architektur_819_eMagazin

architekturonline.com

architektur - stadt - utopie - green - land - großstadt - zukunft - architekten - planer - bauherren - licht - retail - baurecht - architekturszene - edv - enota - espace - feichtinger - ector hoggstadt - big - 2020 - kostenfrei - free - spannung - architektur - wissen - wissensgesellschaft - bau - Städtebau -

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

08

www.architektur-online.com

© Vincent Callebaut Architectures

Dezember 2019

Stadt &

Utopie


A place

to retreat.

NEU

Showroom Wien Gumpendorfer Straße 15 / 9 1060 Wien

se:cube

Die Office Cube-Lösung

für offene Bürolandschaften.

sedus.com


www.architektur-online.com

3

Editorial

Sehr geehrte Leser und Freunde

von architektur Fachmagazin,

TECTUS® Glas

Ganzheitliches

Beschlagsystem für

Ganzglastüren

nach zehn Jahren als leitender Redakteur dieses Magazins ist es

Zeit, sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Ab dem Frühjahr 2020 wird

Herr Walter Laser als Herausgeber wieder die Leitung übernehmen.

Für mich war es eine sehr intensive und spannende Zeit, die ich missen

werde. Die gelungene redaktionelle Weiterentwicklung über die

letzten Jahre, der heutige, auch finanzielle, Erfolg des Magazins in

der Fachwelt (das beweisen die zahlreichen positiven Reaktionen)

erfüllen mich mit einer gewissen Genugtuung. Da man sich aber auf

Lorbeeren nicht ausruhen kann und die momentanen, sich stark ändernden

Rahmenbedingungen von Architektur im Zusammenhang

mit dem Klima wandel, der Ökologie und den sozialen Umwälzungen

eine stetige Herausforderung – der man sich stellen muss – darstellen,

werde ich auch weiterhin mit Artikeln zur Qualität des Magazins beitragen,

aber eben nur noch in geringem Ausmaß.

Der Inhalt dieser Ausgabe entspricht, sowohl mit ihrem Titel als auch

den Projekten, genau diesen Herausforderungen. Stadt kann nicht nur

gebaut, sie muss geplant, gedacht und gelebt werden. Stadt ist eben

Utopie, Hoffnung und auch Enttäuschung. Stadt ist ein Prozess, der

die besten Kräfte und Ideen der Bewohner fordert. Sie ist mit ihren

Wünschen nach dem „Besseren“ das Paradebeispiel für die Utopie –

als eine zwar schöne, aber schwer zu erreichende Zukunftsvision.

Die in dieser Ausgabe gezeigten Projekte gehen auf die unterschiedlichsten

Spannungsfelder im urbanen Kontext ein: vom Grünraum in

der Stadt bis zu den Problemen der Mobilität, der realen Bedrohung

durch Terror und der zukünftigen, nicht leicht fassbaren durch den

Klimawandel, Problemen mit dem überhandnehmenden Abfall unserer

Konsumgesellschaft und mit der planerischen/theoretischen Stadtentwicklung

im positiven und negativen Sinn.

Im Magazinteil erweitert sich das Spektrum

der Utopie, zum Beispiel um den Aspekt

der lebenswerten Räume, des Sozialen und

des Urban Government. Natürlich finden

Sie in dieser Ausgabe zum Jahresende

wieder die gewohnten Kolumnen, Messeankündigungen

für das kommende Jahr,

eine Strecke mit Ladenbau und Retailarchitektur

und die Produkt News.

Ich wünsche der weiteren Entwicklung von

architektur Fachmagazin viel Erfolg und

Ihnen Frohe Weihnachten.

Peter Reischer

Ihr Kontakt

Alexander Moser

+43 664 / 167 2514

www.tectus-glas.de


architektur FACHMAGAZIN

Editorial 03

Start 06

Das Einfrieren von Geschwindigkeit

Magazin 10

Architekturszene 34

Ein Krieg der Architektur

Bau & Recht 36

Stadt & Utopie 38

Mitten in der Stadt 40

Neubaugürtel – Goldschlagstraße /

Wien P.GOOD Praschl-Goodarzi

ZT-GmbH Architekten

Am Rand der Stadt 44

Wohnbau „querbeet“ / Wien /

synn architekten

Ein Park für die Zukunft 48

Koper Central Park / Koper / Enota

Eine mythische Destination 54

Espace 67 / Montreal / Lemay

Das Parkhaus der Zukunft 60

Utrecht, Niederlande /

Ector Hogstaad Architecten

Skifahren auf Müll 66

CopenHill, Amager Bakke /

Kopenhagen / BIG

Transparenz und Sicherheit 72

Paris / Dietmar Feichtinger Architectes

Atlantis an allen Orten 76

Versunkene Städte

RETAIL architektur 82

Licht 92

Produkt News 94

edv 112

BMSP-Software

4

48

54 60

66 76

Inhalt

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at) n REDAKTIONSLEITUNG mag. arch. Peter Reischer (rp)

MITARBEITER Linda Pezzei (lp), Dolores Stuttner, Mag. Heidrun Schwinger, DI Marian Behaneck

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

MEDIASERVICE RETAILARCHITEKTUR Marion Allinger (marion.allinger@laserverlag.at)

GRAFISCHE GESTALTUNG Andreas Laser n WEB Michaela Strutzenberger n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 86,- / Ausland: € 106,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 56,- / Ausland: € 83,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 12,- / Ausland € 13,50

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

www.architektur-online.com

DRUCKAUFLAGE 12.000 n ÖAK GEPRÜFTE VERBREITETE AUFLAGE 11.155 (Jahresschnitt 2018) n Österreichs meist verbreitete Architektur-Fachzeitschrift


www.hali.at


architektur FACHMAGAZIN

6

Start

Das Einfrieren

von Geschwindigkeit

Wie eine riesige Spinne spreizt sich der sogenannte „Agent Crystalline“ vor dem

Northwest Campus Gebäude des Edmonton Police Center in Edmonton, Kanada

zwischen Himmel und Erde. Vektoren, Tangenten und ein Netzwerk von Bögen

formen hier den Eingang zum Campus. Auf exakt drei Punkten mit dem Boden verbunden,

somit gefühlsmäßig äußerst stabil, scheint die Skulptur von Marc Fornes,

dem Chefarchitekten des Studio THEVERYMANY aus New York (sie wurde im Oktober

2019 errichtet), trotzdem auf den Startschuss zu warten, um in irgendeine

Richtung loszusprinten.

Text:: Peter Reischer Fotos:: NAARO

Agent Crystalline betont – in Verbindung mit dem

Standort vor dem Police Service Center der Stadt

– deren Aufgabe für Wachsamkeit und Sicherheit

durch seine grafischen Assoziationen. Die Arbeit

weist ausdrücklich in ihren Zusammenhang mit dem

(Auto)Verkehr, in ihrer physischen und psychischen

Wirkung auf alle Bereiche der Vorsicht und Wahrnehmung

hin – das sind schließlich lebenserhaltende Eigenschaften

beim Autofahren. Ihre dynamische Ausformung

zielt auf die Balance zwischen einem, nach

Sicherheit verlangendem Orange und einem sanften

Mandarin hin. Sie steht sowohl für Schutz als auch

Aktivität, genauso aber für das Gefühl einer gewissen

Zeitlosigkeit.

u


www.architektur-online.com

7

Start

DIE NEUE GENERATION 7000

PERFEKTION NEU DEFINIERT

WWW.MIELE.AT/GENERATION7000

# LifeBeyondOrdinary


architektur FACHMAGAZIN

8

Start

Und um die Unberechenbarkeit der Skulptur zu verstärken,

ist ihre Verkleidung von den Rennstreifen des

Motorradsportes, von Rennbooten und Rennautos inspiriert.

Orangetöne sind auf den Aluminiumstreifen,

welche die Form bilden, dermaßen verteilt, dass die

Bündelung und die Richtung der einzelnen Teile der

Struktur betont werden und sich aber auch ein gleichmäßiger

Verlauf in alle Richtungen ergibt. Die Farbpalette

beinhaltet sechs verschiedene Töne und einen

fahlen, rosafarbenen Untergrund. Das menschliche

Auge ist so mit dem Lesen der Richtungen und den

Farbkontrasten beschäftigt, dass sich diese Unruhe

auf das Ruhende der Skulptur überträgt.

Das Sonnenlicht duelliert sich mit den Farbabstufungen

zweier, der insgesamt 1.785 Streifen, einer

ultradünnen Aluminiumhaut. Diese sichtbaren, pulsierenden

Momente signalisieren eine Interaktion

schon von Weitem und rufen danach, sich die kleinen

Details näher anzuschauen.

Mehr als je zuvor in seinen Projekten beschreibt hier

das bewährte Streifensystem von Fornes die Kurvatur,

die Kubatur, die Krümmungen und Bewegungen.

Konturen bildende Segmente, die sich aus der Parallelität

der Streifen ergeben, umkreisen und tauchen in

das Epizentrum der Form ein. Sie definieren Öffnungen

und ein Rückgrat, die Streifen wickeln sich diagonal

um die drei Standbeine hinab bis zu den schlanken

Berührungspunkten mit der Erdoberfläche. Ein

viertes „Bein“ ragt in den Himmel mit einer leichten

Neigung zum Haupteingang des Campus hin.

Wichtig für die starke Wirkung der Skulptur ist auch,

dass die Bewegung und die Geschwindigkeit auch in

den Drehungen der Streifenelemente in den einzelnen

Gliedern eingefangen sind. Tanzend und doch sehr

bestimmt nimmt Agent Crystalline so eine souveräne

Haltung am Eingang der Repräsentanz der Stadtautorität

ein. Die Form nimmt die kinetische Energie der

Bewegung der auf den Schnellstraßen Vorbeifahrenden

auf, friert sie ein und verkörpert sie visuell. Und

die Autorität der Behörde wird – wie bei einer Radarfalle

durch das Foto – hier durch das Aufsteigen der

Bewegung, eingefroren in der Zeit, demonstriert.

In der Ästhetik der Figur sind verschiedenste Zeitspannen

und Kunstrichtungen implementiert: Das

reicht von den fetzigen 70er Jahren bis zum Minimalismus,

von Tatlin bis zu Arp oder Calder. Alles

ist zu dieser ikonischen Landmark in einem Vorort

der Stadt verschmolzen. Diese Kombination von Stilen

schafft eine Umgebung mit einer Vielzahl von

kontextuellen Referenzen. Beobachter können eine

Verkehrsspinne, einen cremefarbenen Porsche oder

einen Strudel von Illustrationen der 70er Jahre erkennen

und darüber diskutieren.


Ticket jetzt online kaufen:

casa-messe.at/ticket

FACHMESSE FÜR KREATIVES WOHNEN, EINRICHTEN & LIFESTYLE

22. – 25.01.2020

MESSEZENTRUM SALZBURG

JETZT NEU: • IN HALLE 10 • IMPULSVORTRÄGE • DESIGN KUBEN • KOMMUNIKATIONSZENTRUM

CASA-MESSE.AT


architektur FACHMAGAZIN

10

Magazin

Trends von morgen

Die imm cologne ist der wichtigste Termin für Einrichter gleich zum Jahresstart.

Vom 13.01. – 19.01.2020 wird sich in Köln wieder die gesamte Interior Design Branche

treffen, um Neuheiten aus der ganzen Welt vorzustellen und zu entdecken, die

entscheidenden Trends für morgen zu erleben und in die neue Saison zu starten.

Fotos: Kölnmesse

Pure Architects

Im Januar 2018 ging im Rahmen der imm cologne

erstmals das neue Messeformat Pure Architects an

den Start. Für die Bereiche Bad, Wall & Floor, Technisches

Licht und Smart Home bietet dieser Messe-Schwerpunkt

ausgewählten Ausstellern die Möglichkeit,

ihre Neuheiten aus dem Bereich innovativer

Raumkonzepte in kompakter Form zu präsentieren.

Auch 2020 wird Pure Architects wieder der begehbare

Musterfächer und wichtiges Werkzeug für die

kreative Arbeit von Planern sein: unzählige Muster

von Teppichen, Stoffen, Böden, Tapeten und Farben

gilt es zu entdecken.

Im Sanitärbereich werden sich Premium-Marken mit

dem Trend auseinandersetzen, dass das Bad immer

stärker als Wohnraum wahrgenommen wird. Für Boden,

Wand, Decke und Fenster werden die Aussteller

von Pure Architects eine inspirierende Vielfalt an

Sortimenten für ganzheitliche Einrichtungskonzepte

zeigen. Und auch für architekturgebundene Gebäudetechnologien

wird die entsprechende Plattform geboten:

Mit der interaktiven Installation „let`s be smart“

widmet sich die imm cologne nicht nur dem wichtigen

Zukunftsthema „Smart Home“, sondern zeigt auch

live, wie sich die neuen Technologien auf die Gestaltung

des Wohnraums auswirken. Auch die Lichtplanung

mit architektonischen, in den Raum integrierten

Beleuchtungssystemen wird bei Pure Architects in

den Fokus gerückt: Hier erhält das technische Licht

mit Schwerpunkt auf Vernetzung, Digitalisierung und

Smart Home eine eigene Plattform.

The Stage

Im Vortragsforum The Stage liegt zur imm cologne

2020 ein Schwerpunkt auf dem Objektgeschäft: Zahlreiche

Referenten zeigen für Interior Designer und Architekten

die aktuellen Trends im Hotel- und Objektgeschäft

auf. Neben Trendvorträgen zu den Themen

Licht, Farben und Materialien werden in The Stage

auch die aktuellen Entwicklungen im Interior Design

beleuchtet. Dabei wird das Publikum mit einem breit

gefächerten Spektrum aus den Themenbereichen

Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Wohnformen der Zukunft,

Raumkonzepte oder Individualisierung versorgt.

Innovatives Bildungskonzept

Die Londoner Architektin und Interior Designerin

Yasmine Mahmoudieh wird auf der imm cologne

2020 erstmals ein innovatives Interior-Konzept für

Hotels und andere Projekte vorstellen: myKidsy Playground

gestaltet kreative Spielwelten für die Bildung

von Kindern und Jugendlichen. Das Gesamtkonzept

besteht aus Interior-Elementen sowie Lernangeboten

und lässt sich flexibel in bestehende Räume integrieren.

Vernetzt mit dem Buchungsportal myKidsy

werden bei myKidsy Playground außerschulische

Lerninhalte und Life Skills vermittelt.

Die Präsentation auf der kommenden imm cologne

zeigt modulare Möbelkonzepte für Kleinkinder, Kinder

und Jugendliche. Mit der Einbindung von Duft

und Sound wird die Sonderfläche auf der Messe als

sinnliches Gesamterlebnis inszeniert.

www.imm-cologne.de


11

WiFi-Lichtbauelement mit symmetrischer oder asymmetrischbandförmiger

Lichtstärkeverteilung. Licht und WiFi in einem

Installationselement zusammengeführt – ideal für Fußgängerzonen

und öffentliche Plätze. Schutzart IP 65. Optional mit integriertem

LED-Scheinwerfer zur Akzentuierung des unmittelbaren Umfelds.

BEGA Leuchten GmbH – Competence Center Innsbruck · Grabenweg 3

6020 Innsbruck · Telefon 0512 34 31 50 · Fax 0512 34 31 50 89

info-austria@bega.com · www.bega.com

www.architektur-online.com

Magazin

Das gute Licht.

Für besseren Empfang.


architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

Breites Spektrum

Vom 10. bis 13. Januar 2020 findet in Hannover die DOMOTEX statt, auf der sich

rund 1.500 Aussteller aus den Bereichen Bodenbeläge und Teppiche auf knapp

97.000 m 2 präsentieren werden. Im Vorfeld erklärt Sonia Wedell-Castellano, Global

Director DOMOTEX, was die Besucher im Januar in Hannover erwarten wird:

Bilder: Deutsche Messe

Was dürfen die Besucher der

DOMOTEX erwarten?

Auf der DOMOTEX präsentiert sich das breite

Spektrum der internationalen Bodenbelagsbranche.

Hier verschafft man sich den

Überblick über die Trends und Entwicklungen

im internationalen Markt. Hersteller und

Einkäufer sowie Partner, Architekten und Designer

aus aller Welt vernetzen sich hier. Es

entstehen neue Geschäftsbeziehungen und

Kooperationsmöglichkeiten, über die man

vorher nie nachgedacht hätte. Mit knapp 90

Prozent Entscheideranteil ist die Qualität der

Besucher außerdem extrem hoch.

Wie verteilt sich die nationale

Gewichtung der Aussteller?

Die DOMOTEX ist von allen Veranstaltungen

der Deutschen Messe mit Abstand die

internationalste. Das trifft sowohl auf die

Aussteller als auch auf die Besucher zu. Flächenmäßig

belegen die deutschen Aussteller

rund 12%. Der internationale Anteil liegt

also bei 88%.

Die Halle 8 ist erstmals ganz allein der Sonderfläche

Framing Trends gewidmet. Was

erwartet die Besucher? Was ist neu?

Die Halle 8 wird zur emotionalen Eventhalle:

Besucher werden von einem großen

textilen Horizont empfangen, auf den atmosphärische

Bilder projiziert werden. Mit

dem neuen Leitthema ATMYSPHERE beantworten

wir dieses Mal die Frage, wie ein

Boden das Wohlbefinden verbessern kann.

In unseren Frames zeigen wir, wie sein Aussehen

zur Atmosphäre beiträgt, seine Beschaffenheit

Geräusche dämpft oder seine

ökologische Herstellung ein gesünderes

Raumklima schafft.

In vier möblierten Themenräumen wird

das Leitthema noch greifbarer dargestellt:

„Hotel – Sustainable“ veranschaulicht die

Wirkung von Materialien und Möbeln bis

hin zum Akustikpaneel in einem Hotelzimmer.

„Wellness – Green Living“ betont gesundheitsfördernde

und umweltfreundliche

Aspekte, „Conference – More than Floor“

hat das Thema Akustiklösungen bis hin zu

gepolsterten Sitzlandschaften im Fokus

und „Health – Wellbeing“ zeigt einen Yoga-Raum

zur Entspannung.

Fachbesucher aus dem Tätigkeitsbereich

Architektur gehören zu den wichtigen Besucherzielgruppen

der DOMOTEX. Was

speziell wird ihnen geboten?

Für Architekten und Designer bietet sich die

Halle 8 mit ihrer Sonderausstellung an. An

allen vier Messetagen finden hier zudem abwechslungsreiche

Impulsvorträge von namhaften

Architekten mit anschließenden Diskussionen

statt. Und auch Aussteller dürfen

diesmal auf der Bühne mitdiskutieren. Im

Fokus stehen aktuelle gesellschaftliche Veränderungen

und ihre Bedeutung für die Architektur,

insbesondere den Boden. Konkret

wird über aktuelle Themen wie Building Information

Modeling (BIM) gesprochen oder

über gesundes Wohnen und Arbeiten.

www.domotex.de


www.architektur-online.com

13

Magazin

20 Jahre

Light + Building

2018 hatten sich auf der Weltleitmesse für Licht und vernetzte Gebäudetechnik 2.719

Aussteller und 220.864 Besucher getroffen, um Kontakte zu pflegen wie zu schließen,

Innovationen zu erleben und Perspektiven zu diskutieren. Unter dem Motto „Connecting.

Pioneering. Fascinating.“ feiert die Light + Building im März 2020 nicht nur ihr

Jubiläum im zwanzigsten Jahr, sondern eine globale Branche im steten Aufwind.

Bilder: Messe Frankfurt / Light + Building

Denn vernetzte Licht- und Gebäudetechnik

ist der Katalysator des einundzwanzigsten

Jahrhunderts und die Weltleitmesse stellt

daher die Vernetzung intelligenter Gebäudesysteme

untereinander genauso in

das Scheinwerferlicht wie den Einfluss zukunftsweisenden

Lichtdesigns.

Top-Themen im Überblick

Als Leitthema zieht sich die „Dynamische

Digitalisierung“ wie ein roter Faden durch

alle Top-Themen. Diese referenzieren in

den Kategorien „Connecting“, „Pioneering“

und „Fascinating“ auf das Leitthema.

Unter„Progressivem Energie-Management“

werden die teils wechselhaften Rollen von

Energieerzeugern und -abnehmern und

deren technische Regelung durch smarte

Gebäudeautomatisierung. „Smart Urban“

bildet den Ist-Zustand und die Zukunft intelligenter

E-Quartiersinfrastruktur ab.

E-Mobilität erfordert eine flächendeckend

effiziente Ladeinfrastruktur – der Bereich

„Fortschrittliche E-Ladeinfrastruktur“ bildet

diesen Komplex ab. Hinzu kommt „Vernetzte

Sicherheit“ als ein weiteres zentrales Anlie-

gen. Alle vier Blöcke sind dem Top-Thema

„Connecting“ zugeordnet.

„Pioneering“ befasst sich mit Bereichen, die

großes Potenzial bieten, aber noch nicht

vollends im Markt etabliert sind. Dazu zählt

„X as a Service“. Hierin steht „X“ stellvertretend

für eine unmittelbare Leistung – beispielsweise

Beleuchtung oder Sicherheit.

Pionierarbeit leistet auch „Vorausschauende

Wartung“ durch die ausgeklügelte

Nutzung von Sensoren und Software. Der

„Digitale Zwilling – BIM“ wird nicht nur

thematisch zur gewerkeübergreifenden

Schnittstelle aller mit der Systemintegration

betrauten Player.

„Fascinating“ stellt wesentliche Attribute

zukunftsweisenden Licht- und Leuchten-Designs

heraus. „Funktionale Ästhetik“

beschreibt einen Megatrend, der sich auf

den jeweiligen Lichtbedarf unterschiedlicher

Situationen konzentriert. „Klassische

Authentizität“ als Thema weckt Emotionen,

auch in Bezug auf unterschiedliche Epochen.

Eine Verbindung zwischen Vergangenheit

und Zukunft schafft der Komplex

„Historischer Aufstieg“. Hierbei geht es um

zeitgenössische Zitate archetypischen Designs

der Vergangenheit. Moderne Lebensund

Arbeitsweisen stehen unter dem Titel

„Futuristischer Fokus“ im Vordergrund. Das

Thema wirft das richtige Licht auf Frühstückstisch

oder Co-Working-Büro – dabei

helfen flexible Beleuchtungskonzepte.

Ergänzt werden internationales Angebot

und Top-Themen durch das bekannt umfangreiche

Rahmenprogramm. Ob Architekt,

Designer, Handel, Handwerker, Industrie,

Ingenieur, Innenarchitekt oder Planer – die

Light + Building hält spezifische Angebote

für jede Fachbesuchergruppe bereit.

Ein leuchtendes Beispiel setzt im zwanzigsten

Jahr der Light + Building auch ein öffentlich

zugängliches Licht-Event – die Luminale,

vom 12. bis 15. März. Mit rund 250.000 Besuchern

zählt die Biennale für Lichtkunst und

Stadtgestaltung zu den größten Veranstaltungen

in der Rhein-Main-Region.

Light + Building

08.-13. März 2020

www.light-building.com


architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Shooting-Star

in Wien

Am 19. November lud Bauwerk Parkett in Wien zu einem Vortragsabend mit dem

international als Shooting-Star beachteten Architekten Arthur Mamou-Mani. Er

steht für eine neue Generation des parametrischen Entwerfens und Bauens. Als

Archipreneur vereint er die Aufgaben des Architekten, Herstellers und manchmal

auch der Bauherrschaft in sich.

Der aus Paris stammende und in London

lebende Architekt hatte zuletzt mit dem 3D

gedruckten Pavillion Conifera für das Modelabel

COS zum Salone del Mobile auf sich

aufmerksam gemacht. Ein halbes Jahr zuvor

beeindruckte er mit seinem monumentalen

Tempelbau Galaxia bei Burning Man in Nevada.

In seinem jüngsten Projekt in Riyadh

arbeitete er mit dem österreichischen Architekten

Chris Precht zusammen.

Die Projekte Mamou-Mani’s streuen sich

über die Kontinente und bereichern die

größten Festivals der Kreativ-Szene. Was

hatte das Publikum bei Bauwerk Parkett von

dem jungen Shooting-Star erwartet? Mit Sicherheit

nicht, was geboten wurde. Arthur

Mamou-Mani erzählte von seinen Anfängen;

der Wirtschaftskrise, die den Beginn einer

Selbstständigkeit unmöglich erscheinen

ließ, seinen ersten Schritten als Jung-Archi-

1:1 Modelle aus der 3D Manufaktur Mamou-Mani’s können noch bis zum 14.12.

im Bauwerk Showroom, Gonzagagasse 17, 1010 Wien, besichtigt werden.

tekt in der Gestaltung von Schaufenstern,

von einem möglichen Folgeauftrag, der am

magischen Faden der Machbarkeitsfrage

hing: „Geht so was auch in Holz?“ – Führt

ein selbstverständliches „Ja“ zum Scheitern

oder riskiert man mit einem wackeligen

„Schau ma mal“ den Auftrag erst gar nicht

zu bekommen?

Er berichtete vom Crowdfunding für Realisierungen

experimenteller Bauten mit

seinen Studenten, von depressiven Verstimmungen,

einer Finanzierungslücke von

260.000 $ während der Bauarbeiten des

Tempels, und schließlich auch von seiner

Hochzeit im Tempel mit Anwesenheit seiner

Ex-Hippie Eltern. Kein Ton von Arroganz.

Keine Star Allüren. Viel Privates, ganz offen

erzählt, berührend, ehrlich und emotional.

Mit viel Nähe und Wärme hat Mamou-Mani

das ArchitektInnen Publikum über kurzweilige

eineinhalb Stunden in seinen Bann gezogen.

Bauwerk Parkett ist da ein ganz besonderer

Abend gelungen. Gratulation!

Bauwerk Parkett Vertriebs GmbH

T +43 (0)662 873 871 0

salzburg@bauwerk.com

www.bauwerk-parkett.com


www.architektur-online.com

15

Magazin

IMM-COLOGNE.DE

Dekokonzepte

Die Christmasworld ist der weltweit wichtigste Order-Termin

für die internationale Deko- und Festschmuckbranche.

Sie zeigt jährlich in Frankfurt die neuesten Produkte und

Trends für alle Feste des Jahres und liefert innovative Konzeptideen

für die Dekoration von Groß- und Außenflächen

für den Groß- und Einzelhandel, Shoppingcenter, Bau- und

Heimwerkermärkte und die grüne Branche.

Rund 1.000 Aussteller werden sich mit ihren Sortimenten präsentieren

– von der mundgeblasenen Weihnachtsbaumkugel

bis zur großflächigen Lichtinszenierung für Shoppingcenter

und Innenstädte – und Besucher der unterschiedlichsten Handelsformen

erreichen. Von der kleinen Geschenkboutique bis

zum Shoppingcenter, vom DIY- und Bau-Markt bis zum Möbel-

und Einrichtungshaus, vom Floristen bis zum Gartencenter

und sogar Vertreter der Kommunen und Städte sowie Hotellerie

oder Visual Merchandising suchen Inspiration auf der

Christmasworld.

Zusätzlich bietet am 27. Januar das Businessprogramm „Premium“

zukunftsweisende Impulse für Experten der Konzept-Dekoration

aus Handel und Stadtmarketing – diesmal mit

Keynote Speaker Ibrahim Ibrahim, CEO Portland Design Associates

London. Er zeigt auf, wie die rasenden Veränderungen

des Einzelhandels auch zu einer urbanen Erneuerung führen

und welche Chancen für alle Marktteilnehmer darin stecken.

Christmasworld 2020

24. bis 28. Januar 2020

www.christmasworld.messefrankfurt.com

THE INTERIOR

BUSINESS EVENT

13. – 19. 01. 2020

High-End, Premium, hochwertiges Design!

Die imm cologne präsentiert sich 2020 in neuer Klarheit –

kompakt in zwei Themenwelten »Pure« und »Home«

strukturiert. Im Mittelpunkt von »Pure« stehen Premium-

Marken und große Namen für exquisite Wohnräume sowie

innovative Raumkonzepte für Bad, Boden, Wand und Licht.

»Home« rückt starke Handelsmarken in den Fokus –

mit Lösungen für alle Wohnräume. Erleben Sie einzigartige

interior moments beim wichtigsten Branchentreffpunkt

der Welt.

#immcologne #discoverinteriorideas #interiormoments

Gesell GmbH & Co. KG

Sieveringer Str. 153, 1190 Wien

Tel. (01) 320 50 37

Fax (01) 320 63 44

office@gesell.com


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Donaustern, TU Graz

Concrete Student

Trophy 2019

Vor mehr als einem Jahrzehnt hat die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie

(VÖZ) die Concrete Student Trophy in Zusammenarbeit mit den Technischen

Universitäten Österreichs ins Leben gerufen. Ziel dieses Wettbewerbs ist,

die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Architektur und Bauingenieurwesen

bereits während der Ausbildung zu fördern.

2019 wurde das Wettbewerbsthema gemeinsam

mit der Stadt Wien ausgelobt: ein

barrierefreier Steg in Betonbauweise über

den Donaukanal und die beiden Richtungsfahrbahnen

der A4 bei der Ostbahn. Die

dort vorhandene Steganlage sowie die Zuund

Abgänge entsprechen nicht mehr den

derzeitigen Vorgaben der Stadt Wien.

Der Wettbewerb ist mit insgesamt 12.000

Euro dotiert, es sind Preisgelder für die

Plätze 1, 2 und 3 sowie drei Anerkennungen

vorgesehen. Aus 13 Einreichungen wurden

die fünf Entwürfe prämiert, die städtebaulich,

architektonisch, funktional und konstruktiv

die überzeugendsten Lösungen

bieten. Das Preisgeld für den dritten Anerkennungspreis

wurde auf die fünf Teams

aufgeteilt.

Der erste Platz und damit 4.200 Euro gehen

an das Team „Donaustern“ (TU Graz). Auf

dem zweiten Platz landet das Team „Oststeg

- Zwischen Stadt & Natur“ (TU Wien),

das Projekt wurde mit 3.200 Euro prämiert.

Über den dritten Platz und ein Preisgeld

von 2.200 Euro freut sich das Team „Spannender

Bogen“ (TU Graz). Die zwei Anerkennungspreise

zu je 1.200 Euro gehen an

„concrete bonding“ (TU Graz) und „pont

brut“ (TU Wien). Die Preisverleihung fand

am 19. November 2019 im Kuppelsaal der

TU Wien statt.

www.zement.at/concretestudenttrophy.


www.architektur-online.com

17

Magazin

Digitale Hilfen für eine

effiziente Stadtplanung

Stadtplanung in Zeiten der „Smart City“

ist dann Erfolg versprechend, wenn sie

alle Beteiligten digital und unkompliziert

einbezieht. Das Fraunhofer IGD hat

zwei Systeme zur digitalen Stadtplanung

entwickelt, die nach Pilotphasen

und Praxistests nun für den Einsatz in

Kommunen zur Verfügung stehen.

Das erste System – AktVis – ist eine interaktive

3D-Webanwendung, anhand derer

Ideen zur Zukunftsgestaltung ausgetauscht

und diskutiert werden können. Die Anwendung

bereitet die vielfältigen Geodaten

einer Kommune einheitlich auf und integriert

sie in eine interaktive Visualisierungsumgebung.

Das erhöht die Transparenz

im gesamten Planungsprozess enorm und

erleichtert die Kommunikation zwischen

Stadtplaner, Architekten und Infrastrukturunternehmen

sowie den Bürgern. Die realitätsgetreue

Ansicht von Gebäuden und

Straßenzügen über einen Multi-Touch-Tisch

ist die Basis für Bürgerbeteiligungsgespräche.

Eine funktionstüchtige Endversion einer

WebGIS-Anwendung für Planungsworkshops

und Beteiligungsverfahren steht nun

zur Verfügung, damit Baulücken, Leerstand

und Modernisierungsstau in Ortskernen

bald der Vergangenheit angehören. Sogar

eine Wirtschaftlichkeits- und Baurechtsprüfung

ist enthalten. So können Ideen live auf

ihre Machbarkeit geprüft werden. Auch im

Standortmarketing und der Wirtschaftsförderung

kann das Tool zum Einsatz kommen.

Das zweite Ergebnis – Smarticipate – ist

ein intelligentes System, dessen anschauliche

3D-Visualisierungen und Feed back-

Funktionen leicht zu bedienen sind. In Rom,

London und Hamburg wurde die Anwendung

an konkreten Fallbeispielen getestet.

Die Hansestadt Hamburg prüft derzeit, wie

die Feed back-Funktion in das stadteigene

© Fraunhofer IGD

Beteiligungsprogramm integriert werden

kann. Smarticipate steht nach Abschluss

der Projektlaufzeit nun als Plattform zur

Verfügung. Kunden können die fertig programmierten

Fallbeispiele lizenzieren oder

an der Entwicklung eigener Szenarien mitwirken.

Die Anwendungen, die Services und

die Kernkompetenz Visual Computing helfen

bei der Optimierung von Infrastrukturen

und sorgen für eine nachhaltige Entwicklung

im städtischen Raum. Es entstehen

intelligente Dienste für die digitale Stadtverwaltung,

Sicherheit und Einsatzplanung,

Umweltmonitoring, Steuerung und Analyse

von Gebäuden, optimierte Verkehrsplanung

und individualisierte Mobilität.

Brücken-Diagnose

mit Drohnen und KI

Überprüfungen und Sicherheitschecks

von Bauwerken, vor allem bei Brücken

in ausgesetzten Lagen, stellen ExpertInnen

immer wieder vor große Herausforderungen.

Diese sind gefährlich für

die durchführenden Mitarbeiter, zeitsowie

kostenintensiv und erfordern

Brücken-Sperren.

Das Joint Venture „StrucInspect“ der Unternehmen

Palfinger, VCE und Angst Group

hat dafür ein völlig neues Lösungsmodell

entwickelt und kürzlich das Kärntner Pilotprojekt

„Falkensteinbrücke“ abgeschlossen:

Die zweigleisige Falkensteinbrücke

liegt in Kärnten und überspannt mit zwei

Bögen ein Quertal des Mölltals. Mit dem

kombinierten Einsatz von Drohnen, Sensorik

und Künstlicher Intelligenz, sowie einer

dreidimensionalen Datenverarbeitung wurde

eine der längsten Eisenbahnbrücken

Österreichs nach dem neuen Verfahren

von StrucInspect einer großen Bauwerksinspektion

unterzogen.

Schadenserkennung mit Künstlicher Intelligenz.

Mithilfe Neuronaler Netze und Deep Learning

Modellen kann das volle Datenpotenzial

genutzt werden. Risse ab 1mm werden erkannt.

Die revolutionäre Entwicklung von StrucInspect

wurde am 17. Oktober 2019 mit dem

ICEBERG innovation leadership award des

Austrian Innovation Forums ausgezeichnet.

www.angstgroup.com

www.strucinspect.com


architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

++

Prägende Elemente

Entstanden aus der sorgfältigen Komplettrenovierung eines ehemaligen Bürobaus

aus den späten Fünfzigerjahren, dessen Bausubstanz zum Teil noch auf älteren

Elementen basiert, sind die Korb Etagen auf der Wiener Brandstätte ein äußerst

gelungenes Beispiel für die Schaffung eines neuen, betont qualitätvollen Wohngefühls

mitten im Wiener Innenstadtkern.

Fotos: Sabine Bungert / Josko

Ein besonders markantes Element des imposanten

Gebäudes sind die bodentiefen

französischen Fenster, welche die Wohnräume

nach außen hin öffnen und für urbane

Ausblicke von außergewöhnlicher Qualität

sorgen: Hier überzeugen Ganzglas-Systeme

von Josko in den exklusiven Dach-Penthouses

ebenso wie harmonische Josko

Fensterlösungen in den darunterliegenden

Wohnebenen, die sich modern und klassisch

zugleich in die elegante Fassade einfügen.

Die Herausforderung für die Fensterprofis

bei der Abwicklung dieses Großprojekts

bestand einerseits in der Montage der

besonders großflächig dimensionierten

FixFrame-Ganzglassysteme in den Dachgeschossen,

welche die präzise Platzierung

von Schwerlasten in großer Höhe erforderlich

machte. Andererseits musste das

Design der Aluminium-Oberflächen der

Systeme optimal an die Architektur des

denkmalgeschützten Altbestands angepasst

werden: Im Eingangsbereich mit eigens

eloxierten Oberflächen in einem speziellen

Goldton, bei den Fensterrahmen im

kompletten Fassaden- und Dachbereich in

einem harmonisch auf die Dachfarbe sowie

die Farbe der Fensterbrüstungen abgestimmten

pulverbeschichteten Kupferton.

Die Korb Etagen (benannt nach dem legendären

Café Korb im Parterre, eine der

bekanntesten Wiener Kaffeehaus Institutionen)

bieten 69 äußerst hochwertig gestaltete

und ausgestattete Wohneinheiten

mit vielfältigen Möglichkeiten für urbanes

City-Living in klassisch modernem Ambiente:

Vom kompakten 30 m 2 -Studio bis

zum großzügigen Dach Penthouse mit

153 m 2 – Loggien für viele der hofseitigen

Wohnungen sowie Dachterrassen für

sämtliche Wohnungen im Dachgeschoss

unterstreichen die hohe Qualität des Gesamtkonzepts.

„Das exklusive Wohngefühl in den Korb

Etagen definiert sich nicht über Fläche oder

Größe, sondern über konsequente Raumökonomie,

um auch bei relativ kompakten

Wohnungsgrößen für ein Höchstmaß an

Luftigkeit, Helligkeit und komfortabel geschnittenem

Raumempfinden zu sorgen.

Und Josko war uns dafür ein perfekter Partner

bei der Umsetzung und Lösungsorientiertheit“,

so der Bauträger.

Josko Fenster & Türen GmbH

T +43 (0)7763 2241-0

office@josko.at

www.josko.at


www.architektur-online.com

19

Magazin

Neues Land

Das sogenannte Greater Copenhagen (Großraum Kopenhagen) soll um neun neue

künstliche Inseln erweitert werden. Laut dänischer Regierung und dem Bürgermeister

der Stadt sollen drei Millionen Quadratmeter Landfläche gewonnen werden.

Diese Utopie, geplant von URBAN POWER architecture & planing, setzt sich

mit drängenden ökologischen wie auch wirtschaftlichen Herausforderungen der

Gegend um die dänische Hauptstadt auseinander.

Renderings: URBAN POWER for Hvidovre municipality

Für Skandinavien ist es das größte Landgewinnungsprojekt

der kommenden Jahre, die neun Inseln, genannt

Holmene (kleine Inseln), werden sich nur zehn

Kilometer südlich von Kopenhagen befinden. Der

Vorschlag würde mehrere Bedürfnisse erfüllen: eine

wachsende Nachfrage an möglichen Standorten für

hoch wissenschaftliche Industrie, eine fossilfreie

Energieerzeugung und einen Schutz vor Überflutung

von bestehenden und neu geplanten Gegenden. Darüber

hinaus bietet das Projekt ein enormes Angebot

an öffentlich zugänglichen Naturgebieten für Sport,

Erholung und verbesserte Artenvielfalt der Tier- und

Pflanzenwelt. Mehrere kleine Inseln und Riffe, die für

Menschen nicht zugänglich sind, sollen beste Bedingungen

für Flora und Fauna sowohl am Land als auch

im Wasser schaffen. Zusätzlich wird eine natürliche

Landschaft entlang der bestehenden Küste entstehen,

die eine schützende Funktion gegenüber Überschwemmungen

übernimmt und ein 18 km langes,

verbessertes Netz von Radwegen in grüner Umgebung

bietet.

Ein wesentlicher Teil der Landgewinnung ist grüner

Technologie und der größten Waste-to-Energy Anlage

Nordeuropas vorbehalten. Bio-Abfälle und Abwässer

von 1.5 Millionen Einwohnern der Umgebung

werden hier gesammelt und in sauberes Wasser,

Ressourcen und Biogas umgewandelt. Zusammen

mit Wärmespeichern, Windmühlen und anderen umweltfreundlichen

Technologien werden jährlich mindestens

70.000 Tonnen CO 2 eingespart und mehr

als 300.000 MWh fossil-freier Energie erzeugt. Das

entspricht in etwa 25 % des Stromverbrauchs der Kopenhagener

Bevölkerung und stellt einen wichtigen

Schritt zur Umstellung auf Umweltfreundlichkeit und

Nachhaltigkeit dar.


architektur FACHMAGAZIN

20

Magazin

Station ohne

Stromleitungen

Stromleitungen auf Fotos sind nicht nur für Architekturfotografen ärgerlich. Auch

der freien Aussicht auf die Umgebung des städtischen Kontextes sind sie nicht

gerade zuträglich. Die erste Busstation ohne störende Leitungen, gänzlich autonom,

„off the grid“ und selbstversorgend wurde nun in Tilburg, Holland eröffnet.

Entworfen und gestaltet haben sie die cepezed architects.

Fotos: cepezed | Lucas van der Wee


www.architektur-online.com

21

Magazin

Dieselben Architekten hatten auch in der Stadt die

Renovierung des Bahnhofes und den Entwurf eines

neuen Fahrradparkplatzes übernommen. Die Busstation

ist Teil einer groß angelegten Revitalisierung des

öffentlichen Transportnetzes der Stadt und sehr gut

in den Umraum integriert. Sie sorgt für den Komfort

der Benutzer und einen angenehmen Reiseverlauf,

liegt westlich des Bahnhofes ungefähr dort, wo früher

auch die Station war.

Die Konstruktion beruht auf einer Serie von sehr

dünnen Säulen mit einer minimalistischen Überdachung

zur Beschattung und als Regenschutz. Sie

formt eine dreieckige Rundstrecke mit einer Länge,

von über 160 Metern samt einem offenen Raum in ihrer

Mitte. Die Parkplätze für die Busse befinden sich

an ihrer Außenseite: sechs zum Einsteigen und einer

zum Aussteigen. Die Überdachung erstreckt sich von

14 bis 30 Metern in die Breite und hat einige gezackte

Stellen in der sonst runden Kontur. Diese Elemente

sind eine Referenz an das eher wuchtige Erscheinungsbild

des Bahnhofes im Hintergrund und fügen

die Station in den Kontext ein. Die Überdachung bietet

Schutz zum Ein- und Aussteigen und ihre Stahlkonstruktion

ist mit einer ETFE-Folie überspannt. Die

Beleuchtung liegt oberhalb, auf der Folie und ergibt

so ein gleichmäßig, diffuses Licht darunter. Bei Tag

sorgt sie für Schatten, in der Nacht wird sie zu einem

leuchtenden Baldachin und vermittelt den Reisenden

ein Gefühl der Sicherheit.

250 Quadratmeter Solarpaneele liegen auf dieser

Dachfläche. Sie erzeugen genügend Energie für

sämtliche Funktionen der Station, einschließlich der

Beleuchtung, der digitalen Anzeigen, auch für die

Fahrerkantine und den Informationsschalter. Alle Details

sind gut überlegt und auch für die Zukunft gerichtet.

So kann zum Beispiel sehr leicht eine zusätzliche

Verkabelung für das Laden von Elektrobussen

eingezogen werden und die metallenen Sitzbänke

sind beheizbar.


architektur FACHMAGAZIN

22

Magazin

Unter der

Morandi-Brücke

Ein Jahr nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua, der 43 Menschen

das Leben gekostet hat, ist die neue Brücke, die beide Stadtteile wieder

verbinden wird, bereits im Entstehen. Entworfen wurde sie von Renzo

Piano. Sie soll einem „Schiff, welches das Tal durchfährt“ ähneln. Rund um

den Entwurf und den Bau tut sich aber einiges mehr, das städtebaulich

interessant ist.

Bilder: courtesy of stefano boeri architetti, metrogramma milano, inside outside | petra blaisse


www.architektur-online.com

23

Magazin

Ein Team um Stefano Boeri, Metrogramma und den

Landschaftsarchitekten Inside Outside soll die Gegend

und Umgebung der Brücke revitalisieren. Der neue

„Parco del Ponte“ soll sich unter der Brücke befinden

und die nähere Umgebung der Stadt miteinbeziehen.

Das Projekt stellt ein Netzwerk von Möglichkeiten dar,

es soll die Stadt mit einer Infrastruktur von nachhaltiger

Mobilität und sogenannten Smart Buildings für

Forschung, Design und Produktion überziehen. Ein

roter Stahlbogen formt einen Weg für Fußgänger und

Radfahrer und wird die beiden Seiten des Tales verbinden,

daneben steht ein Windturm zur Erzeugung und

Verteilung nachhaltiger, erneuerbarer Energie.

Unterhalb der Brücke wird der „Parco del Polcevera“

ein System von kleineren Grünflächen mit Pflanzen,

die typisch für das mediterrane Klima sind, erhalten.

Im Herzen dieses Parkes steht die Skulptur „Genova

in the Wood“ – eine Arbeit des Künstlers Luca Vitone

– sie ist den Opfern des Unglücks gewidmet und

besteht aus 43 Bäumen. Der Park soll als Katalysator

für die Anwohner wirken, neue umweltfreundliche

Gebäude sollen um ihn herum entstehen und Zentren

der Produktivität und Innovation werden. Die

Parklandschaft präsentiert sich als eine Struktur von

parallelen Streifen, die das Talgelände organisieren.

Jeder der Streifen (7 bis 20 Meter Breite) wird durch

einen Weg im Zick-Zack erschlossen und stellt eine

eigene Gartenart dar. So soll die Biodiversität in dem

Gebiet erhöht werden. Der verbindende Weg ist die

einzige Verbindung am Boden von West nach Ost

durch das Tal. Der rote Kreis in der Höhe ermöglicht

es Fußgängern und Radfahrern jedoch, jeden Ort mit

einer bisher ungewohnten Leichtigkeit zu erreichen.

So soll die chromatische Vielfalt aus rotem Kreis,

Windturm samt dem Park mit seinem botanischen

Reichtum die vorbeifahrenden Bewohner und Besucher

begrüßen und einen ersten Eindruck einer (hoffentlich)

besseren Zukunft vermitteln.


architektur FACHMAGAZIN

24

Magazin

Lebende Ader

durch die Stadt

Oben die Autos, unten das Leben – so kann man das Projekt der beiden in Toronto

ansässigen Firmen Public Work und Greenberg Consultants mit einfachen Worten

beschreiben. Unter dem erhöhten Gardiner Expressway, einer Schnellstraße liegt

der „Bentway“, ein neuer Park und Fußweg mit einer Länge von 1,75 Kilometern.

Fotos: Nic Lehoux


www.architektur-online.com

25

Magazin

Geschützt durch die existierende Infrastruktur

und von dieser getrennt durch

die Betonsäulen, die die Schnellstraße tragen.

Die Bezeichnung für diese Säulen ist

„Bents“, so entstand der Begriff Bentway

für diesen Erholungsraum in der Stadt. Die

Schnellstraße, welche von ganz nieder bis

zu 15 Meter Höhe über dem Ort schwebt,

bietet zuverlässigen Schutz und die Bents

geben jede Möglichkeit für die Befestigung

von Griffen, Kabeln, Energieanschlüssen

und Beleuchtung. Der momentan fertiggestellte

Teil des Bentway erstreckt sich von

der Strachan Avenue zur Bathurst Street

über sieben verschiedene Nachbarschaften

und stellt eine lebende Ader für Fußgänger

und Fahrradfahrer dar.

Die Anlage besteht aus diversen Gärten, einer

Skatingbahn, Erholungsmöglichkeiten,

Platz für kleine Märkte, Kunst im öffentlichen

Raum, Festivals und ähnliche Events.

Zusätzlich enthält der Park einen mäandernden

Fußweg entlang von verschiedenen

Pflanzungen, eine Stiege zur Verdoppelung

der Sitzanzahl in einem Theater,

eine breitere Strecke für Radfahrer, Jogger

und Skater. Der Anfang liegt beim Strachan

Gate – hier steigt man zuerst über die erwähnte

Stiege in das Amphitheater mit 250

Sitzplätzen hinunter, Toilettenanlagen und

eine Liegewiese ergänzen diese Zone. Der

neue Weg erstreckt sich auch bis zum Fort

York, einer historischen Sehenswürdigkeit

mit Bauten aus dem Kriegsjahr 1812 (ein

Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten

und England). In der Nähe liegt ein weites

Grasland, welches über ein nachhaltiges

Drainagesystem mit dem Regenabwasser

der Schnellstraße bewässert wird.

Viele Punkte der Gestaltung im Park beruhen

auf einem adaptiven Design, sie benutzen

existierende Elemente und integrieren

sie in das Konzept. Die gesamte Materialität

zielt darauf ab, einen möglichst kleinen

ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.

Existierende Pfeilernummerierungen – sie

dienten zu Reparaturkennzeichnung – werden

nun zur Orientierung und Wegführung

neu interpretiert. Die Bodenbeläge sind aus

Recyclingmaterial von abgerissenen Bauten.

Eine 220 Meter lange Skatingstrecke

kann im Sommer als Planschbecken für

Kinder verwendet werden.

Der Bentway ist auch Mitglied des High

Line Network, einem internationalen Netzwerk,

welches vergessene Infrastrukturen

wieder in die urbane Landschaft einfügen

will. So wird dieses Projekt zusammen mit

einer weiteren Zahl von Vorhaben Toronto

in der Zukunft verändern und lebenswerte

Räume schaffen.


architektur FACHMAGAZIN

26

Magazin

Fahrradhügel

in Kopenhagen

Man kann Fahrradabstellplätze auch mit ein wenig Aufwand interessant

gestalten, sie müssen nicht wie Lagerflächen aus Metallgestellen wirken.

COBE unter der Leitung von Dan Stubbergaard hat im späten August in

Kooperation mit EKJ Consulting Engineers ein Projekt in Kopenhagen

vollendet, das nicht nur für die Fahrradstadt des Nordens beispielgebend

sein kann.

Fotos: Rasmus Hjortshøj


www.architektur-online.com

27

Magazin

Auf der mehr als 20.000 Quadratmeter großen Fläche

des Karen Blixens Plads ist eine leicht gewellte

Landschaft mit ausgehöhlten Hügeln entstanden – in

den Höhlen finden mehr als 2.000 geparkte Fahrräder

Platz. Es ist eine neue und auch innovative Art,

die Drahtesel zu verstauen. Der Karen Blixens Plads

ist einer der größten in Kopenhagen und liegt zwischen

der Universität, der königlichen Bibliothek und

dem südlichen Campus der Uni. Als offener, angenehmer

Raum erfüllt er heute mehrere Funktionen:

Er dient als Abstellfläche für den grünen Zweig der

städtischen Mobilität, unterstützt die Verstärkung

der Biodiversität in der Stadt und wirkt auch dem

Klimawandel durch die Reduktion von Hitzeinseln

entgegen. Vertiefungen im Platz sammeln bei Starkregen

das Wasser, bilden kleine Tümpel und Biotope,

entlasten so die städtische Kanalisation, sind Flächen

der Verdunstung und somit klimafördernd.

Wie ein Teppich entworfen, bedeckt er das gewellte

Terrain mit seinen kleinen Hügeln und Unterbrechungen,

teilt die große Fläche in Zonen mit genügend

Platz für Aktivitäten innerhalb und außerhalb der

Dome in den Hügeln. Die drei Fahrradhöhlen sind aus

Stahlbetonschalen errichtet, außen sind diese mit

handverlegten Fliesen in den Farben der Umgebung

und der Universitätsgebäude verkleidet. Die Konstruktion

und Statik der Hügel war allerdings durch

die großen Öffnungen eine gewisse Herausforderung.

Sitzstufen bieten als kleine Amphitheater einen zusätzlichen

Nutzen. Bis zu 1.000 Personen können in

diesem Auditorium bei Konzerten oder öffentlichen

Events Platz finden. So wird der Ort zu einem aktiven

Treffpunkt für Studenten, Angestellte und Bewohner

der Gegend. Die restlichen Flächen sind als Fahr- und

Gehwege ausgewiesen, immer wieder unterbrochen

von kleinen runden Grüninseln. Alle verwendeten

Materialien sind einfach und langlebig, die Beleuchtung

und Fahrradabstellplätze benötigen fast keine

Wartung. An den Rändern des Platzes verzahnen

sich Grünflächen und urbaner Raum.

Da in Kopenhagen mehr als 40% der Menschen täglich

mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, verlangt es

auch nach innovativen Lösungen für die Mobilität der

Bürger. COBE hat schon mehrere Projekte entworfen,

zum Beispiel die „Fahrradbetten“ bei der Nørreport

Station, jetzt sind es eben „Fahrradhügel“ geworden.


architektur FACHMAGAZIN

28

Magazin

Im Abwasser

der Stadt

„Eine Studie über unser kulturelles Verständnis von Schmutz und Sauberkeit würde

sich automatisch auf die Begriffe von Klasse und Menschenart beziehen, und wie

diese im urbanen und räumlichen Design verankert sind.“ Das war, so Architekt

Liyang Zhang, der Ausgangspunkt für die theoretische Untersuchung für die Neuoder

Umnutzung der Abwasseranlagen von Toronto, Kanada. Er nennt sein Projekt:

„Geographies of Urban Filth“.

Renderings: Liyang Zhang

Liyang Zhang Architecture hat ein öffentliches Bad in

die Wasseraufbereitungsanlage der Stadt eingebaut.

Die soziale Komponente dieser Idee bezieht sich auf

das „Zusammenkommen mit anderen“, da die Anlage

zentral zwischen drei sehr unterschiedlichen, physisch

und sozial getrennten Gruppen und Nachbarschaften

(Einkommen und Ethnie) der Bevölkerung liegt. Die

Grenzen zwischen wir und ihr, sauber und schmutzig,

familiär und fremd, Inklusion und Exklusion werden

hier infrage gestellt. Der in New York ansässige

Designer und sein Team meinen, dass das kulturelle

Verständnis von Schmutz sich nur durch die Kategorisierung

von Raum erhalten kann. Eine Stadt beinhaltet

aber Vielzahlen von unterschiedlichsten Identitäten,

die konsequent neue Gruppen und Gemeinschaften

mit ihnen zugeschriebenen räumlichen Bereichen erzeugen.

Die angeborene Angst vor dem Elend bringt

eine Obsession für Sauberkeit mit sich und das löscht

oder verhindert damit die Möglichkeiten, sich für ein

Verstehen des „Anderen“ zu interessieren.


www.architektur-online.com

29

8. – 13. 3. 2020

Frankfurt am Main

20

JAHRE

Magazin

Design trifft

Funktion: eine

echte Win-win-

Situation.

Der Gedanke, ein öffentliches Bad in der Abwasseranlage

einer Stadt zu installieren ist heute gar nicht

so fremd, sind doch die Bedrohungen der Klimakrise

und auch die zukünftige Wasserknappheit (trotz Ansteigen

des Meeresspiegels wird Trockenheit in vielen

Gegenden herrschen) so eindringlich, dass wir uns die

Trennungen in „mein oder dein“ bald nicht mehr erlauben

werden können. So gesehen ist dieses Projekt

ein durchaus pädagogisches Konzept für eine (noch

utopische) Zukunft einer Stadt.

Ästhetische Vielfalt, digitale Vernetzung

und Fantasie ohne Grenzen: Lassen

Sie sich von technischen Lösungen und

frischen Designs beeindrucken – auf

der weltgrößten Ideenschmiede für

Lichttrends.

Connecting. Pioneering. Fascinating.

info-ahk@austria.messefrankfurt.com

Telefon 01/545 14 17-21 oder -39


architektur FACHMAGAZIN

30

Magazin

Vom Kreisverkehr

zur Grünoase

Der Piazzale Loreto ist ein Eingangstor nach Mailand, umgeben

von einigen der dynamischsten Nachbarschaften

der Stadt. Er ist aber auch ein grauslicher Platz, ein Kreisverkehr

mit Unmengen Verkehr, umgeben von kaputten

Fassaden und abgewrackten Bauten ohne architektonischen

Wert. Das Projekt von Lad/Hypnos der beiden

Architekten Nicola Brembilla und Francesco Napolitano

denkt nun diesen „leeren“ Platz neu.

Renderings: Lad / Hypnos

Sie schlagen vor, den gesichtslosen Raum mit einem

Rondo in der Größe und Platzierung, wie es auf alten

Plänen von 1865 zu erkennen ist, zu überlagern. Rundherum

soll der Verkehr geführt werden. Der formal

perfekte Kreis hätte keinen größeren Fußabdruck, als

der Platz von 1865 und würde ein markantes Zentrum

darstellen. Aufgeständert wie in einer großen Schüssel

soll ein üppiger, schwebender Park „Sovraparco“

gepflanzt werden. Er würde einen ziemlich guten Einfluss

auf die Luftqualität der Gegend haben.


www.architektur-online.com

31

Magazin

Außerdem verläuft unter dem Platz eine der wichtigen

Linien der Mailänder U-Bahn, die hier allerdings nie

eine richtige Station und Ausgang bekam. Indem nun

eine Mezzaninebene unter dem Platz geschaffen wird,

entsteht unter dem schwebenden Garten (Sovraparco)

eine geräumige, luftige Fläche, ein weiterer Platz,

der einen U-Bahn-Zugang bietet. Unter dem Metrozugang

befindet sich ein Bereich mit Geschäften, Bars,

Restaurants und öffentlichen WC-Anlagen. Die Mitte

des Platzes ist frei für die Bürger zugänglich. Der

Garten ist zweigeschossig und in der Mitte befindet

sich eine kreisrunde Öffnung, wie beim Parthenon, sie

belichtet die Mezzaninebene. Ein sicher interessanter,

utopischer Vorschlag, der aber noch keine Lösung für

die „Außenseite“ dieses schwebenden Gartens bietet.

Das sollten die Architekten noch überlegen.


architektur FACHMAGAZIN

32

Magazin


www.architektur-online.com

33

Magazin

Sauberes Wasser,

frische Luft

Wie fast jede Großstadt hat auch Mailand ein Problem mit der Luft- und auch der

Wassergüte. Die umliegenden Industrien und der Autoverkehr in der Stadt tragen

nicht gerade zu einer gesunden Umgebung bei. Das soll jetzt anders oder besser

werden: OMA und Laboratorio Permanente haben einen Klimamasterplan entwickelt,

der zwei verwahrloste Güterbahnhöfe in Mailand verwandeln wird und so

die Luft der Stadt filtern und auch die Wasserqualität verbessern. Das Planerteam

wurde aus fünf Finalisten (Kengo Kuma and Associates Europe, Arup, Grimshaw

und Baukuh) ausgewählt und mit der Projektentwicklung beauftragt.

Renderings: Courtesy of OMA and Laboratorio Permanente

Der Agenti Climatic Masterplan sieht die Transformation

der Scalo Farini und der Scalo San Cristoforo

Güterbahnhöfe in den Außenbezirken der City vor.

Diese ehemaligen Zugdepots im Süden und im Norden

der Stadt sollen zu ökologischen Filtern werden.

Ersterer soll zur grünen Lunge werden und die Luft,

vor dem Einströmen in die City filtern. Die 468.300

Quadratmeter werden zur „grünen Zone“ mit einem

großen Park, während die 140.199 Quadratmeter große

Fläche von San Cristoforo die „blaue Zone“ wird

und das Wasser filtert.

Die „grüne Zone“ soll die heißen Winde, die vom Südwesten

kommen, kühlen und von toxischen Partikeln

befreien, während die „blaue Zone“ dazu dient, das

Grundwasser zu reinigen. Dazu wird der San Cristoforo

Bahnhof in eine lineare Wasserstraße verwandelt,

die stufenweise eine Reinigung durchführt, auf

ökologischer Basis selbstverständlich.

Das sind sehr ambitionierte Projekte, die zeigen, dass

nicht länger der Ziegel (das Gebaute) das „Um und

Auf“ des Bauens ist, sondern die drohenden, dramatischen

Klimaänderungen Architekten zu einem

Umdenken und zu einer Neuorientierung ihrer Aufgaben

zwingen. Die Planer hoffen damit ein Beispiel

zu geben, wie man dem Klimawandel im Maßstab

einer Großstadt begegnen kann. „Die Städte des 20.

Jahrhunderts mit ihrem enormen Energieverbrauch

müssen neu überdacht werden und sich wieder an

den Entwicklungen der klassischen Ära orientieren“,

meint dazu das Büro OMA. Das Team wird auch den

ersten Fahrradhochweg der Stadt sowie neue Straßenbahnen,

Metrostationen und Brücken gestalten.

Diese Maßnahmen dienen zur Reduktion des

Individualverkehrs, der ja zu einem Großteil an der

schlechten Luft in den Städten schuld ist.


architektur FACHMAGAZIN

34

architekturszene

Ein Krieg der Architektur

Für die architekturpolitische Weichenstellung der Stadt Wien waren die Jahre nach

1945 – und damit vor allem die Besatzungszeit – prägend. Nach der Befreiung durch

die Alliierten wurde Wien zur Bühne politisch motivierter Architekturdebatten. Im

Mittelpunkt stand dabei der Wettstreit der Ost-West-Mächte, die beide um eine Vormachtstellung

bemüht waren. Das damit verbundene kulturelle Wettrüsten machte

auch vor der Architekturszene keinen Halt. Mit den Auswirkungen dieser Strömung

setzt sich die Ausstellung „Kalter Krieg und Architektur“ im Architekturzentrum

Wien auseinander – sie wirft einen Blick auf das Baugeschehen in der Nachkriegszeit

und ist noch bis Montag, den 24. Februar 2020 zu sehen.

Text: Dolores Stuttner

Vier Großmächte im Wettstreit

Die österreichische Hauptstadt war in der

Nachkriegszeit keinesfalls vom Leben abgeschnitten.

Immerhin kam sie damals mit

Größen wie Le Corbusier in Kontakt. Gleichzeitig

hatte die Bevölkerung die Gelegenheit,

das „Zimmer für Stalin“ zu besichtigen.

Damit verhalfen die oft aufeinanderprallenden

Strömungen des Kalten Kriegs Wien zu

seiner Internationalisierung.

Schon kurz nach ihrer Befreiung durch die

Alliierten im Jahr 1945, wurde die Stadt zu

einem zentralen Schauplatz des Kalten Krieges.

Denn die vier Siegermächte Frankreich,

Großbritannien, die Sowjetunion und die

USA besetzten nach dem Zweiten Weltkrieg

die Hauptstadt Österreichs. Interessant

war die Metropole vor allem aufgrund ihrer

zentralen geografischen Lage – sie galt damals

immerhin als Tor zum Ostblock. Zehn

Jahre dauerte die Besatzungszeit, in der in

Österreich ein Übergang von einem autoritären

Herrschaftssystem hin zur Demokratie

stattfand. Während dieser Zeit etablierte

jede der vier Siegermächte ein umfassendes

Kulturprogramm, mit dem sie die Wiener Bevölkerung

für sich gewinnen wollten. Dazu

gehörten unter anderem Messepräsentationen

und Architekturausstellungen. Vor

allem für die Baukultur in der Stadt hatten

die Propaganda-gestützten Vorstellungen

einen hohen Stellenwert. Denn sie brachten

die ideologisch motivierten Vorbilder

grundverschiedener Staaten nach Wien und

bereicherten so die Architekturszene. Diese

reichte von Hochhäusern und Gartenstädten

bis hin zu städtebaulichen Konzepten

und sogar Küchenmodellen.

Oswald Haerdtl: Wiederaufbau Heinrichhof, Kärntner Straße, Operngasse, Wien 1, 1951-1953,

Perspektive, Amerikanisches Informationszentrum

© Architekturzentrum Wien, Sammlung, Nachlass Oswald Haerdtl

Ein „besseres Leben“

für die Nachkriegsgeneration

Als Schmelztiegel verschiedener Nationen

machte Wien nach 1945 also eine prägende

Entwicklung durch. In der Nachkriegszeit

wurde schließlich der Grundstein für das

heutige Aussehen der Stadt mitgelegt. Die

Alliierten beschäftigten sich dabei mit der

Frage, wie die Österreicher in Zukunft leben

und wohnen sollten.

Die damalige Sowjetunion zeigte sich in

diesem Kontext eher zurückhaltend und

sogar „friedfertig“. Erst ab 1950 begann sie

mit dem Aufbau der Informationszentren,

die den Idealstaat des Sozialismus propagierten.

Ihn kennzeichnete eine Architektur

der Wolkenkratzer und Häuser in Schnellbauweise.

Da Wien nach dem Zweiten Weltkrieg

von einem parteien- und klassenübergreifenden

Antikommunismus geprägt war,

sind heute nur wenige Spuren sowjetischer

Ideologie im Stadtraum erhalten – eine prominente

bauliche Manifestation der UdSSR

ist das Denkmal am Schwarzenbergplatz.

Großbritannien setzte beim Wiederaufbau

seinen Schwerpunkt auf die Stadtentwicklung.

Nach dem Vorbild britischer Planungskonzepte

sollte aus Wien eine aufgelockerte,

gegliederte Stadt werden. So

war es vielen Architekten möglich, auf ihren


www.architektur-online.com

35

architekturszene

Konzepten aus der NS-Zeit aufzubauen,

ohne mit der dahinter stehenden Ideologie

in Verbindung gebracht zu werden. Das Ziel

Großbritanniens war es, die Idee des demokratischen

Wohlfahrtsstaates als Alternative

zum Nationalsozialismus durchzusetzen.

Die Kulturoffensive Frankreichs war im

Gegensatz zu den anderen Großmächten

stark personalisiert. Sie beruhte auf einer

Betonung der Gemeinsamkeiten von Österreich

und Frankreich. Ideologien französischer

Baukunst erhielten in Wien aber

kaum Beachtung. Offizielle Institutionen

standen den damals prominenten Ideen des

Planers Le Corbusier kritisch gegenüber.

Alleine von jungen Architekten wurden die

zum Teil stark utopischen Konzepte positiv

aufgenommen – im Stadtraum etablierten

sie sich aber nicht.

Während der Einfluss der Sowjetunion und

Frankreichs auf die Architektur der Stadt

vergleichsweise gering blieb, setzte sich die

Ideologie der USA in vielen gesellschaftlichen

und kulturellen Bereichen – und damit

auch in der Baubranche – durch. Verantwortlich

dafür war nicht zuletzt deren große

finanzielle Unterstützung in Kombination

mit dem Versprechen auf ein „besseres Leben“.

Mit ihrer Organisation für Öffentlichkeitsarbeit

steuerten die Vereinigten Staaten

jeglicher Skepsis gegenüber der noch

jungen und daher oft als identitätslos empfundenen

amerikanischen Kultur entgegen.

Verteilung der Einwohner in den Besatzungszonen Wiens.

© in: United States Forces in Austria, Austria. A Graphic Survey, 1949

Spuren der Vergangenheit

im Ortsbild

Ein konkreter Stil setzte sich im Kalten

Krieg zwar nicht durch, allerdings führten

Propaganda-gestützte Maßnahmen der Alliierten

zur Entstehung neuer Strömungen

und letzten Endes auch zur Realisierung einiger

Bauprojekte. In Randbezirken wie dem

21. Wiener Gemeindebezirk wurden bestehende

Wohnformen verdichtet, wobei die

Planer gleichzeitig eine Nutzungsmischung

anstrebten – die strikte Trennung von Wohnen,

Arbeiten und Freizeit gehörte fortan

der Vergangenheit an. Gleichzeitig kam es

zur Realisierung mehrerer Siedlungen, welche

die damalige Wohnungsnot lindern sollten.

Doch nicht nur in den peripher gelegenen

Bezirken wurde die Stadtentwicklung

vorangetrieben. Es entstanden Konzepte

für den Wiederaufbau des Stephansdoms

und die Neugestaltung des Stephansplatzes.

Dieser Platz entwickelte sich von einem

intimen Stadtplatz zu einem wichtigen Fußgänger-

und Verkehrsknotenpunkt.

Einen wichtigen Stellenwert hatte bei den

damaligen Bauvorhaben der 1948 unterzeichnete

Marshallplan, also das sogenannte

„European Recovery Program“. Die

Vereinigten Staaten wollten der Wirtschaft

Österreichs mit dem bilateralen Abkommen

auf die Sprünge helfen. Als Konsequenz

der finanziellen Unterstützung entstand

1949 mit der Wohnhausanlage Roter Berg

im 13. Wiener Gemeindebezirk eine der ersten

Wohnsiedlungen der Stadt – sie beinhaltet

heute 105 Wohnungen. Eine weitere

Siedlung, deren Namensgebung auf seine

Entstehungsgeschichte hinweist, ist der

Marschallhof in Kaisermühlen. Die zwischen

1953 und 1959 errichtete Wohnanlage verfügt

über 244 Wohnungen und entstand

nach den Plänen von Hermann Stiegholzer.

Dabei riefen die USA das erfolgreichste

Wirtschaftsprogramm des 20. Jahrhunderts

nicht ohne Eigennutz ins Leben. Denn der

Marshallplan, der Österreich immerhin zu 1,1

Milliarden US-Dollar verhalf, diente auch als

politisches Instrument gegen den Kommunismus.

Ein Vorhaben, das – zumindest für

die USA – von Erfolg gekrönt war.

Vergessene Ideologien

im Wandel der Zeit

Doch nicht alle Ideale, die auf dem amerikanischen

Vorbild basierten, konnten sich in

Wien langfristig durchsetzen. So entstanden

mit dem Experiment Veitingergasse im 13.

Wiener Gemeindebezirk 15 Fertigteilhäuser

als Gegenentwurf zum Mietshaus. Das Projekt

wurde von den Architekten Roland Rainer

und Carl Auböck entworfen und schließlich

zwischen 1952 und 1954 realisiert. Das

als Mustersiedlung angesetzte Konzept sollte

Vorbildwirkung haben und den Bau seriell

herstellbarer Häuser propagieren. In Wien

setzte sich diese Strömung aber nicht durch

– die geplante Ausweitung der Idee scheiterte

am Geschmack der Bevölkerung sowie an

politischen Entscheidungsträgern.

Auch heute noch stehen einige Wohnobjekte

aus der Nachkriegszeit unter Kritik. Es werden

ihnen Mängel in Bezug auf Wohn- und

Lebensqualität sowie die Gestaltung vorgeworfen.

Tatsächlich sind nicht alle der damals

angepriesenen Projekte im Wandel der

Zeit gut gealtert. Und doch ist nicht immer

auf den ersten – und oft auch nicht auf den

zweiten – Blick zu erkennen, ob ein Bauwerk

das Ortsbild bereichert. Als Beispiel sind hier

die lange als Bausünde verschrienen Betonbauten

des Brutalismus zu erwähnen. Mittlerweile

sind viele dieser Bauten saniert und

unter Denkmalschutz gestellt worden.

Wilhelm Schütte: CIAM Bergamo Entwurf

für den Stephansplatz, Wien 1, 1949

© Architekturzentrum Wien, Sammlung, Nachlass Oswald Haerdtl


architektur FACHMAGAZIN

36

Bau & Recht

Die Angemessenheit des

Hauptmietzinses bei

Geschäftsraummieten

Bei der Anmietung von Geschäftsräumen, besonders im Falle von Handelsimmobilien,

sind die Qualität des Standorts und dessen positive Entwicklung von essenzieller

Bedeutung. Wenn dann nachträglich die Erwartung einer positiven Geschäftsentwicklung

enttäuscht wird, drängt sich reflexartig die Frage nach möglichen Auswirkungen

auf die Höhe des zu bezahlenden Hauptmietzinses auf.

Text: Mag. Matthias Nödl

Vorweg ist zu betonen, dass die Beantwortung

der Frage, ob in solchen Fällen Auswirkungen

auf die Höhe des Hauptmietzinses

(z. B. ein Anspruch des Mieters auf Minderung

des Mietzinses) möglich sind, maßgeblich

vom Inhalt des Vertrages abhängig

ist. In der Praxis wird diese Problematik

jedoch nur selten in den Mietverträgen

berücksichtigt, weshalb die vertraglichen

Bestimmungen in solchen Fällen kaum Hilfestellung

bieten.

In manchen Fällen bildet der Standort des

gemieteten Geschäftsraums und dessen

Entwicklung auch eine Geschäftsgrundlage

des jeweiligen Mietvertrages. Eine

solche Geschäftsgrundlage kann sich in

den – allenfalls sogar ausdrücklich im Vertrag

genannten – Beweggründen für den

Abschluss des Vertrages, aber auch im

sonstigen Vertragsinhalt (z. B. durch Vereinbarung

eines umsatzabhängigen Hauptmietzinses)

widerspiegeln.

Im Vollanwendungsbereich des Mietrechtgesetzes

(MRG) sind im Falle einer Geschäftsraummiete

Vereinbarungen über die

Höhe des Hauptmietzinses bis zu dem für

den Mietgegenstand angemessenen Betrag

zulässig (§ 16 MRG). Es wäre daher denkbar,

eine Minderung des vereinbarten Mietzinses

damit zu begründen, dass der vereinbarte

Mietzins die Grenzen des höchstzulässigen

Hauptmietzinses gemäß § 16 MRG

überschreitet.

Ob der vereinbarte Mietzins angemessen

ist oder nicht, ist primär von der Beurteilung

der reellen und auf den Einzelfall

bezogenen Marktverhältnisse abhängig.

Als Orientierung kann dafür der Immobilienpreisspiegel

dienen, der nach Maßgabe

standardisierter Parameter (Bezirk, Lage

und Größe des Mietgegenstandes) und

anhand der Vorjahreszahlen statistisch errechnete

Durchschnittsmietzinse auch für

Geschäftsräumlichkeiten definiert.

Die sich aus dem Immobilienpreisspiegel ergebenden

Durchschnittswerte können die

Ermittlung des für den jeweiligen Einzelfall

angemessenen Mietzinses durch einen Immobiliensachverständigen

aber nicht ersetzen.

Da es sich bei diesen Werten zudem

um statistisch ermittelte Durchschnittswerte

handelt, sind im jeweiligen Einzelfall

erhebliche Abweichungen nach oben oder

unten nicht auszuschließen.

Für die Beurteilung der Angemessenheit

des vereinbarten Hauptmietzinses gemäß

§ 16 MRG ist der Zeitpunkt des Abschlusses

des Mietvertrages entscheidend. Das

heißt, der vereinbarte Hauptmietzins ist

an den Umständen zum Zeitpunkt des Abschlusses

des Mietvertrages zu messen.

Allfällige Änderungen nach Abschluss des

Mietvertrages bleiben daher ohne Einfluss

auf die Beurteilung der Angemessenheit

des Hauptmietzinses.

Gemäß § 16 Abs 1 MRG ist die Angemessenheit

des Hauptmietzinses anhand der Größe,

Art, Beschaffenheit, Lage sowie anhand

des Ausstattungs- und Erhaltungszustandes

des Mietgegenstandes zu bewerten.

Andere Umstände, wie z. B. die Art der im

Mietgegenstand ausgeübten Geschäftstätigkeit

bleiben bei der Angemessenheitsprüfung

gemäß § 16 Abs 1 MRG außer

Betracht. Für die Prüfung der Angemessen-

heit des Hauptmietzinses sind daher allein

Eigenschaften der gemieteten Geschäftsräumlichkeiten

selbst entscheidend.

Vereinzelt wird in der Literatur die Meinung

vertreten, dass es sich bei der Aufzählung

der für die Angemessenheitsbewertung

relevanten Kriterien in § 16 Abs 1 MRG um

einen taxativen Katalog handelt, der die

Anwendung sonstiger Kriterien (z.B. die

Kaufkraft des Standortes, das Vorhandensein

einer passenden Zielgruppe, die Passantenfrequenz,

etc.) für die Angemessenheitsprüfung

generell ausschließt.

Die bisherige Rechtsprechung ist jedoch

weniger stringent, weil sie die Ermittlung

der Angemessenheit des Hauptmietzinses

anhand der Vergleichswertmethode

zulässt, wodurch etwa die Kaufkraft eines

Standortes, das Vorhandensein der passenden

Zielgruppe und die Passantenfrequenz

in die Beurteilung der Lage des Mietgegenstandes

einfließen können, auch wenn

diese Umstände keine Bewertungskriterien

gemäß § 16 Abs 1 MRG darstellen.

Eine zentrale Hürde für die Geltendmachung

einer Überschreitung des höchstzulässigen

Hauptmietzinses stellt die in § 16 Abs 1 Z 1

MRG normierte Rügepflicht des Mieters von

Geschäftsräumlichkeiten, der Unternehmer

ist, dar. Demnach kann sich ein solcher

Mieter nur dann auf die Überschreitung des

höchstzulässigen Hauptmietzinses berufen,

wenn er die Überschreitung unverzüglich,

spätestens bei Übergabe des Mietgegenstandes

gerügt hat.


www.architektur-online.com

In vereinzelten Fällen (z. B. im Falle einer Wertsicherungsvereinbarung

oder eines umsatzabhängigen

Mietzinses, deren Auswirkungen auf die Höhe des

Hauptmietzinses bei Übergabe des Mietgegenstandes

noch nicht bekannt sein können) vertritt die

Literatur zum Teil jedoch die – von der Judikatur

bislang nicht bestätigte – Rechtsansicht, dass eine

Rüge auch nachträglich, somit nach der Übergabe

des Mietgegenstandes, möglich sein soll.

Unabhängig davon könnte man – sowohl bei, als

auch außerhalb der Vollanwendung des MRG – einen

Anspruch des Mieters auf Minderung des Hauptmietzinses

auch aus § 1096 ABGB ableiten, wenn

der Mieter aus Gründen, die nicht in seiner Sphäre

und Verantwortung liegen, vom jeweiligen Mietgegenstand

nicht den bedungenen Gebrauch machen

kann, gleichgültig ob aus Verschulden des Vermieters

oder durch Zufall.

Jedoch geht die Gewährleistung eines Vermieters

von Geschäftsräumlichkeiten nach der Rechtsprechung

prinzipiell nicht so weit, dass der Mieter dadurch

generell von jeglichem Unternehmerrisiko

befreit ist. Vielmehr soll z. B. die unzutreffende Einschätzung

des Geschäftsganges durch den Mieter,

mit der er schon bei Abschluss des Vertrages rechnen

konnte, keinen hinreichenden Grund für eine

Mietzinsminderung darstellen.

Zudem können demnach bei Vertragsabschluss nicht

einschätzbare Auswirkungen des am freien Markt üblichen

Konkurrenzkampfes und die enttäuschte Erwartung

einer Geschäftsentwicklung eine Mietzinsminderung

gemäß § 1096 ABGB nicht rechtfertigen,

weil die Beteiligung an der freien Marktwirtschaft ein

spekulatives Element miteinschließt, dessen Folgen

auf den Vermieter nicht ohne Weiteres überwälzt

werden können.

Schließlich könnte eine Anpassung der Höhe des

Hauptmietzinses infolge eines Irrtums gemäß §§ 871,

872 ABGB in Betracht kommen. Da die künftige Geschäftsentwicklung

eines Standortes in vielen Fällen

allein in den Beweggründen oder im Zweck des Mietvertrages

Niederschlag findet, ist ein solcher Irrtum

meist als unbeachtlicher Motivirrtum zu werten, der

eine Anpassung des Mietvertrages nicht zu rechtfertigen

vermag.

| BA12-17G |

Bau & Recht

Das Gebäude der Zukunft

kann auch so aussehen

Ideal für Modernisierungen: Die offene,

PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff

www.beckhoff.at/building

So wird wertvolle Bausubstanz nicht nur erhalten, sondern zukunftsfit

gemacht: Mit der integralen Gebäudeautomation von Beckhoff

implementieren Sie alle Möglichkeiten der Kommunikations- und

Steuerungstechnik – angepasst an die individuellen Bedürfnisse der

Immobilie. Alle Gewerke werden von einer einheitlichen Hard- und

Softwareplattform gesteuert: Ganz gleich, ob es um die nutzungsgerechte

Beleuchtung, die komfortable Raumautomation oder

die hocheffiziente HLK-Regelung geht. Für alle Gewerke stehen

vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung, die das Engineering

enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen oder -änderungen sind

jederzeit möglich. Das Ergebnis: Durch die optimale Abstimmung aller

Gewerke werden die Energieeinsparpotenziale voll ausgeschöpft und

die Effizienz der Bewirtschaftung deutlich erhöht.

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

Will man als Mieter von Geschäftsraum für den Fall

einer späteren negativen Geschäftsentwicklung des

Standorts – abseits der unsicheren Rechtslage – einen

Anspruch auf Minderung des Hauptmietzinses

sicherstellen, ist daher eine entsprechende inhaltliche

Ausgestaltung des Mietvertrages vorweg (z. B. durch

Vereinbarung eines umsatzabhängigen Mietzinses,

eines Mietzinsminderungsrechtes, etc.) zu empfehlen.

Flexible

Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


architektur FACHMAGAZIN

38

Stadt & Utopie

© mRGB


www.architektur-online.com

39

Stadt & Utopie

Stadt & Utopie

Eine Utopie ist – so der allgemeine Sprachgebrauch – der Entwurf einer fiktiven

Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbedingungen

gebunden ist. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird davon ausgegangen,

dass die Utopie eine zwar schöne, aber unausführbare Zukunftsvision ist. Ist

also der Kompromiss der Weg zur Utopie?

Text: Peter Reischer

Politische Utopien, wie sie erstmals in Platons Politeia

in Form der Idee eines ständisch-hierarchisch

geordneten Idealstaats entworfen wurde, sind fiktive,

jedoch in sich nachvollziehbare Alternativen. Bei

Thomas Morus liegt Utopia nicht in der Zukunft, sondern

in einer fernen Weltgegend, Robert Jungk verstand

Utopien als Antrieb für soziale Erfindungen in

einer wünschenswerten Zukunft. Ernst Bloch bezog

die Utopie auf das „Denken nach vorn“ und dieser

Wunsch nach dem „Besseren“ ist in der Menschheit

tief verankert. Wenn man allerdings den Ursprung des

Wortes betrachtet (altgriechisch outópos, der Nichtort

oder Unort), so ist man sehr schnell beim Bauen,

bei der Architektur und auch beim Städtebau angelangt.

Ein kleiner Buchstabe vor dem Wort macht übrigens

die Utopie zur Eutopie, dem „guten Ort“.

Zu dem Themenbereich Stadt und Zukunft, auch

Stadt und Utopie, ist eine der wichtigsten und auch

interessantesten Veranstaltungen die „Urban Future

Global Conference“. Zweimal fand sie bereits in Graz

statt, 2018 in Wien und heuer wurde sie in Oslo abgehalten.

Schwerpunkte waren in den letzten Jahren

und natürlich heuer verstärkt der Klimawandel, seine

Auswirkungen auf die Städte, die Verringerung des

CO 2 Ausstoßes, Mobilität der Zukunft, Sharing-Konzepte,

Steuerungsmodelle für die Stadt der Zukunft

und Kollaborationen auf allen Ebenen. Dass in nicht

allzu ferner Zukunft mehr als 75% der Menschheit

in urbanen Gebieten leben werden, wird ja von den

Medien und Forschern weltweit vorausgesagt. Man

wird zwar sehen, wie weit diese Prognosen zutreffen,

denn wenn man die Chaostheorie betrachtet, sind die

Systeme, welche die Kriterien für derartige Prognosen

liefern, derart komplex und auch sensibel, dass

schon ein einziger Ausfall zum Zusammenbrechen

der ganzen Theorie führen kann.

Stadt und Urbanität stellen jedenfalls große Herausforderungen

an unsere Architektur. Wir müssen versuchen,

uns in jeder Hinsicht an die veränderten Rahmenbedingungen

für das Bauen anzupassen – der

Weg, der Gedanke und der Versuch, die Umwelt an

uns anzupassen, ist sicherlich falsch und wird in einer

Katastrophe enden. Stadt bedeutet nicht nur Neubau,

Wachsen in horizontaler Richtung, sondern auch

Umbau und Rekonstruktion, vertikale Verdichtung

und Politik. Am Beispiel von Wien kann man Entwicklungen,

in sowohl falsche wie auch richtige Richtungen,

ablesen. Das zur Verfügung stellen von Bauland

im Umfeld der Stadt, im sogenannten Speckgürtel ist

falsch, wenn dabei nur Einfamilienhäuser entstehen.

Verdichteter Wohnbau, der infrastrukturelle Kosten

minimiert ist tolerierbar, nur wie lange noch? Reuse,

urban mining, grüne Architektur – wie auch immer

diese Schlagworte alle lauten – sind die Wege der

Zukunft, wenn auch noch großteils Utopien.

Die Stadt hat – aufgrund des demografischen Wandels

– bei servicierten und kleinteiligen Wohnmodellen

noch Aufholbedarf. Auch sollte dringend die

Stellplatzverpflichtung (ein Überbleibsel aus der Zeit

nach dem 2. Weltkrieg) überdacht und abgeschafft

werden. Die in Wien bereits geführte Diskussion, inwieweit

ein Bürgermeister für die Entwicklung einer

Stadt notwendig ist, birgt (politischen) Zündstoff:

Betrachtet man die Menschen einer Stadt mit ihren

jeweiligen Potenzialen als ausschlaggebend für die

Entwicklung, beschränkt sich nämlich die Rolle des

Bürgermeisters auf die Rolle des Dirigierens. Er hätte

dann nur noch die Bereiche Smart Government City,

Creative City, Human City, Knowledge City, Nature

City und Health City zu orchestrieren. An diesen Beispielen

sieht man, dass sich Wien als Stadt bewegt

– ständig, Diskussionen über Architektur, Politik und

Klimawandel finden mittlerweile fast täglich statt.

Die architektonische Entwicklung Wiens ist momentan

von den neuen Stadtvierteln, die auf den ehemaligen

Bahnhofsgeländen und in den Grüngürteln rund

um Wien aus der Erde gestampft werden, dominiert.

Inwieweit diese Entwicklung zu begrüßen ist, wird die

Zukunft weisen. Der Spagat, den Architekten bei diesen

Bauprojekten ausführen müssen, um die Schere

zwischen Effektivität, Budget, lebenswertem Raum

und Kreativität möglichst klein zu halten, ist allerorts

sichtbar. Diese, für eine sinnvolle Architektur hinderlichen

Kriterien und Rahmenbedingungen, diskreditieren

leider viele der Projekte.

Aber abseits dieser Großprojekte gibt es genügend

sensible, kleinere, sich auch im Blockmaßstab bewegende

Bauten und vor allem Sanierungen. Ein Beispiel

ist das Projekt Neubaugürtel - Goldschlagstraße

von den p.good Architekten.


architektur FACHMAGAZIN

40

Stadt & Utopie

Mitten in

der Stadt

Neubaugürtel – Goldschlagstraße / Wien

P.GOOD Praschl-Goodarzi ZT-GmbH Architekten

Fotos: Bruno KLomfar, Luftbild: Imagina VisualCollaboration, Innenraum: Thomas Hoffer


www.architektur-online.com

41

P.GOOD Praschl-Goodarzi ZT-GmbH Architekten

Das Resultat der Blocksanierung am Neubaugürtel in

Wien durch die P.GOOD Architekten wirkt trotz der

Mischung aus Sanierung und Neubau unauffällig. Es

fügt sich ohne große Aufregung in den Kontext ein

und verzichtet auf Bildhaftigkeit. Die Wohnqualität im

gesamten Block wurde merkbar erhöht und ein Teil der

Stadt somit wieder fit für die Zukunft gemacht.

Seit den 1970er Jahren verfolgt die Gemeinde Wien

mit der Blocksanierung die sogenannte „sanfte

Stadt erneuerung“. Mehrere Häuser und Höfe werden

dabei mit einer liegenschaftsübergreifenden, baulichen

Maßnahme in ihrer gesamten Situation und

Struktur verbessert. Das reicht von Sanierung über

Abriss, Neubau und Nachverdichtung bis hin zu Nutzungskonzepten

und Gestaltung angrenzender Freiräume.

Blocksanierungen wirken auf das gesamte

Umfeld positiv, bei ihrer Umsetzung sind allerdings

die Interessen von Hauseigentümern, Altmietern, Anrainern,

Nachbarn und der Stadt zu berücksichtigen.

Vor etwas mehr als zehn Jahren beauftragte der wohnfonds_wien

die P.GOOD Architekten (Martin Praschl

und Azita Praschl-Goodarzi) mit der städtebaulichen

Analyse eines typischen Wiener Gründerzeitblocks.

Der Block ist etwa 55 Meter breit und an die 140 Meter

lang und liegt nur einen Häuserblock vom Westbahnhof

entfernt am Neubaugürtel. Die Substanz war

teils schon sehr abgewohnt und desolat, die Verkehrsanbindung

hervorragend, die Gürtelseite sehr laut,

der Urban-Loritz-Platz mit Hauptbibliothek und Lugner-City

sowie die Wiener Stadthalle und ihr Bad in der

Nähe. Der Block erstreckt sich zwischen der sehr ruhigen

Goldschlagstraße an der sonnigen Südseite und

der Märzstraße im Norden und setzte sich aus neun

Gründerzeithäusern der Bauzeit um 1900 zusammen.

Die besondere Herausforderung bestand darin, eine

durchgehend hohe Wohnqualität zu erreichen.

Als nachhaltigste Verbesserungsmaßnahme schlugen

die Architekten für sechs Häuser und zwei Höfe

eine Blocksanierung mit Hofentkernung und partieller

Verdichtung vor. Das Erdgeschoss blieb gewerblich

genutzt. Zwei Neubau-Implantate im sanierten

und aufgestockten Bestand verbessern die Wohnqualität

eklatant und wirken sich auch positiv auf

das Umfeld aus. Der große Innenhof wurde entkernt

und begrünt, der Bestand durch die Neubauten, ein

umlaufendes Band aus zwei aufgestockten Dachgeschossen

und hofseitige Loggienschichten ergänzt

und dadurch aufgewertet. Ein Teil der Einheiten wird

weiter von Altmietern genutzt. Insgesamt sind 141

Wohnungen in Größen zwischen 30 m 2 und 100 m 2 ,

drei Geschäftslokale und ein Büro entstanden. Außerdem

gibt es eine Tiefgarage unter dem entkernten

Innenhof mit 26 Stellplätzen.

Im Zug der Blocksanierung wurde das desolate Zinshaus

an der Adresse Neubaugürtel 15 durch einen

hochwertigen Neubau ersetzt, dieser ist durch eine

Laubengangerschließung am Gürtel vor Lärm geschützt.

Der Laubengang ist dank einer einläufigen

Stiege mit Aussichtsfenster an der Morgensonne

sehr großzügig. Außerdem ist er durch seine Oberlichten

von natürlichem Licht durchflutet. Lufträume,

die Durchblicke zwischen den Geschossen ermöglichen,

Rampen, eine sichtbar belassene Dachkonstruktion

und eine tolle Aussicht werten ihn auf. Eine

Rampe im Laubengang sorgt dafür, dass über 90%

der Wohnungen behindertengerecht erreichbar sind.

u


architektur FACHMAGAZIN

42

Stadt & Utopie

Die restlichen alten Gründerzeithäuser wurden individuell

saniert, bestehende Wohnungen zusammengelegt.

Jedes Haus ist unterschiedlich in Weiß-, Grau-,

Beige- und Gelbtönen verputzt, auch innen sind die

Fliesen, Wandfarben, Tür-, Fensterrahmen und Aufzüge

pro Haus in einer anderen, jeweils passenden

Palette gehalten. Statisch wurde die Substanz in

puncto Erdbebensicherheit ertüchtigt und das Dachgeschoss

durchgehend zweigeschossig ausgebaut.

Ein Großteil der Wohnungen in der Dachzone ist

durchgesteckt, alle haben Terrassen oder Loggien,

einige sind Maisonetten. Diese neue Dachzone mit

ihrer expressiven Form, den eingeschnittenen Öffnungen,

raumhohen Verglasungen, teils sehr großen

Terrassen und der schuppigen Dachhaut aus Prefa-

Dachpaneelen rahmt den Block in der Dachzone und

reagiert mit ihrer differenzierten, geometrischen

Ausformung auf den Bestand darunter. Konstruktiv

ist das neue Dach ein Stahlrahmen mit Holzausfachung

und einer Holzbetonverbunddecke, die aussteifende

Wirkung hat. Optisch wirkt es als Klammer,

die den Block in der Dachebene zusammenfasst.

Der erste große Innenhof wurde entkernt, um eine

Ebene angehoben, begrünt und mit Rampen, Wegen,

Blumentrögen und Sitzstufen in unterschiedliche

Bereiche geteilt. Es gibt eine Sandmulde für

Kinder, einen Kleinkinderspielplatz, Rasenflächen,

Bäume und Pflanztröge. An den Rändern liegen die

Terrassen der Mieter, die neuen Loggien sind mit

semitransparentem Lochblech verkleidet, von dem

das Licht reflektiert wird. Loggien und Balkone sind

durchwegs zwischen 2,00 und 2,50 Meter tief, sodass

man den privaten Raum an der frischen Luft auch gut

nutzen kann. Das Wegenetz ermöglicht ein Queren

des Blocks von der Löhrgasse bis zum Neubaugürtel,

außerdem birgt der Hof unsichtbar die 26 Stellplätze

unter der Oberfläche.

Die Wohnqualität in allen Bereichen

des Blocks wurde deutlich

angehoben. Nicht nur durch

ausreichende Belichtung.


0 1 2 3 4 5 10

0 1 2 3 4 5 10

35

34

36

32

31

17

16

15

14

13

12

1

7

8

9

10

16

x 24

5 x 19

18 x 26 x 18

16 x 24 x 19

1

2

3

4

5

6

29

28

16

x 25

x 19

17

x 26

x 17

5

22

www.architektur-online.com

43

P.GOOD Praschl-Goodarzi ZT-GmbH Architekten

Eine Besonderheit des Bestandes ist der schmale

Hof in der Mitte, der von zwei gründerzeitlichen

Trakten eingefasst wird. Dieser wirkt auf dem Plan

zu eng, entfaltet vor Ort aber einen sehr spezifischen

Charme. Man hat ihn bewahrt und saniert. Sein südlicher,

rückseitiger Trakt wurde zum großen Hof hin

um einen Neubauteil erweitert. Die dortige hohe

Feuermauer wurde mit einem Neubauteil aufgedoppelt.

Diese Wohnungen haben einen Alt- und einen

Neubauteil und sehen in beide Richtungen. Die Kombination

von Altbauqualität mit viel Raumhöhe und

den Vorteilen eines Neubaus ist sehr attraktiv: große

Fenster, Helligkeit und privater Freiraum in Form

von Loggien. Außerdem ist die Lage zwischen zwei

Höfen sehr ruhig. Lichtdurchflutete Wohnungen und

1. Obergeschoss

private Freiräume bieten auch alle Einheiten in den

aufgestockten Dachgeschossen. Viele sanierte Wohnungen

bekamen Loggien.

(rp)

10

0 1 2 3 4 5 10

Neubaugürtel 17

Löhrgasse 18

1. Obergeschoss

Neubaugürtel 17

2. Dachgeschoss | Neubau

Neubaugürtel 15

Löhrgasse 18

38 20

27 26 25 24 23

Löhrgasse 16

Neubaugürtel 15

Neubaugürtel 13

Löhrgasse 16

Neubaugürtel 13

Löhrgasse 14

Löhrgasse 14

Altbau Sanierung

Altbau Sanierung

Altbau Sanierung

Neubau

Balkon-Zubau

Neubau

Neubau

Balkon-Zubau

Balkon-Zubau

Goldschlagstrasse 2

Garageneinfahrt

Goldschlagstrasse 4

OG 1

Goldschlagstrasse 2

Garageneinfahrt

Goldschlagstrasse 4

4

DG

Neubaugürtel – Goldschlagstraße

Wien, Österreich

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Premium Bauträger GmbH

P.GOOD Praschl-Goodarzi Architekten ZT-GmbH

DI Waltraud Derntl, DI Julia Eibel, DI Niel Mazhar

Ingenieurgemeinschaft Hollinsky & Rusnov & Spreitzer Ziviltechniker GmbH

Nutzfläche: 10.020 m 2

Planungsbeginn: 2009

Bauzeit:

2 Jahre

Fertigstellung: 11/2018


architektur FACHMAGAZIN

44

Stadt & Utopie

Am Rand

der Stadt

Wohnbau „querbeet“ / Wien / synn architekten

Fotos: Manfred Seidl


www.architektur-online.com

45

synn architekten

Eine sehr engagierte Architektur

haben synn architekten

mit dem Projekt

„querbeet“ im sogenannten

Projektgebiet „urban

gardening – In der Wiesen

Ost“ der Stadt Wien

errichtet. Die vielen guten

und richtigen Ansätze in

der Baukörpergestaltung,

noch zu begrünende Fassaden

und soziale Ziele

sind der Versuch, aus sehr

strengen Rahmenbedingungen

doch das Beste

herauszuholen.

Diametral verschieden zum vorher beschriebenen

Projekt war die Aufgabe der synn architekten auf

dem sogenannten Projektgebiet „urban gardening

– In der Wiesen Ost“. Sie hatten 2016 den 1. Platz in

einem Bauträgerwettbewerb mit dem Österreichischen

Volkswohnungswerk Gemeinnützige GmbH

(ÖVW) gewonnen. Nach den Vorgaben der Auftraggeber

und der Stadt Wien sollten 243 Wohneinheiten

und ein Kindergarten mit sieben Gruppen auf dem

Bauplatz in Wien Liesing entstehen.

Die Architektur liegt neben der Bahnlinie und beinhaltet

zwei Nord/Süd gerichtete Teile. Beide sind

an ihren Enden von 11-geschossigen Türmen markiert.

Ein leichtes Versetzen dieser Körper schafft

einen Mittelteil (die Architekten bezeichnen ihn als

Spange). Hier und in einem Teilbereich des nördlichen

Baukörpers befindet sich im Erdgeschoss der

Kindergarten mit seinem östlich – zur Morgensonne

hin – vorgelagerten Spielbereich. Im Schnitt dreigeschossig,

wird der Mitteltrakt noch von zwei vier-

geschossigen Quadern aufgedoppelt. Diese Körper

werden von den Architekten als „greenbox“ bezeichnet,

auf den Fotos ist davon zwar noch wenig zu erkennen,

aber die Rankgeflechte sind jedenfalls schon

vorhanden. Die Pflanztröge, Erde, Samen und Knowhow

werden vom Bauträger kostenlos zur Verfügung

gestellt und sogar Seminare zur Pflanzanleitung für

die Bewohner abgehalten.

Die beiden Türme kragen jeweils in einigen Geschossen

aus - der Südturm nach Süden und der Nordturm

nach Osten – „als einladende Geste an die Bewohner-

Innen der bestehenden Wohnbauten der Putzendoplersiedlung“.

Die Gliederung des Baukörpers spiegelt

sich auch in den unterschiedlichen Fassadenlösungen

wieder. Die Wohnungen im Turm besitzen fast

ausschließlich Loggien, die in der eher regelmäßigen

Lochfassade eingebettet sind. Die Wohnungen in der

Spange sind mit Balkonen samt hochgezogener Seitenwand

zum Sichtschutz ausgeführt.

u


architektur FACHMAGAZIN

46

Stadt & Utopie

Unter der Spange ist ein ost/westgerichteter zweigeschossiger

Durchgang, er überdacht mit einer

Auskragung ins Freie auch einen gut nutzbaren,

gedeckten Freibereich, den „Marktplatz“ mit einem

gemeinschaftlich nutzbaren Pavillon. Im Erdgeschoss

lassen sich durch eine mobile Trennwand die

Gemeinschaftsküche und der Bewegungsraum zu

einem großen Veranstaltungssaal verbinden. Zwei

Stiegenhäuser, die in diesem Bereich liegen, führen

bis auf die gemeinschaftlich genutzten Dachgärten

im 4. und 8. Geschoss. Die zwei in den Türmen liegenden

wurden als Sicherheitsstiegenhäuser ausgeführt,

hier sind die Dachterrassen extensiv begrünt.

Wohnungsgrundrisse gibt es im NORM- und

im SMART-Format, grundsätzlich sind zwei Typen

– einmal mit eingestellter Sanitärzelle und einmal

„klassisch“ mit Bad an der Wand – ausgeführt. Vor allem

erstere bieten ein spannendes Raumerleben und

vielfältige Adaptionsmöglichkeiten – vom Loft bis zur

Familienwohnung.

Der Versuch der Planer, durch eine doch eher aufgelockerte

Baumassenverteilung (es wurde bewusst

nicht das Maximalvolumen ausgenützt), durch Fassadenbegrünung

und durch ausreichend interne und

auch bauplatzübergreifende Gemeinschaftsflächen

sowie einem Kindergarten einen Mehrwert zu erzielen,

ist gelungen und anzuerkennen. (rp)


4 0

3 0

www.architektur-online.com

Querschnitt

Längsschnitt

47

synn architekten

1 5 10 20m

1 5 10 20m

Grundriss EG

EG

1 5 10 20m

Grundriss 4.OG

1 5 10 20m

Wohnbau „querbeet“

Wien, Österreich

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

ÖVW Österreichisches Volkswohnungswerk Gemeinnützige GmbH

synn architekten ZT-OG

Monika Kuch BSc (PL), DI Vera Fischer,

DI Daniela Stöger, DI (FH) Nicole Mange

Mischek ZT GmbH

Grundstücksfläche: 8.790 m²

Bebaute Fläche: 3.633 m²

Nutzfläche: 17.000 m²

Planungsbeginn: 04/2016

Bauzeit: 08/2017-04/2019


architektur FACHMAGAZIN

48

Stadt & Utopie

Ein Park

für die Zukunft

Koper Central Park / Koper / Enota

Fotos: Miran Kambič

Das innovative Layout des neuen Stadtparks

von Koper, Slowenien ist ein Entwurf von Enota.

Es stellt einen großen Gewinn für die Bewohner

der Stadt dar und bietet Möglichkeiten und

Funktionen, die die Stadt derzeit nicht aufweisen

kann. Der Park ist sowohl für die Bewohner wie

auch für Besucher eine Attraktion, die über die

üblichen funktionalen Kriterien hinausgeht, ein

Prototyp für zukünftige Entwicklungen an der

slowenischen Meerküste.


www.architektur-online.com

49

Enota

In Bezug auf Stadtgestaltung, neue Ideen für öffentliche

Räume und urbanes Design gilt es, auch den Blick

in den Südosten Europas zu lenken. Das slowenische

Architekturbüro ENOTA ist schon des öfteren durch

innovative Gestaltungen aufgefallen, besonders bei

Frei- und Grünflächen. Nun haben sie den Park in Koper,

an der Küste Sloweniens fertiggestellt. In der Zeit

von 2016 – 2018 hat die Stadt Koper mit einem Budget

von drei Millionen Euro einen Schritt für die lebenswerte

Zukunft und Entwicklung der Stadt gesetzt.

Der neue Stadtpark von Koper liegt an der Piranska-Straße,

zum Meer hin von der Semedela-Promenade

begrenzt. Diese Promenade war einst die

Verbindung der auf einer halbinselförmigen Ausbuchtung

gelegenen Altstadt und den weiter südlich

gelegenen Stadtteilen am Festland. Sie zählt zu den

charakteristischen Merkmalen von Koper. Landeinwärts

von ihr gelegen, befanden sich die Flächen

zur Salzgewinnung. Da sich die Stadt in den letzten

Jahrzehnten entwickelt und vergrößert hat, wurden

diese Salzteiche schrittweise mit Erde zugeschüttet

und dienten als wichtige Baulandreserve und Zukunftspotenzial.

Heute sind die Flächen zwar schon

teilweise bebaut, aber es existierten immer noch ungenutzte

Bereiche, wie jener, an dem nun der neue

Stadtpark entstanden ist.

u


architektur FACHMAGAZIN

50

Stadt & Utopie

Das Schlüsselkriterium der Gegend ist die unmittelbare

Verbindung mit der Promenade und dem

Meer – es bietet wesentliche räumliche Qualitäten.

Das lange rechteckige Grundstück ist teilweise von

einem großen Parkplatz, direkt neben dem Stadtmarkt

und Einkaufszentrum, okkupiert. In einem größeren

Zusammenhang stellt es den ersten Kontakt

aller Besucher von Koper (Parkplatz) mit dem Meer

und der slowenischen Küste dar. Es ist auch der Anfangspunkt

der sogenannten Riviera zwischen den

Städten Koper und Izola. Also konnte nur eine umfassende

und koordinierte Behandlung dieses Promenadengürtels

eine visuelle und funktionale Verbindung

dieser zwei getrennten Teile der Stadt zu einem logischen

Ganzen erzielen. Die Intervention sollte die

Freizeitbedürfnisse der Bewohner von Koper unterstützen,

ebenso die alten Teile der Stadt mit ihren

Vororten bis hin zu den Markov-Hügeln verbinden.


www.architektur-online.com

51

Enota

Unter der Annahme und Voraussetzung, dass das

Meer vor der Promenade in Zukunft deutlich sauberer

werden wird, ist klar, dass hier ein neuer Badestrand,

ein sogenannter Stadtstrand entstehen

wird. Erfolgreiche Beispiele aus anderen urbanen Gebieten

und Städten beweisen das. Es wird nicht nur

ein Ort zum kurzen Erfrischen, sondern ein wesentlicher

sozialer Punkt im urbanen Freizeitgefüge werden.

Da der sehr dicht bebaute und besiedelte alte

Stadtkern keine geräumigen, offenen Freiflächen ermöglicht

und deren Gestaltung sehr einschränkt und

da auch die Notwendigkeit gesellschaftlicher, sozialer

Treffen wie Konzerte, Nachtveranstaltungen etc.

gegeben war, lag es nahe, dafür Plätze außerhalb des

innerstädtischen Kerngebietes zu schaffen. So kann

auch die Nachtruhe der Bewohner gesichert werden.

Die heterogene Form der Entwicklungen, welche das

heutige Koper präsentiert – der alte Stadtkern, die

Vorstädte, die Industriezone in den ehemaligen Salzteichen,

die notwendigen Infrastrukturen für einen

modernen Hafen – all das verlangte nach einem landeinwärts

gerichteten, visuellen Flucht- oder Rückzugsraum,

dessen Maßstab und optische Expressivität

jedoch über die Heterogenität der Entwicklung

hinausreichen und sie zusammenbinden würde.

Die Fläche des Parks entspricht nun einer (jederzeit)

vergrößerbaren Landfläche in einer weiteren Umgebung.

Sein Design kann deshalb als Prototyp für zukünftige

Entwicklungen dienen. Die Intervention bietet

eine gleichmäßige und attraktive Erscheinung und

mit ihrer intensiven Begrünung im Hinterland zieht

sie die Heterogenität in die umgebenden, gebauten

Strukturen. Die Vermischung der Elemente eines

Stadtstrandes mit einem zeitgenössischen Park fordert

Bewohner wie Besucher gleichermaßen auf, den

Raum in unterschiedlichen Weisen zu nutzen. u

Die verschiedenen Höhen der

eingebauten urbanen Elemente

sorgen für die Bildung von offenen

und geschützten Bereichen.


architektur FACHMAGAZIN

52

Stadt & Utopie

Die Grundbausteine des neuen Stadtparks sind monolithische,

sich biegende, urbane Elemente. Die überlegte

Platzierung im Gelände in Kombination mit einer

betonten Topografie der grünen Oberfläche teilt den

Park sanft in verschiedene, individuelle, fast introvertierte

Programminseln. Das Design der einzelnen urbanen

Elemente folgt diesen verschiedenen Programmen:

In größeren Gebieten sind sie höher und bieten

einen Sicht- und Lärmschutz vor der lauten Umgebung;

an anderen Stellen sind sie niedriger und ermöglichen

einen ungehinderten Austausch zwischen den

Programmzonen. Es entstehen – fast wie organisch –

Plätze für die Besucher, ein Hindernisparcours für Kinder,

Kletterwände, die Rückseite für die Strandbar, ein

Platz für Konzerte, ein Spielplatz, ein Lesebereich und

vieles mehr. Durch die Nähe zum Meer sind die einzelnen

(Programm)Zonen auch mit vielfältigen Wasserelementen

bestückt. Ein Teich, Bodensprinkler, ein

Geysir, parabolische Wasserstrahlen, Kaskaden und

ein Floß in der Kombination mit variierenden urbanen

Elementen ermutigen zu einem aktiven Gebrauch und

Nutzen des Raumes und der Erweiterung des zukünftigen

Strandes in das Parkinnere.

Die Bepflanzung des Geländes ist ausschließlich mit

einheimischen Mittelmeerpflanzen vorgenommen

worden. Der strategisch arrangierte Höhenwuchs

wird die existierenden Baumreihen an den beiden

Ecken des Parkes ergänzen und so Schatten für die

individuellen Zonen bieten. Somit wird dieser Grüngürtel

auch weiteren Schutz vor Umwelteinflüssen

(Wind, Staubverfrachtungen) bieten. Um zu einer

möglichst vielfältigen Nutzung des Stadtparkes zu

ermutigen, hat man auf die üblichen, bestimmenden

Wegführungen verzichtet – es gibt keine vorgeschriebenen

Wege und Pfade. Steinplatten mit

Grasflächen dazwischen befinden sich nur an den

Eingängen des Parks, wo ein intensiverer Gebrauch

des Bodens erwartet wird. Auf diese Art bestimmen

die Besucher ihren eigenen Weg und die individuelle

Benutzung des Raumes. Falls einmal ein neuer Bereich

zum Park hinzugefügt wird, oder sich durch den

Gebrauch bestimmte Vorgaben ergeben – etwas, das

man nur sehr schwer vorhersagen kann – ist durch

diese Art der Wegführung und Bodenpflasterung ein

jederzeitiges Neuarrangement möglich. (rp)

Wegführungen sind nicht

bestimmt und vorgegeben,

sie entstehen spontan

durch den Nutzer.


0 5 10 20 50m

Koper Central Park I layout I (1:1000)

Koper Central Park

Koper, Slowenien

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Koper Municipality

Enota

Spicy Garden

Ivan Ramšak s.p.

Bebaute Fläche: 26.000 m 2

Planungsbeginn: 2016

Bauzeit: 03/2016 - 11/2018

Fertigstellung: 11/2018

Baukosten:

3 Mio. Euro


architektur FACHMAGAZIN

54

Stadt & Utopie

Die Renovierung und Neugestaltung

des ehemaligen Geländes der EXPO 67

in Montreal auf der Île-Sainte-Hélène

durch den Designer und Architekten

Lemay hat das geschichtsträchtige

Gelände zu einer wichtigen Destination

für die Stadt Montreal, aber auch für

Besucher aus aller Welt gemacht. Hier

treffen der Zauber und die Magie von

1967 auf das 21. Jahrhundert.


www.architektur-online.com

55

Lemay

Eine mythische

Destination

Espace 67 / Montreal / Lemay

Fotos: Marc Cramer, Société du Parc Jean-Drapeau, Lemay


architektur FACHMAGAZIN

56

Stadt & Utopie

Erholung, Veranstaltungen

und Flanieren sind in

dem neu gestalteten Park

auf dem EXPO-Gelände

möglich. Er ist auch ein

wichtiger Identitätsfaktor

für die Menschen der

Stadt.

Eine Stadt braucht auch Orte außerhalb ihres Kernes,

außerhalb ihres urbanen Zentrums. Meist sind es

Grünflächen, historische Bauten und Sehenswürdigkeiten.

In Montreal ist es unzweifelhaft das Gelände

der EXPO 67. Sie hatte damals schon den Charakter

eines „Weltwunders“. Man zeigte zumeist Leichtbaukonstruktionen

und wies mit neuen architektonischen

Raumstrukturen, neuartigen Verkehrskonzepten und

Weltraumfahrtvisionen einen technologischen Weg

zur Bewältigung von Zukunftsproblemen. Das Motto

der Ausstellung lautete „Der Mensch und seine

Welt“ und man war der Ansicht, dass der Mensch die

Natur beherrschen könne. Ein Fehlgedanke, der sich

bis in die heutige Zeit durchzieht. Die in ihrem Zusammenhang

errichteten Bauten galten teilweise als

wegweisend für Architektur und Städtebau. Berühmt

gewordene Hinterlassenschaften der Ausstellung

sind die geodätische Kugel Biosphère des US-amerikanischen

Architekten Richard Buckminster Fuller

sowie der Wohnbaukomplex Habitat 67 des israelischen

Architekten Mosche Safdie.

Mehr als 50 Jahre nach dieser erfolgreichsten Weltausstellung

des 20. Jahrhunderts – sie hatte 50 Millionen

Besucher – hat das Herz des Ausstellungsgeländes

ein neues Outfit bekommen, um es auch

in der Zukunft wieder attraktiv zu machen. Das

Gelände mit der neuen Bezeichnung Espace 67 ist

von dem transdisziplinären Designer Lemay und

seinem Team gestaltet worden. Er hat seine Gestaltungsprinzipien

in das Neu-Denken dieses Ortes

eingebracht und ihn restauriert, umgeformt und den

Bereich auf der Île-Sainte-Hélène in ein großes Entwicklungsprojekt

verwandelt.

Bestimmendes Element ist ein merkwürdiger, neuer,

zentraler Boulevard, der die Biosphère mit Calders

monumentaler „Trois Disques“ Skulptur am anderen

Ende der Insel verbindet. Auf dem transformierten,

multifunktionalen Gelände befinden sich heute ein

65.000 Sitzplätze umfassendes, natürliches Amphitheater,

genauso wie ein Wanderweg entlang des

Flussufers. Das Projekt enthält auch einen Eventbereich

und eine natürliche Agora sowie viele öffentliche

Plätze, die für eine Vielzahl von Funktionen im

Laufe des Jahres verwendet werden können. Und

natürlich auch Infrastrukturen wie WC-Anlagen, Pavillons

und Restaurants.


www.architektur-online.com

57

Lemay

Der Entwurf von Lemay vermischt die bezaubernde

Naturlandschaft und die reiche Vergangenheit dieses

außergewöhnlichen Ortes, um einen wirklich wandlungsfähigen

Raum zu bieten und vielfältige Großveranstaltungen

in der Zukunft abhalten zu können. Es

ist praktisch die Neugeburt eines Bestimmungsortes

in oder durch sich selbst. Indem er die Originalstruktur

und Handschrift des Ortes aufgriff, hat der Planer

erfolgreich die Kriterien und den Geist der EXPO in

die Neugestaltung und Umstrukturierung einbezogen.

Landschaft und gebaute Architektur sind integriert,

urbanes Design, Markenzeichen und Signaturen

vorhanden. Lemay schuf eine neue Attraktion in

Harmonie mit der Landschaft und Kultur und enthüllt

so den Genius Loci, der von den Uferlinien, Wasserflächen

und den überwältigenden Aussichten auf die

Stadt mit ihrer historischen Bedeutung im Hintergrund

bestimmt ist.

u


architektur FACHMAGAZIN

58

Stadt & Utopie

Durch diesen integrativen Anspruch entwickelte und

benutzte er ein adaptives Wiederverwenden samt einer

holistischen Designstrategie, um die einzigartige

Erfahrung der Besucher mittels Empfangsservice,

variabler Eventzonen und einer verbesserten Orientierung

inklusive Wegführung zu ermöglichen. Die

Orientierung für den Menschen ist durch die Betonung

der Nord-Süd-Achse auf diesem einzigartigen

Platz verbessert. Sie formt den Raum in einem geometrischen

Muster durch die schrägen Flächen und

der ikonische zentrale Boulevard maximiert jetzt die

Sicht auf die Skulptur von Calder. Dieser Boulevard

zieht die Besucher von der Metro auf das Gelände mit

seinen markanten Sitzbereichen, den Grünräumen

und den atemberaubenden Blicken auf Downtown,

Old Montreal und den St. Lawrence River. Die Informationspavillons

beim Eingang und der Metrostation

signalisieren bereits die Wichtigkeit dieser festlichen

Paradefläche. Die seitlichen Wände und deren Gestaltung,

die eine Integration und Verbindung mit der

Natur vollziehen, sind eine Referenz an das Vokabular

der EXPO 67. Auch die Dächer der Pavillons folgen

dem geometrischen Muster der zentralen Achse, inspiriert

von den Dreiecksformen der Biosphère Buckminster´s.

Das Muster findet sich in den Bodenbelägen

und Pflasterungen der Wege genauso wie in den

Perforationen der umgebenden Wände.


www.architektur-online.com

59

Lemay

Um die Besucherströme besser zu leiten, bezieht sich

diese Neugestaltung auf die Qualität und Zeichenhaftigkeit

der schon existierenden, gebauten und

natürlichen Umgebung und vollzieht aber auch architektonische

Referenzen der feierlichen Geschichte

des Geländes mit ein, indem sie die Stimmung der

Gemeinschaft der EXPO von 1967 wiederbelebt. Die

Volumina, die Materialitäten, Fassaden und Beleuchtungen

der Pavillons machen diese zu Leitelementen

der Orientierung, sie führen den Besucher durch das

Gelände indem sie Funktionen des Empfanges, der

Information, als Restaurant oder Administration über-

nehmen. Die Positionierungen dienen auch dazu, die

Menschenmassen während Großveranstaltungen zu

führen. Das Amphitheater bedeckt zwar eine große

Fläche, kann aber auch verschieden große und kleinere

Events beherbergen und bietet einen einladenden

Eindruck, auch wenn es nicht in Gebrauch ist.

Diese behutsame und strategische Integration von

Natur, Kultur und Erinnerung eines Ortes hat eine

einzigartige urbane Destination geschaffen, die sicherlich

eine Attraktion für die nächsten Jahre darstellen

wird und den städtischen Kontext von Montreal

aufwertet.

(rp)

Espace 67

Montreal, Kanada

Bauherr:

Société du parc Jean-Drapeau

Planung:

Lemay

Statik:

WSP

Grundstücksfläche: 139.567 m 2

Amphitheater: 57.160 m 2

Naturplätze: 13.235 m 2

Pavillons: 771 m 2

Planungsbeginn: 03/2017

Bauzeit:

23 Monate

Fertigstellung: 05/2019

Baukosten:

28 Mio. Euro


architektur FACHMAGAZIN

60

Stadt & Utopie

Das Parkhaus

der Zukunft

The biggest cycle parking in the world / Utrecht, Niederlande / Ector Hogstaad Architecten

Fotos: Petra Appelhof

Ector Hogstaad Architecten

und die Stadt Utrecht

setzen ein Zeichen. Im

August dieses Jahres

wurde in der viertgrößten

Stadt der Niederlande das

weltweit größte Fahrradparkhaus

eröffnet. Rund

12.500 Fahrräder finden

auf drei Etagen unterhalb

des Bahnhofs Platz. Ein

luftiger Baldachin verbindet

die Bahnhofshalle mit

einem gegenüberliegenden

Einkaufszentrum und

schafft einen attraktiven

Ort der Begegnung.

Eine Fahrradstadt von Weltformat zu werden, lautete

ein Ziel des „Action Plan“ Utrechts. Mit der Fertigstellung

des weltgrößten Fahrradparkhauses im August

dieses Jahres dürfte die viertgrößte Stadt der

Niederlande diesem Ziel einen großen Schritt nähergekommen

sein. Auf drei Ebenen findet sich direkt

unter dem Bahnhof nun Platz für 12.500 Fahrräder.

Eine aussagekräftige Zahl bei einer Einwohnerzahl

von rund 350.000.

Wie in den gesamten Niederlanden ist das Fahrradfahren

auch in Utrecht aus dem Alltag nicht wegzudenken.

Nahezu jeder Einwohner besitzt mindestens

ein Modell und 60% aller Fahrten in die Innenstadt

werden per Rad erledigt. Utrecht setzt immer weniger

auf das eigene Auto, baut hingegen das öffentliche

Nahverkehrssystem aus und bietet attraktive Anreize

zur Fortbewegung mit eigener Muskelkraft. Westlich

der Stadt entsteht wie zum Beweis momentan der

Planstadtteil Leidsche Rijn, der bis 2025 rund 80.000

Einwohner beherbergen soll. Wegweisend beim größten

Städtebauprojekt der Niederlande sind nicht nur

die kleinteiligen Siedlungsstrukturen, sondern allen

voran ein weitverzweigtes Radwegenetz, an das alle

öffentlichen Einrichtungen angebunden sind.

Während besagtes Radwegenetz in Utrecht bereits

vorbildlich ausgebaut ist und über die Niederlande

hinaus als Vorzeigeprojekt dient, mangelte es bis

dato an adäquaten Stellflächen für die vielen Gefährte.

Im Zuge des Umbaus des Hauptbahnhofs Utrecht

Centraal wurde daher 2011 ein geladener Architektenwettbewerb

für den Neubau eines Fahrradparkhauses

ausgelobt. Die in Rotterdam ansässigen Ector

Hogstaad Architecten konnten dabei mit ihrem in

Zusammenarbeit mit Sant & Co und Royal Haskoning

DHV erarbeiteten Entwurf überzeugen.

Während die Architekten die Parkflächen versteckt

auf drei Ebenen unter dem Bahnhof anordneten, sollte

die darüberliegende und bis dato wenig attraktive

Fläche zwischen der Bahnhofshalle und dem Einkaufszentrum

„Hoog Catharijne“ zu einem belebten

Platz und Treffpunkt mit großer Aufenthaltsqualität

aufgewertet werden. Seit den 70er Jahren war die

Bahnhofshalle nur über einige Gänge des gegenüberliegenden

Einkaufszentrums zugänglich. In den

vergangenen zwei Jahrzehnten wurde und wird der

Bahnhof – einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte

der Niederlande mit Ursprung im Jahr 1843 –

mitsamt Umgebung sukzessive erneuert. Zuletzt im

Jahr 2016 durch eine moderne Glas-Konstruktion des

Architekturbüros Benthem Crouwel. In diesem Zuge

wurde bereits im Sommer 2017 ein Teil des Fahrradparkhauses

(rund 6.000 Stellplätze) eröffnet. Mit der

Fertigstellung kamen nun weitere 6.500 Plätze zum

(nach eigenen Angaben) größten Fahrradparkhaus

der Welt hinzu.

Eine „wegweisende Architektur für eine immer bessere

Zukunft“ zu bauen, lautet das Credo des Architekturbüros

Ector Hogstaad. Damit lagen die Planer

mit den Gestaltern der Stadt Utrecht auf einer Linie.

Die Fahrradbewegung liegt dabei voll im Trend – und

das nicht erst, seitdem immer mehr E-Bikes auf den

Markt kommen. Der Verzicht auf das Auto und der

Umstieg auf umweltschonende Fortbewegungsmittel

haben nicht nur positive Auswirkungen auf die

Luft und das Klima, sondern auch auf den öffentlichen

Raum. Einst zubetonierte und asphaltierte

Grachten werden nun renaturiert, verkehrsberuhigte

Begegnungszonen geschaffen und in der Innenstadt

damit Läden und Cafés belebt.

u


www.architektur-online.com

61

Ector Hogstaad Architecten


architektur FACHMAGAZIN

62

Stadt & Utopie

Aber auch innerstädtische Brennpunkte oder

„Schandflecke“, zu denen die Gegenden um die großen

Bahnhöfe erwiesenermaßen häufig zählen, können

durch gezielte städteplanerische Maßnahmen

entschärft und sogar ins Gegenteil verkehrt werden.

Bestes Beispiel ist der neue Bahnhofsvorplatz in Utrecht.

Ein leichter, lichtdurchlässiger Baldachin bietet

Schutz vor Wind und Wetter und ermöglicht einerseits

den überdachten Übergang vom Einkaufszentrum

in die Bahnhofshalle, andererseits schafft die

gelochte Decke einen geschützten Raum zum Verweilen,

einen Treffpunkt für Reisende und Einheimische.

Die Konstruktion scheint, trotz ihrer Ausmaße,

nahezu über dem Platz zu schweben, wobei die massive

Tragstruktur zwischen den Gucklöchern in den

Himmel beinahe verschwindet.

Drei der Betonsäulen, die den riesigen Baldachin tragen,

reichen bis auf das Parkdeck hinab. Trompetenförmig

verjüngen sich die Elemente von fünf Metern

Durchmesser in Bodennähe bis auf 1,2 Meter unter

dem Dach. Jedes Element wurde einzeln gegossen.

Dort, wo die Säulen durch kreisrunde Ausschnitte in

den Deckenplatten gen Himmel streben, wirken sie

fast wie versteinerte Bäume. Und zwischen all dem

Beton, Stahl und chemisch behandelten Holz möchte

man die Säulen berühren und zum Leben erwecken,

mögen diese sich doch tatsächlich in richtige Mammutbäume

verwandeln und der Umgebung etwas Urgefühl

einhauchen.


www.architektur-online.com

63

Ector Hogstaad Architecten

Wenn auch in Wirklichkeit nicht ganz so naturnah,

so verleihen die strapazierfähigen Materialien dem

Fahrradparkhaus dennoch einen rohen und archaischen

Charakter. Über großzügige Atrien, in denen

sich auch die Treppenhäuser befinden, gelangt viel

Tageslicht ins Innere. Zusammen mit mehreren Tunneln

bieten sie Orientierung und schaffen direkte

Verbindungen zum oberhalb liegenden Platz, dem

Hauptgebäude und den Bahnsteigen. Aus den Außenwänden

ausgeschnittene Fensterflächen geben

den Blick auf die Bahnsteige und den Busbahnhof

frei. Keine Spur von Beklemmung oder schummrigen

Ecken, das Parkhaus wirkt genauso bunt und fröhlich

wie seine Benutzer – das mag auch an dem Unterschied

der meist stinkenden Automobile zu den hier

zu findenden filigranen Flitzern liegen.

Eine durchdachte Wegeführung aus flachen Rampen führt die Benutzer schnell

und sicher zum Ziel. Säulen und Deckenöffnungen schaffen Blickbeziehungen und

verbinden die einzelnen Ebenen optisch. Farbig markierte Wegflächen kennzeichnen

die Richtung.

„Bequemlichkeit, Geschwindigkeit und Sicherheit“

sind die drei Schlagworte, die laut den Architekten

die maßgeblichen Eckpunkte des Entwurfs bilden. Um

diesen Anforderungen gerecht zu werden, können die

Fahrradfahrer auf flachen Rampen bequem bis zum

nächsten freien Stellplatz radeln. Diese sind nummeriert

und farbig markiert. Bildschirme bei der Einfahrt

und ein elektronisches Leitsystem zeigen freie Plätze

an. Ein Stellplatz ermöglicht es, ein Rad ebenerdig

und eines darüber abzustellen. Die Fahrradwege sind

in einen warmen Rotton getaucht, bieten genug Platz

für sicheres Fahren auch für Ungeübte oder Familien

und halten stets seitliche Flächen zum Absteigen parat.

So bleibt der Verkehr auch bei großem Andrang in

den Stoßzeiten immer im Flow.

u


architektur FACHMAGAZIN

64

Stadt & Utopie

Zusätzliche Einrichtungen wie eine Fahrradwerkstatt,

ein Fahrradverleih und mehrere Etagenmanager kümmern

sich um die Bedürfnisse der Benutzer. Das Gebäude

ist rund um die Uhr geöffnet und wird bewacht.

Das Parken ist – wie es sich für eine fortschrittlich

agierende Gemeinde gehört – bis zu 24 Stunden kostenlos.

Mit 1,25 € Tagesgebühr halten sich die Kosten

aber auch für Dauerparker in Grenzen.

Man kann also tatsächlich von einem Parkhaus der

Zukunft sprechen, denn über kurz oder lang werden

wohl immer mehr Gemeinden den positiven Nutzen

einer Förderung des öffentlichen Nahverkehrs erkennen

(müssen). Ein unkontrollierter Straßenbau

hat bereits vielerorts zur Versiegelung wertvoller

Grünflächen geführt, riesige Einkaufszentren in der

Peripherie tragen zum Absterben der Dorfkerne bei

und die Luftverschmutzung hat vielfach ein unerträgliches

Maß erreicht. Zeit umzudenken und im

wahrsten Sinne des Wortes auf die Zukunft zu bauen.

Die Bürger sparen im besten Falle nicht nur viel Zeit

und Geld, sondern erhalten auch wertvolle Naherholungsflächen

direkt vor der Haustür zurück.

Das Fahrradparkhaus in Utrecht setzt mit Sicherheit

ein starkes Zeichen. Direkte positive Auswirkung

sind attraktive Stadtflächen, frei von herumstehenden-

und liegenden Rädern, ein neues Zentrum sowie

zeitsparende Wege. Von Anfang an wurden ökologische

Aspekte bei der Planung des Projektes berücksichtigt.

In Zusammenarbeit mit Sant & Co entstand

so beispielsweise ein Konzept für den Bahnhofsvorplatz,

das elf Bäume und eine kleine Wasseranlage

vorsieht. Dennoch bleibt das Material Beton als Gestaltungselement

relativ markant. Aber wer weiß,

vielleicht werden die versteinerten Mammutsäulen

eines Tages doch noch zu echten Bäumen und die

Natur erobert sich unsere Städte wieder ein kleines

Stück mehr zurück.

(lp)

UIT

IN

NOORDERSTALLING

MIDDENTUNNEL

+1

0

-1

IN

UIT

éénrichtings

voetgangersz

stallingszone

stijgpunten

fietspoint


www.architektur-online.com

65

Ector Hogstaad Architecten

The biggest cycle parking in the world

Utrecht, Niederlande

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Gemeinde Utrecht

Ector Hogstaad Architecten

Joost Ector, Max Pape, Chris Arts, Stijn Rademakers,

Gijs Sanders, Ralph Sijstermans, Lesley Bijholt,

Romy Berntsen, Daniel Kees Bongers

Grundstücksfläche: 21.500 m 2

Bebaute Fläche: 8.750 m 2 (Parken)

Parkplätze: 12.500

Fertigstellung: 2019


architektur FACHMAGAZIN

66

Stadt & Utopie

Skifahren

auf Müll

CopenHill, Amager Bakke / Kopenhagen / BIG

Fotos: Laurian Ghinitoiu,, Dragoer, Rasmus Hjortshoj, Soren Aagaard,


www.architektur-online.com

67

BIG

Angesichts der steigenden Abfallmengen auf

unserer Welt hat das dänische Architekturbüro

BIG eine neue Müllverbrennungsanlage mit einer

Skipiste auf dem Dach, Kletterwänden, Fitnessparcours

und Restaurationsbetrieben kombiniert.

Es ist ein sicherlich wichtiger Versuch, die

Umweltbelastungen in den Griff zu bekommen

und soll dazu beitragen, Kopenhagen bis zum

Jahr 2025 zur ersten CO 2 -neutralen Stadt der

Welt zu machen.


architektur FACHMAGAZIN

68

Stadt & Utopie

Eingebettet in die industrielle

Hafengegend

ermöglicht diese Architektur

das Skikahren auch

im Sommer.

Der Müll auf unserer Welt wird langsam (oder schnell)

zu einem immer größer werdenden Problem. Wir produzieren

zu viel, verbrauchen zu viel und dementsprechend

müssen wir Müll entsorgen. Vor allem die

urbanen Gebiete ersticken teilweise schon im Müll,

siehe Kairo oder Mumbai.

Kopenhagen in Dänemark ist schon seit vielen Jahren

ein Vorbild für städtebauliche Entwicklungen.

Nicht nur, dass es mehr Radfahrer als Autofahrer in

der Stadt gibt, auch die städtebauliche Entwicklung

der Stadt läuft in einem überlegten, nachhaltigen und

durchaus sehenswerten Rahmen ab. Nun gibt es mitten

in der Stadt eine ganzjährig geöffnete Skipiste

auf einer neuen Müllverwertungsanlage. Sie wurde

von BIG, die einen Wettbewerb dazu im Jahr 2015 gewonnen

haben, errichtet.

CopenHill, auch als Amager Bakke bekannt, ist eine

der neuen Landmarks von Kopenhagen. Und im

Rennen um neue Superlative wird sie als die „cleanest

waste-to-energy power plant in the world“, als

die sauberste Müllverbrennungsanlage der Welt bezeichnet.

Es ist eine ganz neue Art und Sichtweise

einer derartigen Anlage und wird deshalb auf der

Homepage von BIG auch unter „body culture“, also

unter dem Begriff „Bauten für Fitness“ eingereiht.

Die Architektur hat die Form eines Prismas – seine

Oberseite ist von einer Skipiste bedeckt, die sich

entlang des Baukörpers hinunterschlängelt. Zusammen

mit einem Fußweg und einer Kletterwand stellt

sie den Anspruch an die hedonistischen Seiten der

Nachhaltigkeit für die Bevölkerung zufrieden. Gleichzeitig

entspricht sie den ambitionierten Zielen von

Kopenhagen, bis 2025 die erste CO 2 -neutrale Stadt

der Welt zu werden.

CopenHill ist eine 41.000 Quadratmeter große Müllverbrennungsanlage,

kombiniert mit einem Fitnesscenter,

einem Hub für pädagogische Umwelterziehung,

eine aufregende Infrastruktur und eine

architektonische Landmark. Entworfen wurde sie als

eine öffentliche Infrastruktur mit integrierten sozialen

Nebenwirkungen und Benefits vom ersten Tag an.

Sie ersetzt eine 50 Jahre alte, angrenzende Anlage,

trägt die Bezeichnung Amager Ressourcencenter

(ARC) und in CopenHill werden neueste Technologien

für die Behandlung, Verbrennung und Verarbeitung

von Müll in Energie angewandt. Aufgrund ihrer

Situierung am industriellen Hafenviertel von Amager,

wo die anderen Industrieanlagen bereits den Hintergrund

für Wakeboarding und Go-Cart-Rennen bieten,

erweitert die neue Müllverbrennungsanlage mit der

Skipiste, der Trasse fürs Wandern und den Kletterwänden

die Wunschliste von Abenteuersuchenden.

Die inneren Volumina der Anlage sind von den präzisen

Anordnungen der Maschinen und der Organisation

der Abläufe bestimmt. So entstand die effiziente,

9.000 Quadratmeter große Skipiste am Dach. Sie

geht von der Spitze in einer 180-Grad-Kurve hinunter

zur Erdoberfläche. Hier können die Sportler auf der

künstlichen Abfahrt – sie hat die exakte Länge der

olympischen Halfpipe für Snowboarding – hinunterfahren,

können den Freestyle-Bereich testen, Slalomstrecken

mit Zeitmessung ausprobieren. Beginner

und Kinder haben sanftere Strecken im unteren Bereich

zur Verfügung.


www.architektur-online.com

69

BIG

Skifahrer betreten den Freizeitbereich über einen

Schlepplift oder mittels eines gläsernen Aufzugs, der

gleichzeitig Aus- und Einblicke in den 24-Stundenbetrieb

der Anlage bietet. Freizeitfans und Besucher, die

den Gipfel von CopenHill erreichen, bekommen das

Erlebnis eines neuen Berges in der ansonsten flachen

Umgebung. Wenn man nicht skiinteressiert ist, kann

man sich an der Bar auf der Dachterrasse vergnügen,

den Fitnessbereich und die Kletterwände benutzen

und die höchstgelegene Aussichtsterrasse der Stadt

bewundern bevor man den 490 Meter langen, von

Bäumen üppig gesäumten Wander- und Laufweg hinunter

benutzt. Der hügelige Grünbereich beim Abstieg

wurde übrigens von den dänischen Landschaftsarchitekten

Architects SLA gestaltet. Die 10.000 Quadratmeter

große Dachfläche richtet sich nach den Herausforderungen

des Mikroklimas auf dem 85 Meter hohen

Park: Sie renaturiert die Architektur in eine Landschaft

mit Biodiversität, absorbiert Hitze im Sommer, entfernt

Schadstoffe aus der Luft und minimiert Starkregenauswirkungen

bei Unwettern.


architektur FACHMAGAZIN

70

Stadt & Utopie

Oberhalb der vibrierenden

Technik der Müllaufbereitung

sorgt eine

intensive Dachbegrünung

für den teilweisen ökologischen

Ausgleich.

Unter der Piste verwandeln vibrierende, glühende

Öfen, Dampf und Turbinen 440.000 Tonnen Abfall

jährlich in genügend saubere Elektrizität um 150.000

Haushalte des Bezirkes mit Energie und Wärme zu

versorgen. Die notwendigen Maschinen, zehn Geschosse

Büro- und Verwaltungsräume für das Team

von ARC, die Abgaskamine, die Ventilationsschächte

sowie die Ansaugkanäle für die Frischluft tragen dazu

bei, die Topografie eines Berges zu gestalten und in

die Höhe zu ziehen. In den zehn Verwaltungsebenen

sind auch ein Trainingscenter für wissenschaftliche

Versuche, Räume für Workshops und Säle für nachhaltige

Konferenzen eingeplant. Eine von Menschenhand

kreierte Landschaft als Begegnung zwischen

den Bedürfnissen der Erde und den Wünschen nach

dem Himmel.

Der Körper der Anlage stellt aber keineswegs einen

isolierten, architektonischen Komplex dar – der

Umschlag des Gebäudes, seine Fassaden bieten

eine Gelegenheit, sich mit dem lokalen Kontext zu

verbinden und gleichzeitig die Visionen von ARC

zu verdeutlichen. Die Hülle der Architektur besteht

aus 1,2 x 3,3 Meter großen Aluminiumteilen, sie sind

wie gigantische Ziegel übereinander gestapelt und

überlappen sich. Dazwischen erlauben es verglaste

Fenster, das Tageslicht tief in den Körper eindringen

zu lassen. Größere Öffnungen befinden sich an der

Südwestseite, hier belichten sie die Workshop- und

Verwaltungsräume auf den entsprechenden Ebenen.

An der längsten vertikalen Fassade befindet sich die

mit 85 Metern höchste künstliche Kletterwand der

Welt, sie wartet auf neue Rekorde und von ihr aus

gibt es auch Einblicke in das Innere der Architektur.

Am Boden, am Ende der Skiabfahrt, erwartet eine 600

Quadratmeter große Après-Ski-Bar Anwohner und

Besucher, um sie nach dem Ablegen der Skischuhe

zu erfrischen. So wird CopenHill – ein Stück der Infrastruktur

der Industriezone – zu einer neuen Destination

für Familien, Freunde, Feiern als ein ökonomischer,

sozialer und nachhaltiger Gewinn für Kopenhagen.

(rp)


www.architektur-online.com

71

BIG

CopenHill

Kopenhagen, Dänemark

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Amager Ressourcecenter ARC

BIG, Bjarke Ingels, David Zahle, Jakob Lange, Brian Yang

SLA, Lüchinger+Meyer, MOE, Rambøll,

Jesper Kongshaug and BIG Ideas

AKT, Topotek 1, Man Made Land, Realities:United

Grundstücksfläche: 41.000 m 2

Planungsbeginn: 2015

Fertigstellung: 2019


architektur FACHMAGAZIN

72

Stadt & Utopie

Transparenz

und Sicherheit

Sicherheitsvorkehrungen für den Eiffelturm / Paris / Dietmar Feichtinger Architectes

Fotos: David Boureau


www.architektur-online.com

73

Dietmar Feichtinger Architectes

Sicherheit gehört zu den

wesentlichen Faktoren

lebenswerter Städte.

In Paris haben Dietmar

Feichtinger Architectes

nun den Nahbereich des

Eiffelturms mit seinem

kleinen Park durch

schusssichere Glaswände,

Sicherheitsschleusen und

einen Cortenstahlzaun

gegen unterschiedliche

Bedrohungsszenarien

gesichert.

Sieben Millionen Besucher drängen jedes Jahr zum

Eiffelturm. Ob auf einem Selfie am Fuß des Turmes

mit ausländischen Touristen im Vorder- und Hintergrund,

oder (nach zwei Stunden Wartezeit) ganz

oben – der Besucherandrang ist enorm. Seit besucherstarke

Destinationen in den letzten Jahren wiederholt

zum Ziel terroristischer Anschläge wurden,

sind die Sicherheitsvorkehrungen im städtischen

Raum insgesamt gestiegen. Die französischen Behörden

haben nun strenge Auflagen für den Besuch

des Wahrzeichens erlassen und so wurde ein internationaler

Wettbewerb zur Verstärkung der Schutzmaßnahmen

ausgerufen. Dietmar Feichtinger Architectes

haben ihn für sich entscheiden können und

das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen, ist aber

eher unsichtbar.

Dass ein Architekt etwas entwirft und baut, bei dem

er öffentlich betonen muss, dass es in der Realität

kaum sichtbar sein wird, ist schon merkwürdig und

im Widerspruch zum Gedanken der Stararchitektur.

Dietmar Feichtinger ist eben anders und er hat das

schon oft durch seine feinen, auch metaphysisch begründeten,

meist sehr „stillen“ Architekturen bewiesen.

Das hier beschriebene Projekt ist auch leise.

Der Eiffelturm symbolisiert die französischen Grundwerte:

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Inwiefern

diese Werte mit einer kugelsicheren Abgrenzung,

Sicherheitskontrollen und Verboten übereinstimmen

können, muss sich jeder Bürger selbst beantworten.

Dem Wunsch der Behörden nach der Sicherheit für

die Besucher des Wahrzeichens jedenfalls, werden

in diesem – 2018 fertiggestellten – Architekturprojekt

zwei über 200 Meter lange und drei Meter hohe,

schusssichere Glaswände gerecht. Das 72 Millimeter

starke, aus sechs Schichten bestehende Hochsicher-

heitsglas ist ohne Rahmen ausgebildet und nur im

Boden eingespannt. So wirken die Wände leicht und

transparent, lassen auch die Sichtwinkel der städtebaulichen

Achse von der Ecole Militaire bis zum Palais

de Trocadéro frei und der Eiffelturm wirkt wie immer.

Die Verbindungen der einzelnen Glasscheiben sind

mit einfachen, rechteckigen Nirostaprofilen verdeckt,

an ihnen ist – außerhalb der menschlichen Reichweite

– auch die Beleuchtung in ebenso rechteckigen Behältern

samt der Überwachung angebracht. Die Glasscheiben

ragen noch ein Stück über die Verbindungsprofile

hinaus, wie wenn sie sich im Himmel auflösen

wollten und können deshalb nicht leicht überklettert

werden. Zusätzlich haben die Glaswände einen den

Lärm abweisenden Effekt. Als Aufprallschutz wurden

an den Rändern der Gehsteige am Quai Branly und

der Avenue Gustave Eiffel feststehende Poller zum

Schutz vor Amokfahrten montiert.

Neben diesen Maßnahmen ist auch der Zugang zum

Eiffelturm neu organisiert. Er ist nunmehr nur nach

dem Passieren einer Sicherheitsschleuse und durch

den Landschaftsgarten, der vom Schweizer Landschaftsarchitekten

Vogt entsprechend neu gestaltet

wurde, möglich. Man gelangt an der Schmalseite des

Parks in das abgesperrte Gelände und muss dann den

Park durchwandern. Der kleine Spaziergang kann auf

das große Erlebnis einstimmen. Der Eintritt in den

Park erfolgt beidseitig durch je sechs nebeneinander

liegende Sicherheitsschleusen aus Glas. Je zwei

Sicherheitskräfte kontrollieren die Besucher, es ist

wie am Flughafen. Eine zarte Stahlstruktur hält die

Schleusen und trägt auch ein über ihnen liegendes

Glasdach. Die Wegführung im Inneren des Parks ist

genau vorgeschrieben: Drahtzäune und seitliche Metallbügel

am Boden umschließen die Pfade und ein

Zaun aus Cortenstahl das Gesamtgelände. u


architektur FACHMAGAZIN

74

Stadt & Utopie

Die Cortenstahl-Elemente des Zauns sind exakt 324

cm hoch – und damit genau ein Prozent der Höhe des

Eiffelturms. Auch in der Formgebung referieren sie

an die Silhouette des Turms: An der Basis breiter und

stabiler, läuft der Zaun nach oben hin auf eine „Spitze“

zusammen. Dieses in zwei Meter breiten Stücken

vorgefertigte, schwer bekletterbare Zaunelement

wirkt fragil, transparent und keineswegs störend, es

harmoniert mit der umgebenden Natur. Unten ist der

Zaun, der auch an etwas Organisches erinnert, durch

ein dichtes Metallgewebe verstärkt. Er ist auf Streifenfundamenten

befestigt, dezent beleuchtet und

wird ebenfalls überwacht. Jeweils am Ende dieses

ovalen Zaunbogens sind auch die Ausgänge integriert,

wieder als runde Glasdrehtüren, von ebensolchen

Glasdächern vor der Witterung geschützt.

Ein wesentliches Kriterium bei den Schutzmaßnahmen

war es, die Sichtverbindung, welche sich durch

die Achse zwischen dem Palais de Trocadéro und der

Ecole Militaire ergibt, ungehindert zu belassen. Ebenso

wie die Neuaktivierung des kleinen Landschaftsgartens

am Fuße des Turmes. Dem österreichischen,

in Paris lebenden Architekten ist es gelungen, die

Sensibilität und das Gefühl für derart feine Einzelheiten

umzusetzen und damit sowohl die auf Sicherheit

bedachten französischen Behörden als auch die Befürworter

einer möglichst ungehinderten Sicht auf

das Pariser Baudenkmal zu überzeugen. Feichtinger

betonte bei der Präsentation des Projektes auch,

dass sämtliche Maßnahmen – sollte sich die aktuelle

Bedrohungslage ändern – im Sinne der Nachhaltigkeit

wieder rückbaubar sind.

(rp)

Auch der Zaun des Landschaftsgartens ist

in seiner Gestaltung ebenso zurückhaltend

und unauffällig wie die Glaswände.


3

DFA | DIETMAR FEICHTINGER ARCHITECTES - PARIS - SECURISATION DU PARVIS DE LA TOUR EIFFEL - PLAN DU AUVENT GUERITE D’ENTREE

DFA | DIETMAR FEICHTINGER ARCHITECTES - PARIS - SECURISATION DU PARVIS DE LA TOUR EIFFEL - ENTREE ALLE JEAN PAULHAN

0 1

5

0 0,2 1

DFA | DIETMAR FEICHTINGER ARCHITECTES - PARIS - SECURISATION DU PARVIS DE LA TOUR EIFFEL - COUPE GUERITE D’ENTREE

DFA | DIETMAR FEICHTINGER ARCHITECTES - PARIS - SECURISATION DU PARVIS DE LA TOUR EIFFEL - PLAN

0 1

5

0 1

5

www.architektur-online.com

75

Dietmar Feichtinger Architectes

5

7

1

5

4

6

8

6

4

3

3

2

1 2

GENDE

PAROI VITREE PARE-BALLES ANTI-EFFRACTION

SAS D’ACCES CAMIONS

SORTIE NORMALE PAR TOURNIQUETS

CLOTURE METALLIQUE TYPE «EIFFEL»

GUERITE D’ENTREE ET AUVENT VITRE

CLOTURE BASSE DU JARDIN ROMANTIQUE

SAS SORTIE POUBELLES, ACCES TOILETTES PUBLIQUES

PARVIS CENTRAL

| DIETMAR FEICHTINGER ARCHITECTES - PARIS - SECURISATION DU PARVIS DE LA TOUR EIFFEL - LE PROJET

265

300

300

300

220

220

220

DFA | DIETMAR FEICHTINGER ARCHITECTES - PARIS - SECURISATION DU PARVIS DE LA TOUR EIFFEL - PLAN, ELEVATION ET COUPE PAROI VITREE

DFA | DIETMAR FEICHTINGER ARCHITECTES - PARIS - SECURISATION DU PARVIS DE LA TOUR EIFFEL - PLAN, ELEVATION ET COUPE PAROI VITREE

1:50

1:50

1:50

Sicherheitsvorkehrungen für den Eiffelturm

Paris, Frankreich

Bauherr:

Planung:

Landschaftsplanung:

Ville de Paris und SETE (Société d´exploitation de la Tour Eiffel)

Dietmar Feichtinger Architectes

Vogt Landscape

Grundstücksfläche: 41.290 m 2

Bebaute Fläche: 108 m 2 , 631 m Glaswand, 225 m Cortenzaun, 67 neue Bäume

Planungsbeginn: 02/2017

Fertigstellung: 12/2018


architektur FACHMAGAZIN

76

Stadt & Utopie

Atlantis an

allen Orten

Was passiert, wenn der Meeresspiegel steigt?

Seitdem Platon im 4. Jahrhundert von dem

Untergang des mythischen Inselreiches

Atlantis erzählt hat, übt die sagenhafte

Geschichte eine enorme Faszination auf

Künstler, Filmemacher, Entdecker und Historiker

aus. Bis heute herrscht Uneinigkeit

darüber, ob der Inselstaat tatsächlich existierte.

Laut dem antiken griechischen Philosophen

soll Atlantis um 9600 v. Chr. infolge

einer Naturkatastrophe binnen 24 Stunden

für immer unauffindbar im Meer versunken

sein. Ob wahr oder nicht – für die Zukunft

zeichnen sich am Horizont ähnliche Szenarien

für viele unserer Metropolen ab.

Auch wenn einige Unverbesserliche den

Klimawandel mit all seinen Folgen bis heute

vehement als Verschwörungstheorie oder

Schwarzmalerei abtun – die Folgen unseres

hemmungslosen Raubbaus an der Natur

sind bereits mess- und sichtbar. Aufgrund

des rapide steigenden Ausstoßes von Kohlendioxid

und Treibhausgasen hat sich die

Temperatur auf der Erde im vergangenen

Jahrhundert um ein halbes Grad erhöht. Infolgedessen

wiederum ist der Meeresspiegel

durch das Abschmelzen unserer Gletscher

und Polkappen um ganze 20 Zentimeter gestiegen.

Laut Szenarien von Climate Central

könnte der Meeresspiegel bis zum Ende des

jetzigen Jahrhunderts um 1,5 Meter ansteigen.

Würden alle Gletscher und Polarkappen

abschmelzen – was laut Berechnungen des

U.S. Geological Survey in einigen Tausend

oder Hunderttausend Jahren der Fall sein

wird – stiege der Meeresspiegel um ganze

66 Meter an. Dann hieße es tatsächlich:

Atlantis an allen Orten – Berlin, Venedig,

London, New York, Bangladesch – allesamt

versunken unter Wasser.


www.architektur-online.com

77

Versunkene Städte

© Climate Central

Für eine Ausstellung in London skizzierten

die Künstler Robert Graves und Didier

Madoc-Jones mittels Fotomontagen die

Auswirkungen des Klimawandels im Jahr

2100: London ist dann das neue Venedig.

Bis auf den Buckingham Palace sind die

Häuser weitestgehend zerstört und die

Menschen hausen in Slum-ähnlichen Baracken.

Die Schranken der Thames Barrier

werden als Wasserkraftwerke genutzt und

in Westminster wird Reis angebaut. Was

die Künstler auf die Spitze getrieben und

zum Teil überspitzt dargestellt haben, kann

in Zukunft bittere Realität werden. Bereits

heute werden rund um den Globus immer

wieder kleine Inselgruppen vom steigenden

Meerwasser verschlungen. Und auch in der

Vergangenheit führten Naturkatastrophen

zum Untergang von Landmassen oder

Siedlungen. Im Jahre 1362 beispielsweise

versank die friesische Stadt Rungholt mit

ihren 1.500 Einwohnern nach einer schweren

Sturmflut in der Nordsee.

Schon jetzt sehen sich Menschen auf Inseln

oder in Küstengebieten zunehmend

gezwungen, ihr Zuhause aufgrund der steigenden

Wassermassen zu verlassen. Wenn

sich die Erde in den kommenden Jahrzehnten

um nur 4 weitere Grad erwärmen sollte,

stünden bis zu einer halben Milliarde Menschen

weltweit vor dem gleichen Problem.

Wer heute an einer Fluss- oder Meeresküste

lebt, muss in Zukunft mit gehäuft auftretenden

Überschwemmungen und Unwettern

rechnen. In Japan wären 10 Prozent der

Bevölkerung betroffen, in Vietnam 26 Prozent

und den Niederlanden sogar fast jeder

zweite Bewohner. Am schlimmsten träfe es

ohnehin Asien, allen voran China mit seiner

immensen Bevölkerungszahl und der Vielzahl

an Millionenstädten in Küstennähe. Die

„gute“ Nachricht: Ein solcher Anstieg des

Meeresspiegels verläuft sehr langsam (derzeit

3 bis 4 Millimeter pro Jahr) und passiert,

anders als in der Erzählung von Atlantis,

nicht von heute auf morgen. Es besteht

also die Möglichkeit, sich den verändernden

Umgebungsbedingungen anzupassen und

auf die Entwicklungen zu reagieren.

Die betroffenen Regionen und Städte haben

daher bereits zum jetzigen Zeitpunkt

grundlegende Vorkehrungen getroffen, um

die Bevölkerung, die Bauwerke, das Land,

die Infrastruktur oder das Trinkwasser zu

schützen. Aus technischer Sicht wurden

und werden Dämme, Wasserpumpen oder

Überlaufbecken gebaut. Die ökologischen

Maßnahmen umfassen die Renaturierung

von Land, Mangroven und Feuchtgebieten,

die bei Überflutungen und Hochwasser

ausgleichend wirken sollen. Eine weitere

Strategie liegt in smarten, städtebaulichen

Konzepten sowie einer baulichen Aufrüstung

der Gebäude, um deren Widerstandskraft

gegenüber auftretenden Naturkatastrophen

zu stärken. Vorreiter auf diesem

Gebiet: die Niederlanden. Ein 3.700 km

langes Netzwerk von Deichen, Dämmen

und Mauern schützt die Küstenlinie. Am

eindrucksvollsten präsentiert sich das

Maeslant-Sperrwerk. Mit seiner Höhe von

22 Metern schützt das Bollwerk die Stadt

Rotterdam, die zu 90% unter dem Meeresspiegel

liegt.

Auch in New Orleans investierten die Behörden

nach Hurricane Katrina im Jahr 2005

in das teuerste Hochwasserschutzsystem

weltweit: Neben einer Reihe von massiven

Dammbarrieren, verstärkten Dämmen

und Hochwasserwänden setzt man in der

US-amerikanischen Stadt allen voran auf

ein lebendiges Wassersystem aus Parks,

Feuchtgebieten und anderen Vorrichtungen,

um die Abhängigkeit von Pumpen und

Kanälen zu verringern.

u


architektur FACHMAGAZIN

78

Stadt & Utopie

Trotz all dieser Ansätze müssen die Planer

und Gestalter von morgen über innovative

und zukunftstaugliche Stadtkonzepte

nachdenken. Denn Fakt ist: Die Menschheit

wächst unaufhörlich weiter an, wohingegen

die verfügbaren Landflächen weiter

schrumpfen werden. Schon heute platzen

die Städte zunehmend aus allen Nähten und

Wohnraum wird zum knappen und teuren

Gut, da immer mehr Menschen die ländlichen

Regionen verlassen (müssen). Singapur

(auf Platz 3 der am dichtest besiedelten

Länder der Erde) reagiert auf den Klimawandel

und dem damit einhergehenden steigenden

Meeresspiegel mit einem Verzicht, neue

Bauflächen zu erschließen. Stattdessen

blickt man hier nach unten. In den nächsten

15 Jahren soll eine Art Untergrund-Stadt unter

dem jetzigen Siedlungsgebiet entstehen.

Doch vorerst sollen sich nicht die Bewohner

selbst unter Tage begeben, vielmehr werden

die unterirdisch platzierten Lager-, Versorgungs-,

Transport- und Industrieanlagen

Freiraum für neue Wohn- und Nutzflächen

über der Erde schaffen. Die Umsetzung

allerdings stellt die Planer vor ungeheure

technische Herausforderungen. Die ansässige

Bauaufsichtsbehörde entwickelt zu

diesem Zweck momentan mithilfe von Laserscanning

ein geologisches 3D-Modell,

um den unterirdischen Raum zu kartieren.

Auch die Steuerung der Luftqualität und die

Gewährleistung des Brandschutzes stellen

enorme Herausforderungen dar. Bis also irgendwann

auch Menschen unter der Erde

leben werden, wird wohl noch einige Zeit

verstreichen.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt das in

Hong Kong ansässige Unternehmen Oceanix.

Wenn das Wasser schon immer mehr

wird, warum die neu entstehenden Flächen

nicht als Siedlungsraum nutzen? Seit über

einem Jahrzehnt forscht Marc Collins Chen

bereits mit seinen Kollegen an einer Stadt

auf dem Wasser. Gemeinsam mit den Architekten

der Bjarke Ingels Group (BIG)

sowie dem Zentrum für Meerestechnik am

MIT (Massachusetts Institute of Technology)

wird im Moment an der Entwicklung

eines Konzeptes für eine Stadt mit 10.000

Einwohnern gefeilt. Jeweils 300 Menschen

finden auf einer der schwimmenden, modularen

Plattformen mit einer Fläche von rund

zwei Hektar Platz. Diese „Nachbarschaften“

sollen im Laufe der Zeit organisch wachsen,

sich verändern und adaptieren. Aneinander

gekoppelt werden die einzelnen Plattformen

dann zur Stadt. Ähnlich einer bereits

heute angewendeten Verankerungsmethode

für künstliche Riffe, werden die Plattformen

auf Stahlrahmen gesetzt, durch die

ein elektrischer Niederspannungsstrom

geleitet wird. Dadurch sammeln sich Ionen

auf der Stahloberfläche, die diese mit einer

felsartigen Substanz überziehen, die so fest

wie Beton ist.

Die einzelnen Nachbarschaftsmodule sollen

an Land kostengünstig vorfabriziert und

anschließend ringförmig um einen großen,

geschützten Hafen auf hoher See angeordnet

werden. Die innen liegenden Stadtteile

umfassen jeweils einen öffentlichen Platz

sowie Zentren für Religion, Bildung, Gesundheit,

Sport und Kultur. Dabei ist kein

Gebäude höher als sieben Stockwerke, um

dem Wind möglichst wenig Angriffsfläche

zu bieten. Im Sinne der Nachhaltigkeit

strebt man ein energieautarkes System an.

Zur Stromerzeugung werden erneuerbare

Energiequellen wie Wasser und Sonne genutzt.

Das gesamte Abwasser wird vor Ort

gesammelt, geklärt und wiederverwendet.

Urban farming wird zum sea farming: Die

Bewohner der schwimmenden Stadt können

auf dafür vorgesehenen Flächen ihr

eigenes Obst und Gemüse anbauen. Die

Fortbewegung auf der Insel erfolgt zu Fuß,

per Rad oder Boot. Die Umsetzung eines

Prototypen ist für die kommenden Jahre

fest eingeplant, nur der passende Standort

muss noch gefunden werden.

u


www.architektur-online.com

79

Versunkene Städte

Renderings: BIG Bjarne Ingels Group


architektur FACHMAGAZIN

80

Stadt & Utopie

In eine ähnliche Richtung geht das Ozean-Hochhaus

AEQUOREA von Vincent Callebaut Architectures.

Die Studie befasst sich mit einem, vor der Küste Brasiliens,

im Meer schwimmenden Hochhaus – teils

über, teils unter Wasser, 500 Meter breit, 1.000 Meter

tief und 250 Stockwerke hoch mit Platz für bis

zu 10.000 Wohneinheiten und öffentliche Einrichtungen.

Ein Viertel des Volumens ist für die Permakultur

und Agrarökologie vorgesehen. Der Entwurf ist von

der Meeresbiologie inspiriert: Die „Aequorea“ ist eine

biolumineszierende, Licht-emittierende Qualle mit

gegliederten, vernetzten Tentakeln, welche für die

Stabilität im Wasser sorgen und gleichzeitig Energie

produzieren. Äußerst innovativ ist auch das Baumaterial

des schwimmenden Giganten: Die einzelnen

Bauteile sollen mittels 3D-Druck aus „Algoplast” entstehen.

Das Material setzt sich aus Algen und dem

im Meer schwimmenden Plastikmüll zusammen. Die

Kosten für den Bau würden sich laut der Planer auf

€ 1.950/m 2 belaufen. Eine fantastische Zukunftsvision,

die vielleicht einmal Realität sein wird.

Abseits dieser zum Teil utopischen Zukunftsvisionen

haben sich die Menschen das Meer in Stücken

bereits erobert. Ob vorgeschichtliche Pfahlbauten,

künstlich aufgeschüttete Inseln oder Hotels und Restaurants

unter Wasser – die Zukunftsvisionen sind

stückweise schon heute Realität. Doch was im jetzigen

Stand eher temporär der Erholung und Freizeit

dient, muss in Zukunft Alltagstauglichkeit beweisen.

Dann wird es vermutlich weit mehr als nur ein Atlantis

geben. Im Gegensatz zum antiken Vorbild werden

unsere versunkenen Städte hoffentlich nach wie vor

leben und den Aufbruch in eine neue Zeit markieren.

(lp)

Renderings: Vincent Callebaut Architectures


www.architektur-online.com

81

Versunkene Städte


architektur FACHMAGAZIN

82

RETAIL architektur

Der Shop

vom Mars

Das Designstudio CLAP stammt eigentlich aus Valencia, Spanien, arbeitet aber

international. Eine seiner neuesten Realisationen ist HER in Hongkong und das

Konzept des Shops ist vom Planeten Mars inspiriert.

Fotos: Daniel Rueda

Der Kunde wollte einen Verkaufsraum, der den Wünschen

einer modernen Frau entsprechen sollte und

zwei ihrer Hauptbedürfnisse vereint: Mode und Genuss.

Das ist zwar vielleicht eine etwas grobe Simplifizierung

des weiblichen Geschlechts, für ein

Retail-Konzept aber durchaus erfolgversprechend.

Deshalb vereint HER den letzten Schrei der Mode

mit einem Café, in dem die Kundinnen sich bei einem

Drink während des Einkaufens erholen können. Der

Auftraggeber wünschte sich drei Aspekte als Hauptessenz

von HER: Weiblichkeit, Reinheit und Stärke.

Die Designer entwickelten den Shop als eine Landschaft

mit Erhebungen aus einem einzigen Material –

roten Cottofliesen. Die rote Farbe stellt eine Analogie

zum Mars dar. Die Eingangsfassade ist von zwei Bögen

markiert, einer führt direkt in das Geschäft, der

andere eher zum Café. Beide sind an ihrer Innenseite

mit gebürstetem Aluminium verkleidet, dieses technisch

wirkende Material bringt den „Spaceeffekt“.

Verstärkt wird der auch dadurch, dass sämtliche im

Shop gekaufte Waren vakuumverpackt und versiegelt

dem Kunden übergeben werden.


www.architektur-online.com

83

RETAIL architektur

Der Boden ist mit einem gitterförmigen Muster aus

Terracottafliesen belegt. Aus dieser Struktur wachsen

kleine geometrische Erhebungen heraus, als

rote Berge dienen sie zur Schaustellungen der Waren,

aber auch als Sitz- und Ruheflächen nach dem

Shoppen in der geschäftigen Szene Hongkongs. Kleine,

weiße Lotusblätter wachsen aus diesen Bergen

und erhöhen als Display die Wirkung der ausgestellten

Objekte. Die Stangen für die Kleiderbügel haben

ein wellenförmiges Muster, damit die Bügel in exakt

dem gleichen Abstand hängen können. Im Kontrast

zur roten Farbe der Fliesen sind alle Wände weiß mit

nur einigen, runden, metallenen Fensteröffnungen in

Orangetönen.

Der Innenraum teilt sich in zwei Zonen: Eine, in der

Schuhe, Sportkleidung und das Café angesiedelt sind

und die Boutique mit ihren großen Spiegeln in Bogenform,

in der Schmuck und Accessoires ausgestellt

werden. Der Shop ist ein Erfahrungsraum für fünf

Sinne. Er leitet die Kunden in eine neue Welt, die entdeckt

werden will: Hier werden Objekte aus dem Kontext

genommen, Augenblicke des täglichen Lebens

mit Umgebungen und Landschaften zu einer neuen

Wirklichkeit zusammengefügt: der Planet HER.


architektur FACHMAGAZIN

84

RETAIL architektur

Kolonialstil

und Moderne

In Indien gibt es immer wieder einen Wettstreit zwischen – dem Westen abgeschauten

– modernem Design und der eigenen Tradition. Das Architekturbüro von

Ravish Mehra Deepak Kalra aus New Delhi, Indien hat bei einer Ladeneinrichtung

einer Produktionsfirma von Süßigkeiten den (für Indien) perfekten Mix aus Tradition

und modernem Design geschaffen.

Fotos: Vibhor Yadav

Der Auftraggeber Ksheer Sagar stammt aus

Varanasi*) und wollte nicht auf eine gewisse Hommage

an seinen Herkunftsort verzichten. Also entwarfen

die Architekten den Shop als eine elegante

Mischung aus Luxus und dem Charme der alten Welt.

Eine Vielfalt von Materialien, Farben und Texturen

sind geschickt in ein bescheidenes, aber doch luxuriöses

Ambiente verwandelt worden. Eine von der

Stadt Varanasi inspirierte analoge Farbpalette und

der Gebrauch von natürlichen Materialien passt zu

den Produkten in den Displays und fügt auch einen

warmen, heimeligen Gesamtton hinzu.

Es ist die Zelebrierung vom ersehnten Spleen eines

internationalen Shops, gemischt mit der Üppigkeit

des indischen Kontextes und dem Geschmack der

Jugend des Landes. Es gibt im Inneren ein paarweise

angeordnetes glattes, schwebendes Display, umschlossen

von gefärbtem Glas und Messingstangen.

Das bildet – zusammen mit einem eigenen Fliesenbelag

am Boden – eine Passage der Entdeckungen und

auch das Herz des Shops. Darüber hängt als Reminiszenz

an das Alte eine schwere, raue Holzbalkendecke.


www.architektur-online.com

85

RETAIL architektur

Traditionelle Motive der Tempel sind neu interpretiert

in klaren geometrischen Mustern in der mondänen

Deckenverkleidung aus Metall zu finden – ein

nostalgischer Touch im modernen Kontext. Auch die

schon erwähnten Bodenfliesen in der Mitte sind eine

Ableitung aus traditionellen Mustern. Die Beleuchtungskörper

aus geschlagenem Messing und das

Messingdisplaysystem erinnern stark an die englische

Kolonialzeit Indiens, aber auch an traditionelle

Gefäße aus der Stadt Varanasi. Die Wände mit ihrem

offen liegenden Ziegelmauerwerk und die teilweise

holzverkleideten Stauräume erzeugen eine fast düstere

Stimmung, die jedoch von der roten Farbe – ein

Zitat der religiösen Tempel von Varanasi – wieder

aufgehellt wird. Weiß dient in der Farbpalette dazu,

einen Ausgleich zum eher dominanten Rot zu finden.


architektur FACHMAGAZIN

86

RETAIL architektur

Reduktion auf das

Wesentliche

Der Shop von Papier Tigre in Paris entspricht dem Zeitgeist: Reduktion, klare

Strukturen, einfacher ist mehr! Die zeitgemäße Schreibwaren- und Bürobedarfsfirma

hatte das Büro der Cent15 architecture mit der Renovierung des Lokals in

der Rue des Filles du Calvaire in Marais beauftragt. Entstanden sind ein Verkaufsraum,

ein Bereich für speziell individualisierte Produkte und ein Arbeitsraum im

hinteren Teil des Geschäftes. Ein anzustrebender Modulcharakter des Raumes

war für die Architekten die Grundlage für den Entwurf. Die Produkte sollten durch

einfache Materialien präsentiert und herausgehoben werden.

Fotos: Caudroy photography

So sind die Displaymodule mobil für eine leichte Verteilung

und Anpassung an zukünftige Bedürfnisse.

Alles kann leicht neu arrangiert werden. Der freie

Grundriss unterstützt die Zurschaustellung der in

ihm gezeigten Produkte und angepasst an die leichte

Neigung des Trottoirs erzeugt man so eine gewisse

Dynamik. Die Passanten können durch die nun vergrößerten

und beleuchteten Schaufenster sofort den

Inhalt des Shops erkennen und auch die Grenzen

zwischen innen und außen werden verwischt. Das

Betreten des Ladens wird so erleichtert.

Drei Bereiche befinden sich innerhalb des Grundrisses,

gleichzeitig unabhängig voneinander und doch

durch eine einzige räumliche Inszenierung verbunden.

Der erste Teil ist der Shop. Die Schreibwaren

sind auf sechs mobilen Displays aus mattiertem Stahl

in den Größen von 160 x 80 cm zur Schau gestellt.

Im unteren Teil der Displays befindet sich jeweils ein

verschließbarer Lagerraum. Im oberen Teil tragen

die Glasfächer die Ware. Die Kabeltrassen für die

Beleuchtung sind ein Meter tiefer als die Decke gehängt,

so können einzelne Gegenstände akzentuiert

beleuchtet und auch visuelle Effekte erzielt werden.


www.architektur-online.com

87

RETAIL architektur

Der zweite Teil ist eher intimer, geschützter. Hier kann

der Kunde seine eigenen Zusammenstellungen erledigen.

Ein Kassenpult aus französischer Pinie verdeutlicht

auch diesen Bereichswechsel und eine andere

Raumnutzung, begleitet wird er durch eine Substruktur

an der Decke aus gewellten, transluzenten Polyestertafeln,

einem Recyclingmaterial. Die Atmosphäre

ist hier beengter, die Materialien wärmer, das Licht

diffuser und gedämpfter. Durch dieses Spiel mit Licht

und Intensität schufen die Architekten eine Art Pufferzone

zum dritten und hintersten Bereich: der Papierwerkstatt.

Hier halten sich die Fachkräfte auf. Ein

großer Raumteil ist durch eine zentrale Lichtkuppel

im Hof dieses alten Pariser Hauses belichtet. Ein Vorhang

aus flexiblen Plastikstreifen trennt die Werkstatt

vom Laden und schafft gleichzeitig nicht nur optische

Verbindungen zum Savoir-Faire des Betriebes. Diese

Durchlässigkeit, die Öffnung des Shops zur Straße

und die transversale Lesbarkeit der Architektur machen

das Besondere dieses Projektes aus.

SEHNSUCHTSORT FÜR

ÄSTHETEN: WILLKOMMEN

AUF DER NR. 1

DIMENSION SHOP FITTING & STORE DESIGN AUF DER EUROSHOP 2020

EuroShop

THE WORLD’S NO. 1 RETAIL

TRADE FAIR 16 – 20 FEB

2020 DÜSSELDORF GERMANY

www.euroshop.de/tickets

Gesell GmbH & Co. KG

Sieveringer Straße 153 _ A-1190 WIEN

Tel.: (01) 3205037 _ Fax: (01) 3206344

office@gesell.com _ www.gesell.com


architektur FACHMAGAZIN

88

RETAIL architektur


www.architektur-online.com

89

Voyeurismus

in London

RETAIL architektur

Die Brillenläden der Kette Ace & Tate sind für ihre minimalistischen und oft sonderbaren

Verkaufsorte und Ladeneinrichtungen bekannt. In Soho, London starrt nun

ein Paar Neonaugen aus der Tiefe des Raumes auf den Betrachter am Schaufenster.

Fotos: Erik Undéhn

Die Kreativagentur Anyways bezieht sich bei diesem Design

auf die nicht ganz salonfähige Vergangenheit der

Gegend. Das zweigeschossige Geschäft befindet sich in

der Brewerstreet und ist eines der beiden Neueröffnungen

in diesem Jahr. Soho wird heute von einer Menge

Gastronomie und trendiger Boutiquen bevölkert, doch

während des 20. Jahrhunderts war es das Zentrum der

Sexshops und Nachtclubs. Die damalige Atmosphäre

der Gegend und ihre „Reputation für den Voyeurismus“

haben das Layout geformt und mitbestimmt.

Große Glastafeln an der Front ermutigen den Passanten

zum „peep in“ und zur Beobachtung der inneren

Räume. Das Paar der Neonaugen an der Rückwand

blinkt von Zeit zu Zeit. Die Agentur hat dann auch

den Granary Workshop - das ist die soziale Institution,

die vom Kollektiv Assemble (sie haben den Tur-

ner Prize gewonnen) gegründet wurde - mit ins Boot

geholt. Diese haben den Boden mit handgemachten

Fliesen in einem Marmormuster bedeckt. Das blaurot-gelbe

Farbschema entspricht den grell eingefärbten

Gehsteigen von Londons Carnaby Street

während der 1970er, denn der Laden ist nicht nur ein

Verkaufslokal, sondern auch Treffpunkt für Kunst

und Gespräche.

Eine rote Stiege führt in den Keller hinunter, hier befinden

sich die Räume für die optometrische Vermessung

der Augen von Kunden. Ebenso ein großes, weißes

Becken, in dem man seine Hände waschen und

Kontaktlinsen entfernen und wechseln kann. Hier ist

nur ein einfacher Betonboden und an den Wänden

befinden sich – neben Brillen – Fotos von den früheren

Werbekampagnen der Marke.


architektur FACHMAGAZIN

90

RETAIL architektur

© Studio Bachmannkern GmbH für Agrob Buchtal

Hauptaugenmerk von Agrob Buchtal auf der EuroShop 2020 in Düsseldorf ist die Produkt-Innovation DryTile. Der Slogan „As fast as your business“

bringt die Besonderheit des neuen Systems auf den Punkt: Geschwindigkeit. Denn diese keramischen Bodenfliesen sind bis zu achtmal schneller

verlegbar als mit herkömmlicher Methode.

Architekturkeramik

auf der EuroShop

„As fast as your buisness“ – Unter diesem Slogan wird Agrob Buchtal auf der

EuroShop 2020 hochwertige Architekturkeramik für den Ladenbau zeigen.

Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Produkt-Innovation DryTile: Keramische

Bodenfliesen, die nicht mehr fest verklebt werden und dadurch mit hoher Geschwindigkeit

verlegt werden können.

Nach einmaligem Aussetzen ist der Architekturkeramik-Spezialist

Agrob Buchtal

zurück auf der EuroShop. In Halle 12, Stand

E71 werden auf 60 Quadratmetern aktuelle

baukeramische Belagslösungen gezeigt.

Sie beweisen allesamt, dass Agrob Buchtal

nicht nur gestalterische Aspekte, sondern

auch die spätere Nutzung und deren spezifischen

Anforderungen im Blick hat. Für

Christoph Schulze, Leiter Marketing/Brand

Management, war es deshalb auch keine

Frage, wieder auf der EuroShop auszustellen:

„Ladenbau in den Anwendungsfeldern

Mode, Food oder auch Möbel sind für uns

als Komplettanbieter keramischer Beläge

ein sehr interessantes Geschäftsfeld. Die

EuroShop ist die perfekte Messe, um unsere

vielfältigen Kompetenzen zu präsentieren.

An erster Stelle steht hier sicherlich

das trocken verlegbare System DryTile,

dicht gefolgt von Kollektionen in dekorativen

Designs sowie den zahlreichen Möglichkeiten,

keramische Fliesen gemäß der

Corporate Identity des Unternehmens zu

individualisieren.“

DryTile ist eine System-Konstruktion aus

Korkrücken und Spezialfugmasse, die es ermöglicht,

keramische Bodenfliesen trocken,

sprich ohne Kleber, zu verlegen. Das neue

System von Agrob Buchtal kommt überall

dort zum Einsatz, wo die zahlreichen gestalterischen

und funktionalen Vorzüge

von Fliesen gefragt sind, gleichzeitig aber

hoher Zeitdruck herrscht. Wie beispielsweise

im Ladenbau, wo Bodenflächen schnell

realisiert oder auch in gewissen Abständen

ausgetauscht werden. DryTile benötigt einen

tragfähigen und äußerst ebenen Untergrund

(Stichmaß: 2 Millimeter auf einer

Länge von 2 Metern), ist dann aber bis zu

achtmal schneller verlegbar als mit herkömmlicher

Methode.

Messestand in Halle 12/E71

Der Messestand selbst weckt Assoziationen

zu einem Sportartikelgeschäft: Laufschuhe

dienen als Dekoration und plastisch wirkende

Fliesen erzeugen an den Wänden eine

imposante Dynamik. Auf diese Weise wird

das Thema Geschwindigkeit (as fast as your

business) eindrucksvoll visuell umgesetzt. Erklärende

Grafiken und Filme, die die schnelle

Verlegung zeigen, runden die Präsentation ab.

Auf befliesten Tafeln, die wie „T-Shirts“ auf

Kleiderständern hängen, können die Besucher

auch haptisch weitere Serien des Keramikfliesen-Herstellers

kennenlernen. Darunter

eine Neuheit für den Bereich Ladenbau:

Die Serie Karl, eine faszinierende Mosaikkollektion,

die ursprüngliche Glasuren mit

handwerklicher Anmutung verbindet und so

für effektvolle Inszenierungen sorgt.

AGROB BUCHTAL

Ansprechpartner in Österreich siehe

www.agrob-buchtal.de (Rubrik Kontakte)


www.architektur-online.com

| BA12-15G |

Der erste Controller,

der in jedem Raum

willkommen ist

Integrale Gebäudeautomationslösungen:

z. B. mit dem BC9191

Sind High-Tech-Erlebnisse

die Zukunft des Handels?

Im Einzelhandel verändert die Technik rasant die Art und Weise,

wie Verbraucher mit Marken interagieren und umgehen.

Auf der EuroShop 2020, vom 16. bis 20. Februar in Düsseldorf,

zeigen die 550 internationalen Aussteller der Erlebnisdimension

„Retail Technology“ dies eindrucksvoll.

Ein Beispiel dafür ist Hugo Boss, wo über die letzten Jahre

mit intelligenten Spiegeln experimentiert wurde. Früher Requisiten

in Science-Fiction-Filmen werden immer häufiger im

stationären Einzelhandel eingesetzt, um mit dem Kunden in

Kontakt zu treten und letztendlich den Umsatz zu steigern.

Der spanische Mode-Einzelhändler Zara wieder hat Selbstbedienungskassen

im Geschäft eingeführt sowie interaktive

Spiegel, die mit RFID ausgestattet sind und bei Nike werden

lokale Daten im House of Innovation 000 in New York genutzt,

um die Regale zu bestücken und sie den Bedürfnissen

der Kundschaft entsprechend wieder aufzufüllen. Bei den

Future X Smart Stores der Hautpflegemarke SK-II in Tokio,

Shanghai und Singapur können Besucher die Hautberatung

von Morgen mit dem „Magic Scan“ erleben, während sie drei

Minuten lang vor einem Spiegel sitzen – eine Künstliche Intelligenz

analysiert die Haut und macht denn personalisierte

Produktempfehlungen.

Auf der EuroShop 2020 können die Besucher die neuesten

Trends, Ideen und Innovationen in der Retail-Technologie sehen,

von Augmented Reality und künstlicher Intelligenz über

Mobile Payment bis hin zu Cloud-basierten Diensten.

www.euroshop.de

www.beckhoff.at/building

Der Raum-Controller BC9191 bündelt die Standardfunktionalitäten

zur Einzelraumsteuerung in einer kompakten Bauform.

Zentrale Informationen werden per Ethernet mit der übergeordneten

PC-Ebene ausgetauscht. Damit ist der BC9191

ein exzellentes Beispiel für die integrale Gebäudeautomation

von Beckhoff auf der Grundlage der offenen, PC-basierten

Steuerungstechnik: Alle Gewerke werden von einer einheitlichen

Hard- und Softwareplattform gesteuert, bestehend aus

skalierbaren Steuerungen, passgenauen I/O-Lösungen und der

Automatisierungssoftware TwinCAT. Durch die optimale Abstimmung

aller Gewerke werden die Energieeinsparpotenziale über

die Energieeffizienzklassen hinaus voll ausgeschöpft. Für alle

Gewerke stehen vordefinierte Softwarebausteine zur Verfügung,

die das Engineering enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen

oder -änderungen sind jederzeit möglich. Die Systemintegration

erfolgt über die gängigen Kommunikationsstandards

Ethernet, BACnet/IP, OPC UA oder Modbus TCP.

Die ganzheitliche Automatisierungslösung

von Beckhoff:

Flexible

Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


architektur FACHMAGAZIN

92

Licht

Holler-Stiftung am Promenadeplatz, München

Licht im

öffentlichen Raum

Farbe, Steuerung, Bewegung, Interaktion: Neue Technologien ermöglichen vielfältigere

und dynamischere Lichtkonzepte als zuvor. Beleuchtung steht allerdings immer in

Beziehung mit der gesellschaftlichen Bedeutung eines Platzes oder eines Gebäudes.

Sie erfordert daher eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Kontext. Nicht was

machbar, sondern was angemessen ist, sollte die Leitfrage der Lichtplanung sein. An

vier Projekten in Deutschland soll im Folgenden gezeigt werden, wie unterschiedlich

die Antworten auf die Frage nach passgenauer und qualitätvoller Beleuchtung sein

können. Die Lichtplaner Kardorff Ingenieure Lichtplanung folgten dabei ihrer Haltung:

Erst begreifen, dann beleuchten.

Text: Kardorff Ingenieure Fotos: Linus Lintner

Holler-Stiftung am

Promenadeplatz, München

Die platzrahmenden Gebäude europäischer

Plätze spielen eine große Rolle in der Wahrnehmung

der städtischen Situation bei Tag.

In der Nacht gilt es, diese Rolle zu bestärken

und herauszuarbeiten. Eine materialgerechte

Inszenierung der Gebäude sorgt dafür,

dass das Tagbild in die Nacht übertragen

und atmosphärisch verdichtet wird. Wenn

die Platzrandbebauung angemessen und repräsentativ

angestrahlt wird, kann eine neue

Identität des Platzes am Abend entstehen.

Für die Fassadenanstrahlung für die Holler-Stiftung

am Promenadeplatz in München

wurden eine warm-weiße Lichtfarbe

und eine stetige Anstrahlung gewählt, um

den Sandsteincharakter des Gebäudes zu

betonen und eine gleichbleibende Repräsentation

zu gewährleisten. Streiflicht im

oberen Bereich der Fassade arbeitet die

Details des historistischen Entwurfs heraus.

Das Licht greift um die Gebäudeecke und

reagiert auf die Architektur: Dort wo das

Gebäude weniger architektonisch durchgearbeitet

ist, ist auch das Licht weniger

intensiv. Im bodennahen Bereich wurden

individuelle Objektleuchten entworfen, die

für eine Betonung der Fenster und des Eingangs

aus allen Richtungen sorgen.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin

Die Kirche im Zentrum West gehört zu den

touristisch bedeutsamen, viel fotografierten

Objekten in Berlin und besitzt weltweite

Bekanntheit. Die ursprüngliche Gedächtniskirche

zu Ehren Kaiser Wilhelms des I. war

nach der partiellen Kriegszerstörung durch

einen Neubau von Egon Eiermann ergänzt


www.architektur-online.com

93

Licht

Mercedes Platz, Berlin

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin

Cinedom, Köln

worden. Die blau leuchtende Glasbausteinfassade

des Nachkriegsbaus prägt bis heute

den Platz. Bei der Beleuchtung historischer

Denkmale und Gebäudedenkmäler

liegt es nahe, eine statische Anstrahlung zu

wählen, um ein gleichbleibendes Nachtbild

für alle Besucher zu gewährleisten und den

Respekt gegenüber der Geschichte des Gebäudes

auszudrücken.

Die neue Beleuchtung des übrig gebliebenen

neoromanischen Turms in warm-weißer

Lichtfarbe kontrastiert mit dem Nachkriegsbau.

Sie schafft ein harmonisches

Ensemble mit verlässlich gleichbleibender

Inszenierung. Mit präziser Anstrahlung

durch LED-Technik wird das Gebäude

stimmungsvoll in Szene gesetzt, wobei

die Beleuchtungsintensität nach oben hin

abnimmt. Vor der Planung wurden eine

detaillierte Analyse des Baukörpers und

ein digitales 3D-Model mittels einer Drohne

angefertigt. So konnten die Vor- und

Rücksprünge des Gebäudes angemessen

berücksichtigt und ein präzises Lichtkonzept

erarbeitet werden.

Mercedes Platz, Berlin

Der Mercedes Platz in Berlin positioniert

sich als vielfältiger Veranstaltungsplatz mit

einer innovativen Verzahnung von digitaler

und analoger Welt. Der gesamte Platz

vor der Mercedes Benz Arena wurde neu

entworfen und wird von platzrahmenden

Gebäuden umfasst. Dynamische Medieninhalte

werden koordiniert an Fassaden und

auf vertikalen Screens auf dem Platz präsentiert.

Der digitale Content auf den hochauflösenden

Bildschirmen ist deutschlandweit

einmalig in dieser Art zu erleben. Die

immer wieder wechselnde Anmutung der

nächtlichen Situation ist Konzept und wird

gesteigert durch Events, die auf dem Platz

stattfinden. Der Platz lässt sich mit wenigen

Handgriffen in eine Eventlocation verwandeln

– hierzu wurden Veranstaltungsstrahler,

Akzentbeleuchtung, Wasser- und

Elektrozugänge und sonstige technische

Einrichtungen in eigens dafür entworfene

Mediastelen integriert. Die gesamte Abstimmung

der Licht- und Werbeelemente

an Fassaden, die Platzbeleuchtung, die

Beleuchtung von Gebäudefoyers sowie

Entwurf und Koordination der Mediastelen

erfolgte durch die Lichtplaner. Flexibilität,

Dynamik und Koordination waren die relevanten

Themen in dem umfangreichen Planungsprojekt.

Moderne Lichtsteuerungsmethoden,

Farbe und Bewegung werden

gezielt zur Effektsteigerung eingesetzt.

Cinedom, Köln

Wie Beleuchtung im Inneren von Gebäuden

nach außen wirkt, lässt sich am Cinedom in

Köln gut ablesen. Das platzprägende Gebäude

im Mediapark Köln erhielt im Zuge der

Renovierung eine neue Beleuchtung, die mit

verschiedenen Mitteln arbeitet, um für Besucher

bereits von außen attraktiv zu wirken.

LED-Strahler mit gleichbleibend warm-weißem

Licht akzentuieren die Holzlamellen

und goldfarbenen Oberflächen im Veranstaltungshaus.

Eine farbige Lichtinstallation

durch hochwertige Veranstaltungsstrahler

(Moving Lights) inszeniert ein bewegtes

Lichtspiel in der nach außen weithin sichtbaren

Kuppel. Das Motiv wird an der großen

Wand im Inneren des Gebäudes fortgeführt.

Gesättigte Farbtöne kontrastieren mit den

warmen Weißlichttönen. Der Charakter des

Veranstaltungshauses erlaubt eine bewegte

Lichtinstallation. Die Gesamtkomposition ist

abwechslungsreich und doch zurückhaltend

in Farbe, Änderungsfrequenz und Lichtstärke.

Sie kreiert ein attraktives Raumerlebnis

und wirkt bereichernd auf den Platz.

Angemessenheit von Beleuchtung

Die vier Projektbeispiele zeigen, dass an

Licht im öffentlichen Raum verschiedene

Anforderungen gestellt werden. Städtische

Plätze unterscheiden sich in ihrer Konzeption

und Historie. Solitäre stehen in individueller

Beziehung zu ihrem Umfeld. Grundlage

für gute Lichtplanung ist es, diese Charakteristiken

vor Planungsbeginn intensiv zu

analysieren. Aus gesellschaftlicher Sicht

ist eine Hierarchisierung von Gebäuden

und die Ablesbarkeit ihrer Funktionen auch

bei Nacht sinnvoll. Digitale Medieninhalte,

dynamische farbige Akzente und immer

bessere technologische Möglichkeiten erweitern

das Spektrum, in dem Lichtplanung

sich an geeigneter Stelle bewegen kann.

Eine sorgsame Abwägung von Lichterlebnis

und Lichtemissionen für die Betrachter

gehört zur professionellen Planung und

hilft dabei, neue Objekte im Kontext der

Umgebung zu verankern.


architektur FACHMAGAZIN

94

Produkt News

Fotos: Christoph Kerschbaum

„Durch die Nähe zu unseren Kunden in Wien und Umgebung bieten wir Ihnen ein echtes Plus an Service“, erklärt

Österreich-Vertriebsleiter Ing. Dietmar Zojer, hier sein Team direkt unter dem neuen HYPRO-Profil.

Neues Quartier in Wien

Der internationale Leuchtenhersteller PROLICHT baut seine Österreich-Präsenz

weiter aus. Mitten in Wien – nur fünf Gehminuten entfernt vom Parlament – haben

die Tiroler Lichtprofis ein neues Quartier bezogen. Das sechsköpfige Team besteht

auch hier aus erfahrenen Experten, die Kunden in Wien und Umgebung auch

vor Ort in der Planung und im Projektmanagement unterstützen.

Bereits heute setzen viele der weltweit angesehensten

Mode- und Automarken bei

der Ausstattung ihrer Retail-Stores auf

PROLICHT. Auch namhafte Tech-Konzerne

aus dem Silicon Valley, setzen bei der Ausstattung

ihrer Büros und Co-Workingspaces

verstärkt auf die in Tirol maßgefertigter

Beleuchtung.

Ein eigenes Bild von den neusten Office-Leuchten

können sich Interessenten

nun auch auf Termin bei PROLICHT Wien

machen: Die neuen Büroräumlichkeiten

des Leuchtenherstellers fungieren nämlich

gleichzeitig auch als Showroom, in dem einige

der beliebten PROLICHT Produkte Anwendung

finden.

Hier werden neben den innovativen Leuchten-Konzepten

SNOOKER und SIGN DIVA

auch das neueste Leuchten-System HYPRO

präsentiert. Das individuell konfigurierbare

System überzeugt durch seine große Flexibilität

und ist bestens für Büroarbeitsplätze

geeignet.

Das HYPRO-Profil ist als Einbau-, Anbausowie

als Pendelvariante erhältlich und

kann durch verschiedenste Steckverbinder

beliebig durch den Raum geführt werden.

Auf Wänden und Decken, auch über Ecksituationen

hinweg, zeichnet das einzigartige

Profil dreidimensionale Lichtlinien und bietet

somit größtmögliche Kreativität in der

Gestaltung von Raumatmosphäre.

Das breite Sortiment an Einsätzen umfasst

bewährte Spotlight-, Downlight-, LED-Lineund

Wallwasher-Module und ermöglicht

eine individuelle und optimal an die Raumsituation

angepasste Beleuchtung. In der

Pendelvariante HYPRO-X ist das System

optional mit einer unabhängig steuerbaren,

indirekten Deckenbeleuchtung verfügbar.

Ein besonderes Highlight stellt die innovative

Rico LED LINE dar: Die integrierte

Mikroreflektortechnologie erzielt höchste

Effizienz mit einzigartiger Blendfreiheit.

Herausragende UGR-Werte bieten optimalen

Sehkomfort und eignen sich perfekt für

jeden Büroarbeitsplatz.

PROLICHT WIEN

T +43 (0)676 618 14 00

T +43 (0)1 366 34 99

info@prolicht.at

www.prolicht.at


www.architektur-online.com

95

Produkt News

Vorsprung durch (Licht-)Technik

Nach außen ist das 2018 eröffnete Madrider Audi Zentrum geprägt von der

„Corporate Architecture“, die die Münchner Architekten Allmann Sattler Wappner

2006 für den Konzern entwickelten. Dazu gehören große Fensterflächen mit

asymmetrischen Formen sowie dynamische Kurvenräume im Inneren.

Auf 11.000 m 2 bietet der Ingolstädter Autobauer

hier neben den klassischen Themen

Autokauf, Reparatur und Service auch neue

zeitgemäße Markenerlebnisse wie etwa

durch Augmented Reality. Um das vorgegebene

Design bestmöglich zu unterstützen,

entschied sich der Autobauer auf eigens

entwickelte und gefertigte Lichtlösungen

von SITECO zu setzen.

In den gebogenen Wänden im Showroom

sind LED-Deckenfluter integriert, die via

Reflexion an der Decke für die Grundbeleuchtung

sorgen. Ihr diffuser Indirektanteil

macht die Formen der Fahrzeuge besonders

gut erkennbar. Ähnlich verhält es

sich mit den in der Decke eingelassenen

„Lichtfenstern“ im Bereich der Fahrzeugübergabe.

Jedes Auto wird unter einem

dieser Deckenfelder präsentiert, um Farbe

und Form bestmöglich zur Geltung zu bringen.

Ergänzt werden beide Lösungen durch

akzentuierende Richtstrahler und Spots für

die Betonung von Details.

Dort wo sich Verkaufsmitarbeiter und Kunden

bewegen, spielen Punktlichtquellen

eine große Rolle. Zum Einsatz kommen

hier Downlights, Wallwasher und Strahler

aus der Lunis® Familie, LEDVALUX® Downlights

sowie der Stromschienenstrahler

VISTOSA®. Im Bereich der Schreibtischarbeitsplätze

von Mitarbeitern wurde die

Büroleuchte Novaluna® LED eingesetzt, die

dank ihrer mikroprismatischen Abdeckung

gleichmäßiges, entblendetes Licht erzeugt.

Im Servicebereich mit Direktannahme und

Werkstatt wurde das Lichtbandsystem

Modario® in der Ausführung PS installiert.

Der kleine Indirektanteil zur Deckenaufhellung

schafft eine helle, freundliche Arbeitsatmosphäre.

Die prismatisch-satinierte Abdeckung

sorgt für hohe Gleichmäßigkeit und

gute Entblendung – die ideale Basis für präzise

Reparaturen und Arbeiten an glänzenden

Oberflächen wie Autolack. Ergänzt wird

das Lichtband um langlebige AQUALINE®

Feuchtraumleuchten. Im Außenbereich, auf

Parkflächen und an den Zufahrten sorgen

Floodlight 20 mini Fluter für Verkehrssicherheit

und Orientierung in den Abendstunden.

Siteco Österreich GmbH

T +43 (0)1 25024-0

info@siteco.at

www.siteco.at


architektur FACHMAGAZIN

96

Produkt News

NICOLE ZIMMERMANN © TWO_SPACE, CLAUDIA DE BRUYN

Lichtstimmungen

für Live-Kommunikation

Dort, wo in Düsseldorf früher der Güterbahnhof angesiedelt war, ist ein junges

Stadtviertel in hoher architektonischer Qualität entstanden: Le Quartier Central.

In exponierter Lage zieht das siebengeschossige Bürogebäude mit dem Namen

„La Tête“ (französisch für Kopf) die Blicke auf sich – durch seine Fassade, die an

einen Barcode erinnert.

Die offenen, lichtdurchfluteten Räume beherbergen

seit Anfang 2018 die Handelsblatt Media Group

mit aktuell 1.000 Mitarbeitern. Neben traditionellen

Print-Produkten und digitalen Medien bietet das

Unternehmen auch Live-Journalismus in Form von

hochkarätigen Veranstaltungen. Solche Events finden

auch mehrmals pro Woche in der Town Hall der

neuen Düsseldorfer Zentrale statt. Die passende

farblich veränderbare Lichtatmosphäre liefern vor

allem Produkte von Regent Lighting.

Die Grundbeleuchtung erfolgt hauptsächlich durch

Downlights, die sich dezent in die Deckenstruktur

integrieren. Breitstrahlende Anbauleuchten Rea LED

(4.000 Kelvin) in einem zeitlosen, klaren Design garantieren

ausgezeichnete Lichtqualität, hohe Energieeffizienz

und lange Lebensdauer. Einbau-Kardanstrahler

Carda LED Competence zaubern – ebenfalls

in Neutralweiss – Lichtspiele auf die Wand. Das Poco

System PAL+ ermöglicht auf Basis von echt-weiss

LED eine Veränderung der Farbtemperatur von

2.500 bis 6.500 Kelvin. Die Farbwiedergabe sowie die

Farbtemperatur bleiben mit PAL+ im Dimmbereich

von 20 bis 100% konstant. Zusätzlichen RGB-LED in

den Leuchten ermöglichen farbige Lichteffekte. Die

Steuerung der Farbatmosphäre – beispielsweise eine

rote Lichtstimmung passend zur Corporate-Farbe

Rot bei einem Event der Wirtschaftswoche – erfolgt

einfach per iPad.

NICOLE ZIMMERMANN © TWO_SPACE, CLAUDIA DE BRUYN


www.architektur-online.com

97

Produkt News

In den Fluren der Büroetagen, die auch für Besprechungszonen

genutzt werden, kommen Einbau-Downlights

Medra LED (4.000 Kelvin) mit einer

geringen Einbautiefe von nur 60 mm zum Einsatz.

Die absolut homogene Ausleuchtung der Diffusoren

sorgt für eine optimale Entblendung und ein gleichmäßiges

Erscheinungsbild. Der runde Meetingpoint

wird von einer Lichtdecke überspannt – eine Sonderanfertigung

von Regent Lighting in Zusammenarbeit

mit Rentex Lichtdecken.

Regent Licht GmbH

T +43 (0)1 879 12-10

info@regent-licht.at

www.regent.ch

Das revolutionäre

Schlafsystem

mit spezieller

Ausgleichstechnik

für höchsten

Schlafkomfort

garger.at

KÖRPER & SEELE IN BALANCE

www.wellinno.at


architektur FACHMAGAZIN

98

Produkt News

Ladestationen für

die Elektromobilität

Die Verkaufszahlen für Elektrofahrzeuge steigen und somit wollen immer mehr

Autofahrer ihr Fahrzeug laden. Und zwar genau dort, wo sie ihr Fahrzeug abstellen:

Nicht nur zu Hause, sondern auch auf Firmen- und Kundenparkplätzen, in den

Tiefgaragen von Hotels oder Shoppingmalls. MENNEKES gilt als Pionier der Elektromobilität

und entwickelt seit über zehn Jahren marktgerechte und besonders

langlebige und skalierbare Lade-Lösungen „Made in Germany“.

Mit der neuen AMEDIO Professional+ bietet das Unternehmen

eine Ladesäule, die alle wichtigen technischen

Neuerungen in sich vereint, um Betreiber von

Ladesystemen aus Industrie und Gewerbe das perfekte

Ladesystem für das Geschäft rund um Ladestrom

zu ermöglichen. Mit der neu entwickelten Ladesäule

erhalten Gebäudeplaner, Vermieter, Hoteliers und

generell Unternehmen und Gewerbetreibende die

Option, ihren Kunden und Mitarbeitern genau diesen

Ladeservice an Ort und Stelle zur Verfügung zu stellen

und den Ladestrom mit ihnen abzurechnen. Dabei

kommt neueste Elektronik zum Einsatz, die Zukunftssicherheit

und Kosten-Nutzen-Effizienz mit sinnvollen

Features verbindet, zum Beispiel im Hinblick auf

„Plug & Charge“ Funktionalität (PnC), ein modernes

Lastmanagement oder eine einfache Montage.

Als ideale Ladelösung für zu Hause ist AMTRON®

Compact konzipiert: Ob in der Garage, unter dem

Carport oder am angemieteten Stellplatz – zum privaten

Laden eines Elektroautos gehört immer auch

ein sicherer Ladepunkt. Die kompakte Bauform

macht die Wallbox selbst für enge Garagensituationen

zum idealen Ladepunkt. Das fest angeschlossene

und fünf Meter lange Kabel mit Typ2-Stecker

bietet nicht nur Handlingvorteile, sondern sorgt auch

dafür, dass nahezu alle neuen in Europa verfügbaren

Elektrofahrzeuge geladen werden können – einfach

einstecken und laden. Eine Autorisierung ist nicht

erforderlich. Um dem breiten Spektrum an Fahrzeugen

und Stromnetzen gerecht zu werden, kann AM-

TRON® Compact Ladeleistungen von 3,7 kW (einphasig)

bis zu 11 kW (dreiphasig) bedienen. Sämtliche

Statusinformationen sind jederzeit leicht ablesbar.

Siblik Elektrik GmbH & Co. KG

T +43 (0)1 68 006-0

info@siblik.com

www.siblik.com


www.architektur-online.com

Licht für das

Theatermuseum

Mit einer neuen Lichtlösung setzt Zumtobel die historischen

Kunstschätze des Theatermuseums der

Mailänder Scala „Museo Teatrale alla Scala“ neu in

Szene. Die Beleuchtung der Ausstellungsräume mit

den LED-Miniaturstrahlern SUPERSYSTEM II unterstreicht

die Sammlung wertvoller Theatergegenstände

mit einer ausgefeilten Lichtkomposition und

betont damit den herausragenden Stellenwert des

Museums. Das Theatermuseum zeigt die Geschichte

des berühmten Musiktheaters, der Scala Milano,

zahlreiche Zeugnisse der Operngeschichte und nicht

zuletzt eine bedeutende Sammlung aus dem Schaffen

Verdis. Mit gezielter Akzentbeleuchtung wurde

eine Lichtlösung geschaffen, die ein spannungsreiches

Lichtspiel und eine optimale Ausleuchtung der

ausgestellten Exponate gewährleistet.

Zumtobel Lighting GmbH

T +43 (0)5572 390-0

info@zumtobel.info

www.zumtobel.com

99

Produkt News

Fotos: Brescia-Amisano | Archivio Teatro alla Scala

Wärmelösungen für die Außengastronomie

Mit den modernen TANSUN-Infrarot-Heizstrahlern

von LIPOWEC lassen sich Terrassen

kostengünstig, punktgenau und effektiv

das ganze Jahr erwärmen. Auf Knopfdruck

entsteht so sofort angenehme Wärme, die

auch bei Wind nicht verweht wird. Speziell

für Raucherzonen werden Heizstrahler

kombiniert mit Zeitschaltuhren und bei

Bedarf auch mit Werbeflächen angeboten.

Die sogenannten TANSUN Smokingpoints

stellen eine wertvolle Erweiterung des Service-Angebots

dar. Aufgrund der erwärmten

Raucherplätze können Gäste im Freien

ihren Raucherbedürfnissen nicht nur in einer

angenehmeren Atmosphäre nachkommen,

sondern während diesem Aufenthalt

auch individuell mit sämtlichen Angeboten,

Hinweisen oder Werbebotschaften versorgt

werden.

Alle Heizstrahler sind zu 100 % wetterfest,

TÜV geprüft und für den professionellen Betrieb

in der Gastronomie geeignet. Sie können

daher gefahrlos unter Markisen, Schirmen

oder im Freien betrieben werden.

LIPOWEC Handels GmbH

T +43 (0)316 682659

info@lipowc.at

www.lipowec.at


architektur FACHMAGAZIN

100

Produkt News

Stuhl aus recyceltem Plastik

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Plastik ein Problem für unsere Umwelt

darstellt. Dennoch werden jährlich weltweit zig Millionen Tonnen davon produziert.

Dieses künstlich hergestellte Material ist günstig und langlebig – und genau aus

letzterem Grund eigentlich nicht für den Massengebrauch geeignet. Denn es dauert

mehrere Jahrzehnte, bis sich Plastik zersetzt.

Dennoch begleiten uns diese Stoffe den ganzen Tag:

von Kosmetikprodukten über Lebensmittelverpackungen

und Getränkeflaschen bis zu Schuhsohlen

und Mobiltelefonen. Fakt ist, wir sind mit Plastik eingedeckt

und oftmals fehlen noch die Alternativen dazu.

„Wenn Plastik doch so beständig ist, warum dann

nicht etwas daraus machen, woran wir lange Freude

haben?“ Das haben sich die Einrichtungsmarke HOUE

und zwei Recyclingfirmen aus Dänemark wohl auch

gedacht und den weltweit ersten Stuhl aus Haushaltsplastikmüll

entwickelt. Recycelte Kunststoffabfälle

werden gesammelt und in die Form einer Sitzschale

gegossen. Daraus entsteht FALK, ein Armlehnstuhl

aus Plastikmüll. Der preisgekrönte Designer Thomas

Pedersen schuf damit nicht nur einen Beitrag zum

Umweltschutz, dieser Stuhl hat Persönlichkeit und

eine Silhouette, die fast zu schweben scheint.

Ein Stuhl mit Charakter

Der flexible Rücken des Modells passt sich hervorragend

dem Körper an und verbindet Sitzkomfort mit

einer weichen, einladenden Form. Das Vierfußgestell

ist in Holz oder mit pulverbeschichteten Metallbeinen

erhältlich. Wer es minimalistischer mag, kann

sich für die Variante mit Mittelsäulenbein entscheiden.

Das Sitzpolster gibt es in vier aufregenden Farben.

Falk eignet sich nicht nur für zuhause, sondern

auch für das Wartezimmer oder im Büro.

Der Objekteinrichter Selmer GmbH hat das Modell

in sein Sortiment aufgenommen und geht damit den

ersten Schritt in eine umweltbewusste Richtung. Mit

dem Armlehnenstuhl FALK bietet das Unternehmen

einen universell einsetzbaren Stuhl für Restaurants,

Konferenzräume, Cafeterien und Büros. Einzigartiges

Design, Komfort, Qualität und ein Beitrag zum Umweltschutz

vereint im Armlehnstuhl FALK.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


www.architektur-online.com

101

Produkt News

Metall-Akustikdecken für ein

angenehmes Arbeitsumfeld

Für die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) entstehen nach einem

Konzept des Architekturbüros Ortner & Ortner Baukunst bis zum Jahr 2023

sieben Bürogebäude mit rund 4.000 Arbeitsplätzen.

Ganz anders als die typischen Verwaltungsbauten

der Finanz- und Versicherungsbranche orientiert

sich der Entwurf der Architekten dafür am Stil eines

universitären Campus mit Wohnbau-Charakter und

multifunktionalen und atmosphärischen Räumen.

Zwei der Neubauten für rund 1.200 Arbeitsplätze

wurden bereits planmäßig bezogen. Neben den offenen

Büroflächen bietet dieser 1. Bauabschnitt des

Campus mehrere Seminar- und Tagungsräume, ein

Bistro, ein Rechenzentrum und zwei Parkhäuser mit

880 Pkw- und 90 Fahrrad-Stellplätzen.

Unerlässlich bei derartigen Projekten ist die Planung

der Raumakustik, um in den offenen Arbeitswelten

ein angenehmes Arbeitsumfeld zu gewährleisten.

Für die akustische Deckenausstattung von fünf Unterrichtsräumen,

einem IT-Schulungsraum, zwei Tagungsräumen,

dem Leitstand des Rechenzentrums

sowie zwei Besprechungsräumen waren die Spezialisten

vom Odenwald Faserplattenwerk (OWA) von

Anfang an in die Planung integriert.

Besondere Herausforderungen bei der Umsetzung der

Akustikdecken waren die Verlegung ohne Wandanschluss,

die Kombination von verschiedenen Plattenformaten

im Verband sowie die Integration von vorgegebenen

Einbauten wie Linear-Leuchten, Downlights,

Kühlbalken und Beamer-Liften. Zum Einsatz kamen

sowohl gelochte als auch ungelochte Platten. Die perforierte

Variante mit eingeklebtem Akustikvlies weist

einen Lochdurchmesser von 1,5 mm und einen freien

Querschnitt von 11% auf. Sämtliche Platten sind herausnehmbar

und bestehen aus verzinktem Stahlblech

mit einer sichtseitigen Pulverbeschichtung. So trägt

das Deckensystem der neuen Bürowelt maßgeblich

zum Ziel der Unternehmensgruppe bei, seinen Mitarbeitern

und Mitarbeiterinnen zukunftsorientierte und

moderne Arbeitsplätze zu bieten.

Odenwald Faserplattenwerk GmbH

T +49 (0)93 73 201-0

info@owa.de

www.owa-ceilings.com


architektur FACHMAGAZIN

102

Produkt News

Grenzenlos,

frei und kreativ

Individualität und der Ausdruck der eigenen

Persönlichkeit nehmen einen immer größeren

Stellenwert in unserer Gesellschaft ein. Das

gilt auch für die Gestaltung von Räumlichkeiten.

Insbesondere bei der Planung öffentlicher,

großer Räume – Lobbys, Wartebereiche, in der

Hotellerie und der Gastronomie, aber auch in

privaten Bereichen – fehlt es häufig an neuen

Inspirationen. Trends werden aufgegriffen und

die Räumlichkeiten damit austauschbar.

Im Spiel mit Designs, Größen, Formen und Farben

können Planer, Architekten und Objekteinrichter nun

mit FORUM von OBJECT CARPET ihrer Fantasie freien

Lauf lassen und mit maßgeschneiderten Visionen

aus der Masse herausstechen. FORUM sprüht vor

Kreativität und ist eine Inspirationsquelle für maßgeschneiderte

Floors mit maximalem Freiraum. Mit

einem neuen Produktionsverfahren, das fotorealistische

Darstellungen ohne Limitierung der Farbanzahl

ermöglicht, schlagen die Teppichspezialisten damit

ein neues Kapitel in der Welt der Bodenbeläge auf. Auf

diese Weise lassen sich ganz neue Farbschattierungen

und -übergänge auf bis zu vier Metern Breite und in allen

denkbaren Variationen realisieren. Ob Bahnenware,

Akustikfliesen oder der Mix aus beidem – erlaubt ist,

was gefällt.

Mit FORUM bringt OBJECT CARPET seine komplette

Kompetenz rund um die Bodengestaltung perfekt auf

den Punkt und erlaubt einen spektakulären Mix aus allen

Qualitäten. Neben eindrucksvoller Optik und Haptik

sind alle FORUM-Qualitäten standardmäßig mit der

speziell entwickelten Rückenausführung WELLTEX®

Akustik Plus ausgerüstet und tragen so wesentlich zu

einer ausgewogenen Raumakustik bei.

Für Planer stehen die Texturdaten der FORUM Designinspirationen

zum Download (www.object-carpet.

com/planungsdaten) zur Verfügung. Darüber hinaus

ermöglicht ein Konfigurator (www.object-carpet.com/

de/konfigurator) die eigenen Bodengestaltungen.

OBJECT CARPET GmbH

T +49 (0)711 34 02-0

info@object-carpet.com

www.object-carpet.com


www.architektur-online.com

103

Produkt News

Ausgezeichnete Formgebung

Als Spezialist für die Einrichtung zukunftsweisender Bürokonzepte erweitert

Sedus sein Kompetenzfeld mit dem Office-Cube-System se:cube – ein Programm,

das im Rahmen des German Design Awards mit dem „German Design Award 2020

– Winner“ ausgezeichnet wurde. Mit hoher Funktionalität und durchdachter technischer

Ausstattung eröffnet se:cube neue Freiräume in der Büroarbeit.

Großraum- oder Open Space Büros bestimmen weiter

den Trend, sind aber bei der Belegschaft nicht besonders

beliebt. Mitarbeiter klagen vor allem über akustische

Einschränkungen und fehlende Privatsphäre. Mit

den neuartigen Office-Cubes ist professionelle und

wirkungsvolle Abhilfe möglich. Die in den Größen S, M

und L erhältlichen Cubes bieten das perfekte Umfeld

für Besprechungen und Meetings, konzentriertes Arbeiten

oder einfach zum Entspannen. Sie lassen sich

aufgrund ihrer ausgeklügelten Dimensionen in bereits

vorhandene Bürolandschaften integrieren und bieten

auch für den klassischen Einsatz wie Brainstormings

und Schulungen genügend Raum für Bewegung und

Interaktion. Auch an die oft fehlenden Ablageflächen

für Laptop, Blocks und Stifte wurde gedacht und

selbst die Innenwände lassen sich als vertikale, beschreibbare

Flächen nutzen.

Zahlreiche Ausstattungsvarianten stehen zur Verfügung

und auch die Anbindung modernster Kommunikationsmittel

bis hin zur professionellen Videotechnik

wurde bei der Entwicklung von Anfang an berücksichtigt.

Der Clou: Die Belüftung und Beleuchtung sind

vollautomatisch geregelt. Dabei lassen sich selbst die

Cubes in Größe L (Grundfläche 2,5 x 2,5 m) in Rekordzeit

auf- und abbauen oder versetzen, wenn sie an anderer

Stelle gebraucht werden.

Sedus Stoll GmbH

Showroom Wien

Gumpendorfer Straße 15/9, 1060 Wien

T +43 (0)1 982 94 17

sedus.at@sedus.com

www.sedus.com


architektur FACHMAGAZIN

104

Produkt News

Fotos: TROX

Moderne und nachhaltige Architektur

Das Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg ist ein architektonischer

Meilenstein auf dem Weg zu einem zukunftsweisenden Campus. Ein wichtiger Bestandteil

des Gebäudes ist das Libeskind Auditorium mit bis zu 1.100 Sitzplätzen.

Wichtige Kriterien bei der Planung waren

eine besonders nachhaltige Bauweise und

der sparsame Umgang mit Energie für Beleuchtung,

Belüftung und Kühlung. Durch

eine gegen die Sonne geneigte, hinterlüftete

Fassade wird Eigenverschattung und

passive Kühlung erreicht. Die Gebäudeteile

sind so ausgerichtet, dass keine Außenwand

direkt nach Süden weist.

Das Gebäude verfügt über ein präsenz- und

tageslichtabhängig gesteuertes LED-Beleuchtungssystem.

Zusammen mit der

hervorragenden Dämmung, Dreischeibenverglasung,

Wärmerückgewinnung und

Versorgung aus Niedertemperatur-Abwärme

setzt die Konstruktion Maßstäbe für die

Energieeffizienz öffentlicher Gebäude. Die

benötigte Energie wird aus erneuerbaren

Quellen bereitgestellt. Die Wärme kommt

aus einem mit Biogas betriebenen Blockheizkraftwerk.

Solaranlagen auf den Campusgebäuden

liefern zusätzlichen Strom,

der bereits 25 % des Bedarfs deckt.

Die Gebäudekonstruktion ist außerordentlich

leicht. Statt massiven Stahlbeton wurden

Kunststoffhohlkörper in die Betondecken

eingebracht. Dadurch konnten viele

Tonnen Beton und Stahl eingespart werden,

deren Produktion Energie und Wasser

benötigt sowie CO2 verursacht. Ein Grauwassersystem

macht für die Toilettenspülungen

Regenwasser nutzbar, das auf den

begrünten Dächern und an der Fassade

aufgefangen wird.

Planer und Anlagenbauer entschieden sich

für perfekt aufeinander abgestimmte raumlufttechnische

Komponenten von TROX:

vom RLT-Zentralgerät über Volumenstromregler

und Luftdurchlässe bis hin zu Brandschutzkomponenten

wie Entrauchungsventilatoren

und Brandschutzklappen. Das

Raumluftsystem sorgt für eine bedarfsgeführte

Luftzufuhr und das Brandschutzsystem

für die erforderliche Sicherheit.

TROX Austria GmbH

T +43 (0)1 25043-0

trox@trox.at

www.trox.at


www.architektur-online.com

Sesam öffne dich!

Nicht durch Zauberhand, sondern dank

modernster Technik öffnen und schließen

sich die automatischen Schiebetüren EI30

von forster fuego light. Eine sichere Pforte

im Nachtbetrieb sowie eine reibungslose

Funktionalität im Tagesbetrieb werden mit

maximaler Transparenz in einem Element

vereint. Nachhaltige Sicherheit wird großgeschrieben,

denn die Schiebetüren bieten zuverlässigen

Brandschutz und Rauchschutz

und überzeugen durch ihre Robustheit und

Langlebigkeit.

Automatische Schiebetüren sind praktisch,

weil sie einen reibungslosen Personenverkehr

in Durchgängen mit hohem Publikumsaufkommen

gewährleisten. Zusätzlich lassen

die Schiebekonstruktionen mit ihren schlanken

Profilkonstruktionen aus Stahl und den

großflächigen Gläsern viel Licht in die Räume

fließen und bieten gleichzeitig maximale

Transparenz für einen freien Durchblick. In

kritischen Bereichen von Gebäuden halten

105

die 4-seitig dicht schließenden Türen im

Brandfall Flammen und Rauch zurück. So

schützen sie Leben und Sachwerte, indem

sie sich selbstständig und stromlos schließen.

Beim Schließen der Türen bleibt immer

gewährleistet, dass niemand verletzt oder

eingeklemmt wird. Die forster fuego light

Brandschutzschiebetüren mit Rauchschutz

Produkt News

sind als 1- und 2-flügelige Varianten möglich

und lassen sich in Massiv- und Leichtbauwände

oder in Verglasungen einbauen.

Forster Profilsysteme GmbH

T +43 (0)2236 677 293

at@forster.ch

www.forster-profile.at

„Aufzugsbranche ist IT-Vorreiter“

Mit dieser Aussage überraschten DI Dr. Stefan

Haas, CEO TÜV AUSTRIA und DI Roman

Teichert, Geschäftsführer Otis Österreich

anlässlich des Fachgesprächs „Urban Mobility

– zwischen Visionen und Sicherheit“.

„Fakt ist, dass die neue Generation der Aufzüge

smart sein wird“, erklärte Teichert,

„und deren Verfügbarkeit in Richtung 100

Prozent geht.“ Ein wesentlicher Grund für

diesen Technologiesprung in der Verfügbarkeit

ist der Einsatz von viel mehr Sensorik,

die die gewohnte Wartungsroutine

obsolet macht. Die Sensoren in Aufzügen

und Fahrtreppen können heute kleinste

Unregelmäßigkeiten erkennen, bevor noch

ein (größerer) Schaden auftritt: Die Daten

werden in der Cloud verglichen und so aus

dem bisherigen Erfahrungsschatz die Servicemaßnahmen

abgeleitet.

Mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz

wird sich auch die Fahrt im Aufzug verändern.

„Mit Siri, Alexa und anderen

Sprachassistenten haben wir bereits heute

eine Idee, in welche Richtung sich die Interaktion

mit unserer Umwelt verschieben

kann“, ist sich Teichert sicher. „Die Zeit, in

der der Aufzug den Fahrgast erkennt, genau

weiß, in welches Stockwerk er fahren

DI Dr. Stefan Haas, CEO TÜV AUSTRIA mit DI Roman Teichert, Geschäftsführer Otis Österreich

muss und während der Fahrzeit personalisierte

Informationen auf einem interaktiven

Display im Aufzug wiedergibt, ist technologisch

schon erreicht.“

OTIS GesmbH

T +43 (0)1 61005-0

austria@otis.com

www.otis.com


architektur FACHMAGAZIN

106

Produkt News

Natürliche Schönheit

Die Architektur lebt von der Verbindung mit der Natur. Denn nichts ist wandelbarer

und künstlerischer als die Atmosphäre von Landschaft, Wasser und dem Horizont.

Deshalb haben Plätze inmitten der ursprünglichen Natur ihren ganz besonderen Reiz:

hier werden die Enge der Zivilisation und die Hast des Alltags hinter sich gelassen.

Rhosneigr ist ein kleiner Ort in Wales, der direkt am

Meer liegt. Wälder, Wiesen und Wasser umranden das

ländlich gelegene Dorf. Ein perfekter Ort, um sich von

der Natur inspirieren zu lassen. Das funktioniert am

besten an einem Platz, der unterschiedliche Perspektiven

bietet und die Vielfalt der Landschaft erlebbar

macht. Auf einem Holzsteg direkt am See Llyn Maelog

befindet sich ein Glaskubus, der Blicke auf das Meer,

den See und die grünen Wälder freigibt. Mit seiner filigranen

Optik und den rahmenlosen Glaselementen

fügt er sich dezent in seine Umgebung ein. Er lässt die

Natur für sich sprechen und ermöglicht faszinierende

Blickbezüge in jede Himmelsrichtung. Die Raumwirkung

wird einzig von der Landschaft bestimmt.

Bei dem kubischen Glashaus handelt es sich um das

Acubis von Solarlux. Die innenliegende Statik und die

schmale, umlaufende Blende verleihen ihm eine unaufdringliche

Eleganz. Freistehend ausgeführt fungiert

es als eigenständiger Raum. Da die Landschaft

sehr eben ist und Seewinde ungebremst auf den

gläsernen Kubus wirken, waren zusätzliche statische

Unterstützungen notwendig. Stahlverstärkungen

in Sparren und Stützen sorgen für die erforderliche

Stabilität. Die senkrechten Scheiben schützen vor

kalten Luftzügen und Regen. Damit an windstillen

Tagen die Sonne uneingeschränkt genossen werden

kann, lassen sich die Elemente auf allen vier Seiten

einfach öffnen und verwandeln den Glaskubus in eine

freizügige Überdachung.

SOLARLUX

AUSTRIA GmbH

T +43 (0)512 209 023

info@solarlux.at

www.solarlux.at


www.architektur-online.com

107

Produkt News

Panorama Design für

maximale Transparenz

Die Verschmelzung von Form und Funktion ist neben Energieeffizienz heute Grundvoraussetzung

für die Realisierung moderner Gebäudehüllen. Mit dem neuen Panorama

Design Fenster Schüco AWS 75 PD.SI (Bautiefe 75, Panorama Design, Super Insulated)

bietet AluKönigStahl erstmals ein Öffnungselement mit minimierten inneren und

äußeren Ansichtsbreiten, das diese architektonischen Anforderungen ganzheitlich

optimal erfüllt.

Basis dafür sind perfekt aufeinander abgestimmte

Systemeigenschaften: flächenbündige innere Flügelprofiloptik

und minimierte Dichtungsansichten,

höchste Transparenz durch schmalste äußere und

innere Ansichtsbreiten sowie harmonisierte Ansichtsbreiten

in Festfeld und Öffnungselement für ein

einheitliches Rahmenbild. Rosettenlose Griffanbindungen

und Designgriffe können auch abschließbar

bestellt werden. Eine nicht sichtbare Entwässerung

und eine klare Designsprache durch enge Profilradien

runden das wegweisende neue Fenstersystem ab.

Eine perfekt abgestimmte Architekturlösung bietet

die Integration des neuen, hochwärmegedämmten

Öffnungselements in die Schüco Fassade FWS 35

PD, womit auch in Gebäudeeckbereichen eine lichtdurchflutete

Architektur mit maximaler Transparenz

realisiert werden kann. Der Verzicht auf vertikale

Pfostenprofile in den Gebäudeecken sorgt für ein

hochwertiges Design mit erstklassiger Optik und optimalem

Ausblick.

ALUKÖNIGSTAHL GmbH

T +43 (0)1 98 130-0

office@alukoenigstahl.com

www.alukoenigstahl.com


architektur FACHMAGAZIN

Für Sonne

und Schatten

In Chicago, der Geburtsstadt der Wolkenkratzer,

setzt das Architekturbüro

Studio Gang unter der Führung von

Jeanne Gang mit dem Apartmenthaus

„Solstice on the Park“ neue Akzente in

der Skyline. Das Projekt beweist, dass

Hochhaus und klimagerechtes Bauen

kein Widerspruch sein müssen.

Solstice (Sonnenwende) wurde der neue

Wohnturm im Stadtteil Hyde Park in der

South Side von Chicago genannt und verbindet

die Ansprüche eines der innovativsten

Architektur- und Designbüros der

Gegenwart: Ökologie, architektonische Zeichenhaftigkeit,

städtebauliche Einbindung

in das Umfeld und Sinnlichkeit in Einklang

zu bringen.

Die signifikante Form des Gebäudes entstand

anhand von Sonnendiagrammen: An

der Südfassade ist die schräg nach innen

gestellte Verglasung auf den Einfallswinkel

der Sonne hin optimiert. Am Tag der Sommersonnenwende

beträgt er auf Chicagos

Breitengrad 72 Grad, womit die hochstehende

Sonne in der heißen Jahreszeit dank

der im gleichen Winkel geneigten Glasfläche

nicht in das Gebäude eindringt und so

dazu beiträgt, Kühlenergie zu reduzieren.

Bei tief stehender Wintersonne hingegen

wird solcherart der solare Gewinn maximiert

und das Sonnenlicht kann weit in die

offenen Grundrisse der dahinterliegenden

Wohnräume eindringen.

Eine wichtige Rolle für das harmonische

Verhältnis des attraktiven Wohnhochhauses

zu seiner Umgebung spielt die Fassadenverkleidung

aus concrete skin von Rieder. Über

4000 m 2 der nur 13 mm dünnen Platten aus

nicht brennbarem Glasfaserbeton umhüllen

die Konstruktion aus vorgespanntem

Stahlbeton. Die Textur und Farbigkeit der

aus mineralischen Rohstoffen bestehenden

Paneele sorgen für einen ästhetischen

Einklang mit dem Charakter des von Sandstein-

und Ziegeltönen geprägten Stadtteils.

Der dunkle Farbton liquid black betont das

Muskulöse der Struktur, sanftes Beige von

sandstone und sahara, das gut mit dem hohen

Anteil an Holzoberflächen im Inneren

korrespondiert, sorgt für wohnliche Wärme.

Rieder Sales GmbH

T +43 (0)6542 690-844

office@rieder.cc

www.rieder.cc

108

Produkt News

© Rieder Group Ditz Fejer


www.architektur-online.com

109

Produkt News

© Alexander Bernhard

Neue Stadtvillen

Alle kennen den Eishersteller Schöller – in Zusammenhang mit Architektur und

Fassadenbau brachte man den Namen jedoch noch nicht. Für die Schöller Familienstiftung

entwarfen ATT Artur Asam Architekten im Nürnberger Stadtteil Thon

den Schöller-Park. Umgeben von alten Bäumen, sind zehn Stadtvillen mit insgesamt

80 Wohneinheiten entstanden. Bei der Wahl der Fassade wurde auf Langlebigkeit

und Beständigkeit gesetzt und Ziegel von GIMA gewählt.

Die kubischen Stadtvillen mit zwei, drei und vier

Stockwerken umfassen 80 Wohnungen zwischen 60

und 140 Quadratmetern. Aufgrund ihrer versetzten

Positionen auf dem Grundstück, definieren die Baukörper

dabei großzügige Außenräume, die durch den

gewachsenen Baumbestand das Wohnen besonders

attraktiv macht. Die gemeinsame Materialität einer

Klinkerfassade lässt die Stadtvillen und das dazugehörige

Parkhaus dabei zu einer Einheit verschmelzen.

„Die lange Lebensdauer des zeitlos, modernen Ziegels

unterstreicht das nachhaltige und auf ewig angelegte

Bestreben der gemeinnützigen Stiftungsarbeit“,

betont der Architekt und Projektleiter Istvan Regös.

Dieser inhaltliche als auch optische Bezug überzeugte

auch die Bauherren. Zusammen mit den Architekten

entschieden sie sich für den Klinker in der Farbe

Elmo FKSG von GIMA. Seine bräunlich graue Farbig-

keit entsteht durch eine spezielle Brenntechnik und

den extremen Kohlebrand über dem Schmelzpunkt.

Die Zugabe des natürlichen Mineralstoffs Salz beim

Brand lässt auf dem Ziegel gewisse Glanzpunkte

in Verschmelzung mit dem Kohlereduktionsaufbrand

entstehen. Der Salzbrand ist einzigartig und

sehr aufwendig herzustellen. Das spezielle Wasserstrich-Strangpressverfahren

schafft eine extrem widerstandsfähige

Oberfläche, die in ihrer Struktur rustikal

und sehr edel zugleich wirkt. Die Schattierungen

werden verstärkt und bilden ein dynamisches Farbspiel.

Verbaut wurden vier verschiedene Formate des

gelochten und ungelochten Klinkers in zweischaliger

Bauweise, der neben hoher Funktionalität, wie Witterungsschutz

auch langfristige Wertbeständigkeit mitbringt.

Zudem weist er optimale bauphysikalische Eigenschaften

auf, ist robust, natürlich und ökologisch.

GIMA Girnghuber GmbH

T +49 (0)8732 24-0

info@gima-ziegel.de

www.gima-ziegel.de


architektur FACHMAGAZIN

Porsche am Dach

Gemeinsam mit dem renommierten Studio

F. A. Porsche hat Wienerberger mit dem

Tondach V11 einen neuen Dachziegel entwickelt,

der vor allem Architekten und designaffine

Bauherren mit seinem eleganten

Design überzeugen soll. Erhältlich in den

Farben Anthrazit-Schwarz, Basalt und dem

unverkennbaren Porsche-Farbton Titanium

soll dieser Tondach-Ziegel ganz neue Impulse

in der heimischen Architektur setzen.

Mit viel Liebe zum Detail und langjährigem

technischen Knowhow wurde der Dachziegel

in nur 14 Monaten entwickelt und im

Werk Pinkafeld produziert. Die signifikante

V-Form des V11 ist namensgebend und trägt

die Handschrift von Studio F. A. Porsche Design

Director Christian Schwamkrug. Zudem

steht die „11“ im Produktnamen für jene Ziegelanzahl,

die man benötigt, um genau 1m²

Dachfläche zu verlegen.

Wienerberger AG

T +43 (0)1 60192-0

office@wienerberger.com

www.wienerberger.at

110

Produkt News

Der BIM-Hype

Das Programm ABIS AVA gibt es seit 43

Jahren und eine erste Schnittstelle zwischen

CAD und AVA präsentierte der österreichische

Bausoftwareentwickler bereits im

Jahr 1992. Da ABIS damals wie auch heute

sowohl CAD (Abisplan) als auch AVA entwickelt,

war über ein internes Austauschformat

möglich, was heutzutage plötzlich sehr

gefragt ist: Der Datenaustausch funktionierte

schon damals gut, die Entwicklung wurde

aber aufgrund des mangelnden Kundeninteresses

nicht weiter forciert.

Vor einigen Jahren wurde nun eine neue

AVA-Software-Generation (ABIS AVA

2020) auf Basis modernster Technologien

entwickelt – aus Rücksicht auf die

Bestandskunden mit bewährten Oberflächenelementen

und Abwärts-Datenkompatibilität.

Diese neue Generation inkludiert in

der aktuellen Version 32 alle Funktionen der

bisherigen ABIS-AVA und bietet auch noch

sehr viel mehr. So wurde im Oktober 2019

der IFC-Datei-Import für ABIS-AVA veröffentlicht

und seitdem wird anhand von Praxisbeispielen

versucht, die sehr komplexen

Datenmodelle auch für kleine Planungsbüros

handhabbar zu machen. Am besten

funktioniert das mit ABISPLAN, welches

ebenfalls mit voller IFC-Kompatibilität und

vielen Verbesserungen in der letzten Version

aufwarten kann.

ABIS Software bietet auf www.abis.at die

Möglichkeit, die österreichische BIM-Lösung

ohne Registrierung und kostenfrei zu testen.

ABIS Softwareentwicklungs GesmbH

T +43 (0)316 83 13 61

reichhart@abis-software.com

www.abis.at


www.architektur-online.com

111

Produkt News

Controlling und Management

auf der Höhe der Zeit

Wirtschaftlichkeit und Organisation von

Ingenieur- und Architekturbüros stehen im

Fokus der Controlling Management Software

untermStrich, deren aktuelle Version

untermStrich X3 viele technische Neuerungen,

frische Front-Ends und weitere

Erleichterungen im Arbeitsalltag der Planungsbüros

kennzeichnen.

Die vollständig überarbeitete Benutzeroberfläche

gewährt jetzt noch mehr Mobilität auf

verschiedenen Geräten. Die vereinfachte

Menüstruktur und die maximale Bildschirmausnutzung

durch Einführung von Burgermenüs

ermöglichen intuitives Handling; die

Oberfläche kann – je nach persönlicher Aufgabenstellung

– mit diversen Butlern (Widgets)

individuell angepasst werden. Auch

die Darstellung aller Resultate erfolgt jetzt

mit solchen Butlern. Neue, interaktive Grafiken

verbessern die Übersichtlichkeit aller

geschäftsrelevanten Daten.

Neuerungen gibt es auch im Bereich Rechnungen

wie zum Beispiel Rechnungsab-

wicklung nach EB interface 5.0, arbeitspaketbezogene

Nebenkosten und Rabatte,

Haftrücklass/Sicherheitseinbehalte sowie

die weitere Flexibilisierung von HOAI Rechnungen.

Hinzu kommt die sehr schnelle

Volltextsuche in der Datenbank, etwa nach

Dokumenten, E-Mails oder Terminen.

Das browserbasierte untermStrich X3 läuft

im stationären wie im mobilen Einsatz auf

den verschiedensten Betriebssystem- und

Geräteplattformen, als optimierte Smartphone-Version.

untermStrich software GmbH

+43 (0)3862 58106-0

www.untermStrich.com

Von CAD zu OpenBIM

Im AVA-Bereich muss ein durchgängiger

Datenfluss – von der Planung bis zur Ausschreibung

– mittels offener, softwareneutraler

Standards sichergestellt werden.

ABK-BIM basiert deshalb auf der Open-

BIM-Methode. Ein Gebäudemodell – ganz

gleich welcher Herkunft – wird in Form einer

IFC-Datei eingelesen und in wenigen

Arbeitsschritten in einen Kostenplan umgewandelt.

Dieser wird nicht nur im Kostenmanagement

weitverwendet, sondern dient

auch als Grundlage für ÖNORM-konforme

Leistungsverzeichnisse.

Das IFC-File wird in ABK importiert und

grafisch als Gebäudemodell dargestellt. Visuelle

Überprüfungen anhand des Modells

machen den Datenfluss leicht verständlich.

Danach erfolgt die Zuordnung von Elementen,

wodurch sich Positionszuordnungen,

-mengen und –preise ergeben, aus denen

im nächsten Schritt ein Kostenplan erstellt

oder ein Leistungsverzeichnis generiert

werden kann.

ABK8 ist OpenBIM-fit und die Anwendung

entspricht der gewohnten Arbeitsweise von

Planern und Ausschreibern – bewährte Abläufe

werden nur zusammengeführt. Damit

werden Anwender nicht nur bei der Ermittlung

des Mengenbedarfs und der Erstellung

von Ausschreibungen unterstützt – es werden

Messungenauigkeiten vermieden und

potenzielle Kostenfallen frühzeitig erkannt.

ib-data GmbH

T +43 (0)1 492 5570-0

abkinfo@abk.at

www.abk.at


architektur FACHMAGAZIN

112

edv

BMSP-Software:

Büro, Budgets und Bauzeiten im Blick

Büro und Projekte managen kann man heute überall – am Arbeitsplatz, auf

der Baustelle, im Zugabteil oder Home-Office. Digitale Büro- und Projektmanager

werden mobil und helfen, Büro, Bauzeiten und Budgets auch von

unterwegs im Griff zu behalten.

Text: Marian Behaneck

Büro- und Management-Software für Planungsbüros

(BMSP) unterstützt Büroinhaber

bei der Erledigung aller betriebswirtschaftlichen,

organisatorischen und administrativen

Aufgaben ebenso wie bei der Projektplanung

und -realisierung. Neue Impulse erhält diese

Software-Kategorie durch das Mobile und

Cloud Computing und die modellorientierte

Planungsmethode BIM.

Büro und Budgets im Griff

BMSP-Software unterstützt die Planung,

Steuerung und Kontrolle des wirtschaftlichen

Erfolgs einzelner Projekte und des

gesamten Büros. Werden alle Projekt- und

Mitarbeiterzeiten, sämtliche Einnahmen

und Ausgaben erfasst, erhalten Büroinhaber

über kontinuierliche betriebswirtschaftliche

Analysen eine schnelle Übersicht über

die aktuelle wirtschaftliche Bürosituation.

Darüber hinaus bieten die Programme zahlreiche

Funktionen zur Verbesserung der

Arbeitsabläufe und der Büroorganisation,

etwa eine automatische Projektzuordnung

von E-Mails. Da das Büromanagement

eine Vielzahl von Aufgaben umfasst, ist

BMSP-Software in der Regel modular aufgebaut:

Um ein zentrales Verwaltungssystem

mit allen wichtigen Stammdaten wie

Mitarbeiter, Projektbeteiligte, Projekte, Kostenstellen

etc. gruppieren sich meist mehrere

Module für die Mitarbeiter-/Projektzeiterfassung,

die Projektdokumentation,

Kommunikation, Korrespondenz, Adress-,

Aufgaben- und Terminverwaltung, die

Ressourcenkontrolle, das Dokumentenmanagement

und einige mehr. Über eine einheitliche

Oberfläche erhalten Mitarbeiter

einen Zugang zu allen Kommunikationskanälen

sowie zur gesamten projektrelevanten

Korrespondenz mit sämtlichen Ein- und

Ausgängen. Eine zentrale Termin-, Mitarbeiter-

und Ressourcenplanung ermöglicht

einen effizienten Einsatz von Mitarbeitern.

Büro und Projekte erfolgreich managen: BMSP-Software kann beides. © untermStrich Software

Projekte strukturierter managen

Zu den zentralen Projektmanagement-Funktionen

gehören die Verwaltung

und Organisation von Projekten, Projektbeteiligten,

Dokumenten oder Terminen,

die Kontrolle von Projektständen, Arbeitsfortschritten,

Projektkosten und so weiter.

BMSP-Software verbessert den Informationsfluss

durch mehr Transparenz, eine

strukturierte Verteilung von Informationen

und Dokumenten an Projektbeteiligte sowie

durch optimierte Abläufe und kürzere

Suchzeiten. Automatismen und Suchfunktionen

sorgen dafür, dass Informationen,

Dokumente oder Vorgänge in Sekundenschnelle

bereitstehen. Wer woran arbeitet

und wo alle Projektdokumente abgelegt

sind, ist genauso schnell ersichtlich wie die

Zuordnung von Terminen zu einzelnen Tätigkeiten

am Projekt. Wiedervorlage-Funktionen

sorgen dafür, dass noch anstehende

Arbeiten nicht vergessen werden. Auf der

Baustelle oder unterwegs erfasste Notizen,

Adressen, Termine, Aufgaben oder Projektstände

lassen sich in Echtzeit oder zeitversetzt

mit der Bürosoftware synchronisieren.

Fehler, die häufig aufgrund einer doppelten

Datenhaltung entstehen, werden dadurch

vermieden. Insgesamt werden Projektinformationen

und -abläufe transparenter, lassen

sich automatisch dokumentieren und in

beliebiger Informationsdichte in Sekundenschnelle

abrufen – vorausgesetzt Projektbeteiligte,

Kontakte, Termine, Pläne, Honorare,

Budgets etc. werden konsequent mit

den Projekten verknüpft. Um den Aufwand

erbrachter oder noch zu erbringender Planungsleistungen

quantifizieren und neue

Projekte zuverlässig kalkulieren zu können,

werden Mitarbeiterzeiten projekt- und

tätigkeitsorientiert erfasst. So lässt sich

schnell prüfen, in welchen Bereichen Gewinne

oder Verluste erzielt wurden. Anhand

dieser Nachkalkulationen laufender und

abgeschlossener Projekte können interne

Abläufe und die Akquisition neuer Projekte

optimiert werden.


www.architektur-online.com

113

edv

© ib Data

Neben der Planung von Projektzeiten und Terminen gehört auch die Budget- und

Kostenkontrolle zu den zentralen BMSP-Funktionen.

© Bauer Software

Worin unterscheiden

sich die Programme?

Rund 20 BMSP-Programme bietet der

Markt (siehe Infokasten), was die Auswahl

nicht einfach macht. Der Vergleich wichtiger

Kriterien vereinfacht die Entscheidung,

etwa das Softwarekonzept: Herkömmliche,

mehrplatzfähige Client-Server-Kaufsoftware

ist der Standard, VPN- oder Terminalserver-fähige

Programme ermöglichen

externe Zugriffe, eindeutig im Trend liegen

Weblösungen, die man mieten und per Webbrowser

plattform- und standortunabhängig

nutzen kann. Während per App meist

nur ausgewählte Funktionen mobil verfügbar

sind – wie die Erfassung von Adressen,

Terminen oder Mitarbeiterzeiten – lassen

sich bei Weblösungen alle Funktionen per

mobiler Internet-Verbindung auch unterwegs

nutzen. Die Einsatzbereiche geben an,

ob die Software neben dem Büro-, Projektund/oder

Terminmanagement auch Funktionen

für die Honorarabrechnung, das Controlling,

das Dokumentmanagement (DMS),

das Kundenbeziehungsmanagement (CRM)

oder weitere Bereiche bereithält. Zu den

Bürofunktionen zählen die Adressenverwaltung

und Korrespondenz, das E-Mail-Management,

eine Volltextsuche sowie Erinnerungs-

und Wiedervorlage-Funktionen. Mit

MS-Outlook- oder MS-Exchange-Schnittstellen

lassen sich E-Mail- und Adressdaten

synchronisieren. Mit einer TAPI-Anbindung

können eingehende Anrufe automatisch

Projekten zugeordnet und dokumentiert

werden.

Büro-Controlling-Funktionen überwachen

wichtige Bürokennzahlen, wie etwa die Arbeitskosten,

den Projektstundenanteil, den

mittleren Bürostundensatz oder den Gemeinkostenfaktor

und machen damit die

wirtschaftliche Bürosituation transparenter.

Ebenso wichtig für die wirtschaftliche

Sicherheit sind Prognosen, etwa wie lange

ein Büro mit dem aktuellen Auftragsbestand

kostendeckend arbeiten kann oder

Liquiditäts-Kontrollen, die Einnahmen und

Ausgaben kontinuierlich im Blick behalten.

Ressourcenplaner ermöglichen eine Optimierung

des Mitarbeiter-Einsatzes. Zu den

Projekt-Controlling-Funktionen gehören

unter anderem das Aufgaben- und Termin-Management,

die Überwachung von

Bauzeiten und des Projektstatus oder die

Erstellung von Soll-Ist-Reports. Dazu offerieren

immer mehr BMSP-Anbieter direkte

Anbindungen an das BIM-Gebäudedatenmodell,

etwa für die automatisierte Erstellung

von Bauzeitenplänen.

Die Grundlage für Controlling-Funktionen

bildet die Zeiterfassung. Sie sollte sowohl

stationär am Büro-PC als auch mobil per

iOS-, Android- oder Web-App möglich sein.

Ist ein Modul für die Erstellung von Angeboten

und Honorar-Rechnungen integriert,

spart das nicht nur Zeit – es steigert auch

die Sicherheit, dass erbrachte Leistungen

auch tatsächlich abgerechnet und nicht

vergessen werden. Standard-Schnittstellen

wie ASCII, DOC, PDF, XLS, HTML oder XML

ermöglichen den digitalen Austausch und

die digitale Weiterbearbeitung von Daten.

Die Preise für die BMSP-Basissoftware liegen

zwischen 500 und 2.000 Euro – je nach

Programmkonzeption und Funktionsumfang.

Hinzu kommen Kosten für Zusatzmodule

(ca. 100 bis 1.000 Euro). Nicht vergessen

werden sollten Schulungskosten und

bei Kaufprogrammen jährliche Wartungskosten.

Die Mietkosten liegen bei 25 bis 30

Euro pro Anwender und Monat.

Am digitalen Dashboard haben Planer wichtige Büro- und

Projektdaten stets im Blick.

© Wiko Bausoftware

Da das Büro- und Projektmanagement eine Vielzahl von Aufgaben

umfasst, ist BMSP-Software in der Regel modular aufgebaut.

© PROJEKT PRO


architektur FACHMAGAZIN

114

edv

Im Trend: Ressourcen,

Mobilität und BIM

Personalkosten machen rund zwei Drittel

der internen Kosten eines Planungsbüros

aus – mit steigender Tendenz. Daher

wird es immer wichtiger, personelle Ressourcen

effizient einzusetzen. Immer mehr

BMSP-Lösungen offerieren deshalb Funktionen,

mit denen man den Mitarbeiter-Einsatz

optimieren und Was-wäre-wenn-Szenarien

simulieren kann. Mitarbeiter können

entsprechend ihrer Fähigkeiten und Verfügbarkeiten

optimal eingesetzt werden

und die aktuelle Mitarbeiter-Auslastung ist

in Echtzeit ablesbar. Neben der Ressourcenplanung

werden die zeitnahe digitale

Vor-Ort-Datenerfassung, der Mobilzugriff

auf Projektdaten und der Abgleich mit der

Bürosoftware immer wichtiger. Damit lassen

sich Prozesse auch von unterwegs oder auf

der Baustelle steuern, unnötige Mehrfacheingaben,

Medienbrüche und Fehler vermeiden.

Auch die modellbasierte Planungsmethode

BIM spielt eine immer wichtigere

Rolle, denn sie wird in den nächsten Jahren

die Arbeitsweise vieler Planungsbüros verändern.

Dieser Wandel in den Planungsabläufen

stellt auch neue Anforderungen an

die Kommunikation, Dokumentation und

das Informationsmanagement in den Büros.

Je mehr das BIM-Modell zum zentralen

Dokumentations- und Kommunikationsinstrument

im Projektverlauf wird, umso wichtiger

werden Anbindungen an das vorhandene

Büromanagement-System. Gefragt

sind Schnittstellen zum Budget- und Kostenmanagement,

zur Termin- und Bauzeitenplanung

oder zum Dokumentenmanagement.

Auch an die, seit dem 25. Mai 2018 in

allen EU-Mitgliedstaaten geltende DSGVO

mussten viele Programme angepasst werden.

Insbesondere Cloudlösungen sind davon

betroffen: Wird ein externer Dienstleister

damit beauftragt, personenbezogene

Daten zu verarbeiten – das trifft praktisch

auf alle Anbieter von Cloud-Diensten zu

(Webhoster, Projekträume, Anbieter von

E-Mail- oder Messengerdiensten, aber auch

von webbasierter BMSP-Software, Mitarbeiter-

und Projektzeiterfassung etc.) – so

sollte mit diesem ein sogenannter Auftragsverarbeitungs-

oder kurz AV-Vertrag abgeschlossen

werden. Darin verpflichtet er

sich, die Vorgaben der DSGVO einzuhalten.

Letztlich muss der

„Workflow“ stimmen

Büro- und Management-Software für Planungsbüros

sorgt dafür, dass der „Bürokram“

leichter von der Hand geht und

der Projekt-„Workflow“ stimmt. Allerdings

sollte man sorgfältig wählen, denn sowohl

technisch als auch inhaltlich unterscheiden

sich die Programme in vielen Punkten.

Hinzu kommt es aufgrund der wachsenden

Programm- und Funktionsvielfalt zu Überschneidungen:

Neben BMSP-Programmen

unterstützen nämlich auch webbasierte

Projektmanagement-Lösungen (architektur

04/13: Virtuelle Projekträume) die Büround

Projekttätigkeiten. Daneben gibt es

eine Reihe weiterer, für Projektleiter wichtige

Programme für die Bauzeitenplanung

(architektur 08/18: Die digitale Zeitmaschine),

die mobile Bautagebucherstellung (architektur

04/14: Wer schreibt, der bleibt)

oder die Mängelerfassung, -verfolgung

und Baustellendokumentation (architektur

07/16: Baumängel-Management). Deshalb

sollte man sich vorher gut überlegen, was

man wofür einsetzt und wie man sich Mehrfacheingaben

erspart.

Weitere Infos im Web*

www.aec-office.de

www.bayika.de/de/pkms

www.gpm-ipma.de

www.pep-7.de

www.pm-software.info

www.pmaktuell.org

www.projektmagazin.de

Immer wichtiger werden Mobilfunktionen

– etwa um Arbeitszeiten oder Reisekosten

unterwegs erfassen zu können.

© ABACUS Business Solutions

Auch für den optimierten Einsatz personeller

Ressourcen offerieren BMSP-Lösungen

entsprechende Funktionen.

© untermStrich Software

BMSP-Checklisten und Marktübersicht

PKMS-Infos und Marktübersicht

Gesellschaft für Projektmanagement

PeP-7-Praxisinitiative und Kennzahlen

Marktübersicht Projektmanagement-Software

Pojektmanagement-Fachmagazin

Projektmanagement-Magazin

Literaturhinweise/Quellen*

Kunick, D.: Büromanagement-Software für Planer am Bau: Der Anbieter-Check 2017,

aus: Planungsbüro professionell, PBP Planungsbüro professionell, Sonderheft 2017,

IWW-Institut, Würzburg, Download: https://planer-am-bau.de/fileadmin/user_upload/

wp-content/sonderausgabe-der-grosse-buerosoftware-check-2017.pdf

Lösungen und Anbieter*

ABACUS allprojects (www.allprojects.de), ABK (www.abk.at), Acclaro (www.acclaro.de),

BauProCheck (www.bauprocheck.de), BUILDUP (www.bauer-software.de), Cycot OM

(www.cycot.de), isyControl (www.isycontrol.de), Kobold-Control (www.kbld.de), Newforma

Project Center (www.newforma.de), okapi4all (www.bau4all.de), Powerproject

(www.elecosoft.de), ProjektPro (www.projektpro.com), proPlan (www.gripsware.de),

RP-PRO (www.loreg.de), SDR-Optimus (www.sdr.at), untermStrich (www.untermstrich.

com), Visuplus professional (www.visuplus.com), VVW Control (www.weise-software.

de), wiko (www.wiko.de), ZT-Office (http://ztoffice.mursoft.at)

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit


BE CREATIVE

FORUM BY OBJECT CARPET

meet

AMY

or create

your own design

@ imm cologne

13. – 19.01.2020

Halle 11.1

Stand A-018

Zeitgeist verlangt nach Raum für individuelle,

kontemporäre Ideen. Individuelle Ideen umzusetzen,

bedeutet Selbstverwirklichung. Selbstverwirklichung

braucht ein Forum, in dem sich die Kreativität

entladen kann. Hier ist es – FORUM for Great Ideas:

www.object-carpet.com/forum


Kehren Sie Stress

den Rücken.

ray lounge von jehs+laub.

Einfach mal fallen lassen: Die geneigte Sitzposition und die gemütlich

abgesenkten Sessellehnen des ray lounge lassen Sie nach einem

harten Arbeitstag weich landen. Für höchste Entspannung bis in die

Zehenspitzen sorgt der passende Beistellhocker mit der gleichen

markanten Linienführung. Also Füße hoch – und Stresslevel runter.

www.selmer.at

Exklusiver Partner der Brunner Group für Österreich

www.brunner-group.com

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine