2019/49 - Unternehmen-70

suedwest.presse

unternehmen [!] RESSORT 1

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 70 | Dez 2019 | 3,00 €

4 197821 303000 7 0

Der Mann der

klugen Netze

Ob Strom, Wärme, Mobilität oder Daten. Die

Zukunft gehört der Kombination der Sparten, sagt

Klaus Eder, Chef der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm.

WEIHNACHTSZIRKUS

Wie Unternehmer Elmar Kretz

seinen Kindheitstraum wahr

werden lässt. Seite 20

MIESMACHER

Tipps für Chefs und Personaler im

Umgang mit Dauermotzern im

Betrieb. Seite 30

NEGATIVZINSEN

Welche Vermeidungsstrategien

für Mittelständler sinnvoll sind –

und welche nicht. Seite 38


2

RESSORT unternehmen [!]

Überblick

ist einfach.

Weil die Sparkasse individuelle

Lösungen für einen

effizienten Zahlungsverkehr

im In- und Ausland bietet.

spkulm.de

ksk-gp.de

S Sparkasse

Ulm

S Kreissparkasse

Göppingen


unternehmen [!] INHALT 3

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Luft scheint raus zu sein aus der Konjunktur.

Die Unternehmen im Südwesten beurteilen ihre

gegenwärtige Lage deutlich schlechter als noch

zu Mitte des Jahres – und die Mehrheit geht auch

in Zukunft von schlechter werdenden Geschäften

aus: Flaue Weltwirtschaft und kriselnde Autobranche

samt Zulieferern in Nöten lassen grüßen.

Mittlerweile können sich im Maschinenbau,

der Paradebranche in Baden-Württemberg, auch

die Bereiche Robotik und Automation nicht mehr

der konjunkturellen Abkühlung entziehen. Da ist

guter Rat teuer und die Kraft zur Veränderung

gefragt. Wie ihm bei den vor Jahren noch kriselnden

Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm die Kehrtwende

gelang, erzählt deren Holding-Geschäftsführer

Klaus Eder im Titelinterview (Seite 10). Diese

Ausgabe hat noch mehr Positivbeispiele: Die reichen

vom Erfolgsgeheimnis der Familienunternehmen

(Seite 32) über den Idealisten Elmar

Kretz, der sich mit seinem Weihnachtszirkus in

Ravensburg einen Kindheitsraum erfüllt hat, bis

hin zu den jungen Gründern von Chill Choc (Seite

36), die Entspannung mit Hanf-Kakao bieten.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

spezial

6 Mehr Mut zur Datenanalyse

Tipps für Mittelständler zur digitalen

Transformation

20 Träumer mit Bodenhaftung

Warum Elmar Kretz das ganze Jahr für

seinen Weihnachtscircus arbeitet

titelthema

10 Städte zukunftsfähig machen

SWU-Chef Klaus Eder im Gespräch

verantworten

24 Die Null ist das Ziel

Arbeitsschutz bei Wieland

28 Das Personal schützen

Sicherheit bei Events

32 Lenker mit Weitsicht

Darum sind Familienunternehmen

so erfolgreich

führen

30 Vom Umgang mit Motzern

Bei der Beurteilung von Mitarbeitern

hilft das ABC-Modell

machen

36 Entspannt abhängen

Das Start-up Chill Choc und sein

Hanf-Kakao

42 Packend anders

Beim Unternehmen Lohrmann steht

Wachstum nicht an erster Stelle

finanzieren

38 Wohin bloß mit dem Geld?

Wie Mittelständler, Negativzinsen umgehen

können?

leben

44 Kunst ist seine Passion

Wirtschaftsprüfer und Sammler

Werner Schneider im Portrait

48 Ein unschlagbarer Moment

Umfrage unter Führungskräften

namen & nachrichten

4 Auf Jahre Staus und Ärger

5 US-Finanzinvestoren übernehmen Rafi

50 Impressum

20 30

38

36

6


4

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Auf Jahre Staus und Ärger

Verkehr Die Einbahnregelung vor dem Ulmer Hauptbahnhof bleibt länger bestehen als

bislang gedacht. Der Grund: Verzögerungen auf den Baustellen.

Infrastruktur Rückschlag für

die Ulmer Innenstadt: Der

schlechte Zustand von Kanälen,

Schächten und Leitungen macht

den Verantwortlichen der Großbaustelle

rund um den Hauptbahnhof

einen Strich durch den

Zeitplan. Die Einbahnregelung

in der Friedrich-Ebert-Straße

muss länger als ursprünglich geplant

bestehen bleiben – wohl

bis mindestens Mitte 2022.

Ursprünglich ging die Verwaltung

davon aus, dass das verkehrstechnische

Nadelöhr von

Februar 2020 an der Vergangenheit

angehört. Doch nun liegen

die Fakten anders. Die Gestaltung

des Bahnhofvorplatzes und

die endgültige Nahverkehrs-Trasse

zwischen Bahnhof

und dem neuen Quartier Sedelhöfe

verzögert sich. Derzeit sind

zwei Szenarien in der Diskussion,

wie die Bauarbeiten weiter

vorangehen sollen.

Auf die Verzögerungen reagierte

IHK-Hauptgeschäftsführer

Otto Sälzle zunächst sprachlos.

„Das ist ein weiterer Tiefschlag

für die Ulmer Innenstadt.“

Der Einzelhandel sei

durch die Baustellen ohnehin

schon bis an den Rand des Erträglichen

belastet.

OB Gunter Czisch hält die

Kritik dagegen für unverhältnismäßig.

Um die Auswirkungen

für die Bevölkerung abzumildern,

ist im Gespräch, ob die

kostenfreien Samstage im

ÖPNV bis zum Ende der Baustelle

verlängert werden sollen.

Die neue Situation hat laut

Stadtverwaltung jedoch keinen

Einfluss auf den Zeitplan der

drei Großprojekte in direkter

Nachbarschaft. Sie sollen wie

zuletzt geplant fertig werden:

die Sedelhöfe mit Handels- und

Büroflächen sowie Wohnungen

und die unterirdische Passage

im Mai 2020, die städtische Tiefgarage

mit 540 Plätzen im September

2021. Insgesamt werden

laut Czisch in den drei Projekten

fast 600 Millionen Euro investiert.[!]

cik, jkl

Die Friedrich-Ebert-Straße wird wohl bis mindestens 2022 einspurig

bleiben.

Foto: Matthias Kessler

Crash-Propheten auf großer Bühne

Euro Vor sieben Jahren waren

Marc Friedrich und Matthias

Weik Nobodys. Für ihr Buch

zur Finanzkrise und deren Folgen

hagelte es anfangs Absagen

von Verlagen. Heute erhalten

die beiden Vermögensberater

aus dem Remstal Einladungen

ins Bundeswirtschaftsministerium

und diskutieren mit namhaften

Bankenvertretern. Nun

haben sie ihr fünftes Werk herausgebracht:

„Der größte Crash

aller Zeiten“. Damit stiegen die

beiden auf der Spiegel-Bestseller-Liste

für Sachbücher von

null auf Platz 1.

Die Lesung zur Buchpremiere

fand in Göppingen statt und

die beiden bei der Veranstaltung

NWZ-Lokalchef Helge Thiele (re.) und sein Stellvertreter Joa

Schmid rahmen Marc Friedrich (2. von re.) und Matthias Weik ein.

FOTO: GIACINTO CARLUCCI

der „Neuen Württembergischen

Zeitung“ (NWZ) die Stadthalle.

So erfolgreich Friedrich und

Weik sind, zu einem Leben als

Autor reicht es nicht. „ Das

meiste Geld bekommen Amazon

und der Buchhandel. Für uns fallen

50 bis 60 Cent pro Buch ab“,

sagt Marc Friedrich.

Angesichts des gigantischen

Schuldenbergs der Staaten von

mittlerweile 250 Billionen Dollar

rechnen die beiden fest mit

einem Crash. „Spätestens im

Jahr 2023 wird der Euro Geschichte

sein“, meint Matthias

Weik. Die beiden Vermögensberater

empfehlen daher, Erspartes

ausschließlich in Sachwerte

zu stecken. [!]

amb


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 5

US-Finanzinvestoren übernehmen Rafi

Oaktree Der Elektrotechnikspezialist

Rafi aus Berg bei Ravensburg

ist in den vergangenen Jahren

rasant gewachsen. Mit 2500

Mitarbeitern, davon 1000 am

Stammsitz, stellt das 120 Jahre

alte Unternehmen unter anderem

Bediensysteme zur Programmierung

von Industrierobotern

her, fertigt den Internetrouter

Fritzbox, entwickelt für

seine Kunden Steuereinheiten

oder Bedienelemente für

Waschmaschinen und andere

Weiße Ware. Begonnen hatte

Rafi mit der Produktion von

Knöpfen und simplen Schaltern.

Nachdem sich in den Familien

der beiden Gesellschafter

keine Nachfolgeregelung angeboten

hatte, geben Albert Wasmeier

und Gerhard Schenk ihre

Anteile an den US-Finanzinvestor

Oaktree ab. Wasmeier hatte

das Unternehmen vor 25 Jahren

im Rahmen eines Management-Buy-outs

vom Stahlkonzern

Hoesch übernommen und

hält knapp 90 Prozent der Anteile,

Gerhard Schenk, der wenig

später eingestiegen war, hält

die restlichen.

„Mit Oaktree haben wir einen

Investor gefunden, der die Stärken

unseres Unternehmens erkannt

hat“ und den Expansionskurs

fortsetze, sagte Wasmeier.

Die Mitarbeiter müssten sich

keine Sorgen machen.

Um auch im operativen Geschäft

einen fließenden Übergang

zu haben, war die Geschäftsführung

in diesem Jahr

aufgestockt worden: mit Lothar

Seybold, der aufrückte, und dem

kaufmännischen Geschäftsführer

Lothar Arnold, der seit Juli

dabei ist. [!]amb

Blick in die Fertigung von Rafi in Berg bei Ravensburg: Hier arbeiten

rund 1000 der insgesamt 2500 Mitarbeiter.

Wechsel bei

Transporeon

Software Der wachstumsstarke

Hersteller von Software für

die Transportlogistik Transporeon

hat einen neuen Chef

(CEO): den Schweizer Stephan

Sieber (44). Er übernimmt den

Software-Service-Anbieter mit

zuletzt 600 Mitarbeitern, davon

300 in Ulm. Die Gründer

Marc-Oliver Simon

und Martin

Mack bleiben

an der

Gruppe beteiligt

und werden

Stephan

Sieber war

vor seinem

Wechsel nach

Ulm bei Unit4.

demnach die

strategische

Ausrichtung im

Aufsichtsrat

mitgestalten.

Neuer Hauptgesellschafter

ist

der Finanzinvestor Hg Capital

(London). Ziel sei es mit Big

Data und Marktinformationen

weiter die Prozesse zu digitalisieren

und Leerfahrten zu reduzieren.

Transporeon steigerte

zuletzt den Umsatz deutlich auf

76 Millionen Euro. [!] kö

Starke Zahlen

für Region Ulm

Konjunktur Die IHK-Region

Ulm erlebt seit dem Jahr 2000

einen ungeheuren Boom. Beim

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts

pro Einwohner (BIP)

rangieren die Kreise Ulm,

Alb-Donau und Biberach auf

Platz sechs hinter Frankfurt,

Hamburg, Düsseldorf, München

und Stuttgart. Das BIP ist um

mehr als 77 Prozent auf 26 Milliarden

Euro gewachsen. Der Industrieanteil

betrage 37 Prozent,

sei weit überdurchschnittlich

und sei den starken Familienunternehmen

zu verdanken, sagte

IHK-Hauptgeschäftsführer Otto

Sälzle, der zum Jahresende in

Ruhestand geht. Die Region

zählt auch bei der Arbeitsplatzdichte

zu den Top-Ten, vor München.

Seit 2000 wurden 48 000

neue Stellen geschaffen. Vom

hohen Bedarf an Arbeitskräften

profitieren auch die Beschäftigten.

Deren verfügbares Einkommen

wuchs um 7600 auf 24 570

Euro. Damit liegt Ulm auf Platz

elf. Auf Rang eins steht München

mit 27 342 Euro. [!] kö

Kurzarbeit erwartet

Konjunktur Die Region Göppingen

bekommt die abflauende

Konjunktur zu spüren. Autozulieferer

wie Schuler und Allgaier

begegnen der sich rapide verschlechternden

Auftragslage

mit Personalabbau. Werkzeugmaschinenhersteller

wie MAG,

Stama und Emag stellen sich

laut IG Metall auf Kurzarbeit im

Jahr 2020 ein. Doch schon jetzt

wirkt sich die flaue Konjunktur

aus. Zuletzt waren im Landkreis

5121 Menschen ohne Arbeit, 657

mehr als vor einem Jahr. Gernot

Imgart, leitender Geschäftsführer

der IHK-Bezirkskammer

Göppingen, spricht von einem

dramatischen Auftragseinbruch

in der Industrie. Man dürfe aber

nicht vergessen, von welch hohem

Niveau dieser erfolge. „Die

Industrie war über Jahre an ihrer

Kapazitätsgrenze.“ [!] js

Mieten steigen weiter

Immobilien Es ist keine Überraschung

mehr: Angesichts des

ausgesprochen engen lokalen

Wohnungsmarkts steigen die

Mieten in Ulm und Neu-Ulm

weiter. Der qualifizierte Mietspiegel

2019, der für die kommenden

zwei Jahre gilt, weist

für die Doppelstadt eine durchschnittliche

Netto-Kaltmiete

von 8,37 Euro pro Quadratmeter

Wohnfläche auf. Dies bedeutet

einen Anstieg um fast 13 Prozent

gegenüber der letzten Erhebung

von 2017. Gleichzeitig

braucht die boomende Region

einer Studie der Industrie- und

Handelskammer zufolge bis

2035 zehntausende neue Wohnungen.

Der Bedarf in der Stadt

Ulm ist mit einem erforderlichen

Zuwachs um rund 20 Prozent

demnach doppelt so hoch

wie im Umland. Laut Studie sind

hier 12 500 zusätzliche Wohneinheiten

erforderlich. [!] kö


6

SPEZIAL unternehmen [!]

Vom reinen Kaffeemaschinen-Hersteller

zum ganzheitlichen

Lösungs- und

Service-Anbieter. Diese

Entwicklung vollzieht Jan van Riet,

Chef der Professional Coffee Machines

WMF Group, gerade in seinem

Unternehmen. „Unser Transformationsprozess

hat gerade erst begonnen.“

Der Mittelständler aus Geislingen

an der Steige hat für seine digitalen

Lösungen WMF Coffee-

Connect und Schaerer Coffee Link

bereits den „Best Practice Award

Business Intelligence and Analytics“

erhalten. Die Begründung der Jury:

Die intelligente Kombination und

gezielte Auswertung von Internet-of-Things-

und klassischen Datenquellen

habe dazu beigetragen,

dass professionelle Anwender von

Kaffeemaschinen mit diesem Wissen

effizienter und wirtschaftlicher

arbeiten können.

Daniel Schallmo, Professor für

Digitale Transformation und Entrepreneurship

an der Hochschule

Neu-Ulm, setzt noch einen obendrauf:

„Die Digitalisierung gibt der

WMF-Group und ihren Kunden völlig

neue Möglichkeiten, das Kaffeemaschinengeschäft

weiterzuentwickeln

und neue Geschäftsmodelle zu

entwickeln.“ Er hält vor allem die

„tiefgreifenden analytischen Berichte

zu Verkaufs- und Absatzzahlen“

sowie die Möglichkeiten rund um

vorausschauende Instandhaltung,

Umsatzprognosen und Marktsegmentierung

für hilfreich. Grundlage

für solche intelligenten Services

sei immer eine integrierte Datenbasis:

„Sie ist das A und O.“

Führungsteams zu ängstlich

Viele Mittelständler beschäftigen

sich derzeit mit der digitalen Transformation

ihrer Geschäftsmodelle.

„Big Data spielt dabei oft eine entscheidende

Rolle“, sagt Schallmo.

Studien zeigen, dass eine Daten-Analyse

von mittelständischen

Betrieben zwar als Chance gesehen

wird, viele Häuser aber nur zögerlich

investieren. Eine Ursache laut

einer Commerzbank-Untersuchung:

Die Führungsteams sind oft zu

ängstlich. „Es braucht einen Weckruf,

wenn der deutsche Mittelstand

hier im internationalen Vergleich

nicht ins Hintertreffen geraten will“,

fordert Michael Reuther, Vorstand

im Firmenkundengeschäft der Commerzbank.

Mehr Mut zur

Datenanalyse

Big Data Kräftige Investitionen und weniger Angst raten Experten

Mittelständlern, wenn es ums Thema digitale Transformation

geht. Ansonsten könnten sie ins Hintertreffen geraten.

Die Datenmengen

wachsen auch

in mittelständischen

Unternehmen

exponentiell.

Dirk Schürmann

DXC Technology


unternehmen [!]

SPEZIAL

7

Auch in mittelständischen

Firmen wachsen

die Datenmengen

exponentiell.

Dirk Schürmann

DXC-Deutschlandchef

Im Privaten ist der Blick aufs

Smartphone längst Alltag. In

mittelständischen Betrieben ist die

digitale Transformation noch nicht

flächendeckend angekommen.

Auch Andreas Hoberg, Vertriebsvorstand

des Ulmer Beratungsunternehmens

Ingenics, das Mittelständlern

bei der digitalen Transformation

und der Entwicklung von Industrie-4.0-Lösungen

hilft, nennt

fehlenden Mut als einen Grund für

die Zurückhaltung vieler Firmen.

Außerdem gehe es vielen Unternehmen

aktuell mit Gewinnmargen von

18 bis 20 Prozent wirtschaftlich so

gut, dass sie keinen Veränderungsdruck

spüren: „Und auch die Datenstruktur

ist im Mittelstand nicht immer

einfach.“ Vielerorts werde noch

mit Excel-Tabellen, veralteten ERPund

Zeiterfassungssystemen gearbeitet.

Vor allem Automobilzulieferer

der zweiten und dritten Ebene, die

heute noch in scheinbar komfortablen

Liefernetzwerken agieren, werden

sich laut Hoberg in den nächsten

Jahren der modernen Datenanalyse

öffnen müssen. Als Beispiel für

einen Mittelständler, der Big Data-Auswertungen

schon intensiv

nutzt, weil in seiner Branche harter

Wettbewerb herrscht, nennt Hoberg

die Ulmer Medizintechnikfirma

Beu rer: „Sie analysiert genau das

Kaufverhalten ihrer Kunden, um

schnell und flexibel reagieren zu

können.“

Ingenics geht bei solchen Veränderungsprozessen

in drei Dimensionen

vor: Implementierung von Big

Data-Tools zur Verbesserung der innerbetrieblichen

Transparenz, Analyse

der Daten, um Prognosen über

zukünftige Entwicklungen erstellen

und das Unternehmen optimal steuern

zu können, und schließlich die

Veränderung des bestehenden Geschäftsmodells

oder die Entwicklung

eines zweiten.

Das IT-Beratungsunternehmen

DXC Technology ist laut der

ISG-Quadrant-Studie hierzulande

Marktführer für Data Sciences Services

und Analytics. Mehrere Hundert

Datenwissenschaftler und

Künstliche Intelligenz (KI)-Experten

arbeiten hier für große und mittelständische

Betriebe. Zu den gut

500 Anwendungsfällen gehört die

aktuelle Zusammenarbeit mit BMW

zur Entwicklung fahrerloser Fahrzeuge.

„Auch in mittelständischen

Firmen wachsen die Datenmengen

exponentiell“, weiß DXC-Deutschlandchef

Dirk Schürmann. „Sie auszuwerten

und die Erkenntnisse zu

nutzen ist eine riesige Chance, die

Zur Person

Andreas Hoberg

verantwortet seit

Juli 2017 als CSO den

Vertrieb von Ingenics.

Er widmet sich

unter anderem den

Bereichen Produktions-

und Logistikplanung

sowie digitale

Transformation.

Zur Person

Daniel Schallmo

ist neben seiner

Lehrtätigkeit an der

Hochschule Neu-

Ulm als Unternehmensberater

aktiv

und hat bereits zahlreiche

Bücher und

Fachartikel veröffentlicht.


8

RESSORT SPEZIAL unternehmen [!]

Datenanalyse hilft auch bei der Suche nach einem neuen Firmenstandort

Unter Einbeziehung der relevanten

Parameter erstellt das Programm eine

Karte mit dem geeigneten Standort.

BÄCKEREI

ILLUSTRATION: DROGATNEV/SHUTTERSTOCK.COM

Wo lohnt es, eine neue Bäckerei-Filiale zu

eröffnen? Wo sollte ich meine geplante Boutique

eröffnen? Diese Fragen können Firmenchefs

und Gründer, die Standortentscheidungen

früher aus dem Bauch treffen

mussten, heute mit Hilfe von Algorithmen

und Datenanalysen genauer, schneller und

einfacher beantworten. Auch Investoren

können die neuen Instrumente nutzen. Die

auf Einzelhandelsobjekte spezialisierte Immobilienfirma

Kintyre zum Beispiel setzt

eine Lösung der Firma Realxdata ein, um auf

Knopfdruck genaue und aktuelle Informationen

über neue Standorte zu erhalten. „Wir

können anhand der aktuellen und qualitativ

hochwertigen Faktenlage jetzt gut begründete

Investitionsentscheidungen treffen

und unsere Geschäftspartner exzellent beraten“,

sagt Khaled Shukri von Kintyre. Realxdata-Geschäftsführer

Titus Albrecht erklärt

das Prinzip: „Bei uns laufen Millionen

Daten ein, Einzelinformationen aus hunderten

Quellen etwa von kommunalen Datenbanken,

Immobilienmarktstatistiken, aber

auch Bilder und Kommentare von Social Media

Plattformen. Sie werden auf unserer Datenplattform

verknüpft und nach bestimmten

Kriterien oder Fragestellungen ausgewertet.“

Die Ergebnisse werden etwa als

Umgebungskarten und Grafiken dargestellt.

sich kein Betrieb entgehen lassen

sollte.“ Sowohl eine bessere Steuerung

des Unternehmens als auch die

Entwicklung neuer Geschäftsmodelle

seien durch die Nutzung von Analyse-Tools

möglich.

Für die Umsetzung empfiehlt

Schürmann vier Schritte: „Daten in

vernünftiger Qualität erheben,

strukturieren, mit externen Daten

anreichern und entsprechend der

Fragestellung auswerten.“ Zum

Zweck der Visualisierung griffen immer

mehr Unternehmen auf die

computergestützte Automatisierung

definierter Prozesse und die Mustererkennung

zurück. Sinnvoll sei

immer ein Pilotprojekt, um den Analyseprozess

zu simulieren und iterativ

zu verbessern. Die gewonnene

Zur Person

Johan van Riet ist

seit 2017 bei der

WMF-Gruppe als

Chef des Bereichs

Professional Coffee

Machines tätig. Zuvor

war van Riet bei

Melitta Haushaltsprodukte

Geschäftsführer.

Transparenz erlaube es dem Firmenchef

künftig auf eindeutigen Daten

basierende Entscheidungen zu treffen:

„Er muss sich nicht mehr auf

sein Bauchgefühl verlassen“.

Die Studie „Industrieller Mittelstand

und Finanzierung 4.0“ der Online-Kreditplattform

Creditshelf bestätigt,

dass viele, vor allem kleinere

Firmen gerade im Finanzbereich

technisch kaum vom Fleck gekommen

sind. „Nur jeder vierte Mittelständler

vergleicht auf Knopfdruck

über ein elektronisches Tool seine

eigene Liquiditätsplanung mit den

Zahlungsströmen tausender anderer

Firmen“, legt Daniel Bartsch,

Creditshelf-Vorstand, den Finger in

die Wunde. „Nur wenige Industriebetriebe

unterhalb der Konzerne

nutzen Big Data-Lösungen für die

Planung ihrer Ein- und Ausgaben.“

Allerdings arbeite ein Großteil dieser

Firmen an solchen Lösungen.

Als Bremse wirken die Kosten,

die mit der Einführung moderner

Analyse-Tools verbunden sind. Das

hält Professor Dirk Schiereck von

der TU Darmstadt für fatal: „Diese

Unternehmen sehen nicht, wie

schnell sich die digitale Welt verändert

und schieben wichtige Innovationen

viel zu spät an.“

Gute Datenbasis ist Grundlage

Das gelte sowohl für die Frage, was

man finanziere, als auch für die Frage

„wie und mithilfe welcher Tools

und Methoden ich mein Unternehmen

finanziere“. Nach Überzeugung


unternehmen [!] SPEZIAL 9

von Rudolf Weichert, Finanzchef

der Indus-Holding, zu der

47 mittelständische Firmen gehören,

kommt Business Analytics-

oder Predictive Analytics-Tools

in Zukunft besonders

in der Planung und Steuerung

der Liquidität eines Unterneh-

Es muss

ja nicht

unbedingt jeder

Betrieb den Fehler

wiederholen.

mens eine

wichtige Rolle

zu. Ein Beispiel

seien etwa vertiefende

Kenntnisse

über das Nachfrageverhalten

der Kunden

und vorausschauende

Be-

Indus-Finanzchef

Rudolf Weichert

standsplanung.

Voraussetzung sei eine möglichst

gute Datenbasis.

Mittelständler müssten dafür

vielerorts noch vorhandene ältere

ERP-Systeme ersetzen. Allerdings

fehle vielen kleineren

Betrieben das für die Implementierung

neuer komplexer und intelligenter

Lösungen notwendige

Knowhow. Software- und Systemhäuser

wiederum machten

bei der Einführung oft Fehler,

„weil sie die Individualität eines

Unternehmens nicht kennen

und erfahrene

Implementierungsberater

schwer zu finden

sind“. Deshalb

unterstütze

die Indus-Gruppe

ihre Portfoliofirmen

dabei,

voneinander

zu lernen: „Wir

betreiben unter unserem Dach

Knowhow-Sharing. Es muss ja

nicht unbedingt jeder Betrieb

den bereits woanders gemachten

Fehler wiederholen.“ [!]

Jürgen Hoffmann Aus tausenden von Daten lassen sich Prognosen erstellen.

FOTO: ELNUR/SHUTTERSTOCK.COM

www.ep-group.de

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wirtschaftlich und fl exibel – unsere

Werte als Familienunternehmen

sind die Basis für unseren langfristigen

Erfolg als kompetenter

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Bald auch gemeinsam mit Ihnen?“

Winfried Keppler

Gründer und Geschäftsführer

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Maschinenbau

Fahrzeugtechnik

Elektrotechnik

IT & Kommunikation

Luft- & Raumfahrt

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unternehmen [!] TITELTHEMA 11

„Wir machen Städte

zukunftsfähig“

Klaus Eder Energie liefern war gestern. Längst helfen die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm

Unternehmen Energie effizienter einzusetzen, bauen die Infrastruktur für die digitale Zeit

und bieten dank Sensor- und Funktechnik neue Dienstleistungen an.

Stadtwerke waren früher die Goldesel der Kommunen,

sie galten als verstaubte Staatsbetriebe,

die kaum wettbewerbsfähig sind. Wie sehen

Sie das?

Die Stadtwerke wurden schon mehrfach totgesagt,

beispielsweise in den 1990er Jahren von den

großen Energiekonzernen. Doch es ist genau das

Gegenteil eingetreten. Damals gab es rund 600

Stadtwerke, heute sind es etwa 800 Stadtwerke

und Regionalversorger. Man sollte mit solchen

Prognosen vorsichtig sein, schon weil die Stadtwerke

einen kommunalen Auftrag zur Daseinsvorsorge

haben. Natürlich wird es schwieriger

und wir müssen uns mehr anstrengen. Allein

wenn man sich die Wünsche und Anforderungen

an den öffentlichen Nahverkehr anschaut, wird

das klar.

Der ÖPNV ist nur eines Ihrer großen Themen. Ihre

Aufgaben werden komplexer und der Wettbewerb

härter.

Kostenloser

ÖPNV in der

Region würde pro

Jahr 40 Millionen

Euro kosten.

Das ist richtig. Die Stadtwerke

Ulm/Neu-Ulm decken mit einer

großen Bandbreite an Produkten

und Dienstleistungen die Bedürfnisse

von mehr als 200 000 Menschen

in der Region Ulm/Neu-

Ulm ab. Das reicht von Energie,

Trinkwasser, Telekommunikation

bis hin zu Mobilität. Damit

müssen wir uns als kommunales Unternehmen

intensiv mit den Megathemen Energiewende,

künftige Mobilität und Digitalisierung auseinandersetzen.

In der Klimaschutzdebatte gibt es die Forderung

nach Gratis-ÖPNV. Was würde das in der Region

Ulm/Neu-Ulm kosten?

Die SWU haben aktuell Fahrgeldeinnahmen von

etwa 18 Millionen Euro. Am Ende tragen wir ein

Defizit von rund 20 Millionen Euro. Sprich: Es

müssten also mindestens 40 Millionen Euro für

den ÖPNV bereitgestellt werden, um diesen in

der aktuellen Qualität weiterzuführen.

Wie sinnvoll ist kostenloser ÖPNV?

Das ist zu allererst eine politische Frage. Wenn

das so von unseren Gesellschaftern gewollt wird,

müssen wir mit der Politik eine Finanzierungslösung

finden. Bisher gleichen die Erträge anderer

SWU-Geschäftsbereiche das Defizit aus.

Was ist Ihre persönliche Meinung?

Anstatt eines kostenlosen ÖPNVs würde ich einen

Teil der 40 Millionen dafür verwenden, die

Infrastruktur an sich zu verbessern oder den

Komfort in den Fahrzeugen zu erhöhen. Meines

Erachtens ist es nicht der Ticketpreis, der Menschen

davon abhält, öffentliche Verkehrsmittel

zu benutzen. Eine viel größere Rolle spielen der

Komfort und die Qualität, die sich noch deutlich

verbessern können.

Wie soll das geschehen?

Dafür sind massive Investitionen nötig, in Ticketsysteme,

Abrechnungssysteme,

Echtzeitauskünfte und vieles

mehr. Also letztlich alles, was dazu

führt, dass die Kunden die Mobilität

angeboten bekommen, die sie

brauchen, um auf ihr eigenes Auto

zu verzichten.

Apropos Klimaschutz, wie sieht

die Klimabilanz der SWU aus?

Gut, denn wir sind schon seit mehr als zehn Jahren

im Umwelt- und Klimaschutz tätig. Früher

war das auch Bestandteil unseres Werbeslogans,

heute heben wir vor allem auf Verlässlichkeit ab.

Aber wir setzen unsere Anstrengungen fort. Allein

mit dem Bau der Straßenbahnlinie 2 konnten

wir 11 alte Dieselbusse durch Straßenbahnen ersetzen,

die mit SWU-Naturstrom betrieben werden.

Das ist eine 100-prozentige CO2-Einsparung.

Über Contracting und effizientere Anlagen

sparen wir ebenfalls Emissionen ein. Wir sind

auf einem guten Weg. Nicht zuletzt auch durch

die erneuerbaren Energien in der Grundversorgung.

Klaus Eder ist seit Juli 2015 Geschäftsführer der Holding der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm.

Zur Person

Klaus Eder kam

2015 zu den Stadtwerken

Ulm/Ulm und

war wegen der damals

hohen Verluste

gleich als Krisenmanager

gefragt. Der

45-Jährige Allgäuer

(Blaichach) absolvierte

nach der Fachoberschule

zunächst eine

Lehre als Elektroniker

bei Bosch, studierte

später Elektrotechnik.

Während er beim Versorger

MVV in Mannheim

arbeitete, studierte

er berufsbegleitend

Betriebswirtschaft.

Über die

Stadtwerke Überlingen

und Friedrichshafen,

an deren Fusion

er maßgeblich beteiligt

war, kam er nach

Ulm als Chef der

SWU-Holding. Eder

(verheiratet, drei Kinder

im Alter von 5 bis

10 Jahren) ist begeisterter

Skifahrer, wandert,

fährt Mountainbike

und kocht gerne.


12

TITELTHEMA unternehmen [!]

Ich bin

ein sehr

großer Fan der

Wasserstoff-

Technik.

Was meinen Sie damit?

Von Januar an stellen wird die gesamte Grundversorgung

im Strom auf erneuerbare Energien um.

Jeder Kunde, der bei uns in der Grundversorgung

ist, wird dann Strom aus Wasserkraft bekommen.

Diesen erzeugen wir nicht komplett selbst, sondern

kaufen ihn über Zertifikate zu. Doch auch das

führt dazu, dass Investitionsmittel für Wasserkraft

zur Verfügung stehen.

Warum tun Sie das, Sie haben doch auch eine Beteiligung

am Kohle-Kraftwerk Lünen?

Wir sehen das als unseren Beitrag zum Klimaschutz.

Den Strom aus dem Kraftwerk in Lünen

vermarkten wir anderweitig. Wir sehen den Kohleausstieg

ebenfalls positiv und als Aufgabe für

uns, auch in diesem Kontext die Versorgung sicherzustellen.

Dies wir uns aller Voraussicht nach

auch gelingen.

Zurück zum ÖPNV: Wann fahren Ihre Busse mit

Brennstoffzellen?

Ich bin ein großer Fan der Wasserstoff-Technik.

Mir gefällt die Idee, überschüssige erneuerbare

Energie, die wir vor allem in den nördlichen Bundesländern

haben, in Wasserstoff zwischenspeichern

zu können und diesen dann für Mobilität

oder andere Anwendungen per Brennstoffzelle zu

nutzen. Das ist deutlich sinnvoller als im Schwerlastverkehr

mit Batterien zu fahren, denn die

Fahrzeuge sind zu schwer. Daher sollten beide

Technologien weiterverfolgt werden, um für die

jeweilige Technik die besten Einsatzmöglichkeiten

zu finden.

Woran hapert es?

Bis vor kurzem waren die deutschen Bushersteller

nicht in der Lage, batteriebetriebene Fahrzeuge auf

den Markt zu bringen. Bei der Brennstoffzelle sieht

es leider ähnlich aus. Dennoch gehe ich davon aus,

dass sich irgendwann ein Mix aus beiden Antriebsarten

ergeben wird, in dem Kurzstrecken

mit batteriebetriebenen Autos bewältigt

werden und die Brennstoffzelle im

Schwerlastverkehr und im überregionalen

Verkehr zum Einsatz kommt.

Klaus Eder trimmte die

Stadtwerke auf Effizienz und

führte sie so aus der Krise. Die

Kosten sanken dauerhaft um bis

zu 15 Millionen Euro.

Die SWU hätten doch aber auch die

Möglichkeit, E-Busse an den Haltestellen

zu laden.

Grundsätzlich ja, allerdings stehen die Busse

an den Endhaltestellen nur maximal zehn

Minuten. Diese Zeiten sind als Pausen für die

Fahrer gedacht und können meist nur eingehalten

werden, wenn der Fahrplan funktioniert.

Durch die vielen Störungen im Stadtverkehr

verkürzen sich die Pausen allerdings oft von zehn

auf vier Minuten. Die kurzen Standzeiten würden

nicht ausreichen, um die Busse wieder aufzuladen.

Zum andern ist die Bereitstellung einer solchen

Infrastruktur sehr teuer. Bei unseren zehn Linien

bräuchten wir 20 Ladeeinrichtungen an den Endpunkten

der Linien. Das würde hohe Investitionen

erfordern.


unternehmen [!] TITELTHEMA 13

Vor vier Jahren steckten die SWU tief in der Krise

und schrieben hohe Verluste. Wie haben Sie die

Kehrtwende geschafft?

Mitarbeiter und Führungskräfte haben sich 2015

zusammengesetzt und sich unsere Themen angeschaut.

Daraus haben wir das Programm „SWU

2025“ erstellt.

Mit welchem Ergebnis?

Wir haben zwei Punkte in den Fokus gerückt: Einerseits

stellen wir den Kunden noch stärker in

den Mittelpunkt. Das zweite Hauptaugenmerk lag

auf unserem Image. Wir wollten als verlässlicher

Partner für Menschen in der Region wahrgenommen

werden, der von Energie über Wasser und

Wärme bis hin zur Mobilität alles aus einer Hand

zuverlässig liefert.

Davon werden doch aber die Zahlen nicht besser?

Wir haben uns zudem unsere Prozesse genau angeschaut.

Viele Abläufe hatten sich historisch entwickelt.

Da gab es jede Menge Potenzial, effizienter

zu werden. Wir haben über natürliche Fluktuation

Personal in den Bereichen abgebaut, die überbesetzt

waren. Inzwischen bauen wir wieder Stellen

auf, weil wir für unsere neuen Geschäftsfelder Personal

benötigen.

Wie lief das konkret?

Nehmen Sie unsere Kundenakquise. Bis vor zehn

Jahren sind wir davon ausgegangen, dass die Kunden

irgendwann bei uns vorbeikommen, um sich

ein Strom- oder Gasangebot zu holen. Heute läuft

das zu 90 Prozent über Online-Vergleichsportale.

Die Menschen wollen ein günstiges Angebot – völlig

unabhängig von den Öffnungszeiten eines Anbieters.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Wir haben unsere drei gesonderten Kundenzentren

für Netz-, Verkehrs- und Telekommunikationskunden

zu einem zusammengefasst. Das hat

auch die Arbeitswelten der Mitarbeiter verändert.

Unsere Effizienzmaßnahmen haben aber unsere

Kosten dauerhaft um zehn bis 15 Millionen Euro

gesenkt.

Niedrigere Kosten sind bitter nötig, denn die Margen

aus dem Verkauf von Strom und Gas sind deutlich

gesunken?

Keine Frage, der Wettbewerb hat stark zugenommen.

Als Stadtwerk haben wir allerdings den Vorteil,

dass wir verschiedene Sektoren haben. Wir

können beispielsweise eine Photovoltaik-Anlage

planen, bauen und den daraus entstehenden Strom

Heute läuft das

Neugeschäft

zu 90 Prozent über

Vergleichsportale

im Internet.

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Der Kabelmesstrupp der

Stadtwerke-Netzgesellschaft

ist im Einsatz. Im

Umspannwerk West in

Ulm-Söflingen rollen die

Techniker Prüfkabel aus,

um Fehler im Stromnetz

genau zu orten.

vermarkten. Es gibt nur wenige Anbieter, die zu

solchen Komplettlösungen in der Lage sind. Außerdem

schaffen wir uns neue Geschäftsfelder,

indem wir einzelne Bereiche koppeln.

Was meinen Sie damit?

Bei unserem Carsharing-Angebot swu2go kombinieren

wir Ladesäulen aus dem Netzgeschäft,

den Stromvertrieb aus der

Energie und das Mobilitätsangebot

aus dem Verkehr. Auf diese Weise

entstehen neue Dienstleistungen

und Produkte, mit denen wir im

kommenden Jahr bereits eine Million

Euro erwirtschaften werden.

Wir koppeln

unsere

Angebote. Das

macht uns flexibler

und effizienter.

Warum ist diese Kopplung von Energieträgern

so wichtig?

Das ist eine neue Phase der Energiewende, diese findet

ja nicht nur im Strombereich statt. Wir brauchen

Lösungen für alle Bereiche der Energie, Wärme oder

eben Strom und Mobilität. Nur wenn wir alle gemeinsam

betrachten, kann die Wende gelingen. Deshalb

freut es mich, dass die SWU verschiedene Sektoren

koppeln können.

Was ist der große Vorteil daran?

Wir haben erst vor kurzem im Ulmer Norden eine

Anlage in Betrieb genommen, die Solarthermie mit

einem Blockheizkraftwerk kombiniert, also Strom

und Wärme gleichzeitig erzeugen

kann. Wir können also entscheiden,

ob wir mit der Anlage überwiegend

Strom oder Wärme produzieren.

Das macht uns flexibler und effizienter.

Warum gewinnen solche Kombinationen

erst jetzt an Bedeutung?

Stadtwerke haben aus der Tradition

heraus sehr stark in Sparten gedacht. Diese agierten

meist relativ autonom. Die Vorgabe für die Verantwortlichen

lautete: Unternehmer im Unternehmen

sein und die eigene Sparte vorantreiben. Daraus ergab

sich eine gewollte Konkurrenzsituation zwischen

den Bereichen.


unternehmen [!] TITELTHEMA

Wie ist das heute?

Heute steht die Kooperation der Unternehmensbereiche

im Vordergrund. Das bedeutet, dass manchmal

eine Sparte etwas zurückstecken muss, damit

eine andere sich entwickeln kann. Aus diesem

Grund haben wir vor vier Jahren auch die Zielvereinbarungen

aller Mitarbeiter vereinheitlicht, die

zentrale Größe für alle ist seither das Konzernergebnis.

Was ist mit Blick auf ihr Programm „SWU 2025“ die

größte Herausforderung bei der Stromerzeugung?

Der Ausbau der erneuerbaren Energien. Nehmen

wir den Kohleausstieg ernst, brauchen wir hier in

der Region dreimal mehr erneuerbare Energien, als

wir derzeit haben. Die SWU als versorgungssicherndes

Unternehmen sieht ihre Aufgabe darin, in

solche Anlagen in der Region zu investieren. Aus

diesen neuen Anlagen werden wir finanzielle Rückflüsse

haben, die Organisation dieser Anlagen und

das Management in den Netzen sind andererseits

die Basis, weitere Dienstleistungen zu entwickeln.

Gibt es überhaupt genügend Standorte, um den Anteil

von erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030 zu

verdreifachen?

Schauen Sie sich auf den Dächern in der Region

um. Allein was Photovoltaik betrifft, gibt es noch

ein immenses Potenzial. Und das, obwohl wir in

Ulm bereits einen hohen Anteil an Photovoltaik

haben. Das liegt zum einen an dem früheren Programm

der Solarstiftung, zum anderen an der

EEG-Förderung. An unseren zwei Modellorten

Hittistetten und Einsingen haben wir mehr Photovoltaik-Leistung

in den Netzen, als wir brauchen,

um die Menschen dort zu versorgen – zu Spitzenzeitpunkten

und mengenmäßig sowieso. In Ulm ist

das Potenzial erst ausgeschöpft, wenn alle nutzbaren

Dächer mit Ausnahme des Münsters mit

PV-Anlagen bedeckt sind.

Wie sieht es bei der Windkraft aus?

Da sind die Potenziale schwieriger einzuschätzen.

Das liegt vor allem daran, dass man sich in der Vergangenheit

auf die windstärkeren Regionen im Nor-

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16

TITELTHEMA unternehmen [!]

200 000 Kunden, 5000 Kilometer Netze und 36,8 Millionen Fahrgäste

Mit der neuen Linie 2 haben die SWU Ulm/Neu-Ulm elf alte Dieselbusse durch Straßenbahnen ersetzt.

Foto: Oliver Schulz

Die Wurzeln der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm

gehen auf das Jahr 1853 zurück. Im Jahr 2018

erzielten die SWU mit rund 950 Mitarbeitern

einen Jahresumsatz von 471 Millionen Euro

und einen Gewinn von 3,3 Millionen Euro. Allerdings

sind in den Vorjahren hohe Verluste

aufgelaufen, so dass der Konzernbilanzverlust

immer noch 75,7 Millionen Euro beträgt.

94 Prozent der Anteile hält die Stadt Ulm,

6 Prozent die Stadt Neu-Ulm. Mit ihren

5000 Kilometer langen Netzen betreuen die

Stadtwerke insgesamt rund 200 000 Kunden.

Zum 1. Januar steigt der Preis für eine

Kilowattstunde in der Grundversorgung um

2,51 Cent auf 31,59 Cent brutto.

Die SWU Energie GmbH produzierte im

vergangenen Jahr 371,4 Millionen Kilowattstunden

(kWh) selbst, verkaufte aber rund

1,2 Milliarden kWh . Von der Eigenproduktion

entfielen 55 Prozent auf die Beteiligung am

Kohlekraftwerk Lünen, der Rest unter anderem

auf regionale Wasserkraftanlagen

(21 Prozent). Der Unternehmensbereich

Nahverkehr beförderte 36,8 Millionen Fahrgäste

auf 18 Linien mit einer Gesamtlänge

von 224 Kilometern – in 52 Linienbussen und

22 Straßenbahnen. Der Neubau der Straßenbahnlinie

2 kostete samt Fahrzeugkauf rund

269 Millionen Euro.

Wir helfen

Firmen

dabei, Energie

effizienter zu

nutzen oder

einzusparen.

den Deutschlands konzentriert hat. Bayern und Baden-Württemberg

haben wenig dafür getan, dass

Windkraft-Anlagen entstehen können. Wenn sich

dies in den nächsten Jahren ändert und Hersteller

auch im Süden ein wirtschaftliches Potenzial sehen,

werden sicher auch für Schwachwind-Gebiete effiziente

Anlagen entstehen. Dann werden wir sicher

darüber diskutieren, wo Windkraft-Anlagen in der

Region entstehen können.

Wie verändert sich Ihr Geschäftsmodell generell?

Wir wandeln uns vom reinen Energielieferanten

zum Dienstleister und Ermöglicher für Kommunen

und Gewerbe- und Industriekunden. Ein Beispiel ist

das Energie-Contracting. Das heißt konkret, wir

helfen Unternehmen dabei, Energie effizienter zu

nutzen oder einzusparen und dabei Investitionen in

diese Richtung zu bewerkstelligen. Bei Investitionen

beispielsweisee in neue Heizungsanlagen,

Kraftwärmekopplungsanlagen oder eine neue Beleuchtung

unterstützen wir und setzen diese für die

Unternehmen um.

Was heißt das konkret?

Es kann passieren, dass die Energiezentrale aus einem

Unternehmen gelöst wird und wir diese übernehmen,

sanieren, neu aufbauen und die benötigte

Energie anschließend effizienter und zu günstigeren

Konditionen bereitstellen. Insbesondere in der

Wärmeerzeugung. Wir können in der Kraftwärmekopplung

Blockheizkraftwerke effizient einsetzen

und die Wärme günstig an den Kunden herausgeben,

indem wir den Strom vermarkten. Der Einsatz

dieser Anlagen wird im Übrigen von unserer Leitstelle

gemanagt, die rund um die Uhr besetzt ist.

Wo sehen Sie noch Perspektiven für die SWU?

Wir bieten Kommunen die Unterstützung bei Quartiersentwicklungen

an. So geschehen unter anderem

beim Projekt „Wohnen am Illerpark“ in Neu-

Ulm. Dort, wo Städte neue Baugebiete ausweisen,

entwickeln wir mit ihnen zusammen ein Konzept

zur Wärme-, Strom- und Mobilitätsversorgung vor

Ort.

Was ist daran besonders?

Früher hat jede Sparte der SWU ihre Leitungen

reingelegt. Heute findet eine ganzheitliche Betrachtung

statt. In Neu-Ulm etwa entsteht eine Wärmeversorgung

per Wärmepumpe, für die wir den Illerkanal

anzapfen, über den wir per Wasserkraft auch

Strom erzeugen. Wir legen Glasfaserkabel bis in die


unternehmen [!] TITELTHEMA 17

Wohnungen und ermöglichen über Straßenlaternen

5G-Internet-Verbindungen und über den Quartierspeicher,

der die PV-Energie aufnimmt, das Nutzen

von Elektromobilität. Ein sehr komplexes System,

welches nur wir als Dienstleister in seiner Gesamtheit

aufbauen und steuern können. Deshalb versuchen

wir mit den Kommunen immer mehr solcher

Zukunftsprojekte zu realisieren.

Gas, Strom, Wasser, Internet: Die SWU verfügt über

einen Schatz von Daten. Wie lassen sich darüber

neue Geschäftsmodelle ableiten?

Gemeinsam mit drei Ulmer IT-Firmen haben wir als

SWU die Citysens GmbH gegründet. Schon allein

diese Tatsache ist eine Premiere in der Stadtwerke-Landschaft:

Ein kommunales Unternehmen geht

eine Verbindung mit IT-Firmen ein. Gemeinsam

wollen wir ausloten, welche neuen Geschäftsmodelle

durch die Digitalisierung möglich sind.

Wie funktioniert das?

Die Intiative „ulm.digital“, die von der Stadt gegründet

wurde und in der die SWU Mitglied sind, hat

ein Niederfrequenz-Funknetzwerk (Lorawan) aufgebaut

und stellt es allen Interessierten kostenlos

zur Verfügung. Es ist ein Netz für das Internet der

Dinge.

Wie nutzen die SWU und Citysens dieses Funknetzwerk?

Es eröffnet uns Möglichkeiten, Bürgern neue

Dienstleistungen anzubieten oder unsere Abläufe

zu optimieren. So lässt sich mit Sensoren und Lorawan

beispielsweise sehr gut zeigen, wo freie Parkplätze

am Straßenrand sind. Ebenso kann man das

Lademanagement für Elektroautos steuern.

Wie geht das?

Denken Sie an Ladesäulen in Parkhäusern. Die Nutzer

können künftig kommen und sagen, bis wann ihr

Auto aufgeladen werden soll und wir organisieren,

dass genügend Leistung zur Verfügung steht und

der Akku zur gewünschten Zeit voll ist. Es wird Leute

geben, die ihr Fahrzeug fünf Tage stehen lassen

aber auch Menschen, die in zwei Stunden 30 Prozent

mehr Ladung in dem Fahrzeug brauchen, um

eine weite Strecke zu bewältigen. Diese Abläufe

versuchen wir mit Daten, Erfahrungen aber auch

mit Sensorik zu organisieren. Mit solchen Modellen

machen wir die Städte zukunftsfähig.

Gibt es weitere Beispiele?

Wir prüfen, wie wir mit Sensorik die Füllstände öffentlicher

Mülleimer messen können. Heutzutage

laufen Müllwerker ihre Strecken ab und agieren auf

Basis von Erfahrungswerten. Wir wollen diesen

Prozess automatisieren. Müllbehälter und beispielsweise

Glascontainer sollen nur noch geleert werden,

wenn die Behälter voll sind.

Mit Hilfe von Sensoren und

eines Funknetzwerkes will

Klaus Eder künftig unter

anderem Ladesäulen für

E-Autos und die Leerung

von Containern besser

steuern.

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SWU-Geschäftsführer

Klaus Eder im Gespräch

mit Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter des

Magazins unternehmen[!].

Das Interview führte

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

Unternehmen [!]

Dokumentation:

Ronja Gysin

Fotos:

Marc Hörger

Gibt es schon greifbare Ergebnisse bei Citysens?

Citysens bietet Stadtwerken und Kommunen bundesweit

das Know-how an, wie Lorawan-Netzwerke

entstehen: also wieviel Antennen man benötigt, um

eine Stadt zu versorgen, wie man das organisiert,

welche Hardware und Software nötig ist. Das wird

sehr gut angenommen. Zudem haben wir bei freiwilligen

Kunden 40 Lorawan-Stromzähler in unseren

Netzen.

Welcher Gedanke steckt da dahinter?

Wir wollen in Echtzeit Stromzähler

auslesen, um schneller an die

Daten zu kommen und unsere Prozesse

effizienter zu machen. Ein

anderes Projekt ist noch etwas

greifbarer. Dabei haben wir alle

Menschen gezählt, die über den

Bahnhofssteg gingen, um festzustellen,

ob dieser ausreichend ist

oder vergrößert werden sollte.

Aufgaben dieser Art erfüllen wir mit der Citysens

GmbH und bereiten die Daten so auf, dass sie für

die Städte und Kommunen nutzbar werden.

Wir bieten

unser

Know-how mit

Sensoren anderen

Kommunen an.

Wenn die Auslesung von Stromzählern über Lorawan

möglich ist, welchen Grund gibt es noch für

Smart-Meter, die Zählerwerte speichern, Daten

verarbeiten und versenden?

Die Bundesnetzagentur und die Bundesregierung

sind der Auffassung, dass Smart Meter unterstützend

wirken beim Einsparen und Monitoring vom Stromverbrauch

und haben die Einführung der vergleichsweise

teuren Geräte vereinbart. Das sehen wir eher

kritisch. Allerdings werden wir früher oder später

leider dazu verpflichtet sein, Smart Meter einzubauen.

Warum sehen Sie das kritisch?

Weil wir es mithilfe des Smart Meter nicht schaffen

werden, den Stromverbrauch zu senken.

Schließlich hat auch die Verbrauchsanzeige in

Pkws nicht dazu geführt, dass der Spritverbrauch

gesunken ist. Stattdessen brauchen wir effizientere

Geräte. Auch für die Steuerung

der Netze sind Smart Meter nicht

nötig. In Einsingen und Hittistetten

haben wir gesehen, dass es

ausreicht, wenn wir an bestimmten

Schwerpunkten wie Trafo-Stationen

oder Schaltanlagen in den

Netzen messen und steuern.

Wie groß sind die Sicherheitsrisiken

von Smart Meter?

Die sind nicht so dramatisch, wie es manche darstellen.

Es gibt Gateways, als Übergabestellen, die

als digitale Türen zu den Zählern fungieren. Die

Anforderungen an diese sind höher als an die Software

von Geldautomaten. Allerdings gibt es bisher

nur ein Gateway, das diese hohen Ansprüche erfüllt

und zugelassen ist. Aber selbst, wenn es einem

Hacker gelänge, in ein Smart Meter einzudringen,

könnte er nur wenig Schaden anrichten.

Er könnte momentan nur den Stromverbrauch des

Kunden sehen.


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19

Mittelstand finanzieren

in turbulenten Zeiten

Die Märkte sind in Bewegung. Umso wichtiger

ist es für Unternehmer aus dem schwäbischen

Mittelstand, dass sie einen verlässlichen

Partner an ihrer Seite haben. Mit Beratern,

die sie verstehen. Mit Zusagen, auf

die sie auch in turbulenten Zeiten zählen

können. Und mit Finanzierungslösungen,

die genau auf den Bedarf ihres Unternehmens

zugeschnitten sind.

Patchwork auf der Passivseite der Bilanz: Für

die Finanzierungsexperten bei der HypoVereinsbank

Baden-Württemberg Ost ist das

nichts Ungewöhnliches. Oft kommen Unternehmer

zu ihnen, die mit der Finanzierungsstruktur

ihrer Firma nicht mehr zufrieden

sind. Bei manchen Unternehmen hat sich

über die Jahre ein Flickenteppich aus unterschiedlichen

Krediten angesammelt. Das

kann irgendwann zur Belastung werden. Viele

Bedingungen, unterschiedliche Fälligkeiten,

ständig anzupassende Linien, dazu die Reporting-Pflichten

– das alles effizient zu managen,

kostet viel Energie.

„Viele Unternehmen kommen irgendwann an

einen Punkt, an dem sie auch für ihre Finanzierung

eine ganzheitliche Strategie entwickeln

wollen“, sagt Guido Krickl, Leiter des Firmenkundengeschäfts

der HypoVereinsbank

in der Region Baden-Württemberg Ost. Oft

gibt ein äußerer Anlass dafür den Anstoß: ein

Wachstumssprung, eine größere Akquisition

oder die Übergabe an eine neue Generation

zum Beispiel. In solchen Momenten ist es

wichtig, die Finanzierung optimal an die strategischen

Anforderungen der neuen Unternehmensphase

anzupassen. Es lohnt sich jedoch,

bereits zu einem früheren Zeitpunkt

Kontakt mit einer kompetenten Bank aufzunehmen.

Denn Banken sind oft ein guter Sparringspartner.

Die Hausbank kennt das Unternehmen

in der Regel sehr gut, verfügt aber

auch über Erfahrung von anderen Unternehmen

in vergleichbarer Situation.

Verlässliche Partner

Die Entscheidung für eine bestimmte Form

der Finanzierung hat natürlich auch etwas mit

der Größe einer Firma oder dem Grad der Internationalisierung

zu tun. Üblicherweise

folgt auf eine Ansammlung bilateraler Kredite

zunächst die Entscheidung für eine Syndizierung

in einem Konsortialkredit. Dabei werden

mehrere bilaterale Kredite abgelöst durch eine

strukturierte Finanzierungslösung, an der

sich mehrere Banken beteiligen. Der Konsortialkredit

gibt den Unternehmen Sicherheit:

Durch eine feste Laufzeit – in der Regel fünf

Jahre – bietet er ihnen für diesen Zeitraum Finanzierungssicherheit.

Zweitens ist sichergestellt,

dass einzelne Banken innerhalb der vereinbarten

Frist nicht einfach ihr Engagement

zurückfahren können.

Und schließlich drittens: Statt mehrerer Verträge

muss das Unternehmen fortan nur noch

einen klaren Vertrag erfüllen. Der Managementaufwand

reduziert sich dadurch in der Regel

deutlich. Anders gesagt: Das Plus an Sicherheit

wiegt in der Regel den anfänglich etwas

höheren Strukturierungsaufwand mehr als

auf. Schuldscheindarlehen oder gar die Ausgabe

einer Unternehmensanleihe kommen

erst zu einem späteren Zeitpunkt hinzu, wenn

das Unternehmen eine gewisse Größe erreicht

und professionelle Strukturen im Finanzmanagement

aufgebaut hat. Damit sich

der Aufwand lohnt, sollte das Finanzierungsvolumen

einer Unternehmensanleihe mindestens

200 bis 250 Millionen Euro betragen.

Schuldscheine sind dagegen schon ab einem

Volumen von etwa 20 bis 30 Millionen Euro

möglich.

Vorsprung durch internationale

Marktkompetenz

Bei der Expansion in internationale Märkte

kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Marktkompetenz.

Eine stabile Beziehung zu einer

Bank mit internationaler Erfahrung ist in dieser

Phase oft erfolgsentscheidend. Denn die

Expansion ins Ausland stellt viele Unternehmen

vor große Herausforderungen. Dazu gehören

genaue Kenntnisse über die Eigenheiten

des Marktes ebenso wie die Absicherung

vor Ausfallrisiken und die Organisation von

reibungslosen Prozessen, zum Beispiel im

Zahlungsverkehr.

„Wie auch immer die konkrete Lösung im Einzelfall

aussieht: Die Gelegenheit für eine Neuordnung

der Passivseite ist auf jeden Fall

günstig. Und das nicht nur wegen der zurzeit

niedrigen Refinanzierungskosten“, sagt Guido

Krickl. Mit einer Strukturierung der Passivseite

können Unternehmen ihre Kernbanken

langfristig an sich binden und in verlässliche

Bankbeziehungen investieren. Das nützt am

Ende beiden Seiten. Darüber hinaus zahlt sich

eine Partnerschaft mit einer starken, international

aufgestellten Bank auch langfristig aus.

Mit einer 150-jährigen Tradition im deutschen

Markt begleitet die HypoVereinsbank Unternehmen

vertrauensvoll auf ihrem Weg und

steht ihnen bei vielen ihrer Finanztransaktionen

zur Seite. Dank des voll integrierten Corporate

und Investment Banking profitieren

Unternehmen nicht nur von einem führenden

Produktangebot im Auslandszahlungsverkehr,

dem Währungsgeschäft, der Zinssicherung

oder beispielsweise dem Cash Management,

sondern auch im Kapitalmarktgeschäft

und strukturierten Finanzierungen.

Guido Krickl

Direktor

Leiter Baden-Württemberg Ost

HypoVereinsbank – Unternehmer Bank

Mobil (0172) 8524373

eMail: guido.krickl@unicredit.de

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20

SPEZIAL unternehmen [!]

Träumer mit

Bodenhaftung

Weihnachtszirkus Eine Saison dauert drei Wochen. Dafür arbeitet

Elmar Kretz das ganze Jahr. Das Porträt eines Idealisten.

Mit dem Weihnachtszirkus hat sich Elmar Kretz einen Kindheitstraum erfüllt.

Wir verdienen

Geld, um Zirkus

zu machen

und nicht anders

herum.

Elmar Kretz

Zirkusdirektor

FOTOS: MARISA MADER

Als kleiner Junge hatte

Elmar Kretz einen

Traum: Zirkusdirektor

werden! Das Problem

war: Seine Eltern führten einen

Gasthof im Westallgäu – weit

weg von Artistik, Akrobatik und

jeder Art von Zirkusleben. Doch

Elmar Kretz gab nicht auf. Nach

einer Ausbildung zum Koch ist

der 40-Jährige heute tatsächlich

das, was er sich als Kind erträumt

hat. Seit zwölf Jahren ist

er Direktor und Veranstalter des

Ravensburger Weihnachtscircus.

Mittlerweile kommen zwischen

Ende Dezember und Anfang

Januar rund 40 000 Menschen

zu den 30 Veranstaltungen.

„In den letzten Jahren

haben wir es geschafft, eine große

Vertrauensbasis zu schaffen“,

sagt Elmar Kretz und meint mit

„wir“ die Elmar Kretz Entertainment

GmbH. „Erste Tickets kaufen

die Zuschauer bereits im

März, ohne das Programm genau

zu kennen“, erzählt er. „Wir

haben festgestellt, dass Besucher

eine Fahrt von bis zu hundert

Kilometern auf sich nehmen.“

Rund 60 Prozent der zwischen

18 und 49 Euro teuren Eintrittskarten

gingen schon im

Vorverkauf weg. Zu den Anfangszeiten

seien das nur zehn

Prozent gewesen.

„Wir haben mit verdammt

kleinen Brötchen angefangen.

Die ersten drei Jahre waren

knallhart“, erklärt Elmar Kretz.

„Dafür hatten wir in den letzten

Jahren fast immer vier bis fünf

Prozent Umsatzplus.“ Das sei

ein extrem konstantes und gesundes

Wachstum. Sein Umsatz

liegt im siebenstelligen Bereich.

Der Unterschied zu vielen anderen

in diesem Gewerbe: Kretz

hat keinen familiären Zirkus-Hintergrund.

Aber viel Enthusiasmus.

„Wir verdienen

Geld, um Zirkus zu machen und

nicht anders herum“, sagt er.

„Die Leidenschaft steht für mich

im Vordergrund, nicht der Kommerz.

Ich produziere das, was

mir gefällt, weil ich hoffe, dass

es auch beim Publikum ankommt.“

Wildtiere spielen in den

Shows nur eine untergeordnete

Rolle, auch wenn die Nachfrage

ganz klar da sei. Viel wichtiger

als reine Exotik ist ihm die Qualität:

„Wir verkaufen eine Mischung

aus artistischer Höchstleistung

und Emotionen.“ Elmar

Kretz selbst konzentriert sich

auf seine Pferde. Er hat sich

mittlerweile mit Pferde-Shows

und als Trainer einen Namen gemacht.

Friedhofsgärtner wird Portier

Alle Pferde aus seinen Vorstellungen

gehören ihm selbst. Sie

leben in seiner Allgäuer Heimat

und werden dort von ihm fast

täglich mehrere Stunden lang

trainiert. Außerdem kümmert

sich eine Vollzeitangestellte um

die Tiere. Zwei Teilzeit-Angestellte

unterstützen Elmar Kretz

bei Pressearbeit und Marketing.

Erst zur Zirkuszeit wächst

das Team auf rund 50 Personen

an. Das besondere daran ist,

dass viele Helfer unterm Jahr

ganz normalen Berufen nachgehen

und nur im Dezember Zirkusluft

schnuppern. Dafür aber

alle Jahre wieder. Peter Deck begrüßt

zum Beispiel seit Beginn


unternehmen [!] SPEZIAL 21

Ein Modell des Zelts hat Kretz digital auf seinem Tablet.

Wenige Wochen im Jahr steht das Zelt, die meiste Zeit ist es eingelagert.

Sobald wir

plakatiert

haben, geht der

Ticketverkauf

steil nach oben.

an die Zirkus-Besucher in seiner

Funktion als Portier – ist

aber sonst als Friedhofsgärtner

tätig.

Rund 2,50 Euro beträgt das

Marketing-Budget pro Besucher.

Online-Werbung macht Elmar

Kretz, „weil es dazu gehört“ – einen

spürbaren Erfolg kann er

dadurch nicht erkennen. Ganz

anders bei der Plakatierung:

„Sobald wir plakatiert haben,

geht der Ticketverkauf steil

nach oben.“

Doch diese Werbeform ist

mühsam. Tausende der Plakate

hängen in der Region. Viele

davon an Privathäusern. Das bedeutet:

hinfahren, klingeln, anfragen,

Plakat aufhängen – und

auch wieder abhängen. Das ist

zwar aufwendig, aber Elmar

Kretz sagt: „Bei uns in der Zirkuswelt

gilt: Geht nicht gibt‘s

nicht!“

Vergleichbar mit Oktoberfest

Das Zelt gehört dem Zirkusdirektor

selbst. Im vergangenen

Jahr ließ Kretz es für rund

1 Do., 06.02.2020

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2 Do., 05.03.2020

Leander Govinda

Greitemann

Perspektivenwechsel

3 Do., 02.04.2020

Eric Standop

Gesichtssprache

4 Do., 28.05.2020

Eva Ullmann

Humorfaktor

5 Do., 10.09.2020

Laura Kellermann

Leichtigkeit

6 Do., 08.10.2020

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8 Do., 17.12.2020

Dr. Henning Beck

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22

SPEZIAL unternehmen [!]

Vom Reitplatz zur Gastronomie

Das Jahr über trainiert Kretz mit seinen Pferden für die Auftritte beim Weihnachtszirkus.

FOTO: MARESA MADER

Im kommenden Jahr übernimmt Elmar

Kretz den Gasthof Adler seiner Eltern in

Oberreute im Allgäu zwischen Lindenberg

und Oberstaufen. Kretz hat große Pläne und

will aus dem Gasthof, der seit 1864 im Familienbesitz

ist, ein neues Familien-Freizeitziel

machen: mit einer Arena für kommentierte

Pferdetrainings, Spielplatz mit großer Rutsche,

Indoor-Kletterparcour, Markt- oder

Manufakturhalle und Gastronomie. Angedacht

ist ein „Pay by Ride“-Modell ohne generellen

Eintritt. Bezahlt wird nur, was genutzt

wird. Wichtig ist Elmar Kretz, dass es

für Familien erschwinglich bleibt.

Der Ravensburger Weihnachtscircus

startet am 21. Dezember in seine zwölfte

Saison mit neuem Programm. Der 40-Jährige

selbst tritt bereits seit 16 Jahren in der

Manege auf. Zwischenzeitlich produzierte

der gebürtige Allgäuer auch eine eigene Dinner-Varieté-Show.

100 000 Euro runderneuern. Es lagert

in einer Halle und wird in seltenen

Fällen für Großveranstaltungen

vermietet. Das Equipment für

Sound und Licht wird jedes Jahr angemietet.

Die Gagen der Künstler, Abgaben

an die Künstlersozialkasse, Kosten

für Visa, Flüge und Hotels, Tierfutter

und so weiter – da kommt einiges

zusammen. Beeinträchtigungen

gibt es manchmal auch von Seiten,

von denen man sie auf den ersten

Blick nicht vermutet: Die Terroranschläge

in Paris im November 2015

haben dem Weihnachtszirkus beispielsweise

ein Minus von rund

zehn Prozent beschert.

Wir haben nur

rund drei Wochen

Zeit, um unseren

Jahresumsatz zu

machen.

Das ist ärgerlich, denn finanziell

gesehen hat der Weihnachtszirkus

ein großes Ziel: „Wir haben nur

rund drei Wochen Zeit, um unseren

Jahresumsatz zu machen“, sagt Elmar

Kretz. „Das ist vergleichbar mit

einem Festzelt auf dem Oktoberfest.

Auch da ist ähnlich wenig Zeit, um

den Hauptjahresumsatz zu generieren.“

Er könne mehr erwirtschaften,

wenn er rein finanziell dächte, sagt

er. So besteht zum Beispiel sein Orchester

aus 14 Musikern. Wären es

nur neun, würden die Zuschauer den

Unterschied kaum merken – aber

der Direktor! „Ich bin eben ein Träumer,

der mit den Füßen auf dem Boden

steht.“ [!]

Julia Rizzolo

Zur Person

Elmar Kretz ist als

ältester Sohn einer

Land- und Gastwirtsfamilie

im Allgäu

aufgewachsen.

Nach Tätigkeiten in

der Gastronomie,

präsentierte er mit

24 seine erste Darbietung

mit Pferden.


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 23

Vetter setzt

auf Roboter

Automatisierung Die Vetter

Pharma International GmbH

aus Ravensburg setzt in Zukunft

verstärkt auf kollaboratives Arbeiten

zwischen Mensch und

Maschine. Bei Vetter unterstützt

der kollaborative Zweiarmroboter

YuMi seit 2018 automatisierte

Vorgänge im Bereich Sekundärverpackung.

Nun sollen zwei

weitere dieser Art angeschafft

werden. Das Familienunternehmen

Vetter ist internationaler

Spezialist in der Fertigung von

vorgefüllten Injektionssystemen

mit 4600 Mitarbeitern. Der Umsatz

im Jahr 2018 lag bei 595 Millionen

Euro.

Neue Zentrale

geplant

Anlagenbau Die Stadler Anlagenbau

GmbH hat ihre neue

Zentrale in Altshausen in Betrieb

genommen. Allein der dritte

Bauabschnitt des Verwaltungsgebäudes

kostete 7,6 Millionen

Euro. Insgesamt investierte

das Unternehmen hier in

den letzten fünf Jahren 30 Millionen

Euro. Die Stadler Anlagenbau

GmbH ist Spezialist für

die Herstellung von automatisierten

Sortieranlagen für die

Recyclingindustrie. Sie hat über

300 Mitarbeiter und Vertriebsniederlassungen

in mehr als 20

Ländern.

Raiba Aulendorf

erwägt Fusion

Bank Die Aulendorfer Raiffeisenbank

überlegt, mit einer benachbarten

Genossenschaftsbank

zu fusionieren. Es laufen

bereits Sondierungsgespräche.

Eine Abstimmung könnte im

Jahr 2020 erfolgen. Die Niedrigzinspolitik

der Europäischen

Zentralbank schränkt den Zinsüberschuss

und damit die

Haupteinnahmequelle bei Kreditinstituten

enorm ein. Die Genossenschaftsbank

hat rund

1500 Mitglieder. Der Provisionsüberschuss

stieg im Geschäftsjahr

2018 um knapp 60 Prozent

auf 474 000 Euro.

Für die Arbeit auf der ISS trainieren die Astronautinnen am Boden.

Airbus bildet Astronautinnen aus

US-Standort

wird ausgebaut

Biopharma Rentschler aus

Laupheim plant Mitte 2020 einen

500-Liter-Bioreaktor zur

Protein-Gewinnung aus Zellkulturen

in Milford/USA in Betrieb

zu nehmen. Seit rund einem Jahr

ist die Firma dort mit 80 Mitarbeitern

aktiv. Die Rentschler

Biopharma SE ist ein führendes

Dienstleistungs unternehmen

für Biopharmazeutika mit rund

850 Mitarbeitern.

OSK plant neues

Parkhaus

Erweiterung Das St. Elisabethen-Klinikum

in Ravensburg

soll ein neues Großparkhaus bekommen.

Dies hat der Ravensburger

Kreistag beschlossen.

Die derzeit 765 Parkplätze reichen

nicht aus. Mitte 2020 soll

es detaillierte Planungen dazu

geben. Das Krankenhaus gehört

zum Verbund der Oberschwabenklinik

gGmbH. Das kommunal

getragene Unternehmen versorgt

jährlich mehr als 175 000

Patienten.

11 Millionen Euro

für Milchbauern

Landwirtschaft Freude bei den

Bauern der Omira Oberland

Milchverwertung: Mehr als 97

Prozent ihrer Geschäftsguthaben

sind durch liquide Mittel gedeckt.

Davon sollen nun 11 Millionen

Euro ausbezahlt werden.

Vor zwei Jahren war die Molkerei

für 27 Millionen Euro an die

französische Lactalis-Gruppe

verkauft worden. Aktuell verarbeitet

die Omira-Gruppe mit

Foto: Airbus/Mathias Pikelj

Die beiden Astronautinnen aus Dr. Insa Thiele-Eich

und Dr. Suzanna Randall werden derzeit

unter anderem von Airbus darauf vorbereitet, im

Jahr 2021 zur Internationalen Raumstation ISS zu

fliegen. Das Training findet auch am Airbus-Standort

in Friedrichshafen statt. Dort werden Forschungsanlagen

für die ISS entwickelt. Airbus Defence

and Space ist eine Division des Airbus-Konzerns

– das führende Verteidigungs- und Raumfahrtunternehmen

Europas. 38 000 Mitarbeiter

sind es weltweit, 2250 davon in Friedrichshafen.

Der Umsatz liegt bei 14 Milliarden Euro.

ihren 550 Mitarbeitern pro Jahr

etwa 822 Millionen Kilo Milch

an den zwei Standorten in Ravensburg

und Neuburg an der

Donau.

ZF kooperiert

mit Start-up

Zulieferer Die ZF Friedrichshafen

AG erweitert ihr Entwicklungsnetzwerk

im Bereich

Künstliche Intelligenz durch

eine Partnerschaft mit den israelischen

Start-up Cognata and

Optimal-Plus. Ziel ist die Weiterentwicklung

der Automatisierung,

um Fahrzeuge sehen,

denken und handeln zu lassen.

Die ZF zählt zu den weltweit

größten Autozulieferern. Sie beschäftigt

146 000 Mitarbeiter an

rund 230 Standorten. Der Umsatz

2018 betrug 36,9 Milliarden

Euro. [!] riz


24

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Die Null ist

das Ziel

Arbeitsschutz Die Zahl der Unfälle in

Betrieben ist gesunken. Dem Vorstand der

Wieland Werke ist das nicht genug, die

Sicherheit der Mitarbeiter ist Chefsache.

Jeder einzelne

Arbeitsunfall

hat auch eine

persönliche

Komponente

Stefan Delacher

Sicherheitsingenieur bei Wieland

Präzisionsarbeit: Im Walzwerk wird das Kupfer so lange bearbeitet, bis es nur wenige Millimeter dick ist.

Stefan Delacher nimmt

seinen Job ernst. Wie

ernst, das zeigt sich an

vermeintlichen Kleinigkeiten.

Etwa an einer Treppe.

„Bitte benutzen Sie den

Handlauf“, sagt er. „Es ist den

allerwenigsten bekannt, aber in

Deutschland passieren die meisten

tödlichen Unfälle durch

Treppenstürze.“ Deswegen wird

Delacher nicht müde, die Mitarbeiter

bei Wieland darauf hinzuweisen.

„Wenn jemand nicht

den Handlauf benutzt, spreche

ich ihn darauf an. Egal ob Präsident

oder Schichtarbeiter.“

Das gehört zu seinem Job.

Der 36-Jährige ist bei der Ulmer

Wieland-Werke AG für die Sicherheit

zuständig. Mehr noch,

er verkörpert sie. Wenn er auf

dem Werksgelände in Vöhringen

unterwegs ist, trägt er eine

hellgelbe Jacke mit der Aufschrift:

„saftey at work“. „Wir

haben den Slogan selber ausgewählt“,

sagt der Ingenieur stolz.

Warum Wieland so einen wie

Delacher braucht, ist leicht zu

verstehen. Man muss nur das

Portfolio der Firma anschauen.

Smartphones, Schlüssel, Wasserhähne

– in all diesen Alltagsgegenständen

stecken Produkte

von Wieland. Der Grund: Das

Unternehmen ist Europas größter

Kupferverarbeiter, stellt die

Rohfassung des begehrten Metalls

her. Damit ist Wieland

überaus erfolgreich. Fünf Milliarden

Euro Umsatz, 90 Standorte

weltweit, 9000 Mitarbeiter.

„Wir sind nicht perfekt“

Der Wohlstand der Firma zeigt

sich in Vöhringen. In der Stadt

im Landkreis Neu-Ulm steht

eine riesige Fabrik. Mehr als

zwei Kilometer lang, eine Gesamtfläche

von 73 Fußballfeldern,

2500 Arbeiter. Entsprechend

lebhaft geht es zu. Zugmaschinen,

Transporter und Gabelstapler

fahren zwischen den

Produktionshallen. Die Arbeiter

geben Gas, halten an, biegen ab.

Mittendrin im Fahrzeug-Dschungel:

Fußgänger.

Delacher ist an diesem kalten

Morgen einer von ihnen. „Ganz

wichtig: Immer rechts laufen

und Blickkontakt mit dem Fahrer

suchen“, erklärt er. Es sind

diese kleinen Rituale, auf die der

36-Jährige großen Wert legt – er

will jedes Risiko minimieren.

Auch wenn es noch so gering erscheint.

„Jeder Unfall hat eine

persönliche Komponente“, sagt

Delacher. „Ich bin vor kurzem

Vater geworden. Würde mir etwas

bei der Arbeit passieren,

hätte das Auswirkungen für meine

ganze Familie.“


unternehmen [!] VERANTWORTEN 25

Trotzdem weiß Delacher,

dass er noch nicht am Ziel ist.

„Wir sind nicht perfekt“, sagt er.

Denn Fakt ist: In der Unternehmensgruppe

passiert im Schnitt

ein Unfall pro Woche. Fakt ist

aber auch: Die Vorfälle werden

seltener. Allein in den vergangenen

drei Jahren hat sich die

Zahl fast halbiert. Woran liegt

das? Ulrich Altstetter muss es

wissen. Der Mann, groß, silbernes

Haar, freundliches Lächeln,

ist Technischer Vorstand der

Wieland-Gruppe – und damit

der oberste Sicherheitschef.

Spricht man

ihn auf das

Thema an,

wird er ernst:

„Wir akzeptieren

keine unsicheren

Handlungen“,

sagt

Sicherheit

kommt vor

Wirtschaftlichkeit

Ulrich Altstetter

Vorstandsmitglied für Technik

er bestimmt.

Und, um es

noch deutlicher zu machen: „Sicherheit

kommt bei uns vor

Wirtschaftlichkeit.“ Die Wieland-Führung

hat daher eine

Absichtserklärung unterzeichnet.

Der erste Satz: „Arbeitssicherheit

hat die höchste Priorität

und wird mit höchster Konsequenz

eingefordert.“

Diese Maxime hat auf alle Bereiche

Auswirkungen. Das verdeutlichen

auch die gläsernen

Behälter, die in jeder Produktionshalle

stehen. Darin sind Ohrenschützer.

Die sind in der Produktion

Pflicht. Genau wie

Schutzbrille und Sicherheitsschuhe.

Auch im Vöhringer

Walzwerk. Dort hängt neben der

Eingangstüre ein unscheinbares

Plakat. Es zeigt den Leiter des

Werkes, der die vorgeschriebene

Schutzkleidung trägt.

Führungskräfte als Vorbilder

Welchen Nutzen das Plakat hat,

ist zu hinterfragen. Vermutlich

laufen viele der Arbeiter daran

vorbei, ohne sich etwas zu denken.

Trotzdem ist das Plakat für

Altstetter

wichtig. Es

geht ihm um

die Botschaft,

die hinter dem

Foto steckt.

„Wir Führungskräfte

müssen Vorbilder

sein. Wenn

ich in die Fertigung gehe, dann

habe ich Sicherheitskleidung an

und verhalte mich sicher“, sagt

das Vorstandsmitglied. Dieses

Vorbild-Verhalten ist Teil des Sicherheitskonzepts

bei Wieland.

Es wurde 2014 rundum erneuert.

Der Plan: Die Mitarbeiter so

zu sensibilisieren, dass sie sich

selber für ihre Sicherheit verantwortlich

fühlen. Aber wie kann

das gelingen? „Man muss die

Mitarbeiter emotional erreichen“,

sagt Altstetter. Zum Bei-

Oben: SWP-Redaktionsmitglied Chris Kern (li.) im Betrieb mit

Sicherheitsingenieur Stefan Delacher (Mitte) und Schichtführer

Johann Mautsch vor einer Walze – und unten im Gespräch mit

Wieland-Vorstandsmitglied Ulrich Altstetter. Fotos: Marc Hörger


26

VERANTWORTEN unternehmen [!]

spiel mit Workshops. Ingenieur Delacher

entwickelte einen eintägigen

Sicherheitsparcours, der den Mitarbeitern

die Arbeitsrisiken für Hände

und Finger vor Augen führte.

„Das ist ein anderes Schulungsmedium.

Man sitzt nicht in einem

Raum und hat eine Frontalpräsentation,

sondern macht was mit den

Händen“, sagt Delacher. Das Ergebnis:

Im abgelaufenen Geschäftsjahr

gab es elf Handverletzungen. 2017

waren es noch 39 gewesen. Kein

Wunder, dass Delacher bereits den

zweiten Parcours zum Thema stolpern

und stürzen plant.

Sicher, aber teuer

Prävention statt Reaktion – so lautet

der Plan des Unternehmens. Es

ist Delachers Aufgabe, ihn in die Tat

umzusetzen. Der Sicherheitsingenieur

arbeitet seit Anfang 2018 in

Vöhringen, hat mit seinem Chef Stephan

Schuster zahlreiche Innovationen

durchgesetzt. Die Gabelstabler

haben ein Kamerasystem, das Personen

erkennt und bei Gefahr automatisch

abbremst. Die Mitarbeiter

der Gießerei bekommen Anfang

2020 neue Kleidung aus einem

Spezialstoff, der extrem schwer entflammbar

ist.

Auch Johann Mautsch profitiert

von Delacher. Der Mann mit sympathisch-schwäbischem

Dialekt ist

Schichtführer in der Stückblech-Produktion.

Stolz steht er neben

der neuesten Erfindung in der

Produktionshalle: der Walze 59.

Knapp ein Jahr hat es gedauert, bis

sie fertig war. Kosten: gut eine Millionen

Euro. Die Maschine legt die

Bleche eigenständig aufs Band, die

dann gewalzt werden. Früher muss-

Zur Person

Ulrich Altstetter,

Jahrgang 1958, arbeitet

seit 41 Jahren bei

Wieland. Mit einem

Studium an der Berufsakademie

startete

er seine Laufbahn.

Er arbeitete

als Konstrukteur und

Instandhaltungsingenieur,

bevor er

Führungsaufgaben

übernahm und Karriere

machte. Seit

dem Jahr 2012 ist

Altstetter Mitglied

des Vorstands und

verantwortet die Bereiche

Technik und

Produktion.

ten die Arbeiter das selbst machen.

„Griff man in den falschen Spalt,

waren die Finger weg“, sagt

Mautsch. „Bei so einem Unfall ist

jeder betroffen.“

Solche Momente gab es bei Wieland

immer wieder. Mitarbeiter verletzten

sich schwer, in wenigen Fällen

sogar tödlich. Das hat einerseits

mit den Arbeitsbedingungen zu tun.

Hohe Temperaturen, Säure, Brandgefahr

– mit diesen Risiken müssen

die Beschäftigten in den Kupfer-Gießereien

und Walzwerken klarkommen.

Andererseits räumt Altstetter

ein, dass das Thema in der Vergangenheit

nicht konsequent genug angegangen

wurde.

Das hat sich geändert. Bei jeder

Besprechung ist Arbeitssicherheit

Thema Nummer eins. „Sicherheit ist

eine Kultur. Und es dauert, die Kultur

zu etablieren“, sagt Delacher.

Was den Prozess beschleunigt:

Kommunikation, Kommunikation,

Kommunikation. Delacher tauscht

sich daher regelmäßig mit Kollegen

aus. Er gibt Ratschläge, fragt um Rat.

Bei internen Gesprächen und Meetings

mit anderen Firmen. „Wir wollen

den Honig aus den Sicherheitskonzepten

der Besten saugen“, sagt

sein Vorgesetzter Schuster.

Kooperation mit der Konkurrenz

Dass man dafür konkurrierenden

Firmen einen Einblick in das eigene

Sicherheitskonzept gewährt, stört

Altstetter nicht. „Es darf in Sachen

Arbeitsschutz keinen Wettbewerb

geben.“ Schließlich profitieren alle.

Auch Wieland. „Die Orientierung an

guten Unternehmen hat uns einen

deutlichen Schritt vorangebracht“,

sagt Altstetter. Jetzt ist Wieland das

gute Unternehmen. In der Metall-Branche

gehört die Firma zu den

besten, was die Unfallzahlen angeht.

Dennoch sagt Altstetter: „Wir sind

noch nicht zufrieden.“

Noch passierten zu viele Unfälle.

Noch gebe es Unterschiede zwischen

den einzelnen Standorten. Damit

sich das ändert, hat Wieland

eine ungewöhnliche Taktik gewählt:

Sicherheitsalarme. Dahinter verbirgt

sich ein DIN-A-4-Blatt mit

gelb-schwarzem Rand. Darauf wird

jeder Unfall penibel dokumentiert.

Das Papier wird digital an alle

Standorte gesendet. „Wenn ein Sicherheitsalarm

übers Netz kommt,

Man muss die

Mitarbeiter

emotional erreichen

Ulrich Altstetter

Wieland-Vorstandsmitglied

verschickt Konzernchef Erwin Mayr

umgehemd eine E-Mail an den zuständigen

Bereich“, sagt Altstetter.

„Wir messen eine Führungskraft

auch an ihren Unfallzahlen.“

Hohe Investitionen, penible Kontrolle,

klare Absprachen – das Ziel

von all diesen Anstrengungen ist

klar. Irgendwann will Wieland unfallfrei

sein. „Ich habe keine Zweifel

daran, dass die Vision möglich ist“,

sagt Altstetter. Dazu gehöre etwas

Glück, extreme Disziplin – und kompetente

Mitarbeiter. Beispielsweise

solche, die ihre Kollegen höflich darauf

hinweisen, beim Treppensteigen

den Handlauf zu benutzen.[!]


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VERANTWORTEN unternehmen [!]

Eventaufbau in großer

Höhe: Auch dabei muss der

Arbeitgeber für den Schutz

seiner Mitarbeiter sorgen.

Foto: A.Punpleng/

Shutterstock.com

Das Personal

schützen

Arbeitsrecht Bei Events müssen neben den

Besuchern auch alle Mitarbeiter sicher sein.

Dafür gibt es klare Regeln.

Woran es

scheitert,

ist manchmal

die Umsetzung

in der Praxis.

Doreen Biskup

Stellvertr. Vorsitzende des VDVO

Fußballspiele in Arenen,

Messen in Hallen, Konferenzen

in Hotels – wer

bei Veranstaltungen wie

diesen an die Sicherheit denkt,

sorgt sich meist um das Wohl

der Besucher. Häufig vergessen

werden all die Mitarbeiter, die

rund um diese Events im Einsatz

sind. Sie sorgen für eben

diesen Schutz der Gäste, planen,

bauen auf und ab, kümmern sich

um das Catering. Auch deren Sicherheit

ist wichtig – und in

Deutschland klar geregelt.

Allgemein beruht der Arbeitsschutz

in Deutschland auf

zwei Säulen: Zum einen erlässt

der Staat Gesetze wie das Arbeitszeit-

oder das Arbeitsschutzgesetz,

zum anderen machen

Berufsgenossenschaften

Vorschriften. Beide gelten auch

für die Event-Branche. Der Arbeitgeber

muss seinen Arbeitnehmern

Arbeitsschutz auf Veranstaltungen

gewähren.

„Durch diese Gesetze bewegen

wir uns in einem sehr engen

Rahmen. Das Einzige, woran es

scheitert, ist manchmal die Umsetzung

in der Praxis“, sagt Doreen

Biskup, die stellvertretende

Vorstandsvorsitzende des

Verbandes der Ver anstaltungsorganisatoren

(VDVO). Das zeige

sich auch an den Ergebnissen

einer Studie unter Mitarbeitern

der Meeting- und Veranstaltungsbranche.

Deren Fazit: Der

Arbeitsschutz wird nur unzureichend

eingehalten.

Häufigster Kritikpunkt bei

Events ist die Arbeitszeit – besonders

Projektleiter seien während

der Veranstaltung häufig

tagelang fast durchgehend im

Einsatz und übermüdet, sagt

Biskup. „Klassiker“ seien auch

Beamer, die nur mit Kabelbinder

befestigt sind oder zugestellte

Rettungswege. „Solange

alles gut geht, sind alle glücklich.

Erst wenn etwas passiert,

kommt zum Vorschein, ob ein

Event gut geplant war oder

nicht“, sagt Biskup.

Biskups Rat? „Alle Akteure

wie Veranstalter, Dienstleister,

Teilnehmer und Behörden sollten

in die Planung, Umsetzung

und Nachbereitung der Veranstaltung

involviert werden.“ Ab

5000 Besucherplätzen oder

wenn es die „Art der Veranstaltung“

erfordere, müsse der Betreiber

nach der Muster-Versammlungsstättenverordnung

ein Sicherheitskonzept aufstellen.

Es regelt betriebliche Sicherheitsmaßnahmen

und zum

Beispiel auch, wie viele Rettungskräfte

vor Ort sein müssen.

Gegen Schäden versichern

Während eines Events sollen

neben dem Personal auch die

Besucher sicher sein. Laut dem

Maklerbüro „transparent-beraten.de“

in Berlin haften Veranstalter

voll für Sach- und Personenschäden,

zu denen es auf ihrer

Veranstaltung kommt. Allerdings

nur für solche, die sie

direkt oder indirekt selbst verschulden.

Als Beispiel für einen Unfall

nennt das Berliner Maklerbüro

den Ball eines Schützenvereins:

ein Gast stolpere über ein loses

Kabel und stürze. Habe der

Schützenverein eine Veranstalterhaftpflichtversicherung

abgeschlossen,

zahle die den Personenschaden

bis zur Deckungssumme.

Das gelte aber nur,

wenn der Schaden nicht grob

fahrlässig verursacht wurde –

das Kabel also nicht völlig ungesichert

war.

Allgemein raten die Berliner

Experten besonders bei Events

mit vielen Besuchern zu einem

solchen freiwilligen Versicherungsschutz.

„Im Ernstfall kann

er Sie vor einem großen Schuldenberg

bewahren“, sagt der

Versicherungsmakler Daniel

Kirsten. Die Versicherung übernehme

die Ansprüche Dritter

bei Sach-, Personen- und Vermögensschäden,

die während

des Events und der Auf- und Abbauarbeiten

passieren. [!]


Luca Stettner


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30

FÜHREN unternehmen [!]

Pia Meier kennt sie kaum

noch: Die Stinkstiefel,

die morgens schon die

Mundwinkel hängen

lassen, an allem Möglichen herummosern

und kontinuierlich

das Betriebsklima versauen.

„Wir haben uns für eine Kultur

der Freude und des Helfens entschieden“,

sagt die Personalchefin

und Prokuristin der Seidel

GmbH & Co. KG.

C-Mitarbeiter nennt sie diese

Kollegen seit sie vor drei Jahren

den Giengener Personalberater

Jörg Knoblauch kennengelernt

hat, der die ABC-Personal-Strategie

für deutsche

Mittelständler entwickelte. „Das

klingt zunächst sehr hart“, gibt

die 51-jährige Personalerin zu.

Sie sagt, dass jeder eine Chance

verdient und auch bekommt.

Doch wenn alle Gespräche und

jegliche Unterstützung nicht

fruchten, dann scheut sie selbst

den Gang vor das Arbeitsgericht

nicht. Denn letztlich gehe es um

das Wohl des Unternehmens

und aller Mitarbeiter.

Machen Sie den

Mitarbeitern

klar, dass sie

ihren Arbeitsplatz

gefährden.

Jörg Knoblauc h

Personalberater

Aktuell schätzt sie den Anteil

der C-Mitarbeiter auf lediglich

zwei, drei Prozent. Im Gegenzug

hat der metallverarbeitende

Mittelständler, der Aluminium-

und Kunststoffverpackungen

für die Kosmetik- und Pharmabranche

herstellt, zweimal

hintereinander das erfolgreichste

Geschäftsjahr hingelegt.

Der Krankenstand

der 300 Produktionsmitarbeiter

liegt bei drei Prozent, während

der Branchenschnitt bei sechs

Prozent liegt. Die Kununu-Bewertung

liegt bei einer guten 4,2

und die Empfehlungsquote bei

ausgezeichneten 96 Prozent.

Jörg Knoblauch hat einen einfachen

Leistungsbeurteilungsbogen

entwickelt, der die

Grundlage für die Einteilung in

Vom Umgang

mit Motzern

Personal Konsequenz in der Beurteilung von

Mitarbeitern zahlt sich für Unternehmen aus.

Dabei hilft das ABC-Modell.

Die Bandbreite von Motivation und

Leistungsnachweis der Mitarbeiter

variiert in jedem Unternehmen. Die

Frage ist nur, wie die Verantwortlichen

mit der Situation umgehen.

Montage: Max Meschkowski

Illus: stickerama/Shutterstock.com

A-, B- und C-Mitarbeiter darstellt.

Während A-Mitarbeiter

Freude an der Arbeit haben und

mitdenken, laufen B-Mitarbeiter

eher unauffällig mit. Richtig

kritisch sind C-Mitarbeiter, die

den Laden ausbremsen. Knoblauch

verwendet dieses Schema

sowohl im eigenen Unternehmen

wie in der Beratung.

Vor dem jährlichen Mitarbeitergespräch

beurteilen Mitarbeiter

und Führungskraft unabhängig

voneinander etwa Fachkenntnisse,

Einsatzbereitschaft,

Arbeitstempo und -qualität oder

Selbstständigkeit. Über unterschiedliche

Kriterien ergeben

sich dann jeweils Noten von

1 bis 5. Eigen- und Fremdbild

sind eine solide Grundlage

für eine intensive Diskussion.

Ergebnis kann

sein, dass eventuell ein

Positions- und Aufgabenwechsel

hilfreich ist oder

eine Weiterbildung. Doch

manchmal werden Mitarbeiter

auch durch ihre Chefs an ihrer

Entfaltung behindert, weil sie

mehr Freiraum benötigen oder

ihnen zu wenig zugetraut wird.

C-Mitarbeiter zerstören Firma

Ziel der ABC-Strategie ist die

Verteilung 80–20–0. „Unternehmer

sagen oft: Das ist aufgrund

des Fachkräftemangels unmöglich“,

so der Tempus-Geschäftsführer

Knoblauch. In Deutschland

gelten C-Mitarbeiter als

heißes Eisen. Es sei unmenschlich

oder gar unfair, klar mit ihrer

schlechten Leistung umzugehen.

Doch das Gegenteil ist

der Fall, findet der Personal-Berater:

C-Mitarbeiter zerstören

die Firma. Sie verderben das Betriebsklima,

weil sie viel motzen

und die engagierten Mitarbeiter

für sie mitarbeiten müssen.

Das sei nicht fair, findet der

christlich geprägte Unternehmer:

Firma und Kollegen werden

ausgenutzt. Schlimmer: Das

machen A-Mitarbeiter eine Weile

mit, aber irgendwann sind sie

frustriert, dass dieses Verhalten

keine Konsequenzen hat und

verlassen schlussendlich das

Unternehmen.

Wenn ein C-Mitarbeiter eine

ruhige Kugel schiebt, fordert

Jörg Knoblauch Klarheit und


unternehmen [!]

FÜHREN

31

Transparenz: „Sagen Sie Ihren Mitarbeitern,

wo sie stehen, wie Sie sie

einschätzen und dass sie als C-Mitarbeiter

ihren Arbeitsplatz gefährden.“

Doch: Schlechte Leistung

muss zunächst benannt werden, so

der Inhaber des Unternehmens mit

50 Mitarbeitern.

Im Mitarbeitergespräch

ist es

wichtig, festzustellen,

ob ein

C-Mitarbeiter

nicht kann oder

nicht will. Im

ersten Fall muss

er eine Chance

bekommen, zumindest

B zu

Vor allem Herz

und Seele

werden im Zuge der

Digitalisierung den

Unterschied machen.

Pia Meier

Seidel-Personalchefin

werden. Im zweiten Fall – jemand

will nicht – heißt es Trennung ohne

Umschweife. „Wer nicht will, der

gehört nicht in das Unternehmen.“

Pia Meier macht bislang sehr

gute Erfahrungen mit dem Personalfragebogen.

Im Zuge der zunehmenden

Digitalisierung werden vor

allem „Herz und Seele“ den Unterschied

ausmachen, ist sie sich sicher.

Viele Mitarbeiter sind dankbar

für das strukturierte und klare

Feedback, denn es gehe nicht darum,

einen Menschen schlecht zu

machen, sondern

sein Verhalten

zu kritisieren

oder den Aufgaben

anzupassen.

Sie legt Wert

darauf, alle

700 Mitarbeiter

des Unternehmens

mit Namen

zu kennen und

sie mit Handschlag

zu begrüßen, wenn sie sich

treffen: „Die Mitarbeiter“, so Meier,

„nehmen mir ab, dass dies kein

aufgesetztes Verhalten ist, sondern

tatsächlich meiner Wertschätzung

für sie entspringt.“ [!]


Michael Sudahl

Firmenchefs müssen die Leistung

ihrer Mitarbeiter klar benennen.

Zur Person

Jörg Knoblauch ist

Verfechter der

ABC-Personal-Strategie.

Er absolvierte

ein Ingenieur- und

Betriebswirtschaftsstudium.

Knoblauch

ist geschäftsführender

Gesellschafter

der Unternehmensberatung

Tempus.

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32

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Lenker mit

Weitsicht

Mittelstand Die nächste Generation im Blick

denken Familienunternehmer nachhaltig –

ein Grund für ihre Paraderolle hierzulande.

FOTO: INTERIOR DESIGN/SHUTTERSTOCK.COM

Der beste Parkplatz vor

dem Eingang gehört

dem Boss, in der Kantine

gibt es immer donnerstags

das Lieblingsgericht

des Seniorchefs und im Flur vor

dem Sekretariat hängt ein Ölgemälde

des Firmengründers.

Achtung Klischee! Doch jeder

hat eben sein Bild eines typischen

deutschen Familienbetriebs

im Kopf, und damit von

einem hierzulande nicht zu toppenden

Unternehmensmodell.

90 Prozent der deutschen Firmen

sind familienkontrollierte

Unternehmen, die 52 Prozent

der Umsätze erzielen und circa

58 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen

Beschäftigungsverhältnisse

stellen, so die

Zahlen der Münchner Stiftung

Familienunternehmen.

Bei den meisten sitzt längst

nicht mehr der Firmengründer

auf dem Chefsessel, sondern die

Söhne, die Töchter oder gar

schon die Enkelkinder. „Grundsätzlich

waren es die politischen

Rahmenbedingungen nach 1950,

die den Mittelstand von Beginn

an besonders positiv begleitet

haben“, erklärt Gerd Stiefel,

Vorsitzender des Clubs der Industrie

Ulm/Neu-Ulm. Damals

habe es zum Beispiel bei Neugründungen

nur einen Bruchteil

der heutigen Bundes- und Landesvorschriften

gegeben. „Die

Banken waren freier in ihrem

Handeln, konnten vor der Einführung

vieler Regularien Neugründungen

und Wachstum des

Mittelstandes sehr einfach und

FOTO: 501ROOM & YSBRAND COSIJN/SHUTTERSTOCK.COM

pragmatisch unterstützen.“

Für den Geschäftsführer der

Fritz Stiefel GmbH im Neu-Ulmer

Stadtteil Burlafingen, einem

mittelständischen Systemlieferanten

für Produkte und Dienstleistungen

aus dem Bereich Hydraulik

und Pneumatik, hat dieser

Gründerboom einen Namen:

Ludwig Erhard, der Vater der

Sozialen Marktwirtschaft.

Ruf als Erfindernation

Doch was macht das Geschäftsmodell

so erfolgreich? Sind es

gar magische Kräfte? Für Albrecht

von der Hagen besitzen

Familienunternehmen in der Tat

so eine Art Zaubertrank: „Die

Idee, ein Unternehmen an die eigenen

Kinder weitergeben zu

können, verleiht Flügel.“

Die Idee, den

Betrieb an die

Kinder weitergeben

zu können, verleiht

Flügel.

Albrecht von der Hagen

Verband Familienunternehmer

Die Rolle des Firmenchefs hat sich in vielen Familienunternehmen geändert. Das Gemälde aber bleibt.


unternehmen [!]

VERANTWORTEN

33

Zur Person

Stefan Heidbreder

war nach seinem

Studium der Betriebswirtschaftslehre

zunächst für

Familienbetriebe tätig.

Seit 2005 ist er

Geschäftsführer der

gemeinnützigen Stiftung

Familienunternehmen.

Zudem

lehrt er an der TU

München und an der

Zeppelin Universität

Friedrichshafen.

Hinzu komme, dass die meisten

Familienunternehmer so sehr auf

ihre Kunden ausgerichtet sind, dass

die Weiterentwicklung von Produkten

viel schneller geschieht als bei

anderen Unternehmen. „So hat etwa

die Geschäftsführung von familiengelenkten

Weltmarktführern fünfmal

mehr Kundenkontakte als die

Geschäftsführung von börsennotierten

Unternehmen“, sagt der Hauptgeschäftsführer

vom Verband „Die

Familienunternehmer“. Hieraus resultiere

Deutschlands Ruf als Erfindernation.

„All dies passiert übrigens oft fern

von Forschungssubventionen und

Drittmitteln. Familienunternehmer

gehen meist mit ihrem eigenen Kapital

ins Risiko.“ Dadurch seien sie

schneller und wendiger als fremdkapitalisierte

Konzerne. Nach von

der Hagens Worten denken Familienunternehmer

dabei nicht so kurzfristig

in Quartalsberichten wie angestellte

Manager, die immerzu Analysten

begeistern müssen. Weil Familienunternehmer

in Generationen

denken, seien ihre Unternehmensentscheidungen

meist eher langfristig

und nachhaltig orientiert. „Auf

diese Weise prägen sie unsere komplette

Wirtschaftsstruktur.“

Stark in der Krise

Soll heißen: Auf Familienunternehmen

kann man sich

verlassen, auch

wenn in Deutschland

die Konjunktur

schwächelt.

Denn auch dann

gelten sie in der Bevölkerung

als stabi-

Eher schießen

sie Kapital in

das Unternehmen,

als reflexartig zu

entlassen.

Albrecht von der Hagen

Verband Familienunternehmer

lisierende Wirtschaftskräfte.

Ein Grund sind die

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die übergroße Mehrheit der Bundesbürger

schätzt von der Hagen zufolge

Familienunternehmen als verlässliche

Arbeitgeber mit regionaler

Verwurzelung und guten Arbeitsbedingungen.

„Sie sind bekannt für ihr gesellschaftliches

Engagement. Auch haben

Familienunternehmer in der Regel

einen direkten Bezug zu ihren

Mitarbeitern.“ Diese enge Bindung

zur Belegschaft

führe dazu, dass

diese Unternehmen

Krisenzeiten

besonders gut

überstehen können.

„In der Wirtschafts-

und Finanzkrise

haben

Familienunternehmen

beispielsweise

ihre Mitarbeiter

eher gehalten

und von Massenentlassungen

oder gar Standortverlagerungen

ins

Ausland abgesehen.“

Das liege auch

daran, dass Familienbetriebe

den demografischen

Wandel und den Fachkräftemangel

besonders früh zu spüren bekommen,

denn sie sind häufiger in den

Regionen als in den trendigen Metropolen

zu finden. Sie halten daher

eher an Fachkräften fest, auch wenn

es kurzzeitig weniger zu tun gibt.

„Eher schießen sie neues Kapital in

das Unternehmen nach, als reflexartig

sofort zu entlassen.“

FOTO: 501ROOM /SHUTTERSTOCK.COM GEMÄLDE: MAX MESCHKOWSKI

Mehr Beschäftigte

Für Stefan Heidbreder

macht gerade

das Planen auf

lange Sicht Familienunternehmen

zu

einer festen Größe

im Land. „Während

viele Konzerne im

anonymen Streubesitz

zwangsläufig

der Kurzatmigkeit

der Kapitalmärkte

genügen müssen, meiden Familienunternehmen

unkalkulierbare Risiken.“,

erklärt der Geschäftsführer

der Stiftung Familienunternehmen.

Davon profitiere eine ganze Volkswirtschaft.

„Zwischen 2007 und 2016 erhöhten

die 500 größten Familienunternehmen

ihre Beschäftigung um

23 Prozent während die Vergleichsgruppe

der nicht-familiengeführten

Dax-Konzerne sie nur um 4 Prozent

steigern konnte.“

Gegründet 1907

und seit 1966 in

Göppingen am

Hauptfriedhof.

Derzeit in der

4.+5. Generation

immer für Sie da.

Andreas Lüttig

Steinmetz-

& Steinbildhauermeister

Hohenstaufenstr. 95

73033 Göppingen

Tel.: 0 71 61 / 7 40 48

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www.luettig-grabmale.de


34

VERANTWORTEN unternehmen [!]

FOTO: 501ROOM & ELENA BLOKHINA/SHUTTERSTOCK.COM

Die Urform des Wirtschaftens

Der Kupferstich von 1909 zeigt ein Werk der heutigen The Coatinc Company.

Eine Schmiede machte

den Anfang. Die ältesten Familienunternehmen,

die sich

am längsten im Besitz einer

oder mehrerer miteinander

verbundener Familien befinden

und durchgängig wirtschaftsaktiv

waren, sind die 1502 gegründete

The Coatinc Company

Holding GmbH aus Siegen,

Heidbreder sieht durch die regionale

Verwurzelung von inhabergeführten

Betrieben zudem

Vorteile: „Familienunternehmen

sind an ihren Standorten häufig die

größten Arbeitgeber. Viele Gesellschafterfamilien

sind hier sozial

verwurzelt.“ Das alles trage dazu

bei, dass sich die Mitarbeiter mit

ihrem Arbeitgeber vor Ort identifizieren

und auch auf lange Sicht

verbunden bleiben. „Das hat am

Ende Vorteile für alle: Mitarbeiter,

Familienunternehmen und die ganze

Region“, ist Heidbreder überzeugt.

die William Prym Holding

GmbH (1530) aus Stolberg sowie

die Freiherr von Poschinger

Glasmanufaktur e. K. (1568)

aus Frauenau. Die Namen findet

man in einer Liste, die die

Stiftung Familienunternehmen

veröffentlicht hat. Demnach

sind neun der ältesten deutschen

Familienunternehmen

Anpassung ist alles

Auch Gerd Stiefel sieht

ein nachhaltig geprägtes

Denken und Handeln als

Erfolgsfaktor für mittelständische,

inhabergeführte Betriebe:

„Familienunternehmen denken

oftmals langfristiger und sind

durch die kleinere Größe in der Lage

schneller und flexibler auf Veränderungen

im Markt zu reagieren.“ Sehr

große Unternehmen benötigen Stiefels

Ansicht nach hier deutlich mehr

Zeit. Frei nach Charles Darwin: „Es

ist nicht die stärkste Spezies, die

überlebt, auch nicht die intelligen-

bereits seit mehr als 400 Jahren

in Familienhand. „Die Erhebung

zeigt, dass Familienunternehmen

von jeher ein untrennbarer

Teil unserer Gesellschaft

sind. Im Grunde die Urform des

Wirtschaftens überhaupt“,

sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer

der Stiftung Familienunternehmen.

Heute brauchen

die Menschen

keinen Ersatzvater

im Unternehmen,

sondern einen Mentor.

Gerd Stiefel

Geschäftsführer Fritz Stiefel GmbH

teste, sondern eher diejenige, die am

ehesten bereit ist, sich anzupassen.“

Für den Neu-Ulmer Unternehmer

muss das jedoch nicht zwingend

in der Region geschehen, in

der das Familienunternehmen über

Jahrzehnte gewachsen ist: „Ich kenne

kaum noch ein kleineres, mittelständisches

Familienunternehmen,

das heute nicht in Osteuropa eine

Fertigungs- oder Vertriebsstätte betreibt.

Dazu muss man kein Globalplayer

sein.“

Es treffe nicht mehr zu, dass ein

Unternehmer seine Fachkräfte und

sein technisches Wissen ausschließlich

aus der Region bezieht. Das will

Stiefel auch als Warnung an all die

Kommunalpolitiker verstanden wissen,

die sich nicht vorstellen können,

dass kleine Firmen abwandern

könnten. „Hier sind schon ganze

Wertschöpfungsketten weggebrochen,

weil die Arbeit in Osteuropa

zu 50 Prozent von der EU subventioniert

wird.“

Für Gerd Stiefel sind die alten

Zeiten längst vorbei. Familienunternehmen

seien nicht nur zunehmend

international unterwegs, sondern

würden zudem auch modern und

nicht mehr wie früher oftmals gutsherrenmäßig

geführt: „Damals war –

etwas flapsig ausgedrückt – der

Seniorchef der Vater des gesamten

Unternehmens und

alle andern waren die Kinder.

Das geht heute nicht

mehr. Heute brauchen die Menschen

keinen Ersatzvater im Unternehmen,

sondern einen guten

Mentor.“

Das Gemälde des einstigen

Firmengründers muss deshalb

noch lange nicht weichen.

[!]

Stefan Loeffler


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Kreative Lösungen für die „Letzte Meile“

Attraktivere Innenstädte vs. steigendes Warensendungsvolumen und geforderte Lieferzeitverkürzung

durch E­Commerce und Co.

Obergeschoss. Ganz nebenbei wird so ein

Mehrwert für die Anwohner geschaffen: Sie

können sich ihre Bestellung direkt in solchen

Verteilzentren abholen.

Weiterer Ansatz ist die Untervermietung von

(Lager-)Flächen bestehender Einzelhändler:

Hierdurch werden nicht nur zusätzliche Mieteinnahmen

zur eigenen „Stabilisierung“ generiert,

sondern insbesondere zusätzliche

Kundenfrequenz.

Ist allein eine Lagernutzung denkbar, so können

diese Flächen als sog. ‚Urban Fulfillment

Center‘ eine Zwischenstation auf dem Weg

vom Versandhändler zum Kunden sein. Oder

– eine kleinere Variante - Mikrodepots, in denen

dann lediglich die Sendungen für einen

einzelnen Block gesammelt werden.

In Deutschland spitzt sich die Lage an den

innerstädtischen Verkehrsknotenpunkten

immer weiter zu. Dies nicht zuletzt aufgrund

des boomenden E-Commerce und

dem deshalb weiter steigenden Lieferverkehr:

Same-Day- oder Same-Hour-Delivery-

Optionen sind mittlerweile gängige Anforderungen

der Konsumenten und das Paketsendungsvolumen

wird weiter steigen.

Als ausgewiesener Spezialist für Gewerbeund

Investmentimmobilien erreichen Objekta

Real Estate Solutions GmbH tagtäglich „ungewöhnliche“

Flächengesuche der Logistikdienst

leister:

Die bislang geläufigen riesigen Logistikhubs

an Autobahnkreuzen können diese Anforderungen

des Endverbrauchers nicht bedienen

– gebraucht werden kleinere, zentral gelegene

Verteilzentren mit schnellem Zugang zu dicht

bevölkerten Stadtlagen; nur eine dementsprechend

schnelle und effiziente „Last-Mile-Logistik“

macht eine Same-Day- und insbesondere

Same-Hour-Belieferung erst möglich.

Aber gerade im verdichteten urbanen Raum

konkurriert der zwingend notwendige zentrale

Logistikstandort mit Büro- und sonstigen

Dienstleistungsflächen und - politisch weitaus

brisanter – der Forderung nach mehr und

bezahlbarem innerstädtischen Wohnraum.

Doch welche Lösungsansätze gibt es hier?

Da für solche Büro- und Wohnnutzungen

Obergeschosse prädestiniert sind, ist der zentrale

Lösungsansatz, nicht mehr genutzte

bzw. ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend

nicht mehr nutzbare Erdgeschoss-Flächen

für die Zwecke der Last-Mile-Logistik

umzuwidmen: Aufgrund weiter steigender Internetbestellungen

stehen immer mehr innerstädtische

Verkaufsflächen leer. Im Normalfall

verfügen diese aufgrund ihrer ursprünglichen

Nutzung auch über entsprechende

Anliefermöglichkeiten. Das bisherige Allheilmittel,

hier Gastronomie unterzubringen,

funktioniert nur in guten Lagen. Doch auch

dieser Markt ist irgendwann gesättigt; zudem

sind solche Lagen für eine City-Logistik

schlichtweg nicht bezahlbar.

Insofern geht es hier um 2er-Lagen abwärts –

und die gibt es immer mehr. Sollte die EG-Fläche

nicht ausreichen, so verfügen diese Geschäfte

in aller Regel über zusätzliche Lagerflächen

im Unter- oder auch in einem

Als Spezialist für Industrie- und Logistikimmobilien

sowie Büro- und Handelsflächen ist

Objekta Real Estate Solutions das Scharnier

gerade zwischen der herkömmlichen Logistik

und dem städtischen Einzelhandel. Michael

Wägerle, Geschäftsführer bei Objekta: „Die

Anforderungen an die Last-Mile-Logistikfläche

unterscheiden sich erheblich von denen

an die klassische Logistikfläche“, erklärt er,

„Eigentlich ist es nicht möglich, abstrakte Anforderungen

zu formulieren, sondern letztendlich

ist jede freie bzw. in Betracht kommende

Fläche zu prüfen, ob bzw. inwieweit

diese für Last-Mile-Logistik-Zwecke in Betracht

kommt. Da die Dienstleister mittlerweile

auch mit Ober- bzw. Untergeschossflächen,

Lastenaufzügen oder gesicherten Parkflächen

zu Recht kommen, ist die Identifizierung

solchermaßen geeigneter Flächen eine spannende

Aufgabe“.

www.objekta­realestate.de


36

MACHEN unternehmen [!]

MONATGE: MAX MESCHJKOWSKI FOTOS: OLEKSANDRUM & FAENKOVA ELENA/SHUTTERSTOCK.COM

Entspannt abhängen

mit Hanf-Kakao

Chill Choc Ein Stuttgarter Start-up hat ein Getränk entwickelt,

das gegen Entzündungen, Krämpfe und Stress helfen soll.

Nach anderthalb Jahres ist es

soweit: 17 Partner von Südamerika

bis Österreich liefern die Rohstoffe

für die erste Charge des Getränks,

das Menschen die Gelassenheit

eines Faultiers verleihen soll.

A„Angefangen hat alles mit

einem Agrarprojekt in Guatemala“,

erinnert sich

Dave Tjiok, CEO und Mitgründer

bei Chill Choc. Als Volontär

für die Initiative „Dein Stück

Erde“ setzte er sich 2016 zusammen

mit seinem Freund Burkhard von Stackelberg

und anderen Umweltschützern

für die Erhaltung von fruchtbaren

Böden ein. Während die Forschungsgruppe

die Wirkweise von

sogenannter Terra Preta untersuchte

– einer fruchtbaren Schwarzerde,

die zum größten Teil aus Pflanzenkohle

und Kompost entsteht – probierten

die Kakao-Fans Trinkschokolade

aus örtlichen Manufakturen.

„Das Geschmackserlebnis hatte wenig

mit dem in Deutschland verbreiteten

Pulver zu tun“, sagt Tjiok.

Nur wenig THC

Die entscheidende Idee, die Chill

Choc von anderen Kakao-Getränken

unterscheidet, kommt den beiden

aber erst ein Jahr später. „Burkhards

Freundin leidet unter der Autoimmunerkrankung

Multiple Sklerose“, erzählt

der Stuttgarter Start-up Gründer.

„Um ihre Muskelkrämpfe zu lindern,

experimentierten wir deshalb

mit Nutzhanf.“

Illegal ist das nicht.

Denn anders als die

zur Herstellung der

weithin bekannten Rauschmittel

Marihuana und Haschisch

genutzte Cannabis-Art enthält

Nutzhanf nur geringste Mengen

des Halluzinogens THC. Wohl aber

den Wirkstoff Cannabidiol (CBD),

der entzündungshemmend, krampflösend

und entspannend wirkt. Tjiok:

„Perfekt also für den Durchschnittsbürger.“

Denn laut einer Studie der Techniker

Krankenkasse fühlt sich jeder

dritte Deutsche regelmäßig gestresst.

Schnell ist den beiden klar, dass sie

ihren heißgeliebten Kakaogeschmack

mit den heilsbringenden Eigenschaften

des Hanfs kombinieren

wollen. Dabei bringt der hohe Kakaogehalt

neben dem typisch schokoladigen

Geschmack einen weiteren

Vorteil. „Der Kakao dient als Trägerstoff

und sorgt dafür, dass das

CBD seine volle Wirkung entfalten

kann.“

Chill Choc, der Anti-Stress-

Drink, ist geboren. Bevor die ersten

fertig abgefüllten Produkttüten auf

dem Tisch stehen, ist es allerdings


unternehmen [!] MACHEN 37

Das Gründungsteam von Chill Choc: (von li.) Dave Tjiok, Laura

Rothgang, Christian Veit, Lena Glässel, Burkhard von Stackelberg.

ein weiter Weg. Neben etlichen

Geschmackstests muss das

braune Pulver unter anderem

auch wissenschaftliche Analysen

verschiedener staatlicher

Labore bestehen und die Freigabe

der Bundesopiumstelle erhalten.

„Wir haben das Rezept gut

100 Mal verändert“, berichtet

der CEO, der hauptverantwortlich

für alle juristischen, strategischen

und organisatorischen

Aufgaben im Social Start-up ist.

65 000 Euro aus eigener Tasche

Nach anderthalb Jahren und

65 000 Euro Investitionen aus

eigener Tasche ist es endlich soweit,

die erste Chill Choc Charge

wird produziert. Inzwischen

liefern 17 Zulieferer etwa aus

Kolumbien, Peru und der Dominikanischen

Republik aber auch

aus Deutschland und Österreich

die hochwertigen Rohstoffe,

welche in Brandenburg nach geheimer

Rezeptur und eigens

entwickelten Verfahren weiterverarbeitet

werden.

„Unser Ziel ist es nach und

nach ausschließlich mit kleinen,

nachhaltigen Kooperativen zusammenzuarbeiten“,

erklärt

Tjiok den für das Start-up Team

wichtigen Umweltaspekt. Teile

der Chill Choc-Erlöse fließen

zudem in Open-Source-Projekte

für den Humusaufbau, Bodenschutz

und die Bildung von

Die richtigen

Partner sind

das A und O. Werte

und Ziele müssen

zusammenpassen.

Dave Tjiok

Mitgründer von Chill Choc

Gründer-Duo

Chill Choc wurde im Juni

2016 von Dave Tjiok und

Burkhard von Stackelberg

gegründet. Seit 2018 bereichern

Christian Veit, Laura

Rothgang und Lena Glässel

als Co-Founder das Gründungsteam.

Das Social

Start-Up produziert ein Kakao-Hanf-Pulver

zur Herstellung

eines entspannenden,

nicht-halluzinogenen

Anti-Stress-Getränks. Chill

Choc ist per Amazon oder

Online-Shop in den Sorten

Original, DoubleChoc, Minze-Verbene,

Chili und seit

neustem „Extra“ mit extra

viel Hanf erhältlich. Bis

2020 soll Chill Choc auch

im Einzelhandel und als

Fertiggetränk verfügbar

sein. Mehr Informationen

unter: www.chillchoc.de

Kleinbauern in Sri Lanka und

Brasilien.

Das Prinzip ist einfach: Gesunde

Böden sorgen für gesunde

Pflanzen, aus denen gesunde

Nahrungsmittel für gesunde

Menschen hergestellt werden.

Nachhaltigkeit, die schmeckt,

wie die Vorbestellungen im

Wert von mehr als 11 000 Euro

durch die Crowdfunding-Kampagne

beweisen. Erste Fans findet

das Entspannungsgetränk

auf Messen, Festivals und durch

die Kampagne. Schnell entsteht

eine Community: In Sportlerkreisen

wird der Hanf-Kakao bereits

als Geheimtipp gegen Muskelkater

und Krämpfe gehandelt,

junge Frauen freuen sich

über die schmackhafte Linderung

von Regelbeschwerden.

„Zu unserer Zielgruppe gehört

jeder, der Kakao mag und ab und

zu Stress hat“, so der Kakao-Netzwerker,

der das Getränk

auch mal spontan im überfüllten

Bahnwagon vorstellt.

Fünf hochmotivierte Gründer

Aus dem einstigen Zwei-Mann-

Betrieb ist inzwischen ein fünfköpfiges

hochmotiviertes Gründer-Team

geworden. „Während

Laura, Lena und Chris sich um

Marketing und Vertrieb kümmern,

können Burkhard und ich

uns auf die Produktentwicklung

konzentrieren“, freut sich der

studierte Maschinenbauer und

Chemiker. Ganz ohne Hilfe geht

es manchmal aber dennoch

nicht. Etwa wenn plötzlich eine

komplette Ladung bestellter Kakao

auf der Reise nach Deutschland

verloren geht.

„Plötzlich mussten wir uns

kurzfristig um Ersatz bemühen,

die Zusatzfinanzierung stemmen

und Rezepturen anpassen.“

Unterstützung und Räumlichkeiten

finden die Jungunternehmer

in solchen Fällen beispielsweise

bei den Coaches des Social

Impact Labs im Stuttgarter

Osten. „Die richtigen Partner

sind das A und O. Werte und

Ziele müssen unbedingt zusammenpassen“,

gibt der Gründer

seine Erfahrung an andere weiter.

Und wenn es doch mal drunter

und drüber geht, hilft eine

Tasse Chill Choc beim Gedanken

ordnen. [!] Ronja Gysin


38

FINANZIEREN unternehmen [!]

Wohin bloß

mit dem Geld?

Vermögensmanagement Dank der guten

Konjunkturentwicklung und höherer

Finanzpolster treffen auch Mittelständler

die Negativzinsen. Doch es gibt

Ausweichmöglichkeiten – nicht alle

sind sinnvoll.

Die Zinsen in

der Eurozone

werden auch in

den kommenden

Jahren so niedrig bleiben wie

heute – dieser Satz hat Mario

Draghi, ehemaliger Chef der Europäischen

Zentralbank (EZB)

auf der letzten Pressekonferenz

seiner Amtszeit Ende Oktober

fallen lassen. Er wird nicht nur

institutionellen Investoren und

privaten Anlegern lange Zeit in

den Ohren klingeln. Auch vielen

Mittelständlern bereitet die

ultra-lockere Geldpolitik der

EZB zunehmend Kopfzerbrechen.

Denn die Geschäftsbanken

müssen für die Einlagen, die

sie bei der EZB unterhalten, Negativzinsen

zahlen – zurzeit einen

halben Prozentpunkt. Diese

Kosten geben sie zunehmend

an ihre vermögenden Privatkunden,

aber auch an

Firmenkunden weiter.

Davon betroffen sind nicht

nur Großkonzerne, sondern immer

häufiger auch kleinere und

mittlere Unternehmen (KMU)

in klassischen Industriebereichen.

Dank der positiven Konjunkturentwicklung

der vergangenen

Jahre ist die Eigenkapitalquote

vieler Unternehmen stetig

gestiegen, sagt Volker

Wittberg, Prorektor der Fachhochschule

des Mittelstands

(FHM). Untersuchungen seines

Instituts zufolge verfügt mehr

als die Hälfte des Mittelstands

über ein nennenswertes Finanzpolster.

„Im Durchschnitt beträgt

die freie Liquidität 2,5 Millionen

Euro“, sagt Wittberg.

ILLUSTRATIONEN: ZENZEN/SHUTTERSTOCK.COM

Dieser Zuwachs an Finanzkraft

wird gerade für KMU aber

zum Bumerang. Für höhere Guthaben

auf dem laufenden Konto

– der konkrete Freibetrag variiert

je nach Geldinstitut zwischen

100 000 und 1 Million

Euro – werden die Unternehmen

mit Verwahrentgelten zur

Kasse gebeten. Unter Umständen

sind Firmeneigentümer

gleich doppelt davon betroffen,

wenn sie auch auf ihrem Privatkonto

Reserven vorhalten. Nach

einer aktuellen Commerzbank-Studie

haben 29 Prozent

der deutschen Mittelständler in

Im Durchschnitt

beträgt die

freie Liquidität

der Betriebe 2,5

Millionen Euro.

Volker Wittberg

Prorektor FH Mittelstand

Mini- und Negativzinsen

stehen einem großen

Anlagebedarf der

Unternehmen gegenüber.

den vergangenen zwölf Monaten

Negativzinsen bezahlt.

Zwei grundsätzliche Optionen

„Viele Firmenverantwortliche

stellen sich in dieser paradoxen

Situation, in der Guthabenzinsen

– letztlich aus politischen

Gründen – abgeschafft worden

sind, die Frage, wie sie reagieren

sollen“, sagt Ralph Blankenberg,

Vorstandssprecher der

Volksbank Ulm-Biberach. Erste

Option mit gleichzeitig der

höchsten Rendite ist zweifellos

mit frei verfügbaren Geldern

Kredite zu tilgen. Eine geringe-


unternehmen [!] FINANZIEREN 39

re Verschuldung senkt die laufenden

Fremdkapitalkosten –

und zwar in Höhe der gesparten

Zinsen. Allerdings: Mit der Ablösung

von Krediten sind diese

Mittel dem laufenden Betrieb

dauerhaft entzogen. Angesichts

der unsicheren Konjunkturaussichten

zögern viele Unternehmen,

ihre finanziellen Reserven

auf diese Weise zu schmälern.

Doch häufig mangelt es Geschäftsführern

und Eigentümern

an einer durchdachten

Anlagestrategie dafür – meist,

weil sie sich mit diesem Thema

bislang nie beschäftigen mussten.

Das ist eines der Ergebnisse

einer aktuellen Umfrage der

Commerzbank zum Anlageverhalten

deutscher Unternehmen.

Befragt wurden 500 Entscheider

in Unternehmen mit einem Jahresumsatz

von mehr als 15 Millionen

Euro. Nach den Worten

von Commerzbank-Manager

Haibt verfolgen die meisten Firmenverantwortlichen

eine Art

Vermeidungsstrategie oder sie

halten es mit dem Prinzip:

Schuster, bleib bei deinen Leisten.

37 Prozent der Befragten legen

laut Haibt freie Mittel in sichere

Anlagen an, 32 Prozent investieren

in den eigenen Betrieb.

Immerhin ein Fünftel

(26 Prozent) erwägt jedoch den

Wechsel der Bank oder die Eröffnung

einer zweiten Bankverbindung

– meist, um dort Gelder

anzulegen.

Termineinlagen stehen dabei

der Umfrage zufolge ganz oben

auf der Liste der bevorzugten

Anlageformen. 41 Prozent der

befragten Firmen parken zumindest

einen Teil ihrer Liquidität

befristet für einen Monat oder

länger auf einem Festgeldkonto.

Der Haken dabei: Die Zinsen für

kurze Laufzeiten liegen im Moment

nur knapp über der Nulllinie.

Dennoch legen nach den

Worten von Haibt die Hälfte der

Unternehmen ihr Geld mit einem

Zeithorizont von bis zu einem

Jahr an. Im Vorjahr seien

noch längerfristige Anlagen im

Vordergrund gestanden, sagt

der Commerzbank-Manager.

Nur wenig Festgeld-Angebote

Viele Banken bieten aber überhaupt

keine Festgeldkonten

mehr an, weil sie mit Geldern

überflutet werden. Die Commerzbank

zum Beispiel arbeitet

daher für ihre Kunden mit dem

Portal Weltsparen.de zusammen.

Dort bieten zum Beispiel

portugiesische, italienische oder

bulgarische Banken Festgeldanlagen

an. Je nach Laufzeit werden

dafür zwischen 0,5 und

1,5 Prozent geboten.

Grundsätzlich gilt: Die Anlagedauer

des Geldes sollte der

Betrieb genau mit seinen laufen-

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40

FINANZIEREN unternehmen [!]

ILLUSTRATION: ZENZEN/SHUTTERSTOCK.COM

Spezialmodell für günstigere Konditionen

Besseren Zinserträgen nachzujagen, birgt auch deutlich höhere Risiken.

den Liquiditätsanforderungen abgleichen

und daran anpassen. Anders

als beim Giro- oder Tagesgeldkonto

ist eine vorzeitige Verfügung

bei Terminanlagen nicht möglich.

Die Anlagedauer muss daher gut

überlegt sein.

Für Unternehmen, die einen

Teil ihrer Liquidität langfristig

investieren können, haben

einige Kreditinstitute ein

besonderes Modell parat: Die

Firma erwirbt eine oder mehrere

Wohnimmobilien. Diese

Objekte dienen die Unternehmen

unmittelbar der Hausbank

als Sicherheit für die Einräumung

einer Kontokorrentlinie

an. Weil die Banken mit

den – üblicherweise schuldenfreien

– Immobilien eine Sicherheit

an die Hand bekommen

und die Zinsen am Kapitalmarkt

niedrig sind, können

sie diese Linie im Vergleich zu

einem normalen Kontokorrentkredit

zu sehr günstigen

Alternative Geldmarktfonds

„Außerdem sollte beachtet werden,

dass der Einlageschutz in vielen

Ländern nicht so hoch ist wie in

Deutschland. Selbst bei einer Bankenpleite

in einem EU-Land braucht

es erfahrungsgemäß viel Zeit, bis die

Einlagekunden ihr Geld zurückhaben“,

gibt Blankenberg zu bedenken.

Unternehmensverantwortliche

sollten sich daher fragen, ob dieses

Risiko für ein paar Zehntel Prozentpunkte

wirklich lohnt. Schließlich

müssen sie sicherstellen, dass ihr liquides

Vermögen sicher und verfügbar

ist. Das ist existenzielle Grundlage

ihres Betriebs.“

Firmen, die kein nennenswertes

Auslandsgeschäft haben, empfiehlt

Blankenberg als Alternative ihre

„Bodensatzliquidität“ in Geldmarktfonds

anzulegen. Diese Fonds legen

ihre Mittel am Geldmarkt und in sicheren

Anleihen mit sehr kurzen

Restlaufzeiten an. Das Anlagerisiko

ist dadurch vergleichsweise gering,

Kursverluste aber nicht gänzlich

ausgeschlossen.

Die Anteile können werktäglich

an die Fondsgesellschaft zurückgegeben

und damit zu Geld gemacht

werden.Hohe Renditen sind bei die-

Konditionen anbieten. Der Effekt:

Das Unternehmen hat

seine langfristige Liquidität

untergebracht. Gleichzeitig

verfügt es über eine kostengünstige

Finanzierungsmöglichkeit

und profitiert im Idealfall

noch vom langfristigen

Wertzuwachs der erworbenen

Immobilien.

Zur Person

Ralph Blankenberg

war im Laufe seiner

Karriere unter anderem

für die Landesbank

Baden-Württemberg

und die DZ-

Bank tätig. 2011 kam

er zur Volksbank

Ulm-Biberach, seit

2013 ist er deren Vorstandssprecher.

sem Anlagekonzept derzeit nicht zu

erwarten, aber genauso wie bei einer

Terminanlage umgehen Firmen

mit der Umschichtung von liquiden

Mitteln in ein Fondsinvestment Abgaben

auf hohe Guthabenbestände.

Für Unternehmen mit hohem Exportanteil

bietet sich eine andere

Möglichkeit an. „Wer zum Beispiel

sehr viel Geschäft in Nordamerika

macht, kann überlegen entweder

hier oder vor Ort ein Dollar-Anlagekonto

zu eröffnen und damit von

den höheren US-Zinsen zu profitieren“,

sagt Blankenberg. „Allerdings

kommt eine solche Anlage wirklich

nur dann infrage, wenn die Firma in

dem entsprechenden Währungsraum

auch nennenswertes Geschäft

macht, so dass dort regelmäßig Umsätze

anfallen und Zahlungen zu tätigen

sind. Sonst ist das Währungsrisiko

zu groß.“

Firmenchefs

müssen sich

fragen, ob sich dieses

Risiko für ein paar

Zehntel Prozent lohnt.

Ralph Blankenberg

Volksbank Ulm-Biberach

Angesichts der vertrackten Situation

hält es der Volksbank-Vorstandschef

für ratsam, dass sich jeder

Finanzverantwortliche Gedanken

über die Struktur der Liquidität

machen. „Entscheidend ist die Frage:

Welcher Teil der vorhandenen

Liquidität ist unmittelbar betriebsnotwendig?“,

so Blankenberg. Die

Antwort darauf ist im Einzelfall

nicht immer einfach zu finden. Aber

häufig lässt sich anhand der betriebseigenen

Finanzdaten ermitteln

wie viel Liquidität erfahrungsgemäß

zum Beispiel für 30 oder 90 Tage

vorgehalten werden muss. Auf dieser

Basis können dann für die darüber

hinausgehenden Mittel entsprechende

Anlagen getätigt werden.

„Eine Ideallösung gibt es in der

derzeitigen Zins- und Anlagesituation

nicht“, sagt er.

Für die Firmen gehe es bei ihrem

Liquiditätsmanagement darum, von

zwei Übeln das kleinere zu wählen:

„Den Verzicht auf Verwahrungsentgelte

erkaufen sie sich mit mehr

oder weniger höheren Anlagerisiken.“

[!] Thomas Luther


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41

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Veranstaltung bereichern kann.

Welche Veranstaltung und welche Gäste sind

Ihnen in Erinnerung geblieben?

Das Forum wurde in diesem Jahr 5 Jahre alt, und

wir können auf eine Fülle von Veranstaltungen

zurückblicken, die nicht nur auf Firmenevents

oder Business-Meetings beschränkt, und jeweils

sehr unterschiedlich waren. Gäste im Forum

waren auch Künstler, Musiker, Politiker,

Wissenschaftler bis hin zu Nobelpreisträgern,

aber auch Top Manager großer Unternehmen

und andere Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft.

So gab es viele unterschiedliche Veranstaltungen

mit interessanten Gästen. Ich möchte

gar keine Person explizit herausstellen, da für

uns jedes Event einzigartig ist.

Beschreiben Sie doch kurz Ihr Team und den

Service, den Sie den Gästen bieten?

Wir bieten Veranstaltungsmanagement auf

höchstem Niveau. Dafür arbeiten wir mit zuverlässigen

Dienstleistungspartnern zusammen,

um den Erfolg einer jeden Veranstaltung zu gewährleisten.

Das fängt mit einer maßgeschneiderten

Planung der Veranstaltung an und geht

über Deko und Catering bis hin zur kompetenten

Betreuung vor Ort. Unser Ziel ist es, einen

exklusiven Rahmen zu schaffen, der individuell

auf den Event zugeschnitten ist. Hinzu kommt,

dass unsere Tagungsräume modern und technisch

sehr gut ausgestattet sind. Erst kürzlich

haben wir umfangreiche Modernisierungsarbeiten

abgeschlossen und unsere Räume strahlen

nun in neuem Glanz. Es macht einen stolz, einen

idealen Veranstaltungsort anbieten zu können,

an dem fast alles möglich ist.

In Zahlen:

Flexibel gestaltbare Räume für

5 – 260 Personen auf rund 2000 m 2

Mod. Präsentations- & Veranstaltungstechnik

Ausstellungsflächen auf drei Ebenen

Catering

hauseigener Steinway-Flügel

Übersetzungs-, Foto- und Videoteam a. A.

Servicepaket (Rahmenprogramm, Hotelbuchungen,

Shuttle-Service)

Ihr Kontakt

Sabine Weiland

Leiterin ZEISS Forum

Carl-Zeiss-Strasse 22

73447 Oberkochen

Telefon: +49 (0) 73 64 - 20 4040

Telefax: +49 (0) 73 64 - 20 62451

E-Mail: zeissforum@zeiss.com

https://www.zeiss.de/zeissforum


42 MACHEN

Das Gesamtpaket muss

stimmen, um letztlich Kunden

und Unternehmer zufrieden

zu stellen, davon sind die

Geiger-Brüder überzeugt.

100 Jahre

MONATGE : MAX MESCHKOWSKI FOTOS: GIACINTO CARLUCCI & KUNERTUS/SHUTTERSTOCK.COM

Die Carl Lohrmann

GmbH wurde 1919

von Carl Lohrmann in

Göppingen gegründet

und 1948 von dessen

Neffen Ludwig Geiger

übernommen. In der

Nachfolge seines Sohnes

Peter Geiger leiten

nun seine Enkel Michael

(Dipl.-Betriebswirt)

und Christian (Software-Ingenieur)

das inzwischen

in Albershausen

ansässige Familienunternehmen

in vierter

Generation. Am Standort

Albershausen stehen

dem Unternehmen vier

Hallen zur Verfügung. Im

vergangenen Jahr hat das

Unternehmen rund drei

Millionen Euro erwirtschaftet.

2019 feiert die Firma ihr

100-jähriges Jubiläum.

Packend anders

Lohrmann Die Geschäftsführer Michael und Christian Geiger führen das Unternehmen für

Verpackungstechnik in vierter Generation. Wachstum ist nicht ihr oberstes Ziel.

Der Wachstumsdruck,

der andere Manager

umtreibt, scheint an

Michael und Christian

Geiger schlichtweg abzuperlen.

Die beiden Brüder leiten das

Familienunternehmen Lohrmann

in Albershausen. Zusammen

mit zehn Mitarbeitern versorgen

sie Kunden mit Verpackungs-

und Befestigungstechnik.

So ist es seit Jahren und so

soll es bleiben: „Unsere Größe

ist perfekt“, findet Michael Geiger,

der einst als Vertriebler in

den Familienbetrieb eingestiegen

ist. Mit ihm und Bruder

Christian sitzt inzwischen die

vierte Generation am Steuer

des 1919 von Carl Lohrmann gegründeten

Unternehmens. Viele

Mitarbeiter gehören seit

Jahrzehnten zur verlängerten

Familie und darin – so Geiger –

liegt ein Teil

des Erfolgsrezeptes.

„Kontinuität

und Zusammenhalt

sind uns wichtiger

als der

Kontinuität

und

Zusammenhalt

sind uns wichtiger

als schneller Erfolg.

schnelle Erfolg.“

Dennoch Michael Geiger

steigt der Jahresumsatz,

den

Geschäftsführer

die Albershäuser unter anderem

mit Kartonagen und Folien,

Umreifungs- und Stretchmaschinen

sowie Druckluftnagelgeräten

erwirtschaften. Kein

Wunder, denn zahlreiche Unternehmen

zwischen Stuttgart

und Ulm setzen auf die Expertise

der Packprofis.

„Unsere

Kunden kommen

aus Industrie

und

Handwerk“,

sagt Geiger.

Das Spektrum

reicht vom

kleinen Dachdeckerbetrieb

über metalloder

holzverarbeitende Mittelständler

bis hin zu Automobilund

Luftfahrtkonzernen. Eine

gelungene Mischung, wie der

41-Jährige findet. Denn so ist

Lohrmann nicht vom Wohlergehen

einer einzelnen Branche

abhängig.

Wichtig ist den Geschäftsführern

eine verbindliche, ehrliche

Art des Miteinanders, sowohl

im Team als auch mit Kunden

und Lieferanten. „Es ist

eine der größten Herausforderungen

unserer Zeit, dafür zu

sorgen, dass sowohl unsere

Umwelt als auch unsere psychische

und physische Gesundheit

erhalten bleiben. Das verstehe

ich unter dem Begriff Nachhaltigkeit.“

Auf Produktseite wird

dieser Wert etwa durch Innovationen

wie die Power-Stretchfolie

sichtbar. Hergestellt aus


unternehmen [!] MACHEN 43

Hochleistungsgranulat besitzt

die Folie ein höheres

Dehnvermögen und senkt

den Materialverbrauch um

bis zu 50 Prozent.

Dass die Nachfrage nach

umweltfreundlichen Produkten

steigt, merken die

Albershäuser bereits seit einigen

Monaten. Und auch,

dass nicht alles Gold ist,

was glänzt. So kann Luftpolsterfolie

aus Plastik mit

Blick auf die Gesamt-Ökobilanz

sinnvoller sein als

Papierfüllmaterial, weil von

dieser 15 Mal weniger Material

benötigt wird. „Auf

der Suche nach den besten

Lösungen müssen wir die

Thematik unbedingt ganzheitlich

betrachten“, sagt

Geiger. Cradle-to-cradle

nennt er das, was im übertragenen

Sinn „Von der Wiege

zur Wiege“ bedeutet.

Innovationen in der Verpackungsindustrie müssen nicht aus Papier sein: Die Power-Stretchfolie ist

Geiger zufolge dermaßen dehnfähig, dass bis zu 50 Prozent des Materials eingespart werden können.

Wissen wir,

dass ein Kunde

häufig zu spät

bestellt, rufen wir

an und erinnern ihn.

Michael Geiger

Lohrmann GmbH

Online-Tool in Arbeit

Dabei handelt es sich um ein

Konzept für eine durchgängige

Kreislaufwirtschaft. Materialien

werden entweder in biologische

Kreisläufe zurückgeführt

– also natürlich abgebaut

– oder dauerhaft im Kreislauf

gehalten. „Wir setzen

daher stark auf wiederverwendbare

Materialien.“ Um

diese Fachexpertise auch den

Kunden zugänglich zu machen,

arbeiten die Brüder momentan

an einem Online-Tool, das per

Ampelfunktion die Stärken und

Schwächen verschiedener Verpackungsoptionen

im Gesamtprozess

betrachtet. Dazu hat

das Team Daten aus unabhängigen

Quellen gesammelt und

aufbereitet.

Auch in Bezug auf die Kundenbeziehungen

selbst legen

die Brüder Wert auf Langfristigkeit.

Diese entsteht nicht selten

über eine persönliche Ebene.

„Wissen wir beispielsweise,

dass ein Kunde häufig zu

spät bestellt, rufen wir an und

erinnern ihn. Genauso fragen

wir nach, wenn Kunden für sie

ungewöhnliche Mengen bestellen.“

Lohrmann agiert sozusagen

als ausgelagerte Verpackungsabteilung.

Diese Verlässlichkeit

und das Mitdenken machen

sich bezahlt.

Werbung ist für Lohrmann

ein Fremdwort. Die Verpackungs-

und Befestigungsexperten

gewinnen neue Kunden

größtenteils per Mundpropaganda.

Um das ihnen entgegengebrachte

Vertrauen auch während

des Generationenwechsels

aufrechtzuerhalten, haben

sich Vater und Söhne viel Zeit

zur Übergabe des Zepters gelassen.

Beinahe zehn Jahre.

„Eine Phase, die ich in sehr positiver

Erinnerung habe“, sagt

Michael Geiger. Nicht zuletzt,

weil die drei Männer bis dato

selten so viel Zeit miteinander

verbracht haben. Erst 2016 zieht

sich Peter Geiger, der 40 Jahre

lang die Geschicke von Lohrmann

geleitet hat, zurück.

Noch heute verbringt der

70-Jährige einen Teil seiner

Freizeit im nachbarschaftlichen

Betrieb. Das Verhältnis zwischen

Vater und Söhnen ist

herzlich und eng, ebenso das

der beiden Brüder. „Trotzdem

bleiben hitzige Diskussionen

nicht aus“, schmunzelt der Ältere.

Letztendlich werde man

sich aber immer einig. Auch

wenn es um das Ziel des jährlichen

Brüderwochenendes geht

– bei dem die Firma ganz bewusst

Zuhause bleibt. [!]

Ronja Gysin

Wir planen und bauen

anspruchsvolle Holzwelten für Morgen,

die Funktion und Nachhaltigkeit

höchst effizient miteinander verbinden.

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System Holzbau – individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten.

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44

LEBEN unternehmen [!]

Kunst ist

seine Passion

Die private Seite Der Wirtschaftsprüfer

Werner Schneider zeigt seine Sammlung

nicht nur in den Räumen seiner Kanzlei.

Einige Werke sind öffentlich zugänglich.

Kunst begegnet dem Besucher

überall: in den

Büros, Treppenhäusern

und Fluren, an der Fassade

und in allen Niederlassungen

der Wirtschaftskanzlei SGP.

Für Werner Schneider gehört

sie dort auch hin, in den Alltag.

Ob es die Mitarbeiter positiv beeinflusst

kann er nicht sagen,

„aber schaden tut es jedenfalls

nicht“.

Die persönliche

Beziehung

zwischen Künstler,

Kunst und mir hat

Auswirkungen.

Werner Schneider

Wirtschaftsprüfer und Sammler

Dieser lockere Umgang mit

Kunst, mit einer Sammlung die

bedeutende und weniger bekannte

Künstler vereint, kennzeichnet

den Neu-Ulmer Sammler.

Er lässt nicht kaufen, sondern

kauft von Künstlern, die er

kennt und sammelt Kunst, die

ihm gefällt. „Die persönliche Beziehung

zwischen dem Künstler,

seiner Kunst und mir hat

Auswirkungen auf meine Sammlertätigkeit.

Das ist das einzige

Kriterium – die Sammlung verfolgt

daher wenig Sinn“, konstatiert

er augenzwinkernd.

Das ist keine Koketterie. Effekthascherei

und Selbstinszenierung

passen nicht zu der eher

zurückgenommen Art des erfolgreichen

Unternehmers. Die

Ausnahmen, Werke von Künstlern

wie Joseph Beuys, die er

nicht persönlich kennt oder

FOTOS: MATTHIAS KESSLER

Egal ob Engel

oder Abstraktes:

Kunst, die

Werner Schneider

kauft und

sammelt, muss

ihm zuallererst

gefallen.

nicht kennenlernen konnte, machen

nur rund 5 Prozent der gesamten

Sammlung aus.

Sich mit Kunst, mit Künstlern,

mit Theater und Design zu

beschäftigen war für Werner

Schneider bereits während seiner

Studienzeit in Wien ein wesentlicher

Lebensinhalt. Das

war Mitte der 1960er Jahre, der

Zeit des Fantastischen Realismus,

und der 21-jährige Student

fand in der Wiener Kunstszene

ein sehr spannendes Pendant

zum Studium der Wirtschaftswissenschaften.

Prägende Erfahrung in Wien

„Die Präsenz war entsprechend

verteilt“ meint er schmunzelnd.

Seine Aufmerksamkeit galt wohl

beiden Bereichen gleichermaßen.

Deutschlandweit und auch

international wurde Schneider

zu einem der bekanntesten

Wirtschaftsprüfer und Insolvenzverwalter.

Die Begegnung mit der

Kunstszene blieb dennoch prägend

für sein weiteres Leben.

Als Insolvenzverwalter war

Werner Schneider einige Jahre

in Kanada und in New York tätig

und betrieb in der Stadt

auch eine Galerie. Zusammen

mit der Ehefrau des Künstlers

Shimon Okshteyn vertrat

er Progressive Kunst.

„Das war spannend, aber

wirtschaftlich ein Flop.“

Zu Schneiders

Sammlung

gehört auch

diese Skulptur

von Bernar

Venet.


unternehmen [!] LEBEN 45

Im Garten der Wirtschaftskanzlei SGP in Neu-Ulm hat Werner Schneider einen „Kunstpark“ angelegt. Foto: Matthias Kessler

Werner Schneider kaufte erste

Kunstwerke, war einer der intensivsten

Sammler von Werken

des russischen Künstlers Shimon

Okshteyn mit dem ihm

nicht zuletzt über dessen Frau

noch heute eine enge Freundschaft

verbindet. Aktuell hat er

zusammen mit Okshteyn einen

monografischen Bildband publiziert.

Der einzige bislang, denn

eine Publikation über die Sammlung

selbst gibt

Seine

Bibliothek

von Kunstbänden

stellt er seinen

Mitarbeitern zur

Verfügung.

es nicht. „Mir

reicht, dass es

digital archiviert

ist, damit

ich weiß, wo

welches Kunstwerk

hängt.“

Mit der Expansion

seines

Unternehmens

wuchs auch die Möglichkeit

mehr Kunst aufzuhängen. Rund

1300 Werke umfasst die Sammlung

heute. Und es geht weiter,

wenn auch langsamer. Inzwischen

hat Schneider seine Unternehmensanteile

an seinen

Partner Arnd Geiwitz verkauft,

und widmet sich der Verwaltung

der gemeinsamen Beteiligungen

und der Kunst.

Im Herbst entstand auf dem

Gelände der Unternehmensberatung

in Neu-Ulm das größte

Kunstwerk Süddeutschlands.

Schneider ließ die Fassade eines

Gebäudes vom Düsseldorfer

Künstler Horst Schuler mit einer

außergewöhnlichen Fassaden-

und Lichtinstallation bespielen.

Mit dem unübersehbaren

Bogen von Bernar Venet an

der Eingangsfassade und dessen

Skulptur am neuen Gebäude

Richtung Bahnhof holt Werner

Schneider wie

auch mit dem

Skulpturenpark

und der

Lichtkastenartigen

Gestaltung

der Tiefgarage

des

Leipziger

Künstler Kaeseberg

einmal

mehr Weltkunst nach Neu-Ulm.

Die renommierte Kunstzeitschrift

„art“ bildete in einem Artikel

über Bernar Venet eine

Skulptur in Hongkong neben

der in Neu-Ulm ab. Ganzseitig,

auf demselben Niveau. Das

macht ihn stolz, und schmerzt

zugleich, denn in Neu-Ulm wird

die Bedeutung dieser Werke wenig

wahrgenommen. Der Park

und die Venet Skulpturen sind

Teil des öffentlichen Raums und

www.szp-ulm.de

werbung muss groß sein.


46 LEBEN unternehmen [!]

Galerie und Kanzlei unter einem Dach

Für die Mitarbeiter ist die Sammlung allgegenwärtig: im Flur, in den Büros, an der Fassade

Die Wirtschaftskanzlei SGP

Schneider Geiwitz besteht seit

über 40 Jahren. 1972 startete

Werner Schneider als Steuerberater

und Insolvenzverwalter.

Seit 1995 ist Arndt Geiwitz im

Kanzleiverbund, 2004 wurde er

Partner von Werner Schneider.

Ende 2016 zog sich Schneider

aus dem operativen Geschäft

zurück. Die Kanzleigruppe beschäftigt

derzeit rund 320 Mitarbeiter

an bundesweit 23

Standorten.

Ein Teil der Sammlung ist im

Skulpturenpark und und an der

Fassade des Firmensitzes an der

Neu-Ulmer Bahnhofstraße 41 zu

sehen und frei zugänglich. Die

Galerie im Venet-Haus adressiert

an derselben Adresse und

wird von Verena Schneider geführt.

Dort sind Werke etwa von

Barbara Husar, Benjamin Schubert,

Dieter Blum oder auch

Günther Uecker zu sehen. Öffnungszeiten:

mittwochs bis freitags

16 bis 19 Uhr.

Zur Person

Werner Schneider

studierte Betriebswirtschaftslehre

in

Wien und Erlangen.

Der in Ulm geborene

Kunstsammler hat

sich 2016 aus dem

aktiven Geschäft der

Kanzlei zurückgezogen.

eine Bereicherung für die Stadt. Die

bekommt von Schneider, genauer

von seiner Stiftung – ebenso wie

Ulm – eine jährliche Zuwendung

von 30 000 Euro für Kunstankäufe

oder ähnlich zweckgebundene Ausgaben.

Seit er nicht mehr operativ im

Unternehmen tätig ist, kann er sich

neben der Kunst seiner zweiten Leidenschaft,

den Büchern, widmen. Im

Eingangsbereich des neuen Gebäudes

stellt er seine Bibliothek repräsentativer

Bildbände über Kunst,

Möbeldesign und Architektur auch

den Mitarbeitern zur Verfügung. Als

Kontrast zu Nachschlagewerken

zum Steuerrecht, so seine Begründung.

Ob es genutzt wird weiß er

nicht, aber es ist ein Angebot. Kunst

Mir reicht, dass

die Sammlung

archiviert ist, damit

ich weiß, wo welches

Kunstwerk hängt.

Werner Schneider

Wirtschaftsprüfer

ist seine ganz persönliche Passion,

die von seiner Frau toleriert, aber

nicht geteilt wird.

Seine Leidenschaft lebt Werner

Schneider seit über 50 Jahren. Immer

mit dem Wunsch nach dem persönlichen

Kontakt zum Künstler

und der Herausforderung etwas zu

seiner Entwicklung beizutragen.

Durch Käufe, aber auch durch Kritik.

Ist der Künstler langfristig erfolgreich

und seine Arbeiten erfahren

eine entsprechende Wertsteigerung

freut das Werner Schneider in

mehrfacher Hinsicht: als Freund des

Künstlers, als Kunstliebhaber und

Sammler, und nicht zuletzt als wirtschaftlich

denkender Unternehmer,

der die richtige Entscheidung getroffen

hat. [!] Sigrid Balke


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 47

Humane Technik

in der Pflege

Studie Ein innovatives Pflegenetzwerk

aus Praxis, Wirtschaft

und Forschung – das ist eines

der Ziele des Projekts Care Regio,

das jetzt vom bayerischen

Gesundheits- und Pflegeministeriums

mit 500 000 Euro gefördert

wird. Im Rahmen einer einjährigen

Studie wollen die

Hochschulen Kempten, Augsburg

und Neu-Ulm gemeinsam

ein Konzept für technisch und

digital unterstützte Pflege erarbeiten.

Beruflich und häuslich

Pflegende sollen spürbar entlastet

werden.

Moderne

Websites

Vereine Um für junge Zielgruppen

attraktiv zu sein, ist eine

schicke Webpräsenz Pflicht.

Weil Vereine sich das oft nicht

leisten können, greifen Studierende

der DHBW Heidenheim

ihnen unter die Arme. So geschehen

beim Kulturverein Königsbronn.

Die neue Website

glänzt mit einem virtuellen

Rundgang auf dem Industriepfad

der Gemeinde. Vereinsmitglieder

werden in den notwendigen

Anwendungen geschult.

Diskutieren

im Café

Forum Die Zeppelin Universität

und die Buchhandlung mit

dem Friedrichshafener Café

„Gessler 1862“ kooperieren in einer

gemeinsamen Veranstaltungsreihe:

„Zukunftsgespräche

im Gessler 1862“. Jeweils am ersten

Mittwoch im Monat geht es

ab 19 Uhr um aktuelle Themen,

die die ZU in der Forschung bewegen

und zugleich Relevanz

für die Region haben: von der

Digitalisierung bis hin zur Mobilität.

Informationen und Termine:

www.gessler1862.de

Der smarte Briefkasten erkennt, wenn etwas eingeworfen wird und

meldet es per WLAN.

Foto: DHBW Heidenheim

Der Briefkasten

wird smart

Welche Alltagsprobleme sich mit bereits existierenden Technologien

lösen lassen, haben Studierende der DHBW Heidenheim untersucht.

Eines der Resultate, die Smart Post Box, ist ein Briefkasten

der dank Sensorik und Lichtschranke den Posteingang per

WLAN meldet (im Bild). Ein anderes Team hat einen Bierdeckel

entwickelt, über welchen der Gast sein Getränk bestellen kann, bevor

die Bedienung am Tisch war. Wird das leere Glas zurück auf

den Bierdeckel gestellt, bestellt dieser das gleiche Getränk nach.

Die entstehenden Prototypen sollen die Basis für künftige Geschäftsideen

bilden.

Award für Ulmer

Forscher

Auszeichnung Das Fahrzeug

der Zukunft muss Entscheidungen

in Echtzeit treffen, Gefahrensituationen

einschätzen und

sich gleichzeitig mit anderen

Verkehrsteilnehmern austauschen.

Mit seiner Forschung zu

Spiegelersatz-Kameras hilft Professor

Anestis Terzis von der

TH Ulm, diese komplexen Szenarien

beherrschbar zu machen.

Deshalb wurde der Forscher auf

der AutoSens kürzlich mit dem

Award „Most Influential Research“

ausgezeichnet. Terzis

beschäftigt sich mit einer hybriden

CMS-Architektur. Zusätzlich

zum lokalen Steuergerät im

Fahrzeug verfügt diese über eine

Cloud-Anbindung, die Rechenleistung

zur Verfügung stellt. So

können rechenintensive Funktionen,

wie beispielsweise Szenenerkennung

in die Cloud verlagert

werden.

Neue Bibliothek

für Studenten

Universität 15 000 Bücher,

100 Fachzeitschriften sowie Tageszeitung

und aktuelle Wochenmagazine:

Die HfWU hat in

Nürtingen eine neue Bibliothek

eröffnet, in der sich Studierende

künftig mit Wissen versorgen

können. Weitere 350 000

Bücher und 18 000 Fachzeitschriften

können zudem digital

ausgeliehen werden.

Smarte Bauteile

für Autos

Innovation Nicht nur das Auto

wird intelligent, auch seine Bauteile:

Die HS Ravensburg-Weingarten

und die Universität Stuttgart

zeigen in einem gemeinschaftlichen

Forschungsprojekt,

wie es geht. In Kooperation mit

den Unternehmen Daimler,

Bosch, DLR und BASF haben

Akademiker erstmals Temperatur-,

Lage- oder Vibrationssensoren

in kohlefaserverstärkten

Bauteilen integriert. Diese liefern

schon während der Produktion

Daten für die Qualitätssicherung.

Später können Informationen

über Belastungen und

Vibrationen erfasst werden. So

können etwa Service-Maßnahmen

nur noch bei Bedarf erfolgen

oder der Zustand von Straßen

dargestellt werden. Das andauernde

Forschungsunternehmen

wurde kürzlich mit dem

AVK-Innovationspreis ausgezeichnet.

KI soll Autisten

helfen

Integration Menschen mit Autismus

tun sich in der Arbeitswelt

oftmals schwer. Ein Projekt

der HS Ravensburg-Weingarten

und der HS Kempten soll die Integration

künftig für beide Seiten

erleichtern. Gemeinsam mit

den Praxispartnern Dell und Auticon

arbeiten Studierende aus

drei Fakultäten an unterschiedlichen

Lösungen, die Betroffene

etwa bei der Kommunikation

mit ihren Kollegen unterstützen.

Künstliche Intelligenz soll beispielsweise

beim Erkennen und

Deuten von Mimik und Emotionen

helfen. [!]

gys


48

LEBEN unternehmen [!]

Der eine Moment ist

unschlagbar

FOTO: OLGA GAVRILOVA/SHUTTERSTOCK.COM

Umfrage Für unseren freien Mitarbeiter Stefan Loeffler haben sechs Führungskräfte einen

Blick zurück aufs Jahr 2019 geworfen und auch verraten, worauf sie sich 2020 freuen.

1) Was war 2019 Ihre größte berufliche Herausforderung?

2) Was war in diesem Jahr Ihr schönster Moment im Job?

3) Welcher war es außerhalb der Arbeit?

4) Was ist 2019 für Sie persönlich zu kurz gekommen?

5) Worauf freuen Sie sich im kommenden Jahr?

Rafael Baur, geschäftsführender

Gesellschafter der Wenglor

Sensoric GmbH in Tettnang,

freut sich auf die Einführung

neuer Produkte im kommenden

Jahr.

1Die Industrie befindet sich

derzeit in einem strukturellen

Wandel. Diese Parallele findet

sich auch in unserem Unternehmen

– wir haben dieses Jahr

begonnen uns intensiv mit dem

Thema Veränderung zu befassen.

Einige Dinge sind bereits

sichtbar und spürbar.

2Mich freut es sehr, wenn

Mitarbeiter aktiv und auch

konstruktiv an Prozessen mitarbeiten.

Oliver Wirth, Geschäftsführer

der Bareiss Prüfgerätebau

GmbH, freut sich über aktive

und konstruktive Mitarbeiter.

3Ein spontaner Kurztrip mit

meiner Familie in die Berge.

4Ich würde gerne einmal wieder

einen längeren Urlaub

mit meiner Familie verbringen.

Das ist 2019 zu kurz gekommen.

5Als Musikfan freue ich mich

2020 auch auf einige tolle

Konzerte und Events.

FOTO: ASHARKYU/SHUTTERSTOCK.COM

1Das Rekrutieren von neuen

Mitarbeitern, die Lust haben

etwas zu bewegen und kulturell

gut zu uns passen.

2Wir haben einen 3D-Sensor

entwickelt, der hochgenau

Oberflächen dreidimensional

vermessen kann. So kann er zum

Beispiel Robotern helfen, unsortierte

Teile zu greifen. Wir haben

sehr viel Energie in das

Produkt gesteckt. Als der

erste große Auftrag kam

war das ein richtiges Highlight.

3Im Juni 2019 kam meine

Tochter auf die Welt. Dieser

eine Moment ist natürlich unschlagbar.

4Mehr Sport geht immer. Ich

hätte auch nichts dagegen,

alte Freunde öfters zu treffen. Alles

in allem bin ich aber ganz zufrieden,

irgendwann ist der Tag

eben vorbei.

5Wir werden einige neue Produkte

auf den Markt bringen,

ich freue mich schon, sie unserem

Vertrieb und unseren Kunden

vorzustellen. Ich freue mich

aber auch sehr darauf, weiterhin

mit allen Kollegen daran zu arbeiten

jeden Tag ein Stück besser

zu werden.


unternehmen [!]

LEBEN

49

Hätte gerne mehr Zeit für die

Familie: Roland Schwarz,

Geschäftsführer der Innungskrankenkasse

IKK classic-Geschäftsstelle

in Göppingen.

Rosemarie Häußler-Mayer,

Geschäftsführerin der Karl-

Heinz Häußler GmbH, die das

Backdorf in Heiligkreuztal

betreibt, ist stolz auf die

70-jährige Firmengeschichte.

1Der Wandel von der Papierverwaltung

hin zu einer digitalisierten

Krankenkasse ist und

bleibt eine Herausforderung.

Dabei meine ich auch die

Einführung digitaler Prozesse

in der Sachbearbeitung

und eine zeitgemäße

Kommunikation mit unseren

Kunden.

2Das war zweifellos

die Entscheidung für

den Umzug der IKK

classic in ein repräsentatives

und

zeitgemäßes Gebäude in der

Stuttgarter Straße in Göppingen.

3Es ist mehr die Summe vieler

kleiner schöner Momente.

Ich denke gern zurück an erfreuliche

Ereignisse mit der Familie,

aber auch schöne Erlebnisse

mit Freunden, zum

Beispiel bei gemeinsamen Rennrad-Touren

und Wanderungen.

4Zeit für mich und mit der Familie

und etwas mehr für die

körperliche Fitness zu tun.

5Privat sind das ein Ski- und

ein Radurlaub. Beruflich

freue ich mich schon auf den

Umzug in das neue Haus des

Handwerks.

1Die Optimierung unserer Prozesse

sowie die Personalrekrutierung

und -entwicklung.

2Unser 70-jähriges Firmenjubiläum.

Zu dem dreitägigen

Fest für unsere Kunden und unser

Team konnte wir knapp

10 000 Gäste begrüßen. Es war

toll zu erleben, welchen großen

Zusammenhalt es in unserer Belegschaft

gibt.

3Es gab viele kleine schöne

Momente, die allesamt

enorm wertvoll sind. Dazu zählte

unter anderem auch der 96.

Geburtstag meiner Großmutter.

4Ich selbst. Leider fand ich

auch im privaten Bereich

kaum Zeit, um innere Ruhe in

mich einkehren zu lassen.

5Ich freue mich wirklich sehr

auf die Weiterentwicklung

unseres Unternehmens. Ich bin

sicher, dass wir 2020 sehr erfolgreich

an das Jahr 2019 anknüpfen

können.

FOTO: FOREST BADGER/SHUTTERSTOCK.COM FOTO: ZERBOR/SHUTTERSTOCK.COM

Martin Traub, im Vorstand der

Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß

eG, genießt bei seiner

alljährlichen großen Mountainbike-Tour

mit Freunden den

Blick auf die Berge.

3Da gab es mehrere. Zum Beispiel

schöne Momente mit

der Familie sowie auch das tolle

Gefühl beim alljährlichen Mountainbike-Ausflug

nach stundenlangem

Anstieg die Berge und

den Ausblick zu genießen.

4Dass sich auch die Freizeit

mittlerweile schwer eigenständig

planen lässt. Vieles

kommt auch im privaten Bereich

einfach zu kurz.

5Wenn die Tage wieder länger

und wärmer werden und ich

die Abende bei einem kühlen

Weizenbier auf der Terrasse ausklingen

lassen kann.

Sabine Meigel, Leiterin der

städtischen Geschäftsstelle

Digitale Agenda, freut sich, dass

Ulm im Wettbewerb „Smart

City“ erfolgreich abgeschnitten

hat.

1Das ist die langanhaltende

Niedrigzinsphase. Denn das

Nullzinsniveau hat natürlich

enorme negative Auswirkungen

auf die Sparer und auch auf uns

als Raiffeisenbank Ehingen-Hochsträß

sowie auf alle regionalen

Banken.

2Die positiven Ergebnisse

einer internen

Befragung. Alle Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen

haben uns bestätigt,

dass sie große Freude

an ihrem Job haben

und das gute Miteinander

in unserem Unternehmen

schätzen.

1In 2019 war die größte Herausforderung

in nur vier Wochen

für die Stadt Ulm selbst einen

Wettbewerbsbeitrag als

Smart City für eine bundesweite

Jury zu verfassen, der auch 20

Kooperationspartner aus der

Region zufrieden stellte.

2Als wir erfahren haben, dass

sich die „Mega-Arbeit“ des

Wettbewerbsbeitrags Smart

City gelohnt hat und Ulm als

eine von drei deutschen Großstädten

aus 100 Beiträgen ausgewählt

wurde.

3Der Besuch des Guggenheim

Museums von Frank Gehry

in Bilbao, zusammen mit unserem

ältesten Sohn.

4Durch die vielen Umzüge

unserer Söhne sind die Wochenenden

in unserem Ferienhaus

in Berchtesgaden in diesem

Jahr leider sehr selten gewesen.

5Auf die Eröffnung des Loraparks

am Weinhof im Sommer

2020, mit dem wir den Bürgern

zeigen, wie digitale Techniken

sinnvoll in das tägliche Leben

integriert werden können.

FOTO: SILBERKORN/SHUTTERSTOCK.COM


50

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Auszeichnung

für Rentschler

Pharma Grund zum Feiern

beim Familienunternehmen

Rentschler: Der Aufsichtsratsvorsitzende

Nikolaus Rentschler

hat gemeinsam mit CEO

Frank Mathias

den „EY Entrepreneur

of the

Year“-Award

2019 der Beratungsgesellschaft

Ernst and

Preisträger Young in der

Nikolaus Kategorie Industrie

gewon-

Rentschler.

nen. Eine

38-köpfige unabhängige Jury

wählte aus 38 im Finale stehenden

Firmen insgesamt 14 Preisträger

aus. Ausschlaggebend

waren etwa Wachstum und Zukunftspotenzial.

WMF-Chef geht

in Ruhestand

Jugendherberge mobil: Im Doppelstockbus konnten sich zwölf Festival-Gäste des Sonne-Mond-Sterne-Festivals

erholen.

Foto: Daimler

Ein Setra als rollende Jugendherberge

Statt auf der Isomatte oder Luftmatratze während

des Festivals im Stockbett übernachten – das ist

möglich im ersten Reisebus des Deutschen Jugendherbergswerks

(DJH). Die Organisation hat dafür einen

in Neu-Ulm gefertigten Setra-Doppelstockbus

der Baureihe 400 umbauen lassen. Zwölf Gäste können

mit dem Bus unterwegs sein. Im Unterdeck gibt

es einen Gemeinschafts- und Lounge-Bereich samt

Multimedia-Entertainment-System, Kühlschrank und

Kaffeemaschine. Im Oberdeck sind dann zwölf

Stockbetten untergebracht. Der Zugang ist über ein

digitales Zahlenschloss möglich.

Küchengeräte Der Hersteller

WMF steht vor einem Führungswechsel.

Geschäftsführer

Volker Lixfeld geht Anfang 2020

in Ruhestand. Wer auf ihn, der

seit 2017 Chef der WMF-Gruppe

ist, folgt, ist noch nicht bekannt.

Die französische Gruppe

SEB, die WMF 2016 übernommen

hatte, gab zuletzt bekannt,

dass Teile der Produktion bis

Ende 2020 von Geislingen nach

Frankreich und Italien verlagert

werden. Von dem Umbauprogramm

sind laut WMF rund 400

Arbeitsplätze betroffen.

Kanzleien

fusionieren

Insolvenzverwalter Die Ulmer

Insolvenzkanzleien-Landschaft

ordnet sich neu. Die Kanzlei

Derra hat mit DMP Solutions

ein Dach geschaffen, unter das

nun als Gesellschafter auch Insolvenzverwalter

Tobias Sorg

(Ulm) – bisher bei der Kölner

Insolvenzkanzlei Kübler – sowie

Andreas Till als Nachfolger des

Laupheimer Insolvenzverwalters

Günther Weiß geschlüpft

sind. DMP Solutions beschäftigt

26 Mitarbeiter.

Schuler

sichert Jobs

Umstrukturierung Der Werkzeugbau

des Göppinger Pressenherstellers

Schuler am

Standort Weingarten ist langfristig

gesichert. Wie die Gruppe

mitteilt, soll der Betriebsteil

mit knapp 60 Mitarbeitern künftig

als eigenständiges Unternehmen

mit der Firmierung PTW

Powertrain Tools Weingarten

GmbH innerhalb der konzerneigenen

Aweba-Gruppe arbeiten.

Im vergangenen Jahr erzielte die

Schuler-Gruppe, die weltweit

etwa 6600 Mitarbeiter beschäftigt,

einen Umsatz von 1,21 Milliarden

Euro. [!]

Impressum

Verlag & Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77 • 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel (Vorsitzender)

Andreas Simmet, Matthias Bikowski

Redaktion

Alexander Bögelein (verantwortlich)

a.boegelein@swp.de, Julia Kling

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Stefan Schaumburg (verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Max Meschkowski

(Montage & Layout)

Antje Meyer (Bild)

Fotos Marc Hörger (Titel + Titelinterview),

Lars Schwerdtfeger,

Oliver Schulz, Volkmar Könneke,

Werkfotos, PR, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

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Telefon 0731 156-500

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

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Den Datenschutzbeauftragten

erreichen Sie unter:

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Nächste Ausgabe: 7. März 2019

Die Themen

Unternehmertag Ulm

Verpacken – von Industrieprodukten

bis zu einzelnen Artikeln

Energie & Umwelt

Controlling

Anzeigenschluss: 7. Februar

Auflage: 18.000 Exemplare

www.swp.de/unternehmen


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