Stahlmarkt 11/19

stahlmarkt.magazin

Maenken Kommunikation GmbH

Von-der-Wettern-Straße 25, 51149 Köln

PVSt, Deutsche Post AG

Entgelt bezahlt, 3018 , ISSN 0178-6571

Informationen aus Stahlindustrie,

Stahlhandel und Stahlverarbeitung

11

November 2019

Stahlschrottbedarf in Deutschland weiter rückläufig (Seite 14)

Mehr junge Leute für den Stahlbau (Seite 15)

Maschinenbau steuert durch raue Gewässer (Seite 20)

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nahtlosen Stahlrohres Ingenieure und Wissenschaftler

auf der ganzen Welt inspiriert. In der Europäischen

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Edelstahlrohren Elementarteilchen auf annähernde

Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und zur Kollision

gebracht. Sie erweitern damit die Grenzen der bisher

bekannten Physik.

Unsere Rohre arbeiten im Dienst der Menschheit auf den

zweiten und dritten Blick. Überall. Seit 130 Jahren.


Editorial 3

der Protektionismus ist weiterhin auf dem Vormarsch: Erst

im vergangenen Jahr hatten die USA die Erhebung von Sonderzöllen

auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren aus der EU

durchgesetzt. Nun treten weitere Importzölle gegen

EU-Produkte wie Olivenöl, Wein oder Parmesan in Kraft.

Die EU hat bereits Gegenmaßnahmen angekündigt (S. 8).

Auch auf türkischen Stahl kommunizierte die Regierung

Trump eine Anhebung der Zölle (S. 9). Die Anlässe für die

Sonderzölle sind äußerst verschieden: Im einen Fall sind sie

die Antwort Amerikas auf EU-Subventionen für den Flugzeugbauer

Airbus, im anderen die Reaktion auf den Einmarsch

der Türkei in Syrien. Dennoch zeigen beide einmal Chefredakteur Philipp Isenbart:

mehr, welch beliebtes Machtmittel Strafzölle für den US-Präsidenten

darstellen. Hoffen wir, dass die USA wieder das sein. Hoffnungslos ist sie mitnichten.«

»Die wirtschaftliche Lage mag zurzeit ernst

Prinzip des Freihandels für sich entdecken, anstatt weiter

auf Handelskrieg an allen Fronten zu setzen. Schließlich

haben sich die Rahmenbedingungen für die Stahlproduzenten bezüglich der Unsicherheit in der Handelspolitik

bereits stark zugespitzt, wie Dr. Sebastian Bross, Geschäftsführer der Salzgitter Flachstahl GmbH, auf

dem MBI Stahl Tag 2019 betonte (S. 34). Auch der weiterhin abnehmende Stahlschrottbedarf (S. 14)

sowie die gedrosselte Produktion und die rückläufigen Auftragseingänge im Maschinenbau

(S. 20) sind Indikatoren dafür, wie herausfordernd die wirtschaftliche Situation zurzeit ist.

Mit den Tücken des demografischen Wandels beschäftigen wir uns hinsichtlich der Themen »Unternehmensnachfolge«

(S. 10) und »Nachwuchsmangel im Stahlbau« (S. 15). In beiden Fällen zeigt es sich,

dass vielversprechende Offensiven möglich sind, um dem Mangel an Ingenieuren und Firmenlenkern zu

begegnen. Das verdeutlicht: Die wirtschaftliche Lage mag zurzeit ernst sein. Hoffnungslos ist sie mitnichten.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre

Philipp Isenbart

Chefredakteur

+49 2203 3584 121

stahlmarkt@maenken.com

stahlmarkt 11.2019


14

20

Foto: Shutterstock

Foto: Shutterstock

STAHLSTANDORT DEUTSCHLAND

BRANCHENBERICHT

Die Stahlrecyclingbranche spürt die geringeren

Neuschrottmengen aufgrund des Rückgangs der

Industrieproduktion. Auf der Abnehmerseite reagieren

die Stahlwerke und Gießereien mit Produktionskürzungen

auf den rückläufigen Auftragseingang.

Die Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und

China machen sich immer stärker bemerkbar. Nach

Informationen des Verbands Deutscher Maschinen- und

Anlagenbau (VDMA) sind Produktion und Auftragseingänge

im Maschinenbau rückläufig.

INHALT 11.2019

KURZ & KNAPP

7 ISSF: Weltweiter Edelstahlverbrauch gestiegen

8 Neue US-Zölle auf EU-Produkte:

EU kündigt Gegenmaßnahmen an

9 Worldsteel: Stahlnachfrage steigt um 3,9 Prozent

SEITENBLICK

10 Wer folgt auf die Babyboomer?

STAHLSTANDORT DEUTSCHLAND

12 WV Stahl: Neues Positionspapier

»Eisenbahnpolitik«

14 Stahlschrottbedarf in Deutschland

weiter rückläufig

15 Knauf Interfer veräußert Aktivitäten der

Interfer Stahl GmbH am Standort Bremen

15 Mehr junge Leute für den Stahlbau

BRANCHENBERICHT

20 Maschinenbau steuert durch raue Gewässer

STEEL INTERNATIONAL

22 Neue Hiobsbotschaften aus der amerikanischen

Stahlindustrie

24 Kocks: Chinesischer Markt bleibt attraktiv

26 Shigang erweitert Kapazitäten

GUT ZU WISSEN

28 Harte Jahre vor den Industrieunternehmen

RÜCKBLICK MBI STAHL TAG 2019

34 Spannende Einblicke und interessante Impulse

RÜCKBLICK EMO

44 EMO Hannover 2019 gibt Orientierung

in unsicheren Zeiten

stahlmarkt 11.2019


22

51

Foto: Nucor

Foto: 3M

STEEL INTERNATIONAL

AUS DEN UNTERNEHMEN

In den USA blickt die Stahlindustrie weiterhin einer

ungewissen Zukunft entgegen. Während Unternehmen wie

US Steel und Nucor ihre Ergebnisprognose weiter drosseln,

eröffnet Bayou Steel in Louisiana das Bankrott-Verfahren

und streicht Hunderte Jobs.

Martijn Kok aus dem niederländischen Twello hat in

Düsseldorf den Schleifwettbewerb »Clash of the Grinders«

des Multitechnologiekonzerns 3M gewonnen.

»stahlmarkt«-Chefredakteur Philipp Isenbart gratuliert

dem strahlenden Sieger.

STAHLKULTUR

46 The Kelpies – Eine schottische Legende

als Stahlkoloss

AUS DER PRODUKTWELT

48 Mobile Telematik per App

AUS DEN UNTERNEHMEN

51 Rückblick Clash oft he Grinders 2019

SPECIAL

EDELSTAHL

30 Plastik durch Edelstahl ersetzen

OBERFLÄCHEN

41 Coatinc Bochum verzinkt Messeeingang

der Westfalenhalle

42 Verkettete Reinigungs- und Gleitschlifflösung

für Bremsenteile

RUBRIKEN




6 Weltrohstahlproduktion

50 StahlTermine

52 Veranstaltungen/Inserentenverzeichnis

53 Personalien

54 Vorschau/Impressum


stahlmarkt 11.2019


6 Weltrohstahlproduktion

Weltrohstahlproduktion 1) im September 2019

Belgien 670 e 674 -0,6 5 990 6 050 -1,0

Bulgarien 55 e 52 5,2 472 502 -6,1

Deutschland 3 352 3 490 -4,0 30 552 31 954 -4,4

Finnland 299 331 -9,9 2 714 3 140 -13,6

Frankreich 1 205 1 341 -10,2 11 243 11 601 -3,1

Griechenland 120 e 148 -18,9 1 009 1 113 -9,3

Großbritannien 599 637 -5,9 5 525 5 781 -4,4

Italien 2 208 2 185 1,1 17 620 18 328 -3,9

Kroatien 5 e 13 -60,6 59 83 -28,7

Luxemburg 183 198 -7,5 1 666 1 702 -2,1

Niederlande 396 446 -11,1 5 017 5 083 -1,3

Österreich 588 348 69,1 5 732 4 845 18,3

Polen 670 e 824 -18,7 6 967 7 609 -8,4

Schweden 398 280 42,0 3 706 3 524 5,1

Slowenien 51 59 -13,1 485 510 -4,9

Spanien 1 175 1 187 -1,0 10 641 10 745 -1,0

Tschechien 374 374 -0,1 3 581 3 768 -5,0

Ungarn 109 154 -29,2 1 302 1 486 -12,4

Weitere EU-Länder (28) (e) 930 e 914 1,7 8 213 8 154 0,7

Europäische Union (28) 13 386 13 656 -2,0 122 494 125 977 -2,8

Bosnien-Herzegowina 65 e 72 -9,1 615 455 35,2

Mazedonien 22 23 -3,1 174 199 -12,6

Norwegen 55 e 50 8,9 463 418 10,6

Serbien 178 123 44,6 1 458 1 457 0,1

Türkei 2 733 2 935 -6,9 25 286 28 125 -10,1

Europa außer EU 3 052 3 203 -4,7 27 996 30 654 -8,7

Kasachstan 360 e 309 16,5 3 090 3 377 -8,5

Moldawien 35 e 34 2,9 287 402 -28,6

Russland 5 575 e 5 812 -4,1 53 775 54 269 -0,9

Ukraine 1 745 1 787 -2,3 16 400 15 779 3,9

Usbekistan 60 e 56 7,1 486 497 -2,2

Weißrussland 220 e 211 4,3 1 978 1 798 10,0

C.I.S. (6) 7 995 8 209 -2,6 76 016 76 122 -0,1

El Salvador 10 e 9 7,9 78 73 5,7

Guatemala 25 e 27 -5,7 224 222 0,6

Kanada 1 040 e 1 168 -11,0 9 746 10 266 -5,1

Kuba 20 e 20 -2,0 164 162 1,0

Mexiko 1 465 e 1 638 -10,6 14 208 15 482 -8,2

USA 7 072 7 255 -2,5 66 200 64 173 3,2

Nordamerika 9 632 10 117 -4,8 90 620 90 379 0,3

Argentinen 406 435 -6,6 3 579 3 903 -8,3

Brasilien 2 403 3 081 -22,0 24 618 26 563 -7,3

Chile 90 e 101 -10,6 731 836 -12,6

Ecuador 55 e 50 10,2 465 442 5,2

Kolombien 110 e 100 9,8 859 902 -4,8

Paraguay 2 e 3 -26,0 14 16 -9,1

Peru 100 e 100 0,0 921 910 1,2

Uruguay 5 e 5 -3,7 44 43 2,0

Venezuela 10 e 5 100,0 64 116 -44,7

Südamerika 3 182 3 879 -18,0 31 295 33 731 -7,2

Ägypten 497 669 -25,7 5 530 5 733 -3,5

Libyen 46 13 254,9 409 266 54,0

Südafrika 481 573 -16,0 4 513 4 833 -6,6

Afrika 1 023 1 254 -18,4 10 451 10 832 -3,5

Iran 2 130 e 2 065 3,2 19 318 18 218 6,0

Katar 222 226 -1,7 1 970 1 992 -1,1

Saudi Arabien 1 425 e 399 6,4 3 888 3 930 -1,1

Vereinigte Arabische Emirate 293 233 25,7 2 456 2 358 4,2

Mittlerer Osten 3 070 2 923 5,0 27 632 26 498 4,3

China 82 773 80 959 2,2 747 824 690 151 8,4

Indien 8 961 8 819 1,6 84 189 81 316 3,5

Japan 8 045 8 427 -4,5 75 639 78 619 -3,8

Pakistan 275 e 415 -33,7 2 529 3 795 -33,4

Südkorea 5 691 5 847 -2,7 54 130 54 181 -0,1

Taiwan, China 1 830 e 1 868 -2,0 17 027 17 219 -1,1

Thailand 380 e 576 -34,1 3 278 5 054 -35,1

Vietnam 1 695 1 265 34,0 15 502 10 078 53,8

Asien 109 650 108 175 1,4 1 000 117 940 413 6,3

Australien 459 434 5,9 4 107 4 378 -6,2

Neuseeland 49 48 2,6 499 4901,9

Ozeanien 508 481 5,6 4 606 4 868 -5,4

Gesamt 64 Länder 2 151 499 151 898 -0,3 1 391 227 1 339 474 3,9

1)

nur HADEED

2)

Die an worldsteel berichtenden Länder repräsentieren etwa 99 % der Weltrohstahlproduktion 2018 in 1.000 t.

e – geschätzt

September September % Veränd. 6 Monate Veränderung

2019 2018 September 19/18 2019 2018 in %

stahlmarkt 11.2019


Kurz & knapp 7

Foto: Franz Pauli GmbH

ISSF: WELTWEITER

EDELSTAHLVERBRAUCH

GESTIEGEN

Brüssel. Das International Stainless Steel

Forum (ISSF) prognostiziert für dieses Jahr

einen Anstieg des weltweiten Verbrauchs

von Edelstahl um 2,4 Prozent gegenüber

dem Vorjahr und für 2020 um 4,4 Prozent.

Sicher mit System: Die Franz Pauli GmbH erhält das Gütesiegel der Berufsgenossenschaft Holz

und Metall.

FRANZ PAULI GMBH ERHÄLT GÜTESIEGEL »SICHER MIT SYSTEM«

Ense. »Die Sicherheit und Gesundheit bei der mit. Vorausgegangen war die sukzessive Einführung

eines professionellen Arbeitsschutzmanage-

Arbeit stets mitbedenken und im Betriebsablauf

aktiv berücksichtigen – für die Beschäftigten der mentsystems (AMS). Dafür erhielt der mittelständische

Hersteller von Stanz- und Umformteilen

Franz Pauli GmbH im nordrhein-westfälischen

Ense gehört das inzwischen zu den Selbstverständlichkeiten

im Job«, teilt das Unternehmen mit System« der Berufsgenossenschaft Holz

eigenen Angaben zufolge das Gütesiegel »Sicher

und

Metall (BGHM). Aufsichtsperson Thomas Ries

betont: »Eine der wirkungsvollsten Verbesserungen

ist der im gesamten Betrieb veränderte

Umgang mit Fehlern. Läuft etwas verkehrt oder

wird unsicher hantiert, wird das vorwurfsfrei und

lösungsorientiert angesprochen“, sagt Ries.

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8 Kurz & knapp

NEUE US-ZÖLLE AUF EU-PRODUKTE: EU KÜNDIGT GEGENMASSNAHMEN AN

Düsseldorf. Die USA haben am 18. Oktober als

Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für

den Flugzeugbauer Airbus Strafzölle in Höhe von

25 Prozent auf viele Produkte aus der EU erlassen.

Das meldete das Internetportal »stahl-online.de«

unter Berufung auf diverse Medien und eine Pressemitteilung

der EU-Kommission. Die WTO hatte

den USA zuvor das Recht zugesprochen, Zölle in

Höhe von bis zu 100 Prozent auf Waren im Wert

von umgerechnet 6,73 Milliarden Euro zu erheben.

Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström

reagierte mit Bedauern auf die neuen Zölle und

kündigte Gegenmaßnahmen an. Die EU hatte in

einem Verfahren um Subventionen für den

US-Luftfahrtkonzern Boing Recht bekommen und

könnte 2020 ebenfalls Strafzölle erheben. Eine

entsprechende WTO-Entscheidung werde im

nächsten Jahr erwartet, heißt es.

UNTERSTÜTZUNG FÜR VOM STRUKTURWANDEL BETROFFENE STAHLINDUSTRIE GEFORDERT

Düsseldorf. Da CO 2

-armer Stahl ein

»gesamtdeutsches Interesse« darstelle, müsse

der Bund die Stahlproduzenten in der Übergangszeit

unterstützen, so Heino Klingen,

Hauptgeschäftsführer der saarländischen IHK.

Für das Saarland seien entsprechende Förderungen

eine »Überlebensfrage«. Wie das Internetportal

»stahl-online.de« unter Verweis auf

andere Medien berichtete, fordert auch die

saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger

eine Unterstützung der Stahlindustrie

durch den Bund, um Zukunftsinvestitionen zu

tätigen. Außerdem müsse die EU Maßnahmen

ergreifen, um den heimischen Stahl vor Dumping-Importen

zu schützen. Die Geschäftsführerin

der IG Metall Bremen, Ute Buggeln, führt

die angespannte Situation der Stahlindustrie in

Bremen auf die politischen Rahmenbedingungen

zurück. Die Ursachen sieht sie in der internationalen

Politik. Die Bremer Wirtschaftssenatorin

Kristina Vogt will sich auf der nächsten

Ministerpräsidentenkonferenz unter anderem

für höhere Schutzzölle auf gedumpte Stahlimporte

aus China und der Türkei einsetzen.

GÜNZBURGER STEIGTECHNIK FÜR TOP-ARBEITSSCHUTZ AUSGEZEICHNET

Die Geschäftsführer der Günzburger Steigtechnik (vorne von links) Leopold Munk, Ruth Munk,

Ferdinand Munk, Alexander Werdich (Geschäftsführer Aftersales) sowie Dipl.-Ing. Markus Horn

(Sicherheitsingenieur, hinten Mitte) nahmen das Gütesiegel „Sicher mit System“ von Marc-

Manuel Freitag von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (hinten links) entgegen.

Günzburg. Der Steigtechnikanbieter Günzburger

Steigtechnik ist nach eigenen Informationen

für sein betriebliches Arbeitsschutzmanagementsystem

von der Berufsgenossenschaft Holz und

Metall (BGHM) mit dem Gütesiegel »Sicher mit

System« ausgezeichnet worden. Demnach

bescheinigt das Zertifikat der Günzburger Steigtechnik

einen systematischen und rechtssicheren

Arbeitsschutz. Es ist drei Jahre lang gültig. »Wir

sind sehr stolz auf das Gütesiegel ‚Sicher mit System’.

Es zeigt, dass uns der Arbeits- und Gesundheitsschutz

wirklich am Herzen liegt und wir Verantwortung

für unsere Mitarbeiter übernehmen.

Dabei ist die Auszeichnung ein Erfolg für unser

gesamtes Team – gemeinsam setzen wir unser

Arbeitsschutzmanagementsystem konsequent in

die Tat um und verbessern es kontinuierlich weiter«,

sagte Ferdinand Munk, Geschäftsführer der

Günzburger Steigtechnik GmbH, bei der Verleihung

des Gütesiegels in Günzburg. Mit seinem

systematischen Arbeits- und Gesundheitsschutz

will das Unternehmen für sichere und gesunde

Arbeitsbedingungen sorgen und Unfälle, arbeitsbedingte

Erkrankungen sowie Berufskrankheiten

vermeiden. Um dieses Ziel zu erreichen, informiert

die Günzburger Steigtechnik ihre Mitarbeiter zum

Beispiel in einem Handbuch, an Info-Points und

Aushängen über alle für das Unternehmen relevanten

Regelungen und Vorgaben und bezieht die

Beschäftigten in den Arbeits- und Gesundheitsschutz

ein. Bei der Beurteilung für »Sicher mit

System« ist der Steigtechnikanbieter nach Unternehmensangaben

besonders durch sein angenehmes

Betriebsklima, seine flachen Hierarchien, die

transparente Kommunikation sowie die Struktur,

Ordnung und Sauberkeit im Betrieb positiv aufgefallen.

Mit dem Gütesiegel erfüllt die Günzburger

Steigtechnik demnach auch den Nationalen Leitfaden

für Arbeitsschutzmanagementsysteme nach

internationalem Standard ILO-OSH 2001.

Foto: Günzburger Steigtechnik

stahlmarkt 11.2019


Kurz & knapp 9

WORLDSTEEL:

STAHLNACHFRAGE STEIGT

UM 3,9 PROZENT

Brüssel. Die weltweite Stahlnachfrage

wird nach der Einschätzung von worldsteel

2019 stärker als erwartet steigen.

So geht der Weltstahlverband in seinem

jüngst veröffentlichten Short Range

Outlook (SRO) von einem Anstieg um

3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf

1,775 Millionen Tonnen aus. Für 2020

prognostiziert wordsteel eine moderat

wachsende Nachfrage um weitere 1,7

Prozent.

TÜRKISCHER STAHL:

USA HEBEN ZÖLLE AN

Washington. Als Reaktion auf die türkische

Militäroffensive in Nordsyrien hat US-Präsident

Donald Trump verschiedenen Medienberichten

zufolge eine Anhebung der Strafzölle auf türkischen

Stahl auf 50 Prozent angekündigt. Bereits

im August 2018 hatten die USA Stahlzölle in gleichem

Umfang erhoben, um der Forderung nach

der Freilassung des in der Türkei festgehaltenen

US-Pastors Andrew Brunson Nachdruck zu verleihen.

Nach dessen Freilassung seien die Zölle wieder

halbiert worden.

GIESSEREI WERLE MUSS ABGEWICKELT WERDEN

Ottweiler. Die Gießerei Werle

hat am 1. Oktober mit der

Abwicklung des Geschäftsbetriebes

begonnen. Darüber

informierte Insolvenzverwalter

Andreas Liebaug von Schultze

& Braun am vergangenen Donnerstag

die Belegschaft. Demnach

hatte sich zuvor der einzig

verbliebene potentielle Investor

aus den Verkaufsverhandlungen

zurückgezogen. Die Rahmenbedingungen

für eine Fortführung

seien aus Sicht des

Investors nicht gegeben, so

dass er sich letztlich habe

zurückziehen müssen. »Ich bin

sehr enttäuscht, dass aus der Andreas Liebaug (Schultze & Braun)

erhofften Investorenlösung

nichts wird«, sagt der Insolvenzverwalter. »Insbesondere für die rund 100 Mitarbeiter

und ihre Familien hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht. Leider habe ich nach

dem Rückzug des Investors aber keine andere Wahl, als den Betrieb sukzessive herunterzufahren.«

Nach derzeitigem Planungsstand soll der Geschäftsbetrieb bei Werle

zum 31. Dezember 2019 enden. Die Mitarbeiter hätten ihre Kündigungen bereits

erhalten, heißt es. Der Großteil der Mitarbeiter sei ab dem 1. Oktober 2019 freigestellt

worden. Die Gießerei mit Sitz in Ottweiler wurde 1937 gegründet und ist spezialisiert

auf die Herstellung und den Vertrieb hochwertiger Grau- und Sphärogussteile. Das

Unternehmen hatte im Juli wegen einer unzureichenden Finanzierung und einer Auftragslücke

infolge von vielen Produktneuanläufen Insolvenz angemeldet.

Foto: Schultze & Braun

Anzeigenberatung

Susanne Kessler

Telefon:

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HOGETEX ÜBERNIMMT VERTRIEB VON CITIZEN FINEDEVICE

Nieder-Olm. Die Hogetex GmbH hat den den Tastern noch eine weitere Hochleistungs-

Vertrieb von Messwerkzeugen Citizen Finedevice

(eine Marke der Citizen Watch Co., Ltd.) eine Marke des Uhrenherstellers Citizen. Die

und Qualitätsmarke hinzu: Citizen Finedevice,

aus Japan für Deutschland, Niederlande und Hogetex Deutschland GmbH mit Sitz in Nieder-Olm

ist Spezialist im Bereich Mess-, Spann-

Belgien übernommen. Dies teilte das Unternehmen

Hogetex nun mit. Die Hochpräzisionsprodukte

werden demnach ausschließlich über den Niederlanden gegründet, produziert und ver-

und Zerspanungstechnik. Im Jahr 1970 in den

Vertrieb und Onlineshop von Hogetex zu erhalten

sein. Bereits seit vielen Jahren hat die Hogemen

eine Vielzahl von Mess- und Spannwerktreibt

das heute europaweit tätige Unternehtex

GmbH diverse Hochpräzisionsmessgeräte zeugen, die in den verschiedensten Industriezweigen

zum Einsatz kommen. Seit rund fünf-

von verschiedenenen Herstellern wie zum Beispiel

Teclock, Fuji Tool und Marui-Keiki aus zig Jahren ist Hogetex auf den Vertrieb von

Japan im Programm und ist daher schon länger professionellen Mess-, Spann- und Bearbeitungswerkzeugen

für die metallverarbeitende

eine der nach eigenen Angaben führenden

Adressen für dieses Segment. Nun kommen mit Industrie spezialisiert.

stahlmarkt 11.2019


10

SEITENBLICK

Wer folgt auf die Babyboomer?

Unternehmer aus der Generation der Babyboomer ziehen sich allmählich aus Altersgründen zurück.

Wer soll ihnen folgen? Die Demografie wird zum Problem für Nachfolgeregelungen.

Von unserem Autor Stefan Weber

Mit Mitte vierzig hatte sich Jens Rößler

gefragt, ob er auch die nächsten 20 Jahre als

Angestellter arbeiten möchte. Oder ob er lieber

eine neue Herausforderung annehmen

will. Der studierte Elektrotechniker stammte

aus einer Unternehmerfamilie; da lag es nahe,

sich auch selbstständig zu machen. Ein Unternehmen

gründen wollte Rößler jedoch nicht,

er favorisierte die Übernahme eines bereits

existierenden Betriebs, bevorzugt aus den

Bereichen Maschinenbau, Zerspanung oder

Automation. Vor fünf Jahren hat er die WIR

electronic GmbH, einen Spezialisten für

Kabelkonfektion mit Sitz in Chemnitz, übernommen.

Der Kontakt kam zustande über

nexxt-change, eine Internetplattform des

Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie,

der KfW Bankengruppe, der deutschen

Industrie- und Handelskammern sowie weiterer

Partner aus Handwerk und Kreditwirtschaft.

»Vor dem ersten Besuch bei WIR electronic

hatte ich mir bereits 20 andere Unternehmen

angeschaut«, berichtet Rößler. Auch

Alteigentümer Wilfried Ramakers, der damals

bereits auf die 70 zuging, hatte zuvor schon

einige Interessenten empfangen. Rößler war

der 38., der bei ihm anklopfte.

So wie Rößler geht es vielen potenziellen

Jungunternehmern, die lieber eine etablierte

Firma kaufen wollen als eine Neugründung in

Angriff zu nehmen: Sie können aus einem

übergroßen Angebot wählen. Denn der

Markt für zur Übergabe anstehende Unternehmen

befindet sich in einer Schieflage. Es

»»

Der Markt für zur Übergabe anstehende Unternehmen befindet sich

in einer Schieflage. Es gibt deutlich mehr Seniorunternehmer, die einen

Nachfolger suchen als ernsthafte Interessenten.

Im Mittelstand tritt die Generation der Babyboomer aus Altersgründen allmählich ab.

gibt deutlich mehr Seniorunternehmer, die

einen Nachfolger suchen als ernsthafte Interessenten.

Die Plattform nexxt-change beispielsweise

verzeichnet aktuell lediglich 1 732

Kaufgesuche. Dem stehen 6 304 zum Verkauf

angebotene Unternehmen gegenüber.

Dieses Ungleichgewicht wird sich in den

nächsten Jahren voraussichtlich noch verstärken.

Denn im Mittelstand tritt die Generation

der Babyboomer aus Altersgründen allmählich

ab. »Der Bedarf an Lösungen für Unternehmensnachfolgen

wird weiter deutlich steigen,

denn mehr als ein Viertel der aktuell tätigen

Unternehmer ist bereits 60 Jahre und älter«,

erläutert Holger Wassermann, Professor an der

FOM Hochschule für Ökonomie & Management.

In einer vom Verband Deutscher Bürgschaftsbanken

(VDB), Creditreform Rating und

FOM gemeinsam erstellten Untersuchung zum

Nachfolgegeschehen in Deutschland (»Nachfolgemonitor

2019«) kommen die Autoren zu

dem Schluss, dass aktuell für 322 000 Unternehmen

»dringender Bedarf« für eine Übergabe

besteht. Bis 2023 stünden sogar etwa

500 000 Unternehmen vor einem altersbedingten

Eigentümerwechsel. »Aufgrund des

hohen Stellenwerts kleiner und mittelgroßer

Unternehmen hängt ein großer Teil der

Arbeitsplätze in Deutschland vom Erfolg der

Übergabe eines Betriebs an die nächste Generation

ab«, betont Michael Munsch, Vorstand

der Creditreform Rating AG.

Doch die Chancen für eine gelingenden

Stabwechsel stehen nicht gut. Das ist zum

einen eine Folge der Demografie: Die auf die

Babyboomer folgende Generation ist deutlich

kleiner als ihr Vorgänger. Somit gibt es vergleichsweise

wenig potenzielle Kandidaten

für eine Nachfolge. Hinzu kommt, dass die

Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen (also

diejenigen, die der Statistik zufolge besonders

Foto: Shutterstock

stahlmarkt 11.2019


11

häufig als Nachfolger in Frage kommen) laut Nachfolgemonitor immer

seltener unternehmerische Verantwortung übernehmen will. Verstärkt

wird dieser Trend durch die derzeit gute Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Qualifizierte Kräfte sind gesucht – weshalb viele junge Menschen

lieber einen vermeintlich sicheren, gut dotierten Job in einem

Unternehmen antreten als das Abenteuer Selbstständigkeit zu wagen.

Das zeigt sich auch beim Gründungsgeschehen. Nach Zahlen des Zentrums

für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wurden 2018

lediglich 155 000 Unternehmen gegründet – 6 000 weniger als im

Jahr zuvor und 60 000 weniger als vor zehn Jahren.

Unternehmer zu sein, erfordert viel Arbeit – und ist nicht immer

von Erfolg gekrönt. Laut Nachfolgemonitor geht es für ein Unternehmen

unter neuer Regie keineswegs zwangsläufig aufwärts. In

einem Drittel der von VDB, FOM und Creditreform Rating untersuchten

mehr als 6 400 Übernahmen in den Jahren 2013 bis 2018 schaffte

es die junge Generation binnen zwei Jahren nicht, den Umsatz zu

steigern. Noch düsterer ist die Bilanz beim Blick auf die Ertragsentwicklung.

Bei mehr als jedem zweiten Betrieb war das operative

Ergebnis zwei Jahre nach der Übernahme niedriger als zuvor. Ein

Grund dafür ist, dass neue Eigentümer häufig zunächst einen Investitionsstau

abzuarbeiten haben. Denn in Erwartung des bevorstehenden

Wechsels schrauben viele Senior-Chefs die Ausgaben bereits

Jahre zuvor zurück. Laut Nachfolgemonitor war das Anlagevermögen

bei 46 Prozent der Unternehmen im Jahr der Übernahme niedriger

als drei Jahre zuvor.

»»

Eine Möglichkeit gibt es, das Ungleichgewicht zwischen

Angebot und Nachfrage im Nachfolgegeschehen

zumindest ein wenig auszupendeln: Wenn es gelingt,

mehr Frauen für das Unternehmerdasein zu begeistern.

Ein aussagekräftiger Indikator für die Entwicklung der Unternehmen

vor und nach einem Eigentümerwechsel ist auch die Veränderung

ihres Bonitätsindex. Knapp 60 Prozent der von den Autoren des

Nachfolgemonitors untersuchten Betriebe schafften es, ihre Bonität

binnen zwei Jahren zu verbessern. »Eine Übergabe ist also nicht

gleichbedeutend mit einer Verschlechterung der Bonität zu verstehen«,

heißt es in der Untersuchung.

Eine Möglichkeit gibt es, das Ungleichgewicht zwischen Angebot

und Nachfrage im Nachfolgegeschehen zumindest ein wenig auszupendeln:

Wenn es gelingt, mehr Frauen für das Unternehmerdasein

zu begeistern. »Der Anteil der Nachfolgerinnen liegt mit

23 Prozent deutlich unter dem bundesweiten Anteil weiblicher Führungskräfte«,

stellt Stephan Jansen, Geschäftsführer des VDB fest.

Im Verarbeitenden Gewerbe (9,8 Prozent), im Baugewerbe (5,7 Prozent)

sowie im Finanz- und Versicherungsgewerbe (2,4 Prozent) ist

die Quote noch einmal deutlich niedriger.

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12 Stahlstandort Deutschland

Neues Positionspapier »Eisenbahnpolitik«

WV Stahl: Vom Bund geplante Aufstockung der Infrastrukturinvestitionen

reicht nicht aus

Düsseldorf. Die Stahlindustrie ist in hohem Maße auf einen effizienten und leistungsfähigen Schienengüterverkehr

angewiesen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl (WV Stahl) fordert daher in einem neuen Positionspapier den

Einzelwagenverkehr in Deutschland unter anderem durch ein geplantes Förderprogramm zu stabilisieren. Zudem

müsse die Politik sich stärker für die technische Modernisierung und Automatisierung des Schienengüterverkehrs

engagieren. Außerdem müssten Brücken und Tunnel zügig saniert und das Schienennetz bedarfsgerecht ausgebaut

werden. Die vom Bund geplante Aufstockung der Infrastrukturinvestitionen sei dafür nicht ausreichend.

Nachfolgend das Positionspapier im Wortlaut:

Positionen der Stahlindustrie in

Deutschland

Die Stahlindustrie ist in hohem Maße auf

einen effizienten und leistungsfähigen

Schienengüterverkehr angewiesen. Um

mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern

und damit Logistikvorteile zu nutzen und

zugleich CO 2

-Emissionen zu senken, sind

aus Sicht der Stahlindustrie dringend entschlossene

Maßnahmen in mehreren Handlungsfeldern

erforderlich. Von großer

Bedeutung ist eine weitere Aufstockung

der Infrastrukturinvestitionen sowie eine

wirksame Beschleunigung der Planungsprozesse.

Zudem müssen technische Modernisierung

und Digitalisierung gezielt vorangetrieben

und der regulatorische Rahmen

entsprechend angepasst werden. Besondere

Bedeutung kommt für die Stahlindustrie

der nachhaltigen Stärkung des Einzelwagenverkehrs

zu. Das Förderprogramm zur

Reduzierung der Trassenpreise ist ein wichtiger

Schritt in die richtige Richtung. Um

das System langfristig zu sichern, sind

jedoch weitergehende Maßnahmen notwendig.

Hintergrund

• 50 Prozent der Transportmengen der Stahlindustrie

in Deutschland werden seit Jahrzehnten

stabil auf der Schiene befördert.

Daher ist ein effizienter und leistungsfähiger

Schienengüterverkehr von herausragender

Bedeutung für die Stahlindustrie

und für stahlbasierte Wertschöpfungsketten.

• Für die Erreichung der klimapolitischen

Ziele ist es zudem nötig, dass mehr Verkehr

auf die Schiene verlegt wird. Die

Stahlindustrie als einer der größten Verlader

würde hierzu gerne ihren Beitrag leisten.

Dem stehen jedoch erhebliche Kapazitätsengpässe

und Qualitätsmängel beim

Verkehrsträger Schiene entgegen.

• Die Politik muss die bestehenden Probleme

zügig angehen. Wichtige positive

Schritte zur Stärkung der Güterbahnen

sind durch den Masterplan Schienengüterverkehr

und insbesondere die darin enthaltene

starke Absenkung der Trassenpreise

bereits auf den Weg gebracht worden.

Weitere Maßnahmen müssen jedoch folgen.

Dies betrifft insbesondere die Handlungsfelder

Schienengüterverkehrsinfrastruktur,

Einzelwagenverkehr, Veränderungen

im regulatorischen Rahmen und

Digitalisierung/Automatisierung. Eine

durchgreifende Modernisierung des Schienengüterverkehrs

erfordert substanzielle

öffentliche Investitionen in verschiedenen

Bereichen. Perspektivisch ist auch eine

europaweit koordinierte Modernisierungsinitiative

geboten.

Modernisierung der Schienengüterverkehrsinfrastruktur:

Deutliche Aufstockung

der Investitionen des Bundes

notwendig

• Der Zustand des Schienennetzes ist zurzeit

unbefriedigend: Unzureichende Investitionen

in die Instandhaltung über lange

Zeiträume haben zu einem hohen Sanierungsstau

geführt. Aus- und Neubauprojekte

verzögern sich zudem aufgrund

langwieriger Planungsverfahren und zum

Teil fehlender Mittel erheblich. Die Stahlindustrie

sieht mit Sorge das Risiko einer

kurzfristigen Sperrung wichtiger Eisenbahnbrücken

aufgrund von Instandhaltungsmängeln.

• Um die Infrastrukturprobleme anzugehen,

müssen die Investitionen des Bundes in die

Schieneninfrastruktur spürbar ausgeweitet

werden. Zwar ist eine erhebliche Aufstockung

der Investitionen geplant. Unter

Berücksichtigung der Preisentwicklung für

Bauleistungen ist jedoch zu befürchten,

dass die Investitionen noch immer zu niedrig

sind, um deutlich mehr Güterverkehr

auf die Schiene verlagern zu können. Notwendig

bleiben bedarfsgerechte Investitionen

in die Erhaltung der Schienenwege,

die Beseitigung des aufgestauten Sanierungsbedarfs,

ein bedarfsgerechter Neuund

Ausbau des Schienennetzes und eine

Anpassung an moderne Technologien.

• Auch müssen die oft extrem langwierigen

Planungsverfahren für Neu- und Ausbauprojekte

wirksam beschleunigt werden.

Einzelwagenverkehr: Reduzierung der

Trassenpreise nur ein erster Schritt

• Einzelwagen- und Wagengruppenverkehre

sind für eine wettbewerbsfähige Stahlindustrie

am Standort Deutschland unverzichtbar:

Beinahe jede zweite per Bahn

versandte Tonne der Stahlindustrie wird im

Einzelwagenverkehr befördert.

• Es ist für Güterbahnen im Einzelwagenverkehr

jedoch zurzeit sehr schwer, Profitabi-

stahlmarkt 11.2019


Stahlstandort Deutschland 13

Foto: Shutterstock

Mit Metall und Getreide beladene Eisenbahnwaggons warten auf die Verladung am Frachtterminal.

lität zu erreichen. Gleisanschlüsse und

Einzelwagenverkehre in Europa werden

immer weiter reduziert.

• Das Förderprogramm des Bundes zur

Reduzierung der Trassenpreise stellt eine

wirksame Entlastung der Güterbahnen

dar. Es sind jedoch weitergehende Schritte

nötig, um das System zu sichern und mittelfristig

die Voraussetzungen für deutliches

Wachstum im Einzelwagenverkehr zu

schaffen. Kurzfristig sollte der Bund ein

eindeutiges Bekenntnis zum Erhalt der

Betriebsform Einzelwagenverkehr abgeben,

einschließlich einer akzeptablen Flächenabdeckung

mit Gleisanschlüssen als

Teil der Daseinsvorsorge. Auf diese Weise

bestünde Investitionssicherheit für alle

Beteiligten der Transportkette sowie für

potenzielle Neukunden.

• Ferner muss sichergestellt werden, dass

der Einzelwagenverkehr wirtschaftlich

betrieben werden kann. Mögliche Optionen

sind zum Beispiel eine Senkung der

Anlagenpreise, eine Reduzierung der

energiepolitischen Belastungen oder ein

ausreichend hohes Förderprogramm für

Einzelwagenverkehre im Nahbereich,

etwa nach österreichischem Vorbild.

• Mittel- und langfristig müssen die großen

Potenziale genutzt werden, die Digitalisierung

und Automatisierung gerade für Verkehre

auf der letzten Meile und beim Rangieren

bieten. Auch muss die Interoperabilität

der großen Einzelwagensystem-Betreiber

wesentlich verbessert werden.

Wichtig sind ferner eine offene und pragmatische

Zusammenarbeit aller Eisenbahnverkehrsunternehmen

zur optimierten

Nutzung ihrer Ressourcen und eine

durchgreifende Verbesserung der heute

sehr problematischen Prozesse zur Errichtung

eines Gleisanschlusses, auch durch

ein besser nutzbares Gleisanschluss-Förderprogramm.

Digitalisierung und technische

Modernisierung

• Digitalisierung, Automatisierung und Elektrifizierung

der Antriebe werden die Verkehrsmärkte

in den kommenden Jahren

massiv verändern. Das System Schiene ist

wesentlich einfacher zu automatisieren als

der Straßenverkehr, bei der Elektrifizierung

hat die Schiene sogar einen großen Vorsprung.

Wenn allerdings Innovationen

wegen fehlender Mittel, europaweiter

Harmonisierung und starrer Vorgaben versanden,

ist die Wettbewerbsfähigkeit der

Güterbahnen in großer Gefahr. Eine

Schlüsselinnovation ist hierbei die Ablösung

der antiquierten Schraubenkupplung

durch die Digitale Automatische Kupplung.

• Das Bundesprogramm »Zukunft Schienengüterverkehr«

zur Forschungsförderung

ist von zentraler Bedeutung. Es ist dringend

erforderlich, die geplanten Mittel

des Bundes bereits ab 2020 in voller Höhe

bereitzustellen.

• Perspektivisch wird eine durchgreifende

Modernisierung des Schienengüterverkehrs

in Europa nicht ohne substanzielle

Investitionshilfen des Bundes und der übrigen

EU-Länder umsetzbar sein.

Regulatorischen Rahmen anpassen

• Der rechtlich-regulatorische Rahmen des

Schienengüterverkehrs muss technisch

modernisiert und sorgfältig auf Ineffizienzen

überprüft werden, da er heute einen

gravierenden Wettbewerbsnachteil

gegenüber anderen Verkehrsträgern darstellt.

• Beim Verkehrskonzept »Deutschland-

Takt« muss der Schienengüterverkehr

gleichwertig und mit ausreichenden

Reserven berücksichtigt werden, da die

künftige Nachfrage im Güterverkehr

schwieriger prognostizierbar ist als im Personenverkehr.

• Die Güterbahnen müssen auch ihre eigenen

Strukturen durchgängig effizient ausgestalten,

um dem Kunden eine möglichst

hohe Leistungsqualität, insbesondere eine

hohe Zuverlässigkeit zu bieten.

www.stahl-online.de

stahlmarkt 11.2019


14 Stahlstandort Deutschland

Stahlschrottbedarf in Deutschland

weiter rückläufig

BDSV: Stahlrecycling muss in den Fokus der Debatten zu Klimaschutz und

Ressourceneffizienz rücken

Düsseldorf. Die Unternehmen der Stahlrecyclingbranche sind laut Bundesvereinigung Deutscher

Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) derzeit in einer schwierigen Situation.

Die Stahlrecyclingbranche spürt die geringeren Neuschrottmengen aufgrund des Rückgangs

der Industrieproduktion in Deutschland.

»Der Druck auf die Branche kommt von

zwei Seiten: Im Schrotteingang spüren die

Mitgliedsunternehmen die geringeren Neuschrottmengen

aufgrund des Rückgangs der

Industrieproduktion in Deutschland. Nachdem

sich die Schwäche der Automobilindustrie

bereits seit dem 2. Halbjahr 2018 bemerkbar

macht, korrigiert nun auch der Maschinenbau

seine Prognosen nach unten. Auf der

Abnehmerseite reagieren die Stahlwerke und

Gießereien mit Produktionskürzungen und

Kurzarbeit auf den rückläufigen Auftragseingang.

Allein der Schrottbedarf der Stahlwerke

ist durch den überproportionalen Rückgang

der schrottintensiven und damit klimafreundlichen

Elektrostahlproduktion um knapp eine

halbe Million Tonnen seit Jahresbeginn bis

August 2019 zurückgegangen«, teilt die

BDSV mit.

In diesem Zusammenhang kritisiert die

BDSV den mangelnden Fokus auf das Stahlrecycling

in den aktuellen Debatten um Klimaschutz

und Ressourceneffizienz: »Statt

beispielsweise in der Diskussion um die

Decarbonisierung der Stahlproduktion den

Fokus auf Wasserstoff zu richten, dessen

Erzeugung zunächst sehr viel Energie benötigt

und hohe Kosten verursacht, sollte das

Stahlrecycling in den Vordergrund der

Debatte rücken. Denn Stahl kann beliebig

oft und ohne Qualitätsverlust wieder eingeschmolzen

werden. Dadurch werden natürliche

Ressourcen geschont und Treibhausgasemissionen

in signifikanter Menge vermieden.

Die wichtige Arbeit der Stahlrecyclingunternehmen,

den Stahlwerken und

Gießereien verlässlich einen qualitätsgesicherten

Sekundärrohstoff zur Verfügung

stellen (allein in Deutschland sind es jährlich

über 22 Millionen Tonnen), muss dabei

honoriert werden.«

Um die Diskussion um geeignete Maßnahmen

zur Förderung des klimafreundlichen Stahlrecyclings

zu befeuern, wird die BDSV anlässlich

ihrer Jahrestagung 2019 am 14. November

2019 in Münster die neue Fraunhofer IMWS-

Studie »Schrottbonus« vorstellen.

www.bdsv.org

Foto: Shutterstock

Klöckner & Co: Operatives Ergebnis (EBITDA) belastet

Duisburg. Nach vorläufigen Berechnungen beträgt das operative

Ergebnis (EBITDA) der Klöckner & Co SE für das dritte Quartal

2019 26 Millionen Euro vor wesentlichen Sondereffekten. Das

teilte der Stahl- und Metallhändler mit. Dieser Wert liegt demnach

innerhalb der Prognosespanne von 25 bis 35 Millionen

Euro.

Nach der Erholung der Stahlpreise in den USA im dritten Quartal,

deren Fortsetzung auch für das vierte Quartal erwartet wurde,

geht die Klöckner & Co SE nun von einem schwächeren

Marktumfeld und einer erneut negativen Preisentwicklung aus.

Vor diesem Hintergrund erwartet die Klöckner & Co SE – unter

Reduzierung ihrer bisherigen Prognose – für das Gesamtjahr ein

EBITDA von 120 bis 130 Millionen Euro vor wesentlichen Sondereffekten.

Die endgültigen Ergebnisse zum dritten Quartal lagen bei

Redaktionsschluss noch nicht vor.

www.kloeckner.com

stahlmarkt 11.2019


Stahlstandort Deutschland 15

Knauf Interfer veräußert Aktivitäten der

Interfer Stahl GmbH am Standort Bremen

Übernahme durch den bisherigen Geschäftsführer Bill Talayman als Bremer Stahl

Service GmbH

Essen. Knauf Interfer verfolgt nach eigenen Angaben weiterhin die strategische Fokussierung auf Flachstahl und

Anarbeitung. Demnach wurden daher die Aktivitäten des Standorts Bremen mit Wirkung zum 01. Oktober 2019

an die neu gegründete Bremer Stahl Service GmbH veräußert. Im Zuge eines Management-Buy-outs werde der

bisherige Geschäftsführer Bill Talayman sämtliche Aktivitäten und die überwiegende Anzahl der in diesem Bereich

beschäftigten Mitarbeitenden übernehmen, teilt das Unternehmen mit.

»Mit der Veräußerung folgt Knauf Interfer

konsequent der Strategie, sich auf Märkte

und Innovationen in den Bereichen Industrie

und Automotive zu fokussieren«, so

Matthias Kessel-Knauf, Vorsitzender des

Vorstands der Knauf Interfer SE. »Wir freuen

uns sehr, dass die Tradition des Stahlstandorts

Bremen durch das erfahrene Management

fortgeführt wird und wünschen Bill

Talayman und seinen Mitarbeitenden viel

Erfolg.« Bill Talayman verfügt über 37 Jahre

Erfahrung in der Stahlbranche. Mit der Übernahme

von 70 Mitarbeitenden setzen er und

sein neues Management Unternehmensinformationen

zufolge auf Kontinuität in der Belegschaft.

Zur Weiterentwicklung der Bremer

Stahl Service GmbH sollen die Stärken im klassischen

Stahlhandel ausgebaut und Investitionen

in neue Technologien fließen sowie der

Bereich Anarbeitung noch kundenspezifischer

ausgerichtet werden. »So können wir unseren

Kunden von Anfang an das volle Leistungsportfolio

in gewohnter Qualität und Zuverlässigkeit

bieten und als eigenständiges Unternehmen

unsere Stärken und Innovationskraft

ganz auf unsere regionalen und überregionalen

Kunden konzentrieren“, so Bill Talayman,

Geschäftsführer der Bremer Stahl Service

GmbH. »Ich freue mich auf diese neue Herausforderung

und bin entschlossen das Unternehmen

nachhaltig zukunftsfähig aufzustellen.«

www.knauf-interfer.de

Mehr junge Leute für den Stahlbau

bauforumstahl startet Offensive gegen Ingenieurmangel

Düsseldorf. Mit der 1. Berufsfachmesse Stahlbau am 23. November 2019 in Düsseldorf

startet bauforumstahl eine Offensive gegen den Ingenieurmangel. Partner sind die IHK

NRW sowie die Bundesagentur für Arbeit. Der Eintritt ist frei.

»Junge Menschen suchen nach Perspektiven

und die können unsere Mitgliedsunternehmen

bieten. Topf und Deckel

zusammenzubringen, ist unsere Aufgabe als

Verband«, erklärt Dr. Rolf Heddrich,

Geschäftsführer bauforumstahl.

Der Nachwuchsmangel ist ein großes Thema

für den Spitzenverband für das Bauen

mit Stahl in Deutschland. »Die Digitalisierung

schreitet voran, das Thema Nachhaltigkeit

steht auf der Tagesordnung und es ist

an der Zeit für einen Generationenwechsel.

Wir brauchen mehr junge Leute für den

Stahlbau«, so Heddrich. Ziel der 1. Berufsfachmesse

Stahlbau am 23. November sei

es, beiden Seiten eine erste Kontaktaufnahme

zu ermöglichen.

Zahlreiche Unternehmen der Stahlbauindustrie

präsentieren sich einem jungen Publikum

vom Abiturienten bis zum Young Professional.

»Viele Ingenieure wissen nach dem Studium

nicht, welche Richtung sie einschlagen möchten.

Stahlbau ist eine Alternative mit guten

Zukunftsperspektiven. Das möchten wir mit

unserer Veranstaltung zeigen.«

Über das Angebot der Stahlbaubranche

informiert der begleitende Vortragscampus.

Nachhaltigkeit, Digitalisierung, aber auch

Themen wie »Ariane 6 – eine europäische

Trägerrakete« oder »Stahlbau am Beispiel der

Mit der

1. Berufsfachmesse

Stahlbau

startet bauforumstahl eine

Offensive gegen den Ingenieurmangel.

adidas Arena« stehen auf dem Programm.

Spannende Studiengänge, kostenloses

Bewerbungstraining und Informationen zu

interessanten Bachelor- und Masterarbeiten

seien weitere Highlights, heißt es.

https://bauforumstahl.de

Foto: bauforumstahl

stahlmarkt 11.2019


16 Stahlstandort Deutschland

Im Ganzen groß

Brennteile und Schweißkonstruktionen für Großpressen aus einer Hand

Eppingen. Als Komplettanbieter von Pressensystemen und Produktionsanlagen für die Holzwerkstoffplatten-,

Automobil-, Luftfahrt- und Recyclingindustrie nimmt die Dieffenbacher GmbH Maschinen- und Anlagenbau

weltweit eine führende Rolle ein. So gelten beispielsweise die bis zu 75 Meter langen und 2 500 Tonnen schweren

High-End-Pressensysteme für die Holzwerkstoffindustrie des in fünfter Generation inhabergeführten Mittelständlers

als Garanten für höchste Produktqualität und Produktivität. Bei der ganzheitlichen Versorgung mit Brennteilen und

Anfertigung der schweren Schweißkonstruktionen für die Pressen vertraut Dieffenbacher auf die Jebens GmbH mit

Werken in Korntal-Münchingen und Nördlingen.

Von Ursula Herrling-Tusch*

Dieses 3 910 Millimeter breite, 2 600 Millimeter tiefe und 7 808 Millimeter hohe

Pressengestell fertigt Jebens für Dieffenbacher.

Mit über 1 700 Mitarbeitern, davon 800

am Stammsitz in Eppingen, und weltweit 16

Produktions- und Vertriebsstandorten sichert

sich Dieffenbacher in drei Geschäftsbereichen

eine führende Marktposition. So ist das

Unternehmen Weltmarktführer für Komplettanlagen

zur Herstellung von Holzwerkstoffplatten,

Technologieführer bei Produktionsanlagen

von glas- und carbonfaserverstärkten

Kunststoffbauteilen sowie gefragter Anbieter

innovativer Anlagen zur Aufbereitung von

Altholz, Biomasse und Industrieabfällen. Ob

zur Herstellung von Holzwerkstoffplatten –

Span, MDF, OSB und LVL – oder bei der Großserienfertigung

von hochfesten, leichten

Strukturbauteilen aus duro- oder thermoplastischen

Verbundwerkstoffen: Herzstück der

Produktionsprozesse sind die Pressensysteme

wie die in modularer Rahmenbauweise

gebaute kontinuierliche Presse CPS+ für die

Holzindustrie. Das Doppelgelenkeinlaufsystem

der CPS+ ermöglicht den schnellen

Druck- und Temperaturaufbau. So durchfährt

der Spänekuchen hydraulisch gesteuerte,

abgestufte Druckbereiche, die von 0 auf

5 N/mm² am Presseneinlauf steigen und produktabhängig

auf Werte um 1,2 N/mm² am

Pressenauslauf sinken. In besonderen Fällen

können in der Hochdruckzone bis zu 6 N/mm²

realisiert werden. Ein paralleles Pressspaltsystem

aus zwei Stahlbändern gewährleistet

dabei durch konstant präzisen Druck extrem

geringe Dickentoleranzen über die gesamte

Plattenbreite. Bis zu sieben, in Laufrichtung

versetzt platzierte, in jedes Pressengestell

integrierte Zylinder homogenisieren kontinuierlich

die Plattenoberfläche. Unter dem Stahlband

angebrachte thermoaktive Heizplatten

erhitzen das Produkt auf die zur Verfestigung

des Leims benötigte Temperatur. Mit

Geschwindigkeiten von bis zu 2 500 Millimetern

pro Sekunde produziert eine solche Anlage

je nach Plattendicke bis zu 1,2 Millionen

Kubikmeter an 1,5 Millimeter dünnen Platten

im Jahr. Entsprechend große Dimensionen

haben diese Doppelbandpressen: bis zu 75

Meter lang, acht Meter hoch und 5,5 Meter

breit. Von den Ausmaßen her kleiner, aber

nicht minder leistungsfähig sind die Composite-Pressen

zur Fertigung faserverstärkter

Kunststoffbauteile. Entscheidende Leistungsparameter

der Composite-Pressen sind Presskraft

und Tischgröße. Dieffenbacher bietet

diese Anlagen in zwei Bauarten an: als herkömmliche

Monoblock Rahmenpresse oder

als mehrteilige Säulenpresse mit standardmäßig

bis zu 3 600 Tonnen Presskraft.

Hohe Stückzahlen, große Gewichte

Kernkomponenten aller genannten Pressenarten

sind Brennteile und große Schweißkonstruktionen,

die von Jebens, Spezialist

für große, schwere Brennteile und -zuschnitte

sowie Schwerteilebearbeitung mit bis zu

160 Tonnen Stückgewicht, gefertigt werden.

Bis zu 50 Pressengestelle werden für eine 75

Fotos (7): Jebens GmbH

stahlmarkt 11.2019


Stahlstandort Deutschland 17

Meter lange CPS+ benötigt – in Blechdicken

von 40 bis 100 Millimetern, je nach Pressenbreite

bis 5,15 Meter breit und 2,2 Meter

hoch. Jedes dieser Gestelle besteht aus je

zwei oben und unten über die ganze Pressenbreite

reichenden Querhäuptern und

zwei oder vier Zuglaschen, je nach Gestelltyp,

die die Querhäupter miteinander verspannen

– unterm Strich also bis zu 400

Bauteilen je Holzpresse. Mit abnehmendem

Druck in der Presse sinkt auch die benötigte

Blechdicke für diese Komponenten. So wiegt

jedes Querhaupt einer CPS+ – abhängig von

der Blechdicke und Breite – zwischen 1,66

und 6,84 Tonnen. Für die bis zu fünf Meter

breiten mehrteiligen Composite-Pressen fertigt

Jebens je nach Anlagenart neben Pressengestellen,

die mit jenen für die Holzpressen

vergleichbar sind, auch Konstruktionen

aus Querhaupt und Stößel. Ein solches Querhaupt

bringt bis zu 95 Tonnen auf die Waage.

Der Stößel ist ebenso groß wie der Pressentisch

– zum Beispiel fünf Meter breit, 2,5

Meter lang, zwei Meter hoch und kann

ebenso bis zu 95 Tonnen schwer sein. Von

den Dimensionen her noch herausfordernder

in der Bearbeitung ist der Rahmen der

Monoblockpressen zur Fertigung von faserverstärkten

Kunststoffbauteilen: Zwölf

Meter lang, fünf Meter breit und drei Meter

tief wird er aus 160 Millimeter dicken Blechen

geschweißt – bei einem Stückgewicht

von 130 Tonnen.

Allein für dieses Pressengestell benötigt Jebens knapp 600 Schweißstunden.

Ein solches Querhaupt einer CPS+ wiegt –

je nach Blechdicke und -breite – zwischen

1,7 und 6,8 Tonnen.

Vom Lager bis zur Montage in einer

Hand

Mit dem Auftrag zur Fertigung dieser Pressenhäupter

und Rahmen als einbaufertige

Schweißbauteile verbindet Dieffenbacher

eine Fülle von Anforderungen an Jebens: Für

Rahmen, Pressengestelle und Stößel wird

hochfester Stahl benötigt. Angesichts der für

eine Holzpresse benötigten enormen Tonnage

sind für Peter Heiss, Leiter globaler Einkauf

bei Dieffenbacher, kurzfristige Materialverfügbarkeit

hochwertiger Bleche und

hohes Bearbeitungsvolumen entscheidende

Faktoren in der Lieferantenauswahl. »Jebens

hat ein sehr großes Lager und macht die

erforderlichen Qualitätseingangsprüfungen«,

so Heiss. Er ergänzt: »Um in der von

uns vorgegebenen Zeit eine derart hohe

Menge ausstoßen zu können, braucht man

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18 Stahlstandort Deutschland

auch eine entsprechend große Anzahl an

Brennmaschinen.« Andreas Ebner, Leiter

Produktionsplanung, betont: »Die Qualität

der Bleche muss zuverlässig stimmen, da

enorme Kräfte auf sie einwirken. Würde ein

Gestellblech reißen, wäre der Aufwand für

seinen Austausch extrem hoch.« Hinzu kommen

die von Dieffenbacher in der Brennteilzeichnung

oder -werksnorm vorgegebenen

Fertigungstoleranzen für Aufmaße bei Bohrungen

oder Außenkonturen. »Die sind tricky,

das kann längst nicht jeder. Das muss

man abbilden können, ohne jedes Mal in die

Norm gucken zu müssen«, so Ebner. Bei

einem Großteil dieser Brennteile leistet

Jebens auch die mechanische Bearbeitung

sowie Entgraten, Richten, Strahlen, Grundieren

und Lackieren gemäß den Vorgaben von

Dieffenbacher. Jetzt erweiterte der Maschinen-

und Anlagenbauer erneut – zunächst

probeweise – die Aufgabenstellung: Für

einen Pilotauftrag lieferte Jebens nicht nur

die Brennteile komplett bearbeitet, sondern

übernahm auch die Montage und Lackierung

der 240 Bleche zu 120 einbaufertigen

Modulen.

Anspruchsvolle Anforderungen

Auch bei der herausfordernden Produktion

der Heizplatten für die Holzwerkstoffpressen

vertraut Dieffenbacher deshalb auf den

Experten für Maßarbeit in Stahl. Diese Platten

haben innenliegende Heizkanäle, durch

Präzision ist bei den Bohrungen der Querhäupter Trumpf.

die Thermalöl fließt, um die erforderliche

Temperatur ins Produkt zu bringen. Bis zu 22

Heizplatten oben und unten hat eine 65

Meter lange CPS+-Presse, alle unterschiedlich

lang und zwischen 1,5 und 3,3 Meter

breit. Ihre Länge zwischen 4,5 und acht

Metern richtet sich nach der verfahrensabhängigen

Länge der Druckzonen. Im Rahmen

eines ersten Probeauftrages steuerte

Jebens die Lieferung der für diese Elemente

benötigten 140 Millimeter dicken Qualitätsbleche

nach Dieffenbacher Werksnorm an

einen externen Spezialisten für die aufwendige

Tieflochbohrung.

Ganzheitliche Expertise bis hin zur Erstellung

der komplexen Exportdokumente ist

auch bei den Schweißkonstruktionen und

fertig bearbeiteten, einbaufertigen Baugruppen

gefragt. Für ein Pressengestell

einer Composite-Presse sind bis zu 2 000

Schweißstunden erforderlich. Jebens erhält

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Stahlstandort Deutschland 19

ten, wie diese gegebenenfalls zu verschleifen

sind und wo welche Prüfungen erforderlich

sind. »Viele Lieferanten lehnen diese

Zeichnungen wegen der geforderten

Ausführung und Präzision der High-End-

Bauteile ab«, weiß Peter Heiss aus Erfahrung.

Insbesondere bei den Führungen, die

den Stößel justieren, sind die von Dieffenbacher

spezifizierten Bearbeitungsparameter

sehr anspruchsvoll, damit die Presse

parallel läuft. Bei der Umsetzung der herausfordernden

Schweißnähte bewährt sich

einmal mehr die Erfahrung der Schweißer

und Schweißfachingenieure von Jebens:

Wenn zum Beispiel von Dieffenbacher ein

Gestell so eng ausgelegt wurde, dass die

Zugänglichkeit für das Schweißen der Naht

nicht gewährleistet ist oder Steifigkeitsverlust

droht, unterbreiten die Schweißfachingenieure

konkrete Lösungsvorschläge.

»Dieser offene Austausch mit der Dieffenbacher

Konstruktionsabteilung ist für beide

Seiten ein fruchtbarer Prozess, da die

genehmigten Änderungswünsche auch in

den Folgekonstruktionen berücksichtigt

werden«, sagt Andreas Ebner. Um von dem

Spezialwissen der Experten im eigenen

Betrieb auf breiter Fläche profitieren zu

können, beauftragte Dieffenbacher sogar

eigens eine Schulung für 29 Teilnehmer aus

den Bereichen Konstruktion, Arbeitsvorbereitung

und Entwicklung durch den

Schweißfachingenieur und Qualitätsmanager

von Jebens.

Mit den Aufgaben wachsen

Seit über 30 Jahren ist Dieffenbacher Kunde

bei Jebens. »Wir brauchen einen kompetenten

Lieferanten, der die entsprechenden

Volumina jederzeit kurzfristig bewerkstelligen

kann«, erklärt Peter Heiss. Er ergänzt:

»Für die Brennteile von 120 Montageeinheiten

für eine CPS+ braucht Jebens zwei

Wochen. Das ist richtig gut.« Eine entscheidende

Rolle für die geforderten schnellen

Lieferzeiten spielt auch das Jebens-Lager

mit 30 000 Tonnen Vormaterial – darunter

auch hochfeste Sondergüten in großen

Dicken. »Jebens kann unseren Bedarf an

Materialgüten und Blechabmessungen stets

vom Lager decken und ist damit entsprechend

flexibel in der Umsetzung«, so Heiss.

Das ist für Andreas Ebner gerade auch bei

kurzfristigen Reparaturarbeiten im Schadensfall

ein großer Vorteil. Für Jebens

spricht überdies der große Glühofen im

Werk Nördlingen, der zeit- und kostenaufwändige

Transporte erübrigt. Mit gezielter

Weitergabe von Know-how entwickelt

Dieffenbacher Jebens konsequent weiter.

»Zur Montage der Pressengestellmodule

gehört spezielles Wissen, das man nur

bedingt konstruktiv in Zeichnungen abbilden

kann. Deshalb leisten unsere Monteure

bei solchen Pilotaufträgen Montageunterstützung,

um den Lieferanten zur Umsetzung

in der geforderten Zeit und Qualität

zu befähigen«, erläutert Peter Heiss die

Bei der Umsetzung der Schweißarbeiten ist

höchste Präzision Voraussetzung.

Strategie. Nach seiner Erfahrung setzt das

allerdings voraus, dass ein Lieferant entsprechend

entwicklungsfähig ist. »Wenn er

nur abarbeitet, funktioniert das nicht. Er

muss sich selber kontinuierlich Optimierungen

für seine Prozesse überlegen.« Genau

das macht Jebens aus seiner Sicht sehr gut:

»Früher war das ein reiner Brennbetrieb. In

den letzten Jahren hat sich das Unternehmen

stark weiterentwickelt. Wir wollen

künftig keine Einzelteile zukaufen, sondern

nur noch Baugruppen. Mit Jebens haben

wir einen Partner, der das auf unserem Fertigungslevel

zuverlässig abbilden kann.«

* Die Autorin ist Geschäftsfürerin von

impetus.PR, Agentur für Corporate

Communications GmbH

www.jebens.de

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KONTUREN

www.stahlo.de


20 Branchenbericht

Maschinenbau steuert durch raue Gewässer

Produktion und Auftragseingänge sind rückläufig

Frankfurt/Main. Die Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China machen sich immer stärker

bemerkbar. Nach Informationen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sind Produktion und

Auftragseingänge im Maschinenbau rückläufig. Die Industrie rechnet mit mehr Kurzarbeit. Den Klimaschutz will

der Maschinenbau mit seinen Technologien voranbringen.

»Der exportstarke Maschinenbau in

Deutschland leidet zunehmend unter den

vielen Verwerfungen auf den internationalen

Märkten. Insbesondere der noch immer

ungelöste Handelsstreit zwischen den USA

und China macht den Betrieben zu schaffen,

weil er sich auf immer mehr Branchen und

Länder direkt und indirekt auswirkt«, teilt

der VDMA mit. Eine aktuelle Umfrage des

Verbands unter deutschen Maschinenbaubetrieben

in China zeigt, dass auch dort die

Stimmung unter dem Handelskonflikt leidet.

40 Prozent der befragten Firmen bezeichneten

ihre aktuelle Geschäftslage als

»schlecht«, weitere 40 Prozent als »zufriedenstellend«.

Das sind laut VDMA die

schlechtesten Werte seit Beginn der Erhebung

vor drei Jahren. Und für das vierte

Quartal 2019 sowie das erste Quartal 2020

sehen die Betriebe in China keine Besserung

der Lage voraus.

Bremsspuren in den Büchern

In der Folge hinterlassen Handelsstreitigkeiten,

zunehmender Protektionismus rund um

den Globus sowie der ungelöste Brexit

immer deutlicher ihre Spuren auch in den

Büchern des Maschinenbaus – ebenso wie

der tiefgreifende Strukturwandel in der Fahrzeugindustrie.

Insgesamt lagen die Aufträge

in den ersten acht Monaten des Jahres im

Maschinenbau Angaben des VDMA zufolge

um real neun Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die Produktion sank – nach vorläufigen

Zahlen – im gleichen Zeitraum um 1,6

Prozent. »Noch ist unklar, ob wir uns nur in

einer konjunkturellen Schwächephase oder

am Beginn einer echten Rezession befinden.

Aber ein schneller Aufschwung ist definitiv

nicht in Sicht«, sagte VDMA-Präsident Carl

Martin Welcker in einem Pressegespräch auf

dem 11. Deutschen Maschinenbau-Gipfel in

Ingenieure in einer Schwerindustriefabrik

Berlin. »Daher bleiben wir bei unserer Produktionsprognose,

die sowohl für dieses Jahr

als auch für 2020 einen Rückgang von real

zwei Prozent vorhersieht.«

Kurzarbeit wird wieder wichtiger

»Im Juli waren 1,06 Millionen Menschen in

Maschinenbaufirmen mit mehr als 50 Mitarbeitern

beschäftigt. Das waren 1,1 Prozent

mehr als im Vorjahr. Und viele Unternehmen

suchen nach wie vor Fachkräfte etwa für die

Umsetzung des digitalen Wandels. Allerdings

wird angesichts der Auftragsflaute in

manchen Fachzweigen des Maschinenbaus

die Kurzarbeit wieder bedeutsamer«, so der

VDMA. Im ersten Halbjahr waren geschätzt

rund 5 000 Menschen im Maschinenbau in

Deutschland in Kurzarbeit, im ersten Quartal

2019 waren es erst 3 200 Mitarbeiter. »Sollte

es zu einer weiteren Konjunkturverschlechterung

im Land kommen, wäre eine

Ausweitung der Kurzarbeit auf 24 Monate

– wie schon im Krisenjahr 2009 – sinnvoll.

Darüber muss jetzt Klarheit geschaffen werden,

damit die Unternehmen planen können«,

sagte Welcker. Aus den damaligen

Erfahrungen sollte allerdings die richtige

Schlussfolgerung gezogen werden. Der

VDMA fordert, bereits jetzt ins Gesetz zu

schreiben, dass die Bundesagentur für Arbeit

wieder die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt,

wenn die Betriebe dann ihre Mitarbeiter

weiterbilden.

Foto: Shutterstock

stahlmarkt 11.2019


Branchenbericht 21

Transformations-Kurzarbeitergeld ist

der falsche Weg

Zugleich lehnt der VDMA das von der IG

Metall vorgeschlagene Transformations-

Kurzarbeitergeld ab. »Es ist nicht das richtige

Instrument für die Herausforderungen der

Zukunft«, betonte Welcker. Denn die Fortentwicklung

des eigenen Unternehmens

sowie die damit verbundene Frage der benötigten

Qualifikationen sei ein Kern der unternehmerischen

Entscheidungsfreiheit und der

unternehmerischen Verantwortung.

Mit Sorge sehen die Maschinenbauer auch

die Vorhaben der Regierung, eine Tarifbindung

der Unternehmen zu erzwingen,

indem etwa steuerliche Anreize nur für

Unternehmen gelten sollen, die im Flächentarif

sind. »Es sind ohnehin nur noch etwas

mehr als ein Drittel aller Maschinenbauer im

Tarif organisiert, weil die Tarifvereinbarungen

als nicht attraktiv genug angesehen werden«,

sagte Welcker. »Die Regierung macht

hier eine Kampfansage an den Mittelstand,

aber Konfrontation ist der falsche Weg. Richtig

wäre – auch mit Blick auf die nächste

Tarifrunde – mehr Besonnenheit!«

Entlastung durch weniger Bürokratie

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

bräuchten die Unternehmen umso mehr

Freiraum für Ihr Handeln und erwarteten von

der Politik eine Entlastung insbesondere von

unproduktiven bürokratischen Aufgaben,

betonte der VDMA-Präsident. Als Beispiele

nannte er die nationale Umsetzung der europäischen

Entsenderichtlinie. Sie mache zum

Beispiel die notwendige, rasche Entsendung

etwa eines Monteurs in viele andere EU-Staaten

fast unmöglich. »Hier muss es zwingend

eine Änderung geben, und zwar so schnell

wie möglich«, forderte Welcker. Auch

Genehmigungsverfahren zum Beispiel für

Industrieanlagen seien in Deutschland inzwischen

viel zu umständlich und langwierig

und verhinderten damit neue Investitionen.

Maschinenbau ermöglicht den

Klimaschutz

»Der Klimaschutz als gesellschaftliche Aufgabe

kann nur gelingen, wenn die dafür benötigten

Technologien zur Verfügung stehen«,

betont der VDMA. Der Maschinenbau entwickele

diese Technologien, die weltweit in vielfältiger

Weise im Einsatz seien. »Wir sind ein

Schlüsselspieler für den Klimaschutz, ohne

uns kann er nicht gelingen«, betonte der

VDMA-Präsident. Umso wichtiger sei es, dass

die politischen Rahmenbedingungen immer

auf Basis von Technologieoffenheit geschaffen

würden. »Nicht eine einzelne Technologie

allein lässt uns die Pariser Klimaziele erreichen,

es braucht einen effizienten Mix«,

mahnte Welcker. Von daher lehnt der Verband

zum Beispiel »Handschuhfachprämien«

für Elektroautos oder andere Antriebsformen

eindeutig ab. Viel sinnvoller wäre dagegen

»»

»Noch ist unklar, ob wir uns nur in einer konjunkturellen Schwächephase oder

am Beginn einer echten Rezession befinden. Aber ein schneller Aufschwung ist

definitiv nicht in Sicht.

Carl Martin Welcker, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

(VDMA)

eine staatliche Förderung der Produktionsforschung

für den Klimaschutz, weil damit neue

Klimaschutztechnologien schneller und

marktgerechter entwickelt werden könnten.

CO 2

-Reduktionsziele für einzelne Sektoren

seien ebenfalls der falsche Weg. »Eine

CO 2

-Bepreisung mit echter Lenkungswirkung

muss kommen, aber sie muss sektorübergreifend

erfolgen. Und Deutschland kann nur der

Anfang sein, für das Erreichen der Pariser Klimaziele

muss eine europäische Lösung gefunden

werden«, sagte Welcker.

Einen möglichen Weg für eine marktwirtschaftlich

basierte Umgestaltung der Energie-Bepreisung

hat der VDMA nach eigenen

Angaben in einem Gutachten jüngst aufgezeigt.

Darin werde eine einheitliche, emissionsorientierte

Besteuerung für alle Energieverbräuche

vorgeschlagen, sowie eine Vereinheitlichung

und Systematisierung der Abgaben

und Umlagen. CO 2

erhalte einen kontinuierlich

steigenden Preis, zugleich müssten existierende

Abgaben und Steuern wie die EEG-Umlage

oder die Stromsteuer abgeschafft werden.

»Der Wandel würde aufkommensneutral

erfolgen, aber Investitionen in CO 2

-effiziente

Technologien würden damit angekurbelt«,

resümierte der VDMA-Präsident.

www.vdma.org

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22 Steel International

Foto: Shutterstock

In den USA schrauben führende Unternehmen ihre Ergebnisprognosen weiter zurück.

Neue Hiobsbotschaften aus der

amerikanischen Stahlindustrie

US-Unternehmen geraten zunehmend ins Wanken

New York. In den USA blickt die Stahlindustrie weiterhin einer ungewissen Zukunft entgegen. Während namhafte

Unternehmen wie US Steel und Nucor ihre Ergebnisprognose weiter drosseln, eröffnet Bayou Steel in Louisiana das

Bankrott-Verfahren und streicht Hunderte Jobs. Gewerkschafter fordern derweil von General Motors, seine

Automobilproduktion zurück in die USA zu verlagern.

Von unserer New Yorker Korrespondentin Brigitte Nacos

Obwohl US-Präsident Donald Trump auf

seinen regelmäßigen Kundgebungen im Vorfeld

der anstehenden Präsidentschaftswahlen

eine »Wiedergeburt« der Stahlindustrie feiert,

kann sein Optimismus nicht bestätigt werden.

Die Importzölle in Höhe von 25 Prozent, die

zunächst einen Aufwind sowohl in Absatz als

auch Gewinn einbringen konnten, bieten keinen

Schutz vor der aktuell schwachen Nachfrage

und den fallenden Preisen. Das Resultat:

Nach beachtlichen Gewinnen im ersten Jahr

der neuen Regierung schrumpfen nun die Profite.

Für das abgeschlossene dritte Jahresquartal

warnen führende US-Stahlunternehmen

wie US Steel und Nucor erneut vor schwachen

Ergebnissen. Vor allem die Nachfrage aus der

Automobilindustrie, der Landwirtschaft und

dem Energiesektor lasse keine besseren Bilanzen

zu, berichten Branchenanalysten.

Industrieaktivität auf tiefstem Stand

seit 2009

Während US-Experten in der Vergangenheit

Schwächen in der globalen Wirtschaft für die

Probleme auf dem heimischen Markt verantwortlich

machten, fiel indes ein wichtiger Indikator

für das Wohl und Wehe der produzierenden

Industrie in den USA: Die vom Institute for

Supply Management (ISM) durchgeführten

Umfragen über Industrieaktivitäten erreichten

im vergangenen August den tiefsten Stand seit

2009. Offensichtlich spiegelt sich das auch in

der eingedämpften Entwicklung in der Stahlindustrie

wider – unter anderem meldeten Kunden

kürzere Lieferzeiten als gewöhnlich.

Einige Stahlhersteller hatten in der Hochstimmung

über den von der Regierung

Trump verhängten Importschutz maßgeblich

in neue Werke oder die Modernisierung alter

Werke investiert. Die Überkapazität verursachte

Wettbewerbsbedingungen, die die

Stahlpreise negativ beeinflussten. US Steel

und ArcelorMittal zum Beispiel stoppten bis

auf Weiteres die Produktion und entließen

vorübergehend ihre Belegschaften.

Bayou Steel streicht Hunderte Jobs

Eine weitere Hiobsbotschaft kam aus Louisiana.

Das Management von Bayou Steel

stahlmarkt 11.2019


Steel International 23

zukünftig verschiedene Management-Kulturen koordinieren muss. Er

kündigte an, dass innerhalb eines rigorosen Reorganisationsprozesses

die jährlichen Unkosten um umgerechnet rund 180 Millionen US-Dollar

reduziert werden sollen. Dieses Ziel wurde gleichzeitig mit dem

Rücktritt des Finanzchefs Kevin Bradley verkündet, der dem Vorstand

von US Steel bis Ende des Jahres als Berater erhalten bleibt.

Landesweiter Streik bei General Motors

Foto: Nucor

Elektrolichtbogenofen bei Nucor

informierte die Belegschaft des 40 Jahre alten Stahlwerks in Laplace

nahe New Orleans über die sofortige Schließung einer Hütte, die

insbesondere Stabstähle und Stahlträger herstellte. Daraufhin wurde

das Bankrott-Verfahren eingeleitet, das 376 Beschäftigten den Job

kostete. In Harriman, Tennessee, resultierte die Schließung eines

Bayou-Steel-Walzwerkes in der Entlassung von 72 Arbeitern. Das

Gleiche galt für ein paar Dutzend Arbeiter, die in verschiedenen

Gegenden des Landes in Auslieferungsdepots beschäftigt waren.

Der Demokrat John Edwards, Gouverneur von Louisiana, wurde von

Trumps Handelsberater Peter Navarro scharf kritisiert, weil er Importzölle

für das Scheitern von Bayou Steel verantwortlich machte.

Doch nicht Trump, sondern ein in Louisiana aufgewachsener Investmentspezialist,

der seit Jahren in mittelgroße, vom Bankrott bedrohte

Betriebe investiert, versuchte spontan die Laplace-Hütte und die damit

verbundenen Jobs zu retten. Seitdem meldeten sechs weitere potenzielle

Käufer ihr Interesse am Unternehmen an. Das Für und Wider einer

Transaktion hing von den Zahlen in Bayou Steels Bilanzen ab.

Schließlich wuchsen im Stahlsektor Sorgen über den Streik beim

Automobilhersteller General Motors (GM). Dieser stoppte seine Produktion

in allen amerikanischen Werken aufgrund des sich im Vergleich

zum Vorjahr weniger robust entwickelten Autoabsatzes. Fünf

Prozent des gesamten, jährlichen Stahlabsatzes in den USA wird in

Werken von GM verarbeitet. Die Streikgespräche blieben auch in der

vierten Streikwoche festgefahren: Im Namen der fast 50 000 Mitarbeiter

bei GM verlangte die Gewerkschaft »United Auto Workers«

insbesondere die Produktion von SUVs und Lieferwagen von Mexiko

zurück in die USA zu bringen. GM wies diese Forderung ab, weil die

Löhne in dem südlichen Nachbarland weitaus niedriger sind. Unter

den Stahlherstellern waren AK Steel und US Steel am stärksten

betroffen: AK Steel liefert mehr als 60 Prozent der gesamten Produktion

an die Automobilindustrie, US Steel über zehn Prozent.

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Neuausrichtung: US Steel investiert in Big River Steel

Obwohl Wall-Street-Analysten seit geraumer Zeit ihre Zweifel an der

Finanzsituation von US Steel verkündeten, ging das Unternehmen

einen überraschenden Schritt: Der Geschäftsführer David Burrit kündigte

an, dass US Steel einen Anteil von gut 50 Prozent des Stahlwerkes

Big River Steel in Osceola, Arkansas, für umgerechnet rund

630 Milliarden Euro erwerben wird. Big River Steel gilt mit einer

Belegschaft von 550 Mitarbeitern als das effizienteste Stahlwerk in

den USA. Das Werk wird gegenwärtig vergrößert, um eine jährliche

Produktionskapazität von 3,3 Millionen Tonnen zu erreichen. Mit der

Maßnahme scheint Burrit auf eine Umstrukturierung der Hütten

abzuzielen, um fortan Stahl aus Schrott herzustellen und weitaus

niedrigere Produktionskosten zu verbuchen als integrierte Stahlwerke.

Entsprechende Investitionen sind bereits erfolgt.

Im derzeitigen Management werde sich vorerst nichts ändern,

betont Burrit. Wie andere Hütten dieser Art verfolgt das Werk in

Arkansas ein sogenanntes »lean management«, eine schmalere Führungsebene,

und beschäftigt eine Belegschaft, die nicht gewerkschaftlich

organisiert ist. Im Gegensatz dazu hat US Steel, wie auch andere

integrierte Unternehmen, ein wohlbesetztes Management und

gewerkschaftlich organisierte Stahlarbeiter. Das impliziert, dass Burrit

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24 Steel International

Kocks: Chinesischer Markt bleibt attraktiv

Hildener Anlagenbauer liefert RSB in der Volksrepublik

Hilden. Der Reduzier- und Sizingblock RSB 370++/4 des Unternehmens Friedrich Kocks aus Hilden findet nach

Unternehmensinformationen international Anwendung. Nun gehen fünf weitere Lieferungen der Fertigungsanlage

nach China.

47 Millionen Tonnen Stahl werden pro

Jahr auf Anlagen von Kocks gewalzt, so das

Unternehmen. Demnach sind 242 Blöcke

des RSB 370++/4 derzeit weltweit im Einsatz.

Mit der Entscheidung des chinesischen

Produzenten Yonggang, in die fünfte Generation

der Kocks-RSB-Technologie zu investieren,

hat das Unternehmen jüngst seine

100. Referenz erreicht. In China hat Kocks

für die Anlage einen lukrativen Markt gefunden,

wie weitere Aufträge aus der Volksrepublik

zeigen.

Einstieg in den SBQ-Sektor

An Shandong Laigang Yongfeng Iron and

Steel liefert Kocks neben eines RSB der fünften

Generation eine automatische Walzspaltregelung

(SCS), welche eine Echtzeiteinstellung

der Betriebsparameter des Walzblocks

ermöglicht, sowie das Profilmessgerät

4D Eagle, welches auf dem Lichtschnittverfahren

basiert. Der RSB soll dort zukünftig

Stabstahl im Bereich von 13 bis 90 Millimetern

Durchmesser produzieren, teilt Kocks

mit. SCS und 4D Eagle sollen Yongfeng darüber

hinaus helfen, erfolgreich im Markt für

SBQ-Stähle (special bar quality) durchzustarten.

Die Inbetriebnahme ist für die zweite

Hälfte des Jahres 2020 geplant.

Auch Benxi hat Kocks den Auftrag zur Lieferung

eines RSB 370++/4 in 5.0 Design

erteilt. Mit der Entscheidung, die Anlage in

der bestehenden Stabstahllinie einzusetzen,

beabsichtigt Benxi, seinen Anteil am

SBQ-Sektor für Wälzlagerstähle und Stähle

für die Automobilindustrie zu erweitern.

Dafür sollen stufenlose Stäbe im Abmessungsbereich

von 12 bis 80 Millimetern

Durchmesser auf das Kühlbett gewalzt werden.

Der neue RSB wird hinter den 14 kontinuierlichen

Walzgerüsten in der Vor- und

Zwischenstraße eingesetzt. Dessen Inbetriebnahme

ist für die zweite Hälfte des Jahres

2020 geplant.

Der Reduzier- und Sizingblock RSB 370++/4 im Einsatz, hier bei Maanshan Iron and Steel in der

Provinz Anhui (China).

Herzstück für Modernisierung

Für das Unternehmen Fuijan Sangang Minguang

soll die fünfte Generation des RSB

370++/4 als das Herzstück eines umfangreichen

Modernisierungsprojektes einer

Stablinie, deren Komponenten vor Ort

gefertigt werden, fungieren. Der RSB soll

sich als Fertigblock hinter der Vor- und Zwischenstraße

befinden, die aus 21 Duo-Gerüsten

besteht. Dort sollen Stäbe in Bundform

im Abmessungsbereich von 15 bis 48

Millimetern Durchmesser sowie Stäbe zwischen

20 und 90 Millimetern Durchmesser

produziert werden. Die Inbetriebnahme ist

für die zweite Hälfte des Jahres 2020

geplant.

RSB für Produktion von Edelstahl

Für ein komplett neues Walzwerk in Yantai,

China hat der taiwanesische Stahlproduzent

Walsin Lihwa einen RSB 370++/4 in fünfter

Generation bestellt. Hier soll der RSB Rund-

und Sechskantabmessungen verschiedener

Größen sowie Vorrunde für die Drahtherstellung

fertigwalzen. Das neue Walzwerk von

Walsin möchte die Produktion von Edelstählen

fokussieren. Auch hier beinhaltet der

Lieferumfang zusätzlich ein SCS sowie das

4D-Eagle-Profilmesssystem. Zur voraussichtlichen

Inbetriebnahme liegen bisher keine

Informationen vor.

Jiangsu Lithuai Iron and Steel, ein Tochterunternehmen

der Shagang Gruppe, möchte

seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber

anderen SBQ-Herstellern verbessern und

integriert einen RSB 370++/4 in die bestehende

Stabstahllinie. So sollen folglich Stäbe

in einem Abmessungsbereich von 20 bis 65

Millimetern Durchmesser produziert werden.

Der Block wird sich als Fertigblock hinter der

Vor- und Zwischenstraße befinden, die aus

16 HV-Gerüsten besteht. Die Inbetriebnahme

ist für die zweite Hälfte des Jahres 2020

geplant.

www.kocks.de

Foto: Kocks

stahlmarkt 11.2019


Steel International 25

Baumaterialien-Messe als

Gateway nach Südostasien

Vielversprechende Marktchancen in Thailand

Bangkok. Vom 28. April bis 3. Mai 2020 findet zum 34. Mal die Fachmesse

»architect« in Bangkok statt. Auf der Branchenveranstaltung werden rund

850 Aussteller und über 400 000 Besucher erwartet. Unternehmen aus Bayern

dürfen zu Sonderkonditionen ausstellen, wie der Veranstalter mitteilt.

In diesem Jahr besuchten über 442 000

Besucher aus 74 Ländern die Fachmesse

»architect« in Bangkok.

Foto: ASA

Für internationale Unternehmen, die am

Planen, Bauen und Gestalten von Gebäuden

beteiligt sind, eröffnen sich in Thailand vielversprechende

Marktchancen. Die Fachmesse

»architect«, die im jährlichen Turnus stattfindet,

bietet internationalen Herstellern und Händlern

aus den Bereichen Baustoffe, Innenausbau und

Dekoration eine Plattform, um Kontakte zu

thailändischen Architekten, Bauunternehmen

und anderen Entscheidern herzustellen.

Die IMAG GmbH, eine Tochtergesellschaft der

Messe München, ist internationaler Vertriebspartner

der Veranstaltung und Durchführungsgesellschaft

für die bayerische Beteiligung.

Unternehmen aus Bayern können auf

Antrag der IHK Würzburg zu Sonderkonditionen

auf der architect’20 ausstellen. Dafür

wird es einen bayerischen Gemeinschaftsstand

geben, der vom Bayerischen Staatsministerium

für Wirtschaft, Landesentwicklung

und Energie gefördert wird. Zukünftig möchte

die thailändische Regierung das Land weiter

zu einem High-Tech-Hub ausbauen und investiert

dafür massiv in zahlreiche Bauvorhaben.

Für den Sektor erwarten Experten, dass öffentliche

und private Investitionen bis 2020 jährlich

zwischen sieben und neun Prozent zunehmen

werden.

www.imag.de

Ningbo schafft Voraussetzungen

für Erweiterung der Produktpalette

Erfolgreiche Modernisierung der Warmbandstraße

Provinz Zheijang. Das chinesische Unternehmen Ningbo Iron and Steel hat der SMS group das

Endabnahmezertifikat für die Modernisierung der Laminarkühlung einer Warmbrandstraße erteilt.

Durch die Maßnahme sollte die Kühlleistung verbessert und die Produktpalette erweitert werden.

Als wesentliches Ziel der Modernisierung

galt die Verbesserung der Kühlleistung im

Hinblick auf die Einhaltung engerer Toleranzen

bei der Haspeltemperatur, teilt die SMS

group mit. Zudem sollte die Produktpalette

um die Dualphasenstähle DP 600 und DP 800

für die Automobilindustrie, Rohrstahlsorten

X60 und höher sowie nicht-kornorientiertes

Elektroband erweitert werden. Der Umfang

der Modernisierung für die rund 90 Meter

lange Kühlstrecke umfasste die gesamten

mechanischen Kühleinrichtungen einschließlich

sechs superverstärkten Laminarkühlgruppen

am Anfang der Kühlstrecke sowie sechs

weiteren vor der Trimmzone. Um die Entstehung

von Planheitsproblemen bei der Bandkühlung

zu verhindern, hat die SMS group

Verstärkte Laminarkühlung und

Querabspritzung: Kühlstrecke im Auslauf der

modernisierten Warmbandstraße von Ningbo.

Sprühbalkentechnik installiert, die eine gleichmäßige

Beaufschlagung des Kühlmediums

über die komplette Bandbreite garantieren

soll. Zudem wurden neue Querabspritzungen

Foto: SMS group

installiert, die mit einem Druck von 20 bar

arbeiten und somit eine hohe Kühleffizienz

ermöglichen sollen. Die Warmbrandstraße

von Ningbo liegt in der Provinz Zheijang etwa

200 Kilometer südlich von Shanghai am Ostchinesischen

Meer. Dessen Walzanlage verfügt

über drei Hubbalkenöfen für die Wiedererwärmung

der Brammen, eine zweigerüstige

Vorstraße, eine siebengerüstige Fertigstraße,

den Auslaufrollgang mit der Laminarkühlung

sowie drei Unterflurhaspeln. Die

Produktionskapazität beträgt vier Millionen

Jahrestonnen. Gewalzt werden auf der Anlage

Stähle für die Hausgeräte- und Bauindustrie

sowie für die Automobilindustrie.

www.sms-group.com

stahlmarkt 11.2019


26 Steel International

Shigang erweitert Kapazitäten

Vorblock-Stranggießanlage soll Umweltbelastung verringern helfen

Shijiazhuang. Shijiazhuaang Iron and Steel (Shigang), ein Unternehmen der chinesischen HBIS Gruppe, hat die

SMS Concast mit der Lieferung einer zweiten Vorblock-Stranggießanlage beauftragt. Der Auftrag wurde im

Rahmen eines Verlagerungsprogrammes zur Verringerung der Umweltbelastung in der Stadt Shijiazhuang platziert.

Foto: SMS Concast

Gießen von rechteckigen Vorblöcken

Schon Anfang des Jahres bestellte Shigang

in demselben Programm zwei 130-Tonnen-SHARC-Elektrolichtbogenöfen

(Shaft

Arc – Elektrolichtbogenofen mit Schrottvorwärmung

im Schacht) sowie eine dreisträngige

vertikale Stranggießanlage für die Produktion

von Vorblöcken bei der SMS group.

Die nun zweite Anlage ist eine klassische

Kreisbogen-Stranggießanlage, dessen Programm

alle Stahlgüten von Edelbaustählen

bis hin zu Wälzlagerstählen und Reifendrahtqualitäten

umfasst. Auch sei eine Produktion

von Spezialstählen möglich, teilt die SMS

group mit.

Die neue Anlage erlaubt mit einem Radius

von 16,5 Metern die Produktion mit einem

großzügigen Betriebsfenster zur Durchführung

der dynamischen mechanischen Reduktion

(DMRS). Ebenso wie die bestehende

vertikale Stranggießanlage verfüge die Anlage

über moderne technologische Ausrüstungen,

so die SMS group. Hierzu gehören beispielsweise

elektromagnetische Kokillenund

Finalrührer, eine Tandem-Resonanzoszillation

und eine Luft-Wasser-Sekundärkühlung

mit sieben unabhängigen Kühlzonen.

Das MSR-System besteht aus elf Modulen

pro Strang, die alle einzeln angetrieben sind

und eine sehr gute Innenqualität der Vorblöcke

garantieren sollen. Die Stranggießanlage

ist mit einem Infrarot-Temperatur-Monitoring

ausgestattet, das zur Online-Qualitätskontrolle

der Vorblöcke sowie für die Regelung

der dynamischen Sekundärkühlung

eingesetzt wird. Eine Laser-Längenmessung

und ein Online-Wiegesystem sollen zudem

eine hohe Genauigkeit des Vorblockgewichts

sicherstellen. Ein »Water box quenching«-System

rundet das technologische

Ausrüstungspaket ab.

www.sms-concast.ch

Zertifizierung für Energieeffizienz

Wuppermann schließt Projekt E-LEEN erfolgreich ab

Judenburg. Energieeffizienz hat ökologische und ökonomische Vorteile und gewinnt in der Stahlindustrie

zunehmend an Relevanz. Aus diesem Grund ist der österreichische Stahlproduzent Wuppermann dem

Energieeffizienz-Netzwerk »E-LEEN« beigetreten. Das Ziel: die eigenen Energieeinsparungen zu optimieren.

Der österreichische Stahlhersteller Wuppermann

erhielt die Zertifizierung »Energieaudit

plus« infolge optimierter Energieeinsparungen

im Betrieb.

Foto: Shutterstock

Heute kann sich Wuppermann anlässlich

seiner tatsächlichen Einsparungen über

die Zertifizierung »Energieaudit plus« freuen.

In der Netzwerkzielsetzung wurde von

Wuppermann eine Einsparung von 1 459

Megawattstunden pro Jahr (MWh/a) für den

genannten Zeitpunkt zugesagt. Mit einem

tatsächlichen Wert von 1 742,69 MWh/a

habe man dieses Ziel übertroffen, teilt Wuppermann

mit. »Damit tragen wir mit 9,8

Prozent zum übergeordneten Ziel bei«, so

Josef Koini, Energiebeauftragter und

E-LEEN-Projektleiter bei Wuppermann. Die

Netzwerkzielsetzung beinhaltete laut Wuppermann

Schwerpunktthemen, die umzusetzen

gewesen seien. Die einzelnen Energiesparmaßnahmen

dieser Themen seien

von jedem Netzwerkteilnehmer selbst organisiert

und zeitlich aufeinander abgestimmt

worden. So erreichte Wuppermann die drei

größten Einsparungen mit der Erneuerung

der Kühlluftventilatoren (319,85 MWh/a),

der Induktionserwärmung der Bandverzinkungsanlage

1 (498 MWh/a) und der Heißwassererzeugung

mittels einer Wärmepumpe

(711,8 MWh/a). Weitere kleinere Einsparungen

resultierten aus dem Beleuchtungsaustausch

in diversen Betriebsgebäuden.

Bezogen auf den jährlichen Energieverbrauch

bedeutete das insgesamt eine Einsparung

von 8,2 Prozent, heißt es.

www.wuppermann.de

stahlmarkt 11.2019


Steel International 27

Klimaneutralität im Fokus

ArcelorMittal setzt auf nachhaltige Produkte und Produktionsverfahren

Luxemburg. Nachhaltige Produkte und innovative Produktionsverfahren: Bis 2050 will der Stahlhersteller

ArcelorMittal seinen ökologischen Fußabdruck in Europa verkleinern und klimaneutral produzieren. Während es bei

der Herstellung grundsätzlich darum geht, CO 2

zu vermeiden, zu reduzieren oder für andere Produkte zu nutzen,

setzt ArcelorMittal nach eigenen Angaben vor allem auf Innovationen.

Der Konzern versucht seine Produktpalette

zukunftsgerecht aufzustellen, um ein

nachhaltiges Bauen von Maschinen, Anlagen

und Fahrzeugen zu ermöglichen.

»Wenn wir die CO 2

-Menge in der Industrie

reduzieren wollen, müssen wir unseren Kunden

dabei helfen, die Haltbarkeit und die

Lebensdauer von Produkten aus Stahl deutlich

zu erhöhen sowie die Verarbeitung zu

erleichtern«, erklärt Jochen Grünewald,

Managing Director Flat Products bei Arcelor-

Mittal in Deutschland. Das betreffe etwa die

erhöhte Abriebfestigkeit, die Gewichtsreduzierung

von Stahl bei verbesserter Haltbarkeit

oder die Korrosionsbeständigkeit bei

extremen Wetterbedingungen.

Festigkeit bei leichtem Gewicht

Mit dem Produkt »Amstrong Ultra« etwa

führt ArcelorMittal einen hochfesten Stahl

ein, der für extreme Anwendungen entwickelt

wurde. Unternehmensinformationen

zufolge handelt es sich bei dem Material um

eine Entwicklung, die bei gleicher Festigkeit

wesentlich Gewicht reduziert. Damit richtet

sich der Konzern gezielt an Hersteller von

Baumaschinen, Transportfahrzeugen und

landwirtschaftlichen Maschinen sowie deren

Kunden. Der Vorteil liegt laut ArcelorMittal

darin, dass entsprechende Abnehmer Kosten

einsparen können, da für ein Maschinenteil

mit gleicher Beanspruchung weniger Material

verwendet werden müsse.

Höhere Lebensdauer und niedrige

Wartungskosten

Drei- bis sechsmal bessere Abrieb-Eigenschaften

als normaler Stahl und eine deutlich

höhere Lebensdauer schreibt ArcelorMIttal

seinem Produkt »Relia« zu. Zum Einsatz

kommt das Material überall dort, wo man es

Das Material »Magnelis« soll Korrosionsschutz unter extremen Bedingungen liefern und wird

nach Herstellerangaben von Solarunternehmen eingesetzt.

mit Aushub und Schüttgutumschlag zu tun

hat – im Bergbau, beim Abbau von Steinen

und in der Mineralindustrie. Daneben werden

verschleißarme, hochfeste Stahlgüten

mit hoher Schlagzähigkeit auch bei Abbruchmaschinen

und im Abfall- und Recyclingbereich

eingesetzt.

Die Platten können laut ArcelorMittal mit

allen thermischen Schneideverfahren einschließlich

Sauerstoff-Brennstoff, Plasma und

Laser bearbeitet werden. Dem Hersteller

zufolge zeichnet sich »Relia« durch ihre hohe

Reinheit und gleichförmigen Eigenschaften

aus, denen das Material auch seine gute

Formbarkeit zu verdanken habe. Aufgrund

eines geringen Kohlenstoffgehalts lasse es

sich zudem gut schweißen. Für Anwender

ergäben sich dadurch niedrigere Wartungskosten

und eine höhere Nutzlastkapazität.

Korrosionsschutz unter extremen

Bedingungen

Als Stahl mit Korrosionsschutz für Fundamente

selbst in aggressiven Böden bietet Arcelor-

Mittal »Magnelis« an. Nach Angaben des

Unternehmens zeigt das Material einen

Selbstheilungseffekt, der den Kanten- und

Oberflächenschutz bei Kratzern verbessert.

Aufgrund seiner vielfältigen Anwendungsfähigkeit

gilt es ArcelorMittal zufolge als kostengünstige

Alternative zu nachverzinktem Stahl.

Seit seiner Einführung im Jahr 2012 werde

Magnelis von vielen Solarunternehmen eingesetzt,

um langlebigen Befestigungsstrukturen

auch in widrigsten Umgebungen einen angemessenen

Schutz zu bieten, so ArcelorMittal.

Schutz mit homogener Beschichtung

»Jetskin« ist eine metallische Beschichtung

für Stahl, die mit JVD (Jet Vapor Deposition

– hierbei wird ein sich bewegendes Stahlblech

in einer Vakuumkammer beschichtet)

aufgebracht wird. Hierdurch könne ein deutlich

geringerer ökologischer Fußabdruck

ermöglicht werden, heißt es seitens Arcelor-

Mittal. Durch eine homogene Beschichtung

auf einer oder beiden Seiten des Stahls weise

das Material einen hohen Korrosionsschutz,

insbesondere für den Innenbereich,

auf. Eingesetzt wird es etwa bei Haushaltsgeräten

wie Waschmaschinen, Trocknern

oder HiFi- und TV-Geräten.

www.germany.arcelormittal.com

Foto: Shutterstock

stahlmarkt 11.2019


28 Gut zu wissen

Harte Jahre vor den Industrieunternehmen

Geschicktes Verhandeln als wichtiger Beitrag zur Kostensenkung

Düsseldorf. Die deutsche Industrie bereitet sich auf zwei harte Jahre vor, denn seit mehr als einem Jahr spüren die

Betriebe weltweit einen wirtschaftlichen Abschwung. Nun verordnen sich viele große Unternehmen strikte

Kostensenkungsprogramme.

Wer dazu auch professionelle Verhandlungssysteme

nutzt, die sowohl im Einkauf

als auch bei Investitionen erhebliche Beiträge

zur Kostensenkung bringen können, der hat

einen Wettbewerbsvorteil. Davon ist René

Schumann, Geschäftsführer von Kerkhoff

Negotiations (KN), überzeugt. Das Düsseldorfer

Unternehmen ist Teil der bundesweit

agierenden Kerkhoff Group und eigenen

Angaben zufolge darauf spezialisiert, für

seine Kunden schwierige Verhandlungssituationen

mit bestmöglichem Ergebnis zu

lösen.

Auf einen Blick: KN

Kerkhoff Negotiations (KN) ist ein

Beratungsunternehmen mit Sitz in

Düsseldorf, das darauf spezialisiert ist,

für seine Kunden aus ganz Europa

komplexe und konfliktträchtige Verhandlungsfälle

aller Art, beispielsweise

in Einkauf, Vertrieb, M&A-Projekten

oder Arbeitnehmerangelegenheiten,

mit dem spieltheoretisch fundierten

Verhandlungssystem zu lösen. KN

unterstützt, berät und schult Unternehmen

und Organisationen mit

einem Jahresumsatz von mehr als 500

Millionen Euro. Besonderer Fokus liegt

auf den Branchen Automotive, IT &

Telekommunikation, Chemie & Pharmazie,

Maschinen- & Anlagenbau,

Grundstoffindustrien sowie Logistik.

KN ist ein Unternehmen der Kerkhoff

Group. Die Kerkhoff Group bietet

eigenen Angaben zufolge hochspezialisierte

Lösungen für den gesamten

Wertschöpfungsprozess. Das Beratungsangebot

zielt darauf ab, messbare

Effizienzsteigerungen in den Bereichen

Supply Chain, Einkauf und Produktion

zu erreichen.

Foto: Kerkhoff Group

René Schumann, Geschäftsführer von

Kerkhoff Negotiations

Das Verhandlungsklima wird rauer

Gerade vor dem Hintergrund einer schwachen

Konjunktur wird nach Beobachtungen

des Experten das Verhandlungsklima rauer.

»Verhandlungen scheitern oft daran, dass zu

viele Emotionen im Spiel sind. Das reicht von

Frustration über Verärgerung bis hin zu Siegestaumel.

Damit kann man nicht erfolgreich

verhandeln. Das geht nur, wenn man

diese Emotionen herausnimmt und ein klares

System entwickelt«, so Schumann. Dabei

spiele es keine Rolle, ob mit einem Gegenüber

verhandelt wird, der seine Macht als

Monopolist ausspielt, oder ob sich mehrere

Teilnehmer einen harten Wettbewerb liefern.

»Wer jetzt mit Effizienzprogrammen

dafür sorgen will, dass man ohne Schaden

durch die nächsten Jahre kommt, der muss

die Potenziale des erfolgreichen Verhandelns

nutzen«, sagt Schumann.

Ein kühler Kopf und ein gutes

mathematisches Modell

Als Grundlage für den erfolgreichen

Abschluss komplexer Verhandlungen arbeitet

KN mit der Spieltheorie. Bedenkt man,

dass Spiele nichts anderes als mathematische

Modelle sind, mit denen Interaktionen zwischen

Teilnehmern berechnet und vorhergesagt

werden, dann wird laut KN schnell klar,

dass sich mit dieser Verhandlungsmethodik

hinderliche Emotionen aus Diskussionen

nehmen lassen. »Nicht alles lässt sich einfach

mit Erfahrungen aus der Vergangenheit

lösen. Verhandeln verlangt Methode und

System, ein gutes mathematisches Modell

und ein eingespieltes Team von Verhandlungsexperten,

die einen kühlen Kopf

bewahren«, so Schumann.

www.kerkhoff-negotiations.com

Auch in schwierigen Verhandlungssituationen können sich gute Ergebnisse erzielen lassen.

Foto: Shutterstock

stahlmarkt 11.2019


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Oberflächen: Beschichtung mit viel Fingerspitzengefühl (Seite 32)

D i g i t a l i s i e r u n g m i t z w e i G e s c h w i n d i g k e i t e n (Seite 10)

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30 Edelstahl

Weniger ist mehr

Plastik durch Edelstahl ersetzen

Düsseldorf. Plastik ist allgegenwärtig: in der Luft, im Boden, in den Weltmeeren – und in uns. Bis zu fünf Gramm

nehmen wir davon pro Woche auf, also etwa so viel, wie eine Kreditkarte wiegt. Jedes Jahr werden weltweit über

400 Millionen Tonnen Plastik produziert, 30 Prozent davon zu kurzlebigen Wegwerfprodukten verarbeitet.

Angesichts der daraus resultierenden dramatischen Auswirkungen auf Mensch und Natur hat das EU-Parlament

die Verwendung von Einwegplastik wie Trinkhalmen, Besteck und Geschirr ab 2021 verboten. Aus Sicht von

Experten kann aber nur ein weitgehender Ersatz von Kunststoffprodukten durch nachhaltige Alternativen die

Gesamtsituation verbessern. Hier spielt Edelstahl seine werkstoffbedingten Trümpfe voll aus. Ob in der

Gastronomie, im Haushalt, im Bauwesen oder in der Industrie: Nichtrostender Stahl ist Kunststoff in Sachen

Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und Hygiene um Längen voraus.

Von Ursula Herrling-Tusch*

Die Erfindung von aus Zellulose abgeleitetem

Kunststoff liegt 160 Jahre zurück,

doch spürbare Erfolge verzeichnete erst einige

Jahre später ein solches Thermoplast

unter dem Markennamen Zelluloid. Anfang

des 20. Jahrhunderts wurde Bakelit als Material

für Gehäuse und Gebrauchsgegenstände

wie Schalter entdeckt. Bis Mitte der

1950er-Jahre kamen die bis heute weltweit

am meisten verarbeiteten Kunststoffe Polyvinylchlorid

(PVC), Polyethylen (PE) und

Polypropylen (PP) auf den Markt. Sie lösten

in allen Lebensbereichen einen Kunststoff-Boom

aus, durch den immer mehr herkömmliche

Werkstoffe verdrängt wurden.

Der günstige Preis, Unzerbrechlichkeit sowie

Umweltfreundliche Alternative zu Halmen aus Einwegplastik: Trinkhalme aus Edelstahl Rostfrei.

Foto: WZV / soupstock, Adobe / UKonserve

Foto: WZV / Tchibo GmbH

Verschlussklammern aus Edelstahl sind nahezu unverwüstlich.

das geringe Gewicht waren dabei die Haupttreiber.

Zwischen 1950 und 2015 wurden

weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert

und zunehmend mit Additiven wie

Weichmachern oder Farbstoffen angereichert.

Schon früh zeigte sich die klima- und

gesundheitsschädliche Wirkung von Plastik

entlang seines gesamten Lebenszyklus‘ –

beginnend bei der Produktion, die zu 99

Prozent aus fossilen Brennstoffen erfolgt,

über die Freisetzung von Schadstoffen wie

Weichmachern bei der Nutzung bis hin zur

Entsorgung. Ein Drittel des produzierten

Plastiks landet in der Umwelt. 2016 betrug

das Plastikmüllaufkommen allein in Deutschland

38 Kilogramm pro Kopf. Vier Kilo davon

waren Mikroplastik – feste, wasserunlösliche

stahlmarkt 11.2019


Edelstahl 31

Fotos (2): WZV / Weecon PipeSystems

Rohre, Fittings und Übergangsstücke aus Edelstahl Rostfrei verweisen mit ihrer durchschnittlichen Lebensdauer von 50 Jahren Kunststoffrohre

auf die Plätze.

Kunststoffpartikel, die bis zu fünf Millimeter

groß sind. Über Abwasser, Luft und Regenspülung

gelangen die winzigen Plastikteilchen

über kurz oder lang in Flüsse und von

dort in die Weltmeere. Fische und andere

Meeresbewohner nehmen die Partikel mit

der Nahrung auf. Beim Verzehr von Fisch,

Garnelen oder Muscheln essen anschließend

Transportboxen aus

leichtem Duplexstahl

sind nachhaltig und heben

den Gewichtsvorteil von

Kunststoffboxen auf.

auch die Menschen das Plastik mit. Das

wachsende Bewusstsein dieser negativen

Auswirkungen führte zur Entwicklung neuer

Kunststoffarten: Sogenannte biobasierte

Kunststoffe bestehen zu einem bestimmten

Prozentsatz aus nachwachsenden Rohstoffen

– die restliche Zusammensetzung ist

beliebig. Vermeintlich biologisch abbaubare

Kunststoffe halten nach umfangreichen

Tests der Deutschen Umwelthilfe nicht, was

der Name verspricht. In den meisten konventionellen

Aufbereitungsanlagen werden sie

nicht ordnungsgemäß abgebaut und müssen

deshalb aufwendig aussortiert und entsorgt

werden. Weder das Umweltbundesamt

noch die Deutsche Umwelthilfe befürworten

folglich den Einsatz dieser neuartigen

Kunststoffe.

Lifestyle und Hygiene

Foto: WZV / Klohk

Um der rasant zunehmenden Umweltbelastung

dennoch wirksam Einhalt zu gebieten,

ist der Ersatz von Kunststoffprodukten durch

wirklich nachhaltige Alternativen unverzichtbar.

Pro Stunde werden derzeit allein in

Deutschland 320 000 Einwegbecher verbraucht,

außerdem pro Jahr 40 Milliarden

Plastikstrohhalme. Entsprechend hohe Effizienz

verspricht das von der EU verabschiedete

Verbot solcher Produkte ab 2021.

Weniger Plastik bedeutet aber auch jenseits

von Strohhalm und Coffee-to-go-Bechern

mehr Rücksicht auf die Umwelt. Ob zuhau-

stahlmarkt 11.2019


32 Edelstahl

Desinfektionsspender und Mülleimer aus Edelstahl Rostfrei sorgen für dauerhaft sichere Hygiene.

se, bei der Arbeit, in Schule oder Kindergarten:

Wer Plastikprodukte durch solche aus

Edelstahl Rostfrei ersetzt, wird die Summe

der Vorteile schnell schätzen lernen. So sind

in jeder Küche Kochlöffel & Co, Besteck,

Schüsseln, Aufbewahrungsgefäße aller Art

und Geräte wie Saftpressen aus nichtrostendem

Stahl bruchfest, spülmaschinengeeignet

und auch im Dauergebrauch robust.

Anders als Kunststoff verfärbt und versprödet

Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel

nicht und macht auch bei hohen Temperaturen

nicht schlapp. Bei Erwärmung treten

keine Schadstoffe aus und auf der glatten

Oberfläche finden Keime auch nach jahrelangem

Gebrauch keinen Halt. So bleiben

Küchenutensilien, Thermoskannen oder

Lunchboxes dauerhaft lebensmittelecht und

hygienisch. Eine haltbare Alternative zu herkömmlichen

Plastikklammern sind beispielsweise

auch Verschlussclips aus Edelstahl. Sie

halten Brot, Chips oder Nudeln zuverlässig

frisch, sind einfach zu bedienen und nahezu

unverwüstlich.

Investitionssicherheit und

Schadstofffreiheit

Edelstahl statt Plastik ist aber auch im Bauwesen,

bei Modernisierung und Renovierung

mehr denn je die nachhaltig bessere

Lösung. Bei Trinkwasserrohren stehen Kunststoffe

ohnehin in der Diskussion: So setzen

heute im Wohnbereich gängige Kunststoffrohre

Phenol in potenziell gesundheitsgefährdendem

Umfang frei. Rohre, Fittings,

Übergangsstücke und Abzweige aus Edelstahl

Rostfrei mit Qualitätssiegel hingegen

sind gesundheitlich absolut unbedenklich,

da sie weder Schadstoffe noch Korrosionspartikel

abgeben. Auch eine Kontamination

des Trinkwassers durch Ionen wie bei Kupferrohren

oder gar durch Schwermetalle ist

ausgeschlossen. Die glatte Oberfläche von

Edelstahl ermöglicht weder Schmutzanhaftung

noch die Bildung von Biofilmen als

Nährboden für Keime. Die hohe Festigkeit

bei gleichzeitig guter Verformbarkeit prädestiniert

sie überdies für ebenso leistungsfähige

wie langlebige Trinkwassersysteme. Mit

einer durchschnittlichen Lebensdauer von 50

Jahren verweisen sie nicht nur Kunststoffrohre

auf die Plätze. Bedienelemente für Gebäudetechnik

wie Jalousien, Heizung oder

Sicherheitsanlagen sowie Lichtschalter aus

Edelstahl sind ein weiteres Beispiel für die

Summe der Vorteile von Edelstahl im Vergleich

zu Plastik. Durch die Vielzahl der im

Haus eingesetzten Elemente leisten sie nicht

nur einen Beitrag zur Reduktion des Kunst-

Foto: WZV / GKD

Foto: WZV / tuning-art.com

Foto: Hupfer ®

Foto: WZV / Wesco

Ob als Partikelfilter oder Einstiegsleiste: In der Automobilindustrie gewinnt Edelstahl Rostfrei durch sein außergewöhnliches

Eigenschaftsspektrum wieder stark an Bedeutung.

stahlmarkt 11.2019


Edelstahl 33

stoffverbrauchs, sondern verleihen jedem

Raum zeitlos elegante Akzente. Matt

gebürstet oder glänzend, sind UV-beständige

und damit dauerhaft vor Vergilben

geschützte Schalter eine langfristig sichere

Investition. Hinzu kommt die in zahlreichen

Studien nachgewiesene Beständigkeit der

robusten, inerten Edelstahloberfläche

gegenüber chemischer und mechanischer

Beanspruchung. Sie gewährleistet – insbesondere

auch in hygienisch besonders herausfordernden

Umgebungen wie Krankenhäusern,

Seniorenresidenzen oder Arztpraxen

– dauerhaft sichere Hygiene und Ästhetik.

Weder dort gängige Reinigungs- und

Desinfektionssysteme noch eine starke Nutzung

können dies beeinträchtigen. Deshalb

gelten auch Türklinken aus Edelstahl Rostfrei

insbesondere im Vergleich mit Modellen aus

Kunststoff als in jeder Hinsicht deutlich bessere

Alternative. Bei der Wahl von Papierund

Seifenspendern, Wandhaken oder

Papierkörben fällt folglich der Verzicht auf

Plastikvarianten ebenfalls leicht.

Foto: WZV / Binder GmbH

Leistung und Effizienz

Ästhetik, Haltbarkeit sowie UV- und Temperaturbeständigkeit

haben auch in der Automobilindustrie

wieder verstärkt das Augenmerk

auf nichtrostenden Stahl gelenkt. Da

sich der Werkstoff, ohne seine Leistungseigenschaften

einzubüßen, extrem dünn verarbeiten

lässt, wird er auch der Forderung

nach Gewichtsminimierung gerecht. So findet

er sichtbar beispielsweise in der Innenraumverkleidung

oder an Auspuffanlagen,

aber auch unsichtbar im Motorsystem vielfältigen

Einsatz. In der Prozess- und Lebensmittelindustrie

bietet Edelstahl ebenfalls

vielfältiges Potenzial, um Kunststoff zu ersetzen.

Ob Behälter, Tanks, Transportboxen,

Rohre oder Gehäuse: Oftmals ohnehin schon

unverzichtbar, ist nichtrostender Stahl in

jedem Fall eine langfristig sichere und

umweltbewusste Investition. So entfällt

beim Einsatz der leichtgewichtigen Werkstoffvariante

Lean Duplex auch der für Transportkosten

relevante Gewichtsvorteil von

Kunststoffbehältern. Die im Vergleich zu

Kunststoff zudem deutlich längere Haltbarkeit,

Dichtheit und damit langfristig zuverlässige

Funktionsfähigkeit amortisiert in der

Regel schnell die höheren Anschaffungskosten.

Beispielhaft für die außergewöhnliche

Behälter und Tanks aus Edelstahl sind prozesssicher und eine nachhaltige Investition.

Werkstoffeffizienz stehen auch Filtergewebe

aus Edelstahl, die neben wesentlich längeren

Standzeiten auch signifikant bessere Ergebnisse

als Kunststoffprodukte erzielen. So ist

in zahlreichen industriellen Verfahren die

kuchenbildende Fest-Flüssig-Trennung etablierter

Standard. Nach Untersuchungen am

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sind

Hochleistungstressengewebe und dreidimensionale

Gewebe aus Edelstahl Rostfrei

gängigen Gewebetypen aus Kunststoff weit

überlegen - sowohl in Porosität und Reduktion

von Rückspülvolumen als auch bei der

Qualität der Abreinigung. In Kläranlagen

punkten Filterscheiben, die herkömmliche

Kunststoffgewebe durch ein Hochleistungsgewebe

aus Edelstahl ersetzen, mit bislang

nicht gekannter Effizienz im Rückhalt von

Mikroplastik im Ablaufwasser der Anlagen.

Außerdem verhindern Edelstahlfiltermedien

eine Kontamination des Wassers durch prozessbedingten

Kunststoffabrieb.

Plastik lässt sich aus der Umwelt nicht wieder

entfernen. Deshalb gilt es, der unaufhörlich

zunehmenden Nutzung von Kunststoff

entschlossen entgegenzuwirken. Mit dem zu

100 Prozent ohne Einbuße seiner Eigenschaften

recycelbaren Edelstahl Rostfrei ist

dazu in allen Lebensbereichen und Anwendungen

vielfältiges Potenzial gegeben.

* Die Autorin ist Geschäftsfürerin von

impetus.PR, Agentur für Corporate

Communications GmbH

www.wzv-rostfrei.de

stahlmarkt 11.2019


34 Rückblick MBI Stahl Tag 2019

Spannende Einblicke und interessante

Impulse

Der MBI Stahl Tag 2019 bot nicht nur für Einkäufer viel Wissenswertes

Frankfurt/Main. Die aktuelle Lage am Stahlmarkt war ebenso Thema wie die künftige Stahlpreisentwicklung,

die Geldpolitik stand ebenso im Vordergrund wie die Geopolitik: Der MBI Stahl Tag 2019 in Frankfurt am Main

bot einem aufmerksamen Publikum von Brancheninsidern viele spannende Einblicke und interessante Impulse.

Ein Rückblick auf ein paar Highlights des ersten Tages der Konferenz für den Stahl-Einkauf.

Machbar wäre bei der CO 2

-armen Stahlherstellung

vieles, allerdings nur, wenn auch

die Abnehmer bereit sind, mehr Geld zu

bezahlen. Dieses Fazit zog Dr. Sebastian Bross,

Geschäftsführer der Salzgitter Flachstahl

GmbH. Aktuell verfolgt der Flachstahlproduzent

eine stufenweise Umstellung auf eine

wasserstoffbasierte Stahlerzeugung über die

Direktreduktion/Elektrolichtbogenofen-Route.

Aktuelle Lage am Flachstahlmarkt

»Auch die Automobilhersteller achten zwar

vermehrt auf eine CO 2

-arme Lieferkette,

stehen jedoch im Wettbewerb«, erklärte

Bross. Global sank der Automobilabsatz im

ersten Halbjahr 2019 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum

um 5,9 Prozent auf 44,9 Millionen

Fahrzeuge. »Der Rückgang ist damit

deutlich stärker als 2009/2008«, verdeutlichte

der Stahlmanager. Von dem Gesamtabsatz

von 34 Millionen Tonnen Flachstahl liefert das

Stahlunternehmen aus Salzgitter knapp 70

Prozent an den Sektor Automotive.

Für die Stahlproduzenten haben sich die Rahmenbedingungen

auch bezüglich der Volatilität

der Rohstoffpreise oder Unsicherheit in der Handelspolitik

in den zurückliegenden Jahren massiv

zugespitzt, so Bross. »Die EU-Stahlindustrie

ist im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen

nicht durch Einfuhrzölle geschützt und wird so

zu einem Magnet für Importe«, sagte der Salzgitter-

Flachstahl-Geschäftsführer. Im ersten

Quartal 2019 befanden sich demnach die Stahleinfuhren

auf Rekordniveau, Haupttreiber des

Importanstiegs sei die Türkei.

Handelskonflikte, US-Importzölle

und EU-Schutzmaßnahmen

Die EU-Maßnahmen zum Schutz der europäischen

Stahlindustrie vor Importen haben

stahlmarkt 11.2019


Rückblick MBI Stahl Tag 2019 35

Die Zuhörer signalisierten ihr Interesse durch

viele Fragen im Anschluss an die Vorträge.

Fotos (6): Andreas Mann/MBI

nach Einschätzung von Martin Kunkel ihr

Ziel verfehlt: »Das hat bisher keine große

Wirkung gehabt«, sagte der Geschäftsführer

der Fachvereinigung Kaltwalzwerke

(FVK). Die EU-Kommission hat auf Betreiben

der Stahlhersteller sogenannte Safeguard-

Maßnahmen eingeführt, um den europäischen

Stahlmarkt vor Importmengen zu

schützen, die als Folge der US-Einfuhrzölle

umgelenkt würden.

Nach Ansicht von Kunkel ist es zweifelhaft,

ob dieser Umlenkungseffekt überhaupt

in dem von der Stahl-Lobby behaupteten

Ausmaß existiert: »Mengenumlenkungen

können wir nicht erkennen.« Ein nennenswerter

Importanstieg sei nur bei Langprodukten

wie Träger oder Betonstahl zu verzeichnen.

Außerdem werde das von der

Brüsseler Kommission ins Feld geführte

»EU-Interesse« einseitig im Sinne der Stahlproduzenten

definiert: »Die Interessen der

stahlverarbeitenden Betriebe und der Endverbraucher

werden dagegen kaum berücksichtigt.«

Den 320 000 Beschäftigten der

europäischen Stahlindustrie stünden knapp

20 Millionen Beschäftigte in den Branchen

Automobil, Maschinenbau und Metallverarbeitung

gegenüber, machte Kunkel deutlich.

Rohstoffmarkt im Bann der

Wirtschafts-, Geld- und Geopolitik

Eugen Weinberg, Leiter des Bereichs Commodity

Research bei der Commerzbank AG,

sieht in den kommenden Jahren drei Megatrends

Einfluss auf die Weltkonjunktur und

damit auf die Geschäfte der exportorientierten

deutschen Wirtschaft nehmen: Ein glo-

Weinmann Aach AG

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36 Rückblick MBI Stahl Tag 2019

Dr. Sebastian Bross,

Geschäftsführer der

Salzgitter Flachstahl

GmbH

Martin Kunkel,

Geschäftsführer der

Fachvereinigung

Kaltwalzwerke (FVK)

Eugen Weinberg, Leiter

des Bereichs Commodity

Research bei der

Commerzbank AG

Jens Fischer,

Geschäftsführer der

Alba Ferrous Trading

GmbH

Jörg Feger, Bereichsleiter

BDS Research vom Bundesverband

Deutscher

Stahlhandel, moderierte

die Konferenz.

bal zunehmender Protektionismus, der daraus

resultierend schwächere Welthandel

und ein daher abgeschwächtes Weltwirtschaftswachstum

ebenso wie das zunehmend

wichtiger werdende Thema Umwelt.

»Alle diese Themen werden Einfluss auf ihr

Geschäft haben«, prognostizierte er. Für

Deutschland rechnet der Analyst zumindest

mit einer technischen Rezession, die sich

allerdings auch zu einer größeren Rezession

ausweiten könnte.

Nach 70 Jahren der Globalisierung und

einer daraus resultierenden Zunahme des

Welthandels – und des immer weiter steigenden

Anteils des Handels am globalen BIP

auf inzwischen über 60 Prozent – ist laut

Weinberg für die nächsten Jahre nur noch

mit einem Wachstum des Welthandels zwischen

einem und drei Prozent im Jahr zu

rechnen. China wird nach Weinbergs Einschätzung

in den kommenden Jahren

zunehmend »zu einem Problem werden –

wegen der Abschwächung des Wirtschaftswachstums

und weil man dort eine Abschottung

will«. Dennoch dürfte das Land seinen

Anteil am Welthandel weiter steigern.

Angesichts der derzeit schwierigen konjunkturellen

Lage rechnet der Experte bei den

Rohstoffpreisen für die nächsten Monate mit

einer volatilen Seitwärtsbewegung – »denn

Rohstoffe zählen zu den Sachwerten«.

Weiter sieht Weinberg auf den Nickelmarkt

einen sich verschärfenden Angebotsengpass

zukommen – denn das Metall werde

verstärkt für die Bereiche Elektromobilität

und Umwelttechniken nachgefragt werden.

»Die Nickelnachfrage aus dem Elektrobatteriesektor

dürfte in zehn Jahren bei etwa

einer Million Tonnen liegen«, prognostiziert

der Analyst.

Vom Stahl zum Schrott: Entwicklung

der Stahlschrottqualitäten

Veränderte Schrottqualitäten stellen die

Recyclingbranche bei der Aufbereitung

zunehmend vor Probleme. So stelle zum Beispiel

der zukünftig wachsende Anteil an

Lithium-Ionen-Akkus durch die Elektromobilität

die Schrotthändler vor größere Herausforderungen,

sagte Jens Fischer, Geschäftsführer

der Alba Ferrous Trading GmbH.

»Dagegen sind klassische Autobatterien kein

Problem.« Grundsätzlich werde das Recycling

wesentlich komplexer und kostenintensiver.

Veränderungen der Schrottzusammensetzung

sind in vielen Bereichen festzustellen,

wie der Recyclingexperte aufzeigte. Dies

betreffe unter anderem neuere Betonbauelemente,

den Einsatz von Carbonfasern und

Kunststoffen oder die in modernen Fahrzeugen

verbauten Elektromotoren. Letztere

erhöhten beispielsweise den bei der Stahlproduktion

unerwünschten Kupferanteil im

Schrott, der wieder entfernt werden müsse,

erklärte Fischer.

Gleichzeitig werden die Anforderungen

an den Stahlschrott bei der Produktion

moderner Hochleistungs- und Leichtbaustähle

immer höher. Um die geforderten

Eigenschaften zu erfüllen, steige die Anzahl

der Werkstoffe kontinuierlich und die Legierungsanteile

im Stahl variieren zunehmend.

»Jedes Stahlwerk hat eigene Vorgaben für

Schrott«, so Fischer.

Aussichten für Stahlpreise für das

Jahr 2020

Die Flachstahlpreise gingen in diesem Jahr

trotz zwischenzeitlich massiv gestiegener

Vormaterialkosten nach unten. Dies liegt

auch an der Reaktion Chinas, denn Peking

unterstützt die Wirtschaft mit Stabilisierungspaketen,

was sich auch im nächsten

Jahr fortsetzen dürfte. Die Stahlproduktion

in China stieg 2019 kräftig und dürfte auch

im nächsten Jahr stabil bis leicht höher liegen.

»Dies spricht auch für eine robuste

Nachfrage bei Eisenerz und Kokskohle, sodass

für deutsche Stahlpreise von dieser Seite

wenig Entlastung zu erwarten ist«, sagte

Peter Fertig, Senior Analyst bei MBI Martin

Brückner Infosource.

Die EU-Kommission errichtet nach Einschätzung

Fertigs zwar einen Damm gegen

eine Flut von billigem Importmaterial als Folge

des US-Handelskriegs, aber dieser Damm

habe sich bislang so löchrig erwiesen wie ein

Schweizer Käse. Das könnte sich nun

ändern: Die Türkei hat ihr von Brüssel zugeteiltes

Kontingent bereits erschöpft, was die

Preise unterstützen könnte. Allerdings lastet

die dortige Wirtschaftskrise auch auf den

Preisen für Stahlschrott, was sich negativ bei

den Langstählen bemerkbar machen könnte,

führte Fertig weiter aus.

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stahlmarkt 11.2019


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38 Oberflächen

Foto: Shutterstock

Um unerwünschte Reibungsprozesse oder schnelle Abnutzung zu verhindern, müssen die Mikrobauteile hochwertiger Uhren bestmögliche

Oberflächeneigenschaften aufweisen.

Damit die Uhren richtig ticken

Experte für Lasermikrobearbeitung fertigt Wellen im Mikrometer-Bereich für

Schweizer Chronometerhersteller

Deggendorf. Um unerwünschte Reibungsprozesse oder schnelle Abnutzung zu verhindern, müssen die

Mikrobauteile hochwertiger Uhren bestmögliche Oberflächeneigenschaften aufweisen. Dies gilt auch für die Pivots

der verschiedenen Achsen des Uhrwerks. Verschlechtert sich ihre Qualität, würde dies bereits nach kurzer Zeit zu

einem deutlichen Vor- oder Nachgang der Uhr führen.

Von Nicki Teumer*

Traditionell werden diese Bauteile mittels

eines mechanischen Drehprozesses

gefertigt. Spanbildung, Wärmeeinfluss und

Werkzeugverschleiß führen jedoch zu größeren

Schwankungen der Qualität. Zudem

können herkömmliche Drehmaschinen die

oft anspruchsvollen Geometrien, wie etwa

in den Übergängen, nicht immer prozesssicher

produzieren. Um Ausschuss zu vermeiden,

lässt sich ein namhafter High-End-Uhrenhersteller

aus der Schweiz die Pivots nun

mithilfe des Laserdreh-Verfahrens herstellen.

Dieses Verfahren wurde von der in Deggendorf

ansässigen GFH GmbH entwickelt. Der

eingesetzte Ultrakurzpulslaser mit spezieller

Trepanier-Optik kann verschleißfrei und

ohne Spanbildung selbst kleinste Radien

oder Hinterstiche umsetzen. Dabei lassen

sich Rohlinge aus unterschiedlichsten Stahlsorten,

aber auch aus konventionell schwer

zu verarbeitenden Keramiken oder Diamant,

bearbeiten.

Die Fertigung eines hochwertigen mechanischen

Zeitmessers verlangt sowohl von

den eingesetzten Maschinen als auch von

den Uhrmachern höchstmögliche Präzision

und Konzentration. Dabei muss mit sehr

geringen Toleranzen von +/- 0,002 Millimeter

(mm) gearbeitet werden. Diese Anforderungen

gelten für alle Einzelbauteile eines

mechanischen Uhrwerks: Ist beispielsweise

der Radius einer Komponente zu groß oder

die Oberfläche zu rau, kann die dadurch entstehende

Friktion zu einem schnelleren Verschleiß

und schließlich zu einem Fehlgang

der Uhr führen.

stahlmarkt 11.2019


Oberflächen 39

Hinzu kommt, dass sich die Geometrieanforderungen

für gedrehte und rollierte Teile mit

herkömmlichen Prozessanlagen nicht immer

mit mikrometrischer Präzision umsetzen lassen

und somit Ausschuss produziert wird.

Insbesondere der Kontakt des Werkzeugs mit

dem Werkstück sorgt für unerwünschte

Nebeneffekte wie Span- und Wärmebildung.

Für die Uhrenhersteller besteht zudem das

Problem, dass hochfeste und rostfreie Stahlsorten

und Legierungen, die für die hohe

Qualität der Uhr essentiell sind, nur schwer zu

zerspanen sind oder gar nicht gedreht werden

können, da sie eine hohe mechanische

Stabilität aufweisen. Daraus resultierte die

Kooperation des Schweizer Uhrenherstellers

mit dem deutschen Laserbearbeitungsspezialisten

GFH GmbH, um die Potentiale der

laserbasierten Mikrofertigung für die Uhrenherstellung

erstmals zu nutzen. Bereits im

Jahr 2016 wurde GFH damit beauftragt,

2-D-Präzisionskomponenten zu fertigen. Im

Auftrag des Schweizer Unternehmens stellt

die GFH mit dem selbst entwickelten Laserdreh-Verfahren

nun die anspruchsvollen

Pivots berührungsfrei und ohne Spanbildung

her.

5-Achs-Bearbeitungssystem

auch für Keramik oder Diamant

Anton Pauli, Geschäftsführer der GFH GmbH

Das Herzstück der von GFH eingesetzten Mikrobearbeitungszentren

bildet ein Ultrakurzpulslaser

(UKP), der einen gleichmäßigen, bis

zu 25 Mikrometer (µm) schmalen Laserspot

erzeugt. Auf diese Weise lässt sich der Prozess

sehr gut kontrollieren und es kann in engen

Toleranzbereichen gefertigt werden. Ist der

Laser aktiv, wirkt für kurze Zeit eine extrem

hohe Energie auf das Werkstück, wobei

Schmelzerscheinungen oder thermische Veränderungen

ausbleiben, da das abgetragene

Material augenblicklich verdampft. Durch den

sogenannten »kalten« Abtrag bleiben auch

die Oberflächeneigenschaften erhalten.

»Weil gemäß Auftrag das Bauteil eine Rauheit

von Ra < 50 Nanometern (nm) aufweisen

muss, ist es umso wichtiger, die Materialbeschaffenheit

nicht durch die Bearbeitung an

sich negativ zu verändern«, erklärt Anton

Pauli, Geschäftsführer der GFH GmbH. »Mit

dem Einsatz unseres speziellen Lasers bleibt

der Rohling aber frei von thermischen und

mechanischen Einflüssen.«

Der Laser wird mit einer sogenannten

Trepanier-Optik in Rotation versetzt. Eine

Fotos (5): GFH GmbH

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40 Oberflächen

Weil gemäß Auftrag das Bauteil eine Rauheit

von Ra < 50 nm aufweisen muss, ist es umso

wichtiger, die Materialbeschaffenheit nicht

durch die Bearbeitung an sich negativ zu

verändern.

Der Laser wird mit einer sogenannten

Trepanier-Optik in Rotation versetzt. Eine automatische

Veränderung von Rotationsdurchmesser

und Einstrahlwinkel ermöglicht die

Herstellung von unterschiedlichen Eckradien

am Pivot.

Die Flexibilität des Laserwerkzeuges ist außerdem

notwendig, um die anspruchsvollen

Übergänge an den Wellen herauszuarbeiten.

automatische Veränderung von Rotationsdurchmesser

und Einstrahlwinkel ermöglicht

die Herstellung von unterschiedlichen

Eckradien am Pivot. Die Flexibilität des Laserwerkzeuges

ist außerdem notwendig, um

die anspruchsvollen Übergänge an den

Wellen herauszuarbeiten. Die wechselnden

Durchmesser und somit unterschiedlichen

Bahngeschwindigkeiten erfordern eine

Laseransteuerung nach einem pulse-on-demand-prinzip:

Die Pulse werden in Relation

der abzufahrenden Bahn gesetzt und nicht

nach festgelegten Zeitabständen. »So vermeiden

wir erhöhte Energiekonzentrationen

und arbeiten mit der richtigen Dosis,

sodass Geometriewechsel in einem Arbeitsgang

kein Problem darstellen«, erläutert

Pauli. Die Flexibilität der Lasermikrobearbeitung

ermöglicht außerdem die Durchführung

verschiedener Prozesse. Neben dem

Im Auftrag des Schweizer Unternehmens stellt

die GFH mit dem selbst entwickelten Laserdreh-Verfahren

nun die Pivots berührungsfrei

und ohne Spanbildung her.

Laserdrehen können auch Schneid,-

Abtrags,- Bohr,- und Strukturierungsprozesse

in einer Aufspannung erfolgen. Dadurch

werden die hohen Genauigkeitsanforderungen

erreicht und wertvolle Zeit gespart.

»Die GFH GmbH musste die Anlagen für

diesen Auftrag nicht anpassen, da sie aufgrund

ihrer flexiblen Kinematik bereits für

die anspruchsvollen Strukturierungen der

Pivots ausgelegt waren«, bestätigt der

Uhrenhersteller.

Tribofinish auch bei

lasergedrehten Teilen möglich

Das Schweizer Unternehmen zeigt sich mit

der finalen Qualität der Bauteile sehr zufrieden.

Da das Laserdrehen die gestellten

Anforderungen an die Pivots umsetzen

konnte, sind auch die branchenüblichen Veredelungsschritte

durchführbar: Um die

Oberflächenrauheit der verbauten Uhrenteile

besonders gering zu halten, kommt es

häufig zu einer abschließenden Veredelung

mittels Gleitschleifen beziehungsweise Tribofinishing.

Normalerweise müssen die hier

eingesetzte abrasive Mischung sowie der

Polierprozess genau auf das Bauteil abgestimmt

werden. Je niedriger der gewünschte

Rauheitsgrad des finalen Bauteils sein soll,

desto zeitintensiver und aufwendiger gestaltet

sich dieser Prozess. Da die von GFH gelieferten

laserbearbeiteten Pivots bereits einen

Oberflächenabschluss im Submikrometerbereich

aufwiesen, ließ sich das Tribofinish

auch hier durchführen. Dadurch konnte die

Rauheit erneut herabgesetzt werden, ohne

dabei die feine Geometrie des Bauteils zu

deformieren.

Für den Laseranlagenspezialisten aus

Deggendorf hat dieser Auftrag gezeigt, dass

Hochleistungsmaterialien sehr gut mittels

Laserdrehen zu bearbeiten sind, sodass sich

das Verfahren nicht nur bei Pivots, sondern

auch bei anderen Bauteilen in der Uhrenherstellung

anwenden lässt. Darüber hinaus

entsteht ein neuer Freiheitsgrad in der Auswahl

des eingesetzten Werkstoffes, da bei

der Laserbearbeitung mittels UKP-Laser keine

Beschränkungen gesetzt sind. »Wir werden

auch zukünftig Materialtests durchführen,

um die Grenzen des Machbaren immer

weiter zu verschieben«, bestätigt Pauli. Ähnlich

erfolgreiche Projekte konnte das Unternehmen

schon für die Medizintechnik

umsetzen, in der ebenso enge Toleranzen

vorgegeben waren.

www.gfh-gmbh.com

* Der Autor ist freier Journalist mit

den Schwerpunkten Automatisierung

und Anlagentechnik sowie

Medizintechnik

Auf einen Blick: GFH

Die GFH GmbH wurde 1998 gegründet

und hat ihren Sitz in Deggendorf in Niederbayern.

Die Kompetenzen des

Unternehmens reichen von der Prozessentwicklung

über die Prototypen- und

Kleinserienfertigung in der Mikrotechnik

bis hin zur Entwicklung und zum

Bau von Sondermaschinen nach Kundenwunsch.

Ein besonderer Schwerpunkt

des Unternehmens liegt auf der

Lasertechnik. Die GFH GmbH beschäftigt

rund 80 Mitarbeiter.

stahlmarkt 11.2019


Oberflächen 41

Ein Meilenstein für die Dortmunder Messe

Coatinc Bochum verzinkt Messeeingang der Westfalenhalle

Dortmund. Seit über 60 Jahren dient die Westfalenhalle in Dortmund als Veranstaltungszentrum. Über die Jahre

hinweg fanden viele Um- und Neubaumaßnahmen statt. »Jüngst wurde ein neuer Messeeingang gebaut, der

hinsichtlich Umfang alle vergangenen Baumaßnahmen übertrifft«, teilte The Coatinc Company mit.

Der Grund für den Aufbau: Das Gelände

sollte nach Unternehmensangaben für

Veranstalter, Aussteller und Besucher attraktiver

und zukunftsfähiger werden. Unter

dem Arbeitstitel »Neuer Messeeingang Nord

und Erweiterung/Fassaden-Neugestaltung

Passage Halle 2, 3A und 3B der Westfalenhallen«

startete das Großprojekt Anfang

2018. Am 27. März 2019 wurde das neue

gläserne Eingangsfoyer eröffnet.

BSH Bentheimer Stahl- und Hallenbau

wurde als Stahlbaukonstrukteur mit der

Errichtung dieser neuen Empfangshalle

Für den Messeeingang wurden eine Dachkonstruktion

von circa 60 Metern x 70 Metern und

eine Passage von etwa 200 Metern x 16

Metern angefertigt. Durch die neue Passage

können Besucher die angeschlossenen Hallen

einfacher durchlaufen und erschließen. In

Summe verzinkte Coatinc Bochum etwa 700

Tonnen Stahl. Vitali Vogel, der seitens Coatinc

Bochum das Projekt begleitete, erinnert sich an

die beachtliche Leistung der Logistik: »Teilweise

fuhren bis zu sieben Lkw täglich vom Werk

zur Baustelle.« Als Verfahren wurden die Feuerverzinkung

als auch die Duplexbeschichtung

angewendet. Projektpartner SONA Bautenschutz

war für die anschließende Nassbeschichtung

der Bauteile zuständig. Die Westfalenhallen

Dortmund GmbH ist eine Unternehmensgruppe,

die neben der Westfalenhalle

acht weitere Messehallen mit über

59 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche

betreibt und vermarktet. Ebenfalls zur Gruppe

gehört das Kongresszentrum Kongress

Dortmund sowie ein eigenes Hotel.

www.coatinc.com

Foto: Janosch Gruschczyk

Der neue Messeeingang Nord

der Westfalenhalle

beauftragt. Coatinc Bochum verzinkte die

Stahlbauteile, um sie nachhaltig vor atmosphärischen

Einflüssen zu schützen.

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42 Oberflächenveredelung

Verkettete Reinigungs- und

Gleitschlifflösung für Bremsenteile

Im kontinuierlichen Betrieb zu klebfähigen Oberflächen

Untermerzbach. Eine Oberfläche, die eine optimale Haftfestigkeit für den nachfolgenden Klebeprozess

gewährleistet, mit dieser Anforderung wandte sich der polnische Bremsbelaghersteller Lumag an Rösler.

»Erfüllt wurde sie durch eine mit der Stanzpresse verkettete Lösung für das Entölen und Gleitschleifen

von Bremsbelagträgerplatten«, teilt Rösler mit.

Foto: Rösler Oberflächentechnik GmbH

Kernkompetenz der 1988 von Marek

Zak gegründeten Lumag Sp. z o.o. ist die

Herstellung von Bremsbelägen für Trommelund

Scheibenbremsen für Nutzfahrzeuge.

Für letztere hat das im polnischen Budzyn

ansässige Unternehmen eine eigene Herstellungstechnologie

entwickelt, die nach

Unternehmensangaben eine merkbare Qualitätssteigerung

ermöglicht. Außerdem entwickelt,

produziert und vertreibt Lumag

unter der Marke Breck Bremsbeläge für Pkw

und Motorräder.

Entölen, Entgraten und Aufrauen der

Oberfläche

Mit dem Wechsel des Produktionsverfahrens

der Bremsbelagträgerplatten von Gießen zu

Stanzen entschied sich Lumag, eine Fertigungslinie

für dieses Produkt im Unternehmen

aufzubauen. Dazu zählte eine Lösung

für das Entölen, Entgraten und Aufrauen der

zwischen 210 und 250 Millimeter langen

und 90 bis 110 Millimeter breiten, gestanzten

Bremsbelagträgerplatten, die für die

Integration eines Sensors zur Bremsbelagverschleißanzeige

über einen Schlitz oder eine

Bohrung verfügen. Durch die Prozesse soll

bei den beschädigungsempfindlichen Stahlteilen

eine Oberfläche hergestellt werden,

die eine optimale Haftfestigkeit beim

anschließenden Verkleben mit den Bremsbelägen

bietet. Eine weitere Anforderung

bestand in der Verkettung der Anlagen mit

der Stanzpresse sowie der vollautomatisierten

und schonenden Durchführung der Fertigungsschritte

Reinigen und Gleitschleifen

im kontinuierlichen Betrieb.

Clevere Medienauswahl ermöglicht

Reinigen ohne Trocknen

Die vollautomatisierte und mit der Stanzpresse verkettete Reinigungs- und

Gleitschlifflösung ermöglicht Rösler zufolge einen kontinuierlichen Betrieb.

Nach dem Stanzprozess transportiert ein Förderband

die Teile zur Trommelreinigungsanlage,

die mit einer Förderwendel für den

Werkstücktransport ausgestattet ist. In der

Trommel gelangen die Trägerplatten zunächst

in einen ungelochten Bereich, in den über

Flachstrahldüsen Reinigungsflüssigkeit eingebracht

wird. Dadurch bildet sich ein Tauchbad

für das Entölen aus. Im anschließenden

gelochten Trommelbereich fließt das Tauchbad

ab und die Werkstücke werden weiter

durch Spritzreinigen entölt. Der Reinigungszone

schließen sich ein Abtropfbereich, ein

Spülvorgang und ein weiterer Abtropfbereich

an. Danach gelangen die Teile über ein Förderband

zur Gleitschliffanlage.

Die Nachdosierung des Reinigungsmediums

erfolgt nach Informationen von Rösler

automatisch mit einem Dosatron Proportional-Dosierer.

»Da das Reinigungsmedium

und der im folgenden Gleitschliffprozess

eingesetzte Compound eine nahezu identische

chemische Zusammensetzung haben

– inklusive temporärer wässriger Konservierung

– sind Verschleppungen unkritisch.

Durch diese clevere Medienauswahl kann

auf die sonst übliche Trocknung nach dem

Reinigungsprozess verzichtet werden. Daraus

resultieren sowohl bei der Investition als

auch im laufenden Betrieb spürbare Kosteneinsparungen«,

so Rösler. Die Reinigungsanlage

verfügt für die Badpflege über Filtration

und Ölabscheider.

Schonender Gleitschliffprozess

Das Entgraten und Aufrauen der Oberflächen

erfolgt in der Linear-Durchlaufanlage

R 550/6600 DA, deren Beschickung für diese

Anwendung angepasst wurde. »Beladen

wird der Arbeitsbehälter an der Stirnseite mit

reduzierten Fallhöhen. Eine entsprechend

schonende Teileübergabe wurde auch zur

Separierstation und in den Trockner, der mit

Supervelat arbeitet, realisiert«, so Rösler.

Anschließend wird eine definierte Menge der

Teile abgewogen in Transportbehälter übergeben.

Die Aufbereitung des Prozesswassers

erfolgt bei der Gleitschliffanlage kontinuierlich

über eine automatische Zentrifuge

Z 1000 mit automatischem Schlammaustrag.

www.rosler.com

stahlmarkt 11.2019


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44 Rückblick EMO Hannover

Fotos (2): Deutsche Messe

Die asiatischen Besucher, allen voran aus Indien, China, Japan und Taiwan, machten fast ein Drittel der ausländischen Besucher aus.

EMO Hannover 2019 gibt Orientierung

in unsicheren Zeiten

Messe kann an erfolgreiche Vorveranstaltung anknüpfen

Hannover. Rund 117 000 internationale Produktionsexperten aus 150 Ländern trafen sich laut Veranstalter auf

der Weltleitmesse der Metallbearbeitung. »Mit diesem Ergebnis knüpft die EMO Hannover 2019 an das Boomjahr

2017 an. Angesichts der gedämpften Konjunkturerwartungen in den vergangenen Monaten ist der moderate

Besucherrückgang als Erfolg zu werten. Uns freut ganz besonders, dass der Anteil ausländischer Besucher

nochmals gestiegen ist«, sagte EMO-Generalkommissar Carl Martin Welcker.

Die Stimmung in den Hallen war nach

Informationen des Veranstalters gut. Viele

Aussteller hätten von einer überraschend

hohen Besucherfrequenz auf ihren Ständen

berichtet. »Die EMO Hannover hat sich einmal

mehr als Fels in der Brandung erwiesen

und gibt auch in unsicheren Zeiten Orientierung

für die weitere Entwicklung in der

Produktionstechnik«, urteilte Welcker.

Hohe Internationalität und Qualität bei

Besuchern und Ausstellern sowie eine

ungeheure Dichte an Innovationen und Präsentationen

von Produktneuheiten seien ihr

Markenzeichen.

Stimmungsbild heterogen –

Investitionsbereitschaft verspricht

wieder gutes Nachmessegeschäft

Aussteller mit einem breiten Abnehmerspektrum

äußern sich zufrieden mit dem Verlauf

der Messe. Dr. Wolfgang Heuring, CEO

Motion Control der Siemens AG, Erlangen,

sagte: »Der Besucherzuspruch auf unserem

Messestand in diesem Jahr war überwältigend.

Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf

der Messe.« Andere Firmen mit einem

höheren Anteil im Pkw-Geschäft beurteilten

die Lage reservierter. »Wir haben durchaus

gemerkt, dass die Firmen wegen der allgemeinen

Unsicherheit zur künftigen

Marktentwicklung momentan etwas zurückhaltender

sind«, sagte Dr. Christian Lang,

Geschäftsführer der Liebherr-Verzahntechnik

in Kempten. Dennoch habe man mit den

Kunden über konkrete Projekte gesprochen,

die äußerst vielversprechend seien. Manch

ein Aussteller erwartet den historisch größten

Paradigmenwechsel in der Automobilindustrie,

den es zu bewältigen gilt. Andere

konnten Verhandlungen mit den Fahrzeugherstellern

auf der Messe zum Abschluss

bringen.

stahlmarkt 11.2019


Rückblick EMO Hannover 45

Carl Martin Welcker, EMO-Generalkommissar, (r.) und Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer beim

EMO-Veranstalter VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) zeigten sich zufrieden

mit dem Verlauf der EMO Hannover 2019.

Es kamen laut Veranstalter mehr Führungskräfte

zur Messe als vor zwei Jahren, fast 58

Prozent. Mehr als die Hälfte der Besucher

hatte demnach Investitionsabsichten. Bei

den ausländischen Besuchern sei dieser

Anteil auf 62 Prozent gestiegen. Ein Viertel

davon gab an, direkt auf der Messe Aufträge

vergeben zu haben oder dies noch zu beabsichtigen.

Ein weiteres Fünftel erklärte, nach

der Messe zu investieren. »Wir haben viele

Gespräche über ganz konkrete Bedarfsfälle

geführt. Viele Anwender überlegen bereits

jetzt, worin sie investieren, um gut aufgestellt

zu sein«, sagte Matthias Funk, CEO der

Hedelius Vertriebsgesellschaft in Meppen.

Dabei ging es vor allem um Erweiterungsund

Ersatzinvestitionen in flexible Fertigung,

Produktionsmaschinen, Werkzeuge und Automatisierung.

»Wir wollen uns in erster Linie

informieren und dann im Nachgang zur EMO

investieren«, sagte Kiyokazu Sugiyama von

Nissan Motor Co. Ltd. aus dem japanischen

Yokohama, der sich drei Tage auf der Messe

ausführlich umschaute. Und Gebhard Debor,

Fertigungsleiter bei Linde Hydraulics in Aschaffenburg,

ergänzte: »Sollte etwas dabei sein,

was passt, könnten wir konkret verhandeln.«

Asiaten auf der EMO Hannover

stark vertreten

Mehr als die Hälfte der Besucher kam nach

Angaben des Veranstalters aus dem Ausland,

davon wiederum jeweils die Hälfte aus

Europa und Übersee. Besonders bemerkenswert

war der hohe Anstieg der Gäste aus

Übersee um ein Fünftel im Vergleich zu 2017

und speziell der hohe Anteil asiatischer Gäste,

die fast ein Drittel der ausländischen

Besucher stellten. China, Japan, Taiwan und

Indien führten die Liste an. »Die Internationalität

der EMO-Besucher, vor allem auch

aus dem asiatischen Raum, sorgten für eine

geschäftige und internationale Atmosphäre

bei uns am Stand«, bemerkte Dr. Stefan

Brand, Geschäftsführer der Vollmer Werke

in Biberach. Diese Entwicklung hing auch

mit der gestiegenen Anzahl asiatischer Aussteller

zusammen, die ihre Kunden auf die

Weltleitmesse nach Hannover mobilisieren

konnten. Auch Italien, Polen, Schweden,

Russland und die Türkei waren nach Veranstalterinformationen

sehr gut vertreten.

Digitalisierung und

Automatisierung nehmen Fahrt auf

»Die EMO setzt auch in diesem Jahr wieder

klare Impulse für Innovationen«, so Lothar

Horn, geschäftsführender Gesellschafter der

Paul Horn GmbH in Tübingen. »Die vielen Kundengespräche

auf der EMO Hannover 2019

zeigten, dass die Orientierung an der ganzheitlichen

Prozesskette inklusive digitaler Services

den relevanten Mehrwert für die Kunden

schafft«, sagte Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender

der DMG Mori AG, Bielefeld.

»Auffallend war die positive Besucherresonanz

auf unsere cloudbasierten Simulationstools

und das Monitoring System als Industrie-

4.0-Anwendung«, beobachtete Marie-Sophie

Maier-Wember, Geschäftsführerin bei der Haas

Schleifmaschinen GmbH in Trossingen.

Speziell in Halle 9 trafen Forschung und

Praxis aufeinander. Die Mischung aus Wissenschaft

und Industrie zog zahlreiche Besucher

aus aller Welt an. »Wir haben viele

neue Kontakte geknüpft und in sehr vielen

Gesprächen Ideen gesammelt, die sich hoffentlich

in Forschungsprojekte umsetzen

lassen«, blickte Professor Berend Denkena,

Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft

für Produktionstechnik (WGP) und

Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und

Werkzeugmaschinen (IFW) Hannover auf die

vergangenen sechs Tage zurück. »Eines ist

auf jeden Fall klar geworden: Digitalisierung

und Automatisierung zeigen uns den Weg

in die Zukunft, das zeichnet sich hier auf der

EMO Hannover ab.«

Auch erste KI-Anwendungen waren auf

der Messe zu finden, in der Start-up-Area

ebenso wie bei Vorreiterunternehmen. Nicht

nur das Interesse an KI beziehungsweise

maschinellem Lernen war groß. Dass die

Messebesucher Visionen für die Zukunft

suchten, zeigte sich dem Veranstalter zufolge

auch in den Rahmenveranstaltungen und

Foren. Die Themen neben KI: additive Verfahren,

Industrielles Internet der Dinge (IIoT),

5G und nicht zuletzt OPC UA beziehungsweise

umati, die neue Standardschnittstelle

zwischen Werkzeugmaschinen und übergeordneten

IT-Systemen. Allen voran der große

umati-Showcase, der mit 110 Maschinen

von 70 internationalen Firmen und Partnern

erstmals bewiesen hätte, dass die universelle

Schnittstelle für die Kommunikation der

Maschine mit IT-Systemen über alle Produkte

hinweg funktionierte. Dr. Alexander

Broos, Leiter des umati-Projekts, resümierte:

»Die Resonanz auf umati bei unseren Partnern

und bei den Kunden ist bombastisch.

Mit dem EMO-Auftritt ist die Markteinführung

gelungen. Wir nehmen den Auftrag

mit nach Hause, die OPC UA Companion

Specification, die als nächstes kommen

muss, schnellstmöglich zu liefern.«

www.emo-hannover.de

Die nächste EMO findet

in Mailand vom

4. bis 9. Oktober 2021 statt.

stahlmarkt 11.2019


Legende

46 Stahlkultur

Kelpies

The –

Wenn Legenden eine Heimat haben, dann ist es wohl das

sagenumwobene Schottland. In der hiesigen Mythologie

haben sich auch die Kelpies, in vielen Erzählungen als

Wasserpferde erscheinende Geister, niedergelassen. Der

Künstler Andy Scott aus Glasgow hat dieser heimischen

Folklore Tribut gezollt und zwei je 30 Meter hohe und

300 Tonnen schwere Pferdestatuen aus Stahl entworfen,

die in Grangermouth bei Falkirk bestaunt werden

können. Als Vorbild fungierten Arbeitspferde, wie sie

einst als Treidelpferde am nahen Kanal eingesetzt

wurden und damit eine wichtige Rolle in den

Industriezweigen Schottlands spielten. Für die

technische Umsetzung der kolossalen Konstruktion

entschied sich Scott in Zusammenarbeit mit dem

Stahlbauunternehmen SH Structures für die

warmgefertigten Hohlprofile Celsius 335 von

Tata Steel, die als besonders gut umform- und

schweißbar gelten. Die Stahlrohre wurden für

die komplexe Fachwerkstruktur im Inneren der

beiden Köpfe verwendet. Ingenieurleistung,

Fertigung und Design haben sich jedenfalls

bewährt: Die Kelpies brachten Scott eine

Auszeichnung im Rahmen der »Structural

Steel Design Awards 2014« ein.

stahlmarkt 11.2019


Stahlkultur 47

Eine schottische

als Stahlkoloss

Foto: Shutterstock

stahlmarkt 11.2019


48 Aus der Produktwelt

Mobile Telematik per App

Software-Entwickler sorgt für vernetzte Logistik per Smartphone

Aldenhoven. Ob Auftragsdaten, optimierte Routen oder digitale Unterschrift: Alle wichtigen Informationen

können heute per App automatisch und sicher ausgetauscht werden. Dadurch findet eine Vernetzung entlang der

gesamten Lieferkette statt.

Von Monika Tonne*

Noch vor zehn Jahren verstand man unter

Telematik hochpreisige, fest installierte Systeme

mit Bordrechnern. Und die befanden sich

nur in Transportfahrzeugen großer Speditionen,

die sich diesen Vorteil leisten können.

Heute ist die Auswahl an Systemen vielfältig,

die innovativsten laufen als App auf Smartphones

und Tablets. Doch während Tracking

und Tracing bereits weitverbreitet sind, ist die

Digitalisierung im Sinne einer konsequenten

Vernetzung von Unternehmen, Fahrern und

Kunden in der Logistik noch nicht so weit fortgeschritten,

wie es sein könnte. Abliefernachweis,

Lieferschein und Auftragsbestätigung

werden oft noch als Blatt Papier zur Verfügung

gestellt und verwaltet. Dabei bietet die mobile

Telematik kostengünstige Lösungen, um digitale

Prozesse in großen wie kleinen Unternehmen

zu etablieren.

Digitaler Austausch

Im optimalen Anwendungsfall laufen Telematik-Apps,

wie etwa das von Couplink entwickelte

System »smart!matics«, auf allen Endgeräten

mit mobilen Betriebssystemen und

werden über ein Webportal koordiniert. Wer

für das Unternehmen unterwegs ist, ob als

Fahrer oder Servicemitarbeiter, installiert einfach

die App auf seinem Smartphone und

schafft damit die Voraussetzung für den

Datenaustausch mit der Zentrale. Somit

machen sich die Anwendungen erfolgreich

das Prinzip »Bring your own device« zunutze.

Seitens der Zentrale läuft die Kommunikation

über ein Webportal. Nach Anmeldung in

einem webbasierten »Cockpit« sieht der

Disponent seine Mitarbeiter auf einer Karte

und kann sie daraufhin flexibel disponieren.

Statusmitteilungen und der Verbleib der Ware

sind jederzeit ersichtlich und können auch

den Kunden zur Verfügung gestellt werden.

Praktisches

Multitool

Zudem eröffnet die App

sichere Kommunikationsmöglichkeiten

zwischen

den Mitarbeitern und der

Disposition. So können

Nachrichten verschickt

oder mit Fotos Zwischenfälle

direkt vor Ort dokumentiert

werden. Durch

Funktionsvielfalt kann

eine einzige Anwendung

zum Multitool werden: Sie

ist Navigationshilfe und

archiviert vom Stundenzettel

über die Materialund

Arbeitszeiterfassung

bis hin zum digital unterschriebenen

Servicebericht

alle relevanten Daten. Eine

einfache Bedienbarkeit sorgt dafür, dass

auch neue Mitarbeiter innerhalb kurzer Zeit

eingearbeitet werden können. Die automatische

Übermittlung an das Cockpit dient der

Zentrale als Grundlage für Ad-hoc Umstrukturierungen

und Routenoptimierungen.

Über Schnittstellen stehen die Daten darüber

hinaus im vorhandenen ERP-, Datenbankoder

Verwaltungsprogramm bereit.

Individuelle Branchenlösung

Telematik-Apps wie »smart!matics« können Fahrer über ihr

Smartphone oder Tablet nutzen. Seitens der Zentrale läuft die

Kommunikation über ein webbasiertes »Cockpit«.

Gerade für Speditionen bietet sich die appbasierte

Telematik an. Sie setzen immer häufiger

auf Subunternehmer, die sie möglichst einfach

in ihre Prozesse integrieren müssen.

Sofern deren Fahrer ihre eigenen Endgeräte

nutzen, wird eine einheitliche Planung

ermöglicht: Per Anmeldung über die App

beziehen Speditionen auch die externen Fahrer

mit in ihre Planung ein. Der Kunde erhält

immer gleichbleibenden Service und weiß

stets, wo sich seine Bestellung befindet. Eine

gute Software lässt sich so zusammenstellen,

wie es das jeweilige Unternehmen benötigt.

Mit dem passenden Modul können sogar

ohne Programmieraufwand individuelle

Workflows eigenständig definiert und in die

App eingestellt werden. Selbst Tacho -und

Fahrzeugdaten können sich auslesen lassen,

sofern eine zusätzliche Blackbox eingebaut

wird. Dann werden auch die Lenk- und Ruhezeiten

aus dem Tacho mit in der Anzeige für

den Disponenten berücksichtigt.

* Die Autorin ist Vorständin

der Couplink Group AG.

www.couplink.de

Foto: Couplink Group

stahlmarkt 11.2019


Aus der Produktwelt 49

Sichtbar geschützt am Arbeitsplatz

Spezielle Schutzausrüstung soll für Sicherheit bei der Arbeit mit starker Hitze sorgen

Dreieich. Wer täglich unter starker Hitzeeinwirkung arbeitet, muss sich zu jeder Zeit auf seine persönliche

Schutzausrüstung (PSA) verlassen können. Für Tätigkeiten in Gießereien, Stahlwerken und im Elektrobereich bieten

die Berufskleidungsexperten von CWS mit der Serie »Steel Proof« einen nach eigenen Angaben zuverlässigen

Begleiter an.

Steel Proof wurde speziell für Einsätze

bei Hitze und Flammen entwickelt und

soll für optimalen Schutz bei der Arbeit

garantieren. Sichergestellt wird dieser

durch ein robustes Gewebe, das nicht nur

gegen einwirkende Hitze, sondern auch

Störlichtbögen der Klasse 1 isoliert.

Zudem zeichnet sich die spezielle Kleidung

durch permanent flammenhemmende

Eigenschaften aus: Nachbrennen

und Schmelzbildung werden verhindert.

Durch einen integrierten Schweißerschutz

der Klasse 2 sowie seiner antistatischen

Eigenschaften eigne sich die entwickelte

PSA sowohl für den Umgang mit Metall

oder flüssigem Eisen als auch für den

Anlagenbau, erklärt das Unternehmen in

einer Pressemeldung.

Um die Sicherheit und Schutzfunktionen zu

unterstreichen, wurden die Kleidungsstücke

mit Normen-Piktogrammen versehen – entsprechend

den aktuellen Standards. Auch

für eine angemessene Sichtbarkeit des Mitarbeiters

wurde gesorgt, indem Reflexstreifen

an den Hosen angebracht wurden.

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mit uns.“

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50 StahlTermine

Termin / Ort Thema Veranstalter Info / Kontakt

11.11.2019

Aachen

Forum Ringwalzen RWTH Aachen +49 241 80 1

www.ibf.rwth-aachen.de

11.-13.11.2019

Buenos Aires, AR

Latin American Steel Conference -

Alacero60

Associação Latino-Americana do Aço +55 11 3195-5802

www. congreso.alacero.org

12.11.2019

Aachen

12.-15.11.2019

Moskau, RU

Forum Freiformschmieden RWTH Aachen +49 241 80 1

www.ibf.rwth-aachen.de

Metal-Expo 2019 9/1 Bolshaya Maryinskaya +7 495 734 99 66

www.metal-expo.ru/en

13.11.2019

Düsseldorf

14.11.2019

Hirlingen

Workshop: Analysis and recycling of

liquid media in surface treatment

Branchentreff im Technologiezentrum

für Wekzeug und Formenbau

Steel Institute VDEh +49 211 6707 454

www.steel-academy.com

Sauter GmbH +49 7478 9279 00

www.formenbau-sauter.de

19.-22.11.2019

Frankfurt am Main

Formnext 2019 Mesago Messe Frankfurt GmbH +49 711 619 460

www.formnext.mesago.com

24.-27.11.2019

Köln

Workshop: Refractory Materials

and Slags in Metallurgy

Steel Institute VDeh +49 211 6707 454

www.steel-academy.com

25.-27.11.2019

Örebrö, SE

Metal Additive Maufacturing

Conference 2019

ASMET - Austrian Society for Metallurgy

and Materials

+43 3842 402 2291

www.mamc2019.org

26.-28.11.2019

Maastricht

26.11.2019

Aachen

Stainless Steel World 2019 Stainless Steel World +31 575 585 270

www.stainless-steel-world.net

Simulation von Gusseisen MAGMA Gießereitechnologie GmbH +49 241 889 010

www.magmasoft.de

27.11.2019

Stuttgart

Innovationsforum Sägetechnik

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik

und Automatisierung IPA

+49 711 970 1549

www.ipa.fraunhofer.de

27.-28.11.2019

Aachen

Seminar: Freiformschmieden Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 478

www.stahl-akademie.de

28.-29.11.2019

Hagen

Hagener Symposium Pulvermetallurgie

mit Fachausstellung

Fachverband Pulvermetallurgie e.V. +49 2331 958817

www.pulvermetallurgie.com

29.11.-2.12.2019

Teheran, IR

16th Iran METAFO Nama Negar International Co. +98 2188 2030 20

http://www.iranmetafo.com/en

3.-4.12.2019

Neu-Ulm

Tagung Werkstoffprüfung 2019

DGM - Deutsche Gesellschaft für

Materialkunde e.V.

+49 69 7530 6750

www. wp2019.dgm.de

3.-4.12.2019

Düsseldorf

8.-12.12.2019

Mönchengladbach

Korrosion von nichtorstenden Stählen Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

Seminar: Stahlrecycling Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

9.-10.12.2019

Düsseldorf

Einführung in die Werkstofftechnik von

Stahl

Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

11.-12.12.2019

Düsseldorf

21.-24.1.2020

Hamburg

Einführung in die Metallurgie von Stahl Stahlinstitut VDEh +49 211 6707 458

www.stahl-akademie.de

NORTEC 2020 Hamburg Messe und Concgress GmbH +49 40 35690

www.nortec-hamburg.de

4.-5.2.2020

Düsseldorf

Handelsblatt Jahrestagung -

Zukunft Stahl

Handelsblatt Media Group

GmbH & Co. KG

+49 211 88743 3596

www. veranstaltungen.handelsblatt.

com/stahlmarkt

12.-13.2.2020

Dortmund

10.-13.3.2020

Düsseldorf

30.3.-3.4.2020

Düsseldorf

20.-22.4.2020

Freiberg

27.-29.4.2020

Amsterdam, NL

Maintenance Dortmund 2020 Easyfairs Deutschland GmbH +49 89 127 1640

www.maintenance-dortmund.de

METAV 2019 Messe Düsseldorf GmbH +49 211 4560 01

www.metav.de

wire - Tube 2020 Messe Düsseldorf GmbH +49 211 4560 01

www.wire.de, www.tube.de

4. Freiberger-Feuerfest-Symposium Deutsche Keramische Gesellschaft e.V. +49 2203 989 8770

www.ffs2020.dkg.de

Eurocoke Summit 2020 The Smithers Group, Inc. +31 1 330 762 7441

www.metcokemarkets.com

stahlmarkt 11.2019


Aus den Unternehmen 51

Clash of the Grinders 2019

Beim 3M Schleifwettbewerb flogen die Funken

Düsseldorf. Der beste Schleifer kommt aus Holland. Martijn Kok aus dem niederländischen Twello hat in

Düsseldorf den Schleifwettbewerb »Clash of the Grinders« des Multitechnologiekonzerns 3M gewonnen.

Im Areal Böhler flogen beim Clash of the

Grinders im wahrsten Sinne des Wortes die

Funken. In vier unterschiedlichen Disziplinen

mussten die Teilnehmer beweisen, was sie mit

dem Winkelschleifer, dem Rohrbandschleifer

und den unterschiedlichsten Schleifprodukten

von 3M draufhaben. Insgesamt 20 Kandidaten

aus Deutschland, der Schweiz und

den Niederlanden stellten sich vor mehr als

200 interessierten Besuchern dieser Herausforderung.

Moderiert wurde der Wettkampf

vom Auto-Experten und Fernsehmoderator

Det Müller, unter anderem bekannt aus »Grip

– Das Motormagazin«.

In vier Runden zum Sieg

In der Vorrunde mussten die Teilnehmer Gas

geben, in einer Minute sollten sie einen

möglichst großen Abtrag erzielen. In Runde

zwei war Augenmaß gefragt, die Wettkämpfer

sollten zehn exakt gleiche Schnitte von

einem Vierkantrohr abtrennen. Im Halbfinale

trennte sich dann endgültig die Spreu vom

Weizen, es ging um die schnelle und exakte

Bearbeitung einer Schweißnaht. Im Finale

verpassten die letzten drei Kandidaten im

Wettbewerb einem Geländer den letzten

Schliff. Nach diesen vier Disziplinen stand

fest, wer eine Sicherheitsausrüstung und

neuestes Schleifequipment von 3M und Fein

mit nach Hause nehmen würde. Und das

war Martijn Kok, Inhaber des Edelstahlfertigers

MJK Service, der sich nach dem Wettkampf

überglücklich zeigte: »Ich habe erst

am Vortag der Veranstaltung erfahren, dass

ich als Teilnehmer beim Clash of the Grinders

»stahlmarkt«-Chefredakteur Philipp Isenbart (rechts) gratuliert Martijn Kok aus dem

niederländischen Twello zu seinem Sieg beim Schleifwettbewerb »Clash of the Grinders«.

dabei bin. Umso schöner ist es, heute hier zu

gewinnen.«

Knowhow rund um das Schleifen

Während des Wettbewerbs und in den Pausen

zeigte 3M an verschiedenen Ständen

Schleifmittel und Lösungen für die Arbeitssicherheit.

Die C. & E. Fein GmbH präsentierte

im Fein Truck die neuesten Elektrowerkzeuge.

»Mit dem Clash of the Grinders wollten

wir die Arbeit des Schleifers mal auf eine

andere Art und Weise würdigen. Ich denke,

dass ist uns gelungen. Ganz besonders hat

mich gefreut, dass auch zwei Damen unter

den Teilnehmern waren«, so Andreas Boxberger,

Hauptabteilungsleiter für den

3M-Geschäftsbereich Schleif- und Poliersysteme.

Die Schiedsrichter Fynn Rosenau und

Thomas Vogel, Anwendungstechniker bei

3M, freuten sich besonders über das positive

Feedback, dass sie von den Schleifern

bekommen haben. Parallel zum Wettkampf

konnten sich die Besucher in Workshops

unter anderem über die Technologie der 3M

Schleifmittel und verschiedene Arbeitsschutzlösungen

informieren.

Gelungene Premiere

In Deutschland feierte der Clash of the Grinders

in diesem Jahr Premiere, neu ist das

Format allerdings nicht. Es gab schon Wettbewerbe

in der Türkei, in Polen und in den

USA. Nach dem gelungenen Event in Düsseldorf

stand für alle Beteiligten fest: Auch im

nächsten Jahr wird es in der Region einen

Clash of the Grinders geben. »Es war großartig

zu sehen, wie die Schleifer in Kombination

mit der besten 3M-Lösung miteinander

konkurrieren. Für das nächste Jahr wünschen

wir uns, dass wir noch mehr Schleifer

für diesen Wettbewerb begeistern können«,

bestätigte Andreas Boxberger.

www.3m.de/schleifen

Foto: 3M


52 Veranstaltungen/Inserentenverzeichnis

Inserentenverzeichnis »stahlmarkt«

Heft 11.2019

BOBE Industrie-Elektronik 17

Bundesministerium für Wirtschaft

und Energie 43

Business Control Software GmbH 51

Coiltec Maschinenvertriebs GmbH 49

Combilift Ltd. 21

Euroforum Deutschland GmbH 39

GIMA e.K. 49

Karl Diederichs GmbH & Co. KG 55

Mannesmann Verwaltung GmbH 2

markmann + müller datensysteme GmbH 56

rff Rohr Flansch Fitting Handels GmbH 41

Rösler Oberflächentechnik GmbH 23

Salzgitter Mannesmann Handel GmbH 1

Schages GmbH & Co. KG 17

STAHLO Stahlservice GmbH & Co. KG 16, 17

U.S. Steel Europe – Germany GmbH 7

Walzstahlhandel Essen GmbH 49

Walzwerke Einsal GmbH 11

WANKO Informationslogistik GmbH 49

Weinmann Aach AG 35

BEILAGE

Verlag Focus Rostfrei GmbH

FORMNEXT 2019: MASSENPRODUKTION DURCH

ADDITIVE FERTIGUNG

Vom 19. bis 22. November 2019 findet in Frankfurt am Main die »formnext«

statt. Die internationale Fachmesse widmet sich additiven Fertigungstechnologien

sowie deren vor- und nachgelagerten Prozessen. Aktuelle und

künftige Anwendungsmöglichkeiten des industriellen 3-D-Drucks sowie

deren Einfluss auf die Produktentwicklung und Produktion werden auf der

parallel stattfindenden Konferenz thematisiert.

Mit vielen Lösungen und neuen Sonderthemen möchte die formnext in

diesem Jahr die Bedeutung additiver Fertigung in zahlreichen Industriebereichen

demonstrieren. Erstmals präsentiert die Messe in Kooperation mit

PIM International einen speziellen Bereich, der die Schnittstelle zwischen

additiver Fertigung und moderner Massenproduktion verdeutlichen soll.

Besucher erfahren hier anhand von mehr als einhundert Komponenten unterschiedlicher

Herstellungsweise die Potenziale dieser Technologien für die

Serienfertigung hochpräziser Bauteile.

Ende September hatten sich laut Veranstalter über 740 Aussteller angemeldet,

wodurch die formnext rund sechs Wochen vor Messestart die

Gesamtzahl aus dem Vorjahr deutlich übertroffen habe. Auch die gebuchte

Bruttofläche von mehr als 50 000 Quadratmetern übertreffe die Größe des

Jahres 2018 um rund ein Drittel.

www.formnext.mesago.de

FRAUNHOFER IPA VERANSTALTET

INNOVATIONSFORUM ZUM THEMA SÄGETECHNIK

Mehr über die Potenziale der Sägetechnologie, neue technische Lösungen

und aktuelle Forschungsansätze erfahren Interessierte auf der diesjährigen

Sägetagung in Stuttgart. Veranstaltet wird das »Innovationsforum Sägetechnik«

vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung

(IPA) in den eigenen Räumlichkeiten.

Die Teilnehmer erhalten sowohl von Praktikern als auch Forschern einen

Überblick über den aktuellen Stand zu Sägeverfahren und lernen moderne

Maschinen- und Werkzeugkonzepte kennen. Zudem liefern erfahrene Experten

einen Einblick in derzeitige Forschungsprojekte zum Thema. Branchenund

Technologieführer stellen darüber hinaus in Anwendervorträgen innovative

Lösungskonzepte vor.

Mit der Veranstaltung richtet sich das Fraunhofer IPA an Entwickler, Konstrukteure

und Produktmanager von Sägewerkzeugen- und Maschinen sowie

Anwender, Fach- und Führungskräfte von produzierenden Unternehmen, die

Sägetechnologie anwenden oder deren Einsatz erwägen. Die Teilnahme ist

laut Veranstalter kostenlos. Eine Anmeldung ist online möglich, etwa per

Suchbegriff »Säge«.

www.ipa.fraunhofer.de/veranstaltungen

www.stahlmarkt-magazin.de

stahlmarkt 11.2019


Personalien 53

Klaus Gast

Foto: Axalta

Axalta: Kerstens und Gast übernehmen

Führungspositionen

Der Lackhersteller und -händler Axalta hat

die Ernennung von Yves Kerstens als Vice

President sowie President der Region Europa,

Naher Osten und Afrika (EMEA) bekanntgegeben.

Zudem tritt Klaus Gast dem Unternehmen

als Business Director für den

Geschäftsbereich Pulverlacke in Europa bei.

Kerstens besitzt in den Bereichen Elektromechanik,

Betriebswirtschaftslehre und International

Corporate Governance jeweils

einen Master. Bevor er zu Axalta wechselte,

war Kerstens 13 Jahre lang bei der Bridgestone

Corporation tätig, wo er eine Anzahl

leitender Führungspositionen in der EMEAund

asiatisch-pazifischen Region bekleidete.

Zuvor war er in der Unternehmensberatung

beschäftigt und hatte verschiedene Positionen

bei Capgemini und Ernst & Young

Consulting inne. Gast war zuletzt bei Nalco

Water als Area Vice President im Vertrieb

tätig. Rajeev Rao, Vice President im Bereich

Global Powder bei Axalta, unterstreicht: »Er

Yves Kerstens

Foto: Axalt

verfügt über umfangreiche Erfahrung in der

Lackindustrie, insbesondere in leitenden

Positionen im Vertrieb und Marketing« Kerstens

und Gast werden beide in Axaltas

EMEA-Hauptsitz in Basel tätig sein.

Lantek ernennt Rodrigo Argandoña zum

neuen COO

Das Softwareunternehmen Lantek hat die

Einstellung von Rodrigo Argandoña und seine

Ernennung zum neuen Chief Operations

Officer (COO) bekanntgegeben. Damit

berichtet er direkt an die Geschäftsführung

und wird Mitglied im Unternehmensvorstand.

Argandoña hat einen Abschluss als Computeringenieur

an der Universität Mondragón

und einen Master in Computing Science an

der Universität Staffordshire. Zudem beendet

er derzeit einen Master of Business Administration

an der Universität Mondragón. Seit

2016 war er für die Geschäfte von General

Rodrigo Argandoña

Foto: Lantek

Electric (GE) im südeuropäischen Raum verantwortlich

und leitete lokale Teams in Portugal,

Spanien, Italien sowie Rumänien. Zuvor

war Argandoña Vizepräsident bei Aclara

Technologies, wo er als Design Engineering

Manager das Wachstum des Spin-offs der

GE-Geschäftseinheit Stromzähler begleitete.

Der neue Lantek-COO wird nach Unternehmensangaben

für die internationalen

Geschäfte in den 14 Ländern und 20 Büros

verantwortlich sein, in denen Lantek lokale

Service-Teams und Projekte unterhält. Seine

Kernaufgabe wird es demnach sein, aus dem

Global Project Office heraus verschiedene

Projektarbeiten zu optimieren.

Peter Gumbsch übernimmt Leitung des

Fraunhofer-Verbunds Werkstoffe, Bauteile

Der Fraunhofer-Verbund Werkstoffe, Bauteile

hat Professor Peter Gumbsch, Leiter des

Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik

IWM, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Als

stellvertretender Vorsitzender wird Professor

Bernd Mayer, Leiter des Fraunhofer-Institut

für Fertigungstechnik und Angewandte

Materialforschung IFAM, sein Amt fortführen.

Gumbsch studierte Physik an der Universität

Stuttgart und Wirtschaftswissenschaften an

der Fernuniversität Hagen. Seine Doktorarbeit

fertigte er am Max-Planck-Institut für

Metallforschung und an den Sandia National

Laboratories in Livermore an, bevor ihn seine

Promotion 1991 zurück an die Universität

Peter Gumbsch

Foto: Fraunhofer IWM

Stuttgart führte. Nach Forschungsaufenthalten

am Imperial College in London und der

Oxford University etablierte Gumbsch am

Max-Planck-Institut für Metallforschung die

Arbeitsgruppe »Modellierung und Simulation

von Dünnschichtphänomenen«. Darauf

folgten ein Lehrstuhl für Werkstoffmechanik

am Karlsruher Institut für Technologie und

zuletzt die Leitung des Fraunhofer-Instituts

für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg.

In seiner neuen Funktion möchte Gumbsch

nach Unternehmensangaben den eingeleiteten

Strategieprozess des Verbunds Werkstoffe,

Bauteile weiter fokussieren. In dessen

Rahmen wurden bereits verschiedene Projekte

initiiert, etwa zur additiven Fertigung,

Energiewende oder zum Systemleichtbau.

stahlmarkt 11.2019


54 Vorschau

VORSCHAU 12.2019

thyssenkrupp lässt für

nahtlose Abläufe in

Gebäuden Roboter mit

Aufzügen kommunizieren

thyssenkrupp Elevator hat in den USA

offiziell eine neue Roboter-Schnittstellenplattform

vorgestellt, die den

Lieferservice innerhalb von Gebäuden

Der Technologiekonzern thyssenkrupp

ermöglicht. »Durch die Integration der

ermöglicht per Schnittstelle die Kommuni-

Aufzugsschnittstelle etwa in Auslieferungsrobotern

können Bauherren und

kation zwischen Robotern und Aufzügen.

Gebäude-Manager die Inhouse-Logistik

erheblich verbessern, effiziente Abläufe steigern und den Mietern attraktivere

Bedingungen bieten«, teilt der Technologiekonzern mit. Bislang konnten Roboter nicht

unabhängig in Gebäuden agieren – spätestens an der Aufzugstür war für sie Schluss,

die Fahrt in andere Stockwerke blieb ihnen ohne menschliche Hilfe verwehrt. Damit

war ihr Wirkungsbereich maßgeblich eingeschränkt. Die Schnittstelle von thyssenkrupp

ermöglicht nach Unternehmensangaben nun die Kommunikation zwischen Roboter

und Aufzug, sodass Roboter diesen nutzen können wie jeder normale Fahrgast.

Metall und Blech unverlierbar

und sicher beschriften

In der digitalisierten und automatisierten

Welt der Blech- und Metallbearbeitung

sind verlässliche Kennzeichnungen unverzichtbar.

Auf der Blechexpo 2019 zeigte

REA JET Beschriftungssysteme, die

Unternehmensangaben zufolge jegliche

Anforderungen moderner Fertigung

erfüllen – inklusive dem universellen

Bedienkonzept REA JET TITAN Plattform.

Foto: thyssenkrupp AG

Leistungsstarke Beschriftungen: Kontrastreiche

Kennzeichnungen mit Tintenstrahlsystemen

von REA JET

Foto: REA Elektronik GmbH

Impressum

Verlag:

Maenken Kommunikation GmbH

Von-der-Wettern-Str. 25 · 51149 Köln

Tel. +49 2203 35 84-0

info@maenken.com · www.maenken.com

Herausgeber:

Dr. Wieland Mänken (V.i.S.d.P.)

Redaktion:

Philipp Isenbart (Redaktionsleitung)

Tel. +49 2203 3584-121

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Niklas Reiprich, niklas.reiprich@maenken.com

Ständige Mitarbeiter in Berlin, Warschau, New York

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»stahlmarkt«

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Erscheinungsweise: jeweils zum Monatsanfang.

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Jahresabonnement (12 Ausgaben) 112,– € einschl.

Zustellgebühr und Mehrwertsteuer. Ausland

126,– € einschl. Porto. Kündigungsfrist bis zum 15.

November zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres.

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Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich

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insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen,

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Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Vom Lohnfertiger zum

Systemanbieter: Carl Leipold

GmbH feiert 100-jähriges

Bestehen

Vom Handwerksbetrieb zum hochspezialisierten

Industriepartner: In ihrer

100-jährigen Geschichte hat sich die Carl

Leipold GmbH von einer Lohndreherei

zum Systemanbieter für Präzisionsdrehteile

entwickelt. Bereits in vierter Generation

fertigt das Familienunternehmen

an drei Standorten Lösungen für unterschiedliche

Branchen. Die Wurzeln der

Leipold Gruppe liegen bis heute in der

Wiege der Präzisionstechnik, dem

Schwarzwald. Vor 100 Jahren gründete

Carl Leipold den Betrieb.

Foto: Leipold Gruppe

Fertigung eines hochpräzisen Drehteils

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höhere Gewalt und andere vom Verlag nicht verschuldete

Umstände (z.B. Streik) können keine

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Inserenten geltend gemacht werden. Für unverlangt

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benutzt werden dürfen. Vielmehr handelt es sich

häufig um eingetragene Warenzeichen oder gesetzlich

geschützte Kennzeichen, auch wenn sie als

solche nicht eigens gekennzeichnet sind.

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des Manu s kripts gehen das Recht zur

Veröffentlichung sowie die Rechte zur Übersetzung,

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Printed in Germany · ISSN 0178-6571

stahlmarkt 11.2019


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