Berliner Zeitung 11.12.2019

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18 Berliner Zeitung · N ummer 288 · M ittwoch, 1 1. Dezember 2019

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Sport

Clásico droht

erneut Chaos

NACHRICHTEN

FUSSBALL. Derauf den 18. Dezember

verlegte Clásico zwischen dem

FC Barcelona und Real Madrid

könnte auch am Ausweichtermin alles

andereals reibungslos ablaufen.

Diekatalanische Separatisten-InternetplattformDemocratic

Tsunami

rief für diesen Tagzueiner großen

Kundgebung in der Nähe des Stadions

Camp Nouauf. Derursprünglich

für den 26. Oktober geplante Clásico

war verschoben worden, nachdem

es wegen der Verurteilung katalanischer

Separatistenführer zu Demonstrationen

gekommen war.

Dresden holt Kauczinski als

neuen Cheftrainer

FUSSBALL. Markus Kauczinski soll

Zweitligist Dynamo Dresden vor

dem Absturzindie Dritte Liga bewahren.

Der49-Jährige erhält einen

Vertragbis zum 30. Juni 2021. Zuletzt

hatte Heiko Scholz die Mannschaft

interimsmäßig betreut, künftig wird

er als Co-Trainer tätig sein. „Markus

Kauczinski hat sofortseine Bereitschaft

signalisiert, uns als erfahrener

Trainer in dieser herausfordernden

Situation zu helfen. Er kennt die

Zweite Bundesliga, steckt absolut im

Thema und hat bereits mehrfach

nachgewiesen, dass er auch in

schwierigen Situationen etwas bewegen

kann“, sagte Dynamos Sportgeschäftsführer

Ralf Minge.

Frankreich verlängertmit

Nationaltrainer Deschamps

Der Weltmeistermacher:Frankreichs Nationalcoach

Deschamps.

AFP/FIFE

FUSSBALL. Frankreich will mit Trainer

Didier Deschamps seinen Titel

bei derWeltmeisterschaft 2022 in Katar

erfolgreich verteidigen. Wieder

nationale Verband FFF am Dienstag

mitteilte,wurde der Vertragmit dem

51 Jahrealten Coach vorzeitig um

zwei Jahrebis Dezember 2022 verlängert.

Deschamps,der 1998 im eigenen

Land die Equipe Tricoloreals

Kapitän zum WM-Titel geführthat,

löste 2012 Laurent Blanc als Nationaltrainer

ab.Bei der WM 2018 in

Russland führte er Frankreich durch

ein 4:2 im Endspiel gegen Kroatien

zum zweiten Titel.

Däbritz zieht sich

Kreuzbandverletzung zu

FUSSBALL. Nationalspielerin Sara

Däbritz hat sich eine Kreuzbandverletzung

zugezogen und wirdwohl für

längereZeit ausfallen. Die24Jahre

alte Mittelfeldspielerin, die im Sommer

vonBayernMünchen zu Paris

Saint-Germain gewechselt war,erlitt

die Verletzung am vergangenen

Sonnabend im Meisterschaftsspiel

gegen Montpellier und muss sich

wohl einer Operation unterziehen.

Formel 1verzichtet

auf neue Reifen

MOTORSPORT. DieFormel 1verzichtet

2020 auf neue Reifen und

setzt stattdessen auf die aus der abgelaufenen

Saison bekannten Pirelli-

Pneus.Neue Reifen an den Boliden

werden damit erst in der Saison 2021

zu sehen sein, wenn die Formel 1von

derzeit 13 auf 18-Zoll-Räder umstellt.

Monate voller Ungewissheit

Warum ein Ende der Russland-Affäre nach dem Urteil der Welt-Antidoping-Agentur noch lange nicht in Sicht ist

Schnelle Klarheit oder monatelange

Hängepartie? Nach

der von der Welt-Antidoping-Agentur

ausgesprochenen

Strafe gegen Russland wartet die

Sportwelt gebannt auf die Antwort

der Sport-Großmacht. Doch spätestens

seit den unmissverständlichen

Äußerungen von Staatspräsident

Wladimir Putin ist wohl klar:DieVierjahressperre

mit Auswirkungen auf

die Olympischen Spiele 2020 und

2022 sowie die Fußball-WM wird

Russland nicht auf sich sitzen lassen.

Der Gang vor den Internationalen

Sportgerichtshof (Cas) und ein langer

Rechtsstreit scheinen unausweichlich

zu sein –ein Ende der Russland-

Affäre ist auch nach dem Urteil von

Montag wohl nicht in Sicht.

Russland habe „alle Gründe, Einspruch

einzulegen“, betonte Putin

am Rande des Ukraine-Gipfels in Paris.

21 Tage Zeit haben die Russen

Zeit, um gegen die wegen manipulierter

Dopingdaten ausgesprochenen

Sanktionen vorzugehen. In diesem

Fall drohen weitereWochen und

Monate voller Ungewissheit. Laut

des Chefs der russischen Antidoping-Agentur

(Rusada), Juri Ganus,

soll eine Entscheidung am 19. Dezember

fallen.

Rusada-Chef ist zuversichtlich

„Es ist sicher für die Öffentlichkeit

und vor allem für die betroffenen

Athleten der denkbar schlechteste

Weg, es auf langwierige, komplexe

und undurchsichtige juristische Verfahren

ankommen zu lassen“, sagte

Nada-Vorstand Lars Mortsiefer am

Dienstag. Doch auch er rechnet mit

einem Nachspiel: „Ein Schlussstrich

wird weder juristisch noch politisch

schnell möglich sein.“ Selbst wenn

die Rusada nicht vor den Cas zieht,

haben noch weitere beteiligte Parteien

wie beispielsweise internationale

Verbände die Möglichkeit dazu.

Und wie stehen die russischen

Chancen vor dem Cas? Ganus rechnet

jedenfalls nicht mit einem Erfolg.

„Es gibt keine Möglichkeit, diesen

Fall vor Gericht zu gewinnen“, sagte

er. Auch Jonathan Taylor, Chef der

Wada-Prüfkommission CRC, betonte,

errechne nicht mit einer Niederlage

vorGericht.

Sportrechtler Michael Lehner

würde Russlands Gang vor den Cas

begrüßen, alleine schon um Rechtssicherheit

herzustellen. „Die kriegen

wir im Schiedsgerichtssystem der internationalen

Sportgerichtsbarkeit

nur über den Cas“, sagte er. Den

Wada-Entscheid sieht er jedenfalls

Und alles bleibt verworren ...

DPA/GOLOVKIN

„Es ist sicher für die Öffentlichkeit und vorallem

für die betroffenen Athleten der denkbar

schlechteste Weg, es auf langwierige, komplexe

und undurchsichtige juristische Verfahren

ankommen zu lassen.“

Nada-Vorstand Lars Mortsiefer befürchtet ein langes Nachspiel.

Showdown in Kumamoto

kritisch. „Ob das in der Abwägung

zwischen Individualschuld und Globalschuld

wirklich gerecht und angemessen

ist, wage ich zu bezweifeln“,

sagte der Jurist.

Bei einem Einspruch rechnet

auch Lehner mit einem langwierigen

Verfahren, das sich durchaus bis

Olympia 2020 in Tokio ziehen könne.

„Das ist eine verdammt kurze Zeit.

Ein halbes Jahr beim Cas ist gar

nichts“, sagte er.

Das Problem: Bis zueiner finalen

Entscheidung treten keine Sanktionen

in Kraft, jeder Einspruch hätte

aufschiebende Wirkung. Bereits am

Montag stellte die Wada klar, die

Strafen gelten wegen der kurzenVorlaufzeit

nicht für die im Januar stattfindenden

Olympischen Jugendspiele

in Lausanne. Die laufende

Handball-WM der Frauen ist ebenso

wenig betroffen –dort qualifizierte

sich das russische Team am Dienstag

für das Halbfinale. Die erste betroffene

Weltmeisterschaft wäre die Rodel-WM

auf der Olympiabahn von

Sotschi Mitte Februar.

Verweis auf das Kleingedruckte

Bereits vergebene Events müssen

Russland nur weggenommen werden,

„wenn es juristisch und praktisch“

möglich sei. Dasscheint bei einer

in zwei Monaten stattfindenden

WM unwahrscheinlich. Viele Verträge

sind schon unterschrieben.

Ohnehin scheinen viele Aspekte der

Umsetzung schwammig zu sein und

könnten von Sportart zu Sportart

durchaus unterschiedlich ausfallen.

Ausgeschlossen scheint dagegen

zumindest ein Olympia-Boykott von

russischen Seite.Trotz der Mischung

aus Enttäuschung, Resignation und

Wut.„Natürlich“ müsse Russland gegen

die Entscheidung der Wada vor

dem Cas„kämpfen“, sagteWassili Titow,

Präsident des Turnverbandes,

aber unabhängig vom Ergebnis

„müssen wir zu den Olympischen

Spielen fahren und daran teilnehmen“.

Ein Boykott sei „in keiner

Weise“ eine Option.

Manchen internationalen Medien

vorallem in den USA und Großbritannien

ging die Sanktion nicht

weit genug. „Die Wada hat nur die

Hymne und die Flagge verbannt“,

schrieb die Washington Post. Der

Londoner Guardian meinte: „Im

Kleingedruckten der Wada-Entscheidung

gibt esVorbehalte und Kompromisse,zusammen

mit hell erleuchteten

Wegen für russische Athleten, um

weiterhin auf der globalen Bühne

Wettkämpfe zu bestreiten.“

Im letzten WM-Hauptrundenspiel gegen Norwegen geht es für Deutschlands Handball-Frauen um alles oder viel

Es war nur ein kurzer Videoschnipsel,

doch die Wirkung war

gewaltig.„Es ist ganz verrückt, was so

eine kleine Sequenz auslöst. Das

pusht enorm“, sagte Handball-Nationalspielerin

Emily Bölk über ihre

ganz persönliche Einstimmung auf

den WM-Showdown gegen Rekordeuropameister

Norwegen .

Mannschaftsärztin Mara Friton

hatte der Rückraumschützin vor

dem Hauptrundenfinale eine kurze

Handyaufnahme vorgespielt. Zu sehen

war Bölks entscheidendes Tor

zum 33:32-Erfolg der DHB-Auswahl

im Dezember 2018 im EM-Auftaktspiel

gegen die Norwegerinnen. In

Japan wollen Bölk und Co. diesen

Coup nun wiederholen und sich damit

für eine bislang hervorragende

WM belohnen. Denn gewinnen die

DHB-Frauen das Duell am Mittwoch

(12.30 Uhr/sportdeutschland.tv),

wäre der erste WM-Halbfinaleinzug

seit dem Bronzegewinn 2007 perfekt.

„Das wäre riesig“, sagte Bölk, „das

Halbfinale ist jetzt unser Ziel –und

damit verbunden das Ticket für ein

Olympia-Qualifikationsturnier. Wir

haben alles in der eigenen Hand.“

Dem großen Coup ganz nah: Emily Bölk und Torhüterin Dinah Eckerle.

EinPlatz unter den besten Sieben

und die damit verbundene Teilnahme

am Qualifikationsturnier für

Tokio 2020, war vor der WM das erklärte

Ziel. Doch starke Auftritte mit

Siegen gegen Dänemark (26:25) und

die Niederlande (25:23) haben die eigenen

Ansprüche steigen lassen.

Nun lebt der Medaillentraum –

und längst fiebert auch 9000 Kilometer

entfernt „Ober-Fan“ Christian

DPA/WOLF

Prokop in der Heimat mit. DerMänner-Bundestrainer

schwärmt von

den DHB-Frauen, die„sich bei dieser

WM in ganz starker Form“präsentieren.

„Sie kämpfen füreinander und

spielen mit viel Freude und Energie!

Es macht Spaß ihnen zuzuschauen,

und wir drücken die Daumen, dass

es so weitergeht“, sagte Prokop.

Vordem letzten Spieltag der kniffligen

Hauptrundengruppe 1ist von

Platz eins bis vier noch alles möglich

–also auch „nur“ die Teilnahme am

Spiel um Platz sieben. Mittlerweile

wäre das „Worst-Case-Szenario“ angesichts

der großen Halbfinal-

Chance aber eine Enttäuschung.

Trainer Groener mahnt

„Wir haben in diesem Turnier gemerkt,

dass wir jeden schlagen, aber

auch gegen jeden verlieren können“,

sagte Trainer Henk Groener lobend

und mahnend zugleich. Gemeint

war damit auch die unnötige 28:29-

Pleite gegen Serbien nach 28:27-

Führung. Damit wurde die erste

große Chance auf den vorzeitigen

Halbfinal-Einzug vergeben.

Das ging freilich nicht spurlos an

der jungen Mannschaft vorbei. „Wir

brauchten schon eine Nacht, um

den Dämpfer zu verarbeiten. Die

Stimmung ist aber weiterhin positiv“,

versicherte Emily Bölk. Die 21-

Jährige nutzte wie viele ihrer Teamkolleginnen

den freien Dienstag für

einen Bummel über den Weihnachtsmarkt

nahe des Mannschaftshotels,

umden Kopf freizubekommen.

(sid)

Der

alle

besser macht

Dank Grankin spielen die

Volleys variabler denn je

VonAnnika Schultz

Esgeht auf die Endphase in diesem

ersten Satz des ersten Champions

League-Spiels der BR Volleys zu. Moritz

Reichert schiebt die Annahme

perfekt ans Netz, Zuspieler Sergej

Grankin hat alle Möglichkeiten. Der

Russe springt leichtfüßig ab,mit weichem

Handgelenk stellt er einen

schnellen Pass über Kopf. Diagonalangreifer

Benjamin Patch hat praktisch

freie Bahn, sein Schlag landet

kurzhinter der Drei-Meter-Linie.

Es sind Szenen wie diese, die

Grankins Mitspieler und die Verantwortlichen

der BR Volleys regelmäßig

ins Schwärmen geraten lassen, wenn

es um den russischen Volleyballer

geht. Die Position des Zuspielers ist

die Königsposition im Volleyball und

bei den Berlinernist sie so gut besetzt

wie wahrscheinlich noch nie. Grankin

weiß seine Mitspieler mit großer

Variabilität in Szene zu setzen –wovonimBesonderen

Patch profitiert.

Beschwerliche Anreise

Im zweiten Gruppenspiel der europäischen

Eliteliga am Mittwoch gegen

Fakl NowyUrengoi (MEZ/15 Uhr)

werden die Fähigkeiten des Regisseurs

einmal mehr von Bedeutung

sein: Miteinem Auswärtscoup könnten

die Berliner schon eine gute Basis

für die weitere Königsklassen-Saison

legen. Es ist bisher die wohl schwerste

Aufgabe der Saison. Dennoch gibt

Grankin sich zuversichtlich: „Ich

denke, dass wir bereit sind. Eine

Chance hat man immer, die wollen

wir nutzen.“

Dafür müssen die Volleyballer

aber eine beschwerliche Anreise verkraften:

DieReise ins nördliche Westsibirien

begann am Montagnachmittag

–und endete erst am Dienstagmorgen,

4000 Flugkilometer legte

das Team zurück. Dazu kommt die

Zeitverschiebung. Kurios: Auch die

Gastgeber mussten zu ihrem Heimspiel

anreisen. „Wir selbst trainieren

aktuell in Moskau und reisen nur für

die Heimspiele nach NowyUrengoi“,

berichtet Erik Shoji, der von 2014 bis

2016 das Trikot der Volleys trug und

nun im Dienst der Russen steht.„Dort

kann es im Winter sehr,sehr kalt werden,

weshalb der Verein das auf diese

Weise löst.“

Für Grankin ist das Duell mit

Nowy Urengoi ein besonderes: 14

Jahrewar er in seiner russischen Heimat

aktiv, feierte dort zwei Meisterschaften,

wurde einmal Pokalsieger.

Die BRVolleys sind eine erste Auslandsstation

–nun kehrt ererstmals

auf russisches Parkett zurück. Und

will sich beweisen. Eigentlich hatte

Grankin, Olympiasieger von 2012,

nach über 250 Länderspielen schon

mit der Nationalmannschaft abgeschlossen.

Dann wurde er überraschend

für den World Cup wieder in

den Kader berufen –seitdem hofft der

Routinier wieder auf eine Nominierung

für die Olympischen Spiele

2020, für die Russland bereits qualifiziertist.

Sein Trainer in Berlin, Cedric

Enard, ist sich deswegen sicher:„Sergej

wirdüberragend spielen, er ist unglaublich

motiviert. Er will zeigen, wie

gut er ist.“

Die hohe Kunst des Volleyballspiel: Zuspieler

Grankin.

IMAGO IMAGES/GRANKIN

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