim Adventsbasar am

23. November können in der

JVATegel, Seidelstraße 41, Besucher

von10bis 15 UhrAdventskränze,

Feuerschalen,

Kerzenhalter,Vogelhäuschen

und viele weitereweihnachtliche

oder winterliche Handwerksprodukte

kaufen. Diese

wurden in den Betrieben der

JVATegel und der JVAfür

Frauen hergestellt.

Die Berliner Zeitung berichtet aus den BezirkeninZusammenarbeit mit dem Berliner Abendblatt.

Engagierte Kleingärtner

Weil es eine Städtepartnerschaft

zwischen

Lichtenberg und dem Bezirk

KaMubukwana der mosambikanischen

Hauptstadt Maputo

gibt, war kürzlich eine

Delegation aus dem afrikanischen

Land beim Lichtenberger

Bezirksverband der

Gartenfreunde zu Gast.Während

des Besuchs der Kleingartenanlage

„Alwin Biele-

Lichtenberg

feldt“ wurde den Gästen eine

Spende in Höhe von 1 378

Euro überreicht. Mit diesem

Geld wollen die Kleingärtner

ein über den Solidaritätsdienst

International gesteuertes

Umweltprojekt in Maputo

unterstützen. Seit 2015

stehen die Herausforderungen

des Klimawandels vermehrt

im Mittelpunkt der

Städtepartnerschaft. (ylla.)

Karriereinder

Hauptstadtregion

Nutz die Jobbörsefür Berlinund Brandenburg!

www.berliner-jobmarkt.de


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 11 *

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Berlin

POLIZEIREPORT

Juwelier überfallen.

MehrereVermummte haben am

Dienstagabend ein Juweliergeschäft

in Mitte überfallen. Nach derzeitigen

Erkenntnissen stürmten die mindestens

fünf maskierten Personen gegen

18.30 Uhrindas Geschäft in der

Friedrichstraße,zerschlugen mehrere

Vitrinen und entnahmen hochwertige

Uhrenund Schmuckstücke.

Anschließend flüchteten sie zu Fuß

mit der Beute in Richtung Straße Am

Kupfergraben. Verletzt wurde niemand.

Fremdenfeindlich beleidigt.

In Gesundbrunnen ist am Dienstag

eine 24 Jahrealte Frau fremdenfeindlich

beleidigt worden. DieFrau

hatte in einem Busder Linie M27 telefoniert.

Dabei wurde sie voneinem

Mann zu Ruhe ermahnt. Darüber

entstand ein Streitgespräch, in dessen

Verlauf der Mann die 24-Jährige

fremdenfeindlich beleidigte.Aneiner

Haltestelle in der Pankstraße verließ

der Unbekannte den Busund

begab sich in einen nahe gelegenen

Baumarkt. Alarmierte Polizisten

konnte ihn dortjedoch nicht mehr

auffinden. DerStaatsschutz ermittelt.

Betrüger festgenommen.

EinPolizeibeamter hat am Dienstagmittag

in Schönebergwährend seiner

Mittagspause einen 16-Jährigen

festgenommen. DerJugendliche

steht im Verdacht des Warenkreditbetruges.Nach

Angaben der Polizei

befand sich der Beamte gegen 12.30

Uhrinder Martin-Luther-Straße,als

er zwei Jugendliche beobachtete,die

mehrerePakete aus einer Packstation

entnahmen und anschließend

mit einem Komplizen flüchteten.

DerPolizist folgte ihnen. In der Grunewaldstraße

sprach er die drei an

und gab sich als Polizeibeamter zu

erkennen. Zwei Jugendliche flüchteten

daraufhin. DemBeamten gelang

es jedoch, den dritten Täter festzuhalten.

Beider Durchsuchung seines

Zimmers in der elterlichenWohnung

wurden weitereBeweismittel sichergestellt.

Einbrecher erwischt.

Polizisten haben am Mittwoch in

Hohenschönhausen zwei Einbrecher

festgenommen. EinAnwohner

der Konrad-Wolf-Straße hörte gegen

3.30 Uhrverdächtige Geräusche und

sah daraufhin zwei Männer,die sich

mit einem Brecheisen an der Eingangstür

eines Geschäfts zu schaffen

machten. DerZeuge rief die Polizei,

die wenig später in der Nähe zwei 34

und 40 Jahrealte Männer feststellen

und vorläufig festnehmen konnte.

Autos in Flammen.

Wegen des Verdachts der Brandstiftung

ermittelt seit Mittwochmorgen

ein Brandkommissariat. Eine Anwohnerin

aus dem Käthe-Dorsch-

Ring in Gropiusstadt hatte gegen

4.40 UhrFlammen an einem an der

Straße geparkten Renault festgestellt

und daraufhin Feuerwehr und Polizeiverständigt.

Als Feuerwehrleute

eintrafen, standen sowohl der Renault

als auch ein dahinter geparkter

MazdainFlammen. Beide Fahrzeuge

brannten aus.Verletzt wurde

niemand. Hinweise auf ein politisches

Motiv der vorsätzlichen

Brandstiftung hat die Polizei nicht.

Zeugen gesucht.

BeieinemVerkehrsunfall am Dienstagmittag

in Köpenick wurde ein Senior

schwer verletzt. Nach bisherigen

Ermittlungen der Polizei überquerte

der 82-Jährige gegen 10.50 Uhreine

Fußgängerfurtander Oberspreestraße

in Richtung einer Straßenbahnhaltestelle

in der Mitte der

Straße.Indiesem Moment befuhr

eine 67-jährige Autofahrerin die

Oberspreestraße in Richtung Lange

Brücke und erfasste den Mann auf

der Furt.Durch den Zusammenstoß

erlitt der 82-Jährige lebensbedrohlicheVerletzungen.

DiePolizei bittet

Zeugen des Unfalls,sich zu melden.

Hinweise nehmen dieVerkehrspolizeider

Direktion 6unter der Rufnummer

4664 672 800 oder jede andere

Polizeidienststelle entgegen. (ls.)

Witzige Wuttiraden

Berlinernund sich aufregen –für Torsten Harmsen gehörtdas unbedingt

zusammen:„Wie soll man es auch anders machen, wenn man sich ärgert

in dieser Stadt?“ DieWuttiraden und Berlin-Beobachtungen desWissenschaftsredakteurs

erscheinen regelmäßig als Kolumnen in dieser Zeitung

und auch in gebundener Form:Mit„Der Mond ist ein Berliner –Wunderliches

aus dem Hauptstadt-Kaff“ ist gerade sein zweites Buch im be.bra-

Verlag erschienen. Am Mittwochabend las Harmsen vor70Zuhörernim

Mieten sollen weiter steigen

Eigentümer planen Kundgebung gegen Preisdeckel. CDU-Chef kündigt Gang vor das Verfassungsgericht an

VonUlrich Paul

Demonstrationen gegen

steigende Mieten sind in

Berlin keine Seltenheit,

doch jetzt soll es zur Abwechslung

auch mal eine Protestaktion

für ungeschmälerte Mieteinkünfte

geben. Berliner Vermieter

wollen jedenfalls am 9. Dezember

gegen den Mietendeckel demonstrieren,

mit dem der Senat die Mieten

für fünf Jahreeinfrieren möchte.

Das geht aus einer E-Mail des

Haus- und Grundbesitzervereins aus

Steglitz hervor, die der Berliner Zeitung

vorliegt. Darin teilt der Verein

mit, dass die erste Lesung des Mietendeckel-Gesetzes

im Abgeordnetenhaus

vermutlich am 10. Dezember

anstehe.AmTag zuvor sei deswegen

eine Kundgebung gegen den

Mietendeckel geplant. Über den genauen

Ablauf werde noch informiert.

Die Verfasser des Schreibens

bitten noch um Zurückhaltung gegenüber

der Presse.Eswerde„bis auf

weiteres um Diskretion gegenüber

den Medien gebeten, um den medialen

Erfolg der Kundgebung zu erhöhen“,

schreiben sie.

Online-Petition gestartet

DerBerliner Mietendeckel befördere

in keiner Weise, dass „zielstrebig

daran gearbeitet wird, mehr Wohnraum

zu schaffen“, heißt es in der E-

Mail. Stattdessen werde er „unerwünschte

Entwicklungen“ bestärken.

So würden beispielsweise Investitionen

in die energetische

Gebäudesanierung, die Barrierefreiheit

und den Substanzerhalt vonBestandsgebäuden

„unterbleiben

(müssen)“. Der Flächenverbrauch

von Mietern mit guten Einkommensverhältnissen

werde zum

Nachteil der Mieter mit geringeren

Einkommen zunehmen.

Der Plan: Der rot-rot-grüne

Senat will mit dem Mietendeckel

ab 2020 die Mieten

in Berlin für fünf Jahre einfrieren.

Maßgeblich soll die

Miete sein, die am 18. Juni

dieses Jahres wirksam vereinbartwar.

Die Eigentümer wollen nicht nur

auf der Kundgebung protestieren. Sie

drücken ihren Unmut auch in einer

Online-Petition aus.Bisher mit überschaubarem

Erfolg. Die Forderung

Berliner Mietendeckel stoppen!“ haben

seit dem Start am7.November

bis zum Mittwoch um 14 Uhr 2417

Personen unterzeichnet. Bis Februar

nächsten Jahres soll die Petition mindestens

50 000-mal unterzeichnet

werden, heißt es.

Während die Eigentümer ihren

Protest koordinieren, zeigt sich Berlins

CDU-Landeschef Kai Wegner

entschlossen, gegen das Mietendeckel-Gesetz

vors Bundesverfassungsgericht

zu ziehen. Dabei zählt

Wegner, der Bundestagsmitglied ist,

auf die Unterstützung der Unionsfraktion

im Bundestag. DieChristdemokraten

im Abgeordnetenhaus haben

bereits angekündigt, zu klagen.

„Die CDU-Landespolitik wird gegen

den Mietendeckel vorgehen und wir

auf Bundesebene auch“, sagte Wegner

jetzt der Deutschen Presse-

Agentur.

„Wir werden ausreichend Kolleginnen

und Kollegen aus der

CDU/CSU-Bundestagsfraktion haben,

die diesen Weg mitgehen, wir

DER MIETENDECKEL

Das Instrument: Eingeführt

werden Mietobergrenzen, die

je nach Ausstattung und

Bezugsfertigkeit zwischen

3,92 und 9,80 Euro je Quadratmeter

liegen. Je nach

Lagesind Zu- und Abschläge

möglich.

Die Kappung: Bei Wiedervermietungen

darf nur die

Vormiete kassiertwerden.

Liegt sie über der Mietobergrenze,

ist sie darauf zu kappen.

Ab 2022 soll es möglich

sein, die Mieten um 1,3

Prozent jährlich anzuheben.

brauchen dafür 25 Prozent, diewerden

wir locker erreichen“, so der

CDU-Landesvorsitzende. „Und wir

werden vom Parteitag in Leipzig

auch einen Auftrag dazu mitbringen.

DieBerliner CDU hat einen Antrag

eingereicht, der die Bundestagsfraktion

und die Abgeordneten

auffordert, gegen den Mietendeckel

vorzugehen.“ Wegner will vomBundesverfassungsgericht

prüfen lassen,

ob das Landesgesetz zum Mietendeckel

mit dem Bundesgesetz

vereinbar ist. „Ich glaube auch, dass

das ein bundesweites Thema ist.

Rot-Rot-Grün bricht hier Bundesrecht“,

sagte Wegner. „Sobald das

Abgeordnetenhaus,was zu befürchten

ist, den Mietendeckel beschließt,

geht der Klageweg los.Wir

wollen dann möglichst schnell

Rechtssicherheit haben“, so der

Berliner CDU-Chef.

„Es bestehen riesige Gefahren,

dass dann ein Chaos ausbricht. Ich

stelle mir vor, Karlsruhe sagt nach

zwei Jahren, das ist verfassungswidrig.

Dann gibt es in Berlin keine

funktionierende Mietpreisbremse

mehr, aber noch viel schlimmer,

auch keinen Mietspiegel.“ Er sei gespannt,

wer die Zeche bezahlen

BLZ/MARKUS WÄCHTER

Café der Berliner Zeitung Texte über die Stadt im „Spannungsfeld zwischen

höchstem Anspruch und Stümperei“. Für Harmsen-Fans und Berlin-Kenner

genügte oft der Titel, um wissend zu kichern–wie beim Text

„Wozu vier Nagelstudios?“. Spätestens, als Harmsen eine Philosophie

des Berliner Bahnhofsklos entwirft, über ein Amt für Umschweife im Roten

Rathaus spekuliert und klassische Gedichte als berlinisches Haiku

verpackt, ist jedeWutguter Laune gewichen.

müsse, wenn Mieter ihre Miete reduzierten

und Karlsruhe den Mietendeckel

nicht für verfassungskonform

halte. „Dann wird der Vermieter

natürlich sagen, da ist noch was

offen. Das ist ein Grund, warum ich

von Rot-Rot-Grün fordere, eine

Rücklage zu bilden, damit im Zweifel

das Land Berlin für diese Kosten

aufkommt.“

Baukapazitäten sind knapp

Außerdem fordertder CDU-Politiker

deutlich mehr Anstrengungen beim

Neubau: „Wir müssen den Wohnungsbestand

hochfahren. Ich kann

mirsofortvorstellen, dass wir eine Initiativefür

Dachgeschossausbau starten“,

sagte er. „Man könnte relativ

schnell auf diese Weise 100 000 zusätzliche

Wohnungen schaffen. Tatsächlich

mangelt es momentan jedoch

nicht an Baugenehmigungen,

sondern vor allem an Kapazitäten in

derBauwirtschaft. BisEnde 2018 waren

63345 Wohnungen genehmigt,

aber nicht fertiggestellt.

Der Senat will mit dem bundesweit

bisher einmaligen Mietendeckel-Gesetz

die Mieten für fünf Jahre

einfrieren und für Neuvermietungen

Obergrenzen festlegen. In bestimmten

Fällen sollen auch Mietsenkungen

möglich sein. DieEinführung des

Deckels ist umstritten. Die Mietrechts-

und Verfassungsexperten

Franz Mayerund Markus Artz vonder

UniBielefeld kommen zum Ergebnis,

dass Berlin die Mieten begrenzen

kann. Andere, wie der ehemalige Präsident

des Bundesverfassungsgerichts

Hans-Jürgen Papier, glauben

dies nicht. (mit dpa)

Ulrich Paul

hält den Mietendeckel für

ein Experiment.

Linke will

Bau-Lobby

auflösen

Unternehmensverband BBU

soll zerschlagen werden

VonElmar Schütze

Die Linke teilt im Streit um die

Regulierung des hauptstädtischen

Wohnungsmarktes weiter

kräftig aus. Ziel ist einmal mehr die

Wohnungswirtschaft. Funktionäre

der Regierungspartei wollen, dass

die landeseigenen Wohnungsunternehmen

aus dem Verband Berlin-

Brandenburgischer Wohnungsunternehmen

(BBU) austreten.

Schließlich sei der Verband „schon

lange zum politischen Armprofitorientierter

Wohnungsunternehmen“

geworden. Der Landesvorstand der

Partei dreht sogar den Spieß um und

fordert, dass stattdessen eben diese

Unternehmen aus dem BBU ausgeschlossen

werden. Das steht in zwei

Anträgen zum gleichen Thema, die

am Sonnabend auf dem Linke-Landesparteitag

in Adlershof beraten

und beschlossen werden sollen.

Der BBU wurde 1897 als genossenschaftlicher

Selbsthilfeverband

gegründet und ist mit 350 Mitgliedsunternehmen

heute der mit Abstand

größte wohnungswirtschaftliche

Verband der Hauptstadtregion. Die

landeseigenen Unternehmen mit ihrenrund300

000Wohnungen vertreten

dabei rund 42 Prozent der Bestände

des BBU.

Zweifel an Meinungsfreiheit

Linke-Chefin Katina Schubert beklagte

am Mittwoch eine „überhitzte

Diskussion“ zum Thema Wohnen in

der Stadt. Bei der Gegenkampagne

der Wohnungswirtschaft aber auch

der Genossenschaften – die die

Linke einst auf ihrer Seite wähnte –

gegen marktregulierende Eingriffe

der rot-rot-grünen Koalition sieht sie

„ganz viel Ideologie im Spiel“. Sieerklärt

sich das als Ergebnis von

„30 Jahreneoliberaler Doktrin“.

Diepolitische Konkurrenz nimmt

die erneute Einladung zum Disput

über grundsätzliche weltanschaulicheThemen

dankend an.„Die Linkspartei

ist zerfressen von ideologischen

Vorbehalten gegen die Wohnungswirtschaft“,

sagt CDU-Chef

Kai Wegner. „Mit der Antragsinitiative

zeigen Parteifunktionäre erschreckend

deutlich, dass sie nichts

von Meinungsfreiheit halten – zumindest

dann nicht, wenn es nicht

die eigene Meinung ist.“

Der CDU-Baupolitiker Christian

Gräff spricht vonStrafen „wie in Diktatur-Zeiten“.

Die Drohung einer

Sprengung des BBU versteht Gräff

zudem als einen „Angriff auf unser

Wirtschaftssystem“. Schließlich

gebe es gute Gründe, wenn öffentliche

Unternehmen Interessensvertretungen

angehören, um fachliche

Fragen gemeinsam zu diskutieren

und nach Lösungen zu suchen.

Für Stefan Förster, Sprecher für

Bauen und Wohnen der FDP-Fraktion,

zeigen die Linken mit ihren

BBU-Anträgen „endgültig, wessen

Geistes Kind sie sind“. Die Linke

atme immer noch „das Amtsverständnis

der alten SED, wojede Kritik

am Regierungshandeln als Angriff

auf den sozialistischen Staat gewertet

wurde“, so Förster. Die Art und

Weise, mit der hier Politik gemacht

werden solle,zeige deutlich, dass die

Linkspartei „extrem den politischen

Rand ausweite. Solche Anträge

kannten wir bislang nur vom anderenpolitischen

Rand“, so Förster.

GEWINNZAHLEN

Mittwoch-Lotto:

2-7-10-18-31-42

Superzahl: 0

Spiel 77: 4710290

Landeslotterie Super 6: 036718

Alle Angaben ohne Gewähr!


12 * Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Berlin

Detailgetreu: Das Spiel entführtdie Spieler in das Berlin der Vorwendezeit, lässt sie Grenz-Fluchten erleben. Der Slogan: „Durchbrichst du die Mauer –oder durchbricht die Mauer dich?“

K202

Mauer-Horror per Mausklick

Im Jahr 2020 kommt ein neues Videospiel auf den Markt: In „The Berlin Wall“ muss der Spieler die innerdeutsche Grenze überwinden –mit allen Konsequenzen

VonFlorian Thalmann

Ganz Deutschland erinnerte

sich in den vergangenen

Wochen anlässlich

des 30. Jahrestages an

den Mauerfall –ganz Deutschland?

Nein. Alle, die jünger als 35 Jahre

sind, können sich an das größte Ereignis

der jüngeren deutschen Geschichte

nicht erinnern. Sie waren

entweder zu jung oder noch gar

nicht geboren. Wie bringt man jener

Generation die Schrecken der deutschen

Teilung näher?

Die Antwort auf diese Frage

kommt aus Polen: Hier entsteht derzeit

ein Computerspiel namens „The

Berlin Wall“, das 2020 auf den Markt

kommen soll. Das die Flucht über

den Todesstreifen für Spieler erlebbar

macht –ein Projekt, das optisch

beeindrucken wird, aber offenbar

auch emotional herausfordern. Die

Idee: „Das Spiel erzählt die Geschichte

der Fluchten aus Ostberlin

in der Zeit des Kalten Krieges“, heißt

es in einer Ankündigung. Demnach

übernimmt der Spieler die Rolle des

Chefs einer Untergrundorganisation

und bereitet Fluchten über den Todesstreifen

vor. Die Pläne müssen in

die Tat umgesetzt, Leute bei ihrer

Flucht unterstützt werden. Mit allen

Konsequenzen.

Hinter dem Titel stecken die 2014

gegründete Firma „K202“ –und die

Entwickler Andrzej Pieniazek und

Pawel Smyla, der das Unternehmen

gründete.„Im Jahr 2016 entstand die

Idee,ein Mauer-Spiel zu entwickeln,

gewidmet der Geschichte der Fluchten

über die Mauer“, sagt Pieniazek

der Berliner Zeitung. 2017 stieg der

polnische Publisher Playway SA ein,

die Entwicklung begann. Er selbst

habe lange Zeit in Berlin gelebt und

sich deshalb für die Geschichte der

Stadt interessiert, sagt Pieniazek.

Aber: Ist die Berliner Mauer ein

gutes Thema für ein Videospiel? „Wir

glauben, dass jedes Thema für ein

Spiel geeignet ist, besonders dann,

wenn es auf einer Story basiert, die

Abenteuer-, Action- und Horrorelemente

vereint. Daskann pureFantasie

sein, aber auch auf realen Ereignissen

basieren.“ Beim Thema Mauerngehe

es zudem nicht nur um historische

Fakten. „Die Berliner Mauer

war die berühmteste, aber Mauern

existieren noch und entstehen neu –

Andrzej Pieniazek erlebte den Fall der

Mauer von der West-Seite aus.

Pawel Smyla wurde vor der Wende in Polen

geboren. PRIVAT (2)

wie jene an der amerikanisch-mexikanischen

Grenze.“Den Entwicklern

gehe es auch darum, jungen Menschen

das Thema näherzubringen.

Ein Spiel wie dieses könne nicht nur

Spaß bringen, sondern auch weiterbilden

und sensibilisieren.

Die beiden Entwickler erlebten

die Mauer selbst aus unterschiedlichen

Perspektiven. Smyla wurde in

Polen geboren, besuchte Ost- und

auch Westdeutschland. „Ich weiß

noch, dass das polnische Fernsehen

Flüchtlinge zeigten, die vorder deutschen

Botschaft in Warschau campierten,

bevor die Mauer fiel“, sagt

er.Noch heute erinnertersich an die

Zeit.„Das hilft mir bei der Arbeit.“ Pieniazek,

ebenfalls in Polen geboren,

setzte sich nach dem Studium in den

Westen ab. „Den Mauerfall erlebte

ich vonder anderen Seite.“

Zwar seien nicht alle Elemente

historisch akkurat. Das Ziel des

Spiels sei es vielmehr, den Spieler in

die damalige Zeit zu ziehen. Die Figuren

hätten keine Superkräfte,sondern

müssten Einfallsreichtum und

Mut beweisen, um in die Freiheit zu

gelangen.

Der Spieler klickt sich durch das

Berlin der Vorwendezeit, muss mit

Menschen sprechen, Pläne schmieden.

Erschwert werde die Umsetzung

durch die Überwachung durch

die Geheimdienste und die Mangelwirtschaft,

die es schwer macht, an

manches Werkzeug zu gelangen.

Kleine Betrügereien und Bestechung

gehören zum Spielmechanismus –

und Entscheidungen beeinflussen

den Verlauf. Auch Filme seien eine

Inspiration gewesen. DieOrtebasierenauf

realen Plätzen, Szenen zeigen

den Alexanderplatz und den Checkpoint

Charlie. „Dafür nutzten wir

Material aus der Zeit und besuchten

Originalschauplätze, um sie detailgetreu

nachzubilden.“

Es ist nicht das erste Mal, das sich

die Branche dem Mauer-Thema

widmet. Für Aufsehen sorgte das

Projekt„1378(km)“, das im Jahr 2010

veröffentlicht wurde –hier kann der

Spieler in die Rolle von Grenzflüchtlingen

oder Soldaten schlüpfen, fliehen

oder schießen. Opferverbände

kritisierten das Spiel, nannten es geschmacklos,

forderten ein Verbot.

Eingeleitete Ermittlungen gegen den

Entwickler wurden aber eingestellt.

Auch „The Berlin Wall“ geht

nicht zimperlich mit dem Thema

um. Ein Video-Trailer zeigt erste

Sequenzen: Hier versucht ein

Mann, gesteuert vom Spieler, den

Weg in die Freiheit zu finden. Er

klettert über die Mauer, rennt über

den Todesstreifen. Plötzlich sind

Schüsse zu hören, die Spielfigur

bricht tot zusammen.

Wird hier eine Grenze überschritten?

Nein, sagt Pieniazek.„Der

Kommunismus ist mit seinen Gegnern

brutal umgegangen –und das

muss laut und klar gesagt werden.

Alles andere wäre den Opfern gegenüber

unfair.“ Spieler von „The

Berlin Wall“ sollten auch lernen,

was mit den Menschen passierte,

deren Fluchten nicht klappten.„Das

Spiel ist nicht gewalttätig und glorifiziert

auch keine Gewalt. Aber es

sucht nicht nach Ausreden für das

Regime oder seine Agenten.“

Florian Thalmann

findet das Konzept besser

als jede Geschichtsstunde

Bruce-Willis-Momente als BER-Retter

SEBASTIAN SCHWARZ

wusste sofort, dass dieses Filmprojekt

von einer seltenen Einzigartigkeit

ist. „Dawollte ich unbedingt dabei

sein.“ DerRand-Berliner,den das

Stammpublikum der Schaubühne

gut kennt, warf sich also engagiert

ins Casting und bekam die Rolle als

erwachsener Marius in

„Als ich mal groß war“ von

Lilly Engel und Philipp

Fleischmann. Schwarz

freut sich: „So einen Film

hat es einfach noch nie gegeben,

in dem echte Kinder

mit großer Natürlichkeit

und Charme in die Kameraerzählen,

wie sie sich

ihre Zukunft vorstellen.

Unddann sieht man diese

Zukunft in Spielszenen mit erwachsenen

Schauspielern Realität werden.“

Am Mittwochabend wurde in

der Kulturbrauerei Premieregefeiert.

Für Schwarz die Stunde der Wahrheit,

denn ihn erwartete das Urteil

von Marius, den er gespielt hatte.

Und das fiel erfreulich aus: „Mir gefällt

richtig gut, wie er mich gespielt

hat.“ Ob ihm Elyas M’Barek als Ma-

Schauspieler

Sebastian Schwarz

rius lieber gewesen wäre? Marius zögert

nicht: „Nein, Sebastian hat das

toll gemacht.“ Für den Schauspieler

ist die Rolle ein Geschenk: „Das waren

meine Bruce-Willis-Momente,

denn eigentlich werdeich ja eher selten

in Actionfilmen besetzt, aber hier

hänge ich in großer Höhe an einem

Haus, um mich herum

brennt und explodiert es.

Herrlich!“ Und das alles

nur, weil Marius am Anfang

des Films von einer

Zukunft als Feuerwehrmann

träumt.

CHRISTIAN SCHULZ

Constantin von Jascheroff

spielt den erwachsenen

Lucas, Isabell Polak ist als

die große Version von dessen

Kindheitsfreundin

Renée dabei. Zu einem wichtigen

Nebendarsteller wurde der BER,

denn die drei Kinder träumten schon

vor vier Jahren beim Beginn der

Dreharbeiten davon, dass sie als Erwachsene

die Eröffnung des BER retten.

„Als ich mal groß war“ (Untertitel:

„Ein Film nach wahren Begebenheiten.

Und zukünftigen.“) startet

am 28. November.ImTVist Schwarz

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Sebastian Schwarz spielt in „Als ich

einmal groß war“ die erwachsene

Versionvon Marius. Julia Gámez Martin

freut sich über den Deutschen

Kleinkunstpreis für ihr Duo

Suchtpotenzial

demnächst in Staffel 2von „Andere

Eltern“ zu sehen und in „Tag X“ mit

Wolfram Koch. „Dieser Psychothriller

wurde in Serbien gedreht, wobei

Serbien in der Rolle von Brandenburgzusehen

ist.“

JULIA GÁMEZ MARTIN

kann es immer noch nicht glauben.

Gemeinsam mit Ariane Müller, ihrer

Bühnenpartnerin im Duo Suchtpotenzial

(Motto: „Zu laut für“s Altersheim

–zuversaut für'n Kindergar-

ten.“), bekommt die Berlinerin 2020

den äußerst begehrten Deutschen

Kleinkunstpreis: „Damit hatten wir

nicht gerechnet, die sagen einem das

vorher nicht und schleichen sich in

die Showsein.“ Noch nicht ganz klar

ist, ob es von der Trophäe ein oder

zwei Exemplare geben wird. Ariane

Müller lebt in Ulm, Julia

Gámez Martin in Berlin:

„Wenn es nur einen Preis

gibt, wechseln wir uns

bei jeder Verleihung ab,

wer ihn diesmal bekommt.

Dummerweise

kriege ich dabei immer

die hässlichen. Darunter

war auch schon ein Pokal

aus Frottée, der jetzt bei

uns auf dem Gästeklo

steht.“

Den Deutschen Kleinkunstpreis

hatte die Sängerin besonders aus einem

Grund nicht erwartet: „Das ist

so eine angesehene Auszeichnung,

ich dachte nicht, dass man die auch

mit Pimmelwitzen für den Feminismus

erringen kann.“ Das neue Programm

der beiden heißt „Sexuelle

Belustigung“ und die Sängerin ist

Preisträgerin Julia

Gámez Martin

sich bewusst:„Wenn wir Männer wären,

dürften wir diesen Titel nicht benutzen

und hätten uns dafür längst

einen Shitstormeingefangen.“

Das Duo Suchtpotenzial bekam seit

2013 jedes Jahr mindestens eine Ehrung.

Die Frage, obsie nach jedem

Preis die Eintrittspreise erhöhen,

amüsiert die Sängerin:

„Nein, machen wir nicht.“

Sie haben aber trotzdem

etwas davon, wenn so eine

Auszeichnung das Publikum

anzieht: „Wir verdienen

meistens anteilig am

CHRISTIAN SCHULZ

Ticketverkauf.“

Mit dem Hinweis auf

deutsche und internationale

Beispiele von Komikern

inParlamenten und

Regierungen startet sie einen kleinen

Erpressungsversuch: „Die Leute

sollen Tickets kaufen, sonst kommen

wir auf dumme Gedanken und gehen

in die Politik.“

Nächste Gelegenheit, das Duo

Suchtpotenzial in Berlin zu erleben:

25. Januar in den Wühlmäusen. Es

gibt nur noch wenige Karten für die

Show der Preisträgerinnen.


Alle Angebote gültig bis Samstag, 23.11.2019

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14 Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Berlin

Diese Lithografie aus dem Jahr 1874, nach einem Aquarell von Eduard Hildebrandt, zeigt Alexander von Humboldt in seinem Arbeitszimmer.Der Schreibtisch kehrte für die Ausstellung nach Berlin zurück.

DEUTSCHES HISTORISCHES MUSEUM/S. AHLERS

Reisetagebücher von Alexander von Humboldt

BPK/STAATSBIBLIOTHEK ZU BERLIN/CAROLA SEIFERT

Das Gemälde zeigt die Rohrzuckerverarbeitung,die

Alexander von Humboldt sehr

beschäftigte. BPK/RMN –GRAND PALAIS/MANZARA

Die Pyrenäen, wie Wilhelm von Humboldt

sie womöglich gesehen hat –ein Gemälde

von Alexander Louis RobertMillin du Perreux

(1764–1843). REPRODUKTION GALERIE BASSENGE

Berlin gebiert oft Absurditäten:

Zwar wird das

Humboldt-Forum in diesem

Humboldt-Jahr nicht

mehr eröffnet, das an denGeburtstag

Alexander von Humboldts vor

250 Jahren erinnert. Aber die Ausstellung

zur Geschichte,zum Leben

und Denken der beiden Brüder –

des Naturforschers Alexander

(1769–1959) und des BildungsreformersWilhelm

(1767–1835) –die gibt

es nun doch. Allerdings nicht in

Räumen der Stiftung Preußischer

Kulturbesitz, obwohl die sich immer

wieder als Erbin des Universal-

Denkens der Humboldts inszeniert,

sondern im Deutschen Historischen

Museum im einstigen Berliner

Zeughaus.

Kuratiert ist das Projekt von der

Kunsthistorikerin Benedicte Savoy

und ihrem Kollegen David Blankenstein.

Schon 2014 haben sie einen

kleineren Vorläufer der Ausstellung

im legendären Pariser

Observatorium gezeigt. Nach

fast zwei Jahrhunderten

nationalistisch motivierten

Fast-Vergessens

wurde damit einer breiteren

Öffentlichkeit

wieder bewusst, wie

bedeutend die Humboldts

auch für

Frankreich waren.

Für sie nämlich, die

„ohne Gott“, aber

mit viel moderner

Aufklärungsliteratur

des späten

18. Jahrhunderts im

Tegeler Schloss aufwuchsen

und in vielen

Sprachen parlierten

und schrieben, war

der Nationalismus des

19. Jahrhunderts ein Desaster.

Wissen für dasWissen

Er begrenzte die Lust am Wissen,

die Neugier, schuf Grenzen –die unter

Napoleon wenigstens zeitweilig

wieder aufgehoben wurden. Er schuf

die politischen Bedingungen für die

großen Reisen Alexander von Humboldts

nach Südamerika, für die bis

heute wirksamen Bildungsreformen

Wilhelms in Preußen. Die Neugier

lernten sie bei jenen oft jüdischen

Salonnièren, die Wilhelm später

übel antisemitisch anging, die er als

Frauen von seiner Universität aus-

Die Welt vom

Sattel aus

Endlich hat Berlin eine große Humboldt-Ausstellung:

350 Objekte aus aller Welt erzählen vom Leben,

Forschen und Wirken derbeiden Brüder

VonNikolaus Bernau

Gipsabguss eines aztekischen

Kalendersteins –die Humboldts

interessierten sich sehr für die

indianischen Hochkulturen.

NATIONAL MUSEUMS SCOTLAND

schloss, ohne die das europäische

Geistesleben um 1800 aber nicht zu

denken ist. Bei den Forschungen

Alexanders ging durchaus um Wirtschaft,

um die Suche nach Naturschätzen,

um das koloniale Projekt

Europas in Südamerika oder Sibirien.

Aber eben immer auch um

Wissen um des Wissens willen. Man

fragt sich schnell: Ist dies Europa

der weltumspannenden Neugier

nicht eines, auf das man wirklich

stolz sein kann? Auch deswegen

sind die Reiseberichte der Humboldts

heute so spannend zu lesen

–sie stehen am Beginn dessen, was

wir heute Moderne nennen.

Ausdem Besitz der Queen

350 Objekte aus aller Welt wurden

herangeschafft, darunter sensationell

gut gemalte Porträts aus dem Besitz

der britischen Königin, vieles aus Paris

–das nationalistisch verblendete

Preußen hatte kein Interesse am

Nachlass des „Franzosenfreunds“

Alexander –aus Russland,

Nord-Irland, Rom und

selbstverständlich auch aus

Berlins Museen, Archiven

und Bibliotheken.

Die Kunsthistoriker

Benedicte Savoy und

David Blankenstein

haben durch die

Präsentation vieler

Briefe, Skizzen,

Zeichnungen und

Bücher den Kommunikationsrhythmus

einer Zeit

nachvollzogen, die

noch ergangen und

erritten werden

musste: Im Zentrum

steht ein breiter,baskischer

Pferdesattel mit

zwei Sitzen, der

Wilhelm auf einer

Reise durch die Pyrenäen

diente und

Zeugnis der gemächlichen

Mobilität jener Zeit

dokumentiert. Sieht hart

aus.

DieAusstellung „Wilhelm

und Alexandervon Humboldt“

mDeutschenHistorischen Museum

ist jetzt täglichvon 10 bis 18 Uhr

geöffnet,anDonnerstagen sogarbis

20 Uhr.Der Eintritt kostet8Euro,

mit Führung 12 Euro.Mehr Infosauf der

Internetseite www.dhm.de

Winkelmessgerät aus dem Besitz

Alexander von Humboldts

RÉGION GRAND EST –INVENTAIRE GÉNÉRAL/CLAUDE MENNINGE

Dieses Bild ziertden „Atlas der neuen

Welt“ von Alexander von Humboldt.

M. DES BEAUX-ARTS ET D’ARCHÉOLOGIE DE BESANÇON/P. GUÉNAT

In solchen Sätteln warman zu Zeiten der

Humboldts im Baskenland unterwegs.

MUSÉE BASQUE ET DE L’HISTOIRE DE BAYONNEA


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 15

· ·

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Berlin

Ich bin Mitte vierzig und bis auf

eine beginnende Altersweitsichtigkeit

im Wesentlichen am

Leben und gesund. Seit 18 Jahrenarbeite

ich als Psychotherapeutin

und Gutachterin in der forensischen

Psychiatrie.Zehn Jahredavon in einer

Ambulanz für hoch rückfallgefährdete

Straftäter. Mit Tätern also, die

nach der Entlassung aus dem Vollzug

weiterhin als sehr gefährlich eingeschätzt

werden. Meine Patienten waren

auch einige der Sicherungsverwahrten,

die 2011, nach einem Urteil

des Europäischen Gerichtshofes für

Menschenrechte, vorzeitig aus der

Sicherungsverwahrung entlassen

werden mussten. Also ja, das waren

Vergewaltiger,Mörder,Pädophile.

Mein Wohlbehaltensein verdanke

ich, neben einem gütigen Schicksal,

einem ebenso einfachen wie häufig

übersehenen Umstand: Niemand,

auch kein noch so hoch rückfallgefährdeter

Straftäter,ist zu jedem Zeitpunkt

seines Lebens gefährlich. Ich

habe vielen einen guten Tag gewünscht,

und ich musste auch andereDinge

fragen wie „Wollen Sieeinen

Tee?“ oder„Waren Siegesternbetrunken?“

oder „Sind Sie sicher, dass

es kinderfreie Schwimmbadzeiten

gibt?“ Man hat mir im Allgemeinen

höflich geantwortet.

Undandersherum: Jeder, wirklich

jeder Mensch kann einem anderen

Menschen gefährlich werden. Man

bedenke nur:DreiViertel aller sexuellen

Missbrauchshandlungen an Kindernfinden

im sozialen Nahfeld statt,

während vorden Toreneiner JVAeher

gar nichts passiert. Viele sind Ersttäter,

unbescholtene Männer und

Frauen, die gerade noch neben Ihnen

bei Rossmann an der Kasse standen.

Undsieht man sich die Rückfallzahlen

an, dann fallen entlassene Sicherungsverwahrte

uns durchweg recht

freundlich ins Auge.

Ihre Rückfallhäufigkeit nach der

Entlassung betrug laut einer Untersuchung

nur 18,5 Prozent, davon wurde

nur jeder Zehnte zu erneuten Freiheitsstrafen

verurteilt, der Rest zu

Geldstrafen, also Peanuts. Demnach

halten sich neunzig Prozent aller entlassenen

Sicherungsverwahrten in

Freiheit ganz gut. ZumVergleich: Von

den normalen Inhaftierten werden 35

Prozent erneut kriminell. Ein Grund

für die niedrigen Rückfallraten der Sicherungsverwahrten

sind ihr im Vergleich

zu anderen Strafgefangenen

fortgeschrittenes Alter und die damit

gewonnene Ruhe und relative Weisheit.

Es stellt sich jenseits der Fünfzig

die Frage dringlicher,obman wirklich

in der Seniorenabteilung hinter

schwedischen Gardinen seinen Lebensabend

verbringen will.

Unser prognostisches Hauptproblem

sind nach wie vor Männer zwischen

15 und 30, besonders wenn sie

in Gruppen auftreten. Die haben −

Gastbeitrag

Menschen sind gefährlich

Wieder offene Vollzug unser aller Sicherheit erhöht: Eine Psychotherapeutin, die Schwerkriminelle und

Sicherheitsverwahrte behandelt und begutachtet, mahnt zu Rationalität in der aktuellen Debatte

VonKaroline Klemke

2018 befanden sich in Deutschland laut dem statistischen Bundesamt 566 Personen in Sicherungsverwahrung,bei insgesamt 50957 Strafgefangenen. BLZ/M. GÜNTHER, PRIVAT

„Menschen, die man

von jetzt auf gleich aus der Haft

entlässt, ohne allmähliche

Vorbereitung, ohne Lockerungen und

begleitendes Gespräch, werden schneller

und häufiger wieder straffällig.“

Karoline Klemke

kulturübergreifend −das höchste Kriminalitätsrisiko.

Ich rege mich also

nicht auf, sondern freue mich, wenn

ein offenerVollzug für Sicherungsverwahrte

eingerichtet werden soll. Und

zwar außerhalb des Gefängnisses,

denn dort gehört ein offener Vollzug

naturgemäß hin. Sicherungsverwahrte

werden erst dorthin verlegt,

wenn sich eine Menge Leute einig

sind, dass von ihnen keine Gefahr

mehr ausgeht: Gutachter, Therapeuten,

Juristen. Undkeiner vonuns will

für einen Rückfall verantwortlich sein

und an einer Schlagzeile aufgehängt

werden, so viel ist klar.

Ichhabe lange Jahre ineinem der

Dienstgebäude vorden Torender Justizvollzugsanstalt

Tegel gearbeitet.

Aus dem hohen Durchfahrtstor 1

werden die Entlassenen hinausgeschickt,

genau wie Franz Biberkopf in

Döblins „Berlin Alexanderplatz“. Sie

tragen blaue Müllsäcke mit ein paar

Habseligkeiten und setzen sich auf

die gemauerte Einfassung einer

Linde. Noch ein paar Schritte weiter,

hinter der Ausfahrt, wartet die Freiheit,

die dort Seidelstraße heißt. Nur

wenige gehen schnell weiter bis zur

U-Bahn. Manche werden abgeholt,

manche sitzen stundenlang unter der

Linde,warten und rauchen und warten.

Aber es kommt niemand.

Berlin ist eine überaus bewegliche

Stadt. Es gibt keinen vernünftigen

Grund, eine Sexualstraftat oder sonst

einen Rechtsbruch genau vorden Toren

des Knastes zu begehen, dem

man soeben entronnen ist.

Dasgilt auch für den offenen Vollzug.

Neben einer solchen Einrichtung

in Zehlendorf befindet sich seit Jahren

ein Kinderpferdehof, auf dem

sich Pferde und Kinder bester Gesundheit

erfreuen. Und auf der Seidelstraße

weiß man doch nie,obman

nicht gerade einem sachverständigen

Zeugen, Gutachter, Richter, Justizbeamten

oder Polizisten in die Arme

rennt. Denn die laufen da viel öfter

herum als anderswo in der Stadt. Und

auch wenn man ein ganz unvernünftiger

Mensch ist, braucht man einen

Anlass für eine impulsiveStraftat −einen

Streit mit der Freundin oder einen

Rauswurf. Auch dies ergibt sich

selten direkt vorden Gefängnistoren.

Diemeisten Menschen dortsind entweder

sehr froh oder sehr deprimiert.

Beides sind keine Voraussetzungen,

die eine Straftat begünstigen.

Ausder Seidelstraße oder anderen

Orten in der Nachbarschaft von Justizvollzugsanstalten

sind keine Kriminalitätsschwerpunkte

geworden.

Schon seit vielen Jahren findet man

diese in der Hermannstraße oder der

Oranienburger Straße,die wir im Allgemeinen

ohne dramatische Bedrohungsgefühle

beschreiten. Von der

U8 gar nicht zu reden.

Es gibt einen sicheren Befund in

der Straftäterbehandlung: Soziale

Kontrolle wirkt. Menschen, mit denen

regelmäßig über ihre Straftaten

gesprochen wird, sind seltener rückfällig.

Stacheldraht hin oder her.Und

es gilt ebenso sicher: Menschen, die

man von jetzt auf gleich aus der Haft

entlässt, ohne allmähliche Vorbereitung,

ohne Lockerungen und begleitendes

Gespräch, werden schneller

und häufiger wieder straffällig.

Die unter der Linde warten und

nicht abgeholt werden, sind ein

Problem, das man durch die schrittweise

Erprobung einer Entlassung im

offenen Vollzug vermeiden möchte.

Und bei Sicherungsverwahrten ist

das noch dazu besonders nötig, denn

lange Haftstrafen liegen hinter ihnen.

Ichhabe mich viele Jahre mit Kriminellen

beschäftigt. Und ich habe

dabei sehr wohl meine Angst behalten

−vor den vielen verlorenen Männern,

nachts auf der Straße,inU-Bahnen

und Kneipen. Wermit offenen

Augen durch die Stadt geht, sieht sie

überall. Menschen, um die sich keiner

schert, die keine Sicht-, Urin- und

Arbeitsplatzkontrollen und wöchentlichen

Gespräche absolvieren wie im

offenen Vollzug. Die voller Einsamkeit,Wutund

Alkohol sind und nichts

zu verlieren haben. Nicht einmal

mehr gelockerte Haftbedingungen.

EinoffenerVollzug für Sicherungsverwahrte

vorden Torender JVATegel

ist nicht nur rechtlich notwendig,

sondern auch sinnvoll für unser aller

Sicherheit −ein hohes Gut, das angestrebt,

aber nie und nirgends garantiert

werden kann. Ich zum Beispiel

fahrenachts nicht mehr in der U8. Ist

mir zu gefährlich.

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16 ** Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Berlin/Brandenburg

AfD-Mann nach

vier Stunden

gewählt

Rolf-Peter Hooge kommt ins

Landtagspräsidium

Nach einem fast vierstündigen

Wahlmarathon hat der Brandenburger

Landtag den AfD-Abgeordneten

Rolf-Peter Hooge als dritten

Vertreter der Partei in das Präsidium

gewählt. Für den Abgeordneten

aus Fürstenwalde/Spree

(Oder-Spree) stimmten am Mittwochabend

in der Plenarsitzung 34

Abgeordnete, 29stimmten mit Nein

und 16 Abgeordnete enthielten sich.

Zuvor waren 14 andere Kandidaten

der AfD bei den geheimen Wahlen

durchgefallen. Der AfD steht das

Vorschlagsrecht für drei Sitze imelfköpfigen

Landtagspräsidium zu. Bereits

in der konstituierenden Sitzung

im September waren die AfD-Abgeordneten

Andreas Galau und Steffen

Kubitzki in das Gremium gewählt

worden.

Der Parlamentarier Daniel Freiherr

vonLützow fiel zum vierten Mal

bei der Wahl durch, Lena Duggen

und Dennis Hohloch scheiterten

zum zweiten Mal. Die Fraktionen

von CDU, Grünen und Linken hatten

Daniel Freiherr von Lützow

rechtsextreme und rassistische Einstellungen

vorgeworfen. Siekritisierten

Lena Duggen für ihre frühere

Mitgliedschaft in der Partei DieFreiheit,

die im Jahr 2013 in Bayern vom

dortigen Verfassungsschutz beobachtet

und als islamfeindlich eingestuft

wurde.

21 Nominierungen

Dennis Hohloch ist Landeschef der

Jungen Alternative, die vomBundesamt

für Verfassungsschutz als Verdachtsfall

im Bereich des Rechtsextremismus

eingestuft wird.

Auch Fraktionschef Andreas

Kalbitz und der AfD-Abgeordnete

Christoph Berndt erreichten bei der

Abstimmung keine Mehrheit. Fraktionschef

Kalbitz werden zahlreiche

rechtsextreme Kontakte in der Vergangenheit

vorgeworfen. Berndt ist

Gründer des Vereins „Zukunft Heimat“,

der in Südbrandenburg

rechtsgerichtete Demonstrationen

organisiert.

Die AfD hatte 21 ihrer 23 Abgeordneten

für das Präsidium nominiert.

(dpa)

Der Beginn der neuen„Kenia-Koalition“

in Potsdam

war dann doch ein

überraschend undeutlicher

Erfolg für die drei neuen Regierungspartner.

Die erste Bewährungsprobe

hat am Mittwoch zwar

geklappt, aber nicht auf ganzer Linie.

DieWahl des Ministerpräsidenten ist

immer der erste große Test, ob es mit

einer Regierung auf Dauer klappen

könnte.SPD,CDU und Grüne verfügen

im Potsdamer Landtag über eine

Mehrheit von sechs Stimmen bei

den 88 Abgeordneten. Undsostellte

sich der bisherige Ministerpräsident

Dietmar Woidke von der SPD um

10.05 Uhrdem ersten Wahlgang.

Seine neue Koalition wird von 50

Parlamentarierngetragen. EinAbgeordneter

der oppositionellen AfD

fehlte, esgab also 87 Wahlberechtigte,

damit waren nun 44 Stimmen

für eine erfolgreiche Wahl nötig. Um

10.22 Uhr stand das Ergebnis fest:

Woidke bekam statt der 50 Stimmen,

über die die Koalition verfügt, nur 47

Stimmen. Es gab drei Enthaltungen.

Die Opposition aus AfD, Linker und

FreienWählernstimmte geschlossen

gegen den alten und neuen Regierungschef.

Etwas für „Kreml-Astrologen“

Fast alle Parlamentarier applaudierten.

Nurbei der AfD blieb der Beifall

aus. Dort klatschte nur ein einziger

Abgeordneter.Dann gingenVertreter

aller Fraktionen zu Woidke,schüttelten

ihm die Hand oder überreichten

ihm Blumen. Nurdie AfD gratulierte

ihm im Plenarsaal nicht.

Zuvorwar auf den Zuschauerrängen

durchaus diskutiert worden, ob

es denn klappen würde mit den nötigen

44 Stimmen im erstenWahlgang.

Oder ob gar die maximal möglichen

drei Wahlgänge nötig sein würden.

Wenn es auch dann nicht gereicht

hätte,wäreesumNeuwahlen gegangen

–bei der gegenwärtigen Stärke

der AfD immer ein Wagnis und auch

ein Risiko für jeden einzelnen Abgeordneten.

Denn es wäre gar nicht so

sicher gewesen, ob sie alle wieder in

den Landtag einziehen würden.

Das Ende einer Ära fiel also aus.

Die CDU und die AfD und auch die

Grünen hatten sich im Wahlkampf

das Ziel gesetzt, die Dauerdominanz

der SPD zu beenden, die in Brandenburgseit

den Ende der DDR den Ministerpräsidenten

stellt. Doch es hat

auch bei der siebten Landtagswahl

in Folge nicht geklappt.

Nach seiner Wahl ernannte Woidke

die Minister seiner Regierung:

sechs Frauen und vier Männer. Fünf

stellt die SPD,dreidie CDU, zwei die

FINANZEN, SPD

Katrin Lange, bislang

Staatssekretärin Inneres

KULTUR, SPD

Manja Schüle, bislang

Bundestagsabgeordnete

JUSTIZ, CDU

Susanne Hoffmann, bislang

Generalstaatsanwältin

MINISTERPRÄSIDENT, SPD

Dietmar Woidke, bislang auch Regierungschef

Ja zu Woidke

Brandenburgs Ministerpräsident ist wiedergewählt.

Doch drei Stimmen seiner Koalition fehlten ihm

VonJens Blankennagel, Potsdam

STAATSKANZLEI, SPD

Kathrin Schneider,bislang

Verkehrsministerin

WIRTSCHAFT, SPD

Jörg Steinbach, bislang

auch Wirtschaftsminister

INNEN, CDU

Michael Stübgen ist auch

Vizeregierungschef

GESUNDHEIT, Grüne

Ursula Nonnemacher ist

auch Vizeregierungschefin

BILDUNG, SPD

Britta Ernst, bislang

auch Bildungsministerin

VERKEHR, CDU

Guido Beermann, bislang

Staatssekretär im Bund

UMWELT, Grüne

Axel Vogel, bislang

Fraktionsvorsitzender

DPA/SOEREN STACHE (11)

Grünen. Zu den drei fehlenden Stimmen

sagte Woidke: „Das betrübt

mich nicht weiter.Ich bin erleichtert,

dass es im ersten Wahlgang geklappt

hat. Dasist eine gute Basis.“ Dann erzählte

er: „Bei meiner ersten Wahl

zum Ministerpräsidenten hatte ich

mehr Stimmen als die Koalition, bei

der zweiten Wahl hatte ich genauso

viele wie die Koalition, nun ein paar

weniger.“ Solche Diskussionen seien

nur wichtig für „Kreml-Astrologen“.

Woidke sagte, dass es nach der

Landtagswahl ein schwieriges Ergebnis

gab und dass die Koalitionsgespräche

schwierig begannen. „Da

mussten auch viele Kompromisse

geschlossen werden, und nicht jeder

Kompromiss schmeckt jedem einzelnen

Abgeordneten.“ Es sei eine

geheime Wahl gewesen, doch die

nächsten großen Abstimmungen

seien nicht mehr geheim –und da

rechne er mit Geschlossenheit.

Der Start war für „Kenia“ gut: In

den drei Parteien gab es glänzende

Zustimmungswerte: Aufdem Parteitag

der SPD am vergangenen Freitag

herrschten quasi DDR-Verhältnisse,

jedenfalls was das Ergebnis angeht:

Die Zustimmung lag bei mehr als 99

Prozent. Es gab nur eine Enthaltung.

In der CDU wurden 97,2 Prozent Ja-

Stimmen gezählt. Da wirken die 90,8

Prozent der Grünen fast schwach.

Koalition der Geschwächten

Doch die neue Koalition ist eben

auch eine Regierung der Geschwächten.

DieSPD stürzte bei der

Wahl ab und verteidigte den ersten

Platz nur mit einer gnadenlosen Personalisierung

auf Woidke und der

Frage:Wereinen Sieg der AfD verhindernwill,

muss Woidke wählen.

Die CDU fuhr ebenfalls ihr

schlechtestes Ergebnis ein, und der

Parteichef und Spitzenkandidat Ingo

Senftleben musste gehen, weil er einen

Öffnungskurs nach links führte,

und die Konservativen in der CDU

dagegen rebellierten. Die Grünen

konnten ihr Ergebnis zwar fast verdoppeln,

blieben aber auch unter

den noch besseren Werten im Bund.

Und nun fehlten im Parlament

drei Stimmen der neuen Koalition

bei der Generalprobe der Geschlossenheit

– durchaus eine Warnung.

Deralte und neue Ministerpräsident

Dietmar Woidke sagte dazu: „Wir

werden eine stabile Regierung haben,

die fünf Jahre regieren wird. Es

geht auch nicht darum, dass sich die

Parteien wohlfühlen. Die Menschen

im Land müssen und werden schnell

merken, dass sich ihr Leben zum Positiven

verbessert. Wir müssen jetzt

fröhlich an die Arbeit gehen.“

Bund will

Wohnungen in

Berlin bauen

Geeignete Fläche

in Mitte und Reinickendorf

VonUlrich Paul

Die Pläne des Bundes für den Bau

von Wohnungen in Berlin konkretisieren

sich. In der Hauptstadt

gibt es nach Auskunft der Bundesanstalt

für Immobilienaufgaben

(BImA) Flächen für den Bau von

rund 2500 Wohnungen.

Dazu gehört laut BImA-Sprecher

Thorsten Grützner das Gelände der

ehemaligen Cité Foch inWittenau. In

der ehemaligen Siedlung der französischen

Streitkräfte plant die BImA

400 neue Wohnungen. An der Breiten

Straße in Mitte könnten 50 Wohnungen

entstehen. Als weiterer

Standortfür den Neubau kommt außerdem

die Cité Pasteur in Tegel infrage.

„Weitere potenziell für den

Wohnungsbau geeignete Flächen in

Berlin befinden sich noch in Abstimmung

mit der Stadt und den Planungsbehörden“,

sagte Grützner.Da

Berlin für das Planungsrecht zuständig

sei, könne die BImA noch nicht

abschätzen, wann die rechtlichen

Voraussetzungen für den Neubau

geschaffen werden könnten.

Bislang gehörte der Wohnungsbau

nicht zu den zentralen Aufgaben

der BImA. Im Gegenteil. Nicht benötigte

Unterkünfte wurden verkauft.

Doch das hat sich geändert. „Im

Zuge der Wohnraumoffensive von

Bund, Ländern und Kommunen

schlägt die BImA neue Wege ein“, so

Grützner. Umdie Wohnungsknappheit

in Berlin sowie anderen Großstädten

und Ballungsräumen zu reduzieren,

wolle die BImA selber neue

Wohnungen für Beamte und Bundesbeschäftigte

bauen. Bundesweit

eignen sich laut einer Potenzialanalyse

etwa 180 Grundstücke für eine

Bebauung. Durch Dachausbauten,

Aufstockungen, Neu- und Anbauten

sollen 6000 bis 8000 neue Wohnungen

in ganz Deutschland entstehen.

In Berlin besitzt die BImA zurzeit

insgesamt 4804 Wohnungen. Diese

–wie auch die geplanten neuen Objekte

– werden laut Grützner zunächst

Bundesbediensteten angeboten.

Findet sich kein Interessent,

werden die Wohnungen auf dem

freien Marktzur Miete offeriert.

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Neue Fälle von Schweinepest

EU-Kommission schickt Wissenschaftler in die polnische Grenzregion nahe Brandenburg

Aus Sorge vor der Afrikanischen

Schweinepest (ASP) verstärkt

Brandenburg die Maßnahmen zur

Früherkennung der Seuche.Die Aufwandsentschädigung

für Jäger, die

verendete Wildschweine melden

und ihnen eine Blutprobe entnehmen,

werdevom 1. Dezember an auf

50 Euro erhöht, erklärte Verbraucherschutzministerin

Ursula Nonnemacher

(Grüne) am Mittwoch. „Je

früher die Afrikanische Schweinepest

erkannt wird, desto größer sind

die Chancen, einen möglichen Ausbruch

der Seuche in unserem

Schwarzwildbestand erfolgreich zu

bekämpfen“, sagte Nonnemacher.

Dabei spiele die Suche nach verendeten

Wildschweinen eine zentrale

Rolle. Seit Anfang 2018 bekommen

Jäger 30 Euro vom Land für das Auffinden

vom sogenannten Fallwild

und das Entnehmen einer Probe.

In Polen sind nahe der deutschen

Grenzeweitere18Fälle vonAfrikanischer

Schweinepest bei Wildschweinen

nachgewiesen worden. Der Erreger

wurde bei toten Tieren in der

Woiwodschaft Lebus gefunden,

teilte der polnische Veterinärdienst

mit. DieKadaver waren am Wochenende

entdeckt worden. Bei einem

dieser Tiere war ASP bereits nachgewiesen

worden, zudem bei einem

zuvor überfahrenen Wildschwein.

Im Nachbarland Polen trainieren Veterinärmediziner

schon den Ernstfall. PAP

Am Mittwoch wurde die Suche

nach toten Wildschweinen in der betroffenen

polnischen Region nahe

der Grenze zuBrandenburg fortgesetzt.

Rund 100 Freiwillige und

150 Soldaten der polnischen Armee

durchkämmten das Gelände, sagte

Stanislaw Mysliwiec, Vorsitzender

der Landwirtschaftskammer. Polens

Agrarminister Jan Krzysztof Ardanowski

sagte,derzeit werdezuermitteln

versucht, wie das Virus inden

Westen Polens gelangen konnte.

Eine Möglichkeit ist demnach, dass

einer der 1,5 Millionen in Polen arbeitenden

Ukrainer den Erreger in

die Region brachte. Die Arbeiter des

stark von ASP betroffenen Landes

brächten häufig Fleischprodukte aus

der Heimat mit, auch wenn dies zum

Schutz vor der Afrikanischen

Schweinepest verboten sei, so Ardanowski.

An Parkplätzen weggeworfene

Reste vonbelegten Broten würden

vonWildschweinen gefressen.

DieEU-Kommission will sich nun

einen Überblick über die Situation

verschaffen. EinWissenschaftler des

Friedrich-Loeffler-Instituts reise dafür

nach Westpolen, teilte das Bundesforschungsinstitut

mit.

Nureine Frage des Zeitpunkts

DerDeutsche Jagdverband (DJV)rief

zu höchster Wachsamkeit auf. „Es ist

extrem wichtig, dass Landwirte,

Forstwirte, Jäger und Spaziergänger

verdächtige Kadaver sowie Tiere mit

Blut an Haut oder Schnauze sofort

melden“, so DJV-Experte Torsten

Reinwald. Aufmerksamkeit sei nicht

nur in Brandenburgund den anderen

wildschweinreichen Ost-Bundesländern

geboten. Für den Menschen

sind die Virenungefährlich, für Wildund

Hausschweine aber meist tödlich.

Es müsse alles dafür getan werden,

das Einschleppen der Afrikanischen

Schweinepest zu verhindern,

sagte Bernhard Krüsken, Generalsekretär

des Deutschen Bauernverbandes.„Wirsind

in großer Sorge.“ (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 17 *

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Wissenschaft

Die stärksten

Explosionen

des Universums

Extrem energiereiche

Gammablitze erfasst

Mit Spezialteleskopen haben

Forscher extrem starke Gammastrahlenblitzeerfasst.

Es seien die

energiereichsten je gemessenen

Gammastrahlen, berichten zwei

Teams im Fachblatt Nature. Dieauch

Gamma-Ray-Bursts genannten Phänomene

hätten rund 100 Milliarden

Mal so viel Energie wie sichtbares

Licht. Möglich wurden die Messungen,

an denen auch Forscher um David

Berge vom Zeuthener Standort

des Forschungszentrums Desy beteiligt

waren, mithilfe der Teleskope

H.E.S.S. und Magic. Dem Bericht

nach wurden damit erstmals

Gamma-Ray-Bursts mit erdgebundenen

Teleskopen nachgewiesen. Einer

der Blitzewar den Forschernzufolge

mehr als vier Milliarden Jahre–

rund ein Drittel des Alters des Universums

– zu uns unterwegs. Das

Licht des anderen Ausbruchs sogar

sechs Milliarden Jahre.

Gamma-Ray-Bursts sind kurze

Ausbrüche vonGammastrahlung im

Kosmos,die sich etwa einmal täglich

irgendwo im sichtbaren Universum

ereignen. Als Ursache werden kollidierende

Neutronensterne vermutet

oder Supernova-Explosionen von

Riesensonnen, die zu einem SchwarzenLoch

kollabieren.

„Gammablitze sind die stärksten

bekannten Explosionen im Universum

und setzen typischerweise in

wenigen Sekunden mehr Energie frei

als unsere Sonne in ihrer gesamten

Lebensdauer –sie können durch nahezu

das gesamte sichtbare Universum

leuchten“, sagt David Berge,

Leiter der Gammastrahlenastronomie

beim Desy in Zeuthen bei Berlin.

Magic-Teleskope auf La Palma

Einem Team gelang der Nachweis

wenige Sekunden nach der Registrierung

des Blitzes durch Satelliten:

Die am14. Januar 2019 mit den Magic-Teleskopen

auf der Kanareninsel

La Palma beobachtete helle, sehr

energiereiche Gammastrahlung

stamme vonder größten jemals aufgezeichnete

Explosion im Universum,

teilte das Max-Planck-Institut

für Physik in München mit, das die

Teleskope federführend betreibt.

Die zweite Entdeckung gelang

von Namibia aus. Dort erfasste am

20. Juli 2018 H.E.S.S., das größte

Gammastrahlenteleskop der Erde,

das ebenfalls federführend von der

Max-Planck-Gesellschaft betrieben

wird, noch nach mehr als zehn Stunden

das schwache Nachleuchten eines

Gammastrahlenausbruchs. Dieses

Nachleuchten war zuvor nur bei

anderen Wellenlängen beobachtet

worden, etwa mit Radio- oder optischen

Teleskopen.

Gammastrahlenblitze waren in

den 1960er-Jahren zufällig durch Satelliten

entdeckt worden –und werden

durch diese täglich beobachtet.

Satelliten haben aber viel zu kleine

Detektorflächen, um für die sehr geringe

Helligkeit von Ausbrüchen bei

sehr hohen Energien empfindlich zu

sein. Bislang war unklar,obdie Monster-Explosionen

auch noch Gammastrahlung

bei sehr hohen Energien

aussenden. Miterdgebundenen Teleskopen

ließen sich die Gammaquanten

der Blitze bislang nicht beobachten,

weil die Erdatmosphäre sie normalerweise

schluckt. (dpa)

Voller Energie: künstlerische Darstellung

eines Gammablitzes. DESY, SCIENCE COMM. LAB

Die digitale Medizin will die Gesundheit exakt vermessen, um sie zu verstehen –und verbessernzukönnen.

„Es ist der Beginn einer neuen Ära“

Algorithmen und Daten werden die Medizin revolutionieren, sagt Digital-Health-Professor Erwin Böttinger

Die Gesundheitsversorgung

der Zukunft wirdin

Potsdam erdacht, nördlich

des Bahnhofs Griebnitzsee.

Dort hat das Digital Health

Center des privat finanzierten Hasso-

Plattner-Instituts (HPI) und der Universität

Potsdam seinen Sitz. Chef des

Centers ist Erwin Böttinger. Seit der

Mediziner, der lange in den USA

forschte, vor zwei Jahren ans HPI

wechselte, treibt er die Verschmelzung

seines Fachs mit dem Data Engineering

voran. Jüngster Coup: eine

Art Dependance in New York, das

Hasso Plattner Institute for Digital

Health at Mount Sinai. Es wurde im

Frühjahr gegründet, diesen Donnerstag

und Freitag treffen sich die Experten

in Potsdam zu einer Konferenz,

auf der sie ihre Projekte vorstellen

und konkretisieren.

Herr Professor Böttinger, die Hasso-

Plattner-Stiftung investiert15Millionen

Dollar in das Kooperationsprojekt

mit der NewYorker Einrichtung.

Ist das der Preis für die Patientendaten,

die sie von der Icahn School of

Medicine at Mount Sinai bekommen?

Es geht hier nicht um Datenkauf,

sondern umden Aufbau eines wegweisenden

Instituts: das Hasso Plattner

Institute for Digital Health at

Mount Sinai. Es hat seinen Sitz in

New York, die 15 Millionen Dollar

fließen also dorthin. Trotzdem haben

wir hier in Potsdam auch viel davon,

denn es ist ein gemeinsames

Vorhaben. Wir wollen digitale Gesundheitslösungen

entwickeln und

Patienten sowie Gesundheitsversorgung

stärken. Für diese Aufgabe ergänzen

sich unsereKompetenzen.

Bei der Ergänzung spielen die Daten

aber eine wichtige Rolle?

Durchaus. Wir am Hasso-Plattner-Institut

haben viel Exzellenz im

Bereich Datenverarbeitung, aber wir

haben keine Klinik, keine Forschungslabore.

Für anwendungsnahe

Forschung sind wir also auf einen

Partner angewiesen. Und daist

das Mount Sinai Health System ideal,

denn an dieser renommierten Klinik,

an der ich auch mal tätig war,

werden bereits seit mehr als 15 Jahren

umfassende Daten von Patienten

erfasst. Undzwar wird nicht nur

die klinische Behandlung der Patienten

genau dokumentiert, sondern

auch ihre ambulante Versorgung.

Insgesamt liegen elektronische Akten

vonacht Millionen Patienten vor

und sie werden weiter erfasst. Es ist

ein ideales lebendes Labor, das wir

dorthaben.

Und soetwas ließ sich hierzulande

nicht finden?

Deutschland hinkt im Bereich Digitale

Gesundheit hinterher. Das hat

auch eine Studie der Bertelsmann-

Stiftung vor einem Jahr konstatiert

und das beginnt sich erst ein wenig

zu ändern.

Meinen Sie das Gesetz zur Digitalen

Gesundheitsversorgung, das gerade

vomBundestag beschlossen wurde?

Das ist ein erster Schritt in die

richtige Richtung. Es ermöglicht die

Anwendung von Gesundheits-Apps,

wenn –das ist wichtig –deren Nutzennachgewiesen

ist. Undesmacht

Online-Sprechstunden möglich, ein

Bereich in dem Deutschland sehr

rückständig ist. Was die Erfassung

von Daten anbetrifft, bin ich jedoch

nicht mehr ganz so enthusiastisch.

Haben Sie Bedenken wegen der fehlenden

Einspruchsmöglichkeit? Die

Daten werden ja erfasst und gesammelt,

ohne explizit das Einverständnis

der Patienten einzuholen.

Die Diskussion darüber ging in

die falsche Richtung. Dass Krankenkassen

Sozialdaten verarbeiten, ist

nichts Neues und findet bereits auf

vielen Ebenen statt. Wenn bestimmte

regulatorische Voraussetzungen

eingehalten werden, ist in

der Regel keine explizite Einwilligung

des Patienten erforderlich. Das

finde ich nicht problematisch. Was

ich kritisiere ist, dass nun im Ringen

um einen Kompromiss mit den Kritikerndie

Pseudonymisierung der Daten

schlecht geregelt wurde.

ZUR PERSON

Fürchten Sieein Datenleck?

Eher eine Verwässerung oder Verwischung.

Es wurde ja in letzter Minute

festgelegt, dass die Pseudonymisierung

der Klardaten bei den Krankenkassen

erfolgt und nicht an einer

zentralen Stelle.Dadurch verlieren sie

für die Forschung aber an Wert.Denn

die einzelnen Datensätze lassen sich

dann nicht mehr einer einzelnen Person

zuordnen. Unddas macht sie für

viele Ansätzewertlos.

ZumBeispiel?

Wenn es darum geht, herauszufinden,

ob eine bestimmte Medikation

–etwa bei Diabetes oder Bluthochdruck

–den gewünschten Effekt

hat.

Gute Forschungsmöglichkeiten sind

das eine. Aber dabei dürfen doch Datenschutz

und Einspruchsmöglichkeit

nicht auf der Strecke bleiben.

Dassind in diesem Fall aber völlig

überzogene Forderungen. Es geht lediglich

um Abrechnungsdaten, das

wurde in der Diskussion oft nicht

Erwin Böttinger (59) ist seit Herbst2017 Professor for DigitalHealth–Personalized Medicine

und Leiterdes DigitalHealthCenter am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Der gebürtigeBamberger

studierte Medizin an der UniversitätErlangen-Nürnberg und ging 1987 in die USA, wo er

an diversenrenommiertenEinrichtungen forschteund lehrte.2004 wurde er Professor an der

Icahn School of Medicine at Mount Sinai in NewYork. 2015 kehrte er nach Deutschlandzurück

und wurde Professor fürPersonalisierteMedizin an der Charité Berlin und Leiterdes Berlin Institute

of Health.Dortkam es zum Zerwürfnis und er wechselte nach Potsdam. Böttinger ist geschieden.Seine

Ex-Frauist US-Amerikanerin. Mit ihr hat er zwei erwachsene Söhne.

richtig deutlich. Damit lässt sich die

Krankenakte eines Patienten selbst

mit krimineller Energie nicht ausspionieren.

Die hat der Arzt. Anders

ist die Lage bei der elektronischen

Patientenakte, für die ja noch ein

weiteres Gesetz geplant ist. Da geht

es tatsächlich um die Behandlungsdaten.

Für deren Speicherung und

Übergabe an die Forschung muss es

selbstverständlich ein Widerspruchsrecht

geben. Und das geht

auch nicht ohne strengen, aber angemessenen

Datenschutz.

Sind guter Datenschutz und gute Forschungsbedingungen

überhaupt vereinbar?

Die Datenschutzgrundverordnung

der EU bietet den Rahmen dafür.

Esgibt darin klare Regeln –und

die müssen natürlich eingehalten

werden. Ich bin auch zuversichtlich,

dass Entwickler im Bereich Digitale

Gesundheit sichere, zertifizierbare

Technologien fürs Sammeln und

Speichern von Daten entwickeln.

Die Wissenschaft geht gewiss nicht

leichtfertig mit den Bedenken der

Leute um. Zur Ehrlichkeit gehört

GETTY, KAY HERSCHELMANN

aber auch: Absolute Sicherheit kann

niemand garantieren.

Wasgenau ist mit dem Begriff Digital

Health, also Digitaler Gesundheit, eigentlich

gemeint?

Darunter verstehen wir das Zusammenwirken

von digitalen Technologien

mit der Gesundheit, der

Gesundheitsversorgung und dem

Leben überhaupt.Wirwollen die Gesundheit

exakt vermessen, um sie zu

verstehen und die Gesundheit der

Menschen zu verbessern.

Welche Erkenntnisse fehlen denn?

Das medizinische System ist bisher

auf Krankheit ausgerichtet. Wir

stellen Diagnosen und wenden Therapien

an. Wir verstehen aber nicht,

was mit den Menschen im Alltag geschieht

und wie das ihreGesundheit

beeinträchtigt. Stress, Ernährung,

Bewegung, Einsamkeit, Isolation –

all das hat vermutlich großen Einfluss

auf die Gesundheit. Diesen gilt

es zu erfassen, um ihn zu verstehen.

Folgt daraus besserePrävention?

Wir werden Krankheiten besser

vorbeugen können, aber auch die

Therapie individualisieren. Zum Beispiel

müssen wir endlich verstehen,

warum die Hälfte der Bluthochdruckpatienten

unzureichend behandelt

ist. Dafür müssen wir die Daten von

Körper und Geist zusammenführen.

Dasklingt esoterisch. Istesnicht sinnvoller,nach

genetischen Varianten zu

suchen, die erklären, warum bestimmte

Mittel bei einigen Patienten

nicht wirken?

Genforschung ist wichtig, ich

habe sie selbst jahrelang betrieben.

Aber sie erklärt nicht alles. Das werden

wir sehen, wenn wir die Zusammenhänge

zwischen emotionalem,

geistigen Empfinden und Körperreaktionen

genauer erfassen, quantifizieren

und auswerten.

Wiemühsam ist das Vorhaben?

Es ist der Beginn einer neuen Ära.

Das wird dauern, aber gewiss nicht

Jahrzehnte. Unter Einbezug genetischer

Daten können wir sogar bald

erste Erfolge erwarten. Man spürt

schon das Prickeln des ersten großen

Wurfs.

In welchem Bereich könnte der sein?

Vielleicht im neuropsychiatrischen

Bereich, bei Erkrankungen wie

Schizophrenie und Depression. Dazu

gibt es auch ein Projekt mit Mount Sinai.

Maschinelles Lernen, verknüpft

mit persönlichen und genetischen

Daten, soll ein Frühwarnsystem für

Krisen bei psychiatrischen Erkrankungen

ergeben.

DasGespräch führte Anne Brüning.

Bernsteinfund:

Raupe eines

Spannerfalters

Großschmetterlinge gibt es

bisher kaum als Fossilien

Wissenschaftler haben erstmals

ein Exemplar einer Großschmetterlingsraupe

in Baltischem

Bernstein entdeckt. Bei dem 44 Millionen

Jahre alten Fossil handele es

sich um eine Larve aus der Gruppe

der Spannerfalter (Geometridae),

teilte die Zoologische Staatssammlung

München am Mittwoch mit.

Das Team präsentiert den Fund im

Fachblatt Scientific Reports.

Baltischer Bernstein ist in der

Ostseeregion weit verbreitet. Die Insektenlarve

wurde einst in einem

Tropfen Harz eingeschlossen und so

zu Bernstein, der die Raupe über die

Zeiten konservierte.„Raupen-Funde

in Bernstein sind in jedem Fall Seltenheiten,

im Baltischen Bernstein

ist dies überhaupt das erste derartige

Großschmetterlingsfossil“, sagt Mitautor

Axel Hausmann. Das liege

möglicherweise an der nächtlichen

Aktivität der meisten Schmetterlingsraupen.

„Harz war wohl hauptsächlich

bei höheren Tagestemperaturen

und direktem Sonnenlicht

flüssig“, erläutertder Forscher.

DasTeam hat die Larve unter dem

Namen Eogeometer vadens als neue

Art und neue Gattung beschrieben

und innerhalb der großen Familie

der Spanner den Rindenspannern

zugeordnet. Spannerfalter gehören

mit mehr als 23 000 bekannten Arten

zu den drei größten Schmetterlingsfamilien.

(dpa)

44 Millionen Jahre alt: Rindenspanner-

Raupe in Bernstein. MICHALSKI/SNSB –ZSMÜNCHEN

Jeder zweite

Deutsche vertraut

der Wissenschaft

Politik und Medien

schneiden viel schlechter ab

Rund die Hälfte der Bundesbürger

hat einer aktuellen Umfrage zufolge

Vertrauen in Wissenschaft und

Forschung. Mit46Prozent lag dieser

Wert damit deutlich höher als beim

Vertrauen in Politik, Wirtschaft und

Medien, heißt es im neuen Wissenschaftsbarometer

der InitiativeWissenschaft

im Dialog. Dafür wurden

im September rund 1000 Bundesbürger

ab 14 Jahren vom Institut

Kantar Emnid repräsentativ am Telefon

befragt. DenErgebnissen zufolge

bekundeten 17 Prozent der Bevölkerung

Vertrauen in die Politik, 18 Prozent

in die Medien, 27 Prozent in die

Wirtschaft.

Drei von vier Deutschen wünschen

sich vonderWissenschaft eine

Einmischung in öffentliche Debatten

–beispielsweise zum Klimawandel.

Klima und Energie sind auch die

Forschungsfelder, die aus Sicht der

Befragten zukünftig am intensivsten

erforscht werden sollten (41 Prozent),

gefolgt von Gesundheit und

Ernährung (39 Prozent). Diese Werte

sind nach Angaben der Initiativevergleichbar

mit 2017 und waren bereits

vor den großen Klimaprotesten der

vergangenen Monate ähnlich hoch.

Die Umfrage Wissenschaftsbarometer

gibt es seit 2014. Wissenschaft

im Dialog ist eine gemeinnützige Gesellschaft

und entstand auf Initiative

der deutschen Wissenschaftsorganisationen.

(dpa)


18 * Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Handball-Frauen testen für

die Weltmeisterschaft

HANDBALL. Diedeutschen Handball-Frauen

wollen sich bei der WM-

Generalprobe gegen Montenegro

am Donnerstag (19 Uhr/Sport1) mit

einem Sieg gen Japan verabschieden.

DieZeit des Testens ist vorbei,

das unterstrich Bundestrainer Henk

Groener am Mittwoch bei einem

Medientermin im DHB-Trainingslager

in Steinbach.„Ich will nicht mehr

so viel ausprobieren“, sagte der Niederländer:„Wirwollen

unser Spiel

weiter fortführen, die Abwehr weiter

stabilisieren –das ist Grundlage für

ein erfolgreiches Abschneiden bei

der WM.“

Krefeld Pinguine hoffen auf

außergerichtliche Einigung

EISHOCKEY. Diefinanziell angeschlagenen

Krefeld Pinguine aus der

Deutschen Eishockey Liga glauben

mehr denn je an eine außergerichtliche

Einigung mit ihrem umstrittenen

Gesellschafter Michail Ponomarew.

Geschäftsführer Matthias Roos

ist nach der Gesellschafterversammlung

am Dienstag zuversichtlich,

beim nächsten Treffen am 28. November

zu einer Übereinkunft zu

kommen. „Man kann schon sagen,

dass es ein positives Gespräch war.

Sein Anwalt hat uns glaubhaft dargestellt,

dass er daran interessiertist,

das Ganzeeinvernehmlich zu lösen“,

sagte Roos am Mittwoch.

Citroën zieht sich aus der

Rallye-WM-Serie zurück

MOTORSPORT. Citroën sich zieht

vonder Rallye-Weltmeisterschaft

zurück. Da der sechsmalige Weltmeister

Sébastien Ogier den Rennstall

nach der Saison 2019 verlassen

werde, stehe für die Saison 2020 kein

Spitzenfahrer mehr zur Verfügung,

teilte Citroën Racing am Mittwoch

via Twitter mit. Ogier wirdmit einem

Wechsel zu Toyota in Verbindung gebracht.

Dortwar ein Cockpit frei geworden,

nachdem Weltmeister Ott

Tänak zu Hyundai abgewandertist.

Dolphins entlassen Walton

weil er seine Freundin schlug

AMERICAN FOOTBALL. Runningback

Mark Walton ist wegen des gewalttätigen

Übergriffs auf seine

schwangereLebensgefährtin mit sofortigerWirkung

vonden Miami Dolphins

entlassen worden. Walton, der

derzeit vonder NFL wegen Drogenmissbrauchs

gesperrtist, wurde wegen

vorsätzlicher Körperverletzung

angeklagt.

Prekäre Lage

Weil sich auch noch Johannes Thiemann verletzt hat, gerät Alba Berlin an seine personellen Grenzen

VonChristian Kattner

Sie haben relativ deutlich gewonnen

und durch die

nachträgliche Korrektur sogar

noch mit einem Punkt

mehr, als beim Abpfiff auf dem Videowürfel

gestanden hatte. Eigentlich

hätte Marco Baldi entspannt

sein obligatorisches Nachspiel-Getränk

zu sich nehmen können, doch

Alba Berlins Geschäftsführer war

nicht nach großer Freude zumute.

„Ich freue mich natürlich über den

Sieg, aber ich sehe auch, was wir jetzt

vorder Brust haben“, sagte er.

Der zweite Teil des Satzes zielte

auf seine Sitznachbarn ander Stirnseite

des Spielfeldes, von wo er die

Partien stets verfolgt. Am Dienstag

saßen dortdie verletzten Tyler Cavanaugh,

Peyton Siva und Stefan Peno.

Seit Mittwoch ist klar,dass dortauch

wieder Johannes Thiemann Platz

nehmen wird. Der Center musste

kurz vor Ende des dritten Viertels

vom medizinischen Stab in die Kabine

eskortiert und später in ein

Krankenhaus gebracht werden. Da

sich dortneben dem abgebrochenen

Schneidezahn der Anfangsverdacht

einer Gehirnerschütterung bestätigte,

wird erauf unbestimmte Zeit

ausfallen, wie der Verein mitteilte.

Profikader mit 14 Spielern

Ein Zusammenprall mit Wirkung: Michael Ojo, Johannes Thiemann

„Wir spielen jetzt aber im

Zwei-Tage-Rhythmus und das geht so weiter.

Gerade bei der Dichte an Spielen ist das ein

Problem und das kann man auch nicht ewig

kompensieren, die Energie ist endlich.“

Marco Baldi

macht sich Sorgen um die Wettbewernsfähigkeit seines Klubs

aufgrund des aufgeblähten Spielplans.

BERND KÖNIG

„Wir haben Probleme“, sagte Baldi

bereits am Vorabend. Probleme mit

der Länge der Verletztenliste, aber

vorallem auch wegen des Spielplans.

Am Dienstag Belgrad, am Donnerstag

ein Heimspiel gegen Olympiakos

Piräus (20 Uhr) und am Sonnabend

in eigener Halle gegen Oldenburg –

drei Spiele in fünf Tagen. „Normalerweise

verpasst ein Spieler, wenn er

mal zwei Wochen raus ist, zwei

Spiele. Wir spielen jetzt aber im

Zwei-Tage-Rhythmus und das geht

so weiter. Gerade bei der Dichte an

Spielen ist das ein Problem und das

kann man auch nicht ewig kompensieren,

die Energie ist endlich“, sagte

Albas Geschäftsführer.

Einen Profikader von 14Spielern

hat er mit Sportdirektor Himar Ojeda

zusammengestellt, dazu mit Kresimir

Nikic, Malte Delow und Lorenz

Brennecke drei Nachrücker zur Verfügung.

Ausreichend Spieler,möchte

man meinen, um auch durch eine

Saison zu kommen, die durch 34 Euroleague-Partien,

32 Spiele in der

Bundesliga sowie mindestens eine

Pokalpartie aufgebläht ist. Aber

schon in den ersten Wochen gab es

Verletzungsprobleme. Aus dem aktuell

zur Verfügung stehenden Kader

mussten bereits Makai Mason, Martin

Hermannsson, Kenneth Ogbe

und Marcus Eriksson Verletzungen

überwinden. Siva und Thiemann fallen

sogar schon zum zweiten Mal

aus, Cavanaugh muss für drei Monate

pausieren und Peno laboriert

noch an einer schweren Knieverletzung

aus der vergangenen Spielzeit.

BeiPeno hatte man an eine Rückkehr

im November geglaubt, doch ist

die eher auf Anfang 2020 verschoben.

„Bei ihm ist es ein Rantasten“,

sagte Baldi vor wenigen Wochen,

„das Knie wird belastetet und dann

wird geschaut, wie es reagiert. Wenn

es zu starkdarauf reagiert, muss man

wieder ein Stück zurückgehen. Deshalb

ist es auch schwer zu sagen,

wann er wieder spielen kann. Er

weiß es selber nicht.“

Erikssons Rückkehr

Bei all den schlechten Nachrichten

kann sich Alba über die Rückkehr

vonMarcus Eriksson freuen. Zumindest

teilweise. Denn: „Er spielt wieder,

aber nach mehr als einem Monat

Pause ist er nicht in derselben

Verfassung wie vor seiner Verletzung“,

sagte Trainer Aito Garcia Reneses.

Und das gilt für nahezu jeden

Spieler. Ist eine Verletzung erst einmal

auskuriert, geht es an den Formaufbau,

der unterschiedlich lange

dauert. „Es ist sehr schwer einen

Rhythmus aufzubauen, es geht gerade

nur ums Überstehen“, so Baldi,

„es ist eine durchaus prekäre Situation,

da können wir nicht so einfach

drüber hinweggehen.“ Erst recht

nicht, wenn auch die Nachrücker

Probleme haben. „Kresimir Nikic

wäreeine Option, aber er war zuletzt

auch verletzt. Wenn es ihm besser

geht, wird erdabei sein. Aber das ist

nicht das einzige Problem: Auch

Malte Delow hat sich bei unserer

zweiten Mannschaft verletzt und ich

kann nicht spielen“, sagte Coach

Aito mit etwas Galgenhumor.

Die Situation ist nicht neu. Auch

im Vorjahr waren bei Alba reihenweise

die Spieler ausgefallen. Das

wurde mit jungen Spielernwie Franz

Wagner und Jonas Mattisseck sowie

den Nachverpflichtungen von

Landry Nnoko und Derrick Walton

kompensiert. Letzteres scheint nicht

mehr ausgeschlossen, auch wenn

die sportliche Leitung das bislang

ausgeschlossen und stattdessen immer

wieder auf die Breite des Kaders

sowie die Nachwuchsspieler verwiesen

hat. Da sich die Verletzungen

aber auch auf die Ergebnisse auswirken,

sieht Baldi „eine große Gefahr,

dass man weitereFedernlässt“.

Weniger in der Euroleague, wo

Alba Berlin mit drei Siegen und sechs

Niederlagen im Soll liegt, sondernim

Kerngeschäft Bundesliga. Dortdroht

am Sonnabend gegen Oldenburgdie

dritte Niederlage in Serie. Unddann

wird Baldi das Getränk nach dem

Spiel noch weniger schmecken.

ZAHLEN

Eishockey

DEL

Krefeld−Nürnberg

Mannheim−Eisbären

Düsseldorf−Ingolstadt

Wolfsburg −Köln

Augsburg −Bremerhaven

Straubing −Iserlohn

München−Schwenningen

NHL

Do.,19.30

Fr.,19.30

Fr.,19.30

Fr.,19.30

Fr.,19.30

Fr.,19.30

Fr.,19.30

1 München 19 66: 37 52

2 Straubing 19 76: 49 41

3 Mannheim 19 60: 58 32

4 Düsseldorf 19 52: 40 31

5 Eisbären 18 54: 47 31

6 Ingolstadt 19 55: 53 29

7 Nürnberg 19 51: 52 29

8 Bremerhaven 19 48: 50 27

9 Köln 19 42: 55 25

10 Wolfsburg 19 49: 56 22

11 Krefeld 19 52: 63 21

12 Augsburg 19 52: 64 21

13 Iserlohn 19 42: 57 20

14 Schwenningen 18 47: 65 15

Buffalo Sabres -Minnesota Wild 1:4

Florida Panthers -Philadelphia Flyers 5:2

NewJerseyDevils -Boston Bruins 1:5

Pittsburgh Penguins -New York Islanders 4:5 n.V.

Columbus Blue Jackets -Montreal Canadiens 5:2

Detroit Red Wings -Ottawa Senators 3:4

St. Louis Blues -Tampa BayLightning 3:1

Nashville Predators -Winnipeg Jets 1:2

ChicagoBlackhawks -Carolina Hurricanes 2:4

Dallas Stars -Vancouver Canucks 6:1

CalgaryFlames -Colorado Avalanche 2:3

VegasGolden Knights -Toronto Maple Leafs 4:2

San Jose Sharks -Edmonton Oilers 2:5

Handball

Bundesliga

SG Nordhorn−Flensburg

Magdeburg −Füchse

Melsungen−Göppingen

Bergischer HC −Lemgo

HSG Wetzlar −Minden

THW Kiel −Leipzig

RN Löwen−Stuttgart

Balingen−Ludwigsh.-Friesenheim

Do.,19.00

Do.,19.00

Do.,19.00

Do.,19.00

Sa.,20.45

So.,13.30

So.,16.00

So.,16.00

1 Flensburg 13 342: 302 20: 6

2 Hannover 13 374: 346 20: 6

3 THW Kiel 11 340: 287 18: 4

4 Magdeburg 13 406: 361 18: 8

5 RN Löwen 13 369: 339 18: 8

6 Melsungen 13 361: 363 17: 9

7 Füchse 12 339: 301 16: 8

8 Leipzig 13 368: 370 16:10

9 Bergischer HC 13 350: 355 13:13

10 Göppingen 13 338: 343 11:15

11 HSG Wetzlar 11 316: 320 10:12

12 Erlangen 12 310: 318 10:14

13 Balingen 12 343: 356 10:14

14 Minden 13 347: 358 10:16

15 Stuttgart 12 302: 340 6:18

16 Lemgo 13 345: 382 6:20

17 Ludwigsh.-Fr. 13 305: 346 5:21

18 HSG Nordhorn 13 310: 378 2:24

Volleyball

DVV-Pokal, Viertelfinale

VfB Friedrichshafen -BRVolleys * 0:3

Bisons Bühl -Herrsching* 1:3

Powervolleys Düren* -United Volleys Frankfurt3:1

TV Rottenburg *-Grizzlys Giesen 3:1

*Mannschaften sind im Halbfinale (8. Dezember)

Erst dieAusbildung, dannder Job.

Auf azubis.de freieAusbildungsplätze finden!


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 19 *

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Sport

Mehr

als

nur Papier

Die BR Volleys erreichen das

Halbfinale des DVV-Pokals

Anders als beispielsweise der

Deutsche Ruder-Verband gehört

der Deutsche Volleyball-Verband

(DVV) zu den Sportverbänden, in

denen sich die Verantwortlichen erst

mal ein Loch in den Bauch freuen

können über die durchaus überraschenden

Ergebnisse der Potenzialanalyse

(Potas). Die Evaluierung der

26 olympischen Sommersportarten

heizt nun die Diskussion um den

Sinn oder Unsinn der deutschen

Leistungssportreform aufs Neue an.

Ruder-Präsident Siegfried Kaidel,

dessen zuletzt durchaus medaillenträchtiger

Verband bei der Bewertung

der Struktur auf dem letzten

und der Beurteilung des Kaderpotenzial

auf dem viertletzten Platz

landete, sagte jedenfalls: „Ich habe

den Eindruck, dass Potas vorrangig

das Produzieren vonPapier und Formalismen

positiv bewertet.“

Offenbar haben die Volleyballer

bessere Antworten auf die 132 Fragen

in die Bögen notiert. In Sachen

Struktur landete der DVV als beste

Spielsportart auf Rang acht, in der

Rubrik Kaderpotenzial/Leistungsentwicklung

auf Rang neun.

Nicht eingeflossen ist in die Evaluation

natürlich die Leistungsentwicklung

der BRVolleys,die am Mittwochabend

ihre Dominanz in der

deutschen Liga auf ziemlich eindrucksvolle

ArtundWeise fortgesetzt

haben. Das Pokal-Viertelfinale beim

VfB Friedrichshafen hakten sie in einer

Stunde und 19 Minuten mit 3:0

(25:20, 25:21, 25:22) ab. Mit dem selben

Ergebnis hatten sich die Berliner

bereits im Supercup gegen den Rivalen

vomBodensee durchgesetzt.

Wobei die Überlegenheit der BR

Volleys am Mittwochabend einmal

mehr auf die glänzende Regieleistung

von Zuspieler Sergej Grankin

zurückzuführen war. Der Russe

setzte seine Angreifer prima in

Szene. Die meisten Punkte beim

deutschen Meister hatte am Ende

Außenangreifer Samuel Tuia mit 16

Zählern, der immer wieder Bälle aus

dem Hinterfeld in der Hälfte des VfB

versenkte. Damit haben die BR Volleys

wettbewerbsübergreifend in elf

Spielen nun elfmal gewonnen.

TopLeistung am Bodensee: Berlins Libero

Julian Zenger.

CITY PRESS/MORITZ EDEN

Interessant zu beobachten war

der Vergleich zwischen den beiden

Liberos. Denn auf dem Weg zur

Olympiaqualifikation, die ab 5. Januar

in Berlin ausgespielt wird, hat

Bundestrainer Andrea Giani gerade

Markus Steuerwald, den Libero des

VfB Friedrichshafen, nach langer

Pause zurück ins Nationalteam geholt.

Zuletzt spielte der 30-Jährige im

Mai2017 für Deutschland.

Seine Position hatte danach Berlins

Libero Julian Zenger, 22, ausgefüllt,

der auch beim deutschen Meister

zuletzt überzeugend auftrat. Der

junge Kerl hatte am Mittwoch exakt

die gleichen Annahmewerte wie

Steuerwald. Wersich bei der Olympiaqualifikation

durchsetzt? Am besten

der DVV. Denn Teil drei vonPotas

beschäftigt sich –nach Olympia in

Tokio –mit dem Erfolg der Verbände.

Bei denen liegt derzeit übrigens der

Deutsche Badminton-Verband, der

noch nie eine Olympiamedaille gewann,

ganz vorn. (kah. mit sid)

Christopher Lenz ist als Linksverteidiger bei Union gesetzt. Im Derbyließ er unter anderen Herthas Dodi Lukebakio nicht zur Entfaltung kommen.

Frust unter Favre

Unions Christopher Lenz stand lange bei Mönchengladbach unter Vertrag. Das weckt jetzt Erinnerungen

VonMax Ohlert

Christopher Lenz ist dieser

Tage ein gefragter Mann.

Das Telefon des Linksverteidigers

vom1.FCUnion

mochte vordem Duell mit Tabellenführer

Borussia Mönchengladbach

(Sonnabend, 15.30 Uhr, Stadion An

der Alten Försterei) gar nicht mehr

stillstehen. Und noch immer kommen

neue Anfragen, ob Lenz nicht

noch Karten für diesen oder jenen

organisieren könne. „Am Ende

musste ich ein oder zwei Bitten leider

abschlagen“, gibt der 25-Jährige

zu. Zwölf Ticketwünsche konnte der

gebürtige Marienfelder aber erfüllen

für das Duell gegen seinen ehemaligen

Verein.

Unterdrückter Groll

Lenz hätte in den vergangenen Wochen

auch eine Loge in der Alten

Försterei anmieten können, denn

das Duell mit den Borussen ist das

dritte Heimspiel in Folge, dass der

frühere U19-Nationalspieler gegen

einen alten Arbeitgeber bestreitet.

Anfang November ging es im Derby

gegen Hertha BSC, wo er seine komplette

Jugendausbildung verbracht

hat. In der Länderspielpause testeten

die Eisernen gegen Holstein Kiel,

wo Lenz in anderthalb Jahren als

Leihspieler reifte.

An diese beiden Klubs hat der

Linksverteidiger gute Erinnerungen.

Bei Borussia Mönchengladbach, wo

er vier Jahre inder U19 und der U23

kickte, ist das anders. Noch heute,

drei Jahre nach seinem Abschied

vom Niederrhein, ist Lenz die Enttäuschung

darüber anzumerken, bei

den Gladbachern nie eine faire

Chance im Profiteam bekommen zu

haben. „Vielleicht hat es damals einfach

nicht gereicht, vielleicht war ich

noch nicht so weit“, sagt er und ver-

sucht sich in den Tagen vor dem

Spiel zwar diplomatisch daran, keinen

längst vergangenen Groll wieder

heraufzubeschwören. Zugleich betont

er jedoch: „Ich wäre inMönchengladbach

gerne Profi geworden.

Doch leider habe ich vonTrainer Lucien

Favrenicht die Aufmerksamkeit

und die Chance bekommen, die ich

mir gewünscht hätte.“

Der Schweizer, heute Trainer bei

Borussia Dortmund, setzte damals

auf Kapitän Filip Daems und den

schwedischen Nationalspieler Oscar

Wendt. Lenz’bitteres Highlight unter

Favre: „Ausgerechnet vor einem

Spiel gegen Hertha BSC fielen Daems

und Wendt verletzt aus. Ich

durfte von Montag bis Donnerstag

mit der ersten Elftrainieren, war bereit

für mein Debüt als Gladbach-

Profi – doch Daems wurde doch

noch fit und ich musste wieder in die

zweite Mannschaft.“

Selbst als der Belgier 2015 in seine

Heimat zurückkehrte, verpflichtete

Mönchengladbach lieber Nico

Schulz von Hertha BSC, als Lenz die

Möglichkeit zu geben, sich zumindest

als Ersatzmann für Wendt, mit

dem er sich noch heute gut versteht,

Innige Umarmungen

AFP/SCHWARZ

zu etablieren. Stattdessen wurde er

in die U23 der Fohlen geschickt,

sollte mithelfen, deren Aufstieg aus

der Regionalliga West in die Dritte

Liga zu verwirklichen. „Das war damals

das große Ziel für Manager Max

Eberl, deshalb durfte ich den Verein

auch nicht verlassen, als es schon Interessenten

für mich gab“, erklärt

der Verteidiger, dem das seinerzeit

jedoch zu wenig Ansporn war. „Ich

musste einfach wechseln, um noch

Profifußballer zu werden.“

Freunde am Niederrhein

Zurück im heimischen Berlin fand

Lenz dann sein Glück. Die Eisernen

förderten ihn vonAnfang an, organisierten

das Leihgeschäft mit Kiel, damit

sich der talentierte Linksfuß in

einem ruhigen Umfeld weiterentwickeln

kann. Dann ließen sie ihm in

der Aufstiegssaison Zeit, von einem

erfahrenen und vorbildlichen Profi

wie KenReichel zu lernen und gaben

ihm dann die Chance auf einen

Stammplatz.

Noch immer hat Lenz viele

Freunde am Niederrhein: Profis wie

Lars Stindl, Nico Elvedi oder Patrick

Herrmann gehören dazu. Underbetont

geradezu beschwichtigend: „Für

mich ist das am Sonnabend ein ganz

normales Spiel. Ichgehe da ohne besondere

Emotionen ran.“ Dennoch

dürfte er Ambitionen haben, Borussia

Mönchengladbach zu zeigen, was

man sich entgehen hat lassen.

Das deutsche Tennisteam gewinnt zum Auftakt des reformierten Davis Cup gegen Argentinien 2:0

Plus: Die StadionbetriebsAG

„An der Alten Försterei“ wird

mit einem leichten Plus aus

dem Geschäftsjahr 2018/

2019 gehen. Das gaben Vorstand

und Aufsichtsrat auf

der ordentlichen Jahreshauptversammlung

bekannt.

Auch ohne Spitzenspieler Alexander

Zverev haben die deutschen

Tennis-Profis bei der Davis-Cup-

Endrunde in Madrid einen perfekten

Start hingelegt. Gegen Argentinien

stand der Sieg der Mannschaft von

Teamchef Michael Kohlmann am

Mittwoch bereits nach den beiden

Einzeln fest. Nachdem Philipp Kohlschreiber

in der ersten Partie gegen

Guido Pella 1:6, 6:3, 6:4 gewonnen

hatte,sicherte Jan-LennardStruff im

Spitzenduell gegen Diego Schwartzman

seinem Team den entscheidenden

zweiten Punkt. Die deutsche

Nummer eins setzte sich nach einer

starken Leistung mit 6:3, 7:6 (10:8)

durch.

Das anschließende Doppel mit

Kevin Krawietz und Andreas Mies

hatte für den Ausgang der Partie daher

keine Bedeutung mehr. Dennoch

könnte ein Sieg im Doppel

wichtig sein, da neben den sechs Gewinnern

der Dreier-Gruppen auch

die beiden besten Zweiten das Viertelfinale

erreichen. Und dafür kann

jeder einzelne Erfolg bedeutsam

sein. Allerdings gehen

die Deutschen

selbstbewusst in das

zweite Gruppenspiel

gegen Chile an diesem

Donnerstag (11

Uhr Uhr/DAZN).

„Wir wollen nicht

rechnen. Wir wollen

Erster werden“,

sagte Kohlschreiber.

Chile hatte zum Auftakt

gegen Argentinien

0:3 verloren.

STADIONBETRIEBS AG MACHT GEWINN

Im deutschen

Spiel gegen Argentinien gewann

Kohlschreiber etwas überraschend

zum Auftakt gegen Pella. Nach einem

für ihn sehr komplizierten Jahr

mit vielen Verletzungen tat dem 36

Plausibel: Hierbei kommt

die AG auf einen Überschuss

von37406 Euro. Vorstand

und Aufsichtsrat wurden von

den anwesenden Stadion-

Aktionären erwartungsgemäß

am Mittwochabend Entlastung

erteilt.

Problem: Keine Neuigkeiten

gabeshingegen in der Frage

des Stadion-Umbaus. Weiterhin

sei die sehr schwierige

Verkehrssituation in Köpenick

das größte Problem, erklärte

Vorstandschef Dirk

Thieme.

Jahre alten Augsburger der Erfolg

ganz besonders gut. „Ich habe

schlecht angefangen, mich dann

aber gesteigert. Ich habe schon die

vergangenen drei,

vier Wochen im Training

gut gespielt.

Schön, dass ich das

heute umsetzen

konnte“, sagte der

Routinier, der nach

seinem Erfolg

Deutschlands Tennis-Legende

Boris

Becker erleichtert

um den Hals fiel.

Philipp Kohlschreiber hat das Kohlschreiber erwischte

vor lediglich

erste Spiel gewonnen.

rund 1500 Zuschauernimzweitgrößten

Stadion der Anlage

La Caja Magica einen miserablen

Start und gab den ersten Satz

nach vielen einfachen Fehlern bereits

nach 36 Minuten ab.Doch dann

AP/ARMANGUE

steigerte sich die deutsche Nummer

zwei und agierte wesentlich druckvoller.„Daswar

am Ende der Schlüssel.“

Mit dem Rückenwind des ersten

Punktes trumpfte dann auch Struff

gegen den Weltranglisten-14.

Schwartzman groß auf. Diedeutsche

Nummer eins ging schnell mit 3:0 in

Führung und holte sich ohne Mühe

den ersten Durchgang. Im zweiten

Abschnitt musste Struff dann deutlich

härter arbeiten, weil sich

Schwartzman steigerte. Beim Stand

von5:4 vergab der Warsteiner bereits

einen Matchball, ließ sich davon

aber nicht aus der Ruhe bringen.

Auch als er im Tiebreak beim Stand

von 7:8 Satzball gegen sich hatte,

blieb Struff ruhig. Mit dem vierten

Matchball machte er den Erfolg

dann perfekt. „Ich wusste, dass ich

heute richtig gut spielen muss. Das

ist mir gelungen“, sagte Struff. (dpa)

Neuer

Rhythmus nach

der WM

In Cottbus versammelt sich

die deutsche Turn-Elite

Das traditionsreiche „Turnier der

Meister“ geht an diesem Donnerstag

in seine 44. Auflage. Bis

Sonntag werden sich Turner vonnationalem

und internationalem Rang

in Cottbus versammeln. Danach legt

das Turnier eine Pause bis 2021 ein.

Ob es im übernächsten Jahr erneut

den Weltcup-Status erhält, bleibt

vorerst offen. „Wir sind dabei, uns

dem neuen Olympia-Qualifikationsmodus

für 2024 anzupassen. Für

Cottbus bedeutet das,dass wir Ende

2020 kein Turnier ausrichten und

uns Mitte kommenden Jahres für die

Einzel-Weltcup-Serie, beginnend ab

Frühjahr 2021, neu bewerben“, sagt

Wolfgang Willam, Sportdirektor des

Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Doch unabhängig vom Ausgang

der Bewerbung wird das Turnertreffen

in Cottbus weiterleben. „Die Beliebtheit

unseres Turniers wirdungebrochen

bleiben. Es hat sich eine

Tradition entwickelt, die zu einer

Herzensangelegenheit für alle Beteiligten

geworden ist“, sagt Turnierdirektor

Mirko Wohlfahrt. Schließlich

gab es die Veranstaltung auch schon,

bevor die Weltcup-Serie überhaupt

ins Leben gerufen wurde.

Auch der ähnlich renommierte

DTB-Pokal in Stuttgartsteht vorUmwälzungen.

Denn die Mehrkampf-

Weltcup-Serie, zu der das sogenannte

Wimbledon des Turnens bislang

gehörte, ist für die Olympia-

Qualifikation nicht mehr relevant

und hat somit für den DTB an Bedeutung

verloren. Sportdirektor Willam

sagt: „Wir arbeiten an einem

neuen Format ab 2021.“

Bereit für Cottbus: Lukas Dauser will einen

positiven Jahresabschluss. IMAGO IMAGES

Sechs Wochen nach der Weltmeisterschaft

in Stuttgart nutzen

viele Weltklasseathleten den Wettkampf

in Cottbus, umPunkte für einen

Einzelstart bei Olympia 2020 in

Tokio zu sammeln. Zu ihnen gehören

der Niederländer Epke Zonderland,

Goldmedaillengewinner am

Reck 2012 in London, sowie Oleg

Wernjajew aus der Ukraine, Barren-

Olympiasieger der Spiele von Rio de

Janeiro2016.

Für Lukas Dauser ist der Auftritt

in der Lausitz-Arena auch eine gute

Gelegenheit, seinen WM-Sturz vom

Barren bei der WM zu verarbeiten.

Auf Medaillenkurs turnend, musste

der Unterhachinger im Barren-Finale

das Gerät vorzeitig verlassen

und verpasste den realistischen Platz

auf dem Siegertreppchen. „Daraus

habe ich Konsequenzen gezogen

und meine Übung ein wenig umgestellt.

Ich will so in einen neuen

Rhythmus kommen und dadurch

nicht mehr in die alten Gedanken

verfallen“, sagt der 26-Jährige, der

schon vor drei Jahren in Cottbus am

Barren Bronzegewann.

Noch ernster dürfte Sophie Scheder

ihren Auftritt beim „Turnier der

Meister“ nehmen. DieOlympiadritte

von Rio am Stufenbarren verpasste

wegen einer kurzfristigen Verletzung

ihre WM-Teilnahme. Eine Woche

habe sie gebraucht, um die verpasste

Chance abzuhaken und sich wieder

auf Olympia zu fokussieren“, sagte

die 22-Jährige aus Chemnitz. (sid)


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 – S eite 20 *

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Sport

Feier mit

einem Stück

Stoff

Wales qualifiziert sich für die

EM 2020. Es ist erst das dritte

große Turnier für die kleine

Fußballnation –und eine

Chance für die jungen Spieler

VonHendrik Buchheister

Jubelknubbel: Die walisische Nationalelf feiertden 2:0-Sieg gegen Ungarnund die damit verbundene direkte Qualifikation für die Europameisterschaft 2020.

WITTERS/STACCPOLE

Ryan Giggs hat in seiner langen

und illustren Spielerkarriere

bei Manchester

United alles gewonnen,

was es zu gewinnen gibt. Er war dreizehn

Malenglischer Meister,viermal

FA-Cup-Sieger, triumphierte zweimal

im Finale der Champions

League, triumphierte ebenso im

Weltpokal und bei der Klub-WM.

Sein Leben ist überaus reich an großen

Momenten, und am Dienstagabend

ist im Stadion vonCardiff City

ein weiterer dazu gekommen, mit

dem Unterschied allerdings, dass

Ryan Giggs diesmal nicht auf dem

Platz stand, sondernvon der Trainerbank

zuschaute.

Die von ihm betreute Nationalmannschaft

seines Heimatlandes

Wales gewann ihr Endspiel um die

Teilnahme an der Europameisterschaft

gegen Ungarn2:0 und sicherte

sich damit die Zulassung für das Turnier,das

im kommenden Sommer in

zwölf Ländernausgetragen wird.

Nach der Weltmeisterschaft 1958

und der EM 2016, bei der die Waliser

Termin: Am 30. November

werden die Gruppen der Europameisterschaft

2020

ausgelost. Zwölf Gastgeberländer

wird es geben, dadurch

entstehen Zwänge.

Auch in Bezug auf Deutschland

im ersten Lostopf.

DEUTSCHE KONSTELLATIONEN

Töpfe: Deutschland ist mit

Italien, Belgien, England,

Spanien und der Ukraine in

einem Topf. Gruppengegner

können unter anderen Frankreich,

Kroatien und Portugal

sein. Gelost wird aus vier

Töpfen.

Topstart: Durch das 2:0 der

Nationalelf vonWales gegen

Ungarnund die damit verbundene

Qualifikation steht

bereits fest, dass die deutsche

Elf gute Startbedingungenhat.Alle

drei Gruppenspiele

sind in München.

sensationell bis ins Halbfinale vorgerückt

waren, ist es erst das dritte Mal,

dass die kleine Nation bei einem bedeutenden

Turnier dabei ist. Ryan

Giggs offenbarte nach geglückter

Qualifikation einen Gefühls-Mix aus

Erleichterung und Euphorie, als er

sagte: „Ich habe als Spieler viel erreicht,

aber als Trainer ist es anders.

Man steht unter viel größerem

Druck, man ist hilflos.Esist eine der

größten Nächte meines Lebens.“

Giggs schnaufte.

Die EM-Qualifikation ist ein persönlicher

Sieg für den 45 Jahre alten

Übungsleiter.Viele Fans waren skeptisch

und sind es nach wie vor. Sie

fragten sich, warum der Verband

Giggs im Januar des vergangenen

Jahres zum Nachfolger vonChris Coleman

gemacht hatte. Schließlich

genießt der seit der Europameisterschaft

2016 Heldenstatus in Wales.

DerVorwurfanGiggs war schwerwiegend,

er lautete: fehlende Loyalität

zur Nationalmannschaft in seiner

aktiven Karriere. AlsBeleg für diesen

Tatbestand wurden seine vielen Ausfälle

bei Freundschaftsspielen angeführt.

Die Ergebnisse zum Start der

EM-Qualifikation eigneten sich

nicht zur Steigerung seiner Popularität.

Nach Niederlagen gegen Kroatien

und Ungarn im Juni stand es

schlecht um die Chancen derWaliser

auf die Teilnahme am Turnier im

Sommer.

Doch Ryan Giggs hat noch einmal

die Kurve bekommen, von den letzten

fünf Partien der Qualifikation

ging keine mehr verloren. Beim erlösenden

Erfolg nun gegen Ungarn

durch zwei Treffer von Juventus-

Profi Aaron Ramsey gelang der walisischen

Mannschaft, woran viele Generationen

zuvor gescheitert waren:

Sie gewann vor heimischem Publikum

ein Alles-oder-Nichts-Spiel und

bestand damit den Charaktertest.

„Es war kein Platz für Fehler. Die

Jungs haben große Hingabe und

Qualität gezeigt. Der Applaus gebührtihnen“,

sagte Giggs am Dienstagabend.

Auch seiner Leistung gilt allerdings

Beachtung. Ryan Giggs hat einen

Umbruch vollzogen, indem er

verdiente Profis wie den einstigen

Kapitän Ashley Williams, Rekordnationalspieler

Chris Gunter oder Angreifer

HalRobson-Kanu ersetzt hat.

Dafür integrierte er viele junge

Kräfte oder ist noch dabei, sie zu integrieren.

Beispiele sind die offensiven

Flügelspieler Daniel James von

Manchester United und Harry Wilson,

der vom FC Liverpool nach

Bournemouth verliehen worden ist.

Auch die in der Bundesliga beschäftigten

Ethan Ampadu vom RBLeipzig

und Rabbi Matondo vom FC

Schalke 04 dürfen als ein Beleg für einen

erfolgreichen Generationswechsel

in der walisischen Auswahl

gelten.

Der größte Star der Mannschaft

ist allerdings nach wie vor der 30

Jahre alte Gareth Bale von Real Madrid,

und es passte ins Bild, dass ihm

nach der gelungenen Qualifikation

die Aufmerksamkeit gehörte.Der Offensivmann

im reifen Fußballeralter

ist bei seinemVerein schon lange unglücklich.

Eigentlich sollte er im Sommer

nach China abgeschoben werden,

doch der Transfer platzte. Das

Establishment bei Real bezichtigt

Bale, falsche Prioritäten zu setzen.

„Zuerst denkt er an Wales, dann ans

Golfspielen und erst danach an Real

Madrid“, bemerkte gerade Real-Legende

Predrag Mijatovic in der

Sportzeitung AS.

Wales,Golf, Madrid. Daswar eine

wunderbareVorlage für die Fans der

Waliser. Sie haben einen Gesang mit

diesen dreiWorten gedichtet und gestalteten

eine entsprechende Fahne.

Nach demSieg gegen Ungarnfeierte

die Mannschaft mit diesem Stück

Stoff, auch Bale war dabei und wirkte

genau so ausgelassen wie die Kollegen.

Es war eine offene Provokation

gegen seinen Klub am Ende einer

großen Nacht.

Der Spaßaussauger

Bei Tottenham Hotspur folgt Trainer José Mourinho auf Mauricio Pochettino. Ein spektakuläres Experiment in einem Klub der Premier League, der sich Sparsamkeit verordnet hat

VonHendrik Buchheister,Manchester

Auch ohne Verein ist José Mourinho

präsent gewesen in der

englischen Öffentlichkeit in den vergangenen

Wochen. EinWettanbieter

startete eine Werbekampagne mit

dem Trainer aus Portugal in der

Hauptrolle, außerdem arbeitete der

einstige Special One als Experte bei

den Übertragungen des Senders Sky

Sports. Mourinho inszenierte sich

als selbstironisch, charmant und

fachkundig. Er verfolgte offensichtlich

das Ziel, sein ramponiertes Ansehen

in England zu sanieren, nachdem

er nach seinem Aus bei Manchester

United vor elf Monaten

schon als erledigt galt, als Trainer

vonvorgestern, nicht zu vermitteln.

Die PR-Kampagne in eigener Sache

führte in Rekordzeit zum Erfolg.

Tottenham Hotspur stattete Mourinho

jetzt als Ersatz für den abberufenen

Mauricio Pochettino mit einem

Vertragbis 2023 aus.Der Wechsel

vollzog sich am Dienstagabend

und Mittwochmorgen als Donnerschlag

in zwei Akten und ist eine der

spektakulärsten Personalien, die

Englands Fußball in den vergangenen

Jahren erlebt hat. Er könnte Tottenhams

Fan-Gemeinde spalten.

Die Entlassung Pochettinos gilt

vielen als Zeichen für die brutale

Schnelllebigkeit des Fußballs. Der

Argentinier hat bei Tottenham Wunder

bewirkt in fünfeinhalb Jahren,

hat den Klub trotz finanzieller Unterlegenheit

gegenüber der Konkurrenz

zu einem Spitzenverein und zum

Dauergast in der Champions League

gemacht. Höhepunkt seiner Amtszeit

war der Marsch ins Finale in der

vorigen Saison (0:2 gegen den FC

Liverpool). Dass Pochettino mit den

Spurs keinen Titel holte, stellt sein

Werk nicht grundsätzlich in Frage.

Die Trennung war dennoch unvermeidbar.

Das ganze Jahr über

Da lächeln beide noch: José Mourinho (l.) folgt auf Mauricio Pochettino.

präsentierte sich Tottenham in der

Premier League in der Form eines

Abstiegskandidaten. Denbisher letzten

Auswärtssieg im nationalen Betrieb

gab es im Januar. Die Mannschaft

steht nach fünf sieglosen Spielen

nacheinander auf dem 14. Tabellenplatz

hinter Burnley, Brighton &

WITTERS/ATKINS

Hove Albion und Newcastle United.

Dazu kommen Blamagen wie das

Aus imLigapokal gegen den Viertligisten

Colchester United und das 2:7

in der Champions League gegen den

FC Bayern.

Pochettino hat immer wieder die

Sparsamkeit von Klubchef Daniel

Levy beklagt und genoss es vorige

Saison, als Kandidat bei Manchester

United und Real Madrid gehandelt

zu werden. Anfang Juni kokettierte er

offen mit seinem Abschied. Auch soll

es Irritationen im Verein ausgelöst

haben, dass sich der Trainer gleich

nach der Niederlage gegen Liverpool

in den Urlaub absetzte,anstatt seine

Spieler bei der Trauerbewältigung zu

unterstützen. Kein Wunder, dass

Leistungsträger wie Christian Eriksen,

JanVertonghen und Toby Alderweireld

den Klub verlassen wollen.

Trotzdem wird Pochettino als Held

in Tottenhams Geschichte eingehen

und dürfte schnell eine Anschlussbeschäftigung

finden.

Anders als der Argentinier hat

Nachfolger Mourinho den Ruf, Pokale

zu garantieren. Er gewann mit

dem FC Portound Inter Mailand die

Champions League, führte den FC

Chelsea zu drei Meisterschaften und

bescherte Manchester United die

bisher letzten Trophäen mit Erfolgen

im Supercup, imLigapokal und in

der Europa League.Allerdings bieten

sein auf Zerstörung ausgelegter Fußball,

die kalte Menschenführung und

die egozentrische Art Konfliktstoff.

DieDaily Mail fürchtet:„Es istWahnsinn,

dass Tottenham José Mourinho

verpflichtet hat. Er wird das Leben,

die Seele und den Spaß aus der

Mannschaft saugen und alles ruinieren,

was Pochettino aufgebaut hat.“

Auch wird es interessant zu sehen

sein, wie die Zusammenarbeit mit

dem sparsamen Levy funktioniert.

Bei Manchester United klagte Mourinho

trotz teurer Verpflichtungen

wie Paul Pogba, Romelu Lukaku oder

Fred über mangelnden Rückhalt auf

dem Transfermarkt. Tottenham gelang

vorige Saison das Kunststück,

überhaupt kein Geld für neue Spieler

auszugeben und erfolgreich zu sein.

Pochettino nutzt das ein knappes

halbes Jahr danach nichts mehr.


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

NIkolaus Bernau hörte

fünf Architekten auf

dem Blauen Sofa zu

Seite 23

„Als spürten die Fahrer schneller Autos, dass ihre Ära zu Ende gehe ...“

Der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler über das Tempolimit Seite 22

Documenta 15

Das deutsche

Wohnzimmer

Ingeborg Ruthe liest diese

asiatische Kunstbotschaft

als anregende Ironie.

Was wohl würde der Menschenbeobachter

Carl Einstein zu

dieser Kunstinstallation anno 2019

sagen? Dass sich der deutsche Spießer

darüber ärgert? Sich wundert?

Gar wohlfühlt in diesem Kasseler

Wirtschaftswunder-Wohnzimmer?

Besucher sollen in Plüschsesseln

auf dem Orientteppich Platz nehmen,

vor den Volant-Vorhängen,

dem Teetischchen, der Kirschbaumholz-Kommode

mit Spitzendeckchen,

Nippes und Topfpflanzen. Gemütlichkeit

–kontrastiert von Funktionsleuchten.

Und vom tulpenförmigen

Plastiktisch des

skandinavischen Designers Saarinen.

Willkommen in der deutschen

Wohnstube der 50er-und 60er-Jahre.

Zu verdanken haben wir das nostalgische

Ambiente dem indonesischen

Kollektiv „ruangrupa“, Macher

der Documenta 15 im Jahr 2022.

Deren kurioser Einfall ist irritierendes

Zentrum der Schau „about: documenta“

im Kasseler Fridericianum,

die durch die Geschichte der

Weltausstellung seit Gründung 1955

durch Arnold Bode führt.

So also sehen Asiaten, deren Heimat

einst von Westeuropäern kolonialisiertworden

war,die Deutschen

in ihrer gemütlichen Privatsphäre.

Nehmen wir es als anregende oder

auch aufstörende Ironie? Als Fingerzeig,

dass das Erfinderland Deutschland

in Nostalgie verharrt, derweil in

fernen Hemisphären die Innovationen

passieren? Die indonesischen

Kuratoren lächeln höflich – und

schweigen vielsagend.

Ein deutsches Wohnzimmer um 1960,

Ausblick auf die Documenta 2022

DPA

Was soll man als Pianist

tun, wenn man anderthalb

Stunden alles

gegeben hat, die Seele,

den Soul, den Groove und die Andacht,

und die Leute einfach stehen

bleiben und nicht aufhören wollen

zu klatschen? Abdullah Ibrahim verharrte

einige Minuten still lächelnd

vor seinem Flügel in der Philharmonie,das

demütig zenartige Anthrazit

lose am Körper, die 85 Jahre alten

Haareweiß, die Hände vorder Brust.

Dann hob er eine ans rechte Ohr –

und sang: Ein ergreifendes Medley

aus afrikanischem und amerikanischem

Gospel, mit einer zerbrechlichen

Stimme, die dabei wie zuvor

sein Spiel viel entschlossener klang,

als sein Schritt aussah, mit dem er

danach vonder Bühne schuffelte.

Die Philharmonie war ein angemessener

Ort für dieses Konzert.

Und ein eigenartiger zugleich. Mit

einer sonst nur bei Keith Jarrett üblichen

Strenge wachten die Ordner

über den Zugang. Ich kam genau

eine Minute nach acht Uhr und

musste bis zur Pause draußen bleiben:

Einlass nach dem ersten Applaus,

hieß es –nur spielt Ibrahim

seine Solosets bekanntlich durch.

Innig und hauchzart

Die erste Dreiviertelstunde verbrachte

ich also grämlich vor Bildschirmen,

die dem zarten, innigen

Geschehen im Saal nicht beikamen.

Zu meinem Glück bin ich zum zweiten

Teil in der Philharmonie geblieben.

Ibrahims Solomusik verdient

und beseelt einen solchen Raum.

DieNuanciertheit, die Dynamik zwischen

hauchzartem und unerwartet

druckvollem Anschlag, die Feinheit,

mit der er seine Harmonien arrangiert,

wirken wie stille Meditationen.

In seinem Erfindungsreichtum

(und dem Mitsummen) erinnert er

durchaus an Keith Jarrett. Aber wo

Jarrett schwelgt und sprudelt, versenkt

sich Ibrahim tief in den einzelnen

Ton, baut weite Räume für seine

eigene Balance aus ganz leichter und

melancholischer Melodik, aus afrikanischen,

südamerikanischen und

weit gedachten Jazz-Motiven. DieTitel

gehen ineinander über,die Enden

sind stets auch Beginn.

Zeitlupische Jazzstrides, Bluesmomente

oder seltene, freiere Kaskaden

kommen auf impressionistische

Passagen oder Romantik, die an

kubanische Komponisten wie Ignacio

Cervantes erinnert, und er hommagiert

Ellington und Monk – an

Monk hat er sich einst in Südafrika

geschult; Ellington hat ihm in den

SechzigernimExildie internationale

Beseeltes

Solo

Und am Ende sang er auch:

Der Jazzpianist Abdullah Ibrahim wurde

in der Philharmonie gefeiert

VonMarkus Schneider

„Unseren Mozart“ soll Nelson Mandela den inzwischen 85-jährigen Abdullah

Ibrahim einmal genannt haben. Inzwischen lebt der Musiker in

Oberbayern.

STEVE THORNE/REDFERNS

Karriere geöffnet. Auch wenn man

den introvertierten Solo-Gestus

kennt (gerade erschien die Konzertaufnahme

„Dream Time“, aufgenommen

in einem Gasthaus im

Oberbayerischen, wo er derzeit lebt),

überrascht die Leisheit und Vorsicht

seines Spiels.

Denn Ibrahim kommt ja aus dem

Bandkontext. Als Dollar Brand hat er

um 1960 herum mit Bop begonnen,

hat mit den Jazz Epistles das erste

Jazzalbum einer schwarzen Band in

Südafrika eingespielt, was die burischen

Rassisten auf den Plan rief und

zu Überwachung und Schikanen

führte. ImUS-Exil ab 1965 studierte

er am Juilliard College, erlebte den

Black Power-bewegten FreeJazz und

konvertierte 1968 zum Islam. Als Abdullah

Ibrahim begann er südafrikanische

Pop- und Folk-Elemente in

seine Musikzuübernehmen.

1974, da war er für kurze Zeit nach

Südafrika zurückgekehrt, wurde

seine Komposition „Mannenberg“,

benannt nach einer Township Kapstadts,

eine Art Grundstein für den

sogenannten Cape Jazz. Mit seiner

hellen, optimistischen Melodie, zischelnd

hüpfender Percussion und

einem bouncenden Bass mischte

das Stück –ein riskant identitätsstiftender

Schritt –US-Jazz und die Musik

der schwarzen Straßen: „Mannenberg“

(im Konzert habe ich es

nicht gehört) wurde eine Artinoffizielle

Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung.

„Unseren Mozart“ hat ihn

angeblich Nelson Mandela, zu dessen

Inauguration er 1994 spielte, genannt,

und damit den Weg in die

Philharmonien vorgezeichnet.

Zeitenthoben und global

Diesen Stil hat er auf mittlerweile

über 70 Alben zu einem ganz persönlichen

Idiom geformt. Die meisten

davon hat er mit seiner seit 1983 bestehenden

Band Ekaya eingespielt,

und bis zum aktuellen Album verfeinert

erdie Farben seiner gleichsam

orchestralen Arrangements. Umso

erstaunlicher, wie er sein Repertoire

im Solo herunterdimmt und doch in

der Essenz bewahrt. Gegen Ende

verdichtet er in „The Wedding“ die

eingängige Melodik zu einem herrlich

akkordschweren Choral. Der

Sound erinnert andie billigen Orgeln

des südafrikanischen Marabi,

der Musikder Kneipen im frühen 20.

Jahrhundert. Aber ebenso kehrt er

zurück in die Kirchen seiner Kindheit,

wo Mutter und Großmutter Klavier

spielten –und lässt die Musik

ganz selbstverständlich zu einem

globalen, zeitenthobenen Gospel

steigen.

NACHRICHTEN

Handke: „Ich habe mich nie

vor Milosevic verbeugt.“

Drei Wochen vorder Verleihung des

Literaturnobelpreises hat sich der

österreichische Schriftsteller Peter

Handke (76) zu seiner umstrittenen

pro-serbischen Haltung während

der Kriege im ehemaligen Jugoslawien

geäußert. „Kein Wort vondem,

was ich über Jugoslawien geschrieben

habe,ist denunzierbar,kein einziges.Das

ist Literatur“, betonte

Handke im Interview der Wochenzeitung

DieZeit. „Jugoslawien hat

für mich etwas bedeutet. Undwenn

man mir jetzt mit Serbien kommt, ist

man unredlich. Ichbin wegen Jugoslawien

hin.“ Außerdem habe er niemals

Sympathien für Milosevic geäußert:

„Ich habe mich keinen Augenblick

verbeugt, weder innerlich

noch äußerlich.“ Er habe Milosevic

nur ein einziges Malgesehen, als

Gefangenen in DenHaag. Beiseiner

Beerdigung sei er gewesen, weil

dies „auch das Begräbnis vonJugoslawien“

gewesen wäre. „Hat man

vergessen, dass dieser Staat gegen

das Hitler-Reich gegründet worden

ist?“ (dpa)

Oetker-Familie restituiert

Gemälde von CarlSpitzweg

DasBielefelder Familienunternehmen

Dr.Oetker gibt ein weiteres Gemälde

zurück an die Nachkommen

jüdischer Besitzer,die vonden Nazis

verfolgt wurden. Vorausgegangen

war eine jahrelange Suche nach den

Erben des 1939 im Konzentrationslager

Buchenwald ermordeten Kunstsammlers

Leo Bendel, wie die Oetker-Gruppe

am Mittwoch mitteilte.

Vonden Nationalsozialisten verfolgt,

hatte Bendel sich gezwungen gesehen,

1937 seine Kunstsammlung an

die Galerie Heinemann in München

zu verkaufen –darunter auch das

Gemälde „Der Hexenmeister“ von

Carl Spitzweg. Caroline Oetker,Frau

des Unternehmensgründers August

Oetker,erwarb es im selben Jahr und

vermachte es später ihrem Enkel Rudolf-August.

DieAufarbeitungder

Herkunft der rund 1700 Kunstgegenstände

aus der Oetker-Sammlung

läuft seit 2016 und ist noch

nicht abgeschlossen. Bislanggab es

sieben Funde,bis auf einen gingen

sie zurück an die Familien der ursprünglichen

Besitzer. (dpa)

UNTERM

Strich

Altstadt

Berlins

erste Pumpe

VonFalkoHennig

Berlin hat derzeit ungefähr 2000 aktive

Straßenbrunnen, traditionell nicht Pumpen,

sondern Plumpen genannt. Mit ihnen

kann man unabhängig vomWassernetz aus

eigenen Quellbohrungen mit Muskelkraft

Grundwasser an die Berliner Luft befördern.

Plumpe als Bezeichnung für Pumpe

wurde sogar für einen gesamten Stadtteil

verwendet, auch wenn aus dem namensgebenden

Gesundbrunnen bis 1920 ganz ohne

technische Hilfe Wasser strömte: die Panke.

DiePumpen oder Plumpen vonBerlin haben

einige wichtige Funktionen. Derzeit sollten

angesichts der Dürren der letzten Jahre

die Straßenbäume mit dem geplumpten

Wasser gegossen werden, gleichzeitig fördert

man durch die körperliche Bewegung seine

Gesundheit genauso wie die Betriebsbereitschaft

der Pumpen, die,nicht anders als unsere

Körper, ohne regelmäßige Bewegung

rosten und versanden. Es ist erwünscht, dass

die Berliner damit ihre Hunde und erhitzte

Einheimische und Touristen sich die Köpfe

erfrischen. Das Autowaschen ist dagegen

verboten, und vor dem Trinken muss man

das Wasser abkochen.

Für den Berliner Senat haben die

Schwengelpumpen aber einen anderen

Zweck, wie 2017 aktenkundig wurde: „Sie

dienen vorrangig der Sicherstellung einer Ersatz-

bzw. Notwasserversorgung der Bevölkerung

im Krisen- bzw. Katastrophenfall bei

BLZ

einem großflächigen Ausfall der netzgebundenen

öffentlichen Wasserversorgung.“

Berlins älteste Straßenpumpe steht vor

der Wöhlertstraße 18, eher der Rest einer

Pumpe, denn es fehlen die Brunnenkappe,

der Wasseraustritt, Rohr und Ziehhebel. Außerdem

ist sie lediglich braun durch Rost

und strahlt nicht in dem für Berliner Pumpen

typischen Chromoxidgrün, auch Kölner Brückengrün

genannt. Sie unterscheidet sich

von den recht weitverbreiteten Pumpen der

Typen Lauchhammer, Krause, Schliephacke

und Borsig durch ihre bauchige Form und

die bescheidenen Pflanzenornamente.

Genutzt wird die Großmutter aller Plumpen

immer noch, aber nur als Mülleimer und

Aschenbecher. Der traurige Zustand des

Baudenkmals ist tief zu bedauern, denn es ist

einer der letzten erhaltene Flachbrunnen

mit fünf Meter Quelltiefe im Gegensatz zu

den vielen Tiefbrunnen in unseren Straßen.

Seit den 70er-Jahren funktioniert der

Brunnen nicht mehr.Das genaue Baujahrist

unklar, aber wahrscheinlich ist die Pumpe

vor 1892 entstanden. Entwickelt wurden

diese eisernen Rohrbrunnen vom Ingenieur

Otto Greiner ab 1877.

Hergestellt hat die Pumpe der Brunnenbauer

Louis Lohde nach dem Greinerschen

Pumpprinzip,der Berlin mit drei verschiedenen

Modellen verschönerte. Die Pumpen

mit tief liegendem Saugort hatten alle je einen

gesonderten Anschluss für die Feuerwehr

und eshandelt sich um Lohdes ersten

Gehäusetyp.Entworfen hat die Gehäusemit

dem dekorativen Schmuck der Architekt

Eduard Jacobsthal. Gepumpt wurde mit einem

seitlich angebrachten Handgriff.

Eine der Schwestern von Lohses Pumpe

hat es 1983 als „Überflurhydrant um 1900“

sogar auf eine Sondermarke der Deutschen

Bundespost Berlin geschafft. Werein Modell

der dysfunktionalen Pumpe in Betrieb erleben

möchte, findet den zweiten erhaltenen

Greiner’schen Rohrbrunnen, hergestellt

1877, idyllisch am Ufer des Müggelsees gelegen,

vordem Museum imWasserwerk in Berlin-Friedrichshagen.


22 Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Feuilleton

Ein deutscher Mythos

Und ein Tabu. Ein Tempolimit muss her.Warum nicht überlegen, welches?

VonUlf Erdmann Ziegler

Das Rasen auf deutschen

Autobahnen ist ein internationaler

Mythos. Für

Touristen ist das die

Spitze der Unvernunft, aber verführerisch.

Für den deutschen Autofahrer

markiert das volle Ausfahren des

Motors noch immer technologische

Überlegenheit, also eigentlich das

Ultra der Vernunft. Kaum ist das

Thema des Tempolimits aufgekommen,

wirdesvon höchster Stelle wieder

abgeräumt, beschlossen, bevor

etwas besprochen ist, ausgeklammert

von der Liste aller möglichen

politischen Kompromisse.

Liberal gesehen sollte man in der

Tatkeine Gesetze machen, wenn sie

nicht nötig sind. So dachte zum Beispiel

die Stadt Köln nach dem Krieg,

eine Geschwindigkeitsbegrenzung

brauche es nicht. Also gab es keine.

Bis das irgendwann doch auffiel mit

den vielen Toten und Verletzten.

Dann gab es eine. Längst wäre eine

Revision der Autobahnregelung

ebenfalls fällig gewesen. Das Superschnellfahren

ist schlichtweg ein Akt

der Drohung; es wird zuUngunsten

anderer erzwungen. Da braucht es

weder die Lichthupe noch das enge

Auffahren: Wer ein Geschoss im

Rückspiegel sieht, nimmt immer

Reißaus. Das heißt, der Druck der

Autobahn verlagert sich in die mittlere

Spur. Wer maßvoll reisen

möchte,wirdeingequetscht.

Die deutsche Sonderbahn gilt als

Mythos, sie ist aber auch ein Tabu.

Schnell sind Stimmungsmehrheiten

organisiert, wenn es zu sagen gilt,

dass wir das dänische Gekrieche,das

Schweizer Abkassieren, das französische

130 auf leeren, bestens gepflasterten

Provinzautobahnen nicht

wollen. Aber wer hat das eigentlich

in die Welt gesetzt, dass eine Höchstgeschwindigkeit

auf Autobahnen direkt

von jenseits der Grenze kopiert

werden muss? DieWahl ist doch frei.

Drei Margen sind denkbar, die

völlig unterschiedliche Modelle abgeben

würden. Nummer eins: Man

könnte eine Grenze imobersten Bereich

einziehen, gewissermaßen nur

„Hab ja ABS“, denkt der Fahrer bei extremen Geschwindigkeiten und wähnt sich noch immer als Herrdes Verfahrens.

den Irrsinn kappen. Dann wäre das

Tempolimit bei 220 km/h. Nummer

zwei, von der anderen Seite begonnen:

Dem deutschen Fahrer würde

ein solides Maß aufgezwungen,

ohne die Fahrtzueiner Bummelei zu

machen. Dann wäre 150 okay. Die

dritte Möglichkeit läge dazwischen.

Die Höchstgeschwindigkeit würde

besagen, dass die Kraft und Windschnittigkeit

eines Automobils zur

Logik der Streckenbewältigung genutzt

werden dürfen. Dann wäre

Tempo 180 noch vermittelbar.

Niedrige Höchstgeschwindigkeiten

erzeugen nicht automatisch gutes

Verkehrsverhalten. Alle wollen

mit „mehr“ nicht erwischt werden,

aber die Grenze ausfahren. So ergeben

sich ängstliche Autocluster, unfreiwillige

Fahrgemeinschaften über

viele Dutzend Kilometer, ein sich

Heran- und Vorbeischleichen, immer

irgendeiner im toten Winkel.

Die Holländer beherrschen das

großartig, die Franzosen unterlaufen

das artige Reglement durch anarchische

Manöver.

UNSPLASH

Ginge man in Deutschland auf

150, wäre die Grundsituation so viel

anders nicht, weil fast alle Pkws so

schnell fahren können. Besser wäre

vielleicht, die Autofahrer nicht wie

Marionetten am Faden zu führen,

sondern ihren Temperamenten bis

zu einem gewissen Grad nachzugeben.

Dann würden die Schnellen

eben von hinten kommen und nach

vorn wieder verschwinden, und niemand

würde sie vermissen. Im Gegenteil,

die Mittelgruppe wäre entlastet.

Dennoch würde der Unterschied

zwischen den Geschwindigkeiten

überschaubar. Jemand, der

mit 140 in die dritte Spur eiert, wäre

noch keine Gefahr.

Dass das Maximum überschritten

werden wird, ist wahrscheinlich.

Wenn 180 gelten würde, riskierte

man mit Tempo 200 nicht allzu viel,

mit einem Kilometer mehr hätte

man einen Punkt in Flensburg. Entscheidend

für das flüchtige Miteinander

auf der Straße aber ist, was erlaubt

ist. DasProblem mit dem deutschen

Mythos ist doch, dass er zu einer

Umkehrung der Perspektive

geführt hat, was Mensch und Technik

betrifft. Während die extreme

Geschwindigkeit die Libido des

Fahrers vor sich hertreibt, wähnt er

sich als Herr des Verfahrens, lullt

sich ein in technoider Bruchteilvon-Sekunden-Kontrolle.

„Hab ja

ABS.“ Unsere großen Limousinen

spiegeln das als Leistung und Anspruch

in den Fahrgastraum zurück.

Während der „Partner“ im

Straßenverkehr beim Vorbeischnellen

zu einem vagen Punkt in der

Landschaft verwischt, mimt das

Fahrwerk eines Sechszylinders trügerische

Objektivität, eine unbezwingbareKapsel

im Raum.

Es mag ja sein, dass es einmal

leereAutobahnen gegeben hat, sehr

viel weniger Lkws gewiss. Aber es

gab auch sehr wenige Autos, die

schneller fuhren als 210, und es gab

so etwas wie die preußische Seele

des deutschen Autofahrers. Davon

kann keine Rede mehr sein. Selbst

in den Städten wird mit getunten

Autos gerast, Spurwechsel hin und

her, ohne auch nur einmal zu blinken.

AufAutobahnen erst recht. Die

Abwesenheit einer Höchstgeschwindigkeit

bedeutete lange eine

Gentleman-Regelung entlang der

Achse der Vernunft. Inzwischen

sieht man mit Schrecken, dass die

Fahrer jenseits der 200 ihreLogik direkt

vonder Formel 1abgeguckt haben,

wo der Vordermann die Regeln

des Überholens bestimmt und außer

dem Umstand, vorneweg zu rasen,

zu keiner weiteren Auskunft

verpflichtet ist. DerGradder Entsolidarisierung

ist frappierend.

Es ist fast so,als spürten die Fahrer

sehr schneller Autos, dass ihre

Ära zuEnde gehe. Sie zelebrieren

ihre Fahrt als finalen Akt, als letzte

souveräne Handlung eines Gottes,

an den so richtig keiner mehr

glaubt. Deshalb ist derVorschlag zur

Güte,Tempo 180, hier keinesfalls satirisch

gemeint. Der Deckel muss

drauf, das Gesetz der Gesetzlosen

hat ausgedient.

UlfErdmann Ziegler ist Schriftsteller und lebt

in FrankfurtamMain.

Im Bett des eigenen Doppelgängers

In seinem Romandebüt lässt Andreas Püschel einen Berliner Lehrer aus dem Leben fallen

Gespräche mit Schönen und Bösen

Raymond Chandlers Krimi-Klassiker „Der große Schlaf“ in eleganter Neu-Übersetzung

VonBirgit Walter

Das ist mal eine Variante, einen

Endfünfziger aus dem Leben

fallen zu lassen, ohne dass er sich

eine Jüngeresucht. In einem Alter,in

dem die Höhepunkte eigentlich vorbei

sind und Abenteuer selten. Stefan

Kolz, promovierter Studienrat,

Französischlehrer an einem Berliner

Gymnasium, begehrt nicht auf gegen

die Langeweile seines Daseins,

sondernnimmt sie hin –korrekt und

mit feinem Zynismus. Erbetrachtet

die Welt im wörtlichen Sinn von

oben herab –durchschaut alles und

jeden, sogar sich selbst, verachtet

unbegabte Schüler und überforderte

Kollegen und lässt seine Ehe in

Gleichförmigkeit plätschern.

Dabei bildet er sich einiges auf

seine klassische Bildung, bürgerliche

Gewandtheit und vorbildlichen Manieren

ein. Undindieser leicht saturierten

Selbstgefälligkeit läuft ihm eines

Morgens sein Doppelgänger

über denWeg. Deranderesieht exakt

aus wie er, etwas konservativer vielleicht,

wie er da mit Aktentasche und

Pelzkragenmantel in einen Mercedes

steigt und davonrauscht. Der

Lehrer starrtseinem anderen Ichfassungslos

nach.

Es handelt sich nicht um eine Zufallsbegegnung,

sondernder Fremde

ist bald zurück, um Kolz vorübergehend

sein eigenes Leben zu überlassen.

Dafür bietet er einen großzügigen

Scheck. Bei dem Doppelgänger

handelt es sich um Valentin Moritz

DAS BUCH

Andreas Püschel:

Doppelt währtamlängsten

Roman. Eulenspiegel, Berlin 2019.

350 S.,19,99 Euro

Schwendt aus Hessen, einen mittelständischen

Unternehmer in der kriselnden

Textilbranche. Erwird demnächst

an zwei Orten gleichzeitig gebraucht.

Der Hintergrund sind Geschäfte,

Wirtschaftsspionage,

chinesische Übernahmeabsichten,

solche Sachen.

Das erfährt der Lehrer, der für

seine Auszeit sogleich einen Burnout

simuliert, allerdings erst mit der

Zeit. Zunächst stürzt er sich mit so

viel Begeisterung in die Verwicklungen,

wie sein Temperament eben

hergibt. Er übernimmt unerschrocken

den Chefsessel in der Textilfirma,

das Bett mit der feinen Wäsche

in der fremden Villa, die Regie

im Leben des Unternehmers samt

Ehefrau und Geliebter. Wenigstens

tauchen sie nacheinander auf. Kolz

managt unerkannt und souverän

jede noch so heikle Improvisation.

Denn natürlich läuft die Sache aus

dem Ruder,das Unternehmer-Original

bleibt nicht wenige Tage verschwunden,

sondernüber Monate.

Darin besteht das große Vergnügen

des Buches – in der detailgenauen

und spitzen Beschreibung der

Milieus in Ost und West, der Bildungsbürger

und Unternehmer, der

Ansprüche ihrer Frauen. Der Autor

Andreas Püschel, von Hause aus Jurist

und Journalist, schreibt seit Jahrzehnten

Drehbücher für das Fernsehen

und das merkt man seinem ersten

Roman an.

Er lebt von raschen Wendungen

und filmreifen Dialogen, vor allem,

wenn der Lehrer die Geschäfte des

Unternehmers übernimmt, um sie

mit Chuzpe und Scharfsinn aus der

Misere zu führen. Das Double ist

weit schneller im Kopf als das Original,

kreativer, schlagfertiger und mit

seinem herrlich ironischen Grundton

überlegen, vor allem bei den

Frauen. Als es schließlich zum Showdown

in einer Fernseh-Talkshow

kommt, sagt der Unternehmer zu

seinem Ersatz-Ich: „Ich habe das Gefühl,

du hast in meiner Abwesenheit

dieses Leben in Ordnung gebracht.“

So ist es,und dennoch bietet auch

der Schluss noch unerwartete Wendungen.

Dentoughen Lehrer umtost

endlich nicht nur Anerkennung,

sondernauch liebevolles Mitgefühl.

VonGünther Grosser

DAS BUCH

Raymond Chandler:Der große Schlaf

Roman. Mit einem Nachwortvon

Donna Leon. Deutsch vonFrank Heibert.

Diogenes, Zürich 2019. 304 S.,22Euro

Umdie Jahrhundertwende waren

Listen zur Kultur des 20. Jahrhunderts

sehr populär –die besten

Filme etwa, die schönste Architektur

und natürlich auch die bedeutendsten

Romane. Kriminalliteratur

tauchte da nur sporadisch auf, Bücher

vonGeorges Simenon oder Patricia

Highsmith. Immer dabei war allerdings

Raymond Chandlers „Der

große Schlaf“ aus dem Jahr 1939, der

erste Auftritt des später so legendären

Privatdetektivs Philip Marlowe,

der alle sieben Romane des Autors

durchwandertund in derVerfilmung

„Tote schlafen fest“ (1946) vonHumphrey

Bogartgespielt wird.

Chandler hetzt Marlowe hier hinter

einem Erpresser her durch die

neue, für Amerika gerade attraktiv

werdende Westcoast-Metropole Los

Angeles und lässt ihn dabei in einen

Abgrund aus Pornografie, Gewalt

und Korruption blicken. Die Gangster

sind schäbig, die Ladys lüstern,

die Cops allesamt bestochen, und

der Plot ist so kompliziert, dass er

William Faulkner,dem Drehbuchautor

der ersten Verfilmung, schlaflose

Nächte bereitete.

Der Privatdetektiv hält im urbanen

Moloch die Fackel der Westernhelden

hoch: aufrecht, der guten Sache

verpflichtet, in Maßen zynisch

bewegt er sich nicht mehr durch die

Wildnis, sondern durch die gefährlichen

Straßen der Großstadt. Und so

wenig der Filmcowboymit demWesterner

des 19. Jahrhunderts gemein

hatte, so fern aller Realität witzelt

und prügelt sich Marlowe durch Los

Angeles.

Nicht von ungefähr gelten

Chandlers Zeitgenossen Dashiell

Hammett und James M. Cain inzwischen

als glaubwürdigere Vertreter

eines US-amerikanischen Realismus.Chandler

hingegen, der 1888 in

Chicago geboren wurde und 1959 in

Kalifornien starb,war immer der elegante

und vielseitige Kunsthandwerker

und manierierte Stilist mit den

überdrehten Metaphern und den

Konversationen voller Schlagfertigkeit

und Witz.

In der Ausgabe der berühmten

gelben Diogenes-Reihe steckte bislang

die deutsche Übersetzung von

Gunnar Ortlepp aus dem Jahre1974,

eine sehr solide Übertragung, die jedoch

arg indie Jahre gekommen ist.

Jetzt hat man sich bei Diogenes zu einer

Neuübersetzung entschlossen

und dafür mit Frank Heibert einen

der renommiertesten und mit zahlreichen

Auszeichnungen bedachten

deutschen Übersetzer gewonnen.

Heibertsetzt ganz auf Stil, Erzählrhythmus

und Eleganz. Dass Chandlers

Actionszenen immer steif und

gestelzt daherkommen, kann er

nicht ändern, dafür kitzelt er den

schnippischen Hintersinn aus den

vielen Gesprächen Marlowes mit

den Bösen und den Schönen und

geht bei Chandlers berüchtigtem

Metaphern-Überschuss in die Vollen.

Und erenthüllt beim Hin und

Her zwischen überhitzten Wintergärten,

verrauchten Bars, dunklen

Schlafzimmern und verregneten

Straßen neben Marlowe noch einen

zweiten Protagonisten des Romans:

die Stadt Los Angeles.

Denn das gilt längst als größtes

Verdienst Raymond Chandlers, dass

er mit den Autofahrten vorbei an den

Kinos, Ladenfronten und Appartementblöcken,

mit Marlowes Blick

auf die Villen der Reichen und die

schäbigen Wohnquartiere seiner Erpresser

und leichten Ladys eine beispiellose

literarische Topografie Südkaliforniens

in der Mitte des 20. Jahrhunderts

geschaffen hat. Aufdie Listen

wird ihn das jedoch nicht mehr

bringen.


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 23

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Feuilleton

Auf der

glitschen

Pritsche

Jürgen von der Lippe ist

nichts Peinliches fremd

VonTorsten Wahl

Auch mitüber siebzig trägt er noch

Hawaii-Hemden über seinem

Bauch, erklärtaber,ersei altersmilde

geworden. Jürgen von der Lippe

spielt im Stile eines pensionierten

Deutschlehrers mit der Jugendsprache,

bezeichnet sich als „Komposti“

oder „Grabverweigerer“. Dass er

überlegt, auf seinen Grabstein den

Spruch „Holt mich hier raus, ich bin

ein Star“ setzen zu lassen, spielt auf

seine lange Fernsehkarriere an. Dass

dieses Jahr das „Jugendwort des Jahres“

gar nicht vergeben wurde,hat er

noch nicht gemerkt –und dass er „altersmilde“

geworden sei, ist der vielleicht

einzige Witz des Abends, über

den das Publikum nicht lacht.

Zwar hat sich Jürgen vonder Lippe

nach diversen Humor-Shows im

Fernsehen zuletzt eher als Literaturfreund

präsentiert. Auf den Bühnen

fernab der Kameras aber ist er der Zotenkönig

geblieben, der er immer

war. Ob Freude an Fürzen, ob ein

selbst gemixter Kotztütendrink, Erlebnisse

nach einer Hämorrhoiden-

Operation oder Verwunderung über

„Anal Bleaching“ –von der Lippe ist

nichts Peinliches fremd, er zelebriert

selbst grottenschlechte Witze so, als

verbreite er philosophische Weisheiten.

Selbst Puff-Witze, ein Genre, von

dem man glaubte,eswärelängst ausgestorben.

Begriffe wie „MeToo“ erscheinen

hier wie merkwürdige Signale

von einem fremden Planeten.

Vonder Lippe hat die Debatte offenbar

als eine ArtPaarungsverbot missverstanden,

denn er erklärt, der heterosexuelle

Mann sei nun mal so gestrickt,

dass er beim Anblick einer attraktiven

Frau gleich gemeinsame

Zukunftspläne schmieden müsse.

Das Publikum ist dankbar, dass

hier die Dinge noch geordnet sind,

wie sie immer waren, schon der Begriff

„Gender“ ruft Stöhnen hervor.

Damit gelingt es von der Lippe, das

große Wühlmäusehaus mit „Voll fett“

fast ein Dutzend Mal hintereinander

zu füllen –vorausgesetzt, seine angegriffene

Stimme hält durch.

Hat Freude an Kotztütendrinks:

Jürgen von der Lippe

ANDRE KOWALSKI

Technisch zeigt er sich auf der

Höhe der Zeit –über sein Tablet spielt

er immer wieder drollige Katzenvideos

oder putzige Menschenfotos auf

eine Leinwand und verschafft seiner

Stimme eine Atempause.Seine musikalischen

Prägungen führen zurück

in die frühen 60er-Jahre. Freddie

Quinn oder GusBackus singt er leicht

übersteigert, für Altersgefährten wie

Udo Lindenberg oder Peter Maffay

hält er seine bekannten Parodien bereit.

Selbst geprägt hat er das deutsche

Liedgut durch Sauflieder und

Blödelhits wie „Guten Morgen, liebe

Sorgen“. Seine Hymne auf einen Saunaverein

enthält Zungenbrecher wie

„Wenn wir in unsrer spitzen Klitsche

auf der glitschen Pritsche schwitzen

und Schwitze-Schweiß verspritzen“.

Damit das Publikum mitsingen kann,

wirdder Text in großer Schrift auf der

Leinwand eingeblendet. Das ist zwar

nicht altersmilde,aber altersgerecht.

Jürgen von der Lippe:Voll fett bis 1.12. tägl. bei

denWühlmäusen (außer 25.11.) –ausverkauft,

Restkarten telefonischerfragen: 30 67 3011

Astrid (Christiane Paul) und Paul (Ronald Zehrfeld) verbringen ein Wochenende in Budapest, wo Astrid ihrer Jugendliebe Julius begegnet. FARBFILM (2)

Eine Möglichkeit unter vielen

„Was gewesen wäre“ –ein kühler Liebesfilm mit Christiane Paul und Ronald Zehrfeld

VonChristina Bylow

Ein Wochenende zu zweit in

einem Luxushotel in Budapest,

Menu vom Roomservice,

Dinieren im Boxspringbett,

eine schöne Frau, die

nach langem Schweigen, das Wort

„lecker“ hervorbringt. So beginnt

keine Liebe, so beginnen Werbespots.

Doch es dauert nicht lang, bis

der gut ausgeleuchtete Wohlfühl-

Kokon der beiden Mittvierziger (Ronald

Zehrfeld als Paul, Christiane

Paul als Astrid) im hormonellen Aufruhr

der ersten Monate durch eine

Irritation zerplatzt.

Die kommt nicht von innen, wie

so oft in der fragilen Anfangszeit

(eine hässliche Bewegung, ein falsches

Parfum): Sie tritt in der Hotellobby

inGestalt der ersten Liebe

der Frau in die Szenerie. Julius (Sebastian

Hülk) war dreißig Jahre zuvor

Astrids Freund. Aber war es

wirklich Liebe oder auch nur eine

Möglichkeit unter vielen, wie es

einmal heißt?

„Was gewesen wäre“ ist ein Film,

der um die Fragwürdigkeit der Liebe

in Zeiten ihrer permanenten Revidierbarkeit

weiß. Seit wirtschaftliche

und gesellschaftliche Zwänge weitgehend

wegfallen, ist das Paar nur

noch um seiner selbst willen zusammen.

Familie, naja. Vier Kinder von

Julius (Florian Kunz) und Astrid (Mercedes Müller) in der Rückblende.

drei Frauen, hier ein paar schöne

Tage,damal eine Nacht: DieMänner

in diesem Film gehen, wenn es anstrengend

wird, und das wird esfast

immer. Auch Paul will weg, als er

merkt, wie sehr Astrid die Zufallsbegegnung

mit Julius verwirrt.Verletzte

Seele unter massiger Beschützer-

Physis: Darinist Ronald Zehrfeld unübertrefflich.

Doch auch der schmerzliche Zug

um Astrids Mund erzählt von Desillusionierung,

sie kann es kaum fassen,

dass einer wie Paul „noch frei

herumlief“, als sie ihn kennenlernte

–als Patient auf ihrem OP-Tisch. Das

Herz,das blöde Herz.Man hat angesichts

seiner attraktiven Korpulenz

auch etwas Angst um ihn, die Spannung

in diesem Film kommt jedoch

aus der Vergangenheit. Astrid und

Julius wuchsen in der DDR auf, in

leicht entfärbten Rückblenden werden

Szenen ihrer Jugend eingeblendet,

eine Partybei einer Sängerin mit

Auftrittsverbot, der Ausschluss einer

Freundin aus der FDJ, Tribunal vor

versammelter Klasse.

Astrid verhält sich, indem sie sich

nicht verhält, sie will studieren, noch

dazu Medizin. Julius hat Kraft und

Verbindungen, er flieht über Ungarn,

ohne Astrid, die nicht zum vereinbarten

Treffpunkt erschien.

Raum statt Radikalisierung

Ein kleiner, gut begreiflicher Verrat

beendete die Sommerliebe, der

sie ohnehin nicht wirklich traute.

Erst im Nachhinein entwickelt die

stumm geschaltete Jugendliebe eine

unerwartete Kraft.

Der Produzent Florian Koerner

vonGustorf(Schramm Film) legt mit

diesem Film sein Debüt als Regisseur

vor. Auf die Darsteller ist Verlass, sie

treffen die generationstypische Mischung

aus Skepsis und lauer Sehnsucht

gegenüber der Liebe genau.

Die Kamera von Reinhold Vorschneider

lässt alles, aber auch alles

schön aussehen. Die Hilfskonstruktion

der Rückblenden wirkt indes oft

unbeholfen und erstaunt angesichts

der sonst so wenig konventionellen

Erzählweisen, denen Florian Koerner

vonGustorfals Produzent bisher

ins Kino verholfen hat (Christian

Petzolds „Transit“ etwa). Allzu beiläufig,

als Geplänkel bei Tisch, werden

die gegenwärtigen politischen

Verhältnisse in Ungarn eingestreut,

der neu gebaute Zaun ist überwindbar,wenn

man sich auskennt. Jedenfalls

voneiner Seite aus.

Wasgewesen wäre Deutschland 2019. Regie:

Florian Koerner vonGustorf, Buch: GregorSander

nachseinem gleichnamigenRoman. Darsteller:

ChristianePaul, Ronald Zehrfeld, SebastianHülk

u.a., 90 Minuten, Farbe.FSK:ab6Jahre

Weitere Rezensionen im Kulturkalender

Fünf Stararchitekten auf dem „Blauen Sofa“ sollten mal schnell sagen, wie sie Berlin so finden

VonNikolaus Bernau

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

steht zweifellos heftig unter

Druck, ihr 364,2-Millionen-Projekt

Museum der Moderne in der Öffentlichkeit

zu rechtfertigen. Also lud

sie, gemeinsam mit Bertelsmann,

ZDF, 3sat-„Kulturzeit“ und Deutschlandradio,

zum ersten „Blauen Sofa“

in die James-Simon-Galerie auf der

Museumsinsel. Thema des Abends

vorgeladenen Gästen: Bauen für die

Kunst. Was, darüber waren sich alle

Versammelten schnell einig, nicht

Selbstzweck sein kann, sondern immer

Bauen für die Gesellschaft heißt.

Die Runde auf dem Podium war

erlesen: David Chipperfield, Architekt

des Neuen Museums und der

James-Simon-Galerie; Regine Leibinger,

die zwar bisher nicht als Architektin

von Kulturbauten hervortrat,

aber durch Projekte wie den Total-Turm

amHauptbahnhof mit radikaler

Ästhetik Aufsehen erregte;

HG Merz,dem wir die Sanierung der

Alten Nationalgalerie, der Staatsoper,

der Alten Staatsbibliothek verdanken;

Franco Stella, der Architekt

des Humboldt-Forums,und Jacques

Herzog, der Architekt der umstrittenen

„Scheune“ für die Nationalgalerie-Sammlungen.

Erste Frage also: Wasist ihre Beziehung

zu Berlin? Regine Leibinger,

mit feinem süddeutschem Akzent:

„Ich lebe und arbeite hier seit dem

Studium.“ HG Merz ist trotz seiner

vielen Berliner Projekte erst vorzwei

Jahren hierher gezogen – „davor

habe ich die Stadt nicht ertragen“.

Warum nicht, wüsste man nun

gerne,aber schon muss,die Modera-

torin treibt an, Herzog antworten. Er

teilt mit, dass Berlin in den Neunzigern

zu ideologisiert gewesen sei,

erst jetzt für sie, die Künstlerarchitekten,

interessant werde.

NurChipperfield liebt Berlin

Könnte das auch am Markt gelegen

haben? Franco Stella geißelte mal

wieder „die Moderne“ und pries sein

Lebensprojekt Berliner Schlossnachbau

als die Wiedergewinnung

der Stadträume mit Plätzen, Straßen,

Höfen. UndChipperfield? Er als Einziger

zeigte seine Liebe zu dieser

Stadt: Hier wüsste die Bevölkerung

„sehr genau, wie sie ihreStadt haben

will“. Undgleichzeitig sei Berlin „ein

Labor“. Herzog konstatierte nüchtern,

das sei doch in allen großen

Städten so, auch die Debatten gäbe

es oft, weil sich die Menschen –

StichwortKulturforum –auch an das

Negativesogewöhnt hätten, dass sie

es behalten wollten. Und HGMerz

focht für die Bedeutung der Geschichte,

die auch manches weniger

großartige Bauwerkadle.

Wieder war es nur Chipperfield,

der eine politische Schlussfolgerung

wagte: Er forderte öffentliche Räume

ohne Investoreneinfluss, in denen

die Menschen sich treffen könnten.

Sozialwohnungen und Parkanlagen

seien genauso wichtig wie Kulturbauten,

um eine Radikalisierung der

Menschen zu verhindern. Sonst

drohten Museen oder Konzerthäuser

zum Feigenblatt zu werden. Applaus.Aber

man muss noch mal über

das Format nachdenken: Architektur

ist zu vielfältig, um von gleich fünf

Gästen im derartstraffen Zeittakt debattiertzuwerden.

NACHRICHTEN

Erfolg: Journalisten klagten

gegen die Bundesrepublik

Dernachträgliche Entzug der

Presse-Akkreditierungen vonzwei

Journalisten beim G20-Gipfel in

HamburgimJahr 2017 ist einem Gerichtsurteil

zufolge nicht rechtmäßig

gewesen. DieVoraussetzungen für

einenWiderruf der Akkreditierungen

haben nicht vorgelegen, wie ein

Sprecher des Verwaltungsgerichts

Berlin am Mittwoch sagte.Esging in

dem Verfahren um Klagen vonzwei

Journalisten gegen die Bundesrepublik.

DerG20-Gipfel war vonheftigen

Krawallen überschattet gewesen.

EinJurist, der für den Bund

sprach, sagte,man habe unter hohem

Zeitdruck die Entscheidung

treffen müssen, ob man die Akkreditierung

der Journalisten wieder entzieht.

VomVerfassungsschutz habe

es geheißen, dass eine Nähe zu linksextremen

Gruppierungen bestehe.

Insgesamt liegen dem Verwaltungsgericht

neun Klagen vor. (dpa)

Glaube: Glaubwürdigkeit der

Medien ist leicht gestiegen

Etwa vier vonzehn Bürgernglauben

einer Studie zufolge,dass Staat und

Regierung deutschen Medien Vorgaben

bei der Berichterstattung mache.38Prozent

der Befragten gehen

davon aus; 58 Prozent sehen hingegen

keinen Einfluss der Politik. Das

geht aus einer Studie hervor, die der

Kölner WDR bei Infratest dimap in

Auftrag gegeben hatte.37Prozent

vermuten demnach, dass besonders

die Berichterstattung des öffentlichrechtlichen

Rundfunks vonVorgaben

durch die Politik betroffen sei.

Beim Fernsehen allgemein lag der

Wert bei 15 Prozent, und bei Tageszeitungen

und Zeitungen bei 9Prozent.

Im Vergleich zu früheren Studien

für denWDR ist der Anteil derer,

die eine politische Einflussnahme

vermuten, zurückgegangen. 2016

waren es noch 42 Prozent und im

Jahr 2018 40 Prozent. (dpa)

Festnahme im Fall des

Mordes an Caruana Galizia

In Malta ist ein prominenter Geschäftsmann

im Zusammenhang

mit der Ermordung der Journalistin

Daphne Caruana Galizia festgenommen

worden. Dieregierungskritische

Bloggerin, war im Oktober 2017

in ihrem Auto in die Luft gesprengt

worden. Diedamals 53-Jährige hatte

u.a. über Korruption bei Regierung

und Geschäftsmännernauf Malta

recherchiert. Drei Männer wurden

festgenommen und angeklagt. Sie

sollen den Sprengsatz gebaut und

gezündet haben. Werhinter ihnen

steckte,ist bislang unbekannt. Premierminister

Joseph Muscat sagte

am Mittwoch, dass eine „Person von

Interesse“ festgenommen worden

sei. DerFestgenommene ist laut Zeitungsbericht

Direktor eines Konsortiums,das

2013 vonder Regierung

einen Auftrag erhalten hatte,ein

Gaskraftwerkzubauen. 2018 kam

heraus,dass ihm auch eine geheime

Offshore-Gesellschaft namens „17

Black“ gehörte.Caruana Galizia

hatte Monate vorihrem Todüber „17

Black“ geschrieben. (dpa)

TOP 10

Dienstag,19. November

1 RTL Fußball 2 RTL 8,87 32 %

2 RTL Fußball 1 RTL 7,66 24 %

3 Rosenheim-Cops ZDF 4,45 16 %

4 Tagesschau ARD 4,26 14 %

5 Inaller Freundsch. ARD 4,06 13 %

6 heute ZDF 4,04 16 %

7 SOKOHamburg ZDF 3,77 18 %

8 Der Kommissar ... ZDF 3,75 12 %

9 Tierärztin Mertens ARD 3,74 12 %

10 Werweiß sowas? ARD 3,63 18 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Acud (& 44 35 94 97)

20.00: Family (Rodzina) (Gastspiel Circus Ferus,

Polen)

Admiralspalast (& 22 50 70 00)

20.00: Break the Tango

Ballhaus Naunynstraße (& 75 45 37 25)

20.00: Patterns

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Die Therapie

Brotfabrik (& 471 40 01)

20.00: Licht im Kasten

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: HeartChamber

Dock 11 (& 448 12 22)

19.00: Home-Made „MoVe“ –Festival zeitgenössischer

Tänzer*innen aus Griechenland

DT-Kammerspiele (& 28 44 12 25)

20.00: Publikumsbeschimpfung

Galli Theater Berlin (& 27 59 69 71)

20.00: Männerschlussverkauf

GarnTheater (& 78 95 13 46)

20.30: Die Sanfte

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

19.30: Linie 1

Halle Tanzbühne Berlin (& 44 04 42 92)

20.30Großer Saal: minutepapillon (cie. toula

limnaios)

HAU1(&25 90 04 27)

19.00: Arcana Swarm(Kat Válastur /HAU)

Haus der Kulturen der Welt (& 39 78 71 75)

19.00: Right the Right: Chaos-Ballett

Heimathafen Neukölln (& 56 82 13 33)

19.00: Peng! Peng! Boateng!

19.30 Studio: Der Morphinist

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Kulturhaus Spandau (& 33 34 02 1/ 22)

18.00 Galerie: Oper mal anders –Tristan und Isolde

(Richard Vardigans)

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.30: The Situation

Pfefferberg Theater (& 939 35 85 55)

19.00 Glaspalast: Rotkäppchen /Die Bremer Stadtmusikanten

(Hexenberg Ensemble)

20.00: Münchhausen –Die Wahrheit übers Lügen

(Drehbühne Berlin)

RambaZamba Theater (& 44 04 90 44)

19.30: Lulu

Reinbeckhallen (& 20 39 31 11)

19.00: Utopia Ltd. oder die Blüten des Fortschritts

(The Metafiction Cabaret, Maja Lange(Sopran), Ingo

Volkmer (Bariton), Projektchor der Joseph-Schmidt-

Musikschule)

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

20.00: Ruhe!Wir drehen!

Theater Coupé (& 902 91 67 03)

19.00: Shalom –Salam: wohin? Folge5(Deutsch-Jüdisches

Theater)

Theaterdiscounter (& 28 09 30 62)

19.00: Monologfestival 2019 –Alarmstufe Rot: Re:

Traction

20.15: Monologfestival 2019 –Alarmstufe Rot: Ashes

to Ashes (Barletti/Waas)

Theater untermDach (& 902 95 38 17)

20.00: Das langeNachspiel einer kurzen Mitteilung

ufaFabrik (& 75 50 30)

20.00 Varieté Salon: Betún –4Träume und 5Wirklichkeiten

vomLeben auf der Straße (Teatro Strappato)

Vaganten Bühne (& 313 12 07)

20.00: Hiob

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

19.30: Howl

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

21.00: Cosmic ComedyOpen-Mic –English Comedy

Berlin (Dharmander Singh, Neil Numb u. a.)

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

20.00 Großes Haus: Dittsche (Olli Dittrich)

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(& 017 95 34 66 96) 20.00: Roski,Reutter,Rock’n’

Roll (T.Schmitt, H-P.Fruck, N. Schultz)

BKA (& 202 20 07)

20.00: Claire Waldoff –Ich will aber gerade vom

Leben singen ... (Sigrid Grajek)

BühnenRausch (& 44 67 32 64)

20.00: Manche mögen’sToP! –Die Donnerstagskomödie

(Theater ohne Probe)

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Out of Chaos (Gravity &Other Myths)

Distel (& 204 47 04)

19.30 Studio: ImproBerlin goes X-mad: Das Musical

20.00: Skandal im Spreebezirk

Estrel Showtheater (& 68 31 68 31)

20.00: Stars in Concert

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: Dann kam langenichts (Sarah Hakenberg)

Mehringhof-Theater (& 691 50 99)

20.00: Die Expertise war bedeutend höher (Fil)

Palazzo (& 018 06 38 88 83)

19.30: Family Affairs

Quatsch ComedyClub (& 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow(Joël vonMutzenbecher,Edith

Schröder,Luisa Schulz, RobertLouis Griesbach,

Moderation: Heino Trusheim)

Ratibortheater (& 618 61 99)

2.00: Impro Embassy: Ambassadors (Lee White &

Birgit Linner)

Scheinbar Varieté (& 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Katharina Hoffmann

(Mod.)

Spree- &Havelschifffahrt (Schiffbauerdamm 12)

19.00: Mörderische Spreefahrt–Ganovenhochzeit

(Ensemble artdeshauses)

Späth’sche Baumschulen (& 63 90 03 32)

19.00Märchenhütte: Vergnüglicher Abend (Theo

Theodor (Reimesprecher)

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Überall ist besser als nichts!

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: Mamma Mia! –Das Musical mit denHits

vonABBA

Tempodrom (& 69 53 38 85)

20.00: Fast fertig! (Sascha Grammel)

Theater im Palais (& 201 06 93)

19.30, 19.30: Ralph Benatzky –Viel mehr als nur

das „Weiße Rössl“ (Gastspiel Cora Chilcott (Klavier &

Posaune) und Hartmut Behrsing (Gesang)

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Voll Fett (Jürgen vonder Lippe)

KLASSIK

Blackmore’sMusic Lounge (& 89 73 48 65)

20.00: Milana Chernyavska (Klavier)

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

20.00 Gr.Saal: Slowakische Staatliche Philharmonie

Kosice, Ltg.Zbynek Müller,Slávka Zámecníková

(Sopran), Festkonzertzum 30. Jahrestagder Sanften

Revolution, Eugen Suchon: „SymfoniettaRustica“;

Jacques Offenbach: „Elle afui la tourterelle“, Arie

aus der Oper „Hoffmanns Erzählungen“; Gounod:

„Jeveux vivre“ und „Dieu! Quel frisson ... Amour,

ranime mon courage“, Arien aus der Oper „Roméo et

Juliette“; Aram Chatschaturjan: Suite aus dem Ballett

„Spartakus“, Auswahl

20.00 Musikclub: Albrecht Dümling (Moderation),

Holger Groschopp (Klavier) und Christoph Enzel

(Saxophon), musica reanimata –Gesprächskonzert,

Neuorientierung im USA-Exil:Edvard Moritz und das

Saxophon

Comedy

Dittsche

is

coming home

Bald nun ist Weihnachten

und diesmal wird esaller

Wahrscheinlichkeit nach kein

Wiedersehen mit Trixie Dörfel

geben. Höchstens eine Wiederholung

aus dem vorigen

Jahr,als Olli Dittrich den tiefen

Fall der Königin des volkstümlichen

Schlagers dokumentiert

und personalisiert hat. Im

Grunde hat der Hamburger

Menschendarsteller nur Paraderollen,

aber mit der größten

aller Paraderollen kommt er

nun nach Berlin zurück, wo im

Quatsch Comedy Club 1991

mit einem Kurzauftritt alles

begann: Dittsche. Dittsche im

Original-Bademantel, mit

Oberhemd, Jogginghose und

Schumiletten, eine Flasche

Bier in der Hand, eine Alditüte

mit Leergut dabei. Dittsche im

Berliner Ensemble, woervon

Ingo, Kröti, den Kargers oder

Giovanni erzählt, von Kim

Jong-un, Putin, Donald Trump

und Olli Kahn. DieWelt zu Gast

bei Freunden. Frank Junghänel

OlliDittrich 20 Uhr, Berliner Ensemble,

Bertolt-Brecht-Platz 1

Antje Pfundtner führtihre Choreografie „Sitzen ist eine gute Idee“ unter dem Titel „Platz nehmen“ weiter.

Michaela Schlagenwerth

mag klassisches Ballett, und radikale

Tanzexperimente mag sie oft auch.

Aber manchmal klaffen die Welten doch

zu weit auseinander.Einen Tagsechs

Stunden „Quizoola“ und am nächsten

Tag„La Bayadere“, das wäre als

Mischung sogar ihr zu hart. Aber wer

weiß? Man müsste es mal ausprobieren.

Als das Grazer Theater im

Bahnhof beim diesjährigen

„Tanz im August“ gastierte,

maulten hinterher

einige verärgerte Zuschauer: Das

war ja gar nicht Tanz! Daswar Performance!

Wassoll so eine Produktion

denn auf einem Tanzfestival? Eine

kleine Gruppe diskutierte erhitzt

und kam schließlich zu dem Schluss:

Die Performancekunst wäre ohne

den zeitgenössischen Tanz gar nicht

denkbar. Aus Sicht der Gruppe

diente das Gastspiel dem Zweck, dies

auch im Tanzkontext einmal deutlich

vorAugen zu führen. Na ja, hätte

man als Lauscherin gern eingeworfen,

umgekehrt gilt das doch wohl

ebenso. Die in Sparten denkende

Spezies wird vermutlich nicht aussterben,

solange es die Künste gibt,

trotzdem will sich diese dezidiert an

tanzinteressierte Menschen richtende

Kolumne die Aufmerksamkeit

kurz auf ein kleines Performance-

Festival im Haulenken:„Alles ist Material.

20 Jahre ,postdramatisches

Theater’“.

Die Protagonisten der Performance-Szene

geben einander die

Klinke in die Hand: Forced Entertainment

und GobSquad sind dabei,

und She She Pop mit „Kanon“, wo

am Rande auch Constanza Macras

als Choreografin mit im Spiel ist. Bei

„Dancing About“ von Gob Squad

wird, wie der Titel schon sagt, auch

irgendwie getanzt. Und „Quizoola“

von Forced Entertainment sollte

man sich sowieso anschauen. Um

sich dann hinterher vielleicht zu

wünschen, dass sich die Tanzszene

Entwicklungen der Performancekunst

so sehr zunutze machen

würde,wie es umgekehrtder Fall ist.

Jemand, von dem sich das unbedingt

sagen lässt, ist die in Hamburg

lebende Tänzerin und Choreografin

Antje Pfundtner, die jetzt mit ihrer

Arbeit „Platz nehmen“ im Theaterdiscounter

gastiert. „Platz nehmen“

ist die Fortsetzung von „Sitzen ist

eine gute Idee“. Eigentlich geht es ja

immer um das Gegenteil, darum

aufzustehen und in Bewegung zu

sein. Sitzen bleiben, das tun die Abgehängten.

Das war schon in der

Schule so.Pfundtner hat sich mit vielen

Menschen über das Sitzenbleiben

unterhalten und erstaunliche

Erkenntnisse gesammelt. Aber vor

allem befragt sie,wie in eigentlich all

KINO

CHARLOTTENBURG

Cinema Paris (& 881 31 19) Porträt einer jungen

Frau in Flammen 14.50, 17.40; Bernadette 20.30

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) Lara 15.00,

17.30, 20.00

Delphi LUX (& 322 931040) Bis dann, mein

Sohn 15.15, 19.30; Marianne &Leonard –Words

of Love (OmU) 14.50; Parasite 17.10, 20.00; Land

des Honigs –Honeyland (OmU) 14.30, 19.00; Official

Secrets (OmU) 16.30, 21.00; Pferde stehlen

13.40, 16.20; Ich bin Anastasia 16.30; Parasite –

Gisaengchung (OmU) 20.45; M.C.Escher: Reise in

die Unendlichkeit 13.30; Das perfekte Geheimnis

15.30, 19.00, 21.40; Die Eiskönigin II –Frozen 2

(OF) 14.50, 17.10, 19.00, 21.20; But Beautiful –

Nichts existiert unabhängig (OmU) 14.00, 18.10;

Downton Abbey (OmU) 18.40; Joker (OmU) 21.20

Filmkunst 66 (& 882 1753) Zwingli –Der Reformator

17.00; The Irishman (OmU) 19.30; Deutschstunde

17.30; Morgen sind wir frei 20.00

Kant Kino (& 319 98 66) Bernadette 14.40,

17.40; Die Eiskönigin II 15.20, 18.00, 20.40; The

Irishman (OmU) 20.30; Das perfekte Geheimnis

14.50,17.30,20.15; Ich war noch niemals in New

York 15.50; Es hätte schlimmer kommen können –

Mario Adorf 18.30; Official Secrets 17.30, 20.00;

Nurejew –TheWhite Crow 15.15, 20.15

Zoo Palast (& 018 05/22 2966) 3D,Atmos: Die

Eiskönigin II 14.30, 17.15; Depeche Mode: Spirits

in the Forest 20.00, 23.00; Die Eiskönigin II 14.30;

Das perfekte Geheimnis 17.30, 20.15, 23.10;

Last Christmas 14.30, 17.10; 3D: Die Eiskönigin

II 19.45; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

22.20; LeMans 66: Gegen jede Chance 13.30,

16.45; Depeche Mode: Spirits in the Forest 20.15;

3D: Die Eiskönigin II 23.10; Das perfekte Geheimnis

14.00; Joker 16.45, 23.10; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 19.45; Der letzte Bulle 14.30;

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen17.00; Last

Christmas 20.15; LeMans 66: Gegen jede Chance

22.45; Maleficent: Mächte der Finsternis 14.45;

Die Eiskönigin II 17.30; Last Christmas 20.00; Terminator

–Dark Fate 22.35

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) The Dead

Don‘t Die (OmU) 11.00; Parasite 12.45;Bernadette

–Where‘d You Go, Bernadette (OmU) 15.00; Parasite

–Gisaengchung (OmenglU) 20.45; Ready or

Not? –Auf die Plätze,fertig, tot (OmU) 23.00; Djon

Africa (OmU) 11.00; 2040 –Wir retten die Welt!

(OmU) 12.45; Land des Honigs –Honeyland (OmU)

14.15; Deutschstunde 15.50; Swimmingpool am

Golan –Eine deutsche Familiengeschichte (m. Gespräch)18.00;

Systemsprenger(DFmenglU)19.30;

Once Upon aTime in... Hollywood (OmU) 21.40;

Porträt einer jungen Frau in Flammen –Portrait de

la jeune fille en feu(OmU) 11.00; Afterthe Wedding

(OmU) 13.00; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

–Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija (OmU) 15.00;

Morgen sind wir frei (DFmenglU) 16.45; Pferde

stehlen –Utogstjaele hester (OmU) 18.30; Joker

(OmU) 20.30; Searching Eva (OmenglU) 22.40

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Das Kapital im

21.Jahrhundert–Capital in the Twenty-FirstCentury

(OmU) 14.00; 2040 –Wir retten die Welt! (OmU)

16.00; Deutschstunde 17.45; The Irishman (OmU)

20.00; Joker (OmU) 23.45; Congo Calling (OmU)

14.15; Verteidiger des Glaubens –Defender of the

Faith 16.00; Ich bin Anastasia 17.45; Bitte nach

Mitte! 19.45; Frau Stern 21.00; PJHarvey –ADog

Called Money (OmU) 22.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm 13.45; Maleficent: Mächte

der Finsternis 13.45, 16.40; 3D: Die Eiskönigin

II 13.45, 16.30, 23.15; Die Eiskönigin II14.00,

14.30, 17.00, 17.15, 19.45; Die Addams Family

14.00; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

14.00; Last Christmas 14.10, 16.45, 19.30; Joker

14.10,17.10, 20.00, 22.20; Das perfekte Geheimnis

14.10, 17.00, 19.15, 20.00, 23.00; Everest:

Ein Yeti willhoch hinaus 14.20;Doraund diegoldene

Stadt 14.20; IMAX 3D: Die Eiskönigin II14.45,

17.30, 20.15, 23.00; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 16.00, 19.30, 22.10; Angry Birds 2: Der

Film 16.10, 18.30; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 16.20, 19.40, 22.40; Ich war noch niemals

in NewYork 16.50; Bernadette 17.00, 19.45;

Zombieland 2: Doppelt hält besser 19.50, 22.10;

Depeche Mode: Spirits in the Forest (OmU) 20.00,

20.30, 21.00; Halloween Haunt 22.30; Black and

Blue 22.30; Midway –Für die Freiheit 22.50; Gemini

Man 22.50; Terminator –Dark Fate 23.10; Joker

(OF) 23.10

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) Systemsprenger

(OmenglU) 18.00; Parasite –Gisaengchung (OmU)

20.20; Joker(OmU) 22.50; BerlinBouncer (OmenglU)

18.00; Searching Eva (OmU) 20.00; Weitermachen

Sanssouci (OmenglU) 21.45

HELLERSDORF

CineStar Hellersdorf (& 04 51/703 02 00) Maleficent:

Mächte der Finsternis 13.30; Die Eiskönigin

II13.30, 16.30, 19.30; Last Christmas 13.40,

16.40, 19.40; Das perfekte Geheimnis 13.40,

17.10, 20.10; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

13.50; 3D: Die Eiskönigin II 14.00, 17.00, 20.00;

Die Addams Family 14.15; 3D: Maleficent: Mächte

der Finsternis 16.30; Joker 16.40, 20.00; Ich war

noch niemals in New York 16.50; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 19.30; Depeche Mode: Spirits

in the Forest (OmU) 20.00

Kino Kiste (& 998 7481) Lieber Antoine als gar

keinen Ärger 14.00; Everest: Ein Yeti will hoch

hinaus 16.00; Ich war noch niemals inNew York

17.50; Parasite 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 4109) Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 14.00; Last Christmas

14.10, 16.50, 19.30; Die Eiskönigin II 14.20,

16.00, 17.00, 19.40; Der König der Löwen 14.20;

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.30; Die Addams

Family 14.40; Das perfekteGeheimnis14.45,

17.30, 20.15; Angry Birds 2: Der Film 14.50; 3D:

Die Eiskönigin II 15.00, 17.30, 20.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.45, 19.40; Joker

17.00, 20.20; Ich war noch niemals inNew York

17.10; Der letzte Bulle 17.15; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 19.50; Depeche Mode: Spirits in the

Forest 20.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser

20.10

KREUZBERG

Babylon Kreuzberg (& 61 60 96 93) Joker (OmU)

16.00, 18.45; Depeche Mode: Spirits in the Forest

21.30; Marianne &Leonard –Words of Love (OmU)

16.40; Parasite – Gisaengchung (OmU) 19.00,

21.50

fsk (& 614 24 64) PJHarvey –ADog Called Money

(OmU) 18.00, 22.15; Gott existiert, ihr Name

ist Petrunya –Gospod postoi, imeto i‘ ePetrunija

(OmU) 18.00; Lara (OmenglU) 19.45; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille

en feu (OmU) 20.00; Parasite –Gisaengchung

(OmU) 21.45

Moviemento (& 692 4785) Invisible Sue –Plötzlich

unsichtbar 14.45; Land des Honigs – Honeyland

(OmU) 17.00; Ich bin Anastasia 19.00;

Systemsprenger 21.15; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

13.00; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

15.15; Porträt einer jungen Frau in Flammen–Portrait

de la jeune filleenfeu (OmU) 17.15;

Baskisches Filmfestival: Jainkoak ez dit barkatzen

–Gott verzeiht es mir nicht (OmenglU) 20.00; Searching

Eva (OmU) 21.45; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.00; Benjamin Blümchen 12.00;

Booksmart (OmU) 14.15, 19.30; Midsommar

(OmU) 16.30; Once Upon aTime in... Hollywood

(OmU) 21.45

Sputnik (& 694 11 47) Systemsprenger (DF)

14.00; Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod

postoi, imeto i‘ e Petrunija (OmU) 16.00;

Der Glanz der Unsichtbaren 18.00; Bernadette –

Where‘d You Go, Bernadette (OmU) 19.45; Joker

(OmU) 22.00; Sterne über uns (OmenglU) 16.00;

Systemsprenger 17.45; Was gewesen wäre 20.00;

Parasite –Gisaengchung (OmU) 21.45

Yorck (& 78 91 32 40) Land des Honigs –Honeyland

(OmU) 15.00; Parasite 17.00, 20.00; New

Yorck Lara 14.50, 17.10, 19.30, 21.50

KÖPENICK

Spreehöfe (& 538 9590) Das perfekte Geheimnis

14.30, 17.15,20.15; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.45; Die Eiskönigin II15.00, 17.30; Die

Addams Family 15.15; 3D: Die Eiskönigin II 15.30,

18.00, 20.30; LastChristmas 17.30, 20.00; Bernadette

17.45, 20.15; Joker 20.30

Union (& 65 01 31 41) Le Mans 66: Gegen jede

Chance 13.30, 17.00, 20.15; 3D: Die Eiskönigin

II 13.30, 15.45, 18.00, 20.15; Bernadette 13.30,

18.00; Land des Honigs 16.00; Depeche Mode:

Spirits inthe Forest 20.30

MARZAHN

UCI Eastgate (& 93 03 02 60)Maleficent:Mächte

der Finsternis 14.00; Last Christmas 14.00,17.15,

19.50; Die Eiskönigin II14.00, 14.15, 16.30; Das

perfekte Geheimnis 14.10, 17.00, 19.50; Everest:

Ein Yeti will hochhinaus 14.15;Dora und die goldene

Stadt14.15;3D: DieEiskönigin II 14.30, 17.15,

20.00; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

16.45, 20.15; Ich war noch niemals in New York

16.45; LeMans 66: Gegen jede Chance 16.55;

Joker 17.00, 20.00; Depeche Mode: Spirits inthe

Forest(OmU) 20.00, 20.15; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.20

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

17.00; Die Architekten (m. Einführung)

19.00;Was gewesen wäre 21.00; Bitte nach Mitte!

18.30; Mou –Hair (OmenglU) 20.00; Das Kapital

im 21. Jahrhundert–Capital in theTwenty-First Century

(OmU) 21.30

Babylon (& 242 59 69) Korea: The Host (OmU)

17.45; LaKino: La deuda –The Dept (OmenglU)

18.00; Born tobeWild: Ask the Sexpert (EnglF)

18.15; Gestorben wird morgen (mit Gästen u.Gespräch)

19.30; Mobile Kino präsentiert: The Irishman

(OmU) 20.00; LaKino: Los tiburones –Sharks

(OmenglU; mit Vorfilm) 20.00; Once Upon aTime

in...Hollywood (OmU) 22.15

Central (& 28 59 99 73) Invisible Sue –Plötzlich

unsichtbar 12.15; Joker (OmU) 15.30, 18.15,

21.00; Der kleine Drache Kokosnuss –Auf in den

Dschungel! 11.00; Midsommar (OmU) 13.15; Fritzi

–Eine Wendewundergeschichte 16.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser –Zombieland 2: Double Trap

(OF) 18.00, 20.15

CineStar CUBIX (& 04 51/703 02 00) 3D: Die

Eiskönigin II11.00, 14.00, 17.00, 20.15, 22.30;

Das perfekte Geheimnis 11.00, 13.45, 16.40,

19.45, 22.50; Bayala –Das magische Elfenabenteuer

11.00; Shaundas Schaf: DerFilm:UFO-Alarm

11.10; Dora und die goldene Stadt 11.10; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 11.15; Die Addams Family

11.30, 14.00; Die Eiskönigin II11.40, 13.40,

16.30, 19.15; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

12.10; Dem Horizont so nah 13.10; Ich war

noch niemals inNew York 13.30; Last Christmas

13.50, 16.20, 20.10, 22.50; Booksmart 14.20;

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.30, 17.30; Le

Mans 66: Gegen jede Chance 16.00, 19.20; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.30,19.45,

23.00; Zombieland 2: Doppelt hält besser 16.40,

20.30,23.15; Joker17.00, 19.30, 23.00; Depeche

Mode: Spirits in theForest (OmU) 20.00;Terminator

–Dark Fate 22.40; Midway –Für die Freiheit 23.00;

Der letzte Bulle 23.15

Hackesche Höfe (& 283 46 03) Systemsprenger

(DFmenglU) 14.15; Bernadette (OmU) 17.00,

19.30; Parasite – Gisaengchung (OmU) 22.00;

Was gewesen wäre 15.00, 19.00; Land des Honigs

–Honeyland (OmU) 17.00; Marriage Story (OmU)

21.00; Pferde stehlen –Utogstjaele hester (OmU)

14.00, 20.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian

chang (OmU) 16.30; Joker (OmU) 22.30; Berlin

Babylon (DFmenglU) 15.00; Marianne &Leonard –

Words of Love (OmU) 17.00; The Irishman (OmU)

19.30; Lara (DFmenglU) 14.30, 19.30; Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait de la jeune

fille enfeu (OmU) 16.45, 21.45

International (& 24 75 60 11) Lara 15.30

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Chapeau Claque

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 06 44)

Booksmart 14.05; Das perfekte Geheimnis 14.10,

16.40, 19.50; Recep Ivedik VI (OmU)14.15, 17.10,

17.45,20.20, 23.00;Last Christmas 14.15,16.55,

19.40, 23.00; Everest: Ein Yeti will hoch hinaus

14.20; Die Addams Family 14.20, 17.00; Dora

und die goldene Stadt 14.30; 3D: Die Eiskönigin

II 14.30, 17.15, 20.00, 22.25; Die Eiskönigin II

15.00, 17.00; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

16.40, 19.30, 22.30; 7. Kogustaki Mucize –

Das Wunder in Zelle Sieben (OmU) 16.50, 19.50,

22.40; LeMans 66: Gegen jede Chance 19.30,

22.45; Depeche Mode: Spirits inthe Forest (OmU)

20.00; Zombieland 2:Doppelt hält besser 20.10,

23.00;Stephen KingsDoctorSleeps Erwachen (OF)

22.40; Joker 23.00

IL KINO (& 91 70 29 19) Babykino: Porträt einer

jungen Frau in Flammen –Portrait delajeune fille

en feu (OmU) 10.30; Systemsprenger (DFmenglU)

12.40; Porträt einer jungen Frau in Flammen –

Portrait de la jeune fille en feu (OmU) 14.50; Bis

dann, mein Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 17.00;

Parasite –Gisaengchung (OmenglU) 20.10; Pferde

stehlen –Utogstjaele hester (OmU) 22.30

Neues Off (& 62 70 95 50) Booksmart (OmU)

16.30, 19.00; Parasite –Gisaengchung (OmenglU)

21.30

Passage (& 68 23 70 18) Bernadette –Where‘d

You Go, Bernadette (OmU) 17.40, 20.30; Bis dann,

mein Sohn –Dijiu tian chang (OmU) 17.00; Joker

(OmU) 20.40; Land des Honigs –Honeyland

(OmU) 16.30; Systemsprenger 18.30; Bernadette

–Where‘dYou Go, Bernadette (OF) 21.00; Das perfekte

Geheimnis 17.20, 20.00

Rollberg (& 62 70 46 45) Official Secrets (OmU)

16.50, 19.30, 22.10; Parasite – Gisaengchung

(OmenglU) 17.30, 20.30; Die Eiskönigin II–Frozen

2(OF) 15.20, 17.40, 20.00, 22.20; LeMans 66:

Gegen jede Chance –Ford vFerrari (OmU) 15.45,

20.00; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 17.20;Porträt einer jungen FrauinFlammen

–Portrait de la jeune fille en feu (OmenglU) 19.00;

Joker (OF) 21.40

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34)

Die Eiskönigin II13.50, 14.10, 16.30; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 16.45, 19.50; Dora und die

goldene Stadt 14.20; Last Christmas14.25, 16.50,

20.20; 3D: Die Eiskönigin II14.30, 17.15, 20.00;

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen 17.00,

19.40; Maleficent: Mächte der Finsternis 17.05;

Joker 19.30; Depeche Mode: Spirits inthe Forest

(OmU) 20.00

Wolf (& 921 039333) Götter von Molenbeek:

Gods of Molenbeek (OmU) 12.00; Marriage Story

(OmU) 12.10, 21.00; Parasite –Gisaengchung

(OmenglU) 13.30; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 14.40; Momo 16.10; Porträt einer jungen

Frau inFlammen –Portrait de la jeune fille en

feu (OmU) 16.30; Querencia –Heimkehren (OmU)

19.00; Bis dann, mein Sohn –Dijiu tian chang

(OmU) 20.00


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Pantomime &Performance

ihren Stücken, die Kunst selbst.

Denn gerade für eine Tänzerin heißt

es in der Regel: Aufstehen! Sich bewegen,

was herzeigen! Aber wollen

wir das eigentlich noch in diesen immer

weiter durchfunktionalisierten,

neoliberalen Zeiten? Pfundtner ist

bekannt für ihren Sprach- und Bewegungswitz,

der ihren Arbeiten von

Anfang aneigen war und den sie sich

vielleicht sofrisch erhalten konnte,

weil sie auch immer wieder mit und

für Kinder und Jugendliche arbeitet.

Aufgestanden wirdbeimStaatsballett

auf alle Fälle. Bevor im Dezember

mit zwei zeitgenössischen

Premieren noch einmal richtig Gas

gegeben wird, steht jetzt erst einmal

das klassisch romantische

Grand Ballet „La Bayadere“ auf

dem Programm. Marius Petipa,

der Schöpfer dieses 1877 in St. Petersburg

uraufgeführten Stücks,

übernahm für seine Divertissements

einst eins zu eins Illustrationen,

die damals auf einer Indienreise

desPrinzen of Walesentstanden

waren. In aktualisierten

Fassungen,wie sie in der Regel üblich

sind, verwischt sich der historische

Kontext.

TANZ

Festival Alles ist Material 20 Jahre

„postdramatisches Theater“, Karten und

Informationen unter Tel.: 25900427

oder:www.hebbel-am-ufer.de

Platz nehmen 22. 11., 20 Uhr;

23.11., 20.15Uhr im Theaterdiscounter,

Klosterstr.44, Tel.: 28093062

La Bayadere 22., 23. 11., 23.12.

19.30Uhr,25., 29. 12., 16Uhr,

Staatsoper,Unter den Linden,

Tel.: 206092630

Ein Festival im HAU,

Antje Pfundtner im Theaterdiscounter

und „La Bayadere“ in

der Staatsoper

SIMONE SCARDOVELLI

Für das Staatsballett hat Alexei

Ratmansky, Petipa-Experte und einer

der wichtigsten klassischen Choreografen

der Gegenwart, so weit wie

möglich die Urfassung rekonstruiert.

Herausgekommen ist ein großes Ballett,

das tatsächlich ein wenig den

Atem einer anderen Zeit in sich trägt.

Der legendäre Weiße Akt im Königreich

der Schatten, bei dem 32 Schatten

aus dem nebelverhangenen Himalaja

herabsteigen und die beiden

einander unglücklich liebenden

Hauptfiguren Nikia und Solor sich

im Traum vereinen, wird sowieso

meinst nah an der historischen Vorlage

inszeniert. Aber die Bewegungen

sind athletischer.Oft werden Figuren

psychologisiert, die Handlung

wird gestrafft und oft auch subtiler

gestaltet. Auf Pantomimen wird, wo

immer möglich, verzichtet. Bei Ratmansky

gibt es davon reichlich. Mit

seiner Rekonstruktion erschließt er

gerade durch den überbordenden

indisch-exotistischen Pomp − mit

seinen toten Tigern und Elefanten,

mit den Tempeldienerinnen,

Schlangenbeschwörern, Fakiren

und Feuertänzern − neue, ungewohnte

Perspektiven.

Müller-Salon

Der Rausch ist

vorbei, nichts

ist geklärt

Im Jahr 1991 fragte der damals

noch für den Tagesspiegel,

später für die Berliner Zeitung

als Feuilletonchef tätige

Stephan Speicher (herzliche

Grüße!) den Dramatiker und

Gegenwartserklärer Heiner

Müller ziemlich provozierend:

„Müsste man die Mauerwieder

bauen?“ Wir wissen nicht, wie

lange Müller überlegte, jedenfalls

antwortete er nicht mit

Nein, sondern: „Man soll nicht

so tun, als ob da kein Riss ist.

Diesen Riss muss man sich erst

einmal bewusst machen und

analysieren, was mit der Vereinigung

nicht funktioniert. Es

war lange eine Tendenz, im

Bierrausch alles für geklärt zu

halten.“ Der Bierrausch ist

vielleicht vorbei, aber die Analyse

noch lange nicht. Heute,

im 30. Jahr des vereinigten

Deutschlands gibt es Gelegenheit

zur Fortsetzung. Beim 15.

Müller-Salon. Mit Durs Grünbein,

Gabriele Gysi und Kerstin

Hensel. Ulrich Seidler

30 nach 89,Müller-Salon #15 20 Uhr

im Deutschen Theater, T.:28441225

Philharmonie/Kammermusiksaal (& 25 48 81 32)

20.00: Pianistin iO,Wagner:Tannhäuser-Ouvertüre;

Schumann: Kinderszenen op. 15 Nr.7„Träumerei“;

Mozart: KlavierkonzertNr. 23 A-Dur,2.Satz Adagio, 2.

Satz des Klavierkonzerts C-Dur,Andante; Suppé: Ouvertüre

zum Lustspiel „Dichter und Bauer“; Hummel:

Variations sur un thème d’Armide de Gluck op.57,

Variation Nr.9;Clementi: Adagio cantabile con grande

espressione; Sibelius: Finlandia op. 26 Nr.7

St. Marien-Kirche Mitte (& 242 44 67)

13.30: Orgel zur Mittagszeit

WunderkammerWerkstatt (Thomasstr.61)

19.30: Bertali –italienische Musik in Wien: Christoph

Timpe (Violine), Sarah Perl (Viola da Gamba), Peter

Uehling (Cembalo), FrühbarockeSonaten am Wiener

Hof vonAntonio Bartali u. a.

KINDER

Atze Musiktheater (& 81 79 91 88)

10.00 Studio: Des Kaisers neue Kleider (ab5J.)

10.30: Bach. Das Leben eines Musikers–Kurzversion

(ab 9J.)

Cabuwazi –Zelt Kreuzberg (& 29 04 78 40)

16.00: „Im Kiez zu Hause“ bei CABUWAZI Kreuzberg,

Mitmachzirkus für die ganze Familie (ab 8J.)

FELD –Theater für Kinder und Erwachsene

(& 54 08 69 48) 15.00: Die Weihnachtsgans

Auguste, artisanen, Puppentheater (ab 4J.)

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

16.00: Im Labyrinth der Bücher,Young Show(ab 5J.)

Theater an der Parkaue (& 55 77 52 52)

18.00: Unterscheidet euch!, Turbo Pascal, Ein

Gesellschaftsspiel –interaktiveInszenierung (ab 10

bis 14 J.)

Varia Vineta (& 43 72 32 44)

16.00: Der gestiefelte Kater (ab 3J.). Anm. erf.

LITERATUR/VORTRAG

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Fox, oder der kleine Klavierschwuindel,

Wolfgang Schlüter

Cafe Tasso (& 48 62 47 08)

20.00: Berliner Märchentage: Eibenklang „Doch alle

Lust willEwigkeit“. Geschichten und Lieder vonTod &

Leben, Lesung

Der Zauberberg (& 56 73 90 91)

20.00: Jurek Becker:„Am Strand vonBochum ist

allerhand los“, mit Christine Becker,Buchpräsentation

und Gespräch

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

20.00: 30 nach 89 –Müllersalon #15: „Woist der

Morgen,den wir gesternsahen?“, Heiner Müllers Lyrik

mit Durs Grünbein, Gabriele Gysi und Kerstin Hensel,

Gespräch und Lesung

Eschenbräu (Triftstr.67)

20.30: Brauseboys –Die LesehowimWedding,Thilo

Bock, Nils Heinrich, Frank Sorge, RobertRescue,

Volker Surmann, HeikoWerning undGäste

Haus für Poesie (& 48 52 45 -0)

19.30: Epigraphiker des Glücks, MathiasÉnard,

Mod.: Lothar Müller

Hugendubel Steglitz (& 34 04 84)

20.15: Die LangeNacht des Lesens mit Günter Keil

und Karla Paul, Ein Literatur-Wettkampf.Gäste sind:

Bibo Loebnau undLars Amend

Lettrétage (& 692 45 38)

20.00: Greek Writers@Berlin –TeilIII, ChristosAsteriou

und Andreas Schäfer,mit Diskussion, Mod.: Cornelia

Jentzsch

Mosse-Palais (Vossstr.22)

19.00: Taucher in der Wüste, Udo Scheer,Andreas

Schirneck. Anm. erf.

Nicolaische Buchhandlung (& /8 52 40 05)

19.30: Wirwollen es noch einmal wissen. Frauen, die

kein Alter kennen, Nicole Andries, Buchvorstellung &

Gespräch. Anm. erf.

enaissance-Theater (& 312 42 02)

20.00: Michael Kohlhaas, vonHeinrich vonKleist, mit

Jürgen Thormann

Schmargendorfer Buchhandlung (& 82 30 97 77)

20.00: Sauerbruch und die Charité, Christian Hardinghaus,

Lesung und Wein

Theater o.N. (& 440 92 14)

20.00: Bilder lernen laufen, indem mansie

herumträgt, Volker Gerling,Ein Daumenkino-Kino-Abend

Z-Bar (& 28 38 91 21)

20.00: Lesebühne:Ohne Wenn Und Laber,Thomas

Manegold, Matthias Niklas und Josias Ender +Gregory,Gast:

Susanne Riedel

KONZERT

A-Trane (& 313 25 50)

21.00: Katie Thiroux Trio

Badehaus (& 95 59 27 76)

20.00: Kyson

Beate Uwe (Schillingstr.31)

21.00: Zazou, BeHome

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: InjuryReserve

Bi Nuu (& 69 56 68 40)

20.00: Lil Tecca

Brotfabrik (& 471 40 01)

20.00 Kneipe:Robert Keßler Trio

Café Lyrik (& 44 31 71 91)

19.30: Cécile Rose&Trio Scho, Belles de Nuit

Cassiopeia (& 47 38 59 49)

20.00: The Sherlocks

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: August BurnsRed, special guests: Erra,

Currents

Festsaal Kreuzberg (& 551 50 65 87)

20.00: Die Höchste Eisenbahn

Gretchen (& 25 92 27 02)

21.00: Odezenne

Haus der Kulturen der Welt (& 39 78 71 75)

20.00: Right the Right: Hermeto Pascoal

Huxleys Neue Welt (& 301 06 80 88)

19.00: Eluveitie, support: LacunaCoil, Infected Rain

Kater Blau (Holzmarktstr.25)

21.00: Yeah But No, support: Peter Schumann, The

Ghost Of Helags, Kater in Concert

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

20.00: Tiere streicheln Menschen –Martin „Gotti“

Gottschild und Sven VanThom: Zwei Moorleichen

auf Ibiza

Kulturbrauerei/Kesselhaus (& 44 31 51 00)

20.00: Max &Iggor Cavalera, Beneath the Arise

Kulturbrauerei/Maschinenhaus (& 44 31 51 00)

20.00 Maschinenhaus: A.G.A

Lido (& 69 56 68 40)

20.00: Hot Water Music

Maze (& 55 51 84 54)

20.00: ELK, Violet Fields, Bands &Bars

Musik &Frieden (Falckensteinstr.48)

19.30: Dead City Ruins, Mammoth Mammoth

20.00: Six60

Petruskirche Lichterfelde (& 81 80 99 66)

20.00: Falk Zenker &Florian MayerDuo, Klangmalerei

Pierre Boulez Saal (& 47 99 74 11)

19.30: Naseer Shamma (Oud) &Barcelona Guitar

Trio, Paquito Escudero (Schlagzeug)

PrivatClub (& 61 67 59 62)

20.00: Bernhari, Pointex (Solo), Aurores Montréal –

Berlin Edition #3

Quasimodo (& 318 04 56 70)

22.30: TheGodfathers

Roadrunner’sClub (Saarbrücker Str.24)

20.00: The Hillbilly Moon Explosion

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Rusira Mixtett

Urban Spree (Revaler Str.99)

21.00: Wives

KINO

PANKOW

Blauer Stern (& 47 61 18 98) Die Eiskönigin II

13.30, 15.50, 18.10, 20.30; Lara 15.30, 17.50,

20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) Die Eiskönigin

II 13.40, 16.00, 18.20, 20.40; Bernadette

14.40, 17.30; Bernadette –Where‘d You Go, Bernadette

(OmU) 20.20; Lara 15.20, 17.40, 20.00;

Land des Honigs –Honeyland (OmU) 15.00; Bis

dann, mein Sohn 17.00; Das perfekte Geheimnis

17.20, 20.40; But Beautiful –Nichts existiert unabhängig

(OmU) 14.45; Parasite 20.00

Kino & Bar in der Königstadt (&

01 63/262 7280) Marriage Story (OmU) 16.30;

The Irishman (OmU) 19.00

Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00) Shaun das

Schaf: Der Film: UFO-Alarm 13.30; Deutschstunde

13.30; Das perfekte Geheimnis 13.45, 16.45,

19.45; My Zoe 13.50; Die Eiskönigin II 14.00,

17.00, 20.00; Booksmart 14.00; Systemsprenger

14.10; Lara 14.10, 16.30, 19.00; Official Secrets

15.45, 21.40; Bernadette 16.20, 19.00; Joker

(OmU) 16.30, 19.30; Der Glanz der Unsichtbaren

16.30; Pferde stehlen 17.00, 21.30; Around The

World in14Films: Ein verborgenes Leben –AHidden

Life 19.00, 19.30; Depeche Mode: Spirits in

the Forest (OmU) 20.00; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 22.30; Die Eiskönigin II –Frozen 2(OmU)

22.30; Parasite 22.40; Joker (OF) 22.50

Krokodil (& 44 04 92 98) Was gewesen wäre

18.00; Land desHonigs –Honeyland(OmU) 19.30;

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya –Gospod postoi,imeto

i‘ ePetrunija (OmU) 21.15

Lichtblick (& 44 05 81 79) Land des Honigs –

Honeyland (OmU) 18.00; Porträt einer jungen Frau

in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu (OmU)

19.30

UCI Colosseum (& 44 01 92 00) Das perfekte

Geheimnis 14.10, 17.00, 19.45, 23.00; Die

Eiskönigin II 14.15, 16.50; 3D: Die Eiskönigin II

14.20, 17.10, 20.00, 22.45; Angry Birds 2:Der

Film 14.25; Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm

14.30; Booksmart 14.30; Last Christmas 14.40,

17.15, 19.50; Die Addams Family 14.40; Everest:

Ein Yeti will hoch hinaus 14.45; Dora und die goldene

Stadt 14.45; Le Mans 66: Gegenjede Chance

16.40; Joker 16.45, 19.50, 23.00; Stephen Kings

Doctor Sleeps Erwachen 16.55, 20.20, 22.40; Ich

war noch niemals in New York 17.05; 3D: Die Addams

Family 17.15; Bernadette 17.15,20.00; 3D:

Die Eiskönigin II–Frozen 2(OF) 20.00; Depeche

Mode: Spirits inthe Forest (OmU) 20.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser 20.05, 22.45; Systemsprenger

20.15; Scary Stories toTell in the Dark

22.50; Terminator –Dark Fate 22.55

Zeiss-Großplanetarium (& 42 18 45 12) RBG –

Ein Leben für die Gerechtigkeit 17.30

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 0200) Angry Birds

2: Der Film 13.30; Last Christmas 13.40, 16.30,

19.40, 23.00; 3D: Die Eiskönigin II 13.45, 16.45,

19.45, 22.45; Das perfekte Geheimnis 13.50,

16.30, 20.20, 23.10; Die Addams Family 14.00;

Maleficent: Mächte der Finsternis 14.05; Die Eiskönigin

II 14.30, 17.15, 20.15; Bayala – Das

magische Elfenabenteuer 14.30; Unsere Lehrerin,

die Weihnachtshexe 14.40; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 16.05, 19.30, 22.30; 3D: Maleficent:

Mächte der Finsternis 16.45; Joker 16.50,

19.55; Ich war noch niemals in New York 17.15;

Der letzte Bulle 17.15; Zombieland 2: Doppelt hält

besser 19.40, 23.15; Le Mans 66: Gegen jede

Chance 19.40; Es: Kapitel II22.30; Midway –Für

die Freiheit 23.00; Terminator –Dark Fate 23.05;

Halloween Haunt 23.20

SCHÖNEBERG

Cinema Walther-Schreiber-Platz (& 852 3004)

Ich war noch niemals in New York 14.30, 17.15,

20.15

Cosima (& 85 07 58 02) Ich war noch niemals in

NewYork 18.00; Systemsprenger 20.15

Odeon (& 78 70 40 19) Bernadette –Where‘dYou

Go, Bernadette (OmU) 15.20, 20.30; Marianne &

Leonard –Words of Love (OmU) 18.10

Xenon (& 78 00 15 30) Leid und Herrlichkeit –

Dolor ygloria (OmU) 18.00; Porträt einer jungen

Frau in Flammen –Portrait de la jeune fille en feu

(OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 02 11) Unsere

Lehrerin, die Weihnachtshexe 10.00; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00, 12.00;

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 10.00; Die Eiskönigin

II 10.00, 12.30, 15.00, 17.40; Die Addams

Family 10.00, 12.10, 14.10; 3D: Die Eiskönigin II

11.55, 14.25, 17.10, 19.50, 22.55; Bayala –Das

magische Elfenabenteuer 12.10; Das perfekte Geheimnis

14.00, 17.15, 20.20, 23.00; Maleficent:

Mächte der Finsternis 14.10; Le Mans 66: Gegen

jede Chance 16.40, 19.30, 22.30; Last Christmas

16.50, 20.10; Joker 20.00, 22.50; Zombieland 2:

Doppelt hält besser 23.10

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 60 81) Systemsprenger

12.45; Ich war noch niemals in New

York 15.15,20.15; Deutschstunde 17.45

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Last Christmas14.30,

17.15, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 0520)

Shaun das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 10.00,

12.00, 14.45; Dora und die goldene Stadt 10.00;

Die Eiskönigin II10.00, 12.10, 15.00, 17.45; 3D:

Die Eiskönigin II 10.00, 14.15, 17.15, 20.15; Die

Addams Family 10.00, 12.35; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 10.00; Everest: Ein Yeti will

hoch hinaus 12.00; Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

12.10; Maleficent: Mächte der Finsternis

12.15; Das perfekte Geheimnis 14.10, 17.00,

17.35, 20.00, 20.30,22.50; DieEisköniginII–Frozen

2(OF) 14.15; Bernadette 14.50; Joker 16.40,

19.50, 23.00; Le Mans 66: Gegen jede Chance

16.45, 23.00; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

17.00, 20.30, 22.45; Depeche Mode: Spirits

in the Forest (OmU) 20.00; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.30, 23.00

Thalia Movie Magic (& 774 34 40) Ich war noch

niemals in New York 15.15; 3D: Die Eiskönigin II

15.30, 18.00, 20.30; Die Addams Family 15.30;

Das perfekte Geheimnis 15.30, 18.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 17.30, 20.30; Last

Christmas 18.00, 20.30; Depeche Mode: Spirits in

the Forest (OmU) 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Magical History Tour:

Der silberne Planet –Na srebrnym globie (OmenglU)

19.00; Rithy Panh: L‘image manquante –Das

fehlende Bild: The Missing Picture (OmenglU) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Die Eiskönigin II 12.30, 13.40, 16.30, 16.50,

19.00, 19.30, 22.00; Stephen Kings Doctor Sleeps

Erwachen 13.00, 16.40, 20.15, 22.40; Le Mans

66: Gegen jede Chance 13.00, 16.30, 20.15,

22.40; 3D: Die Eiskönigin II13.00, 14.00, 16.00,

16.40, 19.40, 23.00; Playmobil: Der Film 13.30;

Der König der Löwen 13.30, 16.00; Das perfekte

Geheimnis 13.30, 16.40, 19.50, 23.00; Angry

Birds2:Der Film 13.30; Shaun dasSchaf:Der Film:

UFO-Alarm 13.40; Maleficent: Mächte der Finsternis

13.40, 16.40, 20.00; Last Christmas 13.40,

16.45, 19.45, 22.40; Ich war noch niemals in New

York 13.50; Dora und die goldene Stadt 13.50;

Die Addams Family 14.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 14.15; Joker 14.30, 16.20, 19.30,

19.40, 22.30; Systemsprenger 16.30; Official Secrets

16.30, 19.30; Zombieland 2: Doppelt hält

besser 16.40, 19.50, 22.50; Booksmart 16.40;

Parasite 16.45, 19.30; Bernadette 16.50, 19.45;

Lara 17.00, 19.50; Once Upon aTime in... Hollywood

22.30;Midway–Für dieFreiheit 22.30; Black

andBlue 22.40; Terminator –DarkFate 22.50; Halloween

Haunt 23.00

CineStar im Sony Center (& 04 51/703 02 00)

Blade Runner (OmU; Remasterd Version) 10.15;

Booksmart (OF) 13.20; Last Christmas (OF) 13.30,

17.30, 19.30, 22.20; 3D: Die Eiskönigin II –Frozen

2(OF) 13.30,16.30, 19.30, 22.10; Die Eiskönigin

II –Frozen 2(OF) 13.50, 16.00; Shaun das Schaf:

Der Film: UFO-Alarm –Shaun the Sheep Movie:

Farmageddon (OF) 14.00; Maleficent: Mächte der

Finsternis –Maleficent: Mistress of Evil (OF) 14.30;

Once Upon a Time in... Hollywood (OF) 16.00;

Bernadette – Where‘d You Go, Bernadette (OF)

16.15; Le Mans 66: Gegen jede Chance –Ford v

Ferrari (OF)16.30, 19.20; Joker(OF)17.00, 20.15,

23.15; Stephen KingsDoctor Sleeps Erwachen (OF)

19.30,23.00; Sneak Preview (OF) 20.00; Depeche

Mode: Spirits inthe Forest (OmU) 20.00; Zombieland

2: Doppelt hält besser–Zombieland2:Double

Trap (OF) 22.40;Terminator –Dark Fate (OF) 22.40;

Parasite 23.15

CineStar IMAX (& 04 51/7030200) 3D: Galapagos:

Wunderland der Natur 11.30; 3D: Die EisköniginII–Frozen2(OF)

13.15, 19.15; 3D: DieEiskönigin

II 16.15;LeMans 66: Gegenjede Chance–Ford

vFerrari (OF) 22.00

Filmrauschpalast (& 394 4344) Parasite –Gisaengchung

(OmU) 17.30; Zombieland 2: Doppelt

hält besser –Zombieland 2: Double Trap (OF)

20.00; Joker (OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

14.00, 16.00; Die Eiskönigin II 14.00,

16.30; Das perfekte Geheimnis 14.30, 17.15,

20.00, 22.30; 3D: Die Eiskönigin II15.00, 17.30,

20.00, 22.45; Die Addams Family 15.00; Stephen

Kings Doctor Sleeps Erwachen 17.00, 20.00,

22.00; Last Christmas 18.00; Zombieland 2: Doppelt

hält besser 20.00, 22.45; Depeche Mode: Spirits

inthe Forest 20.15; Joker 22.30

Casablanca (& 677 5752) Ich war noch niemals

in New York 10.00; Joker 17.45; Depeche Mode:

Spirits inthe Forest 20.30

CineStar Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

Everest: Ein Yeti will hoch hinaus 14.00; Dora

und die goldene Stadt 14.00; 3D: Die Eiskönigin

II 14.00, 17.15, 20.00, 22.30; Angry Birds 2:

Der Film 14.00; Ich war noch niemals in New York

14.15; Die Addams Family 14.15, 17.10; Das perfekte

Geheimnis 14.15, 16.40, 20.10, 22.50; Last

Christmas 14.30, 17.15, 19.40, 23.10; Die Eiskönigin

II14.30, 16.45,19.30; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 16.25, 19.45, 22.30; Le Mans

66: Gegen jede Chance 16.25, 19.45; Joker 17.00,

20.15, 22.50; Maleficent: Mächte der Finsternis

17.15; Depeche Mode: Spirits in the Forest (OmU)

20.00; Zombieland 220.15, 23.10; Midway –Für

die Freiheit 23.00; Scary Stories to Tell in the Dark

23.10; Halloween Haunt 23.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Dora

und die goldene Stadt 12.00; Bayala –Das magische

Elfenabenteuer 12.00; Recep Ivedik VI (OmU)

14.00, 17.10, 20.10, 23.00; Maleficent: Mächte

der Finsternis 14.00; Last Christmas 14.10,17.00,

19.50; Das perfekte Geheimnis 14.10, 17.00; 3D:

Die Eiskönigin II 14.20,16.45, 19.30; Die Addams

Family 14.20; Die Eiskönigin II15.00, 17.45; Le

Mans66: Gegen jede Chance 16.20, 20.00, 22.15;

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen 16.45,

20.30,22.30; Joker 20.00, 22.50; Depeche Mode:

Spirits in the Forest (OmU) 20.00; 7. Kogustaki

Mucize –Das Wunder inZelle Sieben (OmU) 23.00

City Kino Wedding (& 01 77/270 19 76) Parasite

18.45; Joker (OmU; mit Vorfilm) 21.15

WEISSENSEE

Brotfabrik (& 471 4001) Götter von Molenbeek:

Gods ofMolenbeek (OmU) 18.00; Einfach Leben

(OmU) 19.30; PJ Harvey –ADog Called Money

(OmU) 21.30

Toni (& 92 79 12 00) Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.30; Die Eiskönigin II12.30, 14.45,

17.00, 19.15; Fritzi –Eine Wendewundergeschichte

10.00; Das perfekte Geheimnis 12.45, 15.15,

17.45, 20.15

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) Systemsprenger

15.30; Parasite 18.00; Bernadette 20.30

Eva (& 92 25 53 05) Was gewesen wäre 15.30;

Land des Honigs –Honeyland (OmU) 17.45;Official

Secrets 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Shaun das Schaf: Der Film:

UFO-Alarm16.00; DerGlanzder Unsichtbaren –Les

invisibles (OmU) 18.00; Deutschstunde 20.30

Capitol (& 831 6417) Lara 15.30, 18.00, 20.30

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) Systemsprenger

19.00; Synonymes (OmU) 21.15

ThaliaPotsdam (& 03 31/7437020) Marianne &

Leonard –Words of Love (OmU) 13.30; Lara 13.45,

17.30, 19.30; Was gewesen wäre 14.00; Porträt

einer jungen Frau in Flammen 15.45; Bernadette

15.45, 18.15; Das perfekte Geheimnis 16.00,

18.30, 20.45; Das Forum (OmU) 18.15; Pferde

stehlen 20.45; Depeche Mode: Spirits inthe Forest

(OmU) 21.00; Official Secrets 21.30

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 70)

Die Addams Family 13.40; Die Eiskönigin II13.45,

14.10, 16.40; Das perfekte Geheimnis 13.50,

16.50, 20.00; Last Christmas 14.00, 17.10, 19.55;

3D: Die Eiskönigin II 14.00, 17.00, 20.00; Shaun

das Schaf: Der Film: UFO-Alarm 14.10; Everest: Ein

Yeti will hoch hinaus 14.15; Stephen Kings Doctor

Sleeps Erwachen 16.20, 19.40; Ich war noch niemals

inNew York 16.30; Maleficent: Mächte der

Finsternis 16.45; Joker 16.45, 19.55; Sneak Preview

20.00; Depeche Mode: Spirits inthe Forest

(OmU) 20.00, 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 88 77) Die AddamsFamily15.00;Das

perfekte Geheimnis17.15,

20.00

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/

46 97 77) Der Distelfink 17.15; Das perfekte Geheimnis

20.00

CineStar Wildau A10-Erlebniswelt (& 04 51/

703 0200) 3D: Die Eiskönigin II 14.00, 17.00,

20.00; Addams Family 14.00, 17.30; Das perfekte

Geheimnis 14.00, 17.15, 20.10; Shaun das Schaf:

UFO-Alarm 14.15; Maleficent: Mächte der Finsternis

14.15, 17.00; Die Eiskönigin II 14.30, 16.30,19.30;

Everest:Ein Yeti 14.40;LastChristmas 14.45, 17.20,

20.00; Dora und die goldene Stadt 14.45; Bayala

14.45; Le Mans 66: Gegen jede Chance 16.30,

19.30; Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

16.45, 19.45; Der letzte Bulle 17.05; Joker 17.20,

20.15;Midway 19.45; Depeche Mode: Spiritsinthe

Forest (OmU) 20.00; Zombieland 220.20

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Spatzenkino

10.00; Rocca verändert die Welt 10.00;

Maleficent: Mächte der Finsternis 15.15; 3D: Die

Eiskönigin II 15.30, 18.00, 20.30; Die Addams

Family 15.30; Das perfekte Geheimnis 17.45; Last

Christmas 18.00, 20.30; Depeche Mode: Spirits in

the Forest 20.30

Linden-Kino Wusterhausen (& 03 39 79/145 93)

3D: Die Eiskönigin II16.00, 19.45


26 * Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Netzwerk

WERKSTATT

Flacher

Fernseher,

flacher Ton?

VonDaniel Dangelmaier

Viele moderne Fernseher haben

eine eklatante Schwäche: IhrTon

ist ebenso flach wie der Bildschirm.

In dem schlanken Design haben die

Lautsprecher keine Möglichkeit, einen

voluminösen Klang zu erzeugen.

Wersich aber nicht gleich eine

aufwendige und teureSurround-Anlage

anschaffen will, findet in Soundbars

eine gute Möglichkeit, die Audioausgabe

aufzuwerten.

Diese balkenförmigen Geräte beherbergen

mehrere kleine Lautsprecher.

Durch deren Anordnung und

spezielle elektronischer Verfahren

kann ein Raumklang simuliert werden.

Die Lautsprechersysteme lassen

sich bequem unter oder vordem

Fernseher platzieren und sind

schnell per Kabel oder Funktechnologie

mit dem Heimkino verbunden.

An die natürliche und präzise

Klangqualität eines soliden 5.1-Surround-Systems

kommt die sogenannte

Virtual-Surround-Akustik

der Soundbars normalerweise nicht

heran. Außerdem verliert sich der

3D-Effekt in weitläufigen und spärlich

eingerichteten Räumen, weil

dort die Schallwellen kaum reflektiert

werden. Doch in rechteckigen

Zimmern mit bis zu 50 Quadratmetern

können Leisten eine mehr als

akzeptable Lösung sein.

Insbesondere Modelle mit einem

größeren Chassis versprechen ein

gutes Klangbild. Ein voluminöses

Gehäuse verstärkt die Tonsignale der

Lautsprecher und baut durch die

Schallreflexionen einen druckvollen

Sound auf. Dazu muss die Verkleidung

allerdings aus einem festen

Material wie Holz, Aluminium oder

dickem Kunststoff bestehen. Geräte

aus dünnem Plastik neigen dazu, ab

einer gewissen Lautstärke mitzuschwingen.

Der ausgegebene Ton

klingt dann dumpf oder verzerrt.

Neben den einfachen Soundbars

bietet der Handel Varianten mit einer

separaten Bassbox an. In den externen

Subwoofern können sich die

richtig tiefen Tonsignale entwickeln,

die Action-Szenen und Musikstücken

einen kräftigen Nachdruck verleihen.

Auch eine anderen Abwandlung der

Soundbars kann ein sattes Klangvolumen

generieren: Die Soundplate

(auch Soundbase oder Sounddeck

genannt) ist kein einfacher Balken,

sondern eine in die Tiefe gehende

Einheit, die als Sockel für Flachbildgeräte

dient. Sie erinnert an einen

DVD-Player und hat durch ihre Dimensionierung

einen vergleichsweise

großen Resonanzkörper.

Günstige Soundbars sind bereits

ab 50 Euro zu haben.Vondiesen Einstiegsmodellen

dürfen die Käufer

natürlich keineWunder erwarten, sie

können in Jugend- oder Schlafzimmernmit

kleinen Fernsehernjedoch

auch eine angenehme Klangfülle

schaffen. Für eine intensive Soundwiedergabe

im Wohnzimmer sollten

Freunde gehobener Akustik zwar

deutlich mehr investieren, richtig

teuer muss es aber nicht sein. Beispielsweise

liegt der Preis für das

Soundbar-Subwoofer-Set YAS-207

von Yamaha, das im vergangenen

Jahr mit einer Note von1,9 Testsieger

bei der Stiftung Warentest wurde,

derzeit bei rund 280 Euro.

Daniel Dangelmaier

hat eine einfache

Soundbar im Einsatz.

Immer wieder kommt es zu Kämpfen zwischen den Aufständischen und Wehrmachtssoldaten.

Alles Kopfsache

DenMachern von „Warsaw“ gelingt es, den Warschauer Aufstand im Computerspielangemessen darzustellen

VonThomas Lindemann

Auf den ersten Blick wirkt

dieses Spiel wie eine Provokation.

Der Warschauer

Aufstand als Game? Mitcomicartig

gezeichneten Figuren? Da

rennt gleich zu Beginn eine Frau

durch eine beschädigte Straße.

„Halt!“, schreit der deutsche Soldat

hinter ihr und lässt dann den Schäferhund

von der Leine. Aus den Ruinen

feuern Aufständische mit Gewehren.

Einer liegt in einer Ecke,das

Foto der Geliebten in der Hand, die

Pistole in der anderen. Blut läuft an

seinem Körper herunter. Offenbar

Selbstmord, da hat die Verzweiflung

einen übermannt.

Diese ersten Sekunden des Spiels

machen gleich klar: Esmag ein Comic

sein –aber es ist einer von der

ernsten Sorte. Geschrieben hat das

Spiel ein kleines Studio aus Warschau,

es gibt keinen großen Konzern

im Hintergrund, sondern nur

ein paar Freunde und Leidenschaft

für eine Idee.

„Essoll keine Pädagogik sein“

„Es soll ein Spiel sein, keine Pädagogik“,

sagt Krzystztof Paplinsky, der

Produzent des Spiels. „Die Leute

wollen eigentlich nichts über den

Warschauer Aufstand hören.“ Im

Ausland wisse man doch nicht einmal

genau, was das war. Dass der

Aufstand im Warschauer Ghetto und

der Warschauer Aufstand zwei verschiedene

Ereignisse sind, könne außerhalb

Polens kaum jemand unterscheiden.

Im Land selbst werden die

Aufständischen, die gegen die Nazi-

Besetzer gekämpft und verloren haben,

freilich als Helden verehrt.

Vielleicht unterschätzt Paplinski

sein eigenes Spiel: Es könnte besonders

im Unterricht bestens funktionieren.

Undeserklärtdie Geschichte

ja auch gleich zu Beginn.„Wir schreiben

das Jahr 1944“ heißt es da. Und

dann wirdman mitten in die historischen

Ereignisse hineingeworfen.

Die Wehrmacht hat Polen seit fast

fünf Jahren besetzt. In der Hauptstadt

Warschau haben die Deutschen

ein Terrorregime installiert.

Am 1. August 1944 gibt die polnische

Exilregierung das Signal zum Kampf.

Unddie Heimatarmee,die nur noch

im Untergrund existiert, kämpft –gegen

den übermächtigen Gegner. Am

2. Oktober wird alles vorbei sein, die

Nazis gewinnen und brennen die

Stadt nieder.

Was man hier spielt, wird man

also niemals gewinnen können. Wir

sind Teil einer kleinen Gruppe von

Kämpfern, müssen aus dem Untergrund

Aktionen organisieren. Zunächst

schaut man auf den Stadtplan

Warschaus von oben –die Macher

des Spiels haben dafür nach

historischen Karten recherchiert,

man sieht hier also das Warschau

von1944, viele Straßennamen gibt es

auch heute noch, aber die Stadt hat

sich natürlich massiv verändert.

Kleine Symbole zeigen, wo das

Geheimversteck der Polen ist, wo

deutsche Truppen stehen und wie

Den Aufständischen hilft die Sanitäterin in der Not.

Verschiedene Spieler können sich verbünden.

Das Spiel beeindruckt durch seine grafische Darstellung.

Der Markt: Die polnische

Gamingbranche ist sehr

aktiv und erfolgreich. Mit der

Reihe „The Wichter“ kommt

ein Welthit aus Polen, den so

kein deutsches Studio je

geschafft hat. Derzeit entstehen

in Spiele wie „Chernobylite“

und „Cyberpunk

2077“, die schon jetzt

Aufsehen erregen.

AKTIVE GAMING-SZENE

gut sie bewaffnet sind. Bewegt man

sich allein durch die Straßen, zeigt

auch das ein rundes Symbol. Eigentlich

sieht alles sehr wie ein Brettspiel

aus –man könnte an Klassiker wie

„Scotland Yard“ oder „Inkognito“

denken. Allerdings erklingen schon

Sirenengeheul und Explosionen aus

der Ferne, eine bedrohliche Atmosphärestellt

sich sofortein.

Trifft man auf deutsche Patrouillen,

beginnt ein Kampf. Da ändert

sich auch die Ansicht, nun zeigt das

Das Spiel: Der Hersteller

ist das polnische Independent-Studio

Pixelated Milk,

das Spiel ist seit September

auf dem Markt. In

„Warsaw“ wird der Warschauer

Aufstand thematisiert.

Das Spielist für den

PC auf der PlattformSteam

erschienen, ab 16 Jahren,

es kostet 20 Euro.

Spiel den Blick auf eine Hauswand

oder eine Brache, vor der die Schießerei

dann beginnt, die gezeichneten

Figuren stehen einander gegenüber.

Die Nazis immer in Uniform,

manchmal mit Hund. Und die Aufständischen

müssen Spielende hier

vorher zu einer Gruppe zusammenstellen.

Das geschieht vorab imVersteck,

einem größeren Haus, indem verschiedene

Charaktere bereitstehen.

Eine gut funktionierende Gruppe

kann dann zum Beispiel aus zwei

Schützen und einer Sanitäterin bestehen,

so können die Bewaffneten

verarztet und geheilt werden, wenn

sie angeschossen worden sind. Das

Kampfsystem funktioniert dabei

nach einem Mechanismus, der unter

Gamernrundenbasiertheißt.

Das bedeutet: Hier muss man

nicht wild unter Zeitdruck herumklicken,

sondern kann in Ruhe entscheiden,

was jede Figur als nächstes

tun soll. Ist man sich dann sicher,geht

der Kampf weiter –die eigenen

Figuren führen ihreAktionen

aus und die Wehrmacht-Soldaten

antworten. Wer sie besiegt, erobert

oft neue Waffen und Güter, mit denen

man die Strategie weiter planen

kann.

Intensiver Soundtrack

PIXELATED MILK

Später gibt es dann verschiedenste

Missionen, die einem vonInformanten

zugesteckt werden –sie spielen

an den Orten, die auf derWarschauer

Karte eingezeichnet sind. Für jede

dieser Missionen muss wieder eine

Gruppe zusammengestellt werden,

die dann losmarschiertund angreift.

Auf dem Weg dahin gibt es

manchmal unerwartete Ereignisse,

denen man sich widmen kann.

Manchmal sind die regelrecht erschütternd.

Da heißt es dann: „Du

hörst erstickte Schreie aus einer

Straße, die gerade einem Bombenangriff

zum Opfer fiel. Ein paar Zivilisten

sind verschüttet, willst Du sie

retten?“ Und die Entscheidung fällt

niemals leicht, denn immer kann es

passieren, dass die Deutschen die

Spieler entdecken.

Es kann auch sein, dass Spieler zu

spät zur Mission erscheinen. Vieles

davon passiert nur über Text –und

man muss es sich vorstellen. Die

Fantasie spielt eine Hauptrolle in

diesem Game. Esholt eine Tugend

der Spiele der Neunziger in die Gegenwart:

Es überlässt viel der Imagination

und lebt vorallen vonAtmosphäre,

voneinem intensiven Soundtrack

und der fast expressionistischen

Farbgebung.

Die polnische Videospielbranche

ist sehr aktiv und enormerfolgreich.

Mit der Reihe „The Wichter“ kommt

ein Welthit aus Polen, den so kein

deutsches Studio je geschafft hat.

Derzeit entstehen in Polen Spiele wie

„Chernobylite“ und „Cyberpunk

2077“, die bereits vorabAufsehen erregten

–erste Präsentationen sahen

fantastisch aus.

„Warsaw“ ist im Vergleich dazu

ein echtes Independent-Spiel –das

so nur in einer lebendigen Gaming-

Szene entstehen konnte.Und es hat

ja auch eine Besonderheit, die es so

noch überhaupt nicht gab: „Dies ist

nicht das erste Spiel aus Polen“, sagt

Chefentwickler Krzystztof Paplinsky

noch. „Aber das erste über

Polen.“

Thomas Lindemann gefiel

die fast expressionistische

Farbgebung des Spiels.

Huawei-Streit

erreicht

CDU-Parteitag

Debatte um chinesischen

Einfluss auf 5G-Ausbau

VonAndreas Niesmann und Daniela Vates

Einer der Punkte, an denen es

schwierig werden könnte auf

dem CDU-Parteitag, heißt 5G: DasInteresse

des chinesischen Konzerns

Huawei am Ausbau des Mobilfunknetzes

in Deutschland hat Besorgnis

hervorgerufen. Durcheinen Initiativantrag

von Norbert Röttgen, Vorsitzender

des Auswärtigen Ausschusses

im Bundestag, hat sich die Debatte

nun noch einmal zugespitzt.

Vertrauenswürdige Telekommunikationsausrüster

könnten nur Firmen

sein, „die nicht unter dem Einfluss

undemokratischer Staaten

ohne funktionierende rechtsstaatliche

Strukturen stehen“, heißt es in

Röttgens Antrag. Wie das zu verstehen

ist, hat er dem Tagesspiegel gesagt:

Deutschland sollte „keinen chinesischen

Staatseinfluss auf das 5G-

Netz zulassen“. Die Entscheidung

darüber solle der Bundestag treffen.

In der CDU-Spitze wird versucht,

dies nicht als Kampfansage darzustellen.

Für eine Debatte im Bundestag

sei man durchaus bereit, heißt es

dort. Allerdings könnten die für das

Thema relevanten Stellungnahmen

der Nachrichtendienste auch im Parlament

nicht öffentlich besprochen

werden.

DerVize-Vorsitzende der Unions-

Fraktion, Johann Wadephul, verwies

zudem auf die wirtschaftlichen Interessen

des Landes: „Die Sicherheitsanforderungen

sind wichtig,

aber gleichzeitig muss beachtet werden,

dass China unser größter Handelspartner

ist“, sagte er der Berliner

Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland).

Huaweiist ein weltweit operierender Telekommunikationsausrüster.

AFP

Auch in der Bundesregierung ist

Linie nur offiziell einheitlich. Bundeskanzlerin

Merkel hat zuletzt am

Montag wiederholt, dass die Regierung

nicht einzelne Firmen bewerte,

sondern Sicherheitsstandards für

das gesamte Telekommunikationsnetz

festschreibe. ImBundesinnenministerium

würde die Fraktion der

Geheimdienstler die Chinesen gerne

heraushalten, schon um die Kooperation

mit den Sicherheitsdiensten

der Amerikaner nicht zu gefährden.

Die Gegenseite in Horst Seehofers

Haus verweist darauf, dass die USA

bis heute keinen einzigen Beweis für

die Behauptung vorgelegt hätten,

dass Huawei seine Technologie für

Spionagezwecke genutzt habe.

Das Außenamt ist einigermaßen

klar positioniert–gegen Huawei. Die

Diplomaten vonMinister Heiko Maas

(SPD) verweisen auf die Gesetzeslage

in China, die Unternehmen verpflichte,mit

den Geheimdiensten der

Volksrepublik zusammenzuarbeiten.

Im Wirtschaftsministerium verweist

man darauf dass es auch Mitwirkungspflichten

für Telekommunikationsanbieter

gegenüber dem Bundesnachrichtendienst

gebe. Zudem

sei ein Ausbau des deutschen 5G-

Netzes in angemessener Zeit und zu

angemessenen Kosten ohne die Chinesen

kaum möglich. Hundertprozentige

Sicherheit gebe es nicht, zumal

auch europäische Firmen wie

Ericsson und Nokia Teile ihrer Komponenten

in China fertigen ließen. Im

Zweifel geht aus Sicht der Wirtschaft

der schnelle Ausbau des für die Industrie

so wichtigen 5G-Netzes vor.


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 27

· ·

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TV-Programm

ARD

9.05 (für HG) Live nach Neun 9.55 (für HG)

Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister des

Alltags 11.15 (für HG) Wer weiß denn sowas?

12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG)

ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG)

Sturm der Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG) Verrückt nach Meer 17.00 (für

HG) Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant 18.00

(für HG) Wer weiß denn sowas? 18.50 (für HG) In

aller Freundschaft –Die jungen Ärzte 19.45 (für

HG) Wissen vor acht –Mensch 19.50 (für HG)

Wetter vor acht 19.55 (für HG) Börse vor acht

20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Bambi 2019

Gala. Im Festspielhaus Baden-Baden

werden nationale und internationale

Stars sowie bisher unbekannte Helden

des Alltags im Rahmen einer glanzvollen

Gala ausgezeichnet.

23.15 (für HG) Tagesthemen

23.30 (für HG) Nuhr im Ersten

Zu Gast: Lisa Eckhart, Torsten Sträter

0.15 (für HG) Die Toten Hosen –

Alles ohne Strom

1.15 (für HG) Tagesschau

1.25 (für HG) Bambi 2019

RTL

5.25 Exclusiv –Das Starmagazin 5.35 Explosiv

–Das Magazin 6.00 Guten Morgen Deutschland

8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten 9.00

Unter uns 9.30 (für HG) Alles was zählt 10.00

Der Blaulicht Report 11.00 Der BlaulichtReport

12.00 Punkt 12 –Das RTL-Mittagsjournal 14.00

Die Superhändler–4Räume, 1Deal 15.00

Schätze aus Schrott 16.00 Mensch Papa! Väter

allein zu Haus 17.00 Herz über Kopf 17.30 Unter

uns. Daily Soap 18.00 RTL-Spendenmarathon

2019 –Der Start 18.30 Exclusiv –Das

Starmagazin 18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Aktuell

–Das Wetter 19.05 RTL-Spendenmarathon 2019

19.10 (für HG) Alles was zählt. Daily Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 Wer wird Millionär? –

Prominenten-Special

Quizshow. Heute müssen Prominente bei

Günther Jauch Nerven bewahren und mit

Wissen klotzen. Denn es geht wieder um

einen guten Zweck.

23.30 RTL-Spendenmarathon 2019 –

Die Hilfe der Stars

0.15 RTL Nachtjournal

0.42 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.45 RTL-Spendenmarathon 2019

0.55 Hilft Beten? Wünschen, hoffen,

denken

MDR

14.00 (für HG) MDR um 2 15.15 (für HG)

Gefragt –Gejagt 16.00 (für HG) MDR um 4

17.45 (für HG) MDR aktuell 18.05 (für HG)

Wetter für 3 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für

HG) Unser Sandmännchen 19.00 Regionales

19.30 (für HG) MDR aktuell 19.50 (für HG)

Außenseiter Spitzenreiter Spezial 20.15 (für HG)

Voss &Team 21.00 (für HG) Hauptsache gesund

21.45 (für HG) MDR aktuell 22.05 (für HG)

artour 22.35 (für HG) Damit du weißt, wer ich

war 23.03 MDR aktuell 23.05 Folge deinem

Stern 23.35 Lugau City Lights 0.28 MDR aktuell

Bayern

11.55 (für HG) In aller Freundschaft 12.40

Fuchs und Gans 13.30 (für HG) Verrückt nach

Zug 14.15 (für HG) Hofgeschichten 14.45 (für

HG) Gefragt –Gejagt 15.30 Schnittgut 16.00

(für HG) Rundschau 16.15 (für HG) Wir in Bayern

17.30 Regionales 18.00 (für HG) Abendschau

18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG)

mehr/wert 19.30 (für HG) Dahoam is Dahoam

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 quer 21.00

Kabarett aus Franken 21.45 Rundschau Magazin

22.00 Ringlstetter 22.45 (für HG) Hindafing

23.30 Woidboyz on the Road 0.00 Startrampe

Vox

5.20 CSI: NY 6.50 CSI: Den Tätern auf der Spur

8.35 Verklag mich doch! 10.50 Vox Nachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind 12.00 Shopping

Queen 13.00 Zwischen Tüll und Tränen 14.00

Mein Kind, dein Kind 15.00 Shopping Queen

16.00 4Hochzeitenund eine Traumreise 17.00

Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein

Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00

Prominent! 20.15 (für HG) Rapunzel –Neu

verföhnt. Animationsfilm, USA 2010 22.10 (für

HG) Colombiana. Actionfilm, F2011 0.10 Vox

Nachrichten 0.35 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

9.25 Thomas &seine Freunde 9.35 Weihnachtsmann

Junior 10.10 Sammy 10.40 Grizzy &die

Lemminge 11.10 Alvinnn!!! 11.40 Go Wild!

12.10 Friends 12.30 Trolls 12.50 Polly Pocket

13.15 Tom und Jerry 13.45 Bugs Bunny &

Looney Tunes 14.15 Angelo! 14.45 Dragons

15.15 Ninjago 15.40 Alvinnn!!! 16.10 Sally

Bollywood 16.40 Barbie 17.10 Grizzy &die

Lemminge 17.40 Angelo! 18.10 Bugs Bunny &

Looney Tunes 18.35 Woozle Goozle 19.05

Alvinnn!!! 19.45 Tom und Jerry 20.15 (für HG)

CSI: Miami 0.00 30 Rock 0.30 Infomercials

Sport1

5.50 Sport Clips 6.00 Teleshopping 15.30 Cajun

Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.00 Cajun

Pawn Stars –Pfandhaus Louisiana 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher 17.00 Storage Wars

–Die Geschäftemacher 17.30 Container Wars.

Doku-Soap. Es ist nicht alles Gold, was glänzt

18.00 Container Wars. Doku-Soap. Acht Tonnen

Spass 18.30 Container Wars. Doku-Soap.

Anfänger 18.55 Handball. Deutschland –Montenegro,

Frauen, live 20.30 FC Bayern Inside 21.00

Sport Quiz 0.00 Sport Clips 0.45 Teleshopping

ZDF

5.15 (für HG) hallo deutschland 5.30 (für HG)

ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) heute Xpress

9.05 (für HG) Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante 11.15 (für

HG) Soko Wismar 12.00 heute 12.10

drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland 14.15 Die

Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute Xpress

15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00 (für HG)

heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die Rosenheim-Cops

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG)

hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute

18.00 (für HG) Soko Stuttgart 19.00 (für HG)

heute 19.20 (für HG) Wetter 19.25 (für HG)

Notruf Hafenkante. Krimiserie. Gier

20.15 (für HG) Die Bergretter: Herzschmerz

Dramareihe, D/A 2019. Ein verletzter

Hund löst eine Suchaktion der Bergretter

aus, denn seine herzkranke Besitzerin

Marie Vogt ist verschwunden.Sie ist mit

einem unbekannten Mann unterwegs.

21.45 (für HG) heute journal

22.15 (für HG) Maybrit Illner

Armutsrisiko Familie –heute Eltern,

morgen arm?

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 (für HG) Heldt

Sat.1

5.30 Sat.1-Frühstücksfernsehen 10.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie!

11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir

kämpfen für Sie! 12.00 Anwälte im Einsatz

13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf Streife

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten 16.00 Klinik

am Südring. Doku-Soap 17.00 Klinik am Südring

–Die Familienhelfer. Doku-Soap. Eine 17-Jährige

bricht im Freibad vor den Augen ihres Freundes

zusammen. Offenbar belastet die Jugendliche

etwas so sehr, dass sie nicht einmal mit ihrer

Mutter darüber sprechen kann. 17.30 Klinik am

Südring /oder Sat.1 Regional-Magazine 18.00

Die Ruhrpottwache 19.00 Genial daneben –das

Quiz 19.55 Sat.1 Nachrichten

20.15 (für HG) FBI: Special Crime Unit

Krimiserie.Serienkiller. Die Ermittler in

New York arbeitenmit Hochdruck daran,

einen Serienkiller zu schnappen, der es

auf junge Frauen abgesehen hat. Er

erdrosselt und schminkt seine Opfer.

21.15 (für HG) Criminal Minds

Krimiserie.Eine Rose und ein Song

22.10 Bull

Dramaserie. Sag’ kein Wort!

23.10 Bull

Dramaserie. Zirkustricks

0.05 (für HG) Criminal Minds

WDR

13.55 (für HG) Lichters Schnitzeljagd 14.25 (für

HG) Tierärztin Dr. Mertens 15.10 (für HG)

Tierärztin Dr. Mertens 16.00 (für HG) WDR aktuell

16.15 Hier und heute 18.00 (für HG) WDR

aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit

18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30

Regionales 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Ihre Meinung 21.45 (für HG) WDR

aktuell 22.10 (für HG) Frau tv 22.40 (für HG)

Menschen hautnah 23.40 (für HG) Holocaust–

Die Geschichte der Familie Weiss (2/4): 1941 –

1942. Drama, CS/USA 1978 1.10 Jazzline

NDR

13.10 (für HG) In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 14.00 (für HG) NDR Info 14.15 (für HG)

die nordstory 15.15 (für HG) Gefragt –Gejagt

16.00 (für HG) NDR Info 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Leopard, Seebär &

Co. 18.00 Regionales 18.15 (für HG) Typisch!

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Regionales 20.00

(für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) mareTV

21.45 (für HG) NDR Info 22.00 (für HG) Allmen

und das Geheimnis des rosa Diamanten.

Kriminalfilm, D/CH 2017 23.30 (für HG) Unterm

Radar. Thriller, D2015 1.00 (für HG) extra 3

Kabel eins

5.00 Navy CIS 5.50 Blue Bloods –Crime Scene

New York 9.25 (für HG) Navy CIS: L.A. 10.20

Navy CIS 11.10 Without aTrace –Spurlos

verschwunden 12.05 Numb3rs –Die Logik des

Verbrechens 13.00 (für HG) Castle 14.00 (für

HG) The Mentalist 14.55 (für HG) Navy CIS: L.A.

15.50 kabel eins news 16.00 Navy CIS 16.55

Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein

Lokal –Der Profi kommt 18.55 Achtung

Kontrolle! Wir kümmern uns drum 20.15 Teenies

allein daheim 22.25 K1 Magazin 23.30 Trecker

Babes 1.25 kabel eins late news

RTLZWEI

5.15 Privatdetektive im Einsatz 6.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 7.00 Die

Straßencops Süd –Jugend im Visier 8.00 Frauentausch

10.00 Frauentausch 12.00 Frauentausch

14.00 Station B1 –Kinderärzte mit Herz 15.00

Die Wache Hamburg 16.00 Die Wache Hamburg

17.00 News 17.04 Wetter 17.05 Krass Schule

–Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05

Berlin –Tag &Nacht 20.15 Hartes Deutschland

–Leben im Brennpunkt 22.15 Der Jugendknast

23.15 Das Messie-Team –Start in ein neues

Leben 1.10 Der Jugendknast

Eurosport 1

8.30 Curling 9.00 Curling. Europameisterschaft

in Helsingborg. Männer, Vorrunde, live 12.00 Ski

Alpin 12.40 Ski Alpin 13.10 Ski Alpin. FIS

Weltcup 2019/20 in Sölden. Riesenslalom

Männer, 2. Lauf 14.00 Curling. Europameisterschaft

in Helsingborg. Frauen,Vorrunde, live

17.00 Curling 17.55 Curling 18.50 Nachrichten

19.00 Curling. Europameisterschaft in

Helsingborg. Halbfinale Männer, live 22.05

Nachrichten 22.10 Ski Alpin 22.50 Ski Alpin

23.30 Formel E 0.00 Motorsport

TV-Tipps

3SAT,20.15 UHR DOKUMENTATION

Neue Drogen: legal lebensgefährlich?

Legal Highs sind Substanzen, die harmlos klingen und als Badesalz, Duftoder

Kräutermischung angeboten werden. Siesollen der Entspannung

dienen und sind einfach im Internet zu bestellen. Doch Legal Highs sind

hochgefährlich. Ihr Konsum endet immer öfter tödlich. Analysen zeigen: Fast

alle Produkte enthalten Stoffe,die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Siewirken ähnlich wie Cannabis,Ecstasy oder Kokain, nur um ein Vielfaches

stärker.Die Folgen sind verheerend: Es kommt zu Panikattacken, Wahnvorstellungen,

Muskelkrämpfen, Kreislaufzusammenbrüchen, Herzinfarkten,

Psychosen und –imschlimmsten Fall –sogar zum Tod. Innerhalb weniger

Jahrehat sich die Zahl der Todesfälle durch Legal Highs in Deutschland mehr

als verzehnfacht.Wie kannman gegendiese Drogen vorgehen?

(D/2019)

Foto: ZDF

VOX, 20.15 UHR ANIMATIONSFILM

Rapunzel –Neu verföhnt

Weil sie durch das Berühren von

Rapunzels (Foto) Haar ewige

Jugend erlangen möchte,raubt die

böse Hexe Gothel die Königstochter

aus dem elterlichen Schloss und zieht

sie abgeschottet von der Welt in einem

Turm wie ihr eigenes Kind auf. DasVersteck

liegt in einem Tal, das von Menschen

nicht gefunden werden kann.

Dortwächst die hübsche Rapunzel fast

18 Jahrelang alleine auf, ihr einziger

Kontakt zur Außenwelt ist Gothel.

Diese will das Mädchen nicht aus dem

Turm lassen. Doch dann taucht der

Gauner Flynn am Turm auf. Rapunzels

Freiheit rückt in greifbareNähe.

(USA/2010)

Foto: RTL

SUDOKU

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

2 7

1 3

8 9

8 4 9 6

6 1

7 2

7 8

6 4

6 9 5 2

MitDIAGONALEN-schwer

MIT –SCHWER

4 1

1 8

9 7

6 8

6 2

9

5 4

5 3 1

Auflösung

AUFLÖSUNG

vom VOM20.11.2019

XX. 2019

mittel MITTEL

4 2 3 1 6 8 7 9 5

5 1 6 4 7 9 3 8 2

7 8 9 5 2 3 1 6 4

1 6 5 2 4 7 8 3 9

3 4 8 9 1 5 2 7 6

2 9 7 3 8 6 5 4 1

8 3 1 6 9 2 4 5 7

9 5 4 7 3 1 6 2 8

6 7 2 8 5 4 9 1 3

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM XX. 11. 2019

vom 20.11.2019

schwer

SCHWER

2 4 3 1 7 5 9 8 6

7 9 6 4 8 3 1 2 5

8 1 5 9 6 2 7 4 3

1 5 9 3 2 8 6 7 4

3 7 8 6 4 1 5 9 2

6 2 4 5 9 7 3 1 8

4 6 1 2 3 9 8 5 7

5 3 7 8 1 4 2 6 9

9 8 2 7 5 6 4 3 1

RBB

5.30 (für HG) Panda, Gorilla &Co. 6.20 zibb

7.20 (für HG) Brisant 8.00 (für HG) Brandenburg

aktuell 8.30 (für HG) Abendschau 9.00 (für HG)

In aller Freundschaft 10.30 (für HG) Rote Rosen

11.20 (für HG) Sturm der Liebe 12.10 (für HG)

Julia –Eine ungewöhnliche Frau 13.00 rbb24

13.10 (für HG) Verrücktnach Fluss 14.00 (für

HG) Einmal Dieb, immer Dieb. Gaunerkomödie, D

2007 15.30 (für HG) Tiere bis unters Dach

16.00 (für HG) rbb24 16.15 (für HG) Gefragt –

Gejagt 17.00 (für HG) rbb24 17.05 (für HG)

Panda, Gorilla &Co. 17.55 (für HG) Unser

Sandmännchen 18.02 rbb UM6 18.27 zibb

19.30 (für HG) Abendschau /Brandenburg

aktuell 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Abendshow

Der Comedian IngmarStadelmann

moderiert dieShow, die sich Themen aus

Berlin und Brandenburg humorvoll

annähert. Das Satiremagazin wird live aus

Berlin übertragen.

21.00 (für HG) Quizduell –Olymp

21.45 (für HG) rbb24

22.00 (für HG) Polizeiruf 110: Angst

Krimireihe,D2001. Mit Jutta Hoffmann

23.25 Talk aus Berlin

23.55 Olle Henry

Drama, DDR 1983. Mit Michael Gwisdek

ProSieben

5.10 2Broke Girls. Sitcom. Die französische

Versuchung 5.30 The Middle. Comedyserie 6.10

(für HG) Two and aHalf Men. Sitcom 7.35 (für

HG) The Big Bang Theory. Sitcom 8.55 (für HG)

How IMet Your Mother. Sitcom 10.40 Fresh Off

the Boat. Sitcom. Vier Wochen sitzen 11.05 Mike

&Molly. Sitcom. Der 57er Chevy 11.30 2Broke

Girls. Sitcom 12.30 Mom. Sitcom 13.20 (für HG)

Two and aHalf Men. Sitcom 14.40 The Middle.

Comedyserie 15.35 (für HG) The Big Bang Theory.

Sitcom. Der Proton-Ersatz /Juckreiz im Gehirn /

Bier und Football 17.00 taff 18.00 Newstime

18.10 (für HG) Die Simpsons. Zeichentrickserie.

Glück auf Schienen/Homerland 19.05 Galileo.

Magazin. Die glücklichsten Hühner

20.15 (für HG) Queen of Drags

Castingshow. Die Drag Queens setzen

sich in dieserFolge mit dem Thema

„Universum“ auseinander. Welche Queen

ist von einem anderenStern? Wer sieht

auch als Alien phänomenal aus?

22.35 red.

Infotainment

23.30 Big Stories: Die erfolgreichsten

Solo-Stars

0.30 (für HG) Queen of Drags

2.15 Big Stories: Die erfolgreichsten

Solo-Stars

Arte

8.45 Stadt Land Kunst 9.35 Soldaten der Lüfte

10.25 Soldaten der Lüfte 11.20 Der kluge

Bauch 12.15 (für HG) Re: 12.50 Arte Journal

13.00 Stadt Land Kunst 13.55 (für HG) Topas.

Thriller, USA/GB 1969 15.55 (für HG)

Geheimnisvolle Wildblumen 16.50 (für HG)

Xenius 17.20 Amerika mit David Yetman 17.45

(für HG) Barfuß ohne Sattel 18.30 Das

verborgene Leben der Bonobos 19.20 Arte

Journal 19.40 Re: 20.15 (für HG) Elven –Fluss

aus der Kälte 22.25 Die Erbschaft 0.25

Spartacus und Cassandra. Doku-Film, F2014

3Sat

10.15 (für HG) Kölner Treff 11.45 (für HG) Thema

12.30 Eco 13.00 (für HG) ZIB 13.25 (für HG)

Mustangs 13.55 Odyssee durch Sibirien 14.45

(für HG) Die Magie der Mongolei 15.30 (für HG)

Die letztenNomaden 16.15 Der Esel 17.00 Im

Reich der Zwerge 17.45 (für HG) Radioaktive

Wölfe 18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20

Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

Neue Drogen: legal lebensgefährlich? 21.00

scobel 22.00 (für HG) ZIB 2 22.25 Ein Jude als

Exempel. Drama, CH 2016 23.35 Grüningers

Erbe 23.55 10 vor 10 0.25 Rundschau

Phoenix

9.30 Die Macht der Populisten 10.00 phoenix

vor ort 10.30 Russland verstehen 11.15

Naturkatastrophen 12.00 phoenix vor ort 12.45

Streit um Nordstream 2–Eine Pipeline und die

große Politik 13.15 Tabuthema Einsamkeit

14.00 phoenix vor ort 17.30 phoenix der tag

18.00 Nuklearschmuggel 18.30 Fake Food

19.15 Die Tricks mit Milch und Käse 20.00

Tagesschau 20.15 Das Erbe der Treuhand.

Aufbruch und Ausverkauf /Wut und Wirklichkeit

21.45 heute journal 22.15 Phoenix Runde

23.00 phoenix der tag 0.00 Phoenix Runde

Kika

13.20 Piets irre Pleiten 13.45 Die Zeitfälscherin

14.10 Schloss Einstein –Erfurt 15.00 (für HG)

Tinkas Weihnachtsabenteuer 15.25 (für HG)

Schneewelt 15.50 (für HG) Mascha und der Bär

16.05 (für HG) Chi Rho 16.50 Peter Pan –Neue

Abenteuer 17.35 (für HG) Der kleine Prinz 18.00

Ein Fall für die Erdmännchen 18.15 Esme &Roy

18.35 (für HG) Weißt du eigentlich, wie lieb ich

dich hab? 18.47 Baumhaus 18.50 Unser

Sandmännchen 19.00 Sherazade 19.25 (für

HG) Löwenzahn 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) Kika Live 20.10 (für HG) Find me in Paris

Dmax

5.35 Outback Inferno 6.00 Die Aquarium-Profis

6.55 Infomercial 8.57 Hardcore Pawn 9.20

Auction Hunters 9.50 Infomercial 10.15 Baggage

Battles 11.15 Die Zwangsvollstrecker 12.15

Steel Buddies 13.15 Airplane Repo 14.15

Australian Gold 16.15 Die Zwangsvollstrecker

17.15 Steel Buddies 18.15 A8 –Abenteuer

Autobahn 19.15 Deutschland 24/7 20.15

Asphalt-Cowboys 21.15 Euro Truckers 22.15

Expedition Unknown 23.10 DMAX News 23.15

Expedition Unknown 0.10 DMAX News

Tagesschau 24

5.00 Tagesschau 5.02 Hessenschau 5.30

ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 Marktcheck 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Vergesslich oder schon dement?

11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00

ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.15 Islam. Macht. Schule. 20.00

Tagesschau 20.15 Abnehmen um zu überleben

21.00 Tagesschau 21.02 maischberger. die

woche 22.15 Plusminus 22.45 GlienickerBrück

23.30 Tagesschau vor 20 Jahren 23.45

Tagesthemen 0.00 Kinder aus der Schnapsflasche

0.30 Weltbilder 1.00 Grenzenlose Ganoven

jagd 1.30 Zapp 2.00 Tagesschau

ONE

6.00 Hubert und Staller 6.50 Erlebnisreisen

7.05 Brisant 7.45 Eine Klasse für sich. Komödie

D2019 9.15 Brisant 9.55 Hot in Cleveland

10.15 Hot in Cleveland 10.35 Lindenstraße

11.05 Hubert und Staller 11.55 Sturm der Liebe

12.40 Sturm der Liebe 13.30 Um Himmels

Willen 14.20 Eltern und andere Wahrheiten.

Familienfilm, D2017 15.50 Hubert und Staller

16.40 Hot in Cleveland 17.00 Hot in Cleveland

17.20 Lindenstraße 17.50 Hart aber herzlich

18.40 Sturm der Liebe 19.25 Sturm der Liebe

20.15 Bambi 2019 23.15 Hot in Cleveland

23.35 Hot in Cleveland 23.55 extra 3 0.25 Die

Pierre M. Krause Show 0.55 Bambi 2019

ZDF NEO

7.20 (für HG) Die Akte Medici 8.05 Topfgeldjäge

9.00 Lafer!Lichter!Lecker! 9.45 (für HG) Bares

für Rares 10.35 (für HG) Bares für Rares 11.30

Bares für Rares 12.15 (für HG) Monk 12.55 (für

HG) Monk 13.35 Psych 14.15 Psych 15.00 (für

HG) Monk 15.40 (für HG) Monk 16.20 Psych

17.00 Psych 17.45 (für HG) Bares für Rares

18.35 Bares für Rares 19.20 (für HG) Bares für

Rares 20.15 (für HG) Letzte Spur Berlin 21.00

(für HG) Letzte Spur Berlin 21.45 (für HG)

heute-show 22.15 Neo Magazin Royale mit Jan

Böhmermann 23.00 (für HG) Eichwald, MdB

23.35 (für HG) Eichwald, MdB 0.05 Neo

Magazin Royale mit Jan Böhmermann

ZDF INFO

11.30 (für HG) Deutschland und die Flüchtlinge

12.15 Migration 13.00 Operation souveräne

Grenzen Australiens harte Migrationspolitik 13.3

(für HG) Nelson Müllers Nudel-Check 14.15 (für

HG) Nelson Müllers Lebensmittelreport 15.00

(für HG) Obi, Dehner &Co. 15.50 (für HG)

Rossmann, dm &Co. 16.35 (für HG) Die Tricks

der Kosmetikindustrie 17.20 (für HG) Das

Lidl-Imperium 18.05 (für HG) Abzocke in

Deutschland 18.45 Firmen am Abgrund 20.55

(für HG) Die Tricks der Lebensmittelindustrie

21.40 Rotes Gold 22.25 (für HG) Nelson Müller

Käse-Check 23.10 (für HG)Aldi oder Lidl? 23.5

(für HG) Rewe oder Edeka? 0.35 heute journal

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik für Einsteiger Klein und nicht fein

–Musik über Zwerge, Gnome und Trolle. Mit

Stephan Holzapfel, ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Konzert Beethovenfest Bonn, World Conference

Center: Arnold Schönberg „Pierrot lunaire“ /Kurt

Weill „Die sieben Todsünden“. Aufzeichnung vom

21.09.2019, ca. 117 Min.

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Ernste Musik Musikalische Offenbarungen: Der

Komponist und Pianist Anton Rubinstein (1829

-1894). Von Christoph Vratz, ca. 45 Min.

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Die Zuneigung ist etwas Rätselvolles –

eine Ehe in Briefen (4/20). Von Theodor Fontane

Gelesen von JenniferAntoni und Max von

Pufendorf, ca. 30 Min.

22.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Freispiel Rauschunterdrückung. Ein Aufnahmezustand.

Von Ulrich Bassenge /Regie und

Komposition: der Autor, ca. 57 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Perspektiven Dokument: Die brüchige

Zwischenkriegsordnung –Vom Versailler Vertrag

bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Ein

Vortrag des BerlinerPolitikwissenschaftlers

Herfried Münkler, ca. 56 Min.

MAGAZIN

18.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6.4 MHz)

Weltzeit Chaos und Gewalt in Libyen –Ratlosigkeit

in Europa. Von Anne Allmelling /Moderation

Tina Hüttl, ca. 30 Min.

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Heiße Filme im Kalten Krieg:

Berlins vergessene Grenzkinos. Von Nicolaus

Schröder, ca. 26 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Talente und Karrieren Italienisch für Überfliege

Die Pianistin Beatrice Rana. Moderation: Dirk

Hühner, ca. 56 Min.

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Die Singer-Songwriterin Judith Owen.

Mit Susanne Papawassiliu, ca. 30 Min.

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Saz meets Lederhose:

Unterbiberger Hofmusik, ca. 56 Min.

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

JazzFacts Die singende Kontrabassistin: Porträt

der norwegischen Musikerin Ellen Andrea Wang.

Am Mikrofon: Jan Tengeler, ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 – S eite 28 **

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Nazan Eckes (43) weiß dieVorzüge religiöserVielfalt

zu schätzen. DieRTL-

Moderatorin ist islamischen Glaubens,ihr

Mann, der österreichische

Künstler Julian Khol, kann auf eine

gut katholische Herkunft zurückblicken.

Dasstellt wohl eine erzieherische

Herausforderung dar,wie Eckes

in der Gala anzudeuten scheint:„Wir

versuchen den Kindernzuerklären,

dass wir an alles glauben. An Allah, an

Gott, an Jesus.“ Etwas genauer ließe

sich auch sagen:Wenn sie die strikten

Ausschließlichkeitsansprüche monotheistischer

Religionen ernst nimmt,

hat sich die Familie Eckes-Khol einiges

vorgenommen. Umso mehr

kommt es auf eine gewisse Lockerheit

an. Eckes lobt jedenfalls den mit dem

familiären Glaubenspotpourriverbundenen

Gewinn, was die Zahl der

religiösen Feiertage betrifft:„Bei uns

zu Hause wirddoppelt so viel gefeiert

wie in anderen Familien.“

Im Metropolitan Correctional Center in NewYorkstarb der des Kindesmissbrauchs und Sexhandels angeklagte Epstein.

AP/MARY ALTAFFER, AP

Schwangere stirbt bei

HundeattackeinFrankreich

DerTod einer Schwangeren, die bei

einer Hundeattacke starb,sorgt in

Frankreich für Entsetzen. Kurz vor

der Tragödie hatte die 29-Jährige ihremFreund

noch eine Nachricht geschickt,

erzählte dieser am Mittwoch

dem Sender BFMTV. Darinhabe gestanden,

dass sie besorgt wegen vieler

Hunde gewesen sei. Diejunge

Frau war am Wochenende in einem

Wald im Département Aisne in

Nordfrankreich mit ihrem eigenen

Hund unterwegs gewesen. Dortfand

gleichzeitig eine Jagd statt. Nach Angaben

der Staatsanwaltschaft war

die Frau durch mehrereHundebisse

gestorben, wie französische Medien

berichteten. DieBehörden nahmen

Speichelproben der Jagdhunde,die

in dem Wald unterwegs waren. (dpa)

Robbie Williams (45) möchte sich bei

der christlichen Brauchtumspflege

vonniemandem übertreffen lassen.

Derbritische Sänger erklärt, dass es

zuWeihnachten bei ihm zu Hause in

London„von allem viel zu viel“ gebe,

gemeint sindVöllerei, Geschenke,

Gedöns und Deko …Allerdings muss

Williams zugeben, ein Spätbekehrter

zu sein. Er sei erst durch seine Frau,

die US-Schauspielerin Ayda Field

(40), auf den Geschmack gekommen.

„Sie hat mich mitWeihnachten angesteckt.“

Undschwupps,ist der Mann

mal wieder fein raus:„Meine Frau

plant. Ichsage bloß Ja und unterschreibe

den Scheck. Undmeine

Seele genießt das Ergebnis.“

Jacinda Ardern (39) ist nicht nur Neuseeland

Regierungschefin, sondern

auch oberste Fremdenführerin. So

kutschierte sie unlängst den US-Talkmaster

Stephen Colbertfür dessen

„Late Show“imAuto durch Auckland.

Während der Fahrtsangen beide„Bohemian

Rhapsody“ vonQueen –ein

theatral ausgetragenes Karaoke-Duett

der guten Laune,wie jetzt in Colberts

Show zu sehen war.Für ihr Land

gibt Ardernalles. (schl.)

Jacinda Ardernlenkt, Stephen Colbert

staunt –beide sind angeschnallt.

TIERE

Jetzt wird’slaut: Dominique Douthe

füttertdas Federvieh. AFP

Nak, nak, nak: Es sind Nachrichten

wie diese,die das Herz der kleinen

Tierkastenredaktion höher schlagen

lassen. Dominique Douthe (67) muss

ihre50Gänse und Enten in der Gemeinde

Soustons an der französischen

Atlantikküste nicht schlachten

lassen. Richter wiesen jetzt eine

Klage wegen Lärmbelästigung ab.

Douthe hat seit36Jahren eine private

Zucht, ihreneu zugezogenen Nachbarnhatten

ein Ende des„unaufhörlichen

Lärms“ gefordertund Schmerzensgeld

verlangt. Aber nix da: Es darf

weiter geschnattertwerden. (avo.)

AFP

Michael Thomas und

Tova Noel hassten die

Nachtschichten im

NewYorker Metropolitan

Correctional Center, dem Hochsicherheitsgefängnis

im Süden von

Manhattan. Sie waren von tödlicher

Langeweile geprägt, gepaart mit einer

unwirtlichen Umgebung aus

Waschbeton und Neonlicht.

Also machten die beiden Gefängniswärter

es sich so bequem wie

möglich. Sie surften im Internet,

schauten nach Motorradteilen und

Möbeln, betrachteten die Sportnachrichten

und dösten ein wenig.

Genau zu dem Zeitpunkt, an dem

die beiden gerade ihr Nickerchen

hielten, um halb vier Uhr morgens,

nahm der prominenteste Häftling in

ihrem Trakt, Jeffrey Epstein, sein

Bettlaken, band es an sein Stockbett

und ließ sich so heftig fallen, dass

sein Genick brach. Als Noel und Thomas

drei Stunden später ihre Runden

machten, fanden sie Epstein tot

auf seinem Zellenboden.

Gefälschte Dienstpapiere

Der Selbstmord von Jeffrey Epstein,

dem New Yorker Financier, der in

Haft saß, weil er prominenten Geschäftsfreunden

minderjährige

Mädchen zum Sex zugeführt hatte,

wirdThomas und Noel nun zumVerhängnis.

AmDienstag wurden sie in

New York wegen einer groben Vernachlässigung

ihrer Dienstpflicht

sowie wegen der Fälschung von

Dienstpapieren angeklagt.

DerTrakt, in dem die beiden Wärter

in jener Nacht ihren Dienst taten,

war ein Gefängnisbereich der höchsten

Sicherheitsstufe. Laut Dienstprotokoll

hätten die beiden alle 30

Minuten nach den Gefangenen

schauen müssen. Doch zwischen

22.30 Uhrund 6.30 Uhrsind sie nicht

ein einziges Mal von ihrem bequemen

Sessel aufgestanden.

In ihr Dienstprotokoll schrieben

die beiden jedoch, dass sie vorschriftsmäßig

ihre Runden gedreht

hätten.

Tödliches

Nickerchen

Im Fall Jeffrey Epstein werden zwei Gefängniswärter

angeklagt. Sie sollen den US-Millionär vor seinem

Todnicht richtig überwacht haben

Die Anklagen von

Noel und Thomas

zu Beginn dieser

Woche sind das

erste handfeste

Ergebnis einer

von drei strafrechtlichen

Untersuchungen

des Todes

von Jeffrey Epstein,

die Justizminister

William Barr

nach Epsteins Tod im

August dieses Jahres angeordnet

hatte.Indem Untersuchungsgefängnis,

indem Epstein untergebracht

war, soBarr, habe es „ernsthafte

Unregelmäßigkeiten gegeben“.

15 Bedienstete des Gefängnisses wurden

in dieser Woche vorGericht geladen,

Noel und Thomas waren die ersten,

gegen die Anklage erhoben

wurde.Weiterewerden folgen.

Die Nachlässigkeit der beiden

Wärter war nur eine der Unregelmäßigkeiten

in dem Gefängnis, indem

Epstein starb. Sie erklärt, wie er es

schaffte,ineinem so eng bewachten

Zellentrakt Selbstmord zubegehen.

Doch es bleiben viele Fragen offen.

So hatte Jeffrey Epstein bereits am 23.

VonSebastian Moll, New York

Epstein wurde tot

in seiner Zelle

aufgefunden.

Juli in seiner Zelle einen

Selbstmordversuch

begangen.

Er wurde

danach in eine

gläserne Zelle

verlegt, in der

Insassen rund

um die Uhrbewacht

werden.

Solche Zellen

stellen eine reine

Folter dar. Das Licht

ist 24 Stunden lang an,

die Häftlinge sind bis auf einen

groben Umhang, der nicht zu einer

Schlinge geknüpft werden kann,

nackt. DerRaum besitzt bis auf das eiserne

Liegegestell keine Einrichtung.

Epstein wurde nach nur sechs Tagen

wieder in eine normale Zelle verlegt,

obwohl die Selbstmordgefahr

noch lange nicht ausgeschlossen

werden konnte. Hinzu kommt, dass

nur einen Tagvor seinem Todsein

Zellengenosse verlegt wurde. Epstein

war,entgegen denVorschriften,

allein in seiner Zelle.

In den Tagen vorseinem Tod, das

berichtete die NewYork Times nach

mehreren Interviews mit Angestellten

des Metropolitan Correctional

Das Geld liegt auf der Straße

Centers, habe sich der Zustand von

Jeffrey Epstein merklich verschlimmert.

Er habe die Hygiene vernachlässigt

und habe auf dem Boden anstatt

auf seiner Matratze geschlafen.

DieTreffen mit seinen Rechtsanwälten

zogen sich über den ganzen Tag

hin –nur, damit Epstein nicht in die

Zelle zurückmusste.

DieVerteidiger von Michael Thomas

und Tova Noel, die auf eine außergerichtliche

Einigung hoffen, versuchen

nun als mildernde Umstände

die schlechte Personallage in

dem Gefängnis geltend zu machen.

Michael Thomas war eigentlich bereits

im Ruhestand, schob jedoch

wegen der Personalnot freiwillige

Schichtdienste.

Prinz Andrew unter Druck

In der Nacht, in der Epstein starb,

war das Gefängnis,wie so oft, unterbesetzt.

18 Wärter waren im Dienst,

um 750 Insassen zu bewachen. Zehn

vonihnen, darunter die beiden Wärter,

die für Epstein zuständig waren,

leisteten Überstunden.

Die Personalprobleme im Manhattaner

Untersuchungsgefängnis

sind symptomatisch für die Probleme

in vielen Bundesgefängnissen.

Wegen Budgetkürzungen durch

die Trump-Regierung sind Bundesgefängnisse

gefährlich unterbesetzt.

DieSituation ist in vielen Gefängnissen

bedrohlich geworden, die Zustände

werden immer schlimmer.

Krude Verschwörungstheorien,

die nach Epsteins Tod kursierten,

werden mittlerweile allerdings ausgeschlossen.

Die Obduktion ergab

eindeutig Selbstmord.

Mittlerweile rückt das britische

Königshaus immer mehr in den Fokus

des Epstein-Skandals. Prinz Andrew

kündigte am Mittwoch an, alle

öffentliche Aufgaben ruhen zu lassen.

Er war in den vergangenen Tagen wegen

seinerVerbindung zu Epstein immer

stärker unter Druck geraten. Eines

der Opfer behauptet, mehrmals

zum Sexmit Andrew gezwungen worden

zu sein. DerRoyal bestreitet das.

Und das nicht nur im übertragenen Sinne: Ein anonymer Wohltäter legt in einem englischen Dorf Banknoten-Bündel ab

Esklingt zu schön, um wahr zu

sein, und sicherlich hat sich auch

so mancher Finder verwundert die

Augen gerieben: In Blackhall Colliery,

einem Dorf ander englischen

Nordseeküste in der Grafschaft Durham,

liegt das Geld im wahrsten

Sinne des Wortes auf der Straße. Der

einstige Bergbau-Ort imNordosten

des Landes sucht nun nach einem

anonymen Wohltäter.

In den vergangenen fünf Jahren

legte der Unbekannte immer wieder

Geldbündel auf den Straßen von

Blackhall Collieryab–bis heute fanden

die Bewohner 13 Bündel mit

Banknoten im Wert von insgesamt

26 000 Pfund (30 300 Euro).

„Diese Bündel werden immer in

aller Öffentlichkeit auf dem Gehweg

hinterlassen und vonzufällig vorbeigehenden

Passanten gefunden, die

sie bei uns abgeliefert haben“, sagte

John Forster von der Polizei des

Landkreises Durham. Zuletzt wurde

am Montag Geld gefunden, es war

der vierte Fund in diesem Jahr.Möglicherweise

lege ein guter Samariter

das Geld ab, spekulierte Forster. Er

hoffe jedenfalls,dass es nicht aus kriminellen

Machenschaften stamme.

DerPolizist lobte den „unglaublichen

Gemeinschaftssinn“ der Bürger,die

das Geld ablieferten. Zeitungen

bezeichnen Blackhall Colliery

bereits als das ehrlichste DorfimVereinigten

Königreich. Dorfbewohner

sagten dem Guardian, der anonyme

Geldgeber sei vielleicht „einer dieser

heimlichen Millionäre“ oder gar ein

„Blackhall-Weihnachtsmann“.

Wieviele anderefrühereBergbau-

Dörfer kämpft auch Blackhall Colliery

seit der Schließung der Kohlegrube in

den 80er-Jahren mit Arbeitslosigkeit

und wirtschaftlichen Problemen. „Es

ist keine heruntergekommene Gegend,

aber so etwas Gutes passiert

hier sonst nie“, sagte ein Einwohner

der Zeitung. „Es könnte jemand sein,

der helfen will –eine kleine Weihnachtselfe.“

(BLZ; mit AFP)

Sumatra-Elefant ohne

Stoßzähne tot aufgefunden

Waldarbeiter haben auf der indonesischen

Insel Sumatraeinen seltenen

Sumatra-Elefanten tot aufgefunden

–ohne seine Stoßzähne.Das

etwa 40 Jahrealte männliche Tier

wurde offensichtlich Opfer vonWilderern,

wie die Naturschutzbehörde

am Mittwoch mitteilte.Nach Angaben

des WWF gibt es inzwischen weniger

als 3000 Sumatra-Elefanten.

Wilderei und die Rodung der Wälder

machen dem Bestand zu schaffen.

Auch in Kenia hat der Todeines Elefanten

Empörung und Betroffenheit

ausgelöst. Aufeinem Video sind

Dorfbewohner zu sehen, wie sie mit

Macheten und Äxten auf das am Boden

liegende Tier einhacken. (dpa)

HitlersGeburtshaus wird

künftig von Polizei genutzt

Um die Nutzung des Hauses in Braunau am

Inn wurde lange gestritten. DPA/LINO MIRGELER

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit

hat Österreich angekündigt, das Geburtshaus

vonAdolf Hitler in eine Polizeistation

umzuwandeln. Diekünftige

Nutzung des Hauses durch die

Polizei solle ein klares Signal setzen,

dass dieses Gebäude„niemals ein Ort

zum Gedenken an den Nationalsozialismus

sein wird“, erklärte InnenministerWolfgang

Peschorn. Österreich

will mit der Maßnahme verhindern,

dass das gelbe Haus in Braunau,

in dem Hitler 1889 geboren wurde,zu

einemWallfahrtsortwird. DasInnenministerium

plant, demnächsteinen

EU-weiten Architekturwettbewerb

für die Umgestaltung des Hauses

auszuschreiben. (AFP)

Vier Tote bei Explosion in

Fabrik für Feuerwerkskörper

Beieiner Explosion in einer Fabrik

für Feuerwerkskörper sind in Sizilien

am Mittwoch vier Menschen ums

Leben gekommen. Drei weiterewurden

verletzt. DieFeuerwehr hatte zunächst

vondreiToten und zwei Vermissten

gesprochen, vondenen einer

später lebend geborgen wurde.

Schweißarbeiten werden als Unglückursache

vermutet. Beiden Toten

soll es sich um drei Arbeiter sowie

um die 71 Jahrealte Ehefrau des

Besitzers der Fabrik handeln. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 – S eite 1

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Kulturkalender

DER WOCHENÜBERBLICK VOM 21. BIS 27. NOVEMBER 2019

Filmtipps

Kinoprogramm

Literatur

Ausstellungen

Konzerte

Bühne

Seiten 2&3

Seiten 2–6

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Seite 7

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Seite 8

Reinhard Petereit will von Jubiläen

gar nichts wissen. Dabei ist es nun

auch schon 40 Jahre her, dass er

mit seiner früheren Schülerband

Rockhaus seine erste Einstufung bestritt: Im

Prater musste er vor einer DDR-Kulturkommission

vorspielen. Gleich gegenüber, im

kollektiv betriebenen Café Morgenrot in der

Kastanienallee, hat er zum Interview eingeladen

–erwohnt nebenan, ist seinem Kiez

treu geblieben. Kurz darauf trifft Sänger Mike

Kilian ein –ihn hat es nach Reinickendorf

verschlagen. Mit ihm entwickelte sich Rockhaus

in den späten 80er-Jahren zu einer der

erfolgreichsten jüngeren Ostberliner Bands.

Die Hits des Albums „I.L.D.“ werden bis

heute auf jedem Konzertgefeiert.

Im neuen Album haben sich Rockhaus in

einem Song selbst porträtiert – ihr Motto

heißt bis heute „Energie“. Mike Kilian erzählt,

dass sogar das komplette Album so

heißen sollte, bevor sich die Band „umgestimmt“

hätte –auf „Tempozoo“. DerSänger

und Texter hatte das Wort in einem Actionfilm

mit Clint Eastwood entdeckt, in dem der

Held mit seiner Tochter im Kinderwagen

durch einen Zoorast. Im Song beklagen sich

Rockhaus darüber, dass alles viel zu schnell

gehe,posieren für das Coveraber mit einem

schnittigen amerikanischen Straßenkreuzer.

Gitarrist Petereit sieht darin keinen Widerspruch:

„Die Idee ist ja eigentlich das Unterwegssein,

das Reisen. Es soll wie ein Filmplakat

aussehen.“ Mike Kilian gibt zu, dass

das Cover nicht „Greta-like“ ist, betont aber,

dass der Titelsong vorallem vonder Überflutung

durch das permanente Vernetztsein-

Müssen provoziert wurde: „Wir singen davon,

dass das wahre Leben sein Gefühl verliert.“

Dabei stand die Reise von Rockhaus in

den letzten Jahren auf der Kippe: Erst wollte

sich die Band wieder auflösen, dann starb ihr

Keyboarder Carsten Mohren, von allen

„Beathoven“ genannt, Anfang 2017 an Krebs.

Kilian berichtet, der Abschied von Beathoven,

der so lange es ging auf der Bühne dabei

war,habe die Band erst aus der Bahn geworfen,

dann wieder enger zusammenrücken

lassen und neue Energie gebracht. Reinhard

Petereit bekam von den Fans, die bei den

letzten Auftritten mit Mohren geheult hatten

„wie die Schlosshunde“ ,den klaren Auftrag,

weiterzumachen. Schnell wurde klar, dass

Rockhaus ohne Keyboarder spielen würde –

so wie in den ersten Jahren bis 1987. In dem

Produzenten Rainer Oleak, der bei Datzu

früher Keyboards spielte, eher für orchestrale

Klänge bekannt war und etwa die Kür-

Das Gefühl

des wahren Lebens

Seit vierzig Jahren gibt es Rockhaus –aber für Jubiläen hat die Band keine Zeit

Ihr Motto heißt bis heute „Energie“: Rockhaus.

VonTorsten Wahl

ROCKHAUS

musik für Katarina Witt geschrieben hatte,

fanden sie überraschenderweise einen Gitarren-Freak.

„Er hat uns zu einem extrem direkten

Sound gebracht, Gitarren wurden nicht gedoppelt,

sondern immer durchgespielt“, erklärt

Gitarrist Petereit. „Ole hat bei den anfangs

etwas sanfteren Arrangements noch

mal deutlich die Schrauben angezogen.“

Auch Mike Kilian betont: „Das letzte Album

ging ja durch die Keyboard-Flächen mehr in

Richtung Coldplay-Sound, aber jetzt war

eine Tür wieder offen. Rockhaus war ja immer

eine Rockband: Auf die Bühne,Verstärker

auf 12 und ab geht’s!“

Neu ist nicht nur der direktere Sound,

sondern auch ein Mitspieler. Robert Protzmann,

Sohn des einstigen Karat-Bassisten

Henning Protzmann, ersetzt Max Repke,

der mit seinem Club der toten Dichter zu

stark beschäftigt ist. Der 20Jahre jüngere

Bassist brachte neue Energien zu Rockhaus

–und erstmals griff Rockhaus auch

auf die Kompositionen eines Fremden zurück.

Sie vertonten drei Demos von Daniel

Hassbecker,dem Sohn des Silly-Gitarristen

Uwe Hassbecker. Petereit hatte viele Jahre

selbst bei Silly mitgespielt, wurde für die

aktuelle Tour aber nicht mehr gefragt.

Auch bei den Texten setzt sich Rockhaus

von früheren Alben ab: Erstmals hat die

Band, deren erfolgreichstes Album immer

noch „I.L.D.“ heißt, kein einziges neues Liebeslied

parat, dafür deutlich mehr Texte, in

denen es ums „große Ganze“ geht.

In diesem Stück steigt Kilian sogar in die

Rolle des Weltenherrschers, der will, dass

sich der Teufel in ihn verliebt. Gitarrist Reinhard

Petereit verweist auf den Zeitgeist, betont

aber,dass die Band keinen Zuhörer herunterziehen

oder mit Dingen belegen wolle,

die jeder schon in den Nachrichten gehört

habe. Mike Kilian ist vom düsteren Demo

seines Gitarristen zu den Zeilen vom Teufel

animiert worden –den Text haben sie dann

zusammen geschrieben.

Doch„vordergründig politisch“ will Rockhaus

auf keinen Fall sein, erklärtder Sänger:

„Ich bin eigentlich ein großer Melodien-

Freak und will, dass man die Songs immer

erstmal mitsummen kann und dann vielleicht

beim zweiten Hinhören erst genauer

auf den Text hört.“ Undtatsächlich bietet die

Fahrt durch den „Tempozoo“ beides: Melodien,

die sich festhaken –und ganz viel Energie.

Rockhaus So, 24.11., 20 Uhr,Kesselhaus der

Kulturbrauerei

Die Perfektion der Schneeflocke

Mit sprechenden Krähen und einem Rentier: Uraufführung einer Kinderoper nach Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ in der Tischlerei der Deutschen Oper

VonClemens Haustein

Hans Christian Andersens Märchen

haben es in sich. Anders

als viele Märchen der Brüder Grimm

lassen sie sich kaum als mehr oder

weniger einfache Kindergeschichten

lesen Andersens Märchen sind

streng konstruiert, sie sind Allegorien,

die Psychologie in erzählte

Form fassen, komplex und nicht selten

kryptisch. Siesind moderninihrerArt,Lebenshilfe

zu geben und tief

romantisch in ihrer Skepsis dem

Fortschritt gegenüber mit seinen

Maschinen und dem, was sie für den

Menschen an Gefahren bereithalten:

ihn selbst zur Maschine zu machen.

In der „Schneekönigin“ etwa, die

als Grundlage für die Kinderoper

dient, die am Freitagabend in der

Tischlerei der Deutschen Oper uraufgeführt

wird, entwickelt eine der

Hauptfiguren, Kay, eine besessene

Faszination für das Perfekte,wie es in

der geometrischen Regelmäßigkeit

einer Schneeflocke zum Ausdruck

kommt. Der Blick für die unperfekte

Schönheit der belebten Natur geht

ihm verloren, er beginnt herumzumäkeln,

auch an seiner Freundin

Gerda. Kay folgt der Schneekönigin

in ihren eisigen Palast und will doch

entkommen. Wenn er aus den herumliegenden

Eisstücken das Wort

„Ewigkeit“ formen würde,dann wäre

der Wegfrei. Jedoch gelingt es ihm

nicht –bis sich das Wort von selbst

zusammensetzt, als Gerdas Tränen

auf Kayfallen. Siehatte ihren Kinderfreund

nach einer langen Suche wiedergefunden.

Worum sich der kühle

Verstand vergeblich müht, das erreicht

die Liebe,scheint Andersen zu

sagen: etwas zu schaffen, das Ewigkeit

in sich trägt.

Hanna Plaß (links) als Blumenkönigin mit Orchestermitgliedern.

THOMAS AURIN

Der Stoff hat Konjunktur:Vor nur

wenigen Wochen wurde bereits in

Kopenhagen eine neue Opernvertonung

des Stoffes uraufgeführt, komponiert

von Hans Abrahamsen. Für

Erwachsene. Die Deutsche Oper

empfiehlt ihre eigene Uraufführung

der „Schneekönigin“ für Kinder ab

acht Jahren. Entsprechend konzentriert

sich das Libretto, erstellt von

Christian Schönfelder, stärker auf

Gerda und ihre beharrliche Suche

nach Kay.

Entkommen muss sie dabei einer

Blumenfrau, deren Liebe sie zu ersticken

droht, außerdem einer Räuberbande

mit einem Mädchen, das sadistische

Spiele liebt, Gerda jedoch

auch hilft. Sprechende Krähen und

ein Rentier stehen Gerda zur Seite,

vor allem aber ist es ihr unbedingter

Wille, Kay zu finden, der sie schließlich

zu ihm führt. Einen „Road-Trip“

kündigt die Deutsche Oper an, mit

vier Sänger-Darstellern und fünf Instrumentalisten.

Die opernüblichen

Grenzen zwischen Orchestergraben

und Bühne sollen fallen, die Musiker

wandern über die Bühne und werden

mit ihren Instrumenten selbst

zu Darstellern.

Der 1989 geborene australische

Komponist Samuel Penderbayne

schrieb die Musik dazu −inseinen

Stücken pflegt er die Stilrichtungen

zu mischen, Einflüsse aus Pop und

Rock treffen auf Ausdrucksformen

der klassischen Musik. Inszenieren

wirdBrigitte Dethier,die seit 2002 das

Junge Ensemble Stuttgartleitet.

Samuel Penderbayne: DieSchneekönigin,

Premiere am Freitag,22. 11., 18 Uhr,

23. 11., 14 und 16 Uhr,24. 11., 16 Uhr,

26.–29. 11, 10.30Uhr,Deutsche Oper Berlin,

Bismarckstr.35


2 Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019

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Film/Kinoprogramm

DVD-TIPP

NEU IM KINO

Schach

hinter Gittern

„Die Grünstein-Variante“

von Wolfgang Kohlhaase

und Bernhard Wicki

VonRalf Schenk

Dass Wolfgang Kohlhaase ein begnadeter

Drehbuchautor ist,

pfeifen die Spatzen schon seit mehr

als sechzig Jahren von den Dächern.

Bedeutende Regisseure versichern

sich seiner Mitarbeit: Gerhard Klein,

Konrad Wolf, Frank Beyer, Andreas

Dresen. Mitte der 80er-Jahreschreibt

er auch ein Drehbuch für den Schweizer

Bernhard Wicki: „Die Grünstein-

Variante“, nach Erzählungen des

DDR-Schriftstellers Ludwig Turek.

Drei Männer im französischen Abschiebeknast,

1939. Unerwünschte

Ausländer. Ein deutscher Seefahrer,

ein polnisch-jüdischer Metzger, ein

griechischer Koch. Zwischen ihnen

liegen Welten. Und doch lernen sie

miteinander zu leben, Schach zu

spielen. EinFilm der pointierten Dialoge,

wie immer bei Kohlhaase. Der

enge Raum wird zum Welttheater.

Wie kann Schweigen abgebaut, können

Grenzen der Nichtachtung abgerissen

werden? Wasmacht Menschlichkeit

aus?Wasist Glück?

Die West-Berliner Allianz-Film

lässt „Die Grünstein-Variante“ in

den Ateliers der Defa drehen. Im

Grunde eine Koproduktion, die nur

nicht so genannt werden darf, weil

es noch kein deutsch-deutsches

Kulturabkommen gibt. Regisseur

Wicki bekennt seine höchste Zufriedenheit.

Selbst Schauspieler, engagiert

ermit sicherem Blick ostdeutsche

Stars: Fred Düren, Jörg Gudzuhn,

Rolf Ludwig, Arno Wyzniewski,

Rolf Hoppe. Ein Fest, wie jeder

einzelne Satz zelebriert wird. Leise

Konzentration, Annäherung an die

zerrissenen Figuren.

Eine Spielkunst

von seltener

Schönheit.

Die Grünstein-Variante

BRD/DDR 1985,

R: Bernhard Wicki,

104Min., ab 15,39Euro

Vater (Tobias Santelmann), Mutter (Dabica Curcic) und der junge Trond (Jon Ranes) in einer Szene des Films „Pferde stehlen“

Das Echo der Vergangenheit

In seinem Berlinale-Film „Pferde stehlen“ widmet sich Hans Petter Moland den Schmerzen der Erinnerung

VonKarsten Munt

Schweigend blickt die Trauergemeinde

auf einen weißen

Sarg.Invölliger Stille wirder

langsam in ein Grab hinabgelassen,

bis ein anhaltender Schrei

alle aus der inneren Einkehr reißt.

Der junge Lars, der Zwillingsbruder

des Verstorbenen, stößt ihn aus,