Berliner Zeitung 21.11.2019

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Berliner Zeitung · N ummer 271 · D onnerstag, 21. November 2019 7 *

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

▼ 13158,14 (–0,48 %)

21.8.19

20.11.19

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

▲ 62,43 (+2,66 %)

21.8.19

20.11.19

Euro in US-Dollar

▼ 1,1059 (–0,16 %)

Minuszinsen ab

dem ersten Euro

DieCommerzbank bittet wegen der

Negativzinsen der Europäischen

Zentralbank (EZB) Firmenkunden

verstärkt zur Kasse.Einigen Unternehmen

berechnet die Bank bereits

ab dem ersten Euro Negativzinsen.

Betroffen ist dem Vernehmen nach

eine überschaubareZahl der

70000 Firmenkunden des Instituts.

Nach Informationen des „Handelsblatts“

sind das meist Kunden, die

auf ihrem Konto viel Geld liegen haben,

mit denen die Bank sonst aber

kaum Geschäfte macht. Geschäftsbanken

müssen 0,5 Prozent Zinsen

zahlen, wenn sie Geld bei der EZB

parken. (dpa)

21.8.19

Stand der Daten:20.11.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

Quelle

20.11.19

aus DAX und MDAX vom 20.11. zum Vortag

DeliveryHero 44,97 +1,81 WWWW

CarlZeissMeditec106,00

+1,44 WWW

Cancom 51,75 +1,37 WWW

GEA Group 29,23 +1,32 WWW

thyssenkrupp 13,51 +1,27 WWW

Aurubis 48,70 +1,21 WWW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom20.11.zum Vortag

Rheinmetall 96,02 WWWWWWWWWWW –7,05

Wirecard 117,25 WWWWWW –3,30

Siltronic NA 74,74 WWWWW –2,99

Lufthansa vNA 17,26 WWWWW –2,54

K+S NA 10,50 WWWWW –2,51

Kion Group 59,30 WWWW –2,15

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 20.11. ±% z. 19.11.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,34

3733/2909 3683,88

CAC 40 (FR) – 0,25

5967/4556 5894,03

S&P UK (UK) – 0,83

1562/1323 1465,35

RTS (RU) – 0,22

1488/1033 1448,40

IBEX (ES) –0,37

9588/8286 9225,40

Dow Jones (US) –0,43

28090/21713 27814,31

Bovespa (BR) –0,52

109672/83892105714,20*

Nikkei (JP) – 0,62

23591/18949 23148,57

Hang Seng (HK) –0,66

30280/24897 26887,36

Stx Singap. 20 (SG) –0,10

1657/1395 1626,08

Sparbriefe und

langfristigeAnlagen 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Jahre 5Jahre 8Jahre

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 1,21 1,31 -

VTB Direktbank

vtbdirekt.de 1,00 1,20 1,20

Bank11

bank11.de 0,90 1,20 -

akf bank **

akf.de 0,95 1,10 1,10

Ziraat Bank

ziraatbank.de 0,85 1,10 -

Targobank

targobank.de 0,60 1,10 -

Santander

santander.de 0,45 0,60 0,60

ING

ing.de 0,03 0,10 -

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 0,01 0,01 0,01

Postbank

postbank.de - - -

Isbank

isbank.de 1,00 1,15 -

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de - - 0,15

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 0,01 - 0,01

Berliner Sparkasse

030/86986969 - - -

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,67 0,81 0,62

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch), Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen

(Samstag).

Quelle: FMH-Finanzberatung

Die Chancen stehen schlecht, dass Alitalia bald einen neuenEigentümer hat.

Neue Vorwürfe gegen Wirecard

Ein verweigertes Testat bringt den Dax-KonzerninErklärungsnot. Der Aktienkurs sackt erneutab

Von Thomas Magenheim

Diesmal ist es nicht die „Financial

Times“ (FT), die den deutschen

Dax-Konzern Wirecard in Erklärungsnot

bringt. Das „Handelsblatt“

enthüllt, dass der Zahlungsdienstleister

aus Aschheim bei München

für seine Tochter in Singapur für 2017

kein Testat des Wirtschaftsprüfers EY

erhalten hat.

„Wir können weder die Angemessenheit,

Vollständigkeit und Richtigkeit

des Jahresabschlusses feststellen,

noch können wir den Umfang

möglicherAnpassungenabschätzen,

die in Bezug auf den Jahresabschluss

der Gesellschaft erforderlich sein

könnten“, zitiert die Wirtschaftszeitung

aus einem EY-Prüfbericht und

Dokumenten im Register der Finanz-

Tannengrüne Trophäe

Die Lufthansa würde gern bei der Pleiteairline Alitalia einsteigen, fordert aber eine Sanierung

Von Frank-Thomas Wenzel

Tarifkonflikt: Im Tarifkonflikt

bei der Lufthansa verzichtet

die Flugbegleitergewerkschaft

Ufo auf kurzfristige

Streiks. Zugleich setzt sie

dem Unternehmen eine Frist

bis Donnerstag nächster Woche.

Sollte sich bis dahin

keine Annäherung ergeben,

würden unmittelbar an diesem

TagAusstände angekündigt,

erklärte Ufo-Sprecher

NicoleyBaublies.

UFO SETZT LUFTHANSA ULTIMATUM

Schlichtung gescheitert:

Tags zuvor waren vereinbarte

Schlichtungsverhandlungen

für die blau-gelbe Kerngesellschaft

in letzter Minute

vonder Lufthansa abgesagt

worden. Der Grund: Dem

Management waren Aussagenvon

Ufoüber einen

Streikverzicht während der

gesamten Dauer der

Schlichtungsverhandlungen

nicht klar genug gewesen.

Zusagen zurückgezogen:

Ufo hatte erklärt, „zunächst“

auch auf Arbeitskampfmaßnahmen

bei den Marken

Eurowings, Germanwings,

Cityline und Sunexpress zu

verzichten. Laut Lufthansa

wurden mit dem vorläufigen

Scheiternder Schlichtung

auch Zusagen zurückgenommen.

Dazu gehörteine Einmalzahlung

vonje1500

Euro an Kabinenmitarbeiter.

Die tannengrünen Uniformen

der Alitalia-Crews

zählen noch immer zu den

modischen Highlights der

Flugfahrtbranche. Ansonsten ist bei

Italiens nationaler Fluglinie der Lack

ziemlich ab.Das Unternehmen ist seit

zweieinhalb Jahren pleite. Die Lufthansa

würde gerneals kommerzieller

Partner einsteigen, macht aber eine

umfassende Sanierung zur Bedingung.

An diesem Donnerstag wird es

spannend. Eine Frist läuftab, um neue

Eigner für die insolvente Alitalia zu finden.

Doch die Chancen dafür stehen

schlechter denn je. Denn der Infrastrukturkonzern

Atlantia, der von der

Familie Benetton kontrolliertwird, ist

kurzfristig ausgestiegen. Das Unternehmen

teilte mit, die Bedingungen

für eine Beteiligung an einem Konsortium

zur Rettung der Airline seien derzeit

nicht erfüllt.

Eigentlich war geplant,dassdie Benettons

mit 37,5 Prozent zu einer Art

Ankereigner werden sollten. Mit dem

gleichen Anteil soll der staatliche

EisenbahnkonzernFSeinsteigen.Zudem

wolltesich derStaat direkt engagieren,

und schließlich war ein kommerzieller

Partner, der 10 Prozent

übernehmen sollte,eingeplant.Lange

sah es so aus,als würde die US-Airline

Delta diese Rolle übernehmen. Doch

es soll zu einem Zerwürfnis gekommen

sein. DasDelta-Management erklärte

zwar seine Bereitschaft, für 100

Millionen Euro dem Konsortium beizutreten.

Doch Medienberichten zufolge

konnte keine Einigung darüber

erzielt werden, wie das Langstreckengeschäft

umgebautwerden soll.

So kommt nun wieder die Lufthansa

ins Spiel. Seit der erneuten Pleite

von Alitalia im Frühjahr 2017 bekundet

Lufthansa-ChefCarsten Spohr mit

schwankender Intensität immer wieder

sein Interesse an der italienischen

Fluggesellschaft. Sie wäre ein schöne

Trophäe, schon allein wegen des bekanntenNamensund

weil dieAirline

nochimmerderCarrierdesPapstesist.

Hinzu kommt,dass Italien für die Lufthansa

ein wichtiger Markt mit langer

Tradition ist. Dabei geht es einerseits

um Ferienfliegerei über die Alpen hinweg,

andererseits um Langstreckenverbindungen

vonund nach Mailand

und Rom –den beiden wichtigsten

Flughäfen für Alitalia. Hinzu kommt,

dass Spohr immer wieder betont, dass

sein Unternehmen eine aktive Rolle

bei der Konsolidierung der europäischen

Luftfahrtbranche spielen will.

DieItalienerwären eine naheliegende

Ergänzung, zumal mit der Swiss und

der österreichischen AUA schon zwei

„benachbarte“ Airlines zu Europas

größtem Luftfahrtkonzern gehören.

Am Dienstag kursierte in Italien schon

das Gerücht, dass die Lufthansa für

150bis200MillionenEuroden10-Prozent-Anteil

übernehmen wolle. Das

wurdeprompt dementiert.

aufsicht von Singapur. EYhabe die

Tochter in Singapur nur eingeschränkttestiert,räumtWirecardein.

Seit Anfang 2018 sät die „FT“ in einer

Reihe vonArtikeln Zweifel an den Bilanzierungspraktiken

vonWirecard.

DasUnternehmen habe Umsätze

durch Scheingeschäfte aufgebläht,

hieß es darin unter anderem. Wirecard

sieht die Vorwürfe als widerlegt

an. Vonihnen aufgeschreckt hatten

seinerzeit Behörden in Singapur mit

Ermittlungen begonnen. Unterlagen

der dortigen Tochter wurden beschlagnahmt.

EY habe damals für sie kein Testat

erteilen können, weil dafür wichtige

Dokumente vonBehörden beschlagnahmt

worden waren, erklärt der

Dax-Konzernjetzt. Nicht etwa Unregelmäßigkeiten

seien für das verweigerte

Testat verantwortlich. Bilanzrechtlich

sei das aber nicht relevant.

Den Abschluss für den Gesamtkonzern

habe EY uneingeschränkt testiert.

Wirecardhabe damit alle Veröffentlichungspflichten

eingehalten.

Ob das wirklich so ist, kann nicht

einmal eine erfahrene Juristin wie

Daniela Bergdolt mit Sicherheit sagen.

Bestürzt ist die Vizepräsidentin

der Deutschen Schutzvereinigung

für Wertpapierbesitz über das Kommunikationsverhalten

des Dax-Konzerns.

Wenn alles so einfach zu erklären

sei, wie Wirecard jetzt behaupte,

warum habe das Unternehmen dann

nicht selbst über das verweigerte Testat

in Singapur informiert, fragt sie

sich. DerVorgang hätte den Anlegern

nicht vorenthalten werden dürfen.

Das sei eine Entscheidung des Ma-

FOTO: NICOLAS ECONOMOU/PICUTRE ALLIANCE

Spohr weiß schließlich sehr genau,

dass ein Einstieg oder gar eine Übernahme

eine extrem heikle und sehr

teure Angelegenheit werden könnte–

so schlug 2018 die Integration vonTeilen

der Air Berlin mit 170 Millionen

Euro zu Buche. Der Lufthansa-Chef

wiederholte jedenfalls ständig seine

Forderung,dasseinekompletteSanierung

die Voraussetzung füreinen Einstieg

als kommerzieller Partner sei.

Dessen Know-how wird zwingend gebraucht,

damit Alitalia „wieder mit

ausgebreiteten Flügeln fliegen kann“,

wie es kürzlich Ministerpräsident Giuseppe

Conte (parteilos) formulierte.

DasUnternehmenfliegt derzeit jeden

Tageinen Nettoverlust vonetwaeiner

Million Euro ein. Nach der jüngsten

Pleite wurde der Flugbetrieb mit staatlichen

Hilfen in Höhe von rund 900

Millionen Euro aufrechterhalten. Ende

des Jahres werden nach Einschätzungvon

Analysten die letztenfinanziellen

Reservenaufgebraucht sein.

Die von Spohr geforderte Sanierung

würde massiveStellenstreichungen

bedeuten, nicht nurinder Verwaltung,

sondern auch beim fliegenden

Personal,unddiePilotengeltenalsextrem

einflussreiche Gruppierung. Brisant

wirddie Sache nun dadurch,dass

sich dasAtlantia-Management Spohrs

Argumentation weitgehend angeschlossenhabensoll.Zugleichabererklärtedie

Benetton-Firma, bei der Suche

nach einemPartner aus der Luftfahrtbrancheweiter

zur Verfügung zu

stehen.SokönntedieLufthansanunin

die Favoritenrolle rutschen.

nagements gewesen, heißt es bei Wirecardhinter

vorgehaltener Hand.

Die Tochter in Singapur ist nicht

irgendeineGesellschaftimWirecard-

Reich. Genau dortsollen die vonder

„FT“ behaupteten Fragwürdigkeiten

ihren Ursprung haben. Das erklärt

auch die Reaktion der Börse auf die

neuen Vorwürfe. Umgut 5Prozent

gab der Kurs der Aktie am Mittwoch

zum Börsenstartnach.

Vorstandschef Markus Braun hatte

sowohl bei der jüngsten Bilanzvorlage

als auch noch vorwenigen Tagen

in einem Fernsehinterview alle angeblichen

Bilanzierungsprobleme

für widerlegt und erledigt erklärt. Bei

Wirecard sei alles untersucht und

von Prüfern als korrekt eingestuft

worden. Das fehlende Testat in Singapur

hat er nie erwähnt.

Großfusion auf

dem Wurstmarkt

DerWurstmarkt in Deutschland

ordnet sich neu: DasBundeskartellamt

hat den mittelständischen

FleischverarbeiternKemper und

Reinertgrünes Licht für die Fusion

zum zweitgrößten Fleisch- und

Wurstwarenhersteller der Bundesrepublik

gegeben. „Auch nach der Fusion

gibt es für Abnehmer und Lieferanten

noch hinreichende Alternativen“,

sagte der Präsident des Bundeskartellamts,Andreas

Mundt. Das

neue Unternehmen mit dem Namen

The Family Butcher wirdeinen Umsatz

vonmehrals 700 Millionen Euro

haben. Größer ist in Deutschland

nur noch die Tönnies-Gruppe. (dpa)

Ikea Deutschland wächst

kräftig –vor allem online

Ikea ist nicht nur fürseine Möbel bekannt.

FOTO: JULIAN STRATENSCHULTE/DPA

DerMöbelhändler Ikea bleibt in

Deutschland auch dank des boomenden

Onlinegeschäfts auf

Wachstumskurs.Der Umsatz stieg

im Geschäftsjahr 2019 (bis zum

31. August) um 5,5 Prozent auf

5,3 Milliarden Euro unddamit stärker

als im Jahr zuvor,wie die deutsche

Tochter des Konzerns am Mittwoch

berichtete.Weltweithatte der

in Schweden gegründete Möbelriese

beim Umsatz um 5Prozent auf rund

36,7 Milliarden Euro zugelegt, wie

der Ikea-MutterkonzernIngka bereits

mitgeteilt hatte.Besonders

kräftig wuchs bei Ikea Deutschland

der Onlineumsatz. Er legte um

33 Prozentauf 494 Millionen Euro

zu. DerAnteil an den gesamten Erlösen

stieg dadurch um zwei Prozentpunkte

auf 9,4 Prozent. (dpa)

Kleine Fortschritte

bei Vapiano

DieRestaurantkette Vapiano sieht

trotz weiter hoher Verluste erste

Fortschritte auf ihrem Sanierungskurs.JederGast

habe in den ersten

neun Monaten dieses Jahres im

Schnitt5Prozentmehr Geld ausgegeben

als zuvor,teiltedas UnternehmenamMittwochmit.Damit

lag

der sogenannte Durchschnittsbon

proBesuch beimehr als12Euro. Zudem

sank derMaterialaufwand,

unter anderemwegeneiner abgespecktenMenükarte.

Trotzdem

musste die Firmainden ersten drei

Quartalen einen Verlust von

46,1Millionen Euro hinnehmen–

deutlich mehrals voreinemJahr

(minus29,4Millionen Euro). (dpa)

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