Sachwert Magazin 01/2020

sachwertmagazin

MARK MOBIUS: im Interview
CLAUS VOGT: Vom Tanz auf der Spekulationsblase
DR. BERT FLOSSBACH: Der Milliardentrick
MARC FRIEDRICH & MATTHIAS WEIK: Komplette, legale Enteignung per Gesetz
THOMAS HENNINGS: Wie der Bürger für die Geld- und Finanzsysteme bürgt
GOLD im steilen Aufwind
IMMOBILIEN im stabilen Aufwärtstrend

Nr. 01 l 2020 • www.sachwert-magazin.de

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POLITIK

Marc Friedrich &

Matthias Weik

SAG - per Gesetz

Enteignung

WISSEN

Claus Vogt

Tanz auf der

Spekulationsblase

Mark Mobius

Die Wahrheit

01

über Inflation

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Inhalt

12

Bilder: Flossbach von Storch, Friedrich&Weik

14

Dr. Bert Flossbach über die ungerechte

Belastung der Folgegenerationen

Marc Friedrich & Matthias Weik

Komplette, legale Enteignung per Gesetz

Inhalt 01/2020

5 Editorial Editorial von Julien Backhaus

Wissen

6 Mark Mobius im Interview:

Die Wahrheit über Inflation

24 Claus Vogt: Vom Tanz auf der

Spekulationsblase

Geldpolitik

12 Dr. Bert Flossbach: Der Milliardentrick

14 Marc Friedrich & Matthias Weik:

Komplette, legale Enteignung per Gesetz

28 Thomas Hennings: Wie der Bürger für

die Geld- und Finanzsysteme bürgt

Gold

20 Gold im steilen Aufwind

Immobilien

22 Immobilien im stabilen Aufwärtstrend

Impressum

Sachwert Magazin ISSN 2197-1587

Redaktion

Zum Flugplatz 44, 27356 Rotenburg

Tel: (0 42 68) 9 53 04-91, Fax: 9 53 04-92

E-Mail: redaktion@sachwert-magazin.de

Chefredakteur (V.i.S.d.P.) Julien Backhaus

Redakteurin und Satz Martina Schäfer

Expertenbeirat Thomas Hennings

E-Mail: info@backhausverlag.de

Verlag Backhaus Finanzverlag GmbH

Herausgeber, Verleger Julien D. Backhaus

Zum Flugplatz 44, 27356 Rotenburg

Telefon (0 42 68) 9 53 04-91

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SACHWERT MAGAZIN 1/2020 3


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Editorial

Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem

inneren Wert zurück. Null.

Voltaire, 1694 - 1778

Julien Backhaus

Verleger

Inflation? Was ist das?

Wissen wir gar nicht, was Inflation überhaupt ist? Das zumindest sagte mir

Mark Mobius, der wohl berühmteste Fondsmanager der Welt. Er war Jahrzehnte

bei Franklin Tempelton für die Emerging Markets zuständig und hat

Fonds mit einem Kapital von rund 50 Milliarden Dollar gemanagt. Die Expertise,

sich mit den Finanzmärkten gut auszukennen, können wir ihm also ruhigen

Gewissens unterstellen. Er ist einer der gefragtesten Investoren für Medien wie

Bloomberg oder CNBC. In seinem neuen Buch „Die Wahrheit über Inflation“,

das beim Finanzbuchverlag erschienen ist, klärt er nun über die Fehlinformationen

auf, die wir alle über Inflation zu haben scheinen und gibt Ratschläge, wie

man die Manipulation erkennen kann, die mit Inflation und Währung in Verbindung

steht. Im Interview mit dem Sachwert Magazin spricht er ganz offen

darüber, dass die Menschen kaum unterscheiden können zwischen Inflation

und Deflation. Er führt Faktoren an, die für die Inflationsberechnung herangezogen

werden, die aber kaum Sinn machen. Manche Faktoren fehlen sogar

gänzlich. Wie soll man so eine Preisinflation berechnen können? Schließlich

werden diese Inflationsdaten dazu genutzt, Wirtschaftsmodelle aufzubauen

und Finanzberechnungen anzustellen. Auch über Diversifizierung spricht der

Schwellenländer-Guru. Ein Thema, das viele Investoren bis heute nicht ausreichend

praktizieren.

Weiterhin finden Sie in dieser Ausgabe weitere spannende Themen, wie die

Entwicklung des Immobilienmarktes, des Edelmetallmarktes und unsere Gastautoren

wie Marc Friedrich und Matthias Weik geben einen Ausblick auf die

neue EZB-Politik - jetzt unter der neuen Leitung von Christine Lagarde. Sie hat

im November den bisherigen Notenbank-Chef Mario Draghi abgelöst. Von Vermögensverwalter

Bert Flossbach erfahren Sie mehr über den Milliarden-Trick

bei Staatsanleihen. Und die Finanzexperten Claus Vogt und Roland Leuschel

rechnen mit den „Wohlstandsvernichtern“ ab.

Bild: Wilkens

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für Ihre sichere Zukunft

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In der Historie haben nur die Anleger ihr Vermögen

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Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Herzlichst, Ihr

Julien Backhaus,

Verleger

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28355 Bremen

Telefon (0421) 36 49 75 22

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SACHWERT MAGAZIN 1/2020 5


Wissen

Die Wahrheit

über Inflation

Investor Mark Mobius erklärt im Interview, warum er

die derzeitige Inflation falsch beurteilt sieht

Ihr neues Buch haben Sie über Inflation

geschrieben. Verstehen die Leute

Inflation vielleicht nicht richtig?

Ganz sicher sogar. Nicht mal die Zentralbanken

verstehen Inflation. Einer der

Gründe, warum ich das Buch geschrieben

habe ist, dass mir klar

geworden ist, dass hier über Inflation

im großen und wichtigen

Umfang gesprochen wird. Die

Zentralbanken spielen mit Zinsen

und Geldreserven herum,

alles auf Inflation basierend. Und

dann schauen wir uns die Inflation

genauer an, als Messlatte der

Verschuldung, und stellen fest,

das ist lächerlich, weil sie sich

täglich verändert. Das Maß ist einfach

falsch, zum Beispiel, wie in den meisten

Ländern Schulden gemessen werden ist,

dass man einen Basket mit alltäglichen

Waren nimmt, wie sie von den Leuten

gewöhnlich genutzt werden. Aber dieser

Basket verändert sich alle fünf oder zehn

Jahre. Sie machen eine Studie und kommen

auf einen anderen Basket. Also werden

hier Äpfel mit Orangen verglichen.

Wie willst du so den Basket von beispielsweise

1900 mit dem Basket von 2010 vergleichen?

Das ist das erste große Problem.

Die nächste Frage ist: Ist jeder gleich? Und

die nächste Frage ist: Erzählen dir die Leute

wirklich, was sie tun? Wie wirken sich

Jobs auf diesen Basket aus? Wie passt

Sex in diesen Basket? Sie spekulieren, sie

zocken, sie spielen – dieser Faktor mag

in manchen Fällen bis zu 20 Prozent, in

manchen Fällen vielleicht 100 Prozent des

Gehalts mancher Menschen ausmachen.

Was ich damit grundsätzlich sagen möchte:

die Zahlen, nach denen die Inflation

bemessen wird, sind falsch.

Der zweite Punkt, den ich unterstreichen

möchte, ist, dass Einkommen

nicht gleichgeblieben,

sondern über die Jahrzehnte

gestiegen sind. Wir haben also

die Situation, dass zwar die Verschuldungen

gestiegen sind,

die Einkommen sind aber noch

mehr gestiegen. Um es auf den

Punkt zu bringen: Was ist also

die Bedeutung der Verschuldung,

wenn sie keine Auswirkungen auf

das Leben der Menschen hat?

Ist es für Investoren wichtig, ihre Entscheidungen

zu begründen?

Ja, sogar sehr wichtig! Die Leute müssen

den nächsten sehr wichtigen Punkt verstehen:

Über die Jahre ist die Produktivität

gestiegen. Klar könnte man sagen, dieser

Basket sei gleichgeblieben, aber sind die

Lebensverhältnisse um 1900 die gleichen

wie im Jahr 2018? Die Qualität hat sich

drastisch erhöht. Einige Messungen haben

versucht, diesen Faktor zu erfassen,

aber das hat sich als unmöglich erwiesen.

Es ist wichtig, dass die Leute sich vergegenwärtigen,

wie sehr sich die Lebensumstände

der Menschen über das Jahrhundert

verbessert haben. Darüber sollten die

Leute dankbar sein und zugeben, dass es

eigentlich eine Deflation gibt, keine Inflation.

Wir sind also in einer Deflationsära?

Definitiv! Und das wird von den Risiken

verdeutlicht, die sie eingehen. Übrigens,

eine andere Sache, die ich im Buch behandle,

ist, dass die Wirtschaft in der

Annahme ist, man müsste zwei Prozent

Inflation haben, um Wachstum zu bekommen,

sonst ginge man Pleite. Warum

zwei Prozent?

Wo kommt diese Zahl her?

Irgendwer hat sie in den Raum gestellt

und jetzt ist sie wie in Stein gemeißelt. Um

also zwei Prozent Inflation zu erreichen,

musst du aufstocken. Und wie macht man

das? Man druckt Geld. Aber es bringt sie

nicht weiter, die Risiken werden mitwachsen.

Die Japanische Zentralbank hält inzwischen

zehn bis 15 Prozent der gesamten

Aktienpakete – es ist verrückt. Ja, sie

kaufen Aktien, sie kaufen ETFs.

Also muss das Ganze neu überdacht werden.

Ich möchte klarmachen, dass Deflation

keine schlechte Sache ist. Sie deutet darauf

hin, dass die Produktivität steigt und

damit über die Jahre die Lebensqualität.

Sie sind ein Langzeitinvestor. Wie

sehr müssen Sie das tägliche Mediengeschehen

verfolgen?

Denen schenke ich viel Aufmerksamkeit,

weil sie uns über die Neuigkeiten aus den

Bilder: Privat, Cover: FBV

6

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Wissen

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 7


Wissen

Unternehmen, in die wir investiert sind,

auf dem Laufenden halten. Die kannst du

nicht alle selber zusammentragen, das ist

unmöglich, da muss man sich auf die Medien

verlassen. Deshalb habe ich großen

Respekt vor Journalismus und Journalisten

insbesondere, denn ohne sie würden wir

eine Menge verlieren. Von ihnen bekommen

wir die Informationen, die wir brauchen,

um gute Entscheidungen zu fällen.

Beispielsweise hat kürzlich der Geschäftsführer

eines Unternehmens in unserem

Besitz Aufsichtsratssitze verkauft. Darüber

wurde in den Medien berichtet und ist für

uns eine sehr wichtige Information.

Das beeinflusst Ihre Entscheidung?

In großem Umfang, ja. Ein Insiderverkauf,

was das bedeutet! Und überhaupt, was

im gesamten Umfeld an Geschichten passieren,

hat große Einfluss darauf, wie die

Auswirkungen ausfallen.

Über die letzten 30 Jahre haben Sie

für Templeton gearbeitet. Jetzt haben

Sie Ihre eigene Investmentfirma.

Sind Sie jetzt freier in Ihrem Handeln

Was ist also die Bedeutung

der Verschuldung,

wenn sie keine Auswirkungen

auf das Leben der Menschen hat?

und sehen Sie sich als Konkurrenz zu

Templeton?

Nein, das ist kein Problem, wir sind immer

noch Freunde. Ich bin viel freier, deshalb

konnte ich das Buch schreiben. Andernfalls

hätte ich mir das nicht erlauben

können. Wir sind von Templeton weggegangen,

weil wir weg von der großen

Organisation wollten. Wir wollten eine

kleinere Organisation und uns ausschließlich

auf aktives Investieren fokussieren.

Und Führungsstil. Weil, genau jetzt sind

ESG: environmental, social governance

(umweltbewusste, soziale Führung) unsere

Schlüsselwörter. Wir haben festgestellt,

um die Umwelt und den sozialen Bereich

zu fördern, braucht es gute Führung. Wir

haben diesen Wechsel in unseren Unternehmen

ausprobiert. Unsere Investmentunternehmen

haben Independent

Directors. Was machst du mit deinen Investor

Relations? Führung.

Habt ihr immer noch die gleichen

Ziel-Kunden oder sucht ihr viel

größere Investoren?

Wir treten erstmal an Family Offices heran,

weil die flexibler sind. Das Problem

ist, wenn ich zu großen Institutionen wie

früher gehe, ist das Erste, was sie mich

fragen, „Wie viel Erfahrung hast du?“

Ich sage, ich bin seit 30 Jahren Investor.

Keine Ahnung, wieviel Erfahrung ihr in

diesem Unternehmen habt. Sie sagen:

Nigerianische Ingenieure während einer Trainingseinheit in

einer Fabrik der Huaye Group in Anshan, Nordostchina.

Nigeria gilt als eine der Zukunftsregionen Afrikas.

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SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Wissen

Wenn du Manager bist,

musst du neugierig und

bescheiden sein und

neue Ideen akzeptieren.

Bild: imago images/Xinhua, Privat

„Wir investieren in nichts, was weniger

als drei Jahre auf dem Markt ist.“ Die

nächste Frage ist dann: „Wie groß ist dein

Fonds?“ Ich sage: „170 Millionen“ und

sie sagen: „Unser Minimum-Investment

liegt bei 200 Mio. Komm wieder, wenn

du ein-zwei Milliarden hast.“ Das ist ein

Problem. Also, die Familienunternehmen

sind da kreativer.

Was sind die häufigsten Fehler, die

große und kleine Klienten auf dem

Markt machen?

Niemals zu diversifizieren. Zu viele der

deutschen oder amerikanischen Klienten

und auch andere machen den Fehler, nur

im eigenen Land zu investieren. Wir haben

eine Übersicht, die uns die am Besten

performenden Märkte der Welt über die

letzten 20 Jahre zeigt. Kein Markt ist der

Spitzenperformer über 20 Jahre hinweg.

Und es gibt darunter nur zwei Länder mit

dauerhafter Performance, aber auch nicht

in aufeinanderfolgenden Jahren. Um die

beste Performance zu bekommen, muss

man global diversifiziert sein. Das ist der

erste Fehler, den sie begehen.

Der zweite Fehler ist, dass sie nicht in

schneller wachsende Bereiche gehen, wie

die jungen Märkte. Sie nutzen den Effet

der aufstrebenden Märkte. Das ist ein

Fehler, denn die die jungen Märkte repräsentieren

inzwischen 40 Prozent des

Weltkapitals.

Welcher aufstrebende Markt zieht

derzeit Ihre Aufmerksamkeit auf sich?

Indien.

Wie sieht es mit Afrika aus?

Ja, aber dann Südafrika und Kenia würde

ich mir auch näher ansehen. Vielleicht

auch Nigeria. Afrika ist die Zukunft, da

habe ich keinen Zweifel. Das Problem

sind die Devisenverkehrsbeschränkungen,

denn wenn wir in einem Land

investieren gehen, versichern wir uns,

dass wir unser Geld auch wiederbekommen.

Wenn es keinen Devisenverkehr

gibt, kriegst du Probleme. Da muss man

vorsichtig sein. Und noch einen Fehler

machen die Leute: Sie holen sich Rat von

ihren Freunden.

Und nicht aus Ihrem Buch?

Es gibt ja nicht nur mich, aber sie sollten

sich ihre Ratschläge von Leuten holen, mit

denen sie nicht so eng verbunden sind.

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 9


Sachwert

Mark Mobius und Julien Backhaus trafen sich, um über die Inflation

und ihre Auswirkungen zu sprechen.

Wie wichtig ist es für Sie als Investor,

sich weiterzubilden?

Ich lerne andauernd. Wenn du Manager

bist, musst du neugierig und bescheiden

sein und neue Ideen akzeptieren. Das ist

sehr wichtig! Gleichzeitig musst du dich

auf Schlüsselbereiche fokussieren, wie

Rentabilität, Wachstum, Nachhaltigkeit.

Meinen Leuten sage ich, guckt her, ich

möchte, dass ihr fünf Dinge beachtet.

Erstens: Liquidität. Wenn du anfängst,

dann handle mit mindestens einer Millionen

Dollar am Tag. Wenn du nicht damit

rauskommem kannst, dann bist du

in Schwierigkeiten, dann weißt du nie,

was passiert. Zweitens: Bilanzen. Du willst

starke Bilanzen haben. Drittens: Zurückhaltung.

Sind sie zurückhaltend? Denn

Zurückhaltung ist ein Zeichen dafür, dass

das Unternehmen solide ist. Viertens: Eine

Aktienklasse. Da widerspreche ich vielen

der Internet-Unternehmen, die mehr als

eine Aktienklasse haben. Fünftens: Payback.

Sechstens: Wachstum. Das sind die

Schlüssel.

Welchen Einfluss werden die Artificial

Intelligences in den nächsten 20 Jahren

auf die globale Wirtschaft haben?

Ich glaube, dass es eine Menge Missverständnisse

gibt. Die Leute glauben, das

wäre etwas Neues. Es ist nicht neu. Es ist

ein einfaches Beschleunigen der Entscheidungsprozesse.

Durch die Innovationen in

der Digitalisierung können Computer inzwischen

immer schneller arbeiten. Wenn du

jetzt den Computer mit deinen Algorithmen

und Ideen fütterst, setzen sie das schneller

um. Es wirkt wie mitdenken, aber das ist es

nicht. Aber ja, es wird sehr wichtig sein.

Was halten Sie davon, Gold in Ihrem

Portfolio zu haben?

Ich finde Gold sehr wichtig. Ich empfehle

den Leuten, mindestens zehn Prozent

ihres Vermögens in Gold anzulegen. Versichere

dich, dass du wirklich physisches

Gold hast, nicht Goldaktien. Einfach deswegen,

weil die Geldmengen in einem

solchen Tempo anschwellen. Es geht ja

nicht nur um souveräne Geldmengen. Es

geht um jede einzelne Währung. Auch

Bitcoin und wie sie alle heißen, wachsen

in rasantem Tempo.

Was denken Sie über Krypto geld?

Krypto ist eine Sache des Glaubens. Wenn

du dran glaubst, ist es real.

Genau wie alles Geld?

Nein, es ist eher so, dass die junge

Generation zu realisieren beginnt: Hey,

warte mal, was steckt eigentlich hinter

dem US-Dollar? Was steckt hinter dem

Euro? Es ist einfach nur eine Möglichkeit,

etwas zu kaufen. Wenn ich das gleiche

mit Bitcoin machen kann, warum nicht?

Das ist inzwischen die Denkweise. Und

Bitcoin kann errechnet werden, jeden

Tag. Die Federal Reserve druckt Dollar. Ich

persönlich würde nicht darin investieren,

weil es kein gutes Tauschmittel ist. Aber

würde ich etwas im Geheimen durchziehen

wollen – nicht unbedingt illegal, aber

geheim – dann würde ich Bitcoin dafür

nutzen.

Bilder: Privat

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SACHWERT MAGAZIN 1/2020



Geldpolitik

Der Milliardentrick

Dr. Bert Flossbach hält die gängige

Praxis für ungerechte Belastung

der Folgegenerationen

Die Nullzinspolitik beschert den Staaten

der Eurozone Zinsersparnisse in Milliardenhöhe.

Die nutzen Finanzminister gern

zur Haushaltskosmetik – auch in Deutschland.

Zu Lasten künftiger Steuerzahler.

Man kann es den Finanzministern nicht

verübeln, dass sie die immensen Zinsersparnisse

durch die Nullzinspolitik der

Europäischen Zentralbank dankend annehmen.

Allerdings werden dabei auch

Einnahmen verfrühstückt, die eigentlich

künftigen Steuerzahlern zustehen. Diese

zeitversetzte Umverteilung – die Alten kassieren,

die Jungen zahlen – würde man bei

Unternehmen als Bilanztrick bezeichnen,

mit dem die aktuelle Ertragslage zu Lasten

zukünftiger Perioden geschönt wird.

Und so funktioniert der Milliardentrick:

Wenn eine Anleihe mit einem Kupon von

null begeben wird,

die Marktrendite

aber unter null

liegt, erfolgt die

Aus gabe zwangsläufig

zu einem

Kurs, der über 100

Prozent des Nennwertes

liegt (über

pari), also beispielsweise

zu 104 Prozent

bei einer fünfjährigen Anleihe mit

einer Emissionsrendite von minus 0,8 Prozent.

Am Ende der Laufzeit muss aber nur

der Nominalwert von 100 Prozent zurückgezahlt

werden. Die Differenz von vier

Prozent verbucht der Finanzminister als

Gewinn für den Bund. Dieser fließt umgehend

in den aktuellen Haushalt ein. Seit

2013 hat die Bundes republik auf diese

Weise Emissionsgewinne von insgesamt

rund 25 Milli arden Euro eingestrichen.

Allein 2019 werden es voraussichtlich

7,5 Milliarden Euro sein.

Bei kurzlaufenden Anleihen sind die Auswirkungen

überschaubar. Wenn aber

Langläufer, die bereits vor Jahren mit vergleichsweise

hohen Kupons emittiert wurden,

zu Kursen weit

über pari aufgestockt

werden und der damit

verbundene hohe

Der Emissionsgewinn

müsste in eine Rücklage

fließen und zugunsten

zukünftiger Haushalte

und Steuerzahler

aufgelöst werden.

Die Alten kassieren,

die Jungen zahlen

Emissionsgewinn in

den aktuellen Staatshaushalt

fließt, bekommt die Sache einen

faden Beigeschmack.

Vorgehen nicht generationengerecht

Ein besonders krasses Beispiel: Die Aufstockung

einer ursprünglich 2014 emittierten

30-jährigen Anleihe, die noch über einen

üppigen Kupon von 2,5 Prozent verfügt.

Als die Anleihe am 19. Juni aufgestockt

wurde, lag die Rendite

bei nur 0,26

Prozent. Der Kurs

war mit 158,8 entsprechend

hoch.

Dem Bund flossen

bei einem Aufstockungsvolumen

von einer Milliarde

Euro also 1,588

Milliarden Euro zu.

Den daraus resultierenden Emissionsgewinn

von 588 Millionen Euro konnte der

Bundesfinanzminister sofort im laufenden

Haushalt verbuchen. Im Gegenzug müssen

die Steuerzahler allerdings 27 Jahre

lang den relativ hohen Zins kupon von

2,5 Prozent zahlen. Das ist zwar nicht

ungesetzlich, aber nicht gerade generationengerecht.

Stattdessen müsste der

Emissionsgewinn in eine Rücklage fließen

und bis 2046 in 27 Jahresraten von

jeweils 21,8 Millionen Euro zugunsten

zukünftiger Haushalte und Steuerzahler

aufgelöst werden.

In vielen Euro-Ländern beliebt

Dieser Trick ist auch in anderen Ländern

der Eurozone beliebt.

So stockte Spanien im

September eine bis

2066 laufende Anleihe

mit einem stattlichen

Kupon von 3,45 Prozent

zu einem Kurs von 168 auf und kassierte

so einen Emissionsgewinn von 675

Millionen Euro. Italien erzielte mit der Aufstockung

einer zu 3,85 Prozent verzinsten

30-jährigen Anleihe einen Emissionsgewinn

von 603 Millionen Euro, der ebenfalls

direkt in den aktuellen Staatshaushalt

fließt und dafür einer ganzen Generation

den unnötig hohen Zinskupon aufbürdet.

Und das Spiel geht weiter. Ungeachtet

ausstehender Nullkuponanleihen hat die

Bundesrepublik am 16. Oktober eine mit

1,25 Prozent verzinste 30-jährige Anleihe

um eine weitere Milliarde aufgestockt.

Der Kurs lag bei 133, was dem Finanzminister

einen weiteren Gewinn von 330

Millionen Euro in den Haushalt gespült

hat. Auch im Interesse unserer Kinder

bleibt zu hoffen, dass eine generationengerechte

Verbuchung der Emissionsgewinne,

wie bereits in einigen EU-Ländern

der Fall, auch bei uns Einzug hält.

Dr. Bert Flossbach

ist Gründer und Vorstand der Flossbach

von Storch AG. Er beschäftigt sich mit

der Betreuung von privaten Vermögen.

12

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Geldpolitik

Bild: imago images/photothek, 2019 Flossbach von Storch

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 13


Geldpolitik

Komplette, legale Enteignung

per Gesetz

Marc Friedrich und Matthias Weik beleuchten

das SAG und seine Auswirkungen

Das wichtigste Gesetz der letzten Jahre

heißt SAG, Sanierungs- und Abwicklungsgesetz,

und der Name ist Programm.

Dieses Gesetz ist leise und ohne große

Medienpräsenz am 1.1.2015 in Kraft

getreten und hat 176 schwer lesbare Paragraphen.

Die Verabschiedung im Bundestag

erfolgte vor annähernd leerem

Plenum zu fortgeschrittener Stunde ohne

Aussprache. Es entstand aus den Lehren

der Finanzkrise 2008. Damals musste der

Staat mit Garantien und Milliarden an

Steuergeldern die Hypo Real Estate verstaatlichen,

Aktionäre enteignen und die

Commerzbank stützen. Mit dem SAG

wäre es anders gelaufen. Man hätte die

Aktien der Bank, aber auch alle Kontoguthaben

teilweise entwerten oder sogar

ganz auf null setzen können

Auszug aus dem Buch

„Der größte Crash aller

Zeiten – Wirtschaft,

Politik, Gesellschaft.

Wie Sie jetzt noch Ihr

Geld schützen können“

von Marc Friedrich und

Matthias Weik

(nach § 89 SAG). Gehen wir

mal davon aus, dass die Einlagensicherung

noch funktioniert

hätte (was bei einer so

großen Bank schon mehr als

unwahrscheinlich ist, auch

die Sicherungstöpfe der Banken

beinhalten lediglich 6,9

Milliarden Euro).

SAG betrifft Bankkunden, die

sich in Sicherheit wiegen und doch jederzeit

ohne rechtliche Gegenmittel enteignet

werden können. Die neue Bundesanstalt

für Finanzmarktstabilisierung kann

anordnen, bei drohender Insolvenz einer

systemrelevanten Bank Kundengelder

einzuziehen oder

in Aktien der Bank zu einem

von ihr festgelegten Nennwert

umzuwandeln und den

Nennwert herabzusetzen –

bis auf 0! Ein Widerspruchsverfahren

ist ausgeschlossen.

Selbst eine Klage hat keine

aufschiebende Wirkung. In

diesem Fall gelten alle Ansprüche

des Aktionärs als »erfüllt«, und

zwar für immer (§ 99 Abs. 1 – 3 SAG).

Selbst wenn die Bank sich wieder erholt,

gibt es kein Zurück. Interessanterweise

wurde in § 5 SAG festgehalten, dass

alle Funktionsträger über das nach dem

SAG ablaufende Verfahren Stillschweigen

zu wahren haben. Deswegen hören

Sie auch nichts von dem Gesetz. Fragen

Sie doch mal Ihren Vermögensverwalter,

Banker oder Makler. Selbst wir müssten

wahrscheinlich schweigen. Dies bedeutet

aber auch, dass gemäß § 5 SAG alle Verfahrensbeteiligten

per Gesetz zum Stillschweigen

angehalten sind, selbst wenn

sie die Systemgefährdung einer systemrelevanten

Bank vermuten. Wie 2008 bei

Lehman Brothers – diese Bank hatte bis

zuletzt trotz Milliardenverlusten ein Top

Rating.

Marc Friedrich und Matthias Weik sind Ökonomen, vierfache Bestsellerautoren

und Gründer der Honorarberatung Friedrich&Weik Vermögenssicherung,

sowie Initiatoren des täglich handelbaren offenen

Sachwertfonds, dem Friedrich & Weik Wertefonds.

Wer muss im Ernstfall haften?

1. Alle Privatkunden und Firmenkunden,

die Einlagen ab 100.000 Euro bei einer

»systemrelevanten« Bank führen, werden

im Extremfall zur Kasse gebeten. Betroffen

sind Sparbuch, Giroguthaben, Festund

Tagesgeld, Sparverträge

(auch vermögenswirksame

Leistungen), Namensschuldverschreibungen

und vorübergehend

geparkte Liquidität auf

dem Wertpapierdepot.

2. Die Aktionäre der systemrelevanten

Bank.

14

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Geldpolitik

EDIS – Europäische Einlagensicherung

Die Einführung der Europäischen Einlagensicherung

(EDIS) wird von Teilen der

Politik forciert. Dies bedeutet, dass deutsche

Banken und somit deutsche Sparer

für teilweise vollkommen marode Institute

in Südeuropa haften müssen. Volks- und

Raiffeisenbanken und Sparkassen laufen

berechtigterweise Sturm, denn sie wissen,

was ihnen und uns dann blühen wird.

Jetzt soll es an das Geld der deutschen

Sparer gehen. Die EZB plant, den größten

Jackpot in der Eurozone anzubohren: den

deutschen Sparer und die deutschen Geldinstitute,

allen voran Volksbanken und

Sparkassen.

Hinter der Abkürzung EDIS verbirgt sich

ein Einlagensicherungssystem für die

gesamte Eurozone, das die nationalen

Einlagensicherungssysteme ablösen soll.

Einlagensicherungssysteme werden mit

den Beiträgen von Banken finanziert. Sie

garantieren im Fall einer Insolvenz einer

Bank die Einlagen der Kunden und sollen

einen Banken-Run (Schaltersturm) verhindern.

Die EZB plant also ein System

einzurichten, das EU-weit bei einer Ban-

kenkrise das Geld der Sparer schützt.

Was geschieht jedoch, wenn die Mittel

erschöpft sind?

Ferner ist zu beachten, dass bis 2024 nationale

Bankenverbände in der Eurozone

ihre Fonds zur Einlagensicherung füllen

müssen. Doch von den verlangten Werten

sind die meisten Länder weit entfernt –

auch die größte Volkswirtschaft Deutschland.

Dabei ist seit 2014 europaweit gesetzlich

vorgeschrieben, dass Banken alle

Spareinlagen ihrer Kunden bis 100.000

Euro zu 0,8 Prozent durch eigene Mittel

absichern müssen.

Selbst die Töpfe, mit denen sich in

Deutschland Sparkassen, Volksbanken

und Privatbanken innerhalb ihrer jeweiligen

Verbünde in Krisenzeiten gegenseitig

helfen, waren lediglich mit durchschnittlich

0,4 Prozent der gesicherten

Einlagen gefüllt. Damit befindet sich

Deutschland auf Platz 11 der 19 Eurostaaten.

Es ist zu befürchten, dass dann

die Steuerzahler für die Banken Europas

haften müssen, da zahlreiche Banken in

Europa bekanntlich aufgrund ihrer Größe

noch immer systemrelevant sind.

Dementsprechend stellt sich die Frage, wer

tatsächlich geschützt werden soll und wer

schlussendlich die Zeche bezahlen wird.

In der Bundesregierung und bei deutschen

Banken stößt EDIS auf große Skepsis. Warum?

Es ist davon auszugehen, dass deutsche

Geldhäuser in Haftung genommen

werden, wenn Institute in anderen Mitgliedsländern

in Schieflage geraten oder

besser gesagt kurz vor der Pleite stehen.

Bei Lichte betrachtet haben heute bereits

zahlreiche Banken in Südeuropa enorme

Probleme und stehen de facto kurz vor

der Insolvenz. Ohne die massive Intervention

der EZB in Form von Anleiheaufkäufen

durch das Aufkaufprogramm PSPP

wäre bei ebendiesen Banken in Südeuropa

bereits längst das Licht ausgegangen.

Blanker Unfug und nicht realisierbar

Gegenwärtig sind laut EU-Regeln alle

Bankguthaben bis zu 100.000 Euro gesetzlich

garantiert. Sollte es zu einem

Kollaps einer großen Bank in Europa

kommen, wird man zügig feststellen, dass

dies blanker Unfug und nicht realisierbar

ist. Dementsprechend regt sich Wider-

Bilder: Privat, imago images/Norbert Schmidt

»Es ist zu befürchten, dass dann die Steuerzahler

für die Banken Europas haften müssen, da zahlreiche

Banken in Europa bekanntlich aufgrund

ihrer Größe noch immer systemrelevant sind.«

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 15


Geldpolitik

Bei der Finanzkrise in Griechenland standen im Sommer 2015

die Menschen in Athen vor dem Geldautomaten, um die täglich

rationiere Summe Geld abzuheben.

16

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Bild: imago Images/Florian Schuh

stand. Der Bundesverband der Deutschen

Volksbanken und Raiffeisenbanken warnt

davor, dass Haftung und Risiko bei einer

Zentralisierung des Sparerschutzes weit

auseinanderfielen. In Europa haben sich

mittlerweile marode Kredite von fast 1 Billion

Euro angesammelt. Helmut Schleweis

vom Sparkassenverband DSGV bezeichnet

EDIS sogar als einen »systematischen

Griff in unsere Kassen« – zulasten der

deutschen Sparer.

Das Risiko massiver Bankenkrisen in Südeuropa

bleibt weiter bestehen. In dem

hohen Bestand an Problemdarlehen sieht

auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann

ein gewichtiges Argument gegen

die Einführung von EDIS. Wie gewichtig

sein Wort bei der EZB ist, wird sich zeigen.

Als Mario Draghi im September 2012

den Gläubigerstatus der EZB abschaffte,

wurde Jens Weidmann mit 16 zu

1 Stimmen überstimmt. Seither haftet

nicht mehr die EZB mit ihrem lächerlichen

Stammkapital von knapp

11 Milliarden Euro, sondern es haften

342 Millionen Europäer für eine Notenbankpolitik,

die über Zinsen an der

Nullgrenze zu einer erheblichen Umverteilung

von Kreditgebern zu -nehmern und

von Sparern zu Schuldnern führt.

Die Länder der Eurozone haften mittlerweile

gemeinschaftlich für die Staatsanleihekäufe

der Europäischen Zentralbank.

Hinzu kommen die Anleihen der nationalen

Notenbanken. Verluste nationaler

Notenbanken können laut Artikel 32.4

der Satzung des Europäischen Systems

der Zentralbanken (ESZB) auf das gesamte

Eurosystem umgelegt werden.

Für die Länder Südeuropas wäre es zweifellos

vorteilhaft, wenn ihre nationalen

Einlagensicherungssysteme in Zukunft

mit denen der stabileren nordeuropäischen

Euro-Länder im Rahmen von EDIS

zwangsfusioniert würden. Somit würden

ihnen wesentlich mehr Mittel für die Sicherung

der Einlagen ihrer Banken zur

Verfügung stehen.

Anreiz zur Nichtvorsorge

Aufgrund der unterschiedlichen Stabilität

der Bankensysteme würde EDIS auf

eine massive Umverteilung innerhalb der

Eurozone hinauslaufen: Die stabileren

Bankensysteme Nordeuropas müssten

für die schwächeren Südeuropas zahlen.

Vermutlich würde dies Anteilseigner, aber

auch Bankkunden treffen. Obendrein

würde EDIS Fehlanreize nach sich ziehen.

Geldpolitik

Kunden würden sich voraussichtlich Banken

mit riskanteren Geschäftsmodellen

aussuchen, die höhere Zinsen abwerfen,

da diese durch EDIS abgesichert sind.

Ferner ist fraglich, ob mit EDIS tatsächlich

insbesondere in Südeuropa eine starke

Bankenregulierung stattfinden wird. Wir

bezweifeln das. Mit EDIS lohnt sich die

Vorsorge über die freiwilligen Sicherungseinrichtungen

der Sparkassen, Volksbanken

und privaten Banken nicht mehr. Dies

bedeutet, eine Bank, die zusätzlich aus

Eigeninitiative vorsorgt, ist die Gelackmeierte.

Denn solche Banken müssen zuerst

diese Mittel verbrauchen, während diejenigen

Banken, die selbst nicht vorsorgen,

sofort auf die Mittel von EDIS zugreifen

können. Die Konsequenz ist, dass ohne

Mit EDIS lohnt sich die

Vorsorge über die frei willigen

Sicherungseinrichtungen der

Sparkassen, Volksbanken und

privaten Banken nicht mehr.

die freiwilligen Sicherungseinrichtungen

der Banken alle Einlagen über 100.000

Euro nicht mehr geschützt sind.

Laut einer Studie des Kölner Instituts der

deutschen Wirtschaft (IW) könnte die

EU-Einlagensicherung die Gefahren in

der Eurozone durch faule Bankkredite

nur schwer auffangen. Weiterhin bestehen

signifikante Risiken in den Bilanzen

systemrelevanter Geldhäuser des Währungsraumes.

Seltsamerweise unterstützen CDU/CSU,

SPD, Grüne und FDP EDIS im Europaparlament.

Wir stellen uns die Frage: Wen und

welche Interessen vertreten diese Parteien

in Brüssel? Die des deutschen Sparers können

es unserer Ansicht nach keinesfalls

sein. EDIS wird nicht zur Gesundung Europas

beitragen, sondern lediglich das Scheitern

auf Kosten der Bürger hinauszögern.

Wir gehen davon aus, dass EDIS kommen

wird, auch wenn Frau Merkel aktuell noch

dagegen ist. Eines sollte aber jedem Leser

klar sein: Wenn die europäische Einlagensicherung

implementiert wird, ist absolute

Gefahr im Verzug und unserer Ansicht

nach kann man dann die Uhr danach

stellen, bis die erste südeuropäische Bank

kippt und gerettet werden muss. Spätestens

dann sollte man sich überlegen, wie

viel Geld man auf dem Konto noch liegen

lassen will.

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 17

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Mit Zitronen gehandelt?

Selbstverständlich!

AgriTerra steigt groß in den Limetten-, Zitronenund

Mandarinenanbau ein

Bild: Depositphotos/jag_cz/inaquim

Die Münchner Agri Terra Gruppe

steht seit vielen Jahren für nachhaltige

Agrar-Investitionen in Paraguay. Inbesondere

mit Orangenplantagen, an denen

sich auch externe Investoren beteiligen

konnten, ist das Unternehmen bekannt

und für Anleger interessant geworden.

Zukünftig wird der Familienbetrieb jedoch

nicht nur Orangen anbauen, sondern

auch Mandarinen, Zitronen und Limonen

in das Portfolio aufnehmen. Das

Angebot an Zitrusfrüchten zu erweitern

war schon länger geplant, nun wurde

dieser Schritt in die Tat umgesetzt.

Während gelbe Zitronen von den Küchenchefs

großer Restaurants und Hotels

nachgefragt werden, sind grüne, runde

Limonen und Limetten fester Bestandteil

von Caipirinha & Co. und dürfen auch

bei keinem Grillfest fehlen. Die Nachfrage

ist riesig, die heimische Produktion

kann kaum Schritt halten.

Der Verzehr von Mandarinen wird bei der

Bevölkerung in Paraguay immer beliebter

und stellt bereits eine echte Alternative

zur Orange dar. Ein überraschend großer

Anteil des nationalen Konsums muss aus

den Nachbarländern importiert werden,

was die Früchte durch hohe Transportkosten

und Einfuhrzölle ungemein verteuert.

Agri Terra setzt auf lokale Produktion

für den nationalen Markt. Insbesondere

Super märkte, aber auch einige Safther-

Limetten gehören weltweit

in jede Bar, seit der

Caipirinha seinen Siegeszug

angetreten hat.

Zitronen und Zitronensaft

gehören nach wie vor zu

den Grundzutaten in der

Küche. Zitronensaft ist einer

der Grundstoffe in der

Getränkeherstellung. In

den letzten Jahren wurde

stark steigender Bedarf

an beiden Citrusfrüchten

bemerkbar.

18

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Anzeige Investment

Mandarinen erfeuen

sich in Paraguay so

großer Beliebtheit,

dass sie teuer aus

den Nachbarländern

importiert werden

müssen. Die besten

Voraussetzungen, um

sie lukrativ in Paraguay

anzubauen und zu

vertreiben.

steller stehen auf der Kundenliste und

werden bereits laufend beliefert.

Auf der inzwischen bereits dritten Zitrusplantage

werden neben Orangen

nun auch Mandarinen-, Limonen-

und Zitronenbäume zu finden

sein. Mit anfangs nur 50

Hektar (dies entspricht einer

halben Million Quadratmeter)

und ca. 30.000 Bäumen

startet der neue Zweig des

Unternehmens im November

2018, parallel dazu werden

auf der gleichen Anlage auf

über 100 Hektar (eine Millionen

Quadratmetern) ca. 70.000

Orangenbäume gepflanzt.

Das Interesse von Anlegern am

lukrativen Anbau von Zitrusfrüchten

ist in den vergangenen Jahren immer

stärker geworden. Entsprechend bereitet

man im Hause Agri Terra derzeit auch

Gutes Umweltgewissen

und dabei hohe Erträge –

so geht Agrar-Investment!

ein Angebot für Mandarinen, Limonen

und Zitronen vor, welches einem kleinen

Kreis von Investoren zugänglich gemacht

werden wird.

Werben will Agri Terra für dieses Angebot

nicht – man hält die Nachfrage auch

so bereits für groß genug.

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 19


Gold

Ray Dalio, Großinvestor aus

den USA, betont immer

wieder, wie wichtig die Absicherung

durch physisches

Gold im Portfolio ist.

Gold im

steilen Aufwind

Gold erfreute sich im Laufe 2019

steigender Beliebtheit

20

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Gold

Bild: Imagoimages/VCG, Depositphotos/Shenki

Zum Jahreswechsel

wollen wir uns ansehen,

was 2019 auf

dem Goldmarkt los war und

wie sich die Entwicklung im Kontext

der letzten Jahre darstellt. Insgesamt

konnte nach jahrelangem Anstieg dieses

Jahr der Preis zwischen 1600 und 1700

Dollar pro Feinunze auf hohem Niveau

einpendeln. Das hat mehrere Gründe.

Notenbanken stocken Reserven auf

Die Zentralbanken griffen in großem

Umfang zu und kauften 534,6 Tonnen

Gold, im Vorjahr waren es noch 456,8

Tonnen. Noch Anfang der Achtziger

Jahre hielten die Notenbanken etwa 60

Prozent Gold-Reserven, dann fing der

große, schrittweise Verkauf an. Nachdem

dieser Trend fast 20 Jahre anhielt, hatten

die Zentralbanken 2016 grade noch 12

Prozent Gold-Reserven. Doch nun dreht

sich der Wind. Derzeit gehen immer mehr

Notenbanken, gerade in den Schwellenländern,

dazu über,

sich mit Gold gegen

die Schwankungen

von Yen, US-Dollar

und Euro abzusichern.

Kein Wunder, angesichts

der anhaltend

»Aus diesem Grund

glaube ich, dass es

sowohl Risiko reduzierend

als auch Rendite

steigernd wäre, wenn

man mehr Gold ins

Portfolio nimmt.«

lockeren Geldpolitik

der Europäischen

und Amerikanischen

Notenbanken. Dazu

kommt das wachsende Volumen negativer

Anleiherenditen.

Auch China kauft in den letzten Jahren

Gold in großem Stil und versucht, fleißig

in den afrikanischen Ländern mit Goldvorkommen

in der Förderung des Edelmetalls

kräftig mitzumischen. Damit will

China die bisherigen etwa drei Prozent

der Währungsreserven signifikant aufstocken.

Auch Russland kauft derzeit ungewöhnlich

große Mengen des Edelmetalls

an, um die Währungsreserven von bisher

19 Prozent weiter anzuheben. Deutschland

steht im

Vergleich mit 70

Prozent gut da.

Gold bleibt Absicherung Nr. 1

Im Zusammenhang mit der wirtschaftsund

geopolitischen Lage sagte Starinvestor

Ray Dalio Mitte 2019: „Aus diesem

Grund glaube ich, dass es sowohl Risiko

reduzierend als auch Rendite steigernd

wäre, wenn man mehr Gold ins Portfolio

nimmt“. Auch Dalio stockte seine Vorräte

auf. Insgesamt meldete er der US-Börsenaufsicht

SEC Anteile im SPDR Gold Trust

und im iShares Gold Trust im Wert von

rund 650 Millionen Dollar. Ähnlich hielten

es etliche Vermögensverwalter und Finanzinvestoren

rund um den Globus, hier

insbesondere aus Großbritannien

und Europa.

Trieb die einen die Brexit-Angst,

reagierten die

anderen auf die Negativzinsen.

Tatsächlich waren

physisch gedeckte

Gold-Indexfonds nach

den Zentralbanken die

Hauptinteressenten für

das gelbe Metall. Allein

in den ersten beiden Quartalen wuchs

die Gold-ETF verwaltete Goldmenge von

67 auf 2548 Tonnen. Das hat den Hintergrund,

dass alle Anteile solcher ETFs

vom Indexanbieter mit physischem Gold

im Tresor hinterlegt werden müssen. Der

allgemeine Konsens lautet, auch wenn

es keine Zinsen auf Gold gibt, hat es sich

trotzdem seit den Römern als wertstabil

über alle Umbrüche und Turbulenzen hinweg

bewiesen. Und je mehr Bocksprünge

die Weltlage macht, je teurer lässt es sich

verkaufen.

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SACHWERT MAGAZIN 1/2020 21


Immobilien

Gerald Hörhan gehört zu den wohl

bekanntesten Immobilieninvestoren

im deutschsprachigen Raum.

22

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Immobilien

Immobilien im stabilen

Aufwärtstrend

Niedrigzinsen und Landflucht heizen den Markt

für Immobilien und Neubauten an

Bild: Imago Images/Sven Simon

Die Entwicklung bei den Immobilien

2019 lässt sich auf einen kurzen Nenner

bringen: Die Preise steigen kontinuierlich

weiter an. Sehen wir hier eine sich

aufblähende Immobilienblase? Wohl

eher nicht, denn eine Entkoppelung

der Preise vom eigentlichen Immobilienwert

ist nicht abzusehen. Dafür sorgen

schon allein die Banken, die sehr

genau hinsehen, für welche Projekte sie

in Finanzierung gehen und ob der Kunde

seinen Kredit wohl auch bedienen

können wird. Noch immer gilt, dass bei

deutschen Immobilienkrediten etwa 80

Prozent des Kaufpreises über die Bank

finanziert werden, während 20 Prozent

aus Eigenkapital stammen – und zwar

trotz steigender Immobilienpreise in

den letzten Jahren gleichbleibend. Außerdem

können sich Häuslebauer und

Immobilieninvestoren weiter über Kredite

auf niedrigstem Zinsniveau freuen.

2017 lag der durchschnittliche Zins bei

1,68 Prozent für Darlehen mit fünf bis

zehn Jahren Laufzeit. Kein Wunder, dass

trotz steigender Immobilienpreise fleißig

in Immobilien investiert wird.

Diese Preisanstiege sind auf dem platten

Land oft nicht durch Infrastrukturelle

Vorteile oder Arbeitsplatzangebote zu

rechtfertigen, in den Großstädten, die

von jeher ein kostspieliges Pflaster waren,

jedoch durchaus. Die von den Experten

erhoffte Beruhigung, fand nicht

statt. Im Gegenteil: Mitte des Jahres

lag der Preisanstieg bei rund 8 Prozent

für Immobilien, Eigentumswohnungen

konnten 10 bis 15 Prozent Preissteigerung

verzeichnen und Baugrund war

für elf Prozent mehr als im Vorjahr zu

haben.

»Die meisten

vermögenden

Personen haben

entweder ihr Geld

mit Immobilien

verdient, oder

sie besitzen

Immobilien«

Gerald Hörhan, Immobilieninvestor

Preisentwicklung ab 2020

Bis Ende 2020 sind Preissteigerungen

um bis zu 28 Prozent möglich, prognostizieren

die Experten von Immowelt.de

für Metropolen wie Berlin und München.

Für B-Städte wie Nürnberg wird

ein Anstieg um 26 Prozent und für Hannover

25 Prozent erwartet. Das hieße in

Zahlen in Berlin einen Quadratmeterpreis

von etwa 4.300 Euro. Zum Vergleich:

noch 2010 waren es 1570 Euro

zu derzeit durchschnittlich 3.460 Euro,

die für den Quadratmeter zu berappen

sind. Eine Studie der Uni Freiburg geht

davon aus, dass bis auf einzelne Regionen,

besonders in Ostdeutschland, die

Preise überall bis 2030 steigen werden.

Abgehängte Regionen

Für Uckermark, den Süden Niedersachsen,

Saale oder den Süden Sachsens

sind sogar durch Landflucht verursachte

Preisabfälle abzusehen. Wobei die Leute,

die dort wegziehen, dafür andernorts

die Nachfrage und damit auch die

Preise nach oben treiben werden. In den

Großstädten werden die Preise nur dann

gleichbleiben oder sinken, wenn sich

dort das Wohnraumangebot gegenüber

der Nachfrage durch Zuzug ausgleicht.

Doch das ist beim derzeitigen Zuzug

durch europäischstämmige Fachkräfte

und Studien- und Berufsanfängern bis

Mitte 20 nicht zu erwarten. Sollten die

Preise wieder zurückgehen, dann dort,

wo sie zuletzt zugelegt haben, also

nicht in den Hotspots, sondern in den

unter der Abwanderung leidenden ländlichen

Regionen und Kleinstädten.

An diesen Indikatoren wird sich für den

aufmerksamen Beobachter zeitig das

Ende des Booms absehen lassen.

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 23


Wissen

Der Ökonom Irving Fisher 1927. Noch

heute sind seine Bücher fundamentale

Lehrwerke der Ökonomie.

24

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Wissen

Vom Tanz auf der

Spekulationsblase

Auch die schlauesten Köpfe fallen manchmal

auf ihr Wunschdenken herein

Auszug aus dem Buch „Die Wohlstandsvernichter“

von Claus Vogt und Roland Leuschel

Bild: wikimedia/George Grantham Bain collection at the Library of Congress, Imago images/Christian Ohde

Immer wieder kommt es zu epochalen

Spekulationsblasen, so auch jetzt

»Aktien befinden sich auf einem dauerhaft

hohen Plateau«, sprach der US-amerikanische

Ökonom Irving Fisher (1867–1947)

unmittelbar vor dem großen Börsenkrach

des Jahres 1929. Fisher gehört zweifelsohne

zu den ganz Großen seiner Zunft.

Er lieferte gleich mehrere bahnbrechende

Beiträge zur Entwicklung der Volkswirtschaftslehre,

darunter die berühmte

Quantitätsgleichung des Geldes, die sich

in jedem Lehrbuch der Volkswirtschaft

befindet. Bereits mit 31 Jahren wurde er

zum Professor in Yale berufen.

Darüber hinaus war Fisher ein sehr erfolgreicher

Erfinder. Der Verkauf des von ihm

entwickelten Archivierungssystems für Visitenkarten,

das bis heute unter dem Markennamen

Rodolex bekannt ist, machte

ihn 1925 zum Multimillionär.

Doch damit nicht genug. In den

1920er-Jahren wurde Fisher als Aktienmarkt-Experte

nicht zuletzt durch öffentliche

Auftritte im damals noch jungen

Medium Radio zum ersten Publikumsstar

unter den Ökonomen. Er wurde zu

einem wichtigen Antreiber der maßlosen

Euphorie, die damals an den Aktienmärkten

ausgebrochen war. Solange die Kurse

stiegen, war seine Stellung als Liebling der

Massen unangefochten.

Der große Irving Fisher erlag der

Euphorie am Aktienmarkt

Trotz seines offensichtlich brillanten Intellekts

gelang es Irving Fisher jedoch nicht,

die riesige Spekulationsblase an den Aktienmärkten

und die von ihr ausgehenden

»Aktien befinden sich

auf einem dauerhaft

hohen Plateau«

Iriving Fisher, 21.10.1929

Gefahren für das Finanzsystem

und für die

Weltwirtschaft zu erkennen.

So ließ er sich

am 21. Oktober 1929

zu einem Kommentar

hinreißen, der sein

erfolgsverwöhntes

Leben verändern

sollte und ihn unter

Börsianern unsterblich

machte:

»Stock prices have reached what looks

like a permanently high plateau.« (Die

Aktienkurse haben, wie es aussieht, ein

dauerhaft hohes Niveau erreicht.)

Das Timing dieser Fehleinschätzung hätte

im Nachhinein betrachtet kaum unglücklicher

gewählt sein können. Obwohl der

Dow Jones Industrial Average von seinem

am 1. September 1929 erreichten

Hoch von 386 Punkten bereits um 12

Prozent gefallen war, befand er sich am

21. Oktober erst am Beginn des spektakulärsten

Aktiencrashs aller Zeiten. In den

folgenden sieben Börsentagen stürzte der

Index von 340 auf 212 Punkte ab, ein

Kursrückgang um weitere 38 Prozent.

Von seinem Hoch aus gerechnet, hatte

der Dow Jones Industrial Average statt

eines dauerhaft hohen Niveaus also einen

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 25


Wissen

Claus Vogt ist Finanz analyst und Autor des Börsenbriefs

„Krisen sicher investieren“. Den von ihm

entwickelten Gold-Preisbänder- Indikator nutzt er für

Prognosen für die Investition vor allem im Gold- und

Edelmetallsektor. Nun hat er in Zusammenarbeit

mit Roland Leuschel das Buch „Die Wohlstandsvernichter“

geschrieben.

Kursrückgang von 45 Prozent erlitten.

Wie wir heute wissen, war dieser heftige

Kurseinbruch sogar nur der Auftakt zu

weiteren herben Verlusten. Er markierte

zugleich den Beginn der Weltwirtschaftskrise.

Am Tiefpunkt dieser Baisse, der im

Juli 1932 erreicht wurde, notierte der Index

bei 41 Punkten. Der gesamte Kursrückgang

belief sich somit auf 89 Prozent.

Bezogen auf den Höchstkurs von rund

13.600 Punkten, den der DAX im Jahr

2018 erreicht hat, entspräche das einem

Kursrückgang auf rund 1500 Punkte.

Unwahrscheinlich? Ja. Ausgeschlossen?

Natürlich nicht. Das gilt umso mehr, als

die fundamentale Überbewertung der

US-amerikanischen Weltleitbörse aktuell

ähnlich groß ist wie 1929. Darauf werden

wir später noch zu sprechen kommen.

Fisher im Sog der Weltwirtschaftskrise

Auch nach dem Crash von 1929 blieb

»Die fundamentale

Überbewertung der

US-amerikanischen

Weltleitbörse ist

aktuell ähnlich groß

wie 1929.«

Irving Fisher ausgesprochen bullish. Er

prognostizierte eine schnelle Erholung

der Kurse und der Konjunktur. Interessanterweise

verlor er auf diese Weise nicht

nur einen großen Teil seines Vermögens

und seines Rufs als Aktienmarkt-Experte,

sondern völlig zu Unrecht auch seine

Reputation als brillanter Ökonom. Seine

Zeitgenossen waren offenbar nicht in der

Lage, zwischen den hervorragenden ökonomischen

Beiträgen Fishers und seiner

desaströsen Fehleinschätzung der Aktienmärkte

und der Wirtschaftslage zu unterscheiden.

Das sollte sich erst nach seinem Tod im

Jahr 1947 langsam wieder ändern. So

bezeichnete ihn Josef Schumpeter in seinem

1951 erschienenen Buch »Ten Great

Economists from Marx to Keynes« als den

größten Ökonomen, den die USA jemals

hervorgebracht hätten. Dieser Einschätzung

schlossen sich später auch andere

Bild: Vogt, Imago images/Richard Warham

26

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Wissen

Größen der Zunft an, darunter Milton

Friedman. In dem ansonsten sehr empfehlenswerten

Buch »Große Ökonomen

und ihre Theorien«, das 2007 erschien,

war für Irving Fisher zu unserem Bedauern

noch immer kein Platz.

Auch andere große Denker tappten in

die Falle

Für Sie als Börsianer sind die Erfahrungen

und Fehleinschätzungen Fishers nicht nur

deshalb so interessant und lehrreich, weil

sie typisch sind für alle weiteren Spekulationsblasen.

Darüber hinaus zeigt dieses

Beispiel auch, dass selbst große Denker

und Koryphäen vom Format eines Irving

Fisher nicht vor massenpsychologischen

Verblendungen gefeit sind.

So tappte auch der weltberühmte englische

Physiker, Mathematiker, Astronom,

und Philosoph Isaac Newton in die gleiche

Falle. Auch dieser geniale Denker,

der mit seinen bahnbrechenden Lehren

das moderne Zeitalter der Physik und der

klassischen Mechanik begründete, wurde

Opfer einer massenpsychologischen

Verblendung, die als Südseeblase in die

Finanzgeschichte eingegangen

ist. Im Zentrum dieser Spekulationsblase

stand die englische South Sea

Company, die von der Regierung das

Monopol für den gesamten Südseehandel

erhalten hatte und im Gegenzug in

mehreren Schritten die englischen Kriegsschulden

übernahm.

Das Unternehmen versuchte sich zunächst

in der Verschiffung von Sklaven

von Afrika nach Lateinamerika, erwirtschaftete

damit aber kaum Gewinne.

Auch war es jahrelang nicht in der Lage,

einen profitablen Südseehandel zu etablieren,

obwohl der Welthandel florierte.

Genau genommen handelte es sich bei

der South Sea Company nur um eine leere

Hülle. Das Unternehmen erhielt Zinsen

vom englischen Staat und schüttete diese

als Dividenden aus.

Doch dann schmiedete John Blunt, der

Direktor des Unternehmens, einen perfiden

Plan: Er beschloss, die Gunst der

Stunde zu nutzen, da in London ein gewisses

Spekulationsfieber ausgebrochen

war, und den Kurs der Aktie

nach oben zu treiben. Er versprach das

Blaue vom Himmel herunter, schwärmte

von sagenhaften Geschäftsmöglichkeiten

in Südamerika und von Gold- und Silberschätzen,

die angeblich nur darauf warteten,

von seiner Gesellschaft gehoben

zu werden. Tatsächlich gelang es ihm

mit diesen Lügen, die Gier der Anleger

zu wecken. Sie begannen damit, den Aktienkurs

durch ihre verstärkte Nachfrage

anzufeuern.

Auch Sir Isaak Newton ließ

sich von dem Werben der

South Sea Company täuschen.

So mutet es schon fast

ein wenig ironisch an, dass

sein Konterfei von 1978 bis

1988 die Britische Ein-Pfund-

Note zierte.

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 27


Geldpolitik

Wie der Bürger für die Geldund

Finanzsysteme bürgt

Das sollten Sie wissen, wenn Sie Banken und

Versicherungen Ihr Vermögen anvertrauen

Die Verbraucher und Sparer werden

heute und auch zukünftig emotional regelrecht

durchgeschüttelt und durchgerührt,

wenn es um die klassischen Geldanlage-

und Sparformen geht. Es wird

Zeit in einem Artikel auf die Notausgänge

und Fluchtwege der systemrelevanten

Institutionen wie Banken, Investmenthäuser

und Lebensversicherer konkret

hinzuweisen. Ausnahmslos alle Informationen

sind überprüfbar und einfach

zu recherchieren. Ein Leitfaden für alle,

die nun noch kritischer über den Mainstream

nachdenken und für sich mögliche

Lösungen ableiten.

Strafzinsen

Die Deutsche Skatbank schrieb eine unrühmliche

Geschichte. Diese kleine Bank

erhob als erstes deutsches Institut einen

Strafzins aufs Tagesgeldkonto im Jahr

2014. Damals wurde die Nachricht überwiegend

belächelt und abgetan, mit den

Worten: „das wäre eine Ausnahme“. Aktuell

haben wir ca. 130 Banken, die in unterschiedlichen

Eurogrößen, also bereits

Guthaben ab 100.000 € oder erst ab ein

oder zwei Mio. Euro diesen Strafzins von

0,4 % oder bereits 0,5 % erheben, beziehungsweise

auch. Der Optimist meint:

„Der Normalsparer wird davon nicht betroffen

sein.“ Der Klardenker sagt: „Es ist

erst der Anfang, die Eurohürden werden

zukünftig weiter nach Unten geschraubt.“

Somit werden immer mehr Menschen

und Kontoinhaber betroffen sein.

Aufkündigung von lukrativen Sparformen

In der jüngsten Vergangenheit haben diverse

Bausparkassen und erste Sparkassen

sich richtige Freunde gemacht. Sogenannte

„Altverträge“ mit hohen Garantiezinsen

versehen, werden nun einseitig von

diesen vermeintlich verbraucherfreundlichen

Institutionen gekündigt. Damals

mit hohen Zinsversprechungen in die heiligen

Hallen gelockt, heute zehntausende

von Kunden rausgeworfen! Diesen Verbrauchern

kann man nur raten, ein konsequentes

Handeln durchzuführen.

Bargeldverbot

Politik wie Hochfinanz arbeiten mit Hochdruck

daran, das Bargeld sukzessive

und zügig der Höhe nach zu reduzieren

und am Ende gänzlich abzuschaffen.

Terror finanzierung, Schwarzgeld und

Falschgeld umlauf sind die offensichtlichen

Themen der Medien bziehungsweise der

bestimmenden Institutionen. Ja, sicherlich

kann man diese Punkte so vertreten. Die

konsequente Bargeldreduk tion wird bereits

in Ländern wie Schweden und Italien

„probeweise“ umgesetzt. Nur kleinere

Zahlungen sind noch mit Bargeld möglich,

die Plastikkarte oder das Smartphone sind

voll adaptiert. Die großen Euroscheine

werden im Eurozahlungsraum entzogen,

also 200er und 500er Scheine. Nun mal

angenommen, die echten Gründe für das

Bargeldverbot liegen ganz woanders?

Beispiel: Es soll der Mensch (siehe China!)

komplett durchleuchtet werden, sämtliche

Kaufverhalten werden somit sauber

in Echtzeit dokumentiert. Banken, Onlinekaufhäuser

wissen exakt wann, wo und

Thomas Hennings ist Experte

für Sachwertlösungen und

Makroökonomie. Er ist Inhaber

des Sachwert-Center Bremen.

was Sie einkaufen. Ferner kommt hinzu,

dass durch die Negativzinsen der Zentralbanken

die Verbraucher ja regelrecht

„gezwungen“ werden würden, das Geld

vom Konto abzuheben und lieber als Bargeld

unter das Kopfkissen zu legen. Auch

wenn es zwar keine Zinsen dafür gäbe,

gäbe es aber halt auch keine Strafzinsen.

Es gibt, egal wo auf dem Erdball, nicht ansatzweise

genügend Bargeld, wenn Großteile

von Vermögen abgehoben werden

würden. Somit ist es besser, es gleich zu

verbieten. In dieser Welt wird das Bargeld

immer mehr zum Feind der Notenbanken

und Regierungen. Es ist eine Gefahr für

die Politik negativer Zinsen. Es gilt darüber

mal genauer nachzudenken.

Einlagensicherung

„Unsere Einlagen sind sicher“, so lautet

damals in 2008 zu den Tagesschauzeiten

die Aussagen von Frau Merkel und Herrn

Steinbrück. Es ging damals darum den

„Bankenrun“ und das Abheben von Bargeld

zu verhindern. Herr Steinbrück gab in

einer Dokumentation wenige Jahre später

zu, politisch gar nicht legitimiert gewesen

zu sein, aber es war wichtig, es damals

genau so vor der Kamera mit der Kanzlerin

durchzuführen. Ein Wahnsinn, das Interview

ist für jeden Menschen im Internet

anschaubar.

Einlagensicherungsmodelle

Es heißt: „Das Geld der Kunden ist bei

den Banken in Deutschland im weltweiten

Vergleich sehr gut abgesichert. Falls

eine Bank nicht in der Lage ist, Kundeneinlagen

zurückzuzahlen, sind diese bis

zu 100.000 € durch die gesetzliche und

darüber hinaus bis zur jeweiligen Sicherungsgrenze

durch die freiwillige Einlagensicherung

geschützt. Bei den Millionen

von Konten, wer bitte soll diese Summen

bezahlen, wenn die Systembanken fallen?

Interessantes auch zum Rechtsanspruch

zur Einlagensicherung: „Auf die Leistun-

Bild: Imago images/ZUMA Press, Hennings

28

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


Gelpolitik

»Unsere Einlagen sind sicher«

Angela Merkel und Peer Steinbrück

gen eines freiwilligen Einlagensicherungsfonds

gibt es für den Kunden keinen unmittelbaren

Rechtsanspruch gegen den

Fonds seines Geldinstituts. Der Fonds dient

der Stabilisierung der ihm jeweils angeschlossenen

Institute im Krisenfall. Bei einer

allumfassenden Bankenkrise ist eine

ausreichende Leistung nicht garantiert.“

Das SAG-Gesetz

Nahezu kaum jemand in der Finanzbranche

und als Verbraucher

hat jemals von diesem einschneidenden

Gesetz aus

Dezember 2014 gehört

oder gelesen. Das SAG

besagt, dass eine neue

„Bankennotrettungsinstitution“

anordnen kann,

sofern eine systemrelevante Bank eine

Insolvenz droht, die Bank nun Kundengelder

einziehen oder in Aktien der Bank

zu einem von ihr festgelegten Nennwert

umwandeln darf und zwar kraft dieses

Gesetzes! Interessanterweise wurde in

§ 5 SAG festgehalten, dass alle Funktionsträger

über das nach dem SAG ablaufende

Verfahren Stillschweigen zu wahren

haben. Wer ist seit 2014 betroffen? Alle

Privatkunden und Firmenkunden, die Einlagen

ab 100.000 € bei einer systemrelevanten

Bank führen. Die Einlagen können

sich aus verschiedenen Bereichen zusammensetzen.

Die Summe aller Positionen

ergeben die exakte Einlage, welche, wenn

diese 100.000 € überschreitet, nun unter

»In dieser Welt wird das Bargeld immer

mehr zum Feind der Notenbanken und

Regierungen. Es ist eine Gefahr für die

Politik negativer Zinsen.«

das SAG fallen. Das sind das Sparbuch,

Festgeld, Tagesgeld, Giroguthaben, Sparverträge,

Namensschuldverschreibungen

und auch die Liquidität aus Wertpapierdepots.

Das SAG Gesetz erlaubt es nunmehr

alle Konten und Sparvarianten bei

insolvenzbedrohten Banken zu „konfiszieren“,

auch wenn sogar die Durchschnittshöhe

im Jahr oberhalb von 100.000 €

lagen oder diese Gesamtsumme eines Familienstammes

(bitte vergegenwärtigen!)

bei einer gemeinsame Bank die genannte

Summe überschreitet.

Der Sparer oder vielmehr der Bürger bürgt

wieder einmal mit großen Teilen (oder der

Gesamtheit) seines Vermögens. Die Politik

und die Finanzinstitutionen haben wieder

einmal die Regeln aufgestellt

und gesetzliche Hintertüren

geschaffen, wenn

Banken sich „verspielen“.

Es gilt sich stets auch selber

zu informieren, seine

Finanz- und Altersversorgungsprodukte

komplett zu

überprüfen und dann überlegt zu handeln.

Wie wird der Sparer und Verbraucher mit

unterschiedlichen Szenarien bezüglich

seiner Geldanlagen konfrontiert. Einerseits

sollen Vorkehrungen für das Sparen,

insbesondere für das Alter vollzogen

SACHWERT MAGAZIN 1/2020 29


Investment

werden, andererseits sind die Ergebnisse

bei herkömmlichen Geldanlageprodukte

schauerlich bis zu katastrophal. Nun

sparen über 80 % der Verbraucher auch

noch in konventionelle Bank- oder Versicherungsprodukte,

die nun auch nachweislich

keine oder nur geringste Renditen

erwirtschaften. Wir erlauben uns auf

diese Mainstreamprodukte auch in die

Tiefe näher einzugehen. Es wirkt wie eine

Geisterbahnfahrt, aber der Gesetzgeber

hat sämtliche Vorkehrungen getroffen,

falls es wieder zu Erdbeben in der Finanzbranche

kommen sollte und davon sind

wir erneut nicht weit entfernt.

und viele dürften glauben, davon nicht

betroffen zu sein - wer besitzt schon direkt

Staatsanleihen. Es kann aber praktisch

tatsächlich jeden treffen. In jeder Lebensversicherung

und in jedem privaten

Rentensparvertrag sind solche Papiere

enthalten. Und mit der Klausel können

die Staaten zukünftig die Rückzahlung

von Schulden verweigern, selbst wenn

der einzelne Sparer dem nicht zustimmt.

Damit kann es wiederum doch jeden Sparer

in Deutschland treffen. § 314 VAG

(vormals § 89). Der Gesetzgeber weiß

systemrelevante Institutionen zu schützen,

sicherlich ist es auch die Aufgabe so

Große Scheine

über 200 und

500 € werden

aus dem Umlauf

gezogen –

angeblich als

Maßnahme zur

Bekämpfung

der Finanzierung

von Terror und

Verbrechen.

etwas zu tun. Nur wenn die eigene private

oder betriebliche Altersversorgung

daran hängt, sollte man mehrfach überlegen,

solche Verträge fortzuführen. Was

besagt dieser Paragraf? Er besagt, wenn

Versicherungsunternehmen „echte Finanznot“

erleiden, Leistungen komplett

verweigert, herabgesenkt werden und

auch vorzeitige Auszahlungen bei Kündigungen

verweigert werden dürfen.

Dazu besteht aber die Verpflichtung der

Weiterzahlung durch den Versicherungsnehmer!

Somit hängt ein Kunde so einer

Versicherungsgesellschaft komplett am

Tropf des Versicherers und des Gesetzgebers.

Dafür hat man dann mitunter Jahrzehnte

gespart? Die ersten Gesellschaften

haben diesen Paragrafen bereits „gezogen“,

also umsetzen müssen. Weitere

werden folgen, das steht bereits fest. § 98

KAGB: Dieser Paragraf aus dem Kapitalanlagegesetzbuch

ist wenigen Menschen

bekannt. Er besagt, dass Kapitalverwaltungsgesellschaften

die Rücknahem von

Fondsanteilen verweigern beziehungsweise

aussetzen darf, wenn außergewöhnliche

Umstände vorliegen. Natürlich

muss so etwas öffentlich bekannt gegeben

werden usw., aber es handelt sich

hierbei ganz klar um den „Notausgang“

für Beteiligungsunternehmen (AIF-Fonds)

und von Investmentfondsgesellschaften,

wenn diese Not leiden oder sich dramatisch

verspekuliert haben, auf Kosten der

Anleger und Kunden. Welche weiteren

Einflüsse haben wir, wenn jemand sparen,

Investieren oder Geld anlegen möchte?

Inflation: Wir haben einerseits eine

Inflation, somit die Entwertung der Kaufkraft.

Insbesondere bei mündelsicheren

Anlageprodukten oder sogenannten

Geldwerten wirkt sich der Kaufkraftverlust

auf eine zeitliche Betrachtung extrem

aus. Selbst geringste Annahmen von nur

1 % oder 2 % Inflation bedeuten im Umkehrschluss,

dass man als Sparer Wertzuwächse

in gleicher Höhe benötigt, alleine

nur um die Kauftraft zu erhalten. Ein

Gewinn oder eine Steigerung ist hierbei

noch nicht einmal erreicht.

Demografischer Wandel

Der demografische Wandel muss insbesondere

bei zukünftigen Leistungsempfängern

der gesetzlichen Rentenversicherung

zum Umdenken führen, da immer

mehr jüngere Menschen immer mehr

ältere Menschen „versorgen“ müssen.

Wer zukünftig alleine nur auf die gesetzliche

Rentenversorgung hofft oder baut,

wird wie Millionen anderer Menschen, in

Altersarmut leben müssen. Das darf kein

Lebensziel sein.

Collective Action Clause

Die kollektive Handlungsklausel besagt,

dass es den Euro-Ländern künftig erlaubt

ist, Schuldenschnitte schneller und einfacher

durchzuführen. Davon könnten

auch Millionen deutsche Sparer betroffen

sein. Es ist quasi ein Angriff auf die

Ersparnisse der Bürger, nach geplantem

Schuldenschnitt und rücksichtsloser Enteignung.

Alle neuen Staatsanleihen der

Euro-Zone enthalten seit 2013 eine solche

Klausel. Das klingt für Laien paradox

Fazit

Als Verbraucher und Sparer gilt es zunächst

kühlen Kopf zu bewahren und

sich Zeit für sein Geld und Vermögensanlagen

zu nehmen. Man sollte sich über

seine Produkte und die gesetzlichen Eingriffsmöglichkeiten

konkrete Gedanken

machen und dann gegebenenfalls Änderungen

vornehmen. Zudem gilt es der

Altersarmut zu entrinnen, sich professionelle

Meinungen und Beratungen einzuholen,

um dann sinnvolle und echte werthaltige

Lösungen für sich umzusetzen.

Bild: Imago images/Photocase

30

SACHWERT MAGAZIN 1/2020


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