Die Ärzte müssen endlich anfangen, außerhalb des Systems zu ...

mediverbund

Die Ärzte müssen endlich anfangen, außerhalb des Systems zu ...

NACHGEFRAGT BEI:

Ekkehard

Ruebsam–Simon

MEDITIMES :Herr Ruebsam–Simon, interessieren

sich Ärzte eigentlich so sehr für

Politik? Haben Sie deshalb den Zukunftskongress

jetzt schon zum zweiten Mal

auf die Beine gestellt?

Ruebsam–Simon: Sie interessieren sich

viel zu wenig für die „allgemeine“ Politik,

ihr Blick ist eher röhrenförmig auf die Berufspolitik

oder auf noch kleinere Einheiten

wie Berufsverbände gerichtet. Von

der allgemeinen wirtschaftspolitischen

und sozialen Entwicklung hängt aber entscheidend

der Fortgang der Gesundheitspolitik

ab. Ich nenne nur die Stichworte

„demographischer Wandel“ und „medizinischer

Fortschritt“. Oder denken Sie an

die Entwicklung der Globalisierung mit

Billigjobs und Reintegration der ehemaligen

DDR! Alles das sind Faktoren, die die

Gesundheitspolitik, die ja über die Lohnabhängigkeit

an die allgemeine Politik

gekoppelt ist, entscheidend prägen.

Wir haben den Kongress ein zweites

Mal organisiert, da wir der Meinung sind,

dass wir unsere erste eher optimistische

Annahme einer kompletten Privatisierung

des GKV–Systems zur Zeit nicht erreichen

können und haben die realistischere Variante

eines „kombinierten“ Systems aus

Umlage plus Kapitaldeckung untersucht.

MEDITIMES :Hier waren einige kluge und

AUS B ADEN-WÜRTTEMBERG

engagierte Fachbeiträge zu hören. Meinen

Sie, der Politik fehlt es an solchem

Sachverstand?

Ruebsam–Simon: Inder Tat. Der beschämendste

Eindruck war der der intellektuellen

Dürftigkeit der vorgetragenen Positionen

der Politikverständigen. Obwohl

die Enquete–Berichte der Kommission

zum demographischen Wandel schon seit

zehn Jahren vorliegen, ist die Politik in

ihren öffentlichen Erklärungen noch nicht

auf der Höhe dieses Wissens angekommen.

Inzwischen kann sich keiner mehr

herausreden, er hätte die Entwicklung

nicht gekannt – ist in jeder Buchhandlung

als Bundestagsdrucksache zu beziehen…

MEDITIMES :Sie hatten ja einige Vertreter

aus der Politik eingeladen…

Ruebsam–Simon: Ja, die haben uns

dann versetzt bis auf die SPD. Frau Widmann–Mauz

war entschuldigt, da sie

kurzfristig zur Entlassfeier von Ministerpräsident

Teufel musste und hat sich

auch formal entschuldigt, die FDP hat

aber überhaupt keine Lösung angeboten.

Insofern war die Darstellung von Ver.di

und SPD zunächst einmal einseitig positioniert.

Die Diskussion und die Darstellung

durch die Fachleute aus Wirtschaft

und Gesundheitsökonomie waren aber

dermaßen überzeugend, dass das Thema

Bürgerversicherung als das erkannt

wurde, was es in Wirklichkeit ist: Eine

hohle ideologische Worthülse ohne

Substanz. Es wird ein Gerechtigkeitsgestus

erzeugt, der keine Substanz hat.

MEDITIMES : Wie lautet Ihr Fazit des

Kongresses?

Ruebsam–Simon: Wir werden auf ein

gemischtes System zulaufen, das aus

einer Grundversicherung im Umlageverfahren

und einer Zusatzversicherung

für Extra–Leistungen im Kapitaldeckungssystem

besteht. Anders wird die Herausforderung

der Zukunft nicht zu lösen sein.

MEDITIMES :Herr Ruebsam–Simon, besten

Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ruth Auschra

7

MEDITIMES

Nordbaden

testet Kostenerstattung

Um Patienten und niedergelassenen

Kollegen die Kostenerstattung näher

zu bringen, haben MEDI Ärzte inNordbaden

ein Pilotprojekt gestartet. Unterstützt

werden sie vom Heidelberger Finanzdienstleister

ZSH.Er übernimmt die

Logistik und unterbreitet den Versicherten

Angebote für Krankenzusatzversicherungen

im ambulanten Bereich.

Die Kostenerstattung wird immer wichtiger,

da die ambulante Versorgung immer

undurchsichtiger wird“, erklärt Dipl.–Pol.

Ekkehard Ruebsam-Simon, stellvertretender

Vorsitzender von MEDI Baden–Württemberg.

Die Kostenerstattung bietet den

Patienten mehr Transparenz bei der

Abrechnung und den Ärzten mehr

Planungssicherheit für ihre Praxen ( siehe

auch Positionspapier auf Seite17 ).

„Besonders für Singles, Selbständige

und freiwillig Versicherte, die gesetzlich

versichert sind, bringt eine Zusatzversicherung

klare Vorteile“, erklärt Ruebsam-

Simon: Sie haben bei Medikamenten

und Heilmitteln keine Budgets, müssen

bei Kuren, Klinikaufenthalten oder Brillen

nichts zuzahlen, die Praxisgebühr entfällt,

Medikamente oder alternative Heilmethoden,

die die GKV nicht erstattet, werden

übernommen, es gibt keine langen

Wartezeiten und sie können bei Spezialtherapien

oder besonderen Verfahren

mehr Leistungen wählen.

Beim Test in Nordbaden machen

MEDI Ärzte aller Fachrichtungen mit, die

Teilnahme ist freiwillig. Der Pilot läuft bis

Ende des Jahres.

Angelina Schütz

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine