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Die Malteser-Zeitung 3/2019

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3-4/2019

EMT-Training und Bundesübung in Steyregg

30 Jahre Mauerfall Berlin: Festakt für die Freiheit

Hochschule Heiligenkreuz: Gelebter Glaube


INHALT

IMFOKUS

04 Malteser International –

Für ein Leben in Gesundheit und Würde

RELIGIONAKTUELL

10 Hochschule Heiligenkreuz:

Gelebter Glaube und Dogmatik von morgen

VORBILDER

13 Helmut Lutz, MALTESER Care: Führungsstil mit Herz

LEBENSWERT

14 „In so einer Welt will ich leben!“ – Inklusion im

Wiener Konzerthaus

15 Onkologie der Barmherzigkeit – Begleitung statt

Euthanasie

04 10

MALTESERÖSTERREICH

16 Berichte aus den Bundesländern:

Vielfältige Initiativen und Dienste

RÜCKBLICK

42 Dem Hunger entkommen – Amerikanische Hilfsprogramme

nach dem Ersten Weltkrieg

44 30 Jahre Mauerfall Berlin

RUNDSCHAU

50 Para Rowing – Rudern bietet Inklusion pur

52 Der Bau des MALTESER Ordenshauses hat begonnen

54 Roma-Hilfe in Ungarn

MALTESERWELTWEIT

55 Internationales MALTESER Sommerlager in Ettal

56 Die Menschlichkeit nicht aus dem Blick verlieren

58 Ganz anders gemeinsam – Erstes österreichisches

Libanoncamp

60 MALTESER in der Schweiz

63 Feierliches zu Ehren der Mutter Gottes in Šaštín,

Slowakei

63 Ein guter Schritt – Zusammenarbeit mit der

Slowakei

14

32

MEDIZINAKTUELL

64 Muskeltraining kann Leben retten

GELESENEMPFOHLEN

66 Interessante Neuerscheinungen

43 64

TAGEBUCH

68 Menschen und Events

70 In Memoriam

ÜBERBLICK

75 Termine und Kontakte

Spenden

Bitte verwenden

Sie den beiliegenden

Zahlschein!

IHRE SPENDE IST

STEUERLICH

ABSETZBAR

2

DIE MALTESER 3-4/2019


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

lassen Sie mich mit einer persönlichen Anekdote beginnen:

Ich saß kürzlich mit einem guten Freund zusammen. Er ist

Geschäftsführer eines internationalen Unternehmens und

berichtete mir freudvoll-erstaunt, „wie gut auf einmal alle

in der Firma zusammenarbeiten, sogar abteilungs- und

länderübergreifend, wenn man sie einfach machen lässt“.

Mich erstaunt ein solches Teamwork nicht. Bei den Maltesern

ist es gang und gäbe – natürlich nicht „immer schon“.

Auch bei uns hat sich diese gelingende Form des Miteinanders

erst mit der Zeit entwickelt. Aber seit wir begonnen

haben, innerhalb unserer Organisation und unserer Werke

weniger auf Hierarchien zu setzen, starre Regeln durchlässiger

zu gestalten und das gemeinsame Ziel – nämlich

dem Nächsten in Not zu helfen und ihm im Sinne christlicher

Nächstenliebe zu dienen – in den Vordergrund aller

Tätigkeiten zu stellen, ist das Miteinander viel einfacher,

lebendiger geworden.

Ein ganz aktuelles und sehr gutes Beispiel ist unsere alljährliche

Bundesübung, die wir dieses Jahr gemeinsam mit den

Johannitern, dem Samariterbund, der Freiwilligen Feuerwehr

und Malteser International in Steyregg durchgeführt

haben. Das Bündeln der Kräfte, der vielfältigen Kompetenzen

und der individuellen Teamstärken hat uns insgesamt

stärker gemacht. Wir haben erlebt, wie viel mehr und besser

wir gemeinsam bewegen können, wie wir schneller und mit

Freude voneinander und aus Fehlern gemeinsam lernen. Es

finden die „richtigen“ Ressourcen fast von allein zusammen,

die Motivation aller Beteiligten „stimmt“, Verantwortung

wird gemeinsam getragen, und die Arbeit ist weniger anstrengend.

Lassen wir uns also unsere Freude nicht verderben,

hören wir nicht auf jene, die alles schlecht reden oder

besser wissen und denen man es sowieso nie recht machen

wird können, leben wir das „Miteinander“.

Warum übertragen wir diesen Wirkmechanismus nicht

auch auf andere Bereiche in unserem Leben – auf unser

Miteinander in der Familie, in der Gemeinde, im beruflichen

Umfeld, im Freundeskreis, in der Politik, in der Kirche, im

ganzen Land? Hier treffen wir auf unterschiedlichste Menschen

mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Stärken, die

– klar sichtbar gemacht und passend eingesetzt – viel Gutes

bewirken können.

Diese Gedanken möchte ich Ihnen, Ihren Familien und Ihren

Freunden gerne für die letzten Wochen des Jahres 2019

mitgeben. Wer weiß, wie viel Schönes und Positives dann im

Neuen Jahr daraus entstehen wird?

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2,

Telefon: 01/512 72 44, E-Mail: presse@malteser.at.

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren

dieser Ausgabe: Beatrice Austerlitz, Thomas Braun, Susanna Cho,

Marie Czernin, Ursula Dehne-Kinz, Monika Feuchtner, Anton Gatnar,

Angelika Gerstgrasser, Charlotte Hartwig, Petra Hellmich, Gabriel

Maria Hofstätter, Georg Holzhausen, Joachim Jauer, Markus Kirchschlager,

Florian Kremslehner, Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn,

Annelie Lechner, Lukas Lienhart - IEF, Georg Male, Christoph Martin,

Richard Mischak, Barbara Piazza-Georgi, Barbara Rammerstorfer,

Stefan Reisigl, Pamo Roth, Katharina Schaufler, Jürgen Siekmann, Richard

Steeb, Fabian Steppan, Udo Thianich-Schwamberger, Verena Trentini,

Martin Graf von Walterskirchen, Manuel Weinberger, Susanne Wick,

Olympia Wimpffen. Text und Lektorat: Edith Holzer, Ute Maybach.

Fotos: Regina Aigner/BKA, Majoros Árpád/MMSZ, Projekt Chavore,

davideucaristia/Pixabay.com, NLK Filzwieser, Markus Haslinger,

Robert Herbst, kbs, Bernhard Keprt, Barbara Knapp, Christian

Lendl, Malteser Deutschland, Malteser International, Malteser Ungarn,

LAKM - Order of Malta Lebanon, NÖ LandReg., Alexi Pelekanos,

SOCIETY Pobaschnig, Alois Pommer Vienna, Klaus Pressberger,

Rawpixel.com/Shutterstock.com, Ripak, Cornelia Rüben, Franz-Josef

Rupprecht, Michael Schallner, Theresia Stolberg, Valentina Walderdorff,

Tanja Werner, Julia Wesely, Wiener Konzerthaus, Peter Zimen.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für

beiderlei Geschlecht. Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050

Wien. Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: November 2019

DIE MALTESER 3-4/2019 3


IMFOKUS

MALTESER INTERNATIONAL

FÜR EIN LEBEN IN

GESUNDHEIT UND WÜRDE

Jahresbericht

1

Malteser International ist das internationale humanitäre Hilfswerk des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens, der sich

seit über 900 Jahren für Arme und Kranke auf der ganzen Welt einsetzt.

Von Susanna Cho

Mehr als 900 Experten von Malteser International sorgen

in verschiedenen Programmen weltweit für ein besseres

Leben, insbesondere durch eine verbesserte Grundversorgung

in den Bereichen Medizin und Gesundheit,

Ernährung sowie Wasser und Hygiene. In vielen Ländern

wird eng mit lokalen Partnerorganisationen zusammen

gearbeitet, um von ihren Kenntnissen der örtlichen Besonderheiten

zu profitieren und um die Hilfe auch langfristig

vor Ort zu verankern.

BUNDESÜBUNG IN STEYREGG

Bei akuten Naturkatastrophen und gewaltsamen Konflikten

kann Malteser International schnell und effektiv Nothilfe

zu den Menschen bringen. Viele der über 100 Projekte

weltweit sind langfristig angelegt und zielen darauf

ab, die Kapazitäten der lokalen Gemeinden nachhaltig zu

stärken.

Mit Richard Steeb, als Kanzler des Souveränen Malteser-

Ritter-Ordens, Großpriorat von Österreich und gleichzeitig

auch Vizepräsident von Malteser International, sind beide

Strukturen bereits eng miteinander verbunden. So stehen

auch einige österreichische Malteser als einsatzbereite Experten

für Nothilfe-Einsätze von Malteser International

im Ausland bereit. Bei der gemeinsamen Bundesübung in

Steyregg im September konnten die Kräfte beider Organisationen

gemeinsam für den Katastrophenfall üben.

Medizinische Notfallteams sorgen weltweit für schnelle Hilfe im Krisenfall. Naturkatastrophe, Krieg, Hungersnot, Verkehrsoder

Freizeitunfall, aber auch Spontangeburt – in all diesen Ausnahmesituationen kommt der schnellen und professionellen

Ersthilfe vor Ort eine enorme Bedeutung zu. Bei der jährlichen Bundesübung der MALTESER Austria, diesmal von 27. bis

29. September, wurden Abläufe geübt und optimiert, die eigenen Fähigkeiten erweitert und Erfahrungen ausgetauscht.

Im Rahmen der Bundesübung absolvierte Malteser International ein EMT-Training (Emergency Medical Team) und simulierte

den Katastropheneinsatz nach einem Erdbeben. Darüber hinaus sorgt seit Oktober 2019 ein neues Büro von Malteser

International in Wien dafür, dass national und international zukünftig noch enger zusammengearbeitet wird.

Um im Ernstfall schnell und effizient Hilfe zu leisten,

bereiteten sich rund 260 Personen im Rahmen der

Bundesübung von Malteser Austria auf anspruchsvolle

nationale und internationale Einsätze vor. Bei der diesjährigen

dreitägigen Bundesübung wurden auch Ein-

satzkräfte der Johanniter-Unfallhilfe Österreich, des

Arbeiter- Samariter-Bundes Österreich und der Freiwilligen

Feuerwehr Steyregg eingebunden. International

koordiniert die Weltgesundheitsorganisation (WHO)

medizinische Nothilfeeinsätze mit ausgebildeten Not-

4

DIE MALTESER 3-4/2019


IMFOKUS

fallteams. Seit der Zertifizierung eines EMT1-Teams

von Malteser International durch die WHO im Jahr

2018 können auch österreichische Malteser für weltweite

Kriseneinsätze angefragt werden.

Simulation von komplexen Notfallsituationen

Schwerpunkte der diesjährigen Bundesübung waren

pädiatrische Notfälle, die Versorgung nach Schussverletzungen,

die Rettung von Personen aus verunfallten

Fahrzeugen sowie die Erstbehandlung von Erdbebenopfern

durch das EMT1-Team. Mehr als 40 Rollenspieler,

darunter zahlreiche Kinder, sorgten für einen möglichst

realistischen Übungsablauf. Durch die Simulation komplexer

Situationen wurden Entscheidungs- und Handlungsabläufe

optimiert, um in einem Ernstfall schnell

professionell Hilfe zu leisten.

Dreitägige Bundesübung von Malteser Austria gemeinsam

mit Malteser International und dem EMT-Team von Malteser

International, der Johanniter-Unfallhilfe Österreich,

dem Arbeiter-Samariter-Bund Österreich und der Freiwilligen

Feuerwehr Steyregg.

Gemeinsam noch schneller helfen

Malteser Austria setzte bei der diesjährigen Bundesübung

neben der Katastrophenhilfe auch auf klassische

Tätigkeiten des Rettungsdienstes sowie auf Erfahrungsaustausch,

Teamarbeit und Gemeinsamkeit. „Die Zusammenarbeit

von internationalen Einsatzteams und lokalen

Rettungskräften stellt im Ernstfall eine der großen

Herausforderungen dar. Dem Training und dem gemeinsamen

Üben im Vorfeld kommen ein enormer Stellenwert

zu. Wenn Hilfsorganisationen – national und international

– eng vernetzt zusammenarbeiten, vergrößert

dies unseren Wirkungsradius und hebt die gemeinsame

Kompetenz“, freut sich der Kommandant des Malteser

Hospitaldienst Austria, Mag. Richard Wittek-Saltzberg,

über den Schulterschluss der Hilfsorganisationen bei

der heurigen Bundesübung. Dies unterstützt auch Ingo

Radtke, Generalsekretär von Malteser International:

„Wir haben einige Teile der Übung mit den Kollegen aus

Österreich gemeinsam durchgeführt und bedanken uns

für die tolle Kooperation bei den Vorbereitungen des

Trainings sowie bei unseren Gastgebern Nathalie und

Niklas Salm-Reifferscheidt, die uns die Räumlichkeiten

und den Grund für diese wichtige Übung zur Verfügung

gestellt haben.“

DIE MALTESER 3-4/2019 5


IMFOKUS

DAS MALTESER INTERNATIONAL EMT-TEAM

IST FÜR DEN EINSATZ BEREIT

Was konkret ist ein EMT (Emergency Medical Team)?

• Zu einem Emergency Medical Team (EMT) gehören erfahrene Experten der humanitären Hilfe, unter anderem

Ärzte, Rettungssanitäter und Logistiker.

• Das EMT muss mindestens zwei Wochen lang einsatzfähig sein und sich in dieser Zeit autark versorgen können.

Die Ausrüstung der Gesundheitsstation hat einen Umfang von 51 Kubikmetern und ein Gewicht von 8,8 Tonnen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zertifiziert seit 2016 Emergency Medical Teams (EMTs): Zertifizierte

EMTs werden in das EMT-Register der WHO aufgenommen, wie auch das EMT von Malteser International im

November 2018.

• Nach einer Naturkatastrophe kann die WHO Malteser International für einen Einsatz anfragen. Sagt Malteser

International dem Einsatz zu, muss das EMT innerhalb von 72 Stunden in der Katastrophenregion sein.

• Bei regelmäßigen Übungen kommen die Experten von Malteser International zusammen, um die Arbeit im Team,

die Verladung und den Aufbau der Gesundheitsstation sowie jeden Handgriff für den Ernstfall erproben zu können.

Bitte text

6

DIE MALTESER 3-4/2019


IMFOKUS

MALTESER INTERNATIONAL ERÖFFNET

ÖSTERREICHBÜRO IN WIEN

Seit Oktober 2019 sorgt ein neues Büro von Malteser

International in Wien für eine noch bessere Zusammenarbeit

zwischen Malteser Austria und Malteser

International.

Experten für den Ernstfall gesucht!

Werden Sie Teil des Pool of Experts

von Malteser International:

mint.ngo/expertenpool

© CARMEN WOLF

Kontakt

Malteser International – Team Nothilfe

Grüner Weg 12–14, 50825 Köln

Telefon: +49-221-96441-112

E-Mail: emergency@malteser-international.org

Mit freundlicher Unterstützung:

© MALTESER INTERNATIONAL / TOBIAS KANN

Nothilfe Expertenpool

NOTHILFE-EINSÄTZE 2019 VON MALTESER

INTERNATIONAL

© i-stockphoto

Syrien: Medizinische Nothilfe

Aufgrund der jahrelangen Kampfhandlungen in Syrien sind

die staatlichen Gesundheitssysteme kollabiert. Über unsere

lokalen Partnerorganisationen stellt Malteser International

für Syrer, die Kriegsverletzungen erlitten haben oder chronisch

erkrankt sind, die medizinische Notversorgung sicher.

Bahamas: Wiederaufbau-Hilfe nach Hurrikan „Dorian“

Im September 2019 trifft Hurrikan Dorian mit Windgeschwindigkeiten

von bis zu 295 km/h auf die Inseln der Bahamas.

Der Sturm trifft die schwächsten Bevölkerungsteile

und zerstört ganze Dörfer. Malteser International hilft den

betroffenen Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser und

Schulen.

Mosambik: Cholera-Prävention nach Zyklon „Idai“

Zyklon Idai verursacht im März 2019 massive Zerstörungen

in Ostafrika. Die Überschwemmungen setzen weite

Flächen Mosambiks unter Wasser, die Menschen verlieren

die Dächer über ihren Köpfen und ihren Zugang zu Wasser.

Malteser International hilft beim Wiederaufbau einer zerstörten

Schule und führt in stark betroffenen Gemeinden

Hygieneschulungen durch, um eine Ausbreitung tödlicher

Erkrankungen wie Cholera zu verhindern.

DIE MALTESER 3-4/2019 7


IMFOKUS

MALTESER INTERNATIONAL: WELTWEITE HILFE

FÜR EIN LEBEN IN GESUNDHEIT UND WÜRDE

Mit Hilfe von Spenden konnte Malteser International im vergangenen Jahr weltweit vielen Menschen in Not helfen:

Lateinamerika:

Millionen Venezolaner

auf der Flucht

Die humanitäre Lage in

Afrika bleibt komplex

Krieg, Gewalt, Flucht

und Vertreibung im

Nahen Osten

Asien: Gebeutelt durch

zunehmende Naturkatastrophen

und langanhaltende

Krisen

Die Venezuelakrise spitzt

sich seit Jahren dramatisch

zu. Über drei Millionen Menschen

sind vor dem Elend

und Hunger aus ihrer Heimat

geflohen. In Haiti kämpfen

die Menschen weiterhin mit

den Folgen der jahrelangen

Armut und politischer Instabilität.

Bewaffnete Konflikte sind

der Hauptgrund für humanitäre

Krisen in Afrika. Die

Menschen leiden unter der

anhaltenden Gewalt und

ihren Folgen: Vertreibung,

Hunger und Epidemien wie

Ebola oder Cholera. Weiterhin

kämpft der Kontinent

mit strukturellen Problemen

wie einer hohen Jugendarbeitslosigkeit

und einer wenig

nachhaltigen landwirtschaftlichen

Produktion.

Durch die Kriege in Syrien

und im Irak haben Millionen

Menschen ihre Heimat

verloren. Ihre Häuser und

Lebensgrundlagen sind oftmals

zerstört worden. Viele

der Menschen leben unter

desolaten Bedingungen in

Flüchtlings- und Vertriebenencamps.

Mit zahlreichen Taifunen auf

den Philippinen, Überflutungen

in Indien und Myanmar

und gleich zwei Tsunamis

in Indonesien wurde Asien

wieder besonders hart von

Naturkatastrophen getroffen.

Langandauernde Krisen,

wie die Flüchtlingskrise der

Rohingya in Myanmar und

Bangladesch, stellten die humanitären

Helfer vor große

Herausforderungen.

20.000 Menschen

sauberes Wasser

zugänglich gemacht ✓

14.300 Geflüchteten geholfen ✓

7.400 Menschen medizinisch

behandelt und ihre Ernährungssituation

verbessert ✓

930.700 Menschen

medizinisch behandelt ✓

190.000 Menschen

Zugang zu sauberem

Wasser gegeben ✓

606.000 Menschen auf

der Flucht geholfen ✓

778.700 Geflüchteten

geholfen ✓

689.300 Menschen

medizinisch behandelt ✓

286.400 Menschen

medizinisch behandelt ✓

135.500 Menschen

Zugang zu sauberem

Wasser gegeben ✓

135.000 Menschen auf der

Flucht geholfen ✓

DAS SCHÖNSTE GESCHENK ...

EINE SICHERE GEBURT

Zahlen gerundet

Zwillinge! Evaline (28 Jahre alt) ist sehr erleichtert. Die Geflüchtete

aus Burundi lebt mit ihrem Mann im Mtendeli Flüchtlingscamp

in Tansania. Erst kurz vor der Entbindung erfuhr sie von

dem doppelten Glück, das sie erwarten würde. Eines der Babys

lag jedoch ungünstig, die Aussichten für eine natürliche Geburt

waren schlecht. Im Geburtshaus, das Malteser International

errichtet hat, konnte sie zum Glück einen Kaiserschnitt vornehmen

lassen. Allen dreien geht es heute gut. Foto: Nyokabi

Kahura/Malteser International

Für Frauen auf der ganzen Welt sollte die Schwangerschaft

eine schöne und erfüllende Zeit sein. Häufig wird

8

DIE MALTESER 3-4/2019


IMFOKUS

die Vorfreude jedoch begleitet von großen Sorgen. „Kann

ich das neue Leben gesund auf die Welt bringen?“, ist die

Angst vieler werdender Mütter. Denn eine medizinische

Versorgung im Zuge einer Geburt ist in vielen Ländern leider

nicht selbstverständlich.

Ein ungünstiger Sitz des Babys im Becken der Mutter,

unregelmäßige Wehen, Infektionen, ein Muttermund,

der sich nach Stunden nicht öffnet, oder starke Nachblutungen,

die nicht enden wollen – die Komplikationen

sind vielfältig und allzu häufig. Werden sie nicht professionell

medizinisch behandelt, ist insbesondere in strukturschwachen

Ländern der Tod von Babys nicht selten die

tragische Folge. Allein in Tansania starben im Jahr 2018

über 44.000 Neugeborene während der Entbindung oder

kurz danach.

Im Norden Kolumbiens: Die 21 Damen haben ihre Ausbildung

in pränataler und postnataler Vorsorge absolviert. Die

Hebammen gehören der indigenen Minderheit Wayuu an.

Sie sind jetzt imstande, Komplikationen in der Schwangerschaft

zu erkennen und wichtige Hilfsmaßnahmen einzuleiten.

In den ersten Lebensmonaten der Babys stehen sie den

Müttern bei der Erstversorgung unterstützend zur Seite.

Foto: Malteser International

Malteser International steht weltweit schwangeren Frauen

zur Seite, um die gesundheitlichen Risiken während

ihrer Schwangerschaft und Geburt zu minimieren. In Kolumbien

beispielsweise lebt das indigene Volk Wayuu, dessen

Angehörigen in den meisten Fällen mittellos sind. Sie

benötigen dringend Unterstützung in der medizinischen

Versorgung schwangerer Frauen. Malteser International

bietet den traditionellen Geburtshelferinnen Weiterbildungskurse

an, so dass sie eine hygienische Entbindung

vornehmen können und darin geschult sind, Komplikationen

frühzeitig zu erkennen.

In der Demokratischen Republik Kongo und in Tansania

hat Malteser International Geburtshäuser nach modernen

medizinischen Standards errichtet, in denen auch

Kaiserschnitte vorgenommen werden können. Hier können

insbesondere weibliche Flüchtlinge aus dem Südsudan

bzw. aus Burundi auf eine professionelle medizinische

Versorgung für Schwangere vertrauen.

Medizinisch ausgebildete Hebammen und Chirurgen begleiten

Geburten professionell und nehmen zur Not auch

Kaiserschnitte vor. Foto: Nyokabi Kahura/Malteser International

Die Geburtshilfe rettet täglich Leben und ist

ohne Spenden nicht möglich.

Schenken Sie dieses Jahr zu Weihnachten das

schönste Geschenk und spenden Sie für eine

sichere Geburt! mint.ngo/spenden

Die Malteser International Geburtsklinik im Mtendeli

Flüchtlingscamp, Tansania: Eine Schwangerschaft in einem

Flüchtlingscamp ist meist beschwerlich. Die Geburtsklinik

von Malteser International bietet werdenden Müttern eine

sichere Zuflucht für ihre Entbindung. Foto: Nyokabi Kahura/

Malteser International

DIE MALTESER 3-4/2019 9


RELIGIONAKTUELL

HOCHSCHULE HEILIGENKREUZ: GELEBTER

GLAUBE UND DOGMATIK VON MORGEN

Wo Spiritualität zum Anziehungspunkt für immer mehr junge Menschen und zukunftsorientiert Denkende wird, steckt das

Stift Heiligenkreuz dahinter. Ein Gespräch mit dem neuen Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, Wolfgang Buchmüller.

Von Udo Thianich-Schwamberger und Katharina Stögner

Herr Professor Buchmüller, Sie sind ein Ordensmann.

Was hat Sie seinerzeit ins Kloster und

schließlich nach Heiligenkreuz verschlagen?

Ich war 17 Jahre alt, als ich zum ersten Mal das Gefühl

hatte, dass der liebe Gott etwas von mir im Leben wollen

würde. Der Ruf oder der Mut und die Konsequenz dazu

haben aber noch gefehlt. Klöster haben mich allerdings

mein ganzes Leben schon fasziniert. Eindrucksvoll seit

meinen Kindertagen habe ich das Benediktinerkloster

Beuron in Erinnerung, vor allem die wunderschöne lateinische

Liturgie. Dabei fand ich Latein als Jugendlicher

in der Kirche oft sehr nervig.

Es hat Sie dennoch nicht vom Eintritt in einen

Orden abgehalten ...

Definitiv nicht! Trotzdem ging ich zuerst nach München

und habe Kunstgeschichte studiert. Ich wollte Denkmalpfleger

werden. Kultur hat für mich viel mit Religion zu

tun. Religion war daher in meinem Kunstgeschichtestudium

immer ein Thema und Begleiter. Irgendwann

war mir die Kunst dann zu wenig. Ich begann, über die

Caritas Socialis am Bahnhof in München Obdachlose zu

betreuen. Das war für mich eine ganz andere und neue

Welt, die meinen Horizont stark erweitert hat.

Inwiefern?

Ich habe erlebt, dass man eine Schwelle überwinden

kann und von Herz zu Herz spricht. Mit dieser Erfahrung

bin ich in München ins Priesterseminar eingetreten.

Das war zu einer Zeit mit großer Diversität,

aber auch großen Spannungen. Im Seminar suchte ich

nach einer Vertiefung meines Glaubens. Da wurde mir

Heiligenkreuz empfohlen.

Ihr erster Eindruck von Heiligenkreuz?

Ich bin hier 1991 angekommen. Es war ein verschlafener

Ort, mit einer frommen und lebendigen Gemeinschaft.

Hier im Stift waren wir 50 Studenten, ein Sechstel von

heute! Heiligenkreuz hatte damals den Ruf, dass hier

der Glaube aus der Mitte der Kirche übersetzt wird, die

lebendige Tradition, die Schrift und die Erfahrung der

Menschen im spirituellen Einklang. Ich empfand es später

als ein „Hand-in-Hand“ von gelebtem Glauben und

der Lehre der Kirche.

10

DIE MALTESER 3-4/2019


RELIGIONAKTUELL

Prof. P. Dr. Wolfgang Buchmüller OCist ist Rektor

der Hochschule in Heiligenkreuz und Vorstand

des Instituts für Spirituelle Theologie und Religionswissenschaft

sowie Professor für Spirituelle Theologie

und Ordensgeschichte. Geboren in Konstanz,

lebte Buchmüller zunächst mit seinen Eltern in der

Schweiz. Aufgrund geänderter Aufenthaltsgesetze

musste die Familie nach Deutschland zurückkehren.

Unter der Leitung von Wolfgang Buchmüller studieren

heute 314 Studenten in Heiligenkreuz, davon

etwa 40 Frauen. Rund 160 Priesterkandidaten befinden

sich in Ausbildung.

Wie war Ihr weiterer Karriereverlauf?

Ich war hier zunächst zehn Jahre lang für die Alten und

Kranken zuständig, später auch als Gastmeister, und

hatte viel Kontakt mit Reise- und Pilgergruppen. Nach

der Priesterweihe war ich ein Jahr lang Kaplan in Stiepel.

Danach promovierte ich an der Universität Wien

in Spiritualität. Diese wurde in Wien damals in Verbindung

mit der Dogmatik gelehrt.

Warum hat Heiligenkreuz eine derartige

Bedeutung als Ausbildungsort bekommen?

Das überrascht uns manchmal selbst. Der Grund

dafür ist in der besonderen Geschichte zu finden.

Heiligenkreuz hat sehr tiefe Wurzeln, mehr als 800 Jahre.

Heiligenkreuz unterhielt schon im Mittelalter ein

Ausbildungshaus für Zisterzienser in der Stadt Wien.

Ein zweiter, ganz wesentlicher und nur schwer in Worte

zu fassender Grund sind die Spiritualität, das Chorgebet

und der Choral. Sie bilden ein kleines himmlisches Jerusalem

hier in Heiligenkreuz. Das alles sind gute Wurzeln

und eine sehr starke Basis, die uns auch Halt gibt und

immer mehr Menschen anzieht und fasziniert.

In den 1970er Jahren stand die Existenz der

Hochschule an der Kippe. Wie konnte der Standort

überleben?

Es waren vor allem die jungen Mitbrüder, die sich auf

die Beine gestellt und aktiv gemacht haben. Sie haben

es als einzigartig empfunden, gleichzeitig das Studium

und das Beten hier so zu verbinden. So ist eine neue

Strategie entstanden, und es kam in Verbindung mit der

Diözese Regensburg zur Gründung des Collegium Rudolphinum.

Seither ist das kleine Heiligenkreuz immer

mehr gewachsen. So entstand allmählich unser Campus,

wo nicht nur die Theorie des Glaubens, sondern auch die

Freude am gelebten Glauben wichtig sind.

Sie bekommen regelmäßig Besuch von Intellektuellen

aus allen Kreisen und Disziplinen. Was

suchen und finden diese Menschen hier?

Sie finden einen Ruhepol zum Denken vor, an dem sie

sich geschützt fühlen. Wir haben zum Beispiel Philosophen

hier, die an einer Neubegründung der Metaphysik

arbeiten. Auch Erwachsenenbildung ist ein großes

Thema. Wir empfangen hier selbst Muslime, die einen

Ort suchen, um etwas über das Christentum lernen zu

können. Ich selbst betreue eine Gruppe von rund 50

solcher Interessenten. Zusätzlich haben wir die katholische

Medienarbeit stark gefördert und waren offen für

Neues. Dank Pater Johannes Paul hat sich das hier dann

verselbstständigt. Sie haben sicher schon einen Blick in

unser modernes Aufnahmestudio geworfen ...

Natürlich! So manches sehr bekannte Fernsehstudio

könnte da neidisch werden! Welche Zukunftspläne

haben Sie für die Hochschule?

Ich habe das Gefühl, dass wir uns hier noch gut weiterentwickeln

werden, auch im Bereich von Aufbaustudien.

Die Hochschule muss immer etwas für die Menschen

sein, nicht nur ein abgehobenes akademisches Milieu

bieten. Sie muss eine tatsächliche geistige Nahrung für

die Menschen bieten. Ich denke auch, dass der Glaube

und die Ästhetik eine Verbindung zueinander haben.

Der Glaube zeigt uns die Schönheit des Himmels, des Lebens,

der Natur – auch die Schönheit des Staunens. Ich

bin überzeugt, dass die Kirche solche Rückzugsorte wie

Heiligenkreuz braucht und dass da die Kraft gefunden

DIE MALTESER 3-4/2019 11


wird für eine richtige Erneuerung der Kirche – nicht

nur strukturell, sondern auch innerlich. Wer glaubt, der

kann die ganzen Zusammenhänge des Lebens verstehen,

dem öffnen sich Welten.

Viel mehr als nur ein Kloster

Das Stift Heiligenkreuz ist eine lebendige

Zisterzienserabtei mit 96 Mönchen, die drei Priorate,

eine Hochschule päpstlichen Rechts, 21 Pfarren

und das Priesterseminar Leopoldinum sowie ein

Wiederbesiedlungsprojekt für das Kloster Neuzelle

betreibt und ein Klostergründungsprojekt in Sri

Lanka unterstützt. Stift Heiligenkreuz wurde im

Jahr 1133 vom hl. Leopold gegründet und besteht

seither ohne Unterbrechung. Neben seiner Funktion

als spirituelles und intellektuelles Zentrum

ist das Kloster die größte kulturelle und geistliche

Attraktion des Wienerwaldes und wird jährlich von

mehr als 120.000 Gästen aus aller Welt besucht.

www.stift-heiligenkreuz.org

Die Messe im Internet

Wie sehr das Stift Heiligenkreuz mit der Zeit geht,

zeigen die Heiligen Messen, die via Livestream im

Internet übertragen werden. So haben auch nichtmobile

Menschen die Möglichkeit, die Messe zu verfolgen

und an Gebetsstunden teilzunehmen.

www.stift-heiligenkreuz.org/livestream

Das Studio im Stift

Stift Heiligenkreuz betreibt ein eigenes Film- und

Tonstudio. Dessen Hauptaufgabe besteht darin,

Medienkompetenz zu vermitteln sowie ein zeitgemäßes

Medienapostolat zu entfalten. Dies geschieht

einerseits über die Ausbildung von interessierten

Personen, angehenden Priestern, Ordensleuten und

allen Studierenden der Hochschule im professionellen

Umgang mit den Medien. Andererseits werden

hier auch die beliebten Videos und Audioformate

von Stift Heiligenkreuz produziert.

www.studio1133.at

Das Stichwort „Welten“ führt mich zu einer sehr

profanen Frage: Wie finanziert sich Ihre Hochschule?

Wie im nordamerikanischen Raum, wo Hochschulen

nicht vom Staat geführt werden, sondern von interessierten

Laien, sind auch wir auf Spenden angewiesen.

Das tut uns sehr gut, denn so müssen wir uns täglich

bemühen, für die Menschen da zu sein. Das hilft uns zu

sehen, was die Fruchtbarkeit unseres Charismas bedeutet

– zum Beispiel das Mittagsgebet am Dienstag. Hier

bei uns verfolgen wir ein anderes Konzept von Kirche,

das keine beamtete Kirche ist. Unsere Kirche kommt

von den Leuten und ist für die Leute da. Sie muss sich

bemühen, auf die Leute zuzugehen und auf missionarischer

Basis immer ein Miteinander zu finden.

Gestatten Sie mir eine letzte Frage: Wie stehen Sie

zum Papst?

Wir hier in Heiligenkreuz verehren den emeritierten

Papst Benedikt XVI., den wir auch als Kirchenvater der

Moderne und der Gegenwart ansehen. Diesem will ich

meinen Respekt zollen, da er immer biblisch fundiert

argumentiert und die Fragen der Gegenwart mit aller

Offenheit behandelt. Wir lesen natürlich auch mit großer

Begeisterung die Statements von Papst Franziskus,

die oft sehr provokant klingen, aber sehr bereichernd

sind. Christlicher Glaube hat immer etwas mit Vernunft

zu tun, in der Mitte ist Christus. Das kann man kritisch

hinterfragen, aber darüber hinaus muss man auch wieder

zum Blick aufs Ganze kommen, Elemente sehen,

die zusammenpassen. So gelangt man auf eine höhere

Ebene des Verstehens und man sieht, welch wunderbare

Welt der Glaube ist und welch wunderbaren Blick uns

Jesus auf die Welt schenkt.

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DIE MALTESER 3-4/2019


VORBILDER

HELMUT LUTZ,

MALTESER CARE :

FÜHRUNGSSTIL MIT HERZ

In seiner Freizeit humorvoller Familienmensch und passionierter Motorradfahrer, ist Helmut Lutz in seinem Beruf

nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs. Ein Vorbild im Porträt.

Von Susanne Wick

Helmut Lutz ist seit 2016 Geschäftsführer von Malteser

Care, jener Einrichtung, die sich um individuelle Pflege

und Betreuung im eigenen zu Hause kümmert. Wer schon

einmal selbst in der Rolle eines pflegenden Angehörigen

oder einer professionellen Pflegekraft aktiv war, weiß,

wie herausfordernd und anspruchsvoll diese Tätigkeit ist.

Auch Helmut Lutz kennt diese Herausforderungen aus

nächster Nähe.

Aber das allein qualifiziert ihn noch nicht für seinen Job.

Vielmehr bringt er ein breit gefächertes Repertoire an Erfahrungswissen

mit, das er im Laufe seines fast 40-jährigen

Berufslebens sammeln konnte. Helmut Lutz war

unter anderem im Versicherungs- und Bankenbereich

sowie in der Bauwirtschaft in leitenden Positionen im

Rechnungswesen und Controlling tätig, kennt soziale

Hilfsorganisationen mit 800 Haupt- und ebenso vielen

freiwilligen Mitarbeitenden als kaufmännischer und Alleingeschäftsführer

und war viele Jahre als selbstständiger

Unternehmensberater aktiv.

Das Wohl des Menschen im Mittelpunkt

Dieses umfassende Wissen nutzt Helmut Lutz bei

Malteser Care, um die Organisation weiterzuentwickeln

– vor allem in den Bereichen Personal, Qualitätsmanagement,

Rechnungswesen und Controlling. Der

Schokoladenliebhaber („Leider!“, seufzt er) verfügt über

ausgeprägtes zukunftsorientiertes, unternehmerisches

Denken und Handeln, allerdings stets mit Blick auf soziale

Verträglichkeit, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit.

Diese einzigartige Verbindung zeichnet Helmut Lutz aus.

Für ihn steht das Wohl des Menschen im Mittelpunkt.

Kommunikation findet bei ihm auf Augenhöhe statt. Da-

für wird er von Mitarbeitenden, Klienten, Angehörigen

und Partnern gleichermaßen geschätzt. Der Teamgedanke

liegt dem Familienmenschen Helmut Lutz besonders

am Herzen. Es gibt keine spürbaren Hierarchien, Lösungen

werden gemeinsam erarbeitet und umgesetzt. Dazu

finden regelmäßig Jours fixes, Teambesprechungen sowie

persönliche Mitarbeitergespräche statt.

Zukunftsorientierte Pflege und Betreuung

Oft entstehen genau aus diesen gemeinsamen Zusammenkünften

Ideen für Verbesserungsmöglichkeiten oder

für neue Leistungen. So hat Malteser Care zum Beispiel

stundenweise Entlastungsangebote für pflegende Angehörige

und Familien in schwierigen Situationen entwickelt

und realisiert. Ein besonders sensibles Thema

betrifft dabei Familien, denen die Kinder aus Gründen

der Kindeswohlgefährdung abgenommen werden müssen.

Malteser Care hat in Kooperation mit der MAG ELF

eine Krisengruppe mit sechs Plätzen für Kinder bis zu

drei Jahren in Wien in Betrieb genommen. Den Kindern

soll in der schwierigen Zeit der Abklärung über die weitere

Zukunft ein „bewahrendes Nest“, Geborgenheit und

Schutz geboten werden.

Immer am Puls der Zeit, ist Helmut Lutz bemüht, in

seinem Tätigkeitsfeld hohe Standards zu setzen und

gemeinsam mit seinem Team ständige Verbesserungen

zu erzielen. Das Ergebnis: Malteser Care zählt heute zu

einer der ersten qualitätszertifizierten Agenturen in der

24-Stunden-Betreuung (ÖQZ 24) in Österreich. Das ist

etwas ganz Besonderes. Zu diesem Erfolg gratulieren

wir herzlich!

Nähere Infos: www.malteser.care

DIE MALTESER 3-4/2019 13


LEBENSWERT

„IN SO EINER WELT WILL ICH LEBEN!“

Gelebte Inklusion im Rahmen von zwei neuen Musikinitiativen im Wiener Konzerthaus: Die MALTESER unterstützen

und laden herzlich zum Mitmachen und Genießen ein.

Von Annelie Lechner

„Musik gibt Freude, bringt Menschen zum Lachen. Musik

verbindet. Sie unterscheidet nicht nach Geschlecht,

Alter, Herkunft, sozialem Status, Religion, sexueller

Orientierung oder danach, ob wir mit oder ohne Behinderung

durchs Leben gehen.“ Schöner als ein Teilnehmer

der „SommerMusikWoche“ es beschrieben hat,

lässt sich der Kerngedanke der zwei neuen inklusiven

Projekte „SommerMusikWoche“ und „klangberührt“

nicht formulieren.

Die „SommerMusikWoche“ des Wiener Konzerthauses,

die Anfang Juli erstmals über die Bühne ging, richtete

sich an alle musikbegeisterten Menschen. Ob mit oder

ohne Instrument – jeder war willkommen, in Workshops

mit professionellen Musikern vier Tage lang gemeinsam

in den Sälen des Wiener Konzerthauses zu spielen und

zu singen.

So klingt Inklusion

Um Musikbegeisterten und Betreuten der Malteser die

Möglichkeit zu geben, an diesem einzigartigen Ereignis

teilzunehmen, wurden auch sie zum Mitmachen eingeladen.

Das Konzept ging auf: Klein und Groß von acht

bis 72 Jahre, mit und ohne Behinderung und verschiedenster

Herkunft kamen ins Wiener Konzerthaus und

bildeten neue Ensembles, arbeiteten intensiv an einzelnen

Stücken und komponierten zum Teil eigene Werke.

Das Erlernte wurde Freunden sowie Angehörigen zum

Workshop-Finale im Großen Saal unter dem Wochenmotto

„So klingt der Sommer“ präsentiert.

Klangberührte Emotion statt Ritual

Im zweiten Projekt, dem Zyklus „klangberührt“, werden

feste Regeln, die sich im klassischen Konzertbetrieb die

letzten hundert Jahre etabliert haben, außer Kraft gesetzt.

Katja Frei, Senior Manager Education im Wiener

Konzerthaus, dazu: „Wir laden die Menschen ein, diese

Rituale infrage zu stellen und zu sagen: ‚Vielleicht kann

es auch einmal sein, dass man mitten im Stück anfängt

zu klatschen, weil es einen mitreißt, oder dass man anfängt,

auf den Hockern mitzuklopfen oder aufzustehen

und zu tanzen.‘ Für solch einen expressiven Ausdruck ist

es schön, wenn wir einen neuen Rahmen im klassischen

Konzertbetrieb schaffen.“

Für alle Menschen

In der Saison 2019/20 gestalten Otto Lechner und Peter

Rosmanith die erste Veranstaltung innerhalb dieses ungezwungenen

Rahmens. In weiteren Konzerten sind unter

anderem Annette Bik, Porträtkünstlerin Eva Reiter

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DIE MALTESER 3-4/2019


LEBENSWERT

und Schlagzeug-Virtuose Martin Grubinger

zu erleben. Moderiert werden

sämtliche Konzerte von Lilian Genn.

Die freischaffende Musikvermittlerin

hat das Projekt konzipiert: „Die

Grundidee ist, ein Konzertsetting

zu gestalten, das offen und zugänglich

für alle Menschen ist. ‚klangberührt‘

ist dezidiert kein Projekt nur

für Menschen mit Behinderung. Wir

wünschen uns ein durchmischtes Publikum,

das gemeinsam ein musikvermittlerisch

gestaltetes Konzert

erlebt.“ Dazu wird der Schubert-Saal

eigens umgebaut und die Bühne in

den Saal verlegt. Die Konzerte beginnen

um 18.30 Uhr und dauern rund

75 Minuten. Auch der Ausklang wird

entspannt gestaltet. Hier besteht sogar

die Möglichkeit, die Künstler persönlich

kennenzulernen.

Nähere Informationen und

Termine:

www.konzerthaus.at/abo1920/kb

David Eucaristí, pixabay.com

ONKOLOGIE

DER BARMHERZIGKEIT

Begleitung von Kranken statt Euthanasie fordert Papst Franziskus. Für die

MALTESER ist diese Begleitung längst zur Selbstverständlichkeit geworden.

Quelle: IEF-Politblog I Von Lukas Lienhart

Die legale Praxis von Euthanasie in einigen Staaten führe „nur scheinbar

zu mehr persönlicher Freiheit, da sie in Wirklichkeit auf einem utilitaristischen

Menschenbild basiert“. Technik solle im Dienst der Menschheit stehen

und nicht unterscheiden, „wer verdient, weiter behandelt zu werden

und wer nicht, weil er nur noch als Last gesehen wird“. Diese Gedanken

und Zitate stammen aus einem Gespräch von Papst Franziskus mit rund

150 italienischen Ärzten im September 2019. Sie wurden vom Institut für

Ehe und Familie in einem seiner jüngsten Newsletter aufgenommen.

Von den Ärzten forderte der Papst eine „Onkologie der Barmherzigkeit“

und die Begleitung von Kranken und ihren Angehörigen in allen Phasen.

Dabei sei stets der Wert eines Menschenlebens im Blick zu behalten. Palliativmedizin

sowie eine familiäre Umgebung in Hospizen sollten zudem

zur Linderung von Leid beitragen.

Für die Malteser Österreich ist diese Forderung schon seit langem selbstverständlich.

Sie bieten Menschen im Alter und/oder in Krankheit würdevolle

Betreuung und Lebensqualität bis zuletzt. Sie sind in christlicher

Nächstenliebe für sie da – sowohl ehrenamtlich durch Besuchsdienste,

Palliativdienste und Pflegedienste als auch hauptberuflich in der mobilen

Pflege von Malteser Care und im Haus Malta bzw. demnächst im neuen

Ordenshaus der Malteser.

Nähere Informationen:

www.malteser.at/was-wir-tun/sozialdienste/palliativbetreuung

bzw. www.hausmalta.at

DIE MALTESER 3-4/2019 15


STABSFÜHRUNGSKURS 2019

Abschluss des einjährigen Stabsführungskurses 2019 Salzburg, in vier Modulen (Heiligenkreuz, St. Virgil/Salzburg, Börseplatz

und Schottenstift, Wien).

BURGENLAND

BENEFIZKONZERT

Malteser Benefizkonzert mit der Militärmusik

Niederösterreich in Reichenau an der Rax.

BURGENLAND

HL. MESSE IN ROHRAU

Quartalsmesse im idyllischen Schlosspark von Schloss

Rohrau. Gemeinsam mit Bewohnern aus dem Haus

Malta und erstmals auch aus dem Marienheim Bruck/

Leitha mit einer anschließenden Führung durch die berühmte

Graf Harrach’sche Familiensammlung.

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DIE MALTESER 3-4/2019


BURGENLAND

MONATSTREFFEN

XXXX

Heilige Messe in der kleinen Schlosskirche zu Kobersdorf mit anschließendem Umtrunk im Schlosshof. Gemütlicher

Ausklang in einem nahegelegenen Garten bei Heurigen-Atmosphäre.

SALZBURG

SOMMERFEST

Malteser Ambulanzdienst beim Sommerfest von Erzbischof Lackner.

SALZBURG

AMBULANZDIENST

MEDJUGORJE

Ehrenamtliche Unterstützung für die Ambulanzstation

in Medjugorje aus Salzburg. Bis zu 50 Patienten aus allen

Ländern der Erde werden hier täglich betreut und

versorgt.

DIE MALTESER 3-4/2019 17


FRONLEICHNAM

Zu Fronleichnam sind die Malteser immer stark vertreten.

Vielen Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß unterwegs

sind, können wir die Teilnahme an der Prozession

ermöglichen. Ein Dank gilt auch unseren Sanitätern, die

für Sicherheit sorgen, sowie den Ordensmitgliedern für

ihr Gebet, denn: An Gottes Segen ist alles gelegen!

TIROL

PROZESSION

Traditionelle Landesprozession im Anschluss an die

feierliche Heilige Messe im Innsbrucker Dom.

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DIE MALTESER 3-4/2019


XXXX

SALZBURG

FUSSBALL

Zum Freundschaftsspiel zwischen Real Madrid C. F. und Red

Bull Salzburg ziehen auch die Malteser ins Stadion ein.

OBERÖSTERREICH

SCHIFF AHOI

Die Malteser haben „die Schiffsglocke geläutet“. Gemeinsam an Bord der „Anton Bruckner“.

WIEN

BESUCH IN GRAFENEGG

Ausflug der Delegation Wien und der Johanniter zusammen

mit der Caritas Socialis und dem Haus Malta

zum Schloss Grafenegg. Trotz ein paar Regentropfen

war es ein wunderschöner Herbsttag.

DIE MALTESER 3-4/2019 19


XXXXX

WIEN

AMBULANZDIENST

Malteser Ambulanzdienst beim Sommersportfest am Sigmund Freud-Gymnasium.

WIEN

LANDESAUSSTELLUNG

Tapetenwechsel und Kultur: Besichtigung der NÖ Landesausstellung

2019 und der Milak in Wiener Neustadt.

WIEN

KINDERTHEATER

Malteser zu Gast im Wiener Kindertheater zur diesjährigen

Produktion „Der Revisor – Eine Stadt steht Kopf“

von Nikolai Gogol. Das Theaterstück voller Witz, Spannung

und Dramatik erfreute Malteser und Betreute gleichermaßen.

Vielen Dank für die Einladung!

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DIE MALTESER 3-4/2019


WIEN

BENEFIZKONZERT

XXXX

Malteser Benefizkonzert im Beethovensaal der Pfarre Heiligenstadt, zugunsten des Malteser „Herzenswunsch-Projekts“.

Musikbegabte Malteser gaben Highlights von Bach, Schubert, Grieg und weiteren Komponisten zum Besten.

WIEN

FEUERWEHRFEST

Gemeinsam mit den Helfern Wiens durften die Malteser beim Feuerwehrfest der Berufsfeuerwehr Wien ihre Aktivitäten

präsentieren.

TIROL

4 FÜR INNSBRUCK

Ein absolutes Highlight auf dem Programm des Tiroler

Übungsjahres war der zweite gemeinsame Schulungstag

der Innsbrucker Blaulichtorganisationen.

Mehr als 100 Einsatzkräfte der Malteser, des Roten

Kreuzes Innsbruck, des Samariterbundes Tirol, der

Johanniter-Unfall-Hilfe Tirol, der Berg- und Wasserrettung

Innsbruck und anderer Einsatzorganisationen

übten gemeinsam verschiedenste, realitätsnahe Notfallszenarien.

DIE MALTESER 3-4/2019 21


MALTESERÖSTERREICH

SALZBURG UND OBERÖSTERREICH

ALTÖTTING

Wallfahrt nach Altötting. Es ist schon Tradition geworden, dass die Malteser aus Salzburg und Oberösterreich gemeinsam

eine Wallfahrt an den Kraft- und Gnadenort Altötting veranstalten.

WIEN

DONAUINSELFEST

Auch dieses Jahr waren die Malteser wieder bei der Sicherheitsshow, durchgeführt von „Die Helfer Wiens“, vertreten, bei

der sich Besucher über die Tätigkeiten der Wiener Hilfs- und Einsatzorganisationen informieren konnten.

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DIE MALTESER 3-4/2019


SALZBURG

UNGARISCHER

ABEND

Die Malteserzentrale wurde für den

ungarischen Abend „rot, weiß und

grün“ geschmückt. Mozarteum-Studenten

sorgten mit einem Konzert

für die musikalische Unterhaltung,

dazu wurden ungarische Köstlichkeiten,

von Gulaschsuppe, Pogácsa, Túró

Rudi bis hin zu Salami und Paprika,

serviert. Dem folgte eine Verkostung

ungarischer Weine.

JUGEND-SOMMER-

LAGER IN PODERSDORF

Von Georg Holzhausen

Bereits zum sechsten Mal in Folge organisierte der

Malteser Hospitaldienst Burgenland das beliebte Malteser

Jugend-Sommerlager. Diesmal fand es von 6. bis 8. September

2019 in Podersdorf am Neusiedlersee statt.

23 Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren, unter ihnen

sechs Roma aus der Slowakei, und 23 Erwachsene

bildeten die Kerngruppe. Trotz Regen genossen alle das

vielseitige Programm – vom Spielen und Bootsfahren

über spannende Ausflüge mit Besichtigungen bis hin zur

gemeinsamen Messe am Sonntag. Das Projekt, das der

Integration von Kindern dient, die am Rande der Gesellschaft

stehen, wäre ohne die finanzielle Unterstützung

des Vereins „Licht ins Dunkel“ nicht möglich. Danke an

alle Helfer und Unterstützer!

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HIER GIBT ES NUR GEWINNER

... 19, 20, 21: Bereits zum 21. Mal fand heuer das beliebte Wildwassercamp der MALTESER statt. Und es war nicht das

letzte Mal – versprochen!

Von Gabriel Maria Hofstätter

Wieder ging es Anfang August 2019 so richtig zur Sache

– besser gesagt zu Wasser: Beim traditionellen

Wildwassercamp in Wildalpen, das dank der großzügigen

und unermüdlichen Unterstützung von Frau

Kommerzialrätin Hilde Umdasch schon seit mehr als

zwei Jahrzehnten veranstaltet werden kann, erprobten

sich diesmal 27 Sportbegeisterte in der Natur. Ein

paar Regentropfen zwischendurch konnten unserer guten

Stimmung nichts anhaben. Nach dem Motto „Bei

uns gibt es nur Gewinner“ wurde die beeindruckende

Schlucht an der Salza mit ihrem türkis-blauen Flusswasser

durchpaddelt, der Geschicklichkeits-Parcous wurde

mit viel Spaß und Lachen bewältigt – freilich nicht ohne

die bewährte sportliche und sichere Betreuung der Wildwasserschule

Liquid Lifestyle und Wolfgang Winkler.

Fortsetzung folgt ...

Beim großen Fest der Feuerwehr und des Musikvereins

von Wildalpen genossen wir – ganz zünftig in Dirndl

und Lederhose – die knusprigen Grillhendl mit Pommes

Frites und kühle Getränke. Für das Tanzfest wurden uns

eigene Tische bereitgestellt, und Bürgermeisterin Karin

Gulas begrüßte uns auch heuer wieder besonders herzlich.

Am Sonntag feierten wir mit Pater Bernhard die

Hl. Messe in der Dorfkirche. Danach hieß es Abschied

nehmen – aber nur bis zum nächsten Jahr! Da ist das

Wildwassercamp von 30. Juli bis 2. August 2020 geplant.

Gerne schon jetzt vormerken!

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DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERÖSTERREICH

SPIRITUALITÄT UND

NÄCHSTENLIEBE WÄCHST

Die MALTESER bekommen „Zuwachs“ – Feierliche Aufnahme in der Steiermark

Von Katharina Stögner

Der Malteser Hospitaldienst, eine der größten ehrenamtlichen

Hilfsorganisationen Österreichs, und der Souveräner

Malteser-Ritter-Orden bekamen weiteren „Zuwachs“:

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden hat im Juni in Leoben

seine jährliche Aufnahme und Generalversammlung

abgehalten. In einer feierlichen Hl. Messe in der Stiftskirche

Göss, zelebriert von Bischof emeritus Egon Kapellari

mit Seelsorgern des Ordens, wurden 13 neue Mitglieder

in den Souveräner Malteser-Ritter-Orden und 51 Mitglieder

in den Malteser Hospitaldienst aufgenommen.

Sie alle haben eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen

und ihr Ausbildungsjahr erfolgreich absolviert.

Durch die Aufnahme haben sie sich verpflichtet, gemäß

den Normen der Kirche zu leben und sich im Geiste des

Ordens gegen die acht Elende dieser Welt – Krankheit,

Verlassenheit, Heimatlosigkeit, Lieblosigkeit, Hunger,

Schuld, Unglaube und Gleichgültigkeit – einzusetzen.

„Wir heißen alle neuen Mitglieder des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

und des Hospitaldienstes sehr herzlich

willkommen. Es ist uns eine besondere Freude, diese jungen

engagierten Menschen ab jetzt in unserer Mitte zu

haben. Die große Zahl der Neuaufnahmen zeigt, wie attraktiv

der Souveräner Malteser-Ritter-Orden und seine

Hilfsorganisation nach wie vor sind.“, so der Prokurator

Norbert Salburg-Falkenstein.

„Gerade wo unser Sozialsystem in einigen Bereichen auf

ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen ist, ist der Dienst

am Nächsten besonders wichtig. So können wir Malteser

im christlichen Sinne der Nächstenliebe dort helfen, wo

Not ist.“, sagt Richard Wittek-Saltzberg, Kommandant

von Malteser Austria.

DIE MALTESER 3-4/2019 25


MALTESERÖSTERREICH

RIGOLETTO MIT APFELTASCHEN

UND TOPFENKUGELN

Über einen besonderen Genuss durften sich die MALTESER Besuch der Bregenzer Festspiele freuen: Sie wurden mit

selbstgemachten Mehlspeisen einer echten Stadträtin verwöhnt.

Von Ursula Dehne-Kinz

Alle zwei Jahre organisieren die Malteser für Betreute einen

Besuch der Bregenzer Festspiele. Dieses Mal waren

sechs Personen aus Tirol und Vorarlberg und zahlreiche

Malteser für ein Wochenende im Ländle. Sie reisten mit

zwei organisationseigenen Fahrzeugen an und wohnten

im „Jungen Hotel“ in Hard, das über die erforderlichen

barrierefreien Einrichtungen verfügt.

Am Samstag offerierte Familie Anwander aus Hohenweiler

ein Grillfest im Ruderclub Wiking mit anschließender

Bootsfahrt – für viele ein außergewöhnliches Erlebnis.

Nach einer exklusiven Bühnenführung und einer kurzen

Ruhepause ging es schließlich zum Festspielgelände.

Dort wartete die nächste Überraschung: Es gab einen

kleinen Empfang mit Brötchen, Getränken und selbstgemachten

Mehlspeisen von der Bregenzer Stadträtin

für Soziales und Gesundheit, Dr. Annette Fritsch. In

Begleitung von Nationalratsabgeordneten Ing. Reinhold

Einwallner hatte es sich die engagierte Politikerin nicht

nehmen lassen, trotz ihres dichten Terminkalenders der

Einladung der Malteser zu folgen und sie persönlich zu

begrüßen. Eine bessere Einstimmung auf die nachfolgende

Rigoletto-Vorstellung hätte man sich nicht wünschen

können!

Vergelt’s Gott!

Im Namen der Malteser Tirol und Vorarlberg möchte

ich mich sehr herzlich bei Frau Mag. Ursula Dehne-

Kinz, Vizepräsidentin des Soroptimist Club Bregenz/

Rheintal, sowie bei der Familie Anwander für die Unterstützung

und Organisation dieses wunderbaren

Wochenendes bedanken. Lukas Krupitza, Bereichsleiter-Stellvertreter,

MHDA Tirol/Vorarlberg

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DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERÖSTERREICH

WALLFAHRT DER GENERATIONEN

Die diesjährige Pfingstwallfahrt des Dekanats Retz-Haugsdorf führte uns von Obritz zur Schlosskirche Mailberg –

ein schöner Weg bei prachtvollem Wetter und mit musikalischer Begleitung.

Von Christoph Martin

Um 14.30 Uhr ging es los. Start war am „Baumhauer-

Kreuz“ an der kleinen Straße, die von der Obritzer Kellergasse

nach Mailberg führt. Der Weg ging dann über

die Weingärten nach Mailberg, mit Blick auf die wunderbare,

sanfthügelige Landschaft. In Mailberg selbst

warteten in der Holzgasse die Weinviertler Hauerkapelle

und eine große Gruppe von Schulkindern, die – als

Apostel mit Bärten verkleidet – ein hinreißendes lebendes

Bild für uns stellten. Es ging weiter zum Hauptplatz

von Mailberg, wo uns eine Abordnung der Kindergartenkinder

erwartete. Sie reichten Wein und Brot und,

nach alter Kloster-Sitte, ein Wasserbecken zur Handwaschung.

Wein, Musik und Wallfahrtsspeise

Am Pfarrhof schlossen sich uns jene Ordensdamen und

-ritter und Mailberger an, für die der ganze Prozessionsweg

zu beschwerlich gewesen wäre. Auf der weiteren

Strecke spielte die Hauerkapelle im Wechsel mit

den Gebeten. Um etwa 16 Uhr kamen wir in der Kirche

an. Nach einer halbstündigen Andacht folgte eine köstliche

Agape im Schlosshof. Die Pfarre kredenzte Wein

und Aufstrich-Brote, der neu eröffnete Schlossheurige

steuerte eine kostenlose Wallfahrtsspeise bei. Für die

Rückkehr zu den in Obritz geparkten Autos wurde uns

vom Mailberger Bürgermeister ein Transportdienst zur

Verfügung gestellt. Wir sagen allen Beteiligten und Unterstützern

herzlich danke!

DIE MALTESER 3-4/2019

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MALTESERÖSTERREICH

WENN NORDEN MEHR ALS

EINE HIMMELSRICHTUNG IST

Norden-Norddeich ist ein wunderbarer, barrierefreier Kurort in Norddeutschland und perfekt für eine Reise der MALTESER

– am besten im Sommer.

Von Barbara Rammerstorfer und Stefan Reisigl

„Tausche Regen und Büro gegen Wind und Meer, wer

noch?“ „Ich, ich!“, „Ich auch!“, „Schließe mich an!“ Was

nach einer Idee und dem Beginn einer Reiseplanung aussieht,

hat in Wahrheit erst nach der Rückkehr vom Meer,

genauer von der Nordsee stattgefunden. Doch der Reihe

nach: Seit mehreren Jahren fahren wir mindestens einmal

im Jahr in den Sommermonaten nach Norden. Auf

die Frage, wohin wir denn fahren würden, kommt immer

das gleiche Frage-Antwort-Spiel: Wir fahren nach Norden.

Wohin? Nach Norden! Norden-Norddeich ist für

Eingeweihte eben mehr als nur eine Himmelsrichtung.

Es ist ein wunderschöner Ort im äußersten Nordwesten

Deutschlands, genauer in Ostfriesland.

Da Norden-Norddeich als Kurort weitgehend barrierefrei

ist, war es naheliegend, dorthin eine Malteser-Reise zu

organisieren. Nach dem Motto „Ostfriesland, wir kommen!“

stiegen wir also am 30. Juni am späteren Abend

in Linz in den Zug und machten uns auf die lange Reise

einmal quer durch Deutschland.

Anreise

Am nächsten Morgen wurden wir von den Maltesern

aus Hannover herzlich am Bahnsteig empfangen und bei

unserem kurzen Aufenthalt liebevoll umsorgt. Gestärkt

durch ein zweites Frühstück, verbunden mit vielen net-

ten Gesprächen, setzten wir unsere Reise mit dem Regionalzug

nach Norden-Norddeich fort.

Bei einer Führung durch unseren Urlaubsort Norddeich

lernten wir die Gegend kennen und erfuhren Interessantes

über die Ostfriesen und ihre Heimat. Wir bekamen

auch den dort vorherrschenden Wind zu spüren. In einem

Strandkorb sitzend, kann man den Ausblick auf das

Wattenmeer mit Ebbe und Flut so richtig genießen.

Der englische Garten des Wasserschlosses Lütetsburg lud

zum Entdecken ein. Hier erwischte uns auch das einzige

Mal der sonst eher typische Regen. Gott sei Dank konnten

wir uns ins nahe Schlosscafé flüchten und dort ostfriesische

Spezialitäten genießen.

Im malerischen „Puppenstubenort“ Greetsiel kamen wir

aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Der Ort überraschte

uns mit historischen Giebelhäusern aus dem 17.

Jahrhundert, dem über 600 Jahre alten Fischerhafen mit

seiner beeindruckenden Krabbenkutterflotte, den berühmten

Greetsieler Zwillingsmühlen sowie den malerischen

Gassen.

Ein Höhepunkt der Reise war sicher die Schifffahrt auf

die gänzlich autofreie Insel Juist mitten im Wattenmeer.

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DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERÖSTERREICH

Hier scheint die Zeit Ende des 19.

Jahrhunderts stehen geblieben zu

sein. Die meisten Bauten stammen

aus der Zeit Kaiser Wilhelms und auch

die nötigen Transporte werden mit

Pferdekutschen erledigt. Dort genossen

wir den 17 km langen Sandstrand

und ließen uns auch die Gelegenheit

für ein Bad im Meer nicht entgehen.

Am Tag der Abreise hatten wir noch

Gelegenheit, die Seehundestation zu

besuchen und die Seehunde sowie ihre

Lebensweise hautnah kennenzulernen,

bevor wir am späten Nachmittag

wieder in den Zug Richtung Heimat

stiegen.

Rückblickend bleiben den sechs Betreuten

aus Oberösterreich, Salzburg

und der Steiermark sowie den zehn

Maltesern viele schöne Erinnerungen,

viele lachende Gesichter und eben der

Wunsch, wieder zu kommen.

Besonderer Dank gilt den Maltesern

aus Hannover, die uns bei der Hinund

Rückfahrt umsorgt und verpflegt

haben. Ebenso Maria Vogel von der

Surfschule Norddeich, dem Team der

Jugendherberge Norddeich sowie

Schwester Michaela der katholischen

Kirche Juist, die uns vor Ort unterstützt

haben.

DIE STARS VON MORGEN

Von Verena Trentini

Ein Kultur-Event der besonderen Art durften die Tiroler Malteser und ihre

Betreuten Anfang Juli erleben: Mehr als 90 hochtalentierte Nachwuchs-

Tänzer zwischen zwölf und 18 Jahren aus den USA gaben gemeinsam mit

zwei Tiroler Tanzstudios eine spezielle Vorstellung. Besonderes Highlight

war ein Beitrag von Enrique Gasa Valga, Leiter der Tanzcompany des Tiroler

Landestheaters. Valgas Choreografie für eine Gruppe jugendlicher

Flüchtlinge und Tiroler Teenager stellte das Gemeinsame und Miteinander

von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft in den Mittelpunkt.

Die Flüchtlinge sind zwischen acht und 19 Jahren alt, stammen aus Afghanistan

und Nigeria und leben jetzt in Organisationen des SOS Kinderdorfs

bzw. der Tiroler Sozialen Dienste in Innsbruck, Hall und Aldrans.

DIE MALTESER 3-4/2019 29


MALTESERÖSTERREICH

HAPPY BIRTHDAY, MALTAKULTUR!

Genau 25 Jahre ist es her, seit „MaltaKultur“ von Marie-Theres Arnbom als Möglichkeit zur offenen Begegnung im

kulturellen Raum gegründet wurde. Ein erfreulicher Rekord!

Von Katharina Stögner

Die Euphorie war groß, als „MaltaKultur“ im Herbst 1994

entstanden ist. Rund 12.000 Stunden im Museum und

7.500 Stunden in der Oper, im Theater- und Konzertsaal

später, ist die Begeisterung ungebrochen hoch. Warum?

Bei „MaltaKultur“ sind alle in derselben Situation – ob im

Rollstuhl oder nicht, ob alt oder jung, ob Malteser oder

nicht. Das macht das Besondere aus: „Wir erleben jedes

Mal etwas Neues und Anregendes, das uns verbindet und

woran man sich auch nach langer Zeit oft und gern erinnert“,

beschreibt Marie-Theres Arnbom die Motivation

hinter ihrer freiwilligen Arbeit.

Wir von der Malteser-Redaktion finden diese freiwillige

Initiative nicht selbstverständlich. Ein

herzliches und großes Danke daher an dieser Stelle

für Dein Engagement, Marie-Theres, und auf das

nächste Vierteljahrhundert mit „MaltaKultur“!

Abwechslungsreiches Angebot

„MaltaKultur“-Interessenten treffen einander einmal

pro Monat, gehen gemeinsam in eine geführte Ausstellung,

in die Oper, in Konzerte oder ins Theater. Einen

gemütlichen Ausklang finden die sozialen Runden im

Kaffeehaus. Wer sich die Eintrittskarten – dank Verhandlungsgeschick

der „MaltaKultur“-Organisatorin stark

verbilligt – nicht leisten kann, kann einen Zuschuss über

die Malteser erhalten.

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DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER JOBNETZWERK:

INTEGRATION DURCH EMPOWERMENT

Dank der Unterstützung der MALTESER Sprachkurse und des MALTESER Jobnetzwerks haben in den vergangenen

drei Jahren einige Flüchtlinge aus Krisengebieten Deutsch gelernt und einen Job in Österreich gefunden.

Von Markus Kirchschlager

Das Sprachkursangebot der Malteser ist kein klassischer

Sprachkurs, sondern soll eine effektive Hilfe für die Teilnehmer

sein, um sich möglichst schnell in ihrem neuen

Umfeld zurechtfinden zu können. Das Ziel ist die Kommunikation

und die Fähigkeit, Alltagssituationen sprachlich

gut zu bewältigen. Inhalte rund um das Thema Arbeit

und Beruf werden fokussiert, so dass die Teilnehmer besser

in der Arbeitswelt kommunizieren können.

Ziel ist es, Lernende auf das Berufsleben vorzubereiten,

ihnen zu ermöglichen, eine Arbeit zu finden oder den

bisherigen Beruf besser ausüben zu können. Ein weiterer

Schritt ist das Coaching, ein Simulieren von Vorstellungsgesprächen

und das Bewerbungstraining. In diesem

Bereich sind immer wieder Hindernisse zu überwinden.

Deshalb setzt hier die psychologische Betreuung an, um

den Selbstwert zu stärken und die Kommunikation in

verschiedenen Bereichen zu verbessern.

Vom Lebenslauf zum Bewerbungsgespräch

Das Malteser Jobnetzwerk bietet Feedback und Hilfe beim

Aufbereiten von Bewerbungsunterlagen, individuelles

Coaching, Kontaktherstellung zu Unternehmen über die

persönlichen Kontakte einzelner Malteser und Begleitung

in Bewerbungsprozessen und bei Bewerbungsgesprächen.

Bilanz des MALTESER Jobnetzwerks bis heute

Die Bilanz dieser ehrenamtlichen Tätigkeit bis heute:

Mehr als 560 Dienststunden, 240 betreute und aktualisierte

Lebensläufe, 140 Teilnehmende und starke

Netzwerk-Partner. Zu diesen zählen unter anderem

NESPRESSO Österreich, die BDO Consulting, die MABA

Fertigteilindustrie, die Austria Trend Hotels mit einem

Programm zur Unterstützung der Malteser Jobnetzwerk-Teilnehmer

bei berufsbegleitender Lehre, die Raiffeisen

Bank International, Deloitte, der Österreichische

Integrationsfonds, die Caritas/ Erzdiözese Wien, die

Fronius International GmbH und die Kirchdorfer

Industrieholding GmbH.

Sie haben Fragen zum Malteser Jobnetzwerk?

Sie wollen sich aktiv einbringen und das

Malteser Jobnetzwerk unterstützen?

Bitte wenden Sie sich an:

jobnetzwerk@malteser.at

DIE MALTESER 3-4/2019 31


KINDERHILFE

DA, WO ALLE SIEGER SIND

Bei prachtvollstem Wetter fand am 29. September 2019 der 3. Kinderhilfelauf der MALTESER in Amstetten statt. Ein

großes Danke an alle, die – nicht nur laufend – geholfen haben.

Von Petra Hellmich

Rund 1.800 Starter und mehr als 2.500 Gäste konnte der

3. Kinderhilfelauf der Malteser in Amstetten diesmal anlocken.

„Schuld“ an dieser rekordverdächtigen Teilnehmerzahl

war neben dem traumhaft schönen Wetter vor

allem die gute Sache, um die es ging: Kindern mit lebensverkürzender

Diagnose im Hilde Umdasch Haus soll der

oft beschwerliche Lebensalltag erleichtert werden. Mit

den Spenden aus dem Kinderhilfelauf können nun dringend

benötigte, dem jeweiligen Krankheitsbild individuell

angepasste Heilbehelfe, spezielle Pflegehilfsmittel

und Spielzeuge angekauft und besondere Aktivitäten wie

Ausflüge oder Schwimmbadbesuche finanziert werden.

Spiel, Spaß und Prominenz

Die großartige Stimmung während des gesamten Kinderhilfelaufs

in insgesamt fünf verschiedenen Disziplinen

ließ sich durch nichts trüben. Sie erreichte mit der Charity-Runde,

bei der Amstettens Bürgermeisterin Ursula

Puchebner, Vizebürgermeister Michael Wiesner und

Reinhard Weilguny, Direktor der Sparkasse Amstetten,

persönlich mitliefen, einen ihrer Höhepunkte. Mit viel

guter Laune ging es auch in der Kinderecke mit Hüpfburg,

Kletterwand und Malbereich zur Sache.

Wir sagen danke!

Wie schon in den beiden Jahren zuvor, wurde der

Kinderhilfelauf auch diesmal tatkräftig von zahlreichen

Sponsoren unterstützt. Ihnen allen ein herzliches

Vergelt’s Gott!

Großer Dank geht außerdem an das mitarbeitende

Team der Malteser Kinderhilfe sowie an die ehrenamtlichen

Mitarbeiter – dieses unglaubliche Engagement und

das Sponsoring unserer Partner haben diese großartige

Laufveranstaltung möglich gemacht und diesen Erfolg

für unsere Kinder erzielt.

Ergebnisse und Bilder des 3. Kinderhilfelaufs im Detail:

www.malteser-kinderhilfe.at

www.kinderhilfelauf.at

32

DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERÖSTERREICH

SOMMERFEST HAUS MALTA

DANKE, DASS IHR DA SEID!

Auch heuer luden die Bewohner und der Vorstand des Hauses Malta zum jährlichen Sommerfest – als kleines

Dankeschön an die Angehörigen, Freunde und Unterstützer.

Von Thomas Braun

In seiner Begrüßungsrede lobte der Präsident des Vorstands,

Dr. Ulrich Glaunach, die Bemühungen der Mitarbeiter

von Haus Malta und zeigte sich überaus zufrieden

mit der Entwicklung des Hauses. Diese Anerkennung

schmeckte gleich noch viel besser, als Küchenchefin Frau

Fendrych ihre berühmten Köstlichkeiten kredenzte. Begleitet

wurden die Leckereien mit bunten Cocktails und

sommerlichen Getränken.

Ein Musiker sorgte mit seinem Akkordeon für Unterhaltung,

die die vielen Gäste sichtlich genossen. Das wunderbare

Wetter tat sein Übriges. So stand einem unterhaltsamen

Nachmittag nichts mehr im Wege. Schon jetzt freuen

wir uns, alle Angehörigen, Freunde und freiwilligen Helfer

beim nächsten Sommerfest wieder begrüßen zu dürfen.

MALTESER Jobnetzwerk

Integration durch Empowerment

Unterstützung von Geflüchteten bei der

beruflichen Neuorientierung in Österreich

• Monatliche MALTESER-Sprachkurse mit Jobnetzwerk-Einheiten

• Lebenslauf-Screening nach professionellem Bewerbungs-

Standard, Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch

• Textvorlagen mit arabischen Erläuterungen

für Bewerbungsschreiben

• Begleitung zum Vorstellungstermin

Wenn Sie bei den Sprachkursen oder bei der Vorbereitung und Begleitung

von Bewerbungsprozessen ehrenamtlich mithelfen wollen, kontaktieren

Sie uns bitte, wir sind für jede Unterstützung dankbar. Wichtig ist uns ein

DSGVO- konformes Vorgehen auf ehrenamtlicher Basis. Jederzeit stehen

wir für Kooperationsanfragen oder auch für interessierte Teilnehmerinnen

und Teilnehmer unter jobnetzwerk@malteser.at zur Verfügung.

jobnetzwerk@malteser.at

DIE MALTESER 3-4/2019 33


MALTESERWERKE

Der „harte Kern“ des Berliner Gebetskreises,

Hannah Maria Rotter (3.v.li.)

Katharina Nepf, Monika und Florian Feuchtner

(v.l.n.r.)

JOHANNESGEMEINSCHAFT

LEBEN MIT DER

JOHANNESGEMEINSCHAFT

Die Johannesgemeinschaft, kurz JG, hat Zuwachs bekommen. Die vier neuen Mitglieder erzählen von ihrem eindrucksvollen

Weg zur und mit der Gemeinschaft.

Von Monika Feuchtner

Wie ich in die JG hineingewachsen bin

Begonnen hat mein Weg zur JG im Jahr 2010. Es war

ein Herantasten. Während der Rom-Wallfahrt im Oktober,

an der ich als Hospitaldienstmitglied teilnahm, durfte

ich sehr interessante Gespräche mit Marie Czernin und

Valerie Fürstenberg führen, die für die JG mit in Rom

waren. Die JG war mir schon lange ein Begriff, aber wie

gut sie sich für die persönliche Glaubensentwicklung als

Malteser eignet, das wusste ich nicht. Mein Bedarf an

Spiritualität fühlte sich durch meine langjährige Tätigkeit

für die Malteser ausreichend gedeckt an, doch ließ

mich die JG nicht los. Als spirituelle Verbindung zwischen

den Ordenswerken, wie mein damaliger Bereichsleiter,

Bernhard Supp, sagte, sollte ich sie betrachten.

Ich folgte seiner Empfehlung. Dies tue ich heute noch,

nun auch als Mitglied der JG.

Katharina Nepf, Wien

Gott begegnet uns in der Stille

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit und der Hektik

des Alltags ist es schwierig, wirklich zur Ruhe zu kommen

und überhaupt in die Stille zu gehen. Nur in der Stille ist

es möglich, Gott in seinem Herzen zu begegnen. In den

Gebetskreisen der JG fanden wir einen Ort, an dem wir

gemeinsam mit anderen die Stille suchen können. Dieses

gemeinsame Einüben ist eine Hilfe, um auch im täglichen

Leben eine wirkliche Gottesbeziehung aufbauen zu können.

Wir lesen gemeinsam das Evangelium, richten unsere

Fürbitten an Gott, beten den Rosenkranz, halten Stille

und schließen mit der Komplet, dem Abendgebet der

Kirche. Wir freuen uns, im Kreis der JG unseren Glauben

leben und als Teil der Malteser auch noch mehr leibliche

Werke der Barmherzigkeit üben zu können.

Florian und Monika Feuchtner, Wien

Das Berliner „Tischgebet“

2013 kam die JG nach Berlin – mit Bernadette Haudum,

die den ersten „deutschen“ Gebetskreis hier gegründet

hat. Von der Spiritualität und der Herzlichkeit des Kreises

fühlte ich mich sogleich angezogen. Die Gebetsabende

verlaufen bei uns genauso wie in Österreich. Im Anschluss

an das Gebet kochen und essen wir gemeinsam,

weswegen der Gebetsabend bei uns schlicht „Tischgebet“

heißt. Für mich ist das Tischgebet eine unersetzliche

Hilfe, um Jesus im Alltag nahe zu sein. Es verankert den

Glauben noch fester im täglichen Leben. Die Form, die

der Glaube für die JG als gelebte Alltagspraxis annimmt,

entspricht mir und hilft mir, meinen Glauben zu leben,

zu teilen und zu vertiefen. Deshalb bin ich der Gemeinschaft

beigetreten und sehe den Auftrag der Malteser als

tägliche Aufgabe an.

Hannah Maria Rotter, Berlin

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DIE MALTESER 3-4/2019


Malteser_Kekserlverkauf_Ins198x67#2_1019.indd 1 11.11.19 20:07

MALTESERÖSTERREICH

KINDERHILFE

WENN OLDTIMER BEI DER MALTESER

KINDERHILFE VORFAHREN ...

... dann ist das etwas ganz Besonderes für die Bewohner des Hilde Umdasch Hauses. Im Rahmen der Wachau-

Eisenstrasse-Classic 2019 konnten sie die tollen Gefährte ganz aus der Nähe bestaunen.

Von Petra Hellmich

Mitte August fiel der alljährliche Startschuss für die

bei Oldtimerfans beliebte Wachau-Eisenstrasse-Classic.

Das Rennen ging über mehr als 630 Kilometer und

führte drei Tage lang durch die malerische Region von

Wachau, Eisenstrasse, Pielachtal, Mostviertel, Waldviertel,

Kamptal und Wagram. Erstmals wurde heuer

ein zusätzlicher Zwischenstopp eingelegt: Insgesamt

72 Fahrzeuge der Baujahre 1927 bis 1988 fuhren beim

Hilde Umdasch Haus in Amstetten vor und zeigten sich

von ihrer besten Seite. Als Dankeschön für die Spenden

zu Gunsten der Malteser Kinderhilfe wurde den Fahrern

eine kleine Jause kredenzt. Die Bewohner und Mitarbeiter

des Hilde Umdasch Hauses durften die schmucken

Gefährte aus nächster Nähe besichtigen.

Foto: ecaterina corovina | shutterstock.com

Karitativer Punschund

Kekserlverkauf

MIT PRÄMIERUNG

zugunsten der MALTESER Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus

13.12.2019, 14.00–18.00 Uhr

Stefan-Fadinger-Straße 34, 3300 Amstetten

office@malteser-kinderhilfe.at | www.malteser-kinderhilfe.at

DIE MALTESER 3-4/2019 35


MALTESERÖSTERREICH

SCHÜLER AUS GIESSHÜBL UND STEYR BESUCHEN DIE KINDERHILFE

LERNEN FÜR‘S LEBEN

Was im Hilde Umdasch Haus geleistet wird, beeindruckt nicht nur betroffene Eltern und Angehörige. Auch junge,

scheinbar außenstehende Menschen sind von der MALTESER Kinderhilfe enorm angetan.

Von Petra Hellmich

Kurz vor Schulschluss, wenn die Noten schon feststehen und die

Ferien noch nicht begonnen haben, oder wenn es gilt, vor der Matura

eine praxisrelevante Diplomarbeit zu schreiben, ist ein guter

Zeitpunkt, um der Malteser Kinderhilfe im Hilfe Umdasch Haus

einen Besuch abzustatten. Was dabei geschieht, ist „Lernen für‘s

Leben“ im allerbesten Sinn des Wortes. Wir lassen es die Schüler

der LFS Gießhübl und der HLW Steyr selbst beschreiben:

„Als wir das Hilde Umdasch Haus betraten, waren wir vom ersten Eindruck

überwältigt. Vor unserem Besuch schwirrten uns Vorstellungen

und Erwartungen durch den Kopf, doch diese wurden schließlich übertroffen.

Das Hilde Umdasch Haus ist sehr präsent durch die liebevolle

Gestaltung der Innenräume und auch die Gartenanlage ist für die

erkrankten Kinder ein Paradies. In dieser Einrichtung können Kinder

in einer liebevollen Atmosphäre gepflegt werden. Die zahlreichen motivierten

Mitarbeiter der Malteser Kinderhilfe geben tagtäglich für die

Kinder das Beste. Als junger Erwachsener ist es sehr selten, dass man

sich mit sozialen Einrichtungen beschäftigt. Oft fällt es uns schwer, die

Schattenseiten des Lebens wahrzunehmen.“

Schüler der HLW Steyr

„Aufgrund des besonderen Interesses und der vielen Fragen der Schüler

ist aus einem als ‚gewöhnliche‘ Hausführung geplanten Rundgang eine

spannende Gesprächs- und Diskussionsrunde entstanden. Die Schule

selbst hat sich schon im Vorfeld sehr interessiert gezeigt, aufgrund

der Resonanz der Schüler wurde jetzt beschlossen, das Hilde Umdasch

Haus auch in den kommenden Jahren mit Schulklassen zu besuchen.

Womöglich ergeben sich daraus Projekte und persönliche Verbindungen,

die langfristig und nachhaltig bestehen bleiben. Die Liebe zu den

Kindern und die Normalität, die in diesem Haus gelebt wird, machen

dieses Haus jedenfalls zu einem Ort des Wohlfühlens, an welchem man

das Gefühl von ‚Zuhausesein‘ verspürt.“

Schüler der LFS Gießhübl

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DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERÖSTERREICH

KINDERHILFE

SOMMERDANKFEST

IM HILDE UMDASCH HAUS

Es ist schon eine liebgewonnene Tradition: Jedes

Jahr veranstaltet die MALTESER Kinderhilfe im

Hilde Umdasch Haus ihr Sommerfest – als Geste des

Danks an alle, die hier tätig sind und unterstützen.

Von Petra Hellmich

Lachende Kinder, entspannte Eltern und Angehörige,

fröhliche Gäste aus der Umgebung, ehrenamtliche

Helfer sowie Kooperationspartner und natürlich die

Mitarbeiter des Hilde Umdasch Hauses selbst: Es ist

ein sehr vielfältiges und buntes Grüppchen, das Anfang

Juni das alljährliche Sommerfest der Malteser

Kinderhilfe gefeiert hat. Damit wird all jenen, die das

Hilde Umdasch Haus mit ihrer kontinuierlichen Hilfe

das ganze Jahr über unterstützen, ein herzliches Danke

ausgesprochen und jene Anerkennung gezollt, die

das außergewöhnliche Engagement verdient. Zu den

besonderen Helfern zählt zum Beispiel „Hausmutter“

Elfriede Höttl, die das Fest liebevoll vorbereitet und

bestens organisiert hat. Für den kulinarischen Genuss

sorgten Erich Berger und sein Team.

Fr 13 • 12 • 19 14:00 - 19:00

Sa 14 • 12 • 19 11:00 - 18:00

karitativer Weihnachtsbasar

zugunsten der MALTESER Hilfsprojekte

Börseplatz 6, 1010 Wien DIE MALTESER 3-4/2019 37

www.malteser.at • wien@malteser.at


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER CARE

ZWEI JAHRE

FAMILIENENTLASTUNGSDIENST

Der Familienentlastungsdienst von MALTESER Care unterstützt Familien zu Hause durch qualifizierte Betreuungspersonen

bis zu zehn Stunden pro Woche. Familien haben so die Möglichkeit, ihre eigenen Ressourcen wieder zu

stärken.

Von Susanne Wick

Es ist nun genau zwei Jahre her, dass der Familienentlastungsdienst

von Malteser Care als mobiler Dienst in

Kooperation mit der MAG ELF gegründet wurde. Seither

wurden bereits zahlreiche Familien erfolgreich unterstützt.

Viele positive Rückmeldungen bestätigen uns,

dass die Hilfe sehr gerne angenommen wird und so zur

Sehr geehrtes Team von Malteser Care!

Ich möchte mich zuerst vorstellen. Mein Name

ist Herr D. und ich bin der Vater von Anna. Sie

ist 14 Jahre alt und leidet an epileptischen Anfällen

und alternierender Hemiplegie. Anfang

des Jahres habe ich mich an die MAG ELF, die

Wiener Kinder- und Jugendhilfe gewandt und

um Hilfe gebeten. Meine Tochter und meine

Familie benötigten dringend professionelle

Hilfe. Wir haben dann durch Ihre Organisation

eine sehr kompetente und zuverlässige Mitarbeiterin

vermittelt bekommen, die ihren Job

mit großem Einfühlungsvermögen und Freude

ausübt, was sich wiederum sehr positiv auf den

Allgemeinzustand unserer Tochter auswirkt.

Ich darf hiermit auch im Namen meiner Frau

und der ganzen Familie ein großes Lob aussprechen,

dass Sie eine so tolle Betreuerin und

Pflegerin in Ihrem Team haben. Vielen Dank!

Familie D.

Entlastung der Familien beiträgt. Nachstehend dürfen

wir einen Auszug aus dieser teils sehr persönlichen Korrespondenz

veröffentlichen.

Liebes Malteser Care Team!

Ich möchte mich recht herzlich für die wundervolle und

liebevolle Betreuung bedanken. Mein Sohn Raphael

fühlt sich bei Ihrer einfühlsamen Mitarbeiterin Frau G.

sehr wohl und ist bei ihr sehr gut aufgehoben. Das ist

eine große Erleichterung für mich, denn er ist ein äußerst

sensibles Kind und kann sich nur durch Weinen

und Schreien äußern. Raphael spürt sehr stark, wenn jemand

unruhig ist, dann ist er es auch. Deshalb ist es mir

sehr wichtig, eine passende Betreuerin für ihn zu haben,

die mich in dieser schwierigen Situation unterstützt.

Frau G. macht ihre Arbeit mit Liebe und das spürt Raphael.

Ihre ruhige Seite und ihre Ausstrahlung tun uns

beiden sehr gut! Wir sind auch sehr dankbar, dass die

MAG ELF und Malteser Care gemeinsam arbeiten und

uns Eltern die Möglichkeit geben, entlastet zu werden.

Ein krankes Kind zu haben, ist nicht leicht, vor allem als

alleinerziehende Mutter wie ich, denn wir haben viele

Krankenhaus-Aufenthalte, viele Termine beim Arzt,

den Behörden usw.

Ich muss mich um alles kümmern, denn es geht um das

Leben meines Sohnes.

Besten Dank!

Von Raphael

38

DIE MALTESER 3-4/2019


XXXX

Der Entlastungsdienst von Malteser Care ist

eine große Hilfe für mich. Ich kann die Zeit nutzen,

um Besorgungen zu erledigen, trainieren

zu gehen oder Freundinnen zu treffen, ohne mir

Sorgen um die Betreuung meiner Tochter machen

zu müssen. Noemi freut sich immer darauf,

wenn Frau A. oder eine ihrer Kolleginnen zum

Spielen kommt oder etwas mit ihr unternimmt.

Vielen Dank. Mutter von Noemi

Wir, die Eltern von Constantin, nehmen seit

mehr als einen Jahr den Entlastungsdienst

von Malteser Care in Anspruch. Wir sind mit

der Leistung und Betreuung sehr zufrieden, da

mein Mann und ich die Zeit füreinander nützen

können. Es wird sehr gut auf unser Kind und

seine Bedürfnisse eingegangen. Es wird auch

sehr viel mit dem Kind unternommen. Wir sind

sehr froh, dass es eine solche Organisation gibt.

Vielen Dank!

Die Eltern und Großeltern von Constantin

Auch wir von Malteser Care sagen DANKE!

Denn diese positive Wertschätzung der Arbeit

und des Engagements der Mitarbeiterinnen

unseres Familienentlastungsdienstes

ist für uns alle eine große Anerkennung

und Bestätigung, dass wir auf dem richtigen

Weg sind. Es ist nicht selbstverständlich,

sich täglich mit Liebe und Einfühlungsvermögen

auf die wechselnden Herausforderungen

der zu betreuenden Familien

einzulassen. Dafür ein herzliches Vergelt’s

Gott an alle, die sich bei Malteser Care für

Menschen, die Hilfe brauchen, einsetzen!

Rawpixel.com/Shutterstock.com

TAG DER PFLEGENDEN ANGEHÖRIGEN

WIR SAGEN DANKE!

Am 13. September 2019 fand der erste nationale Aktionstag für pflegende

Angehörige statt – ein guter Anlass, um all jenen Menschen, die sich

neben Beruf und Familie für ihre Nächsten engagieren, herzlich DANKE zu

sagen!

Von Susanne Wick

Laut einer Studie des Sozialministeriums sind rund 947.000 Erwachsene

und 42.700 Kinder und Jugendliche in Österreich informell in

die Pflege und Betreuung von hilfsbedürftigen Personen involviert.

80 Prozent der Pflegenden sind Frauen. Sie stellen damit den größten

Pflegedienst Österreichs dar – unbezahlt und zumeist ohne jegliche

professionelle und psychologische Unterstützung.

Angehörigenpflege ist keine einfache Tätigkeit. Sie basiert stark auf

Emotionalität. Sie erfordert viel Einfühlungsvermögen und gute soziale

Beziehungen aller Involvierten. Sie ist mit physischen und psychischen

Herausforderungen verbunden. In unserer Arbeit bei Malteser

Care sehen wir täglich, mit welch großen Belastungen pflegende Angehörige

konfrontiert sind. Nicht selten führen sie zu Burnout.

Deshalb bieten wir Hilfe an

Sehr gerne stehen wir betroffenen Angehörigen für persönliche Gespräche

und Beratungen zu möglichen Unterstützungs- und Entlastungsangeboten

zur Verfügung. Unsere kompetenten und erfahrenen

Mitarbeiter von Malteser Care freuen sich auf Ihre Nachricht!

Weitere Informationen und Kontakt:

www.malteser.care/uber-uns/unser-team

DIE MALTESER 3-4/2019 39


MALTESERÖSTERREICH

ROMA-HILFE IN GRAZ

Der MALTESER Hospitaldienst in der Steiermark unterstützt CHAVORE, ein ambitioniertes Projekt zur Integration von

Roma-Familien in Zusammenarbeit mit der Caritas Graz, und zieht erfolgreich Bilanz.

Von Angelika Gerstgrasser

Es war der krönende Abschluss des Schuljahres und

eine Belohnung für die so erfolgreichen schulischen

Fortschritte: Ein gemeinsamer Ausflug auf den Grazer

Schöckl. Von Maltesern und Caritas-Mitarbeiterinnen

organisiert und begleitet, bestiegen Ende Juni 38 Roma-Kinder

sowie einige Mütter und Geschwister die

Gondel auf den Grazer Hausberg. Für viele war es ein

Helfen lohnt!

Wer das Projekt CHAVORE ehrenamtlich unterstützen

möchte, ist herzlich willkommen! Wenn

jemand aus einem Lehrberuf kommt, einfach gerne

(vor)liest, Spaß daran hat, bei schulischen Aufgaben

unterstützend zu helfen oder sich bei der Gestaltung

von Freizeit- und Sportaktivitäten einbringen

möchte, bitte um Kontaktaufnahme per E-Mail an:

chavore@malteser.at

Übrigens: Die Hilfe im Rahmen von CHAVORE wird

ausschließlich von Ehrenamtlichen organisiert und

betreut und nur über Spenden finanziert. Wenn Sie

uns finanziell unterstützen möchten, ist dies ebenso

möglich. Vergelt’s Gott!

völlig neues Erlebnis. Zum ersten Mal in ihrem Leben

ging es auf einen Berg!

Oben gut angekommen, wanderte die kleine Truppe

bei herrlichem Wetter und guter Fernsicht zum Gipfelkreuz.

Anschließend gab es ein Picknick mit köstlicher

Jause. Dabei wurde viel gelacht, Ball und Fangen gespielt.

Das Highlight war schließlich die Fahrt mit der

Sommerrodelbahn „Hexenexpress“, die großzügig von

unserem Delegaten Martin Auer gespendet wurde.

CHAVORE bedeutet „Kinder“

Noch vor wenigen Jahren wäre ein solcher Ausflug

nicht denkbar gewesen. Da waren viele Roma-Kinder,

die mit ihren Eltern nach Graz gekommen waren, auf

sich allein gestellt – ohne ausreichende Betreuung, ohne

Schulunterricht, ohne Anschluss an die Gemeinschaft,

in völliger Armut. Seit September 2017 ist jedoch alles

anders. Seither besteht eine Kooperation zwischen dem

Malteser Hospitaldienst und der Caritas Graz.

Im Rahmen des Projekts CHAVORE – das Wort ist Romanes

und bedeutet „Kinder“ – ist mittlerweile der Kindergarten-

bzw. Schulbesuch der Roma-Kinder sichergestellt.

Und nicht nur das: Die Zahl der teilnehmenden

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DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERWELTWEIT

Kinder und Familien wächst von Jahr zu Jahr. Alle Familien

beteiligen sich trotz der für sie so schwierigen

Lebensumstände sehr aktiv am Projekt, das von fünf

ehrenamtlichen Maltesern begleitet wird.

Immense Integrationserleichterung

Für das laufende Schuljahr 2019/20 haben insgesamt 28

Roma-Kinder zwischen vier und 14 Jahren die Möglichkeit,

den Kindergarten bzw. die Schule zu besuchen und

Betreuungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Die

Kinder und Jugendlichen stammen aus Rumänien, Ungarn,

der Slowakei und Bulgarien. Ihre Eltern sind Armutsmigranten,

die sich in Graz ein menschenwürdiges

Leben aufbauen wollen, jedoch nach wie vor mit sehr

prekären Bedingungen konfrontiert sind. Die Sicherstellung

des Schul- und Kindergartenbesuchs für ihre

Kinder stellt deshalb eine immense Integrationserleichterung

dar, wirkt sich positiv auf die Arbeitssuche und

stabilisierend auf die gesamte Familiensituation aus.

Das Projekt setzt auf dezentrale, individuell ausgerichtete

Hilfsangebote wie Lernbuddys und Elternarbeit,

die sowohl auf die unterschiedlichen Herkünfte, Sprachen,

Altersgruppen und schulischen Voraussetzungen

der Eltern Rücksicht nehmen, als auch den räumlichen

und soziokulturellen Gegebenheiten Rechnung tragen.

Wesentlich am Projekt CHAVORE ist die frühzeitige,

gezielte Einbindung der Kinder in die städtischen bzw.

außerstädtischen Betreuungsstrukturen wie Horte und

Lerncafés, um Segregation zu vermeiden und die gesellschaftliche

Integration zu intensivieren.

Durch die regelmäßige Betreuung – insbesondere mit

Hilfe der ehrenamtlichen Malteser – entsteht zwischen

den Kindern und Jugendlichen sowie ihren „Buddies“

eine gute Vertrauensbasis. So lernt man auch als Ehrenamtlicher

die Bedürfnisse, Sorgen und Problematiken

des jeweiligen Kindes kennen und kann sich viel besser

darauf einstellen, sich vorbereiten und helfen.

Mag. Michael Teichmann von der Caritas der Diözese

Graz-Seckau, ZORROM Leiter, erklärt den Projektnamen:

Das Projekt ZORROM CHAVORE wurde von

Dr. Franz Salm-Reifferscheidt als Unterstützer, Sponsor

und Förderer sowie Kommerzialrat Martin Auer initiiert

und ermöglicht sozioökonomisch benachteiligten Grazer

Roma-Kindern den Kindergarten- bzw. Schulbesuch.

Der Projektname setzt sich aus den Romanes-Wörten

„zor“ (Kraft, Energie), „rom“ (Mensch) und „chavore“

(Kinder) zusammen.

DIE MALTESER 3-4/2019 41


RÜCKBLICK

DEM HUNGER ENTKOMMEN –

AMERIKA SEI DANK

Die internationalen Hilfsprogramme für Mitteleuropa nach dem Ersten Weltkrieg sind heute weitgehend in Vergessenheit

geraten. Ein Symposium unter dem Titel „Post World War I Aid“ in Wien Ende September hat diese Hilfe

wieder in Erinnerung gerufen.

Von Richard Mischak

gar mehrmonatige kostenlose Gastaufenthalte für rund

200.000 Kinder in der Schweiz, in den Niederlanden oder

in Skandinavien. Rund 300.000 Schulkinder in Österreich

erhielten ein warmes Mittagessen. Waren im Wert

von 135 Millionen US-Dollar wurden an die Empfängerländer

geliefert und kostenlos zur Verfügung gestellt.

Ankunft von zurückkehrenden Kindern am Wiener Ostbahnhof

Ankunft von zurückkehrenden Kindern am Wr. Ostbahnhof

An der Wiege dieser Veranstaltung – einer Gemeinschaftsarbeit

vom Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung

der Österreichischen Akademie der

Wissenschaften (ÖAW), The American Austrian Foundation

(AAF), der Austrian Marshall Plan Foundation

und mit Unterstützung des The Botstiber Institute for

Austrian-American Studies – steht Gregor Medinger

(Mitglied des St. Johanns-Clubs, in der Studienzeit im

Malteser Hilfsdienst tätig). Er lebt heute in New York.

Sein Anliegen als Vorstandsmitglied der AAF ist Bewusstseinsbildung:

„Bevor wir uns negativ über Hilfe für

Hungernde Kinder in Wien, 1919

andere äußern, sollten wir wissen, dass auch uns einmal

geholfen wurde. Viele unserer Vorfahren wären damals

ohne diesen Beistand gestorben, und auch wir wären

vielleicht nicht am Leben.“

Die amerikanischen Hilfsprogramme linderten ab 1919

die Hungersnot und Mangelernährung vieler österreichischer

Kinder oder ermöglichten mehrwöchige bzw. so-

Auf den Spuren von „Dolly und Fee“

Ein Bild in einem Auktionskatalog brachte Gregor

Medinger auf die Spur der weitgehend vergessenen gewaltigen

Hungerhilfe für Wiener Kinder nach dem Ersten

Weltkrieg. Das ihm bis dahin unbekannt Bild „Dolly

und Fee“ zeigt seine Mutter und seine Tante bei ihrem

Aufenthalt in Holland, als Teilnehmerinnen einer der

Kinderverschickungen in der Hungerzeit. Von seinem

Urgroßvater gemalt, war es damals zum Dank der holländischen

Pflegefamilie geschenkt worden.

Vieles brach in Österreich nach dem ersten Weltkrieg zusammen.

Die Kronländer, die oftmals wichtige Rohstoffe

und Nahrung nach Wien lieferten, waren unabhängig

und hatten mit eigenen Problemen zu kämpfen. Die politische

Kommunikation zwischen den „neuen Nationen“

brach völlig zusammen, Wechselkurse mussten erst „erfunden“

werden.

Mittagsmahlzeiten in Schulen

Für die umfassende Hilfe verantwortlich war die American

Relief Administration (ARA), ein Regierungsunternehmen

der USA. Es war beauftragt, betroffene Völker

mit Lebensmitteln zu versorgen und bei der Wiederher-

42

DIE MALTESER 3-4/2019


RÜCKBLICK

Ankunft von zurückkehrenden Kindern am Wiener Ostbahnhof

Dr. Gregor Medinger, © csei

Dr. Gregor Medinger © csei Hungernde Kinder in Kinder Wien, 1919 in Wien, 1919

stellung der Transportsysteme zu helfen. Innerhalb der

USA waren die Hilfsleistungen im Frühjahr 1919, als

Leistungen an Staaten, mit denen die USA noch immer

im Kriegszustand war, nicht wirklich populär. Trotzdem

begann die ARA kurz nach der Gründung eines Büros

in Paris mit ihrer Hilfe, richtete Mittagsmahlzeiten in

Schulen ein und versorgte Kinder mit Hartkeks, Eintopf

und Kondensmilch. Dieses System der Kinderspeisung

wurde dann in vielen Ländern verwendet.

Die Administration verlangte, Essen nur dort zu verteilen,

wo es echten Bedarf gab. Die Hilfe musste für

alle (!) bedürftigen Kinder ermöglicht werden, und eine

Aufsicht und Kontrolle der Verpflegungsmaßnahmen

mussten gegeben sein. Lokale Organisationskomitees

wurden gegründet, die für die Ausrüstungsgegenstände

und den Transport zuständig waren, und öffentliche

Suppenküchen eingerichtet. Die ARA-Mitarbeiter waren

angewiesen, sich aus den inneren Angelegenheiten

des „Nehmerlandes“ herauszuhalten und sich auf die

Lieferung von Lebensmitteln, Bekleidung und Medikamenten

zu beschränken.

Fast vergessen

Das Ende der Hilfeleistungen der ARA kam mit dem

Friedensvertrag 1919, jedoch wurden noch im Juli und

August laufende Projekte abgearbeitet. Das Büro in Paris

wurde aufgelöst.

Die Kinder waren

Daraufhin

in einem erbarmungswürdigen

gründete

Zustand.

der ehemalige

Leiter der Lebensmittelverwaltung, Herbert Hoover

(später der 31. Präsident der USA), mit einigen Mitarbeitern

den ARA European Children’s Fund (Europäischer

Kinderfonds) und sammelte in kürzester Zeit 29,5

Millionen US-Dollar für weitere Hilfsaktionen ein. Die

wirtschaftliche Erholung in Europa erfolgte langsamer

als erwartet, Österreich und Polen waren schließlich die

letzten mitteleuropäischen Länder, in denen bis 1922

noch Hilfsaktionen liefen.

Das Wissen über diese enormen Hilfsleistungen ist heute

in der österreichischen Bevölkerung fast vergessen, auch

wenn die Umbenennung des „Erzherzog-Ferdinand-

Platzes“ in „Schwedenplatz“ oder die Namensgebung für

die „Hollandstraße“ Dankesgesten der Stadt Wien für die

Dr. Gregor Medinger, © csei

große Hilfe in der Not waren.

Amerika ging es hierbei auch darum, amerikanische Ideale

– wie die Demokratie – zu transportieren. Schließlich

galt es in Europa, „kommunistische Tendenzen“ zu

bekämpfen. Diese gingen damals nicht nur von der neu

geborenen Sowjetunion aus. Auch in Ungarn und Bayern

gab es kurzzeitig „Räterepubliken“.

Bild „Dolly und Fee“ zeigt Gregor Medingers Mutter (links)

und seine Tante in Holland

DIE MALTESER 3-4/2019 43


RÜCKBLICK

30 JAHRE MAUERFALL BERLIN:

EIN FESTAKT FÜR DIE FREIHEIT

Am 11. September 2019 ging in Berlin ein Festakt zum Gedenken an die dramatischen Ereignisse rund um den Fall der

Berliner Mauer vor 30 Jahren und das historische Ausmaß der MALTESER Hilfsaktion für DDR-Flüchtlinge in Budapest

über die Bühne.

Von Pamo Roth

Neben berührenden Gesprächen mit Zeitzeugen illustrierte

eine große Open-Air-Ausstellung in originalgetreuen

Zelten die Arbeit im damaligen Malteser Nothilfelager.

Der Anlass: Im Sommer 1989 waren rund 55.000

Geflüchtete aus der DDR nach Budapest gekommen, in

der Hoffnung, dort die Grenze überwinden zu können.

Auf dem Gelände der Kirche zur Heiligen Familie in

Budapest-Zugliget organisierten ungarische Malteser

– unterstützt vom deutschen Malteser Hilfsdienst und

unter Beteiligung von österreichischen Maltesern – Unterkunft,

Verpflegung und Betreuung der Geflüchteten in

einem Zeltlager. Dort erhielten sie auch in der Nacht zum

11. September die erlösende Nachricht: Sie dürfen ausreisen!

Die damaligen Ereignisse haben die nationalen Malteser

Hilfsdienste eng zusammengeschweißt. So arbeiten

heute die deutschen und österreichischen Malteser, aber

auch die Organisationen in anderen Ländern, bei vielen

Einsätzen auf der ganzen Welt Seite an Seite zusammen.

44

DIE MALTESER 3-4/2019


RÜCKBLICK

„DIE UNS HALFEN, VON DER ALTEN

IN DIESE NEUE WELT ZU KOMMEN“

Zum 30. Mal jährte sich diesen September der Fall der Berliner Mauer. Bei ihrer Flucht von Ost nach West fanden viele

DDR-Bürger Zuflucht in Nothilfelagern der MALTESER in Ungarn. Zeitzeugen und Helfer berichten.

Von Marie Czernin

Budapest im Sommer 1989: Dass diese Zeit nicht nur

das Leben Tausender ehemaliger DDR-Bürger, sondern

auch mein Leben verändern würde, war mir erst viel

später bewusst. Dass hingegen wir Malteser in Budapest

ein einmaliges historisches Ereignis miterleben und

spontan beim St. Johanns Club, um bei der Aufnahme

erschöpfter Flüchtlinge aus Ungarn an der Grenze im

Burgenland mitzuhelfen. So konnte er damals als junger

Student die Geburtsstunde des Malteser Hospitaldienstes

Austria (MHDA) miterleben.

auch mitprägen durften, spürte ich schon damals. Also

schrieb ich die vielen Erlebnisse und Begegnungen mit

den Flüchtlingen aus der DDR eifrig in mein Tagebuch.

Dabei war mein politisches Interesse noch nicht so ausgeprägt

wie heute. Es beschränkte sich während meiner

Schulzeit vor allem auf viele interessante Gespräche

mit unserem Vater, der bemüht war, die recht einseitige

Darstellung unseres Geschichte-Unterrichts im sozialistischen

Gymnasium von Klagenfurt etwas zurechtzurücken.

So hatte er uns auch oft vom ungarischen Volksaufstand

von 1956 erzählt und davon, wie dieser von

der sowjetischen Armee brutal niedergeschlagen wurde.

Mein Vater studierte damals in Wien Welthandel. Als er

von den blutigen Unruhen in dem durch den Eisernen

Vorhang getrennten Nachbarland hörte, meldete er sich

Das „Paneuropa-Picknick“

33 Jahre später – ich hatte gerade die Matura hinter

mich gebracht und erfreute mich meiner neu erworbenen

Unabhängigkeit – war es wieder soweit: In Ungarn

brodelte es. Ich kam gerade vom Weltjugendtag in Santiago

de Compostela zurück und hatte zwei Wochen lang

keine Nachrichten gehört. Da erzählte mir mein Vater

aufgeregt vom „Paneuropa-Picknick“ an der Grenze bei

Sopron, das Otto von Habsburg gemeinsam mit László

Nagy, dem Verantwortlichen des Demokratischen Forums

(MDP) – einer damaligen Freiheitsbewegung in

Ungarn – in die Wege geleitet hatte.

Stolz erklärte mir mein Vater, er sei selbst vor 33 Jahren

mit österreichischen Maltesern mehr oder weniger

an der gleichen Stelle gestanden, wo sich nun an jenem

DIE MALTESER 3-4/2019 45


RÜCKBLICK

denkwürdigen 19. August 1989 politische Vertreter aus

Ungarn, die sich um demokratische Reformen bemühten,

mit Vertretern der internationalen Paneuropa-

Bewegung trafen. Otto von Habsburg war durch seine

Tochter Walburga vertreten, und Prinz Vincenz von

Liechtenstein begrüßte die Anwesenden als Vorsitzender

der Paneuropa-Union Österreich. Im ORF konnte

man mit ansehen, wie dieses symbolische Picknick für

661 Menschen aus der DDR zum „Schlupfloch“ wurde,

durch das sie in die Freiheit stürmten. Dass die ungarische

Grenzpolizei damals nicht auf die Flüchtenden

schoss, bezeichnete mein Vater als ein schieres Wunder.

Bewegt erzählte er mir, dass nun wieder die Malteser

gefragt seien und sie noch nach freiwilligen Helfern suchen

würden. Diesmal sei der Einsatzort allerdings nicht

an der ungarischen Grenze, sondern in Budapest. Da ich

noch ein Monat Zeit hatte, bis ich für ein Jahr nach Rom

gehen sollte, zögerte ich nicht lange, sondern rief gleich

in der Malteser-Zentrale in Wien an, um mich für einen

Einsatz in Budapest zu melden. Irgendwie ahnte ich, dass

mich dort etwas Spannendes und Großes erwarten würde.

„Montag, 14. August 1989: Im Generalsekretariat

geht telefonisch ein Hilfegesuch der ungarischen

Malteser ein: Auf dem Gelände der Zugliget-Kirche in

Budapest haben sich mehr als 200 DDR-Urlauber eingefunden,

die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren

wollen. Die deutsche Botschaft hat die noch junge

ungarische Malteser-Organisation um Unterstützung

gebeten. Denn vor allem Unterkünfte, Decken und

Feldbetten fehlten.“

Malteser Mitteilungen“, Dezember 1989, S. 4

Am Puls der Zeit

Und tatsächlich, nie zuvor hatte ich so stark dieses Gefühl,

am Puls der Zeit zu sein und etwas Einzigartiges zu

erleben, das in seiner historischen Dimension weit über

meine Vorstellungskraft ging.

Mir war zum Beispiel nicht wirklich bewusst, wie brenzlig

die Situation eigentlich war. Ich spürte die angespannte

Lage im Flüchtlingscamp von Zugliget, wo wir

unter der ständigen Beobachtung von Mitarbeitern des

Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der DDR standen. Unter

den Flüchtlingen, die dort am Stadtrand von Budapest

im umzäunten Garten der Pfarrkirche zur Heiligen

Familie untergebracht waren, herrschte noch immer die

Angst, sie könnten von der Stasi an DDR-Funktionäre

überführt werden.

Tatsächlich gelang es einigen Geheimdienstlern, sich in

das Lager hineinzuschmuggeln, um dort gelbe Flugblätter

der „Botschaft der DDR“ zu verteilen. DDR-Bürger

wurden darin aufgefordert, in ihre Heimat zurückzukehren.

Die Botschaft beteuerte, bei der Rückkehr in

die DDR drohe ihnen „keinerlei Strafverfolgung“, was in

den Ohren der Flüchtlinge natürlich zynisch klang. Also

beruhigten wir sie, dass sie sich hier in einem „sicheren

Hafen“ befänden. Aber ich wusste nicht, dass damals in

Ungarn immer noch um die 80.000 sowjetische Soldaten

stationiert waren, die die von den Maltesern und dem

Roten Kreuz betreuten Flüchtlingslager in Budapest

und am Plattensee jederzeit hätten stürmen können.

Dienstag, 5. September 1989: Fünf Tage bin ich heute

schon hier in Budapest. Für uns Malteser ist es eine

neue Arbeitserfahrung, die wir in diesen Tagen gemacht

haben; eine Zeit, in der uns selbst einmal klar wurde,

was es konkret heißt, in Freiheit leben zu dürfen.“

Malteser Mitteilungen“, Dezember 1989, S. 12

Csilla von Boeselager und Pfarrer Imre Kozma

Bereits im Jahr 1988 war es Freifrau Csilla von

Boeselager, einer deutschen Malteser-Dame mit ungarischen

Wurzeln, gelungen, gemeinsam mit Imre

Kozma, dem Pfarrer von Zugliget, einen ungarischen

Malteser-Verein als Schwesternorganisation des deutschen

Malteser-Verbands zu gründen, aus dem dann

der ungarische Malteser Caritas-Dienst hervorging. Es

handelte sich dabei um die erste nichtstaatliche Hilfsorganisation

in Ungarn und in ganz Osteuropa, was in der

Zeit des Kommunismus eine Sensation war.

Dank der Initiative dieser Malteser-Dame, die in Pfarrer

Kozma einen großen Unterstützer gefunden hatte,

konnten die deutschen Malteser im August 1989

in einem etwa zwei Hektar großen Areal rund um die

Kirche von Zugliget das erste Flüchtlingslager in Budapest

eröffnen. Hunderte Menschen aus Ostdeutschland

schlugen dort ihre Zelte auf oder verbrachten die ersten

46

DIE MALTESER 3-4/2019


RÜCKBLICK

direkt neben der Glocke konnten wir das mit weißen

Zelten zugepflasterte Kirchengelände überblicken. Im

unteren Eingangsbereich der Kirche operierte die Einsatzleitung

der deutschen Malteser. So kam es, dass diese

Pfarrkirche am Stadtrand von Budapest ihre Funktion,

ein Hort für Schutzsuchende zu sein, ganz konkret

erfüllen konnte, indem sie den Flüchtlingen aus Ostdeutschland

Asyl gewährte.

Nächte in Schlafsäcken unter freiem Himmel, bis die

Malteser wetterfeste Zelte organisieren konnten.

Die freiwilligen Helfer der deutschen und öster​reichischen

Malteser Jugend waren in einem Raum oben im

Kirchturm untergebracht, zu dem eine Wendeltreppe

mit 138 Stufen führte. Von einem Turmfenster aus

Begegnung mit den Flüchtlingen im Lager

Beim täglichen Austeilen von Decken und anderen Hilfsgütern

kamen wir mit den Flüchtlingen oft ins Gespräch.

Die meisten von ihnen waren noch jung, so zwischen 20

und 40 Jahre alt – Familien, die mit ihren Kindern im

Urlaub zum Plattensee gefahren waren. Von dort fuhren

sie mit ihrem Wohnwagen oder den berühmten Trabis

weiter nach Budapest, weil sie im deutschen Fernsehen

„DIE WERDEN NICHT AUF

EUCH SCHIESSEN!“

Der österreichische MALTESER-Helfer Wilfried Schild verhalf

1989 rund 70 DDR-Flüchtlingen zu einem spontanen

Grenzübertritt. Ein Beispiel – von vielen – für Mut und

christliche Nächstenliebe.

Von Pamo Roth

Nach dem spontanen Grenzübertritt von zahlreichen

DDR-Bürgern beim „Paneuropäischen Picknick“ am

19. August 1989 wurden die DDR-Flüchtlinge im Zugliget-Zeltlager

unruhig: Bei dieser Friedensdemonstration

der Paneuropa-Union an der österreichisch-ungarischen

Grenze sollte für drei Stunden symbolisch das

Grenztor geöffnet werden. Diese Gelegenheit nutzten

rund 600 DDR-Bürger zur Flucht in den Westen – die

bis dahin größte Fluchtaktion aus der damaligen DDR

seit dem Bau der Berliner Mauer.

An dem darauffolgenden Sonntagmorgen arbeitete

Wilfried Schild im Sanitätsbereich des Nothilfelagers

zusammen mit dem Arzt Uwe aus Ostdeutschland. Dieser

war mit seiner Frau und seinen Kindern geflohen

und ärgerte sich: „Wären wir doch auch dabei gewesen,

dann wären wir jetzt im Westen.“ Da riet ihm Wilfried

Schild: „Tut euch doch mit anderen zusammen, nehmt

eure Kinder in die Mitte, singt vielleicht noch ein Lied

und geht einfach über die Grenze. Die können doch

nichts machen, die werden nicht auf euch schießen.“

Daraufhin packten Uwe und seine Familie mit zahlreichen

anderen ihre Sachen zusammen und sagten: „Wir

brechen alles ab und versuchen es.“ Noch am selben Tag

fuhren rund 70 damalige DDR-Bürger mit ihren Autos

Richtung Grenze zum österreichischen Ort Nickelsdorf,

um sie zu überqueren. Wie Wilfried Schild am darauffolgenden

Tag erfuhr, gab es keine Zwischenfälle. Der

Grenzübertritt war geglückt.

DIE MALTESER 3-4/2019 47


RÜCKBLICK

gehört hatten, dass es ein „Loch“ im Eisernen Vorhang

gäbe und einigen bereits die Flucht über Österreich nach

Deutschland gelungen war. Es gab auch viele junge Männer,

die sich ganz allein durchgeschlagen hatten oder

nach einem missglückten Fluchtversuch wieder bei uns

im Lager landeten.

Viele von ihnen waren erstaunt, jugendliche Helfer in

den Camps anzutreffen, die diese Arbeit freiwillig und

unbezahlt taten und noch dazu freundlich waren. So

etwas gab es in der DDR nicht. Aber einige von ihnen

ließen sich von unserem Engagement anstecken und

wollten gleich mithelfen. Im Flüchtlingslager von Csillebérc,

dem zweiten von den deutschen Maltesern geführten

Camp, stand der 20-jährige Brian einmal den ganzen

Tag lang mit mir in einem Raum, wo wir Anziehsachen

an die rund 2000 Flüchtlinge verteilten.

Ein Sattelschlepper mit gebrauchter Kleidung aus Deutschland

hatte uns erreicht, nachdem es Anfang September zu

regnen begonnen hatte und wir einen plötzlichen Kälteeinbruch

erlebten. Das war natürlich sehr hilfreich, da die meisten

Flüchtlinge nur mit sommerlicher Bekleidung bei uns

angekommen waren. Manche von ihnen hatten überhaupt

nur eine kurze Hose und ein Hemd an, womit sie durch die

Donau geschwommen waren. Sie waren dankbar, dass wir

ihnen etwas Warmes zum Anziehen geben konnten.

„Wohnst Du auch in Westen?“

Dass wir mit etwas Herzlichkeit tiefe Emotionen bei den

Flüchtlingen auslösen konnten, war auch für uns eine

überraschende Erfahrung. Als zum Beispiel ein 33-jähriger

Mann völlig zittrig und erschöpft beim Eingangstor

des Camps von Csillebérc stand und fragte, ob er hier

richtig sei, hieß ihn ein Mitglied unseres Teams herzlich

willkommen. Daraufhin brach er in Freudentränen aus

und umarmte den jungen Malteser-Helfer aus Deutschland.

Später setzte ich mich mit vielen Kindern und

jenem Mann – er hieß Klaus Meurer und bezeichnete

sich als „Märchenerzähler“ – auf den Boden vor unserer

Einsatzbaracke. Daraufhin las er den Kindern seine

Geschichten von einem Herrn „Ich weiß nicht“ vor.

Beim Betreuen der Kinder freundete ich mich mit der

kleinen Jacqueline an, die mich im Lager überallhin

begleitete. „Ich fahre mit meiner Mama nach Westen.

Wohnst Du auch in Westen? In welcher Straße denn?“,

„DER ENGEL VON BUDAPEST“

… so wurde Csilla von Boeselager, die Grande Dame

der Malteser in Ungarn und Schlüsselfigur in der

Flüchtlingshilfe 1989, genannt. Dabei handelte sie „nur“

gemäß dem Leitsatz der Malteser: „Bezeugung des Glaubens

und Hilfe den Bedürftigen“.

Der 13. August 1989 war – wie 28 Jahre davor, als

Ost-Berlin abgeriegelt wurde – ein Sonntag. Das SED-

Zentralorgan „Neues Deutschland“ legte in seiner Wochenendausgabe

noch einmal ausführlich dar, dass die

Bedingungen, die zum Bau der Berliner Mauer geführt

hätten, „weiter bestehen“. Die Mauer habe die Völker Europas

vor „einem neuen kriegerischen Inferno“ geschützt

und das „sozialistische Aufbauwerk der DDR“ gesichert.

In West-Berlin wurden Kränze zum Gedenken an die über

hundert Mauertoten niedergelegt.

Von Joachim Jauer

Am Nachmittag des 13. August

wurde am Gittertor der Deutschen

Botschaft in Budapest

ein Schild angebracht: „Die

Botschaft und das Konsulat

sind vorübergehend geschlossen“.

Das Gebäude war von

180 Fluchtwilligen besetzt, die

Botschaft wegen Überfüllung

arbeitsunfähig. In der Stadt

übernachteten ungezählte, meist junge DDR-Bürger in

ihren Trabis oder einfach in Schlafsäcken auf der Straße.

„Wir MALTESER werden das lösen“

Als der Bonner Staatssekretär Jürgen Sudhoff in Vertretung

des kranken Außenministers Genscher zu Verhandlungen

in Budapest eintraf, in seiner Begleitung der

48

DIE MALTESER 3-4/2019


RÜCKBLICK

fragte sie mich ganz aufgeregt, als ob es sich um eine

zauberhafte Stadt in einem Wunderland handelte.

Freiheit – für viele ein ferner Wunschtraum

In diesen Tagen wurde mir bewusst, was für ein unverdientes

Glück ich hatte, in der Freiheit und in Frieden

aufwachsen zu können. Die westliche Welt stand für

mich offen. Ich konnte ins Ausland reisen, ohne Angst

vor der Grenzpolizei haben zu müssen. Für diese jungen

Menschen aus Ostdeutschland hingegen war der Weg in

die Freiheit bedrohlich und voller Hindernisse. Für andere

blieb er ein ferner Wunschtraum.

„Von all den acht Elenden, gegen die zu kämpfen sich

Malteser-Orden und Hospitaldienst verpflichtet haben,

ist jenes der Heimatlosigkeit für uns nur eine

unbekannte Größe.“

Malteser Mitteilungen“, Dezember 1989, S. 10

So bangten wir mit den Menschen aus der DDR in den

Tagen des Abwartens. Wir versuchten, sie zu beruhigen,

wenn sie, angeregt durch falsche Gerüchte, die im Lager

schnell zirkulierten, zu früh schon mit vollgetankten

Autos zur Abfahrt bereit standen.

Wolfgang Graf von Schmettau, der das große Lager von

Csillebérc leitete, musste ihnen dann mitteilen, dass es

mit der Ausreiseerlaubnis leider doch noch nicht so weit

sei. Die Enttäuschung der Flüchtlinge war groß. Einige

dachten, sie müssten nun den ganzen Winter in Budapest

verbringen. Sie waren verunsichert und befürchteten,

durch gezielte Falschmeldungen in den Medien

hinters Licht geführt zu werden.

„Ich hatte zehn Leute vom österreichischen Malteser

Hilfsdienst. Jeder war so motiviert, dass nicht viele

Fragen gestellt wurden, man trat sich nicht auf die

Füße. Wenn nichts zu organisieren war, sind sie ins

Lager gegangen, um mit den Menschen zu sprechen.

Es war sehr wichtig, dass die sich aussprechen konnten,

denn der Druck war schon ziemlich groß.“

Wolfgang Graf von Schmettau im Interview mit der FAZ,

9.9.2019, S. 8

Tilo Acksel, ein junger Flüchtling, spielte in jenem Moment

eine wichtige Rolle. Tilo wollte einmal im Westen

ein berühmter Schauspieler werden. Und so lud er jeden

Abend zu einer Kabarettvorstellung ein, durch die er die

immer ungeduldiger werdenden Mitbewohner des La-

Diplomat Matei Hoffmann,

begegnete den beiden Herren

zufällig Csilla von Boeselager.

So erfuhr sie aus erster Hand,

dass man nach einer Lösung

für das Flüchtlingsproblem

suchte.

Dazu schrieb Csilla von Boeselager

wenig später in ihr Tagebuch: „Ich setzte mich zu

ihnen und sagte: Kein Problem, wir Malteser werden das

lösen. Einerseits werden Familien aus der Pfarrgemeinde

Zugliget Flüchtlinge aufnehmen und andererseits gibt es

einen großen Garten bei der Kirche, wo man Zelte aufschlagen

kann. Ich rufe sofort den Katastrophendienst des

Malteser Hilfsdienstes an.“ Schon am nächsten Morgen

wurde am Tor von Pfarrer Kozmas Kirchgarten ein Schild

mit der Aufschrift „Magyar Máltai Szeretetszolgálat – Ungarischer

Malteser Caritasdienst“ – angebracht.

Weitere Details zum Verlauf der Geschehnisse im Sommer

1989 und ihren Folgen können hier nachgelesen werden:

Kennzeichen D: Friedliche Umwege zur deutschen

Einheit, Verlag camino, Stuttgart 2015, 288 Seiten,

ISBN: 978-3460500013

Die halbe Revolution – 1989 und die Folgen, Verlag

Herder, 352 Seiten, ISBN: 978-3451068454

DIE MALTESER 3-4/2019 49


RÜCKBLICK

gers abzulenken versuchte. Bei unserem Abschied stand

er vor mir, riesengroß und schlacksig, und schenkte mir

mit traurigen Augen das Plakat, das er für seine Vorstellungen

gemalt hatte: „Ich sehe dich gerne lachen. Der

lange Mensch lädt wieder ein …“

Welch ein Jubel brach unter den Flüchtlingen aus, als sie

die Nachricht erhielten, dass es in der Nacht vom 10. auf

den 11. September endlich losgehen würde. Die Grenze

nach Österreich sollte nun endgültig geöffnet werden.

Weinend vor Freude lagen sich Flüchtlinge und Malteser

in den Armen und feierten gemeinsam bis spät am

Abend. Danach bewegten sich Kolonnen von ostdeutschen

Trabis, Wartburgs und Campingbussen in Richtung

Österreich und weiter bis in die BRD.

Freude, Dankbarkeit und Wehmut

Und auch wir österreichische und deutsche Malteser

kehrten mit einem gemischten Gefühl von Freude,

Dankbarkeit und Wehmut wieder in unsere Heimat zurück.

Einige Tage später erreichte mich ein Brief von

Brian, der sein Glück mit mir teilen wollte: „Du kannst

dir nicht vorstellen, was das für ein Gefühl war, die

österreichische Grenze zu passieren. Es war viel mehr als

Weihnachten, Ostern und mein Geburtstag zusammen –

weil endlich nach so langer Zeit meine Gedanken einfach

,frei‘ wurden. Ich fühle mich jetzt wie löslicher Kaffee,

auf den endlich heißes Wasser aufgegossen wurde.“

Und ein Monat später erhielt ich per Post ein großes Kuvert.

Als Absender zeichnete Klaus Meurer, der inzwischen

in Westdeutschland angekommen war. Er schickte mir

seinen mit einer Schreibmaschine auf 30 Seiten abgetippten

Bericht über seine Flucht. Dazu ein handgeschriebener

Brief: „In Wiesbaden sitze ich nun auf einer Parkwiese

in der Sonne, es geht mir gut hier, alles ist so wunderbar,

die Menschen, die Möglichkeiten und diese Freiheit.“

Gerührt war ich vor allem, als ich las, dass er seinen Bericht

mir gewidmet hatte, „dem Mädchen aus Österreich

und all denen, die uns mit Wärme und Verständnis empfingen,

betreuten und die uns halfen, von der alten in diese

neue Welt zu kommen.“

PARA ROWING – RUD

Zwei Menschen in einem Boot. In ruhigem Takt bewegen

sie die Ruder in den Dollen. Aus der Abfolge von Einsatz,

Durchzug und Ausheben ergibt sich ein Rhythmus, der

das Boot wie schwerelos vorantreibt. Nichts deutet darauf

hin, dass einer der beiden Ruderer nur Arme und

Schultern verwendet und an einem Sitz mit Rückenlehne

angeschnallt ist, während der andere mit der Kraft seiner

Beine einen Rollsitz bewegt. Welchen anderen Sport können

Menschen mit und ohne Behinderungen so einfach

gemeinsam ausüben?

Von Florian Kremslehner

Inklusions-Wanderfahrt Linz–Melk

Diese Idee der vollständigen Inklusion in einer Rudermannschaft

begeisterte mich als Malteser, der im

Österreichischen Ruderverband für den Behindertensport

verantwortlich ist, und Alex Suppan, einen

Rollstuhlfahrer mit Querschnittlähmung. Die Idee einer

„Inklusions-Wanderfahrt“ auf der Donau war rasch geboren,

und alles, was es noch brauchte, war ein geeignetes

Boot, das die Malteser zur Verfügung stellten.

Bald fanden sich weitere Athleten und Trainer aus der

italienischen und der österreichischen Para Rowing

Mannschaft, und schon ging es mit drei Booten von

Linz stromab bis Wallsee, Ybbs und Pöchlarn. Unterwegs

wurden sie bei allen Kraftwerken ohne Wartezeit

geschleust, und Einladungen zum Yachtclub Steyregg,

auf Schloss Greinburg und in das Stift Melk sorgten für

50

DIE MALTESER 3-4/2019


RUNDSCHAU

ERN BIETET INKLUSION PUR

Abwechslung während der langen Ruderstrecken auf

dem Strom. Etliche Kilometer wurde die kleine Flotte

sogar von einem Motorboot der Schifffahrtsaufsicht

eskortiert, um Gefährdung durch den Schiffverkehr zu

verhindern. Inklusion bringt eben Vorteile für alle!

Zu einer Herausforderung wurden die Landemanöver.

Zwölf Ruderer mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen

und unterschiedlichen Sprachen mussten

drei Boote an Land bringen, zugleich musste jemand

den Rollstuhl holen und wieder jemand anderer die Sehbehinderten

begleiten. Bald war der Ablauf eingespielt

und bei jedem Manöver wurde gescherzt und gelacht.

Nach drei Tagen landeten die Boote in Pöchlarn, und mit

einem Besuch von Stift Melk klang die erste Inklusions-

Wanderfahrt auf der Donau aus.

Wien–Budapest im Achter

Ein italienischer Ruderverein war von der Inklusions-

Wanderfahrt so begeistert, dass er zwei sehbehinderte

Ruderer und zwei Begleitpersonen zu einer einwöchigen

Ruderfahrt von Wien nach Budapest einlud. In vier

breiten Achtern verließen die Mannschaften Wien über

den Donaukanal und bereits auf der Strecke nach Bratislava

lieferten sich die Boote erste Wettrennen. Meist

trug das Inklusions-Boot mit der zur Hälfte geh- und

sehbehinderten Mannschaft den Sieg davon. Immerhin

ruderte am Schlag ein mehrfacher Paralympics-Teilnehmer,

und ein anderes Mitglied der Mannschaft startete

bei der Weltmeisterschaft 2019 in Linz-Ottensheim.

Neuerlich zeigte sich, wie rasch Inklusions-Mannschaften

zusammenwachsen. Immer half einer dem anderen,

und auch auf den langen Etappen nach Györ und Gran

war immer noch Energie und Laune für einen Zwischenspurt.

Nach einer ausgiebigen Rast bei Visegrad näherten

sich die Boote am letzten Tag Budapest, als ein

plötzliches und heftiges Gewitter hereinbrach. Unter

Donner, Blitzen und splitternden Bäumen mussten alle

Boote rasch an Land gebracht werden. Im peitschenden

Regen wärmte einer den anderen und so gelang es, Boote

und Mannschaft vor Schäden zu bewahren und auch

den sehbehinderten Ruderern die Angst vor den Naturgewalten

zu nehmen. Wie bei Ruderpartien üblich,

klang die Woche mit einem entspannten Festmahl in

Budapest aus.

Die beiden Wanderfahrten haben bewiesen, wie wichtig

Inklusion im Sport ist, und wie einfach dieses Ziel

erreicht werden kann. Wir hoffen auf Nachahmer und

Unterstützer.

Wir danken Niklas Salm-Reifferscheidt-Raitz,

Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha,

Abt Georg Wilfinger und der Fondazione Terzo

Pilastro sowie der Schifffahrts- und Schleusenaufsicht

für ihre Unterstützung.

Informationen zu ParaRowing unter

www.rudern.at, Kontakt: pararowing@rudern.at

DIE MALTESER 3-4/2019 51


XXXXX

DER BAU DES MALTESER

ORDENSHAUSES HAT BEGONNEN

Anfang des Jahres 2019 wurde der Um- und Neubau für das MALTESER Ordenshaus auf dem Areal der Elisabethinen in 1030

Wien begonnen. Wie wir schon berichten konnten, wird im Zuge dieses Projektes des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens in

Österreich in zentralster Lage in Wien ein Alten- und Pflegeheim mit rund 70 Zimmern entstehen. Durch die Anbindung an

das bestehende Franziskusspital „Landstraße“, welches sich auf Medizin für den alten Menschen spezialisiert, wird es gut

positioniert sein.

Von Richard Steeb

Durch eine möglichst umfassende Einbindung der

Malteser Hilfswerke soll das „Malteser Ordenshaus“

entsprechend dem Charisma unseres Ordens sinn- und

identitätsstiftend wirken.

Der für die Umsetzung des Projektes gebildete Lenkungsausschuss

tagt vierzehntägig und stimmt mit dem

Sonderbeauftragten für das Projekt, Architekt Dipl.-Ing.

Andreas Mensdorff-Pouilly, sowie mit Architekt Dipl.-

Ing. Ricardo Baumgarten, der zur Koordinierung aller

notwendigen planerischen, technischen und wirtschaftlichen

Maßnahmen der Umsetzung eingebunden wurde,

die notwendigen Maßnahmen ab. Für die vielen rechtlichen

Fragen konnten wir dankenswerterweise auf die

Hilfe von RA Dr. Jörg Jakobljevich setzen.

Als Generalplaner des großen gemeinsamen Bauprojekts

fungiert die Delta Projektconsult GmbH. Der

Konvent der Elisabethinen Linz-Wien renoviert gleichzeitig

seinen Klosterbereich und gestaltet das Spital

durch Um- und Zubauten neu.

Nach gemeinsamen Ausschreibungen und Angebotslegungen

wurden die ersten Gewerke noch Mitte März

vergeben sowie entsprechende Verträge ausverhandelt

und unterfertigt.

Unser Malteser Ordenshaus wird zusammen mit dem

Konvent der Elisabethinen Linz-Wien, dem Franziskusspital

„Landstraße“, dem Rehab-Zentrum Wien-Mitte

und weiteren Partnern am Standort Landstraßer Hauptstraße

4a als „Zentrum für Menschen im Alter“ eine

Rundumversorgung des alten Menschen ermöglichen.

Am 9. Mai 2019 fand die Segnung der zukünftigen gemeinsamen

Eingangshalle und jene unserer Baustelle durch

den in Vertretung unseres Herrn Kardinals erschienenen

Hwdgst. Herrn Bischofsvikar P. Gerwin Komma SJ statt.

Rechtzeitig dazu wurde die Webseite www.ordenshaus.at

und ein Folder fertiggestellt. Laufende Video-Aufnahmen

vom Dach des Spitals ermöglichen es Interessierten, den

Baufortschritt auch über die Webseite mitzuverfolgen.

52

DIE MALTESER 3-4/2019


RUNDSCHAU

11

© Jürgen Siekmann

8

In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt erfolgte

schließlich die „archäologische Befreiung“ des

Grundstückes. Auf Teilen desselben hat sich ursprünglich

von 1715 bis zumindest 1748 der Friedhof des ersten

Wiener Frauenspitals, eines 50-Betten-Spitals der

Elisabethinen, befunden. Diese Arbeiten erwiesen sich

als umfangreicher, aufwendiger sowie kosten- und zeitintensiver

als geplant.

Zwischenzeitlich wurde der barocke Altbau des Klosters

komplett geräumt und alle erforderlichen Sanierungsmaßnahmen

wurden mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt.

Erste Abbruchsarbeiten und Durchbrüche

wurden durchgeführt und die Leitungsführungen der

technischen Ausstattung begonnen. Es ist eine komplette

Dachsanierung notwendig, mit Erhaltung des Erscheinungsbildes

der Deckung. Die Fassade und im Inneren

die Raumaufteilung, die Gangbereiche, die Natursteinböden

sowie Fenster und Türen bleiben großteils erhalten.

Nach dem Aushub und Dichtmachen der Baugrube wurden

die Kellerbereiche und Kellerdecken unseres Neubaus

fertiggestellt. Jener Bauteil der Elisabethinen, der

in Zukunft die gemeinsame Küche, den Palliativbereich

und Räumlichkeiten der Internen Abteilung beinhalten

wird, wurde aus zeitlichen Gründen aufgrund des archäologisch

bedingten Verzuges im Zeitplan vorgezogen,

damit die neu zu errichtende, größere Spitalsküche,

LEBEN • WOHNEN • PFLEGE

die aus dem Altbau übersiedeln muss, in diesem Bauteil

rechtzeitig ihren Betrieb aufnehmen kann.

Zahlreiche Abstimmungen und Gespräche, die komplette

Detailplanung, auch der verschiedenen Organisationsabläufe,

die Ausstattung und Inneneinrichtung, die

Übersiedlung, die Einbindung der Werke und vieles, vieles

mehr sind jetzt zu koordinieren und zu organisieren

bis unser Malteser Ordenshaus fertig dasteht, aber der

Anfang ist gemacht – und bis September 2021 wollen wir

fertig sein.

Nähere Infos: www.ordenshaus.at

Eröffnung 2021

1

DIE MALTESER 3-4/2019 53


XXXXX

ROMA-HILFE IN UNGARN

Miklós Vecsei, MALTESER in Ungarn, ist seit April 2019

als Regierungskommissar für die Integration der Roma

in Ungarn verantwortlich. Hier ein Auszug aus einem Zeitungsinterview*

über seine Gedanken zum Thema Armut

und Elend.

Von Barbara Piazza-Georgi

sie aus der Nähe bzw. selbst erleben. Zum Beispiel haben

wir uns viele Gedanken darüber gemacht, warum es in

einer Schule in einem ungarischen Dorf so hohe Fehlzeiten

gibt. Erst an Ort und Stelle wurde klar: Herden von

streunenden Hunden halten die Eltern davon ab, ihre

Kinder außer Haus gehen zu lassen.

Wir reden oft über die Beseitigung der Armut und des

Elends. Wir müssen zuerst einmal die Begriffe klären.

Was wir unter Armut verstehen, ist, wenn vieles zum

Wohle der Menschen fehlt, aber mit großem Aufwand

ein geordnetes Leben doch möglich ist. Es gibt Ziele,

und das Zusammenleben in der Gemeinschaft wird von

Werten bestimmt.

Elend ist etwas anderes. Es ist nicht einfach eine tiefere

Form von Armut, sondern eine andere Dimension des

Daseins. Elend ist, wenn der Mangel so groß ist, dass

er die Gemeinschaft zerstört, der Morgen verschwindet

und nur das Heute zählt. Das momentane Bedürfnis

setzt alles außer dem Überleben außer Kraft.

Im Elend gibt es kein individuelles oder gemeinschaftliches

Ziel. Das Leben wird auf einen einzigen Punkt in

Raum und Zeit reduziert. Menschliches Elend bedeutet

völligen Verlust des Zwecks.

Obwohl die Symptome auch von weitem sichtbar sind,

werden die Ursachen für uns nur erkennbar, wenn wir

Menschen, die am Rande der Existenz leben, können

durch das Sozialsystem und verschiedene Programme

unterstützt werden, aber nur die Gesellschaft kann sie

wieder aufnehmen. Daher ist es sehr wichtig, der Gesellschaft

klarzumachen, was wir tun. Jeder muss sehen,

dass der im Elend lebende Mensch sein Schicksal

nicht gewählt hat. So wie auch wir nicht deswegen in

unserer Position sind, weil wir es verdienen. Elend wird

vererbt. Kinder, die in Elend geboren sind, erleben es als

selbstverständlich und geben es weiter. Wenn wir nicht

rechtzeitig neue Möglichkeiten für sie schaffen und aufzeigen,

haben sie keine Chance auf ein anderes Leben.

*Magyar Kuríer, 6. Mai 2019, übersetzt und bearbeitet von

Barbara Piazza-Georgi

54

DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERWELTWEIT

INTERNATIONALES MALTESER SOMMERLAGER

VON ETTAL NACH ROM

Von 3. bis 10. August 2019 war es soweit: Im Benediktinerkloster

Ettal fand das diesjährige Internationale

Malteser Sommerlager statt. Rund 500 junge Menschen

mit und ohne Behinderung aus 24 Ländern verbrachten

eine außergewöhnliche Woche mit viel Spaß und

Abwechslung beim Klettern, Rodeln, Tanzen und vielen

weiteren integrativen Tätigkeiten.

Von Olympia Wimpffen

„Bei diesem Camp habe ich mich zum ersten Mal in meinem

Leben so gefühlt, als hätte ich keine Behinderung“,

fasst Erika ihre Eindrücke zusammen. Sie ist damit

nicht die Einzige. Auch die österreichischen Teilnehmer

konnten das von den deutschen Malteser-Kollegen perfekt

organisierte Sommerlager genießen. Sie freuen sich

schon auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. Da geht es

dann nach Rom. Arrivederci!

DIE MALTESER 3-4/2019 55


MALTESERWELTWEIT

MALTESERINTERNATIONAL

DIE MENSCHLICHKEIT NICHT AUS DEM

In den Flüchtlingslagern im Libanon herrschen dramatische hygienische Zustände, Krankheiten und Depression.

Gleichzeitig begegnet man einer Menschlichkeit, die tief berührt und beispielgebend ist. Ein Erfahrungsbericht.

Von Katharina Schaufler

Wenn wir von den Bedürfnissen der Kriegsflüchtlinge

sprechen, kommt die Rede oft schnell auf die Anwaltschaft

durch hochrangige UN-Beamte oder diplomatische

Vermittler. Nicht so bei den Maltesern: Dort stehen

die Kreativität, Flexibilität und Hartnäckigkeit der örtlichen

Ersthelfer im Mittelpunkt. Denn nur dank deren

tatkräftigen, selbstlosen Engagements ist es möglich, die

Menschen auch in den entlegensten Winkeln der Krisengebiete

mit Hilfe zu erreichen.

Ich durfte Teil dieser Helfer werden, als ich im April 2019

mein fünfmonatiges Malteser-Volontariat bei der „Lebanese

Association of the Knights of Malta“, kurz LAKM,

startete. Die LAKM umfasst knapp 60 Mitglieder und

betreibt zehn Krankenstationen, ein Therapiezentrum

für Kinder mit Zerebralparese, vier mobile Kliniken und

fünf Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen. Außerdem

organisiert sie Feriencamps für Menschen mit

mentaler und/oder physischer Behinderung, zu denen

jährlich über 1000 Freiwillige aus Europa und der Welt

anreisen.

Menschenunwürdige Bedingungen

Mein erster Einsatz mit der LAKM führte mich in

den Norden des Landes nach Kobayat. Kobayat ist ein

christliches Dorf, das inmitten von 40 sunnitischen

Dörfern nahe der Grenze zu Syrien liegt. Die Region

beheimatet rund ein Viertel der syrischen Flüchtlinge

im Libanon. Sie leben hier ohne ausreichend sauberes

Wasser, ohne eine geeignete Gesundheitsversorgung,

ohne Schulen für die Kinder. Die umfangreichste Hilfe

wird von der medizinischen Ersthilfe-Einrichtung

der LAKM angeboten. Sie ist auch Ausgangspunkt der

Mobilen Einheit MMU, die Tag für Tag selbst in die

entlegensten Dörfer fährt, um dort die Menschen medizinisch

zu versorgen.

Eine solche Versorgung braucht es auch dringend in der

weiter südlich gelegenen Bekaa-Hochebene. Hier sind

besonders viele Flüchtlingslager eingerichtet. Die sanitären

Bedingungen sind schockierend und menschenunwürdig.

Auch hier herrschen dieselben Probleme wie

in Kobayat: Es mangelt an ausreichender Grundversorgung

– in jeder Hinsicht. Zusätzlich erschwert das

extreme Klima mit sehr niedrigen Temperaturen im

Winter und bis zu 40 Grad Hitze im Sommer das Bewältigen

des Alltags. Vor allem der vergangene Winter,

in dem es zu heftigen Schneestürmen, Dauerregen und

frostigen Temperaturen gekommen ist, führte zu katastrophalen

Zuständen, wie die Flüchtlinge berichten.

56

DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERWELTWEIT

BLICK VERLIEREN

Die Bewohner der Lager leiden vor allem an Infektionskrankheiten

und posttraumatischen Störungen. Nicht

wenige von ihnen sind aufgrund des Erlebten und der

Aussichtslosigkeit ihrer Situation schwer depressiv. Einer

vernünftigen Arbeit nachzugehen, ist ihnen nicht

erlaubt. Die libanesische Regierung gestattet syrischen

Flüchtlingen ausschließlich die Arbeit am Bau oder am

Feld. Somit sind auch Kinder, alte Menschen und solche

in schlechtem gesundheitlichen Zustand gezwungen,

ihre Familien mit harter, äußerst dürftig bezahlter Feldarbeit

zu versorgen.

Einander im Leid begegnen

Was ich trotz all diesem Leid erleben und erfahren durfte,

sind wunderbare Momente größter Menschlichkeit: Als

wir zum Beispiel Aain Aata – ein kleines, völlig verarmtes

Bergdorf, das von Drusen bewohnt wird – besuchten,

kamen alle Dorfbewohner zusammen, hießen uns herzlich

willkommen und luden uns zu einem gemeinsamen

Essen mit feinsten libanesischen Speisen ein.

Eine andere Begegnung, die mir für immer in Erinnerung

bleiben wird, ist das Zusammentreffen mit Schwester

May. Mit ihren 92 Jahren arbeitet diese zierliche, von einer

unerschütterlichen Menschenliebe durchdrungenen

Persönlichkeit mit dem Ersthilfe-Zentrum der Malteser

zusammen. Allein an einem einzigen Tag besuchten

wir 15 Familien und statteten diese mit Kleidung und

Nahrungsmitteln aus. Dabei spielte es keine Rolle, ob

sie in einem christlichen, muslimischen oder alawitischen

Haushalt lebten. Schwester May nimmt sich jeder

Schicksalsgeschichte an, als wäre sie die ihrige.

Respektvolles Miteinander

Während meines Aufenthalts wurde ich mehrmals Zeugin

einer humanitären Operation, die sich für Dialog

und Frieden einsetzt. Bei einer Ausfahrt mit der Mobilen

Einheit MMU in ein sunnitisches Dorf erlebte ich zum

Beispiel, wie ein christlicher Arzt, ein christlicher Fahrer,

zwei sunnitische Krankenschwestern und eine schiitische

Sozialarbeiterin in engem Schulterschluss zusammenarbeiteten

und die Patienten – unabhängig von deren Glaubenszugehörigkeit

– freundschaftlich und mit höchstem

Respekt behandelten.

Sie sind Menschen, die ihre Menschlichkeit selbst in den

schwierigsten Situationen nicht aus dem Blick verlieren.

Eine solche Haltung berührt zutiefst und kann nur Vorbild

für uns alle sein.

Katharina Schaufler arbeitete bei der Ständigen Vertretung

Österreichs bei der UNESCO in Paris, bevor sie den

Europäischen Master in Menschenrechte und Demokratie

in Venedig begonnen hat. Von April bis September

2019 war sie als Malteser-Volontärin in den syrischen

Flüchtlingslagern im Libanon im Einsatz. Diese werden

vor Ort u.a. von der libanesischen Organisation des

Malteserordens betreut.

DIE MALTESER 3-4/2019 57


LIBANON

GANZ ANDERS GEMEINSAM

Anfang September fand das erste Libanoncamp unterLeitung der österreichischen MALTESER statt. Unsere Gäste

kamen aus verschiedenen Heimen des Landes und wurden für je sechs Tage in Einzelbetreuung umsorgt und gepflegt.

Ein sehr persönlicher Blick auf dieses besondere Miteinander in einem ganz besonderen Land.

Längst in den Alltag und die „normale Welt da draußen“

zurückgekehrt, heben sich die Erlebnisse und Bilder noch

immer deutlich ab – diese Augenblicke der Zeitlosigkeit und

des gelebten Malteser-Seins. Ich sehe sie wieder, die zahlreichen,

gerade erst ausgebildeten Malteser, die im Rahmen

des Libanoncamps ihre ersten Erfahrungen mit mehrtägigen

Malteser-Reisen machen, und fühle mich an mein erstes

solches Abenteuer erinnert. Eine frische, bereichernde Brise

weht, da nicht nur Malteser, sondern auch Freunde als Betreuende

an diesem Camp teilnehmen können.

Am Flughafen erwartet unsere etwa 30-köpfige Gruppe

ein wunderbar pittoresker Bus. Nach einer Fahrt durch

das sommerlich-nächtliche Beirut bringt er uns nach Kfardebian,

dem jenseits der 1200 Höhenmeter in den Bergen

gelegenen Ort unseres Camps. Nach der vorangegangenen

Planungszeit und dem folgenden Vorbereitungstag macht

schließlich die Ankunft der uns überantworteten libanesischen

Gäste unsere Gemeinschaft vollständig.

Eine Sprache fern der Worte

Die Intensität der gemeinsamen Erlebnisse mit unseren

Gästen, das Kennenlernen ihrer Eigenheiten und Bedürf-

Von Beatrice Austerlitz

nisse lässt innerhalb der Gruppe rasch Verbundenheit

entstehen. Eine Verbundenheit, die auf Augenhöhe, aber

auf etwas anderem, als auf gemeinsamen Worten fußt,

denn wir sprechen nicht alle die gleiche Sprache. Oder

doch? Auch eine Verbundenheit, die jedenfalls nicht in

großen, lauten Tönen liegt, sondern in den kleinen, leisen

zwischenmenschlichen Gesten wie einem Blick, einem

Lächeln oder einer Umarmung, die Nähe und Vertrauen

schaffen. Sich mangels sprachlicher Alternativen

gänzlich auf diese Ebene andersgearteter Kommunikation

mit unseren Gästen einzulassen, ist sicherlich eine der

großen Herausforderungen, die sich uns während dieser

Tage bietet. Eine, für die ich dankbar bin, gerade in einer

schnellen Welt wie dieser, eröffnet sie doch die Möglichkeit,

statt nebeneinander beschäftigt zu sein, sich aufeinander

einzuschwingen und miteinander zu beschäftigen.

Wie das Evangelium auf Arabisch klingt

Dieses Mal erlebe ich das Camp als Programmverantwortliche

ohne eigenen Gast aus einer anderen Perspektive.

Beschenkt darum, diese immer wieder besondere

Camp-Atmosphäre an gegenseitiger Hingabe und

Nächstenliebe wie ein Schwamm aufsaugen zu können,

58

DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERWELTWEIT

um nach meiner Rückkehr nun immer noch davon zu

zehren. Begleitet werden wir bei diesem Abenteuer von

Pater Christoph Matyssek, vor Ort genannt Abouna

Christoph, von Abouna Romanos, dem geistigen Vater

des Camps in Kfardebian, und von seinem Bruder in

Chabrouh, wo wir eines Abends das parallel stattfindende

Camp der Deutschen Malteser besuchten.

Abouna Christophs sprachliche Wendigkeit im Arabischen

bindet unsere Gäste in den Messen auf wunderbare

Weise ein, gibt ihnen Raum und Gehör. Das ist gerade in

einem Land wie dem Libanon bedeutsam, wo „differently

abled“-Sein immer noch ein tabuisiertes und verstecktes

Thema ist, und man leider noch weit von einer wünschenswerten

gesellschaftlichen Teilhabe entfernt ist.

Anregungen zum Selbstausdruck

Während der verschiedenen Aktivitäten, wie dem gemeinsamen

Anfertigen der Dekoration des Hauses oder

dem Verzieren von Keksen, beim Malen, Schmuckgestalten

oder Laternenbasteln für unsere Lichterprozession,

begegnet mir große Kreativität. Sie findet ihr Pendant in

der spürbaren Bewegungsfreude während der täglichen

Tanz- oder Singsessions. Die unumwundenen Programmhöhepunkte

waren eindeutig der sonnige Strandtag,

das elegante „fancy dinner“ an einer langen gedeckten

Tafel und die glamouröse Fashionshow im Beisein des

österreichischen Botschafters. Vor allem eines leuchtet

vor meinem inneren Auge: Das Aufblühen aller Beteiligten

im Laufe dieser Woche.

Vom Wert und Zweck der Strohhalme

Die feinfühlige und umsichtige Planung unseres Campleaders

Felix Male ließ kaum etwas von den Herausforderungen

eines ersten Males spüren und fand meinen

ganz persönlichen Höhepunkt darin, unsere Gäste am

Ende der Woche nach Hause begleiten zu können. Der so

gewonnene Einblick in ihre Lebensumstände gab der gemeinsamen

Zeit einen besonders stimmigen Abschluss.

Bei aller Liebenswürdigkeit der diensttuenden Ordensschwestern

kann ich plötzlich nachspüren, wie ungewohnt

es für unsere Gäste gewesen sein musste, in so

einem nahen Bezugsverhältnis zu einer ganz allein ihrem

eigenen Wohl verschriebenen Person zu stehen. Die

gegenseitige Freude, diese Zeit miteinander verbracht

zu haben, ließ sich nur an den zahlreichen feuchten Augen

ablesen, als wir uns nach einer letzten gemeinsamen

Messe in der Kapelle des Heims voneinander verabschiedeten.

Wieder allein in der Cafeteria, hielten wir uns ordentlich

an unseren Strohhalmen an, und geraume Zeit

verging, bis wir die in unsere Gruppe gerissene Lücke

verdaut hatten.

Dieser für mich persönlich besonders sinnstiftende Moment

des Abschieds und all seine Implikationen lassen

mich hoffen, dass das erste „österreichische Libanoncamp“

der Auftakt für viele weitere Jahre ist, in denen

Gästen eine Woche Zuwendung und Urlaubsgefühl geschenkt

werden kann.

DIE MALTESER 3-4/2019 59


MALTESERWELTWEIT

MALTESER IN DER SCHWEIZ

Seit dem 12. Jahrhundert ist der Malteserorden in der Schweiz. Die Schweizer Assoziation der MALTESER, ein wichtiger

Verbündeter im Kampf gegen die acht Elende, setzt heute die Tätigkeit des Ordens in der Schweiz um.

Von Martin Graf von Walterskirchen

Stadt Luzern gezeigt wird. In der Heimat wurde Sonnenberg

Komtur von Hohenrain, Reiden, Leuggern und

Klingnau, 1666 Großprior von Ungarn und 1682 – kurz

vor seinem Tod – Großprior der deutschen Zunge in Heitersheim

und damit Reichsfürst.

Class of 2020: Die elf im Vorbereitungsjahr befindendlichen

Kandidaten mit Paten und Ordensmitgliedern am Ausbildungswochenende

Ja, auch in der Schweiz blüht der Malteserorden! Die erste

sichere Spur stammt aus dem Jahr 1182. Damals wurde

beurkundet, dass Freiherr Ludwig von Malters sein

Eigengut zu Schongau dem Johanniterhaus in Hohenrain

bei Luzern übergab. Hohenrain, das auf der wichtigen

Verkehrsachse Rhein-Alpen-Italien gelegen ist, ist

eine von 19 Kommenden unseres Ordens auf dem Gebiet

der Schweiz. Drei von ihnen (Compesières, La Chaux,

Salquenen) gehörten zum Großpriorat der Auvergne,

eine (Contone) zum Großpriorat von Lombardo-Venezien

und die übrigen 15 (Basel, Bieberstein, Biel, Bubikon,

Fribourg, Hohenrain, Leuggern-Klingnau, Küsnacht,

Magnedens, Münchenbuchsee, Reiden, Rheinfelden,

Tobel, Thunstetten sowie Wädenswil) zum Deutschen

Großpriorat mit Sitz in Heitersheim.

Die MALTESER unter Franz von Sonnenberg

Das bedeutendste Schweizer Ordensmitglied war der

Luzerner Patrizier Franz von Sonnenberg. Er trat dem

Orden 1630 bei. 1641 ging er nach Malta, wo er sich bei

den Kämpfen gegen die Korsaren und Türken durch große

Tapferkeit auszeichnete. Bei seiner Rückkehr brachte

er eine Schiffsfahne mit, die er selbst im Kampf erobert

hatte und die noch heute im historischen Museum der

Neues Ordensleben ab 1961

Heute verfügt der Orden in der Schweiz über keinen

Grundbesitz. Einen Teil seiner Kommenden verlor er

im Zuge der Reformation, die übrigen im Gefolge der

französischen Revolution und der napoleonischen Umstürze.

1961 begann mit der Gründung der Helvetischen

Assoziation eine Wiederbelebung des Ordenslebens in

der Schweiz. Unter den Initianten befanden sich der

österreichische Diplomat Baron Arthur Breycha-Vauthier

de Baillamont und der französische Bijoutier Pierre

Cartier, seines Zeichens Gesandter des Malteserordens.

Umfasste die Assoziation damals sechs Ritter, so sind es

heute mehr als 200 Damen und Ritter sowie 30 Assoziierte,

d.h. Mitglieder ausländischer Ordensgliederungen. Sie

ist in drei Delegationen (deutsche, französische und italienische

Schweiz) organisiert. Ordensoberer ist der Präsident,

welcher durch die Generalversammlung der Mitglieder

für sechs Jahre gewählt wird (eine Wiederwahl

ist möglich). Auch der Kanzler, der Hospitalier und der

Schatzmeister werden durch die Generalversammlung gewählt.

Dem Rat gehören ferner neben dem Chef-Kaplan

drei Vizepräsidenten sowie deren Suppleanten an, welche

von den Mitgliedern der drei Delegationen gewählt werden.

Seit 2018 besteht außerdem die Gemeinschaft Junger

Malteser, welche sich, ohne Ordensmitglied zu sein,

mit unserer Spiritualität auseinandersetzt.

Kennenlernen und voneinander lernen

Seit Jüngstem sind die Aktions- und Devotionsgruppen

das spirituelle Rückgrat der Assoziation. Sie bestehen

60

DIE MALTESER 3-4/2019


MALTESERWELTWEIT

Ein gutes Jahr Vorbereitung

Wichtig ist die Ausbildung der Ordenskandidaten, deren

Auswahl durch die Delegationen und den Rat erfolgt.

Alle Kandidaten sind gehalten, ihrer Verpflichtung zum

Dienst an unseren Herren Kranken im Rahmen des

Malteser Hospitaldienstes nachzukommen. Auch nehmen

sie während des Vorbereitungsjahres an allen Veranstaltungen

des Ordens teil, um so die Assoziation kennenzulernen

und sich Klarheit darüber zu verschaffen,

ob sie willens und in der Lage sind, nach einer allfälligen

Aufnahme ihren Verpflichtungen als Ordensmitglieder

nachzukommen. An einem ersten „Kandidaten-Wochenende“

erfolgt die Schulung in Spiritualität, Ordensgeschichte,

Organisation, Hospitale Aktivitäten und Diplomatie

des Ordens. Ein zweites Wochenende ist dem

geistlichen Leben, also gemeinsamem Beten, geistlichen

Vorträgen und der Einkehr, gewidmet.

Fra‘ Franz von Sonnenberg, Großprior der deutschen

Zunge

in den größeren Ballungszentren. Ihr Zweck liegt darin,

dass die Ordensmitglieder und Kandidaten die Ordensregel,

so wie sie in der Schrift „Regulierungen und Kommentare“

fixiert ist, auch wirklich kennenlernen. Und

das funktioniert alle zwei bis drei Monate so: Nach dem

gemeinsamen Besuch der Abendmesse trifft man sich.

Eines der Mitglieder führt in einen Teil der Regel ein, der

zuvor an alle verschickt wurde. In Luzern war dies beim

letzten Treffen das Kapitel „V Regelungen für die Mitglieder

des dritten Standes“. Es folgt eine Diskussion,

danach ein gemeinsames Abendessen. Beim nächsten

Treffen wird das folgende Kapitel behandelt.

Die Werke der Helvetischen Assoziation

Der Malteser Hospitaldienst Schweiz (MHDS/SHOMS)

ist das wichtigste Werk der Assoziation. Es begann

1973 damit, dass drei Kranke und der Unterzeichnende

sich dem österreichischen Lourdes-Zug anschlossen.

Der damalige Kommandant des MHDA, Graf Berthold

Waldstein-Wartenberg, und seine Frau, Gräfin Daisy

Waldstein-Wartenberg, aber auch weitere Österreicher

wie Aglaë Hagg, geborene Gräfin Thun, trugen

wesentlich dazu bei, dass 1974 der Schweizer Malteser

Hospitaldienst gegründet wurde.

Vielfältige Betreuungsdienste

Heute hat der MHDS knapp 1000 Mitglieder und verfügt

in den meisten Schweizer Städten über Sektionen.

Die Herren tragen eine hellblaue Uniform, und die Organisationsform

entspricht weitgehend derjenigen des

österreichischen Vorbilds. Die Dienste sind vielfältig

und reichen von Betreuungstätigkeiten, etwa für Multiple-Sklerose-Kranke

oder Demente, bis zum Point d’Eau,

einem Ort, an dem sich Homeless, Alte, Arme, Working

Poor und Sans-Papiers duschen, ihre Kleider waschen,

ärztliche und zahnärztliche Betreuung und – besonders

wichtig – podologische Fußpflege erhalten. Auch besteht

eine enge Zusammenarbeit mit dem Johanniter-

Orden. Eine weitere Besonderheit sind die Pfadfinder

des MHDS, aus denen schon etliche Ordensmitglieder

hervorgegangen sind.

Gebrauchtes für Bedürftige

Aus dem MHDS entstand die Stiftung „Hilfe und Beistand“.

Sie übernimmt gebrauchtes, aber gut erhaltenes

Spital- und Schulmobiliar, um diese Spenden Institutionen

in bedürftigen Ländern zukommen zu lassen. 2018

waren das Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien,

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Die Malteser-Zeitung 2_2019_ok.indd 1 21.06.19 16:49

Die Malteser-Zeitung 1_2019_End-ok.indd 1 19.03.19 16:27

MALTESERWELTWEIT

Chile, Ghana, Indien, Libanon, Mauretanien, Nepal,

Polen, Portugal, Serbien, die Slowakei und die Ukraine.

Das Volumen beträgt etwa 120 Container pro

Jahr.

Hilfe für Lepra-Kranke

CIOMAL (Campagne Internationale de l’Ordre de

Malte contre la Lèpre) ist eine Art Joint-Venture zwischen

dem Großmagisterium und der Schweizer Assoziation.

CIOMAL hilft in Kambodscha Menschen,

welche an der Hansen-Krankheit („Aussatz“, „Lepra“)

erkrankt sind. Der Schwerpunkt liegt bei der Früherkennung

und Rehabilitation der Patienten. So können

unumkehrbare Entstellungen vermieden werden.

Ein besonders wichtiger Teil der Tätigkeit von

CIOMAL ist die Wiedereingliederung der Patienten

in ihre angestammten Gemeinschaften.

Tantour: Ein österreichisches Erbe verwaltet

von der Schweiz

Die Stiftung Pro Tantour ist ein „österreichisches

Erbe“. Graf Bernhard Caboga-Cerva hatte 1869 den

Hügel von Tantour erworben und dort mit Unterstützung

von Kaiser Franz Joseph I. sowie zahlreichen

Ordensmitgliedern ein Spital errichtet. Ein

Teil des seinerzeit erworbenen Terrains gehört auch

heute noch dem Orden. Um dieses Grundstück zu

nutzen, wurde 1964 Pro Tantour, eine kirchliche

Stiftung nach Schweizer Recht, gegründet. Nach vielen

„Ups and Downs“ und dem Einsatz erheblicher

finanzieller Mittel hat 2018 ein Pilgerhotel den Betrieb

aufgenommen. Damit hatte die Assoziation

ihren Auftrag erfüllt. Die Verantwortung für diese

Liegenschaft wurde in die Hände des Großmagisteriums

zurückgelegt.

Zum Autor: Martin Graf von Walterskirchen zu

Wolfsthal ist Ehren- und Devotionsritter in

Obödienz sowie Präsident der Schweizer

Malteser Assoziation. Von 1974 bis 1980 war

er Kommandant des MHDS.

Falls Sie, Ihre

Freunde oder Ihre

Familie über unsere Arbeit

informiert werden wollen,

senden wir Ihnen die Zeitung

gerne regelmäßig zu.

Senden Sie einfach eine

E-Mail an:

zeitung@malteser.at

GRATIS,

aber leider nicht

kostenlos.

Die

CARAVAGGIO & BERNINI

MALTESER Private Preview

12. Oktober 2019, 19 Uhr

Kunsthistorisches Museum Wien

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2019

CARAVAGGIO & BERNINI

MALTESER Private Preview

12. Oktober 2019, 19 Uhr

Kunsthistorisches Museum Wien

Christliche Werte in der Politik

Rom: Neue Ordensregierung

Neu: Zentrum für Menschen im Alter

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und soll

es auch bleiben.

Denn es ist uns ein Anliegen, Sie über unsere

Arbeit umfassend zu informieren. Doch die

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kostenlos. Bitte unterstützen Sie uns.

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MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

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Kennwort „Zeitung

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MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3-4/2018

Spatenstich:

MALTESER Ordenshaus – Wohnen wie Zuhause

Wirtschaft hilft – Das Wirken von Engeln

Ausgabe 1/2019

20. MALTESER Wildwassercamp

Die Malteser-Zeitung 21_11 ok.indd 1 23.11.18 14:00

MALTESER-Pilgerfahrt ins Heilige Land

Welttag der Armen

Integration durch Empowerment

62

DIE MALTESER 3-4/2019

Spenden an den MALTESER Hospitaldienst sind von der Steuer absetzbar!


MALTESERWELTWEIT

SLOWAKEI

FEIERLICHES ZU EHREN

DER MUTTER GOTTES

Am 15. September war die Basilika der Sieben Schmerzen Mariens im

slowakischen Šaštín Ziel von zahlreichen Pilgern – darunter auch eine

Delegation des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens.

Von Anton Gatnar

Rund 35.000 Menschen waren gekommen, um der Schutzheiligen

der Slowakei, der Schmerzensmutter, zu gedenken.

Prominente Begleitung erhielt die Pilgergemeinschaft

unter der Leitung von Metropolitan-Erzbischof Stanislav

Zvolenský durch Staatspräsidentin Zuzana Čaputová,

deren Amtsvorgänger Andrej Kiska und Ivan Gašparovič

sowie Ministerpräsident Peter Pellegrini und etliche Regierungsmitglieder.

Die Predigt hielt der Apostolische Administrator

von Azerbaijan, Msgr. Vladimír Fekete, SDB.

SLOWAKEI

EIN GUTER SCHRITT

Um die Gesundheitsversorgung in der Slowakei weiter

zu modernisieren und auszubauen, wurde zwischen

dem slowakischen Gesundheitsministerium

und dem Souveränen Malteser Ritter-Orden Mitte

September eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Gesundheitsministerin Andrea Kalavská und Malteser-Großhospitalier

Dominique de la Rochefoucauld-

Die Basilika von den Sieben Schmerzen Mariens ist eine

der bedeutendsten Basiliken der Slowakei sowie eines der

wichtigsten Wallfahrtsziele des Landes. Obwohl die Wallfahrten

das ganze Jahr über stattfinden, spielen jene zu

Pfingsten und am Tag der Sieben Schmerzen Mariens, am

15. September, eine besondere Rolle. Neben der Bedeutung

als Wallfahrtsort für die slowakische römisch-katholische

Kirche ist die Basilika seit 2009 auch der Wallfahrtsort für

die griechisch-katholische Eparchie Bratislava.

Montbel bekräftigten in einem Memorandum ihren

Willen, die bereits bestehende Freundschaft zwischen

der Slowakei und dem Malteser-Ritter-Orden weiter

zu stärken sowie die Zusammenarbeit im humanitären

und gesundheitlichen Bereich weiter voranzutreiben.

Wir freuen uns über diesen wichtigen Schritt

und wünschen alles Gute!

DIE MALTESER 3-4/2019 63


MEDIZINAKTUELL

MUSKELTRAINING

KANN LEBEN RETTEN

Eine gute Muskulatur wirkt sich höchst positiv auf den Allgemeinzustand und die Lebenserwartung aus. Das gilt vor

allem auch für Patienten mit einer kritischen oder chronischen Erkrankung.

Von Katharina Stögner

Eine aktuelle Studie mit Daten von rund 40.000 Untersuchten

belegt es: Die Muskelkraft hat erheblichen

Einfluss auf die Lebenserwartung von uns Menschen.

Im Umkehrschluss erhöht eine schlechte muskuläre

Fitness die Wahrscheinlichkeit für einen früheren Tod.

Angabe der Studienautoren bei vielen Erkrankungen

ähnlich wichtig wie die medikamentöse Behandlung. In

fast jeder Krankheitssituation können die Betroffenen

von einem therapiebegleitenden Training profitieren,

das sich auch positiv auf die Lebensqualität auswirkt.

So wiesen die Studien-Teilnehmer mit geringer Muskelkraft,

nach Ausklammerung anderer potenzieller

Einflussfaktoren, im Vergleich zu Patienten mit hoher

Muskelkraft ein 1,8-fach erhöhtes Risiko, zu sterben

auf. Andererseits zeigte sich, dass ein um fünf Kilogramm

höheres Muskelkraftniveau ein um 28 Prozent

verringertes Risiko für die Gesamtmortalität mit sich

bringt.

Richtige Ernährung und Training als Therapiekonzept

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, Patienten

mit Muskelschwäche rechtzeitig zu identifizieren und

wirkungsvoll zu therapieren. Vor allem bei schweren

Erkrankungen sowie bei Tumortherapien wirkt sich

ein durch Krankheit oder fortschreitendes Alter verursachter

Muskelschwund negativ auf den Krankheitsbzw.

Therapieverlauf aus. Die Patienten werden dann

häufig pflegebedürftig, bei älteren Menschen wird eine

Überstellung in ein Pflegeheim erforderlich.

Ein wichtiges Ziel im klinischen Management muss

es daher sein, rechtzeitig die richtigen Maßnahmen

einzuleiten – etwa eine adäquate Ernährungstherapie

kombiniert mit einem gezielten Krafttraining, um dem

Verlust an Muskelkraft effizient entgegenzuwirken.

Diese Ernährungs- und Trainingsintervention ist nach

Flächendeckendes Gesundheitsprogramm

Und nicht nur das: Auch das gesamte Gesundheitssystem

profitiert von solchen Maßnahmen. Wünschenswert

wäre daher die rasche Einführung der entsprechenden

Rahmenbedingungen, um dieses innovative

Trainings- und Ernährungskonzept als fixen Bestandteil

von Therapien flächendeckend zu implementieren.

Kräftige Muskeln als Prävention

Schon mit ein paar einfachen Übungen lassen sich unsere

Muskeln gut in Schuss halten. Die nachfolgenden

Übungen können auch in den Berufsalltag gut integriert

werden. Viel Freude beim Training!

Natürlicher Medizinschrank

Über die Heilkraft der Muskeln schreibt auch

Sportwissenschafter Wolfgang Kreuziger schon

im Jahr 2013 in MEDIZIN populär: Ein trainierter

Körper sei besser gegen Diabetes, Bluthochdruck,

Krebs, Osteoporose und andere Erkrankungen gewappnet.

Der Autor spricht von den Muskeln als

„körpereigene Hausapotheke”, denn unsere Muskeln

können viel mehr als nur Rohkraft freisetzen.

Als Nebeneffekt des Krafttrainings werden Botenstoffe

produziert, die heilend wirken.

64

DIE MALTESER 3-4/2019


MEDIZINAKTUELL

Gymnastik im Büro –

Übung 1

Durch diese Übung wird die seitliche Nackenmuskulatur gedehnt.

• Sitze aufrecht und lasse die Schultern hängen, behalte den Blick

gerade aus und neige den Kopf langsam auf die rechte Seite. Das

Kinn soll dabei bewusst angehoben werden.

• Greife nun mit der rechten Hand über den Kopf und verstärke

vorsichtig die Dehnung.

• Lasse den linken Arm hängen, ziehe ihn nun sanft Richtung Boden,

sodass sich die linke Schulter nach unten bewegt.

• 10 Sekunden sollte diese Position gehalten werden, ehe du sie

löst und noch zweimal pro Seite wiederholst.

Gymnastik im Büro – Übung 2

Durch diese Übung wird der vordere Schulterbereich und die

Atmungsmuskulatur gedehnt.

• Sitze gerade und lehne dich an die Rückenlehne an.

• Umfasse deine Hände so, als würdest du dir selbst die Hand reichen,

und strecke die Arme nach vorne.

• Atme tief ein und hebe die Arme dabei senkrecht nach oben.

• Strecke dich nun weit nach hinten und verharre in dieser Position

mindestens drei tiefe Atemzüge lang.

• Senke deine Arme wieder beim Ausatmen, entspanne einen Moment

und wiederhole die Übung noch zweimal.

Gymnastik im Büro – Übung 3

Diese Übung dehnt die Arm- und Schultermuskulatur und verbessert

die Haltung.

• Richte dich im Sessel auf und verschränke die Hände ineinander

zu einem Flechtgriff, wobei die Handflächen vom Körper

weg zeigen.

• Strecke die Arme in etwa Schulterhöhe nach vorne und ziehe

die Schulterblätter fest zusammen.

• Verharre etwa zehn Sekunden in dieser Haltung bis du sie

wieder löst und wiederholst.

DIE MALTESER 3-4/2019 65


GELESENEMPFOHLEN

WER WÄHLT DEN PAPST?

Allein der Buchtitel macht schon neugierig: Wer wüsste nicht allzu gerne, was sich in einem Konklave

abspielt? Autor Hubert Wolf, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster,

weiß mehr.

Von Richard Mischak

Die Gläubigen aller Welt kennen

oft nur das Ritual des Einzugs

der Kardinäle in die Sixtinische

Kapelle, den Schornstein auf

dem Dach, aus dem schwarzer oder

weißer Rauch aufsteigt, und dann die Präsentation des

neu gewählten Papstes auf der mittleren äußeren Loggia

der Peterskirche mit den Worten „Habemus papam“.

In diesem Buch werden viele Hintergründe zur Papstwahl

erläutert, Detailfragen erarbeitet und beantwortet – wie

etwa: Wer wählt den Papst? Wer kann überhaupt Papst

werden? Was macht den Papst zum Papst? Und besonders

spannend: Wie geheim sind Papstwahlen?

Neue Regeln, neue Wahlordnung

Dieses Buch erklärt anschaulich, was tatsächlich passiert:

Wie die Wahl im Detail abläuft, von welchem Moment an

der Gewählte Papst ist, warum das Konklave erfunden

wurde und wie die Kardinäle zu den einzigen Wählern

und schließlich zu den einzig Wählbaren wurden. Zur

Sprache kommt auch der Papstrücktritt, der zur Regel

werden und die Aura des Amtes beschädigen könnte. Besonderes

Augenmerk gilt den Neuregelungen Johannes

Pauls II., durch welche die Wahl sakraler, weniger weltlich

und noch geheimer geworden ist.

Zur Geheimhaltungspflicht der Kardinäle gibt es generell

unterschiedliche zeitliche Ebenen: Die Phase der Papstwahl

selbst, die Phase unmittelbar nach Ende der Papstwahl

und die Phase der historischen Forschung über die

Auswertung von einzelnen Konklavetagebüchern. Bis zur

Papstwahlordnung von Johannes Paul II. von 1996 und

seinem Archivgesetz von 2005 konnte man die Unterlagen

der Konklaven mit den Ergebnislisten der einzelnen

Wahlgänge im Vatikanischen Geheimarchiv ohne jede

Einschränkung konsultieren.

Letzter Einspruch von Kaiser Franz Josef

Neben vielen historisch interessanten Details geht Autor

Wolf auf spezielle Aspekte wie das Designationsrecht des

Kaisers und die Reduktion der Mitwirkung von Klerus

und Volk ein. Er erwähnt die Jahre 1057/58, als der neue

Papst zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche von

Kardinälen gewählt wurde. Man erfährt, dass sich Kaiser

Franz Josef 1903 gegen den führenden Papstkandidaten

ausgesprochen hatte, weil er ihn für zu frankreichfreundlich

hielt. Am 12. März 1939 erfolgte zum letzten Mal die

Krönung des Papstes mit der Tiara, dem absoluten Symbol

des Papsttums. Am Ende seines Buches zeigt Hubert Wolf

schließlich auf, wie eine zeitgemäße Wahl ablaufen könnte,

die zugleich den Ursprüngen des 2000 Jahre alten Amtes

gerecht wird. Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch!

Hubert Wolf, Konklave – Die Geheimnisse der Papstwahl, C.H.Beck

2017, 220 Seiten, ISBN: 978-3-406-70717-9, 19,95 Euro

NEU UND LANG BEW

Am 20. Juni 2019 wurde Bailli Norbert Salburg-Falkenstein

zum Prokurator des Großpriorats von Österreich wiederbestellt.

Wir gratulieren sehr herzlich!

Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, der

80. Fürst und Großmeister des Souveränen Malteser-

Ritter-Ordens, hat gemeinsam mit der Ordensregierung,

dem Souveränen Rat, Bailli Norbert Salburg-Falkenstein

zum Prokurator für das Großpriorat von Österreich

wiederbestellt.

Der gebürtige Oberösterreicher und gelernte Forstwirt

Norbert Salburg-Falkenstein, 79, steht seit 2006 dem

Großpriorat von Österreich als Prokurator vor. Er war

66

DIE MALTESER 3-4/2019


GELESENEMPFOHLEN

FÜR EIN POSITIVES

CHRISTENTUM

Doch, das gibt es: Ein befreites Leben im Christentum, ganz jenseits von Verboten.

Wie es möglich ist, zeigt Matthias Beck in seinem neuesten Werk auf.

Von Richard Mischak

Nach seinen Büchern „Glauben – Wie geht das?“, „Leben

– Wie geht das?“ und „Christ sein – Was ist das?“

hat Matthias Beck – Arzt, Pharmazeut und Moraltheologe

– ein weiteres Buch herausgebracht, das dem besseren

Verständnis des christlichen Glaubens dient. In

„Was uns frei macht – Für eine Spiritualität der Entfaltung“

vermittelt er dem Leser mit Botschaften und

Interpretationen von vertrauten Stellen aus der Bibel

oft vollkommen neue Sichtweisen, die sich als hilfreich

erweisen und einfach auf das Alltagsgeschehen in unserem

Leben umzusetzen sind.

Der Autor will damit der Kritik am Christentum entgegentreten,

es sei bloß auf die Sünde fixiert und von einengenden

Geboten und Verboten geprägt. Dies sei auch

der Grund, warum sich immer mehr Menschen vom

Glauben abwenden und anderweitig nach spiritueller

Erfüllung suchen. Beck zeigt einen versöhnlichen Weg

und führt uns vor Augen, dass das Christentum auf einer

grundlegend positiven Ethik fußt. Wir können ein

solches positives Christentum wieder in uns entdecken

– sogar recht einfach, denn wir tragen alles in uns, was

es für ein glückliches und erfülltes Leben braucht.

Matthias Beck, Was uns frei macht – Für eine Spiritualität der

Entfaltung, Styria Verlag 2018, 160 Seiten, ISBN: 978-3-222-

13605-4, 20 Euro

ÄHRT ZUGLEICH

bereits im Jahre 2009 und 2014 als Prokurator im Amt

wiederbestellt worden. Schon seit 1971 ehrenamtlich als

Mitglied im Malteser Hospitaldienst Austria tätig, wurde

er 1979 Ordensritter und von 1987 bis 1993 Kommandant

des MHDA, Delegat in Oberösterreich, und von

1993 bis 2008 war er als Hospitalier für die Hilfswerke

der Malteser in Österreich zuständig. Von 2011 bis 2013

war er Prokurator in Böhmen und unterstützt, da er auch

Schwedisch spricht, seit 2014 die Assoziation des Ordens

in der Skandinavischen Region. Seit 2014 trägt er den Ehrentitel

„Balli“.

Die Malteser danken Norbert Salburg-Falkenstein

für sein unermüdliches Engagement und seine

enormen Verdienste rund um die Malteser und

TAGEBUCH

gratulieren sehr herzlich zur Wiederbestellung.

Wir freuen uns auf die weitere gute Zusammenarbeit!

DIE MALTESER 3-4/2019 67


TAGEBUCH

„EIN DIPLOMAT VON WELTRANG, DER DIE

WELT KENNT UND DEN DIE WELT KENNT“

…mit diesen Worten bedacht wurde unser ao. und bev.

Botschafter und Leiter der Ständigen Beobachtermission

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens bei den Vereinten

Nationen, der Internationalen Atom Energie Behörde

(IAEO) und der Vorbereitenden Kommission für die

Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot

von Nuklearversuchen (CTBTO) in Wien, KR Hon. Prof.

Dr. hc. Günther Granser, am 8. Oktober von Frau Landeshauptfrau

Mag. Johanna Mikl-Leitner mit dem Goldenen

Komturkreuz, dem Ehrenzeichens für Verdienste

um das Bundesland Niederösterreich, ausgezeichnet.

Von Richard Steeb

In einer sehr persönlichen Rede bedankte sich die Landeshauptfrau

bei Botschafter Granser für seinen großen

Einsatz, sein tiefes Verständnis und sein jahrelanges

Engagement für die Wirtschaft und Kultur des Landes

Niederösterreich.

MALTESER PRIVATE PREVIEW

CARAVAGGIO & BERNINI

Von Manuel Weinberger

Dank der großzügigen und freundlichen Unterstützung

des Kunsthistorischen Museums und des Dorotheums

konnten die Malteser eine Benefiz-Private Preview der

beeindruckenden Caravaggio & Bernini-Ausstellung

organisieren. Die herausragenden Kunstwerke Caravaggios,

der eine Zeit lang selbst Mitglied des Souveräner

Malteser-Ritter-Orden war, und seiner Zeitgenossen

bildeten gemeinsam mit den Räumlichkeiten des

Museums einen überaus prächtigen Rahmen für diese

Veranstaltung. Der Reinerlös kommt der Arbeit für

Menschen mit Behinderung und dem KHM zu Gute.

68

DIE MALTESER 3-4/2019


TAGEBUCH

ZU EHREN DES HEILIGEN JOHANNES

Anlässlich unseres Ordensfeiertages lud S.E. Sebastian

Prinz von Schoenaich-Carolath, Botschafter des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens in Österreich, zu

einem Empfang in den St. Johanns Club ein.

Im Kreise der zahlreichen Gäste gedachte man der

Gründung des Ritter- und Hospitalordens vom Heiligen

Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt

von Malta, im Jahr 1048. Der Orden wählte den Hl. Johannes

den Täufer zum Schutzpatron, dessen Hochfest

alljährlich am 24. Juni begangen wird.

Als einerseits katholischer und vom Heiligen Stuhl vollinhaltlich

anerkannter Laienorden und andererseits als

Souveräner Staat unterhält der Souveräne Malteser-

Ritter-Orden volle diplomatische Beziehungen mit derzeit

108 Ländern der Welt. Er hat Vertretungen bei den

Vereinten Nationen und den internationalen Organisationen

und mit mehr als 50 Staaten internationale Kooperationsverträge

abgeschlossen, die seine weltweiten

humanitären Aktivitäten unterstützen.

DIE MALTESER 3-4/2019 69


TAGEBUCH

IN MEMORIAM

Dieses Jahr haben uns zwei Ordensmitglieder verlassen,

die die Geschichte der MALTESER in Österreich

nachhaltig geprägt und uns über viele Jahrzehnte

begleitet haben. Wir werden sie vermissen und uns in

großer Dankbarkeit an sie erinnern.

Von Anton Gatnar

ANTRITTSBESUCH

Verena Trentini, neuer Delegat für den Bereich Tirol, bei

ihrem Antrittsbesuch bei Weihbischof Hermann Glettler.

PROMESSE

Dr. Alexander von Egen legte am 13. Oktober 2019,

dem Gedenktag des Seligen Gerhard, in der Malteserkirche

in Wien seine Promesse zum Obödienzritter ab. Die

Festmesse zelebrierte S. Exz. Bischof Josef Clemens und

überbrachte auch Glückwünsche von Papst Benedikt XVI.,

mit dem der neue Obödienzritter seit vielen Jahren eine

persönliche Verbundenheit pflegt.

Liselotte Gräfin von Spiegelfeld +

„Unsere“ Liselotte in ihrer ganzen Bedeutung für die

Hilfswerke des Großpriorats von Österreich des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens Nicht-Maltesern zu

schildern, würde die Grenzen dieses Nachrufes weit

sprengen. Als Ehefrau von Kuno Spiegelfeld und

Mutter von vier, ebenfalls bei den Maltesern tätigen,

Kindern war sie vorerst bekannt. Eigentlich erst nach

Kunos Pensionierung, nach seiner glänzenden Karriere

als Manager, haben sich beide besonders umfassend

dem Orden zuwenden können. Damit begann

eine intensive Tätigkeit für unsere „Herren Kranken“,

die ihresgleichen sucht.

Keine Wallfahrt, keine Einsätze, keine Betreuungsdienste

ohne die Spiegelfelds. Unvergessen, wie

anlässlich des Hochwassereinsatzes 2002 im überschwemmten

Donaugebiet Kuno und Lieselotte am

Rand der zerstörten Häuser auf einer Bank saßen

und verzweifelten Bewohnern, die eben alles verloren

hatten, Mut zusprachen. Und ihre laute Stimme, mit

der sie – schon sehr früh am Morgen – im Pilgerzug

nach Lourdes regelmäßig zum Morgengebet aufforderte,

bleibt Langschläfern sicher unvergessen.

Nach Kunos Tod, den sie bei seinen Bemühungen, mit

dem Haus Malta eine Seniorenresidenz der Malteser

zu schaffen, immer intensiv unterstützt hat, wurde

sie noch aktiver. Überall war sie dabei, obschon selbst

bereits im hohen Alter, war sie immer wieder anderen

eine helfende Hand und Stütze – Lourdes ohne

70

DIE MALTESER 3-4/2019


TAGEBUCH

dentlichen Arzt, sondern auch einen vorbildlichen Malteser-Ritter

verloren. Gerhart stieß 1977 zum Malteser

Hospitaldienst, als wir dringend einen Bereichsarzt für

Wien suchten. In ihm fanden wir den perfekten Betreuer.

Unvergessen sein erstes Auftreten in Uniform: Mit

der kecken Trageweise der damals üblichen Kappe erinnerte

er ein wenig an den Weltkriegssoldaten Gerhart.

Rasch lebte er sich in der Malteser-Gemeinschaft und

im Orden ein, und seine Ordination in der Karolinengasse

wurde Treffpunkt der ganzen Malteser-Familie

und ihrer Angehörigen. Bot er doch als Arzt nicht nur

konservative Behandlungsmethoden, sondern war er

als „Primus inter Pares“ der österreichischen Akupunktur-Heiler

eine Legende. Und dazu gab es dann noch bei

Bedarf Naturheilmittel. Seine damals 90-jährige Mutter

hat er mit Schwedentropfen und Laserstrahlen behandelt,

und seine Fähigkeit, unterirdische Strömungen in

Häusern festzustellen, war ebenso ausgeprägt, wie das

Erkennen und Beheben von körperlichen Fehlfunktionen

durch Handauflegen.

Lieselotte war eigentlich undenkbar. Dass sie dort, bei

der Mutter Gottes, zu der sie so gerne pilgerte, einen

Schlaganfall erlitt, bremste sie nur vorübergehend.

Mittlerweile im Haus Malta domiziliert, war sie auch

im Rollstuhl Drehscheibe der Hilfe und des spirituellen

Lebens.

Liselotte hat uns im Mai im hohen Alter von 91 Jahren

verlassen und ist zu ihrem Kuno heimgegangen. Ihre

Fröhlichkeit, ihr Einsatz und ihr tiefer Glaube werden

uns immer ein Vorbild sein. „Dem Nächsten in Liebe begegnen“

in unserem Malteser-Gebet scheint für sie geschrieben

worden zu sein.

RIP

Dr. Gerhart Feucht +

In seinem 98. Lebensjahr hat uns im April unser langjähriger

Ordensbruder und Freund Gerhart Feucht

verlassen. Mit ihm haben wir nicht nur einen außeror-

DIE MALTESER 3-4/2019 71


TAGEBUCH

1983 war er als Chefarzt für den gesamten Rettungseinsatz

im Zusammenhang mit dem Besuch des

Hl. Vaters Johannes Paul II. verantwortlich und hat diese

und viele andere Aufgaben mit großem Elan erfolgreich

erledigt. Als er nach intensiver ärztlicher Tätigkeit

in Pension ging, war er einer der ersten, der – aus Versehen

angerufen – in voller Uniform zu einem Katastrophenalarm

einrückte. Und als „Gehilfe“ der Ordination

am Börseplatz hat er bis zu ihrer Schließung Dienste als

einfacher Sanitäter geleistet. Er musste erst aufgefordert

werden, seine Ärzteabzeichen wieder zu tragen.

In seinem „Nebenberuf“ als Archivar des Ordens leistete

der Historiker mit detektivischem Geschick Großes

und trug erheblich dazu bei, die fast 900-jährige Geschichte

des Ordens in Österreich aufzubereiten. Bis zuletzt

kam er immer wieder in „sein“ Büro, um zu arbeiten.

Noch wenige Wochen vor seinem Tod hat er, schon

schwer gehend, an einer Seelenmesse in der Malteser-

Kirche teilgenommen.

Gerhart Feucht war in jeder Hinsicht vorbildlich: Bescheiden,

gläubig, liebenswürdig und überzeugend. Ein

Herr, der zu Recht auf seine Rangerhöhung zum Großkreuzritter

und den Orden „pro merito melitensi“ im

hohen Range eines Großoffiziers stolz hätte sein können,

wenn er nicht so durch seine Bescheidenheit dominiert

gewesen wäre. Ein Ritter des 21. Jahrhunderts,

wie er im Buche steht.

RIP

WIR TRAUERN UM

=

+ 03.07.2019

Johann Kranebitter

Betreuter Bereich Tirol

+ 29.06.2019

Dr. Helmut Liedermann

ao. u. bev. Botschafter i.R.

Magistral-Großkreuz-Ritter

+ 07.07.2019

Marie-Kristin

Czedik-Eysenberg

MHDA-Mitglied Bereich Wien

+ 04.09.2019

Moritz Graf von Strachwitz

Ehren- und Devotionsritter

+ 24.07.2019

Dr. Georg Herzog von

Hohenberg

Ehren- und Devotionsritter

+ 06.09.2019

Dr. Karl-Rainer Onz

Langjähriger Betreuter

72

DIE MALTESER 3-4/2019


TAGEBUCH

+ 18.01.2019

Maria Elisabeth Tupay

Förderin der Malteser

+ 10.05.2019

Dr. Brigitte Wagner

Förderin der Malteser

+ 14.07.2019

Helene Vavra

Förderin der Malteser

WIR TRAUERN UM

+ 20.07.2019

Siegfriede Bosnar

Langjährige Betreute

+ 25.07.2019

Dr. Rudolf Baron

Unterrichter v. Rechtenthal

MHDA-Mitglied Bereich Tirol


Sanitätsdienste

Betreuungsdienste

Kinderhilfe

Betreuung

HIV-Betroffener

Rettungsdienste

Mobiler

Pflegedienst

Entlastungspflege

Palliativdienste

Seniorenwohn-

und

Pflegeheim

Mobile

24-Stundenpflege

Katastrophenhilfe

Alten- und

Krankendienste

Wallfahrten

& Pilgerreisen

Integrationshilfe

MALTESER

HELFEN. Dort, wo Not ist.

DIE MALTESER 3-4/2019 73


TAGEBUCH

Die MALTESER

wünschen ein

gesegnetes Weihnachtsfest

und ein frohes neues Jahr!

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„Ein herzliches Vergelt’s Gott für Ihre Unterstützung.“

74

DIE MALTESER 3-4/2019


TERMINE

Termine 2019/2020

NOVEMBER 2019

28-2.12. Straßensammlung Wien MHDA

28-23.12. MALTESER Punschstand vor der

Servitenkirche, 1090 Wien

(täglich 16-21 Uhr)

MHDA

29-1.12. Sammlung Ambulanz Halbturn MHDA

29-1.12. Straßensammlung Steiermark MHDA

30-1.12. Punschstand/Sammlung Kobersdorf

MHDA

DEZEMBER 2019

5-8 Straßensammlung Wien MHDA

6-8 Straßensammlung Steiermark MHDA

6-8 Sammeln und Ambulanz Halbturn MHDA

13 Punsch/Kekserlmarkt Amstetten

Kinderhilfe

13-14 Weihnachtsbasar Wien MHDA

13-15 Sammeln und Ambulanz Halbturn MHDA

13-15 Straßensammlung Steiermark MHDA

20-22 Straßensammlung Steiermark MHDA

24-25 Straßensammlung Salzburg MHDA

27-29 Straßensammlung Steiermark MHDA

MÄRZ 2020

29 Benefizkonzert im Musikverein MHDA

20-3.5. Ausstellung Turiner Grabtuch in Linz

Delegation OÖ

APRIL 2020

30-4.5. Wallfahrt nach Lourdes SMRO/MHDA

JUNI 2020

27 Aufnahme Stift Wilten –

50 Jahre Bereich Tirol SMRO/MHDA

JULI 2020

19 Wallfahrt nach Altötting SMRO/MHDA

OKTOBER 2020

4 4. Kinderhilfelauf Amstetten MKH

24-31 Wallfahrt nach Rom SMRO/MHDA

Wiederkehrende Termine

Malteserkirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien

„Montag bei den Maltesern“ Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt, 12.00 Uhr

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@mcr.or.at

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon

Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Bogdan Norbert Bercal

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

Johannesgemeinschaft

Marie Czernin

T: +43 1 512 72 44

E: info@jg-online.at

I: www.jg-online.at

DIE MALTESER 3-4/2019 75


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Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

presse@malteser.at

www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78

zentrale@malteser.at

www.malteser.at

Österreichische Post AG

MZ 11Z038858M

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

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