Dossier "Frieden fördern" der Aktion Sternsingen 2020

mission2015

Wie die Geschwister auf dem Titelbild des Dossiers «Frieden fördern» leben rund eine Million syrische Flüchtlinge im kleinen Nachbarland Syrien. Etwa ein Drittel von ihnen lebt in der Bekaa-Ebene. In den Flüchtlingslagern nahe der syrischen Grenze wohnen sie unter prekären Bedingungen.

Im Dossier erfahren Sie, wie Frieden gefährdet und wie Frieden gefördert werden kann. Das machen die Beiträge der Projektpartner, der Fachleute und der Mitarbeiter*innen deutlich.

EINFÜHRUNG

Friede

als „Werk der Gerechtigkeit“

Dr. Thilo Esser ist Leiter des Bereichs Inland,

Matthias Tigges ist Grundlagenreferent im Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘.

Das Thema Frieden steht im Mittelpunkt

der Sternsingeraktion 2020.

Frieden und Gerechtigkeit prägen

auch die Projektarbeit der Partner

des Kindermissionswerks.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in seiner Pastoralkonstitution

„Gaudium et spes“ das Wesen des

Friedens beschrieben: „Friede besteht nicht darin, daß

kein Krieg ist; er läßt sich auch nicht bloß durch das Gleichgewicht

entgegengesetzter Kräfte sichern; er entspringt ferner

nicht dem Machtgebot eines Starken; er heißt vielmehr mit

Recht und eigentlich ein ‚Werk der Gerechtigkeit'“ (Jes 32,17)

(GS 78). Gerechtigkeit ist demnach die Grundvoraussetzung

dafür, dass Friede entstehen und fortbestehen kann. Diese

Gerechtigkeit herrscht dann, wenn Chancengleichheit besteht,

wenn die Menschenrechte gewährleistet sind und sich gleichzeitig

der Mensch als Individuum frei entfalten kann (mehr

dazu im Beitrag von Dr. Markus Patenge, S. 42-43). Eine weitere

Grundvoraussetzung für Frieden in der Gesellschaft ist der

gegenseitige Respekt. Dazu gehört, die Würde jedes einzelnen

Menschen zu achten und den anderen in seiner ganzen

Unterschiedlichkeit anzuerkennen. Friedliche Begegnungen

entstehen auf Basis gegenseitigen Respekts – das gilt für

Beziehungen zwischen einzelnen Menschen und Gruppen

ebenso wie auf zwischenstaatlicher Ebene.

Radikale Friedensbotschaft der Bibel

Der biblische Leittext der Sternsingeraktion 2020 stammt aus

dem Buch Jesaja (2,2-5) und beschreibt Frieden als Vision, die

„am Ende der Tage“ eintreten wird, wenn alle Nationen als ein

Volk ohne Unterschiede auf ein Ziel ausgerichtet sein werden

und keine Waffen benötigen. In dieser Vision führen die

Nationen keinen Krieg mehr und lernen auch nicht mehr,

Krieg zu führen. Der Prophet formuliert eine Sehnsucht, die

für ihn nicht gegenwärtig ist. Jesajas Friedensvision ist radikal:

Schwerter werden zu Pflugscharen, Lanzen zu Winzermessern

umgeschmiedet. Tödliche Waffen werden zu Werkzeugen für

den lebenswichtigen Ackerbau. Auch wenn die Vision des

Propheten mit Blick auf das „Ende der Tage“ formuliert ist,

weist er den Weg, der diese Hoffnung eröffnet. Denn der

biblische Text endet mit dem Aufruf: „Haus Jakob, auf, wir

wollen gehen im Licht des Herrn“. Die Sehnsucht nach Frieden

ist für Jesaja also nicht unerreichbar.

In der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas ist die

Rede von einem Engelschor, der den Hirten auf dem Feld die

Frohe Botschaft verkündet: „Ehre sei Gott in der Höhe und

Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“

(Lk 2,14). Der Evangelist greift die Friedensbotschaft des

Propheten auf. Allerdings macht er deutlich, dass sie nicht

mehr bloß „am Ende der Tage“, sondern bereits jetzt möglich

ist. Der verkündigte Christus ist der Weg „im Licht des Herrn“.

Er bringt den Menschen „Friede auf Erden“.

Friede als Auftrag

Mit Christus bleibt Friede keine Vision, keine Utopie in weiter

Ferne. Das hat Papst Franziskus in seiner Botschaft zur Feier

des 52. Weltfriedenstags am Neujahrstag 2019 herausgestellt.

Er unterstreicht, dass „jede Familie, jede Gemeinschaft, jedes

Land, jeder Kontinent, mit der jeweiligen Einzigartigkeit und

Geschichte“ ein Ort ist, an dem die Jünger Christi heute

„Gestalter des Friedens“ sein sollen. Als „immer wieder neu

zu erfüllende Aufgabe“ liegt Friede damit nicht nur politisch,

sondern konkret und individuell in der Verantwortung der

Menschen.

8 * DOSSIER

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