DMG-informiert 5/2019

dmginterpersonal

Thema: Barmherzigkeit – Liebe in Aktion!

informiert

Berichte aus der weltweiten Mission | www.DMGint.de | Nr. 5/2019

Barmherzigkeit

Liebe in Aktion

FAMILIE PFEIFFER, ESWATINI

Von Claudia Schmid, ERF ...... S.8

FOR FREEDOM

Gegen Menschenhandel ....... S.16


EDITORIAL

Komm zur JuMiKo und triff uns am DMG-Stand!

Liebe Leser!

Ich klingle bei Freunden, um sie zum internationalen

Bibelgesprächskreis meiner Gemeinde abzuholen.

Murat* öffnet und ich spüre sofort, es stimmt was

nicht. Er schaut bedrückt. Sein Freund auf dem Sofa

klärt mich auf: Murat hat eine schlimme Entzündung

und seit Tagen nichts gegessen. Er verzieht das Gesicht

vor Schmerz.

Spontan disponiere ich um und telefoniere mich zur

Notfallambulanz der Uniklinik durch. Dann schreibe

ich allen Teilnehmern der Bibelgruppe, dass der

Abend heute ausfällt und sie für uns beten sollen. Drei

Stunden sitze ich mit Murat im Arm im Wartezimmer.

Sein Freund ist auch dabei und muntert uns auf. Ob ich

mit ihnen zu Jesus Christus beten darf? „Gerne“, sagt

Murat mit Tränen in den Augen.

Nach dem Gebet öffnen sich Türen und die Ärzte

tun ihre Arbeit. Ich beruhige Murat, während sie seine

Wunde aufschneiden. Gegen Mitternacht irre ich

noch mit dem Auto durch die ganze Stadt, um eine

Notdienstapotheke zu finden, damit er sofort Antibiotika

bekommt. Am nächsten Morgen schreibt Murat

dankbar: „Du bist mein Seelenfreund!“

Gott sei Dank habe ich flexibel reagiert. Helfen übersetzt

das in der Bibel Gelesene in den Alltag! Barmherzigkeit

weckt Glauben. Wir feiern

Weihnachten, weil Jesus in die Welt

kam und uns das vorgelebt hat. In

diesem Sinne ein frohes Fest!

INHALT

BIBELARBEIT.......................S.11–14

GASTBEITRAG ERF MEDIEN......

S.8–9

FOR FREEDOM..................... S.16-17

WEIHNACHTSPROJEKT.............. S.24

BERICHTE

Theo Volland

Chefredakteur

AFRIKA........................

AMERIKA.......................

ASIEN...........................

* Name geändert

S.4–9,11

S.10–16

S.16–18

www.jumiko-stuttgart.de

ChRIStUS FUR EINE

vERlORENE wElt

25 Vorträge u. a. mit Mihamm-Kim Rauchholz, Lindsay Brown, Heinz

Spindler, Susanne Krüger, Frank Döhler, Stephan Holthaus, Günther Beck,

Manfred Müller, Gustavo Victoria, großer Missionsausstellung u. v. m.

JUGEND . MISSIONS . KONFERENZ

5. Januar 2020, ICS Messe Stuttgart

Bild: JuMiKo/Andreas Stein

Die DMG in Ihrer Nähe

www.DMGint.de/Gemeinde-Events

24./25.02.2020 Kindertage des LZA

75031 Adelshofen (Eppingen)

27.–29.02.2020 Willow Creek Leitungskongress

in Karlsruhe

Zum Vormerken: 31.08.–04.09.2020

AUSZEIT MIT INHALT

In 91443 Scheinfeld-Burgambach

Gottes Wort, Gemeinschaft, Natur und Erholung

in Haus Friede. Bibelarbeiten von DMG-Direktor

Günther Beck. Information: Doris Keller

www.auszeit-mit-inhalt.de

Vielen Dank,

... dass Sie mit für unsere alte Scheune beten.

Wir sind dankbar, jetzt ein schlüssiges Gesamtkonzept

zu haben, vor allem kleinere Wohnungen

für Missionare im Heimatdienst. Nun prüfen wir

dieses Konzept, um es dann hoffentlich genehmigen

zu lassen. Welche Rolle die Scheune spielt,

erzählen wir, sobald wir es veröffentlichen

dürfen.

EUROPA........................

S.19–22

2

DMG-informiert | 5 | 2019


Veranstaltungen

auf dem Buchenauerhof

74889 Sinsheim // Info-Tel.: 07265 959-0

15.12.2019 GEBETSSONNTAG EUROPA

19.01.2020 GEBETSSONNTAG ASIEN

16.02.2020 GEBETSSONNTAG AFRIKA

Sie können nicht kommen?

Die Gebetssonntage können Sie auch am Telefon mitverfolgen.

Einfach ab 10 Uhr anrufen und hören: 07265 6649-123

Claudia Blum

organisiert bei der

DMG die Seminare

Seminare

www.DMGint.de/Seminare

10.–11.01.2020

SCHNUPPERKURS SPRACHE & KULTUR: Japanisch

Mit Dr. Martin & Andrea Heißwolf, ehem. Japan

Neu:

31.01.–01.02.2020

SCHNUPPERKURS SPRACHE & KULTUR: Türkisch

Mit Matthias & Martina Knödler, Detlef & Bianca Garbers

Der Buchenauerhof

als Seminarzentrum

Waren Sie schonmal auf dem Buchenauerhof für

ein Seminar? Wenn ja, sind wir uns vielleicht

sogar begegnet. Mein Name ist Claudia Blum. Ich bin

als Mitarbeiterin unseres Eventteams für die Umsetzung

der Seminare in der DMG-Zentrale zuständig,

eine neue Aufgabe, die mir Spaß macht. Es ist jeden Tag

etwas Besonderes, auf dem Buchenauerhof Gott und

Menschen zu begegnen.

Unsere Heimatzentrale wird immer mehr zum

interkulturellen Kompetenz- und Seminarzentrum, ein

Ort für Gäste aus aller Welt. 2018 war der Startschuss

für die ersten Seminare. 2020 sind bereits 14 interessante

Themen geplant, vom „Schnupperkurs Japanisch“

über Menschenhandel bis hin zu künstlerisch-kreativen

Workshops wie „Malen mit Mission“ oder „Visuelle Verkündigung

durch Theater“ mit Theatertheologin Birte

Papenhausen. Vom Wochenend- bis Wochenseminar.

Schauen Sie auf unsere Internetseite und entdecken

Sie die Vielfalt. Sie sind herzlich eingeladen, ermutigende

Gemeinschaft zu erleben und inspirierende Impulse

für den Alltag nach Hause zu nehmen. Wir wollen Gemeinden

helfen, Mitarbeiter stärken, Glauben fördern

und interkulturelle Brücken bauen. Ihre Fragen schicken

Sie einfach an CBlum@DMGint.de per E-Mail oder rufen

Sie mich an: Tel. 07265 959-137. Ich freue mich auf Sie.

www.DMGint.de/Seminare

17.–21.02.2020

THEATERKURS: Visuelle Verkündigung durch Theater

Mit Theatertheologin und -pädagogin Birte Papenhausen

28.02.–08.03.2020

KAIROS-KURS (zwei Wochenenden und Abende)

Interaktiv Christen für

Mission zu Hause und

weltweit begeistern.

„Dieser Kurs hat mir die Augen geöffnet“, sagen Teilnehmer.

Es wird deutlich, dass die Bibel nicht nur eine Zusammenstellung

von Geschichten mit moralischen Lektionen

ist, sondern von vorne bis hinten Gottes Verlangen zeigt,

Menschen aller Völker zu segnen und zu retten. Die Frage

ist nicht ob, sondern wo und wie wir uns als Christen und

Gemeinden beteiligen. Erleben Sie spannende Bibelimpulse,

Videos, Kreativ aktionen und Kleingruppen. Finden Sie Ihre

Berufung!

Der Kairos-Kurs kann auch direkt in Ihrer Gemeinde stattfinden,

um Christen für Mission zu begeistern. Kontaktieren

Sie Bernhard Wessels (Kairos@DMGint.de, Tel. 07265

959-197).

DMG-informiert | 5 | 2019

3


AFRIKA ÄTHIOPIEN BENIN

Ein Menschenleben

gerettet!

Das Telefon klingelt auf der Intensivstation.

Die Kinderärztin am

anderen Ende informiert uns, dass ein

3.000 Gramm schweres Baby mit blutigem

Durchfall eingeliefert worden ist. Es

sei unterkühlt, brauche den Inkubator,

Sauerstoff und Blut. Der Säugling ist in

kritischem Zustand. Die Eltern haben

schon einiges bei anderen Institutionen

versucht und dabei viel Geld ausgegeben.

Es erstaunt mich, dass es überhaupt

noch lebt. Zwei Pfleger leiten die Sofortmaßnahmen

ein. Wird das Baby es

schaffen? Die Eltern erlauben uns, dass

wir für ihr Kind beten.

Unser Team in der christlichen Klinik

in Soddo arbeitet mit Hingabe, obwohl

die Situation hoffnungslos scheint. Zweimal

bekommt das Kind Bluttransfusionen.

Auch am dritten Tag kann es die

Temperatur nicht kontrollieren, braucht

Sauerstoff und Inkubator. Ich kann mir

nicht erklären, warum es noch in diesem

Zustand ist. Daher frage ich die Mutter,

ob sie ihrem Kind, der Tradition folgend,

das Zäpfchen im Rachen herausgeschnitten

hat? Sie bestätigt es, wie tragisch!

Diese Situationen berühren mich.

Sie wollte das Beste für ihr Kind und

erreichte das Gegenteil. Was hilft gegen

solche Praktiken? Am Beginn der Bibel

steht zu jedem Schöpfungstag: „Es

war gut.“ Auch das Gaumenzäpfchen,

versuche ich der Mutter zu erklären. Sie

hört aufmerksam zu, auf ihrem Gesicht

ein Ausdruck plötzlichen Erkennens.

Drei Tage kämpfen wir ums Leben ihres

Kindes. Dann endlich tritt eine deutliche

Besserung ein.

Nach drei Wochen verlässt die dankbare

Mutter mit ihrem Kind unsere

Klinik. Dank des hingebungsvollen Einsatzes

unseres Teams konnten wir ein

Menschenleben retten.

Der Mann

von der Tankstelle

Freundlichkeit ist in Afrika selbst

beim Tanken wichtig, denn außer

nettem Smalltalk hat eine gute Beziehung

zu den Leuten von der Tankstelle

den Vorteil, dass wir bei Benzinknappheit

trotzdem bedient werden. Während

die Tankwartin Kraftstoff einfüllt,

kommt ein Bettler mittleren Alters um

mein Auto herum, streckt mir die Hände

entgegen und bittet um Geld. Der Mann

sieht ungepflegt aus und tut mir sofort

leid, doch Geld geben wir nicht einfach

an Fremde weiter. Da rollt der Bettler

sein Hosenbein hoch und enthüllt eine

15 Zentimeter große, infizierte Wunde.

Sein Fuß ist ums Doppelte angeschwollen

und passt nicht in die kaputte Plastiksandale

hinein. Mir stockt der Atem …

Der Kranke heißt Daniel und lebt vom

Müllsammeln, erzählen

mir die Leute von der

Tankstelle. Er lebt von

vielleicht einem Euro

pro Tag. Es gibt so viel

Not um uns herum, wir

können nicht allen helfen.

Kurz bete ich, was ich in

Daniels Fall tun soll. Dann entscheide

ich, ihn zu einer Klinik unserer Kirche zu

fahren, direkt neben meinem Arbeitsplatz,

dem SIM-Büro, wo ich in der Verwaltung

tätig bin. Unterwegs komme ich

mit Daniel ins Gespräch, er scheint kaum

Familie hier in Parakou zu haben.

Der Krankenschwester in der Klinik

ist sein Fall zu kompliziert, sie verweist

uns an ein größeres Krankenhaus.

Zweimal fahre ich ihn zur Behandlung

dorthin; in den Tagen darauf können

Der Kranke heißt

Daniel und lebt vom

Müllsammeln.

Er lebt von vielleicht

einem Euro pro Tag.

wir zur regelmäßigen Wundbehandlung

wieder in die kleine Klinik um die Ecke

zurück. Die Krankenschwester gehört

zu unserer Gemeinde, ich bringe ihr

einen Vorrat an Verbandsmaterial für

Daniel mit. Daraufhin erklärt sie ihm in

seiner Sprache Bariba, dass er dreimal

die Woche zum Verbandwechsel kommen

soll.

Er sieht jedes Mal gepflegter aus und

grüßt mich immer im Missionsbüro.

Doch eines Tages lassen seine Besuche

wieder nach. Die Klinik hat sich geweigert,

den Bettler weiter zu behandeln,

heißt es. Ich gehe hinüber und muss die

Chefin überreden, sich doch wieder um

ihn zu kümmern. Dann suche ich nach

Daniel an der Tankstelle. Seine Wunde

ist wieder schlimmer und er sieht heruntergekommen

aus. An diesem Tag bin ich

entmutigt, dass helfen

so schwer ist! Wir als

Familie beten für Daniel.

Ich ermutige ihn, seine

Wunde weiter verarzten

zu lassen. Seither

kommt er regelmäßig.

Ein halbes Jahr später

ist die Wunde nur noch halb so groß

und die Schwellung am Fuß beinahe weg.

Begeistert sagt Daniel diese Woche, dass

er mit Joggen anfangen will. Das scheint

etwas übereilt, aber seine Freude kommt

deutlich zum Ausdruck. Durch ihn kenne

ich auch die Angestellten der Tankstelle

inzwischen besser und konnte ihnen

eine SD-Speicherkarte mit Predigten und

Liedern weitergeben.

4

Ruth Weber

P10815

Lee und Sarah Phillips

P10525


AFRIKA

KENIA

Wild und frei – mit Kamera!

Die Räder unseres Trucks kommen

quietschend zum Stehen. Mein

Vater springt aus dem Wagen, seine

Kamera in der Hand, und verfolgt einen

blauen Morphofalter, einen der schönsten

Schmetterlinge im Amazonasdschungel.

Fotografie war seine Leidenschaft.

Dieses Hobby, seine liebevolle Art und

wie er Menschen von Jesus weitersagte,

haben mich tief geprägt.

Ich bin wild und frei aufgewachsen; als

Missionarskind in Ecuador. Meine ersten

18 Jahre lebte ich bei indigenen Stämmen

und ich habe es geliebt! Es war ein krasser

Schnitt, als wir nach England mussten,

damit wir Kinder unsere Ausbildungen

beginnen konnten. Später folgten ein

paar Jahre theologische Ausbildung, dann

landete ich in den USA, um Missionspilot

in Ecuador zu werden. Doch Gott hatte

eigene Pläne, alles kam ganz anders. Wer

war ich in Gottes Augen? Wie sollte ich

ihm und Menschen dienen? Ich hatte

solche Sehnsucht, in die Mission zu gehen,

aber die Türen öffneten sich nicht.

Stattdessen brachte ich mich vor Ort in

Gemeinden in den USA ein.

Nach einigen Jahren ging ich durch

eine schwere Zeit. Ich war niedergeschlagen,

zerbrochen und konnte die

Welt nicht mehr in Farbe sehen. Alles

schien grau, es gab keine Freude. Damals

erinnerte Gott mich an die Kamera, die

ich kurz zuvor gekauft hatte. Ich fing an,

aus dem Haus zu gehen und zu fotografieren.

Es war, als würde ein Funke in mir

entfacht. Durch die Linse entdeckte ich

die Welt mit neuen Augen. Fotografie

wurde ein Teil meines Lebens und ich

gewann eine neue Wertschätzung für

Menschen und Gottes Schöpfung.

Meine Bilder veröffentlichte ich in sozialen

Medien, dadurch lernte ich meine

Frau Debora kennen. Wir haben beide

ein Herz für Mission. Debora kannte

damals ihre Berufung zur Koordinatorin

für Kurzzeitmissionare bereits, wie

Sie in der vorigen Ausgabe von DMGinformiert

lesen konnten. Mir musste

Gott noch zeigen, wie er mich einsetzen

wollte.

Frisch verheiratet lebten meine Frau

und ich ein Jahr in Wien. An einem

bitterkalten Wintertag fuhr ich mit dem

Zug in eine ungarische Kleinstadt, um

zu fotografieren. In jeder Straße wurde

ich auf Neues aufmerksam: Da, ein

Torbogen in einen Innenhof mit einer

Familie, Kindern und

ihrem Hund – eine

Szene wie aus National

Geographic. Ich

wollte nicht wie ein

Tourist rüberkommen

und ging vorbei, ohne

abzudrücken. Meine

Schritte knirschten im

Schnee. Plötzlich sagte etwas in mir, ich

solle zurück. Ich nahm all meinen Mut

zusammen und fragte mit Gesten, ob

ich Fotos von ihnen aufnehmen dürfe.

Sie freuten sich und luden mich in ihr

bescheidenes Zuhause ein. Wir unterhielten

uns mit Händen und Füßen und

hatten Spaß miteinander.

Als ich aus ihrer Tür trat, hatte ich

Gänsehaut. Was war passiert? Mein

Spaß an professioneller Fotografie

Mein Spaß an professioneller

Fotografie und meine

Leidenschaft für Menschen

hatten zusammengefunden

– meine Kamera als

Schlüssel zu Herzen?

Neu: Familie Adrián und Debora Butcher

und meine Leidenschaft für Menschen

hatten zusammengefunden. Ich hatte

Fotos machen wollen – das erlaubte mir

Zugang zu dieser Familie. Meine Kamera

als Schlüssel zu Menschen? Zurück in

den USA machte ich mich als Fotograf

selbstständig und erlebte meine Profession

als Türöffner. Ich konnte vielen von

Jesus erzählen und sein Licht durch mich

scheinen lassen.

Künftig werde ich meine Begabung

in Kenia einsetzen, als Fotograf und

Filmemacher eines Medienteams unserer

Partnerorganisation SIM in Nairobi. Wir

möchten Geschichten von Kenianern

mit der Welt teilen. Männer, Frauen

und Kinder, die von der Gesellschaft

übersehen werden, sollen ein Gesicht

bekommen, ihre Stimme soll gehört werden.

Mit der Kamera

in der Hand darf ich

Beziehungen knüpfen

und das Schönste mit

ihnen teilen – wie sehr

Christus sie liebt. Gott

hat mich bei Stämmen

in Ecuador aufwachsen

lassen und mir Liebe

zu fremden Kulturen geschenkt, das

kann ich in Kenia einsetzen. Es ist faszinierend,

wie Gott jede Gabe zu seiner

Ehre gebrauchen kann.

Mein Vater hat mich sehr geprägt!

Vielleicht wird diese Prägung ja in die

nächste Generation weitergegeben:

wenn meine Kinder mich in der kenianischen

Steppe aus dem Auto springen

sehen, um ein kleine Dikdik-Antilope

abzulichten.

NEU: Adrián und Debora Butcher

P10920

DMG-informiert | 5 | 2019

5


AFRIKA KENIA NAMIBIA

Wenn die Medikamente

ausgehen …

Ich komme gerade aus Uganda, wo ich

eine Kollegin sechs Monate vertreten

habe, sonst hätten wir die Zweigstelle

unseres Therapiezentrums in Kampala

schließen müssen. Im Juli erlitt ich dort

eine Lungenembolie. Es war heftig, Gott

sei Dank habe ich es überstanden. Wie

gut, dass ich mir die Behandlung, die

vielen Untersuchungen

und blutverdünnenden

Medikamente

leisten konnte und

kann. Ganz anders

eine Frau in meinem

Hauskreis, die an

Schizophrenie leidet.

Eigentlich bekommt

sie ihre Medikamente im

staatlichen Krankenhaus umsonst, aber

immer wieder gehen sie dort aus. So hat

sie neue Schübe mit Wahnvorstellungen

und Nebenwirkungen, die ein weiteres

Medikament verhindern könnte. Die

Tochter eines Mitarbeiters hat eine

Blasenschwäche, was in der Schule

besonders schlimm für sie ist. Auch ihre

Eltern können sich die Behandlung nicht

Gisela Roth hilft Traumatisierten

In Afrika gibt

es Terrorangriffe,

Raubüberfälle, Kriege

und zahllose Flüchtlinge.

Tausende Menschen sind

traumatisiert.

leisten. In beiden Fällen konnte ich unkompliziert

mit kleinen Beträgen helfen,

teilweise hilft meine Familie mit.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist

Psychotherapie für Mitarbeiter und

Missionare. In Afrika gibt es Terrorangriffe,

Raubüberfälle, Kriege und

zahllose Flüchtlinge. Tausende Menschen

sind traumatisiert. Ein

wichtiger Beitrag zu

ihrer Versorgung ist die

Ausbildung qualifizierter

Therapeuten, die

ich seit vielen Jahren in

verschiedenen Ländern

anbiete. Im November

ging meine erste Supervisorenausbildung

im Therapieverfahren

EMDR zu Ende. Nun stehen den Therapeuten

gut ausgebildete Supervisoren

zur Verfügung; mehr Traumatisierten

kann wirksam geholfen werden.

EMDR steht für eine Psychotherapieform,

basierend auf Desensibilisierung

und Verarbeitung durch Augenbewegung.

Mit dieser Methode können

Traumafolgestörungen bei Erwachsenen,

Kindern und Jugendlichen behandelt

werden. Ich möchte die EMDR-Initiativen

in Afrika vernetzen, um die gegenseitige

Unterstützung, Ausbildungen und Forschung

zu stärken. Bitte beten Sie, dass

das in guter Weise gelingt. Im Moment

suche ich afrikanische Leiter, die von

Kollegen auf dem ganzen Kontinent

anerkannt werden, was nicht selbstverständlich

ist.

Supervisoren in Ausbildung

Ein Teller Brei

Namibia 2019: das bedeutet drei

Jahre wenig oder kein Regen, drei

Jahre kaum oder keine Ernte! Ich habe

unser schönes Land noch nie so vertrocknet

gesehen. Dazu die Wirtschaftskrise,

die sich nicht bessern will. Beides

zugleich bedeutet Hunger für viele.

Kleinbauern, die früher noch von ihren

wenigen Kühen und etwas Ackerbau

leben konnten, haben dieses Jahr alles

verloren. Auch große Farmen ernten

kaum noch etwas.

Ich frage im „Family of Hope Service“

(Familie der Hoffnung) nach, der Schule,

in die wir als DMG immer wieder Freiwillige

und Kurzzeitmitarbeiter senden,

wie sich die Dürre dort zeigt. Die

Direktorin erklärt mir, dass viele Kinder

aus dem Armenviertel inzwischen keine

Pausenbrote mehr mitbringen. Oft

haben sie morgens vor dem Unterricht

kein Frühstück gehabt. Die kostenlose

Mahlzeit an der Schule ist ihre einzige

am Tag.

Mehr und mehr Kinder kommen zum

Mittagessen, selbst wenn es nur ein

Teller Brei ist. Das Gleiche passiert in

Grootfontein, wo mehr als 800 Kinder

eine Mahlzeit erhalten und was übrig

bleibt an Alte und Schwache verteilt

wird. Wir können unsere Augen nicht

vor der offensichtlichen Not verschließen.

So greift meine Partnermission,

deren Team ich hier leite, den zwei

Suppenküchen finanziell unter die

Arme. Unsere praktische Hilfe öffnet

auch Türen zu den Herzen. Wir haben

die Gelegenheit, Jung und Alt auf den

hinzuweisen, der alles in Händen hält:

Jesus Christus.

Bitte beten Sie mit, dass wir dieses

Jahr endlich den nötigen Regen bekommen,

damit unser Land aufatmen kann.

Vor allem aber dass, wenn der Regen

kommt, der Dank an den Richtigen geht:

an Jesus Christus!

Gott fordert von euch nichts

anderes, als dass ihr euch an

das Recht haltet, liebevoll

und barmherzig miteinander

umgeht und demütig vor Gott

euer Leben führt.

Micha 6,8

6

Dr. Gisela Roth

P10580

Dagmar Henchoz

P10226


TANSANIA

„For Freedom“ ist ein Programm

gegen Ausbeutung,

Sexgewerbe, Menschenhandel

und moderne Sklaverei.

Mehr dazu auf Seite 16.

Mutterseelenallein im Busch

Unser Team von Safina (Die Arche)

in Dodoma hilft obdachlosen

Kindern und Jugendlichen. Wenn

möglich, bringen wir sie wieder zu ihren

Eltern nach Hause und unterstützen

diese mit Schulgeld und Kleidung.

Wo die Situation daheim zu prekär

ist, nehmen wir die Straßenkinder in

unsere Pflegefamilien auf. Ein großes

Problem sind Menschenhändler, die

Kinder von der Straße kidnappen und

in die Sklaverei und Prostitution zwingen,

wie im folgenden Fall:

Mein Name ist Zahir. Ich lebte auf

der Straße, weil es zu Hause nicht mehr

genug zu essen für alle gab. Eines Tages

traf ich auf einen Massai, der sagte, er

habe einen Job für mich. Er suche einen

Kuhhirten für seine zehn Tiere und wolle

mich gut bezahlen. Er sagte, es sei eilig

und ich könne mich nicht von zu Hause

verabschieden und setzte mich in einen

Bus nach Morogoro. Von da aus ging es

tief in den Busch. Wir trafen einen anderen

Mann. Ich sah, wie verhandelt wurde.

Der Massai hat mich einfach verkauft.

Mein Käufer hatte hunderte Kühe, um

die ich mich kümmern musste, und das

ohne Bezahlung! Ich könne ja nach Hause,

wenn ich nicht wolle. Da saß ich also,

alleine mitten in der Wildnis, und wusste

nicht, wie ich von dort wegkommen

sollte. Ich hütete die Kühe ein Jahr. Zu

essen gab es nichts, nur die Milch durfte

ich trinken. Eines Tages lernte ich einen

anderen Jungen kennen, der weglaufen

und zur Schule gehen wollte. Mitten in

der Nacht rannten wir

los. Der Junge kannte

sich in dieser Gegend

aus, aber sie verfolgten

uns und fingen uns

wieder ein. Sie haben

uns arg verprügelt.

Eines Nachts liefen

wir wieder weg und

wurden wieder geschnappt. Tage später

machten wir den dritten Versuch. Wir

liefen und liefen. Wenn wir ein Motorrad

hörten, warfen wir uns sofort in die

Büsche und verstecken uns. Selbst am

dritten Tag waren die Massai noch hinter

uns her. Endlich erreichten wir Morogoro,

wo uns eine Frau aufnahm. Wir

konnten Geld zur Seite legen, um eine

Fahrkarte in die Hauptstadt Dodoma

zu kaufen. Ich wollte meinen jüngeren

Wir liefen und liefen.

Wenn wir ein Motorrad

hörten, warfen wir uns in

die Büsche. Selbst am

dritten Tag verfolgten

uns die Massai noch.

Zahir und sein Freund

sind den Menschenhändlern

entkommen

Freund mitnehmen. In Dodoma würden

wir schon einen Weg finden, uns zu

versorgen.

Wir stiegen in den Bus ein und kamen

endlich in Dodoma an. Hier lebten wir

eine Zeitlang auf der Straße. Weil es

meinem Freund immer schlechter ging,

er hatte Malaria, suchte ich Hilfe beim

Sozialamt. Sie riefen die Leute vom Verein

Safina (Die Arche)

an. Dann kam „Mama

Andrea“ und holte

uns ab.

Nach ein paar Tagen

brachte sie mich in

mein Dorf zurück.

Wie freute sich meine

Familie, dass ich noch

lebte. Andrea sorgte dafür, dass ich heute

zur Schule gehen darf. Und meinen

Freund haben sie in einem Pflegehaus

von Safina aufgenommen. Er ist inzwischen

wieder gesund und geht auch zur

Schule. Wir sind so froh über die Hilfe,

die wir bekamen. Nachmittags, wenn

wir aus der Schule kommen, treiben wir

Sport. Wir bekommen von Safina eine

gute Mahlzeit jeden Tag und lernen immer

mehr über Jesus und seine Liebe.

Andrea Hellemann

P10220

DMG-informiert | 5 | 2019

7


AFRIKA

ESWATINI (EHEM. SWASILAND)

Feuer, Strom und Radio

Auf den

Antennen

von TWR

Euer Nachbargrundstück brennt. Die

„ Flammen sind schon ganz nah an

eurem Haus!“ Als Tobias Pfeiffer diese

Nachricht aufs Handy erhält, sind wir

gerade bei der Sendestation von Trans

World Radio (TWR) in Eswatini. Schnell

packen wir zusammen. Die fünf Häuser,

in denen neben Pfeiffers vier weitere

Familien leben, sind 40 Minuten entfernt.

Zum Glück gibt es an dem Freitagabend

wenig Verkehr, so dass Tobias etwas

Gas geben kann. Als wir in den Feldweg

einbiegen, der zu ihnen führt, schlagen

ringsum Flammen in die Höhe. Ich schicke

ein Stoßgebet zum Himmel: „Hilf,

Herr!“

Tobias’ Kollegen stehen mit Schläuchen

draußen, um die Häuser zu

schützen. Ich renne mit Britta und den

Kindern ins Haus. Überall riecht es nach

Rauch. Nach einer Stunde kommt Tobias

zu uns herein. Die Gefahr ist gebannt,

die Flammen werden kleiner. „Es ist

normal, dass die Afrikaner um diese Jahreszeit

ihre Felder abbrennen“, erklärt

mir Britta später. Die Buschfeuer, die

schon den ganzen Tag in der Umgebung

loderten, waren durch starken Wind

außer Kontrolle geraten.

„GOTT PASST

AUF UNS AUF!“

Es ist mein erster Tag in Swasiland

– oder Eswatini, wie das kleine Königreich

mit einer Million Einwohnern im

Südosten Afrikas neuerdings heißt. Dort

besuche ich Tobias und Britta Pfeiffer

mit ihren drei Kindern David (8), Lucas

(6) und Samuel (3). Erst vor wenigen

Wochen hatte es an ihrer Radiosendestation

gebrannt. „Gott sei Dank haben wir

das Feuer dort auch früh genug entdeckt

und konnten es löschen“, berichtet

Tobias erleichtert. Wie rasend sich die

Flammen bei der Trockenheit hier ausbreiten,

denke ich.

Als wir am nächsten Tag einen Spaziergang

über die Felder machen, sehen

wir, was die Flammen alles kahlgefressen

haben. Nur das Gelände von TWR ist

verschont geblieben. Ein Wunder! Beruhigend

spricht Britta mit ihren Kindern:

„Seht ihr, Gott hat uns bewahrt. Er passt

auf uns auf.“ David, Lucas und Samuel

sind erstaunlich gelassen mit der Situation

umgegangen. Zwar haben sie wie wir

Erwachsenen große Augen gemacht und

Stoßgebete zum Himmel geschickt, doch

niemand ist in Panik ausgebrochen. Eine

gute Portion Gottvertrauen ist sicher

angebracht, wenn man in einem Land

lebt, wo nicht alles abgesichert ist und

überall Gefahren lauern. So kann es sein,

dass den kleinen Männern beim Spielen

im Garten schon mal eine Giftschlange

begegnet. „Bisher ist alles gut gegangen“,

lächelt Britta.

HOFFNUNGSBOTSCHAFT

SENDEN

Abgesehen von den schwarz verbrannten

Feldern, die erst in der Regenzeit

wieder grün werden, ist es ein idyllisches

Fleckchen Erde, wo Familie Pfeiffer ihr

Zuhause hat. 2009 sind Tobias und

Britta als junges Missionarsehepaar der

DMG nach Eswatini ausgesandt worden.

Zehn Jahre lebt die mittlerweile fünfköpfige

Familie nun schon in den Hügeln von

Manzini. Seit einigen Monaten gehören

noch ein Hahn, zwei Hennen und ein

Küken dazu.

Tobias ist ein technischer Missionar.

Er arbeitet als Ingenieur an der Sendestation

von Trans World Radio mit,

einem internationalen Partner der DMG.

Von hier aus werden christliche Radiosendungen

in weite Teile Afrikas ausgestrahlt.

Er und seine Kollegen warten

die Antennen und die Technik darunter.

Dank ihres Dienstes im Hintergrund

erreichen Sendungen ihre Hörer, Menschen

finden zum Glauben und Christen

werden ermutigt.

WILLKOMMEN IN AFRIKA!

„Wir haben gerade keinen Strom“,

lacht meine Gastfamilie fröhlich, als

ich morgens ihre große Wohnküche

betrete. Zum Glück sind Pfeiffers auf

solche Vorfälle eingestellt. Es gibt einen

Gaskocher und somit heißes Wasser

für Kaffee und Tee. Der Tag ist also

gerettet. Eine permanente Stromversorgung

und stabile Internetverbindung

sind für die 1,3 Milliarden Menschen

in Afrika auch heute noch nicht selbstverständlich

– und falls vorhanden oft

8

Tobias und Britta Pfeiffer

P10522


Neu:

informiert

i

Zu Besuch

bei Familie

Pfeiffer

Unsere Zeitschrift DMG-informiert können

Sie jetzt auch anhören! Die Artikel

werden von unseren Missionaren selbst

vorgelesen. Als Audio-Podcast zu abonnieren

auf allen gängigen Plattformen wie

iTunes, Apple Podcasts, Spotify & Co.

Alternativ per Link in einem

Podcast-Player Ihrer Wahl:

https://www.DMGint.de/share/

dmg-informiert-podcast.xml

nur für die Reichen erschwinglich. Ein

Hörer der Sendungen, die über Tobias’

Anlagen ausgestrahlt werden, schrieb

aus Simbabwe: „Wir haben fünf Stunden

Strom am Tag. Seit ich eure Frequenz auf

Mittelwelle entdeckt habe, höre ich eure

Programme, wann immer es möglich ist.

Korruption und Machtgier haben unser

Land zerstört. Danke für eure Arbeit,

eure Sendungen machen unsere langen,

dunklen Nächte hell.“

An der Stelle kommt die wichtige

Aufgabe von Tobias zum Tragen. Als

einer von vier Ingenieuren und Technikern

sorgt er dafür, dass die Sendeanlage

in Eswatini einwandfrei funktioniert und

täglich christliche Radioprogramme

über die starken Kurz- und Mittelwellenfrequenzen

in den ganzen Kontinent

ausgestrahlt werden. Die anspruchsvolle

Sendetechnik erfordert regelmäßige

Wartungen und Updates. „Bei einem

Ausfall arbeiten alle Kollegen gemeinsam

auf Hochtouren, um die Anlage

so schnell wie möglich wieder in Gang

zu bringen“, beschreibt Tobias seinen

Alltag.

MIT LUNGA UND

XLEMUSA SPIELEN

Während er wochentags an der Sendeanlage

arbeitet, kümmert sich Britta um

den Haushalt und die Kinder. Außerdem

sind bei Pfeiffers Nachbarn, Freunde und

Gäste immer herzlich willkommen. Auch

das gehört zum Leben von Missionaren.

Sie öffnen Haus und Herzen, damit Menschen

ihren Glauben miterleben.

Zwei Nachmittage die Woche sind

Lunga und Xlemusa, zwei Jungen aus der

Nachbarschaft, zu Besuch. „So kann ihre

Mutter arbeiten gehen“, sagt Britta. David

und Lucas freuen sich schon. Sobald

die Hausaufgaben gemacht sind, können

sie mit ihren Freunden draußen spielen.

Zeit zum Durchschnaufen und klar Schiff

machen hat Britta nur vormittags, wenn

die Kinder im Kindergarten und in der

Schule sind.

Es geht lebendig zu bei Pfeiffers; bei

Tobias’ Arbeit am Sender und bei Britta

zu Hause. Britta bestätigt das mit einem

zufriedenen Lachen: „Wir lieben das

Leben in Eswatini und sind dankbar, dass

wir Christen in Afrika über das Radio

und hier zu Hause zu Jesus einladen

dürfen.“

Von Claudia Schmidt

Die Autorin, Jahrgang

1968, verantwortet die

weltweite Arbeit von ERF

Medien in Wetzlar. Sie

ist mit Familie Pfeiffer

befreundet und hat sie in

Afrika besucht.

DMG-informiert | 5 | 2019

9


AMERIKA ARGENTINIEN MEXIKO

Frauen im

Gefängnis

Nati* ist noch ein Teenagermädchen,

als sie in Bolivien mit einem

älteren Mann verheiratet wird. Der

nimmt sie kurzerhand mit zum Arbeiten

auf die Kartoffelfelder ins Nachbarland

Argentinien. Der Hungerlohn, den sie

hier für zwölf Stunden harte Arbeit bekommen,

lässt sie zwar überleben, doch

sie sind bitterarm.

Nati leidet sehr unter ihrem gewalttätigen

Mann. Ihre einzige Freude im trostlosen

Alltag ist ihre kleine Tochter, die

sie über alles liebt. Eines Tages bestiehlt

ihr Mann den Großgrundbesitzer. Dabei

wird er von seinem 15-jährigen Neffen

beobachtet. Er ermordet den Jungen

im Affekt. Die Tatwaffe steckt er seiner

Frau zu, mit den Worten: „Wenn du den

Mord nicht auf dich nimmst, stirbt unser

Kind!“ Aus Angst um ihre kleine Tochter

gesteht Nati die Tat vor Gericht und

schweigt fortan. Das ist 15 Jahre her …

Ich (Judith) gehöre zu einem Team,

das hier in der Millionenstadt Córdoba

Frauen wie Nati im Gefängnis besucht

und ihnen seelsorgerlich beisteht. Die

schüchterne junge Frau war ihrem Mann

stets hörig. Genauso erduldet Nati auch

tapfer alle Anfeindungen im Gefängnis.

Als Bolivianerin, Kindermörderin, arm

und ohne Familie ist sie der Inbegriff von

Schutzlosigkeit und wird hinter Gittern

schwer ausgenutzt. Eines Tages lernt

Nati einen Häftling vom Knast nebenan

kennen und wird ungewollt schwanger.

Auf gar keinen Fall will sie an diesem

schrecklichen Ort ein Kind zur Welt

bringen. Sie ist am Tiefpunkt und will

nicht mehr leben.

Kurz vor der geplanten Abtreibung

lernt Nati Jesus kennen und vertraut ihm

ihre Not und Angst an. Seither treffen

wir uns mit ihr zum Bibellesen und

Beten. Sie ist glücklich über ihr neues

Leben in Jesus. Mit ihrer wunderschönen

Tochter Maya* auf dem Arm erzählt sie

uns eines Tages: „Gott hat mein Leid in

Freude verwandelt. Ich habe Frieden im

Herzen – auch die 20 Jahre Gefängnis,

die noch vor mir liegen, wird Jesus mir

beistehen.“

Bitte betet für Frauen im Gefängnis

wie Nati. Sie brauchen unsere liebevolle

Annahme, um Gottes Liebe für sich

selbst zuzulassen und wahre Freiheit zu

finden.

* Namen geändert

Alicia, unsere

Herbergsmutter

Alicia war eine der ersten Patientinnen

unseres Gästehauses für

Tarahumara-Indianer, die aus den Bergen

zur medizinischen Fürsorge in unsere

Stadt kommen. Sie war 40, schwanger

und sollte Zwillinge bekommen, eine

große Überraschung für die siebenköpfige

Familie. Sie hatte bereits neun Kinder

zur Welt gebracht, von denen nur fünf

überlebt hatten. Das ist nicht ungewöhnlich,

denn viele Tarahumara-Kinder

sterben an Mangelernährung.

Monat für Monat kam Alicia zu Untersuchungen

und übernachtete in der

Herberge. Wir erzählten ihr biblische

Geschichten und sangen christliche

Lieder in ihrer Muttersprache mit ihr.

Leider starb eines ihrer Zwillingskinder

bei der Geburt. Das Überlebende nannten

sie Esperanza: Hoffnung! Mitarbeiter

der Herberge begleiteten Alicia zu ihren

Terminen, übersetzten für sie und halfen

mit allen Formalitäten, bis hin zum Begräbnis

des verstorbenen Babys.

In den Jahren darauf kam Alicias ältester

Sohn Jorge und

Sie sei beim Ziegenhüten

zusammengebrochen,

erzählte das Mädchen

schüchtern. Yoselin blieb

monatelang und erhielt

ärztliche Hilfe.

Wir arbeiten in einer gemeinnützigen

Organisation, die sich für das indigene

Tarahumara-Volk (rund 100.000 Menschen)

einsetzt

bat in der Herberge

um Hilfe. Ihn plagten

merkwürdige Symptome:

Schwäche,

Schmerzen, Schwindelanfälle.

Und er

hörte Stimmen.

Jorge kann lesen,

schreiben und gut

Spanisch. Er konnte die meisten Ärzte

alleine besuchen, nur beim Psychologen

in Chihuahua benötigte er Hilfe. Wir

stellten zunächst sicher, dass er eine

gute medizinische Behandlung bekam.

Überlegten dann aber auch, ob geistliche

Ursachen für die inneren Stimmen in

Betracht kamen. Jorge begann, die Bibel

zu lesen und fand Trost in den Psalmen.

Ein junger Arzt unseres Teams traf

sich immer wieder mit ihm; auch zum

Gespräch über den Glauben.

Eines Tages brachte Jorge seine 13-jährige

Schwester Yoselin in die Herberge.

Sie sei mit heftigen Knieschmerzen beim

Ziegenhüten zusammengebrochen, erzählte

das Mädchen schüchtern. Yoselin

blieb monatelang und erhielt ebenfalls

ärztliche Hilfe. Mutter Alicia fragte, ob

die Tochter länger bleiben und in der

Herberge aushelfen könne. Sie war dankbar,

weil sie Yoselin bei uns in Sicherheit

wusste. Gerne stimmten wir zu. Yoselin

erwies sich als fleißig und sehr interessiert

an allem, was wir ihr über Jesus

erzählten. Eine Missionarin brachte ihr

das Lesen bei.

Alicia kam immer wieder, um Yoselin

zu besuchen. Eines Tages fragte unsere

Hausmutter, ob sie sich vorstellen

könne, ihre Stelle einzunehmen. Gerne

stimmte Alicia zu und begann gleich am

nächsten Tag. Sie und ihr Mann Francisco

tun heute eine wunderbare Arbeit als

unsere Hauseltern. Sie zeigen Initiative,

haben einen Blick für Schönes, Sauberkeit

und Ordnung. Weil sie freundlich

sind und die Bräuche der

Tarahumaras achten, ist

die Herberge ein Zuhause

für viele aus ihrem

Volk, wenn sie fern ihrer

Dörfer Zeit in der Stadt

verbringen müssen.

Sohn Jorge hat

inzwischen ebenfalls hier

angefangen. Er ist als Patientenbegleiter

eine große Hilfe, weil er

sich gut mit Behörden und Krankenhäusern

auskennt, Spanisch und Tarahumara

spricht und Auto fahren kann. Jorge

wächst im Glauben und er packt kräftig

mit an. Bevor wir Bergdörfer besuchen,

füllt er uns immer 40 bis 60 Kilogramm

Milchpulver mit anderen Zutaten in

Plastikbeutel ab. Die verteilen wir vor

Ort an Mütter. Sie ergänzen ihr eigenes

Pinole (Maismehl) mit dieser nahrhaften

Milchmischung. So tragen wir dazu bei,

dass Tarahumara-Kinder in den Bergen

überleben.

Alicia und ihre Familie hören gerne zu,

wenn wir ihnen vom Glauben erzählen.

Francisco bat uns um einen MP3-Player

mit Liedern und Bibelgeschichten, die

er bei der Arbeit hört. Bitte beten Sie

für Alicias Familie und die Indianer, die

unsere Herberge besuchen.

10

Judith und Sebastián

Cabral P10218

Michael und Lisa Schmid

P10663


AFRIKA

KONGO

Barmherzigkeit

Liebe in Aktion

| THEMA

Kongo-Nothilfe

Wir wollen die CECA20-Kirche (ein

Verband mit ca. 1 Mio. Mitgliedern)

und unsere Partnerwerke vor Ort

finanziell in die Lage versetzen,

Notleidende zu versorgen,

Projektnummer: P50409

Nothilfe Kongo

www.DMGint.de/

Kongohilfe

Partnerkirche

Wie unsere

hilft

Erschöpfung, Hunger und Durst

zeichnen ihre Gesichter: Mit

stierem Blick bewegt sich eine Gruppe

Menschen auf ein Dorf in der Region Bunia

zu. Einige humpeln, manche weisen

verkrustete Wunden auf, ihre wenige

Habe auf dem Kopf, die kleinen Kinder

auf den Rücken gebunden. Mit ihren

Gedanken sind sie bei Menschen, die bei

dem bewaffneten Überfall auf ihr Dorf

getötet worden sind.

Am Ortsrand fragen sie nach der

Kirche. Sie werden zu einer CECA20-

Gemeinde gewiesen, einer Kirche im

Ostkongo, mit der die DMG seit 40

Jahren partnerschaftlich verbunden ist.

Sie treffen auf einen

freundlichen Pastor,

der ihnen Wasser zu

trinken anbietet. Die

müden Leute setzen

sich auf Bastmatten

oder den Boden.

Dann erzählen sie

vom Überfall auf ihr

Dorf, von Schüssen, Gemetzel, Vergewaltigungen,

brennenden Hütten und

ihrer Flucht in den Busch, wo sie sich

tagelang verborgen hielten. Sie waren zu

Fuß unterwegs, drei Tage und Nächte im

Freien. Immer in Angst, doch noch den

Bewaffneten in die Hände zu fallen.

Inzwischen haben der Pastor und seine

Frau all ihre Vorräte zusammengerafft

Sie waren zu Fuß

unterwegs, drei Tage und

Nächte im Freien. Immer

in Angst, doch noch den

Bewaffneten in die Hände

zu fallen.

und kochen Reis und Bohnen. Er schickt

zwei seiner Kinder los, die Ältesten zu

rufen, um gemeinsam zu beraten, wie

sie helfen können. Die ersten Nächte

wird die Gruppe in der kleinen Kirche

untergebracht; Gemeindeglieder versorgen

sie mit Essen. Die Menschen dieser

Region wissen, wie es Flüchtlingen geht.

Die meisten haben schon Ähnliches

erlebt. Sie hören zu, verstehen, trösten

und beten mit den Neuankömmlingen.

Ein kleiner Anfang, all das Furchtbare zu

verarbeiten.

Schwangere und Mütter mit Kleinkindern

werden bei Gemeindeältesten

einquartiert, ein paar im Schulhaus.

Nach wenigen Wochen

werden Christen den

Binnenflüchtlingen ein

Stück ihres Landes

anbieten, damit sie sich

Hirse, Erdnüsse, Mais,

Maniok und Gemüse

anbauen können. Das

gemeinsame Arbeiten

auf dem Feld lenkt von dunklen Gedanken

ab und sie beginnen, sich und ihre

Kinder wieder selbst zu versorgen.

Manche kommen bei Verwandten unter.

Dann wächst die Hausgemeinschaft

über Nacht aufs Drei- oder Vierfache

an – was ein großes Maß an Opferbereitschaft

abverlangt: Raum, Essen, Betten,

Kleidung, alles miteinander zu teilen.

Den Gastgebern bleibt kaum noch Geld,

um Schule, Essen und Medizin ihrer

eigenen Kinder zu bezahlen.

Die Pastoren und Diakone der

CECA20-Kirche spenden Trost, ermutigen,

stärken und laden in Gottesdienste

ein. Nach dem Verteilen von Hilfsgütern

halten sie Andachten: Die Menschen

sollen erfahren, dass es Jesus Christus

ist, der hinter den Zuwendungen steht.

Oft zieht Gottes Friede ins Herz der

Bedürftigen ein. Wenn sie Monate oder

Jahre später in ihre Heimat zurückkehren,

bitten manche die Kirche, einen Pastor

mit in ihr Heimatdorf zu senden und

eine Gemeinde zu gründen. So wächst

die Kirche inmitten von Not.

Szenen wie oben beschrieben ereignen

sich derzeit hundertfach im Nordosten

des Kongo. Allein in der Provinz Ituri

sollen inzwischen 800.000 Menschen

auf der Flucht sein – was für ein Elend:

Dörfer brennen, Menschen sterben, Vieh

wird geraubt, Frauen vergewaltigt. Die

Ortskirchen sind die erste Anlaufstelle

für Menschen auf der Flucht. Gemeinden

der CECA20-Kirche helfen spontan und

großzügig. So finden Vertriebene Beistand

im eigenen Land. Und sie organisieren

Hilfslieferungen in nicht versorgte

Flüchtlingslager, soweit sie die Mittel

dafür haben. Es lohnt sich, unsere Partnerkirche

in dieser schweren Aufgabe zu

unterstützen.

Kerstin Weiß

P10828

DMG-informiert | 5 | 2019

11


Barmherzigkeit

Liebe in Aktion

Am 5. Juli 1841 fuhr ein Sonderzug

mit 500 Passagieren von Leicester

in das 18 Kilometer entfernte Loughborough.

Im Preis von einem Schilling

waren neben der Hin- und Rückfahrt

Tee und ein Schinkenbrot sowie Spaß

und Spiel enthalten. Diese Fahrt gilt als

Beginn des modernen Massentourismus.

Organisator war der 33-jährige Baptist

Thomas Cook. Er hatte miterlebt,

wieviel Not die Trunksucht im viktorianischen

England verursachte, und wollte

die Menschen weg von der Gin-Flasche

an die frische Luft bringen – und dabei

„mit Gott verbinden“. Aus seiner Liebe

zu Jesus wurde Aktion.

KLEINE, BEHERZTE

SCHRITTE

Wo Glaube und Wiedergeburt echt

sind und Christen sich an der Bibel

orientieren, lindern sie Not. Sie verbinden

die Hilfe aus materiellem Elend ganz

natürlich mit dem Reden über die gute

Botschaft. Dabei folgen sie dem Beispiel

von Jesus Christus. Sie packen an,

kümmern sich um das äußere und innere

Elend der Menschen und reden dabei

ganz selbstverständlich von der Rettung

für die Ewigkeit, die es nur in Jesus gibt,

sodass Menschen zum Glauben finden.

Sie wollen Barmherzigkeit leben. Dabei

verändern Christen durch kleine, beherzte

Schritte nachhaltig ihre Gesellschaft.

Bereits die ersten Christen vor 2.000

Jahren haben aktiv Nothilfe geleistet,

weil Jesus gesagt hat: „Ich bin ein Fremder

gewesen und ihr habt mich aufgenommen.

Ich bin nackt gewesen und

ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank

gewesen und ihr habt mich besucht. Ich

bin im Gefängnis gewesen und ihr seid

zu mir gekommen ... Wahrlich, ich sage

euch: Was ihr getan habt einem von

diesen meinen geringsten Brüdern, das

habt ihr mir getan“ (Matth. 25,35 ff.). Benachteiligten

zu helfen, stand im krassen

Gegensatz zu den Werten der griechischen

und römischen Gesellschaft um

sie her. Doch Jesus hatte seine Jünger

gesandt, zu predigen UND zu heilen (Lk.

9,2). Das zeigte Wirkung.

Um 250 nach Christus brach in

Alexandria die Pest aus. Eusebius von

Caesarea beschrieb Menschen, die

krank, verstoßen und halbtot zurückgelassen

wurden und wie Tote einfach auf

der Straße liegenblieben. Die Christen

in Alexandria dagegen pflegten kranke

Nachbarn und beerdigten die Toten,

die sie in der Stadt fanden. Sie waren

überzeugt, dass sie dadurch Jesus selbst

dienten. Es kann nur gottgefällig leben,

wer auch seinen Nächsten liebt. Ihr

Umgang mit Not wurzelte im Leben und

der Lehre von Jesus. Dieses selbstlose

Handeln war eine Revolution in ihrer

Zeit.

SPUREN DES SEGENS

Durch Jesus Christus bekamen im

Verlauf der Geschichte Frauen Würde,

Sklaven wurden Teil christlicher

Gemeinden, Ausländer waren nicht

länger verachtet. Der Apostel Paulus

fasste diese Neuausrichtung mit den

Worten zusammen: „Hier ist nicht Jude

noch Grieche, nicht Sklave noch Freier,

nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt

einer in Christus Jesus“ (Gal. 3,28).

Christen setzen Zeichen. Ihr Leben ist

Liebe in Aktion. Was sie tun, spricht

genauso laut von Jesus wie ihre Worte.

Ich denke an die Waisenhäuser von

Bristol, die mehrere tausend heimatlose

Kinder versorgten. Der Gründer, Georg

Müller (1805–1898), nahm sich die

pietistischen Franckeschen Stiftungen in

Halle zum Vorbild. William Wilberforce

(1759–1833) bekämpfte als Christ zunächst

Sklaverei. Später wandte er sich

in Indien gegen das Kastenwesen, die

Witwenverbrennung und die Benachteiligung

von Frauen, bis hin zur Tötung

12

DMG-informiert | 5 | 2019


Ein wunderbares Beispiel für gelebte Barmherzigkeit war unsere

Ärztin Elisabeth Zuelsdorf, die am 19.11.2018 verstarb.

Barmherzigkeit

Liebe in Aktion

| THEMA

weiblicher Neugeborener. Sein Leben

hinterließ Spuren des Segens.

Jean-Henri Dunant (1828–1910) gründete

1864 das Rote Kreuz und erhielt

dafür 1901 den allerersten Friedensnobelpreis.

Der Glaube hat ihn angespornt,

sich um Verwundete zu kümmern. Am

Ende seines Lebens schrieb er einem

Freund: „Ich bin ein Jünger Christi wie im

ersten Jahrhundert, und sonst nichts.“

Ein schönes modernes Beispiel ist der

gläubige Arzt Denis Mukwege, Nobelpreisträger

von 2018, der unter Einsatz

seines Lebens misshandelten Frauen im

Kongo hilft. Und dieser Tage überraschte

uns die Nachricht, dass der 43-jährige

äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed

Ali, wieder ein engagierter Christ,

den Friedensnobelpreis 2019 erhält.

AUF HILFE FOLGT

NACHFOLGE

Als DMG schauen wir staunend auf

manche Missionare zurück, die durch

ihre Nothilfe Großes hinterlassen haben:

2014 ist unsere Rose Schwarz († 2017)

für ihr Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz

ausgezeichnet worden. Bei

der Verleihung sagte sie, Gott soll die

Ehre zukommen. Als Lehrschwester hat

sie die kirchliche medizinische Arbeit in

ländlichen Regionen Kenias maßgeblich

mit aufgebaut. Als Folge ihres Diensts

erhalten heute Tausende medizinische

Hilfe.

Oder die 2009 verstorbene Missionsärztin

Ursula Schmitz. Sie hat 20 Jahre

in einem christlichen Krankenhaus in der

Talibanregion gedient und erhielt postum

dafür den höchsten Verdienstorden

der Islamischen Republik Pakistan.

Sie behandelte ohne Ansehen von

Person und Religion Tausende und half

vielen Müttern, gesund ihre Kinder zur

Welt zu bringen. Ihr Leben machte die

Liebe von Jesus vielen begreifbar.

Als Nachfolger von Christus sollen

wir von unserem Meister lernen. Mich

fasziniert dabei besonders die Bibelstelle

Markus 10,47 ff. Jesus ist mit seinen Jüngern

auf dem Weg nach Jerusalem. Als

die Reisegruppe Jericho hinter sich lässt,

wird sie von einem blinden, schreienden

Bettler belästigt. Die Leute ärgern sich.

Im jüdischen Denken war Blindheit eine

Strafe für Verfehlungen im Leben, wieso

sollte man ihm helfen? Doch Jesus bleibt

stehen. Er nimmt den Blinden wahr und

zeigt Respekt für einen Menschen, den

sonst niemand achtet. Obwohl er als

Retter der Welt eine Riesenaufgabe und

einen randvollen Terminkalender hat,

nimmt Jesus sich des Einzelnen an. Er

heilt den Blinden und gibt ihm Weitblick:

Bartimäus bleibt nicht im Staub der Straße

sitzen. Er beginnt, Jesus zu folgen.

ES GEHT UM ALLES!

Der Mainstream unserer Gesellschaft

fordert Respekt und Toleranz anderen

gegenüber. Doch dieser Ansatz ist nicht

radikal genug. Jesus geht ans Äußerste:

„Liebt eure Feinde!“, betont er. „Bittet

für die, die euch verfolgen! Auf dass ihr

Kinder seid eures Vaters im Himmel.

Denn er lässt seine Sonne aufgehen über

Böse und Gute und lässt regnen über

Gerechte und Ungerechte“, so Jesus

in Matthäus 5,44 und 45. Wo Christen

Nächstenliebe und Feindesliebe leben,

wird die Hilfe zum Hinweis auf ihn.

Liebe in Aktion bringt Menschen dahin,

dass sie uns gerne zuhören und Jesus

begegnen.

Kaiser Julian schrieb um 360 nach

Christus: „Es ist eine Schmach, wenn die

Christen neben den Ihren auch noch die

Unsrigen ernähren, unsere Leute aber

der Hilfe von unserer Seite entbehren

müssen.“ Unsere Nothilfe darf nicht vor

Menschen anderen Geschlechts, fremder

Rasse oder Religion haltmachen. Darauf

wies schon der griechische Theologe

Clemens von Alexandria im dritten

Jahrhundert hin: „Entscheidet [beim Helfen]

nicht selbst, wer würdig oder wer

unwürdig ist! Denn es ist möglich, dass

du in deiner Meinung ganz fehlgehst.“

Jeder ist einmalig, wertvoll, ein geliebtes

Ebenbild Gottes. Wenn Gott uns so

liebt, dass er seinen Sohn für uns gab,

wie könnten wir jemandem im Elend die

Hilfe verweigern?

JESUS IST LIEBE

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater

barmherzig ist“, sagt Jesus in Lukas 6,36.

Er ist die Liebe und hat sie vorgelebt.

Barmherzigkeit bedeutet Liebe in Aktion!

Wir können nicht die Welt retten,

das kann nur Jesus. Aber wir haben die

Aufgabe, Hand, Herz und Mund für

unsere Nächsten zu öffnen. Lassen Sie

uns gemeinsam von Jesus reden und Not

lindern, wo immer er uns hinstellt, in der

Schule, am Arbeitsplatz oder als Missionar.

Gott ist der Vater der Barmherzigkeit.

Sie kommt von ihm zu uns und

durch uns zu den Menschen.

Unsere Mitarbeiter sagen Menschen allen

Alters und jeder Gesellschaftsschicht

auf vier Kontinenten von Jesus weiter,

wir geben Bibelunterricht und gründen

Gemeinden. Dabei helfen wir aber auch

bei inneren und äußeren Nöten. Jeden

Tag. Das Team von Johannes Janzen hat

mehr als 10.000 Rollstühle an mittellose

Behinderte in Thailand verschenkt,

jeden einzelnen liebevoll an den Empfänger

angepasst, verbunden mit einem

Bibelgeschenk. Oder wie Pia Kaufmann,

die sich in Mexiko um vernachlässigte

und missbrauchte Kinder kümmert.

Ihre Schützlinge erfahren seelisch und

körperlich Heilung und finden Halt im

Glauben. Wir helfen Geflüchteten und

Traumatisierten im Nahen Osten, dem

Volk der Karen in Thailand und Frauen

in Not und Gehörlosen in Zentralasien.

Dabei beschränken wir uns nicht auf

Materielles und Medizin. Es gehört die

liebevolle Begleitung dazu. In Achtung

dem anderen zuhören. Uns Zeit nehmen

für Einzelne, um gemeinsam Schritte aus

dem Staub heraus zu tun (Hiob 19,25

ff.). Weil es der Glaube ist, der den Menschen

die entscheidende Hilfe gibt.

Denn alle Not beginnt mit der größten

Katastrophe der Menschheit in 1. Mose

3. Der Mensch hat sich aus der Gemeinschaft

mit Gott verabschiedet, das ist

der Ursprung des Elends. Adam und Eva

verstecken sich vor Gott – ein Spiel,

das wir Menschen munter bis heute

fortsetzen. Gott ruft nach uns: „Adam,

wo bist Du?“ Jesus Christus kam auf

die Erde, um zu suchen und zu retten,

was verloren ist. Er hat uns vorgemacht,

wie wir dabei vorgehen sollen: Liebe in

Aktion! Wort und Tat. Jesus hat die Gemeinschaft

mit Gott wieder ermöglicht.

Er hat die Sünde, die uns von Gott und

anderen Menschen trennt, mit ans Kreuz

genommen und bietet Vergebung an.

Weihnachten erinnert uns an die

größte Nothilfeaktion überhaupt, wie

Jesus der Menschheit hilft. Lassen Sie

uns gemeinsam wie er Menschen helfen,

damit seine Liebe und sein Wort viele

weltweit erreichen.

Simon Bohn

Personalleiter Amerika und Asien

Simon Bohn ist gelernter

Zimmerer und Betriebswirt,

glücklich verheiratet und hat

drei Töchter. Er studierte

Theologie in Adelshofen und

Korntal. 2008 reiste Familie

Bohn mit Indicamino nach

Peru aus. Seit 2016 ist er bei

der DMG in der Betreuung

von Missionaren tätig.

DMG-informiert | 5 | 2019

13


AMERIKA

Gemalt von

Iris Rauscher

ECUADOR

Weitermachen

Barmherzigkeit

Liebe in Aktion

Doppelblatt zum Heraustrennen für Ihren Hauskreis,

zur Predigt vorbereitung oder für den Austausch.

| THEMA

Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer. Ich bin nicht

gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Jesus in Matthäus 9,13

FRAGE ZUM EINSTIEG

Welches Beispiel im Leitartikel (vorige Seiten) spricht Sie

besonders an?

Warum?

Barmherzig

mit dir selber sein

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig

und von großer Güte“, heißt es in


Psalm 103 Vers 8. Ja, das stimmt! Der Herr ist

barmherzig, gnädig und erweist uns große Güte!

Das durfte ich in den vergangenen Monaten,

während meiner Erschöpfungsdepression,

erfahren. Der himmlische Vater war mit mir im

emotionalen „dunklen Keller“ und hat sich durch

meine Geschwister und Freunde liebevoll um

mich gekümmert. Danke allen Betern, die mich

in ihrer Fürbitte mitgetragen haben.

Wenn ich eines in meiner Erschöpfungsdepression

gelernt habe, ist es, auch mit MIR

selber barmherzig umzugehen. Es hat mich sehr

erschrocken, als ein Arzt während der Reha

betonte, wie unbarmherzig ich mit mir selbst

umgehe – und deshalb folglich auch mit anderen.

Er hatte recht. Ich habe viel von mir abverlangt.

Schon meine Tendenz zur Perfektionistin ist problematisch.

Deshalb habe ich auch von anderen

zu viel gefordert, ohne dass es mir bewusst war.

So habe ich in den vergangenen Monaten

gelernt, barmherzig mit mir selbst zu sein, damit

ich auch barmherzig mit meinen Nächsten

umgehen kann. Dass der Herr barmherzig mit

uns ist, ist grundlegende Voraussetzung dafür!

Aus seiner Barmherzigkeit heraus lerne ich,

wie ich meinem Gegenüber begegnen kann.

Seither spreche ich ganz natürlich mit Menschen

in meinem Umfeld über Gottes

Barmherzigkeit, wie er mir in Jesus

begegnet. Bleibt in der Umarmung

unseres wunderbaren, barmherzigen

und liebevollen Vaters!

FRAGEN ZUM WEITERDENKEN

Die Nöte der Welt und selbst in unserem örtlich begrenzten

Umfeld sind zu vielfältig als dass wir überall helfen

könnten. Wie finden wir heraus, welche Nöte für uns persönlich

oder als Gemeinde zur Aufgabe werden?

Jesus kannte seinen Auftrag: „die größte Nothilfeaktion überhaupt“,

sein Erlösungswerk am Kreuz. Auf dem Weg dorthin

half er aber in unzähligen „Zufallssituationen“. Falls wir eine

„Hilfsstrategie“ haben, wie entscheiden wir, wo wir helfen

wollen, auch wenn es nicht zur Strategie passt?

Jesus gab seinen Jüngern einen ganzheitlichen Auftrag (Lukas

9,1+2). In unserer Kultur neigen wir zu Spezialisierung. Wir

delegieren „Verkündigung“ an die eine Art von Profis und

„Heilung“ an andere. Was sind die Vor- und Nachteile dieser

Spezialisierung?

FRAGEN ZUR PRAXIS

Wo müssen wir als Einzelne und als Gemeinde dem Götzen

„Professionalismus“ abschwören, um einfach und unkompliziert

Gottes Liebe in Wort und Tat ausleben zu können?

Welche Notsituationen haben wir bemerkt, aber nichts

getan?

Was wollen wir in diesem Monat praktisch tun?

Liedvorschla Liedvorschlȧ ...

ge

Lieder finden: www.liederdatenbank.de

oder www.evangeliums.net/lieder

Hab Erbarmen ............................................ Wiedenester 17: 66

Krüge aus Ton / Broken Vessels ..................... Feiert Jesus 5: 126

Vater der Barmherzigkeit .............................. Du bist Herr 5: 19

Die Liebe des Retters..................................... Feiert Jesus 1: 158

Da, wo man ohne Hoffnung lebt................... Du bist Herr 5: 158

Einander begegnen..............................Peter Menger, Lyric Video:

www.youtube.com/watch?v=_IyOXTauSz4

14

Iris Rauscher

P10543


AMERIKA

PERU

Oben: Ehepaar

Rumbke mit

seinen Töchtern

Zwischen Abi und Enkelkind


Ihr seid verrückt, mit 50 noch so

einen Schritt zu wagen!“, hörten

wir von Freunden und Bekannten. Wir

hatten ihnen unseren Plan erzählt,

einige Jahre nach Peru zu ziehen. Vielleicht

haben sie ja sogar ein bisschen

recht damit. Die meisten halten uns

aber auch für mutig, dass wir in unserem

Alter noch diesen Schritt wagen.

Doch wer sind eigentlich wir beiden

Spätberufenen?

Ich (Sandra) bin seit 1995 Grundschullehrerin

und habe zuletzt ein paar Jahre

in der Schulleitung gearbeitet. Getauft

und aufgewachsen bin ich in einem nichtchristlichen

Elternhaus nahe Hannover.

Jesus habe ich während meines Au-Pair-

Jahres in den USA kennengelernt, als ein

Pastor ganz persönlich für mich um Gesundheit

gebetet hat. Ich hatte nie zuvor

erlebt, dass jemand so zu Jesus betete.

Nach wenigen Tagen war ich gesund

und konnte am Kanu-Camp der Kirche

teilnehmen. Im täglichen Morgenkreis

und beim Paddeln auf glasklaren Seen begann

ich selbst, zu Jesus zu beten. Bis ich

allerdings so ganz verstand, was Jesus für

mich getan hat, verging noch etwas Zeit.

Gott war und ist geduldig mit mir!

In unserem freikirchlichen Elternhaus

(Carsten) befand sich der Gemeindesaal

direkt neben den Kinderzimmern von

meinen drei Brüdern und mir. So lernte

ich schon früh Gottes Leute kennen, die

in Deutschland und der Welt unterwegs

sind. Eigentlich wollte ich in die christliche

Entwicklungshilfe, doch meine

erste Berufung führte mich 20 Jahre in

die Hospiz- und Palliativarbeit, wo ich

als Krankenpfleger Sterbende und ihre

Familien begleitete. Bei dieser Arbeit in

der Nähe des Todes habe ich langsam

begriffen, dass ich selbst Gottes Kind

werden will. Später habe ich als Pflegepädagoge

Sterbebegleitung unterrichtet,

einen Palliativdienst geleitet und konnte

mit Vorträgen und in vielen Sitzungen

die Entwicklung der Palliativbewegung in

Deutschland mitgestalten. Zudem war

ich zehn Jahre mit diesen Themen an

einer Hochschule in Hildesheim tätig.

Unsere Töchter

Mathilda (21) und Philippa

(19) stehen nun

fast auf eigenen Füßen

und sind mit unserem

Weg einverstanden:

„Wir hatten ja schon

unseren Auslandsaufenthalt,

jetzt seid ihr

dran“, schmunzelten

sie. Mathilda studiert

in Dresden; Philippa hat mit der Ausbildung

in Krankenpflege begonnen. „Wie

cool ist das denn!? Meine Eltern trauen

sich gerade mal bis zum Harz“, hörte

Mathilda von einer Freundin.

2020 fliegen wir nach Peru, um mit

unseren Berufen Gott zu dienen. Das

war schon immer ein Thema für uns, nur

hatte es bisher nicht so richtig gepasst.

2020 fliegen wir nach

Peru, um mit unseren

Berufen Gott zu dienen.

Das war schon immer ein

Thema für uns, nur hatte

es bisher nicht so richtig

gepasst.

Wir hatten auch jetzt keinen speziellen

Ruf, aber auch keinen, zu bleiben. Also

gingen wir erste Schritte und nahmen

2015 bei der DMG an den Infotagen für

Einsätze in anderen Kulturen teil. Am

Ende war klar, dass das alles „soooo“

nicht geht! Komplett von Spenden zu

leben, konnten wir uns nicht vorstellen.

Ich, Sandra, wollte mit Gott handeln:

„Wenn du Mission willst, möchte ich

in ein spanischsprachiges Land, das

am Meer liegt!“ Gott hat Humor! Wir

bewarben uns auf vier Stellen, übrig blieb

Lima, eine Stadt am Meer. Und was die

Spenden angeht – da lehrt Gott uns

geduldig vertrauen.

Wir werden für

die Zeit zwischen

Abitur der Kinder

und Enkelkind (so

unsere Theorie) ein

Gästehaus unserer

Partnerorganisation

betreuen und in der

Verwaltung tätig sein,

als Herbergs eltern und

Finanzverwalter für

die Kollegen im Land. Sobald wir mehr

Spanisch sprechen, wollen wir uns in

bestehende sozialdiakonische Projekte

einbringen oder neue ins Leben rufen;

je nachdem wie Gottes Plan aussieht.

Vamos a ver! (Wir werden sehen!).

Manchmal fängt das Missionarsleben erst

mit 50 richtig an. Wollen Sie Teilhaber

auf unseren Weg nach Peru sein?

NEU: Carsten und Sandra Rumbke

P10913

DMG-informiert | 5 | 2019

15


AMERIKA

PERU

ASIEN

„Wann ist die

Weihnachtsfeier?“

Oft schon im Juni fragen mich die

ersten Straßenkinder, ob es bald

wieder so eine schöne Weihnachtsfeier

gibt? Unser Team gestaltet das bunte

Fest für obdachlose Kinder und Jugendliche

in den staubigen Straßen der Metropole

bereits seit 20 Jahren. Sie haben

ein anderes Zeitgefühl als wir. Kinder

der Straße wissen oft nicht, welcher Tag

oder Monat oder welches Jahr gerade

ist. Jeder ihrer Tage ist ein Überlebenskampf.

Zukunftsperspektiven haben sie

nicht, zumindest keine konkreten. Und

doch ist unsere Weihnachtsfeier immer

etwas Besonderes für sie.

Im November kommen ehemalige

Straßenkinder dazu, die mit Gottes Hilfe

den Absprung geschafft und ein neues

Leben haben. Auch sie wollen dabei sein.

Annabell bat mit Tränen in den Augen:

„Früher war die Weihnachtsfeier Höhepunkt

meines Jahres – ich möchte, dass

meine Kinder das erleben dürfen.“ Da

konnten wir nicht nein sagen.

Am Tag der Feier steht im Zentrum

von Lima vor einer Gemeinde eine lange

Warteschlange. Am Eingang werden die

Kinder und Jugendlichen auf Drogen und

Waffen kontrolliert. Nach einer warmherzigen

Begrüßung und Gebet singen

wir Lieder, allerdings keine Weihnachtslieder,

die kennen und mögen sie nicht.

Danach teilen wir die Kids nach Alter

auf: Krabbelkinder, die Kleinen, Jugendliche

und junge Erwachsene.

Sie hören altersgerecht die Weihnachtsgeschichte.

In Deutschland

geschieht das ja häufig mit Krippenspiel.

Bei uns hat letztes Jahr ein Clown aus

der Bibel erzählt, in einem anderen Jahr

der Hase Bugs Bunny. Mir schien das

befremdlich, aber letztlich kommt es auf

den Inhalt an, nicht auf die Präsentation.

Die Kinder sind immer voll dabei.

Wir beten, dass sie Jesus als Freund

und Retter kennenlernen und seine Hilfe

erfahren. Nach der Botschaft gibt es ein

Festessen, mit Liebe von ehrenamtlichen

Mitarbeitern gekocht, dazu Panetón (Kuchen)

und heißen Kakao. Zum Schluss

bekommt jedes Kind ein Geschenk. Ihre

strahlenden Gesichter sind uns eine Riesenfreude.

Vielen Dank für Ihre Gebete

und Spenden, die unsere Weihnachtsfeier

und Arbeit ermöglichen.

Gott will nicht,

dass sie verlorengehen!

For Freedom: Asiatischen Frauen helfen,

dem Sumpf der Prostitution zu entkommen


For Freedom“ ist ein Programm

unserer Partnerorganisation

SIM gegen Ausbeutung,

Sexgewerbe, Menschenhandel

und moderne Sklaverei, in das wir

uns als DMG bewusst eingeklinkt

haben. Gemeinsam unterstützen

wir Projekte in aller Welt, um Gefährdeten

beizustehen, und helfen

christlichen Gemeinden vor Ort,

präventiv und in der Nothilfe für

Betroffene. Drei Beispiele aus verschiedenen

Projekten in Südostasien,

wie Frauen aus dem Sumpf

der Prostitution entkommen:

TRAUMATISIERT,

VERSTÖRT & KRANK

Kumari* war sehr ruhig, als sie

mir das erste Mal in unserem Nachsorgezentrum

gegenübersaß. Verloren

starrte sie Löcher in die Luft;

sie war traumatisiert und hatte den

Bezug zur Realität verloren. Dieses

Mädchen war heftig ausgebeutet

worden. Einer ihrer Peiniger ist ein

mächtiger Mann in unserer Stadt.

Kumari fürchtete um ihr Leben.

Dank der liebevollen Unterstützung

unseres Teams öffnete sie sich mit

der Zeit und erzählte …

Kumari hatte als Kleinkind den

Tod ihres Vaters miterlebt. Seither

hatte das Mädchen viel Schmerz

erlitten. Ihr Körper und Geist waren

gebrochen. Wir gaben Kumari die

bestmögliche medizinische Versorgung,

doch sie wurde nicht gesund.

Eines Nachts sah ich auf der Straße

Werbung für ihre Ausbeuter. Wie

mächtig Kumaris Gegner waren!

Wie sollte sich dieses schmächtige

Mädchen mit ihrem kranken Körper

gegen solche Riesen behaupten? Ich

sagte Gott, wie unfair das sei. Würde

sie Gerechtigkeit erfahren? Könnte

sie, so krank wie sie war, vor Gericht

aussagen? Als Antwort hörte ich eine

innere Stimme: „Deshalb habe ich sie

zu dir geschickt!“

Seither habe ich keine Angst mehr

um Kumari: Gott kann ihr helfen!

Sie ist gebrochen, doch sie steht

gegen einen Mächtigen – mit Gott

an ihrer Seite. Gott hilft Menschen

mit gebrochenem Herzen, davon bin

ich überzeugt. Sie hat definitiv eine

Zukunft! Inzwischen führt sie ihren

Kampf, und meine Kollegen und ich

lernen, mit ihr zu hoffen.

ALS SKLAVIN DEM

BORDELL ENTFLOHEN

Mimis* Vater starb, als sie zehn Jahre

alt war. Die Mutter war bettelarm.

Sie sah keine Alternative und schickte

ihr Mädchen in einen Haushalt, um

etwas dazuzuverdienen: Die Zehn­

16

Kerstin Abbas

P10002

Möchten Sie dieses Projekt unterstützen?

P50256 For Freedom


Sie wollen mitarbeiten?

Als DMG engagieren wir uns

bewusst in der Bekämpfung von

Menschenhandel und moderner Sklaverei.

Gemeinsam mit internationalen Partnern

schaffen wir weltweit Einsatzmöglichkeiten

für christliche Sozialarbeiter,

Streetworker, Psychologen, Seelsorger,

Juristen, Mediziner und andere geeignete

Fachkräfte, die gefährdeten Frauen,

Geflüchteten und Arbeitssklaven helfen

und in der Prävention aktiv sind. Wir

bitten um Gebet für Frauen wie Kumari,

Mimi und Lily – und für Missionare, die

Ungerechtigkeit ans Licht bringen und

helfen. Möchten Sie mitarbeiten, damit

Opfer von Sexhandel die heilmachende

Kraft von Jesus Christus kennenlernen

und eine Zukunft haben? Bei Interesse

kommen Sie bitte auf uns zu. Ansprechpartner

ist unser stellvertretender

Direktor Andrew Howes. Wenn Sie

unsere Initiative „For Freedom“ finanziell

unterstützen möchten, erbitten wir eine

Spende aufs Konto der DMG.

Stichwort:

P50256 For Freedom

jährige musste für ihre Herrschaften

Geschirr spülen, Fußböden schrubben

und Wäsche waschen. Sie wurde geschlagen,

sexuell missbraucht und man ließ

sie hungern. Zweimal entkam sie nach

Hause, nur um wieder in die Sklaverei in

eine andere Familie geschickt zu werden.

Später arbeitete Mimi in einer

Kleiderfabrik. Sie ahnte nicht, dass ihre

Kollegin und ihre neue Mitbewohnerin

Prostituierte waren. Der Fabriklohn

reichte nicht fürs Leben. Ihre Mitbewohnerin

führte sie ans Sexgewerbe heran.

Tagsüber arbeitete Mimi in der Fabrik,

nachts im Bordell. In Mimis Land gibt

es 100.000 Prostituierte wie sie und

eines der größten Bordelle der Welt.

Armut, zerrüttete Familien, Einsamkeit

und Missbrauch zwingen Frauen in die

Prostitution.

Ein christliches Obdachlosenheim

mit ganzheitlichem Ausbildungsprogramm

nahm Mimi auf. Hier lernen die

Frauen Lesen, Schreiben und berufliche

Fertigkeiten wie Nähen oder

Schmuckherstellung. Das Projekt

bietet Lebenstraining und Gesundheitsunterricht,

vermittelt Werte

und schult Eltern im Umgang mit

Kindern. Sie erhalten Mikrokredite,

damit sie fortan selbst für ihren

Lebensunterhalt sorgen können.

Als Mimi ins Projekt kam, war sie

schwanger und beinahe verhungert.

Hier erlebte sie Gottes Liebe. Heute

nimmt sie an Andachten teil. Wenn

es schwierig wird, betet Mimi zu Jesus

Christus. Sie hat verstanden, was Jesus

für sie getan hat, und will nicht mehr in

ihr altes Leben zurück.

SIE WOLLTE SICH DAS

LEBEN NEHMEN

Lily* stand oben auf einer Brücke und

wollte ihrem Leben ein Ende bereiten.

Da sprach eine Frau die 18-Jährige an, ob

sie einen Job als Hausangestellte wolle.

Nach wenigen Monaten versuchte der

Hausherr, Lily sexuell zu missbrauchen.

Erschrocken floh sie. In einem Markt bot

ihr eine andere Frau wieder einen Job an:

mehr Geld, ein besseres Leben. Verzweifelt

stimmte Lily zu, ohne Details

zu kennen. Die Frau brachte Lily ins

zweitgrößte Bordell des Landes – und

verkaufte sie als Sexarbeiterin. Lily hatte

keine Chance. Sie wollte fliehen, doch

sie war gefangen und verängstigt.

Gebetsleitfaden

für die Welt des

Buddhismus

15 TAGE GEBET

27. JANUAR –10. FEBRUAR

Christliche Initiative

zum «Losarfest» 2020

Beten Sie mit uns und lernen Sie dabei die Welt des Buddhismus kennen!

Ein Mann kaufte sie frei, Lily bekam

drei Kinder von ihm. Doch dann verließ

er sie. Um ihre Kinder durchzubringen,

verkaufte Lily in den Straßen der Stadt

ihren Körper und ging betteln. Es reichte

nicht, sie hungerten. In größter Not traf

Lily die schwere Entscheidung, zwei ihrer

Kinder zur Adoption freizugeben.

Wieder stand Lily auf der Brücke und

blickte auf die Lastwagen und Busse

hinab. Was sollte sie noch mit ihrem

Leben? Diesmal entdeckte der Leiter

eines Hilfsprojektes sie. Seine Organisation

bietet sichere Unterkunft für Frauen

und Kinder in Not und hilft ihnen, den

Fängen der Sexindustrie zu entkommen.

Sie erhalten eine Ausbildung; Lily erlebte

einen echten Neuanfang. Inzwischen

ist sie fertig und verdient sich ihren

Lebensunterhalt mit der Herstellung von

Decken.

* Alle Namen geändert

Im Januar/Februar feiern Millionen

Buddhisten das „Losar“-Fest, ihr

Neujahr. Gleichzeitig beten Christen

weltweit für die Angehörigen dieser

Weltreligion. Gerne können Sie bei der

DMG den unter Mithilfe unseres Mitarbeiters

Alain Haudenschild erstellten

Gebetsleitfaden für sich, Ihre Gemeinde,

Kirche und Gebetskreise bestellen:

DMG-informiert | 5 | 2019

Für eine Spende zur Deckung der

Kosten sind wir dankbar: P50260

E-Mail: Kontakt@DMGint.de

Tel./WhatsApp: 07265 959-100

17


ASIEN

ISRAEL

Wir helfen Kindern mit

Herzfehler aus Syrien,

Irak und Jordanien.

Die Familien haben oft

nicht das Geld für die

lebensnotwendige

Operation.

Kindern ein neues Herz schenken

18

Der Wecker klingelt, mühsam

richte ich mich auf. Ein neuer Tag

in meinem kurzen Auslandseinsatz bei

einer Sozialeinrichtung in Israel. Ich bringe

Lebensmittel und sonstige Utensilien

auf die andere Seite des Hauses zu den

Familien. Es bleibt ein Augenblick fürs

Frühstück und um meine Bibel zu holen,

dann beginnt unser Morgen-Meeting.

Wir helfen Kindern mit einem angeborenen

Herzfehler aus Syrien, dem Irak

und Jordanien. Die meisten Familien,

denen wir beistehen, haben nicht das

Geld für die lebensnotwendige Operation

ihres Kindes und eine Behandlung im

eigenen Land ist oft nicht möglich, was

für die Kinder ein frühes Todesurteil bedeuten

würde. Durch eine enge Zusammenarbeit

mit israelischen Krankenhäusern

ist es möglich, Kindern ein neues

Herz zu schenken. Die Zeit, die sie nicht

im Krankenhaus sind, verbringen sie mit

einem Elternteil in unserem Gästehaus.

Hier kommen wir ins Spiel. Wir

versorgen sie mit Lebensmitteln und

kümmern uns liebevoll um alles, was

sie sonst benötigen. Sobald ich die

Wohnung einer Familie betrete, werde

ich von fröhlichen Kindern umgerannt.

Ich höre Begrüßungsrufe von links und

rechts: „Tschorni?“ Wie geht es dir?

„Baschm“ – gut! Lautes, kunterbuntes

Leben. Obwohl ich nicht wirklich

ihre Sprache spreche, haben mich die

Familien ins Herz geschlossen. So viel

Zuneigung! Einfach nur, weil ich da bin

und mir Zeit für sie nehme. Zweieinhalb

Stunden später gehe ich erschöpft auf

mein Zimmer.

Unterstützen Sie unsere kurzen

Auslandseinsätze P29900

Dankbar für die gemeinsame Zeit mit

Verstecken und UNO-Spielen, Gesprächen

und Spaß, will ich meine kurze

Pause genießen, bevor es wieder ins

Getümmel geht. Als ich meine Kopfhörer

ans Handy anschließe, klingelt es.

Planänderung: eine spontane Entlassung.

Was für eine Freude, eines der Kinder

ist nach der Operation und dem langen

und schweren Heilungsprozess gesund

und kann endlich wieder nach Hause!

Wir holen es vom Krankenhaus ab. Ich

schnappe meine Tasche, Trinkflasche und

eine Kollegin und ab geht’s. Am Krankenhaus

nehmen wir die überglückliche

Oma und ihren Enkel in Empfang. Lachend

umarmen wir sie. Wir freuen uns,

dass sie nach Hause dürfen. Die Fahrt ist

gefüllt mit freudigen Gesprächen – wir

haben es gelernt, uns trotz der Sprachbarriere

irgendwie zu unterhalten.

An der Grenze müssen wir uns

verabschieden – dankbar und traurig.

Dankbar, weil dieses Kind nun mit einem

neuen, gesunden Herzen zu seiner

Familie kann. Jedoch auch traurig, weil

wir uns von wundervollen Menschen

verabschieden müssen. Menschen, denen

wir in schönen wie auch schwierigen und

angsterfüllten Momenten beigestanden

sind. Trotz der Umstände, unterschiedlichen

Nationalitäten, Sprachen und des

verschiedenen Glaubens werde ich sie

niemals vergessen. Die Großmutter und

ihr Junge haben einen festen Platz in

meinem Herzen.

Lisa-Marie

Zikesch

Freiwilligendienst

Reviews

Ein kurzer

Auslandseinsatz

bringt’s!

„Liebe DMG, vielen Dank für

dieses Jahr, es hat mein Leben

verändert!“

Cornelius (19), Namibia

„Gott hat mich Dinge lernen

lassen, wie es zu Hause nie

möglich gewesen wäre. Sein

Weg ist immer die beste Wahl.“

Batya (19), Indien

„Es war eine erstaunliche Zeit,

voller fantastischer und

unvergesslicher Momente.“

David (19), Thailand

„Ich bin unendlich dankbar,

dass ich hier sein darf.“

Rebekka (19), Georgien

„Ich empfange und lerne

mehr als ich weitergeben kann.“

Yael (22), Argentinien

Jetzt bewerben:

www.kurzeinsätze.de

www.freiwillig-im-dienst.de


EUROPA

ALBANIEN

Tirana

Albania

Jungen Müttern

die Angst nehmen

Als ausgebildete Hebamme liegen

mir Schwangere, Mütter und ihre

Babys am Herzen. Das beeinflusst auch

unseren Dienst hier in Albanien. Schwangerschaft

und Geburt und die erste Zeit

mit dem Baby sind eine ganz besondere

Phase im Leben jedes Paares, ja der

gesamten Großfamilie! Meist geht sie

einher mit Freude und Glück, aber auch

mit Verunsicherung und Ängsten. Dieses

Gefühlsdurcheinander kennen natürlich

auch albanische Frauen.

Hier werden medizinische Kontrollen

rund um Schwangerschaft und Geburt

von Ärzten und Krankenhäusern abgedeckt.

Leider gibt es weder vor noch

nach der Geburt irgendwelche Unterstützung

durch Hebammen, wie wir sie

aus Deutschland kennen. Hebammen

sind fast ausschließlich im Bereich der

Geburt ausgebildet und so gut wie nicht

in der Vor- und Nachsorge aktiv. Wen

also können albanische Frauen um Rat

fragen?

Früher haben sie ihre Mütter und

Schwiegermütter gefragt. Aber die

Beziehungen zwischen den Generationen

sind nicht mehr wie damals. Und wir

wissen alle, dass sich Ansichten und Umgangsweisen

über die Generationen hinweg

verändern und dass es heutzutage

deutlich mehr wissenschaftlich belegte

Informationen rund um Schwangerschaft

Hebamme Anne gibt Ratschläge online

und Wochenbett gibt als vor 30 Jahren.

An fundierte Informationen zu gelangen,

ist für eine albanische Frau alles andere

als leicht – erst recht, wenn sie weder

Englisch noch Italienisch spricht.

Aus diesem Grund arbeite ich mit

der „Fondation Spitalor in nenes dhe

femijes“ (Stiftung für Mütter und Frauen

im Krankenhaus) an einem Projekt, das

Kurzvideos zu wichtigen Themen rund

um Schwangerschaft und Säuglingspflege

bereitstellt. Wir haben einen Youtube-

Kanal in albanischer Sprache eröffnet,

über den wir gute Lehrvideos für

Schwangere und junge Mütter zugänglich

machen.

Internet gibt es in Albanien selbst in

abgelegensten Gebieten. Heute suchen

und finden junge Albanerinnen wichtige

Informationen zu solchen Fragen übers

Internet. Unsere Filme helfen ihnen bei

Fragen rund um Wochenbett, Geburt,

das Stillen und den Umgang mit dem

Neugeborenen. Wir wollen Frauen in

dieser wichtigen Lebensphase stärken!

Denn es ist eine sensible Zeit, in der

ihnen ausgewählte, gute Informationen

über Ängste, Unsicherheiten und

Schwierigkeiten hinweg helfen.

Albanien

... ist ein Land am Mittelmeer,

halb so groß wie Bayern, mit

2,8 Millionen Einwohnern,

davon eine Million in der

Hauptstadt Tirana. Mehr als

400 Jahre von den Osmanen

regiert und islamisiert, wurde

Albanien während des Zweiten

Weltkriegs von Italienern und

Deutschen besetzt und ab 1945

kommunistisch und atheistisch.

Ab 1967 war jegliche religiöse

Äußerung verboten. Nach dem

Sturz des kommunistischen

Regimes 1990 versank das Land

zunächst im Chaos. Langsam

geht es wirtschaftlich bergauf,

es ist demokratisch und

sicher für Reisende. Inzwischen

herrscht Glaubensfreiheit. Es

gibt viel Korruption; im Gesundheitswesen,

der Justiz und

der Bildung ist es besonders

schlimm. Darum sehen sehr

viele Albaner keine Hoffnung

mehr für ihre Zukunft und

verlassen das Land. Albaner

sind freundlich, gastfrei und

offen, sie lieben Ausländer,

besonders Deutsche. 70% der

Bevölkerung rechnen sich dem

Islam zu (der eher mystischen

Gruppierung der Bektashi),

30% bezeichnen sich als orthodox

oder römisch-katholisch

christlich, 0,1% sind evangelisch.

Anne und David Kretschmer

P10348

DMG-informiert | 5 | 2019

19


EUROPA DEUTSCHLAND DEUTSCHLAND

Der Tramper

an Heiligabend

Weihnachten allein?

Unmöglich!

Wir können die Flüchtlinge in

unserer Stadt zu Weihnachten

nicht allein lassen. Also überlegten wir

mit unseren Freunden im internationalen

Hauskreis, wie eine kleine Weihnachtsfeier

aussehen könnte: „Wir gehen

miteinander zur Kirche

und schauen uns

das Krippenspiel an,

anschließend kochen

wir, decken Tische und

essen miteinander,

singen Lieder, lesen die

Weihnachtsgeschichte,

danach eine Andacht

und Spiele.“ Spontan

fragten sie: „Wie viele dürfen kommen?“

Wir rechneten mit zehn Leuten, uns

einbezogen. Es meldeten sich 20 an. Ich

saß im Sessel, entkräftet und geplättet

bei dem Gedanken, schon wieder eine

Flüchtlingsveranstaltung zu haben, die

sich weder von der Teilnehmerzahl noch

von den Finanzen her begrenzen ließ.

Das letzte Ereignis dieser Art lag kaum

vier Wochen zurück. Dankbar nahmen

wir das Angebot einer afghanischen

Familie aus unserem Hauskreis an, die

sagte: „Wir kommen und können einiges

an Essen mitbringen.“

An Heiligabend, kurz vor dem

Krippenspiel, setzten zwei in unserer

Gemeindeküche Reis auf und bereiteten

das Essen zu. Es tauchte genau die

Wir rechneten mit zehn

Leuten, uns einbezogen.

Es meldeten sich 20 an.

Ich saß im Sessel,

entkräftet und geplättet

bei dem Gedanken.

Deneckes feiern Weihnachten mit

ihrem internationalen Hauskreis

passende Zahl an Menschen und Völkern

auf, darunter zwei unbekannte arabische

Jungs im Alter von zwölf Jahren. Sie

machten keinen pflegeleichten Eindruck

vom Verhalten her. Ein Teenager unserer

Gruppe bekam den Auftrag, sie im Auge

zu behalten. Das funktionierte

gut. Später

unterhielt ich mich

lange mit ihnen.

Das Festmahl

begann, die Gerichte

schmeckten lecker,

waren interessant von

der Andersartigkeit

her und reichlich.

Unser afghanischer Moderator war so

von dem Abend begeistert, dass er nur

noch auf und ab lief und sagte: „Ich freue

mich! Ich freue mich!“ Das hat auch uns

Missionare gefreut. Der Abend wurde

immer schöner. Nach der Andacht zum

Thema „Gott wurde Mensch in Jesus“

fragten wir die Gäste: „Was habt ihr

schon mit Jesus erlebt?“ Sie berichteten

erst zögernd, dann aber wirklich, wie

Jesus sie auf der Flucht und in Deutschland

gesegnet hat.

Das war der Höhepunkt: Menschen

vieler Völker erzählten sich, was Jesus

ihnen Gutes getan hat. Die Botschaft

vom Kind von Bethlehem leuchtete auf

an diesem Abend wie ein Stern in der

Nacht.

Alles war vorbereitet: der Raum

geschmückt, der Tisch festlich

gedeckt, das Essen gekocht – wir waren

startbereit. Nachmittags fuhren

wir in den Weihnachtsgottesdienst

unserer Gemeinde. Dort hielten wir,

wie jedes Jahr, Ausschau nach Menschen,

die an diesem Abend einsam

waren, um sie zu uns einzuladen.

Wir waren gespannt, wer heute den

Geburtstag unseres Herrn mit uns

feiern würde.

Alles kam anders, diesmal ließ

sich niemand einladen. Alle waren

versorgt. Wie schade … Etwas

enttäuscht machten wir uns auf den

Heimweg. Und dann sahen wir ihn:

An der Autobahnauffahrt stand ein

junger Mann mit schwerem Rucksack

am Straßenrand und hob seinen

Daumen. Er wollte nach Würzburg,

sagte die Pappe in seiner Hand. Die

Richtung stimmte. Wir nahmen ihn

mit und luden ihn zu einem Zwischenstopp

mit feinem Essen bei uns

zu Hause ein. Er kam gerne mit, was

für eine Freude!

Schnell war das Essen erwärmt, wir

saßen am Tisch, lachten und redeten

viel – auch über unseren Glauben an

Jesus Christus: sein Kommen, sein

Leben, sein Sterben für uns. Ein wunderbarer

Abend. Als der junge Mann

weiterreisen wollte, brachten wir ihn

an die Autobahn und verabschiedeten

uns herzlich von ihm.

Was aus dem Tramper wurde,

wissen wir nicht. Aber wir hoffen, ihn

wiederzutreffen, irgendwann in der

Zukunft. Bei dem ewigen Fest …

Christen feiern zu

Weihnachten die Geburt

des Erlösers. Die Menschen

suchen Erlösung aus ihrer

Einsamkeit. Wir wollen uns

gegenseitig dabei helfen;

dann werden wir den Sinn

des Weihnachtsfestes

besser verstehen.

Richard von Weizsäcker

(1920–2015)

20

Gerhard und Bettina Denecke

P10102

Johann und Susanne

Scharf P10643


DEUTSCHLAND

Ahlke wird mit

internationalen

Studenten in

Tübingen arbeiten

Silvesterfreizeit

mit Wirkung

Es war einige Tage nach Weihnachten.

Als junge Studentin saß ich

mit 40 deutschen und internationalen

Studierenden in einem Freizeithaus im

Schwarzwald, ich war Mitarbeiterin einer

Silvesterfreizeit. Gerade hatte uns eine

Asiatin erzählt, was für einen Unterschied

wir Christen in Deutschland in

ihrem Leben machten: „Meine Arbeitskollegen

sehen auf mich herab, weil mein

Deutsch nicht gut ist, sie lachen mich

aus“, hatte sie gesagt. „Aber ihr; ihr lacht

mit uns und nicht über uns.“ Mir kamen

fast Tränen. Die Stimmung war herzlich

und die Teilnehmer begannen, sich langsam

für Jesus zu öffnen.

Menschen anderer Kulturen haben

mich schon immer fasziniert. Früher ging

ich davon aus, dass andere zur Mission

berufen waren, nicht ich. Gott hat meine

Vorstellungen in den vergangenen Jahren

ganz schön auf den Kopf gestellt.

Auf einer Schulungskonferenz für

christliche Studentenarbeit fragte eine

Referentin mich, ob ich darüber nachgedacht

hätte, dass Gott vielleicht deshalb

niemanden schickte, um mich in der Leitungsfunktion

unserer Hochschulgruppe

zu ersetzen, weil er mich an genau dieser

Stelle in genau dieser Aufgabe haben

wollte? Ich musste mir eingestehen, dass

ich viele Aufgaben nur halbherzig erfüllte,

weil ich davon ausgegangen war, nicht

die Richtige für den Job zu sein.

Nach der Konferenz war ich mehr mit

Herz bei der Sache. Plötzlich ergaben

sich neue Freundschaften. Es begeisterte

mich plötzlich viel mehr, wie Gott in den

Herzen der Leute arbeitete. Jetzt saß

ich also bei diesem „Open-Mic-Abend“

der Silvesterfreizeit und ertappte mich

bei dem Gedanken: „Das müsste man

als richtigen Job haben: erleben dürfen,

wie Gott junge Menschen aus aller Welt

verändert!“ In den Monaten darauf

folgten Gespräche – manche ausführlich,

manche zwischen Tür und Angel –,

die alle in eine ähnliche

Richtung gingen: Mission

unter Studenten, auch

nach meinem Studium.

Welches Recht hatte

ich, zu sagen, ich sei nicht

geeignet? Gott hätte

alle Macht gehabt, mich

zurückzuhalten – er tat

es nicht. So kam ich 2016

nach Sofia in Bulgarien, in

eine Aufgabe mit der Bulgarian Christian

Student Union. Meine bulgarischen

und amerikanischen Kollegen und ich

luden einheimische und internationale

Studenten zu Bibeldiskussionen ein,

organisierten Spieleabende, Konferenzen

und Leiterschulungen. Ich erlebte so viel

Sehnsucht nach Freundschaft, Anerkennung

und Freiheit unter den Studenten,

egal woher sie stammten. Sie sind

Menschen anderer

Kulturen haben mich

schon immer fasziniert.

Früher ging ich davon

aus, dass andere zur

Mission berufen waren,

nicht ich.

neugierig und wollen auch über Jesus

Christus lernen. Was für eine Chance!

„Die Ernte ist groß, doch es sind nur

wenig Arbeiter da. Bittet deshalb den

Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf

sein Erntefeld schickt.“ Dieser Bibelvers,

Lukas 10,2, begleitet mich seitdem in

meiner Arbeit unter Studierenden. Drei

Jahre lebte und arbeitete ich in Sofia, das

letzte Jahr im Rahmen eines Kurzeinsatzes

der DMG. Gott hat unser Gebet

erhört und weitere Mitarbeiter nach Bulgarien

berufen. Mein eigener Weg führt

zurück nach Deutschland.

Denn die DMG sendet

mich für einen längerfristigen

Einsatz zurück in

meine Unistadt Tübingen,

wo ich wieder in die Arbeit

mit internationalen Studis

einsteigen darf. Ich freue

mich schon darauf, jungen

Leuten aus aller Welt meine

eigene Kultur vorzustellen,

zu teilen und ihnen ein Stückchen

Heimat zu bieten. Denn ich weiß aus

eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt,

alleine in einem fremden Land zu leben.

Und ich weiß, wie Jesus Christus uns

Menschen frei machen kann. Ich freue

mich schon, in Tübingen daran beteiligt

zu sein, wie er Leben verändert. Wollen

Sie auch daran teilhaben? Dann schreiben

Sie mir über die DMG.

NEU: Ahlke Spies

P10926

DMG-informiert | 5 | 2019

21


EUROPA

DEUTSCHLAND / NIEDERLANDE

Ein paar alte Turnschuhe,

ein ausrangierter Teddy

BREMERHAVEN (Breitenmoser)

Die Seeleute aus Pakistan, den

Philippinen, Indien und Nahost, die mit

Frachtschiffen unsere europäischen

Häfen anlaufen, sind oft Monate unterwegs.

In der Seemannsmission begegnen

uns jeden Tag Menschen aus aller Welt

mit Heimweh, Einsamkeit, Ärger über

Vorgesetzte, Müdigkeit, Schwierigkeiten

in der Familie, Süchten oder moralischen

Fehltritten, die sie bekümmern. Es ist ein

Privileg, diesen Vergessenen zu helfen.

Gleichzeitig erzählen wir von der Perspektive

für die Ewigkeit in Jesus Christus.

Heute packte ich meinen Rucksack mit

Bibeln und Literatur in vielen Sprachen;

zusätzlich eine Tasche mit ausrangierten,

gut erhaltenen Turnschuhen. So bestieg

ich die Gangway eines kleineren Containerschiffes.

Anfangs waren die Seeleute

in der kurzen Kaffeepause beschäftigt.

Das änderte sich schlagartig, als ich

die Turnschuhe einem der Männer in

oranger Arbeitskluft anbot. Sie passten

perfekt, er konnte sein Glück kaum

fassen! Eigentlich hatte er noch in die

Stadt fahren wollen, um sich ein Paar zu

kaufen. Mit Freude nahm er auch eine

Bibel.

Ähnliches erlebte Nadine kürzlich

auf einem Kreuzfahrtschiff, als sie einen

ausrangierten Teddy unseres Joshua

einer philippinischen Frau schenkte.

Es entstand eine Freundschaft, die

Frau öffnete sich fürs Evangelium. Aus

demselben Grund verteilen wir wie jedes

Jahr zu Weihnachten wieder hunderte

Geschenkpakete an Seeleute …

ROTTERDAM (Henrichs/Reifel)

So eine Verteilaktion findet auch bei

uns im Hafen statt. Vergangenes Jahr

konnten wir mehr als 2.000 Seeleute

glücklich machen. Für viele ist Weih­

und das Evangelium

nachten die Zeit, in der sie sich am

einsamsten fühlen. Monatelang arbeiten

sie auf den Schiffen, weit weg von Familie

und Freunden. Manche waren schon

jahrelang nicht mehr an Weihnachten zu

Hause. Sie fühlen sich vergessen. Unser

Paket zeigt ihnen, dass sie geliebt sind in

Gottes Augen. Das bringen Dankesbriefe

zum Ausdruck:

„Ich möchte meinen wärmsten Dank

ausdrücken wegen der Weihnachtsgeschenke,

sie waren uns willkommen

und geschätzt. Wir, die Mannschaft der

Batada*, wünschen euch alles Gute zum

neuen Jahr. Chief Engineer.“ Ein Matrose

schrieb: „Vielen Dank für das wundervolle

Geschenk! Ich war überwältigt von

der Sorgfalt, die in die schöne Schuhbox

geflossen ist.“ Ein anderer: „Vor

sechs Jahren habe ich mein Leben Jesus

gegeben. In letzter Zeit musste ich 16

22

Eckart und Nadine Breitenmoser

P10912

René und Anna Reifel

P10551


IMPRESSUM

Herausgeber:

DMG interpersonal e.V.

Buchenauerhof 2, D-74889 Sinsheim

Tel.: 07265 959-0, Fax: 07265 959-109

WhatsApp: 07265 959-100 • Kontakt@DMGint.de • www.DMGint.de

Bei Adressänderungen: Tel. 07265 959-128, Adressen@DMGint.de

Direktor:

Chefredakteur:

Layout:

Günther Beck

Theo Volland (Redaktion@DMGint.de)

David Spieth

Erscheinung: Fünfmal jährlich

Titelfoto: Theo Volland, 2018

PXXXXX

Dieses Symbol nennt

die Projektnummer des

jeweiligen Missionars,

so können Sie gezielt

für die Arbeit einzelner

Missionare spenden.

Herzlichen Dank.

Spendenkonten:

Volksbank Kraichgau, DMG

IBAN: DE02 6729 2200 0000 2692 04

BIC: GENODE61WIE

Schweiz: Swiss Post, SMG

Vermerk: DMG

IBAN: CH92 0900 0000 8004 2881 3

BIC: POFICHBEXXX

Die Arbeit der DMG ist als steuerbegünstigt anerkannt. Spenden werden im Rahmen

der Satzung entsprechend der Zweckbestimmung für missionarische oder

mildtätige Zwecke eingesetzt. Stehen für ein Projekt ausreichend Mittel zur Verfügung,

wird die Spende für einen ähnlichen satzungsgemäßen Zweck verwendet.

Seeleuten die Frohe Botschaft bringen

Stunden am Tag arbeiten, sieben Tage die Woche,

gestern sogar 21 Stunden. Euer Geschenk hilft mir,

mit dem Stress klarzukommen.“

MITMACHEN (Sie!)

Liebe Leser, wenn Sie helfen wollen, packen Sie

einen Schuhkarton mit folgendem Inhalt: eine Mütze,

ein Paar Handschuhe, Süßigkeiten wie Schokolade

und Nüsse, Deo, Shampoo und Duschgel für

Männer (Deckel bitte mit Tesa zukleben), Zahnbürste

und -pasta sowie eine Weihnachtskarte mit

persönlichem Gruß in Englisch. Bitte kleben Sie die

Kartons gut zu und packen Sie sie in festes Geschenkpapier

ein. Die Pakete können bis 1. Dezember

2019 (oder wieder im Herbst 2020 ebenfalls bis

01.12.) bei diesen Adressen eingeschickt werden:

Thomas Koch, Subachstraße 16, 35075 Gladenbach-

Mornshausen, Tel. 0171 2622967. Oder: Holger

Günther, Austraße 8, 67378 Zeiskam, Tel. 06347

92130.

Sie dürfen auch gerne finanziell zu den mehr als

1.000 Paketen beitragen, die hier in Rotterdam

gepackt werden. Projektnummer: P30262 Weihnachtsaktion

Rotterdam.

* Name geändert

Felix und Kerstin Henrichs

P10228

"

Bitte geben Sie im Überweisungsträger die Projektnummer und den Namen

eines Missionars, „DMG“ oder „Wo am nötigsten“ an. Herzlichen Dank!

Datum Datum Unterschrift(en)

IBAN IBAN

06 06

Angaben Kontoinhaber: zum Kontoinhaber: Name, Vorname/Firma, Name, Vorname/Firma, Ort Ort (max. 27 Stellen, keine Straßen- oder Postfachangaben

PLZ Freundesnummer Straße Spenders: (falls bekannt) (max. 27 Stellen) PLZ und Straße des Spenders (für Spendenbestätigung)

D 5

Spenden-/Mitgliedsnummer Projektnummer oder Name des Stichwort Spenders bzw. - (max. Name 27 Stellen) des Missionars

ggf. Stichwort

Betrag: Euro, Euro, Cent Cent

G E N O D E 6 1 W I E

Danke!

BIC BIC des des Kreditinstituts (8 oder 11 Stellen)

SPENDE

SPENDE

D E 0 2 6 7 2 9 2 2 0 0 0 0 0 0 2 6 9 2 0 4

IBAN IBAN

D M G 7 4 8 8 9 S i n s h e i m

Angaben zum zum Zahlungsempfänger: Name, Name, Vorname/Firma (max. 27 Stellen, bei maschineller Beschriftung max. 35 Stellen)

Name Name und und Sitz Sitz des des Überweisenden Kreditinstituts BIC BIC

Staaten in in Euro. Euro.

"

SEPA-Überweisung/Zahlschein

Für Für Überweisungen

in in Deutschland und und

in in andere EU-/EWR-

-


07265 959-100

Unser

Weihnachtsprojekt

EUROPA

Offene Türen, offene Herzen!

„Kümmert euch um Europa!“, endete Jean-Claude Junckers Abschiedsrede

am 22. Oktober im Europaparlament. Er meint es ernst,

Europa ist gespalten: Demokratien leiden unter Nationalismus; ein

reicher Kontinent an wachsender Armut; es wird bedrückend säkular.

Und doch erleben unsere 154 Europa-Missionare offene Türen

und Herzen:

Mit dem Weihnachtsprojekt unterstützen Sie die Gründung von

Gemeinden in Ländern wie Frankreich und Albanien. In Belgien beschreiten

Partner neue Wege, um das Evangelium zu verbreiten. Dort und in

Österreich geben Mitarbeiter Religionsunterricht an Schulen. In Griechenland

freuen sich Hunderttausende über Bibeln als Geschenk. Junge

Leute in Spanien ohne Chance auf Arbeit hören vom Sinn des Lebens.

Allerorts kommen Flüchtlinge zum Glauben. Kirchen auf anderen Kontinenten

beten für Europa und senden uns Mitarbeiter. Junge Europäer

lassen sich senden. Kümmern wir uns als Christen um Europa!

DMG-Spendenkonto

IBAN: DE02 6729 2200 0000 2692 04

BIC: GENODE61WIE

Projektnummer: W2019 Europa

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine