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Hallertau

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„Er ist ein großer Fürsprecher“, sagt Theresia

Hösl mit nachdenklichem Blick auf

den Jesus am Kreuz. Theresia ist ehrenamtliche

Mesnerin in der Kirche

„Heilige Kreuzauffindung“ in Enghausen.

Seit 20 Jahren betreut sie

Sakristei und Kirche. Jeden Tag läutet

sie zum Gebet. In vielen Kirchen

ist der Glockenschlag programmiert

und funktioniert automatisch oder

per Knopfdruck. Nicht in Enghausen.

Theresia läutet von Hand und spricht

dabei das Angelus-Gebet. Wenn Unwetter

droht, läutet die Landwirtin

ebenfalls. Wie es seit dem Mittelalter

hier üblich ist. Beim Betreten der

Kirche fällt ihr Blick immer auch auf

den Jesus am Kreuz. „Er hat schon in

schweren Fällen geholfen“, davon ist sie

überzeugt, „und wer einen Kummer hat, der

kann ihn hier bei ihm lassen“.

Seit festgestellt wurde wie außergewöhnlich

und wie alt die Skulptur ist, kommen

gelegentlich Interessierte vorbei und bitten

die Mesnerin um eine Führung. Theresia

kennt alle historischen Details. Sie kann auch

viel erzählen über die Aufregung rund um die

Entdeckung des wahren Alters der Darstellung.

Und über die Befürchtung der Dorfbewohner

das Kreuz an ein Museum zu verlieren. „Doch

dann hat Weihbischof Bernhard Haßlberger

gemeint, ein Kreuz gehöre dahin, wo gebetet

wird und nachdem die Enghausener so viele

Jahrhunderte so gut auf das Kreuz geachtet

hätten, gehöre es in ihre Kirche.“ Dort hängt

es nun wieder, links neben dem Altar, unter

einem gotischen Sternengewölbe. Abgesichert

durch eine moderne Alarmanlage.

Eine Dokumentation des erzbischöflichen

Ordinariats München verrät, dass das Kreuz

2,32 Meter hoch und 1,78 Meter breit ist, der

Korpus 1,88 Meter hoch und 1,75 Meter

breit. Es könne im Zusammenhang mit

der Kaiserkrönung Arnulfs von Kärnten

895 entstanden sein. Belegt seien zwölf

Zustände, die ersten fünf nur in Spuren.

Die aktuelle Fassung stamme vermutlich

aus dem 17. Jahrhundert. Das goldene

Lendentuch sei früher dunkelrot gewesen.

Auch die aufgemalten Wundmale

und das Blut gehörten der Neuzeit an.

Sie wären vom Künstler nicht angelegt

worden. Zudem seien Beine und Konsole

in romanischer Zeit erneuert worden.

Woher stammt dieses Kreuz? Die

Historiker rätseln. Bisher wurden verschiedene

Theorien aufgestellt, aber keine

bewiesen. Im Geschichtsforum Freising

verfolgt man eine vielleicht heiße Spur, die

nach Mauern führt. Hier lebte einst eine

Frau namens Irmburc von Witago. Ihr

Ehemann war ein Vertrauter von König

Arnulf von Kärnten aus dem Adelsgeschlecht

der Karolinger (von 896–899 n.

Chr. römischer Kaiser). Die Witwe Irmburc

verschenkte ihren gesamten – vom

Kaiser erhaltenen – Besitz an das Kastuluskloster

in Moosburg. Darunter könnte

sich das Kreuz befunden haben. Kirchenrechtlich

gehörte Enghausen lange Zeit

zum Benediktinerkloster in Moosburg.

Im Zusammenhang mit den Ungarnkriegen,

dem Einsturz des Münsters oder

dessen Neugestaltung könnte das Kreuz

nach Enghausen gebracht worden sein.

Text und Fotos: Maité Herzog

Auskunft zu Gottesdiensten

(alle 8 Wochen) und Führungen:

Theresia Hösl, Telefon 08764 1266

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