Bauzeit 2020 gesamt iuM

eurobaustoff

EINE GROSSE

ENTSCHEIDUNG.

FÜRS LEBEN.


WISSENSWERTES

Finanzierung & Förderung. Planung & Partner.

Rechtliches & Versicherung. Energie & Ökologie. Schutz & Sicherheit.

Bevor Sie mit dem Bau Ihres Traumhauses beginnen, müssen Sie

zahlreiche Entscheidungen treffen. Von der Suche nach einem

geeigneten Grundstück und der Klärung aller Fragen rund um die

Finanzierung, bis zur Konkretisierung der eigenen Ideen und Wünsche

für die optische und funktionale Ausgestaltung des Eigenheims ist es

ein weiter Weg. Wer gründlich plant, erhöht die Chancen

eines reibungslosen Ablaufs ungemein.


FINANZIERUNG

& FÖRDERUNG

Der Traum vom eigenen Heim wird schnell zur größten Investition des

Lebens. Da ist es wichtig, zu wissen, an welchen Stellen gespart werden

kann. Nehmen Sie sich die Zeit, die es braucht, um Ihr Vorhaben

finanziell exakt zu planen. Nutzen Sie Fördermittel und informieren

Sie sich umfassend über Steuersparmöglichkeiten.

Finanzierung

Kostenrechnung

Eigenkapital

Kredit

Eigenleistung

Machen Sie einen sorgfältigen Kassensturz, um realistisch einschätzen zu können, wie viel Haus Sie sich leisten können. Denken

Sie außerdem an ein Sicherheitspolster und kalkulieren Sie immer mit höheren Kosten. Gerade die Baunebenkosten werden

oft vergessen oder unterschätzt. Der Grundbucheintrag durch einen Notar, eine beauftragter Makler, Grunderwerbssteuer, eventuell

anfallende Erschließungskosten, Baustrom und -wasser, Versicherungen und Architektenhonorare können mehr als 20 %

der Gesamtkosten ausmachen.

Sie haben Erspartes auf der Seite? Dann ist jetzt der Zeitpunkt, Ihr Kapital gewinnbringend zu investieren. Mindestens 20 % der

Baukosten sollten Sie durch Eigenkapital abdecken, das verlangt meist auch der Baufinanzierer. Können Sie mehr aufbringen,

umso besser. Die Bank vergütet dieses Plus an Sicherheit durch günstigere Zinsen.

Was an Eigenkapital nicht zur Verfügung steht, wird in der Regel mit einem Kredit aufgefüllt. Um einen möglichst niedrigen

Zins zu erhalten, sollten Sie nicht nur bei Ihrer Hausbank anfragen, sondern aktiv verschiedene Angebote einholen. Über einen

Kreditvermittler erfahren Sie am schnellsten, welcher Anbieter welche Konditionen bietet. Die Angebote mehrerer hundert Banken,

Bausparkassen und Versicherer werden bei nur einem Termin verglichen. Um bei diesem Vergleich konkurrenzfähig zu sein, muss

jede Bank gleich ihren besten Zins offenbaren. Dadurch erfahren Sie sehr schnell, was Sie beim Kredit maximal erreichen können.

Handwerkliche Eigenleistungen, die von Ihnen als Bauherr, Ihren Freunden und Bekannten erbracht werden, helfen, eine Menge

Geld zu sparen. Sie sollten aber im Vertrag mit Ihrem Bauunternehmen ganz eindeutig festlegen, welche Arbeiten Sie in Eigenleistung

erbringen möchten bzw. können. Insbesondere die Schnittstellen zwischen Fremd- und Eigenleistung müssen exakt

definiert werden – in organisatorischer wie zeitlicher Hinsicht.

Besonders wichtig: Lassen Sie Ihre Eigenleistungen laufend baufachlich durch einen Sachverständigen kontrollieren. Wenn Sie

darauf verzichten und aus Unwissenheit Baumängel verursachen, verlieren Sie im schlimmsten Fall Ihren Gewährleistungsanspruch

und tragen die Kosten der Mängelbeseitigung selbst.

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Förderung

KfW-Förderprogramm

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

vergibt zinsgünstige Kredite an Bauherren und Käufer

und unterstützt die energieeffiziente Modernisierung

von Wohneigentum. Mit dem Programm können

bis zu 100 % der förderfähigen Kosten zinsgünstig

finanziert werden, der maximale Kreditbetrag beträgt

100.000 Euro. Voraussetzung für die Bewilligung ist,

dass die für das jeweilige Bauvorhaben geltenden Mindestanforderungen

der KfW erfüllt und Zuschüsse oder

Kredite vor Baubeginn beantragt werden.

Unter www.kfw.de können Sie in wenigen Schritten

prüfen, welche Förderprogramme Sie für Ihr Bauvorhaben

beanspruchen können.

Kommunale Förderung

Erstaunlich oft fördern Städte und Gemeinden den Erwerb

von Wohneigentum durch Zuschüsse, Vergünstigungen

oder Darlehen aus kommunalen Fördertöpfen.

Auch Maßnahmen im Zuge einer Sanierung oder zur

Schaffung von neuem Wohnraum sind häufig förderfähig,

wie zum Beispiel der Einbau neuer Fenster oder

der Ausbau eines zuvor ungenutzten Dachgeschosses.

Baukindergeld

Das Baukindergeld ist ein staatlicher Zuschuss, der Familien

mit Kindern und Alleinerziehende bei der Finanzierung

eines eigenen Hauses oder einer Eigentumswohnung

unterstützt. Pro Kind werden 12.000 Euro in

zehn jährlichen Raten zu je 1.200 Euro ausgezahlt. Das

Baukindergeld erhalten Sie, sobald Sie Ihr neues Zuhause

bezogen haben.

Die wichtigsten Fördermöglichkeiten bei der energetischen Sanierung

Komplettsanierung zum

Effizienzhaus

KfW: zinsgünstiger Förderkredit

oder Zuschuss bis 30.000 Euro

Energetische Fachplanung

und Baubegleitung

KfW: Zuschuss bis 4.000 Euro

Vor-Ort-Energieberatung

BAFA*: Zuschuss bis 800 Euro

Heizungsmodernisierung

(Einzelmaßnahme)

KfW: zinsgünstiger Förderkredit

oder Zuschuss bis 7.500 Euro

BAFA*: Heizungsmodernisierung mit

erneuerbaren Energien, Zuschuss ab 500 Euro

Erneuerbare Energien

(Einzelmaßnahme)

KfW: zinsgünstiger Förderkredit

oder Zuschuss bis 7.500 Euro

BAFA*: Markenanreizprogramm,

Zuschuss ab 500 Euro

Fenstertausch

(Einzelmaßnahme)

KfW: zinsgünstiger Förderkredit

oder Zuschuss bis

5.000 Euro

Dämmung von

Dach, Keller und/oder

Außenwänden

(Einzelmaßnahme)

KfW: zinsgünstiger Förderkredit

oder Zuschuss bis

5.000 Euro

*Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

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PLANUNG

& PARTNER

Das Grundstück oder Wunschobjekt ist gefunden, der

finanzielle Rahmen abgesteckt und erste Gespräche mit

Banken haben Sie auch schon geführt. Dann geht es jetzt

an die weitere Planung und daran, die richtigen Partner für

Ihr Vorhaben zu finden. Recherchieren Sie gründlich und holen

Sie sich Empfehlungen von Bekannten ein. Ziehen Sie nur Fachleute

zurate, denen Sie vertrauen und die zu Ihrem Projekt passen.

Energie-Fachberater

Energetisch wirksame Um- und Ausbaumaßnahmen sollten für jeden Hausbesitzer

von Interesse sein – sie helfen bares Geld zu sparen. Sowohl bei einer Sanierung

als auch beim Neubau empfiehlt sich die Hinzunahme eines Energie-Fachberaters.

Dieser berät Sie umfassend und ermittelt die Höhe der möglichen staatlichen

Zuschüsse für Sie. Zudem sind die Kosten der Energie beratung förderfähig.

Architekt

Bei einem Hausbau konsultiert jeder Bauherr in der Regel einen Architekten. Er

kann Planer, Organisator, Qualitäts- und Kostenkontrolleur sowie Koordinator

des gesamten Bauvorhabens sein – alles zusammen oder nur in Einzelfunktion,

das hängt ganz von Ihrem individuellen Auftrag ab. Hierbei ist es sehr wichtig zu

wissen, dass ein Architektenvertrag ein Werkvertrag ist, der keiner schriftlichen

Form bedarf! Wenn Sie also einen Architekten hinzuziehen möchten, achten Sie

darauf, dass Sie bereits beim ersten Treffen klären, ob und welche Leistungen

kostenfrei sind und halten Sie das Ergebnis in jedem Fall schriftlich fest.

Bauunternehmen

Wer einen Hausbau plant, muss früher oder später folgende Entscheidung treffen:

Sollen einzeln beauftragte Firmen die Arbeiten ausführen oder wird ein Generalunternehmer

(GU) beauftragt? Schließt der Bauherr einen GU-Vertrag ab, profitiert er vor

allem von dem Vorteil, dass es nur einen einzigen Vertrag und somit auch nur einen

Ansprechpartner gibt – und zwar den Bauleiter des beauftragten Unternehmens.

Bei Mängeln wird direkt der Generalunternehmer zur Verantwortung gezogen und

ist zur Mängelbeseitigung verpflichtet. Hinzu kommt, dass der Generalunternehmer

die Koordination zwischen den Gewerken übernimmt und diese Aufgabe somit

weder am unerfahrenen Bauherren noch am Architekten hängen bleibt. Natürlich

will aber auch der GU für diese Leistung angemessen entlohnt werden. Es ist daher

üblich, dass ein GU für einige Gewerke Subunternehmer beauftragt und die in

Rechnung gestellten Leistungen mit einem Aufschlag von 15 % an den Bauherren

weiterreicht. Damit sichert sich der GU seine Koordinierungs-Vergütung sowie

eine Risiko-Vergütung. Da der GU die Subunternehmer günstiger beauftragt, als es

ein Bauherr allein könnte, relativieren sich die 15 %. Welcher Weg für Sie in Frage

kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Bitten Sie im Zweifel Ihren Architekten um

eine Einschätzung. Er weiß am besten, welche Variante für seinen spezifischen Fall

die Geschicktere ist.

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Bild: Baumit

Baugenehmigung – Ja oder Nein?

Wer ein neues Haus baut, braucht eine Baugenehmigung – klar. Doch wie verhält es sich mit Umbauten, Anbauten oder Modernisierungsmaßnahmen?

Darf hier nach Lust und Laune gestaltet werden? Die Antwort: jein. Ob Ihr Projekt einer Genehmigung bedarf, ist in den jeweiligen Landesbauordnungen

festgelegt und vom Bebauungsplan Ihrer Gemeinde abhängig. Wird der äußere Gesamteindruck des Hauses verändert, sind die Umbauten meist

genehmigungspflichtig. Nachfolgend haben wir Ihnen einige Beispiele aufgelistet:

JA

NEIN

Fassaden-Renovierung mit starken

Farb- und Form änderungen

Änderung der Dachneigung

Änderungen der Dach flächen

(z. B. durch Gauben und

Dachterrassen)

Dachausbau (Wohnraum)

Kellerausbau (Wohnraum)

Abfangen tragender Wände

Anbauten (z. B. Winter gärten und

Balkone)

Nachträglicher Einbau

von Heizräumen

Nachträglicher Einbau von Heizöl-

und Flüssiggas-Lagerstätten

Veränderungen an

der Abwasseranlage

Dachdeckungen, wenn

Farb- und Materialcharakter erhalten

bleiben

Erneuerung von Fenstern

und Türen, sofern dies nicht

zu Veränderungen an der

Fassade führt

Instandsetzungen

und Verschönerungen

Änderung der Installationen

(Heizung, Wasser, Gas, etc.)

Änderung oder Errichtung von

nichttragenden und nicht aussteifenden

Innenwänden

Ausbau von Keller und Dach

zu lediglich vorübergehend

nutzbaren Räumen, z.B.

Hobby-, Partyraum, Sauna

Anbringung bzw. Änderung

von Dach flächenfenstern

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RECHTLICHES

& VERSICHERUNG

Beim Bau eines Eigenheims oder eines Sanierungsprojektes

sollten Sie vor allem eines sein: vorbereitet.

Kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten und sichern

Sie sich ausreichend ab, um im Ernstfall vor

größerem Schaden und dem finanziellen

Ruin geschützt zu sein. Auf einer

Baustelle kann immer etwas

passieren, gehen Sie auf

Nummer sicher.

Rechtliches

Bauabnahme

Ein großer Schritt – emotional wie juristisch – ist die

Bauabnahme am Ende des Bauprojektes. Mit Unterzeichnung

des Abnahmeprotokolls erklären Sie, dass

die Arbeiten abgeschlossen und das Gebäude gemäß

der vereinbarten Vorgaben in der Baubeschreibung und

dem Bauvertrag fertiggestellt ist. Alle Risiken gehen ab

diesem Zeitpunkt auf Sie als Eigentümer über und die

Gewährleistungsfrist beginnt. Bei Mängeln sind Sie nun

in der Nachweispflicht. Haben Sie keinen Architekten,

der Sie bei der Bauabnahme begleitet, sollten Sie einen

unabhängigen Bausachverständigen beauftragen.

Dokumentieren und melden Sie jeden Mangel und verweigern

Sie die Abnahme so lange, bis die Mängel innerhalb

einer angemessen Frist behoben wurden.

Gewährleistung

Mit Ihrer Unterschrift auf dem Bauabnahmeprotokoll

beginnt die Uhr für die Gewährleistungsfrist zu laufen.

Entdecken Sie jetzt noch Baumängel, haben Sie laut

Gesetz die Möglichkeit, Nachbesserung, Beseitigung

oder Schadenersatz zu fordern. Für die Leistungen von

Architekten gilt generell eine Gewährleistungszeit von

5 Jahren. Die Gewährleistungsfrist von Handwerkern

ist davon abhängig, welche gesetzliche Regelung der

Vertragsform zugrunde liegt. Nach dem Bürgerlichen

Gesetzbuch (BGB Werksvertrag § 631 ff) beträgt die

Gewährleistungsfrist 5 Jahre, nach der Vergabe- und

Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) nur 4 Jahre.

Ist ein Mangel auf arglistige Täuschung zurückzuführen,

verlängert sich die Gewährleistung auf 30 Jahre.

Die goldenen

Regeln zur

Bauabnahme

!1. Nehmen Sie das Abnahmeverlangen

des Bauunternehmers wahr und

beachten Sie die Fristen zur Erklärung

der Abnahme.

2. Lassen Sie sich nicht zu einer

Abnahme drängen und holen Sie sich

Unterstützung vom Profi!

3. Listen Sie im Abnahmeprotokoll

alle Mängel auf und setzen Sie eine Frist

zur Beseitigung.

4. Behalten Sie eine Kopie des

Protokolls.

5. Kümmern Sie sich vor Ablauf der 5-jährigen

Verjährungsfrist um eine Überprüfung

des Objekts auf Mängel.

6 BAUZEIT. WISSENSWERTES.


Versicherungen

Bauherrenhaftpflicht

Als Bauherr tragen Sie für alle Gefahren, die von Ihrer Bau stelle

ausgehen, die Verantwortung – auch, wenn Sie einen Architekten

oder einen Bauunternehmer beauftragt haben. Kommt es zu Unfällen

oder Schäden, haften Sie in unbegrenzter Höhe mit Ihrem

Privatvermögen. Um vor gesetzlichen Schadensersatzansprüchen

während der Bauzeit geschützt zu sein, ist das Abschließen

einer Bauherrenhaftpflichtversicherung ein absolutes Muss.

Die Versicherung springt ein, falls es aufgrund Ihrer Baustelle zu

Personen- oder Sach schäden kommt. Beispielsweise, wenn ein

Fußgänger durch einen herabstürzenden Dachziegel verletzt wird

oder ein Radfahrer auf der verschmutzten Fahrbahn ausrutscht.

Bauhelferversicherung

Packen Freunde, Verwandte oder Nachbarn auf der Baustelle mit

an und der Arbeitseinsatz geht über eine Gefälligkeit hinaus, sind

Sie als Bauherr verpflichtet, Ihre Helfer bis spätestens eine Woche

nach Baubeginn bei der örtlichen Bauberufsgenossenschaft

(BG Bau) zu melden und zu versichern. Die Versicherungspflicht

besteht, sobald die Gesamtarbeitszeit eines Helfers, über das gesamte

Bauprojekt gerechnet, mehr als 39 Stunden beträgt. Da der

Schutz der BG Bau begrenzt ist, empfiehlt sich der zusätzliche Abschluss

einer privaten Bau helferversicherung, die auch im Falle

einer Vollinvalidität zahlt.

Bauleistungsversicherung

Die häufigsten Fallen in Bauverträgen

Jeder Vertrag hat seine Tücken, das ist beim Bauvertrag nicht anders. Damit Sie sich

hinterher nicht ärgern und auf ungeplanten Kosten sitzen bleiben, verraten wir Ihnen,

auf welche Punkte Sie besonders Wert legen sollten.

Überzahlungen

Fast immer gehen Bauherren in Vorleistung; die Gefahr einer Überzahlung lauert schon

hinter der nächsten Ecke. Grund dafür sind die meist unausgewogenen Zahlungspläne

der Baufirmen. Müssen Sie laut Vertrag beispielsweise 60 Prozent der Kosten für den

Rohbau zahlen, obwohl dieser nur knapp die Hälfte des Gesamtvolumes ausmacht,

bezahlen Sie mehr als nötig. Meldet die Baufirma Insolvenz an, bekommen Sie den

Differenzbetrag nicht zurückerstattet. Ein möglichst präzise angelegter Zahlungsplan

minimiert das Risiko.

Leistungszeit

Halten Sie vertraglich fest, in welcher Zeit das Bauunternehmen die vereinbarten

Leistungen zu erbringen hat. Häufig fehlen verbindliche und konkrete

Angaben. Wird die Bauzeit überschritten, können für Sie als Bauherr Mehrkosten entstehen.

Bau- und Leistungsbeschreibung

Auf eine genaue Leistungsbeschreibung kommt es an! Nur mit einer detaillierten

Bau- und Leistungsbeschreibung kann der Hausbau problemlos abgewickelt werden

und Sie erhalten Haus und Ausstattung in vereinbarter Qualität und zum vereinbarten

Festpreis.

Gerne wird die Bauleistungsversicherung auch als die Vollkasko

für den Bau bezeichnet. Egal, durch wen oder was Schäden entstehen,

die Bauleistungsversicherung deckt unvorhergesehene

Schäden während der Bauphase ab. Mit ihr sind Sie beispielsweise

vor Diebstahl, Vandalismus, Rohrbrüchen und witterungsbedingten

Einflüssen geschützt. Die Versicherung ersetzt die

Kosten für anfallende Neuanschaffungen und greift bei Konstruktions-

und Materialfehlern.

Feuerrohbauversicherung

Eine Feuerrohbauversicherung schützt Ihr Haus während der

Bauphase vor Bränden, Feuer, Blitz und Explosion. Die Versicherung

wird entweder nur für den Neubau oder gleich als Wohngebäudeversicherung

abgeschlossen.

Wohngebäudeversicherung

Unverzichtbar, wenn es um Ihr Eigenheim geht, ist die Wohngebäudeversicherung.

Von manchen Banken wird diese sogar als Grundvoraussetzung

für die Kreditvergabe gefordert. Die Versicherung

schützt den Eigentümer nach Fertigstellung des Hauses vor den

Folgen von Feuer, Sturm- oder Leitungswasser. Achten Sie darauf,

dass die Versicherung auch Elementarschäden abdeckt, damit das

Gebäude, inklusive Photovoltaik-Anlage, gegen Hagel, Erdbeben

und Schneedruck geschützt ist.

Restschuld-Versicherung

Was die Zukunft bringt, weiß niemand. Damit Sie aber auch nach

Abschluss Ihres Bauprojektes abgesichert sind, lohnt es sich,

über eine Restschuld-Versicherung nachzudenken. Sollte der

Hauptverdiener aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit ausfallen,

deckt die Versicherung die jeweils aktuelle Gesamtschuldsumme

ab. Als Teil einer Risikolebensversicherung greift sie in der

Zeit nach Fertigstellung Ihres Eigenheims.

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ENERGIE

& ÖKOLOGIE

Energiesparen ist das überzeugendste Argument für eine Modernisierung

und das wichtigste Thema bei einem Neubau. Dafür sorgen allein die

vielen gesetzlichen Vorgaben. In beiden Fällen gilt: Gehen Sie die

energetischen Maßnahmen ganzheitlich an, kassieren Sie die höchste

Förderung. Unterm Strich können Sie nur gewinnen, das zeigt sich

spätestens bei Ihrer Nebenkostenabrechnung.

Energie-Einsparverordnung (EnEV)

An der Energie-Einsparverordnung (EnEV) kommen Bauherren und Modernisierer nicht vorbei. Sie gibt an, welcher Sanierungsstandard für jedes Bauteil

verbindlich ist. Nach der Sanierung versichert der Handwerker schriftlich, dass seine Arbeit die Anforderungen der EnEV 2014 erfüllt. Für Hausbesitzer ein

wichtiger Beleg, der mindestens 5 Jahre aufbewahrt werden muss. Bei Nichtbeachtung der Vorschriften sieht die EnEV Bußgelder vor, es gilt aber auch ein

Wirtschaftlichkeitsgebot: Amortisieren sich die Investitionen nicht in einem angemessenen Zeitraum, können Sie sich von den Anforderungen der EnEV befreien

lassen.

U-Wert

Bei einem Neubau- oder Sanierungsprojekt begegnet man dem U-Wert quasi überall.

Es handelt sich dabei um den Wärmedurchgangskoeffizienten, der den Wärmestrom

durch ein Bauteil in Abhängigkeit vom Temperaturgefälle zwischen warmer

und kalter Seite in der Einheit W/(m²·K) angibt. Klingt in der Theorie recht kompliziert,

deshalb reicht es für die Praxis zu wissen: Je niedriger der U-Wert, umso

besser die Dämmwirkung.

Anwendungsbeispiel

Die EnEV sagt: Dächer bzw. Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen

(Steildach) sind so zu dämmen, dass ein Wärmedurchgangskoeffizient von

0,24 W/(m²·K) nicht überschritten wird. Bei einem ungedämmten Dach misst

man U-Werte von 1,0 und höher. Wird das Dach professionell gedämmt,

werden U-Werte von 0,15 oder weniger erreicht!

Geforderte Maximal-U-Werte

für Neubauten nach EnEV 2014

Kellerboden Innendämmung.......................................U-Wert: 0,50

Kellerwände (Perimeter- / Innendämmung)................U-Wert: 0,30

Außenwände

mit Außendämmung, WDVS etc........................U-Wert: 0,24

mit Innendämmung.............................................U-Wert: 0,35

Flachdach....................................................................U-Wert: 0,20

Dach und oberste Geschossdecke.............................U-Wert: 0,24

Fenster und Fenstertüren............................................U-Wert: 1,30

Dachflächenfenster......................................................U-Wert: 1,40

Außentüren..................................................................U-Wert: 1,80

8 BAUZEIT. WISSENSWERTES.


Energieeffizienz

Gebäudeform

Wer Energie sparen will, sollte kompakt und einfach

bauen. Das gelingt, indem die Außenhülle des Gebäudes

in einem möglichst kleinen Verhältnis zum Volumen

gehalten wird. Eine Gebäudeform ohne Vorsprünge,

Erker, Gauben und Co reduziert die Außenfläche und

somit auch den Wärmeverlust.

Wärmedämmung

„Gut gedämmt ist halb geheizt“ lautet der Leitspruch,

nach dem Sie Ihr Haus planen und errichten sollten.

Eine energieeffiziente Wärmedämmung umfasst die

gesamte Außenhülle des Gebäudes und beinhaltet

sämtliche Maßnahmen, welche die Wärmeverluste

von Gebäuden an die Umgebung verringern. Neben

der Verwendung von hochdämmenden Baustoffen für

Außenwände und Dächer zählen auch der Einbau von

wärmedämmenden Fenstern sowie das Vermeiden von

Wärmebrücken und unkontrolliertem Luftaustausch

dazu. Eine effiziente Wärmedämmung hat – in Verbindung

mit einer richtig dimensionierten Heizung – das

größte Potenzial, den Heizwärmebedarf und damit den

privaten Energieverbrauch zu mindern.

KfW-Effizienz­haus-Standard

Für das KfW-Effizienzhaus gibt es verschiedene

Standards, angegeben durch Kenn zahlen. Diese

Kennzahlen beziehen sich auf die durch die Energieeinspar

verordnung (EnEV) definierten Höchstwerte,

die ein vergleichbares Referenz gebäude einhalten

muss. Je kleiner die Kennzahl, desto geringer der

Energieverbrauch Ihrer Immobilie. Ein KfW-Effizienzhaus

100 entspricht zum Beispiel den Vorgaben der

EnEV. Ein KfW-Effizienz haus 85 benötigt 85 % der

Energie des Referenz gebäudes, ein KfW-Effizienzhaus

55 sogar nur 55 %. Bei einem Neubau werden

die Standards 55, 40 oder 40 Plus mit günstigen Krediten

bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit gefördert.

Eine energetische Sanierung fördert die KfW mit bis

zu 100.000 Euro für jede Wohnung oder 50.000 Euro

bei Einzel maßnahmen oder Maßnahmen paketen. Zusätzlich

können Sie bis zu 27.500 Euro Zuschuss zur

Kredittilgung erhalten.

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Heizung, Warmwasser, Stromerzeugung

Lassen Sie den Heizwärmebedarf Ihres Hauses in Abstimmung

mit der Dämmung der Gebäudehülle berechnen

und die Heizungsleistung danach ausrichten. So

sparen Sie schon bei der Errichtung der Heiz anlage bis

zu 1/3 der Ausgaben und – langfristig gesehen – viel

Geld durch die Nutzungsdauer. Ein sehr wichtiger Aspekt

ist die effiziente bzw. intelligente Regelung der Heizung.

Heute kann ein einziger Regler alle Funktionen (inklusive

Solaranlage) übernehmen. Moderne Regelungen

sind auch mit Haustechnik-Bus-Systemen möglich. Bei

der Wahl des Wärmeverteilungs-Systems ist eine niedrige

Vorlauftemperatur ratsam, um Energieeinsparung

und Komfort zu steigern. Mögliche Systeme sind Fußboden-

und Wandheizungen, Radiatoren oder Sockelleistenheizungen.

Gasheizung

Mit der Nutzung des Brennwerteffekts, durch den

sich zusätzliche Wärme zum Heizen auch aus dem

Abgas gewinnen lässt, erreichen moderne Gasheizungen

heute Wirkungsgrade von bis zu 98 %. Das heißt,

sie machen nahezu die ganze im Brennstoff gespeicherte

Energie für die Beheizung von Gebäuden und

Warmwasser nutzbar.

Gasheizungen sind in zahlreichen Leistungsbereichen

vorhanden und können so in fast jedem

Wohngebäude installiert werden. Einzige Voraussetzung:

Gas muss verfügbar sein – entweder über

einen Straßenanschluss oder über einen Tank im

Garten. Bemerkenswert an einer Gasheizung ist

aber nicht nur ihre Energieeffizienz, sondern auch

die kompakte Bauform. Als wandhängende Gastherme

sind moderne Gasheizungen so klein, dass

sie auch da installiert werden können, wo eigentlich

kaum Platz vorhanden ist – leise und versteckt

sogar im Wohnbereich.

Ölheizung

Ölheizungen versorgen mehr als ein Viertel aller deutschen

Wohngebäude mit Wärme für Heizung und

Warmwasser. Viele dieser Heizungen sind bereits 20

Jahre und älter und verbrauchen viel mehr Energie als

eigentlich notwendig.

Das liegt allerdings nicht am Brennstoff, sondern an der

veralteten Technik. Bei modernen Systemen sorgen

Öl-Brennwertkessel für eine hohe Effizienz. Zusätzlich

zur Wärme, die direkt bei der Verbrennung gewonnen

wird, nutzen sie auch im Abgas vorhandene Energie,

die früher ungenutzt durch den Schornstein verschwand.

Dieser sogenannte Brennwerteffekt macht es

möglich, bis zu 98 % der im Brennstoff Öl gespeicherten

Energie zu nutzen. Das reduziert den Verbrauch,

senkt die Heizkosten und hilft, das Klima zu schützen.

Holzheizung

Das Besondere an modernen Holzheizungen (auch

Biomasseheizungen genannt) ist neben der sauberen

Verbrennung in sogenannten Vergaserkesseln vor allem

ihr hoher Wirkungsgrad. Durch den Brennwerteffekt,

der wie in Gasheizungen auch in Holzheizungen

genutzt werden kann, wird Wärme aus den Abgasen

der Verbrennung gewonnen, die sonst ungenutzt über

den Schornstein entweicht. Werden Holzheizungen mit

Holzpellets (gepresste Holzstäbchen aus Wald- und

Industrieholzresten) oder Hackschnitzeln (getrocknete

und gehäckselte Holzreste) betrieben, können sie ohne

regelmäßiges Nachlegen sogar automatisch heizen.

Nur die Asche muss alle ein bis zwei Wochen entsorgt

werden. Hackschnitzel sind durch die einfachere Herstellung

günstiger als Pellets, haben allerdings einen

geringeren Heizwert und brauchen mehr Platz für die

Lagerung. Festbrennstoffkessel nutzen die urtümlichste

Form des Heizens – die Verbrennung von Stückholz.

Sie erreichen durch die Holzvergasertechnik eine hohe

Effizienz und kommen ohne Lager- oder Fördertechnik

aus, was sie im Vergleich zu anderen Heizsystemen

günstiger macht.

10 BAUZEIT. WISSENSWERTES.


Kollektor

1

Solarregler

2

Pufferspeicher

3

4

Zusatzheizung

Kombination von

Solarthermie mit

anderen Systemen

!Moderne Gasbrennwertheizungen bringen

gegenüber älteren Geräten eine Brennstoffersparnis

von etwa 30 %. Noch mehr Brennstoff

können Sie einsparen, wenn Sie die

Gasheizung mit einer Solarthermie-Anlage

kombinieren. Eine Solar-Anlage kann zusätzlich

mehr als 50 % Gas und Gaskosten für

die Warmwasserbereitung und bis zu 30 %

der Gaskosten für die Heizung sparen.

1 Sonnenstrahlen erwärmen

den Kollektor und die darin

enthaltene Wärmeträgerflüssigkeit.

2 Die bis zu 90 °C heiße Flüssigkeit zirkuliert

zwischen Kollektor und Pufferspeicher.

3 Der Wärme tauscher gibt Solar wärme an

das Wasser im Pufferspeicher ab.

4 Der Pufferspeicher stellt die Wärme für

Heizung und Warmwasser zur Verfügung –

auch nachts und an kalten Tagen.

Die Kombination von Solarthermie mit einer

Pelletheizung oder einem wasserführenden

Kaminofen ist hinsichtlich des Umweltschutzes

eine besonders interessante

Kombination: Die Warmwassererzeugung

und das Heizen sind zu 100 % CO 2

-neutral

und klimafreundlich.

Solarthermie

Die Solarthermie ist eine Sonnenanlage, die solare Strahlung auffängt und in Wärme umwandelt. Diese lässt

sich dann zur Heizungsunterstützung oder zur Warmwasserbereitung nutzen. Da das Energieangebot der Sonne

durch Verschattung, Bewölkung oder ihre Stellung am Himmel schwankt, wird sie in der Regel mit einem

anderen Heizsystem kombiniert. Eine Gasheizung oder eine Wärmepumpe sorgen zum Beispiel dafür, dass

das Haus auch in Perioden mit geringer Sonneneinstrahlung immer mit ausreichend Wärme versorgt wird. Für

Solar-Warmwasser wird die gewonnene Energie ausschließlich auf den Trinkwasserspeicher übertragen. Bei

einer Sonnenanlage zur Heizungsunterstützung wird die gesamte Umweltenergie zunächst in einen Pufferspeicher

geschickt. Dieser ist mit Heizungswasser gefüllt und hält die Wärme zur Beheizung des gesamten

Gebäudes vor. Auch hier wird der Speicher, neben der Solaranlage, von einem zweiten Wärmeerzeuger versorgt.

Dieser schaltet sich jedoch erst dann ein, wenn die Energie im Speicher zu knapp ist und Haus oder

Warmwasser nicht mehr ausreichend versorgt werden können.

Amortisierung

Je nachdem, welche Kollektorart zum Einsatz

kommt, liegt die Zeit, ab der eine Solarthermie-

Anlage ihre Investitionskosten erwirtschaftet hat

und somit ein Plus einfährt, bei etwa 15 Jahren.

Wesentlich weniger Zeit nimmt die Amortisation aus

ökologischer Sicht ein. Der Zeitpunkt, an dem die

thermische Solaranlage mehr Energie selbst erwirtschaftet

hat, als für ihre Produktion benötigt wurde,

liegt bei Anlagen zur Trinkwassererwärmung bei

rund 1,5 Jahren; bei Kombianlagen zur Heizungsunterstützung

zwischen 2 und 4 Jahren.

Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe nutzt die in der Umwelt gespeicherte

thermische Energie, um Gebäude über einen

komplizierten technischen Prozess zu erwärmen. Wie

in einem Kühlschrank kommt es darauf an, thermische

Energie mit geringen Temperaturen auf ein höheres

Niveau anzuheben. Während das im Kühlschrank dazu

führt, dass das Innere gut gekühlt wird, ermöglicht der

Prozess in der Wärmepumpe, dass die Umweltwärme

im Heizungssystem verwendet werden kann. Als Energiequelle

dient dabei die im Erdboden gespeicherte

Energie (Erdwärme). Möglich wird das über Rohrleitungen,

durch die ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel

zirkuliert. Die als Sole bezeichnete Flüssigkeit

entzieht der Erde Wärme und transportiert sie zur

Wärmepumpe. Je nach Platz und Bodenbeschaffenheit

können die Leitungen zum Beispiel in Form von Tiefenbohrungen

oder Flachkollektoren eingebracht werden.

Vor allem Tiefenbohrungen sind genehmigungspflichtig

und nicht überall zulässig. Auskunft bekommen Sie in

der Regel bei Ihrem Landratsamt.

BAUZEIT. WISSENSWERTES.

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Warmwasser

Es gibt heute viele verschiedene Möglichkeiten zur Warmwasserbereitung,

grundsätzlich unterscheidet man aber

zwischen den beiden Varianten: zentral und dezentral. Bei

den zentralen Möglichkeiten gibt es einen Ort, an dem das

warme Wasser erzeugt und anschließend an die Entnahmestellen

befördert bzw. in das Heizsystem eingespeist wird. Zu

den zentralen Systemen der Warmwasserbereitung gehören

Heizkessel, Solarthermie oder Fernwärme. Die dezentrale

Warmwasserbereitung kann mithilfe von Durchlauferhitzern

oder Gasthermen erfolgen. Diese haben den Vorteil, dass

das Wasser erst dann erwärmt wird, wenn man es benötigt.

Das verhindert zwar Bereitschaftsverluste, macht jedoch

eine hohe Leistung erforderlich. Komfortspeicher oder Bereitschaftsspeicher

können hier Abhilfe schaffen.

Die Warmwasserbereitung kann auch direkt über das Heizsystem

erfolgen. Diese Lösung ist aber nur im Winter günstig;

für den Sommerbetrieb (nur Warmwasserbereitung)

muss die Heizung in Betrieb gehalten werden. Das bedingt

sehr schlechte Wirkungsgrade, hohen Energieverbrauch

und hohe Kosten.

Photovoltaik

Der Gesetzgeber lässt Ihnen die Wahl, auf welche

Weise Sie die Vorgaben der EnEV erfüllen. Eine Photovoltaik-Anlage

lohnt sich aber auch unabhängig davon,

denn Sie können den Solarstrom, den Sie auf Ihrem

Dach erzeugen, auch selbst verbrauchen – ohne ihn

ins öffentliche Netz einzuspeisen. Die Vergütung, die

Sie im letzteren Fall erhalten, ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz

(EEG) festgelegt. Die Vergütung sinkt

zwar kontinuierlich, doch auch die Produkt- und Anschaffungspreise

sind dramatisch gesunken und sinken

weiter.

Förderungen

Im Rahmen des Programms 270 (Erneuerbare Energien

– Standard) gewährt die KfW günstige Förderkredite ab

1,03 % effektivem Jahreszins. Gefördert werden Photovoltaik-Anlagen

auf Dächern, an Fassaden oder auf Freiflächen

sowie Batteriespeicher. Zuschüsse für Photovoltaik-Anlagen

gibt es auch in zahlreichen Bundesländern,

Kreisen, Städten und Gemeinden sowie von Energieversorgern.

Auch die Beratung wird mit Zuschüssen gefördert.

Außerdem gibt es eine staatliche Einspeisevergütung.

Das bedeutet, dass die Netzbetreiber für jede

Kilowattstunde ins Stromnetz eingespeisten Sonnenstroms

für 20 Jahre staatlich festgelegte und garantierte

Beträge zahlen.

Amortisierung

Es hängt vor allem von der Höhe des Eigenverbrauchs

ab, wann sich Photovoltaik amortisiert. In der Regel laufen

neue Photovoltaik-Anlagen auf privaten Wohnhäusern

im Mischbetrieb: So viel Sonnenstrom wie möglich

wird selbst verbraucht – nur Überschüsse, die weder

verbraucht, noch gespeichert werden können, werden

ins Stromnetz eingespeist. Wie die Beispiele durchschnittlicher

neuer Anlagen zeigen, kann sich Photovoltaik

innerhalb von etwa 10 bis 15 Jahren amortisieren.

Wann lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage?

Photovoltaik lohnt sich, wenn man möglichst viel Sonnenstrom im eigenen Haus verbrauchen kann.

Der Eigenverbrauch rechnet sich nicht durch die Einspeisevergütung, sondern durch die Einsparung

des Stromkaufs aus dem Stromnetz.

Mit einem Online-Solarcheck (z. B. unter www.co2online.de/solardachcheck) können Sie ermitteln, ob

sich Ihr Dach für eine Photovoltaik-Anlage eignet und den für Sie möglichen Ertrag berechnen – ohne

personenbezogene Daten angeben zu müssen.

Kosten für Strom aus Photovoltaik

Kosten für Strom aus dem Netz

Einsparung

Einspeisevergütung (Mai 2019)

Stromverbrauch 4-Personen-Haushalt

Stromverbrauch Elektroauto

9 bis 12 Cent je kWh

22 bis 32 Cent je kWh

13 bis 20 Cent je kWh (45 bis 71 Prozent)

8,38 bis 10,95 Cent je kWh

Zum Stromverbrauch im Haushalt kann der Stromverbrauch für Elektromobilität hinzukommen, zum

Beispiel für ein Elektroauto oder Elektrofahrräder. So ließe sich der Eigenverbrauch deutlich erhöhen:

4.200 kWh pro Jahr*

4.000 kWh pro Jahr**

* durchschnittliches Einfamilienhaus ohne elektrische Warmwasserbereitung

** Elektroauto mit 20 Kilowattstunden (kWh) je 100 km bei 20.000 km pro Jahr

12 BAUZEIT. WISSENSWERTES.


Nachhaltigkeit & Wohngesundheit

Ökologisches Bauen

Ziel der ökologischen Nutzung von Gebäuden ist eine

Minimierung des Ressourcenverbrauchs unter maximaler

Nutzung vorhandener Gegebenheiten. Ziel ist

die Schaffung einer ausgeglichenen Ökobilanz. In der

Praxis spielen folgende Aspekte eine Rolle:

Berechnung und Planung der Außenbauteile

unter Berücksichtigung der Wärmedämmung,

Wärmespeicherung und Dampfdiffusion

Abstimmung von Bau- und Dämmstoffen auf

die Anforderungen an das Bauteil

Vermeidung von Wärmebrücken

Wind- und luftdichte Bauweise

Kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Trinkwassereinsparung durch

Regenwassernutzung

Verwendung von HFCKW-freien

Bau- und Dämmstoffen

Gesundes Wohnen

Baubiologen sehen die Möglichkeit zur Schaffung einer

Wohnumwelt durch Verwendung ausschließlich gesunder

und weitgehend natürlicher Baustoffe für Gebäude

und Einrichtung. Die praktischen Ziele richten sich dabei

auf die Verbesserung der Wohnsituation:

Verwendung natürlicher, schadstofffreier

Baustoffe, Wohnungseinrichtungen, Oberflächenbekleidungen

und Pflegemittel

Schaffung eines verbesserten Raumklimas bezüglich

Luftfeuchte, Schadstoffgehalt und Frischluftversorgung

Optimierung von Licht-, bzw. Beleuchtungsverhältnissen

in den Räumen

Lärmreduzierung zur Schaffung eines

ruhigen Wohnbereiches

Wichtige Gütesiegel

Wer die Wahl hat, hat die Qual – das gilt auch bei der Auswahl von Baustoffen und Materialien für den Hausbau. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Hersteller

inzwischen mit gesunden und nachhaltigen Baustoffen werben. Doch welche Produkte sorgen wirklich für ein gesundes Raumklima? Auskunft über wohngesunde

Baustoffe liefern Zertifizierungen unabhängiger Institute mit verschiedenen Gütesiegeln und Kennzeichnungen.

1. Blauer Engel

Mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ kennzeichnet das

Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz Produkte,

die auf gesundheits- und umweltschädliche Stoffe geprüft

wurden. Das Label sagt allerdings nichts über den konkreten

Schadstoffgehalt eines Produktes aus.

2. natureplus

Sehr aussagekräftig ist das natureplus-Siegel aufgrund

sehr strenger Vorgaben: Die zertifizierten Baustoffe bestehen

zu mindestens 85 % aus nachwachsenden oder

nachhaltig gewonnenen Rohstoffen und sind garantiert

schadstoff- und emissionsarm und damit wohngesund.

3. eco-INSTITUT-Label

Auch das eco-INSTITUT untersucht Baustoffe auf Schadstoffe,

Geruch und Inhaltsstoffe. Das eco-INSTITUT-Label

erhalten nur Produkte, die die strengen Grenzwerte erfüllen

und besonders emissions- und schadstoffarm sind.

4. IBU-Umweltproduktdeklaration

Die EPD – Environmental Product Declaration

– vom Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) gibt

Aufschluss über Inhaltsstoffe, Herstellung, Umweltverträglichkeit

und Toxikologie eines Produkts.

Darüber hinaus sind bauphysikalische

und technische Eigenschaften, etwa zum Schallschutz

oder zur Brennbarkeit dokumentiert.

BAUZEIT. WISSENSWERTES.

13


SCHUTZ

& SICHERHEIT

Ein Eigenheim und Modernisierungsmaßnahmen kosten viel Geld, viel Zeit und ja, auch viele Nerven.

Ein Haus hat daher nicht nur einen materiellen Wert, sondern auch einen persönlichen, den es zu

schützen gilt. Gefahren durch Naturgewalten, Brände, aber auch durch Menschen, die mit Einbrüchen

und Vandalismus in unsere Komfortzone eindringen, sind nicht selten. Wie also mit gutem Gefühl

leben? Durch die vorsorgliche Verwendung moderner Baustoffe und Technologie!

Bild: Kessel

Naturgewalten

Überschwemmungen

Gerade in der Nähe von Flüssen kommt es infolge von

Starkregen oder Tauwasser häufig zu Hochwasser.

Wer in einer solchen Region lebt, sollte entsprechende

Schutzmaßnahmen ergreifen. Beim Hausbau bietet es

sich an, den Eingang und die Fenster höher zu legen

und den Keller – sofern einer gewünscht ist – als wasserdichte

Wanne anzulegen. Sind die Abflüsse im Haus

jedoch nicht gegen einen Rückstau aus dem Abwasserkanal

gesichert, nützt selbst der dichteste Keller nichts.

Der Einbau von Rückstauventilen macht durchaus Sinn

und kann auch nachträglich erfolgen. Druckwasserdichte

Türen und Fenster sind ebenfalls eine Möglichkeit,

Wassermassen davon abzuhalten, nach innen zu

dringen. Um den Neubau in überflutungsgefährdeten

Gebieten zu schützen, kann die Fassade zusätzlich mit

Sperrputz versehen werden.

Stürme

Extreme Wetterlagen nehmen zu, Gewitter und Stürme

stellen die Außenhülle vor Herausforderungen. Rüsten

Sie Ihr Haus für Wind und Wetter, indem Sie vor einem

Neubau verschiedene Überlegungen anstellen bzw. bei

einem Bestandsgebäude Optimierungen vornehmen.

Steildächer beispielsweise sind für Stürme weniger anfällig

als Flachdächer, da sie die Windkräfte am First

brechen und die Sogkräfte abschwächen. Wird die

lockere oder veraltete Dacheindeckung trotzdem gelöst,

kann der Wind die darunterliegende Dämmung

angreifen und zu dauerhaften Feuchteschäden oder

Schimmelbildung führen. Moderne Unterdachbahnen

schützen wirksam gegen Schlagregen und Flugschnee

und Qualitäts-Dachdeckungen ergeben im Zusammenwirken

mit innovativen Befestigungssystemen wie

Sturmklammern dauerhafte Dächer, die auch starken

Stürmen trotzen.

14 BAUZEIT. WISSENSWERTES.


Bild: Novoferm

Einbruchsicherung

Eingangstüren

Verderben Sie Einbrechern schon an der Eingangstür den Spaß, indem Sie auf eine einbruchhemmende Haustür

setzen. Die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen empfehlen geprüfte, zertifizierte Türen nach DIN EN 1627

und der höchsten Widerstandsklasse RC 3 für den privaten Bereich. Ein einbruchsicheres Türelement bildet

eine Gesamtkonstruktion und enthält folgende Komponenten:

Sicherheitsschloss

Gesicherte Bolzen

Mehrfach-Verriegelung

Sicherungszapfen

Umlaufender Stahlrahmen

Feuer- und Rauchschutz

Fenster

Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoss sind neben der Eingangstür ebenfalls regelrechte Einbrecher-Magnete.

Bauen Sie allerdings einbruchhemmende Fenster und Fenstertüren ein, bereiten Sie den Ganoven

eine unangenehme Überraschung. Stabile Rahmenkonstruktionen, mehrere Maueranker, Scheiben aus Sicherheitsglas,

abschließbare Griffe und außen liegende Rollläden leisten wirksam Widerstand. Zusätzliche

Beleuchtung mit Bewegungsmeldern verstärkt die abschreckende Wirkung.

Alarmanlage und Smart Home

Smart-Home-Systeme sind eine tolle komfortable Möglichkeit, um Ihr Eigenheim zusätzlich sicherer zu gestalten.

Eine Anwesenheitssimulation spielt dem äußeren Betrachter durch Rolladen- und Lichtsteuerung ein

bewohntes Haus vor und auch eine Alarmanlage mit Smart-Home-Funktion eignet sich ideal. Die Kombination

aus Alarmanlage und Smart Home bietet viele Vorteile, z. B.:

Erfassen des Schließzustandes von

Fenstern und Türen

Sensible Bewegungssensoren, die Sirenen,

Hundegebell oder Lichtquellen aktivieren

Videoüberwachung mit Warnmeldung

Alarmweiterleitung an Notrufund

Serviceleitstelle

Falschalarmsicherheit

Sabotageschutz

BAUZEIT. WISSENSWERTES.

15


Brandschutz

!Brandschutzklassen

Baustoffe werden entsprechend ihres

Brand verhaltens in Klassen eingeordnet.

Die Einteilung erfolgt nach DIN 4102-1.

A1, A2 (nicht brennbar)

Nicht brennbare Stoffe wie Zement, Stein, Glas,

Ziegel, Mineralwolle sowie Stoffe mit geringen

Mengen organischen Materials (z. B. Gipskartonplatten

mit geschlossener Oberfläche).

B1 (schwer entflammbar)

Schwer entflammbare Stoffe wie z. B. imprägniertes

Holz oder Wärmedammputzsysteme, die nach

dem Entfernen der Zündquelle nicht selbstständig

weiterbrennen.

Das Zuhause in Flammen – ein Szenario, das nicht nur materielle, sondern auch schwere körperliche und psychische

Schäden zur Folge haben kann. Oft hört man, dass sich ein Feuer über ein ganzes Haus rasend schnell und

ungehindert hat ausbreiten können. Die Notwendigkeit, bereits bei der Bauplanung oder vor dem Hauskauf an den

Brandschutz zu denken, ist daher unbestritten. Beim Bau kommt es auf die Verwendung der richtigen Materialien

an. Brandverhalten und Feuerwiderstandsklassen sind wichtige Kenngrößen. Steht das Haus, sollten Sie die Elektrik

regelmäßig von einem Fachmann überprüfen lassen.

B2 (normal entflammbar)

Normal entflammbare Stoffe wie nicht imprägniertes

Holz oder Rohre aus PVC-U. Diese Klasse

müssen alle Baustoffe, die in Gebäuden verwendet

werden, mindestens erfüllen.

B 3 (leicht entflammbar)

Stoffe, die leicht entflammbar und als Bau material

verboten sind, z. B. Papier oder Stroh.

Bild: Hörmann

Rauch- und Gasmelder

Die Rauchmelderpflicht ist mittlerweile in fast allen

Landesbauordnungen verankert. In den angepassten

Bauordnungen ist einheitlich festgelegt, dass Schlafräume,

Kinderzimmer und Flure jeweils mindestens

einen Rauchwarnmelder aufweisen müssen. Wird im

Haus mit Gas gekocht bzw. geheizt, empfiehlt sich ein

Gasmelder, der bei austretendem Gas anschlägt. Achten

Sie darauf, dass die Alarmgeber das CE-Zeichen

inklusive Prüfnummer und der Angabe EN 14604 tragen.

Auch das Qualitätszeichen „Q“ kennzeichnet den

hochwertigen Rauchmelder für den Langzeiteinsatz in

privaten Wohnungen.

Feuerlöscher

Ein Feuerlöscher im Privathaushalt ist nicht verpflichtend,

aber dennoch eine sinnvolle Anschaffung, die jedem

Hausbesitzer ans Herz zu legen ist. Die Anschaffungskosten

sind gering und kommt es zum Brandfall,

leistet ein Feuerlöscher unbezahlbare Erste Hilfe. Am

besten geeignet sind Pulver- oder Schaumlöscher, die

von Ihnen an Orten wie Küche, Werkstatt oder Flur

griffbereit platziert werden sollten. Informieren Sie sich,

welcher Feuerlöscher für welche Brandklasse geeignet

ist. Ein Schaumlöscher beispielsweise darf bei einem

Ölbrand in der Küche nicht eingesetzt werden.

Brandschutztüren

Der Topf auf dem Herd, der Adventskranz oder eine

glühende Zigarette – Brandgefahren gibt es viele. Hat

ein Material erst einmal Feuer gefangen, breitet es

sich in Windeseile in den Räumen aus. Selbstschließende

Brandschutztüren stehen dem entgegen. Die

klassische Anwendung im Privatbereich ist die Heizraumtür.

Doch auch zwischen Garage und Wohnraum

oder Wohnraum und Keller eingesetzt, schützen Brandschutztüren

eine gewisse Zeit vor der Feuerausbreitung

und halten Fluchtwege frei. Neben dem Feuerschutz

können die Türen auch rauchdicht, einbruchhemmend

oder schalldicht sein.

16 BAUZEIT. WISSENSWERTES.


ROHBAU

Keller. Mauerwerk.

Holzbau. Schornstein.

Zum Rohbau eines Hauses gehören klassischerweise

Fundament und Mauerwerk – also die Bodenplatte, die Außenund

Innenwände und gegebenenfalls ein gemauerter Schornstein.

Hier werden die Weichen für gesundes, sicheres und nachhaltiges

Wohnen gestellt. Entscheidend ist die Wahl der richtigen Baustoffe und

deren Kombination. Wohnlage, Witterungseigenschaften, geplanter

Energieeffizienz-Standard und vorhandenes Budget sind

die ausschlaggebenden Auswahlkriterien.


KELLER

Fundament. Abdichtung & Dämmung.

Lichtschächte. Rückstauschutz.

Flexibilität und eine optimale Ausnutzung der Grundstücksfläche

sind für viele Bauherren gute Gründe, einen Keller in ihren Neubau

zu integrieren. Ob und wie ein Keller errichtet werden kann,

hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Felsiger Boden oder ein

hoher Grundwasserspiegel können enorme Kosten verursachen,

sodass es sinnvoll sein kann, den Keller wegzulassen. In jedem

Falle ist bei der Planung eines Kellers größte Sorgfalt geboten.

Von der Materialwahl über den Konstruktionsaufbau bis zur

Heizungs- und Lüftungsplanung.

2 BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.


Günstiger

(Wohn-) Raum

im Keller

!Ca. 40.000 bis 60.000 Euro kostet ein ca.

100 m 2 großer, voll ausgebauter gemauerter

Keller. Das sind Quadrat meter preise um

500 Euro. Zum Vergleich: Die Quadratmeterpreise

für ein Erdgeschoss liegen um

2.000 Euro. Ergo: Für nur ca. 15 % Mehrkosten

im Gesamtetat Ihres Neubaus erhalten Sie

rund 30 % mehr Gesamtnutzfläche!

Raum zur Entfaltung

Neben der klassischen Nutzung als Lagerraum oder

zur Unterbringung des Heizsystems bietet ein Keller

viele weitere Nutzungsmöglichkeiten – direkt nach dem

Bau, oder auch erst in späteren Jahren:

Zusätzlicher

Wohnraum

Gäste- oder

Einliegerwohnung

Spielzimmer

Jugendzimmer

oder erste „eigene

Wohnung“

Waschküche

Werkstatt

Hobbyraum

Wellnessbereich

Partyraum

Home-Office

Kellertreppen

Keller – Ja oder Nein?

Wer ein Haus baut, muss entscheiden, ob ein Keller Sinn macht. Preisgründe sprechen erst einmal gegen

den Keller. Die zusätzlichen ca. 30.000 Euro, die Sie für Aushub und Rohkeller bereitstellen müssen, sehen

auf den ersten Blick teuer aus. Gerade in Regionen, in denen die Grundstückspreise sehr hoch sind,

kann ein Keller aber auch helfen, den Geldbeutel zu schonen. Ob ein Keller sinnvoll ist, hängt in jedem Fall

von vielen verschiedenen Faktoren ab. Nachfolgend haben wir Ihnen die wichtigsten Aspekte aufgelistet:

PRO

Mehr Stauraum und Wohnfläche auch auf

kleinen Grundstücken möglich

Deutlich höherer Marktwert als bei

kellerlosem Haus

Besseres Wohnklima durch die Minderung

von Temperaturschwankungen in den

darüberliegenden Räumen

CONTRA

Höhere Baukosten (Bodenaushub, Kellerwände,

Abdichtung zum Erdreich etc.)

Längere Bauzeit

Schwierigere Versorgung mit Tageslicht

Barrierefreier Zugang oft nur kostenintensiv

realisierbar

Bild: MEA

Aus Sicherheitsgründen sollte die Treppe vom Keller

ins Erdgeschoß massiv ausgeführt werden. Im Regelfall

bedingt die Treppenform aufwendige Schalungs-,

Unterstellungs-, Armierungs- und Betonarbeiten. Die

wirtschaftlichste Form ist der Einbau einer Fertigtreppe,

die nach Plan in jeder Form und hoher Betonqualität fix

und fertig an die Baustelle geliefert wird. Das Versetzen

erfolgt punktgenau und ist in einer Stunde erledigt.

Tageslicht und Lüftung

Am Tageslichteinfall bemisst sich die Qualität in einem

Wohnkeller: Je heller die Räume sind, umso freundlicher

wirken sie und desto besser ist auch das Klima.

Denn breite Lichtschächte und große Kellerfenster

bringen nicht nur Licht ins Untergeschoss –, auch das

Lüften wird hiermit erst möglich.

Die meisten Neubauten werden mit einem Hochkeller

geplant. Ein solcher Keller ragt etwa 50 bis 100 Zentimeter

aus dem Boden heraus, benötigt nur wenig Erdaushub

und gilt als kostengünstigste und angenehmste

Kellervariante. Aber auch im Zuge einer Kellermodernisierung

ist es oft möglich, größere Lichtschächte einzusetzen.

Ist dies nicht der Fall, lässt sich die Luftversorgung

auch durch Kellerlüfter verbessern.

BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.

3


Fundament

Das Fundament ist die konstruktive und statische Ausbildung des Übergangs

zwischen Bauwerk und Boden. Die wichtigste Aufgabe des Fundaments

ist es, alle Lasten aus dem Bauwerk auf den Boden zu übertragen

und dort gleichmäßig zu verteilen. Dabei wird zwischen nicht tragenden

Kellerbodenplatten und Fundamentplatten unterschieden, die bei Gebäuden

ohne Keller zum Einsatz kommen.

Der Keller bestimmt das Fundament

Wie das Fundemant eines Gebäudes beschaffen sein

muss, hängt in erster Linie davon ab, ob das Gebäude

unterkellert werden soll oder nicht. Denn im Gegensatz

zur nicht tragenden Kellerplatte muss die tragende Bodenplatte

besonders stabil sein, da sie eine wichtige

Rolle für die Statik spielt und das gesamte Gewicht des

Bauwerks gleichmäßig auf den Boden verteilen muss.

Auch das Gewicht des Hauses und die Tragfähigkeit

des Bodens spielen eine entscheidende Rolle bei der

Planung des Fundaments. Die Tragfähigkeit muss von

einem Sachverständigen im Vorfeld des Bauvorhabens,

in Form eines Bodengutachtens, ermittelt werden.

Ein Haus ohne Keller und nur mit Fundamentbetonplatte

zu bauen, hat viele Vorteile. An erster Stelle ist

die Kostenersparnis zu nennen, denn selbst eine gedämmte

Bodenplatte mit integrierter Fußbodenheizung

ist deutlich günstiger als ein ganzer Keller. Vor allem bei

hohem Grundwasserspiegel ist eine Bodenplatte einem

Keller vorzuziehen, weil das Grundwasser gegen die

Kellerwände drücken würde.

Auf der anderen Seite hat ein Haus mit einfacher Bodenplatte

und ohne Keller auch einige Nachteile. Zuerst

ist eine bessere Betonqualität notwendig, wenn

man sich für eine stabile Fundamentplatte entscheidet.

Zudem ist die Dämmung einer Fundamentbetonplatte

oft kostspieliger als die Dämmung eines Kellers, was

man bei der Budgetplanung nicht vergessen darf. Ein

Eigenheim ohne Keller muss außerdem größer gebaut

werden, um die gleiche Nutzfläche zu erhalten, was die

Baukosten wiederum in die Höhe treibt.

Thermobodenplatten

Gerade wenn ein Haus keinen Keller hat, muss das Augenmerk auf eine besonders gute Dämmung der Fundamentplatte

gelegt werden – vor allem, wenn man sich ein Energiesparhaus oder gar ein Passivhaus wünscht. In diesem

Fall lohnt sich ein Blick auf Thermobodenplatten. Sie verfügen über eine integrierte Flächenheizung, sodass die

Fundamentbetonplatte nicht nur wärmegedämmt ist, sondern sogar Wärme abgeben kann. Aufgrund der Flächenheizung

ist kein nachträglich aufzubringender Heizestrich nötig und auch Abwasser- und Frischwasserleitungen

sind bereits in der Thermoplatte eingelassen.

Für eine Thermobodenplatte wird zunächst eine kapillarbrechende Schotterschicht auf den Grund aufgebracht,

damit sich bei Frost- und Tauwechsel unterhalb der Dämmschicht keine Bewegungen im Boden ergeben. Zudem

werden häufig zwei Lagen Hartschaum aufgebracht, um das Aufsteigen von Feuchtigkeit und Kälte zu verhindern.

Dabei ist zu beachten, dass die Wärmedämmung gerade bei einer Thermobodenplatte auch die Seiten gut umschließt,

damit es keine Wärmebrücken gibt. Die Flächenheizung der Thermobodenplatte sollte außerdem möglichst

auf Niedrigtemperaturbasis arbeiten und es sollte für jeden Raum einen eigenen Heizkreis geben, um die

Raumtemperaturen individuell regeln zu können.

4 BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.


!Sichere Rohrdurchführungen

Abdichtung

& Dämmung

Eine eigene Sauna, ein Spielzimmer für die Kinder, ein Partyraum für die

Teenies, Arbeits-, Hobby- oder Gästezimmer: Ganz gleich für welchen Zweck –,

damit aus einem Keller ein Lebens- und Wohlfühlraum wird, muss vor allem

das Wohnklima stimmen und der Keller trocken sein. Das erfordert eine normgerechte

Abdichtung gegen eindringende Feuchtigkeit aus dem umgebenden

Erdreich. Diese Abdichtung erfolgt im besten Fall dort, wo der Keller direkt mit

dem Wasser in Berührung kommt: An der Außenseite.

Rohrdurchführungssysteme mit abgestimmten

Boden- und Wandelementen machen den

Wasserschutz am Haus perfekt. Ihr Dichtprofil

sorgt für einen wasserdichten Anschluss zwischen

Wand und Kanalgrundrohr. Ein zusätzlicher

Einsatz dichtet das Kanalgrundrohr gegen

die durchführenden Gas-, Wasser- oder

Abwasserrohre sowie Kabel ab. Damit hat

Wasser keine Chance, ins

Haus einzudringen.

Bild: MEA

Bild: Dörken

Schwarze Wanne

VS

Die meisten Wohnhauskeller in Deutschland haben zwar eine Bodenplatte aus

Beton, sie bestehen aber ansonsten aus gemauerten Außenwänden, die zunächst

einmal mehr oder weniger wasserdurchlässig sind. Deshalb wird das

Mauerwerk von außen durch eine vollflächige Dichtungshaut geschützt – meist

auf Basis von schwarzen Bitumenbaustoffen. Als Alternative zu Bitumen werden

heute auch häufig Kunststoffbahnen zur Abdichtung sowohl der Bodenplatte als

auch der Kellerwände eingesetzt.

Weiße Wanne

Hier sind schwarze Bitumenbaustoffe oder Kunststoffbahnen zur Außenabdichtung

völlig überflüssig. Stattdessen bieten die Kellerwände selbst den notwendigen

Schutz, weil sie – ebenso wie die Bodenplatte – aus wasserundurchlässigem

Beton bestehen (WU-Beton). Weiße Wannen werden entweder auf der Baustelle

aus frischem Beton gegossen oder aber aus Betonfertigteilen zusammengesetzt.

Die Fugen zwischen Bodenplatte und Wänden werden mit wasserdichten Fugenbändern

abgedichtet.

PRO

Günstigere Baukosten

Bewährtes System mit langjährigen

Erfahrungswerten auf

Seiten der Baufirmen

Ggf. nötige Nachbesserungen

sind einfacher realisierbar als

bei der weißen Wanne

CONTRA

Kürzere Lebensdauer von

ca. 40 bis 50 Jahren

Längere Bauzeit – vor allem im

Vergleich zur weißen Wanne

aus Fertigbauteilen

PRO

Extrem haltbar – Lebensdauer

von 60 bis 80 Jahren

In der Regel keine zusätzlichen

Drainagen nötig

Verkürzung der Bauzeit durch Wegfall

der nachträglichen Abdichtung

Witterungsunabhängigkeit

CONTRA

Höhere Kosten

Aufwendigere Planung und

anspruchsvollere Konstruktion

– ggf. nur durch Spezialfirmen

umsetzbar

BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.

5


Bild: PCI

Bild: PCI

Bitumen-Dickbeschichtung

Moderne Bitumen-Dickbeschichtungen werden mit polymeren oder elastomeren

Kunststoffen vermischt. Das verringert die Sprödigkeit bei tiefen Temperaturen, erhöht

die Verformungsbeständigkeit, verbessert die elastische Rückverformung nach

physikalischen Belastungen und ermöglicht einen leichten, gleichmäßigen Auftrag

auch bei hohen Schichtdicken.

Bitumen-Dichtbahnen

Modernste Abdichtungstechnik bieten kaltselbstklebende Bitumen-Dichtbahnen (KSK).

Aufgrund ihrer hohen Klebkraft und sehr guten Formbarkeit lassen sich diese sehr einfach

und sicher verarbeiten, auch bei niedrigen Temperaturen von bis zu – 5 °C. Als

Sofortlösung sind Dichtbahnen die schnellste Abdichtungsart.

Mineralische Dichtschlämme

Eine Alternative zu Bitumen für die Abdichtung erdberührter Bauteile sind bitumenfreie

mineralische Dichtschlämme (MDS). Sie punkten neben hervorragender Haftung

durch klimaunabhängige, schnelle und nahezu verlustfreie Durchtrocknung auch

mit ihrer universellen Anwendung – als Flächen-, Sockel- und Horizontalabdichtung.

Bild: Schomburg

Kelleraußenwand mit Perimeterdämmung

und Noppenbahn

Bild: Dörken

Noppenbahnprofil

Bild: Protektor

Abdeckprofil

Bild: Protektor

Noppenbahnen

Noppenbahnprofile

Grundsätzlich trennt eine Noppenbahn erdberührte Kellerwände

vom Erdreich. Dabei schützt sie die Abdichtung

der Kellerwand vor Beschädigung, Oberflächenund

Sickerwasser. Um Wasser ableiten zu können, ist

zusätzlich ein Filtervlies auf den Noppen aufgeschweißt.

Dieses verhindert, dass Feinbestandteile aus dem Erdreich

in die Noppenstruktur eingeschlämmt werden und

die Dränschicht zusetzen. Die Sickerschicht bleibt auf

diese Weise frei von Schlamm und leitet das Wasser ab.

Werden zum Schutz der Kellerwände gegen Feuchtigkeit Noppenbahnen eingesetzt, ist der Übergang von der Bahn zur

Putzfassade ein meist vernachlässigtes Detail und oft der Grund für herausstehende und ausgefranste Noppenbahnenden.

Mit Noppenbahnprofilen kann dieses Problem einfach behoben und ein dauerhaft formschöner Übergang im

Sockelbereich geschaffen werden. Neuartige Noppenbahnprofile aus Edelstahl bilden beim Verputzen der Hauswand

die Basis für einen formschönen und modernen Abschluss der Putzfassade. Ein auskragender Profilschenkel nimmt die

Noppenbahn sicher auf und schützt effektiv vor Feuchtigkeit und Fremdkörpern.

Eine Alternative sind Abdeckprofile aus Aluminium und PVC. Diese decken die Noppenbahnen um das Gebäude ab

und stellen eine optisch saubere Trennung zwischen erdberührtem Bereich und Fassadenfläche bzw. Sockelfläche her.

6 BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.


Perimeterdämmung

Perimeterdämmung nennt man die Wärmedämmung erdberührter Bauteile an ihrer Außenseite – entweder unterhalb

der Bodenplatte oder an der Außenseite der Kellerwände. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Abdichtung für

Kelleraußenwände und ersetzt diese auch nicht. Stattdessen wird die Dämmung von außen auf die hundertprozentig

wasserdichte Abdichtungsschicht geklebt, sie ergänzt diese also. Während die Kellerabdichtung sicherstellt,

dass garantiert keine Feuchtigkeit aus dem Erdreich in den Baukörper eindringen kann, sorgt die Perimeterdämmung

zusätzlich für Wärmeschutz. Ohne diese Isolationsschicht würde zum Beispiel in beheizten Wohnkellern

die Heizwärme in den Wintermonaten sehr rasch in das kühlere Erdreich „abfließen“. Bei unbeheizten Kellern

sorgt die Perimeterdämmung dafür, dass die Oberfläche der Innenraumwände nicht zu stark abkühlt. Damit wird

verhindert, dass die Raumluftfeuchtigkeit an den Kellerinnenwänden als flüssiges Wasser kondensiert, was die

Entstehung von Schimmelpilzen begünstigen würde. Angesichts der hohen Anforderungen dominieren bei der Perimeterdämmung

vor allem Platten aus XPS (extrudiertes Polystyrol). Dieser extrem leistungsstarke, lastabtragende

Allrounder widersteht hohem Druck, extremer Kälte und dauerhafter Feuchtigkeit. Daneben ist auch Glasschaum

weit verbreitet. Dieser diffusionsdichte, hochfeste und unbrennbare Leichtbaustoff besteht zu 100 % aus Recyclingglas.

Für die Dämmung der Wände kommt er in Form von Platten und unterhalb der Bodenplatte in Form von Glasschaum-Granulat

zum Einsatz.

!Höhere KfW-

Förderung durch

Kellerdämmung

Durch eine gute Dämmung der Bodenplatte und

der Kellerwände kann bei vielen Häusern ein

besserer KfW-Effizienzhaus-Standard erreicht

werden. In diesem Fall gewährt die KfW höhere

Tilgungszuschüsse auf ihre Förderkredite, was

zu einer Senkung der Baukosten führen kann.

Zusätzlich sinkt der Heizwärmebedarf – damit

kann auch die Heizungsanlage entsprechend

kleiner dimensioniert werden, was sowohl die

Baukosten als auch die langfristigen Betriebskosten

für das Gebäude senkt.

Kombination von Randdämmschalung und

Schaumglasschotter unter der Bodenplatte

Bild: GLAPOR

Dämmung der Bodenplatte mit darunterliegenden

XPS-Dämmplatten

Bild: Austrotherm

Kellerdeckendämmung

Unbeheizter Keller und Kälte, die bis in das Erdgeschoss

zieht – viele Hausbesitzer kennen das Problem

und kämpfen mit hohen Heizkosten. Die Dämmung der

Kellerdecke bringt eine sofortige Einsparung der Heizkosten

von bis zu 15 % und ist sehr einfach in Eigenleistung

umsetzbar. Die Kosten sind dabei relativ überschaubar:

Einfache Dämmplatten sind – abhängig vom

verwendeten Material und der benötigten Dämmstärke

– schon ab unter 20 Euro/m 2 erhältlich. Sie können aus

verschiedensten Systemen wählen – mit unterschiedlichen

Dämm-Materialien, abgestimmt auf den jeweiligen

Bedarf. Eignet sich die Kellerdecke zum Beispiel

nicht für eine Verklebung, gibt es auch Dämmplatten,

die verdübelt oder verschraubt werden. Grundsätzlich

muss nur geklärt werden, ob die Kellerräume intensiv

genutzt werden – zum Beispiel als Büro – und die

Dämmung daher auch optisch höheren Ansprüchen genügen

muss. In diesem Fall kann man die gedämmte

Kellerdecke streichen, mit Gipsbauplatten verkleiden

oder verwendet gleich Dämmplatten mit Farbbeschichtung

oder aufkaschierter Bekleidung.

Bilder: Knauf Insulation

BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.

7


Lichtschächte

Lichtschächte sollen nicht nur die Licht- und Luftausbeute für die dahinterliegenden Räume

vergrößern. Sie sollen zugleich Erdreich, Laub, Staub und Wasser fernhalten. Wirtschaftliche

Lösung: komplette Systeme mit speziellen Dichtbändern und Dämmelementen. Sie sind

wasserdicht, helfen beim Energiesparen und vermeiden Wärmebrücken.

Bild: MEA

Moderne Lichtschacht-Systeme machen das Leben auf

der Baustelle leichter und im Haus sicherer. Mit sorgfältig

abgestimmten Komponenten, lassen sie sich druckwasserdicht

und wärmebrückenfrei montieren – der Keller

bleibt auch rund um das Fenster warm bzw. trocken.

Die Lichtschachtkörper können aus GFK (glasfaserverstärkter

Kunststoff) und aus Beton bestehen. Betonlichtschächte

können praktisch in jeder beliebigen Größe

hergestellt werden und sind hochbelastbar, bis hin zur

Befahrbarkeit durch Lkws. Ihr hohes Eigengewicht macht

für die Montage jedoch einen Baukran erforderlich. Während

der Bauphase ist der Betonlichtschacht entsprechend

unempfindlich gegenüber schwerem Baugerät,

etwa beim Hinterfüllen und Verdichten der Baugrube.

Lichtschächte aus Kunststoff haben den Vorteil ihres

geringen Eigengewichts. So kann die Montage am

Rohbau oder auch nachträglich am fertigen Haus in der

Regel ohne Kran durchgeführt werden. Ihre Dimension

ist aufgrund der geringeren Stabilität des Kunststoffs

gegenüber Beton begrenzt. Die Farbe des Kunststofflichtschachts

ist weiß, seine Geometrie gewölbt,

wodurch die Lichtausbeute groß ist.

Bild: MEA

Lichtschachtabdeckung

Auch Regenwasser, das von der Fassade bzw. Schlagregenwasser,

das direkt in den Lichtschacht läuft, verursacht

Schäden an Keller und Fundament. Clevere

Abdeckungen sind lichtdurchlässig, verhindern aber,

dass Kleintiere, Schmutz und Regen in den Lichtschacht

gelangen. Die Abdeckungen werden auf den

vorhandenen Gitterrost montiert. Eine klappbare Glasabdeckung

wird geneigt montiert und bietet zusätzlichen

Schutz.

Bilder: MEA

8 BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.


Entwässerung

Millionen deutsche Hausbesitzer und Bauherren sind von Rückstauschäden bedroht – sie wissen es nur noch

nicht. Das Problem: Bei schweren Niederschlägen staut sich das Abwasser aus dem Kanal in den angeschlossenen

Leitungen der Häuser zurück bis zur sogenannten Rückstauebene. Gemeint ist die Höhe der Straßenoberkante.

Tiefer liegende Räume im Souterrain oder Keller können somit schnell geflutet werden.

Bild: MEA

Bild: Kessel

Entwässerungssystem

OHNE

Rückstausicherung

Rückstauebene

Straßenoberkante

Entwässerungssystem

MIT

Rückstausicherung

Keller

Entwässerungsanlagen wie Bodenabläufe, Waschmaschinen, Waschbecken, Duschen

oder WC, die unterhalb der Rückstauebene liegen, müssen daher wirkungsvoll

und dauerhaft gegen Rückstau geschützt sein. Abwasser, das mit freiem Gefälle zum

Kanal anfällt, kann über einen Rückstauverschluss abgesichert werden. Liegt der öffentliche

Kanal höher als die Ablaufstelle, muss das Abwasser über eine vollautomatische

Hebeanlage nach oben gepumpt werden. Besonders beim Neubau bietet sich

der homogene Einbau in die Bodenplatte eines Gebäudes an. Neben ästhetischen

Aspekten ist hier vor allem der Wohnraumgewinn ein entscheidender Vorteil. Für den

Verbau in sogenanntem WU-Beton (wasserundurchlässiger Beton) gibt es die entsprechenden

Abdichtungssets für den Schutz vor drückendem Grundwasser.

Zuverlässige und hygienische Entsorgung von fäkalienfreiem

Abwasser in den Kanal durch eine Hebeanlage

Bild: Kessel

Lichtschächte

Abhängig von der Einbausituation können Lichtschächte mit oder ohne Boden verbaut

werden – und der Boden wiederum mit oder ohne Entwässerungsöffnung. Wird

ein Ablauf zum Kanal angeschlossen, sollte eine Rückstausicherung eingebaut werden,

die verhindert, dass zurückdrückendes Wasser die Öffnung in einen Springbrunnen

verwandelt und zudem als Geruchssperre dient. Bei vielen Systemen ist

der Grundkörper der Rückstausicherung bereits werksseitig im Lichtschacht verbaut.

Kellerfenster

Schon kleinere, temporäre Überflutungen – wie sie in Deutschland immer häufiger

auftreten – können für Hauseigentümer ärgerliche und kostspielige Konsequenzen

haben, wenn Wasser über Lichtschächte und Kellerfenster ins Haus eindringt und

schnell erhebliche Schäden verursacht. Die Lösung sind hochwasserbeständige Zargenfenster,

die auch stärkerem Wasserdruck standhalten: Durch spezielle Dichtsysteme

an Zarge, Blendrahmen und Flügel, eine Zwei- oder Dreifachver glasung sowie

optional einen zusätzlich umlaufenden Dichtflansch außen an der Zarge.

Spezielles Zargenfenster für garantierte Hochwasserdichtigkeit

bis zu einem Wasserpegel von mind. 130 cm

Bild: MEA

BAUZEIT. ROHBAU. KELLER.

9


MAUERWERK

Bausteine sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

An die Stelle schwerer Monolithe sind wahre Hightech-

Produkte getreten – leicht, dabei hochfest und widerstandsfähig.

Mit oder ohne dämmendem Kern. Ob Mauerziegel, Kalksandstein,

Porenbeton oder Leichtbeton – jeder Baustein von heute

hat seine ganz speziellen Stärken.

10 BAUZEIT. ROHBAU. MAUERWERK.


!Höhere Rohdichte

bedeutet weniger

Dämmleistung

Generell gilt, dass die Eigenschaften Rohdichte,

Druckfestigkeit, Schalldämmung, Wärmeleitfähigkeit

und die Dämmeigenschaft eines Mauersteins

in folgendem Zusammenhang stehen:

Je höher die Rohdichte eines Mauersteins ist,

umso schwerer ist er, umso höher ist seine

Druckfestigkeit, umso höher der Schalldämmwert,

umso höher die Wärmeleitfähigkeit und

umso schlechter die Dämmeigenschaften.

Klassifizierung von Mauersteinen

Die Druckfestigkeit von Mauersteinen gibt an, wie widerstandsfähig der Stein bei Einwirken

von Druckkräften ist. Übersteigt die Druckspannung die Druckfestigkeit des Mauersteins,

so wird er zerstört. Die Druckfestigkeit wird im Labor nach genormten Prüfverfahren

ermittelt und als Kraft pro Fläche dargestellt (N/mm²). Die Mauersteine werden

nach den ermittelten Werten in die Festigkeitsklassen 2, 4, 6, 8, 12, 20, 28, 36, 48 und

60 eingestuft. Da die Druckfestigkeit direkt von den jeweiligen Materialeigenschaften

abhängig ist, werden nicht alle Steinsorten in allen Festigkeitsklassen angeboten.

Vorteile von

Massivhäusern aus Stein

Das Maurerhandwerk ist alt, die Bauweise bewährt – und durch technische

Neuerungen ist das Massivhaus immer noch topaktuell. Moderne Mauersteine

und technische Neuerungen in der Konstruktion machen die Massivbauweise

unverändert attraktiv, wenn es das Ziel ist, „für die Ewigkeit“ zu

bauen. Denn Massivhäuser werden häufig mehr als hundert Jahre alt und

gelten somit als besonders langlebig. Und es gibt viele weitere Argumente,

die für die Massivbauweise sprechen.

Fertighäuser in Massivbauweise

Bild: Bisotherm

Bild: Bisotherm

Klassischerweise werden Fertighäuser in Leichtbauweise konstruiert – in aller Regel

in Holzständerbauweise. Die Fertighausindustrie ist aber mittlerweile auf einem technischen

Stand, der auch Fertighaus-Konstruktionen in massiver Ausführung ermöglicht.

Komplette Wände und Deckenelemente – mitunter sogar ganze Raummodule

– können aus Leichtbeton und Ziegeln hergestellt werden. Die Wand- und Deckensegmente

werden anschließend auf die Baustelle geliefert und dort innerhalb weniger

Tage zusammengesetzt.

Individuelle Hausplanung

Massivhäuser bieten für Häuslebauer

jede Menge individuellen

Gestaltungsspielraum. In Zusammenarbeit

mit einem erfahrenen

Architekten und dem nötigen Budget

für die Baufinanzierung lassen

sich in der Regel völlig problemlos

Immobilien mit dem gewissen Etwas

bauen.

Gesundes Raumklima

Massivhäuser punkten in der Regel

mit einem gesunden Raumklima.

Das massive Mauerwerk speichert

Wasserdampf und gibt diesen bei

Bedarf wieder ab. Auch auf die

Schalldämmung wirkt sich die massive

Bauweise positiv aus.

Wärmespeicherung

Massiv gebaute Wände speichern

jede Menge Wärme. Im Sommer

heizen sich massiv gebaute Häuser

nicht so schnell auf, im Winter kühlen

sie hingegen nicht so schnell aus.

Hohe Wertbeständigkeit

Der Werterhalt eines Massivhauses

ist besser als der von Fertighäusern.

Im Falle eines Verkaufs können

Hausbesitzer demnach mit einem

höheren Erlös rechnen. Auch mit

Blick auf die Finanzierung des Bauvorhabens

ist die Verhandlungsposition

bei den Banken eine bessere.

Widerstandsfähigkeit

Ein Massivhaus zeigt sich deutlich

widerstands fähiger und unempfindlicher

gegen die Herausforderungen

des Alltags. Ein Rohrbruch

verursacht deshalb zum Beispiel

weniger Folgekosten als bei einem

Fertighaus, bei dem die Wände

allesamt aus wasserempfindlichen

Materialien wie Holz, Gips karton

und mineralischer Dämmung gefertigt

sind.

BAUZEIT. ROHBAU. MAUERWERK.

11


Materialien und Eigenschaften

Bild: Bisotherm

Ziegel

Bild: Wienerberger

Kalksandstein

Bild: Xella

Porenbeton

Bild: Xella

Leichtbeton

Bild: Bisotherm

Der aus Ton und Lehm gebrannte Ziegel

ist der älteste Baustein überhaupt. Er

zeichnet sich durch gute Wärme- und

Schalldämmung sowie feuchteregulierende

Eigenschaften aus. In Kombination

mit der hohen Stabilität und den

guten Schallschutzeigenschaften sind

Ziegel somit ideal für wärmedämmende

Außenwände, eignen sich aber auch

bestens für Sanierungsarbeiten oder

zum Bau von Innenwänden (tragend

oder nicht tragend). Um die wärmedämmende

Wirkung noch zu verbessern,

werden den Ziegeln heute oft porenbildende

Stoffe wie Sägemehl, Zellulose

oder Poysterol beigemischt.

Die typisch weißen Kalksandsteine sind

extrem belastbar und verfügen über

einen hohen Schallschutz. Mit dem

schweren Stein lassen sich selbst tragende

Wände, wegen ihrer Druckfestigkeit,

sehr schlank gestalten. Da gleichzeitig

die Wärmedämmfähigkeit aber

geringer ist, muss bei Außenwänden

eine zusätzliche Dämmung aufgebracht

werden. Hinsichtlich ihrer Feuerbeständigkeit

werden sie außerdem für den

Bau von Brandschutzwänden oder Heizungskellern

genutzt. Aufgrund seiner

Witterungsfestigkeit, selbst bei extremen

Minusgraden, eignet sich Kalksandstein

auch hervorragend als Vormauerstein

(Kalksandstein-Verblender).

Wollen Sie aus einem Raum zwei

machen und soll es eine tragende

Massivwand mit guten Wärmedämmeigenschaften

sein, so sind Porenbetonsteine

(auch Gasbeton) eine gute Lösung:

Durch das geringe Gewicht

eignen sich diese Steine gut für nachträglich

zu erstellende Innenwände sowie

für Umbau- und Sanierungs maßnahmen.

Porenbeton ist als Planstein, Planbauplatte,

Blockstein oder auch Segmentstein

erhältlich, besonders einfach zu

schneiden, zu ritzen oder zu schleifen

und im Dünnbettverfahren schnell zu

verarbeiten. Da die Wasseraufnahmefähigkeit

von Porenbeton relativ hoch ist,

muss der Stein an der Fassade durch

Putz, eine Verkleidung oder Vormauersteine

geschützt werden.

Leichtbetonsteine aus Zement, Wasser

sowie sogenannten Leichtzuschlägen

sind als Vollsteine oder Hohlblocksteine

erhältlich. Sie eignen sich sowohl

für tragendes Außenmauerwerk als

auch für tragende und nicht tragende

Trennwände, zum Mauern von Garagen,

Grundstücksmauern oder Kellerkonstruktionen.

Die Steine mit Bims

sind im Vergleich zu anderen Leichtbetonsteinen

mit industriell hergestellten

beziehungsweise weiterverarbeiteten

Leichtzuschlägen ökologisch gesehen

ein sehr interessanter, wertvoller Baustoff.

Bims entstand durch vulkanische

Tätigkeit vor 12.900 Jahren und wird im

schonenden Tagebau in der Nähe der

Produktionsstätten abgebaut.

12 BAUZEIT. ROHBAU. MAUERWERK.


Material

Vorteile

Nachteile

Ziegel Kalksandstein Porenbeton Leichtbeton / Bims

Gebrannter Ton, Lehm oder tonische

Masse – Wärmedämmziegel zusätzlich

mit Sägemehl, Zellulose oder

Poysterol versetzt

Gute Wärme- und Schalldämmung,

feuchteregulierende Eigenschaften,

nicht anfällig für Schimmel, Austrocknungszeit

sehr kurz, eignet

sich für Außen- und Innenmauern,

guter Brandschutz

Bruchgefahr beim Bohren macht bei

einigen Ziegelsteinen Spezialdübel

notwendig, bestimmte Ziegeltypen

(Lang-Lochziegel) nicht für tragende

Wände geeignet

Kalk und kieselsäurehaltige

Zuschläge – unter Dampfdruck

gehärtet

Guter Schall- und Brandschutz, hohe

Druckfestigkeit, unempfindlich gegenüber

Witterungseinflüssen, Stein

sorgt für angenehmes Raumklima,

hoher pH-Wert wirkt der Ansiedlung

von Pilzen und Bakterien entgegen

Schlechte Wärmedämmung macht

zusätzliche Dämmschicht nötig,

hohe Rohdichte, deshalb aufwendige

Bearbeitung

Quarzsand, Kalk, Zement sowie

Aluminiumpulver als Porenbildner –

durch Dampf gehärtet

Sehr gute Wärmedämmung, Mauer

kann im Dünnbettverfahren errichtet

werden, das heißt, es ist nur eine

dünne Schicht Mörtel notwendig,

Klötze liegen nah beieinander,

leichter Baustoff

Schlechtere Schallschutzwerte als

Steine mit höherer Rohmasse, Steine

nehmen Feuchtigkeit auf und müssen

daher gut vor Umwelteinflüssen geschützt

werden

Zement, Wasser und porige,

mineralische Zuschläge (Bims,

Blähton, Blähschiefer, Blähglas)

Sowohl gute Wärme- als auch gute

Schalldämmung, Wärmespeicherfähigkeit,

keine zusätzliche

Dämmung nötig, robust, sehr leicht,

guter Brandschutz, feuchtigkeitsregulierend

Höhere Anfangsfeuchte,

da Bimssteine nicht thermisch

getrocknet werden

Bimsstein

Bilder: Bisotherm

Bild: Bisotherm

Sie wünschen sich eine stabile, hochwertige und ökologische

Basis für Ihr neues Heim? Dann könnte Bims Ihr

Baustoff sein. In der Produktionsanlage wird Bims mit

einer genau abgestimmten Menge Bindemittel (Zement

oder Kalk) und Wasser zu Leichtbeton verarbeitet und

in eine Steinform gefüllt. Durch Auflast und Vibration

wird der Leichtbeton verdichtet und anschließend in die

Trockenkammer transportiert. Im Vergleich zu Mauersteinen

mit anderen Rohstoffen haben Bimssteine den

niedrigsten Energiebedarf in der Produktion.

Mauersteine mit Dämmkern

Sie möchten in monolithischer Bauweise ein Haus errichten,

das höchste aktuelle Energiestandards erfüllt,

wollen jedoch auf eine zusätzliche Dämmung durch

ein WDVS verzichten? Dann bieten sich Ziegel- oder

Leichtbetonsteine mit integriertem Dämmkern an.

Mauern aus solchen verfüllten Steinen können einen

U-Wert von nur 0,12 W/m 2 K (bei einer Wanddicke von

49 cm) erreichen und das in nur einem Arbeitsgang. Für

die dämmende Füllung werden unterschiedlichste Materialien

eingesetzt. Neben synthetischen Stoffen wie

EPS oder Polystyrol sind auch verschiedene Dämmkerne

aus Naturmaterialien erhältlich. Steine mit mineralischen

Füllungen aus Steinwolle oder Perlit, oder

biologischen Dämmkernen wie Holz- oder Hanffasern

sind reine Naturprodukte und damit bestens geeignet

für eine ökologische und wohngesunde Bauweise.

Bilder: Wienerberger

Bild: Wienerberger

Bilder: Bisotherm

BAUZEIT. ROHBAU. MAUERWERK.

13


Wandkonstruktion

Konstruktionsweisen von Außenwänden

Als tragendes Bauteil hat die Außenwand eine statische Funktion. Sie muss die für ihre Standsicherheit und Belastung notwendige Dicke, Festigkeit und Aussteifung haben.

Bei der Außenwand spielt nicht nur die Statik eine Rolle, sondern auch die Wärmedämmung. Neben der Qualität der verwendeten Baustoffe entscheidet auch der

grundsätzliche Wandaufbau über deren statische und energetische Eigenschaften. Hier müssen Sie grundsätzlich zwischen drei verschiedenen Varianten abwägen:

Einschalige Außenwände

Diese werden aus porosierten Ziegeln, Leichtbetonwerksteinen

oder Porenbetonsteinen errichtet,

die zugleich tragen und dämmen. Die Luft in den

Hohlkammern erhöht deren Dämmfähigkeit und

verringert das Gewicht, wodurch größere Steinformate

möglich sind, was wiederum den Anteil

der Fugen verringert. Leichtmauermörtel verhindert

Kältebrücken im Fugenbereich, Klebemörtel

schafft eine homogene Wandstruktur. Eine

zusätzliche Dämmschicht ist bei ausreichender

Wandstärke nicht nötig.

Mehrschichtige Außenwände

Bei diesen Konstruktionen werden die Funktionen

„Dämmen“ und „Tragen“ von verschiedenen Baustoffen

übernommen. Die tragende Schale besteht

aus massiven Baustoffen. Die Wärmedämmung

übernimmt eine zusätzliche Dämmschicht, die als

innere Vorsatzschale oder außenliegendes Wärmedämmverbundsystem

aufgebracht wird oder

in Verbundsteinen integriert ist. Für die Errichtung

mehrschichtiger Wände stehen eine Vielzahl von

Wandbaustoffen und Systemen zur Verfügung.

Zweischalige Außenwände

Diese Außenwände bestehen aus einer inneren

tragenden Schale, einer Wärmedämmschicht

und einer vorgesetzten äußeren Schale als Bekleidung.

Wird die Außenschale aus verputzten

Vormauerziegeln errichtet, wird die Dämmschicht

voll zwischen den beiden Schalen eingestellt. Bei

dichten Außenschalen aus Fassadenklinker oder

vorgehängten Fassaden aus Holz oder Faserzement

(sogenannte Vorsatzschalen) wird die

Dämmschicht an der Innenschale montiert.

Typische Konstruktion einer verputzten

Außenwand aus hochdämmenden Steinen

Typische Konstruktion einer Außenwand

mit Wärmedämmverbundsystem

Typische Konstruktion einer

verklinkerten Außenwand

Wandaufbau von

außen nach innen:

2 cm Außenputz

36,5 cm hochwärmedämmende

Mauersteine

[λ = 0,08 W/(m•K)]

1 cm Innenputz

Wandaufbau von

außen nach innen:

15 cm Wärmedämmverbundsystem

mit

Mineralwolle

24 cm Außenwand

aus Kalksand steinen

1 cm Innenputz

Wandaufbau von

außen nach innen:

11,5 cm Verblendmauerwerk

14 cm Wärmedämmung

(Mineralwolle, WLS 035)

17,5 cm Tragende Wand

aus Kalksandstein

1 cm Innenputz

U-Wert der Wand:

~0,21 W/(m²·K)

U-Wert der Wand:

~0,21 W/(m²·K)

U-Wert der Wand:

~0,22 W/(m²·K)

Bild: BEVER

Bild: BEVER

Bild: BEVER

Stumpfer Wandanschluss

Beim Verbinden einer Längs- mit einer Querwand gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Werden beide Wände gleichzeitig hochgezogen, kommen traditionelle Mauerverbinder

zum Einsatz. Diese werden zur Hälfte in die Lagerfuge eingelegt, an welcher die aussteifende

Wand anstößt, wodurch ein fester Verbund gewährleistet wird (Stumpfstoßtechnik).

Wenn kein Mauerverbinder in die Fuge eingelegt wurde oder nicht eingelegt

werden konnte, werden Bauplattenanker eingesetzt. Sie werden am Mauerwerk befestigt

und anschließend in die Fuge der stumpf zu stoßenden Wand eingearbeitet.

Verbindung von zweischaligem Mauerwerk

Beim Aufbau einer zweischaligen Außenwand mit einer Vorsatzschale aus

Fassadenklinkern, muss die tragende innere Schale mit der äußeren Klinkerwand

verbunden und die dazwischenliegende Dämmschicht überbrückt werden.

Dazu werden sogenannte Luftschichtanker eingesetzt. Es stehen verschiedene

Systeme zum Einlegen (Neubau) wie auch zur nachträglichen Befestigung (Sanierung)

zur Verfügung, die abhängig vom Material der tragenden Schale (Beton, Ziegel,

Holz etc.) aus unterschiedlichen Komponenten bestehen.

14 BAUZEIT. ROHBAU. MAUERWERK.


Setzen eines Fenstersturz-Fertigteils mit integriertem Dämmkern

Bild: Wienerberger

Vorgefertigte, geschosshohe Systemwandelemente vor der Montage

Bild: Xella

Plansteine

Plansteine sind Mauersteine deren Ober- und Unterseite besonders eben und

glatt produziert ist. Durch die höhere Planparallelität können diese Steine mittels

Dünnbettmörtel oder Kunststoffklebern versetzt werden. Die Stoßfuge ist in

der Regel mörtellos verzahnt. Da sehr wenig Mörtel verarbeitet wird, dringt von

Anfang an weniger Feuchtigkeit ins Mauerwerk. Das verringert die Trocknungszeit,

ermöglicht einen schnelleren Bezug des Gebäudes und beugt Feuchte schäden vor.

Außerdem ist die meist maschinelle Verarbeitung von Dünnbettmörtel (Mörtelschlitten)

oder PU-Kleber (Schaumpistolen) weniger zeitaufwändig, als das klassische

Vermauern von Dickbettmörtel und auch der Wegfall der Stoßfugen spart Zeit. Durch

den im Vergleich zu einer normal gemauerten Wand höheren Stein- und einen

geringeren Mörtelanteil, ist die Konstruktion insgesamt auch tragfähiger. Dadurch

kann eine Plansteinmauer dünner sein als eine Wand aus normalen Steinen desselben

Materials. Der geringere Fugenanteil bewirkt zudem eine Minimierung von

Wärmebrücken und somit eine bessere Wärmedämmung der Wand.

Geschosshohe Systemwandelemente

Mit geschosshohen Systemwandelementen aus Porenbeton kann mit nur einer

„Steinreihe“ die fertige Raumhöhe errichtet werden. Das ermöglicht eine Zeitersparnis

von bis zu 73 % gegenüber kleinformatigen Steinen – und zwar ohne Abstriche

bei der Rohbauqualität. Hinzu kommen die guten Wärmedämmeigenschaften.

In einschaliger Bauweise reichen schon Außenwandstärken von 36,5 cm aus,

um EnEV-gerecht zu bauen. Eine zusätzliche Dämmung ist nicht erforderlich.

Fertiger Rohbau aus Porenbeton-Systemwandelementen

Bild: Xella

Sichtmauerwerk ohne Fugen

Vormauerziegel und Klinker müssen grundsätzlich vollflächig vermauert und in einem

weiteren Arbeitsschritt verfugt werden. Wer es anders machen will, bedarf dazu einer

gesonderten Zulassung. Und die kostet Zeit und Geld!

Doch jetzt gibt es neuartige, speziell geformte Vormauerziegel, die es ermöglichen,

Fassaden mit homogenem und massivem Charakter ohne Mörtelfugen zu erstellen.

Dadurch wirkt die Fläche gleichmäßiger und die Backsteinoptik kommt optimal zur

Geltung. Außerdem erübrigt sich der Arbeitsgang des Verfugens, was unterm Strich

Zeit und Geld spart.

Zwei Stützfüße für zusätzlichen Halt und

einfachere Verarbeitung (Beim Mauern

wird der Ziegel mit der hohlen Seite

nach unten positioniert.)

Kopf mit 10 mm dickem

Rand für die Ausbildung

von Gebäudeecken und

Laibungen

Vertiefung in der Verlegefläche

für eine traditionelle Lagerfuge zum

Einlegen von Edelstahl-Ankern

Bild: Wienerberger

Bild: Wienerberger

BAUZEIT. ROHBAU. MAUERWERK.

15


HOLZBAU

Konstruktionsweisen.

Holzbaustoffe.

Viele Hausbauinteressenten träumen davon, sich ein Eigenheim in Holzbauweise

zu errichten, doch gehen die Vorstellungen vom Haus aus Holz zum Teil weit

auseinander. Die einen denken an ein Blockhaus aus massiven Holzbohlen oder

ganzen Stämmen, andere bevorzugen Holzrahmenbau oder massive Wände

aus Brettsperrholz. Egal, welche Variante Sie wählen, der Holzbau trägt auf vielfältige

Weise zum ökologischen und energiesparenden Bauen bei. Der moderne

Holzbau bietet viele Vorzüge und ermöglicht es, Ihren Traum aus Holz individuell

zu gestalten – egal, ob modern, urban, traditionell oder gemütlich.

Bild: Swiss Krono

16 BAUZEIT. ROHBAU. HOLZBAU.


Vorteile von Holzhäusern

Holz als Werkstoff ist vielseitig. Ob es sich um eine Fertighausvariante, ein massives Blockbohlenhaus oder auch um ein Architektenhaus handelt, mit Holz ist einiges

möglich, von traditionellen bis hin zu sehr modernen Erscheinungsbildern. Die bauphysikalischen Eigenschaften des Materials und die vielfältigen Konstruktionsmöglichkeiten,

bringen dabei viele Vorteile mit sich.

Nachhaltigkeit

Während der „Produktionszeit“ gibt der Werkstoff

Holz seiner Umwelt mehr zurück, als er für sein

Wachstum benötigt: Er filtert unablässig schädliches

CO 2

aus der Luft und reichert diese stattdessen mit

frischem Sauerstoff an. Dieser Beitrag zur Klimabilanz

ist so groß, dass auch nach Abschluss aller Verarbeitungsschritte

jedes Holzbauteil mehr Treibhausgase

getilgt als hervorgerufen hat. Andere natürliche

Baustoffe wie Ziegelsteine können da nicht mithalten.

Wohngesundheit

Die Holzbauweise ist für Allergiker und Asthmatiker

nachweislich gesundheitsfördernd. Holz kann

Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben (offenporige

Struktur), sodass das Klima selbstständig auf 45 –

55 % Luftfeuchtigkeit reguliert wird. Das schafft eine

gesundheitsfördernde Umgebung und hat eine beruhigende

Wirkung auf die Atemwege.

Energie

Im Holzbau können mit geringem Platzverbrauch

sehr gute Dämmeigenschaften erzielt werden. Trotz

schlanker Wandaufbauten dringt sowohl im Winter

kaum Energie nach draußen als auch im Sommer

Hitze nach drinnen. Das liegt einerseits an den physikalischen

Eigenschaften des Baustoffs Holz, andererseits

auch an den ausgefeilten Konstruktionen,

die mit diesem Baustoff möglich sind. Damit können

höchste Energieeffizienz-Standards bereits mit relativ

dünnen Wandstärken erreicht werden.

Gewicht

Die Holzbauweise punktet aufgrund des vergleichbar

geringen Gewichts vor allem bei der Nachverdichtung

im urbanen Raum – speziell bei Aufstockungen

von Bestandsgebäuden, wo aus statischen

Gründen eine leichte Bauweise notwendig ist.

Bauzeit

Die Bauzeit eines Holzhauses ist, abhängig von der

Bauweise, in der Regel geringer als die eines vergleichbaren

gemauerten Massivhauses. Bei Gebäuden,

die in Holzbauweise errichtet werden, erfordert

die Umsetzung des Rohbaus, durch die Vorfertigung

der Wand- und Deckenelemente in den Werkhallen

der Holzbaubetriebe/Zimmereien, in der Regel nur

wenige Tage.

Brandschutz

Moderne Holzhäuser sind so brandsicher wie Häuser

aus Stein. Sogar Feuerwiderstandsklassen bis

F 90 (feuerbeständig) sind möglich, das heißt: Ein

Holzbauteil kann bis zu 90 Minuten dem Feuer

standhalten. Wer auf überdurchschnittliche Sicherheit

seiner Holzbekleidungen Wert legt, kann etwa

auf OSB-Platten mit speziellen feuerbeständigen

Beschichtungen zurückgreifen.

Bild: Elka

Handwerk trifft HighTech

Holzbau zählt zu den aktuell innovativsten Bautechniken, da das Zimmererhandwerk

trotz all der traditionellen Werte, die es mitbringt, auch sehr zukunftsorientiert agiert. So

erfreut sich der Holzbau in Deutschland immer größerer Beliebtheit, zuletzt lag die Holzbauquote

bei 17,8 %, was knapp 21.000 Wohngebäuden entspricht.

Der Holzbau ist äußerst flexibel und bietet eine Vielzahl von architektonischen Möglichkeiten,

egal, ob Designhaus, Stadtvilla, Landhaus, Bungalow oder Bauhausstil, nahezu

jede Variante ist technisch umsetzbar. Ein Haus in Holzbauweise ist baubiologisch unübertroffen

und trägt so zu einem gesunden Wohngefühl und -komfort bei. Die Eigenschaften

eines Holzbaus sorgen für eine Regulierung des Raumklimas und für eine angenehme

Raum- und Oberflächentemperatur – im Sommer wie im Winter –, so lassen

sich Umweltschutz und Wohlfühlklima spielend verbinden.

Verschiedene Arten von Holzbaukonstruktionen prägen hier das Bild. Zum einen der

klassische Holzrahmen- bzw. Holztafelbau, der durch Ständerwerk aus Massivholz

und einer Beplankung mit plattenförmigen Wandbaustoffen und einer in der Wand

liegenden Dämmung daherkommt und zum anderen die unterschiedlichen Holzmassivbauweisen

wie Blockbohlen oder die neueste Variante in Brettsperrholz, wo ganze

Wände und Decken in einem Stück massiv gefertigt und dann auf der Baustelle montiert

werden können.

Durch diese Konstruktionen lässt sich bei einer professionellen Aufstockung oder

einem Anbau die Flächennutzung optimieren und der Wohnwert steigern. Dank der

Vorfertigung und einer schnellen Montage, ist eine geringe Bauzeit zu realisieren und

die Bauteile lassen sich harmonisch, ästhetisch und funktionell mit dem Bestandsbau

verbinden. Ein besonderer Reiz ergibt sich aus der hohen Kombinierbarkeit von Holz

mit verschiedenen anderen Baustoffen – Holz mit Beton, Glas oder Stein – sowohl im

Innenausbau als auch in der Fassadengestaltung.

Bild: Swiss Krono

BAUZEIT. ROHBAU. HOLZBAU.

17


!Aufstockung und

Anbau: besonders

einfach mit Holz

Sie planen einen Anbau oder eine Aufstockung?

Dann empfiehlt sich die trockene Bauweise

eines Holzrahmenbaus ganz besonders. Die

Lärm- und Schmutzbelastung bleibt im Vergleich

gering, sodass Sie auch enge Lücken

schnell und stressfrei (auch für Ihre unmittelbaren

Nachbarn) bebauen können. Die schnelle

Umsetzung eines Anbaus in Holzbauweise

senkt außerdem Kosten, ist nachhaltig und die

stoffliche Verwendung von Holz leistet einen

positiven Beitrag zum Klimaschutz.

Konstruktionsweisen

Der Baustoff Holz wird häufig in Kombination mit anderen Baumaterialien angewendet. Es gibt beispielsweise Holzbalkendecken

im Mauerwerksbau, Holzdachstühle auf Bauten aus Mauerwerk oder Beton, Dachbinder aus Holzfachwerken oder

Brettschichtholzträger für Hallen und viele andere Anwendungsgebiete. Wird die komplette (tragende) Wandkonstruktion eines

Gebäudes im Holzbau errichtet, unterscheidet man grundsätzlich zwischen der Holzleicht- und der Holzmassivbauweise.

Bild: Mocopinus

Massivbauweise

Blockbohlenbau

Beim Blockbohlenbau bestanden die Wände ursprünglich aus behauenen und aufeinandergelegten

Holzstämmen. Durch die Weiterentwicklung hinsichtlich eines

hohen Vorfertigungsgrades und immer kürzerer Bauzeiten ist daraus eine sehr wirtschaftliche

Bauweise entstanden. Für den modernen Aufbau der massiven Blockbohlenwand

werden maschinell vorgefertigte Rundbohlen oder Vierkantbohlen aus

Brettschichtholz und Konstruktionsvollholz mit einem vorgefertigten Nut-Feder-Profil

verwendet. Neben dem traditionell einschaligen Aufbau der Außenwand sind auch

mehrschalige Konstruktionen mit Zwischendämmung möglich. Die Innenwände im

Blockhaus können ebenfalls als Blockbohlenwände oder auch als Trockenbauwände

realisiert werden. Zu beachten ist das schwindbedingte Setzen der Blockbohlen und

die sorgfältige und fachgerechte Ausführung der Fugen. Davon gibt es im Blockhaus

zahlreiche. Undichtigkeiten sorgen für Wärmeverluste und Kondensat und müssen

vermieden werden. Ist ein Blockhaus einmal geplant, lassen sich Konstruktionsänderungen

in der Regel nur noch in sehr begrenztem Umfang umsetzen. Keinesfalls

dürfen diese ohne Rücksprache mit dem Planer bzw. Statiker vorgenommen werden.

Brettsperrholzbau

Es handelt sich um eine Massivbauweise mit vorgefertigten Platten, die aus getrockneten

und festigkeitssortierten Brettern aus heimischen Nadelhölzern hergestellt werden.

Die einzelnen Lagen (3 bis 7 Lagen) werden typischerweise um 90° zueinander gedreht

und flächig miteinander verklebt. Dadurch wird das Tragverhalten homogenisiert sowie

das Quell- und Schwindverhalten der Elemente um ein Vielfaches verbessert. In Abhängigkeit

der statischen Beanspruchung ergeben sich für die einzelnen Bauteile unterschiedliche

Anzahlen von Lagen und damit verschiedene Decken- bzw. Wandstärken.

Dank der hervorragenden bauphysikalischen und mechanischen Eigenschaften weist

dieser flächenförmige Holzwerkstoff beste Wärmedämmeigenschaften auf, andererseits

kann Brettsperrholz Lasten in mehrere Richtungen abtragen und auch als Träger eingesetzt

werden. Die Wand-, Decken- und Dachaufbauten lassen sich individuell den

Anforderungen an Statik, Brand-, Schall- und Wärmeschutz anpassen und eignen sich

deshalb sowohl für öffentliche Bauten wie Schulen oder Kindergärten als auch für Einund

Mehrfamilienhäuser oder Gewerbebauten. Ein weiterer Vorteil der Brettsperrholzbauweise

ist, dass keine Raster erforderlich sind. Dadurch können Grundrisse relativ

frei aufgebaut werden, auch Fenster- und Türöffnungen lassen sich beliebig integrieren.

Bild: Norica Timber

Bild: Norica Timber

18 BAUZEIT. ROHBAU. HOLZBAU.


Leichtbauweise

Skelettbau

Aus dem traditionellen Fachwerkbau hat sich der Skelettbau

entwickelt. Ein Gerüst aus Konstruktionsvollholz

– bei größeren statischen Anforderungen aus Brettschichtholz

– trägt die Lasten. Zur Aussteifung kommen

Stahlbänder oder diagonale Streben zum Einsatz. Wandverkleidungen

spielen als Aussteifung eher eine untergeordnete

Rolle, Innenwände können nach Wunsch gesetzt

werden oder ganz entfallen, spätere Änderungen

des Grundrisses sind nicht ausgeschlossen. Durch die

Verwendung von Rastern und den Einsatz von Konstruktionsvollholz

wird der Holzskelettbau zur wirtschaftlichen

Holzbauweise mit großen Stützenabständen. Für

sehr große Stützweiten wird Brettschichtholz als Träger

eingesetzt. Vorteil dieser Konstruktionsweise: Offene

Raumfolgen, großflächig verglaste Außenwände und variable

Grundrisse, lassen sich relativ einfach realisieren.

Rahmen- oder Tafelbau

Rahmen aus Konstruktionsvollholz werden mit Holzwerkstoffplatten

ausgesteift und leiten quasi im Verbund

alle vertikalen und horizontalen Lasten ab. Diese Konstruktionsweise

erlaubt – aufgrund des möglichen hohen

Vorfertigungsgrades – sehr kurze Bauzeiten, bietet aber

wegen der tragenden Innenwände weit weniger Freiheit

was eine spätere veränderte Nutzung betrifft. Da der

Rahmenbau eher auf ein Rastermaß ausgerichtet ist und

die Querschnitte der Hölzer standardisiert sind, ist ein hohes

Maß an Rationalität bei der Fertigung möglich. Aus

diesem Grund wird die Holzrahmenbauweise insbesondere

dann eingesetzt wenn kurze Bauzeiten bei hohem

Vorfertigungsgrad gewünscht sind. Es wird zwischen verschiedenen

Graden der Fertigung unterschieden:

Bild: Swiss Krono

Vollmontage

Einzelteile der späteren Wandkonstruktionen werden

werksseitig vorgefertigt, die Montage erfolgt komplett

auf der Baustelle.

Halbfertigteile

Hier werden einseitig beplankte Rahmen geliefert.

Die kraftschlüssig montierte Verbindung steift den Rahmen

für den Transport aus.

Vollfertigteile

In diesem Fall werden die Wandelemente vollständig

– mit beidseitiger Beplankung inklusive Dämmung (Tafelbau)

– vorgefertigt. Zum Teil können auch Fensterbauteile

sowie die Haustechnik oder sogar die Außenfassade

bereits komplett mit integriert sein.

Bild: Swiss Krono

Bild: Swiss Krono

Bild: Swiss Krono

BAUZEIT. ROHBAU. HOLZBAU.

19


Holzbaustoffe

Holzbaustoffe unterscheiden sich durch die unterschiedlich verwendeten Strukturelemente in Werkstoffe auf Vollholzbasis,

Furnierwerkstoffe, Spanwerkstoffe, Faserwerkstoffe und Verbundwerkstoffe. Abhängig vom jeweiligen Einsatzbereich bzw.

der Konstruktionsweise werden im modernen Holzbau verschiedene Werkstoffe kombiniert. Hier gibt es diverse Kombinationen

verschiedener Holzwerkstoffe – etwa mit OSB-Platten verkleidete Rahmen aus Konstruktionsvollholz – die jeweils

zum Ziel haben, die positiven Eigenschaften der unterschiedlichen Materialien zu vereinen. Aus dem selben Grund wird

Holz auch häufig mit anderen Werkstoffen kombiniert – beispielsweise können tragende Elemente aus Stahlbeton oder

sogar Holz-Beton-Verbundelemente das Gerüst für dazwischenliegende Wandelemente aus Holzwerkstoffen bilden.

Bild: Elka

Bild: Norica Timber

Bild: Norica Timber

Konstruktionsvollholz

Konstruktionsvollholz wird aus heimischen Nadelhölzern erzeugt und industriell

gefertigt. Es erfüllt je nach Wunsch unterschiedliche Qualitätsanforderungen, die

sich vom herkömmlichen Bauholz unterscheiden können. Die technische Trocknung

und die anschließende Festigkeitssortierung (visuell oder auch maschinell)

zählen zu diesen erhöhten Qualitätsanforderungen. Die Fehlstellen der Hölzer

werden durch die Sortierung erkannt und ausgekappt und durch eine Keilzinkenverbindung

in der Länge gefügt, auf ein Nennmaß egalisiert bzw. gehobelt und

anschließend auf Länge gekappt.

Konstruktionsvollholz hat sich zu einem vielseitig einsetzbaren und in vielen

Querschnitten verfügbaren Standardbaumaterial entwickelt. Im Hausbau bildet

Konstruktionsvollholz die tragende Struktur, egal, ob beim Dach oder in der

Wand. Zudem ist Konstruktionsvollholz in Sicht- und Industriequalität erhältlich.

Brettschichtholz

Brettschichtholz (BSH) wird besonders bei höheren statischen Anforderungen, großen

Querschnitten oder besonderen Anforderungen an die Optik verwendet. Beim Herstellungsprozess

werden mindestens zwei technisch getrocknete und nach Festigkeit sortierte Bretter

oder Brettlamellen faserparallel miteinander verklebt. Da die Einzellamellen vor dem Verkleben

leicht formbar sind, können auch bogenförmige und gekrümmte Bauteile hergestellt

werden. BSH ist durch die Verklebung und damit einhergehende Homogenisierung ein formstabiles

und risseminimiertes Holzprodukt, das eine bis zu 50 % höhere Biegefestigkeit als

übliches Bauschnittholz aufweisen kann. Die hohe Tragfähigkeit bei einem geringen Eigengewicht

ermöglicht schlanke und wirtschaftliche Konstruktionen mit großen Spannweiten.

Brettschichtholz weist – so wie alle Holzprodukte – einen hohen Brandwiderstand und eine

gute chemische Resistenz auf. Brettschichtholz-Bauteile werden in verschiedenen Oberflächenqualitäten

angeboten: „Sicht-Qualität“ (Si) steht für Bauteile mit statischen und ästhetischen

Anforderungen für den Einsatz in Innenräumen, „Nicht-Sicht-Qualität“ (NSi) steht für

Brettschichtholz mit statischen Anforderungen ohne gehobenen optischen Anspruch.

20 BAUZEIT. ROHBAU. HOLZBAU.


Spanplatten

Spanplatten werden im Holzfertigbau und als konstruktive Ausbauplatte verwendet,

sie werden oft auch als Flachpressplatten bezeichnet. Sie bestehen aus unterschiedlich

großen, beleimten Spänen, die in zumeist drei bis fünf Schichten zu Mehrschichtplatten

verpresst werden. Da der massive Holzverbund aufgehoben ist, haben diese

Platten in Richtung der Plattenebene, also Länge und Breite der Platte, nahezu die

gleichen Quell- und Schwindeigenschaften.

Spanplatten werden nach DIN EN 312-1 in sieben verschiedene Typen gegliedert.

Die Plattentypen P3/P5 sind beim Bauen üblich.

Im statischen Sinne

nicht tragende Bauteile:

P1: leichte Verkleidungen im

Trockenbereich

P2: Innenausbau im

Trockenbereich

P3: Feuchtbereich

Im statischen Sinne

tragende Bauteile:

Hochbelastbare

tragende Bauteile:

P4: Trockenbereich P6: Trockenbereich

P5: Feuchtbereich P7: Feuchtbereich

Bild: Elka

OSB-Platten

OSB-Platten (Oriented Strand Board) – auch Grobspanplatten genannt, werden aus

langen, schlanken Spänen hergestellt, die im Gegensatz zu normalen Spanplatten

einheitlich ausgerichtet (orientiert) werden. Die Platten sind dreilagig aufgebaut: Die

Späne in der oberen und der unteren Deckschicht sind in Produktionsrichtung längs

ausgerichtet, die Späne in der Mittelschicht dagegen quer. Resultat: ausgezeichnete

Formstabilität und hohe Festigkeitswerte. Auch die Biegefestigkeit ist durch die

langen und schlanken Späne höher als bei normalen Spanplatten.

Die DIN EN 300 definiert folgende OSB-Klassen:

Bild: Sonae Arauco

OSB/1 OSB/2 OSB/3 OSB/4

Platten für den

Innenausbau im

Trockenbereich

Platten für tragende

Zwecke im Trockenbereich

Platten für tragende

Zwecke im Feuchtbereich

Hochbelastbare Platten

für tragende Zwecke im

Feuchtbereich

Bild: Norica Timber

Bild: Sonae Arauco

Brettsperrholz

Brettsperrholz (BSP) ist ein massives, flächenförmiges Holzprodukt. Als Rohmaterial

für die Einzellagen werden Bretter aus trockenem Nadelholz verwendet. Diese werden

in mindestens drei Schichten in einem Winkel von vorzugsweise 90° miteinander

verklebt. Durch das Verkleben von Längs- und Querlagen wird das „Arbeiten“ des

Holzes, also das Quellen oder Schwinden, auf ein sehr geringes Maß reduziert. So

werden die Anforderungen an einen modernen Baustoff sicher erfüllt. Brettsperrholz

lässt sich in sehr großen Abmessungen produzieren und ist daher für die Herstellung

tragender und zugleich raumbildender Bauteile für Wände, Decken und Dächer sowie

für Träger und Scheiben bestens geeignet. Die massiven, flächenförmigen Fertigteile

können hohe Lasten übertragen, weisen ein hervorragendes Brandverhalten auf, lassen

sich schnell und trocken verbauen und wirken schall- und wärmedämmend. Brettsperrholz

verfügt über definierte bauphysikalische und mechanische Eigenschaften,

deshalb lassen sich die zu erreichenden bauphysikalischen Rahmenbedingungen

leicht umsetzen und auch prüfen. Das macht BSP im Holzbau zum idealen Werkstoff.

Holzfaserdämmstoffe

Bei der Herstellung von Holzfaserplatten wird das Holz bis hin zur Holzfaser aufgeschlossen

und anschließend zu Platten verpresst. Der strukturelle Zusammenhalt

beruht im Wesentlichen auf der Verfilzung der Holzfasern und ihren holzeigenen Bindekräften,

es können aber auch Klebstoffe als Bindemittel eingesetzt werden. Holzfaserdämmstoffe

wurden erstmals vor mehr als 75 Jahren aus dem Holz nachhaltig

bewirtschafteter Wälder hergestellt und haben sich seit dieser Zeit im Bauwesen

bewährt. Sie finden in unterschiedlichen Anwendungsbereichen sowohl bei Neu- als

auch bei Altbauten ihren Einsatz. Durch einzigartige Eigenschaften des Baustoffes

Holz sorgen sie für eine optimale Wohnbehaglichkeit, egal, ob Wärmedämmverbundsystem,

Dach- oder Innendämmung sowie Trittschalldämmung. Die Hersteller bieten

passende Produkte für fast alle Anwendungsbereiche.

BAUZEIT. ROHBAU. HOLZBAU.

21


SCHORNSTEIN

Aufgabe des Schornsteins ist es, die Abgase der Heizungsanlage sicher

nach außen zu führen. Da warme Luft eine geringere Dichte als die der

Umgebung hat, strömen die Abgase in der Regel von selbst nach oben.

Der sogenannte Kamineffekt sorgt für einen sicheren Betrieb und

verhindert, dass Abgase in das Gebäude gelangen. Damit das richtig

funktioniert, muss der Durchmesser vom Schornstein zur Abgasmenge,

zur Abgastemperatur und zur Höhe der Anlage passen.

Bild: TONA

22 BAUZEIT. ROHBAU. SCHORNSTEIN.


Konstruktionsweisen

Eine Verbrennungsanlage, ob Heizungsanlage oder Kamin, kann nur dann ordnungsgemäß

arbeiten, wenn Brennstoff, Feuerung und Schornstein präzise aufeinander

abgestimmt sind. Welches Material zur Errichtung des Schornsteins infrage kommt,

ist ebenfalls abhängig vom verwendeten Brennstoff, aber auch von der Hitzeentwicklung.

Die Konstruktionsart des Schornsteins wiederum ist unter anderem davon

beeinflusst, ob das Heizgerät oder der Ofen raumluftabhängig oder raumluftunabhängig

funktioniert, je nachdem wie die Verbrennungsluft durch den Schornstein oder den

Innenraum zugeführt wird.

Nach der Bauweise werden Schornsteine in folgende Typen unterschieden:

Einschalig Zweischalig Dreischalig

Der Schornstein besteht aus

vertikalen Schächten, die im

Mauerwerksverband gemauert

oder aus mineralischen Formsteinen

hergestellt werden.

Eine mineralische Außenhülle

sorgt für die Standsicherheit.

In einem zusätzlichen

Innenrohr werden die Abgase

abgeführt.

Diese Kamine bestehen

ebenfalls aus einer mineralischen

Außenhülle und

einem Innenrohr. Hier ist

das Innenrohr allerdings mit

einer Dämmung versehen.

Bild: Schiedel

!Kaminofen und

Schornstein im

System

Spezielle Energiespar-Schornsteine in Elementbauweise

bilden eine perfekt abgestimmte Kombination

aus Kaminofen und Abgasanlage, mit integrierter

Verbrennungsluftzufuhr in einem kompakten Komplettbauteil.

Sie werden in einen platzsparenden

Leichtbetonschacht eingebaut und enthalten einen

DIN-geprüften Heizeinsatz mit Sichtfenster. Direkt

auf dem Schacht sitzt der Energiespar-Schornstein

mit Thermo-Luftzug.

Gemauerte Schornsteine

Gemauerte Schornsteine sind typisch für den Altbau. Sie bestehen aus massiv

gemauerten Wänden und kommen in der Regel ohne ein eingelassenes Rohr

aus. Durch die rauen Oberflächen ergeben sich etwas geringere Förderdrücke

(„Zug“) als bei glatten Rohren. Diese müssen deshalb häufig vom anhaftenden

Ruß befreit werden. Ein Vorteil: Die massiven Wände speichern die Wärme der

Abgase und geben diese wie eine zusätzliche Heizfläche an die jeweiligen Räume

ab. Durch die geringe Wärmedämmwirkung und die hohe Speichermasse

muss die Rauchgastemperatur am Anschluss mindestens 200 °C betragen,

damit der Schornstein durch Kondenswasser nicht langsam versottet. Als Versottung

wird die Durchdringung der Mantelsteine mit Wasser, Teer und Säuren bezeichnet,

die zu braunen Flecken, teils auch unangenehmen Gerüchen führt.

Schamottschornsteine

Schamottschornsteine sind in der Regel durch einen dreischaligen Aufbau erkennbar.

So bestehen sie aus einem keramischen Innenrohr, einer mineralischen Dämmung

und einem gemauerten Mantel. Durch die Dämmung sinkt die Abgastemperatur langsamer

und der Auftrieb bleibt stabil. Zudem haben die Innenrohre eine glatte Oberfläche,

die weniger stark verrußt und leichter zu reinigen ist. Da auch diese Systeme nicht

feuchteunempfindlich sind, eignen sie sich kaum für den Betrieb mit modernen Öloder

Gasbrennwertheizungen. Außerdem ist der nachträgliche Anschluss von Ofenrohren

kompliziert, da sich das Innenrohr gegenüber dem Außenrohr erheblich dehnt.

Sanierungsschornstein

mit keramischem

Muffenrohr und

Dämmschicht

Doppelwandiger

Edelstahlschornstein

für die Modernisierung

Bild: Schiedel

Schornsteine aus Edelstahl

Raumluftunabhängiger Schornstein

für alle Brennstoffe, spezialisiert auf

kondensierende Kaminofenabgase

Keramikleichtbau-Schornstein

für schnellen Innenausbau in

der Sanierung

Bilder: TONA

Edelstahlschornsteine sind temperaturbeständig und feuchteunempfindlich. Durch

die sehr glatte Oberfläche werden höchste Förderdrücke erzielt, weshalb bei großen

Schornsteinhöhen zur Zugbegrenzung oft Drosselklappen eingesetzt werden müssen.

Durch die besonderen Merkmale eignen sich Edelstahlschornsteine auch für den

Betrieb mit modernen Gas- oder Ölheizungen, die durch ihre effiziente Betriebsweise

mit sehr niedrigen Abgastemperaturen arbeiten. Aber auch Kaminöfen oder Holzheizungen

können damit betrieben werden. Ein weiterer Vorteil ist die vergleichsweise

einfache Montage, durch die sich viele Systeme auch zur Nachrüstung eignen. Einen

Platz finden sie dabei entweder im Innern gemauerter Schornsteine oder außen an

der Fassade. Vor allem Letztere besitzen in der Regel einen mehrschaligen Aufbau,

in den auch eine Dämmschicht integriert ist.

BAUZEIT. ROHBAU. SCHORNSTEIN.

23


®

Kaminnachrüstung

Wer einen Kaminofen nachrüsten möchte, muss aus technischer Sicht einiges beachten. So sollte zunächst ein

freier Zug im Schornstein verfügbar sein. Dieser muss außerdem intakt und für den Anschluss eines Holzofens

geeignet sein. Um gewährleisten zu können, dass von der Heizung keine Gefahr ausgeht, sind außerdem Mindestabstände

zu Wänden, Decken und anderen Einrichtungsgegenständen einzuhalten. Um bösen Überraschungen

vorzubeugen, empfehlen wir die Beratung durch einen Schornsteinfeger. Dieser muss die Anlage später ohnehin

abnehmen und kann wertvolle Tipps zur Installation geben. Übrigens: Auch wenn kein Zug im Schornstein frei oder

dieser zu weit entfernt ist, können Hausbesitzer oft einen Kamin nachrüsten. Möglich ist das mit Abgassystemen aus

Edelstahl, die entweder im Gebäudeinneren oder außen an der Fassade über Dach führen.

!Förderung für

Nachrüstung von

Pellet-Kaminen

Wer einen Pellet-Kaminofen nachrüstet, kann

Fördergelder beantragen. Zumindest dann,

wenn der neue Ofen auch die zentrale Heizung

mit Wärme versorgt. Denn dann gibt

es hohe staatliche Zuschüsse über das Bundesamt

für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

(BAFA). Halten die Heizgeräte alle technischen

Anforderungen ein, bekommen Hausbesitzer

mindestens 2.000 Euro. Für Öfen mit

Partikelabscheider gibt es bei der Sanierung

sogar 3.000 Euro, in Form eines einmaligen

Zuschusses. Wichtig ist jedoch, dass Verbraucher

die Mittel noch vor dem Beginn der

Umbauarbeiten beim BAFA beantragen.

Bild: Schiedel

Raumluftunabhängigkeit

Gemauerte, offene Kamine sowie die meisten Kaminöfen, beziehen den für die Verbrennung erforderlichen Sauerstoff

aus der Raumluft und lassen sich damit als raumluftabhängige Wärmeerzeuger bezeichnen. Durch die hohen

Anforderungen an Wärmedämmung und Luftdichtigkeit beim modernen Gebäudebau ist jedoch oft nur eine unzureichende

Sauerstoffzufuhr für den Kamin vorhanden. Abhilfe schafft eine externe Zuluftversorgung. Hierbei strömt

die für die Verbrennung nötige Verbrennungsluft durch eine separate Zuleitung aus dem Freien nach, wodurch

eine raumluftunabhängige Verbrennung ermöglicht wird. Besonders modern, sicher und effizient sind sogenannte

Luft-Abgas-Schornsteine. Diese bestehen aus zwei ineinander verlaufenden Rohren. Während das Innere die

Abgase nach außen führt, saugt die Heizung Außenluft durch das Mantelrohr an. Dabei geht ein Teil der Energie

vom Abgas auf die Verbrennungsluft über. Diese wird vorgewärmt und der Energieverbrauch sinkt.

Multifunktionsschacht

Moderne Schornsteine leiten die Abgase unterschiedlichster Wärmeerzeuger ab. Sie übernehmen außerdem auch

die Versorgung mit Verbrennungsluft. Doch damit nicht genug, – als Multifunktionsschächte bilden Schornsteine

eine durchgehende Verbindung vom Keller bis ins Dach, nehmen zusätzlich die Verrohrung einer Solaranlage

sowie Strom- und Satellitenkabel auf. Die Schächte bewähren sich auch als Option für zukünftige Umbauten und

Änderungen an den Versorgungsanlagen.

Bild: Bisotherm

Starke Marken für Ihren Rohbau:

24 BAUZEIT. ROHBAU. SCHORNSTEIN.


DACH

Dachplanung. Abdichtung & Dämmung.

Dacheindeckung. Dachausbau. Dachfenster.

Wer einen Neubau oder eine Sanierung plant, muss sich auch damit

beschäftigen, welches Dach das Gebäude besitzen soll. Das Dach ist

Schutzschild vor Witterung, optisches Highlight und maßgeblicher Faktor

bei der Energieeffizienz. Als Bauherr müssen Sie diverse Vorschriften

beachten, welche die Auswahl der Formen und Materialien betreffen.

Grundsätzlich ist nicht alles, was gefällt, auch erlaubt.


DACHPLANUNG

Viele Bauherren träumen von einem ausgebauten Dachgeschoss

mit hohen Decken, großzügigem Raum und Lichteinfall.

Sie auch? Damit Ihr Dach Sie sowohl von innen als auch außen

begeistert, braucht es von Anfang an ein durchdachtes Konzept.

Wie soll das Dachgeschoss genutzt werden? Wie sollen die

Räume aufgeteilt werden? Sind Austritte ins Freie gewünscht

und welche Dachform und -eindeckung soll umgesetzt werden?

Setzen Sie Ihrem Haus sprichwörtlich die Krone auf!

2 BAUZEIT. DACH. DACHPLANUNG.


Die gängigsten Dachformen

Fragen Sie sich, welches Dach am besten zu Ihrem Haus passt? Verständlicherweise keine leichte Entscheidung, schließlich soll Ihr Dach nicht nur Schutz bieten,

sondern auch den Charakter des Hauses unterstreichen. Neben Ihrem persönlichen Geschmack sind auch die im Bebauungsplan festgeschriebenen Auflagen, die

Hauskonstruktion, die geplante Nutzung des Dachgeschosses und nicht zuletzt der Preis zu berücksichtigen.

Bild: BMI BMI Braas

Satteldach

Das Satteldach ist in Deutschland am weitesten

verbreitet. Es ist architektonisch unkompliziert und

gewährt dem Mauerwerk darunter guten Schutz.

Gauben lassen sich im Nachhinein problemlos einbauen.

Schleppdach

Ein Schleppdach ist eine Fortsetzung der Dachfläche

weit über die Außenmauern hinaus. Die Fläche

unter dem Schleppdach ist geschützt und kann ideal

als Hauseingang, Carport, Wintergarten oder Lagerfläche

genutzt werden.

Walmdach und Zeltdach

Beim Walmdach und beim Zeltdach gibt es auf allen

vier Gebäudeseiten geneigte Dachflächen. Das

quadratische Zeltdach besitzt vier gleichförmige

Dachseiten und keinen Dachfirst. Das Walmdach

hingegen hat zwei gleichförmige Dachseiten.

Bild: Baumit

Bild: Baumit

Gründach

Dachbegrünungen verbessern das Klima im und

ums Haus. Die Pflanzenschicht dämmt das Gebäude

zusätzlich. Die Lebensdauer des Daches

wird durch die Begrünung verlängert – es ist vor

UV-Strahlen geschützt und Temperaturschwankungen

weniger ausgesetzt. Sowohl Flachdächer als

auch Steildächer (bis zu einem Winkel von 45°) können

bepflanzt werden.

Pultdach

Das Pultdach ist die simpelste Ausführung eines

Steildaches und deswegen relativ günstig. Eine

Sonderform ist das versetzte Pultdach. Es sieht aus

wie ein Satteldach, mit dem Unterschied, dass eine

Dachschräge über die andere hinausragt und so zusätzlicher

Lichteinfall entsteht.

Flachdach

Der große Vorteil eines Flachdaches ist, dass es

keine Dachschrägen gibt und der Wohnraum besonders

effizient umgebaut werden kann. Insbesondere

bei kleinen Grundstücken ist das Flachdach eine interessante

Option, weil die Fläche auch als Garten

oder Terrasse nutzbar ist.

4

Die wichtigsten Begriffe zum

Dach: vom First bis zur Traufe

10

1

7

8

3

1 Hauptdachfläche

2 Walmdachfläche

5 Traufe

6 Grat

9 Giebelwand

10 Gaube

2

6

5

9

3 Krüppelwalm

7 Kehle

4 First

8 Ortgang (Giebelkante)

BAUZEIT. DACH. DACHPLANUNG. 3


Dachgauben

Eine Gaube als Dachaufbau macht nicht nur optisch etwas

her: Mit ihr lässt sich der Wohnraum erweitern und

durch die Fenster vermehrt Licht ins Dachgeschoss

bringen. Gegenüber herkömmlichen Dachfenstern haben

Gauben den Vorteil, dass Sonnenstrahlen nicht

senkrecht auf die Fensterfläche treffen, was verhindert,

dass sich die Luft zu stark aufheizt.

Schleppgaube

Bild: Creaton

Die Schleppgaube ist eine der einfachsten und ältesten

Gaubenformen. Man findet sie an modernen Gebäuden,

aber auch an älteren Häusern, deren Dachböden

ehemals als Lagerräume dienten. Charakteristisch ist

das Rechteck an der Stirnseite, über dem ein flach geneigtes

Dach liegt. Da das Dach der Schleppgaube in

einem flacheren Winkel als das Hauptdach abstehen

muss, sollte diese Art von Gaube nur auf ausreichend

steilen Dächern zum Einsatz kommen.

Bild: BMI Braas

Flachdachgaube

Die Flachdachgaube sieht der Schleppgaube recht ähnlich, sie ist jedoch noch flacher.

Ihre Dachneigung liegt zwischen 3 und 5°. Aufgrund ihrer schlichten Form ist

die Flachdachgaube sowohl für klassische als auch moderne Dachformen geeignet.

Die geringe Neigung führt dazu, dass die Flachdachgaube nicht mit klassischen Ziegeln

eingedeckt werden kann. In der Regel fällt die Wahl auf Metalle wie Kupfer oder

Titanzink.

Satteldachgaube

Die Satteldachgaube, häufig auch Giebelgaube genannt, ist in ihrer Konstruktion

recht schlicht: Zwei gegeneinander geneigte Flächen formen die Dachfläche, deren

First gerade zum Hauptdach verläuft. An den Seiten befinden sich kleine Gaubenwangen;

die Fensterfront bildet ein Rechteck. Ein ausreichend geneigtes Hauptdach

(ab ca. 30°) ist Voraussetzung, damit Satteldachgauben eingebaut werden können.

!Nachträglicher

Einbau einer Gaube

Spitzgaube/Dreiecksgaube

Bild: BMI Braas

Die Spitzgaube besteht wie die Satteldachgaube aus zwei gegeneinander geneigte Flächen. Die Front bildet hier

ein Dreieck, was einen interessanten Blickfang erzeugt und in der modernen Architektur gerne verwendet wird. Da

die Front der Spitzgaube etwas kleiner ausfällt als bei anderen Gaubenarten, dringt folglich auch weniger Licht in

die Räume.

Wollen Sie nachträglich eine Dachgaube einbauen,

müssen Sie die Bauordnung Ihres

Bundeslandes beachten. Fragen Sie beim

zuständigen Bauamt nach! Dort bringen Sie

schnell in Erfahrung, ob eine Baugenehmigung

benötigt wird oder nur ein Kenntnisgabeverfahren

erforderlich ist. Außerdem erfahren

Sie, welche Auflagen zu erfüllen, welche Bauvorlagen

anzufertigen und welche Anträge

einzureichen sind. Prüfen Sie vor Baubeginn

die Bausubstanz und klären Sie, ob sich der

Dachstuhl in einem einwandfreien Zustand

befindet bzw. für eine Gaube geeignet ist.

4 BAUZEIT. DACH. DACHPLANUNG.


Bild: BMI Braas

Bild: BMI Braas

Walmdachgaube

Die Walmdachgaube ist optisch an die Satteldachgaube angelehnt, die Stirnseite ist

dabei ganz oder teilweise abgeschrägt – im Fachjargon: abgewalmt. Statt einem klar

hervortretenden Giebel sorgt der Walm für einen dezenten Übergang. Dabei werden

First und seitliche Dachflächen verkürzt bzw. verkleinert. Im Normalfall wird der Walm

in der gleichen Neigung wie das Hauptdach ausgeführt.

Trapezgaube

Ihre auffällige Geometrie hat der Trapezgaube zu ihrem Namen verholfen: Die ausgestellten

Gaubenwangen bilden ein Trapez und sorgen im Inneren für zusätzlichen

Wohnraum. Aufgrund ihrer Ausführung ist die Trapezgaube vorrangig für größere

Dächer geeignet.

Dacherker

Während eine Gaube meist hinter der Außenwand auf den Dachsparren sitzt,

steht der Dacherker in einer Flucht mit der Gebäudelängsseite und schließt direkt

mit der Hauswand ab. Erker sind eigenständige Dachkonstruktionen, Gauben

eingebaute Elemente. Ein Dacherker kann mehrgeschossig ausgeführt sein, sodass

sich deutlich mehr Wohnraum gewinnen lässt. Die Firsthöhe muss dabei

allerdings unterhalb des Hauptdaches bleiben, andernfalls spricht man von einem

Kreuzdach. Ist ein Übergang vom Hausdach zum Dacherker möglich, bietet

sich die Eindeckung mit dem gleichen Material an. Je nach Bundesland wirkt

sich der Bau eines Erkers etwa bei der Berechnung der Abstandsflächen auch

baurechtlich aus – Anders ist es bei einer Gaube. Zudem verändern Dacherker

die Dachlandschaft stärker als einfache Gauben. Vor der Planung sollten Sie

allerdings bei Ihrer zuständigen Behörde nachfragen. Wer mit einer Baufirma

oder mit einem Architekten baut, hat bereits einen Experten an seiner Seite, der

sich um entsprechende Genehmigungen kümmert.

Bild: Wienerberger

Rundgaube

Bei der Rundgaube unterscheidet man zwischen zwei Arten: der Segmentbogen- und

der Tonnendachgaube. Bei der Segmentbogengaube beschreibt das Dach einen

Kreisausschnitt, der auf den Gaubenwangen aufliegt, bei der Tonnendachgaube

einen Halbkreis mit nahtlosem Übergang. Aufgrund der besonderen Form eignet sich

für die Eindeckung Metallblech wie Titanzink oder Kupfer.

Fledermausgaube

Die Fledermausgaube zeichnet sich durch ihre auffallend geschwungene Form aus.

Im Gaubenbereich ist die Dachfläche leicht angehoben, sodass unter der geschwungenen

Oberkante eine halbrunde Öffnung entsteht. Da es keine senkrechten Flächen

gibt, ist der Übergang zwischen Gaube und Dach fließend. Der Raumgewinn durch

die Fledermausgaube ist geringer als bei anderen Gaubenarten, dafür schafft sie ein

harmonisches Gesamtbild.

BAUZEIT. DACH. DACHPLANUNG. 5


ABDICHTUNG

& DÄMMUNG

Steildach. Flachdach.

Auf die Dämmung kommt es an – bei Neubauten und auch

bei Sanierungsobjekten. Ist ein Dach ungedämmt bzw. nicht

ausreichend gedämmt, können bis zu 30 % der Heizenergie

ungehindert entweichen. Die fachgerechte Abdichtung steuert

dem entgegen, hält die Wärme im Haus und hilft Ihnen dabei,

Energie und Geld zu sparen. Verschiedene Dämmstoffe

kommen infrage. Je nach Dachart – Steildach oder

Flachdach – variiert die Dämmkonstruktion.

Bild: SG-Isover

6 BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG.


Bild: Dörken

Materialien für die Dachdämmung

Bild: URSA

Bild: Bauder

Bild: Climowool

Bild: Steico

Expandiertes Polystyrol (EPS)

Extrudiertes Polystyrol (XPS)

EPS ist im Verhältnis zu seiner guten Dämmleistung momentan das günstigste

Dämmmaterial. Mit einer Wärmeleitfähigkeit (U-Wert) von höchstens

0,032 – 0,040 W/(m 2·K) weist es gute Wärmedämmeigenschaften auf und ist

sehr leicht zu verarbeiten. Durch seine eher diffusionsdichte Struktur ist EPS

zwar beständig gegenüber Feuchtigkeit, allerdings reguliert es diese nicht wie

andere diffusionsoffene Dämmungen. Die Oberfläche von EPS-Platten ist nicht

UV-beständig und muss daher beispielsweise bei der Flachdachdämmung durch

eine Kiesschüttung oder Bitumenbahnen geschützt werden.

Resol-Hartschaum

Auf dem neuesten Stand der Technik ist der Dämmstoff Resol-Hartschaum. Das

Material, das auf dem Dach ganz einfach in Platten verlegt wird, ist sehr dünn und

überzeugend effizient: Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,022 – 0,025 W/(m 2·K)

erzielt es beste Dämmergebnisse, die die Vorgaben der EnEV erfüllen. Außerdem

kann der Dämmstoff sehr schmal verbaut werden, wodurch sich schlanke Dachaufbauten

realisieren lassen. Im Gegensatz zu vergleichbaren Materialien ist Resol-Hartschaum

sehr diffusionsfähig und beugt der Entstehung von Schimmel vor.

Mineralwolle

Zwar ist die Wärmeleitfähigkeit von 0,035 – 0,041 W/(m 2·K) bei Mineralwolle

nicht ganz so gut wie bei EPS, dafür punktet der Dämmstoff mit vielen anderen

Vorteilen. Seine Flexibilität und die leichte Verarbeitung machen das Material vor

allem für die Zwischen- und Untersparrendämmung zu einem beliebten Dämmstoff.

Erhältlich in den Brandschutzklassen A1 und A2 gilt Mineralwolle als nicht

brennbar. Mineralwolle ist sehr widerstandsfähig und hat eine lange Lebensdauer

– insofern sie optimal gegen Feuchtigkeit geschützt ist. Bei zu hoher Feuchtigkeitsbelastung

verliert das Material schnell an Dämmleistung.

XPS unterscheidet sich von EPS nur in seiner Verarbeitung. Bei EPS sind durch

die Expansion einzelne Perlen zu erkennen, während XPS-Platten eine gleichmäßige

Schaumstruktur besitzen, die durch die Komprimierung (Extruktion) von

Polystyrol entsteht. XPS ist sehr witterungsbeständig und weist bei viel dünnerer

Stärke gleiche Dämmwerte wie EPS auf. Bei der Aufsparrendämmung beispielsweise

werden so viel schlankere Aufbauten erreicht. XPS sollte bei der Dachdämmung

vor dauerhafter Sonneneinstrahlung geschützt werden. Wie auch EPS

wird XPS mit der Brandschutzklasse B1 – schwer entflammbar – eingestuft.

Polyurethan und Polyisocyanurat (PUR/PIR)

PUR und PIR eignen sich gleichermaßen für alle Verfahren der Dachdämmung.

Beide Materialien sind resistent gegenüber Witterung sowie Feuchtigkeit und

besitzen hervorragende Dämmeigenschaften mit einer Wärmeleitfähigkeit von

0,024 – 0,029 W/(m 2·K). Trotz geringerer Dicke dämmt der Hartschaum besser

als herkömmliche Dämmstoffe. Grund dafür ist sein Vernetzungsgrad, der dem

Hartschaum mehr Stabilität und eine besondere thermische Beständigkeit verleiht.

Die Brandschutzklassen variieren zwischen B1 und B2; PUR und PIR sind

somit normal bis schwer entflammbar.

Holzfaser

Die geringe Wärmeleitfähigkeit von 0,040 – 0,045 W/(m 2·K) macht Holzfasern zu

einer natürlichen Alternative bei der Dachdämmung. Flexible Holzdämmplatten

sind diffusionsoffen und haben ein höheres Feuchtespeichervermögen als konventionelle

Dämmstoffe. Eine Holzdämmung trägt daher nicht nur zur Regulierung

der Luftfeuchtigkeit bei, auch das schnelle Auftreten von freiem Kondenswasser

wird verhindert. Eine erhöhte Sicherheit vor Feuchteschäden ist gegeben,

ohne dass die Dämmeigenschaften durch vorübergehende Feuchtewechsel beeinträchtigt

werden. Dämmplatten aus Holz besitzen die Brandschutzklasse B2.

!Wärmeleitfähigkeit

(U-Wert)

Der U-Wert ist die wichtigste Kenngröße bei

der Dachdämmung. Er gibt den Wärmeverlust

des Bauteils pro Quadratmeter Fläche und je

Grad Temperaturdifferenz zwischen innen und

außen an. Je niedriger der U-Wert, desto größer

ist die Energiesparleistung.

Wärmeleitfähigkeit

W/(m 2·K)

Wasserdampfdiffusion

μ

Brandschutzklasse

EPS 0,032 – 0,040 20 – 100 B1

XPS 0,032 – 0,040 80 – 200 B1

Resol 0,022 – 0,025 10 – 40 B2

PUR/PIR 0,024 – 0,029 30 - 150 B1

Mineralwolle 0,035 – 0,041 1 – 2 A1

Holzfaser 0,040 – 0,045 5 – 10 B2

BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG. 7


!s d

-Wert

Steildach

Der s d

-Wert gibt an, wie viel Widerstand in

Metern ein Baustoff im Vergleich zu Luft gegen

das Eindringen von Feuchtigkeit bietet.

Je kleiner der s d

-Wert ausfällt, desto dampfdurchlässiger

ist ein Material.

Generell unterscheidet man beim Steildach drei Dämmvarianten: Auf-, Zwischen- und Untersparrendämmung.

Die Aufsparrendämmung wird oberhalb der Dachsparren und von außen angebracht.

Die Zwischensparrendämmung kann sowohl von außen als auch von innen zwischen den Sparren

montiert werden. Bei der Untersparrendämmung wird die Dämmung von innen unter den Sparren

montiert und dient oftmals als Ergänzung zur Zwischensparrendämmung von innen. Bei einem ungenutzten

Dach boden kann auch eine Dämmung der oberen Geschossdecke eingesetzt werden.

Bild: Steico

Unterdeck- und Unterspannbahnen

Damit der Schutz des Daches vor Wind und Wetter langfristig gegeben ist, werden

Unterdeck- und Unterspannbahnen als zusätzliche Maßnahme unterhalb von Dachdeckungen

angebracht. Die Bahnen schützen die Dachkonstruktion vor hineinwehendem

Regen, Schnee und Staub. Sie leiten eindringende Feuchtigkeit zur Traufe hin ab und

dienen der Dachkonstruktion als zuverlässiger Feuchteschutz. Unterdeckbahnen und

Unterspannbahnen werden auf die Dachsparren genagelt und sind direkt unter der

harten Dacheindeckung angebracht. Ein Belüftungsraum muss dennoch berücksichtigt

werden, damit das Regenwasser ablaufen kann. Eine Konterlattung wird speziell

hierfür auf die Bahnen genagelt. Senkrecht dazu wird die Traglattung befestigt, an der

danach die Ziegel oder Betondachsteine eingehängt werden.

Klassische Unterspannbahnen findet man heutzutage fast nur noch bei unausgebauten

Dachgeschossen. Sie haben keine feste Unterlage und hängen zwischen den Sparren

durch. Eine Unterspannbahn kommt also nur bei belüfteten Dachkonstruktionen zum

Einsatz und muss deshalb nicht besonders diffusionsoffen sein.

Im Gegensatz zu den Unterspannbahnen liegen die Unterdeckbahnen auf einem

festen Untergrund auf und müssen daher auf jeden Fall diffusionsoffen sein. Unterdeckbahnen

kommen zur Wärmedämmung oder auch bei Schalungen zum Einsatz,

wobei die Wärmedämmkonstruktion durch eine Luft- und Dampfsperre auf der Rauminnenseite

ergänzt werden sollte. Außerdem werden an die Unterdeckbahnen hohe

Anforderungen bezüglich der Schlagregendichtheit gestellt.

Dampfbremse

Allein schon aus bauphysikalischen Gründen benötigt jede Dämmung im Dachgeschoss

eine Dampfbremse. Je nach Anforderung kann die verwendete Dampfbremsfolie

entsprechend den Gegebenheiten ausgewählt werden. Gedämmte Dächer sollten

generell innen dichter und nach außen immer dampfdurchlässiger aufgebaut sein.

Werden beispielsweise diffusionsoffene Mineralwolldämmstoffe verarbeitet und ist

eine wasserdampfdurchlässige Unterdeckbahn vorhanden, wählt man Dampfbremsen

mit niedrigem s d

-Wert. Sie lassen eine kontrollierte Diffusion zu. Bei alten Unterdeckbahnen,

die meist wasserdampfundurchlässig sind, sowie bei fehlenden Unterdeckbahnen

empfiehlt sich eine Dampfbremse mit variablem Diffusionswiderstand, auch Klimamembran

genannt. Diese funktioniert im Winter wie eine normale Folie: Sie verhindert,

dass zu viel Wasserdampf ins Dach eindringt. Bei höheren Temperaturen, die in feuchten

Dächern den Dampfdruck steigen lassen, öffnet die Dampfbremsfolie ihre Poren

und lässt Feuchtigkeit zur kühlen Raumseite austreten. Die Verlegung einer Dampfbremsfolie

erfordert extreme Sorgfalt, denn schon die kleinste Undichtigkeit genügt,

um die Dämmung zu durchnässen. Spezielle Klebebänder und Dichtkleber helfen, besonders

schwierige Stellen an Durchbrüchen und Anschlüssen sicher zu verschließen.

1 Zwischensparrendämmung

2 Sparren

3 Schalung

5

3

4 Unterdeckbahn

5 Konterlattung

6 Traglattung

6

4

Bild: Alujet

Bild: SG-Isover

1

2

Bild: SG-Isover

Bild: SG-Isover

8 BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG.


Bild: Knauf Insulation

Dämmung der obersten Geschossdecke

Eine Dachbodendämmung ist immer dort zu empfehlen, wo der Raum gar nicht oder

nur als reiner Lagerplatz genutzt wird sowie bei unzugänglichen Spitz- oder Kriechböden.

Bei der Dämmung der obersten Geschossdecke kommt es, neben der Dämmung

an sich, auch auf die Planung der späteren Dachbodennutzung an. Je nachdem, ob

der Dachboden ungenutzt bleibt, einzelne Bereiche für die Lagerung von Hausrat

dienen sollen oder der Raum komplett als Speicher verwendet wird, sind unterschiedliche

Ausführungen der Geschossdeckendämmung möglich. Bleibt der Dachboden

ungenutzt, kann die gesamte Fläche mit weichen Dämmmatten ausgelegt werden.

Diese lassen sich besonders schnell und einfach verlegen und bilden eine homogene,

nicht begehbare Dämmschicht. Sollen einzelne Bereiche als Lagerfläche genutzt

werden oder werden Laufwege für Revisionen benötigt, kann die Dämmung mit einer

Kombination aus begehbaren und nicht begehbaren Dämmstoffen als teilweise begehbare

Variante ausgeführt werden.

Bild: Climowool

Bild: SG-Isover

Bild: SG-Rigips

BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG. 9


Bild: SG-Isover

Zwischensparrendämmung

Die Zwischensparrendämmung ist die wirtschaftlichste

Methode, um einen effizienten Wärmeschutz

im Schrägdach zu realisieren. Sie ist

von geübten Heimwerkern schnell und einfach

umgesetzt und nutzt den vorhandenen Raum

zwischen den Sparren im Dach ideal aus. Für

die Zwischensparrendämmung eignen sich

insbesondere formstabile Dämmstoffe aus

Stein- bzw. Glaswolle, die elastisch sein

müssen, um sich den Sparren fugendicht

anzuschließen. Die Innenseite der

Dämmung wird mit einer zusätzlichen

luftdichten Folie – der sogenannten

Dampfbremse – vor Feuchtigkeit

geschützt, die durch übermäßige

Kondensation entstehen kann.

Die Dampfbremse ist extrem

wichtig, um Schimmelbildung

vorzubeugen.

Bild: URSA

Untersparrendämmung

Bild: SG-Isover

Steigt der Temperaturunterschied zwischen der Außen- und Innenseite des Daches

um mehr als 3°, strömt die warme Luft in Richtung Wand und entweicht nach draußen.

Um diese sogenannten Wärmebrücken im

Bereich der Sparren zu minimieren, wird

zusätzlich zur Zwischensparrendämmung

eine Untersparrendämmung installiert.

Die nutzbare Wohnfläche wird dadurch

nicht verkleinert, da die Untersparren-Klemmfilze

nur zwischen die

ohnehin benötigten Unterkonstruktionen

der Innenverkleidung –meist

Gipskartonplatten oder Holzpaneele

– geklemmt werden. Die zusätzliche

Dämmschicht kann auch

sinnvoll als Installationsebene

– wie etwa für Stromleitungen –

Bild: SG-Isover

genutzt werden.

Dachaufbau

1 Dacheindeckung

2 Lattung

3 Unterdeckbahn

4 Dachsparren

1

3

5

4

6

8

9

5 Zwischensparrendämmung

6 Dampfbremse

7 Konterlattung

8 Untersparrendämmung

9 Wandverkleidung

2

7

Bild: SG-Isover

10 BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG.


Montageanleitung

1 Dämmmaterial zuschneiden (Abstand

zwischen den Sparren + Zusatz von 1 cm)

2 Dämmstoff zwischen die Sparren klemmen

3 Dampfbremsfolie mit Tacker an den

Sparren fixieren

4 Nahtstellen und Ränder mit Spezialklebeband

und speziellem Dichtkleber abdichten

5 Konterlattung und Untersparrrendämmung

anbringen

6 Wandverkleidung auf der Konterlattung

verschrauben

1

1

4

4

2

3

5

6

Bilder: Climowool

BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG. 11


Aufsparrendämmung

Die Aufsparrendämmung gilt als effizienteste, sauberste und platzsparendste Dachdämmung.

Hier wird das Dach durch Dämmplattenschichten mit meist integrierten

Unterdeckbahnen von außen winddicht eingepackt. Vorzüge wie diese haben allerdings

ihren Preis: Da die Aufsparrendämmung unterhalb der Dachziegel und außerhalb

der Sparren angebracht wird, sollte diese Dämmung bestenfalls nur bei Neubauten

und Komplettsanierungen durchgeführt werden. Besonders energieeffizient ist die

Aufsparrendämmung aufgrund des Ausbleibens von Wärmebrücken. Der Dämmstoff

bedeckt das Dach auf einer eigenen Ebene, sodass keine undichten Übergänge entstehen

können. Hierbei geht kein Wohnraum verloren – das Dach „wächst“ gewissermaßen

nach außen. Ein ästhetischer Vorteil ist zudem, dass das Balkenwerk im

Innenraum sichtbar bleibt. Die Schalung, die zwischen Sparren und Dämmung liegt,

kann aus Holz sein und direkt die Innenverkleidung darstellen oder verputzt bzw.

farbig gestaltet werden.

Bild: SG-Isover

Bild: Bauder

Bild: Bauder

1

3

2

4

1 Lattung mit

daraufliegender

Dacheindeckung

2 Dämmung mit integrierter

Unterdeckbahn

3 Dampfbremse

4 Schalung 5 Dachsparren

5

Bild: Dörken

Bild: Bauder

Dachaufbau

12 BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG.


Modernisierung

Bei der Modernisierung des Daches geht es meist darum,

die Dämmung nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung

(EnEV) anzupassen. Hier gibt es

verschiedene Möglichkeiten:

Zwischensparrendämmung

Es gibt zwei Möglichkeiten, eine Zwischensparrendämmung

anzubringen. Eine davon ist die Anbringung von

innen, welche meist verwendet wird, wenn das Dachgeschoss

bisher noch nicht als Wohnraum genutzt wurde.

Besonders vorteilhaft daran ist, dass ohne Gerüste und

Entfernen der Dacheindeckung gedämmt werden kann.

Anders sieht es bei der Zwischensparrendämmung von

außen aus: Diese Technik wird verwendet, wenn der

Dachraum bereits bewohnt ist und das Dach inklusive

Dacheindeckung ohnehin erneuert werden soll. Das

Dach wird von außen bis auf die Innenverkleidung des

bewohnten Dachraums abgetragen und mit Dampfbremse,

Zwischensparrendämmung, Unterdeckbahn

und häufig auch mit zusätzlicher Aufsparrendämmung

neu gedämmt. So kann der Wohnraum während den

Bauarbeiten weiterhin normal genutzt werden.

Aufdopplung

Wenn in Altbauten die Dachsparren zu dünn für eine

Zwischensparrendämmung sind, werden diese mit

Kanthölzern aufgedoppelt. Das bedeutet, dass auf die

bestehenden Sparren ein Kantholz geschraubt wird.

Die Sparrendicke wird somit vergrößert, um Platz für

ausreichend dicke Dämmstoffschichten zwischen den

Sparren zu schaffen. Zusätzlich kann hier auch noch

eine Untersparrendämmung angebracht werden, um

die Dämmleistung weiter zu erhöhen.

Untersparrendämmung

Falls das Dachgeschoss schon zu einem früheren Zeitpunkt

mit einer Zwischensparrendämmung ausgestattet

wurde und diese auch noch gut in Schuss ist, reicht

es oft schon aus, eine Untersparrendämmung anzubringen.

Ist das Dachgeschoss bereits bewohnt, muss

die vorhandene Wandverkleidung demontiert werden.

Diese besteht meist aus Gipskartonplatten oder einer

Holzverkleidung und kann leicht entfernt werden. Die

bisherige Dampfbremse kann in diesem Zuge gleich

mitentfernt werden, da ohnehin eine neue zum Einsatz

kommen muss. Ist die bisherige Zwischensparrendämmung

nicht mehr intakt oder wurde noch gar keine

Dämmung angebracht, empfiehlt sich eine Zwischenoder

Aufsparrendämmung.

Aufsparrendämmung

Eine Aufsparrendämmung macht Sinn, wenn bei bisher

ungedämmten Dachräumen die Dacheindeckung

sowieso erneuert werden muss oder wenn ein bereits

ausgebauter Dachraum energetisch aufgewertet werden

soll. Hierzu wird das Dach bis auf die Sparren abgedeckt.

Falls noch keine Schalung auf den Dachsparren

aufliegt, wird diese als Basis für die Dampfbremse

und das Dämmmaterial mit integrierter Unterdeckbahn

angebracht. Darüber wird dann die Lattung für die

Dacheindeckung installiert.

3

4

6

1

5

2

!Baugenehmigung

Bleibt die äußere Gestalt des Hauses – wie

bei einer Zwischensparrendämmung innen

– unverändert, brauchen Sie keine Baugenehmigung.

Diese wird erst nötig, wenn sich

Statik und Dachgestalt – wie bei der Aufsparrendämmung

– verändern, oder wenn neuer

Wohnraum unterm Dach entsteht. In diesem

Fall müssen Statik, Brandschutz, Wärme- und

Schallschutz überprüft werden.

Zwischensparrendämmung mit Aufdopplung

Zwischensparren- & Aufsparrendämmung

1

Bild: SG-Isover

2

1 Lattung mit daraufliegender Dacheindeckung

2 Sparren

3 Kantholz als Aufdopplung

4 Zwischensparrendämmung

5 Dampfbremse

6 Untersparrendämmung

1 Lattung mit daraufliegender Dacheindeckung

2 Aufsparrendämmung mit Unterdeckbahn

3 Zwischensparrendämmung

Bild: SG-Isover

4

3

4 Dachsparren

6

5

Bild: SG-Isover

5 Dampfbremse

6 Innenverkleidung

BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG. 13


Flachdach

Nicht nur im Industrie- und Gewerbebau, sondern auch beim Bau von Einfamilienhäusern sind Flachdächer

heute gefragter denn je. Unter dem Sammelbegriff werden alle Dächer zusammengefasst, die keine oder nur

eine sehr geringe Dachneigung aufweisen. Die Wärmedämmung von Flachdächern ist eine besondere Herausforderung.

Durch kleinste undichte Stellen dringt Nässe ein, die nicht nur das Dämmmaterial zerstört, sondern

auch zu Bauschäden führen kann. Auf eine sehr sorgfältige Abdichtung muss zwingend geachtet werden.

Bild: Soprema

Durch immer weiter steigende Anforderungen an die Energieeffizienz von Häusern,

erfreuen sich Flachdächer immer größerer Beliebtheit. Sie zeichnen sich durch eine

sehr kompakte, würfelähnliche Form aus. Da die Oberfläche eines Würfels im Verhältnis

zum Volumen vergleichsweise klein ist, fällt auch die Wärmeabstrahlung entsprechend

gering aus, wenn das Gebäude beheizt wird. Flachdächer eignen sich

besonders gut für den Bau von Niedrigenergie- und Passivhäusern. Neben dem

energetischen Aspekt überzeugen Flachdächer noch mit weiteren Vorteilen: Ein

Flachdach verleiht dem Haus, als Kontrast zu den weit verbreiteten Steildächern,

eine zeitgemäße, extravagante Optik und ist dank moderner Materialien langlebig

und wartungsarm. Weil das oberste Geschoss keine Dachschrägen aufweist, wird

auch keine Wohnfläche verschwendet. Bei der Installation einer Photovoltaik-Anlage

können die Kollektoren optimal zur Sonne ausgerichtet werden. Ein Flachdach eignet

sich auch optimal zur Begrünung oder als Dachterrasse.

Dampfsperre

Flachdächer sind gegen Feuchtigkeit von außen und innen zu schützen. Außen wird

eine Abdichtung gegen Regen oder Schnee angebracht, z. B. in Form von Kunststoff-

oder Bitumen-Dachbahnen; innen braucht es eine Dampfsperre gegen Feuchtigkeit

aus dem Innenraum. Im Gegensatz zu einer diffusionsoffenen Dampfbremse,

die eine gewisse Menge an Feuchtigkeit transportiert, ist eine Dampfsperre komplett

diffusionsdicht. Sie lässt keinerlei Wasser oder Wasserdampf durchkommen, um

die Dämmung vor Feuchtigkeit zu schützen. In den meisten Fällen befindet sich die

Dampfsperre oberhalb der Konstruktion bzw. unterhalb der Dämmung und übernimmt

bei heutigen Konstruktionen zusätzlich die Aufgabe der Luftdichtschicht.

Aufbau Warmdach

1 Abdichtungsoberlage

2 Abdichtungsunterlage

3 Gefälledämmung

4 Dampfsperre

5 Voranstrich

6 Tragkonstruktion

1

3

5

2

4

6

Bild: Bauder

Konstruktionsweisen

Kaltdach (belüftetes Dach)

Kaltdächer sind zweischalig aufgebaut. Die untere Schale bildet die tragende

Konstruktion, die darüberliegende Schale die Dachabdichtung, die das Dach

vor Witterung schützt. Zwischen den Schalen befindet sich die Belüftungsebene,

durch die eventuell auftretende Feuchtigkeit abtrocknen kann. Damit

die Belüftung überhaupt funktioniert, muss die Schicht hoch genug bemessen

sein und die Öffnungen an den Seiten ausreichend dimensioniert. Durch den

komplexen Aufbau können sehr leicht Probleme mit der Querlüftung entstehen,

die zu schwerwiegenden Schäden führen. Ein weiterer Nachteil ist die

geringere Tragfähigkeit gegenüber der Warmfassade, da die Kräfte zunächst

auf die obere Schale anstelle der unteren wirken, die die eigentliche statische

Funktion erfüllt. Die nachträgliche Realisierung einer Dachterrasse oder einer

Begrünung ist mit viel Aufwand verbunden.

Warmdach (unbelüftetes Dach)

Die Konstruktion von Warmdächern stellt eine einschalige homogene Einheit

aus mehreren Schichten dar, die deutlich einfacher strukturiert ist als

das Kaltdach. Der klassische Aufbau eines Warmdaches – von unten nach

oben – setzt sich zusammen aus: Tragkonstruktion (z. B. eine Stahlbetondecke),

Dampfsperre, Trennlage, Wärmedämmung und Abdichtung. Neben

der Gestaltung als einfache Dachhaut mit oder ohne Kiesschüttung lässt

sich das als Warmdach ausgeführte Flachdach vielfältig nutzen. Möglich

sind extensive und intensive Begrünungen sowie die Nutzung als Dachterrasse.

Aufgrund der einfachen Konstruktion hat sich die unbelüftete Form

des Flachdachs in der Praxis bereits durchgesetzt.

Umkehrdach

Eine Unterform des Warmdaches ist das Umkehrdach. Wie der Name bereits

verrät, handelt es sich hier um einen umgekehrten Dachaufbau. Das

bedeutet, dass die Wärmedämmung nicht unterhalb der Abdichtung platziert

ist, sondern darüber. Das Dämmmaterial ist somit der Witterung ausgesetzt

und muss entsprechend robust sein. Zudem darf es kein Wasser aufnehmen.

Dadurch, dass die Dämmplatten auf der Abdichtung platziert sind, wird

diese vor mechanischen Schäden geschützt. Außerdem dämmen die Platten

gleichzeitig die darunterliegende Dachkonstruktion, was das „Arbeiten“

des Materials verhindert und somit eine Materialermüdung verzögert.

14 BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG.


Abdichtung

Niederschläge werden bei einem Flachdach langsamer

abgeführt als bei einem Steildach. Aufgrund der

geringen Neigung kann es vorkommen, dass sich auf

der Dachfläche kurzzeitig Pfützen bilden. Damit in das

darunterliegende Bauwerk kein Wasser eindringen und

Schäden verursachen kann, ist eine dauerhafte und

leistungsstarke Abdichtung notwendig. Drei Materialien

haben sich in Baupraxis etabliert:

Bitumenbahnen

Kunststofffolien

Flüssigkunststoff

Sie alle weisen spezifische Eigenschaften bezüglich

ihrer Verarbeitung auf und sind trotz unterschiedlicher

Ausgangsstoffe gleichermaßen für die Belastungen

geeignet, die auf der Dachfläche auf sie einwirken.

Neben der Feuchtebelastung zählen dazu Temperaturschwankungen,

Mikroorganismen, Schadstoffe sowie

verdünnte Chemikalien.

Bild: HIRSCH Porozell

Dämmung

Bei Flachdächern ist die Dämmung unter der Abdichtung

zu finden. Das Umkehrdach ist die Ausnahme

dieser Regel. Grundsätzlich können alle Dämmmaterialien

für den Wärmeschutz eingesetzt werden. Da

Flachdächer meist durch Kies, eine Begrünung oder

die Nutzung als Dachterrasse belastet werden, haben

sich besonders druckfeste Materialien vermehrt durchgesetzt.

Dazu zählen:

Extrudierter Polystyrol (XPS)

Expandierter Polystyrol (EPS)

Polyurethan/Polyisocyanurat (PUR/PIR)

Bild: Soprema

Bild: Klöber

Entwässerung

Wenngleich auch eine Abdichtung vorhanden ist –

Niederschlagswasser muss möglichst zügig vom Flachdach

ablaufen. Die Entwässerung erfolgt in der Regel

innenliegend. Jede Teildachfläche wird über einen Dachablauf

und einen Notablauf entwässert, der als Gully auf

dem Dach sichtbar ist. Im Gebäude wird das Wasser über

ein Fallrohr in die Kanalisation geleitet. Dachabläufe werden

meist mit Einbaumanschetten geliefert, die mit den

Abdichtungsbahnen verklebt oder verschweißt werden.

Grundsätzlich sind Flachdächer mit einem Gefälle von

mind. 5° auszuführen. Das verhindert die Bildung von

Pfützen und Schlammablagerungen. Das erforderliche

Gefälle lässt sich über einen Gefälleestrich oder eine in

der Höhe variierende, keilförmige Wärmedämmung herstellen.

Bild: Lamilux

BAUZEIT. DACH. DÄMMUNG. 15


DACH-

EINDECKUNG

Eindeckungsvarianten. Zubehör. Solarsysteme.

Die Entscheidung für eine Dacheindeckung sollte gut überlegt sein, denn es

ist eine langfristige. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um die Vor- und Nachteile

der verfügbaren Materialien abzuwägen und die Variante zu wählen, die

perfekt zu Ihrem Haus passt und Regen sowie Sturm trotzt. Bedenken Sie,

dass nicht jede Dacheindeckung für jedes Haus geeignet ist – Faktoren wie

die Dachneigung und das Gebäudealter spielen eine Rolle,

auch geplante Extras müssen beachtet werden.

Bild: BMI Braas

16 BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG.


Aufbau des klassischen

Sparrendachs

Bei einem Sparrendach besteht die tragende Dachkonstruktion

aus hölzernen Sparren. Diese verlaufen in

regelmäßigen Abständen senkrecht zur Dachfläche –

von der Traufe bis zum First. Beim klassischen Satteldach

mit zwei geneigten Dachflächen verbindet der

Dachfirst die beiden Flächen. Man könnte auch sagen:

Der Dachfirst ist die Linie, an der je zwei Sparren aufeinandertreffen.

Die Sparren sind aber nicht der einzige

hölzerne Bestandteil des Dachstuhl, die Trag- und Konterlatten

kommen noch hinzu.

Konterlattung

Bei einem Steildach mit Zwischensparrendämmung

– ohne Aufsparrendämmung werden die Konterlatten

von außen direkt auf den Sparren befestigt und verlaufen

von der Traufe bis zum First. Auf den Konterlatten

werden später die Traglatten montiert. Indem die Konterlattung

die Ebene der Traglatten ein Stück anhebt,

ist ein Lüftungsspalt zwischen den Dachpfannen und

der darunterliegenden Unterdeckbahn gegeben. Dieser

Abstand dient der sicheren Ableitung von durch die

Deckung eindringender Feuchtigkeit. Verfügt das Steildach

über eine Aufsparrendämmung, werden die Konterlatten

nicht direkt auf den Sparren verlegt, sondern

auf der Dämmstoffebene. Sie müssen also durch den

Dämmstoff hindurch am Sparren befestigt werden. Dafür

kommen spezielle Systemschrauben zum Einsatz,

die lang genug sind, um sowohl die Konterlatten als

auch die Dämmstoffplatten zu durchbohren.

Traglattung

Die Traglatten werden im 90°-Winkel auf die Konterlatten

montiert und bilden die tragende Konstruktion für

die Dachpfannen. Der Abstand der Latten muss exakt

auf die Deckbreite der verwendeten Dachziegel oder

-steine abgestimmt sein. Natürlich müssen die verwendeten

Holzlatten auch über eine entsprechende Tragfähigkeit

verfügen, technisch getrocknet sein und eine

CE-Kennzeichnung aufweisen. Nach DIN 4074 muss

das Holz mindestens der Sortierklasse S 10 entsprechen

(normale Tragfähigkeit). Wichtig ist auch ein gewisser

Mindestquerschnitt der Latten. Typische Maße für

Dachlatten sind 30 x 50 oder 40 x 60 mm. Latten mit

kleinerem Querschnitt (24 x 48 oder 24 x 60 mm) dürfen

nur eingesetzt werden, wenn das Holz der Sortierklasse

S 13 entspricht (hohe Tragfähigkeit). Wie groß der Mindestquerschnitt

im Einzelfall sein muss, hängt auch vom

Sparrenabstand des Daches ab (Auflagerabstand). Allgemein

lässt sich sagen: Je größer der Sparrenabstand,

desto größer muss auch der Lattenquerschnitt sein.

BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG. 17


Eindeckungsvarianten

Das Steildach ist die am weitesten verbreitete Dachform in

Deutschland und besitzt die größte Vielfalt von möglichen

Materialien für die Dacheindeckung.

Bild: Wienerberger

Dachziegel

Ziegel sind das Dacheindeckungsmaterial schlechthin. Als Naturprodukt sind sie

besonders robust und überaus langlebig. Bei der Herstellung wird überwiegend rotbrennender

Ton verwendet, d. h. allein durch den naturbelassenen Rohstoff entsteht

beim Brennvorgang die charakteristische rote Farbgebung, die als „naturrot“ bezeichnet

wird. Diese Farberscheinung entsteht durch Eisen, das sich zu geringem Anteil

im Ton befindet und bei der hohen Brenntemperatur von ca. 1.000 °C zu Eisenoxiden

verbrennt. Der naturrote Ziegel wird nicht zusätzlich bearbeitet und kommt ohne den

Zusatz von farbbeeinflussenden Metalloxiden aus. Indem das Material speziell behandelt

wird, können Dachziegel in weiteren Rot- und Brauntönen hergestellt werden.

Engobierte Dachziegel

Bei engobierten Dachziegeln werden tonige Schlicken auf den rohen Ziegelkörper aufgebracht

und je nach Farbton mit entsprechenden Mineralen und Metalloxiden versetzt.

Auch dunkle Erdtöne und schwarze Ziegel können so hergestellt werden. Bei mattglänzenden

und glänzenden Engoben werden glasbildende Zusätze verwendet. Da dabei

keine durchgängige Glasschicht entsteht und der Ziegelkörper weiterhin diffusionsoffen

bleibt, zählen sie nicht zu Glasuren – sie werden Glanz- oder Edelengoben genannt.

Glasierte Dachziegel

Ihre typisch glänzende Optik erhalten diese Ziegel durch einen transparenten oder

farbigen Überzug aus geschmolzenem Glas. Ziegelkörper und Glasur werden dabei

gleichzeitig gebrannt. Aufgrund der Glasur sind die Dachziegel in allen denkbaren

Farben erhältlich.

Durchgefärbte Dachziegel

Durch die Zugabe von Mineralien zur Tonmasse wird die Brennfarbe des gesamten

Tonscherbens beeinflusst. Der Ziegelkörper kann auf diese Weise der Engobenfarbe

angepasst werden. Schnittkanten, die beim Bearbeiten des Ziegels entstehen oder

kleinere Abplatzungen werden optisch kaschiert.

Dachsteine

Bild: BMI Braas

Dachsteine aus Beton gelten als günstige Variante zum Dachziegel. Sie sind schwerer

als Ziegel und weniger witterungsbeständig, punkten dafür aber unter anderem

mit einer großen Farbvielfalt. Dachsteine werden aus einer Mischung aus Sand, Zement

und Wasser hergestellt. Seine Farbe erhält der Dachstein durch das Beimischen

entsprechender Farbpigmente während der Herstellung. Wenn Sie bei der Dacheindeckung

großen Wert auf die farbliche Gestaltung legen, sind Sie daher mit Dachsteinen

gut beraten. Ein weiterer produktionsbedingter Vorteil des Dachsteins ist der

geringere Energieaufwand bei der Produktion. Anders als bei Dachziegeln aus Ton

müssen Dachsteine nicht mit Temperaturen von 1000 °C gebrannt werden. Dieser

niedrigere Energieaufwand schlägt sich zum einen auf den Preis und zum anderen

auf der besseren Ökobilanz nieder. Steht die nächste Dacheindeckung an, können

die Betondachsteine problemlos recycelt werden. Sie werden einfach gemahlen und

anschließend bei der Herstellung neuer Steine beigemengt.

Bild: Wienerberger

Bilder: Creaton

18 BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG.


Faserzementplatten

Faserzementplatten (auch Sandwichplatten genannt)

bestehen aus Zellulose und Zement und sind eine

kostengünstige, pflegeleichte sowie wartungsarme

Alternative zu Schiefer- oder Natursteinplatten. Durch

ihr geringes Gewicht sind Faserzementplatten vielfältig

einsetzbar und auch für die Dacheindeckung gut geeignet.

Je nach Einsatzzweck werden verstärkende

Füllmaterialien oder Fasern zugesetzt. Als Dacheindeckung

kommen speziell kleine Formate oder Wellplatten

in Betracht. Angeboten werden die Platten in verschiedenen

Formaten und Farbgebungen, sodass eine

individuelle Auswahl möglich ist. Die Faserzementplatte

ist nicht brennbar, ausgesprochen witterungsbeständig

und zudem immun gegen Korrosion und Fäulnis.

Faserzementplatten werden oft im Rahmen einer Sanierung

verwendet. Doch Vorsicht: Bei Dachneigungen

unter 25° sollten Sie besser zu einem anderen Eindeckungsmaterial

greifen.

Bild: Eternit, Fotograf: Michael Reisch

Metalldach

Metalldächer sind langlebig und pflegeleicht. Wegen

ihrer Farbvielfalt und Witterungsbeständigkeit erfreuen

sich gerade Dächer aus Aluminium zunehmender Beliebtheit.

Ihr geringes Gewicht qualifiziert sie zudem

für Altbausanierungen. Aluminium kann auch ohne Beschichtung

gut als Dacheindeckung verwendet werden,

denn in Verbindung mit Sauerstoff bildet sich an der

Oberfläche eine dauerhaft beständige Schutzschicht.

Aus optischen Gründen, aber auch um den Korrosionsschutz

zu verbessern, werden die Aluminiumeindeckungen

meist jedoch mit einer Farbbeschichtung

versehen. So ist das Aluminiumdach optisch kaum von

einem Dach mit Ziegeln oder Betonsteinen zu unterscheiden

und passt sich ideal der übrigen Bebauung

an. Auch mit Titanzink können Dächer eingedeckt werden.

Das Metall ist ähnlich witterungsbeständig wie

Aluminium, jedoch nicht ganz so langlebig. Eine Eindeckung

mit Kupfer, z. B. in Form von Kupferbändern,

ist besonders dekorativ und wird gerne an Dachfirsten

oder Gauben verwendet.

Naturstein

Bei der Dacheindeckung mit Naturstein eignet sich vor

allem Schiefer. Neben der Optik und der ökologischen

Unbedenklichkeit überzeugt er auch durch seine enorme

Langlebigkeit. Das Material bietet eine große Vielfalt von

kreativen Dacheindeckungsarten und kann Schnee, Regen

und großen Temperaturdifferenzen standhalten. Ein

weiterer Vorteil ist, dass defekte Steine leicht austauschbar

sind. Wird die Dacheindeckung nicht mehr benötigt,

kann der Schiefer als einfacher Bauschutt entsorgt oder

beispielsweise zu Gartensplitt weiterverarbeitet werden.

Damit ein Dach wind- und wetterfest mit Schiefer eingedeckt

werden kann, braucht es eine gewisse Dachneigung.

Generell gilt eine Neigung ab 12° als ausreichend.

Bei den meisten Deckmethoden ist eine Vollschalung

des Daches notwendig. Das heißt, dass das gesamte

Dach vollflächig mit Holz verkleidet wird, bevor die

Schiefersteine angebracht werden.

BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG. 19


Zubehör

Mit dem richtigen Zubehör ist Ihr Dach nicht nur optisch schön, sondern vor allem auch technisch perfekt

ausgestattet. Beim Dachzubehör sind Ihrer Vorstellung keine Grenzen gesetzt – von Schneefanggittern

über Dachbelüftung bis hin zu Begehungslösungen gibt es allerhand Extras.

Bild: BMI Braas

Befestigung und Sturmsicherung

Das Dach ist nicht nur Prunkstück eines jeden Hauses,

sondern bietet selbstverständlich auch Schutz vor äußeren

Einflüssen. In sehr windstillen Regionen reicht

oft schon das Eigengewicht der Dacheindeckung aus,

um die Ziegel oder Steine an Ort und Stelle zu halten.

In Regionen mit stärkeren Windböen sollte das Dach

zusätzlich gesichert werden, z. B. mit entsprechendem

Befestigungsmaterial wie Sturmklammern zum

Einhängen oder Anschlagen an die Traglattung. Auch

geschnittene Dachpfannen lassen sich einfach mit der

passenden Kehl- oder Gratklammer befestigen. Mit Zubehör

wie diesem gelingt eine adäquate Windsogsicherung

nach DIN EN 1991-1-4.

Schutz vor Dachlawinen

Durch Schneefanggitter werden Personen vor Verletzungen

sowie Objekte und parkende Autos vor Sachschäden

durch Dachlawinen geschützt. Seit 2014 muss

der Einsatz der Gitter statisch berechnet werden, um

bestmöglichen Schutz vor herabstürzenden Schneelasten

zu gewährleisten. Klassischerweise wird ein

Schneefanggitter aus Aluminium in der entsprechenden

Dachfarbe angebracht. Alternativ kann ein ländlicher

Baustil durch Rundholzhalter betont werden. Neben

den Schneefanggittern gibt es auch Schneenasen,

welche die Schneemassen auf dem Dach halten. Diese

bezeichnet man auch als Schneehaltesystem.

Bild: Wienerberger

Bild: Wienerberger

Windlast

In der DIN EN 1991-1-4 sind die Windlasten

beschrieben, die auf eine Dacheindeckung

einwirken können. Zur Einschätzung, welche

Maßnahmen zum Schutz der Dachdeckung

ergriffen werden müssen, sind folgende

Grunddaten von Ihnen zu erfassen:

Gebäudestandort

Dachform

Gebäudeabmessungen

Dachneigung

Deckunterlage

Dachziegelmodell

Basierend darauf wird eine Windlastberechnung

durchgeführt. Anhand der abgebildeten

Windzonenkarte können Sie sich vorab ein

Bild davon machen, welchen Windlasten Ihr

Dach in etwa standhalten muss.

Bremen

Hamburg

Hannover

Rostock

Berlin

Dachbegehung

So professionell Handwerker und Schornsteinfeger ihre

Arbeit auf dem Dach auch ausüben, trotzdem birgt jede

Dachbegehung ein natürliches Risiko. Nicht nur stark

geneigte Dächer stellen höchste Anforderungen an die

dafür vorgesehenen technischen Hilfen. Damit Dacharbeiten

oder Kaminwartungen mit einem Höchstmaß

an Sicherheit ausgeführt werden können, gibt es Steigtrittsysteme,

die direkt in die Dacheindeckung integriert

werden. Diese sorgen nicht nur für einen sicheren,

rutschfesten Halt, sondern überzeugen auch im ästhetischen

Sinne. Sie trotzen der Witterung und sind extrem

langlebig. Das provisorische Anbringen von Leitern

oder Haken entfällt.

Bild: Creaton

Magdeburg

Dortmund Nordhausen

Leipzig

Köln

Erfurt

Siegen

Chemnitz

Aachen

Fulda

Zwickau

Frankfurt

Mainz

Nürnberg

Karlsruhe

Stuttgart

Augsburg

Freiburg

München

Lindau

Windzone 1 >/= 22,5 m/s

Windzone 2 >/= 25,0 m/s

Windzone 3 >/= 27,5 m/s

Windzone 4 >/= 30,0 m/s

Dresden

20 BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG.


Bild: Klöber

Belüftung

Eine funktionierende Zu- und Entlüftung ist wichtig, um ein ausgebautes Dachgeschoss funktionsfähig zu halten. Feuchtigkeit, welche in die Konstruktion „eingebaut“ wird

oder durch Diffusionsvorgänge von der Rauminnenseite in das Dach gelangen kann, muss sicher abgeführt werden, damit es nicht zu einem Bauschaden kommt. Um eine

entsprechende Hinterlüftung der Dacheindeckung durch die Konter- und Traglattung gewährleisten zu können, muss an First, Grat und Traufe dafür gesorgt werden, dass Luft

ein- bzw. austreten kann.

Bild: Klöber

First und Grat

Der Grat beschreibt das Aufeinandertreffen zweier schräger Dachflächen, die eine Außenecke bilden. Im Aufbau sind

Grat und First gleich. In der Regel wird eine wetterfeste und UV-beständige Lüftungsrolle auf die Firstlatte ausgelegt

und mit Firstziegeln bedeckt. Durch die eingearbeitete Plissierung (Riffelung) der Rolle entstehen Lüftungsschlitze,

durch die Luft austreten, aber keine Feuchtigkeit eindringen kann. Das Abrollen erfolgt schnell und einfach – die Lüftungsrolle

legt sich fast wie von selbst auf First oder Grat. Durch eine Firstendscheibe erhält der First einen sicheren,

durchlüfteten Abschluss.

Bild: BMI Braas

Kehle

Die Kehle ist eine Innenecke, die in der Kante entsteht, an der zwei schräge Dachflächen aufeinandertreffen. Die

Dacheindeckung muss an diesen Stellen besonders sorgsam verlegt werden und Schutz vor Witterung bieten, um

spätere Schäden zu vermeiden. Meist wird mit einer witterungsbeständigen Biegekehle aus Aluminium gearbeitet,

welche die Dachkehle überdeckt und abfließendes Regenwasser zur Dachrinne leitet. Außerdem kann ein Kehldichtstreifen

verwendet werden, der unter den angeschnittenen Dachziegeln oder -steinen angebracht wird und vor

Flugschnee und starkem Regen schützt.

Traufe

An der Traufe befindet sich die Regenrinne. Diese wird standardmäßig an der Trauflatte – der letzten Traglatte

– befestigt. Durch ein Lüftungsband wird das Einfliegen von Insekten und Vögeln in die Hinterlüftung verhindert.

Zusätzlich kann ein Traufentlüftungskamm zwischen Trauflatte und Dacheindeckung montiert werden, der ebenfalls

vor Vogeleinflug schützt. Auch die Verwendung von Traufelementen, die die Funktionen von Trauflatte und Traufentlüftungskamm

vereinen, ist möglich.

Bild: Klöber

Bild: BMI Braas

Dachdurchführungen

Mit Durchführungsziegeln und -steinen können verschiedenste Anwendungen realisiert und unkompliziert und lückenlos

in die Dacheindeckung eingearbeitet werden. Typische Anwendungsbereiche für Dachdurchführungen sind

Lüftungshauben, Durchführungen für Abgas- und Lüftungsanlagen sowie Wasser- oder Elektroleitungen (z. B. für

Solaranlagen). Farblich können die Durchführungen an das Dach angepasst werden, wodurch ein homogenes Gesamtbild

entsteht. Auch bei Flachdächern werden Durchführungen zur Be- und Entlüftung oder zur Verlegung von

Kabeln verwendet.

BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG. 21


Solarsysteme

Sonnenenergie trifft den Zeitgeist, schont den Geldbeutel und ist eine der umweltfreundlichsten Energieformen

überhaupt: Bei der Gewinnung werden weder wertvolle Rohstoffe verbraucht noch wird schädliches

Kohlendioxid freigesetzt. Dank der Sonnenstunden hierzulande kann ein Großteil der selbstbenötigten

Energie mit Solaranlagen abgedeckt werden. Zwei Arten der Solarnutzung werden unterschieden.

Bild: BMI Braas

Photovoltaik

Egal, ob Sie einen Neubau oder eine Renovierung planen – die Stromerzeugung mit

einer Photovoltaikanlagen ist sinnvoll und lohnt sich aufgrund der steigenden Energiepreise

vor allem dann, wenn Sie den Strom für den Eigenverbrauch verwenden.

Viele Fördermöglichkeiten zur Anschaffung sowie eine staatliche Einspeisevergütung

können von Ihnen in Anspruch genommen werden. In der Regel laufen neue

Photovoltaikanlagen auf privaten Wohnhäusern im Mischbetrieb. Das heißt: So viel

Sonnenstrom wie möglich wird selbst verbraucht. Überschüsse, die nicht selbst verbraucht

und gespeichert werden können, werden eingespeist. Im Durchschnitt kann

sich eine Photovoltaikanlage innerhalb von 10 bis 15 Jahren amortisieren.

Solarthermie

Der Großteil des Warmwasserbedarfs kann durch Solarkollektoren umweltfreundlich

und kostenfrei gedeckt werden. In der Regel wird die Sonnenanlage mit einem anderen

Heizsystem kombiniert, z. B. mit einer Gasheizung oder Wärmepumpe. Diese Kombi

gewährleistet, dass das Haus auch in Zeiten geringer Sonneneinstrahlung ausreichend

mit Wärme versorgt wird. Durch einen hohen Wirkungsgrad und clevere Speichertechniken

sind sehr gute Erträge möglich: Schon ca. 6 m² Kollektorenfläche reichen aus,

um bis zu 60 % des Warmwasserbedarfs einer drei- bis vierköpfigen Familie zu decken

– im Sommer sind es sogar bis zu 100 %. Werden die Kollektoren zur Heizungsunterstützung

verwendet, lassen sich über das Jahr gesehen bis zu 25 % der Heizenergie

einsparen.

!Solarsystem

nachträglich

anbringen

Bei einer Modernisierung sollte im Voraus

durch einen Fachmann analysiert werden, ob

die Statik des Daches den Aufbau einer Solaranlage

erlaubt. Schließlich bringen Solarkollektoren

bzw. Solarmodule ein gewisses Gewicht

mit sich. Gerade bei einem Altbau ist der

Zustand des Daches genau zu prüfen, denn

Solaranlagen werden für eine Laufzeit von 20

Jahren gebaut. Renovierungen können während

dieser Zeit durch eventuelle Zurückbauten

der Solaranlage sehr aufwendig werden.

Ein Zugang zum Solardach sollte vorhanden

sein, um Wartungsarbeiten an der Solaranlage

durchführen zu können.

Bild: Creaton

22 BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG.


Bild: Creaton

!Indach-

Photovoltaikanlage

Dachausrichtung

Eine nicht unerhebliche Rolle spielt die Ausrichtung des Daches in eine bestimmte Himmelsrichtung. Dabei gelten bei

der Installation einer Photovoltaikanlage dieselben Anforderungen wie für eine Solarthermieanlage. Optimal ist eine

Ausrichtung nach Süden. Dächer, die weiter in Richtung Westen oder Osten zeigen, erzielen jedoch auch noch gute

Erträge. Zu vermeiden ist eine Beeinträchtigung der Anlage durch Schattenwurf. Dieser entsteht je nach Tageszeit und

Sonnenstand durch umliegende Bäume, Häuser oder andere Dachaufbauten wie Schornsteine. Um die Verschattung

einer Photovoltaikanlage genau zu bestimmen, sollte die vorgesehene Dachfläche zu verschiedenen Jahreszeiten,

jeweils im Verlauf eines ganzen Tages, beobachtet werden.

Dachneigung

Die Sonne steht im Verlauf des Jahres unterschiedlich hoch. Je nach Jahreszeit ändert sich damit der Einstrahlungswinkel

der Sonne zum Solardach. Die Anforderungen für die Dachneigung einer Photovoltaikanlage unterscheiden

sich leicht von den Anforderungen für Solarthermieanlagen. Im besten Fall treffen die Sonnenstrahlen im

rechten Winkel auf das Solarsystem. Ein weniger optimaler Neigungswinkel kann durch ein Solar Nachführsystem

ausgeglichen werden. Generell gilt: Im Norden Deutschlands sind die Module aufgrund der Sonneneinstrahlung

steiler anzubringen als im Süden.

Bei der Solarthermie hängt die optimale Dachneigung vom installierten System ab. Wird die Anlage größtenteils zur

Trinkwasser erwärmung im Sommer genutzt, ist ein geringerer Neigungswinkel ausreichend. In den Übergangsmonaten

– also im Frühjahr und Herbst –, wenn die Solarthermieanlagen zur Heizungsunter stützung genutzt werden,

braucht es einen größeren Neigungswinkel.

Installation

Die Installation einer Solaranlage stellt meist kein großes

Problem dar. Die Module und Kollektoren werden

entweder „Aufdach“ oder „Integriert“ montiert.

Aufdach

Die Aufdachlösung ist die gängigste Installationsmethode

– das Solarsystem wird hierbei an einer Metallkonstruktion

befestigt. Für bereits bestehende Häuser

ist diese Variante die kostengünstigste, da die Deckung

erhalten bleibt. Außerdem von Vorteil: Die Module werden

durch den Wind gut gekühlt.

Integriert

Bei dieser optisch ansprechenden Installationsvariante

werden die Kollektoren anstelle der Dachpfannen eingebaut

und dadurch mehr oder weniger bündig in die

Dacheindeckung integriert. Diese Montageweise ist aufwendiger

und teurer als die Aufdachlösung, sie bietet der

Anlage jedoch sehr guten Schutz vor Witterung.

Bild: BMI Braas

Bild: BMI Braas

Ein Photovoltaik-Indach-System macht aus

einem Schutzdach ein Nutzdach – und zwar

eines, das sowohl umweltfreundlichen Solarstrom

erzeugt, als auch in Sachen Design und

Optik überzeugt. Gegenüber herkömmlichen

Systemen zeichnet es sich dadurch aus, dass

es sich nicht vom Dach abhebt. Die Module

werden anstelle von Dachpfannen dezent in

das Dach integriert, wodurch sich ein vollkommen

homogenes, harmonisches Deckbild ergibt,

das höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Dacharten

Jede Dachkonstruktion bietet verschiedene

technische Möglichkeiten, die Solaranlage optimal

zur Sonne auszurichten.

Flachdach

Bei einem Flachdach wird das Solarsystem

auf Metallträger montiert. So können die Module

in einem optimalen Neigungswinkel angebracht

und in sämtliche Himmelsrichtungen

ausgerichtet werden, um eine bestmögliche

Effizienz zu erzielen. Auf großen Dächern ist

es sogar möglich, mehrere Modulreihen ohne

Verschattung aufzubauen.

Schrägdach

Schrägdächer sind am besten für die Installation

von Solaranlagen geeignet, da bei einer

entsprechenden Dachneigung ein optimaler

Ertrag erwirtschaftet werden kann und die

Chancen hoch liegen, dass eine Dachfläche

der Sonne zugewandt ist.

Pultdach

Trotz der einseitigen, schrägabfallenden

Dachausrichtung ist die Installation eines Solarsystems

auf dieser Dachart möglich. Zeigt

die Dachneigung in die falsche Richtung, ist

es jedoch oft schwierig, viel Ertrag aus dem

Solarsystem zu schöpfen.

BAUZEIT. DACH. EINDECKUNG. 23


DACHAUSBAU

Nutzen Sie das vorhandene Potenzial Ihres Hauses und

gewinnen Sie mit dem Ausbau des Dachgeschosses

wertvollen Wohnraum zu verhältnismäßig geringen Kosten

dazu. Ob als großzügiges neues Schlafzimmer, Kinderzimmer

oder Wohnraum, der vermietet werden kann –

Ihr Dachstuhl bietet vielfältige Möglichkeiten. Aber auch

hier steht die sorgfältige Planung im Vordergrund.

Viele Dinge müssen beachtet werden, nicht selten

ist auch eine Baugenehmigung erforderlich.

24 BAUZEIT. DACH. DACHAUSBAU.


Bild: SG-Isover

Tipps für den Dachausbau

Bestandsaufnahme

Beim Dachausbau spielt der Dachstuhl die Hauptrolle – buchstäblich. Dieser muss

nicht nur sich selbst, sondern auch das Gewicht des Eindeckungsmaterials tragen.

Gerade bei älteren Bestandsbauten lohnt sich die professionelle Prüfung der Statik,

schließlich kommen bei einem ausgebauten Dach zusätzliche Lasten durch die

Wärmedämmung und die Schalung hinzu. Neben der Statik entscheiden weitere

Punkte, ob ein Dachausbau realisierbar ist – viele Dächer sind aufgrund einer zu

kleinen Fläche, einer niedrigen Deckenhöhe oder einer zu geringen Dachneigung

für einen Ausbau ungeeignet. Eine Analyse des Dachbodenzustands gibt Aufschluss.

Prüfen Sie, wie viel Platz als Wohnfläche vorhanden ist. Beträgt die Dachneigung

mehr als 35° und ist eine Deckenhöhe von mindestens 2,30 m gegeben,

steht einem Ausbau meist nichts im Wege.

Elektro- und Wasserleitungen

Egal, zu welchem Zweck Ihr Dachboden ausgebaut wird, Licht ist auf jeden Fall

notwendig. Da die meisten Dachböden bereits im unausgebauten Zustand über

mindestens eine Lichtquelle verfügen, sind die elektrischen Anschlüsse oft nur

zu erweitern. Ist eine Küche oder ein Bad geplant, muss die Wasserzufuhr über

die Rohre entsprechend umgesetzt werden. Rohrdicken und -neigungen sind aufgrund

der langen Wege sehr wichtig. Ebenso die Belüftung der Rohre, damit beispielsweise

im Siphon kein Unterdruck entsteht und dieser leer gesaugt werden

kann. Um Wasser überhaupt in diese Höhen zu transportieren, erfolgt die Wasserzufuhr

im Dachbodenbereich über eine Steigleitung. Entscheidend sind hier Fließund

Ruhedruck des Wassers, die sich von Region zu Region unterscheiden und

von bereits bestehenden Systemen beeinflusst werden.

Baugenehmigung prüfen

Ob eine Baugenehmigung erforderlich ist oder nicht, hängt im Allgemeinen immer

vom Umfang der geplanten Arbeiten ab. Wird mit dem Dachausbau neuer

Wohnraum geschaffen, zählt dies als eine Nutzungsänderung, für die es in

einigen Bundesländern eine Genehmigung braucht. Gleiches gilt, wenn durch

den Dachausbau Änderungen an der Dachfläche vorgenommen werden, zum

Beispiel durch den Einbau von Dachgauben, einer Dachterrasse oder wenn die

Dachneigung verändert wird. Als erste Maßnahme hilft der Blick in die Landesbauordnung,

um herauszufinden, ob eine Baugenehmigung erforderlich ist oder

nicht. Anschließend sorgt ein Gespräch mit dem Bauamt für Klarheit.

Bauliche Sicherheitsvorgaben

Um den Dachboden räumlich umfunktionieren zu können, sind bestimmte Sicherheitsvorkehrungen

einzuhalten. Beispielsweise reicht eine Einstiegsluke

mit Leiter als Zugang für einen bewohnten Raum aus brandschutztechnischen

Gründen nicht aus. Hier muss zwingend eine fest installierte Treppe eingebaut

werden. Da bei einem Wohnraum – entsprechend der Brandschutzbestimmungen

– zwei Sicherheitswege vorgeschrieben sind, ist zusätzlich für ein Ausstiegsfenster

mit den Mindestmaßen 90 x 120 cm zu sorgen.

Bild: Knauf Insulation

Dämmung

Wer einen Dachboden ausbaut, muss strenge Vorgaben hinsichtlich des Wärmeschutzes

und der Energieeffizienz beachten. Diese sind in der Energieeinsparverordnung

(EnEV) zu finden. Je nach baulichen Gegebenheiten eignet sich eine Auf-,

Zwischen- oder Untersparrendämmung. Bei einer noch intakten älteren Zwischensparrendämmung

kann es schon reichen, eine Untersparrendämmung zu ergänzen.

Sind Dachsparren bei einem Altbau nicht sonderlich dick, kann durch Aufdopplung

der Sparren eine ausreichende Dicke für die Zwischensparrendämmung erzeugt

werden. Auch mit einer Kombination aus Zwischen- und Untersparrendämmung

können ausreichende Dämmwerte erreicht werden. Eine Aufsparrendämmung ist

nur sinnvoll, wenn das ganze Dach modernisiert wird, da die Dacheindeckung vom

Dach genommen werden muss. (siehe Seite 10 bis 13)

Bild: SG-Isover

BAUZEIT. DACH. DACHAUSBAU. 25


Trockenbau

Ist das Dachgeschoss ausgebaut, stehen Ihnen zahlreiche

Möglichkeiten offen, wie Sie den neu gewonnenen

Raum nutzen können. Unter den geneigten Dächern

eines Neubaus oder renovierten Altbaus finden sich

ideale Betätigungsfelder für den modernen Trockenbau.

Verschiedene Ausbaulösungen für Böden, Wände

und Dachschrägen stehen Ihnen zur Verfügung, um

normale Wohnräume oder Feuchträume zu formen,

oder um die erhöhten Anforderungen hinsichtlich des

Brandschutzes (z. B. bei alten Dachstühlen) zu erfüllen.

Trennwände

Mit Trockenbauplatten und einem Ständerwerk sind

Trennwände schnell und sauber errichtet und an vorhandene

Dachschrägen angepasst. Das Ständerwerk

eignet sich perfekt, um Installationen, Leitungen und

andere Haustechnik versteckt zu verlegen. Der trockene

Innenausbau ermöglicht die flexible Raumaufteilung,

sodass der Wohnraum unterm Dach genau den

eigenen Bedürfnissen angepasst und jederzeit wieder

verändert werden kann. Im Nu wird das Dachgeschoss

in ein neues Kinderzimmer, ein ruhiges Büro oder –

dank feuchteresistenter Trockenbauplatten – in ein großes

Badezimmer umgewandelt.

Bild: SG-Rigips

Bild: Protektor

Abseitenwand

Als Abseitenwand bezeichnet man die senkrechte Wand im Dachgeschoss zwischen der Dachschräge und

dem Fußboden. Also den Bereich hinter der eingesetzten Wand unter der Dachschräge, der den niedrigen

ungenutzten Raum vom Wohnraum abtrennt. Durch den Einbau von versteckten Wandschränken oder

Abstellräumen mit Abseitentür muss dieser Raum nicht ungenutzt bleiben. Mit der Installation von Abseitenwänden

können Möbelstücke, z. B. das Bett, mühelos ohne Hohlraum bis an die Wand gerückt werden. Bei

manchen Häusern verläuft die Dachschräge nicht ganz bis zum Boden, sondern grenzt an eine ca. 40 bis

80 cm hohe Wand an. Hier spricht man von einem Kniestock, der dem Dachgeschoss mehr Höhe verleiht.

Brandschutz

Spezielle Brandschutzplatten mit modifiziertem Spezialgipskern

wirken wie thermische Schutzschilde. Diese Platten sind

bei einer Modernisierung sinnvoll und können optimal zur Dachschrägenverkleidung

eines bestehenden älteren Dachstuhls

verwendet werden. Die darin verarbeiteten Holzsparren sind

über die Jahre meist schon sehr trocken und leicht entflammbar,

sodass Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen.

26 BAUZEIT. DACH. DACHAUSBAU.


Bild: Soprema

Verkleidung von Laibungen

Sind Dachfenster eingebaut, ergibt sich durch die Stärke der Dachsparren bzw. die

Dicke der Wärmedämmung eine natürliche Fensterlaibung. Auch mit Trockenbauplatten

kann der Anschluss von Laibung und Verkleidung der Dachschräge hergestellt

werden. Am Übergang zwischen Laibung und Verkleidung empfiehlt sich der Einsatz

eines Kantenprofils, da diese Stelle sehr stoßempfindlich und -anfällig ist.

!Balken als Gestaltungselement

Warum nicht die alten, oft wunderschönen Balkenwerke in die Gestaltung

der Dachwohnung einbeziehen? Voraussetzung: eine Dachdämmung von

außen, stabile Trockenbaukonstruktionen an den Schrägen und am sogenannten

Kniestock, dahinter können alle Rohre und Kabel unsichtbar mitgeführt

werden, auch Stauraum ist möglich.

Bild: Swiss Krono

Bilder: Knauf

Dachausbau mit Holz

Sie setzen konsequent auf nachwachsende und recycelbare Rohstoffe? Dann entscheiden

Sie sich im Ausbau für Plattenmaterial aus Holz bzw. auf Holzbasis. Diese

eignen sich bestens für einen weitgehend diffusionsoffenen Wand- und Dachaufbau

und sind ungeschlagen wenn es um die Schaffung eines behaglichen, wohngesunden

Raumklimas geht.

Schiebetürsystem

Sie haben einen einzigen großen Dachraum und möchten nun doch etwas mehr Privatsphäre

einbauen? Wie wäre es mit einem cleveren Schiebetürsystem, das beim

Öffnen in den Wandhohlraum der Trockenbauwand geschoben wird? Ob großer oder

kleiner Durchgang, ohne Raumverlust lassen sich Räume perfekt teilen, noch dazu

barrierefrei und wirksam schalldämmend.

BAUZEIT. DACH. DACHAUSBAU. 27


DACHFENSTER

Ein helles Homeoffice, ein luftiger Fitness- und Hobbybereich,

ein sonniges Abenteuerloft für die Kinder – all diese Lebensräume

unterm Dach brauchen Fenster, die Helligkeit und Luft

hereinlassen, aber auch Sicherheit und Energieeffizienz gewährleisten.

Schenken Sie den neuesten „Lichtblicken“ für kreative

Dachbewohner Ihre Aufmerksamkeit.

Bild: Roto

28 BAUZEIT. DACH. DACHFENSTER.


Bild: Bauder

Lichtflächenplanung

Ordentlich geplante Dachfenster bieten bis zu dreimal mehr Lichteinfall als herkömmliche Fenster. Dazu muss das Dachfenster jedoch genau auf die Dachschräge und

die Lichtverhältnisse im Dachgeschoss abgestimmt werden.

Breite und Länge der Fenster

Die Länge von Dachfenstern hängt vor allem von der Dachneigung ab: Steilere Dächer benötigen für denselben Lichteinfall kürzere Fenster als Dächer mit einer geringen

Dachneigung. Oder umgekehrt: Bei einer geringen Dachneigung sind längere Dachfenster nötig. Empfohlen ist die Fensterunterkante 90 cm (bei Klapp-Schwingfenstern

120 cm) über dem Boden und die Fensteroberkante ca. 200 cm über dem Boden. Daraus lässt sich die nötige Fensterlänge in Abhängigkeit von der Dachneigung

gut errechnen. Verbreitet sind Längen von 98 cm bis zu 140 cm.

Die Fensterbreite wird in der Regel anhand der Dachsparren bestimmt: Das Fenster sollte möglichst zwischen zwei Dachsparren (den tragenden Holzbalken des Daches)

verbaut werden. Als Faustregel für die Planung von Dachsparren bei Neubauten gilt: Sparrenabstand = Breite des Dachfensters + 4 bis 6 cm. Bei bestehenden

Häusern gilt der Sparrenabstand analog als Richtwert für die Planung von neuen Dachfenstern. Stimmen Sie die genauen Fenstermaße direkt mit Ihrem Handwerker

ab. Der Fachmann kann die Maße so bemessen, dass die Fenster wirklich perfekt passen.

Ausrichtung der Fenster

Natürlich ist es immer vom Grundriss des Dachgeschosses abhängig, in welche Himmelsrichtungen die Fenster zeigen. Für eine optimale Verteilung der Helligkeit ist

es auf jeden Fall empfehlenswert, die Fenster in möglichst unterschiedliche Richtungen einzubauen.

Osten oder Westen

Die Ausrichtung der Fenster nach Osten oder Westen

ist eine Überlegung wert, da so morgens bzw. abends

viel Helligkeit in den Raum gelangt, gleichzeitig aber

keine zu intensive Sonneneinstrahlung auf das Fenster

trifft. Die Hitzeentwicklung im Raum ist nicht allzu

stark und als Sonnenschutz genügen meist schon

Plissees. Bei niedrig stehender Sonne wird das einfallende

Licht gut aufgefangen.

Süden

Bei südlich ausgerichteten Fenstern ist der Lichteinfall

am stärksten und der Raum auch in den dunklen

Wintermonaten angenehm hell. Achten Sie unbedingt

auf einen Sonnenschutz! Rollläden oder eine Hitzeschutzmarkise

auf der Südseite sind unerlässlich,

damit sich das Dachgeschoss im Sommer nicht zu

stark aufheizt.

Norden

Dachfenster im Norden sind nur eingeschränkt zu

empfehlen, da durch sie nur wenig Sonne in die

Wohnräume gelangt. Lassen die baulichen Gegebenheiten

nichts anderes zu und die Dachfenster

können nur auf der Nordseite eingebaut werden,

sollten Sie möglichst große Fensterformate wählen,

um das wenige vorhandene Licht optimal zu nutzen.

BAUZEIT. DACH. DACHFENSTER. 29


Steildach

Die Zeiten, in denen das Dachgeschoss nur als Lagerfläche

genutzt wurde, und ein kleines Fenster ausgereicht

hat, sind vorbei. Heute ist ein Dachgeschoss weit

mehr als nur Stauraum: Durch moderne Dachfenster

wird das Dachgeschoss besonders wohnlich und kann

für verschiedenste Zwecke genutzt werden. Dachfenster

zählen beim Ausbau des Dachgeschosses zu den

wichtigsten Elementen.

Schwingfenster

Bei diesem Dachfenster ist der Fensterflügel an der Mittelachse

befestigt. Das Fenster kann dadurch sowohl

nach innen als auch nach außen gekippt werden. Im

Normalfall wird das Fenster an der oberen Kante durch

Ziehen an der Griffleiste geöffnet. Weil sich der Griff

oben am Fenster befindet, können Möbel auch darunter

platziert werden. Eine spezielle Form des Schwingfensters

ist das Hoch-Schwingfenster. Der Drehpunkt

befindet sich im oberen Drittel, wodurch eine größere

Öffnung im unteren Bereich des Fensters entsteht.

Der ungehinderte Blick aus dem Fenster ist möglich,

die Bewegungsfreiheit bei geöffnetem Fenster deutlich

größer.

Klapp-Schwingfenster

Das Klapp-Schwingfenster ist die erweiterte Form des

Schwingfensters: Eine zusätzliche Funktion gewährleistet,

dass das Fenster auf der gesamten Höhe nach

außen geklappt werden kann. Eine große Öffnung für

den schönen Ausblick entsteht. Da sich der Griff eines

Klapp-Schwingfensters meist am unteren Ende befindet,

ist darauf zu achten, den Zugang zum Fenster nicht

mit Möbeln zu verstellen. Um die Reinigung zu erleichtern,

sind Klapp-Schwingfenster so ausgestattet, dass

ihre Außenseite nach innen geklappt werden kann. Das

Putzen der Scheiben ist somit kein Problem.

Dachausstieg

Für Dacharbeiten oder die Kaminreinigung nutzen

Handwerker oder Schornsteinfeger häufig das Dachfenster.

Spezielle Ausstiegsfenster ermöglichen, mit

einem großen Öffnungswinkel, den sicheren Ausstieg

aufs Dach. Je nach Ausführung gilt ein Dachausstieg

auch als Notausstiegs fenster.

Bild: Roto

!Kindersicherung

Auf Wunsch können Dachfenster mit einer

vormontierten Kindersicherung ausgestattet

werden. Sie lassen sich dann nur noch max.

10 cm weit öffnen und verhindern ein Aussteigen,

Herauslehnen und -fallen. Wenn Sie die

Kindersicherung nicht mehr benötigen, können

Sie diese ganz leicht wieder ausbauen.

Schwingfenster mit der Griffleiste

an der oberen Fensterkante

Bild: Roto

Klapp-Schwingfenster mit der Griffleiste

an der unteren Fensterkante

Bild: Roto

Dachausstieg

Bild: Roto

30 BAUZEIT. DACH. DACHFENSTER.


!Smart Home

Bild: Roto

Natürlich können Dachfenster, Rollläden und

Jalousien auch elektrisch gesteuert werden.

Die Integration in Ihr Smart Home ist kein Problem.

Mit nur wenigen Klicks programmieren

Sie, wann gelüftet werden soll und zu welcher

Uhrzeit die Rollläden herunterfahren. Mit der

richtigen Ausstattung können Verdunkelungsrollos

sogar selbst erkennen, wann die Sonne

scheint und schließen sich automatisch. Eine

Funktion, die Einbrecher abschreckt, wenn

Sie mal in den Urlaub fahren.

Bild: Roto

Bild: Roto

Panoramafenster

Ein Panorama-Dachfenster ist ein besonders breites Dachfenster, das für eine extra

weite Sicht und einen hohen Lichteinfall sorgt. Damit ein so großes Fenster die

lückenlose Durchsicht ermöglicht und dennoch praktikabel zu öffnen ist, wird es mit

einem elektrischen Schiebemechanismus geöffnet. Alternativ können auch mehrere

große Klapp-Schwingfenster nebeneinander platziert werden, um eine Panorama-Fensterfront

zu bilden, die die Aussicht und den Lichteinfall sogar noch steigert.

Fassadenanschlussfenster

Ähnlich wie ein Zusatzelement verhält sich ein Fassadenanschlussfenster. Es sorgt für

mehr Licht und Aussicht, bildet dabei aber eine stilvolle Verbindung zwischen Dach und

Fassade. Das senkrechte Fenster reicht bis zum Boden des Dachgeschosses, was den

Innenraum optisch größer wirken lässt und ihm einen besonderen Touch verleiht. Diese

Fenster können jedoch nur verwendet werden, wenn im Dachgeschoss ein Kniestock

vorhanden ist. Die Wand, die senkrecht an das Dach angrenzt, reicht noch ein Stück ins

Dachgeschoss hinein und verleiht dem Dachgeschoss mehr Raum nach oben.

Bild: Roto

Bild: Roto

Zusatzelemente

Auch wenn kein Panoramafenster eingebaut werden kann, ist es trotzdem möglich,

höheren Lichteinfall zu realisieren: Mit Zusatzelementen können Sie Ihre Dachfenster

nach unten erweitern. Auf diese Weise gelangt mehr Tageslicht ins Haus und auch

Kinder oder sitzende Personen erhalten die Chance auf eine gute Sicht nach außen.

Rollläden, Jalousien und Markisen

Bei Dachfenstern gibt es vielfältige Methoden wie Sicht-, Hitze- und Insektenschutz

sowie Verdunkelung umgesetzt werden können. Von dekorativen Raffstores mit reiner

Sichtschutzfunktion bis hin zu elektrisch steuerbaren, außenliegenden Rollladen-Systemen

mit smarter Steuerung sind je nach Bauart und Format des Dachfensters unterschiedlichste

Lösungen erhältlich.

BAUZEIT. DACH. DACHFENSTER. 31


Flachdach

!Notausstiegsfenster

Laut Gesetzgeber ist zusätzlich zu einer Treppe

ein zweiter Sicherheitsweg über das Dach

vorgeschrieben. Ein Notausstiegsfenster gewährleistet

den gefahrenlosen Ausstieg auf

das Dach und erfüllt mit den Mindestmaßen

90 x 120 cm die gesetzlichen Anforderungen

eines zweiten Rettungsweges. Die Fenster

können sowohl nach oben als auch zur Seite

öffnend eingebaut werden – dabei kommt es

ganz auf die Neigung des Daches an.

Bild: Lamilux

Ein Dachfenster für ein flaches oder nur sehr gering

geneigtes Dach lässt Licht von oben in den Raum gelangen.

Der oft großzügige Tageslichteinfall, der den

Raum entsprechend ausleuchtet, öffnet und vergrößert

ihn gleichzeitig optisch.

Flachdachfenster sind meist kaum bzw. nur mit Leiter

zu erreichen, da sie über Deckenhöhe verbaut sind.

Eine Öffnung zu Lüftungszwecken funktioniert in der

Regel mittels ferngesteuertem Elektroantrieb über einen

Taster in der Wand, der einem Lichtschalter ähnelt.

Alternativ ist natürlich auch die manuelle Öffnung über

einen Handspindelöffner denkbar.

Runde Flachdachfenster

Ein rundes Flachdachfenster ist ein echtes Designobjekt,

das in Innenräumen stylishe Lichtakzente

setzt. Die runde Lösung vereint Ästhetik und architektonischen

Reiz. Es passt sich der Gebäudesituation

an und erzeugt einen konzentrierten

und stimmungsvollen Lichteinfall. In den meisten

Fällen können die runden Flachdachfenster leider

nicht geöffnet werden.

Bild: Lamilux

Bild: Lamilux

Dachausstieg

Flachdächer lassen sich in traumhafte Dachterrassen

oder -gärten verwandeln und bieten

Ihnen damit die wunderbare Möglichkeit, sich ein

Stück Natur nach Hause zu holen. Mit einem Dachausstieg

kann der Wohnraum über eine Treppe mit

der Dachoase verbunden werden. Die Öffnung wird

horizontal durch einen Elektroantrieb zur Seite geschoben

und schafft einen komfortablen Zugang

zum Dach. Durch die Verglasung ist ein hoher Einfall

von Tageslicht gewährleistet.

Bild: Lamilux

Starke Marken für Ihr Dach:

natürlich besser dämmen

32 BAUZEIT. DACH. DACHFENSTER.


FASSADE

Warmfassade. Kaltfassade.

Holzfassade. Endbeschichtung.

Alles „nur“ Fassade? Keineswegs. Das Wort Fassade kommt vom

italienischen „facciata“ bzw. „faccia“ und bedeutet so viel wie

„Gesicht“. Und ein schönes Gesicht soll auch Ihr Haus bekommen,

das ist klar. Doch wie soll es wirken? Freundlich? Natürlich?

Oder eher nüchtern-modern? Die Fassade ist die Visitenkarte eines

Hauses und Ausdruck des Stilempfindens der Bewohner. Zugleich

kommt der Fassade eine wichtige Rolle beim Wind-, Regen- und

Wärmeschutz eines Gebäudes zu. Auf den folgenden Seiten wollen

wir Ihnen einen Überblick über die baulichen und gestalterischen

Möglichkeiten geben.


WARM­

FASSADEN

Unter Warmfassaden versteht man einschalige Außenwände, deren

Schichtaufbau aus einem oder mehreren Materialien bestehen kann.

Die Warmfassade übernimmt sämtliche Funktionen des Gebäudeabschlusses,

darunter auch Witterungs-, Wärme- und Schallschutz.

Typische Warmfassaden sind Massivbauwände aus Mauerwerk –

mit oder ohne Wärmedämmverbundsystem.

Bild: Austrotherm

2 BAUZEIT. FASSADE. WARMFASSADE.


Bilder: Wienerberger

Monolithische Bauweise

Spricht man von monolithischer Bauweise, wird die Außenwand

aus nur einem Material errichtet. Eine Dämmschicht

ist nicht nötig, da die verwendeten Mauersteine

eine entsprechend hohe Wandstärke aufweisen oder

die Hohlräume mit einem Dämmkern verfüllt sind. Mit

der monolithischen Bauweise können hohe Energieeffizienzstandards

erreicht werden.

Bild: Wienerberger

Wärmedämmverbundsystem

Bei einer Außenwand aus mehreren Materialien sind

Wärmedämmschichten Teil der Konstruktion. Sie werden

direkt auf der tragenden Wand angebracht – wie

zum Beispiel bei Wärmedämmverbundsystemen. Als

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) werden mehrschichtige

Konstruktionen zur Dämmung von Gebäudeaußenwänden

bezeichnet. Sie bestehen aus aufeinander

abgestimmten Baustoffen, deren Kernstück

– der Dämmstoff – die grundlegenden Eigenschaften

des Systems bestimmt. Alle Systeme bestehen aus den

Komponenten:

Befestigungsmittel

Dämmschicht

Armierungsschicht

Außenputz

Energieeffizienz

Machen Sie einen Energiecheck! Über 70 % der Energie

im Haus kann über eine schlecht gedämmte Gebäudehülle

verloren gehen. Eine Wärmedämmung

wirkt dem entgegen. Die Anforderungen hierfür sind in

der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt. Die

EnEV schreibt die Installation einer Fassadendämmung

vor, wenn Sie mehr als 10 % der Fassadenfläche

Ihres ungedämmten Hauses sanieren wollen. Ausnahmen

bilden denkmalgeschützte Bauten.

Energieeinsparverordnung

Die Außenwand darf laut EnEV 2014 einen U-Wert von

0,24 W/(m 2·K) nicht überschreiten. Bei einer Kerndämmung

von mehrschaligem Mauerwerk muss der

bestehende Hohlraum zwischen den Schalen vollständig

mit einem Dämmstoff der Wärmeleitfähigkeit von

0,045 W/(m²·K) ausgefüllt werden. Beide Vorgaben

sind mit Baustoffen bzw. Dämmsystemen von heute

leicht erreichbar. Übertreffen Ihre Dämmmaßnahmen

die Vorgabewerte der EnEV, winken Fördergelder der

KfW. Als Richtwert gilt ein U-Wert für die Außenwand

von maximal 0,18 W/(m²·K) bzw. 0,33 W/(m²·K) bei

Baudenkmälern. Der Antrag auf Förderung muss vor

Beginn der Maßnahme eingereicht werden.

WDVS-Mythen

Oft wird behauptet, dass eine Dämmung mit WDVS

die Schimmelbildung an der Innenseite der Außenwände

begünstigt. Diese Aussage entspricht aber

nicht der Wahrheit. Ganz im Gegenteil: Eine baulich

korrekt ausgeführte Außenwanddämmung hilft

Schimmelbildung zu vermeiden, indem die Oberflächentemperatur

auf der Zimmerseite erhöht

wird, wodurch die Luftfeuchtigkeit nicht mehr so

leicht an den Wänden kondensieren kann.

Mitverantwortlich für den Schimmel-Irrtum ist der

Mythos, dass Wände wegen der Dämmung angeblich

nicht „atmen“ können. Doch Wände können

grundsätzlich nicht atmen. Ein Luftaustausch

Bilder: SG-Weber

durch eine massive Mauer findet nur dann statt,

wenn – beispielsweise in vielen Altbauten – Luft

durch Ritzen und Spalten oder undichte Fenster

dringt. Sind Wände, Fenster und Dämmung fachmännisch

– und damit luftdicht – ausgeführt, kann

ein Luftaustausch ausschließlich über geöffnete

Fenster und Türen oder eine Lüftungsanlage erfolgen.

Schimmelbildung wird also keinesfalls durch

das Weglassen einer Dämmung verhindert, sondern

durch richtiges Heizen und Lüften. Dies gilt

umso mehr, je besser ein Haus gedämmt ist und je

luftdichter die Außenhülle damit wird.

BAUZEIT. FASSADE. WARMFASSADE.

3


Dämmstoffe für WDVS

Wichtigste Komponente eines WDVS ist der Dämmstoff.

Er bestimmt die Eigenschaften und damit die Vor- und

Nachteile des Systems. Die Bandbreite an Materialien

ist groß: Neben EPS, XPS, Resol-Hartschaum und Mineralwolle

kommen auch Holzfasern zum Einsatz. Welcher

Dämmstoff für Ihre Fassade am besten geeignet

ist, hängt von der Untergrundbeschaffenheit, dem Klima,

dem Budget und dem individuellen Geschmack ab.

Expandiertes Polystyrol (EPS)

Das unter dem Markennamen Styropor ® bekannte Polystyrol

gilt als das günstigste verfügbare Material zur

Außendämmung. Mit einer Wärmeleitfähigkeit (U-Wert)

von 0,032 – 0,040 W/(m 2·K) weist es gute Wärmedämmeigenschaften

auf. Auch die sehr leichte Verarbeitung

der Polystyrol-Platten spricht für

das Material. Die Platten lassen sich

mit einem Heißdraht einfach und

ohne Rückstände schneiden und

werden dann direkt auf die Wand

geklebt und mit Dübeln befestigt. Der

Dämmstoff wird in der Brandschutzklasse

B1 geführt, gilt also als schwer

entflammbar. Durch seine diffusionsdichte

Struktur (Wasserdampfdiffusions widerstand

20 – 100 μ) ist EPS zwar beständig gegenüber

Feuchtigkeit, reguliert diese aber nicht.

Bilder: Baumit

Extrudiertes Polystyrol (XPS)

XPS, auch unter dem Namen Styrodur ® bekannt, wird

in einem sehr ähnlichen Verfahren wie EPS hergestellt.

Optisch besteht der größte Unterschied darin,

dass bei der EPS-Platte Kunststoffgranulat-Perlen zu

erkennen sind, während die XPS-Platte eine gleichmäßige

Schaumstruktur aufweist. Oftmals werden

XPS-Hartschaumplatten durch Farbstoffe kenntlich

gemacht. Das feuchtigkeitsresistente Material

ist ideal für den Einsatz bei einer Keller-

Sockel dämmung, bei der die Platten bis

zu ca. 30 cm über dem Erdniveau

hochgezogen werden. Für die

Fassadendämmung ist extrudiertes

Polystyrol als Material jedoch

ungeeignet. Hier sollten Sie auf

EPS zurückgreifen, das die gleichen

Dämmwerte besitzt, aber einen besseren

Schallschutz bietet.

Bilder: Austrotherm

Übersicht

!U-Wert

Bei dem U-Wert handelt es sich um den Wärmedurchgangskoeffizient,

der den Wärmestrom

durch ein Bauteil in Abhängigkeit vom

Temperaturgefälle zwischen warmer und kalter

Seite in der Einheit W/(m²·K) angibt. Klingt

in der Theorie recht kompliziert, deshalb reicht

es für die Praxis zu wissen: Je niedriger der

U-Wert, umso besser die Dämmwirkung.

Wärmeleitfähigkeit

W/(m 2·K)

Wasserdampfdiffusion

μ

Brandschutzklasse

EPS 0,032 – 0,040 20 – 100 B1

XPS 0,032 – 0,040 80 – 200 B1

Resol-Hartschaum 0,022 – 0,025 10 – 40 B2

Mineralwolle 0,035 – 0,041 1 – 2 A1

Holzfaser 0,037 – 0,045 3 – 10 B2

4 BAUZEIT. FASSADE. WARMFASSADE.


Resol-Hartschaum

Resol-Hartschaum (oft auch als Phenolharzschaum bezeichnet)

ist ein fester, spröder Schaumkunststoff. Mit

einer Wärmeleitfähigkeit von 0,022 – 0,025 W/(m 2·K)

zeichnet sich Resol-Hartschaum durch eine extrem

gute Wärmedämmung aus. Die daraus resultierende

dünnere Materialstärke bewirkt, dass sich auch Flächen

dämmen lassen, die aufgrund von Platzmangel

bisher nicht gut gedämmt werden konnten. Auch

bei schwierigen baulichen Gegebenheiten, wie z. B.

Grenzbebauungen, müssen Sie nun keine Kompromisse

bei der Einhaltung des U-Wertes mehr eingehen.

Mit einem Wasser dampfdiffusionswiderstand von

10 – 40 μ ist die Platte relativ diffusionsoffen.

In Bezug auf die Brandschutzklasse lässt

sich Resol-Hartschaum als normal entflammbar

(B2) einordnen.

Bilder: SG-Weber

Mineralwolle

Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 – 0,041 W/(m 2·K)

ist Mineralwolle nicht ganz so gut wie EPS aufgestellt,

dafür hat das Material in anderen Punkten die Nase vorne.

An erster Stelle ist die Brandsicherheit zu nennen:

Mineralwolle wird mit der Brandschutzklasse A1 – der

höchsten Brandschutzklasse – als nichtbrennbar eingestuft.

Dank der diffusionsoffenen Struktur (Wasserdampfdiffusionswiderstand

1 – 2 μ) kann Feuchtigkeit

von innen nach außen transportiert werden, wodurch

Schimmelbildung im Innenraum vorgebeugt wird. Die

Dämmung ist sehr widerstandsfähig gegenüber äußeren

Einflüssen und Belastungen, was die Lebensdauer

verlängert und die Kosten für die Instandhaltung

gering hält. Mineralwolle ist neben EPS

einer der beliebtesten Dämmstoffe für

ein WDVS.

Bilder: SG-Weber

Holzfaser

Holzfaserdämmplatten stehen Dämmstoffen wie Mineralwolle

in ihrer Dämmwirkung in nichts nach – sie

erzielen U-Werte von 0,037 – 0,045 W/(m 2·K). Vorteilhaft

ist vor allem ihre Fähigkeit, große Mengen an

Feuchtigkeit aufzunehmen und weiterzuleiten (Wasserdampfdiffusionswiderstand

3 – 10 μ), ohne dabei

an Dämmwirkung zu verlieren. Die Dämmplatten sind

aus natürlich gewachsenem Holz gefertigt und gehören

zur Brandschutzklasse B2, was bedeutet, dass sie

normal entflammbar sind. Oft werden die Platten aus

Resten gefertigt, die in Sägewerken als Nebenprodukt

anfallen. Am Ende ihres Lebens können die

Platten kompostiert oder thermisch

verwertet werden. Holzfasern

eignen sich auch als hochstabile

Putzträgerplatten, gerade im Holzbau.

Die Dämmplatten werden mit

Dämmstoffdübeln auf dem Massivholz-Untergrund

befestigt und mit

einem mineralischen Putzsystem verputzt.

Bilder: Steico

BAUZEIT. FASSADE. WARMFASSADE.

5


Aufbau WDVS

Der Aufbau eines WDVS erfolgt grundsätzlich immer nach demselben Prinzip: Das Kernstück bildet dabei eine Dämmplatte, die an der Fassade verklebt und mit Dübeln befestigt

wird. Darauf folgt die Armierungsmasse und das Armierungsgewebe und zum Schluss der Außenputz. Eine interessante Alternative zur klassischen Endbeschichtung

mit Putz und Farbe ist die Verwendung von Klinkerriemchen. Sie sind relativ leicht im direkten Verbund mit dem WDVS aufzubringen und werden lediglich verklebt, verfugt und

gereinigt. Klinkerriemchen ermöglichen ebenso wie Sichtmauerwerk ausdrucksstarke Oberflächen – inklusive Gebrauchsspuren und Kantenausbrüchen – deren Zeitlosigkeit

durch die sich bildende Patina noch steigt. Die bei bis zu 1.200 °C gebrannten, 11 bis 14 mm starken Klinker bestehen zu 100 % aus natürlichen Sedimenten. Sie sind hart,

wasserabweisend und extrem widerstandsfähig gegen Frost, Hitze oder Hagel. So weisen verklinkerte Wärmedämmverbundsysteme auch eine längere Haltbarkeit als normale,

verputzte WDVS-Fassaden auf – sind jedoch auch kostenintensiver.

Putz

Klinkerriemchen

Bild: Knauf

Bild: Wienerberger

1 Mauerwerk

1 Mauerwerk

1

2 Klebe- und Armierungsmörtel

3 Dämmstoff

1

6

2 Klebe- und Armierungsmörtel

3 Dämmstoff

2

4 Klebe- und Armierungsmörtel

2

4 Klebe- und Armierungsmörtel

3

5 Armierungsgewebe

3

5 Armierungsgewebe

4

6 Armierungsschicht

7 Putz

4

6 Verdübelung

7 Klebemörtel

5

5

8 Klinkerriemchen

6

7

9 Fugenmörtel

Bild: SG-Weber

7

Bild: SG-Weber

8

9

6 BAUZEIT. FASSADE. WARMFASSADE.


Befestigungsarten

Die kostengünstigste Befestigungsart eines WDVS ist

das Verkleben mit einem speziell auf den Untergrund

abgestimmten Klebemörtel. Bei ebenen Untergründen

und bei sehr dünnen Wärmedämmplatten erfolgt eine

vollflächige Verklebung: Der Kleber wird mit einer Zahntraufel

ganzflächig aufgetragen und mit der gezahnten

Seite abgezogen. Bei Untergründen mit Unebenheiten

erfolgt eine Punkt-Rand-Verklebung. Dazu wird der Kleber

linienförmig auf den Plattenkanten aufgezogen und

mit mindestens sechs Klebepunkten auf der Plattenfläche

ergänzt.

Eine alleinige Verklebung kann bei EPS-Platten mit

einem System-Gesamtgewicht ≤ 10 kg/m² erfolgen.

Liegt das Gesamtgewicht da rüber, ist eine zusätzliche

Verdübelung erforderlich. Gleiches gilt für Systeme mit

Mineralwolle, die generell immer zu verdübeln sind. Bei

Sanierungen von Altbauten ist eine ergänzende Verdübelung

empfehlenswert, da die Haftabzugswerte der

alten Wandoberfläche häufig nicht bekannt sind. Die

Systemdübel sind so ausgebildet, dass der Dübelkopf

ebenengleich mit der Dämmung abschließt.

Bild: Steico

Bild: SG-Weber Bild: SG-Weber Bild: Baumit

Fassadendämmung

Die Dämmung muss flächig und homogen, ohne Fehlstellen,

ausgebildet werden. Offene Fugen werden mit

Schaum oder Dämmstoffstreifen geschlossen. Versprünge

zwischen den Platten, die später zu unterschiedlichen

Materialstärken in der Armierung führen können, müssen

plan geschliffen werden. Auch bei der Fensterlaibung

(seitliche, links und rechts senkrechte Flächen einer

Fensteröffnung), ist auf eine fachgerechte Dämmung

zu achten, um Wärmebrücken zu vermeiden und den

Wärmeverlust so gering wie möglich halten. Es kommen

spezielle Laibungsdämmplatten zum Einsatz, die mit dem

Blendrahmen des Fensters überlappen.

Sockeldämmung

Da unterhalb der Fassadendämmung andere, dünnere

Dämmelemente verarbeitet werden, wird im Sockelbereich

durch den Einsatz von Sockelabschluss-,

Einsteck- oder Tropfkantenprofilen meist ein rückspringender

Sockel erzeugt. Dadurch hebt sich die

Fassadendämmung auch optisch von der Perimeterdämmung

(Keller- und Sockeldämmung) ab. Die Möglichkeit

eines flächenbündigen Sockels gibt es auch,

kommt aber eher selten zum Einsatz.

Armierungsschicht

Die 1,5 bis 5,0 mm dicke Armierungsmasse ist für die

Qualität des gesamten Dämmsystems von entscheidender

Bedeutung. Sie dient der Egalisierung des Untergrundes,

der Einbettung der Gewebearmierung und

zur Vorbereitung des Putzgrundes. Verwendet werden

mineralisch gebundene oder organisch kunstharzvergütete

Armierungsmassen, die auf den Oberputz abgestimmt

werden. Die Gewebeeinlage besteht in der

Regel aus Glasfasergewebe, welches im äußeren Bereich

der Armierungsmasse satt einliegen muss. Sie

sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Spannungen

aus dem Putz. Diese entstehen dadurch, dass der Putz

stärker abkühlt als der Untergrund, auf den er aufgebracht

ist. Aus diesen thermischen Beanspruchungen

entstehen Zugspannungen, die Rissbildungen in der

Armierungsschicht verursachen können. Die Gewebeeinlage

verteilt die Spannungen in der Fläche so, dass

statt eines Einzelrisses viele Mikrorisse entstehen, die

vom Oberputz überbrückt werden können. Da auch

Ecken eine Schwachstelle darstellen, werden spezielle

Gewebe-Eckprofile aus doppeltem Armierungsgewebe

verwendet. Diese werden wie gewöhnliches Armierungsgewebe

mit Mörtel eingearbeitet.

Außenputz

Bei den Außenputzen bzw. Schlussbeschichtungen

sind vier Arten zu unterscheiden:

Mineralputze

Silikatputze

Kunstharzputze

Silikonharzputze

Mineralputze, in der Regel 2-lagig aufgebracht, werden

auch als Dickschichtsysteme bezeichnet. Die relativ

dünnen Silikatputze, Kunstharzputze und Silikonharzputze

dagegen sind als Dünnschichtsysteme bekannt.

Dünnschichtsysteme haben sich auf dem Markt weitestgehend

durchgesetzt, da sie nur sehr schwach

schwinden, und durch die schnell gegebene Endfestigkeit

gut und wirtschaftlich zu verarbeiten sind.

Außenputze können in allen gängigen Oberflächen und

Korngrößen ausgeführt werden. In Form von Silikatfarben,

Kunstharzfarben oder Silikonharzfarben müssen

sie materialtechnisch auf das Putzsystem abgestimmt

sein. Die Anstriche können dabei auch zur Egalisierung

des Außenputzes verwendet werden, z. B. zur optischen

Reduzierung der Korngröße.

BAUZEIT. FASSADE. WARMFASSADE.

7


KALTFASSADE

Konstruktionsweisen.

Vorgehängte hinterlüftete Fassade.

Wird die wärmedämmende Schicht durch eine Luftschicht von der

Witterungsschutzschicht getrennt, bezeichnet man die mehrschalige

Außenwand als Kaltfassade. Die Luftschicht gewährleistet, dass die

wärmedämmende, innenliegende Schicht besser abtrocknen kann –

sofern überhaupt Wasser durch die Außenhaut dringt.

Bild: Eternit

8 BAUZEIT. FASSADE. KALTFASSADE.


Konstruktionsweisen

Die Luftschicht im Wandaufbau einer Kaltfassade bewirkt, dass sich bei starker Sonneneinstrahlung

hauptsächlich die Fassade aufheizt und nicht die Wärmedämmschicht. Man spricht in diesem Fall von

einer thermischen Trennung. Grundsätzlich wird zwischen zwei Konstruktionsweisen unterschieden.

Zweischaliges Mauerwerk

mit Luftschicht

Vorgehängte hinterlüftete

Fassade (VHF)

Bild: BEVER

Bild: Knauf

Die zweischalige Ausführung eines Mauerwerks, auch als Verblendmauerwerk

bekannt, besteht aus einer inneren Tragschale und einer Verblendschale,

die sowohl als Witterungsschutz als auch zur Fassadengestaltung

dient und die meist unverputzt angebracht wird. Verwendet werden Klinker

aus gebrannten Ziegelsteinen oder Kalksandsteinen. Auf der Außenseite der

innenliegenden tragenden Wand wird eine Wärmedämmung angebracht.

Zwischen dieser und der Außenschale muss ein hinterlüfteter Abstand von

mindestens 4 cm verbleiben. Der zirkulierende Luftstrom trocknet das auftretende

Kondenswasser der äußeren Schale. Feuchte aus dem Innenraum,

die zwischen der tragenden Wand und der Dämmschicht entsteht,

muss entweichen können, daher ist auf die Verwendung diffusionsoffener

Dämmstoffe zu achten. Luftschichtanker, welche in das tragende Mauerwerk

eingemauert bzw. auf die Betonwand gedübelt werden, sichern die Dämmschicht

und die Verblendschale.

Der klassische zweischalige Wandaufbau mit dazwischenliegender Luftschicht

findet nur noch selten Verwendung. Heutzutage werden vorrangig

zweischalige Mauerwerke ohne Luftschicht verbaut, sprich Warmfassaden.

Die VHF stellt eine bautechnisch aufwendige, aber auch bauphysikalisch

günstige Bauweise dar. Bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade wird

die Verkleidung nicht direkt auf das Mauerwerk aufgebracht, sondern auf

eine Unterkonstruktion montiert. Dadurch sind Dämmung (Feuchte-, Wärme-,

Schall- und Brandschutz) und Verkleidung (Witterungsschutz) konstruktiv

voneinander getrennt. Zwischen den Komponenten entsteht ein Hinterlüftungsraum,

der den Feuchtehaushalt im Baukörper zuverlässig regelt:

Vorhandene Feuchtigkeit wird permanent abtransportiert, Außenwände

trocknen schnell und der kapillare Feuchtetransport in das Mauerwerk wird

verhindert. Die innere tragende Schale, meist mittelschwere bis schwere

Bauart, trägt mit ihrer Wärmespeicherfähigkeit zur Regulierung der Raumtemperatur

bei – Winter wie Sommer. Der eigentliche sommerliche Wärmeschutz

beruht allerdings zu einem Großteil auf der Hinterlüftung. Diese gewährleistet,

dass ein potenzieller Wärmestau bzw. das Aufheizen zwischen

Wärmedämmung und Fassade weitgehend verhindert wird. Außerdem erwärmt

sich die Außenwand weniger und langsamer als bei direkter Sonneneinstrahlung.

Schwankungen der Außentemperatur wirken sich deutlich

weniger auf das Raumklima aus als bei anderen Konstruktionen.

BAUZEIT. FASSADE. KALTFASSADE.

9


Vorgehängte

hinterlüftete Fassade

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden gehören heute zu den beliebtesten Fassadensystemen.

Neben der funktionalen Sicherheit werden vor allem die gestalterischen Möglichkeiten geschätzt.

Mit den unterschiedlichen Verkleidungen können Sie die Gestaltung der Fassade individuell

auf die Charakteristik Ihres Hauses abstimmen.

Bild: Knauf

Aufbau

Die funktionellen Vorteile vorgehängter hinterlüfteter Fassaden ergeben

sich aus den verschiedenen Aufbauebenen. Diese setzen sich wie folgt

zusammen:

Tragstruktur

Die Tragstruktur, also die tragende Wand, nimmt Kräfte auf und bildet den

eigentlichen Raumabschluss des Gebäudes. Sie kann als Stahlskelettoder

Stahlbetonkonstruktion, als Mauerwerk oder in Holzständerbauweise

ausgeführt sein. Alle Lasten der VHF werden über das System aus

Unterkonstruktion und Anbindungspunkten in die Tragstruktur abgeleitet.

Unterkonstruktion

Die Unterkonstruktion bildet das statische Bindeglied zwischen tragender

Außenwand und Fassadenverkleidung. Als Werkstoffe dienen Holz,

Aluminium, Edelstahl oder eine Kombination aus den Materialien. Bei

einer Unterkonstruktion aus Holz – der traditionellen Variante – muss

gewährleistet sein, dass das Holz dauerhaft trocken bleibt. Mehrheitlich

durchgesetzt haben sich heute Aluminium-Unterkonstruktionen, die den

Vorteil haben, dass sie in das Blitzschutzkonzept des Gebäudes integriert

werden können. Wird eine Fassadenhöhe von 7 m überschritten, müssen

spezielle Brandschutzmaßnahmen getroffen werden.

Dämmschicht

Im Idealfall umschließt die Dämmebene das gesamte Gebäude nahtlos und

nimmt in gleicher Ebene alle Fenster und Türen auf. Als Dämmmaterialien

werden z. B. Mineralwolle, Holzfaserdämmstoffe, extrudiertes Polystyrol

(XPS), Polyurethan und Glasschaum verwendet. Durch die Verwendung

mehrerer Dämmschichten werden Wärmebrücken deutlich verringert, da

Teile der Unterkonstruktion mit dem Dämmstoff verdeckt bzw. eingepackt

werden können. Auch bei der Dämmschicht müssen ab einer Fassadenhöhe

von 7 m besondere Vorkehrungen für den Brandschutz getroffen

werden. Das können zum Beispiel spezielle Brandsperren sein, die eine

Brandausbreitung im Hinterlüftungsraum behindern.

1 Tragstruktur

2 Unterkonstruktion

3 Dämmschicht

4 Hinterlüftung

5 Außenhaut

6 Witterung

7 Wärmeverlauf

8 Kälteverlauf

9 Diffusion

6

Bild: Eternit

5

2

3

1

Bild: Eternit

7

Hinterlüftung

Die Luftschicht ist durch Zu- und Abluftöffnungen mit der Außenluft verbunden

und gewährleistet die dauerhafte Hinterlüftung. Es ist darauf

zu achten, dass die Luftzirkulation nicht durch die Unterkonstruktion

verhindert wird. Die Ausrichtung der Unterkonstruktion muss dementsprechend

gewählt und ausgeführt werden.

Außenhaut

Die Außenhaut kann aus verschiedenen Materialien gefertigt werden. Sie

stellt die Wetterschutzschicht dar und weist Schlagregen sowie direkten

Feuchteeintrag ab. Mit sichtbaren oder verdeckten Schrauben, Nieten,

speziellen Einhangprofilen, Hinterschnittankern etc. wird die Außenhaut

auf der Unterkonstruktion befestigt.

8

4

9

Bild: Eternit

10 BAUZEIT. FASSADE. KALTFASSADE.


Materialien

Bilder: James Hardie

Bild: James Hardie

Faserzement

Der umweltfreundliche Verbundwerkstoff besteht zum

Großteil aus Portlandzement. Organische Fasern und

Wasser ergänzen das Gemisch. Faserzement ist langlebig,

nicht brennbar, witterungsresistent und UV-beständig.

Die Fassade ist somit sehr wartungsarm und pflegeleicht.

Der Verbundwerkstoff bietet durch eine Vielzahl von Farben

und Texturen ein großes Spektrum an individuellen

Gestaltungsmöglichkeiten. Durch das verhältnismäßig

geringe Gewicht fallen Verarbeitung und Montage leicht.

High Pressure Laminate (HPL)

HPL überzeugt bei der Realisierung individueller Fassaden

mit hoher Witterungsbeständigkeit und Biegesteifigkeit.

Die harte, bruch- und schlagfeste Oberfläche

garantiert zudem eine beeindruckend lange Lebensdauer.

Bei der Verarbeitung können Sie auf professionelle

Holzbearbeitungswerkzeuge zurückgreifen.

Aluminium

Aufgrund des geringen Gewichts, der guten Korrosionsbeständigkeit

und der einfachen Weiterverarbeitbarkeit

wird Aluminium sehr gern bei vorgehängten Fassaden

verwendet. Aluminium kann in nahezu jeder Farbe geliefert

werden; die Oberfläche kann eloxiert, gebürstet,

strukturiert oder pulverbeschichtet sein.

Holz

Holz ist ein natürlicher, individuell formbarer und nachwachsender

Baustoff. Bei richtiger Verwendung und

Pflege haben Sie lange Freude an dem Material. Die

große Auswahl an Holzarten und Profilformen lässt bei

der Gestaltung Ihrer Fassade keine Wünsche offen.

Holzfassaden können naturbelassen, lasiert oder mit farbiger

Endbehandlung umgesetzt werden. Zudem kann

Holz auch in den unterschiedlichsten Stilen angewandt

werden, beispielsweise im klassischen Landhausstil

oder sehr modern und geradlinig.

!VHF mit

Trockenbauplatten

Falls Sie Ihre Fassade gerne mit Flächenspachtelungen,

Farbbeschichtungen, Fliesen

oder Putzen bearbeiten möchten, ohne dabei

auf die Vorzüge einer hinterlüfteten Fassade

verzichten zu müssen, sind Trockenbauplatten

aus Faserzement die perfekte Wahl. Die

Platten werden auf dem Ständerwerk montiert

und danach mit den gewünschten Endbeschichtungen

behandelt.

Bilder: James Hardie

Bild: Kronospan

Bild: Kronospan

BAUZEIT. FASSADE. KALTFASSADE.

11


HOLZFASSADE

Naturfassaden aus massivem Holz sind längst keine

Exoten mehr. Sie stehen für junges, ökologisches und

naturnahes Wohnen und bereichern die Architektur mit

überraschend verspielten Designarten. Auch Materialkombination

sind im Kommen: Holz mit Naturstein- und

Betonmauerwerk, mit Edelstahl, Aluminium und Glas –

moderne Holzfassaden sind Hingucker, die man nicht

so schnell vergisst. Sehen Sie selbst!

Bild: Mocopinus

12 BAUZEIT. FASSADE. HOLZFASSADE.


Bild: Mocopinus

Seit Jahrtausenden wird Holz als natürlicher und wohngesunder Baustoff für den

Hausbau eingesetzt. Bis heute hat er nicht an Attraktivität verloren. Bei vorgehängten

hinterlüfteten Fassaden zählt Holz zu den beliebtesten Werkstoffen für die Verkleidung

– nicht zuletzt, weil sich durch verschiedene Holzarten, Profile und Verlegetechniken

zahlreiche Fassadeneffekte realisieren lassen, die von rustikal über

klassisch bis hin zu modern reichen. Häuser in Massivbauweise können mit einer

VHF ganz leicht in Häuser mit Holzoptik verwandelt werden.

Typische Verlegetechniken für Holzfassaden sind die Stülpschalung (horizontal)

sowie die Boden-Deckel-Schalung (vertikal). Lamellen-Verschalungen mit offenen

Fugen liegen besonders im Trend.

Befestigungsarten

Bild: Mocopinus

Beplankungsarten

Horizontale Beplankung

Montageclips

Bild: Mocopinus

Holzprofile werden mit den Montageclips so verschraubt, dass die sichtbare

Seite der Holzfassade unversehrt bleibt und die Montageclips von der

Fuge verdeckt werden. Die Befestigung greift im Verborgenen, die Fassade

scheint förmlich zu schweben. Der Montageclip ermöglicht eine rasche und

präzise Verlegung ohne zusätzlichen Abstandshalter. Die Montage ist damit

sehr schnell und einfach erledigt. Die unversehrten Profiloberflächen sorgen

für eine ansprechende Optik und erhöhen die Lebensdauer der Fassade.

Schrauben

Im Gegensatz zu Montageclips ist die Befestigung mit Schrauben um einiges

zeitintensiver. Um ein schönes Erscheinungsbild zu erreichen, sollten

Sie unbedingt vorbohren, sonst kann das Holz Risse bekommen. Bei der Beplankung

mit offenen Fugen muss jedes einzelne Profil ausgelotet werden;

bei der Beplankung mit Nut und Feder ist die regelmäßige Kontrolle bzw. ein

regelmäßiges Nachjustieren nötig. Mit bestimmten Techniken ist es möglich,

die Schrauben verdeckt anzubringen.

Die waagrechte Verlegung bietet sich an, um Häuser breiter und kompakter

erscheinen zu lassen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Fassadenprofile

horizontal anzubringen. Bei einer Stülpschalung werden die Profile schräg

überlappend an der Traglattung befestigt. Hierfür nutzen Sie am besten ein

Glattprofil oder ein Profil mit einer Tropfnase. Es stehen Ihnen aber auch

Profile mit Nut und Feder sowie sichtbarer oder verdeckter Befestigung zur

Verfügung. Nuten sollten nach unten zeigen, sonst sammelt sich in ihnen Regen-

oder Schmelzwasser. Bei einer horizontalen Schalung besitzt jedes Profil

eine Wasserkante. Dadurch ist eine horizontale Schalung viel stärker feuchtebelastet

als eine vertikale Schalung.

Vertikale Beplankung

Senkrechte Profile strecken das Haus optisch. Die Boden-Deckel-Schalung

ist eine der möglichen Varianten der vertikalen Beplankung. Klassisch

verwendet man ein Glattkantprofil, gerundet oder gefast. Die Bodenbretter

werden in gleichen Abständen senkrecht zur Traglattung geschraubt, anschließend

folgt die separate Verschraubung der Deckbretter auf die Traglattung.

Eine Überdeckung von 20 mm ist üblich. Je nachdem, wie groß Sie

die Abstände zwischen den Bodenlatten wählen, entsteht ein anderer Effekt.

Auch bei der vertikalen Schalung stehen Ihnen zahlreiche Profile mit Nut

und Feder zur Auswahl. Sie entscheiden, ob Sie diese sichtbar oder verdeckt

befestigen möchten. Nut- und Federverschalungen sollten generell so

montiert werden, dass sich die Nuten von der Wetterseite abwenden. Vorteil

der senkrechten Beplankung: Das Regenwasser läuft gut ab. Dafür sind die

Stirnseiten der Fassade am Boden eher der Feuchtigkeit ausgesetzt und

müssen besonders geschützt werden.

BAUZEIT. FASSADE. HOLZFASSADE.

13


Designtrends

Patina ab dem ersten Tag

Holzfassaden altern, je nach Intensität von UV-Strahlung

und Witterung, schon nach wenigen Monaten. Um dem

Holz einen ebenmäßigen Eindruck zu verleihen, und unabhängig

von Witterungseinflüssen zu sein, bieten sich

Profile mit werkseitiger Vorvergrauung an. In einem speziellen

Veredelungsprozess wird bereits in der Produktion

eine naturgraue, seidige Optik erzeugt, die die natürliche

Patina der frei bewitterten Fassadenflächen vorwegnimmt.

Verwittert die Oberfläche im Laufe der Zeit, wird

die werkseitige Vergrauung von der natürlichen abgelöst,

ohne dass dieser Prozess auffällt. Auch die wettergeschützten

Bereiche passen langfristig zum Gesamterscheinungsbild,

denn die ungewollten Farbunterschiede

in den typischen Bereichen, z. B. bei Dachüberständen

und Fensteranschlüssen, werden vermieden.

Bild: Mocopinus

Bild: häussermann

Offene Fugen

Bei der sogenannten Leistenschalung werden Rhombusleisten

mit einem Abstand von ca. 20 mm auf der Unterkonstruktion

verschraubt. Es entstehen offene Fugen,

die der Fassade mehr Tiefe verleihen. Damit Regenwasser

optimal ablaufen kann, sind die beiden Längskanten

der Profile abgeschrägt. Eine besonders stilvolle

Wirkung erzielen Sie, wenn Sie die Profile mit verdeckter

Befestigung anbringen. Das Fassadenbild wird auf diese

Weise nicht durch Verschraubungen gestört.

Darüber hinaus gibt es aber auch Holzprofile mit Nut

und Feder, die durch ihren Schattenwurf offene Fugen

simulieren. Diese Profile können ebenfalls mit einer

verdeckten Verschraubung angebracht werden.

Bild: Osmo

3D-Optik

Fassaden mit 3D-Optik lassen Gebäude wie Kunstobjekte

wirken. Große Flächen bekommen eine lebendige

Oberfläche. Durch partielle Verlegung treten Teile

des Baukörpers oder der Fassade in spannungsreiche

Wechselwirkung zueinander. Mit einem einzigen

abgestimmten System können Sie alle Register Ihrer

Kreativität ziehen, in der Montage bleibt trotzdem alles

ganz einfach. Nur 3 Vollholzprofile unterschiedlicher

Stärke und Ausprägung bilden die Basis. Das Spiel mit

wechselnden Profilstärken zeichnet ein interessantes

Relief, nochmals betont durch Licht und Schatten. Je

nach gewählter Profilkombination entsteht eine andere

Wirkung, die sowohl ruhig als auch lebendig sein kann.

Bilder: Mocopinus

Bild: Mocopinus

14 BAUZEIT. FASSADE. HOLZFASSADE.


Karbonisierung

Der Vorgang der Karbonisierung beschreibt die gezielte

Beflammung oder Verbrennung von Holzprofilen.

Karbonisiertes Holz bietet für die Fassadengestaltung

zwei überzeugende Vorteile: Zum einen wird das Holz

konserviert, da die Zellen verdichtet werden und die

Oberfläche so vor Schimmelpilzen, Verwitterung, Fäulnis

und Wasser geschützt ist, zum anderen entstehen

je nach Holzart und Holzbearbeitung individuelle Strukturen.

So wird jedes Profil zum Unikat.

Strukturierung

Mit leichter Karbonisierung behält die Oberfläche der

Holzprofile ihre charakteristische Maserstruktur. Sie

zeichnet sich sogar noch deutlicher ab, da sich die weicheren

und härteren Holzanteile unterschiedlich stark

karbonisieren und verfärben. Durch zusätzliches Bürsten

kann die schwarze Ascheschicht gelöst werden.

Dadurch verbleibt auf der harten Struktur der Jahresringe

schwarzes verkohltes Material. Weichere Stellen

erfahren eine wellige, erkennbar hellere Vertiefung. Der

abschließende Auftrag einer farbigen Holzlasur bewirkt

die ganz besondere Farbgebung Ton in Ton. Ein wunderbar

lebendiges Spiel der von der Natur geprägten

Holzbilder wird sichtbar.

Bilder: Mocopinus

Kohleoptik

Werden Holzprofile sehr stark karbonisiert, entsteht eine

Kohleoptik. Die schwarzen Profile setzen spannende

Akzente und verleihen der Fassade ein hochwertiges,

unverwechselbares und edles Aussehen. Zudem bildet

das Holz, in Kombination mit weißem Putz oder hellem

Beton, einen abwechslungsreichen Kontrast. Die warme

Anmutung natürlichen Holzes verbindet sich auf attraktive

Art mit dem schlichten, sachlichen Auftritt in Schwarz.

Bild: Mocopinus

Bild: Mocopinus

Rostoptik

Diese Holzprofile ermöglichen Ihnen eine individuelle

Fassadenverkleidung in Rostoptik – ganz ohne schwere

Stahlplatten, Korrosion und negative Eigenschaften

wie Porosität und Brüchigkeit. Das innovative Konzept

vereint industrielles mit modernem Design und verleiht

jeder Hausverkleidung einen eigenen Charakter. Objekte

wirken durch den rostigen Used-Look in Verbindung

mit der rauen Haptik extravagant und individuell.

Mit dem Einsatz von thermisch modifiziertem Holz, einem

zweifachen Lackaufbau sowie der vertikalen, endlosen

Verlegung der Profile wird eine großflächige Optik

und Langlebigkeit der Fassade gewährleistet.

Durch die rotbraun changierenden Rosttöne lassen

sich die Profile ideal mit anderen Materialien wie Stein,

Beton, Metall oder Glas kombinieren, wodurch ein wunderbarer

Kontrast entsteht.

Bild: Mocopinus

BAUZEIT. FASSADE. HOLZFASSADE.

15


Gängige Holzarten

Nordische Fichte

Kleine, fest verwachsene Äste prägen die Optik der Nordischen

Fichte. Neben den typisch braunen Ästen gehören auch kleinere

schwarze oder schwarz umrandete Äste sowie Harzgallen (Harzaustritt

möglich) zum Bild der beliebten Holzart. Das helle, deutlich

strukturierte Holz ist feinjährig gewachsen und lässt sich sehr gut

bearbeiten. Nordische Fichte muss unbedingt mit Holzschutzmitteln

behandelt werden, da es sonst nicht witterungsbeständig ist.

Bild: häussermann

Bild: häussermann

Sibirische Lärche

Aufgrund ihres außergewöhnlich langsamen Wachstums ist die

Sibirische Lärche von Natur aus besonders widerstandsfähig und

formstabil. Sie besticht durch eine sehr feine Struktur, vorwiegend

fest verwachsene Äste und der herrlich rötlich-braunen bis gelblich-weißen

Anmutung. Durch die hohe Witterungsbeständigkeit ist

die Lärche sehr dauerhaft und besonders für eine unbehandelte

Verarbeitung mit natürlicher Vergrauung oder mit Endbehandlung

durch Vergrauungslasur geeignet.

Weiß-Tanne

Bild: häussermann

Das Holz der Weiß-Tanne zeigt sich rötlich- bis gelblich-weiß, besitzt

nur wenig runde Astmarken und ist harzfrei. Holzprofile aus

Weiß-Tanne sind standardmäßig keilverzinkt erhältlich. Das erhöht

die Qualität und setzt zusätzlich optische Akzente. Die Sichtseite ist

gebürstet und verleiht den Profilen eine besondere Ausdruckskraft.

Eine Oberflächenbehandlung ist grundsätzlich empfehlenswert.

Oberflächenbearbeitung

Bild: Mocopinus

Bild: häussermann

Bild: häussermann

Douglasie

Breite Jahresringe und auffällige Äste geben der Douglasie ihr

charakteristisches Aussehen. Das rötlich-braune Holz besitzt eine

hohe natürliche Witterungsresistenz und wird daher meist unbehandelt

verwendet. Mit zunehmendem Alter wird Douglasie immer

härter. Ohne farbige Behandlung vergraut Douglasie im Außenbereich

silbergrau.

Red Cedar

Beige bis rötlich und im Prinzip frei von Ästen ist Red Cedar, ein

Holz, das als sehr widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen

gilt und naturbelassen verarbeitet werden kann. Nach längerer

Belichtung des trockenen Holzes setzt eine leichte Bräunung ein.

Das nordamerikanische Nadelholz besticht zudem durch seinen

aromatischen Duft.

Gehobelt

Präzise eingestellte Hobelmesser sorgen dafür,

dass eine absolut gerade und glatte Oberfläche

entsteht.

Strukturiert

Als Grundlage dient eine gehobelte Oberfläche.

Diese wird intensiv mit mehreren Bürsten

bearbeitet. Da Weichhölzer wie die Fichte

weiche und harte Jahresringe besitzen, bürsten

sich diese unterschiedlich stark aus. Es

entsteht eine wellige Oberfläche mit deutlich

plastischer Holzstruktur.

Feingesägt und gebürstet

Mit präzisen Schnitten werden die zu verarbeitenden

Holzbalken aufgetrennt, wodurch eine

sägeraue Oberfläche entsteht. Durch mehrmaliges

Bürsten werden lose Holzfasern entfernt,

um höchste Qualität zu gewährleisten.

Eine feingesägte und gebürstete Oberfläche

bietet den besten Untergrund für jede Farbbeschichtung.

16 BAUZEIT. FASSADE. KALTFASSADE.


Farben, Lacke, Öle & Lasuren

Bild: Mocopinus

Farbe

Schon ein Anstrich mit Farbe kann Holz eine Zeit lang

vor Witterungseinflüssen schützen. Gerade, wenn Sie

das Holz ohnehin farblich verändern wollen, profitieren

Sie beim Holzschutz mit Farbe doppelt. Denn durch diesen

haben Sie den Vorteil, dass das Holz eine andere

Optik erhält, es aber immer noch als Holz zu erkennen

ist, weil die Oberflächenstruktur sichtbar bleibt. Die Farben

sind lösemittelhaltig und wasserbasierend erhältlich

und erfüllen verschiedene Funktionen. Von der einfachen

Landhausfarbe bis zur Holzschutzfarbe mit hohem

Kieselsäureanteil für sehr gute Witterungsbeständigkeit

ist für jeden Anwendungszweck etwas dabei.

Lack

Lack als Holzschutzmittel versiegelt Oberflächen vollständig

und schützt komplett vor Witterungseinflüssen

und Schädlingen. Doch Vorsicht: Dringt Feuchtigkeit

über eine undichte Stelle ein, kann diese nicht mehr verdunsten.

Quellungen und Spannungsrisse im Holz sind

die Folge. Lack muss daher mit großer Sorgfalt verarbeitet

werden. Entdecken Sie Risse in der Lackschicht,

sollten Sie diese so schnell wie möglich ausbessern.

Öl

Eine farblose aber wirksame Variante, das Fassadenholz

vor dem Verfall zu schützen, ist Holzöl. Es wird in

der Regel auf Leinölbasis hergestellt und dringt beim

Anstreichen in das Holz ein – so werden die Holzporen

verschlossen und das Eindringen von Wasser verhindert.

Holzöle werden in verschiedenen Zusammensetzungen

angeboten. Im Vergleich zu synthetisch gewonnenen

Holzölen und Holzölen auf pflanzlicher Basis

härten Öl-Wachs-Gemische aus und bilden eine feste

Schutzschicht auf der Holzoberfläche. Der Vorteil von

Holzölen gegenüber Farbe und Lack: Sie erhalten die

natürliche Struktur des Holzes.

Bild: Mocopinus

Bild: Osmo

Bild: Mocopinus

!Pflegeaufwand

Eine Holzfassade ist robust und kann viele Jahrzehnte

überdauern, vorausgesetzt, Reinigung

und Pflege stimmen. Wie hoch der Pflegeaufwand

ist, hängt stark von der Holzart, der Behandlung

des Holzes und der Konstruktionsweise

ab. Bei unbehandeltem Holz wie z. B.

Sibirischer Lärche, ist der Pflegeaufwand sehr

gering, da das Holz im Laufe der Zeit eine

graue Patina bildet, die auf natürliche Weise

vor Witterung schützt. Ist diese Optik nicht erwünscht,

sollten behandelte Hölzer zum Einsatz

kommen. Diese bieten einen vollständigen

Witterungs- und Feuchteschutz, müssen aber

in regelmäßigen Abständen gereinigt und mit

Pflegeanstrichen versehen werden. Wichtig ist

auch, dass Sie alle Bauteile von Zeit zu Zeit kontrollieren,

um Risse frühzeitig zu erkennen und

zu verschließen. Ein Vordach sowie passend

positionierte Balkone schützen Fassaden konstruktiv

vor Schlagregen.

Lasur

Im Gegensatz zu Holzöl lässt sich mit einer Lasur das

Holz – wenn gewollt – auch farblich verändern. Die Lasuren

ziehen in das Holz ein und färben gleichzeitig die

Oberfläche. Die Holzstruktur bleibt erhalten. Je nachdem,

welche Funktion das Holz erfüllen soll, wird eine

bestimmte Art von Lasur verwendet.

Dünnschichtlasur

Eine Dünnschichtlasur ist für Holzbauteile gedacht, die

in geringem Umfang quellen oder schrumpfen dürfen

(nicht maßhaltig). Der Lasurfilm ist diffusionsoffen und

kann leicht nachgestrichen werden.

Dickschichtlasur

Dickschichtlasuren eignen sich für Holzbauteile, die ihre

Form präzise beibehalten müssen (maßhaltig). Dickschichtlasuren

reduzieren die Feuchtigkeitsaufnahme

und verhindern, dass das Holz quillt oder schwindet.

Vergrauungslasur

Ist eine elegante silbergraue Patina gefragt, empfiehlt

sich der Anstrich mit einer Vergrauungslasur, die den

Prozess der Vergrauung überspringt und dem Holz von

Anfang an einen natürlichen Farbton verleiht.

BAUZEIT. FASSADE. KALTFASSADE.

17


END­

BESCHICHTUNG

Putz. Farbe. Klinkerriemchen.

Sie haben sich für Putz auf der Fassade entschieden? Eine gute

Wahl, erst recht im Zeitalter moderner, schichtweise angelegter

Putzsysteme. Ein Unterputz egalisiert und schützt das Mauerwerk.

Ein hochwertiger Oberputz veredelt die Fassade. Doch

welche Farbe wählen? Hier spielen viele Faktoren eine Rolle

– persönlicher Geschmack, architektonische Stilrichtung oder

auch regionale Bautraditionen.

Bild: Knauf

18 BAUZEIT. FASSADE. ENDBESCHICHTUNG.


Bilder: OPUS1

Gestaltungsvielfalt

Etwa alle 8 bis 15 Jahre braucht ein Haus einen neuen Anstrich. Aber welche Farbe ist die richtige? Schlicht weiß, dezent pastellig oder ein kräftiger Farbton? Dabei

spielen mehrere Aspekte eine Rolle. Wer seine Fassade farbig gestalten möchte, darf natürlich kreativ sein. Generell gilt: kleinere Häuser können kräftigere Töne

vertragen als große. Wichtig ist außerdem, auf die Architektur des Hauses selbst und das architektonische bzw. natürliche Umfeld zu achten, um ein harmonisches

Gesamtbild zu schaffen. Harmoniert die gewünschte Fassadenfarbe mit den Häusern in der Nachbarschaft? Einige Gemeinden regeln die Spielräume der zulässigen

Fassadenfarben in ihrer Satzung, um das Gesamtbild eines Viertels nicht durch unstimmige Ausreißer zu stören.

Sockelgestaltung

Bei der Farbe des Sockels kommen zwei Aspekte zusammen: Funktion und Optik. Damit der Schmutz durch Spritzwasser und Erde nicht ins Auge fällt, sollten Sockel

nicht zu hell gestrichen werden. Eine dunkle Farbgebung bildet optisch ein Fundament und vermittelt Tragfähigkeit. Die Farbkombination kann dezent oder kontrastreich

ausfallen. Die Wahl hängt davon ab, wie viel Struktur Sie der Wand verleihen wollen und welche zusätzlichen Akzente gesetzt werden. Zu viele Kontraste überfrachten

das Gesamtbild. Ohne Kontraste wirkt die Fassade jedoch leicht fad.

Vorbehandlung des Untergrundes

Zur besseren Verarbeitung oder Haftung des Putzes,

ist häufig eine Vorbehandlung des Untergrundes erforderlich.

Die Vorbehandlung gewährleistet eine gleichmäßige

Trocknung und Erhärtung der nachfolgenden

Putzschicht. Um die richtige Art der Putzvorbereitung

zu wählen, muss der Zustand des Untergrundes gründlich

geprüft werden.

Haftbrücken

Haftbrücken werden zur Haftvermittlung auf nicht oder

schwach saugenden, glatten Untergründen (insbesondere

Beton) eingesetzt.

Aufbrennsperren

Aufbrennsperren reduzieren die Saugfähigkeit des

Untergrundes und bewirken dadurch eine Verbesserung

der Putzhaftung. Sie werden beispielsweise genutzt,

um auf einem stark unterschiedlich saugenden

Putzuntergrund (z. B. Stein mit Mörtelfugen) eine gute

Putzober fläche ohne Fugenabzeichnung zu erzielen.

Vorspritzputz

Bei einem inhomogenen Untergrund, z. B. aus Mischmauerwerk

oder Naturstein, kommt ein Vorspritzputz

als Haftvermittler zum Einsatz.

Tiefengrund

Tiefengrund kann einen zu stark bzw. unterschiedlich

stark saugende Untergründe ausgleichen. Außerdem

wird Tiefengrund verwendet um die Oberfläche sandender

oder kreidender Untergründe zu verfestigen.

BAUZEIT. FASSADE. ENDBESCHICHTUNG.

19


Putz

Mit Putz lassen sich vielseitige Strukturen erzeugen, die der Fassade ein besonderes Finish verleihen.

Bauphysikalisch wird die Fassade vor Witterungseinflüssen und Veralgung geschützt; die Dämmwirkung

nimmt zu. Da nicht jeder Putz für jeden Standort geeignet ist, lohnt sich der Blick auf die Eigenschaften.

Bild: Hasit

Aufbau von Außenputz

Der Außenputz ziert das Mauerwerk und erfüllt gleichzeitig

die Aufgaben des Wetter-, Schall-, Brand- und

Wärmeschutzes. Im Gesamtaufbau der Außenwand

bestimmen die von der Bauindustrie perfekt aufeinander

abgestimmten Putze maßgeblich die Haltbarkeit

der Fassade. Damit lassen sich besonders harte und

dichte Schichten erstellen, andere Systemkomponenten

sind deutlich weicher und poröser. Dieser Unterschied

ist nötig, da die Putzschicht an der Fassade

– im Gegensatz zum Innenbereich – in der Regel aus

mindestens zwei Schichten besteht. Die erste, bis zu

15 mm dicke Schicht, wird als Unterputz bezeichnet.

Dieser fungiert als Haftgrund für die dünne, zweite

Putzschicht – den sogenannten Oberputz.

Unterputz

Die Eignung eines Unterputzes hängt immer vom vorhanden

Untergrund ab. Grundsätzlich gilt: Der Unterputz

muss weicher und poröser als das darunter liegende

Mauerwerk sein, damit klimatisch bedingte

Spannungen im Wandaufbau ausgeglichen und Risse

im Oberputz vermieden werden. Die höhere Schichtdicke

begünstigt die Elastizität des Putzes und gleicht

außerdem Unebenheiten des Mauerwerks aus.

Oberputz

Der Oberputz bildet die oberste Schicht eines mehrlagigen

Außenputzes und wird nach dem Trocknen des

ebenen Unterputzes aufgebracht. Unter dem direkten

Einfluss des Wetters dient der dünnschichtige, aber dennoch

harte und dichte Oberputz als Schutzschicht für die

Außenwand. Manche Oberputze enthalten Farbpigmente,

farbige Gesteinsmehle oder auch farbige Natursteinkörner,

bzw. glitzernde Mineralkörnungen wie Kalkspat,

Feldspat oder Glimmer. Dem kreativen Außenwandfinish

steht so nichts mehr im Weg.

Bild: SG-Weber

Sockelputz

Der Sockel eines Hauses beginnt dort, wo das Fundament

aufhört – er bildet also das Zwischenstück zur Fassade.

Dieses Zwischenstück dient zum einen zur Zierde,

zum anderen schützt es das Mauerwerk gegen Spritzwasser

und dem von der Fassade ablaufenden Regen.

Der Putz im Sockelbereich muss ausreichend fest, wasserabweisend

und widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse

sein. Der Sockelputz sollte bis mind. 30 cm über

die Geländeoberkante hinausgeführt werden.

Bild: Knauf

Bild: SG-Weber

20 BAUZEIT. FASSADE. ENDBESCHICHTUNG.


Putztypen

Putze bestehen zum Großteil aus Mineralien wie Marmor,

Quarz, Kalkstein oder Sand. Den entscheidenden

Unterschied zwischen den diversen Fassadenputzen

macht seit jeher das Bindemittel aus.

Organischer Putz

Als Bindemittel dienen hier Dispersionen, die aus Erdöl

gewonnen werden. Organische Putze werden deshalb

auch Dispersionsputze genannt. Sie sind widerstandsfähig

und in einer großen Auswahl an Farben, Strukturen

und Körnungen erhältlich. In puncto Gestaltungsvielfalt

sind sie anderen Putzen weit überlegen. Ein

weiterer Pluspunkt: Sie weisen Wasser sehr gut ab.

Endbehandlung von Oberputz

Das Erscheinungsbild jeder Putzoberfläche ist eng mit der handwerklichen Bearbeitung des Putzmörtels verknüpft.

Die Art der Ausführung und/oder die Wahl der Putzwerkzeuge bestimmen weitgehend die Bezeichnung

der Putze. Im Folgenden werden einige der vielen möglichen Putzoberflächen anhand ihrer Bearbeitung

vorgestellt und beschrieben.

Mineralischer Putz

Kalk oder Zement bzw. eine fein abge stimmte Mischung

aus beiden Komponenten fungiert hier als Bindemittel.

Richtig verarbeitet, überzeugen mineralische Putze mit

ihrer Nichtbrenn barkeit. Sie sind wasserdampf- und

kohlendioxiddurchlässig, die Farbtonauswahl ist allerdings

begrenzt.

Silikatputz

Bei den Silikatputzen dient Kaliwasserglas zusammen

mit einer Dispersion als Bindemittel. Silikatputze haben

eine sehr hohe Wasserdampfdurchlässigkeit und

bieten zudem einen temporären Schutz vor Algen und

Pilzen. Auch hier ist die Tönbarkeit – genau wie bei den

mineralischen Putzen – überschaubar.

Silikonharzputz

Der Name verrät es: Silikonharz ist bei dieser Art von

Putz das Bindemittel der Wahl. Silikonharzputze sind

besonders witterungsstabil, wasserdampf- und kohlendioxiddurchlässig.

Wasser von außen wird durchgehend

abgewiesen. Es ergibt sich eine lange Haltbarkeit

und ein guter Schutz vor Algen und Pilzbefall.

Putz mit Lotuseffekt

Eine wasserabweisende Bindemittelmatrix und die mikrostrukturierte

Oberfläche unterstützen die Selbstreinigung

der Fassade. Schmutz perlt mit dem Regen ab,

die Fassade bleibt lange schön. Putze mit Lotus-Effekt

schützen sehr gut vor Algen und Pilzen und sind sehr

hoch wasserdampf- und kohlendioxiddurchlässig.

Bild: SG-Weber

Waschputz

Der Putz wird aufgezogen und mit der Kelle geglättet.

Das Auswaschen der oben liegenden Bindemittelhaut

erfolgt in der Regel nach zwei bis vier Stunden

Wartezeit. Mit einem Schwamm oder einer Streichbürste

und Wasser wird die Oberfläche gewaschen.

Bild: SG-Weber

Reibeputz

Der Putz wird im frischen Zustand mit einem

Schwammbrett verrieben, dadurch erhält er seine

charakteristische Struktur.

Bild: SG-Weber

Scheibenputz

Scheibenputz ist leicht zu verarbeiten, schnell strukturierbar

und gehört daher zu den am häufigsten

anzutreffenden Putzoberflächen. Durch das „Verscheiben“

mit einem Kunststoffglätter oder EPS-

Brett entsteht die typische Korn-an-Korn-Struktur.

Bild: SG-Weber

Besenstrichputz

Die belebte Oberflächenstruktur entsteht durch

das Überstreichen des noch feuchten Deckputzes

mit einem Reisigbesen.

Bild: Knauf

Bild: SG-Weber

Kratzputz

Die Putzoberfläche wird mit einem Nagelbrett in

kreisender Bewegung angerissen. Nach ausreichender

Erhärtung – meist nach einem Tag – werden

anhaftende Zuschlagstoffe mit einem sauberen,

weichen Besen abgekehrt.

Bild: SG-Weber

Kammputz

Der feinkörnige Putz wird unmittelbar nach dem Aufziehen

und dem flächigen Abziehen mit einer Zahnkelle

oder einem Stahlblech- oder Holzkamm in die

gewünschte Richtung abgezogen. In Abhängigkeit

von den verwendeten Zahnkellenarten und Kammweiten

entstehen unterschiedliche Strukturen.

BAUZEIT. FASSADE. ENDBESCHICHTUNG.

21


Farbe

Die Fassade prägt das Erscheinungsbild des Hauses auf entscheidende Weise. Ein Farbanstrich prägt nicht nur das Erscheinungsbild

sondern trägt auch zum Schutz vor vielerlei äußeren Einflüssen bei. Wählen Sie einen Farbtyp, der die gegebenen

Anforderungen erfüllt, und einen Farbton, der harmonisch zu den Dachziegeln, dem Sockel und zur Umgebung passt.

Bild: Hasit

Bei der Farbauswahl sind Eigenschaften wie Atmungsaktivität,

Langlebigkeit, Deckkraft, Farbtonstabilität und

Umweltverträglichkeit ausschlaggebend. Bauherren

können zwischen Silikonfarben, Silikatfarben, Kalkfarben,

Dispersionsfarben, Zementfarben und mehr

wählen. Silikonfarben zeichnen sich durch einen Lotuseffekt

aus: Sie sind wetterbeständig, wasserabweisend

sowie selbstreinigend und haften gut auf mineralischen

Untergründen. Kalkfarben haben dafür eine alkalische

und desinfizierende Wirkung und Silikatfarben, auch

Mineralfarben genannt, sind lange haltbar, lichtecht und

witterungsbeständig.

Fassadensanierung

Steht bei Ihnen eine Sanierung an, ist die Prüfung des

Fassadenzustandes unerlässlich. Sind Schmutz oder Algen

vorhanden, muss die Fassade mit Wasser gereinigt

werden. Für hartnäckige Stellen ist ein Hochdruckreiniger

ideal. Lassen Sie in dem Fall aber Vorsicht walten,

damit sich kein Putz löst und neue Schäden entstehen.

Blättert alte Farbe ab, kann diese per Hand oder mit einem

Schwingschleifer großzügig abgeschliffen werden.

Beim Wischen mit einem festen Tuch oder dem Kratzen

mit einer harten Bürste sieht man, ob die Oberfläche

noch fest ist. Rieselt Sand ab, muss der Untergrund mit

Fassadengrund behandelt werden. Haben sich Löcher,

Vertiefungen oder Risse gebildet, können sie mit einer

Reparaturspachtelmasse für den Außenbereich verfüllt

und überstrichen werden. Ob der Putz noch fest sitzt,

können Sie mit dem Klopftest überprüfen. Pochen Sie

mit der Faust leicht auf den Untergrund. Klingt es hohl,

haftet der Putz nicht mehr. Bei einer einzelnen, tellergroßen

Stelle mag das noch angehen, bei größeren Stellen

muss der lose Untergrund jedoch abgeschlagen und die

Fläche neu verputzt werden. Kleine hohle Stellen können

Sie ggf. mit Armierungsgewebe überspannen und

überspachteln.

Bei einem Anstrich auf neuem Putz, wie beim Neubau,

ist lediglich darauf zu achten, dass der Putz ausgehärtet

und trocken ist.

Bild: Baumit

Bild: Baumit

!Farbbedarf

richtig berechnen

Die auf den Farbeimern angegebenen Mengen

pro Quadratmeter treffen meist nur im

Idealfall zu. Sie sollten deshalb auf Nummer

sicher gehen und – insbesondere bei

rauen oder strukturierten Untergründen –

10 bis 20 % mehr Farbe einkaufen.

Fassade richtig streichen

Ist die Fassade ausreichend vorbereitet, wird die erste

Schicht Farbe aufgetragen. Folgende Tipps sind hilfreich.

Nass in nass streichen

Damit später keine unschönen Streifen oder Farbansätze

zu sehen sind, sollten zusammenhängende Flächen

jeweils in einem durchgängigen Arbeitsprozess, also

nass in nass, gestrichen werden. Es empfiehlt sich,

Farbe immer erst senkrecht entlang der Wand aufzutragen

und sie danach durch horizontale Bewegungen

zu verteilen. Ein weiterer Grundsatz lautet: Erst, wenn

der Erstanstrich durchgetrocknet ist, darf eine zweite

Schicht folgen.

Mehrfach streichen

Um eine homogene, fleckenlose Fassade zu erhalten,

sind häufig mehrere Farbschichten notwendig. Zwar werben

manche Hersteller von Fassadenfarbe damit, dass

nur ein Farbauftrag nötig sei, doch gerade bei hellen

Tönen auf dunklen Untergründen reicht ein Anstrich oft

nicht aus. Deckt Ihre gewählte Farbe nicht zufriedenstellend,

muss nach der Trocknungszeit ein zweiter Anstrich

vorgenommen werden. Generell gilt das Prinzip: Lieber

zweimal dünn gestrichen als einmal zu dick aufgetragen.

22 BAUZEIT. FASSADE. ENDBESCHICHTUNG.


!Vorschriften

prüfen

Prüfen Sie vor dem Griff zur bunten Farbe

unbedingt, ob es seitens Gemeinde oder

Bundesland Vorschriften für die Fassadengestaltung

gibt. Laut Baugesetzbuch (BauGB)

müssen Eigentümer immer das Ortsbild im

Auge behalten.

Farbtypen

Neben der Wahl des Farbtons ist natürlich auch zu entscheiden, welcher

Farbtyp verwendet werden soll. Achten Sie darauf, dass die Farbe zum

Putz passt!

Silikatfarbe

Hauptbestandteil und Namensgeber dieses Farbtyps ist Kaliumsilikat.

Das Bindemittel verbindet sich durch Verkieselung mit dem Untergrund

und reagiert alkalisch, was die Algenbildung auf der Fassade verhindert.

Die Farben sind atmungsaktiv und sehr witterungsbeständig. Sie eignen

sich insbesondere für mineralische, poröse Untergründe wie Kalkputz,

Faserzement oder Beton.

Kunstharzfarbe

Als Bindemittel fungiert meist eine Mischung aus verschiedenen Kunstharzen.

Die Anstriche bilden einen Film, der nach dem Trocknen matt aussieht.

Aus diesem Grund wird die Farbart oft als „Fassadenmattfarbe“ bezeichnet.

Vorteil: Kunstharzfarben können auch bei Kälte verarbeitet werden,

da sie kein gefrierendes Wasser enthalten. Für Dämmputze mit Polystyrolanteilen

sind sie aber wegen der organischen Lösungsmittel ungeeignet.

Bild: Hasit

Dispersionsfarbe

Dispersionsfarben sind heute am weitesten verbreitet, weil sie sich sehr

leicht handhaben lassen. Die Farben sind wasserverdünnbar, gut streichfähig

und preisgünstig. Dispersionsfarben bestehen aus einer sehr feinen

Verteilung von Kunststoffen in Wasser. Sie sind nicht gelöst, sondern nur

in kleinsten Teilen vermischt. Lagert man die Farbe für längere Zeit, setzen

sich die mikroskopisch kleinen Teilchen am Boden ab. Vor dem Streichen

muss Dispersionsfarbe deswegen kräftig verrührt werden.

Silikonharzfarbe

Silikonharzfarbe ist seit Jahren das Schlagwort, wenn es um beständige

Anstriche im Außenbereich geht. Im Zusammenhang mit Silikonharzfarbe

wird oft vom Lotuseffekt gesprochen. Damit ist die Beschaffenheit

der Oberfläche gemeint, die selbstreinigend ist. Wasser dringt nicht ins

Mauerwerk ein, sondern perlt an der Fassade ab. Verschmutzungen

wie Staub oder Pollen werden einfach abgewaschen. Gleichzeitig ist

Silikonharzfarbe diffusionsoffen, sprich das angestrichene Mauerwerk

kann „atmen“ und Feuchtigkeit verdunsten. Im Vergleich zur herkömmlichen

Dispersionsfarbe bietet Silikonharzfarbe einen besseren Schutz

gegen Schimmelpilze und Moose.

Bild: Protektor

BAUZEIT. FASSADE. ENDBESCHICHTUNG.

23


Klinkerriemchen

Klinkerriemchen werden mit Flexkleber auf der Fassade angebracht. Optisch sind sie danach nicht von

einem konventionellen, massiven Mauerwerk zu unterscheiden. Hauptsächlich werden sie – neben

rein dekorativen Zwecken – als abschließende Schicht auf Wärmedämmverbundsystemen verwendet,

wenn der Eindruck eines Ziegelmauerwerkes erhalten bleiben oder beim Neubau erzielt werden soll.

Bild: Wienerberger

Gegen Umwelteinflüsse wie Wind und Wetter, Kälte und

Hitze, Feuchtigkeit, Chemikalien, Algen- oder Pilzbefall

bieten Riemchen verlässlichen Schutz. Im Vergleich zu

verputzten Fassaden, halten Riemchen nahezu ewig –

das Streichen alle paar Jahre entfällt. Riemchen schonen

auf lange Sicht Ihr Portemonnaie und erhalten den

Wert Ihrer Immobilie.

Große Auswahl für umweltbewusstes Bauen

Klingt gut – sieht noch besser aus: Riemchen gibt es in

vielen Farben, Formaten und Oberflächenstrukturen. Mit

der individuellen Gestaltung der Fassade, können Sie

Ihre Persönlichkeit und Ihren Stil zum Ausdruck bringen.

Von postmodern bis zu nostalgischer Backsteinromantik

sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Auch die Umwelt

freut sich: Riemchen sind ein hundertprozentiges

Naturprodukt und werden aus hochwertigen natürlichen

Tonsorten bei bis zu 1.200 °C gebrannt. Den Anforderungen

an umweltbewusstes Bauen werden die Ziegelscheiben

damit absolut gerecht.

Formate

Bilder: Wienerberger

Die Entscheidung, welches Klinkerriemchen-Format am

besten zum Haus passt, bleibt Ihnen bzw. Ihrem Architekten

überlassen. Ein gut gewähltes Format und das

Fugenbild unterstreichen den Stil Ihres Hauses. Die Dicke

der Klinkerriemchen liegt meist zwischen 9 und 14 mm.

Die Sichtseiten-Formate entsprechen denen üblicher Vollklinker

und unterliegen einer Norm.

Setzen von Klinkerriemchen

Nach Aushärtung der Armierungslage wird ein Klebemörtel

mit einer Dicke von 6 mm aufgetragen.

Auf diesen werden die Klinkerriemchen verlegt.

Verfugen von Klinkerriemchen

Die Verfugung erfolgt mit einem wasserabweisendem

Riemchen- Fugenmörtel und einem Fugeisen.

Bilder: Wienerberger

Starke Marken für Ihre Fassade:

24 BAUZEIT. FASSADE. ENDBESCHICHTUNG.


FENSTER,

TÜREN & TORE

Fenster. Eingangstüren.

Garagentore.

Die Wahl der Fenster, der Eingangstür und des Garagentors steht an

und damit eine wichtige, kostenintensive Entscheidung. Es lohnt sich,

Details zu vergleichen und genau abzuwägen. Die Bauelemente müssen

über viele Jahre den Launen des Wetters standhalten, Sicherheit bieten

und ungebetene Gäste fernhalten. Gleichzeitig prägen sie den Charakter

eines Hauses zu einem wesentlichen Teil – egal, ob innen oder außen.

Um den Energieverbrauch zu optimieren, sollten Fenster, Türen und Tore

unbedingt aufeinander abgestimmt sein, denn sie hängen

energetisch zusammen.


FENSTER

Fenster. Fenstertüren. Rollläden.

Fenster und Fenstertüren lassen Ihr Zuhause freundlich

und einladend erscheinen. Sie leuchten die Wohnbereiche

mit hellem, natürlichem Licht aus und sorgen dafür, dass

räumliche Grenzen verschwimmen. Achten Sie bei der

Bauplanung bereits auf eine entsprechende Verschattung

und denken Sie daran, dass Fenster essenziell für die

Energieeffizienz Ihres Hauses sind. Hilfreiche Tipps und

Infos, die den Fensterkauf erleichtern, erhalten Sie auf

den folgenden Seiten.

Bild: Kneer

2 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.


Bild: Wirus

Bild: HBI

Bild: Wirus

Materialien

Ihre Fenster sind der Witterung und anderen Umwelteinflüssen dauerhaft ausgesetzt und müssen deshalb nicht nur optisch, sondern auch mit Funktions sicherheit,

Formstabilität und erstklassigem Wärme- und Schallschutz überzeugen. Kunststoff, Holz und Aluminium gelten als bewährte Klassiker unter den Materialien.

KUNSTSTOFF HOLZ ALUMINIUM

pro

günstiger Werkstoff

pflegeleicht

recycelbar

in verschiedensten Dekoren erhältlich

(z. B. auch in Holz-/Aluminium-Optik)

gute Wärmedämmung

witterungsfeste und optische Aufwertung

durch außen liegende Aluminiumschalen

möglich

pro

umweltfreundlich, natürlich, ökologisch

atmungsaktiv

verschiedene Holzarten erhältlich

gute Schalldämmung

sehr gute Wärmedämmung

witterungsfeste und optische Aufwertung

durch außenliegende Aluminiumschalen

möglich

pro

sehr langlebig und stabil

witterungsfest

nahezu wartungsfrei

recycelbar

in verschiedensten Dekoren erhältlich

(z. B. auch in Holz-Optik)

sehr moderne Optik von

innen und außen

gute Schall- und Wärmedämmung

contra

schlechtere Umweltbilanz als Holz

Lärmschutz weniger stark als bei den

anderen Materialien

contra

regelmäßige Wartung und Pflege nötig

höherer Preis als Kunststoff

stilistisch nicht für jedes Haus geeignet

anfällig für Witterung

contra

schlechtere Umweltbilanz als Holz

teueres Material

Aluminium-Außenschalen

Die Kombination aus Kunststoff- oder Holzprofilen

mit Vorsatzschalen aus Aluminium vereint die Vorzüge

beider Materialien zu einem Fenster der Extraklasse.

Die Vorsatzschalen verdecken die Profile auf

der Fensteraußenseite vollständig und

machen das Fenster so komplett

witterungsbeständig und wartungsfrei.

Das ist besonders

vorteilhaft in Verbindung mit

einem Holzkern. Neben „normalen“,

glänzenden Oberflächen

sind auch Außenschalen

mit matter Feinstruktur

erhältlich. Diese sind nicht

nur optisch sehr hochwertig,

sondern auch robuster und

langlebiger im Vergleich

zur glatten Variante. Die

Feinstruktur ist stoß- und

kratzfest sowie korrosions-

und UV-beständig.

Bild: HBI

Bild: Wirus

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.

3


Fenster

Fenster erhöhen die Wohnqualität und übernehmen eine wichtige Gestaltungsfunktion. Damit sie perfekt zum

Haus und den Bewohnern passen, müssen Größen, Formen, Farben und Funktionen individuell und situationsabhängig

festgelegt werden. Steht ein Neubau bevor oder geht es um die Modernisierung eines schönen Altbaus?

Sind übergroße Formate angesagt? Kommen Rund- oder Dreiecksfenster in Frage oder gar eine komplette Glasfassade?

Über die Umsetzbarkeit entscheidet die Kombination aus persönlichem Geschmack und Projekt.

Bild: Kneer

Formen

Bild: HBI

Bild: Kneer

!Sanierung

lohnt sich –

Beispiel rechnung

Tatsächlich werden 95 % aller in Deutschland produzierten

Fenster nach Kundenwunsch und passend zur

jeweiligen Raumsituation gefertigt. Die Auswahl der

Fensterformen und -arten ist derart groß, dass Sie problemlos

die richtige Lösung für Ihr Zuhause finden – es

muss nicht immer nur das rechteckige oder rechtwinklige

Fenster sein! Formen wie Rund-, Dreiecksfenster

oder schräge Fenster sind zwar außergewöhnlicher,

aber in manchen Fällen praktischer, weil sie das Design

und die Form des Hauses besser ergänzen.

Sanierung

Wer ein typisches Ein- oder Mehrfamilienhaus aus den

60er oder 70er Jahren modernisieren will, wird unverzüglich

mit der Frage nach der Fenstersanierung konfrontiert.

Nicht selten sind die Fensterdurchbrüche bei

diesen Häusern deutlich kleiner als heute gewünscht. Es

bietet sich geradezu an, den Fensteraustausch und die

Fassadensanierung und -dämmung zusammen anzupacken.

Das hat energetische wie gestalterische Vorteile.

Bild: Kneer

Da der Austausch von Fenstern meist mit

hohen Kosten verbunden ist, sind sich viele

Hausbesitzer unsicher, ob sich eine Fenstersanierung

überhaupt lohnt. Folgendes Beispiel

soll Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit

einer Sanierung geben.

Ausgangssituation:

Einfamilienhaus mit 120 m² Grundfläche und ca.

22 m² Fensterfläche, Preissteigerung des Energieträgers

5 % jährlich, Preis je Kilowattstunde

0,075 Euro, Ölverbrauch 3.500 Liter jährlich.

Ergebnis:

Ohne Sanierung würden die Heizkosten nach

5 Jahren bei 125.283,63 Euro liegen. Mit Kosten

von ca. 6.000 Euro für eine Fenstersanierung –

und einer Energieersparnis von ca. 4.500 kW/h

– kommen Hausbesitzer im selben Zeitraum auf

eine Heizkostenersparnis von über 20.000 Euro.

4 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.


Bild: Wirus

Sicherheitsfenster

Einbrecher suchen zielsicher nach den Schwachstellen

am Haus, um schnell und einfach zum Zug zu kommen.

Ein ordnungsgemäß verschlossenes Fenster mit

herkömmlicher Beschlagtechnik wird vom routinierten

Ganoven in nur zehn Sekunden aufgehebelt. Gelingt es

Einbrechern dagegen nicht, innerhalb von maximal fünf

Minuten in das anvisierte Objekt zu gelangen, geben

sie erfahrungsgemäß auf. Umlaufende einbruchhemmende

Fensterbeschläge und abschließbare Fenstergriffe

hindern Täter effektiv am Eindringen in das Haus.

Zu diesen gängigen Sicherheitsmechanismen kann

zusätzlich ein Anbohrschutz aus gehärtetem Stahlblech

hinter dem Getriebe fixiert und ein Verbundsicherheitsglas

eingesetzt werden.

KfW-Förderung für Fenster

Die KfW fördert mit dem Einbruchschutz-Investitionszuschuss

„Altersgerecht Umbauen“ die Nachrüstung

von einbruchhemmenden Fenstern mit extra stabiler

Rahmenkonstruktion und abschließbaren Griffen so wie

Nachrüstsysteme für Fenster, wie zum Beispiel Fensterstangenschlösser,

Bandseitensicherungen oder Pilzkopfverriegelungen,

einbruchhemmende Gitter und

auch Klapp- und Rollläden (einschließlich Lichtschachtabdeckungen).

Bild: Wirus

Bild: Wirus

Fensterbeschläge

Sogenannte Pilzkopfverriegelungen

sind aus einsatzgehärtetem Stahl

gefertigt und befinden sich am Fensterflügel.

Im geschlossenen Zustand

verhaken sich die Pilzkopfbolzen in

den Aus sparungen der Montageplatte

und erschweren das Aufbrechen.

Verbundsicherheitsglas

Bild: Wirus

Das Fensterglas besteht beim Verbundsicherheitsglas

aus zwei Scheiben.

Eine spezielle Folie zwischen

den Scheiben verhindert das Zersplittern

des Glases bei Gewalteinwirkung.

Anbohrschutz

Beim Anbohrschutz handelt es sich

um ein kleines Stahlblech, das im

Rahmen verbaut wird. Der Anbohrschutz

blockiert den Bohrer des Einbrechers,

das Getriebe ist vor Zerstörung

geschützt.

Abschließbare

Fenstergriffe

Ein abschließbarer Griff

verriegelt den Sicherheitsbeschlag

in Verschlussstellung und arretiert

ihn zusätzlich.

45,4 %

Einbruchstatistik

Die Statistik beweist es: Die Zahl der Wohnungseinbrüche in

Deutschland ist auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren.

2018 wurden 97.504 Fälle einschließlich Einbruchsversuche registriert.

Bei fast der Hälfte blieb es beim Versuch. Zum größten

Teil liegt das daran, dass immer mehr Häuser zusätzlich einbruchsicher

ausgestattet werden. Die Erfahrung zeigt: Gelangen

Einbrecher nicht binnen kürzester Zeit ins Haus, geben sie den

Versuch auf. Jede Sekunde mehr erhöht das Risiko, gefasst zu

werden. Mit cleverer Mechanik an Fenstern und Türen gewinnen

Sie wertvolle Sekunden!

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 BRD, Bundeskriminalamt

38,0 %

113.800

2009

gescheiterte Einbrüche

Gesamtzahl erfasster

Fälle von Einbrüchen

97.504

10 11 12 13 14 15 16 17 18

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.

5


Bild: Kneer

Energieeffizienz

Effiziente Rahmenprofile und hochdämmende Wärmeschutzgläser

lassen nur einen geringen Anteil der

Raumwärme nach außen dringen. Schmale Rahmenprofile

sorgen nicht nur für elegante Hausansichten,

sondern ermöglichen auch eine bessere Nutzung der

kostenlosen Sonnenenergie.

Energieeinsparverordnung

Die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV) fordert

für das Bauelement Fenster einen Wärmedurchgangskoeffizienten

(U-Wert) von höchstens 1,3 W/(m 2·K).

Moderne Fenster unterschreiten diese Vorgabe leicht:

U-Werte von 0,8 W/(m 2 K) und darunter sind möglich.

Erneuern Sie die Außentüren, dürfen Sie nur

Modelle einbauen, deren Türfläche einen U-Wert von

1,8 W/(m 2·K) nicht überschreitet.

Bild: Wirus

Passivhausfenster

Als energieeffizienteste Form des Bauens gilt heute das

Passivhaus: Es verbraucht jährlich maximal 15 kWh

Heizwärme pro Quadratmeter Wohnfläche, was 1,5 Liter

Heizöl entspricht. Somit benötigt es 90 % weniger Heizwärme

als ein herkömmliches Bestandsgebäude und

75 % weniger als ein durchschnittlicher Neubau.

Passivhausfenster können prinzipiell aus allen

Materialien – Kunststoff, Holz, Aluminium oder einer

Kombination daraus – bestehen. Wichtig ist nur, dass

der U-Wert des Fensters nicht über 0,8 W/(m 2·K) liegt.

Natürlich spielt auch die Verglasung eine große Rolle. Im

Idealfall wird ein Fenster mit 3-fach-Verglasung gewählt.

!U-Wert

Der U-Wert ist die wichtigste Kenngröße beim

Fenster einbau. Er gibt den Wärmeverlust des

Bauteils pro Quadratmeter Fläche und je Grad

Temperaturdifferenz zwischen innen und außen

an. Je niedriger der U-Wert, desto größer

ist die Energiesparleistung.

Bild: Kneer

6 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.


Bild: Kneer

2-fach-Verglasung

Bilder: Wirus

Fenster mit Doppelverglasung bestehen aus einer Floatglas-

und einer Thermofloat-Scheibe mit einer Dicke

von je 4 mm. Die Thermofloat-Scheibe ist mit einer

nach innen gerichteten, sogenannten Low-E-Schicht

versehen, die als dünne Metallschicht auf das Glas

aufgetragen wird. Sie ist lichtdurchlässig, reflektiert

jedoch die Wärmestrahlung und verstärkt dadurch

positiv den Treibhauseffekt eines Fensters, wodurch

weniger Raumwärme durch die Scheibe nach draußen

dringen kann. Da sich die Scheiben in einem Abstand

von 16 mm zueinander befinden, spricht man meist von

einem 4/16/4-Aufbau. Es sind jedoch auch breitere oder

schmalere Abstände zwischen den Scheiben möglich.

Fenster mit einer 2-fach-Verglasung erreichen einen

U-Wert von 1,3 – 1,7 W/(m 2·K).

3-fach-Verglasung

Fenster mit Dreifachverglasung bestehen aus 2 Thermofloat-Scheiben

und einer Floatglas-Scheibe mit einer

standardmäßigen Dicke von je 4 mm. Je nach Rahmenprofil,

Bautiefe und Ausstattung variiert der Abstandshalter

zwischen 8 und 24 mm. Fenster mit dreifacher

Wärmeschutzverglasung erreichen beachtliche U-Werte

von bis zu 0,7 W/(m 2·K).

Bei beiden Varianten werden die Scheibenzwischenräume

in der Regel mit dem Edelgas Argon gefüllt, welches

eine geringere Wärmeleitung als Luft besitzt. Zusammengehalten

wird die Verglasung durch Abstandshalter,

die standardmäßig aus Edelstahl bestehen. Durch die

Verwendung fortschrittlicher Randverbunde (auch „Warme

Kante“ genannt) wird die Isolierung weiter verbessert

und es entstehen weniger Wärme brücken.

!Floatglas

Flüssiges Glas wird in einem Becken mit

flüssigem Zinn verteilt. Das leichtere Glas

schwimmt (engl. float) oben, kühlt ab und wird

fest. Es entsteht eine sehr glatte, dünne Glasscheibe

ohne Luft- und Materialeinschlüsse

von unter 1 – 24 mm Dicke.

Funktionsglas

Bild: Kneer

Moderne Fenster können durch die Verwendung spezieller

Funktionsgläser ein breites Spektrum an Aufgaben

erfüllen. Gern gewählt wird die Variante mit

unterschiedlichen Scheibendicken, die durch ihren besonderen

Aufbau den Schallschutz zusätzlich verbessert.

Auch der Einsatz von Sonnenschutzgläsern bietet

sich an. Sie helfen, das Haus im Sommer angenehm

kühl zu halten. Sicherheitsgläser sorgen für höhere

Stabilität und weisen einen großen Bruchschutz auf.

Wer vorrangig Wert auf Design und Privatsphäre legt,

sollte über Strukturgläser nachdenken.

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.

7


Fenstertüren

Ausblick und Austritt in einem – mit modernen Fenstertüren verschwimmt die Grenze zwischen

drinnen und draußen. Im Winter mehr Sonne, im Sommer mehr Kühle und frische Luft. Mit Fenstertüren

machen Sie sich unabhängiger von den Jahreszeiten und schaffen offene Räume.

Bild: Kneer

Unbegrenzte

Gestaltungsmöglichkeiten

Große Glasflächen liegen im Trend – bei Bauherren als

auch bei Sanierern bzw. Renovierern. Mit individuellen

Terrassen- oder Balkontüren werten Sie Ihre Wohnbereiche

attraktiv auf und gestalten diese freundlicher.

Dreh-Kipp-Türen

Die klassische Dreh-Kipp-Tür ist die einfachste und zugleich

günstigste Möglichkeit, um das Innen mit dem

Außen zu verbinden. Für einen modernen Look kann

die Tür zwei- oder sogar dreiflügelig angelegt oder mit

einer großen Fensterfront kombiniert werden. Dadurch

dringt mehr natürliches Licht ihn Ihr Zuhause und die

Wohnqualität nimmt erheblich zu.

Schiebetüren

Bild: Kneer

Diese Türelemente für Terrasse oder Balkon haben

viele Vorteile. Da kein Schwenkraum benötigt wird,

ist eine Schiebetür besonders platzsparend. Zudem

bietet sie ein Plus an Komfort. Sie lässt sich ohne großen

Aufwand öffnen und schließen, kann aber nicht

von allein zufallen. Schiebetüren ermöglichen große

Öffnungsbreiten und sorgen für einen hohen Lichteinfall

im Wohn- oder Esszimmer. Ihr Wohnraum wird auf elegante

Weise optisch erweitert, der Blick in den Garten

ist frei. Parallel-Schiebe-Kipp-Türen und Hebe-Schiebetüren

sind sowohl für die Terrasse als auch für den

Balkon oder Wintergarten geeignet.

Bild: HBI

8 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.


Modelltypen

Dreh-Kipp-Türen

Bild: Kneer

Der grundsätzliche Aufbau unterscheidet

sich kaum von dem eines

Fensters. Mit einem praktischen

Dreh-Kipp-System lässt sich die Tür

sowohl zum Lüften kippen als auch

komplett öffnen oder schließen.

Schiebe-Kipp-Türen

Bild: HBI

Schiebe- Kipp-Türen werden sehr

gerne als Terrassentüren eingebaut.

Sie laufen über zwei Führungsschienen,

die unabhängig voneinander

arbeiten. Der Türflügel wird

vor der Bewegung leicht angekippt

und anschließend zur Seite geschoben.

Lässt man die Tür angekippt,

kann sie auch zum Spaltlüften

verwendet werden.

Bild: HBI

Energieeinsparung durch Licht und Wärme von draußen

Bodentiefe, raumhohe Fenstertüren wirken wie eine kleine Zusatzheizung. Ist die

Terrasse Richtung Süden ausgerichtet, können die weitläufigen Fensterflächen

als passive Sonnenkollektoren dienen – das kann den winterlichen Heizaufwand

beträchtlich reduzieren. Und erst die Lichtausbeute: Besonders schmal gerahmte

Fenstertüren fluten den Raum mit Sonne.

Bild: HBI

Bild: Kneer

Bild: HBI

Hebe-Schiebetüren

Diese Türen sind wie gemacht für

große Glasfronten und lassen sich

extrem leicht öffnen. Der Flügel gleitet

mit Leichtigkeit auf den Laufrädern im

Rahmen und wirkt dabei fast schwebend.

Mit der verdeckten Spaltlüftungsfunktion

ist es möglich, bei vollständig

geschlossenem Fenster zu

lüften. Die obere Dichtung der Schiebetür

öffnet sich und lässt Frischluft in

den Raum. Gleichzeitig bleiben Regen,

Insekten und Schmutz draußen.

Auch Barrierefreiheit kann gut mit einer

Hebe-Schiebetür erzielt werden.

Falttüren

Maßgeschneiderte, flexible Glas-

Faltwände lassen sich mit wenigen

Handgriffen, in jeder gewünschten

Weite, über die gesamte Front

öffnen oder schließen. Leicht und

leise gleiten die einzelnen Flügel

wahlweise nach rechts oder links,

nach innen oder außen. Selbst im

geschlossenen Zustand vermitteln

die großen Glasflächen ein Gefühl

von Freiheit.

Glasfassaden

Bild: Kneer

Maximalen Lichteinfall bieten Ihnen Glasflächen, die vom Boden bis zur Decke oder

ggf. über mehrere Stockwerke reichen. Passend zu großflächigen Fenstern und

Terrassentüren werden diese Fassaden in einem durchgängigen System gefertigt.

Das Ergebnis: Bis zu 6 m hohe transparente Flächen mit perfekt integrierten und

großzügigen Terrassentüren.

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.

9


Rollläden

Ein wirksamer Sonnenschutz gehört heute zur Basisausstattung von Haus und

Wohnung. Moderne Rollläden- und Raffstoresysteme aus Aluminium schützen

nicht nur vor direkter Sonneneinstrahlung und neugierigen Blicken, sondern

auch vor Wärmeverlusten und Einbrechern.

Bild: Wirus

Tageslicht lässt Räume größer, heller

und freundlicher wirken. Doch manchmal

macht es Sinn, die warmen Sonnenstrahlen

auszuschließen. Nämlich dann, wenn

es zu bestimmten Tageszeiten oder in

den Sommermonaten zu Blendung oder

Überhitzung der Wohnräume kommt.

Oft werden Hausbesitzern die Nachteile

eines fehlenden Sonnenschutzes erst bewusst,

wenn die Temperaturen merklich

in die Höhe klettern. Denken Sie deshalb

schon bei der Hausplanung an geeignete

Sonnenschutzvorrichtungen. Rollläden

schützen im Sommer nicht nur vor der

Hitze, sie sind zudem ein Kälteschutz im

Winter und ein effektiver Einbruchschutz.

Auch als Schallschutz haben sich Rollläden

bewährt.

Bild: Kneer

Rollladensysteme

Einbau

Bei dieser Art von Rollladensystem

wird der Rollladenkasten

im Fenstersturz montiert.

Vom Innenraum aus ist der

Kasten über eine Revisionsöffnung

erreichbar. Zum nachträglichen

Einbau kommt diese

Variante nur infrage, wenn

die Fensterstürze entsprechend

hohl ausgebildet sind

und die Montage der Rollläden

bereits während der Bauphase

berücksichtigt wurde.

Vorbau

Bei dieser Variante liegt der Rollladenkasten an der Außenseite des Gebäudes.

Der Kasten kann entweder oberhalb des Fensters (an der Sturzlaibung),

an der Fassadenfläche oder auch direkt auf dem Fensterrahmen

angebracht werden. Diese Bauart kann bei jeglicher Art von Fenstern

nachträglich angebracht werden.

Bilder: Wirus

10 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.


Gestalterische Freiheit

Moderne Beschattungsanlagen können auf unterschiedliche

Weise an die Fassaden angebracht werden

und die Gestaltung bereichern. Verschiedene

Profilgrößen, -materialien und -geometrien bieten

Ihnen Raum für Kreativität. Unterschieden wird zwischen

Rollläden und Raffstores. Rollläden sind

Alleskönner zum Schutz vor Hitze, Lärm, unerwünschten

Einblicken, Einbruch und Wärmeverlust. Außenliegende

Raffstores sind aus Alu-Lamellen gefertigt,

robust und langlebig. Im Vergleich zum Rollladen lässt

sich der Tageslichteinfall mit einem Raffstore gezielt

lenken. Profile und die dazugehörigen Führungsschienen

können mit vielen Farben beschichtet werden.

Bild: Wirus

Bild: Wirus

Elektronische Steuerung

von Rollläden

Licht- und Sichtschutz elektronisch steuern – wer einmal

in den Genuss dieses Komforts gekommen ist, will

ihn nicht mehr missen. Die Einstiegsklasse bilden kabelgesteuerte

Motoren, gefolgt von Motoren mit automatisierter

Endlagen- und Hinderniserkennung. Die

Königsklasse der Motoren lässt sich komplett in die

Hausautomation integrieren und steuert die Beschattung

gemäß voreingestellter Szenarien oder individueller

Wünsche, Tag für Tag und vollautomatisch.

Einbruchsicherung

Rollläden mit Hochschiebesicherung sind widerstandsfähig

gegen Einbruchsversuche. Motorbetriebene

Rollläden ebenfalls, weil ihr Motor über eine Bremse

verfügt und der Panzer mit starren Verbindern an der

Welle befestigt ist. Außerdem können Rollläden mit Bewegungsmelder

gekoppelt werden. In diesem Fall fahren

sie automatisch herunter, sobald sich jemand dem

Haus nähert.

Bild: Kneer

Energiesparen/Dämmen

Hochwertige Rollläden- und Raffstorekästen bestehen

aus dem Dämmstoff- Klassiker Styropor und dessen

Weiterentwicklung, dem silbergrauen Neopor. Die Bauart

der Beschattungssysteme zielt klar aufs Energiesparen

ab. Ihr raumseitig geschlossener, fugenloser

Aufbau, thermische Trennungen und kleinstmögliche

Rollräume reduzieren Wärmeverluste auf ein Minimum.

Geschlossene Rollläden reduzieren Wärmeverluste um

bis zu 40 % (Altbau). Bei neueren Fenstern verbessert

ein Rollladen die Wärmedämmung immerhin noch um

bis zu 25 %. Ein Vorteil, der sich vor allem bei großen

Fensterflächen auszahlt.

Schallschutz

Sie leben an einer stark befahrenen Straße oder in

Flug hafennähe? Dann sollten Sie auf eine schalldämmende

Bauart Ihrer Rollladenkästen achten. Raumseitig

geschlossene Systeme kommen ohne Verschlussdeckel

aus und sind zudem fugenlos aufgebaut,

wodurch Schallbrücken vermieden werden.

Bild: Kneer

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. FENSTER.

11


EINGANGS-

TÜREN

Haustüren. Nebeneingangstüren.

Haus- und Nebentüren tragen wesentlich zum Erscheinungsbild eines

Hauses bei und setzen – passend gewählt – markante Akzente. Neben der

Optik kommt es immer auch auf die energetischen und sicherheitstechnischen

Funktionen an. Entscheiden Sie sich bei Ihren Eingangstüren für Qualität und

wählen Sie Modelle, die zu Ihrem Lebenstil passen. Die bewundernden Worte

Ihrer Freunde und Nachbarn sind Ihnen bei einem Besuch sicher.

Bild: HBI

12 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.


Bild: Kneer

Bild: Kneer

Planung einer Haustür

Überlegen Sie sich gründlich, was Ihre Haustür sicherheits-, wärme- und

schallschutztechnisch leisten soll und welche Komfort wünsche Sie haben.

Welche baulichen Gegebenheiten sind zu beachten? Eine Frage, die die

Ausführung des Eingangsportals, des Türsockels, die Anordnung von Treppen,

die Stromanschlüsse usw. betrifft. Dazu kommen Ihre Anforderungen

an das Material und Design. Eine kleine Checkliste kann bei der Entscheidungsfindung

helfen.

Bild: Kneer

Checkliste für die Haustür-Planung

Wer sich selbst die richtigen Fragen stellt,

findet schnell die perfekte Haustür:

Aus welchem Material soll die Haustür gefertigt sein?

▪▪

Holz

▪▪

Aluminium

▪▪

Kunststoff

▪▪

Materialmix

Ist der Bereich einsehbar? (Wichtig in Bezug auf Einbruchschutz)

Welche Anforderungen an die Wärmedämmung habe ich?

Soll der Bereich schalldämmend ausgestattet sein?

Wie viel Ein- bzw. Ausblick soll der Bereich gewähren?

Wie ist die Lichtsituation?

Welche Witterungseinflüsse wird es geben?

Sind Glaselemente, Seitenteile und Oberlichter gewünscht?

Ist eine Briefkastenanlage sinnvoll?

Sind Stromanschlüsse vorhanden?

Wie sieht es mit Barrierefreiheit aus?

Welche Komfort- und Sicherheits-Features wünsche ich mir?

▪▪

Besondere Rahmen, Schlösser, Beschläge und Griffe

▪▪

Tresorverriegelung

▪▪

Klingelmodul

▪▪

Türspion

▪▪

Elektrische Türüberwachung

▪▪

Fingerprint-Sensor

▪▪

Elektrische Schließanlage

Bild: HBI

Bild: Hörmann

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.

13


Haustüren

Der Eingangsbereich ist die Visitenkarte Ihres Hauses. Hier zählt neben dem optischen Eindruck auch die technische

Leistung. Egal, ob Sie neu bauen oder sanieren – ein riesiges Angebot an Material- und Gestaltungsmöglichkeiten

steht Ihnen bei der Wahl Ihrer Haustür zur Verfügung. Mit einem modernen Eingangsbereich steigern

Sie den Wert Ihrer Immobilie, profitieren von komfortablen Funktionen und erhöhen die Sicherheit.

Bild: HBI

Bild: Kneer

Bild: Kneer

Holz

Als Werkstoff zum Bau von Haustüren ist Holz deshalb so gut geeignet, weil es von

Natur aus über einen sehr hohen Dämmwert verfügt. Haustüren aus Holz sind optisch

ansprechend und sorgen für ein hochwertiges Erscheinungsbild. Da Holz auf äußere

Einflüsse wie Feuchtigkeit oder Temperaturunterschiede reagiert, müssen Holztüren

regelmäßig lasiert oder lackiert werden.

Kunststoff

Kunststofftüren sind preiswert, robust und im Vergleich zu Holztüren sehr pflegeleicht.

Die Oberfläche bietet gestalterischen Freiraum, ist licht- und farbecht. Da Kunststoff

ein sehr dehnbares Material ist, das sich im Laufe der Zeit verziehen kann, ist es

wichtig, dass die Tür mit einem umlaufenden Stahlkern versehen ist. Abhängig von

der Füllung kann eine Kunststofftür sehr gute Wärmedämmwerte erzielen.

Bild: Kneer

Bild: Kneer

Aluminium

Aluminiumtüren sind äußerst stabil und mit entsprechend behandelter Oberfläche absolut

witterungs- und korrosionsbeständig sowie komplett wartungsfrei. Je nach Füllung

überzeugen sie zudem mit einer sehr guten Wärmedämmung und gutem Schallschutz.

Eingangstüren aus Aluminium sind langlebig, funktional und komfortabel.

Aluminium-Holz

Holz und Aluminium ergeben eine besonders robuste Materialkombination, die stark

im Trend liegt. Das Aluminium macht die Außenseite nahezu unverwüstlich, die

hölzerne Raumseite strahlt Wärme, Eleganz und Behaglichkeit aus. Ausgezeichneten

Schallschutz mit guter Wärmedämmung gibt es obendrauf.

14 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.


Farben, Oberflächen und Dekore

Die farbliche Gestaltung Ihrer Haustür ist entscheidend

für die spätere Gesamtwirkung des Eingangsbereichs.

Soll er als Eyecatcher dienen oder lieber dezent mit der

Fassade verschmelzen? Je nach Profilmaterial variieren

die verschiedenen Designmöglichkeiten.

Schöne Haustüren aus Aluminium werden beispielsweise

mit einer Pulverlackbeschichtung überzogen,

die in zahlreichen RAL-Tönen umsetzbar ist. Nuancengenau

können Sie Fenster, Tür und Fassade aufeinander

abstimmen. Haustüren sind in vielfältigen

Farben sowie mit natürlich anmutenden Oberflächen in

Stein-, Holz- oder Betonoptik erhältlich. Auch partielle

Beschichtungen mit Dekorfolie schaffen ein außergewöhnliches

Aussehen.

Bild: Kneer

Bild: HBI

Einsatzfüllung

Aufsatzfüllung

!Aluminium

+ Echtholz

Im Gegensatz zur industriellen

Vereinheitlichung

folierter Oberflächen ist jedes

Naturholzwerkstück ein

echtes Unikat. Für Liebhaber

natürlicher und authentischer

Produkte werden viele

Aluminium-Haustüren auch

mit Applikationen aus echtem,

offenporigem Fichten-

Altholz angeboten.

Bilder: Wirus

Bild: Wirus

Türfüllung

Im Zentrum einer jeden Haustür liegt die Türfüllung. Bei

der Auswahl unterscheidet man zwischen Einsatzfüllungen

und Aufsatzfüllungen. Eine Einsatzfüllung wird

in den Türrahmen eingepasst. Man erkennt sie an dem

Versatz, der zwischen Türprofil und Füllebene entsteht.

Der Türflügel und die Dichtungskanten sind sichtbar.

Bei einer Aufsatzfüllung schließt die Türfüllung bündig

mit der äußeren Kante des Rahmens ab. Aufgrund der

dadurch entstehenden planen Oberfläche bezeichnet

man diese Fülltechnik auch als flügelüberdeckend.

Eine stärkere Wärmedämmung ist gegeben. Je nach

Wunsch sind Haustür-Konstruktionen mit einseitiger

oder beidseitiger Aufsatzfüllung erhältlich.

Bild: Hörmann

Flächenbündige Türrahmen

Bei flächenbündigen Türrahmen ist die Rahmentiefe

gleich der Türdicke, der gesamte Türbereich liegt also

auf einer Ebene. Es sind keine Rillen, Dichtungen oder

Kanten zu sehen. Am besten wirkt dieser Look natürlich

mit einer Aufsatzfüllung des Türblatts. Die ebene,

schlichte Oberfläche verleiht Ihrer Haustür einen sehr

edlen und hochwertigen Look und wertet jeden Eingangsbereich

deutlich auf.

flächenbündiger Türrahmen

Bild: Kneer

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.

15


Beleuchtung

Die Außenbeleuchtung des Eingangsbereichs schafft

ein einladendes, gemütliches Ambiente und sorgt für

Sicherheit. Die Koppelung des Lichts mit einem Bewegungsmelder

unterstützt Sie beim nächtlichen Betreten

des Hauses und schreckt gleichzeitig Einbrecher ab,

die sich nicht unbemerkt zur Haustür schleichen können.

Eine Kombination aus mehreren Beleuchtungsmöglichkeiten

ist so sinnvoll wie charmant. Ob Wandleuchten,

Deckenleuchten im überdachten Bereich,

Hausnummern-, Griff- oder Türrahmenbeleuchtungen,

indirekte Beleuchtung geschliffener Glasscheiben oder

Wege- und Stufenbeleuchtungen – stilistisch sind Ihnen

keine Grenzen gesetzt.

Seitenteile

Bild: Kneer

Wie bei Fenstern und Fenstertüren liegt der natürliche

Lichteinfall auch bei Haustüren klar im Trend –

beliebt sind großzügig dimensionierte Hauseingänge

mit Ganzglas-Seitenteilen, die optisch für ein harmonisches

Gesamtbild sorgen. Wer Privatsphäre wünscht,

nutzt einen Sichtschutz in Form von mattierten Gläsern.

Die Blicke von draußen werden ausgesperrt, das Licht

jedoch hereingelassen.

Bild: Hörmann

Bild: HBI

KfW-Förderung für Haustüren

Wer den Begriff „Altersgerecht Umbauen“ hört, denkt zuerst an Barrierefreiheit und

an Senioren – dies ist aber nur zum Teil richtig. Auch wer sein Haus gegen Einbrüche

schützen und den Komfort erhöhen möchte, kann mit dem Förderprogramm Nr. 445-E

„Altersgerecht Umbauen – Investitionszuschuss – Einbruchschutz“ der KfW-Bank einen

Zuschuss beantragen. Mit dem Förderprogramm 430 „Energieeffizient Sanieren“

gibt es zudem einen Zuschuss speziell für eine verbesserte Energieeffizienz.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Neben all der Sicherheit darf auch das Thema Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommen.

Moderne Haustüren werden heutigen Energieeinsparanforderungen gerecht und versprechen

hohe Energieeffizienz durch eine besonders gute Wärmedämmung. Durch

die spezialisierte Herstellung, pflegeleichte Oberfläche und Verwendung qualitativ

hochwertiger Materialien ergibt sich eine beeindruckende Langlebigkeit. Eine zukunftsorientierte

Ausstattung, beispielsweise die barrierefreie Ausführung, sorgt dafür,

dass die Haustür viele Jahrzehnte ihren Dienst verrichtet.

16 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.


Einbruchsicherung

Trotz leicht rückläufiger Einbruchszahlen wird Sicherheit

bei Haustüren weiterhin groß geschrieben. Kaum ein

Einbrecher wird es ernsthaft mit einer modernen Sicherheitshaustür

aufnehmen wollen, schließlich müsste er

erst einmal die Bestandteile des Sicherheitsbeschlages

überwinden. Bei der Mehrfachverriegelung greifen

Schwenkriegel aus gehärtetem Stahl oben und unten in

eine massive, durchgehende Schließleiste, sodass sich

Türflügel und Blendrahmen praktisch nicht mehr auseinanderdrücken

lassen. Das Hauptschloss mit Kurbelfalle

verriegelt sicher und optimiert auch den Dichtschluss.

Zwei Aushebelsicherungen verhindern das Eindringen

über die Bandseite des Türflügels.

Zugangssysteme und Smart Home

Moderne Zugangssysteme können den klassischen

Hausschlüssel überflüssig machen und dabei gleichzeitig

die Sicherheit erhöhen. Eine Möglichkeit ist ein

integrierter Fingerscanner. Er ermöglicht einen absolut

sicheren und komfortablen Zutritt ohne Schlüssel,

Codes oder Karten.

Auch Smart-Home-Technologien können im Eingangsbereich

ein nützliches Hilfsmittel sein und dafür sorgen,

dass definitiv nur vertraute Personen Zutritt erhalten.

Dies gelingt durch smarte Schlösser und Bewegungsmelder,

die einfach per Bluetooth oder App gesteuert

werden können. Nähern Sie sich mit Ihrem Smartphone

im Bluetooth-Modus, wird die Tür automatisch entriegelt

und Sie können ohne Schlüsselkramen und Taschen

abstellen eintreten. Das gleiche gilt für Freunde

und Verwandte, denen Sie das Haus von überall auf der

Welt „freischalten“ können – dauerhaft oder nur temporär

für Tage oder Stunden.

Noch mehr Kontrolle ermöglichen integrierte Gegensprechanlagen

mit Kamera. Damit können Sie auf

Ihrem Smartphone sehen, wer vor Ihrer Haustür steht

und sogar mit der Person kommunizieren.

Maximalen Komfort und barrierefreien Zugang bieten

die Systeme in Kombination mit automatischen

Drehtür-Antrieben. Ausgeklügelte Automatik-Verriegelungen,

die aktiviert werden, sobald die Haustür ins

Schloss fällt, steigern ebenfalls den Komfort.

Hauptschloss mit Kurbelfalle

Türöffnungssperre

Schwenkriegel

Aushebelsicherung

Bild: HBI

Bild: HBI

Bild: HBI

Bild: HBI

!Widerstandsklassen

Sind Einbrecher nach wenigen Minuten nicht

erfolgreich, brechen sie ihr Vorhaben ab.

Wie lange eine Tür einem Einbruchsversuch

standhält, zeigt die Widerstandsklasse.

RC 1N

Bauteile dieser Klasse weisen einen Grundschutz

gegen Aufbrechversuche mit körperlicher

Gewalt auf, aber nur einen geringen

Schutz gegen den Einsatz von Hebelwerkzeugen.

RC 2

Türen dieser Klasse halten einem Aufhebelungsversuch

mit einfachen Werkzeugen

(Schraubendreher, Zange, Keil) mindestens

3 Minuten stand.

RC 3

Eine Tür dieser Widerstandsklasse hält

einem Einbruchsversuch trotz Einsatz zweier

Hebelwerkzeuge und Kuhfuß für mindestens

5 Minuten stand.

RC 4

Bei einer Haustür dieser Klasse braucht

selbst der erfahrene Einbrecher mit Schlagaxt,

Stemmeisen, Hammer und Meißel sowie

Akku bohrschrauber mindestens 10 Minuten,

um ins Haus zu gelangen.

Bild: Kneer

Bild: Kneer

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.

17


Nebeneingangstüren

Bei der Auswahl Ihrer Keller- und Nebentüren liegt der Fokus weniger auf der Optik als auf der Funktion.

Je nachdem, in welchem Bereich die Tür eingesetzt wird, spielen Aspekte wie Wärmedämmung, Brandund

Schallschutz sowie Einbruchhemmung eine tragende Rolle.

Bild: Teckentrup

Materialien

Nebeneingangstüren werden heute aus unterschiedlichen Materialien gefertigt. Vorwiegend

werden jedoch Nebeneingangstüren aus Kunststoff oder Aluminium verbaut.

Kunststoff

Die Türrahmen von Nebeneingangstüren aus Kunststoff basieren oft auf denen einer

Balkon- oder Terrassentür, wobei statt der dort üblichen Verglasung eine vollflächige

Kunststofffüllung zum Einsatz kommt. Das macht die Basismodelle sehr preiswert. Allerdings

fehlen diesen günstigen Einstiegsmodellen oft Stabilität und Sicherheit. Deshalb

sollten sie nur als Zugang zu eher unbedeutenden Räumen verwendet werden,

die ihrerseits wieder mit einer Tür zum Wohnbereich verschlossen sind.

Aluminium

Eine Nebeneingangstür aus Aluminium unterscheidet sich von einer Haupteingangstür

nicht nur im Preis, sondern auch in der geringeren Materialstärke. Deshalb bietet

sie auch weniger Wärmedämmung.

Stahl

Das Material, das viele Einbrecher verzagen lässt: Geraten die Langfinger an eine

einbruchhemmende Stahltür mit Mehrfachverriegelung, brechen sie ihre Versuche

schnell ab. Großer Vorteil der Modelle: Türblatt und Zarge sind thermisch getrennt.

Das qualifiziert sie zum energiesparenden Eingang zu beheizten Kellern und Nebengebäuden.

Optionale Isolierverglasung bringt Tageslicht in die dahinterliegenden

Räume.

Holz

Das Baumaterial Holz bewährt sich nicht nur am Haupteingang. Durch ihre moderne

Produkttechnik, mit bis zu vierfach lamellierten Massivholzprofilen, sind Holztüren geeignet,

um Nebeneingänge zu sichern. Gerade dann, wenn die Nebentür gut einzusehen

ist: Mit anderen Worten: Dort, wo es auf die Optik ankommt.

Bild: HBI

18 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.


Bild: Wirus

Bild: HBI

Design

Bei Nebeneingangstüren steht zwar die Funktionalität

im Vordergrund, trotzdem können sie in puncto Design

durchaus mit Haustüren mithalten. Auf Wunsch können

Sie Ihre Nebentür perfekt auf die Haustür abstimmen

oder sie im Stil Ihres Sektionaltors gestalten lassen.

Verschiedenste RAL-Farben sorgen dafür, dass Tür

und Wand optisch miteinander verschmelzen und ein

einheitliches Gesamtbild entsteht.

Auch Glas kann bei Nebeneingangstüren eingesetzt und

individuell angepasst werden. So gibt es beispielsweise

Nebeneingangstüren mit Vollglas oder partiellen Glaseinsätzen.

Durch den Einsatz von Verbundsicherheitsglas

hält auch der Lichtausschnitt Einbruchsversuchen stand.

Verbindung zwischen

Garage und Wohnraum

Bild: Hörmann

Sollte die Garage direkt an einen Wohnraum anschließen,

ist der Einsatz einer Feuerschutztür zwingend

erforderlich. Diese Stahltüren bieten neben der T30

Feuerhemmung serienmäßig auch die einbruchhemmende

Widerstandsklasse RC 2 und Schalldämmung.

So werden nicht nur Feuer und Einbrecher, sondern

auch Fahrgeräusche vom Wohnbereich ferngehalten.

Optional ist die Tür auch rauchdicht erhältlich.

Sicherheitsschloss

Bänder mit gesicherten

Bolzen

Einbruchsicherung

Manchmal muss es das Optimum sein! Zum Beispiel,

wenn Ihre Kellertür besonders versteckt liegt oder Sie

oft auf Reisen sind. Die Lösung bietet eine Tür mit einbruchhemmender

RC 2-Ausstattung. Mit einer speziellen

3-fach-Verriegelung, Aufhebelschutz, Aufbohr- und

Ausziehschutz sowie massiven Scharnieren leistet eine

solche Nebentür erfolgreich Widerstand, sodass es in

der Regel beim Einbruchsversuch bleibt. Sicherungszapfen

verankern die Tür in der Zarge auf der Seite der

Scharniere. Gemeinsam mit dem Schloss sind die Türen

also auf beiden Seiten gesichert und verhindern so

einseitiges Aufhebeln. Aufbohr- und Ausziehschutz am

Schloss sorgen dafür, dass es sich auch mit Dietrich,

Schraubendreher oder Zange nicht knacken lässt. Das

Mehrfachverriegelungs system greift an mehreren Stellen

in die Zarge.

Bild: Hörmann

Mehrfach-Verriegelung

4-seitig umlaufender

Stahlrahmen

Sicherungszapfen

Feuer- und Rauchschutz

Bilder: Teckentrup

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. EINGANGSTÜREN.

19


GARAGEN-

TORE

Eine Garage beherbergt die Dinge, die Ihnen lieb und teuer sind.

Ordentlichen Schutz erhalten Fahrzeug, Fahrrad, Werkzeug und

Co, aber nur mit dem passenden Garagentor. Es bewahrt die

Gegenstände vor Witterung, Schmutz, Vandalismus und Diebstahl.

Die vorherrschenden Gegebenheiten entscheiden, welche Art von

Tor am meisten Sinn macht. Um die Bedienfreundlichkeit zu

erhöhen, wird eine Vielzahl innovativer Garagentorantriebe

angeboten. Sie sorgen dafür, dass das Heimkommen am

Ende eines langen Tages noch mehr Spaß macht!

Bild: Teckentrup

20 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. GARAGENTORE.


Torarten

Bild: Novoferm

Bild: Teckentrup

Bild: Teckentrup

Schwingtor

Das Schwingtor ist der bewährte Klassiker unter den

Garagentoren und erfreut sich einer großen Beliebtheit.

Es besteht aus einem einflügeligem, verzinkten

Torblatt, das über seitliche Hebelarme mit Ausgleichsfedern

bewegt wird – je nach Wunsch per Hand oder

elektrischem Antrieb. Weil das Torblatt weit „aufschwingt“,

muss vor der Garage ein Schwenkbereich

mit einkalkuliert werden.

Sektionaltor

Das Sektionaltor bietet Ihnen perfekten Komfort,

hohe Sicherheit und maximale Platzersparnis. Es besteht

aus Einzelelementen, sogenannten Sektionen,

die durch Scharniere miteinander verbunden sind. So

lässt sich das Tor bequem senkrecht unter die Decke

schieben bzw. öffnen und schließen, ohne dass es

eines zusätzlichen Schwenkraumes bedarf.

Rolltor

Garagen-Rolltore bestehen aus hochwertigen

Aluminium-Lamellen und werden nach dem Rollladen-Prinzip

gefertigt. Wie beim Sektionaltor wird

kein Schwenkraum vor der Garage benötigt. Zusätzlich

bleibt auch die Decke in der Garage frei

und der Platz kann bis auf den letzten Zentimeter

ausgenutzt werden, zum Beispiel für Lampen oder

zusätzlichen Stauraum.

Bild: Novoferm

Wärmedämmung

Energieeffizienz und Wärmeschutz bei Gebäuden gehören

zu den bestimmenden Themen im Neubau und bei der

Renovierung. Damit auch die Garage nicht zum „Wärme-Leck“

wird, ist es sinnvoll, Garagentore mit einem Dämmkern

einzubauen. Dieser hält die Kälte draußen, was sich

vor allem bei Garagen auszahlt, die direkt an das Haus

angeschlossen sind. Die Garage wird dadurch zum Wärmepuffer

für die beheizten Räume. Überall dort, wo in der Garage

gearbeitet und geschraubt wird, ist Wärmeschutz erst

recht ein Thema. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Der Aufbau

mit Dämmkern steigert die Stabilität und Langlebigkeit

des Tores.

Bild: Hörmann

Bild: Teckentrup

Nachrüstung

Automatisierte und funkgesteuerte

Sektionaltore eignen sich

bestens auch für die Nachrüstung.

Praktisch sind spezielle

Renovierungslösungen, mit denen

heutige Garagentore auch

in Garagen eingesetzt werden

können, die nicht den aktuellen

Standardmaßen entsprechen.

Bilder: Novoferm

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. GARAGENTORE.

21


Bild: Novoferm

!Sektionaltore

mit Schlupftür

Design

Bild: Novoferm

Ein Garagentor ist heutzutage mehr als nur ein „ Verschluss“ für die Garage. In Bezug auf die Optik und Anpassung an

die bestehende Architektur, ist es mittlerweile ein prägendes Element in der Hausansicht geworden. Dank vielfältiger

Farbtöne, Oberflächenvarianten und Verglasungsmöglichkeiten ist es nach den individuellen Vor stellungen gestaltbar

und unterstreicht den Charakter des eigenen Zuhauses.

Falls Ihre Garage für eine Nebentür zu schmal

ist, Sie jedoch nicht auf Komfort verzichten

möchten, empfiehlt sich eine Schlupftür. Diese

wird ohne Stolperschwelle direkt ins Garagentor

integriert. Ganz neu ist die Möglichkeit,

auch in Sektionaltore eine nach innen öffnende

Schlupftür zu integrieren.

Bild: Teckentrup

Bild: Teckentrup

Design-Varianten von Sektionaltoren

Waagerechte Sicke Großsicke Großlamelle Microline (Großlamelle) Kassetten

Bilder: Novoferm

22 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. GARAGENTORE.


Bilder: Hörmann

Oberflächen und Farben

Für ein Maximum an Individualität sind Garagentore heute

in sämtlichen RAL-Farbtönen erhältlich, die wiederum

mit verschiedenen Oberflächenstrukturen kombinierbar

sind. Neue Produktionstechniken ermöglichen noch mehr

Gestaltungsvielfalt: Durch ein innovatives Druckverfahren

können unterschiedlichste Dekore fotorealistisch auf

Garagentore abgebildet werden.

Beleuchtung

Bild: Novoferm

Um Ihr Garagentor auch nach Sonnenuntergang ins

rechte Licht zu rücken – und nebenbei Unbefugte fernzuhalten

–, empfiehlt sich eine LED-Beleuchtung. Das

Tor tritt dadurch in einen spannenden Dialog mit anderen

Lichtquellen, z.B. beleuchteten Fenstern, und setzt die

Gesamtarchitektur Ihres Hauses stimmungsvoll in Szene.

Bild: Teckentrup

Verglasung

Sie haben bereits ein Tor mit bestimmter Oberfläche und

Farbe ins Auge gefasst, aber es ist Ihnen noch nicht individuell

genug? Dann informieren Sie sich doch einmal

über attraktive Verglasungsvarianten. Diese lenken Blicke

auf Ihre Garage und das Tageslicht in sie hinein. Ein angenehmer

Effekt, gerade wenn Sie Ihre Garage zusätzlich

als Hobbyraum oder Werkstatt nutzen möchten.

Bild: Teckentrup

Bild: Novoferm

!Garagentor

perfekt kombiniert

Wer sein Garagentor perfekt auf die Optik

des Eingangsbereichs abstimmt, punktet mit

einem guten ersten Eindruck und wertet sein

Anwesen sichtbar auf. Alle großen Markenhersteller

bieten Ihnen Komplettlösungen für

den gesamten Türen- und Garagenbereich.

BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. GARAGENTORE.

23


Funk-Fernsteuerung

Die komfortable Fernsteuerung moderner Sektionaltore

macht Sie unabhängig von den Launen des Alltags und

Wetters. Steuern Sie alle Funktionen mit zugehöriger

Fernbedienung bequem und einfach vom Auto aus.

Dank neuester Verschlüsselungstechnologien wird ein

hoher Sicherheitsstandard geboten. Ähnlich wie beim

Online- Banking gibt es für jede Aktion einen eigenen

Code. Selbst clevere Langfinger können das Sendesignal

nicht abfangen.

Sicherheit

Fingerklemmschutz, elektronische Antriebe mit optionaler

Lichtschranke und Einbruchhemmung sind heute

fast schon Standard bei Garagentoren. Automatisierte

Garagentore widerstehen auch hartnäckigen Einbruchsversuchen

und sind damit viel sicherer als ihre

mechanischen Vorgänger. Modelle, die vom TÜV auf

„Einbruchhemmung für Garagentore“ geprüft sind, erleichtern

die Auswahl. Die Technik steckt meist in der

Antriebsschiene, die mit einer speziellen Verriegelung

ausgestattet ist. Dennoch sollten Sie nicht vergessen,

eine massive Übergangstür zum Wohnbereich einzubauen

– das macht auch brandschutztechnisch Sinn.

Bild: Hörmann

Bild: Teckentrup

Smart Home

Wer sein Leben einfacher und komfortabler gestalten

möchte, stattet sein Zuhause mit Smart-Home-

Lösungen aus und nutzt diese auch für die Garage.

Per App können Garagen-Sektionaltore mit einem oder

mehreren Geräten (Smartphone und Tablet) gesteuert

werden. Die Einrichtung und Bedienung erfolgt intuitiv.

Torsteuerungsfunktionen:

Öffnen und Schließen des Garagentores

Steuerung der Beleuchtung des

Garagentor-Antriebes

Torstatusabfrage (offen/geschlossen)

durch bidirektionalen Funk

Lüftungsstellung zur optimalen Belüftung

der Garage

Bild: Hörmann

Bild: Novoferm

Starke Marken für Ihre Fenster, Türen & Tore:

24 BAUZEIT. FENSTER, TÜREN & TORE. GARAGENTORE.


INNENAUSBAU

Wände. Böden. Beleuchtung.

Sind die groben Bauarbeiten abgeschlossen, geht es im

nächsten Schritt an den Innenausbau. Alle Bauleistungen, die

in diesem Zuge ergriffen werden, sorgen dafür, dass das Innere

Ihres Hauses bewohnbar wird. Auch wenn Sie Ihr Haus oder Ihre

Wohnung sanieren möchten, stehen wichtige Arbeiten an, die

zum Innenausbau zählen. Wände, Böden und Decken müssen

geplant, gedämmt und gestaltet werden. Und natürlich darf auch

die passende Beleuchtung nicht fehlen. Packen Sie es an und

verwandeln Sie Ihr Haus in ein individuelles, lebendiges Heim!


WÄNDE

Dämmung. Trockenbau. Wandgestaltung.

Die eigenen vier Wände – ist von ihnen die Rede, schwingt

meist ein positiver Klang mit. Für viele Menschen sind sie ein

langgehegter Lebenstraum. Sie versprechen Sicherheit und

Geborgenheit. Grund genug, die eigenen vier Wände mit viel

Geschmack und ex qui siten Details auszustatten. Wo Sie am

besten anfangen? Bei den Wänden selbst! Erfahren Sie, was Sie

bei der Dämmung beachten sollten, welche Möglichkeiten der

Trockenbau bietet und wie Sie den Wänden ein außergewöhnliches

Finish verleihen.

Bild: Erfurt & Sohn

2 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Wandaufbau

Der Innenwandaufbau und die dazugehörige Dämmschicht können stark variieren. Egal, ob eine direkte Dämmung bzw. eine Dämmung mit Vorsatzschale auf

massiven Wänden oder eine Kerndämmung von Trockenbauwänden umgesetzt wird – ausschlaggebend für ein einwandfreies Ergebnis ist die professionelle Ausführung.

Eine Innendämmung der Außenwand kann sinnvoll bzw. unumgänglich sein, wenn bei der Sanierung gute Gründe gegen eine Außendämmung sprechen,

z. B. wenn die Fassade eines denkmalgeschützten Gebäudes erhalten werden soll. Bei Innen- und Trennwänden in Trockenbauweise ist eine fachgerechte

Dämmung hingegen unerlässlich, da sie für den erforderlichen Schall- und Wärmeschutz und damit für die effektive Trennung zweier Räume sorgt.

Massivwände

1

1 Mauerwerk

2 Dämmstoff

1

2

3

1 Mauerwerk

2 Unterkonstruktion

3

3 Schlagdübel

4

3 Dämmstoff

2

4 Innenputz

4 Dichtheitsschicht

4

5 6

5 Beplankung

6 Innenputz

Direkte Dämmung

Vorsatzschale

Bei der direkten Dämmung der Wand ist keine Unterkonstruktion nötig. Die

kapillaraktiven Dämmplatten (z. B. Kalziumsilikatplatten) werden direkt auf

das Mauer werk geklebt und/oder mithilfe von Schlagdübeln gedübelt. Auf eine

Dampfbremse kann verzichtet werden, da die Platten die Feuchtigkeit aus der

Raumluft aufnehmen und wieder abgeben. Die Dämmplatten lassen sich ohne

Probleme verputzen und streichen.

Werden Dämmstoffe nicht direkt an der Wand angebracht, schaffen Holzlatten

die Unterkonstruktion für eine Vorsatzschale. Zwischen Wand und Latten sorgen

Streifen aus Dämmmaterial für die Vermeidung von Schall- und Wärmebrücken.

Eine Dichtheitsschicht, die sogenannte Dampfsperre, liegt direkt darüber. Die

luftdichte Folie verhindert, dass Feuchtigkeit hinter die Dämmung gelangt und

Schimmel entsteht. Die Beplankung (z. B. aus Gipskartonplatten) wird auf die

Unterkonstruktion geschraubt. Im Anschluss folgt die weitere Verarbeitung der

Wandfläche mit Spachtelmasse oder Putz.

Trockenbauwände

1

1

1 Unterkonstruktion

1 Unterkonstruktion

2

3

2 Dämmstoff

3 Beplankung

2

3

2 Dämmstoff

3 Beplankung

4

4 Putzsystem/Farbe

4 Putzsystem

4

Metallkonstruktion

Trockenbauwände mit einer Metall-Unterkonstruktion sind Standard in Wohnund

Gewerbebauten. Das Ständerwerk aus Metallprofilen, lässt sich aufgrund

des hohen Vorfertigungsgrades schnell montieren. Verschiedene Plattenwerkstoffe

(z. B. Gipskarton- oder Holzfaserplatten) werden mit den Profilen verschraubt

und bilden die Wandflächen. Dazwischen finden – je nach Anforderung

– Dämmstoffe ihren Platz. Die eingebrachte Dämmung verbessert nicht nur den

Schallschutz, sie sorgt auch dafür, dass die benachbarten Räume beim Heizen

unabhängiger voneinander sind. Nach dem Einbau werden die Platten gespachtelt

und geschliffen oder verputzt.

Holzkonstruktion

Trennwand-Konstruktionen in Holzbauweise befinden sich auf dem Vormarsch

und sind vorrangig im Holzrahmenbau anzutreffen. Die Montage der Kanthölzer

ist zwar aufwendiger als die einer Metallkonstruktion, dafür punktet der Rohstoff

mit ökologischem Wert. Genau wie bei der Metallvariante wird das Füllen der

Zwischenräume mit Dämmstoffen (z. B. Holzfaser) empfohlen. Um den natürlichen

Charakter der Unterkonstruktion beizubehalten, erfolgt die Beplankung

häufig mit Holz-, OSB- oder Gipskartonplatten. Eine Luftdichtschicht zwischen

Dämmung und Beplankung ist nicht nötig. Die Plattenoberfläche kann je nach

Material weiter beschichtet oder direkt gestrichen werden.

Bilder: Knauf Insulation

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

3


Dämmung

Sowohl bei der Dämmung von massiven Innenwänden als auch bei der Dämmung von

Trennwänden in Trockenbauweise müssen – in Abhängigkeit von der Raumnutzung –

unterschiedliche Anforderungen an den Wärme-, Schall- und Brandschutz erfüllt

werden. Die Verwendung einer passenden Dämmung ist obligatorisch, um technisch

einwandfreie und beständige Wandaufbauten zu erzielen.

Bild: Knauf

Innendämmung von Außenwänden

Außenwände werden bei den meisten Gebäuden auf der kalten Seite gedämmt. Ist

dies nicht möglich, weil der Denkmalschutz, die Kosten oder ein Platzmangel dazwischen

grätschen, ist es alternativ auch möglich, die Wände von innen zu dämmen.

Eine Innendämmung sorgt zwar raumseitig für wärmere Materialien, bremst jedoch

den Wärmetransport zur tragenden Wand. Diese wird somit kälter, was die Kondensation

von Luftfeuchtigkeit an der Wandinnenseite und damit die Schimmelbildung

begünstigt.

Die grundsätzliche Frage, die Sie sich bei der Außenwanddämmung stellen sollten,

lautet daher: Muss die Dämmung mit oder ohne Dampfbremse bzw. -sperre ausgeführt

werden? Bei der Dampfbremse handelt es sich um eine Kunststofffolie, welche

die Dämmschicht – und die dahinterliegende Außenwand – gegen Feuchtigkeit aus

dem Raum abdichtet. Bei kapillaraktiven Dämmmaterialien ist eine Dampfbremse

nicht notwendig. Kalziumsilikatplatten beispielsweise nehmen die Feuchtigkeit aus

der Raumluft auf und geben sie wieder ab – zudem sind sie schimmelhemmend. Auch

bei Hartschaumplatten aus Polyurethan ist keine zusätzliche Folie nötig, da sie selbst

als Dampfsperre wirken. Bei Dämmverbundsystemen, die aus mehreren Komponenten

bestehen, ist die Dampfbremsschicht oft schon integriert.

Fehler vermeiden!

Bild: SG-Isover

Wärmebrücken

Im Altbau sind Decken und Innenwände meist ohne thermische Trennung an

die Außenwände angebunden. Ist es draußen kalt, kühlen nicht nur die Hauswände

außen und innen aus, sondern auch die Übergänge zu Innenwand oder

Decke. Wird dann eine Innenwanddämmung angebracht, sammelt sich Feuchtigkeit

vor allem an den Schnittpunkten von Dämmung und durchbrechender

Wand. Schimmelwachstum ist vorprogrammiert. Ein Problem, das auch Fensterlaibungen

betrifft. Präventiv sollten Sanierer die Dämmung immer über Eck

ausführen und Teile der Innenwände und Decken mitdämmen (Flankenschutz).

Dafür werden spezielle Dämmkeile angebracht. Auch Tür- und Fensterlaibungen

sind zu dämmen!

Hohlräume hinter der Dämmung

Liegt der gewählte Dämmstoff nicht vollständig auf der Wand auf, entstehen

Hohlräume, in denen Feuchtigkeit kondensieren und Schimmel gedeihen kann.

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, nur auf intakten, sauberen Untergründen

zu dämmen und Unebenheiten gegebenenfalls vorher mit Füllmörtel

auszugleichen. Herstelleranweisungen zur Verarbeitung der Dämmung sollten

genau eingehalten werden. Zudem ist es wichtig, ausschließlich die zum

System gehörenden Materialien, Kleber und Dübel zu verwenden.

Bild: Knauf

4 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Wohnraumverlust

Ein oft weniger im Fokus stehendes, aber direkt spürbares

Problem betrifft den Verlust von Wohnraum, der

durch eine Innenwanddämmung zwangsläufig eintritt.

Abhängig von der Dämmstärke des verwendeten

Materials verkleinert sich der Wohnraum entsprechend

– im Durchschnitt etwa um einen Quadratmeter pro

zehn Quadratmeter Wohnfläche. Durch die Auswahl

möglichst dünner Dämmstoffe kann der Raumverlust

gemindert werden, wobei immer auf die Einhaltung

der Energieeinsparverordnung und den U-Wert der gewählten

Dämmung geachtet werden muss. Dabei gilt:

Je höher die Dämmleistung des gewählten Materials,

desto geringere Dämmstärken sind möglich. Gleichzeitig

steigen aber auch die Kosten pro Quadratmeter.

Zwischen Kostenersparnis und Wohnraumverlust muss

also genau abgewägt werden.

Bild: SG-Rigips

Bild: Knauf

Dämmung von Trockenbauwänden

Bei raumteilenden Trockenbauwänden erfüllt die innenliegende

Dämmschicht zwei Hauptaufgaben. Die Wärmedämmung

ist eine davon. Sie gewährleistet, dass

angrenzende, jedoch unterschiedlich genutzte Räume,

thermisch voneinander getrennt sind. Die zweite, in den

meisten Fällen fast wichtigere Aufgabe, ist der Schallschutz.

Die Schalldämmleistung einer Trennwanddämmung

ergibt sich aus der Dicke und der Schalldämmfähigkeit

des Dämmstoffes. Bewährte Materialien sind

mineralische Dämmstoffe wie Glas- oder Stein wolle.

Diese bieten neben bestem Schallschutz noch weitere

praktische Vorteile: sie sind diffusionsoffen, hoch wärmedämmend,

nicht brennbar und verrotten nicht. Die

Maße von Trennwanddämmplatten bzw. -matten sind

in der Regel abgestimmt auf die standardisierten Maße

von C- und U-Ständerprofilen. Die Stärke des Dämmstoffes

sollte mindestens 60 % der Trennwandtiefe betragen,

um große Hohlräume und ein Absacken der

Trennwandmatten zu vermeiden. Anderenfalls kann die

(Schall-)Dämmwirkung abnehmen. Ideal ist es, wenn

die Dämmstärke der Profiltiefe der Unterkonstruktion

entspricht und die Dämmschicht den Hohlraum komplett

ausfüllt.

Bild: SG-Isover

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

5


Mineralwolle

Im Gegensatz zu anderen Dämmstoffen, kann Mineralwolle

nicht einfach an die Wand geklebt werden. Stattdessen

werden die Platten bzw. Matten in ein Rahmenwerk

aus Holzlatten geklemmt – in eine sogenannte

Vorsatzschale. Da Mineralwolle empfindlich gegen

Feuchtigkeit ist, muss eine Dampfbremse angebracht

werden. Neben dem ökologischen Aspekt sprechen

auch die ausgezeichneten Brandschutz-Eigenschaften

für das Material. Der Baustoff ist nicht brennbar und

eignet sich mit einem Schmelzpunkt von teilweise über

1.000 °C für hoch feuerhemmende Konstruktionen.

Holzfaserplatten

Das Naturmaterial ist der perfekte wohngesunde Baustoff,

um ein Haus von innen gegen Wärmeverluste und

Lärm zu dämmen. Die Platten bestechen mit sehr hohen

Dämmwerten und hervorragender Wärmespeicherkapazität

– im Sommer ist ein Hitzeschutz gegeben, im

Winter ein Kälteschutz. Holzfaserplatten sind kapillaraktiv,

feuchteausgleichend und aufgrund des natürlichen Rohstoffs

recyclebar. Ein weiteres Plus ist die Verputzbarkeit

der Oberfläche ohne weitere Vorbehandlung.

Anbringung von Perlite

Bild: Knauf

Perlite

Dämmplatten aus Perlit eignen sich ideal, um in Bestandsbauten ein gesundes Wohnraumklima

zu schaffen. Der Rohstoff – vulkanisches Perlitgestein – wird bei Temperaturen

von 800 bis 1.000 °C schockartig erhitzt, bläht sich dabei auf das 15- bis 20-fache

seines ursprünglichen Volumens auf und erhält damit seine typische Kornstruktur.

Perlit ist baubiologisch absolut unbedenklich, völlig schadstofffrei, kapillaraktiv und

diffusionsoffen. Die Dämmplatten regeln das Raumklima, gleichen Feuchtigkeit aus

und weisen Schimmelpilze verlässlich ab – diese Eigenschaften wirken sich positiv

auf ein behagliches, unbedenkliches Wohnraumklima aus. Zudem ist Perlit nicht

brennbar und dient damit aktiv dem Brandschutz.

Calciumsilikat-Platte

Mineraldämmplatten können sehr viel Wasser aufnehmen, speichern und später

wieder abgeben. Die Platten bestehen zu 100 % aus natürlichen Grundstoffen. Das

macht sie zu einer nachhaltigen, baubiologisch unbedenklichen Lösung mit Bestnoten

in Sachen Wohngesundheit.

Durch einen sehr hohen Luftporenanteil von bis zu 98 % ist das Material sehr leicht

und hat eine geringe Wärmeleitfähigkeit. Die Dämmwirkung fällt entsprechend gut

aus. Dank ihres geringen Gewichts lassen sich die Platten besonders einfach transportieren

und verarbeiten. Mineraldämmplatten werden vollflächig verklebt, eine Verdübelung

ist nicht notwendig.

Dämmstoffe für die Innenwanddämmung im Überblick

Bild: Baumit

Bild: SG-Isover

Bild: Sonae Arauco/

Agepan System

Bild: Knauf

Bild: Baumit

Polystyrol (EPS)

Mineralwolle

Holzfaserplatten

Perlite

Calciumsilikat-Platte

Aus Mineral-/Erdöl

Feuchtigkeitsbeständig

Brandschutzklasse B2

(normal entflammbar)

Aus Stein, Glas etc.

Ökologisch

unbedenklich

Brandschutzklasse A1

(unbrennbar)

Aus Restholz

Feuchteregulierend

Als Putzträger geeignet

Brandschutzklasse B2

(normal entflammbar)

Aus Silikatgestein

vulkanischen Ursprungs

Feuchteregulierend und

schimmelresistent

Brandschutzklasse A1

(unbrennbar)

Aus Kalk, Sand, Zement

und Wasser

Feuchteregulierend und

schimmelresistent

Brandschutzklasse A1

(unbrennbar)

6 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Schallschutz

Schallschutz – ein wichtiges Thema für Bauherren

und Renovierer. Eine solide bauakustische Trennung

zwischen zwei Räumen benötigt ein trennendes Bauteil

mit entsprechend hohem Schalldämm-Maß. Trockenbausysteme

sind hier die erste Wahl, denn durch die zweischalige

Ausführung der Trennwände kann gegenüber

gleich schweren einschaligen Wänden eine wesentlich

höhere Schalldämmung erreicht werden. Mit den richtigen

Plattenstärken, Befestigungen und Ausführungen gelingt

es, alle Schallschutzklassen zu erfüllen. Diese Konstruktionen

liegen in der Regel deutlich über den gesetzlichen

Empfehlungen. Auch beim Boden spielt Schallschutz

eine Rolle, gerade wenn eine Altbausanierung ansteht.

Spezielle Holz-Innendämmplatten sind optimal auf den

Schallschutz zugeschnitten. Sie bieten die nötige Festigkeit

und verbesserten Trittschallschutz. Als „Flüsterdecke“

kommen die Platten unter Dielen, Parkett, Teppich

oder gar der Fußbodenheizung zum Einsatz.

!Schallschutz durch

richtige Planung

Luftschall

Die Schalleinleitung in die betrachteten Körperschall

Bauteile erfolgt als Luft-, Körper- Trittschall oder Trittschall:

Bilder: SG-Rigips

Schallschutz im Innenausbau beginnt bereits

bei der Planung der Raumaufteilung. Die Anordnung

der einzelnen Räume innerhalb eines

Gebäudes sollten unter Berücksichtigung der

möglichen bauakustischen Folgen festgelegt

werden. Bäder, WC-Räume und Küchen sollten

wegen ihrer Wasseranschlüsse nicht an

schallschutzbedürftige Wohnräume grenzen,

da durch Duschen, Spülen und laufendes Wasser

eine gewisse Geräuschkulisse entsteht.

Luftschall wird durch Sprache

oder Musik erzeugt. Schallwellen

treffen auf angrenzende Bauteilflächen

und werden auf der anderen

Seite wieder abgestrahlt.

Körperschall ist der sich in festen

Stoffen ausbreitende Schall. Er

entsteht durch Erschütterungen,

zum Beispiel durch das Einschlagen

eines Nagels in die Wand.

Trittschall ist eine spezielle Form

von Körperschall. Die Decke wird

in Schwingung versetzt und der

entstehende Schall in benachbarte

Räume übertragen.

(siehe auch Seite 25)

Brandschutz

Die Normen für den Brandschutz sind nach zwei Klassen unterteilt – in Brandschutzsowie

Feuerwiderstandsklassen. Brandschutzklassen zeigen auf, ob ein Baustoff

brennt und wenn ja, ob er leicht oder schwer entflammbar ist. Feuerwiderstandsklassen

hingegen beschreiben, wie viele Minuten ein Gebäudeteil den Flammen standhält.

Zum Beispiel ist bei einer Wand aus Holz der Baustoff zwar brennbar, doch die Oberfläche

verkohlt im Zuge der Beflammung. Das weitere Abbrennen wird dadurch stark

verzögert und somit kann das Material im Brandfall unter Umständen länger tragfähig

bleiben als Baustoffe, die schwer oder gar nicht entflammbar sind. Stahl ist zum Beispiel

ein nicht brennbarer Baustoff, der jedoch bei großer Hitze schmilzt und sehr schnell seine

Tragfähigkeit verliert. Alle Baustoffe sind mit einer Brandschutz- und/oder Feuerwiderstandsklasse

gekennzeichnet. Welche Richtlinien das Dämmmaterial oder die Beplankungen

für gewisse Räume aufweisen müssen, ist in der Landesbauordnung festgelegt.

Feuerwiderstandsklassen nach DIN 4102-2

Funktionserhalt über Deutsche bauaufsichtliche Benennung

F30 30 Minuten Feuerhemmend

F60 60 Minuten Hoch feuerhemmend

F90 90 Minuten Feuerbeständig

Brandschutzklassen nach DIN 4102-1

Nicht brennbare

Baustoffe

Brennbare

Baustoffe

A1: Baustoffe sind nicht brennbar und enthalten keine brennbaren Bestandteile – sie

zeigen keine Rauchentwicklung und kein brennendes Abtropfen,

z. B. Beton, Ziegel, Steinwolle

A2: Baustoffe sind nicht brennbar, dürfen aber gewisse Anteile brennbarer Bestandteile

enthalten, sie zeigen keine Rauchentwicklung und kein brennendes

Abtropfen, z. B. Gipskarton glatt

B1: Baustoffe sind schwer entflammbar, sie dürfen nach dem Entfernen einer Zündquelle

nicht selbstständig weiterbrennen, z. B. Holzwolle-Leichtbauplatten

B2: Baustoffe sind normal entflammbar, die Entzündbarkeit muss bei einer Kantenoder

Flächenbeflammung mit kleiner Flamme beschränkt bleiben,

z. B. Holz- und Holzwerkstoffe

B3: Baustoffe sind leicht entflammbar, sie dürfen nur als sogenannte Verbundwerkstoffe

eingesetzt werden, z. B. Papier, Stroh

Bild: Kronospan

OSB-Platte mit

Brandschutz-Beschichtung

Spezielle feuerhemmende OSB-

Platten besitzen eine mit Glasgewebe

versteifte Oberfläche. Zusammen mit einer

Zementmischung bietet diese einen ganzheitlichen

Brandschutz.

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

7


Trockenbau

Innen- und Trennwände in Trockenbauweise sind schnell errichtet und bieten ein breites

Gestaltungsspektrum. Mit ihnen können Räume ganz leicht geteilt und neu geformt werden.

Geschwungene, halbrunde Wände im Trockenbau sind ebenso möglich wie einfache Raumteiler.

Der Hohlraum zwischen den Wänden kann gedämmt oder für verschiedene Systeme,

z. B. Schiebetüren oder Wandheizungen, genutzt werden. Über die anschließende Beplankung

entscheiden der persönliche Geschmack und die spätere Raum nutzung.

Bild: Knauf

Trockenbauplatten – Materialien

Gipskarton

Bild: Knauf

Gipskartonplatten bestehen aus

einem Gipskern, der mit Karton ummantelt

ist. Die grauen Standardplatten sind feuchteempfindlich

und daher für Feuchträume ungeeignet.

Es gibt allerdings zahlreiche Spezialplatten, die – je nach Bedarf – einen

besseren Schutz vor Feuer, Lärm und auch Feuchtigkeit bieten. Stabilität und

Formtreue werden dabei durch die Ummantelung erreicht. Das Befestigen von

Schrauben, Nägeln und Co ist häufig eine kniffelige Angelegenheit. Geeignet

sind die Platten vorrangig für nichttragende bzw. gering belastete Konstruktionen.

Trotz einiger Nachteile punkten Gipskartonplatten mit ihrem geringen

Gewicht, ihrem günstigen Preis und ihrer leichten Verarbeitung. Sie werden in

verschiedenen Größen und Stärken angeboten.

Gipsfaser

Gipsfaserplatten werden aus

Gips, recycelten Papierfasern und

Wasser hergestellt und verfügen im

Gegensatz zu Gipskartonplatten über keine

Ummantelung. Aufgrund ihrer höheren Unempfindlichkeit

gegenüber Feuchtigkeit können Sie auch in Feuchträumen verwendet

werden. Die Platten sind nicht brennbar und weisen ein vergleichbares Brandverhalten

auf wie Gipskartonplatten mit spezieller Feuer schutzbehandlung. Gipsfaserplatten

sind extrem fest und (form-)stabil, was die problemlose Befestigung

von Nägeln, Schrauben und anderen Halte elementen möglich macht – dafür muss

jedoch ein höheres Plattengewicht und ein höherer Preis in Kauf genommen werden.

Die Verarbeitung ähnelt stark der Verarbeitungsweise von Gipskartonplatten.

Bild: SG-Rigips

Zementfaser

Bild: SG-Rigips

Hauptbestandteil zementgebundener

Bauplatten sind meist sogenannte

Leichtzuschläge, die auch bei der Herstellung

von Leichtbetonsteinen verwendet werden.

Mithilfe von Zement als Bindemittel werden diese porenreichen Gesteinskörnungen

zu einem fest zusammenhängenden Plattenmaterial verbunden. Besonders

stabile Platten erhalten oft eine beidseitige Armierung aus Glasgittergewebe und

werden zusätzlich noch mit Zementmörtel beschichtet. Zementfaserplatten lassen

sich einfach verarbeiten und leicht in die gewünschte Form bringen. Die Platten

sind zu 100 % wasserbeständig, feuerfest, dampfdurchlässig und resistent gegen

Schimmelpilzbefall. Aufgrund ihrer Eigenschaften sind Zementfaserplatten gerade

für die flexible Wandgestaltung in feuchtebelasteten Räumen zu empfehlen.

OSB

Die bekannte Abkürzung OSB

(Oriented Strand Boards) leitet sich vom

Herstellungsverfahren der Platten ab, bei dem lange

Späne in exakt definierten Lagen zu besonders formstabilen Holzwerkstoffplatten

verleimt werden. OSB-Platten eignen sich als tragende oder aussteifende Beplankung

im Holzrahmenbau, aber auch als Endverkleidung von Wänden und Decken

im Trockenbau. In den Holzwerkstoffplatten wirken die Eigenschaften eines ökologischen

Multitalents – sie sind schadstofffrei und diffusionsoffen. Eine professionell

gedämmte Konstruktion aus OSB-Platten erreicht hervorragende Wärme- und

Schalldämmleistungen. Die Platten sind geschliffen oder ungeschliffen erhältlich,

als Stecksystem mit Nut und Feder oder mit stumpfer Kante – jeweils in verschiedenen

Stärken und Größen.

Bild: Sonae Arauco/

Agepan System

8 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Ständerwerk

Ständerwerke gibt es aus Metall oder Holz. Die Entscheidung,

welche Variante gewählt wird, hängt vorrangig

von der Werkstoffpräferenz und weniger von

den Werkstoffeigenschaften ab. So gelten Holzständerwerke

als ökologisches Pendant zu Metallprofilen und

sind zudem für den Heimwerker einfacher zu verarbeiten.

Die Montage der Holzlatten erfordert jedoch einen

wesentlich höheren Arbeitsaufwand im Vergleich zum

Metallständerwerk. Noch dazu sind Holzlatten anfälliger

für Nässe. Metallständerwerke sind effizient

zu verarbeiten und je nach Belastungsgrad erhältlich.

Mit speziell beschichteten, korrosionsgeschützten Trockenbauprofilen

lassen sich flexible, hoch stabile und

langlebige Konstruktionen überall dort errichten, wo

Feuchte eine Rolle spielt. Vorteilhaft an diesen Metallprofilen

sind außerdem die vorgestanzten Löcher

für Kabel, Schläuche oder Rohre, die bislang in einer

Trockenbauwand eingezogen werden mussten. Neue

Trockenbausysteme bieten reichlich Platz für Installationen

und ermöglichen die versteckte Unterbringung

von Wasser- und Stromleitungen. Diese sollten genau

wie Türöffnungen bereits bei der Planung berücksichtig

werden. Bevor mit der Montage begonnen wird, ist sicherzustellen,

dass der Boden absolut eben ist. Ist eine

Fußbodenheizung vorhanden, dürfen die Profile nur geklebt

und keinesfalls verschraubt werden.

Bild: SG-Rigips

Deckenkonstruktionen

Abgehängte Trockenbaudecken erfüllen vielerlei Zwecke

und sind vergleichsweise einfach umzusetzen. Mit

ihnen lässt sich beispielsweise die Raumhöhe mindern,

um das aufzuheizende Raumvolumen zu verringern.

Gerade in Altbauwohnungen mit großen Raumhöhen ist

das eine sinnvolle Lösung, um die Heizkosten zu senken.

Mit einer Dämmung, die auf die abgehängte Decke

gelegt wird, kann zusätzlich Energie eingespart oder der

Brandschutz verbessert werden. Darüber hinaus können

auch Beleuchtungssysteme in die abgehängten Decken

integriert werden – das setzt gestalterische Akzente. Die

dafür notwendigen Elektroinstallationen verschwinden

einfach im Deckenzwischenraum. Grundsätzlich unterscheidet

man zwischen zwei Arten von Trockenbaudecken

und Deckenunterkonstruktionen:

Direkt befestigte Konstruktion

Eine Deckenbekleidung mit direkt an der Rohdecke

angebrachter Unterkonstruktion aus Metall oder Holz,

dient im Wesentlichen als planebener, gut streichbzw.

tapezierfähiger Raumabschluss. Diese Form von

Trockenbaudecke empfiehlt sich vorrangig zur Renovierung

schadhafter Rohdecken. Direkt befestigte

Unterkonstruktionen ermöglichen eine großflächige fugenlose

Deckenbekleidung mit Gipskartonplatten. Aufgrund

der geringen Abhänghöhe von 0 bis 12,5 cm sind

sie vor allem bei einer niedrigen Raumhöhe von Vorteil.

Diese Deckenart wird mit sogenannten Direktabhängern

an der Rohdecke installiert und ausgerichtet.

Abgehängte Konstruktion

Für die Unterkonstruktion einer tiefer abgehängten

Decke werden sogenannte Ankerschnellabhänger in

Verbindung mit Ösendraht verwendet. Diese sind für

abgehängte Decken unter Holzbalkendecken oder

Massivdecken geeignet. Ösendrähte gibt es in Längen

von 12,5 cm bis maximal 200 cm.

Bild: SG-Rigips

Bild: SG-Rigips

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

9


Beplankung

Für das Beplanken von Ständerwänden mit Gipskartonplatten gibt es nicht sonderlich

viele Regeln zu beachten. Wichtig ist, dass Sie Kreuzfugen vermeiden und Stirnkanten

um 40 cm versetzen. Wird nicht nur eine Vorsatzschale bzw. Installationswand

beplankt, sondern gleich eine ganze Ständerwand, sind die Stirn- und Längskanten

der gegenüberliegenden Seiten zu versetzen.

Einfache Beplankung

Einfach beplankte Trockenbauwände

halten in der Regel leichte Gegenstände

wie Bilder und kleine bzw. leichte

Regale aus. Bei Wänden, die lediglich

zur Trennung des Wohnraums errichtet

werden, ist eine einfache Beplankung

also gut denkbar. Eine einfach beplankte

Wand kann im Durchschnitt 40 kg/m

Wandfläche an Gewicht tragen.

Doppelte Beplankung

Doppelt beplankte Wände vertragen

70 kg/m Wandlänge an Gewicht. So

reicht eine Doppelbeplankung für mittelschwere

Lasten aus und wird empfohlen,

wenn auf der Wand Fliesen angebracht

werden sollen. Erst bei schweren Lasten,

wie z. B. einem Waschtisch oder einer

hängend befestigten Toilette, müssen

Traversen – spezielle, mit dem Untergrund

bzw. Ständerwerk verbundene

Verstärkungen – verwendet werden.

Bild: Knauf

Verfugung von Trockenbauplatten

Beim Trockenbau ist gute Arbeit vor allem an gut ausgearbeiteten Fugen zu erkennen.

Egal, welche Platten verwendet werden, ob sie auf Holz- oder mit Metallprofilen

montiert werden – Trockenbauwände arbeiten, ordentliche Fugen halten dagegen. Die

Arbeit wird gerade deshalb als anspruchsvoll eingestuft, weil – abgesehen von den

gestalterischen Aspekten – auch die Punkte Brandschutz, Luftdichtigkeit und Flexibilität

berücksichtigt werden müssen. Die Fugenarbeit darf keinesfalls unterschätzt werden.

Fugendeckstreifen

Fugendeckstreifen können helfen, Rissbildung

durch Materialveränderungen

zu verhindern. Die Deckstreifen werden

überall dort eingesetzt, wo Stoßkanten

zwischen Gipskartonplatten verspachtelt

werden sollen. Durch das breite Papier-

oder Glasvliesgitterband wird eine

gute Abdeckung erzielt.

Anschlussfugen

Wand- und Deckenanschlüsse im Trockenbau

müssen mit sogenannten Anschlussfugen

versehen werden. Das Verfugen

erfolgt mit einer gebrauchsfertigen

flexiblen Leichtspachtelmasse entlang

der Anschlüsse und Stoßkanten. Durch

die Dehnbarkeit des Materials kann die

Konstruktion ohne Rissbildung arbeiten.

Anschließend können die trockenen Fugen

geschliffen und gestrichen werden.

Bild: ARDEX

Bild: ARDEX

Bilder: SG-Rigips

Eckausbildung

Die Eckausbildung von Trockenbauwänden erfordert große Sorgfalt, verbunden mit

einem beträchtlichen Zeitaufwand. Klassischerweise werden Eckschutzprofile aus

Aluminium oder PVC verarbeitet. Bei der Verarbeitung wird zunächst eine geeignete

Spachtelmasse satt auf die zu schützende Kante aufgetragen. Anschließend wird

das abgelängte Profil in die Spachtelmasse eingedrückt (bis diese aus den Löchern

heraustritt) und lotgerecht ausgerichtet. Mit der ausgetretenen Spachtelmasse kann

das Profil dann bündig verspachtelt werden. Nach der Trocknung muss die Fläche nur

noch glatt geschliffen werden. Das schafft einen nahtlosen Übergang.

Holzfaserplatten als Installationsebene

Bild: Sonae Arauco/Agepan System

Spezielle Holzfaserdämmplatten mit asymmetrischem Rohdichteprofil können gut als

Installationsebene und druckfeste Innendämmung im Dach- und Wandbereich eingesetzt

werden. Die Platten sind diffusionsoffen, wärmedämmend und können Feuchtigkeit

aufnehmen und abgeben. Aufgrund ihrer festen Deckschicht ist die Befestigung von

Gipsbauplatten direkt auf der Platte möglich. Durch die Entkoppelung der Beplankung

entsteht eine sehr gute Schalldämmung. Eine hohe Arbeitszeitersparnis wird durch die

einfache Verlegung und ein schnelles Einarbeiten der Installationskanäle erzielt.

10 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Renovieren mit Trockenbau

Schnell, flexibel, wirtschaftlich – kaum eine andere Variante

eignet sich besser zur Sanierung und Modernisierung

der eigenen vier Wände als die Trockenbauweise.

Ohne großen Aufwand können z. B. Kinderzimmer geschaffen,

Türen versetzt oder Räume abgetrennt werden.

Darüber hinaus sind Trockenbauwände wesentlich

leichter als massive Konstruktionen. Planung und Ausführung

des Innenausbaus können daher äußerst flexibel

und fast unabhängig von der tragenden Konstruktion

erfolgen. Ein Vorteil, der den Trockenbau auch für die

Altbausanierung prädestiniert.

Freistehende Vorsatzschale

Aufgrund der Beschaffenheit der Mauern ist es in Altbauten

oft nicht möglich, Trockenputz oder eine direkt

befestigte Vorsatzschale aufzubringen. Abhilfe schafft

hier nur eine freistehende Vorsatzschale. Das Ständerwerk

wird zwischen Decke und Boden befestigt

und Unebenheiten werden durch das Unterlegen von

Distanzstücken ausgeglichen. Wie auch bei anderen

Konstruktionen üblich, werden die Dämmstoffe einfach

in die Wandhohlräume eingelegt und anschließend beplankt.

Schimmelsanierung

Kalziumsilikatplatten sind das Mittel der Wahl, wenn

eine Schimmelpilzsanierung vorgenommen werden

muss. Wegen ihrer klima- und feuchtigkeitsregulierenden

Eigenschaften sind die Platten hervorragend zur

Innendämmung bei Altbauten und älteren Häusern geeignet.

Nach Reinigung der betroffenen Stellen werden

die Platten hohlraumfrei mit einem geeigneten Putzkleber

direkt auf die Wand geklebt. Nach dem Grundieren

und Verputzen ist die Basis für eine schimmelfreie

Wohnung geschaffen.

Bild: Baumit

Glattes Wand-Finish im Trockenbau

Ob stylishe Stadtwohnung, urbanes Loft oder modernes Landhaus – glatte Wände mit strukturfreien und makellosen Oberflächen liegen stark im Trend. Um bei der

fertigen Trockenbauwand eine perfekt glatte Oberfläche zu schaffen, müssen sämtliche Risse und Fugen geschlossen und Unebenheiten geglättet werden. Auch der

Anstrich muss speziellen Anforderungen genügen und darf selbst unter Lichteinfall keine Streifen zeigen – ein entscheidendes Qualitätskriterium, wenn große Fensterflächen

oder gezielt beleuchtete Wandbereiche vorhanden sind. Spezielle glatte Wandsysteme bieten aufeinander abgestimmte Produkte, die in wenigen Schritten

zum Erfolg führen. Zur Einstufung des Glättegrades von Wandflächen hat die Gipsindustrie die Qualitätsstufen Q1 – Q4 eingeführt:

Q1: Fugen schließen

Die Stoßfugen der Platten werden bei

der Grundbehandlung mit Trockenbauspachtel

gefüllt; sichtbare Befestigungsteile

werden überzogen.

Q2: Nachspachteln

Um stufenfreie Übergänge zwischen

den Platten zu erzielen, werden die

Fugen nochmals großflächiger verspachtelt.

Q3: Abporen

Mit einer speziellen Feinspachtelmasse

werden die Fugenbereiche breit

überarbeitet und die restlichen Kartonoberflächen

abgeport.

Q4: Glätten

Abschließend wird die Wand vollflächig

mit Feinspachtel verspachtelt und

geglättet. Ein Auftrag von mindestens

1 mm Stärke wird empfohlen.

Bilder: ARDEX

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

11


Bild: Knauf

Revisionsklappen

Trockenbausysteme überzeugen unter anderem

dadurch, dass sie unschöne Funktionselemente

elegant verschwinden lassen. Stimmt

etwas an den Armaturen nicht, erlauben spezielle

Revisionsklappen für Gipskartonwände

den schnellen Zugriff auf die Haustechnik. Die

Klappen sind so dezent, dass sie im Alltag

kaum auffallen. Eine imprägnierte Gipskartoneinlage

ist mechanisch im Deckel befestigt und

sichert die dauerhafte Stabilität. Direkt nach

dem Grundieren kann der Deckel in derselben

Farbe wie Wand und Decke gestrichen werden.

Schiebetürensysteme

Bild: Knauf

Trockenbausysteme bieten weit mehr als nur gestalterische

Flexibilität. Schiebetürsysteme sind das beste

Beispiel, um die enorme funktionale Vielfalt des Trockenbaus

aufzeigen. Ein elegant im Wandhohlraum

laufendes System ist nicht nur ein echtes Design-Highlight,

es bietet zugleich optionale Schallschutzqualitäten

– beispielsweise in Form einer Schallschutzholztür.

Wer einen großen Raum in zwei akustisch gut getrennte

Funktionsbereiche teilen möchte, ohne die schöne

Optik aufzugeben, wird von dieser Lösung begeistert

sein. Ob großer oder kleiner Durchgang: Die Raumtrennung

gelingt ohne Raumverlust, da kein Schwenkraum

benötigt wird. Die Fläche vor bzw. neben der Tür ist uneingeschränkt

nutzbar, um z. B. Schränke aufzustellen

oder Bilder aufzuhängen.

Bild: Knauf

Bild: Knauf

12 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Bild: Knauf

Bild: Knauf

Raum-in-Raum-Lösungen

Raum-in-Raum Systeme sind selbsttragend und sehr flexibel einsetzbar. Sie schaffen

neue Wohn- und Arbeitsräume mitten im eigenen Zuhause. Statische Deckenkonstruktionen

ermöglichen sogar die Gestaltung einer Empore, wodurch zusätzliche Nutzfläche

entsteht. Gerade historische Bausubstanzen profitieren vom Trockenbau, da

durch die Raum-in-Raum-Lösung die Deckenhöhe ausgenutzt, jedoch der Charme

des Altbaus nicht zerstört wird. Die Kombination aus Altem und Neuem ist ein außergewöhnlicher

Hingucker.

Geschwungene Wände

Bereits im Altertum galten Bögen und Gewölbe als wirkungsvolle architektonische und

ästhetische Gestaltungsvarianten. Runde, fließende Geometrien wie Bögen, gewölbte

Decken, Säulen oder geschwungene Wände sind auch heute wieder wesentliche

Merkmale moderner Architektur. Wer auf diese Weise bauen und Wohnraum mit überschaubarem

Aufwand gestalten will, benötigt biegsame Spezialgips-, Glasvlies- oder

Faserzementplatten mit den zugehörigen Systemen. Durch die überdurchschnittliche

Flexibilität lassen sich Biegeradien für Wände und Decken mit einem Krümmungsradius

von bis zu 600 mm realisieren.

Wandheizung

Nicht nur energetische, auch gesundheitliche Gründe sprechen

für die Anschaffung einer Wandheizung. Sie wärmt –

im Gegensatz zur klassischen Heizung – die Raumluft nicht,

sondern wirkt als Strahlungswärme direkt auf den Körper

und alle Gegenstände im Raum. Staub und Pollen werden

nicht durch den Raum gewirbelt – das tut nicht nur Allergikern

und Asthmatikern gut. Die Montage erfolgt schnell und

einfach; ihre vorgefertigten Klimaregister werden direkt an

das Mauerwerk angebracht und in die Putzschicht eingebettet.

Wenn eine Wärmepumpe mit Kühlfunktion kaltes Wasser

durch den Kreislauf pumpt, können Wandheizungen

auch zur energie effizienten Raumkühlung genutzt werden.

Bilder: Bisotherm

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

13


Wandgestaltung

Der Wendepunkt Ihres Innenausbaus steht bevor: Das optische Finish wartet.

Verputzen, Malen, Tapezieren – mit Farben und Strukturen an Wänden und

Decken setzen Sie kreative Akzente. Oder Sie entscheiden sich für eine Tapete

und profitieren von einer nahezu grenzenlosen Auswahl an Designs.

Innenputze

Putz an den Innenwänden ist häufig die Grundlage für weitere Wandgestaltungen, immer öfter bleibt er aber auch

sichtbar. Verschiedene Arten in feiner bis grober Körnung und in jeder erdenklichen Farbe sind ein gutes Mittel, um

Wände zu strukturieren und zu gestalten. Neben der immensen Auswahl an Körnungen und Farben gibt es Putze

auch mit verschiedenen bauphysikalischen Eigenschaften. So können Innenputze beispielsweise auch zur Wärmedämmung

und zu einer verbesserten Raumakustik beitragen.

!Diffusionsoffene

Beschichtungen

Bild: Hasit

Eine Redensart besagt, dass Wände „atmen“.

Fällt diese Floskel, ist eigentlich der bauphysikalische

Begriff „Diffusionsoffenheit“ gemeint.

Wände und Decken, die als diffusionsoffen

bezeichnet werden, besitzen eine porenreiche

mineralische Beschichtung. Diese hat die

Fähigkeit, Feuchte aus der Raumluft schnell

aufzunehmen und kontrolliert wieder abzugeben.

Für ein wohngesundes Innenraumklima

ist diese Eigenschaft eine der wichtigsten Voraussetzungen.

Gipsputz

Mit einem Gipsputz können Wände und Decken optimal

für die weitere Gestaltung vorbereitet werden. Hergestellt

wird Gipsputz aus Gipsmörtel, dem teilweise auch

Kalk oder Sand beigemischt wird. Der Putz eignet sich

für alle Räume und kann mit der Hand oder maschinell

verarbeitet werden. Gipsputze sind atmungsaktiv,

schnelltrocknend und ermöglichen eine sehr glatte und

feine Wandgestaltung.

Kalkputz

Kalkputz ist ein rein mineralischer Putz aus Sand und

gelöschtem Kalk, der sich für alle Untergründe – außer

Gipsbauplatten – eignet. Der Putz ist in der Lage,

Feuchtigkeitsspitzen in der Raumluft abzubauen, indem

er die Luftfeuchtigkeit wie ein Schwamm aufsaugt

und schrittweise wieder abgibt. Wird der Innenputz richtig

ausgewählt und zwei- oder dreilagig aufgetragen,

hat Schimmel keine Chance.

Bild: SG-Weber

Lehmputz

Lehmputz wird in mindestens zwei Lagen aufgetragen

und eignet sich für fast alle Untergründe. Einmal getrocknet

gleicht der Putz die Luftfeuchtigkeit aus und

filtert Schadstoffe aus der Raumluft. Im Gegensatz zu

anderen Putzen weist der Lehmputz eine relativ weiche

Oberfläche auf, was das Anbringen von Bildern und

Möbeln mithilfe von Nägeln und Schrauben schwierig

gestaltet.

Bild: Hasit

14 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Innenfarben

Bild: Alpina

Wandfarbe ist nicht gleich Wandfarbe, bei der Qualität

und Verarbeitbarkeit gibt es große Unterschiede.

Zudem achten Verwender heute vermehrt auf eine

umweltverträgliche Herstellung, einen ökologischen

Vertrieb und gesundheitliche Aspekte. Generell gelten

hochdeckende Wandfarben der Deckkraftklasse 1 und

der Nassabriebklasse 2 als empfehlenswert. Rein optisch

muss jeder selbst entscheiden, welche Farbe den

eigenen Geschmack trifft. Behalten Sie aber im Hinterkopf,

dass die Größe eines Raumes je nach Farbnuance

anders empfunden wird.

Bild: Erfurt & Sohn

Dispersionsfarbe

Dispersionsfarbe wird auf Wasserbasis

hergestellt. Je mehr Bindemittel sie enthält,

desto beständiger und hochwertiger

ist sie. Die Raumfarbe ist fleckenbeständig,

lässt sich gleichmäßig glatt

auftragen und deckt gut. Dispersionsfarben

sind für den Wandanstrich ideal geeignet,

da sie kaum riechen und schnell

trocknen.

Strukturfarbe

Dispersionsfarben, die mit Sandkörnern

oder kleinen Kügelchen angereichert

sind, werden als Strukturfarben bezeichnet.

Beim Streichen von saugfähigen

Oberflächen ergeben sie ein Raufaser

ähnliches Muster. Jedoch lassen

sie sich im Nachhinein schlecht reinigen

und nur mit Schleifgeräten entfernen.

Silikatfarbe

Silikatfarben enthalten im Unterschied

zu Dispersionsfarben mineralische Bindemittel.

Diese Bindemittel reagieren

mit den mineralischen Untergründen

und erzeugen eine stabile Bindung. Silikatfarben

sind überaus diffusionsoffen

und deshalb hervorragend für Anstriche

in Feuchträumen geeignet.

Latexfarbe

Bei Latexfaben handelt es sich um besonders

abriebfeste, sehr dichte, jedoch

dünnschichtige Dispersionsfarben mit

relativ hoher Deckkraft für stark beanspruchte

Wandflächen. Künstliche Bindemittel

machen Latexfarben zu sehr

schmutzunempfindlichen, waschbeständigen

und diffusionsfähigen Anstrichen.

Deckkraftklassen DIN EN 13300

Die Deckkraftklasse gibt Auskunft über das Deckvermögen von Wand- und Deckenfarben

im Innenbereich. Je höher die Klasse ist, umso schlechter kann die Farbe

einen anderen Anstrich überdecken. Eine Wandfarbe mit bestmöglichem Deckvermögen

hat immer die Deckkraftklasse 1. Sie erfüllt die höchsten Qualitätskriterien.

Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 Klasse 4

Deckkraft beträgt

mindestens 99,5 %

Deckkraft beträgt

mindestens 98,0 %

Deckkraft beträgt

mindestens 95,0 %

Deckkraft beträgt

unter 95 %

Nassabriebklassen DIN EN 13300

Für viele Räume zählen die Feuchtigkeitsbeständigkeit und die Reinigungsmöglichkeiten

zu den Merkmalen, auf die beim Kauf von Wandfarbe geachtet werden sollte.

Die sogenannte Nassabriebbeständigkeit ist nach DIN Norm in fünf unterschiedliche

Klassen unterteilt. Farben der Klassen 4 und 5 sind für den normalen Gebrauch nicht

geeignet, da sie einer Reinigung mit feuchtem Lappen und mechanischem Abrieb

kaum standhalten.

Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3

Die höchste Stufe

Der getrocknete Anstrich

färbt nicht ab

Scheuerbeständig und

besonders strapazierfähig

Für stärker beanspruchte

Räume wie Kinderzimmer,

Flur und Küche

Umfasst Farben, die als

waschbeständig gelten

Für normal beanspruchte

Räume, z.B. Wohnzimmer

Bild: AURO

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

15


Tapeten

Kaum etwas beeinflusst die Raumwirkung mehr als die

Wandgestaltung. Tapeten bieten hier mit Abstand die

größte Gestaltungsvielfalt – und sie feiern ihr Comeback.

Die Ausführungen reichen von klassischen Raufasertapeten

über farbige Vliestapeten bis hin zu Tapeten

mit floralen Mustern. Der Wandschmuck punktet

neben den optischen Aspekten mit weiteren Vorteilen:

Tapeten schützen Wände vor der Abnutzung und tragen

im Optimalfall zu einem gesunden Raumklima bei.

Raufasertapeten

Die bekannten Tapeten aus Papier und Holzfasern

faszinieren durch ihre vielseitige Wandelbarkeit. Raufasertapeten

bringen Struktur an die Wände und

können nach Belieben mehrfach gestrichen werden.

Vor allem junge Menschen und Familien schwören

auf die wirtschaftliche und strapazierfähige Grundlage

schöner Wandgestaltungen. Ob klassische Raufaser

oder moderne Vlies-Raufaser, die bequem in Wandklebetechnik

zu verarbeiten ist, – beide Qualitäten

laden zum Experimentieren ein. Daneben sind Raufasertapeten

auch noch umweltfreundlich, wohngesund,

atmungsaktiv und feuchtigkeitsregulierend.

Durch den Verzicht auf PVC und Weichmacher ist der

Klassiker auch besonders gut für Allergiker geeignet.

Bild: Erfurt & Sohn

Bild: Erfurt & Sohn

!Tapete und Farbe

kombinieren

Die Kombination aus Tapetenstruktur und Farbe

bietet unzählige Gestaltungsmöglichkeiten.

Je nach Farbanstrich werden die Strukturen

betont und erhalten somit eine unterschiedliche

Intensität. Der eigenen Fantasie und

Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Bild: Erfurt & Sohn

Bild: Erfurt & Sohn

Vliesfasertapeten mit Struktur

Extra tiefe Prägungen verleihen der Wand einen besonders

charaktervollen, ausdrucksstarken und variantenreichen

Look und sind in vielfältigen, zeitlosen Oberflächen

erhältlich. Die Strukturen lassen sich sehr gut mit

neutraleren Designs kombinieren und eignen sich auch

hervorragend, um einzelne Wandabschnitte besonders

hervorzuheben. Die Tapeten sind extrem strapazierfähig,

reißfest und überbrücken Risse selbst dann,

wenn sie erst nach dem Tapezieren auftreten. Zudem

sind sie diffusionsoffen und feuchtigkeitsregulierend,

was das Wohnklima verbessert.

Bild: Erfurt & Sohn

16 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Vliestapeten

Vliestapeten erleichtern die Arbeiten an der Wand

erheblich und erzielen Ergebnisse, von denen frühere

Heimwerkergenerationen nur träumen konnten.

Anders als herkömmliche Papier- oder Raufasertapeten

werden Vliestapeten in der Wandklebetechnik

verarbeitet und einfach trocken ins Kleisterbett gelegt.

Die Tapeten bieten höchste Formstabilität, sehr gutes

Nahtverhalten und dazu ein riesiges Farbangebot in

Form bereits kolorierter Unis. Ihr unverwechselbares

Licht- und Schattenspiel erzeugt eine angenehme

Atmosphäre im Raum.

Glattvliestapeten sorgen für einen ebenmäßigen

„Glatte-Wand-Effekt“ und sind zudem – im Gegensatz

zu Glasfasertapeten – schimmelresistent, hautsympathisch,

atmungsaktiv und trocken von der Wand

abziehbar.

Bild: Erfurt & Sohn

Bild: A.S. Création

Bild: Erfurt & Sohn

Bild: A.S. Création

Vliestapeten verarbeiten

Ein großer Vorteil von Vliestapeten ist die trockene Verarbeitung. Wo man bei Papier- oder Raufasertapeten die ganze Tapetenbahn auf einem Tapeziertisch einkleistern

muss, wird bei der Vliestapete nur die Wand gekleistert und die trockene Tapete an der Wand angebracht. Das Tapezieren ist somit leichter und der Reinigungsaufwand

viel geringer.

Wand einkleistern

Tapetenkleber anrühren und

den Bereich für die erste

Tapetenbahn, mit etwas Überstand

an der grundierten

Wand, einkleistern.

Tapete anlegen

Die zugeschnittene Bahn

oben an der Wand anlegen

und stückweise nach unten

abrollen.

Tapete fixieren

Die Tapetenbahn von der

Decke aus mit der Tapezierbürste

andrücken und glatt

streichen. Optional kann auch

ein Tapetenroller verwendet

werden.

Überstände entfernen

Der Überstand wird anschließend

mit einem

Tapezierspachtel und einem

Cuttermesser abgetrennt.

Alle weiteren Bahnen folgen

in gleicher Vorgehensweise.

Ergebnis bewundern

Nach der Trocknungszeit

kann das Ergebnis bewundert

werden. Jetzt ist es auch

möglich, Regale und Bilder

anzubringen.

Bilder: A.S. Création

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

17


Holz-Paneele & Verblendsysteme

Holz-Paneele

Wertanlage Innenwände? Gar kein so abwegiger Gedanke.

Noch nie gab es feinste Wandverkleidungen in

so vielen interessanten Dekoren und Formaten: Paneele

sind die aktuellen Design-Stars an Wänden und Decken.

Es gibt sie passend zu den unterschiedlichsten

Einrichtungsstilen – von Klassik bis Avantgarde – für

alle Räume. Trauen Sie sich ruhig, mehr als nur eine

„Schauwand“ für die Holzpaneele vorzusehen. Paneele

schaffen ein Rundum-Wohlgefühl und lassen den Wert

Ihrer Immobilie sichtlich steigen. Sie besitzen an den

Längsseiten Steckprofile, mit denen sie verbunden

werden. Das erleichtert die Anbringung und gibt die

Fugenbreite vor. Die Paneele werden nicht direkt an

einer aus Dachlatten bestehenden Unterkonstruktion

verschraubt, sondern mit Profilbrettkrallen zu einer geschlossenen

Wandfläche verbunden.

Bild: Mocopinus

Bild: Mocopinus

Bilder: Mocopinus

Gehackte Oberflächen in Altholzoptik

Das Prinzip der gehackten Bearbeitung wendeten Zimmerer schon vor Jahrtausenden an,

um Balken zu behauen. Moderne Paneele übertragen diesen Look in dezente, naturnahe

und warme Oberflächen, deren trendige Grau- und Brauntöne begeistern. Verdeckte Befestigungen

erzeugen den Eindruck einer absolut hochwertigen handwerklichen Arbeit.

Wanddesign im Vintage-Look

Über Paneele dieser Art spricht man garantiert: Sie bestehen aus hochwertigen Hölzern

wie Fichte und sind unter anderem mit Schriftzügen alter Whiskeyfässer und Weinkisten

bedruckt. Ein Wanddesign im Vintagelook bildet einen tollen Kontrastpunkt in modernen

Küchen und erhöht den Gemütlichkeitsfaktor in Wohnräumen.

Thermobehandeltes Vollholz

Thermisch behandelte Vollholzprofile aus nordischer

Fichte halten ein Leben lang. Die Thermobehandlung

schenkt dem Holz einen dunkleren Farbton, welcher

den Charme der Naturbelassenheit zusätzlich unterstreicht.

Die strukturierte Oberfläche der Profile bringt

die gewachsenen Äste besonders zur Geltung und

verleiht dem Raum ein einzigartiges Ambiente.

Bild: Mocopinus

Bild: Mocopinus

18 BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.


Bild: Mocopinus

Bild: Mocopinus

Holz in überraschenden Facetten

Mit einem neuen Farbton-System, bei dem immer zwei unterschiedliche Farbtöne gemixt

werden, lassen sich extravagante Akzente in den Raum zaubern. Das Farbspiel

betont die natürliche Holzstruktur und wirkt je nach Farbtonkombination harmonisch

oder lebendigkontrastreich.

Karbonisiertes Holz

Karbonisiertes Holz ist das Ergebnis einer alten japanischen Technik der Holzveredelung,

bei der die Oberfläche kontrolliert verbrannt wird, um einzigartige Strukturbilder

zu erzeugen. Die heutige Technik versiegelt die Design-Oberfläche mit einem Speziallack,

um Abfärbungen zu vermeiden. Am Ende entstehen faszinierende Hingucker für

Design-Liebhaber.

Verblendersysteme

Kaum einer kann dem Zauber echter Natursteine

widerstehen. In Gebäuden zu wohnen, die mit

Naturstein gestaltet sind, wäre für viele ein Traum

ist meist jedoch finanziell unerschwinglich. Eine

gute Alternative bieten Verblendsysteme, die die

Optik und Haptik von Natursteinen auf natürliche

Weise imitieren. Verschiedene Hersteller schaffen

eine geniale Natursteinoptik aus durch und durch

natürlichem Bims-Leichtbeton. Dabei kann aus

einem breiten Spektrum von Steinbildern gewählt

werden, bei denen Sie nicht auf Herkunft, Transport,

Verarbeitungstechniken oder Preis achten

müssen. Die Dekore lassen sich auf der vorbereiteten

Wand genauso einfach wie Fliesen oder

keramische Platten montieren. Mit abgestimmten

Grundierungen, Klebemörtel, Fugenmassen und

Imprägnierungen schaffen Sie beeindruckende

Oberflächen.

Bild: Bisotherm

Bild: Bisotherm

BAUZEIT. INNENAUSBAU. WÄNDE.

19


BÖDEN

Bodenaufbau. Bodenbeläge.

Der Boden bildet die Grundlage jeder Raumgestaltung. Er muss

nicht nur gut aussehen, sondern auch täglich diversen Belastungen

standhalten. Vom fachgerechten Boden aufbau über die

Dämmung bis hin zu den passenden Dielen oder Fliesen gibt es

einiges zu beachten. Nur bei einer ausführlichen Planung und

fachgerechten Verlegung haben Sie lange Freude am neuen

Bodenbelag!

20 BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.


Bodenaufbau

Die Fußböden unserer Häuser und Wohnungen sollen vieles leisten: die Raumtemperatur halten, den Schall reduzieren sowie

stabil und natürlich schön sein. Damit ein Boden all diesen Anforderungen standhalten kann, ist der Aufbau das A und O.

Zukunftsorientierte Materialien und Systeme sorgen für die einwandfreie Funktion von Estrich, Dämmung und Co.

Bild: SG-Weber

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Nassestrich

1 Bodenbelag

2 Heizestrich

Trockenestrich

1 Fertigteilestrich

2 Abdeckung

Nassestriche sind eine gängige Lösung, um einen

ebenen, tragfähigen Untergrund für Bodenbeläge

zu schaffen. Obendrein beherbergen sie häufig

Heizungssysteme. Das Schaubild zeigt einen Aufbau

mit Fußbodenheizung (Heizestrich), Höhenausgleich

für Rohrleitungen und Wärmedämmung.

3 Abdeckung

4 Trittschalldämmung

5 Dämmplatte

6 Randstreifen

Besonders wegen ihrer geringen Konstruktionshöhe

und der schnellen Begehbarkeit sind Estriche

aus vorgefertigten Platten ideal für Sanierungs- und

Umbaumaßnahmen geeignet. Diese Estriche tragen

keine Feuchtigkeit ins Gebäude und sind schnell verlegt.

Das Schaubild zeigt den klassischen Aufbau.

3 Trittschall-

Dämmplatte

4 Randstreifen

Bilder: Knauf Insulation

Bild: SG-Rigips

Bild: SG-Rigips

BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.

21


Estrich

Nassestrich

Der Estrich ist eine mehrere Zentimeter dicke Ausgleichsschicht und dient als ebener

Untergrund für den Fußbodenbelag. Estrich kann als sogenannter Verbundestrich

direkt auf die Rohbaudecke, durch diese von einer dünnen Zwischenlage getrennt,

oder als schwimmender Estrich auf einer isolierenden Dämmschicht verlegt werden.

Bauherren können aus einer Reihe unterschiedlichster Estricharten wählen. Zu den

gängig verlegten Estrichen zählen Zementestrich und Anhydritestrich.

Zementestrich

Zementestrich ist die wohl bekannteste Estrichart und wird entsprechend häufig verlegt.

Die wichtigsten Bestandteile sind Sand, Bindemittel (Zement) und Wasser. Er ist besonders

feuchtigkeitsresistent und besitzt einen sehr guten Festigkeitswert. Beim Verlegen

und während der Trocknungsphase des Zementestrichs muss die Umgebungstemperatur

konstant über 5 °C liegen. Außerdem muss der Estrich unbedingt vor Zugluft und Feuchtigkeit

geschützt sein. Werden diese Verarbeitungshinweise nicht beachtet, können Volumenunterschiede

auftreten, sodass die Oberfläche uneben wird und im schlimmsten Fall

Risse bekommt.

Anhydritestrich

Anhydritestrich, auch Calciumsulfatestrich genannt, benötigt vergleichsweise kurze

Trockenzeiten, bis er belegt werden kann und verfügt über hervorragende Wärmeleitund

Wärmespeicherfähigkeiten. Der Estrich ist dadurch bestens für die Kombination mit

einer Fußbodenheizung geeignet. Ein großer Nachteil der Anhydritestriche ist ihre Wasserunverträglichkeit.

Kommt der Estrich mit Feuchtigkeit in Kontakt, reagiert das Bindemittel

Anhydrit und wird zu Gips. Die Folge: Der Estrich zerfällt und ist unbrauchbar.

Fließestrich

Sowohl Anhydrit- als auch Zementestrich können als Fließestrich verarbeitet

werden. Dabei wird der Estrich als Trockenmischung auf die Baustelle geliefert und

dort unter Zugabe von Wasser angemischt. Mit einer Estrichpumpe wird die flüssige

Estrich-Rohmasse zum Verarbeitungsort befördert und verteilt. Fließestrich nivelliert

sich fast von alleine und muss nicht mühsam verdichtet oder geglättet werden.

Dämmung

Dämmstoffe unter Nassestrich müssen hoher Druckbelastung standhalten können.

EPS-Dämmplatten eignen sich aufgrund ihrer wasserabweisenden Eigenschaften und

hohen Druckfestigkeit ideal zur Dämmung. Auch druckfeste Steinwolle-Dämmplatten sind

eine gute und relativ kostengünstige Option. Eine weitere Möglichkeit sind Platten aus

alukaschiertem Polyurethan (PUR). PUR ist ein Kunststoffschaum, der durch ein Zellgas

– meist Pentan – aufgeschäumt wurde. Dadurch entstehen viele kleine mit Gas gefüllte

Zellen. Pentan hat eine niedrigere Leitfähigkeit als Luft, sodass der Polyurethanschaum

ein sehr gutes Wärmedämmvermögen aufweist. PUR dämmt daher auch besser als

Styropor, dessen Schaumzellen Luft enthalten. Gerade beim Einbau von Heizestrichen

bietet sich dieser Dämmstoff an, da die Aluschicht die Heizwärme reflektiert und somit für

eine schnellere Reaktion der Fußbodenheizung sorgt.

Bild: SG-Rigips

22 BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.


Trockenestrich

Trockenestrich bzw. Fertigteilestrich besteht aus vorgefertigten

Elementen in Form von Platten, die im

Verband verlegt und im Fugenstoß verklebt und/oder

verschraubt werden. Die einzelnen Elemente bestehen

zum Beispiel aus miteinander verklebten Zement-,

Gipsfaser- oder Holzfaserplatten. Der große Vorteil

von Trockenestrich besteht darin, dass bei seiner Verlegung

keinerlei Feuchtigkeit in die Räume eingebracht

wird und somit auch keine Trockenzeiten abgewartet

werden müssen. Der Estrich kann sofort nach dem

Aushärten der Klebeverbindungen belegt werden.

Nachteilig ist, dass die Platten in Räumen mit Wasseranfall

eine gesonderte Feuchtigkeitsschutzschicht

benötigen. Ein unebener Untergrund sollte im Vorfeld

mit einer Ausgleichsschüttung behoben werden. Die

Bodenplatten werden dann schwimmend verlegt. Das

heißt, sie stoßen nicht an den Wänden an, sondern behalten

eine Randfuge, damit der Boden arbeiten kann.

Trockenestrich mit aufkaschierter Dämmung

Während Nassestriche aufgrund ihrer größeren Massen

automatisch besser dämmen, gelten die leichteren Trockenestrich-Konstruktionen

allgemein als unzureichend.

In der Praxis kann mithilfe einer aufkaschierten Dämmung

aus Holzfaser, Polystyrol oder hochverdichteter Mineralwolle

eine ähnliche Dämmwirkung erzielt werden. Welche

Kombination aus Dämmstoff und Deckschicht im Einzelfall

am ehesten infrage kommt, hängt nicht nur vom angestrebten

Dämmgrad, sondern auch vom gewünschten

Bodenbelag ab.

Bild: SG-Rigips

Holzfaser-Estrichplatte mit MDF-Nut

Spezielle Holzfaserdämmplatten mit längsseits gefräster

Nut und einlegbarer MDF-Feder können

durch ihre widerstandsfähige Oberfläche als Trockenestrichelement

im Bodenbereich eingesetzt und

direkt mit Laminat, Parkett oder Hobeldielen belegt

oder sogar verfliest werden. Eine zusätzliche lastverteilende

Schicht ist nicht notwendig. Hobeldielen

können direkt in die eingelegte MDF-Feder verschraubt

werden. Die Platten haben hervorragende

trittschall- und wärmedämmende Eigenschaften,

denn die innenliegende Feder verhindert Schall- oder

Wärmebrücken. Ein weiterer Vorteil: Kabelkanäle

können direkt in die Platten eingearbeitet werden.

Bild: Knauf

Bild: Sonae Arauco/Agepan System

Schüttdämmstoff

Eine sehr einfache Lösung, um unebene bzw.

schwierige Böden zu dämmen, ist eine Dämmstoffschüttung.

Dämmaktive Ausgleichsschüttungen

bringen schräge bzw. unebene Böden schnell

in die Waage. Auf dem Boden verlaufende Rohre

verschwinden einfach in der Schüttung. Dämmschüttungen

bestehen entweder aus Styroporbeton-Kügelchen

oder aus einer veredelten Form

des leichten Perlits. Letzterer Baustoff ist vulkanischen

Ursprungs und ganz natürlich, mineralisch,

chemisch neutral und baubiologisch absolut

einwandfrei. Im eingebauten Zustand verkleben

und verkrallen sich die Granulate, sodass eine

Schicht entsteht, die die Anforderungen an eine

Ausgleichsschicht in „gebundener Form“ nach DIN

18560-2 erfüllt. Eine Spezialvariante eignet sich

als tragfähige Schüttung unter Nass- und Asphaltestrichen.

Bild: SG-Rigips

BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.

23


Bodenbeläge

Worauf Sie täglich gehen und stehen, sollte einen wichtigen Aspekt in der Gestaltung

einnehmen. Was spricht Sie an? Eine homogene Bodengestaltung oder doch

ein Materialmix? Lassen Sie sich die ganze Welt moderner Fußböden zeigen – von

Stein und Keramik über Laminat und Parkett bis hin zu Kork, dem Avantgardisten

aus der Natur. Es gibt viel zu entdecken.

Bild: Krautol

Untergrundvorbereitung

Betrachtet man die Schäden alter Bodenbeläge, stellt

man fest, dass viele Ursachen im Untergrund zu finden

sind. Eine fachgerechte Vorbereitung des Untergrundes

ist für einen fehlerfreien und funktionalen Bodenbelag

unabdingbar. Abhängig vom geplanten Bodenbelag

und dem vorhandenen Untergrund können verschiedene

vorbereitende Arbeiten vonnöten sein, um eine völlig

ebene bzw. haftfähige Oberfläche zu erhalten.

Grundierung

Um sicherzustellen, dass Spachtelmassen oder Klebstoffe

gut auf dem Boden haften, sollte vor dem Bodenausgleich

eine Grundierung verwendet werden. Auf

glatten, dichten Untergründen bildet die Grundierung

eine Haftbrücke und verbessert so die Benetzungsfähigkeit.

Des Weiteren schützt sie vor Eindringen von

Feuchtigkeit in den Estrich und vermeidet durch das

Sperren der Untergründe, dass die Restfeuchte Schäden

am Bodenbelag verursacht.

Bild: ARDEX

Bild: ARDEX

Spachtelmasse

Die Verwendung einer Spachtelmasse bei geraden,

tragfähigen, aber leicht beschädigten Untergründen

reicht aus, um die geeignete Basis für den neuen Bodenbelag

zu schaffen. Bodenspachtel aus Zement,

Gips oder Kunstharz verschließen Löcher und Risse

und gleichen Unebenheiten aus. Je nachdem, welche

Schäden ausgebessert werden müssen, gibt es

verschiedene Varianten. Fließfähige Spachtel sind

flächendeckend zum Glätten geeignet, wohingegen

standfeste Spachtelmassen bei punktuellen Schadstellen

Verwendung finden.

Selbstnivellierende Spachtelmasse

Eine Spachtelmasse mit selbstnivellierenden Eigenschaften

ist die optimale Lösung, um unebene Böden

effektiv und schnell zu begradigen. Die Masse ist

sehr spannungsarm, auch bei geringen Schichtdicken

fließfähig und lässt sich hervorragend ebnen. Welche

Spachtelmasse jeweils die Richtige ist, hängt von der

benötigten Schichtdicke, dem Material, der Untergrundbeschaffenheit

und dem geplanten Bodenbelag ab.

Die Wahl des falschen Produktes kann fatale Folgen

haben – darum bietet der Markt eine große Anzahl spezifischer

Lösungen. Lassen Sie sich deshalb unbedingt

von einem Fachmann beraten!

Renovieren in Rekordzeit

Bilder: Kiesel

Gestern Kinderzimmer, heute Home-Office, morgen Gästezimmer – mit sogenannten Wiederaufnahmesystemen gelingt

dies schnell, sauber und unkompliziert. Sie basieren auf einem zweilagigen Spezialgewebe, das beim Aufbau des

Fußbodens mit einem speziellen Klebstoff eingebracht wird. Auf dem Gewebe wird dann das ausgewählte Belagsmaterial

verklebt. Stehen Veränderungen der Räumlichkeiten ins Haus, lassen sich die beiden Lagen des Gewebes durch

einfaches Durchtrennen der Verbindungsfäden voneinander lösen. Der Boden- oder Wandbelag kann dann mühelos

entfernt werden. Auf der zurückbleibenden Einzellage kann sofort wieder ein neuer Belag verklebt werden.

24 BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.


Trittschalldämmung

Trittschall entsteht durch Gehen auf dem Fußboden oder andere Einflüsse wie z. B.

die Vibrationen einer laufenden Waschmaschine. Dieser Schall überträgt sich auf

bzw. durch den Boden und damit auch in darunterliegende Räume. Daher sollte auf

eine ausreichende Trittschalldämmung geachtet werden. Es gibt einen Unterschied

zwischen Trittschall und Gehschall: Trittschall bezeichnet den in anderen Räumen

wahrgenommenen Schall. Gehschall hingegen das im Raum entstehende Geräusch.

Eine gute Trittschalldämmung kann auch den Gehschall um bis zu 30 % senken. Sie

sorgt somit auch im Raum selbst für weniger Geräusche.

Verlegung unter dem Bodenbelag

Bei schwimmend verlegten Böden wie

Fertigparkett, Laminat und Vinyl ist eine

Trittschalldämmung direkt unter dem

Belag unverzichtbar. Nicht verklebte Bodenbeläge

federn bei jedem Schritt ganz

leicht mit. Sie wirken wie Resonanzkörper

und verstärken den Trittschall

durch die Übertragung auf den

darunterliegenden Estrich. Deshalb sollte

eine dämmende Unterlage unter dem

Bodenbelag verlegt werden, um den

Trittschall zu minimieren. Die Dämmung

dämpft das Federn der Dielen und so

den Schall in angrenzenden Räumen.

Verlegung unter dem Estrich

Hierbei ist vor allem wichtig, dass der

Estrich „schwimmt“. Das bedeutet, das

er an keiner Stelle direkt mit Wand oder

Boden in Berührung kommen darf. Die

Trittschalldämmung in Form von beispielsweise

Schüttdämmung muss

vollflächig über den gesamten Boden

verlegt werden. An den seitlichen Rändern

kommt ein Randdämmstreifen zum

Einsatz. Somit federt die Dämmung Bewegungen

des Estrichs ab und reduziert

die Schallentwicklung. Für eine optimale

Trittschalldämmung können beide Varianten

kombiniert werden.

Abdichtung unter Fliesenböden

Bild: ARDEX

Fliesen in Wohnbereichen, Küchen und Bädern sind heute fast schon Standard. In

Badezimmern ist aufgrund der hohen (Luft-)Feuchtigkeit eine abdichtende Untergrundbehandlung

Pflicht. Auch in Küchen empfiehlt sie sich – vor allem in Altbauten

mit feuchteempfindlichen Unterkonstruktionen. Neuartige einkomponentige, selbstverlaufende

Abdichtungen erleichtern diese Arbeiten. Die Abdichtung kann bis zu

einer Schichtstärke von 5 mm eingesetzt werden und gleicht, ähnlich wie bei selbstnivellierenden

Fließestrichen, leichte Unebenheiten direkt mit aus. Besonders beim

Renovieren von verwinkelten Grundrissen eignet sich die Masse dank dieser Eigenschaft

ideal zum Verdichten von Flächen.

Bodenbeläge verkleben

Das Verkleben von Bodenbelägen muss nicht zwangsläufig sein, jedoch empfiehlt

es sich besonders bei Holzböden, um einen besseren Trittschallschutz zu erzielen.

Durch das Verkleben liegt der Belag völlig hohlraumfrei auf dem Untergrund und kann

weder schwingen noch rutschen. Im Gegensatz zur schwimmenden Verlegung trägt

das Fehlen der Hohlräume dazu bei, dass der Belag trittfester und belastbarer ist. Bei

Teppichböden gilt: in kleinen Räumen (bis ca. 25 m 2 ) kann Teppich lose verlegt und

nur an den Rändern fixiert werden. Bei größeren Flächen ist eine Verklebung notwendig

– gerade dann, wenn eine Fußbodenheizung verbaut wurde. Denn vollflächig

verklebte Böden leiten die Wärme von Fußbodenheizungen gut und schnell aus dem

Unterboden an die Oberfläche weiter, da sich keine isolierende Luftschicht bildet, die

den Wärmedurchgang behindert.

Nutzungsklassen nach DIN EN ISO 10874

Damit die Auswahl der sehr unterschiedlichen Arten von elastischen Bodenbelägen

einfacher fällt und für die jeweilige Anforderung der richtige Belag gewählt werden

kann, ist in der DIN EN ISO 10874 „Elastische, textile und Laminat-Bodenbeläge“ ein

Klassifizierungssystem aufgeführt. Die Norm teilt die unterschiedlichen Einsatzbereiche

in Wohnen (NK 21 bis 23), Gewerbe (NK 31 bis 34) und Industrie (NK 41 bis 43).

Hersteller sind verpflichtet, ihre Produkte nach den gültigen Normen zu kennzeichnen

und einzustufen. Die Norm bietet den Vorteil des einheitlichen Produktvergleichs auf

dem europäischen Markt und Ihnen Sicherheit und Transparenz bei der Produktauswahl.

Nutzungsklassen für die private Nutzung

Klasse 21 Klasse 22 Klasse 23

Räume mit geringer

Nutzung, zum Beispiel:

Schlafzimmer

Gästezimmer

Räume mit mittlerer

Nutzung, zum Beispiel:

Wohn- und Esszimmer

Innenflure

Räume mit intensiver

Nutzung, zum Beispiel:

Küchen

Eingangsbereich

Arbeitszimmer Bild: BHK

BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.

25


Laminat, Parkett & Co.

Laminat

Laminatböden gehören trotz ihrer Holzdekore nicht zu den Holzböden, sondern bilden

eine eigene Bodenbelagsgruppe. Man spricht bei Laminat von einem mehrschichtigen

Werkstoff, der sich aus einer Deckschicht (Overlay) und einer Trägerplatte zusammensetzt.

Die Deckschichten bestehen aus einer oder mehreren Lagen und werden

mit wärmegehärteten Aminoplastharzen verpresst. Als Trägerplatten kommen in

der Regel HDF-Platten zum Einsatz. Besonders Holzoptik erfreut sich größter Beliebtheit.

Dabei weisen Laminatbeläge eine derart hohe Detailtreue und haptische Qualität

auf, dass sie kaum noch von Echtholz-Parkett zu unterscheiden sind. Die meisten

modernen Laminat-Varianten funktionieren mit einem Steck- oder Klicksystem und

werden schwimmend verlegt. Der Belag kann direkt auf dem Estrich, einem vorhandenen

Holzboden, PVC-, Stein- oder Fliesenboden verlegt werden. Um den Trittschall

zu dämpfen, wird zusätzlich eine trittschalldämmende Folie zwischen Untergrund und

Laminat gelegt. Wird der Belag über Fußbodenheizung verlegt, empfiehlt sich der

Einbau einer Dampfbremse.

Parkett

Ähnlich wie Laminat besteht auch der Naturholzboden aus mehreren Schichten, die

sich im Material unterscheiden. Die Vielfalt reicht vom weißlichen Ahorn über rötliche

Buche bis hin zum fast schwarzen Holz der Wenge. Aufgrund ihrer Härte sind

Laubholzarten am besten als Parkett geeignet und bringen eine warme Atmosphäre

in den Wohnraum. Die meisten Parkettarten lassen sich auf jedem festen und ebenen

Untergrund verlegen. Dabei sind der notwendige Feuchtigkeitsschutz sowie die

schall- und wärmetechnischen Anforderungen zu beachten. Elastische, silikon- und

lösemittelfreie Spezialklebstoffe vereinfachen das Verlegen der Parkettbodenbeläge.

Durch ihren Einsatz kann das Parkett vollflächig verklebt werden, ohne dass zuvor ein

Primer angewendet werden muss. Die Langlebigkeit des Bodenbelags hängt neben

der richtigen Verarbeitung auch von der Dicke der Nutzschicht ab.

Bild: Moderna

Einschichtparkett

Unter den Begriff Einschichtparkett fallen das Stabparkett, das Massivparkett und

das Mosaikparkett. Stabparkett wird verklebt und mit Nägeln am Boden befestigt.

Mosaikparkett besticht mit einzelnen kürzeren Vollholzlamellen, die sich zu Mustern

zusammensetzen lassen, z. B. zu einem Würfel- oder Fischgrätmuster. Massivparkett

wird gänzlich verklebt und ist daher besonders beständig. Einschichtparkett ist häufig

sehr robust. Es kann mehrfach abgeschliffen werden und ist besonders langlebig.

Mehrschichtparkett

Mehrschichtparkett lässt sich in Fertig- und Tafelparkett unterteilen. Fertigparkett wird

als Dreischicht- oder Zweischichtparkett produziert. Beim Zweischichtparkett besteht

die untere Hälfte aus querverleimtem Massivholz, weshalb es sich besonders in Kombination

mit einer Fußbodenheizung eignet. Tafelparkett besitzt meist ein komplexes

Muster, das mit besonderer Sorgfalt verlegt werden muss, damit sich ein ansprechendes

Gesamtbild ergibt. Mehrschichtparkett lässt sich meist nur zwei Mal abschleifen.

Es wird daher deutlich günstiger angeboten als Einschichtparkett aus Massivholz.

Bild: AMORIM

Bild: Moderna

26 BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.


Vinyl

Vinylboden wird immer beliebter. Das Material bildet

den Trendbelag für alle, die einen funktionalen, robusten

Boden suchen und keine Abstriche in der Optik

machen wollen. Vinyl ist unempfindlich und sehr pflegeleicht

– in der Regel reicht es aus, den Boden mit

Staubsauger und feuchtem Lappen zu reinigen. Da

Vinyl im Vergleich zu anderen Belägen (z. B. Laminat)

eine weichere Oberfläche hat entstehen weniger Gehgeräusche.

Außerdem ist Vinylboden fußwarm – also

wärmer als Laminat oder Fliesen – und feuchtigkeitsbeständig.

In Sachen Optik lässt Vinyl sowieso keinerlei Wünsche

offen. In der Produktion können nahezu alle Designvorstellungen

realisiert werden. Gerade Vinylboden

in Holzoptik ist angesagt. Dank des geringen Wärmedurchlasswiderstandes

eignet sich Vinyl auch gut

für Räume mit Fußbodenheizung. Grundsätzlich unterscheidet

man zwei Arten von Vinylböden:

Vinyl auf HDF-Träger

Dieser rund 10 Millimeter starke Belag ist ähnlich aufgebaut

wie Laminat. Er kann schwimmend verlegt oder

verklebt werden. Durch den Aufbau eines HDF-Vinyls,

gerade in Verbindung mit Kork als Trittschall, lässt

sich dieser auch bei leichten Unebenheiten des Untergrunds

problemlos verlegen. Ein weiterer Vorteil eines

HDF-Vinyls ist die Unempfindlichkeit gegen starke

Sonneneinstrahlung. Vinylboden auf HDF-Trägern ist

mit einem Quellschutz versehen, sodass Feuchtigkeit

nur sehr schwer eindringen kann. Somit ist HDF-Vinyl

letztendlich für alle Wohnräume gut geeignet – bis auf

Nasszellen.

Bild: AMORIM

Massiv-Vinyl

Dieser bis zu 7 Millimeter starke Boden ist als Klick-

Vinyl zur schwimmenden Verlegung, zum Verkleben

sowie selbstklebend erhältlich. Während der Einsatz

in Feuchträumen für die HDF-Ausführungen ausgeschlossen

ist, eignet sich Massiv-Vinyl sogar zur Verlegung

im Bad.

Kork

Kork ist der ökologische Baustoff par excellence, denn

die geerntete Rinde von Korkeichen wächst wieder

nach. Auch physikalisch gesehen ist Kork ein Wunder

der Natur: Viele Millionen mit Luft gefüllte Zellen pro

Kubikzentimeter machen Kork extrem feuchteresistent

und bilden einen effektiven Hitze-, Kälte- und Feuerschutz.

Die weiche, warme Oberfläche verarbeiteter

Korkplatten schwingt leicht, sorgt für ein angenehmes

Barfußgefühl und dämpft zudem sehr wirksam den Trittschall.

Kork kann fest verklebt oder schwimmend verlegt

werden. Bei lose verlegten Korkböden handelt es

sich meist um sogenannte Klickelemente, die durch ein

System beim Verlegen miteinander verbunden werden.

Die kapillarähnliche Materialstruktur der Platten wirkt

wärmedämmend, feuchtigkeitsregulierend und daher

höchst angenehm aufs Wohnklima. Fehlen nur noch

optische Vorzüge – und auch die hat Kork zu bieten.

Die Designvarianten reichen von authentischem Stein

bis hin zu täuschend echten Holzoptiken. Mit Farben

und Strukturen kann der natürliche Korklook reizvoll

aufgewertet werden.

Bild: AMORIM

Bild: AMORIM

BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.

27


Fliesen

Fliesen erfreuen sich bei der Innenraumgestaltung,

besonders im Badezimmer und in der Küche, großer Beliebtheit.

Auch in Fluren oder anderen stark beanspruchten

Bereichen erweisen sich die pflegeleichten Bodenbeläge

als nützlich. Fliesen sind mittlerweile in einer

unendlichen Vielfalt von Formaten und Designs erhältlich.

Steingutfliesen

Steingutfliesen sind besonders grobporig, lassen sich

leicht zuschneiden und können auch in verwinkelten Bereichen

gut verlegt werden. Für stark belastete Bereiche

sind die Fliesen jedoch nichts – sie eignen sich am besten

als Wandfliesen. Ihre Porosität führt zu einer hohen

Wasseraufnahmebereitschaft (> 10 % des Gewichts),

sodass Steingutfliesen nicht frostsicher sind und daher

auch nur für den Innenbereich empfohlen werden. Sie

kommen ausschließlich in glasierter Form zum Einsatz,

damit das Material vor Verschmutzungen sowie mechanischen

und chemischen Einwirkungen geschützt ist.

!Gesundes Wohnen

mit Keramik

Keramische Fliesen besitzen – aufgrund der

hohen Temperaturen beim Brennvorgang – eine

geschlossene Oberfläche. Allergene Stoffe wie

Milben und Hausstaub können sich nicht entwickeln

und einnisten. Auch Schimmelpilze und andere

Bakterien haben keine Chance. Fliesenbeläge

sind besonders für Allergiker eine gute Wahl.

Steinzeugfliesen

Steinzeugfliesen sind deutlich dichter als Steingutfliesen

und nehmen nur in geringem Maße Wasser auf

(< 3 % des Gewichts). Zudem gelten sie als frostsicher.

Sie sind robust gegen Säuren, Laugen, Abrieb und Verschleiß

und können als Bodenfliesen im Innen- sowie

Außenbereich verlegt werden.

Feinsteinzeugfliesen

Mit einer sehr geringen Wasseraufnahme (< 0,5 % des

Gewichts) sowie einer sehr hohen Strapazierfähigkeit

sind Feinsteinzeugfliesen absolut frostsicher und

perfekt als Bodenbelag im Innen- und Außenbereich

geeignet. Gerade für stark beanspruchte Böden sind

sie prädestiniert.

Bild: Mapei

Fliesenfugen

Ein ungemein wichtiger Bestandteil jedes Fliesenbelags

sind die Fugen. Sie verbinden nicht nur die

einzelnen Fliesen, sondern strukturieren zugleich die

gesamte Fläche und bestimmen – abhängig von ihrer

Farbe und ihrer Breite – auch ganz maßgeblich den

Gesamteindruck einer Fläche. Fugen können je nach

Farbkombination den optischen Eindruck der Beläge

kontrastieren, betonen oder eine harmonische Raumstimmung

schaffen. Moderne Fugenkollektionen bieten

eine sehr große Farbauswahl und lassen hinsichtlich

der individuellen Gestaltungsmöglichkeiten keine Wünsche

offen. Neben der Optik zählt bei Fugen natürlich

auch die Funktionalität. Deshalb ist es wichtig, den

Fugenmörtel stets gezielt auf den jeweiligen Anwendungsfall

und die damit einhergehenden Beanspruchungen

abzustimmen.

Fliesen im Wohnraum

PRO

Feuchtigkeits beständig

Sehr pflegeleicht

Allergikerfreundlich

Idealer Belag für Fußbodenheizung

Rutschfeste Varianten

erhältlich

Riesige Designvielfalt

Sehr lange Haltbarkeit

CONTRA

Hoher Trittschall

Hartes Laufgefühl

Kaltes Laufgefühl ohne

Fußbodenheizung

Bild: Mapei

28 BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.


Fliesenschienen

Boden-, Wand- und Mosaikfliesen, die mit ihren Randfugen enden oder direkt an

große Einbauteile wie Fenster oder Türen grenzen, sehen schnell unprofessionell

verlegt aus. Fliesenschienen sind die clevere Lösung und vereinen Design, Funktion

und Sicherheit. Sie fungieren als optische Grenzmarke für die geflieste Fläche

und schützen Fliesenecken vor Abnutzung. Mit wenig Aufwand können Flächen so

optisch und funktionell aufgewertet werden. Fliesenschienen bestehen üblicherweise

aus Aluminium oder Edelstahl und werden in der Regel gleich bei der Fliesenverlegung

mitverarbeitet.

Übergangsschienen

Übergangsschienen bilden den Übergang zwischen Bodenbelägen und dienen beispielsweise

dazu, Fliesen im Flur mit dem Laminat im Schlafzimmer einwandfrei zu

verbinden. Ähnlich wie die Sockelleisten an der Wand gehören Übergangsschienen

zum Standard eines harmonischen Gesamtbildes und werden so gut wie immer benötigt,

wenn ein neuer Boden verlegt wird. Die einzelnen Räume werden optisch

voneinander abgegrenzt und Höhenunterschiede ausgeglichen. Wird Parkett oder

Laminat schwimmend verlegt, ist eine Übergangsschiene auch aus technischen

Gründen nötig – sie schafft eine Dehnungsfuge.

Trockenbodenheizungssysteme

Elektrische Heizsysteme sind in den Betriebskosten teurer als Warmwasser-Fußbodenheizungen.

Möchten Sie nur ein einzelnes Zimmer oder einen Teilbereich

mit einer Fußbodenheizung ausstatten, reduziert sich der Aufwand für die Installation.

Sie benötigen lediglich einen Stromanschluss, jedoch ist eine Anbindung

an das bestehende Heizungssystem nicht erforderlich. Der Aufbau solcher

Systeme ist sehr niedrig (die Heizmatten sind oft nur wenige Millimeter hoch),

wodurch sie sich besonders gut für die Renovierung bzw. zur Nachrüstung eignen.

Ein weiterer Vorteil: elektrische Systeme reagieren besonders schnell. Die

gewünschte Gradzahl wird innerhalb kürzester Zeit erreicht.

Bild: Warumup

Bild: Warumup

Smarte Thermostat-Steuerung

Moderne Thermostate ermöglichen eine zeitgenaue Steuerung und garantieren

den sparsamen und effizienten Betrieb eines Heizsystems. Smarte Systeme,

die mit Smartphone, Tablet oder Computer gesteuert werden, ermöglichen eine

ortsunabhängige Steuerung und können sogar lernen, auf Ihre individuellen

Gewohnheiten zu reagieren. Sie bieten z. B. durch Temperaturvorschläge und

vorgegebene Heizzeiten Möglichkeiten zum Energiesparen an.

BAUZEIT. INNENAUSBAU. BÖDEN.

29


BELEUCHTUNG

Integrierte Deckenspots gehören längst zum Repertoire des

modernen Trockenbaus, doch der Fortschritt der LED-Technik ermöglicht

immer neue Lichtlösungen für alle Anwendungsbereiche.

LED-Einfassprofile für Decken und Wände schenken Ihnen vielfältige

Optionen – von der effektvollen Dekorbeleuchtung bis hin zu

dezenten Funktionslösungen aller Art.

Bild: Paulmann

30 BAUZEIT. INNENAUSBAU. BELEUCHTUNG.


Bild: Paulmann

LED-Leuchten

LED-Leuchten werden zunehmend zum Standardleuchtmittel

im Wohnbereich. Die Lampen rentieren

sich trotz des etwas teureren Anschaffungspreises

durch ihre hohe Stromkostenersparnis und beeindruckende

Lebensdauer – die umweltfreundlichen

LEDs schaffen mehr als 20.000 Stunden. LEDs sind in

verschiedenen Farbtemperaturen erhältlich. Eine geringere

Farbtemperatur erzeugt ein warmes, entspannendes

Licht; eine höhere Farbtemperatur sorgt für ein

kühles, belebendes Licht. Auch die Dimmbarkeit von

LEDs ist mittlerweile problemlos möglich. LED-Leuchtmittel

und Lampen, die dimmbares Licht ermöglichen,

sind mit entsprechenden Symbolen gekennzeichnet

Beispielrechnung zum Stromverbrauch (pro Leuchte)

Halogen

180 Watt Halogen-Deckenleuchte

Durchschnittliche Leuchtdauer: 4,5 Std./Tag

Stromverbrauch pro Jahr:

180 Watt x 4,5 Std. x 365 Tage = 295,650 kWh

Stromkosten pro Jahr: (bei 25ct/kWh)

296 kWh x 0,25 € = 74,00 €

LED

30 Watt LED-Deckenleuchte

Durchschnittliche Leuchtdauer: 4,5 Std./Tag

Stromverbrauch pro Jahr:

30 Watt x 4,5 Std. x 365 Tage = 49,275 kWh

Stromkosten pro Jahr: (bei 25ct/kWh)

49 kWh x 0,25 € = 12,25 €

Jährliche Ersparnis: 61,75 €

Planung der Beleuchtungsarten

Das A und O einer bedarfsgerechten, energiesparenden

Beleuchtung ist die sorgfältige Planung. Dabei sollte

folgende Frage zuerst geklärt werden: Wie viel Licht

benötige ich für welchen Zweck an welchem Platz? Drei

Beleuchtungsarten gibt es:

Grundbeleuchtung

Leuchten für die Grundbeleuchtung sorgen von der

Decke aus für eine gleichmäßige, helle Raumausleuchtung

ohne Blendung und irritierende Schlagschatten.

Akzentbeleuchtung

Bei der Akzentbeleuchtung werden einzelne Objekte

oder Ecken mit einem Spot direkt angestrahlt. Der

Raum wird dadurch lebendiger.

Stimmungslicht

Die indirekte Beleuchtung in Form abgehängter Lichtdecken

oder Vouten erlebt ein Revival. Sie erzeugt eine

diffuse, stimmungsvolle Ausleuchtung mit hohem Gemütlichkeitsfaktor

und ohne harte Schatten.

Bild: Paulmann

BAUZEIT. INNENAUSBAU. BELEUCHTUNG.

31


Bild: Paulmann

Bild: Protektor

LED-Spots

LED-Spots sind durch ihre geringe Einbauhöhe ideal für den Einbau in abgehängten

Gipskartondecken und Paneeldecken geeignet. Sie reduzieren die Raumhöhe kaum,

sorgen aber dennoch für eine ausreichende Grundbeleuchtung im Zimmer. Auch zur

akzentuierten Beleuchtung von bestimmten Zonen, einzelnen Möbeln oder Dekorationsgegenständen,

sind Einbauleuchten eine gute Lösung. Mit ihnen kann unabhängig

von der Einrichtung eine weitere Raumeinteilung umgesetzt werden.

Viele LED-Strahler sind eigens für den Einbau in Trockenwände konzipiert. Sie setzen

attraktive Lichteffekte und erhöhen die Sicherheit in Fluren oder auf Treppen. Optional

integrierbare Bewegungsmelder oder Dämmerungssensoren können eine sinnvolle

Ergänzung sein – sowohl unter dem Sicherheits- als auch dem Energiesparaspekt.

LED-Magnetschienen

Magnetische LED-Schienen-Systeme bieten die Möglichkeit, Lichtakzente einfach,

schnell und werkzeuglos zu installieren. Ein Magnet auf der Rückseite der LED-Lichtleisten

sorgt für die nötige Haftung auf metallischen Untergründen. In Kombination mit

speziellen Schattenfugenprofilen lassen sich ansprechende und kreative Akzentbeleuchtungen

mit warmweißem, neutralweißem oder buntem Licht realisieren. Die Profile

werden ganz einfach beim doppelten Beplanken einer Trockenbauwand zwischen den

Gipskartonplatten eingebaut und nehmen dann die magnetischen Lichtleisten auf.

Gesteuert wird das Licht über eine Funkfernbedienung.

Bild: Paulmann

Tageslichtsimulation

Fensterlose Räume erscheinen oftmals dunkel und stiefmütterlich. Es fehlt das

Tages licht. Mit LED-Panels lässt sich eine flächige Grundbeleuchtung schaffen. Diese

leuchten den Raum angenehm aus und erzielen ähnliche Effekte, wie es nachträglich

eingebaute Deckenfenster tun würden. Mit ihrer geringen Einbautiefe passen die

Panels in fast jede abgehängte Zwischendecke und lassen sich somit leicht als Fensterersatz

in Vorsatzschalen oder Trockenbauwände integrieren. Die Imitation von natürlichem

Licht schont die Augen und trägt durch unterschiedliche Farbtemperaturen

oder eine Dimmfunktion zum Wohlbefinden bei.

Bodenleisten

Speziell konzipierte Fußbodenprofile können mit LED-Stripes in beliebiger Lichtfarbe

bestückt werden und ermöglichen so dekorative Effekte für den Fußboden.

Die Leisten eignen sich hervorragend als Orientierungs- oder Leitlicht für Schattenund

Gefahrenstellen. Zu beachten gilt, dass die Profile bis 130 kg begehbar und bei

Boden belägen ab 8 mm Stärke direkt verklebbar sind. Auch in Möbelstücke mit einer

Mindestmaterialstärke von 12 mm, wie z. B. Regale und Sideboards, können die

LED-Leisten integriert werden. Somit lassen sich nicht nur Ränder bzw. Übergänge

von Bodenflächen, sondern auch Möbel mit Licht akzentuieren.

Starke Marken für Ihren Innenausbau:

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32 BAUZEIT. INNENAUSBAU. BELEUCHTUNG.


INNENTÜREN

& -TREPPEN

Innentüren und -treppen haben eines gemeinsam: Sie verbinden

und trennen Räume und geben ihnen Struktur. Längst vorbei

sind die Zeiten, in denen Türen und Treppen nur als funktionale

Bauelemente wahrgenommen wurden. Sie haben das Zeug

zu Designobjekten, die Ästhetik mit Zweckmäßigkeit vereinen.

Räume werden im Nu aufgewertet und dank der großen Auswahl

an Materialien, Oberflächen und Farben sind zahlreiche Kombinationen

möglich. Entdecken Sie Modelle, die zu

Ihrem Einrichtungsstil passen!


INNENTÜREN

Türen prägen die Gesamtatmosphäre eines Raumes, begünstigen

die Wärmeisolierung, stoppen Zugluft und bleiben

für lange Zeit im Einsatz. Mit welcher Tür möchten Sie leben?

Welche funktionellen Aspekte soll sie erfüllen, wie stellen Sie sich

Form und Optik vor? Aufgrund unterschiedlicher Eigenschaften

verschiedener Türarten gibt es für jedes Vorhaben, jeden Einsatzbereich

oder Zweck die passende Tür. Finden Sie Ihre!

Bild: HUGA

2 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN.


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1

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Bild: Jeld-Wen

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3

Die Tür und ihre Bestandteile

Eine Tür setzt sich aus verschiedenen Komponenten

zusammen. Die wichtigsten Elemente

sind das Türblatt und die Zarge. Die Zarge bildet

den stabilen Rahmen in der Wandöffnung.

Für Beweglichkeit sorgen Bänder in zweioder

drei teiliger Ausführung; sie sind die Bindeglieder

zwischen Zarge und Türblatt. Zum

Öffnen und Schließen der Tür wird der Drücker

benötigt. Tür drücker, umgangssprachlich

auch Türklinken genannt, sind in vielen Stilen

und Designs erhältlich. Weitere Bestandteile

der Tür sind das Schloss und das Schließblech.

Beim Türschloss unterscheidet man

zwischen BB-Schloss (Buntbart), PZ-Schloss

(Profilzylinder) und WC-Schloss.

1 Zarge

2 Türblatt

3 Türschloss

5 Bänder

6 Türdrücker

7 Schließblech

4 Türfalz

!Klimaklassen

von Innentüren

Bild: HUGA

Unterschiedliche Temperatur und Luftfeuchtigkeit

können zur Folge haben, dass sich ein

Türblatt verzieht. Die Klimaklassen nach DIN

EN 1121 geben Auskunft darüber, welchen

Temperaturunterschieden die Innentür standhält.

Je nach vorherrschenden Bedingungen

kommt eine andere Klimakategorie infrage.

Orientieren Sie sich daran, können Sie lange

Zeit auf die einwandfreie Funktionalität und

Dichte Ihrer Türen zählen.

Gängig erhältliche Innentüren mit der Klimaklasse

1 können problemlos im privaten Wohnbereich

eingesetzt werden.

Für das Badezimmer und auch für Schlafzimmer

mit niedrigeren Schlaftemperaturen ist die

Klimaklasse 2 optimal geeignet.

Wohnungseingangstüren und Verbindungstüren

zu Kaltbereichen wie Garage, Keller oder

einem ungedämmten Dachgeschoss sollten

die Klimaklasse 3 aufweisen.

Temperaturunterschied

Klimaklasse

Feuchtigkeitsunterschied

1 bis 5 °C bis 20 %

2 bis 10 °C bis 35 %

3 bis 20 °C bis 55 %

Bild: HUGA

BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN. 3


Konstruktionsweisen

Das Innenleben

Die Qualität steckt im Verborgenen: Das Innere einer Tür, auch Einlage genannt,

bestimmt über Stabilität, Gewicht, Schall- und Wärmeschutz sowie

Nachhaltigkeit des Bauelements. Es werden fünf Konstruktionsweisen

unterschieden.

Wabe

Die Einlage der Tür besteht aus

gestärkter Pappe, angeordnet in einer stabilisierenden Wabenstruktur. Aufgrund

ihrer Einfachheit ist diese Konstruktion günstig in der Anschaffung,

gleichzeitig aber auch anfällig für Beschädigungen.

Röhrenspanstreifen

Röhrenspanstreifen sind Türeinlagen,

die aus Spanplattenstreifen bestehen. Sie sind deutlich stabiler als Wabeneinlagen

und halten durchschnittlicher mechanischer Beanspruchung stand.

Bild: Dextüra

Röhrenspankern

Bei Türen mit Röhrenspankern besteht

das Innere aus einer vollflächigen Spanplatte, die mit Röhren ausgebohrt

wurde. Die hochwertige Einlage überzeugt mit einer hohen Stabilität und

einer guten Geräuschdämmung.

Vollspan

Die Vollspaneinlage kommt immer dann

zum Einsatz, wenn Ansprüche an ein Türblatt gestellt werden, die über den

reinen Sichtschutz hinausgehen. Klassisches Anwendungsgebiet der Vollspaneinlage

ist die Wohnungseingangstür.

Bild: Herholz

Massivholz

Im Bereich der Füllungstüren, z. B.

bei Landhaustüren, wird in der Regel Massivholz wie Fichte oder Kiefer verwendet.

Füllungen aus Holz oder Glas können von Friesen (Rahmenteilen)

umschlossen bzw. unterteilt werden.

Bilder: Jeld-Wen

4 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN.


Material und Oberflächen

Bild: HUGA

CPL

CPL-Türen besitzen eine hochwertige Kunststoffoberfläche

und sind empfehlenswert, wenn die Türen

im Alltag vielen Belastungen ausgesetzt sind. Sie

sind robust, widerstandsfähig, farb- und lichtecht und

halten Kratzern ebenso stand wie Malstiften. Leichte

Verschmutzungen lassen sich einfach abwischen.

CPL-Oberflächen werden in Unifarben oder mit täuschend

echten Holzreproduktionen angeboten.

HPL

HPL-Türen werden selbst den höchsten Anforderungen

gerecht und sind noch eine Spur robuster als CPL-

Türen. Das High-Pressure-Laminat (zu Deutsch: Hochdrucklaminat)

ist überaus strapazierfähig, pflegeleicht,

hitzebeständig sowie kratz-, stoß- und abriebfest.

Türen aus diesem Material sind in den unterschiedlichsten

Farben und Dekoren erhältlich.

Lackierung

Oberflächen in allen erdenklichen Farben und Schutz

für hochwertige Furniere und Massivholztüren –

Lackierungen bieten beides. Mithilfe moderner Walzund

Spritzverfahren sowie UV-härtenden, umweltschonenden

Lacken entstehen langlebige, robuste und

pflegeleichte Oberflächen. Die sogenannte Weißlacktür

erfreut sich besonders großer Beliebtheit.

Holzfurniere

Bei Holzfurnier-Türen besteht die Oberfläche aus

einem edlen, dünnen Holzdeckblatt, welches entsteht,

wenn ein Baumstamm in viele feine Lagen geschnitten

wird. Jede Furniertür ist ein Unikat mit einzigartiger

Maserung. Eine Lackierung schützt die schöne Oberfläche

vor Beschädigungen.

Bild: Hörmann

Bild: HUGA

Massivholz

Bei der Massivholztür bildet das verwendete Holz –

neben der Einlage – auch die Oberfläche selbst. Verschiedene

Möglichkeiten der Bearbeitung fügen zur

Farbe und Maserung weitere interessante Akzente hinzu.

Die Holzoberfläche kann unbehandelt bleiben oder

mit Lacken und Ölen bearbeitet werden. Kleine Macken

lassen sich beheben. Unberührt versprühen sie jedoch

ein charmantes Vintage-Flair.

Glastüren

Glastüren lassen Tageslicht in die Wohnräume und

vergrößern sie optisch. Funktional gesehen trennen

sie Räume und verbinden sie visuell. Sie eignen sich

als Innentür, Schiebetür oder Ganzglastüranlage. Eine

Ganzglastür besteht komplett aus Einscheiben- oder

Verbundsicherheitsglas. Das Türblatt bildet eine rahmenlose

Glasfläche. Mit Lackierung, Siebdruck, Rillenschliff,

Filigranmattierung oder Motivgläsern können Flächen

kreativ gestaltet werden.

Metalltüren

Metalltüren aus Eisen und Stahl erfüllen in erster Linie

praktische Zwecke. Sie werden daher vorwiegend als

Keller- und Sicherheitstüren eingesetzt. Aber auch im

Haus bzw. in der Wohnung kommen Türen aus unterschiedlichen

Metallen als Funktionstüren zum Einsatz.

Die Oberfläche dieser Türart wird häufig pulverbeschichtet

und bietet so eine Vielzahl von Farbvarianten

zur Auswahl.

BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN. 5


Türvarianten

Bild: Herholz

Bild: WESTAG & GETALIT

Drehtüren

Drehtüren sind klassische Türen, wie man sie seit

jeher kennt. Sie sind am weitesten verbreitet und

bieten zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Spricht

man im normalen Sprachgebrauch von einer Tür, ist in

der Regel die Anschlag- oder Drehtür gemeint, deren

Flügel an einer Längskante des Türrahmens angeschlagen

ist.

Flügeltüren

Sie wünschen sich ein imposantes Raumerlebnis vom

ersten Augenblick an? Zweiflügelige Türen erzielen

genau diesen Effekt und sind die ideale Verbindung

zwischen zwei Räumen. Mit Lichtausschnitten kommt

eine extra Portion Helligkeit in Ihre Räume.

Schiebetüren

Bild: HUGA

Neben klassischen Drehtüren, deren Türblatt sich in

den Raum hinein öffnet, gibt es platzsparende Schiebetüren,

die vor der Wand oder innerhalb der Wand entlanglaufen.

Ob als Türlösung in kleinen Zimmern oder

als zentraler Blickfang in großen Räumen – Schiebetürsysteme

sind wahre Raumwunder.

Bild: HUGA

Bild: Sprinz

6 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN.


Bild: PRÜM

Bild: HUGA

Bild: Sprinz

Windfangelemente

Windfangelemente sind die perfekte Lösung, wenn ein

Raumtrenner oder ein Sichtschutz in Fluren gewünscht

ist oder eine Barriere für kalte Zugluft zwischen Hauseingang

und Wohnbereich benötigt wird. Werden Elemente

aus Glas eingesetzt, bleiben Transparenz und Helligkeit

im angrenzenden Raum bzw. im Flur erhalten.

Schwingtüren

Pendel- bzw. Schwingtüren sind mit speziellen Bändern

versehen, welche das Öffnen des Türflügels in

beide Richtungen und das anschließende Selbstschließen

ermöglichen. Um die Sicherheit zu erhöhen und

Kollisionen vorzubeugen, empfiehlt es sich, diese Türen

in verglaster Variante zu wählen. Schwingtüren haben

die höchsten Raumansprüche, weil sie im Vergleich zur

üblichen Drehtür zweimal so viel Raum in Anspruch nehmen.

Die meist doppelflügelige Tür hat einen Links- und

einen Rechtsanschlag und schließt mittig nicht dicht ab.

Bild: HUGA

BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN. 7


Türblatt, Zarge & Drücker

Gefälztes Türblatt

Stumpfes Türblatt

Diese Türblätter sind mit einer L-förmigen

Kante versehen und liegen leicht auf dem

Rahmen auf. Gefälzte Türen haben den

Vorteil, dass sie den Spalt zwischen Türzarge

und Türblatt abdecken und bei geschlossener

Tür kaum Licht durchlassen.

Der Türfalz kann eine zusätzliche Türfalzdichtung

aufnehmen, die bei Türen

mit höheren Schallschutz anforderungen

häufig zum Einsatz kommt.

Die Innentür hat eine gerade ausgeführte

Türkante und schließt ohne Falz mit dem

Türrahmen ab. Das Türblatt liegt lediglich

auf einer Dichtung und nicht auf dem

Rahmen selbst auf. Stumpfe Innen türen

sind vor allem wegen ihres Designs beliebt.

Die flächenbündige Ausführung

wirkt geradlinig und klar – eine Optik, die

durch die verdeckt liegenden Scharniere

noch unter strichen wird.

Bild: Jeld-Wen

Bild: Jeld-Wen

Zargen

Die Türzarge, auch Türrahmen genannt, ist das

Hauptelement der Türkonstruktion. Sie ist der feststehende

Teil, der direkt mit der Wand verbunden ist.

Die Türzarge bedeckt die Kanten der Öffnung in der

Wand. Dies ist wandbündig möglich, meist ragt die

Türzarge aber über das Mauerwerk hinaus.

Umfassungszarge

Die Zarge umschließt beide Wandseiten mit einem

Rahmen. Hier kann sowohl ein klassisches, gefälztes

als auch ein stumpfes Türblatt eingesetzt werden. Mit

der Entscheidung zwischen eckiger, abgerundeter

oder profilierter Optik kann man die Zarge an den Einrichtungsstil

anpassen.

Bild: Herholz

Wandbündige Zarge

Bei wandbündigen Zargen wird der Rahmen in die

Wand eingelassen. Diese Variante wirkt besonders

eindrucksvoll in Kombination mit einem stumpfen Türblatt.

Das ergibt eine ebene Fläche zwischen Türblatt,

Zarge und Wandfläche.

Drücker & Griffe

Rosettengarnituren

Schildgarnituren

Glastürgarnituren

Schiebetürgriffe

Rosettengarnituren decken nur die direkten

Bereiche rund um den Drücker

bzw. das Schlüsselloch ab. Es gibt sie

in runder, ovaler und eckiger Form.

Sie können entweder auf das Türblatt

aufgesetzt oder flächenbündig ins

Türblatt eingelassen werden.

Das Schild, in das der Türdrücker verankert

ist, deckt den Bereich um den

Drücker bis rund um das Schlüsselloch

ab. Die Schilde sind in rechteckigen

oder abgerundeten Ausführungen erhältlich.

Da die meisten Glastüren lediglich als

Durchgangstüren genutzt werden, sind

verschließbare Schlosskästen oft nicht

nötig. Für diesen Zweck genügt eine

einfache Drückergarnitur. Eine große

Auswahl an Formen und Oberflächen

ermöglicht eine optimale Abstimmung

auf die Optik des Türblattes.

Griffmuscheln ermöglichen ein komfortables

Auf- und Zuschieben der Schiebetür

und sind bündig ins Türblatt eingelassen.

Schiebetüren können auch

mit Stoßgriffen ausgestattet werden.

Auch die Kombination aus Stoßgriff

auf der einen und Griffmuschel auf der

anderen Seite ist machbar.

Bilder: Herholz, HUGA, PRÜM, Dextüra

8 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN.


Designtrends

Laufschiene

Glasrahmen

Bilder: Dextüra, HUGA

Garnitur

Bild: Herholz

Schwarz-weiß-Kontraste

Weißlacktüren sind zeitlose Klassiker – seit Jahrzehnten

beliebt und trotzdem immer noch voll im Trend.

Jetzt bahnt sich auch die Farbe Schwarz ihren Weg ins

Wohninterieur. Weiße Flächen mit tiefdunklen Details

als Kontrast kommen gut an. So können Sie beispielsweise

Türgarnituren und Beschläge, aber auch Glasrahmen,

in Schwarz wählen und damit die Gesamtausstrahlung

Ihrer Türen stilvoll beeinflussen. Auch

bei Schiebetüren geht das Konzept auf. Egal ob Holz-,

Glas- oder Dekortür: Laufschienen, Griffmuscheln oder

-stangen in Schwarz setzen ansprechende Highlights

bei der Türgestaltung.

Bild: PRÜM

Trendfarbe Grau

Bild: Herholz

Bild: Herholz

Nicht nur Weiß und Schwarz sind momentan angesagt,

auch die Mischung daraus – nämlich Grau – liegt

absolut im Trend. Vor allem bei eher schlichteren Einrichtungsstilen

kommt eine Tür in der Trendfarbe gut

zur Geltung. Dunkle Garnituren und Beschläge ergänzen

die Tür geschmackvoll.

Trend-Dekore im Retro-Look

Hier trifft der Designkult der 60er-Jahre auf moderne

Farbnuancen. Dekore im Retro-Look überzeugen mit

einer feinen, sehr edel wirkenden Oberfläche in Leinenstruktur,

die man nicht nur sehen, sondern auch fühlen

kann. Die Farbgebung reicht von hellen Tönen bis hin

zum trendigen, ausdrucksstarken Dunkelgrau mit einem

Wechselspiel aus weiß schimmernder Karostruktur.

3D-Fräsung

Die optische Schönheit einer Innentüroberfläche erfährt

durch eine haptisch erlebbare Fräsung eine dritte

Dimension. Die Höhen und Tiefen in der Oberfläche

reagieren auf den Lichteinfall, werfen Schatten und machen

die Tür noch lebendiger.

BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN. 9


Glastüren

Glastüren teilen Räume, ohne sie wirklich zu trennen.

Sie sind ein wichtiges Element heutiger Architektur

und werden als Dreh-, Schwing- oder Schiebetür eingesetzt.

Für individuell gestaltete Türen wird mit keramischem

Digital- oder Siebdruck und Rillenschliff bzw.

einer Kombination aus beiden Techniken gearbeitet.

Rillenschliff

Dekore aus Rillenschliff verleihen Türen einen unverwechselbaren

Charakter. Als Rille wird eine Fräsung

bezeichnet, die in die Oberfläche des Glases eingearbeitet

wird und eine besondere Lichtbrechung hervorruft.

So ist eine Vielzahl unterschiedlichster Designs

möglich. Eine besondere Brillanz erzeugt der Rillenschliff

auf einer Siebdruck-Tür.

Bild: Sprinz

Folie

Liquid

Crystal

Polymer

Licht

Licht

Bild: Sprinz

Keramischer

Digital- oder Siebdruck

Keramische Farben werden je nach Motiv bis zu fünffarbig

in die Glastüren und Glaselemente eingebrannt.

Die Farben sind sehr widerstandsfähig gegen Sonneneinstrahlung,

Feuchtigkeit und Heizungswärme. Dank

glatter, geschlossener Oberfläche lassen sich organische

Flecken mühelos entfernen. Um die Ausdrucksstärke

der Motive weiter zu verstärken, können Sie

zwischen Klarglas und Weißglas wählen. Bei Klarglas

behält das Glas seinen charakteristischen Grünstich.

Bei Weißglas ist dieser deutlich reduzierter.

Leuchtende Glastüren

Bedruckt mit Farbe, Dekor oder Motiv und gleichmäßig

mit LEDs beleuchtet, lässt sich eine ausgefallene

Innenraumgestaltung realisieren. Die Glasschiebetür

leuchtet beidseitig, auch beim Öffnen und Schließen.

Mit Smartphone und Controller erfolgt die Steuerung

der LEDs. Kaltweiß, Warmweiß und Mischweiß sind

definierbar. Ein Farbwechsler taucht den Raum in einen

stetigen Farbton oder in wechselndes Licht. Erzeugen

Sie mit Lichtfarben die passende Stimmung!

Bild: Sprinz

AUS

Glas

AN

!Schaltbares Glas

Grafik: Sprinz

Glasklarer Durchblick oder matte Scheibe?

Mit einem intelligenten, schaltbaren Glassystem

erhalten Sie beides! Das Verbundglas

lässt sich der Situation entsprechend

anpassen. Das funktioniert, weil zwischen

zwei Glasscheiben und zwei Beschichtungen

ein Liquid Crystal Polymer integriert ist. Im

spannungsfreien Zustand wirkt das Element

wie ein Satinatoglas. Beim Anlegen einer geringen

Spannung richten sich die im Polymer

eingebetteten Moleküle aus und das Element

wird klar. Die Funktion kann sowohl in Raumtrenner

als auch in Türen eingesetzt werden.

10 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN.


Sondertüren

An bestimmten „Schnittstellen“ im Haus müssen Türen Vielfältiges

leisten: Sie sollen die Wärme drinnen halten, Gerüche

und Lärm jedoch draußen – und auch der Brandschutz

darf nicht vergessen werden! Spezielle Funktionstüren finden

sich zum Beispiel zwischen Flur und Keller oder Keller und

Heizungsraum. Hier stehen klar die Funktionen der Türen im

Vordergrund. Systembaukästen lösen die unterschiedlichen

Aufgaben zu vergleichsweise günstigen Kosten. Brand-,

Rauch-, Einbruch-, Schallschutz- sowie Klimafeatures können

nach Bedarf zusammengestellt werden.

Brand- und Rauchschutz

Brand- und Rauchschutztüren verhindern eine rasche

Brandausbreitung und schützen die Innenräume vor Feuer

und Rauch. Die Türen müssen 30 bzw. 90 Minuten lang

die Anforderung der DIN 4102 erfüllen und dafür einen Eignungsnachweis

erbringen. Brand-/Rauchschutz elemente

können nur als komplettes Element inklusive Zarge und

aller Beschläge geliefert werden. Die Produktion von

Brand-/Rauchschutzelementen unterliegt einer regelmäßigen

Fremdüberwachung.

Einbruchschutz

Türen mit Einbruchschutz halten mechanischen Einwirkungen

aufgrund ihres besonderen Aufbaus gut stand.

Verstärkte Türblattkonstruktionen und Beschläge sowie

einbruchhemmende Profilzylinder sorgen für den gewünschten

Schutz; spezielle Schließsysteme erhöhen zusätzlich

die Sicherheit.

Schallschutz

Schallschutztüren sind überall dort erforderlich, wo ein störender

Geräuschpegel vorherrscht, der das Leben und Arbeiten

beeinträchtigt. Sie sind in der Regel zweischalig aufgebaut.

Durch die integrierte Füllung absorbieren sie Schallwellen

deutlich stärker als einschalige Türen. Spezielle Akustikdichtungen

zwischen Türblatt und Zarge bzw. Fußboden sorgen

dafür, dass die geschlossene Tür wirklich dicht ist. Die Verbindung

von Tür und Zarge ist die wesentliche Komponente,

welche den geforderten Schallschutz sicherstellt.

Feuchtraum

Bei Räumen mit erhöhter Luftfeuchtigkeit durch kondensierten

Wasserdampf, also in Nassraumzellen und Badezimmern,

ist das Türblatt kurzfristig einer Feuchteinwirkung

ausgesetzt. Spezielle Feuchtraumtüren halten derartigen

Beanspruchungen stand.

Klimaschutz

Ein Türblatt muss die Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschiede

zwischen Räumen mit unterschiedlichen Nutzungszwecken

ausgleichen können, damit es nicht zum

Verzug des Türblattes kommt. Die Verwendung spezieller

Türblattkonstruktionen mit fest definierten und auf die unterschiedlichen

Einsatzgebiete abgestimmten Eigenschaften

ist notwendig.

Kniestock/Drempel

Im Kniestock/Drempel unter der Dachschräge findet sich

oft ungenutzter Raum. Der Einsatz einer Kniestocktür in

die Abseitenwand schafft praktische Abstellmöglichkeiten.

Am Übergang zwischen beheiztem Wohnraum und kaltem

Drempel ist ein wirksamer Wärmeschutz besonders wichtig.

Bild: Teckentrup

!Neue Norm für

Brandschutztüren

Bild: PRÜM

Die Notwendigkeit zum Einbau einer Feuerschutztür

ist in Deutschland bundeslandspezifisch

in den Landesbauverordnungen

und den dazugehörigen Verordnungen geregelt.

Jede Brandschutztür wird fremdüberwacht

hergestellt, normiert und zertifiziert.

Nur dadurch ist sichergestellt, dass die Tür im

Brandfall schützt.

Seit dem 01.09.2019 dürfen nur noch Brandschutztüren

nach neuer Norm EN 16034 mit

CE-Zeichen in Verkehr gebracht werden.

Mit der neuen Norm wurden die Anforderungen

an Brandschutztüren und deren Prüfung

noch einmal deutlich verschärft (z. B. veränderte

Temperaturmessfühler und erhöhte

Druckverhältnisse in der Brandkammer).

Die Brandschutztür wird jetzt bei der Brandprüfung

sehr viel stärker belastet als bei der

Prüfung nach alter Norm DIN 4102-5. Das gewährleistet

Ihnen noch mehr Sicherheit.

BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTÜREN. 11


INNENTREPPEN

Offene, hohe Räume und Galerien sind Faktoren, die

unser Verständnis vom schönen Wohnen unterstreichen.

Innentreppen gehören unweigerlich dazu – als verbindende

Elemente, aber auch als Highlights, die den

Raumcharakter prägen. Je nachdem, wie markant die

Designsprache Ihrer Treppe ist, wirkt sie als schlichter

Funktionsträger oder eigenes Objekt und Meisterstück

von hohem hand werklichen Wert.

12 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTREPPEN.


6

7

5

Bestandteile einer Treppe

1 Treppenstufe

5 Geländerstab

4

2 Antrittpfosten

6 Handlauf

3 Seitenwange

4 Treppenpodest

7 Wandwange

2

3

Treppenformen

II

Treppen können nach ihrer Grundrissart unterschieden

werden. Die Form ist maßgeblich verantwortlich

für den Nutzwert und den Flächenverbrauch. Zu den

gängigsten Treppenformen gehören:

III

1

Geradläufige Treppe

Die geradläufige Treppe ist die einfachste Form eines

Treppengrundrisses mit einer Folge gerader Stufen

vom Antritt bis zum Austritt. Von Podesten unterbrochene

geradläufige Treppenteile bezeichnet man als

Podesttreppen.

Gewendelte Treppe

Der Vorteil von gewendelten Treppen ist die platzsparende

Ausnutzung der vorhandenen Fläche. Durch den

gebogenen Treppenlauf ergeben sich keilförmige Stufen,

die am Treppenauge sehr eng und an der Wand

sehr breit sein können. Der gewendelte Treppenlauf

kann am Antritt und auch am Austritt liegen. Dabei

unterscheidet man zwischen einer viertelgewendelten

Treppe bei einer Biegung von 90° und einer halbgewendelten

Treppe, wenn sich diese um 180° biegt.

I

I Treppenbreite

II Steigungshöhe

III Auftrittsbreite

Spindel- und Wendeltreppe

Spindel- und Wendeltreppen werden häufig begrifflich

gleichgesetzt, dabei liegt der Unterschied im Detail.

Wendeltreppen führen freitragend nach oben; in der

Mitte entsteht ein runder Freiraum (Treppenauge). Spindeltreppen

hingegen werden in der Mitte um ein verbindendes

Element gewendelt, die sogenannte Spindel,

die oft in Form eines Metallstabes umgesetzt wird.

Wendeltreppe

Spindeltreppe

Bild: Dolle

Treppenplanung – Betontreppe oder

freitragende Lösung?

Die wohl grundlegendste Unterscheidung der Treppenart

im Innenausbau besteht in der Wahl zwischen

Stahlbetonkorpus oder freitragender Treppe. Die

massiv wirkende Betontreppe wird meist sehr früh in

der Bauphase umgesetzt. Wenn Sie sich für die Betonlösung

entscheiden, sollten Sie unbedingt bereits

vor deren Errichtung die endgültige Auflage als auch

die Geländerlösung festlegen. Was die Verkleidung

angeht, können Sie zwischen einer Treppenverkleidung

mit Tritt- und Setzstufen oder einer Trittstufenauflage

mit weiß geputztem Spiegel wählen. Bei letzterer

Variante wirkt die Treppe durch das Weglassen

der Setzstufen ein wenig leichter.

Freitragende Treppen erfordern während der Bauphase

ein Provisorium, das sehr kostengünstig aus

Bauholz hergestellt werden kann. Die eigentliche

Treppe wird dann erst zum Ende hin angebracht,

wodurch Beschädigungen oder auch die übermäßige

Aufnahme von Baufeuchtigkeit bedeutend eingeschränkt

werden können.

Betontreppe

Freitragende Treppe

BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTREPPEN.

13


Bauweisen von Geschosstreppen

Bolzentreppe

Die Bolzentreppe trägt sich selbst und braucht weder

Holm noch Wangen, um stabil zu sein. Vielmehr sind

die einzelnen Stufen durch Bolzen miteinander verbunden

und tragen sich gegenseitig. Die unterste sowie die

oberste Stufe sind mit dem Fußboden bzw. dem Mauerwerk

fest verbunden und geben der Bolzentreppe zusätzlich

Stabilität. Obwohl die Bolzentreppe freitragend

ist, ist sie nicht nur in gerader Form, sondern auch mit

Wendelung erhältlich.

Mittelholmtreppe

Die Mittelholmtreppe zeichnet sich durch ihre vielfältigen

Varianten mit unterschiedlichen Stufenbreiten,

verschiedenen Stufenformen, variablen Steigungshöhen

und Wendelungen aus. Besonders auffällig ist bei

der Mittelholmtreppe die freitragende Konstruktion mit

nur einem Träger in der Mitte. Dabei sind die einzelnen

Stufen jeweils über einen mittig sitzenden Holm miteinander

verbunden. Der Holm ist in der Regel aus

Metall gefertigt, die Treppenstufen dagegen aus Holz

oder Stein.

Bolzentreppe

Mittelholmtreppe

Bild: Dolle

Faltwerktreppe

Eine Faltwerktreppe ist der Inbegriff puristischer Eleganz.

Der Name dieser Treppenart ist auf die Seitenansicht

zurückzuführen, die an ein gefaltetes Blatt

Papier erinnert. Technisch wird dieser Eindruck durch

die unsichtbare Verbindung von Tritt- und Setzstufe

und den Verzicht auf tragende Wangen unterstrichen.

Neben freitragenden Faltwerktreppen können Sie auch

Faltwerktreppen wählen, die auf einem Unterbau aufsitzen.

Außerdem obliegt es Ihnen, ob die Faltwerktreppe

gewendelt oder gerade sein soll.

Wangentreppe

Wie der Name bereits verrät, sind die wichtigsten Merkmale

der Wangentreppe die beiden Wangen, die die

Stufen an den Seiten zusammenhalten und damit die

Treppe tragen. Dabei muss nicht jede Wangentreppe

mit zwei Wangen ausgestattet sein: Wangentreppen

können durchaus auch auf einer Seite im Mauerwerk

verankert werden. Was die Wangentreppe zum zeitlosen

Klassiker macht, ist ihre Wandelbarkeit: Ganz nach

Ihren Wünschen können Sie verschiedene Materialien

miteinander kombinieren.

Faltwerktreppe

Wangentreppe

Kragarmtreppe

Im Gegensatz zur Wangentreppe ist der Name „Kragarmtreppe”

nicht gerade selbsterklärend. Die Treppenart

ist nach dem „Auskragen“, einem Begriff aus der

Architektur, benannt. Das Wort wird für Gebäudeteile

verwendet, die über die Grundfläche hinausragen.

Ähnlich wie es bei der Kragarmtreppe der Fall ist. Denn

hier ragen die „Arme”, sprich die Stufen, aus der Wand.

Auf Wangen oder tragende Geländer wird verzichtet.

In ihrer Grundform besteht diese Treppenart tatsächlich

nur aus Stufen – und ist damit Design pur.

Kragarmtreppe

14 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTREPPEN.


Bodentreppen

Wird Ihr Dachboden nur als Abstellraum genutzt, bietet

sich eine praktische Bodentreppe an. Sie besteht

aus dem Lukenkasten, dem Lukendeckel und der

Leiter und besitzt häufig einen festen Handlauf. Die

Bodentreppe, auch Speichertreppe genannt, kann bei

Bedarf ausgeklappt und nach dem Gebrauch wieder

diskret und platzsparend in der Decke verstaut werden.

Bodentreppen gibt es aus Holz oder aus Metall und in

feuerhemmender Ausführung. Brandhemmende Dachbodentreppen

sind sinnvoll, da sie auch im Brandfall

ihre Tragfähigkeit beibehalten und dem Feuer bis zu

90 Minuten Widerstand leisten.

Falttreppe

Eine Falttreppe besteht grundsätzlich aus drei Treppenstücken,

die Sie nach dem Öffnen des Deckels auseinanderfalten

müssen. In den meisten Fällen sind diese

Treppen aus Holz gefertigt, um ein geringes Gewicht

für das leichte Falten der Treppe und eine gute Stabilität

zu gewährleisten. Bei den noch stabileren Modellen

aus Stahl wird das Ein- und Ausklappen der Treppe von

einem Federmechanismus unterstützt.

Bild: Dolle

Bilder: Wellhöfer

Bild: Roto Treppen

!Bodentreppen

richtig bestellen:

Immer mit 4 Maßen

Geben Sie bei der Bestellung Ihrer Bodentreppe

diese vier Maße an: Länge und Breite

der Deckenöffnung, Deckenstärke und lichte

Raumhöhe. So erhalten Sie die passende

Treppe mit DIN-gerechtem Stufenabstand

und, falls erforderlich, einer Zusatzstufe am

Austritt. Ein Anpassen oder Absägen ist nicht

nötig; Stolperfallen werden vermieden.

BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTREPPEN.

15


Bild: Roto Treppen

!Leichter Einbau

ohne Schaum

Bild: Dolle

Dank einer Technik aus dem Fensterbau ist

es heute möglich, eine Bodentreppe ohne

Schäumen und Kleben einzubauen.

Der Handwerker stellt durch Einschieben der

Bodentreppe in die Deckenöffnung einen luftdichten

Bauwerkanschluss her, setzt die Montageschrauben

in die vorgebohrten Löcher

und schraubt sie fest – schon ist die Montage

abgeschlossen.

Scherentreppe

Ähnlich einer Ziehharmonika funktioniert die Scherentreppe.

Sie ist aus Aluminium oder Stahl hergestellt und

aufgrund ihres Faltmechanismus sehr platzsparend.

Selbst in kleine Dachluken passt sie hinein und ist mit

einer Tragkraft von ca. 150 kg dazu sehr robust.

Praktisch: Scherentreppen sind in elektrischer Ausführung

mit Fernbedienung erhältlich. Auf Knopfdruck

öffnet sich die Dachluke und die Treppe fährt aus.

Bild: Wellhöfer

Bild: Roto Treppen

Starke Marken für Ihre Innentüren & -treppen:

16 BAUZEIT. INNENTÜREN & -TREPPEN. INNENTREPPEN.


BAD

Trockenbau. Wand & Boden.

Badeinrichtung.

Badezimmer gewinnen an Wohnlichkeit und Stil. Dank Design,

erlebbarer Funktionalität und optimaler Raumausnutzung hält man

sich hier zunehmend länger auf. Die Ansprüche an die Gestaltung

sind hoch und reichen von Komfort über Barrierefreiheit bis hin zu

stylisch-praktischem Stauraum. Mit den modernen Baustoffen von

heute lassen sich die Herausforderungen bestens meistern.

Schaffen Sie sich einen Wellnesstempel im eigenen Zuhause!


TROCKENBAU

Spezielle für Feuchträume geeignete Trockenbauplatten bilden einen

idealen Untergrund für Abdichtungen und Fliesen. Die sogenannten grünen

Platten halten durchschnittlichen Anforderungen im Badezimmer ohne

Probleme stand. In Feucht- und Nassräumen mit extremeren Belastungen

werden feuchte- und schimmelresistente Zementplatten für eine robuste

Wand- und Deckenbeplankung benötigt.

Bild: Knauf

2 BAUZEIT. BAD. TROCKENBAU.


Bild: Knauf

Trockenbauprofile

Trockenbauprofile dienen zur Herstellung eines Grundgerüsts,

auf das im Anschluss die Gipskartonplatten montiert

werden. Der Profilaufbau hängt davon ab, ob Sie eine abgehängte

Decke, eine Wandverkleidung oder eine freistehende

Wand realisieren wollen. Bei freistehenden Wänden

und bei der Vorsatzverschalung einer Wand bilden

die Profile ein Ständerwerk, beim Abhängen einer Decke

eine Unterkonstruktion aus Längs- und Tragprofilen.

Profile aus Holz

Holzprofile eignen sich zwar für die Verwendung als Unterkonstruktion,

beim Badausbau ist davon aber abzuraten. Im

Vergleich zu anderen Lösungen erfordert eine Holzkonstruktion

mehr Arbeitsaufwand und ist zudem anfälliger für Nässe.

Das Naturmaterial neigt dazu, sich auszudehnen und zu

verziehen, was zu Rissen oder Unebenheiten führen kann.

Profile aus Metall in der Gesamtkonstruktion

Profile aus Stahlblech sind für den Badausbau optimal geeignet.

Die Profilelemente sind in verschiedenen Längen

erhältlich und können mit einer Blechschere ganz einfach

gekürzt werden. Im Gegensatz zu Holzprofilen verziehen

sich Metallprofile nicht – etwa durch Änderungen der Luftfeuchtigkeit

– und halten auch höheren mechanischen

Belastungen stand. Für die besonderen Anforderungen

in Feucht- und Nassräumen gibt es Metallprofile, die mit

einem speziellen Korrosionsschutz ausgestattet sind. So

können auch in kritischen Bereichen sichere Konstruktionen

mit langer Lebensdauer erstellt werden. Je nach Belastungsgrad

sind unterschiedliche Profile erhältlich.

Bild: Knauf

Vorwandelemente

Für viele Sanitärinstallationen im Bad – z. B. für Toiletten,

Waschbecken oder Urinale – sind sogenannte Vorwandelemente

erhältlich. Sie gewährleisten eine sichere und vor

allem stabile Montage der Sanitäreinrichtung. Zulauf und

Ablauf des Wassers erfolgt verdeckt innerhalb der Elemente,

was das Stemmen von Schlitzen im vorhandenen Mauerwerk

überflüssig macht. Da sich Vorwand elemente leicht

mit Gipsplatten verkleiden lassen, eignet sich ihre Verwendung

besonders in Kombination mit Trockenbausystemen.

Der durch den dickeren Wandaufbau entstandene Raumverlust

lässt sich durch einen konstruierten Wandsims über

den Vorwandelementen optisch ausgleichen.

BAUZEIT. BAD. TROCKENBAU. 3


Trockenbauplatten

Plattenmaterialien, die für den Trockenbau im Bad verwendet werden, müssen erhöhte

Anforderungen in puncto Feuchteresistenz erfüllen – das Hauptkriterium für alle

Werkstoffe, die beim Badausbau eingesetzt werden.

Imprägnierte Gipskartonplatten

Zum Ausbau von Feuchträumen werden ausschließlich spezielle Platten mit imprägniertem

Gipskern verwendet. Diese in der Regel grünen Platten liefern eine solide

Resistenz gegen Feuchtigkeit und sind genauso handlich und leicht zu verarbeiten

wie die „normalen“ Gipskartonplatten.

Zementfaserplatten

Zementfaserplatten lassen sich einfach verarbeiten und leicht in die gewünschte

Form bringen. Die Platten sind zu 100 % wasserbeständig, feuerfest, dampfdurchlässig

und resistent gegen Schimmelpilzbefall. Diese Eigenschaften und ihre baubiologische

Unbedenklichkeit machen sie zu einem besonders geeigneten Fliesenuntergrund.

Aufgrund ihrer Eignung für gewölbte Montagen werden Zementfaserplatten

gerne für die flexible Wandgestaltung im Bad eingesetzt.

Bild: Sakret

Hartschaum-Platten

Leichte, flexible Bauplatten aus extrudiertem Polystyrol-Hartschaum eignen sich ideal

für schlanke Trennwandkonstruktionen – eine intelligente Alternative zu gemauerten

Duschtrennwänden. Bei der Installation entstehen kaum Schmutz und Lärm, Änderungswünsche

– z. B. Nischen oder Eckbänke – lassen sich während oder sogar nach

den Montagearbeiten umsetzen. Die Allround-Bauplatten sind wasserfest, wärmedämmend

und dienen als Untergrund für die Fliesenverlegung im Dünnbettverfahren.

Bild: Austrotherm

Bild: SG-Rigips

Doppelte Beplankung

Für eine bessere Stabilität werden Trockenbauwände im Badezimmer meist doppelt beplankt.

Das ist gerade dann notwendig, wenn später Fliesen verlegt werden. Diese benötigen

einen möglichst bewegungsfreien Untergrund, damit sich später keine Risse bilden.

Die versetzt zueinander montierten Gipskarton-Schichten verhindern die Bildung durchgängiger

Fugen und stabilisieren die Wand so weit, dass eine spätere Verfliesung einen

sicheren, haltbaren Untergrund hat. Außerdem können auf zweilagigen Beplankungen

Lasten bis zu 60 kg pro Schraube (abhängig von der Schraubenstärke) befestigt werden.

Das Anbringen von schweren Spiegeln oder Schränken ist somit kein Problem. Wird

die eingezogene Wand lediglich gestrichen und mit leichten Regalen versehen, reicht oft

eine einfache Beplankung aus. Die herkömmlichen Ständerabstände von 62,5 cm sind

hier jedoch deutlich zu reduzieren, um einen vergleichbar steifen Untergrund zu erhalten.

Verfugung

Zentrales Thema beim Bau mit Trockenbausystemen ist die absolute Dichtigkeit, um

spätere Schäden zu vermeiden. Sind die Wände gestellt, müssen die Fugen sorgfältig

glatt verspachtelt und geschliffen werden, damit Putz oder Fliesen später gut

haften. Die Fugen zwischen den Gipskartonplatten werden mit einem imprägnierten

Fugenspachtel geschlossen. Hierfür sollte die zum System gehörende Spachtelmasse

verwendet werden, um eine garantiert dichte und lang anhaltende Verfugung zu

gewährleisten. Mit einem Bewehrungsstreifen, der in den Fugenspachtel eingelegt

wird, lässt sich die Qualität und Lebensdauer der Fugen zusätzlich erhöhen. Um in

Dehnfugen sowie Stoßfugen und Stoßbereichen eine flexible Abdichtung zu schaffen,

können auch Dichtbänder eingesetzt werden.

4 BAUZEIT. BAD. TROCKENBAU.


Bodengleiche Duschen

Ein zukunftsorientiertes Bad erkennen Sie daran, dass

es ohne störende Schwellen und Hindernisse auskommt.

Und wer schätzt nicht den Komfort einer großen,

frei zugänglichen Dusche? Dem Einsatz einer

Fußbodenheizung steht trotz der integrierten Abläufe

nichts im Weg. Räume ohne Barrieren wirken größer,

luftiger und eleganter. Eine bodengleiche Dusche mit

schicken Fliesen, edlen Armaturen und großzügigen

Glastrennwänden wird zum Designobjekt mitten in

Ihrem Badezimmer.

Bild: Jackon

Bild: wedi

Bild: wedi

Bild: wedi

Duschelemente

Verfliesbare Duschelemente mit Gefälle-Set erleichtern

den Neubau und die Renovierung barrierefreier Bäder.

Ablaufleistung, Sperrwasserhöhe, Gefälle, Abdichtung

– alles ist hier bereits berücksichtigt, einschließlich der

geringsten Aufbauhöhen. Die dünnsten Duschelemente

mit integriertem Ablauf sind gerade einmal 90 mm

flach und erfüllen trotzdem alle relevanten Normen und

Richtlinien.

Modulare Trockenbausysteme

Mit modularen Trockenbausystemen können Sie rund

um die Dusche schnell und einfach Sitz-, Ablage- und

Stellflächen realisieren. Kleinere Gästebäder werden

dadurch viel praktischer. Sogar freitragende Sitzbänke

im Bad sind möglich. Diese Flächen können wie der

restliche Badbereich mit Fliesen oder Mosaiken gestaltet

werden. Auch ein Gefälle für die Entwässerung ist

kein Problem.

Montagefertige Oberflächen

Montagefertige Duschoberflächen sind eine elegante

Alternative zur Fliese. Die einteiligen, wasserdichten

Elemente bestehen aus einem hochfesten Mineralwerkstoff.

Schnell und sicher werden sie auf dem fertig

montierten Bodenelement verlegt und verklebt. Danach

werden die Übergänge zu Wand- und Bodenfliesen mit

Silikon versiegelt. Das antibakterielle, schmutzabweisende

und rutschhemmende Material bietet sicheren

Halt und einfache Reinigung.

Bild: wedi

Bild: Sakret

Bild: Upmann

Integrierte Abläufe

Designboxen

Mit dem Einbau des Duschelements wird die Rohrleitung an das integrierte Entwässerungssystem angeschlossen,

abgedichtet und anschließend mit einer Oberfläche oder Fliesendecke versehen. Besonders edel wirken integrierte

Entwässerungssysteme aus Edelstahl. Zwei Ablauf-Varianten stehen zur Auswahl: die Linienentwässerung und der

Punktablauf. Die Duschrinnen bei der Linienentwässerung lassen sich besser mit großformatigen Fliesen kombinieren

und bestechen durch einen flachen Ablauf und eine hohe Ablaufleistung. Bei einer Punktentwässerung befindet

sich der Ablauf zentral in der Mitte des Duschelements. Im Gegensatz zur Linienentwässerung braucht es hier vier

sich verschneidende Gefälleflächen, damit das Wasser perfekt ablaufen kann.

Verabschieden Sie sich von sperrigen Ablagen oder

Duschkörben – die gehören dank cleveren Nischeneinsätzen

der Vergangenheit an. Designboxen schaffen

Stauraum, ohne wertvollen Platz zu opfern. Sie bestehen

aus hochwertigem Edelstahl, sind in verschiedenen

Größen und Ausführungen erhältlich und können

direkt in die Trockenbaukonstruktion integriert werden.

BAUZEIT. BAD. TROCKENBAU. 5


WAND & BODEN

Untergrundvorbereitung.

Abdichtung. Heizung. Fliesen.

Der fachgerechte Boden- und Wandaufbau ist Voraussetzung für ein schickes

Bad, an dem Sie sich täglich erfreuen. Besonders große Fliesenformate

erfordern eine sorgfältige Untergrundvorbereitung, damit die Fliesen beim Verkleben

exakt aufliegen. Mit kleinen Fliesen können Sie geringe Unebenheiten

zwar ausgleichen, dementsprechend ergibt sich aber ein höherer Fugenanteil.

Bild: Warmup

6 BAUZEIT. BAD. WAND & BODEN.


Untergrundvorbereitung

Fliesen sind äußerst pflegeleicht und aufgrund ihrer Langlebigkeit

der Standardwand- und Bodenbelag im Badezimmer.

Damit sie fest haften und ihr makelloses Aussehen für viele

Jahre behalten, muss der Untergrund vor dem Verlegen

ordentlich vorbereitet werden. Die Dusch- und WC-Bereiche

müssen mit besonderer Sorgfalt abgedichtet und versiegelt

werden, denn ohne eine gute dauerhafte Abdichtung kann

Feuchtigkeit eindringen und Schäden verursachen.

Bild: Sakret

Egalisierung und Haftverbund

Der perfekte Untergrund eines Fliesenbelages ist eben, fest, tragfähig,

trocken und frei von Rissen und haftungsmindernden Stoffen.

Putz- oder Spachtelschichten dürfen nicht hohlliegen. Der Untergrund

darf nicht mürbe sein, nicht absanden und sollte weder Ausblühungen

noch Trennschichten aufweisen. Bevor unebene Untergründe

mit einer Spachtelmasse ausgeglichen bzw. auf ebenen

Untergründen keramische Fliesen verlegt werden können, kann zur

Verbesserung des Haftverbundes der Einsatz einer abgestimmten

Grundierung oder Haftbrücke sinnvoll sein. Dies ist beispielsweise

der Fall, wenn stark saugende oder absandende Untergründe vorliegen

oder wenn auf Estrich oder Putzw gefliest werden soll. Welches

Produkt im Einzelfall das richtige ist, sollte immer ein Fachmann

beurteilen.

Fließestrich

Sollte ein bereits vorhandener Estrich zu viele Risse und Unebenheiten

aufweisen, empfiehlt es sich, die Oberfläche mit einem Fließestrich

neu zu versiegeln. Dazu wird der flüssige Estrich auf dem

Untergrund verteilt. Aufgrund seiner Konsistenz nivelliert sich der

Estrich fast von selbst, was eine schnelle, unkomplizierte Verarbeitung

garantiert. Nach dem Aushärten kann der Fließestrich wie ein

konventioneller Estrich grundiert und belegt werden. Der einzige

Nachteil, im Vergleich zum Trockenestrich, besteht in der relativ

langen Trockenzeit des Fließestrichs, welche jedoch durch seine

geringe Porosität ausgeglichen wird.

Bild: Sopro

Entkopplung

Kritische Untergründe (z. B. junge, schwindungsgefährdete Betonflächen,

rissgefährdete Estriche, Misch- oder Holzuntergründe) erfordern

vor der Fliesenverlegung den Einbau einer Entkopplung. Diese verhindert,

dass Spannungen aus dem Untergrund direkt auf den Fliesenbelag

übertragen werden und vermindert das Risiko von Rissbildungen.

Trockenestrich

Beton, Zementestrich oder bestehende Fliesen sind als Bodenuntergrund

zum Verfliesen geeignet. Kritische Untergründe, z. B. Holz,

werden mit Entkopplungsplatten belegt. Die Trockenestrichelemente

bestehen aus zwei versetzt miteinander verbundenen Zement- oder

Gipsfaserplatten. Es ergibt sich ein Falz, der es ermöglicht, die Elemente

durch Verkleben und Verschrauben zu einem durchgängig

schwimmenden Fertigteilestrich zu verbinden. Die formstabilen Entkopplungsplatten

sind wasserbeständig und schimmelresistent, was

sie zum idealen Untergrund für Badezimmerfliesen macht.

Bild: Knauf

BAUZEIT. BAD. WAND & BODEN. 7


Abdichtung

Ohne eine gute dauerhafte Abdichtung kann Feuchtigkeit in die Flächen eindringen und zu Schäden

führen. Der Boden und die an Nassbereiche angrenzenden Wände müssen daher bei Duschen bis 30 cm

oberhalb des Brausekopfs und bei Wannen bis 20 cm oberhalb des Wasserzulaufs gegen Spritzwasser

abgedichtet werden. Dafür bieten sich streichfähige Abdichtungen an, welche direkt auf Beton, Putz und

weitere Untergründe aufgetragen werden. Die Abdichtung sollte in zwei Schichten erfolgen, wobei die

Gesamtmindestschichtdicke von 2 mm an keiner Stelle unterschritten werden darf.

Bild: Sakret

Flexible Dichtschlämme

Mit flexiblen Dichtschlämmen können Wände und Böden

im Innen- und Außenbereich abgedichtet werden.

Die faserverstärkten Massen eignen sich für Untergründe

wie Beton, Mauerwerk, Porenbeton und Putz. Dichtschlämme

werden mit Wasser angerührt und können

verrollt oder verspachtelt werden.

Dichtbänder und Formteile

Kanten zwischen Boden und Wand sowie die Übergänge

im Bereich von Duschen und Wannen müssen

besonders gut abgedichtet werden, damit keine

Feuchtigkeit in den Schichtaufbau gelangen kann. Die

Kanten werden mit Dichtbändern oder Formteilen versehen.

Die Montage der Komponenten geht mit dem

zweischichtigen Auftrag der vollflächigen Abdichtungsschichten

einher. Passende Formteile sind für nahezu

jede denkbare Einbausituation erhältlich, was die Verarbeitung

der Dichtkomponenten entsprechend leicht

und unkompliziert macht. Bänder und Formteile verfügen

in der Regel über Selbstklebestreifen und passen

sich ideal an den Untergrund an.

Verbundabdichtungen

Verbundabdichtungssysteme unter Fliesen und Bodenbelägen

werden nicht nur in privaten Bädern und Duschen

eingesetzt, sondern auch in Großküchen oder

Laboren. Das beweist ihre außerordentliche Zuverlässigkeit.

Bei den Verbundabdichtungssystemen handelt

es sich um hoch wasserdichte Abdichtungsbahnen aus

Kunststoff, die beidseitig mit einem Vlies kaschiert sind.

Diese wasserundurchlässigen Membranen werden zusammen

mit Fliesen und Platten direkt im Dünnbettverfahren

verarbeitet.

Bild: Sopro

Feuchtigkeitsschutz mit System

Bild: Sopro

Der Untergrund von Badbelägen muss sorgfältig abgedichtet werden. Größtmögliche Sicherheit bieten

Produktsysteme, bei denen alle Produkte von der Grundierung über die Abdichtung bis hin zum Verlegeund

Fugenmörtel genau aufeinander abgestimmt sind.

1 3

1

4 4 6 7

Selbstverlaufende Abdichtungen

Besonders bei Altbau-Renovierungen sind selbstverlaufende

Abdichtungen eine sehr gute Option zur Herstellung

einer dichten und planen Bodenfläche. Flächen

mit bis zu 3 % Gefälle können ohne weiteres abgedichtet

werden. Die dickflüssigen Produkte eignen sich

auch für große Flächen und können bequem im Stehen

verarbeitet werden. Selbst in die kleinsten Ecken

verwinkelter Altbau-Bäder gelangen sie und gleichen

kleine Unebenheiten direkt mit aus. Nach nur wenigen

Stunden ist die Bodenabdichtung meist begehbar.

5

2

1 Grundierung

2 Bodenspachtelung / Estrich

3 Wandspachtelung / Putz

8

7

4 Abdichtung

5 Abdichtbänder & Formteile

6 Fliesenkleber

7 Fugenmörtel

Bild: SG-Weber

8 Dichtstoff (Fliesensilikon)

8 BAUZEIT. BAD. WAND & BODEN.


Heizung

Gut, dass sie fast vorbei ist, die Zeit der kolossalen Stahlheizkörper im Bad.

Intelligente und vor allem unsichtbar verlegte Systeme erwärmen heute Bad böden

und -wände. Sie nutzen die natürliche Leitfähigkeit von Fliesen und Stein platten, um

wohlige, gleichmäßige Strahlungswärme zu erzeugen, statt nur die Luft aufzuheizen

und Staub aufzuwirbeln. Das Beste an den neuen Heizlösungen: Sie sind erstaunlich

preiswert und helfen, eine Menge Energie zu sparen!

Bild: Warmup

Elektrische Wand- und Bodenheizungen

Möchten Sie im Zuge einer Renovierung ein einzelnes Zimmer oder eine kleine Wandfläche

beheizen, ist es ratsam den Bereich mit einem elektrischen Heizsystem auszustatten.

Die Heizleiter elektrischer Systeme lassen sich besonders schnell auf die

gewünschte Temperatur bringen und der Aufwand für die Installation einer elektrischen

Fußbodenheizung ist vergleichsweise gering. Es wird lediglich ein Stromanschluss benötigt.

Eine Anbindung an das bestehende Heizungssystem ist nicht erforderlich. Die

Aufbauhöhe solcher Systeme ist sehr niedrig, wodurch sie sich besonders gut für eine

Renovierung eignen und unter fast alle Bodenbeläge passen.

1 Bodenbelag

2 Flexibler Kleber

1

2

3 Bodenmatte

3

4 Heizleiter

5 Isolierplatte

6 Flexibler Kleber

7 Beton

4

6

7

5

Smarte Thermostat-Steuerung

Moderne Thermostate können zeitgenau gesteuert werden und garantieren

den sparsamen, effizienten Betrieb eines Heizsystems. Smarte Systeme,

die mit Smartphone oder Tablet bedient werden, ermöglichen eine

ortsunabhängige Steuerung und können sogar lernen, auf Ihre individuellen

Gewohnheiten zu reagieren. Sie bieten durch Temperaturvorschläge

und vorgegebene Heizzeiten viele Möglichkeiten zum Energie sparen an.

Bilder: Warmup

Warmwasser-Fußbodenheizung

Eine wasserführende Bodenheizung besteht aus Kunststoffrohrleitungen,

die sich direkt im Bodenaufbau befinden.

Die Rohrleitungen leiten warmes Heizungswasser

durch Ihr Haus und beheizen die jeweiligen Räume. Bevor

sich die Temperatur im Raum verändert, wandert die

thermische Energie aber zunächst in die massiven Bodenaufbauten.

Diese wirken wie ein Speicher und können

kurze Heizpausen problemlos überbrücken. Selbst

wenn der Kessel schon längst aus ist, gibt der Boden

noch immer Wärme ab. Wasserführende Bodenheizungen

werden als Nasssystem eingebaut, was bedeutet,

dass die Rohrleitungen in den Estrich eingebettet werden.

Die Verlegung im Nasssystem eignet sich daher vor

allem bei Neubauprojekten. Bei der Renovierung alter

Gebäude kommt sie aufgrund der Aufbauhöhe und der

geringen Traglast vorhandener Holzdecken nicht infrage.

Hier ist eine Trockenbaulösung mit einer elektrischen

Bodenheizung die bessere Wahl.

BAUZEIT. BAD. WAND & BODEN. 9


!Revisionsklappen

Fliesen

Fliesen sind der Standardboden und -wandbelag im Badezimmer.

Die wasserundurchlässigen Beläge sind perfekt für die Verwendung in

Feuchträumen geeignet und in vielen Varianten erhältlich. Neben der

Fliesenart spielen auch technische Eigenschaften wie Rutschhemmung,

Format und Design eine wichtige Rolle. Entscheidendes Kriterium für

dauerhaft schöne und funktionale Wand- und Boden beläge ist aber nach

wie vor die fachgerechte Verarbeitung der Produkte.

Revisionsklappen ermöglichen den nachträglichen

Zugriff auf Installationen, die durch eine

Verkleidung auf optisch gefällige Art versteckt

wurden. Diese Zugänge müssen sein, sollen

aber nicht groß auffallen. Fliesenrahmen bieten

die Möglichkeit, nahezu unsichtbare Revisionsöffnungen

zu erstellen. Die Rahmen besitzen

höhenverstellbare Magnete, die individuell auf

die Fliesendicke eingestellt werden. Die Fliesen

selbst kleben Sie direkt auf die im Set enthaltene

Trägerplatte. Danach muss nur noch

der Deckel in den Rahmen gesetzt werden.

Bild: PCI

Fliesen verlegen

Haben Sie sich für eine passende Fliese entschieden, kann mit dem Verlegen der

Platten begonnen werden. Auf dem bereits grundierten Boden wird Fliesenkleber mit

einer Zahntraufel glatt aufgezogen und anschließend vollflächig aufgekämmt. Wird

nur wenig Kleber verwendet, spricht man vom Dünnbettverfahren. Beim Mittelbettverfahren

wird etwas mehr Mörtel aufgetragen, um kleinere Unebenheiten im Untergrund

direkt beim Verlegen auszugleichen.

Fliesenkleber

Die stetigen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen im Badezimmer setzen

den Fliesenbelägen stark zu. Da der Untergrund ähnlich (jedoch zeitversetzt) wie die

Fliesen auf die Umstände reagiert, müssen Sie bei der Wahl des Fliesenklebers darauf

achten, dass dieser die entstehenden Spannungen ausgleicht. Die Verwendung

eines Flexklebers wird empfohlen. Er ist meist teurer als ein Standard-Zementmörtel,

enthält dafür aber Kunststoffzusätze, die unter anderem dafür sorgen, dass er relativ

flexibel aushärtet. Nach dem Trocknungsprozess ist dieses Produkt also weniger starr

als der übliche Zementkleber.

Bild: SG-Weber

Fliese einlegen

Im nächsten Schritt wird die Fliese nun in das Kleberbett eingedrückt und ausgerichtet.

Um später eine gleichmäßige Fugenbreite zu erreichen, sollten Sie Fugenkreuze

verwenden. Achten Sie beim Verlegen vor allem darauf, dass die Fliesen gleichmäßig

und hohlraumfrei aufliegen. Insbesondere bei größeren Fliesenformaten ist das

wichtig, da sich hier leicht Spannungen bilden und dadurch Folgeschäden auftreten

können. Sehr große Fliesenformate werden aus diesem Grund oft im sogenannten

Buttering-Floating-Verfahren verlegt, bei dem der Fliesenkleber sowohl auf den Untergrund,

als auch auf die Fliesenrückseite vollflächig aufgetragen wird.

Verfugen

Nach ausreichender Trocknung des Fliesenklebers wird der Fugenmörtel mit einem

Fugbrett oder Fugengummi in die Fuge einarbeitet. Passen Sie auf, dass kein Fugenmörtel

in die vorhandenen Rand-, Anschluss- und Bewegungsfugen eingebracht wird.

Diese Fugen müssen nach der Reinigung des Belags dauerelastisch mit einem geeigneten

Dichtstoff verfugt werden, damit der Fliesenbelag bei Bewegungen einzelner

Bauteile nicht beschädigt wird. Auch Anschlussfugen von Dusch- und Badewannen

sowie Waschtischen sollten mit dem Dichtstoff verfugt werden.

Entscheidende Faktoren für die Wahl des Fugenmörtels sind die Eignung in Bezug

auf die gewählte Fliese und die zu erwartende Beanspruchung. Damit die Fuge hoch

belastbar und beständig bleibt, wird in viele Fugenmörtel Epoxidharz eingearbeitet.

Die Mörtel bilden dadurch eine sehr feine, glatte und wasserabweisende Oberfläche,

welche Mikroorganismen kaum eine Chance zum Wachsen gibt. Auch die Fugenfarbe

spielt bei der Badgestaltung eine wichtige Rolle. Den farblich abgestimmten Fugenmörtel

zur gewählten Fliese zu finden ist kein Problem. Je nach Hersteller können Sie

aus bis zu 400 verschiedenen Farben und Nuancen wählen.

Bild: PCI

Bild: PCI

10 BAUZEIT. BAD. WAND & BODEN.


Abriebklassen

Fliesen der Abriebklasse 1 (oft auch mit römischen Ziffern und als Beanspruchungsklasse

bezeichnet) stellen die am wenigsten belastbaren Fliesen dar und kommen zum

Beispiel als Wandfliesen zum Einsatz. Die Oberfläche solcher Fliesen ist sehr wenig

abriebfest und relativ kratzempfindlich. Fliesenoberflächen mit Abriebklasse 2 haben

bereits eine gewisse Resistenz gegenüber kratzender Verschmutzung. Diese Fliesen

halten es in der Regel aus, wenn man sie mit gewöhnlichem Schuhwerk betritt – solange

das nicht allzu häufig passiert. Für viel begangene Bereiche im Haus (Küchen,

Treppen, Terrassen) sollte man eher Abriebklasse 3 wählen. Die Abriebklassen 4 und

5 finden fast ausschließlich in gewerblichen und öffentlichen Bereichen Anwendung.

Tritt- und Rutschsicherheit

Vor allem in Nassräumen können sehr glatte Fliesen zur Gefahr werden. Aus diesem

Grund sollte man beim Kauf unbedingt auf die Trittsicherheitsklassen achten.

Die Rutschsicherheit wird dabei mit R9 bis R13 gekennzeichnet – für leichte bis hohe

Anforderungen. Bei Flächen, die generell und häufig barfuß betreten werden, gelten

die Bezeichnungen A, B und C für geringe bis hohe Rutschsicherheit.

Bild: Jackon

Fliesenformate

Da es für Fliesenformate keine einheitliche Normung gibt, konnte sich bis heute eine

schier unendliche Vielfalt an Größen und Formaten entwickeln. Zwei Trends zeichnen

sich deutlich ab: der zum immer größeren und der zum immer kleineren Format. Während

die kleinsten Mosaikfliesen mit einem halben Zentimeter Kantenlänge auskommen,

haben die größten erhältlichen Feinsteinzeugfliesen eine Fläche von mehr als

5 m 2 . Mit großformatigen Fliesen lassen sich Flächen durch den geringen Fugenanteil

optisch weiten – sie wirken homogen und ruhig. Allerdings verzeihen Großformate keine

Fehler. Die Verlegung großer Fliesen sollte daher immer durch einen Profi erfolgen.

Mit kleinen Fliesen können Sie große Bäder optisch verkleinern und Wände viel

individueller und lebhafter gestalten – die Fugen tragen zu der Flächenwirkung hier

aber einen wesentlichen Teil bei. Kleinere Unebenheiten des Untergrunds können mit

kleinen Fliesenformaten gut ausgeglichen werden.

Mosaike

Mosaikfliesen sind echte Hingucker, die hinsichtlich Design und Farbgebung eine nie

dagewesene Vielfalt bieten. Sie dienen zur Gestaltung ganzer Flächen, als Bordüren

oder als punktuelle Eyecatcher. Besonders spannend: Mosaike, die sich aus verschiedenen

Materialien (Glas, Keramik, Naturstein) zusammensetzen und moderne

Interpretationen des klassischen Mosaikdesigns entstehen lassen. Mosaikfliesen gibt

es nicht nur in diversen Farben und Materialien, sondern auch in unterschiedlichen

Formen, z. B. als Stäbchenmosaik oder Bruchmosaik. In der Regel werden einzelne

Mosaiksteinchen auf ein Trägernetz aufgebracht und dann als ganze Fläche verklebt.

Bild: Sopro

Bild: Sopro

Bild: Knauf

BAUZEIT. BAD. WAND & BODEN. 11


BAD-

EINRICHTUNG

Für die meisten Menschen beginnt und endet der Tag im Bad. Nicht ohne Grund rückt dieser

Raum daher bei der Planung von Neubauten und Renovierungen immer mehr in den Fokus –

Bäder sollen mehr als nur zweckmäßig sein. Das moderne Bad ist ein Ort, der Wellness und

Wohlbefinden vereint und der somit immer größer und luxuriöser angelegt wird. Das zeigt sich

vor allem bei der Badeinrichtung: Mit der beinahe schon obligatorischen Walk-In-Dusche, extravaganter

Badkeramik, exklusiven Armaturen und einer integrierten Sauna schaffen Sie sich

Ihren persönlichen Wohlfühltempel.

Bild: Jackon

12 BAUZEIT. BAD. BADEINRICHTUNG.


!Sauna zuhause

Vorbei sind die Zeiten des Kellerdaseins: Statt

sie wie früher zu verstecken, sollten Sie die

Heimsauna lieber in die Badplanung integrieren.

Während Sie auf der Saunaliege entspannen,

können Sie durch die große Glasscheibe

Ihr durchdesigntes Bad bewundern – ein toller

Anblick! Durch die Verwendung moderner

Zementbauplatten und speziell beschichteter,

korrosionsgeschützter Trockenbauprofile

beim Saunabau müssen Sie sich auch nicht

vor extremer Feuchtigkeit und Hitze in der

Sauna fürchten. Die Wasserbeständigkeit,

Feuerfestigkeit und Dampfdurchlässigkeit machen

diese speziellen Baustoffe wie geschaffen

für den Bau Ihrer Saunalandschaft.

Bild: Knauf

Duschabtrennungen aus Glas

Das Glas für Glasduschabtrennungen besteht aus Einscheibensicherheitsglas

(ESG), das durch seine spezielle

Herstellung eine thermische Vorspannung besitzt.

Dies macht das Glas gegenüber großen Temperaturunterschieden

äußerst unempfindlich, biegezug- und

stoßfest. Sollte das Sicherheitsglas bei hoher Belastung

trotzdem brechen, zerfällt es in viele kleine, ungefährliche

Krümel. Das reduziert die Verletzungsgefahr erheblich.

Das Glas kann bedruckt oder satiniert sein. Besonders

schön ist es jedoch als glasklare Scheibe. Nur dann

kann es seine Stärken voll ausspielen und Weite ins Bad

bringen. Die meisten Glasduschabtrennungen sind mit

oder ohne Beschichtung erhältlich. Bei beschichtetem

Glas perlt das Duschwasser besser ab, es bleibt also

weniger Schmutz haften und die Kabine ist besser vor

Kalk geschützt. Was die Bauform anbelangt, gibt es

mittlerweile für jede räumliche Situation die passenden

Glaselemente. Eine grundlegende Entscheidung, die unabhängig

von der Wahl der Bauform getroffen werden

muss, ist folgende: Wollen Sie eine Dusche mit oder

ohne Tür? Beide Varianten haben Vor- und Nachteile!

Bild: GEO

Bild: GEO

Duschtüren mit Hebe-Senk- und Falt-Mechanismus

garantieren eine hohe Dichtigkeit

und Leichtgängigkeit der Türen,

reduzieren den Platzbedarf im Schwenkbereich

und lassen die Faltwände bei

Nichtgebrauch nahezu verschwinden. Das

unterstützt auch die Trocknung des Nassbereiches,

was gerade in kleinen Bädern

sehr vorteilhaft ist.

Mit Tür

Ohne Tür

CONTRA PRO

spritzwassergeschützt

zugluftgeschützt

besser für kleine

Duschen

weniger Komfort

höhere

Schimmelgefahr

ggf. höherer

Platzbedarf

elegantes Design

Barrierefreiheit

großzügige

Raumwirkung

bequeme Reinigung

Wasserspritzer

im Bad

nicht für Seitenbrausen

geeignet

je nach Ausrichtung

ggf. Luftzug

Bild: GEO

Bild: GEO

Eine Duschwand im Crashglas-Design

ist ein echter Eyecatcher für jedes Bad.

Zudem kaschiert das gebrochene Glasmuster

Wasserflecken.

BAUZEIT. BAD. BADEINRICHTUNG. 13


Badkeramik, Armaturen & Möbel

!Spülrandloses WC

Bild: Sanitop

Spülrandlose WCs sorgen für ein großes

Plus an Hygiene im Bad. Durch den Verzicht

auf den Spülrand entfallen die Stellen in der

Toilette, die kaum einzusehen bzw. zu erreichen

sind und an denen sich deshalb häufig

Schmutz und Bakterien ansammeln. Spülrandlose

WCs sind deutlich einfacher zu reinigen

als klassische Modelle und bergen nicht

das Hygienerisiko von heimlichen Rückständen.

Innovative Spülsysteme gewährleisten

die gleichmäßige Wasserverteilung.

Badewannen

Freistehende Badewannen sind absolut Trend. Sie

bilden einen eleganten Blickfang im Raum und haben

zugleich auch einen hygienischen Vorteil: Die Wanne

und der Boden ringsum können nach der Benutzung

einfach und schnell gereinigt werden, da die Wanne

von allen Seiten zugänglich ist. Aus diesem Grund lassen

sich auch Kinder und Haustiere stressfreier baden

bzw. abbrausen. Vor der Montage ist sicherzustellen,

dass die Wanne genug Freiraum hat. Nur dann kann

sie optimal genutzt werden und optisch wirken. Zudem

sollte die Wanne nicht den Zugang zu Dusche oder

WC erschweren. Es ist zu prüfen, wo der Wasserzulauf

und der Ablauf erfolgen. Planen Sie die Abzweigungen

von den Steigleitungen und zu den Abwasserleitungen,

bevor Sie die Befestigungspunkte der Badewanne im

Boden erfassen. Im nächsten Schritt können Sie die

Montagepunkte der Wasserzuleitung planen.

Wenn Sie lieber Platz sparen wollen, ist eine Wanne

über Eck eine interessante Alternative. Diese fügt sich

harmonisch auch in kleinere Räume ein.

Bild: Sanitop

Waschbecken

Neben Standwaschbecken und Einbauwaschbecken

sind heute vor allem Aufsatzwaschbecken wegen ihrer

schwebenden Optik sehr beliebt. Besonders Waschschüsseln

in runder oder ovaler Form kommen ausgezeichnet

zur Geltung. Ausreichend Stabilität ist

natürlich trotzdem gegeben. Auch wenn die Keramik

schwerelos aussieht, ist sie dennoch robust und belastbar.

Aufsatzbecken gibt es in vielen Formen, Ausführungen

und Materialien. Modelle aus Keramik, Gussmarmor,

Beton, Glas, Naturstein und sogar Holz sind

erhältlich. Aufsatzwaschbecken funktionieren nicht nur

auf einem Waschtischunterschrank, auch Waschtischplatten

machen sich großartig.

Im Gäste-WC haben sich immer mehr kleine Waschtischlösungen

mit passendem Unterschrank und Spiegel

etabliert. Diese haben den Charme, dass der unattraktive

Blick auf Ablauf und Eckventile verdeckt ist und

zudem ein kleiner Stauraum z.B. für Ersatzgästehandtücher,

Reinigungsmittel etc. vorliegt.

Bild: Sanitop

Bild: Dansani

14 BAUZEIT. BAD. BADEINRICHTUNG.


Bilder: Sanitop

Waschtischarmaturen

Waschtischarmaturen kommen mittlerweile in den

unterschiedlichsten Formen daher und können den Stil

Ihres Badezimmers optimal unterstützen. Besonders

geradlinige, futuristische Modelle sind aktuell gefragt.

Erhöhten Komfort und verbesserte Hygiene bieten berührungslose

Armaturen. Was ehemals fast ausschließlich

in öffentlichen Räumen eingesetzt wurde, zieht nun

auch in private Badezimmer ein. Eine Bewegung in

Richtung der Armatur von Waschbecken, Dusche oder

Badewanne genügt, um den Wasserfluss auszulösen.

Einfache Gesten regeln sogar die Temperatur. Diese

Funktionsweise bedeutet vor allem Sauberkeit im Bad,

da die Armaturen nicht mehr ständig von schmutzigen

Händen berührt werden. Übrigens gibt es solche Lösungen

auch für Toiletten und Seifenspender.

Regen- oder Wasserfallduschen

Bild: wedi

Diese Wellness-Duschköpfe lassen Standardversionen

alt aussehen und machen das Duschen zum Erlebnis! Die

angenehmen Tropfen einer Regendusche wirken natürlich

und entspannend. Der breite Schwall einer Wasserfalldusche

ist besonders bei Verspannungen im Rückenbereich

angenehm. Dabei sind der Formenvielfalt der

Duschköpfe kaum Grenzen gesetzt. Ob rund oder eckig,

transparent leuchtend oder in edlem Metall glänzend, Sie

werden bei dieser Auswahl garantiert fündig. Auch der

Durchmesser des Regenerzeugers kann je nach Ihren

Vorlieben variieren. Dabei spielt es eine große Rolle, was

Ihr Geldbeutel hergibt und wie groß der heimische Duschbereich

ausfällt. Größere Modelle werden häufig direkt in

die Raumdecke eingearbeitet. Die Systeme gibt es auch

mit herkömmlichen Brauseköpfen oder vitalisierend wirkenden

Massagestrahlen kombiniert. In manchen Fällen

können Sie auch ein bereits vorhandenes Set mit einer

ausgefallenen Brause aufrüsten. Prüfen Sie zuvor, ob der

Wasserdruck Ihrer Leitung für diesen Zweck ausreicht.

Badmöbel

Moderne Badmöbel unterscheiden sich deutlich von

den stillosen Stücken aus Pressspan, die einst in vielen

Badezimmern zu finden waren. Unterschiedlichste

Oberflächen, Farben und Formen bieten unbegrenzte

Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung. Besonders

beliebt sind im Moment cleane, grifflose Fronten, die

sich durch die sogenannte Soft-Close oder Push to

Open Technik mit leichtem Druck öffnen lassen.

LED-Lichttechnik hat sich sowohl bei den Badspiegeln,

als auch am oder im Badmöbel etabliert. Hier haben

sich sehr interessante neue Beleuchtungsmöglichkeiten

ergeben. LED-Leisten können beispielsweise

perfekt hinter Spiegeln oder unter Möbeln versteckt

werden, wodurch ein angenehmes indirektes Licht entsteht.

Und auch die inneren Werte zählen! Moderne

Badmöbel unterstützen Sie mit durchdachtem Innenleben

und sinnvollen Funktionen dabei, im Badezimmer

Ordnung zu halten. Auch gibt es den Trend zum integrierten

Entertainment. Durch integrierte Lautsprecher

mit Bluetooth- oder WLAN-Schnittstelle wird der Spiegel

zur Soundanlage. Das ganze gipfelt in integrierten

(Touch-)Displays zur Interaktion und Information.

Bild: Dansani

Bild: wedi

Bild: Dansani

BAUZEIT. BAD. BADEINRICHTUNG. 15


Beleuchtung

Bild: Knauf

Einbaustrahler

Dimmbare Einbaustrahler sind eine gängige, zeitgemäße Möglichkeit zur Beleuchtung

im Badezimmer. Sie sind variabel einsetzbar und können eine zweckmäßige und

helle Grundbeleuchtung bewirken oder direktes Zonenlicht beisteuern. Durch die Bestückung

mit LED-Leuchtmitteln sind sie zudem sehr energieeffizient. Bei der Verteilung

der Einbaustrahler im Bad ist auf deren Helligkeit, Lichtfarbe und Abstrahlwinkel

von der Decke zu achten. Zu helles oder kaltes Licht wirkt ungemütlich, wohingegen

zu diffuses Licht besonders im Waschtisch-Bereich nachteilig ist. Grundvoraussetzung

ist, dass die Decken- bzw. Wandkonstruktion auf die erforderliche Einbautiefe

der Strahler ausgelegt ist. Dies muss unbedingt in der Planung berücksichtigt werden.

Integrierte Beleuchtung

Fällt der Begriff „integrierte Beleuchtung“, stellen sich die meisten Menschen entweder

einen sanft beleuchteten Raum vor, bei dem Helligkeit aus den Nischen flutet, oder

Möbel, die neben ihrem praktischen Aspekt auch noch dekoratives Licht verbreiten. In

modernen Badezimmern findet beides seinen Platz.

Allgemein spricht man von indirekter/integrierter Beleuchtung, wenn Licht nicht direkt

auf Objekte fällt, sondern zunächst von Wänden und Böden reflektiert wird. Die Lichtquelle

selbst ist meist nicht zu sehen. Solche indirekten Lichtquellen werden gerne zur

Akzentuierung von Formen, Kanten und Nischen genutzt, die beispielsweise bei Vorwandinstallationen

oder am Übergang zwischen Wand und Badewanne entstehen.

LED-Streifen

Stromsparende LEDs mit kompakter Bauform sind das erste Mittel der Wahl, um eine

strom- und platzsparende Beleuchtung umzusetzen. LED-Strips bestehen aus einem

selbstklebenden, wenige Millimeter schmalen Kunststoffband, welches mit mehreren

LEDs bestückt ist. Sie lassen sich ganz einfach und schnell an Schrankunterseiten,

Badewannen-Vorsprüngen oder Nischen befestigen. Strom kommt von einem Netzteil,

wozu häufig auch eine Dimmmöglichkeit oder sogar eine Smartphone-App zum

Dimmen und Einstellen der Lichtfarbe gehört. LED-Streifen, die in hochwertige Designprofile

aus Aluminium eingebettet sind, eignen sich perfekt für den Einsatz als

Wandbeleuchtung. Praktische Komplett-Sets enthalten alle benötigten Komponenten,

sprich Profile in entsprechender Länge, LED-Module, Kabel und ein Netzteil.

Schutzklassen

Bild: Paulmann

Um im Badezimmer für mehr Sicherheit zu sorgen, sollten Sie auf den IP-Schutz

Ihrer Badleuchten achten. Dieser gibt an, wie gut eine Leuchte vor dem Eindringen

von Wasser geschützt ist:

IP44 – Spritzwassergeschützt

IP65 – Strahlwassergeschützt

IP67 – Wasserdicht bei zeitweiligem Untertauchen

Bild: Knauf

Starke Marken für Ihr Bad:

16 BAUZEIT. BAD. BADEINRICHTUNG.


AUSSENANLAGE

Flächen & Mauern. Garteneinrichtung.

Wasser im Garten. Beleuchtung.

Ein ansprechend gestalteter Außenbereich gehört zu jedem Gebäude dazu,

und kann je nach Gegebenheiten aus Hauseingang, Einfahrt, Hof, Garten

und Terrasse bestehen. Ihre Außenanlage rundet das Gesamtbild Ihres

Zuhauses ab und lässt schon von Weitem Ihren Stil und Ihre Kreativität

erkennen. Mit ausgewählten Elementen, Materialien, Leuchten und

Wasserquellen formen Sie die verschiedenen Bereiche der

Außenanlage und erschaffen ein Wohnzimmer im Grünen.


FLÄCHEN

& MAUERN

Klinker. Beton. Keramik.

Holz & WPC. Naturstein.

Sollen Einfahrten, Höfe, Terrassen und Wege gestaltet werden, kommt schnell die

Frage nach dem richtigen Material auf. Aus dem Effeff beantworten lässt diese

sich aber nicht. Klinker, Beton, Keramik, Holz, WPC, Naturstein – die Optionen

sind vielfältig, die Vorteile unterschiedlich. Elegante Platten, kreative Pflasterflächen,

massive Mauern und natürliche Hölzer zaubern Strukturen und Flächenbilder,

an denen sich das Auge nicht sattsehen kann.

Bild: Seltra

2 BAUZEIT. AUSSENANLAGE. FLÄCHEN & MAUERN.


Bodenaufbau für Pflaster- und Plattenbeläge

Bevor es an die Verlegung des gewünschten Belages geht, muss die Untergrundvorbereitung

erfolgen. Die Belagsart, der Einsatzort, der Nutzungsgrad und

die Struktur des Bodens entscheiden darüber, welcher Untergrund erforderlich ist

und welche Flächenentwässerungsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Ein

Gefälle von 2 % ist nötig, um Staunässe zu vermeiden und Wasserflecken und

Frostschäden zu verhindern. Holen Sie sich Unterstützung vom Profi!

Unterkonstruktion für Holzterrassen

Die Unterkonstruktion ist die Basis jeder Holzterrasse. Sie fixiert die Dielen und

sorgt für ausreichend Belüftung. Welche Art von Unterkonstruktion verwendet

wird, hängt neben der Untergrundbeschaffenheit auch vom Budget und der Dielenauswahl

ab. Unterkonstruktionen aus Harthölzern sind günstig, Stahl- oder

Aluminiumstreben versprechen hingegen lange Haltbarkeit und Stabilität. Eine

feste, ebene Fläche, ein 2 %-iges Gefälle sowie ein ausreichender Balkenabstand

sind absolute Grundvoraussetzungen.

Ungebundene Bauweise

Unter dieser Bauweise versteht man

die flexible, einfache Verlegung auf

Kies/Splitt oder die Verlegung im Komplettsystem

auf Stelzlagern. In beiden

Fällen entsteht eine zweite Entwässerungsebene

und die Platten sind später

wiederverwendbar. Kies und Splitt

sind preiswert und sorgen dafür, dass

das Regenwasser gut versickern kann.

Stelzlager punkten mit einer geringen

Untergrundbelastung und dem Ausgleich

von Höhenunterschieden.

Gebundene Bauweise

Bei der gebundenen Bauweise kommen

Bettungsmörtel und Fugenfüller

zum Einsatz, um eine oder mehrere

Tragschichten mit dem Belag zu einer

festen Einheit zu verbinden. Es entsteht

eine geschlossene, ebene sowie trittsichere

Fläche, die eine Verschiebung

der Platten und Unkrautbewuchs verhindert.

Die Wahl des Fugenmaterials

entscheidet darüber, ob die versiegelte

Fläche wasserdurchlässig oder wasserundurchlässig

ist.

Unbefestigte Flächen

Speziell vorgeformte Fundamentsteine

werden im festgelegten Abstand zueinander

auf Splitt oder Sand verteilt und

mit Latten bestückt. Die Latten fungieren

als Brücke zwischen den Steinen

und bilden die Grundlage (Punktfundament),

auf welche die Dielen geschraubt

werden. Die Latten können aufgrund der

vorgeformten Steine nicht verrutschen,

unebene Flächen lassen sich leicht ausgleichen

und das Holz ist gut geschützt,

da kein Bodenkontakt besteht.

Befestigte Flächen

Ist bereits ein fester, ebener Untergrund

vorhanden, beispielsweise

eine betonierte Fläche, können die

Harthölzer oder Schienen der Unterkonstruktion

einfach verlegt und miteinander

verschraubt bzw. eingeklickt

werden. Aufgrund des direkten Bodenkontakts

ist die Verwendung von

Terrassenpads ratsam. Sie schützen

vor Wasserschäden. Die Dielen werden

direkt auf den Latten bzw. Schienen

befestigt.

Bild: Wienerberger

Bild: Wienerberger

Pflasterklinker

Pflasterklinker sind eine gute Alternative zum grauen

Betonstein und den vergleichsweise teuren Natursteinen.

Die hart gebrannten Ziegel halten ein Leben lang

und sind in vielen kräftig leuchtenden Farben erhältlich.

Neben den klassischen roten Ziegeltönen gibt es die

pflegeleichten Pflasterklinker auch in dunklen Trendfarben

und erdigen Kolorierungen. Ihre Tradition reicht

weit zurück: In Norddeutschland gelten die tonhaltigen

Klinker noch heute als das am meisten verwendete

Baumaterial, sowohl für Pflasterflächen als auch für

Fassaden. Dank einer Vielzahl an Verlegearten können

Terrassen, Einfahrten oder Höfe sehr individuell mit

Pflasterklinkern gestaltet werden.

Bild: Wienerberger

BAUZEIT. AUSSENANLAGE. FLÄCHEN & MAUERN. 3


Bild: KANN

Beton

Belastbar, langlebig, witterungsbeständig – das ist Beton und dafür wird das Material

geschätzt. Jetzt erlebt Beton eine Renaissance, was die Gestaltung im Außenbereich

anbelangt, und ist beliebter denn je. Lassen Sie sich von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten,

Strukturen, Körnungen, Farben und Facetten des Materials begeistern!

!Verlegebilder

Die Anordnung des gewählten Belages ist ein

entscheidender Faktor für die Gesamtwirkung

der Fläche. Ein gleichmäßiger Verband vermittelt

einen ruhigen Eindruck, während eine

unregelmäßige Anordnung weniger flächig und

lebendiger erscheint.

Pflasterbeläge

Pflastersteine sind verschleißbeständig und robust.

Sie eignen sich wunderbar, um Wege, Einfahrten oder

Terrassen zu gestalten. Durch spezielle Oberflächenbehandlungen

lassen sich vielfältige Optiken erzielen. Eine

wassergestrahlte Oberfläche wirkt sehr fein; maschinell

gealterte Oberflächen mit gebrochenen Kanten dagegen

antik. Neben dem günstigen Anschaffungspreis spricht

die umweltfreundliche Herstellung und der Nachhaltigkeitsaspekt

für Pflastersteine aus Beton.

Plattenbeläge

Beton – eine Alternative zu Holz, Schiefer oder gar

Marmor? Absolut! Elemente aus Beton und Granitkeramik

sind langlebig und sehen den Originalen dank

eines Hightech-Druckverfahrens beeindruckend ähnlich.

Betonplatten bieten daher unzählige Möglichkeiten

zur Umsetzung Ihrer gestalterischen Ideen. Eine regelmäßig

erneuerte Versiegelung schützt die Beläge vor

Kratzern, Moos und Kalk. Die Reinigung erfolgt schnell

und einfach durch Abfegen oder Abschrubben – das

Aussehen der Platten bleibt so lange Zeit erhalten.

Reihenverband

Ellenbogenverband

Blockverband

Römischer

Verband

Bild: KANN

Bild: KANN Bild: KANN Bild: KANN

4 BAUZEIT. AUSSENANLAGE. FLÄCHEN & MAUERN.


Verlegung

Betonpflaster oder -platten werden in der Regel in ungebundener

Bauweise verlegt. Der aus Splitt, Kies oder

Brechsand bestehende Untergrund ist wasserdurchlässig

und führt das Regenwasser ins Erdreich ab.

Beton plus Keramik

Neue Verbundsysteme verknüpfen die leichte Verlegbarkeit

von Betonplatten mit der Pflegeleichtigkeit von

Keramikoberflächen. Die Vorteile auf einen Blick:

Höheres Eigengewicht bewirkt kostengünstige

Verlegung im Splittbett