RE-SOLUT 4/2019

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RE-SOLUT 4/2019

Ausgabe 70 4 / 2019

Nehmen Sie sich Zeit,

sie liegt überall herum.

Graffito


Inhaltsverzeichnis Seite

Das Jahr geht zu Ende Die Geschichte vom kleinen Schutzengel 3

Als der Winter noch seinen Namen verdiente 4

Vorweihnachtszeit 5

Wer hat den Adventskranz erfunden 5

Warten auf Weihnachten 6

Gedichte 7

Lichterweltrekord 7

Jahreswechsel 7

Hätten Sie‘s gewusst? 8

Neujahrswünsche an den lieben Gott 10

Nimm dir Zeit (M)Eine kleine Zeitreise 11

Zeitreisen: Zurück in die Zukunft? 12

Tempus fugit – die Zeit flieht 13

Eine phantastische Reise in eine vergangene Zeit 13

Zeit als Gabe und Aufgabe 15

Es wurde auch mal Zeit

Meine Marille freut sich über die Klimaveränderung

ZeitTraumReise 18

„Die Angst der Seiltänzer“ 19

Interessantes, nicht nur für Senioren Gedenktage 2019 (Teil 4)

Die Currywurst wird 70 – wir gratulieren

In the Mood – Glenn Miller

Siebzig Jahre DGB

Ein Ehrentag für Oma und Opa

Der Binnenhafen Duisburg – Drehscheibe für Europa 23

Hafenrundfahrt Duisburg 26

Urlaub im Kloster? 27

Passagen – Blog statt Zeitung 28

Auf dem Weg zur blauen Emscher

Ein Besuch des Klärwerks Emschermündung

Leonardo da Vinci – Ein Universalgenie 31

Männerchöre in Not 32

Zum Lesen und Vorlesen Bryan Stevenson: Ohne Gnade 33

Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe 34

Vincent van Gogh 35

Rafik Schami: Sami und der Wunsch nach Freiheit 36

Kent Haruf: Lied der Weite 37

Vorlesen kann viel bewirken 38

Wortspiele 39

Aus der Arbeit des Seniorenbeirates 40

Mitteilungen der Redaktion 43

Impressum / RE-BELL 44

16

20

21

21

24

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Das Jahr geht zu Ende

Die Geschichte vom kleinen Schutzengel

Ein großer, weiser Engel saß auf einer großen Wolke

und schaute stumm auf die Erde hinunter.

Plötzlich flog ein Engelkind vorbei und setzte sich zu ihm auf die Wolke.

„Hey du, warum guckst du denn Löcher in die Luft?“, fragte das Engelchen keck.

Der weise Engel schmunzelte. „Ich starre keine Löcher in die Luft, ich warte, mein

Kind, ich warte", sagte der weise Engel leise.

„Worauf wartest du denn?“, fragte das Engelkind

ungeduldig und flog in kleinen Kreisen um

den großen Engel herum.

„Ich warte darauf, von einem Menschen

gebraucht zu werden“, sagte der große Engel.

„Von einem Menschen?"

Davon hatte der kleine Engel

noch nie etwas gehört.

Neugierig setzte er sich wieder neben den

großen Engel und bat ihn,

ihm doch mehr zu erzählen.

„Schau, kleiner Engel, das ist so:

Normalerweise brauchen uns die Menschen

da unten nicht. Sie leben ihr eigenes Leben –

oft glücklich und zufrieden, mit großen und mit

kleinen Sorgen. Aber immer mal wieder

kommt es vor, dass ein Mensch unseren

Schutz und unsere Hilfe braucht“, erklärte ihm der große Engel.

„Aber wie“, fragte der kleine Engel, „erfährst du, dass man dich braucht?“

„Das spüren wir dann“, gab der große Engel zur Antwort. „Sobald ein Mensch in Not

ist und meine Hilfe braucht, fängt mein linker Flügel an zu zucken. Dann weiß ich,

dass ich mich auf den Weg machen muss", sagte der große Engel.

In dieser Nacht schlief der kleine Engel schlecht. Es beschäftige ihn sehr, was ihm

der weise Engel von den Menschen erzählt hatte.

Unruhig wälzte er sich unter seiner flauschigen Wolkendecke hin und her,

als er plötzlich ein ganz eigenartiges, ungewohntes Zucken im linken Flügel

verspürte. Das Engelkind konnte kaum glauben, dass nun seine Zeit zu helfen

gekommen schien.

Mit einem Lächeln im Gesicht und großer Vorfreude

machte es sich auf den Weg zur Erde...

RE-SOLUT wünscht seinen Lesern im Neuen Jahr

viele Begegnungen

mit einem großen oder kleinen Engel.


Als der Winter

noch seinen Namen verdiente

Hand auf´s Herz, liebe Leser, wann haben

Sie zum letzten Mal so richtig dicke tiefgefrorene

Eiszapfen gelutscht? Können Sie sich

noch an den Geschmack erinnern?

Das ist wohl schon richtig lange her, so wie

bei mir. Wahrscheinlich in Ihren Kindheitstagen,

wo der Winter noch ein richtiger Winter

war und auch seinen Namen verdiente. Mit

ordentlichen Minusgraden und tiefem oder –

wie man will – hohem Schnee. Mit dicken

Eisblumen an den Fensterscheiben, welche

nur durch Anhauchen und festes Reiben mit

den Fingern den Durchblick wieder freigaben.

Diese langen, bizarren und tiefgefrorenen

Eiszapfen, welche so herrlich von den Dachrinnen

und Dachgiebeln hingen.

An unserer Dachrinne hingen viele lange,

dicke und schwere Eiszapfen. Nicht ganz

ungefährlich, wie meine Eltern nicht müde

wurden, darauf hinzuweisen. Vor allen Dingen

zur Zeit der Schneeschmelze Ende Februar

oder März, wenn die Sonne schon mehr

Kraft und Wärme ausstrahlte, begannen diese

zauberhaften Gebilde Tröpfchen für Tröpfchen

zu schmelzen. Oder waren es vielleicht

Abschiedstränen?

Dann kam es nicht selten vor, dass diese

Zapfen – plötzlich und wie durch Geisterhand

gestoßen – von den Dachrinnen fielen, und

wehe, man befand sich gerade darunter. Das

konnte schon mal eine Beule auf dem Kopf

nach sich ziehen, manchmal auch wohl

mehr.

Auch sonst sahen es meine Eltern gar nicht

gerne, wenn ich ab und zu an einem Eiszapfen

lutschte, befand sich doch in ihnen der

Ruß und Kohlenstaub, welche die Schornsteine

in die Umwelt ausstießen. Damals

wurde nämlich noch mit Kohle geheizt.

Gesund war das mit Sicherheit nicht. Aber

was machte uns Kindern das schon aus?

Zumal dieses Eis keinen Pfennig kostete.

Lag es daran, dass ich langsam älter wurde

und diesen Gebilden kaum noch Beachtung

schenkte oder daran, dass die Winter wärmer

wurden? Dass sich allmählich das Klima

veränderte und somit die Zapfen immer seltener

wurden? Ich weiß es nicht mehr so

genau. Nur heute würde ich mir diesen zauberhaften

Anblick zur Winterszeit so manches

Mal wieder wünschen.

(ew)

Adventliche Erinnerungen

Wo ich gehe, wo ich stehe,

birgt mich immer Gottes Hand.

Das möcht’ ich so gerne glauben,

schlug mich doch einst Vaters Hand.

Gerade jetzt in diesen Tagen

der Advents- und Weihnachtszeit

können einen wieder plagen

Wunden aus sehr alter Zeit.

Fühle mich zurück versetzt

in mein fernes Kinderland,

als die Mutter wie gehetzt

in dem kalten Laden stand.

Weihnachtszeit – dein stilles Leuchten

fand bei uns nur selten statt.

Wollt’ am liebsten dem entfleuchen,

aß mich an viel Plätzchen satt.

Doch im Herzen dieses Sehnen

nach der frohen Seligkeit,

dass das Christkind kommt zu denen,

die ertragen manches Leid.


Engelshaar und Glöckchenklingen,

grüner Kranz mit Schleifen dran,

Kerzenschein und Lieder singen,

Nikolaus und Weihnachtsmann.

All die trauten Glückssymbole,

was ein Kinderherz erfreut,

waren selten und oft hohle

Zeichen der Verlassenheit.

Wer erhält eine hübsche Weihnachtskarte

per Post?

Und das Wichtigste: Ab wann wird z.B.

Fleisch vorbestellt und eingekauft?

Hört sich nach Arbeit an –- ist es auch. Aber

jedes Jahr immer wieder schön!

(sm)

Wo ich gehe, wo ich stehe,

barg mich doch stets Gottes Hand.

Und mit and’ren Augen sehe

heute ich mein Kinderland.

Eltern noch vom Krieg verbittert,

haben selber nichts gehabt.

In den Herzen oft noch zittert

Fliegerlärm in Bombennacht.

Da – auf einmal – von ganz unten

steigt ans Licht ein froher Klang,

ich erinn’re, dass die Mutter

solo in der Kirche sang.

Dass sie sang ein einz’ges Mal:

„Ich steh’ an deiner Krippen

hier“,

Bachs ergreifenden

Choral,

da wird es plötzlich hell

in mir.

Kann es endlich wieder

spüren,

es Advent im Herzen ist,

und mich gute Kräfte führen

durch das Dunkel in das Licht!

(er)

Vorweihnachtszeit

Wieder einmal naht die Adventszeit. Mindestens

vier Wochen vorher beginne ich, meine

„Pläne“ schriftlich niederzulegen:

Ab wann werden die Essenseinladungen geregelt

und wer bekommt welches schmackhafte

Gericht und köstlichen Nachtisch serviert?

Ab wann beginnt das jährliche Plätzchenbacken?

Wer erhält als Weihnachtsgeschenk eine

gefüllte Dose mit Plätzchen zugeschickt?

Wer hat den Adventskranz

erfunden?

Es war Johann Hinrich Wichern. Bekannt

geworden ist der Pädagoge aus Hamburg

durch die Gründung eines Heimes für notleidende

Kinder, die dort ein gutes und liebevolles

Zuhause gefunden haben.

Am 1. Dezember 1839 hängte er ein Wagenrad

auf, das mit 19 kleinen und vier großen

Kerzen bestückt war. An jedem Wochentag

wurde eine kleine, am Sonntag eine große

Kerze angezündet. So konnten die Kinder

sehen, wie lange es noch bis zum Weihnachtfest

dauerte.

Daraus wurde ein Brauch, der sich aber

etwas vereinfacht hat (vielleicht aber auch

aus Platz- und Sicherheitsgründen?): Es wurde

ein mit Tannen geschmückter Kranz

gewunden, auf dem vier große Kerzen befestigt

wurden – für jeden Sonntag eine.

(sm)

Warten auf Weihnachten

Vorweihnachtsstress. Menschen hasten mit

prall gefüllten Einkaufstaschen durch die

Straßen. Es ist die letzte Gelegenheit, einzukaufen.

Die Weihnachtsbäume sind fast fertig

geschmückt, es fehlen nur noch die goldenen

Kugeln, in denen sich die Kerzen festlich

spiegeln können. In den Feinkostgeschäften

sind die geräucherten Forellenfilets wie auch

der russische Kaviar beinahe ausverkauft.


An Heiligabend sind die Geschäfte nur bis

zum Mittag geöffnet. Vom Weihnachtsmarkt

zieht Glühweingeruch herüber und aus Lautsprechern

lärmt „Stille Nacht, Heilige Nacht“.

Arme stehen am Rande der Fußgängerzone.

Wohl dem Bettelnden, der einen Hund

besitzt. Er zieht Aufmerksamkeit auf sich. Ein

hungriger Hund berührt das Herz. Die sentimentale

Stimmung macht großzügig.

Es wird kälter, die Einkaufszonen werden

leer. Im Schatten der Weihnachtsbeleuchtung

atmet die Einsamkeit. Sie wird nicht

mehr wahrgenommen, beiseite gedrängt,

und doch ist sie stummer Begleiter der

Meisten.

Gleißende Reklame und Scheinwerfer der

heimwärts fahrenden Autos spiegeln sich im

nassen Asphalt, flimmern doppelt schmerzhaft,

wenn kein trockenes und warmes

Zuhause da ist, in das die Heimatlosen und

Obdachlosen fliehen könnten.

Der geheizte Bahnhofsimbiss ist Zufluchtsort,

ist immerhin Durchgangsstation. Er ist

ein Winkel des Wartens und auch Ort des

Verlassenseins. Ein winziger künstlicher

Weihnachtsbaum mit bunten Lichtern steht

auf der Theke.

An den Tischen halten sich Menschen fest,

deren Weihnachtspaket ihr Rucksack oder

eine Plastiktüte ist. Gefrorene Gefühle, verzweifelte

Hoffnung.

Ein Stehtisch ist frei, ein Tisch noch ohne

Pappbecher als Platzhalter. Immer wieder

blicken die Wartenden zur Schwingtür, als

erwarteten sie jemanden. Ein fremder Gast

kommt, bestellt etwas und schiebt zufrieden

seine Schale mit der Currywurst auf den

freien Stehtisch. Er steht mit dem Rücken zur

Wand. Er hat zu essen und zu trinken. Er

leckt sich den Bier-schaum von

der Oberlippe, schaut sich um

und verlässt eilig diesen Ort.

Für die Hiergebliebenen ist dieses

ein Abstellplatz der Aussichtslosigkeit.

Jeder hält sich an

seinem heißen Glühweinbecher

oder seiner Kaffeetasse fest. Eine

Option auf ein bisschen Wärme;

berechtigt sein, hier im

Trockenen stehen zu dürfen.

Der Becher wird langsam leer. Die Einsamkeit

rinnt von den gestrichenen Wänden,

zieht unsichtbare, unzählige Bahnen in die

abweisenden Flächen. Frisch gestrichen.

Alles frisch weggestrichen. Durchgestrichen.

Durchtränkt von feuchtem Hauch der Verzweiflung.

Im Raum hängt die Furcht vor der

Minute, diesen Wartesaal verlassen zu müssen.

Die Uhr an der Wand tickt. Auch dieser

geheizte Raum wird abends geschlossen.

Die Schlucke werden kleiner, aufgesparter.

Mit jedem Biss, mit jedem Schluck rückt die

Minute des Verlassens und der Verlassenheit

näher. Die Berechtigung, sich hier aufhalten

zu können, gilt für diejenigen, die noch Geld

auf den Zahlteller legen können, für ein Brötchen

oder für ein heißes Getränk. Wärme für

die Hände, die Lippen und den Magen. Es

bedeutet auch, eine kurze Weile Anteil zu

haben an der verrauchten, abgestandenen

Heizungsluft.

Dieser Aufenthalt lässt teilhaben an einer

Gemeinschaft, die fremd ist, die jedoch

einander nicht den Rücken kehrt. Endstation,

ohne sentimentale Weihnachtsstimmung.

Doch an diesem Ort zu sein, lässt vielleicht

zu, wenigstens einen freundlichen Blick des

Gegenübers erhaschen zu können; einen

Augen-Blick, der verbinden kann, der nicht

ausgehöhlt oder gleichgültig ist. Hier noch

warten zu können, ist eine armselige Galgenfrist,

die wenigstens das Gefühl vermittelt,

dazuzugehören.

Es kann der Augenblick sein, der gestattet,

Weihnachten zu erahnen.

Es kann dieser Moment sein, der es zulässt,

Brücken zu bauen,

um als Mensch wahrgenommen

zu werden.

Maria Bexen

Foto:

http://www.lindenparkschule.de/

kooperationen-projekte/begegnungschaffen-bruecken-bauen.html


Liebes Christkind

Liebes Christkind, darf ich‘s wagen

dich heute einmal kurz zu fragen,

was lang schon auf der Seele brennt

und niemand eine Antwort kennt:

Liebes Christkind, sag’ mir doch,

was tust du so, was machst du noch,

wenn Weihnachten zu Ende ist

und du ein Jahr verschwunden bist?

Denn falls du Langeweile hast

und auch keinen Termin verpasst,

dann lade ich dich herzlich ein,

auch Ostern unser Gast zu sein.

Jens-Uwe Zöllmer

Quelle: https://viabilia.de/weihnachtsgedichte-416.htm

Die Weihnachtsgans

Lichterweltrekord

Ich habe neulich gelesen, dass in Canberra/

Australien eine Familie einen Weltrekord privater

Weihnachtsbeleuchtung aufgestellt hat.

502.165 Lämpchen haben sie im Innen- und

Außenbereich installiert.

Natürlich frage ich mich: Wann fangen die

mit dieser Heidenarbeit an?

Gleichzeitig hat besagte Familie Richard

noch einen weiteren Rekord initiiert: Mit

1 Million LED-Lampen wurde Canberra 2013

„Welthauptstadt“ der Adventsbeleuchtung.

Wiederum fragte ich mich: Muss diese Familie

nicht ihrer normalen Arbeit nachgehen?

Hat sie so viel Zeit, um evtl. via Internet entsprechende

Aufrufe zu starten, und wo ist die

„Zähl-Addier- und Sammelstelle“?

Wie einfach mache ich es mir: ca. 50 Lichter

im Advent und dazu ca. 300 kleine Lämpchen

am Weihnachtsbaum – jedes Jahr.

Und alles liegt wohlverpackt in einem kleinen

Karton.

(sm)

Tiefgefroren in der Truhe

liegt die Gans aus Dänemark.

Vorläufig läßt man in Ruhe

sie in ihrem weißen Sarg.

Ohne Bein, Kopf und Gekröse

ruht sie neben dem Spinat.

Ob sie wohl ein wenig böse

ist, daß man sie schlachten tat?

Oder ist es doch zu kalt ihr?

Man sieht‘s an der Gänsehaut.

Nun, sie wird bestimmt nicht alt hier:

Morgen wird sie aufgetaut.

Hm, welch Duft zieht aus dem Herde

durch die ganze Wohnung dann!

Macht, daß gut der Braten werde,

morgen kommt der Weihnachtsmann!

Heinz Erhardt

Jahreswechsel

Wieder einmal steht ein Jahreswechsel

bevor. Wir sehen auf das zurückliegende

Jahr und versuchen uns an verschiedene

Ereignisse zu erinnern.

Da war Gutes und weniger Gutes, Gelungenes

und Misslungenes, genutzte und ungenutzte

Chancen, Gewohntes und Ungewohntes,

Neues. Was hat dieses Jahr uns

gebracht?

Und jetzt, an der Schwelle zum Neuen Jahr:

Was steht uns bevor? Was wird das neue


Jahr bringen? Wird es möglich sein, verpasste

Chancen nochmals aufzugreifen,

Misslungenes neu anzupacken und zum

Erfolg zu führen, Fehler zu korrigieren?

Quelle: https://www.steyler.eu/svd/seelsorge/anregung/artikel/2012/

advent-weihnacht/Zum-Jahresende-liturgie.php

- - - - -

Mit dem du dich tausend Mal geprügelt

und zehntausend Mal gestritten hast,

setze dich am letzten Tag des Jahres

einträchtig zum Essen nieder.

Weisheit aus China

- - - - -

Im neuen Jahre Glück und Heil,

Auf Weh und Wunden gute Salbe!

Auf groben Klotz ein grober Keil!

Auf einen Schelmen anderthalbe!

Johann Wolfgang v. Goethe

- - - - -

Hätten Sie‘s gewusst?

Seit alters her wünscht man sich mit Beginn

des neuen Jahres „Prosit Neujahr“. Das Wort

„Prosit“ kommt aus dem Lateinischen und

bedeutet „es möge gelingen“.

Man wünscht sich Glück, Gesundheit, Zufriedenheit

oder einen „guten Rutsch ins neue

Jahr“. Mit dem „guten Rutsch“ ist aber nicht

das Hinüberrutschen ins neue Jahr gemeint,

denn das Wort „Rutsch“ hat seine Wurzeln

im Hebräischen und heißt „rosch”, und das

bedeutet „Anfang“.

Der „gute Rutsch“ ist also der Wunsch nach

einem guten Beginn des neuen Jahres

(mm)

- - - - -

Neujahrswunsch

Es hängt von dir selbst ab,

ob du das neue Jahr als Bremse

oder als Motor benutzen willst.

Henry Ford

- - - - -

Die Kirchturmglocke

schlägt zwölfmal Bumm.

Das alte Jahr ist wieder mal um.

Die Menschen können sich in den Gassen

vor lauter Übermut gar nicht mehr fassen.

Sie singen und springen umher wie die Flöhe

und werfen die Mützen in die Höhe.

Der Schornsteinfegergeselle Schwerzlich

küßt Konditor Krause recht herzlich.

Der alte Gendarm brummt heute sogar

ein freundliches: Prosit zum neuen Jahr.

Joachim Ringelnatz

- - - - -

Begrüße das neue Jahr vertrauensvoll

und ohne Vorurteile,

dann hast du es

schon halb zum Freunde gewonnen.

Novalis

- - - - -

Fege den Staub des letzten Jahres fort und

mit ihm alle unguten Gefühle.

China

- - - - -

Das alte Jahr hat's schlau gemacht,

fort ist's bei Nebel und bei Nacht.

Zum großen Glück für fern und nah,

war auf der Stell ein andres da.

Johann Peter Hebel

Weniger Rede, mehr Gedanken;

weniger Interessen, mehr Gemeinsinn;

weniger Wissen, mehr Urteil;

weniger Zwiespalt, mehr Charakter.

Walther Rathenau


Neujahrswünsche an den lieben Gott

Darf ich dir, lieber Gott, anlässlich Neujahr meine

besten Wünsche entbieten samt dem Versprechen,

besser mein Bestes zu tun?

Darf ich dir auch sagen,

was ich gerne zu Neujahr hätte?

Höre denn, lieber Gott!

Ich hätte gerne einen neuen Kopf. Mit diesem hier

wollte ich schon so oft

durch die Wand. Ich habe ihn in schweren Zeiten

unschön hängen

lassen. Und zwischendurch habe ich ihn auch schon

einige Male verloren.

Schenk mir auch dann bitte neue Augen.

Zur Zeit verliere ich so viele

wichtige Dinge aus dem Auge.

Ich sehe alles so oft schwarzweiß.

Gern sähe ich alles wieder in Farben.

Vielleicht hast du für mich auch eine neue Nase.

Meine habe ich vor so

Vielen gerümpft. Ich stecke sie auch überall hinein,

wo es nicht sein müsste.

Eine andere Zunge käme mir auch ganz gut zustatten! Die ich habe, ist

bereits ein wenig scharf geworden. Sie redet zu viel und kritisiert auch

gern. Zwischendurch spreche ich auch schnell einmal zweideutig.

Selbst neue Ohren könnte ich brauchen. Ich stecke bis über beide Ohren

in Arbeit und Sorgen. Das eine Ohr klingt vom Tratsch um mich herum.

Das andere ist fast taub. Es hört wenig Gutes und Fröhliches. Ich

möchte gerne wieder ruhig schlafen können.

Und dann meine Zähne, lieber Gott. Ich muss sie oft zusammenbeißen.

Ich habe sie auch des Öfteren gezeigt. Manchmal stehen zu viel Haare

darauf und manchmal zu wenig.

Und dann zum Schluss, lieber Gott, mein Mund. In der letzten Zeit habe

ich so einen großen Mund. Ich nehme ihn schnell zu voll. Er hat das

Singen und auch das Pfeifen verlernt, und er schweigt, wenn er

sprechen sollte. Gib mir einen etwas kleineren, der wieder herzlich

lachen kann.

Und dann, ja, wenn ich noch um eine ganz kleine Zugabe bitten darf:

Sorg dann bitte auch noch für neue Ellbogen. Ich habe damit so fest

gearbeitet und gestoßen, dass sie ganz abgenützt sind. Ich habe bald

keine mehr.

Ich danke dir sehr, lieber Gott!

(Verfasser unbekannt)


Nimm dir Zeit

Kaum ein anderer Begriff ist so facettenreich wie Zeit.

Ob Langeweile oder Hektik/Stress, ob Urlaubszeit oder Freizeit –

viele Gefühle, positive wie negative, sind mit dem Begriff Zeit verbunden.

RE-SOLUT hat sich Zeit genommen und gegeben, die eigene Sichtweise zu

dem Thema in dieser Ausgabe zu verewigen.

Grafik: Thomas Häntsch


(M)Eine kleine Zeitreise

Je älter man ist, desto weiter kann man in

seiner Erinnerung zurückreisen. Meine Erinnerungen

reichen bis in die sechziger Jahre

zurück. Einen Fernseher hatten wir anfangs

nicht. Stattdessen spielten wir draußen, auch

an Sonntagen. Sonntags zogen wir Sonntagskleidung

an. Meine Sonntagsschuhe waren

neu und aus braunem Leder.

Ich muss etwa acht Jahre alt gewesen sein,

als ich an irgendeinem trüben Sonntag draußen

herumschlenderte und zwei, drei Freunde

traf. Bereits damals war Fußball der klassische

Jungensport.

Ein Ball war

ebenso

schnell gefunden

wie

eine passende

Hofeinfahrt,

die als

Spielfeld

diente. Bereits nach der ersten Halbzeit

waren meine Schuhe so voller Schrammen

und Striemen wie der ausgepeitschte Rücken

eines Galeerensklaven.

Zu Hause schnappte ich mir unbemerkt

einen braunen Wachsmalstift und rieb die

Kreide in das aufgerissene Leder, in der

Hoffnung, die Reparatur würde niemandem

auffallen. Doch seine Eltern sollte man niemals

unterschätzen. Natürlich blieb es nicht

unbemerkt. Zur Strafe durfte ich die Sonntagsschuhe

jetzt auch alltags tragen, und

neue Sonntagsschuhe gab es keine. Ich finde

noch heute, dass es eine sehr humane

Bestrafung war.

In nahezu jeder Straße gab es übrigens Bolzplätze;

in der Regel unbebaute Grundstücke,

um die sich niemand kümmerte. Ich muss

zehn oder elf gewesen sein, als ich bei

einem heftigen Zweikampf um den Ball zu

Fall kam und, mit den Knien voran, am Spielfeldrand

in ein mit hohen Büscheln bewachsenes

Unkrautfeld fiel. Sofort spürte ich am

rechten Knie einen stechenden Schmerz. Als

ich aufstand, hing an meinem rechten Knie

ein kleines Holzbrett, durch das ein Nagel

getrieben worden war. Na prima, dachte ich

bereits damals in einem Anflug von Galgenhumor,

andere haben ein Brett vor dem Kopf,

und ich habe es vor dem Knie.

Dieses Brett war übrigens daran schuld, dass

ich bis heute nicht schwimmen kann. Zu der

Zeit hatten wir

in der Schule

nämlich einen

Schwimmkurs.

Es mag die

erste oder

zweite Kurswoche

gewesen

sein, als

mein Malheur

passierte. Der

Arzt verbot mir für längere Zeit jeden Sport,

so dass ich die weiteren Schwimmstunden

verpasste und untätig auf der Zuschauertribüne

des Hallenbades sitzen bleiben musste.

Ich durfte erst gegen Ende des Schwimmkurses,

als die große Stunde der Schwimmprüfung

kam („Seepferdchen“ würde man es

heute wohl nennen), wieder mitmachen.

Als ich an der Reihe war, versuchte ich dem

Schwimmlehrer zu erklären, dass ich überhaupt

keine Ahnung hätte, was zu tun sei,

um mich über Wasser zu halten, weil ich verletzungsbedingt

nahezu den gesamten Kurs

über nur zugeschaut hätte. Leider waren

Schwimmlehrer in den sechziger Jahren

einer ihre Unterrichtskreise störenden Kommunikation

wenig zugänglich, insbesondere

dann, wenn sie von einem Zehnjährigen

ausging.

Ich habe keine Erinnerung mehr daran, ob er

noch etwas gesagt hatte, Weichei vielleicht

oder etwas Ähnliches, bevor er mich ins

Wasser stieß. Ich sehe nur noch damals wie

heute seinen erschrockenen Gesichtsausdruck,

als er mich kurz darauf aus dem

Becken fischte.

Sollte er diese Zeilen heute lesen oder vorgelesen

bekommen, kann ich ihn beruhigen.

Ich verüble ihm nichts. Gelegentlich bin ich

sogar dankbar dafür, dass mir das Schicksal,

in Hallenbädern oder Swimmingpools meine

Bahnen schwimmen zu müssen, erspart

geblieben ist, insbesondere dann, wenn mir

meine Frau, die schwimmen kann, erzählt,

was (und nicht wer!) ihr beim Schwimmen

heute alles entgegengekommen ist.

(dw)


Zeitreisen

Zurück in die Zukunft?

Wer sich in Buchhandlungen umsieht

oder Kinoprogramme anschaut, wird

feststellen, dass sich viele Bücher und

Filme thematisch mit Bedrohungen

außerirdischer Wesen aus dem Weltall

beschäftigen oder Phantasiewelten

beschreiben. Viele Menschen scheinen

sich für diese Themen zu interessieren.

Aber sind die dort beschriebenen

Geschehnisse aus naturwissenschaftlicher

Sicht überhaupt möglich? Können

wir – theoretisch – in die Vergangenheit reisen

oder Besuch aus der Zukunft erhalten?

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe bisher

keinen einzigen Fantasy-Film gesehen

oder ein Buch gelesen, das sich mit Kampfsternen

aus dem Universum oder Parallelwelten

beschäftigt. „Harry Potter“ habe ich

nach 25 Seiten beiseite gelegt und auch Filme

wie „Star Trek“ oder Fernsehserien wie

„Dr. Who“ kenne ich nicht. Lediglich die Filme

„2001- Odyssee im Weltraum“ (wegen der

Anfangsszenen und der Musik) und „Time

Bandits“ (originelle Parodie auf die Science

Fiction Filme) habe ich gesehen.

Zeitreisen aus Sicht der Naturwissenschaft

Für unser Verständnis von Bewegungen in

Zeit und Raum sind die Arbeiten des Physikers

und Nobelpreisträgers Albert Einstein

(1879-1955) von grundlegender Bedeutung.

Die Erkenntnisse Einsteins wurden von

Stephen Hawking (1942-2018) fortgeführt.

Obwohl dieser die letzten 40 Jahre seines

Lebens wegen einer Nervenerkrankung an

den Rollstuhl gefesselt war, ist er einer der

genialsten Naturwissenschaftler unserer Zeit.

In seinen Büchern beschäftigte er sich mit

der Entwicklung des Universums, hat aber

auch einige Bemerkungen zum Thema Zeitreisen

verfasst.

Um in die Zukunft zu reisen, müsste man

eine Zeitmaschine konstruieren (diese gibt es

aber bisher nur in Science-Fiction Filmen),

mit der die Zeit vorwärts springt.

Ein Mensch müsste sich in dieser Maschine

mit ca. 99% der Lichtgeschwindigkeit (diese

beträgt ca. 300.000 km/pro Sekunde) vorwärts

zu einem entfernten Stern bewegen.

Einmal abgesehen von der Frage, wie ein

menschlicher Körper derlei Beschleunigun-

Blick in die Zukunft

gen überhaupt aushält, wäre auch die Rückkehr

zur Erde für den armen Raumfahrer vermutlich

unerfreulich. Denn auf der Erde ist

inzwischen mehr Zeit vergangen, als für den

Raumfahrer selbst. Ist der Raumfahrer während

seiner Reise zum Beispiel um 25 Jahre

gealtert, könnten auf der Erde bereits 1000

Jahre vergangen sein (sog. Zeitdilatation).

Kein schöner Gedanke, keine Familie oder

Freunde mehr anzutreffen. Laut Stephen

Hawking sind derlei Reisen somit zwar aufgrund

der physikalischen Berechnungen

Einsteins theoretisch möglich, aber die praktischen

Hürden sind unüberwindbar.

Die Vergangenheit ist festgelegt, denn wir

haben sie beobachtet. Reisen in die Vergangenheit

sind nicht durchführbar. Erst einmal

muss man schneller reisen als die Lichtgeschwindigkeit,

das funktioniert nicht. Zum

anderen kommen recht originelle, so genannte

Paradoxa ins Spiel. Das sind Aussagen,

die auf Widersprüchlichkeiten beruhen.

Am bekanntesten ist das „Großvater-

Paradoxon“: Wenn ein Zeitreisender in der

Vergangenheit seinen Großvater tötet, bevor

er Nachwuchs zeugt, wird dieser Zeitreisende

natürlich überhaupt nicht geboren. Somit

könnte er nicht in die Vergangenheit reisen

und seinen Großvater töten. (Einige Autoren

empfehlen dem Zeitreisenden, den Großvater

besser nach den zukünftigen Lottozahlen

zu befragen, statt ihn umzubringen, dann

wäre zumindest das Erbe gesichert).

Und nun?

Eine Möglichkeit, gleichwohl Vergangenes zu

erleben, ist das Betrachten der Sterne am

Himmel. Das Licht mancher Sterne braucht

viele tausend Jahre, um zu uns zu gelangen.

Wenn wir ihr Licht am abendlichen Sternen-


himmel erblicken, sind sie vielleicht schon

erloschen und somit Vergangenheit.

Die Zukunft der Menschheit liegt also nicht in

den Sternen und auch nicht im Universum,

sondern zunächst einmal hier auf unserer

Erde. Wir sollten daher sorgsamer mit ihr

umgehen und sie beschützen, statt sie auszubeuten.

Bereits Albert Einstein stellte fest: „Zwei Dinge

sind unendlich, das Universum und die

menschliche Dummheit, aber bei dem Universum

bin ich mir nicht ganz so sicher“.

(Auch: „Alle lieben mich, aber keiner versteht

mich“).

Es ist natürlich jedem Menschen freigestellt,

sich mit Parallelwelten zu beschäftigen, an

unbekannte Flugobjekte oder Besucher aus

der Zukunft zu glauben. „Phantasie ist wichtiger

als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“

(Albert Einstein).

Fundierte Belege für Zeitreisende aus

Zukunft oder Vergangenheit gibt es nicht.

Gleichwohl kann man im Internet von

„Beweisfotos“ über einen Zeitreisenden aus

dem Jahr 6491(!) lesen. Als Kommentar dazu

schreibt ein humorvoller Zeitgenosse: „Ist mir

auch schon passiert. Als ich vor dem Haus

stand, war in meiner Wohnung Licht, anscheinend

war ich schon zuhause, ich bin

dann wieder gegangen“. Ebenso sind Bilder

von UFO-Landungen in Süddeutschland

wohl eher „Fake news“.

Stephen Hawking schrieb über das Thema

Zeitreisen ebenfalls mit einer gewissen Ironie.

Er versicherte uns Menschen, dass wir in

absehbarer Zeit keinen Besuch von Touristen

aus der Zukunft erhalten werden. „Ich

werde darauf jedoch keine Wette abschließen.

Der andere könnte ja den unfairen Vorteil

haben, die Zukunft zu kennen“.

(ag)

Unsere Zukunft?

Tempus fugit – die Zeit flieht

Gespräch mit der Zeit

Zeit, was fange ich bloß mit dir an? Nie weiß

ich dich richtig zu nehmen.

Mal hechle ich hinter dir her und manchmal

scheinst du still zu stehen. Ein anderes mal

wieder bist du liebevoll zu mir, schenkst mir

schöne Stunden und lässt mich in ihnen etwas

verweilen. Selten höre ich dann die Glocken

läuten.

Doch bald schon lässt du mich dann wieder

Trübsal blasen. Du kannst ganz schön launisch

sein, bist nie beständig sondern immer

rastlos. Ruhst du dich denn niemals aus?

Du bist gefräßig und verschlingst mein

Leben. Selten bist du zeitlos wie im Märchen,

wo dir kaum Bedeutung beigemessen wird.

Manches Mal denke ich sogar, du tickst nicht

ganz richtig! Und doch weißt nur du, was und

wem die Stunde geschlagen hat.

Doch ich will nicht weiter klagen: Schön,

dass ich in dir verweilen darf.

(ew)

Eine phantastische Reise in eine

vergangene Zeit

„Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden,

geköpft, überlebt.“ – Jedes Schulkind in

England kennt diesen Abzählreim, der das

Schicksal der sechs Ehefrauen des als

‚Blaubart‘ berüchtigten englischen Königs

Heinrich VIII. wiedergibt.

Der Tower of London, das uralte Festungsbauwerk,

könnte viel darüber erzählen.

Geschichte, wohin man schaut, bis zu 1.000

Jahre alt.

Vor einigen Jahren haben mein Mann, meine

Schwester und ich dieser berühmten Burg


Tower of London

wieder einmal einen Besuch abgestattet,

kostspielig, aber immer lohnend.

Nach ein paar Stunden anstrengender

Besichtigungen der vielen Türme, Gänge und

der Kronjuwelen machte sich Müdigkeit bei

mir breit. Meine beiden Begleiter wollten lieber

in die Cafeteria als noch weiter herumzulaufen.

Ich kriegte wie so oft nicht genug und

musste unbedingt noch in das wunderschöne

schwarz-weiße Fachwerkhaus der Königin.

Inzwischen war es dämmerig geworden und

ein schöner Sonnenuntergang über der

Themse beleuchte die Szenerie.

Was bei Tage romantisch aussah, wirkte nun

auf einmal gespenstisch. Meine Phantasie

begann sich zu regen, also wurde mir richtig

unheimlich. Die alten schaurigen Geschichten

kamen mir in den Sinn: Etwa die von den

zwei ermordeten kleinen Prinzen, deren Skelette

im Bloody Tower gefunden worden

waren oder von dem unheimlichen, aus den

Edgar Wallace-Filmen bekannten Verrätertor,

durch das die armen, oft unschuldig zum

Tode Verurteilten mit dem Boot hindurch

mussten.

Wie viele menschliche Tragödien mögen sich

hier noch abgespielt haben?

Im Haus der Königin zog es mich beinahe

magisch in den ersten Stock, in einen großen

Salon mit reicher, mittelalterlicher Ausstattung,

kostbaren Gobelins an den Wänden

und schweren Samtvorhängen vor den Butzenscheiben.

Was wollte ich eigentlich hier? Wo war ich

nur hingeraten? Ich bereute meine Neugierde,

als aus einer Ecke unterdrücktes

Schluchzen zu hören war. Mein Herzklopfen

wurde stärker, in einem schweren Sessel

saß die zusammengesunkene Gestalt einer

Frau. War ich in ein Kostümfest geraten oder

narrte mich ein Spuk?

Moment mal, das gab es doch nicht! War das

nicht Anne Boleyn, die unglückliche zweite

Ehefrau von König Heinrich? Ich erkannte sie

von den Bildern in einem Bildband über die

Tudor-Zeit.

Kein Zweifel, nur

sie trug solche mit

Edelsteinen geschmückte

Hauben

und derart kostbare

Gewänder. Hatte

unbedarft und sich

der Gunst des Königs

sicher den

Reichtum in vollen

Zügen genossen.

Man hatte ihn ihr

sogar in diesem

Gefängnis gelas-

Anne Boleyn

1533 - 1536 Königin von

England

sen.

Als Geschichtsfan

kenne ich das traurige

Schicksal dieser

jungen Frau. Als sie Heinrich keinen

männlichen Thronfolger, sondern nur eine

Tochter geboren hatte, musste sie einer Jüngeren

Platz machen. Sie selbst wurde durch

eine Intrige der Blutschande und des Ehebruchs

mit ihrem eigenen Bruder angeklagt

und zum Tode verurteilt. Ihr Gemahl rechtfertigte

sein Tun mit der Behauptung und verstrickte

sich immer mehr in den Wahn, Gott

habe ihn gestraft für seine vom Papst nicht

genehmigte Ehescheidung von seiner ersten

Frau. Er löste sich deshalb sogar von Rom

und gründete die Church of England.

Direkt neben dem Königinnenhaus befindet

sich das sogenannte Tower Green, eine Hinrichtungsstätte.

Mit Schaudern sah ich durch

das Fenster, dass Richtblock und Richtaxt

schon bereit lagen, vermutlich für Anne.

Wegen der ehemals großen Liebe, um die

der König so lange gebuhlt hatte, gewährte

er ihr die zweifelhafte Gunst, geköpft und

nicht zum Henker geführt zu werden.

Jetzt verstand ich auch die Verzweiflung und

das Weinen der jungen Frau: Sie hatte

Angst. Nicht nur um sich, sondern auch um

ihre kleine Tochter Elizabeth, von deren Verbleib

sie nichts wusste.

Ich muss doch versuchen zu helfen, dachte

ich, bekam aber keinen Ton heraus. War mir

denn auf diese Weise mein großer Wunsch

nach einer Zeitreise erfüllt worden?


Boleyn, gleich rechts neben dem Altar in der

Kapelle St. Peter in Vinculi.

Bei aller Tragik hatte ihr kurzes Leben dem

Königreich Großbritannien viel Glück

beschert: Annes Tochter brachte als Königin

Elizabeth I. dem Land Jahrzehnte des Friedens

und Reichtums. Aber das ist eine andere

Geschichte.

Eines weiß ich aber seitdem: Man sollte sich

vor törichten Wünschen hüten, sie könnten

wahr werden.

(er)

Heinrich VIII.

1509 - 1547 König von England

Die Geschichte würde also gnadenlos weiter

gehen. Entsetzlich! Wie komme ich bloß hier

wieder weg?

Von der Themse her wehte fröhliche Tanzmusik

in das stille Gemach. König Heinrich

feierte mit seiner bereits schwangeren

nächsten Gemahlin, der ehemaligen Hofdame

Jane Seymour, ein großes Fest auf seinem

Prunkboot. Sie hat ihm auch tatsächlich

den ersehnten Thronfolger geboren, einen

kränklichen, schwachen Sohn, der keine

16 Jahre alt wurde.

Jane starb wenige Tage später im Kindbett.

Wahrscheinlich trug Heinrichs Syphilis zu

den vielen Fehlgeburten bei. Sie war höchstwahrscheinlich

auch Schuld an der Wesensveränderung

des eigentlich hoch gebildeten

und feinsinnigen Herrschers.

Heinrich war zu einem Despoten geworden,

den später diese Krankheit elendig zu Grunde

richtete. Doch bis dahin mussten eine

weitere Ehefrau und etliche Prominente,

darunter auch sein Freund und Kanzler

Thomas Morus, das Schafott besteigen.

Ich zitterte inzwischen am ganzen Körper

und hatte Angst, nicht mehr in mein altes

Leben zurück zu finden. Was war das denn?

Irgendjemand rüttelte mich ziemlich unsanft

und meine Schwester sagte: „Wir haben dich

überall gesucht. Bist du nicht ins Haus der

Königin gekommen oder warum bist du hier

auf der Bank eingeschlafen!?“ Ich brauchte

eine Weile, um wieder im Hier und Jetzt

anzukommen. Das Erlebte lag mir noch auf

der Seele. An einem Blumenstand kaufte ich

spontan eine dunkelrote Rose und legte sie

auf das Grab der unglücklichen Anne

Zeit als Gabe und Aufgabe

Gedanken aus einer Predigt

zu Jahreswechsel - Silvester - Neujahr

Es gibt Zeiten in unserem Leben, da spüren

wir mehr als sonst, wie die Zeit vergeht.

Manchmal haben wir regelrecht den Eindruck:

Die Zeit läuft davon. Besonders an

Wendepunkten unseres Lebens erfahren wir

greifbar: Gegenwart wird Vergangenheit.

Der Jahreswechsel ist ein solcher Wendepunkt.

Jeder von uns hat wieder ein Jahr

mehr hinter sich.

Ein Abschnitt unseres Lebens, Wochen,

Tage, Stunden sind unwiederbringlich vorbei.

Es ist wie bei einem Fluss. Niemand kann

zweimal in dasselbe Wasser steigen. So

kehrt auch kein Augenblick, keine Minute,

keine Stunde ein zweites Mal wieder.

Wir können uns an dieses oder jenes Ereignis

im vergangenen Jahr erinnern. Wir können

dieses oder jenes Erlebnis in Erinnerung

rufen, indem wir Fotos anschauen. Wir können

den Geburtstag, das Jubiläum oder

Urlaubstage per Video Revue passieren lassen.

Aber wir können nichts noch einmal

wirklich leben.

Jeder von uns hat nicht nur ein Jahr mehr

hinter sich. Jeder von uns hat auch ein Jahr

weniger vor sich.

Der Jahreswechsel kann uns bewusst

machen, dass unsere Zeit befristet ist.

Verlässlich sind die Uhren, die die Lebenszeit

eines jeden von uns von Tag zu Tag, von

Stunde zu Stunde kürzen. Und nicht nur

unsere persönliche Lebenszeit hat eine

Grenze, die unausweichlich auf uns


zukommt. Die Zeit überhaupt wird ein Ende

haben.

Was sagt uns das? ... Wie gehe ich mit dieser

Erfahrung um?

Noch ist das Neue Jahr wie ein Buch mit vielen

leeren Seiten vor uns. Was wird am Ende

drin stehen? ...

Noch liegt das

neue Jahr wie ein

leerer Krug vor

uns. Womit werden

wir ihn füllen?

Wird dieser

Krug am Jahresende

mit Nichtigkeiten,

mit allerhand

Krust

und Plunder gefüllt sein? Mit Streben nach

Geld, Besitz, Macht, Karriere, Genuss? ...

Eine große Möglichkeit liegt mit diesem neuen

Jahr wieder vor uns: Dass wir nämlich

den Krug unseres Lebens auffüllen mit jenen

Schätzen, die im Angesicht Gottes nicht wie

Stroh verbrennen, sondern Bestand haben.

Lassen Sie mich das an einer Sache verdeutlichen:

Der eine oder andere Termin steht vielleicht

schon in unserem neuen Terminkalender.

Vielleicht rot geschrieben oder dick unterstrichen,

damit wir ihn ja nicht übersehen. Wir

haben uns ja angewöhnt, Termine wahrzunehmen.

Aber es ist schlimm,

wenn wir dann außer den Terminen nichts

mehr wahrnehmen,

wenn wir immer nur auf dem Sprung sind

zum nächsten Termin,

wenn wir die traurigen Augen des Mitarbeiters

nicht mehr wahrnehmen, nicht den alten

Menschen der unsere Hilfe braucht,

wenn wir das Zögern in der Stimme des Ehepartners

nicht mehr wahrnehmen, das uns

verraten könnte, dass da noch etwas ist,

etwas ganz Wichtiges, was noch nicht ausgesprochen

ist. ...

Bei Jörg Zink habe ich folgendes Gebet

gefunden:

„Ich bitte dich um Sorgfalt, Herr, dass ich

meine Zeit nicht töte, nicht vertreibe, nicht

verderbe.

Jeder Tag ist wie ein leerer Krug. Ich möchte

ihn füllen mit den ‚Schätzen’, die nicht vergehen,

Glaube, Hoffnung, Liebe.

Jeder Tag ist ein Streifen Land. Ich möchte

reichlich säen. Ich möchte Gedanken und

Gespräche, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit

hineinwerfen, und vor allem Liebe, damit

Frucht wächst.“

...

Pater Pius Kirchgessner

OFMCap

Quelle: https://www.pius-kirchgessner.de/05_Predigten/

M_Weihnachten/Zeit.htm

Es wurde auch mal Zeit

Meine Marille freut sich über die Klimaveränderung

Etwa 15 Jahre hat es auf meiner Terrasse im

Kübel gelebt, das kleine Marillenbäumchen,

das ich zu Zeiten meiner Berufstätigkeit bei

einem Gartenversandhandel erstanden hatte.

Marille, Aprikose, Albicocca – gleichgültig in

welcher Sprache –, das Steinobst ist samtweich,

zuckersüß, leicht vom Stein zu lösen

und gerade so saftig, dass einem das Wasser

im Mund zusammen-, aber nicht die

Mundwinkel herunterläuft.

Sie werden sich fragen, warum ich mir gerade

eine Marille gekauft habe und keine Aprikose.

Die Antwort ist recht einfach: Die Marille

ist aus meinem Lieblingsurlaubsland

Österreich nicht wegzudenken, und dort

habe ich sie in manchen Urlauben auf vielfache

Weise schätzen bzw. schmecken

gelernt. Und so sollte es auf meiner Terrasse

also keine normale deutsche Aprikose, sondern

eine österreichische Marille sein.

Mein Marillenbäumchen also stand im Winter

in der zum Gartenhaus umfunktionierten

Marillen – zum Anbeißen


Garage hinter dem Haus. Meist pünktlich

Anfang Februar zeigten sich die ersten Blütenknospen,

und die Pflanze, die Dank des

durchsichtigen Daches ständig Licht hatte,

brauchte jetzt Luft und vor allem Bienen, die

ab dem Frühjahr unterwegs sind. Also habe

ich sie aus ihrem Winterquartier in den Garten

an die frische Luft geholt.

Was habe ich nicht alles versucht mit ihr,

aber mehr als Blüten gab sie trotz aller

Voraussagen vom Händler nicht her. Nach

langen Recherchen im Internet habe ich die

Kleine dann in den Erdboden meines Gartens

gepflanzt, und ab sofort fühlte sie sich

sichtlich wohler und wurde im Laufe der Jahre

ein großer Baum.

Durch intensive Pflege und liebevollen

Zuspruch gab es bei jährlichem Schnitt durch

den Landschaftsgärtner Blüten und ab und

zu auch einige Früchte. Aber die richtige

Freude an meiner Marille wollte und konnte

nicht aufkommen.

Warum war sie nur so zurückhaltend?

Nach dem heißen Sommer 2018 gab es im

Herbst des Jahres ein Phänomen, dass mir

allerdings erst 2019 so richtig bewusst

geworden ist. Das Laub der Marille hatte bisher

mal ab und zu einige gelbe Blätter, bevor

es abfiel. Als sich im Spätsommer 2018 die

Bäume langsam herbstlich färbten, hatte

meine Marille wie nie zuvor ein Laubkleid in

toller Apricotfarbe.

Wie sich in der Natur und beim Klima so

langsam vieles änderte, meine Marille machte

scheinbar fleißig mit.

Im Frühjahr zeigten sich die Blütenknospen,

deren erste schon nach dem Winterschnitt

ihre weiße Pracht in der Vase im Haus geöffnet

hatten. Jetzt war der Baum eine einzige

Knospe, ein Blütenmeer

in Weiß und Rosa,

ein großartiges

Frühlingserlebnis! Von

allen Wegen rings um

den Garten war der

„geschmückte“ Baum

jeweils in anderer Perspektive

zu sehen und

bot einen herrlichen

Anblick.

Da im Frühling immer

und überall im Garten

Das verspricht eine gute Ernte

neue kleine Wunder auftauchen, geschah

der Fruchtansatz am Marillenbaum eher unspektakulär

und wurde erst sichtbar, als die

Früchte in den traubenähnlichen Ansammlungen

schon etwas größer waren.

Es kam also einiges auf mich zu. Die Fruchtreife

setzt bei Marillen nicht zu einem

bestimmten Zeitpunkt ein. Die Farbe ist von

Anfang an sehr intensiv, aber erst im

Moment der Vollreife sind sie bereit und fallen

leicht in den Pflückkorb.

Dabei wäre noch zu bemerken, dass der

Baum nicht etwa auf einer Obstwiese steht,

sondern der gesamte Standplatz mit den

unterschiedlichsten Stauden und Pflanzen

besiedelt ist. Also hieß es „aufsammeln“, und

das etliche Male pro Tag, wenn ich nicht in

Fallobst ertrinken wollte.

Ich habe in der ganzen Zeit größtenteils von

Marillen gelebt. Einmal, weil sie wirklich meine

Lieblingsfrüchte sind und ihr Geschmack

wunderbar ist, aber auch, weil ich einfach zu

wenig Zeit hatte, mir etwas zu kochen, denn

das Obst musste ja weiterverarbeitet werden,

weil es sich zum Aufbewahren nicht eignet.

Einige Male habe ich wohl einen Marillenstrudel

gebacken, aber der war dann auch

schnell wieder weg.

Es war also insgesamt kein leichtes Tun,

obwohl ich mich natürlich über den Segen

auch freute. Wenn ich mal zwischendurch

ganz down war, haben mich das gute Wetter,

die eine oder andere neu erblühte Blume

oder auch mal ein Kohlweißling, der auf dem

Gartenweg Rast machte, wieder etwas

erfreut und ich konnte erholt weitermachen.

An einem Nachmittag kamen meine Schwester

und eine Freundin und haben mich unterstützt

beim Einkochen.

Jetzt prangt mein Marmeladenregal im Keller

in leuchtender Aprikotfarbe,

und der nächste

Winter kann – aber

bitte nicht so bald –

getrost kommen.

Überall wird heute

über den Klimawandel

geredet und ich gehöre

auch zu denjenigen,

die sich ernsthafte

Gedanken machen

über seine Auswirkungen.

Wenn es sich


aber um meine Marille handelt, so will ich

gerne den Wandel akzeptieren.

Darf ich Ihnen noch eines meiner Lieblingsrezepte

anbieten?

Da freue ich mich schon drauf!

Marillenkonfitüre

Auf 1 kg entkernte und kleingeschnittene frische

Früchte 500 g Gelierzucker (2 zu 1)

zufügen und ca. 24 Std durchziehen lassen.

Die Masse einmal durchrühren und unter

Rühren zum Kochen bringen

Je nach Angabe auf der Zuckerpackung 3 bis

4 Minuten sprudelnd kochen lassen (evtl.

Spritzschutz auflegen).

Damit nicht so viel Schaum entsteht, gebe

ich vor Beginn der Kochzeit eine Messerspitze

Butter in die Masse. Kurz vor Ende der

Kochzeit füge ich etwa ein halbes Pinnchen

Obstbrand zu und beim Einfüllen in die frisch

gespülten Gläser noch einige Blattmandeln

(diese beiden Zutaten können aber auch

weggelassen werden).

Vor dem Einfüllen in die Gläser sollte eine

Gelierprobe gemacht werden. Dazu tropft

man vom Kochlöffel etwas auf ein kleines

Tellerchen oder auf ein Küchenpapier. Ist die

Masse fest, füllt man die Konfitüre heiß in die

auf einem feuchten Küchentuch abgestellten

Gläser, die man nach kurzer Säuberung des

Randes mit dem Twist-off Deckel verschließt.

ZeitTraumReise

Wer lebte nicht gerne in einem Zeitschloss!?

In meinem Zeitschloss gibt es unzählige Zeit-

Räume, große, kleine, hohe, niedrige. Ich

stelle Ihnen nur einige vor.

Zum Beispiel den ArbeitsZeitRaum. Er ist der

kleinste, unscheinbarste Raum – eine Abstellkammer.

Spartanisch eingerichtet, nur

mit dem Notwendigsten ausgestattet. Eine

StechUhr gibt es nicht! Und trotzdem ist mein

ArbeitsZeitKonto nie überzogen!

Im SprechZeitRaum gibt es unterschiedliche,

aber immer ausreichende Zeit – angepasst

an die Bedürfnisse der Stunde. Hier werden

SprechStunden nicht zu SprechMinuten.

Und: im SprechZeitRaum gibt es wunderbarerweise

keine WarteZeit! Man geht hinein

und kann sofort loslegen – eine optimale

NutzZeitnutzung.

Im KunstZeitRaum finde ich Zeit für Kunst –

für Dichtkunst, für Malkunst, für Tonkunst, für

KunstZeit eben. Das Wundersame an dem

Raum ist: Je öfter ich ihn nutze, umso mehr

Zeit habe ich für andere Dinge – ein ZeitGewinnRaum

sozusagen!

Im MahlZeitRaum ist der Tisch immer reich

gedeckt. Wann immer ich Hunger und Durst

habe, führt mich der Weg in den MahlZeit-

Raum. Kein Fast Food; kein Imbiss auf die

Schnelle, hier ist immer ausreichend Zeit

zum Genießen und Verdauen. Für den Sommer

gibt es eine kleine Nische – den EisZeit-

Raum – zur Erfrischung.

Im TraumZeitRaum gibt es bequeme Sessel,

eine Liege, leise Musik und alles was das

Herz begehrt zum Träumen! TraumZeitliegen

für Tag- und Nachtträume.

Ruht man sich nach der Fertigstellung vielleicht

im Nebenzimmer etwas aus, hört man

am lauten und deutlichen „klick“, dass die

Deckel wirklich fest sind.

Ursula Linneweber

Wer will, kann die Zeit im Griff haben...


Die BeziehungsZeit verteilt sich über mehrere

ZeitRäume – gemeinsame und einsame

Räume gibt es da. Natürlich wird der Mahl-

ZeitRaum gemeinsam genutzt, auch der

KunstZeitRaum. Aber es gibt auch getrennte

BeziehungsArbeitZeitRäume, da ist jeder für

sich und nutzt seine Zeit zum Reflektieren,

Nachdenken, Ausprobieren, Studieren und

AlleinZeitgenießen.

Alle ZeitRäume sind offen, bis auf einen –

den AllZeitBereitRaum. Dieser ist vor Jahren

geschlossen worden und lässt sich auch

nicht mehr öffnen. Ansonsten gibt es keine

Schlüssel im ZeitSchloss.

Im großen LebensZeitRaum, dem größten

Raum im ZeitSchloss, hängt eine ZeitTafel.

Hier kann ich die verschiedenen LebensAbschnittsZeiten

per Video abrufen. Je nach

Stimmung schaue ich auf meine Kindheit, die

Zeit des Verliebtseins, meine ArbeitsZeit.

Hier wird die unendliche ZeitGeschichte aufgezeichnet!

Sekunde für Sekunde, Mi-nuten,

Stunden, Tage,

Wochen,

Monate, Jahre,

Jahrzehnte

– bis jetzt, bis

zu dieser Sekunde.

Wer lebte

nicht gerne in

einem Zeit-

Schloss!

„Die Angst der Seiltänzer“

(hp)

Foto: https://ministeriumfuerglueck.de/glueck-ist-die-zeit-in-der-mansie-vergisst/

Verzweifelt suchte Theo nach Worten. Er

hatte viel gesehen, viel erlebt und erfahren.

Aber er hatte nie gelernt all seine Gedanken,

die aus seinem Wissen entstanden auszusprechen.

Er schaute Marla an, die dicht neben

ihm saß und ihm versichert hatte, dass

er alle Worte hatte, die er brauchte. „Ich habe

Worte? Für alles?“ Zweifel schwangen wieder

in seiner Stimme.

Sie lächelte. „Ja, mein Liebster, hast du.“

Marla legte tröstlich ihre Hand auf seine

Wange. „Tief in dir ruht alles was du

brauchst. Du hast alles gesammelt, gestapelt

aber gut verschlossen. Besinn dich auf alles,

was du je gehört und gesehen hast. Lass die

Worte frei. Du hast mein Ohr – finde du jetzt

die Worte.“

„So viel. So viel Zeit. Zeit kann heilen?“ Sie

wand sich ihm zu und schaute ihm in die

Augen, die er kurz darauf schloss.

„Nein. Zeit heilt keine Wunden, Theo. Zeit

schafft nur eine andere Entfernung, wie ein

Fernglas, durch das du verkehrt herum

schaust. Alles erscheint kleiner, weiter weg.

Du gewinnst Abstand von dem, was hinter dir

liegt. Das was nicht mehr nahe ist, bedroht

dich nicht mehr und du kannst im Nachhinein

erkennen, dass mancher Schmerz notwendig

war, um noch rechtzeitig die Kurve zu kriegen,

kurz vor der Wand, vor die du sonst

gelaufen wärst. Die Chance, aus dir zu

machen, was du sein willst. Just what you

want to be, you’ll be in the end“.

Ulrich Dittmar

Auszug aus dem unveröffentlichten Roman „Die Angst

der Seiltänzer“.

Im Meer der Zeit

Im monotonen Gang der Stunden

Sind wir gefangen in der Zeit.

Wir sind ganz fest an sie gebunden

Im tiefen Meer der Ewigkeit.

Wir wehren uns im Lauf des Lebens

Zwar immer wieder gegen sie.

Doch ist der Kampf für uns vergebens,

Gewinnen können wir ihn nie.

So herrscht sie über uns auf Erden

Und gibt den Takt zum Lebenslauf.

Dann scheint sie uns zu schnell zu werden;

Wir bleiben stehn – und geben auf.

Peter Bertram


Interessantes, nicht nur für Senioren

Gedenktage 2019

(Teil 4)

Die Currywurst wird 70 –

wir gratulieren!

„Gehse inne Stadt,

wat macht dich da satt,

´ne Currywurst…“

sang Herbert Grönemeyer 1982. Für mich als

Bochumer Junge (hp) war damit klar, die

Currywurst ist in Bochum erfunden worden -

zumal nur die Echte von Dönninghaus.

Weit gefehlt!

Mein lieber Redaktionskollege Ha-Frie (hft)

verortet den Ursprung der Currywurst an einer

anderen Stelle – in Berlin. Er erinnert

sich: „Während meiner Studienzeit habe ich

des Öfteren langweilige Seminare ausfallen

lassen und lieber die echte Currywurst von

Herta Heuwer genossen.“

An ihrem Imbissstand hat Herta aus Langeweile

die zur Wurst gehörende legendäre

pikante „Chillup“-Sauce am verregneten

4. September 1949 erfunden. Ihr Imbissstand

Kantstraße 101 / Ecke Kaiser-Friedrich-

Straße war schnell ein beliebter Treffpunkt

für Jung und Alt.

Die Berliner sind mächtig stolz auf ihre Erfindung.

So widmeten sie der Currywurst zum

60. Geburtstag ein eigenes Museum!

Allerdings – vom Gucken wird man bekanntlich

nicht satt – und, obwohl bekanntermaßen

das Auge mitisst, ist der direkte Genuss wohl

mehr wert als der künstlerische – das Museum

ist seit dem 21. Dezember 2018 dauerhaft

geschlossen.

Bei einem Berlinbesuch vor kurzem habe ich

(hp) den Schimanski-Teller (wie der Ruhrpötter

sagen würde) = klein geschnittene, gebratene

Brühwurst in einer mit Pommes,

Ketchup und Mayonnaise sowie anderen

geheimen würzenden Zutaten und serviert in

einer Pappschale, genossen. Dies allerdings

nicht bei Herta, die 1999 im Alter von 86 Jahren

verstarb.

Egal ob Bochum oder Berlin, Currywurst gibt

es mittlerweile in (fast) jeder Stadt. 800 Millionen

davon verdrücken allein die Deutschen

im Jahr – wieviele mögen es wohl weltweit

sein?

Currywurst – ein Stück Kultur- und Gesellschaftsgeschichte

– sowie ein gewaltiger

„Wirtschaftsfaktor“ (lt. Currywurstmuseum).

Und ein Exportgut!

Im „Stern“ war 2013 zu lesen, dass „ein

Deutscher Currywurst in Paris verkauft.“

Über die Verkaufszahlen lagen zum Redaktionsschluss

keine Informationen vor.

Sollten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die

Currywurst außerhalb Deutschlands genossen

haben, schreiben sie uns einen Leserbrief

– gerne mit Bild! Wir werden zum

100sten Jubiläum darauf zurückkommen.

Alles hat ein Ende, so auch diese Jubiläumsgeschichte

– nur es bleibt dabei, die Wurst

hat zwei.

(hft/hp)


In the Mood – Glenn Miller

Am 15. Dezember 2019 jährt sich Glenn Millers

75. Todestag. In den 1930ern und 40ern

eroberte er die amerikanischen Tanzsäle.

Bis heute dürfen nur wenige Orchester die

Original-Arrangements spielen. Das musikalische

Erbe verwaltet die Glenn Miller Productions

Inc., die weltweit nur drei Lizenzen für

„Original Glenn Miller Orchester“ vergibt.

Ich kann mich noch gut an meine Tanzstunden

erinnern: Außer Foxtrott, Walzer etc. war

auch ab und an einmal etwas Swing angesagt

– aber sehr, sehr wenig. In der Freizeit

und bei Partys sah das natürlich ganz anders

aus. Wir hatten viel Spaß und Freude beim

Swingen, besonders die Mädchen mit ihren

weiten Röcken.

(sm)

Glenn Miller

Foto: https://en.wikipedia.org/wiki/Glenn_Miller

Mit dem Eintritt in den 2. Weltkrieg durfte niemand

in Deutschland einen ausländischen,

geschweige amerikanischen Sender hören,

dessen Musik wurde verboten. Wehe dem,

der erwischt wurde! Der böse Nachbar von

nebenan hatte immer sein Ohr an der Wand.

Glenn Miller wurde am 1. März 1904 in

Iowa/USA geboren. Bereits mit 13 Jahren

kaufte er sich vom selbstverdienten Geld

eine Posaune. Das erste feste Engagement

hatte er allerdings erst 1926 mit einer Band.

Erst Ende der 30er Jahre gelangen ihm und

seinem Orchester der Durchbruch in New

York: Der „Swing“ war geboren!

Anfang der 40er war er in aller „Ohren“. Sie

alle kennen sicher die weltberühmten Titel

wie „Chattanooga Choo Choo“, „In the Mood“

oder die „Moonlight Serenade“.

Als Amerika den Deutschen den Krieg erklärte,

meldete sich Glenn Miller freiwillig zum

Militär. Er und ausgesuchte Musiker seiner

Band gingen an die Front, um die dort stationierten

Truppen musikalisch zu unterhalten.

Sie spielten in Frankreich (Normandie),

Schottland und England.

Am 15. Dezember 1944 wollte er nach Paris

fliegen. Er stieg ins Flugzeug und kam nie

an. Die Flugzeugsuche blieb ohne Erfolg.

Nach seinem Tod führten seine Orchestermitglieder

(alle waren mit einer anderen

Maschine geflogen) die Auftritte zunächst

weiter.

Siebzig Jahre DGB

Schon kurze Zeit nach dem Krieg gründet

sich in der sowjetischen Besatzungszone der

FDGB. In den Westzonen entstehen erste

Arbeitnehmervertretungen. Am 13. Oktober

1949 wird im Westen

der demokratische

neue Dachverband

gegründet

– der Deutsche

Gewerkschaftsbund

DGB.

Bis heute streiten

der DGB und seine

Mitgliedsgewerkschaften selbstbewusst für

sozialen Fortschritt, dass menschliche Arbeit

fair bezahlt und jedem Arbeitnehmer ein

Leben in Würde ermöglicht wird.

Die Anfänge der Gewerkschaftsbewegung in

Deutschland

Nach einem Streik der Drucker 1873 regelt

der erste Flächentarifvertrag in der deutschen

Geschichte den Preis der Arbeit, das

Recht auf einen Mindestlohn, eine zehnstündige

Arbeitszeit, Überstundenzuschläge und

eine 14-tägige Kündigungsfrist.

Der große Bergarbeiterstreik von 1889 führte

zu ersten Gewerkschaftsgründungen im

Ruhrgebiet. Nach dem Hamburger Hafenarbeiterstreik

1896/1897 traten Hafenarbeiter in

großer Zahl in die Gewerkschaft ein. Beim

Kapp-Putsch 1920, als die rechtmäßig gewählte

Regierung aus Berlin floh, bewiesen

große Teile der Arbeiter- und Beamtenschaft

ihre Loyalität zur gefährdeten Regierung, sie


riefen erfolgreich zum Generalstreik auf. In

der Hochinflation 1923 machte sich Resignation

breit, die Streikaktivitäten gingen zurück.

1933 wurden die Gewerkschaften zwangsweise

in die neu gegründete Deutsche

Arbeitsfront (DAF) eingegliedert.

Zusammenschluss der Gewerkschaften in

der Bundesrepublik zum DGB

Die Hungerproteste in der Britischen Zone

1947/48 konnten nur schwer gewerkschaftlich

eingebunden werden. Gewerkschaftliches

Handeln zielte in erster Linie darauf,

radikalen Forderungen die Spitze zu nehmen

und Arbeitsniederlegungen zu verhindern.

Nachdem sich die Westzonen im April 1949

zur sogenannten „Trizone“ zusammengeschlossen

hatten, gründeten am 13. Oktober

1949 in München 16 Branchengewerkschaften

den Dachverband der deutschen

Gewerkschaften.

Der Gründungskongress, auch Parlament

der Arbeit genannt, wählte den 74-jährigen

Hans Böckler zum

ersten Vorsitzenden

des DGB.

Programmatischer

Grundsatz war die

Einheitsgewerkschaft,

politische Richtungsgewerkschaften

wie in

der Weimarer Republik

sollten so ausgeklammert

werden. Die

Aufgabenteilung zwischen

DGB und Einzelgewerkschaften

Hans Böckler

1875 - 1951

sah die völlige Wahrung der Autonomie der

Einzelgewerkschaften vor. Sie sollten parteipolitisch

unabhängig, aber nicht neutral sein.

Mit der Wiedervereinigung und der Aufnahme

der ehemaligen FDGB–Gewerkschaften

in die DGB–Gewerkschaften stiegen die Mitgliederzahlen.

Die Wiedervereinigung brachte

dem Osten zunächst Firmenschließungen

und Arbeitsplatzabbau. Als viele ihre Arbeit

verloren, kam es zu immer mehr Austritten.

Der Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft

machte aus der Massenarbeitslosigkeit

auf einen Schlag eine gesamtdeutsche

Realität. Die Arbeitslosenquote lag in den

alten Bundesländern 1991 noch bei 6,3,

in den neuen Bundesländern bei 10,3 Prozent.

Bis 1993 stieg die Quote im Westen auf

8,2, in Ostdeutschland auf 15,8 Prozent.

Von 1996 bis 2001 schlossen sich immer

mehr Einzelgewerkschaften zusammen.

Heute vereint der DGB acht Mitgliedsgewerkschaften

unter seinem Dach: IG Metall,

ver.di, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-

Gaststätten (NGG), Gewerkschaft Erziehung

und Wissenschaft (GEW), Eisenbahn- und

Verkehrsgewerkschaft (EVG), IG BAU, IG

Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und die

schon 1978 dem DGB beigetretene Gewerkschaft

der Polizei (GdP).

Richtungsweisende Streiks

1952 wollten die Gewerkschaften das

Betriebsverfassungsgesetz ändern und so

die Regeln des Montan-Mitbestimmungsgesetzes

(Mitbestimmung der Arbeitnehmer

in den Aufsichtsräten und Vorständen) auf

die gesamte Wirtschaft ausweiten. Die Bundesregierung

war dazu nicht bereit.

Der DGB rief deshalb im Mai 1952 zu

Demonstrationen und Proteststreiks auf.

Ihren Höhepunkt fanden sie in einem zweitägigen

Zeitungsstreik der Industriegewerkschaft

Druck und Papier am 28. und

29.05.1952, an beiden Tagen erschienen keine

Tageszeitungen. Als angeblicher Angriff

auf die Pressefreiheit hatte er einen deutlichen

Sympathieverlust der Gewerkschaft zur

Folge.

Im Februar 1974 streikte in Westdeutschland

der Öffentliche Dienst und erreichte damit

eine Lohnerhöhung von 11 % (!). Ein weiterer

großer Streik im öffentlichen Dienst folgte

1992, aus einer Forderung von 9,5 % mehr

Einkommen plus mehr Urlaubsgeld wurden

am Ende 5,45 % plus Sonderzahlung. Erst

nach 14 Jahren (im Frühjahr 2006) sahen

sich die Gewerkschaften im öffentlichen

Dienst zu einem neuen Streik gezwungen. In

den Kommunen ging es u.a. um die Abwehr

einer Verlängerung der gerade erst tariflich

festgeschriebenen Wochenarbeitszeit von

38,5 auf 40 Stunden und mehr.

Neue Ziele

Während das deutsche Volkseinkommen

zwischen 1980 und 1995 real um ein Drittel

anstieg, wuchsen die Nettoreallöhne in Westdeutschland

im gleichen Zeitraum um weniger

als ein Prozent. Dagegen stiegen die

Vermögenseinkommen (Einkünfte aus Mieten

und Pachten, Zinsen, Dividenden und


Unternehmensgewinnen) um

95 %. Immer mehr Menschen

spürten eine wachsende

„Gerechtigkeitslücke“, wie es

die Demoskopin Elisabeth

Noelle-Neumann ausdrückte.

Diese Gerechtigkeitslücke zu

schließen, sahen die Gewerkschaften

nun als ihre wichtigste

Aufgabe an.

Im Winter 1993/94 überschritt

die Zahl der Arbeitslosen in

der Bundesrepublik erstmals

die vier-Millionen-Grenze. Besondere

Sorge machte der

steigende Anteil der Langzeitarbeitslosigkeit.

Zugleich verschärften

sich die Ausbildungsprobleme:

Wirtschaft und Staat meldeten 1994 allein in

den alten Bundesländern 106.000 Ausbildungsplätze

weniger als im Jahr zuvor. Auf

einem Beschäftigungsgipfel mit Bundesregierung

und Arbeitgebern forderte der DGB, die

Beschäftigungslosigkeit zu senken, die Wirtschaft

wollte niedrigere Kosten. Ein Sonderprogramm

zur Integration Langzeitarbeitsloser

in Höhe von drei Milliarden Mark wurde

aufgelegt. Über die Arbeitgeber-Themen

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsschutz,

Lohnnebenkosten und Niedriglöhne

gab es keine Einigung.

1995 vereinbarte der DGB mit Arbeitgebern

und der Bundesregierung ein „Bündnis für

Arbeit und Standortsicherung“: Lohnforderungen

sollten sich nur an der Preissteigerung

und nicht mehr an der Produktivitätsentwicklung

orientieren. Im Gegenzug sollten Arbeitgeber

und Regierung über einen Zeitraum

von drei Jahren jährlich 100.000

neue Arbeitsplätze schaffen,

10.000 Langzeitarbeitslose einstellen

und den Sozialabbau beenden.

Im Frühjahr 1996 wollte

die Bundesregierung entgegen

der Vereinbarung in einem

Sparpaket das Renteneintrittsalter

ab 2001 auf 65 anheben, die

Lohnfortzahlung bei Krankheit

auf 80 % senken, den Kündigungsschutz

in Betrieben mit

bis zu zehn Beschäftigten ganz

aufheben und soziale Leistungen

für Arbeitslose und Familien

mit Kindern einschränken. Der

DGB reagierte mit einer Welle

des Protestes. Im Mai 1996

wurde zusammen mit Wohlfahrtsverbänden

und Kirchen

ein Sozialgipfel in Köln veranstaltet.

Der „heiße Sommer“ erreichte

seinen Höhepunkt im

Juni, als es den Gewerkschaften

gelang, gemeinsam mit anderen

Verbänden, der SPD und

den Grünen über 350.000 Menschen

zu einer Großdemonstration

in Bonn zu mobilisieren.

Nach weiteren Demonstrationen

in Berlin, Hamburg, Leipzig,

Ludwigshafen und Stuttgart

konnte sich die Bundesregierung

nur in Teilen durchsetzen, u.a. war die

Einschränkung des Kündigungsschutzes

vom Tisch.

DGB und Recklinghausen

Als Referendar habe ich 1971 meine Wahlstation

zum Arbeitsrecht beim DGB an der

Dorstener Straße absolviert. Ich wurde gleich

ins kalte Wasser geworfen: Statt des erfahrenen,

aber erkrankten Gewerkschaftssekretärs

musste ich einen Arbeitnehmer bei seiner

Klage am Arbeitsgericht Herne unterstützen.

Gott sei Dank war der Richter sehr

nachsichtig mit Kläger und „grünem“ Rechtsbeistand!

Eine Straße in Recklinghausen erinnert an

den ersten DGB-Vorsitzenden Hans Böckler.

Und ganz wichtig: Das solidarische Zusammenwirken

zwischen Bergleuten und Künstlern

in der unmittelbaren Nachkriegszeit gibt

1947 den Anstoß für die jährlich durchgeführten

Ruhrfestspiele. Zunächst tragen die Stadt

Recklinghausen und der Deutsche

Gewerkschaftsbund als

Gesellschafter die Ruhrfestspiele,

seit 1949 beteiligt sich das

Land Nordrhein-Westfalen,

dann auch die Bundesrepublik.

Was bleibt in Erinnerung?

70 Jahre nach Gründung des

DGB – gelten die Worte des

ersten DGB-Vorsitzenden Hans

Böckler: „Es ist immer und einzig

die menschliche Arbeit,

durch welche die Gemeinschaft

lebt.“ Vieles, was heute selbstverständlich

erscheint, haben


DGB und Gewerkschaften durchgesetzt. Das

1.-Mai-Plakat des Jahres 1956, auf dem ein

Junge nachdrücklich fordert „Samstags gehört

Vati mir“, ist bis heute ein Klassiker der

gewerkschaftspolitischen Werbung. Unvergessen

auch die DGB–Kampagne zu Beginn

der 60er Jahre mit der Forderung nach kürzeren

Arbeitszeiten, einem 13. Monatsgehalt

und vier Wochen Urlaub. Ob mit innovativer

Tarifpolitik oder auf politischer Ebene

(Einführung des gesetzlichen Mindestlohns

zum 01.01.2015, Rückkehr zur paritätischen

Finanzierung in der Gesetzlichen Krankenversicherung):

Der DGB und seine Gewerkschaften

prägen Gesellschaft und Wirtschaft.

(jh)

Foto: https://

www.preussundpreuss.com/2017/04/06/die-

Ein Ehrentag für Oma und Opa

Der 12. November ist Ehrentag für Oma und

Opa in aller Welt. Wem er zu verdanken ist,

ist leider unklar.

Enkelkinder, die Großeltern haben, können

sich glücklich schätzen. Natürlich auch die

Eltern. Wie oft springen sie ein, um in vielen

Situationen „die Kleinen“ zu betreuen. Meistens

haben die Enkel viel Spaß. Die Großeltern

sind etwas großzügiger als die Eltern,

und Oma und Opa lassen sich zur Unterhaltung

viele schöne Dinge einfallen.

Ich kann mich noch erinnern, dass wir oft

Spaziergänge gemacht haben (auch bei

Regen! Ich konnte dann in Opa-Nähe immer

in die Pfützen springen!!): Das Korn war reif

und ich habe gelernt, den Weizen von Roggen

oder Hafer zu unterscheiden.

Wenn der Mais richtig schön gelb war, durfte

ich immer selbst mit Opas Taschenmesser

drei Stängel abschneiden, die anschließend

in eine Vase gestellt wurden.

Die zahlreichen Baumarten waren bald ein

Kinderspiel für mich – Bucheckern und Kastanien

sammeln gehörte immer dazu.

Schwierig war es mit den Pilzen: Wer ist giftig,

wer konnte in den Kochtopf? Fasziniert

haben mich immer Fliegenpilze, das lag

natürlich an der herrlichen roten Farbe.

Gut fand ich auch immer die Gartensaison:

Besonders die Erdbeeren und Kirschen hatten

es mir angetan. So habe ich bereits sehr

früh „Ohrringe“ getragen: Ein Paar Kirschen

wurden über die Ohren gehängt – schick!

In dieser Erntezeit war mein Motto: die guten

ins Kröpfchen, die anderen ins Töpfchen.

Es wurde Marmelade gekocht, dann in die

vorgesehenen Gläser gezirkelt. Das Schreiben

der Etiketten (ich hatte sie vorher

bemalt) und Aufkleben hat immer Opa übernommen.

Vor dem Einschlafen hat mir jeden Tag einer

Geschichten vorgelesen. War das schön!

Von der Omi habe ich häkeln, stricken und

nähen gelernt. Hui, da war Fingerfertigkeit

angesagt. Meine ersten Topflappen waren

„echt schräg“, im wahrsten Sinne des Wortes.

Strickmuster sahen bald recht gleichmäßig

aus, nur mit den Rändern hat es gehapert:

stets zu fest angezogen. Die Teilchen

waren immer leicht gebogen.

Bei schlechtem Wetter wurde „Spitz pass

auf“ oder „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt.

Mehr Spiele hatten sie nicht, aber immer war

es ein großes Vergnügen.

Ich habe von den Großeltern viel gelernt. Oft

spielerisch, oft mit sehr viel Ernst, was ich in

späteren Jahren gut nutzen konnte.

Vielen Dank für alles – Omi und Opa, ich

werde am 12.11. an Euch denken.

(sm)

- - - - -

Auch diese Ehrentage sollen nicht vergessen

werden (kleine Auswahl):

10. 12. – 90. Jahrestag: Thomas Mann

erhält Literaturnobelpreis

21.12. – 30. Jahrestag: Offizielle Aufhebung

des Schießbefehls an der deutschdeutschen

Grenze

30.12. – 200. Geburtstag Theodor Fontane

(Dichter)

31.12. – 150. Geburtstag Henri Matisse

(Maler)


Der Binnenhafen Duisburg

Drehscheibe für Europa

Dort, wo die Ruhr in den Rhein mündet, ist

innerhalb von 250 Jahren ein gigantischer

Umschlagplatz entstanden, der Binnenhafen

Duisburg, auch „duisport“ genannt.

21 öffentliche Hafenbecken mit einer Uferlänge

von 40 km, davon 15 km mit Gleisanschluss,

machen den Duisburger Hafen zum

größten Binnenhafen der Welt. Mitten im

Ruhrgebiet gelegen und direkt am Rhein,

nahe zu diversen Binnenwasserstraßen und

dem gut ausgebauten Autobahn- und

Schienennetz bieten sich ideale Transportmöglichkeiten

innerhalb Europas und zur

weiten Welt. In

einem Radius von

gerade einmal 150

Kilometern leben

30 Millionen Verbraucher.

Rund

300 Firmen haben

hier im „duisport“

ihren Sitz, ihre

rund 36.000 Mitarbeiter

(das sind

übrigens etwa 11 %

aller Arbeitsplätze in

Duisburg) sorgen

für das Funktionieren

der Drehscheibe

„duisport“.

Skizze der Häfen Duisburg

Natürlich hat der Hafen den Strukturwandel

des Ruhrgebietes zu spüren bekommen.

Waren es früher vor allem Kohle und Erze,

so werden heute vorrangig Schrott,

Stahlwaren, Flüssiggüter wie Gas, Öl oder

Benzin und Container mit Gütern aus aller

Welt umgeschlagen. Die Bereiche Logistik

und Transport sind heute von zentraler

Bedeutung für das regionale und überregionale

Wirtschaftsleben.

Vor allem das wachsende Containergeschäft

hat den Wandel begünstigt. So werden hier

in den acht Containerterminals mit 21 Containerbrücken

die „Blechkisten“ umgeladen –

das erinnert stark an ähnliche Bilder aus

Hamburg und Rotterdam. 4,1 Millionen Standardcontainer

(20 Fuß) im letzten Jahr machen

„duisport“ zum weltgrößten Container-

Umschlagplatz im Binnenland. Auf drei

Wegen kommen und gehen die Container:

per Schiff, Zug und LKW. Aufs Jahr gesehen

kommen im gesamten Hafen mehr als

20.000 Schiffe und 25.000 Züge an.

China lässt grüßen

Eine Zugverbindung hat in den letzten Jahren

besonders viel Aufmerksamkeit erregt:

die aus China mit Endpunkt „duisport“. Zwischen

der chinesischen Millionenmetropole

Chongqing und Duisburg verkehren mittlerweile

35 Züge pro Woche. Für die 12.000 km

lange Strecke, die durch Polen, Weißrussland,

Russland, Kasachstan und fast ganz

China geht, benötigen die Züge 13 Tage.

Mit dieser Zugverbindung lassen sich Waren

umweltfreundlich, schneller als mit Containerschiffen

(die benötigen etwa 40 Tage) und

kostengünstiger als per Luftfracht transportieren.

Seit dem ersten Zug im Jahr 2011 hat nicht

nur der Bahnverkehr mit China zugenommen,

mittlerweile gibt es in der Stadt Duisburg

auch etwa 100 chinesische Unternehmen.

Die neue Seidenstraße

Die Bahnstrecke Duisburg – China ist Teil

eines großangelegten Entwicklungsprojektes

der Handelsmacht China. Die legendäre

„Seidenstraße“, bis zum 13. Jahrhundert die

wichtigste Handelsroute zwischen Europa

und Asien, soll nach dem Willen der

Chinesen in neuer Form wieder entstehen.

Über mehrere Routen baut China ein globales

Netz aus Häfen, Eisenbahn- und

Straßenverbindungen auf. Ziel ist es, vorrangig

die eigenen Absatzmärkte zu sichern.

Kritiker befürchten allerdings eine zunehmende

wirtschaftliche und politische Einflussnahme

Chinas auf die Länder, durch welche

die Seidenstraße führt.

Die Seidenstraße wird nach Ansicht des

Vorstandsvorsitzenden der Duisburg Hafen

AG Erich Staake in den kommenden Jahren

immer wichtiger werden. „Heute ist der Anteil

bezogen auf den Gesamtumschlag noch

überschaubar, drei, vier Prozent. Aber er

stellt das wichtigste Wachstumssegment in

diesem Geschäftsfeld dar…“

Verständlich, dass die „Duisburger Hafen

AG“ sich besonders bemüht, die Bahnverbindung

Duisburg – China noch attraktiver,

nämlich schneller werden zu lassen. Als

Fernziel werden nur noch zehn Tage Reisedauer

gesehen. So kann man davon aus-


Chongqing

Die Bahnstrecke auf der neuen Seidenstraße

gehen, dass in den kommenden Jahren noch

mehr als die bislang 6.000 Container Textilien,

Elektrogeräte, Industriebedarf und Spielzeug

von China nach Deutschland bringen.

Licht und Schatten

An diesem für Duisburg so wichtigen, da

zukunftsträchtigen Handel gibt es allerdings

nicht nur positive Seiten. Zum einen sind es

die immer noch meist fast leer zurückfahrenden

Züge. Da wird auch von politischer Seite

viel zu tun sein, dass die Handelsbilanz zwischen

Europa und China verbessert wird, in

zunehmendem Maße also auch europäische

Waren von China importiert werden und nicht

nur z.B. ein Container mit deutschem Bier

die Zugreise nach Fernost antritt.

Ein zweiter, nicht zu unterschätzender Kritikpunkt

an der neuen Seidenstraße ist der

wachsende Einfluss Chinas, nicht nur im

Handel. Auf weiten Strecken der neuen Handelswege

liegen finanzklamme Staaten,

denen mit großzügigen Mitteln bei der

Instandsetzung und Instandhaltung z.B. der

Schienenwege geholfen wird: 90 Milliarden

Euro sollen bislang als Kredite geflossen

sein! Und wer Kredite nimmt, der …

China baut so seinen politischen Einfluss

unaufhaltsam aus. Es investiert in großem

Maße in Europa, Firmen werden aufgekauft

oder es gibt Mehrheitsbeteiligungen an

Firmen.

„Licht und Schatten liegen eng beieinander

an dieser neuen Seidenstraße. Doch eines

hat die Stadt Duisburg mit dem Projekt

erreicht: Im Terminal des Shanghaier Flughafens

hängt eine Europakarte. Deutschland

hat zwei Punkte darauf: ein kleiner roter

Punkt für Berlin, ein großer für Duisburg.“

(Th. Münten, ZDF, 26.04.2019)

Wer das besondere Flair des Duisburger

Hafens erleben möchte, dem sei eine der

beliebten Hafenrundfahrten empfohlen.

Lesen Sie im folgenden Bericht von einer solchen

Fahrt, die der Seniorenbeirat Recklinghausen

im August organisiert hat.

(mm)

Fotos:

1. Foto: https://de.wikivoyage.org/wiki/Route_der_Industriekultur_%

E2%80%93_Duisburg:_Stadt_und_Hafen

2. http://www.cbnd.de/

Hafenrundfahrt Duisburg

Wir schifften uns am Innenhafen Duisburg

auf das Ausflugsschiff „Stadt Duisburg“ ein.

Als Laufplanke nutzten wir ein stillgelegtes

Schiff, an dessen Rumpf Rost und Pflanzen

blühten. Durch die Marientorbrücke (bei

Hochwasser auch ein Sperrtor) verließen wir

den Innenhafen und erreichten den Außenhafen.

Wir kamen an zwei Schwimmdocks

vorbei, in denen Schiffe repariert werden

können, an dem hydraulischen Schwerlastkran

Leo (Tragkraft 300 t) sowie verschiedenen

Industrie-Anlagen und -Ruinen sowie

abgewrackten Schiffen (deren Schiffswände


heutigen Vorschriften nicht mehr entsprechen)

– wahrlich kein schöner Anblick.

Das änderte sich, als wir den Rhein erreichten

und die Einfahrt zum Parallelhafen passiert

hatten. Linksrheinisch erstreckten sich

Rheinwiesen und fast unberührte Landschaft.

Rechtsrheinisch, vor der Einmündung der

Ruhr, erinnert ein Kunstwerk „Rheinorange“

(eine 25 m hohe Stahlskulptur)

daran, dass Duisburg ein wichtiger Standort

für die Stahlindustrie war.

Nördlich der Ruhrmündung bogen wir in den

Hafenkanal ein, der sich hinter der Schleuse

Meiderich als Rhein-Herne-Kanal fortsetzt.

In der Ruhrorter Schiffswerft (Becken B)

kamen wir an der Kohleinsel vorbei, auf der

verschiedene Sorten Kohle vermischt und an

Kraftwerke geliefert werden.

Zurück zum

Rhein und

beim Einbiegen

in

den Hafenmund

passierten

wir

das Kunstwerk

Poseidon“

(siehe

Foto) auf der Mercatorinsel, auf der früher

Eisenerz umgeschlagen wurde.

Im Hafenmund kommen wir am Ruhrorter

Pegel (zwischen 3,50 und 4,00 m) und Büro

des Hafenmeisters vorbei; damit erklärt sich

auch die Angabe „UK + 17,74 RP“ an Kanalüberdachungen

oder Brücken: Unterkante

+ 17,74 m Ruhrorter Pegel.

Wir haben gesehen, dass der Duisburger

Hafen sehr gesplittet ist in viele Hafenbecken.

Dass sich mit der Jahrtausendwende

die Struktur der Umschlagwaren verlagerte,

weg von Massengütern wie Stahl und Kohle

hin zu höherwertigem Stückgut und dem

damit verbundenen Containerverkehr, konnten

wir aus den Beschreibungen der alten

und neuen Firmen und deren Betätigungsfeldern

durch die Schiffsführung

entnehmen.

Wir wünschen dem Duisburger Hafen bei der

Weiterentwicklung zu einer überregionalen

Logistikdrehscheibe viel Erfolg.

(jh)

Urlaub im Kloster?

Es muss 2012 gewesen sein, als meine Frau

das erste Mal vorschlug, Urlaub im Kloster zu

machen. Obwohl ich immer offen und dankbar

für ihre Vorschläge bin, lehnte ich diesen

kategorisch ab.

Mein Verhältnis zu Religionen ist äußerst reserviert,

was nicht nur meiner diesbezüglich

sehr zurückhaltenden Erziehung zu verdanken

ist, sondern auch der Tatsache, dass ich

in meiner Schulzeit gleich mehrere Religionslehrer

als im wahrsten Sinne des Wortes

schlagkräftige Gesellen erlebt habe. Bereits

deshalb kam Klosterurlaub für mich nicht in

Frage.

Meine Frau blieb hartnäckig bei ihrem Vorschlag.

Ich ebenfalls bei meiner Ablehnung.

Bis 2014.

In dem Jahr erlahmte mein Widerstand, was

wohl hauptsächlich der Standhaftigkeit meiner

Frau geschuldet war und ihrem Versprechen,

sofort wieder abzureisen, wenn es gar

zu schrecklich für mich sei. Ich buchte also

eine Woche Urlaub im Kloster Arenberg in

Koblenz, dem Mutterhaus der Arenberger

Dominikanerinnen.

Und was soll ich Ihnen sagen? Seitdem fahren

wir jedes Jahr dorthin, in manchen Jahren

sogar mehrmals. Warum? Das hat mehrere

Gründe, die ich Ihnen gerne darlege:

Das Kloster ist wundervoll gelegen: am Rand

von Koblenz, abseits von Trubel und Lärm.

Innerhalb der Klostermauern befindet sich

ein großer Park mit Obstwiesen, Schafen,

Bienenstöcken, einem Teich und einem

Kräutergarten. Man kann dort spazieren

gehen oder es sich auf einem der Liegestühle

bequem machen, um endlich einmal

genau das Buch zu lesen, was schon seit

Monaten ungelesen zu Hause herumliegt.


Die Zimmer sind mit dem Notwendigsten

ausgestattet; nicht luxuriös, aber zweckmäßig.

Und das Wichtigste für mich: Sie sind

ohne Fernsehgerät. Nicht einmal ein Radio

ist vorhanden, sieht man einmal davon ab,

dass am Wochenende Kirchenmusik aus

dem Zimmerlautsprecher ertönt, wenn man

aus Versehen oder nur aus bloßer Neugier

auf den Knopf neben der Nachttischlampe

drückt.

Sie sehen, alles, aber auch alles dient der

äußeren Ruhe, wahrscheinlich, um darüber

zur inneren Ruhe zu gelangen.

Buchungen sind nur mit Vollpension möglich.

Schwatzbeutel wie ich nehmen das Essen in

der Regel im großen Speisesaal ein. Wortkarge

Gesellinnen und Gesellen ziehen den

Schweigesaal vor, in dem man außer Klappern

von Geschirr, Besteck und locker sitzenden

Gebissen nur das Atmen der Speisenden

vernimmt.

Die Qualität der Speisen ist mehr als

ordentlich. Ausgeschenkt wird Apfelsaft aus

der klostereigenen Obstplantage und Tee

aus dem klostereigenen Kräutergarten.

Zum Leidwesen einiger Gäste darf man so

viel essen, wie man mag, was der Figur nicht

unbedingt zuträglich ist. So fährt denn selbst

der anscheinend immer seltener werdende

Gast, der ohne Übergewicht angereist ist, mit

demselben wieder fort. Meine Favoriten am

Buffet sind der Körnerbrei mit Obst zum

Frühstück und die unzähligen, in der Rezeptur

ungewöhnlich anmutenden, aber extrem

leckeren Salate zum Abendessen.

Die Schwestern, meist betagter als ich, sind

in einer nahezu beängstigenden Weise unaufdringlich,

gleichwohl stets gesprächsbereit

und freundlich. Schwester Annunziata

begrüßt jeden Gast persönlich, setzt sich zu

ihm an den Tisch und plaudert über dies und

das, wobei Gott zum Thema gemacht werden

kann, aber nicht muss. Sollte sie überhaupt

in den Jahren, in denen wir dort im

Kloster zu Gast waren, versucht haben, mich

zu bekehren, dürfte sie es mittlerweile aufgegeben

haben. Trotzdem unterhält sie sich, so

glaube ich, gerne mit mir. Sie kann sogar

Witze erzählen und herzhaft lachen.

Auch für den Fußballfreund haben die

Schwestern ein Herz. Bei Welt- oder Europameisterschaften

wird das eine oder andere

Spiel der deutschen Mannschaft im großen

Vortragssaal übertragen. Jeder Gast ist auch

dort willkommen und kann aus nächster

Nähe erleben, wie die Schwestern mit Fähnchen

und Sachverstand die Spielzüge der

Mannschaften kommentieren.

Für mich gilt nach wie vor: Religion? Nein,

danke. Aber Urlaub im Kloster? In Koblenz

jederzeit, denn: Sollte es den Herrgott geben,

hier im Kloster wollt‘ er leben.

(dw)

Blog statt Zeitung

Die vielen Gesichter des Alters

Die Berliner Initiative http://blog.passagenberlin.de

wird von ehrenamtlich arbeitenden

alten Menschen gemanagt, die zum Teil professionelle

Medienerfahrung mitbringen. Die

Macher verbindet das Interesse, die vielfältigen

Gesichter des Alters zu zeigen, um so

den Klischees in den Medien entgegen zu

wirken.

Mitglieder der RE-SOLUT haben mit der Initiative

in Berlin Kontakt aufgenommen, um zu

erfahren, wie es in einer Großstadt wie Berlin

für Senioren möglich ist, medial Präsenz zu

zeigen. Die Berliner „Passagiere“ geben keine

Zeitschrift mehr heraus, sondern betreiben

inzwischen einen Internetblog, in dem

sie dreimal jährlich neue Beiträge veröffentlichen.

Sie setzen sich mit Themen rund ums Alter

auseinander und informieren darüber. Wie

bei der RE-SOLUT geht es um Lebensfragen,

Gesundheit, aber auch brisante politische

Themen. Reisen und Literatur gehören

auch zum Themenspektrum ihres Blogs.

Durch die unterschiedlichen Formen von

Recherchen sind ihre Porträts, Geschichten

und Berichte von großer Lebendigkeit.


Ursprünglich startete das engagierte Projekt

mit einer Zeitschrift, die aber aufgrund mangelnder

finanzieller Unterstützung seitens

von Sponsoren oder des Berliner Senats leider

keinen dauerhaften Bestand hatte.

Derzeit besteht das Kernteam aus vier Mitgliedern,

die Artikel für den Blog erstellen. Es

gibt aber auch externe Autoren, die konstant

mitarbeiten oder Experten für bestimmte

Probleme sind. Wichtig ist die Kommunikation

untereinander. Auch inhaltlich werden die

Artikel vor dem Erscheinen besprochen und

darüber entschieden, ob und was veröffentlicht

wird.

Bei einem Blog ist der technische Aspekt

natürlich wichtig. Ein professioneller Grafiker

hat die Gruppe bei der Entwicklung einer

Software unterstützt und sorgt für die Gestaltung.

Zur Verbreitung des Blogs wird ein Newsletter

an ca. 400 Adressen, die auch Multiplikatoren

sind, verschickt. Dieser weist auf die

neuen Beiträge hin. Die Redaktionsmitglieder

verteilen aber auch ihren Flyer und Visitenkarten

an Privatleute, in entsprechenden

Institutionen und auf Tagungen.

Großes Interesse der „Passagiere“ besteht

auch an der Mitarbeit von jüngeren Menschen,

ihren besonderen Blick aufs Alter, den

Status Quo und ihre Präferenzen für die

Zukunft.

Für uns RE-SOLUTe ist es sicher erst einmal

gewöhnungsbedürftig, eine Seniorenzeitung

in einem Blog zu lesen. Aber auch in unserer

Generation wird der PC immer mehr zum

Alltagsgegenstand. In der Medienlandschaft

liegt hier sicherlich zukünftig erhebliches

Potential, auch im Hinblick auf den direkten

Austausch mit Leserinnen und Lesern – sie

können nämlich mittels einer Kommentarfunktion

direkt zu einem Artikel Stellung

beziehen.

Da es im klassischen Sinn keine „Auflage“

gibt, ist die exakte Anzahl der Leser nicht

ermittelbar. Dies gilt aber auch für Printmedien.

Beeindruckend fanden wir insbesondere die

professionelle Art der Artikel und deren

Gestaltung. Das Redaktionsteam der

RE-SOLUT wünscht den „Passagieren“ auf

jeden Fall weiterhin viel Erfolg bei ihrem

Projekt.

(ag/hp)

Auf dem Weg

zur blauen Emscher

Ein Besuch des Klärwerkes

Emschermündung

Anfang der neunziger Jahre im letzten Jahrhundert

begann das Mammutprojekt des

Ruhrgebiets „Renaturierung der Emscher“.

Umfangreiche Baumaßnahmen an dem ab

Dortmund bis zum Rhein 51 km langen

Abwasserkanal und seinen Zuflüssen (z.B.

der Hellbach in Recklinghausen) sollen dafür

sorgen, dass sich die Emscher ab 2020 von

einer Kloake zu einem sauberen Fluss verwandelt.

Betriebswege wurden geöffnet und zu rund

130 km Radwegen ausgebaut. Die letzte

Anlage vor dem Rhein, das „Klärwerk Emschermündung“,

wurde jetzt modernisiert und

an das künftige Emscher-System ohne offene

Schmutzwasserführung angepasst.

Im April 2019 war die feierliche Eröffnung

des Klärwerks im Beisein der Landesumweltministerin,

des Vorstandsvorsitzenden und

des Ratsvorsitzenden der Emschergenossenschaft

sowie der Bürgermeister von

Dinslaken und Oberhausen.

Der Arbeitskreis Stadtentwicklung, Umwelt

und Verkehr des Seniorenbeirates Recklinghausen

hatte Mitte August zu einem Ausflug

zum Klärwerk Emschermündung in

Dinslaken eingeladen.

1. Wie funktioniert ein Klärwerk?

Die Führung für 44 interessierte weibliche

und männliche Senioren aus Recklinghausen

übernahm ein ehemaliger Elektromeister und

Klärmeister des Klärwerks. Ein kurzer Film

gab einen Einblick, welche Probleme in

einem Klärwerk entstehen können und wie

es sie meistert, teilweise mit drastischen,

aber desto einprägsameren Worten. Fäkalien

und Toilettenpapier seien kein Problem, aber

manche Bürger entsorgen auch ihren Abfall

in die Toiletten: „Hau weg den Scheiß!“

Der ist jedoch nicht weg, sondern kommt

irgendwann wieder ans Tageslicht. Um ihn

zu bewältigen, bedient sich das Klärwerk

mehrerer Tricks:

- Drei hintereinander angeordnete

Rechen mit kleiner werdenden Zahnabständen

filtern den groben Dreck heraus. Schieber

reinigen wiederum die Rechen.


Überblick über das Klärwerk Emschermündung

- In sechs Sandfangbecken und in einer

Sandwaschanlage wird Sand aufgefangen,

gereinigt.

- Auf einer Klärstufe in der Größe von

20 Fußballfeldern wird fester unlöslicher

Dreck vom Wasser getrennt. Er setzt sich

auf dem Boden ab und wird mit einem

„Unterwasserstaubsauger“ aufgenommen.

Der gereinigte Sand wird in die Bauindustrie

abgegeben. Der Dreck aus den beiden anderen

Stufen wird im Blockheizkraftwerk des

Klärwerks (mit Braunkohle- oder Steinkohlestaub)

verbrannt und liefert Wärme und

Strom.

- Dreck, der im Wasser gelöst ist (im

Film als „gequirlte Scheiße“ bezeichnet), wird

mit Bakterien versetzt. Die Bakterien fressen

den Dreck, werden größer und vermehren

sich. Größere Mikroben fressen die kleineren.

Vollgefressene Mikroben sinken ab.

Oben bleibt klares Wasser, das über einen

Kamm abfließt. Unten werden die Mikroben

ganz langsam (um sie nicht wieder aufzuwirbeln)

zusammengekehrt. Ein Teil kommt

zurück in den Klärprozess, der größte Teil in

die drei Faultürme des Klärwerks. Hier entsteht

brennbares Methangas.

Unsere Fragen beantwortete der Klärmeister

umfassend und ehrlich: Für Mikroplastik hat

das Klärwerk noch keine Lösung. Medikamente

können am besten mit Nano-, Kohlefiltern

und UV-Licht bewältigt werden, dazu

gibt es in Bottrop eine große Versuchsanlage.

Gülle darf nur im März und im Oktober

auf Feldern ausgebracht werden. In der

anderen Zeit kann sie zu Biogasanlagen

gebracht werden, in denen damit Wärme und

Strom erzeugt werden.

2. Besichtigung des Klärwerks

Zur Besichtigung der gesamten Anlage von

oben machten wir uns auf den Weg zu den

Faultürmen. Dabei führte unser Weg am Einlauf-/Auslaufbauwerk

der Emscher vorbei.

Vor dem Einlauf war die Emscher trübe und

mit großen Schmutzbrocken versetzt, hinter

dem Auslauf war das Wasser klar und mit

kleinen Schaumwölkchen versetzt. Wir lernten:

Schaum heißt, dass das Wasser sauber

ist, Kloake schäumt nicht. Beweis für diese

These waren Heerscharen von Enten, die

sich in dem sauberen Wasser tummelten und

die schmutzige Emscher verschmähten.

Wenn die Emscher einmal auf voller Länge

renaturiert ist, wird sie am Klärwerk vorbeigeführt.

Nur die Kloake aus dem unterirdischen

Kanal wird dann gereinigt. Auf jeden Fall

erhält Vater Rhein aus dem Ruhrgebiet nur

reines Wasser.

Auf die 50 m hohen Faultürme ging es mit

dem Aufzug in der Mitte der drei Faultürme.

Die auch vorhandenen Treppen wurden von

den meisten nur für den Abstieg genutzt.

Vom Dach des Aufzugsschachts hatten wir

einen guten Blick auf die riesige 85 ha große


Die drei Faultürme des Klärwerks

Emschermündung

Anlage. Unser Klärmeister zeigte uns die einzelnen

Felder für Abwasser- und Schlammbehandlung

und erläuterte die baulichen

Anlagen. Er verabschiedete uns voll Stolz mit

den Worten: „Dieses Klärwerk ist das einzige,

das einen ganzen Fluss reinigt!“

(jh)

Leonardo da Vinci

Ein Universalgenie

Das Osthaus-Museum in Hagen zeigt noch

bis zum 12. Januar 2020 eine Ausstellung,

die das technische und wissenschaftliche

Lebenswerk des genialen Künstlers

Leonardo da Vinci darstellt. Der Seniorenbeirat

Recklinghausen unternahm am 26. September

eine Fahrt nach Hagen, um sich im

Rahmen einer Führung die Ausstellung

„Leonardo da Vinci – Erfinder und Wissenschaftler“

anzuschauen.

Wie schon der Titel besagt, widmet sich die

Ausstellung Leonardo da Vinci (1452-1519)

nicht als Maler der berühmten Bilder „Mona

Lisa“ und „Letztes Abendmahl“, sondern beleuchtet

seine Leistungen als Architekt,

Mathematiker, Astronom und Ingenieur. Er

war ein „Allroundgenie“!

Tausende Skizzenblätter und Aufzeichnungen

hat Leonardo da Vinci der Nachwelt hinterlassen.

Über 100 davon werden als handkolorierte

Nachbildungen in der Ausstellung

präsentiert.

Auf ihnen findet man detaillierte Beschreibungen

und Konstruktionszeichnungen von

mechanischen Apparaturen, optischen

Instrumenten und Flugobjekten, aber auch

exakte anatomische Skizzen.

Seine Aufzeichnungen sind für uns zunächst

nicht lesbar, da alle in Spiegelschrift erstellt

wurden, um sich vor Nachahmern zu schützen

(es gab ja damals noch kein Patentamt!).

25 seiner Erfindungen sind exakt nach den

Zeichnungen da Vincis nachgebaut worden.

Sie sind in der Ausstellung zu sehen und

unter Anleitung selbst zu bedienen.

Fluggeräte, Druckerpressen, Wegstreckenzähler,

Gewindeschneider, Uhren oder

Getriebe können bestaunt werden und zeigen

die Genialität des Leonardo da Vinci.

Die in die Ausstellung integrierten Modelle

sowie zwölf Computerterminals ermöglichen

es dem interessierten Besucher zudem, sich

aktiv anhand von mehr als 8000 Bildern mit

dem Leben und Schaffen des Universalgenies

zu beschäftigen. Zur Auswahl stehen

dem Nutzer der Terminals vielfältige Programme,

von grundlegenden biographischen

Informationen über detaillierte Analysen von

da Vincis Studien zur menschlichen und tierischen

Anatomie bis hin zu seiner Brückenbaukunst.

(ag)

Leonardo da Vinci

Holzstich nach Selbstbildnis

Foto: https://www.billerantik.de/products/

Holzstiche/Kunst/Leonardo-da-Vinci-Selbstbildnis-

Kunstbeilage-Gartenlaube-HOLZST-III-164.html

Kunstquartier Hagen / Osthaus Museum

Museumsplatz 1 (Navigationsinfo: Hochstr. 73),

58095 Hagen

Dienstag bis Sonntag: 12 - 18 Uhr.

Montag geschlossen.


Männerchöre in Not

Handeln statt Klagen

Irgendwann war es Wolfgang Sawalych,

Pressesprecher und Sänger des Männerchores

Eintracht-Gutenberg leid, immer nur über

den Schwund an Mitgliedern zu klagen, er

wollte endlich handeln.

Von den früher weit verbreiteten

Recklinghäuser Männerchören

sind heute nur noch vier übrig,

und das ist eine bedrohlich kleine

Anzahl. Was also muss geschehen?

Wolfgang Sawalych berief eine

größere Anzahl kompetenter,

erfahrener Chorleiter, Chorsänger,

den Vizepräsidenten des

ChorVerbandes NRW e.V., den

Vorsitzenden des Vestischen

Sängerkreises, zwei Damen vom Kulturamt

und Bürgermeister Tesche mit seinem Pressereferenten,

sowie Vertreter der Presse am

18. September 2019 zu einem „runden

Tisch“- Gespräch ins Willy-Brandt-Haus ein.

Auch RE-SOLUT als Seniorenzeitung war

vertreten durch mich, da der Sprecher unserer

Redaktion leider verhindert war. Uns beide

verbindet aber neben dem Schreiben für

die RE-SOLUT auch langjährigeres Singen in

einem (gemischten) Chor.

Und alle kamen, um Wege aus der Krise zu

suchen und zu finden und Ideen zu entwickeln,

das Singen besonders für jung gebliebene

Männer attraktiver zu gestalten. Man

merkte den Teilnehmern ihr Engagement und

vor allem ihre tiefe Verbundenheit mit der

Musik deutlich an.

Die meisten Anwesenden gaben ein Statement

ab, bedauerten dabei den möglichen

Verlust alten Kulturgutes, machten Vorschläge

zur Rettung der Männerchöre und stellten

fest, dass diese nicht die einzigen sind, die

einen solchen Überlebenskampf führen.

Bürgermeister Tesche sagte u.a., überall in

der Gesellschaft sei das Phänomen zu

beobachten, dass Mitbürger, mehr Männer

als Frauen und mehr Junge als Alte, sich

nicht mehr fest an einen Verein binden und

z.B. wöchentliche Proben auf sich nehmen

wollen. Einer seiner Vorschläge: Chormitglieder

könnten einem Neuling einen Partner zur

Seite stellen, der ihn quasi an die Hand

nimmt und damit den Einstieg erleichtert.

Auch eine Fusion traditioneller Chöre, die

sich im neuen Gewand wiederfinden, ohne

die alte Identität aufgeben zu müssen, sei ein

Weg.

Es braucht Möglichkeiten des musikalischen

Auftretens, um auf sich aufmerksam zu

machen. Für besondere Großereignisse wie

Konzerte z.B. an Feiertagen oder für das beliebte

Weihnachtssingen in der Stadt lassen

sich Menschen durchaus ansprechen.

Auch andere Möglichkeiten

wie z.B. Schnatgänge, Gemeindeund

Stadtfeste bieten sich an, die

Chormusik in die Öffentlichkeit zu

tragen und dadurch für die Chorarbeit

zu werben.

Man kann es im Moment gut beobachten,

dass einige der 34 Recklinghäuser

Chorgemeinschaften

Projekte anbieten, bei denen Neusänger

das Singen im Chor erproben können.

Und das ist meiner Meinung nach eine

große Chance, den Projektlern die eigene

Begeisterung zu übertragen und so vielleicht

dauerhafte Freude am Chorsingen zu wecken.

Chorsingen tut Körper und Seele nachweislich

gut, stärkt insgesamt die Gesundheit.

Das beweisen neueste ärztliche Untersuchungen

und wissenschaftliche Erkenntnisse.

Einige Beispiele: Stresshormone werden

abgebaut, die Stimmung hebt sich, der Blutdruck

pendelt sich ein. Dazu kommt das

Gemeinschaftserlebnis, zusammen mit anderen

etwas zu schaffen und dabei auch noch

die Geselligkeit zu pflegen.

In unserem Chor haben wir einmal scherzhaft

gesagt: Sicher werden wir Sängerinnen

und Sänger eines Tages ganz gesund

sterben.

(er)

Informationen zu den Männerchören in Recklinghausen:

MC Eintracht-Gutenberg: Proben Dienstag, 20

Uhr, Pfarrheim St. Markus, St. Markus-Platz 3,

Klaus Engel, 27450 oder 0170/4017420

Werkschor Blumenthal-Haard: Proben Mittwoch,

17.30 Uhr, Wildermannstraße 51, Herbert van den

Heuvel, 9977301

MGV Concordia Grullbad: Proben Donnerstag,

18.30 Uhr, Seniorenzentrum Grullbad, Hochstraße

52, Walter Ellinghaus, 67097

MGV Liederkranz Hochlarmark: Proben Freitag,

19 Uhr, Caritashaus St. Michael, Michaelstraße 3,

Günther Rösing, 71517 oder 0177/7715170


Zum Lesen und Vorlesen

Ohne Gnade

Bryan Stevenson

Googelt man Bryan Stevenson,

erfährt man, dass er ein amerikanischer

Jurist und Bürgerrechtler

ist und eine Professur

an einer New Yorker Universität

hat.

Im Alter von 30 Jahren gründete

er die gemeinnützige Organisation

namens Equal Justice Initiative.

Sie hat es sich zum Ziel gemacht,

anfangs zunächst in Alabama

Strafgefangenen, deren

Gerichtsverfahren möglicherweise

nicht so rechtsstaatlich abgelaufen

sind, wie man es sich jedenfalls als

Beschuldigter gewünscht hätte, zu helfen.

Und dieser Bryan Stevenson hat über einige

seiner schwierigsten und unglaublichsten

Fälle ein Buch geschrieben.

Schaut man sich die Gefangenenstatistik der

USA an, hat Mr. Stevenson durchaus eine

Menge zu berichten: Nach meinen Informationen

soll in den USA eine inhaftierte Person

auf ca. 150 Einwohner kommen. Zum Vergleich:

In Russland soll es eine Person von

ca. 250, in China eine Person von ca. 850

und in Deutschland eine Person von ca.

1.250 Einwohnern sein.

In vielen Staaten der USA gibt es noch heute

die Todesstrafe. Man mag zur Todesstrafe

stehen, wie man will, eine absolute Horrorvorstellung

scheint es mir jedenfalls zu sein,

auf seine Hinrichtung warten zu müssen mit

dem sicheren Wissen, unschuldig verurteilt

worden zu sein. Auch über diese Fälle

berichtet Bryan Stevenson.

Zum Beispiel über vermeintliche und zum

Tode verurteilte Mörder, die seit vielen Jahren

auf ihre Hinrichtung warten.

Zum Beispiel über Kinder im Alter von zwölf,

dreizehn Jahren, die in ihre Kindheit vernachlässigt

und misshandelt wurden, selbst zu

Tätern geworden sind und ihre langjährigen,

teils lebenslangen Strafen in Isolationshaft

verbringen, um sie vor Misshandlung

und Missbrauch durch erwachsene

Mitgefangene zu schützen.

Und über Strafverteidiger, die

durch Vorenthalten von Akten

dumm gehalten werden sollen, um

das Strafverfahren schnell und

wie von der Staatsanwaltschaft

gewünscht hinter sich zu bringen.

Stevenson versucht, die Fälle so

nüchtern und distanziert wie möglich

zu schildern, was ihm auch

außerordentlich gut gelingt. Nebenbei

berichtet er von themenbezogenen

Fakten, beispielsweise

von den gestiegenen Kosten der,

wie er es nennt, Masseninhaftierung in den

USA. In den letzten 40 Jahren sind dort die

Kosten für Haftanstalten von sieben auf 80

Milliarden Dollar gestiegen. Und er benennt

eine der Ursachen dafür: Gefängnisse werden

in den USA zum Teil von privaten Investoren

betrieben. Und deren Interesse dürfte

vermutlich weniger auf Gerechtigkeit als auf

Profit gerichtet sein.

Trotz des eher komplexen Themas liest sich

das Buch relativ leicht, was auch der im Vergleich

zum Thema verhältnismäßig einfachen

Sprache, in der es geschrieben ist, geschuldet

ist. Ich durchlebte bei der Lektüre ein

Wechselbad der Gefühle, von Unverständnis,

Verzweiflung, Trauer und Wut bis zu Bewunderung

und Mitgefühl. Und Hoffnung. Letztlich

ein wundervolles Buch mit erschreckendem

Inhalt.

(dw)

Bryan Stevenson, „Ohne Gnade“, 416 Seiten, Piper

Taschenbuch, 2016, ISBN: 978-3492310031, Preis:

11 Euro


Baba Dunjas letzte Liebe

Alina Bronsky

Baba Dunjas letzte

Liebe von Alina

Bronsky ist eine

anrührende Geschichte

über ein

sehr altes Mütterchen,

Baba Dunja

genannt, beinahe

90 Jahre alt.

Baba Dunja lebt und

liebt ihr russisches

Dorf Tschernowo in

der Todeszone des

Reaktors, in dem

sich vor vielen Jahren

der Super-GAU ereignete. Baba Dunja

war die erste Rückkehrerin und wurde

deshalb so etwas wie die Bürgermeisterin in

dem Dorf.

Ihre Kinder blieben vom damaligen Super-

GAU verschont. Tochter Irina studierte

damals in Moskau Medizin und der Sohn

Alexej unternahm gerade eine Tour im Altai.

Bei Baba Dunjas Ehemann Jegor kam es auf

die Strahlenbelastung nicht mehr an, denn

seine Lebenserwartung war ohnehin nur

noch kurz.

Nach Jahrzehnten der Dorfverstrahlung

kehren weitere Menschen zurück in ihr altes

Dorf und leben mit verschiedensten sympathischen

Charakteren miteinander, aber auch

jeder für sich. Die Nachbardörfer bleiben

unbewohnt.

Die Dorfbewohner bewirtschaften ihre

Gärten, essen selbst angebautes Obst und

Gemüse und trinken das Brunnenwasser.

Alle hier wissen, dass sie verstrahlt sind,

genießen aber die frische Luft, die Ruhe und

Autonomie ihres abgeschiedenen Lebens, in

das nur ab und zu Wissenschaftler oder

Journalisten in Schutzanzügen eindringen,

um die erneute Strahlung zu messen.

Das Leben in diesem Dorf geht seinen

ruhigen Gang, bis eines Tages ein Mann mit

seiner kleinen Tochter überraschend zuzieht.

Er quartiert sich ohne etwas zu sagen in ein

leerstehendes Haus ein.

Als Baba Dunja begreift, dass das Kind – es

heißt Aglaia – gesund ist, geht sie zu dem

Neuankömmling, der sich vermutlich an

seiner Frau rächen will, und fordert ihn auf,

das Mädchen sofort wegzubringen. Der Streit

eskaliert……

Alina Bronsky, selbst in Russland geboren,

lässt in ihrem Roman eine untergegangene

Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und

herzzerreißend erzählt sie die warmherzige

Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr

geben soll – und einer außergewöhnlichen

Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes

Paradies findet.

Absolut empfehlenswert!

Sandra Paulsen

Alina Bronsky, „Baba Dunjas letzte Liebe“, Taschenbuch,

160 Seiten, KiWi-Taschenbuch, 2017, ISBN:

978-3462050288, Preis: 8 Euro

Vergnügungen

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen

Das wiedergefundene alte Buch

Begeisterte Gesichter

Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten

Die Zeitung

Der Hund

Die Dialektik

Duschen, Schwimmen

Alte Musik

Bequeme Schuhe

Begreifen

Neue Musik

Schreiben

Pflanzen

Reisen

Singen

Freundlich sein.

Bertolt Brecht

- - - - -

Ein Lied hinterm Ofen zu singen

Der Winter ist ein rechter Mann,

kernfest und auf die Dauer;

sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an

und scheut nicht süß noch sauer.

War je ein Mann gesund, ist er`s;

erkrankt und kränkelt nimmer;


weiß nichts von Nachtschweiß

noch Vapeurs,

und schläft im kalten Zimmer.

Er zieht sein Hemd im Freien an,

und läßt`s vorher nicht wärmen;

und spottet über Fluß im Zahn

und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang

weiß er sich nichts zu machen,

hasst warmen Drang und warmen Klang

und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,

wenn`s Holz im Ofen knittert;

und um den Ofen Knecht und Herr

die Hände reibt und zittert;

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht

und Teich und Seen krachen;

das klingt ihm gut, das haßt er nicht,

dann will er sich totlachen.-

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus

beim Nordpol am Strande;

doch hat er auch ein Sommerhaus

im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort und hier,

und Regiment zu führen.

Und wenn er durchzieht, stehen wir

und sehn ihn an und frieren.

er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

und traulich eingewohnt,

so droht Erschlaffen;

nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

uns neuen Räumen jung entgegen senden,

des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.

Wohlan denn Herz,

nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

Vincent

Mathias Claudius

- - - - -

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe

bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

in andre, neue Bindungen zu geben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

der uns beschützt

und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum

durchschreiten,

an keinem wie an einer Heimat hängen.

Der Weltgeist will nicht fesseln uns

und engen,

Vincent van Gogh (Selbstbildnis 1887)

Den „verrückten Rothaarigen“

nannten sie ihn,

die Bürger von Arles:

van Gogh mit dem Spleen.

Der malt mit dem Spachtel

anstatt mit dem Pinsel,

lebt meistens allein auf eigener Insel.

Vincents Leben geriet

schon früh aus dem Ruder.

Sein einziger Freund war Theo, sein Bruder.

Der schützte ihn oft vor Armut und Pleite,

denn die Käufer suchten oft

ganz schnell das Weite.

Seine Bilder die schürten viel Angst

und viel Furcht.

Waren zu leidenschaftlich, durch und durch.


Die Zypressen,

flammende Friedhofspflanzen

erschienen dem Maler verlockend zu tanzen.

Die Sonnenblumen glühten

für ihn stets vergebens,

er konnte nicht lieben – Zeit seines Lebens.

Dieser Zwiespalt machte ihn

schließlich verrückt,

nichts in seinem Dasein war ihm

wirklich geglückt.

Eine Frau von der Straße,

es klingt fast nach Posse,

wollt‘ er einst retten vom Leben der Gosse.

Auch dieses ging schief,

man ahnt es ja schon:

Denn Undank ist meistens der Welten Lohn.

Ein Stück seines Ohres schnitt er sich ab.

Schickt’s an ein Bordell, dort wies man es ab.

Selbst Malfreund Gauguin konnt‘

nicht verstehn,

dass die Tat nur aus Verzweiflung

gescheh‘n.

Ein Schuss beendet den Lebenslauf.

Ein einziges Bild hat Bruder Theo verkauft.

Heut‘ sind sie viele Millionen wert.

Mal ehrlich, läuft da nicht etwas verkehrt?

Vincents Lilien leuchteten ihm

auch vergebens,

er konnt‘ sich nicht freuen – Zeit seines

Lebens.

Wir sahen sie blühen in Saint-Rémy.

Ich weiß, diesen Anblick vergessen wir nie.

(er)

Vincent van Gogh

Ansicht Spital und Kapelle Saint-Rémy – 1889

Foto: https://www.gateo.de/vincent-van-gogh-s-gemalde-derchapelle-de-saint-r-my-wird-versteigert-1597980.html/

Sami und der Wunsch

nach Freiheit

Rafik Schami

Kinder sind mutig

und tapfer.

So auch Sami und

Scharif, die in der

syrischen Hauptstadt

Damaskus

leben. Im Laufe

ihrer Kindheit und

Jugend erleben sie

viele Demütigungen

und Ungerechtigkeiten,

aber ihr

Wunsch nach einem

Leben ohne

Einschüchterungen

wird immer stärker.

Der Ausgangspunkt des Romans von Rafik

Schami ist seine Bekanntschaft mit dem

22jährigen Scharif, der 2012 aus politischen

Gründen aus Syrien fliehen musste. Er

gelangt nach Deutschland und erzählt dem

Autor hier über sein Leben in Syrien. Aus

diesen Erzählungen gestaltet Rafik Schami

seinen Roman.

Scharif erzählt vor allem über seinen Freund

Sami, seinem „Zwillingsfreund“, mit dem er

gemeinsam Kindheit und Jugend verbringt,

ehe der Krieg die beiden Freunde trennt. Ihre

Familien leben im christlichen Viertel von

Damaskus. Die Menschen dort sind zwar

arm, aber „reich an Geschichten und Gefühlen“.

Die Schulzeit erleben die beiden Jungen als

Drill. Stupides Auswendiglernen, Gewalt und

Ungerechtigkeiten bestimmen den Alltag. Die

Schüler müssen vor allem lernen, Vaterland

und Herrschersippe zu huldigen. „Sie dressierten

die Jugendlichen, damit sie als Erwachsene

gute Untertanen wurden“ beschreibt

Scharif im Nachhinein ihre Schulzeit.

Die beiden Jungen müssen erleben, wie

Freunde, Lehrer und Bewohner ihres Viertels

von einem Tag auf den anderen verschwinden

und von der Geheimpolizei eingesperrt,

gefoltert und getötet werden.

Das Leben ändert sich für Sami und Scharif

als sie während ihrer Schulzeit anfangen,

sich mit Computern zu beschäftigen und


nach der Schulzeit ein Informatikstudium

beginnen. Durch den Computer und das

Internet eröffnet sich Sami und Scharif das

Fenster in eine Welt ohne Zensur. Ab 2011

stellen sie Blogeinträge ins Internet und verbreiten

Aufrufe zu Demonstrationen gegen

den syrischen Diktator und sein Herrschaftssystem.

Der Alltag wird für Sami und Scharif immer

gefährlicher. Als sie sich in der Stadt Palmyra

an einer Befreiungsaktion für einen Freund

beteiligen, werden sie danach vom Geheimdienst

gesucht und müssen fliehen. So

gelangt Sami nach Jordanien und Scharif

unter lebensgefährlichen Bedingungen über

die Türkei nach Deutschland um hier seine

Geschichte zu erzählen.

Scharif erzählt auch, dass ein Anlass für ihre

Aktivitäten (reale) Geschehnisse in der syrischen

Stadt Daraa waren: Jungen sprühten

Graffiti, die sich gegen den Präsidenten richteten,

an die Wand ihrer Schule. Die Jungen

wurden verhaftet und gefoltert. Proteste der

Eltern lösten damals große Solidarität und

Demonstrationen im ganzen Land aus. Diese

Ereignisse gingen 2011 auch durch die Weltpresse

und gelten als ein Auslöser für den

syrischen Bürgerkrieg.

Der Schriftsteller Rafik Schami ist 1946 in

Damaskus geboren und kam 1971 nach

Deutschland. Er ist promovierter Chemiker,

arbeitet aber nun schon viele Jahre als

Schriftsteller. Seine Werke sind vielfach ausgezeichnet

worden, er zählt zu den bedeutendsten

Autoren deutscher Sprache.

Der Roman zollt allen jungen Menschen, die

mutig für ihre Freiheit kämpfen, Lob und

Anerkennung. „Kinder erfahren heute vieles

aus aller Welt und hören täglich über

Unrecht, aber sie träumen noch von Freiheit

und Würde“ schreibt Rafik Schami dazu.

Er hat sein Buch den tapferen Kindern von

Daraa gewidmet, „die im Frühjahr 2011

rebellierten, um den Erwachsenen zu helfen,

aufrecht zu gehen“.

(ag)

Rafik Schami, „Sami und der Wunsch nach Freiheit“,

326 Seiten, Beltz & Gelberg Verlag, 2017,

ISBN: 978-3-407-82319-9, Preis: 17,95 Euro

Lied der Weite

Kent Haruf

Ein Buch, das

„Freude macht

und das Herz

erwärmt und das

ich unbedingt weiterempfehlen

möchte“.

Das sind die zum

Lesen animierenden

Worte unserer

Leserin Frau

Schneiders. Und

ich muss gestehen,

sie hat recht.

Ich habe das

Buch von Kent

Haruf gelesen und das in kurzer Zeit, was

jedenfalls bei mir ein gutes Zeichen ist.

Besonders das Schicksal der 17jährigen

Victoria hat mich in Bann gehalten und für

fortwährende Spannung gesorgt.

Sie, die von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt

wird, weil sie schwanger ist, und die anderen

Personen der verschiedenen Handlungsebenen

des Buches sind typische Menschen

der Kleinstadt Holt in Colorado/USA. Auf den

ersten Blick alles andere als „großes Kino“.

Aber wer schon einmal im ländlichen Nordamerika

unterwegs war, sieht die verschlafene

Kleinstadt geradezu vor sich, an deren

Hauptstraße sich Frisör, Kino und das so

typische kleine Restaurant als Zentren des

sozialen Lebens aneinanderreihen.

Neben Victoria sind es die beiden Brüder

McPherson, zwei alte, raubeinige Viehzüchter,

die ganz allein auf dem platten Land

leben und ihrer täglichen Arbeit nachgehen

und deren Leben sich plötzlich ändert, als sie

das Mädchen in dessen Not bei sich aufnehmen.

Maggie, die sorgsame Lehrerin, die sich in

besonderer Weise um Victoria kümmert.

Der Lehrer Guthrie, der alleinerziehend mit

seinen beiden Söhnen den Alltag und dessen

Probleme bewältigt, der aber auch in seinem

Beruf in Auseinandersetzungen mit einem

Elternpaar und dessen Sohn gerät.

Ike und Bobby, die beiden kleinen Söhne von

Guthrie, denen das Fehlen ihrer kranken

Mutter zusetzt, die manch Aufregendes in


ihrer pubertären Jugend erfahren und die

letztlich auch noch in die beruflichen Schwierigkeiten

des Vaters hineingezogen werden.

Kent Haruf gelingt es in sehr eindrücklicher

Weise, über das Miteinander dieser Menschen

in der Kleinstadt auf dem Lande zu

schreiben, über einfache Leute, die es hier

nicht immer leicht haben und es sich auch

gegenseitig gern schwer machen. Man

erlangt als Leser ein Mitgefühl mit den

Hauptpersonen, auch, weil der Autor durch

seine ruhige, bildhafte und detailgetreue

Sprache (hier muss unbedingt der deutsche

Übersetzer Rudolf Hermstein lobend erwähnt

werden) den Eindruck erweckt, man sei in

den Situationen direkt dabei.

Es verwundert mich nach dem Lesen des

Buches nicht, dass Kent Haruf in der Presse

sehr gelobt wird und man über ihn schwärmt,

er gehöre „zum Besten, was die Literatur der

letzten Zeit hervorgebracht hat“. Wenn das

kein Ansporn ist, dieses und die anderen

Bücher von Kent Haruf zu lesen.

(mm)

Kent Haruf, Lied der Weite, 384 Seiten, Diogenes

Verlag, 2. Auflage 2018, ISBN 978-3257070170,

Preis 24 Euro

Wem dieser Preis zu hoch erscheint, der kann auch

gute preisreduzierte Mängelexemplare erwerben.

Ergänzung:

Zum Schluss dieser Zeilen muss ich bekennen,

dass ich dieses Buch nie gelesen hätte,

wäre ich nicht durch Frau Schneiders aus

RE-Hochlar darauf aufmerksam gemacht

worden. Als Leserin der RE-SOLUT war sie

der Bitte der Redaktion gefolgt, sich zu melden,

wenn man ein interessantes Buch anderen

Lesern empfehlen möchte. Danke also

an Frau Schneiders und gleichzeitig der Aufruf

an alle anderen Leser: Rufen Sie uns an

oder besser noch schreiben Sie uns in ein

paar Zeilen, welches Buch Sie empfehlen

und warum Sie meinen, dass auch andere

das Buch lesen sollten.

Vorlesen kann viel bewirken

Ehrenamtlich Vorlesende sind wichtige

Bezugspersonen und fördern zugleich durch

ihr Engagement die unterschiedlichsten

Fähigkeiten ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer.

Sie können mit relativ wenig Aufwand viel

erreichen!

Die Seniorinnen und Senioren werden

angeregt, sich an die eigene Lebensgeschichte

zu erinnern.

Das im Laufe des Lebens erworbene

Wissen sowie persönliche Erfahrungen

und Kenntnisse erfahren Interesse und

Wertschätzung und werden weitergegeben.

Genaues Hinhören, Nachfragen und der

Austausch über das Gehörte werden

gefördert.

Konzentration und Gedächtnis werden

angeregt.

Der aktive Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit

werden verbessert.

Bildung und Äußerung individueller Meinungen

werden ermöglicht.

Verständnis und Toleranz gegenüber

anderen Einstellungen und Prägungen

wird gefördert.

Es entsteht ein persönlicher Kontakt

zwischen Vorleserin oder Vorleser und

den Zuhörenden.

Auch für Sie als Vorlesende oder Vorlesenden

kann dieses Engagement viele wertvolle

Erfahrungen und bereichernde neue Kontakte

mit sich bringen.

Zitat aus Geschichten aus dem Koffer, Handreichung

zur Unterstützung von ehrenamtlich

Vorlesenden.

Ein literarisches Angebot für ältere Menschen

in Alten- und Pflegeeinrichtungen.

Herausgeber: Stiftung Lesen, Römerwall 40,

55131 Mainz

www.stiftunglesen.de

Die Broschüre kann z.B. unter folgender Adresse aus

dem Internet geladen werden:

https://www.alf-hannover.de/sites/default/files/

geschichten_aus_dem_koffer.pdf

„Vorlesen bedeutet immer auch

Kommunikation!

Gute Vorleserinnen und Vorleser

halten keinen Vortrag,

sondern suchen und fördern

das Gespräch

mit ihren Zuhörerinnen und Zuhörern.“


Wortspiele

Zum Jahresende ein paar sprachliche Übungen. Derartige Übungen stehen vielfach im Vordergrund,

um das Gehirn zu trainieren. Mit Worten zu spielen hat einen ganz besonderen

Reiz. Je mehr Worte unserem aktiven Vokabular angehören, umso treffender können wir unsere

Gedanken ausdrücken.

Die Übungen stammen aus den Jahreskalendern von Frau Ursula Bissinger, die lange Jahre

RE-SOLUT mit Rätseln und Übungen unterstützt hat.

1. Jahresende

Welche zusammengesetzten Wörter mit dem

Begriff Jahr fallen Ihnen spontan?

Beispiel: Jahresende

____________________________________

____________________________________

2. Unbezahlbare Geschenke

Hier sind die Buchstaben der Wörter etwas

durcheinander geraten. Ordnen Sie sie neu.

EZIT

LEBIE

LEDGUD

ETOLANZR

ACNGHTU

IFREDNE

RVETRUANE

VÄDTNISNERS

FURENDFSCHAT

ZELICHÄRTKIT

DEKNIFARABT

FEDURE

3. Wörter trennen

In dieser Aufgabe sollen Sie den

„Wörterwurm“ so entzerren, dass Sie den

Text wieder richtig lesen können.

DERMEISTERWURDEEINMALGEFRAG-

TOBERESNICHTMANCHMALLEIDSEIUND

SICHENTMUTIGTFÜHLEWENNALLSEINE

MÜHEKAUMFRÜCHTETRÄGTDAERZÄHLT

EERDIEFOLGENDEGESCHICHTE:ESWAR

EINMALEINESCHNECKEDIESICHANEINE

MNASSKALTENGRAUENUNDSTÜRMISCH

ENFRÜHJAHRSTAGAUFMACHTEAMSTAM

MEINESKIRSCHBAUMESHINAUFZUKLETT

ERNDIESPATZENDIEÜBERALLIMGARTEN

SASSENLACHTENÜBERDIESCHNECKEU

NDZWITSCHERTEN:„DUBISTJAEINDUMM

KOPFSCHAUDOCHDASINDÜBERHAUPTK

EINEKIRSCHENAMBAUMWARUMMACHST

DUDIRDIEMÜHEDAHOCHZUKLETTERN?“

DIESCHNECKEKROCHUNBEIRRTWEI-

TERUNDSAGTEZUDENSPATZEN:„DASMA

CHTMIRNICHTSBISICHOBENANGEKOMM

ENBINSINDKIRSCHENDRAN!“

4. Typisch – wer?

Sie kennen doch sicher den Ausdruck

„dummer August“. In diesem Rätsel finden

Sie neun weitere Namen, denen Sie die richtigen

Eigenschaften zuordnen sollen.

Für das genannte Beispiel wäre die Lösung:

1 - g

1. August a fromm

2. Max b klein

3. Berta c billig

4. Peter d kalt

5. Hans e ungläubig

6. Sophie f dick

7. Jakob g dumm

8. Thomas h stramm

9. Erna i schwarz

10. Helene k glücklich

Lösung: 1 - g / 2 - h / 3 - f / 4 - i / 5 - k / 6 - d / 7 - c /

8 - e / 9 - b / 10 - a


Aus der Arbeit des Seniorenbeirates

Quo vadis Sparkasse?

Was ist aus der Initiative

des Seniorenbeirates gegen die

Filialschließungen der Sparkasse

Vest geworden?

Für seine öffentliche Sitzung am

11. Juli hatte der Seniorenbeirat Recklinghausen

den Direktor der Sparkasse Vest

Herrn Twachtmann und Herrn Fokken als

Pressereferent des Geldinstitutes eingeladen.

Beide stellten sich tapfer den Fragen.

In der Vergangenheit war die Schließung verschiedener

Filialen im Stadtgebiet Recklinghausen

Anlass für eine kritische Beurteilung

der Geschäftspraktiken der Sparkasse

Vest durch den Seniorenbeirat der Stadt

Recklinghausen, schränkt doch die Ausdünnung

des Zweigstellennetzes von 18 auf

neun Standorte die Nutzungsmöglichkeit

durch die Senioren ein.

Bei vielen Senioren ist die Mobilität reduziert,

und sie sind auf den öffentlichen Nahverkehr,

auf Rollatoren oder Rollstuhl angewiesen.

Längere Wege sind unvermeidlich, aber für

den Einzelnen mitunter sehr beschwerlich.

Auch die Beibehaltung von Geldautomaten in

geschlossenen Zweigstellen gleicht die Aufgabe

von Standorten mit direktem Kundenkontakt

keinesfalls aus. Die Wahrnehmung

von Geldgeschäften an Automaten fällt nicht

allen Senioren leicht, und ein Internet-

Banking kommt nicht für alle infrage.

Hier gibt es seitens der Sparkasse das Angebot

für Senioren vor Ort in den Zweigstellen,

die Handhabung an den Geldautomaten

unterstützend nicht nur zu erklären, sondern

auch zu begleiten.

Lange ließ die angekündigte Neueröffnung

eines Automatenstützpunktes in Hochlar auf

sich warten, nachdem die dortige Filiale

geschlossen worden war. Deshalb wurde für

das gemeinsame Projekt von Seniorenbeirat

und Sparkasse dieser Stadtteil gewählt, der

zeitweise verwaist war. Das Angebot wurde

in der Presse vorgestellt. Tatsächlich wurde

dieses Schulungsangebot jedoch nur von

zwei Interessenten nachgefragt.

Auch die Einrichtung einer

regelmäßigen Beratung

in Treffpunkten oder

Senioreneinrichtungen ist

bei Modellprojekten, zum

Beispiel im Paulusquartier,

nicht zufriedenstellend

nachgefragt worden

und muss von den Beteiligten

offen reflektiert werden.

Der Nutzen stand aus Sicht der Sparkassenvertreter

in keinem Verhältnis zum erbrachten

Aufwand. Somit ist eine weitere Übertragung

auf andere Orte und Stadtteile eher unwahrscheinlich.

Der telefonische Servicedienst, erreichbar

unter 02361/2050 der Sparkasse Vest, wurde

von Herrn Twachtmann und Herrn Fokken

vorgestellt. Hier haben die Kunden die Möglichkeit,

nach erfolgter individueller Identifizierung

Auskünfte zu ihren persönlichen Geldgeschäften

zu erhalten. Es handelt sich um

kein Callcenter, sondern die Beratung erfolgt

durch geschulte Sparkassenmitarbeiter, die

einen persönlichen Kontakt für die Bedürfnisse

der Kunden pflegen und entsprechend

weiterleiten können.

In besonderen begründeten Einzelfällen ist

dabei auch die häusliche Inanspruchnahme

eines Geldbringedienstes für Menschen mit

eingeschränkter Mobilität möglich, der aber

individuell vertraglich geregelt werden muss.

Auf keinen Fall ruft die Sparkasse selbst bei

Kunden an, um nach Daten oder Informationen

zu fragen. Dies betonte der Pressesprecher

der Sparkasse Herr Fokken, und stellte

ebenso heraus, dass es auch mittlerweile in

vielen Einkaufsmärkten (Edeka, Rewe, Penny

und andere) möglich ist, sich Geldbeträge

bei einem Mindesteinkauf von 20 € an der

Kasse ohne weitere Gebühren über die EC

Karte auszahlen zu lassen.

Die Sparkasse Vest weist darauf hin, dass

sie bei aller Kritik über die Ausdünnung des

Filialnetzes mit ihren neun Standorten ebenso

viele Außenstellen hat, wie alle anderen

Geldinstitute in Recklinghausen zusammen.

Norbert Jandt


Seniorenforum 2019

Alljährlich wieder treffen sich die

Delegierten der Senioreneinrichtungen

der Stadt Recklinghausen

zum sogenannten „Seniorenforum“.

Dort werden Belange der

Senioren angesprochen und dort

wird über die Arbeit des Seniorenbeirates

im zurückliegenden

Jahr berichtet.

Lesen Sie Passagen aus dem Bericht des

Vorsitzenden des Seniorenbeirates Recklinghausen

Rudolf Koncet.

Geschäftsbericht

für das Jahr 2018/2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

entsprechend der Tagesordnung für das

Seniorenforum 2019 berichte ich als Vorsitzender

des Seniorenbeirates über die Aktivitäten

seit dem letzten Seniorenforum im Jahr

2018.

* Der Vorstand des Seniorenbeirates hat

sich, wie auch in den letzten Jahren, mit der

Stadtverwaltung monatlich im Stadthaus

getroffen, um Termine, Aktionen und Sitzungen

vorzubereiten. Dabei wurden alle Themen

angesprochen, die für die Zusammenarbeit

und das äußere

Erscheinungsbild

des

Seniorenbeirates

wichtig sind. Die

Gespräche fanden

immer in einer

offenen Atmosphäre

statt

und die Themen

wurden sachlich

durchgesprochen.

Mitglieder des Seniorenforums und des Seniorenbeirates

zusammen mit Bürgermeister Tesche (vorne rechts)

Foto: Pressestelle der Stadt Recklinghausen

* An zwei Terminen

fanden Treffen

mit Herrn

Möllers, dem ersten

Beigeordneter der Stadt

Recklinghausen, statt, um sich

über vergangene Aktionen und

neue Planungen direkt auszutauschen.

Der Beirat hat sich jeweils

vor den öffentlichen Sitzungen zu

einer Arbeitssitzung getroffen,

bei dem die Mitglieder des Beirates

sich über Themen, Anträge an die

Stadtverwaltung und weitere Planungen

abstimmen konnten.

* Jeweils an dem Donnerstag vor der öffentlichen

Sitzung trafen sich Vorstand, Arbeitskreisleitungen

und Stadtverwaltung, um eine

Feinplanung der Sitzung abzusprechen.

* Der Seniorenbeirat Recklinghausen nahm

an den viermal im Jahr stattfindenden Treffen

der Seniorenbeiräte des Kreis Recklinghausen

teil. Hier wurde über Aktionen diskutiert

und Erfahrungen aus dem täglichen Seniorenleben

ausgetauscht.

* Im Oktober 2018 hat der SBR einen „Erste

Hilfe Kurs“ mit der Vestischen Kinder- und

Jugendklinik Datteln zum Thema „Oma &

Opa als Ersthelfer bei Kleinkindern“ angeboten

und durchgeführt.

* Am 14. Februar 2019 fand zusammen mit

der Stadt ein

Dankeschön-

Nachmittag für

die im Seniorenbereich

ehrenamtlich

Tätigen

statt.

Der Seniorenbeirat

war auf

einigen Veranstaltungen

mit

einem eigenen

Stand und einer

Reihe von Infomaterialien

zugegen.

Hier eine

kleine Auswahl:


Lichterfest im Museum „Strom und Leben;

Messe „Gesund und munter“ im Bürgerhaus

Süd; Frühlings- und Herbstfest sowie Adventsmarkt

Gertrudisplatz Hillerheide.

* Am 8. April 2019 waren alle Senioren von

den Schaustellern der Palmkirmes zu einem

bunten Nachmittag eingeladen. Herr Abendroth,

Sprecher der Schausteller, begrüßte die

Senioren im Festzelt und servierte Kaffee

und Kuchen. Anschließend wurden alle

Anwesenden zu einer kostenfreien Fahrt mit

dem Riesenrad eingeladen.

* Am 25. April 2019 fand im Bürgerhaus Süd

die Jahresversammlung der Landesseniorenvertretung

(LSV) in NRW statt. Fast 300 Vertreter

aus den Gemeinden waren dazu mit

jeweils zwei Personen eingeladen. Der Seniorenbeirat

Recklinghausen wurde mit einer

Urkunde zum 25jährigen Bestehen geehrt.

Bei dieser Veranstaltung waren sowohl der

Seniorenbeirat als auch die Stadtverwaltung

organisatorisch mit eingebunden. Diese Versammlung

hier in RE konnte nur durchgeführt

werden, da sich Bürgermeister Christoph

Tesche und Georg Möllers als erster

Beigeordneter für diesen Austragungsort

stark eingesetzt hatten. Bedauerlicherweise

gab es über diesen Termin in der örtlichen

Presse keine Berichterstattung.

* Der Seniorenbeirat der Stadt Recklinghausen

ist in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden.

Aus diesem Anlass hat er eine Festschrift

herausgegeben, in der sowohl Aktive als

auch ehemalige Mitglieder zu Wort kommen,

und die auch eine Themensammlung enthält,

mit welchen Themen sich der Seniorenbeirat

in der Vergangenheit beschäftigt hat.

Zur 25 Jahr-Feier hatte der Seniorenbeirat

am 2. Juli zu einem kleinen Festakt im großen

Saal des Rathauses eingeladen. Neben

der Festrede von Bürgermeister Tesche und

dem Grußwort von Herrn Jentsch von der

LSV, sprach Herr Franz Müntefering, Vorsitzender

der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft

der Senioren Organisationen).

Diese Veranstaltung wurde von der Stadtverwaltung

tatkräftig unterstützt, und wir konnten

auf aktive Mitarbeiter aus dem Fachbereich

Soziales und Wohnen zählen. Den Damen

und Herren noch einmal recht herzlichen

Dank.

* Folgender Antrag wurde 2018 an die Stadtverwaltung

gestellt:

Einrichtung von „Generationenparkplätzen“

an bestimmten Stellen im Stadtbereich.

Wir konnten in diesem Jahr den Generationen

Parkplatz hinter dem Stadthaus als

umgesetzte Aktion frei geben. Breitere Parkbuchten

erleichtern hier Senioren, Gehbehinderten

und Personen mit Kinderwagen das

Ein- und Aussteigen aus dem Auto.

Zum Ende meines Berichts ein Dank:

All diese Aktivitäten des Seniorenbeirates

waren nur möglich, weil die Kolleginnen und

Kollegen aus dem Beirat und die Damen und

Herren der Verwaltung sich aktiv an Aktionen

und Terminen eingebracht haben. Recht

herzlichen Dank besonders an meine Stellvertreterin

Frau Döring.

Wilhelm Westhues ist tot

Rudolf Koncet

Er war ein Freund der

RE-SOLUT und ein Förderer

unserer Arbeit.

Gerne hat er uns seine

Geschichten aus Recklinghausen-Süd

und speziell aus Grullbad

zur Verfügung gestellt,

wenn wir nach Artikeln aus diesem

Bereich unserer Stadt und aus vergangenen

Zeiten dieses Stadtteils gesucht

haben. Gerne hat er uns auch persönlich

geholfen, unseren südlichen Stadtteil vor

Ort besser kennenzulernen.

Sein Buch „Opa, erzähl mal…“ und die

darin enthaltenen „Brucher Geschichten“

werden auch in Zukunft Quelle für unsere

redaktionelle Arbeit sein und uns dann an

Wilhelm Westhues erinnern.


Termine des Seniorenbeirates

(Januar - April)

28. Januar 2020: Tagesfahrt zur Pott`s Brauerei in

Oelde.

Vor dem Besuch der Brauerei ist eine Stadtführung

in Rheda geplant.

Kostenbeitrag: 40 Euro (inkl. Mittagessen)

Anmeldungen und weitere Informationen unter

Telefon 02361-13401 (Herr Stöcker)

6. Februar 2020 – Besuch der Kunsthalle Düsseldorf

(K 20) „Ein unbekannter Edvard Munch“

Rund 140 selten oder noch nie in Deutschland gezeigte

Werke des Norwegers Edvard Munch (1863-

1944).

Geführter Rundgang durch die Ausstellung, Dauer

90 Minuten.

Anschließend Möglichkeit eines individuellen Besuches

der Düsseldorfer Altstadt oder der „Shopping-

Meile“ Königsallee.

Kostenbeitrag incl. Busfahrt, Museumseintritt und

-führung: 30 Euro.

Anmeldungen und weitere Informationen unter Tel.

02361-8496254 (Frau Meinberg)

21. März 2020: eine nicht alltägliche Tagesfahrt

Mit einer historischen Straßenbahn durch das Ruhrgebiet

Stationen der Fahrt sind Oberhausen - Mülheim/

Ruhr - Essen (Mittagspause mit Eintopf) - Zeche

Zollverein (Essen) - Zeche Holland (Bochum) -

Hattingen

Stadtbesichtigung Hattingen und Möglichkeit zum

Abendessen

Rückfahrt 18 Uhr mit einem Bus

Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Personen begrenzt.

Kostenbeitrag: 55 Euro

Anmeldungen und weitere Informationen unter

Telefon 02361-13401 (Herr Stöcker)

16. April 2020 Tagesfahrt

Betriebsbesichtigung der Firma „Teekanne“ in

Düsseldorf.

Anschließend ist eine einstündige Panoramafahrt

mit einem Schiff der KD auf dem Rhein geplant.

Rückfahrt gegen 18 Uhr

Kostenbeitrag: 28 Euro incl. Schiffsfahrt

Anmeldungen und weitere Informationen unter

Telefon 02361-13401 (Herr Stöcker)

Mitteilungen der Redaktion

Möchten Sie uns Ihre Meinung sagen oder

einen Leserbrief oder Artikel schreiben?

Schreiben Sie oder rufen Sie an! Die Adresse

für Ihre Zuschriften bzw. Ihren Anruf:

Herr H.-F. Tamm, Dürerstraße 5, 45659

Recklinghausen, Telefon: 02361/22382

Mail: maria.tamm@gmx.de

oder

Herr M. Mebus, Lessingstraße 37, 45657

Recklinghausen, Telefon: 02361/15405

Mail: michael-mebus@web.de

Wo erhalten Sie die RE-SOLUT?

RE-SOLUT liegt wie immer aus im Rathaus,

im Stadthaus A, in der VHS, in der Stadtbücherei,

in der „Brücke“ im Willy-Brandt-Park,

im Bürgerhaus Süd, in der Stadtbücherei

Süd, im Fritz-Husemann-Haus, im Kreishaus,

in verschiedenen Seniorenheimen, Gemeindehäusern,

vielen Arztpraxen und Apotheken.

Die Zeitung wird auch im Seniorenkino verteilt.

Auch im Internet kann die Seniorenzeitung

gelesen werden: http://t1p.de/8l8q oder über

www.seniorenbeirat-recklinghausen.de.

Dort finden Sie die Ausgaben der letzten drei

Jahrgänge abgespeichert.

Natürlich können Sie die Ausgaben als PDF-

Datei auch auf Ihren Computer oder Ihr Tablet

laden und dann in aller Ruhe lesen.

Wie erreichen Sie die Geschäftsstelle des

Seniorenbeirates?

Geschäftsstelle des Seniorenbeirates:

Stadt Recklinghausen

Fachbereich Soziales und Wohnen

(Fachbereich 50)

Frau Hahn, Raum 2.04 (2. Stock)

Stadthaus A, Rathausplatz 3,

45657 Recklinghausen

Telefon (02361) 50 2111

E-Mail: soziales@recklinghausen.de


Impressum

Verleger:

Stadt Recklinghausen

Fachbereich Soziales und Wohnen

(Fachbereich 50)

Rathausplatz 3, 45657 Recklinghausen

Telefon: 02361 / 50-2111

E-Mail: soziales@recklinghausen.de

Druck:

Schützdruck GmbH, Oerweg 20

45657 Recklinghausen

Gestaltung:

Seniorenbeirat Recklinghausen

Arbeitskreis Medien

Michael Mebus

Verantwortlicher Redakteur i.S.d.P:

Rudolf Koncet (Vorsitzender des Seniorenbeirates

Recklinghausen)

Wiesenstr. 6a, 45659 Recklinghausen

Telefon: 02361/16055

Redaktion:

Bernd Borrmann (bb) - Tel. 8497299

Annegret Grewing (ag) - Tel. 0151 51427973

Jürgen Herrmann (jh) - Tel. 42575

Rudolf Koncet (rk) - Tel. 16055

Sabine Matthias (sm) - Tel. 25154

Michael Mebus (mm) - Tel. 15405

Helmut Peters (hp) - Tel. 4900068

Edelgard Rose (er) - Tel. 21636

Siegfried Stolte (sst) – Tel. 3060612

Hans-Friedrich Tamm (hft) - Tel. 22382

Erika Waida (ew) – Tel. 498183

Detlef Wendt (dw) – Tel. 9044087

Externe Autoren:

Maria Bexen, Norbert Jandt,

Ursula Linneweber, Sandra Paulsen

Auflage:

3.650 Exemplare

Erscheinungsweise:

4 Ausgaben pro Jahr

Liebe Freunde,

das ist so etwas mit der Zeit !

Im Gegensatz zu den Menschen brauche ich

keine Uhr: Morgens wird es hell, abends

dunkel. Das merkt doch jeder.

Ich habe eine innere Uhr, sie tickt fast immer

gleich. Nur wenn die Menschen die Zeit

umstellen, dann habe ich so meine Probleme.

Oder an Wochenenden und Feiertagen wird

es für mich schwierig. Da bleiben sie

morgens immer länger in den Federn und am

Abend dann länger auf.

Aber ich bin ein geduldiger und einsichtiger

Hund und versuche, Verständnis aufzubringen.

Nur manchmal, wenn die Blase drückt,

muss ich mich melden:

anstupsen oder kurz Laut geben.

Ansonsten verlaufen die Tage eigentlich

immer gleich.

Zur Mittagszeit bimmelt draußen etwas.

Frauchen sagt: „Oh, es ist 12.00 Uhr,

die Kirchenglocken läuten.“

Gleichzeitig klappert sie laut mit Töpfen und

Geschirr. Dann weiß ich: Jetzt wird mein Futternapf

gefüllt und frisches Trinken gibt es

auch.

Wenn die Sonne nicht mehr so blendet,

kommt Herrchen nach Hause – er wirft immer

die Autotür fest zu, zum Ärger von Frauchen.

Sie hat dann meistens einen bestimmten Satz

parat.

Später dann Geschirr- und Napfgeklapper:

Abendessen.

Haben wir gespeist, geht plötzlich an einer

Kiste Licht an. Da sprechen, erzählen und

singen Menschen, die aber nicht wirklich bei

uns herumsitzen.

Wird die Kiste wieder dunkel, dann weiß ich:

Jetzt kann ich in mein kuscheliges Körbchen

gehen und „gäähn“– lange, lange schlafen.

Ich wünsche euch allen auch eine gute Zeit.

Euer RE-BELL

(sm)

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