Die Ärzte müssen endlich anfangen, außerhalb des Systems zu ...

mediverbund

Die Ärzte müssen endlich anfangen, außerhalb des Systems zu ...

Die Mitgliederzeitschrift von MEDI Deutschland • www.medi-deutschland.de • Jahrgang 6 | Nr. 21 |Juni 2005

Kostenerstattung

Weg von der Bürokratie zu mehr

Planungssicherheit | Seiten 2,7 und 17

Aus dem Inhalt

Die wichtigsten MEDI Verträge

auf einen Blick

Ob nun hausarztzentrierte Versorgung

oder Integrationsverträge –die Vertragslandschaft

wird immer unübersichtlicher.

Deshalb verschafft MEDI seinen Mitgliedern

einen klaren Überblick über alle

Verträge, die der Verbund bisher abgeschlossen

hat. | Seite24

Ärztehäuser – so klappt’s

auch mit dem Berater

Sie haben einen externen Berater gefunden,

der Ihnen bei der Planung Ihres Ärztehauses

hilft? Glückwunsch! Trotzdem

sollten Ärzte aufpassen. Denn das

„Rundum-Sorglos-Paket“ gibt es auch

hier leider noch nicht. Worauf Sie achten

sollten, lesen Sie auf | Seite 16

Betriebsprüfung –das müssen

Ärzte beachten

Wenn sich ein Finanzbeamter ankündigt,

stehen Ärztemeistens vor mehr Fragen als

Antworten: Was darf der eigentlich? Was

ist tabu? Und was muss ich als Arzt tun?

Antworten darauf gibt’s auf | Seite 26

Gute Gründe gegen

den Barmer–Vertrag

Was Barmer Ersatzkasse und Hausärzteverband

ihren Mitgliedern so alles versprechen,

nur um sie zur Teilnahme am

Barmer–Vertrag zu bewegen. Was davon

stimmt nun? Tatsache ist: Nicht alle Barmer–Versicherten

profitieren vom Barmer–Modell

und das goldene 5. Quartal

für die Ärzte bleibt wohl auch aus.

| Seite 22


INHALT

DIALOG

„Weniger Staat bedeutet

mehr fairer Wettbewerb“ Seite 4

Impressum Seite 5

AUS B ADEN-WÜRTTEMBERG

Wo, bitte, geht’s hier zur

gesundheitspolitischen

Perspektive? Seite 6

Nordbaden testet

Kostenerstattung Seite 7

Vergiftetes Verhältnis? Seite 8

Nordwürttemberger Hausarztmodell

kommt gut an Seite 10

AUS R HEINLAND–PFALZ

„Ich kämpfe für eine bessere

Honorarsituation der Ärzte“ Seite 12

AUS M ECKLENBURG-

VORPOMMERN

Barmer–Vertrag führt bei

MEDI nicht zum Zerwürfnis Seite 13

AUS B ERLIN

IV-Verträge: Strapaziöse

Nagelprobe für Ärzte Seite 14

GESUNDHEITSPOLITIK

Das MEDI Positionspapier Seite 17

KV? Nein danke! Seite 18

MEDI und Ärztegenossenschaften

entdecken Gemeinsamkeiten Seite 20

BUSINESS

Erweiterte Prävention als Chance

für mehr Freiberuflichkeit Seite 23

MVZ in der Hand von

Niedergelassenen? Na klar! Seite 25

PRAXISMANAGEMENT

Vertragswirrwarr –

Stress in der Praxis? Seite 28

„Medizinalltag.de“ –

Der Blick hinter die Kulissen Seite 29

PRAXISTEAM

Das Kassieren der Praxisgebühr

ist Teamarbeit! Seite 30

Stichwort: MEDI Verbund Seite 31

Der ärztliche Nachwuchs bleibt aus, weil

unser Beruf immer unattraktiver wird. Vor

allem junge Kollegen wollen das finanzielle

Risiko, das mit einer Niederlassung

verbunden ist, nicht mehr tragen. Das

ambulante System leidet unter zunehmenden

staatlichen Eingriffen in unseren

Praxen, unter einer viel zu geringen Kapitaldecke

für mittelständische Unternehmen,

und wir ertrinken in einer Bürokratie

nie gekannten Ausmaßes.

Insbesondere die Vorstellung, dass

wir in den nächsten Jahren immer mehr

Einzelverträge mit bundesweit 260 Krankenkassen

umsetzen sollen, erscheint

nicht machbar. Der Kassenwettbewerb

spielt sich dann in unseren Praxen ab.

Insofern ist das Sachleistungssystem an

seine Grenzen gestoßen. Zumindest ist

es nicht geeignet, umKassen– und Vertragswettbewerb

so zu gestalten, dass

wir unserePatienten so betreuen können

wie bisher. Deshalb fordert MEDI die

Kostenerstattung: Einerseits, um wieder

mehr Planungssicherheit in der Vergütung

unserer Arbeit zu haben und andererseits,

um wieder mehr auf die Patienten

eingehen zu können, statt bürokratische

Anforderungen der Kassen oder des

Staates zu bedienen.

MEDI fordert aber nicht nur, sondern

handelt auch. Deshalb hat der Erweiterte

Vorstand von MEDI Baden–Württemberg

ein Positionspapier erarbeitet. Es fordert im

Kernpunkt eine Änderung des §13SGBV,

damit auch der Arzt die Kostenerstattung

wählen darf. Der Patient erhält eine Rechnung

und ist „Herr seiner Daten“, während

seine Krankenkasse die Kostenfrage

mit ihm direkt regelt.

Die Kostenerstattung ist europaweit

etabliert und könnte schrittweise und

ohne eine Verschlechterung der Patientenversorgung

auch inDeutschland eingeführt

werden. Sie reduziert Bürokratie

und Doktor–Hopping und das Inkasso

wäre inZeiten der EDV kein Problem. Ob

die KVen unsereInteressen bei der Kostenerstattung

gegenüber den Kassen vertre-

2

EDITORIAL

Warum Ärzte

die Kostenerstattung brauchen

ten können, wird sich an ihren körperschaftlichen

Spielräumen zeigen –die sind

im Augenblick zu gering.

Wir hoffen, dass wir das Thema Kostenerstattung

gemeinsam mit den Genossenschaften

in die innerärztliche Diskussion

aufnehmen können. MEDI zumindest

wird alles tun, um die politisch Verantwortlichen

davon zu überzeugen. Die

Kostenerstattung löst zwar nicht alle

Probleme. Aber wenn alles beim Alten

bleibt, bekommen wir ein staatliches Gesundheitswesen

wie in Großbritannien,

Holland oder Belgien: Ohne niedergelassene

Fachärzte mit Basishausärzten, ergänzt

durch ein “Primary–Nurse–System“.

Wir haben also allen Grund, neue Wege

zu gehen: Wir möchten weniger Bürokratie

und mehr Eigenverantwortung für

alle Beteiligten. Dafür brauchen wir die

Kostenerstattung.

Es grüßt Sie herzlich

Dr. Werner Baumgärtner

Erster Vorsitzender


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MEDITIMES DIALOG

„Weniger Staat bedeutet

mehr fairer Wettbewerb“

Dürfen nach europäischem Recht

Krankenhäuser in Deutschland für ihre

medizinischen Leistungen Zuschüsse

über öffentliche Gelder bekommen,

während die niedergelassenen Ärzte

leer ausgehen? Nein, meint MEDI

Deutschland und will deshalb eine

Beschwerde bei der Europäischen

Kommission in Brüssel einreichen. Die

MEDI Times hat darüber mit dem

Tübinger Arztrechtler Dr.jur. Joachim B.

Steck gesprochen.

MEDITIMES :Verstoßen Subventionen für

Krankenhäuser gegen europäisches

Recht?

Steck : Nach der Rechtsprechung des

Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sind

solche öffentlichen Zuschüsse nur unter

bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Vieles spricht dafür, dass die gängige

Praxis, defizitär arbeitenden Kliniken in

öffentlicher Trägerschaft über Verlustausgleiche

durch allgemeine Haushaltsmittel

unter die Arme zu greifen, gegen Europäisches

Beihilferecht verstößt. Es sind diesbezüglich

auch schon entsprechende Beschwerdeverfahren

bei der Kommission

anhängig. So wie es aussieht, werden

noch weitere folgen. Die letzte Entscheidung

hat hier aber wohl der EuGH.

MEDITIMES : Auf welcher rechtlichen

Grundlage werden die Krankenhäuser in

Deutschland gefördert?

Steck :Das geschieht über die bundesgesetzlichen

Vorgaben des Krankenhausfinanzierungsgesetzes

und die ergänzenden

Landeskrankenhausgesetze. Der tragende

Grundsatz ist dabei das duale

Finanzierungssystem. Das heißt, die

Finanzierungslasten der Krankenhäuser

werden auf mehrere Schultern verteilt.

Etwas vereinfacht dargestellt, werden die

Investitionskosten der Krankenhäuser

von den Ländern nach entsprechenden

Vorgaben durch die öffentliche Hand

gefördert.

Die laufenden Betriebskosten hingegen

werden über die Pflegesätze und

sonstigen Vergütungen, z.B. für vor- und

nachstationäre Behandlungen und für

ambulantes Operieren, finanziert und somit

von den Krankenhausbenutzern bzw.

deren Versicherungen bezahlt. Darüber

hinaus erhalten aber defizitär arbeitende

öffentliche Krankenhäuser sogenannte

Quersubventionen über allgemeine

Haushaltsmittel, die nach unserer Ansicht

zu unerträglichen Wettbewerbsverzerrungen

führen – sowohl gegenüber privaten

Kliniken als auch gegenüber niedergelassenen

Ärzten.

MEDITIMES :Herrscht bei der Berechnung

der Zuschüsse überhaupt Transparenz?

Steck : Sofern es um die Verlustausgleiche

für öffentliche Krankenhäuser

durch allgemeine Haushaltsmittel geht,

kann wohl kaum von Transparenz gesprochen

werden. Jedenfalls nicht unter

Berücksichtigung der europäischen Kriterien.

Die finanziellen Unterstützungen

der öffentlichen Krankenhäuser durch

Haushaltsmittel ihrer öffentlichen Träger

sind im Einzelnen sehr vielschichtig und

auf Anhieb kaum zu durchschauen. Auch

konkrete Zahlen sind oft nur schwer zu

ermitteln.

MEDITIMES :Wie schätzen Sie die Chancen

der MEDI Beschwerde ein?

Steck :Wir gehen davon aus, dass die beanstandete

Praxis, den in öffentlicher

Trägerschaft geführten Krankenhäusern

solche zusätzlichen Quersubventionierungen

über Haushaltsmittel zukommen

zu lassen, so nicht mit Europäischem

Beihilferecht vereinbar ist. Die Folge der

Beschwerden könnte sein, dass zumindest

für die Zukunft europäische Vorgaben

gemacht werden, die solche

Subventionen an engere Voraussetzungen

knüpfen. Die Europäische Kommission

tendiert generell dazu, ihre Beihilfekontrollen

auszubauen oder zu verschär-

4

Unterstützt MEDI bei der Beschwerde

gegen Wettbewerbsverzerrung

vor der Europäischen Kommission:

Der Tübinger Arzt– und

Medizinrechtler Joachim B. Steck.

fen. Jedenfalls steht die Kommission der

Finanzierung öffentlicher Unternehmen

kritisch gegenüber.

MEDITIMES :Wann kann MEDI mit ersten

Ergebnissen rechnen?

Steck :Das ist schwer vorherzusagen. Die

Kommission sollte auf jeden Fall genügend

Zeit haben, den komplexen

Sachverhalt präzise zu prüfen. Da aber

schon ähnliche Verfahren bei ihr anhängig

sind, wird das den Prüfungsprozess

beschleunigen. Wir erwarten eine Entscheidung

spätestens bis Ende 2007.

MEDITIMES :Wo sehen Sie Probleme?

Steck : Eine Einschränkung der bisherigen

Subventionspraxis von Kliniken in

öffentlicher Trägerschaft begünstigt freilich

auch die Wettbewerbssituation

anderer, vor allem privater Kliniken.

Diese konkurrieren bei ambulanten Behandlungen

ebenfalls mit niedergelassenen

Ärzten. Eine diesbezügliche Stärkung

der privaten Kliniken bedeutet insoweit

für die niedergelassenen Ärzte auch eine

Stärkung anderer Wettbewerber. Das ist

aber ein politischer Aspekt. MEDI hat sich


hierüber, soweit mir bekannt ist, Gedanken

gemacht und eine Grundsatzentscheidung

getroffen.

MEDITIMES : Medizinische Versorgungszentren

und die Öffnung der Kliniken für

ambulante Leistungen machen den niedergelassenen

Ärzten immer mehr

Konkurrenz. Was könnte eine Rechtsprechung

aus Brüssel hier bewirken?

Steck : Es geht nicht darum, den

Wettbewerb zwischen den Praxen und

den Krankenhäusern bei der ambulanten

Versorgung einzuschränken. Ich kann mir

auch vorstellen, dass für viele Ärzte eine

gut ausgehandelte Kooperation mit dem

Krankenhaus vor Ort im Einzelfall eine

sinnvolle Alternative darstellt, den Wettbewerbsdruck

durch die Krankenhäuser

zu entschärfen. Bei der MEDI Beschwerde

vor der Europäischen Kommission geht

es darum, unerträgliche Wettbewerbsverzerrungen

durch staatliche Eingriffe zu

unterbinden oder zumindest zu beschränken.

Eine immer stärkere Verzahnung von

ambulanten und stationären Leistungen

kann nicht ohne Folgen bleiben für die

bisher völlig einseitige staatliche Subventionierung.

Der Staat wird sich inZukunft

auf dem Gesundheitsmarkt mehr zurückhalten

müssen. Das begünstigt nicht nur

den fairen Wettbewerb, sondern entlastet

auch den Steuerzahler. Dazu könnten

die Beschwerden in Brüssel einen

wichtigen Beitrag leisten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Angelina Schütz

ZUR PERSON

Dr. jur. Joachim B. Steck, geboren 1964

in Fürstenfeldbruck bei München, ist spezialisiert

auf Arzt– und Medizinrecht. Vor

seinem Jurastudium hat Steck eine Ausbildung

zum Sozialversicherungsfachangestellten

bei der Barmer Ersatzkasse gemacht.

Nach dem Studium war er zwei

Jahre lang bei der Kassenärztlichen Vereinigung

Südwürttemberg beschäftigt, bevor

er sich 1997 als Anwalt in der Kanzlei

„Klammt-Asprion &Steck“ niederließ.

DIALOG

KOMMENTAR

Klagen allein

reicht nicht

Kliniken erhalten öffentliche Mittel, um

sich über Wasser zu halten und Ärzten

in der ambulanten Versorgung Konkurrenz

zu machen –ein klarer Fall von

Wettbewerbsverzerrung. Gut, dass MEDI

sich dagegen wehrt und vor die Europäische

Kommission zieht. Die Beschwerde

allein ist schon ein politisches

Signal: Tausende von Ärzten und

Psychotherapeuten schaffen öffentliche

Wahrnehmung. Die Erfolgsaussichten

sind nicht schlecht, aber es kann eben

dauern, bis die Gerechtigkeit siegt.

Bis es soweit ist, dürfen wir MEDI

Mitglieder nicht einfach „abwarten und

Tee trinken“. Klagen allein reicht nicht.

Wir müssen unsere Basis weiter verbreitern,

unsere Kräfte bündeln und

unser politisches Gewicht vergrößern.

Unsere Idee der fachübergreifenden

Zusammenarbeit ist konkurrenzlos und

hat sich in der Vergangenheit bereits

bewährt. Dafür setzt sich MEDI seit 6

Jahren ein. Setzen Sie sich dafür ein,

Ihren Kollegen MEDI näher zu bringen

und aktive Mitglieder zu gewinnen.

Dr. Michael Ruland

5

IMPRESSUM

MEDITIMES

Ihre Meinung

ist uns wichtig

Liebe MEDI Mitglieder,

die MEDI Times möchte künftig auch

Ihre Meinung kennen lernen und ein

Leserforum einrichten. Sie sind mit

einem Artikel nicht einverstanden und

sehen die Dinge anders? Oder im

Gegenteil –Ihnen hat ein Bericht besonders

gut gefallen? Dann schreiben

Sie uns an folgende Adresse:

MEDI Baden–Württemberg

Stichwort: Leserforum

Engstlatter Weg 14

70567 Stuttgart

Sie möchten Ihren Leserbrief lieber per

E–Mail schicken? Kein Problem! Unter

schuetz@vvnw.de erreicht Ihr Brief

direkt die Redaktion der MEDITIMES .

Herausgeber

MEDI Baden–Württemberg e.V.

Engstlatter Weg 14, 70567 Stuttgart

E–Mail: info@medi-verbund.de

Telefon: 0711/8060790

Fax: 0711/ 80607950

www.medi-deutschland.de

Redaktion

Angelina Schütz

Verantwortlich i.S.d.P.

Dr. med. Werner Baumgärtner

Design

Heinz P.Fothen

Druck

W.Kohlhammer Druckerei,

GmbH &Co. Stuttgart

Erscheinungsweise vierteljährlich

Nachdruck nur mit Genehmigung

des Herausgebers

Die nächste MEDITIMES erscheint

im September 2005 .

Anzeigenschluss ist der 31. Juli.


MEDITIMES AUS B ADEN-WÜRTTEMBERG

Am 16. April hatten sich interessierte

Ärzte inSinsheim versammelt, um sich

auf dem Zukunftskongress über die

drängenden gesundheitspolitischen

Fragen zu informieren und auszutauschen.

Initiator der Veranstaltung war

die Nordbadische Ärzte-Initiative (nai).

Insbesondere Vorstandssprecher und

Facharzt für Allgemeinmedizin Dipl.–

Pol. Ekkehard Ruebsam–Simon zeigte

sich engagiert und informiert.

Die drängenden Probleme der Gesetzlichen

Krankenversicherung (GKV) sind

bekannt und belasten wohl den Arbeitsalltag

jedes niedergelassenen Arztes: Wie

geht es weiter mit der GKV? Können wir

uns eine medizinische Komplettversorgung

überhaupt noch leisten? Und wer

soll wie viel bezahlen? Ist Kostenerstattung

die Lösung? Wie könnte ein Wettbewerbskonzept

für den Gesundheitsmarkt

aussehen? Egal, ob Ärzte, Patienten

oder Politiker: Alle möchten in Zukunft

über eine bessere, billigere und effizientere

medizinische Versorgung verfügen –

nur schade, dass die Umsetzung an die

Quadratur des Kreises erinnert.

Reagieren Politiker nur auf

Zwang und Druck?

Hochkarätige Redner waren nach Sinsheim

gekommen, soetwa Dr. rer. Dipl.–

„Der Gesetzgeber

reagiert nur auf

Finanzengpässe“

gab der Ökonom

Prof. Eckhard Knappe

zu bedenken.

Wo, bitte, geht’s hier zur gesundheitspolitischen

Perspektive?

Ökonom Eckhard Knappe, Professor für

Gesundheitsökonomie an der Universität

Trier. Die Steuerungsmöglichkeiten im

Gesundheitswesen sieht er emotionslos:

„Der Gesetzgeber“, so Knappe, „steuert

das Gesundheitswesen nicht wirklich, er

reagiert nur auf Finanzengpässe“. Wirklich

einschneidende Veränderungen erwartet

er erst dann, wenn die Sachzwänge

durch den demographischen Wandel

tatsächlich massive Reaktionen erforderlich

machen. Das wird etwa 2012 der Fall

sein, vermutet der Ökonom. Bis dahin

werden seiner Überzeugung nach weiter

die Krankenkassen die Qualität und

Kosten des Gesundheitswesens austarieren.

Für Knappe immer noch besser, als

6

wenn der Staat die Steuerungsfunktion

ernsthaft übernimmt und Leistungen herauskürzt.

In diesem Fall, soder Experte,

werde nämlich dort gekürzt, wo am

wenigsten Widerstand besteht. Mit

einem Wort: Wer sich nicht gegen die

politischen Änderungen wehren kann,

sieht alt aus –diese Zielgruppe kommt

als erste dran.

Schlagabtausch bei der

Podiumsdiskussion

Zwischen Ärzten und Politik scheint jede

Menge zerbrochenes Porzellan zu liegen.

Das zeigt sich auch während der Podiumsdiskussion:

Die Diskussion zwischen

Hilde Mattheis (SPD–Politikerin und immerhin

Mitglied im Ausschuss für Gesundheit

und Soziale Sicherung) und Dr.

Werner Baumgärtner wurde ungewöhnlich

scharf, als Mattheis davon sprach,

dass es mit ihrer Regierung feste Punktwerte

geben werde. Baumgärtner hält

die Realität dagegen: Schließlich sei der

betriebswirtschaftlich kalkulierte Punktwert

von 5,11 Cent gerade von der SPD–

Regierung gekippt worden!

Das Publikum scheint wenig Vertrauen

in diese Politikerversprechen zu haben.

Jedenfalls findet wohl kaum ein Zuhörer

die Versuche der Politik, Lösungsvorschläge

zu erarbeiten, noch komisch oder gar

konstruktiv. „Es gibt keinen Mangel an

Vorschlägen und Analysen, wohl aber

einen Mangel an Taten“, so Ruebsam–

Simon. Und weiter: „Alles ist gesagt worden,

jetzt gilt es zu tun!“ Richtig, aber findet

der Auftrag auch Gehör?

Ruth Auschra

Sorgte für Empörung

beim Publikum:

SPD-Politikerin

Hilde Mattheis.


NACHGEFRAGT BEI:

Ekkehard

Ruebsam–Simon

MEDITIMES :Herr Ruebsam–Simon, interessieren

sich Ärzte eigentlich so sehr für

Politik? Haben Sie deshalb den Zukunftskongress

jetzt schon zum zweiten Mal

auf die Beine gestellt?

Ruebsam–Simon: Sie interessieren sich

viel zu wenig für die „allgemeine“ Politik,

ihr Blick ist eher röhrenförmig auf die Berufspolitik

oder auf noch kleinere Einheiten

wie Berufsverbände gerichtet. Von

der allgemeinen wirtschaftspolitischen

und sozialen Entwicklung hängt aber entscheidend

der Fortgang der Gesundheitspolitik

ab. Ich nenne nur die Stichworte

„demographischer Wandel“ und „medizinischer

Fortschritt“. Oder denken Sie an

die Entwicklung der Globalisierung mit

Billigjobs und Reintegration der ehemaligen

DDR! Alles das sind Faktoren, die die

Gesundheitspolitik, die ja über die Lohnabhängigkeit

an die allgemeine Politik

gekoppelt ist, entscheidend prägen.

Wir haben den Kongress ein zweites

Mal organisiert, da wir der Meinung sind,

dass wir unsere erste eher optimistische

Annahme einer kompletten Privatisierung

des GKV–Systems zur Zeit nicht erreichen

können und haben die realistischere Variante

eines „kombinierten“ Systems aus

Umlage plus Kapitaldeckung untersucht.

MEDITIMES :Hier waren einige kluge und

AUS B ADEN-WÜRTTEMBERG

engagierte Fachbeiträge zu hören. Meinen

Sie, der Politik fehlt es an solchem

Sachverstand?

Ruebsam–Simon: Inder Tat. Der beschämendste

Eindruck war der der intellektuellen

Dürftigkeit der vorgetragenen Positionen

der Politikverständigen. Obwohl

die Enquete–Berichte der Kommission

zum demographischen Wandel schon seit

zehn Jahren vorliegen, ist die Politik in

ihren öffentlichen Erklärungen noch nicht

auf der Höhe dieses Wissens angekommen.

Inzwischen kann sich keiner mehr

herausreden, er hätte die Entwicklung

nicht gekannt – ist in jeder Buchhandlung

als Bundestagsdrucksache zu beziehen…

MEDITIMES :Sie hatten ja einige Vertreter

aus der Politik eingeladen…

Ruebsam–Simon: Ja, die haben uns

dann versetzt bis auf die SPD. Frau Widmann–Mauz

war entschuldigt, da sie

kurzfristig zur Entlassfeier von Ministerpräsident

Teufel musste und hat sich

auch formal entschuldigt, die FDP hat

aber überhaupt keine Lösung angeboten.

Insofern war die Darstellung von Ver.di

und SPD zunächst einmal einseitig positioniert.

Die Diskussion und die Darstellung

durch die Fachleute aus Wirtschaft

und Gesundheitsökonomie waren aber

dermaßen überzeugend, dass das Thema

Bürgerversicherung als das erkannt

wurde, was es in Wirklichkeit ist: Eine

hohle ideologische Worthülse ohne

Substanz. Es wird ein Gerechtigkeitsgestus

erzeugt, der keine Substanz hat.

MEDITIMES : Wie lautet Ihr Fazit des

Kongresses?

Ruebsam–Simon: Wir werden auf ein

gemischtes System zulaufen, das aus

einer Grundversicherung im Umlageverfahren

und einer Zusatzversicherung

für Extra–Leistungen im Kapitaldeckungssystem

besteht. Anders wird die Herausforderung

der Zukunft nicht zu lösen sein.

MEDITIMES :Herr Ruebsam–Simon, besten

Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ruth Auschra

7

MEDITIMES

Nordbaden

testet Kostenerstattung

Um Patienten und niedergelassenen

Kollegen die Kostenerstattung näher

zu bringen, haben MEDI Ärzte inNordbaden

ein Pilotprojekt gestartet. Unterstützt

werden sie vom Heidelberger Finanzdienstleister

ZSH.Er übernimmt die

Logistik und unterbreitet den Versicherten

Angebote für Krankenzusatzversicherungen

im ambulanten Bereich.

Die Kostenerstattung wird immer wichtiger,

da die ambulante Versorgung immer

undurchsichtiger wird“, erklärt Dipl.–Pol.

Ekkehard Ruebsam-Simon, stellvertretender

Vorsitzender von MEDI Baden–Württemberg.

Die Kostenerstattung bietet den

Patienten mehr Transparenz bei der

Abrechnung und den Ärzten mehr

Planungssicherheit für ihre Praxen ( siehe

auch Positionspapier auf Seite17 ).

„Besonders für Singles, Selbständige

und freiwillig Versicherte, die gesetzlich

versichert sind, bringt eine Zusatzversicherung

klare Vorteile“, erklärt Ruebsam-

Simon: Sie haben bei Medikamenten

und Heilmitteln keine Budgets, müssen

bei Kuren, Klinikaufenthalten oder Brillen

nichts zuzahlen, die Praxisgebühr entfällt,

Medikamente oder alternative Heilmethoden,

die die GKV nicht erstattet, werden

übernommen, es gibt keine langen

Wartezeiten und sie können bei Spezialtherapien

oder besonderen Verfahren

mehr Leistungen wählen.

Beim Test in Nordbaden machen

MEDI Ärzte aller Fachrichtungen mit, die

Teilnahme ist freiwillig. Der Pilot läuft bis

Ende des Jahres.

Angelina Schütz


Delegierte der Vertreterversammlung

bei der

Abstimmung: Keine Streitkultur

Vergiftetes Verhältnis?

Der neue KV–Vorstand in Baden–Württemberg

ist seit fast einem halben Jahr

im Amt. Doch an der ärztlichen Basis

rumort es. Besonders die Mediziner in

Nordwürttemberg, die eine streitbare

und erfolgreiche KV gewohnt waren,

sind von der neuen Führung enttäuscht.

Aber auch die MEDI Delegierten

in der Vertreterversammlung sehen

sich regelmäßig persönlichen Anfeindungen

der selbsternannten Non–MEDI

Koalition ausgesetzt.

Er wollte aus allen Bezirken die Rosinen

herauspicken, stattdessen hagelt es seit

Monaten Negativschlagzeilen: Der neue

Chef der KV Baden–Württemberg, Dr.

Achim Hoffmann–Goldmayer, und sein

Führungsstab liefern der Stuttgarter Presse

wiederholt Stoff für Skandale und rücken

damit die KV und die Ärzteschaft in

ein schlechtes Licht. Der ärztlichen Basis

bleibt das nicht verborgen, doch die hat

im Wesentlichen ganz andere Sorgen.

„Wir werden schlecht informiert und

bekommen nur Bla–bla–Briefe“, klagt

die Stuttgarter Allgemeinärztin Ursula

Neumann. Ähnlich sieht es ihr Kollege

Michael Oertel, ebenfalls Allgemeinarzt

in Stuttgart und MEDI Delegierter der

Vertreterversammlung (VV): „Die Verlautbarungen

beschränken sich stereotyp auf

nichtssagende Allgemeinplätze.“

Frustration bei den

Ärzten nimmt zu

Der Esslinger Ärzteschaftsvorsitzende Dr.

Rainer Graneis geht noch weiter. „Ich

habe die Nähe zur neuen KV verloren“,

bedauert er. Wer heute ein schriftliches

Anliegen an die KV habe, bekomme nicht

einmal einen Bearbeitungsbescheid zurück,

wie das bei der KV Nord–Württemberg

üblich war. „Ich sehe die KV

nicht mehr als Partner, sondern nur noch

als Behörde“, so Graneis’ Fazit. Diesen

Eindruck teilt er mit anderen Kollegen.

Meistens Ärzten, die nur gewissenhaft

ihrem Job nachgehen möchten, trotz

schwieriger Rahmenbedingungen. Diese

Ärzte hätten gerne eine KV im Rücken,

die ihnen Mut macht und sie unterstützt.

Doch die Realität sieht anders aus. „Nach

dem Zusammenschluss der KVen haben

Frustration und Resignation zugenommen“,

beschreibt die südbadische MEDI

Delegierte Ursula Haferkamp die Stimmung

an der Basis. Und aus Nordbaden

berichtet der Leimener Allgemeinarzt

Johannes Glaser: „Die Kollegen bekommen

immer mehr den Eindruck, dass die

KV die dringende Sacharbeit nicht aufnimmt

und die Existenzängste der Basis

nicht ernst nimmt. Statt dessen gehen

die alten Scharmützel Non–MEDI gegen

MEDI weiter.“

8

KV-Chef nimmt am

Barmer–Vertrag teil

Schlechte Stimmung und Kritik an der

Sache vergiften das Verhältnis der Basis

zur KV. Da wären zum Beispiel der Umgang

mit den Diskussionen um die Höhe

der Vorstandsgehälter, unbefriedigende

Verhandlungsergebnisse mit den Krankenkassen,

kleine Regelleistungsvolumina

und floatende Punktwerte sowie

mangelnde Planungssicherheit bei der

EBM–Umsetzung. Für Empörung sorgt

auch die hausarztzentrierte Versorgung.

Den Vogel schoss hier der KV–Chef

höchstpersönlich ab. Er erklärte ineiner

Sitzung der VV zu Beginn des Jahres,

dass der Barmer–Vertrag wegen seines

primärärztlichen Ansatzes abgelehnt werden

müsste. Dafür erntete Hoffmann-

Goldmayer viel Zustimmung, auch von

den MEDI Delegierten. Fazit: Die VV und

der Vorstand lehnten die Einführung

eines Primärarzt–Vertrags mit großer

Mehrheit ab.

Doch zwei Monate später kam plötzlich

heraus, dass Hoffmann–Goldmayer

zum Zeitpunkt seiner Rede dem Barmer–

Vertrag bereits beigetreten war. Publik

wurde die Geschichte bei der VV–Sitzung

im April. Dort konfrontierte der MEDI

Delegierte Glaser den KV–Chef mit der

Wahrheit. Hoffmann–Goldmayers Name

stand nämlich auf der Internet–Homepage

der Barmer Ersatzkasse. Für Glaser

ist das Verhalten des KV–Vorsitzenden

„empörend und widersprüchlich“. Er erwartet

nun, dass Hoffmann–Goldmayer

seinen Vertrag kündigt. Rückendeckung

bekommt Glaser von seiner Kollegin


KV–Chef

Achim Hoffmann–

Goldmayer:

Negativschlagzeilen

und Bla–bla–Briefe

Ursula Haferkamp: “Das ist ein Schlag ins

Gesicht für alle Fachärzte, deren Interessen

Hoffmann–Goldmayer gleichberechtigt

zu vertreten hat.“

Der attackierte KV–Chef hält dagegen:

“Ich bin dem Vertrag, wie meine

Praxiskollegen auch, bereits vor dem

Votum der VV beigetreten“, erklärt Hoffmann–Goldmayer

gegenüber der MEDI

Times. Außerdem sei er Teil einer Gemeinschaftspraxis,

und könnte daher nur

geschlossen dem Barmer–Vertrag beitreten.

Ob er seine Teilnahme zurückzieht,

hält Hoffmann–Goldmayer noch offen:

Diese Entscheidung kann ich nicht alleine

treffen, da es vertragliche Konstellationen

einer Gemeinschaftspraxis zu berücksichtigen

gilt.“ Darüber hinaus könne

die Teilnahme am Barmer–Vertrag nur

zum Ende eines Kalenderjahres gekündigt

werden.

Kasse beklagt Zusammenarbeit

mit KV

Auf der anderen Seite tat die neue KV-

Führung aber nichts, umden Hausarztvertrag

nach §73 bSGB V voranzubringen,

den die KV Nord–Württemberg mit

einigen Ersatzkassen abgeschlossen hatte.

Das bekamen im Laufe der Zeit nicht nur

die Ärzte zu spüren, sondern auch die

Krankenkassen. So schrieb die Gmünder

Ersatzkasse, die den Hausarztvertrag in

der Region Nordwürttemberg seit April

umsetzt, anden MEDI Vorsitzenden Werner

Baumgärtner: „Weniger erfreulich ist

die Zusammenarbeit mit der neuen KV

Baden–Württemberg. Antworten auf unsere

Anfragen erfolgen recht zäh und

AUS B ADEN-WÜRTTEMBERG

durch die nachgeordneten Ebenen.

Außerdem stört uns das wenig innovationsfreundliche

Verhalten der KV bei der

Umsetzung des Hausarztvertrages.“

Wieder keine Planungssicherheit

für die Praxen

Ein anderes Reizthema ist der EBM

2000plus und die Aushandlung des

Punktwerts. Statt 5,11 Cent hat die KV in

ihren Verhandlungen mit den Krankenkassen

nur deutlich niedrigere und floatende

Punktwerte herausgeholt. Aus

KBV–Kreisen heißt es sogar, der baden–

württembergische KV–Vize Dr. Wolfgang

Herz sei mit nur 4,2Cent in die Verhandlungen

gestartet. „Wir sind definitiv mit

der Forderung 5,11 Cent in die Honorarverhandlungen

gegangen. Von 4,2Cent

war überhaupt nicht die Rede“, wehrt sich

Herz gegenüber der MEDI Times. Außerdem

habe er hier eine ganz andere Stra-

KV muss

Barmer–Vertrag

prüfen

Der Vorstand der KV Baden–Württemberg

wird prüfen, ob der Barmer–Vertrag

den Kriterien eines Vertrags nach

§140SGBV entspricht und ob eine

Nachschusspflicht aus der Gesamtvergütung

besteht oder zu erwarten ist.

Diesem Antrag der MEDI Delegierten

hatte die Vertreterversammlung bei

ihrer Sitzung im April mit großer Mehrheit

zugestimmt. MEDI bezweifelt nämlich

Aussagen des Hausärzteverbands

und der Barmer Ersatzkasse, wonach

Geld aus dem stationären Bereich in

die ambulante Versorgung fließt, der

1%–Topf für die Vergütung aller Integrationsverträge

in Baden–Württemberg

ausreicht und die Apotheker als

Partner am Barmer–Vertrag extrabudgetär

bezahlt werden. „Wenn letzteres

der Fall ist, wäre der Vertrag kein IV–

Vertrag“, macht der MEDI Vorsitzende

Dr. Werner Baumgärtner deutlich.

as

9

MEDITIMES

tegie verfolgt. „Nachdem 5,11 Cent nicht

zu realisieren waren, habe ich mich dazu

entschieden, lieber keinen festen Punktwert

zu vereinbaren“, so der KV–Vize.

Was für Herz eine ausgeklügelte

Strategie ist, ist für die MEDI Delegierten

eine Katastrophe. „Damit wird konterkariert,

was den Kollegen vollmundig als

Planungssicherheit vorgegaukelt wurde“,

empört sich Michael Oertel. Und Werner

Baumgärtner nennt Herz’ „Strategie“ sogar

„rechtswidrig“. Dagegen protestiert

Wolfgang Herz: Das SGBV sehe den bekannt

zu gebenden festen Punktwert nur

bei echten Regelleistungsvolumen vor.„In

unserem HVV handelt es sich umPseudoregelleistungsvolumen,

da im Wesentlichen

die alten Budgets fortgeführt werden“,

erklärt Herz. Somit greife seines Erachtens

der entsprechende Paragraph im

SGBVnicht. „Das ist reine Vernebelungstaktik“,

kontert Baumgärtner. Deshalb

empfiehlt MEDI seinen Mitgliedern,

gegen die Honorarbescheide Widerspruch

einzulegen. Außerdem will der

Verbund Musterklagen seiner Mitglieder

unterstützen.

Keine sachliche Streitkultur

Neben all der Kritik in der Sache beklagen

die MEDI Delegierten auch einen schwierigen

Stand in der Vertreterversammlung.

„Es fehlt an sachlicher Streitkultur, stattdessen

gibt es häufig sehr persönliche

Animositäten“, beschreibt Ursula Haferkamp

die Atmosphäre und fügt hinzu:

Die andauernde starre Blockbildung der

selbsternannten Non–MEDI Koalition ist

unerträglich.“ Baumgärtner beklagt darüber

hinaus, dass „Vorinformationen auf

dem kleinen Dienstweg nur an die Delegierten

der Non–MEDI Koalition gehen

und dass das Protokoll der Sitzungen selektiv

geführt wird.“ Daher lautet sein

Fazit: „Wir kämpfen als MEDI für die

Interessen unserer Mitglieder und nehmen

daher die Rolle einer harten aber

konstruktiven Opposition an.“

Angelina Schütz

Fotos: KV Baden–Württemberg


MEDITIMES AUS B ADEN-WÜRTTEMBERG

Nordwürttemberger

Hausarztmodell kommt gut an

Gut zwei Monate nach dem Start des

Hausarztmodells zwischen der KV

Nord–Württemberg und einigen Ersatzkassen

ziehen die Vertragspartner eine

positive Zwischenbilanz: Der Vertrag

nach §73 b wird von MEDI Ärzten und

Patienten gleichermaßen gut angenommen.

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse

(TK) haben sich bis Ende Mai

3.000 Versicherte für das Hausarztmodell

eingeschrieben, bei der DAK waren es

3.500. Erfreulich ist auch die Resonanz

bei den Ärzten: So zählte die TK 1.200

von insgesamt rund 2.700 Hausärzten.

Das entspricht einer Quote von über 40

Prozent.

Für Andreas Vogt, Leiter der TK–

Landesvertretung, liegen die Vorteile des

Nordwürttemberger Modells gegenüber

anderen Hausarztmodellen klar auf der

Hand: Die enge Kooperation zwischen

den Haus– und Fachärzten bei dringender

Behandlungsbedürftigkeit oder bei

der Überweisung in eine Klinik. „Die

Kompetenz der Fachärzte wird hier optimal

genutzt. Das muss beim Patienten

auch so ankommen, damit das Modell

ein Erfolg wird“, betont Vogt.

Dem stimmt auch der MEDI Vorsitzende,

Dr. Werner Baumgärtner, zu: „Der

Vertrag basiert auf einem Eckpunktepapier

von MEDI Baden-Württemberg und

gilt als gelungene Alternative zum Primärarztmodell.

Es ist wichtig, dass dieses

fachübergreifende Modell ein Erfolg wird,

nur dann hat es eine Chance, sich inganz

Baden-Württemberg oder gar in anderen

Bundesländern auszuweiten.“

Thema Praxisgebühr

ist nun geklärt

Versicherte, die an der Nordwürttemberger

Hausarztversorgung teilnehmen,

müssen bei ihrem Hausarzt keine Praxisgebühr

bezahlen – und das bis zu vier Mal

im Jahr. Wie mit der KV Baden–Württemberg

geklärt wurde, gilt das auch am

Tag der Einschreibung ins Modell. Den

Patienten empfiehlt die TK deshalb: Wer

zu seinem Hausarzt geht, um sich einzuschreiben,

sollte beim Empfang darauf

hinweisen und erst gar keine Praxisgebühr

bezahlen. „Damit gibt es weniger

Diskussionen um die Rückgabe der zehn

Euro“, erklärt TK–Chef Vogt.

Patienten, die eine Urlaubsvertretung

in Anspruch nehmen müssen, brauchen

ebenfalls keine Praxisgebühr zu bezahlen,

falls sie ihre Hausarzt–Karte vorzeigen.

Das gilt sogar, wenn der vertretende

Arzt gar nicht am Nordwürttemberger

Hausarztmodell teilnimmt. Anders verhält

10

MEDI Ärzte zeigen

Barmer–Vertrag

die rote Karte

Auf soviel Solidarität kann die MEDI

Spitze stolz sein: Von 1.640 MEDI

Hausärzten in Baden–Württemberg

nehmen nur knapp 100 am Barmer–

Modell teil. Im Mai zählte MEDI 140

Ärzte, die sich beim Barmer–Modell

eingeschrieben hatten. Diese hat der

Verbund angeschrieben und darauf

aufmerksam gemacht, dass sich eine

MEDI Mitgliedschaft nicht mit der Teilnahme

am Barmer–Vertrag vereinbaren

lässt.

Bis Ende Mai haben 48 MEDI Ärzte

ihren Vertrag mit der Barmer wieder

gekündigt. 17 Hausärzte zogen es lieber

vor, aus MEDI auszutreten. Die Barmer

Ersatzkasse hat in der Zwischenzeit

mit MEDI Baden–Württemberg

Gespräche aufgenommen. Ergebnisse

liegen aber noch nicht vor.

as

es sich bei der notärztlichen Hilfe: Hier

wird die Praxisgebühr fällig.

Für TK-Chef Andreas Vogt

liegt die Stärke des Modells

in der fachübergreifenden

Zusammenarbeit.

Angelina Schütz

Foto: TK


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MEDITIMES AUS R HEINLAND–PFALZ

„Ich kämpfe für eine bessere

Honorarsituation der Ärzte

Seit 1. März ist Jürgen R. Edlinger neuer

Vorsitzender von MEDI Südwest. Aus

MEDI Pfalz ist nämlichquasi über Nacht

MEDI Südwest geworden: Neben der

Pfalz ist hier Rheinhessen mit eingeschlossen.

Edlinger löste Dr.Alois Knoth

ab, der an der Spitze der Liste MEDI

Pfalz kandidierte und letztes Jahr in den

Vorstand der KV Rheinland–Pfalz gewählt

wurde.

Edlinger ist Internist, seine Praxis in Schönenberg–Kübelberg

führt er als Hausarzt.

Rundum glücklich ist er mit der Entscheidung

allerdings nicht. „Es war schmerzlich,

vor dieser Alternative zu stehen.

Aber da ich schon seit Jahren auf dem

Land niedergelassen war, hatte ich keine

andere Wahl“, lautet sein Kommentar.

Schwingt da nicht ein wenig Resignation

mit? Der Schein trügt. Edlinger ist ein

Macher, ein Kämpfer.

Die Gängeleien im Gesundheitswesen

sind genug

Nach 16 eher unpolitischen Jahren als

niedergelassener Arzt begann Edlinger

sich für MEDI zu engagieren. „Die Gängelungen

im Gesundheitswesen haben

mich auf die Barrikaden getrieben“, resümiert

er. Wenn er seine aktuellen Einnahmen

mit früheren Zeiten vergleicht,bleibt

Wurde zum neuen Vorsitzenden

der MEDI Südwest gewählt:

Der Internist Jürgen Edlinger.

nicht viel Positives übrig: „Mein Verdienst

vor Steuern ist um 25Prozent zurückgegangen,

bei gleicher Arbeit und bei gleichem

Engagement“, fasst der Internist

zusammen.

Was nach der EBM–Einführung

kommt, daran wagt er gar nicht zu denken.

„Jeder hat vorher gewusst, dass die

5,1 Cent Punktwert nicht machbar sind“,

ärgert er sich, „das ist doch eine einzige

Farce, da werden die niedergelassenen

Kollegen doch an der Nase herumgeführt.“

Die unbefriedigende Honorarsituation

zu ändern, ist denn auch eines

seiner Ziele. Dann, soEdlinger, würden

sich auch wieder Nachfolger für die hausärztlichen

Praxen finden.

Ganz wesentlich findet es Edlinger,

seinen Patienten reinen Wein darüber einzuschenken,

was im Gesundheitswesen

aktuell abläuft. Auch in seiner Funktion

als Erster Vorsitzender verfolgt er dieses

Ziel – und Visionen von gut informierten

Patienten reichen den Pfälzer Machern

nicht: Dr. Andreas Kern, Stellvertreter von

Edlinger, hat einen Flyer zum Barmer-

Vertrag für die Praxen überarbeitet, damit

die Patienten verstehen, warum MEDI

hier nicht mitmacht.

Eine neue Kollegialität

Edlinger freut sich, dass allmählich immer

mehr Menschen realisieren, wie das

Gesundheitswesen funktioniert. „Es kann

Gesundheit nicht mehr zum Nulltarif

geben, die Vollkaskozeiten sind vorbei“,

fasst er zusammen. Es ist ihm wichtig,

diese Erkenntnis weiterzugeben. Auch

deshalb, weil er die Problematik gut

kennt, zwischen ärztlichem Ethos und

betriebswirtschaftlicher Realität gefangen

zu sein. „Der Arztberuf ist immer noch

einer der beliebtesten Berufe: Wir sind

immer da, wir helfen –nur im Honorar

zeigt sich das nicht. Wer sein Honorar

einklagen will, gilt als Abzocker.“

12

Die Sozialisation als Arzt legt es nahe,

gute Werke für die Patienten möglichst

kostenlos zu erbringen. Andernfalls meldet

sich das schlechte Gewissen – und

schon ist die Sozialisationsfalle zugeschnappt.

Um hier etwas zu verändern,

engagiert sich Edlinger für eine neue

Kollegialität. Ein Standesbewusstsein im

besten Sinne, ohne Standesdünkel, aber

mit dem Selbstbewusstsein, dass Ärzte

für gute Arbeit ein angemessenes Honorar

erzielen müssen –mit gutem Gewissen.

Seine Philosophie für MEDI: Ärzte

sollten sich nicht auseinanderdividieren

lassen, Haus- und Fachärzte sollten gemeinsam

für angemessene Honorare

und eine neue Kollegialität kämpfen.

Ruth Auschra

KONTAKTE

Region Pfalz

Dr. Jürgen Edlinger

Glanstraße 42

66901 Schönenberg–Kübelberg

Tel. 06373 / 30 86

Fax 06373 / 86 36

j.edlinger@t-online.de

Region Trier

MEDI Trier GbR

Dr. Martin Dieudonné

Trierweilerweg 2

54294 Trier

Tel. 0651 / 887 22

Fax 0651 / 82 81 65

info@medi-trier.de

www.medi-trier.de

Region Rheinhessen

Dr. Ralf Schneider

Hospitalstr. 22

55232 Alzey

Tel. 06731 / 26 01

Fax 06731 / 60 35

schneider-alzey@t-online.de

Region Koblenz

MED UNION

Dr. Karl–Heinz Schmidt

Hohenzollernstraße 64

56068 Koblenz

Tel. 0261 / 914 77 43

Fax 0261 / 914 77 46

info@med-union.de


Nach den Unstimmigkeiten zwischen

MEDI Deutschland und dem Regionalverbund

in Mecklenburg–Vorpommern

schauen die Verantwortlichen wieder

nach vorn. Gemeinsame Linie:Der MEDI

Vorstand im Nordosten sieht den Hausärztevertrag

der Barmer genauso kritisch

wie die MEDI Spitze inStuttgart.

„Für mich ist die Sache erledigt. Wir hatten

ein sehr gutes Gespräch und sind uns

einig in der Ablehnung des Barmer–Vertrags“,

sagte der MEDI Deutschland Vorsitzende

Dr. Werner Baumgärtner nach

einem Treffen mit dem neuen Chef des

MEDI Verbunds Mecklenburg–Vorpommern,

Professor Günter Lang.

Rückblick: Kurz nach Langs überraschender

Wahl in Rostock zum MEDI Vorsitzenden

hatten Barmer Ersatzkasse

(BEK) und Hausärzteverband auch im

Nordosten mit massivem Einsatz ihren

Hausärztevertrag beworben. Der MEDI

Vorstand Mecklenburg–Vorpommern

stellte seinen Mitgliedern –ohne Absprache

mit der Bundesspitze –die Teilnahme

frei, obwohl in anderen Regionen für

MEDI Mitglieder in solchen Fällen scharfe

Sanktionen bis hin zum Ausschluss vorgesehen

sind.

Auch Mecklenburg–Vorpommern

ist gegen den Barmer-Vertrag

Bei einem Gespräch inBerlin bereinigten

Baumgärtner und Lang das Thema. Klar

ist nun: Die Teilnahme der MEDI Ärzte im

Nordosten am Hausärztevertrag bleibt

ohne Folgen. Jeder MEDI Verbund soll

regional entscheiden, wie er mit dem

heiklen Thema umgeht, ob er Sanktionen

beschließt und wie er diese durchsetzen

will. Klar ist aber auch: Die MEDI Spitze in

Mecklenburg–Vorpommern ist genauso

strikt gegen den Vertrag wie alle anderen

MEDI Verbünde.

„Ich war damals neu im Amt. Wir sind

vom Barmer–Vertrag überrannt worden“,

sagt Lang rückblickend. Er verweist auf

den großen Druck von Krankenkasse und

AUS M ECKLENBURG-VORPOMMERN

Barmer–Vertrag führt bei MEDI

nicht zum Zerwürfnis

Patienten auf die Hausärzte. Er appelliert

an alle Ärzte, den Vertrag genau zu lesen,

bevor sie sich entscheiden. Nach seiner

Ansicht müssten Ärzte dann eigentlich zu

dem Entschluss kommen, nicht zu unterschreiben.

Regional ist die Zustimmung zum

Barmer–Vertrag auch imNordosten sehr

unterschiedlich. So sind nach Langs Informationen

in Greifswald schon über 80

Prozent der Hausärzte beigetreten. KV–

Teilnahme am

Barmer–Vertrag

Zu Beginn des zweiten Quartals beteiligten

sich in Mecklenburg–Vorpommern

offiziell 598 Praxen oder 52 Prozent der

Hausärzte am Barmer–Vertrag. Damit

war die Beteiligung bei den Hausärzten

an der Ostsee etwas schwächer als in

den Nachbarländern Schleswig–Holstein

(offiziell 1097 Praxen oder 58 Prozent der

Hausärzte am 15.4.) und Hamburg (offiziell

659 Praxen oder 57Prozent der Hausärzte).

Weil bei den Meldungen immer ein

zeitlicher Rücklauf zu beachten ist,

schätzte die Krankenkasse die tatsächliche

Teilnahmequote schon in der zweiten

April–Hälfte aber auf rund 70 Prozent.

Allerdings zeigt sich, dass Widerstand

nicht von oben verordnet werden

muss.

Besonders in kleineren Orten gelingt

es Ärztegruppen, sich geschlossen zu verweigern.

KV–Chef Dr. Wolfgang Eckert

berichtet dies etwa aus Malchow in

Mecklenburg–Vorpommern. Ein anderes

Beispiel ist Neustadt in Schleswig–

Holstein, wo sich das örtliche Ärztenetz

nach intensiver Information und Diskussion

einstimmig gegen den Vertrag aussprach.

13

Chef Dr. Wolfgang Eckert nennt aber

auch Orte wie etwa Malchow, wo sich

Ärzte geschlossen gegen den Vertrag ausgesprochen

haben. Landesweit schätzte

die Barmer die Teilnahmequoteder Hausärzte

Anfang des II.Quartals auf rund 70

Prozent.

Nach Auffassung von Baumgärtner ist

diese Quote hauptsächlich auf die intensive

Promotion der Ersatzkasse und des

Hausärzteverbands für ihren Vertrag

zurück zu führen. „Das haben wir unterschätzt“,

räumt Baumgärtner ein. Eckert

nennt als weiteren Grund für den Erfolg

des umstrittenen Hausärztevertrages:

„Wir hätten die negativen Vertragsinhalte

früher kommunizieren müssen. Künftig

müssen wir vor Ort schnellere Aufklärung

leisten.“ Den teilnehmenden Ärzten dürfe

allerdings niemand Vorwürfe machen –

„wir sind alle auf dem falschen Fuß erwischt

worden.“

Baumgärtner machte aber auch deutlich,

dass er weiterhin für Sanktionen ist:

„MEDI muss ja oder nein zu einem Vertragsangebot

sagen. Sonst besteht die

Gefahr, dass wir zu einem Papiertiger

werden und andere die Preise bestimmen“,

so der MEDI Chef.

Dirk Schnack

KONTAKTE

MEDI Verbund MV e.V.

Friedrich–Engels–Ring 47

17033 Neubrandenburg

Tel. 0395 / 544 10 27

Fax 0395 / 544 19 72

info@medi-verbund-mv.de

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MEDITIMES


MEDITIMES AUS B ERLIN

IV-Verträge: Strapaziöse

Nagelprobe für Ärzte

Abgesehen von der Praxisgebühr hat

die integrierte Versorgung (IV) das lauteste

Echo im Zuge des GMG gefunden.

Bei allem Aktionismus sollten die niedergelassenen

Ärzte darauf achten,

welche Verträge die Gesamtvergütung

belasten –denn davon gibt es in Berlin

schon einige.

„Bis zu 1% der budgetierten Gesamtvergütung“

dürfen die Krankenkassen bei

uns abziehen und damit nach Gusto ausgewählte

Leistungen oder Leistungserbringer

fördern. Die BKK VBU hat in

Brandenburg gleich pauschal 1% jeder

Zahlung an unsere Schwester–KV einbehalten,

ohne ein dahinter stehendes

Brandenburger IV–Projekt von diesem

Volumen vorzuweisen. Das Brandenbur-

IHRE ANSPRECHPARTNER

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Zum Qualitätsmanagement:

Herr Köhler

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Frau Dietrich

Tel. 030 / 25 46 96 24

Fax: 030 / 25 46 96 27

ger Landessozialgericht verwehrte uns

Ärzten vorläufigen Rechtsschutz, jetzt

sind wir auf das Hauptverfahren gespannt.

Auch wir Berliner mussten die

BKK VBU in ihren finanziellen Begehren

stutzen, weil sie auch bei Methadonbehandlung

und Dialysesachkosten Abzüge

vornahm, obwohl beides nicht Teil

der Gesamtvergütung ist.

Das Muster der bisher vorliegenden

Verträge ist bedenklich: Hochpreisige

Versorgung einiger weniger Patienten

und einiger weniger Ärzte auf Kosten der

Regelversorgung. Bei der Vertragsgestaltung

sollten die Kollegen wenigstens darauf

achten, dass die aus der Gesamtvergütung

abgezogenen Beträge wieder bei

den Niedergelassenen ankommen. Denn

IV–Verträge, die auf Kosten der niedergelassenen

Ärztegehen,gibt es schon genügend:

Für einen ambulanten IV–Vertrag

Operationen in Berlin liegt der Abzug von

der Gesamtvergütung weit höher als der

Gesamtumsatz der beteiligten Vertragsärzte

(für Versicherte der beteiligten

Krankenkassen). Das nennt man zweimal

Weihnachten feiern, denn auch dieses

historische Honorar erarbeiten und erhalten

sie abgesichert in ihrem Individualbudget

weiter aus der geschrumpften

Gesamtvergütung, dazu noch die Vergütung

aus ihrem IV–Vertrag. Bei einem kardiologischen

Vertrag kalkulierten die

Kassen je Fall Kosten, die an die DRG–

Pauschalen des stationären Sektors heranreichen.

Selbst bei einem Punktwert

von 5,11 Cent würden sie dieselben Leistungen

im ambulanten Bereich für das

halbe Geld bekommen. Gar nicht reden

wollen wir von den Verträgen nach dem

Muster der Schloßparkklinik, bei dem

gleich gar keine Niedergelassenen beteiligt

waren, für den wir aber 100.000 Euro

zahlen sollten. Kein Wunder, dass die

Krankenkassen in den IV–Verträgen

strengste Schweigepflicht über die

Inhalte vereinbaren. Ehrliche Verträge

könnten immer offen gelegt werden.

Eine schmerzhafte Hebelwirkung der

14

1%–Abzüge erleben die von

Punktwerten lebenden Praxen.

Denn auch von allen in

Euro festgelegten Honoraranteilen

wie Labor oder extrabudgetäre

Zusatzverträge

werden die IV–Prozente abgezogen. Die

unverändert bestehenden Honoraransprüche

gegenüber der KV werden durch

Entnahmen aus dem Resthonorar aller

Ärzte über einen reduzierten Punktwert

bezahlt. Auch inden Honorartöpfen, wie

für das ambulante Operieren, werden die

kassenseitigen Abzüge aus dem allgemeinen

ärztlichen Honorar aufgefüllt.

Aus dem nur „1%“ Abzug werden auf der

Punktebene also leicht 1,5% –mithin fast

30% mehr Honorarverlust als erwartet.

Die Solidarität der Niedergelassenen

wird hier einer strapaziösen Nagelprobe

unterzogen. Wie lange wird eine IV-Praxis

Einkommensoptimierung auf Kosten der

Kollegen forcieren können, bis diese ihre

Überweisungen reduzieren? Mit solchen

Fragen wird sich MEDI befassen.

Burkhard Bratzke,

Vorstandsmitglied von MEDI Berlin

und der KV Berlin

MEDI Ärzte aus Berlin finden alle

wichtigen Termine im Internet unter

➜ www.MEDIBERLIN.de lersatz

KONTAKTE

MEDI Verbund Berlin

c/o HWS

Bleibtreustraße 24, 10707 Berlin

Tel. 030 / 88 70 99 75

Fax: 030 / 88 70 99 74

info@mediberlin.de

Ärzteinitiative

Vorsitzender: Dr. Wolfgang Mitlehner,

Turmstr. 21, 10559 Berlin,

Tel. 030 / 391 87 47

Fax: 030 / 399 03 889

wolfgang.mitlehner@t-online.de

MEDI GmbH Berlin

Geschäftsführer: Dr. Friedrich Kruse,

Tel. 030 / 831 32 61

dres.kruse@t-online.de


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MEDITIMES GESUNDHEITSPOLITIK

Ärzte und Berater –

keine einfache Sache…

Auch wenn die Erkenntnis bitter

schmeckt: Ärzte sind keine Experten

für Betriebswirtschaft, Steuern, Architektur

oder Recht. Ärztegruppen, die

eine Kooperation planen, brauchen

aber Sachverstand und Erfahrungen aus

allen diesen Bereichen. Doch Vorsicht:

Das Rundum–Sorglos–Paket gibt es

hier eigentlich nicht.

Der Auftrag

Sobald der Auftrag klar ist, sollten die

Ärzte mehrere Interessenten einladen.

Schon im Gespräch werden die verschiedenen

Schwerpunkte der Berater deutlich.

Und nebenbei wird klar, ob die

„Chemie“ stimmt.

Erfahrungen und Referenzen spielen

bei der Auftragsvergabe die größte Rolle:

Wer hat ähnliche Projekte schon begleitet?

Welche Tätigkeiten hat er dabei übernommen?

Und sind die ehemaligen Kunden

zufrieden? Spätestens im schriftlichen

Angebot werden neben der Erfahrung

und dem Fachwissen auch die Kosten

vergleichbar. Eine genaue Prüfung der

Angebote kann auf diverse Besonderheiten

hinweisen:

• Hat der Berater sich auf fassbare Ziele

und Termine festgelegt?

• Hat er auch die Anforderungen an die

Ärzte definiert?

• Oder steht eher eine Sicherung seiner

eigenen Einnahmen im Vordergrund?

Die Kosten

Berater arbeiten zu unterschiedlichen

Konditionen: Es gibt Tagessätze, Pauschalen

oder auch Gewinnbeteiligungen,

Kombinationen sind üblich und machen

das Problem nicht übersichtlicher. Die

Ärztegruppe sollte sich vorab klar darüber

sein, wie hoch die Kosten für die

Beratung überhaupt sein dürfen. Dazu

müssen sie zuerst den möglichen Nutzen

der Beratung klären: Wenn der zu erwartende

Umsatz des Ärztehauses nicht größer

ist als die der alten Praxen, woher

soll dann das Beratungshonorar fließen?

Wann funktioniert die Arbeit?

Im Rahmen der Auftragsvergabe werden

klare Ziele vereinbart, die sich auch messen

lassen. So hat es keinen Sinn, große

Summen auszugeben, ohne kontrollieren

zu können, ob der Berater sein Geld

auch wert ist.Wer einen Berater einschaltet,

braucht von diesem Zeitpunkt an eine

eigene Organisationsstruktur: Wer entscheidet

über die Kosten, wer prüft die

Ergebnisse des Beraters, wer sorgt für die

Dokumentation der Entwicklung und der

NACHGEFRAGT BEI:

Dr. Werner Baumgärtner

„Das Rundum–

Sorglos–Paket

ist eine Illusion!“

MEDITIMES : Herr Dr. Baumgärtner, als

niedergelassener Arzt planen Sie gerade

mit mehreren Kollegen ein Ärztehaus.

Dabei haben Sie nicht nur gute Erfahrungen

gemacht…

Baumgärtner: Das stimmt.Wir haben vor

allem gelernt, dass es das Rundum–

Sorglos–Paket nicht gibt. Auch wenn

man eine Beraterfirma beauftragt hat,

muss die Ärztegruppe alles mitverfolgen

und prüfen. Egal, ob es sich umKreditverträge

handelt, umden Kauf von Grundstücken

oder Immobilien, um Pläne und

Kosten. Wenn eine falsche Entscheidung

getroffen wird, sitzen die Ärzte in der

Falle –auch finanziell. Die Beraterfirma

übernimmt normalerweise keine Haftung,

deshalb muss vor jeder Unterschrift klar

sein, wer mit welchen Summen in die

Pflicht genommen werden kann.

16

Vereinbarungen? Und wer hat das Recht

zu sagen „Schluss, das war nichts“?

Die Ärztegruppe kann sich die Arbeit

aufteilen: Einer könnte Ansprechpartner

für die Rechts– und Steuerfragen sein,

ein anderer für alles, was mit dem

Gebäude zusammenhängt und ein dritter

kommuniziert die Entwicklung an die anderen

Partner. Aber ein Arzt muss den

Überblick haben, muss die Funktion des

Auftraggebers übernehmen und den Berater

kontrollieren oder –netter ausgedrückt

– sein Ansprechpartner sein.

Mehr Infos bei MEDI

Ökonom Stefan Weresch betreut seit Jahren

MEDI Ärzte, die sich zu Kooperationen

zusammenschließen wollen. Er berät

Ärztegruppen auch bei der Auswahl externer

Experten. Aus seiner Erfahrung

entpuppen sich auch folgende Punkte als

schwierig:

• Ist das Grundstück wirklich geeignet?

Ärgerliche Überraschungen sind etwa

Altlasten im Boden, Wegerechte Dritter

oder starke Stromleitungen in der

Nähe (z.B. Straßenbahn, Oberleitung),

die medizinische Geräte stören könnten.

Passt die Größe oder werden die

Baukosten durch Flächenverschwendung

aufgebläht? Auch der Bebauungsplan

ist genau zu prüfen: lässt er zu,

was die Ärzte wollen?

• Gibt es echte Alternativen bei Grundstück

und Finanzierung?

• Sind Vorschriften für Parkplätze oder

Begrünung zu beachten?

• Ist der Berater qualifiziert für die Planung

eines OP oder hat er bereits an

das Zuziehen eines Spezialisten gedacht?

• Beim Bau sollte berücksichtigt werden,

dass er irgendwann (in 20 oder 40 Jahren)

möglichst leicht für eine andere

Nutzung umgebaut werden können

soll (Büro, Wohnungen etc). Je mehr

Optionen, desto nachhaltiger der Wert

für die ärztlichen Investoren.

• Übernimmt der Berater vertraglich eine

Haftung für sein Tun?

Ruth Auschra


Das MEDI Positionspapier

zur Kostenerstattung

MEDI fordert die Kostenerstattung, da

sonst eine Weiterentwicklung des Gesundheitswesens

im Sinne von weniger

Staat, mehr Transparenz, mehr Wirtschaftlichkeit

und weniger Bürokratie

unmöglich sein wird. MEDI Baden–

Württemberg hat dazu ein Positionspapier

erstellt. Die MEDI Times hat die

wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Wege zur Kostenerstattung aus

ärztlicher Sicht

1. Kostenerstattung (KE) nach §13SGBV

als Wahlleistung des Versicherten (seit

2004 möglich)

2. Änderung des §13, damit auch Ärzte

und Psychotherapeuten die KE wählen

dürfen (unsere zentrale politische Forderung)

3. Kollektiver Verzicht auf die Zulassung

gemäß dem Verfahren der Kieferorthopäden

in Niedersachsen und Rechnungsstellung

nach § 95b

Zu 1. Im §13 heißt es: Versicherte können

anstelle der Sach– oder Dienstleistungen

Kostenerstattung wählen. Sie sind

vor ihrer Wahl von ihrer Krankenkasse zu

beraten. Eine Beschränkung der Wahl auf

den Bereich der ambulanten Behandlung

ist möglich. Die KE ist nur für bestimmte

Versicherte attraktiv, z.B. für diejenigen,

die schon eine Krankenhaus–Zusatzversicherung

haben. Profitieren können auch

Versicherte, die bei einer Krankenkasse

mit niedrigem Beitragssatz sind und eine

ambulante Zusatzversicherung für die KE

wählen. Ein solches Projekt läuft zur Zeit

in Nordbaden (siehe Artikel Seite7) .

Zu 2. Unsere Forderung ist eine Änderung

des §13Absatz 2: Versicherte und

Leistungserbringer können ... Kostenerstattung

wählen. Zu streichen ist der Satz:Sie

sind von ihrer Krankenkasse vor ihrer

Wahl zu beraten. Eine solche Regelung

würde einen Wettbewerb zwischen der

KE und dem Sachleistungssystem ermöglichen.

GESUNDHEITSPOLITIK

Zu 3. Das KV–System verweigert seinen

Mitgliedern jegliche Planungssicherheit

und die Bürokratie lähmt unsere Praxen.

Die Ärzte sind mit dem System unzufrieden,

der Nachwuchs bleibt aus. Deshalb

ist bei abnehmender Arztzahl zu erwarten,

dass es wegen zunehmendem staatlichem

Dirigismus, Aushebelung der KVen

durch Einzelverträge und externer Einmischung

in ärztliche Honorierung und

Behandlungsqualität, zu einer Flucht aus

dem jetzigen System kommt.

Die Vorgaben des §95 b sind angesichts

der jetzigen Situation fast eine Verbesserung.

Selbst wenn man nach einem

kollektiven Verzicht für 6Jahre keine

Zulassung als Vertragsarzt erhält, wirdman

sich erstens fragen, wie lange es das KV–

System in der jetzigen Form noch geben

wird. Zweitens ist die Reduzierung des

Vergütungsanspruchs gegen die Krankenkasse

auf das 1,0–fache des Gebührensatzes

der GOÄ kein Schreckgespenst im

Vergleich zu EBM und RLV.Bei zurückgehender

Arztzahl wird es sich auch keine

Regierung oder Krankenkasse leisten

können, Ärzte oder Ärztenetze, die ihre

Zulassung zurückgegeben haben, von der

Versorgung ihrer Patienten auszuschließen.

Vorteile der Kostenerstattung für:

PolitischVerantwortliche

• Mehr Wettbewerb, weniger Bürokratie.

• Mehr Transparenz für alle Beteiligten.

• Stärkung der Solidarität, weniger „Doktor–Hopping“.

• Arzt und Patient haben einen Behandlungsvertrag,

der Patient hat die freie

Arztwahl.

Patienten

• Der Arzt hat weniger Bürokratie und

wieder mehr Zeit für den Patienten.

• Der Patient sieht, wo sein Geld bleibt.

• Keine verdeckte Rationierung.

• Keine Wartelisten aufgrund von Budgetierung.

Die Leistungen in der GOÄ unterliegen

17

MEDITIMES

keiner Zeittaktung. Jeder Patient, auch

der GKV–Patient, ist dann Privatpatient.

Die Zweiklassenmedizin entfällt.

Krankenkassen

• KE und Kassenleistungen in der KE

wären ein Wettbewerbsinstrument.

• Mehr Transparenz und weniger Vollkaskomentalität

ermöglichen Kostensenkungen.

• Weniger „Doktor–Hopping“ und Chipkartenmissbrauch.

Die Krankenkassen befinden sich in

einem echten Wettbewerb.

Ärzte

• Mehr Planungssicherheit für die Arztpraxen

und weniger Bürokratie.

• Prüfungsorgien und Kosten für ein aufwändiges

Prüfsystem in der Selbstverwaltung

entfallen.

• Der Arztberuf wird wieder attraktiver,

es lassen sich wieder mehr Ärzte nieder.

Das ist für eine flächendeckende

Patientenversorgung wichtig.

KVen

• KE und ihre Gestaltung könnte eine

neue Aufgabe für die KVen werden.

Dazu bräuchten die KVen aber wieder

größere Spielräume. Sonst bleiben ihnen

nur Versorgungsbereiche, die die

Krankenkassen nicht organisieren wollen

oder können.

Was ist zu tun?

1. MEDI will alle politischen Parteien zur

KE ansprechen. Inden Programmen von

CDU und FDP erscheint die KE bereits

als Ziel einer nächsten Gesundheitsreform.

2. Die KE muss den Patienten transparent

gemacht werden.

3. Die ärztlichen Verbände sollen ein eindeutiges

Votum zur KE treffen. Andere

Verbände, wie das Bürgerforum oder

das liberale Netzwerk, sollten an der

Verbreitung mitbeteiligt werden.

4. Die Ärzte müssen stärker informiert

werden. Zudem muss klar sein, dass

auch die KE nicht alle Probleme des

Gesundheitswesens lösen wird.

Angelina Schütz


Foto: Auschra

KV? Nein danke!

Die Unzufriedenheit der niedergelassenen

Ärzte mit ihren Standesvertretern

wächst, viele sehen sich durch ihre KV

im Stich gelassen. Deshalb wollte der

erste „Ärztetag von unten“ die Ärzte an

der Basis zu aktuellen Themen informieren

und wachrütteln. Spätestens

bei der Podiumsdiskussion „Mit oder

ohne KV in die Zukunft“ dürfte das den

Organisatoren auch gelungen sein: Im

Publikum kochten die Emotionen hoch

und so mancher KV-Funktionär überraschte

durch ungewohnte Offenheit.

Die KVen schaden der Interessenvertretung

aller Vertragsärzte, weil sie ihnen

das Gefühl geben, ihre Interessen zu vertreten,

obwohl sie das nicht können“,

schimpfte der KV–Chef aus Mecklenburg-

Vorpommern, Dr. Wolfgang Eckert. „Die

Consults wurden dafür geschaffen, die

Ärzte weiter im Zwinger zu halten und

die heutige Regierung hat die Freiberuflichkeit

längst abgeschafft.“ Eckerts

düsteres Szenario brach über den Ärzte-

GESUNDHEITSPOLITIK

Nutzten gerne die Möglichkeit

zur Diskussion:

Ärzte auf dem „Ärztetag von unten“.

tag wie ein Gewitter herein – sodeutliche

Worte aus dem Mund eines KV–

Funktionärs hatte keiner erwartet. Was

viele schon öfter hörten oder ahnten –

endlich sprach es einer aus. Einer der

weiß, wie es an der KV–Front aussieht.

Ins gleiche Horn blies auch der Berliner

KV–Vize und MEDI Vorstandsmitglied

Dr. Uwe Kraffel: „Man darf nicht

glauben, dass die KVen die Interessen

ihrer Ärzte vertreten könnten, denn dafür

fehlt ihnen das Druckmittel“, machte

Kraffel klar. Deshalb müssten die Ärzte

künftig Themen wie Kostenerstattung

oder Praxisschließungen ernsthaft anpakken

und bitte schön auch umsetzen.

„Spätestens mit der Gründung der MEDI

Verbünde sind wir auf dem richtigen

Weg“, fügte der Augenarzt hinzu.

KVen sind keine Söldner

der Ärzte

Doch das leuchtete dem Publikum nicht

ein. Warum Parallelorganisationen und

neue Gruppierungen? Schließlich habe

man doch KVen,

sollen die doch

endlich was tun.

„Sie sind doch

unsere Söldner“,

schmetterte ein

aufgebrachter Arzt

den KV–Vorsitzenden

auf dem Podium

entgegen. Dem widersprach der

MEDI Vorsitzende Dr. Werner Baumgärtner.

Die KVen seien leider nur

„Marionetten des SGB V“. Dann fügte er

noch hinzu: „Die gewählten Vertreter

mutieren in ihren Ämtern zu Staatsdienern.

Sie vergessen, wo sie hergekommen

sind und welche Probleme die

Basis hat.“ Baumgärtner appelliert deshalb

andie Ärztebasis, nicht nur zu kritisieren,

sondern aus eigenen Kräften

etwas zu tun. „Alle Befürworter des EBM

18

Die KVen schaden der

Interessenvertretung ihrer Ärzte“:

KV-Chef Wolfgang Eckert

aus Mecklenburg-Vorpommern

Die Ärzte müssen endlich

anfangen, außerhalb

des Systems zu denken

2000plus wurden bei den letzten KV–

Wahlen wiedergewählt“, empörte sich

der MEDI Chef. „Hier müssen sich die

Ärzte an die eigene Nase fassen.“ Das sah

Wolfgang Eckert,

selbst überzeugtes

MEDI Mitglied,

genauso: „Ich unterstützeBaumgärtnerhundertprozentig

in seiner

Forderung, dass

wir endlich anfangen

müssen, außerhalb des Systems zu

denken“, appellierte er an seine Kollegen.

„Aber dafür brauchen wir Bataillone“.

Organisatoren zeigten sich

sehr zufrieden

Beim Publikum kam der erste „Ärztetag

von unten“ sehr gut an. „Die Referenten

und die Podiumsteilnehmer waren besser

als wir dachten und das Publikum hat

sehr gut mitdiskutiert“, freute sich Organisator

Franz–Josef Müller. Schade nur,


Der Berliner KV–Vize

Uwe Kraffel will,

das die Ärzte „Drohszenarien

auch umsetzen.“

dass kaum mehr als 120 Ärzte am 9.April

den Weg in den Ferdinand–Sauerbruch–

Hörsaal der Berliner Charité gefunden

haben. Ursprünglich hatten sich rund 200

interessierte Ärzte angemeldet und vorab

eine Teilnehmergebühr von 100 Euro bezahlt.

Seinen Ursprung hatte der Ärztetag

im Leserforum des Internetmediums

„Facharzt.de“. Dort hatten einige Ärzte

erkannt, dass ihre Kollegen zu wenig

über bestimmte Problembereiche im

Gesundheitswesen wissen. Also wurde

die Idee geboren, diese öffentlich zu

machen und so einen Veränderungsprozess

anzustoßen. „Mit unserem Ärztetag

wollten wir die breite Ärzteschaft

erreichen. Nur wer informiert ist, kann

auch Entscheidungen treffen“, ist Müller

überzeugt. Er muss es wissen. Schließlich

stellt der gelernte Volkswirt sein Wissen

und sein Einschätzungsvermögen zu

gesundheitspolitischen Themen den Ärzten

regelmäßig bei den Leserforen von

„Facharzt.de“ zur Verfügung.

GESUNDHEITSPOLITIK

Aber auch äußerlich wollte sich der

Ärztetag von unten“ ganz klar vom traditionellen

Deutschen Ärztetag abgrenzen:

Statt prächtiger Konferenzräume mit

Catering–Service wählten die Veranstalter

den alten Hörsaal der Charité. Studentenflair

statt Funktionärs–Glamour - auch

bei der Verpflegung: Für die Mittagspause

musste man sich seine Stulle selbst

mitbringen oder eines der umliegenden

Cafés ansteuern.

Zweiter „Ärztetag von unten“

noch unklar

Ob es den „Ärztetag von unten“ im nächsten

Jahr wieder geben wird, weiß Müller

noch nicht. Er will diese Entscheidung

davon abhängig machen, wie die Ärzte

mit den Informationen, die ihnen der

Ärztetag vermittelt hat, umgehen. „Wenn

es dann nur heißt, dass es dort ganz nett

war, aber zwei Tage später alles wieder

vergessen wird, brauchen wir mit Sicherheit

keinen zweiten Ärztetag“, erklärt er.

Angelina Schütz

19

Fotos: Ärztetag von unten

„Das Problem sind nicht die KVen an sich,

sondern ihr körperschaftlicher Status“:

Der MEDI Vorsitzende

Werner Baumgärtner.

KOMMENTAR

Wo sind die

Bataillone?

MEDITIMES

Wer etwas bewegen will, braucht Mitstreiter.

Und zwar möglichst viele. Deshalb

haben Werner Baumgärtner, Wolfgang

Eckert oder Uwe Kraffel durchaus

recht, wenn sie fordern: Ihr wollt den

Ausstieg aus dem KV–System? Dann gebt

uns Bataillone, die uns geschlossen folgen.

Doch hier stoßen sie auf Widerstand

bei der ärztlichen Basis. Bataillone? Wozu?

Man hat doch die KV–Fürsten. Sollen

die doch die geknechteten Ärzte auf die

grünen Auen führen.

Und genau hier liegt das Problem:

Wer so denkt, hat noch nicht verstanden,

dass alle politischen Parteien Wettbewerb

und Abschaffung der KVen fordern.

Darauf müssen sich die Ärzte jetzt vorbereiten.

Zudem sind die KV–Funktionäre

nach der Reform der KVen Angestellte

einer Körperschaft des öffentlichen

Rechts und somit dem Gesetzgeber

unterworfen.

Deshalb können nur freie ärztliche

Organisationen wie MEDI die Niedergelassenen

fit für den Wettbewerb der Zukunft

machen –bei zunehmender Entmachtung

der KVen. Aber dafür müssen

die Niedergelassenen auch bereit sein,

sich fachübergreifend und einheitlich zu

organisieren und mit einer Stimme zu

sprechen. Die Strukturen außerhalb des

Systems sind da –man muss sie nur nutzen.

Angelina Schütz


MEDITIMES GESUNDHEITSPOLITIK

MEDI und Ärztegenossenschaften

entdecken Gemeinsamkeiten

Der MEDI Verbund und die Ärztegenossenschaften

haben ihr Interesse an

einer bundesweiten Kooperation deutlich

gemacht. Beide Parallelorganisationen

sehen durch einen Schulterschluss

bessere Perspektiven für eine

schlagkräftige Vertretung der niedergelassenen

Ärzte.

„Wir müssen die Ärzte dort abholen, wo

sie stehen. Viele sind überzeugte Anhänger

von Genossenschaften, andere der

MEDI Idee. Dabei sollten wir es belassen“,

sagt der Vorsitzende von MEDI Deutschland,

Dr. Werner Baumgärtner. Damit

dürfte er bei vielen Ärzten in beiden Verbünden

auf Zustimmung stoßen.

Was aber spricht dagegen, die Anhänger

der beiden Konzepte bei gleichen

Auffassungen an einem Strang ziehen zu

lassen? Nichts, findet Baumgärtner. Er

sieht sogar wichtige Gemeinsamkeiten

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STEMPEL

zwischen MEDI und den Ärztegenossenschaften.

Zum Beispiel den „riesengroßen

Druck, sich zu organisieren“. Beide

Organisationen arbeiten daran, die Niedergelassenen

fachübergreifend so zu

organisieren, dass sie im Wettbewerb

nicht weiter auseinanderdriften.

Oder das gemeinsame Eintreten für

die Kostenerstattung, die beide Organisationen

etablieren wollen und deshalb seit

Monaten an Konzepten feilen. Baumgärtner

verspricht sich davon größere Planungssicherheit

für die Praxen und zugleich

weniger Bürokratie.

Die Signale für eine engere Zusammenarbeit

haben aus beiden Lagern zugenommen.

Als die Ärztegenossenschaften

im April ihren Bundesverband gründeten,

war der erste Schritt getan. Zuvor

waren sie nur in einem losen Verbund

unter einem Dachverband organisiert. Zugleich

stellten die Genossen noch auf

20

ihrer Gründungsversammlung fest: „Der

Bundesverband der Ärztegenossenschaften

wird sich gleich gesinnten Bündnissen

öffnen oder durch Kooperation strategische

Allianzen bilden.“ Baumgärtner

reagierte darauf mit dem Angebot für einen

„Schulterschluss“ und sagte: „Wir

sollten ein gemeinsames Dach zwischen

MEDI Deutschland und dem Dachverband

der Ärztegenossenschaften anstreben.“

Ein hoher Organisationsgrad

ist wichtiger denn je

Der MEDI Chef sieht als wichtigstes Ziel

für MEDI und die Genossenschaften, einen

möglichst hohen Organisationsgrad

zu erreichen. MEDI hat bundesweit rund

12.000 Mitglieder, die Genossenschaften

rund 10.000. Damit können nach Baumgärtners

Auffassung beide Verbünde

nicht zufrieden sein. „Eigentlich müssten

wir einen Run erleben“, sagt er angesichts

des gesundheitspolitischen Umfelds

in Deutschland.

Ähnlich sieht es Dr. Rainer Woltmann.

Der neben Dr. Klaus Bittmann zweite

Sprecher der Ärztegenossenschaften hält

ein gemeinsames Volumen von 30.000

bis 40.000 Mitglieder für realistisch. Optimistisch

stimmt ihn besonders der Zulauf

zu einigen regionalen Verbünden wie

etwa in Hessen und Südwürttemberg.

Zugleich weiß er aber, dass die Parallelorganisationen

in vielen Regionen spät

dran sind. „Die Zeit drängt, das hat der

Barmer–Hausärztevertrag gezeigt. Solche

Verträge lassen sich mit lokalen Bündnissen

nicht mehr wirksam bekämpfen“,

sagt der niedersächsische Neurologe und

Psychiater.

An die Stelle der KV als fachübergreifende

Vertretungen müssten nun die Parallelorganisationen

treten –deshalb das

Ziel der „strategischen Allianz“. Von der

ärztlichen Basis hat Woltmann zu diesen

Bestrebungen bislang ausschließlich positive

Signale empfangen. „Es geht ja hier

um ein Zusammenwirken. Keine Organisation

soll ihre Identität aufgeben.“ Auch

Baumgärtner hält eine über ein gemeinsames

Dach hinausgehende Verschmelzung

von MEDI und Genossenschaften

zur Zeit nicht für sinnvoll.

Dirk Schnack

Übersatz


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21

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GESUNDHEITSPOLITIK

Nicht alle Barmer–Patienten

profitieren vom Hausarztmodell

Wie könnte der Barmer–Vertrag inder

Realität aussehen? Stellen wir uns vor,

das Ehepaar Bernd und Bärbel Armer

und ihre zwei Kinder sind bei der

Barmer familienversichert und wohnen

in Stuttgart–Feuerbach. Beide erhoffen

sich vom Barmer–Vertrag Einsparungen.

1.Schritt –

Auswahl des Hausarztes

Da in Stuttgart–Feuerbach nur die Gemeinschaftspraxis

eines Arztehepaares

am Barmer–Modell teilnimmt, schreiben

sich Bernd und Bärbel dorte ein. Beide

sehen die Möglichkeit, gemeinsam bis zu

60 EuroimJahr anPraxisgebühr zu sparen.

2. Schritt –

Auswahl der Hausapotheke

Bernd und Bärbel haben Glück: Nur 327

Meter von ihrer Wohnung gibt es eine

Apotheke, die ebenfalls am Barmer–Vertrag

teilnimmt.

1.Quartal 2005

Die Familie Armer fährt über die Faschingszeit

zu Bekannten nach Köln.

Unverhofft wird Bernd dort krank und

muss zumArzt.Da sein Barmer–Hausarzt

aber in Stuttgart sitzt, muss Bernd zum

Hausarzt seiner Bekannten in Köln und

dafür 10Euro Praxisgebühr berappen. Die

verordneten Medikamente holt er sich in

einer Kölner Apotheke. Seine Hausapotheke

in Stuttgart erfährt davon nichts,

dadurch ist die Medikamentenverordnung

nicht mehr koordiniert.

2. Quartal

Der Hausarzt der Familie Armer hat über

Pfingsten Urlaub. Leider wird Bernd in

dieser Zeit krank. Er geht 490 Meter zu

seiner ehemaligen Hausärztin (was ihm

ziemlich unangenehm ist). Dort bezahlt

er brav seine Praxisgebühr. Dieses Mal

kann er aber wenigstens seine Medikamente

in seiner Hausapotheke direkt auf

dem Heimweg abholen.

Bärbel möchte zu einer Untersu-

chung zu ihrer Gynäkologin. Da sie ein

zwei Monate altes Baby hat und der Weg

zum Hausarzt sehr steil und lang ist, geht

sie einfach direkt zu ihrer Gynäkologin,

die nur 810 Meter von ihrer Wohnung

entfernt ist. Was Bärbel aber nicht wusste:

Obwohl sie als Barmer–Versicherte

ohne Überweisung ihres Hausarztes

direkt zum Augenarzt oder Gynäkologen

gehen darf, muss sie trotzdem 10Euro

Praxisgebühr bezahlen.

3. Quartal

Bernd ist wieder krank – die Sommergrippe

hat ihn erwischt. Dieses Mal ist

sein Barmer–Hausarzt da. Da Bernd fast

40Grad Fieber hat, möchte er sich nicht

ans Steuer setzen. Er läuft die 898 Meter

zu Fuß. Da er in diesem Jahr zum ersten

Mal zu seinem Hausarzt geht, muss er

10Euro Praxisgebühr bezahlen. Anschließend

geht er mit seinem Rezept die 914

Meter zu seiner Hausapotheke. Schließlich

schleppt er sich noch die restlichen

327 Meter wieder nach Hause.

Da Bärbel erneut zu ihrer Gynäkologin

möchte, sich aber dieses Mal die

Praxisgebühr sparen will, holt sie sich

eine Überweisung von ihrem Hausarzt.

Da sie aber in diesem Jahr ebenfalls das

erste Mal zu ihm geht, muss auch sie dort

10Euro Praxisgebühr bezahlen. Nach

2811 Metern Fußweg kommt sie müde

nach Hause.

4.Quartal

Die Familie Armer ist gesund.

Medikamente

Bisher hat Bernd die Selbstmedikation

für die Familie über das Internet gekauft.

Er konntedadurchimletzten Jahr 55 Euro

im Vergleich zur Hausapotheke einsparen.

Das darf er im Barmer–Vertrag nicht

mehr.

Fazit

Die Einsparung der insgesamt 60 Euro

Praxisgebühr hat nicht hingehauen, dafür

22

MEDITIMES

hatten die Eheleute 55Euro Mehrausgaben

bei der Selbstmedikation. Bernd und

Bärbel waren mehr zu Fuß unterwegs

und haben ihre freie Arzt- und Apothekenwahl

aufgegeben.

Thomas Rademacher

Die Tücken des

Barmer–Vertrags

Auf den ersten Blick mag eine Teilnahme

am Barmer–Vertrag für die Ärzte

verlockend sein. Doch leider gilt auch

hier: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

• „Die Apotheker werden nicht aus

dem 1%–Topf bezahlt.“ Wenn dem so

wäre, wäre der Barmer–Vertrag gar kein

Integrationsvertrag und somit rechtswidrig.

Nach § 140 SGB V müssen alle

Partner, die an einem IV–Vertrag teilnehmen,

auch aus dem IV–Topf bezahlt werden.

Das würde aber bedeuten, dass die

Ärzte einen Teil ihres Geldes an die

Apotheker abgeben müssten.

• „Die Hausärzte holen sich Geld aus

den Krankenhäusern zurück.“ Hier wurde

die Rechnung offensichtlich ohne den

Wirt gemacht. Die Krankenhäuser, die

2/3 in den IV–Topf einzahlen, werden

ihren Teil kaum an die Hausärzte abgeben.

Im Gegenteil: Die Barmer hat bundesweit

jetzt schon mit mehreren Kliniken

IV–Verträge zur Knie–Hüft–Endoprothese

abgeschlossen. Das heißt, die Kliniken

(und nicht die Hausärzte!) holen sich ihr

Geld aus diesen Verträgen zurück. In einigen

Regionen, soheißt es, ist der 1%–

Topf bereits leer.

• „Wer mitmacht, profitiert von einem

5.Quartal.“ Bundesweit stehen 41 Millionen

Euro für den Barmer–Vertrag zur

Verfügung, in Baden–Württemberg sind

es 5 Millionen Euro. Die Gesamtvergütung

beträgt bundesweit 22 Milliarden Euro, in

Baden–Württemberg 3Milliarden Euro.

Stellt man diese Zahlen einander gegenüber,

fiele ein zusätzliche Honorar an die

Hausärzte bestenfalls im Promillebereich

aus. Darüber hinaus käme es aus der

Gesamtvergütung. as


MEDITIMES BUSINESS

Erweiterte Prävention als Chance

für mehr Freiberuflichkeit

MEDI entwickelt im Gegensatz dazu

ein eigenes Konzept zur Erweiterten

Prävention, in dem Ärzte als Experten

für Gesundheit und Krankheit die maßgeblichen

Betreuer sind. Die neuen

Freiheiten des Berufsrechts ermöglichen

hier völlig neue Perspektiven in

sogenannten Teilgemeinschaftspraxen.

Einerseits wird durch das Präventionsgesetz

ein neuer staatlich finanzierter Bereich

des Gesundheitswesens geschaffen,

aus dem die Ärzte ferngehalten werden.

Andererseits zieht sich der Staat über

Leistungskürzungen und zunehmende

Selbstbeteiligung im GKV–System immer

weiter aus Prävention und Kuration zurück.

Der Bedarf der Menschen an einer

qualifizierten medizinischen Behandlung

wird aber nicht geringer. Im Gegenteil

steigern demographische Alterung, medizinischer

Fortschritt und ein zunehmendes

Gesundheitsbewusstsein die Nachfrage

nach ärztlichen Leistungen.

Privatmedizin im Umbruch

Nicht nur die Gesetzliche Krankenversicherung

(GKV)ist im Umbruch. Folgendes

wird sich voraussichtlich inden kommenden

Jahren ändern:

• Aus jeder gestrichenen GKV–Leistung

wird per definitionem eine neue IGeL.

• Kostenerstattung macht zunehmend

aus Kassenpatienten Privatpatienten.

Die privaten Krankenversicherungen

erhöhen Selbstbehalte und prüfen verstärkt

Rechnungen, um „Gründe“ dafür

zu finden, bestimmte Rechnungen nicht

zu erstatten. Das verwandelt den privat

Versicherten in einen Selbstzahler.

• Erweiterte Prävention: Die Wohlstandskrankheiten

betreffen immer größere

Teile der Bevölkerung. Hier hat ein Umdenken

bei den Beteiligten begonnen,

das zu einer verstärkten Nachfrage bei

den Ärzten führen wird.

Erweiterte Prävention –

ein weites Feld

Der Begriff Erweiterte Prävention ist der

Versuch, diesen Teil des Wandels im Gesundheitswesen

auf den Punkt zu bringen.

Leider stehen durch die ständigen

Änderungen im System keine allgemeinen

Begriffe zur Verfügung. In MEDI sollen

deshalb Kostenerstattung und Erweiterte

Prävention als Synonym für die Aktivitäten

im oben beschriebenen privatmedizinischen

Bereich dienen. Ein dritter

Begriff ist in diesem Zusammenhang die

Teilgemeinschaftspraxis.

Eine Teilgemeinschaftspraxis für

ganz MEDI Baden–Württemberg

Seit der Änderung der Musterberufsordnung

2004 dürfen Ärzte ihre Sprechstunde

an bis zu drei Standorten abhalten,

auch begrenzt auf bestimmte Leistungen

wie etwa Prävention. Das gilt

allerdings nur für die privatärztliche Tätigkeit.

Diese privatärztlichen Sprechstunden

können auch von mehreren Ärzten gemeinsam

in sogenannten Teilgemeinschaftspraxen

abgehalten werden. MEDI

hat gemeinsam mit Rechtsanwalt Schade

ein Modell entwickelt, damit die Ärzte die

neuen Möglichkeiten nutzen können.

Dabei können alle Ärzte und Psychotherapeuten

aus Baden–Württemberg

einer Partnerschaftsgesellschaft beitreten,

23

die unter einem gemeinsamen Namen

an mehreren Orten Präventionsleistungen

anbietet. Die individuelle Therapiefreiheit

bleibt dabei gewahrt. Der

Vorteil einer Partnergesellschaft besteht

darin, dass Motivationspauschalen für die

Überweisung von Patienten möglich

sind. Und davon profitieren Überweiser

und Behandler gleichermaßen. Die Ärzte

reichen alle entsprechenden Rechnungen

bei einer Privatabrechnungsstelle

ein, die das Geld bei den Patienten einzieht

und nach einem bestimmten

Schlüssel an Überweiser und Behandler

verteilt. So haben Ärzte weniger Verwaltungs–

und Inkassoaufwand.

Zeichen setzen

Dieses Modell könnte natürlich auch auf

lokaler oder regionaler Ebene umgesetzt

werden. Aber MEDI will damit ein Zeichen

setzen: Wenn tausende Ärzte gemeinsam

etwas Neues tun, signalisiert

das der Öffentlichkeit, dass die Ärzteschaft

selbständig agiert. MEDI will die

ärztliche Freiberuflichkeit in therapeutischer

und wirtschaftlicher Hinsicht stärken.

Die Erweiterte Prävention in einer

Teilgemeinschaftspraxis ist ein weiterer

Schritt auf diesem Weg.

Medizinische Inhalte gesucht

Die angebotenen Leistungen müssen

natürlich medizinisch sinnvoll sein, dem

aktuellen medizinischen Wissensstand

entsprechen und einen fairen Preis haben.

Im Unterschied zum GKV–System

bestimmt der Einzelne hier selbst über

Qualität und Wirtschaftlichkeit – imDialog

mit dem Patienten. Das erfordert aber

auch eine kollegiale Toleranz, von den

anderen nicht zu erwarten, dass ihr

medizinisch–ethischer Standpunkt dem

eigenen entsprechen muss.

Stefan Weresch


MEDITIMES BUSINESS

Die wichtigsten MEDI Verträge

auf einen Blick

Vertragsgegenstand

Ambulante prä- und

poststationäre

Versorgung bei Knie–

Hüft–Endoprothese,

Operation der Endoprothese,

stationärer

Aufenthalt wie bisher

➔ Integrationsvertrag

gem. §§140aff.

Werksärztliche

Betreuung nicht krank

geschriebener

Arbeitnehmer

➔ Integrationsvertrag

gem. §§140aff.

Hausarztorientierte

Versorgung chronisch

Kranker, ambulantes OP,

Reduzierung stationärer

Einweisungen

➔ Integrationsvertrag

gem. §§140aff.

Vertragspartner

Barmer Baden-Württemberg

mit

• Klinik Markgröningen

• Vulpiusklinik Bad

Rappenau

DAK mit

• Klinik Markgröningen

• Vulpiusklinik Bad

Rappenau

Abschluss voraussichtlich

zum 01. 06.05:

IKK und BKK

Landesverband BW mit

• Klinik Markgröningen

• Vulpiusklinik Rappenau

• Klinik am Eichert

Göppingen

• Pforzheim

• Geislingen

• BKK Daimler–Chrysler

• AOK RP

• Techniker Krankenkasse

• Südpfalz–Kliniken

AOK Rheinland–Pfalz

Ärztliche Leistung und

beteiligte Fachgruppen

1. Prästationär Orthopäde/Chirurg

(Beratung, Ganzkörperstatus,

Röntgen, Befundbericht)

2. Prästationär Internist /Hausarzt

(nur auf Anweisung Akutarzt)

(Beratung, Ruhe–EKG, Spirographie

Lunge, Labor, Befundbericht)

3. Poststationär Orthopäde, Chirurg

(Unters., Röntgen, Befundbericht,

Ganganalyse)

Dermatologe, Orthopäde und Internist

halten in bestimmtem Turnus nachmittags

eine Sprechstunde für nicht krank

geschriebene Werksangehörige ab.

Räume, Geräte und sonstiges Personal

werden vom Werk gestellt.

Ggf. Überweisung an Hausarzt. Der

Internist kommt aus der Südpfalz–Klinik.

Das Modell wurde von MEDI entwickelt

und soll das Primärarztmodell aus

§73cSGB Versetzen. Der Vertrag mit der

AOK RPist ein Integrationsvertrag.

Ein ähnlicher Vertrag wurde auf der

selben Basis von der KV Nordwürttemberg

abgeschlossen.

• Primärzugang zum FA bleibt erhalten

• HA erhält Arztbrief und entscheidet

über Weiterbehandlung durch HA

oder FA alleine bzw. durch beide

• Zweitmeinungsverfahren bei

stationärer Einweisung

• Umsetzung Grundsatz:

ambulant vor stationär

Der Vertrag gilt nur für chronisch Kranke.

24

Honorierung Arzt

1. 105,– Euro

(jeder Patient)

2. 90,– Euro

(auf Anweisung Akutarzt)

3. 90,– Euro

(jeder Patient)

12,50 Euro jePatient pauschal,

mindestens jedoch 100,– Euro

je geleisteter Stunde.

Fahrtkosten inbegriffen.

Hausarzt erhält für Entgegennahme

Bericht 3,50 Euro.

1. Der Hausarzt bekommt für die

Information, Beratung und

Betreuung des Patienten eine

Pauschale von 44,– Euro pro

Jahr.

2. Der Facharzt erhält als Betreuungspauschale

16,– Euro pro

Jahr.

3. Für das Zweitmeinungsverfahren

erhält der Facharzt

15,– Euro.

Nur der zusätzliche Aufwand für

die Integrationsversorgung wird

honoriert. Die ärztliche Leistung

selbst wird nach wie vor über die

KV abgerechnet. Das schont den

1–Prozent–Topf.


Vertragsgegenstand

Akuter Hörsturz

Vertrag ist auch für

Nichtmitglieder geöffnet

➔ Integrationsvertrag

gem. §§140aff.

Vertragspartner

BKK und IKK

Landesverband Baden-

Württemberg

(die einzelnen BKKen

schreiben sich einzeln ein

➔ aktuelle Liste

im Internet ).

BUSINESS

Ärztliche Leistung und

beteiligte Fachgruppen

MVZ in der Hand von

Niedergelassenen? Na klar!

Wo früher Krankenhäuser aus öffentlichen

Geldern subventioniert wurden,

ist das Geld heute knapp. Ein Krankenhaus

zu schließen heißt für Politiker

aber immer, Wählerstimmen zu verlieren.

Also muss eine Alternative her wie

ein Medizinisches Versorgungszentrum

(MVZ). Die Krankenhausträger und die

privaten Anbieter denken zunächst an

eigene MVZ mit angestellten Ärzten,

um Zuweisungen zu sichern. Doch hier

haben niedergelassene Ärzte eine

echte Chance: Sie könnten in leerstehende

stationäre Einrichtungen einziehen

und MVZ in eigener Trägerschaft

aufbauen.

1. Behandlungs-Komplex I (HNO)

3Tage alternativ:

a. Infusion (HNO)

b. Orale Therapie (HNO):

1. und 3.Tagbeim Arzt

2. BehandlungskomplexII

Bei nicht ausreichender Besserung

nach KomplexI

7–tätige Infusionstherapie:

a. KomplexII a

(Hausarzt /Internist /Notfallpraxis

am Wochenende): 6 Tage Infusion

b. KomplexII b(HNO):

1Infusion und Untersuchung

3. Psychotherapie auf Anweisung des

HNO–Arztes (drei probatorische

Sitzungen je 50 Min.)

4. Hausärztlich/internistische Untersuchung

mit Abklärung vaskulärer

Risikofaktoren.

5. Abschließende Hörprüfung (HNO)

nach 3 Monaten mit epikritischer

Bewertung anhand Befundbogen

Die technische Ausstattung und der Fortschritt

führen zu hohen Investitionen, die

einzelne Ärzte kaum noch bewältigen.

Vielerorts stehen aber Kliniken oder Teile

davon leer. Die Kommunen wären dankbar,

wenn dort Ärzte einziehen würden,

schließlich sind (günstige) Mieter besser

als ungenutzte Immobilien. Insofern

könnten anfangs einige Ärzte mit Teilpraxen

einsteigen, insbesondere wenn nach

dem neuen EBM ihr Zeitlimit überschritten

ist. Je nach Bausubstanz und Verhandlungsgeschick

könnten Ärzte günstige

Mietpreise erzielen oder ein Gebäude

preiswert kaufen.

Die Standorte der Krankenhäuser sind

25

Honorierung Arzt

MEDITIMES

a. 233,– Euro incl. Medikamente

b. 128,– Euro incl. Medikamente

a. 206,– Euro incl. Medikamente

b. 60,– Euro incl. Medikamente

223,50 Euro

(74,50 Euro jeSitzung)

58,– Euro

47,– Euro

Stefan Weresch

meist gut,da sie verkehrstechnischgut erreichbar

sind. Es gibt ausreichend Räumlichkeiten,

so dass auch Projekte wie ambulante

Reha–Einrichtungen oder Institute

für Nahrungsergänzung sehr gut Platz

finden. Kleine Belegabteilungen sind

ebenfalls denkbar, umder Bevölkerung

eine erste Anlaufstelle zu bieten.

Auf keinen Fall sollten Ärzte dieses

Feld den Krankenhausträgern überlassen.

Es gibt Regionen, in denen Landkreise

mit staatlichen Geldern ingrößerer Entfernung

zu alteingesessenen Kliniken Arztpraxen

aufkaufen, um ein MVZ zu errichten.

Für die Kliniken ist das selbstverständlich

ein strategischer Vorteil, da sie

Einweisungen in ihrem Sinne beeinflussen

können. Solch eine Versorgung ist

aber wesentlich teurer als eine mit mittelständischen

flexiblen Strukturen.

Werner Conrad


MEDITIMES PRAXISMANAGEMENT

Wenn der Finanzbeamte

dreimal klingelt…

„Da ist der Betriebsprüfer vom Finanzamt“

–fühlen Sie bei dieser Vorstellung

eine Mischung aus Ohnmacht, negativer

Vorahnung, Unwissenheit und

Schuldgefühlen? Dann gehören Sie zur

großen Mehrheit der Freiberufler. Aber

als Steuerpflichtiger haben Sie auch

bei der Betriebsprüfung Rechte, die

Ihre Position stärken.

Wen darf das Finanzamt prüfen?

Grundsätzlich zulässig ist eine steuerliche

Außenprüfung bei allen Gewerbetreibenden,

Freiberuflern sowie Land- und Forstwirten.

Bei Vermietern und Kapitalanlegern

muss das Finanzamt einen erhöhten

Sachaufklärungsbedarf schriftlich

nachweisen, umeine Außenprüfung zu

rechtfertigen. In jedem Fall wird die

Prüfung mindestens zwei Wochen zuvor

durch eine detaillierte Prüfungsanordnung

schriftlich angeordnet. Mitgeteilt

werden die zu prüfenden Jahre und

Steuerarten. Schon hiergegen verspricht

der Einspruch Erfolg, wenn etwa das

26

Finanzamt einen Prüfungszeitraum

von fünf statt der

üblichen drei Jahre wählt.

Wo und wann darf das

Finanzamt prüfen?

Streitbefangen ist oft der

Prüfungsort. Aus Gründen

der besseren „Übersicht“ soll

er oft beim Steuerpflichtigen

stattfinden. Allerdings lassen

die beengten Verhältnisse

beim Steuerpflichtigen oft ein

Umverlegen des Prüfungsortes

zum Steuerberater geboten

erscheinen.

Einspruch ist auch nötig,

wenn der Termin der Prüfung

– etwa in der Hauptsaison

oder bei Urlaub des Unternehmers

– absolut nicht

passt. Wird dennoch von Seiten

des Finanzamts auf dem

Termin bestanden und die

Prüfungsanordnung nicht aufgehoben,

kann alles, was

sich der Prüfer an Informationen

rechtswidrig angeeignet

hat, zu einem Verwertungsverbot

führen. Sollte das Finanzamt

unversteuerte Einnahmen finden, bleiben

diese unversteuert.

Was ist tabu?

Für den Betriebsprüfer tabu sind alle Jahre

und Steuerarten, die nicht in der Prüfungsanordnung

ausdrücklich genannt

sind. Möchte der Prüfer hier dennoch hineinschauen,

somuss er eine erweiterte

Prüfungsanordnung vorlegen, was nur

für weitere zwei Jahre möglich ist.

Geprüft werden können auch Zeiträume,

die bereits bestandskräftig sind, also für

die der Vorbehalt der Nachprüfung nach


§164 AO nicht gilt. Ob die Bescheide geändert

werden können, hängt oft von der

Dokumentation des zu beurteilenden

Sachverhalts in der Steuererklärung ab.

Hat der Steuerpflichtige in der Vergangenheit

alle Aufwendungen für die Renovierung

eines Hauses als Kosten abgesetzt

und diese in der Steuererklärung

durch Belege dokumentiert, kann das

Finanzamt seine Rechtsansicht zum

Nachteil des Steuerpflichtigen nicht mehr

ändern, in dem es die Baukosten zu

Gewinnen macht. Denn bei bestandskräftigen

Steuerbescheiden muss der

Prüfer dem Steuerpflichtigen nachweisen,

dass es sich bei der Prüfungsfeststellung

um eine für das Finanzamt neue

Tatsache handelt, also noch nicht aktenkundig

ist.

Was müssen und können Sie tun?

Der Steuerpflichtige ist immer zur Mitwirkung

verpflichtet. Das gilt sogar bei

Eröffnung eines Steuerstrafverfahrens.

Würde sich der Steuerpflichtige durch die

Mitwirkung selbst belasten, darf die

Finanzbehörde seine Mitwirkungspflicht

nicht mit Zwangsmitteln durchsetzen.

Der Steuerpflichtige kann hier de facto

die Aussage verweigern. Um die Mitwirkungspflicht

nicht rechtswidrig zu erlangen,

muss der Betriebsprüfer den Steuerpflichtigen

rechtzeitig von einer etwaigen

Einleitung eines Strafverfahrens informieren.

Andernfalls gilt wieder ein Verwertungsverbot.

In jedem Fall sollte der Steuerpflichtige

– möglichst schon bei Prüfungsbeginn

–einen schriftlichen Bericht über die

Feststellungen anfordern. Der Prüfer ist

nicht verpflichtet, dem Steuerpflichtigen

einen Prüfungsbericht zu geben, wenn er

diesen nicht zuvor verlangt hat: Denn

ohne schriftlichen Bericht tut man sich in

der Schlussbesprechung, die ebenfalls

separat beantragt werden muss, schwer,

fundierte Gegenargumente vorzubringen.

Hier hat man Gelegenheit, seine Sicht der

Dinge vorzubringen. In früheren Jahren

konnte man hier mittels einer ausgeprägten

Basarmentalität das steuerliche

Mehrergebnis herunterhandeln. Das geht

heute nicht mehr so leicht, denn der

Prüfungsbericht geht in der Finanzverwaltung

noch durch mehrere Hände.

PRAXISMANAGEMENT

AUTOR

Christoph Platz ist Steuerberater und

vereidigter Buchprüfer bei der metax,

einem Verbund unabhängiger Steuerberater,

die sich auf die Wirtschafts–

und Steuerberatung von Ärzten und

Zahnärzten spezialisiert haben. In ganz

Deutschland betreuen die metax–

Steuerberater 1.500 Ärzte.

Mehr Infos finden Sie im Internet unter:

➜ www.metax.de

Fazit

Auch wenn es so scheint - das letzte Wort

hat nicht der Außenprüfer. Das heimische

Finanzamt entscheidet letztendlich darüber,

ob die Rechtsansichten und Feststellungen

des Betriebsprüfers in einen

Steuerbescheid eingehen oder nicht.

Gegen diesen Bescheid sind alle Rechtsbehelfe

wie Einspruch, Klage und Aussetzung

der Vollziehung möglich. Es besteht

also kein Grund, feuchte Hände zu bekommen.

Wie immer ist die professionelle

Wahrung ihrer Interessen der Schlüssel

zum Erfolg.

Dipl.–Kfm. Christoph Platz

27

MEDITIMES

QM:Was haben

wir davon?

Die Vorteile für den Praxisbetrieb

zusammengefasst:

• Klare Anweisungen für wiederkehrende

Aufgaben bringen mehr Sicherheit

und weniger Zeitverlust.

• Bei Unklarheiten kann jeder Mitarbeiter

im Handbuch nachschlagen –

auch zu Bereichen, die er bisher kaum

kannte.

Die Zeit, die nicht mehr für Nebensächlichkeiten

gebraucht wird, steht

den Patienten zur Verfügung. Der

Praxisablauf wird insgesamt runder

und individueller.

Die Tage, andenen man abends nicht

mehr weiß, wo einem der Kopf steht,

sind weniger geworden, bei identischer

Inanspruchnahme und identischem

Tätigkeitsprofil der Praxis.

• Der Feierabend gelingt bisweilen früher,

ist aber unbelasteter, weil weniger

„Vorgänge offen“ sind.

• Klare Zuständigkeiten innerhalb des

Teams verhindern Missverständnisse

und Missmut.

• Sicher lassen sich Prozesse kostengünstiger

darstellen, wenn sie besser

organisiert sind. Eine Praxis unserer

Struktur verändert das Ergebnis aber

eher über die Einnahmenseite, als

über die Ausgabenseite: Einige zufriedene

Patienten mehr, die das weitersagen

und die Inanspruchnahme der

Praxis erhöhen, bringen mehr, als

wenn wir Einmalhandtücher 30 Cent

billiger einkaufen.

• Wir wissen jetzt, was Zertifizierung

bedeutet und was sie kann. Es ist

daran nichts Mystisches, Unerreichbares

oder Elitäres! Wir sind uns einig:

Unter dem Strich war das QM eine

sinnvolle Investition.

Dr. Wolfgang Miller,

Chirurg aus Leinfelden-Echterdingen


MEDITIMES

Vertragswirrwarr –

Stress in der Praxis?

Disease–Management–Programme

(DMP), Verträge zur Hausarztzentrierten

Versorgung und Integrationsverträge

–haben Sie noch den Überblick?

Sicher ist nur, dass alle diese Verträge

einen erhöhten Verwaltungsaufwand

verursachen. MEDI Verträge sorgen

immerhin für zusätzliche Einnahmen –

es macht also Sinn, nach einer Lösung

mit möglichst wenig Aufwand und viel

Ertrag zu suchen.

„Mal sehen, ob die Patienten

überhaupt mitmachen“

Wer so denkt, wartet erst mal ab, logisch.

Das hat den Vorteil, dass man nichts

unternehmen muss. Der Nachteil ist aber

ebenso deutlich: Die Patienten sprechen

mit dem Team und dem Arzt über dies und

jenes – und auch über den neuen Vertrag.

Je mehr Einzelverträge es gibt, desto

mehr Einzelgespräche müssen Sie führen.

Zeit sparender ist es dagegen, sich

rechtzeitig zu entscheiden, an welchen

Verträgen die Praxis aktiv teilnimmt.

Wenn das entschieden ist, geht es darum,

möglichst viele passende Patienten

zum Einschreiben zu bewegen –jemehr,

desto besser! Wenn Sie nur wenige

Patienten pro Vertrag haben, ist die unproduktive

Einarbeitungszeit in das Ver-

PRAXISMANAGEMENT

tragswerk pro Patient hoch. Je mehr

Patienten Sie in einem Vertragswerk haben,

desto günstiger ist Ihr Verhältnis von

bürokratischem Aufwand zu Einnahmen.

Um Patienten anzusprechen, brauchen

Sie nicht viel: Einen erklärenden

Serienbrief, eine Info–Veranstaltung über

die Argumente für den Vertrag und vielleicht

noch einen festen Sprechstundentermin

zum Einschreiben, fertig. Wenn

eine der Arzthelferinnen zur Vertragsspezialistin

wird, werden Sie auch bei der

Dokumentation entlastet.

Desaster-Management?

Auch wenn es passt: DMP heißen wirklich

nicht Desaster–Management–Programme!

Allerdings bringen sie zusätzliche

Aufgaben in die ambulante Versorgung.

So haben sich etwa die Schulungsinhalte

und –umfänge geändert. Mit dem

Aufbau von Patientenschulungsvereinen

hat MEDI bereits dafür gesorgt, dass

Ärzte mit diesem Problem nicht alleine

gelassen werden.

Nicht in jeder Praxis war es bisher

schon üblich, Patienten regelmäßig zur

Kontrolle einzubestellen. Wie groß der

zusätzliche Aufwand mit der Terminverwaltung

ist, hängt auch von der Form der

Terminplanung ab: Reicht das Terminbuch

28

Damit einzelne Ärzte

nicht im Vertragswust versinken,

handelt MEDI eigene Verträge

für seine Mitglieder aus.

oder muss eine Software her? Machen

Sie den Test: Wenn Frau Müller anruft,

weil sie leider wieder einmal vergessen

hat, wann sie das nächste Mal zur

Fußinspektion kommen sollte: Wie lange

brauchen Sie, um ihren Termin zu finden?

Und wie aufwändig ist ein Serienbrief

zum Recall oder als Information für

potenziell teilnehmende Patienten?

Wer nicht mitmacht,

hat trotzdem Stress

Die aktuellen Hausarztverträge bieten

unschönes Anschauungsmaterial dafür,

wie Arztpraxen von einem Vertrag tangiert

werden, für den sie sich eigentlich

gar nicht interessieren: Dafürchtet mancher

Arzt um seine Patienten,die vielleicht

zum billigen Barmer–Hausarzt wechseln,

vielleicht aber auch mit Erklärungen zum

Bleiben animiert werden könnten. Also

wird inder Praxis wieder mal geredet, leise

geflucht und argumentiert. Auch diese

Erklärungen über die Nachteile eines Vertragswerkes,

andem man sich aus gutem

Grund nicht beteiligt, sind aufwändig.

Auch hier sollten Sie die Informationsarbeit

deshalb systematisch angehen:

Durch Info–Zettel, Informationen, Anzeigen

oder vielleicht auch ein Plakat. Noch

wichtiger ist allerdings ein Gespräch mit

den Arzthelferinnen. Hier ist sorgfältige

Überzeugungsarbeit gefragt.

Ruth Auschra

MEHR INFOS

Brauchen Sie Handzettel, z.B. zum

Barmer–Vertrag? Oder Hilfe beim

Aufbau eines Patientenschulungsvereins?

Ihr MEDI Team hilft Ihnen gerne

weiter.

MEDI Verbund

Tel. 0711/ 80 60 79-0

Fax: 0711/ 80 60 79-50

info@medi-verbund.de


PRAXISMANAGEMENT

„Medizinalltag.de“ –

Der Blick hinter die Kulissen

Online–Tagebücher, sogenannte Weblogs,

sind stark imKommen –hier verbreiten

sich Informationen rasend

schnell. Unter www.medizinalltag.de

berichten Ärzte der Öffentlichkeit, wie

schwer es die immer weiter ausufernde

Bürokratie und die immer knapperen

Geldmittel machen, Patienten zu

versorgen.

„WANZ–Medizin eben“, schreibt ein Arzt

und erklärt: „Jedem Kassenpatienten stehen

nur Maßnahmen zu, wie sie im Sozialgesetzbuch

genau klassifiziert sind.“

Das bedeutet: Jede Maßnahme, sei sie

diagnostischer oder therapeutischer

Natur, darf danach nur „notwendig“ sein,

sie darf nicht besser als „ausreichend“

sein, sie muss außerdem „wirtschaftlich“

und „zweckmäßig“ sein. Die Anfangsbuchstaben

dieser vier Begriffe zungengerecht

sortiert ergeben das neue Schlagwort

„WANZ“. Andere Ärzte erklären den

Spagat, in dem sie täglich zwischen

„WANZ“ und Medizin auf dem neuesten

wissenschaftlichen Stand stehen, erklären

Regresse und schildern ihren bürokratischen

Arztalltag.

Auch massive Zukunftsängste kommen

zur Sprache. Eine HNO–Ärztin sorgt

sich angesichts immer weiter zurückgehender

Honorare um die Zukunft ihrer

Helferinnen, die sie wohl bald entlassen

muss. In anderen Beiträgen können Patienten

nachlesen, was Budgets für ihren

Arzt bedeuten und welche Blüten das

ärztliche Abrechnungswesen treibt.

Patienten die alltäglichen

Probleme vor Augen führen

Ins Leben gerufen wurde das Projekt

von unserem Online–Nachrichtendienst

„Facharzt.de“. Es geht auf eine Idee unserer

Leser zurück, die enttäuscht über die

schlechte öffentliche Darstellung der Ärzteschaft

sind und ihren Patienten etwas

anderes vermitteln wollen als angebliche

Abrechnungs– und Korruptionsskandale.

Die Ärzte bei „Medizinalltag.de“ wollen

der Öffentlichkeit vermitteln, mit welchen

alltäglichen Schwierigkeiten sie durch

gesetzliche Reglementierungen, Finanzknappheit

und ausufernde Bürokratie zu

kämpfen haben.

„Medizinalltag.de“ ist ein Weblog von

Ärzten für alle Interessierte. In einem

typischen Weblog hält ein Autor (der

Blogger) seine „Surftour“ durch das Internet

fest, indem er zu besuchten Seiten

einen Eintrag schreibt. Es gibt aber auch

Fach–Weblogs, in denen ein Autor Artikel

zu einem bestimmten Thema veröffentlicht.

Andere Blogger erzählen auf ihrer

Webseite Einzelheiten aus ihrem Privatleben.

Weblogs sind keine Alternative zu

(Online–)Zeitungen, sondern eine Ergänzung.

Im Idealfall reagieren Weblogs

schneller auf Trends oder bieten weiterführende

Informationen bzw. Links zu

bestimmten Themen. Die Gesamtheit

aller Weblogs bildet die Blogosphäre.

Ein Aufruf auf dem ersten „Ärztetag

von unten“ reichte, umgleich eine ausreichend

große Zahl von Autoren zu gewinnen.

Auch die ersten Patienten registrierten

sich gleich, um die Einträge der

Ärzte zu kommentieren. Wir wissen noch

nicht, wohin der Weg genau führt. Bei

diesem Projekt entscheiden alle Teilnehmer,

was draus wird.

Im nächsten Schritt destilliert die

Redaktion von „Facharzt.de“ aus den Weblogs

Texte, setzt diese inein ansprechendes

Layout und stellt sie den Lesern als

PDF-Dokument zum Download zur Verfügung

–auch dies auf Leserwunsch. Wir

von Facharzt.de sind von vielen Ärzten

angesprochen worden, die im Wartezimmer

gezielt über die Situation in der

ambulanten Medizin berichten wollen.

Die PDF–Dokumente lassen sich ausdrucken

und auslegen.

Und so geht’s

Ärzte registrieren sich namentlich bei

Facharzt.de und können danach sofort

ein Online–Tagebuch anlegen. Sie sind

29

AUTOR

MEDITIMES

Dr. Bernd Guzek ist ausgebildeter

Krankenpfleger und Arzt, aber seit Anfang

der 90er in der medizinischen

Fachpresse tätig und Geschäftsführer

des Promedico–Verlages. 2000 gründete

er den Online–Nachrichtendienst

„Facharzt.de“ und moderiert dort als

Chefredakteur auch die für Laien

geschlossenen Arztforen. Dort gehen

täglich zwischen 150 und 600 neue

Beiträge von Ärzten deutschlandweit

ein, die Themen reichen von politischen

Diskussionen bis zu Kollegenhilfe

bei Problemen mit der Praxissoftware.

der Redaktion namentlich bekannt, treten

aber im frei zugänglichen Bereich der

Weblogs nur unter einem Pseudonym

auf. Eigenwerbung und medizinische Beratung

von Laien sind Ärzten im Internet

untersagt, über ihren Alltag dürfen sie

aber frei berichten. Interessierte Laien

können die Tagebücher lesen. Nur wenn

sie etwas kommentieren wollen, müssen

sie genauso wie die Ärzte Basisdaten angeben.

Dr. Bernd Guzek


MEDITIMES PRAXISTEAM

NACHGEFRAGT BEI

CLAUDIA KAPLAN, 54

ARZTFACHHELFERIN

& PRAXISMANAGERIN

AUS STUTTGART

Was ist der Schwerpunkt Ihrer beruflichen

Tätigkeit?

Organisation, Empfang, Abrechnung,

Umsetzung aller Neuerungen –eigentlich

alles, was anfällt.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Ich mag die Patientenkontakte und

gebe mein umfangreiches Fachwissen

gerne weiter.

Und was nicht so?

Die ständigen praxisfernen Neuerungen,

die den Patienten und den Teams

das Leben schwer machen und Frust

verursachen.

Haben Sie ein berufliches Ziel?

Für mich persönlich habe ich eigentlich

alles erreicht. Für die Arzthelferinnen

insgesamt wünsche ich mir eine stärkere

Berücksichtigung ihrer Kompetenz,

weg vom Bild der Hilfskraft.

Was tun Sie, um den Alltagsstress zu

verkraften?

Faulenzen, Musik hören, lesen, spazieren

gehen –ganz nach Lust und Laune.

Mit wem würden Sie gerne maleinen

Abend verbringen?

Mit den Politikern, die uns den Praxisalltag

schwer machen.

Das Kassieren der

Praxisgebühr ist Teamarbeit!

Die Praxisgebühr bleibt ein Ärgernis im

Praxisalltag. Damit die Arbeit trotzdem

einigermaßen reibungslos läuft, sind

nicht nur die Mitarbeiterinnen am

Empfang gefordert, sondern auch der

Arzt als Chef des Unternehmens.

Der Praxischef gibt vernünftigerweise

klare Anweisungen, wie zu verfahren ist,

wenn beispielsweise…

• ein Patient ohne Überweisungsschein

am Empfang hoch und heilig verspricht,

die Überweisung „ganz schnell“ vorbei

zu bringen.

• ein Patient mit Überweisung,aber ohne

Chipkarte, amEmpfang steht.

• ein Patient wegen einem kleineren Problem

anruft,die Praxisgebühr in diesem

Quartal aber noch nicht bezahlt hat.

Natürlich lassen sich diese Fragen gut im

Rahmen einer Teamsitzung klären. Die

Aufgabe der Praxisleitung besteht darin,

für eine einheitliche Linie zu sorgen.

Jede Menge Arbeit…

Gerade die Patienten, die ihre Überweisungsscheine

nachreichen wollen, verursachen

im Praxisalltag jede Menge Arbeit.

Dabei ist die Rechtslage eigentlich klar:

Ein Rückzahlungsanspruch des Versicherten

durch die nachträgliche Vorlage einer

Überweisung oder eines Befreiungsausweises

ist durch den Bundesmantelvertrag

ausgeschlossen (§18 Abs.1 letzter

Satz BMV-Ä, §21Abs.1 letzter Satz EKV).

Trotzdem geben viele Teams Patienten

ohne Überweisungsschein eine Chance,

den Schein nachzureichen. Der Grund

dafür ist einfach: Arzt und Arzthelferinnen

möchten Ärger vermeiden. Es ist

ihnen unangenehm, den Patienten am

Empfang zu erklären, dass sie Überweisungen

nicht nachreichen dürfen. Dass

sie entweder zehn Euro zahlen müssen

oder einen neuen Termin bekommen, zu

dem sie dann bitte den Überweisungsschein

mitbringen.

30

Wie verfahren Sie

mit Patienten, die den Ü-Schein

nachliefern wollen?

In manchen Praxen gibt es solche oder

ähnliche Pfand–Regelungen: Der Patient

zahlt zehn Euro und bekommt dafür eine

Quittung, allerdings keine Praxisgebühr-

Quittung, sondern eine handgeschriebene

Pfand–Quittung. Das Geld wird

schließlich nicht als Praxisgebühr verbucht,

sondern als Pfand in der Kasse

hinterlegt. Eine Kopie der Quittung bewahrt

sich die Arzthelferin zur Sicherheit

auf. Sinnvollerweise wird vereinbart, bis

wann der Patient mit dem Überweisungsschein

kommt und der Vorgang in

die Wiedervorlageliste aufgenommen.

DER MEDI TIPP

Klare Linie

bei der

Praxisgebühr

Seit Anfang des Jahres gibt es bei uns

eine klare Regelung für die Praxisgebühr:

entweder der Patient hat 10 Euro

dabei oder eine Überweisung. Wer nur

zur Vorsorge kommt oder minderjährig

ist, braucht natürlich nichts zu zahlen.

Der erste Schritt war, dass wir auf

einer Teamsitzung den Beschluss gefasst

haben, das „Ehrenamt für Krankenkassen

und die Politik“ in unserer

Praxis ab 2005 auf ein Minimum zu reduzieren.

Für die Patienten haben wir

einen Zeitschriften–Artikel zum Thema

Praxisgebühr und Überweisungsschein

kopiert und auf den Empfangstresen

gelegt.So wusstejeder gleichBescheid.

Die befürchtete Flut von Beschwerden

blieb aus!

Claudia Kaplan


Bringt der Patient den Ü–Schein dann

vorbei, bekommt er sein Geld zurück und

unterschreibt seinerseits eine Quittung,

dass er das Geld zurückerhalten hat.

Bringt der Patient den Überweisungsschein

nicht im vereinbarten Zeitraum

vorbei, wird inmanchen Praxen noch telefoniert

und erinnert, in anderen werden

die hinterlegten 10,-Euro zur Praxisgebühr

erklärt und entsprechend verbucht.

Ziemlich viel Arbeit für die Praxis,

oder? Arbeit, die die Mitarbeiterin am

Empfang jedes Mal minutenlang beschäftigt,

ohne dass die Praxis einen Cent

damit verdient. Sicher, Sie wollen keinen

Ihrer Patienten verlieren –aber müssen

Sie deshalb Zeit opfern, um diese kostenlose

Arbeit zu erledigen? Sie haben die

Praxisgebühr nicht erfunden, Sie verdienen

nichts daran, Sie haben keinen

Grund, für die Nachlässigkeit Ihrer Patienten

zu bezahlen. Aber allzu viele Ärzte

und Praxisteams tun genau das.

Sie wollen die Situation ändern?

• Schritt 1: Klärende Teamsitzung: Ab

1. 10.05 soll bei uns folgende Regelung

gelten –Regelung aufschreiben!

• Schritt 2: Um unnötige Diskussionen

abzukürzen, formulieren Sie am besten

eine schriftliche Patienteninfo (vielleicht

auch ein Plakat zum Aufhängen

am Empfang: „Sorry, aber wir dürfen

nicht mit Ihnen über die Praxisgebühr

diskutieren“)

• Schritt 3: Umsetzen – und zwar ohne

Ausnahme!

Ruth Auschra

PRAXISTEAM

STICHWORT:

MEDI Verbund

Was genau ist der MEDI

Verbund?

MEDI ist der größte fachübergreifende

Ärzteverbund für niedergelassene Ärzte

und psychologische Psychotherapeuten

in Deutschland. Bundesweit gibt es

rund 12.000 Mitglieder. Im Gegensatz

zu vielen anderen Ärzte–Organisationen

besitzt MEDI auch ein eigenes

Unternehmen, das von Ärzten für Ärzte

geleitet wird. Dank dieses Unternehmens,

der MEDI Dienstleistungs GmbH,

können MEDI Ärzte auch imBusiness–

Bereich tätig werden. MEDI ist in

Baden–Württemberg, Rheinland–Pfalz,

Berlin, Hessen, Mecklenburg–Vorpommern

und Westfalen–Lippe aktiv.

Warum wurde MEDI

überhaupt gegründet?

MEDI wurde vor 6 Jahren von niedergelassenen

Ärzten gegründet, um ihre

Wettbewerbs–Chancen im Gesundheitssystem

zu verbessern. Das Problem ist

nämlich, dass die niedergelassenen

Ärzte auf der einen Seite immer mehr

vom Staat dirigiert werden (siehe Praxisgebühr,

DMP) und auf der anderen

Seite ihre eigenen Interessen immer

weniger umsetzen dürfen. Und das,

obwohl der Arztberuf ein freier Beruf ist.

Gleichzeitig bekommen die Arztpraxen

immer stärkere Konkurrenz durch

Krankenhäuser, medizinische Versorgungszentren

oder Kapitalgeber, die

ambulante Behandlungsstrukturen aufbauen

wollen. Alle wollen ambulante

Konkurrenz zu den Arztpraxen aufbau-

31

MEDITIMES

en, insbesondere dort, wo sich Geld verdienen

lässt. Damit die niedergelassenen

Praxen nicht auf der Strecke bleiben,

arbeitet MEDI Konzepte aus, wie

Kliniken und Praxen künftig miteinander

statt gegeneinander arbeiten können.

Was hat unsere Praxis

von MEDI?

Der MEDI Verbund ist auf 3 Ebenen tätig:

1.Er bietet den MEDI Praxen viele

Dienstleistungen an, wie z.B. EBM-

Schulungen oder eigene Programme

zum Qualitätsmanagement. Darüber

hinaus arbeitet MEDI eigene Vertragsund

Kooperations-Konzepte aus, und

stellt sie den Mitgliedern zur Verfügung.

Das alles ist für die niedergelassenen

Ärzte heutzutage sehr wichtig,

damit sie ihre Praxen besser führen

können.

2. Wer Mitglied im MEDI Verbund ist,

kann über Einkaufsgemeinschaften

günstige Business-Angebote, wie z.B.

günstigen Praxisbedarf, nutzen.

3. MEDI macht für seine Mitglieder die

politische und standespolitische Arbeit.

Das heißt, MEDI setzt sich auf

dieser Ebene für Praxen ein und versucht

seine Ziele und Interessen

gegenüber der Politik, den Krankenkassen

und Krankenhäusern umzusetzen.

MEDI versucht also, die niedergelassenen

Arztpraxen trotz schwieriger Bedingungen

im Gesundheitssystem am

Leben zu erhalten – und damit auch die

Arbeitsplätze der Arzthelferinnen.

Übrigens klagt der MEDI Vorsitzende

Dr. Werner Baumgärtner seit letztem Jahr

auch gegen die Praxisgebühr. Baumgärtner

will erreichen, dass die Krankenkassen

das Inkasso der Praxisgebühr

übernehmen – schließlich kommt ihnen

die Gebühr zugute.

Angelina Schütz


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