Bei vielen Topmanagerinnen bleibt der Mann zu Hause – ein klassisches Modell mit neuen Rollen. — man

ImpressionsKommunikation

s

LEBEN

Deal fürs

Leben

PAARE Wie passt eine Spitzenkarriere mit einem

erfüllten Privatleben zusammen? Etliche

Topmanagerinnen vertrauen auf ein traditionelles

Konzept: die Einverdienerehe, nur andersherum.

Sie verdient das Geld, er kümmert sich um alles

Übrige.


f

DREAM-TEAM Ursula Soritsch-Renier ge hört seit Juni 2018 als

Group Chief In for ma ti on Of fi cer zum Top ma nage ment von No ‐

kia. Ehe mann James or ga ni siert das Fa mi li en le ben.

U

rsu la So ritsch-Re ni er (52) hat ei gent lich Ur laub,

aber die Fa mi lie muss war ten. Ein ehe ma li ger

Kol le ge möch te sie tref fen. Und so sitzt die obers te IT-

Ma na ge rin von No kia an die sem Ok to ber tag beim

Busi ness lunch. Vor den Fens tern des sehr fei nen und

sehr teu ren Ita lie ners „Ter ras se“ am Lim mat quai

liegt der Zü rich see im Nie sel re gen.


Die nächs te Zeit, das steht be reits fest, wird wie der

mal ge schäf tig. Ant wer pen, Bu da pest, Shang hai, Ban ‐

ga lo re, New York, Dal las, Ot ta wa: So ritsch-Re ni ers

Ter min ka len der ist über Mo na te aus ge bucht, 80 bis

90 Pro zent ih rer Ar beits zeit ver bringt sie auf Rei sen.

Dass zu Hau se al les glatt läuft, dass die Wä sche ge wa ‐

schen, der Kühl schrank ge füllt ist, dass der Sohn (14)

die Haus auf ga ben macht und die Fa mi lie Kon tak te zu

Freun den hält, da für ist Ja mes (59) zu stän dig, ihr

Ehe mann.

Ken nen ge lernt hat die Öster rei che rin ihn in Wien,

1997 war das, er war nach der Kunst hoch schu le aus

Chi ca go nach Eu ro pa ge kom men und ihr Ten nis leh ‐

rer, sie war eine jun ge IT-Pro jekt lei te rin bei Phi lips

und dann rasch sei ne Traum frau.

Seit dem folgt das Le ben des Paa res den Zwän gen ih ‐

res Be rufs. In fünf Län dern hat die Fa mi lie bis lang

ge lebt, in vier Kon zer nen ar bei te te sich So ritsch-Re ni ‐

er durch die Hier ar chi en: Phi lips, No var tis, Sul zer,

seit Juni 2018 ge hört sie als Chief In for ma ti on Of fi cer

& Di gi tal Lea der zum Top ma nage ment von No kia.

Nach ih rem Mit tags ter min im „Ter ras se“, den sie mit

dunk ler Jeans und Ja ckett ab sol viert hat, kommt der

Ehe mann hin zu zum Ge spräch mit ma na ger ma ga ‐

zin, läs sig im Rin gels hirt, ihn zwingt ja kei ne Cor po ‐

ra te Iden ti ty.


f

GANZ ENTSPANNT Star ker Mann, er folg rei che Frau: Phy sio the ‐

ra peut Dirk Weinert be glei tet den Auf stieg sei ner Frau Tamara

seit 20 Jah ren. Sie ver kauft als Vor stand In ter na tio nal Sa les

Stahl für den fin ni schen Kon zern Ou to kum pu und er holt sich

am Wo chen en de bei ihm vom Rei se stress, bei gu tem Es sen und

Ge sprä chen mit mög lichst we nig Job be zug.


Er sagt: „Mei ne Frau kann ohne Schuld ge füh le Kar ‐

rie re ma chen.“

Sie sagt: Er sei ein „ge nia ler Coach“, hel fe ihr, die

Män ner welt zu ver ste hen so wie Ar beit und täg li chen

Druck so zu re flek tie ren, dass es sie wei ter brin ge.

„Hät te ich die sen Weg ohne ihn er folg reich ge hen

kön nen? Er ist ein Teil da von.“ Der Haus mann an ih ‐

rer Sei te brin ge eine „un glaub li che Ruhe in die Fa mi ‐

lie. Wenn ich ar bei ten muss, kann ich ar bei ten.“

„In ter de pen dent“ nen nen die bei den ih ren Be zie ‐

hungs stil. Das klingt bes ser als ab hän gig, meint aber

das sel be: Soll te ei ner aus sche ren, kom men bei de in

Not. Bis lang ging es gut. „Wir ha ben uns“, sagt Ja mes

Re ni er, „gern für die se Le bens form ent schie den.“

Rüt teln am zeit geis ti gen Ide al

Dass ei ner be ruf lich durch star tet und der an de re

nicht, wi der spricht ei gent lich dem Zeit geist – weil es

über Jahr hun der te vor al lem Män ner wa ren, die ihre

be ruf li chen Am bi tio nen aus leb ten, wäh rend die

Frau en ver zich te ten.

Tat säch lich aber ent fal tet das alte Rol len mo dell un ‐

ver dros sen sei nen Reiz – in zwi schen al ler dings auch

mal mit ver tausch ten Rol len. Im Netz werk „Ge ne ra ti ‐

on CEO“ ha ben sich Topf rau en ver sam melt, meist

zwi schen Ende 30 und Mit te 40 und auf pfeil ge ra dem

Weg nach oben. In ei ner Um fra ge leg ten 55 Mit glie ‐

der des Netz werks ihr Be zie hungs mo dell of fen. Das

Er geb nis: 38 Pro zent ha ben ei nen Part ner, der eben ‐


falls am bi tio niert be rufs tä tig ist. Ein wei te res sat tes

Drit tel aber lebt das Ein ver dien er mo dell, mit der

Frau als Haupter näh re rin (sie he Gra fik „Ver teil te Rol ‐

len").

Kar rie re frau en mit Nicht-Kar rie re män nern rüt teln

am Ide al bild der mo der nen Leis tungs ge sell schaft, in

der je des Mit glied je der zeit al les er rei chen kön nen

soll. Zwei ex trem am bi tio nier te Lauf bah nen und Fa ‐

mi lie zu ver ein ba ren, gilt ih nen als Kraft akt, den sie

für sich per sön lich nicht an stre ben. Oder ir gend ‐

wann auf ge ge ben ha ben.

Si cher, es gibt sie, die Paa re, de nen schein bar al les

spie lend ge lingt. Die Ach leit ners (er Auf sichts rats vor ‐

sit zen der, sie Pro fes so rin und Auf sichts rä tin, drei

Kin der) oder die von Schmet tows (sie Ban ken che fin,

er To phead hun ter, fünf Kin der).

Doch sie sind rar und ent fal ten als Vor bil der kaum

Kraft. Viel leicht auch, weil ihre Vita nicht ver all ge ‐

mei ne rungs fä hig ist.

AL TES ROL LEN MO DELL – MIT VER TAU S C H TEN

ROL LEN


f

Topf rau en mit be ruf lich eben so ein ge spann ten Ehe ‐

män nern stam men oft aus Krei sen, in de nen Hoch ‐

leis tung seit Ge ne ra tio nen zum Le bens stil ge hört und


Hin der nis se prag ma tisch aus dem Weg ge räumt wer ‐

den. Da nie la We ber-Rey (62) etwa, pro mi nen te Ge ‐

sell schafts recht le rin und Go ver nan ce-Ex per tin, be ‐

kam die ers te Haus halts hil fe vor über 30 Jah ren von

ih ren eben so auf ge schlos se nen wie ehr gei zi gen El ‐

tern ge stellt – Va ter Dolf We ber zähl te zu Frank furts

To pan wäl ten.

In den meis ten Mit tel schichts fa mi li en da ge gen lässt

die sim ple Fra ge, wer denn zu Hau se aufs kran ke

Kind auf passt, wenn bei de El tern in ih ren Tur bo jobs

mal wie der un ab kömm lich sind, auf Kan te ge näh te

All tags ab läu fe in sich zu sam men stür zen. Dar an ha ‐

ben El tern geld, Ki ta platz ga ran tie und selbst rüh ri ge

Per so nal ma na ger mit aus ge klü gel tem Pro gramm für

Dop pel kar rie ren bis lang we nig ge än dert.

Zwei Spit zen kar rie ren mit Fa mi li en an schluss mö gen

in di vi du ell er fül len und als zeit geis ti ges Ide al die nen.

Zur Ehr lich keit ge hört: Im All tag sind sie nach wie

vor müh sam zu le ben.

Dar um dre hen vie le Ma na ge rin nen die Sa che ein fach

um. Ohne viel dar über zu re den.

Zum Bei spiel Jen ni fer Mor gan (48), neue Co-CEO von

SAP. Sie be zeich net ih ren Ehe mann Mi cha el, mit dem

sie seit 20 Jah ren ver hei ra tet ist, als ih ren „Cheer lea ‐

der: Er gibt mir das Ge fühl, dass al les ge nau rich tig

läuft, so wie es ist“. Die bei den ha ben sich als jun ge

Be ra ter ken nen ge lernt, und Mi cha el stell te schnell

fest, dass sei ne Frau das Zeug hat, sehr weit nach


oben zu kom men. Er ent schied sich da her für die Rol ‐

le des Fa mi li en ma na gers. Küm mert sich um die bei ‐

den Teen ager jungs, nimmt je den Schul ter min wahr

und steu ert al les an de re, was zu Hau se an fällt, wie

ein – so Mor gan – „Di ri gent im Or ches ter gra ben, da ‐

mit ich raus ge hen kann auf die Büh ne der Ge schäfts ‐

welt“.

To le ranz als Ba sis

Oder He le ne von Ro eder (49). Sie küm mert sich im

Vor stands rang um die Fi nan zen von Deutsch lands

größ tem Woh nungs kon zern Vo no via, ihr Mann,

selbst stän di ger Forst wirt, um die drei Kin der.

Han na Hen nig (50) tritt zum Jah res wech sel ih ren

neu en Job als Chief In for ma ti on Of fi cer von Sie mens

an. Der Gat te, eben falls IT-Ex per te, über nimmt ab

und zu frei das ein oder an de re Pro jekt und ist an ‐

sons ten für Haus halt und Fa mi lie (zwei Kin der) zu ‐

stän dig.

Sa bi ne Lau ten schlä ger-Pei ter (55), die Ende Ok to ber

von ih rem Di rek to ren pos ten bei der Eu ro päi schen

Zen tral bank zu rück ge tre ten ist, hat ei nen Hand wer ‐

ker zum Mann, der nach der Ge burt der Toch ter in

El tern zeit ging und spä ter Teil zeit ar bei te te.


f

ZWEITES GLÜCK Michael Kemmer und Cornelia Höß ge hen seit

18 Jah ren ge mein sam durchs Le ben. Die ers te Ehe des frü he ren

Vor stands vor sit zen den der Bay ern LB war ge schei tert: Weil sei ‐

ne Kar rie re im mer vor ging, warf sei ne Frau ir gend wann hin.

Die Me di zin pro fes so rin Höß de fi nier te die Rol len ver tei lung neu.


Heu te tourt sie na he zu un ab läs sig um den Glo bus.

Süd eu ro pa, Mitt le rer Os ten, Asi en, Afri ka, Aus tra li en

– über all sit zen Wei nerts Sa les leu te, die sie mehr mals

im Jahr be sucht. Auch sämt li che Ex por te auf den

ame ri ka ni schen Kon ti nent und nach Ka na da lau fen

über ih ren Schreib tisch. Wei nert ist bei Ou to kum pu

die 1,5-Mil li ar den-Euro-Um satz-Frau – und kann sich

am Wo chen en de zu Hau se in Düs sel dorf-De ren dorf

auf das freu en, was man frü her als „ge mach tes Nest“

be zeich ne te. Trifft Freun de und ge nießt, dass Ehe ‐

mann Dirk das mit dem Ko chen viel bes ser raus hat

als sie. Sie räumt da für die Kü che auf.

Ta ma ra Wei nert (54), Vor stand für In ter na tio nal Sa ‐

les beim fin ni schen Stahl pro du zen ten Ou to kum pu,

be ob ach tet im Le ben ih rer deut schen Freun din nen

im mer wie der das sel be Mus ter: Wäh rend die männ li ‐

che Kar rie re Fahrt auf nimmt, müht die Frau sich mit

den zwei Auf ga ben Job und Kin der ab. Müt ter mit ei ‐

ge nen Am bi tio nen, so Wei nert, „het zen täg lich ei nen

Berg hoch, um es mög lich zu ma chen“. Sie ha ben Ta ‐

ma ra Wei nerts „vol le Be wun de rung“. Für sie selbst

wäre das nichts: „Es er scheint mir ex trem an stren ‐

gend.“

Wei nerts Mann Dirk ist Phy sio the ra peut und un ter ‐

rich tet Neu ro lo gie an ei ner Ge sund heits schu le, er ist

7 Jah re jün ger als sei ne Frau und seit 20 Jah ren an ih ‐

rer Sei te. Als sie sich in Mann heim über den Weg lie ‐

fen, stu dier te er In for ma tik, sie ar bei te te als Se ni or

Credit Of fi cer für die Deut sche Bank in Sin ga pur und

war auf Hei mat be such.


Ihre Be zie hung grün det auf To le ranz für die Zie le des

Part ners, die von den ei ge nen so stark ab wei chen. Sie

„woll te Kar rie re ma chen“, er hat sich „nie dar über

de fi niert“. Bü ro se ri en wie „The Of fice“ schätzt er als

Sa ti re, sie denkt: „ver dammt nah an der Rea li tät“.

Klar ist: Ihre Kar rie re gibt den Takt vor. Er zog zu ihr

nach Sin ga pur, ge mein sam wech sel ten sie nach Mos ‐

kau und spä ter in die Nie der lan de, wo sie für die Vat ‐

ten fall-Toch ter Nuon das Ri si ko ma nage ment und die

Tre a su ry lei te te. Da mals ori en tier te er sich be ruf lich

um, wech sel te von der IT in die Ge sund heits bran che.

Sie ach tet dar auf, sei ne be ruf li chen In ter es sen ih ren

Plä nen nicht kom plett un ter zu ord nen. Statt nach we ‐

ni gen Jah ren wei ter zu zie hen – Wei nert: „Ich bin gern

un ter wegs“ –, blieb sie in den Nie der lan den auf dem

Pos ten, bis er sei ne Aus bil dung be en det hat te.

Ta ma ra Wei nert setzt sich für Frau en in Füh rungs po ‐

si tio nen ein, sie ist Mit glied der In itia ti ve „Frau en in

die Auf sichts rä te“ (Fi dAR) und seit mehr als 25 Jah ‐

ren im in ter na tio na len Ma nage ment er folg reich. Ei ‐

nen Ma na ger als Part ner woll te sie nie und be grün ‐

det das so schlicht wie ehr lich: „Kon kur renz im Pri ‐

vat le ben fin de ich furcht bar.“

Wer darf den nächs ten Schritt ma chen? Wie passt

das Aus lands an ge bot des ei nen Part ners zur ak tu el ‐

len Po si ti on des an de ren? Wer macht sich nach dem

Um zug mit den neu en Nach barn be kannt, sorgt für

so et was wie ein so zia les Um feld, ge wöhnt die Kin der


in der neu en Schu le ein, wenn bei de Ter min ka len der

bis zum An schlag ge füllt sind? Wo bleibt Zeit für Ent ‐

span nung, Muße, Sex? Und wer hört ei gent lich zu,

wenn gleich zwei Top leu te mal je man den zum Re den

brau chen?

Denn der im men se Druck im All tags ge schäft muss

auch bei Top ma na ge rin nen ir gend wann mal raus.

„Ich brau che ein Ge gen über zur De kom pres si on“,

sagt No kia-Frau Ur su la So ritsch-Re ni er: „sich mit tei ‐

len, aus ge hen, Thea ter, ein fach auch mal nichts tun.

Das er laubt mir, hin ter her wie der raus zu ge hen und

zu sa gen: ,Okay, es ist an stren gend, aber ei gent lich

will ich es so, ich habe die Fä hig kei ten für mei nen

Job, und den Stress ste he ich jetzt durch.'“

f


Ja mes Re ni er gibt in sol chen Si tua tio nen be reit wil lig

den Spar rings part ner. Und geht hin ter her zum Gol ‐

fen, manch mal ta ge lang.

Wor um sei ne Frau ihn durch aus be nei det, vor al lem

wenn es im Job mal nicht so toll läuft. Dass die kom ‐

plet te öko no mi sche Ver ant wor tung für das Wohl er ge ‐

hen der Fa mi lie bei ihr lie ge, „das habe ich nicht in

die Wie ge ge legt be kom men“, sagt So ritsch-Re ni er.

Sie hat es mit den Jah ren ak zep tiert. „Und in Mo men ‐

ten des Ha derns muss man sei nen Kopf ein schal ten:

Was hat man am an de ren? Was will man wirk lich im

Le ben?“

Sonst schnappt schnell die Re spekt fal le zu, be kannt

aus der klas si schen Ein ver die ner ehe männ li cher Prä ‐

gung ("Heim chen am Herd"). Ei nen der pro mi nen tes ‐

ten Fäl le jün ge rer Zeit lie fer te Tors ten Al big (56), da ‐

mals Mi nis ter prä si dent Schles wig-Hol steins, der zur

Tren nung von sei ner Frau in ei nem „Bun te“-In ter ‐

view im Früh jahr 2017 die Be grün dung an führ te, mit

der Mut ter sei ner bei den Kin der habe er sich nur

noch in „ganz we ni gen Mo men ten auf Au gen hö he

aus ge tauscht“. Sei ne Frau sei viel mehr „in der Rol le

als Mut ter und Ma na ge rin un se res Haus hal tes ge fan ‐

gen“ ge we sen. Mit sei ner neu en Part ne rin, der PR-

Un ter neh me rin Bär bel Boy (51), pas se es viel bes ser.

Mit den mar ki gen Wor ten ver sem mel te Al big sei ne

Wie der wahl, heu te ist er Chef lob by ist für DHL in

Brüs sel.


Angst vor dem Ver sa ge ri mage

Das Ver sa ge ri mage ist auch in der um ge kehr ten Ge ‐

schlech ter rol le schnell kre iert. „Na tür lich hat es

schon ko mi sche Bli cke ge ge ben, ver bun den mit dem

Satz: „Wie? Dein Mann ar bei tet wirk lich gar nicht?“,

er zählt Ur su la So ritsch-Re ni er. Und Dirk Wei nert ist

es ein mal pas siert, dass ein Par ty gast in den USA den

Small Talk ab rupt be en de te und ihn ste hen ließ, als

er sei nen Be ruf nann te – zu un in ter es sant für das

Ma nage ment-Ge gen über. Seit her nimmt sei ne Frau

Events im be ruf li chen Um feld meist al lein wahr.

Wenn der An lass die Be glei tung durch den Part ner

er for dert, geht er mit und hält es halt aus.

Hin ter dem Ar beits wahn der Män ner steckt An pas ‐

sungs druck, ver mu tet der Mar bur ger So zio lo ge Mar ‐

tin Schrö der. Er wer te te die Da ten des So zio öko no mi ‐

schen Pa nels aus und setz te Le bens zu frie den heit und

Ar beits auf kom men der Teil neh mer ins Ver hält nis.

Er geb nis: Die meis ten füh len sich be son ders wohl,

wenn sie ex trem viel ar bei ten – und mehr ver die nen

als ihre Frau.

Nur so steht man als Mann zu ver läs sig auf der Hel ‐

den sei te, schließt Schrö der mit Ver weis auf gän gi ge

so zio lo gi sche Theo ri en. Das Bre chen mit Kli schees

hat weit rei chen de Fol gen, auch das zei gen em pi ri ‐

sche Stu di en: „Ehe paa re, bei de nen der Mann auf

dem Ar beits markt we ni ger er folg reich ist, las sen sich

häu fi ger schei den, sind un zu frie de ner, ha ben we ni ‐

ger und schlech te ren Sex.“ So stark ist der Rol len ‐

druck, dass bes ser ver die nen de Frau en mit grö ße rer


Wahr schein lich keit ganz aus dem Ar beits markt aus ‐

stei gen, um den Gat ten nicht zu über flü geln. Schrö ‐

der: „Öko no misch ist das voll kom men ir ra tio nal,

schließ lich kön nen sie ja „ef fi zi en ter“ (also mit we ni ‐

ger Auf wand) mehr Geld nach Hau se brin gen.“

Es ge hört ei ni ges an Mut dazu, sich ge gen der lei Rol ‐

len vor ga ben zu im mu ni sie ren. Ja mes Re ni er hat

nach sei nem Kunst stu di um in Eu ro pa un ter rich tet

und sei ne Ar bei ten in ter na tio nal aus ge stellt. Dass er

ein Mann sei, dar an hege er „kei ner lei Zwei fel“, be ‐

merkt er mit ei nem Lä cheln. „Was das The ma Kar rie ‐

re an geht, den ke ich gender neu tral.“ Und nach der

Ge burt des Soh nes hat te er dann halt an de re Prio ri tä ‐

ten: Stän dig Kon tak te zu pfle gen, Ver nis sa gen zu be ‐

su chen und un ter wegs zu sein, „das war für mich un ‐

in ter es sant mit ei nem Neu ge bo re nen.“


f

ANTIHELD Für PR-Be ra te rin Bärbel Boy ver ließ Torsten Albig sei ‐

ne Frau. Ihm fehl te „Aus tausch auf Au gen hö he“.


Die Klein kind pha se hat er voll durch ge zo gen. In ei ‐

nem Dorf am Stadt rand von Bos ton, wo sei ne Frau

für Phi lips ar bei te te, pfleg te er den Kon takt zu den

Fa mi li en der Nach bar schaft und ging je den Diens tag

zum Kaf fee trin ken mit dem Müt ter zir kel. Über das

In ter net such te er sich eine Grup pe Stay-at-Home-

Dads. Schließ lich über re de ten ihn Nach barn, sich als

Stadt rat auf stel len zu las sen. Er ver lor, aber ging fort ‐

an als „Mini-Ce le bri ty“ durch den Ort.

Auch Al pha män ner den ken um

Wie die Wei nerts su chen sich auch die Re ni ers ihre

Freun de nicht im Um feld der Fir ma, sagt die No kia-

CIO: „Wir brau chen Men schen um uns, die un se re

Wer te tei len.“ Zum Freun des kreis der Wei nerts ge ‐

hört das Tan go leh rer paar, bei dem sie in den Nie der ‐

lan den Un ter richt nah men. Re ni ers la den an je dem

neu en Wohn ort die Nach barn zur selbst ge koch ten

Gu lasch sup pe ein. In der Schweiz fan den sie Kon tak ‐

te über den Bei tritt zum Freun des kreis ei nes Fo to gra ‐

fie mu se ums. Ja mes Re ni er gab Ten nis- und Eng lisch ‐

un ter richt an ei ner Pri vat schu le für Ex pa tria te-Kin ‐

der.

Ta ma ra Wei nert, Ur su la So ritsch-Re ni er, He le ne von

Ro eder, Han na Hen nig und ihre Part ner sind Pio nie ‐

re auf dem Feld der Ge schlech ter be zie hun gen. Nach

An ga ben des Sta tis ti schen Bun des amts be läuft sich

der An teil der deut schen Haus hal te, in de nen nur die

Mut ter für das Er werbs ein kom men sorgt, auf ge ra de

mal 5 Pro zent.


Ob es mehr wer den? Auch männ li che Top ma na ger

tra gen dazu bei, die Ver krampft heit um die Rol len ‐

mo del le auf zu lö sen. Es gibt et li che Spit zen kräf te, die

ih rer Frau die Büh ne über las sen – al ler dings meist

erst, wenn sie selbst ihre Duft mar ken ge setzt ha ben.

Con ti nen tal-Per so nal vor stän din Aria ne Rein hart (50)

ist mit ei nem ehe ma li gen hoch ran gi gen VW-Ma na ger

ver hei ra tet. Bei de woh nen an der Ost see, er ma nagt

das ge mein sa me Le ben. Sie steht voll in der Ver ant ‐

wor tung und schlägt sich un ter der Wo che in Han no ‐

ver mit dem kri seln den Au to zu lie fe rer her um, der

20.000 Stel len ab bau en will.

Als Sa bi ne Eck hardt (47), bis Ende April Vor stän din

Mar ke ting und Ver trieb des Me di en kon zerns Pro Sie ‐

ben Sat.1, vor knapp zehn Jah ren ih ren Mann Mat thi ‐

as Kind ler (56) ken nen lern te, führ te er eine er folg rei ‐

che mit tel stän di sche Kom mu ni ka ti ons agen tur. Schon

be vor sie den Spit zen job an trat, be schloss er, ih ret ‐

we gen kürz er zu tre ten. Seit dem hält er Vor trä ge, gibt

Se mi na re und lehrt an Hoch schu len im In- und Aus ‐

land.

Auch Mi cha el Kem mer (62) hat eine er folg rei che Frau

an sei ner Sei te. Der ehe ma li ge Haupt ge schäfts füh rer

des Bun des ver bands deut scher Ban ken und frü he re

Chef der Bay ern LB hat in zwei ter Ehe Cor ne lia Höß

(62) ge hei ra tet, eine Me di zi ne rin und Pro fes so rin.

Seit 18 Jah ren sind sie zu sam men, vor vier Jah ren ha ‐

ben sie sich trau en las sen. Bei den er öff ne te der Be ruf

des an de ren eine neue Welt, er zählt Kem mer: Sie hat


Ach tung vor sei nem Steu er be ra ter wis sen, er vor der

Auf ga be der Ärzte.

Sei ne ers te Ehe frau, eine ge lern te Heb am me, be glei ‐

te te Kem mer beim Auf bau sei ner Kar rie re und zog

die drei Kin der groß. Sein Job stand im mer im Mit tel ‐

punkt, ihr Le ben lief so ne ben bei. Bis sie ihn ver ließ.

Eine bit te re Er fah rung, aus der Kem mer ge lernt hat.

Der neu en Ge fähr tin hat er mehr Raum ge las sen.

Auch weil er die schwie ri ge Fa mi li en pha se be reits

hin ter sich hat te und mit den Jah ren bes ser um sei ‐

nen Wert wuss te: „Wenn sich der ei ge ne be ruf li che

Er folg schon ein ge stellt hat, wächst die Sou ve rä ni tät.“

Frau en kar rie ren? Kem mer wür de sie, wäre er noch

in ope ra ti ver Ver ant wor tung, auch wei ter hin för ‐

dern, schon mit Blick auf die ei ge nen Töch ter.

Wenn mehr Män ner so den ken, wenn mehr Frau en

an die Spit ze kom men und Res sen ti ments ge gen un ‐

kon ven tio nel le Le bens mo del le ver schwin den, könn te

al les ent spann ter wer den. So schwer ist es ja gar

nicht, wie Ur su la So ritsch-Re ni er re sü miert: „Nicht je ‐

der Tag ist lus tig. Aber im mer wenn wir es durch ‐

spre chen, kom men wir zu dem Schluss: „Es passt!“

Eva Buchhorn

$ FAC E B O O K

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manager magazin 12/2019

ABBILDUNGEN: Anne Morgenstern für manager magazin; Julia Sellmann für manager magazin;

Daniel Delang für manager magazin; André Mischke / Agency People Image

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