Die Ärzte müssen endlich anfangen, außerhalb des Systems zu ...

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Die Ärzte müssen endlich anfangen, außerhalb des Systems zu ...

MEDITIMES AUS B ADEN-WÜRTTEMBERG

Am 16. April hatten sich interessierte

Ärzte inSinsheim versammelt, um sich

auf dem Zukunftskongress über die

drängenden gesundheitspolitischen

Fragen zu informieren und auszutauschen.

Initiator der Veranstaltung war

die Nordbadische Ärzte-Initiative (nai).

Insbesondere Vorstandssprecher und

Facharzt für Allgemeinmedizin Dipl.–

Pol. Ekkehard Ruebsam–Simon zeigte

sich engagiert und informiert.

Die drängenden Probleme der Gesetzlichen

Krankenversicherung (GKV) sind

bekannt und belasten wohl den Arbeitsalltag

jedes niedergelassenen Arztes: Wie

geht es weiter mit der GKV? Können wir

uns eine medizinische Komplettversorgung

überhaupt noch leisten? Und wer

soll wie viel bezahlen? Ist Kostenerstattung

die Lösung? Wie könnte ein Wettbewerbskonzept

für den Gesundheitsmarkt

aussehen? Egal, ob Ärzte, Patienten

oder Politiker: Alle möchten in Zukunft

über eine bessere, billigere und effizientere

medizinische Versorgung verfügen –

nur schade, dass die Umsetzung an die

Quadratur des Kreises erinnert.

Reagieren Politiker nur auf

Zwang und Druck?

Hochkarätige Redner waren nach Sinsheim

gekommen, soetwa Dr. rer. Dipl.–

„Der Gesetzgeber

reagiert nur auf

Finanzengpässe“

gab der Ökonom

Prof. Eckhard Knappe

zu bedenken.

Wo, bitte, geht’s hier zur gesundheitspolitischen

Perspektive?

Ökonom Eckhard Knappe, Professor für

Gesundheitsökonomie an der Universität

Trier. Die Steuerungsmöglichkeiten im

Gesundheitswesen sieht er emotionslos:

„Der Gesetzgeber“, so Knappe, „steuert

das Gesundheitswesen nicht wirklich, er

reagiert nur auf Finanzengpässe“. Wirklich

einschneidende Veränderungen erwartet

er erst dann, wenn die Sachzwänge

durch den demographischen Wandel

tatsächlich massive Reaktionen erforderlich

machen. Das wird etwa 2012 der Fall

sein, vermutet der Ökonom. Bis dahin

werden seiner Überzeugung nach weiter

die Krankenkassen die Qualität und

Kosten des Gesundheitswesens austarieren.

Für Knappe immer noch besser, als

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wenn der Staat die Steuerungsfunktion

ernsthaft übernimmt und Leistungen herauskürzt.

In diesem Fall, soder Experte,

werde nämlich dort gekürzt, wo am

wenigsten Widerstand besteht. Mit

einem Wort: Wer sich nicht gegen die

politischen Änderungen wehren kann,

sieht alt aus –diese Zielgruppe kommt

als erste dran.

Schlagabtausch bei der

Podiumsdiskussion

Zwischen Ärzten und Politik scheint jede

Menge zerbrochenes Porzellan zu liegen.

Das zeigt sich auch während der Podiumsdiskussion:

Die Diskussion zwischen

Hilde Mattheis (SPD–Politikerin und immerhin

Mitglied im Ausschuss für Gesundheit

und Soziale Sicherung) und Dr.

Werner Baumgärtner wurde ungewöhnlich

scharf, als Mattheis davon sprach,

dass es mit ihrer Regierung feste Punktwerte

geben werde. Baumgärtner hält

die Realität dagegen: Schließlich sei der

betriebswirtschaftlich kalkulierte Punktwert

von 5,11 Cent gerade von der SPD–

Regierung gekippt worden!

Das Publikum scheint wenig Vertrauen

in diese Politikerversprechen zu haben.

Jedenfalls findet wohl kaum ein Zuhörer

die Versuche der Politik, Lösungsvorschläge

zu erarbeiten, noch komisch oder gar

konstruktiv. „Es gibt keinen Mangel an

Vorschlägen und Analysen, wohl aber

einen Mangel an Taten“, so Ruebsam–

Simon. Und weiter: „Alles ist gesagt worden,

jetzt gilt es zu tun!“ Richtig, aber findet

der Auftrag auch Gehör?

Ruth Auschra

Sorgte für Empörung

beim Publikum:

SPD-Politikerin

Hilde Mattheis.

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