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Die Malteser-Zeitung 3/2019

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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<strong>Die</strong><br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ausgabe 3-4/<strong>2019</strong><br />

EMT-Training und Bundesübung in Steyregg<br />

30 Jahre Mauerfall Berlin: Festakt für die Freiheit<br />

Hochschule Heiligenkreuz: Gelebter Glaube


INHALT<br />

IMFOKUS<br />

04 <strong>Malteser</strong> International –<br />

Für ein Leben in Gesundheit und Würde<br />

RELIGIONAKTUELL<br />

10 Hochschule Heiligenkreuz:<br />

Gelebter Glaube und Dogmatik von morgen<br />

VORBILDER<br />

13 Helmut Lutz, MALTESER Care: Führungsstil mit Herz<br />

LEBENSWERT<br />

14 „In so einer Welt will ich leben!“ – Inklusion im<br />

Wiener Konzerthaus<br />

15 Onkologie der Barmherzigkeit – Begleitung statt<br />

Euthanasie<br />

04 10<br />

MALTESERÖSTERREICH<br />

16 Berichte aus den Bundesländern:<br />

Vielfältige Initiativen und <strong>Die</strong>nste<br />

RÜCKBLICK<br />

42 Dem Hunger entkommen – Amerikanische Hilfsprogramme<br />

nach dem Ersten Weltkrieg<br />

44 30 Jahre Mauerfall Berlin<br />

RUNDSCHAU<br />

50 Para Rowing – Rudern bietet Inklusion pur<br />

52 Der Bau des MALTESER Ordenshauses hat begonnen<br />

54 Roma-Hilfe in Ungarn<br />

MALTESERWELTWEIT<br />

55 Internationales MALTESER Sommerlager in Ettal<br />

56 <strong>Die</strong> Menschlichkeit nicht aus dem Blick verlieren<br />

58 Ganz anders gemeinsam – Erstes österreichisches<br />

Libanoncamp<br />

60 MALTESER in der Schweiz<br />

63 Feierliches zu Ehren der Mutter Gottes in Šaštín,<br />

Slowakei<br />

63 Ein guter Schritt – Zusammenarbeit mit der<br />

Slowakei<br />

14<br />

32<br />

MEDIZINAKTUELL<br />

64 Muskeltraining kann Leben retten<br />

GELESENEMPFOHLEN<br />

66 Interessante Neuerscheinungen<br />

43 64<br />

TAGEBUCH<br />

68 Menschen und Events<br />

70 In Memoriam<br />

ÜBERBLICK<br />

75 Termine und Kontakte<br />

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STEUERLICH<br />

ABSETZBAR<br />

2<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


EDITORIAL<br />

Sehr geehrte Damen und Herren,<br />

liebe Leserinnen und Leser,<br />

lassen Sie mich mit einer persönlichen Anekdote beginnen:<br />

Ich saß kürzlich mit einem guten Freund zusammen. Er ist<br />

Geschäftsführer eines internationalen Unternehmens und<br />

berichtete mir freudvoll-erstaunt, „wie gut auf einmal alle<br />

in der Firma zusammenarbeiten, sogar abteilungs- und<br />

länderübergreifend, wenn man sie einfach machen lässt“.<br />

Mich erstaunt ein solches Teamwork nicht. Bei den <strong>Malteser</strong>n<br />

ist es gang und gäbe – natürlich nicht „immer schon“.<br />

Auch bei uns hat sich diese gelingende Form des Miteinanders<br />

erst mit der Zeit entwickelt. Aber seit wir begonnen<br />

haben, innerhalb unserer Organisation und unserer Werke<br />

weniger auf Hierarchien zu setzen, starre Regeln durchlässiger<br />

zu gestalten und das gemeinsame Ziel – nämlich<br />

dem Nächsten in Not zu helfen und ihm im Sinne christlicher<br />

Nächstenliebe zu dienen – in den Vordergrund aller<br />

Tätigkeiten zu stellen, ist das Miteinander viel einfacher,<br />

lebendiger geworden.<br />

Ein ganz aktuelles und sehr gutes Beispiel ist unsere alljährliche<br />

Bundesübung, die wir dieses Jahr gemeinsam mit den<br />

Johannitern, dem Samariterbund, der Freiwilligen Feuerwehr<br />

und <strong>Malteser</strong> International in Steyregg durchgeführt<br />

haben. Das Bündeln der Kräfte, der vielfältigen Kompetenzen<br />

und der individuellen Teamstärken hat uns insgesamt<br />

stärker gemacht. Wir haben erlebt, wie viel mehr und besser<br />

wir gemeinsam bewegen können, wie wir schneller und mit<br />

Freude voneinander und aus Fehlern gemeinsam lernen. Es<br />

finden die „richtigen“ Ressourcen fast von allein zusammen,<br />

die Motivation aller Beteiligten „stimmt“, Verantwortung<br />

wird gemeinsam getragen, und die Arbeit ist weniger anstrengend.<br />

Lassen wir uns also unsere Freude nicht verderben,<br />

hören wir nicht auf jene, die alles schlecht reden oder<br />

besser wissen und denen man es sowieso nie recht machen<br />

wird können, leben wir das „Miteinander“.<br />

Warum übertragen wir diesen Wirkmechanismus nicht<br />

auch auf andere Bereiche in unserem Leben – auf unser<br />

Miteinander in der Familie, in der Gemeinde, im beruflichen<br />

Umfeld, im Freundeskreis, in der Politik, in der Kirche, im<br />

ganzen Land? Hier treffen wir auf unterschiedlichste Menschen<br />

mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Stärken, die<br />

– klar sichtbar gemacht und passend eingesetzt – viel Gutes<br />

bewirken können.<br />

<strong>Die</strong>se Gedanken möchte ich Ihnen, Ihren Familien und Ihren<br />

Freunden gerne für die letzten Wochen des Jahres <strong>2019</strong><br />

mitgeben. Wer weiß, wie viel Schönes und Positives dann im<br />

Neuen Jahr daraus entstehen wird?<br />

Norbert Salburg-Falkenstein<br />

Prokurator<br />

IMPRESSUM<br />

Medieninhaber: Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden (<strong>Malteser</strong>orden),<br />

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2,<br />

Telefon: 01/512 72 44, E-Mail: presse@malteser.at.<br />

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren<br />

dieser Ausgabe: Beatrice Austerlitz, Thomas Braun, Susanna Cho,<br />

Marie Czernin, Ursula Dehne-Kinz, Monika Feuchtner, Anton Gatnar,<br />

Angelika Gerstgrasser, Charlotte Hartwig, Petra Hellmich, Gabriel<br />

Maria Hofstätter, Georg Holzhausen, Joachim Jauer, Markus Kirchschlager,<br />

Florian Kremslehner, Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn,<br />

Annelie Lechner, Lukas Lienhart - IEF, Georg Male, Christoph Martin,<br />

Richard Mischak, Barbara Piazza-Georgi, Barbara Rammerstorfer,<br />

Stefan Reisigl, Pamo Roth, Katharina Schaufler, Jürgen Siekmann, Richard<br />

Steeb, Fabian Steppan, Udo Thianich-Schwamberger, Verena Trentini,<br />

Martin Graf von Walterskirchen, Manuel Weinberger, Susanne Wick,<br />

Olympia Wimpffen. Text und Lektorat: Edith Holzer, Ute Maybach.<br />

Fotos: Regina Aigner/BKA, Majoros Árpád/MMSZ, Projekt Chavore,<br />

davideucaristia/Pixabay.com, NLK Filzwieser, Markus Haslinger,<br />

Robert Herbst, kbs, Bernhard Keprt, Barbara Knapp, Christian<br />

Lendl, <strong>Malteser</strong> Deutschland, <strong>Malteser</strong> International, <strong>Malteser</strong> Ungarn,<br />

LAKM - Order of Malta Lebanon, NÖ LandReg., Alexi Pelekanos,<br />

SOCIETY Pobaschnig, Alois Pommer Vienna, Klaus Pressberger,<br />

Rawpixel.com/Shutterstock.com, Ripak, Cornelia Rüben, Franz-Josef<br />

Rupprecht, Michael Schallner, Theresia Stolberg, Valentina Walderdorff,<br />

Tanja Werner, Julia Wesely, Wiener Konzerthaus, Peter Zimen.<br />

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige<br />

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.<br />

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für<br />

beiderlei Geschlecht. Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at<br />

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050<br />

Wien. Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung<br />

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und<br />

seiner Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.<br />

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der<br />

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: November <strong>2019</strong><br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 3


IMFOKUS<br />

MALTESER INTERNATIONAL<br />

FÜR EIN LEBEN IN<br />

GESUNDHEIT UND WÜRDE<br />

Jahresbericht<br />

1<br />

<strong>Malteser</strong> International ist das internationale humanitäre Hilfswerk des Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens, der sich<br />

seit über 900 Jahren für Arme und Kranke auf der ganzen Welt einsetzt.<br />

Von Susanna Cho<br />

Mehr als 900 Experten von <strong>Malteser</strong> International sorgen<br />

in verschiedenen Programmen weltweit für ein besseres<br />

Leben, insbesondere durch eine verbesserte Grundversorgung<br />

in den Bereichen Medizin und Gesundheit,<br />

Ernährung sowie Wasser und Hygiene. In vielen Ländern<br />

wird eng mit lokalen Partnerorganisationen zusammen<br />

gearbeitet, um von ihren Kenntnissen der örtlichen Besonderheiten<br />

zu profitieren und um die Hilfe auch langfristig<br />

vor Ort zu verankern.<br />

BUNDESÜBUNG IN STEYREGG<br />

Bei akuten Naturkatastrophen und gewaltsamen Konflikten<br />

kann <strong>Malteser</strong> International schnell und effektiv Nothilfe<br />

zu den Menschen bringen. Viele der über 100 Projekte<br />

weltweit sind langfristig angelegt und zielen darauf<br />

ab, die Kapazitäten der lokalen Gemeinden nachhaltig zu<br />

stärken.<br />

Mit Richard Steeb, als Kanzler des Souveränen <strong>Malteser</strong>-<br />

Ritter-Ordens, Großpriorat von Österreich und gleichzeitig<br />

auch Vizepräsident von <strong>Malteser</strong> International, sind beide<br />

Strukturen bereits eng miteinander verbunden. So stehen<br />

auch einige österreichische <strong>Malteser</strong> als einsatzbereite Experten<br />

für Nothilfe-Einsätze von <strong>Malteser</strong> International<br />

im Ausland bereit. Bei der gemeinsamen Bundesübung in<br />

Steyregg im September konnten die Kräfte beider Organisationen<br />

gemeinsam für den Katastrophenfall üben.<br />

Medizinische Notfallteams sorgen weltweit für schnelle Hilfe im Krisenfall. Naturkatastrophe, Krieg, Hungersnot, Verkehrsoder<br />

Freizeitunfall, aber auch Spontangeburt – in all diesen Ausnahmesituationen kommt der schnellen und professionellen<br />

Ersthilfe vor Ort eine enorme Bedeutung zu. Bei der jährlichen Bundesübung der MALTESER Austria, diesmal von 27. bis<br />

29. September, wurden Abläufe geübt und optimiert, die eigenen Fähigkeiten erweitert und Erfahrungen ausgetauscht.<br />

Im Rahmen der Bundesübung absolvierte <strong>Malteser</strong> International ein EMT-Training (Emergency Medical Team) und simulierte<br />

den Katastropheneinsatz nach einem Erdbeben. Darüber hinaus sorgt seit Oktober <strong>2019</strong> ein neues Büro von <strong>Malteser</strong><br />

International in Wien dafür, dass national und international zukünftig noch enger zusammengearbeitet wird.<br />

Um im Ernstfall schnell und effizient Hilfe zu leisten,<br />

bereiteten sich rund 260 Personen im Rahmen der<br />

Bundesübung von <strong>Malteser</strong> Austria auf anspruchsvolle<br />

nationale und internationale Einsätze vor. Bei der diesjährigen<br />

dreitägigen Bundesübung wurden auch Ein-<br />

satzkräfte der Johanniter-Unfallhilfe Österreich, des<br />

Arbeiter- Samariter-Bundes Österreich und der Freiwilligen<br />

Feuerwehr Steyregg eingebunden. International<br />

koordiniert die Weltgesundheitsorganisation (WHO)<br />

medizinische Nothilfeeinsätze mit ausgebildeten Not-<br />

4<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


IMFOKUS<br />

fallteams. Seit der Zertifizierung eines EMT1-Teams<br />

von <strong>Malteser</strong> International durch die WHO im Jahr<br />

2018 können auch österreichische <strong>Malteser</strong> für weltweite<br />

Kriseneinsätze angefragt werden.<br />

Simulation von komplexen Notfallsituationen<br />

Schwerpunkte der diesjährigen Bundesübung waren<br />

pädiatrische Notfälle, die Versorgung nach Schussverletzungen,<br />

die Rettung von Personen aus verunfallten<br />

Fahrzeugen sowie die Erstbehandlung von Erdbebenopfern<br />

durch das EMT1-Team. Mehr als 40 Rollenspieler,<br />

darunter zahlreiche Kinder, sorgten für einen möglichst<br />

realistischen Übungsablauf. Durch die Simulation komplexer<br />

Situationen wurden Entscheidungs- und Handlungsabläufe<br />

optimiert, um in einem Ernstfall schnell<br />

professionell Hilfe zu leisten.<br />

Dreitägige Bundesübung von <strong>Malteser</strong> Austria gemeinsam<br />

mit <strong>Malteser</strong> International und dem EMT-Team von <strong>Malteser</strong><br />

International, der Johanniter-Unfallhilfe Österreich,<br />

dem Arbeiter-Samariter-Bund Österreich und der Freiwilligen<br />

Feuerwehr Steyregg.<br />

Gemeinsam noch schneller helfen<br />

<strong>Malteser</strong> Austria setzte bei der diesjährigen Bundesübung<br />

neben der Katastrophenhilfe auch auf klassische<br />

Tätigkeiten des Rettungsdienstes sowie auf Erfahrungsaustausch,<br />

Teamarbeit und Gemeinsamkeit. „<strong>Die</strong> Zusammenarbeit<br />

von internationalen Einsatzteams und lokalen<br />

Rettungskräften stellt im Ernstfall eine der großen<br />

Herausforderungen dar. Dem Training und dem gemeinsamen<br />

Üben im Vorfeld kommen ein enormer Stellenwert<br />

zu. Wenn Hilfsorganisationen – national und international<br />

– eng vernetzt zusammenarbeiten, vergrößert<br />

dies unseren Wirkungsradius und hebt die gemeinsame<br />

Kompetenz“, freut sich der Kommandant des <strong>Malteser</strong><br />

Hospitaldienst Austria, Mag. Richard Wittek-Saltzberg,<br />

über den Schulterschluss der Hilfsorganisationen bei<br />

der heurigen Bundesübung. <strong>Die</strong>s unterstützt auch Ingo<br />

Radtke, Generalsekretär von <strong>Malteser</strong> International:<br />

„Wir haben einige Teile der Übung mit den Kollegen aus<br />

Österreich gemeinsam durchgeführt und bedanken uns<br />

für die tolle Kooperation bei den Vorbereitungen des<br />

Trainings sowie bei unseren Gastgebern Nathalie und<br />

Niklas Salm-Reifferscheidt, die uns die Räumlichkeiten<br />

und den Grund für diese wichtige Übung zur Verfügung<br />

gestellt haben.“<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 5


IMFOKUS<br />

DAS MALTESER INTERNATIONAL EMT-TEAM<br />

IST FÜR DEN EINSATZ BEREIT<br />

Was konkret ist ein EMT (Emergency Medical Team)?<br />

• Zu einem Emergency Medical Team (EMT) gehören erfahrene Experten der humanitären Hilfe, unter anderem<br />

Ärzte, Rettungssanitäter und Logistiker.<br />

• Das EMT muss mindestens zwei Wochen lang einsatzfähig sein und sich in dieser Zeit autark versorgen können.<br />

• <strong>Die</strong> Ausrüstung der Gesundheitsstation hat einen Umfang von 51 Kubikmetern und ein Gewicht von 8,8 Tonnen.<br />

• <strong>Die</strong> Weltgesundheitsorganisation (WHO) zertifiziert seit 2016 Emergency Medical Teams (EMTs): Zertifizierte<br />

EMTs werden in das EMT-Register der WHO aufgenommen, wie auch das EMT von <strong>Malteser</strong> International im<br />

November 2018.<br />

• Nach einer Naturkatastrophe kann die WHO <strong>Malteser</strong> International für einen Einsatz anfragen. Sagt <strong>Malteser</strong><br />

International dem Einsatz zu, muss das EMT innerhalb von 72 Stunden in der Katastrophenregion sein.<br />

• Bei regelmäßigen Übungen kommen die Experten von <strong>Malteser</strong> International zusammen, um die Arbeit im Team,<br />

die Verladung und den Aufbau der Gesundheitsstation sowie jeden Handgriff für den Ernstfall erproben zu können.<br />

Bitte text<br />

6<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


IMFOKUS<br />

MALTESER INTERNATIONAL ERÖFFNET<br />

ÖSTERREICHBÜRO IN WIEN<br />

Seit Oktober <strong>2019</strong> sorgt ein neues Büro von <strong>Malteser</strong><br />

International in Wien für eine noch bessere Zusammenarbeit<br />

zwischen <strong>Malteser</strong> Austria und <strong>Malteser</strong><br />

International.<br />

Experten für den Ernstfall gesucht!<br />

Werden Sie Teil des Pool of Experts<br />

von <strong>Malteser</strong> International:<br />

mint.ngo/expertenpool<br />

© CARMEN WOLF<br />

Kontakt<br />

<strong>Malteser</strong> International – Team Nothilfe<br />

Grüner Weg 12–14, 50825 Köln<br />

Telefon: +49-221-96441-112<br />

E-Mail: emergency@malteser-international.org<br />

Mit freundlicher Unterstützung:<br />

© MALTESER INTERNATIONAL / TOBIAS KANN<br />

Nothilfe Expertenpool<br />

NOTHILFE-EINSÄTZE <strong>2019</strong> VON MALTESER<br />

INTERNATIONAL<br />

© i-stockphoto<br />

Syrien: Medizinische Nothilfe<br />

Aufgrund der jahrelangen Kampfhandlungen in Syrien sind<br />

die staatlichen Gesundheitssysteme kollabiert. Über unsere<br />

lokalen Partnerorganisationen stellt <strong>Malteser</strong> International<br />

für Syrer, die Kriegsverletzungen erlitten haben oder chronisch<br />

erkrankt sind, die medizinische Notversorgung sicher.<br />

Bahamas: Wiederaufbau-Hilfe nach Hurrikan „Dorian“<br />

Im September <strong>2019</strong> trifft Hurrikan Dorian mit Windgeschwindigkeiten<br />

von bis zu 295 km/h auf die Inseln der Bahamas.<br />

Der Sturm trifft die schwächsten Bevölkerungsteile<br />

und zerstört ganze Dörfer. <strong>Malteser</strong> International hilft den<br />

betroffenen Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser und<br />

Schulen.<br />

Mosambik: Cholera-Prävention nach Zyklon „Idai“<br />

Zyklon Idai verursacht im März <strong>2019</strong> massive Zerstörungen<br />

in Ostafrika. <strong>Die</strong> Überschwemmungen setzen weite<br />

Flächen Mosambiks unter Wasser, die Menschen verlieren<br />

die Dächer über ihren Köpfen und ihren Zugang zu Wasser.<br />

<strong>Malteser</strong> International hilft beim Wiederaufbau einer zerstörten<br />

Schule und führt in stark betroffenen Gemeinden<br />

Hygieneschulungen durch, um eine Ausbreitung tödlicher<br />

Erkrankungen wie Cholera zu verhindern.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 7


IMFOKUS<br />

MALTESER INTERNATIONAL: WELTWEITE HILFE<br />

FÜR EIN LEBEN IN GESUNDHEIT UND WÜRDE<br />

Mit Hilfe von Spenden konnte <strong>Malteser</strong> International im vergangenen Jahr weltweit vielen Menschen in Not helfen:<br />

Lateinamerika:<br />

Millionen Venezolaner<br />

auf der Flucht<br />

<strong>Die</strong> humanitäre Lage in<br />

Afrika bleibt komplex<br />

Krieg, Gewalt, Flucht<br />

und Vertreibung im<br />

Nahen Osten<br />

Asien: Gebeutelt durch<br />

zunehmende Naturkatastrophen<br />

und langanhaltende<br />

Krisen<br />

<strong>Die</strong> Venezuelakrise spitzt<br />

sich seit Jahren dramatisch<br />

zu. Über drei Millionen Menschen<br />

sind vor dem Elend<br />

und Hunger aus ihrer Heimat<br />

geflohen. In Haiti kämpfen<br />

die Menschen weiterhin mit<br />

den Folgen der jahrelangen<br />

Armut und politischer Instabilität.<br />

Bewaffnete Konflikte sind<br />

der Hauptgrund für humanitäre<br />

Krisen in Afrika. <strong>Die</strong><br />

Menschen leiden unter der<br />

anhaltenden Gewalt und<br />

ihren Folgen: Vertreibung,<br />

Hunger und Epidemien wie<br />

Ebola oder Cholera. Weiterhin<br />

kämpft der Kontinent<br />

mit strukturellen Problemen<br />

wie einer hohen Jugendarbeitslosigkeit<br />

und einer wenig<br />

nachhaltigen landwirtschaftlichen<br />

Produktion.<br />

Durch die Kriege in Syrien<br />

und im Irak haben Millionen<br />

Menschen ihre Heimat<br />

verloren. Ihre Häuser und<br />

Lebensgrundlagen sind oftmals<br />

zerstört worden. Viele<br />

der Menschen leben unter<br />

desolaten Bedingungen in<br />

Flüchtlings- und Vertriebenencamps.<br />

Mit zahlreichen Taifunen auf<br />

den Philippinen, Überflutungen<br />

in Indien und Myanmar<br />

und gleich zwei Tsunamis<br />

in Indonesien wurde Asien<br />

wieder besonders hart von<br />

Naturkatastrophen getroffen.<br />

Langandauernde Krisen,<br />

wie die Flüchtlingskrise der<br />

Rohingya in Myanmar und<br />

Bangladesch, stellten die humanitären<br />

Helfer vor große<br />

Herausforderungen.<br />

20.000 Menschen<br />

sauberes Wasser<br />

zugänglich gemacht ✓<br />

14.300 Geflüchteten geholfen ✓<br />

7.400 Menschen medizinisch<br />

behandelt und ihre Ernährungssituation<br />

verbessert ✓<br />

930.700 Menschen<br />

medizinisch behandelt ✓<br />

190.000 Menschen<br />

Zugang zu sauberem<br />

Wasser gegeben ✓<br />

606.000 Menschen auf<br />

der Flucht geholfen ✓<br />

778.700 Geflüchteten<br />

geholfen ✓<br />

689.300 Menschen<br />

medizinisch behandelt ✓<br />

286.400 Menschen<br />

medizinisch behandelt ✓<br />

135.500 Menschen<br />

Zugang zu sauberem<br />

Wasser gegeben ✓<br />

135.000 Menschen auf der<br />

Flucht geholfen ✓<br />

DAS SCHÖNSTE GESCHENK ...<br />

EINE SICHERE GEBURT<br />

Zahlen gerundet<br />

Zwillinge! Evaline (28 Jahre alt) ist sehr erleichtert. <strong>Die</strong> Geflüchtete<br />

aus Burundi lebt mit ihrem Mann im Mtendeli Flüchtlingscamp<br />

in Tansania. Erst kurz vor der Entbindung erfuhr sie von<br />

dem doppelten Glück, das sie erwarten würde. Eines der Babys<br />

lag jedoch ungünstig, die Aussichten für eine natürliche Geburt<br />

waren schlecht. Im Geburtshaus, das <strong>Malteser</strong> International<br />

errichtet hat, konnte sie zum Glück einen Kaiserschnitt vornehmen<br />

lassen. Allen dreien geht es heute gut. Foto: Nyokabi<br />

Kahura/<strong>Malteser</strong> International<br />

Für Frauen auf der ganzen Welt sollte die Schwangerschaft<br />

eine schöne und erfüllende Zeit sein. Häufig wird<br />

8<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


IMFOKUS<br />

die Vorfreude jedoch begleitet von großen Sorgen. „Kann<br />

ich das neue Leben gesund auf die Welt bringen?“, ist die<br />

Angst vieler werdender Mütter. Denn eine medizinische<br />

Versorgung im Zuge einer Geburt ist in vielen Ländern leider<br />

nicht selbstverständlich.<br />

Ein ungünstiger Sitz des Babys im Becken der Mutter,<br />

unregelmäßige Wehen, Infektionen, ein Muttermund,<br />

der sich nach Stunden nicht öffnet, oder starke Nachblutungen,<br />

die nicht enden wollen – die Komplikationen<br />

sind vielfältig und allzu häufig. Werden sie nicht professionell<br />

medizinisch behandelt, ist insbesondere in strukturschwachen<br />

Ländern der Tod von Babys nicht selten die<br />

tragische Folge. Allein in Tansania starben im Jahr 2018<br />

über 44.000 Neugeborene während der Entbindung oder<br />

kurz danach.<br />

Im Norden Kolumbiens: <strong>Die</strong> 21 Damen haben ihre Ausbildung<br />

in pränataler und postnataler Vorsorge absolviert. <strong>Die</strong><br />

Hebammen gehören der indigenen Minderheit Wayuu an.<br />

Sie sind jetzt imstande, Komplikationen in der Schwangerschaft<br />

zu erkennen und wichtige Hilfsmaßnahmen einzuleiten.<br />

In den ersten Lebensmonaten der Babys stehen sie den<br />

Müttern bei der Erstversorgung unterstützend zur Seite.<br />

Foto: <strong>Malteser</strong> International<br />

<strong>Malteser</strong> International steht weltweit schwangeren Frauen<br />

zur Seite, um die gesundheitlichen Risiken während<br />

ihrer Schwangerschaft und Geburt zu minimieren. In Kolumbien<br />

beispielsweise lebt das indigene Volk Wayuu, dessen<br />

Angehörigen in den meisten Fällen mittellos sind. Sie<br />

benötigen dringend Unterstützung in der medizinischen<br />

Versorgung schwangerer Frauen. <strong>Malteser</strong> International<br />

bietet den traditionellen Geburtshelferinnen Weiterbildungskurse<br />

an, so dass sie eine hygienische Entbindung<br />

vornehmen können und darin geschult sind, Komplikationen<br />

frühzeitig zu erkennen.<br />

In der Demokratischen Republik Kongo und in Tansania<br />

hat <strong>Malteser</strong> International Geburtshäuser nach modernen<br />

medizinischen Standards errichtet, in denen auch<br />

Kaiserschnitte vorgenommen werden können. Hier können<br />

insbesondere weibliche Flüchtlinge aus dem Südsudan<br />

bzw. aus Burundi auf eine professionelle medizinische<br />

Versorgung für Schwangere vertrauen.<br />

Medizinisch ausgebildete Hebammen und Chirurgen begleiten<br />

Geburten professionell und nehmen zur Not auch<br />

Kaiserschnitte vor. Foto: Nyokabi Kahura/<strong>Malteser</strong> International<br />

<strong>Die</strong> Geburtshilfe rettet täglich Leben und ist<br />

ohne Spenden nicht möglich.<br />

Schenken Sie dieses Jahr zu Weihnachten das<br />

schönste Geschenk und spenden Sie für eine<br />

sichere Geburt! mint.ngo/spenden<br />

<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> International Geburtsklinik im Mtendeli<br />

Flüchtlingscamp, Tansania: Eine Schwangerschaft in einem<br />

Flüchtlingscamp ist meist beschwerlich. <strong>Die</strong> Geburtsklinik<br />

von <strong>Malteser</strong> International bietet werdenden Müttern eine<br />

sichere Zuflucht für ihre Entbindung. Foto: Nyokabi Kahura/<br />

<strong>Malteser</strong> International<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 9


RELIGIONAKTUELL<br />

HOCHSCHULE HEILIGENKREUZ: GELEBTER<br />

GLAUBE UND DOGMATIK VON MORGEN<br />

Wo Spiritualität zum Anziehungspunkt für immer mehr junge Menschen und zukunftsorientiert Denkende wird, steckt das<br />

Stift Heiligenkreuz dahinter. Ein Gespräch mit dem neuen Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, Wolfgang Buchmüller.<br />

Von Udo Thianich-Schwamberger und Katharina Stögner<br />

Herr Professor Buchmüller, Sie sind ein Ordensmann.<br />

Was hat Sie seinerzeit ins Kloster und<br />

schließlich nach Heiligenkreuz verschlagen?<br />

Ich war 17 Jahre alt, als ich zum ersten Mal das Gefühl<br />

hatte, dass der liebe Gott etwas von mir im Leben wollen<br />

würde. Der Ruf oder der Mut und die Konsequenz dazu<br />

haben aber noch gefehlt. Klöster haben mich allerdings<br />

mein ganzes Leben schon fasziniert. Eindrucksvoll seit<br />

meinen Kindertagen habe ich das Benediktinerkloster<br />

Beuron in Erinnerung, vor allem die wunderschöne lateinische<br />

Liturgie. Dabei fand ich Latein als Jugendlicher<br />

in der Kirche oft sehr nervig.<br />

Es hat Sie dennoch nicht vom Eintritt in einen<br />

Orden abgehalten ...<br />

Definitiv nicht! Trotzdem ging ich zuerst nach München<br />

und habe Kunstgeschichte studiert. Ich wollte Denkmalpfleger<br />

werden. Kultur hat für mich viel mit Religion zu<br />

tun. Religion war daher in meinem Kunstgeschichtestudium<br />

immer ein Thema und Begleiter. Irgendwann<br />

war mir die Kunst dann zu wenig. Ich begann, über die<br />

Caritas Socialis am Bahnhof in München Obdachlose zu<br />

betreuen. Das war für mich eine ganz andere und neue<br />

Welt, die meinen Horizont stark erweitert hat.<br />

Inwiefern?<br />

Ich habe erlebt, dass man eine Schwelle überwinden<br />

kann und von Herz zu Herz spricht. Mit dieser Erfahrung<br />

bin ich in München ins Priesterseminar eingetreten.<br />

Das war zu einer Zeit mit großer Diversität,<br />

aber auch großen Spannungen. Im Seminar suchte ich<br />

nach einer Vertiefung meines Glaubens. Da wurde mir<br />

Heiligenkreuz empfohlen.<br />

Ihr erster Eindruck von Heiligenkreuz?<br />

Ich bin hier 1991 angekommen. Es war ein verschlafener<br />

Ort, mit einer frommen und lebendigen Gemeinschaft.<br />

Hier im Stift waren wir 50 Studenten, ein Sechstel von<br />

heute! Heiligenkreuz hatte damals den Ruf, dass hier<br />

der Glaube aus der Mitte der Kirche übersetzt wird, die<br />

lebendige Tradition, die Schrift und die Erfahrung der<br />

Menschen im spirituellen Einklang. Ich empfand es später<br />

als ein „Hand-in-Hand“ von gelebtem Glauben und<br />

der Lehre der Kirche.<br />

10<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


RELIGIONAKTUELL<br />

Prof. P. Dr. Wolfgang Buchmüller OCist ist Rektor<br />

der Hochschule in Heiligenkreuz und Vorstand<br />

des Instituts für Spirituelle Theologie und Religionswissenschaft<br />

sowie Professor für Spirituelle Theologie<br />

und Ordensgeschichte. Geboren in Konstanz,<br />

lebte Buchmüller zunächst mit seinen Eltern in der<br />

Schweiz. Aufgrund geänderter Aufenthaltsgesetze<br />

musste die Familie nach Deutschland zurückkehren.<br />

Unter der Leitung von Wolfgang Buchmüller studieren<br />

heute 314 Studenten in Heiligenkreuz, davon<br />

etwa 40 Frauen. Rund 160 Priesterkandidaten befinden<br />

sich in Ausbildung.<br />

Wie war Ihr weiterer Karriereverlauf?<br />

Ich war hier zunächst zehn Jahre lang für die Alten und<br />

Kranken zuständig, später auch als Gastmeister, und<br />

hatte viel Kontakt mit Reise- und Pilgergruppen. Nach<br />

der Priesterweihe war ich ein Jahr lang Kaplan in Stiepel.<br />

Danach promovierte ich an der Universität Wien<br />

in Spiritualität. <strong>Die</strong>se wurde in Wien damals in Verbindung<br />

mit der Dogmatik gelehrt.<br />

Warum hat Heiligenkreuz eine derartige<br />

Bedeutung als Ausbildungsort bekommen?<br />

Das überrascht uns manchmal selbst. Der Grund<br />

dafür ist in der besonderen Geschichte zu finden.<br />

Heiligenkreuz hat sehr tiefe Wurzeln, mehr als 800 Jahre.<br />

Heiligenkreuz unterhielt schon im Mittelalter ein<br />

Ausbildungshaus für Zisterzienser in der Stadt Wien.<br />

Ein zweiter, ganz wesentlicher und nur schwer in Worte<br />

zu fassender Grund sind die Spiritualität, das Chorgebet<br />

und der Choral. Sie bilden ein kleines himmlisches Jerusalem<br />

hier in Heiligenkreuz. Das alles sind gute Wurzeln<br />

und eine sehr starke Basis, die uns auch Halt gibt und<br />

immer mehr Menschen anzieht und fasziniert.<br />

In den 1970er Jahren stand die Existenz der<br />

Hochschule an der Kippe. Wie konnte der Standort<br />

überleben?<br />

Es waren vor allem die jungen Mitbrüder, die sich auf<br />

die Beine gestellt und aktiv gemacht haben. Sie haben<br />

es als einzigartig empfunden, gleichzeitig das Studium<br />

und das Beten hier so zu verbinden. So ist eine neue<br />

Strategie entstanden, und es kam in Verbindung mit der<br />

Diözese Regensburg zur Gründung des Collegium Rudolphinum.<br />

Seither ist das kleine Heiligenkreuz immer<br />

mehr gewachsen. So entstand allmählich unser Campus,<br />

wo nicht nur die Theorie des Glaubens, sondern auch die<br />

Freude am gelebten Glauben wichtig sind.<br />

Sie bekommen regelmäßig Besuch von Intellektuellen<br />

aus allen Kreisen und Disziplinen. Was<br />

suchen und finden diese Menschen hier?<br />

Sie finden einen Ruhepol zum Denken vor, an dem sie<br />

sich geschützt fühlen. Wir haben zum Beispiel Philosophen<br />

hier, die an einer Neubegründung der Metaphysik<br />

arbeiten. Auch Erwachsenenbildung ist ein großes<br />

Thema. Wir empfangen hier selbst Muslime, die einen<br />

Ort suchen, um etwas über das Christentum lernen zu<br />

können. Ich selbst betreue eine Gruppe von rund 50<br />

solcher Interessenten. Zusätzlich haben wir die katholische<br />

Medienarbeit stark gefördert und waren offen für<br />

Neues. Dank Pater Johannes Paul hat sich das hier dann<br />

verselbstständigt. Sie haben sicher schon einen Blick in<br />

unser modernes Aufnahmestudio geworfen ...<br />

Natürlich! So manches sehr bekannte Fernsehstudio<br />

könnte da neidisch werden! Welche Zukunftspläne<br />

haben Sie für die Hochschule?<br />

Ich habe das Gefühl, dass wir uns hier noch gut weiterentwickeln<br />

werden, auch im Bereich von Aufbaustudien.<br />

<strong>Die</strong> Hochschule muss immer etwas für die Menschen<br />

sein, nicht nur ein abgehobenes akademisches Milieu<br />

bieten. Sie muss eine tatsächliche geistige Nahrung für<br />

die Menschen bieten. Ich denke auch, dass der Glaube<br />

und die Ästhetik eine Verbindung zueinander haben.<br />

Der Glaube zeigt uns die Schönheit des Himmels, des Lebens,<br />

der Natur – auch die Schönheit des Staunens. Ich<br />

bin überzeugt, dass die Kirche solche Rückzugsorte wie<br />

Heiligenkreuz braucht und dass da die Kraft gefunden<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 11


wird für eine richtige Erneuerung der Kirche – nicht<br />

nur strukturell, sondern auch innerlich. Wer glaubt, der<br />

kann die ganzen Zusammenhänge des Lebens verstehen,<br />

dem öffnen sich Welten.<br />

Viel mehr als nur ein Kloster<br />

Das Stift Heiligenkreuz ist eine lebendige<br />

Zisterzienserabtei mit 96 Mönchen, die drei Priorate,<br />

eine Hochschule päpstlichen Rechts, 21 Pfarren<br />

und das Priesterseminar Leopoldinum sowie ein<br />

Wiederbesiedlungsprojekt für das Kloster Neuzelle<br />

betreibt und ein Klostergründungsprojekt in Sri<br />

Lanka unterstützt. Stift Heiligenkreuz wurde im<br />

Jahr 1133 vom hl. Leopold gegründet und besteht<br />

seither ohne Unterbrechung. Neben seiner Funktion<br />

als spirituelles und intellektuelles Zentrum<br />

ist das Kloster die größte kulturelle und geistliche<br />

Attraktion des Wienerwaldes und wird jährlich von<br />

mehr als 120.000 Gästen aus aller Welt besucht.<br />

www.stift-heiligenkreuz.org<br />

<strong>Die</strong> Messe im Internet<br />

Wie sehr das Stift Heiligenkreuz mit der Zeit geht,<br />

zeigen die Heiligen Messen, die via Livestream im<br />

Internet übertragen werden. So haben auch nichtmobile<br />

Menschen die Möglichkeit, die Messe zu verfolgen<br />

und an Gebetsstunden teilzunehmen.<br />

www.stift-heiligenkreuz.org/livestream<br />

Das Studio im Stift<br />

Stift Heiligenkreuz betreibt ein eigenes Film- und<br />

Tonstudio. Dessen Hauptaufgabe besteht darin,<br />

Medienkompetenz zu vermitteln sowie ein zeitgemäßes<br />

Medienapostolat zu entfalten. <strong>Die</strong>s geschieht<br />

einerseits über die Ausbildung von interessierten<br />

Personen, angehenden Priestern, Ordensleuten und<br />

allen Studierenden der Hochschule im professionellen<br />

Umgang mit den Medien. Andererseits werden<br />

hier auch die beliebten Videos und Audioformate<br />

von Stift Heiligenkreuz produziert.<br />

www.studio1133.at<br />

Das Stichwort „Welten“ führt mich zu einer sehr<br />

profanen Frage: Wie finanziert sich Ihre Hochschule?<br />

Wie im nordamerikanischen Raum, wo Hochschulen<br />

nicht vom Staat geführt werden, sondern von interessierten<br />

Laien, sind auch wir auf Spenden angewiesen.<br />

Das tut uns sehr gut, denn so müssen wir uns täglich<br />

bemühen, für die Menschen da zu sein. Das hilft uns zu<br />

sehen, was die Fruchtbarkeit unseres Charismas bedeutet<br />

– zum Beispiel das Mittagsgebet am <strong>Die</strong>nstag. Hier<br />

bei uns verfolgen wir ein anderes Konzept von Kirche,<br />

das keine beamtete Kirche ist. Unsere Kirche kommt<br />

von den Leuten und ist für die Leute da. Sie muss sich<br />

bemühen, auf die Leute zuzugehen und auf missionarischer<br />

Basis immer ein Miteinander zu finden.<br />

Gestatten Sie mir eine letzte Frage: Wie stehen Sie<br />

zum Papst?<br />

Wir hier in Heiligenkreuz verehren den emeritierten<br />

Papst Benedikt XVI., den wir auch als Kirchenvater der<br />

Moderne und der Gegenwart ansehen. <strong>Die</strong>sem will ich<br />

meinen Respekt zollen, da er immer biblisch fundiert<br />

argumentiert und die Fragen der Gegenwart mit aller<br />

Offenheit behandelt. Wir lesen natürlich auch mit großer<br />

Begeisterung die Statements von Papst Franziskus,<br />

die oft sehr provokant klingen, aber sehr bereichernd<br />

sind. Christlicher Glaube hat immer etwas mit Vernunft<br />

zu tun, in der Mitte ist Christus. Das kann man kritisch<br />

hinterfragen, aber darüber hinaus muss man auch wieder<br />

zum Blick aufs Ganze kommen, Elemente sehen,<br />

die zusammenpassen. So gelangt man auf eine höhere<br />

Ebene des Verstehens und man sieht, welch wunderbare<br />

Welt der Glaube ist und welch wunderbaren Blick uns<br />

Jesus auf die Welt schenkt.<br />

12<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


VORBILDER<br />

HELMUT LUTZ,<br />

MALTESER CARE :<br />

FÜHRUNGSSTIL MIT HERZ<br />

In seiner Freizeit humorvoller Familienmensch und passionierter Motorradfahrer, ist Helmut Lutz in seinem Beruf<br />

nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs. Ein Vorbild im Porträt.<br />

Von Susanne Wick<br />

Helmut Lutz ist seit 2016 Geschäftsführer von <strong>Malteser</strong><br />

Care, jener Einrichtung, die sich um individuelle Pflege<br />

und Betreuung im eigenen zu Hause kümmert. Wer schon<br />

einmal selbst in der Rolle eines pflegenden Angehörigen<br />

oder einer professionellen Pflegekraft aktiv war, weiß,<br />

wie herausfordernd und anspruchsvoll diese Tätigkeit ist.<br />

Auch Helmut Lutz kennt diese Herausforderungen aus<br />

nächster Nähe.<br />

Aber das allein qualifiziert ihn noch nicht für seinen Job.<br />

Vielmehr bringt er ein breit gefächertes Repertoire an Erfahrungswissen<br />

mit, das er im Laufe seines fast 40-jährigen<br />

Berufslebens sammeln konnte. Helmut Lutz war<br />

unter anderem im Versicherungs- und Bankenbereich<br />

sowie in der Bauwirtschaft in leitenden Positionen im<br />

Rechnungswesen und Controlling tätig, kennt soziale<br />

Hilfsorganisationen mit 800 Haupt- und ebenso vielen<br />

freiwilligen Mitarbeitenden als kaufmännischer und Alleingeschäftsführer<br />

und war viele Jahre als selbstständiger<br />

Unternehmensberater aktiv.<br />

Das Wohl des Menschen im Mittelpunkt<br />

<strong>Die</strong>ses umfassende Wissen nutzt Helmut Lutz bei<br />

<strong>Malteser</strong> Care, um die Organisation weiterzuentwickeln<br />

– vor allem in den Bereichen Personal, Qualitätsmanagement,<br />

Rechnungswesen und Controlling. Der<br />

Schokoladenliebhaber („Leider!“, seufzt er) verfügt über<br />

ausgeprägtes zukunftsorientiertes, unternehmerisches<br />

Denken und Handeln, allerdings stets mit Blick auf soziale<br />

Verträglichkeit, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit.<br />

<strong>Die</strong>se einzigartige Verbindung zeichnet Helmut Lutz aus.<br />

Für ihn steht das Wohl des Menschen im Mittelpunkt.<br />

Kommunikation findet bei ihm auf Augenhöhe statt. Da-<br />

für wird er von Mitarbeitenden, Klienten, Angehörigen<br />

und Partnern gleichermaßen geschätzt. Der Teamgedanke<br />

liegt dem Familienmenschen Helmut Lutz besonders<br />

am Herzen. Es gibt keine spürbaren Hierarchien, Lösungen<br />

werden gemeinsam erarbeitet und umgesetzt. Dazu<br />

finden regelmäßig Jours fixes, Teambesprechungen sowie<br />

persönliche Mitarbeitergespräche statt.<br />

Zukunftsorientierte Pflege und Betreuung<br />

Oft entstehen genau aus diesen gemeinsamen Zusammenkünften<br />

Ideen für Verbesserungsmöglichkeiten oder<br />

für neue Leistungen. So hat <strong>Malteser</strong> Care zum Beispiel<br />

stundenweise Entlastungsangebote für pflegende Angehörige<br />

und Familien in schwierigen Situationen entwickelt<br />

und realisiert. Ein besonders sensibles Thema<br />

betrifft dabei Familien, denen die Kinder aus Gründen<br />

der Kindeswohlgefährdung abgenommen werden müssen.<br />

<strong>Malteser</strong> Care hat in Kooperation mit der MAG ELF<br />

eine Krisengruppe mit sechs Plätzen für Kinder bis zu<br />

drei Jahren in Wien in Betrieb genommen. Den Kindern<br />

soll in der schwierigen Zeit der Abklärung über die weitere<br />

Zukunft ein „bewahrendes Nest“, Geborgenheit und<br />

Schutz geboten werden.<br />

Immer am Puls der Zeit, ist Helmut Lutz bemüht, in<br />

seinem Tätigkeitsfeld hohe Standards zu setzen und<br />

gemeinsam mit seinem Team ständige Verbesserungen<br />

zu erzielen. Das Ergebnis: <strong>Malteser</strong> Care zählt heute zu<br />

einer der ersten qualitätszertifizierten Agenturen in der<br />

24-Stunden-Betreuung (ÖQZ 24) in Österreich. Das ist<br />

etwas ganz Besonderes. Zu diesem Erfolg gratulieren<br />

wir herzlich!<br />

Nähere Infos: www.malteser.care<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 13


LEBENSWERT<br />

„IN SO EINER WELT WILL ICH LEBEN!“<br />

Gelebte Inklusion im Rahmen von zwei neuen Musikinitiativen im Wiener Konzerthaus: <strong>Die</strong> MALTESER unterstützen<br />

und laden herzlich zum Mitmachen und Genießen ein.<br />

Von Annelie Lechner<br />

„Musik gibt Freude, bringt Menschen zum Lachen. Musik<br />

verbindet. Sie unterscheidet nicht nach Geschlecht,<br />

Alter, Herkunft, sozialem Status, Religion, sexueller<br />

Orientierung oder danach, ob wir mit oder ohne Behinderung<br />

durchs Leben gehen.“ Schöner als ein Teilnehmer<br />

der „SommerMusikWoche“ es beschrieben hat,<br />

lässt sich der Kerngedanke der zwei neuen inklusiven<br />

Projekte „SommerMusikWoche“ und „klangberührt“<br />

nicht formulieren.<br />

<strong>Die</strong> „SommerMusikWoche“ des Wiener Konzerthauses,<br />

die Anfang Juli erstmals über die Bühne ging, richtete<br />

sich an alle musikbegeisterten Menschen. Ob mit oder<br />

ohne Instrument – jeder war willkommen, in Workshops<br />

mit professionellen Musikern vier Tage lang gemeinsam<br />

in den Sälen des Wiener Konzerthauses zu spielen und<br />

zu singen.<br />

So klingt Inklusion<br />

Um Musikbegeisterten und Betreuten der <strong>Malteser</strong> die<br />

Möglichkeit zu geben, an diesem einzigartigen Ereignis<br />

teilzunehmen, wurden auch sie zum Mitmachen eingeladen.<br />

Das Konzept ging auf: Klein und Groß von acht<br />

bis 72 Jahre, mit und ohne Behinderung und verschiedenster<br />

Herkunft kamen ins Wiener Konzerthaus und<br />

bildeten neue Ensembles, arbeiteten intensiv an einzelnen<br />

Stücken und komponierten zum Teil eigene Werke.<br />

Das Erlernte wurde Freunden sowie Angehörigen zum<br />

Workshop-Finale im Großen Saal unter dem Wochenmotto<br />

„So klingt der Sommer“ präsentiert.<br />

Klangberührte Emotion statt Ritual<br />

Im zweiten Projekt, dem Zyklus „klangberührt“, werden<br />

feste Regeln, die sich im klassischen Konzertbetrieb die<br />

letzten hundert Jahre etabliert haben, außer Kraft gesetzt.<br />

Katja Frei, Senior Manager Education im Wiener<br />

Konzerthaus, dazu: „Wir laden die Menschen ein, diese<br />

Rituale infrage zu stellen und zu sagen: ‚Vielleicht kann<br />

es auch einmal sein, dass man mitten im Stück anfängt<br />

zu klatschen, weil es einen mitreißt, oder dass man anfängt,<br />

auf den Hockern mitzuklopfen oder aufzustehen<br />

und zu tanzen.‘ Für solch einen expressiven Ausdruck ist<br />

es schön, wenn wir einen neuen Rahmen im klassischen<br />

Konzertbetrieb schaffen.“<br />

Für alle Menschen<br />

In der Saison <strong>2019</strong>/20 gestalten Otto Lechner und Peter<br />

Rosmanith die erste Veranstaltung innerhalb dieses ungezwungenen<br />

Rahmens. In weiteren Konzerten sind unter<br />

anderem Annette Bik, Porträtkünstlerin Eva Reiter<br />

14<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


LEBENSWERT<br />

und Schlagzeug-Virtuose Martin Grubinger<br />

zu erleben. Moderiert werden<br />

sämtliche Konzerte von Lilian Genn.<br />

<strong>Die</strong> freischaffende Musikvermittlerin<br />

hat das Projekt konzipiert: „<strong>Die</strong><br />

Grundidee ist, ein Konzertsetting<br />

zu gestalten, das offen und zugänglich<br />

für alle Menschen ist. ‚klangberührt‘<br />

ist dezidiert kein Projekt nur<br />

für Menschen mit Behinderung. Wir<br />

wünschen uns ein durchmischtes Publikum,<br />

das gemeinsam ein musikvermittlerisch<br />

gestaltetes Konzert<br />

erlebt.“ Dazu wird der Schubert-Saal<br />

eigens umgebaut und die Bühne in<br />

den Saal verlegt. <strong>Die</strong> Konzerte beginnen<br />

um 18.30 Uhr und dauern rund<br />

75 Minuten. Auch der Ausklang wird<br />

entspannt gestaltet. Hier besteht sogar<br />

die Möglichkeit, die Künstler persönlich<br />

kennenzulernen.<br />

Nähere Informationen und<br />

Termine:<br />

www.konzerthaus.at/abo1920/kb<br />

David Eucaristí, pixabay.com<br />

ONKOLOGIE<br />

DER BARMHERZIGKEIT<br />

Begleitung von Kranken statt Euthanasie fordert Papst Franziskus. Für die<br />

MALTESER ist diese Begleitung längst zur Selbstverständlichkeit geworden.<br />

Quelle: IEF-Politblog I Von Lukas Lienhart<br />

<strong>Die</strong> legale Praxis von Euthanasie in einigen Staaten führe „nur scheinbar<br />

zu mehr persönlicher Freiheit, da sie in Wirklichkeit auf einem utilitaristischen<br />

Menschenbild basiert“. Technik solle im <strong>Die</strong>nst der Menschheit stehen<br />

und nicht unterscheiden, „wer verdient, weiter behandelt zu werden<br />

und wer nicht, weil er nur noch als Last gesehen wird“. <strong>Die</strong>se Gedanken<br />

und Zitate stammen aus einem Gespräch von Papst Franziskus mit rund<br />

150 italienischen Ärzten im September <strong>2019</strong>. Sie wurden vom Institut für<br />

Ehe und Familie in einem seiner jüngsten Newsletter aufgenommen.<br />

Von den Ärzten forderte der Papst eine „Onkologie der Barmherzigkeit“<br />

und die Begleitung von Kranken und ihren Angehörigen in allen Phasen.<br />

Dabei sei stets der Wert eines Menschenlebens im Blick zu behalten. Palliativmedizin<br />

sowie eine familiäre Umgebung in Hospizen sollten zudem<br />

zur Linderung von Leid beitragen.<br />

Für die <strong>Malteser</strong> Österreich ist diese Forderung schon seit langem selbstverständlich.<br />

Sie bieten Menschen im Alter und/oder in Krankheit würdevolle<br />

Betreuung und Lebensqualität bis zuletzt. Sie sind in christlicher<br />

Nächstenliebe für sie da – sowohl ehrenamtlich durch Besuchsdienste,<br />

Palliativdienste und Pflegedienste als auch hauptberuflich in der mobilen<br />

Pflege von <strong>Malteser</strong> Care und im Haus Malta bzw. demnächst im neuen<br />

Ordenshaus der <strong>Malteser</strong>.<br />

Nähere Informationen:<br />

www.malteser.at/was-wir-tun/sozialdienste/palliativbetreuung<br />

bzw. www.hausmalta.at<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 15


STABSFÜHRUNGSKURS <strong>2019</strong><br />

Abschluss des einjährigen Stabsführungskurses <strong>2019</strong> Salzburg, in vier Modulen (Heiligenkreuz, St. Virgil/Salzburg, Börseplatz<br />

und Schottenstift, Wien).<br />

BURGENLAND<br />

BENEFIZKONZERT<br />

<strong>Malteser</strong> Benefizkonzert mit der Militärmusik<br />

Niederösterreich in Reichenau an der Rax.<br />

BURGENLAND<br />

HL. MESSE IN ROHRAU<br />

Quartalsmesse im idyllischen Schlosspark von Schloss<br />

Rohrau. Gemeinsam mit Bewohnern aus dem Haus<br />

Malta und erstmals auch aus dem Marienheim Bruck/<br />

Leitha mit einer anschließenden Führung durch die berühmte<br />

Graf Harrach’sche Familiensammlung.<br />

16<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


BURGENLAND<br />

MONATSTREFFEN<br />

XXXX<br />

Heilige Messe in der kleinen Schlosskirche zu Kobersdorf mit anschließendem Umtrunk im Schlosshof. Gemütlicher<br />

Ausklang in einem nahegelegenen Garten bei Heurigen-Atmosphäre.<br />

SALZBURG<br />

SOMMERFEST<br />

<strong>Malteser</strong> Ambulanzdienst beim Sommerfest von Erzbischof Lackner.<br />

SALZBURG<br />

AMBULANZDIENST<br />

MEDJUGORJE<br />

Ehrenamtliche Unterstützung für die Ambulanzstation<br />

in Medjugorje aus Salzburg. Bis zu 50 Patienten aus allen<br />

Ländern der Erde werden hier täglich betreut und<br />

versorgt.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 17


FRONLEICHNAM<br />

Zu Fronleichnam sind die <strong>Malteser</strong> immer stark vertreten.<br />

Vielen Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß unterwegs<br />

sind, können wir die Teilnahme an der Prozession<br />

ermöglichen. Ein Dank gilt auch unseren Sanitätern, die<br />

für Sicherheit sorgen, sowie den Ordensmitgliedern für<br />

ihr Gebet, denn: An Gottes Segen ist alles gelegen!<br />

TIROL<br />

PROZESSION<br />

Traditionelle Landesprozession im Anschluss an die<br />

feierliche Heilige Messe im Innsbrucker Dom.<br />

18<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


XXXX<br />

SALZBURG<br />

FUSSBALL<br />

Zum Freundschaftsspiel zwischen Real Madrid C. F. und Red<br />

Bull Salzburg ziehen auch die <strong>Malteser</strong> ins Stadion ein.<br />

OBERÖSTERREICH<br />

SCHIFF AHOI<br />

<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> haben „die Schiffsglocke geläutet“. Gemeinsam an Bord der „Anton Bruckner“.<br />

WIEN<br />

BESUCH IN GRAFENEGG<br />

Ausflug der Delegation Wien und der Johanniter zusammen<br />

mit der Caritas Socialis und dem Haus Malta<br />

zum Schloss Grafenegg. Trotz ein paar Regentropfen<br />

war es ein wunderschöner Herbsttag.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 19


XXXXX<br />

WIEN<br />

AMBULANZDIENST<br />

<strong>Malteser</strong> Ambulanzdienst beim Sommersportfest am Sigmund Freud-Gymnasium.<br />

WIEN<br />

LANDESAUSSTELLUNG<br />

Tapetenwechsel und Kultur: Besichtigung der NÖ Landesausstellung<br />

<strong>2019</strong> und der Milak in Wiener Neustadt.<br />

WIEN<br />

KINDERTHEATER<br />

<strong>Malteser</strong> zu Gast im Wiener Kindertheater zur diesjährigen<br />

Produktion „Der Revisor – Eine Stadt steht Kopf“<br />

von Nikolai Gogol. Das Theaterstück voller Witz, Spannung<br />

und Dramatik erfreute <strong>Malteser</strong> und Betreute gleichermaßen.<br />

Vielen Dank für die Einladung!<br />

20<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


WIEN<br />

BENEFIZKONZERT<br />

XXXX<br />

<strong>Malteser</strong> Benefizkonzert im Beethovensaal der Pfarre Heiligenstadt, zugunsten des <strong>Malteser</strong> „Herzenswunsch-Projekts“.<br />

Musikbegabte <strong>Malteser</strong> gaben Highlights von Bach, Schubert, Grieg und weiteren Komponisten zum Besten.<br />

WIEN<br />

FEUERWEHRFEST<br />

Gemeinsam mit den Helfern Wiens durften die <strong>Malteser</strong> beim Feuerwehrfest der Berufsfeuerwehr Wien ihre Aktivitäten<br />

präsentieren.<br />

TIROL<br />

4 FÜR INNSBRUCK<br />

Ein absolutes Highlight auf dem Programm des Tiroler<br />

Übungsjahres war der zweite gemeinsame Schulungstag<br />

der Innsbrucker Blaulichtorganisationen.<br />

Mehr als 100 Einsatzkräfte der <strong>Malteser</strong>, des Roten<br />

Kreuzes Innsbruck, des Samariterbundes Tirol, der<br />

Johanniter-Unfall-Hilfe Tirol, der Berg- und Wasserrettung<br />

Innsbruck und anderer Einsatzorganisationen<br />

übten gemeinsam verschiedenste, realitätsnahe Notfallszenarien.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 21


MALTESERÖSTERREICH<br />

SALZBURG UND OBERÖSTERREICH<br />

ALTÖTTING<br />

Wallfahrt nach Altötting. Es ist schon Tradition geworden, dass die <strong>Malteser</strong> aus Salzburg und Oberösterreich gemeinsam<br />

eine Wallfahrt an den Kraft- und Gnadenort Altötting veranstalten.<br />

WIEN<br />

DONAUINSELFEST<br />

Auch dieses Jahr waren die <strong>Malteser</strong> wieder bei der Sicherheitsshow, durchgeführt von „<strong>Die</strong> Helfer Wiens“, vertreten, bei<br />

der sich Besucher über die Tätigkeiten der Wiener Hilfs- und Einsatzorganisationen informieren konnten.<br />

22<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


SALZBURG<br />

UNGARISCHER<br />

ABEND<br />

<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong>zentrale wurde für den<br />

ungarischen Abend „rot, weiß und<br />

grün“ geschmückt. Mozarteum-Studenten<br />

sorgten mit einem Konzert<br />

für die musikalische Unterhaltung,<br />

dazu wurden ungarische Köstlichkeiten,<br />

von Gulaschsuppe, Pogácsa, Túró<br />

Rudi bis hin zu Salami und Paprika,<br />

serviert. Dem folgte eine Verkostung<br />

ungarischer Weine.<br />

JUGEND-SOMMER-<br />

LAGER IN PODERSDORF<br />

Von Georg Holzhausen<br />

Bereits zum sechsten Mal in Folge organisierte der<br />

<strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Burgenland das beliebte <strong>Malteser</strong><br />

Jugend-Sommerlager. <strong>Die</strong>smal fand es von 6. bis 8. September<br />

<strong>2019</strong> in Podersdorf am Neusiedlersee statt.<br />

23 Jugendliche zwischen zehn und 14 Jahren, unter ihnen<br />

sechs Roma aus der Slowakei, und 23 Erwachsene<br />

bildeten die Kerngruppe. Trotz Regen genossen alle das<br />

vielseitige Programm – vom Spielen und Bootsfahren<br />

über spannende Ausflüge mit Besichtigungen bis hin zur<br />

gemeinsamen Messe am Sonntag. Das Projekt, das der<br />

Integration von Kindern dient, die am Rande der Gesellschaft<br />

stehen, wäre ohne die finanzielle Unterstützung<br />

des Vereins „Licht ins Dunkel“ nicht möglich. Danke an<br />

alle Helfer und Unterstützer!<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 23


HIER GIBT ES NUR GEWINNER<br />

... 19, 20, 21: Bereits zum 21. Mal fand heuer das beliebte Wildwassercamp der MALTESER statt. Und es war nicht das<br />

letzte Mal – versprochen!<br />

Von Gabriel Maria Hofstätter<br />

Wieder ging es Anfang August <strong>2019</strong> so richtig zur Sache<br />

– besser gesagt zu Wasser: Beim traditionellen<br />

Wildwassercamp in Wildalpen, das dank der großzügigen<br />

und unermüdlichen Unterstützung von Frau<br />

Kommerzialrätin Hilde Umdasch schon seit mehr als<br />

zwei Jahrzehnten veranstaltet werden kann, erprobten<br />

sich diesmal 27 Sportbegeisterte in der Natur. Ein<br />

paar Regentropfen zwischendurch konnten unserer guten<br />

Stimmung nichts anhaben. Nach dem Motto „Bei<br />

uns gibt es nur Gewinner“ wurde die beeindruckende<br />

Schlucht an der Salza mit ihrem türkis-blauen Flusswasser<br />

durchpaddelt, der Geschicklichkeits-Parcous wurde<br />

mit viel Spaß und Lachen bewältigt – freilich nicht ohne<br />

die bewährte sportliche und sichere Betreuung der Wildwasserschule<br />

Liquid Lifestyle und Wolfgang Winkler.<br />

Fortsetzung folgt ...<br />

Beim großen Fest der Feuerwehr und des Musikvereins<br />

von Wildalpen genossen wir – ganz zünftig in Dirndl<br />

und Lederhose – die knusprigen Grillhendl mit Pommes<br />

Frites und kühle Getränke. Für das Tanzfest wurden uns<br />

eigene Tische bereitgestellt, und Bürgermeisterin Karin<br />

Gulas begrüßte uns auch heuer wieder besonders herzlich.<br />

Am Sonntag feierten wir mit Pater Bernhard die<br />

Hl. Messe in der Dorfkirche. Danach hieß es Abschied<br />

nehmen – aber nur bis zum nächsten Jahr! Da ist das<br />

Wildwassercamp von 30. Juli bis 2. August 2020 geplant.<br />

Gerne schon jetzt vormerken!<br />

24<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

SPIRITUALITÄT UND<br />

NÄCHSTENLIEBE WÄCHST<br />

<strong>Die</strong> MALTESER bekommen „Zuwachs“ – Feierliche Aufnahme in der Steiermark<br />

Von Katharina Stögner<br />

Der <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst, eine der größten ehrenamtlichen<br />

Hilfsorganisationen Österreichs, und der Souveräner<br />

<strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden bekamen weiteren „Zuwachs“:<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden hat im Juni in Leoben<br />

seine jährliche Aufnahme und Generalversammlung<br />

abgehalten. In einer feierlichen Hl. Messe in der Stiftskirche<br />

Göss, zelebriert von Bischof emeritus Egon Kapellari<br />

mit Seelsorgern des Ordens, wurden 13 neue Mitglieder<br />

in den Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und 51 Mitglieder<br />

in den <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst aufgenommen.<br />

Sie alle haben eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen<br />

und ihr Ausbildungsjahr erfolgreich absolviert.<br />

Durch die Aufnahme haben sie sich verpflichtet, gemäß<br />

den Normen der Kirche zu leben und sich im Geiste des<br />

Ordens gegen die acht Elende dieser Welt – Krankheit,<br />

Verlassenheit, Heimatlosigkeit, Lieblosigkeit, Hunger,<br />

Schuld, Unglaube und Gleichgültigkeit – einzusetzen.<br />

„Wir heißen alle neuen Mitglieder des Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens<br />

und des Hospitaldienstes sehr herzlich<br />

willkommen. Es ist uns eine besondere Freude, diese jungen<br />

engagierten Menschen ab jetzt in unserer Mitte zu<br />

haben. <strong>Die</strong> große Zahl der Neuaufnahmen zeigt, wie attraktiv<br />

der Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine<br />

Hilfsorganisation nach wie vor sind.“, so der Prokurator<br />

Norbert Salburg-Falkenstein.<br />

„Gerade wo unser Sozialsystem in einigen Bereichen auf<br />

ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen ist, ist der <strong>Die</strong>nst<br />

am Nächsten besonders wichtig. So können wir <strong>Malteser</strong><br />

im christlichen Sinne der Nächstenliebe dort helfen, wo<br />

Not ist.“, sagt Richard Wittek-Saltzberg, Kommandant<br />

von <strong>Malteser</strong> Austria.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 25


MALTESERÖSTERREICH<br />

RIGOLETTO MIT APFELTASCHEN<br />

UND TOPFENKUGELN<br />

Über einen besonderen Genuss durften sich die MALTESER Besuch der Bregenzer Festspiele freuen: Sie wurden mit<br />

selbstgemachten Mehlspeisen einer echten Stadträtin verwöhnt.<br />

Von Ursula Dehne-Kinz<br />

Alle zwei Jahre organisieren die <strong>Malteser</strong> für Betreute einen<br />

Besuch der Bregenzer Festspiele. <strong>Die</strong>ses Mal waren<br />

sechs Personen aus Tirol und Vorarlberg und zahlreiche<br />

<strong>Malteser</strong> für ein Wochenende im Ländle. Sie reisten mit<br />

zwei organisationseigenen Fahrzeugen an und wohnten<br />

im „Jungen Hotel“ in Hard, das über die erforderlichen<br />

barrierefreien Einrichtungen verfügt.<br />

Am Samstag offerierte Familie Anwander aus Hohenweiler<br />

ein Grillfest im Ruderclub Wiking mit anschließender<br />

Bootsfahrt – für viele ein außergewöhnliches Erlebnis.<br />

Nach einer exklusiven Bühnenführung und einer kurzen<br />

Ruhepause ging es schließlich zum Festspielgelände.<br />

Dort wartete die nächste Überraschung: Es gab einen<br />

kleinen Empfang mit Brötchen, Getränken und selbstgemachten<br />

Mehlspeisen von der Bregenzer Stadträtin<br />

für Soziales und Gesundheit, Dr. Annette Fritsch. In<br />

Begleitung von Nationalratsabgeordneten Ing. Reinhold<br />

Einwallner hatte es sich die engagierte Politikerin nicht<br />

nehmen lassen, trotz ihres dichten Terminkalenders der<br />

Einladung der <strong>Malteser</strong> zu folgen und sie persönlich zu<br />

begrüßen. Eine bessere Einstimmung auf die nachfolgende<br />

Rigoletto-Vorstellung hätte man sich nicht wünschen<br />

können!<br />

Vergelt’s Gott!<br />

Im Namen der <strong>Malteser</strong> Tirol und Vorarlberg möchte<br />

ich mich sehr herzlich bei Frau Mag. Ursula Dehne-<br />

Kinz, Vizepräsidentin des Soroptimist Club Bregenz/<br />

Rheintal, sowie bei der Familie Anwander für die Unterstützung<br />

und Organisation dieses wunderbaren<br />

Wochenendes bedanken. Lukas Krupitza, Bereichsleiter-Stellvertreter,<br />

MHDA Tirol/Vorarlberg<br />

26<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

WALLFAHRT DER GENERATIONEN<br />

<strong>Die</strong> diesjährige Pfingstwallfahrt des Dekanats Retz-Haugsdorf führte uns von Obritz zur Schlosskirche Mailberg –<br />

ein schöner Weg bei prachtvollem Wetter und mit musikalischer Begleitung.<br />

Von Christoph Martin<br />

Um 14.30 Uhr ging es los. Start war am „Baumhauer-<br />

Kreuz“ an der kleinen Straße, die von der Obritzer Kellergasse<br />

nach Mailberg führt. Der Weg ging dann über<br />

die Weingärten nach Mailberg, mit Blick auf die wunderbare,<br />

sanfthügelige Landschaft. In Mailberg selbst<br />

warteten in der Holzgasse die Weinviertler Hauerkapelle<br />

und eine große Gruppe von Schulkindern, die – als<br />

Apostel mit Bärten verkleidet – ein hinreißendes lebendes<br />

Bild für uns stellten. Es ging weiter zum Hauptplatz<br />

von Mailberg, wo uns eine Abordnung der Kindergartenkinder<br />

erwartete. Sie reichten Wein und Brot und,<br />

nach alter Kloster-Sitte, ein Wasserbecken zur Handwaschung.<br />

Wein, Musik und Wallfahrtsspeise<br />

Am Pfarrhof schlossen sich uns jene Ordensdamen und<br />

-ritter und Mailberger an, für die der ganze Prozessionsweg<br />

zu beschwerlich gewesen wäre. Auf der weiteren<br />

Strecke spielte die Hauerkapelle im Wechsel mit<br />

den Gebeten. Um etwa 16 Uhr kamen wir in der Kirche<br />

an. Nach einer halbstündigen Andacht folgte eine köstliche<br />

Agape im Schlosshof. <strong>Die</strong> Pfarre kredenzte Wein<br />

und Aufstrich-Brote, der neu eröffnete Schlossheurige<br />

steuerte eine kostenlose Wallfahrtsspeise bei. Für die<br />

Rückkehr zu den in Obritz geparkten Autos wurde uns<br />

vom Mailberger Bürgermeister ein Transportdienst zur<br />

Verfügung gestellt. Wir sagen allen Beteiligten und Unterstützern<br />

herzlich danke!<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong><br />

27


MALTESERÖSTERREICH<br />

WENN NORDEN MEHR ALS<br />

EINE HIMMELSRICHTUNG IST<br />

Norden-Norddeich ist ein wunderbarer, barrierefreier Kurort in Norddeutschland und perfekt für eine Reise der MALTESER<br />

– am besten im Sommer.<br />

Von Barbara Rammerstorfer und Stefan Reisigl<br />

„Tausche Regen und Büro gegen Wind und Meer, wer<br />

noch?“ „Ich, ich!“, „Ich auch!“, „Schließe mich an!“ Was<br />

nach einer Idee und dem Beginn einer Reiseplanung aussieht,<br />

hat in Wahrheit erst nach der Rückkehr vom Meer,<br />

genauer von der Nordsee stattgefunden. Doch der Reihe<br />

nach: Seit mehreren Jahren fahren wir mindestens einmal<br />

im Jahr in den Sommermonaten nach Norden. Auf<br />

die Frage, wohin wir denn fahren würden, kommt immer<br />

das gleiche Frage-Antwort-Spiel: Wir fahren nach Norden.<br />

Wohin? Nach Norden! Norden-Norddeich ist für<br />

Eingeweihte eben mehr als nur eine Himmelsrichtung.<br />

Es ist ein wunderschöner Ort im äußersten Nordwesten<br />

Deutschlands, genauer in Ostfriesland.<br />

Da Norden-Norddeich als Kurort weitgehend barrierefrei<br />

ist, war es naheliegend, dorthin eine <strong>Malteser</strong>-Reise zu<br />

organisieren. Nach dem Motto „Ostfriesland, wir kommen!“<br />

stiegen wir also am 30. Juni am späteren Abend<br />

in Linz in den Zug und machten uns auf die lange Reise<br />

einmal quer durch Deutschland.<br />

Anreise<br />

Am nächsten Morgen wurden wir von den <strong>Malteser</strong>n<br />

aus Hannover herzlich am Bahnsteig empfangen und bei<br />

unserem kurzen Aufenthalt liebevoll umsorgt. Gestärkt<br />

durch ein zweites Frühstück, verbunden mit vielen net-<br />

ten Gesprächen, setzten wir unsere Reise mit dem Regionalzug<br />

nach Norden-Norddeich fort.<br />

Bei einer Führung durch unseren Urlaubsort Norddeich<br />

lernten wir die Gegend kennen und erfuhren Interessantes<br />

über die Ostfriesen und ihre Heimat. Wir bekamen<br />

auch den dort vorherrschenden Wind zu spüren. In einem<br />

Strandkorb sitzend, kann man den Ausblick auf das<br />

Wattenmeer mit Ebbe und Flut so richtig genießen.<br />

Der englische Garten des Wasserschlosses Lütetsburg lud<br />

zum Entdecken ein. Hier erwischte uns auch das einzige<br />

Mal der sonst eher typische Regen. Gott sei Dank konnten<br />

wir uns ins nahe Schlosscafé flüchten und dort ostfriesische<br />

Spezialitäten genießen.<br />

Im malerischen „Puppenstubenort“ Greetsiel kamen wir<br />

aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Der Ort überraschte<br />

uns mit historischen Giebelhäusern aus dem 17.<br />

Jahrhundert, dem über 600 Jahre alten Fischerhafen mit<br />

seiner beeindruckenden Krabbenkutterflotte, den berühmten<br />

Greetsieler Zwillingsmühlen sowie den malerischen<br />

Gassen.<br />

Ein Höhepunkt der Reise war sicher die Schifffahrt auf<br />

die gänzlich autofreie Insel Juist mitten im Wattenmeer.<br />

28<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

Hier scheint die Zeit Ende des 19.<br />

Jahrhunderts stehen geblieben zu<br />

sein. <strong>Die</strong> meisten Bauten stammen<br />

aus der Zeit Kaiser Wilhelms und auch<br />

die nötigen Transporte werden mit<br />

Pferdekutschen erledigt. Dort genossen<br />

wir den 17 km langen Sandstrand<br />

und ließen uns auch die Gelegenheit<br />

für ein Bad im Meer nicht entgehen.<br />

Am Tag der Abreise hatten wir noch<br />

Gelegenheit, die Seehundestation zu<br />

besuchen und die Seehunde sowie ihre<br />

Lebensweise hautnah kennenzulernen,<br />

bevor wir am späten Nachmittag<br />

wieder in den Zug Richtung Heimat<br />

stiegen.<br />

Rückblickend bleiben den sechs Betreuten<br />

aus Oberösterreich, Salzburg<br />

und der Steiermark sowie den zehn<br />

<strong>Malteser</strong>n viele schöne Erinnerungen,<br />

viele lachende Gesichter und eben der<br />

Wunsch, wieder zu kommen.<br />

Besonderer Dank gilt den <strong>Malteser</strong>n<br />

aus Hannover, die uns bei der Hinund<br />

Rückfahrt umsorgt und verpflegt<br />

haben. Ebenso Maria Vogel von der<br />

Surfschule Norddeich, dem Team der<br />

Jugendherberge Norddeich sowie<br />

Schwester Michaela der katholischen<br />

Kirche Juist, die uns vor Ort unterstützt<br />

haben.<br />

DIE STARS VON MORGEN<br />

Von Verena Trentini<br />

Ein Kultur-Event der besonderen Art durften die Tiroler <strong>Malteser</strong> und ihre<br />

Betreuten Anfang Juli erleben: Mehr als 90 hochtalentierte Nachwuchs-<br />

Tänzer zwischen zwölf und 18 Jahren aus den USA gaben gemeinsam mit<br />

zwei Tiroler Tanzstudios eine spezielle Vorstellung. Besonderes Highlight<br />

war ein Beitrag von Enrique Gasa Valga, Leiter der Tanzcompany des Tiroler<br />

Landestheaters. Valgas Choreografie für eine Gruppe jugendlicher<br />

Flüchtlinge und Tiroler Teenager stellte das Gemeinsame und Miteinander<br />

von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft in den Mittelpunkt.<br />

<strong>Die</strong> Flüchtlinge sind zwischen acht und 19 Jahren alt, stammen aus Afghanistan<br />

und Nigeria und leben jetzt in Organisationen des SOS Kinderdorfs<br />

bzw. der Tiroler Sozialen <strong>Die</strong>nste in Innsbruck, Hall und Aldrans.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 29


MALTESERÖSTERREICH<br />

HAPPY BIRTHDAY, MALTAKULTUR!<br />

Genau 25 Jahre ist es her, seit „MaltaKultur“ von Marie-Theres Arnbom als Möglichkeit zur offenen Begegnung im<br />

kulturellen Raum gegründet wurde. Ein erfreulicher Rekord!<br />

Von Katharina Stögner<br />

<strong>Die</strong> Euphorie war groß, als „MaltaKultur“ im Herbst 1994<br />

entstanden ist. Rund 12.000 Stunden im Museum und<br />

7.500 Stunden in der Oper, im Theater- und Konzertsaal<br />

später, ist die Begeisterung ungebrochen hoch. Warum?<br />

Bei „MaltaKultur“ sind alle in derselben Situation – ob im<br />

Rollstuhl oder nicht, ob alt oder jung, ob <strong>Malteser</strong> oder<br />

nicht. Das macht das Besondere aus: „Wir erleben jedes<br />

Mal etwas Neues und Anregendes, das uns verbindet und<br />

woran man sich auch nach langer Zeit oft und gern erinnert“,<br />

beschreibt Marie-Theres Arnbom die Motivation<br />

hinter ihrer freiwilligen Arbeit.<br />

Wir von der <strong>Malteser</strong>-Redaktion finden diese freiwillige<br />

Initiative nicht selbstverständlich. Ein<br />

herzliches und großes Danke daher an dieser Stelle<br />

für Dein Engagement, Marie-Theres, und auf das<br />

nächste Vierteljahrhundert mit „MaltaKultur“!<br />

Abwechslungsreiches Angebot<br />

„MaltaKultur“-Interessenten treffen einander einmal<br />

pro Monat, gehen gemeinsam in eine geführte Ausstellung,<br />

in die Oper, in Konzerte oder ins Theater. Einen<br />

gemütlichen Ausklang finden die sozialen Runden im<br />

Kaffeehaus. Wer sich die Eintrittskarten – dank Verhandlungsgeschick<br />

der „MaltaKultur“-Organisatorin stark<br />

verbilligt – nicht leisten kann, kann einen Zuschuss über<br />

die <strong>Malteser</strong> erhalten.<br />

30<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESER JOBNETZWERK:<br />

INTEGRATION DURCH EMPOWERMENT<br />

Dank der Unterstützung der MALTESER Sprachkurse und des MALTESER Jobnetzwerks haben in den vergangenen<br />

drei Jahren einige Flüchtlinge aus Krisengebieten Deutsch gelernt und einen Job in Österreich gefunden.<br />

Von Markus Kirchschlager<br />

Das Sprachkursangebot der <strong>Malteser</strong> ist kein klassischer<br />

Sprachkurs, sondern soll eine effektive Hilfe für die Teilnehmer<br />

sein, um sich möglichst schnell in ihrem neuen<br />

Umfeld zurechtfinden zu können. Das Ziel ist die Kommunikation<br />

und die Fähigkeit, Alltagssituationen sprachlich<br />

gut zu bewältigen. Inhalte rund um das Thema Arbeit<br />

und Beruf werden fokussiert, so dass die Teilnehmer besser<br />

in der Arbeitswelt kommunizieren können.<br />

Ziel ist es, Lernende auf das Berufsleben vorzubereiten,<br />

ihnen zu ermöglichen, eine Arbeit zu finden oder den<br />

bisherigen Beruf besser ausüben zu können. Ein weiterer<br />

Schritt ist das Coaching, ein Simulieren von Vorstellungsgesprächen<br />

und das Bewerbungstraining. In diesem<br />

Bereich sind immer wieder Hindernisse zu überwinden.<br />

Deshalb setzt hier die psychologische Betreuung an, um<br />

den Selbstwert zu stärken und die Kommunikation in<br />

verschiedenen Bereichen zu verbessern.<br />

Vom Lebenslauf zum Bewerbungsgespräch<br />

Das <strong>Malteser</strong> Jobnetzwerk bietet Feedback und Hilfe beim<br />

Aufbereiten von Bewerbungsunterlagen, individuelles<br />

Coaching, Kontaktherstellung zu Unternehmen über die<br />

persönlichen Kontakte einzelner <strong>Malteser</strong> und Begleitung<br />

in Bewerbungsprozessen und bei Bewerbungsgesprächen.<br />

Bilanz des MALTESER Jobnetzwerks bis heute<br />

<strong>Die</strong> Bilanz dieser ehrenamtlichen Tätigkeit bis heute:<br />

Mehr als 560 <strong>Die</strong>nststunden, 240 betreute und aktualisierte<br />

Lebensläufe, 140 Teilnehmende und starke<br />

Netzwerk-Partner. Zu diesen zählen unter anderem<br />

NESPRESSO Österreich, die BDO Consulting, die MABA<br />

Fertigteilindustrie, die Austria Trend Hotels mit einem<br />

Programm zur Unterstützung der <strong>Malteser</strong> Jobnetzwerk-Teilnehmer<br />

bei berufsbegleitender Lehre, die Raiffeisen<br />

Bank International, Deloitte, der Österreichische<br />

Integrationsfonds, die Caritas/ Erzdiözese Wien, die<br />

Fronius International GmbH und die Kirchdorfer<br />

Industrieholding GmbH.<br />

Sie haben Fragen zum <strong>Malteser</strong> Jobnetzwerk?<br />

Sie wollen sich aktiv einbringen und das<br />

<strong>Malteser</strong> Jobnetzwerk unterstützen?<br />

Bitte wenden Sie sich an:<br />

jobnetzwerk@malteser.at<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 31


KINDERHILFE<br />

DA, WO ALLE SIEGER SIND<br />

Bei prachtvollstem Wetter fand am 29. September <strong>2019</strong> der 3. Kinderhilfelauf der MALTESER in Amstetten statt. Ein<br />

großes Danke an alle, die – nicht nur laufend – geholfen haben.<br />

Von Petra Hellmich<br />

Rund 1.800 Starter und mehr als 2.500 Gäste konnte der<br />

3. Kinderhilfelauf der <strong>Malteser</strong> in Amstetten diesmal anlocken.<br />

„Schuld“ an dieser rekordverdächtigen Teilnehmerzahl<br />

war neben dem traumhaft schönen Wetter vor<br />

allem die gute Sache, um die es ging: Kindern mit lebensverkürzender<br />

Diagnose im Hilde Umdasch Haus soll der<br />

oft beschwerliche Lebensalltag erleichtert werden. Mit<br />

den Spenden aus dem Kinderhilfelauf können nun dringend<br />

benötigte, dem jeweiligen Krankheitsbild individuell<br />

angepasste Heilbehelfe, spezielle Pflegehilfsmittel<br />

und Spielzeuge angekauft und besondere Aktivitäten wie<br />

Ausflüge oder Schwimmbadbesuche finanziert werden.<br />

Spiel, Spaß und Prominenz<br />

<strong>Die</strong> großartige Stimmung während des gesamten Kinderhilfelaufs<br />

in insgesamt fünf verschiedenen Disziplinen<br />

ließ sich durch nichts trüben. Sie erreichte mit der Charity-Runde,<br />

bei der Amstettens Bürgermeisterin Ursula<br />

Puchebner, Vizebürgermeister Michael Wiesner und<br />

Reinhard Weilguny, Direktor der Sparkasse Amstetten,<br />

persönlich mitliefen, einen ihrer Höhepunkte. Mit viel<br />

guter Laune ging es auch in der Kinderecke mit Hüpfburg,<br />

Kletterwand und Malbereich zur Sache.<br />

Wir sagen danke!<br />

Wie schon in den beiden Jahren zuvor, wurde der<br />

Kinderhilfelauf auch diesmal tatkräftig von zahlreichen<br />

Sponsoren unterstützt. Ihnen allen ein herzliches<br />

Vergelt’s Gott!<br />

Großer Dank geht außerdem an das mitarbeitende<br />

Team der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe sowie an die ehrenamtlichen<br />

Mitarbeiter – dieses unglaubliche Engagement und<br />

das Sponsoring unserer Partner haben diese großartige<br />

Laufveranstaltung möglich gemacht und diesen Erfolg<br />

für unsere Kinder erzielt.<br />

Ergebnisse und Bilder des 3. Kinderhilfelaufs im Detail:<br />

www.malteser-kinderhilfe.at<br />

www.kinderhilfelauf.at<br />

32<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

SOMMERFEST HAUS MALTA<br />

DANKE, DASS IHR DA SEID!<br />

Auch heuer luden die Bewohner und der Vorstand des Hauses Malta zum jährlichen Sommerfest – als kleines<br />

Dankeschön an die Angehörigen, Freunde und Unterstützer.<br />

Von Thomas Braun<br />

In seiner Begrüßungsrede lobte der Präsident des Vorstands,<br />

Dr. Ulrich Glaunach, die Bemühungen der Mitarbeiter<br />

von Haus Malta und zeigte sich überaus zufrieden<br />

mit der Entwicklung des Hauses. <strong>Die</strong>se Anerkennung<br />

schmeckte gleich noch viel besser, als Küchenchefin Frau<br />

Fendrych ihre berühmten Köstlichkeiten kredenzte. Begleitet<br />

wurden die Leckereien mit bunten Cocktails und<br />

sommerlichen Getränken.<br />

Ein Musiker sorgte mit seinem Akkordeon für Unterhaltung,<br />

die die vielen Gäste sichtlich genossen. Das wunderbare<br />

Wetter tat sein Übriges. So stand einem unterhaltsamen<br />

Nachmittag nichts mehr im Wege. Schon jetzt freuen<br />

wir uns, alle Angehörigen, Freunde und freiwilligen Helfer<br />

beim nächsten Sommerfest wieder begrüßen zu dürfen.<br />

MALTESER Jobnetzwerk<br />

Integration durch Empowerment<br />

Unterstützung von Geflüchteten bei der<br />

beruflichen Neuorientierung in Österreich<br />

• Monatliche MALTESER-Sprachkurse mit Jobnetzwerk-Einheiten<br />

• Lebenslauf-Screening nach professionellem Bewerbungs-<br />

Standard, Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch<br />

• Textvorlagen mit arabischen Erläuterungen<br />

für Bewerbungsschreiben<br />

• Begleitung zum Vorstellungstermin<br />

Wenn Sie bei den Sprachkursen oder bei der Vorbereitung und Begleitung<br />

von Bewerbungsprozessen ehrenamtlich mithelfen wollen, kontaktieren<br />

Sie uns bitte, wir sind für jede Unterstützung dankbar. Wichtig ist uns ein<br />

DSGVO- konformes Vorgehen auf ehrenamtlicher Basis. Jederzeit stehen<br />

wir für Kooperationsanfragen oder auch für interessierte Teilnehmerinnen<br />

und Teilnehmer unter jobnetzwerk@malteser.at zur Verfügung.<br />

jobnetzwerk@malteser.at<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 33


MALTESERWERKE<br />

Der „harte Kern“ des Berliner Gebetskreises,<br />

Hannah Maria Rotter (3.v.li.)<br />

Katharina Nepf, Monika und Florian Feuchtner<br />

(v.l.n.r.)<br />

JOHANNESGEMEINSCHAFT<br />

LEBEN MIT DER<br />

JOHANNESGEMEINSCHAFT<br />

<strong>Die</strong> Johannesgemeinschaft, kurz JG, hat Zuwachs bekommen. <strong>Die</strong> vier neuen Mitglieder erzählen von ihrem eindrucksvollen<br />

Weg zur und mit der Gemeinschaft.<br />

Von Monika Feuchtner<br />

Wie ich in die JG hineingewachsen bin<br />

Begonnen hat mein Weg zur JG im Jahr 2010. Es war<br />

ein Herantasten. Während der Rom-Wallfahrt im Oktober,<br />

an der ich als Hospitaldienstmitglied teilnahm, durfte<br />

ich sehr interessante Gespräche mit Marie Czernin und<br />

Valerie Fürstenberg führen, die für die JG mit in Rom<br />

waren. <strong>Die</strong> JG war mir schon lange ein Begriff, aber wie<br />

gut sie sich für die persönliche Glaubensentwicklung als<br />

<strong>Malteser</strong> eignet, das wusste ich nicht. Mein Bedarf an<br />

Spiritualität fühlte sich durch meine langjährige Tätigkeit<br />

für die <strong>Malteser</strong> ausreichend gedeckt an, doch ließ<br />

mich die JG nicht los. Als spirituelle Verbindung zwischen<br />

den Ordenswerken, wie mein damaliger Bereichsleiter,<br />

Bernhard Supp, sagte, sollte ich sie betrachten.<br />

Ich folgte seiner Empfehlung. <strong>Die</strong>s tue ich heute noch,<br />

nun auch als Mitglied der JG.<br />

Katharina Nepf, Wien<br />

Gott begegnet uns in der Stille<br />

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit und der Hektik<br />

des Alltags ist es schwierig, wirklich zur Ruhe zu kommen<br />

und überhaupt in die Stille zu gehen. Nur in der Stille ist<br />

es möglich, Gott in seinem Herzen zu begegnen. In den<br />

Gebetskreisen der JG fanden wir einen Ort, an dem wir<br />

gemeinsam mit anderen die Stille suchen können. <strong>Die</strong>ses<br />

gemeinsame Einüben ist eine Hilfe, um auch im täglichen<br />

Leben eine wirkliche Gottesbeziehung aufbauen zu können.<br />

Wir lesen gemeinsam das Evangelium, richten unsere<br />

Fürbitten an Gott, beten den Rosenkranz, halten Stille<br />

und schließen mit der Komplet, dem Abendgebet der<br />

Kirche. Wir freuen uns, im Kreis der JG unseren Glauben<br />

leben und als Teil der <strong>Malteser</strong> auch noch mehr leibliche<br />

Werke der Barmherzigkeit üben zu können.<br />

Florian und Monika Feuchtner, Wien<br />

Das Berliner „Tischgebet“<br />

2013 kam die JG nach Berlin – mit Bernadette Haudum,<br />

die den ersten „deutschen“ Gebetskreis hier gegründet<br />

hat. Von der Spiritualität und der Herzlichkeit des Kreises<br />

fühlte ich mich sogleich angezogen. <strong>Die</strong> Gebetsabende<br />

verlaufen bei uns genauso wie in Österreich. Im Anschluss<br />

an das Gebet kochen und essen wir gemeinsam,<br />

weswegen der Gebetsabend bei uns schlicht „Tischgebet“<br />

heißt. Für mich ist das Tischgebet eine unersetzliche<br />

Hilfe, um Jesus im Alltag nahe zu sein. Es verankert den<br />

Glauben noch fester im täglichen Leben. <strong>Die</strong> Form, die<br />

der Glaube für die JG als gelebte Alltagspraxis annimmt,<br />

entspricht mir und hilft mir, meinen Glauben zu leben,<br />

zu teilen und zu vertiefen. Deshalb bin ich der Gemeinschaft<br />

beigetreten und sehe den Auftrag der <strong>Malteser</strong> als<br />

tägliche Aufgabe an.<br />

Hannah Maria Rotter, Berlin<br />

34<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


<strong>Malteser</strong>_Kekserlverkauf_Ins198x67#2_1019.indd 1 11.11.19 20:07<br />

MALTESERÖSTERREICH<br />

KINDERHILFE<br />

WENN OLDTIMER BEI DER MALTESER<br />

KINDERHILFE VORFAHREN ...<br />

... dann ist das etwas ganz Besonderes für die Bewohner des Hilde Umdasch Hauses. Im Rahmen der Wachau-<br />

Eisenstrasse-Classic <strong>2019</strong> konnten sie die tollen Gefährte ganz aus der Nähe bestaunen.<br />

Von Petra Hellmich<br />

Mitte August fiel der alljährliche Startschuss für die<br />

bei Oldtimerfans beliebte Wachau-Eisenstrasse-Classic.<br />

Das Rennen ging über mehr als 630 Kilometer und<br />

führte drei Tage lang durch die malerische Region von<br />

Wachau, Eisenstrasse, Pielachtal, Mostviertel, Waldviertel,<br />

Kamptal und Wagram. Erstmals wurde heuer<br />

ein zusätzlicher Zwischenstopp eingelegt: Insgesamt<br />

72 Fahrzeuge der Baujahre 1927 bis 1988 fuhren beim<br />

Hilde Umdasch Haus in Amstetten vor und zeigten sich<br />

von ihrer besten Seite. Als Dankeschön für die Spenden<br />

zu Gunsten der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe wurde den Fahrern<br />

eine kleine Jause kredenzt. <strong>Die</strong> Bewohner und Mitarbeiter<br />

des Hilde Umdasch Hauses durften die schmucken<br />

Gefährte aus nächster Nähe besichtigen.<br />

Foto: ecaterina corovina | shutterstock.com<br />

Karitativer Punschund<br />

Kekserlverkauf<br />

MIT PRÄMIERUNG<br />

zugunsten der MALTESER Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus<br />

13.12.<strong>2019</strong>, 14.00–18.00 Uhr<br />

Stefan-Fadinger-Straße 34, 3300 Amstetten<br />

office@malteser-kinderhilfe.at | www.malteser-kinderhilfe.at<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 35


MALTESERÖSTERREICH<br />

SCHÜLER AUS GIESSHÜBL UND STEYR BESUCHEN DIE KINDERHILFE<br />

LERNEN FÜR‘S LEBEN<br />

Was im Hilde Umdasch Haus geleistet wird, beeindruckt nicht nur betroffene Eltern und Angehörige. Auch junge,<br />

scheinbar außenstehende Menschen sind von der MALTESER Kinderhilfe enorm angetan.<br />

Von Petra Hellmich<br />

Kurz vor Schulschluss, wenn die Noten schon feststehen und die<br />

Ferien noch nicht begonnen haben, oder wenn es gilt, vor der Matura<br />

eine praxisrelevante Diplomarbeit zu schreiben, ist ein guter<br />

Zeitpunkt, um der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe im Hilfe Umdasch Haus<br />

einen Besuch abzustatten. Was dabei geschieht, ist „Lernen für‘s<br />

Leben“ im allerbesten Sinn des Wortes. Wir lassen es die Schüler<br />

der LFS Gießhübl und der HLW Steyr selbst beschreiben:<br />

„Als wir das Hilde Umdasch Haus betraten, waren wir vom ersten Eindruck<br />

überwältigt. Vor unserem Besuch schwirrten uns Vorstellungen<br />

und Erwartungen durch den Kopf, doch diese wurden schließlich übertroffen.<br />

Das Hilde Umdasch Haus ist sehr präsent durch die liebevolle<br />

Gestaltung der Innenräume und auch die Gartenanlage ist für die<br />

erkrankten Kinder ein Paradies. In dieser Einrichtung können Kinder<br />

in einer liebevollen Atmosphäre gepflegt werden. <strong>Die</strong> zahlreichen motivierten<br />

Mitarbeiter der <strong>Malteser</strong> Kinderhilfe geben tagtäglich für die<br />

Kinder das Beste. Als junger Erwachsener ist es sehr selten, dass man<br />

sich mit sozialen Einrichtungen beschäftigt. Oft fällt es uns schwer, die<br />

Schattenseiten des Lebens wahrzunehmen.“<br />

Schüler der HLW Steyr<br />

„Aufgrund des besonderen Interesses und der vielen Fragen der Schüler<br />

ist aus einem als ‚gewöhnliche‘ Hausführung geplanten Rundgang eine<br />

spannende Gesprächs- und Diskussionsrunde entstanden. <strong>Die</strong> Schule<br />

selbst hat sich schon im Vorfeld sehr interessiert gezeigt, aufgrund<br />

der Resonanz der Schüler wurde jetzt beschlossen, das Hilde Umdasch<br />

Haus auch in den kommenden Jahren mit Schulklassen zu besuchen.<br />

Womöglich ergeben sich daraus Projekte und persönliche Verbindungen,<br />

die langfristig und nachhaltig bestehen bleiben. <strong>Die</strong> Liebe zu den<br />

Kindern und die Normalität, die in diesem Haus gelebt wird, machen<br />

dieses Haus jedenfalls zu einem Ort des Wohlfühlens, an welchem man<br />

das Gefühl von ‚Zuhausesein‘ verspürt.“<br />

Schüler der LFS Gießhübl<br />

36<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERÖSTERREICH<br />

KINDERHILFE<br />

SOMMERDANKFEST<br />

IM HILDE UMDASCH HAUS<br />

Es ist schon eine liebgewonnene Tradition: Jedes<br />

Jahr veranstaltet die MALTESER Kinderhilfe im<br />

Hilde Umdasch Haus ihr Sommerfest – als Geste des<br />

Danks an alle, die hier tätig sind und unterstützen.<br />

Von Petra Hellmich<br />

Lachende Kinder, entspannte Eltern und Angehörige,<br />

fröhliche Gäste aus der Umgebung, ehrenamtliche<br />

Helfer sowie Kooperationspartner und natürlich die<br />

Mitarbeiter des Hilde Umdasch Hauses selbst: Es ist<br />

ein sehr vielfältiges und buntes Grüppchen, das Anfang<br />

Juni das alljährliche Sommerfest der <strong>Malteser</strong><br />

Kinderhilfe gefeiert hat. Damit wird all jenen, die das<br />

Hilde Umdasch Haus mit ihrer kontinuierlichen Hilfe<br />

das ganze Jahr über unterstützen, ein herzliches Danke<br />

ausgesprochen und jene Anerkennung gezollt, die<br />

das außergewöhnliche Engagement verdient. Zu den<br />

besonderen Helfern zählt zum Beispiel „Hausmutter“<br />

Elfriede Höttl, die das Fest liebevoll vorbereitet und<br />

bestens organisiert hat. Für den kulinarischen Genuss<br />

sorgten Erich Berger und sein Team.<br />

Fr 13 • 12 • 19 14:00 - 19:00<br />

Sa 14 • 12 • 19 11:00 - 18:00<br />

karitativer Weihnachtsbasar<br />

zugunsten der MALTESER Hilfsprojekte<br />

Börseplatz 6, 1010 Wien DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 37<br />

www.malteser.at • wien@malteser.at


MALTESERÖSTERREICH<br />

MALTESER CARE<br />

ZWEI JAHRE<br />

FAMILIENENTLASTUNGSDIENST<br />

Der Familienentlastungsdienst von MALTESER Care unterstützt Familien zu Hause durch qualifizierte Betreuungspersonen<br />

bis zu zehn Stunden pro Woche. Familien haben so die Möglichkeit, ihre eigenen Ressourcen wieder zu<br />

stärken.<br />

Von Susanne Wick<br />

Es ist nun genau zwei Jahre her, dass der Familienentlastungsdienst<br />

von <strong>Malteser</strong> Care als mobiler <strong>Die</strong>nst in<br />

Kooperation mit der MAG ELF gegründet wurde. Seither<br />

wurden bereits zahlreiche Familien erfolgreich unterstützt.<br />

Viele positive Rückmeldungen bestätigen uns,<br />

dass die Hilfe sehr gerne angenommen wird und so zur<br />

Sehr geehrtes Team von <strong>Malteser</strong> Care!<br />

Ich möchte mich zuerst vorstellen. Mein Name<br />

ist Herr D. und ich bin der Vater von Anna. Sie<br />

ist 14 Jahre alt und leidet an epileptischen Anfällen<br />

und alternierender Hemiplegie. Anfang<br />

des Jahres habe ich mich an die MAG ELF, die<br />

Wiener Kinder- und Jugendhilfe gewandt und<br />

um Hilfe gebeten. Meine Tochter und meine<br />

Familie benötigten dringend professionelle<br />

Hilfe. Wir haben dann durch Ihre Organisation<br />

eine sehr kompetente und zuverlässige Mitarbeiterin<br />

vermittelt bekommen, die ihren Job<br />

mit großem Einfühlungsvermögen und Freude<br />

ausübt, was sich wiederum sehr positiv auf den<br />

Allgemeinzustand unserer Tochter auswirkt.<br />

Ich darf hiermit auch im Namen meiner Frau<br />

und der ganzen Familie ein großes Lob aussprechen,<br />

dass Sie eine so tolle Betreuerin und<br />

Pflegerin in Ihrem Team haben. Vielen Dank!<br />

Familie D.<br />

Entlastung der Familien beiträgt. Nachstehend dürfen<br />

wir einen Auszug aus dieser teils sehr persönlichen Korrespondenz<br />

veröffentlichen.<br />

Liebes <strong>Malteser</strong> Care Team!<br />

Ich möchte mich recht herzlich für die wundervolle und<br />

liebevolle Betreuung bedanken. Mein Sohn Raphael<br />

fühlt sich bei Ihrer einfühlsamen Mitarbeiterin Frau G.<br />

sehr wohl und ist bei ihr sehr gut aufgehoben. Das ist<br />

eine große Erleichterung für mich, denn er ist ein äußerst<br />

sensibles Kind und kann sich nur durch Weinen<br />

und Schreien äußern. Raphael spürt sehr stark, wenn jemand<br />

unruhig ist, dann ist er es auch. Deshalb ist es mir<br />

sehr wichtig, eine passende Betreuerin für ihn zu haben,<br />

die mich in dieser schwierigen Situation unterstützt.<br />

Frau G. macht ihre Arbeit mit Liebe und das spürt Raphael.<br />

Ihre ruhige Seite und ihre Ausstrahlung tun uns<br />

beiden sehr gut! Wir sind auch sehr dankbar, dass die<br />

MAG ELF und <strong>Malteser</strong> Care gemeinsam arbeiten und<br />

uns Eltern die Möglichkeit geben, entlastet zu werden.<br />

Ein krankes Kind zu haben, ist nicht leicht, vor allem als<br />

alleinerziehende Mutter wie ich, denn wir haben viele<br />

Krankenhaus-Aufenthalte, viele Termine beim Arzt,<br />

den Behörden usw.<br />

Ich muss mich um alles kümmern, denn es geht um das<br />

Leben meines Sohnes.<br />

Besten Dank!<br />

Von Raphael<br />

38<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


XXXX<br />

Der Entlastungsdienst von <strong>Malteser</strong> Care ist<br />

eine große Hilfe für mich. Ich kann die Zeit nutzen,<br />

um Besorgungen zu erledigen, trainieren<br />

zu gehen oder Freundinnen zu treffen, ohne mir<br />

Sorgen um die Betreuung meiner Tochter machen<br />

zu müssen. Noemi freut sich immer darauf,<br />

wenn Frau A. oder eine ihrer Kolleginnen zum<br />

Spielen kommt oder etwas mit ihr unternimmt.<br />

Vielen Dank. Mutter von Noemi<br />

Wir, die Eltern von Constantin, nehmen seit<br />

mehr als einen Jahr den Entlastungsdienst<br />

von <strong>Malteser</strong> Care in Anspruch. Wir sind mit<br />

der Leistung und Betreuung sehr zufrieden, da<br />

mein Mann und ich die Zeit füreinander nützen<br />

können. Es wird sehr gut auf unser Kind und<br />

seine Bedürfnisse eingegangen. Es wird auch<br />

sehr viel mit dem Kind unternommen. Wir sind<br />

sehr froh, dass es eine solche Organisation gibt.<br />

Vielen Dank!<br />

<strong>Die</strong> Eltern und Großeltern von Constantin<br />

Auch wir von <strong>Malteser</strong> Care sagen DANKE!<br />

Denn diese positive Wertschätzung der Arbeit<br />

und des Engagements der Mitarbeiterinnen<br />

unseres Familienentlastungsdienstes<br />

ist für uns alle eine große Anerkennung<br />

und Bestätigung, dass wir auf dem richtigen<br />

Weg sind. Es ist nicht selbstverständlich,<br />

sich täglich mit Liebe und Einfühlungsvermögen<br />

auf die wechselnden Herausforderungen<br />

der zu betreuenden Familien<br />

einzulassen. Dafür ein herzliches Vergelt’s<br />

Gott an alle, die sich bei <strong>Malteser</strong> Care für<br />

Menschen, die Hilfe brauchen, einsetzen!<br />

Rawpixel.com/Shutterstock.com<br />

TAG DER PFLEGENDEN ANGEHÖRIGEN<br />

WIR SAGEN DANKE!<br />

Am 13. September <strong>2019</strong> fand der erste nationale Aktionstag für pflegende<br />

Angehörige statt – ein guter Anlass, um all jenen Menschen, die sich<br />

neben Beruf und Familie für ihre Nächsten engagieren, herzlich DANKE zu<br />

sagen!<br />

Von Susanne Wick<br />

Laut einer Studie des Sozialministeriums sind rund 947.000 Erwachsene<br />

und 42.700 Kinder und Jugendliche in Österreich informell in<br />

die Pflege und Betreuung von hilfsbedürftigen Personen involviert.<br />

80 Prozent der Pflegenden sind Frauen. Sie stellen damit den größten<br />

Pflegedienst Österreichs dar – unbezahlt und zumeist ohne jegliche<br />

professionelle und psychologische Unterstützung.<br />

Angehörigenpflege ist keine einfache Tätigkeit. Sie basiert stark auf<br />

Emotionalität. Sie erfordert viel Einfühlungsvermögen und gute soziale<br />

Beziehungen aller Involvierten. Sie ist mit physischen und psychischen<br />

Herausforderungen verbunden. In unserer Arbeit bei <strong>Malteser</strong><br />

Care sehen wir täglich, mit welch großen Belastungen pflegende Angehörige<br />

konfrontiert sind. Nicht selten führen sie zu Burnout.<br />

Deshalb bieten wir Hilfe an<br />

Sehr gerne stehen wir betroffenen Angehörigen für persönliche Gespräche<br />

und Beratungen zu möglichen Unterstützungs- und Entlastungsangeboten<br />

zur Verfügung. Unsere kompetenten und erfahrenen<br />

Mitarbeiter von <strong>Malteser</strong> Care freuen sich auf Ihre Nachricht!<br />

Weitere Informationen und Kontakt:<br />

www.malteser.care/uber-uns/unser-team<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 39


MALTESERÖSTERREICH<br />

ROMA-HILFE IN GRAZ<br />

Der MALTESER Hospitaldienst in der Steiermark unterstützt CHAVORE, ein ambitioniertes Projekt zur Integration von<br />

Roma-Familien in Zusammenarbeit mit der Caritas Graz, und zieht erfolgreich Bilanz.<br />

Von Angelika Gerstgrasser<br />

Es war der krönende Abschluss des Schuljahres und<br />

eine Belohnung für die so erfolgreichen schulischen<br />

Fortschritte: Ein gemeinsamer Ausflug auf den Grazer<br />

Schöckl. Von <strong>Malteser</strong>n und Caritas-Mitarbeiterinnen<br />

organisiert und begleitet, bestiegen Ende Juni 38 Roma-Kinder<br />

sowie einige Mütter und Geschwister die<br />

Gondel auf den Grazer Hausberg. Für viele war es ein<br />

Helfen lohnt!<br />

Wer das Projekt CHAVORE ehrenamtlich unterstützen<br />

möchte, ist herzlich willkommen! Wenn<br />

jemand aus einem Lehrberuf kommt, einfach gerne<br />

(vor)liest, Spaß daran hat, bei schulischen Aufgaben<br />

unterstützend zu helfen oder sich bei der Gestaltung<br />

von Freizeit- und Sportaktivitäten einbringen<br />

möchte, bitte um Kontaktaufnahme per E-Mail an:<br />

chavore@malteser.at<br />

Übrigens: <strong>Die</strong> Hilfe im Rahmen von CHAVORE wird<br />

ausschließlich von Ehrenamtlichen organisiert und<br />

betreut und nur über Spenden finanziert. Wenn Sie<br />

uns finanziell unterstützen möchten, ist dies ebenso<br />

möglich. Vergelt’s Gott!<br />

völlig neues Erlebnis. Zum ersten Mal in ihrem Leben<br />

ging es auf einen Berg!<br />

Oben gut angekommen, wanderte die kleine Truppe<br />

bei herrlichem Wetter und guter Fernsicht zum Gipfelkreuz.<br />

Anschließend gab es ein Picknick mit köstlicher<br />

Jause. Dabei wurde viel gelacht, Ball und Fangen gespielt.<br />

Das Highlight war schließlich die Fahrt mit der<br />

Sommerrodelbahn „Hexenexpress“, die großzügig von<br />

unserem Delegaten Martin Auer gespendet wurde.<br />

CHAVORE bedeutet „Kinder“<br />

Noch vor wenigen Jahren wäre ein solcher Ausflug<br />

nicht denkbar gewesen. Da waren viele Roma-Kinder,<br />

die mit ihren Eltern nach Graz gekommen waren, auf<br />

sich allein gestellt – ohne ausreichende Betreuung, ohne<br />

Schulunterricht, ohne Anschluss an die Gemeinschaft,<br />

in völliger Armut. Seit September 2017 ist jedoch alles<br />

anders. Seither besteht eine Kooperation zwischen dem<br />

<strong>Malteser</strong> Hospitaldienst und der Caritas Graz.<br />

Im Rahmen des Projekts CHAVORE – das Wort ist Romanes<br />

und bedeutet „Kinder“ – ist mittlerweile der Kindergarten-<br />

bzw. Schulbesuch der Roma-Kinder sichergestellt.<br />

Und nicht nur das: <strong>Die</strong> Zahl der teilnehmenden<br />

40<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

Kinder und Familien wächst von Jahr zu Jahr. Alle Familien<br />

beteiligen sich trotz der für sie so schwierigen<br />

Lebensumstände sehr aktiv am Projekt, das von fünf<br />

ehrenamtlichen <strong>Malteser</strong>n begleitet wird.<br />

Immense Integrationserleichterung<br />

Für das laufende Schuljahr <strong>2019</strong>/20 haben insgesamt 28<br />

Roma-Kinder zwischen vier und 14 Jahren die Möglichkeit,<br />

den Kindergarten bzw. die Schule zu besuchen und<br />

Betreuungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. <strong>Die</strong><br />

Kinder und Jugendlichen stammen aus Rumänien, Ungarn,<br />

der Slowakei und Bulgarien. Ihre Eltern sind Armutsmigranten,<br />

die sich in Graz ein menschenwürdiges<br />

Leben aufbauen wollen, jedoch nach wie vor mit sehr<br />

prekären Bedingungen konfrontiert sind. <strong>Die</strong> Sicherstellung<br />

des Schul- und Kindergartenbesuchs für ihre<br />

Kinder stellt deshalb eine immense Integrationserleichterung<br />

dar, wirkt sich positiv auf die Arbeitssuche und<br />

stabilisierend auf die gesamte Familiensituation aus.<br />

Das Projekt setzt auf dezentrale, individuell ausgerichtete<br />

Hilfsangebote wie Lernbuddys und Elternarbeit,<br />

die sowohl auf die unterschiedlichen Herkünfte, Sprachen,<br />

Altersgruppen und schulischen Voraussetzungen<br />

der Eltern Rücksicht nehmen, als auch den räumlichen<br />

und soziokulturellen Gegebenheiten Rechnung tragen.<br />

Wesentlich am Projekt CHAVORE ist die frühzeitige,<br />

gezielte Einbindung der Kinder in die städtischen bzw.<br />

außerstädtischen Betreuungsstrukturen wie Horte und<br />

Lerncafés, um Segregation zu vermeiden und die gesellschaftliche<br />

Integration zu intensivieren.<br />

Durch die regelmäßige Betreuung – insbesondere mit<br />

Hilfe der ehrenamtlichen <strong>Malteser</strong> – entsteht zwischen<br />

den Kindern und Jugendlichen sowie ihren „Buddies“<br />

eine gute Vertrauensbasis. So lernt man auch als Ehrenamtlicher<br />

die Bedürfnisse, Sorgen und Problematiken<br />

des jeweiligen Kindes kennen und kann sich viel besser<br />

darauf einstellen, sich vorbereiten und helfen.<br />

Mag. Michael Teichmann von der Caritas der Diözese<br />

Graz-Seckau, ZORROM Leiter, erklärt den Projektnamen:<br />

Das Projekt ZORROM CHAVORE wurde von<br />

Dr. Franz Salm-Reifferscheidt als Unterstützer, Sponsor<br />

und Förderer sowie Kommerzialrat Martin Auer initiiert<br />

und ermöglicht sozioökonomisch benachteiligten Grazer<br />

Roma-Kindern den Kindergarten- bzw. Schulbesuch.<br />

Der Projektname setzt sich aus den Romanes-Wörten<br />

„zor“ (Kraft, Energie), „rom“ (Mensch) und „chavore“<br />

(Kinder) zusammen.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 41


RÜCKBLICK<br />

DEM HUNGER ENTKOMMEN –<br />

AMERIKA SEI DANK<br />

<strong>Die</strong> internationalen Hilfsprogramme für Mitteleuropa nach dem Ersten Weltkrieg sind heute weitgehend in Vergessenheit<br />

geraten. Ein Symposium unter dem Titel „Post World War I Aid“ in Wien Ende September hat diese Hilfe<br />

wieder in Erinnerung gerufen.<br />

Von Richard Mischak<br />

gar mehrmonatige kostenlose Gastaufenthalte für rund<br />

200.000 Kinder in der Schweiz, in den Niederlanden oder<br />

in Skandinavien. Rund 300.000 Schulkinder in Österreich<br />

erhielten ein warmes Mittagessen. Waren im Wert<br />

von 135 Millionen US-Dollar wurden an die Empfängerländer<br />

geliefert und kostenlos zur Verfügung gestellt.<br />

Ankunft von zurückkehrenden Kindern am Wiener Ostbahnhof<br />

Ankunft von zurückkehrenden Kindern am Wr. Ostbahnhof<br />

An der Wiege dieser Veranstaltung – einer Gemeinschaftsarbeit<br />

vom Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung<br />

der Österreichischen Akademie der<br />

Wissenschaften (ÖAW), The American Austrian Foundation<br />

(AAF), der Austrian Marshall Plan Foundation<br />

und mit Unterstützung des The Botstiber Institute for<br />

Austrian-American Studies – steht Gregor Medinger<br />

(Mitglied des St. Johanns-Clubs, in der Studienzeit im<br />

<strong>Malteser</strong> Hilfsdienst tätig). Er lebt heute in New York.<br />

Sein Anliegen als Vorstandsmitglied der AAF ist Bewusstseinsbildung:<br />

„Bevor wir uns negativ über Hilfe für<br />

Hungernde Kinder in Wien, 1919<br />

andere äußern, sollten wir wissen, dass auch uns einmal<br />

geholfen wurde. Viele unserer Vorfahren wären damals<br />

ohne diesen Beistand gestorben, und auch wir wären<br />

vielleicht nicht am Leben.“<br />

<strong>Die</strong> amerikanischen Hilfsprogramme linderten ab 1919<br />

die Hungersnot und Mangelernährung vieler österreichischer<br />

Kinder oder ermöglichten mehrwöchige bzw. so-<br />

Auf den Spuren von „Dolly und Fee“<br />

Ein Bild in einem Auktionskatalog brachte Gregor<br />

Medinger auf die Spur der weitgehend vergessenen gewaltigen<br />

Hungerhilfe für Wiener Kinder nach dem Ersten<br />

Weltkrieg. Das ihm bis dahin unbekannt Bild „Dolly<br />

und Fee“ zeigt seine Mutter und seine Tante bei ihrem<br />

Aufenthalt in Holland, als Teilnehmerinnen einer der<br />

Kinderverschickungen in der Hungerzeit. Von seinem<br />

Urgroßvater gemalt, war es damals zum Dank der holländischen<br />

Pflegefamilie geschenkt worden.<br />

Vieles brach in Österreich nach dem ersten Weltkrieg zusammen.<br />

<strong>Die</strong> Kronländer, die oftmals wichtige Rohstoffe<br />

und Nahrung nach Wien lieferten, waren unabhängig<br />

und hatten mit eigenen Problemen zu kämpfen. <strong>Die</strong> politische<br />

Kommunikation zwischen den „neuen Nationen“<br />

brach völlig zusammen, Wechselkurse mussten erst „erfunden“<br />

werden.<br />

Mittagsmahlzeiten in Schulen<br />

Für die umfassende Hilfe verantwortlich war die American<br />

Relief Administration (ARA), ein Regierungsunternehmen<br />

der USA. Es war beauftragt, betroffene Völker<br />

mit Lebensmitteln zu versorgen und bei der Wiederher-<br />

42<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


RÜCKBLICK<br />

Ankunft von zurückkehrenden Kindern am Wiener Ostbahnhof<br />

Dr. Gregor Medinger, © csei<br />

Dr. Gregor Medinger © csei Hungernde Kinder in Kinder Wien, 1919 in Wien, 1919<br />

stellung der Transportsysteme zu helfen. Innerhalb der<br />

USA waren die Hilfsleistungen im Frühjahr 1919, als<br />

Leistungen an Staaten, mit denen die USA noch immer<br />

im Kriegszustand war, nicht wirklich populär. Trotzdem<br />

begann die ARA kurz nach der Gründung eines Büros<br />

in Paris mit ihrer Hilfe, richtete Mittagsmahlzeiten in<br />

Schulen ein und versorgte Kinder mit Hartkeks, Eintopf<br />

und Kondensmilch. <strong>Die</strong>ses System der Kinderspeisung<br />

wurde dann in vielen Ländern verwendet.<br />

<strong>Die</strong> Administration verlangte, Essen nur dort zu verteilen,<br />

wo es echten Bedarf gab. <strong>Die</strong> Hilfe musste für<br />

alle (!) bedürftigen Kinder ermöglicht werden, und eine<br />

Aufsicht und Kontrolle der Verpflegungsmaßnahmen<br />

mussten gegeben sein. Lokale Organisationskomitees<br />

wurden gegründet, die für die Ausrüstungsgegenstände<br />

und den Transport zuständig waren, und öffentliche<br />

Suppenküchen eingerichtet. <strong>Die</strong> ARA-Mitarbeiter waren<br />

angewiesen, sich aus den inneren Angelegenheiten<br />

des „Nehmerlandes“ herauszuhalten und sich auf die<br />

Lieferung von Lebensmitteln, Bekleidung und Medikamenten<br />

zu beschränken.<br />

Fast vergessen<br />

Das Ende der Hilfeleistungen der ARA kam mit dem<br />

Friedensvertrag 1919, jedoch wurden noch im Juli und<br />

August laufende Projekte abgearbeitet. Das Büro in Paris<br />

wurde aufgelöst.<br />

<strong>Die</strong> Kinder waren<br />

Daraufhin<br />

in einem erbarmungswürdigen<br />

gründete<br />

Zustand.<br />

der ehemalige<br />

Leiter der Lebensmittelverwaltung, Herbert Hoover<br />

(später der 31. Präsident der USA), mit einigen Mitarbeitern<br />

den ARA European Children’s Fund (Europäischer<br />

Kinderfonds) und sammelte in kürzester Zeit 29,5<br />

Millionen US-Dollar für weitere Hilfsaktionen ein. <strong>Die</strong><br />

wirtschaftliche Erholung in Europa erfolgte langsamer<br />

als erwartet, Österreich und Polen waren schließlich die<br />

letzten mitteleuropäischen Länder, in denen bis 1922<br />

noch Hilfsaktionen liefen.<br />

Das Wissen über diese enormen Hilfsleistungen ist heute<br />

in der österreichischen Bevölkerung fast vergessen, auch<br />

wenn die Umbenennung des „Erzherzog-Ferdinand-<br />

Platzes“ in „Schwedenplatz“ oder die Namensgebung für<br />

die „Hollandstraße“ Dankesgesten der Stadt Wien für die<br />

Dr. Gregor Medinger, © csei<br />

große Hilfe in der Not waren.<br />

Amerika ging es hierbei auch darum, amerikanische Ideale<br />

– wie die Demokratie – zu transportieren. Schließlich<br />

galt es in Europa, „kommunistische Tendenzen“ zu<br />

bekämpfen. <strong>Die</strong>se gingen damals nicht nur von der neu<br />

geborenen Sowjetunion aus. Auch in Ungarn und Bayern<br />

gab es kurzzeitig „Räterepubliken“.<br />

Bild „Dolly und Fee“ zeigt Gregor Medingers Mutter (links)<br />

und seine Tante in Holland<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 43


RÜCKBLICK<br />

30 JAHRE MAUERFALL BERLIN:<br />

EIN FESTAKT FÜR DIE FREIHEIT<br />

Am 11. September <strong>2019</strong> ging in Berlin ein Festakt zum Gedenken an die dramatischen Ereignisse rund um den Fall der<br />

Berliner Mauer vor 30 Jahren und das historische Ausmaß der MALTESER Hilfsaktion für DDR-Flüchtlinge in Budapest<br />

über die Bühne.<br />

Von Pamo Roth<br />

Neben berührenden Gesprächen mit Zeitzeugen illustrierte<br />

eine große Open-Air-Ausstellung in originalgetreuen<br />

Zelten die Arbeit im damaligen <strong>Malteser</strong> Nothilfelager.<br />

Der Anlass: Im Sommer 1989 waren rund 55.000<br />

Geflüchtete aus der DDR nach Budapest gekommen, in<br />

der Hoffnung, dort die Grenze überwinden zu können.<br />

Auf dem Gelände der Kirche zur Heiligen Familie in<br />

Budapest-Zugliget organisierten ungarische <strong>Malteser</strong><br />

– unterstützt vom deutschen <strong>Malteser</strong> Hilfsdienst und<br />

unter Beteiligung von österreichischen <strong>Malteser</strong>n – Unterkunft,<br />

Verpflegung und Betreuung der Geflüchteten in<br />

einem Zeltlager. Dort erhielten sie auch in der Nacht zum<br />

11. September die erlösende Nachricht: Sie dürfen ausreisen!<br />

<strong>Die</strong> damaligen Ereignisse haben die nationalen <strong>Malteser</strong><br />

Hilfsdienste eng zusammengeschweißt. So arbeiten<br />

heute die deutschen und österreichischen <strong>Malteser</strong>, aber<br />

auch die Organisationen in anderen Ländern, bei vielen<br />

Einsätzen auf der ganzen Welt Seite an Seite zusammen.<br />

44<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


RÜCKBLICK<br />

„DIE UNS HALFEN, VON DER ALTEN<br />

IN DIESE NEUE WELT ZU KOMMEN“<br />

Zum 30. Mal jährte sich diesen September der Fall der Berliner Mauer. Bei ihrer Flucht von Ost nach West fanden viele<br />

DDR-Bürger Zuflucht in Nothilfelagern der MALTESER in Ungarn. Zeitzeugen und Helfer berichten.<br />

Von Marie Czernin<br />

Budapest im Sommer 1989: Dass diese Zeit nicht nur<br />

das Leben Tausender ehemaliger DDR-Bürger, sondern<br />

auch mein Leben verändern würde, war mir erst viel<br />

später bewusst. Dass hingegen wir <strong>Malteser</strong> in Budapest<br />

ein einmaliges historisches Ereignis miterleben und<br />

spontan beim St. Johanns Club, um bei der Aufnahme<br />

erschöpfter Flüchtlinge aus Ungarn an der Grenze im<br />

Burgenland mitzuhelfen. So konnte er damals als junger<br />

Student die Geburtsstunde des <strong>Malteser</strong> Hospitaldienstes<br />

Austria (MHDA) miterleben.<br />

auch mitprägen durften, spürte ich schon damals. Also<br />

schrieb ich die vielen Erlebnisse und Begegnungen mit<br />

den Flüchtlingen aus der DDR eifrig in mein Tagebuch.<br />

Dabei war mein politisches Interesse noch nicht so ausgeprägt<br />

wie heute. Es beschränkte sich während meiner<br />

Schulzeit vor allem auf viele interessante Gespräche<br />

mit unserem Vater, der bemüht war, die recht einseitige<br />

Darstellung unseres Geschichte-Unterrichts im sozialistischen<br />

Gymnasium von Klagenfurt etwas zurechtzurücken.<br />

So hatte er uns auch oft vom ungarischen Volksaufstand<br />

von 1956 erzählt und davon, wie dieser von<br />

der sowjetischen Armee brutal niedergeschlagen wurde.<br />

Mein Vater studierte damals in Wien Welthandel. Als er<br />

von den blutigen Unruhen in dem durch den Eisernen<br />

Vorhang getrennten Nachbarland hörte, meldete er sich<br />

Das „Paneuropa-Picknick“<br />

33 Jahre später – ich hatte gerade die Matura hinter<br />

mich gebracht und erfreute mich meiner neu erworbenen<br />

Unabhängigkeit – war es wieder soweit: In Ungarn<br />

brodelte es. Ich kam gerade vom Weltjugendtag in Santiago<br />

de Compostela zurück und hatte zwei Wochen lang<br />

keine Nachrichten gehört. Da erzählte mir mein Vater<br />

aufgeregt vom „Paneuropa-Picknick“ an der Grenze bei<br />

Sopron, das Otto von Habsburg gemeinsam mit László<br />

Nagy, dem Verantwortlichen des Demokratischen Forums<br />

(MDP) – einer damaligen Freiheitsbewegung in<br />

Ungarn – in die Wege geleitet hatte.<br />

Stolz erklärte mir mein Vater, er sei selbst vor 33 Jahren<br />

mit österreichischen <strong>Malteser</strong>n mehr oder weniger<br />

an der gleichen Stelle gestanden, wo sich nun an jenem<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 45


RÜCKBLICK<br />

denkwürdigen 19. August 1989 politische Vertreter aus<br />

Ungarn, die sich um demokratische Reformen bemühten,<br />

mit Vertretern der internationalen Paneuropa-<br />

Bewegung trafen. Otto von Habsburg war durch seine<br />

Tochter Walburga vertreten, und Prinz Vincenz von<br />

Liechtenstein begrüßte die Anwesenden als Vorsitzender<br />

der Paneuropa-Union Österreich. Im ORF konnte<br />

man mit ansehen, wie dieses symbolische Picknick für<br />

661 Menschen aus der DDR zum „Schlupfloch“ wurde,<br />

durch das sie in die Freiheit stürmten. Dass die ungarische<br />

Grenzpolizei damals nicht auf die Flüchtenden<br />

schoss, bezeichnete mein Vater als ein schieres Wunder.<br />

Bewegt erzählte er mir, dass nun wieder die <strong>Malteser</strong><br />

gefragt seien und sie noch nach freiwilligen Helfern suchen<br />

würden. <strong>Die</strong>smal sei der Einsatzort allerdings nicht<br />

an der ungarischen Grenze, sondern in Budapest. Da ich<br />

noch ein Monat Zeit hatte, bis ich für ein Jahr nach Rom<br />

gehen sollte, zögerte ich nicht lange, sondern rief gleich<br />

in der <strong>Malteser</strong>-Zentrale in Wien an, um mich für einen<br />

Einsatz in Budapest zu melden. Irgendwie ahnte ich, dass<br />

mich dort etwas Spannendes und Großes erwarten würde.<br />

„Montag, 14. August 1989: Im Generalsekretariat<br />

geht telefonisch ein Hilfegesuch der ungarischen<br />

<strong>Malteser</strong> ein: Auf dem Gelände der Zugliget-Kirche in<br />

Budapest haben sich mehr als 200 DDR-Urlauber eingefunden,<br />

die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren<br />

wollen. <strong>Die</strong> deutsche Botschaft hat die noch junge<br />

ungarische <strong>Malteser</strong>-Organisation um Unterstützung<br />

gebeten. Denn vor allem Unterkünfte, Decken und<br />

Feldbetten fehlten.“<br />

„<strong>Malteser</strong> Mitteilungen“, Dezember 1989, S. 4<br />

Am Puls der Zeit<br />

Und tatsächlich, nie zuvor hatte ich so stark dieses Gefühl,<br />

am Puls der Zeit zu sein und etwas Einzigartiges zu<br />

erleben, das in seiner historischen Dimension weit über<br />

meine Vorstellungskraft ging.<br />

Mir war zum Beispiel nicht wirklich bewusst, wie brenzlig<br />

die Situation eigentlich war. Ich spürte die angespannte<br />

Lage im Flüchtlingscamp von Zugliget, wo wir<br />

unter der ständigen Beobachtung von Mitarbeitern des<br />

Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der DDR standen. Unter<br />

den Flüchtlingen, die dort am Stadtrand von Budapest<br />

im umzäunten Garten der Pfarrkirche zur Heiligen<br />

Familie untergebracht waren, herrschte noch immer die<br />

Angst, sie könnten von der Stasi an DDR-Funktionäre<br />

überführt werden.<br />

Tatsächlich gelang es einigen Geheimdienstlern, sich in<br />

das Lager hineinzuschmuggeln, um dort gelbe Flugblätter<br />

der „Botschaft der DDR“ zu verteilen. DDR-Bürger<br />

wurden darin aufgefordert, in ihre Heimat zurückzukehren.<br />

<strong>Die</strong> Botschaft beteuerte, bei der Rückkehr in<br />

die DDR drohe ihnen „keinerlei Strafverfolgung“, was in<br />

den Ohren der Flüchtlinge natürlich zynisch klang. Also<br />

beruhigten wir sie, dass sie sich hier in einem „sicheren<br />

Hafen“ befänden. Aber ich wusste nicht, dass damals in<br />

Ungarn immer noch um die 80.000 sowjetische Soldaten<br />

stationiert waren, die die von den <strong>Malteser</strong>n und dem<br />

Roten Kreuz betreuten Flüchtlingslager in Budapest<br />

und am Plattensee jederzeit hätten stürmen können.<br />

„<strong>Die</strong>nstag, 5. September 1989: Fünf Tage bin ich heute<br />

schon hier in Budapest. Für uns <strong>Malteser</strong> ist es eine<br />

neue Arbeitserfahrung, die wir in diesen Tagen gemacht<br />

haben; eine Zeit, in der uns selbst einmal klar wurde,<br />

was es konkret heißt, in Freiheit leben zu dürfen.“<br />

„<strong>Malteser</strong> Mitteilungen“, Dezember 1989, S. 12<br />

Csilla von Boeselager und Pfarrer Imre Kozma<br />

Bereits im Jahr 1988 war es Freifrau Csilla von<br />

Boeselager, einer deutschen <strong>Malteser</strong>-Dame mit ungarischen<br />

Wurzeln, gelungen, gemeinsam mit Imre<br />

Kozma, dem Pfarrer von Zugliget, einen ungarischen<br />

<strong>Malteser</strong>-Verein als Schwesternorganisation des deutschen<br />

<strong>Malteser</strong>-Verbands zu gründen, aus dem dann<br />

der ungarische <strong>Malteser</strong> Caritas-<strong>Die</strong>nst hervorging. Es<br />

handelte sich dabei um die erste nichtstaatliche Hilfsorganisation<br />

in Ungarn und in ganz Osteuropa, was in der<br />

Zeit des Kommunismus eine Sensation war.<br />

Dank der Initiative dieser <strong>Malteser</strong>-Dame, die in Pfarrer<br />

Kozma einen großen Unterstützer gefunden hatte,<br />

konnten die deutschen <strong>Malteser</strong> im August 1989<br />

in einem etwa zwei Hektar großen Areal rund um die<br />

Kirche von Zugliget das erste Flüchtlingslager in Budapest<br />

eröffnen. Hunderte Menschen aus Ostdeutschland<br />

schlugen dort ihre Zelte auf oder verbrachten die ersten<br />

46<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


RÜCKBLICK<br />

direkt neben der Glocke konnten wir das mit weißen<br />

Zelten zugepflasterte Kirchengelände überblicken. Im<br />

unteren Eingangsbereich der Kirche operierte die Einsatzleitung<br />

der deutschen <strong>Malteser</strong>. So kam es, dass diese<br />

Pfarrkirche am Stadtrand von Budapest ihre Funktion,<br />

ein Hort für Schutzsuchende zu sein, ganz konkret<br />

erfüllen konnte, indem sie den Flüchtlingen aus Ostdeutschland<br />

Asyl gewährte.<br />

Nächte in Schlafsäcken unter freiem Himmel, bis die<br />

<strong>Malteser</strong> wetterfeste Zelte organisieren konnten.<br />

<strong>Die</strong> freiwilligen Helfer der deutschen und öster​reichischen<br />

<strong>Malteser</strong> Jugend waren in einem Raum oben im<br />

Kirchturm untergebracht, zu dem eine Wendeltreppe<br />

mit 138 Stufen führte. Von einem Turmfenster aus<br />

Begegnung mit den Flüchtlingen im Lager<br />

Beim täglichen Austeilen von Decken und anderen Hilfsgütern<br />

kamen wir mit den Flüchtlingen oft ins Gespräch.<br />

<strong>Die</strong> meisten von ihnen waren noch jung, so zwischen 20<br />

und 40 Jahre alt – Familien, die mit ihren Kindern im<br />

Urlaub zum Plattensee gefahren waren. Von dort fuhren<br />

sie mit ihrem Wohnwagen oder den berühmten Trabis<br />

weiter nach Budapest, weil sie im deutschen Fernsehen<br />

„DIE WERDEN NICHT AUF<br />

EUCH SCHIESSEN!“<br />

Der österreichische MALTESER-Helfer Wilfried Schild verhalf<br />

1989 rund 70 DDR-Flüchtlingen zu einem spontanen<br />

Grenzübertritt. Ein Beispiel – von vielen – für Mut und<br />

christliche Nächstenliebe.<br />

Von Pamo Roth<br />

Nach dem spontanen Grenzübertritt von zahlreichen<br />

DDR-Bürgern beim „Paneuropäischen Picknick“ am<br />

19. August 1989 wurden die DDR-Flüchtlinge im Zugliget-Zeltlager<br />

unruhig: Bei dieser Friedensdemonstration<br />

der Paneuropa-Union an der österreichisch-ungarischen<br />

Grenze sollte für drei Stunden symbolisch das<br />

Grenztor geöffnet werden. <strong>Die</strong>se Gelegenheit nutzten<br />

rund 600 DDR-Bürger zur Flucht in den Westen – die<br />

bis dahin größte Fluchtaktion aus der damaligen DDR<br />

seit dem Bau der Berliner Mauer.<br />

An dem darauffolgenden Sonntagmorgen arbeitete<br />

Wilfried Schild im Sanitätsbereich des Nothilfelagers<br />

zusammen mit dem Arzt Uwe aus Ostdeutschland. <strong>Die</strong>ser<br />

war mit seiner Frau und seinen Kindern geflohen<br />

und ärgerte sich: „Wären wir doch auch dabei gewesen,<br />

dann wären wir jetzt im Westen.“ Da riet ihm Wilfried<br />

Schild: „Tut euch doch mit anderen zusammen, nehmt<br />

eure Kinder in die Mitte, singt vielleicht noch ein Lied<br />

und geht einfach über die Grenze. <strong>Die</strong> können doch<br />

nichts machen, die werden nicht auf euch schießen.“<br />

Daraufhin packten Uwe und seine Familie mit zahlreichen<br />

anderen ihre Sachen zusammen und sagten: „Wir<br />

brechen alles ab und versuchen es.“ Noch am selben Tag<br />

fuhren rund 70 damalige DDR-Bürger mit ihren Autos<br />

Richtung Grenze zum österreichischen Ort Nickelsdorf,<br />

um sie zu überqueren. Wie Wilfried Schild am darauffolgenden<br />

Tag erfuhr, gab es keine Zwischenfälle. Der<br />

Grenzübertritt war geglückt.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 47


RÜCKBLICK<br />

gehört hatten, dass es ein „Loch“ im Eisernen Vorhang<br />

gäbe und einigen bereits die Flucht über Österreich nach<br />

Deutschland gelungen war. Es gab auch viele junge Männer,<br />

die sich ganz allein durchgeschlagen hatten oder<br />

nach einem missglückten Fluchtversuch wieder bei uns<br />

im Lager landeten.<br />

Viele von ihnen waren erstaunt, jugendliche Helfer in<br />

den Camps anzutreffen, die diese Arbeit freiwillig und<br />

unbezahlt taten und noch dazu freundlich waren. So<br />

etwas gab es in der DDR nicht. Aber einige von ihnen<br />

ließen sich von unserem Engagement anstecken und<br />

wollten gleich mithelfen. Im Flüchtlingslager von Csillebérc,<br />

dem zweiten von den deutschen <strong>Malteser</strong>n geführten<br />

Camp, stand der 20-jährige Brian einmal den ganzen<br />

Tag lang mit mir in einem Raum, wo wir Anziehsachen<br />

an die rund 2000 Flüchtlinge verteilten.<br />

Ein Sattelschlepper mit gebrauchter Kleidung aus Deutschland<br />

hatte uns erreicht, nachdem es Anfang September zu<br />

regnen begonnen hatte und wir einen plötzlichen Kälteeinbruch<br />

erlebten. Das war natürlich sehr hilfreich, da die meisten<br />

Flüchtlinge nur mit sommerlicher Bekleidung bei uns<br />

angekommen waren. Manche von ihnen hatten überhaupt<br />

nur eine kurze Hose und ein Hemd an, womit sie durch die<br />

Donau geschwommen waren. Sie waren dankbar, dass wir<br />

ihnen etwas Warmes zum Anziehen geben konnten.<br />

„Wohnst Du auch in Westen?“<br />

Dass wir mit etwas Herzlichkeit tiefe Emotionen bei den<br />

Flüchtlingen auslösen konnten, war auch für uns eine<br />

überraschende Erfahrung. Als zum Beispiel ein 33-jähriger<br />

Mann völlig zittrig und erschöpft beim Eingangstor<br />

des Camps von Csillebérc stand und fragte, ob er hier<br />

richtig sei, hieß ihn ein Mitglied unseres Teams herzlich<br />

willkommen. Daraufhin brach er in Freudentränen aus<br />

und umarmte den jungen <strong>Malteser</strong>-Helfer aus Deutschland.<br />

Später setzte ich mich mit vielen Kindern und<br />

jenem Mann – er hieß Klaus Meurer und bezeichnete<br />

sich als „Märchenerzähler“ – auf den Boden vor unserer<br />

Einsatzbaracke. Daraufhin las er den Kindern seine<br />

Geschichten von einem Herrn „Ich weiß nicht“ vor.<br />

Beim Betreuen der Kinder freundete ich mich mit der<br />

kleinen Jacqueline an, die mich im Lager überallhin<br />

begleitete. „Ich fahre mit meiner Mama nach Westen.<br />

Wohnst Du auch in Westen? In welcher Straße denn?“,<br />

„DER ENGEL VON BUDAPEST“<br />

… so wurde Csilla von Boeselager, die Grande Dame<br />

der <strong>Malteser</strong> in Ungarn und Schlüsselfigur in der<br />

Flüchtlingshilfe 1989, genannt. Dabei handelte sie „nur“<br />

gemäß dem Leitsatz der <strong>Malteser</strong>: „Bezeugung des Glaubens<br />

und Hilfe den Bedürftigen“.<br />

Der 13. August 1989 war – wie 28 Jahre davor, als<br />

Ost-Berlin abgeriegelt wurde – ein Sonntag. Das SED-<br />

Zentralorgan „Neues Deutschland“ legte in seiner Wochenendausgabe<br />

noch einmal ausführlich dar, dass die<br />

Bedingungen, die zum Bau der Berliner Mauer geführt<br />

hätten, „weiter bestehen“. <strong>Die</strong> Mauer habe die Völker Europas<br />

vor „einem neuen kriegerischen Inferno“ geschützt<br />

und das „sozialistische Aufbauwerk der DDR“ gesichert.<br />

In West-Berlin wurden Kränze zum Gedenken an die über<br />

hundert Mauertoten niedergelegt.<br />

Von Joachim Jauer<br />

Am Nachmittag des 13. August<br />

wurde am Gittertor der Deutschen<br />

Botschaft in Budapest<br />

ein Schild angebracht: „<strong>Die</strong><br />

Botschaft und das Konsulat<br />

sind vorübergehend geschlossen“.<br />

Das Gebäude war von<br />

180 Fluchtwilligen besetzt, die<br />

Botschaft wegen Überfüllung<br />

arbeitsunfähig. In der Stadt<br />

übernachteten ungezählte, meist junge DDR-Bürger in<br />

ihren Trabis oder einfach in Schlafsäcken auf der Straße.<br />

„Wir MALTESER werden das lösen“<br />

Als der Bonner Staatssekretär Jürgen Sudhoff in Vertretung<br />

des kranken Außenministers Genscher zu Verhandlungen<br />

in Budapest eintraf, in seiner Begleitung der<br />

48<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


RÜCKBLICK<br />

fragte sie mich ganz aufgeregt, als ob es sich um eine<br />

zauberhafte Stadt in einem Wunderland handelte.<br />

Freiheit – für viele ein ferner Wunschtraum<br />

In diesen Tagen wurde mir bewusst, was für ein unverdientes<br />

Glück ich hatte, in der Freiheit und in Frieden<br />

aufwachsen zu können. <strong>Die</strong> westliche Welt stand für<br />

mich offen. Ich konnte ins Ausland reisen, ohne Angst<br />

vor der Grenzpolizei haben zu müssen. Für diese jungen<br />

Menschen aus Ostdeutschland hingegen war der Weg in<br />

die Freiheit bedrohlich und voller Hindernisse. Für andere<br />

blieb er ein ferner Wunschtraum.<br />

„Von all den acht Elenden, gegen die zu kämpfen sich<br />

<strong>Malteser</strong>-Orden und Hospitaldienst verpflichtet haben,<br />

ist jenes der Heimatlosigkeit für uns nur eine<br />

unbekannte Größe.“<br />

„<strong>Malteser</strong> Mitteilungen“, Dezember 1989, S. 10<br />

So bangten wir mit den Menschen aus der DDR in den<br />

Tagen des Abwartens. Wir versuchten, sie zu beruhigen,<br />

wenn sie, angeregt durch falsche Gerüchte, die im Lager<br />

schnell zirkulierten, zu früh schon mit vollgetankten<br />

Autos zur Abfahrt bereit standen.<br />

Wolfgang Graf von Schmettau, der das große Lager von<br />

Csillebérc leitete, musste ihnen dann mitteilen, dass es<br />

mit der Ausreiseerlaubnis leider doch noch nicht so weit<br />

sei. <strong>Die</strong> Enttäuschung der Flüchtlinge war groß. Einige<br />

dachten, sie müssten nun den ganzen Winter in Budapest<br />

verbringen. Sie waren verunsichert und befürchteten,<br />

durch gezielte Falschmeldungen in den Medien<br />

hinters Licht geführt zu werden.<br />

„Ich hatte zehn Leute vom österreichischen <strong>Malteser</strong><br />

Hilfsdienst. Jeder war so motiviert, dass nicht viele<br />

Fragen gestellt wurden, man trat sich nicht auf die<br />

Füße. Wenn nichts zu organisieren war, sind sie ins<br />

Lager gegangen, um mit den Menschen zu sprechen.<br />

Es war sehr wichtig, dass die sich aussprechen konnten,<br />

denn der Druck war schon ziemlich groß.“<br />

Wolfgang Graf von Schmettau im Interview mit der FAZ,<br />

9.9.<strong>2019</strong>, S. 8<br />

Tilo Acksel, ein junger Flüchtling, spielte in jenem Moment<br />

eine wichtige Rolle. Tilo wollte einmal im Westen<br />

ein berühmter Schauspieler werden. Und so lud er jeden<br />

Abend zu einer Kabarettvorstellung ein, durch die er die<br />

immer ungeduldiger werdenden Mitbewohner des La-<br />

Diplomat Matei Hoffmann,<br />

begegnete den beiden Herren<br />

zufällig Csilla von Boeselager.<br />

So erfuhr sie aus erster Hand,<br />

dass man nach einer Lösung<br />

für das Flüchtlingsproblem<br />

suchte.<br />

Dazu schrieb Csilla von Boeselager<br />

wenig später in ihr Tagebuch: „Ich setzte mich zu<br />

ihnen und sagte: Kein Problem, wir <strong>Malteser</strong> werden das<br />

lösen. Einerseits werden Familien aus der Pfarrgemeinde<br />

Zugliget Flüchtlinge aufnehmen und andererseits gibt es<br />

einen großen Garten bei der Kirche, wo man Zelte aufschlagen<br />

kann. Ich rufe sofort den Katastrophendienst des<br />

<strong>Malteser</strong> Hilfsdienstes an.“ Schon am nächsten Morgen<br />

wurde am Tor von Pfarrer Kozmas Kirchgarten ein Schild<br />

mit der Aufschrift „Magyar Máltai Szeretetszolgálat – Ungarischer<br />

<strong>Malteser</strong> Caritasdienst“ – angebracht.<br />

Weitere Details zum Verlauf der Geschehnisse im Sommer<br />

1989 und ihren Folgen können hier nachgelesen werden:<br />

Kennzeichen D: Friedliche Umwege zur deutschen<br />

Einheit, Verlag camino, Stuttgart 2015, 288 Seiten,<br />

ISBN: 978-3460500013<br />

<strong>Die</strong> halbe Revolution – 1989 und die Folgen, Verlag<br />

Herder, 352 Seiten, ISBN: 978-3451068454<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 49


RÜCKBLICK<br />

gers abzulenken versuchte. Bei unserem Abschied stand<br />

er vor mir, riesengroß und schlacksig, und schenkte mir<br />

mit traurigen Augen das Plakat, das er für seine Vorstellungen<br />

gemalt hatte: „Ich sehe dich gerne lachen. Der<br />

lange Mensch lädt wieder ein …“<br />

Welch ein Jubel brach unter den Flüchtlingen aus, als sie<br />

die Nachricht erhielten, dass es in der Nacht vom 10. auf<br />

den 11. September endlich losgehen würde. <strong>Die</strong> Grenze<br />

nach Österreich sollte nun endgültig geöffnet werden.<br />

Weinend vor Freude lagen sich Flüchtlinge und <strong>Malteser</strong><br />

in den Armen und feierten gemeinsam bis spät am<br />

Abend. Danach bewegten sich Kolonnen von ostdeutschen<br />

Trabis, Wartburgs und Campingbussen in Richtung<br />

Österreich und weiter bis in die BRD.<br />

Freude, Dankbarkeit und Wehmut<br />

Und auch wir österreichische und deutsche <strong>Malteser</strong><br />

kehrten mit einem gemischten Gefühl von Freude,<br />

Dankbarkeit und Wehmut wieder in unsere Heimat zurück.<br />

Einige Tage später erreichte mich ein Brief von<br />

Brian, der sein Glück mit mir teilen wollte: „Du kannst<br />

dir nicht vorstellen, was das für ein Gefühl war, die<br />

österreichische Grenze zu passieren. Es war viel mehr als<br />

Weihnachten, Ostern und mein Geburtstag zusammen –<br />

weil endlich nach so langer Zeit meine Gedanken einfach<br />

,frei‘ wurden. Ich fühle mich jetzt wie löslicher Kaffee,<br />

auf den endlich heißes Wasser aufgegossen wurde.“<br />

Und ein Monat später erhielt ich per Post ein großes Kuvert.<br />

Als Absender zeichnete Klaus Meurer, der inzwischen<br />

in Westdeutschland angekommen war. Er schickte mir<br />

seinen mit einer Schreibmaschine auf 30 Seiten abgetippten<br />

Bericht über seine Flucht. Dazu ein handgeschriebener<br />

Brief: „In Wiesbaden sitze ich nun auf einer Parkwiese<br />

in der Sonne, es geht mir gut hier, alles ist so wunderbar,<br />

die Menschen, die Möglichkeiten und diese Freiheit.“<br />

Gerührt war ich vor allem, als ich las, dass er seinen Bericht<br />

mir gewidmet hatte, „dem Mädchen aus Österreich<br />

und all denen, die uns mit Wärme und Verständnis empfingen,<br />

betreuten und die uns halfen, von der alten in diese<br />

neue Welt zu kommen.“<br />

PARA ROWING – RUD<br />

Zwei Menschen in einem Boot. In ruhigem Takt bewegen<br />

sie die Ruder in den Dollen. Aus der Abfolge von Einsatz,<br />

Durchzug und Ausheben ergibt sich ein Rhythmus, der<br />

das Boot wie schwerelos vorantreibt. Nichts deutet darauf<br />

hin, dass einer der beiden Ruderer nur Arme und<br />

Schultern verwendet und an einem Sitz mit Rückenlehne<br />

angeschnallt ist, während der andere mit der Kraft seiner<br />

Beine einen Rollsitz bewegt. Welchen anderen Sport können<br />

Menschen mit und ohne Behinderungen so einfach<br />

gemeinsam ausüben?<br />

Von Florian Kremslehner<br />

Inklusions-Wanderfahrt Linz–Melk<br />

<strong>Die</strong>se Idee der vollständigen Inklusion in einer Rudermannschaft<br />

begeisterte mich als <strong>Malteser</strong>, der im<br />

Österreichischen Ruderverband für den Behindertensport<br />

verantwortlich ist, und Alex Suppan, einen<br />

Rollstuhlfahrer mit Querschnittlähmung. <strong>Die</strong> Idee einer<br />

„Inklusions-Wanderfahrt“ auf der Donau war rasch geboren,<br />

und alles, was es noch brauchte, war ein geeignetes<br />

Boot, das die <strong>Malteser</strong> zur Verfügung stellten.<br />

Bald fanden sich weitere Athleten und Trainer aus der<br />

italienischen und der österreichischen Para Rowing<br />

Mannschaft, und schon ging es mit drei Booten von<br />

Linz stromab bis Wallsee, Ybbs und Pöchlarn. Unterwegs<br />

wurden sie bei allen Kraftwerken ohne Wartezeit<br />

geschleust, und Einladungen zum Yachtclub Steyregg,<br />

auf Schloss Greinburg und in das Stift Melk sorgten für<br />

50<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


RUNDSCHAU<br />

ERN BIETET INKLUSION PUR<br />

Abwechslung während der langen Ruderstrecken auf<br />

dem Strom. Etliche Kilometer wurde die kleine Flotte<br />

sogar von einem Motorboot der Schifffahrtsaufsicht<br />

eskortiert, um Gefährdung durch den Schiffverkehr zu<br />

verhindern. Inklusion bringt eben Vorteile für alle!<br />

Zu einer Herausforderung wurden die Landemanöver.<br />

Zwölf Ruderer mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen<br />

und unterschiedlichen Sprachen mussten<br />

drei Boote an Land bringen, zugleich musste jemand<br />

den Rollstuhl holen und wieder jemand anderer die Sehbehinderten<br />

begleiten. Bald war der Ablauf eingespielt<br />

und bei jedem Manöver wurde gescherzt und gelacht.<br />

Nach drei Tagen landeten die Boote in Pöchlarn, und mit<br />

einem Besuch von Stift Melk klang die erste Inklusions-<br />

Wanderfahrt auf der Donau aus.<br />

Wien–Budapest im Achter<br />

Ein italienischer Ruderverein war von der Inklusions-<br />

Wanderfahrt so begeistert, dass er zwei sehbehinderte<br />

Ruderer und zwei Begleitpersonen zu einer einwöchigen<br />

Ruderfahrt von Wien nach Budapest einlud. In vier<br />

breiten Achtern verließen die Mannschaften Wien über<br />

den Donaukanal und bereits auf der Strecke nach Bratislava<br />

lieferten sich die Boote erste Wettrennen. Meist<br />

trug das Inklusions-Boot mit der zur Hälfte geh- und<br />

sehbehinderten Mannschaft den Sieg davon. Immerhin<br />

ruderte am Schlag ein mehrfacher Paralympics-Teilnehmer,<br />

und ein anderes Mitglied der Mannschaft startete<br />

bei der Weltmeisterschaft <strong>2019</strong> in Linz-Ottensheim.<br />

Neuerlich zeigte sich, wie rasch Inklusions-Mannschaften<br />

zusammenwachsen. Immer half einer dem anderen,<br />

und auch auf den langen Etappen nach Györ und Gran<br />

war immer noch Energie und Laune für einen Zwischenspurt.<br />

Nach einer ausgiebigen Rast bei Visegrad näherten<br />

sich die Boote am letzten Tag Budapest, als ein<br />

plötzliches und heftiges Gewitter hereinbrach. Unter<br />

Donner, Blitzen und splitternden Bäumen mussten alle<br />

Boote rasch an Land gebracht werden. Im peitschenden<br />

Regen wärmte einer den anderen und so gelang es, Boote<br />

und Mannschaft vor Schäden zu bewahren und auch<br />

den sehbehinderten Ruderern die Angst vor den Naturgewalten<br />

zu nehmen. Wie bei Ruderpartien üblich,<br />

klang die Woche mit einem entspannten Festmahl in<br />

Budapest aus.<br />

<strong>Die</strong> beiden Wanderfahrten haben bewiesen, wie wichtig<br />

Inklusion im Sport ist, und wie einfach dieses Ziel<br />

erreicht werden kann. Wir hoffen auf Nachahmer und<br />

Unterstützer.<br />

Wir danken Niklas Salm-Reifferscheidt-Raitz,<br />

Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha,<br />

Abt Georg Wilfinger und der Fondazione Terzo<br />

Pilastro sowie der Schifffahrts- und Schleusenaufsicht<br />

für ihre Unterstützung.<br />

Informationen zu ParaRowing unter<br />

www.rudern.at, Kontakt: pararowing@rudern.at<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 51


XXXXX<br />

DER BAU DES MALTESER<br />

ORDENSHAUSES HAT BEGONNEN<br />

Anfang des Jahres <strong>2019</strong> wurde der Um- und Neubau für das MALTESER Ordenshaus auf dem Areal der Elisabethinen in 1030<br />

Wien begonnen. Wie wir schon berichten konnten, wird im Zuge dieses Projektes des Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens in<br />

Österreich in zentralster Lage in Wien ein Alten- und Pflegeheim mit rund 70 Zimmern entstehen. Durch die Anbindung an<br />

das bestehende Franziskusspital „Landstraße“, welches sich auf Medizin für den alten Menschen spezialisiert, wird es gut<br />

positioniert sein.<br />

Von Richard Steeb<br />

Durch eine möglichst umfassende Einbindung der<br />

<strong>Malteser</strong> Hilfswerke soll das „<strong>Malteser</strong> Ordenshaus“<br />

entsprechend dem Charisma unseres Ordens sinn- und<br />

identitätsstiftend wirken.<br />

Der für die Umsetzung des Projektes gebildete Lenkungsausschuss<br />

tagt vierzehntägig und stimmt mit dem<br />

Sonderbeauftragten für das Projekt, Architekt Dipl.-Ing.<br />

Andreas Mensdorff-Pouilly, sowie mit Architekt Dipl.-<br />

Ing. Ricardo Baumgarten, der zur Koordinierung aller<br />

notwendigen planerischen, technischen und wirtschaftlichen<br />

Maßnahmen der Umsetzung eingebunden wurde,<br />

die notwendigen Maßnahmen ab. Für die vielen rechtlichen<br />

Fragen konnten wir dankenswerterweise auf die<br />

Hilfe von RA Dr. Jörg Jakobljevich setzen.<br />

Als Generalplaner des großen gemeinsamen Bauprojekts<br />

fungiert die Delta Projektconsult GmbH. Der<br />

Konvent der Elisabethinen Linz-Wien renoviert gleichzeitig<br />

seinen Klosterbereich und gestaltet das Spital<br />

durch Um- und Zubauten neu.<br />

Nach gemeinsamen Ausschreibungen und Angebotslegungen<br />

wurden die ersten Gewerke noch Mitte März<br />

vergeben sowie entsprechende Verträge ausverhandelt<br />

und unterfertigt.<br />

Unser <strong>Malteser</strong> Ordenshaus wird zusammen mit dem<br />

Konvent der Elisabethinen Linz-Wien, dem Franziskusspital<br />

„Landstraße“, dem Rehab-Zentrum Wien-Mitte<br />

und weiteren Partnern am Standort Landstraßer Hauptstraße<br />

4a als „Zentrum für Menschen im Alter“ eine<br />

Rundumversorgung des alten Menschen ermöglichen.<br />

Am 9. Mai <strong>2019</strong> fand die Segnung der zukünftigen gemeinsamen<br />

Eingangshalle und jene unserer Baustelle durch<br />

den in Vertretung unseres Herrn Kardinals erschienenen<br />

Hwdgst. Herrn Bischofsvikar P. Gerwin Komma SJ statt.<br />

Rechtzeitig dazu wurde die Webseite www.ordenshaus.at<br />

und ein Folder fertiggestellt. Laufende Video-Aufnahmen<br />

vom Dach des Spitals ermöglichen es Interessierten, den<br />

Baufortschritt auch über die Webseite mitzuverfolgen.<br />

52<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


RUNDSCHAU<br />

11<br />

© Jürgen Siekmann<br />

8<br />

In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt erfolgte<br />

schließlich die „archäologische Befreiung“ des<br />

Grundstückes. Auf Teilen desselben hat sich ursprünglich<br />

von 1715 bis zumindest 1748 der Friedhof des ersten<br />

Wiener Frauenspitals, eines 50-Betten-Spitals der<br />

Elisabethinen, befunden. <strong>Die</strong>se Arbeiten erwiesen sich<br />

als umfangreicher, aufwendiger sowie kosten- und zeitintensiver<br />

als geplant.<br />

Zwischenzeitlich wurde der barocke Altbau des Klosters<br />

komplett geräumt und alle erforderlichen Sanierungsmaßnahmen<br />

wurden mit dem Bundesdenkmalamt abgestimmt.<br />

Erste Abbruchsarbeiten und Durchbrüche<br />

wurden durchgeführt und die Leitungsführungen der<br />

technischen Ausstattung begonnen. Es ist eine komplette<br />

Dachsanierung notwendig, mit Erhaltung des Erscheinungsbildes<br />

der Deckung. <strong>Die</strong> Fassade und im Inneren<br />

die Raumaufteilung, die Gangbereiche, die Natursteinböden<br />

sowie Fenster und Türen bleiben großteils erhalten.<br />

Nach dem Aushub und Dichtmachen der Baugrube wurden<br />

die Kellerbereiche und Kellerdecken unseres Neubaus<br />

fertiggestellt. Jener Bauteil der Elisabethinen, der<br />

in Zukunft die gemeinsame Küche, den Palliativbereich<br />

und Räumlichkeiten der Internen Abteilung beinhalten<br />

wird, wurde aus zeitlichen Gründen aufgrund des archäologisch<br />

bedingten Verzuges im Zeitplan vorgezogen,<br />

damit die neu zu errichtende, größere Spitalsküche,<br />

LEBEN • WOHNEN • PFLEGE<br />

die aus dem Altbau übersiedeln muss, in diesem Bauteil<br />

rechtzeitig ihren Betrieb aufnehmen kann.<br />

Zahlreiche Abstimmungen und Gespräche, die komplette<br />

Detailplanung, auch der verschiedenen Organisationsabläufe,<br />

die Ausstattung und Inneneinrichtung, die<br />

Übersiedlung, die Einbindung der Werke und vieles, vieles<br />

mehr sind jetzt zu koordinieren und zu organisieren<br />

bis unser <strong>Malteser</strong> Ordenshaus fertig dasteht, aber der<br />

Anfang ist gemacht – und bis September 2021 wollen wir<br />

fertig sein.<br />

Nähere Infos: www.ordenshaus.at<br />

Eröffnung 2021<br />

1<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 53


XXXXX<br />

ROMA-HILFE IN UNGARN<br />

Miklós Vecsei, MALTESER in Ungarn, ist seit April <strong>2019</strong><br />

als Regierungskommissar für die Integration der Roma<br />

in Ungarn verantwortlich. Hier ein Auszug aus einem <strong>Zeitung</strong>sinterview*<br />

über seine Gedanken zum Thema Armut<br />

und Elend.<br />

Von Barbara Piazza-Georgi<br />

sie aus der Nähe bzw. selbst erleben. Zum Beispiel haben<br />

wir uns viele Gedanken darüber gemacht, warum es in<br />

einer Schule in einem ungarischen Dorf so hohe Fehlzeiten<br />

gibt. Erst an Ort und Stelle wurde klar: Herden von<br />

streunenden Hunden halten die Eltern davon ab, ihre<br />

Kinder außer Haus gehen zu lassen.<br />

Wir reden oft über die Beseitigung der Armut und des<br />

Elends. Wir müssen zuerst einmal die Begriffe klären.<br />

Was wir unter Armut verstehen, ist, wenn vieles zum<br />

Wohle der Menschen fehlt, aber mit großem Aufwand<br />

ein geordnetes Leben doch möglich ist. Es gibt Ziele,<br />

und das Zusammenleben in der Gemeinschaft wird von<br />

Werten bestimmt.<br />

Elend ist etwas anderes. Es ist nicht einfach eine tiefere<br />

Form von Armut, sondern eine andere Dimension des<br />

Daseins. Elend ist, wenn der Mangel so groß ist, dass<br />

er die Gemeinschaft zerstört, der Morgen verschwindet<br />

und nur das Heute zählt. Das momentane Bedürfnis<br />

setzt alles außer dem Überleben außer Kraft.<br />

Im Elend gibt es kein individuelles oder gemeinschaftliches<br />

Ziel. Das Leben wird auf einen einzigen Punkt in<br />

Raum und Zeit reduziert. Menschliches Elend bedeutet<br />

völligen Verlust des Zwecks.<br />

Obwohl die Symptome auch von weitem sichtbar sind,<br />

werden die Ursachen für uns nur erkennbar, wenn wir<br />

Menschen, die am Rande der Existenz leben, können<br />

durch das Sozialsystem und verschiedene Programme<br />

unterstützt werden, aber nur die Gesellschaft kann sie<br />

wieder aufnehmen. Daher ist es sehr wichtig, der Gesellschaft<br />

klarzumachen, was wir tun. Jeder muss sehen,<br />

dass der im Elend lebende Mensch sein Schicksal<br />

nicht gewählt hat. So wie auch wir nicht deswegen in<br />

unserer Position sind, weil wir es verdienen. Elend wird<br />

vererbt. Kinder, die in Elend geboren sind, erleben es als<br />

selbstverständlich und geben es weiter. Wenn wir nicht<br />

rechtzeitig neue Möglichkeiten für sie schaffen und aufzeigen,<br />

haben sie keine Chance auf ein anderes Leben.<br />

*Magyar Kuríer, 6. Mai <strong>2019</strong>, übersetzt und bearbeitet von<br />

Barbara Piazza-Georgi<br />

54<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

INTERNATIONALES MALTESER SOMMERLAGER<br />

VON ETTAL NACH ROM<br />

Von 3. bis 10. August <strong>2019</strong> war es soweit: Im Benediktinerkloster<br />

Ettal fand das diesjährige Internationale<br />

<strong>Malteser</strong> Sommerlager statt. Rund 500 junge Menschen<br />

mit und ohne Behinderung aus 24 Ländern verbrachten<br />

eine außergewöhnliche Woche mit viel Spaß und<br />

Abwechslung beim Klettern, Rodeln, Tanzen und vielen<br />

weiteren integrativen Tätigkeiten.<br />

Von Olympia Wimpffen<br />

„Bei diesem Camp habe ich mich zum ersten Mal in meinem<br />

Leben so gefühlt, als hätte ich keine Behinderung“,<br />

fasst Erika ihre Eindrücke zusammen. Sie ist damit<br />

nicht die Einzige. Auch die österreichischen Teilnehmer<br />

konnten das von den deutschen <strong>Malteser</strong>-Kollegen perfekt<br />

organisierte Sommerlager genießen. Sie freuen sich<br />

schon auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. Da geht es<br />

dann nach Rom. Arrivederci!<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 55


MALTESERWELTWEIT<br />

MALTESERINTERNATIONAL<br />

DIE MENSCHLICHKEIT NICHT AUS DEM<br />

In den Flüchtlingslagern im Libanon herrschen dramatische hygienische Zustände, Krankheiten und Depression.<br />

Gleichzeitig begegnet man einer Menschlichkeit, die tief berührt und beispielgebend ist. Ein Erfahrungsbericht.<br />

Von Katharina Schaufler<br />

Wenn wir von den Bedürfnissen der Kriegsflüchtlinge<br />

sprechen, kommt die Rede oft schnell auf die Anwaltschaft<br />

durch hochrangige UN-Beamte oder diplomatische<br />

Vermittler. Nicht so bei den <strong>Malteser</strong>n: Dort stehen<br />

die Kreativität, Flexibilität und Hartnäckigkeit der örtlichen<br />

Ersthelfer im Mittelpunkt. Denn nur dank deren<br />

tatkräftigen, selbstlosen Engagements ist es möglich, die<br />

Menschen auch in den entlegensten Winkeln der Krisengebiete<br />

mit Hilfe zu erreichen.<br />

Ich durfte Teil dieser Helfer werden, als ich im April <strong>2019</strong><br />

mein fünfmonatiges <strong>Malteser</strong>-Volontariat bei der „Lebanese<br />

Association of the Knights of Malta“, kurz LAKM,<br />

startete. <strong>Die</strong> LAKM umfasst knapp 60 Mitglieder und<br />

betreibt zehn Krankenstationen, ein Therapiezentrum<br />

für Kinder mit Zerebralparese, vier mobile Kliniken und<br />

fünf Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen. Außerdem<br />

organisiert sie Feriencamps für Menschen mit<br />

mentaler und/oder physischer Behinderung, zu denen<br />

jährlich über 1000 Freiwillige aus Europa und der Welt<br />

anreisen.<br />

Menschenunwürdige Bedingungen<br />

Mein erster Einsatz mit der LAKM führte mich in<br />

den Norden des Landes nach Kobayat. Kobayat ist ein<br />

christliches Dorf, das inmitten von 40 sunnitischen<br />

Dörfern nahe der Grenze zu Syrien liegt. <strong>Die</strong> Region<br />

beheimatet rund ein Viertel der syrischen Flüchtlinge<br />

im Libanon. Sie leben hier ohne ausreichend sauberes<br />

Wasser, ohne eine geeignete Gesundheitsversorgung,<br />

ohne Schulen für die Kinder. <strong>Die</strong> umfangreichste Hilfe<br />

wird von der medizinischen Ersthilfe-Einrichtung<br />

der LAKM angeboten. Sie ist auch Ausgangspunkt der<br />

Mobilen Einheit MMU, die Tag für Tag selbst in die<br />

entlegensten Dörfer fährt, um dort die Menschen medizinisch<br />

zu versorgen.<br />

Eine solche Versorgung braucht es auch dringend in der<br />

weiter südlich gelegenen Bekaa-Hochebene. Hier sind<br />

besonders viele Flüchtlingslager eingerichtet. <strong>Die</strong> sanitären<br />

Bedingungen sind schockierend und menschenunwürdig.<br />

Auch hier herrschen dieselben Probleme wie<br />

in Kobayat: Es mangelt an ausreichender Grundversorgung<br />

– in jeder Hinsicht. Zusätzlich erschwert das<br />

extreme Klima mit sehr niedrigen Temperaturen im<br />

Winter und bis zu 40 Grad Hitze im Sommer das Bewältigen<br />

des Alltags. Vor allem der vergangene Winter,<br />

in dem es zu heftigen Schneestürmen, Dauerregen und<br />

frostigen Temperaturen gekommen ist, führte zu katastrophalen<br />

Zuständen, wie die Flüchtlinge berichten.<br />

56<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

BLICK VERLIEREN<br />

<strong>Die</strong> Bewohner der Lager leiden vor allem an Infektionskrankheiten<br />

und posttraumatischen Störungen. Nicht<br />

wenige von ihnen sind aufgrund des Erlebten und der<br />

Aussichtslosigkeit ihrer Situation schwer depressiv. Einer<br />

vernünftigen Arbeit nachzugehen, ist ihnen nicht<br />

erlaubt. <strong>Die</strong> libanesische Regierung gestattet syrischen<br />

Flüchtlingen ausschließlich die Arbeit am Bau oder am<br />

Feld. Somit sind auch Kinder, alte Menschen und solche<br />

in schlechtem gesundheitlichen Zustand gezwungen,<br />

ihre Familien mit harter, äußerst dürftig bezahlter Feldarbeit<br />

zu versorgen.<br />

Einander im Leid begegnen<br />

Was ich trotz all diesem Leid erleben und erfahren durfte,<br />

sind wunderbare Momente größter Menschlichkeit: Als<br />

wir zum Beispiel Aain Aata – ein kleines, völlig verarmtes<br />

Bergdorf, das von Drusen bewohnt wird – besuchten,<br />

kamen alle Dorfbewohner zusammen, hießen uns herzlich<br />

willkommen und luden uns zu einem gemeinsamen<br />

Essen mit feinsten libanesischen Speisen ein.<br />

Eine andere Begegnung, die mir für immer in Erinnerung<br />

bleiben wird, ist das Zusammentreffen mit Schwester<br />

May. Mit ihren 92 Jahren arbeitet diese zierliche, von einer<br />

unerschütterlichen Menschenliebe durchdrungenen<br />

Persönlichkeit mit dem Ersthilfe-Zentrum der <strong>Malteser</strong><br />

zusammen. Allein an einem einzigen Tag besuchten<br />

wir 15 Familien und statteten diese mit Kleidung und<br />

Nahrungsmitteln aus. Dabei spielte es keine Rolle, ob<br />

sie in einem christlichen, muslimischen oder alawitischen<br />

Haushalt lebten. Schwester May nimmt sich jeder<br />

Schicksalsgeschichte an, als wäre sie die ihrige.<br />

Respektvolles Miteinander<br />

Während meines Aufenthalts wurde ich mehrmals Zeugin<br />

einer humanitären Operation, die sich für Dialog<br />

und Frieden einsetzt. Bei einer Ausfahrt mit der Mobilen<br />

Einheit MMU in ein sunnitisches Dorf erlebte ich zum<br />

Beispiel, wie ein christlicher Arzt, ein christlicher Fahrer,<br />

zwei sunnitische Krankenschwestern und eine schiitische<br />

Sozialarbeiterin in engem Schulterschluss zusammenarbeiteten<br />

und die Patienten – unabhängig von deren Glaubenszugehörigkeit<br />

– freundschaftlich und mit höchstem<br />

Respekt behandelten.<br />

Sie sind Menschen, die ihre Menschlichkeit selbst in den<br />

schwierigsten Situationen nicht aus dem Blick verlieren.<br />

Eine solche Haltung berührt zutiefst und kann nur Vorbild<br />

für uns alle sein.<br />

Katharina Schaufler arbeitete bei der Ständigen Vertretung<br />

Österreichs bei der UNESCO in Paris, bevor sie den<br />

Europäischen Master in Menschenrechte und Demokratie<br />

in Venedig begonnen hat. Von April bis September<br />

<strong>2019</strong> war sie als <strong>Malteser</strong>-Volontärin in den syrischen<br />

Flüchtlingslagern im Libanon im Einsatz. <strong>Die</strong>se werden<br />

vor Ort u.a. von der libanesischen Organisation des<br />

<strong>Malteser</strong>ordens betreut.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 57


LIBANON<br />

GANZ ANDERS GEMEINSAM<br />

Anfang September fand das erste Libanoncamp unterLeitung der österreichischen MALTESER statt. Unsere Gäste<br />

kamen aus verschiedenen Heimen des Landes und wurden für je sechs Tage in Einzelbetreuung umsorgt und gepflegt.<br />

Ein sehr persönlicher Blick auf dieses besondere Miteinander in einem ganz besonderen Land.<br />

Längst in den Alltag und die „normale Welt da draußen“<br />

zurückgekehrt, heben sich die Erlebnisse und Bilder noch<br />

immer deutlich ab – diese Augenblicke der Zeitlosigkeit und<br />

des gelebten <strong>Malteser</strong>-Seins. Ich sehe sie wieder, die zahlreichen,<br />

gerade erst ausgebildeten <strong>Malteser</strong>, die im Rahmen<br />

des Libanoncamps ihre ersten Erfahrungen mit mehrtägigen<br />

<strong>Malteser</strong>-Reisen machen, und fühle mich an mein erstes<br />

solches Abenteuer erinnert. Eine frische, bereichernde Brise<br />

weht, da nicht nur <strong>Malteser</strong>, sondern auch Freunde als Betreuende<br />

an diesem Camp teilnehmen können.<br />

Am Flughafen erwartet unsere etwa 30-köpfige Gruppe<br />

ein wunderbar pittoresker Bus. Nach einer Fahrt durch<br />

das sommerlich-nächtliche Beirut bringt er uns nach Kfardebian,<br />

dem jenseits der 1200 Höhenmeter in den Bergen<br />

gelegenen Ort unseres Camps. Nach der vorangegangenen<br />

Planungszeit und dem folgenden Vorbereitungstag macht<br />

schließlich die Ankunft der uns überantworteten libanesischen<br />

Gäste unsere Gemeinschaft vollständig.<br />

Eine Sprache fern der Worte<br />

<strong>Die</strong> Intensität der gemeinsamen Erlebnisse mit unseren<br />

Gästen, das Kennenlernen ihrer Eigenheiten und Bedürf-<br />

Von Beatrice Austerlitz<br />

nisse lässt innerhalb der Gruppe rasch Verbundenheit<br />

entstehen. Eine Verbundenheit, die auf Augenhöhe, aber<br />

auf etwas anderem, als auf gemeinsamen Worten fußt,<br />

denn wir sprechen nicht alle die gleiche Sprache. Oder<br />

doch? Auch eine Verbundenheit, die jedenfalls nicht in<br />

großen, lauten Tönen liegt, sondern in den kleinen, leisen<br />

zwischenmenschlichen Gesten wie einem Blick, einem<br />

Lächeln oder einer Umarmung, die Nähe und Vertrauen<br />

schaffen. Sich mangels sprachlicher Alternativen<br />

gänzlich auf diese Ebene andersgearteter Kommunikation<br />

mit unseren Gästen einzulassen, ist sicherlich eine der<br />

großen Herausforderungen, die sich uns während dieser<br />

Tage bietet. Eine, für die ich dankbar bin, gerade in einer<br />

schnellen Welt wie dieser, eröffnet sie doch die Möglichkeit,<br />

statt nebeneinander beschäftigt zu sein, sich aufeinander<br />

einzuschwingen und miteinander zu beschäftigen.<br />

Wie das Evangelium auf Arabisch klingt<br />

<strong>Die</strong>ses Mal erlebe ich das Camp als Programmverantwortliche<br />

ohne eigenen Gast aus einer anderen Perspektive.<br />

Beschenkt darum, diese immer wieder besondere<br />

Camp-Atmosphäre an gegenseitiger Hingabe und<br />

Nächstenliebe wie ein Schwamm aufsaugen zu können,<br />

58<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

um nach meiner Rückkehr nun immer noch davon zu<br />

zehren. Begleitet werden wir bei diesem Abenteuer von<br />

Pater Christoph Matyssek, vor Ort genannt Abouna<br />

Christoph, von Abouna Romanos, dem geistigen Vater<br />

des Camps in Kfardebian, und von seinem Bruder in<br />

Chabrouh, wo wir eines Abends das parallel stattfindende<br />

Camp der Deutschen <strong>Malteser</strong> besuchten.<br />

Abouna Christophs sprachliche Wendigkeit im Arabischen<br />

bindet unsere Gäste in den Messen auf wunderbare<br />

Weise ein, gibt ihnen Raum und Gehör. Das ist gerade in<br />

einem Land wie dem Libanon bedeutsam, wo „differently<br />

abled“-Sein immer noch ein tabuisiertes und verstecktes<br />

Thema ist, und man leider noch weit von einer wünschenswerten<br />

gesellschaftlichen Teilhabe entfernt ist.<br />

Anregungen zum Selbstausdruck<br />

Während der verschiedenen Aktivitäten, wie dem gemeinsamen<br />

Anfertigen der Dekoration des Hauses oder<br />

dem Verzieren von Keksen, beim Malen, Schmuckgestalten<br />

oder Laternenbasteln für unsere Lichterprozession,<br />

begegnet mir große Kreativität. Sie findet ihr Pendant in<br />

der spürbaren Bewegungsfreude während der täglichen<br />

Tanz- oder Singsessions. <strong>Die</strong> unumwundenen Programmhöhepunkte<br />

waren eindeutig der sonnige Strandtag,<br />

das elegante „fancy dinner“ an einer langen gedeckten<br />

Tafel und die glamouröse Fashionshow im Beisein des<br />

österreichischen Botschafters. Vor allem eines leuchtet<br />

vor meinem inneren Auge: Das Aufblühen aller Beteiligten<br />

im Laufe dieser Woche.<br />

Vom Wert und Zweck der Strohhalme<br />

<strong>Die</strong> feinfühlige und umsichtige Planung unseres Campleaders<br />

Felix Male ließ kaum etwas von den Herausforderungen<br />

eines ersten Males spüren und fand meinen<br />

ganz persönlichen Höhepunkt darin, unsere Gäste am<br />

Ende der Woche nach Hause begleiten zu können. Der so<br />

gewonnene Einblick in ihre Lebensumstände gab der gemeinsamen<br />

Zeit einen besonders stimmigen Abschluss.<br />

Bei aller Liebenswürdigkeit der diensttuenden Ordensschwestern<br />

kann ich plötzlich nachspüren, wie ungewohnt<br />

es für unsere Gäste gewesen sein musste, in so<br />

einem nahen Bezugsverhältnis zu einer ganz allein ihrem<br />

eigenen Wohl verschriebenen Person zu stehen. <strong>Die</strong><br />

gegenseitige Freude, diese Zeit miteinander verbracht<br />

zu haben, ließ sich nur an den zahlreichen feuchten Augen<br />

ablesen, als wir uns nach einer letzten gemeinsamen<br />

Messe in der Kapelle des Heims voneinander verabschiedeten.<br />

Wieder allein in der Cafeteria, hielten wir uns ordentlich<br />

an unseren Strohhalmen an, und geraume Zeit<br />

verging, bis wir die in unsere Gruppe gerissene Lücke<br />

verdaut hatten.<br />

<strong>Die</strong>ser für mich persönlich besonders sinnstiftende Moment<br />

des Abschieds und all seine Implikationen lassen<br />

mich hoffen, dass das erste „österreichische Libanoncamp“<br />

der Auftakt für viele weitere Jahre ist, in denen<br />

Gästen eine Woche Zuwendung und Urlaubsgefühl geschenkt<br />

werden kann.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 59


MALTESERWELTWEIT<br />

MALTESER IN DER SCHWEIZ<br />

Seit dem 12. Jahrhundert ist der <strong>Malteser</strong>orden in der Schweiz. <strong>Die</strong> Schweizer Assoziation der MALTESER, ein wichtiger<br />

Verbündeter im Kampf gegen die acht Elende, setzt heute die Tätigkeit des Ordens in der Schweiz um.<br />

Von Martin Graf von Walterskirchen<br />

Stadt Luzern gezeigt wird. In der Heimat wurde Sonnenberg<br />

Komtur von Hohenrain, Reiden, Leuggern und<br />

Klingnau, 1666 Großprior von Ungarn und 1682 – kurz<br />

vor seinem Tod – Großprior der deutschen Zunge in Heitersheim<br />

und damit Reichsfürst.<br />

Class of 2020: <strong>Die</strong> elf im Vorbereitungsjahr befindendlichen<br />

Kandidaten mit Paten und Ordensmitgliedern am Ausbildungswochenende<br />

Ja, auch in der Schweiz blüht der <strong>Malteser</strong>orden! <strong>Die</strong> erste<br />

sichere Spur stammt aus dem Jahr 1182. Damals wurde<br />

beurkundet, dass Freiherr Ludwig von Malters sein<br />

Eigengut zu Schongau dem Johanniterhaus in Hohenrain<br />

bei Luzern übergab. Hohenrain, das auf der wichtigen<br />

Verkehrsachse Rhein-Alpen-Italien gelegen ist, ist<br />

eine von 19 Kommenden unseres Ordens auf dem Gebiet<br />

der Schweiz. Drei von ihnen (Compesières, La Chaux,<br />

Salquenen) gehörten zum Großpriorat der Auvergne,<br />

eine (Contone) zum Großpriorat von Lombardo-Venezien<br />

und die übrigen 15 (Basel, Bieberstein, Biel, Bubikon,<br />

Fribourg, Hohenrain, Leuggern-Klingnau, Küsnacht,<br />

Magnedens, Münchenbuchsee, Reiden, Rheinfelden,<br />

Tobel, Thunstetten sowie Wädenswil) zum Deutschen<br />

Großpriorat mit Sitz in Heitersheim.<br />

<strong>Die</strong> MALTESER unter Franz von Sonnenberg<br />

Das bedeutendste Schweizer Ordensmitglied war der<br />

Luzerner Patrizier Franz von Sonnenberg. Er trat dem<br />

Orden 1630 bei. 1641 ging er nach Malta, wo er sich bei<br />

den Kämpfen gegen die Korsaren und Türken durch große<br />

Tapferkeit auszeichnete. Bei seiner Rückkehr brachte<br />

er eine Schiffsfahne mit, die er selbst im Kampf erobert<br />

hatte und die noch heute im historischen Museum der<br />

Neues Ordensleben ab 1961<br />

Heute verfügt der Orden in der Schweiz über keinen<br />

Grundbesitz. Einen Teil seiner Kommenden verlor er<br />

im Zuge der Reformation, die übrigen im Gefolge der<br />

französischen Revolution und der napoleonischen Umstürze.<br />

1961 begann mit der Gründung der Helvetischen<br />

Assoziation eine Wiederbelebung des Ordenslebens in<br />

der Schweiz. Unter den Initianten befanden sich der<br />

österreichische Diplomat Baron Arthur Breycha-Vauthier<br />

de Baillamont und der französische Bijoutier Pierre<br />

Cartier, seines Zeichens Gesandter des <strong>Malteser</strong>ordens.<br />

Umfasste die Assoziation damals sechs Ritter, so sind es<br />

heute mehr als 200 Damen und Ritter sowie 30 Assoziierte,<br />

d.h. Mitglieder ausländischer Ordensgliederungen. Sie<br />

ist in drei Delegationen (deutsche, französische und italienische<br />

Schweiz) organisiert. Ordensoberer ist der Präsident,<br />

welcher durch die Generalversammlung der Mitglieder<br />

für sechs Jahre gewählt wird (eine Wiederwahl<br />

ist möglich). Auch der Kanzler, der Hospitalier und der<br />

Schatzmeister werden durch die Generalversammlung gewählt.<br />

Dem Rat gehören ferner neben dem Chef-Kaplan<br />

drei Vizepräsidenten sowie deren Suppleanten an, welche<br />

von den Mitgliedern der drei Delegationen gewählt werden.<br />

Seit 2018 besteht außerdem die Gemeinschaft Junger<br />

<strong>Malteser</strong>, welche sich, ohne Ordensmitglied zu sein,<br />

mit unserer Spiritualität auseinandersetzt.<br />

Kennenlernen und voneinander lernen<br />

Seit Jüngstem sind die Aktions- und Devotionsgruppen<br />

das spirituelle Rückgrat der Assoziation. Sie bestehen<br />

60<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MALTESERWELTWEIT<br />

Ein gutes Jahr Vorbereitung<br />

Wichtig ist die Ausbildung der Ordenskandidaten, deren<br />

Auswahl durch die Delegationen und den Rat erfolgt.<br />

Alle Kandidaten sind gehalten, ihrer Verpflichtung zum<br />

<strong>Die</strong>nst an unseren Herren Kranken im Rahmen des<br />

<strong>Malteser</strong> Hospitaldienstes nachzukommen. Auch nehmen<br />

sie während des Vorbereitungsjahres an allen Veranstaltungen<br />

des Ordens teil, um so die Assoziation kennenzulernen<br />

und sich Klarheit darüber zu verschaffen,<br />

ob sie willens und in der Lage sind, nach einer allfälligen<br />

Aufnahme ihren Verpflichtungen als Ordensmitglieder<br />

nachzukommen. An einem ersten „Kandidaten-Wochenende“<br />

erfolgt die Schulung in Spiritualität, Ordensgeschichte,<br />

Organisation, Hospitale Aktivitäten und Diplomatie<br />

des Ordens. Ein zweites Wochenende ist dem<br />

geistlichen Leben, also gemeinsamem Beten, geistlichen<br />

Vorträgen und der Einkehr, gewidmet.<br />

Fra‘ Franz von Sonnenberg, Großprior der deutschen<br />

Zunge<br />

in den größeren Ballungszentren. Ihr Zweck liegt darin,<br />

dass die Ordensmitglieder und Kandidaten die Ordensregel,<br />

so wie sie in der Schrift „Regulierungen und Kommentare“<br />

fixiert ist, auch wirklich kennenlernen. Und<br />

das funktioniert alle zwei bis drei Monate so: Nach dem<br />

gemeinsamen Besuch der Abendmesse trifft man sich.<br />

Eines der Mitglieder führt in einen Teil der Regel ein, der<br />

zuvor an alle verschickt wurde. In Luzern war dies beim<br />

letzten Treffen das Kapitel „V Regelungen für die Mitglieder<br />

des dritten Standes“. Es folgt eine Diskussion,<br />

danach ein gemeinsames Abendessen. Beim nächsten<br />

Treffen wird das folgende Kapitel behandelt.<br />

<strong>Die</strong> Werke der Helvetischen Assoziation<br />

Der <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Schweiz (MHDS/SHOMS)<br />

ist das wichtigste Werk der Assoziation. Es begann<br />

1973 damit, dass drei Kranke und der Unterzeichnende<br />

sich dem österreichischen Lourdes-Zug anschlossen.<br />

Der damalige Kommandant des MHDA, Graf Berthold<br />

Waldstein-Wartenberg, und seine Frau, Gräfin Daisy<br />

Waldstein-Wartenberg, aber auch weitere Österreicher<br />

wie Aglaë Hagg, geborene Gräfin Thun, trugen<br />

wesentlich dazu bei, dass 1974 der Schweizer <strong>Malteser</strong><br />

Hospitaldienst gegründet wurde.<br />

Vielfältige Betreuungsdienste<br />

Heute hat der MHDS knapp 1000 Mitglieder und verfügt<br />

in den meisten Schweizer Städten über Sektionen.<br />

<strong>Die</strong> Herren tragen eine hellblaue Uniform, und die Organisationsform<br />

entspricht weitgehend derjenigen des<br />

österreichischen Vorbilds. <strong>Die</strong> <strong>Die</strong>nste sind vielfältig<br />

und reichen von Betreuungstätigkeiten, etwa für Multiple-Sklerose-Kranke<br />

oder Demente, bis zum Point d’Eau,<br />

einem Ort, an dem sich Homeless, Alte, Arme, Working<br />

Poor und Sans-Papiers duschen, ihre Kleider waschen,<br />

ärztliche und zahnärztliche Betreuung und – besonders<br />

wichtig – podologische Fußpflege erhalten. Auch besteht<br />

eine enge Zusammenarbeit mit dem Johanniter-<br />

Orden. Eine weitere Besonderheit sind die Pfadfinder<br />

des MHDS, aus denen schon etliche Ordensmitglieder<br />

hervorgegangen sind.<br />

Gebrauchtes für Bedürftige<br />

Aus dem MHDS entstand die Stiftung „Hilfe und Beistand“.<br />

Sie übernimmt gebrauchtes, aber gut erhaltenes<br />

Spital- und Schulmobiliar, um diese Spenden Institutionen<br />

in bedürftigen Ländern zukommen zu lassen. 2018<br />

waren das Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien,<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 61


<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong>-<strong>Zeitung</strong> 2_<strong>2019</strong>_ok.indd 1 21.06.19 16:49<br />

<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong>-<strong>Zeitung</strong> 1_<strong>2019</strong>_End-ok.indd 1 19.03.19 16:27<br />

MALTESERWELTWEIT<br />

Chile, Ghana, Indien, Libanon, Mauretanien, Nepal,<br />

Polen, Portugal, Serbien, die Slowakei und die Ukraine.<br />

Das Volumen beträgt etwa 120 Container pro<br />

Jahr.<br />

Hilfe für Lepra-Kranke<br />

CIOMAL (Campagne Internationale de l’Ordre de<br />

Malte contre la Lèpre) ist eine Art Joint-Venture zwischen<br />

dem Großmagisterium und der Schweizer Assoziation.<br />

CIOMAL hilft in Kambodscha Menschen,<br />

welche an der Hansen-Krankheit („Aussatz“, „Lepra“)<br />

erkrankt sind. Der Schwerpunkt liegt bei der Früherkennung<br />

und Rehabilitation der Patienten. So können<br />

unumkehrbare Entstellungen vermieden werden.<br />

Ein besonders wichtiger Teil der Tätigkeit von<br />

CIOMAL ist die Wiedereingliederung der Patienten<br />

in ihre angestammten Gemeinschaften.<br />

Tantour: Ein österreichisches Erbe verwaltet<br />

von der Schweiz<br />

<strong>Die</strong> Stiftung Pro Tantour ist ein „österreichisches<br />

Erbe“. Graf Bernhard Caboga-Cerva hatte 1869 den<br />

Hügel von Tantour erworben und dort mit Unterstützung<br />

von Kaiser Franz Joseph I. sowie zahlreichen<br />

Ordensmitgliedern ein Spital errichtet. Ein<br />

Teil des seinerzeit erworbenen Terrains gehört auch<br />

heute noch dem Orden. Um dieses Grundstück zu<br />

nutzen, wurde 1964 Pro Tantour, eine kirchliche<br />

Stiftung nach Schweizer Recht, gegründet. Nach vielen<br />

„Ups and Downs“ und dem Einsatz erheblicher<br />

finanzieller Mittel hat 2018 ein Pilgerhotel den Betrieb<br />

aufgenommen. Damit hatte die Assoziation<br />

ihren Auftrag erfüllt. <strong>Die</strong> Verantwortung für diese<br />

Liegenschaft wurde in die Hände des Großmagisteriums<br />

zurückgelegt.<br />

Zum Autor: Martin Graf von Walterskirchen zu<br />

Wolfsthal ist Ehren- und Devotionsritter in<br />

Obödienz sowie Präsident der Schweizer<br />

<strong>Malteser</strong> Assoziation. Von 1974 bis 1980 war<br />

er Kommandant des MHDS.<br />

Falls Sie, Ihre<br />

Freunde oder Ihre<br />

Familie über unsere Arbeit<br />

informiert werden wollen,<br />

senden wir Ihnen die <strong>Zeitung</strong><br />

gerne regelmäßig zu.<br />

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zeitung@malteser.at<br />

GRATIS,<br />

aber leider nicht<br />

kostenlos.<br />

<strong>Die</strong><br />

CARAVAGGIO & BERNINI<br />

MALTESER Private Preview<br />

12. Oktober <strong>2019</strong>, 19 Uhr<br />

Kunsthistorisches Museum Wien<br />

<strong>Die</strong><br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ausgabe 2/<strong>2019</strong><br />

CARAVAGGIO & BERNINI<br />

MALTESER Private Preview<br />

12. Oktober <strong>2019</strong>, 19 Uhr<br />

Kunsthistorisches Museum Wien<br />

Christliche Werte in der Politik<br />

Rom: Neue Ordensregierung<br />

Neu: Zentrum für Menschen im Alter<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

„<strong>Die</strong> MALTESER“ ist traditionell gratis und soll<br />

es auch bleiben.<br />

Denn es ist uns ein Anliegen, Sie über unsere<br />

Arbeit umfassend zu informieren. Doch die<br />

Produktion und der Versand sind leider nicht<br />

kostenlos. Bitte unterstützen Sie uns.<br />

<strong>Die</strong><br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Konto lautend auf<br />

MALTESER Hospitaldienst Austria,<br />

Kennwort „<strong>Zeitung</strong>“<br />

AT65 2011 1800 8087 0800<br />

MALTESER<br />

Der Souveräne <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich<br />

Ausgabe 3-4/2018<br />

Spatenstich:<br />

MALTESER Ordenshaus – Wohnen wie Zuhause<br />

Wirtschaft hilft – Das Wirken von Engeln<br />

Ausgabe 1/<strong>2019</strong><br />

20. MALTESER Wildwassercamp<br />

<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong>-<strong>Zeitung</strong> 21_11 ok.indd 1 23.11.18 14:00<br />

MALTESER-Pilgerfahrt ins Heilige Land<br />

Welttag der Armen<br />

Integration durch Empowerment<br />

62<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong><br />

Spenden an den MALTESER Hospitaldienst sind von der Steuer absetzbar!


MALTESERWELTWEIT<br />

SLOWAKEI<br />

FEIERLICHES ZU EHREN<br />

DER MUTTER GOTTES<br />

Am 15. September war die Basilika der Sieben Schmerzen Mariens im<br />

slowakischen Šaštín Ziel von zahlreichen Pilgern – darunter auch eine<br />

Delegation des Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens.<br />

Von Anton Gatnar<br />

Rund 35.000 Menschen waren gekommen, um der Schutzheiligen<br />

der Slowakei, der Schmerzensmutter, zu gedenken.<br />

Prominente Begleitung erhielt die Pilgergemeinschaft<br />

unter der Leitung von Metropolitan-Erzbischof Stanislav<br />

Zvolenský durch Staatspräsidentin Zuzana Čaputová,<br />

deren Amtsvorgänger Andrej Kiska und Ivan Gašparovič<br />

sowie Ministerpräsident Peter Pellegrini und etliche Regierungsmitglieder.<br />

<strong>Die</strong> Predigt hielt der Apostolische Administrator<br />

von Azerbaijan, Msgr. Vladimír Fekete, SDB.<br />

SLOWAKEI<br />

EIN GUTER SCHRITT<br />

Um die Gesundheitsversorgung in der Slowakei weiter<br />

zu modernisieren und auszubauen, wurde zwischen<br />

dem slowakischen Gesundheitsministerium<br />

und dem Souveränen <strong>Malteser</strong> Ritter-Orden Mitte<br />

September eine Absichtserklärung unterzeichnet.<br />

Gesundheitsministerin Andrea Kalavská und <strong>Malteser</strong>-Großhospitalier<br />

Dominique de la Rochefoucauld-<br />

<strong>Die</strong> Basilika von den Sieben Schmerzen Mariens ist eine<br />

der bedeutendsten Basiliken der Slowakei sowie eines der<br />

wichtigsten Wallfahrtsziele des Landes. Obwohl die Wallfahrten<br />

das ganze Jahr über stattfinden, spielen jene zu<br />

Pfingsten und am Tag der Sieben Schmerzen Mariens, am<br />

15. September, eine besondere Rolle. Neben der Bedeutung<br />

als Wallfahrtsort für die slowakische römisch-katholische<br />

Kirche ist die Basilika seit 2009 auch der Wallfahrtsort für<br />

die griechisch-katholische Eparchie Bratislava.<br />

Montbel bekräftigten in einem Memorandum ihren<br />

Willen, die bereits bestehende Freundschaft zwischen<br />

der Slowakei und dem <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden weiter<br />

zu stärken sowie die Zusammenarbeit im humanitären<br />

und gesundheitlichen Bereich weiter voranzutreiben.<br />

Wir freuen uns über diesen wichtigen Schritt<br />

und wünschen alles Gute!<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 63


MEDIZINAKTUELL<br />

MUSKELTRAINING<br />

KANN LEBEN RETTEN<br />

Eine gute Muskulatur wirkt sich höchst positiv auf den Allgemeinzustand und die Lebenserwartung aus. Das gilt vor<br />

allem auch für Patienten mit einer kritischen oder chronischen Erkrankung.<br />

Von Katharina Stögner<br />

Eine aktuelle Studie mit Daten von rund 40.000 Untersuchten<br />

belegt es: <strong>Die</strong> Muskelkraft hat erheblichen<br />

Einfluss auf die Lebenserwartung von uns Menschen.<br />

Im Umkehrschluss erhöht eine schlechte muskuläre<br />

Fitness die Wahrscheinlichkeit für einen früheren Tod.<br />

Angabe der Studienautoren bei vielen Erkrankungen<br />

ähnlich wichtig wie die medikamentöse Behandlung. In<br />

fast jeder Krankheitssituation können die Betroffenen<br />

von einem therapiebegleitenden Training profitieren,<br />

das sich auch positiv auf die Lebensqualität auswirkt.<br />

So wiesen die Studien-Teilnehmer mit geringer Muskelkraft,<br />

nach Ausklammerung anderer potenzieller<br />

Einflussfaktoren, im Vergleich zu Patienten mit hoher<br />

Muskelkraft ein 1,8-fach erhöhtes Risiko, zu sterben<br />

auf. Andererseits zeigte sich, dass ein um fünf Kilogramm<br />

höheres Muskelkraftniveau ein um 28 Prozent<br />

verringertes Risiko für die Gesamtmortalität mit sich<br />

bringt.<br />

Richtige Ernährung und Training als Therapiekonzept<br />

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, Patienten<br />

mit Muskelschwäche rechtzeitig zu identifizieren und<br />

wirkungsvoll zu therapieren. Vor allem bei schweren<br />

Erkrankungen sowie bei Tumortherapien wirkt sich<br />

ein durch Krankheit oder fortschreitendes Alter verursachter<br />

Muskelschwund negativ auf den Krankheitsbzw.<br />

Therapieverlauf aus. <strong>Die</strong> Patienten werden dann<br />

häufig pflegebedürftig, bei älteren Menschen wird eine<br />

Überstellung in ein Pflegeheim erforderlich.<br />

Ein wichtiges Ziel im klinischen Management muss<br />

es daher sein, rechtzeitig die richtigen Maßnahmen<br />

einzuleiten – etwa eine adäquate Ernährungstherapie<br />

kombiniert mit einem gezielten Krafttraining, um dem<br />

Verlust an Muskelkraft effizient entgegenzuwirken.<br />

<strong>Die</strong>se Ernährungs- und Trainingsintervention ist nach<br />

Flächendeckendes Gesundheitsprogramm<br />

Und nicht nur das: Auch das gesamte Gesundheitssystem<br />

profitiert von solchen Maßnahmen. Wünschenswert<br />

wäre daher die rasche Einführung der entsprechenden<br />

Rahmenbedingungen, um dieses innovative<br />

Trainings- und Ernährungskonzept als fixen Bestandteil<br />

von Therapien flächendeckend zu implementieren.<br />

Kräftige Muskeln als Prävention<br />

Schon mit ein paar einfachen Übungen lassen sich unsere<br />

Muskeln gut in Schuss halten. <strong>Die</strong> nachfolgenden<br />

Übungen können auch in den Berufsalltag gut integriert<br />

werden. Viel Freude beim Training!<br />

Natürlicher Medizinschrank<br />

Über die Heilkraft der Muskeln schreibt auch<br />

Sportwissenschafter Wolfgang Kreuziger schon<br />

im Jahr 2013 in MEDIZIN populär: Ein trainierter<br />

Körper sei besser gegen Diabetes, Bluthochdruck,<br />

Krebs, Osteoporose und andere Erkrankungen gewappnet.<br />

Der Autor spricht von den Muskeln als<br />

„körpereigene Hausapotheke”, denn unsere Muskeln<br />

können viel mehr als nur Rohkraft freisetzen.<br />

Als Nebeneffekt des Krafttrainings werden Botenstoffe<br />

produziert, die heilend wirken.<br />

64<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


MEDIZINAKTUELL<br />

Gymnastik im Büro –<br />

Übung 1<br />

Durch diese Übung wird die seitliche Nackenmuskulatur gedehnt.<br />

• Sitze aufrecht und lasse die Schultern hängen, behalte den Blick<br />

gerade aus und neige den Kopf langsam auf die rechte Seite. Das<br />

Kinn soll dabei bewusst angehoben werden.<br />

• Greife nun mit der rechten Hand über den Kopf und verstärke<br />

vorsichtig die Dehnung.<br />

• Lasse den linken Arm hängen, ziehe ihn nun sanft Richtung Boden,<br />

sodass sich die linke Schulter nach unten bewegt.<br />

• 10 Sekunden sollte diese Position gehalten werden, ehe du sie<br />

löst und noch zweimal pro Seite wiederholst.<br />

Gymnastik im Büro – Übung 2<br />

Durch diese Übung wird der vordere Schulterbereich und die<br />

Atmungsmuskulatur gedehnt.<br />

• Sitze gerade und lehne dich an die Rückenlehne an.<br />

• Umfasse deine Hände so, als würdest du dir selbst die Hand reichen,<br />

und strecke die Arme nach vorne.<br />

• Atme tief ein und hebe die Arme dabei senkrecht nach oben.<br />

• Strecke dich nun weit nach hinten und verharre in dieser Position<br />

mindestens drei tiefe Atemzüge lang.<br />

• Senke deine Arme wieder beim Ausatmen, entspanne einen Moment<br />

und wiederhole die Übung noch zweimal.<br />

Gymnastik im Büro – Übung 3<br />

<strong>Die</strong>se Übung dehnt die Arm- und Schultermuskulatur und verbessert<br />

die Haltung.<br />

• Richte dich im Sessel auf und verschränke die Hände ineinander<br />

zu einem Flechtgriff, wobei die Handflächen vom Körper<br />

weg zeigen.<br />

• Strecke die Arme in etwa Schulterhöhe nach vorne und ziehe<br />

die Schulterblätter fest zusammen.<br />

• Verharre etwa zehn Sekunden in dieser Haltung bis du sie<br />

wieder löst und wiederholst.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 65


GELESENEMPFOHLEN<br />

WER WÄHLT DEN PAPST?<br />

Allein der Buchtitel macht schon neugierig: Wer wüsste nicht allzu gerne, was sich in einem Konklave<br />

abspielt? Autor Hubert Wolf, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Münster,<br />

weiß mehr.<br />

Von Richard Mischak<br />

<strong>Die</strong> Gläubigen aller Welt kennen<br />

oft nur das Ritual des Einzugs<br />

der Kardinäle in die Sixtinische<br />

Kapelle, den Schornstein auf<br />

dem Dach, aus dem schwarzer oder<br />

weißer Rauch aufsteigt, und dann die Präsentation des<br />

neu gewählten Papstes auf der mittleren äußeren Loggia<br />

der Peterskirche mit den Worten „Habemus papam“.<br />

In diesem Buch werden viele Hintergründe zur Papstwahl<br />

erläutert, Detailfragen erarbeitet und beantwortet – wie<br />

etwa: Wer wählt den Papst? Wer kann überhaupt Papst<br />

werden? Was macht den Papst zum Papst? Und besonders<br />

spannend: Wie geheim sind Papstwahlen?<br />

Neue Regeln, neue Wahlordnung<br />

<strong>Die</strong>ses Buch erklärt anschaulich, was tatsächlich passiert:<br />

Wie die Wahl im Detail abläuft, von welchem Moment an<br />

der Gewählte Papst ist, warum das Konklave erfunden<br />

wurde und wie die Kardinäle zu den einzigen Wählern<br />

und schließlich zu den einzig Wählbaren wurden. Zur<br />

Sprache kommt auch der Papstrücktritt, der zur Regel<br />

werden und die Aura des Amtes beschädigen könnte. Besonderes<br />

Augenmerk gilt den Neuregelungen Johannes<br />

Pauls II., durch welche die Wahl sakraler, weniger weltlich<br />

und noch geheimer geworden ist.<br />

Zur Geheimhaltungspflicht der Kardinäle gibt es generell<br />

unterschiedliche zeitliche Ebenen: <strong>Die</strong> Phase der Papstwahl<br />

selbst, die Phase unmittelbar nach Ende der Papstwahl<br />

und die Phase der historischen Forschung über die<br />

Auswertung von einzelnen Konklavetagebüchern. Bis zur<br />

Papstwahlordnung von Johannes Paul II. von 1996 und<br />

seinem Archivgesetz von 2005 konnte man die Unterlagen<br />

der Konklaven mit den Ergebnislisten der einzelnen<br />

Wahlgänge im Vatikanischen Geheimarchiv ohne jede<br />

Einschränkung konsultieren.<br />

Letzter Einspruch von Kaiser Franz Josef<br />

Neben vielen historisch interessanten Details geht Autor<br />

Wolf auf spezielle Aspekte wie das Designationsrecht des<br />

Kaisers und die Reduktion der Mitwirkung von Klerus<br />

und Volk ein. Er erwähnt die Jahre 1057/58, als der neue<br />

Papst zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche von<br />

Kardinälen gewählt wurde. Man erfährt, dass sich Kaiser<br />

Franz Josef 1903 gegen den führenden Papstkandidaten<br />

ausgesprochen hatte, weil er ihn für zu frankreichfreundlich<br />

hielt. Am 12. März 1939 erfolgte zum letzten Mal die<br />

Krönung des Papstes mit der Tiara, dem absoluten Symbol<br />

des Papsttums. Am Ende seines Buches zeigt Hubert Wolf<br />

schließlich auf, wie eine zeitgemäße Wahl ablaufen könnte,<br />

die zugleich den Ursprüngen des 2000 Jahre alten Amtes<br />

gerecht wird. Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch!<br />

Hubert Wolf, Konklave – <strong>Die</strong> Geheimnisse der Papstwahl, C.H.Beck<br />

2017, 220 Seiten, ISBN: 978-3-406-70717-9, 19,95 Euro<br />

NEU UND LANG BEW<br />

Am 20. Juni <strong>2019</strong> wurde Bailli Norbert Salburg-Falkenstein<br />

zum Prokurator des Großpriorats von Österreich wiederbestellt.<br />

Wir gratulieren sehr herzlich!<br />

Fra‘ Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, der<br />

80. Fürst und Großmeister des Souveränen <strong>Malteser</strong>-<br />

Ritter-Ordens, hat gemeinsam mit der Ordensregierung,<br />

dem Souveränen Rat, Bailli Norbert Salburg-Falkenstein<br />

zum Prokurator für das Großpriorat von Österreich<br />

wiederbestellt.<br />

Der gebürtige Oberösterreicher und gelernte Forstwirt<br />

Norbert Salburg-Falkenstein, 79, steht seit 2006 dem<br />

Großpriorat von Österreich als Prokurator vor. Er war<br />

66<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


GELESENEMPFOHLEN<br />

FÜR EIN POSITIVES<br />

CHRISTENTUM<br />

Doch, das gibt es: Ein befreites Leben im Christentum, ganz jenseits von Verboten.<br />

Wie es möglich ist, zeigt Matthias Beck in seinem neuesten Werk auf.<br />

Von Richard Mischak<br />

Nach seinen Büchern „Glauben – Wie geht das?“, „Leben<br />

– Wie geht das?“ und „Christ sein – Was ist das?“<br />

hat Matthias Beck – Arzt, Pharmazeut und Moraltheologe<br />

– ein weiteres Buch herausgebracht, das dem besseren<br />

Verständnis des christlichen Glaubens dient. In<br />

„Was uns frei macht – Für eine Spiritualität der Entfaltung“<br />

vermittelt er dem Leser mit Botschaften und<br />

Interpretationen von vertrauten Stellen aus der Bibel<br />

oft vollkommen neue Sichtweisen, die sich als hilfreich<br />

erweisen und einfach auf das Alltagsgeschehen in unserem<br />

Leben umzusetzen sind.<br />

Der Autor will damit der Kritik am Christentum entgegentreten,<br />

es sei bloß auf die Sünde fixiert und von einengenden<br />

Geboten und Verboten geprägt. <strong>Die</strong>s sei auch<br />

der Grund, warum sich immer mehr Menschen vom<br />

Glauben abwenden und anderweitig nach spiritueller<br />

Erfüllung suchen. Beck zeigt einen versöhnlichen Weg<br />

und führt uns vor Augen, dass das Christentum auf einer<br />

grundlegend positiven Ethik fußt. Wir können ein<br />

solches positives Christentum wieder in uns entdecken<br />

– sogar recht einfach, denn wir tragen alles in uns, was<br />

es für ein glückliches und erfülltes Leben braucht.<br />

Matthias Beck, Was uns frei macht – Für eine Spiritualität der<br />

Entfaltung, Styria Verlag 2018, 160 Seiten, ISBN: 978-3-222-<br />

13605-4, 20 Euro<br />

ÄHRT ZUGLEICH<br />

bereits im Jahre 2009 und 2014 als Prokurator im Amt<br />

wiederbestellt worden. Schon seit 1971 ehrenamtlich als<br />

Mitglied im <strong>Malteser</strong> Hospitaldienst Austria tätig, wurde<br />

er 1979 Ordensritter und von 1987 bis 1993 Kommandant<br />

des MHDA, Delegat in Oberösterreich, und von<br />

1993 bis 2008 war er als Hospitalier für die Hilfswerke<br />

der <strong>Malteser</strong> in Österreich zuständig. Von 2011 bis 2013<br />

war er Prokurator in Böhmen und unterstützt, da er auch<br />

Schwedisch spricht, seit 2014 die Assoziation des Ordens<br />

in der Skandinavischen Region. Seit 2014 trägt er den Ehrentitel<br />

„Balli“.<br />

<strong>Die</strong> <strong>Malteser</strong> danken Norbert Salburg-Falkenstein<br />

für sein unermüdliches Engagement und seine<br />

enormen Verdienste rund um die <strong>Malteser</strong> und<br />

TAGEBUCH<br />

gratulieren sehr herzlich zur Wiederbestellung.<br />

Wir freuen uns auf die weitere gute Zusammenarbeit!<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 67


TAGEBUCH<br />

„EIN DIPLOMAT VON WELTRANG, DER DIE<br />

WELT KENNT UND DEN DIE WELT KENNT“<br />

…mit diesen Worten bedacht wurde unser ao. und bev.<br />

Botschafter und Leiter der Ständigen Beobachtermission<br />

des Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens bei den Vereinten<br />

Nationen, der Internationalen Atom Energie Behörde<br />

(IAEO) und der Vorbereitenden Kommission für die<br />

Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot<br />

von Nuklearversuchen (CTBTO) in Wien, KR Hon. Prof.<br />

Dr. hc. Günther Granser, am 8. Oktober von Frau Landeshauptfrau<br />

Mag. Johanna Mikl-Leitner mit dem Goldenen<br />

Komturkreuz, dem Ehrenzeichens für Verdienste<br />

um das Bundesland Niederösterreich, ausgezeichnet.<br />

Von Richard Steeb<br />

In einer sehr persönlichen Rede bedankte sich die Landeshauptfrau<br />

bei Botschafter Granser für seinen großen<br />

Einsatz, sein tiefes Verständnis und sein jahrelanges<br />

Engagement für die Wirtschaft und Kultur des Landes<br />

Niederösterreich.<br />

MALTESER PRIVATE PREVIEW<br />

CARAVAGGIO & BERNINI<br />

Von Manuel Weinberger<br />

Dank der großzügigen und freundlichen Unterstützung<br />

des Kunsthistorischen Museums und des Dorotheums<br />

konnten die <strong>Malteser</strong> eine Benefiz-Private Preview der<br />

beeindruckenden Caravaggio & Bernini-Ausstellung<br />

organisieren. <strong>Die</strong> herausragenden Kunstwerke Caravaggios,<br />

der eine Zeit lang selbst Mitglied des Souveräner<br />

<strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden war, und seiner Zeitgenossen<br />

bildeten gemeinsam mit den Räumlichkeiten des<br />

Museums einen überaus prächtigen Rahmen für diese<br />

Veranstaltung. Der Reinerlös kommt der Arbeit für<br />

Menschen mit Behinderung und dem KHM zu Gute.<br />

68<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


TAGEBUCH<br />

ZU EHREN DES HEILIGEN JOHANNES<br />

Anlässlich unseres Ordensfeiertages lud S.E. Sebastian<br />

Prinz von Schoenaich-Carolath, Botschafter des<br />

Souveränen <strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens in Österreich, zu<br />

einem Empfang in den St. Johanns Club ein.<br />

Im Kreise der zahlreichen Gäste gedachte man der<br />

Gründung des Ritter- und Hospitalordens vom Heiligen<br />

Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt<br />

von Malta, im Jahr 1048. Der Orden wählte den Hl. Johannes<br />

den Täufer zum Schutzpatron, dessen Hochfest<br />

alljährlich am 24. Juni begangen wird.<br />

Als einerseits katholischer und vom Heiligen Stuhl vollinhaltlich<br />

anerkannter Laienorden und andererseits als<br />

Souveräner Staat unterhält der Souveräne <strong>Malteser</strong>-<br />

Ritter-Orden volle diplomatische Beziehungen mit derzeit<br />

108 Ländern der Welt. Er hat Vertretungen bei den<br />

Vereinten Nationen und den internationalen Organisationen<br />

und mit mehr als 50 Staaten internationale Kooperationsverträge<br />

abgeschlossen, die seine weltweiten<br />

humanitären Aktivitäten unterstützen.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 69


TAGEBUCH<br />

IN MEMORIAM<br />

<strong>Die</strong>ses Jahr haben uns zwei Ordensmitglieder verlassen,<br />

die die Geschichte der MALTESER in Österreich<br />

nachhaltig geprägt und uns über viele Jahrzehnte<br />

begleitet haben. Wir werden sie vermissen und uns in<br />

großer Dankbarkeit an sie erinnern.<br />

Von Anton Gatnar<br />

ANTRITTSBESUCH<br />

Verena Trentini, neuer Delegat für den Bereich Tirol, bei<br />

ihrem Antrittsbesuch bei Weihbischof Hermann Glettler.<br />

PROMESSE<br />

Dr. Alexander von Egen legte am 13. Oktober <strong>2019</strong>,<br />

dem Gedenktag des Seligen Gerhard, in der <strong>Malteser</strong>kirche<br />

in Wien seine Promesse zum Obödienzritter ab. <strong>Die</strong><br />

Festmesse zelebrierte S. Exz. Bischof Josef Clemens und<br />

überbrachte auch Glückwünsche von Papst Benedikt XVI.,<br />

mit dem der neue Obödienzritter seit vielen Jahren eine<br />

persönliche Verbundenheit pflegt.<br />

Liselotte Gräfin von Spiegelfeld +<br />

„Unsere“ Liselotte in ihrer ganzen Bedeutung für die<br />

Hilfswerke des Großpriorats von Österreich des Souveränen<br />

<strong>Malteser</strong>-Ritter-Ordens Nicht-<strong>Malteser</strong>n zu<br />

schildern, würde die Grenzen dieses Nachrufes weit<br />

sprengen. Als Ehefrau von Kuno Spiegelfeld und<br />

Mutter von vier, ebenfalls bei den <strong>Malteser</strong>n tätigen,<br />

Kindern war sie vorerst bekannt. Eigentlich erst nach<br />

Kunos Pensionierung, nach seiner glänzenden Karriere<br />

als Manager, haben sich beide besonders umfassend<br />

dem Orden zuwenden können. Damit begann<br />

eine intensive Tätigkeit für unsere „Herren Kranken“,<br />

die ihresgleichen sucht.<br />

Keine Wallfahrt, keine Einsätze, keine Betreuungsdienste<br />

ohne die Spiegelfelds. Unvergessen, wie<br />

anlässlich des Hochwassereinsatzes 2002 im überschwemmten<br />

Donaugebiet Kuno und Lieselotte am<br />

Rand der zerstörten Häuser auf einer Bank saßen<br />

und verzweifelten Bewohnern, die eben alles verloren<br />

hatten, Mut zusprachen. Und ihre laute Stimme, mit<br />

der sie – schon sehr früh am Morgen – im Pilgerzug<br />

nach Lourdes regelmäßig zum Morgengebet aufforderte,<br />

bleibt Langschläfern sicher unvergessen.<br />

Nach Kunos Tod, den sie bei seinen Bemühungen, mit<br />

dem Haus Malta eine Seniorenresidenz der <strong>Malteser</strong><br />

zu schaffen, immer intensiv unterstützt hat, wurde<br />

sie noch aktiver. Überall war sie dabei, obschon selbst<br />

bereits im hohen Alter, war sie immer wieder anderen<br />

eine helfende Hand und Stütze – Lourdes ohne<br />

70<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


TAGEBUCH<br />

dentlichen Arzt, sondern auch einen vorbildlichen <strong>Malteser</strong>-Ritter<br />

verloren. Gerhart stieß 1977 zum <strong>Malteser</strong><br />

Hospitaldienst, als wir dringend einen Bereichsarzt für<br />

Wien suchten. In ihm fanden wir den perfekten Betreuer.<br />

Unvergessen sein erstes Auftreten in Uniform: Mit<br />

der kecken Trageweise der damals üblichen Kappe erinnerte<br />

er ein wenig an den Weltkriegssoldaten Gerhart.<br />

Rasch lebte er sich in der <strong>Malteser</strong>-Gemeinschaft und<br />

im Orden ein, und seine Ordination in der Karolinengasse<br />

wurde Treffpunkt der ganzen <strong>Malteser</strong>-Familie<br />

und ihrer Angehörigen. Bot er doch als Arzt nicht nur<br />

konservative Behandlungsmethoden, sondern war er<br />

als „Primus inter Pares“ der österreichischen Akupunktur-Heiler<br />

eine Legende. Und dazu gab es dann noch bei<br />

Bedarf Naturheilmittel. Seine damals 90-jährige Mutter<br />

hat er mit Schwedentropfen und Laserstrahlen behandelt,<br />

und seine Fähigkeit, unterirdische Strömungen in<br />

Häusern festzustellen, war ebenso ausgeprägt, wie das<br />

Erkennen und Beheben von körperlichen Fehlfunktionen<br />

durch Handauflegen.<br />

Lieselotte war eigentlich undenkbar. Dass sie dort, bei<br />

der Mutter Gottes, zu der sie so gerne pilgerte, einen<br />

Schlaganfall erlitt, bremste sie nur vorübergehend.<br />

Mittlerweile im Haus Malta domiziliert, war sie auch<br />

im Rollstuhl Drehscheibe der Hilfe und des spirituellen<br />

Lebens.<br />

Liselotte hat uns im Mai im hohen Alter von 91 Jahren<br />

verlassen und ist zu ihrem Kuno heimgegangen. Ihre<br />

Fröhlichkeit, ihr Einsatz und ihr tiefer Glaube werden<br />

uns immer ein Vorbild sein. „Dem Nächsten in Liebe begegnen“<br />

in unserem <strong>Malteser</strong>-Gebet scheint für sie geschrieben<br />

worden zu sein.<br />

RIP<br />

Dr. Gerhart Feucht +<br />

In seinem 98. Lebensjahr hat uns im April unser langjähriger<br />

Ordensbruder und Freund Gerhart Feucht<br />

verlassen. Mit ihm haben wir nicht nur einen außeror-<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 71


TAGEBUCH<br />

1983 war er als Chefarzt für den gesamten Rettungseinsatz<br />

im Zusammenhang mit dem Besuch des<br />

Hl. Vaters Johannes Paul II. verantwortlich und hat diese<br />

und viele andere Aufgaben mit großem Elan erfolgreich<br />

erledigt. Als er nach intensiver ärztlicher Tätigkeit<br />

in Pension ging, war er einer der ersten, der – aus Versehen<br />

angerufen – in voller Uniform zu einem Katastrophenalarm<br />

einrückte. Und als „Gehilfe“ der Ordination<br />

am Börseplatz hat er bis zu ihrer Schließung <strong>Die</strong>nste als<br />

einfacher Sanitäter geleistet. Er musste erst aufgefordert<br />

werden, seine Ärzteabzeichen wieder zu tragen.<br />

In seinem „Nebenberuf“ als Archivar des Ordens leistete<br />

der Historiker mit detektivischem Geschick Großes<br />

und trug erheblich dazu bei, die fast 900-jährige Geschichte<br />

des Ordens in Österreich aufzubereiten. Bis zuletzt<br />

kam er immer wieder in „sein“ Büro, um zu arbeiten.<br />

Noch wenige Wochen vor seinem Tod hat er, schon<br />

schwer gehend, an einer Seelenmesse in der <strong>Malteser</strong>-<br />

Kirche teilgenommen.<br />

Gerhart Feucht war in jeder Hinsicht vorbildlich: Bescheiden,<br />

gläubig, liebenswürdig und überzeugend. Ein<br />

Herr, der zu Recht auf seine Rangerhöhung zum Großkreuzritter<br />

und den Orden „pro merito melitensi“ im<br />

hohen Range eines Großoffiziers stolz hätte sein können,<br />

wenn er nicht so durch seine Bescheidenheit dominiert<br />

gewesen wäre. Ein Ritter des 21. Jahrhunderts,<br />

wie er im Buche steht.<br />

RIP<br />

WIR TRAUERN UM<br />

=<br />

+ 03.07.<strong>2019</strong><br />

Johann Kranebitter<br />

Betreuter Bereich Tirol<br />

+ 29.06.<strong>2019</strong><br />

Dr. Helmut Liedermann<br />

ao. u. bev. Botschafter i.R.<br />

Magistral-Großkreuz-Ritter<br />

+ 07.07.<strong>2019</strong><br />

Marie-Kristin<br />

Czedik-Eysenberg<br />

MHDA-Mitglied Bereich Wien<br />

+ 04.09.<strong>2019</strong><br />

Moritz Graf von Strachwitz<br />

Ehren- und Devotionsritter<br />

+ 24.07.<strong>2019</strong><br />

Dr. Georg Herzog von<br />

Hohenberg<br />

Ehren- und Devotionsritter<br />

+ 06.09.<strong>2019</strong><br />

Dr. Karl-Rainer Onz<br />

Langjähriger Betreuter<br />

72<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


TAGEBUCH<br />

+ 18.01.<strong>2019</strong><br />

Maria Elisabeth Tupay<br />

Förderin der <strong>Malteser</strong><br />

+ 10.05.<strong>2019</strong><br />

Dr. Brigitte Wagner<br />

Förderin der <strong>Malteser</strong><br />

+ 14.07.<strong>2019</strong><br />

Helene Vavra<br />

Förderin der <strong>Malteser</strong><br />

WIR TRAUERN UM<br />

+ 20.07.<strong>2019</strong><br />

Siegfriede Bosnar<br />

Langjährige Betreute<br />

+ 25.07.<strong>2019</strong><br />

Dr. Rudolf Baron<br />

Unterrichter v. Rechtenthal<br />

MHDA-Mitglied Bereich Tirol<br />

✝<br />

Sanitätsdienste<br />

Betreuungsdienste<br />

Kinderhilfe<br />

Betreuung<br />

HIV-Betroffener<br />

Rettungsdienste<br />

Mobiler<br />

Pflegedienst<br />

Entlastungspflege<br />

Palliativdienste<br />

Seniorenwohn-<br />

und<br />

Pflegeheim<br />

Mobile<br />

24-Stundenpflege<br />

Katastrophenhilfe<br />

Alten- und<br />

Krankendienste<br />

Wallfahrten<br />

& Pilgerreisen<br />

Integrationshilfe<br />

MALTESER<br />

HELFEN. Dort, wo Not ist.<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 73


TAGEBUCH<br />

<strong>Die</strong> MALTESER<br />

wünschen ein<br />

gesegnetes Weihnachtsfest<br />

und ein frohes neues Jahr!<br />

MALTESER CHRISTBAUMKUGELN<br />

(erhältlich in Rot oder Gold, mit einem zweiseitigen Aufdruck des <strong>Malteser</strong>kreuzes)<br />

Dekorative und hochwertige MALTESER Glasweihnachtskugel schenken und gleich<br />

doppelte Freude bereiten. Beim Kauf einer Weihnachtskugel zum Preis von 8,- Euro<br />

(inkl. MwSt.) kommen 2,- Euro MALTESER Hilfsprojekten zu Gute.<br />

Erhältlich bei den MALTESERN, Johannesgasse 2/20, 1010 Wien<br />

(ausschließlich gegen Selbstabholung). Mo. - Do. 8 - 17, Fr. 8 - 14 Uhr<br />

„Ein herzliches Vergelt’s Gott für Ihre Unterstützung.“<br />

74<br />

DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>


TERMINE<br />

Termine <strong>2019</strong>/2020<br />

NOVEMBER <strong>2019</strong><br />

28-2.12. Straßensammlung Wien MHDA<br />

28-23.12. MALTESER Punschstand vor der<br />

Servitenkirche, 1090 Wien<br />

(täglich 16-21 Uhr)<br />

MHDA<br />

29-1.12. Sammlung Ambulanz Halbturn MHDA<br />

29-1.12. Straßensammlung Steiermark MHDA<br />

30-1.12. Punschstand/Sammlung Kobersdorf<br />

MHDA<br />

DEZEMBER <strong>2019</strong><br />

5-8 Straßensammlung Wien MHDA<br />

6-8 Straßensammlung Steiermark MHDA<br />

6-8 Sammeln und Ambulanz Halbturn MHDA<br />

13 Punsch/Kekserlmarkt Amstetten<br />

Kinderhilfe<br />

13-14 Weihnachtsbasar Wien MHDA<br />

13-15 Sammeln und Ambulanz Halbturn MHDA<br />

13-15 Straßensammlung Steiermark MHDA<br />

20-22 Straßensammlung Steiermark MHDA<br />

24-25 Straßensammlung Salzburg MHDA<br />

27-29 Straßensammlung Steiermark MHDA<br />

MÄRZ 2020<br />

29 Benefizkonzert im Musikverein MHDA<br />

20-3.5. Ausstellung Turiner Grabtuch in Linz<br />

Delegation OÖ<br />

APRIL 2020<br />

30-4.5. Wallfahrt nach Lourdes SMRO/MHDA<br />

JUNI 2020<br />

27 Aufnahme Stift Wilten –<br />

50 Jahre Bereich Tirol SMRO/MHDA<br />

JULI 2020<br />

19 Wallfahrt nach Altötting SMRO/MHDA<br />

OKTOBER 2020<br />

4 4. Kinderhilfelauf Amstetten MKH<br />

24-31 Wallfahrt nach Rom SMRO/MHDA<br />

Wiederkehrende Termine<br />

<strong>Malteser</strong>kirche, Kärntner Straße 37, 1010 Wien<br />

„Montag bei den <strong>Malteser</strong>n“ Hl. Messe, Predigt, Musik, Stille im Zentrum der Stadt, 12.00 Uhr<br />

Hl. Messe mit Orgelmusik und Predigt Jeden ersten Sonntag im Monat, 10.00 Uhr<br />

Feierliche Vesper mit Eucharistischem Segen Jeden Sonntag, 16.00 Uhr<br />

KONTAKT<br />

Souveräner <strong>Malteser</strong>-Ritter-Orden<br />

Großpriorat von Österreich<br />

Dipl.-Ing. Richard Steeb<br />

T: +43 1 512 72 44<br />

E: smom@malteser.at<br />

I: www.malteserorden.at<br />

MALTESER Austria<br />

Bundeszentrale<br />

Mag. Manuel Weinberger<br />

T: +43 1 512 53 95<br />

E: zentrale@malteser.at<br />

I: www.malteser.at<br />

<strong>Malteser</strong> International<br />

Dipl.-Ing. Richard Steeb<br />

T: +43 1 512 72 44<br />

E: smom@malteser.at<br />

I: www.malteser-international.org<br />

MALTESER Care<br />

Helmut Lutz<br />

T: +43 1 361 97 88 Fax 50<br />

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800<br />

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)<br />

E: office@mcr.or.at<br />

I: www.malteser.care<br />

MALTESER Kinderhilfe<br />

Olivier Loudon<br />

Mag. Petra Hellmich, MA<br />

T: +43 7472 98201<br />

E: office@malteser-kinderhilfe.at<br />

I: www.malteser-kinderhilfe.at<br />

Haus Malta<br />

Dir. Bogdan Norbert Bercal<br />

T: +43 1 597 59 91<br />

E: hausmalta@malteser.at<br />

I: www.hausmalta.at<br />

Johannesgemeinschaft<br />

Marie Czernin<br />

T: +43 1 512 72 44<br />

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DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong> 75


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DIE MALTESER 3-4/<strong>2019</strong>

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