Dossier "Frieden fördern" der Aktion Sternsingen 2020

mission2015

Wie die Geschwister auf dem Titelbild des Dossiers «Frieden fördern» leben rund eine Million syrische Flüchtlinge im kleinen Nachbarland Syrien. Etwa ein Drittel von ihnen lebt in der Bekaa-Ebene. In den Flüchtlingslagern nahe der syrischen Grenze wohnen sie unter prekären Bedingungen.

Im Dossier erfahren Sie, wie Frieden gefährdet und wie Frieden gefördert werden kann. Das machen die Beiträge der Projektpartner, der Fachleute und der Mitarbeiter*innen deutlich.

TEIL 2

WIE ERREICHT UND STABILISIERT MAN FRIEDEN?

Religionsfreiheit

als Friedensprojekt

Die Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht.

Sie zu gewährleisten, kann in mehrerlei Hinsicht

zu gesellschaftlichem Frieden beitragen.

Heiner Bielefeldt ist Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an

der Friederich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Bis 2016 war der Historiker,

Theologe und Philosoph Sonderberichterstatter für Religions- und

Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats.

Die Religionsfreiheit gehört zu den international

verbürgten Menschenrechten.

In Verbindung mit anderen Menschenrechten

– wie etwa Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit,

Fairness in Gerichtsverfahren, politische

Mitwirkung, Recht auf Bildung – soll sie eine

politisch-rechtliche Friedensordnung stiften, die

auf dem Respekt der Würde aller Menschen

gründet. Gleiche Würde, gleiche Freiheit für alle –

in dieser Kurzformel lässt sich der Anspruch der

Menschenrechte zusammenfassen. Im Lichte dieser

Formel ist auch die Religionsfreiheit zu interpretieren.

Genau genommen, schützt sie nicht Religionen

als solche, sondern die Menschen, die sich – gläubig

oder skeptisch, suchend oder überzeugt, für sich

allein oder in Gemeinschaft mit anderen – mit

Fragen von Religion und Weltanschauung auseinandersetzen.

Wie der Begriff der Religionsfreiheit

schon andeutet, handelt es sich um ein umfassendes

Freiheitsrecht, das allen Menschen zusteht.

Wie kann die Religionsfreiheit zum Frieden

beitragen? Drei Aspekte möchte ich im Folgenden

hervorheben. Zum einen schafft sie einen rechtsverbindlichen

Rahmen, in dem sich religiöser und

weltanschaulicher Pluralismus angstfrei entfalten

kann. Dem Staat obliegt es, einen solchen offenen

Raum zu schaffen und zu strukturieren. Zum

anderen kann die Religionsfreiheit innerhalb der

Religionsgemeinschaften Ansporn geben, sich mit

der eigenen Geschichte von Gewaltverstrickung

kritisch zu beschäftigen. Schließlich kann die

Religionsfreiheit zum Gegenstand interreligiöser

Dialogprojekte werden, bei denen die Religionsgemeinschaften

einander wechselseitig darin unterstützen,

das Friedenspotenzial der Religionen zu

entdecken und zu entfalten.

38 * DOSSIER

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