...der steirer land ... Ausgabe 04/2019

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51. Ausgabe Nr. 04/ 2019 I EUR 5,00

5 JEDER MENSCH HAT SEINE ZEIT 5

Weihnochtsfreid

Seite 4

Grüße aus

weiter Ferne

lSeite 15

Am Schoberer-

Hof

lSeite 37

Do liegt

a Fuaß

lSeite 57

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Sehr geehrte

Leserinnen und Leser

von ...der steirer land...,

wieder einmal steht der

schönste, der emotionalste

Teil des Jahres vor der Tür

und wieder einmal wird

uns dadurch bewusst, wie

schnell die Zeit wiederum vergangen ist und wie viel

von dem, das wir uns vorgenommen haben, eigentlich

versäumt wurde.

Wieder einmal können wir – der eine mit Stolz, der

andere mit Wehmut – darauf zurückblicken, dass wir

unsere Zeit mit sehr viel Schaffenskraft in jene Dinge

investiert haben, die uns Geld, Erfolg, Ruhm oder

Ansehen brachten. Wir können darauf bauen, dass

wir unserem Selbstwertgefühl Genüge getan haben

und unsere Position in der Gesellschaft, der Familie

und im Bekanntenkreis gestärkt und gefestigt haben.

Wir haben die Oberfläche poliert, sie zum Glänzen

gebracht und jeden Makel auf ihr beseitigt. Das Darunter,

das wirklich Wichtige, das, was zu guter Letzt

als Einziges tatsächlichen Wert besitzt, wurde bedacht,

für später aufbewahrt und am Ende wieder

auf das nächste Jahr verschoben.

Am Ende des Jahres darf man durchaus auch einmal

über sein Leben sinnieren, darf sich Gedanken darüber

machen, was da ist, was bleiben soll und was

man sich selber wünscht. Gerade zu Weihnachten,

wenn die Hoffnung und das Licht geboren werden,

darf an jene Menschen gedacht werden, die uns

nahestehen, die uns wichtig sind. Und auch daran,

wie viele Gelegenheiten versäumt wurden, um ihnen

dies mitzuteilen. Ein einfaches „schön, dass es dich

gibt“ bringt die Seele zum Erblühen und ein „ich liebe

dich“ das Herz zum Leuchten. Deines ebenso wie

das meinige. Nutzen wir deshalb diese hochheiligen

Tage, um keine Gelegenheit zu versäumen, denn selten

ist besser als nie. Und warten wir nicht darauf,

dass uns Wärme geschenkt wird, sondern sorgen wir

selbst dafür, dass Lichter entzündet werden.

In diesem Sinne wünschen mein Team und ich euch

ein gesegnetes Weihnachtsfest, einen guten Rutsch

ins neue Jahr und viel Vergnügen bei eurer Reise

durch unsere Geschichten.

INHALT 5

Weihnochtsfreid 4

Weihnachtsmagie 6

Bärige Geschichten 8

Lebensmittel 10

Mundart 14

Grüße aus weiter Ferne 15

Woaßt as noch? 18

Steirische Geschichtensammler 20

Naturpark Südsteiermark 23

Die Ohnmacht der Allmacht 26

Patchwork-Familie anno dazumal 27

Frisch und g’sund 32

Kräuter Rath 34

Am Schoberer-Hof 37

Weinkompetenzzentrum 42

Steiermärkische Berg- und Naturwacht 43

Schlachttog 46

Wundervolle Weihnachten 47

Volksliedwerk 52

Die Weihnachtskrippe 54

Do liegt a Fuaß 57

Mein Freund, der Fußball 60

Die Oma hot’s gwisst! 62

Buschenschänker 64

Veranstaltungen 67

Die nächste Ausgabe von

Ihr Karl Oswald

erscheint am 28. Februar 2020.

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Weihnochtsfreid

I trog des Christkind in mir drin -

Tog ein, Tog aus zoagts mir mein Sinn,

es is a Licht ganz kloa und fein –

des strohlt in mir so hell und rein.

I geh mein Weg, so is da Lauf –

manchmol geht’s ebn, dann geht’s bergauf,

manchmol is leicht, do is es schea –

oft is zan rostn, dann bleib i stea.

Aus olla Wölt heart ma heit Gschichtn –

dei wos von so vül Leid berichten,

Angst umhüllt dann mein Vastand –

doch mein Christkind holtat mia mei Hand.

Ma mocht sie Sorgen wias werden wird –

wal ma die Lost da Wölt holt gspiart,

olls wiad gut, in seinem Namen –

sogt mia mei Geist und i sog Amen.

Hülft mia wer, gschiachts eam a hoart –

dann hear i aus eam deini Wort,

und wenn mi wer zum Segn berührt –

woaß i, dass du sei Hand host gführt.

Wenn Hund und Katz mi glicklich mochn –

so hear i di im Herz drin lochn,

und wann Sternenliacht nochts auf mi strohlt –

dann woaß i, dass a dir des gfollt.

A wenn i bliat aus mehra Wund’n –

host du mi schon so oft vabundn,

und bin i krank in meinem Herz’n –

so lindast du mir meine Schmerz’n.

Du flüstast mia ganz leise zua –

pass auf di auf, es is schon gnua,

und find i iwathab koa Ruha –

deckst du mi mit deim Fliegal zua.

An olli Leit host du dein Gfolln –

fia olli Menschen wüllst nur strohln.

Des Licht, des nur von Gott kau sein –

trogst du in unsre Wölt hinein.

Es wocht a Christkind iba mia –

und ganz des Gleichi tuats fia dia.

Gesegnet is die Weihnochtszeit –

moch auf dei Herz und gspiea die Freid.

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Weihnachtsmagie

Nun ist es wieder so weit. Der Advent ist da, Weihnachten steht vor

der Tür, eine magische Zeit beginnt. Da leuchten nicht nur

Kinderaugen, da wirken auch die Erwachsenen oft „aufgeräumt“

und eine gewisse Vorfreude macht sich breit.

Es gibt in unseren Breitengraden kaum jemand,

den diese Zeit kaltlässt, egal ob gläubig oder ungläubig,

ob Christ oder nicht. Ungeachtet der Tatsache,

dass viele nicht mehr wissen, was eigentlich

zu Weihnachten gefeiert wird, ist es doch für

fast alle eine ganz besondere Zeit. Was macht nun

diese Magie aus? Woher rühren der Zauber der

Adventszeit und des Weihnachtsfestes? Ich denke,

ein wichtiger Punkt ist die Erfahrung von Licht

und Dunkel, von Wärme und Kälte. In der dunkelsten

und unwirtlichsten Zeit des Jahres sehnen

wir uns nach Licht und Wärme. Nicht nur, dass die

Tage bedeutend kürzer sind als während des übrigen

Jahres, es scheint auch die Sonne aufgrund

von Nebeltagen und langanhaltenden Schlechtwetterphasen

viel weniger. Diese Lichtreduktion

macht uns dankbarer für das kleinste Leuchten.

Wir sind fasziniert vom Licht einer kleinen Kerze

und staunen, welch große Dunkelheit sie zu vertreiben

mag. Wir freuen uns über die Wärme des

Feuers und die Wohligkeit unserer Wohnungen.

Manchmal denke ich, es gibt trotz allem in den

Menschen auch heute noch ein verborgenes Ahnen

um die eigene Zerbrechlichkeit und Ausgesetztheit,

besonders in dieser dunklen Jahreszeit.

Sind wir das Jahr über gewohnt, die „Herren“ unseres

Lebens zu sein, alles zu steuern, im Griff

zu haben, ins rechte Licht zu rücken, so erinnert

uns die dunkle Jahreszeit intuitiv an die dunklen

Seiten in unserem Leben, die uns bedrohen, an

Schicksalsschläge, die uns aus der Bahn werfen

können. Wir spüren stärker als sonst, dass wir des

Lichts bedürfen. Eines Lichts, das wir nicht selber

entzünden, sondern das uns geschenkt wird.

Neben dem Gegensatz von Licht und Dunkel gibt

es noch ein zweites, das für mich zur „Magie von

Weihnachten“ gehört. Wir spüren in dieser Zeit

ganz besonders, wie gut es tut, dass wir einander

haben, dass wir nicht allein sind. Und wenn

wir einsam sind, wiegt die Einsamkeit doppelt

schwer. Es gibt keine Zeit im Jahr, die uns stärker

daran erinnert und darauf verweist, dass wir

soziale Wesen sind, die der Liebe bedürfen: der

Liebe, die wir empfangen, und der Liebe, die wir

geben. Wir erfahren Leben letztlich nur dann als

sinnvoll, wenn es auch gelingende Beziehungen

gibt. Weihnachten ist nicht zufällig das Familienfest

par excellence. Wir feiern hier unsere tiefsten

Sehnsüchte und unser größtes Glück: aufgehoben

zu sein in einer Gemeinschaft, die trägt, und in Beziehungen

zu leben, in denen wir bedingungslos

geliebt werden. Auch wenn die Erfahrungen bei

den tatsächlichen weihnachtlichen Familienfeiern

oft weit hinter diesem Ideal zurückbleiben, so

wünschen wir uns dennoch nichts mehr, als dass

es so wäre.

Mich berührt besonders, dass gerade das religiöse

christliche Weihnachtsfest diese beiden „Ursehnsüchte“

des Menschen – in Licht und Wärme zu

leben und bedingungslos geliebt zu werden – aufgreift,

zusammenführt, verdichtet und vollendet.

Denn was feiern wir zu Weihnachten? Gott, der

Liebe ist, wird Mensch, einer von uns. Es gibt nun

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So gut riecht

Weihnachten!

keine trennende Grenze mehr zwischen seiner

Liebe und mir. Alle Dunkelheit wird von Liebe erleuchtet.

Es gibt niemanden, der nicht der Liebe

würdig wäre, und hat er sich noch so verfehlt. Es

gibt immer wieder die Chance eines Neuanfangs.

Wir sind nie allein. Wir sind miteinander unterwegs.

Auch in schweren Stunden des Lebens kann

ich darauf vertrauen, dass ich nicht allein bin,

dass Gott da ist.

Unsere Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe,

die unsere Dunkelheiten vertreibt und Wärme

schenkt, versuchen wir in kleinen Dosen durch

vielerlei Rituale und (vor)weihnachtliche Gepflogenheiten

ansatzweise zu stillen – zumindest

bis zum Jahreswechsel, bis dann die Tage wieder

länger werden. Der menschgewordene Gott

aber möchte diese unsere Sehnsucht ein ganzes

Leben lang stillen. Dann wird aus „magischen

Weihnachten“ ein „magisches Leben“. Das ist der

eigentliche Segen dieses Festes. In diesem Sinne:

Gesegnete

Weihnachten!

Weihnachten ist ein Fest der Sinne. Überall klingt

und glitzert es und man riecht förmlich diese festliche

Zeit. Zum Weihnachtsfest gehören seit alters

her besonders sinnliche Geschmackserlebnisse.

Kekse backen

Was erinnert uns mehr an Weihnachten als der Duft

frisch gebackener Weihnachtskekse?

Vanillekipferln, Nussecken, Kokosbusserln,

Zimtsterne – wir lieben sie alle!

Bratäpfel frisch aus dem Ofen

Wann haben Sie das letzte Mal einen Bratapfel

gegessen? Erinnern Sie sich noch an die süßliche

Duftmischung aus warmem Apfel, erwärmten

Rosinen und viel Zimt?

Bienenwachskerzen

Abgesehen von dem angenehmen Duft, verbreitet

das warme Licht von Kerzen zusätzlich eine

wohlige, heimelige Weihnachtsatmosphäre.

Räuchern

Man sagt, dass ein Raum die Energien der Menschen,

die sich darin aufgehalten haben, und

sämtlicher Ereignisse, die darin stattgefunden

haben, speichert. Damit wir für gute Energien und

Harmonien in unserem Zuhause sorgen und Negatives

entfernen, ist Räuchern mit verschiedenem

natürlichen Räucherwerk sehr hilfreich.

Wir wünschen Ihnen ein schönes

Weihnachtsfest mit vielen tollen Gerüchen

und Geschmackserlebnissen, die uns wieder

an unsere Kindheit erinnern!

Vorbeikommen - verweilen - genießen

Margrit Sallfellner mit ihrem Team

8454 Arnfels, Leutschacher Straße 37

Tel: (03455) 6644 • info@klapothek.at

www.klapothek.at

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BÄRIGE

GESCHICHTEN

In unserer Herbstausgabe erzählten wir euch bereits vom kleinen Bären, der seit

mehr als 16 Jahren auf dem Wandbord in der Grenzlandbücherei Eibiswald

sitzt und über die bibliothekarischen Tätigkeiten wacht. Er, der kleine Bär mit

der roten Masche, war der Ausgangspunkt eines Schreibwettbewerbs.

Die Geschichte der Siegerin, Jasmin Ploder, stellten

wir euch bereits vor. Es gab aber noch drei weitere

Gewinner und auch deren Erzählungen wollen wir

hier wiedergeben.

Die zweite Siegerin beim

Geschichtenwettbewerb

der Grenzlandbücherei

Eibiswald ist Ivana Tatzer

von der VS Eibiswald.

Hier ist ihre Geschichte:

Lieber kleiner Bär

mit der roten Masche!

Ich würde dir gerne bei deinem Problem weiterhelfen.

Vor ein paar Wochen hatte ich einen Schnuppertag

in der NMS Eibiswald. Dort besuchte ich

auch die Schulbücherei. Mitten im Regal saß auch

so ein Büchereibär wie du. Er fragte mich, ob ich

den Bären mit der roten Masche in der Grenzlandbücherei

kenne? Dann erzählte er mir eure Familiengeschichte:

Vor vielen Jahren bekamen alle

Büchereien im Bezirk eine Leseprobe von einem

Bärenbuch. In der Grenzlandlandbücherei bist du

als ganz kleines Bärchen herausgepurzelt. Seitdem

bist du ein wichtiges Mitglied der Bücherei. Nacheinander

sind dann alle deine Familienmitglieder

in verschiedenen Büchereien aus dem Bärenbuch

herausgepurzelt. Nun sind sie auch Büchereibären.

Deine anderen Familienmitglieder verständigen

sich schon über den Computer. Nachts schreiben

sie sich dann gegenseitig E-Mails. Der Bär von der

Schulbücherei hat mir deinen Namen verraten: Du

bist Timmy! Jetzt habe ich noch eine tolle Überraschung

für dich: Alle deine Familienmitglieder warten

schon gespannt darauf, von dir zu hören. Damit

du ihnen auch E-Mails schreiben kannst, gebe ich

dir bei meinem nächsten Büchereibesuch die E-

Mail-Adresse vom NMS-Bären. Es ist übrigens deine

Schwester und sie heißt: Mona.

Viel Glück beim Finden deiner Familie,

wünscht dir eine Büchereifreundin und Lesemaus

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Die dritte Siegerin ist Julia

Kögler. Sie kommt ebenfalls

von der VS Eibiswald

und bedenkt unseren Bären

mit ein wenig Hoffnung!

Ebenfalls als dritte Siegerin

gekürt wurde Stella

Wille von der VS Eibiswald.

Sie weiß vom kleinen

Bären folgende Geschichte

zu erzählen.

Es muss Spaß machen!

Es war einmal ein kleiner Bär, der unbedingt ein

besonderes Hobby finden wollte. Doch er hatte

einige Bedingungen: „Ich muss nette Kollegen haben,

ich muss es können, ich darf mich nicht anstrengen

und das Wichtigste – mir muss es Spaß

machen“, erzählte der kleine Bär, der übrigens Beni

hieß.

Eines Tages versuchte er sein Glück als Maler. Doch

die Farben, mit denen er malte, landeten nicht auf

der riesigen Leinwand, sondern auf seinem sehr

strengen Chef. „Beni! Was machst du denn da?“

schimpfte der Chef. Beni ging nach Hause, legte

sich in sein Bett und las aufmerksam in seinem

Lieblingsbuch. Am nächsten Tag versuchte Beni es

als Bäcker. Er machte Brote, Semmeln und leckere

kleine Kuchen. Das hat er super gemacht! Aber

leider hat es ihm überhaupt keinen Spaß gemacht,

weil er alles schon konnte und es nichts Neues zum

Lernen gab. Als Letztes wollte er Bauarbeiter werden.

Doch er hätte vielleicht nicht direkt mit dem

Kran fahren müssen! Denn statt das eingestürzte

Hochhaus zu reparieren, krachte er mit dem Kran

in das Haus nebenan und so konnte er seinem Job

sofort auf Wiedersehen sagen. Er zog sich auf

sein Zimmer zurück und las in einem Buch. Am

nächsten Morgen wollte Beni gar nicht mehr aufstehen,

weil er so deprimiert war. Da kam seine

Mama ins Zimmer und wollte wissen, warum er

so traurig war. Da erzählte der Bär: „Nichts ist für

mich geeignet! Ich kann nicht malen, Backen gefällt

mir nicht und Bauen ist das Schlimmste von

allen.“Da kam ihm seine Mama zu Hilfe: „Überleg

doch mal, du liest sehr oft! Du kannst lesen. Dir

macht es Spaß und in der Bücherei hättest du nette

Kollegen.“ Seit diesem Tag saß der Bär immer in

der Bücherei und blieb auch dort und er wird auch

ewig in der Bücherei bleiben.

Der Bär, der nie die

Hoffnung verlor

An einem sonnigen Tag kam ein kleines Mädchen

namens Lili mit einem kleinen Bären, der Bärli

hieß, in die Bücherei. Sie legte mich, den Bären,

auf einen Tisch, weil sie sich umschauen wollte.

Lili ging zwischen Regalen hin und her, bis sie zwei

Bücher fand. Eines mit einem Schäfchen und eines

mit einer Katze. Ich, der kleine Bär, sah ihr zu, wie

sie zur Büchereidame ging und ihre Bücher ablegte.

Sie war so erfreut über ihre Bücher. Ich dachte,

sie nimmt mich mit, doch alles kam ganz anders …

Als sie ging, sah sie schon die Bilder in den Büchern.

Doch als sie aus der Tür ging, kamen mir

schon Tränen, Tränen der Enttäuschung. Schluchzend

saß ich da, ganz allein.

Ohne meine geliebte Lili. Auch die Büchereidamen

bemerkten das und hängten Bilder von mir in der

Gegend auf. Auf den Bildern stand: „Wer diesen

Bären vermisst, der soll in die Bücherei kommen.“

Jahre vergingen, doch keiner meldete sich bei der

Bücherei. Ich vermisse Lili immer noch. Aber ich

freue mich jeden Tag, wenn mich kleine Leseratten

besuchen kommen.

Wir von „der Steirer Land“

gratulieren den jungen Literatinnen

zu ihren hervorragenden Leistungen

und freuen uns, dass das Erzählen

von Geschichten bei der jungen

Generation noch genauso beliebt

ist, wie es das von alters her war.

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Lebensmittel,

DAS GRÖSSTE GUT AUF ERDEN…

Daniela Posch

Anlässlich des Welternährungstages, der jedes Jahr am 16. Oktober stattfindet,

besuchte ich auch heuer wieder Volksschulklassen im Bezirk. Ich durfte den

Volksschülern die heutige Landwirtschaft, unseren Betrieb und die Wichtigkeit

der Lebensmittel erklären.

Mir ist dies eine Herzensangelegenheit und die

Kinder schenken mir ihre Begeisterung und ihre

Aufmerksamkeit. Wir plaudern über Milch- und

Eiprodukte, über Fleisch und was alles in den Kühlschränken

der Familien ist und von Bäuerinnen und

Bauern stammt.

Und siehe da – die jungen Sprösslinge waren überrascht

und verwundert, wie viel von den Bauernhöfen

unseres Landes kommt. Mit Hingabe erklärte

ich den Kindern, dass wir Bäuerinnen und Bauern

gerne für die Menschen Lebensmittel herstellen

und dass wir das Tag für Tag, 365 Tage im Jahr, machen,

damit jeder gesunde, hochwertige Nahrung

zu sich nehmen kann. Aus diesem Grund ist es

auch wichtig, Lebensmittel nicht zu verschwenden

oder gar wegzuwerfen. Auch berichtete ich von

Menschen in anderen Ländern, die Hunger leiden

und nicht so einfach wie wir Lebensmittel zu sich

nehmen können. Mir ist es immer wieder ein großes

Anliegen, unseren Nachkommen die Bedeutung

der Landwirtschaft zu erläutern und näherzubringen.

Am Ende des erlebnisreichen Vormittags

hatte ich ein gutes Gefühl und fuhr zufrieden und

glücklich nach Hause. Dennoch – muss ich gestehen

– entfernen sich die Kinder jedes Jahr mehr

von der Einsicht in die Bedeutung und Wichtigkeit

der Landwirtschaft. Auf die Frage, wo denn die

Lebensmittel herkommen bzw. wie sie entstehen,

bekomme ich immer häufiger die Antwort: aus

dem Supermarkt! Ja, nein, ganz Unrecht haben sie

ja nicht… Auf die Frage, ob sie schon einmal Lebensmittel

selber hergestellt haben: ein eindeutiges

Nein! Befragt, ob sie schon einmal Kühe, Schweine

oder Hühner gestreichelt haben: Nein, ja im

Urlaub… Die traurige Erkenntnis: Immer weniger

Kinder besuchen oder kennen Bauernhöfe. Zugegeben:

Auf dem Land ist es noch nicht so drama-

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tisch wie in den Städten. Aber wohin führt es,

wenn unsere Kinder das größte Gut auf Erden

nicht mehr würdigen? Die Leistungen der Bäuerinnen

und Bauern nicht wertschätzen? Lebensmittel

achtlos wegwerfen? Wollen wir nicht die

Zukunft unserer Kinder sichern und ihnen ein

gutes Fundament mit Kernwerten, Grundhaltung,

Moral, Ethik und Verantwortung mit auf

den Weg geben? Dann müssen wir jetzt handeln

und unserem Nachwuchs die Wichtigkeit unserer

Lebensmittel verdeutlichen, aber auch die Arbeit

der Landwirtinnen und Landwirte hochhalten. Im

Vordergrund werden natürlich immer die Supermärkte,

Konzerne, Fabriken und die Industrie stehen,

aber ohne Erzeuger kann diese lukrative Wirtschaftsmaschinerie

nicht weiter funktionieren. Es

sei denn, diese Großkonzerne würden es zustande

bringen, in Zukunft künstliche Lebensmittel für die

Bevölkerung herzustellen! Wenn es nämlich die

Urproduzenten nicht mehr gibt, wird auf keinem

Acker mehr angebaut, werden keine Wiesen gemäht,

keine Milchprodukte hergestellt, kein heimisches

Fleisch mehr produziert, kein Obst und

Gemüse konsumiert…

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Beginnen wir in der Gegenwart:

Leuchtende Kinderaugen, lachende

Gesichter und glückliche Eltern –

weil die Freude den Schmerz vergessen

lässt und Krankheit durch

Lachen in den Hintergrund tritt.

Der Grund dafür: Die Roten

Nasen Clowndoctors! Und genau

jenen überreichten Klaudia und

Sepp Deutschmann eine Spende

von 7.000 Euro zur Unterstützung

ihres Tuns.

Einzigartig wie

die Menschen

Möglich wird dies alles, wenn glückliche Mitarbeiter

die Firmenphilosophie leben, begeisterte

Kunden die handwerklichen Leistungen schätzen

und die Firmenleitung sich um ein Rundum-Wohlfühlkonzept

für Mitarbeiter und Kunden bemüht.

Die Basis dafür sind zeitlose, schlichte Möbel, eingebettet

in ein stimmiges Raumkonzept. Es geht

um „Raum“, Raum, in dem wir leben und wohnen,

unsere Freizeit verbringen oder unsere Arbeit

verrichten. Klaudia und Sepp Deutschmann

haben die Erfahrung gemacht, dass Kunden dankbar

sind, wenn man ihnen bei der Erstellung eines

Wohnkonzepts behilflich ist. Deshalb nimmt

man sich Zeit: Zeit zum Reden, Zeit zum Planen

und man stimmt von der Wandfarbe über die Türen

bis hin zur Einrichtung alles auf die speziellen

Wünsche der Kunden ab. Sepp Deutschmann

meint: „Unsere Möbel sind dabei so individuell

und einzigartig wie die Menschen, für die sie gebaut

werden“. Klaudia Deutschmann schwärmt:

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„Wir nehmen uns Zeit, unsere Kunden

kennenzulernen, zu erfahren, wie sie leben

möchten und womit sie sich wohlfühlen.

Dies sind die Grundlagen unserer Arbeit

und so haben wir nicht nur zufriedene, sondern

begeisterte Kunden, für die wir unsere

Leistungen erbringen dürfen.“

Man kann nur verkaufen, was man selber lebt. Ein

Teil der Geschäftsphilosophie des Unternehmens

ist es, keine halbfertigen Produkte zuzukaufen,

sondern wirklich jedes Teil in der Firma herzustellen.

Dies geschieht zum qualitativen Wohl

der Kunden und auch, um den Umweltgedanken

(keine unnötigen Transporte, Verpackungen und

Materialien) im Unternehmen hochzuhalten.

Vielschichtig wird hier für die Region und für die

Umwelt ans Werk gegangen. Sämtliche Tischlereiabfälle

werden vor Ort zerkleinert und in der betriebseigenen

Biomasseheizung in Energie umgewandelt.

Die Mitarbeiter (mittlerweile 14 an der

Zahl) stammen aus der Region. Lehrlinge werden

im Unternehmen zu kompetenten Fachkräften

ausgebildet. Dabei kommen der familiäre Zusammenhalt

und das freundschaftliche Verhältnis zu

den Mitarbeitern nicht zu kurz, weiß man hier

doch bereits seit vier Generationen und 110 Jahren,

dass nur das Gemeinsame von Firmenleitung

und Mitarbeitern letztendlich zum Ziel – zu begeisterten

Kunden – führt.

Was einst als kleine Tischlerei begann, entwickelte

sich zum Komplettanbieter und ist heute vielschichtig

in sämtlichen Bereichen gefragt. „Unsere

Möbel findet man in Einfamilienhäusern, Wohnungen

und im landwirtschaftlichen Bereich“, erzählt

Klaudia und Sepp ergänzt: „Kindergärten,

Gemeindeämter und Musikheime wurden von

uns ebenso ausgestattet wie Gaststätten, Cafés,

Buschenschänken und Kultur- und Trauungsräumlichkeiten“.

So entwickelte sich das Unternehmen

zu einem kompetenten Partner für individuelle

Innenraumgestaltung und so ist es möglich, wenn

einem Gutes widerfährt – Gutes zurückzugeben,

wie heuer an die Roten Nasen Clowndoctors!

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten,

ruhige Feiertage im Kreis Ihrer Liebsten und

ein gesundes, glückliches und erfolgreiches

Jahr 2020. Ihre Familie Deutschmann

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Unsere Sprache - unsere Seele

aufbudln aufregen Wegn solcher Kloanigkeiten brauchst di net so aufbudln.

Hirnkastl Stirn Mir hot’s die ganze Zeit aufs Hirnkastl zogn

und jetzt bin i verkühlt.

iwandiwa durcheinander/überall Ram dei Werkstott zam, wal durt liegt schon olles iwandiwa.

Puglweh Rücken-/Kreuzschmerzen Va lauta Zahrn ham i schon drei Tog Puglweh.

dumadum rundherum Gehst um die Kirchn dumadum, dann wirst den

Pforra schon finden.

Pastaplumpasolm Peterisodona-Salbe Wennst an Spahl einzogn host, dann tua a Pastaplumpasolm

aufi, die ziecht ihn wieder aus.

einfatschn bandagieren Dei Fuaß wird imma dicker, i glab mir sullten eam einfatschn.

Besenwettl hinterfotziges Weibsbild Net jede Jungfrau is a Engerl und net jede Iwastandige

a Besenwettl.

Himmlkuhal Marienkäfer A Himmlkuhal bringt uns des Glück.

Tschorwa dummes Mädchen Die Nochbarsdirn is a richtige Tschorwa ba dem,

wos dei olles daherred.

Pleapl dummer Bub Umd ihr Bruda glabt, der is so gscheit, dabei is er a

fester Pleapl.

ginn gähnen Bittschea, fang in da Kirchn net wieder aun zan ginn.

hanti bitter Der Schnops muaß gsummt sein, so hanti wia er is.

Jaukal Injektion Wenn nix mehr hülft, dann muaßt ban Doktor a Jaukal huln.

kleba kaum Kleba is a Göld im Säckl, schon is es wieder fuart.

Leihkaf Anzahlung Ban Traktor ham i an Leihkaf gmocht umd nächstes

Joar zohl i den Rest.

miasi untätig Du bist da oanzige, der do miasi umananda steht,

während olli andern fest aunpocken.

olaxln zur Herausgabe überreden Pass auf ban Wirt umd loss dir jo dei Göld net olaxln.

Pfohmochn Schneeräumen I spann den Ochsen ein und geh jetzt Pfohmochn.

Raularei schlechte Musik Es gibt a scheane Musi umd dann gibt’s noch dei Raularei.

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BRÜDERLEIN UND SCHWESTERLEIN

GRÜSSE AUS

WEITER FERNE

Frau Maria Freidl wurde 1928 in St. Lorenzen ob

Eibiswald geboren; heute lebt sie in St. Oswald. Neben vielen

Kindheitserinnerungen ist ihr eine Geschichte voll Verzweiflung und

Traurigkeit in tiefster Erinnerung geblieben. Damit verbunden ist

jener Brief, der die Familie zu Weihnachten 1941 erreichte.

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BRÜDERLEIN UND

SCHWESTERLEIN

Grüße aus

weiter Ferne

In jener Zeit, als ich aufgewachsen bin, waren die

Höfe und Keuschen voller Kinder und ganz egal,

wie viele es waren, am meisten galt immer der erste

Sohn. So war es auch bei uns. Meine Mutter

wurde 1893 geboren und hatte mit ihrem ersten

Mann zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn.

Leider verlor sie ihren Gatten im Ersten Weltkrieg.

Sie lernte meinen Vater kennen und bekam auch

von ihm zwei Kinder. Da es hier keine Arbeit gab,

suchte er sein Glück in der Obersteiermark, dahin

konnte ihn die Mutter mit vier Kindern nicht begleiten

und so kam es weder zu einer Heirat noch

zu einem gemeinsamen Glück. Unsere Heimat war

der Hof des Onkels, Mutters Geburtshaus. Der

Onkel war der Chef am Hof, mein Bruder Franz

– er war 10 Jahre älter als ich – der Chef unserer

kleinen Familie. Die Arbeit ging nie aus und Franz

sorgte dafür, dass keine seiner Schwestern, auch

ich als kleinste, sich davor drückte. Und wenn wir

nicht folgten, so wurde uns gleich einmal ordentlich

der Hintern versohlt. Des Öftern rannte ich

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davon, drückte mich vor meinen Aufgaben um zu

spielen, und versteckte mich den halben Tag auf

dem Dachboden. Erwischte mich mein Bruder

dabei, gab es ebenfalls ein paar aufs Hinterteil und

klagen bei der Mami half nichts. Mutters Kommentar

dazu lautete: „Wegen der faulen Weiber

geh i net mein Buam an“.

Diese Probleme gab es mit dem Onkel nie, vor allem

deswegen, weil ich ihm folgte, wenn er mir

etwas auftrug. Bei meinem Bruder musste ich halt

ausloten, wie weit ich gehen konnte. Unterhaltung

schafften wir uns selber; da hatten wir mit der Musikalität

von Franz wirklich Glück, denn passte der

Anlass und trafen sich ein paar Nachbarn, so sorgte

er mit seiner Musik für Abwechslung. Natürlich

bewunderte ich meinen großen Bruder dafür und

gerne lauschten wir seinen Melodien. Dann kam

der Anschluss an Deutschland und alsbald begann

der Zweite Weltkrieg. Mein Bruder Franz wurde

zum Arbeitsdienst eingezogen und kam gleich


danach zum Militär. Für Mutter war es schlimm:

Ihr einziger Sohn, die Hoffnung darauf, dass er es

einmal weiter als bis zum Knecht bringen würde,

und ihre Versicherung, dass jemand auf sie schaut,

wenn sie alt ist, musste in den Krieg. Franz wurde

zum Panzerfahrer ausgebildet. Immer weiter nach

Osten führte ihn sein Weg. Voller Sehnsucht wartete

die Mutter auf jede einzelne Nachricht von ihm.

Immer, wenn ein Brief oder eine Karte ankamen,

saßen wir alle in der Stube zusammen und lauschten,

was die Mutter uns da vorlas und wie es unserem

Bruder in der großen weiten Welt erging. Egal,

wie oft sie ein Schreiben von ihm zur Hand nahm,

immer endete es damit, dass sie in Tränen ausbrach.

Besonders schlimm war es an den großen

Feiertagen, dass Franz nicht da war. Gern erinnere

ich mich daran zurück, wie glückselig die Mutter

an jenen Tagen war, an denen Franz auf Urlaub

heimkam und wie sie beinahe verzweifelte, wenn

er wieder weg musste. Besonders schlimm war es

1941. Die Briefe von Franz wurden ein wenig seltener

und aus seinen Schreiben entnahmen wir, dass

alles schlimmer und härter wurde. Dann kam der

Winter und wieder ging es auf Weihnachten zu. Es

war die zweite Dezemberhälfte, den Tag weiß ich

nicht mehr genau, als ein Mann in Uniform durch

den Schnee heraufstapfte. Mit im Gepäck hatte er

die Nachricht, dass Franz in Russland für sein Vaterland

gefallen war. Ein Granatsplitter kostete ihn

das Leben. Nach vielen Lobes- und Dankesworten

verließ der Bote uns wieder und wir waren mit unserem

Verlust allein.

Allesamt weinten wir in der Stube, nahmen uns

gegenseitig in den Arm und versuchten vor allem

die Mutter zu beruhigen. Irgendwann schliefen wir

vor Erschöpfung ein, nur um am nächsten Morgen

wieder Tränen zu vergießen. Es gab keinen Trost

und alle schönen Worte, die wir Tage später in der

Kirche zu hören bekamen, führten uns nur noch

deutlicher vor Augen, was wir verloren hatten.

Es waren nur noch wenige Tage bis zum Heiligen

Abend und das machte alles noch schlimmer. Aus

unserer Trauer wurden wir gerissen, als drei Tage

später ein Brief ankam. Es war der letzte Brief, den

Franz an uns geschrieben hatte. Weil die Feldpost

ihre Zeit bis zur Zustellung brauchte, kam er erst

drei Tage nach der Todesnachricht bei uns an. Mit

zitternder Stimme las ihn die Mutter vor, teilte uns

seine Weihnachtswünsche mit und brach bei den

Worten „die besten Grüße aus weiter Ferne“ neuerlich

in Tränen aus.

Liebe Mutter!

WEIHNACHTEN 1941

Da es nun hier schon sehr kalt ist und alles

weiß verschneit, so denken wir schon sehr an

Weihnachten, ein Weihnachten, das wir diesmal

wohl sehr einsam feiern werden, wie noch

nie, aber wir werden im Geiste auch nie so bei

euch sein wie diesmal, wenn wir in einer kleinen

Russenhütte eng beisammen sitzen und frieren.

Oder mit dem scharf geladenen Gewehr und

aufgepflanztem Bajonette auf Wache stehen

fürs deutsche Volk und auch für euch Lieben

in der Heimat, so werden wir doch mit euch vorm

brennenden Christbaum stehen und uns freuen.

Es ist zwar schon das vierte Mal, dass ich fern

von der Heimat das schönste Fest der Deutschen

erlebe, doch noch nie war ich so weit weg, nie

so auf mich gestellt, aber auch nie so darauf

vorbereitet, und obwohl es uns zurzeit friert und

wir den Russen mitsamt seinem unendlichen

Land zum Teufel wünschen, so werden wir doch

nicht sagen, es war schön.

Und so denken wir jetzt schon an das kommende

Fest, und ich weiß auch, dass wenn ihr unterm

Christbaum steht, ihr an mich denkt, und so

treffen wir uns dann wenigstens in Gedanken.

So Gott es will, stehen wir dann am nächsten

Weihnachtsfest zusammen unter dem Baum.

Das schönste Weihnachtsgeschenk wäre freilich

für uns alle, wenn wir Russland verlassen

könnten. Aber einmal wird auch das kommen

und dann gibt es wohl auch ein Wiedersehen.

Wünsche nun dir und euch allen ein

frohes Weihnachtsfest und sende die besten

Grüße aus weiter Ferne. Franz Prattes

Die ganze Erzählung von Maria Freidl sowie viele

weitere Briefe und die dazugehörigen Geschichten

finden Sie im neuen Steirerland-Buch „HERZ-

KLOPFEN. Alte Briefe und alte G’schichten!“

19


WOAßT

AS NOCH?

Über hunderte, ja sogar tausende von

Jahren erfuhren die Werkzeuge des

täglichen Gebrauchs zwar eine ständige

Weiterentwicklung, aber kaum eine entscheidende

Veränderung. Erst im letzten

Jahrhundert wurden viele unserer Hilfsmittel

durch technische Errungenschaften

abgelöst und beginnen seitdem langsam

in Vergessenheit zu geraten. Erinnern

Sie sich noch an den Verwendungszweck

nachstehender Werkzeuge?

Spirituskocher

Diese „Spiritusvergaser“ müssen vor dem Gebrauch

vorgeheizt werden, indem unterhalb

der Brennstoffzuleitung und des Topfes eine

kleine Menge Spiritus in einer Wanne verbrannt

wird. Danach brennt der Kocher von

selbst weiter. Bei dieser Art Kocher ist außerdem

der Tank vom Brenner getrennt, sodass

eine größere Brenndauer erzielt wird.

Petroleumofen

Die Petroleumkanne ist ein Behältnis, das zum Nachfüllen von Petroleum

gebraucht wurde. Da die Füllöffnungen an diversen Brennern und

Lampen sehr klein waren, hatten sie einen dementsprechend dünnen

Auslassschnabel.

Dreifuß mit Pfanne

Ein Dreibein oder Dreifuß ist ein historisches Küchengerät.

Es diente als Standgerät für Töpfe oder

Pfannen am offenen Herdfeuer. Nachgewiesen

sind Dreifüße in Mitteleuropa seit dem Mittelalter,

bekannt waren sie schon in der Antike.

Wärmflasche

Bauchweh, Kreuzschmerzen, Zahnweh oder einfach,

weil es bitterkalt war: Die Wärmflasche war

immer in Verwendung. Unser besonderes Exemplar

aus Metall hat sogar einen Riemen, damit

man sie sich umschnallen konnte.

20


AKAZIENHOF

St. Andrä / Höch

Feuerbock

Ein Feuerbock, auch Branntbock genannt, ist ein

Gestell aus Gusseisen in einer Feuerstelle, auf das

Feuerholz gelegt wird. Durch die erhöhte Lage wird

die Luftzufuhr zum Feuer verbessert; dadurch ist

eine bessere und heißere Verbrennung gewährleistet.

Daheim in Neudorf im Sausal

Der Akazienhof steht für Plege und

Betreuung mit Herz und Qualität und

bietet seinen Bewohnerinnen und

Bewohnern ein familiäres Umfeld

sowie individuelle Betreuung.

Unser Angebot:

Petroleumkanne

Die Petroleumkanne ist ein Behältnis, das zum

Nachfüllen von Petroleum gebraucht wurde. Da die

Füllöffnungen an diversen Brennern und Lampen

sehr klein waren, hatten sie einen dementsprechend

dünnen Auslassschnabel.

Die Exponate wurden uns von

www.erinnerungshof-hermann.at

zur Verfügung gestellt.

• Langzeitplege

• Betreuung für Menschen mit psychiatrischer

Beeinträchtigung

• Kurzzeitplege

• Einzel und Doppelzimmer

• Modernst ausgestattete Zimmer mit Bad,

WC und TV

• Individuelle Gestaltung der Zimmer

gemäß den Wünschen der BewohnerInnen

• Gemütliches Café mit Terrasse

• Zuzahlung durch die öffentliche Hand

möglich

mit Herz

Plege

u n d Q ualität

Infos: Frau Ilse Masser

0664 881 25 463

www.plegemitherz.co.at

21


DIE GROSSEN STEIRISCHEN

GESCHICHTEN-

SAMMLER

Zu jeder Zeit gab es Menschen, die den Wert des Erzählgutes ihrer Mitmenschen

erkannten, es aufzeichneten und so für die Nachwelt erhielten. Gemeinsam mit

Peter Stelzl wollen wir Ihnen diese Sammler und Chronisten näherbringen und

auszugsweise ihre Geschichten präsentieren.

Karl Stöffelmayr

Karl Stöffelmayr, geboren 1901, war

Volksschullehrer und als solcher zunächst

in Modriach und von 1924 bis 1934 in St.

Lorenzen ob Eibiswald tätig. Später war er

Bezirksschulinspektor in Murau und Direktor

der Sonderschule auf der Stolzalpe.

Er schrieb mehrere Bücher und stand in

freundschaftlicher Verbindung mit Prof.

Viktor von Geramb und Dr. Hans Kloepfer.

Stöffelmayr verstarb 1980.

Der Teufel und

die schöne Kathl

Es lebte einst ein wunderschönes Mädchen in der

Steiermark. Sie hieß Kathl. Die Schöne trug einen

langen Zopf und war sehr gläubig. Wenn sie durch

den Wald ging, verneigten sich die Bäume vor ihr,

die Vögel sangen für sie die schönsten Lieder, die

Blumen reckten ihre Köpfe nach ihr und in der

Nacht schauten alle Sterne dem Mädchen nach.

Der Teufel aber hatte es auf das fesche Mädchen

abgesehen, er schlich ihr immer nach und konnte

sich sogar unbemerkt an ihrem Zopf festhalten.

Einmal stand Kathl in der Kirche und der Teufel

hing an ihrem Zopf. Da wäre er fast verbrannt, weil

Weihwasser auf seinen Körper tröpfelte. Er lief in

die Hölle hinunter, aber das fesche Mädchen konnte

er nicht vergessen. Eines Tages stand er mit seinen

Bocksfüßen wieder in Kathls Kammer und fragte:

„Schönes Fräulein, magst du mich?“ „Könnt mir

einfallen, du grauslicher Kerl!“, rief die junge Frau

und lief zu ihrer Mutter, die in der Küche arbeitete.

Einige Zeit später saß das hübsche Mädchen allein

in der Stube und arbeitete am Spinnrad. Da schaute

der Teufel plötzlich aus dem Rad heraus und fragte:

„Kathl, magst du mich?“ Wieder sagte sie, dass sie

von ihm nichts wissen wolle.

Am nächsten Tag ging sie zum Pfarrer und erzählte

ihm alles. Er bat, sie möge ja standhaft bleiben,

auch dann, wenn sie deshalb Vater und Mutter verlieren

oder gar selbst sterben müsste. Als sie heimkam,

lag ihr Vater schwerkrank im Bett. Der Teufel

saß auf seiner Brust und würgte ihn. Die Tochter

wollte ihn vertreiben, aber es gelang ihr nicht. Der

Vater verstarb. Der Teufel schaute das Mädchen an

und fragte: „Kathl, magst mich?“ Sie machte ein

Kreuzzeichen und der Teufel musste verschwinden.

Ein paar Tage später wartete der Teufel auf die Mutter.

Mit seinen Hörnern stieß er sie zu Boden; die

Frau war auf der Stelle tot. Kathl lebte nun zurückgezogen

und wartete auf einen seligen Tod. Da zog

22


in der Nacht der Teufel an ihrem Schlafgewand und

fragte: „Kathl, magst mich?“ Die junge Frau sagte

nur: „Geh weg, du schlechter Kerl!“ Darauf musste

das Mädchen durch den giftigen Atem des Teufels

sterben. Der Pfarrer hatte eine besondere Eingebung

und ließ die Tote nicht auf dem Friedhof begraben.

Unter einem Lindenbaum, der hinter dem Friedhof

stand, wurde das Mädchen begraben. Wenig später

durchwühlte der Teufel den ganzen Friedhof, konnte

aber „seine Kathl“ nicht finden. Auf Kathls Grab

wuchs eine schöne Lilie. Ein fremder Holzknecht

sah die Lilie, grub sie mit ihren Wurzeln aus und

nahm sie mit in seine bescheidene Hütte.

Dort setzte er die Blume in einen alten, blauen, blechernen

Kochtopf und stellte diesen auf ein sonniges

Fensterplatzerl. So oft er von seiner schweren Arbeit

heimkam, war das Zimmer aufgeräumt und gutes

Essen stand auf dem Tisch. Er hatte keine Erklärung

dafür und es wurde ihm unheimlich. Am folgenden

Tag beschloss er, sich hinter einem Kasten zu verstecken.

Bald darauf stieg eine schöne, weißgekleidete

junge Frau aus dem Blumentopf und verrichtete

die ganze Arbeit, bevor sie wieder dort verschwand.

Der Holzknecht konnte nicht glauben, was er da alles

gesehen hatte. Er ging zum Pfarrer, erzählte ihm

alles und bat um Rat. Hochwürden erinnerte sich an

Geschehenes und sprach: „Verstecke dich wieder

hinter dem Kasten, nimm einen geweihten Gegenstand

mit und wenn diese sagenhafte Frauengestalt

wieder erscheint, spring aus dem Versteck hervor, ergreife

ihre Hand und ruf laut: „Kathl, magst mich?“

Schon am nächsten Tag machte der Holzknecht alles,

was ihm der Pfarrer geraten hatte. Als die schöne,

weiße Gestalt neuerlich erschien, kam auch er

aus dem Versteck, fasste sie schnell bei der Hand

und fragte: „Kathl, magst mich?“ „Ja“, rief die weiße

Mädchengestalt und der Holzknecht hatte die

wunderschöne Kathl an der Hand. Obwohl der Teufel

bei ihr nochmals als Liebeswerber erschien, musste

er unverrichteter Dinge in sein Reich verschwinden,

weil das Mädchen ihm auf seine Frage niemals

eine Antwort gab und selbst er gegen die Macht der

Liebe nichts ausrichten konnte. So war das Mädchen

von seinem Fluch erlöst, heiratete den jungen Mann

und beide waren bis zu ihrem Lebensende ein glückliches

Ehepaar.

Seinerzeit von Karl Stöffelmayr im Jahr 1928 im Volkskalender des Deutschen Schulvereins

Südmark veröffentlicht, wiederentdeckt von Peter Stelzl und festgehalten in seinem Buch

„Steirischer Märchenschatz“. www.peter-stelzl.at, Tel.: 03455/596.

Wir planen und montieren

Ihre maßgeschneiderten Küchenund

Einrichtungslösungen nach Ihren Wünschen.

23


Es ist geschafft, Mitte November durfte ich

mein neues Werk „HERZKLOPFEN“

in Händen halten und auch damit, wie

bei jedem neuen Buch von mir, kam das

Herzklopfen nicht zu kurz. Wieder

schenkten mir die Menschen wunderbare

Geschichten, die aus längst vergangenen

Zeiten davon berichten, was einst bei ihnen

Herzklopfen auslöste.

FAKTEN

160 Seiten, Format A4, Hardcover

über 50 Geschichten

mit mehr als 300 Abbildungen

dazu alte Postkarten,

Briefe und Schriftstücke

Ich nehme Sie mit in die Zeit meiner

Geschichtenerzähler und schreibe davon,

dass Schmetterlinge im Bauch zu fliegen

begannen und das Blut in Wallung geriet, wenn es

um Liebschaften oder Vorfreude ging, aber auch,

wie Beklommenheit den Körper lähmte und das

„HERZKLOPFEN“ der Vorbote einer traurigen

oder schlechten Nachricht war.

In den Geschichten erzähle ich Ihnen aufregende

Abenteuer: Davon, wie zwei junge Burschen in vier

Tagen an die 1.000 Kilometer mit dem Puch-Rad

zurücklegten, aber auch, wie fremde Menschen

dafür verantwortlich waren, dass jemand den

Ersten Weltkrieg überlebte. Ich berichte, wie

junge Musikanten in der Schweiz hungerten, weil

sie ein „Steak“ noch nicht kannten, und dass sie

nicht schlafen konnten, weil sie den Strohsack und

nicht die Matratze gewohnt waren.

Ich bewahre Geschichten auf, die hinter lustigen

und geheimnisvollen Briefen stehen, zeige

Ihnen, wie einfallsreich die Menschen waren,

wenn es darum ging, heikle Botschaften – zum

Beispiel eine verheimlichte Schwangerschaft –

zu verschlüsseln und für wie viel Herzklopfen

Nachrichten von lange verschollenen Menschen

sorgten. Und weil es seinerzeit zu jedem Anlass

etwas „Geschriebenes“ gab, enthalte ich Ihnen

Post- und Glückwunschkarten ebenso wenig

vor wie Feldpost und Ansichtskarten. Dabei ist

nicht nur das geschriebene Wort interessant,

sondern auch die wunderschönen und vielfältigen

Gestaltungsvarianten, mit denen die Menschen

Liebe, Freude, Leid und Glück ausdrückten.

Viele dieser Menschen sind nur mehr durch die

Erinnerung an sie präsent. Ein kleines Stück ihrer

Geschichten und ihrer Briefe wird hier erhalten

und vor allem werden ihre Lebensweisen und

Lebensumstände an die nächsten Generationen

weitergegeben.

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Naturpark

Südsteiermark

© www.geo-vision.info

Landschaftsschutz im

Naturpark Südsteiermark

Im Schutzgebiet des einzigen Nationalparks der

Steiermark, dem Nationalpark Gesäuse, darf die

natürliche Entwicklung des Lebensraums von keinerlei

menschlichem Einfluss gestört werden. Im

zukünftigen Biosphärenpark Steirische Grenzmur

ist das Kerngebiet, nämlich die Mur und ihre Uferflächen,

im Fokus des fachlichen Naturschutzes.

Im Naturpark Südsteiermark steht der Erhalt der

kleinstrukturierten Kulturlandschaft im Landschaftsschutzgebiet

mit seinen Streuobstwiesen,

Blumenwiesen, Weingärten, Hopfenfeldern, Äckern

und Mischwäldern im Fokus der Arbeit und

hier ist im Gegensatz zu den vorher genannten

Schutzgebietskategorien der menschliche Einfluss

die Grundlage der bisherigen und zukünftigen

Entwicklung. Gemeinsam ist allen diesen Schutzgebieten,

dass behördliche Auflagen und Regulierungen

das menschliche Handeln regeln, denen

nicht nur die Bürger*innen, sondern auch die jeweiligen

Institutionen zu folgen haben.

Der Naturpark Südsteiermark ist in vielerlei Hinsicht

eine sehr besondere Region, denn diese

Vielfalt an verschiedensten, schützenswerten und

noch intakten Kulturlandschaftselementen ist

österreichweit leider eine Seltenheit. Schon seit

Jahrtausenden wird die Landschaft auf den unzähligen

Riedeln und Hügeln landwirtschaftlich

genützt und verändert. Dadurch entstanden neue

Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen.

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